Izbrisani - Pavlova hiša
Izbrisani - Pavlova hiša
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Der Umstand, dass Ideologie bestritten wird, sagt schon aus, dass eine solche<br />
exisitiert.<br />
Ampak ideologija najbolje deluje takrat ko je naslovniki niti ne prepoznajo in<br />
torej a priori in pravičniško zanikajo vsakršen njen obstoj.<br />
ISBN:3-900181-14-4<br />
Boris Jaušovec<br />
winter/zima 2005/2006 Jahresschrift des Pavel-Hauses – Letni zbornik Pavlove hiše<br />
winter/zima 2005/2006<br />
Jahresschrift des Pavel-Hauses – Letni zbornik Pavlove hiše
Der Pavelhaus-Chor unter der Leitung von Bruno<br />
Petrischek. Eine Aufnahme vom Oktober 2005. Zbor Pav-<br />
love hiše pod vodstvom Bruna Petrischka. – Posnetek oktob-<br />
ra leta 2005.<br />
Impressum.<br />
Medieninhaber:<br />
Artikel VII-Kulturverein für Steiermark – Kulturno društvo Ğlen 7 za avstrijsko Štajersko<br />
Elisabethinergasse 34, 8020 Graz, Österreich / Avstrija<br />
Telefon / Fax +43 (0) 316/ 77 13 83<br />
Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Laafeld / Potrna 30, 8490 Bad Radkersburg, Österreich / Avstrija<br />
Telefon / Fax + 43 (0) 3476/ 3862<br />
www.pavelhaus.at, pavel.haus@nextra.at<br />
Redaktion – redakcija: Michael Petrowitsch, Susanne Weitlaner<br />
Gestaltung, Satz & Layout – oblikovanje: Roman Klug, 2.U.S.2. / grafics solutions<br />
Fotonachweis – fotografije: wenn nicht anders angegeben Pavelhaus – kadar ni drugače navedeno <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Übersetzung & Lektorat – prevod & lektorat: Susanne Weitlaner, Peter Pirnath, Barbara Predin, Sonja Wakounig<br />
Förderer – pokrovitelj: Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Abt. Volksgruppenförderung – Urad zveznega kanclerja<br />
Republike Avstrije, oddelek za subvencioniranje etničnih skupin<br />
ISBN:3-900181-14-4
Sommerausstellung 2005 – poletna razstava<br />
Bildgalerie – galerija slik I<br />
3
Inhaltsverzeichnis – Vsebina<br />
Inhaltsverzeichnis – Vsebina<br />
Zum Geleit .....................................................5<br />
Spremna beseda .............................................7<br />
Preveč nacionalizma,<br />
premalo patriotizma .....................................9<br />
Zu viel Nationalismus,<br />
zu wenig Patriotismus ................................12<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“– Die „Ausgelöschten“ ...............15<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“ ....................................................21<br />
Interview mit Matevž Krivic .....................26<br />
Intervju z Matevžem Krivicem ..................29<br />
Usodna privlačnost juga ..............................33<br />
Schicksalhafter Charme des Südens ..........37<br />
Zeit der Übergänge in Europa ..................... 41<br />
Čas prehodov v Evropi ................................46<br />
Die Universität Graz setzt Akzente ...........53<br />
Univerza Gradec postavlja poudarke ..........56<br />
Grenzen erzählen ........................................ 61<br />
Meje pripovedujejo ......................................67<br />
Moč šibkih ...................................................71<br />
Die Kraft der Schwachen ............................ 76<br />
Auf der Suche<br />
nach einer versunkenen Kultur ..................81<br />
Iskanje davno minule kulture .....................86<br />
Julius Franz Schütz .....................................91<br />
Julius Franz Schütz (SLO) ..........................94<br />
Die Rotunde von Selo .................................97<br />
Rotunda v Selu ............................................99<br />
Niemals vergessen! .................................... 101<br />
Nikoli pozabiti ..........................................104<br />
4<br />
Mariborski judje nekoč ............................. 107<br />
Die Juden von Maribor einst ................... 114<br />
Verleugnung, Vergessen<br />
und Verdrängen .........................................121<br />
Zanikanje, pozabljanje<br />
in izpodrinjanje .........................................129<br />
Kalt-Warm .................................................135<br />
Toplo-Hladno ............................................143<br />
Graz im slowenischen Volkslied ............... 149<br />
Gradec v slovenskih narodnih pesmih ..... 151<br />
Legionäre aus dem Süden ..........................153<br />
Savo Ekmečić im Gespräch .......................157<br />
Legionarji z Juga ........................................159<br />
Pogovor s Savom Ekmečićem ....................163<br />
Wir haben oft auch hinübergeschaut .......165<br />
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled ..... 176<br />
Trate v Evropski uniji ................................185<br />
Trate in der Europäischen Union .............. 191<br />
Jüdisches Schicksal ....................................195<br />
Judovska usoda ..........................................222<br />
Slovenci po svetu .......................................237<br />
Slowenen in der Welt ................................242<br />
Und sie bewegt sich doch … ....................247<br />
In vendar se premika … ............................260<br />
Protestantismus in der Steiermark ...........270<br />
Protestantizem na slovenskem<br />
štajerskem ..................................................278<br />
Dejavniki razvoja Slovenije .......................286<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens ...........296
Zum Geleit<br />
� Text: Michael Petrowitsch<br />
Zum Geleit<br />
Das Jahr 2005 war eine ereignisreiches. Abgesehen von den politischen Veränderungen im Land<br />
Steiermark wurden neue Pläne des Vereins ausformuliert, die positiv aufgenommen wurden. Etwa<br />
gibt es die Idee, slowenische topographische Orts- und Flurbezeichnungen in Form von Kulturtafeln<br />
zu visualisieren. Ein Unterfangen, das auch auf slowenischer Seite anzudenken wäre und<br />
neben dem historischen Aspekt einen wirtschaftlich-touristischen hätte. Man denke an Südfrankreich<br />
oder Irland. Auch in Sachen Schul- und Kindergartenpolitik war der Verein aktiv. Ein<br />
interkultureller Kindergarten im Süden der Steiermark wäre ein Meilenstein in der Geschichte der<br />
steirischen Minderheitenpolitik, dieser Vorschlag ist bei ausgewählten Multiplikatoren auf Gehör<br />
gestoßen und hat eine nachhaltige Diskussion in Gang gesetzt.<br />
Mit der vorliegenden Jahresschrift versammeln wir auch heuer wieder verschiedene Positionen<br />
aus breit gefächerten Sparten. Vier Essays eröffnen den Reigen. Gründungsmitglied Boris<br />
Jaušovec geht der Frage nach, wieviel Abwehrnationalismus ein Land verträgt, während Herwig<br />
Höller anhand der „<strong>Izbrisani</strong>“-Diskussion die Frage stellt, was an Identität und Nichtidentität in<br />
einer modernen Gesellschaft möglich ist. Kulturelle Manifestationen in Beziehung zwischen Slowenien<br />
und den Bruderländern setzt Tanja Petrović und spricht vom mangelnden gesellschaftlichen<br />
und politischen Engagement in der slowenischen Kulturlandschaft. Gleichsam visionär ließ<br />
Wolfgang Petritsch anlässlich des Symposions „Geist und Gegenwart“ auf Schloss Seggau noch vor<br />
der Ablehnung der EU Verfassung in Frankreich mit provokanten Thesen aufhorchen. Er konstatierte<br />
ein Unbehagen: Europa ist in Europa nicht beliebt. Er sprach weiters von einer Verlagerung<br />
Österreichs und der angrenzenden Südslavia ins Zentrum des Kontinents.<br />
Roberta Maierhofer von der Karl Franzens Universität Graz führt uns mit ihrem Beitrag über die Brückenfunktion<br />
zwischen der Grazer Uni und Südosteuropa in den wissenschaftlichen Teil. Angelika<br />
Brechelmaiers Wanderausstellung „Grenzen erzählen“ durften wir im März des Jahres beherbergen,<br />
und Irena Destovniks wissenschaftliche Arbeit über Frauen im Zeitalter der bäuerlichen Wirtschaft<br />
„Die Kraft der Schwachen“ läutete das neue Jahr ein. Die Beiträge der Autorinnen geben einen Überblick<br />
über die Ausstellungen. Das Übermurgebiet und seine versunkene jüdische Kultur und der<br />
5
Zum Geleit<br />
südsteirische Heimatdichter<br />
Franz<br />
Schütz prägten die<br />
Themenbereiche<br />
von Elisabeth Arlt.<br />
Marjan Toš von der<br />
Synagoge in Maribor<br />
stellt in einem<br />
kurzen Abriss das<br />
jüdische Leben in<br />
Maribor über die<br />
Jahrhunderte vor.<br />
Erfreuliches gibt es von Seiten der jungen Wissenschaftsgeneration<br />
zu berichten. Das Autorenkollektiv<br />
Grilj – Hadler – Hammer betrachtet<br />
den sensiblen Bereich Slavizität der<br />
Steiermark mit einem zeitgemäßen Blick und<br />
löst ihn aus dem leider im universitären Bereich<br />
noch stark ethnozentristisch gedeuteten<br />
Begriff des Kulturerbes, indem sie ihn in einen<br />
emanzipatorischen übersetzen.<br />
Vorstandsmitglied Robert Muscherlins reiches<br />
Arbeitsfeld führte ihn diesmal ins Kulturtouristische.<br />
Er arbeitet mit Jugendlichen<br />
den Wellness- und Thermenboom auf, eine<br />
Ausstellung im Pavelhaus war ein erstes Ergebnis,<br />
sein Beitrag ein zweites. Prof. Erich Prunč<br />
publizierte bereits in den Sechzigerjahren eine<br />
kleine Studie zum Thema: Graz im slowenischen<br />
Volkslied. Eine Idee, die wir gerne noch<br />
einmal aufnehmen und in absehbarer Zeit weiterführen<br />
wollen.<br />
Bereits in Umsetzung ist eine Studie über slowenische<br />
und andere südslawische Torjäger,<br />
die in Österreich reussierten. Wolfgang Kühnelt,<br />
Signallesern wohl bekannt, wird uns<br />
nächstes Jahr mit einem neuen Band über dieses<br />
Thema in unserer wissenschaftlichen Reihe<br />
beehren. Elisabeth Schobers Band in dieser<br />
Reihe liegt bereits in den Händen des Layou-<br />
6<br />
Der Pavelhaus-Chor anlässlich eines Auftritts auf den Grazer Kasematten im Juli 2005 – zbor Pavlove hiše ob<br />
nastopu na graškem Kasematten v juliju 2005<br />
ters. Ihre intensiven Feldforschungsarbeiten<br />
im Radkersburger und Murecker Gebiet über<br />
die zwischenstaatlichen Wechselbeziehungen<br />
in Zusammenhang mit dem EU-Beitritt wird<br />
hier mit einem kleinen Vorgeschmack beworben.<br />
Auch Sonja Bezjak gehört zur jüngsten<br />
Generation wissenschaftlicher Mitarbeiter, die<br />
das vorliegende Signal bereichern. Sie setzt sich<br />
regionalgeschichtlich mit dem kleinen Grenzort<br />
Trate auseinander und fragt nach der regionalen<br />
Bedeutung der europäischen Einigung.<br />
Der akribisch arbeitende Historiker Franz Joseph<br />
Schober wirbt ebenfalls für seine 2006<br />
im Pavelhaus-Verlag erscheinende Publikation.<br />
Seine spannende Arbeit über jüdische Schicksale<br />
im südoststeirisch-slowenischen Grenzgebiet<br />
würdigt sein eigenes Streben nach Neuem<br />
und Unentdecktem im steirisch-slowenischenungarischen<br />
Umfeld. Marjan Šrimpf, Freund<br />
des Pavelhauses und RTV-Urgestein, stellt uns<br />
in einem kurzen, aber prägnanten Überblick<br />
den Exodus der Slowenen in alle Welt vor und<br />
wirft einen Blick auf Gegenwart und Zukunft<br />
der in Südamerika lebenden Nachfahren.<br />
Der Historiker Hans Peter Wassermann begab<br />
sich in die Region Leutschach an der südsteirischen<br />
Weinstraße, um anhand von erhaltenen<br />
Chroniken Geschichtsschreibung zurechtzu-
Michael Petrowitsch<br />
rücken. Ein Projekt, das sich in breiterer Form<br />
in nächster Zeit mit einer Publikation in unserer<br />
wissenschaftlichen Reihe wieder finden<br />
wird. Anja Zaltas Beitrag zum Protestantismus<br />
in der Untersteiermark und dessen Entwicklung<br />
bis zur Gegenwart und Jernej Zupančičs<br />
Analyse über die nationale Entwicklung Sloweniens<br />
in der neuen Union runden die Jahresschrift<br />
ab.<br />
Als besonderes Zuckerl freue ich mich, eine CD<br />
beilegen zu können, die die Arbeit von Bruno<br />
Petrischek und des Pavelhaus-Chors entsprechend<br />
würdigt.<br />
Keine Jahresschrift ohne Kollektiv: Ein Dank<br />
an die layoutorische Wendigkeit Roman Klugs,<br />
an die sprachliche Zurechtbiegung durch Peter<br />
Pirnaths, an die fachspezifische Unterstützung<br />
der ÜbersetzerInnen und natürlich der koeditorischen<br />
Weitsicht von Susanne Weitlaner.<br />
Spremna beseda<br />
Spremna beseda<br />
Leto 2005 je bilo polno energije. Če odmislimo<br />
politične spremembe v Deželi Štajerski<br />
so bili formulirani in sprejeti novi pozitivni<br />
načtrti društva. Kot recimo ideja, imena slovenskih<br />
topografskih krajev in rek vizualizirati<br />
v obliki kulturnih tabel. Početje, katerega<br />
bi si bilo mogoče omisliti tudi na slovenski<br />
strani in ob zgodovinskih aspektih predstaviti<br />
tudi gospodarsko-turistično stran. Človek<br />
misli pri tem na južno Francijo in Irsko. Tudi<br />
v zadevah šolske ni predšolske politike je bilo<br />
društvo aktivno. Interkulturni otroški vrtec na<br />
jugu Štajerske bi lahko bil mejnik v zgodovini<br />
štajerske manjšinske politike, ta predlog je pri<br />
izbranih multiplikatorjih naletel na posluh in<br />
spravil v pogon trajno diskusijo.<br />
S pričujočim letnim zbornikom smo tudi letos<br />
ponovno zbrali različne pozicije iz širokega<br />
spektra panog.<br />
Štirje eseji odpirajo ples. Ustanovni član Boris<br />
Jaušovec sledi vprašanju, koliko obrambnega<br />
nacionalizma lahko prenesa ena dežela,<br />
medtem ko Herwig Höller sledi vprašanju na<br />
osnovi vprašanja izbrisanih, kaj je mogoče na<br />
podlagi identitete in ne-identitete v moderni<br />
družbi. Kulturne manifestacije in odnos med<br />
Slovenijo in bratskimi deželami opisuje Tanja<br />
Petrović in govori o pomankljivem družbenem<br />
in političnem angažmaju v slovenski kulturni<br />
podobi. Tako rekoč vizionarsko je govoril<br />
Wolfgang Petritsch na simpoziju Geist und<br />
Gegenwart / Miselnost in sedanjost na gradu<br />
Seggau še pred zavrnitvijo EU ustave v Franciji<br />
in postavil provokatne teze v posluh. Evropa<br />
v Evropi ni priljubljena je ugotovil in postavil<br />
Avstrijo in sosednje Južne Slovane v center.<br />
Roberta Maierhofer iz Karl Franzens univer-<br />
7
Spremna beseda<br />
ze iz Gradca nas s svojim prispevkom popelje<br />
čez most znanstvenega in izobraževalnega<br />
dela med Graško univerzo in jugovzhodno<br />
Evropo. Potujočo razstavo Angelike Brechelmaier<br />
„Grenzen erzählen/Meje pripovedujejo“<br />
smo gostili marca tega leta. Znanstveno delo<br />
Irene Destovnik o ženskah v času kmečkega<br />
gospodarstva „Moč šibkih“ je naznanilo novo<br />
leto. Prekmurje in njegova davno minula judovska<br />
kultura in južnoštajerski domovinski<br />
pesnik Franz Schütz sta oblikovala tematska<br />
področja Elisabeth Arlt. Marjan Toš iz mariborske<br />
Sinagoge predstavlja v kratkem obrisu<br />
judovsko življenje v Mariboru skozi stoletja.<br />
Razveseljivo od mlajše znanstvene generacije.<br />
Avtorski kolektiv Grilj – Hadler – Hammer<br />
je opazoval senzibilno področje Slovanstva na<br />
Štajerskem s času primernim emancipatornim<br />
pogledom in pojem kulturne dediščine, ki je<br />
na univerzitetnem področju žal še zelo močno<br />
etnocentristično pojmovan, rešili iz spon ter ga<br />
emancipatorno predelali.<br />
Bogato delovno področje je člana predsedstva<br />
Roberta Muscherlina tokrat popeljalo v kulturno-turistični<br />
sektor, z madino je obdelal termalni<br />
in wellness boom. Prof. Erich Prunč je že<br />
v 60ih delal na manjši študiji o imenu Gradec<br />
v slovenskih narodnih pesmih. Ideja, ki smo jo<br />
radi še enkrat sprejeli in v doglednem času nadaljevali.<br />
Že v končni fazi je študija o slovenskih<br />
in drugih južnoslovanskih nogometaših, ki<br />
so uspevali v Avstriji. Wolfgang Kühnelt, poznan<br />
bralcem Signala, nas bo že v prihodnjem<br />
letu počastil z novo knjigo na to temo za našo<br />
znanstveno zbirko. Knjiga Elisabeth Schober<br />
je že v rokah našega layouterja. Njeno intenzivno<br />
terensko raziskovalno delo na področju<br />
Radgone in Cmureka o meddržavnih izmenjavah<br />
v sklopu EU-pristopa, je tukaj predstavljeno<br />
tako za pokušino.<br />
8<br />
Tudi Sonja Bezjak sodi k mlajši generaciji znanstvenih<br />
sodelavcev, ki so obogatili pričujoč<br />
Signal. Ukvarja se z regionalno zgodovino malega<br />
obmejnega mesta Trate in z regionalnim<br />
pomenom evropskega združevanja. Natančno<br />
in temeljito delo zgodovinarja Franza Josepha<br />
Schoberja bo kot publikacija pravtako izšla<br />
2006 v založbi Pavlove hiše. Njegovo napeto<br />
delo o judovski usodi na južnoštajerskemslovenskem<br />
obmejnem območju časti njegovo<br />
stremenje po novem in neodkritem v<br />
štajersko-slovensko-madžarskem habitusu.<br />
Marjan Šrimpf, prijatelj Pavlove hiše in RTVprakamnina,<br />
nam v kratkem, vendar pregnantnem<br />
pregledu predstavi slovenski eksodus<br />
po vsem svetu in pogled sedanjosti in prihodnosti<br />
v južni Ameriki živečih potomcev.<br />
Zgodovinar Hans Peter Wassermann se je podal<br />
na področje Lučan na južnoštajerski vinski<br />
cesti, da bi na podlagi obstoječih kronik popravil<br />
zgodovinopisje. Projekt, ki se bo v naslednjem<br />
času v širši obliki našel kot publikacija<br />
naše znanstvene zbirke. Prispevek Anje Zalta<br />
o protenstantizmu na Spodnjem Štajerskem<br />
in njegov razvoj do danes ter analiza Jerneja<br />
Zupančiča o razvoju v novem združenju,<br />
zaokrožata letni zbornik.<br />
Veseli me, da lahko kot posebno poslastico<br />
priložimo zgoščenko, ki delu Bruna Petrischeka<br />
in zbora Pavlove hiše daje ustrezno priznanje.<br />
Nobenega letnega zbornika brez kolektiva:<br />
Hvala okretnosti layouterja Romana Kluga,<br />
jezikovnemu lektoriranju Petra Pirnatha, strokovni<br />
podpori prevajalcev/k in seveda daljnovidnosti<br />
sourednice Susanne Weitlaner.
Preveč nacionalizma, premalo patriotizma<br />
Esej<br />
� Text: Boris Jaušovec<br />
Preveč nacionalizma, premalo patriotizma<br />
Nekoč so rekli in verjeli, da obstajata dve različici nacionalizma. Prvi je agresiven, torej nevaren<br />
in vreden vsega obsojanja, drugi pa je defenziven, torej upravičen in pravičen. Dilema je stara,<br />
podobno kot tista o osvajalni, napadalni, in pravični, obrambni vojni. In ni razrešena.<br />
Slovenci so pri sebi v svoji zgodovini do nedavnega v veliki večini prepoznavali zgolj obrambni<br />
nacionalizem. Ta naj bi bil viden predvsem v visokem vrednotenju ohranjanja lastnega jezika, torej<br />
slovenščine, in lastne kulture, ki da se je najbolj profilirala skozi pesništvo in literaturo. Zato ni<br />
naključje, da je na najbolj slikovitem trgu v prestolnici Ljubljani postavljen spomenik največjemu<br />
slovenskemu pesniku Francetu Prešerenu in ne morda kakšnemu spretnemu slovenskemu diplomatu<br />
ali generalu, kakor svoje najznamenitejše trge ponavadi okrasijo številni drugi narodi. Seveda je<br />
slovenski nacionalizem premogel še druge dimenzije, ne nazadnje, ko je šlo za najhujše čase, tudi<br />
vojaško, ki pa so bile tudi zmeraj razumljene kot obrambne. Slovenci v zgodovini pač niso osvajali<br />
tujih ozemelj, sploh pa ne z orožjem. Če je že prihajalo do spopadov, naj bi bila to zgolj obramba<br />
slovenskega etničnega ozemlja. Seveda je takšna obramba lahko upravičena – težava nastane, če si<br />
neko ozemlje v resnici delita dve ali več etnij.<br />
Vendar pustimo zgodovino, ki bi zlahka našla tudi drugačne interpretacije; denimo, čemu je<br />
asimilacijski pritisk zmeraj v slovenski družbi bil zelo visok in nadpovprečno uspešen. Slovenci<br />
so večino svoje zgodovine preživeli v večnacionalnih tvorbah. Takšna je bila tako rekoč tisočletna<br />
habsburška monarhija, takšna je bila manj kot stoletje trajajoča Jugoslavija. V takšnih razmerah<br />
lažje razumemo teorijo o defenzivnem nacionalizmu, čeprav je ni treba nujno odobravati.<br />
Vendar se je leta 1991 zgodovina temeljito spremenila. Takrat je Slovenija postala suverena država<br />
in samostojen subjekt mednarodnega prava. V slovenski ustavi po zaslugi takrat močnih liberalnih<br />
ali bolje libertarnih krogov sicer ne piše, da naj bi bila Slovenija država slovenskega naroda, torej zgolj<br />
nacionalna država. Prav zato bi morala biti država odgovorna za dobro počutje vseh državljanov<br />
in ne zgolj Slovencev, ki živijo v njej. Vendar se zdi, da to odgovornost, ki jo torej nalaga ustava,<br />
9
Preveč nacionalizma, premalo patriotizma<br />
vsakokratna oblast razume in prevzema precej<br />
po svoje. Če je približno ducat let vladavine<br />
LDS v Sloveniji zaznamoval precej uspešni<br />
pragmatizem, ki pa mu kritiki upravičeno<br />
dodajajo aroganco, lahko to nemara še najlepše<br />
ponazorimo prav z odnosom eldeesovskih<br />
vlad do nacionalnih in drugih manjšin.<br />
Verbalno so bile te vlade z Drnovškom ali<br />
Ropom na čelu vseeno naklonjene manjšinam<br />
in drugim odrinjenim skupinam. Vendar pa<br />
v resnici za izboljšanje njihovega statusa v<br />
smislu parole „vsi drugačni, vsi enakopravni“,<br />
ki so jo sicer ponavljale do onemoglosti, niso<br />
znale ali hotele poskrbeti. Zato se je pod temi<br />
vladami zgodil škandal z izbrisanimi, ko je<br />
prva poosamosvojitvena, Demosova vlada, v<br />
stilu balkanskih etničnih čiščenj – tokrat sicer<br />
po slovensko v rokavicah in na računalnikih<br />
– preprosto vsem prebivalcem iz drugih<br />
jugoslovanskih republik, ki niso zaprosili<br />
za državljanstvo, izbrisala status stalno<br />
naseljenih prebivalcev in s tem vseh pravic, ki<br />
k takemu statusu gredo. Tudi položaj Romov<br />
se v Sloveniji pod eldeeseovskimi vladami ni<br />
izboljšal. Za vse, kar Romi imajo, je poskrbela<br />
že bivša socialistična oblast, šele ob koncu<br />
eldeesovske vladavine so Romi v svojih okoljih<br />
dobili direktne mandate v mestnih svetih, kar<br />
pa ni šlo brez odporov v premnogih lokalnih<br />
skupnostih. Tudi tako imenovane nove<br />
manjšine še niso dobile primernih pravic in<br />
zaščite; drugače je bilo s Staroavstrijci, ki pa so<br />
bolj pomenili zastavek v politični trgovini med<br />
Ljubljano in Dunajem. LDS je pač v svojem<br />
pragmatizmu zaznavala latentni, v resnici<br />
pa zelo slabo prikriti slovenski šovinizem,<br />
ignorantsko pa se je izogibala odkritemu<br />
soočenju z njim tudi zaradi političnih<br />
računic, saj je morala pri svojem koalicijskem<br />
vladanju prevečkrat računati na glasno ali<br />
10<br />
tiho podporo stalne sopotnice vseh slovenskih<br />
vlad: Jelinčičeve Slovenske nacionalne stranke.<br />
Aroganca do omenjenih manjšin je bila<br />
tako zgolj zunanji, najbolj opazen izraz teh<br />
pritlehnih dilem liberalcev.<br />
Lani oktobra je v Sloveniji oblast prevzela<br />
desnosredinska koalicija na čelu z Janševo SDS.<br />
Janeza Janše se sicer ne da direktno primerjati<br />
s koroškim populističnim glavarjem Jörgom<br />
Haiderjem ali celo s francoskim desničarjem<br />
Jeanom Mariejem le Penom, kakor so storili<br />
nekateri slovenski in tuji, tudi avstrijski<br />
mediji. Za to vlogo je mnogo bolj primeren že<br />
omenjeni Jelinčič, res pa je, da njegova vloga<br />
bolj spominja na slabega kabaretista kakor<br />
na politika z jasnim premočrtnim kurzom.<br />
Premočrtno je samo to, da, tudi tokrat formalno<br />
v opoziciji, Jelinčič sedanji vladi spet dvori in<br />
jo celo hvali, da je mnogo boljša od prejšnjih<br />
eldeeseovskih. Zakaj? Jelinčič ni ravno neumen<br />
in je tudi opazil, da je ta vlada do manjšin,<br />
kot so izbrisani, nove manjšine, Romi, pa<br />
tudi homoseksualci in mlade samske ženske,<br />
ubrala mnogo manj ambivalentno politiko.<br />
Retorika te vlade je namreč, za razliko od<br />
eldeesovske, ki je morda koga še prepričala, da<br />
le ni tako hudo, veliko bolj neizprosna in, kar<br />
je še posebej odbijajoče, čeprav značilno za vse<br />
evropske politične sile podobne provenience,<br />
nezmotljivo pravičniška. O izbrisanih se tako<br />
govori samo še kot o špekulantih, rešitev zanje<br />
se sicer išče z ustavnim zakonom, ki bi po<br />
preizkušenem scenariju, kakor ga že poznamo<br />
tudi iz Avstrije, obšel odločbo ustavnega<br />
sodišča, v resnici pa niti tega ni pričakovati v<br />
doglednem času. Razen če bi to vlado spodbudil<br />
zunanji pritisk, kar pa je malo verjetno. Tudi<br />
Romi postajajo pravzaprav vse bolj problem<br />
kriminala in pomanjkanja discipline, ne pa
nemara socialni problem in problem siceršnje<br />
družbene odrinjenosti. Ilustrativen primer<br />
slednjega je osnovna šola v Bršljinu pri Novem<br />
mestu, kjer je novi šolski minister po vsej<br />
verjetnosti precej namišljen gordijski vozel<br />
problema discipline romskih otrok rešil na<br />
sumljivo „izviren“ način. Namreč s segregacijo<br />
romskih otrok. Formalno sicer otroke v<br />
Bršljinu ločujejo v različne klopi po šolskem<br />
uspehu, toda romski otroci, tudi tisti z boljšim<br />
učnim uspehom, so vendarle pristali skupaj<br />
in ločeni od „belih“ ali „civilnih“ vrstnikov.<br />
Gremo naprej. Če LDS nikakor ni mogla<br />
sprejeti zakona o registraciji istospolnih porok,<br />
je desna vlada s tem prav pohitela. Seveda na<br />
način, ki homoseksualno poroko jasno loči<br />
od poroke hetroseksualnega para. Kajti, kot<br />
so ugotavljali vladajoči, „zakon o istospolnih<br />
skupnostih nikoli ne more biti diskriminacijski<br />
v primerjavi z zakonom o zakonski zvezi, ker<br />
gre za popolnoma različni stvari“. Očitana<br />
diskriminatornost omenjenega zakona torej<br />
sploh ni prepoznana, ker naj bi bila očitno<br />
naravno stanje stvari. Kakor vselej v takih<br />
primerih pa je lahko zgolj ideološko stanje<br />
stvari. Ampak ideologija najbolje deluje takrat,<br />
ko je naslovniki niti ne prepoznajo in torej a<br />
priori in pravičniško zanikajo vsakršen njen<br />
obstoj. To velja tudi za ideologijo nacionalizma<br />
v Sloveniji. Takrat, ko vam bodo najbolj<br />
zatrjevali, da ga ni, je že na delu. Skratka,<br />
namesto pragmatične arogance dobivamo tudi<br />
v Sloveniji, z besedami svetovalca nekdanjega<br />
češkega predsednika Havla Jirija Pehe, čas<br />
nesramnega populizma. In primitivizma,<br />
dodajamo.<br />
Vendar je pri tem pomembna razlika. To<br />
namreč ni primitivizem ljudi, temveč oblasti.<br />
Ko so konec 15. stoletja iz slovenskih mestec<br />
Preveč nacionalizma, premalo patriotizma<br />
zabrisali oziroma nagnali Žide, je bil tega sicer<br />
kriv habsburški monarh, pa čeprav so se tega<br />
ljudje menda veselili. Ko so konec 20. stoletja<br />
v Sloveniji po tihem izbrisali izbrisane, je bila<br />
tega kriva slovenska država, pa če to prizna ali<br />
ne, ne pa njeni državljani.<br />
Človek bi si v Sloveniji zaželel več državljanske<br />
zavesti. Zato, da bi vrednota postala patriotizem<br />
in ne nacionalizem. S tem bi morda lahko<br />
elegantno razrešili tudi dilemo, izpostavljeno na<br />
začetku teksta, o obrambnem in napadalnem<br />
nacionalizmu. Nacionalisti namreč niso nujno<br />
tudi patrioti. Patrioti, ki so nacionalisti, pa<br />
domovini dokazljivo delajo škodo. Tako se pač<br />
lahko zgodi, da slovenska katoliška cerkev, ki<br />
od Slovencev terja denimo višjo rodnost, svojo<br />
banko proda Avstrijcem. Ali to, da desničarji<br />
prodajo svojo televizijo, namreč TV3, Hrvatu,<br />
nato pa v imenu pravičnejše razporeditve<br />
medijskega prostora zakonsko uzurpirajo kar<br />
javno televizijo. Primera, kakršna sta omenjena,<br />
sta možna prav zato, ker nacionalisti še zdaleč<br />
niso patrioti, pa če se to sliši še tako absurdno.<br />
Patrioti so sposobni terjati pravico in zaščito<br />
za vse prebivalce svoje domovine, nacionalisti<br />
česa podobnega ne morejo, ker te iste prebivalce<br />
delijo na naše in nenaše, na prave in tuje. In<br />
tako umetno ohranjajo konflikte, ki domovini<br />
in njenim ljudem ne koristijo.<br />
11
Zu viel Nationalismus, zu wenig Patriotismus<br />
Zu viel Nationalismus, zu wenig<br />
Patriotismus<br />
Einst sagte und glaubte man, dass es gäbe zwei<br />
Varianten von Nationalismus gebe. Der Erstere<br />
sei aggressiv, also gefährlich und verachtenswert,<br />
der Zweitere aber defensiv und somit<br />
berechtigt und gerecht. Das Dilemma ist alt,<br />
ähnlich jenem vom aggressiven Eroberungskrieg<br />
und vom gerechten Abwehrkrieg.<br />
Bis vor nicht allzu langer Zeit haben die Slowenen<br />
aus ihrer Geschichte ausschließlich den<br />
Abwehrnationalismus herausgelesen. Dieser<br />
sei vor allem im hohen Stellenwert erkennbar,<br />
den die Erhaltung der eigenen Sprache und der<br />
eigenen Kultur, die sich vor allem durch Poesie<br />
und Literatur manifestiere, einnimmt. So<br />
ist es kein Zufall, dass auf dem malerischsten<br />
Platz in der slowenischen Hauptstadt ein<br />
Denkmal für den größten slowenischen Dichter,<br />
France Prešeren, steht und nicht etwa für<br />
einen gewandten Diplomaten oder einen fähigen<br />
General, wie dies bei zahlreichen anderen<br />
Nationen der Fall ist. Der slowenische Nationalismus<br />
hatte natürlich auch andere Dimensionen,<br />
nicht zuletzt aufgrund schlimmer<br />
Kriegszeiten eine militärische, doch wurde er<br />
immer als Abwehr verstanden. Die Slowenen<br />
haben in ihrer Geschichte eben keine fremden<br />
Territorien erobert. Kam es zum bewaffneten<br />
Kampf, diente dieser bloß der Verteidigung des<br />
slowenischen ethnischen Territoriums. Natürlich<br />
kann eine solche Abwehr berechtigt sein,<br />
ein Problem entsteht aber dann, wenn auf einem<br />
Territorium zwei oder mehrere Volksgruppen<br />
leben.<br />
In der Geschichte war der Assimilationsdruck<br />
auf die slowenische Gesellschaft immer sehr<br />
hoch und überdurchschnittlich erfolgreich. Die<br />
12<br />
Slowenen lebten in ihrer Geschichte in multinationalen<br />
Systemen, wie in der über Jahrhunderte<br />
existierenden Habsburgermonarchie oder<br />
in Jugoslawien, das nicht einmal hundert Jahre<br />
lang bestand. In diesem Kontext erscheint die<br />
Theorie von einem defensiven Nationalismus<br />
verständlicher, obwohl man ihr nicht unbedingt<br />
zustimmen muss. Die Geschichte nahm<br />
1991 eine entscheidende Wende. Slowenien<br />
wurde ein souveräner Staat und ein völkerrechtlich<br />
selbständiges Subjekt. Die slowenische<br />
Verfassung besagt aber nicht, dass Slowenien<br />
der Staat des slowenischen Volkes, also<br />
ein Nationalstaat sei, was das Verdienst der zu<br />
jenem Zeitpunkt starken liberalen bzw. libertären<br />
Kreise ist. Gerade deswegen müsste der<br />
Staat für das Wohl aller Bürger Sorge tragen,<br />
nicht nur für die Slowenen. Doch es hat zuweilen<br />
den Anschein, dass diese verfassungsmäßige<br />
Verantwortung von den jeweils an der<br />
Macht stehenden Politikern negiert wird.<br />
Zwar standen die zwölf Regierungsjahre der<br />
Liberalen Demokratie (LDS) im Zeichen eines<br />
relativ erfolgreichen Pragmatismus, wobei Kritiker<br />
der Regierung allerdings auch Arroganz<br />
vorwarfen, doch kann man das zuvor Gesagte<br />
gerade durch das Verhältnis der LDS-Regierungen<br />
zu nationalen und anderen Minderheiten<br />
belegen. Verbal waren diese Regierungen,<br />
sowohl unter Drnovšek als auch unter Rop,<br />
den Minderheiten und anderen Randgruppen<br />
wohlgesinnt. Doch in der Realität konnten<br />
oder wollten sie, im Sinne der andauernd<br />
wiederholten Parole „alle anders, alle gleich“,<br />
ihre Lage nicht wesentlich verbessern. So gab<br />
es unter diesen Regierungen den Skandal mit<br />
den Ausgebürgerten, als nach der Erreichung<br />
der staatlichen Unabhängigkeit die erste DE-<br />
MOS-Regierung im Stil der balkanischen ethnischen<br />
Säuberungen – zwar auf slowenische
Art über den Schreibtisch, sozusagen mit „Glacéhandschuhen“<br />
– allen Bürgern aus anderen<br />
ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken,<br />
die nicht um die Staatsbürgerschaft angesucht<br />
hatten, den Aufenthaltsstatus und damit auch<br />
alle daraus resultierenden Rechte aberkannte.<br />
Auch die Lage der Roma verbesserte sich unter<br />
der LDS nicht. Alle Rechte, die die Roma<br />
an genießen, wurden noch unter den ehemaligen<br />
kommunistischen Machthabern festgeschrieben,<br />
erst gegen Ende der LDS-Regierung<br />
wurden den Roma in ihrem Siedlungsgebieten<br />
Direktmandate in den Stadträten zugestanden,<br />
oft gegen starke Widerstände in den<br />
betroffenen Gemeinden. Auch die so genannten<br />
neuen Minderheiten (aus dem ehemaligen<br />
jugoslawischen Raum) genießen nur unzureichenden<br />
Rechtsschutz. Anders verhielt es mit<br />
den „Altösterreichern“, doch diese stellten eher<br />
ein Objekt im Polithandel zwischen Ljubljana<br />
und Wien dar. Die LDS registrierte zwar in ihrem<br />
Pragmatismus den latenten und schlecht<br />
getarnten slowenischen Chauvinismus, doch<br />
mied sie aus Ignoranz und wegen des politischen<br />
Kalküls eine offene Auseinandersetzung<br />
mit dieser Geisteshaltung, weil sie allzu oft auf<br />
eine offene oder stillschweigende Unterstützung<br />
ihrer Koalition durch die ständige Begleiterin<br />
aller slowenischen Regierungen, die Nationalpartei<br />
von Zmago Jelinčič, angewiesen war.<br />
Die Arroganz gegenüber den erwähnten Minderheiten<br />
war also auch ein Ausdruck dieses politischen<br />
Dilemmas der Liberaldemokraten.<br />
Im Oktober 2004 kam die Mitte-Rechts Regierung<br />
mit Janez Janšas Slowenischer Demokratischer<br />
Partei (SDS) an der Spitze an die Macht.<br />
Janša ist mit dem populistischen Kärntner Landeshauptmann<br />
Jörg Haider oder gar mit dem<br />
französischen Ultrarechten Jean-Marie le Pen<br />
Zu viel Nationalismus, zu wenig Patriotismus<br />
nicht direkt vergleichbar, obwohl einige slowenische<br />
und auch österreichische Medien solche<br />
Vergleiche ansstellten. Der zuvor erwähnte<br />
Jelinčič passt eher in dieses Bild, obwohl seine<br />
Rolle mehr an einen schlechten Kabarettisten<br />
erinnert. Aufgefallen ist er vor allem seine<br />
Anbiederungsveruche; formal in der Opposition,<br />
lobt er sogar die gegenwärtige Regierung,<br />
die die bislang beste sei. Warum? Jelinčič geht<br />
mit dem weit weniger ambivalenten Kurs dieser<br />
Regierung gegenüber den nationalen Minderheiten,<br />
Ausgebürgerten, den durch den<br />
Zusammenbruch Jugoslawiens entstanden<br />
neuen Minderheiten, Roma, Homosexuellen<br />
und jungen, alleinstehenden Frauen, konform.<br />
Die Rethorik dieser Regierung ist zum Unterschied<br />
von jener der LDS kompromisslos, was<br />
für alle europäischen Kräfte dieser Provenienz<br />
charakteristisch ist. Die Ausgebürgerten werden<br />
als Spekulanten dargestellt, es wird zwar<br />
eine verfassungskonforme Lösung angestrebt,<br />
diese soll aber nach dem bereits in Österreich<br />
erprobten Szenario nur das Urteil des Verfassungsgerichtshofes<br />
umgehen, aber selbst eine<br />
formale Lösung ist in naher Zukunft nicht zu<br />
erwarten. Mit ernsthaftem Druck von außen<br />
ist indessen auch nicht zu rechnen. Die Frage<br />
der Roma wird immer mehr als Kriminalitätsproblem<br />
dargestellt und nicht als soziales Problem<br />
von Gruppen am Rand der Gesellschaft<br />
gesehen. Ein Musterbeispiel hierfür stellt die<br />
Praxis an der Grundschule in Bršljin bei Novo<br />
mesto dar, wo der neue Bildungsminister das<br />
vorgebliche Problem mit den Roma mit einer<br />
Trennung der Romakinder von den anderen<br />
„löste”. Formell werden die Kinder in Bršljin<br />
anhand des schulischen Erfolgs separiert,<br />
doch auch diejenigen Romakinder, die in der<br />
Schule besser abschneiden, werden nichtsdestotrotz<br />
von den „weißen” oder „zivilisierten”<br />
13
Zu viel Nationalismus, zu wenig Patriotismus<br />
Altersgenossen getrennt.Hinsichtlich gleichgeschlechtlicher<br />
Partnerschaften lehnt die LDS<br />
deren Gleichstellung ab. Denn, so stellten die<br />
Regierenden fest,„ein unterschiedliches Gesetz<br />
über gleichgeschlechtliche Beziehungen<br />
gegenüber dem Ehegesetz kann niemals eine<br />
Diskriminierung bedeuten, weil es sich um<br />
zwei vollkommen verschiedene Dinge handelt“.<br />
Hierbei geht es um einen rein ideologischen<br />
Standpunkt. Hinsichtlich der Leugnung<br />
der Existenz ideologischer Positionen gilt dasselbe<br />
für den Nationalismus in Slowenien. Der<br />
Umstand, dass Ideologie bestritten wird, sagt<br />
schon aus, dass eine solche existiert. Letztlich<br />
folgt auch in Slowenien, um es mit den Worten<br />
des Havel-Beraters Jiři Peha auszudrücken,<br />
der „pragmatischen Arroganz die Zeit des unverschämten<br />
Populismus“; die Zeit des Primitivismus,<br />
könnte man hinzufügen.<br />
Es handelt sich hierbei nicht um den Primitivismus<br />
eines Menschen von der Straße, sondern<br />
um denjenigen der Machthaber. Die Vertreibung<br />
der Juden aus den slowenischen Ländern<br />
Ende des 15. Jahrhunderts wurde von den<br />
Habsburgern angeordnet, wobei dies angeblich<br />
auf die Zustimmung der Bevölkerung traf. Als<br />
man Ende des 20. Jahrhunderts in Slowenien<br />
stillschweigend Menschen ausbürgerte, lag das<br />
in der Verantwortung des slowenischen Staates<br />
und nicht seiner Bürger, auch wenn dies bestritten<br />
wird.<br />
Man würde sich in Slowenien mehr bürgerrechtliches<br />
Bewusstsein wünschen, womit<br />
Patriotismus und nicht Nationalismus zu den<br />
allgemeinen Werten zählen würde. So könnte<br />
man auch das am Anfang dargestellte Dilemma<br />
zwischen abwehrendem und aggressivem<br />
Nationalismus lösen. Nationalisten sind näm-<br />
14<br />
lich nicht unbedingt auch Patrioten, denn sie<br />
fügen ihrer Heimat erwiesenermaßen Schaden<br />
zu. So verkauft die slowenische katholische<br />
Kirche, die von den Slowenen mehr Gebärfreudigkeit<br />
fordert, die in ihrem Besitz befindliche<br />
Bank an österreichische Investoren. Die slowenischen<br />
Rechten wiederum verkauften ihren<br />
Fernsehkanal TV3 an einen Kroaten, um dann<br />
unter dem Vorwand einer gerechteren Verteilung<br />
des medialen Raumes das öffentliche<br />
Fernsehen per Gesetz zu vereinnahmen. Beide<br />
Beispiele belegen, dass Nationalisten keine<br />
Patrioten sind, wenn dies auch auf den ersten<br />
Blick absurd klingen mag. Patrioten treten für<br />
die Rechte aller Bürger ihrer Heimat ein, Nationalisten<br />
hingegen unterscheiden zwischen<br />
den „Unseren“ und den „Fremden“. So werden<br />
Konflikte künstlich geschürt und prolongiert,<br />
Konflikte, die der Heimat und ihren Bürgern<br />
großen Schaden zufügen.<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Boris Jaušovec<br />
Boris Jaušovec je urednik sobotne priloge „V<br />
soboto“ v dnevniku Večer, ki izhaja v Mariboru.<br />
– Boris Jaušovec ist Redakteur der Samstagbeilage<br />
„V soboto“ der slowenischen Tageszeitung<br />
Večer.
„<strong>Izbrisani</strong>“ – Die „Ausgelöschten“<br />
Eine unerfreuliche Never Ending Story<br />
� Text: Herwig Höller<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“ — Die „Ausgelöschten“<br />
Auch im Sommer 2005 waren die so genannten „<strong>Izbrisani</strong>“ („Ausgelöschten“) einmal mehr eines<br />
der zentralen innenpolitischen Themen Sloweniens. Mehr als 13 Jahre nachdem ein Fremdengesetz,<br />
dem der slowenische Verfassungsgerichtshof wiederholt Verfassungswidrigkeit bescheinigte 1 ,<br />
18.305 aus anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken stammende Einwohner des Landes<br />
aus den Melderegistern gelöscht hat, harrt das Problem nach wie vor einer befriedigenden Lösung.<br />
1992 wurden mit dieser Streichung Tausende der gesetzlichen Grundlage ihrer Existenz beraubt.<br />
Aber auch im Jahre 2005 dauern humanitäre und soziale Konsequenzen an, wie extreme, kafkaesk<br />
anmutende Beispiele immer wieder illustrieren.<br />
Beginn der Hungerstreikaktion der CIIA, Grenzübergang Šentilj, 2.7.2005 – Začetek gladovne stavke CIIA, mejni prehod Šentilj, 2.7.2005<br />
15
„<strong>Izbrisani</strong>“ — Die „Ausgelöschten“<br />
So etwa der Fall des gebürtigen albanisch-kosovarischen<br />
Rom Ali Berisha, der mit seiner<br />
Familie seit 1987 in Maribor wohnte und dort<br />
regulär gemeldet war. Von seinem „Izbris“, seiner<br />
„Auslöschung“ – so in einem Brief Berishas<br />
an den Aktivisten Aleksandar Todorović –<br />
habe er im Mai 1993 erfahren, als er von einem<br />
zweiwöchigen Besuch bei Verwandten in<br />
Deutschland zurückgekehrt sei: „Am Grenzübergang<br />
bei Maribor [Šentilj-Spielfeld] verlangte<br />
der Zollbeamte meinen Reisepass, den<br />
ich ihm aushändigte. Als er sah, dass ich einen<br />
jugoslawischen Pass habe, sagte er mir,<br />
dass dieser nicht mehr gelte, und ich, da ich<br />
Albaner sei, in den Kosovo zurückkehren müsse.<br />
Als ich ihm sagte, dass ich in Maribor lebe<br />
und dort meinen ständigen Wohnsitz habe,<br />
erwiderte er, dass in Slowenien nur Platz für<br />
Slowenen sei. Als ich ihm sagte, dass ich mir<br />
am nächsten Tag von den Behörden einen neuen<br />
Pass ausstellen lassen wolle, antwortete er,<br />
dass ich in ein Gefängnis nach Ljubljana kommen<br />
werde, wo Albaner, Serben, Kroaten und<br />
Roma zusammengesammelt werden.“ Vom<br />
Grenzübergang ging es tatsächlich direkt in<br />
die Schubhaft nach Ljubljana, anschließend<br />
wurde Berisha per Flugzeug nach Albanien<br />
abgeschoben, in ein Land, in dem er noch nie<br />
gewesen war und auch niemanden kannte.<br />
Dort konnte er allerdings einen albanischen<br />
Polizisten bestechen, der ihn tags darauf in<br />
ein Flugzeug zurück nach Ljubljana setzte, wo<br />
er erneut in Schubhaft genommen wurde. Er<br />
konnte jedoch aus der Schubhaft fliehen und<br />
begab sich aus Furcht vor einer wiederholten<br />
Abschiebung nach Deutschland. Von dort will<br />
man ihn nun, im Sommer 2005, erneut abschieben,<br />
dieses Mal in den Kosovo. In Slowenien<br />
hat Berisha auch nach den Urteilen des<br />
Verfassungsgerichtshofes, die – wie oben er-<br />
16<br />
wähnt – die Verfassungswidrigkeit der „Auslöschung“<br />
feststellten, keinerlei Status. Auch<br />
wenn dies der Staatsbürger Serbiens und Montenegros<br />
erst mit Verspätung registrierte: Am<br />
27. Februar 1992 waren er und weiterte 18.304<br />
ex-jugoslawische Staatsbürger aus den slowenischen<br />
Melderegistern gestrichen worden.<br />
Die Geschichte der „Auslöschung“ ergab sich<br />
aus dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen<br />
Republik Jugoslawien und der Entstehung<br />
neuer, unabhängiger Staaten. Nachdem sich<br />
in einer Volksabstimmung am 23. Dezember<br />
1990 fast neunzig Prozent für die Unabhängigkeit<br />
ausgesprochen hatten, beschloss das Parlament<br />
Sloweniens im Juni 1991 grundlegende<br />
Gesetze, darunter das Staatsbürgerschaftsgesetz.<br />
Darin ist u. a. festgelegt, dass Menschen,<br />
die die jugoslawische und die slowenische<br />
Staatsbürgerschaft 2 besaßen, automatisch zu<br />
Staatsbürgern des unabhängigen Sloweniens<br />
wurden, und dass jugoslawische Staatsbürger,<br />
die am Tag der Volksabstimmung ihren<br />
ordentlichen Wohnsitz in Slowenien hatten,<br />
innerhalb von sechs Monaten die slowenische<br />
Staatsbürgerschaft beantragen konnten.<br />
174.000 Betroffene stellten Anträge, 171.000<br />
davon wurde auch die slowenische Staatsbürgerschaft<br />
verliehen.<br />
Die Tücke lag allerdings im Fremdengesetz,<br />
das ebenfalls im Juni 1991 beschlossen wurde:<br />
Alle Einwohner Sloweniens, die die Staatsbürgerschaft<br />
einer anderen ehemaligen jugoslawischen<br />
Teilrepublik besaßen und keinen Antrag<br />
stellten oder deren Anträge die Behörden abgelehnt<br />
hatten, wurden zwei Monate nach Ende<br />
der Antragsfrist plötzlich wie „Fremde“ ohne<br />
jeglichen Status behandelt. Sie verloren durch<br />
die Löschung aus den Melderegistern Wohnsitz,<br />
Aufenthaltsrecht und Arbeitserlaubnis,
Sozial-, Kranken- und Pensionsversicherung<br />
usw. Ein Umstand, der zwangsläufig beträchtliche,<br />
insbesondere soziale Auswirkungen<br />
nach sich zog.<br />
Es mag unterschiedliche Gründe gegeben haben,<br />
die die Betroffenen bewogen haben, die<br />
slowenische Staatsbürgerschaft trotz eines<br />
Wohnsitzes im Lande nicht zu beantragen. Einer<br />
davon bestand wohl im Wunsch, die Staatsbürgerschaft<br />
der Heimatrepublik zu behalten,<br />
ohne sich dabei der Konsequenzen bewusst<br />
zu sein. Bekannte Intellektuelle und Künstler<br />
nichtslowenischer Abstammung, wie z. B. die<br />
aus die Kroatien gebürtige Künstlerin und Philosophin<br />
Marina Gržinić oder der Vertreter der<br />
Neuen Slowenische Kunst, Dušan Mandić, dessen<br />
serbischer Vater als Offizier der Jugoslawischen<br />
Volksarmee in Slowenien stationiert war,<br />
stellten rechtzeitig Anträge. Ingesamt fällt auf,<br />
dass vor allem Menschen aus den unteren sozialen<br />
Schichten von der Streichung betroffen<br />
sind, von denen sich wohl eine Mehrzahl der<br />
drastischen Konsequenzen einer Nichtbeantragung<br />
der Staatsbürgerschaft nicht bewusst<br />
war.<br />
Als verschärfend erwies sich auch der Umstand,<br />
dass die „Auslöschung“ (siehe Interview<br />
mit Matevž Krivic) – im Gegensatz zur Praxis<br />
in Rechtsstaaten – ohne Bescheid erfolgte.<br />
Die „Ausgelöschten“ wurden von Amts wegen<br />
nicht verständigt. Die Monstrosität und<br />
die Konsequenzen der „Auslöschung“ scheinen<br />
Eingeweihten von Anfang an klar gewesen<br />
zu sein: Noch vor der Beschließung des<br />
Gesetzes hatte die Abgeordnete Metka Mencin<br />
einen Abänderungsantrag eingebracht,<br />
der allen Bewohnern Sloweniens aus anderen<br />
ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken,<br />
die am Stichtag ihren Wohnsitz in Slowenien<br />
hatten, eine permanente Aufenthaltserlaubnis<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“ — Die „Ausgelöschten“<br />
France Cukjati (Mitte) in Graz – France Cukjati (v sredini) v Gradcu,<br />
18.7.2005<br />
Ein Anti-„<strong>Izbrisani</strong>“-Grafitto im Zentrum von Ljubljana, Juni 2005<br />
– Grafit proti „izbrisanim“ v centru Ljubljane. (Das ist Raub. Die so<br />
genannten „Ausgelöschten“, 4.4.2004 – dagegen. Die Frage beim Referendum<br />
am 4. April 2004 lautete: Sind sie für ein technisches Gesetz<br />
zur Lösung des <strong>Izbrisani</strong>-Problems. – Vprašanje na referendumu 4.<br />
aprila 2004 se je glasilo: Ste za tehnični zakon za rešitev vprašanja<br />
izbrisanih.)<br />
gewährt hätte, wodurch das Problem der „<strong>Izbrisani</strong>“<br />
erst gar nicht entstanden wäre. Dieser<br />
Antrag wurde aber von einer Mehrheit im Parlament<br />
abgelehnt. Lokale Behörden weigerten<br />
sich zunächst, das Gesetz zu exekutieren und<br />
ohne Bescheid Menschen aus den Registern<br />
zu streichen. Daraufhin ordnete der damalige<br />
Staatssekretär im Innenministerium, Slavko<br />
Debelak, am 27. Februar 1992 alle Meldeäm-<br />
17
„<strong>Izbrisani</strong>“ — Die „Ausgelöschten“<br />
ter an, die betroffenen Personen zu streichen 3 .<br />
Wie hatte es dazu kommen können? Der seinerzeit<br />
ebenfalls „ausgelöschte“ Filmemacher<br />
Dimitar Anakiev aus Tolmin, der vergangenes<br />
Jahr den Dokumentarkurzfilm Zradirani (Ausradiert)<br />
drehte und nun an einer filmischen<br />
Fortsetzung arbeitet, sieht die „Auslöschung“<br />
als „klassischen Akt einer ethnischen Säuberung,<br />
die jedoch auf versteckte und intelligente<br />
Art“ vollzogen worden sei, indem sie als<br />
gesetzliches Problem oder sogar als Computerfehler<br />
dargestellt werde. Man versuche auf politischer<br />
Ebene bis zum heutigen Tag mit großem<br />
Einsatz, das Wesen der „Auslöschung“ zu<br />
verdecken. Der ehemalige Verfassungsrichter<br />
Matevž Krivic sieht indessen die offizielle Einbürgerung<br />
von 170.000 Južnjaki (Südländer),<br />
d. h. Menschen aus den südlichen Republiken<br />
des ehemaligen Jugoslawiens, als den zentralen<br />
politischen Kontext 4 . Diese Einbürgerung<br />
sei für die politische Rechte und auf die auf die<br />
Politik und die öffentliche Meinung einflussreichen<br />
rechten, ausländerfeindlichen Zirkel ein<br />
großer Schock gewesen. Mitte der Neunzigerjahre<br />
sei deshalb sogar versucht worden, den<br />
170.000 Eingebürgerten die Staatsbürgerschaft<br />
wieder zu entziehen. Die „Auslöschung“ von<br />
18.000 als Kompensation für eine empörte<br />
ausländerfeindliche Rechte?<br />
Die meisten Betroffenen selbst wussten zunächst<br />
auch nichts von ihrem Unglück, viele<br />
„Ausgelöschte“ erfuhren erst durch Zufälle,<br />
dass ihnen etwas Gravierendes widerfahren<br />
war. Aufgrund dessen war auch kein organisierter<br />
Protest gegen das erlittene Unrecht möglich<br />
– erst 2002 formierte sich um den Serben<br />
Aleksandar Todorović, der mit seiner slowenischen<br />
Frau Mitte der Achtzigerjahre nach Ptuj<br />
gezogen war, die erste, vor allem aktivistischaktionistisch<br />
tätige „<strong>Izbrisani</strong>“-NGO, Društvo<br />
18<br />
izbrisanih prebivalcev Slovenije/Verband der ausgelöschten<br />
Einwohner Sloweniens. Todorović hat<br />
sich zwischenzeitlich mit dem Rechtsvertreter<br />
dieser NGO überworfen und eine neue Vereinigung<br />
gegründet. Schon Mitte der Neunzigerjahre<br />
waren vereinzelte Beschwerden beim<br />
slowenischen Verfassungsgericht eingebracht<br />
worden, aber erst 1999 fällte dieser die erste<br />
Entscheidung in der Causa und erklärte die<br />
„Auslöschung“ als verfassungswidrig und forderte<br />
eine verfassungskonforme Lösung innerhalb<br />
von 6 Monaten. Die Materie war und ist<br />
in rechtlicher Hinsicht sehr komplex. Einerseits<br />
hatten es zahlreiche „Ausgelöschte“ unter<br />
großem Aufwand geschafft, als Ausländer<br />
neu im Land registriert zu werden sowie Aufenthalts-<br />
und Beschäftigungsbewilligungen<br />
zu bekommen. Andererseits wurden seit 1999<br />
zwei weitere Gesetze zur Causa beschlossen,<br />
die allerdings vom Verfassungsgerichtshof teilweise<br />
wieder aufgehoben wurden. Ein Teil der<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“ erhielt auf diese Weise ihren verfassungswidrig<br />
verlorenen Status wieder zurück.<br />
Auch wurde 2004 ein Referendum gegen die<br />
„Ausglöschten“ abgehalten. Sowohl Fragestellung<br />
als auch Ausgang machen das Verhältnis<br />
des politischen Mainstreams Sloweniens zu<br />
den „<strong>Izbrisani</strong>“ deutlich. Die Frage am 4. April<br />
2004 lautete: „Sind Sie dafür, dass das Gesetz<br />
zur Ausführung des 8. Punktes der Entscheidung<br />
des Verfassungsgerichts der Republik<br />
Slowenien, Nummer U-I-246/02-28 (EPA<br />
956-III), in Kraft tritt, das am 25.11.2003 vom<br />
Državni zbor (Nationalrat) der Republik Slowenien<br />
beschlossen wurde?“ Um die Frage zu<br />
verstehen: Ein Jahr zuvor, am 3. April 2003,<br />
hatte das Verfassungsgericht im Punkt 8 seiner<br />
Entscheidung festgehalten, dass den am<br />
26.2.1992 „Ausgelöschten“ rückwirkend das<br />
Aufenthaltsrecht zurückzugeben sei. Die Ant-
wort war eindeutig: Bei einer Wahlbeteiligung<br />
von 31,5% stimmten 94,7% gegen die Rückgabe<br />
des Status, 3,8% dafür, 1,5% ungültig. Von<br />
einer Kompensation und weiteren Schritten einer<br />
Reparatur war dabei noch gar keine Rede.<br />
Nach wie vor gibt es in die Illegalität abgedrängte<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“ in und außerhalb des Landes,<br />
es wurde auch keinerlei Kompensation für<br />
zerstörte Existenzen geleistet, und man ignorierte<br />
Urteile des Verfassungsgerichtshofes.<br />
Um auf diesen Umstand hinzuweisen und<br />
ungelöste Probleme<br />
der „Ausgelöschten“Sloweniens<br />
erneut<br />
zu thematisieren,<br />
organisierte<br />
die Civilna iniciativa<br />
izbrisanih<br />
aktivistov/Zivile<br />
Initiative ausgelöschter<br />
Aktivisten<br />
(CIIA) schließlich<br />
ab im 2005<br />
einen Hungerstreik<br />
an jenem<br />
Ort, an dem<br />
die Odyssee Berishas<br />
1993 ihren<br />
Ausgang genommen hatte. Am Grenzübergang<br />
Spielfeld-Šentilj verweigerten zunächst neun<br />
Mitglieder der Initiative die Nahrungsaufnahme<br />
und forderten eine politischen Lösung des<br />
Problems – insbesondere im Falle Berishas. 24<br />
Tage später brachen auch CIIA-Sprecher Aleksandar<br />
Todorović und der Aktivist Ilija Ivanović<br />
in Ljubljana ihren Hungerstreik erfolglos ab.<br />
Dennoch war das mediale Echo in Sloweniens<br />
Medien beträchtlich, und insbesondere Innen-<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“ — Die „Ausgelöschten“<br />
minister Dragutin Mate, der die Hungerstreikenden<br />
ignorierte, wurde heftig kritisiert. So<br />
etwa in einem Kommentar des Journalisten<br />
Dejan Pušenjak in der Tageszeitung Delo: „Jeder<br />
normale Bürger würde sich vom Innenminister<br />
erwarten, dass er zu den Hungerstreikenden<br />
fährt und Ihnen sagt: ,Im Namen des<br />
Staates, den ich repräsentiere, entschuldige ich<br />
mich für das Unrecht, das Ihnen der Staat zugefügt<br />
hat, als ich noch nicht Minister war.<br />
Ich bitte Sie, den Hungerstreik zu beenden,<br />
und bitte Sie ferner um Ihre Geduld: Wir arbeiten<br />
an einer<br />
Lösung, die für<br />
Sie und für uns<br />
– die Behörden<br />
– annehmbar<br />
sein wird.´“ 5<br />
Während der Innenministeruntätig<br />
blieb, wurde<br />
die offizielle Politik<br />
zumindest<br />
auf parlamentarischer<br />
Ebene<br />
aktiv. In die letzte<br />
Sitzung des<br />
Beginn der Hungerstreikaktion der CIIA, Grenzübergang Šentilj, 2.7.2005, Fortsetzung<br />
– Začetek gladovne stavke CIIA, mejni prehod Šentilj, 2.7.2005, nadaljevanje<br />
Državni zbor vor<br />
der Sommerpause,<br />
am 14. Juli 2005, wurde der Ombudsmann<br />
für Menschenrechtsfragen, Matjaž Hanžek, geladen,<br />
und man debattierte viereinhalb Stunden<br />
über das Problem. Mit einer – zumindest aus<br />
Hanžeks Sicht – ernüchternden Bilanz: „Es gibt<br />
ein größeres Problem mit dem fehlenden Verständnis<br />
oder mit dem fehlenden Willen, die<br />
Problematik zu verstehen. Anhand der Tatsache,<br />
wie Abgeordnete Staatsbürgerschaft und<br />
Aufenthaltstitel der Ausgelöschten durchein-<br />
19
„<strong>Izbrisani</strong>“ — Die „Ausgelöschten“<br />
anderbringen, sieht man, dass sie noch nicht<br />
verstehen, worum es geht.“ 6 Wenige Tage später<br />
kündigte der konservative Parlamentspräsident<br />
France Cukjati in Graz und später auch<br />
in Ljubljana an, dass der Innenminister bis<br />
Herbst ein Gesetz einbringen werde, mit dem<br />
das erlittene Unrecht wieder gutgemacht würde.<br />
Eine Erklärung, die skeptisch bis sehr kritisch<br />
(Siehe Interview mit Krivic) aufgenommen<br />
wurde. Bislang (Mitte September) ist<br />
nichts passiert.<br />
20<br />
ANMERKUNGEN<br />
1 Entscheidungen des slowenischen Verfassungsgerichtshofs, Nr. U-I-<br />
284/94 v. 4.2.1999, veröffentl. in: Uradni list RS, št. 14/1999 bzw. Nr. U-I-<br />
246/2 v. 3.4.2004, veröffentl. in: Uradni list RS, št. 36/2003.<br />
2 Die Tatsache, dass es in der Sozialistische Föderative Republik<br />
Jugoslawien eine doppelte Staatsbürgerschaft gab, die des Bundesstaates<br />
und die der Teilrepublik, scheint vielen Einwohnern Jugoslawiens nicht<br />
bewusst gewesen sein. In jugoslawischen Zeiten hatte dies auch keine<br />
Konsequenzen.<br />
3 Mekina Borut, Izbrisala jih je depeša št. 0016/4-14968, in: Večer,<br />
25.02.2004, S. 3.<br />
4 Matevž Krivic, Postskriptum, in: Jasminka Dedić – Vlasta Jalušičm – Jelka<br />
Zorn, The erased. Organized innocence and the politics of exclusion. Hg.<br />
v. Peace Institute. Institute for Contemporary Social and Political Studies.<br />
Ljubljana 2003, S.160.<br />
5 Dejan Pušenjak, Po čem je danas smrt, in: Delo, 16.7.2005.<br />
6 Suzana Lovec, Pogovor: Matjaž Hanžek, varuh človekovih pravic, in:<br />
Dnevnik, 18.7.2005.
„<strong>Izbrisani</strong>“<br />
Prav nič razveseljiva neskončna<br />
zgodba.<br />
Tudi poleti 2005 so bili tako imenovani<br />
izbrisani v Sloveniji že spet ena osrednjih<br />
notranjepolitičnih tem. Več kot trinajst let po<br />
tistem, ko je stopil v veljavo zakon o tujcih,<br />
ki ga je ustavno sodišče ponovno ocenilo kot<br />
protiustavnega 1 , in ki je iz registra stalno<br />
prijavljenih izbrisal 18.305 prebivalcev dežele<br />
iz drugih jugoslovanskih republik, ta problem<br />
še kar naprej čaka na primerno rešitev. Leta<br />
1992 so bili s tem izbrisom tisoči oropani<br />
zakonskih podlag za svojo eksistenco. A še<br />
v letu 2005 so, kot vedno znova opozarjajo<br />
mnogi kafkajansko ekstremni primeri, vidne<br />
mnoge humanitarne in socialne posledice.<br />
Takšen primer je Ali Berisha, albanskokosovski<br />
Rom, ki s svojo družino že od leta<br />
1987 živi v Mariboru, kjer je bil do svojega<br />
„izbrisa“ tudi redno prijavljen. Za svoj „izbris“<br />
je Berisha – tako je zapisal v svojem pismu<br />
aktivistu za pravice izbrisanih Aleksandru<br />
Todoroviću – izvedel maja 1993, ko se je vrnil<br />
z dvotedenskega obiska pri svojih sorodnikih<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“<br />
v Nemčiji: „Na mejnem prehodu pri Mariboru<br />
je carinik od mene zahteval potni list, ki<br />
sem mu ga tudi izročil. Ko je videl, da imam<br />
jugoslovanski potni list, mi je rekel, da ta več ne<br />
velja, ter da sem Albanec in se moram kot tak<br />
vrniti na Kosovo. Ko sem mu rekel, da živim v<br />
Mariboru in imam tam tudi stalno bivališče,<br />
mi je s povzdignjenim glasom odvrnil, da je<br />
v Sloveniji prostor le za Slovence. Ko sem ga<br />
prosil, naj me spusti, da si bom naslednji dan<br />
dal pri pristojnih izdati nov potni list, mi je<br />
rekel, da lahko pridem le še v zapor v Ljubljani,<br />
Hungerstreikaktion der CIIA, Grenzübergang Šentilj, 2.7.2005, Medien und A. Todorović – Gladovna stavka CIIA, mejni prehod Šentilj, 2.7.2005,<br />
mediji in A. Todorović<br />
kjer zbirajo Albance, Srbe, Hrvate in Rome.“ Z<br />
mejnega prehoda je šel direktno v zbirni center<br />
v Ljubljani, nato pa so ga z letalom izgnali v<br />
Albanijo – v državo, kjer ni bil še nikoli in kjer<br />
ni niti nikogar poznal. Tam mu je sicer uspelo<br />
podkupiti nekega albanskega policista, ki ga je<br />
dan zatem spravil v letalo nazaj proti Ljubljani,<br />
kjer pa so ga ponovno priprli v zbirnem centru<br />
za tujce. Iz zbirnega centra mu je sicer uspelo<br />
pobegniti in podal se je na beg pred ponovnim<br />
izgonom – v njemu neznano državo Nemčijo.<br />
Od tam pa ga hočejo zdaj, poleti 2005, ponovno<br />
izgnati, tokrat na Kosovo. V Sloveniji nima<br />
Berisha niti po razsodbi ustavnega sodišča<br />
nikakršnega statusa. In kot je ta državljan<br />
Srbije in Črne gore opazil šele z zamudo: 27.<br />
21
„<strong>Izbrisani</strong>“<br />
februarja 1992 so bili on in še<br />
njegovi 18.304 jugoslovanski<br />
sodržavljani izbrisani iz<br />
registra oseb, prijavljenih<br />
v Sloveniji. Ta zgodba o<br />
„izbrisu“ je tesno povezana<br />
z razpadom Socialistične<br />
federativne republike<br />
Jugoslavije in nastankom<br />
novih neodvisnih držav na<br />
ozemljih nekdanjih federalnih<br />
republik. Po tistem, ko se je na<br />
plebiscitu 23. decembra 1990<br />
skoraj 90 odstotkov volilnih<br />
upravičencev v Sloveniji<br />
izreklo za neodvisnost, je<br />
slovenski parlament junija 1991 sprejel temeljne<br />
zakone nove suverene države, med njimi tudi<br />
zakon o državljanstvu. Po eni strani so postali<br />
ljudje, ki so imeli tako jugoslovansko (državno)<br />
kot slovensko (republiško) državljanstvo 2 ,<br />
avtomatsko državljani neodvisne Slovenije. Po<br />
drugi strani pa so lahko drugi jugoslovanski<br />
državljani, ki so imeli na dan plebiscita o<br />
neodvisnosti v Sloveniji prijavljeno stalno<br />
prebivališče, pridobili slovensko državljanstvo<br />
v naslednjih šestih mesecih. Zahtevke je vložilo<br />
174.000 oseb, od tega je bilo 171.000 osebam<br />
slovensko državljanstvo tudi dodeljeno.<br />
A bistvo problema se skriva v zakonu o<br />
tujcih 3 , ki je bil prav tako sprejet junija 1991:<br />
vse prebivalce Slovenije z državljanstvi drugih<br />
jugoslovanskih republik, ki niso vložili zahteve<br />
za slovensko državljanstvo ali jim je bila<br />
zahteva zavrnjena, so dva meseca po izteku<br />
roka za pridobitev državljanstva naenkrat<br />
začeli obravnavati kot „tujce“ brez vsakršnega<br />
statusa. Zato so z izbrisom iz registra stalno<br />
prijavljenega prebivalstva izgubili tudi<br />
22<br />
Hungerstreikaktion der CIIA, 17.7.2005 – gladovna stavka CIIA, 17.7.2005<br />
nastanitveni naslov, pravico do stalnega<br />
prebivanja in dela, socialnega, bolniškega in<br />
pokojninskega zavarovanja itd. Ta okoliščina<br />
je prinesla še druge omembe vredne učinke,<br />
posebno na socialnem področju.<br />
Najbrž so ljudje, ki kljub stalnemu prebivališču<br />
v državi niso vložili zahteve po slovenskem<br />
državljanstvu, imeli za to zelo različne razloge<br />
– hoteli so na primer obdržati državljanstvo<br />
svoje domače republike, ne da bi se pri tem<br />
zavedali morebitnih posledic svoje odločitve.<br />
Znani intelektualci in umetniki neslovenskega<br />
porekla – kot na primer filozofinja in umetnica<br />
Marina Gržinić, ki je po rodu Hrvatica, ali<br />
član Neue Slowenische Kunst Dušan Mandić,<br />
katerega srbski oče je bil nastanjen v Sloveniji<br />
kot oficir Jugoslovanske ljudske armade – so<br />
svoje zahteve večinoma vložili pravočasno.<br />
Nasploh je očitno, da so bili prizadeti predvsem<br />
ljudje iz nižjih socialnih slojev, ki se večinoma<br />
sploh niso zavedali drastičnih posledic<br />
nevložitve zahtev po državljanstvu.<br />
Kot otežilna se je izkazala tudi okoliščina,
Hungerstreikaktion der CIIA, hungerstreikende Aktivisten Todorović und Ivanović (von rechts),<br />
17.7.2005 – gladovna stavka CIIA aktivistov Todorović in Ivanović (z desne), 17.7.2005<br />
da so „izbrisi“ (glej intervju z Matevžem<br />
Krivicem) stopil v veljavo brez izdanih<br />
odločb, ki so v pravnih državah sicer običajna<br />
praksa. „<strong>Izbrisani</strong>“ niso bili o tem niti uradno<br />
obveščeni. Kot kaže, pa je bila monstruoznost<br />
posledic „izbrisa“ že od vsega začetka povsem<br />
jasna posvečenim: še pred sprejetjem zakonov<br />
je neka poslanka predlagala spremembo, ki bi<br />
omogočila vsem prebivalcem Slovenije iz drugih<br />
jugoslovanskih republik pridobiti dovoljenja<br />
za stalno bivališče, a predlog je bil večinsko<br />
zavrnjen. Tudi lokalni uradniki so sprva<br />
oklevali pri izvajanju zakona in črtanju ljudi<br />
iz registrov brez predhodnih odločb: takratni<br />
državni sekretar v notranjem ministrstvu<br />
Slavko Debelak je vsem policijskim postajam<br />
brisanje omenjene skupine ukazal – z depešo,<br />
poslano 27. februarja 1992. 4<br />
Kako je lahko sploh prišlo do tega? Svoj čas<br />
prav tako izbrisani filmar Dimitar Anakiev<br />
iz Tolmina, ki je lani posnel film Zradirani in<br />
trenutno pripravlja filmsko nadaljevanje, na<br />
primer prikazuje izbris kot „klasično dejanje<br />
etničnega čiščenja, ki pa je bilo opravljeno<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“<br />
na prikrit in inteligenten<br />
način“ in predstavljeno kot<br />
zakonski problem ali celo kot<br />
računalniška napaka. Vse do<br />
danes se skuša na političnem<br />
nivoju na vse kriplje prikriti<br />
bistvo „izbrisa“. V nasprotju<br />
s tem pa razume nekdanji<br />
ustavni sodnik Matevž<br />
Krivic kot osrednji politični<br />
kontekst 5 uradno podelitev<br />
državljanstva 170.000<br />
„Južnjakom“ (prebivalcem<br />
južnih republik nekdanje<br />
Jugoslavije). Ta je bila za<br />
politično desnico, pa tudi<br />
za javno mnenje pod njenim vplivom in v<br />
do tujcev sovražnih krogih, velik šok. Sredi<br />
devetdesetih so zato celo poskušali doseči, da bi<br />
tem 170.000 ljudem državljanstvo spet odvzeli.<br />
„Izbris“ 18.000 ljudi torej kot kompenzacija za<br />
šokirano ksenofobično „desnico“?<br />
Večina prizadetih sprva niti sama ni vedela<br />
za svojo nesrečo; mnogi „izbrisani“ so šele<br />
po nesrečnih slučajih sploh izvedeli, da se<br />
jim je pripetilo nekaj otežujočega. Pri takem<br />
ozadju tudi ni bil mogoč noben organiziran<br />
protest proti povzročeni krivici – šele leta<br />
2002 se je okrog Srba Aleksandra Todorovića,<br />
ki se je s svojo slovensko ženo preselil na<br />
Ptuj v osemdesetih, zbralo prvo in predvsem<br />
aktivistično-akcionistično delujoče združenje<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“-NGO (Društvo izbrisanih<br />
prebivalcev Slovenije); Todorović se je medtem<br />
sicer sprl s pravnim zastopnikom NGO<br />
(Krivicem) in ustanovil novo društvo.<br />
Že sredi devetdesetih so bile na slovensko<br />
ustavno sodišče vložene prve posamezne<br />
pritožbe, šele leta 1999 pa je bil sprejet prvi<br />
23
„<strong>Izbrisani</strong>“<br />
sklep v tej zadevi, ki je razglasil, da je bil<br />
izbris v nasprotju z ustavo. Zahteval pa je tudi<br />
uskladitev zadevnih zakonov z ustavo v roku<br />
šestih mesecev. Ta naloga je bila in je ostala<br />
s pravnega vidika vse doslej zelo težavna. Po<br />
eni strani so se uspeli mnogi „izbrisani“ z<br />
mnogo truda in stroškov v Sloveniji na novo<br />
prijaviti kot tujci ter dobiti dovoljenja za<br />
stalno prebivanje in zaposlitev. Po drugi strani<br />
sta bila po letu 1999 v zvezi s tem sprejeta<br />
še dva zakona, ki pa ju je ustavno sodišče<br />
spet razglasilo za delno neveljavna. Še nekaj<br />
„izbrisanih“ je spet dobilo povrnjen pravni<br />
status, ki jim je bil protiustavno odvzet. Kljub<br />
temu pa „izbrisani“ v Sloveniji in na tujem<br />
še vedno ne morejo računati na kakršnekoli<br />
odškodnine za uničene eksistence in prezrte<br />
sodbe ustavnega sodišča.<br />
Leta 2004 je bil izveden tudi referendum (de<br />
facto) proti izbrisanim. Tako predlagana<br />
vprašanja kot pričakovani izid sta bila glede na<br />
razmerja med glavnimi političnimi tokovi v<br />
Sloveniji za „izbrisane“ pričakovana. Vprašanje<br />
4. aprila 2004 se je glasilo: „Ali se strinjate, da<br />
stopi v veljavo zakon o izvedbi 8. točke odločbe<br />
ustavnega sodišča Republike Slovenije, številka<br />
U-I-246/02-28 (EPA 956-III), ki ga je državni<br />
zbor Republike Slovenije sprejel 25. 11. 2003?“<br />
Če hočemo vprašanje razumeti: Več kot leto<br />
poprej, 3. aprila 2003, je ustavno sodišče v 8.<br />
točki svojega sklepa ugotovilo, da naj se 26.<br />
2. 1992 izbrisanim vrne pravica do stalnega<br />
prebivališča z veljavo za nazaj. V nasprotju<br />
s tem pa je bil odgovor povsem jasen: pri<br />
volilni udeležbi 31,5 % je proti vrnitvi statusa<br />
glasovalo 94,7 %, za 3,8 %, neveljavnih pa je<br />
bilo 1,5 % glasovnic. In pri tem sploh ni bilo<br />
govora o odškodninah in nadaljnjih korakih<br />
pri odpravi posledic izbrisa.<br />
24<br />
Da bi opozorila na to okoliščino in pospešila<br />
obravnavo nerešenih problemov „izbrisanih“,<br />
je Civilna iniciativa izbrisanih aktivistov<br />
(CIIA) končno od 2. julija 2005 naprej<br />
organizirala gladovno stavko prav na kraju,<br />
kjer se je leta 1993 začela Berisheva odisejada.<br />
Na mejnem prehodu Šentilj-Spielfeld je devet<br />
članov CIIA sprva odklanjalo uživanje hrane<br />
in zahtevalo rešitev problema – še posebno v<br />
primeru Berisha. 24 dni kasneje sta govorec<br />
CIIA Aleksandar Todorović in aktivist Ilija<br />
Ivanović v Ljubljani prekinila neuspešno<br />
gladovno stavko. Kljub temu je bil odmev<br />
v slovenskih medijih znaten, še posebej pa<br />
je bil deležen ostrih kritik notranji minister<br />
Dragutin Mate, ker se za gladovno stavkajoče<br />
sploh ni zmenil. Tako na primer v komentarju,<br />
ki ga je v dnevniku Delo objavil novinar Dejan<br />
Pušenjak: „[…] Kajti vsak normalen državljan<br />
bi od svojega notranjega ministra pričakoval,<br />
da se bo odpeljal do gladovno stavkajočih in<br />
jim rekel: ‚V imenu države, ki jo predstavljam,<br />
se vam opravičujem za krivico, ki vam jo je<br />
storila ta država, ko še nisem bil njen minister.<br />
Prosim vas za prekinitev gladovne stavke in<br />
za nadaljnje potrpljenje; prizadevamo si za<br />
rešitev, ki bo za vas in za nas – oblastnike –<br />
sprejemljiva. […]“ 6<br />
Medtem ko je notranji minister ostajal ob<br />
strani, se je uradna politika zganila vsaj na<br />
parlamentarni ravni. Na zadnjem zasedanju<br />
državnega zbora pred poletnimi počitnicami,<br />
14. julija 2005, je bil k razpravi o tem problemu,<br />
ki je trajala štiri ure, povabljen varuh človekovih<br />
pravic Matjaž Hanžek. Z – vsaj s Hanžkovega<br />
vidika – streznjujočim učinkom: „[…] veliko<br />
težav je z manjkajočim razumevanjem ali<br />
s pomanjkanjem volje do razumevanja tega<br />
problema. Že glede na to, kako poslanci mešajo
državljanstvo in stalno bivališče izbrisanih, je<br />
jasno, da sploh še ne razumejo, zakaj pri tem<br />
gre.“ 7<br />
Nekaj dni kasneje je konzervativni predsednik<br />
parlamenta France Cukjati v Gradcu in nato še<br />
v Ljubljani napovedal, da bo notranji minister<br />
do jeseni pripravil zakon, ki bo odpravil<br />
prizadejane krivice. Ta izjava je bila sprejeta<br />
skeptično do ostro kritično (glej intervju z<br />
Matevžem Krivicem). Doslej (sredi septembra)<br />
se ni zgodilo še nič.<br />
OPOMBE<br />
1 Sklepi ustavnega sodišča Republike Slovenije, št. U-I-284/94, 4. februar<br />
1999, objavljeno v: Uradni list RS, št. 14/1999, oz. št. U-I-246/2, 3. april<br />
2004, objavljeno v: Uradni list RS, št. 36/2003.<br />
2 Dejstva, da je v SFRJ obstajalo dvojno državljanstvo, zvezno in republiško,<br />
se mnogi prebivalci Jugoslavije očitno niso zavedali. V časih Jugoslavije to<br />
niti ni bilo pomembno.<br />
3 Natančneje okoliščina, navedena v členu 81 zakona o tujcih, ki se je že<br />
pred sprejemom zakona junija 1991 zdela mnogim sporna. Poslanka Metka<br />
Mencin je maja 1991 predlagala spremembo, po kateri bi tudi v Sloveniji<br />
živeči jugoslovanski državljani z republiškimi državljanstvi drugih republik in<br />
stalnim prebivališčem v Sloveniji na dan plebiscita avtomatsko dobili stalno<br />
dovoljenje za bivanje. Če bi bil ta predlog sprejet, problem z „izbrisanimi“<br />
sploh ne bi nastal. A večina v parlamentu je takrat glasovala proti.<br />
4 Glej: Borut Mekina: Izbrisala jih je depeša št. 0016/4-14968. Večer, 25. 02.<br />
2004, str. 3.<br />
5 Krivic, Matevž: Postskriptum, str. 160: v: Dedić, Jasminka, Jalušič, Vlasta in<br />
Zorn Jelka: The erased: organized innocence and the politics of exclusion.<br />
Ljubjana 2003, Peace Institute, Institute for Contemporary Social and<br />
Political Studies.<br />
6 Dejan Pušenjak: Po čem je danas smrt. Delo, 16. 7. 2005, str. 5.<br />
7 Lovec, Suzana: Pogovor: Matjaž Hanžek, varuh človekovih pravic. Dnevnik,<br />
18. 7. 2005.<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Herwig G. Höller<br />
*1974 in Rottenmann, Slawistik- und Physikstudien<br />
in Graz und Moskau. Seit 1998 freier<br />
Kunstkritiker, zahlreiche Publikationen in<br />
springerin, CAMERA AUSTRIA, Spike und in<br />
anderen Medien. Seit 2000 zudem Referent für<br />
Medien, Video, Film im Forum Stadtpark (bis<br />
2003, nach Strukturreform im Forum Stadtpark<br />
Mitglied des Programmforums, zuständig für<br />
die angesprochenen Bereiche), Lehrbeauftragter<br />
am Institut für Slawistik der Karl-Franzens-Universität<br />
Graz. Seit 2005 Mitarbeit<br />
beim „Falter Steiermark“. – Herwig G. Höller<br />
rojen 1974 v Rottenmannu, študij slavistike in<br />
fizike v Gradcu in v Moskvi. Od 1998 svobodni<br />
umetnostni kritik, številčne publikacije v revijah<br />
springerin, CAMERA AUSTRIA, Spike in drugih<br />
medijih. Od 2000 referent za medije, video, film v<br />
Forum Stadtpark (do 2003, po strukturni reformi<br />
v Forum Stadtparku član programskega<br />
foruma, pristojen za zgoraj navedena področja),<br />
predavatelj na Inštitutu za slavistiko Karl-<br />
Franzens-Universität Gradec. Od 2005<br />
sodelavec pri „Falter Steiermark“.<br />
„<strong>Izbrisani</strong>“<br />
25
Interview mit Matevž Krivic<br />
Interview mit Matevž Krivic, von<br />
Herwig Höller<br />
Matevž Krivic, Sie sind Rechtsvertreter der „Društvo<br />
izbrisanih prebivalcev Slovenije“ [Verband der ausgelöschten<br />
Einwohner Sloweniens], einer NGO, die<br />
sich für die Rechte der so genannten „Ausgelöschten“<br />
einsetzt. Wann und wie haben Sie erstmals erfahren,<br />
dass es ein „<strong>Izbrisani</strong>“-Problem gibt?<br />
Als Verfassungsrichter (1990–1998), als wir in<br />
den Jahren 1994–1995 mit ersten Fällen konfrontiert<br />
waren, die aber von juristisch ungebildeten<br />
Menschen sehr unklar formuliert waren.<br />
Sie bekamen von den Behörden auch keine<br />
Bescheide gegen die man klagen hätte können<br />
– das war ein großes Problem für sie, und darin<br />
besteht auch eine Erklärung für die Tatsache,<br />
dass von über 18.000 „Ausgelöschten“ nur<br />
einige wenige Fälle vor Gericht kamen. Ich<br />
konnte mich mit meinen Ansichten über dieses<br />
Problem im Verfassungsgericht zuerst sehr<br />
lange nicht durchsetzen – erst im Juni 1998,<br />
einige Monate vor dem Ende der Amtszeit des<br />
ersten Verfassungsgerichtes, konnte ich schließlich<br />
eine vorläufige Lösung ausarbeiten, die –<br />
überraschenderweise – sogar mit 6:1 Stimmen<br />
angenommen wurde. Unsere Nachfolger im<br />
Verfassungsgericht brachten dann schon im Februar<br />
1999 diese ersten beiden Fälle zu einem<br />
Abschluss und stellten fest, dass die „Auslöschung“,<br />
die am 26. Februar 1992 stattgefunden<br />
hatte (sozusagen geheim, ohne jegliche Bescheide),<br />
keine gesetzliche Grundlage hat und dass<br />
das Gesetz sofort korrigiert werden müsse, um<br />
eine verfassungskonforme Lösung der entstandenen<br />
Probleme zu ermöglichen.<br />
Seit wann beschäftigen Sie sich intensiv mit der<br />
Thematik?<br />
26<br />
In den Jahren 1999–2001 war ich so sehr mit<br />
anderen schwierigen verfassungsrechtlichen<br />
Problemen beschäftigt (zuerst mit der Beseitigung,<br />
der skandalösen verfassungsgerichtlichen<br />
Fälschung des Resultats des Referendums<br />
über die Einführung des Mehrheitswahlsystems,<br />
was erst mit einer Verfassungsänderung<br />
im Jahre 2000 möglich war, und dann mit der<br />
Klage vor dem neuen Verfassungsgericht gegen<br />
den Vertrag zwischen Slowenien und dem Vatikan),<br />
dass ich sogar die oben erwähnte Entscheidung<br />
vom Februar 1999 nicht kannte.<br />
Erst zehn Jahre nach der „Auslöschung“, als<br />
drei Betroffene in Ptuj im Februar 2002 den<br />
ersten Verein der „Ausgelöschten“ gegründet<br />
hatten, begann ich sofort als dessen Rechtsvertreter<br />
zu fungieren.<br />
Im Jahre 2003 hat der slowenische Verfassungsgerichtshof<br />
ihrer Klage gegen die gesetzlichen Grundlagen,<br />
die zur Löschung von etwa 18.000 aus anderen<br />
jugoslawischen Republiken stammenden<br />
Einwohnern Sloweniens aus den Melderegistern<br />
führten, Recht gegeben und diese Löschung als verfassungswidrig<br />
erklärt. Könnten Sie kurz erklären,<br />
warum der „Izbris“ verfassungswidrig war?<br />
Wie ich schon sagte: Weil er keine gesetzliche<br />
Grundlage hatte und weil er darüber hinaus<br />
„geheim“ (ohne jeglichen Bescheid) ausgeführt<br />
wurde. Die beiden Gründe sind natürlich eng<br />
miteinander verbunden: Wenn man keine gesetzliche<br />
Grundlage für einen Verwaltungsakt<br />
hat, kann man auch keinen Bescheid darüber<br />
ausstellen. Um einen solchen illegalen Verwaltungsakt<br />
mit sehr schwer wiegenden Konsequenzen<br />
dennoch auszuführen, bedarf es<br />
schon „wichtiger“ politischer Gründe… Aber,<br />
um gegenüber unseren Politikern nicht ungerecht<br />
zu sein: Sie wussten damals – und wissen<br />
auch heute noch – nur sehr wenig über juridi-
sche Angelegenheiten Bescheid. Trotzdem sind<br />
sie, in erster Linie die damalige „DEMOS“-Regierung<br />
und deren Innenminister Igor Bavčar<br />
(aber später auch alle Drnovšek-Regierungen)<br />
politisch in vollem Umfang für diesen skandalösen<br />
Umgang mit den Menschenrechten<br />
verantwortlich. Noch viel größere Verantwortung<br />
hatte indessen der damalige Staatssekretär<br />
Slavko Debelak, ein Verwaltungsrechtler,<br />
der die Politiker mit politisch erwünschten „juridischen<br />
Erklärungen“ versorgte…<br />
Dennoch kam es ein Jahr später zu einem Referendum,<br />
das im Wesentlichen gegen die „<strong>Izbrisani</strong>“ gerichtet<br />
war. Dieses Problem ist bislang nicht gelöst<br />
worden…<br />
Ja, für Slowenien als vorgeblichen Rechtsstaat<br />
eine erstaunliche und wirklich traurige<br />
Geschichte: Dieses Referendum hätte als offensichtlich<br />
verfassungswidrig vom Verfassungsgericht<br />
verboten werden sollen, aber der<br />
Parlamentspräsident versäumte die Frist für einen<br />
Anruf des Verfassungsgerichts um einen<br />
Tag, und dieses konnte nun nichts mehr unternehmen.<br />
Ein weiteres Paradoxon: Das Referendum<br />
annullierte nur ein Gesetz, das ohnehin<br />
verfassungswidrig war, weil es nur 4.000<br />
anstelle von 12.000 (wie es das Verfassungsgerichtsurteil<br />
verlangt hatte) „ausgelöschten“<br />
Personen ihren Status zurückgeben wollte.<br />
Aber es folgten noch weitere, noch unglaublichere<br />
Absurditäten. Erstens: Trotz der Annullierung<br />
des von ihm eingebrachten Gesetzes<br />
setzte Innenminister Dr. Bohinc in den<br />
folgenden Monaten eben dieses nicht mehr<br />
bestehende Gesetz um und missachtete somit<br />
das Verfassungsgerichtsurteil, indem nur<br />
4.000 statt 12.000 Bescheide ausstellte. Zweitens:<br />
Die damalige Opposition drohte ihm<br />
im Parlament mit einem Strafverfahren, weil<br />
Interview mit Matevž Krivic<br />
er überhaupt die vom Verfassungsgericht verlangten<br />
Bescheide auszugeben begann (dann<br />
stellte er nach 4.000 Bescheiden die Ausgabe<br />
ein). Aber auch diese 12.000 stellen nur zwei<br />
Drittel von insgesamt 18.305 „Ausgelöschten“<br />
dar. Für die übrigen 6.000 verlangte das Verfassungsgericht<br />
die Verabschiedung eines Sondergesetzes<br />
innerhalb von sechs Monaten, also<br />
bis Oktober 2003. Die damalige „linke“ Regierung<br />
brachte ein derartiges Gesetz aber erst im<br />
Oktober des folgenden Jahres ein, dass noch<br />
dazu unzulänglich war, weil es das Problem<br />
nur zum Teil gelöst hätte. Aber auch das ging<br />
der Opposition zu weit, und es gelang ihr mit<br />
einer Reihe von Vorschlägen über ein Referendum,<br />
die alle vom Verfassungsgericht abgewiesen<br />
wurden, die Verabschiedung des Gesetzes<br />
zu verhindern. Jetzt befindet sich die damalige<br />
Opposition an der der Regierung und will von<br />
einem solchen Gesetz nichts mehr wissen …<br />
Auf meine Frage, wie es um die Lösung der „<strong>Izbrisani</strong>“-Problematik<br />
steht, antwortete mir der Vorsitzende<br />
des slowenischen Državni zbor [Nationalrat],<br />
France Cukjati, am 18. Juli 2005 in Graz, dass das<br />
slowenische Innenministerium noch im Herbst ein<br />
Gesetz einbringen und damit das erlittene Unrecht<br />
wieder gutmachen würde. Kurz danach wiederholte<br />
Cukjati diese Aussage auch in Slowenien, woraufhin<br />
Sie in einem Leserbrief an die Tageszeitung „Delo“<br />
(23.7.2005) auf das Schärfste protestierten und<br />
meinten: „Von einer echten Absicht der Lösung des<br />
Problems zu sprechen, ist reiner Hohn.“ Gibt es wirklich<br />
keine politische Absicht, das Problem zu lösen?<br />
In der Tat nicht. Der neue Regierungschef<br />
Janša und andere haben seit ihrem Wahlsieg<br />
mindestens zehnmal wiederholt, dass sie nur<br />
gemeinsam mit der Opposition im Wege eines<br />
speziellen Verfassungsgesetzes dieses Problem<br />
zu „lösen“ bereit sind. Und das heißt: gar<br />
27
Interview mit Matevž Krivic<br />
nicht. Warum? Weil dieses Problem unter die<br />
einfache Gesetzgebung fällt und nicht durch<br />
ein Verfassungsgesetz lösbar ist. Mit einem<br />
Verfassungsgesetz will die Regierung nur die<br />
verfassungsgerichtliche Kontrolle des Gesetzes<br />
vermeiden – obwohl schon zwei Verfassungsgerichtspräsidenten<br />
öffentlich davor gewarnt<br />
haben, auf diese Weise die Verfassung<br />
zu missachten. Die Opposition hat diesen Weg<br />
klar abgelehnt, und so ist auch die oben zitierte<br />
Aussage von Cukjati nur leeres Gerede. Mehr<br />
noch: eine absichtliche Täuschung der Bürger.<br />
Wenn in der slowenischen Öffentlichkeit über die<br />
Lösung des Problems gesprochen wird, werden immer<br />
zwei gesetzliche Varianten in den Raum gestellt.<br />
Einerseits ein Gesetz mit Verfassungsrang, andererseits<br />
ein „systemisches Gesetz“. Für welche Variante<br />
treten Sie ein?<br />
In Betracht kommt nur ein einfaches Gesetz,<br />
man kann es auch „systemisch“ nennen. Für<br />
ein solches Gesetz – im Einklang mit dem<br />
Verfassungsgerichtsurteil von 2003 – hätte<br />
die Regierung eine ausreichende Mehrheit im<br />
Parlament, will es aber um keinen Preis verabschieden.<br />
Ein Gesetz, das die Rechte der „Ausgelöschten“<br />
nicht anerkennt, würde vor dem<br />
Verfassungsgericht keinen Bestand haben.<br />
Ähnlich wie in Kärnten, wo Haider dem Erkenntnis<br />
des Österreichischen Verfassungsgerichtshofes<br />
schon seit 2001 nicht Folge leistet.<br />
Aber dort geht es „nur“ um slowenische Ortstafeln<br />
– hier geht es um elementare Menschenrechte<br />
von 18.305 Personen, die von der Regierung<br />
gesetzwidrig verletzt worden sind.<br />
Was würde eine Entschädigung der Betroffenen kosten,<br />
was müsste alles abgegolten werden? Seinerzeit<br />
war einmal von Kosten in der Höhe von 600 Milliarden<br />
Tolar die Rede – ist das realistisch?<br />
28<br />
Niemand hat davon eine Ahnung, die erwähnte<br />
Zahl ist frei erfunden. Sicher ist nur eines:<br />
Dass eine Entschädigung gemäß Zivilrecht<br />
nur fünf Jahre nach Schadenseintritt möglich<br />
ist. Jegliche Entschädigung für in den Jahren<br />
1992–2000 erlittenes Unrecht ist somit schon<br />
heute ausgeschlossen. Wir haben natürlich ein<br />
eigenes Gesetz für diesen speziellen Fall gefordert,<br />
aber die Politiker werden ein solches Gesetz<br />
niemals verabschieden. Und bevor wir<br />
mit dieser Frage vor das Straßburger Gericht<br />
kommen, wird es sicher noch zehn bis 15 Jahre<br />
dauern …<br />
Im Juli organisierte eine weitere NGO, die „Civilna<br />
iniciativa izbrisanih aktivistov“ (CIIA), einen Hungerstreik<br />
an der österreichisch-slowenischen Grenze,<br />
um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie<br />
distanzierten sich von dieser Aktion und kritisierten<br />
deren Organisator, Aleksandar Todorović (Večer,<br />
4.7.2005). Die CIIA erwiderte ihrerseits, dass sie<br />
kein Recht hätten, den Hungerstreik zu kommentieren,<br />
und es war auch der Vorwurf zu hören, dass<br />
sie alle Aktivitäten eingestellt hätten, weil sie auf<br />
eine offizielle Lösung warteten, die aus der Sicht<br />
der CIIA nicht absehbar sei. Können Sie zu diesem<br />
Streit Stellung beziehen?<br />
Nein, für uns alle ist es besser, diese leidigen<br />
Fragen nicht öffentlich zu diskutieren. In einer<br />
derartigen Situation beschränke ich mich<br />
auf unumgängliche Reaktionen auf öffentliche<br />
Angriffe. So auch hier: Die angebliche „Einstellung<br />
aller Aktivitäten“ unseres Vereins ist<br />
eine Lüge. In den Monaten vor den Wahlen<br />
haben wir nur deshalb von öffentlichen Manifestationen<br />
abgesehen, um nicht noch mehr<br />
Xenophobie unter den Wählern zu erwecken.<br />
Ich möchte lieber nicht ausführlicher auf diese<br />
Frage eingehen.
Andererseits, wie sehen sie Todorović und seine Aktivitäten,<br />
die zumindest diesen Sommer durchaus<br />
medienwirksam waren?<br />
Ich kann nur wiederholen, was ich Herrn<br />
Todorović seit Juni 2004 schon vielmals gesagt<br />
und geschrieben habe: „Wenn wir schon nicht<br />
mehr zusammenarbeiten können, so sollten<br />
wir uns zumindest nicht gegenseitig angreifen.<br />
Wir werden alle deine konstruktiven Initiativen<br />
unterstützen, nur höre mit den ungerechten<br />
Angriffen und Lügen auf!“ Er hat<br />
damit leider nicht aufgehört, aber trotzdem<br />
haben wir seinen letzten öffentlichen Protest<br />
an der Grenze im Juli öffentlich unterstützt.<br />
Nur von der Methode des Hungerstreiks haben<br />
wir uns wegen der Gesundheitsgefährdung der<br />
Beteiligten distanziert. Vor allem aber habe ich<br />
für den Rom Ali Berisha, dessen Schicksal der<br />
Hauptgrund für den Hungerstreik war, konkrete<br />
Schritte in die Wege geleitet, um ihm<br />
die Rückkehr nach Slowenien rechtlich zu ermöglichen.<br />
Das Verfahren ist im Gange, es ist<br />
natürlich auch möglich, dass es keinen Erfolg<br />
bringt. Aber erst dann sollte man andere Methoden<br />
in Betracht ziehen.<br />
Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten<br />
Monaten? Wann ist mit einer Lösung zu rechnen?<br />
Die einzige Hoffnung für uns besteht in der<br />
Ausübung von Druck durch internationale<br />
Organisationen, vor allem vom Komissär für<br />
Menschenrechte, Gil Robles, und der Kommission<br />
gegen Intoleranz (ECRI) – Institutionen des<br />
Straßburger Europarates (nicht der EU). Aber<br />
die slowenische Regierung zeigt sich gegen<br />
Kritik von europäischen Institutionen unempfänglich.<br />
Die größte Schande für Slowenien als<br />
vorgeblichen Rechtsstaat ist vielleicht die Tatsache,<br />
dass das Land mit einer solchen menschenrechtsfeindlichen<br />
Regierung 2008 den<br />
Intervju z Matevžem Krivicem<br />
Vorsitz in der EU übernehmen soll. In dieser<br />
Welt ist scheint alles möglich – nur die Durchsetzung<br />
der Menschenrechte gegenüber einer<br />
feindlich gesinnten Staatsmacht ist anscheinend<br />
unerreichbar.<br />
Intervju z Matevžem Krivicem<br />
Herwig Höller<br />
Matevž Krivic, Vi ste pravni zastopnik „Društva<br />
izbrisanih prebivalcev Slovenije“, ki se zavzema za<br />
pravice tako imenovanih „izbrisanih“. Kdaj in kako<br />
ste prvič izvedeli za problem „izbrisanih“?<br />
Kot ustavni sodnik (1990-1998), ko smo bili<br />
v letih 1994-95 soočeni s prvimi primeri, ki<br />
pa so bili od pravno neukih ljudi zelo nejasno<br />
formulirani. Od oblasti tudi niso prejeli<br />
nobenih odločb, da bi proti njim lahko vložili<br />
tožbe – to je bil za njihov velik problem in prav<br />
v tem je tudi obrazložitev dejstva, da so od več<br />
kot 18.000 „izbrisanih“ prišli pred sodišča le<br />
nekateri redki primeri. Jaz s svojimi pogledi na<br />
ta problem na ustavnem sodišču najprej zelo<br />
dolgo nisem mogel prodreti – in šele junija<br />
1998, nekaj mesecev pred iztekom mandata<br />
prve zasedbe ustavnega sodišča, sem končno<br />
lahko pripravil neko preliminarno rešitev, ki<br />
pa je bila (presenetljivo) sprejeta celo s 6 : 1.<br />
Naši nasledniki na ustavnem sodišču so nato<br />
že februarja 1999 ta dva prva primera pripeljali<br />
do konca in zelo jasno odločili, da izbris, ki<br />
se je zgodil 26. februarja 1992 (tako rekoč<br />
tajno, brez vsakih odločb), ni imel nikakršne<br />
zakonske podlage in da je treba zakon takoj<br />
popraviti, da bi s tem omogočili rešitev nastalih<br />
problemov v skladu z ustavo.<br />
Od kdaj se intenzivno ukvarjate s to tematiko?<br />
29
Intervju z Matevžem Krivicem<br />
V letih 1999-2001 sem bil tako okupiran z<br />
drugimi težkimi ustavnopravnimi problemi<br />
(najprej s problemom, kako odstraniti<br />
škandalozno ustavnosodno potvorbo izida<br />
referenduma o uvedbi večinskega volilnega<br />
sistema, kar je bilo možno šele s spremembo<br />
ustave leta 2000, in nato s tožbo pred novim<br />
ustavnim sodiščem proti pogodbi Slovenije z<br />
Vatikanom), da celo prej omenjene odločitve<br />
iz februarja 1999 nisem poznal (je pa tudi v<br />
medijih ostala popolnoma zamolčana). Šele<br />
točno deset let po „izbrisu“, ko so trije izbrisani<br />
na Ptuju (pri Mariboru) februarja 2002<br />
ustanovili prvo društvo izbrisanih, sem začel<br />
takoj delovati kot njihov pravni zastopnik.<br />
Leta 2003 je slovensko ustavno sodišče ugodilo<br />
vaši tožbi proti zakonskim podlagam, ki so<br />
pripeljale do izbrisa okrog 18.000 iz drugih<br />
jugoslovanskih republik izvirajočih prebivalcev<br />
Slovenije iz prijavnih registrov in je ta izbris<br />
razglasilo za protiustaven. Ali lahko na kratko<br />
pojasnite, zakaj je bil izbris protiustaven?<br />
Kot sem že povedal: ker ni imel nobene<br />
zakonske podlage in dodatno še zato, ker je<br />
bil izpeljan „tajno“ (brez vsake odločbe). Oba<br />
razloga sta seveda tesno povezana: če za neki<br />
upravni akt ni nobene zakonske podlage, potem<br />
o tem tudi ne moreš izdati nikakršne odločbe.<br />
Da nekdo kljub temu izvede tak nezakonit<br />
upravni akt z zelo težkimi posledicami, mora<br />
za to že imeti „važne“ politične razloge…<br />
Toda, da ne bi bil do naših politikov krivičen:<br />
o pravu in pravnih vprašanjih so takrat vedeli<br />
– in vedo še danes – zelo zelo malo. Kljub temu<br />
so seveda, v prvi vrsti takratna „Demosova“<br />
vlada in notranji minister Igor Bavčar (toda<br />
kasneje tudi vse Drnovškove vlade) v polnem<br />
obsegu politično odgovorni za ta škandalozni<br />
odnos do človekovih pravic – toda še veliko<br />
30<br />
večja odgovornost leži na takratnem državnem<br />
sekretarju Slavku Debelaku, ki je bil magister<br />
prava in je politike oskrboval s politično<br />
zaželenimi „pravnimi razlagami“…<br />
Vendar pa je eno leto kasneje prišlo do<br />
referenduma, ki je bil v bistvu uperjen proti<br />
„izbrisanim“ in problem vse do danes pravno<br />
še ni rešen…<br />
Da, to je bila za Slovenijo kot domnevno pravno<br />
državo nova presenetljiva in res žalostna<br />
zgodba: ta referendum bi moral biti kot očitno<br />
protiustaven od ustavnega sodišča prepovedan,<br />
toda predsednik parlamenta je predlog na<br />
ustavno sodišče vložil en dan prepozno –<br />
in ustavno sodišče ni moglo storiti ničesar.<br />
Nadaljnji paradoks: z uspešnim referendumom<br />
je bil samo odstranjen (razveljavljen) neki<br />
zakon, ki je bil tako in tako protiustaven<br />
(ker je hotel vrniti sporni status samo 4.000<br />
„izbrisanim“ osebam namesto 12.000, kot je to<br />
zahtevala sodba ustavnega sodišča). Toda sledili<br />
so še nadaljnji, še bolj neverjetni paradoksi.<br />
Prvič, kljub razveljavitvi zakona, ki ga je on<br />
sam predlagal, je notranji minister dr. Bohinc<br />
v naslednjih mesecih izvršil točno ta ne več<br />
obstoječi zakon in ne sodbo ustavnega sodišča,<br />
izdal je torej samo 4.000 namesto 12.000<br />
odločb! In drugič: takratna opozicija mu je v<br />
parlamentu grozila s kazenskim postopkom,<br />
ker je sploh začel izdajati te, od ustavnega<br />
sodišča zahtevane odločbe (in nato je končal<br />
pri 4.000 odločbah, namesto da bi izdal vseh<br />
12.000)! Toda teh 12.000 ljudi sta le dve tretjini<br />
od vseh 18.305 izbrisanih – za preostalih 6.000<br />
je ustavno sodišče zahtevalo, da bi bilo treba v<br />
šestih mesecih, torej do oktobra 2003, sprejeti<br />
poseben zakon. Prejšnja „leva“ vlada je tak<br />
(ampak slab, le polovico problemov rešujoč)<br />
zakon predložila šele oktobra 2004, ampak tudi<br />
to je bilo za takratno opozicijo preveč in ji je z
mnogimi novimi zahtevami za referendum, ki<br />
pa so bile od ustavnega sodišča vse zavrnjene,<br />
vendarle uspelo, da je sprejetje takega zakona<br />
v prejšnjem zakonodajnem obdobju preprečila.<br />
Sedaj je ta opozicija prišla na oblast – in noče o<br />
takem zakonu nič več slišati…<br />
Na moje vprašanje, kaj je sedaj z reševanjem<br />
problematike „izbrisanih“, mi je predsednik<br />
slovenskega državnega zbora France Cukjati 18.<br />
julija v Gradcu odgovoril, da bo slovensko notranje<br />
ministrstvo še jeseni predložilo zakon in da bodo s<br />
tem vse pretrpljene krivice spet odpravljene. Kmalu<br />
za tem je Cukjati to izjavo ponovil tudi v Sloveniji,<br />
nakar pa ste Vi v pismu bralca v dnevniku Delo<br />
(23. 7.) najostreje protestirali in menili: „Govoriti o<br />
resnem namenu reševanja tega problema je navadno<br />
norčevanje.“ Ali res ni političnega namena rešiti ta<br />
problem?<br />
Res ga ni. Novi šef vlade Janša in drugi so<br />
od volilne zmage naprej najmanj desetkrat<br />
ponovili, da so pripravljeni ta problem „rešiti“<br />
samo skupaj z opozicijo s posebnim „ustavnim<br />
zakonom“, drugače pa nič. In to pomeni: nič.<br />
Zakaj? Zato, ker je ta problem vprašanje<br />
navadne zakonodaje in ni rešljiv z ustavnim<br />
zakonom. Z ustavnim zakonom bi se želela<br />
vlada samo izogniti ustavnosodni kontroli<br />
zakona – čeprav sta že dva predsednika<br />
ustavnega sodišča posvarila pred takim<br />
kršenjem ustave, ki da bo po njunih besedah<br />
tudi ostalo brez uspeha. Opozicija je ta način<br />
reševanja jasno odklonila – in tako so tudi<br />
navedene Cukjatijeve besede zgolj prazne<br />
besede. Še slabše: namerno zavajanje naivne<br />
publike.<br />
Kadar se v slovenski javnosti govori o zakonskih<br />
rešitvah tega problema, se vedno govori o dveh<br />
zakonskih variantah: po eni strani o ustavnem<br />
Intervju z Matevžem Krivicem<br />
zakonu, po drugi strani o „sistemskem zakonu“. Za<br />
katero varianto se zavzemate Vi?<br />
Samo navaden zakon (lahko se seveda<br />
imenuje tudi „sistemski“) pride v poštev. Za<br />
sprejetje takega zakona ima vlada zadostno<br />
večino v parlamentu – toda tega noče narediti.<br />
Pravicam „izbrisanih“ nasproten zakon ne<br />
bi imel nobenih izgledov pred ustavnim<br />
sodiščem – zakona v skladu s sodbo ustavnega<br />
sodišča iz leta 2003 pa vlada za nobeno ceno<br />
noče narediti. Podobno kot na Koroškem, kjer<br />
Haider že dolgo noče slediti odločbi avstrijskega<br />
ustavnega sodišča. Ampak tam gre „samo“<br />
za slovenske krajevne napise – tu pa gre za<br />
elementarne človekove pravice 18.305 ljudi, ki<br />
jih je nezakonito prekršila vlada sama.<br />
Koliko pa bi poprava krivic in odškodnina znašala,<br />
kaj vse bi moralo biti kompenzirano? Enkrat<br />
se je govorilo o 600 milijardah tolarjev – je to<br />
realistično?<br />
Nihče nima pojma o tem – omenjena številka<br />
je popolnoma izmišljena. Gotovo je le eno: da<br />
je odškodnina (v skladu s civilno zakonodajo)<br />
možna samo pet let od nastanka škode. Vsaka<br />
odškodnina za (velike) škode v letih 1992-<br />
2000 je torej že danes popolnoma nedosegljiva.<br />
Mi smo seveda zahtevali poseben zakon za<br />
ta posebni primer, toda naši politiki ne bodo<br />
takega zakona nikoli sprejeli. In preden bomo s<br />
tem vprašanjem lahko prišli pred strassburško<br />
sodišče, bo trajalo gotovo še 10 ali 15 let…<br />
Julija je neka druga nevladna organizacija,<br />
„Civilna iniciativa izbrisanih aktivistov“ (CIIA),<br />
organizirala gladovno stavko na avstrijsko-slovenski<br />
meji, da bi opozorila na nerešenost problema. Vi ste<br />
se od te akcije distancirali in ste kritizirali, da je<br />
organizator gladovne stavke Aleksandar Todorović<br />
odklonil Vašo prošnjo, da bi se vprašanje najprej<br />
31
Intervju z Matevžem Krivicem<br />
razjasnilo po pravni poti (Večer, 4. 7. 2005). CIIA<br />
pa je odgovorila, da vi nimate nobene pravice<br />
komentirati gladovne stavke in slišati je bilo tudi<br />
očitek, da ste ustavili vse aktivnosti, ker ste čakali na<br />
uradno rešitev, ki pa je po mnenju CIIA ni mogoče<br />
pričakovati. Ali lahko komentirate ta spor?<br />
Ne, za vse nas je bolje, če o teh bolečih<br />
vprašanjih ne razpravljamo v javnosti. Ob vsaki<br />
taki priložnosti se omejim le na najnujnejše<br />
odgovore na javne napade. Tako tudi tukaj:<br />
domnevna „ustavitev vseh aktivnosti“ našega<br />
društva je laž. V mesecih pred volitvami smo<br />
se samo odpovedali javnim manifestacijam, da<br />
ne bi med volivci vzbudili še več ksenofobije. Že<br />
iz Vašega vprašanja si lahko vsak predstavlja,<br />
da je do razcepa med nami junija 2004 prišlo<br />
zaradi različnih pogledov na metode našega<br />
boja. Globlje v to vprašanje pa raje ne bi šel.<br />
Kako pa gledate na Todorovića in njegove<br />
aktivnosti, ki so bile vsaj to poletje vsekakor medijsko<br />
učinkovite?<br />
Lahko le ponovim, kar sem od junija 2004<br />
gospodu Todoroviću že velikokrat rekel in<br />
napisal: „Če ne moremo več skupaj delati, se<br />
vsaj medsebojno ne napadajmo. Mi bomo<br />
podprli vse tvoje dobre iniciative – samo<br />
prenehaj z nepravičnimi napadi in z lažmi!“<br />
On s tem žal ni prenehal, kljub temu pa smo<br />
njegov zadnji javni protest na meji (julija)<br />
javno podprli, le od metode gladovne stavke<br />
smo se distancirali (zaradi ogrožanja življenj<br />
nedolžnih ljudi). Predvsem pa sem za Roma<br />
Alija Berisho, katerega usoda je bila glavni<br />
razlog za stavko, naredil konkretne korake, da<br />
bi mu omogočil vrnitev v Slovenijo po pravni<br />
poti. Postopki so v teku – gotovo je možno, da<br />
bodo tudi to neuspešno. A šele potem bodo<br />
morda tudi druge metode lahko učinkovitejše.<br />
32<br />
Kakšen razvoj pričakujete v naslednjih mesecih, s<br />
kakšnimi koraki je treba računati? In kdaj lahko<br />
pričakujemo rešitev?<br />
Edino upanje za nas so možni pritiski<br />
mednarodnih instanc, predvsem komisarja<br />
za človekove pravice gospoda Gila Roblesa in<br />
komisije proti nestrpnosti (ECRI) – oboje sta<br />
instituciji strassburškega Sveta Evrope (ne EU).<br />
Toda naša vlada ne kaže niti nasproti kritikam<br />
iz evropskih institucij nobenega spoštovanja.<br />
Največja sramota za Slovenijo kot domnevno<br />
pravno državo je morda dejstvo, da bi Slovenija<br />
s takšno, človekovim pravicam sovražno vlado,<br />
morala leta 2008 prevzeti predsedovanje EU. V<br />
tem svetu je res vse mogoče – le spoštovanje<br />
človekovih pravic nasproti njim sovražni<br />
državni oblasti je skoraj nedosegljivo.
Usodna privlačnost<br />
juga<br />
Odnos Slovencev do kulture bivših<br />
jugoslovanskih republik<br />
� Text: Tanja Petrović<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Tanja Petrović<br />
Tanja Petrović, jezikoslovka (diplomirala<br />
1998 in magistrirala 2002 v Beogradu,<br />
doktorirala 2005 v Ljubljani), zaposlena na<br />
Znanstvenoraziskovalnem centru v Ljubljani in<br />
Balkanološkem inštututu v Beogradu. Ukvarja<br />
se z antropološko lingvistiko, vprašanji manjšin<br />
ter kulturnimi procesi na prostorih bivše<br />
Jugoslavije – Tanja Petrović arbeitet als<br />
Sprachwissenschaftlerin (Diplom 1998, Magisterium<br />
2002 in Belgrad, Doktorat 2005 in<br />
Ljubljana) am Wissenschaftsforschungsinstitut<br />
in Ljubljana und am Institut für Balkanologie in<br />
Belgrad. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit<br />
antropologischer Linguistik, Minderheitenfragen<br />
und kulturellen Prozessen auf dem Gebiet<br />
des ehemaligen Jugoslawiens.<br />
Usodna privlačnost juga<br />
Maja 2004 je Republika Slovenija kot prva in najuspešnejša med državami na območju bivše<br />
Jugoslavije postala del velike evropske družine. V obdobju po praznovanju prve obletnice članstva<br />
v Evropski skupnosti in po štirinajstih letih samostojnosti Slovenije se mi zdi smiselno postaviti<br />
vprašanje, kakšen je odnos Slovenije in Slovencev do ostankov zapuščine nekoč skupne države. Po<br />
skoraj poldrugem desetletju propada skupne države, njene bivše republike na svetovnem političnem<br />
zemljevidu nastopajo kot neodvisne države in v skladu s tem, kljub nekaterim težavam in odprtim<br />
vprašanjem, čedalje bolj urejajo medsebojne odnose. Kaj pa je z individualnim in kolektivnim<br />
spominom, nastalim v teku sedemdesetih letih obstoja Jugoslavije? Jugoslovansko nasledstvo<br />
in skupni spomin, ki ju delijo nekdanji državljani Jugoslavije, ne glede na njihove medsebojne<br />
razlike in izvirno različne kulturne tradicije, v veliki meri še vedno oblikujeta na teh prostorih tudi<br />
odnos in distanco do drugega in tujcev: 1 tako na mednarodnih športnih dogodkih, kjer v primeru,<br />
da se “naša” nacionalna reprezentanca ne kvalificira ali izpade iz tekmovanja, bivši Jugoslovani<br />
navijamo za “druge naše”, torej za reprezentanco ene izmed nekdanjih jugoslovanskih republik. Iz<br />
istega razloga v prodajalnah CD plošč v Ljubljani glasba, ki nastaja na prostorih bivše Jugoslavije,<br />
ni razvrščena na policah skupaj s tujo glasbo, temveč ima poseben status in je označena kot „bivša<br />
domača glasba”. Odnos do bivših jugoslovanskih republik je ne nazadnje v Sloveniji drugačen tudi<br />
zaradi velikega števila ljudi, ki prihajajo iz tistih prostorov in so danes prebivalci ali državljani<br />
Republike Slovenije. Kakšen je pravzaprav ta odnos? Kako se oblikuje in kdo ga oblikuje?<br />
V nadaljevanju tega besedila bomo nekaj pozornosti posvetili odnosu Slovencev do Srbije in srbske<br />
kulture in ob tem skušali najti odgovor na predhodno postavljena vprašanja.<br />
V zadnjih letih Slovenci zelo radi hodijo v Srbijo. Po desetletju molčanja in ignoriranja je v Sloveniji<br />
nastopilo „ponovno odkrivanje” Srbije. In kakšna je ta Srbija? V seriji oddaj slovenske nacionalne<br />
33
Usodna privlačnost juga<br />
televizije „Čez planke”, kjer voditeljica<br />
predstavlja druge države in življenjske navade<br />
v teh državah, je bila ena oddaja namenjena<br />
spoznavanju Srbije in Črne gore. Srbija je bila<br />
predstavljena kot precej bizarno carstvo turbofolka,<br />
velik del oddaje so posvetili prav avtorjem<br />
in izvajalcem te glasbene zvrsti. V oddaji je bila<br />
na široko predstavljena Svetlana Ražnatović<br />
alias Ceca, s katero se je novinarka pogovarjala<br />
v prostorih nogometnega kluba „Obilić”,<br />
katerega direktorstvo je Ceca podedovala od<br />
ubitega moža Željka Ražnatovića Arkana, enega<br />
najhujših vojnih zločincev na prostoru bivše<br />
Jugoslavije. Scenarij oddaje je veliko prostora<br />
namenil tudi zelo nenavadnim osebnostim,<br />
kot je Giovanni, žigolo, ki obratuje v Vrnjački<br />
Banji, najbolj znanih srbskih toplicah, kjer<br />
za denar kratkočasi gospe v zrelih letih. Niti<br />
besede ni bilo namenjene srbskim pisateljem,<br />
igralcem, znanstvenikom. Niti besede o<br />
gledaliških, filmskih in glasbenih festivalih.<br />
Nič drugačne podobe Srbije ne ponujajo svojim<br />
klientom številne slovenske potovalne agencije,<br />
ki organizirajo tako obiske Beograda za novo<br />
leto in vikend popotovanja kot tradicionalna<br />
potovanja v Gučo na Sabor trubača. Med<br />
glavne atrakcije Beograda agencije predlagajo<br />
ogled hiše Cece Ražnatović in nepozabni<br />
žur na enem izmed beograjskih splavov na<br />
Savi, kjer se predvaja prepoznavna turbo-folk<br />
glasba.<br />
S tem ni nič narobe. Ponudba je odvisna v<br />
veliki meri od zahtev trga in potemtakem<br />
je razumljivo, da je taka, kot je: ponuja se<br />
pravzaprav to, kar je najlažje prodati. Pa vendar<br />
Slovenci poznajo tudi druge plati srbske kulture:<br />
poslušajo srbski rok, gledajo srbske gledališke<br />
predstave in filme. V Srbijo gredo tudi iz drugih<br />
razlogov in ne samo zaradi poceni zabave. O<br />
takšni Srbiji pa v slovenskih medijih ne slišimo<br />
34<br />
skoraj nič. Kaj povprečno informiranemu<br />
Slovencu pade na pamet, če ga povprašamo<br />
o glasbenem festivalu v Srbiji? Trobentači v<br />
Guči, seveda: par vročih avgustovskih dni nore<br />
zabave ob balkanski glasbi in balkanski hrani<br />
v močno alkoholizirani atmosferi. Kaj pa je z<br />
EXIT-om, največjim balkanskim festivalom<br />
sodobne glasbe, ki se je v tem letu že petič<br />
odvijal v Novem sadu? Na začetku julija 2005<br />
je na EXIT odpotovalo veliko mladih Slovenk<br />
in Slovencev. Tako kot leto poprej in leta pred<br />
tem. V slovenskem medijskem prostoru je<br />
vendarle ta dogodek dobil zelo malo prostora.<br />
Bilo je nekako tako: kdor je vedel in ga je<br />
dogajanje festivala zanimalo, je lahko o EXITu<br />
dobil informacije. Ostala javnost pa o tem<br />
ni mogla veliko zvedeti, saj so mediji o tem<br />
poročali zelo skopo. EXIT je urbani dogodek<br />
svetovnih razmer, pravi evropski festival na<br />
Balkanu. Zakaj nihče v Sloveniji ne govori o<br />
balkanski kulturi, ki je istočasno zelo evropska,<br />
ki je urbana in primerljiva s kulturo ostalih<br />
svetovnih metropol? Zakaj je za slovenski<br />
prostor zanimiv samo tisti del srbske kulture,<br />
ki ima močen priokus neokusa? Če bi šlo za<br />
državo, ki je od Slovenije oddaljena tisoče<br />
kilometrov in o kateri Slovenci vedo zelo malo,<br />
bi lahko poiskali razlago v nerazumevanju<br />
in nevednosti. Tukaj pa očitno gre za nekaj<br />
drugega.<br />
Čeprav si nekateri slovenski intelektualci<br />
prisotnost jugonostalgije med Slovenci in<br />
njihova potovanja v Srbijo razlagajo z izključno<br />
ekonomskega vidika ter navajajo kot pararelni<br />
primer današnjim potovanjem v Srbijo<br />
potovanja na Češkoslovaško pred leti, je težko<br />
verjeti, da mladi Slovenci množično praznujejo<br />
novo leto v Beogradu samo zato, kjer je tam<br />
vse poceni. Je mogoče povod za obisk tudi to,<br />
da v novoletni noči na beograjskih trgih igrajo
najbolj znane srbske rok in pop skupine, ki<br />
so drugače zelo priljubljene tudi v Sloveniji?<br />
So mogoče koncerti Ramba Amadeusa, „Van<br />
Gogha”, „Darkwood duba” in ostalih – torej<br />
spet zelo urbani glasbeni dogodek, ki ga Beograd<br />
za vsako novo leto ponuja svojim prebivalcem<br />
in gostom – to, kar mlade Slovenke in Slovence<br />
vleče v srbsko prestolnico? Ne nazadnje, kaj<br />
pa so Slovenci (in vsi ostali) vedeli o češki in<br />
slovaški glasbi in kulturi, ko so tja množično<br />
potovali na zelo poceni zimske počitnice?<br />
Še bolj jasno se pokaže, da ekonomska razlaga<br />
zanimanja Slovencev za Srbijo ni ne edina<br />
ne najbolj verjetna, če pogledamo sodobno<br />
kulturno produkcijo na slovenskem prostoru:<br />
kot primer lahko navedemo sodobno slovensko<br />
kinematografijo. Trije najbolj gledani slovenski<br />
filmi po letu 1991 so „Kajmak in marmelada”<br />
(2003), „Outsider” (1997) in „Nikogršnja<br />
zemlja” (2001) 2 . Prvi na lestvici, “Kajmak in<br />
marmelada”, je zgodba o ljubezni med Slovenko<br />
in Bosancem. Avtor filma in nosilec glavne<br />
vloge, Branko Ðurić (sarajevski igralec, ki že<br />
vrsto let živi v Ljubljani, znan na celotnem<br />
prostoru bivše Jugoslavije po vlogi v legendarni<br />
TV nadaljevanki iz osemdesetih let „Top lista<br />
nadrealista” in član nekdanje rock-skupine<br />
„Bombaj štampa”), se v filmu subtilno igra s<br />
stereotipi o Slovencih in Bosancih, nastalimi<br />
v njihovem neposrednem stiku bivanja v<br />
slovenskem prostoru. Film „Outsider” (režija<br />
Andrej Košak) govori o težavah mladeniča<br />
iz etnično mešanega zakona: oče je bosanski<br />
oficir JLA, mati pa Slovenka, gospodinja.<br />
Družina se zaradi očetove službe pogosto<br />
seli po celi Jugoslaviji, zgodba pa se začne z<br />
njenim prihodom v Ljubljano leta 1979. V<br />
filmu se togi principi jugoslovanskega oficirja<br />
soočajo s pogledi njegovega sina, oblikovanimi<br />
pod močnim vplivom ljubljanske punk-<br />
Usodna privlačnost juga<br />
kulture. Tretji na lestvici je film „Nikogaršnja<br />
zemlja” (režija Danis Tanović), čigar zgodba je<br />
umeščena v z vojno zajeto Bosno in obravnava<br />
usodo treh vojakov, pripadajočim sovražnim<br />
vojskami, ki se znajdejo na nikogaršnji zemlji.<br />
Kot je razvidno iz pravkar podanih kratkih<br />
opisov, so vsi trije najbolj gledani slovenski<br />
filmi v samostojni Sloveniji tako ali drugače<br />
povezani z bivšo Jugoslavijo. Filmski kritik in<br />
teoretik Marcel Stefančič jr. je napisal, da „če<br />
hoče slovenski film zelo potegniti in postati<br />
mega hit, mora biti zgodba nekako povezana<br />
z bivšo Jugoslavijo… Če hoče slovenski film<br />
v Sloveniji uspeti, ne sme ignorirati Bosancev,<br />
‘Bosancev’ (splošni naziv za vse, ki prihajajo<br />
južno od reke Kolpe, T. P.) in drugih ‘južnjakov’.<br />
Jug je del formule za uspeh.” 3 Skupno znanje in<br />
skupni spomini na jugoslovanski prostor očitno<br />
še vedno v veliki meri vplivajo na kulturno<br />
podobo post-jugoslovanskih družb.<br />
Če je že tako, kako lahko razložimo poudarjanje<br />
zgolj zelo drugačnih in zelo bizarnih aspektov<br />
srbske kulture v slovenskem javnem diskurzu?<br />
In, če vprašanje postavimo na raven „navadnih<br />
ljudi”, tj. porabnikov kulture – zakaj Slovenci<br />
množično obožujejo Ceco Ražnatović in na<br />
„saboru” v Guči nosijo majice s portreti haaških<br />
obtožencev Ratka Mladića in Radovana<br />
Karadžića? Beograjski novinar Teofil Pančić v<br />
tedniku „Vreme” to slovensko oboževanje srbskih<br />
bizarnosti, ta „antiglobalizacijski turizem”,<br />
razlaga kot del širšega „turbolevičarskega<br />
diskurza, ki nasprotuje establišmentu, Evropski<br />
skupnosti in zvezi NATO”. Kot nekdo, ki že pet<br />
let živi med Beogradom in Ljubljano ter dobro<br />
pozna situacijo v obeh okoljih in se v obeh počuti<br />
doma, lahko ponudim bolj kompleksen odgovor<br />
na postavljeno vprašanje, odgovor, ki ima dva<br />
dela, ki sta med sabo vseskozi povezana, saj se<br />
prepletata in podpirata. Orientalizirana podoba<br />
35
Usodna privlačnost juga<br />
Srbije kot hedonističnega raja za radovedne,<br />
zabave željne in od resnega dela utrujene<br />
slovenske turiste, raja, polnega bizarnih scen<br />
in oseb, je en izmed načinov, kako slovenska<br />
družba, posebno ta njen del, ki sodeluje v<br />
oblikovanju javnega mnenja, poskuša upravičiti<br />
pojav ti. „jugonostalgije”, zelo prisoten na vseh<br />
prostorih bivše države. Jugonostalgija se namreč<br />
marsikaterim zdi neprimerna in nezdružljiva<br />
z zgodbo o uspehu samostojne Slovenije.<br />
Zanimanje za Srbijo in ohranjevanje skupnega<br />
kulturnega prostora je nekaterim lažje sprejeti<br />
v kolonizacijskem ključu, kot zanimanje za<br />
nekaj, kar je zelo drugačno in zelo oddaljeno, pri<br />
čemer ni nevarnosti identifikacije – z bizarnimi<br />
scenami čaščenja vojnih zločincev ali tem,<br />
kar se dogaja na „določeni vrsti beograjskih<br />
splavov”, se je namreč težko identificirati, razen<br />
na sproščenih, razposajenih in neobvezujočih<br />
počitnicah. Vse to je zelo daleč od doma, kjer<br />
je resno življenje. Doma je Evropa. „Normalne”,<br />
evropske, urbane, univerzalno ovrednotene<br />
manifestacije kulture, kot je recimo srbska, se pri<br />
tem, razumljivo, ignorirajo. Drugi del odgovora<br />
je povezan s vsesplošno komercializacijo<br />
slovenske družbe in njenih vrednot: vredno<br />
in sprejemljivo je to, kar je najlažje prodati, in<br />
tukaj se vse bolj pogosto končajo vse razprave<br />
o kakovosti in okusu. 4 V takem diskurzu<br />
se da vse relativizirati; tako je že omenjana<br />
Ceca Ražnatović dobila neverjeten prostor v<br />
slovenskih medijih v času njenega koncerta v<br />
maju l. 2005, celo na nacionalni televiziji, ki<br />
naj bi skrbela za kulturno politiko v državi.<br />
Povezano s prvim delom odgovora pa je dejstvo,<br />
da je omenjena gospa na veliko reklamirana kot<br />
„ikona srbske glasbe”, in se je v medijih celo<br />
pojavljal argument, da njen koncert v slovenski<br />
prestolnici potrjuje, da se v Sloveniji skrbi za<br />
kulturne potrebe Srbov, ki v tej državi živijo v<br />
36<br />
velikem številu. Argument, ki ga je veliko Srbov<br />
v Sloveniji (vključno z avtorico tega besedila)<br />
doživelo kot žaljiv, saj so zanje C. Ražnatović<br />
in njen soprog ter njena glasba najizrazitejši<br />
simbol časov in vrednot režima Slobodana<br />
Miloševića, zaradi katerega je nenazadnje<br />
veliko od njih tudi zapustilo Srbijo. Čeprav to ni<br />
dejstvo, ki je v Sloveniji neznano, je izenačevanje<br />
vseh že preverjeno učinkovit mehanizem<br />
orientalizacije. Lahkotno sprejemanje takih<br />
vrednot in takih mehanizmov, ki so zadnje<br />
čase značilni za slovensko družbo, bi težko<br />
ne povezali s trenutno politično in družbeno<br />
situacijo v Republiki Sloveniji. Kot se zdi, je<br />
ravno današnji čas, bolj kot kadarkoli pred tem,<br />
ožigosan s pomanjkanjem politične in družbene<br />
angažiranosti kulturnih delavcev. Ali pa je<br />
naključje, da je prav skupina „Laibach”, za katero<br />
lahko rečemo, da je prava „slovenska glasbena<br />
ikona”, in to po svetovno priznanih merilih, in<br />
istočasno ena izmed redkih glasbenih skupin na<br />
slovenski sceni, katerih člani ob muziki izražajo<br />
tudi čvrsto politično stališče in zagovarjajo<br />
določene družbene vrednote, dobila drastično<br />
zmanjšano denarno podporo Ministrstva za<br />
kulturo Republike Slovenije, ki sofinancira<br />
najkvalitetnejše izvajalce javnih kulturnih<br />
programov s področja uprizoritvene, glasbene,<br />
vizualne ter intermedijske umetnosti? 5<br />
OPOMBE<br />
1 Prav zaradi skupne zgodovine večnacionalne države Jugoslavije šteje<br />
zgodovinarka Maria Todorova Slovenijo za del Balkana, ker “zgodovine<br />
Balkana v 20. stoletju ni možno predstaviti, če se območje nekdanje<br />
Jugoslavije ne obravnava kot celota” (prim. Maria Todorova, Introduction:<br />
Learning Memory, Remembering Identity, v: “Balkan Identities, Nation and<br />
Memory”, Maria Todorova (ed.), New York: New York University Press 2004,<br />
str. 13, opomba 27).<br />
2 Vir: Več kot 100.000 gledalcev, “Mladina”, 5. januar 2004.<br />
3 Več kot 100.000 gledalcev, “Mladina”, 5. januar 2004.<br />
4 To je, recimo, bilo zelo razvidno v diskusiji o slovenskem turbo-folku v oddaji<br />
“Trenja” na POP-TV 3. februarja 2005.<br />
5 Prim. Izjavo za javnost skupine „Laibach” ob vložitvi tožbe zoper državo v<br />
časopisu „RockOnNet”, 11. marec 2005, http://www.rockonnet.com/clanek.<br />
php?id=2&article=2930.
Schicksalhafter Charme des<br />
Südens<br />
Die Beziehung der Slowenen zur<br />
Kultur der ehemaligen jugoslawischen<br />
Teilrepubliken<br />
Im Mai 2004 wurde Slowenien als erster und<br />
erfolgreichster der auf dem Gebiet des ehemaligen<br />
Jugoslawiens entstandenen Staaten Teil<br />
der großen europäischen Familie. In der Zeit<br />
nach den Feiern anlässlich der einjährigen Mitgliedschaft<br />
in der EU und nach 14 Jahren der<br />
Unabhängigkeit Sloweniens erscheint es mir<br />
sinnvoll, sich die Frage zu stellen, wie die Beziehung<br />
Sloweniens und seiner Bürger zum<br />
Rest des einstigen gemeinsamen Staates aussieht.<br />
Fast eineinhalb Jahrzehnte nach dem<br />
Zerfall Jugoslawiens versuchen die ehemaligen<br />
Teilrepubliken als unabhängige Staaten, trotz<br />
verschiedener Probleme und offener Fragen, die<br />
zwischenstaatlichen Beziehungen zu verbessern.<br />
Wie aber verhält es sich mit der individuellen<br />
und kollektiven Erinnerung, die im Laufe<br />
des über 70-jährigen Bestehens Jugoslawiens<br />
entstanden ist? Die gemeinsame Erinnerung,<br />
die die ehemaligen Bürger Jugoslawiens ungeachtet<br />
ihrer kulturellen Unterschiede miteinander<br />
teilen, stellt noch immer in großem Maße<br />
sowohl Nähe als auch Distanz zum Anderen<br />
und auch gegenüber Dritten her. 1 Das tritt beispielsweise<br />
bei internationalen Sportereignissen<br />
zutage: Wenn „unsere“ Nationalmannschaft<br />
ausscheidet, drücken wir als vormalige<br />
Jugoslawen für „unser ehemaliges“ Team, d. h.<br />
für die Mannschaft einer der ehemaligen Teilrepubliken<br />
Jugoslawiens die Daumen. Dasselbe<br />
gilt für die Musikgeschäfte, wo auf dem Gebiet<br />
des ehemaligen Jugoslawiens produzierte<br />
Schicksalhafter Charme des Südens<br />
Musik nicht internationalen Gruppen zugeordnet<br />
wird, sondern als „ehemalige jugoslawische<br />
Musik“ einen besonderen Status einnimmt.<br />
Die Beziehung gegenüber den anderen<br />
ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken ist<br />
in Slowenien schon deswegen eine besondere,<br />
weil viele Bürger des ehemaligen Jugoslawiens<br />
heute Einwohner oder sogar Staatsbürger Sloweniens<br />
sind. Wie sieht diese Beziehung aus<br />
und wie ist sie entstanden?<br />
In weiterer Folge wird in diesem Artikel das<br />
Augenmerk auf die Beziehung der Slowenen<br />
zu den Serben und deren Kultur gerichtet, wobei<br />
der Versuch unternommen wird, Antworten<br />
auf die zuvor gestellten Fragen zu finden.<br />
Viele Slowenen besuchen seit einigen Jahren<br />
immer häufiger Serbien. Nach einem Jahrzehnt<br />
der „Eiszeit“ wird Serbien von den Slowenen<br />
„aufs Neue entdeckt“. Wie sieht dieser Staat<br />
aus? Eine Folge der Serie Čez planke (Über die<br />
Zaunlatte) im staatlichen slowenischen Fernsehen,<br />
in der andere Länder und deren Bräuche<br />
vorgestellt werden, wurde Serbien und Montenegro<br />
gewidmet. Serbien wurde als ein bizarres<br />
Reich des Turbofolks (eine Mischung aus<br />
Disco, Rap, Techno, Bauchtanz und serbischen<br />
Liedern) präsentiert, und einen Großteil der<br />
Sendung widmete man den Interpreten dieser<br />
Musikrichtung. Mit Svetlana Ražnatović alias<br />
Ceca führte eine Journalistin in den Räumen<br />
des Fußballklubs Obilić ein Interview. Die<br />
Leitung des Klubs erbte sie von ihrem getöteten<br />
Mann Željko Ražnatović alias Arkan, der<br />
als einer der größten Kriegsverbrecher im ehemaligen<br />
Jugoslawien gilt. In der Sendung erschienen<br />
auch viele außergewöhnliche Persönlichkeiten,<br />
wie z. B. Giovanni, ein Gigolo, der<br />
in Vrnjačka Banja, dem bekanntesten Kurort<br />
Serbiens, aktiv ist und für Geld Damen reiferen<br />
Alters die Langeweile vertreibt. Kein Wort<br />
37
Schicksalhafter Charme des Südens<br />
über serbische Schriftsteller, Schauspieler und<br />
Forscher. Kein Wort über Theater-, Film- oder<br />
Musikfestivals.<br />
Ein ähnliches Bild von Serbien wird von den<br />
slowenischen Reisebüros vermittelt, die Silvester-Reisen<br />
nach Belgrad, Wochenendausflüge<br />
oder längere Reisen nach Guča zum Turbofolk-<br />
Festival (Sabor Trubača) organisieren. Zu den<br />
von den Reisebüros angebotenen Topattraktionen<br />
von Belgrad zählt das Haus von „Ceca“<br />
Ražnatovič und eine unvergessliche Party auf<br />
einem Floß auf der Save mit Turbofolkmusik.<br />
Weil das Angebot von der Nachfrage bestimmt<br />
wird, ist es verständlich, das das offeriert wird,<br />
was sich am besten verkaufen lässt. Dennoch<br />
kennen die Slowenen auch andere Seiten der<br />
serbischen Kultur: Sie hören serbische Rockmusik,<br />
besuchen serbische Theaterstücke und sehen<br />
sich serbische Filme an. Billige Partys sind<br />
nicht der einzige Grund, warum die Slowenen<br />
nach Serbien fahren. Doch über diese andere<br />
Seite Serbiens wird in den slowenischen Medien<br />
fast gar nichts berichtet.<br />
Was fällt einem durchschnittlich informierten<br />
Slowenen ein, wenn man ihn über ein Musikfestival<br />
in Serbien befragt? Die Trompeter<br />
in Guča, einige heiße Sommertage im August<br />
mit wilder Partylaune, balkanischer Musik<br />
und balkanischem Essen in einer alkoholgetränkten<br />
Atmosphäre. Was ist mit dem EXIT,<br />
einem der größten Festivals für moderne Musik<br />
auf dem Balkan, das im Jahre 2005 in Novi<br />
Sad schon zum fünften Mal veranstaltet wurde?<br />
Anfang Juli 2005 nahmen viele junge Slowenen<br />
und Sloweninnen an dieser Veranstaltung<br />
teil, wie bereits 2004 und in den Jahren<br />
davor. In den slowenischen Medien wurde diesem<br />
Ereignis aber nur wenig Platz eingeräumt,<br />
obwohl EXIT ein Festival von internationaler<br />
Dimension ist. Warum spricht kein Mensch in<br />
38<br />
Slowenien über die Kultur des Balkans, die zugleich<br />
sehr europäisch, urban und mit der Kultur<br />
von Weltmetropolen vergleichbar ist? Warum<br />
ist für Slowenien nur derjenige Teil der<br />
serbischen Kultur interessant, der einen starken<br />
Geruch von Geschmacklosigkeit hat? Wenn es<br />
um einen Staat ginge, der Tausende Kilometer<br />
von Slowenien entfernt wäre und über den die<br />
Slowenen nur wenig Ahnung hätten, könnte<br />
man die Erklärung in Unwissenheit und Unverständnis<br />
suchen. Hier handelt es sich aber<br />
offensichtlich um etwas anderes.<br />
Obwohl einige slowenische Intellektuelle die<br />
„Jugonostalgie“ unter den Slowenen und deren<br />
Reisen nach Serbien ausschließlich mit<br />
wirtschaftlichen Aspekten begründen und als<br />
paralleles Beispiel die Reisen in die Tschechoslowakei<br />
vor einigen Jahren anführen, ist es<br />
schwer vorstellbar, dass die Slowenen massenweise<br />
das neue Jahr in Belgrad feiern, nur weil<br />
dort alles billig ist. Kann es auch daran liegen,<br />
dass in der Silvesternacht in den Straßen von<br />
Belgrad die bekanntesten serbischen Rock &<br />
Pop Gruppen auftreten, die auch in Slowenien<br />
sehr populär sind? Sind vielleicht die Konzerte<br />
von Rambo Amadeus, Van Gogh, Darkwood dub<br />
und anderen – also wiederum ein urbanes Musikereignis<br />
– das die Stadt Belgrad jedes Jahr<br />
zu Silvester für die Bürger und Gäste veranstaltet,<br />
gerade das, was die jungen Slowenen an<br />
der serbischen Metropole so fasziniert? Und<br />
nicht zuletzt: Was wussten die Slowenen (und<br />
auch all die anderen) über die tschechische und<br />
slowakische Musik und Kultur, als sie massenweise<br />
dorthin auf billigen Winterurlaub gefahren<br />
sind?<br />
Es zeigt sich, dass das slowenische Interesse an<br />
Serbien nicht alleine mit wirtschaftlichen Faktoren<br />
zu erklären ist, vor allem wenn wir einen<br />
Blick auf die moderne slowenische Kulturpro-
duktion werfen. Als Beispiel könnte man die<br />
zeitgenössische slowenische Filmproduktion<br />
anführen. Die drei beliebtesten slowenischen<br />
Filme nach 1991 sind Kajmak in marmelada<br />
(Kajmak und Marmelade), 2003; Outsider, 1997<br />
und Nikogaršnja zemlja (Niemandsland), 2001.<br />
Der auf Platz eins der Beliebtheitsskala rangierende<br />
Film Kajmak in marmelada mit mehr als<br />
100.000 Zuschauern 2 ist eine Liebesgeschichte<br />
zwischen einer Slowenin und einem Bosnier.<br />
Der Filmautor und Hauptdarsteller Branko<br />
Jurić 3 spielt im Film mit den gegenseitigen Vorurteilen,<br />
die Slowenen und Bosnier voneinander<br />
haben. Der Film Outsider (Regisseur Andrej<br />
Košak) zeigt die Probleme eines Jugendlichen<br />
aus einer Mischehe: Sein bosnischer Vater war<br />
Offizier in der JNA (Jugoslovenska Narodna<br />
Armija/Jugoslawische Volksarmee) und seine<br />
Mutter slowenische Hausfrau. Die Arbeit des<br />
Vaters verlangt von der Familie häufige Übersiedlungen.<br />
Die Geschichte beginnt mit deren<br />
Ankunft in Ljubljana im Jahre 1979. Im Film<br />
kollidieren die starren Prinzipien des jugoslawischen<br />
Offiziers und die Denkweise seines Sohnes,<br />
die stark von der Punk-Kultur in Ljubljana<br />
beeinflusst ist. Der dritte Film auf der Beliebtheitsskala,<br />
Nikogaršnja zemlja (Regisseur Danis<br />
Tanović), spielt im bosnischen Kriegsgebiet<br />
und berichtet vom Schicksal dreier Soldaten,<br />
die verschiedenen feindlichen Armeen angehören<br />
und im Niemandsland aufeinander treffen.<br />
Die drei beliebtesten slowenischen Filme sind<br />
also auf irgendeine Weise mit dem ehemaligen<br />
Jugoslawien verbunden. Der Filmkritiker Marcel<br />
Stefančič meint dazu: „Wenn ein slowenischer<br />
Film erfolgreich oder sogar ein Megahit<br />
werden sollte, muss die Geschichte irgendwie<br />
mit dem ehemaligen Jugoslawien verbunden<br />
sein. […] Wenn ein slowenischer Film Erfolg<br />
haben will, darf er die ,Bosnier’ 4 und andere<br />
Schicksalhafter Charme des Südens<br />
,Südländer’ 5 nicht ignorieren. Der Süden ist<br />
eine Erfolgsgarantie“. Die gemeinsame Erinnerung<br />
an das ehemalige Jugoslawien trägt noch<br />
immer viel zur kulturellen Ausprägung der<br />
postjugoslawischen Gesellschaften bei.<br />
Wie kann man sich indessen die Betonung<br />
der sehr unterschiedlichen Rezeption der verschiedenen,<br />
zum Teil bizarren Aspekte der<br />
serbischen Kultur in der slowenischen Öffentlichkeit<br />
erklären? Stellen wir die Frage vom<br />
Niveau „der einfachen Leute“, d. h. der Kulturverbraucher,<br />
aus: Warum vergöttern die Slowenen<br />
massenweise „Ceca“ Ražnatović und wieso<br />
tragen sie beim Sabor in Guča T-Shirts mit<br />
der Porträts der Kriegsverbrecher Ratko Mladić<br />
und Radovan Karadžić? Der Belgrader Journalist<br />
Teofil Pančić beschreibt in der Wochenzeitung<br />
Vreme die slowenische Verherrlichung<br />
der serbischen Absonderlichkeit und den „Antiglobalisierungstourismus“<br />
als einen Teil des<br />
breiten „turbolinken Diskurses, der sich gegen<br />
das politische Establishment, die EU und die<br />
NATO richtet.“ Als jemand, der schon fünf<br />
Jahre zwischen Belgrad und Ljubljana lebt,<br />
die beiden Umfelder sehr gut kennt und sich<br />
in beiden zuhause fühlt, kann ich eine komplexere,<br />
aus zwei Teilen bestehende Antwort<br />
auf die gestellte Frage geben: Das orientalisierte<br />
Bild Serbiens als ein hedonistisches Paradies<br />
für die Neugierige, Partyhungrige und slowenische<br />
Touristen, die des Alltagstrotts überdrüssig<br />
sind, ein Paradies voll bizarrer Szenen<br />
und Personen, ist nur eine Möglichkeit, die so<br />
genannte „Jugonostalgie“, die in allen Ländern<br />
des ehemaligen Jugoslawien existiert, zu rechtfertigen.<br />
Diese „Jugonostalgie“ scheint vielen<br />
mit der Erfolgsgeschichte des unabhängigen<br />
Sloweniens unvereinbar. Das Interesse für Serbien<br />
und die Beibehaltung des gemeinsamen<br />
Kulturraumes ist für einige leichter im Sinne<br />
39
Schicksalhafter Charme des Südens<br />
eines Interesse für etwas, das anders und weit<br />
weg ist, wobei keine Identifikationsgefahr besteht,<br />
zu verstehen – mit bizarren Szenen der<br />
Ehrung von Kriegsverbrechern oder mit dem,<br />
was auf gewissen Belgrader Flößen passiert,<br />
kann man sich nur schwer identifizieren. Dies<br />
gelingt nur in ungezwungener und ausgelassener<br />
Urlaubsatmosphäre. All dies passiert weit<br />
weg von zu Hause, wo sich das ernste Leben<br />
abspielt. Zu Hause wartet Europa. „Normale“,<br />
europäische, urbane, universell bewertbare<br />
Kulturmanifestationen werden dabei logischerweise<br />
ignoriert. Der zweite Teil der Antwort<br />
hängt mit der allgemeinen Kommerzialisierung<br />
der slowenischen Gesellschaft und ihrer<br />
Werte zusammen: Wertvoll und akzeptabel ist<br />
nur das, was sich verkaufen lässt, und an diesem<br />
Punkt enden immer öfter die Diskussionen<br />
über Qualität und Geschmack 6 . In einem<br />
solchen Diskurs kann man alles relativieren;<br />
die bereits erwähnte „Ceca“ Ražnatović bekam<br />
zur Zeit ihres Konzerts in Ljubljana im Mai<br />
2005 unglaublich viel Raum in den slowenischen<br />
Medien, sogar im staatlichen Fernsehen,<br />
das eigentlich einen Kulturauftrag zu erfüllen<br />
hätte. Mit dem ersten Teil der Antwort ist der<br />
Umstand verbunden, dass die genannte Sängerin<br />
sehr häufig als „Ikone der serbischen Musik“<br />
angesehen wird und in den Medien sogar<br />
das Argument auftauchte, dass ihr Konzert in<br />
der slowenischen Metropole gezeigt habe, dass<br />
die Slowenen auch an die Kulturbedürfnisse<br />
der zahlreichen in Slowenien lebenden Serben<br />
denken. Ein Argument, das viele Serben in Slowenien<br />
(einschließlich der Autorin dieses Artikels)<br />
als sehr beleidigend empfanden, da für<br />
diese Menschen sowohl „Ceca“ Ražnatović,<br />
ihr Ehemann wie auch ihre Musik das bezeichndste<br />
Symbol für das Miloševič-Regime<br />
sind und viele Serben wegen der damaligen po-<br />
40<br />
litischen Situation das Land verlassen haben.<br />
Dieser Umstand ist in Slowenien nicht unbekannt,<br />
und das „Über-den-Kamm-Scheren“ aller<br />
stellt einen bewährten Mechanismus des<br />
Orientalismus dar. Die unreflektierte Annahme<br />
solcher Mechanismen, die in der letzten<br />
Zeit für die slowenische Gesellschaft charakteristisch<br />
sind, lässt sich mit der derzeitigen<br />
politischen und gesellschaftlichen Situation in<br />
Slowenien erklären. Wie es scheint, ist gerade<br />
die heutige Zeit – mehr als je zuvor – durch<br />
den Mangel an politischem und gesellschaftlichem<br />
Engagement der Kulturschaffenden geprägt.<br />
Oder ist es nur ein Zufall, dass das Kulturministerium<br />
ausgerechnet der Musikgruppe<br />
Laibach, die man nach internationalen Maßstäben<br />
wahrlich als „slowenische Musikikone“<br />
bezeichnen kann und die zugleich eine der<br />
wenigen slowenischen Musikgruppen ist, deren<br />
Mitglieder politische Positionen einnehmen<br />
und für bestimmte gesellschaftliche Werte eintreten,<br />
die Subventionen drastisch kürzte? 7<br />
ANMERKUNGEN<br />
1 Gerade wegen der gemeinsamen Geschichte im Vielvölkerstaat Jugoslawien<br />
zählt die Historikerin Maria Todorova Slowenien zu einem Teil des Balkans.<br />
Man könne nämlich „die Geschichte des Balkans im 20. Jahrhundert nicht<br />
richtig darstellen, wenn man das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens nicht<br />
als eine Einheit betrachtet“ (vgl. Maria Todorova, Intoduction: Learning<br />
Memory, Remembering Identity, in: Maria Todorova (Hg.), Balkan Identities,<br />
Nation and Memory. New York 2004, S. 13.<br />
2 Mladina, 5.1.2004.<br />
3 Schauspieler aus Sarajevo, der schon viele Jahre in Ljubljana lebt und<br />
der im ehemaligen Jugoslawien wegen seiner Rolle in der legendären TV-<br />
Serie aus den 80-er Jahren Top lista nadrealista (Topliste des Surrealisten)<br />
bekannt ist und auch Mitglied der Rock-Gruppe Bombaj štampa war.<br />
4 Sammelbegriff für alle Bewohner südlich des Flusses Kolpa.<br />
5 Auf Slowenisch južnjaki: Bezeichnug für die Bewohner der südlichen<br />
ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken.<br />
6 Dies kam z. B. in der Diskussion über die slowenische Turbofolkmusik in der<br />
Sendung „Trenja“ (POP TV) am 3.2.2005 zum Ausdruck.<br />
7 Vgl. Öffentlichkeitserklärung der Musikgruppe Laibach anlässlich der<br />
Klageerhebung gegenüber dem Staat Slowenien in der Zeitschrift RockOnNet<br />
(www.rockonnet.com/clanek.php?id=2&article=2930), 11.3.2005.
Zeit der Übergänge in Europa<br />
Ein Thesenpapier<br />
� Text: Wolfgang Petritsch<br />
Zeit der Übergänge in Europa<br />
Das nachfolgend wiedergegebene Thesenpapier wurde für den Pfingstdialog auf Schloss Seggau (11.<br />
bis 14. Mai 2005) vorbereitet und im Rahmen des Forums Politik am 12. Mai – also noch vor der<br />
Ablehnung des EU-Verfassungsvertrages durch Frankreich und die Niederlande – präsentiert.<br />
Der Titel des Forums Politik „Zeit der Übergänge in Europa“ drückt die vorherrschende europäische<br />
Befindlichkeit treffend aus. Europa befindet sich in der Tat in einer Phase der Übergänge<br />
– „Übergang“ im Singular wäre zu wenig, um den widersprüchlichen Zustand des Kontinents zu<br />
beschreiben; ein Blick zu unseren Nachbarn genügt: Vor genau einem Jahr hat die EU ihre bislang<br />
größte Erweiterung erfahren. Zehn neue Staaten, darunter unsere östlichen, nördlichen und südlichen<br />
Nachbarn, sind der Union beigetreten. Vor wenigen Tagen (am 25. April) haben Bulgarien<br />
und Rumänien in Brüssel ihre Beitrittsverträge unterschrieben, beide sollen voraussichtlich 2007<br />
beitreten. Kroatien wird derzeit noch von einem General – den in seiner Heimat viele immer noch<br />
für einen Helden halten, der jedoch vom Haager Tribunal der Kriegsverbrechen bezichtigt wird<br />
– vom Verhandlungsbeginn abgehalten; die europäische Ampel steht dort derzeit auf „gelb“.<br />
„Wie geht es weiter?“ lautet die Titel-Frage. Um einigermaßen treffsicher die Frage nach der zukünftigen<br />
Entwicklung Europas beantworten zu können, muss nach dem „Woher kommen wir?“<br />
und „Wo stehen wir heute?“ geforscht werden. Eines steht fest: Die Europäische Union präsentiert<br />
sich in diesen Tagen nicht in bester Verfassung. Wenn es in diesem Europa überhaupt zu einem<br />
die nationalen Grenzen überschreitenden öffentlichen Diskurs kommt, dann – fast ausschließlich<br />
– über negativ besetzte Themen.<br />
Was sind im Augenblick die dominanten „europäischen“ Themen?<br />
• Das drohende „Nein“ der Franzosen zur EU-Verfassung und die Suche nach einem „Plan B“,<br />
• Arbeitsplätze, die ostwärts wandern (wobei der „Osten“ immer öfter in China oder Indien<br />
liegt),<br />
• der Euro als „Teuro“,<br />
• „grenzenlose“ Kriminalität,<br />
41
Zeit der Übergänge in Europa<br />
• illegale Arbeitskräfte, zunehmender Migrationsdruck,<br />
• das Versagen „der EU“ oder „Brüssels“ angesichts<br />
rasanter Globalisierung<br />
• und natürlich das Thema „Türkei“.<br />
Diese Stichworte verweisen auf ein diffuses<br />
Unbehagen – eine EU-Skepsis – weiter Bevölkerungskreise,<br />
das sich im Stimmverhalten bei<br />
europäischen Urnengängen (und immer öfter<br />
auch bei lokalen Wahlen) manifestiert.<br />
Europa ist in Europa nicht beliebt. Auch in<br />
Österreich ist die EU-Begeisterung an einem<br />
neuerlichen Tiefpunkt angelangt, die europäische<br />
Identität ist so schwach ausgeprägt wie<br />
seit zehn Jahren nicht. Nur 30 Prozent sehen<br />
die EU als eine gute Sache an – bloß im traditionell<br />
EU-abgewandten Großbritannien gibt<br />
es mit 29 Prozent noch weniger Zustimmung.<br />
Die Negativwahrnehmung der EU erreicht<br />
derzeit europaweit neue Höhepunkte, obgleich<br />
es Entwicklungen gibt, die (gerade aus österreichischer<br />
Sicht) zweifellos die Bezeichnung<br />
„historisch“ verdienen.<br />
Denn: Die jüngste Erweiterung um acht zentral-<br />
und osteuropäische Staaten bedeutet:<br />
• das Ende der Zweiteilung Europas und damit<br />
• die „Rückkehr“ Österreichs ins Zentrum<br />
des Kontinents;<br />
• die tatsächliche „Erweiterung“ der wirtschaftlichen<br />
Möglichkeiten (wird besonders<br />
von Österreichs Klein- und Mittelbetrieben<br />
und Banken genutzt);<br />
• vor allem aber bedeutet die jüngste EU-Erweiterung<br />
die Ausdehnung und Konsolidierung<br />
der Sicherheits- und Friedenszone Europa<br />
Richtung Osten und Südosten.<br />
Allerdings: Die gewaltigen Herausforderungen<br />
42<br />
und Probleme, mit denen das europäische Einigungsprojekt<br />
konfrontiert ist, dürfen keinesfalls<br />
klein geredet werden – sie sind sowohl endogener<br />
als auch exogener Natur.<br />
Die EU befindet sich in einer „Transformationskrise“.<br />
• Die EU-Verfassung ist Chiffre und Synonym<br />
für den Anfang vom Ende des europäischen<br />
Nationalstaates, der ohnehin bereits<br />
viele seiner Funktionen eingebüßt hat.<br />
Die Verfassung schafft etwa mit dem Amt<br />
des Präsidenten und des Außenministers<br />
erstmals eine sichtbare EU-Repräsentanz;<br />
das aufgewertete EU-Parlament würde in<br />
zunehmenden Maße gemeinsam mit der<br />
Staatenvertretung im Rat über die europäischen<br />
Gesetze entscheiden. Schließlich<br />
sieht die europäische Verfassung die längst<br />
überfällige Vereinfachung der komplexen<br />
innereuropäischen Entscheidungsabläufe<br />
vor. Das mit 350 Seiten voluminös ausgefallene<br />
Dokument signalisiert sowohl effizientere<br />
Entscheidungsregeln für die EU-<br />
Institutionen als auch mehr Einfluss der<br />
Bürger und des EU-Parlamentes; kurz, das<br />
dringend notwendige demokratische Mehr.<br />
Ob dies europäische Realität wird, ist alles<br />
andere als sicher.<br />
• Der institutionalisierte Zwiespalt des europäischen<br />
Wirtschafts- und Sozialsystems<br />
zwischen neoliberalem amerikanisch-asiatischem<br />
Marktwirtschaftsmodell und<br />
kontinentaleuropäischem Sozialstaatsmodell<br />
wurde durch den Beitritt der transatlantisch<br />
orientierten osteuropäischen Staaten<br />
dramatisch verstärkt. Ein Kompromiss<br />
zwischen den beiden Modellen ist wohl<br />
nicht möglich.<br />
• Die EU-Kommission, das Instrument der
„Vergemeinschaftung“ Europas, tendiert<br />
zu neoliberalen Lösungen – siehe die so genannte<br />
„Bolkenstein-Direktive“ zur vollständigen<br />
Liberalisierung des Dienstleistungsbereiches<br />
(trade in services) – die bei<br />
EU-Gründern wie Frankreich auf heftige<br />
Ablehnung stoßen.<br />
• Der Stabilitäts- und Wachstumspakt – hier folge<br />
ich dem Urteil des amerikanischen Nobelpreisträgers<br />
Joseph E. Stiglitz – ist ein<br />
problematisches, weil rigide und mechanistisch<br />
angelegtes Disziplinierungsinstrument;<br />
die kürzlich erfolgte Reform ist Flickwerk.<br />
• Die Europäische Zentralbank verfolgt unbeirrt<br />
eine einseitig auf die Eindämmung der<br />
Inflation ausgerichtete Politik. Dies war bei<br />
der Einführung des Euro notwendig und<br />
richtig. Die Folgen rigider monetärer Orthodoxie<br />
haben jedoch die nationalen Regierungen<br />
in Form von geringem Wachstum<br />
und steigenden Arbeitslosenraten zu<br />
tragen; neue Arbeitsplätze sind europaweit<br />
Mangelware.<br />
• Nach der Erweiterung drohen die europäischen<br />
Steuer- und Sozialsysteme womöglich<br />
noch weiter auseinander zu klaffen<br />
(flat tax, „Steuer- und Sozialdumping“,<br />
krasse Unterschiede bei Pensionen und anderen<br />
staatlichen Transferzahlungen). Dies<br />
belastet die Solidarität der Nettozahler mit<br />
den auf „light governance“ setzenden osteuropäischen<br />
Nettoempfängern.<br />
Vor allem aber:<br />
• Das Zusammenwachsen Europas folgt<br />
überwiegend ökonomischen Effizienzkriterien,<br />
der Schaffung eines einheitlichen<br />
Wirtschaftsraumes und weniger der Berücksichtigung<br />
der – im weitesten Sinne<br />
Zeit der Übergänge in Europa<br />
– „kulturellen“ und gesellschaftlichen Bedürfnisse,<br />
den individuellen Wünschen<br />
und ideellen Zielen seiner Bürger. Der europäische<br />
Bürger hat zunehmend das Gefühl,<br />
zum Objekt wirtschaftlicher Interessen<br />
geworden zu sein. Gesellschaftliche<br />
Solidarität und soziale Gerechtigkeit haben<br />
im politischen Diskurs keinen Platz mehr.<br />
Überhaupt hat die Politik ihre Leitfunktion<br />
an „die Wirtschaft“ – wer immer das auch<br />
sein mag – abgetreten. Außerdem: Wenn<br />
das europäische Projekt auf gemeinsamen<br />
Wertvorstellungen gründet, dann fehlt<br />
dem zusammenwachsenden Kontinent immer<br />
noch das kulturelle Bindemittel; denn<br />
europäische Einheit setzt die Berücksichtigung<br />
der kulturellen Vielfalt voraus. Erst<br />
mit dem Faktor Kultur wird eine „europäische<br />
Öffentlichkeit“ möglich, und man<br />
wird der drohenden De-Legitimierung des<br />
europäischen Projektes und seiner Errungenschaften<br />
wirksam und nachhaltig entgegentreten<br />
können.<br />
• Was nach den Erweiterungen der vergangenen<br />
zehn Jahre fehlt, ist eine „Erweiterung<br />
in den Köpfen“ – eine intellektuell-geistige<br />
Europäisierung der Bürger jenseits alter und<br />
neuer Demarkationslinien.<br />
„Erweiterung und Vertiefung“ als Erfolgsstrategie?<br />
Wenn die EU-Verfassung bei den<br />
bevorstehenden Referenden nicht die erforderliche<br />
Zustimmung erhält, ist erstmals die<br />
bewährte Strategie „Erweiterung und Vertiefung“<br />
in Frage gestellt.<br />
Denn gerade die jüngste Erweiterungsrunde<br />
wurde unter der Voraussetzung verhandelt,<br />
dass die nun zur Disposition stehende Verfassung<br />
dem Fortschritt des Integrationsprozesses,<br />
der enorm gewachsenen Zahl der Mitglie-<br />
43
Zeit der Übergänge in Europa<br />
der und der daraus resultierenden Komplexität,<br />
um nicht zu sagen „Unregierbarkeit“ Europas,<br />
Rechnung trägt. Diese integrationspolitische<br />
Gleichung – die Dialektik und Parallelität<br />
von Erweiterung und Vertiefung – scheint<br />
nun ernsthaft in Gefahr. Das ist das eigentlich<br />
Neue an der gegenwärtigen prekären Situation.<br />
Für unsere Nachbarn in Südosteuropa wären<br />
die möglichen Folgen unter Umständen<br />
gravierend. Die nächste Erweiterung um Bulgarien<br />
und Rumänien wäre zwar nicht gefährdet,<br />
wohl aber der Zeitpunkt des Beitrittes. Für<br />
Kroatien bedeutete ein Nein Frankreichs wohl<br />
eine zusätzliche Verzögerung des Verhandlungsbeginnes.<br />
In weiterer Folge müssten die<br />
restlichen Staaten des „Westbalkans“ – ohnehin<br />
belastet mit der Lösung der „Statusfragen“<br />
– noch länger im Wartesaal verbringen; eine<br />
bedauerliche Perspektive.<br />
Hier gilt es, gemeinsame europäische Antworten<br />
zu formulieren und „Kollateralschäden“ so<br />
klein wie möglich zu halten; im Hinblick auf<br />
die EU-Präsidentschaft keine geringe Herausforderung<br />
für Österreich.<br />
Zeit der Übergänge? Der Versuch, vier Fragezeichen<br />
aufzustellen. Europa Grenzen-los?<br />
Was in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts<br />
als westeuropäisches Projekt begann,<br />
sich aber bereits damals „europäisch” nannte,<br />
erweiterte sich in alle europäischen Himmelsrichtungen,<br />
um schließlich vor einem Jahr die<br />
vom Kalten Krieg gezogene Demarkationslinie<br />
zu überschreiten. Nun ist der Südosten<br />
an der Reihe – und mit der Türkei sind Fragen<br />
zu Geographie und Grenzen des Kontinentes,<br />
aber auch der längst überfällige Diskurs über<br />
die geistigen Grundlagen und Identität(en) Europas,<br />
Grundsatzfragen der Zukunft des Einigungsprojektes,<br />
nicht mehr länger aufschieb-<br />
44<br />
bar. Endlich europäische Themen, könnte<br />
man sagen; grundlegende Fragen, die eine aktive<br />
Öffentlichkeit, und zwar die europäische<br />
Öffentlichkeit, benötigen und diese wohl auch<br />
schaffen werden.<br />
Friedensprojekt Europa? Nach innen hat die<br />
europäische Integration weiten Teilen des Kontinentes<br />
eine in ihrer Dauer und Produktivität<br />
historisch einmalige Friedensperiode beschert.<br />
Die gilt es zu verlängern, auszubauen und auszudehnen.<br />
Aber wie?<br />
Die EU ist zum „Global Player“ geworden, und<br />
das in einer unübersichtlich gewordenen Welt<br />
mit neuartigen Bedrohungen, Ungewissheiten<br />
und Herausforderungen. Im Gefolge von<br />
9/11 und dem von den USA erklärten „Krieg<br />
gegen den Terror“ rüstet das „Friedensprojekt<br />
Europa“ auf. Es bilden sich „Battle Groups“<br />
und „Schnelle Eingreiftruppen“, die „Verlegefähigkeit“<br />
von europäischen Truppen ist konzeptionell<br />
aufbereitet, „Transportkapazitäten“<br />
werden als dringend notwendig erachtet; eine<br />
etwas verschämt als Europäische Verteidigungsagentur<br />
bezeichnete Einrichtung ist im Aufbau;<br />
ihre Aufgaben umfassen explizit aber auch<br />
„Ermittlung des operativen Bedarfs“ und die<br />
„Rüstung“.<br />
Dies kontrastiert mit einem sich ausbreitenden<br />
Gefühl der Skepsis gegenüber militärischen Lösungen,<br />
wie es etwa in den europaweiten Demonstrationen<br />
vom Feber 2003 gegen den Irakkrieg<br />
spontan zum Ausdruck gebracht worden<br />
ist. Jürgen Habermas und Jacques Derrida haben<br />
diese Friedensmanifestationen als „Signal<br />
für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit“<br />
gedeutet. In der Tat sind damals Millionen<br />
Europäer für eine friedliche Lösung auf<br />
die Straße gegangen – oftmals gegen die politischen<br />
Intentionen ihrer eigenen Regierungen.
Bürger haben den Slogan vom „Friedensprojekt<br />
Europa“ wörtlich genommen; eine vertane<br />
Chance für einen möglichen alternativen<br />
Gesellschaftsentwurf und für die Stärkung der<br />
europäischen Gemeinsamkeit und gemeinsamer<br />
Werte. Denn eher früher als später wird<br />
sich Europa zu entscheiden haben, wo es als<br />
„Global Player“ zwischen den Extrempositionen<br />
der US-Militarisierung der Außen- und<br />
Sicherheitspolitik und einer – kurzfristig unrealistischen<br />
– pazifistischen Position seine Rolle<br />
sieht. Dazwischen aber liegt das weite Feld<br />
von militärischer „hard power“ und den jetzt<br />
schon erfolgreich angewendeten europäischen<br />
„soft power“- Bereichen. Wo und wie sich Europa<br />
im 21. Jahrhundert in der globalen Sicherheitspolitik<br />
und ihres praktischen Einsatzes<br />
positionieren wird, sollte eigentlich schon heute<br />
eine kritische europäische Öffentlichkeit interessieren.<br />
Weiter bemerkenswert: Die traditionellen parteipolitischen<br />
Muster befinden sich im europäischen<br />
Kontext in Auflösung: Konservative,<br />
Liberale und Sozialdemokraten stehen etwa in<br />
der Irak-Frage sowohl auf derselben als auch auf<br />
der gegnerischen Seite. Die Namen Blair und<br />
Berlusconi, Chirac und Schröder bezeichnen<br />
eine neue europäische Entwicklung. Das traditionelle<br />
Links-Rechts-Schema des 20. Jahrhunderts<br />
hat seine Ausschließlichkeit eingebüßt.<br />
So verlief etwa die politische Konfliktlinie in<br />
der Irak-Frage tendenziell zwischen dem westlichen<br />
„Alt-Europa“ und dem östlichen „Neu-<br />
Europa“. Die Zustimmung für militärische<br />
Lösungen (und damit für den momentanen<br />
US-Kurs) ist im ehemaligen kommunistischen<br />
Bereich der EU größer als im westlichen Teil.<br />
Dies bedeutet eine weitere potentielle Konfliktlinie<br />
für eine gemeinsame europäische Sicherheits-<br />
und Friedenspolitik.<br />
Zeit der Übergänge in Europa<br />
Europa als Wirtschafts- und Sozialunion?<br />
Die radikale Vision des friedlichen Zusammenlebens<br />
der Völker und Nationen Europas nach<br />
dem Zeitalter der „europäischen Bürgerkriege“<br />
begann mit der pragmatischen Verknüpfung<br />
der beiden damals noch kriegswichtigen Grundstoffe<br />
Kohle und Stahl (Europäische Gemeinschaft<br />
für Kohle und Stahl – EGKS); dies führte zur Europäischen<br />
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und<br />
schließlich zur Europäischen Union.<br />
Das europäische Wirtschaftsmodell der sozialen<br />
Marktwirtschaft, die traditionelle Rolle<br />
des Staates, stieß noch in den achtziger Jahren<br />
des vorigen Jahrhunderts auf breite politische<br />
und gesellschaftliche Unterstützung. Die<br />
Unterschiede wirtschaftspolitischer Praxis in<br />
(West)Europa waren gradueller Natur.<br />
Das europäische Sozialmodell – „Sozialstaat“,<br />
„soziale Marktwirtschaft“ oder wie immer die<br />
Bezeichnungen des „Grand Bargain“ zwischen<br />
Arbeitgebern und Arbeitnehmern lauteten<br />
– hatte sich als Gegenentwurf zum Kommunismus<br />
erfolgreich erwiesen und den europäischen<br />
Einigungsprozess beschleunigt. Die<br />
Quadratur des Kreises schien gelungen, demokratische<br />
Freiheit und sozioökonomische Sicherheit<br />
erreicht.<br />
Mit Ausnahme der anglo-amerikanischen<br />
Variante Thatchers, die von Blairs „Drittem<br />
Weg“ großteils übernommen wurde, hat sich<br />
in Europa erst im Zuge der Globalisierungsdebatte<br />
seit den frühen neunziger Jahren eine<br />
neue gesellschaftliche Konkurrenzsituation –<br />
sozusagen eine „innerwestliche“ – entwickelt.<br />
Das neoliberale Gesellschaftsmodell stellt das<br />
traditionelle europäische Wirtschafts- und Sozialmodell<br />
in Frage. Die neuen europäischen<br />
Instrumente – Stabilitäts- und Wachstumspakt,<br />
Europäische Zentralbank, Lissabon-Agenda – stellen<br />
sich als unflexibel, einseitig auf Inflations-<br />
45
Zeit der Übergänge in Europa — Čas prehodov v Evropi<br />
bekämpfung ausgerichtet oder schlicht als<br />
unrealistisch heraus. Sie geben keine wachstumspolitische<br />
Antwort auf die spezifischen<br />
europäischen Herausforderungen (wie etwa<br />
Stand und Zustand der europäischen Einigung;<br />
demographische Trends, u. a.). Die Zustimmung<br />
zur Europäischen Union, die immer<br />
noch für steigenden Wohlstand steht, nimmt<br />
weiter ab. Politische Reformen und Korrekturen<br />
im Sinne einer effizienten Reform – nicht<br />
Abschaffung – des bewährten europäischen<br />
Modells, lahmen. Wohl auch deshalb, weil es<br />
keine Verständigung über das „Nachfolgemodell“<br />
gibt: Soll es das amerikanisch-asiatische<br />
sein oder ein reformiertes europäisches Sozialstaatsmodell?<br />
Solange es jedoch über diese<br />
Frage keine grundlegende Verständigung gibt,<br />
solange werden Projekte wie eine „europäische<br />
Verfassung“, die diesen Namen auch verdient,<br />
den Keim des Scheiterns in sich tragen.<br />
Die gegenwärtige Krise kann aber auch als<br />
Chance zur gründlichen Neuorientierung des<br />
europäischen Einigungsprojektes verstanden<br />
werden.<br />
Europa als Elitenprojekt? Europa ist nicht von<br />
„unten“ gewachsen. Es waren einige beherzte<br />
Visionäre – Monet, Schumann, auch De Gaulle<br />
und Adenauer – die dem Kriegskontinent eine<br />
radikal andere politische Entwicklung als Vision<br />
mit auf den Weg aus den Trümmern des<br />
Zweiten Weltkrieges gegeben hatten. Der auf<br />
„bloß“ wirtschaftliche Einigung der entwickelten<br />
Industriestaaten Westeuropas beschränkte<br />
Integrationsprozess hatte damit von vorne<br />
herein gute Chancen auf Erfolg; der demokratischen<br />
Legitimation, einer Massenbasis sozusagen,<br />
bedurfte es die längste Zeit nicht; Europa<br />
war das Projekt der politischen Eliten<br />
schlechthin. Diese Linie blieb in Zeiten hoher<br />
46<br />
wirtschaftlicher Zuwachsraten und ständigen<br />
Ausbaus des Wohlfahrtsstaates ohne größere<br />
Probleme. Mangelnde demokratische Legitimation<br />
wurde durch wirtschaftliche Erfolgsbilanzen<br />
zum Wohle breiter Bevölkerungskreise<br />
scheinbar wettgemacht. Heute ist in Europa<br />
vieles anders. Die „Zeit der Übergänge“ gilt in<br />
besonderem Maße für die überfällige Verbreiterung<br />
der europäischen Legitimationsbasis.<br />
Wie aber geht es weiter? Die neue Qualität<br />
Europas, für die eine Verfassung ein Signal<br />
wäre, verlangt aber auch, dass die Union aus<br />
den Bürotürmen des Elitenprojektes tritt und<br />
sich um eine breite demokratische Legitimierung<br />
bemüht. Die Union muss sich daher zu<br />
einem von der Mehrheit seiner Bürger mitbestimmten<br />
und aktiv unterstützten demokratischen<br />
und sozialen Europa wandeln.<br />
Čas prehodov v Evropi<br />
Ta tezni spis je bil pripravljen za Pfingstdialog<br />
– Binkoštni dialog na gradu Seggau (11. do 14.<br />
maja 2005) in predstavljen v okviru „Foruma<br />
politike“ dne 12. maja – torej še pred zavrnitvijo<br />
Evropske ustave pogodbe s strani Francije in<br />
Nizozemske.<br />
Naslov „Foruma politike“ ČAS PREHODOV<br />
V EVROPI točno izraža prevladujočo evropsko<br />
razpoloženost. Evropa se dejansko nahaja v fazi<br />
prehodov – „prehod“ v ednini bi bil premalo,<br />
da bi opisal protislovno stanje kontinenta; že<br />
en pogled do naših sosedov zadostuje: Pred<br />
točno enim letom je EU doživela do sedaj svojo<br />
največjo širitev. Deset novih držav, med drugimi<br />
so v EU pristopili naši vzhodni, severni in južni<br />
sosedi. Pred nekaj dnevi (25. aprila) sta Bolgarija
in Romunija v Bruslju podpisali svoji pristopni<br />
izjavi, obe naj bi pristopili predvidoma leta<br />
2007. Hrvaško trenutno zadržuje pred začetki<br />
pogajanj še general – katerega imajo v domovini<br />
še zmeraj mnogi za junaka, čeprav ga je Haaški<br />
tribunal obtožil vojnih zločinov. Evropski<br />
semafor torej kaže „rumeno“.<br />
Kako bo šlo naprej? se glasi vprašanje iz<br />
naslova. Da bi kolikor lahko toliko točno<br />
odgovorili na vprašanje bodočega razvoja<br />
Evrope, moramo raziskati „od kod prihajamo<br />
mi?“ in „kje stojimo danes?“.<br />
Nekaj je zagotovo: Evropska unija se v teh<br />
dneh ne predstavlja najbolje.<br />
Če v tej Evropi sploh pride do javnega diskurza<br />
preko nacionalnih meja, potem – skoraj<br />
izključno – preko negativno ovrednotenih<br />
tem.<br />
Kaj so v tem trenutku dominantne „evropske“<br />
teme?<br />
• Grozilni francoski „ne“ k Evropski ustavi in<br />
iskanje po nekem planu B<br />
• delovna mesta, ki potujejo proti vzhodu<br />
(pri čemer leži „vzhod“ zmeraj pogosteje na<br />
Kitajskem ali v Indiji)<br />
• evro je „drag“<br />
• „brezmejna“ kriminaliteta<br />
• ilegalne delovne sile, naraščajoč migracijski<br />
pritisk<br />
• neuspeh „EU“ ali „Bruslja“ spričo bliskovite<br />
globalizacije<br />
• in seveda tema „Turčija“.<br />
Te iztočnice opozarjajo na difuzno nelagodje<br />
– EU-skepso – velikih krogov prebivalstva,<br />
ki se manifestirajo v volilnem obnašanju ob<br />
evropskih volitvah (vse pogosteje tudi pri<br />
lokalnih volitvah).<br />
Čas prehodov v Evropi<br />
Evropa v Evropi ni priljubljena. Tudi v<br />
Avstriji je EU-navdušenje nedavno prispelo<br />
na najnižjo točko, evropska identiteta je tako<br />
šibko oblikovana, kot ni bila zadnjih deset let.<br />
Samo 30 odstotkov vidi EU kot dobro stvar<br />
– samo tradicionalno EU-odbijajoča Velika<br />
Britanija ocenjuje nekoliko slabše, namreč z 29<br />
odstotki.<br />
Negativno zaznavanje EU je doseglo trenutno<br />
po vsej Evropi nov padec, čeprav obstajajo<br />
razvoji, ki (prav z avstrijskega stališča)<br />
nedvomno zaslužijo oznako “zgodovinski”.<br />
Kajti: najmlajša razširitev pomeni razširitev za<br />
osem centralnoevropskih in vzhodnoevropskih<br />
držav,<br />
• konec delitve Evrope in s tem<br />
• „vrnitev“ Avstrije v center kontinenta<br />
• dejansko „razširitev“ gospodarskih<br />
možnosti (korist imajo posebno avstrijska<br />
mala in srednja podjetja ter banke)<br />
• predvsem pa pomeni najmlajša širitev EU<br />
raztezanje in konsolidacijo varnostnih in<br />
mirovnih con Evrope v smeri vzhoda in<br />
jugovzhoda.<br />
Seveda: velikanski izzivi in problemi, s<br />
katerimi je konfrontiran evropski združitveni<br />
projekt, ne smejo biti pisani z malo – so tako<br />
endogene kot tudi eksogene narave.<br />
EU se nahaja v „transformacijski krizi“.<br />
• EU-ustava je šifra in sinonim za začetek<br />
in konec evropskih nacionalnih držav,<br />
katere so tako in tako izgubile že veliko<br />
svojih funkcij. Ustava ustvarja s funkcijo<br />
predsednika in zunanjim ministrom prvič<br />
vidno predstavništvo EU; postopno bo prišlo<br />
do povzdignjene vrednosti EU-parlamenta<br />
in Sveta državnih predstavnikov, ki bodo<br />
odločali o evropskih zakonih. Končno<br />
47
Čas prehodov v Evropi<br />
predvideva evropska ustava že davno<br />
zakasnelo poenostavitev kompleksnih<br />
notranje-evropskih odločitvenih potekov.<br />
350 strani dolg, voluminozen in nenavaden<br />
dokument signalizira tako učinkovitejša<br />
odločitvena pravila za EU-institucije kot tudi<br />
večji vpliv državljanov in EU-parlamenta;<br />
na kratko, nujno potreben demokratični<br />
Več. Ali bo to postala evropska realiteta, je<br />
vse prej kot gotovo.<br />
• Institucionalizirano neskladje<br />
evropskega gospodarskega in socialnega<br />
sistema med neoliberalnim ameriškoazijskim<br />
tržnogospodarskim<br />
modelom in kontinentalno-evropskim<br />
socialnodržavnim modelom se je z<br />
vstopom transatlantsko orientiranih<br />
vzhodnoevropskih držav dramatično<br />
povečalo. Kompromis med obema<br />
modeloma bržkone ni možen.<br />
• EU-komisija, instrument „vseskupne“<br />
Evrope, tendira k neoliberalni rešitvi – glej<br />
tako imenovano „Bolkenstein direktivo“<br />
k dokončni liberalizaciji storitvenega<br />
področja (trade in services) – ki je pri<br />
ustanoviteljicah EU, kot je Francija, naletela<br />
na ostro odklonitev.<br />
• Pakt stabilnosti in razvoja – tukaj sledim<br />
sodbi ameriškega Nobelovega nagrajenca<br />
Josepha E. Stiglitzkega – je problematičen,<br />
saj je rigidno in mehanistično zasnovan<br />
instrument kazenskih ukrepov; pred<br />
kratkim izvedena reforma je krparija.<br />
• Evropska centralna banka neomajno<br />
sledi enostransko na inflacijo orientirano<br />
politiko. To je bilo ob vpeljavi evra potrebno<br />
in pravilno. Posledice rigidne monetarne<br />
ortodoksije pa nosijo nacionalne vlade<br />
v obliki majhne rasti in vzpenjajoče se<br />
brezposelnosti; nova delovna mesta so<br />
48<br />
v celotni evropski skupnosti blago, ki ga<br />
primanjkuje.<br />
• Po razširitvi grozi evropskemu davčnemu<br />
in socialnemu sistemu verjetno še naprej<br />
zijanje vsaksebi (flat tax, „davčni in socialni<br />
dumping“, drastične razlike pri rentah in<br />
pokojninah ter drugih državnih transfernih<br />
plačilih). To obremenjuje solidarnost neto<br />
plačnikov s tako imenovanimi „light<br />
governance“ evropskimi neto prejemniki.<br />
Predvsem pa:<br />
• Zraščanje Evrope v eno sledi pretežno<br />
ekonomskim kriterijem učinkovitosti,<br />
ustvarjanju enotnega gospodarskega<br />
prostora; vse manj pa upoštevanju v najširšem<br />
smislu „kulturnih“ in družbenih potreb,<br />
individualnih želja in idejnih ciljev svojih<br />
državljanov. Evropski državljan ima vse bolj<br />
občutek, da postaja objekt gospodarskih<br />
interesov. Družbena solidarnost in socialna<br />
pravičnost nimata več prostora v političnem<br />
diskurzu. Nasploh je politika svojo vodilno<br />
funkcijo prepustila „gospodarstvu“ – kdor<br />
koli že to je. Vrh vsega: če evropski projekt<br />
temelji na skupnih predstavah o vrednotah,<br />
potem manjka zraščajočemu se kontinentu<br />
kulturnega veziva; evropska enotnost<br />
predpostavlja upoštevanje kulturnih<br />
raznolikosti. Šele s faktorjem kulture bo<br />
mogoča „evropska javnost“, bo grozeča delegitimacija<br />
evropskega projekta in njenih<br />
pridobitev učinkovita in bo mogla trajno<br />
stopiti nasproti.<br />
• Kar manjka razširitvi preteklih deset-, let,<br />
je „razširitev v glavah“ – intelektualnoduševna<br />
evropeizacija državljanov onstran<br />
starosti in demarkacijskih linij.
„Razširitev IN poglobitev“ kot strategija<br />
uspeha? Če EU-ustava ob bližajočem se<br />
referendumu ne prejme potrebne privolitve, je<br />
zanesljiva strategija „razširitve in poglobitve“<br />
prvič postavljena pod vprašaj.<br />
Saj so prav ob najmlajšem razširitvenem krogu<br />
izhajali iz predpostavke, da je na razpolago<br />
dana ustava koncipirana kot – upoštevajoč<br />
razvoj integracijskih procesov, enormnega<br />
povečanja števila članic in iz tega izhajajoče<br />
kompleksnosti – „zmožna upravljanja“ Evrope.<br />
Ta integracijsko-politična računica – dialektika<br />
IN vzporednost razširitve in poglobitve –<br />
izgleda sedaj resno ogrožena.<br />
To je pravzaprav novo pri sedanji neugodni<br />
situaciji. Za naše sosede v jugovzhodni<br />
Evropi bi bile v določenih okoliščinah mogoče<br />
posledice hude. Naslednja širitev z Bolgarijo<br />
in Romunijo naj ne bi bila ogrožena, pač pa<br />
čas njunega pristopa. Za Hrvaško bi pomenil<br />
francoski “ne” najbrž dodatno upočasnitev<br />
začetka pogajanj. Kot nadaljnja posledica bi<br />
morale ostale države „zahodnega Balkana“<br />
– že tako obremenjene z rešitvijo „statusnih<br />
vprašanj“ – še dlje časa preživeti v čakalnici,<br />
kar je obžalovanja vredna perspektiva.<br />
Tukaj velja formulirati skupne evropske<br />
odgovore in kolikor mogoče držati<br />
„kolateralno škodo“ na vajetih; z ozirom na<br />
EU-predsedovanje nikakor ne majhen izziv za<br />
Avstrijo.<br />
Čas prehodov? Poskus, postavitve štirih<br />
vprašajev. Evropa brez meja? Kar se je v<br />
petdesetih letih prejšnjega stoletja začelo kot<br />
zahodnoevropski projekt – že takrat se je<br />
imenoval „evropski“ – in se razširilo na vse<br />
evropske strani neba, je končno pred letom dni<br />
prekoračil demarkacijsko linijo hladne vojne.<br />
Sedaj je na vrsti jugovzhod… in s Turčijo so na<br />
Čas prehodov v Evropi<br />
vrsti vprašanja geografije in meja kontinenta,<br />
pa tudi že davno zapadel diskurz o duhovnih<br />
temeljih in identiteti/-ah Evrope, načelnih<br />
vprašanjih prihodnosti združitvenega projekta;<br />
vprašanja, katerih se ne da več odrivati.<br />
… Končno evropske teme, bi lahko rekel<br />
človek, temeljna vprašanja, ki potrebujejo<br />
aktivno javnost, namreč evropsko javnost, in<br />
kateri bodo tudi kos.<br />
Evropa projekt miru? Navznoter je evropska<br />
integracija prostranim delom kontinenta v<br />
svojem trajanju in produktivnosti naklonila<br />
zgodovinsko enkratno obdobje miru. To velja<br />
podaljšati, nadgraditi in raztegniti. Ampak<br />
kako?<br />
EU je postala „global player“, in to v novonastalem<br />
nepreglednem svetu z nevarnostmi novega<br />
tipa, negotovostmi in izzivi. V spremstvu z<br />
9/11 in s s strani ZDA napovedano „vojno proti<br />
terorizmu“ se je oborožil „Evropski projekt<br />
miru“. Nastale so „battle groups“ in hitre<br />
intervencijske enote, „sposobnost prestavitve“<br />
evropskih enot je bila koncepcionalno<br />
obdelana, „transportne kapacitete“ naj bi bile<br />
nujno potrebne; ena nekoliko sramežljiva,<br />
„Evropska obrambena agentura“ imenovana<br />
ustanova, je v gradnji; njene naloge zajemajo<br />
eksplicitno tudi „odkrivanje operativnih<br />
potreb“ in „oboroževanje“.<br />
To je v kontrastu z razširjajočim se<br />
občutkom skepse do vojaških rešitev, kot<br />
recimo v času spontanih demonstracij po<br />
vsej Evropi februarja 2003 proti Iraški vojni.<br />
Jürgen Habermas in Jacques Derrida sta te<br />
manifestacije miru tolmačila kot „signal<br />
za rojstvo evropske javnosti“. Dejansko so<br />
takrat milijoni Evropejcev za mirno rešitev<br />
odšli na ulice – dostikrat proti političnim<br />
nameram njihove lastne vlade. Državljani so<br />
49
Čas prehodov v Evropi<br />
slogan Evropa projekt miru vzeli dobesedno;<br />
zamujena priložnost za možen alternativni<br />
družbeni osnutek in za krepitev evropskih<br />
skupnih potez ter vrednot. Kajti prej kot<br />
pozneje se bo Evropa odločala, kje vidi svojo<br />
vlogo kot „global player“, med ekstremnima<br />
pozicijama militarizacije zunanje in varnostne<br />
politike po vzoru ZDA in neko – kratkoročno<br />
nerealistično – pacifistično pozicijo. Vmes pa<br />
leži prostrano polje, od vojaškega „hard power“<br />
in sedaj že uspešno uporabljenih evropskih<br />
„soft power“ področij. Kje in kako se bo<br />
pozicionirala Evropa v 21. stoletju v globalni<br />
varnostni politiki in s svojim praktičnim<br />
posredovanjem, bi pravzaprav moralo že danes<br />
zanimati kritično evropsko javnost.<br />
Dalje omembe vredno: Tradicionalen<br />
strankarsko-politični vzorec v evropskem<br />
kontekstu je v razkroju: konzervativni,<br />
liberalni in socialni-demokrati stojijo ob<br />
vprašanju Iraka tako na isti kot tudi na<br />
strani opozicije. Imena Blair in Berlusconi,<br />
Chirac in Schröder označujejo nov evropski<br />
razvoj. Tradicionalen levo-desni vzorec 20.<br />
stoletja je svojo izključnost zapravil. Tako<br />
približno poteka politična konfliktna linija<br />
ob vprašanju Iraka tendenčno med zahodno<br />
„staro Evropo“ in vzhodno „novo Evropo“.<br />
Privolitev za vojaško rešitev (in s tem trenutno<br />
usmeritev ZDA) je v bivšem komunističnem<br />
območju EU večja kot v zahodnem delu. To<br />
pomeni dodatno potenciano konfliktno linijo<br />
za skupno evropsko varnostno in mirovno<br />
politiko.<br />
Evropa kot gospodarska in socialna unija?<br />
Radikalna vizija miroljubnega skupnega<br />
življenja ljudstev in narodov Evrope po dobi<br />
„evropskih državljanskih vojn“ se je začela<br />
s pragmatično povezavo takratnih dveh še<br />
50<br />
vojaško pomembnih prvin :premoga in jekla<br />
(ECCS); to je vodilo k Evropski gospodarski<br />
skupnosti (EGS) in končno k Evropski uniji.<br />
Evropski gospodarski model socialnega tržnega<br />
gospodarstva in tradicionalna vloga države<br />
sta še v osemdesetih letih prejšnjega stoletja<br />
naletela na široko politično in družbeno<br />
podporo. Razlike gospodarsko-politične prakse<br />
v (zahodni) Evropi so bile gradualne.<br />
Evropski socialni model – „socialna država“,<br />
„socialno tržno gospodarstvo“ ali kakor<br />
koli se je že glasila oznaka „Grand Bargain“<br />
med delodajalci in delojemalci – se je kot<br />
protiosnutek v primerjavi s komunizmom<br />
izkazal za uspešnega in je evropski združitveni<br />
proces pospešil. Kvadratura kroga je bila videti<br />
uspešna, demokratična svoboda IN socialnoekonomska<br />
varnost dosežena.<br />
Z izjemo angleško-ameriške variante<br />
Thatcherjeve, katero je Blair s svojo „tretjo potjo“<br />
večinoma prevzel, se je v Evropi šele v teku<br />
globalizacijske debate iz zgodnjih devetdesetih<br />
let razvil nov družbeni konkurenčni položaj<br />
– takorekoč „notranje-zahodni“. Neoliberalni<br />
družbeni model postavlja tradicionalen evropski<br />
gospodarski in socialni model pod vprašaj.<br />
Novi evropski instrumenti – Pakt stabilnosti<br />
in rasti, Evropska centralna banka, Lizbonska<br />
deklaracija – se izkažejo kot nefleksibilni,<br />
enostransko usmerjeni k zatiranju inflacije ali<br />
končno kot nerealistični. Ne dajejo nobenega<br />
novega političnega odgovora na specifične<br />
evropske izzive (kot so položaj in stanje<br />
evropske združitve, demografske tendence<br />
itn.). Odobravanje Evropske unije, ki še<br />
zmeraj velja za naraščajočo blaginjo, še zmeraj<br />
upada. Politične reforme in korekture v smislu<br />
učinkovite reforme – ne ukinitve – zanesljivega<br />
evropskega modela šepajo. Verjetno tudi zato,<br />
ker ne obstaja komunikacija o „naslednjem
modelu“: Naj bi to bil ameriško-azijski ali<br />
reformirani evropski socialnodržavni model?<br />
Dokler pa o teh vprašanjih ne bo obstajala<br />
temeljna komunikacija, tako dolgo bodo<br />
projekti kot „evropska ustava“, ki to ime tudi<br />
zasluži, v sebi nosili klico neuspeha. Trenutna<br />
kriza pa je lahko tolmačena kot priložnost za<br />
temeljito reorientacijo evropskega združitvenega<br />
projekta.<br />
Evropa kot projekt elit? Evropa ni zrasla „od<br />
spodaj“. Bilo je veliko srčnih vizionarjev –<br />
Monet, Schumann, tudi De Gaulle in Adenauer<br />
-, ki so vojnemu kontinentu dali radikalno<br />
drugačen političen razvoj kot vizijo na pot<br />
iz ruševin 2. svetovne vojne. Saj na „golo“<br />
gospodarsko združitev razvitih industrijskih<br />
držav zahodne Evrope omejen integracijski<br />
proces je imel že od samega začetka dobre<br />
možnosti za uspeh; demokratična legitimacija,<br />
masovna baza takorekoč, pa je v zadnjem času<br />
ni potrebovala; Evropa je bila kratko malo<br />
projekt političnih elit.<br />
Ta linija je ostala v času visoke gospodarske<br />
stopnje rasti in nenehne izgradnje državne<br />
blaginje brez večjih problemov. Pomanjkanje<br />
demokratične legitimacije je bilo skozi<br />
gospodarsko bilanco uspeha v korist širših<br />
krogov prebivalstva navidezno nadoknadeno.<br />
Danes je v Evropi veliko drugače. „Čas<br />
prehodov“ velja v večini za zapoznelo razširitev<br />
evropske legitimacijske baze. Kako pa bo šlo<br />
naprej? Nova kvaliteta Evrope – za katero bi<br />
lahko bila ustava signal – pa tudi zahteva, da<br />
Unija izstopi iz pisarniških stolpov elitnega<br />
projekta in se potrudi za široko demokratično<br />
legitimacijo. Unija se mora zatorej spremeniti<br />
v eno, v katerem soodloča večina državljanov<br />
in aktivno podpira demokratično in socialno<br />
Evropo.<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Wolfgang Petritsch<br />
Der Autor ist österreichischer Vertreter bei den<br />
Vereinten Nationen in Genf und war zwischen<br />
1998 und 2002 in verschiedenen EU- und internationalen<br />
Funktionen in Südosteuropa tätig.<br />
– Avtor je avstrijski predstavnik pri Združenih<br />
narodih v Ženevi in je med 1998 in 2002<br />
opravljal različne funkcije EU in mednarodne<br />
naloge v jugovzhodni Evropi.<br />
Čas prehodov v Evropi<br />
51
Bildgalerie – galerija slik II<br />
Der Steirische Kulturlandesrat Kurt Flecker eröffnet im März 2005 die Ausstellung „Grenzen erzählen“ – Kurt Flecker član deželne vlade za kuturo je<br />
marca 2005 otvoril razstavo „Meje pripovedujejo“<br />
Workshopbetrieb im Pavelhaus: Juli 2005, Besuch aus Ungarn – delavnica v Pavlovi hiši: julij 2005, obisk iz Madžarske<br />
52
Die Universität Graz setzt Akzente<br />
Gesamtuniversitärer Schwerpunkt „Südöstliches Europa“<br />
� Text: Roberta Maierhofer<br />
Die Universität Graz setzt Akzente<br />
Seit Jahrzehnten ist die Universität Graz in vielfältiger Weise mit den Regionen des südöstlichen<br />
Europas durch intensive Zusammenarbeit verbunden. Es handelt sich dabei um einen weiten Bogen<br />
von Partnerschaften, in deren Rahmen verschiedene Zielsetzungen in Wissenschaft, Forschung,<br />
Ausbildung und Wirtschaft verfolgt werden. Ihre traditionelle Rolle in diesem Raum hat die Universität<br />
seit den politischen Veränderungen und angesichts der wachsenden politischen und wirtschaftlichen<br />
Perspektiven gefestigt und dazu genutzt, an der Entwicklung des gemeinsamen europäischen<br />
Bildungsraums maßgeblich mitzuwirken.<br />
In der Kooperation mit Südosteuropa stärkt die Universität Graz nicht nur ihre regionale Vernetzung<br />
und die gesamteuropäische Dimension ihrer Identität als Bildungsinstitution. Diese Schwerpunktsetzung<br />
bedeutet eine Steigerung der Attraktivität sowohl der Universität Graz als auch des<br />
Wissenschaftsstandortes Graz im Rahmen transatlantischer internationaler Kooperationen.<br />
Im Vizerektorat für Internationale Beziehungen der Universität Graz wurde bereits im Jahre 2000 ein<br />
gesamtuniversitärer Schwerpunkt Südöstliches Europa als profilbildender Kern des Universitätsentwicklungskonzeptes<br />
definiert und stellt im Entwicklungsplan der Universität eines der entscheidenden<br />
strategischen Konzepte dar, um die zahlreichen Aktivitäten zu bündeln und besser<br />
koordinieren zu können.<br />
Seither entstand eine Vielzahl neuer Programme und Kooperationen, die dem wachsenden Interesse<br />
sowohl seitens der Studierenden, Lehrenden und Forscher/innen der Universität Graz als auch<br />
der Partnerinstitutionen, aber auch der Universität Graz und ihrer Partneruniversitäten als Institutionen<br />
Rechnung tragen. Der Bogen der gemeinsamen Aktivitäten spannt sich über Forschungsschwerpunkte<br />
an den einzelnen Fakultäten bis hin zu gesamtuniversitären Partnerschaften, Netzwerk-<br />
und Projektbeteiligungen.<br />
Vergleicht man die Mobilitätszahlen der letzten Studienjahre, so ergibt sich ein Bild, das der Strategie<br />
der Universität Graz Recht gibt. Mehr und mehr Grazer Studierende entscheiden sich für einen<br />
Studienaufenthalt an einer südosteuropäischen Partnerinstitution.<br />
In gemeinsamen Aktivitäten mit dem südöstlichen Europa im Rahmen von Netzwerken (Coimbra<br />
Group, Utrecht Network, ARGE Alpe Adria, Donaurektorenkonferenz) sowie Programmen wie TEM-<br />
53
Die Universität Graz setzt Akzente<br />
PUS (Trans- European Mobility Programme<br />
for University Studies), CEEPUS (Central European<br />
Exchange Program for University Studies),<br />
MOEL-Plus (Mittel- und Osteuropäische<br />
Länder) etc. bemüht sich die Universität<br />
Graz, dem steigenden Interesse an Kooperationen<br />
mit dieser für den Bildungsstandort Graz<br />
außerordentlich wichtigen Region gerecht zu<br />
werden.<br />
Darüber hinaus wurden an der Universität Graz<br />
zahlreiche Schwerpunktprogramme ins Leben<br />
gerufen, wie etwa die Stipendienprogramme<br />
mit den Universitäten Zagreb/Kroatien und<br />
Niš/Serbien sowie das Abschluss-Stipendium,<br />
mit dem das Vizerektorat für Internationale Beziehungen<br />
zahlreiche Studierende aus Nicht-EU/<br />
EWR-Ländern beim Abschluss ihres Diplom-,<br />
Lehramts- oder Dissertationsstudiums an der<br />
Universität Graz unterstützen konnte, wobei<br />
mehr als 80% der Stipendien an Studierende<br />
aus Südosteuropa vergeben wurden.<br />
Gemeinsam mit der Kommission der Europäischen<br />
Bischofskonferenzen bei der Europäischen Union<br />
(COMECE) und der Diözese Graz-Seckau entwickelt<br />
die Universität Graz zurzeit die Sommeruniversität<br />
Seggau (Beginn: 2006) mit dem<br />
Ziel der Profilierung künftiger Führungskräfte<br />
für Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft<br />
und Religion. Interdisziplinäre Begegnung<br />
und Zusammenarbeit zwischen Lehrenden<br />
und Studierenden mit den Schwerpunkten<br />
Ost- und Südosteuropa stehen dabei ebenso im<br />
Mittelpunkt des 14-tägigen Programmes wie<br />
das Aufzeigen kultur- und geistesgeschichtlicher<br />
Dimensionen der aktuellen europäischen<br />
Integration.<br />
Bietet sich mit all den erwähnten Programmen<br />
vorrangig Lehrenden und Studierenden<br />
die Möglichkeit, ihre Fachkenntnisse zu erweitern,<br />
so versteht es die Universität Graz darü-<br />
54<br />
ber hinaus als ihre Aufgabe, als „Lebenspartnerin“<br />
die Schwerpunktsetzung „Südöstliches<br />
Europa“ der breiten Öffentlichkeit zugänglich<br />
zu machen, wie sie es ab Wintersemester<br />
2005/2006 mit der überfakultären Vortragsreihe<br />
„SOE-Akademie“ vorhat.<br />
Dass es sich nicht nur um eine strategische<br />
Schwerpunktsetzung der Universität Graz<br />
handelt, sondern diese von der Region mit großer<br />
Überzeugung mitgetragen wird, beweist<br />
die Unterstützung zweier wegweisender Projekte<br />
durch den Zukunftsfonds Steiermark. In<br />
konsequenter Weiterentwicklung der bereits<br />
geleisteten Arbeit dokumentieren die Projekte<br />
das ernsthafte Bemühen der Universität<br />
Graz, die im Entwicklungsplan verankerte<br />
Profilsetzung umzusetzen und über die Universitäten<br />
hinaus, nachhaltig gesellschaftliche,<br />
wirtschaftliche und politische Wirkung zu erzielen.<br />
Die Umsetzung des ersten Projektes „Die<br />
Steiermark – Internationaler Qualifizierungsstandort<br />
für Südosteuropa-Kompetenz“<br />
(http://international.uni-graz.at/soe) berücksichtigt<br />
wirtschaftliche, wissenschaftliche und<br />
kulturelle Gesichtspunkte gleichermaßen und<br />
stellt einen Meilenstein auf dem Weg der Universität<br />
Graz zu einem gesamtuniversitären<br />
Kompetenzzentrum dar. Ziel dieses über den<br />
Zukunftsfonds Steiermark geförderten Projektes<br />
ist es, die Nachhaltigkeit des bisher Erreichten<br />
für die Region zu festigen und in Zusammenarbeit<br />
mit Partnerinstitutionen aus dem südöstlichen<br />
Europa die Kooperation wesentlich<br />
auszubauen und damit die Annäherung der<br />
Bildungslandschaften voranzutreiben. Die thematische<br />
Bandbreite der Projekte umfasst:<br />
• Menschenrechte und wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
in Südosteuropa<br />
• Südosteuropa-Forschungsprojekt
• Südosteuropa-Symposium<br />
• Südosteuropa-Sommerakademie<br />
• Kompetenzzentrum Südosteuropa<br />
• Datenbank Wirtschaft – Recht – Umwelt<br />
in Südosteuropa<br />
• Regional Policies in Europe<br />
• Übersetzer- und Dolmetscherausbildung<br />
Deutsch – Albanisch in Graz und Shkodër<br />
• Historische Anthropologie im südöstlichen<br />
Europa<br />
• International Short Course SEE-HEAD<br />
• Master of Medical Sciences Alpe-Adria<br />
• Studierendenaustauschprojekt mit südeuropäischen<br />
Universitäten<br />
Mit einem zweiten Projektantrag legt die Universität<br />
Graz den Grundstein für eine einzigartige<br />
Innovation in der steirischen Bildungslandschaft:<br />
Im Rahmen des Zukunftsfonds-Projektes<br />
Joint Degrees (http://international.uni-graz.at/<br />
jd/) erarbeitet die Universität Graz sechs Forschungsprojekte.<br />
Es handelt sich hiebei um<br />
ein von mehreren Universitäten gemeinsam<br />
geplantes Studium auf „Bologna-Magister/<br />
Magistra-Ebene“, bei dem mehrere Partnerinstitutionen<br />
als multinationale Konsortien gemeinsame<br />
Curricula entwickeln.<br />
Vor allem die Stärkung der europäischen Dimension<br />
des Studiums und die Erhöhung der<br />
Attraktivität des Europäischen Bildungsraums<br />
stehen dabei im Mittelpunkt. Mit dem Joint<br />
Degree in Südosteuropäischer Geschichte sowie<br />
der Beteiligung südosteuropäischer Universitäten<br />
an einigen der fünf weiteren Programme<br />
(Jüdische Studien, Frauen- und Geschlechterforschung,<br />
Umweltsystemwissenschaften, Alpen-Adria<br />
Joint Degree in Amerikanistik/Anglistik<br />
und Lateinamerika-Studien) bietet sich<br />
die Universität Graz einmal mehr als Brücke in<br />
vielerlei Hinsicht an: Einerseits wird für Österreich<br />
der Weg nach Südosteuropa geöffnet, an-<br />
Die Universität Graz setzt Akzente<br />
dererseits wird im Sinne einer gesamteuropäischen<br />
Integration „Europa“ die Möglichkeit<br />
geboten, sich erweitert zu verstehen.<br />
Die Zusammenarbeit mit den Universitäten<br />
Ljubljana (Slowenien) und Cluj (Rumänien)<br />
im Rahmen des Teilprojektes Südosteuropäische<br />
Geschichte ist nur einer von vielen Bereichen,<br />
in denen die Universität Graz erfolgreich mit<br />
Partnerinstitutionen aus dem südöstlichen Europa<br />
an der Annäherung beider Bildungsräume<br />
und der gemeinsamen Umsetzung des Bologna-<br />
Prozesses zusammenarbeitet. Das Projekt zielt<br />
u. a. auch auf verstärkte gemeinsame Qualitätssicherung<br />
sowie gegenseitige Anerkennung<br />
akademischer Grade und Qualifikationen ab.<br />
Langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet<br />
die Universität Graz mit ihren Partnerinstitutionen<br />
in Slowenien, den Universitäten<br />
Ljubljana (Univerza v Ljubljani), Maribor<br />
(Univerza v Mariboru), mit denen bereits seit<br />
1990 bzw. 1992 gesamtuniversitäre Partnerschaften<br />
und weitere zahlreiche bilaterale Abkommen<br />
bestehen.<br />
Über bilaterale Kooperationen hinaus sind die<br />
Universitäten Graz und Ljubljana auch im Rahmen<br />
des UTRECHT Network aktiv. So findet<br />
alljährlich eine Summer School des Netzwerkes<br />
in Ljubljana statt, an dem zahlreiche Studierende<br />
der Universität Graz teilnehmen und<br />
Lehrende an der Programmgestaltung mitwirken.<br />
Beide Universitäten gestalten gemeinsam<br />
im Steering Committee des UTRECHT Network<br />
die Schwerpunkte des Netzwerkes mit.<br />
Eine einzigartige Form der Zusammenarbeit<br />
fanden die Universitäten Graz und Maribor<br />
im Rahmen des Gemeinsamen Hörsaals Maribor:<br />
Studierende beider Universitäten besuchten<br />
Lehrveranstaltungen an der jeweiligen<br />
Partneruniversität, die automatisch an der<br />
Heimatuniversität anerkannt wurden. Studie-<br />
55
Univerza Gradec postavlja poudarke<br />
renden aller Fakultäten sowohl aus Graz wie<br />
auch aus Maribor bot sich so die Möglichkeit,<br />
vom Studienangebot beider Universitäten zu<br />
profitierten. Die Wirtschaftskammer Steiermark<br />
unterstützte dieses Programm durch die Übernahme<br />
der Reisekosten.<br />
Dies sind nur einige Beispiele von vielen, die<br />
verdeutlichen, wie es der Universität Graz gelingt,<br />
mit ihrer Schwerpunktsetzung einen<br />
Mehrwert nicht nur für die Institution, sondern<br />
für die gesamten Region zu schaffen.<br />
In Zusammenarbeit mit unseren langjährigen<br />
verlässlichen Partnerinstitutionen wird die<br />
Universität Graz auch weiterhin eine aktive<br />
Rolle in der regionalen wie internationalen Bildungslandschaft<br />
spielen.<br />
Univerza Gradec postavlja<br />
poudarke<br />
Skupno univerzitetno težišče<br />
„Jugovzhodna Evropa“<br />
Že desetletja je univerza v Gradcu na veliko<br />
načinov in v intenzivnem sodelovanju<br />
povezana z regijami Jugovzhodne Evrope.<br />
Gre za obširen lok partnerstev, v katerega<br />
okviru sledi ciljem znanosti, raziskovanja,<br />
izobraževanja in gospodarstva. To tradicionalno<br />
pozicijo je Univerza, odkar je prišlo do<br />
političnih sprememb in spričo naraščajočih<br />
političnih in gospodarskih perspektiv v tem<br />
prostoru, utrdila in uporabila za odločilno<br />
sodelovanje pri razvoju skupnega evropskega<br />
izobraževalnega okvira.<br />
V kooperaciji z „Jugovzhodno Evropo“<br />
krepi Univerza Gradec ne le regionalno<br />
prepletenost in vseevropsko dimenzijo<br />
56<br />
njene identitete kot izobraževalne ustanove.<br />
Težišče pomeni stopnjevanje atraktivnosti<br />
tako Univerze Gradec kot tudi znanstvenega<br />
središča Gradec v okviru transatlantskih<br />
mednarodnih sodelovanj. V uradu rektorjevega<br />
namestnika za mednarodne odnose Univerze<br />
Gradec so že leta 2000 definirali skupno<br />
univerzitetno težišče „Jugovzhodna Evropa“<br />
kot profil izobraževanja, jedro univerzitetnega<br />
razvojnega koncepta in predstavlja v<br />
izobraževalnem planu Univerze odločilen<br />
strateški koncept, namenjen boljši povezanosti<br />
in koordinaciji številnih aktivnosti.<br />
Od takrat je nastalo veliko število novih<br />
programov in kooperacij, ki upoštevajo<br />
naraščajoč interes tako študentov, profesorjev<br />
in raziskovalcev Univerze Gradec, kot tudi<br />
partnerskih institucij, pa tudi Univerzo Gradec<br />
in njene partnerske univerze kot institucije. Lok<br />
skupnih aktivnosti se razteza od raziskovalnih<br />
težišč posameznih fakultet do skupnih<br />
univerzitetnih partnerstev, povezovanj in<br />
udeležb pri projektih.<br />
Primerjava (statistik) mobilnosti zadnjih<br />
študijskih let daje sliko, ki potrjuje strategijo<br />
Univerze Gradec. Zmeraj več graških študentov<br />
se odloča za študijsko bivanje [izmenjavo] na<br />
kateri od jugovzhodnih partnerskih institucij.<br />
S skupnimi aktivnostmi z Jugovzhodno<br />
Evropo v okviru povezovanj (Coimbra<br />
Group, Utrecht Network, ARGE Alpe Adria,<br />
Donaurektorenkonferenz – Rektorska<br />
konferenca Donava), kot tudi s programi<br />
TEMPUS (Trans- European Mobility<br />
Programme for University Studies), CEEPUS<br />
(Central European Exchange Program for<br />
University Studies), MOEL-Plus (Mittel- und<br />
Osteuropäische Länder) itn., se Univerza<br />
Gradec trudi, zadostiti naraščajoči interes za<br />
sodelovanje z regijo, ki je za izobraževalno
središče Gradec osrednjega pomena. Še več,<br />
na Univerzi Gradec so priklicali v življenje<br />
programe in težiščna področja, kot recimo<br />
štipendijske programe z univerzama Zagreb/<br />
Hrvaška in Niš/Srbija, kot tudi štipendijo za<br />
zaključek študija, s katero urad namestnika<br />
za internacionalne odnose podpira številne<br />
študente/ke, ki niso iz dežel EU/EWR, pri<br />
zaključku njihove diplome, zaključnem izpitu<br />
ali dizertaciji na Univerzi Gradec, pri čemer<br />
je bilo več kot 80 % štipendij dodeljenih<br />
študentom/kam iz Jugovzhodne Evrope.<br />
Skupaj s Komisijo evropske škofovske<br />
konference pri Evropski uniji (COMECE)<br />
in Škofijo Gradec-Seckau razvija trenutno<br />
Univerza Gradec poletno univerzo Seggau<br />
(začetek: 2006) s ciljem profiliranja bodočih<br />
vodilnih kadrov v politiki, upravi, znanosti<br />
in religiji. Interdisciplinarno srečanje in<br />
sodelovanje med profesorji in študenti<br />
s težiščem na Vzhodni in Jugovzhodni<br />
Evropi je prav tako v središču pozornosti 14dnevnega<br />
programa, kot tudi predstavitev<br />
kulturnozgodovinske in duhovnozgodovinske<br />
dimenzije aktualne evropske integracije.<br />
Tako kot omenjeni programi prednostno<br />
ponujajo možnost profesorjem in študentom,<br />
da svoje ekspertize sestavijo in nadgradijo,<br />
tako razume Univerza Gradec to dejavnost<br />
kot svojo nalogo, biti „življenjska družica“<br />
težišču „Jugovzhodne Evrope“ in jo predstaviti<br />
širši javnosti, kar načrtuje za zimski semester<br />
2005/2006 v okviru medfakultetne serije<br />
predavanj „SOE-Akademije“.<br />
Da ne gre le za strateško težišče Univerze<br />
Gradec, temveč da jo z močnim prepričanjem<br />
podpira celotna regija, dokazuje sodelovanje<br />
dveh vodilnih projektov „Zukunftsfonds<br />
Steiermark – Štajerskega sklada prihodnosti“. Z<br />
doslednim nadaljnjim razvojem že opravljenega<br />
Univerza Gradec postavlja poudarke<br />
dela dokumentirajo projekti resna prizadevanja<br />
Univerze Gradec, ki uresničujejo v razvojnih<br />
načrtih določene odločitve o profilu in tako<br />
tudi skozi univerzitetno dejavnost dosegajo<br />
trajno družbeno, gospodarsko in politično<br />
delovanje.<br />
Izvedba prvega projekta „Štajerska –<br />
mednarodno kvalifikacijsko mesto za<br />
kopmpetenco Jugovzhodne Evrope“ (http://<br />
international.uni-graz.at/soe) upošteva v enaki<br />
meri gospodarske, znanstvene in kulturne<br />
vidike ter predstavlja enega od mejnikov<br />
na poti Univerze Gradec do splošnega<br />
univerzitetnega kompetenčnega centra. Cilj<br />
tega, preko Štajerskega sklada prihodnosti<br />
dotiranega projekta, je stabilnost do sedaj<br />
doseženega za to regijo utrditi in v sodelovanju<br />
s partnerskimi institucijami iz Jugovzhodne<br />
Evrope sodelovanje bistveno nadgraditi ter s<br />
tem pospešiti zbližanje izobraževalnih krajin.<br />
Tematska širina projekta zajema:<br />
• človekove pravice in gospodarsko<br />
sodelovanje v Jugovzhodni Evropi<br />
• raziskovalni projekt Jugovzhodna Evropa<br />
• simpozij Jugovzhodna Evropa<br />
• poletna akademija Jugovzhodna Evropa<br />
• center kompetence Jugovzhodna Evropa<br />
• banka podatkov gospodarsko-pravno okolje<br />
v Jugovzhodni Evropi<br />
• regionalne politike v Evropi<br />
• izobraževanje tolmačev in prevajalcev<br />
nemško-albansko v Gradcu in Skadru<br />
(Albanija)<br />
• zgodovinska antropologija v Jugovzhodni<br />
Evropi<br />
• International Short Course SEE-HEAD<br />
• Master of Medical Sciences Alpe-Adria<br />
• projekt izmenjave študentov/k z<br />
južnoevropskimi univerzami.<br />
Z drugim projektnim predlogom polaga<br />
57
Univerza Gradec postavlja poudarke<br />
Univerza Gradec mejnik za edinstveno inovacijo<br />
štajerske izobraževalne krajine: V okviru<br />
projekta-sklada prihodnosti pod naslovom<br />
„Joint Degrees“ je Univerza Gradec izdelala<br />
šest tako imenovanih Joint Degrees (http://<br />
international.uni-graz.at/jd/). Gre torej za<br />
skupno načrtovan študij več univerz na stopnji<br />
„Bologna-Magister – bolonjskega magistra“, pri<br />
čemer razvija več partnerskih institucij skupen<br />
kurikulum kot multinacionalni konzorcij.<br />
Predvsem krepitev evropske dimenzije študija<br />
kot tudi povečanje atraktivnosti evropskega<br />
izobraževalnega prostora je pri tem v središču<br />
pozornosti. Z Joint Degree iz jugovzhodne<br />
evropske zgodovine kot tudi z udeležbo<br />
jugovzhodnih univerz pri nekaj od petih<br />
nadaljnjih programov (Judovske študije,<br />
Ženske raziskave in raziskave spolov kot tudi<br />
znanosti sistema okolja, Alpe-Adria Joint<br />
Degree iz amerikanistike/anglistike, študiji<br />
latinske Amerike) se Univerza Gradec ponuja<br />
še enkrat več kot most v mnogoterih pomenih:<br />
po eni strani bo za Avstrijo odprta pot proti<br />
jugovzhodni Evropi, po drugi strani bo v<br />
smislu evropske integracije ponujena možnost,<br />
razumeti „Evropo“ kot razširjeno skupnost.<br />
Sodelovanje z Univerzo Ljubljana (Slovenija) in<br />
Univerzo Cluj (Romunija) v okviru podprojekta<br />
„Jugovzhodna evropska zgodovina“ je le eno od<br />
mnogih področij, pri katerih uspešno sodeluje<br />
Univerza Gradec s partnerskimi institucijami<br />
iz „Jugovzhodne Evrope“ pri približevanju obeh<br />
izobraževalnih prostorov in skupni izvedbi<br />
bolonjskih procesov. Projekt stremi med drugim<br />
tudi k povečani skupni zagotovitvi kvalitete,<br />
kot tudi obojestranskemu priznavanju<br />
akademskih stopenj in kvalifikacij.<br />
Dolgoletno uspešno sodelovanje združuje<br />
Univerzo Gradec s partnerskima institucijama<br />
iz Slovenije, z Univerzo v Ljubljani in Mariboru,<br />
58<br />
s katerima že od leta 1990 oz. 1992 obstaja<br />
skupno univezitetno partnerstvo in številni<br />
bilateralni dogovori.<br />
Z vidika bilateralnih kooperacij sta Univerza<br />
Gradec in Univerza Ljubljana aktivni tudi v<br />
okviru UTRECHT Networka. Tako v Ljubljani<br />
vsako leto prirejajo poletno šolo Networka,<br />
ki se je udeležujejo mnogi študenti/ke in<br />
profesorji Univerze Gradec, ki sodelujejo tudi<br />
pri oblikovanju programa. Obe univerzi skupaj<br />
oblikujeta težišča sodelovanja v Steering<br />
Committeeju UTRECHT Networka.<br />
Edinstveno obliko sodelovanja sta našli<br />
Univerza Gradec in Maribor v okviru „skupnih<br />
predavalnic Maribor“. Šudenti in študentke obeh<br />
univerz so obiskovali predavanja partnerskih<br />
univerz, ki so bila avtomatsko priznana tudi<br />
na domači univerzi. Tako graškim kot tudi<br />
mariborskim študentom/kam vseh fakultet<br />
se je ponudila možnost izkoristiti študijsko<br />
ponudbo obeh univerz. Štajerska gospodarska<br />
zbornica je podprla ta program s prevzemom<br />
stroškov prevoza.<br />
To je le nekaj primerov od mnogih, ki<br />
ponazarjajo, kako uspeva Univerzi Gradec s<br />
svojim težiščnim pristopom ustvariti presežno<br />
vrednost – ne le za institucijo, temveč za<br />
celotno regijo.<br />
V sodelovanju z našimi dolgoletnimi<br />
zanesljivimi partnerji bo Univerza Gradec tudi<br />
nadalje igrala aktivno vlogo v regionalni in<br />
internacionalni izobraževalni krajini.
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Roberta Maierhofer<br />
Vizerektorin für Internationale Beziehungen<br />
und Frauenförderung der Karl-Franzens Universität<br />
Graz • Studium der Anglistik/Amerikanistik<br />
und Germanistik, Lehramt (1985) und<br />
Doktorat (1992), Universität Graz • Studium<br />
der Vergleichenden Literaturwissenschaften,<br />
(1987), State University of New York, Binghamton.<br />
• Venia Docendi für das Fach „Amerikanistik“.<br />
• Fulbright Professor, University<br />
of Pennsylvania, Philadelphia, USA (1995).<br />
• Adjunct Associate Professor der Binghamton<br />
University, NY (seit 1996). • Paul Petry<br />
Preis für Alterswissenschaften (1998).<br />
• Vizerektorin für Internationale Beziehungen<br />
nach UOG 93 (1999-2003). • Vizerektorin für Internationale<br />
Beziehungen und Frauenförderung<br />
nach UG 2002 (ab 2003). – izr. univ. prof. mag.<br />
dr. Roberta Maierhofer, M.A., namestnica<br />
rektorja za mednarodne odnose in podporo<br />
žensk, Karl-Franzens Universität Graz. • Študij<br />
anglistike/amerikanistike in germanistike,<br />
diploma (1985) in doktorat (1992),<br />
Univerza Gradec. • Študij primerjalne<br />
književnosti (1987), State University of<br />
New York, Binghamton. • Venia Docendi<br />
za predmet amerikanistika. • Fulbright<br />
Professor, University of Pennsylvania,<br />
Philadelphia, USA (1995). • Adjunct Associate<br />
Professor, Binghamton University, NY<br />
(od 1996). • Nagrada Paul Petry za znanosti<br />
tretjega življenjskega obdobja (1998).<br />
• Namestnica rektorja za internacionalne<br />
odnose po UOG 93 (1999-2003). • Namestnica<br />
rektorja za internacionalne odnose in podporo<br />
žensk po UG 2002 (od 2003). Univerza<br />
Gradec postavlja poudarke Skupno univerzitetno<br />
težišče „Jugovzhodna Evropa“.<br />
Univerza Gradec postavlja poudarke<br />
59
Bildgalerie – galerija slik III<br />
Der mazedonische Kurator Oliver Musovik spricht anlässlich der Eröffnung im Juli 2005. – govor makedonskega kuratorja Oliverja Musovika na otvoritvi<br />
julija 2005<br />
60
Grenzen erzählen<br />
Reflexionen zur Wanderausstellung<br />
„Geschichte und Geschichten der Nachbarschaft“<br />
Putovní výstava „Historie a příběhy sousedství“ 1<br />
� Text: Angelika Brechelmacher<br />
Als ARGE grenzen erzählen hatten sich Tanja Täuber, Gabriela Miechtner und ich vor mehr als zwei<br />
Jahren die Aufgabe gestellt, den öffentlichen Diskurs zum nachbarschaftlichen Verhältnis zwischen<br />
Tschechen/innen und Österreichern/innen, der seit Beginn der Verhandlungen zur bisher<br />
größten Erweiterung der Europäischen Union in österreichischen Medien eingesetzt hatte, zu hinterfragen.<br />
Welche Bilder, welche Stereotype begründeten die in Meinungsumfragen vordergrün-<br />
Rübenernte bei Znojmo – spravilo pese pri kraju Znojmo<br />
Grenzen erzählen<br />
61
Grenzen erzählen<br />
dig konstatierten „Ängste der Österreicher/innen“<br />
2 vor dem EU-Beitritt der Tschechischen<br />
Republik? In wessen Namen pochten politische<br />
Machtzirkel auf vereinheitlichend „nationale“<br />
Interessen, die durch den Beitritt der<br />
Nachbarstaaten gefährdet würden? [Gemeint<br />
ist der Diskurs medialer und politischer Eliten,<br />
die in den politischen Zentren den Topos der<br />
„Angst der Bevölkerung“ zur Durchsetzung eigener<br />
Interessen hervorhoben (FPÖ, Gewerkschaft,<br />
Bauernbund etc.)] Wie blickte man an<br />
der so genannten „Peripherie“, in der Grenzregion<br />
selbst, der Erweiterung entgegen? Überwogen<br />
auch hier national bis nationalistisch<br />
geprägte „Ängste“ oder hatte sich längst ein regionales,<br />
grenzüberschreitendes Bewusstsein<br />
entwickelt, das in der Bundeshauptstadt Wien<br />
einfach (noch) nicht wahrgenommen wurde?<br />
Diese und ähnliche Fragen beschäftigten<br />
uns. Wir erwarteten Antworten in der Region<br />
selbst, auf beiden Seiten der Grenze, am besten<br />
von derjenigen Generation, die nachbarschaftliches<br />
Zusammenleben noch vor der Errichtung<br />
des Eisernen Vorhangs erlebt hatte.<br />
Grenzen erzählen – Sammeln von Erinnerungen.<br />
Die Interviewserie „Frauen-Leben<br />
an der Grenze“ eröffnete 2003 eine Reihe von<br />
grenzübergreifenden Projekten der ARGE grenzen<br />
erzählen in der österreichisch-tschechischen<br />
Grenzregion Weinviertel-Südmähren. Die älteste<br />
Generation hat mit der Zwischenkriegszeit<br />
eine Periode erlebt, in der Kontakt zwischen<br />
den Ethnien Alltag war. Viele Frauen<br />
und Männer beherrschten neben der Muttersprache<br />
auch die Sprache der Nachbarn/innen.<br />
Fünfzehn biographisch-narrative Interviews<br />
mit elf durchschnittlich 80-jährigen Frauen und<br />
vier Männern derselben Generation erlaubten<br />
uns Einblick in die Kindheit und Jugend dies-<br />
62<br />
seits und jenseits der österreichisch-tschechischen<br />
Grenze, in die nachbarschaftlichen Beziehungen,<br />
aber auch in die Verfolgungen 1938<br />
und die Zwangsaussiedlungen 1945. In den Interviews<br />
trafen wir bisweilen auf stereotype<br />
ethnische Abgrenzungen und Abwertungen.<br />
Die Erzählungen von persönlichen Begegnungen<br />
aber stellten Brüche dieser Stereotype dar<br />
und spiegelten sehr wohl nachbarschaftliche<br />
Nähe. Die Klischees und ihre Brüche, die persönlichen<br />
Erfahrungen im Alltag standen im<br />
Mittelpunkt unseres Interesses.<br />
Zuhören und Hinschauen. Die Erzählenden<br />
sprachen auf Tschechisch und Deutsch, häufiger<br />
auf Deutsch. Bisweilen wechselten sie<br />
mitten in der Geschichte in die andere Sprache.<br />
Manche beklagten, die meisten Vokabeln<br />
seit der Schulzeit vergessen zu haben.<br />
Als wir dann im Sommer 2004 mit allen Interviewpartnern/innen<br />
aus der Interviewserie<br />
„Frauen-Leben an der Grenze“ in Retz den internationalen<br />
Workshop Grenzen erzählen veranstalteten,<br />
funktionierte die Verständigung<br />
jedenfalls wunderbar. In einer großen Erzählrunde<br />
sprachen Frauen und Männer aus Suchohrdly,<br />
Retzbach, Brno, Hohenau, Bulhary<br />
und Poysdorf über ihr Leben in der Grenzregion<br />
und die Beziehung zu den Nachbarn und<br />
Nachbarinnen. Jedes Statement wurde simultan<br />
in die jeweils andere Sprache übersetzt.<br />
Zwei Stunden Zuhören, ohne Unterbrechung,<br />
mit hoher Aufmerksamkeit und gegenseitigem<br />
Respekt. Trotz ihres teilweise hohen Alters<br />
und trotz der Beschwerlichkeit der Anreise<br />
hatten rund dreißig Personen teilgenommen.<br />
Gemeinsames Mittagessen, Jause und Plaudern<br />
in kleineren Gruppen, gelöste Stimmung<br />
bis zum Schluss der Veranstaltung.
Katarina Eder aus Unterretzbach und Terezia Líčeniková aus Bulhary<br />
beim internationalen Workshop Grenzen erzählen, Retz 2004 –<br />
Katarina Eder iz Unterretzbacha in Terezia Líčeniková iz Bulharya na<br />
internacionalnem workshopu Meje pripovedujejo, Retz 2004<br />
Alle unsere Gesprächspartner und -partnerinnen<br />
hatten wir mehrmals zu Hause besucht.<br />
Mit Tonband und Kamera dokumentierten<br />
wir die Gesprächssituationen. Die transkripierten<br />
Interviews legten wir den Erzählern/innen<br />
nochmals vor, Missverständnisse wurden<br />
korrigiert. Immer neue Erinnerungen kamen<br />
hoch, Ergänzungen, Einschübe. Viel Zeit nahmen<br />
wir uns für die Auswahl der persönlichen<br />
Fotos, die in der Ausstellung zum Abschluss<br />
der Projektserie dokumentiert werden sollten.<br />
Wir saßen lange Nachmittage in Suchohrdly,<br />
Hohenau und den anderen Orten und blätterten<br />
gemeinsam in den alten Fotos. Zu jedem<br />
Ludmila Štanclovás Leidenschaft galt dem Schauspiel in einer Laiengruppe,<br />
mit der sie in den späten Zwanzigerjahren in Znojmo und den umliegenden<br />
Dörfern auftrat. Ludmila Štanclová verstarb im Frühjahr 2005.<br />
– Strast Ludmile Štanclová je bila igra v gledališki amaterski skupini, s<br />
katero je nastopala v poznih dvajsetih letih v Znojmovem in okoliških<br />
vaseh. Ludmila Štanclová je umrla spomladi 2005.<br />
Grenzen erzählen<br />
Foto neue Geschichten, die Schicksale der Eltern<br />
und Großeltern, der Tanten und Onkel.<br />
Wie sollten wir den Faden behalten, den Blickwinkel<br />
der Ausstellung auf die gemeinsame<br />
Kindheit und Jugend, die Nachbarschaft in der<br />
Grenzregion?<br />
Wir zeichneten alle Gespräche auf, transkripierten<br />
und übersetzen die Texte. Die Vorbereitung<br />
der letzten und größten Station unserer<br />
eigenen Reise durch die Geschichten und<br />
die Geschichte der Grenzregion begann. Die<br />
zweisprachige Wanderausstellung „Geschichte<br />
und Geschichten der Nachbarschaft“ – Putovní<br />
výstava „Historie a příběhy sousedství“<br />
und der deutsch-tschechischsprachige Film<br />
„grenzen erzählen“ – „vyprávéní z pohraniči“<br />
sollten das Erlebte sichtbar machen, unabhängig<br />
von politischen Einstellungen und historischer<br />
Übereinstimmung. Den alltäglichen<br />
und auch besonderen „Geschichten der Nachbarschaft“<br />
wollten wir in dieser Ausstellung<br />
Raum geben.<br />
Der sozialanthropologische Blickwinkel. 3<br />
„Grenzen erzählen“ – entwächst der ethnologischen<br />
Annahme, dass Kulturen lebendig und in<br />
ständiger Bewegung sind. Nachbarschaftliches<br />
Interagieren verschiedener ethnischer Gemeinschaften<br />
kann auf staatlicher Ebene von nationaler<br />
Ab- bzw. Ausgrenzung begleitet sein.<br />
Dieses Ineinanderfließen unterschiedlicher<br />
gesellschaftlicher Dynamiken entpuppte sich<br />
im Lauf der Interviewserie als Schwerpunkt<br />
der Forschung. Nicht nur nachbarschaftliches<br />
Zusammenleben und grenzüberschreitende<br />
Festlichkeiten, sondern auch Zwangsaussiedlungen<br />
und traditionelle Vorurteile flossen in<br />
die Erzählungen ein. Unser „Ziel war es […],<br />
die individuellen Selbst- und Weltbilder so zu<br />
63
Grenzen erzählen<br />
Eröffnung in Poysdorf / Weinmarkt – otvoritev v Poysdorfu / Weinmarktu<br />
erkunden und ernstzunehmen, wie sie erzählt<br />
wurden. […] Die historische Tiefe [der] Untersuchungen<br />
hingegen war weitgehend vom<br />
kollektiven Gedächtnis selbst bestimmt: Die<br />
Geschichte konnte miteinfließen, soweit sie<br />
eben eine wahrnehmbare Rolle in den Erinnerungen<br />
und Identitätsbildern der Gewährsleute<br />
spielt.“ 4 .<br />
Aufbau und Gestaltung der Wanderausstellung.<br />
Die Ausstellung wurde als virtueller Spaziergang<br />
an der Grenze gestaltet. Wir hielten<br />
uns an einen groben chronologischen Verlauf.<br />
Nicht eingehalten wurde der einheitliche/vereinheitlichende<br />
Blickwinkel. Als Gestalterinnen<br />
der Ausstellung hüpften wir hin und her,<br />
horchten hüben und drüben, fügten zusammen<br />
und trennten, indem wir die erzählten<br />
Passagen von dieseits und jenseits der Grenze<br />
aneinanderreihten, eine einheitliche, national<br />
bekömmliche Sichtweise verweigernd.<br />
Wir brachten die Erzählungen nur am Rande<br />
mit so genannten historischen Fakten in Verbindung.<br />
Auf einer einleitenden Tafel listeten<br />
wir einige einschneidende Ereignisse von der<br />
Zwischenkriegszeit an bis in die Sechzigerjahre<br />
auf. „Manchmal weiß man nicht mehr, in<br />
64<br />
welcher Zeit und auf welcher Seite der Grenze<br />
man in den Erzählungen gerade eintaucht,<br />
aber vielleicht ist das ja auch die zentrale Aussage“,<br />
schrieb einer unserer Besucher ins Gästebuch.<br />
Das war in unserem Sinn.<br />
Im chronologischen Verlauf folgen wir zunächst<br />
den Lebensabschnitten unserer Gesprächspartner/innen:<br />
Kindheit und Schule dokumentiert die ersten<br />
Jahre im Leben unserer Interviewpartner/innen.<br />
Viele von ihnen waren in dieser Zeit beider<br />
Sprachen mächtig.<br />
Festlichkeiten spielten in den erzählten Biografien<br />
eine wichtige Rolle. Sie waren Momente<br />
kultureller Begegnung. Kirtage und Hochzeiten<br />
boten Gelegenheit zu verwandtschaftlichen<br />
Besuchen über die Grenze. Steroetype Darstellungen<br />
boten Grundlage für kulturelle Vergleiche:<br />
„Die haben tanzen können, die Südmährer!<br />
Wie die Südmährer haben tanzen können,<br />
hat niemand tanzen können. Die haben tanzt,<br />
links und rechts!“ 5<br />
Landwirtschaft – Kleiner Grenzverkehr<br />
– Lehrjahre – Schwere Zeiten dokumentieren<br />
Broterwerb und lokale und grenzüberschreitende<br />
wirtschaftliche Verflechtungen<br />
in der Region. Auch Schmuggelgeschichten,<br />
liebevoll „Kleiner Grenzverkehr“ genannt,<br />
werden schmunzelnd zum Besten gegeben:<br />
„Ån d’ Schuach håd mas dakennt, ob de von<br />
drüm woan. De håm olle hintn nua die Noht<br />
ghåbt, jå? Die unsan habm des Bandl då hintn<br />
rauf ghåbt – und wånn wea die Schuach mit<br />
da Noht hintn ghåbt hat, da håt ma gwußt,<br />
des san die büllichen Bata-Schuach. Do sand<br />
d’ Lei mit so rechte Hatscha einigångan und<br />
die hams dånn drinnan bein Hoamgehn in an<br />
Åcka gwoafm und håm si die neichn Schuach<br />
ånzogn.“ 6
Brüche der Nachbarschaft fasst die Erzählungen<br />
zur nachbarschaftliche Situation vom „Anschluss“<br />
Österreichs an das nationalsozialistische<br />
Deutschland 1938 und der Annektierung<br />
tschechoslowakischer Gebiete durch die Nazionalsozialisten<br />
bis zur Antwort der tschechoslowakischen<br />
Regierung bei Kriegsende, der<br />
rigorosen Zwangsaussiedlung der deutschsprachigen<br />
Bevölkerung ab 1945, zusammen.<br />
Im Kulturhaus von Bulhary – V kulturnem domu Bulharyja<br />
Im Kulturhaus von Suchohrdly bei Znojmo – V kulturnem domu<br />
Suchohrdly-ja pri Znojmovem<br />
Leben an der Grenze richtet den Blick nochmals<br />
auf die Veränderungen im Grenzraum<br />
Grenzen erzählen<br />
und den damit verbundenen Wandel sozialer<br />
Begegnungen nach dem Zweiten Weltkrieg, in<br />
der kommunistischen Ära und nach der Öffnung<br />
der Grenzen 1989. Mit kurzen biografischen<br />
Texten werden die Erzähler/innen zum<br />
Abschluss der Ausstellung vorgestellt. Fotoporträts<br />
geben die Situation des Erzählens wieder.<br />
Eine zweisprachige Landkarte vereinfacht das<br />
Wiederauffinden von erwähnten Ortschaften.<br />
Terezia Líčeniková vor den Abbildungen ihrer Eltern – Terezia Líčeniková<br />
pred fotografijami svojih staršev<br />
Maria Marschitz bei der Eröffnung im Kulturhaus von Bulhary – Maria<br />
Marschitz ob otvoritvi v kulturnem domu Bulharyja<br />
Sie benennt die Ortschaften im südmährischen<br />
Raum in beiden Sprachen und ermög-<br />
65
Grenzen erzählen<br />
licht die räumliche Zuordnung der Erzählungen.<br />
Der letzte Teil der Ausstellung schließlich<br />
dokumentiert die Wanderung der Ausstellung<br />
selbst, im Zickzack durch die Ortschaften des<br />
Weinviertels und Südmährens, nach Retz, Suchohrdly<br />
u Znojmo, Poysdorf, Bulhary u Mikulova<br />
bis in die Kreishauptstadt Brno und ins<br />
Museumsquartier in Wien. Beim Aufbau des<br />
virtuellen Grenzspaziergangs in den Gemeinden<br />
wurde uns nicht nur praktische Hilfe zuteil,<br />
die Darstellungen auf den Tafeln wurden<br />
jeweils bereits vor der Eröffnung interessiert<br />
kommentiert und ergänzt, Personen und Orte<br />
wurden wiedererkannt.<br />
Zu den Eröffnungen kamen unsere Interviewpartner/innen<br />
als Ehrengäste. Manche von ihnen<br />
begleiteten die Ausstellung sogar durch<br />
mehrere Orte. Die letzte Station führte uns<br />
schließlich ganz in den Süden Österreichs, an<br />
die Grenze zu Slowenien, ins Pavel-Haus bei<br />
Bad Radkersburg.<br />
66<br />
ANMERKUNGEN<br />
1 Ein Projekt der ARGE grenzen erzählen in Kooperation mit Česky Svaz<br />
Žen / jihomoravská krajská organizace und der ÖAR Regionalberatung<br />
GmbH.<br />
2 Vgl. Angelika Brechelmacher, Österreichs Politik auf der Suche nach<br />
europäischer Identität – eine Analyse des politischen und medialen<br />
Diskurses zur Entwicklung und Akzeptanz von „europäischer Identität“ zur<br />
Zeit des österreichischen Ratsvorsitzes, in: Helmut Gruber – Florian Menz –<br />
Oswald Panagl (Hg.), Sprache und politischer Wandel. Frankfurt u. a. 2003,<br />
S. 131-150. – Angelika Brechelmacher, Identity by way of demarcation – the<br />
discourse on the expansion of the European Union in Austria´s leading daily<br />
papers, in: Anna Duszak (Hg.), Us and Others – Social identities across<br />
languages, discourses and cultures. Amsterdam – Philadelphia 2002, S.<br />
293-320.<br />
3 Zitiert aus: Angelika Brechelmacher – Tanja Täuber – Gabriela Miechtner,<br />
Putovní výstava „Historie a příběhy sousedství“ | Wanderausstellung<br />
„Geschichte und Geschichten der Nachbarschaft“. Katalog zur<br />
gleichnamigen Ausstellung und DVD „grenzen erzählen“. Wien 2005.<br />
4 Katharina Eisch, Grenze. Eine Ethnographie des bayrisch-böhmischen<br />
Grenzraums. München, 1996.<br />
5 Franziska Autrieth, Kleinriedenthal, März 2004.<br />
6 Maria Exel sen., Mitterretzbach, Dezember 2003.
Meje pripovedujejo<br />
refleksije potujoče razstave<br />
„Geschichte und Geschichten der<br />
Nachbarschaft“ – „Zgodovina in zgodbe<br />
sosedstva“ | Putovní výstava „Historie a<br />
příběhy sousedství“ 1<br />
Kot ARGE grenzen erzählen – meje pripovedujejo<br />
smo si Tanja Täuber, Gabriela Miechtner<br />
in jaz pred več kot dvema letoma zadale<br />
nalogo, pogledati v ozadje javnega diskurza<br />
o sosedskih odnosih med Čehi/njami in<br />
Avstrijci/kami, ki je, od začetka pogajanj ob<br />
največji širitvi Evropske unije doslej, zagrabila<br />
avstrijske medije. Kakšne prispodobe,<br />
stereotipe, centralno ugotovljene „strahove“<br />
„Avstrijcev/k“ 2 utemeljujejo z raziskavami<br />
javnega mnenja pred EU-pristopom Češke<br />
republike? Je to bil le diskurz mestnih centrov,<br />
ki potiska naprej nacionalne interese? Kakšen<br />
je pogled na tako imenovano „periferijo“,<br />
v sami obmejni regiji, glede na širitev? Ali<br />
tudi tam prevladujejo nacionalni in vse do<br />
nacionalistično oblikovanih „strahov“, ali pa<br />
se je že zdavnaj razvila regionalna, čezmejna<br />
zavest, ki v glavnem mestu Dunaju enostavno<br />
(še) ni zaznana? Ta in podobna vprašanja<br />
so nas zanimala. Odgovore smo si obetali<br />
v regiji sami, na obeh straneh meje, najraje<br />
od generacije, ki je sosedsko skupno življenje<br />
doživela še pred postavitvijo železne zavese.<br />
Meje pripovedujejo – zbiranje spominov.<br />
Serija intervjujev „Frauen-leben an der Grenze“<br />
– „Žensko življenje na meji“ je 2003 odprla niz<br />
čezmejnih projektov ARGE meje pripovedujejo<br />
v avstrijsko-češki obmejni regiji Weinviertel<br />
– Južna Moravska. Najstarejša generacija je z<br />
Meje pripovedujejo<br />
medvojnim časom doživela periodo, v kateri<br />
je bil stik med etnijama del vsakdana. Veliko<br />
žensk in moških je ob materinščini obvladalo<br />
tudi jezik sosedov, češko in nemško, nemško<br />
in češko. Petnajst biografsko-narativnih<br />
intervjujev z enajstimi povprečno 80-letnimi<br />
ženskami in štirimi moškimi iste generacije<br />
nam je omogočilo vpogled v otroštvo in<br />
mladost tostran in onstran avstrijsko-češke<br />
meje, v sosedske odnose, pa tudi v preganjanje<br />
leta 1938 in v prisilno izselitev leta 1945. V<br />
intervjujih smo včasih naleteli na stereotipe<br />
etnične razmejitve in razvrednotenja. Zgodbe<br />
osebnih srečanj pa so pokazale zlom teh<br />
stereotipov in so vsekakor zrcalile sosedsko<br />
bližino. Klišeji in njihov zlom, osebne izkušnje<br />
v vsakdanjiku, so bili v središču našega<br />
interesa.<br />
Poslušati in gledati. Pripovedovalci/ke so<br />
govorili po češko in nemško, pogosteje po<br />
nemško. Včasih so sredi zgodbe zamenjali<br />
jezik. Nekateri/e so tožili/e, da so večino besed<br />
iz šolskega časa pozabili/e. Ko smo poleti 2004<br />
z vsemi intervjuvanimi iz serije intervjujev<br />
„Žensko življenje na meji“ organizirali v Retzu<br />
internacionalni workshop „Meje pripovedujejo“,<br />
je razumevanje potekalo vsekakor čudovito.<br />
Na velikem pripovednem omizju so govorile<br />
ženske in moški iz Suchohrdlyja, Retzbacha,<br />
Brna, Hohenaua, Bulharyja in Poysdorfa o<br />
svojem življenju v obmejni regiji in o odnosih<br />
s sosedi in sosedami. Vsaka izjava je bila<br />
simultano prevedena v en ali drug jezik.<br />
Dve uri poslušanja, brez prekinitev, z veliko<br />
pozornosti in medsebojnega spoštovanja. Kljub<br />
njihovi deloma visoki starosti in napornemu<br />
prihodu je sodelovalo okrog trideset oseb.<br />
Skupno kosilo, malica in klepet v manjših<br />
skupinah, so pripomogli k sproščenemu<br />
67
Meje pripovedujejo<br />
počutju do konca prireditve. Vse naše partnerje<br />
in partnerke pogovora smo večkrat obiskali<br />
doma. Z magnetofonskim trakom in kamero<br />
smo dokumentirali pogovorne situacije.<br />
Prepisane intervjuje smo še enkrat predložili<br />
pripovedovalcem/kam, nesporazumi so bili<br />
popravljeni. Zmeraj znova so na plano privreli<br />
novi spomini, dopolnitve, vrinjeni odstavki.<br />
Veliko časa smo si vzeli pri izboru osebnih<br />
fotografij, ki naj bi dokumentirale razstavo ob<br />
koncu projektne serije. Veliko popoldnevov<br />
smo presedeli v Suchohrdlyju in Hohenauu<br />
in drugih krajih in skupno listali po starih<br />
fotografijah. K vsaki fotografiji nove zgodbe,<br />
usode staršev in starih staršev, tet in stricev.<br />
Kako naj obdržimo [rdečo] nit, zorni kot<br />
razstave na otroštvo in mladost, sosedstvo v<br />
obmejni regiji?<br />
Posneli smo vse pogovore, jih zapisali in<br />
prevedli. Priprava zadnje in največje postaje<br />
našega potovanja skozi zgodbe in zgodovino<br />
obmejne regije se je začela. Dvojezična potujoča<br />
razstava „Zgodovina in zgodbe sosedstva“<br />
| Putovní výstava „Historie a příběhy<br />
sousedství“ in film v nemškem in češkem<br />
jeziku „Meje pripovedujejo“ | „vyprávéní z<br />
pohraniči“ naj bi doživeto naredila vidno,<br />
neodvisno od političnih naravnanosti in<br />
zgodovinskih analogij. Vsakdanjemu in tudi<br />
posebnim „zgodbam iz sosedstva“ smo želeli<br />
dati mesto na tej razstavi.<br />
Socialno-antropološki zorni kot. 3 Raziskava<br />
„meje pripovedujejo“ izhaja iz etnološke<br />
predpostavke, da so kulture žive in v<br />
nenehnem premikanju. Sosedsko medsebojno<br />
delovanje različnih etničnih skupnosti<br />
lahko na državni ravni spremlja nacionalna<br />
razmejitev oz. izključevanje. To prehajanje<br />
različnih družbenih dinamik se je v teku serije<br />
68<br />
intervjujev izkazalo kot težišče raziskave. Ne<br />
samo sosedsko skupno življenje in čezmejne<br />
slovesnosti, temveč tudi prisilno izseljevanje<br />
in tradicionalni predsodki so vpleteni v<br />
pripovedovanja. Naš „cilj je bil […] individualne<br />
lastne podobe in podobe o svetu raziskati<br />
in jemati resno, kot so bile pripovedovane.<br />
[…] Zgodovinska globina raziskav pa je bila<br />
nasprotno v veliki meri določena s samim<br />
kolektivnim spominom: Zgodovina je bila<br />
dodana, v kolikor je igrala zaznavno vlogo v<br />
spominih in podobah identitete zaupnikov/<br />
c.“(Eisch 1996) 4 .<br />
Postavitev in oblikovanje potujoče razstave.<br />
Razstava je bila oblikovana kot sprehod ob<br />
osvetljenih inštalacijah vzdolž meje. Držale<br />
smo se grobega kronološkega poteka. Nismo pa<br />
se držale enotnega/poenotenega zornega kota.<br />
Kot oblikovalke razstave poskakujemo sem ter<br />
tja, prisluškujemo tod in onstran, spajamo in<br />
ločujemo, tako da nizamo pripovedovane pasaže<br />
tostran in onstran meje in s tem zavračamo<br />
enoten nacionalni pogled. Pripovedi smo<br />
samo obrobno povezale s tako imenovanimi<br />
zgodovinskimi dejstvi. Na uvodnem panoju<br />
smo naštele nekatere odločilne dogodke od<br />
medvojnega časa do šestdesetih let. „Včasih<br />
človek ne ve več, v katerem času in na kateri<br />
strani meje se je pravkar zatopil v zgodbe, toda<br />
mogoče je prav to ključna izjava,“ je zapisal<br />
eden naših obiskovalcev v knjigo gostov. To je<br />
bil tudi naš namen.<br />
V kronološkem poteku sledimo življenjskemu<br />
obdobju naših pogovornih partnerjev/ic:<br />
Otroštvo in šola dokumentira prva leta življenja<br />
naših intervjuvancev/k. Mnogi od njih so bili<br />
v tistem času dvojezični.<br />
Slovesnosti so igrale v pripovedovanih<br />
biografijah pomembno vlogo. Bile so trenutki
kulturnih srečanj. Sejmi in poroke so nudili<br />
priložnost sorodstvenih obiskov čez mejo.<br />
Stereotipni prikazi ponujajo osnovo za<br />
kulturne primerjave: „Ti so znali plesati, ti<br />
južni Moravci! … tako kot so znali plesati<br />
južni Moravci, tako ni znal plesati nihče. Ti so<br />
plesali, levo in desno!“ 1<br />
Kmetijstvo – maloobmejni promet – učna<br />
doba – težki časi dokumentirajo zaslužek in<br />
lokalno ter čezmejno gospodarsko prepletenost<br />
v regiji. Tihotapske zgodbe, ljubko imenovane<br />
„maloobmejni promet“, ponazarjajo najbolje:<br />
„Po čevljih smo jih prepoznali, ali ti prihajajo<br />
od tam preko. Ti [čevlji] so vsi imeli samo en<br />
šiv od zadaj, da? Naši so imeli odzadaj trak<br />
– in, če je imel nekdo čevlje s šivom od zadaj,<br />
smo vedeli, to so poceni Bata čevlji. Od tam<br />
so ljudje prišli z res pošvedranimi čevlji, na<br />
poti domov pa so se preobuli in stare vrgli na<br />
njivo.“ 5<br />
Prelomi sosedstva združijo zgodbe sosedskega<br />
položaja od priključitve Avstrije k nacistični<br />
Nemčiji 1938 in anektiranja čehoslovaškega<br />
področja s strani nacistov do odgovora<br />
čehoslovaške vlade konec vojne, rigoroznega<br />
prisilnega izseljevanja nemškogovorečega<br />
prebivalstva od 1945.<br />
Življenje na meji usmerja pogled še enkrat na<br />
spremembe v obmejnem prostoru in s tem<br />
povezano spreminjanje socialnih srečanj po<br />
drugi svetovni vojni, v komunistični dobi in<br />
po odprtju meja 1989.<br />
S kratkimi biografijami so ob koncu razstave<br />
predstavljeni/e pripovedovalci/ke. Fotografski<br />
portreti prikazujejo situacijo pripovedovanja.<br />
Dvojezičen zemljevid poenostavlja iskanje<br />
omenjenih krajev. V obeh jeziki so poimenovani<br />
kraji v južnomoravskem prostoru in s tem<br />
omogočajo prostorsko določitev zgodb.<br />
Zadnji del razstave končno dokumentira<br />
potujočo razstavo samo, v cikcaku skozi kraje<br />
Weinviertela in Južne Moravske, proti Retzu,<br />
Suchohrdlyju in Znojmovem, Poysdorfu,<br />
Bulharyju in Mikulovaji do okrožnega<br />
glavnega mesta Brno in v muzejsko bivališče<br />
na Dunaju. Pri postavitvi inštalacij v občinah<br />
nismo dobile le praktične pomoči, predstavitve<br />
na panojih so bile še pred otvoritvami z<br />
zanimanjem komentirane in dopolnjene, osebe<br />
in kraji prepoznani. K otvoritvam so prišli naši<br />
intervjuvanci/ke kot častni/e gostje. Nekateri/<br />
e od njih so spremljali/e razstavo skozi več<br />
krajev. Zadnja postaja nas je peljala čisto na jug<br />
Avstrije, na mejo s Slovenijo, v Pavlovo hišo v<br />
Radgono.<br />
OPOMBE<br />
Meje pripovedujejo<br />
1 Projekt ARGE grenzen erzählen – meje pripovedujejo je kooperacija z/s<br />
kooperací: Česky Svaz Žen – jihomoravská krajská organizace in ÖAR<br />
Regionalberatung GmbH<br />
2 prim. Brechelmacher, Angelika (2003): Österreichs Politik auf der Suche<br />
nach europäischer Identität – eine Analyse des politischen und medialen<br />
Diskurses zur Entwicklung und Akzeptanz von „europäischer Identität“ zur<br />
Zeit des österreichischen Ratsvorsitzes – Avstrijska politika na poti iskanja<br />
evropske identitete – analiza političnega in medijskega diskurza za razvoj<br />
in akceptanco „evropskih identitet“ v času avstrijskega predsedovanju<br />
svetu, v: Gruber, Helmut; Menz, Florian; Panagl, Oswald (Hg.): Sprache<br />
und politischer Wandel – Jezik in politična sprememba. Frankfurt et al.:<br />
Peter Lang. S. 131-150. – Brechelmacher, Angelika (2002): Identity by way<br />
of demarcation – the discourse on the expansion of the European Union in<br />
Austria´s leading daily papers. v: Duszak, Anna (2002) (ed.): Us and Others<br />
– Social identities across languages, discourses and cultures. Amsterdam<br />
– Philadelphia: John Benjamins. S. 293-320. und 2002).<br />
3 Citirano iz: Brechelmacher, Angelika; Täuber, Tanja; Miechtner, Gabriela<br />
(2005): Putovní výstava „Historie a příběhy sousedství“ | Wanderausstellung<br />
– Potujoča razstava „Geschichte und Geschichten der Nachbarschaft“/<br />
„Zgodovina in zgodbe sosedstva“, katalog k istoimenski razstavi in DVD<br />
grenzen erzählen – meje pripovedujejo. Wien: ARGE grenzen erzählen<br />
4 Eisch, Katharina (1996): Grenze. Eine Ethnographie des bayrischböhmischen<br />
Grenzraums – Meja: Etnografija bavarsko-češkega obmejnega<br />
prostora<br />
5 Maria Exel sen., Mitterretzbach, december 2003<br />
69
70<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Angelika Brechelmacher<br />
Dr in Angelika Brechelmacher arbeitet als Sozialanthropologin und Sprachwissenschaftlerin<br />
in Wien. Sie interessiert sich für kollektive Ab- und<br />
Ausgrenzung, sprachlich konstruierte Identitäten, ihre Verflechtungen<br />
und Brüche. Als Shiatsu-Trainerin ist sie in der Erwachsenenbildung tätig.<br />
– Dr in Angelika Brechelmacher dela kot socialna antropologinja in<br />
jezikovna raziskovalka na Dunaju. Zanima se za kolektivno razmejitev in<br />
izključevanje, jezikovno konstituirane identitete, njihovo prepletenosti in<br />
navade. Kot predavateljica shiatsuja deluje pri izobraževanju odraslih.<br />
DANKSAGUNG<br />
Unser Dank gilt allen unseren Interviewpartnerinnen und -partnern für ihr<br />
Vertrauen in unsere Arbeit und die offene und herzliche Atmosphäre bei den<br />
gemeinsamen Begegnungen. Ausstellung und Film werden demnächst auf<br />
der Homepage der ARGE grenzen erzählen www.grenzenerzaehlen.at installiert<br />
und ab November 2005 virtuell begehbar sein. Interessierte können<br />
den Katalog zur Ausstellung inklusive Film „vyprávéní z pohraniči“ | „grenzen<br />
erzählen“ als DVD unter angelika.brechelmacher@uni-klu.ac.at bestellen.<br />
Meje pripovedujejo<br />
– Naša zahvala velja vsem našim intervjuvancen/kam za zaupanje pri našem<br />
delu in za odprto in prisrčno vzdušje pri skupnih srečanjih. Razstava in film<br />
bosta kmalu umeščena na spletno stran ARGE grenzenerzählen – www.<br />
grenzenerzaehlen.at in od novembra 2005 kot virtualni sprehod po razstavi.<br />
Zainteresirani lahko naročijo razstavni katalog skupaj s filmom „vyprávéní<br />
z pohraniči“ | „grenzen erzählen – meje pripovedujejo“ kot DVD na naslovu<br />
angelika.brechelmacher@uni-klu.ac.at.<br />
PROJEKTTEAM – PROJEKTNA SKUPINA<br />
Dr in Angelika Brechelmacher (Projektleiterin), Gabriela Miechtner, Maga<br />
Tanja Täuber, Tina Hochkogler. Projektsupervision: Dr. Harald Payer,<br />
ÖAR Regionalberatung GmbH. Kooperationspartnerinnen in der Tschechischen<br />
Republik: RN Dr in Bronislava Milinková und Mgr. Margita Březnová/<br />
ČSŽ – Tschechischer Frauenverband/Kreis Südmähren. – Dr in Angelika<br />
Brechelmacher (vodja projekta), Gabriela Miechtner, Maga Tanja Täuber,<br />
Tina Hochkogler. Projektni nadzor: Dr. Harald Payer, ÖAR Regionalberatung<br />
GmbH. Partnerji kooperacije v Češki republiki: RN Dr in Bronislava Milinková<br />
in Mgr. Margita Březnová / ČSŽ – Češko žensko združenje / okrožje Južna<br />
Moravska.<br />
FÖRDERUNGEN – PODPORE<br />
Die Austellung wurde von Regionalentwicklungsfonds EFRE Wien, Kulturreferat<br />
der NÖ Landesregierung und Frauenbüro der Stadt Wien gefördert,<br />
die Videoproduktion durch das Kulturreferat der Stadt Wien. Finanzielle<br />
Unterstützung der tschechischen Partnerinnen: Österreichisches Kulturforum<br />
in Prag. Mit Unterstützung des Weinviertelfestivals 2004. – Dotacije:<br />
Razstava je bila podprta s strani Regionalentwicklungsfonds EFRE<br />
Wien (Sklada regionalnega razvoja EFRE Dunaj), Kulturreferat der NÖ<br />
Landesregierung (Kulturnega referata deželne vlade Spodnje Avstrije), in<br />
Frauenbüro der Stadt Wien (Ženske pisarne mesta Dunaja, video produkcija<br />
s strani), Kulturreferat der Stadt Wien (Kulturnega referata mesta Dunaja).<br />
Finančna podpora čeških partnerjev: Österreichisches Kulturforum in Prag<br />
(Avstrijski kulturni forum iz Prage). V sodelovanju z Weinviertelfestivalom<br />
2004.
Moč šibkih<br />
Ženske v času kmečkega gospodarjenja<br />
� Text: Irena Destovnik<br />
Moč šibkih<br />
V prispevku izhajam iz ugotovitev, ki sem jih opisala v knjigi Moč šibkih, Ženske v času kmečkega<br />
gospodarjenja 1 in prikazala na razstavi z istim naslovom. Način življenja žensk iz kmečkega in<br />
podkmečkega sloja sem raziskovala v Šentjanžu v Rožu in na Šentjanških Rutah, vaških skupnostih<br />
na dvojezičnem območju južne Koroške, in sicer v obdobju druge polovice 19. in prve polovice<br />
20. stoletja. 2 Omenjene ženske so zapustile sledi le v skopih zaznamkih v rojstnih, poročnih in<br />
mrliških matičnih knjigah ter v notarskih aktih, predvsem v sklepih o odpravninah in ženitnih<br />
pogodbah. Spomin nanje ohranjajo tudi njihove potomke, katerih mentalni svet se predvsem pri<br />
starejših ni bistveno spremenil. Tradicionalni svet se je zrušil šele po drugi svetovni vojni, ko se je<br />
vaška skupnost odprla navzven, družina pa zaprla navznoter.<br />
Statistični podatki kažejo naslednjo sliko: leta 1883 je v obeh vaseh živelo 265 ljudi, vsi so bili<br />
Slovenci, leta 1900 je tu živelo sedem Nemcev, leta 1910 pet, ob popisu prebivalstva leta 2002 pa<br />
se je za govorce slovenskega jezika opredelilo okoli 23 odstotkov prebivalcev. Poklicna struktura<br />
nekdaj kmečkega slovenskokoroškega prebivalstva, ki je danes v primerjavi z nemško krepko v<br />
prid slovensko govorečim, se je začela spreminjati po letu 1957. Takrat je bila ustanovljena Zvezna<br />
gimnazija za Slovence, pozneje pa še dve dvojezični višji šoli.<br />
Z raziskavo sem hotela dokazati pomembnost gospodarske vloge žensk, ki so jo imele ženske<br />
v času kmečkega gospodarjenja, kar pa v izbranem okolju ni bila lahka naloga. Viri, ki so na<br />
razpolago, hkrati dokazujejo njihovo gospodarsko in družbeno podrejenost. Ker pa sem želela<br />
oporekati mnenju o manjvrednosti dela, ki ni ovrednoteno z denarjem, sem ženske iskala tam, kjer<br />
so bile najbolj prisotne in dejavne. Hkrati pa sem želela posledice delitve produkcije in reprodukcije<br />
povezati s spremembami pojmov ženska, mati in gospodinja, saj je to vplivalo na današnji pomen<br />
in položaj žensk tako v zasebnem kot javnem življenju.<br />
Čeprav smo si ženske predvsem v 20. stoletju priborile številne politične pravice in pravice na<br />
področju izobraževanja, zaposlitve ter socialnega varstva, analiza teh pravic pokaže, da ohranjajo<br />
starodavne mite o ženski in moški naravi. Iluzijo linearnega razvoja je, poleg tega, da sta v 16.<br />
stoletju cerkev in država reprodukcijo ljudi potisnili v »božje roke«, v obdobju industrializacije<br />
porušil predvsem izgon žensk iz produkcijskega procesa. Moški so zasedli zunanji prostor, ženski<br />
71
Moč šibkih<br />
pa ostale v zasebnem. V kmečki ekonomiji,<br />
ki je bila hišno in družinsko organizirana ter<br />
brez ločnice med družinskim življenjem in<br />
pridobitnim delom, so bile ženske kot delovna<br />
sila na obeh področjih nepogrešljive. Tako<br />
razloge za spolno delitev dela kot razliko med<br />
vsakokratnim pomenom ženskega dela in<br />
družbenim položajem žensk lahko prepoznamo<br />
le, če upoštevamo vsa dela, ki so jih ženske<br />
opravljale. Sodobna delitev dela na plačano<br />
in neplačano delo je podobo ženskega dela<br />
precej popačila. Koncept dela in naš odnos do<br />
njega se stalno spreminjata; kaj se na področju<br />
neplačanega ženskega dela vrednoti kot delo<br />
in kaj kot prostočasna aktivnost, določa cena<br />
storitve na trgu. Tudi današnje pojmovanje<br />
kmečkega dela se je zaradi agrarnega prevrata<br />
oblikovalo šele v drugi polovici 18. in v prvi<br />
polovici 19. stoletja.<br />
Čeprav so zaradi proletarizacije moške delovne<br />
sile – leta 1935 je bilo v obeh vaseh kar 45,1<br />
odstotka kajžarjev z manj kot petimi hektarji<br />
zemlje – prvi gostači, označeni kot industrijski<br />
delavci, v matičnih knjigah zapisani že leta<br />
1888, pa njihovih družin še ne moremo označiti<br />
kot delavske ali obrtniške. Sieder 3 piše, da so<br />
prvi delavci družino kot gospodarsko skupnost<br />
zamenjali s plačano zaposlitvijo, njihove<br />
žene pa so za preživetje opravljale dela, ki so<br />
presegala reprodukcijske naloge. Njihov način<br />
preživetja je zaradi agrarnega ozadja še dolgo<br />
temeljil na dvojni ekonomiji. Sieder je ta tip<br />
družine poimenoval na pol odprta družinska<br />
struktura. V zaprtih družinskih strukturah<br />
ženske opravljajo samo reprodukcijske naloge.<br />
Kmečko gospodarstvo je temeljilo na lastnini<br />
zemlje in njej ustreznemu številu delovne sile,<br />
temelj za poroko in lastno samostojnost je<br />
bila dediščina. Na Koroškem je veljalo načelo<br />
nedeljivosti oziroma pravo enega dednega<br />
72<br />
prevzemnika. Praviloma je dedoval najstarejši<br />
sin, ki je moral ob prevzemu izplačati tako<br />
imenovane odpravljene dediče. Prav zaradi<br />
tega se je v kmečkem okolju izoblikoval<br />
raznolik podkmečki sloj prebivalstva, ki se je<br />
od kmečkega razlikoval zgolj glede socialne<br />
strukture. Socialni statusi ženinov in nevest<br />
pričajo o socialni endogamiji, vendar pa so se<br />
znotraj slojev, vezanih na kmečko ekonomijo,<br />
te meje lažje prekoračevale, kot pa med drugimi<br />
sloji. Za večino ljudi so bili začasni izhodi iz<br />
privilegiranih kmečkih slojev predvsem pred<br />
poroko skorajda pravilo. Večje število kmečkih<br />
sinov in hčera si je pred prevzemom lastništva<br />
ali poroko služilo kruh kot hlapci ali dekle.<br />
Neporočene kmečke hčere so po prevzemu<br />
lastništva enega od sorojencev v matičnih<br />
knjigah označene kot dekle ali gostačice.<br />
Pari brez otrok so si zagotovili preživetje in<br />
ohranitev kmetije tako, da so posest izročili<br />
kakemu sorodniku ali dolgoletnemu poslu.<br />
Pred industrializacijo je spolna delitev dela veljala<br />
samo za moške. Ženske so vedno opravljale vsa,<br />
moški pa le tako imenovana moška dela, to pa<br />
je bilo povezano predvsem z ugledom. Bolj<br />
kot so posamezna delovna opravila povezana<br />
s samopreskrbo oziroma preživetjem družine<br />
in ne prinašajo neposrednega zaslužka, bolj<br />
postajajo ženska; bolj kot so tržno usmerjena in<br />
povezana z zaslužkom, bolj so moška. Namen<br />
porazdelitve vlog na temelju spola je določanje<br />
mesta vsake osebe doma in v družbi, oziroma,<br />
kot pravi Margaret Mead 4 , moški lahko dela<br />
karkoli, da le to v njegovem okolju ne velja<br />
za žensko delo. Kljub kulturnim razlikam je<br />
vzorec univerzalen: ob prekoračitvi se moške<br />
zasmehuje, ženske pa hvali. Tako moški kot<br />
ženske so s ponosom pripovedovali o ženskah,<br />
ki so opravljale moška dela, nihče pa ni<br />
nobenega pomena pripisoval tipičnim ženskim
opravilom. Odgovori žensk o vrednotenju<br />
lastnega dela odražajo družbeno vrednotenje.<br />
Kljub jasni spolni obeleženosti posameznih del<br />
in enosmernim prekoračitvam pa je v primerjavi<br />
s kasnejšo delitvijo dela po spolu mogoče<br />
za nazaj govoriti o dopolnjujočih oblikah<br />
delitve dela med zakoncema. Če dokazujemo<br />
gospodarsko nepogrešljivost žensk le s tem,<br />
da so opravljale najtežja fizična dela, na neki<br />
način utrjujemo odnos, ki ga ima potrošniška<br />
družba do gospodinjstva. Ker denar v družinski<br />
ekonomiji ni bil nekaj običajnega, so ženske<br />
s posebnimi strategijami poskrbele za čim<br />
manjše stroške pri oskrbi družine s prehrano,<br />
obleko, zdravjem in izobraževanjem.<br />
Večina avtorjev razume kmečki način<br />
gospodarjenja kot kombinacijo bivanja in dela,<br />
ki ženskam omogoča hkratno opravljanje<br />
produkcijske in reprodukcijske vloge. Kljub<br />
visokemu moralnemu pomenu materinstva,<br />
na katerem je gradila predvsem cerkev, pa je<br />
bila ženska pomembnejša kot delovna sila.<br />
Kmečka ekonomija je tudi nezakonskim<br />
materam in njihovim otrokom omogočala<br />
preživetje, saj so bili nepogrešljivi za kmečko<br />
družbo, ki je potrebovala številno delovno<br />
silo. Iz ekonomskih razlogov je bila Koroška<br />
dežela z najmanjšim številom poročenih<br />
ljudi in največjim deležem nezakonskih<br />
otrok. Leta 1890 jih je bilo na Koroškem 45,<br />
na območju celotne Avstro-Ogrske pa 15<br />
odstotkov. Med letoma 1832 in 1945 se je v<br />
obeh vaških skupnostih rodilo 17 odstotkov<br />
nezakonskih otrok. Več kot polovico so jih<br />
rodile hčere večjih posestnikov, le 15 odstotkov<br />
je bilo dekel, 24 odstotkov pa gostačic. Številke<br />
ilustrirajo ekonomsko ozadje velikega števila<br />
nezakonskih otrok, načine preživetja njihovih<br />
mater pa opisujejo posamezne življenjske<br />
zgodbe.<br />
Moč šibkih<br />
Rodnost se je začela zmanjševati šele, ko<br />
zemlja ni bila več pogoj za preživetje, skrb<br />
za nepreskrbljene družinske člane pa se je<br />
iz družinske mreže prenesla na državne<br />
ustanove. Državni skrbstveni sistem je družino<br />
razbremenil skrbi za šibkejše družinske člane;<br />
splošna socialnopolitična zakonodaja, ki so jo<br />
države Srednje in Zahodne Evrope sprejemale<br />
v zadnjih letih 19. in prvih letih 20. stoletja,<br />
je bila odgovor na probleme industrijskega<br />
kapitalizma. Čeprav je vlada že leta 1909<br />
sprejela prvi predlog kmečkega zavarovanja,<br />
ta ni bila sprejet, saj naj bi kmetje zaradi<br />
neustrezne posestne strukture in številčne<br />
prevlade malih kmetov ne prenesli finančnih<br />
bremen socialnega zavarovanja. V Avstriji so<br />
se kmetje lahko zdravstveno zavarovali šele<br />
leta 1965, pokojninsko pa leta 1969.<br />
Niti kmečke družine niti medsebojnih čustev<br />
njenih članov ni mogoče obravnavati ločeno<br />
od kmečke ekonomije. Ljudje so se pri izbiri<br />
zakonskega partnerja dobro zavedali, da je<br />
lastnina zemlje temelj preživetja ne le zanje,<br />
temveč tudi za druge družinske člane. Zaradi<br />
ponotranjenih vrednot so nezavedno upoštevali<br />
ekonomske zahteve, ki niso dopuščale izbire<br />
ter jim ni bilo kam uiti. V obdobju tako<br />
imenovanega baby-booma sredi 20. stoletja<br />
se je prvič v evropski zgodovini lahko vsak<br />
odrasel in polnoleten državljan poročil brez<br />
zakasnitve. Takrat se je ustanovitev družine<br />
spremenila iz privilegija v družbeno normo.<br />
Spomin na otroke, ki so umrli v prvih treh<br />
letih življenja, se v družinskem spominu ni<br />
ohranjal. Podatki iz rojstnih in mrliških knjig<br />
pričajo, da je bila smrtnost otrok največja v<br />
prvem letu. Prvi babiški tečaji v Celovcu so se<br />
začeli že leta 1753; pouk naj bi bil vse do leta<br />
1893 v slovenskem jeziku. Splošno bolnišnico,<br />
v kateri so uredili tudi porodniški oddelek, so<br />
73
Moč šibkih<br />
zgradili leta 1784. Od ustanovitve bolnišnice<br />
do prvega poroda ženske iz Šentjanža, to je<br />
leta 1933, je minilo celih 149 let. Ta podatek ne<br />
govori o težavah uvajanja strokovno vodenih<br />
porodov na podeželje, saj porodnišnice dolgo<br />
niso bile namenjene poročenim ženskam in<br />
vdovam, temveč praktičnemu učenju babic<br />
na nezakonskih materah in drugih ženskah<br />
v stiski. V vasi so ženskam vse do leta 1842<br />
pri porodu pomagale neizprašane babice. Od<br />
tega leta je tudi avstrijski kazenski zakonik<br />
predvideval hude kazni za opravljanje porodne<br />
pomoči brez izobrazbe oziroma dovoljenja.<br />
S pripovedovanjem o ženskah kot skupini, ki<br />
se o kontracepciji med seboj v preteklosti ni<br />
pogovarjala, so se ženske izognile osebnim<br />
izpovedim. Krščanska morala je od njih<br />
zahtevala, da so smele biti ali device ali matere,<br />
ne pa samostojna spolna bitja. Da kot spolna<br />
bitja niso obstajale, potrjujejo izjave, da večina<br />
deklic ni opazila materine nosečnosti, tabu pa<br />
so bili tudi pogovori o menstruaciji.<br />
Zaposleno mater kot predmet sočutja je<br />
ustvarilo šele določeno obdobje. Do kmečkih<br />
žensk in žensk iz podkmečkega sloja, ki so<br />
morale zaradi dela svoje otroke prepuščati<br />
drugim osebam, puščati same brez varstva ali<br />
pa jih za pastirje ali pestrne prepuščati drugim<br />
kmetom, imajo ljudje povsem drugačen odnos,<br />
kot do zunaj doma zaposlenih žensk. Iste<br />
ženske, ki so vse življenje trdo delale na kmetiji<br />
in hkrati skrbele za otroke, danes nasprotujejo<br />
zaposlovanju žensk.<br />
Kmalu po prvih razgovorih z ženskami, ki<br />
so obe vlogi v preteklosti še združevale, sem<br />
postavila trditev, da je povečana zaščita žensk<br />
na področju medicinskega varstva predvsem<br />
v zvezi z zaščito materinstva potekala hkrati<br />
z zmanjševanjem pomena žensk na področju<br />
produkcije. Zanimalo me je, kdaj sta se ti<br />
74<br />
pravici izoblikovali in zakaj. Ali so bili ti ukrepi<br />
sprejeti zaradi žensk samih ali zaradi utrjevanja<br />
ideologije, ki je žensko po ločitvi produkcije<br />
in reprodukcije izrinila iz delovnega procesa.<br />
Izkazalo se je, da zakonodaja s področja<br />
zaščite materinstva s svojo vsebino oblikuje in<br />
vzdržuje mnenje o primarni oziroma naravni<br />
vlogi žensk, ki naj bi bila predvsem skrb za<br />
otroke in druge družinske člane.<br />
Zaradi takratnega načina dela je prevladujoči<br />
družbeni diskurz, ki ga je oblikovala cerkev,<br />
kot največjo vrednoto poudarjal delavnost<br />
ženske in njeno skrb za druge. Družbeno<br />
zaželeno žensko telo še ni bilo fizično šibko<br />
telo, temveč objekt, s katerim se dela; človek<br />
je bil vreden toliko, kolikor je lahko s svojim<br />
telesom naredil. Noseče ženske so brez vsake<br />
zaščite delale do poroda in takoj po njem.<br />
Ker ženske še niso bile odvisne od nihanj na<br />
trgu delovne sile, na družbeno konstrukcijo<br />
ženskega telesa medicina še ni imela vpliva. Z<br />
njeno pomočjo je država pozneje uravnavala<br />
dostop do zaposlitve zunaj doma in si na ta<br />
način v času, ki je ženskam kot smisel življenja<br />
narekoval materinstvo, zagotavljala rezervno<br />
armado poceni delovne sile. Šele feministične<br />
raziskave skrbstvene zakonodaje so pokazale,<br />
da ima navzven sicer nevtralna zakonodaja<br />
drugačne posledice za moške kot za ženske.<br />
Socialna in medicinska skrb za mater in<br />
otroka sta nujni; z njima je nekaj narobe,<br />
kadar sta utemeljeni na ideologiji in povezani<br />
s prebivalstveno politiko. Zakonodaja, ki k<br />
izpolnjevanju določenih ciljev usmerja vse<br />
ženske, ne upošteva pa njihovih interesov, je<br />
problematična. Danes se nataliteta znižuje<br />
predvsem v državah s konzervativno spolno<br />
ideologijo in slabo organizirano družbeno<br />
skrbjo za otroke. Stopnja družbene skrbi je<br />
vedno odvisna od stanja na trgu delovne
sile: ko država potrebuje ženske kot delovno<br />
silo, hkrati pa ne želi, da bi se rodilo manj<br />
otrok, poskrbi za zaščitne ukrepe, med<br />
povečano brezposelnostjo pa se državna<br />
zaščita materinstva zmanjša, prednost pri<br />
zaposlovanju imajo moški, v ospredju pa je<br />
ideologija, usmerjena v družinske vrednote.<br />
Kot piše Steinman 5 , je moderna družba sicer<br />
ustvarila možnosti za enakopravnost med<br />
moškimi in ženskami, ohranila ali celo okrepila<br />
pa je razliko med moškostjo in ženskostjo.<br />
Tudi splošno veljavne psihološke in vzgojne<br />
znanosti, ki določajo temeljne karakteristike<br />
otrokovega razvoja, otežujejo odločitve žensk<br />
za zaposlitev zunaj doma. Denise Riley 6 je z<br />
razčlenitvijo obstoječih psiholoških razprav o<br />
razvoju otroka in njegovi življenjski odvisnosti<br />
od matere ugotovila, da so te nastajale v tesni<br />
zvezi s konkretnimi vladnimi zahtevami, z<br />
demografsko politiko, s politiko zaposlovanja<br />
in programi političnih strank. Christiane<br />
Olivier 7 piše, da človek ne more brez tveganja<br />
tako radikalno ločiti produkcije od reprodukcije.<br />
Ločitev je imela posledice za oba spola, tako na<br />
področju delitve dela kot vsebine družinskih<br />
vlog, predvsem pa je vplivala na odnos med<br />
zasebnim družinskim življenjem in javnim<br />
svetom dela. Gospodinjsko delo se je začelo<br />
opravljati v imenu ljubezni, pravo pridobitno delo<br />
pa naj bi potekalo zunaj doma. Tudi tehnizacija<br />
kmetijstva je hkrati z intimizacijo družine<br />
ženske vedno bolj izrinjala iz produkcije. S<br />
spremenjenima vlogama gospodinje in matere,<br />
ki nista več le funkcionalni, temveč sta hkrati<br />
nosilki posebnih simbolnih pomenov, sta se<br />
začela zasebni in javni prostor ločevati tudi<br />
na podeželju. Izvor ambivalentnega odnosa<br />
do žensk v današnji družbi vedno več avtoric<br />
in avtorjev išče v ideologiji, ki je izključno<br />
ženskam naprtila odgovornost za otroke. Po<br />
Giddensu 8 ima prevlada matere v zgodnji skrbi<br />
za otroka globoke psihološke posledice za oba<br />
spola. Danes se psihična struktura pri majhnih<br />
deklicah in dečkih oblikuje ob odsotnosti očeta,<br />
zaradi česar se ti ne morejo naučiti bistvenega<br />
za komunikacijo v odraslosti, to je spoštovanja<br />
drugega zaradi njega samega. Predvsem pa<br />
otroci v podobi matere ne prepoznajo kulturno<br />
dostopne in spoštovane podobe ženske, ker<br />
jo doživljajo le v njeni materinski funkciji. S<br />
strategijami združevanja obeh vlog se ženska<br />
danes spoprijema, kot da je to njen zasebni<br />
problem. Demokratizacija zasebnega življenja<br />
bi uspela le – o tem sta pisala Giddens in<br />
Olivierjeva -, če bi otroci od prvega dne rasli<br />
skupaj z žensko in moškim, ki bi se svobodno in<br />
suvereno gibala na vseh področjih družbenega<br />
življenja.<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Irena Destovnik<br />
Irena Destovnik je diplomirana univerzitetna<br />
etnologinja in sociologinja kulture. Ima<br />
status samostojne ustvarjalke na področju<br />
kulture-kustosinje in je stalna zunanja<br />
sodelavka Slovenske prosvetne zveze v<br />
Celovcu. – Irena Destovnik ist diplomierte Ethnologin<br />
und Kultursoziologin. Sie ist im Kulturbereich<br />
selbständig tätig (u. a. als Kustos) und<br />
ist ständige externe Mitarbeiterin beim Slowenischen<br />
Kulturverband in Klagenfurt.<br />
OPOMBE<br />
Moč šibkih<br />
1 Irena Destovnik: Moč šibkih, Ženske v času kmečkega gospodarjenja.<br />
Slovenska prosvetna zveza (izd.), Drava (zal.), Celovec 2002, 240 str.<br />
2 Naročnik raziskave je bila Slovenska prosvetna zveza v Celovcu, ena od<br />
obeh osrednjih kulturnih organizacij koroških Slovencev.<br />
3 Reinhard Sieder, Socialna zgodovina družine. Ljubljana 1998, S. 174–176.<br />
4 Vgl. Michael Mitterauer, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in<br />
vorindustrieller Zeit, in: Beiträge zur historischen Sozialkunde 11, Salzburg<br />
1981, S. 81.<br />
5 Vgl. Ann Oakley, Gospodinja. Ljubljana 2000, S. 97.<br />
6 Vgl. Eva Bahovec, Predavanje za uvod: Feminizem in materinstvo, in: Delta<br />
– Revija za ženske študije in feministično teorijo 1–2. Ljubljana 1995, S.<br />
47.<br />
7 Christiane Olivier, Die Söhne des Orest. Ein Plädoyer für Väter. München<br />
1997, S. 197.<br />
8 Anthony Giddens, Preobrazba intimnosti: Spolnost, ljubezen in erotika v<br />
sodobnih družbah. Ljubljana 2000, S. 135–136.<br />
75
Die Kraft der Schwachen<br />
Die Kraft der Schwachen<br />
Die Frauen im Zeitalter der bäuerlichen<br />
Wirtschaft<br />
Dieser Beitrag geht von den Feststellungen<br />
aus, die ich im Buch „Moč šibkih, Ženske v<br />
času kmečkega gospodarjenja“ (Die Kraft der<br />
Schwachen, Die Frauen im Zeitalter der bäuerlichen<br />
Wirtschaft) 1 getroffen habe und die<br />
bei der gleichnamigen Ausstellung dargestellt<br />
wurden. Ich untersuchte die Lebensweise der<br />
Frauen aus der Schicht der Bauern sowie der<br />
Knechte und Mägde in St. Johann im Rosental<br />
und in Rabenberg – in Dorfgemeinschaften im<br />
zweisprachigen Gebiet Südkärntens – zur Zeit<br />
der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte<br />
des 20. Jahrhunderts. 2 Die genannten Frauen<br />
hinterließen ihre Spuren nur in knappen<br />
Vermerken in Geburten- und Sterbebüchern,<br />
Heiratsregistern und Notariatsakten, meistens<br />
in den Beschlüssen über Abfertigungen und<br />
in Heiratsverträgen. Die Erinnerung an diese<br />
Frauen bewahren auch die weiblichen Nachkommen,<br />
deren mentale Welt sich vor allem<br />
bei älteren Frauen kaum geändert hat. Die traditionelle<br />
Welt brach erst nach dem Zweiten<br />
Weltkrieg zusammen, als sich die Dorfgemeinschaft<br />
nach außen hin öffnete, die Familie sich<br />
hingegen nach innen zurückzog.<br />
Die statistischen Daten zeigen folgendes Bild:<br />
Im Jahre 1883 lebten in beiden Dörfern 265<br />
Menschen, und zwar ausschließlich Slowenen;<br />
im Jahre 1900 lebten hier sieben Deutschsprachige,<br />
im Jahre 1910 fünf, bei der Volkszählung<br />
2002 definierten sich 23% der Bevölkerung als<br />
slowenischsprachig. Die berufliche Struktur<br />
der einst bäuerlichen slowenischsprachigen<br />
Bevölkerung in Kärnten begann sich nach dem<br />
Jahr 1957 zu ändern. Damals wurde das Bun-<br />
76<br />
desgymnasium für Slowenen gegründet, später<br />
folgten noch zwei weitere zweisprachige<br />
höhere Schulen.<br />
Mit der vorliegenden Studie wollte ich die Bedeutung<br />
der wirtschaftlichen Rolle der Frauen<br />
darlegen, die sie in den Zeiten des bäuerlichen<br />
Wirtschaftens spielten, was im ausgewählten<br />
Umfeld sicherlich keine leichte Aufgabe war.<br />
Die zur Verfügung stehenden Quellen belegen<br />
die zugleich wirtschaftliche und soziale<br />
Schlechterstellung der Frauen. Da ich aber<br />
der Auffassung widersprechen wollte, dass Arbeit,<br />
die nicht bezahlt wird, minderwertig sei,<br />
suchte ich die Frauen dort, wo sie am stärksten<br />
vertreten waren. Zugleich wollte ich die Folgen<br />
der Produktions- und Reproduktionsteilung<br />
mit den Veränderungen des Begriffes der<br />
Frau, Mutter und Hausfrau verbinden, da genau<br />
dies großen Einfluss auf die Position der<br />
Frau sowohl im privaten als auch im öffentlichen<br />
Leben hatte.<br />
Obwohl sich die Frauen vor allem im 20. Jahrhundert<br />
politische Rechte, Rechte im Bereich<br />
der Ausbildung, des Berufs und des Sozialrechts<br />
erkämpft haben, zeigt eine Analyse,<br />
dass diese den altertümlichen Mythos über<br />
die Natur von Mann und Frau aufrechterhalten.<br />
Die Illusion einer linearen Entwicklung<br />
ist, abgesehen davon, dass im 16. Jahrhundert<br />
sowohl die Kirche als auch der Staat die Menschenreproduktion<br />
in die „Hände Gottes“ legten,<br />
in der Industrialisierungsperiode vor allem<br />
mit der Verdrängung der Frau aus dem Produktionsprozess<br />
zerstört worden. Die Männer besetzten<br />
den äußeren, öffentlichen Raum, die<br />
Frauen blieben im privaten Bereich.<br />
In der bäuerlichen Wirtschaft, die auf Haushalt<br />
und Familie basierte und wo es keine<br />
Trennlinie zwischen Familienleben und Erwerbstätigkeit<br />
gab, waren die Frauen als Ar-
eitskraft in beiden Bereichen unabkömmlich.<br />
So können wir sowohl die Gründe für die geschlechtliche<br />
Arbeitsteilung als auch die Unterschiede<br />
zwischen der Bedeutung der Arbeit<br />
und der gesellschaftlichen Lage der Frauen nur<br />
dann erkennen, wenn wir alle Arbeiten in Betracht<br />
ziehen, die von Frauen erledigt wurden.<br />
Die moderne Arbeitsteilung in bezahlte und<br />
unbezahlte Arbeit führt zu einem verfälschten<br />
Bild der Frauenarbeit. Die Arbeitsabläufe und<br />
unsere Einstellung dazu ändern sich ständig;<br />
was im Bereich der unbezahlten Frauenarbeit<br />
als Arbeit bewertet wird und was zur Freizeitaktivität<br />
zählt, bestimmt der Dienstleistungspreis<br />
am Markt. Auch die heutige Auffassung<br />
der Bauernarbeit hat sich erst mit der Agrarrevolution<br />
in der zweiten Hälfte des 18. und in<br />
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet.<br />
Infolge der Proletarisierung der männlichen Arbeitskraft<br />
– im Jahre 1935 besaßen in den beiden<br />
Dörfern 45,1 % der Keuschler weniger als 5<br />
ha Anbaufläche – wurden die ersten Bewohner<br />
bereits im Jahre 1888 im Personenstandbuch<br />
als industrielle Arbeiter eingetragen. Dennoch<br />
können ihre Familien noch nicht als Arbeiter-<br />
oder Handwerkerfamilien bezeichnet werden.<br />
Reinhard Sieder 3 schreibt, dass bei den ersten<br />
Arbeitern die Familie als wirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft<br />
von der Lohnarbeit abgelöst<br />
wurde, ihre Frauen übten die für das Überleben<br />
notwenigen Arbeiten aus. Die Lebensweise basierte<br />
wegen des agrarischen Hintergrundes<br />
noch lange auf dieser Doppelwirtschaft. Sieder<br />
bezeichnet diese Art der Familie als halboffene<br />
Familienstruktur. In geschlossenen Familienstrukturen<br />
hingegen üben die Frauen nur die<br />
Mutterrolle aus.<br />
Die bäuerliche Wirtschaft basierte auf Landeigentum<br />
und einer entsprechenden Zahl an<br />
Die Kraft der Schwachen<br />
Arbeitskräften, die Grundlage für Heirat und<br />
eigene Selbstständigkeit war die Erbschaft.<br />
In Kärnten galt das Prinzip der Unteilbarkeit<br />
des Besitzes bzw. eines einzigen Erbfolgers.<br />
In der Regel erbte der älteste Sohn, der bei der<br />
Übernahme die abgefertigten Erben auszahlen<br />
musste. Gerade dies war der Grund, dass<br />
sich eine bäuerliche Unterschicht bildete, die<br />
sich von den Bauern in der sozialen Struktur<br />
unterschied. Der soziale Status der Brautpaare<br />
zeugt von einer sozialen Endogamie, jedoch<br />
konnten innerhalb der Bevölkerungsschichten,<br />
die von der Landwirtschaft lebten, die Grenzen<br />
leichter überschritten werden als bei anderen<br />
Bevölkerungsgruppen. Für die Mehrheit<br />
der Menschen war der vorübergehende Austritt<br />
aus der privilegierten bäuerlichen Schicht<br />
vor der Ehe fast die Regel. Viele Bauernsöhne<br />
und Bauerntöchter verdingten sich vor der Besitzübernahme<br />
oder vor der Heirat als Knechte<br />
oder Mägde. Unverheiratete Bauerntöchter<br />
wurden nach der Besitzübernahme durch eines<br />
der Geschwister im Standesregister als<br />
Mägde oder Inwohner bezeichnet. Kinderlose<br />
Paare sicherten sich das Überleben und den Erhalt<br />
ihres Bauernhofs durch die Übergabe des<br />
Besitzes an einen Verwandten oder an einen<br />
langjährigen Dienstboten.<br />
Vor der Industrialisierung galt die geschlechtliche<br />
Arbeitsteilung nur für Männer. Frauen erledigten<br />
immer alle Arbeiten, Männer nur die<br />
so genannten Männerarbeiten, was vor allem<br />
mit dem Ansehen zu tun hatte. Je mehr eine<br />
Arbeit mit der Selbstversorgung bzw. mit der<br />
Sicherung des Überlebens der Familie zu tun<br />
hat und keine direkten Gewinne bringt, desto<br />
mehr wird sie zur so genannten Frauenarbeit;<br />
je mehr sie marktorientiert und mit einem Verdienst<br />
verbunden ist, desto mehr wird sie zur<br />
so genannten Männerarbeit. Der Sinn der Rol-<br />
77
Die Kraft der Schwachen<br />
lenverteilung auf Basis der Geschlechter liegt in<br />
der Stärkung der Position jedes Individuums in<br />
der Familie und in der Gesellschaft bzw., wie<br />
Margaret Mead 4 sagt, könne der Mann alle Arbeiten<br />
erledigen, solange diese in seinem Umfeld<br />
nicht als „Frauenarbeiten“ bezeichnet werden.<br />
Trotz kultureller Unterschiede gilt dieses<br />
Muster als universell: Bei Übertretung dieser<br />
Schranke werden die Männer verspottet, die<br />
Frauen hingegen gelobt. Sowohl Männer als<br />
auch Frauen waren voll Anerkennung über diejenigen<br />
Frauen, die so genannte Männerarbeiten<br />
erledigten, niemand jedoch maß den typischen<br />
Frauenarbeiten eine Bedeutung zu. Die<br />
Antworten der Frauen über die Bewertung der<br />
eigenen Arbeit reflektieren deren gesellschaftliche<br />
Bewertung. Trotz der klaren geschlechtlichen<br />
Prägung einiger Arbeiten kann man –<br />
im Vergleich mit der späteren geschlechtlichen<br />
Arbeitsteilung – im Nachhinein von einer ergänzenden<br />
Form der Arbeitsteilung zwischen<br />
den Eheleuten sprechen.<br />
Die meisten Autoren verstehen die bäuerliche<br />
Art des Wirtschaftens als eine Einheit aus Leben<br />
und Arbeit, die es den Frauen ermöglicht,<br />
gleichzeitig Produktions- und Mutterrolle zu<br />
meistern. Trotz der hohen moralischen Bewertung<br />
der Mutterschaft, die vor allem die Kirche<br />
betonte, war die der Rolle Frau als Arbeitskraft<br />
wichtiger. Die bäuerliche Wirtschaft ermöglichte<br />
auch den unehelichen Müttern und ihren<br />
Kindern das Überleben, vor allem deshalb,<br />
weil sie für die bäuerliche Gesellschaft, die viele<br />
Arbeitskräfte brauchte, unabkömmlich waren.<br />
Diese wirtschaftlichen Gesichtspunkte waren<br />
ein Grund dafür, dass Kärnten die niedrigste<br />
Zahl an verheirateten Personen und den größten<br />
Anteil an unehelichen Kindern aufwies.<br />
Im Jahre 1890 betrug dieser Anteil in Kärnten<br />
45, in der gesamten Donaumonarchie hinge-<br />
78<br />
gen nur 15 Prozent. Zwischen 1832 und 1945<br />
kamen in den beiden Dorfgemeinschaften 17<br />
Prozent der Kinder unehelich zur Welt. Mehr<br />
als die Hälfte brachten die Töchter der großen<br />
Grundbesitzer zur Welt, nur 15 Prozent der ledigen<br />
Mütter waren Mägde und 24 Prozent<br />
Inwohnerinnen. Diese Zahlen illustrieren den<br />
wirtschaftlichen Hintergrund der vielen unehelichen<br />
Kinder.<br />
Die Geburtenrate begann erst zu sinken, als<br />
die Agrarwirtschaft nicht mehr eine Voraussetzung<br />
für das Überleben war. Die Sorge um<br />
unversorgte Familienmitglieder wurde von<br />
den Familien auf die staatlichen Institutionen<br />
übertragen. Das staatliche Fürsorgesystem<br />
nahm den Familien die Versorgung der schwächeren<br />
Familienmitglieder ab. Die allgemeine<br />
sozialpolitische Gesetzgebung, die von den<br />
mittel- und westeuropäischen Ländern Ende<br />
des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts<br />
eingeführt wurde, war eine Reaktion<br />
auf die Probleme des industriellen Kapitalismus.<br />
Obwohl die Regierung schon im Jahre<br />
1909 die erste Gesetzesvorlage für eine Sozialversicherung<br />
der Bauern einbrachte, wurde das<br />
Gesetz nicht beschlossen, weil man der Meinung<br />
war, dass die Bauern wegen der ungünstigen<br />
Besitzstruktur – die Mehrheit waren<br />
Kleinbauern – die finanzielle Last der Sozialversicherung<br />
nicht tragen können. In Österreich<br />
wurde die bäuerliche Sozialversicherung<br />
erst im Jahre 1965 eingeführt, die Pensionsversicherung<br />
1969.<br />
Die Entwicklungen in der Landwirtschaft können<br />
nicht getrennt von der emotionalen Situation<br />
der bäuerlichen Bevölkerung betrachtet<br />
werden. Die Menschen waren sich bei der Partnersuche<br />
der Tatsache bewusst, dass Grundbesitz<br />
die Basis für die Gründung einer Familie<br />
ist. Erst in der so genannten Baby-Boom-Periode
Mitte des 20. Jahrhunderts konnte zum ersten<br />
Mal in der Geschichte Europas jeder volljährige<br />
Bürger heiraten, die Gründung einer Familie<br />
war nicht länger ein Privileg der Besitzenden,<br />
sondern wurde zur gesellschaftlichen Norm.<br />
Die Daten aus dem Geburten- und Sterbebuch<br />
belegen, dass die Sterberate der Kinder im ersten<br />
Lebensjahr am höchsten war. Die ersten<br />
Hebammenkurse wurden in Klagenfurt bereits<br />
im Jahre 1753 durchgeführt, der Unterricht<br />
wurde bis 1893 in slowenischer Sprache<br />
abgehalten. Das allgemeine Krankenhaus, in<br />
dem auch eine Entbindungsstation eingerichtet<br />
war, wurde im Jahre 1784 errichtet. Dennoch<br />
kam es dort erst ab dem Jahre 1933 zu<br />
Entbindungen in größerer Zahl. Die Krankenhäuser<br />
wurden lange nicht von verheirateten<br />
Frauen aufgesucht, sondern dienten in erster<br />
Linie einem praxisorientierten Unterricht für<br />
Hebammen an unehelichen Müttern und anderen<br />
Frauen in Not. Auf dem Land halfen bis<br />
zum Jahr 1842 vor allem nicht geschulte Hebammen<br />
bei den Entbindungen. Ab diesem Jahr<br />
sah das österreichische Strafgesetzbuch strenge<br />
Strafen für die Ausübung der Geburtenhilfe<br />
ohne Ausbildung bzw. Zulassung vor.<br />
Aus Interviews geht hervor, dass Sexualität<br />
und Verhütung in der Vergangenheit ein stark<br />
tabubehaftetes Thema waren, selbst wenn<br />
Frauen unter sich waren. Das war vor allem<br />
eine Folge der katholischen Moralverstellung,<br />
die die Frau entweder als Jungfrau oder Mutter,<br />
nicht aber als eigenständiges geschlechtliches<br />
Wesen sah. Das bekräftigen auch Aussagen,<br />
wonach die meisten Mädchen die Schwangerschaft<br />
ihrer Mütter nicht bemerkten.<br />
Während es bei Bäuerinnen als normal betrachtet<br />
wurde, dass sie ihre Kinder auf Grund der<br />
Arbeit anderen Personen anvertrauen mussten<br />
oder sie ohne Aufsicht ließen, wurden berufs-<br />
Die Kraft der Schwachen<br />
tätige Frauen, die das Gleiche taten, scheel angesehen.<br />
In Gesprächen mit Frauen, die in der Vergangenheit<br />
Mutterschaft und Beruf vereinten,<br />
zeigte sich, dass sich diese heute gegen die Berufstätigkeit<br />
von Frauen aussprechen. Darüber<br />
hinaus konnte ich feststellen, dass durch die<br />
Einführung Mutterschaftsschutzes die Bedeutung<br />
der Frau im Bereich der Produktion sank.<br />
Mein Interesse bestand vor allem in der Frage,<br />
vor welchem Hintergrund die Gesetze über<br />
den Mutterschaftsschutz eingeführt wurden.<br />
Wurden diese Maßnahmen wegen der Frauen<br />
selbst ergriffen oder wollte man dadurch jene<br />
Ideologie verfestigen, die die Frauen aus dem<br />
Arbeitsprozess hinausdrängte. Es stellte sich<br />
heraus, dass die Intention des Mutterschaftsschutzes<br />
darin bestand, den Frauen ihre „natürliche“<br />
Rolle zuzuweisen, die primär in der<br />
Sorge um die Kinder und andere Familienmitglieder<br />
bestehe. Dieses Bild der Frau als Mutter<br />
und Fürsorgerin wurde auch stark von der Kirche<br />
geprägt.<br />
Ein schlanker Körper stellte damals kein Idealbild<br />
dar, denn er war Ausdruck physischer<br />
Schwäche, und dem Menschen wurde soviel<br />
Wert beigemessen, als er körperlich leisten<br />
konnte. Schwangere Frauen arbeiteten ohne<br />
jedweden Schutz bis zur Entbindung und auch<br />
danach setzen sie ihre Arbeit gleich wieder<br />
fort.<br />
Feministische Untersuchungen der auf den ersten<br />
Blick geschlechtsneutralen Sozialgesetzgebung<br />
zeigten, dass diese unterschiedliche Folgen<br />
für Frauen und für Männer hatte.<br />
Soziale Rechte und medizinische Versorgung<br />
von Mutter und Kind sind zweifelsfrei erforderlich<br />
und wünschenswert, dürfen aber nicht<br />
für ideologische und bevölkerungspolitische<br />
Ziele instrumentalisiert werden. Die Gebur-<br />
79
Die Kraft der Schwachen<br />
tenrate sinkt vor allem in Ländern mit einer<br />
wertkonservativen Vorstellung der Geschlechterrolle<br />
und einem Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen.<br />
Der Stellenwert der staatlichen<br />
Obsorge für Mutter und Kind hängt<br />
immer von der Arbeitsmarktsituation ab:<br />
Wenn Frauen als Arbeitskräfte benötigt werden<br />
und gleichzeitig ein Absinken der Geburtenrate<br />
verhindert werden soll, sorgt der Staat<br />
für soziale Maßnahmen, während hingegen in<br />
Zeiten steigender Arbeitslosigkeit der staatliche<br />
Mutterschutz sinkt. Am Arbeitsmarkt haben<br />
Männer gegenüber Frauen den Vorrang, und<br />
es rückt eine auf konservativen Familienwerten<br />
basierende Ideologie in den Vordergrund.<br />
Wie Ann Steinmann 5 schreibt, schuf die moderne<br />
Gesellschaft zwar die Möglichkeit der<br />
Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau,<br />
zugleich wurde aber der Unterschied zwischen<br />
Männlichkeit und Weiblichkeit bewahrt oder<br />
sogar gestärkt.<br />
Denise Riley 6 stellte im Vergleich psychologischer<br />
Abhandlungen bezüglich der Kindesentwicklung<br />
fest, dass diese Forschungen unter<br />
Einflussnahme konkreter Forderungen der<br />
jeweiligen Regierung bezüglich der Bevölkerungs-<br />
und Beschäftigungspolitik zustande<br />
kamen.<br />
Christiane Olivier 7 vertritt die Meinung, dass<br />
man die Erwerbstätigkeit von der Familienplanung<br />
nicht völlig trennen kann. Eine Trennung<br />
hat für beide Geschlechter Folgen – sowohl bei<br />
der Arbeitsteilung als auch im Bereich der Rollenverteilung<br />
in den Familien. Vor allem aber<br />
beeinflusst sie die Beziehung zwischen Familienleben<br />
und Arbeitswelt. Die Haushaltsarbeit<br />
erledigt man als „Zeichen der Liebe“, doch<br />
die „richtige“ Erwerbstätigkeit sollte außerhalb<br />
der eigenen vier Wände stattfinden. In der<br />
Landwirtschaft wurden die Frauen durch die<br />
80<br />
Technisierung immer mehr aus der Produktionsrolle<br />
gedrängt. Die Rolle der Hausfrau und<br />
Mutter, wurde nicht mehr nur funktionell gesehen,<br />
sondern bekam auch einen besonderen<br />
symbolischen Wert beigemessen, und so begannen<br />
sich auch auf dem Land privater und<br />
beruflicher Bereich zu trennen.<br />
Die Ursache der ambivalenten Beziehung der<br />
heutigen Gesellschaft gegenüber Frauen wird<br />
von immer mehr Autorinnen und Autoren in<br />
der Ideologie gesucht, die den Frauen die Verantwortung<br />
für die Kinder zuweist. Nach Anthony<br />
Giddens 8 hat die bedeutende Rolle der<br />
Mutter in der Anfangsphase der Kindererziehung<br />
sowohl für die Frau als auch für den<br />
Mann tief greifende psychologische Konsequenzen.<br />
Die psychische Struktur der Kinder<br />
wird heute durch die Abwesenheit des Vaters<br />
geprägt, weshalb sie grundlegende Kenntnisse<br />
für die Kommunikation im Erwachsenalter<br />
nicht erlernen können, d. h. das Respektieren<br />
des Anderen. Die Demokratisierung des privaten<br />
Lebens kann nur dann erfolgreich sein –<br />
darüber diskutierten schon Anthony Giddens<br />
und Christiane Olivier – wenn die Kinder mit<br />
beiden Elternteilen aufwachsen, die sich beide<br />
in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens<br />
frei und souverän bewegen können.<br />
ANMERKUNGEN<br />
1 Irena Destovnik, Moč šibkih, Ženske v času kmečkega gospodarjenja. Hg v.<br />
Slovenska prosvetna zveza. Klagenfurt/Celovec 2002.<br />
2 Der Auftraggeber der vorliegenden Studie ist der Slowenische Kulturverband<br />
in Klagenfurt, eine der beiden zentralen Kulturorganisationen der Kärntner<br />
Slowenen.<br />
3 Reinhard Sieder, Socialna zgodovina družine. Ljubljana 1998, S. 174–176.<br />
4 Vgl. Michael Mitterauer, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in vorindustrieller<br />
Zeit, in: Beiträge zur historischen Sozialkunde 11, Salzburg 1981, S.<br />
81.<br />
5 Vgl. Ann Oakley, Gospodinja. Ljubljana 2000, S. 97.<br />
6 Vgl. Eva Bahovec, Predavanje za uvod: Feminizem in materinstvo, in: Delta<br />
– Revija za ženske študije in feministično teorijo 1–2. Ljubljana 1995, S.<br />
47.<br />
7 Christiane Olivier, Die Söhne des Orest. Ein Plädoyer für Väter. München<br />
1997, S. 197.<br />
8 Anthony Giddens, Preobrazba intimnosti: Spolnost, ljubezen in erotika v<br />
sodobnih družbah. Ljubljana 2000, S. 135–136.
Auf der Suche nach einer<br />
versunkenen Kultur<br />
Jüdisches Leben im Übermurgebiet<br />
� Text: Elisabeth Arlt<br />
An einem trüben Spätherbsttag begebe ich mich auf den Weg in das Übermurgebiet um mich auf<br />
die Suche nach der einst reichen jüdischen Kultur in dieser Gegend zu machen.<br />
Mein erstes Ziel ist Lendava, eine kleine Stadt direkt an der Grenze zu Ungarn. Mein Weg führt<br />
durch Murska Sobota, die Bezirkshauptstadt, auf dem Rückweg möchte ich auch hier Halt machen.<br />
Die Straße Richtung Lendava ist an diesem Tag – und nicht nur an diesem – stark befahren,<br />
ist es doch die Hauptroute nach Ungarn und Kroatien, viel Schwerverkehr zeugt von der Tat-<br />
Gedenkpark – spominski park<br />
Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur<br />
81
Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur<br />
sache, dass die sich bereits seit einigen Jahren<br />
im Bau befindliche Autobahn dringend fertig<br />
gestellt gehört. Zwischendurch immer wieder<br />
Traktoren, die den Verkehr aufhalten und darauf<br />
hinweisen, dass das Prekmurje seit jeher<br />
landwirtschaftlich intensiv genütztes Gebiet<br />
war und ist. Hat das Gebiet im Sommer ohne<br />
Zweifel seinen Reiz, flaches Land, Maisäcker<br />
soweit das Auge reicht, beschleicht einen im<br />
Spätherbst leichtes Unbehagen angesichts der<br />
abgeernteten, kahlen Felder, der nassen Kälte,<br />
des morastigen Bodens und des Nebels, der<br />
sich wie ein Leintuch über das Land legt.<br />
Die Strecke von Radkersburg nach Lendava<br />
beträgt etwa 50 Kilometer, was allerdings im<br />
Windschatten eines LKWs, den zu überholen<br />
die durch die Witterung bedingte schlechte<br />
Sicht unmöglich macht, leicht zum Geduldspiel<br />
werden kann.<br />
Endlich erreiche ich Lendava und, oh Wunder,<br />
der Nebel lichtet sich. Trotzdem präsentiert<br />
sich die kleine Stadt nicht von ihrer besten Seite.<br />
Vielleicht liegt es am Wetter, aber ich kann<br />
mich einer gewissen Tristesse nicht erwehren.<br />
Lendava ist eine sehr alte Stadt und hat eine<br />
bewegte Geschichte. Das bereits im 13. Jahrhundert<br />
errichtete Schloss thront auf den Lendavske<br />
gorice, jenen Hügeln die das größte zusammenhängende<br />
Weinbaugebiet Sloweniens<br />
ausmachen, erhaben über der Stadt. Wie viele<br />
Städte in dieser Gegend hatte auch Lendava<br />
unter den Türkeneinfällen vom 16. bis ins frühe<br />
18. Jahrhundert erheblich zu leiden.<br />
Die östlichste Stadt Sloweniens hat heute<br />
etwa 4.000 Einwohner und ist vor allem wegen<br />
ihrer Thermalquellen bekannt. Eigentlich<br />
ist man in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts<br />
durch puren Zufall auf die heilenden<br />
Quellen gestoßen. Ursprünglich hatte man<br />
nach Erdöl gesucht…<br />
82<br />
Eine weitere Besonderheit Lendavas ist seine<br />
über 1.000 Jahre währende Zweisprachigkeit,<br />
Slowenen und Ungarn lebten seit jeher<br />
einträchtig nebeneinander, bis zum Jahr 1919<br />
gehörte Lendava ebenso wie das gesamte<br />
Übermurgebiet zu Ungarn, nach den Friedensverträgen<br />
von Saint Germain wurde das Land<br />
dem neu gegründeten SHS Staat zugesprochen.<br />
Noch heute hört man oft die ungarische<br />
Sprache, auch die Namen der Menschen in dieser<br />
Gegend sind zu einem Großteil ungarisch.<br />
Lendava besaß über zwei Jahrhunderte ein<br />
überaus reiches jüdisches Leben. Der große<br />
Zuzug von Juden vor allem aus Westungarn<br />
begann im frühen 18. Jahrhundert, als die Türkengefahr<br />
gebannt war und die öde daliegende<br />
Landschaft wieder besiedelt werden musste.<br />
Da während der Türkeneinfälle ein Großteil<br />
der ansässigen Bevölkerung getötet oder durch<br />
Seuchen hinweggerafft worden war, war man<br />
bestrebt, für das brachliegende Land Neusiedler<br />
zu gewinnen. Dazu gehörten die Juden<br />
zunächst nicht, war es ihnen doch seit jeher<br />
untersagt, Land zu besitzen. Eine andere so<br />
genannte Randgruppe profitierte jedoch von<br />
der Notwendigkeit der Neuansiedelungen. Die<br />
Roma, seit Jahrhunderten „fahrendes Volk“,<br />
wurden in dieser Gegend angesiedelt, sie wurden<br />
sesshaft gemacht und leben bis heute im<br />
Prekmurje. Ähnlich wie die Juden hatten auch<br />
sie seit Beginn ihrer Sesshaftigkeit mit Anfeindungen<br />
durch die einheimische Bevölkerung<br />
zu kämpfen, jedoch aus anderen Gründen als<br />
die Juden. Resultierten Neid und Missgunst<br />
gegenüber den Juden vorwiegend aus deren<br />
Geschäftstüchtigkeit und Geschick in finanziellen<br />
Dingen, erfuhren die Roma Repressalien<br />
wegen ihrer Unangepasstheit und auf Grund<br />
von Vorurteilen.
Im Prekmurje erlangten die Juden jedoch hohes<br />
Ansehen, sie waren in die Gemeinschaft<br />
integriert, ja, sie waren ein wichtiger Teil derselben,<br />
arbeiteten bevorzugt als Händler, das<br />
heißt, sie verkauften Waren, die andere dringend<br />
brauchten und trugen somit ganz wesentlich<br />
zu einem neuen Wohlstand in der Gegend<br />
bei, der ohne sie nicht möglich gewesen<br />
wäre. Darüber hinaus bildeten die Juden in<br />
diesen ausschließlich von der Landwirtschaft<br />
geprägten Gebieten so etwas wie eine geistige<br />
Oberschicht, die regen kulturellen Austausch<br />
mit anderen Städten, vor allem Budapest, das<br />
durch die neue, in den Jahren 1907/08 erbaute<br />
Eisenbahnlinie relativ leicht zu erreichen war,<br />
pflegte.<br />
Erst unter Joseph II. erlangten die Juden Gleichberechtigung.<br />
Zuvor war unter Maria Theresia<br />
1744 eine eigene Judensteuer eingeführt worden,<br />
die erst 1846 aufgehoben wurde. Dennoch<br />
brachte das Toleranzpatent Josephs II. für die<br />
Juden große Erleichterungen; erstmals durften<br />
sie öffentliche Schulen besuchen, Berufe erlernen<br />
und Besitz erwerben. 1783 erhielten sie das<br />
Recht, sich in Städten niederzulassen. Dieses<br />
Recht war ihnen 1496 unter Kaiser Maximilian<br />
I. aberkannt worden, die Juden mussten<br />
fliehen. So verlor beispielsweise auch die Stadt<br />
Radkersburg ihre jüdische Gemeinde.<br />
Erst nach der Aufhebung der Judensteuer im<br />
Jahr 1846 waren die Juden einige Zeit völlig<br />
gleichberechtigt, doch bereits im letzten Drittel<br />
des 19. Jahrhunderts begann sich in zunehmendem<br />
Maße der Antisemitismus in der Gesellschaft<br />
zu etablieren.<br />
Von ihren neuerworbenen Rechten machten<br />
auch die Juden im Prekmurje Gebrauch.<br />
Die Industrialisierung, die im 19. Jahrhundert<br />
Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur<br />
in großem Umfang einsetzte, brachte auch der<br />
Landwirtschaft erheblichen Nutzen. Vor allem<br />
Mühlen, Getreidespeicher, aber auch Lederfabriken,<br />
Fleischereien, Brauereien und Geschäfte<br />
mit landwirtschaftlichem Gerät befanden sich<br />
in jüdischem Besitz.<br />
Ein wichtiger Geschäftszweig war das Geld-<br />
und Bankwesen, das sich auch auf das Wirtschaftsleben<br />
im Übermurgebiet positiv auswirkte.<br />
Heute ist davon nicht mehr viel zu bemerken.<br />
Ich parke mein Auto an der Hauptstraße<br />
gegenüber der Kirche. Hier soll sich irgendwo<br />
die ehemalige Synagoge befinden. Ich finde<br />
sie nicht, muss einen Passanten fragen. Sie sei<br />
ganz nah, sagt man mir, gleich hier, hinter dem<br />
Supermarkt. Ich gehe ein paar Treppen hinunter,<br />
gesichtslose Wohnblocks umringen einen<br />
Parkplatz, linker Hand macht sich recht protzig<br />
das erst vor einigen Jahren neu errichtete<br />
Volks- und Kulturhaus der Gemeinde Lendava<br />
aus. Fast hätte ich das kleine, unscheinbare<br />
Gebäude übersehen. Ja, das könnte sie gewesen<br />
sein! Neu renoviert und doch irgendwie<br />
gesichtslos. Als Warenlager des benachbarten<br />
Supermarkts hätte die Synagoge lange gedient,<br />
erklärt mir der junge Mann, der mir aufsperrt,<br />
wahrscheinlich hat sie dieser Umstand vor<br />
dem endgültigen Abbruch bewahrt. Drinnen<br />
ist alles sauber renoviert, man kann sich vorstellen,<br />
wie es früher einmal ausgesehen hat,<br />
als es in Lendava noch einen Rabbiner gab, der<br />
die Gottesdienste abhielt. Heute dient die Synagoge<br />
als Ausstellungsraum für Künstler und<br />
als Konzertsaal. Oben auf der Galerie befindet<br />
sich eine Schautafelausstellung, die das einst<br />
blühende Leben der ehemaligen jüdischen Gemeinde<br />
Lendavas anschaulich dokumentiert.<br />
83
Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur<br />
Die ehemalige Synagoge in Lendava – nekdanja sinagoga v Lendavi<br />
Bis 1995 sei auch die alte jüdische Schule<br />
noch gestanden, erfahre ich, gleich gegenüber<br />
der Synagoge, sie musste dem neuen Volkshaus<br />
weichen. Sonst sieht man in Lendava<br />
nichts mehr an jüdischen Spuren, ich bedanke<br />
mich für die Auskunft und fahre weiter, lasse<br />
Lendava hinter mir und begebe mich Richtung<br />
Dolga Vas, das einige Kilometer westlich<br />
liegt. Ein kleines Dorf an der Hauptstraße, ich<br />
muss wieder fragen, diesmal eine ältere Frau,<br />
die gerade am katholischen Friedhof ein Grab<br />
schmückt. Wo denn der jüdische Friedhof sei,<br />
will ich wissen. Es tue ihr leid, das wisse sie<br />
nicht, antwortet sie. Ob es an meinem schlechten<br />
Slowenisch lag? Ich fahre weiter und sehe<br />
schließlich rechter Hand ein etwas verwildertes,<br />
zugewachsenes Gebäude. Dahinter muss<br />
der Friedhof sein, ich bin am Ziel! Ein besonderer<br />
Ort. Ich gehe durch ein gelbes Häuschen<br />
und befinde mich mitten auf dem Friedhof.<br />
Schön ist es hier, der Spätherbst zaubert eine<br />
84<br />
interessante Stimmung auf die Gräber, deren<br />
Inschriften erstaunlich gut zu lesen sind. Ich<br />
sehe zum Großteil deutsche Namen, deutsche<br />
Inschriften. Es sind Steine auf manche Gräber<br />
gelegt, ein schöner Brauch, das gibt Hoffnung.<br />
Hoffnung, dass diese Menschen, von denen die<br />
meisten, wie auf vielen Grabsteinen nachträglich<br />
vermerkt, in Auschwitz umgebracht wurden,<br />
nicht vergessen sind. Dass es sie gegeben<br />
hat und dass sie diese Gegend für Jahrhunderte<br />
geprägt haben. Ich gehe zu einem geschmückten<br />
Grab, Kerzen und Gestecke befinden sich<br />
an seinem Stein. Es sieht neu aus, und ich beuge<br />
mich hinunter, um die Inschrift zu lesen.<br />
„Lajos Blau 1903-1998“, steht darauf geschrieben.<br />
Er war der letzte Jude in Lendava. Mit<br />
ihm ist eine Ära, die schon vorüber war, endgültig<br />
zu Ende gegangen.<br />
Ein jüdischer Friedhof ist nach altem Ritus<br />
in verschiedene Sektoren geteilt, Männer, un-<br />
Foto: Elisabeth Arlt
verheiratete Frauen, Kinder. Ob das hier auch<br />
noch so ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen,<br />
es scheint, als seien die Grabsteine zum<br />
Teil nachträglich neu angeordnet worden. Den<br />
Friedhof soll auch eine schöne Mauer umgeben<br />
haben, jetzt sieht man nichts mehr davon, zuviel<br />
Unkraut wuchert um die Gräber und die<br />
einst die Grabmäler schmückenden Thujen<br />
sind meterhoch gewachsen und weisen eine<br />
zum Teil groteske Schieflage auf.<br />
Trotzdem ist das ein guter Ort, an dem ich<br />
mich befinde. Es lässt sich ein Teil der Vergangenheit<br />
rekonstruieren, unvorstellbar, wie es<br />
möglich war, eine so fest mit der Gegend verwachsene<br />
Kultur in so kurzer Zeit einfach auszulöschen.<br />
In der Mitte des Friedhofs befindet sich ein<br />
Mahnmal für die Opfer des Faschismus, ein<br />
aus Stein gemeißelter Baumstamm soll an die<br />
vielen Menschen erinnern, die in Auschwitz<br />
ihr Leben verloren.<br />
Es wird kalt, ich werfe noch einen letzten<br />
Blick auf die vielen Grabsteine, dann fahre ich<br />
zurück, jedoch nicht ohne als letzter Station<br />
meiner Reise auf jüdischen Spuren noch dem<br />
Spominski Park in Murska Sobota einen Besuch<br />
abzustatten.<br />
Fast übersieht man den kleinen Park, ich habe<br />
zwar von seiner Existenz gehört, ihn nur durch<br />
Zufall gefunden. Direkt an der Hauptstraße<br />
aus Rakič ankommend liegt linker Hand eine<br />
kleine Parkanlage. Alte Grabsteine des zerstörten<br />
jüdischen Friedhofs hat man hier in einem<br />
Halbkreis angeordnet, zur Erinnerung, wie der<br />
Name schon sagt, an etwas, was es nicht mehr<br />
gibt. Schwer vorstellbar eigentlich: In Murska<br />
Sobota gab es einst drei Synagogen und eine lebendige<br />
jüdische Gemeinde, heute findet man<br />
– wie so oft – keine Spuren mehr. Murska Sobota<br />
wurde nach dem 2. Weltkrieg modern<br />
Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur<br />
ausgebaut. Die sogenannte „dritte Synagoge“,<br />
die größte und schönste, wurde erst im Jahr<br />
1956 aus Baufälligkeit abgerissen, nachdem sie<br />
nach Vertreibung und Vernichtung der Juden<br />
als Stall und Warenlager genützt worden war.<br />
Eine weitere Synagoge, die „erste“ und kleinste<br />
wurde sogar erst Mitte der 90er Jahre, als<br />
sie bereits so verfallen war, dass man sie kaum<br />
mehr als Gebäude ausmachen konnte, ebenfalls<br />
abgerissen.<br />
Alles weg, auch hier, der Spominski Park ist das<br />
letzte Zeugnis.<br />
Es leben noch einige wenige Juden im Prekmurje,<br />
die meisten wurden ermordet, die wenigen,<br />
die überlebten, emigrierten vornehmlich nach<br />
Israel oder in die Vereinigten Staaten. Die, die<br />
zurückgekehrt sind, sind oft zum evangelischen<br />
Glauben konvertiert.<br />
Ich fahre nachdenklich zurück. Könnte man<br />
doch einige Jahre in der Geschichte ungeschehen<br />
machen. Ich hätte noch viele Fragen.<br />
85
Iskanje davno minule kulture<br />
Der jüdische Friedhof von Dolga Vas – judovsko pokopališče v Dolgi Vasi<br />
Iskanje davno minule kulture<br />
Judovsko življenje v Prekmurju<br />
Nekega oblačnega poznojesenskega dne se<br />
odpravim na pot v Prekmurje, da bi poiskala<br />
nekoč bogato judovsko kulturo na tem<br />
področju.<br />
Moj prvi cilj je Lendava, majhno mesto<br />
neposredno ob madžarski meji. Pot me vodi<br />
skozi Mursko Soboto, okrajno glavno mesto, ob<br />
povratku bi rada tudi tukaj naredila postanek.<br />
Cesta v smeri Lendave je tega dne – in ne<br />
samo tega – močno prometna, je glavna pot<br />
proti Madžarski in Hrvaški. Veliko težkega<br />
prometa priča o dejstvu, da nujno velja že leta<br />
v izgradnji nahajajočo se avtocesto dokončati.<br />
86<br />
Vmes zmeraj traktorji, ki zadržujejo promet<br />
in opozarjajo na to, da je Prekmurje že od<br />
nekdaj bilo intenzivno kmetijsko izkoriščano<br />
zemljišče in je še.<br />
Kot ima področje poleti nedvomno svoje čar,<br />
ravnina, polja s koruzo, dokler seže oko, se v<br />
pozni jeseni priplazi lahno nelagodje spričo<br />
pospravljenih, ogolelih polj, vlažnega mraza,<br />
močvirnih tal in megle, ki se kot mrtvaški prt<br />
vleče čez deželo.<br />
Pot med Radgono in Lendavo je dolga približno<br />
50 kilometrov, kar v zavetrju tovornjaka, ki<br />
ga je ob slabem vremenu nemogoče prehiteti,<br />
vsekakor lahko postane igra potrpežljivosti.<br />
Končno pridem do Lendave in – o, čudež –<br />
megla se je dvignila. Kljub temu se majhno<br />
mesto ne predstavlja v svojem najboljšem
oblačilu. Morda zaradi vremena, vendar se ne<br />
morem ubraniti določeni turobnosti. Lendava<br />
je zelo stara in ima bogato zgodovino. Že v<br />
13. stoletju zgrajeni grad kraljuje vzvišen nad<br />
mestom v Lendavskih goricah, tistih gričih, ki<br />
tvorijo največje povezano vinorodno območje<br />
Slovenije. Kot mnoga mesta na tem področju<br />
je tudi Lendava v času turških vdorov od 16. do<br />
začetka 18. stoletja močno trpela.<br />
Najbolj vzhodno mesto Slovenije ima danes<br />
približno 4.000 prebivalcev in je poznano<br />
predvsem zaradi svojih termalnih vrelcev.<br />
Pravzaprav so v 60-ih letih prejšnjega stoletja<br />
naključno naleteli na zdravilne vrelce. Sprva so<br />
iskali nafto...<br />
Nadaljnja posebnost Lendave je več kot 1.000<br />
let trajajoča dvojezičnost, Slovenci in Madžari<br />
že od nekdaj žive eden ob drugem. Do leta<br />
1919 je Lendava, tako kot celotno Prekmurje,<br />
pripadala Madžarski, po St. Germainskih<br />
mirovnih pogodbah je bila dežela dodeljena<br />
Sloveniji. Še danes je pogosto slišati madžarski<br />
jezik, tudi priimki v Prekmurju so pogosto<br />
madžarski.<br />
Lendava je imela več kot dve stoletji nadvse<br />
bogato judovsko življenje.<br />
Veliko priseljevanje Judov, predvsem iz<br />
zahodne Madžarske, se je začelo v zgodnjem<br />
18. stoletju, ko je bila turška nevarnost<br />
pregnana in je bilo potrebno pusto pokrajino<br />
ponovno poseliti. V času turških vdorov je<br />
bila večina tamkajšnjih prebivalcev umorjena<br />
ali so jih pobrale kužne bolezni, tako so si<br />
prizadevali neobdelano zemljo prepustiti tako<br />
imenovanim novim priseljencem. K tem v<br />
začetku niso sodili Judje, saj jim je bilo že od<br />
nekdaj prepovedano posedovati zemljo. A neka<br />
druga, tako imenovana marginalna skupina,<br />
je le imela korist od potrebe po ponovni<br />
poselitvi. Rome, že stoletja potujoče ljudstvo,<br />
Iskanje davno minule kulture<br />
so naselili na tem področju. Ti so se ustalili in<br />
žive še danes v Prekmurju. Podobno kot Judje<br />
so tudi Romi že od samega začetka bili boje s<br />
sovražnostjo tamkajšnjega prebivalstva, vendar<br />
iz drugačnih razlogov. Medtem ko je pri Judih<br />
sledila predvsem iz zavisti in nevoščljivosti,<br />
izhajajočih iz njihove poslovne sposobnosti in<br />
spretnosti v finančnih zadevah, je pri Romih<br />
izhajala iz njihove neprilagojenosti in podobnih<br />
represalij na podlagi predsodkov.<br />
V Prekmurju so Judje vendarle prišli do visokega<br />
ugleda, bili so integrirani v skupnost, da, bili<br />
so pomemben del istih, čeprav so bili pretežno<br />
trgovci. To se pravi, dodali so produkte, ki so<br />
jih drugi nujno potrebovali, in tako bistveno<br />
pripomogli k novi blaginji področja, ki brez<br />
njih ne bi bila mogoča.<br />
Prav tako se je v tej pretežno kmetijski<br />
pokrajini razvil neke vrste višji duhovni sloj,<br />
ki je negoval živahno kulturno izmenjavo z<br />
drugimi mesti, predvsem z Budimpešto, ki je<br />
bila z novo, v letih 1907/08 zgrajeno železniško<br />
linijo, relativno lahko dosegljiva.<br />
Šele pod Jožefom II. so Judje dosegli<br />
enakopravnost. Pod Marijo Terezijo je bil leta<br />
1744 uveden poseben judovski davek, ki je bil<br />
razveljavljen šele leta 1846.<br />
Kljub temu je prinesel tolerančni patent Jožefa<br />
II. za Jude veliko olajšanje; prvič so smeli<br />
obiskovati javne šole, priučiti se poklica in<br />
pridobiti posest. 1783 so dobili pravico naseliti<br />
se v mestih. Ta pravica jim je bila leta 1496 pod<br />
cesarjem Maksimiljanom I. odvzeta, Judje so<br />
morali zbežati. Tako je na primer tudi mesto<br />
Radgona izgubilo svojo judovsko četrt.<br />
Šele po razveljavitvi judovskega davka leta<br />
1846 so bili Judje nekaj časa popolnoma<br />
enakopravni, vendar se je že v zadnji tretjini<br />
19. stoletja začel v družbi okrepljeno uveljavljati<br />
antisemitizem.<br />
87
Iskanje davno minule kulture<br />
Svoje novo pridobljene pravice so izkoristili<br />
tudi Judje v Prekmurju. Na veliko se je začela<br />
industrializacija, eden do takrat v tej okolici<br />
neznanih fenomenov, ki je tudi kmetijstvu<br />
prinesel znatno korist. Predvsem mlini,<br />
kašče za žito, pa tudi tovarne usnja, mesnice,<br />
pivovarne, trgovine s kmetijskimi orodji, so<br />
bile v judovski lasti. Pomembna panoga je bila<br />
denar in bančništvo, ki je pozitivno učinkovala<br />
tudi na gospodarsko življenje v Prekmurju.<br />
Danes od tega ni opaziti prav mnogo. Avto<br />
parkiram na glavni cesti nasproti cerkve. Tu<br />
nekje naj bi se nahajala nekdanja sinagoga. Ne<br />
najdem je, moram vprašati mimoidočega. Je<br />
prav blizu, so mi rekli, tik za samopostrežnico.<br />
Grem nekaj stopnic navzdol, brezizrazni<br />
stanovanjski bloki obkrožajo parkirišče, na<br />
levi strani se bohoti pred nekaj leti novozgrajen<br />
narodni in kulturni dom občine Lendava. Skoraj<br />
bi spregledala majhno, neugledno stavbo. Da,<br />
to bi lahko bila!<br />
Na novo prenovljena, pa vendar nekako<br />
neizrazita. Dolgo je sinagoga služila kot<br />
skladišče bližnjemu supermarketu, mi je<br />
razložil mladi mož, ki mi je odklenil; verjetno<br />
jo je ta okoliščina obvarovala pred dokončnim<br />
rušenjem. Znotraj je vse lepo prenovljeno,<br />
lahko si je predstavljati, kako je bilo vse skupaj<br />
videti včasih, ko je v Lendavi še bil rabin, ki je<br />
vodil bogoslužje.<br />
Danes služi sinagoga kot razstavni prostor za<br />
umetnike in kot koncertna dvorana. Zgoraj<br />
na galeriji se nahaja razstavna preglednica, ki<br />
nazorno dokumentira nekoč cvetoče življenje<br />
nekdanje judovske skupnosti Lendave.<br />
Do 1995 je stala še stara judovska šola, sem<br />
izvedela, takoj nasproti sinagoge; umakniti se<br />
je morala novemu narodnemu domu.<br />
Sicer v Lendavi ni več videti judovskih sledi.<br />
Zahvalim se za informacije in se peljem<br />
88<br />
naprej, Lendavo pustim za seboj in se napotim<br />
v smeri Dolge Vasi, ki leži nekaj kilometrov<br />
zahodno. Majhna vas ob glavni cesti. Spet<br />
moram vprašati, tokrat starejšo gospo, ki<br />
krasi na katoliškem pokopališču neki grob.<br />
Kje je judovsko pokopališče, želim izvedeti.<br />
Opravičuje se, da ne ve, odgovori. Morda zaradi<br />
moje slovenščine? Peljem naprej in vidim<br />
končno na desni strani nekoliko podivjano<br />
poraslo zgradbo. Zadaj bo pokopališče, na cilju<br />
sem.<br />
Poseben kraj. Grem skozi rumeno hišico in<br />
se znajdem sredi pokopališča. Lepo je tukaj,<br />
pozna jesen pričara zanimivo razpoloženje na<br />
grobove, katerih napisi so presenetljivo dobro<br />
ohranjeni. Vidim veliko nemških priimkov,<br />
nemške napise, večinoma pravzaprav. Na<br />
nekatere grobove so položili kamne – lepa<br />
navada, to daje upanje. Upanje, da tile<br />
ljudje, od katerih večina, kot je na mnogih<br />
grobovih naknadno zabeleženo, je bila ubita<br />
v Auschwitzu, niso pozabljeni. Da so obstajali<br />
in da so to področje za stoletja zaznamovali.<br />
Grem k nekemu okrašenemu grobu, sveče in<br />
aranžmaji se nahajajo na [nagrobnem] kamnu.<br />
Videti je nov in sklonim se, da bi prebrala napis.<br />
“Lajos Blau 1903-1998,“ je bilo zapisano. Bil<br />
je zadnji Jud iz Lendave. Z njim je dokončno<br />
odšlo obdobje, ki je že davno minilo.<br />
Judovsko pokopališče je po starem običaju<br />
razdeljeno na različne sektorje: moški,<br />
neporočene ženske , otroci. Ali je tukaj tudi<br />
tako, se ne da več razbrati; kaže, kot da so<br />
nekatere nagrobne kamne naknadno na novo<br />
razvrstili. Pokopališče naj bi bilo obdano z<br />
lepim zidom, sedaj od tega ni videti ničesar<br />
več, preveč plevela raste okoli grobov, in tuje,<br />
ki so nekoč krasile grobove, so meter visoko in<br />
so deloma groteskno poševno.<br />
Kljub temu je to dober kraj, na katerem
se nahajam. Mogoče je rekonstruirati del<br />
preteklosti, neverjetno, da je bilo mogoče eno,<br />
tako močno v to področje zasidrano kulturo, v<br />
tako kratkem času enostavno izbrisati.<br />
V sredini pokopališča se nahaja spominsko<br />
obeležje žrtvam fašizma, iz kamna izklesano<br />
deblo naj bi spominjalo na mnoge žrtve, ki so v<br />
Auschwitzu morale pustiti svoja življenja.<br />
Hladno postaja, poslednjič še pogledam na<br />
mnoge nagrobnike, potem se peljem nazaj, toda<br />
ne brez obiska zadnje postaje mojega potovanja<br />
po judovskih sledovih, „Spominskega Parka“ v<br />
Murski Soboti.<br />
Prav mogoče je prezreti majhen park, za<br />
njegovo eksistenco sem že slišala, našla pa sem<br />
ga le po naključju. Neposredno ob glavni cesti,<br />
prihajajoč iz Rakičana, stoji na desni strani<br />
majhen park. Stare nagrobnike razdejanega<br />
judovskega pokopališča so tukaj razvrstili<br />
v polkrog, v spomin, kot že naslov pove, na<br />
nekaj, kar več ne obstaja.<br />
Težko predstavljivo pravzaprav, v Murski<br />
Soboti so bile nekoč tri sinagoge in živa<br />
judovska skupnost – danes, kot tolikokrat,<br />
nobene sledi več. Murska Sobota je bila po 2.<br />
svetovni vojni povečana, mesto je moderno<br />
oblikovano. Tako imenovano „tretjo sinagogo“,<br />
največjo in najlepšo, so porušili šele leta 1956,<br />
zaradi propadanja ali morda bolj zato, ker je<br />
bila po pregonu in uničenju Judov uporabljana<br />
kot hlev in skladišče.<br />
Nadaljnjo sinagogo, „prvo“ in najmanjšo, so<br />
porušili šele sredi 90-ih let 20. stoletja, potem,<br />
ko je bila že tako propadla, da jo je bilo težko<br />
prepoznati kot zgradbo.<br />
Ničesar več, tudi tukaj, Spominski Park je<br />
zadnje pričevanje.<br />
V Prekmurju živi še nekaj Judov, večina<br />
je bila umorjenih. Nekaj malega teh, ki so<br />
preživeli je emigriralo v Izrael ali v Združene<br />
države Amerike. Ti, ki so se vrnili, so pogosto<br />
prestopili v evangeličansko vero.<br />
Razmišljujoč vozim nazaj. Ko bi lahko nekaj<br />
let v zgodovini zbrisali... Imela bi še mnogo<br />
vprašanj.<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Elisabeth Arlt<br />
Iskanje davno minule kulture<br />
Mag.ª Elisabeth Arlt ist Kunsthistorikerin und<br />
arbeitet an verschiedenen Projekten im Kulturbereich<br />
in der Steiermark und in Südosteuropa.<br />
– Mag.ª Elisabeth Arlt je umetnostna<br />
zgodovinarka in sodeluje pri raznoraznih<br />
projektih na področju kulture na Štajerskem in v<br />
jugovzhodni Evropi.<br />
89
Bildgalerie – galerija slik IV<br />
Prof. Christian Brünner und der Bürgermeister von Tuzla sprechen anlässlich des Symposions. Wieviel Minderheit(en) verträgt Europa? – Pogovor med<br />
prof. Christianom Brünnerjem in županom Tuzle na simpoziju. Koliko manjšin prenese Evropa?<br />
90
Julius Franz Schütz<br />
(K)ein steirischer Heimatdichter<br />
� Text: Elisabeth Arlt<br />
Eine sehr interessante, jedoch heute weitestgehend unbekannte<br />
Figur in der steirischen Literaturszene der ersten Hälfte des 20.<br />
Jahrhunderts stellt zweifelsohne Julius Franz Schütz dar. Schütz,<br />
1889 in Mureck geboren, entdeckte schon früh seine Begabung<br />
zum Schreiben. Einer seiner Lehrer am Grazer Bischöflichen<br />
Gymnasium erkannte das Talent des Knaben und förderte ihn.<br />
Nichtsdestotrotz begann Schütz an der Grazer Universität ein<br />
Jusstudium, das er auch abschloss. Mit einer Erbschaft des Vaters<br />
bedacht, war es Schütz’ Plan, als Dichter unbeschwert leben zu<br />
können. Der Erste Weltkrieg und die damit einhergehende Inflation<br />
machten diesen Traum jedoch zunichte.<br />
Schon während seiner Studienzeit begab sich Schütz auf ausgedehnte<br />
Reisen, vor allem innerhalb Europas, aber auch nach Nordafrika,<br />
die sein Leben und Werk nachhaltig prägen sollten.<br />
Julius Franz Schütz<br />
Julius Franz Schütz bei einer Lesung in<br />
der Steiermärkischen Landesbibliothek –<br />
Julius Franz Schütz na literarnem večeru v<br />
Štajerski deželni knjižnici<br />
Schütz fand eine Anstellung an der Steiermärkischen Landesbibliothek, die er ab dem Jahr 1939<br />
auch leitete.<br />
Nach 1912 gelang es ihm, einen Verlag zu finden, der seine Gedichte, die stark expressionistische<br />
Züge aufweisen, veröffentlichte. Seine Werke wurden von anderen Verlagen jedoch auch abgelehnt,<br />
mit der Begründung, er würde am Leser vorbeischreiben, diesen nicht berühren, ihn allenfalls<br />
erstaunen. Das kränkte ihn zwar, wie aus seiner Korrespondenz ersichtlich ist, ließ ihn jedoch<br />
nicht resignieren.<br />
Auffallend ist die Wandlungsfähigkeit seiner Literatur, der häufige Stilwandel, der als geradezu<br />
charakteristisch für ihn galt. Ebenso der schonungslose Naturalismus, mit dem er Dinge beschrieb<br />
und sich Themen annahm, die den Leser mehr verstörten als unterhielten.<br />
Was ihn nicht nur in seinem Werk, sondern auch als Menschen auszeichnete beschreiben viele seiner<br />
Zeitgenossen wie folgt: Schütz stand mit vielen Künstlern in regem Kontakt, darüber hinaus<br />
gehörten auch Wissenschaftler anderer Disziplinen, wie der Maler Max Robathin, der Botaniker<br />
91
Julius Franz Schütz<br />
Verschiedene Darstellungen Schütz‘ - različne upodobitve Schütza<br />
Herbert Lamprecht, der vor allem in Schweden<br />
wirkte, und der Rektor der Leobener Montanuniversität<br />
Franz Platzer, die alle wie Schütz<br />
ebenfalls in Mureck geboren wurden, zu seinem<br />
umfangreichen Bekanntenkreis.<br />
Interessant aus heutiger Sicht in Leben und<br />
Werk Schütz’ ist seine Heimatliebe, die entgegen<br />
der in dieser Zeit vorherrschenden Gesinnung<br />
weder deutschtümelnd noch von nationalsozialistischem<br />
Gedankengut geprägt<br />
war. In vielen Gedichten, aber auch Romanen<br />
beschreibt er das südsteirische Weinland, die<br />
Gegend seiner Kindheit in und um Mureck.<br />
Gleichzeitig jedoch hatte er großes Interesse<br />
an fremden Kulturen, vor allem an asiatischen,<br />
deren Sprachen er zum Teil beherrschte. Erhalten<br />
ist eine umfangreiche Sammlung an asiatischer<br />
Kunst, die er zum Teil von seinen Reisen<br />
mitbrachte, zum Teil von Freunden geschenkt<br />
bekommen hatte.<br />
Überaus reich war seine Korrespondenz. Die<br />
deutsch-kroatische Dichterin Camilla Lucerna<br />
gehörte ebenso zu seinen Freunden wie<br />
auch der spätere Nobelpreisträger Ivo Andrić.<br />
Schütz bemühte sich, slawische Sprachen zu<br />
lernen und hielt sich des Öfteren in Zagreb<br />
auf, wo er Lesungen abhielt und freundschaftliche<br />
Kontakte pflegte.<br />
Für ihn ging durch die Grenzziehung nicht ein<br />
Land verloren, wie es von vielen seiner Zeitgenossen<br />
empfunden wurde, sondern er betrach-<br />
92<br />
tete es als persönlichen Gewinn, neue Sprachen<br />
zu lernen und sich mit anderen Kulturen<br />
vertraut zu machen.<br />
Nachdem 1949 seine Frau Grete nach langer<br />
schwerer Krankheit verstorben war, litt Schütz<br />
unter zunehmender Einsamkeit. Obwohl er<br />
fest im gesellschaftlichen Leben integriert war<br />
und auch einen großen Freundeskreis besaß,<br />
ist ab diesem Zeitpunkt eine gewisse Todessehnsucht<br />
zu verspüren. Es kränkte ihn sehr,<br />
dass seine Werke zwar gelobt wurden, er aber<br />
von der Öffentlichkeit mehr oder weniger ignoriert<br />
wurde.<br />
Ein Anliegen waren ihm die jungen Dichter,<br />
die er förderte und unterstützte. Dass er, der<br />
sich selbst als Junger über die verbohrten Alten<br />
kritisch geäußert hatte, diesem Grundsatz treu<br />
blieb, zeigt sich, als er Anfang der 50er Jahre das<br />
damals neu gegründete und unter den alteingesessenen<br />
Dichtern höchste Empörung hervorrufende<br />
Forum Stadtpark mit ganzer Kraft<br />
unterstützte. Einer dieser jungen Dichter, Alfred<br />
Kolleritsch, der wie Schütz auch aus der<br />
Gegend um Mureck stammte, wies ihm später<br />
auch in der von ihm initiierten Publikation<br />
„Lichtungen“ einen ehrenden Platz zu.<br />
Julius Franz Schütz, der 1961 kinderlos starb,<br />
hinterließ seinem Heimatort Mureck, dem er<br />
bis zu seinem Tod eng verbunden blieb, sein<br />
Haus am Murecker Hauptplatz, und das sich<br />
darin befindliche Mobiliar und seine überaus
umfangreiche Bibliothek, die heute in der Landesbibliothek<br />
aufbewahrt wird, mit der Auflage,<br />
daraus ein Museum zu schaffen.<br />
Das geschah auch Anfang der 70er Jahre, als<br />
Teile der Schützwohnung zu einem Heimatmuseum,<br />
dem damaligen Standard entsprechend,<br />
zu einem Heimatmuseum umgestaltet<br />
wurden. Bis vor kurzem in schlechtem, unzeitgemäßem<br />
Zustand, wurde heuer eine Sichtung<br />
der Objekte samt Zustandsbestimmung<br />
Julius Franz Schütz<br />
Julius Franz Schütz‘ Haus am Hauptplatz von Mureck, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist. – hiša Juliusa Franza Schütza na Glavnem<br />
trgu v Cmureku, v kateri je danes Mestni muzej.<br />
veranlasst und Maßnahmen zur Restaurierung<br />
diverser Möbel, Kleingegenstände und Schriftstücke<br />
in die Wege geleitet, die durch unsachgemäße<br />
Lagerung bereits Schaden erlitten hatten.<br />
Wenn alles gut geht, soll in nächster Zeit<br />
ein neues, modern adaptiertes Museum eröffnet<br />
werden, das diesem berühmten Sohn Murecks<br />
ein gebührendes Andenken zukommen<br />
lassen und ihn vor dem Vergessen bewahren<br />
soll.<br />
93<br />
Foto: JUZ Mureck
Julius Franz Schütz<br />
Julius Franz Schütz<br />
Štajerski domači pesnik, ali tudi ne<br />
Zelo zanimivo, vendar danes širši publiki<br />
nepoznano figuro štajerske literarne scene<br />
prve polovice 20. stoletja, predstavlja prav<br />
gotovo Julius Franz Schütz. Schütz, rojen 1889<br />
v Cmureku, je že zgodaj odkril nadarjenost za<br />
pisanje. Eden od učiteljev na graški škofovski<br />
gimnaziji je prepoznal dečkov talent in ga<br />
podpiral.<br />
Kljub temu je začel Schütz na Graški univerzi<br />
študirati pravo, katerega je tudi zaključil.<br />
Računajoč na očetovo dediščino, je bil Schützov<br />
načrt neobremenjeno živeti kot pesnik. Prva<br />
svetovna vojna in z njo povezana inflacija sta<br />
te sanje naredili nične.<br />
Že v času študija se je podal na dolga potovanja<br />
predvsem po Evropi, pa tudi v severno Afriko,<br />
ki naj bi njegovo življenje in delo trajno<br />
zaznamovala.<br />
Schütz je našel službo v Štajerski deželni<br />
knjižnici, katero je od leta 1939 tudi vodil.<br />
Po 1912 mu je uspelo najti založbo, ki je<br />
njegove pesmi z močnimi ekspresionističnimi<br />
potezami objavila. Njegova dela so bila s strani<br />
drugih založb zavrnjena tudi z obrazložitvijo,<br />
da piše mimo bralcev, da se teh ne dotakne,<br />
kvečjemu osupne. To ga je sicer prizadelo, kar<br />
je vidno tudi iz njegove korespondence, vendar<br />
zato ni obupal.<br />
Pozornost vzbuja njegova literatura zaradi<br />
zmožnosti spremembe, pogoste menjave stila,<br />
ki je zanj naravnost karakteristična. Prav<br />
tako neprizanesljiv naturalizem, s katerimi je<br />
opisoval stvari in izbrane teme, ki spravljajo<br />
bralca bolj iz ravnotežja kot zabavajo.<br />
Kar ga odlikuje ne samo v njegovem delu,<br />
temveč tudi kot človeka, opisuje veliko<br />
94<br />
njegovih sodobnikov: Schütz je bil z mnogimi<br />
umetniki v živahnih stikih, k tem so spadali<br />
tudi znanstveniki drugih disciplin, kot slikar<br />
Max Robathin, botanik Herbert Lamprecht,<br />
ki je deloval predvsem na Švedskem, kot tudi<br />
rektor leobenske Montanuniversität – rudarske<br />
univerze Franz Platzer, ki so vsi, kot Schütz,<br />
bili rojeni v Cmureku; ti so bili del njegovega<br />
obsežnega kroga znancev.<br />
Zanimivo z današnjega vidika Schützovega<br />
življenja in dela je njegovo domoljubje, ki je<br />
bilo v nasprotju z v tistem času prevladujočim<br />
prepričanjem. Oblikovano ni bilo niti<br />
nemškutarsko niti nacistično. V mnogih<br />
pesmih pa tudi romanih opisuje južni štajerski<br />
vinorodni okoliš, okolico svojega otroštva v<br />
in okoli Cmureka. Istočasno pa so ga zelo<br />
zanimale druge kulture, predvsem azijske,<br />
katerih jezike je deloma obvladal. Ohranjena<br />
je obsežna zbirka azijske umetnosti, ki jo je<br />
deloma prinesel s svojih potovanj, deloma kot<br />
darilo dobil od svojih prijateljev.<br />
V enem od njegovih pisem je razbrati žalost<br />
mladega moža, potem ko je bila njegova<br />
ljubljena Untersteiermark – Spodnja Štajerska z<br />
novo nastalo mejo ločena. Vendar je bil dovolj<br />
daljnoviden, da ga ni zapopadlo takrat široko<br />
razširjeno topo sovraštvo do vsega slovenskega.<br />
V tem smislu ni bilo slišati kakršne koli njegove<br />
izjave niti ni mogoče najti takšnega mišljenja v<br />
njegovem delu.<br />
Nadvse bogata je bila njegova korespondenca.<br />
Nemško-hrvaška pesnica Camilla Lucerna<br />
je prav tako štela k njegovim prijateljem kot<br />
tudi kasnejši Nobelov nagrajenec Ivo Andrić.<br />
Prizadeval si je naučiti se slovanskih jezikov<br />
in je večkrat obiskal Zagreb, kjer je imel<br />
predavanja in je gojil prijateljske stike.<br />
Zaradi nastanka meje zanj ni bila izgubljena<br />
dežela, kot so to čutili mnogi njegovi sodobniki,
temveč je to obravnaval kot osebno pridobitev,<br />
učiti se novih jezikov in se seznaniti z drugimi<br />
kulturami.<br />
Potem ko je 1949 po dolgi in težki bolezni<br />
umrla njegova žena Grete, je Schütz trpel vse<br />
večjo osamljenost. Čeprav je bil trdno vključen<br />
v družbeno življenje in je imel velik krog<br />
prijateljev, je od tega trenutka mogoče občutiti<br />
hrepenenje po smrti. Zelo ga je žalilo, da je<br />
njegovo delo sicer hvaljeno, njega samega pa je<br />
javnost bolj ali manj ignorirala.<br />
Ena od potreb mu je bila podpirati mlade<br />
pesnike. Ker se je sam, kot mlajši, kritično<br />
izrazil o zadrtosti starih in ostal zvest temu<br />
načelu, je v začetku 50-ih let z vso močjo<br />
podpiral takrat novo ustanovljeni Forum<br />
Stadtpark, ki je izzval skrajno ogorčenje pri<br />
starejših pesnikih. Eden teh mladih pesnikov,<br />
Alfred Kolleritsch, ki je tako kot Schütz prihajal<br />
iz okolice Cmureka, mu je kasneje v z njegove<br />
strani iniciirani publikaciji Lichtungen – Jase<br />
dodelil častitljivo mesto.<br />
Julius Franz Schütz, ki je 1961 umrl, brez<br />
otrok, je zapustil svojemu domačemu kraju<br />
Cmureku, s katerim je ostal tesno povezan<br />
vse do svoje smrti, svojo hišo na cmureškem<br />
Glavnem trgu, v hiši nahajajoče se pohištvo<br />
in nadvse obsežno knjižnico, ki je danes<br />
shranjena v deželni knjižnici, z zahtevo, naj iz<br />
tega ustvarijo muzej.<br />
To se je tudi zgodilo v začetku 70-ih let<br />
prejšnjega stoletja, ko so del Schützovega<br />
stanovanja v skladu s takratnim standardom<br />
preoblikovali v domovinski muzej.<br />
Za do pred kratkim v slabem, nesodobnem<br />
stanju nahajajoči se domovinski muzej je<br />
bila letos dana pobuda poskrbeti za ogled in<br />
določitev stanja objektov in izpeljavo ukrepov<br />
za restavracijo različnega pohištva, majhnih<br />
predmetov in listin, katere so se zaradi<br />
Julius Franz Schütz<br />
nestrokovnega skladiščenja poškodovale. Če<br />
bo šlo vse po sreči, naj bi v kratkem odprli nov,<br />
moderno adaptiran muzej, ki naj bi bil primeren<br />
spominu na tega slavnega sina Cmureka, in ga<br />
tako obvarovati pred pozabo.<br />
95
Die Rotunde von Selo<br />
Südansicht der Rotunde von Selo – južni pogled na rotundo iz Sela<br />
96<br />
Foto: Elisabeth Arlt
Die Rotunde von Selo<br />
Eine kunsthistorische Besonderheit<br />
� Text: Elisabeth Arlt<br />
Die Rotunde von Selo<br />
Ein besonders interessantes Beispiel romanischer Baukunst in Slowenien befindet sich nahe der<br />
Ortschaft Selo im Goričko, wie diese Landschaft im äußersten Nordosten Sloweniens, unweit der<br />
ungarischen Grenze genannt wird.<br />
Mitten in einer Wiese steht die kleine romanische Rundkirche, die, so versteckt in der üppigen<br />
frühsommerlichen Vegetation, kaum auszumachen ist.<br />
Und doch handelt es sich hier um den seltenen Kirchentyp der Rotunde, der in dieser Form im<br />
Prekmurje einzigartig ist. Im benachbarten Ungarn findet man Vertreter dieses Typs häufiger.<br />
In Österreich ist dieser Kirchentyp ebenfalls selten, in den alpinen Regionen so gut wie gar nicht<br />
vertreten, teilweise baute man – wie beispielsweise im niederösterreichischen Petronell – Karner in<br />
Rotundenform, Kirchen jedoch nie.<br />
Die Rotunde von Selo ist dem Heiligen Nikolaus geweiht. Nikolaus ist der Patron der Kinder, Schüler,<br />
Richter, Reisenden, Pilger, Seefahrer, Fischer und anderer.<br />
Von außen ist der Bau sehr schlicht, man stellt sich die Kirche, wenn man sie von Bildern her<br />
kennt, größer vor. Ein Sockel aus Natursteinen begradigt das unebene Gelände, darüber erhebt<br />
sich ein Ziegelbau, der durch Lisenen gegliedert ist. Den Abschluss der Wand bildet ein Zackenfries,<br />
über das direkt das mit Schindeln gedeckte Dach samt kleinem aufgesetztem Glockenturm<br />
anschließt.<br />
An der Südseite befinden sich drei schmale Fenster, die einzige Lichtquelle, sieht man von der Türe<br />
und einer weiteren sehr schmalen Fensteröffnung in der Apsis ab.<br />
Betritt man die Rotunde ist man zuerst von den beeindruckenden Wandmalereien fasziniert, die<br />
beinahe den gesamten Innenraum bedecken.<br />
Stilistisch scheinen die Malereien, die al secco, also auf trockenen Grund gemalt wurden, älter zu<br />
sein, als sie es tatsächlich sind. Man hat auch als Kunsthistoriker durchaus Probleme mit der Datierung.<br />
Die stark akzentuierten Umrisse, die dann farbig ausgemalt wurden, geben den Malereien<br />
einen etwas blockhaften starren Charakter, auch die perspektivische Darstellung, fehlt gänzlich.<br />
Tatsächlich sind die Malereien erst Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden, wie in dem vor Ort<br />
erhältlichen Führer nachzulesen ist, stilistische Ähnlichkeiten sind mit den Fresken der Johannes-<br />
97
Die Rotunde von Selo<br />
kapelle von Pürgg in der Obersteiermark zu erkennen,<br />
deren Entstehungszeit jedoch bereits<br />
in das 12. Jahrhundert datiert werden kann.<br />
So verwundert der für das späte Entstehungsdatum<br />
künstlerisch sehr anachronistisch anmutende<br />
Stil. Ist es die Abgeschiedenheit der<br />
Landschaft, die sich den damals zeitgemäßen<br />
Trends in der Malerei verschlossen zeigte; man<br />
weiß es nicht. In der Kuppel, gleichsam im<br />
Zentrum des Raumes, befindet sich eine ausdrucksvolle<br />
Darstellung des gekreuzigten und<br />
des auferstandenen Christus in einer Mandorla,<br />
umgeben von den Darstellungen der vier<br />
Evangelisten samt den ihnen zugeschriebenen<br />
Attributen.<br />
Darunter ist die Passion Christi in sehr figurenreichen,<br />
detailverliebten Darstellungen abgebildet.<br />
Dem Betrachter wird, indem er sich<br />
um die eigene Achse dreht, die gesamte Leidensgeschichte<br />
Christi erzählt.<br />
Diese mittelalterlichen Bildergeschichten, deren<br />
Künstler bis auf einige wenige Ausnahmen<br />
immer unbekannt sind, dienten dazu, die des<br />
Schreibens Unkundigen über die Geschehnisse<br />
in der Bibel zu unterweisen.<br />
Die Wandmalerei wurde im Laufe der Zeit bis<br />
hin zum Ende des Mittelalters immer realistischer,<br />
das Starre, Blockhafte in der Darstellung<br />
wurde überwunden und biblische Szenen, wie<br />
auch die Leiden Christi, immer drastischer und<br />
bewegter dargestellt. Ist Christus in der Romanik<br />
noch der still Leidende, der über den Tod<br />
triumphiert und auch als Gekreuzigter noch<br />
eine stolze und herrschaftliche Haltung einnimmt,<br />
so ändert sich das in den folgenden<br />
Jahrhunderten. Das geht so weit, dass Christus<br />
in der gotischen Malerei als menschlich,<br />
als Leidender, von Wunden übersät, dargestellt<br />
wird. Dieser Messias muss erst sein Menschsein<br />
hinter sich lassen, und das wird oft dras-<br />
98<br />
tisch ausgedrückt. Im Hoch und Spätmittelalter<br />
übernahmen dann die Glasfenster diese<br />
Rolle, die, da die Wände der Gotteshäuser immer<br />
aufgelöster wurden, stetig an Bedeutung<br />
gewannen.<br />
In dieser romanischen Kirche wird das Hauptaugenwerk<br />
hingegen noch völlig auf die Wandmalereien<br />
gelegt.<br />
Erwiesen ist, dass die Kirche, die Mitte des<br />
13. Jahrhunderts erbaut wurde, anfangs keine<br />
Wandmalereien besessen hatte, die heute vorhandenen<br />
wurden, wie schon erwähnt, erst<br />
Mitte des 14. Jahrhunderts geschaffen.<br />
Leider kam es in den Jahren 1845/46 zu Umbauarbeiten,<br />
die sehr unbedacht durchgeführt<br />
worden waren und unter anderem den Abbruch<br />
der Apsis zur Folge hatten. Ihr wieder<br />
erlangtes Aussehen verdankt die Kirche, die<br />
heute den Status einer Kapelle hat, zwei großen<br />
Renovierungen 1956 bzw. in den Jahren<br />
1978/79. Diese Renovierungen beinhalteten<br />
unter anderem auch die Wiedererrichtung der<br />
verlorenen Apsis und die sachgemäße Renovierung<br />
der Wandmalereien.<br />
Dass das mit Sorgfalt geschah, ist heute gut<br />
ersichtlich. Bei den Malereien blieb die Farbigkeit<br />
weitestgehend erhalten, ohne jedoch, wie<br />
bei so mancher unsachgemäßer Restaurierung,<br />
übermalt zu wirken. Natürlich haben die al secco<br />
aufgetragenen Farbschichten nie eine solche<br />
Haltbarkeit und Leuchtkraft wie die auf noch<br />
feuchtem Putz aufgetragene Freskomalerei,<br />
trotzdem kann man sich noch ein gutes Bild<br />
über die ursprüngliche Farblichkeit machen.<br />
Wer also mit dem Gedanken spielt, einen Ausflug<br />
ins Goričko zu unternehmen, der sollte es nicht<br />
versäumen, Selo zu besuchen, die Landschaft zu<br />
genießen und dieses schöne Beispiel romanischer<br />
Baukunst auf sich wirken zu lassen.
Rotunda v Selu<br />
Kulturno-zgodovinska posebnost<br />
Posebno zanimiv primer romanskega<br />
stavbarstva v Sloveniji se nahaja v kraju Selo<br />
na Goričkem, kakor se imenuje ta pokrajina na<br />
skrajnem severovzhodu Slovenije nedaleč od<br />
madžarske meje.<br />
Sredi travnika stoji majhna romanska okrogla<br />
cerkev, ki jo je le težko zapaziti, skrito v<br />
bohotni zgodnjepoletni vegetaciji.<br />
In vendar gre tukaj za redek tip cerkve v<br />
obliki rotunde, ki je v Prekmurju edinstven.<br />
V sosednji Madžarski je mogoče predstavnike<br />
takšnega tip najti pogosteje.<br />
V Avstriji je takšen tip cerkve prav tako redek, v<br />
alpskih regijah tako rekoč nezastopan, deloma<br />
se je gradilo – kot na primer v Spodnji Avstriji<br />
– v tej obliki kostnice, vendar ne cerkev.<br />
Rotunda v Selu je posvečena svetemu<br />
Miklavžu. Miklavž je zaščitnik otrok, šolarjev,<br />
sodnikov, popotnikov, romarjev, pomorcev,<br />
ribičev in drugih.<br />
Od zunaj je zgradba zelo preprosta – človek<br />
si predstavlja cerkev, če jo pozna iz slik,<br />
večjo. Podstavek iz naravnega kamna<br />
uravnava neraven teren, nad tem se dviguje<br />
opečnata zgradba, ki je razčlenjena z linicami.<br />
Zaključek stene tvori nazobčana obrobna<br />
letev, neposredno nad njo je s skodlami pokrita<br />
streha z majhnim zvonikom.<br />
Na južni strani se nahajajo tri ozka okna, edini<br />
viri svetlobe, če odmislimo vrata in zelo ozke<br />
okenske odprtine apside.<br />
Ob vstopu v rotundo človeka najprej<br />
prevzamejo stenske slikarije, ki pokrivajo<br />
skoraj celotno notranjščino.<br />
Stilistično so slikarije, al secco, torej naslikane<br />
na suho površino, videti starejše, kot v<br />
Rotunda v Selu<br />
resnici so. Človek ima, tudi kot umetnostni<br />
zgodovinar, težavo z datiranjem. Močno<br />
poudarjeni obrisi, ki so bili nato barvno<br />
izpolnjeni, dajejo slikarijam nekoliko tog<br />
karakter, manjka tudi prikaz iz perspektive.<br />
Dejansko so slikarije nastale šele v sredini 14.<br />
stoletja, kot je mogoče prebrati iz tamkajšnje<br />
brošure s podatki, stilistične podobnosti je<br />
mogoče najti s freskami iz Johanneskapelle<br />
– Janezove kapele v Pürggu v Zgornji Avstriji,<br />
katerih čas nastanka pa je mogoče datirati že<br />
v 12. stoletje. Tako čudi – za tako pozen čas<br />
nastanka – umetniško zelo anahronističen<br />
stil.<br />
Ali je to posledica odmaknjenosti pokrajine,<br />
ki je bila nedostopna takratnim sodobnim<br />
trendom v slikarstvu, ne ve se.<br />
V kupoli, tako rekoč v centru prostora, se<br />
nahaja izrazita upodobitev križanega in od<br />
mrtvih vstalega Kristusa v mandoli, obdanega<br />
z upodobitvami štirih evangelistov skupaj z<br />
njihovimi atributi.<br />
Na stenah je podrobno upodobljen Kristusov<br />
pasion z mnogimi figurami. Opazovalcu je,<br />
če se zavrti okoli svoje osti, prikazano celotno<br />
Kristusovo trpljenje.<br />
Te srednjeveške slike zgodb, katerih slikarji z<br />
nekaj malega izjemami večinoma niso znani,<br />
so služile kot napotki nepismenim o napisanem<br />
v bibliji.<br />
Stensko slikarstvo je sčasoma tja do konca<br />
srednjega veka postajalo vedno bolj realistično;<br />
okorno, togo v upodobitvah, je bilo preseženo.<br />
Biblijske scene in Kristusovo trpljenje so bile<br />
upodobljene zmeraj bolj drastično in ganljivo.<br />
Če je Kristus v romaniki še tiho trpeči, ki slavi<br />
zmago nad smrtjo in tudi kot križani zavzema<br />
ponosno in gosposko držo, se to spremeni v<br />
naslednjih stoletjih. To gre tako daleč, da je<br />
Kristus v gotskem slikarstvu upodobljen kot<br />
99
Rotunda v Selu<br />
človeški, kot trpeči, posejan z ranami. Ta mesija<br />
mora najprej pustiti za seboj svoje človečanstvo<br />
in to je pogosto drastično prikazano.<br />
V visokem in poznem srednjem veku<br />
prevzamejo to vlogo steklena okna, saj so<br />
stene božjih hiš postale s tem bolj razgibane in<br />
so okna tako zmeraj bolj pridobila pomen.<br />
V tej romanski cerkvi pa je nasprotno, glavna<br />
pozornost je še docela usmerjena na stenske<br />
slikarije.<br />
Dokazano je, da je cerkev, ki je bila zgrajena<br />
sredi 13. stoletja, bila v začetku brez današnjih<br />
stenskih poslikav. Kot je že bilo omenjeno,<br />
ustvarjene so bile šele v sredini 14. stoletja.<br />
Žal je v letih 1845/46 je prišlo do adaptacijskih<br />
del, ki so bila nepremišljeno izvedena in so med<br />
drugim imela za posledico rušenje apside. Za<br />
svojo ponovno prvotno podobo dolguje cerkev,<br />
Die Rotunde von Selo: Fresken im Inneren – rotunda iz Sela: notranje freske<br />
100<br />
ki ima danes status kapelice, zahvalo dvema<br />
velikima prenovama v letih 1956 oz. 1978/79.<br />
Ta renoviranja so med drugim vsebovala<br />
ponovno postavitev izgubljene apside in<br />
strokovno adaptacijo stenskih slikarij.<br />
Da se je to zgodilo skrbno, je vidno še danes.<br />
Pri slikarijah je barvitost pretežno ohranjena,<br />
ne da bi, kot pri mnogih nestrokovnih<br />
prenovah, delovala prebarvano. Seveda nimajo<br />
al secco nanešene barvne plasti nikoli takšne<br />
trajnosti in luminoznosti kot na vlažen omet<br />
naneseno freskno slikarstvo, kljub temu pa<br />
si lahko človek ustvari dobro sliko o prvotni<br />
barvitosti.<br />
Kdor se torej igra z mislimi, narediti izlet na<br />
Goričko, ta naj ne pozabi obiskati Sela, uživati<br />
v pokrajini in se prepustiti vplivu tega lepega<br />
primera romanskega stavbarstva.
Niemals vergessen!<br />
Jüdische Kultur in Slowenien<br />
� Text: Elisabeth Arlt<br />
Niemals vergessen!<br />
Erika Fürst, eine der wenigen im Übermurgebiet verbliebenen Menschen jüdischen Glaubens lebt<br />
heute in Murska Sobota. Auf Vermittlung von Franc Kuzmic vom Pokrajinski muzej in Murska Sobota<br />
bekam ich die Möglichkeit, ein Interview mit ihr zu führen.<br />
Ihre Kindheit in Murska Sobota sei sehr schön gewesen, beginnt Frau Fürst zu erzählen, ihre Eltern<br />
hätten ein Transportunternehmen gehabt, noch vorwiegend mit Pferden, ja, Pferde liebe sie<br />
immer noch sehr. Sie hätte eine unbeschwerte Kindheit gehabt, zusammen mit ihrer Schwester.<br />
Die Familie war angesehen und wohlhabend.<br />
Die jüdische Kultur sei vielfältig gewesen in Murska Sobota in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg.<br />
Nachdem das Komitat Vas in den Friedensverträgen von Saint Germain im Jahr 1919 von<br />
Ungarn an den neu gegründeten SHS Staat abgetreten werden musste, änderte sich für die Einwohner<br />
einiges. Viele Bewohner des Prekmurje, darunter auch Juden, wollten Ungarn bleiben und<br />
zogen aus diesem Grund auf das verbliebene ungarische Staatsgebiet; der Großteil blieb jedoch.<br />
Drei Synagogen gab es in Murska Sobota, einen Rabbiner, koschere Fleischereien, Schulen, ein Kulturzentrum,<br />
kurz, das jüdische Leben war ein wichtiger Bestandteil dieser Gegend. Eine weitere<br />
Stadt mit vielen jüdischen Einwohnern stellte Lendava, die östlichste Stadt Sloweniens dar. Auch<br />
dort gab es eine Synagoge, eine Schule, einen jüdischen Sportverein, reiches kulturelles Leben.<br />
Bereits in den 20er Jahren überschattete jedoch die beginnende Wirtschaftskrise – wie beinahe<br />
überall – auch das Leben der Bewohner des Übermurgebietes.<br />
Frau Fürst ging in Murska Sobota in die Schule, sie erzählt, es sei eine schöne, sorgenfreie Zeit für<br />
sie gewesen. Ihre Schulfreunde seien zumeist Katholiken und Protestanten gewesen, sie habe sich<br />
nie anders gefühlt, die Kinder seien gute Freunde gewesen.<br />
Auch als die Nationalsozialisten im Jahr 1933 in Deutschland die Macht übernahmen, gab es in<br />
dieser Gegend noch keinen Grund zur Beunruhigung. Zu weit weg schienen diese Geschehnisse<br />
zu sein, zu sicher fühlten sich die Bewohner des Prekmurje.<br />
Es sollte bis zum April 1941 dauern, als deutsche Truppen in das Gebiet einmarschierten, das daraufhin<br />
wieder Ungarn zugesprochen wurde.<br />
Ab diesem Zeitpunkt begannen die Repressalien vor allem gegen Juden und Roma. Jüdische Ge-<br />
101
Niemals vergessen!<br />
Elisabeth Arlt im Gespräch mit Frau Fürst – Elisabeth Artl v pogovoru z gospo Fürst<br />
schäfte wurden beschmiert und verwüstet,<br />
viele jüdische Menschen verloren ihre Arbeit,<br />
die ersten begannen über Emigration nachzudenken.<br />
Bald steigerten sich die Auswüchse<br />
von Hass und Gewalt, und es fanden erste<br />
Verhaftungen statt.<br />
Auch Erika Fürst und ihre Familie wurden verhaftet<br />
und ins Konzentrationslager Auschwitz<br />
deportiert.<br />
Ihr Vater wurde in Auschwitz ermordet, sie<br />
kehrte mit ihrer Mutter und ihrer Schwester<br />
nach ihrer Befreiung nach Murska Sobota zurück.<br />
Warum sie zurückgekehrt seien, möchte ich<br />
wissen, warum sie nicht wie die meisten Überlebenden<br />
ausgewandert sei, nach Israel oder in<br />
die Vereinigten Staaten.<br />
Sie wisse es nicht genau, antwortet Frau Fürst.<br />
Aber Murska Sobota sei ihre Heimat gewesen,<br />
der Ort, an dem sie ihr Leben verbracht hatte,<br />
bis zu jenem Tag im Sommer 1941.<br />
Hart sei es schon gewesen, nach dem Krieg,<br />
ohne Wohnung, ohne Nahrung, ohne Vater,<br />
nichts so wie früher, keine Verwandten, keine<br />
Freunde, die Überwindung, mit Mitmenschen<br />
zu kommunizieren, die noch vor kurzem einer<br />
Ideologie verfallen waren, die ihr und ihrer Fa-<br />
102<br />
milie den Vater und sie selbst fast das Leben<br />
gekostet hätte. Aber sie habe es geschafft und<br />
bereue es nicht, hier geblieben zu sein.<br />
Ich bemerke, heute ist der 27. Jänner 2005.<br />
Heute, vor genau 60 Jahren wurde das Konzentrationslager<br />
Auschwitz-Birkenau befreit,<br />
im letzten Moment und doch um Jahre zu<br />
spät. Hat Frau Fürst den Termin für das Interview<br />
absichtlich gewählt? Erinnert sie sich daran,<br />
wie es war, zurück ins Leben zu gehen?<br />
Es begannen Jahre des Wiederaufbaues, der<br />
Neuorientierung in einem jungen Staat, der<br />
nichts anderes wollte, als wirtschaftlich erfolgreich<br />
zu sein<br />
Für Minderheiten gab es keinen Platz. Man<br />
war froh, die Deutschen los zu sein, auch die<br />
Sowjets, es sollte nur Jugoslawen geben in einem<br />
neuen Staat, der Jugoslawien hieß.<br />
In den 40er Jahren gab es von Seiten der jugoslawischen<br />
Regierung Repressalien in Form<br />
einer Art „Judengesetzgebung“, die jüdischen<br />
Mitbürgern den Hochschulzugang verweigerte<br />
oder willkürlich den Handel mit gewissen<br />
Produkten, vornehmlich Lebensmitteln, verbot.<br />
Von der Öffentlichkeit wurde dieses Vorgehen<br />
scharf kritisiert, es gab Protestmärsche<br />
und Kundgebungen.<br />
Fotos(2): Pavel-Haus
Unter Tito war die Lage mehr oder weniger ruhig,<br />
die jüdische Bevölkerung Jugoslawiens hatte<br />
zwar keine Unterdrückung zu befürchten,<br />
wurde jedoch als Minderheit auch nicht wahrgenommen<br />
und hatte keine Sonderrechte.<br />
Nach Titos Tod kam es in den 90er Jahren in<br />
Kroatien immer wieder zu antisemitischen<br />
Äußerungen seitens des Präsidenten Franjo<br />
Tudjman, die lange Zeit seine Wahlkampfparolen<br />
untermalten. In Slowenien gab es, zumindest<br />
von offizieller Seite, keine derartigen<br />
Aussagen.<br />
Frau Fürst arbeitete lange in Murska Sobota,<br />
jetzt ist sie in Pension und genießt es, wie sie<br />
versichert.<br />
Leid tue ihr, dass sie nicht zum Gottesdienst<br />
gehen könne, es gäbe keine Synagoge mehr,<br />
die nächste Möglichkeit, eine Synagoge zu<br />
besuchen, wäre nach Ljubljana oder Graz zu<br />
fahren. Aber sie fahre in der Dunkelheit nicht<br />
mehr so gerne mit dem Auto, ja, das mache sie<br />
schon etwas traurig, aber so sei es eben.<br />
In Maribor, das auch eine große jüdische Gemeinde<br />
besessen hatte, leben heute nur noch<br />
einige wenige Juden. Die im Kern gotische Synagoge,<br />
die nur aus dem Grund, dass man sie<br />
bereits im Mittelalter zu einer katholischen<br />
Kirche umgewandelt hatte, erhalten geblieben<br />
ist, dient heute als Ausstellungsraum für verschiedene<br />
wechselnde Ausstellungen. Letzten<br />
Winter wurde dort eine Schautafelausstellung<br />
zum Thema Shoa mit dem Titel „Holokavst<br />
1933-1945 – Pogum da se spominjamo / Holocaust<br />
1933-1945 – der Mut, sich zu erinnern“<br />
gezeigt.<br />
Sie ist, wie auch die ebenfalls erhaltene Synagoge<br />
in Lendava hübsch renoviert, ja, man hat<br />
seine Pflicht getan, aber als geschichtskundiger<br />
Besucher beschleicht einen ein klammes<br />
Gefühl, wenn man die weißen Wände be-<br />
Niemals vergessen!<br />
trachtet. Beide Gebäude wirken kalt und leer,<br />
zweckentfremdet, da können auch ein neuer<br />
Dachstuhl und moderne Fenster nichts daran<br />
ändern, auch ein Gebäude lebt von seiner<br />
Funktion.<br />
Juden in Slowenien: ein schwieriges Thema,<br />
das nicht aufgearbeitet ist.<br />
Es gebe eine jüdische Gemeinschaft in Ljubljana,<br />
erzählt mir Frau Fürst, sie treffe sich regelmäßig<br />
in einem Privathaus irgendwo in der<br />
Stadt, wo, wisse sie selbst nicht genau. Der<br />
Rabbiner sei Italiener, er komme einmal die<br />
Woche aus Triest, sei der slowenischen Sprache<br />
nicht sehr mächtig. Es kämen aber viele<br />
Menschen, vorwiegend Junge. Viele davon<br />
seien keine Juden, würden aus Sympathie und<br />
Interesse an der jüdischen Kultur die Gottesdienste<br />
und Kulturveranstaltungen besuchen.<br />
Sie selbst sei jedoch noch nie dort gewesen.<br />
Man müsse sich damit abfinden, dass Slowenien<br />
eben ein Staat ohne Juden sei, nicht mehr<br />
und nicht weniger.<br />
Erika Fürst ist es wichtig, ihre Geschichte<br />
möglichst vielen jungen Leuten zu erzählen.<br />
Deshalb sei sie oft in Schulen eingeladen, das<br />
mache ihr Freude, obwohl ihre Geschichte so<br />
traurig ist, sei es für sie immer ein gutes Gefühl,<br />
Jugendlichen die Augen zu öffnen und Sorge zu<br />
tragen, dass sich diese dunklen Kapitel der Geschichte<br />
nie mehr wiederholen mögen.<br />
103
Nikoli pozabiti<br />
Nikoli pozabiti<br />
Judovska kultura v Sloveniji<br />
Erika Fürst, ena od majhnega števila ljudi<br />
judovske vere iz Prekmurja, živi danes v Murski<br />
Soboti. S posredovanjem Franca Kuzmiča iz<br />
Pokrajinskega muzeja iz Murske Sobote sem<br />
dobila priložnost z njo narediti intervju.<br />
Njena mladost v Murski Soboti je bila zelo<br />
lepa, začne pripovedovati gospa Fürst, njeni<br />
starši so imeli transportno podjetje, pretežno<br />
še s konji – da, konje ima še zmeraj zelo rada.<br />
Imela je brezskrbno mladost, skupaj s svojo<br />
sestro. Družina je bila ugledna in premožna.<br />
Judovska kultura je bila v Murski Soboti<br />
raznolika v letih vse do prve svetovne vojne.<br />
Potem, ko je madžarska županija Vas po<br />
mirovnih pogodbah iz Saint Germaina leta<br />
1919 pripadla novonastali državi SHS, se je<br />
za prebivalce veliko spremenilo. Veliko, tudi<br />
judovskih, prebivalcev Prekmurja je želelo<br />
ostati na Madžarskem in so se iz tega razloga<br />
preselili nazaj na Madžarsko, velika večina pa<br />
je ostala.<br />
V Murski Soboti so obstajale tri sinagoge, rabin,<br />
košer mesnice, šole, kulturni center – na kratko,<br />
judovsko življenje je bilo pomemben sestavni<br />
del tega področja. Drugo mesto z mnogo<br />
judovskimi prebivalci je predstavljala Lendava,<br />
najbolj vzhodno mesto Slovenije. Tudi tam je<br />
bila sinagoga, šola, judovsko športno društvo,<br />
bogato kulturno življenje.<br />
Toda že v 20-ih letih prejšnjega stoletja je<br />
začetna gospodarska kriza – kot skoraj povsod<br />
– zasenčila življenje prebivalcev Prekmurja.<br />
Gospa Fürst je v Muski Soboti hodila v šolo.<br />
Pripoveduje, da je bil to lep, brezskrben čas<br />
zanjo. Njeni sošolci so bili večinoma katoliki<br />
in protestanti, nikoli se ni počutila drugačna,<br />
104<br />
otroci so bili dobri prijatelji. Tudi ko so nacisti<br />
od leta 1933 v Nemčiji pridobivali moč, na<br />
tem področju še ni bilo nobenega razloga za<br />
vznemirjenje. Predaleč so se zdeli ti dogodki,<br />
preveč sigurne so se počutili prebivalci<br />
Prekmurja. Vse do aprila 1941, ko so nemške<br />
čete vkorakale v z madžarske strani ponovno<br />
osvojeno področje in ga okupirale.<br />
Od tega trenutka so se začele represalije<br />
predvsem proti Judom in Romom. Judovske<br />
trgovine so zamazali in opustošili, veliko Judov<br />
je izgubilo službo, prvič so začeli razmišljati o<br />
emigraciji. Kmalu so se stopnjevale zlorabe,<br />
sovraštvo in nasilje, prišlo je do prvih aretacij.<br />
Tudi Erika Fürst in njena družina so bili<br />
aretirani in deportirani v koncentracijsko<br />
taborišče Auschwitz.<br />
Njen oče je bi v Auschwitzu umorjen, ona pa se<br />
je z mamo in sestro vrnila v Mursko Soboto.<br />
Zakaj so se vrnile, sem hotela vedeti, zakaj se<br />
niso kot večina preživelih izselile v Izrael ali<br />
Združene države.<br />
Ne ve prav točno, odgovori gospa Fürst. Toda<br />
Murska Sobota je bila njena domovina, kraj, na<br />
katerem je preživela svoje življenje, do tistega<br />
dne poleti 1941.<br />
Težko je že bilo, po vojni, brez stanovanja,<br />
hrane, brez očeta, ne tako kot nekoč, nobenih<br />
sorodnikov, prijateljev; samopremagovanje,<br />
komuniciranje s soljudmi, ki so še pred kratkim<br />
podlegli ideologiji, ki je njo in njeno družino<br />
skoraj stala življenja in pobrala očeta. Ampak<br />
uspela je in ne obžaluje, da je ostala.<br />
Pripomnim, danes je 27. januar 2005.<br />
Danes, točno pred 60 leti, je bilo osvobojeno<br />
koncentracijsko taborišče Auschwitz-Birkenau;<br />
v zadnjem trenutku, pa vendar leta prepozno.<br />
Ali je gospa Fürst namenoma izbrala ta<br />
datum za intervju? Se spominja, kako je bilo,<br />
vrniti se v življenje? Začela so se leta obnove,
eorientacija mlade države, ki ni želela nič<br />
drugega kot gospodarsko uspeti.<br />
Za manjšine ni bilo prostora. Človek je bil vesel,<br />
da se je rešil Nemcev, tudi Sovjetov, bili naj bi<br />
le Jugoslovani v novi državi, ki se je imenovala<br />
Jugoslavija.<br />
V 40-ih letih prejšnjega stoletja je s strani<br />
jugoslovanske vlade prišlo do represalij v<br />
obliki neke vrste „judovske zakonodaje“, ki je<br />
preprečevala judovskim sodržavljanom vpis<br />
na visoke šole ali samovoljno prepovedala<br />
trgovanje z določenimi proizvodi, pretežno z<br />
živili. S strani javnosti je bil to ravnanje ostro<br />
kritizirano, izvedeni so bili protestni pohodi in<br />
zborovanja.<br />
Pod Titom je bil položaj več ali manj miren,<br />
judovskemu prebivalstvu Jugoslavije se sicer ni<br />
bilo treba bati zatiranja, vendar kot manjšina<br />
niso bili zaznani in niso imeli posebnih<br />
pravic.<br />
Po Titovi smrti je prihajalo v 90-ih letih<br />
prejšnjega stoletja na Hrvaškem zmeraj znova<br />
do antisemitskih izjav s strani predsednika<br />
Franja Tudjmana, ki so pogosto dopolnjevale<br />
njegova predvolilna gesla. V Sloveniji v<br />
tem oziru vsaj z uradne strani ni bilo nič<br />
objavljeno.<br />
Gospa Fürst je dolgo časa delala v Murski<br />
Soboti, sedaj pa je v pokoju in uživa, kot<br />
zatrjuje.<br />
Žal ji je, da ne more k bogoslužju, nobene<br />
sinagoge ni več, najbližja možnost obiskati<br />
sinagogo je peljati se v Ljubljano ali v Gradec.<br />
Vendar se ne vozi več rada z avtom, ko se<br />
stemni; da, to jo že žalosti, vendar tako pač<br />
je.<br />
V Mariboru, ki je tudi imel veliko judovsko<br />
skupnost, živi danes le še nekaj Judov. V jedru<br />
gotska sinagoga, ki je samo iz razloga, da so jo že<br />
v srednjem veku spremenili v katoliško cerkev,<br />
Nikoli pozabiti<br />
ostala ohranjena, služi danes kot razstavni<br />
prostor za različne izmenjujoče se razstave.<br />
Zadnjo zimo so prikazali razstavno preglednico<br />
na temo Shoa z naslovom „Holokavst 1933-<br />
1945 – Pogum, da se spominjamo“.<br />
Ta je, tako kot ohranjena sinagoga v Lendavi,<br />
lepo renovirana, da, dolžnost so izpolnili,<br />
vendar obide zgodovinsko izkušenega<br />
obiskovalca tesen občutek, ko opazuje bele<br />
zidove. Obe zgradbi delujeta hladno in prazno,<br />
uporabljeni sta za druge namene, pri tem ne<br />
more nič spremeniti niti novo ostrešje, niti<br />
moderma okna, zgradba tudi živi od svoje<br />
funkcije.<br />
Judje v Sloveniji: zapletena tema, ki ni<br />
obdelana.<br />
V Ljubljani obstaja judovska skupnost,<br />
pripoveduje gospa Fürst, srečujejo se redno v<br />
privatni hiši nekje v mestu; kje, sama ne ve<br />
točno. Rabin je Italijan, enkrat tedensko prihaja<br />
iz Trsta, slovenskega jezika pa ne obvlada prav<br />
dobro. Prihaja pa veliko ljudi, predvsem mladih.<br />
Veliko od njih ni judovske vere, iz simpatije<br />
in zanimanja za judovsko kulturo obiskujejo<br />
bogoslužje in kulturne prireditve. Sama pa še<br />
nikoli ni bila tam.<br />
Človek se mora sprijazniti s tem, da je Slovenija<br />
država brez Judov, nič več in nič manj.<br />
Za Eriko Fürst je pomembno, da lahko svojo<br />
zgodbo pove čim več mladim. Zato je pogosto<br />
povabljena v šole, to jo veseli, čeprav je njena<br />
zgodba tako žalostna. Zmeraj ima dober<br />
občutek, mladim odpreti oči in upuštevajoč,<br />
da se to temno poglavje zgodovine nikoli več<br />
ne bi ponovilo.<br />
105
Bildgalerie – galerija slik V<br />
Prof. Helmut Konrad spricht anlässlich der Veranstaltung zum Gedenkjahr im Mai 2005 – govor prof. Helmuta Konrada na prireditvi ob spominskem<br />
letu maja 2005<br />
106
Mariborski judje nekoč<br />
Obnovljena nekdanja sinagoga danes<br />
� Text: Marjan Toš<br />
Mariborski judje nekoč<br />
Na slovenskem narodnostnem ozemlju srečujemo Jude predvsem od 12. stoletja naprej, vzporedno<br />
z nastankom meščanskih naselij. Tako po številu kot po gospodarski vlogi, ki so jo odigrali, so bili<br />
Judje oziroma njihove skupnosti pomembne zlasti v Mariboru, na Ptuju, v Celju, v Ljubljani, v Gorici,<br />
Trstu in v nekaterih koroških mestih. Ohranjene listine pričajo, da je njihova dejavnost segala preko<br />
deželnih meja in da je bila mobilnost judovskega življa izredno velika. V gospodarskem pogledu so<br />
bila omenjena mesta preko judovskega življa povezana s celotno srednjo Evropo. 1 Nasploh so Judje<br />
v preteklosti srednjeveške Evrope odigrali izjemno pomembno vlogo, saj so s svojo dejavnostjo<br />
na gospodarskem in kulturnem področju prispevali k njenemu napredku in so sooblikovali njeno<br />
podobo. Njihova glavna gospodarsko-pridobitna dejavnost, trgovanje na daljavo, predvsem v<br />
zgodnjem srednjem veku, in denarni posli v kasnejših stoletjih, so jih pripeljali v skoraj vse dele<br />
Evrope. Judje so bili zaradi svoje gospodarske dejavnosti, zlasti trgovanja in denarništva, navezani<br />
na tedanja gospodarska in prometna središča. Naselili so se torej tam, kjer so našli pogoje za svojo<br />
gospodarsko in s tem življenjsko eksistenco. 2<br />
Kot povsod drugod, so se Judje tudi na slovenskem Štajerskem naselili v krajih ob pomembnih<br />
gospodarskih poteh. Tako so se nastanili tudi v Mariboru, kjer so se križale pomembne poti,<br />
ki so vodile na zahod proti Koroški, na jug proti Slovenski Bistrici, prek Celja do Ljubljane in v<br />
smeri morja, na sever proti deželnemu glavnemu mestu Gradcu, vzhodna pot pa je povezovala<br />
Maribor s Ptujem in s potmi, ki so vodile na Ogrsko. V Mariboru so Judje predstavljali pomemben<br />
del mestnega prebivalstva in so s svojo dejavnostjo pustili trajne sledi v njegovi zgodovini. Še<br />
posebej odločilna in pomembna je bila v srednjeveškem Mariboru gospodarska dejavnost Judov,<br />
ki so držali trdne povezave z mnogimi takratnimi vplivnimi gospodarskimi in tudi kulturnimi<br />
središči. V Mariboru so se Judje naselili in živeli v jugovzhodnem delu mesta na območju, ki je<br />
obsegalo današnjo Židovsko in Ključavničarsko ulico, del današnje Ulice kneza Koclja, spodnji del<br />
Vetrinjske ulice in del glavnega trga. Judovsko občino je vodil judovski mojster, verske obrede in<br />
tudi pravne zadeve pa so opravljali v sinagogi, ki je bila verjetno zgrajena že v drugi polovici 13.<br />
stoletja. Sinagoga je bila tudi sicer versko, duhovno in kulturno središče vsake judovske skupnosti<br />
oziroma četrti. Kjerkoli so se namreč Judje naselili, povsod so zgradili sinagogo (shodnico) za<br />
107
Mariborski judje nekoč<br />
Sinagoga v Mariboru – Synagoge in Maribor<br />
molitev, branje Tore in urejanje skupnih zadev.<br />
Judom je bilo prepovedano živeti v mestu, ki<br />
ni imelo sinagoge. V njej so tudi prenočevali<br />
popotniki, saj so zmeraj dobili kako odvečno<br />
klop ali vsaj prazen kot. Sinagoga je s pročeljem<br />
obrnjena proti jeruzalemskemu templju, in<br />
čeprav je to posvetna ustanova, v kateri imajo<br />
duhovniki le manjšo vlogo, ji pravijo »malo<br />
svetišče«. 3 Mariborska sinagoga naj bi bila<br />
prvič izpričana že v času druge polovice 13.<br />
stoletja, omenja pa se leta 1429, ko so v njej<br />
tudi opravljali pravne posle. Ob sinagogah je<br />
bila ponavadi šola in ob njej kopališče s tekočo<br />
vodo za obredne kopeli. Za Maribor Vladimir<br />
Travner navaja, da naj bi bila šola »domnevno v<br />
židovskem stolpu« in naj bi jo bili zgradili okoli<br />
leta 1477. Tega leta naj bi namreč cesar Friderik<br />
III. naročil radgonskemu judovskemu mojstru<br />
Muschu, naj Judu Davidu črta plačilo globe<br />
dvanajstih goldinarjev, ki bi jih moral plačati<br />
za gradnjo talmudske šole v Mariboru. Isti<br />
avtor tudi omenja, da naj bi bilo že omenjeno<br />
kopališče za obredne kopeli mariborskih Judov<br />
»tik pod sinagogo ob mestnem obzidju ob<br />
Dravi. Ob mariborski sinagogi naj bi bilo tudi<br />
108<br />
pokopališče, pri čemer pa isti<br />
avtor poudarja, da po verskih<br />
predpisih pokopališče ne bi<br />
smelo biti poleg sinagoge. Ker<br />
pa je bil prostor v mariborskem<br />
judovskem getu omejen, se<br />
Judje na to prepoved niso<br />
mogli ozirati. Trditev opira na<br />
nagrobnike, ki so bili najdeni<br />
znotraj mestnega obzidja. 4<br />
Že leta 1367 je bilo judovsko<br />
pokopališče v Mariboru zunaj<br />
mesta, na prostoru zahodno<br />
od današnjega Vodnikovega<br />
trga. Mariborska sinagoga je<br />
kot preprosta ravnokrilna stavba zagotovo<br />
obstajale prej, preden je poleg nje živel prvi<br />
znani rabin Abraham (umrl leta 1379).<br />
Obokali so jo v prvi četrtini 15. stoletja, preden<br />
je postala občasni sedež vrhovnega rabinata<br />
za Štajersko, Koroško in Kranjsko. Izjemno<br />
pomemben in znan je bil rabin Israel Isserlein<br />
(1390 ?-1460 ?). Judovska četrt v Mariboru<br />
je v 15. stoletju, ko je ekonomski potencial<br />
judovskega prebivalstva v tem mestu dosegel<br />
največjo moč, obsegala desetino obzidanega<br />
mesta. Čeprav so Judje kot posebna skupina<br />
mestnega prebivalstva živeli znotraj mestnega<br />
obzidja v posebni četrti , to še ne pomeni,<br />
da so živeli izključno v svojem getu. Primeri<br />
Maribora, Ljubljane in Velikovca kažejo, da<br />
je nek majhen del judovskega življa prebival<br />
tudi zunaj zanj določene četrti. Znano je tudi,<br />
da so bile posamezne meščanske družine<br />
lastnice nepremičnin tudi v judovski četrti.<br />
Povsem razumljivo je seveda, da obe skupini<br />
prebivalstva nista nikoli živeli pod isto streho.<br />
Mariborske davčne knjige iz druge polovice 15.<br />
stoletja na primer pričajo, da so si Judje pridobili<br />
zunaj svoje četrti kar lepo število nepremičnin.
Pri teh presojah pa moramo biti previdni, saj<br />
so si Judje nekatere hiše pridobili le začasno,<br />
in to na račun zapadlega dolga, ter v njih niso<br />
prebivali. Take nepremičnine so običajno tudi<br />
odprodali. 5<br />
Judje so bili kot del mestnega prebivalstva<br />
dolžni skrbeti in prispevati tudi za obrambo<br />
mesta. Ko so v letu 1465 Mariborčani popravljali<br />
mestno obzidje in utrdbe ob judovski četrti<br />
od Židovske ulice do Salzburškega dvora, so<br />
zlasti za les in njegov prevoz ter za zidarje<br />
porabili večjo količino denarja. Mestni sodnik<br />
Sebald Mitterhueber je tedaj potrdil, da so<br />
Judje prispevali štirideset funtov denarjev.<br />
Medtem ko je bilo srednjeveško prebivalstvo<br />
vezano na en kraj: podložniki so bili zavezani<br />
grudi (glebae adscripti) in so se smeli odseliti<br />
s svoje kmetije le s privoljenjem zemljiškega<br />
gospoda, tudi obrtniki se v mestih zlasti zaradi<br />
posedovanja delavnic niso selili, judovski živelj<br />
pa je bil izjemno mobilen. Trgovski posli so<br />
Jude pripeljali daleč na tuje in mnogi so tam<br />
tudi ostali, saj so dobili bistveno boljše pogoje<br />
za bivanje in za opravljanje gospodarske<br />
dejavnosti. O veliki mobilnosti judovskega<br />
prebivalstva pričajo tudi mnoge listine za<br />
Maribor in kažejo na močno povezanost<br />
mariborskih judovskih družin in sorodstvene<br />
vezi predvsem z graškimi in ljubljanskimi Judi.<br />
Mnoge mariborske judovske družine so se v<br />
14. in 15. stoletju preselile v deželno glavno<br />
mesto Gradec. Glavni gospodarski dejavnosti<br />
Judov sta bili trgovina in denarništvo.<br />
Trgovske zveze mariborskih Judov (pa tudi<br />
celjskih) so segale do Dubrovnika in Benetk<br />
ter do Dunaja in Prage. Velike dobičke je<br />
judovskemu prebivalstvu prinašala trgovina<br />
z beneškim blagom. S svojimi zvezami so<br />
posredovali med domačo in tujo trgovino in<br />
s tem koristili gospodarstvu domačih naselij. 6<br />
Mariborski judje nekoč<br />
Mariborski Judje so imeli tudi nemajhen delež<br />
v vinski trgovini, ki jim je prinašala lepe<br />
dohodke. Vinski pridelek so ali preprodajali ali<br />
pa prodajali vino, ki so si ga pridobili na račun<br />
zapadlega dolga. Mnoge judovske družine iz<br />
Maribora so postale tudi lastnice vinogradov<br />
v mariborski okolici (podobna ocena velja<br />
tudi za ptujske Jude). Nekateri dolžniki so<br />
namreč Judom zastavljali kot posojilojemalci<br />
vinogradniške komplekse, in ker dolga niso<br />
mogli poravnati, so upniki postali lastniki<br />
zemlje. Pri tem pa je zanimivo, da so si<br />
Judje na veliko prizadevali tako pridobljene<br />
nepremičnine čimprej prodati. Mariborski<br />
Judje so vino zaradi boljših zaslužkov na veliko<br />
prodajali tudi v koroških mestih. Najbolj<br />
razširjena gospodarska dejavnost judovskega<br />
življa v Mariboru pa so bili denarni posli,<br />
zlasti posojanje denarja na obresti, kar je<br />
bilo krščanskemu prebivalstvu s cerkvenimi<br />
predpisi prepovedano. Med njihovimi dolžniki<br />
srečujemo vse plasti takratnega prebivalstva.<br />
Od začetka 15. stoletja, zlasti pa od sredine<br />
stoletja, se je položaj Judov na Štajerskem<br />
močno poslabšal. Splošna gospodarska kriza<br />
in konkurenca krščanskega prebivalstva pri<br />
trgovanju in celo v kreditnih poslih sta bili iz<br />
dneva v dan večji, restrikcij deželnega kneza, ki<br />
so jih od njega terjali meščani in plemstvo, pa<br />
je bilo vedno več. V drugi polovici 15. stoletja<br />
so bili Judje že popolnoma izrinjeni iz večjih<br />
trgovskih poslov, vse bolj pa tudi iz kreditnih<br />
in denarnih dejavnosti, kar je močno oslabilo<br />
njihovo gospodarsko moč. Poleg občutnega<br />
slabšanja gospodarskega položaja Judov je<br />
v 15. stoletju naraščalo splošno sovraštvo<br />
do Judov, ki se je zrcalilo tudi v Mariboru.<br />
Nerazpoloženje do Judov je imelo svoje<br />
korenine v gospodarskih, socialnih in verskih<br />
razmerah tedanje dobe. Stopnjevala se je verska<br />
109
Mariborski judje nekoč<br />
Sinagoga v Mariboru – Synagoge in Maribor<br />
nestrpnost krščanskega prebivalstva do Judov,<br />
in to še posebej v času naravnih katastrof<br />
ter gospodarskih, socialnih in duhovnih<br />
kriz. Posledica je bila preganjanje judovskega<br />
prebivalstva, začasni ali trajni izgoni iz mest in<br />
celih dežel. 7 Zahteve za rigorozne ukrepe zoper<br />
Jude so se okrepile po smrti cesarja Friderika<br />
III.(1493). Njegov naslednik Maksimilijan I. je<br />
ugodil prošnji štajerskih in koroških deželnih<br />
stanov in 18. marca 1496 ukazal, da morajo<br />
Judje oditi s Štajerske. Že 9. marca 1496 je<br />
izdal podoben ukaz za Jude na Koroškem. Za<br />
Jude na Štajerskem, torej tudi v Mariboru, je<br />
veljal rok za izselitev do 6. januarja naslednjega<br />
leta (1497) in v roku šestih mesecev naj bi<br />
bile poravnane vse njihove terjatve. Nekateri<br />
mariborski Judje so se začasno zatekli najprej v<br />
Ljubljano, od koder so morali oditi po cesarjevi<br />
odredbi o izgonu Judov s Kranjske leta 1515. 8<br />
Del mariborskih Judov se je preselil v mesta<br />
ob severnem in celo južnem Jadranu in na<br />
ozemlje Beneške republike. Mariborski Judje so<br />
v italijanskem okolju dobili ime »Morpurgo«,<br />
ki se je ponekod ohranilo do današnjih dni.<br />
Očitno je bila mariborska judovska skupnost<br />
110<br />
tako močna, da je pustila svoje<br />
sledi celo v poimenovanjih. 9<br />
Z izgonom Judov iz Maribora<br />
je bilo najbolj prizadeto prav<br />
mariborsko mesto, ki je postalo<br />
osiromašeno v gospodarskem in<br />
kulturnem pogledu. Z izgonom<br />
Judov so vse njihove ustanove<br />
v Mariboru propadle, sinagogo<br />
sta že leta 1497 kupila zakonca<br />
Barbara in Bernardin Druckher,<br />
ki sta si tudi sicer pridobila<br />
največ nekdanje judovske<br />
posesti. Sinagogo sta preuredila<br />
v cerkev vseh svetnikov. To<br />
se je po vsej verjetnosti zgodilo že leta 1501.<br />
Delovala je kot katoliška cerkev vse do reform<br />
Jožefa II., ko je bila skupaj s kaplanijo izročena<br />
vojski. Ta je zgradbo nekdanje sinagoge<br />
uporabljala kot skladišče do leta 1811, nato pa<br />
je zgradba prešla v meščanske roke. Objekt je<br />
doživel tudi več prezidav in dozidav in zgornji<br />
del etaže je bil spremenjen celo v stanovanje. 10<br />
Leta 1992 je bila sinagoga razglašena za<br />
kulturni in zgodovinski spomenik. 11 Pripravljen<br />
je bil tudi celoviti program njene obnove, ki so<br />
ga zasnovali strokovnjaki in sodelavci Zavoda<br />
za varstvo naravne in kulturne dediščine iz<br />
Maribora. 12 Leta 1992 se je začela prenova<br />
in rekonstrukcija objekta, ki je bil pred tem<br />
zaradi nerešenih lastniških razmerij nekaj<br />
časa tudi zaprt. Tega leta so strokovnjaki<br />
izdelali natančne arhitektonske posnetke in<br />
vzporedno z raziskavami začeli pripravljati<br />
konservatorski program in konservatorski<br />
projekt potrebnih posegov. Zaradi izjemnih<br />
kvalitet sinagoge v širšem prostoru so se namreč<br />
odločili, da je treba sinagogo rekonstruirati v<br />
tisti obliki in obsegu, za katero so imeli dovolj<br />
materialnih podatkov in dokazov. 13 Vzporedno
z raziskavami in sprotnimi ugotovitvami<br />
o pomenu posameznih prostorov, lokaciji in<br />
obliki posameznih okenskih odprtin, so<br />
strokovnjaki opravili nekatere korekcije, ki so<br />
jih vodile k prvemu cilju – iz amorfne gradbene<br />
substance izluščiti kvalitetno arhitekturo<br />
nekdanje sinagoge, takšne, kot je bila pred<br />
letom 1500. 14 Arheološke raziskave v prostoru<br />
nekdanje sinagoge kljub svoji temeljitosti<br />
niso dale konkretnejših rezultatov, ki bi dali<br />
podatke o morebitnih starejših gradbenih fazah<br />
sinagoge. Judje so prvič arhivsko izpričani<br />
v drugi polovici 13. stoletja, v Mariboru pa<br />
naj bi se bili naselili že sredi 13. stoletja,<br />
ko naj bi se prvič omenjala tudi sinagoga. 15<br />
Neposrednih sledov te prve sinagoge, ki bi bili<br />
stilno opredeljivi v obstoječi stavbni substanci,<br />
niso našli. Arheološko poročilo omenja v<br />
substrukturi le ostanke zidov, ki imajo gradbeno<br />
značilnost iz obdobja romanike. Ne glede na<br />
starejše vabljive špekulacije o gradbeni starosti<br />
in gradbeni kontinuiteti mariborske sinagoge<br />
so se strokovnjaki omejili na najdbe, ki so dajale<br />
podatke o njeni velikosti, njeni pojavnosti ter<br />
arhitekturnih elementih in jo opredelili kot<br />
objekt, ki je v zdajšnji materialno dokumentirani<br />
podobi nastal v obdobju ekonomskega in<br />
kulturnega razcveta mariborskih Judov, to<br />
je sredi 15. stoletja. 16 Glede na zadovoljivo<br />
število materialnih podatkov o videzu in<br />
arhitektonski ter konstrukcijski organizaciji<br />
zadnje gradbene faze sinagoge in na izjemnost<br />
judovskega kultnega objekta v Mariboru so se<br />
odločili za rekonstrukcijo celote iz srede 15.<br />
stoletja z vsemi podrobnostmi, ki so jih uspeli<br />
pridobiti med raziskavami stavbe. Obnova<br />
je trajala več let, za javnost je bila nekdanja<br />
judovska sinagoga odprta 1. aprila 2001 leta.<br />
Že leta 1999 je bil izdelan in potrjen elaborat s<br />
predlogom vsebinske zasnove ter organizacije<br />
Mariborski judje nekoč<br />
izvajanja programa v obnovljeni nekdanji<br />
judovski sinagogi Maribor, ki sta ga pripravila<br />
Peter Može iz Pokrajinskega muzeja Maribor<br />
in Daniel Sajko iz Mestne občine Maribor. 17 S<br />
posebno pogodbo je bila obnovljena sinagoga<br />
predana v začasno upravljanje Pokrajinskemu<br />
muzeju Maribor. Ta z njo upravlja še danes.<br />
Temeljni program, ki ga določa narava objekta<br />
in njegova zgodovina, je program ohranjanja,<br />
negovanja in prezentacije judovske kulturne<br />
dediščine na prostoru današnje Slovenije. Tak<br />
program ustreza tudi določilom Sporazuma<br />
med vlado Republike Slovenije in vlado ZDA<br />
o zaščiti in ohranjanju nekaterih kulturnih<br />
predmetov in dobrin. 18 Omenjeni sporazum<br />
obe državi podpisnici zavezuje k ohranjanju<br />
kulturnih dobrin in spomenikov, ki so<br />
dediščina narodnih, verskih ali etničnih skupin<br />
– žrtev genocida med 2. svetovno vojno. Za<br />
izvajanje sporazuma sta zadolžena Ministrstvo<br />
za zunanje zadeve Republike Slovenije –<br />
sektor za mednarodno kulturno sodelovanje<br />
in Ministrstvo za kulturo Republike Slovenije<br />
– uprava za kulturno dediščino. V skladu z že<br />
omenjenim elaboratom naj bi imela obnovljena<br />
nekdanja judovska sinagoga v Mariboru v prvi<br />
vrsti funkcijo muzejskega informacijskega<br />
centra, ki bo informiral o zgodovini judovstva<br />
na območju Maribora in celotne Slovenije in<br />
ki bo prezentiral različne spomenike judovske<br />
kulturne dediščine. Različne programske<br />
usmeritve, ki naj bi sestavljale celoviti program<br />
bodočega muzejskega in dokumentacijskega<br />
centra judovske kulturne dediščine Slovenije,<br />
so bile delovno poimenovane »Center judovske<br />
kulturne dediščine Maribor«, ki pa zaradi<br />
še ne dorečenih statusno-organizacijskih in<br />
finančnih vprašanj še ni zaživel. Kljub temu<br />
so nastali zametki bodočega tovrstnega centra<br />
in vzpostavljeno je delovno sodelovanje z<br />
111
Mariborski judje nekoč<br />
nekaterimi podobnimi<br />
centri in ustanovami<br />
iz domovine in<br />
tujine. Vprašanja<br />
okoli bodočega centra<br />
judovske dediščine v<br />
Mariboru so znova<br />
izjemno aktualna in<br />
z njimi naj bi se bolj<br />
intenzivno ukvarjalo tudi kulturno ministrstvo.<br />
Nasploh je doslej prevladalo stališče, da bo<br />
dejavnost v obnovljeni nekdanji mariborski<br />
sinagogi omejena na vsebine in programe,<br />
ki bodo direktno povezani z muzejskodokumentacijskim<br />
oziroma informacijskim<br />
centrom po eni strani in po drugi predstavljali<br />
javni kulturni program, ki ga definira<br />
mesto z drugimi kulturnimi ustanovami in<br />
izvajalci programov. Ta segment dejavnosti<br />
je od leta 2001 že zaživel, pri čemer je od<br />
vsega začetka prevladalo stališče, da morajo<br />
biti ponujeni programi vsebinsko raznoliki,<br />
kakovostni in tematsko občasno prilagojeni<br />
prezentaciji judovske kulturne dediščine in<br />
aktualne kulturne ponudbe ustvarjalcev iz<br />
države Izrael oziroma judovskih ustvarjalcev<br />
iz Evrope in ZDA. Ta programski sklop se v<br />
Sinagogi 19 uspešno uveljavlja, saj je obnovljena<br />
sinagoga zaživela kot manjši mestni kulturnoprireditveni<br />
center za glasbene večere,<br />
koncerte, radijska omizja, predavanja,<br />
pogovore, občasne likovne razstave in podobne<br />
oblike kulturnega ustvarjanja. Zaradi dobre<br />
akustike ga zelo rade uporabljajo manjše<br />
glasbene skupine komornega značaja in tudi<br />
manjše vokalne skupine. Dobro je zaživelo tudi<br />
sodelovanje z drugimi mariborskimi kulturnimi<br />
ustanovami (Narodni dom, Društvo likovnih<br />
umetnikov Maribor, Univerza, različne srednje<br />
šole, festival kreativnosti Magdalena, Mladinski<br />
112<br />
Nagrobnik rabina – Grabstein<br />
des Rabbiners<br />
Pečat judovskega sodnika – Siegel<br />
des jüdischen Richters<br />
kulturni center,<br />
Zveza kulturnih<br />
društev, Mariborska<br />
knjižnica, Sinagoga<br />
Lendava), tako da je<br />
obnovljena nekdanja<br />
sinagoga eno od<br />
pomembnejših žarišč<br />
kulturnega dogajanja v mariborskem starem<br />
mestnem jedru. Vzpostavljeno je tudi korektno<br />
sodelovanje z Judovsko skupnostjo Slovenije in<br />
z veleposlaništvom države Izrael na Dunaju.<br />
Sinagoga je kot izjemno pomemben kulturnozgodovinski<br />
spomenik nadvse privlačna za<br />
mnoge domače in predvsem tuje turiste. Med<br />
njimi je iz leta v leto več gostov iz Izraela in<br />
Judov iz vseh delov sveta, od Avstralije do<br />
ZDA. Statistični podatki o obiskovalcih (tako<br />
tistih, ki prihajajo na kulturne prireditve, kot<br />
turistov) potrjujejo ocene, da je obisk prireditev<br />
in sinagoge kot kulturno-zgodovinskega<br />
spomenika v okviru turističnih programov<br />
domačih in tujih agencij dokaj stabilen. Leta<br />
2001 je bilo zabeleženih 6629 obiskovalcev,<br />
leta 2002, ko je bila izvedena načrta promocija,<br />
je bilo 16.426 obiskovalcev, leta 2003 je prišlo v<br />
sinagogo 9425 obiskovalcev, lani pa 8794. Med<br />
obiskovalci je tudi veliko mladih, ki so jim<br />
na voljo pedagoški programi in organizirana<br />
vodenja v okviru pouka zgodovine ali<br />
predmeta državljanska vzgoja in etika ter<br />
izbirnih predmetov o verstvih. Vse več pa<br />
je povpraševanja po strokovnem gradivu<br />
in literaturi, ki se nanaša na zgodovino<br />
mariborskih in slovenskih Judov, saj je med<br />
dijaki in študenti kar nekaj zanimanja za<br />
pisanje seminarskih oziroma diplomskih nalog<br />
na judovsko tematiko. Programi in celotna<br />
dejavnost sinagoge v Mariboru je deležna nadvse<br />
korektne in permanentne medijske podpore
in pozornosti, kar je še posebej pomembno<br />
za učinkovito promocijo. Objekt je pogosto<br />
zanimiv za različne prireditve in srečanja<br />
drugih ustanov in organizacij civilne družbe.<br />
Čeprav je organizacijsko vezan na Pokrajinski<br />
muzej Maribor, je dejavnost dovolj fleksibilna<br />
in prilagojena potrebam ciljnih skupin, odprt<br />
pa tudi izven formalnega delovnega časa.<br />
Sinagoga v Mariboru je zanimiva tudi za<br />
številne visoke obiske protokolarnega značaja.<br />
Obnovljena nekdanja sinagoga torej omogoča<br />
izvajanje kulturnih vsebin in programov<br />
ter zagotavlja osnovne pogoje za postopno<br />
ustanovitev muzejskega dokumentacijskega<br />
ali informacijskega centra, ki bi ob ustrezni<br />
državni (in najbrž tudi mednarodni) podpori<br />
lahko prerasel v »Center judovske kulturne<br />
dediščine Slovenije«.<br />
OPOMBE<br />
Mariborski judje nekoč<br />
1 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane, Ljubljana, 1995, 5.<br />
2 Jože Mlinarič, Mariborski Židje v zadnjih desetletjih pred izgonom iz mesta,<br />
njihov izgon in sledovi, Pokrajinski arhiv Maribor, Katalogi 7. Prim. Jože<br />
Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne izselitve v<br />
letu 1496, v: Judovski zbornik, ČZN 1-2, Maribor ,2000, 50-70. Prim. Janez<br />
Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga Maribor, Maribor 2002.<br />
3 Alan Unterman, Judovstvo, Mali leksikon, Ljubljana, 2001, 252.<br />
4 V.Travner, Mariborski ghetto, v:Kronika slovenskih mest II ( 1935 ), 155-156.<br />
Prim. Jože Mlinarič,Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne<br />
izselitve v letu 1496, v:Judovski zbornik, ČZN 1-2, Maribor, 2000, 50-70.<br />
5 Jože Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne izselitve<br />
1496, v: Judovski zbornik, ČZN 1-2, Maribor, 2000, 54. Prim. Mariborska<br />
davčna knjiga za leto 1465, StLA, Gradivo za zgodovino Maribora XVII, 42<br />
in Jože Mlinarič, Gradivo za zgodovino Maribora XVII, 17,25, 72, 76, 78 in<br />
103.<br />
6 Ibid.,57.<br />
7 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane, Ljubljana, 1992, 26-31.<br />
8 Ibid.<br />
9 Janez Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga Maribor, 2002.<br />
Avtor navaja, da ga je ob obisku Izraela presenetil napis na trgovini ob<br />
severnih vratih v Jeruzalem z oznako » Morpurgo store« in obisk trgovine je<br />
potrdil njegovo predvidevanje, da gre za potomce mariborskih Judov.<br />
10 Marjan Toš, Programska zasnova in dejavnost obnovljene nekdanje<br />
judovske sinagoge v Mariboru, rokopis, KC Sinagoga, 2005.<br />
11 Medobčinski uradni Vestnik, 5/92.<br />
12 Strokovno skupino so sestavljali Ivan Tušek in Mihela Kajzer-Cafnik za<br />
arheologijo, Janez Mikuž za umetnostno zgodovino; Marjan Teržan za<br />
restavratorstvo, Irena Krajnc-Horvat za arhitekturo in Miran Ježovnik za<br />
statiko.<br />
13 Zavod za varstvo naravne in kulturne dediščine Maribor<br />
14 Janez Mikuž, Nekdanja židovska četrt in nekdanja sinagoga v Mariboru, v:<br />
Judovski zbornik, ČZN, 1-2, 2000, 166.<br />
15 Ibid.<br />
16 Ibid., 167.<br />
17 Mariborska sinagoga – predlog vsebinske zasnove ter organizacije<br />
izvajanja programa, Maribor, junij 1999. Elaborat je potrdil Strokovni kolegij<br />
Pokrajinskega muzeja Maribor dne 16. 3. in 13. 9. 1999.<br />
18 Uradni list Republike Slovenije, 57/96.<br />
19 Objekta se je dobro oprijel naziv Kulturni center (KC ) Sinagoga Maribor, v<br />
javnosti pa je prepoznan tudi po krajšem imenu Sinagoga Maribor. Lastnica<br />
objekta je Mestna občina Maribor.<br />
113
Die Juden von Maribor einst<br />
Die Juden von Maribor einst<br />
Die renovierte ehemalige Synagoge<br />
heute<br />
Auf dem Gebiet Sloweniens begegnen wir<br />
den Juden vor allem ab dem 12. Jahrhundert,<br />
was zeitlich mit der Gründung der städtischen<br />
Siedlungen zusammenfällt. Sowohl auf Grund<br />
ihrer Zahl als auch wegen der wirtschaftlichen<br />
Rolle, die den Juden damals zukam, waren sie<br />
vor allem in Maribor, Ptuj, Celje, Ljubljana<br />
Gorica, Triest und in einigen Kärntner Städten<br />
von besonderer Bedeutung. Die überlieferten<br />
Urkunden bezeugen, dass sich die Aktivitäten<br />
der Juden über die Landesgrenzen<br />
hinaus erstreckten und ihre Mobilität immer<br />
stärker zunahm. In wirtschaftlicher Hinsicht<br />
waren die erwähnten Städte durch die Juden<br />
mit ganz Mitteleuropa verbunden 1 . Im Mittelalter<br />
leisteten die Juden auf wirtschaftlichem<br />
und kulturellem Gebiet einen wichtigen Beitrag<br />
zum Fortschritt Europas und prägten seine<br />
Gestalt mit. Vor allem im Frühmittelalter<br />
war der Fernhandel ihr Haupterwerb, in den<br />
folgenden Jahrhunderten hingegen dominierten<br />
die Geldgeschäfte, die sie in nahezu allen<br />
Teile Europas betrieben. Die Juden waren auf<br />
Grund ihres wirtschaftlichen Engagements,<br />
insbesondere wegen ihrer Handels- und Geldgeschäfte,<br />
an die damaligen Wirtschafts- und<br />
Verkehrszentren gebunden. Sie ließen sich dort<br />
nieder, wo sie die Voraussetzungen für ihre Erwerbstätigkeit<br />
fanden2 .<br />
Wie überall sonst, siedelten sich die Juden auch<br />
in der slowenischen Steiermark in Orten an<br />
den wichtigen Handelswegen an. So kamen sie<br />
auch nach Maribor, eine am Kreuzungspunkt<br />
bedeutender Handelswege gelegene Stadt, von<br />
wo die Handelsrouten in westlicher Richtung<br />
nach Kärnten, in Richtung Süden nach Slo-<br />
114<br />
venska Bistrica, weiter über Celje nach Ljubljana<br />
und schließlich an die Küste sowie in Richtung<br />
Norden in die Landeshauptstadt Graz<br />
führten. In östlicher Richtung waren Maribor<br />
und Ptuj mit den nach Ungarn führenden<br />
Handelswegen verbunden.<br />
Im mittelalterlichen Maribor stellten die Juden<br />
einen wichtigen Teil der Stadtbevölkerung<br />
dar und hinterließen unübersehbare Spuren.<br />
Auf Grund ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten<br />
pflegten sie intensive Kontakte mit zahlreichen<br />
anderen wirtschaftlichen und kulturellen<br />
Zentren in Mitteleuropa. In Maribor machten<br />
sich die Juden im südöstlichen Stadtteil ansässig,<br />
der die heutige Židovska ulica (Judengasse),<br />
die Ključavničarska ulica (Schlossergasse),<br />
einen Teil der heutigen Straße Kneza Koclja,<br />
den unteren Teil der Vetrinjska ulica und einen<br />
Teil des Hauptplatzes umfasste. Die jüdische<br />
Gemeinde wurde von einem Judenmeister geführt,<br />
die Gottesdienste, aber auch die Rechtsangelegenheiten<br />
wurden in der Synagoge, die<br />
bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts<br />
errichtet worden war, abgewickelt.<br />
Die Synagoge war das religiöse, geistige und<br />
kulturelle Zentrum jeder jüdischen Gemeinschaft<br />
beziehungsweise jeden Judenviertels.<br />
Juden durften nicht in einer Stadt ohne ein jüdisches<br />
Gotteshaus leben. Die Synagoge ist mit<br />
ihrer Vorderfront nach dem Jerusalemer Tempel<br />
ausgerichtet; obwohl sie ein Profanbau ist,<br />
in dem den Priestern eine untergeordnete Rolle<br />
zukam, nannte man sie „eine kleine Kultstätte<br />
3 “. Die Synagoge von Maribor soll zum<br />
ersten Mal bereits in zweiter Hälfte des 13.<br />
Jahrhunderts bezeugt worden sein, urkundlich<br />
erwähnt wurde sie allerdings erst im Jahre<br />
1429. In der unmittelbaren Nähe der Synagoge<br />
wurden üblicherweise eine Schule gebaut und<br />
ein Ritualbad errichtet.
Gemäß Vladimir Travner, befand sich die um<br />
das Jahr 1477 errichtete Schule im Judenturm.<br />
Weiters führt Travner an, dass sich das bereits<br />
erwähnte jüdische Ritualbad in Maribor<br />
unmittelbar unter der Synagoge an der Stadtmauer<br />
an der Drau befunden habe. Neben der<br />
Synagoge soll auch ein jüdischer Friedhof gewesen<br />
sein, wobei Travner betont, dass dieser<br />
gemäß den jüdischen religiösen Geboten nicht<br />
neben der Synagoge stehen hätte dürfen. Da<br />
aber der Raum im jüdischen Ghetto sehr begrenzt<br />
war, konnten sich die Bewohner nicht<br />
an dieses Verbot halten. Travners These untermauern<br />
auch die Grabsteine, die innerhalb der<br />
Stadtmauer gefunden wurden 4 . Bereits im Jahre<br />
1367 befand sich der jüdische Friedhof außerhalb<br />
der Stadt, westlich des heutigen Platzes<br />
Vodnikov trg.<br />
Als ein schlichtes, symmetrisches Gebäude<br />
muss die Synagoge in Maribor aber bereits<br />
früher existiert haben, noch bevor in ihrer<br />
Nachbarschaft der erste namentlich überlieferte<br />
Rabbiner Abraham residierte (1379 gestorben).<br />
Ihre Auswölbungen erhielt die Synagoge<br />
im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts,<br />
bevor sie als vorübergehender Sitz des Obersten<br />
Rabbinats für Steiermark, Kärnten und<br />
Krain genutzt wurde. Eine bedeutungsvolle<br />
Persönlichkeit war der Rabbiner Israel Isserlein<br />
(1390–1460).<br />
Als das wirtschaftliche Potential der Juden<br />
von Maribor im 15. Jahrhundert seinen Höhepunkt<br />
erreichte, machte das jüdische Viertel<br />
ein Zehntel des ummauerten Stadtgebiets aus.<br />
Obwohl die Juden als besondere Gemeinschaft<br />
der Stadtbevölkerung innerhalb der Stadtmauer<br />
in einem eigenen Viertel wohnten, bedeutete<br />
dies jedoch nicht, dass sie ausschließlich<br />
in ihrem Ghetto lebten. Beispiele aus Maribor,<br />
Ljubljana und Völkermarkt belegen, dass ein<br />
Die Juden von Maribor einst<br />
kleiner Teil der jüdischen Gemeinschaft auch<br />
außerhalb seines Viertels wohnte. Darüber hinaus<br />
ist bekannt, dass einige Bürgerfamilien<br />
auch Eigentümer von Liegenschaften im jüdischen<br />
Viertel waren. Dennoch steht fest, dass<br />
beide Bevölkerungsgruppen nie unter einem<br />
Dach wohnten.<br />
So bezeugen beispielsweise die Steuerbücher<br />
von Maribor aus der zweiten Hälfte des 15.<br />
Jahrhunderts, dass die Juden außerhalb ihres<br />
Viertels eine beträchtliche Zahl von Liegenschaften<br />
erworben hatten. Dabei ist allerdings<br />
zu berücksichtigen, dass sich einige Häuser<br />
nur vorübergehend in ihrem Besitz befanden,<br />
als Folge unbeglichener Schulden, bewohnt<br />
hatten sie sie jedoch nie. Normalerweise verkauften<br />
sie solche Liegenschaften umgehend<br />
weiter 5 .<br />
Die Juden waren als Teil der Stadtbevölkerung<br />
verpflichtet, zur Verteidigung der Stadt beizutragen.<br />
Als im Jahre 1465 die Stadtmauer und<br />
die Festungsbauten entlang des jüdischen Viertels<br />
– von der Židovska ulica (Judengasse) bis<br />
zum Salzburski dvor (Salzburger Hof) – erneuert<br />
wurden, mussten die Juden 40 Pfund aufbringen.<br />
Während der Großteil der mittelalterlichen Bevölkerung<br />
an einen Ort – an die Scholle (glebale<br />
adscripti) – gebunden war und die Untertanen<br />
ihre Bauernhöfe nur mit der Zustimmung<br />
des Grundherrn verlassen durften – auch die<br />
städtischen Handwerker wanderten nur selten<br />
ab – war die Mobilität der Juden sehr hoch.<br />
Handelsgeschäfte führten sie in fremde Länder,<br />
wo sich viele von ihnen, wenn sie bessere<br />
Lebensbedingungen vorfanden, ansiedelten.<br />
Die große Mobilität der jüdischen Bevölkerung<br />
bestätigen zahlreiche Urkunden der Stadt Maribor.<br />
Sie bezeugen eine starke Verbundenheit<br />
zwischen den jüdischen Familien aus Maribor<br />
115
Die Juden von Maribor einst<br />
mit den Juden von Graz und Ljubljana. Zahlreiche<br />
jüdische Familien aus Maribor zogen im<br />
14. und 15. Jahrhundert in die Landeshauptstadt<br />
Graz.<br />
Die Handelsverbindungen der Juden von Maribor<br />
(wie auch derjenigen von Celje) reichten<br />
von Dubrovnik und Venedig bis nach Wien<br />
und Prag. Große Gewinne erzielten sie durch<br />
den Handel mit venezianischen Waren. 6 Die<br />
Juden von Maribor erwirtschafteten auch im<br />
Weinhandel beträchtliche Gewinne. Schuldner<br />
gaben den Juden ihre Weinberge zum Pfand,<br />
da sie aber die Schulden nicht begleichen konnten,<br />
wurden die Gläubiger zu Landbesitzern.<br />
Interessant ist dabei die Tatsache, dass die Juden<br />
bestrebt waren, die auf diese Art erworbenen<br />
Liegenschaften möglichst bald weiterzuverkaufen.<br />
Die Juden von Maribor verkauften<br />
den Wein wegen besserer Verdienste auch in<br />
den Kärntner Städten. Die meisten Juden betrieben<br />
auch Kreditgeschäfte, weil das Zinsnehmen<br />
nach der kirchlichen Lehre Christen<br />
verboten war. Unter ihren Gläubigern waren<br />
damals alle Bevölkerungsschichten zu finden.<br />
Seit dem Beginn, vor allem aber seit der Mitte<br />
des 15. Jahrhunderts, verschlechterte sich die<br />
Lage der Juden in der Steiermark wesentlich.<br />
Die allgemeine Wirtschaftskrise und die Konkurrenz<br />
der christlichen Bevölkerung im Handel<br />
und sogar im Kreditwesen wurden von Tag<br />
zu Tag größer, Bürger und Adel forderten vom<br />
Landesfürsten immer neue Beschränkungen<br />
für die wirtschaftlichen Aktivitäten der Juden.<br />
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts<br />
wurden die Juden fast völlig aus den größeren<br />
Handelsgeschäften und aus den Kredit- und<br />
Geldgeschäften verdrängt, was ihr wirtschaftliches<br />
Potential schmälerte. Neben der deutlichen<br />
Verschlechterung der Wirtschaftslage<br />
nahm der allgemeine Antijudaismus stark zu,<br />
116<br />
der auch an Maribor nicht vorüberging. Die<br />
Aversionen gegen die Juden hatten ihre Wurzeln<br />
in den wirtschaftlichen, sozialen und religiösen<br />
Verhältnissen der damaligen Zeit. Die<br />
religiöse Intoleranz der Christen gegenüber<br />
den Juden nahm, insbesondere zur Zeit von<br />
Naturkatastrophen, wirtschaftlichen, sozialen<br />
und geistigen Krisen, zu. All dies mündete in<br />
der vorübergehenden oder permanenten Ausweisung<br />
der Juden. 7 Die Forderungen nach rigorosen<br />
Maßnahmen gegen die Juden nahmen<br />
nach dem Tode des Kaisers Friedrich III. (1493)<br />
weiter zu. Sein Nachfolger, Maximilian I., gab<br />
den Forderungen des steiermärkischen und<br />
kärntnerischen Landesstands nach und befahl<br />
am 18. März 1496 die Ausweisung der Juden<br />
aus der Steiermark; bereits am 9. März 1496<br />
erließ er einen ähnlichen Befehl betreffend die<br />
Juden in Kärnten. Die steiermärkischen Juden,<br />
also auch diejenigen aus Maribor, waren<br />
gezwungen, bis zum 6. Jänner des folgenden<br />
Jahres auszuwandern. Zusätzlich mussten<br />
sie binnen sechs Monaten alle ausstehenden<br />
Schulden begleichen.<br />
Einige Juden aus Maribor fanden vorübergehend<br />
Zuflucht in Ljubljana, von wo aus sie<br />
nach dem Erlass des Kaisers über die Ausweisung<br />
aller Juden aus dem Land Krain im Jahre<br />
1515 neuerlich fliehen mussten 8 . Andere zogen<br />
in die Städte an der Adria. Die Juden aus<br />
Maribor wurden von ihrer italienischen Umgebung<br />
„Morpurgo“ genannt. Diesem Namen<br />
kann man ab und zu noch heute begegnen.<br />
Offensichtlich war die jüdische Gemeinschaft<br />
von Maribor so stark, dass sie ihre Spuren sogar<br />
bei den Benennungen hinterließ 9 . Die Ausweisung<br />
der Juden aus Maribor traf die Stadt<br />
selbst schwer, die dadurch in wirtschaftlicher<br />
und kultureller Hinsicht verarmte. Die jüdischen<br />
Einrichtungen verfielen, und die Syna-
goge wurde – wie auch der Großteil des einst<br />
jüdischen Besitzes – bereits 1497 vom Ehepaar<br />
Barbara und Bernandin Druckner gekauft.<br />
Das Ehepaar ließ die Synagoge zur Allerheiligenkirche<br />
umgestalten. Dazu kam es höchstwahrscheinlich<br />
bereits im Jahr 1501. Die Funktion<br />
einer katholischen Kirche hatte sie bis zur<br />
Einführung der Reformen von Joseph II., als<br />
sie samt ihrer Kaplanei dem Militär übergeben<br />
wurde. Dieses benutzte die ehemalige Synagoge<br />
bis 1811 als Lagerhaus, danach kam das Gebäude<br />
in Besitz der Bürger. Die Anlage wurde<br />
mehrmals um- und ausgebaut, der obere Teil<br />
des Geschosses wurde sogar in eine Wohnung<br />
umgebaut 10 .<br />
1992 wurde die Synagoge zum kulturellen und<br />
historischen Denkmal erklärt 11 . Im gleichen<br />
Jahr erarbeiteten Experten und Mitarbeiter des<br />
Instituts für den Schutz des Natur- und Kulturerbes<br />
Maribor 12 einen Plan für ihre Generalrenovierung.<br />
Ein Jahr später begann man auch mit<br />
dem Umbau und der Rekonstruktion des Gebäudes,<br />
das zuvor wegen ungeklärter Besitzverhältnisse<br />
eine Zeit lang geschlossen bleiben<br />
musste. Im gleichen Jahr machten die Experten<br />
detaillierte architektonische Aufnahmen<br />
und begannen parallel zu den Forschungen das<br />
konservatorische Programm vorzubereiten.<br />
Man entschloss sich, die Synagoge in derjenigen<br />
Form zu rekonstruieren, für die man<br />
genügend Materialien und Quellen gesammelt<br />
hatte 13 . Parallel zu den Forschungsarbeiten<br />
über die Bedeutung der einzelnen Räume,<br />
des Standortes und der Form der Fensteröffnungen<br />
führten die Fachleute einige Umbauten<br />
durch, die sie ein Stück näher an ihr erstes<br />
Ziel brachten: Sie meißelten aus einer formlosen<br />
Bausubstanz die wertvolle Architektur der<br />
ehemaligen Synagoge, die bereits vor dem Jahre<br />
1500 bestanden hatte, heraus 14 . Trotz aller<br />
Die Juden von Maribor einst<br />
Sorgfältigkeit erbrachten die archäologischen<br />
Forschungen jedoch keine konkreten Resultate,<br />
die eventuell auf noch frühere Bauphasen<br />
oder -zustände der Synagoge schließen ließen.<br />
Archivalisch sind die Juden zum ersten Mal in<br />
der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts belegt,<br />
in Maribor sollen sie sich jedoch bereits Mitte<br />
des 13. Jahrhunderts niedergelassen haben, als<br />
auch die Synagoge zum ersten Mal schriftlich<br />
erwähnt wurde. 15 Unmittelbare Spuren der<br />
ersten Synagoge, die in ihrer baulichen Form<br />
der heutigen entsprochen haben soll, wurden<br />
allerdings nie gefunden. Der archäologische<br />
Fachbericht erwähnt lediglich, dass in der Substruktur<br />
Mauerreste gefunden wurden, die der<br />
Romanik zuzuordnen sind. Ungeachtet verschiedener<br />
Spekulationen über die Entstehung<br />
der Synagoge, beschränkten sich die Experten<br />
auf diejenigen Funde, die verlässliche Angaben<br />
über ihre Größe, Architekturelemente und ihr<br />
Erscheinungsbild lieferten, als sie zur Zeit der<br />
wirtschaftlichem und kulturellen Blüte der Juden<br />
in Maribor, Mitte des 15. Jahrhunderts,<br />
entstanden ist. 16<br />
Auf Grund der ausreichenden Menge an Befunden<br />
über die architektonische und konstruktionsbedingte<br />
Form der Synagoge in ihrer letzten<br />
Bauphase hat man sich darauf geeinigt, sie<br />
mit allen während der Forschungsarbeiten gesammelten<br />
Details neu zu errichten. Die Renovierungsarbeiten<br />
dauerten mehrere Jahre. Am<br />
1. April 2001 öffnete die renovierte ehemalige<br />
jüdische Synagoge ihre Tore der Öffentlichkeit.<br />
Bereits 1999 wurde ein Fachbericht mit dem<br />
Vorschlag über ein inhaltliches Programm und<br />
über organisatorische Belange der Synagoge erstellt.<br />
Das Programm wurde von Peter Može<br />
vom Regionalmuseum Maribor und Daniel Sajko<br />
von der Stadtgemeinde Maribor konzipiert 17 .<br />
Mittels eines Sondervertrages wurde die Syn-<br />
117
Die Juden von Maribor einst<br />
agoge dem Regionalmuseum zur vorübergehenden<br />
Verwaltung übergeben, unter dessen Zuständigkeit<br />
sie noch heute fällt.<br />
Das auf die Charakteristik des Gebäudes und<br />
seine Geschichte ausgerichtete Grundsatzprogramm<br />
ist der Erhaltung, der Pflege und der<br />
Präsentation des jüdischen Kulturerbes auf<br />
dem Gebiet des heutigen Sloweniens verpflichtet.<br />
Dieses Programm entspricht auch den Bestimmungen<br />
des Abkommens zwischen der<br />
slowenischen und der US-Regierung über den<br />
Schutz und die Erhaltung von Kulturgütern. 18<br />
Das Abkommen verpflichtet beide Staaten zur<br />
Erhaltung der Kulturgüter und -denkmäler, die<br />
das Erbe nationaler, religiöser und ethnischer<br />
Gemeinschaften – Völkermordopfer des II.<br />
Weltkrieges – darstellen. Zur Umsetzung des<br />
Abkommens haben sich die Abteilung für internationale<br />
Kulturzusammenarbeit des Ministeriums<br />
für äußere Angelegenheiten der Republik Slowenien<br />
und die Verwaltung für das kulturelle Erbe des<br />
Kulturministeriums der Republik Slowenien verpflichtet.<br />
Im Einklang mit dem erwähnten Fachbericht<br />
soll die ehemalige jüdische Synagoge in erster<br />
Linie die Funktion eines Museums und Informationszentrums<br />
haben, das über die Geschichte<br />
des Judentums in Maribor und ganz<br />
Slowenien informiert und verschiedene Denkmäler<br />
des jüdischen Kulturerbes zur Schau<br />
stellt. Die unterschiedlichen Programmrichtungen,<br />
die Teil des Programmganzen des<br />
künftigen Museums und Dokumentationszentrums<br />
des jüdischen Kulturerbes Sloweniens darstellen<br />
sollen, bekamen den Arbeitstitel „Zentrum<br />
des jüdischen Kulturerbes Maribor“. Dieses hat<br />
allerdings wegen noch ungelöster organisatorischer<br />
und finanzieller Fragen seine Aktivitäten<br />
noch nicht zu entfalten begonnen. Es entstanden<br />
trotzdem konkrete Ansätze für die Tätig-<br />
118<br />
keit eines künftigen derartigen Zentrums, und<br />
es wurde bereits eine Zusammenarbeit mit einigen<br />
vergleichbaren slowenischen, aber auch<br />
ausländischen Zentren und Einrichtungen initiiert.<br />
Fragen um das künftige Zentrum des<br />
jüdischen Kulturerbes in Maribor sind neuerdings<br />
wieder sehr aktuell geworden, mit ihnen<br />
sollte sich auch das Kulturministerium intensiv<br />
auseinandersetzen. Im Allgemeinen überwog<br />
bislang die Meinung, dass die Aktivitäten<br />
in der ehemaligen Synagoge auf Inhalte und<br />
beschränkt sein sollten, die unmittelbar mit<br />
dem Museum sowie dem Dokumentations-<br />
und Informationszentrum verbunden sind<br />
und zugleich ein öffentliches Kulturprogramm<br />
darstellen, das von der Stadt im Einklang mit<br />
anderen Kultureinrichtungen und Programmträgern<br />
bestimmt wird.<br />
Diesen Grundsätzen entsprechend, entfaltete<br />
die Synagoge ab 2001 ihre Aktivitäten, wobei<br />
man von Anfang großen Wert auf ein hohes<br />
künstlerisches Niveau und auf inhaltliche<br />
Vielfältigkeit legte. Thematisch sollte das Programm<br />
auch auf die Darstellung des jüdischen<br />
Kulturerbes ausgerichtet und dem aktuellen<br />
kulturellen Angebot israelischer beziehungsweise<br />
der in Europa und in den Vereinigten<br />
Staaten lebenden jüdischen Künstler angepasst<br />
werden.<br />
Eine solche Ausrichtung des Programms setzt<br />
sich bereits erfolgreich durch, und die renovierte<br />
Synagoge 19 wurde als ein kleines Kultur-<br />
und Veranstaltungszentrum für Musikabende,<br />
Konzerte, Vorlesungen, Gespräche,<br />
Bilderausstellungen u. Ä. neu belebt. Wegen<br />
der guten Akustik werden hier von kleineren<br />
Kammermusikgruppen und Vokalgruppen<br />
oftmals Konzerte abgehalten. Initiiert wurde<br />
auch eine Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen<br />
in Maribor (Kulturhaus Na-
odni dom, Verband bildender Künstler Maribor,<br />
Universität Maribor, verschiedene Mittelschulen,<br />
Festival der Kreativität Magdalena, Jugendkulturzentrum,<br />
Bund der Kulturvereine, Bibliothek<br />
Maribor). Somit wurde die Synagoge zu einem<br />
der wichtigsten Treffpunkte des Kulturgeschehens<br />
im alten Stadtkern von Maribor. Darüber<br />
hinaus wurde eine korrekte Zusammenarbeit<br />
zwischen der slowenischen jüdischen Gemeinschaft<br />
und der israelischen Botschaft in Wien<br />
hergestellt.<br />
Als außerordentlich wichtiges kulturhistorisches<br />
Denkmal ist die Synagoge eine höchst<br />
interessante Sehenswürdigkeit für einheimische,<br />
insbesondere aber für ausländische Touristen.<br />
Unter ihnen finden sich immer mehr<br />
Gäste aus Israel und Juden aus aller Welt, von<br />
Australien bis zu den USA. Die Besucherstatistik<br />
zeigt, dass die Frequenz der Besucher sowohl<br />
der kulturellen Veranstaltungen als auch<br />
der Synagoge als kulturhistorisches Denkmal<br />
selbst relativ stabil ist. Im Jahre 2001 wurden<br />
6.629 Besucher verzeichnet, ein Jahr später,<br />
nach einer Werbekampagne, bereits 16.426. Im<br />
Jahre 2003 kamen 9.425 Besucher, im Vorjahr<br />
waren es 8.794.<br />
Unter den Besuchern befanden sich viele Schüler,<br />
für die eigene Führungen angeboten werden.<br />
Die Nachfrage nach Fachliteratur, die sich<br />
auf die Geschichte der slowenischen Juden bezieht,<br />
steigt ständig, weil unter den Schülern<br />
und Studenten großes Interesse am Thema Judentum<br />
besteht. Die Aktivitäten der Synagoge<br />
in Maribor genießen große Aufmerksamkeit in<br />
den Medien, was für eine wirkungsvolle Vermarktung<br />
von großem Vorteil ist. Das Gebäude<br />
ist auch ein interessanter Austragungsort<br />
für verschiedene Veranstaltungen und Treffen<br />
anderer Institutionen und Organisationen.<br />
Die renovierte ehemalige Synagoge ermöglicht<br />
Die Juden von Maribor einst<br />
die Durchführung einer Reihe von kulturellen<br />
Veranstaltungen und stellt die Voraussetzung<br />
für die schrittweise Gründung des Museums<br />
sowie des Dokumentations- und Informationszentrums<br />
dar, das mithilfe staatlicher (vielleicht<br />
auch internationaler) Unterstützung zu<br />
einem „Zentrum des jüdischen Kulturerbes<br />
Sloweniens“ wachsen soll.<br />
119
Die Juden von Maribor einst<br />
ANMERKUNGEN<br />
1 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane. Ljubljana 1992, S. 5 (Die<br />
Juden in der Geschichte Ljubljanas).<br />
2 Jože Mlinarič, Mariborski Židje v zadnjih desetletjih pred izgonom iz mesta,<br />
njihov izgon in sledovi. Pokrajinski arhiv Maribor, Katalogi 7 (Die Juden<br />
Maribors in den letzten Jahrzehnten vor ihrer Vertreibung aus der Stadt,<br />
ihre Vertreibung und Spuren. Archiv des Regionalmusems Maribor); vgl.<br />
Jože Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne izselitve<br />
v letu 1496, in: Judovski zbornik, ČZN 1–2. Maribor 2000, S. 50–70 (Die<br />
Juden in der slowenischen Steiermark bis zu ihrer Zwangsaussiedlung im<br />
Jahre 1496); vgl. Janez Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga<br />
Maribor. Maribor 2002 (Geschichte der Juden in Slowenien).<br />
3 Alan Unterman, Judovstvo, Mali leksikon. Ljubljana 2001, S. 252. (Das<br />
Judentum, Kleines Lexikon).<br />
4 Vladimir Travner, Mariborski ghetto, in: Kronika slovenskih mest II (1935), S.<br />
155–156. (Das Ghetto von Maribor); vgl. Jože Mlinarič, Judje na slovenskem<br />
Štajerskem, S. 50–70.<br />
5 Jože Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem, S. 54; vgl. Mariborska<br />
davčna knjiga za leto 1465, StLA, Gradivo za zgodovino Maribora XVII, 42<br />
(Steuerbuch von Maribor anno 1465) u. Jože Mlinarič, Gradivo za zgodovino<br />
Maribora XVII, S. 17, 25, 72, 76, 78, 103 (Literatur über die Geschichte von<br />
Maribor).<br />
6 Ebd., S. 57.<br />
7 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane. Ljubljana 1992, S. 26–31.<br />
8 Ebd.<br />
9 Janez Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga. Maribor 2002.<br />
Der Autor schreibt, dass ihm während eines Besuchs in Israel ein<br />
Geschäftsschild in Jerusalem auffiel, auf dem „Morpurgo store“ stand.<br />
Der Besuch des Geschäfts bestätigte seine Vermutung, dass es sich um<br />
Nachkommen der Juden von Maribor handelte.<br />
10 Marjan Toš, Programska zasnova in dejavnost obnovljene nekdanje<br />
judovske sinagoge v Mariboru, KC Sinagoga, Manuskript. Maribor 2005<br />
(Programmentwurf und die Aktivitäten der renovierten ehemaligen<br />
jüdischen Synagoge in Maribor).<br />
11 Medobčinski uradni Vestnik, 5/92 (Interkommunales amtliches<br />
Mitteilungsblatt).<br />
12 Das Fachteam bildeten: Ivan Tušek und Mihela Kajzer-Cafnik für<br />
Archäologie, Janez Mikuž für Kunstgeschichte, Marjan Teržan für<br />
Restauration, Irena Krajnc-Horvat für Architektur und Miran Ježovnik für<br />
Statik.<br />
13 Zavod za varstvo naravne in kulturne dediščine Maribor (Institut für den<br />
Schutz des Natur- und Kulturerbes Maribor).<br />
14 Janez Mikuž, Nekdanja židovska četrt in nekdanja sinagoga v Mariboru, in:<br />
Judovski zbornik, ČZN, 1–2. Maribor 2000, S. 166 (Das ehemalige jüdische<br />
Viertel und die ehemalige Synagoge in Maribor).<br />
15 Ebd.<br />
16 Ebd., S. 167.<br />
17 Synagoge Maribor – Vorschlag über den inhaltlichen Entwurf und<br />
Organisation der Programmdurchführung, Juni 1999. Der Bericht wurde<br />
vom Fachkollegium des Regionalmuseums Maribor am 16.3. u. 13.9.1999<br />
genehmigt.<br />
18 Amtsblatt der Republik Slowenien, 57/96.<br />
19 Die offizielle Bezeichnung lautet „Kulturni Center (KC) Sinagoga Maribor“<br />
(Kulturzentrum Synagoge Maribor), in der Öffentlichkeit ist auch der<br />
Kurzname „Synagoge Maribor“ bekannt. Das Gebäude befindet sich im<br />
Besitz der Gemeinde Maribor.<br />
120<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Marjan Toš<br />
Mag. Marjan Toš, profesor zgodovine in<br />
geografije, kustos Pokrajinskega muzeja<br />
Maribor v Sinagogi. Veliko se ukvarja s<br />
proučevanjem sodobne lokalne zgodovine<br />
Slovenskih goric, zlasti obdobja 1941-1945 in<br />
po letu 1945. Je avtor, urednik in sourednik<br />
številnih zbornikov, avtor prispevkov v<br />
Književnih listih Dela, Večera in drugih<br />
časopisov. Redno objavlja tudi v Časopisu<br />
za zgodovino in narodopisje v Mariboru, kot<br />
publicist in novinar se ukvarja tudi z ekološko<br />
problematiko in sodeluje kot član uredniškega<br />
odbora strokovnih revij LOVEC in RIBIČ. Je<br />
dolgoletni strokovni komentator balkanskega<br />
dogajanja za zunanjepolitično uredništvo Radia<br />
Maribor, pisec knjižnih ocen in predstavitev za<br />
kulturno-umetniški program Radia Maribor in<br />
avtor številnih dokumentarnih in javnih oddajah<br />
v okviru dokumentarno-feljtonskega programa<br />
Radia Maribor. V zadnjih letih se še posebej<br />
ukvarja s proučevanjem zgodovinskega<br />
spomina na slovenske Jude po letu 1945. To<br />
je tudi tema njegovega doktorskega študija na<br />
Fakulteti za podiplomske humanistične študije<br />
ISH v Ljubljani. – Mag. Marjan Toš unterichtet<br />
Geschichte und Geographie, ist Kustos des<br />
Regionalmuseums in der Synagoge in Maribor.<br />
Er beschäftigt sich sehr intensiv mit der<br />
modernen lokalen Geschichte der Slovenske<br />
Gorice / Windischen Büheln, insbesondere<br />
aber mit dem zeitraum 1941-1945 und danach.<br />
Er ist Autor, Herausgeber und Mitherausgeber<br />
zahlreicher Sammelbände und von Beiträgen,<br />
die in den Zeitungen Delo, Vecer u. a.<br />
veröffentlicht werden. Regelmäßig erscheinen<br />
auch Artikel in der Zeitschrift für Geschichte<br />
und Volkskunde in Maribor. Als Publizist<br />
beschäftigt er sich auch mit Problemen der<br />
Ökologie und arbeitet als Redaktionsmitglied<br />
bei den Zeitschriften LOVEC (Der Jäger) und<br />
RIBIC (Der Fischer) mit. Toš fungiert seit<br />
Jahren als wissenschaftlicher Kommentator der<br />
Ereignisse am Balkan für die außenpolitische<br />
Redation von Radio Maribor und ist ebendort<br />
auch im Kulturbereich tätig. In den letzten<br />
Jahren forscht er intensiv an der Geschichte der<br />
slowenischen Juden nach 1945. Dies ist auch<br />
Thema seines Doktorats an der Universität in<br />
Ljubljana.
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
Das slowenischen Kulturerbe in der Steiermark – Eine Bestandsaufnahme<br />
� Text: Benjamin Grilj, Simon Hadler und Mathias Hammer<br />
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
Das von Prof. Moritz Csaky im Wintersemester 2003/04 an der Karl-Franzens-Universität Graz<br />
geleitete Seminar mit dem Titel „Cultural Heritage – National Heritage?“ war Ausgangspunkt<br />
dieser Studie. Der Begriff des „Kulturerbes“ im Kontext einer erweiterten Bedeutung von Kultur<br />
führte uns zu der Frage, was ein historisch gewachsenes kulturelles Element ist, jedoch nicht in<br />
den Kanon des nationalen oder auch regionalen Kulturerbes fällt. Es zeigte sich, dass die slawische<br />
Kultur in der Steiermark, obwohl über Jahrhunderte und bis heute tief verankert, ein interessantes<br />
Beispiel für die Ein- und Ausschließungsmechanismen von kulturellem Erbe darstellt. So soll im<br />
Folgenden aufgezeigt werden, wo das slawische Erbe in der Steiermark seine Spuren hinterlassen<br />
hat, wie es gleichzeitig jedoch immer mehr an den Rand des kollektiven Bewusstseins gedrängt<br />
wurde oder ganz daraus verschwunden ist. Im Mittelpunkt der Arbeit steht besonders die Bedeutung<br />
der Sprache als kulturelles Erbe.<br />
Die Sprache wurde in der Steiermark um die Jahrhundertwende Gegenstand des Konflikts zwischen<br />
Deutschsprachigen und Slowenen, zwei Gruppen, die sich vor dem Auftauchen des Nationalismusdiskurses<br />
aufgrund der multikulturell-sprachlichen Kommunikations- und Interaktionszusammenhänge,<br />
die in der Süd- und Untersteiermark vorherrschten, nicht eindeutig mit einer<br />
der beiden Nationalitäten identifizierten. Hintergrund dieses neuen Konflikts war eine ethnozentristische<br />
Sichtweise von kulturellem Erbe, die mit der Entstehung nationaler Ideen zusammenhängt.<br />
Wird Sprache im Sinne einer nationalen Standardsprache bzw. einer identitätsstiftenden<br />
Komponente als Kulturgut, das es zu bewahren gilt, angesehen, führt dies dazu, sie als statisch<br />
und potentiell von anderen isoliert aufzufassen. Der Begriff der „Sprachgrenze“ steht exemplarisch<br />
für diese aus der Außenansicht einer Region entsprungene Konstruktion von Differenz. Diese<br />
Idee war eine entscheidende Komponente im „Volkstumskampf“. Der von der deutschnationalen<br />
Ideologie geschaffene Mythos einer durch Überfremdung bedrohten Grenzregion, die verteidigt<br />
werden muss, findet auch in der aktuellen Tagespolitik nach wie vor Verwendung. Nachdem die<br />
betreffende Landschaft im Sinne der nationalen Identität aufgeladen worden war, wurde die Anwesenheit<br />
der slowenischen Bevölkerung als Eingriff in eine ursprünglich „deutsche“ Gegend dar-<br />
121
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
gestellt. Um dem entgegenzuwirken, bemühte<br />
man sich, die deutschen Sprachinseln miteinander<br />
zu verbinden und ausweiten. 1<br />
Gleichzeitig war die Annahme einer solchen<br />
– fiktiven – Grenze notwendig, um die Nation<br />
geographisch verorten zu können, die ja bis<br />
1918 nicht durch nationale Grenzziehungen<br />
festgelegt war. Das Bild einer klaren Trennlinie,<br />
das keine Rücksicht auf lokale Realitäten<br />
nahm, wurde unterstellt. Diese wurden dann<br />
in der Tat auch immer mehr durch den Assimilationsdruck<br />
von außen geprägt.<br />
Zu Beginn ist es notwendig, einige Begrifflichkeiten<br />
zu klären. Zwar hat gegenwärtig<br />
der Begriff des „Kulturerbes“ Konjunktur, und<br />
gerade die Steiermark konnte in den vergangenen<br />
Jahren damit werben. Doch selten wurde<br />
darüber reflektiert, was „kulturelles Erbe“<br />
bedeutet. Auszugehen ist hierbei vom Begriff<br />
„Kultur“, dessen Bedeutung sich historisch<br />
verschiedentlich gewandelt hat: Von der Landwirtschaft<br />
und dem bestellten Land – als Gegensatz<br />
zur Natur –, der Abgrenzung gegenüber<br />
dem Unzivilisierten und Barbarischen bis<br />
zur heute häufigen Gleichsetzung mit dem<br />
Kunstbegriff. In dieser Arbeit steht der Begriff<br />
jedoch in einem größeren Bedeutungszusammenhang,<br />
und wir verwenden die methodisch<br />
sinnvolle Trennung von materieller und symbolischer<br />
Kultur, wobei Letztere Sprache und<br />
Schrift beinhaltet. Trotz dieser Unterscheidung<br />
versuchen Wissenschaftler, auf beiden<br />
Ebenen denselben Fragen nachzugehen: Wie<br />
werden Güter oder Zeichen produziert und<br />
wie werden sie für den Menschen bedeutsam?<br />
Wie lassen sich die sozialen Beziehungen und<br />
Handlungsweisen verstehen, in die die Dinge<br />
des täglichen Lebens einbezogen werden?<br />
Von diesem weiten Kulturbegriff ausgehend,<br />
ist auch die Bedeutung von „kulturellem Erbe“<br />
122<br />
zu erklären. Demzufolge ist es der Teil einer<br />
Kultur oder Tradition, der noch – in welcher<br />
Form auch immer – gelebt wird, sprich im Bewusstsein<br />
der Menschen verankert ist. Das Erinnern<br />
gehört ebenso zum Leben einer Kultur<br />
und Tradition wie auch beispielsweise besondere<br />
Tänze, regionale Dialekte und Ähnliches.<br />
Daraus folgt, dass das kulturelle Erbe konstruiert<br />
ist, weil es immer vom Bewusstsein abhängt.<br />
Ein weiterer zentraler Begriff dieser Arbeit ist<br />
jener der Identität. Eine allgemeine Definition<br />
zu finden, ist nicht einfach, zu verschieden<br />
sind die gebräuchlichen Verwendungen, und<br />
allzu oft wäre ideologiekritisches Hinterfragen<br />
notwendig, um den Begriff wieder an die sozialen<br />
oder politischen Realitäten anzupassen.<br />
Die vorliegende Studie orientiert ihren Identitätsbegriff<br />
an folgendem Schema für Idealtypen<br />
regionaler Identitäten. Sie begrenzen auf<br />
unterschiedliche Weise das Selbst der Gruppe.<br />
Die Art und Weise der Definition der Merkmale,<br />
die das Selbst und damit die Gruppenzugehörigkeit<br />
festlegt, bestimmt zugleich die<br />
Grenze gegenüber dem Fremden. Damit werden<br />
Grenzüberschreitungen entweder ermöglicht<br />
oder verhindert.<br />
1. Primordial kodierte Identität beruft sich auf<br />
„natürliche“ Merkmale, wie Volk oder Rasse,<br />
und ist von Kommunikation unabhängig.<br />
Sie verhindert den Eintritt in oder den<br />
Austritt aus der Gruppe, Gemeinsamkeiten<br />
und Vertrauen lassen sich nur sehr schwer<br />
herstellen.<br />
2. Konventionell bzw. zivil und kulturell kodierte<br />
Identität beruht auf Verhaltensregeln<br />
und sozialer Routine. Sie ermöglicht die<br />
Aufnahme von Fremden oder die gleichzeitige<br />
Mitgliedschaft in mehreren Kollektiven,<br />
weil lediglich die erlernbaren Regeln
efolgt werden müssen, um dazuzugehören,<br />
wodurch die Schaffung und der Erhalt<br />
von Gemeinsamkeit und Vertrauen erleichtert<br />
werden.<br />
3. Sakral kodierte Identität wiederum beruft<br />
sich auf den Glauben, die besondere Leistungskraft<br />
und die Auserwähltheit einer<br />
Gruppe, die eine ausgezeichnete Verbindung<br />
zu einer übergeordneten Rationalität<br />
unterhält. Solche Gruppen haben häufig<br />
eine messianisch geprägte Haltung. Sakrale<br />
Kodierungen schließen sich zwar nicht<br />
unbedingt von ihrer Umwelt ab, doch ist<br />
ihnen der Drang eigen, Mitglieder anderer<br />
Gruppen zu assimilieren oder im Kontakt<br />
zu dominieren. Dennoch sind die Schaffung<br />
von Gemeinsamkeiten und die Möglichkeit<br />
von Grenzübertritten nicht ausgeschlossen.<br />
Die Qualität der Grenzziehung regelt also den<br />
Kontakt und den Austausch innerhalb der<br />
Gruppe, aber auch den Kontakt mit anderen<br />
Gruppen 2 .<br />
Diese Idealtypen kommen allerdings nie in<br />
einer „Reinform“ vor, sondern sind in unterschiedlichen<br />
Ausprägungen miteinander vermischt.<br />
So findet man zum Beispiel auf der<br />
österreichischen Seite der Steiermark ab den<br />
1890er Jahren gemeinsam mit der Betonung<br />
der ethnischen Trennung den Mythos der<br />
„besseren, da aufrichtigeren deutschen Mentalität“<br />
und der „besseren, da erfolgreicheren“<br />
Wirtschaftsweise usw., der auch das sakrale<br />
Element seiner Identität zeigt. Seit den 1890er<br />
Jahren dominierten in der gesamten Steiermark<br />
die zivilen Anteile gegenüber den primordialen<br />
Elementen der Identitätskonstruktion,<br />
sodass sie als gesellschaftlich verbundene<br />
Gruppen nebeneinander lebten.<br />
In der Arbeit wird zwar die Einteilung in pri-<br />
Verleugnung, Vergessen und Verdränge<br />
mordiale, zivil kodierte und sakral kodierte<br />
Identität übernommen, nun aber als gesetzte,<br />
worunter wir die primordiale und die sakrale<br />
subsumieren, und als gelebte, die wir als zivil<br />
kodierte Identität verstehen, bezeichnet.<br />
Entscheidend ist nun der Zusammenhang<br />
zwischen Identität und kulturellem Erbe: Das<br />
kulturelle Erbe ist, wie bereits oben erwähnt,<br />
die im Bewusstsein verankerte Kulturleistung<br />
einer Gesellschaft. Die zivile Identität entsteht<br />
aus dem Teil des kulturellen Erbes, der für den<br />
Großteil dieser Gesellschaft und/oder Gruppe<br />
relevant ist. Bei primordial oder sakral kodierter<br />
Identität erfolgt die Identifizierung mit einem<br />
von einer Autorität vorgegebenen Sachverhalt.<br />
Um die Existenz slawischer Kultur in der Steiermark<br />
auch in der heutigen Zeit nachzuweisen,<br />
sollen vorerst zwei Beispiele ausreichen:<br />
Zum einen das sprachliche Erbe, das sich in<br />
erster Linie auf Namen von Ortschaften, Flüssen,<br />
Bergen und Familien erstreckt. 3 Im 6.<br />
Jahrhundert setzte der Zuzug der Slawen in<br />
die Steiermark ein (die Landnahme der bayrischen<br />
Kolonisten erfolgte vom 9. bis zum 13.<br />
Jahrhundert). Einige wenige Beispiele belegen<br />
deren Ausbreitung über das gesamte Land:<br />
Mürz/Murica, Leoben/Liubina, Graz/Gradec,<br />
Semmering/Cemernic, Schöckel/Sekkel.<br />
Zum anderen findet sich der Hakenhof als Teil<br />
des slawischen Erbes in der Steiermark. Bei<br />
diesem sind der Wohn- und Stalltrakt in einer<br />
Linie hintereinander angeordnet und werden<br />
an der Rückseite von der Scheune abgeschlossen.<br />
Ursprünglich dürfte er aus dem Gebiet<br />
um das heutige Murska Sobota stammen. Von<br />
hier aus hat sich der Hakenhof nach Ungarn<br />
und in das Gebiet des heutigen Österreichs<br />
ausgebreitet. Die Besonderheit, die den Hakenhof<br />
im Vergleich zu den anderen „typisch<br />
123
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
österreichischen“ Bauernhöfen kennzeichnet,<br />
besteht darin, dass dieser die einzige Hofform<br />
ist, die nicht mittels Primogenitur weitervererbt<br />
wird. Die Geschichte der steirischen Slowenen<br />
wurde in den vergangenen 150 Jahren<br />
von Assimilation und Verdrängung geprägt.<br />
Im Folgenden sollen diese Entwicklungen<br />
nachgezeichnet werden. Man kann davon ausgehen,<br />
dass die Trennung zwischen Slowenen<br />
und Deutschsprachigen bis in das 19. Jahrhundert<br />
keine nationale war. Die Differenzierungen<br />
waren vielmehr sozialer Natur und kamen<br />
in einem Stadt-Land-Gefälle zum Ausdruck.<br />
Um die Mitte des Jahrhunderts zeichnete sich<br />
in etwa folgendes Bild ab: In den regionalen<br />
Zentren (wie etwa Radkersburg oder Leutschach)<br />
herrschte die deutsche Sprache vor, die<br />
dort ansässige slowenische Bevölkerung neigte<br />
eher zur Assimilation. Bürokratie, Politik und<br />
später auch der Unterricht sind fast gänzlich<br />
„deutsch“ kontrolliert, was aber auf die Umgebungsbevölkerung<br />
lange Zeit kaum Einfluss<br />
hatte. Hier hatte sich ein eigenes System von<br />
Zwei- u. Mischsprachigkeit entwickelt, das die<br />
Verständigung zwischen den beiden Volksgruppen<br />
möglich machte. Gesprochen wurde<br />
ein slowenischer Dialekt, sehr viele Wörter<br />
kamen auch aus dem Deutschen (laut Zeitzeugen<br />
die Hälfte 4 ); umgekehrt war auch der<br />
deutsche Dialekt stark von der slowenischen<br />
Sprache geprägt. 5<br />
Eine nationale Trennung und damit auch der<br />
Wandel zu einer gesetzten Identität dürfte<br />
erst um 1880 eingetreten sein, wobei gerade<br />
in kleineren und autarken Dörfern der Prozess<br />
nur langsam vor sich gegangen ist und immer<br />
nur von außen hineingetragen wurde.<br />
Ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung der<br />
deutschen Sprache war die Schule. Nachdem<br />
der Staat 1869 die Schulbildung von der Kir-<br />
124<br />
che übernommen hatte, wurde gerade in den<br />
gemischtsprachigen Gebieten Slowenisch<br />
meist nur so lange unterrichtet, bis die Schüler<br />
deutsch konnten. Die slowenischen Schüler<br />
hatten unter dem aufgrund mangelnder<br />
Sprachkenntnisse schlechten Schulerfolg oft<br />
sehr zu leiden, weshalb sie später ihre Muttersprache<br />
umso heftiger verleugneten.<br />
Generell kann man sagen, dass die Slowenen<br />
auf dem Gebiet der heutigen Steiermark nie<br />
ein echtes Nationalgefühl entwickeln konnten.<br />
Einige wenige Ausnahmen gab es vor dem<br />
Ersten Weltkrieg, doch seither fehlt ein solches<br />
Zugehörigkeitsgefühl völlig.<br />
Eine Zäsur bilden der Erste Weltkrieg, die Besatzung<br />
der zweisprachigen Gebiete durch<br />
SHS-Truppen und die kurze und in Wahrheit<br />
wenig spektakuläre Phase des so genannten<br />
Abwehrkampfes. Zu dieser Zeit wurde ein Klima<br />
der Polarisierung geschaffen, in dem sich<br />
die Bewohner auf einer der beiden Seiten positionieren<br />
mussten. Ausdruck dafür sind etwa<br />
die Artikel in den Zeitungen Deutsche Grenzwacht<br />
und Murska Straža 6 oder die Racheaktionen<br />
der deutschsprachigen Bevölkerung nach<br />
dem Abzug der SHS-Truppen.<br />
Vieles änderte sich nun für die slowenische Bevölkerung,<br />
die jetzt in einem eindeutig deutsch<br />
deklarierten Land lebte. Die vielfältigen Auswirkungen<br />
verstärkten den Assimilationsdruck<br />
und die Verdrängung des Slowenischen<br />
aus dem öffentlichen Raum.<br />
Trotz des massiv angewachsenen Drucks<br />
scheint die sprachliche Situation in den slowenischen<br />
Gebieten stagniert zu haben 7 . Ein<br />
Großteil der Schüler hatte beim Erlernen der<br />
deutschen Sprache weiterhin Probleme, und<br />
die in Standardslowenisch gehaltenen Messen<br />
waren schlecht besucht 8 , weil die Bevölkerung<br />
noch immer ihren eigenen Dialekt sprach.
Zwar durchschnitt nun eine Grenze den alten<br />
Lebensraum, trotzdem waren Grenzübertritte<br />
aus verschiedensten Gründen häufig. Es<br />
scheint so, als hätte die innere Ordnung gerade<br />
in der ländlichen Gegend noch überlebt (erst<br />
nach 1938 sollte der einheitliche Kulturraum<br />
endgültig zerstört werden). Nach außen hin<br />
wurde es jedoch notwendig, seine Loyalität zu<br />
Österreich und zum „Deutschtum“ offen zu<br />
bekennen. Dies zeigt sich etwa im Wahlverhalten<br />
(Christlich-Sozial, Bauernbund) und im<br />
völligen Fehlen national-slowenischer Aktivitäten.<br />
Die nationalsozialistische Herrschaft hatte<br />
für die steirischen Slowenen verhältnismäßig<br />
geringe Auswirkungen. Viel eher sollte das<br />
Kriegsende, vor allem im Gebiet von Leutschach,<br />
für die Bevölkerung noch lange prägend<br />
sein 9 . Die Loyalität der Bevölkerung zu<br />
verschiedenen mit Machtanspruch auftretenden<br />
Gruppierungen führte zu einem intensiven<br />
Drang nach Vergessen und zu dem Schweigen,<br />
das auch noch heute vorherrscht. 10<br />
Während nach 1945 die Nachbarschaft zu<br />
Tito-Jugoslawien eine neue Situation schuf<br />
und aus jedem bekennenden Slowenen quasi<br />
einen Kommunisten machte, herrschte andererseits<br />
ideologische Kontinuität vor. So wurde<br />
der Grenzland-Mythos weiterhin hochgehalten,<br />
wodurch die Region das besondere Augenmerk<br />
„volksbewusster“ Kreise auf sich zog, die den<br />
„deutschen“ bzw. den steirischen Charakter<br />
mittels verschiedener Aktivitäten und Aufrufe<br />
zu stärken versuchten. 11<br />
Prinzipiell hätten die im Staatsvertrag verankerten<br />
Minderheitenrechte den Schutz der<br />
Identität der zweisprachigen Bevölkerung in<br />
der Steiermark garantieren sollen. Doch neben<br />
historischen Ereignissen und den ungünstigen<br />
Umfeldbedingungen durch den ökonomi-<br />
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
schen Wandel war es insbesondere die Politik,<br />
die vor allem mit dem Mittel der Verleugnung<br />
gegen die Zweisprachigkeit ankämpfte. Gründe<br />
könnten die Gebietsansprüche Jugoslawiens,<br />
der vorherrschende Antikommunismus,<br />
der tief verankerte Grenzland-Mythos 12 oder die<br />
Beruhigung „national“-konservativer Bevölkerungsteile<br />
und auch das starke Anpassungsbedürfnis<br />
lokaler Politiker sein.<br />
Heute ist die Situation in den letzten Inseln<br />
der Zweisprachigkeit desolat. Die slowenischsprachige<br />
Minderheit ist eine aussterbende 13 ,<br />
die Jugend versteht meist nur mehr wenige<br />
Wörter Slowenisch. Man sieht sich auch nicht<br />
als eine Sprachminderheit.<br />
Welche Auswirkungen der hundert Jahre lang<br />
währende Assimilationsdruck heute hat, zeigt<br />
eine Studie über den Ort Laaken auf der Soboth.<br />
14 Obwohl von 23 Erwachsenen zwölf<br />
Slowenisch als Muttersprache angaben, wird<br />
gegenüber Außenstehenden eben diese Zweisprachigkeit<br />
geleugnet. Auch in der Region<br />
um Radkersburg existiert Zweisprachigkeit<br />
bis heute. Daneben können noch immer viele<br />
Menschen, auch wenn sie die Sprache nicht<br />
sprechen, slowenische Lieder mitsingen oder<br />
kennen zumindest noch ein paar Wörter oder<br />
Phrasen.<br />
Im Kontrast zu und in Verbindung mit dem<br />
vorherigen Abschnitt soll die Wahrnehmung<br />
slawischer Kultur und Sprache von außen, aus<br />
der Sicht der steirischen Hochkulturproduktion,<br />
dargestellt werden. Analysiert soll der<br />
durch den aufkommenden Nationalismusdiskurs<br />
vollzogene Wandel in der steirischen Historiographie<br />
werden, wie auch auf eine ähnliche<br />
Wahrnehmung in der Literatur am Beispiel<br />
Peter Roseggers hingewiesen wird.<br />
Ein erstes Werk über die steirische Geschichte<br />
aus dem Jahre 1815 15 beschreibt die slawische<br />
125
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
Besiedelung ab dem 6. Jahrhundert noch als<br />
besonders gewinnbringend für das nach der<br />
Völkerwanderung verwüstete Land. Die Slawen<br />
betrieben Ackerbau und brachten damit<br />
„die Wurzel aller Cultur fast in jeden Winkel<br />
dieses Landes“; auch die Wiederaufnahme des<br />
Bergbaues am Erzberg sei nur ihnen zu verdanken<br />
gewesen. 16 Die Herkunft zahlreicher Ortsnamen<br />
aus dem Slawischen findet ebenso Erwähnung.<br />
In weiterer Folge wird nicht mehr<br />
zwischen Slawen und „Deutschen“ differenziert,<br />
sondern einfach nur von den Bewohnern<br />
des Landes gesprochen.<br />
Eine Differenzierung bezüglich Körperbau,<br />
Sprache und Kleidung findet sich in dem 1844<br />
von Albert Muchar vorgelegten Geschichtswerk<br />
17 , jedoch wird noch nicht zwischen verschiedenen<br />
Charakteranlagen der Bevölkerungsgruppen<br />
unterschieden. Andererseits<br />
bezweifelt Muchar die Besiedelung der ganzen<br />
Steiermark durch Slowenen und konstruiert einen<br />
Mythos von einer „celtisch-germanischen<br />
Urbevölkerung“, die sich in der Obersteiermark<br />
gehalten habe. Auch sei der Erzberg nicht von<br />
Slowenen erschlossen worden, und überhaupt<br />
seien, bis auf wenige Ausnahmen, auch die<br />
Ortsnamen „rein deutsch“. 18 Dieser Mythos<br />
bereitete einen fruchtbaren Boden für spätere<br />
nationale Diskurse.<br />
Inwieweit dieser Mythos nachwirkte, zeigt<br />
sich daran, dass er noch 1949 von Hans Pirchegger<br />
verteidigt wurde (interessanterweise,<br />
als er slowenischen Historikern, die ihrerseits<br />
auf die Bedeutung der Ortsnamen u. a. pochten,<br />
„Geschichtsfälschung“ vorwarf). 19<br />
Schließlich machen sich Tendenzen einer negativen<br />
Charakterisierung der Slowenen immer<br />
mehr bemerkbar. In dem von Wilhelm<br />
von Gebler 1862 vorgelegten Werk über die<br />
steirische Geschichte wird von „Slawenhor-<br />
126<br />
den“ gesprochen, deren Einwanderung „wahrscheinlich<br />
nicht ohne blutige Zerstörungen“<br />
abgelaufen sei. 20 Nun wird auch eindeutig charakterlich<br />
differenziert: Der „obersteirische<br />
Mann“ sei gesund, stark, arbeitsam, aufrichtig,<br />
selbstvertrauend etc. Doch: „Die selben Eigenschaften<br />
findet man im Ganzen auch bei dem<br />
Untersteiermärker, doch je mehr man sich den<br />
Grenzen Krains und Kroatiens nähert, gibt<br />
sich auch das biegsame, kluge Wesen des Slawen<br />
kund.“ 21 Wobei biegsam und klug als „verschlagen“<br />
verstanden wird.<br />
Nach 1918 ist der „deutsche“ Charakter der<br />
Steiermark unbestritten, und die slowenische<br />
Minderheit in der Grenzregion wird ignoriert<br />
oder verleugnet. Ein Beispiel einer nationalsozialistischen<br />
Blut-und-Boden-Mythologie,<br />
die bereits die neue Selbstverständlichkeit aufzeigt,<br />
alle Steirer als „Deutsche“ zu betrachten,<br />
liefert der schon genannte Hans Pirchegger,<br />
der 1931 schreibt: „Der Bauer war zwar meist<br />
an seine Scholle gebunden, aber die Vorfahren<br />
gar vieler mögen aus Bayern, aus Franken und<br />
Schwaben gekommen sein. So fühlten sich die<br />
Steirer ganz selbstverständlich als Deutsche,<br />
man darf sagen: unbewußt. Im 16. Jahrhundert<br />
wurden sie sich dessen bewußt, sie sprachen<br />
offen aus, daß ihr Land ein Teil des Reiches<br />
sei, und nicht der schlechteste.“ 22<br />
Nach dem Krieg legte Pirchegger scheinbar seine<br />
nationalsozialistischen Ansichten ab und<br />
schrieb sein Werk um, allerdings findet sich<br />
auch noch 1949 die Verteidigung von Muchars<br />
altem Mythos. 23 Bei der Schilderung des Sprachenstreites<br />
um 1900 folgt er der Terminologie<br />
deutschnationaler Agitation. Noch bis in die<br />
jüngste Zeit galt „der Pirchegger“ als geschätztes<br />
Standardwerk.<br />
Was die Existenz einer slowenischen Minderheit<br />
auf dem Gebiet der heutigen Steiermark
etrifft, so wird dieser von der Historiographie<br />
des 20. Jahrhunderts keine Beachtung<br />
geschenkt. 24 Das heutige Verhältnis zu Slowenien<br />
mag von einer freundschaftlichen<br />
Nachbarlichkeit geprägt sein, das Bewusstsein<br />
für ein gemeinsames Erbe ist allerdings aus der<br />
Erinnerung verschwunden.<br />
Nicht nur die Geschichtsschreibung, auch die<br />
Literatur gilt es, als ein Medium der kulturellen<br />
Wahrnehmung und Produktion einer Analyse<br />
zu unterziehen. Exemplarisch ist hier Peter Rosegger<br />
angeführt, der, nicht zuletzt aufgrund<br />
der identitätsstiftenden Bedeutung seiner Person<br />
selbst, ein vorzügliches Beispiel abgibt,<br />
weil sich zeigen lässt, wie scheinbar wohlgemeinte<br />
Betrachtungen ein abschätziges Bild<br />
transportierten. In seiner Reisebeschreibung<br />
„Am Wanderstabe“ aus dem Jahre 1882 charakterisiert<br />
er die slowenischen Steirer als klug,<br />
verschlossen und melancholisch. Und: „Den<br />
Eindruck treuherziger Gemütlichkeit der deutschen<br />
Steirer fühlt man hier nicht mehr.“ 25 Den<br />
– sinngemäß „rassischen“ – Einfluss der Slowenen<br />
auf die Mittelsteirer sieht Rosegger jedoch<br />
eindeutig negativ: „So ist er auch unbeholfener<br />
und träger in seinem geistigen Leben […] Den<br />
geistigen Getränken, welche hier aus Obst und<br />
Traube gezogen werden, giebt man die Schuld;<br />
gewiß aber wirken auch andere Factoren ein –<br />
vor Allem vielleicht die unmittelbare Nachbarschaft<br />
fremder Völker, als Slaven, Magyaren,<br />
Romanen – man will das hier näher nicht untersuchen.“<br />
26 Das Nobelpreiskomitee verweigerte<br />
die Verleihung des Literaturnobelpreises<br />
1913 übrigens mit dem Verweis auf des Heimatdichters<br />
deutschnationale Ansichten und<br />
Aktivitäten bezüglich der „Südmark“. 27<br />
Kulturelles Erbe ist eine Frage des Bewusstseins.<br />
Das slawische Erbe in der Steiermark ist<br />
größtenteils in Vergessenheit geraten und ver-<br />
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
drängt worden. Die Vereinnahmung der Sprache<br />
im nationalen Sinne und das Bestreben,<br />
sie durch Homogenisierung und Abgrenzung<br />
zu schützen, äußerte sich in einer weitgehenden<br />
Ausmerzung jener kulturellen Zusammenhänge<br />
der Zwei- und Mehrsprachigkeit,<br />
die als nicht wünschenswert, ja bedrohlich<br />
erachtet wurden. Sprache auf eine verbindliche<br />
standardisierte Form festzulegen statt ihre<br />
lokalen Variationen als kulturelles Erbe gerade<br />
im nicht-nationalen Sinne zu sehen, resultierte<br />
letztendlich im Verlust von kulturellem<br />
Erbe und auch in einer Reduzierung der steirischen<br />
Identität. Stattdessen ist das öffentliche<br />
Bewusstsein noch vielfach mit Figuren und<br />
Denkbildern besetzt, die den nationalen Entfremdungs-Diskursen<br />
entsprangen.<br />
127
Verleugnung, Vergessen und Verdrängen<br />
ANMERKUNGEN<br />
1 Peter M. Judson, Versuche um 1900, die Sprachgrenze sichtbar zu machen,<br />
in: Moritz Csaky – Peter Stachel (Hg.), Die Verortung von Gedächtnis. Wien<br />
2001, S.164f.<br />
2 Vgl. Bernhard Giesen, Nationale und kulturelle Identität. Studien zur<br />
Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit. Frankfurt/<br />
Main 1991 u. Max Haller, Identität und Nationalstolz der Österreicher.<br />
Gesellschaftliche Ursachen und Funktionen. Wien 1996.<br />
3 Manfred Trummer, Slawische Steiermark, in: Christian Stenner (Hg.),<br />
Slawische Steiermark. Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten.<br />
Wien – Köln – Weimar 1997, S. 17.<br />
4 Klaus Jürgen Hermanik – Christian Promitzer, (Hg.), Grenzenlos<br />
zweisprachig. Die Erinnerungen des Keuschlersohnes Anton Šantel (1845–<br />
1920) an seine Kindheit in Leutschach und Jugend in Marburg. Aus dem<br />
Slowenischen von Andrea Haberl-Zemljič. Graz 2002, S. 38.<br />
5 http://members.a1.net/edze/reader/slawstmk.htm (8.12.2003).<br />
6 Andrea Haberl-Zemljič, Die fünf Dörfer auf der ungarischen Seite –<br />
Historische, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedingungen des<br />
Sprachwechsels in der Gemeinde Radkersburg-Umgebung 1848–1997,<br />
phil. DA. Graz 1997, S. 138ff.<br />
7 Ebd., S. 146ff.<br />
8 Christian Promitzer, Das Ideal vom „reinen Volkskörper“. Eine Chronologie<br />
des Verschwindens, in: Stenner, Slawische Steiermark, S. 148f.<br />
9 Christian Promitzer, Verlorene Brüder. Geschichte der zweisprachigen<br />
Region Leutschach in der südlichen Steiermark (19.–20. Jahrhundert). Graz<br />
1996, S. 286ff.<br />
10 Ebd., S. 32.<br />
11 Promitzer, Verlorene Brüder, S. 340 f, 350 f; Haberl-Zemljič, Die fünf Dörfer,<br />
S. 187.<br />
12 Haberl-Zemljič, Die fünf Dörfer, S. 184, S. 191.<br />
13 Klaus Jürgen Hermanik, The (hidden) Slovene minority in Austrian Styria<br />
– including examples of Soboth region at the Austrian-Slovenian border.<br />
TUAC-Conference: The Unifying Aspects of Cultures Vienna, 7.–9.11.2003<br />
u. Johannes Moser – Elisabeth Katschnig-Fasch (Hg.), Blatten. Ein Dorf an<br />
der Grenze („Kuckuck“, Sonderband 2), Graz 1992.<br />
14 Moser – Katschnig-Fasch, Blatten.<br />
15 Joseph Wartinger, Kurzgefasste Geschichte der Steiermark. Graz 1815.<br />
16 Ebd., S. 31f.<br />
17 Albert Muchar, Geschichte des Herzogthums Steiermark. Bde. I-III. Graz<br />
1844. Bd. I: „Das Steirervolk ist reich begabt mit den glücklichsten Anlagen<br />
zu trefflichen Tugenden und Taten; sein Charakter ist – bei manchen Härten<br />
– im Ganzen edel u. anbetungswürdig.“<br />
18 Ebd., Bd. III., S. 83.<br />
19 Hans Pirchegger, Geschichte der Steiermark. Mit besonderer Rücksicht auf<br />
das Kulturleben. Graz 1949, S. 252.<br />
20 Wilhelm von Gebler, Geschichte des Herzogtums Steiermark von den<br />
ältesten Zeiten bis auf unsere Tage. Graz 1862, S. 42.<br />
21 Ebd., S. 3.<br />
22 Hans Pirchegger, Geschichte der Steiermark 1282–1740. Graz – Wien –<br />
Leibnitz 1931.<br />
23 Pirchegger, 1949, S. 9.<br />
24 Vgl. u. a. Stefan Karner, Die Steiermark im 20. Jahrhundert. Graz – Wien<br />
– Köln 2000, S. 133.<br />
25 Zit. nach Anton Janko, Das Slowenenbild in Peter Roseggers Reisebeschreibungen,<br />
in: Peter Vodopivec u. a. (Hg), Kulturelle Wechselseitigkeit.<br />
O .o. 1995, S. 201.<br />
26 Zit. nach Janko, S. 199.<br />
27 Walter Zitzenbacher (Hg.), Landeschronik Steiermark. Wien – München<br />
1988, S. 303.<br />
128<br />
ZU DEN AUTOREN – O AVTORJIH<br />
Benjamin Grilj<br />
Geb. 17.8.1981 in Graz; Studium der Philosophie und Geschichte in Graz<br />
seit 1999, 2004 mit der Diplomarbeit „Wahrheit oder Ethik“ abgeschlossen,<br />
schreibt dzt. seine Dissertation über den Zusammenhang von Sprache<br />
und Erkenntnis. – Rojen 17. avgusta 1981 v Gradcu; študij filozofije<br />
in zgodovine v Gradcu od leta 1999, zaključil leta 2004 z diplomskim<br />
delom „Wahrheit oder Ethik“, sedaj piše disertacijo o povezanosti jezika<br />
in spoznanja.<br />
Mathias Jörg Hammer<br />
Geb. 26.7.1980 in Graz; Studium der Geschichte und der Rechtswissenschaften<br />
in Graz seit 2000, Studium der Geschichte in Groningen<br />
2002/03. Dzt. Kand. Phil, Diplomarbeit zum Thema „Nationalism and<br />
Historical Thought in Indonesia“ – Rojen 26. julija 1980 v Gradcu; študij<br />
zgodovine in pravnih znanosti v Gradcu, od leta 2000, študij zgodovine v<br />
Groningenu 2002/03, sedaj piše na filozofiji, diplomsko delo z naslovom<br />
„Nationalism and Historical Thought in Indonesia“.<br />
Simon Hadler<br />
Geb. 5.9.1980 in Graz;<br />
Studium der Geschichte und der Philosophie in Graz und Krakau seit<br />
2000. – Rojen 5. septembra 1980 v Gradcu, študij zgodovine in filozofije<br />
v Gradcu in Krakovu od leta 2000.
Zanikanje, pozabljanje in<br />
izpodrinjanje<br />
Sedanje stanje<br />
Izhodišče te študije je bil seminar z naslovom<br />
„Cultural Heritage – National Heritage?“<br />
(„Kulturna dediščina – nacionalna dediščina?“),<br />
ki ga je vodil prof. Moritz Csaky na univerzi<br />
Karl-Franzens-Universität Graz v zimskem<br />
semestru 2003/04. Pojem „kulturne dediščine“<br />
v kontekstu širšega pomena kulture nas je<br />
vodil k vprašanju, kaj je zgodovinsko razvit<br />
kulturni element, vendar ne spada v kanon<br />
nacionalne ali regionalne kulturne dediščine.<br />
Pokazalo se je, da je slovanska kultura na<br />
avstrijskem Štajerskem, čeprav se je čez<br />
stoletja in do današnjih dni globoko zasidrala,<br />
zanimiv primer za vključitvene in izključitvene<br />
mehanizme kulturne dediščine. Tako bo v<br />
nadaljevanju prikazano, kje na avstrijskem<br />
Štajerskem je slovanska dediščina pustila svoje<br />
sledi, kako so jo hkrati vedno bolj potiskali<br />
na rob kolektivne zavesti ali pa je popolnoma<br />
izginila iz nje. Delo posveča pozornost zlasti<br />
pomenu jezika kot kulturne dediščine.<br />
Jezik na avstrijskem Štajerskem je ob<br />
prelomnici stoletja postal predmet konflikta<br />
med Nemci in Slovenci, dvema skupinama,<br />
ki se pred pojavom diskurza nacionalizma<br />
nista enoznačno identificirali z eno od<br />
narodnosti na podlagi večkulturno-jezikovnih<br />
komunikacijskih in interakcijskih povezav, ki<br />
so prevladovale na območju Južne in Spodnje<br />
Štajerske. Ozadje tega novega konflikta je bilo<br />
etnocentrično dojemanje kulturne dediščine,<br />
ki je povezano z nastankom nacionalnih idej.<br />
Če gledamo na jezik v smislu nacionalnega<br />
standardnega jezika oz. komponente, ki daje<br />
identiteto, kot na kulturno dobrino, ki jo je treba<br />
Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje<br />
varovati, vodi to k temu, da se jezik dojema kot<br />
statičen in morebiti izoliran od ostalih. Pojem<br />
„jezikovna meja“ ponazarja to neskladje,<br />
ki izhaja iz zunanjega pogleda na regijo.<br />
Njegova ideja je bila odločujoča komponenta<br />
v „narodnostnem boju”. Mit, ki ga je tukaj<br />
uporabila nemška nacionalna ideologija, je bil<br />
mit o meji, ki ji je grozilo potujčevanje in jo<br />
je bilo nujno braniti – tudi v aktualni dnevni<br />
politiki se še vedno uporablja. Ko se je ta mit<br />
razširil po teh pokrajinah, je bila prisotnost<br />
slovenskega prebivalstva predstavljena kot<br />
napad na prvotno nemško območje. Da bi se<br />
temu uprli, so se pojavila prizadevanja, da bi<br />
se nemški jezikovni otoki med seboj povezali<br />
in se razširili. 1<br />
Hkrati je bilo sprejetje takšne – namišljene<br />
– meje nujno, da je bilo mogoče narod<br />
zemljepisno opredeliti, saj meja do leta 1918<br />
ni bila določena z nacionalnimi razmejitvami.<br />
Prikrito so vsiljevali jasno razmejitev, ki sploh<br />
ne upošteva krajevnih dejstev. Nanje se je<br />
potem dejansko tudi vedno bolj vplivalo z<br />
asimilacijskim pritiskom od zunaj.<br />
Na začetku moramo nujno pojasniti nekatere<br />
pojme. Sicer je pojem „kulturne dediščine“<br />
sedaj priljubljen in ravno Štajerska se je<br />
lahko v preteklih letih z njim oglaševala.<br />
Vendar se je redko razmišljalo o tem, kaj<br />
„kulturna dediščina“ pomeni. Tukaj je treba<br />
izhajati iz pojma „kultura“, katerega pomen<br />
se je skozi zgodovino različno spreminjal: od<br />
gospodarstva in obdelane zemlje, kot nasprotje<br />
narave, distanciranost od neciviliziranega in<br />
barbarskega, do v današnjem času pogostega<br />
enačenja s pojmom umetnosti. V tem besedilu<br />
pa je pojem v širši pomenski povezanosti in<br />
uporabljamo metodološko priročno delitev<br />
na materialno in simbolno kulturo, pri čemer<br />
slednja zajema jezik in pisavo. Kljub temu<br />
129
Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje<br />
razlikovanju se skušajo znanstveniki na obeh<br />
ravneh ukvarjati z istim vprašanjem: Kako se<br />
proizvajajo dobrine ali znaki in kakšen pomen<br />
imajo za človeka? Kako je mogoče razumeti<br />
družbene odnose in načine ravnanja, v katere<br />
se vključujejo stvari iz vsakdanjega življenja?<br />
Na osnovi tega širokega kulturnega pojma<br />
je mogoče pojasniti tudi pomen „kulturne<br />
dediščine“. Zato je to del kulture ali tradicije,<br />
ki, v kakršni koli obliki že, še živi in je torej<br />
zasidrana v zavesti ljudi. Spominjanje prav<br />
tako spada k življenju kulture in tradicije, kot<br />
je na primer izvajanje posebnih plesov, uporaba<br />
posebnih narečij in podobno. Iz tega sledi, da<br />
je kulturna dediščina izoblikovana tako, da je<br />
vedno odvisna od zavesti.<br />
Naslednji osrednji pojem v tem besedilu je pojem<br />
identitete. Sploh ni preprosto najti splošne<br />
definicije, saj se pojem uporablja zelo različno<br />
in prepogosto bi bilo potrebno ideološkokritično<br />
raziskovanje, da bi se ga dalo vedno<br />
znova prilagoditi družbenim in političnim<br />
resničnostim. Pričujoča študija usmerja svoj<br />
pojem identitete glede na naslednjo shemo za<br />
idealne vrste regionalnih identitet, posebnost<br />
katerih je v tem, kaj določa njihov tip: na<br />
različne načine omejujejo sebstvo skupine.<br />
Vrsta in način definicije značilnosti, ki določajo<br />
sebstvo in s tem pripadnost skupini, hkrati<br />
pa določajo mejo nasproti tujemu. S tem se<br />
prestopi meje ali omogočijo ali preprečijo.<br />
1. Prvobitno kodirana identiteta se sklicuje<br />
na „naravne“ značilnosti, kot sta narod<br />
ali rasa, in je neodvisna od komunikacije.<br />
Preprečuje vstop ali izstop iz skupine,<br />
skupne značilnosti in zaupanje se le stežka<br />
vzpostavijo.<br />
2. Konvencionalno oz. civilno in kulturno<br />
kodirana identiteta temelji na pravilih<br />
vedenja in socialne rutine. Omogoča<br />
130<br />
sprejetje tujega ali hkratno članstvo v več<br />
kolektivih, ker se morajo upoštevati zgolj<br />
pravila, ki se jih je mogoče naučiti, da bi<br />
spadali h kolektivu, kar olajša vzpostavitev<br />
in ohranitev skupnih značilnosti in<br />
zaupanja.<br />
3. Sakralno kodirana identiteta se ponovno<br />
sklicuje na prepričanje, na posebno<br />
zmogljivost in izbranost neke skupine,<br />
ki vzdržuje odlično zvezo z nadrejeno<br />
razumskostjo. Takšne skupine imajo<br />
pogosto mesijansko držo. Sakralna<br />
kodiranja se nujno ne zapirajo pred svojim<br />
okoljem, ampak je zanje značilna potreba<br />
po asimilaciji drugih skupin ali po prevladi<br />
v navezanih stikih. Vendar se vzpostavitev<br />
skupnih značilnosti in prestopov meje ne<br />
izključuje.<br />
Kakovost vzpostavitve meje torej ureja tudi<br />
stik in izmenjavo znotraj skupine ter tudi<br />
stik z drugimi skupinami 2 . (prim. Giesen<br />
1993, Haller 1992) Vsekakor se ti idealni tipi<br />
nikoli ne pojavijo v “čisti obliki”, ampak so v<br />
različnih oblikah med seboj pomešani. Tako je<br />
na avstrijski strani Štajerske od 1890 mogoče<br />
najti mitos skupaj s poudarjanjem etničnega<br />
ločevanja „boljše, ker je iskrena“ nemške<br />
mentalitete in „boljšega, ker je uspešnejše“<br />
gospodarjenja itn., vse to tudi kaže sakralni<br />
element v njihovi identiteti. Pred letom 1890 so<br />
na celotnem Štajerskem civilni deli prevladovali<br />
nad prvobitnimi elementi identitete, tako da<br />
so živeli drug poleg drugega kot družbeno<br />
povezane skupine.<br />
V besedilu smo sicer uporabili razdelitev<br />
identitete na prvobitno, civilno kodirano,<br />
in sakralno kodirano, zdaj pa uporabljamo<br />
razdelitev identitete na obstoječo, v katero<br />
štejemo prvobitno in sakralno, in na identiteto,<br />
vnešeno od zunaj, ki jo razumemo kot civilno
kodirano identiteto. Odločilna je zdaj povezava<br />
med identiteto in kulturno dediščino: kulturna<br />
dediščina je, kot je bilo omenjeno že zgoraj,<br />
zasidrana kulturna dejavnost neke družbe.<br />
Civilna identiteta nastane iz segmenta<br />
kulturne dediščine, ki je pomemben za velik<br />
del te družbe in/ali skupine. Pri prvobitno<br />
ali sakralno kodirani identiteti pride do<br />
identificiranja z dejanskim stanjem, ki ga<br />
določa avtoriteta.<br />
Da bi dokazali obstoj slovanske kulture na<br />
avstrijskem Štajerskem tudi v današnjem času,<br />
naj zaenkrat zadoščata dva primera: po eni<br />
strani je to jezikovna dediščina, ki v prvi vrsti<br />
obsega imena naselij, rek, gora in družin. 3 Od<br />
6. stoletja naprej se je okrepilo priseljevanje<br />
Slovanov čez Štajersko (naseljevanje bavarskih<br />
kolonistov je potekalo od 9. do 13. st.). Nekateri<br />
redki primeri kažejo razširitev na celotno<br />
deželo: Mürz/Murica, Leoben/Liubina, Graz/<br />
Gradec, Semmering/Cemernic, Schöckel/<br />
Sekkel.<br />
Po drugi strani se zdi, da je dvorišče v obliki<br />
črke L del slovanske dediščine na avstrijskem<br />
Štajerskem. Pri tem stojita stanovanjski del in<br />
hlev drug za drugim in se skleneta na zadnjem<br />
delu skednja. Prvotno bi naj izhajal iz območja<br />
okoli Murske Sobote. Od tukaj se je dvorišče v<br />
obliki črke L razširilo v današnjo Madžarsko<br />
in na območje današnje Avstrije. Posebnost, ki<br />
označuje dvorišče v obliki črke L v primerjavi<br />
z drugimi „tipično avstrijskimi“ kmetijami, je,<br />
da je to edina oblika dvorišča, ki se ne deduje z<br />
dedno pravico prvorojenca.<br />
Zgodovino štajerskih Slovencev sta v<br />
preteklih 150 letih zaznamovali asimilacija<br />
in izpodrinjanje. Te težnje bodo opisane v<br />
nadaljevanju.<br />
Izhajati je mogoče iz dejstva, da ločitev<br />
med Slovenci in Nemci do 19. stoletja ni<br />
Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje<br />
bila nacionalna. Razlikovanja so bila veliko<br />
bolj socialnega značaja in prepoznavna v<br />
vrzeli med mestom in podeželjem. Okrog<br />
srede stoletja se je izoblikovala približno<br />
takšna slika: v regionalnih središčih (kot sta<br />
Radgona ali Lučane) je prevladoval nemški<br />
jezik, tam živeče slovensko prebivalstvo pa<br />
se je bolj nagibalo k asimilaciji. Uradništvo,<br />
politika in pozneje tudi šolstvo so bili skoraj<br />
v celoti pod nemškim nadzorom, vendar to na<br />
okoliško prebivalstvo dolgo časa ni kaj preveč<br />
vplivalo. Tukaj se je razvil lasten sistem dvo- in<br />
večjezičnosti, ki je omogočil razumevanje med<br />
obema skupinama prebivalcev. Govorilo se je<br />
slovensko narečje, zelo veliko besed je prišlo iz<br />
nemščine (glede na priče časa polovica 4 ), prav<br />
tako je tudi slovenski jezik močno vplival na<br />
nemško narečje 5 .<br />
Nacionalna ločitev in s tem tudi prehod k od<br />
zunaj vnešeni identiteti je verjetno nastopila<br />
šele okrog leta 1880, pri čemer se je ravno v<br />
manjših in samozadostnih vaseh proces le<br />
počasi odvijal, in vedno je prihajal samo od<br />
zunaj.<br />
Na razširjanje nemškega jezika je pomembno<br />
vplivala šola. Ko je država leta 1869 prevzela<br />
izobraževanje od cerkve, se je ravno na<br />
mešano govorečih področjih slovenščina<br />
večinoma govorila le tako dolgo, dokler se<br />
šolarji niso naučili nemško. Slovenski šolarji so<br />
zaradi pomanjkljivega jezikovnega znanja in<br />
posledično slabega šolskega uspeha velikokrat<br />
zelo trpeli, zato so pozneje še toliko močneje<br />
zanikali svoj materni jezik.<br />
Na splošno je mogoče trditi, da Slovenci na<br />
območju današnje avstrijske Štajerske nikoli<br />
niso mogli razviti prave nacionalne zavesti.<br />
Nekaj redkih izjem je bilo pred 1. svetovno<br />
vojno, vendar od takrat naprej sploh ni več<br />
zaslediti takšnega občutka pripadnosti.<br />
131
Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje<br />
Zaradi 1. svetovne vojne, zasedbe dvojezičnih<br />
območij s strani vojakov SHS ter kratkega in v<br />
resnici nič kaj posebnega obdobja t. i. obrambnega<br />
boja proti SHS, je prišlo do prelomnice. V tem<br />
času se je ustvarilo polarizirano vzdušje, v<br />
katerem so se prebivalci morali postaviti na<br />
eno od obeh strani. Izraz tega so morda članki<br />
časopisov „Deutsche Grenzwacht“ in „Murska<br />
Straža 6 “ ali maščevalne dejavnosti nemškega<br />
prebivalstva po umiku enot SHS.<br />
Tako se je za slovensko prebivalstvo, ki je zdaj<br />
živelo v enoznačno nemško opredeljeni deželi,<br />
veliko spremenilo. Različni vplivi so okrepili<br />
asimilacijski pritisk in izpodrivanje slovenskega<br />
iz javnega prostora.<br />
Kljub močno povečanemu pritisku se zdi, da<br />
je jezikovna situacija na slovenskih območjih<br />
stagnirala 7 . Veliko šolarjev je imelo še naprej<br />
težave pri učenju nemškega jezika in maše, ki<br />
so se izvajale v standardni slovenščini, so bile<br />
slabo obiskane 8 , ker je prebivalstvo še vedno<br />
govorilo svoje lastno narečje. Čeprav je stari<br />
življenjski prostor takrat presekala meja, so<br />
bili prestopi meje iz različnih vzrokov pogosti.<br />
Zdi se, kot da bi notranji red še preživel ravno<br />
zaradi kmečkega okolja (šele po letu 1938 je bil<br />
enoten kulturni prostor dokončno uničen). Na<br />
zunaj je bilo vendarle nujno, da se odprto prizna<br />
njegova zvestoba do Avstrije in nemškosti.<br />
To se v neki meri kaže v obnašanju volivcev<br />
(krščansko-socialna stranka, kmečka zveza)<br />
in v popolni odsotnosti nacionalno-slovenskih<br />
dejavnosti.<br />
Čas nacionalsocialistične vladavine je na<br />
štajerske Slovence sorazmerno malo vplival.<br />
Veliko bolj je na prebivalstvo še dolgo vplival<br />
konec vojne, predvsem na območju Lučan 9 .<br />
Zvestoba prebivalstva različnim skupinam, ki<br />
so hotele na oblast, je vodila k močni potrebi<br />
po pozabljanju in k molku, ki prevladuje še<br />
132<br />
danes. 10 Medtem ko so po letu 1945 iz sosedstva<br />
s Titovo Jugoslavijo nastale nove razmere in<br />
iz vsakega priznanega Slovenca pravzaprav<br />
naredile komunista, je po drugi strani vladala<br />
ideološka kontinuiteta. Tako se je mitos<br />
„obmejne dežele“ še naprej cenil, zaradi česar je<br />
regiji posvetilo pozornost „narodno zavedno“<br />
prebivalstvo, ki je poskušalo okrepiti nemški<br />
oz. štajerski značaj z različnimi dejavnostmi<br />
in pozivi. 11<br />
Načeloma bi manjšinske pravice državne<br />
pogodbe morale zagotavljati zaščito identitete<br />
štajerskega dvojezičnega prebivalstva. Vendar<br />
je poleg zgodovinskih dogodkov in neugodnih<br />
okoliščin (gospodarska sprememba) bila zlasti<br />
politika tista, ki se je proti temu borila predvsem<br />
s sredstvom zanikanja. Vzroki bi lahko bili<br />
ozemeljske zahteve Jugoslavije, prevladujoč<br />
antikomunizem, globoko zakoreninjen mitos<br />
„obmejne dežele“ 12 , umiritev nacionalnokonzervativnih<br />
delov prebivalstva in tudi stalna<br />
potreba krajevnih politikov po asimilaciji.<br />
Danes je situacija na zadnjih otokih<br />
dvojezičnosti zelo žalostna. Slovensko govoreča<br />
manjšina izumira 13 , mladi razumejo le nekaj<br />
slovenskih besed. Ljudje se tudi ne vidijo kot<br />
jezikovna manjšina.<br />
Kakšne učinke ima stoletni asimilacijski<br />
pritisk danes, kaže študija o soboškem kraju<br />
Mlake. 14 Čeprav jih je od 23 odraslih 12<br />
navedlo slovenščino kot svoj materni jezik,<br />
se pred drugimi ta dvojezičnost zanika.<br />
Tudi v območju okrog avstrijske Radgone je<br />
dvojezičnost še danes prisotna. Poleg tega zna<br />
še veliko ljudi peti slovenske pesmi ali vsaj<br />
nekaj besed ali stalnih besednih zvez, tudi če<br />
ne govorijo jezika.<br />
V nasprotju in v povezavi s prejšnjim<br />
odstavkom se predstavlja zunanje zaznavanje<br />
slovanske kulture in jezika z vidika štajerskega
visokokulturnega ustvarjanja. Analiza bo<br />
pokazala, kako se je spremenilo štajersko<br />
zgodovinopisje zaradi nastalega diskurza<br />
nacionalizma in na primeru Petra Roseggerja se<br />
bo pokazalo podobno zaznavanje v literaturi.<br />
Prvo delo o štajerski zgodovini iz leta 1815 15<br />
opisuje slovansko naseljevanje od 6. stoletja<br />
še kot posebej koristno za deželo, opustošeno<br />
od preseljevanja narodov. Ukvarjali so se s<br />
poljedelstvom in s tem vnesli „korenine vse<br />
kulture skoraj v vsak kotiček te dežele“; tudi za<br />
ponovno vzpostavitev rudarstva na Erzbergu<br />
bi se bilo treba zahvaliti le njim. 16 Prav tako<br />
se omenja izvor številnih krajevnih imen iz<br />
slovanščine. V nadaljevanju se ne razlikuje več<br />
med Slovani in Nemci, ampak se preprosto<br />
govori samo o prebivalcih dežele.<br />
Razlikovanje v zvezi s telesno postavo,<br />
jezikom in obleko se pojavi v zgodovinskem<br />
delu Alberta Mucharja iz leta 1844, vendar<br />
se še ne ločijo različne značajske lastnosti<br />
skupin prebivalstva 17 . Po drugi strani Muchar<br />
dvomi o poselitvi celotne Štajerske s Slovenci<br />
in izoblikuje mitos „keltsko-germanskega<br />
praprebivalstva“, ki bi se naj zadrževalo na<br />
Zgornjem Štajerskem. Tudi rudnika Erzberg naj<br />
ne bi odprli Slovenci, sploh pa so bila krajevna<br />
imena z redkimi izjemami „popolnoma<br />
nemška 18 “. Mitos je poskrbel za plodna tla za<br />
poznejše nacionalne diskurze.<br />
Kakšen vpliv je imel ta mitos, se kaže v tem,<br />
da ga je še leta 1949 ponovno uporabljal Hans<br />
Pirchegger, ki ga je branil (zanimivo, da je<br />
slovenskim zgodovinarjem, ki so med drugim<br />
opozarjali na pomen krajevnih imen, očital<br />
„ponarejanje zgodovine“). 19<br />
Sčasoma so postajale težnje negativnega<br />
označevanja Slovencev vedno bolj opazne. V<br />
knjigi Wilhelma von Geblerja iz leta 1862 se<br />
govori o „hordah Slovanov (Slovencev), katerih<br />
Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje<br />
priseljevanje očitno ni potekalo brez krvavih<br />
razdejanj“. 20 Tudi značajsko jih enoznačno<br />
ločuje: „zgornještajerski človek“ je zdrav,<br />
močan, delaven, iskren, samozavesten itd.<br />
Vendar: „iste lastnosti je mogoče v celoti najti<br />
tudi pri spodnjih Štajercih, ampak bolj se<br />
približamo mejam Kranjske in Hrvaške, bolj<br />
pride do izraza prilagodljiva, pametna narava<br />
Slovanov.“ 21 Pri tem se pridevnika prilagodljiv<br />
in pameten razumeta kot „zahrbten”.<br />
Po letu 1918 je nemški značaj Štajerske nesporen,<br />
slovenska manjšina celotne regije se ignorira<br />
ali zanika. En primer nacionalsocialistične<br />
mitologije krvi in zemlje, ki že nakazuje novo<br />
samoumevnost, da se vse Štajerce dojema kot<br />
Nemce, navaja že omenjeni Hans Pirchegger, ki<br />
leta 1931 piše: „Kmet je bil največkrat navezan<br />
na svojo grudo, ampak predniki zelo številnih bi<br />
lahko prišli z Bavarske, Frankovske in Švabske.<br />
Tako so se Štajerci čisto samoumevno počutili<br />
kot Nemci, lahko bi se reklo, nezavedno. V<br />
16. stoletju so se tega zavedali, odprto so<br />
govorili, da je njihova zemlja del Rajha in ne<br />
najslabši…“ 22<br />
Po vojni je Pirchegger kot kaže opustil svoje<br />
nacionalsocialistične poglede in je preoblikoval<br />
svoje delo, ampak leta 1949 je še vedno<br />
mogoče zaznati odobravanje Mucharjevega<br />
starega mitosa. 23 Pri opisovanju jezikovnega<br />
spora okrog leta 1900 sledi terminologiji<br />
nemškonacionalnega podpihovanja. Še do<br />
nedavnega je veljal „Pirchegger“ za cenjeno<br />
standardno delo.<br />
Kar zadeva obstoj slovenske manjšine na<br />
območju današnje avstrijske Štajerske, je<br />
zgodovinopisje 20. stoletja ne upošteva. 24<br />
Današnji odnos do Slovenije sicer zaznamujejo<br />
prijateljski sosedski odnosi, vendar pa je zavest<br />
do skupne dediščine izginila iz spomina.<br />
Ne le zgodovinsko pisanje, tudi književnost<br />
133
Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje<br />
kot medij kulturnega zaznavanja in ustvarjanja<br />
je treba analizirati. Za primer je tukaj naveden<br />
Peter Rosegger, ne nazadnje zaradi pomena<br />
njegove osebe same, ki podpira identiteto.<br />
Odlično ponazarja, kako navidezno<br />
dobronamerna opažanja prenašajo<br />
podcenjevalno podobo. V njegovem potopisu<br />
„Am Wanderstabe“ iz leta 1882 označi<br />
slovenske Štajerce za pametne, zaprte<br />
in melanholične. In: „Vtisa zvestosrčne<br />
dobrodušnosti nemških Štajercev tukaj ni več<br />
mogoče občutiti.“ 25 Vendar ima Rosegger – v<br />
smislu „rase“ – vpliv Slovencev na prebivalce<br />
Srednje Štajerske za enoznačno negativnega:<br />
„Tako je tudi bolj nebogljen in lenoben v<br />
svojem duhovnem življenju… Duhovni<br />
pijači, ki jo tukaj pridobivajo iz sadja in<br />
grozdja, se pripisuje krivda; gotovo pa delujejo<br />
tudi drugi dejavniki – predvsem mogoče<br />
neposredno sosedstvo tujih narodov, kot so<br />
Slovani, Madžari, Romani – tega nočemo<br />
tukaj natančneje raziskovati.“ 26 Odbor za<br />
podeljevanje Nobelove nagrade je odklonil<br />
podelitev Nobelove nagrade za književnost<br />
leta 1913 večinoma z grajo nemškonacionalnih<br />
pogledov in dejavnosti domovinskega pisatelja<br />
v prid „Južne Štajerske“ („Südmark“). 27<br />
Kulturna dediščina je vprašanje zavesti.<br />
Slovanska dediščina na avstrijskem Štajerskem<br />
je večidel utonila v pozabo in bila izpodrinjena.<br />
Polaščanje jezika v nacionalnem smislu in<br />
prizadevanja, da bi ga uničili s homogenizacijo<br />
in razmejevanjem, se je izražalo v obsežnem<br />
iztrebljanju vsakršnih kulturnih povezav<br />
dvo- in večjezičnosti, ki so jih imeli za<br />
nezaželene in celo ogrožujoče. Omejitev<br />
jezika na obvezno standardizirano obliko,<br />
namesto da bi se upoštevale njegove krajevne<br />
različice kot kulturna dediščina ravno v<br />
nenacionalnem smislu, se je konec koncev<br />
134<br />
OPOMBE<br />
1 Judson, Peter M.: Versuche um 1900 die Sprachgrenze sichtbar zu machen.<br />
V: Csaky, Moritz; Stachel Peter (Hg.): Die Verortung von Gedächtnis. Dunaj<br />
2001, 164f.<br />
2 Giesen, B.: Nationale und kulturelle Identität. Studien zur Entwicklung des<br />
kollektiven Bewußtseins d. Neuzeit. Frankfurt/M.: 19912, str. 126. In: Haller,<br />
M.: Identität und Nationalstolz der Österreicher: gesellschaftliche Ursachen<br />
und Funktionen. Dunaj: 1996.<br />
3 Trummer, Manfred: Slawische Steiermark. V: Stenner, Christian (Hg.):<br />
Slawische Steiermark. Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten.<br />
Dunaj – Köln – Weimar. 1997, 17.<br />
4 Hermanik, Klaus Jürgen, Promitzer, Christian (Hg.): Grenzenlos<br />
zweisprachig. Die Erinnerungen des Keuschlersohnes Anton Šantel (1845-<br />
1920) an seine Kindheit in Leutschach und Jugend in Marburg. Aus dem<br />
Slowenischen von Andrea Haberl-Zemljič. Gradec, 2002, 38.<br />
5 http://members.a1.net/edze/reader/slawstmk.htm, 12. 2003.<br />
6 Haberl-Zemljič, Andrea: Die fünf Dörfer auf der ungarischen Seite –<br />
Historische, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedingungen des<br />
Sprachwechsels in der Gemeinde Radkersburg-Umgebung 1848-1997.<br />
Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde an der Geisteswis<br />
senschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. Eingereicht<br />
Juli 1997, 138 ff.<br />
7 Ebda., 146 ff.<br />
8 Christian Promitzer: Das Ideal vom „reinen Volkskörper“. Eine Chronologie<br />
des Verschwindens. V: Stenner 1997, 148 f.<br />
9 Promitzer, Christian: Verlorene Brüder. Geschichte der zweisprachigen<br />
Region Leutschach in der südlichen Steiermark (19.-20. Jahrhundert).<br />
Gradec, 1996, 286 ff.<br />
10 Ebda., 32.<br />
11 Glej Promitzer 1996, 340 f, 350 f, Haberl-Zemljič 1997, 187.<br />
12 Haberl-Zemljič 1997, 184, 191.<br />
13 Hermanik, Klaus Jürgen: The (hidden) Slovene minority in Austrian<br />
Styria – including examples of Soboth region at the Austrian-Slovenian<br />
border. TUAC-Conference: The Unifying Aspects of Cultures Vienna, 7.-<br />
9.November 2003, 12, in tudi: Moser, Johannes, Katschnig-Fasch Elisabeth<br />
(Hg.): Blatten. Ein Dorf an der Grenze. („Kuckuck“, Sonderband 2) Graz,<br />
1992.<br />
14 Moser, Katschnig-Fasch 1992<br />
15 Wartinger, Joseph, Kurzgefasste Geschichte der Steiermark. Gradec 1815.<br />
16 Ebda, 1815, 31f.<br />
17 Muchar, Albert: Geschichte des Herzogthums Steiermark. Bd. I-III. Gradec,<br />
1844, Bd. I: „Štajersko prebivalstvo je bogato obdarjeno z najboljšimi<br />
značilnostmi odličnih kreposti in dejanj; njihov značaj je – pri nekaterih<br />
tegobah – v celoti žlahten in vreden občudovanja.“<br />
18 Ebda., Bd. III., 83.<br />
19 Pirchegger, Hans: Geschichte der Steiermark. Mit besonderer Rücksicht<br />
auf das Kulturleben. Gradec, 1949, 252.<br />
20 Gebler, Wilhelm iz: Geschichte des Herzogtums Steiermark von den<br />
ältesten Zeiten bis auf unsere Tage. Gradec, 1862, 42.<br />
21 Ebda., 3.<br />
22 Pirchegger, Hans: Geschichte der Steiermark 1282-1740. Graz – Wien –<br />
Leibnitz 1931.<br />
23 Pirchegger 1949, 9.<br />
24 Pirm. npr. Karner, Stefan: Die Steiermark im 20. Jahrhundert. Gradec,<br />
Dunaj Köln 2000, 133.<br />
25 Citirano po: Janko, Anton: Das Slowenenbild in Peter Roseggers<br />
Reisebeschreibungen. In: Peter Vodopedic u. a. (Hg): Kulturelle<br />
Wechselseitigkeit. O.o. 1995, 201.<br />
26 Citirano po Janko, 199.<br />
27 Zitzenbacher, Walter (Hg.): Landeschronik Steiermark. Dunaj – München<br />
1988, 303.
Kalt-Warm<br />
Jugendliche dokumentieren den Thermentourismus<br />
� Text: Robert Muscherlin<br />
Kalt-Warm<br />
Wasserplätschern, Schwimmbad-Atmosphäre, Jung und Alt in Bademode … und das alles mitten<br />
im steirischen Winter? Eine Ausstellung im Pavel-Haus machte dies im vergangenen Jahr möglich<br />
und entführte die interessierten Besucher in die Thermenlandschaften der steirisch-slowenischen<br />
Grenzregion. Ob unsere Thermen heute Orte einer interkulturellen Begegnung und sozialen<br />
Durchmischung sind, welches Selbstbild die dortigen Gastgeber transportieren, und wie die Jugendlichen<br />
der Region den Thermen- und Gesundheitstourismus bewerten, waren die inhaltlichen<br />
Fragestellungen, die das Projekt Kalt-Warm – eine Kooperation zwischen dem Pavel-Haus in Laafeld,<br />
dem Jugendzentrum HOUSE in Mureck und dem Jugendzentrum ŠMOCL in Laško – aufwerfen<br />
wollte. Diesen Fragen ist eine achtköpfige Gruppe von Jugendlichen aus der steirisch-slowenischen<br />
Grenzregion an Ort und Stelle nachgegangen und hat alles mit Foto- und Videoaufnahmen dokumentiert:<br />
Der Blick der Jungen auf eine Erscheinung, die vor allem die Älteren anzieht.<br />
Die acht Jugendlichen, die mit ihren Interviews und ihrem fotografischen Blick Szenen aus den<br />
Thermenlandschaften eingefangen haben, kamen aus den Jugendzentren von Laško und Mureck.<br />
Für die Besuche und Befragungen vor Ort wurden Thermen aus dem näheren Umkreis der Jugendlichen<br />
ausgewählt, und es wurde darauf geachtet, neben Thermenorten mit längerer Tradition<br />
(z. B. Rogaška, Bad Gleichenberg, Laško) auch Thermen vorzustellen, die erst in der Nachkriegszeit<br />
entstanden sind (Olimia, Bad Radkersburg). Als weiteres Kriterium galten die unterschiedlichen<br />
inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der Thermen (Kurbetrieb und Rehabilitation einerseits, Wellness<br />
und Prävention andererseits sowie die zunehmende Angebotsspezialisierung). Helfbrunn als<br />
Wallfahrtsort mit Heilquelle komplettiert den thematischen Hintergrund.<br />
Die Besuche selbst, die im Oktober 2004 stattgefunden haben, folgten einem einheitlichen Leitfaden.<br />
Nach einer Führung durch den Thermen-, Hotel- und Kurbetrieb wurden die Vertreter/innen<br />
der Thermenbetriebe um die Beantwortung eines Fragenkatalogs gebeten, in der Folge wurden<br />
in- und außerhalb der Thermen Gäste interviewt, Einheimische wie „Fremde“. Dabei wurden alle<br />
Interviews von den Jugendlichen geführt und technisch von einem Profi (Ausstattung, Ton und<br />
Kameraführung) begleitet. Mit Fotos wurden schließlich jene Details festgehalten, die den Jugendlichen<br />
als bemerkenswert oder typisch erschienen. Aber auch die jungen Akteure hatten einen Fra-<br />
135
Kalt-Warm<br />
136
genkatalog zu beantworten, der als Grundlage<br />
für die Schlussbewertung des Projekts diente.<br />
In der Konzeption des Projekts ging man noch<br />
davon aus, einen Widerspruch zu dokumentieren:<br />
Nämlich den zwischen der älteren<br />
Generation, die oft von weit her anreist, um<br />
die Angebote der Thermen und des Gesundheitstourismus<br />
zu nutzen, und den Jüngeren,<br />
die in der Thermenregion ansässig sind. Denn<br />
die Vermutung lag nahe, dass die Anziehungskraft<br />
der Thermen für die Jugendlichen nicht<br />
nachvollziehbar ist. „Nun, wer weiß, vielleicht<br />
werden wir auch bald in das Alter kommen,<br />
wo wir in irgendwelche Thermen fahren, weil<br />
wir hoffen, dort von unseren Wehwehchen befreit<br />
zu werden …“<br />
Diese Aussage einer Jugendlichen spiegelt wider,<br />
dass diese Attraktivität, im Sinne der kurativen<br />
Wirkung einzelner Heil- und Thermalquellen,<br />
für sie durchaus verständlich ist.<br />
Darüber hinaus – und das vielleicht doch einigermaßen<br />
überraschend – konnte im Rahmen<br />
des Projekts Kalt-Warm dokumentiert werden,<br />
dass auch die Jugendlichen konkretes Interesse<br />
an den Angeboten der Thermalbäder haben.<br />
Die Indikationen der einzelnen Thermen war<br />
ihnen dabei natürlich egal: Spaß und Aktivität<br />
einerseits, Wohlbefinden und Entspannung<br />
andererseits – das sind die Kriterien, die ihnen<br />
als wesentlich erschienen. Entsprechend positiv<br />
bewerteten sie Thermenanlagen, die genügend<br />
Angebote und entsprechende räumliche<br />
Ressourcen in diesen Bereichen aufweisen<br />
konnten.<br />
Besonders den in der Region ansässigen Jugendlichen<br />
sollte man noch einen weiteren<br />
Stellenwert einräumen, und zwar in der Angebotsentwicklung<br />
selbst. Eine Mehrheit der<br />
teilnehmenden Jugendlichen zeigte Interesse<br />
am „Arbeitsmarkt Gesundheitstourismus“. Ar-<br />
Kalt-Warm<br />
beit mit Menschen, Abwechslung, Aufstiegschancen<br />
und Internationalität waren Kriterien,<br />
die dabei im Blickfeld standen – noch vor<br />
der Nennung konkreter Berufsbilder.<br />
Somit ist die Position der Jugendlichen im Gesundheitstourismus<br />
von zwei verschiedenen<br />
Seiten zu beurteilen: als neue und eventuell<br />
auch künftige Nutzer der Angebote der steirischen<br />
und slowenischen Thermen einerseits,<br />
als kreatives Potential in der Entwicklung neuer<br />
und weiterführender Angebote des Gesundheitstourismus<br />
andererseits.<br />
Projektpartnerschaften im interregionalen<br />
Kontext. Im Rahmen des Strukturförderprogramms<br />
INTERREG IIIA werden Projekte<br />
gefördert, die die Entwicklungsgrundlagen in<br />
den Grenzregionen verbessern, wobei vor allem<br />
auf eine neue Qualität der Zusammenarbeit<br />
über die Grenzen und somit auf eine Nutzung<br />
der gemeinsamen Stärken und Potentiale<br />
gesetzt wird. Das Pavel-Haus nimmt hier seine<br />
Rolle als wichtiger Verteilerpunkt für Informationen<br />
und als Koordinationsstelle für den<br />
Ausbau von Synergien wahr und unterstützt<br />
insgesamt drei verschiedene INTERREG IIIA-<br />
Aktivitäten – zwei aus Österreich, eine aus Slowenien<br />
–, die hier näher vorgestellt werden.<br />
Jugend – Grenze – Identität. Das Jugendzentrum<br />
HOUSE Mureck initiierte mit Jugend<br />
– Grenze – Identität im Herbst 2002 ein Interreg-Projekt,<br />
dem es um die Vernetzung der<br />
Jugendlichen der Grenzregion Steiermark-<br />
Nordostslowenien geht. Im Rahmen von Teilprojekten<br />
und Kooperationen wie Kalt-Warm,<br />
aber vor allem mit seiner zweisprachigen Webseite<br />
www.potitzen.at wird versucht, Jugendliche<br />
über Veranstaltungen und Attraktionen<br />
jenseits der Grenze zu informieren und die in<br />
137
Kalt-Warm<br />
138
der Region aktiven Jugendorganisationen, Bildungseinrichtungen<br />
und Kulturzentren vorzustellen.<br />
Im „Denken über die Grenze“ sieht dieses<br />
Projekt damit ein probates Motto für das<br />
künftige Handeln in der Grenzregion.<br />
REGIO ART. Um gestalterische Kreativität<br />
und fachlichen Austausch zwischen jungen<br />
Künstlern/innen und bestehenden Kulturinstitutionen<br />
geht es bei REGIO ART. Im vom<br />
Jugend- und Kulturzentrum Mladinski kulturni<br />
center Maribor im Jänner 2005 begonnenen Interreg-Projekt<br />
geht es neben dem Aufbau einer<br />
besseren Kommunikation vor allem um die<br />
Ausgangspunkte der verschiedenen Jugendkultur-Identitäten<br />
in der österreichisch-slowenischen<br />
Grenzregion mit Projektpartnern von<br />
Klagenfurt (Celovec) bis ins Prekmurje (Übermurgebiet).<br />
Neben dem Aufbau eines „kulturellen Inkubators”<br />
als regionales Informationszentrum zur<br />
Jugendkultur im Stadtzentrum von Maribor<br />
gibt es eine Vielzahl von Projektreihen, Wanderausstellungen,<br />
Symposien und Veranstaltungen:<br />
Im Teilproket TOPOS besuchte ein bilaterales<br />
Expertenteam von Kulturanthropologinnen,<br />
Künstlern, Architekten und einer Soziologin<br />
von Mai bis Juni 2005 sieben Städte des<br />
Grenzgebiets und analysierte die von den Jugendlichen<br />
frequentierten Plätze, Räume und<br />
Institutionen auf ihre Qualitäten, Besonderheiten,<br />
Problemstellungen sowie ihre möglichen<br />
Entwicklungspotentiale. Die Ergebnisse<br />
dieser Forschungsreihe wurden im Herbst<br />
2005 in Maribor präsentiert.<br />
Bis Ende Jänner 2006 läuft der im Rahmen<br />
dieses Interreg-Projekts ausgeschriebene internationale<br />
Fotowettbewerb „Gesichter der Roma“.<br />
Teilnehmen können junge Fotografen/innen<br />
Kalt-Warm<br />
bis zum 30. Lebensjahr. Sie sollen mit ihren<br />
Arbeiten den Alltag einer Minderheit festhalten,<br />
die dies- und jenseits der Grenze anzutreffen<br />
ist. Die eingesandten Arbeiten werden<br />
prämiert und gehen ab März 2006 auf eine<br />
Wanderausstellung von Murska Sobota und<br />
Bad Radkersburg über Ptuj und Graz bis nach<br />
Klagenfurt (Celovec) und Maribor.<br />
REGIO ART richtet sich vor allem an das<br />
junge kreative Potential in der Grenzregion,<br />
das sich – als Hobby oder im Rahmen seiner<br />
Ausbildung – mit verschiedenen Kunsttechniken<br />
und Kultur im Allgemeinen auseinander<br />
setzt, aber auch an Kulturarbeiter/innen in der<br />
Grenzregion und deren Regionalzentren sowie<br />
an Multiplikatoren/innen in Bildungseinrichtungen<br />
und an die interessierte Öffentlichkeit.<br />
Auch den Jugendzentren in der Grenzregion<br />
soll mit diesem Projekt, das bis Herbst 2007<br />
läuft, eine fachliche Unterstützung zur Förderung<br />
jugendkultureller Kreativität und Innovation<br />
angeboten werden.<br />
InterRegion – Region der Vielfalt. Der Artikel<br />
13 der EU-Verfassung verbietet die Diskriminierung<br />
von Minderheiten und sieht den Umgang<br />
mit kultureller Vielfalt als wichtigen Auftrag<br />
für alle EU-Mitgliedsstaaten und als künftige<br />
Herausforderung der Europäischen Union, bestehende<br />
Probleme im Sinne eines friedlichen<br />
Zusammenlebens auf einer gemeinsamen europäischen<br />
Ebene zu lösen.<br />
Hinter diesem gesellschaftlichen Auftrag der<br />
Europäischen Union nach einer „Cultural Diversity“<br />
steht noch ein andere, ganz wesentliche<br />
Herausforderung: Der Aufbau einer<br />
gemeinsamen Identität aller EU-Staatsbürger/<br />
innen innerhalb der Staatengemeinschaft.<br />
In diesem Sinne, umgelegt auf die Grenzregion<br />
Steiermark-Nordostslowenien, ist auch das<br />
139
Kalt-Warm<br />
140
vom Grazer Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit<br />
– CLIO initiierte Interreg-Projekt Interregion<br />
– Region der Vielfalt zu verstehen.<br />
Zur Förderung der Synergieeffekte gemeinsamer<br />
wirtschaftlicher und touristischer Entwicklungpotentiale<br />
dieser Region ist nach<br />
Meinung der Projektautoren gerade im kommunikativen<br />
und kulturell determinierten<br />
Konfliktbereich ein Aufbau von Kompetenz,<br />
der mit einer Vernetzung der einzelnen Organisationen<br />
beiderseits der Grenze einhergeht,<br />
erforderlich. Es gilt, noch bestehende Berührungsängste<br />
und Konfliktpotenziale zu minimieren,<br />
die einer erfolgreichen Regionalentwicklung<br />
entgegenstehen.<br />
Mit verschiedenen Maßnahmen, wie einem<br />
zweisprachigen Lehrgang im Bereich des „Diversity<br />
Managements“, Workshops, Informationsveranstaltungen,<br />
einer Internetplattform<br />
und der gezielten Unterstützung von Gemeindeverwaltungen<br />
will InterRegion – Region der<br />
Vielfalt dazu beitragen, den Umgang der Kulturen<br />
miteinander und Mehrfachidentitäten<br />
als Herausforderung und Chance für die gemeinsame<br />
Region Steiermark/Štajerska bzw.<br />
Slowenien zu begreifen. Darüber hinaus will<br />
es den regionalen Austausch fördern und eine<br />
gemeinsame regionale Identität stärken.<br />
Das Projekt, das im Juni 2005 begonnen hat<br />
und bis Mai 2007 läuft, richtet sich an Jugendliche,<br />
Jugendarbeiter/innen, Lehrer/innen<br />
und Multiplikator/inn/en in der Jugend- und<br />
Schularbeit sowie Akteure und Akteurinnen<br />
im Bereich Wirtschaft, kommunale Politik<br />
und Verwaltung. Hier soll eine Profilbildung<br />
und Leitbildentwicklung für Unternehmen,<br />
Gemeinden bzw. Bezirke stattfinden (Gemeinden/Bezirke<br />
der Vielfalt) und die Annäherung<br />
und Kommunikation zwischen verschiedenen<br />
Kulturen im Rahmen von Prozessmode-<br />
Kalt-Warm<br />
rationen und eines unterstützenden Projektoachings<br />
begleitet werden.<br />
141
Kalt-Warm<br />
142
Toplo-Hladno<br />
Mladina dokumentira termalni turizem<br />
Čofotanje po vodi, atmosfera v kopališču,<br />
mladi in stari v kopalkah … in vse to sredi<br />
štajerske zime? Vse to je preteklega leta<br />
omogočila razstava v Pavlovi hiši in popeljala<br />
zainteresirano publiko v tremalno ponudbo<br />
štajersko-slovenske obmejne regije.<br />
Ali so danes naša termalna kopališča prostori<br />
interkulturne in socialne izmenjave, kakšno<br />
samopodobo ponujajo tamkajšnji gostitelji in<br />
kako ocenjuje tamkajšnja mladina termalni<br />
in zdraviliški turizem, so bila vsebinska<br />
vprašanja, ki so sprožila projekt „Toplo-<br />
Hladno“ – v kooperaciji med Pavlovo hišo v<br />
Potrni in Mladinskim centrom ŠMOCL iz<br />
Laškega. Na kraju samem je tem vprašanjem<br />
sledila 8-članska mladinska skupina iz štajerske<br />
in slovenske obmejne regije, jih dokumentirala<br />
s fotografijami in videom ter na jih v bistvenih<br />
osnovnih značilnostih tudi odgovorila: pogled<br />
mladine na fenomen, ki zajema oz. obkroža<br />
predvsem starejše. 8 zainteresiranih mladih, ki<br />
so s svojimi intervjuji in svojim fotografskim<br />
pogledom za nas ujeli prizore iz termalnih<br />
ponudb, je prišlo iz mladinskih centrov Laško<br />
in Cmurek. Za obisk in anketiranje na kraju<br />
samem so bila izbrana termalna kopališča iz<br />
okolice, od koder prihaja mladina, pri tem pa<br />
je bila pozornost usmerjena v predstavitev ne<br />
le tradicionalnih termalnih krajev z dolgoletno<br />
zgodovino (npr. Rogaška, Bad Gleichenberg,<br />
Laško), temveč tudi termalna kopališča, ki so<br />
nastala šele po drugi svetovni vojni (Olimia,<br />
Bad Radkersburg). Kot nadaljnji kriterij so<br />
veljala različna ponudbena težiščna term<br />
(zdraviliška ponudba in rehabilitacija na eni<br />
strani, wellness in preventiva na drugi strani,<br />
kot tudi naraščajoča specializacija ponudbe).<br />
Toplo-Hladno<br />
Helfbrunn kot romarska pot k zdravilnemu<br />
vrelcu pa zaokroža tematsko ozadje.<br />
Obiski sami, izvedeni oktobra 2004, sledijo<br />
enotnemu vzorcu: po vodenju skozi termalni,<br />
hotelski in zdraviliški kompleks so bili<br />
predstavniki/ce term naprošeni odgovoriti<br />
na katalog vprašanj, nato so bili anketirani<br />
gostje termalnega kopališča in dnevni gostje,<br />
tako domači kot „tuji“. Pri tem je intervjuje<br />
izvedla mladina sama, ob tehnični pomoči<br />
profesionalca (oprema, svetovanje pri zvočni<br />
in filmski obdelavi). S fotografijami so bili<br />
končno zabeleženi tudi tisti detajli, ki jih je<br />
mladina izbrala za izredne ali tipične. Toda:<br />
tudi mladi akterji so bili izpostavljeni katalogu<br />
vprašanj, ki so služila kot osnova za končno<br />
oceno oz. rezultat projekta.<br />
V konceptu projekta smo izhajali še iz<br />
predpostavke, da bomo dokumentirali<br />
protislovje: namreč protislovje med starejšo<br />
generacijo, ki pogosto pripotuje tudi od daleč,<br />
da bi izkoristila termalno in zdraviliško<br />
ponudbo, in mlajšimi, ki v tistih krajih živijo.<br />
Domneva je bila namreč, da mladina te<br />
„privlačne sile“ termalnih kompleksov ne bo<br />
mogla podoživeti.<br />
„No, kdo ve, morda bomo tudi mi kmalu prišli<br />
v starost, ko se bomo vozili v kakšne terme,<br />
saj bomo upali, da bomo tam pozdravili naše<br />
težave…“ Izjava nekega mladega zrcali podobo<br />
atraktivnosti v smislu kurativnega delovanja<br />
posamičnih zdraviliških in termalnih virov,<br />
kar je zanj povsem razumljivo. Vrh tega in<br />
morda nekoliko presenetljivo je bilo mogoče v<br />
okviru projekta „Toplo-Hladno“ dokumentirati,<br />
da se tudi mladina konkretno zanima za<br />
ponudbo termalnih kopališč. Za indikatorje<br />
posameznih termalnih kompleksov jim je<br />
bilo seveda vseeno: zabava in aktivnosti<br />
na eni strani – dobro počutje in sprostitev<br />
143
Toplo-Hladno<br />
na drugi strani, so kriteriji, ki se jim zdijo<br />
bistveni. V skladu s tem pozitivno ocenjujejo<br />
termalne komplekse, ki ponujajo zadovoljivo<br />
število takšnih prostorskih virov. Predvsem<br />
mladini iz takšne regije je potrebno priznati<br />
še eno vlogo: namreč razvoj ponudbe kot take.<br />
Večina sodelujočih mladih je pokazala interes<br />
za delovno področje „zdraviliškega turizma”.<br />
Delo z ljudmi, raznolikost dela, možnost<br />
napredovanja in internacionalnost so bili<br />
kriteriji, ki so bili zorno polje – še pred omembo<br />
konkretnih poklicev. Potemtakem je položaj<br />
mladine v zdraviliškem turizmu potrebno<br />
vrednotiti iz dveh različnih strani: kot nove oz.<br />
naslednje uporabnike ponudb naših štajerskih<br />
in slovenskih termalnih kopališč in kot<br />
kreativni potencial za razvoj novih razširjenih<br />
ponudb zdraviliškega turizma.<br />
144<br />
Projektni partnerji v medregionalnem<br />
kontekstu. V okviru strukturnega<br />
pospeševalnega programa Interreg IIIa<br />
so dotirani projekti, ki ponujajo razvojne<br />
možnosti obmejnih regij – pri čemer je<br />
poudarek predvsem na novi kvaliteti skupnega<br />
dela preko meje in s tem v uporabi skupnih<br />
moči in potencialov. <strong>Pavlova</strong> hiša prevzema<br />
v tem kontekstu vlogo pomembnega stičišča<br />
za informacije in izgradnjo sinergij in podpira<br />
skupno tri različne aktivnosti Interreg IIIa –<br />
dve iz Avstrije, eno iz Slovenije –, ki jih bomo<br />
tukaj podrobneje predstavili.<br />
Mladina-Meja-Identiteta. Mladinski center<br />
HOUSE iz Cmureka je v jeseni leta 2002 s<br />
projektom „Mladina-Meja-Identiteta“ iniciiral<br />
Interreg projekt, ki skrbi za informiranje
mladine v obmejni regiji avstrijske Štajerske in<br />
severovzhodne Slovenije. V okviru subprojektov<br />
in kooperacij, kot je „Toplo-Hladno“, predvsem<br />
pa s svojo dvojezično spletno stranjo www.<br />
potica.at, poskušajo informirati mladino<br />
o dogodkih in posebnostih na drugi strani<br />
meje ter predstaviti v regiji aktivne mladinske<br />
organizacije, izobraževalne in kulturne centre.<br />
Z motom „Misliti čez mejo“ se kaže ta projekt<br />
kot preizkušen za bodoče delo v regiji. Nosilec<br />
projekta: Jugend- und Kulturzentrum HOUSE<br />
Mureck<br />
Regio Art. Oblikovalna kreativnost in<br />
strokovna izmenjava med mladimi umetniki/<br />
cami in obstoječimi kulturnimi institucijami<br />
sta poudarka projekta „REGIO ART”. V<br />
Interreg projektu Mladinskega in kulturnega<br />
Toplo-Hladno<br />
centra iz Maribora z začetkom v januarju 2005<br />
gre, ob izgradnji boljše komunikacije, predvsem<br />
za izhodišča različnih mladinskih kulturnih<br />
identitet v avstrijsko-slovenski obmejni regiji,<br />
s partnerji od Celovca do Prekmurja.<br />
Ob izgradnji „kuturnega inkubatorja” – kot<br />
regionalnega informacijskega centra za<br />
mladinsko kulturo – v centru Maribora obstaja<br />
še niz projektov, potujočih razstav, simpozijev<br />
in prireditev.<br />
V subprojektu „Topos” je maja in junija<br />
2005 bilateralni strokovni team kulturnih<br />
antropologov, umetnikov, arhitektov in<br />
sociologinje obiskal sedem krajev obmejnega<br />
pasu in analiziral frekventirana mesta<br />
mladinskega druženja, prostore in institucije<br />
glede na njihovo kvaliteto, posebnosti, kot<br />
tudi razvojne možnostih. Rezultati tega<br />
145
Toplo-Hladno<br />
raziskovalnega niza bodo predstavljeni jeseni<br />
2005 v Mariboru.<br />
Do konca januarja 2006 poteka v okviru tega<br />
Interreg projekta internacionalni fotografski<br />
natečaj „Obrazi Romov”. Sodelujejo lahko<br />
mladi fotografi/nje do 30-ega leta starosti. S<br />
svojim delom naj bi zapisali vsakdan manjšine,<br />
ki jo je mogoče srečati na obeh straneh meje.<br />
Poslana dela bodo nagrajena in bodo marca<br />
2006 odšla na potujočo razstavo od Murske<br />
Sobote in Bad Radkersburga preko Ptuja in<br />
Gradca do Celovca in Maribora.<br />
„Regio-Art” je usmerjen predvsem na kreativni<br />
potencial mladih v obmejni regiji, ki se – kot<br />
hobi ali v okviru izobraževanja – ukvarjajo z<br />
različnimi umetniškimi tehnikami in kulturo<br />
nasploh, pa tudi na kulturne delavce/ke v<br />
obmejni regiji in njihove regionalne centre,<br />
146<br />
multiplikatorje v izobraževalnih ustanovah<br />
in zainteresirano javnost. S tem projektom, ki<br />
bo potekal do jeseni 2007, naj bi bila ponujena<br />
tudi strokovna pomoč mladinskim centrom<br />
v obmejni regiji za pospeševanje mladinske<br />
kulturne kreativnosti in inovativnosti. Nosilec<br />
projekta: Mladinski kulturni center Maribor<br />
InterRegion – Regija raznolikosti 13.<br />
člen Evropske ustave zahteva zmanjšanje<br />
predsodkov in utemeljuje ravnanje s kulturno<br />
raznolikostjo kot pomembno nalogo vseh<br />
članic Evropske unije – in kot enega bodočih<br />
izzivov unije, rešiti obstoječe probleme v smislu<br />
miroljubnega sobivanja na skupni evropski<br />
ravni.<br />
Za to družbeno nalogo evropske unije po<br />
„Cultural Diversity“ se nahaja še drug zelo
pomemben izziv: namreč pospeševati gradnjo<br />
skupne identitete vseh državljanov/k evropske<br />
skupnosti.<br />
V tem smislu, preneseno na obmejno regijo<br />
avstrijske Štajerske in severovzhodne Slovenije,<br />
je mogoče razumeti sproženi Interreg projekt<br />
„Interregion – Regija raznolikosti“ graškega<br />
društva za zgodovinsko in izobraževalno delo<br />
„CLIO“.<br />
Kot podpora za sinergijske efekte skupnih<br />
gospodarskih in turističnih razvojnih<br />
potencialov te regije je potrebno po<br />
mnenju avtorjev projekta iti z roko v<br />
roki s komunikativnimi in kulturno<br />
determiniranimi konfliktnimi področji<br />
do izgradnje kompetence, ki bi omogočala<br />
povezavo posameznih organizacij na obeh<br />
straneh meje. Velja minimirati še obstoječi<br />
Toplo-Hladno<br />
strah pred stikom in konfliktne potenciale,<br />
ki nasprotujejo uspešnemu regionalnemu<br />
razvoju.Z različnimi ukrepi, kot so dvojezični<br />
tečaji na področju „Diversity Managementa“,<br />
z delavnicami, informacijskimi prireditvami,<br />
internetno platformo in ciljno usmerjeno<br />
podporo občinskim upravam, želi „InterRegion<br />
– Regija raznolikosti“ pripomoči k kulturnemu<br />
medsebojnemu druženju in k razumevanju<br />
večkratnih identitet kot izzivu in priložnosti<br />
za skupno regijo – Steiermark/Štajerska oz.<br />
Slovenija. Vrh tega želi podpirati regionalno<br />
izmenjavo in krepiti skupno regionalno<br />
identiteto.<br />
Projekt, ki se je začel junija 2005 in bo potekal<br />
do maja 2007, se obrača na mladino, mladinske<br />
delavce/ke, učitelje/ice in multiplikatorje na<br />
področju mladinskega in šolskega dela ter<br />
147
Toplo-Hladno<br />
na akterje/ke iz gospodarstva, komunalne<br />
politike in uprave. Nastal naj bi karakterističen<br />
profil in zgledni razvoj za podjetja, občine<br />
oz. okraje („Občine/Okraji raznolikosti“), ob<br />
spremljanju kontaktov in komunikacije med<br />
148<br />
različnimi kulturami v okviru moderacij in<br />
ob pomoči projektenega koachinga. Nosilec<br />
projekta: CLIO – Verein für Geschichts- und<br />
Bildungsarbeit<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Robert Muscherlin<br />
Dipl. Ing. Robert Muscherlin arbeitet als Kulturmanager<br />
in vielen interkulturellen Projekten<br />
zwischen Österreich und Slowenien. – Robert<br />
Muscherlin sodeluje pri raznih interkulturnih<br />
projektih med Avstrijo in Slovenijo kot kulturni<br />
menedžer.
Graz im slowenischen Volkslied<br />
Die Steiermark und ihre Nachbarn<br />
� Text: Erich Prunč<br />
Schon bei einer oberflächlichen Durchsicht der größten Sammlung slowenischer Volkslieder (Slovenske<br />
narodne pesmi, Ljubljana 1900-1903), die der bedeutende Grazer Slawist Univ. Prof. Dr.<br />
Karl Strekelj herausgab, fällt uns auf, dass Graz neben Laibach und Wien unter den in den Liedtexten<br />
erwähnten Städten am häufigsten (an die fünfzigmal) aufscheint. Als immer wiederkehrendes,<br />
unterscheidendes Attribut tritt hiebei das Eigenschaftswort „nemski“-„deutsch“ auf, was wohl<br />
darauf hinweist, dass Graz zunächst als konkrete geographische Gegebenheit aufgefasst wurde:<br />
Auf die Rolle, die das Grazer Theologenseminar und später die Universität als kulturelle Strahlungszentren<br />
für den südsteirischen und weiterhin slowenischen Raum gespielt hatten, weist das<br />
im epischen Volkslied in zahlreichen Varianten erscheinende Motiv des (meist unglücklichen oder<br />
sterbenden) Studenten bzw. Neupriesters hin, das ausschließlich in Graz lokalisiert wird.<br />
Ti imaš že dva sinka, Du hast schon zwei Söhne<br />
V Nemškinu gradcu sta, beide im deutschen Graz,<br />
Eden bo novo mašo bral, Der eine wird die Messe lesen,<br />
Bo mater z’vic jemal. die Mutter aus dem Fegefeuer nehmen.<br />
Oder:<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Erich Prunč<br />
Graz im slowenischen Volkslied<br />
O.Univ.-Prof. Dr. Erich Prunč, Leiter des Institut<br />
für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft<br />
an der Karl-Franzens-<br />
Universität Graz – univ. prof. Dr. Erick Prunč,<br />
predstojnik Inštituta za teoretično in uporabno<br />
prevajalsko znanost na Karl-Franzens-Universität<br />
iz Gradca<br />
Prišlo je pismo z Gradca, Kam ein Brief aus Graz<br />
Odbetežnega šolarja, vom armen Scholaren,<br />
Poslala ga je mlada gospa, schickt ihn eine junge Frau,<br />
Kaj bi ti, oče, v Gradec šla… du mögest, Vater, nach Graz hin fahren…<br />
Als Handels- und Umschlagplatz (vor allem für Wein) erweist sich Graz in den Fuhrmannsliedern,<br />
die meist das Motiv des untreuen Geliebten zum Vorwurf haben:<br />
149
Graz im slowenischen Volkslied<br />
Ena ptičca perletela Kam ein Vöglein geflogen<br />
S tega Gradca Nemškiga, Aus dem deutschen Graz,<br />
Per volki cesti obsedela, Setzt sich an der großen Straße nieder,<br />
Ker Furmani ainkeraje… Wo die Fuhrleut’ Einkehr halten…<br />
Oder des verführerischen Stadtmädchens:<br />
V Gradcu na placu In Graz am Platz,<br />
Mesarjeva hči die Fleischertochter<br />
Mi je pošto poslala hat mit Post geschickt,<br />
Da sama leži. dass sie alleine liegt.<br />
Wohl die wichtigste Rolle für den südslawischen Raum hatte Graz seit 1577 als militärisches Zentrum,<br />
und zwar als oberste Kommandostelle für die Militärgrenze, inne. Deshalb wird auch Graz<br />
als militärisches Zentrum- neben Ljubljana und Klagenfurt (Celovec) als militärische Sammelpunkte-<br />
am häufigsten genannt:<br />
Bom pečo pokrila, Das Kopftuch werde ich anlegen<br />
U Ljubljano bopm šla, und nach Laibach gehen,<br />
Da bom šocelna vidla um meinen Schatz zu sehen,<br />
K’u Gradec pomaršira. Wie er nach Graz marschiert.<br />
Oder:<br />
Od Celovca do Gradca Von Klagenfurt nach Graz<br />
Je zajža moja, führt die Reise mein,<br />
Ta svetla mušketa und die blitzende Muskete<br />
Je dečla moja! Ist mein Mägdelein!<br />
Mit zunehmender geographischer Entfernung aber verliert die Vorstellung der Stadt immer mehr<br />
ihre Konturen (wobei ein Zug zum Wunderbaren nicht zu verkennen ist) und ihren konkreten<br />
historisch-geographischen Begriffsinhalt; sie wird zu einer reinen Metapher und kann in den einzelnen<br />
Varianten des Liedes durch jede andere Stadt, deren Namne sich in das rhythmische Gerüst<br />
des Liedes einfügt, ersetzt werden:<br />
V Gradcu so dekleta take, Dort in Graz sind solche Mädchen,<br />
Ki imajo rinčke zlate: dass sie goldne Ringe tragen,<br />
Se še svetijo kakor luč, und sie glänzen wie ein Licht,<br />
Da fantom ni pretemna noč. Die Nacht den Burschen nicht dunkel ist.<br />
150
Diese wenigen Beispiele aus einer Fülle von Material zeigen uns, dass sich neben dieser allgemeinen<br />
metaphorischen Verwendung im slowenischen Volkslied, »der literarischen Früh- und Intimsschichte<br />
eines Volkes«, die historische Bedeutung , die Graz als kulturelles, wirtschaftliches und politisches<br />
Strahlungszentrum für den slowenischen Raum hatte, in erstaunlich klaren Zügen spiegelt.<br />
Gradec v slovenskih narodnih pesmih<br />
Avstrijska Štajerska in njeni sosedi<br />
Že pri površnem pogledu velike zbirke slovenskih narodnih pesmi (Slovenske narodne pesmi,<br />
Ljubljana 1900–1903), ki jih je izdal pomemben graški slavist Univ. Prof. Dr. Karl Strekelj nam<br />
pade v oči, da je Gradec ob Ljubljani in Dunaju v besedilih pesmi omenjenih mest najpogosteje<br />
(okoli petdeset krat ) omenjen. Kot zmeraj ponavljajoč se, razločevalni atribut se pri tem pojavlja<br />
pridevnik „nemški“, kar najbrž kaže na to, da je Gradec sprva pojmovan kot konkretna geografska<br />
danost:<br />
Na vlogo, ki jo je imel Graški teološki seminar/Grazer Theologenseminar in kasneje Univerza kot<br />
kulturni center za južno Štajersko in tudi slovenski prostor, kaže epska ljudska pesem v številnih<br />
različicah prikazanih motivov (večinoma nesrečnih ali umirajočih) študentov oz. novomašnikov,<br />
ki so bili lokalizirani izključno v Gradcu.<br />
Ti imaš že dva sinka, Du hast schon zwei Söhne<br />
V Nemškinu gradcu sta, beide im deutschen Graz,<br />
Eden bo novo mašo bral, Der eine wird die Messe lesen,<br />
Bo mater z’vic jemal. die Mutter aus dem Fegefeuer nehmen.<br />
Ali:<br />
Gradec v slovenskih narodnih pesmih<br />
Prišlo je pismo z Gradca, Kam ein Brief aus Graz<br />
Odbetežnega šolarja, vom armen Scholaren,<br />
Poslala ga je mlada gospa, schickt ihn eine junge Frau,<br />
Kaj bi ti, oče, v Gradec šla… du mögest, Vater, nach Graz hin fahren…<br />
V furmanskih pesmih, ki imajo za motiv večinoma nezveste ljubice, je Gradec prikazan kot tržišče<br />
in pretovarališče (večinoma za Dunaj).<br />
Ena ptičca perletela Kam ein Vöglein geflogen<br />
S tega Gradca Nemškiga, Aus dem deutschen Graz,<br />
Per volki cesti obsedela, Setzt sich an der großen Straße nieder,<br />
151
Gradec v slovenskih narodnih pesmih<br />
Ker Furmani ainkeraje… Wo die Fuhrleut’ Einkehr halten…<br />
Ali motiv zapeljive mestne deklice:<br />
V Gradcu na placu In Graz am Platz,<br />
Mesarjeva hči die Fleischertochter<br />
Mi je pošto poslala hat mit Post geschickt,<br />
Da sama leži. dass sie alleine liegt.<br />
Najpomembnejšo vlogo za južnoslovanski prostor igra Gradec od 1577 kot vrhovno poveljstvo<br />
vojne krajine. Zato je Gradec kot vojaški center – ob Ljubljani in Celovcu – najpogosteje omenjen.<br />
Bom pečo pokrila, Das Kopftuch werde ich anlegen<br />
U Ljubljano bom šla, und nach Laibach gehen,<br />
Da bom šocelna vidla um meinen Schatz zu sehen,<br />
K’u Gradec pomaršira. Wie er nach Graz marschiert.<br />
Ali:<br />
Od Celovca do Gradca Von Klagenfurt nach Graz<br />
Je zajža moja, führt die Reise mein,<br />
Ta svetla mušketa und die blitzende Muskete<br />
Je dečla moja! Ist mein Mägdelein!<br />
Z vse večjo geografsko oddaljenostjo pa izgublja predstava o Gradcu zmeraj bolj na svojih obrisih (pri<br />
čemer poteze k čudovitemu ni mogoče spregledati) in njegovi konkretni zgodovinsko-geografski<br />
pojmovni vsebini; postane čista metafora, katero je mogoče v posamičnih varjantah pesmi<br />
zamenjati za vsako drugo mesto, katerega ime je mogoče vstaviti v ritmično ogrodje pesmi:<br />
V Gradcu so dekleta take, Dort in Graz sind solche Mädchen,<br />
Ki imajo rinčke zlate: dass sie goldne Ringe tragen,<br />
Se še svetijo kakor luč, und sie glänzen wie ein Licht,<br />
Da fantom ni pretemna noč. Die Nacht den Burschen nicht dunkel ist.<br />
Teh nekaj primerov iz kopice gradiva nam kaže, da se, ob splošni metaforični rabi v slovenskih<br />
narodnih pesmih, zrcali v „zgodnjih in intimnih literarnih plasteh nekega naroda“ zgodovinski<br />
pomen, ki ga je igral Gradec kot kulturni, gospodarski in politični center za slovenski prostor in<br />
ima presenetljivo jasne poteze.<br />
152
Legionäre aus dem Süden<br />
Slowenische, kroatische, serbische und bosnische Spieler bei GAK und Sturm<br />
� Text: Wolfgang Kühnelt<br />
Wenn es gut läuft, ruft man sie „Fußballgott“ und freut sich, dass sie da sind. Doch wenn die Zeiten<br />
härter und die Platzierungen in der Tabelle schlechter werden, dann fordern Zuschauer und<br />
Funktionäre, Nationaltrainer und Fernsehkommentatoren meist als erstes: Die „Jugos“ müssen<br />
weg.<br />
Ivica Osim, der Erfolgstrainer aus Sarajevo – Ivica Osim, uspešni trener iz Sarajeva<br />
Legionäre aus dem Süden<br />
153<br />
© Herbert Rienessel (www.g-a-k.at)
Legionäre aus dem Süden<br />
Spätestens seit den großen Zeiten von Ivo<br />
Vastić und Aleš Čeh sind sie nicht mehr aus<br />
dem steirischen Fußball wegzudenken, die Kicker<br />
aus Maribor, Split oder Beograd. Doch so<br />
lange wie man meinen könnte, währt die Tradition<br />
der Legionäre aus dem ehemaligen Jugoslawien<br />
noch nicht. 1963 trug sich ein Herr<br />
namens Stefan Zeković mit drei Toren in die<br />
GAK-Statistik ein, sonst ist über den Spieler<br />
aus dem damaligen Jugoslawien wenig bekannt.<br />
1964 wurden gleich drei Spieler aus<br />
dem Süden bei Sturm engagiert. Ivan Medle,<br />
Davor Grčić und Rade Ognjanović. Vier Jahre<br />
später kam Tormann Damir Grloci, bekannt<br />
durch seine eigenwilligen Kopfbedeckungen,<br />
ins schwarz-weiß gestreifte Team. Auch der<br />
GAK verstärkte sich in den 60ern mit Keepern<br />
aus Jugoslawien. Eugen Ravnić (1963) und ein<br />
Spieler aus Split namens Jurić (1965), dessen<br />
Vorname in den Untiefen des Vereinsarchivs<br />
verloren ging, waren die ersten. Zur selben<br />
Zeit begann die Ära jugoslawischer Trainer im<br />
steirischen Fußball. Milan Zevković (1964/65)<br />
und Vlado Šimunić (1969/1970) wurden allerdings<br />
beim GAK bald wieder abgelöst.<br />
Das Jahrhundert-Tor. Zoran Mišić, der von<br />
August 1969 bis Juni 1971 bei den „Rotjacken“<br />
im Tor stand, sorgte für einen der außergewöhnlichsten<br />
Zwischenfälle in der heimischen<br />
Fußballgeschichte. Am 27. Februar 1971 spielte<br />
der GAK im Stadion in der Körösistraße gegen<br />
Wattens. Nach Beginn der zweiten Halbzeit<br />
zogen die Tiroler blitzschnell vor das Grazer<br />
Tor, Siber netzte ein. In diesem Moment fiel<br />
der GAK-Verteidigung auf, dass ihr Schlussmann<br />
fehlte. Tormann Mišić kam verspätet<br />
aus der Kabine, der Treffer zählte. Am Ende gewannen<br />
die Athletiker doch noch 2:1, Othmar<br />
Behr schrieb in der Neuen Zeit vom „Jahrhun-<br />
154<br />
dert-Tor“. Neben den Goalies, die beide Grazer<br />
Klubs bevorzugt aus dem Süden verpflichteten,<br />
scheinen in den Vereinschroniken ab Ende<br />
der 60er auch erfolgreiche Feldspieler auf. Rado<br />
Slović vom GAK etwa war beim Cupfinale seines<br />
Vereins gegen Rapid im Mai 1968 mit von<br />
der Partie. Später war es Željko Kovač, der im<br />
roten Dress für sehenswerte Szenen – und vor<br />
allem für einige wichtige Tore – sorgte.<br />
Savo Superstar. Die 70er Jahre waren geprägt<br />
von großartigen Torhütern in den Diensten<br />
von Sturm und GAK. Refik Muftić ab der<br />
Saison 1974/75 bei den Schwarzen und Savo<br />
Ekmečić aus Mostar bei den Roten schrieben<br />
jeder auf seine Art Geschichte. Muftić, später<br />
auch Tormanntrainer bei Sturm, trägt auf der<br />
Stirn stolz eine Narbe, die er sich im Duell mit<br />
der Kickerlegende George Best holte. Ekmečić<br />
schuf durch seine knielangen Hosen mit der<br />
Aufschrift „S“ (für Savo) einen landesweiten<br />
Kult. Sein Teamkollege Želimir Vidović meinte<br />
in den 80er Jahren auf die Frage nach seinem<br />
Lieblingsschauspieler dann auch ohne zu<br />
zögern: „Savo Ekmečić!“ Der Torhüter stand<br />
jedoch nicht nur für Unterhaltung, sondern<br />
auch für Rekorde, die bis heute unerreicht sind.<br />
Zwischen 1978 und 1985 spielte Ekmečić permanent<br />
im GAK-Dress und brachte es auf 269<br />
Meisterschaftspartien. Damit ist er der „Legionär“<br />
mit den meisten Einsätzen bei den roten<br />
„Teufeln“ – vor dem Slowenen Aleš Čeh und<br />
dem Serben Boban Dmitrović.<br />
In den frühen 80er Jahren ging der Stern des<br />
kroatischen Sturm-Spielers Božo Bakota auf.<br />
105 Tore erzielte er in rund 200 Matches. In<br />
seiner ersten Saison 1980/81 nannte ihn die<br />
Kronenzeitung bei der Fußball-„Oscar“-Wahl<br />
in der Kategorie „Ausländer“ bereits ex aequo<br />
mit dem legendären Tschechen Antonin
Panenka an dritter Stelle. Platz 1 hatte der<br />
Sturm-Mittelfeldstratege Zvonko Breber aus<br />
Maribor inne. In der darauf folgenden Spielzeit<br />
wurde Bakota mit 24 Treffern vor dem Rapid-<br />
Goleador Hans Krankl, dem Innsbrucker Koreimann<br />
und dem Austrianer Gasselich zum<br />
Schützenkönig der Liga. Sturm-Coach war<br />
von März 1980 bis Juni 1982 erstmals der Kroate<br />
Oto Barić. In seiner ersten Amtszeit überwinterte<br />
Sturm als erster steirischer Verein<br />
als Führender in der obersten Liga, am Ende<br />
reichte es nach einer Niederlage in der letzten<br />
Runde gegen den großen Rivalen Rapid immerhin<br />
noch zum Vize-Meistertitel. Im Jahr<br />
darauf kam Sturm jedoch nur mehr auf Rang<br />
6. Der zweite Versuch mit Barić als Trainer endete<br />
weniger glorreich. Am Ende der Saison<br />
1988/89 konnten sich die Schwarzen nicht im<br />
oberen Play-Off klassieren, Barić wurde durch<br />
Gustl Starek ersetzt.<br />
Ab 1983 spielte der bereits erwähnte Želimir<br />
Vidović im GAK-Mittelfeld. Er vereinte Kraft<br />
mit Eleganz und brachte es bis zum Jahr 1990<br />
auf beachtliche 150 Einsätze in der obersten<br />
Liga. Ende der 80er wirkten auch Bobby<br />
Goračinov und der Slowene Matjaž Kek sehr<br />
erfolgreich bei den Athletikern. Kek wurde<br />
nicht nur durch seine kunstvollen Freistöße<br />
berühmt, er vermittelte auch andere „Legionäre“<br />
wie den Verteidiger Stojadin Rajković<br />
(1991–1997) und Mittelfeldmotor Aleš Čeh<br />
(1992–2003) in die Körösistraße, die langjährige<br />
Heimat der „Rotjacken“.<br />
Die Ära der zwei Ivicas. In der Saison 1992/93<br />
trug sich erstmals ein junger Spieler aus Split<br />
namens Ivica Vastić in die Torschützenstatistik<br />
der österreichischen Liga ein. Allerdings<br />
war er noch im Dress des VSE St. Pölten zu<br />
sehen, der nicht zuletzt dank der 18 Treffer<br />
Legionäre aus dem Süden<br />
von Vastić das Meister-Play-Off schaffte. Von<br />
1994 bis 2002 streifte der Kroate dann unter<br />
der Leitung des früheren jugoslawischen Teamchefs<br />
Ivica Osim das Sturm-Trikot über. Zwei<br />
Meistertitel, drei Pokalsiege und mehrere erfolgreiche<br />
Teilnahmen in der UEFA-Champions<br />
League konnte Sturm in der Ära Osim-Vastić<br />
feiern. Die Grazer Derbies wurden in dieser<br />
Zeit vor allem durch kroatische Spieler geprägt.<br />
In der Saison 1995/96 etwa gab es ein 1:1, Torschützen<br />
Vastić und Rajković. 1997 scorte Ivo<br />
Vastić beim Eröffnungsspiel im Schwarzenegger-Stadion<br />
gleich zweimal, Sturm siegte mit<br />
4:0. Im nächsten Derby traf Tomislav Kocijan<br />
für die Schwarzen. Doch die Rache war grimmig<br />
und trug eine Glatze. 1998, 1999 und 2000<br />
entschied Igor Pamić aus Pula mehrere Stadtduelle<br />
für den GAK. In der Körösistraße gab es in<br />
der Folge noch einen herausragenden Moment.<br />
Am 2. Juli 2003 nahm einer der treuesten GAK-<br />
Spieler nach elf Jahren Abschied: Der slowenische<br />
Internationale Aleš Čeh spielte bei einer<br />
freundschaftlichen Begegnung mit seinem neuen<br />
Klub NK Maribor sieben Minuten mit seiner<br />
Rückennummer 7, ehe er sich auf eine berührende<br />
Ehrenrunde durch das gesamte Stadion<br />
begab. Auch in der Gegenwart machen die „Legionäre“<br />
permanent von sich reden. Auf der einen<br />
Seite sorgte der Abgang von Mario Tokić<br />
für große Enttäuschung bei den GAK-Fans, andererseits<br />
bereiten die Pässe und Fehlpässe des<br />
Bosniers Samir Muratović vielen Zusehern ein<br />
Wechselbad der Gefühle. Anlass zur Bewunderung<br />
sind selbst für gegnerische Fußball-<br />
Anhänger die Dribblings des Kroaten Mario<br />
Bazina in Diensten der Roten. Bei Sturm finden<br />
sich neben Trainer Miša Petrović auch der<br />
serbische Keeper Radovan Radaković und sein<br />
Landsmann, Mittelfeldspieler Bojan Filipović.<br />
Die slowenische Tradition wird von Verteidi-<br />
155
Legionäre aus dem Süden<br />
ger Mitja Mörec fortgeführt. Bleibt noch der<br />
Serbe Boban Dmitrović zu erwähnen, der als<br />
einziger „Legionär aus dem Süden“ die Seiten<br />
wechselte, bei Sturm aber keinen Vertrag für<br />
die Saison 2005/2006 mehr bekam.<br />
Trainer aus dem Süden<br />
Oto Barić: Kroate. gleich zweimal Betreuer des<br />
SK Sturm, und zwar von März 1980 bis Juni<br />
1982 und von November 1988 bis Juli 1989.<br />
Der viel beschäftigte Trainer (u. a. Rapid und<br />
Austria Salzburg) war später auch österreichischer<br />
und dann kroatischer Teamchef.<br />
Milan Djuričić: Kroate. Sturm-Coach von<br />
Juni 1993 bis Juni 1994, danach unter anderem<br />
beim NK Osijek und bei DSV Leoben.<br />
Savo Ekmečić: Bosnier. GAK-Betreuer von<br />
September 1990 bis April 1992. Zuvor acht<br />
Jahre lang ununterbrochen Goalie im Dress<br />
des GAK.<br />
Milan Miklavič: Slowene. Coachte den GAK<br />
von April 1992 bis Oktober 1993, später auch<br />
bei Wels, Voest, Neusiedl, DSV Leoben, Rapid,<br />
Hit Gorica und NK Mura tätig.<br />
Miša Petrović: Serbe. Der ehemalige Sturm-<br />
Spieler trainiert die Mannschaft seit September<br />
2003.<br />
Ivica Osim: Bosnier. Seine „Amtszeit“ bei<br />
Sturm von Juni 1994 bis September 2002 in<br />
Österreich ist rekordverdächtig. War unter anderem<br />
jugoslawischer Teamchef und ist heute<br />
Trainer in Japan.<br />
156<br />
Ljubo Petrović: Serbe. GAK-Coach vom Sommer<br />
1996 bis Herbst 1996. Er betreute außerdem<br />
Roter Stern Belgrad, Español Barcelona,<br />
Penarol Montevideo und Olympiakos Piräus.<br />
Was wurde aus?<br />
Božo Bakota: Der Kroate spielte in den 80er<br />
Jahren sehr erfolgreich für Sturm. Schützenkönig<br />
der österreichischen Liga 1982 und dritter<br />
in der ewigen Bestenliste von Sturm. Nach<br />
seiner aktiven Karriere wanderte er wegen Betrugs<br />
für acht Monate hinter Gitter. Trainiert<br />
heute eine Nachwuchsmannschaft („Grüner<br />
Stern Graz“) und kickt selbst noch ab und zu<br />
in der Halle.<br />
Aleš Čeh: Der frühere Kapitän des slowenischen<br />
Nationalteams und verdiente Mittelfeldmotor<br />
des GAK (1992–2003) spielt heute<br />
bei den Schwarzweißen – in Linz.<br />
Boban Dmitrović: 1972 geboren. Der Serbe<br />
wechselte als bislang einziger „Legionär aus<br />
dem Süden“ direkt vom GAK zum Lokalrivalen<br />
Sturm. Galt lange als einer der stärksten<br />
Spieler auf der linken Seite in Österreich.<br />
Dmitrović schrieb auch „passiv“ Geschichte,<br />
als er 1996 von seinem Landsmann und GAK-<br />
Coach Ljubo Petrović beim Match gegen Germinal<br />
Ekeren eine Ohrfeige einstecken musste.<br />
Mittlerweile beim serbischen Erstligisten Borac<br />
Čačak unter Vertrag.<br />
Savo Ekmečić: Geboren 1948 in Mostar, kam<br />
1977 von FK Sarajevo zum GAK. Der legendäre<br />
Goalie mit den extralangen Hosen und spätere<br />
Trainer ist heute Wirt am Fußballplatz in<br />
Graz-Gösting.
Ivica Vastić: Der erfolgreichste Torschütze des<br />
SK Sturm (1994–2002) stammt aus der Gegend<br />
von Split in Kroatien. Als er nach seiner<br />
Einbürgerung 1998 bei der WM in Frankreich<br />
gegen Chile den Ausgleichstreffer erzielte, titelte<br />
die Kronenzeitung: „Ivo, jetzt bist du ein<br />
echter Österreicher!“ Vastić spielt nach Stationen<br />
in Japan und bei der Wiener Austria heute<br />
gemeinsam mit seinem früheren Kontrahenten<br />
Aleš Čeh beim LASK.<br />
Želimir Vidović: 1953 in Sarajevo geboren.<br />
Spielte zu Beginn der 80er Jahre im jugoslawischen<br />
Team. Der Mittelfeld-Spieler und Spezialist<br />
für Assists beim FK Sarajevo und später<br />
beim GAK wurde 1992 bei einem Rettungseinsatz<br />
für verwundete bosnische Soldaten ermordet.<br />
Željko Vuković: Jahrgang 1962, spielte kurioserweise<br />
im Alter von 40 Jahren sein erstes<br />
Länderspiel im Dress des österreichischen<br />
Teams. Von 1995 bis 1999 Libero beim GAK.<br />
Der gebürtige Kroate war in der vergangenen<br />
Saison Trainer beim Kärntner Regionalliga-<br />
Klub St. Andrä, wurde aber nach einer Niederlagenserie<br />
durch Walter Kogler ersetzt.<br />
Ein Mercedes für den Sturm-<br />
Goalie<br />
Savo Ekmečiİ im Gespräch<br />
Während sich auf dem Rasen des GAK-Trainingszentrums<br />
die roten Amateure auf ihr<br />
Match gegen Flavia Solva vorbereiten und im<br />
TV-Gerät Rapid Wien gegen die Lok aus Moskau<br />
antritt, setzt sich ein bestens gelaunter<br />
Savo Ekmečić an den Tisch des Signal-Inter-<br />
Legionäre aus dem Süden<br />
viewers. Eines steht fest: Der legendäre Humor<br />
des langjährigen GAK-Keepers ist ihm auch im<br />
fußballerischen Ruhestand nicht abhanden gekommen.<br />
Signal: Gestern hat der GAK wieder ein wichtiges<br />
Spiel gegen Sturm gewonnen. Wie viele Derbies haben<br />
Sie bestritten und an welches Resultat erinnern<br />
Sie sich noch?<br />
Ekmečić: Ich habe acht Jahre lang jedes Derby<br />
gespielt. An ein Match kann ich mich besonders<br />
gut erinnern, auch wenn es keine Werbung<br />
für den heutigen Fußball sein kann. Ich bin<br />
nämlich am Abend vor dem Spiel, ohne es zu<br />
wissen, in ein Sturm-Lokal geraten und habe<br />
dort bis 4 oder 5 in der Früh getrunken. Der<br />
Besitzer des Lokals und der anwesende Sturm-<br />
Manager waren begeistert und haben immer<br />
kräftig nachgeschenkt. Am nächsten Tag hat<br />
sich das herumgesprochen und die Sturm-Fans<br />
waren sich schon vor dem Match sicher, dass<br />
sie gewinnen werden. Doch das Match ist 1:0<br />
für den GAK ausgegangen und Savo Ekmečić<br />
war der beste Mann auf dem Platz.<br />
Signal: Wie kamen Sie eigentlich von Sarajevo zum<br />
GAK?<br />
Ekmečić: Durch den Sturm-Goalie. Refik<br />
Muftić hatte seine Karriere beendet und wollte<br />
sich zum Abschluss einen neuen Mercedes<br />
anschaffen. Der Verkaufsleiter der Firma Wittwar,<br />
bei dem er sein Auto kaufte, war GAK-<br />
Vorstandsmitglied. Er fragte Muftić, ob er keinen<br />
guten Tormann kennen würde, weil beide<br />
GAK-Goalies verletzt waren. Über die Empfehlung<br />
von Muftić kam ich nach Graz.<br />
Signal: Sie sind österreichweit durch Ihre langen<br />
Torwarthosen bekannt geworden. Wie kamen Sie<br />
auf die Idee?<br />
157
Legionäre aus dem Süden<br />
Savo Ekmečić<br />
Ekmečić: Ich spielte schon drei oder vier Jahre<br />
und ich merkte, dass die Leute immer wieder<br />
etwas Neues haben wollten. Für einen<br />
Tormann interessiert sich ja kaum einer. Also<br />
habe ich mir gedacht: Bevor sie mich durch einen<br />
anderen Goalie ersetzen, muss ich selbst irgendetwas<br />
ändern. Wenn alle mit kurzer Hose<br />
spielen, dann nehme ich ab jetzt eine lange.<br />
Signal: Stimmt es, dass Sie einen eigenen Schneider<br />
für Ihre Hosen hatten?<br />
Ekmečić: Ja, Josef Staber. Er arbeitet heute<br />
noch in Graz. Nach jedem Spiel habe ich ihm<br />
meine Hose geschenkt und er hat mir jedes<br />
Mal eine neue gemacht.<br />
158<br />
Signal: Wie viele Exemplare haben Sie selbst denn<br />
noch?<br />
Ekmečić: Kein einziges. Wenn ich eine Hose<br />
brauche, bekomme ich sie von ihm.<br />
Signal: Das „S“ auf den Beinen stand für Savo?<br />
Ekmečić: Ja. Kann aber auch „Seppi“ heißen,<br />
für den Namen des Schneiders.<br />
Signal: Was war Ihr schönstes Spiel beim GAK?<br />
Ekmečić: Das war sicherlich der Cup-Sieg 1981<br />
im Rückspiel gegen Salzburg. Ein 2:0. Der erste<br />
große Titel für eine steirische Mannschaft.<br />
Foto: © Wolfgang Kühnelt
Signal: Und was war das schrecklichste Tor, das Sie<br />
bekommen haben?<br />
Ekmečić: Das war ein Treffer, den ich mein Leben<br />
lang nie vergessen werde. Weil er nämlich<br />
einen unschuldigen Menschen seinen Job gekostet<br />
hat. Das Spiel gegen VOEST Linz war<br />
die letzte Chance für GAK-Trainer Hermann<br />
Repitsch. Der Vorstand hatte von ihm nach einer<br />
schlechten Serie einen Sieg gefordert. Wir<br />
führten 1:0, als ein Rückpass vom Vorstopper<br />
auf mich kam. Ich sah auf der linken Seite<br />
den Außendecker, der frei stand. Ich hatte<br />
den Ball noch gar nicht gefangen, da dachte ich<br />
schon an den nächsten Pass. Das war ein Fehler,<br />
denn der Ball sprang über meine rechte Seite<br />
und rollte langsam vielleicht 20 Zentimeter<br />
über die Torlinie. Das Spiel endete 1:1, und der<br />
Trainer wurde entlassen. Das hat mich sehr<br />
getroffen, denn nicht ich wurde für meinen<br />
Fehler bestraft, sondern jemand, der nichts dafür<br />
konnte.<br />
Signal: Später waren Sie selbst GAK-Trainer. Was<br />
war Ihr größter Erfolg in dieser Position?<br />
Ekmečić: Ich war mit der Mannschaft in der<br />
zweiten Division im Abstiegskampf. Wir haben<br />
das Play-off geschafft und das mit einem<br />
jungen Team. Ich habe auf Nachwuchsleute,<br />
wie Hans Kogler, Peter Guggi, Roland Goriupp<br />
oder Edi Glieder gesetzt, die später alle eine<br />
schöne Karriere gemacht haben.<br />
Signal: Damals, 1991/1992, spielte auch ein Stürmer<br />
beim GAK, der Boris Ekmeščić hieß und die<br />
entscheidenden Tore erzielte, damit der Verein nicht<br />
absteigen musste. Wieso ist er einer der Legionäre<br />
aus dem Süden, an die heute niemand mehr denkt,<br />
während andere Namen nie in Vergessenheit zu geraten<br />
scheinen?<br />
Ekmečić: Damals hat man auf den einzelnen<br />
Spieler oft nicht so stark geachtet. Ein Stürmer<br />
wurde einfach dafür geholt, um Tore zu machen.<br />
Deswegen hat sich später keiner an ihn<br />
erinnert. Erwin Dampfhofer ist für mich auch<br />
so ein Beispiel.<br />
Signal: Die letzte Frage lautet natürlich: Wer wird<br />
heuer Meister?<br />
Ekmečić: Der Favorit heißt für mich Rapid.<br />
Wenn sie allerdings in die Champions League<br />
kommen, tippe ich eher auf Austria oder GAK.<br />
Vorausgesetzt, wir haben nicht zuviel Verletzungspech.<br />
Legionarji z Juga<br />
Legionarji z Juga<br />
Slovenski, hrvaški, srbski in bošnjaški<br />
nogometaši pri GAK-u in Sturmu<br />
Ko vse poteka dobro, jim ljudje pravijo “nogometni<br />
bogovi” in se veselijo, da jih imamo tukaj.<br />
A ko časi postanejo trši in se uvrstitve na<br />
lestvici poslabšajo, gledalci, klubski funkcionarji,<br />
nacionalni trenerji in televizijski komentatorji<br />
ponavadi prvi zahtevajo: “Jugosi” morajo<br />
stran!<br />
Vsaj od velikih časov Iva Vastića in Aleša Čeha<br />
žogobrcarjev iz Maribora, Splita ali Beograda<br />
v štajerskem nogometu ne moremo preprosto<br />
odmisliti. A tradicija legionarjev iz nekdanje<br />
Jugoslavije le ni tako dolga, kot bi si mislili.<br />
Leta 1963 se je v statistiko GAK-a s tremi<br />
goli vpisal gospod po imenu Stefan Zeković.<br />
O njegovem zadetku za 2:0 proti Simmeringu<br />
je AZ 31. marca 1963 zapisal: “Tako sijajnega<br />
gola nismo v Gradcu videli že nekaj let.” Leta<br />
1964 so pri Sturmu takoj angažirali tri igralce<br />
z Juga. To so bili Ivan Medle, Davor Grčić in<br />
Rade Ognjanović. Štiri leta kasneje je prišel v<br />
159
Legionarji z Juga<br />
črno-belo črtasto moštvo vratar Damir Grloci,<br />
znan po svojstvenih naglavnih pokrivalih.<br />
Tudi GAK se je v 60-ih okrepil s čuvaji mrež<br />
iz Jugoslavije. Prva sta bila Evgen Ravnić (v sezoni<br />
1962-1963) in igralec iz Splita po priimku<br />
Jurić (1965), katerega osebno ime se je izgubilo<br />
v globinah klubskega arhiva. V istem obdobju<br />
se je v štajerskem nogometu začela tudi era<br />
jugoslovanskih trenerjev. A Milan Zevković<br />
(1964-1965) in Vlado Šimunić (1969-1970) sta<br />
bila pri GAK-u kmalu spet razrešena.<br />
Gol stoletja. Zoran Mišić, ki je od avgusta 1969<br />
do junija 1971 stal v vratih “rdečesrajčnikov”,<br />
je poskrbel za nekaj najneverjetnejših pripetljajev<br />
domače nogometne zgodovine. 27. februarja<br />
1971 je GAK na stadionu v Körösistraße<br />
igral proti Wattensu. Na samem začetku drugega<br />
polčasa so Tirolci bliskovito navalili na<br />
graški gol; Sieber je kronal napad z zadetkom.<br />
V istem trenutku so GAK-ovi branilci ugotovili,<br />
da manjka njihov ključni soigralec. Vratar<br />
Mišić je zamudil z vrnitvijo iz slačilnice in gol<br />
je veljal. Na koncu so “atleti” vendarle zmagali<br />
z 2:1, Othmar Behr pa je v Neue Zeit napisal,<br />
da je bil tisto “gol stoletja”.<br />
Kot kažejo klubske kronike, sta se graška kluba<br />
poleg vratarjev z Juga od konca 60-ih rada<br />
odločala tudi za uspešne igralce v polju. Rado<br />
Slović je na primer odigral za GAK vso tekmo v<br />
pokalnem finalu proti Rapidu maja 1968. Kasneje<br />
je v rdečem dresu skrbel za ogleda vredne<br />
prizore – in predvsem za nekaj pomembnih<br />
golov – Željko Kovač.<br />
Savo superstar. 70-a sta zaznamovala izjemna<br />
vratarja v službi Sturma in GAK-a: Refik<br />
Muftić od sezone 1974-1975 pri “črnih”<br />
in Savo Ekmečić iz Mostarja pri “rdečih” sta<br />
vsak na svoj način pisala zgodovino. Muftić,<br />
160<br />
ki je bil kasneje trener vratarjev pri Sturmu,<br />
na čelu ponosno nosi brazgotino, ki jo je dobil<br />
v dvoboju z angleško nogometno legendo<br />
Georgeom Bestom. S svojimi hlačami do kolen<br />
z napisom S (kot Savo) je Ekmečić ustvaril<br />
kar vsedržavni modni trend. Njegov klubski<br />
kolega Želimir Vidović je v 80-ih na vprašanje,<br />
kdo je njegov najljubši gledališki igralec, brez<br />
odlašanja odgovoril: “Savo Ekmečić!” Ta vratar<br />
pa ni skrbel le za zabavo, ampak tudi za rekorde,<br />
ki jih do danes ni še nihče presegel. Med<br />
letoma 1978 in 1985 je Ekmečić stalno igral v<br />
dresu GAK-a in odigral kar 269 prvenstvenih<br />
tekem. S tem je postal “legionar” z največ nastopi<br />
za “rdeče vrage” – pred Slovencem Alešem<br />
Čehom in Srbom Bobanom Dmitrovićem.<br />
V zgodnjih 80-ih je vzšel Sturmov hrvaški<br />
zvezdnik Božo Bakota. Na okrog 200 tekmah<br />
je dal kar 105 golov. Že v njegovi prvi sezoni<br />
1980-1981 ga je Kronenzeitung pri izbiri<br />
nogometnih “oskarjev” v kategoriji tujcev<br />
uvrstil na tretje mesto, skupaj z legendarnim<br />
češkim nogometašem Antoninom Panenko.<br />
Prvo mesto je osvojil Sturmov strateg sredine<br />
igrišča Zvonko Breber iz Maribora. V naslednji<br />
sezoni je postal Bakota s 24 zadetki pred<br />
Hansom Kranklom iz Rapida, Koreimannom<br />
iz Innsbrucka in Gasselichom iz Avstrie kralj<br />
prvoligaških strelcev.<br />
Od marca 1980 do junija 1982 je bil trener<br />
Sturna prvič Hrvat – Oto Barić. Med njegovo<br />
prvo sezono je Sturm kot prvi štajerski klub<br />
prezimil na prvem mestu najvišje lige, na koncu<br />
prvenstva pa je, po porazu v zadnjem kolu<br />
proti velikemu rivalu Rapidu, še vedno osvojil<br />
naslov viceprvaka. Naslednje leto pa je<br />
Sturm vendarle zasedel le še 6. mesto. Drugi<br />
poskus z Barićem kot trenerjem se je končal<br />
manj veličastno. Na koncu sezone 1988-1989<br />
se “črnim” ni uspelo uvrstiti v play-off za prva-
ka, Barića pa je zamenjal Gustl Starek. Od leta<br />
1983 je igral v GAK-ovi zvezni vrsti že omenjeni<br />
Želimir Vidović. Združeval je moč in eleganco<br />
ter odigral do leta 1990 omembe vrednih<br />
150 tekem v najvišji ligi. Konec 80-ih sta<br />
pri “atletih” zelo uspešno nastopala tudi Bobby<br />
Goračinov in Slovenec Matjaž Kek. Slednji<br />
ni slovel le po svojih umetelnih prostih strelih,<br />
ampak je v Körösistraße (dolgoletno domovanje<br />
“rdečesrajčnikov”) pritegnil še druge “legionarje”,<br />
kot sta na primer obrambni igralec Stojadin<br />
Rajković (1991-1997) in motor sredine<br />
igrišča Aleš Čeh (1992-2003).<br />
Obdobje dveh Ivic. V sezoni 1992-1993 se je<br />
v statistiko strelcev avstrijske lige prvič vpisal<br />
mladi igralec iz Splita po imenu Ivica Vastić.<br />
Poleg tega ga je bilo moč videti še v dresu VSE<br />
St. Pölten, ki se je, ne nazadnje tudi zaradi<br />
njegovih 18 golov, uspel uvrstiti v play-off za<br />
prvaka. Od leta 1994 do 2002 je bil ta Hrvat<br />
nato pod vodstvom bivšega jugoslovanskega<br />
reprezentančnega trenerja Ivice Osima aktiven<br />
v Sturmovem trikoju. V obdobju Vastića in<br />
Osima je Sturm slavil dva naslova državnega<br />
prvaka, tri pokalne zmage ter več uspešnih nastopov<br />
v pokalu UEFA in Ligi prvakov. Mestne<br />
derbije so v tem času zaznamovali predvsem<br />
hrvaški igralci. V sezoni 1995-1996 sta bila<br />
na primer pri 1:1 strelca Vastić in Rajković.<br />
Leta 1997, na otvoritveni tekmi stadiona Arnolda<br />
Schwarzeneggerja, je Vastić pri zmagi<br />
Sturma s 4:0 zadel kar dvakrat. Na naslednjem<br />
derbiju je za “črne” zadel Tomislav Kocijan.<br />
A maščevanje je bilo srdito in plešasto: v<br />
letih 1998, 1999 in 2000 je Igor Pamić iz Pulje<br />
odločil več mestnih dvobojev v korist GAK-a.<br />
V Körösistraße je temu sledil še kak izstopajoč<br />
trenutek. 2. julija 2003 se je po 11 letih od GAKa<br />
poslovil eden najzvestejših igralcev. Slovenski<br />
internacionalec Aleš Čeh je na prijateljski tekmi<br />
s svojim novim slovenskim klubom, NK<br />
Maribor PL, prvih sedem minut odigral s svojo<br />
številko 7 na hrbtu, nato pa se je podal na ganljivi<br />
častni krog okrog celega stadiona.<br />
Tudi zdaj “legionarji” ves čas skrbijo, da se<br />
o njih govori. Po eni strani je odhod Maria<br />
Tokića med navijači GAK-a poskrbel za veliko<br />
razočaranje, po drugi pa sprožajo podaje in<br />
napačne podaje Bošnjaka Samira Muratovića<br />
pri številnih gledalcih skrajno mešane občutke.<br />
Vzrok za občudovanje so celo med pristaši nogometnih<br />
nasprotnikov preigravanja Hrvata<br />
Maria Bazine v službi “rdečih”. Pri Sturmu<br />
najdemo poleg trenerja Miše Petrovića tudi<br />
srbskega čuvaja mreže Radovana Radakovića<br />
in na sredini igrišča njegovega rojaka Bojana<br />
Filipovića. Tradicijo slovenskih igralcev nadaljuje<br />
branilec Mitja Mörec. Ostane še Srb Boban<br />
Dmitrović, ki je kot edini “legionar z Juga”<br />
zamenjal strani, vendar mu pri Sturmu niso<br />
podaljšali pogodbe za sezono 2005-2006.<br />
“Predalček” trenerji z Juga:<br />
Legionarji z Juga<br />
Oto Barić: Hrvat. Že dvakrat vodja Sturma,<br />
in sicer od marca 1980 do junija 1982 in od<br />
novembra 1988 do julija 1989. Zelo zaposleni<br />
trener (med drugim je vodil Rapid in Austrio<br />
Salzburg) je bil kasneje tudi selektor avstrijske<br />
in nato še hrvaške reprezentance.<br />
Milan DJurićić: Hrvat. Trener Sturma od junija<br />
1993 do junija 1994, nato med drugim treniral<br />
NK Osijek in DSV Leoben.<br />
Savo Ekmečić: Bošnjak. Trener pri GAK-u od<br />
septembra 1990 do aprila 1992. Prej v dresu<br />
GAK-a neprekinjeno osem let prvi vratar.<br />
161
Legionarji z Juga<br />
Milan Miklavič: Slovenec. Treniral GAK od<br />
aprila 1992 do oktobra 1993, kasneje dejaven<br />
še pri Welsu, VOEST-u, Eausiedlu, DSV Leoben,<br />
Rapidu, HIT Gorici in NK Mura.<br />
Miša Petrović: Srb. Bivši igralec Sturma trenira<br />
moštvo od septembra 2003.<br />
Ivica Osim: Bošnjak. Njegova “delovna doba”<br />
pri Sturmu od junija 1994 do septembra 2002<br />
diši po rekordu. Med drugim je bil jugoslovanski<br />
reprezentančni selektor, trenutno pa je<br />
trener na Japonskem.<br />
Ljubo Petrović: Srb. Trener GAK-a od poletja<br />
1996 do jeseni 1996. Med drugim je skrbel tudi<br />
za Crveno Zvezdo Beograd, Español Barcelona,<br />
Penarol Montevideo in Olympiakos Pirej.<br />
“Predalček” kaj je nastalo iz?<br />
Božo Bakota: Hrvat, ki je v 80-ih zelo uspešno<br />
igral za Sturm. Kralj strelcev avstrijske lige<br />
1982 in tretji na večni lestvici najboljših pri<br />
Sturmu. Po koncu aktivne kariere se je zaradi<br />
goljufije za 8 mesecev preselil za rešetke. Trenutno<br />
trenira mladinsko moštvo (Zelena zvezda<br />
Gradec) ter tu in tam še sam igra dvoranski<br />
nogomet.<br />
Aleš Čeh: Bivši kapetan slovenske reprezentance<br />
in zaslužni motor sredine igrišča pri<br />
GAK-u (1992-2003) igra danes za “črno-bele”<br />
– v Linzu.<br />
Boban Dmitrović: Rojen 1972. Srb, ki je kot<br />
doslej prvi “legionar z Juga” presedlal neposredno<br />
od GAK-a k lokalnemu rivalu Sturmu.<br />
Dolgo je veljal za enega najmočnejših igralcev<br />
162<br />
leve strani igrišča v Avstriji. Zgodovino je pisal<br />
tudi “pasivno”, ko je leta 1996 od rojaka in trenerja<br />
pri GAK-u Ljuba Petrovića na tekmi proti<br />
moštvu Germinal Ekeren dobil klofuto. Medtem<br />
podpisal pogodbo s srbskim prvoligašem<br />
Borcem iz Čačka.<br />
Savo Ekmečić: Rojen 1948 v Mostarju, leta<br />
1977 prišel iz FK Sarajevo h GAK-u. Legendarni<br />
vratar z nenavadno dolgimi hlačkami in<br />
kasnejši trener je zdaj gostilničar na nogometnem<br />
stadionu Gradec-Gösting.<br />
Ivica Vastić: Najuspešnejši strelec pri SK<br />
Sturm (1994-2002), izhaja iz okolice Splita<br />
na Hrvaškem. Ko je po pridobitvi avstrijskega<br />
državljanstva leta 1998 na svetovnem prvenstvu<br />
v Franciji proti Čilu dosegel izenačujoči gol,<br />
mu je Kronenzeitung priznal: “Ivo, zdaj si pravi<br />
Avstrijec!” Vastić igra zdaj, po postajah pri<br />
dunajski Austrii in na Japonskem, skupaj z<br />
nekdanjim nasprotnikom Alešem Čehom pri<br />
LASK-u.<br />
Želimir Vidović: Rojen 1953 v Sarajevu. V<br />
začetku 80-ih igral za jugoslovansko reprezentanco.<br />
Igralec sredine in specialist za podaje pri<br />
FK Sarajevo ter kasneje pri GAK-u, je bil med<br />
akcijo reševanja ranjenih bošnjaških vojakov v<br />
“jugoslovanski vojni” leta 1992 umorjen.<br />
Željko Vuković: Letnik 1962, je, kar je posebno<br />
zanimivo, svojo prvo tekmo v dresu avstrijske<br />
reprezentance odigral pri 40 letih. Od 1995 do<br />
1999 libero pri GAK-u. Po rodu Hrvat, je bil<br />
v pretekli sezoni trener pri koroškem regionalnem<br />
ligašu Št. Andražu, vendar ga je po seriji<br />
porazov zamenjal Walter Kogler.
Mercedes za Sturmovega vratarja<br />
Pogovor s Savom Ekmečićem<br />
Medtem ko so se na zelenici vadbenega centra<br />
GAK “rdeči” amaterji pripravljali na tekmo<br />
proti Flavii Solvi in smo na televiziji gledali<br />
prenos nastopa dunajskega Rapida proti<br />
moskovski Lokomotivi, je k mizi Signalovega<br />
spraševalca prisedel izvrstno razpoloženi Savo<br />
Ekmečić. Eno je jasno: legendarni humor dolgoletnega<br />
GAK-ovega vratarja ni zbledel niti v<br />
nogometnem pokoju.<br />
Signal: Včeraj je GAK spet zmagal na pomembni<br />
tekmi proti Sturmu. Na koliko mestnih derbijih ste<br />
igrali in katerih rezultatov se še spominjate?<br />
Ekmečić: Osem let sem igral na prav vsakem<br />
derbiju. Ena tekma mi je ostala še posebno<br />
dobro v spominu, čeprav ne more biti reklama<br />
za današnji nogomet. Ne da bi to vedel, sem se<br />
večer pred tekmo znašel v sturmovskem gostinskem<br />
lokalu, kjer sem popival do 4. ali 5. ure<br />
zjutraj. Lastnik lokala in Sturmov menedžer,<br />
ki je bil prav tako tam, sta bila navdušena in<br />
sta na veliko plačevala runde. Naslednji dan so<br />
se začele o tem širiti govorice in navijači Sturma<br />
so bili že pred tekmo prepričani, da bo njihovo<br />
moštvo zmagalo. A tekma se je končala<br />
1:0 za GAK in Savo Ekmečić je bil najboljši<br />
igralec na terenu.<br />
Signal: Kako ste pravzaprav prišli iz Sarajeva<br />
v Gradec h GAK-u?<br />
Ekmečić: Preko vratarja pri Sturmu. Refik<br />
Muftić je zaključeval nogometno kariero in<br />
si je hotel za konec privoščiti novega Mercedesa.<br />
Vodja prodaje pri podjetju Wittwar, kjer<br />
je kupoval avtomobil, je bil član vodstvenega<br />
odbora pri GAK-u. Vprašal je Muftića, če<br />
Legionarji z Juga<br />
pozna kakega dobrega vratarja, saj sta bila oba<br />
GAK-ova standardna vratarja poškodovana.<br />
Na Muftićevo priporočilo sem nato prišel v<br />
Gradec.<br />
Signal: Po vsej Avstriji ste postali znani zaradi<br />
svojih dolgih hlačk. Kako ste prišli na<br />
to idejo?<br />
Ekmečić: Tukaj sem igral že tri ali štiri leta, pa<br />
sem opazil, da si ljudje venomer želijo kaj novega.<br />
Za nekega vratarja se zanima komajda kdo.<br />
Torej sem si mislil: Preden me zamenjajo z drugim<br />
vratarjem, moram sam pri sebi nekaj spremeniti.<br />
Če vsi drugi igrajo v kratkih hlačkah,<br />
bom jaz od takrat naprej igral v dolgih.<br />
Signal: Ali je res, da ste imeli za svoje hlačke posebnega<br />
krojača?<br />
Ekmečić: Da, ime mu je Josef Staber. V Gradcu<br />
dela še zdaj. Po vsaki tekmi sem mu poklonil<br />
svoje hlačke in vsakič mi je naredil nove.<br />
Signal: Koliko primerkov pa imate še vi sami?<br />
Ekmečić: Niti enega. Kadar potrebujem hlačke,<br />
jih dobim od njega.<br />
Signal: Je “S” na hlačnicah pomenil Savo?<br />
Ekmečić: Da. Lahko pa bi pomenilo tudi Seppi,<br />
kakor je ime krojaču.<br />
Signal: Katera tekma pri GAK-u je bila za vas<br />
najlepša?<br />
Ekmečić: Zagotovo je bila to pokalna zmaga<br />
leta 1981 na povratni tekmi proti Salzburgu.<br />
2:0. To je bil prvi veliki naslov za kako<br />
štajersko moštvo.<br />
Signal: In kateri je bil najbolj grozen gol, kar ste jih<br />
kdaj dobili?<br />
Ekmečić: To je bil gol, ki ga ne bom pozabil, do-<br />
163
Legionarji z Juga<br />
kler bom živ. Ker je namreč povsem nedolžnega<br />
človeka stal njegove službe. Za trenerja GAK-a<br />
Hermanna Repitscha je bila tekma proti VO-<br />
EST Linz zadnja priložnost. Predsednik kluba<br />
je od njega po seriji slabih rezultatov zahteval<br />
zmago. Vodili smo z 1:0, ko je proti meni priletela<br />
podaja srednjega branilca. Pogledal sem<br />
na levo proti zunanjemu krilcu, ki je bil prost.<br />
Žoge nisem še niti ujel, ko sem že mislil na<br />
naslednjo podajo. To je bila napaka, ker je žoga<br />
zletela čez mojo desno stran in se prav počasi<br />
odkotalila morda kakih 20 centimetrov čez golovo<br />
črto. Tekma se je končala 1:1 in trenerja so<br />
odpustili. To me je zelo prizadelo, kar za mojo<br />
napako niso kaznovali mene, ampak nekoga,<br />
ki ni pri tem mogel prav nič storiti.<br />
Signal: Kasneje ste bili sami trener pri GAK-u. Kaj<br />
je bil v tej vlogi vaš največji uspeh?<br />
Ekmečić: Z moštvom smo se v drugi ligi borili<br />
za obstanek. Čeprav z mladim moštvom, smo<br />
se uspeli uvrstiti v play-off. V ekipo sem uvrstil<br />
tudi igralce iz podmladka, kot so Hans Kogler,<br />
Peter Guggi, Roland Goriupp ali Edi Glieder, ki<br />
so kasneje vsi napravili lepe kariere.<br />
Signal: Takrat, v letih 1991-1992, je pri GAK-u igral<br />
tudi napadalec, ki se je imenoval Boris Ekmeščić in<br />
ki je dosegel nekaj odločilnih golov za obstanek svojega<br />
moštva v ligi. Kako to, da je on eden izmed<br />
“legionarjev z Juga”, na katere danes nihče več ne<br />
pomisli, medtem ko se pri drugih zdi, da ne bodo<br />
nikoli utonili v pozabo?<br />
Ekmečić: Takrat ljudje ponavadi niso bili tako<br />
pozorni na posamezne igralce. Napadalec je bil<br />
najet preprosto zato, da bi zabijal gole. Zato se<br />
ni nanj kasneje nihče posebej spominjal. Erwin<br />
Dampfhofer je po mojem mnenju tudi<br />
prav takšen primer.<br />
164<br />
Signal: Zadnje vprašanje je seveda: Kdo bo novi<br />
prvak?<br />
Ekmečić: Prvi favorit je po mojem mnenju Rapid.<br />
A če se bo uvrstil v Ligo prvakov, bi stavil<br />
na Austrio ali na GAK – a le, če ne bomo imeli<br />
preveč smole s poškodbami.<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Wolfgang Kühnelt<br />
Wolfgang Kühnelt, geboren 1967. Lebt und<br />
arbeitet als Texter in Graz. Geschäftsführer<br />
der Kommunikationsberatungsagentur Pretty<br />
Commercial. Autor des Buches „Berühmte<br />
Dynastien“, erschienen 2005 im Holzhausen<br />
Verlag. Herausgeber des Internet-Monatsmagazins<br />
„Der Haubentaucher“, www.haubentaucher.com.<br />
– Wolfgang Kühnelt, rojen leta 1967.<br />
živi in dela kot pisec besedil v Gradcu. Izdajatelj<br />
mesečnika na internetu „Der Haubentaucher“,<br />
www.haubentaucher.com.
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
Erinnern und Vergessen an der slowenisch-steirischen Grenze anlässlich der<br />
EU Erweiterung<br />
� Text: Elisabeth Schober<br />
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
„Für die Beseitigung der Grenzen in den Köpfen<br />
der Menschen gibt es derzeit keinen konkreten Termin.“ 1<br />
Der erste Mai, der gemeinhin als Tag der Arbeit bekannt ist, wurde im Jahre 2004 mit einer weiteren<br />
Bedeutung aufgeladen. Die Europäische Union erweiterte sich um zehn neue Mitgliedsstaaten,<br />
und dieses Ereignis wurde in großen Feierlichkeiten vielerorts an den Grenzen zwischen alten und<br />
neuen Mitgliedsstaaten zelebriert. Auch an der slowenisch-steirischen wurden zahlreiche Feste<br />
veranstaltet – zwei der größten fanden in Bad Radkersburg/Gornja Radgona und Mureck/Trate<br />
auf den beiden Grenzbrücken statt, die über die Mur ins jeweilige Nachbarland führen.<br />
Zu den zahlreich erschienenen Gästen aus beiden Ländern zählte auch Politprominenz: Die damalige<br />
österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner etwa fand sich ebenso wie ihr<br />
slowenischer Gegenpart Dimitri Rupl auf der Brücke zwischen Radkersburg und Gornja Radgona<br />
ein. „Ich freue mich sehr, dass diese Brücke nun zu einer echten Brücke der Freundschaft wird“,<br />
meinte Ferrero. Nun gelte es, die ohnehin guten Beziehungen zu Slowenien noch weiter zu vertiefen.<br />
2 Ganz ähnlich gefärbt war der Grundtenor der offiziellen (politisch und medial geprägten)<br />
Sprache insgesamt: Die ökonomischen Vorteile für alle Beteiligten wurden herausgestrichen,<br />
Gemeinsamkeiten und Freundschaft über Grenzen hinweg hervorgehoben, das baldige Ende der<br />
Grenzen in Europa wurde herbeigeredet, und oft wurde ein Europa ohne Grenzen gar als bereits<br />
eingetretene Gegenwart dargestellt: „Hätten wir uns gestern getroffen, hätten wir sagen müssen:<br />
Dies- und jenseits der Grenze. Heute können wir aber sagen, dies- und jenseits der Mur“, erklärte<br />
etwa ein steirischer Landtagsabgeordneter in seiner Rede auf der Murecker Murbrücke. Damit<br />
einhergehend wurde auch den beinahe sprichwörtlich gewordenen „Grenzen im Kopf“ der Kampf<br />
angesagt: „Zur EU gibt es keine Alternative. Nicht nur die Grenzen fallen, sondern auch die Mauern<br />
in den Köpfen.“ 3<br />
Doch diese offiziellen Darstellungen des Großereignisses spiegelten kaum die Ansichten einer<br />
Mehrheit Österreichs wider. Eine Umfrage, deren Ergebnisse in der Presse vom 8. Mai 2004 veröf-<br />
165
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
Blick von slowenischer Seite auf die Murbrücke bei Mureck / Trate – Pogled iz slovenske strani na Murin most pri Cmureku / Trate<br />
166
fentlicht wurden, wirft ein anderes Licht auf<br />
die Erweiterung: Anfang Mai 2004 befürworteten<br />
demzufolge nur 34% der Österreicher/innen<br />
die Osterweiterung, 52% sprachen sich gar<br />
vollkommen dagegen aus. 4 Damit erreichten<br />
die Erweiterungs-Gegner/innen in Österreich<br />
erstmals die absolute Mehrheit, just zu dem<br />
Zeitpunkt, als sich die Erweiterung tatsächlich<br />
vollzog. 5 Für mich als Kulturanthropologin<br />
stellte sich nun die Frage, was der Grund<br />
für die Divergenzen in den Wahrnehmungen<br />
zwischen den (politischen) Eliten und der Bevölkerung<br />
war – und zwar in einem Raum,<br />
wo ich Spannungen allein schon auf Grund<br />
der geopolitischen Lage und der historischen<br />
Gegebenheiten vermutete: Wie dachte man<br />
also direkt an einer Grenze über den weiteren<br />
Bedeutungsverlust eben jener Linie, die eine<br />
Grenzregion erst zu dem macht, was sie ist?<br />
Selbst im grenznahen Ratschendorf nahe Mureck<br />
aufgewachsen, ging ich in einer dreimonatigen<br />
Feldforschung rund um den 1. Mai 2004<br />
in den nordslowenischen Großgemeinden<br />
Gornja Radgona und Šentilj sowie im südoststeirischen<br />
Bezirk Radkersburg der Frage nach,<br />
wie man direkt an der Grenze über die Erweiterung<br />
dachte. 6 Und abseits der Kameras und<br />
Mikrofone waren auch andere Töne zu hören<br />
als nur Begeisterung und Freude. Eine gewisse<br />
Vorsicht, ja, oftmals auch Skepsis ließ sich aus<br />
den Wortmeldungen verschiedenster Grenzraumbewohner/innen<br />
jeglichen Alters herauslesen,<br />
wie etwa einige Auszüge aus Interviewpassagen<br />
vermitteln können:<br />
„Ja, Grenzöffnung, das ist nur so. Noch immer<br />
stehen Polizisten und Gendarmen. Und die<br />
Schengengrenze wird vielleicht erst 2012 sein<br />
und nicht früher! […] [Verächtlich]: Ach!<br />
Auch früher, wenn man wollte, konnte man<br />
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
immer rüber gehen auf Besuch. Aber für Arbeit<br />
gibt es auch eine Übergangsfrist, das sind<br />
sieben Jahre. Und sonst kommt auch nicht vieles<br />
Neues mehr [durch die Erweiterung].<br />
Vielleicht wirtschaftlich, von Waren und so.“<br />
(Dušan S., 26 Jahre, Črnci, SLO)<br />
„Und wir haben ja von der Gemeinde aus<br />
auch teilgenommen an diesen Festveranstaltungen,<br />
auch ein Festakt auf der Murbrücke,<br />
mit einem steirisch-slowenischen Fest. Im Vorlauf<br />
habe ich schon gemerkt, dass sehr viele<br />
sehr kritisch sind dem Beitritt gegenüber. […]<br />
Und das wird aber nicht sehr offen geäußert.<br />
Und jetzt auch im Nachhinein – ich habe festgestellt,<br />
dass die Teilnahme an diesen Feierlichkeiten<br />
von der Gemeindebevölkerung zwar<br />
gegeben war, aber die hätte weitaus größer<br />
sein können.“ (Anton Vukan, Bürgermeister<br />
von Gosdorf, A)<br />
[Gefragt nach Grenzen im Kopf]:<br />
„Wir haben zwar alle die EU im Kopf, aber<br />
…“<br />
(Janez Ferencek, Pfarrer von Apače, SLO)<br />
Und was halten Sie von den ganzen Feiern?<br />
„Nein, war ich nicht [dabei bei den Feiern].<br />
Ich habe nicht einmal im Fernsehen alles gesehen.<br />
Ich kann das noch gar nicht glauben.<br />
Dass das ehrlich ist. Das werden wir erst sehen,<br />
ob es ehrlich ist.“<br />
– Weil es jetzt immer heißt, „grenzenlos“?<br />
[Zögerlich]: Ja …<br />
Trauen Sie dem nicht so?<br />
„Ja, man weiß nicht, was kommt. Schaut‘s<br />
euch nur an, überall, wie es zugeht. Ganz vertrauen<br />
kannst du dem nicht.“<br />
(Anna P., 84 Jahre, Radkersburg, A)<br />
167
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
Der Grenzfluss Mur nahe Gosdorf – Mejna reka Mura pri Gorsdorfu<br />
Im Unterschied zu Erweiterungsgegnern/innen<br />
im Landesinneren Österreichs, die oft alltägliche<br />
Ängste und Sorgen, wie Arbeitsplatzunsicherheit<br />
und Furcht vor ansteigender<br />
Kriminalität, als ihre Beweggründe anführen 7 ,<br />
werden die Ressentiments gegen die jüngste<br />
Erweiterungsrunde im Grenzraum selbst von<br />
anderen, tiefer sitzenden Antrieben genährt,<br />
die eng mit den historischen Ereignissen seit<br />
der Entstehung der Grenze zusammenhängen<br />
und von individuellen Erinnerungen und dem<br />
kollektiven Gedächtnis der Grenzraumbewohner/innen<br />
genährt werden.<br />
In dieser Arbeit will ich mich zwei Arten des<br />
Sich-Arrangierens mit der Grenze annähern,<br />
die meiner Ansicht nach in den 85 Jahren seit<br />
168<br />
der Grenzziehung in diesem Raum von zentraler<br />
Bedeutung waren und auch auf die gegenwärtige<br />
Wahrnehmung der EU-Erweiterung<br />
von 2004 einwirken: Die kulturelle Konstruktion<br />
von Erinnerung und die alltägliche Praxis<br />
der Verdrängung. Ich verstehe dabei Erinnern<br />
und Vergessen als Strategien, die wie die zwei<br />
Seiten einer Medaille funktionieren: Durch gewisse<br />
Diskurse der Erinnerung und Praxen des<br />
Vergessens wird die Macht und Bedeutung jener<br />
nationalen Grenze „von unten her“ anerkannt<br />
und gestärkt, die ursprünglich von den<br />
Zentren der Macht an den Peripherien gezogen<br />
wurden. Und heute, wo sich diese Grenze<br />
nach Ansicht vieler überholt hat, wirken die<br />
Mechanismen, mittels derer sie im Leben der<br />
Menschen erst zu einer tatsächlichen Schwelle<br />
in Raum und Bewusstsein wurde, noch weiter<br />
nach.<br />
Vorgestellte Gemeinschaften und machtvolle<br />
Grenzen. Benedict Anderson definierte<br />
in seinem Buch „Imagined Communities“ die<br />
Nation als vorgestellte Gemeinschaft: „it is an<br />
imagined political community – and imagined<br />
as both inherently limited and sovereign.“ 8 Anderson<br />
betont damit einerseits den konstruierten<br />
Charakter von Nationen (und damit auch<br />
von den Nationalstaaten, die aus ihnen folgen)<br />
und andererseits auch das vorgeblich gemeinschaftliche<br />
Element („community“), das von<br />
großer Wichtigkeit für die Wirksamkeit des<br />
nationalen Gedankens ist. Auch streicht er in<br />
dieser Definition die Bedeutung der territorialen<br />
Begrenzung („inherently limited“) hervor.<br />
Denn gemeinschaftliches Zusammenleben<br />
organisiert sich zuallererst über Inklusion<br />
und Exklusion, die unter anderem auch durch<br />
schlichte territoriale Abgrenzung organisiert<br />
wird; der Ausschluss von einigen ermöglicht
Murbrücke bei Mureck / Trate am 1. Mai 2004 – Murin most pri<br />
Cmureku / Trate 1. maja 2004<br />
erst den Zusammenschluss von anderen. Auf<br />
national(staatlich)er Ebene lässt sich dieses<br />
simple Prinzip weiter verfolgen: Nationen<br />
funktionieren als vorgestellte Gemeinschaften,<br />
weil sie räumlich begrenzt sind und weil die<br />
nationale Identität dadurch gefestigt werden<br />
kann, dass etwas anderes – ein anderer Staat,<br />
eine andere Nation – jenseits der territorialen<br />
Grenzen liegt. Gegen dieses Andere gilt es zu<br />
opponieren – das kann von einem grundsätzlichen<br />
„Etwas trennt uns von denen dort drüben“<br />
bis hin zu aktiver Feindschaft reichen –,<br />
und diejenigen, die auf Grund einer sprachlichen<br />
oder ethnischen Teilidentität eine engere<br />
Beziehung mit jenen haben könnten, die jenseits<br />
der Grenze leben, geraten dabei oft gleich<br />
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
mit ins Visier. Auch der österreichische Essayist<br />
Karl-Markus Gauß greift den Gedanken<br />
der Konstruiertheit von Nationen auf. Nationen<br />
seien zwar allesamt Erfindungen, schreibt<br />
er, doch „einmal erfunden, [werden sie]<br />
doch [zu] reale[n] und wirkungsmächtige[n]<br />
historische[n] Gegebenheiten“. 9 Analog dazu<br />
lässt sich Ähnliches für Grenzen festhalten:<br />
Sind sie einmal gezogen worden, so werden sie<br />
– gerade wegen der Macht des Nationalstaates,<br />
der auch Macht an seine Grenzen weitergibt<br />
– zu einem wirkungsvollen Instrument, nicht<br />
zuletzt auch im alltäglichen Umgang, in den<br />
Köpfen der Menschen. Es gilt nun das, was<br />
„von oben“ konstruiert wurde, in seinen Auswirkungen<br />
auf das alltägliche Leben gewöhnlicher<br />
Menschen zu verstehen.<br />
Viele von diesen Überlegungen zu Nationen<br />
und ihren Grenzen lassen sich praktisch in der<br />
Geschichte jener Grenze nachzeichnen, von<br />
der hier die Rede ist. Wie ein kurzer Blick in die<br />
Geschichte zeigt, 10 ist selbst an dieser zentraleuropäischen<br />
Grenze zwischen Österreich und<br />
Slowenien – die im Vergleich zu höchst problematischen,<br />
militarisierten Grenzen, wie etwa<br />
jener zwischen Israel und Palästina, geradezu<br />
unbedeutend scheinen mag – das Diktum der<br />
Grenzenlosigkeit erst seit kurzem relevant.<br />
1919/1920 wurde die Staatsgrenze zwischen<br />
dem damaligen SHS-Staat und Österreich<br />
während der Friedensverhandlungen in St. Germain<br />
festgelegt, was für den Grenzraum rund<br />
um Bad Radkersburg und Gornja Radgona den<br />
Schlusspunkt zu langen, auch gewalttätigen<br />
Auseinandersetzungen um die Grenzziehung<br />
bildete. Nicht nur durch die Bezirkshauptstadt<br />
verlief jetzt die Staatsgrenze mitten hindurch,<br />
vielmehr wurde nun „ein [ganzer] historischer<br />
Raum, der sich mehrsprachig entwickelt hat“, 11<br />
durch eine in der Landschaft gezogenen Li-<br />
169
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
Slowenische, EU- und österreichische Flagge – Slovenska, EU in<br />
avstrijska zastava<br />
nie geteilt. Die Minderheiten, die dadurch auf<br />
beiden Seiten bestehen blieben – die deutschsprachige<br />
Minderheit rund um das heute slowenische<br />
Apače und die slowenischsprachige<br />
Minderheit in den österreichischen Dörfern<br />
des Radkersburger Winkels – wurden im Laufe<br />
der Jahre und Jahrzehnte immer wieder zum<br />
Spielball der Mächte gemacht, die die Existenz<br />
dieser Gruppen dazu nutzen wollten, Gebietsforderungen<br />
an den angrenzenden Staat zu<br />
stellen.<br />
In der Zeit während des Zweiten Weltkriegs<br />
und in der Nachkriegszeit eskalierte die Lage<br />
an der Grenze schließlich vollends: Hitlers<br />
Diktion „Machen Sie mir dieses Land wieder<br />
Deutsch“ folgend, wurden Vertreibungen und<br />
170<br />
Ermordungen von Slowenen/innen im besetzten<br />
SHS-Staat – auch unter Mithilfe der<br />
deutschsprachigen Grenzbevölkerung – vorgenommen.<br />
Partisanen und spätere jugoslawische<br />
militärische Einheiten rächten sich bei<br />
Kriegsende an der verbliebenen deutschsprachigen<br />
Minderheit, die größtenteils interniert<br />
und anschließend nach Österreich ausgesiedelt<br />
wurde. Diese Auseinandersetzungen während<br />
des Krieges und nach dem Krieg wirkten noch<br />
über Jahrzehnte hinweg nach. Erst 1965 fiel<br />
die Visumspflicht zwischen den beiden Staaten,<br />
davor war die Region durch eine beinahe<br />
unüberquerbare, eine tote Grenze geprägt.<br />
Während sich die offiziellen Beziehungen zwischen<br />
Jugoslawien und Österreich ab den 60er<br />
Jahren langsam mehr oder weniger normalisierten,<br />
blieben in den Köpfen der Menschen<br />
an der Grenze die Erinnerungen oftmals wach:<br />
„Sechzig Jahre sind vergangen, aber noch immer<br />
lebt dieser Krieg in den Menschen“, so<br />
brachte es der junge Slowene Dušan S. aus<br />
Črnci auf den Punkt, als ich danach fragte,<br />
warum in seiner Umgebung besonders ältere<br />
Menschen wenig Begeisterung aufbringen<br />
können für den Abbau der Grenze, an der sie<br />
ihr Leben verbracht haben.<br />
Vom Verlust der Mehrsprachigkeit. „Die<br />
Staatsgrenze wirkt also immens homogenisierend.“<br />
12 Damit aus einem historischen,<br />
mehrsprachigen Raum zwei klar von einander<br />
getrennte Räume werden, erfordert es viele<br />
kulturelle, soziale und persönliche Verluste.<br />
Eine „natürliche“ Grenze gibt es nicht, vielmehr<br />
wird zumeist in den Jahren und Jahrzehnten<br />
nach einer Grenzziehung alles daran<br />
gesetzt, die Vorstellung von der Natürlichkeit<br />
der Grenze herzustellen und aufrecht zu halten,<br />
was auch das Streben nach ethnischer
und sprachlicher Gleichheit innerhalb des eigenen<br />
nationalstaatlichen Territoriums mit einschließt.<br />
Zu den ersten und sichtbarsten Instanzen<br />
der Kontrolle durch den Staat – also jenen<br />
Grenzwachen, die an den jeweiligen Enden<br />
der Brücken ihre Posten bezogen, um Grenzüberschreitungen<br />
zu überwachen und zu reglementieren<br />
– gesellten sich nun informellere Instanzen<br />
der Kontrolle hinzu, die sich um eine<br />
Durchsetzung der Vorstellung von Homogenität<br />
bemühten: der oder die Grenzbewohner/in<br />
selbst. Sowohl dies- als auch jenseits der Mur<br />
gab man sich auch auf der lokalen Ebene sehr<br />
viel Mühe, das Sprechen der jeweilig anderen<br />
Sprache zu unterbinden – bei seinem Bekannten,<br />
bei seinem Nachbarn, bei sich selbst. In<br />
ihrer historischen Arbeit „Die Sprache im Dorf<br />
lassen“ berichtet Andrea Haberl-Zemljič vom<br />
langen Festhalten und vom schließlich rasch<br />
fortschreitenden Verlust der slowenischen<br />
Sprache in den Dörfern von Radkersburg-Umgebung.<br />
Neben der Einflussnahme von „oben“<br />
räumt Haberl-Zemljič auch der komplexen<br />
und oft ambivalenten Rolle der Bewohner/innen<br />
selbst viel Platz ein:<br />
Die Angst, daß über sie gesprochen werden<br />
könnte, ist die Angst, bei den politischen Entscheidungsträgern<br />
aufzufallen und damit zur<br />
Zielscheibe von Sanktionen zu werden, wie im<br />
Lauf der Jahrzehnte oftmals erfahren werden<br />
mußte. In diesem Zusammenhang kann sogar<br />
von einem kollektiven Bewußtsein gesprochen<br />
werden, das das Bewußtsein der Bewohner<br />
der fünf Gemeinden bis heute prägt. Dabei<br />
ist diese Furcht, nicht als loyale Österreicher<br />
betrachtet zu werden, wenn man slowenisch<br />
spricht, zweifellos noch in den fünfziger Jahren<br />
begründet gewesen, wie die Reaktionen der<br />
öffentlichen Stellen auf die Volkszählung zei-<br />
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
gen. Heute jedoch spricht einiges dafür, daß<br />
die Wirklichkeit nicht mehr Anlaß zur Furcht<br />
vor Repressalien gibt. Doch wie so oft erweisen<br />
sich Einstellungen als wesentlich langlebiger<br />
als die dazugehörige Realität.13<br />
Der geschlossenen dörflichen Gemeinschaft,<br />
die Haberl-Zemljič beschreibt, gelang es dennoch<br />
relativ lange, am Slowenischen als<br />
„Dorfsprache“ festzuhalten, indem man sich<br />
gleichzeitig nach außen hin bemühte, als<br />
deutschsprachig zu gelten. Josefa P. aus Sicheldorf<br />
erzählt mir im Interview davon, wie eine<br />
Bekannte, deren Muttersprache ebenfalls Slowenisch<br />
ist, die Sprache wechselt, sobald sie<br />
sich beobachtet fühlt: „Und wenn sie jetzt in<br />
die Stadt kommen oder irgendwohin, fangen<br />
sie automatisch an [Deutsch zu sprechen], haben<br />
sie Angst, dann Slowenisch [zu reden].<br />
Obwohl wir den ganzen Weg – sie fahrt mit<br />
mir […] und dann fängt sie halt an [Deutsch<br />
zu sprechen], wenn jemand zuhört. Wenn wir<br />
alleine sind, reden wir Slowenisch.“<br />
Ungleich schwerer und oft gänzlich unmöglich<br />
gestaltete sich aber das Festhalten an der<br />
slowenischen Mutter- oder Umgangssprache<br />
für jene, die als Einzelne in mehrheitlich<br />
deutschsprachige Dörfer kamen. Maria V.,<br />
eine 80jährige Frau, die heute im österreichischen<br />
Gosdorf lebt und die in ihrer Kindheit<br />
und Jugend, die sie im SHS-Staat nahe der<br />
Grenze verbrachte, sowohl Slowenisch als<br />
auch Deutsch sprach („Bei uns war das so, du<br />
hast ja alles mit jedem reden können. Du hast<br />
alles können. Alle zwei Sprachen.“), erzählte<br />
mir etwa davon, wie sie nach dem Krieg gezwungen<br />
war, nacheinander beide Sprachen<br />
aufzugeben, die sie beherrschte: Zuerst galt es,<br />
im jugoslawischen Staat die deutsche Sprache<br />
zu vergessen und schließlich, nachdem sie und<br />
171
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
ihre Familie in den 50er Jahren über die Grenze<br />
nach Österreich geflüchtet waren, wiederholte<br />
sich der Sprachverlust – diesmal war es<br />
das Slowenische, das sie aufgab, um bei Behörden<br />
und Nachbarn nicht noch mehr Argwohn<br />
hervorrufen, da sie sich durch ihre stigmatisierte<br />
Herkunft von „drüben“ ohnedies schon<br />
verdächtig machte:<br />
Und ihr habt dann hier nur mehr Deutsch<br />
geredet?<br />
„Nur mehr Deutsch [lacht]. Von unseren Kindern<br />
kann ja keines mehr Slowenisch.“<br />
Und haben sich deine Kinder interessiert<br />
dafür, dass du drüben aufgewachsen bist?<br />
Wollten sie da viel wissen darüber?<br />
„Nein, nichts. Damals haben wir gar nichts<br />
mehr erzählt. Haben wir gar nichts geredet<br />
darüber nachher. Wir haben ihnen nur gesagt,<br />
wir sind von drüben her. Gar nichts weiter.<br />
Und heute kann sowieso keiner mehr Slowenisch.<br />
Die anderen Alten auch nicht.“<br />
Wie in dieser Geschichte bereits anklingt, war<br />
in den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende die<br />
deutsche Sprache jenseits der Grenze in Jugoslawien<br />
ebenso verpönt wie die slowenische im<br />
diesseitigen österreichischen Grenzgebiet. Die<br />
wenigen deutschsprachigen Bewohner/innen,<br />
die nicht direkt nach dem Krieg nach Österreich<br />
ausgesiedelt wurden, sahen sich einem<br />
Sprachverbot ausgesetzt, wie mir Anna P., eine<br />
heute in Bad Radkersburg lebende ehemalige<br />
Bewohnerin des Apaško polje, erzählt: „Das<br />
waren damals stille Zeiten. Da hast du gar<br />
nicht dürfen gescheit Deutsch reden. So war<br />
das. Wenn einer dich gehört hat …“<br />
Denunziationen bei den Behörden waren keine<br />
Seltenheit, die Angst ging noch lange um, man<br />
könnte – etwa vom eigenen Nachbarn – dabei<br />
erwischt werden, seine deutsche Mutter- oder<br />
172<br />
Umgangssprache zu benutzen. Noch im Jahre<br />
1973 wurde zum Beispiel ein Grabstein mit<br />
deutschsprachiger Inschrift, der am Friedhof<br />
in Apače errichtet worden war, in der Zeitung<br />
erwähnt, da man sich noch immer an der Verwendung<br />
der deutschen Sprache stieß. 14 Dass<br />
über eine solche Inschrift sogar medial berichtet<br />
wurde, zeigt aber wohl auch, wie sehr der<br />
umgangs- oder muttersprachliche Gebrauch<br />
der deutschen Sprache in Jugoslawien damals<br />
bereits zur Seltenheit geworden war.<br />
Vom Hinüberschauen und Wegsehen.<br />
„Ja, das Erstaunliche für mich ist gerade die<br />
Tatsache, dass diese historisch entstandenen<br />
Staatsgrenzen zu wirklichen Grenzen in den<br />
Köpfen der Menschen geworden sind. Das äußert<br />
sich im Sprachverhalten, im Austausch<br />
von Erinnerungen, in dem, worüber man redet<br />
beziehungsweise nicht redet. Die Grenzen sind<br />
auch die eigenen inneren Widerstände, die da<br />
wirksam sind.“ 15<br />
Ein massives Hindernis für die Herstellung<br />
von nationaler Homogenität an einer Grenze<br />
ist wohl der simple Umstand, dass das Andere,<br />
das Verbotene trotzdem immer noch visuell<br />
sichtbar bleibt. Zu jenem langen, oft schmerzhaften<br />
Prozess des Verlustes der Mehrsprachigkeit<br />
gesellte sich somit eine weitere Praxis der<br />
Verdrängung, die diesem Umstand der Sichtbarkeit<br />
beikommen sollte: die Beschneidung<br />
der Neugierde, des Interesses am Anderen,<br />
die auch eng verknüpft ist mit der Wahrnehmung<br />
des physischen Raums. Denn das Ziel<br />
einer jeden Grenze ist ihre Unsichtbarkeit, ist,<br />
dass man sie und damit auch die Begrenztheit<br />
des Eigenen, des Nationalen nicht mehr wahrnimmt.<br />
Dann hat die Grenze ihren eigentli-
chen Zweck erfüllt: Wenn das Andere und „die<br />
von der anderen Seite“, wie man auf der österreichischen<br />
Seite die Slowenen/innen gerne<br />
nennt, nicht mehr wahrgenommen werden,<br />
zumindest aus dem Bewusstsein ausgeblendet<br />
werden, wenn es schon aus dem Blickfeld niemals<br />
ganz möglich ist.<br />
Grenzen können zwei Formen von Reaktion<br />
auslösen – Neugierde und Identifikation oder<br />
Abwehr – so die Kulturanthropologin Elisabeth<br />
Katschnig-Fasch: „Das Fremde hinter der<br />
Schwelle der Erfahrung ist beängstigend und<br />
unheimlich, das ,Außerhalb’ ist verlockend<br />
und belastend zugleich. Es gleicht einem Spiegelbild<br />
[…], hinter das man einen Blick werfen<br />
möchte, um sich dahinter selbst zu entdecken.<br />
Und mit der Beunruhigung wächst das<br />
Bedürfnis, die Grenzen zu überschreiten.“ Was<br />
aber, wenn die Grenze – wie es nach 1945 beinahe<br />
ein Jahrzehnt lang der Fall war – nicht<br />
mehr überschritten werden darf?<br />
In informellen Gesprächen und in den narrativen<br />
Interviews, die ich mit älteren Grenzraumbewohnern/innen<br />
führte, tauchte immer<br />
wieder der Begriff des „Hinüberschauens“<br />
auf, was eine sehr konkrete Handlung meint:<br />
Während jener Zeit der toten Grenze ging man<br />
bis zur Mur und blickte zum jenseitigen Ufer<br />
hinüber und hielt in Ermangelung einer tatsächlichen<br />
Annäherung nach etwas Ausschau,<br />
das man vermisste und herbeisehnte, aber<br />
nicht erreichen konnte:<br />
„Ich bin ja auch ein paar Mal eingesperrt<br />
worden, weil ich hier herübergeschaut habe.<br />
Über die Mur. Haben sie gesagt, was ich da<br />
hinüberschaue, habe ich gesagt, da sind meine<br />
Leute drüben, die waren auf dieser Seite der<br />
Mur, und ich war drüben. Ja, die müsse ich<br />
vergessen.“<br />
(Maria V., 80 Jahre, Gosdorf, A, die von<br />
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
Jugoslawien nach Österreich hinüberschaute,<br />
nachdem Teile ihrer Verwandtschaft<br />
nach Österreich ausgesiedelt worden<br />
waren.)<br />
„Der Vater ist mit 49 Jahren gestorben, auch<br />
an dem Leiden. Der Doktor hat gesagt, gell,<br />
du gehst immer nach Hause rüberschauen,<br />
darum bist jetzt auch krank. […] Ja, der Vater<br />
ist doch jeden Tag hinübergegangen, jeden<br />
Sonntag, der ist doch an Gemütskrankheit gestorben,<br />
das hat doch den Krebs gefördert. Bis<br />
zur Grenze ist er gegangen.“<br />
(Anna S., 79 Jahre, Ratschendorf, A, deren<br />
Vater jeden Sonntag von Österreich<br />
nach Jugoslawien hinüberschaute, wo er<br />
und seine Familie vor der zwangsweisen<br />
Aussiedlung gelebt hatten.)<br />
„Ja, wir haben oft auch hinübergeschaut, in<br />
der schweren Zeit. Wir haben ja hinübergesehen.<br />
Aber, ja, was sollst du machen. Kannst<br />
du nichts machen.“<br />
Hat man das Haus gesehen, wo Sie daheim<br />
waren?<br />
„Ja. […] Überhaupt im Frühjahr, wenn das<br />
Laub unten ist.“<br />
(Anna P., 84 Jahre, Radkersburg, A, die<br />
von Österreich aus hinüber nach Jugoslawien<br />
schaute, nachdem sie 1946 gezwungen<br />
wurde, aus Jugoslawien auszusiedeln.)<br />
Der begehrliche Blick zur anderen Seite hin, die<br />
Neugierde auf das, was nicht mehr sein durfte,<br />
musste unter Kontrolle gebracht werden,<br />
konnte doch das Schauen schnell in Handeln<br />
umschlagen und aus einem Blick eine Grenzüberschreitung<br />
werden. So wurden jene Bemühungen,<br />
den Kontakt mit „drüben“ nicht ganz<br />
173
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
abreißen zu lassen, mit umso vehementeren<br />
Autoritäts- und Machtdemonstrationen durch<br />
die Grenzwachen beantwortet. Im Dezember<br />
1945 etwa kam es zur Erschießung mehrerer<br />
junger Menschen durch jugoslawische Soldaten,<br />
weil diese die Mur illegal überquert hatten,<br />
um zu ihren alten Häusern in Jugoslawien<br />
zu gelangen. 16 Auch berichteten mir meine<br />
Gesprächspartner/innen immer wieder davon,<br />
dass es auf jugoslawischer Seite zu Verhaftungen<br />
kam, wobei es genügte, sich auch nur in<br />
der Nähe der Mur aufzuhalten. Um die Aufgriffe<br />
von „Unbefugten“ zu erleichtern, wurden<br />
auch die Bäume direkt am Ufer großteils<br />
abgeholzt. Und so wurden der Grenzfluss und<br />
seine Ufer immer mehr zum Angstraum, zur<br />
verbotenen Zone.<br />
Mit der Zeit ließ sich auch der sehnsuchtsvollste<br />
Blick bändigen: Anna S. (siehe Zitat<br />
oben) war eine „Ausgesiedelte“, deren Vater<br />
krank wurde und starb, weil er „immer nach<br />
Hause rüberschauen“ ging und deren Mutter<br />
„nicht mehr neugierig war auf daheim“, als<br />
sich ihr endlich die Möglichkeit geboten hätte,<br />
wieder nach Jugoslawien zu fahren. So fuhr<br />
ihre Tochter Anna bei der ersten Gelegenheit<br />
alleine in jenes jugoslawische Dorf zurück, in<br />
dem sie aufgewachsen war, um zu sehen, was<br />
von ihrem Zuhause übrig geblieben war. Doch<br />
man ließ sie nicht mehr in ihr altes Haus eintreten,<br />
die alten Nachbarn schauten weg, als<br />
sie sie kommen sahen: „Das war für mich da<br />
drinnen [legt ihre Hand auf die Herzgegend]<br />
genau so, wie wenn alles zusammenbrechen<br />
würde.“ Danach sei sie ebenfalls kaum mehr<br />
über die Grenze gefahren, obwohl sie noch immer<br />
nur von „daheim drüben“ träume.<br />
Auch Anna P. (siehe Zitat oben), deren Schwester<br />
in Jugoslawien blieb, weil sie mit einem jugoslawischen<br />
Staatsbürger verheiratet war,<br />
174<br />
während sie selbst nach Österreich ausgesiedelt<br />
wurde, kam, als die Grenze sich nach langen<br />
Jahren erstmals wieder ein wenig öffnete,<br />
ausgesprochen selten über die Grenze. Dass sie<br />
ihre eigene Schwester nach 1945 kaum je gesehen<br />
hat, kommentiert sie mit einem lapidaren:<br />
„Jetzt ist die Schwester drüben. Und da … Jeder<br />
hat selber was, gell, da interessiert das gar<br />
nicht …“<br />
Wie sich erinnern?<br />
„Unser früheres Selbst ist keineswegs so leicht<br />
zu vergessen, denn die Vergangenheit ist unseren<br />
Erfahrungen gemäß ein enorm zähes<br />
und beharrliches Wesen, sie wirkt in uns, auch<br />
wenn wir uns ihrer entledigen oder entledigen<br />
wollen.“ 17<br />
Über Jahrzehnte hinweg war das Leben an<br />
der südoststeirischen und nordslowenischen<br />
Grenze in erster Linie von einer trennenden<br />
Linie im Raum geprägt, die mit nationalen<br />
Feindbildern aufgeladen, mit schmerzhaften<br />
Erinnerungen behaftet und mit kollektivem<br />
Stillschweigen gestärkt wurde. Der Diskurs,<br />
der sich rund um den 1. Mai 2004 medial und<br />
politisch entfaltete und der oftmals die Nichtigkeit<br />
dieser Grenze herbeireden wollte, die<br />
Vergangenheit beschönigte und alte Ressentiments<br />
einfach ausblendete, negiert die Lebens-<br />
und Leidensgeschichten vieler, die in oft<br />
schmerzhafter Weise mit dieser Grenze leben<br />
lernen mussten.<br />
Das Erinnern und das Vergessen, zwei Elemente,<br />
die geholfen haben, diese Grenze in<br />
ihrer Wirkungsmacht zu stärken, gilt es nun<br />
in seinen Auswirkungen auf das Leben der<br />
Menschen voll zu begreifen. Schmerzhafte Erinnerungen<br />
sollen dabei aber nicht einer neu-
erlichen Verdrängung unterworfen und auch<br />
nicht für unbedeutend erklärt werden, sondern<br />
es gilt vielmehr, sich mit ihrer Bedeutsamkeit<br />
in dem alten, national geprägten Kontext auseinanderzusetzen,<br />
um sie schließlich in einen<br />
neuen Bezugs- und Erkenntnisrahmen stellen<br />
zu können. Dies erfordert eine tiefere Auseinandersetzung<br />
damit, wie und warum Staatsgrenzen<br />
gezogen wurden, was sie dabei ein-<br />
und was sie ausschlossen und nicht zuletzt<br />
auch, was verloren ging an Heterogenität, an<br />
Mehrsprachigkeit und an grenzüberschreitendem<br />
Wissen in den langen Jahren, die in erster<br />
Linie unter den Vorzeichen jeweils eines (National-)Staates<br />
standen. Nur so haben wir eine<br />
Chance, wirklich einen gleichberechtigten,<br />
entgrenzten Raum zu schaffen, in dem wir<br />
– uns der Unterschiede und Gemeinsamkeiten<br />
bewusst – aufeinander zu gehen können.<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Elisabeth Schober, Mag. Phil.<br />
Geboren 1981. Studierte Kulturanthropologie in<br />
Graz, Wien und Eau Claire, USA. Diplomarbeit<br />
zum Thema „Diskurs und Erinnerung an der<br />
steirisch-slowenischen Grenze“. Derzeit Masterstudium<br />
am Nationalism Studies Department<br />
der CEU in Budapest. – Rojena 1981. Študirala<br />
kulturno antropologijo v Gradcu, na Dunaju in<br />
v Eau Claire, ZDA. Diplomska naloga na temo<br />
Diskurz in spomin na štajersko-slovenski meji.<br />
Trenutno master-študij na Nationalism Studies<br />
Department CEU v Budimpešti.<br />
ANMERKUNGEN<br />
Wir haben oft auch hinübergeschaut<br />
1 Gerhard Mumelter, Europas letzte geteilte Stadt wächst zusammen (http://<br />
derstandard.at/?url=/?id=1647226 [27.4.2004]).<br />
2 Robert Lenhard, Willkommen!, in: Kleine Zeitung (Süd & Südwest),<br />
1.5.2004.<br />
3 Dieter Kindermann, Auch Mauern in den Köpfen durchbrochen, in: Kronen-<br />
Zeitung, 1.5.2004.<br />
4 Andreas Schnauder, Kein Interesse an EU-Wahlen und neuen Mitgliedern,<br />
in: Die Presse, 8.5.2004.<br />
5 Ein Jahr nach der EU-Erweiterung scheint die österreichweit verbreitete<br />
Skepsis lediglich einer Art von Gleichgültigkeit gewichen zu sein, wie eine<br />
journalistische Analyse von Umfragewerten, die im „Profil“ veröffentlicht<br />
wurden, erahnen lässt: „Gar nicht so schlimm ist […] der Wert von 54<br />
Prozent der Österreicher, die ,keine Auswirkung‘ des Beitritts der zehn EU-<br />
Neulinge verspüren. Dass aber 33 Prozent der Befragten meinen, dass<br />
der Beitritt ,eher Nachteile gebracht‘ hat, ist schon besorgniserregender.<br />
Aber dass nur acht Prozent ,eher Vorteile‘ sehen ist – gelinde gesagt –<br />
erschütternd.“ (Florian Kugler, Stolz auf die Erweiterung, in: Die Presse,<br />
29.4.2005).<br />
6 Elisabeth Schober, „Grenzenlos vielleicht“ – Kulturwissenschaftliche<br />
Interpretationen von Grenzregime, Diskurs und Erinnerung im<br />
südoststeirischen/nordslowenischen Grenzland, Phil DA. Graz, 2004.<br />
7 EU-Osterweiterung: Zuversicht und Skepsis bei Österreichern!, in : Kronen-<br />
Zeitung, 1.5.2004.<br />
8 Benedict Anderson, Imagined Communities, 2. Aufl. New York – London<br />
1991, S. 6.<br />
9 Karl-Markus Gauß, Das Europäische Alphabet. München 2000, S. 125.<br />
10 Für diesen kurzen Überblick zog ich besonders Haberl-Zemljič, Die<br />
Sprache im Dorf lassen. Festhalten und Aufgeben der Slowenischen<br />
Sprache in Radkersburg Umgebung – Wissenschaftliche Schriftenreihe<br />
des Pavelhauses, Bd. 6. Laafeld 2004; Hermann Kurahs, Grundzüge der<br />
Geschichte Bad Radkersburgs, in: Hermann Kurahs – Erwin Reidlinger<br />
– Erwin Szedonja, Bad Radkersburg. Bad Radkersburg 1997 u. Beatrix<br />
Vreča, Grenzbrücken über die Mur bei Radkersburg im 20. Jahrhundert, in:<br />
Hin und Her – Feldbacher Beiträge zur Heimatkunde der Südoststeiermark,<br />
H. 7. Feldbach 1998 zu Rate.<br />
11 Mensch an der Grenze zu sein, bedeutet auch eine große Verletzlichkeit.<br />
Ein Gespräch zwischen Ilse Pollack und Eduard Staudinger; in Leibnitz<br />
Aktuell, VI/2001.<br />
12 Haberl-Zemljič, Die Sprache, S. 97.<br />
13 Haberl-Zemljič, Die Sprache, S 34.<br />
14 Franz Josef Schober, Ein Friedhof jenseits des Flusses. Der Friedhof<br />
von Apače/Abstall als familien-, orts- und zeitgeschichtliche Quelle, in:<br />
Die Briten in den Bezirken Feldbach und Radkersburg. Feldbach: 2005 –<br />
Feldbacher Beiträge zur Heimatkunde der Südoststeiermark, H. 9/10, S.<br />
229.<br />
15 Mensch an der Grenze.<br />
16 Rudolf Grasmug – Johann Praßl – Franz Josef Schober, So war es 1938–<br />
1945. 50 Jahre Kriegsende in der Südosrtsteiermark – Schriften aus dem<br />
„Museum im Tabor“, Bd. 3. Feldbach 1996, S. 43f.<br />
17 György Konrád, Die Erweiterung der Mitte. Europa und Osteuropa am Ende<br />
des 20. Jahrhunderts. Wien 1999, S. 13.<br />
175
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
Zazreti se tja preko in odvrniti<br />
pogled<br />
Spominjanje in pozabljanje ob<br />
slovensko-štajerski meji ob širitvi EU<br />
176<br />
„Za odstranitev meja v človeških glavah<br />
trenutno ni nobenega določenega termina“ 1<br />
Prvi maj, ki je splošno znan kot praznik dela,<br />
je bil leta 2004 dopolnjen še z enim pomenom.<br />
Evropska unija (EU) se je razširila za deset novih<br />
držav, ta dogodek pa so v mnogih obmejnih<br />
krajih med starimi in novimi članicami<br />
proslavili z velikimi slovesnostmi. Tudi na<br />
meji med Slovenijo in avstrijsko Štajersko so<br />
priredili številna slavja – dve od največjih so<br />
pripravili na obeh mejnih mostovih, po katerih<br />
je vodila pot v takratno sosednjo državo: med<br />
Bad Radkersburgom in Gornjo Radgono ter<br />
Med Cmurekom (Mureck) in Tratami.<br />
Med številnimi gosti, ki so se udeležili obeh<br />
slavij, so bili tudi mnogi predstavniki politične<br />
prominence: tako takratna avstrijska zunanja<br />
ministrica Benita Ferrero-Waldner kot njen<br />
slovenski kolega Dimitrij Rupel sta se na primer<br />
znašla na mostu med obema Radgonama.<br />
„Zelo me veseli, da postaja ta most pravi most<br />
prijateljstva,“ je menila Ferrero-Waldnerjeva.<br />
Obveljalo je, da je treba že sicer dobre odnose<br />
s Slovenijo še bolj poglobiti. 2 Povsem podobno<br />
je bil obarvan tudi temeljni naboj uradnega<br />
(politično in medijsko izpostavljenega)<br />
govorjenja nasploh: Izpostavljene so bile<br />
ekonomske prednosti za vse udeležene,<br />
podčrtane skupne lastnosti in prijateljstvo ne<br />
glede na mejo, mnogo je bilo sklicevanja na<br />
skorajšnjo odpravo meja v Evropi in pogosto<br />
je bila omenjena celo Evropa brez meja kot že<br />
obstoječa sedanjost: „Če bi se bili srečali včeraj,<br />
bi morali reči: to- in onstran meje. Danes pa<br />
lahko rečemo: to- in onstran Mure,“ je na<br />
primer razlagal poslanec štajerskega deželnega<br />
zbora v svojem govoru na mostu čez Muro pri<br />
Cmureku. Vzporedno s tem je bil napovedan<br />
boj tudi „mejam v glavah“, ki so postale že<br />
pregovorne: „EU nima nobene alternative. Ne<br />
padajo le meje, ampak tudi zidovi v glavah.“ 3<br />
A ti uradni prikazi ob velikem dogodku<br />
komajda odslikavajo stališča povprečnega<br />
Avstrijca. Anketa, katere rezultate so objavili v<br />
časopisu Presse 8. maja 2004, kaže širitev EU v<br />
drugačni luči. V začetku maja je širitev EU na<br />
vzhod odobravalo le 34 % Avstrijcev/Avstrijk,<br />
kar 54 % pa se jih je celo izrecno opredelilo<br />
povsem proti. 4 Tako so nasprotniki širitve<br />
prvič dosegli absolutno večino prav v trenutku,<br />
ko je do širitve prišlo tudi dejansko. 5 Zame kot<br />
kulturno antropologinjo se je ob tem zastavilo<br />
vprašanje, na čem temeljijo razhajanja med<br />
dojemanjem (političnih) elit in prebivalstva – in<br />
to v prostoru, kjer sem pričakovala napetosti že<br />
zgolj zaradi geopolitične lege in zgodovinskih<br />
danosti: kako torej prav na meji razmišljati o<br />
nadaljnji izgubi pomena prav tiste črte, ki iz<br />
mejnega območja šele napravi to, kar je? Kot<br />
nekdo, ki je sam odraščal v obmejnem kraju<br />
Ratschendorf pri Cmureku, sem se odpravila<br />
na trimesečno terensko raziskavo glede 1. maja<br />
2004 v severnoslovenski območni skupnosti<br />
Gornja Radgona in Šentilj ter v južnoavstrijski<br />
okraj Bad Radkersburg, spraševat, kaj menijo<br />
ljudje ob meji o širitvi EU. In brez kamer in<br />
mikrofonov je bilo slišati tudi drugačne zvoke<br />
od navdušenja in veselja. Iz izjav prebivalcev/<br />
prebivalk obmejnega območja najrazličnejših<br />
starosti je bilo moč razbrati določeno<br />
previdnost, celo skepso, kot je moč posredno<br />
sklepati tudi iz izvlečkov pogovorov:
„No, ja, odpiranja meje, to je pač tako. Še<br />
vedno so tu policisti in žandarji. In schengenska<br />
meja bo morda šele leta 2012 in nič prej! […]<br />
[Zaničljivo]: Ah! Tudi prej je lahko, kdor<br />
je hotel, vedno šel čez na obisk. Za delo čez<br />
mejo pa je ostalo prehodno obdobje, sedem<br />
let. Pa tudi sicer ne bo mnogo novega zaradi<br />
širitve. Morda gospodarsko, glede blaga<br />
in podobnega.“ (Dušan S., 26 let, Črnci,<br />
SLO)<br />
„Tudi iz našega okrožja smo s slavnostnim<br />
dogodkom na mostu čez Muro pri proslavi<br />
sodelovali s slavjem slovenskih Štajercev. Že<br />
predtem sem opazil, da so do širitve mnogi<br />
prebivalci okrožja zelo kritični, […] le da<br />
tega ne izražajo zelo odkrito. Tudi zdaj in v<br />
prihodnje – ugotovil sem, da je bila udeležba<br />
prebivalstva našega okrožja na širitveni<br />
proslavi sicer opazna, a lahko bi bila še mnogo<br />
večja.“ (Anton Vukan, župan Gosdorfa,<br />
Austria)<br />
[Na vprašanje o mejah v glavi]:<br />
„Vsi imamo v glavah EU, ampak...“<br />
(Janez Ferencek, župnik iz Apač, SLO)<br />
In kaj ste vi imeli od vsega proslavljanja?<br />
„Ne, nisem bila tam [na proslavi]. Še po<br />
televiziji nisem vsega spremljala. Saj tega<br />
sploh še ne morem verjeti, da je to iskreno. To<br />
bomo šele videli, kako iskreno je v resnici.“<br />
Ker se to zdaj vedno imenuje „brezmejno“?<br />
[Obotavljajoče]: „Da...“<br />
Ali temu ne zaupate?<br />
„Saj ni mogoče vedeti, kaj še pride. Poglejte le,<br />
kaj se povsod dogaja. Povsem zaupati temu ne<br />
moreš.“ (Anna P., 84 let, Radkersburg, A)<br />
Za razliko od nasprotnikov/nasprotnic širitve<br />
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
v notranjosti Avstrije, ki so postavljali v<br />
ospredje vsakdanje strahove in skrbi, kot na<br />
primer nevarnost za delovna mesta in bojazen<br />
pred porastom kriminalitete 6 , so odpore<br />
do najnovejšega kroga širitve v obmejnem<br />
območju po pogostih izjavah prebivalcev<br />
sodeč napajali še drugi, globlje vsajeni vzgibi,<br />
tesno povezani z zgodovinskimi dogodki vse<br />
od nastanka meje, zasidrani v individualni in<br />
kolektivni spomin.<br />
V tem delu se nameravam približati dvema<br />
vrstama samoprilagajanja na mejo, ki sta bili<br />
po mojem mnenju že vseh 85 let od njenega<br />
nastanka osrednjega pomena in bosta vplivali<br />
tudi na prihodnje dojemanje širitve EU v letu<br />
2004: kulturni konstrukciji spominjanja in<br />
vsakdanji praksi potlačevanja. Spominjanje<br />
in pozabljanje razumem pri tem kot strategiji,<br />
ki funkcionirata kot nasprotni strani medalje:<br />
skozi določene diskurze spomina in prakse<br />
pozabe postaneta moč in pomen neke<br />
nacionalne meje, ki so jo iz centrov oblasti<br />
začrtali na periferiji, priznana in utrjena „od<br />
spodaj“. In danes, ko je ta meja po mnenju<br />
mnogih presežena, delujejo mehanizmi, preko<br />
katerih je v življenju ljudi sploh postala dejanski<br />
prag v prostoru in zavesti, še kar naprej.<br />
Skupnosti v predstavah in mogočne meje.<br />
Benedict Anderson je v knjigi Imagined<br />
Communities definiral narod kot skupnost<br />
v predstavah: „to je politična skupnost v<br />
predstavah – in predstavljamo si jo kot<br />
inherentno omejeno in hkrati suvereno.“ 7<br />
Anderson s tem po eni strani poudarja<br />
konstruiranost narodov (in s tem tudi<br />
nacionalnih držav, ki iz njih izhajajo), po drugi<br />
strani pa tudi njihove domnevno skupnostne<br />
prvine („community“), ki so zelo pomembne<br />
za učinkovitost nacionalne zavesti. V svoji<br />
177
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
definiciji izpostavlja tudi pomen teritorialne<br />
omejenosti („inherently limited“). Skupnostno<br />
sobivanje je organizirano predvsem okrog<br />
vključevanja in izključevanja, ki je med ostalim<br />
označeno z vidno teritorialno razmejitvijo;<br />
izključitev nekaterih omogoča tesnejšo<br />
vključitev ostalih. Na nacional(no-držav)nem<br />
nivoju lahko ta preprosti princip spremljamo<br />
še naprej: narodi delujejo kot skupnosti v<br />
predstavah, ker so prostorsko omejeni in ker<br />
prav to lahko utrjuje nacionalno identiteto,<br />
saj se onstran teritorialne meje nahaja nekaj<br />
drugega – druga država, drug narod... Temu<br />
Drugemu se velja zoperstaviti – kar lahko<br />
sega od splošnega „nekaj nas ločuje od tistih<br />
tam čez“ do aktivnega sovraštva – in tisti<br />
posamezniki, ki bi lahko zaradi jezikovne ali<br />
etnične delne identitete imeli z onimi, ki živijo<br />
onstran meje, tesnejše odnose, so pri tem<br />
pogosto takoj na muhi.<br />
Misel o konstruiranosti narodov napada tudi<br />
avstrijski esejist Karl-Markus Gauß. Narodi<br />
nasploh sicer so iznajdeni, piše, ampak „ko<br />
so enkrat iznajdeni [postanejo] vendarle<br />
[vse preveč] resnične in močno učinkovite<br />
zgodovinske danosti“. 8 Analogno temu lahko<br />
nekaj podobnega ugotovimo tudi za meje: ko<br />
so enkrat zarisane, postanejo – prav zaradi<br />
moči nacionalne države, ki izvaja svojo oblast<br />
tudi (ali predvsem) na svojih mejah – učinkovit<br />
instrument, ne nazadnje tudi pri vsakdanjem<br />
početju, ki se naseli v glavah ljudi. Kar je bilo<br />
konstruirano „od zgoraj“, velja torej razumeti<br />
po učinkih na vsakdanje življenje navadnih<br />
ljudi.<br />
Marsikaj od teh razmišljanj o nacionalnem in<br />
njegovih mejah lahko v praksi dokažemo tudi<br />
glede zgodovine tiste meje, o kateri je govor<br />
tukaj. Kratek pogled v zgodovino pokaže, 9 da<br />
je celo na tej srednjeevropski meji med Avstrijo<br />
178<br />
in Slovenijo – ki bi se utegnila v primerjavi z<br />
najbolj problematičnimi in militariziranimi<br />
mejami, kot je na primer med Izraelom in<br />
Palestino, zdeti povsem neproblematična –<br />
dikcija o brezmejnosti šele zadnje čase postala<br />
relevantna.<br />
Ko je bila v letih 1919-1920 med mirovnimi<br />
pogajanji v St. Germainu določena meja med<br />
tedanjo državo SHS in Avstrijo, je bilo to za<br />
mejno področje okrog obeh Radgon ključna<br />
točka za dolge, tudi nasilne spopade glede<br />
zarisovanja meje. Ne le, da je državna meja<br />
potekala skozi središče okrajne prestolnice, še<br />
mnogo pomembneje je, da je bilo „[celotno]<br />
zgodovinsko območje, ki se je poprej razvijalo<br />
večjezično“ 10 , razdeljeno s črto, vrisano v<br />
pokrajino. Manjšini, ki sta zaradi tega nastali<br />
na obeh straneh meje – nemškogovoreča okrog<br />
danes slovenskih Apač in slovenskogovoreča<br />
v avstrijskih vaseh Radgonskega kota -,<br />
sta tako skozi leta in desetletja vedno bolj<br />
postajali žogica v igri oblasti, ki so hotele<br />
izkoristiti obstoj teh skupnosti pri postavljanju<br />
ozemeljskih zahtev sosednji državi.<br />
Med drugo svetovno vojno in v povojnem času<br />
se je situacija ob meji zaostrila do popolnosti:<br />
sledeč Hitlerjevi dikciji „napravite mi to deželo<br />
spet nemško“ so začeli – tudi ob pomoči<br />
nemškogovorečega obmejnega prebivalstva<br />
– sistematično izganjati in moriti slovenske<br />
prebivalce zasedenih delov SHS. Partizani<br />
in kasneje jugoslovanske vojaške enote so<br />
se ob koncu vojne maščevali nad preostalo<br />
nemškogovorečo manjšino, katere pripadnike<br />
so večinoma internirali ali izselili v Avstrijo.<br />
Te medvojne in povojne delitve so imele učinke<br />
še leta in desetletja kasneje. Šele leta 1965 so<br />
bili med obema državama odpravljeni vizumi,<br />
pred tem pa je regijo zaznamovala skoraj<br />
neprehodna mrtva meja.
Medtem ko so se uradni odnosi med Jugoslavijo<br />
in Avstrijo od 60-ih let počasi bolj kot ne<br />
normalizirali, so ostajali spomini v glavah<br />
obmejnih prebivalcev pogosto še naprej živi:<br />
„Šestdeset let je minilo, a v ljudeh še vedno<br />
živi spomin na tisto vojno,“ je to poudaril<br />
mladi Slovenec Dušan S. iz vasi Črnci, ko<br />
sem ga vprašala, zakaj tam okrog še posebno<br />
starejši ljudje kažejo tako malo navdušenja nad<br />
odpravljanjem meje, ob kateri so preživeli vse<br />
življenje.<br />
O izgubi večjezičnosti.<br />
„Državna meja torej deluje gromozansko<br />
homogenizirajoče“ 11<br />
Če iz enega zgodovinskega večjezičnega<br />
prostora nastaneta dva med sabo jasno ločena<br />
prostora, terja to mnoge kulturne, družbene in<br />
osebne izgube. „Naravna“ meja ne obstaja, zato<br />
je predvsem v letih in desetletjih po razmejitvi<br />
vsa pozornost posvečena ustvarjanju,<br />
ohranjanju in krepitvi predstave o naravnosti<br />
meje, kar vključuje tudi prizadevanja za<br />
etnično in jezikovno enotnost znotraj lastnega<br />
nacionalnodržavnega teritorija.<br />
Poleg prvih in najbolj očitnih organov<br />
državnega mejnega nadzora – torej mejnih<br />
stražarjev, ki so zasedli položaje vsak na<br />
svoji strani mostov, da bi nadzirali in izvajali<br />
stroge predpise o prestopanju meje – so<br />
bile vzpostavljene še neformalne kontrolne<br />
instance, ki so si prizadevale vzpostaviti<br />
predstave o homogenosti med samimi<br />
prebivalci in prebivalkami ob meji. Tako na<br />
tej kot na drugi strani Mure so se na lokalnih<br />
ravneh zelo trudili spodrezati jezik druge<br />
strani – pri znancih, pri sosedih, pri samih<br />
sebi. V svojem zgodovinskem delu Pustiti<br />
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
jezik v vasi poroča Andrea Haberl-Zemljič o<br />
dolgem vztrajanju in na koncu pospešenem<br />
izginevanju slovenskega jezika v vaseh okrog<br />
Radgone. Poleg sprejemanja vplivov „od zgoraj“<br />
namenja Haberl-Zemljičeva mnogo prostora<br />
tudi kompleksni in pogosto ambivalentni vlogi<br />
prebivalcev in prebivalk samih:<br />
Pogosto smo morali v teku desetletij doživeti<br />
strah pred tem, da bi izstopali in s tem<br />
postali tarča sankcij. Nosilci političnih<br />
odločitev seveda niso hoteli, da bi se o njih<br />
širile govorice. V zvezi s tem lahko govorimo<br />
celo o kolektivni zavesti, ki se je vtiskovala v<br />
zavedanje prebivalcev petih zaselkov vse do<br />
danes. Pri tem je bila bojazen, da nekoga ne bi<br />
imeli za lojalnega Avstrijca, že če bi le govoril<br />
slovensko, nedvomno utemeljena še v 50-ih,<br />
kot so pokazale tudi reakcije javnih uradov na<br />
ljudsko štetje. Dandanes pa kar nekaj stvari<br />
govori v prid trditvi, da resničnost ne daje več<br />
razlogov za strah pred represalijami. A kot<br />
se je že mnogokrat potrdilo, so se predstave<br />
izkazale za mnogo bolj trdožive od z njimi<br />
povezane resničnosti. 12<br />
Zaprti vaški skupnosti, ki jo opisuje Haberl-<br />
Zemljičeva, pa je kljub vsemu uspelo razmeroma<br />
dolgo obdržati slovenščino kot „vaški jezik“,<br />
pri čemer so se člani navzven trudili veljati<br />
za nemškogovoreče. Josefa P. iz Žetincev<br />
(Sicheldorf) je v intervjuju pripovedovala o<br />
tem, kako je neka njena znanka, katere materni<br />
jezik je bila prav tako slovenščina, zamenjala<br />
jezik, kakor hitro se je počutila opazovano:<br />
„In če zdaj pridete v mesto ali kamorkoli že<br />
in začnete avtomatsko [govoriti nemško], vas<br />
je nato strah [govoriti] slovensko. Čeprav sva<br />
vso pot – z mano se je peljala – in kadar sva<br />
bili sami, govorili slovensko, je začela takoj<br />
[govoriti nemško], če je kdo drug poslušal.“<br />
Mnogo težje in marsikdaj povsem nemogoče<br />
179
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
pa je bilo obdržati slovenščino kot materni<br />
ali občevalni jezik tistim, ki so sami prišli v<br />
večinoma nemškogovoreče vasi. Maria V.,<br />
80-letna gospa, ki živi danes v avstrijskem<br />
Gosdorfru, otroštvo in mladost je preživela<br />
blizu meje v takratni državi SHS, govorila<br />
pa je tako slovensko kot nemško („Pri nas je<br />
bilo tako, da si se moral vendar vse z vsakim<br />
pogovoriti. Moral si vse znati, v obeh jezikih.“),<br />
mi je na primer pripovedovala o tem, kako je<br />
morala enega za drugim opustiti oba jezika, ki<br />
ju je obvladala: najprej je veljalo v jugoslovanski<br />
državi pozabiti nemški jezik, in končno, ko je<br />
s svojo družino v 50-ih prebegnila čez mejo v<br />
Avstrijo, se je izguba jezika ponovila – tokrat<br />
se je odpovedala slovenščini, saj pri uradnikih<br />
in sosedih ni hotela vzbujati še več sumničenja,<br />
kot ga je že sicer zaradi svojega stigmatiziranega<br />
porekla „od tam preko“:<br />
180<br />
In ste tukaj potem govorili le še nemško?<br />
„Samo še nemško [smeh]. Od naših otrok ne<br />
zna več nobeden nič slovensko.“<br />
Pa je vaše otroke kaj zanimalo, da ste<br />
zrasli „tam čez“? So hoteli o tam mnogo<br />
izvedeti?<br />
„Ne, ničesar. O tem nismo niti ničesar<br />
pripovedovali. Rekli smo jim le, da smo od<br />
tam in prav nič več. In danes tako ali tako ne<br />
zna nihče več slovensko. Drugi starci prav tako<br />
ne.“<br />
Kot je čutiti že iz te zgodbe, je bila v prvih<br />
desetletjih po vojni nemščina v Jugoslaviji prav<br />
tako tabuizirana kot slovenščina v obmejnem<br />
območju takratne Avstrije. Maloštevilni<br />
nemškogovoreči prebivalci in prebivalke, ki<br />
niso bili izseljeni v Avstrijo takoj po vojni, so se<br />
znašli sredi prepovedi nemškega jezika, kot mi<br />
je povedala Anna P., danes v Bad Radkersburgu<br />
živeča bivša prebivalka Apaškega polja: „Tisto<br />
so bili tihi časi. Takrat nisi smel nič pametnega<br />
povedati po nemško. Tako je bilo to. Če bi te<br />
kdo slišal …“<br />
Ovadbe organom pregona niso bile nobena<br />
redkost, strah se je še dolgo širil, mogoče<br />
je bilo, če te je kdo – na primer kak sosed –<br />
zasačil pri uporabi svoje materne ali pogovorne<br />
nemščine. Še leta 1973 je bil na primer<br />
nagrobni kamen z nemškim napisom, ki so<br />
ga uredili na pokopališču v Apačah, omenjen<br />
v časopisu, saj so se ljudje še vedno obregovali<br />
ob uporabo nemškega jezika. 13 Da so o takem<br />
napisu poročali celo javni mediji, pa nedvomno<br />
dokazuje tudi to, kako redka je že do takrat<br />
postala raba nemščine kot maternega ali<br />
občevalnega jezika.<br />
O gledanju tja čez in odvračanju pogleda.<br />
„Da, zame je najbolj osupljivo prav dejstvo, da<br />
so te zgodovinsko nastale državne meje nastale<br />
resnične meje v glavah ljudi. To se odraža v<br />
jezikovnem obnašanju, izmenjavi spominov, v<br />
tem, o čemer se govori oziroma ne govori. Meje<br />
so tudi lastni notranji odpori, ki so pri tem<br />
dejavni.“ 14<br />
Velika ovira pri vzpostavljanju nacionalne<br />
homogenosti ob meji je že preprosta okoliščina,<br />
da ostane drugi, prepovedani, kljub vsemu<br />
viden s prostim očesom. Dolgemu in pogosto<br />
bolečemu procesu izgubljanja večjezičnosti se<br />
je torej pridružila še praksa zatiranja, ki naj<br />
bi bila kos tej očitni okoliščini: odvračanje od<br />
radovednosti, zanimanja za druge, kar je tesno<br />
povezano z dojemanjem fizičnega prostora.<br />
Kajti cilj vsake meje je nepreglednost, da človek<br />
meje in s tem tudi omejenosti samega sebe in<br />
svoje nacionalnosti ne zaznava več. Ko tisto
drugo in „tisti z one strani“ (kot na avstrijski<br />
strani radi imenujejo Slovence/Slovenke) niso<br />
več opaženi ali pa so vsaj izključeni iz zavesti,<br />
ko ni več povsem mogoče niti njihovo popolno<br />
pojavljanje v vidnem polju – šele takrat doseže<br />
meja svoj resnični namen. Meje lahko sprožijo<br />
dve vrsti reakcij – radovednost in identifikacijo<br />
ali obrambo -, meni kulturna antropologinja<br />
Elisabeth Katschnig-Fasch: „Tisto tuje za<br />
izkustvenim pragom je zastrašujoče in grozljivo,<br />
tisto izven je vabljivo in hkrati obremenjujoče.<br />
Spominja na zrcalno podobo, […] za katero<br />
bi radi pokukali in za njo odkrili sami sebe. Z<br />
nemirom pa raste občutek potrebe, da bi meje<br />
prestopili.“ Kaj pa, če meje – kot se je dogajalo<br />
skoraj vse leto 1945 – sploh ni več mogoče<br />
prestopiti?<br />
Med neformalnimi pogovori in pripovednimi<br />
intervjuji, ki sem jih opravila s starejšimi<br />
prebivalci in prebivalkami ob meji, sem vedno<br />
znova naletela na pojem „gledanja tja čez“, kar<br />
pomeni zelo konkretno početje. V času „mrtve<br />
meje“ so hodili ljudje prav do Mure in gledali<br />
na drugo obrežje, ki so ga pogrešali in želeli, a<br />
se mu ni bilo mogoče približati v resnici:<br />
„Tudi mene so nekajkrat zaprli, ker sem<br />
gledala tja preko. Čez Muro. So mi rekli, kaj<br />
to gledaš tam čez, pa sem odvrnila, da so tam<br />
čez moji ljudje, oni so bili na tisti strani Mure,<br />
jaz pa preko. Da, njih sem morala pozabiti.“<br />
(Maria V., 80 let, Gosdorf, A, je začela<br />
gledati iz Jugoslavije čez Muro v<br />
Avstrijo, ko se je v Avstrijo preselil del<br />
njenega sorodstva.)<br />
„Moj oče je umrl pri 49 letih, tudi od trpljenja.<br />
Doktor je povzdignil glas: ‚Ker vedno znova<br />
hodiš gledat hiše tam čez, si zdaj tudi zbolel.‘<br />
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
[…] Da, oče je vsak dan šel tja, vsako nedeljo.<br />
Umrl je vendar zaradi melanholije, ta mu je<br />
povzročila raka. Prav do meje je hodil.“<br />
(Anna S., 79 let, Ratschendorf, A, njen<br />
oče je vsako nedeljo gledal iz Avstrije<br />
v Jugoslavijo, kjer je z družino živel do<br />
prisilne izselitve.)<br />
„Tudi mi smo v tistih težkih časih pogosto<br />
gledali preko. Pa kaj naj bi storili. Nič ni bilo<br />
mogoče storiti.“<br />
Se je videla hiša, kjer ste prej stanovali?<br />
„Da. […] Še posebno pomladi, ko je listje še<br />
na tleh.“<br />
(Anna P., 84 let, Radkersburg, A, ki je<br />
gledala proti Jugoslaviji, potem ko se je<br />
bila leta 1946 prisiljena izseliti.)<br />
Poželjive poglede tja na drugo stran, radovednost<br />
do tistega, kar ni več smelo biti njihovo, je<br />
bilo treba spraviti pod kontrolo, saj bi sicer<br />
gledanje hitro preraslo v trgovanje in pogledi<br />
v prehajanje meje. Zato so mejni stražarji na<br />
poskuse, da se stiki s „tistim tam preko“ ne bi<br />
povsem pretrgali, ponavadi odgovarjali s toliko<br />
bolj vehementnimi demonstracijami sile in<br />
avtoritete. Tako so decembra 1945 jugoslovanski<br />
vojaki ustrelili več mladih ljudi, ki so skušali<br />
ilegalno prečkati Muro, da bi prišli do svojih<br />
starih hiš v Jugoslaviji. 15 Moji sogovorniki/<br />
sogovornice so mi venomer pripovedovali, da<br />
je bilo na jugoslovanski strani mnogo aretacij,<br />
za katere je zadostovalo že to, da se je nekdo<br />
le zadrževal v bližini Mure. Da bi olajšali<br />
odkrivanje „nepooblaščenih oseb“, so v veliki<br />
meri posekali tudi drevesa tik ob rečni obali.<br />
Tako sta postali reka in njena obala vedno bolj<br />
prepovedani coni in prostora strahu. Sčasoma<br />
se je pustil ukrotiti tudi hrepeneči pogled:<br />
Anna S. (glej gornji citat) je bila „izseljenka“,<br />
181
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
katere oče je zbolel in umrl, ker je „venomer<br />
gledal preko proti domu“, in njena mati zato<br />
„ni bila več radovedna, kaj je s hišo“, ko se ji je<br />
končno ponudila priložnost, da je spet obiskala<br />
Jugoslavijo. Tako se je njena hčerka M. ob prvi<br />
priložnosti odpeljala v jugoslovansko vas, kjer<br />
je odraščala, da bi si ogledala, kaj je ostalo od<br />
nekdanjega doma. A v hišo ji niso pustili več<br />
vstopiti in bivši sosedje so se obrnili stran, kol<br />
so jo videli prihajati: „To je bilo zame tukaj<br />
notri [roko je položila v bližino srca] natančno<br />
tako, kot če bi se mi vse zlomilo.“ Po tistem se<br />
je tudi sama le še redkokdaj odpeljala čez mejo,<br />
čeprav še vedno sanja „le o domu tam preko“.<br />
Tudi Anna P (glej gornji citat), katere sestra<br />
je ostala v Jugoslaviji, ker je bila poročena z<br />
jugoslovanskim državljanom, medtem ko se je<br />
sama izselila v Avstrijo, je šla, čeprav se je po<br />
dolgih letih meja prvič vsaj malo odprla, izrazito<br />
redko čez mejo. Da je lastno sestro po letu 1945<br />
komaj še kdaj videla, redkobesedno pojasni, češ<br />
da „je sestra zdaj tam čez, in vsak ima sam kaj<br />
zase, torej se za to ni treba preveč brigati...“<br />
Kako se spominjati?<br />
„Svojega zgodnjega sebstva nikakor ne moremo<br />
zlahka pozabiti, kajti preteklost je glede na<br />
naše izkušnje izredno žilavo in vztrajno bitje,<br />
ki deluje v nas, četudi se mu odrečemo ali se<br />
mu hočemo odreči.“ 16<br />
Skozi desetletja je bilo življenje na meji<br />
med južno Avstrijo in severno Slovenijo<br />
zaznamovano s črto ločnico v prostoru, ki se je<br />
napajala s podobami nacionalnega sovražnika<br />
in bila obremenjena z bolečimi spomini in<br />
okrepljena s kolektivnim molkom. Diskurz, ki<br />
se je v medijih in politiki razvil okrog 1. maja<br />
2004, je pogosto želel poudarjati nepomembnost<br />
te meje, olepševati preteklost in preprosto<br />
182<br />
zamižati pred starimi zamerami, je zanikal<br />
življenjske in trpljenjske zgodbe mnogih, ki so<br />
se morali na pogosto boleč način naučiti živeti<br />
ob meji.<br />
Spominjanje in pozabljanje, elementa, ki sta<br />
pripomogla, da se je pomen učinka meje okrepil,<br />
je treba dojeti tudi glede na vplive, ki sta jih imela<br />
na življenje ljudi. Bolečih spominov pa zato še<br />
ne smemo ponovno podvreči potlačitvam niti<br />
razglasiti za nekaj nepomembnega, ampak se<br />
velja tem bolj spopasti z njihovim pomenom v<br />
starem, nacionalno obremenjenem kontekstu,<br />
da bi jih lahko končno postavili v okvir novih<br />
odnosov in spoznanj. To pa zahteva bolj<br />
poglobljeno preučevanje, kako in zakaj so bile<br />
zarisane državne meje, kaj so pri tem vključile<br />
in kaj izključile in, ne nazadnje, kaj se je pri tem<br />
predvsem pod zaščitnim znakom vedno enega v<br />
dolgih letih izgubilo na področjih heterogenosti,<br />
večjezičnosti, čezmejnega znanja.<br />
(Nacionalne) države so obstajale. Zdaj imamo<br />
priložnost, da dosežemo zares enakopraven in<br />
meja prost prostor, kjer bomo lahko – zavedajoč<br />
se tako razlik kot enakosti – šli drug drugemu<br />
naproti.
OPOMBE<br />
1 Gerhard Mumelter, Zadnje razdeljeno mesto v Evropi raste skupaj (http://<br />
derstandard.at/?url=/?id=1647226 [27.4.2004]) .<br />
2 Robert Lenhard, Dobrodošli!, v: Kleine Zeitung (jug & jugozahod), 1. 5.<br />
2004.<br />
3 Dieter Kindermann, Tudi zidovi v glavah prebiti, v: Kronen-Zeitung, 1. 5.<br />
2004.<br />
4 Andreas Schnauder, Nobenega zanimanja za evropske volitve v novih<br />
članicah, v: Die Presse, 8. 5. 2004.<br />
5 Eno leto po širitvi EU se zdi, da se je po vsej Avstriji razširjena skepsa<br />
zgolj skrčila v neko vrsto brezbrižnosti. Na tak sklep napeljuje novinarska<br />
analiza anketnih odgovorov, objavljena v Profilu: „Niti ni tako hudo […], da<br />
kar 54 % Avstrijcev ne čuti ‚nobenega učinka‘ desetih novih članic EU. Bolj<br />
zaskrbljujoče je, da kar 33 % vprašanih meni, da je pristop novih držav<br />
‚prinesel več škode kot koristi‘. Da pa le 8 % vidi ‚več koristi‘, je – milo rečeno<br />
– osupljivo.“ (Florian Kugler, Ponosni na širitev, v: Die Presse, 29. 4. 2005.<br />
6 Širitev EU na vzhod: Zaupanje in dvom pri Avstrijcih!, v : Kronen-Zeitung, 1.<br />
5. 2004.<br />
7 Benedict Anderson, Imagined Communities, 2. izd. New York-London 1991,<br />
str. 6.<br />
8 Karl-Markus Gauß, Evropska abeceda. München 2000, str. 125.<br />
9 Za ta kratki pregled sem povzemala predvsem: Haberl-Zemljič, Pustiti<br />
jezik v vasi. Ohranjanje in opuščanje slovenskega jezika v okolici Radgone<br />
– Znanstvena zbirka Pavlove hiše, zv. 6. Potrna 2004; Hermann Kurahs,<br />
Temeljne poteze zgodovine Radgone, v: Hermann Kurahs-Erwin Reidlinge-<br />
Erwin Szedonja, Bad Radkersburg. Bad Radkersburg 1997 in. Beatrix<br />
Vreča, Mejni mostovi čez Muro pri Radgoni v 20. stoletju, v: Sem in tja –<br />
Feldbaški prispevki k domoznanstvu jugovzhodne Štajerske, H. 7. Feldbach<br />
1998.<br />
10 Biti človek ob meji pomeni tudi veliko ranljivost. Pogovor med Ilse Pollack in<br />
Eduardom Staudingerjem, v Leibnitz Aktuell, VI/2001.<br />
11 Haberl-Zemljič, Jezik, str. 97.<br />
12 Haberl-Zemljič, Jezik, str. 34.<br />
13 Franz Josef Schober, Pokopališče onstran vodotoka. Pokopališče v<br />
Apačeah/Abstall kot družinski, krajevni in časovnoizpovedni vir, v: Britanci<br />
v okrajih Feldbach in Radkersburg. Feldbach: 2005 – Feldbaški prispevki k<br />
domoznanstvu jugovzhodne Štajerske, izd. 9/10, str. 229.<br />
14 Človek na meji.<br />
15 Rudolf Grasmug-Johann Praßl-Franz Josef Schober, Tako je to bilo 1938-<br />
1945. 50 let od konca vojne na Štajerskem – Zapisi iz „Muzeja v Taboru“, zv.<br />
3. Feldbach 1996, str. 43f.<br />
16 György Konrád, Širitev sredine. Evropa in Vzhodna Evropa ob koncu 20.<br />
stoletja. Dunaj 1999, str. 13.<br />
Zazreti se tja preko in odvrniti pogled<br />
183
Bildgalerie – galerija slik VI<br />
Oktober 2005: Symposion – oktober 2005: Simpozij - Ko ni več meja, veleposlanik Ernest Petrič<br />
Janez Kramberger Franc Pukšič<br />
184
Trate v Evropski uniji<br />
Brezbrižnost do obmejnih krajev: odgovornost krajanov, občin ali države?<br />
� Text: Sonja Bezjak<br />
Trate ležijo v Slovenskih goricah in z edinim mostom čez Muro med Šentiljem in Gornjo Radgono<br />
predstavljajo pomembno mednarodno prometno povezavo s čezmejnimi avstrijskimi kraji, tako v<br />
smeri proti Lipnici kot tudi proti Gradcu in (avstrijski) Radgoni. Zgodba o Tratah je podobna še<br />
kateri slovenski zgodbi, ki skupaj ne sodijo v zbirko tistih o uspehu.<br />
Ljudje pred Petkovim mlinom in žago v času pred drugo svetovno vojno<br />
Trate v Evropski uniji<br />
185
Trate v Evropski uniji<br />
Delavci pred stroji v Petkovem mlinu po drugi svetovni vojni – Die Arbeiter in der Petek-Mühle nach dem Zweiten Weltkrieg<br />
In prav je, da se kdaj pa kdaj spomnimo tudi<br />
teh malo manj uspešnih krajev. Še posebej<br />
takih obmejnih, ki smo s 1. majem 2004<br />
svojim avstrijskim sosedom z ‘’dvignjeno<br />
rampo’’ postali mnogo bližji. Ob slavnostnem<br />
zgodovinskem sprejemu smo, sicer ponosni<br />
Slovenci, Tratenčani avstrijske sosede sprejeli<br />
zapuščeni, razpadajoči in zaraščeni.<br />
Ob glavni cesti, ki pelje iz avstrijskega Cmureka<br />
(Mureck) preko Lenarta proti Mariboru ali<br />
preko Šentilja proti Mariboru, je v dolžini<br />
manj kot 1.800 metrov vsaj enajst sramotno<br />
razpadajočih in zanemarjenih objektov.<br />
Razpadajoči objekti so dokaz gospodarsko<br />
in kulturno dejavne preteklosti na eni in<br />
kasnejših neugodnih družbeno-političnih<br />
razmer na drugi strani. Naj navedem le nekaj<br />
186<br />
znamenitosti kraja, ki ne premore kaj več kot<br />
300 vaščanov: grad, dvorec, eden prvih mlinov<br />
na elektriko, odkriti temelji puščavniške<br />
kapele, ena najstarejših lip na Slovenskem,<br />
več desetletij stara redka še ohranjena drevesa:<br />
bukve žalujke, ciprese, platane, okrasne češnje,<br />
samorasle tise..., ena večjih še ohranjenih kleti<br />
v Slovenskih goricah, ostanki kamnoloma<br />
in apnenice, pekarna, gospodarska poslopja<br />
spodnjega in gornjega gradu…<br />
Leta 1918, ko je bila vzpostavljena državna<br />
meja, so Trate ostale odrezane od pomembnega<br />
dela trga. S svojo mejno pozicijo so bile v časih<br />
med obema vojnama in po drugi svetovni vojni<br />
deležne le pozornosti v smislu preprečevanja<br />
tihotapljenja. Poostren nadzor in umetno<br />
prekinjena povezava s sosedi pa je za Trate
pomenila izolacijo. Pot proti severu je bila<br />
omejena, zmanjšal se je tranzit in prekinjeno<br />
je bilo trgovanje s čezmejnimi kraji. Leta po<br />
drugi svetovni vojni, ko so se številni slovenski<br />
kraji razvijali, Tratam niso bila naklonjena.<br />
Gospodarska dejavnost je v okrnjenih razmerah<br />
in pod nacionalizacijskimi postopki zastala in<br />
v sedemdesetih letih 20. stoletja, ko je zastal še<br />
mlin, tudi dokončno izdahnila.<br />
Lahko bi rekli, da je to pač zgodba obmejnih<br />
krajev, ki so oddaljeni od središča sprejemanja<br />
odločitev in zato deležni kvečjemu drobtinic<br />
kruha, ki ga režejo centri. Pa bi se potem isto<br />
moralo goditi tudi sosednjemu Cmureku,<br />
ki se je v desetletjih ločenega življenja razvil<br />
in uspešno prilagodil novim razmeram in<br />
potrebam trga. Po več kot osemdesetih letih<br />
ločenega življenja pričakujemo, da se bodo vezi<br />
s sosednjim in za Trate najbližjim mestom<br />
močno okrepile in presegle zgolj slovensko<br />
Trate v Evropski uniji<br />
Novi Kinek oziroma Gornji grad oziroma Kapralov grad oziroma Hannsonov grad v tridesetih letih 20. stoletja – Das Schloss Novi Kinek bzw. Oberes<br />
Schloss zw. Schloss Kapral bzw. Schloss Hannson in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts<br />
nakupovanje v cenejših avstrijskih trgovinah<br />
ter nedeljske obiske Avstrijcev v naših kmečkih<br />
turizmih.<br />
In da si krajani Trat želijo svojim sosedom<br />
enakovredno stati ob boku, je seveda povsem<br />
razumljivo. Najmanj hvaležno do zaskrbljenih<br />
krajanov bi bilo, da bi zaradi vsesplošne<br />
slovenske brezbrižnosti Trate s svojimi<br />
naravnimi in kulturnimi danostmi morale<br />
postati zanimiva in poceni priložnost sosedom<br />
iz druge države. In kako so krajani, Občina<br />
Šentilj in država Slovenija, skrbeli za razmere<br />
na Tratah?<br />
Težave z zgodovinskimi objekti na Tratah<br />
se seveda začno že pri samih lastnikih. Novi<br />
Kinek oz. Gornji grad je v lasti Sadjarstva<br />
Lenart, ki je že dalj časa v stečajnem postopku<br />
in z objektom nima nobenih načrtov. Petkov<br />
mlin je v zasebni lasti nepremičninske družbe<br />
iz Maribora, ki je stavbo kupila in jo prepustila<br />
187
Trate v Evropski uniji<br />
Služinčad v angleškem vrtu v času dr. Kapralova – Das Gesinde im<br />
Englischen Garten in der Zeit von Dr. Kapral<br />
nadaljnjemu propadu. Spodnji grad je v lasti<br />
Ministrstva za delo, družino in socialne zadeve<br />
RS, ki ga namerava prepustiti Ministrstvu za<br />
kulturo RS. Kaj bo le to z njim, se seveda še<br />
ne ve. Potem imamo pa občino, ki zaenkrat<br />
še ni pripravila razvojne strategije v smislu<br />
revitalizacije tratenških objektov. In ne le to,<br />
z odloki je občina navedene objekte zaščitila,<br />
vendar pa ni poskrbela za njihovo izvajanje.<br />
Odlok o prostorskih ureditvenih pogojih za<br />
razpršeno gradnjo v Občini Šentilj (sprejet<br />
16. 10. 2003) v 42. členu, ki govori o kulturni<br />
dediščini, jasno določa: ‘’Za vse posege na<br />
objektih kulturne dediščine in njihovih vplivnih<br />
območjih je potrebno v fazi izdelave projekta<br />
za pridobitev dovoljenja za poseg v prostor<br />
pridobiti pogoje in soglasja, ki jih izda pristojno<br />
ministrstvo.’’ Iz seznama kulturne dediščine<br />
(kjer je naveden Zavod za varstvo kulturne<br />
dediščine Slovenije, OE Maribor, julij 2002) je<br />
povsem jasno razvidno, da v to kategorijo sodijo<br />
naslednji objekti na Tratah: Grad Cmurek, ki<br />
mu domačini rečejo kar Spodnji grad, dvorec<br />
Novi Kinek, ki mu domačini rečejo Gornji grad,<br />
Brdonslova kapelica in Petkov mlin. Razen<br />
kapelice je prihodnost ostalih treh objektov<br />
povsem nejasna.<br />
Spodnji grad (grad Cmurek) je vse do lanskega<br />
leta dajal zavetje Zavodu za duševno in živčno<br />
188<br />
Cmureški grad in most v času prve svetovne vojne – Schloss Mureck im<br />
Zeitraum des Ersten Weltkriegs<br />
Dvorišče cmureškega gradu v času med prvo svetovno vojno – Hof des<br />
Schlosses Mureck während des Ersten Weltkrieges<br />
bolne Hrastovec-Trate. Grad, ki ga zgodovinski<br />
viri prvič omenjajo v 11. stoletju, je še zmeraj v<br />
solidnem stanju. Kakšna bo njegova prihodnost<br />
zdaj, ko ga je navedena ustanova po več<br />
desetletjih upravičeno zapustila, ni znano.<br />
Nikomur. Občina se ga, kot kaže, na veliko<br />
otepa. Ministrstvo za delo, družino in socialne<br />
zadeve, v čigar lasti je grad, pa zaenkrat ni<br />
predstavilo še nobenega projekta.<br />
Petkov mlin tako imenujemo po zadnjem<br />
zasebnem lastniku pred nacionalizacijo. Okoli<br />
leta 1912 ga je dal postaviti Anglež Hannson,<br />
ki je v tistih časih prebival v Novem Kineku. Po<br />
ustnem izročilu naj bi bil ta mlin eden prvih<br />
na elektriko v Kraljevini Jugoslaviji. Zadnjih<br />
dvajset let je zapuščen. Namesto da bi služil<br />
svojemu primarnemu ali kakšnemu drugemu<br />
namenu, z njega odpadata omet in opeka.<br />
Najbolj zanimivo in najbolj tragično se
zgodba zapleta v primeru Novega<br />
Kineka. Zgradba služi stanovanjskim<br />
namenom in je kot taka izpostavljena<br />
ne samo zobu časa, kot je to opazno<br />
v primeru mlina, ampak je poleg<br />
vsega izpostavljena še nasilnim in<br />
nenadzorovanim posegom. Z grobimi<br />
posegi je prezidana dvorana, ki je<br />
v začetku 20. stoletja predstavljala<br />
salon in knjižnico, po nacionalizaciji<br />
pa je bila namenjena kulturnim<br />
prireditvam. Prezidan je tudi prehod<br />
pod teraso. Ponekod so stara okna<br />
že nadomestili z neustreznimi<br />
sodobnimi okni s plastičnimi okvirji.<br />
Da ne govorimo o puščanju strehe,<br />
zamakanju in neurejeni kanalizaciji.<br />
Kljub temu, da obstaja pravna podlaga<br />
za zaščito kulturne dediščine pred<br />
nekontroliranimi in agresivnimi<br />
posegi, zgolj nekaj navedenih dejstev s<br />
terena priča o tem, da pristojne oblasti<br />
ne izvajajo nadzora nad stanjem<br />
in posegi v objekte, ki so jih same<br />
označile za kulturno dediščino.<br />
V 43. členu istega odloka nadalje<br />
piše: ‘’Na območju PUP za razpršeno<br />
gradnjo v Občini Šentilj se nahajajo<br />
naslednje naravne vrednote in regijski<br />
park, ki so predlagani za zavarovanje<br />
(op.a.: navajam samo tiste s Trat):<br />
Grajska lipa pri gradu Cmurek in<br />
Grajski park Trate’’. In nadalje: ‘’Za vse<br />
posege na zgoraj navedenih območjih<br />
oz. v bližini naravnih vrednot, je<br />
potrebno pridobiti naravovarstvene<br />
pogoje in naravovarstveno soglasje, ki<br />
ga izda pristojno ministrstvo’’.<br />
V primeru Grajskega parka Trate se je<br />
ponovno izkazalo, kako daleč je lahko teorija<br />
Trate v Evropski uniji<br />
Propadajoče pročelje Petkovega mlina, avgust 2005 – Die verfallende Fassade der<br />
Petkov Mühle im August 2005<br />
Porušene stopnice Kapralovega grada so včasih iz terase vodile v lepo urejen park<br />
– Die verfallenen Treppen des Schlosses Kapral führten einst in den schön gepflegten<br />
Park<br />
od prakse. Sredi novembra 2003 je Zavod za<br />
gozdove OE Maribor (lastnik parka je Sklad<br />
189
Trate v Evropski uniji<br />
kmetijskih zemljišč in gozdov RS)<br />
začel sanitarno sečnjo z razlogom,<br />
da zameji in odpravi podlubnika. Vse<br />
lepo in prav, vendar že bežen sprehod<br />
skozi park daje vedeti, da so za sečnjo<br />
označena tudi drevesa, ki so videti<br />
povsem zdrava. Tri markirane bukve<br />
ne kažejo prav nobenega znaka, da<br />
jih je napadel podlubnik. Po pritisku<br />
krajanov in z voljo pristojnih organov<br />
je sečnja začasno ustavljena. Srečko<br />
Štajnbeher, vodja OE Zavoda za<br />
varstvo kulturne dediščine, pravi:<br />
‘’Glede na to, da sta tako dvorec kot<br />
park vpisana v register nepremične<br />
kulturne dediščine, kar pomeni, da<br />
sta pod zaščito, bi morala naša služba<br />
pripraviti konzervatorski program za<br />
vse predvidene posege. Tudi v tem<br />
primeru, ko gre za sečnjo v gozdu,<br />
oziroma v parkovnem območju gradu,<br />
bi to morali storiti.’’ Jožef Mrakič,<br />
vodja Zavoda za gozdove OE Maribor,<br />
dodaja, da bodo nadaljnji ukrepi v<br />
gozdu potekali v dogovoru z Zavodom<br />
za varstvo kulturne dediščine. Iz vsega<br />
zgoraj napisanega je povsem jasno, da<br />
bi dogovori morali teči avtomatično,<br />
brez pobud in zahtev krajanov ter<br />
posredovanja občine, že preden je<br />
sečnja sploh začela teči. Ali smo zgolj<br />
krajani odgovorni za nadzor nad<br />
izvajanjem občinskega odloka?<br />
Če se vrnemo nazaj in žalostne razmere<br />
na Tratah pogledamo iz drugega<br />
zornega kota, ugotovimo, da bo kraj z<br />
vstopom v EU in s svojo novonastalo<br />
primestno pozicijo izpostavljen<br />
številnim novim možnostim in<br />
priložnostim. Z željo, da bi zastalo<br />
190<br />
Zazidan prehod pod teraso, plastična okna in neurejena kanalizacija kazijo podobo<br />
podeželskega dvorca – Der zugemauerte Durchgang unter der Terasse, Fenster mit<br />
Kunsstoffrahmen und die nicht geregelte Kanalisation verunstalten die Gestalt des<br />
Landschlosses<br />
Zapuščen in razpadajoč prizidek Petkovega mlina je v osemdesetih letih gostil<br />
punk-rockovsko sceno – Der verlassene und zerfallende Zubau der Petek-Mühle beherbergte<br />
in den 80er Jahren die Punkrock-Szene
kolesje premaknili in ga obrnili sebi in širši<br />
družbi v korist, so se zaskrbljeni Tratenčani<br />
združili v Iniciativni odbor za Trate. Nastala<br />
je pregledna brošura, v kateri nazorno popišejo<br />
razmere v svojem kraju in izrazijo dolgoročni<br />
cilj, da obstoječe objekte, ki trenutno kazijo<br />
kraj in s svojim propadom potencialno<br />
ogrožajo ljudi v okolici, ne le ohranijo, pač<br />
pa obnovijo s ciljem širše družbene koristi.<br />
Vse prej kot kmetijstvu prilagojeni kraj bi z<br />
razvojno strategijo in sredstvi lahko izkoristil<br />
svoje kulturne in naravne danosti. Denar je<br />
moč – kadar občinski proračun ne seže tako<br />
daleč – črpati iz različnih mošenj Evropske<br />
unije in prav tukaj imajo prednost obmejne<br />
regije. Z voljo in pobudami, kot jih na pristojne<br />
organe naslavljamo krajani Trat, se iz pozabe<br />
da privleči še tako zanemarjene objekte in<br />
jih spremeniti v življenja polne, funkcionalne<br />
in profitabilne. Očitno pa so volja in pobude<br />
zaskrbljenih krajanov veliko premalo, da bi<br />
pognali več kot desetletje mirujoče kolesje<br />
Občine Šentilj.<br />
Trate in der Europäischen Union<br />
Die Gleichgültigkeit gegenüber<br />
grenznahen Orten: Eine Frage der<br />
Verantwortung der Bewohner, der<br />
Gemeinde oder des Staates?<br />
Trate liegt in den Slovenske Gorice (Windische<br />
Bühel) und stellt mit der einzigen Brücke über<br />
die Mur zwischen Šentilj und Gornja Radgona<br />
eine wichtige internationale Verkehrsverbindung<br />
zu den grenznahen österreichischen Orten<br />
dar, sowohl in Richtung Leibnitz und Graz<br />
als auch nach Bad Radkersburg. Die Geschich-<br />
Trate in der Europäischen Union<br />
te von Trate zählt nicht zu den slowenischen<br />
Erfolgsgeschichten.<br />
Dennoch sollte man sich hin und wieder auch<br />
an diese etwas weniger erfolgreichen Orte erinnern,<br />
insbesondere an die grenznahen, die seit<br />
dem 1. Mai 2004 durch den EU-Beitritt Sloweniens<br />
den österreichischen Nachbarn näher gerückt<br />
sind. Bei den Feierlichkeiten anlässlich<br />
dieses historisch bedeutsamen Ereignisses haben<br />
wir, die Bewohner von Trate, ansonsten<br />
auf ihr Land stolze Slowenen, die österreichischen<br />
Nachbarn in einem verfallenden Ort<br />
empfangen.<br />
Entlang der Hauptstraße, die aus Mureck über<br />
Lenart oder über Šentilj Richtung Maribor<br />
führt, befinden sich auf einer Strecke von weniger<br />
als 1.800 Metern zumindest elf verfallende<br />
Objekte, die ein Beleg für die ungünstigen<br />
wirtschaftlichen und gesellschaftlich-politischen<br />
Verhältnisse auf der slowenische Seite<br />
der Grenze sind. Ich erwähne hier nur ein<br />
paar Sehenswürdigkeiten dieses Ortes, in dem<br />
nicht viel mehr als 300 Dorfbewohner leben:<br />
das Schloss, den Gutshof, eine der ersten elektrisch<br />
betriebenen Mühlen, die Ausgrabungen<br />
von Fundamenten einer Einsiedlerkapelle, eine<br />
der ältesten Linden Sloweniens, seltene, mehrere<br />
Jahrzehnte alte, gut erhaltene Bäume (eine<br />
seltene Buchenart, Zypressen, Platanen, japanische<br />
Kirschen, wild wachsende Eiben...), einen<br />
der größten noch erhaltenen Weinkeller in<br />
den Windischen Büheln, die Überreste eines<br />
Steinbruchs und einer Kalkgrube, eine Bäckerei,<br />
die Wirtschaftsgebäude des Unteren und<br />
des Oberen Schlosses ...<br />
Im Jahre 1918, als die Staatsgrenze gezogen<br />
wurde, wurde Trate von seinem wirtschaftlichen<br />
Umfeld getrennt. In der Zwischenkriegszeit<br />
und Nachkriegszeit erlangte der Ort nur<br />
auf Grund des Kampfes gegen den Schmug-<br />
191
Trate in der Europäischen Union<br />
gel Aufmerksamkeit. Die verschärfte Überwachung<br />
der Grenze und die künstlich unterbrochene<br />
Verbindung zum Nachbarn bedeuteten<br />
indessen für Trate die Isolation. Der Weg Richtung<br />
Norden war eingeschränkt, der Transit<br />
nahm ab, und der Handel mit den grenznahen<br />
Orten wurde unterbrochen. Die Jahre nach<br />
dem Zweiten Weltkrieg, in denen sich andere<br />
slowenische Orte positiv entwickeln konnten,<br />
brachten für Trate hingegen keinen Aufschwung.<br />
Die wirtschaftliche Entwicklung<br />
wurde sowohl durch die geographische Randlage<br />
als auch durch die Verstaatlichung stark<br />
beeinträchtigt und erreichte in den siebziger<br />
Jahren mit der Einstellung der Mühle ihren negativen<br />
Höhepunkt.<br />
Man könnte sagen, dass dies eben das Schicksal<br />
von grenznahen Orten ist, die vom Zentrum,<br />
in dem die Entscheidungen gefällt<br />
werden, weit entfernt sind. Dem aber widerspricht<br />
die Situation im benachbarten Mureck,<br />
das sich in den Jahrzehnten der Trennung weiterentwickelt<br />
und erfolgreich den neuen Verhältnissen<br />
und Marktbedürfnissen angepasst<br />
hat. Nach mehr als achtzig Jahren der Trennung<br />
vom nördlichen Nachbarn erwarten<br />
wir, dass die Beziehungen zum benachbarten<br />
Mureck stark ausgebaut werden und über den<br />
Einkaufstourismus der Slowenen in den billigeren<br />
österreichischen Geschäften und über<br />
Buschenschankbesuche von Österreichern in<br />
Slowenien hinausgehen.<br />
Dass die Einwohner von Trate den Nachbarn<br />
ebenbürtig sein wollen, ist selbstverständlich.<br />
Die wohl schlechteste Situation für die Bewohner<br />
wäre es, wenn Trate mit seinen natürlichen<br />
und kulturellen Besonderheiten auf<br />
Grund der allgemeinen slowenischen Gleichgültigkeit<br />
dem Ausverkauf an das Ausland<br />
preisgegeben würde. Es stellt sich die Frage,<br />
192<br />
wer für die tristen Verhältnisse in Trate verantwortlich<br />
ist: die Bevölkerung, die Gemeinde<br />
Šentilj oder der slowenische Staat?<br />
Die Schwierigkeiten mit den historischen Objekten<br />
in Trate beginnen schon bei den Eigentumsverhältnissen.<br />
Novi Kinek, damit ist<br />
Gornji grad (das Obere Schloss) gemeint, befindet<br />
sich im Eigentum von Sadjarstvo Lenart<br />
(Obstbau Lenart), das schon längere Zeit in einem<br />
Konkursverfahren steckt und das für das<br />
Objekt derzeit keine weiteren Pläne hat. Die<br />
Petek-Mühle (Petkov mlin) ist Eigentum einer<br />
Immobiliengesellschaft aus Maribor, die<br />
das Gebäude gekauft, aber dem weiteren Verfall<br />
überlassen hat. Spodnji grad (das Untere<br />
Schloss) befindet sich im Besitz des Ministeriums<br />
für Arbeit, Familie und Soziales, das beabsichtigt,<br />
es dem Ministerium für Kultur zu überlassen,<br />
dessen Pläne betreffend das Gebäude<br />
jedoch noch nicht bekannt sind. Auch die Gemeindeverwaltung<br />
von Šentilj hat noch kein<br />
Konzept für die Revitalisierung der Gebäude<br />
in Trate. Und nicht nur das: Die Gebäude stehen<br />
zwar auf Grund von Verordnungen unter<br />
dem Schutz der Gemeinde, diese aber unternimmt<br />
nichts zu deren Umsetzung.<br />
Der Artikel 42 der Verordnung zum Flächenwidmungsplan<br />
der Gemeinde Šentilj (beschlossen<br />
am 16.10.2003), der sich auf das kulturelle<br />
Erbe bezieht, besagt eindeutig: „Für alle<br />
Veränderungen an Objekten des kulturellen<br />
Erbes und dessen Umgebung ist es in der Phase<br />
der Projektausarbeitung notwendig, sämtliche<br />
Genehmigungen […] für Eingriffe in die<br />
Bausubstanz […] beim zuständigen Ministerium<br />
einzuholen.“ Zu den Objekten kulturellen<br />
Erbes zählen laut einer Liste des Amtes zum<br />
Schutz des kulturelles Erbes, Verwaltungskreis<br />
Maribor, vom Juli 2002 folgende Objekte in<br />
Trate: Schloss Mureck, das die Einheimischen
Spodnji grad (Unteres Schloss) nennen, der<br />
Gutshof Novi Kinek, von den Einheimischen<br />
Gornji grad (Oberes Schloss) genannt, die Kapelle<br />
Brdonslova und die Petek-Mühle. Abgesehen<br />
von der kleinen Kapelle ist die Zukunft der<br />
übrigen Objekte völlig ungewiss.<br />
Das Schloss Mureck beherbergte bis zum<br />
vorigen Jahr die Anstalt für psychisch Kranke<br />
Hrastovec-Trate (Zavod za duševno in živčno bolne<br />
Hrastovec-Trate). Das Schloss, das im 11. Jahrhundert<br />
erstmals urkundlich erwähnt wird,<br />
befindet sich immer noch in gutem Zustand.<br />
Welche Zukunft das Schloss jetzt erwartet,<br />
nachdem die Heilanstalt nach mehreren Jahrzehnten<br />
ausgezogen ist, ist unklar. Die Gemeinde<br />
will es allem Anschein nach loswerden.<br />
Das Ministerium für Arbeit, Familie und<br />
Soziales, in dessen Eigentum sich das Schloss<br />
befindet, hat aber bislang noch kein Projekt<br />
vorgestellt.<br />
Die Petek-Mühle ist nach dem letzten privaten<br />
Eigentümer vor der Verstaatlichung benannt.<br />
Sie wurde um das Jahr 1912 vom Engländer<br />
Hannson errichtet, der zu dieser Zeit auf Novi<br />
Kinek gelebt hat. Nach mündlicher Überlieferung<br />
war sie eine der ersten mit Strom betriebenen<br />
Mühlen im Königreich Jugoslawien. Die<br />
letzten Jahrzehnte steht die Mühle still und<br />
verfällt.<br />
Interessant und zugleich tragisch ist die Geschichte<br />
von Novi Kinek. Das Gebäude wird<br />
als Wohnhaus genutzt und ist als solches – wie<br />
auch die Petek-Mühle – nicht nur dem Zahn<br />
der Zeit, sondern auch unsachgemäßen baulichen<br />
Eingriffen ausgesetzt. Diese betreffen den<br />
Saal, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Bibliothek<br />
diente und nach der Verstaatlichung<br />
für Kulturveranstaltungen genutzt wurde,<br />
und den Durchgang unter der Terrasse. Stellenweise<br />
wurden die alten Fenster durch nicht<br />
Trate in der Europäischen Union<br />
entsprechende moderne Fenster mit Kunststoffrahmen<br />
ersetzt. Vom lecken Dach, dem<br />
Eindringen von Wasser und der nicht geregelten<br />
Kanalisation gar nicht erst zu sprechen.<br />
Obwohl Gesetze zum Schutz des Kulturerbes<br />
gegen unkontrollierte und unsachgemäße<br />
Eingriffe bestehen, beweisen die angeführten<br />
Beispiele, dass die zuständigen Behörden ihrer<br />
Aufsichtspflicht nicht nachkommen.<br />
Der Flächenwidmungsplan der Gemeinde<br />
Šentilj weist im Artikel 43 die Schlosslinde<br />
beim Schloss Mureck und den Schlosspark<br />
Trate als Naturdenkmäler aus. Für alle Eingriffe<br />
an den betreffenden Objekten bzw. in deren<br />
Nähe müssen Genehmigungen beim zuständigen<br />
Ministerium eingeholt werden.<br />
Am Beispiel des Schlossparks Trate zeigte sich<br />
wieder, wie weit Theorie und Praxis auseinander<br />
liegen können. Mitte November 2003 hat<br />
die Forstbehörde des Verwaltungsbezirks Maribor<br />
(der Besitzer des Parks ist der Fonds landwirtschaftlicher<br />
Grundstücke und Wälder der Republik<br />
Slowenien) mit Holzschlägerungsarbeiten<br />
mit der Begründung des Befalls der Bäume<br />
durch Borkenkäfer begonnen. Doch schon ein<br />
flüchtiger Spaziergang durch den Park zeigt,<br />
dass auch Bäume zur Schlägerung freigegeben<br />
wurden, die einen gesunden Eindruck machen.<br />
Auf Grund von Interventionen von Einwohnern<br />
erteilte die zuständige Behörde schließlich<br />
die Weisung zur vorübergehenden Einstellung<br />
der Ausholzung. Srečko Štajnbeher, Leiter<br />
des Amtes zum Schutz des Kulturerbes im Verwaltungsbezirk<br />
Maribor bestätigte, dass „sowohl<br />
der Gutshof als auch der Park im Register des<br />
immobilen Kulturerbes eingetragen sind, d. h.<br />
dass sie unter Schutz stehen, und unsere Behörde<br />
müsste ein konservatorisches Konzept<br />
bezüglich aller vorgesehenen baulichen Maßnahmen<br />
erstellen. Auch im Falle von Aushol-<br />
193
Trate in der Europäischen Union<br />
zungen im Schlosspark müsste dies der Fall<br />
sein.“ Jožef Mrakič, Leiter der Forstbehörde<br />
Maribor, fügt hinzu, dass weitere Eingriffe im<br />
Wald in Zukunft in Absprache mit dem Amt<br />
zum Schutz des Kulturerbes erfolgen werden. Aus<br />
dem Gesagten geht hervor, dass die genannte<br />
Behörde von sich aus vor Beginn der Schlägerungen<br />
hätte tätig werden müssen und nicht<br />
erst nach Protesten der Bevölkerung. Oder<br />
sind wir als Bewohner von Trate gar für die<br />
Umsetzung der Gemeindeverordnung verantwortlich?<br />
Wenn wir die tristen Verhältnisse in Trate aus<br />
einem anderen Blickwinkel betrachten, können<br />
wir feststellen, dass sich dem Ort seit dem<br />
EU-Beitritt Sloweniens neue Perspektiven und<br />
Chancen eröffnen. Aus dem Wunsch nach<br />
Veränderung haben sich engagierte Einwohner<br />
von Trate zu einer Initiative für Trate (Iniciativni<br />
odbor za Trate) vereint. In einer übersichtlichen<br />
Broschüre werden die Verhältnisse in<br />
Trate dargestellt und das langfristige Ziel zum<br />
Ausdruck gebracht, die verfallenen Baudenkmäler,<br />
die derzeit den Ort verunstalten und<br />
potenziell auch Personen gefährden, nicht nur<br />
zu erhalten, sondern auch einer breiten gesellschaftlichen<br />
Nutzung zuzuführen. Mit einer<br />
vernünftigen Entwicklungsstrategie könnten<br />
die natürlichen Ressourcen genutzt werden.<br />
Hierzu könnte man EU-Mittel zur Förderung<br />
der Grenzregionen lukrieren und bislang vernachlässigte<br />
Objekte vor dem endgültigen Verfall<br />
bewahren und sie lebendig, funktional und<br />
profitabel gestalten. Offensichtlich reicht aber<br />
das Engagement der Bewohner von Trate nicht<br />
aus, um die Verantwortlichen der Gemeinde<br />
Šentilj zum handeln zu bewegen.<br />
194<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Sonja Bezjak<br />
Sonja Bezjak, rojena 27.04.1978. Otroštvo<br />
in gimnazijska leta preživela na Tratah.<br />
Po končani gimnaziji študij nadaljevala na<br />
Fakulteti za družbene vede v Ljubljani in leta<br />
2003 diplomirala iz sociologije. Trenutno<br />
pripravlja doktorsko nalogo iz sociologije na<br />
isti fakulteti. V zadnjih letih se poleg študija<br />
ukvarja še z aktualnimi problemi v domačem<br />
kraju. – Sonja Bezjak, Jahrgang 1978, hat ihre<br />
Kindheit und Jugend in Trate verbracht. Nach<br />
Abschluss des Gymnasiums inskribierte sie an<br />
der Universität von Ljubljana Gesellschaftswissenschaften<br />
und diplomierte im Jahr 2003 im<br />
Fach Soziologie, das sie nun auch für ihr Doktorat<br />
wählte. In den letzten Jahren beschäftigt<br />
sie sich intensiv mit den aktuellen Problemen<br />
ihres Heimatortes.
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Zwei Teilaspekte<br />
� Text: Franz Josef Schober<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Auf beiden Seiten des Grenzbaches Kutschenitza/Kučnica lebten bis zum Zweiten Weltkrieg auch<br />
noch Angehörige des jüdischen Volkes bzw. der jüdischen Religion.<br />
Die Geschichte der Juden in der Stadt Radkersburg wurde von Hermann Kurahs eingehend erforscht.<br />
1 Heimo Halbrainer hat in seinem Rundgangführer „Auf den Spuren der Protestanten, Juden,<br />
Roma und Slowenen in und um Bad Radkersburg“ (Wissenschaftliche Schriftenreihe des Pavelhauses,<br />
Bd. 2a) der Geschichte der Juden in Radkersburg ein Kapitel gewidmet.<br />
Über die Geschichte der Juden im Prekmurje/Übermurgebiet jenseits der Kutschenitza haben im<br />
letzten Signal (Jahresschrift des Pavelhauses 2004/05) Franc Kuzmič sowie Lászlo Németh und<br />
Beata Lazar berichtet. Im Gegensatz zur eher geringeren jüdischen Bevölkerungszahl im Gebiet<br />
von Radkersburg (1934 waren es noch acht Personen) gab es im Prekmurje in der ersten Hälfte des<br />
20. Jahrhunderts noch relativ große jüdische Gemeinden (so lebten 1921 in Murska Sobota/Muraszombat/Olsnitz<br />
179 Juden, im gesamten Prekmurje waren es 642).<br />
Die Nationalsozialisten beendeten schließlich auf schreckliche Weise auch das einstige blühende<br />
jüdische Leben im südoststeirisch-slowenischen Grenzraum. 387 Juden des Prekmurje kamen 1944<br />
im Konzentrationslager Auschwitz oder auf dem Transport dorthin ums Leben, darunter auch das<br />
aus Radkersburg vertriebene Ehepaar Moritz und Berta Neumann.<br />
Im folgenden Beitrag soll nun kurz an zwei weitere Teilaspekte des „jüdischen Schicksals an der<br />
Grenze“ erinnert werden. Einerseits an die einst große Zahl jüdischer Kurgäste im südoststeirischen<br />
Kurort Bad Gleichenberg und andererseits an den Einsatz ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter<br />
beim Stellungsbau im Jahre 1945 an der Kutschenitza-Grenze. Frau Dr. Eleonore Lappin vom<br />
Institut für Geschichte der Juden in Österreich (St. Pölten bzw. Wien) danke ich herzlichst für die Möglichkeit<br />
der Einsichtnahme in wertvolles Quellenmaterial und für ihre große Hilfe bei der Erstellung<br />
des Kapitels über den Einsatz der ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter beim Stellungsbau.<br />
Jüdisches Leben im Kurort Bad Gleichenberg. 1837 fand die erste Kursaison in dem von Mathias<br />
Constantin Graf Wickenburg gegründeten südoststeirischen Kurort Gleichenberg (Bezirk Feld-<br />
195
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Jüdische Kurgäste in Gleichenberg (Archiv W. Rauch, Privatbesitz, Bad Gleichenberg.) – Judovski zdraviliški gostje v Gleichenberg-u. (arhiv W.<br />
Rauch, privatna posest, Bad Gleichenberg)<br />
196
ach) statt. Wurde der Kurort in den folgenden<br />
drei Jahrzehnten vor allem vom Adel, von höheren<br />
Militärs und reichen Bürgern aufgesucht,<br />
so war Gleichenberg ab ca. 1870 auch das bevorzugte<br />
Ziel von Kurgästen jüdischen Glaubens.<br />
Die jüdischen Kurgäste kamen vor allem<br />
aus Österreich und Ungarn, daneben auch aus<br />
Polen und Galizien.<br />
Erst das Staatsgrundgesetz von 1867 brachte<br />
den Juden (mehr als dreieinhalb Jahrhunderte<br />
nach ihrer Vertreibung aus der Steiermark<br />
1496/97) die Gleichstellung mit den anderen<br />
Staatsbürgern, und sie konnten sich nun wieder<br />
uneingeschränkt in der Steiermark aufhalten.<br />
Die jüdischen Kurgäste stellten bis 1938 einen<br />
großen Teil der Gäste in Bad Gleichenberg.<br />
2 Unter ihnen war von Juni bis September<br />
1921 auch der aus Galizien stammende spätere<br />
Schriftsteller Manès Sperber (1905–1984), der<br />
auf der Flucht vor den Ereignissen des Ersten<br />
Weltkrieges mit seiner jüdischen Familie 1916<br />
Wien erreicht hatte. 3<br />
Eine eigentliche jüdische Gemeinde bzw. ständig<br />
hier lebende Juden hat es in Gleichenberg<br />
aber nicht gegeben, wie auch die Volkszählungsergebnisse<br />
zeigen. Außerhalb der von Mai<br />
bis September dauernden Kursaison, also auch<br />
zum jeweiligen Stichtag der Volkszählungen<br />
(zumeist der 31. Dezember), waren keine Kurgäste<br />
in Gleichenberg, und auch der überwiegende<br />
Teil der Kurärzte war abgereist.<br />
Bei der Volkszählung 1880 gab es im Kurort<br />
Gleichenberg selbst keinen Juden, nur eine Person<br />
mit israelitischer Konfession lebte im Ortsteil<br />
Sulz. 1890 wurden im Kurort Gleichenberg<br />
elf Personen mit israelitischer Konfession gezählt,<br />
1900 waren es noch fünf. In den Volkszählungen<br />
von 1910 und 1934 scheinen in Bad<br />
Gleichenberg keine Juden mehr auf. 4<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Als ein wichtiger Hinweis auf eine größere<br />
Zahl jüdischer Kurgäste in Gleichenberg<br />
nach Inkrafttreten des Staatsgrundgesetzes<br />
von 1867 ist der Umstand zu werten, dass der<br />
Baumeister Philipp Schweighofer aus Graz bereits<br />
1869 die „jüdische Traiteurie“ (jüdische<br />
Speisewirtschaft) in einem Nebengebäude<br />
seines 1849 erbauten „Berliner Hofs“ (heute<br />
„Kirchenwirt“) in Gleichenberg einrichtete. 5<br />
1874/75 ließ Schweighofer dann gleich neben<br />
seinem „Berliner Hof“ die Villa „Stadt Petersburg“<br />
(später „Charlottenburg“ genannt, heute<br />
Gemeindeamt und Volksschule) erbauen,<br />
wohin er dann die rituelle Küche übersiedelte.<br />
Um 1880 wird die „israelitische Küche“ in<br />
der Restauration „Stadt Petersburg“ (Philipp<br />
Schweighofer) genannt. Kurzfristig wird um<br />
diese Zeit auch eine „israelitische Küche“ in<br />
der von Helene Kremsier geführten Restauration<br />
„Hohe Warte“ erwähnt, dazu gehörte auch<br />
eine „israelitische Bäckerei“. 6<br />
1892 waren dann israelitische Küchen im 1883<br />
erbauten „Theresienhof“ (heute „Hotel Austria“)<br />
und im bereits 1847 erbauten „Wilhelmshof“<br />
(1991 abgetragen) zu finden. 7 Während<br />
die rituelle Küche vom „Wilhelmshof“ um die<br />
Jahrhundertwende in die gleich daneben gelegene<br />
Villa „Hungaria“ (heute Internat „Rosenschlößl“)<br />
übersiedelte, 8 sollte der „Theresienhof“<br />
bis in die 1930er Jahre das wichtigste<br />
Haus für das jüdische Leben in Gleichenberg<br />
bleiben. Im Hotel „Theresienhof“ wurde bereits<br />
1892 während der Kursaison jeden Samstag<br />
der israelitische Gottesdienst abgehalten,<br />
hier war noch bis in die 1930er Jahre der Gebetsraum<br />
für die jüdischen Kurgäste in Bad<br />
Gleichenberg. 9 Als Besitzer des für das jüdische<br />
Leben in Gleichenberg besonders bedeutsamen<br />
„Theresienhofs“ findet sich vorerst Siegmund<br />
Breiner, später als Pächter Max Goldschmied<br />
197
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Ansichtskarte Villa „Hungaria“ und „Wilhelmshof“ mit Hinweis auf das rituelle Restaurant aus dem Jahre 1896 (Sammlung F. Hermann, Bad Gleichenberg)<br />
– Razglednica vila „Hungaria“ in „Wilhelmshof“ z napotkom o košêr restavraciji iz leta 1896 (zbirka F. Hermann-a, Bad Gleichenberg)<br />
198
und schließlich die Firma Horn & Imbermann.<br />
In einem kurz vor dem Ausbruch des Ersten<br />
Weltkrieges erschienen Büchlein über den Kurort<br />
Gleichenberg wird für „Max Goldschmied’s<br />
Hotel und Restaurant ,Theresienhof’ […] rituelle<br />
vorzügl. Wiener Küche“ geworben. 10<br />
Im Kurort Gleichenberg lebte und arbeitete<br />
durch viele Jahre auch der aus dem Gebiet<br />
von Pápa in Ungarn stammende Beschneider,<br />
Schächter und Gastwirt Salomon Eisen, der es<br />
im Laufe der Jahre von anfänglich bescheidenen<br />
Dienstverhältnissen bis zum Hotelbesitzer<br />
brachte. Er kam bereits kurz vor der Jahrhundertwende<br />
nach Gleichenberg und betrieb<br />
vorerst über die Sommersaison (die Saison in<br />
Gleichenberg dauerte damals nur von Mai bis<br />
September) im Dorf Gleichenberg ein rituelles<br />
Speiselokal. 11<br />
Eisen war in der Folge vorübergehend für eine<br />
Saison als Schächter bei Ernestine Tritsch (Besitzerin<br />
der bereits erwähnten Villen „Wilhelmshof“<br />
und „Hungaria“) im Dienst. In einem<br />
Büchlein über Gleichenberg aus dem Jahre<br />
1906 findet sich dann eine Werbung für „Salamon<br />
Eisen’s rituelle Küche in der Restauration<br />
Baumer“ (= Gasthaus „Zur Hinterbrühl“ in<br />
Gleichenberg Nr. 47). Da dieses Gasthaus etwas<br />
abseits des eigentlichen Kurortes an der<br />
Straße zum Ortsteil Bärenreith lag, wurde den<br />
Gästen zur Mittagszeit gratis ein Wagen zur<br />
Verfügung gestellt. 12 Beim Versuch, sein rituelles<br />
Lokal näher bei den Kuranlagen anzusiedeln,<br />
bekam Salomon Eisen auch die Auswirkungen<br />
des Antisemitismus zu spüren.<br />
Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges betrieb<br />
Salomon Eisen auch ein Restaurant mit<br />
koscherer Küche im Gasthaus „Fünfkirchen“. 13<br />
1919 kaufte er schließlich die nahe bei den Gleichenberger<br />
Kuranlagen gelegene Villa „Scherbaum“,<br />
die in der Folge auch den Namen „Ho-<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
tel Eisen“ oder Villa „Dreibaum“ hatte. 14<br />
Der jüdische Gastwirt und Hotelier Salomon<br />
Eisen verstarb 1924 im Alter von 69 Jahren und<br />
wurde auf dem jüdischen Friedhof im nahen<br />
Trautmannsdorf bestattet, der als letzte Ruhestätte<br />
für in Gleichenberg verstorbene jüdische<br />
Kurgäste diente. 15 (Gleichenberg gehörte bis<br />
1940 zur römisch-katholischen Pfarre Trautmannsdorf.<br />
Da die katholische Kirche eine Bestattung<br />
Andersgläubiger auf ihrem Friedhof<br />
nicht zuließ und dies auch den jüdischen Glaubensvorschriften<br />
widersprochen hätte, wurde<br />
nahe des katholischen Friedhofs ein jüdischer<br />
Friedhof angelegt, auf dem zwischen 1881 und<br />
1932 fast 100 Verstorbene bestattet wurden.)<br />
Der Grabstein für Salomon Eisen ist einer der<br />
wenigen heute noch erhaltenen Grabsteine auf<br />
dem jüdischen Friedhof in Trautmannsdorf.<br />
In Gleichenberg boten zwei Spitäler, ein christliches<br />
und ein israelitisches, auch den ärmeren<br />
Patienten die Möglichkeit, hier die Kur zu besuchen.<br />
16 Das christliche Hospital „Zum Pilger“<br />
wurde bereits 1844 errichtet und wurde<br />
während der Sommersaison von den Barmherzigen<br />
Schwestern aus Graz betreut.<br />
Der 1883/84 gegründete Verein zur Errichtung<br />
eines israelitischen Hospitales in Gleichenberg baute<br />
ein Spital, bei dessen Eröffnung am 23. Juni<br />
1884 der Wiener Oberrabbiner Dr. Adolph Jellinek<br />
die Festrede hielt. 17 Das israelitische Hospital<br />
„Zur Barmherzigkeit“ (Besitzer: Israelitische<br />
Kultusgemeinde Wien) hatte 1892 acht Betten<br />
und wurde auch im „Steiermark Hand- und<br />
Reisebuch“ von 1914 erwähnt. 18 Als Ordinarius<br />
des israelitischen Hospitals wird bis etwa<br />
1910 Dr. Paul Hönigsberg genannt, dem dann<br />
Dr. Josef Kentzler nachfolgte. Neben dem aus<br />
Slawonien stammenden Dr. Hönigsberg (er<br />
war in der Wintersaison Kurarzt in Meran)<br />
und dem aus dem ungarischen Debrecen kom-<br />
199
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Ansichtskarte der Villa Scherbaum/Dreibaum des Salomon Eisen, 1921 (Sammlung F. Hermann, Bad Gleichenberg) – Razglednica vile Scherbaum/<br />
Dreibaum Samuel-a Eisen-a, 1921 (zbirka F. Hermann-a, Bad Gleichenberg)<br />
200
menden Dr. Kentzler waren in den Jahren um<br />
1900 auch noch Dr. Martin Szigeti aus dem<br />
ungarischen Kecskemét (im Winter Kurarzt<br />
in Opatija/Abazzia) und Dr. David Kaufer aus<br />
dem ungarischen Pécs/Fünfkirchen (er war im<br />
Winter ebenfalls Kurarzt in Meran) Kurärzte<br />
israelitischer Konfession in Gleichenberg. 19<br />
In der Zwischenkriegszeit (1919–1938) verlegten<br />
drei jüdische Ärzte aus Wien und Budapest<br />
ihre Praxen über die Saisonzeit nach Bad Gleichenberg.<br />
Damit veranlassten sie auch viele ihrer<br />
Patienten zu einer Kur im Heilbad, da diese<br />
ihren Hausärzten nachreisten. Dies bewirkte<br />
auch eine beachtenswerte Steigerung der Gästefrequenz.<br />
20<br />
In den 1920er und 1930er Jahren befand sich<br />
neben dem bereits traditionellen jüdischen<br />
„Theresienhof“ (Besitzer Horn & Imbermann)<br />
und dem Hotel Eisen (Besitzer Salomon Eisens<br />
Erben) auch noch in der „Franzensburg“ (Besitzer<br />
S. Komet) ein jüdisches Speiselokal. 21<br />
Nach dem „Anschluss“ und der nationalsozialistischen<br />
Machtübernahme im März 1938<br />
wurden in Bad Gleichenberg das Israelitische<br />
Hospital (Besitzer war die Israelitische Kultusgemeinde<br />
Wien) und einige Villen von der Gestapo<br />
beschlagnahmt. 22 Unter diesen Villen (deren<br />
Besitzer zumeist aus Wien stammten) befanden<br />
sich auch der bereits mehrfach wegen seiner<br />
koscheren Küche genannte „Theresienhof“<br />
und die „Villa Dreibaum“, der einstige Besitz<br />
von Salomon Eisen. Die „Villa Dreibaum“ war<br />
dann der Sitz der Ortsgruppe der NSDAP, und<br />
das Israelitische Hospital wurde von SA und HJ<br />
genutzt. 23<br />
In den Tagen des „Anschlusses“ 1938 wurde<br />
auch der seit ungefähr 30 Jahren in Gleichenberg<br />
arbeitende und lebende Apotheker Mag.<br />
Julius Roda von den Nationalsozialisten in<br />
„Schutzhaft“ genommen. Später wurden er<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Werbung für Produkte der Apotheke Roda in Gleichenberg (aus: G.<br />
Ensbruner, Der Kurort Gleichenberg in Steiermark, 1923) – Reklama<br />
za proizvode lekarne Roda iz Gleichenberg-a (iz: G. Ensbrunner, Der<br />
Kurort Gleichenberg in Steiermark/Zdraviliški kraj Gleichenberg na<br />
Štajerskem, 1923)<br />
und seine Familie mit nur wenig Gepäck zur<br />
neuen deutsch-ungarischen Grenze gebracht<br />
und nach Ungarn abgeschoben. Zuvor hatten<br />
noch im Juni 1938 einige Nationalsozialisten<br />
vor seinem Haus geschrien: „Juda verrecke!<br />
Juden hinaus!“. 24 Der Apotheker Mag.<br />
Julius Roda war wie sein Bruder, der bekannte<br />
Schriftsteller Alexander Roda Roda (dieser<br />
war einige Male auf Besuch bei seinem Bruder<br />
in Bad Gleichenberg gewesen), bereits vor Jahrzehnten<br />
vom mosaischen zum römisch-katholischen<br />
Glauben konvertiert (beide waren<br />
unter dem Familiennamen Rosenfeld geboren<br />
worden). 25<br />
Der israelitische Friedhof für die Gleichenberger<br />
Kurgäste im nahen Trautmannsdorf wurde<br />
in der „Reichskristallnacht“ (9./10. November<br />
1938) geschändet. Das kleine Zeremonienhaus<br />
wurde in Brand gesteckt, Grabsteine wurden<br />
umgeworfen. 26 In den folgenden Jahren verschwanden<br />
neben der Friedhofsmauer auch<br />
die meisten Grabsteine. 27 Auf dem Friedhof<br />
in Trautmannsdorf erinnern heute nur noch<br />
zwei Grabsteine an die Zeit vor 1938: einer<br />
für Jakob Pohoryles (1861–1921) und der andere<br />
für den 1924 verstorbenen Gleichenberger<br />
Gastwirt (Hotelier) Salomon Eisen.<br />
1947/48 wurden auf dem Friedhof in Trautmannsdorf<br />
bei Bad Gleichenberg auch die gegen<br />
Ende des Krieges an der Kutschenitza-<br />
Grenze im Bereich Klöch–St. Anna am Aigen<br />
201
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Ansichtskarten mit dem Israelitischen Hospital „Zur Barmherzigkeit“ im Kurort Gleichenberg, 1918 bzw. 1921 (Sammlung F. Hermann, Bad Gleichenberg)<br />
– Razglednici z izraelsko bolnišnico „Zur Barmherzigkeit“ v zdraviliškem kraju Gleichenberg, 1918 oz. 1921 (zbirka F. Hermann-a, Bad<br />
Gleichenberg)<br />
202
umgekommenen (ermordeten) jüdischen NS-<br />
Opfer beigesetzt. Nur zwei Grabsteine erinnern<br />
an die Opfer des Jahres 1945: ein Stein<br />
für Ernö Ackerman (1945) und ein weiterer<br />
für Otto Neuwalder (1924–1945), der auch die<br />
Inschrift trägt: „Zum Gedenken der hier ruhenden<br />
jüdischen Toten und Opfer der Jahre<br />
1938–1945“.<br />
Jüdische Zwangsarbeiter beim Stellungsbau<br />
1945 an der Kutschenitza-Grenze. Die Errichtung<br />
der „Reichsschutzstellung“ 1944/45.<br />
Auf Grund der katastrophalen militärischen<br />
Lage Großdeutschlands wurden ab Sommer<br />
1944 Vorbereitungen zur Verteidigung der<br />
Reichsgrenze getroffen. In die „Reichsschutzstellung“<br />
oder „Südostwall“ genannte Verteidigungslinie<br />
im Südosten sollte auch der Grenzraum<br />
an der Kutschenitza einbezogen werden.<br />
Mitte Oktober 1944 wurde mit ihrem Bau begonnen.<br />
Der steirische Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar<br />
Uiberreither hatte mit seinen<br />
Kreisleitern für die Mobilisierung der notwendigen<br />
Arbeitskräfte und für die Aufbringung<br />
des Materials zu sorgen. Abschnittsleiter des<br />
Stellungsbauabschnittes V-Feldbach war der<br />
NSDAP-Kreisleiter von Feldbach, Personalamtsleiter<br />
Anton Rutte, dem auch der Murecker<br />
Kreisleiter Arnulf Lill unterstand. Der<br />
Stellungsbauabschnitt V umfasste die beiden<br />
Kreise Mureck und Feldbach, also das Gebiet<br />
von Radkersburg bis Mogersdorf (damals gehörte<br />
der burgenländische Bezirk Jennersdorf<br />
zum Kreis Feldbach). Im südlichen Teil des<br />
Stellungsbauabschnittes V-Feldbach lagen die<br />
Unterabschnitte V/1-Radkersburg, V/2-Klöch,<br />
V/3-St. Anna am Aigen und der bereits im<br />
heutigen Burgenland liegende Unterabschnitt<br />
V/4 Kalch.<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Männer und Frauen aus allen Orten des Grenzraumes<br />
wurden mit einer Notdienstverordnung<br />
für einige Wochen zum Stellungsbau herangezogen.<br />
Daneben waren an der Kutschenitza-<br />
Grenze in den nächsten fünfeinhalb Monaten<br />
auch Arbeitskräfte aus den Kreisen Graz-Stadt,<br />
Graz-Land, Deutschlandsberg, Voitsberg und<br />
Leoben, aus dem nahen Ungarn (Bezirk Murska<br />
Sobota) und aus den Gauen München-<br />
Oberbayern und Wien im Einsatz. 28<br />
Unter den aus Wien herangeführten Arbeitskräften<br />
befand sich im Raum Klöch auch der<br />
Schauspieler Curd Jürgens. 29 Er flüchtete aber<br />
nach einiger Zeit und wurde vom Halbenrainer<br />
Grafen Barthold Stürgkh bzw. von dessen<br />
Frau vorübergehend in einem Weingartenhaus<br />
versteckt.<br />
Neben der notdienstverpflichteten Zivilbevölkerung<br />
waren Hitlerjugend aus Graz, Mürzzuschlag<br />
und Deutschlandsberg und Reichsarbeitsdienst<br />
bei den Schanzarbeiten an der<br />
Kutschenitza-Grenze eingesetzt. Schließlich<br />
wurden zu den Stellungsbauarbeiten auch<br />
noch Ausländer, „Ostarbeiter“ und gefangene<br />
ungarische Juden (denen 1944 die Deportation<br />
nach Auschwitz erspart geblieben war) herangezogen.<br />
Die geplante Stellungslinie wurde mit primitivsten<br />
Mitteln zumeist händisch errichtet.<br />
Auf der Linie Aigen–Deutsch Haseldorf–<br />
Gruisla–Pölten verliefen die Stellungen nahe<br />
des Grenzbaches Kutschenitza. Besonders im<br />
Gruislawald sind heute noch ausgedehnte Reste<br />
dieser Anlagen (Laufgräben etc.) gut sichtbar.<br />
30 Es sind auch noch Reste der Panzergräben<br />
bei Aigen, Deutsch Haseldorf und Gruisla<br />
vorhanden, welche die panzergefährdeten Geländeteile<br />
nahe der Grenze sichern sollten.<br />
Bedingt durch das rasche Vorrücken der Sowjets<br />
wurden die Stellungsbauarbeiten aber<br />
203
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Übersichtskarte der „Reichsschutzstellung“ im Raum Radkersburg bis St. Anna am Aigen – Pregledni zemljevid „obrambne linije rajha“ na področju<br />
Radgone do St. Anna-e<br />
204
schließlich bereits Ende März 1945 noch vor<br />
der endgültigen Fertigstellung abgebrochen.<br />
In den folgenden Apriltagen sollten sich dann<br />
die unter dem Einsatz tausender Arbeitskräfte<br />
ausgebauten Stellungen aber großteils als nutzlos<br />
erweisen, da sie den Anforderungen der<br />
Fronttruppen nicht entsprachen. Die gefangenen<br />
ungarischen Juden wurden ab Anfang<br />
1945 nahe der Kutschenitza-Grenze vor allem<br />
für die Errichtung der Panzergräben in den Stellungsbau-Unterabschnitten<br />
Klöch (V/2) und St.<br />
Anna am Aigen (V/3) herangezogen und mussten<br />
ihre Arbeit unter zum Großteil unmenschlichen<br />
Bedingungen verrichten. 31 Nach den späteren<br />
Aussagen des Kreisleiters Anton Rutte<br />
waren in seinem Stellungsbauabschnitt V-Feldbach<br />
(Radkersburg bis Mogersdorf) ab Jänner<br />
1945 ca. 3.000 ungarische Juden als Zwangsarbeiter<br />
eingesetzt. Mit Stichtag 1. März 1945<br />
waren von den insgesamt 13.535 Arbeitskräften<br />
im gesamten Stellungsbauabschnitt V-Feldbach<br />
2.464 Juden (= ca. 18,2 %). 32<br />
Ungarische Juden als Zwangsarbeiter beim<br />
Stellungsbau im Raum Klöch. Während<br />
im südlichsten Stellungsbau-Unterabschnitt<br />
V/1-Radkersburg (Unterabschnittsleiter war<br />
der Radkersburger Ortsgruppenleiter Ernst<br />
Huallenz) offenbar keine ungarischen Juden<br />
schanzen mussten, waren im Unterabschnitt<br />
V/2-Klöch (Unterabschnittsleiter war SA-<br />
Obersturmführer und Volkssturmkommandant<br />
Anton Oswald) seit Jänner 1945 zwischen<br />
300 und 400 ungarische Juden beim<br />
Stellungsbau im Einsatz. 33<br />
Die ungarischen Juden waren ab Jänner 1945<br />
in mehreren Transporten nach Klöch gekommen.<br />
Es waren einerseits jüdische Arbeitsdienstler<br />
wie Desider Schwarz aus Pécs im<br />
Einsatz, der bereits seit 1942 im Arbeitsdienst<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
der ungarischen Armee war. 34 (Den Juden in<br />
Ungarn war zwar der Militärdienst mit der<br />
Waffe untersagt, sie mussten aber im Rahmen<br />
der Armee Zwangsarbeit leisten.) In Klöch waren<br />
andererseits auch Juden aus Budapest eingesetzt,<br />
die neben den Arbeitsdienstlern von<br />
den Deportationen im Frühjahr 1944 nach Auschwitz<br />
verschont geblieben, jedoch nach dem<br />
Putsch der Pfeilkreuzler Mitte Oktober 1944<br />
den Deutschen „leihweise“ für kriegswichtige<br />
Arbeiten übergeben und zum Teil in mörderischen<br />
Fußmärschen zur Grenze getrieben<br />
worden waren. Unter den in Klöch eingesetzten<br />
ungarischen Juden waren auch einige Frauen,<br />
vermutlich ebenfalls aus Budapest. 35<br />
Die 300 bis 400 ungarischen Juden wurden in<br />
dem damals noch im Zentrum von Klöch liegenden<br />
Schulhaus untergebracht, das bereits<br />
seit Oktober 1944 für die Einquartierung der<br />
aus verschiedenen Nationen stammenden Stellungsbauarbeiter<br />
benutzt wurde. 36 Die Stellungsbauküche<br />
war im ehemaligen Kurhaus<br />
(gegenüber dem Gasthaus Domittner) eingerichtet.<br />
Die Juden mussten jeden Tag schwere Grabungsarbeiten<br />
leisten und erhielten nur unzureichende<br />
Essensrationen. Die Behandlung<br />
durch die Wachmannschaften war oft sehr<br />
brutal, Prügel für die Juden waren häufig. Aufgrund<br />
der katastrophalen hygienischen Zustände<br />
im Lager und der folgenden Läuseplage<br />
brach im Februar 1945 eine Flecktyphusepidemie<br />
aus. Es gab zwar jüdische Ärzte in den<br />
Lagern, aber diese hatten kaum Medikamente<br />
zur Verfügung. Mitte März 1945 gelangten<br />
Berichte über die Flecktyphus-Epidemie unter<br />
den jüdischen Stellungsschanzern in Klöch und<br />
St. Anna am Aigen auch bis in die Stadt Radkersburg.<br />
37 Die Klöcher Lehrerin Fränzi Costa-<br />
Kuhn war als Telefonistin beim Stellungsbau<br />
205
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Laufgräben im Gruislawald am Aigen – Tranšeje v Gruislawald-u<br />
206
Ansichtskarte von Klöch mit dem ehemaligen Schulgebäude – Razglednica iz Klöch-a z bivšo šolski zgradbo<br />
eingesetzt, sie wohnte auch weiterhin in ihrem<br />
Zimmer im Schulhaus. Der nähere Kontakt<br />
mit den ebenfalls im Schulhaus untergebrachten<br />
Juden war ihr aber verboten. Einmal<br />
wurde Costa-Kuhn aber überraschend von einem<br />
jungen Juden namens Pött angesprochen.<br />
Sie war vor dem Krieg in Budapest gerade bei<br />
der Familie dieses Burschen Erzieherin gewesen.<br />
Die Lehrerin versorgte ihn nun heimlich<br />
mit Lebensmitteln. Als auch er an Flecktyphus<br />
erkrankte, versteckte sie ihn in ihrem Zimmer<br />
und pflegte ihn wieder gesund. Pött hat dann<br />
den weiteren Einsatz und schließlich auch das<br />
Kriegsende überlebt. Die beherzte Lehrerin hat<br />
dem ungarischen Juden durch ihre Hilfe vermutlich<br />
das Leben gerettet. 38<br />
Die Flecktyphusepidemie breitete sich weiter<br />
aus. Anstatt eine ausreichende medizinische<br />
Versorgung der Kranken sicherzustellen, soll-<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
ten die erkrankten Juden über Anweisung der<br />
Gauleitung erschossen werden. In Klöch wählte<br />
am 24. März 1945 ein jüdischer Arzt 26<br />
kranke Juden in der Meinung aus, sie würden<br />
in ein Spital überstellt. Sie wurden mit einem<br />
LKW abgeholt.<br />
Der aus Budapest stammende Robert O. Fisch,<br />
der seit 23. Jänner 1945 in Klöch war und ebenfalls<br />
an Flecktyphus erkrankt war, sollte über<br />
Aufforderung des Arztes auch auf den LKW. Er<br />
weigerte sich aber und wollte lieber krank weiterarbeiten;<br />
dies rettete ihm das Leben. 39<br />
Man brachte die Kranken auf dem LKW in den<br />
nahen „Klöcklwald“ östlich von Klöch, wo sie<br />
von den Volkssturmmännern Anton Oswald,<br />
Anton Sablatnig und Ing. Robert Sattler erschossen<br />
wurden (den Befehl dazu hatten sie<br />
vom Feldbacher Kreisleiter Anton Rutte bzw.<br />
vom Murecker Kreisleiter Arnulf Lill erhalten).<br />
207
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Das einstige Massengrab im „Klöcklwald“ – Nekdanji masovni grob v „Klöcklwald-u/ Klöckl-gozdu“<br />
208
Die ebenfalls beim Stellungsbau eingeteilten<br />
NSDAP-Ortsgruppenleiter von Klöch (Alois<br />
Ulrich) und St. Peter am Ottersbach (Franz<br />
Koren) sowie zwei weitere Volkssturmmänner<br />
(Anton Hütter und Franz Zelenka) mussten<br />
Absperrdienste leisten bzw. sollten auch<br />
eine Flucht der Juden verhindern. 40<br />
Einige Tage darauf mussten die Stellungsbauarbeiten<br />
wegen der vorrückenden sowjetischen<br />
Soldaten bereits vorzeitig beendet werden.<br />
Ende März 1945 wurden nun die noch<br />
marschfähigen ungarischen Juden aus Klöch<br />
in Richtung KZ Mauthausen weggetrieben.<br />
Sie marschierten vorerst über Ratschendorf<br />
(hier wurde in der Schule genächtigt), Brunnsee,<br />
Jagerberg, St. Stefan im Rosental bis nach<br />
Gleisdorf. Von dort führte der „Todesmarsch“<br />
schließlich über Graz und den Präbichl weiter<br />
in Richtung Mauthausen. 41<br />
In Klöch blieben beim Abzug ungefähr 20<br />
schwer kranke, offenbar marschunfähige Juden<br />
zurück. Die Tür des in der Schule untergebrachten<br />
Krankenzimmers wurde einfach<br />
zugenagelt. Ortsbewohner entdeckten die<br />
Zurückgebliebenen und verpflegten sie. Einige<br />
Tage nach dem Abmarsch des Transportes<br />
(um den 4. April) erschien aber ein SS-Kommando<br />
in Klöch und erschoss die jüdischen<br />
Kranken im nahen „Steinriegelwald“ nahe der<br />
Ortschaft Röhrl (damals Gemeindegebiet von<br />
Hürth). 42 Die Verantwortlichen für diese Morde<br />
Anfang April 1945 konnten nie vor Gericht<br />
gestellt werden.<br />
Ab dem 4. April 1945 begannen die direkten<br />
Kämpfe zwischen den deutschen und den sowjetischen<br />
Truppen im Raum Klöch, die viele<br />
Tote unter den Soldaten und auch unter der<br />
teilweise nicht geflüchteten Zivilbevölkerung<br />
forderten. Die Toten wurden oft nur in Feldgräbern<br />
bestattet und erst 1947 exhumiert und<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Der ehemalige Zwangsarbeiter Sandor Vandor 2005 auf dem Friedhof<br />
Trautmannsdorf – nekdanji prisilni delavec Sandor Vandor 1995 na<br />
pokopališču Trautmannsdorf<br />
auf Friedhöfen begraben. Im Zuge der gerichtlichen<br />
Untersuchungen über die 1945 begangenen<br />
Morde an den ungarischen Juden im Raum<br />
Klöch wurden am 29. August 1947 die Leichen<br />
jener 26 Juden exhumiert, die im März 1945<br />
von Volkssturmangehörigen im „Klöcklwald“<br />
östlich von Klöch erschossen worden waren. 43<br />
Ihre sterblichen Überreste wurden am 30. August<br />
1947 auf dem jüdischen Friedhof in Trautmannsdorf<br />
(bei Bad Gleichenberg) beigesetzt.<br />
Vom 10. bis 13. November 1947 fand schließlich<br />
der Prozess gegen die Verantwortlichen<br />
für das „Juden-Massaker bei Klöch“ statt. Im<br />
„Klöcher Judenmordprozess“ mussten sich der<br />
Feldbacher NSDAP-Kreisleiter Anton Rutte,<br />
der Murecker NSDAP-Kreisleiter Arnulf Lill,<br />
der SA-Obersturmführer und Volkssturmunterabschnittskommandant<br />
Anton Oswald so-<br />
209<br />
fotografija: F .J. Schober
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Übersichtsskizze zu den drei Judenmassengräbern im Raum Klöch<br />
(StLA, LG Graz Vg Vr 2482/47) – Pregledna skica treh judovskih<br />
masovnih grobov na področju Klöch-a (StLA, LG Graz Vg Vr 2482/47)<br />
wie die Volkssturmmänner Anton Sablatnig<br />
und Ing. Robert Sattler vor einem Oberen Gericht<br />
der Britischen Militärregierung verantworten.<br />
44 Rutte und Lill wurden beschuldigt, im<br />
März 1945 den Befehl zur Erschießung der an<br />
Flecktyphus erkrankten Juden an Oswald, Sablatnig<br />
und Sattler gegeben zu haben. Oswald,<br />
Sablatnig und Sattler wurden angeklagt, die 26<br />
Juden in Klöch schließlich ermordet zu haben.<br />
Am 13. November 1947 wurden alle fünf Angeklagten<br />
des Mordes an den Juden schuldig<br />
erkannt und zum Tod durch den Strang verurteilt.<br />
45<br />
Im Dezember 1947 begnadigte jedoch der britische<br />
Hochkommissar in Österreich, Generalleutnant<br />
Galloway, alle fünf zum Tode Verurteilten.<br />
Die Todesstrafe für die ehemaligen<br />
Kreisleiter Rutte und Lill sowie für den Volks-<br />
210<br />
Das alte Schulhaus und die Pfarrkirche in St. Anna am Aigen (aus: H.<br />
Peklar, Pfarre St. Anna am Aigen, 1988.) – Stara šola in župnijska<br />
cerkev v St. Anna-i am Aigen (iz: H.Peklar, Pfarre St. Anna am Aigen/<br />
Župnija St. Anna am Aigen, 1988, S.99)<br />
sturmkommandanten Oswald wurde nun in<br />
15 Jahre Haft umgewandelt, das Strafausmaß<br />
für Sablatnig und Sattler betrug 10 Jahre Kerker.<br />
46<br />
Zwei weitere Massengräber mit 1945 im<br />
Raum Klöch erschossenen ungarisch-jüdischen<br />
Zwangsarbeitern wurden erst im Frühherbst<br />
1948 geöffnet und die exhumierten Leichen<br />
im jüdischen Friedhof in Trautmannsdorf beigesetzt.<br />
47 Im Grab im „Steinriegelwald“ nahe<br />
der Ortschaft Röhrl (diese gehörte damals<br />
noch zur Gemeinde Hürth) fanden sich 22 Leichen<br />
(offenbar jener Juden, die nach dem Abmarsch<br />
der jüdischen Stellungsbauarbeiter aus<br />
Klöch vorerst im Krankenzimmer im Schulhaus<br />
zurückgelassen wurden). Im Massengrab<br />
im „Schadlerwald“ in Deutsch Haseldorf<br />
fanden sich 48 Tote (sie waren zuvor im Stel-
Reste des Panzergrabens im Wald bei Aigen – Ostanki tankovskega<br />
jarka v gozdu pri Aigen-u.<br />
lungsbau-Unterabschnitt St. Anna am Aigen<br />
im Einsatz gewesen). Drei schon während der<br />
Stellungsbauarbeiten in Klöch verstorbene und<br />
vorerst auf dem Friedhof in Klöch begrabene<br />
unbekannte ungarische Juden wurden später<br />
ebenfalls auf den jüdischen Friedhof in Trautmannsdorf<br />
überführt. 48 Ebenso dürfte dies mit<br />
sieben auf dem Friedhof in St. Anna am Aigen<br />
begraben gewesenen ungarischen Juden geschehen<br />
sein, die auch während der Stellungsbauarbeiten<br />
verstorben waren. 49<br />
Jüdische Zwangsarbeiter beim Stellungsbau<br />
im Raum St. Anna am Aigen. Die im Stellungsbauunterabschnitt<br />
V/3-St. Anna am Aigen<br />
ab Jänner 1945 eingesetzten ungarischen<br />
Juden waren großteils mitten im Pfarrort St.<br />
Anna am Aigen einquartiert, die Pfarrchronik<br />
nennt die Zahl von 400 Juden. 50 Sie waren in<br />
fotografija: F .J. Schober<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
der damaligen Volksschule (heute Schuhhaus<br />
Rindler), im Vereinshaus (Theatersaal, Pfarrheim)<br />
und auch in einem heute nicht mehr<br />
bestehenden Gebäude neben dem Kaufhaus<br />
Lippe untergebracht. Als Quartier für die ungarischen<br />
Juden dienten auch ein Barackenlager<br />
in der „Höll“ zwischen Deutsch Haseldorf<br />
und Aigen (nahe Kramarovci/Sinnersdorf) und<br />
zeitweise auch ein Zeltlager. Die Stellungsbauküche<br />
befand sich im Garten des Gasthauses<br />
Fischer in St. Anna am Aigen.<br />
Der Leiter des Stellungsbauunterabschnittes<br />
V/3-St. Anna war Oberlehrer Johann Müller,<br />
der NSDAP-Ortsgruppenleiter von Mettersdorf.<br />
51 Er gehörte neben dem NSDAP-Ortsgruppenleiter<br />
Dr. Hans Gerscha zu den politischen<br />
Leitern, die auch für den Einsatz der<br />
ungarischen Juden im Raum St. Anna am<br />
Aigen verantwortlich waren. Die jüdischen<br />
Zwangsarbeiter wurden von SA, Ukrainern<br />
und vorübergehend auch von Angehörigen der<br />
kroatischen SS (13. Waffen-Gebirgs-Division<br />
der SS „Handschar“ – kroatische Nr. 1) bewacht.<br />
52 Die Behandlung durch die Bewacher<br />
war oft sehr roh, es gab häufig Schläge. Die jüdischen<br />
Zwangsarbeiter bestanden auch in St.<br />
Anna am Aigen zum Teil aus Arbeitsdienstlern<br />
der ungarischen Armee, wie z. B.Sandor<br />
Vandor (siehe dessen folgenden Bericht) oder<br />
Tibor Weiss. 53 Daneben waren hier aber auch<br />
eine große Anzahl von Juden im Einsatz, die<br />
bereits seit Sommer 1944 im Gau Groß-Wien<br />
als Zwangsarbeiter eingesetzt waren (sie waren<br />
bereits Ende Juni 1944 aus Ungarn nach<br />
Strasshof überstellt worden und von dort zu<br />
verschiedenen Arbeitsstätten im Raum Wien<br />
und Niederösterreich verlegt worden). Unter<br />
diesen aus dem Raum Wien herangeführten<br />
ungarischen Juden waren auch der aus Debrecen<br />
stammende Ladislaus Dér und Imre<br />
211
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Weisz aus Mezötur. 54 Der ebenfalls aus Debrecen<br />
stammende Samuel Roth war als Verantwortlicher<br />
für die „Strasshofer Juden“ in St.<br />
Anna am Aigen eingeteilt. 55 Unter ihnen waren<br />
auch einige Frauen.<br />
Die Juden wurden vor allem beim Bau des<br />
Panzergrabens von den Aigner Feldern bis zur<br />
Höllwiese nahe der Grenze zum heutigen Slowenien<br />
eingesetzt, wo sie häufig unter unmenschlichen<br />
Bedingungen arbeiten mussten.<br />
Der in monatelanger Arbeit von den jüdischen<br />
Zwangsarbeitern gegrabene fast zwei Kilometer<br />
lange, 4,5 m breite und 5 m tiefe Panzergraben,<br />
der bei den Endkämpfen 1945 militärisch<br />
bedeutungslos war, wurde schließlich im<br />
November 1947 von einem Bagger zugeschüttet.<br />
56<br />
Die Verpflegung der Juden war sehr mangelhaft.<br />
Von der Zivilbevölkerung erhielten jüdische<br />
Zwangsarbeiter manchmal heimlich<br />
Lebensmittel, was das Überleben erleichterte<br />
(siehe die Berichte von Sandor Vandor und<br />
Simson Schvarc). Diese Hilfestellungen reflektierten<br />
einerseits die mutige Menschlichkeit<br />
der lokalen Bevölkerung, andererseits jedoch<br />
auch die ungewöhnlich große Bewegungsfreiheit,<br />
die den jüdischen Stellungsbauarbeitern<br />
gewährt wurde. Anton Rutte, der Abschnittsleiter<br />
des Stellungsbauabschnittes V-Feldbach,<br />
kam Mitte März 1945 nach St. Anna am Aigen,<br />
weil ihm angezeigt worden war, dass die<br />
jüdischen Zwangsarbeiter häufig in den umliegenden<br />
Ortschaften Lebensmittel hamstern<br />
gingen. Rutte stellte die für die Bewachung<br />
Verantwortlichen zur Rede und ließ die Juden<br />
in St. Anna am Aigen antreten. Da einige fehlten,<br />
wurde sofort nach ihnen gesucht. Die aufgegriffenen<br />
Juden brachte man in den Gemeindearrest,<br />
wo sie von den Wächtern schwer<br />
misshandelt wurden. 57 Im Lager in St. Anna<br />
212<br />
am Aigen waren die hygienischen Bedingungen<br />
ebenfalls katastrophal, wegen mangelnder<br />
Waschmöglichkeiten waren die Arbeiter bald<br />
stark verlaust. Ein Teil der Juden kam dann in<br />
ein Zeltlager nahe der Panzergraben-Baustelle.<br />
58 Dort wurden sie auch entlaust. Trotzdem<br />
brach bald auch im Bereich St. Anna am Aigen<br />
unter den Juden infolge der unzureichenden<br />
hygienischen Bedingungen Flecktyphus aus.<br />
Die Typhusepidemie drohte sich auszuweiten.<br />
Da es an Medikamenten mangelte, wurden<br />
die unheilbar Kranken von ihren Bewachern<br />
erschossen. Eines Tages (angeblich am 13. Februar<br />
1945) wurden 41 kranke Männer mit<br />
einem Lastwagen in einen Wald bei Deutsch<br />
Haseldorf gebracht, dort erschossen und in einem<br />
Massengrab beerdigt. 59 Die Erschießungen<br />
wurden von einem SS-Kommando aus<br />
Feldbach durchgeführt, Unterabschnittsleiter<br />
Johann Müller und Ortsgruppenleiter Dr. Gerscha<br />
aus St. Anna am Aigen mussten Straßenabsperrdienste<br />
leisten.<br />
Einige Tage vor dem Abbruch der Stellungsbauarbeiten<br />
Ende März 1945 flüchteten sieben<br />
Juden aus dem Lager, als Vergeltung dafür<br />
wurden sieben andere Zwangsarbeiter erschossen<br />
(und offenbar ebenfalls im Massengrab bei<br />
Deutsch Haseldorf begraben). 60 Es gibt Hinweise<br />
aus der Zivilbevölkerung, dass nahe des<br />
Barackenlagers im Bereich „Höll“ einige verstorbene<br />
oder ermordete Juden gleich an Ort<br />
und Stelle verscharrt wurden. 61 Die Lage ihrer<br />
Gräber ist aber nicht mehr bekannt.<br />
Einige der aus dem Großraum Wien nach St.<br />
Anna am Aigen gebrachten Juden wurden<br />
noch vor Ende der Stellungsbauarbeiten nach<br />
Wien zurückgeschickt, so z. B.Ladislaus Dér.<br />
Die anderen „Strasshofer Juden“ mussten bis<br />
zum Abbruch des Stellungsbaus in St. Anna<br />
am Aigen weiterarbeiten und wurden Ende
Simson Schvarc mit seiner Frau Dvora-Vera in Tel Aviv 2005 – Simson Schvarc z ženo Dvora-Vera v Tel Aviv-u 2005<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
213
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
März 1945 gemeinsam mit den jüdischen Arbeitsdienstlern<br />
vorerst bis Gnas getrieben. 62 In<br />
Gnas, wo drei jüdische Zwangsarbeiter verstarben,<br />
erhielten die halb verhungerten Juden<br />
von einigen Ortseinwohnern Lebensmittel,<br />
ehe der Todesmarsch über Gleisdorf, Graz, Präbichl<br />
(wo viele Zeugen des berüchtigten Massakers<br />
wurden) weiter nach Mauthausen ging.<br />
Die Kolonne von Simson Schvarc war langsamer<br />
unterwegs und wurde bereits vor Graz<br />
von den Sowjets befreit.<br />
Im Barackenlager bei Aigen (nahe Kramarovci)<br />
wurde eine größere Zahl von schwer<br />
kranken Juden zurückgelassen, unter ihnen<br />
auch Sandor Vandor. 63 Am 4. April 1945 kam<br />
noch ein kranker Jude aus diesem Lager nach<br />
Deutsch Haseldorf, um für seine Kameraden<br />
im Lager Lebensmittel zu holen. Es konnte einiges<br />
gesammelt werden, und Alois Gangl aus<br />
Deutsch Haseldorf wollte diese Lebensmittel<br />
mit seinem Wagen zum Lager bringen. Da die<br />
sowjetischen Soldaten an diesem Tag aber bereits<br />
von Fikšinci/Füchselsdorf herüberschossen,<br />
kehrte Gangl jedoch um. Der kranke Jude<br />
ging mit einigen Lebensmitteln allein zurück<br />
ins Lager. 64<br />
Bereits am nächsten Tag hatten die russischen<br />
Soldaten das Barackenlager in der „Höll“ erreicht,<br />
die ungarischen Juden waren befreit,<br />
und die wenigen noch Marschfähigen unter<br />
ihnen begaben sich zu Fuß auf den Weg nach<br />
Ungarn. Zurück blieben im Barackenlager die<br />
Toten und Sterbenden. Auch ihre Gräber sind<br />
bis heute unentdeckt.<br />
In der burgenländischen Nachbargemeinde<br />
Neuhaus am Klausenbach (Stellungsbau-Unterabschnitt<br />
V/4 Kalch) waren ebenfalls ungarische<br />
Juden als Zwangsarbeiter eingesetzt. 65<br />
Als Unterkünfte dienten die Schulhäuser von<br />
Neuhaus am Klausenbach und ein Privathaus<br />
214<br />
in Kalch, während in der Schule von Kalch<br />
schließlich die Krankenstation eingerichtet<br />
wurde. Die in der Schule von Kalch verstorbenen<br />
Juden wurden in einem nahen Waldstück<br />
begraben (die sieben Leichen wurden erst 1988<br />
exhumiert und auf den jüdischen Friedhof in<br />
Rechnitz umgebettet).<br />
Aufgrund der ebenfalls fürchterlichen hygienischen<br />
Verhältnisse brach auch im Stellungsbau-Unterabschnitt<br />
V/4 Kalch unter den Juden<br />
bald Flecktyphus aus. Die Kranken wurden in<br />
einem aus Zelten bestehenden Notlazarett<br />
nahe Krottendorf (zwischen Kalch und Neuhaus<br />
am Klausenbach) isoliert, um eine weitere<br />
Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Sie<br />
wurden zwar entlaust, erhielten aber keine<br />
geeigneten Medikamente. Am 23. März 1945<br />
wurden schließlich ca. 100 erkrankte ungarische<br />
Juden von einem SS-Kommando in einem<br />
Wald nahe des Zeltlagers bei Krottendorf erschossen<br />
und gleich dort in einem Massengrab<br />
verscharrt. 66 Im September 1969 wurden die<br />
sterblichen Überreste von 83 Toten aus dem<br />
Grab in Krottendorf geborgen und auf dem jüdischen<br />
Friedhof in Graz bestattet. 67<br />
Die Erinnerungen von Simson Schvarc und<br />
Sandor Vandor. Abschließend folgen die Berichte<br />
der beiden Überlebenden Simson Schvarc<br />
und Sandor Vandor über ihren Zwangsarbeitseinsatz<br />
beim Stellungsbau im Raum St. Anna<br />
am Aigen. Beide traten rund 60 Jahre nach<br />
dem Krieg unabhängig voneinander mit der<br />
Gemeinde St. Anna am Aigen in Kontakt, um<br />
für die Hilfe der dortigen Zivilbevölkerung zu<br />
danken, die mit ein Grund dafür war, dass sie<br />
den mörderischen Einsatz überlebten. 68<br />
Simson Schvarc (geb. 1929 in der Nähe der<br />
ungarischen Stadt Miskolc) wurde nach dem<br />
Einmarsch der deutschen Armee im März
1944 mit seiner Mutter und zwei Geschwistern<br />
ins Ghetto Miskolc-Diósgyör gebracht,<br />
während sein Vater und sein ältester Bruder<br />
in eine jüdische Arbeitseinheit der ungarischen<br />
Armee eingezogen wurden. Der Vater kam<br />
dann ins KZ Mauthausen und ist dort umgekommen,<br />
während der große Bruder die KZ<br />
Buchenwald-Auschwitz und Theresienstadt<br />
überlebte (er lebt nun heute in Kanada). Aus<br />
dem Ghetto Diósgyor wurden die Mutter und<br />
der kleine Bruder nach Auschwitz deportiert,<br />
wo beide umkamen. Simson Schvarc und sein<br />
Bruder Itzhak wurden von einem ungarischen<br />
Offizier aus dem Ghetto gerettet, der sie zum<br />
Arbeitsdienst einzog. Itzhak kam aber bald ins<br />
KZ Dachau, das er ebenfalls nicht überlebte.<br />
Über Umwege gelangte der damals noch keine<br />
16 Jahre alte Simson Schvarc schließlich zum<br />
Arbeitseinsatz nach St. Anna am Aigen, wo er<br />
vorerst in Vereinsheim (Theatersaal) untergebracht<br />
war. Er berichtete in einem Brief vom<br />
9. März 2005 an den Verfasser über seine Erinnerungen:<br />
„Ende Dezember 1944 verfrachtete man uns in<br />
einen Güterzug, 80 Menschen gepfercht in einem<br />
Waggon, es gab nicht einmal Platz zum<br />
Hinsetzen, 3 Tage und Nächte ohne Verpflegung<br />
und Wasser befanden wir uns auf dem<br />
Weg nach Österreich in eine Stadt namens<br />
Fehring. Von dort zu Fuß nach St. Anna. Der<br />
Ort war mit Stacheldraht vergittert […] Früher<br />
war das ein Kino. Man hat innen alles geändert<br />
und mit 3-stöckigen Holzbetten ausgestattet,<br />
wo Hunderte Juden hineingepfercht<br />
wurden.<br />
Es gab keine Matratzen, keine Heizung, kein<br />
Wasser oder Toiletten. Monatelang wechselte<br />
ich keine Kleider, der Gestank war unerträglich.<br />
Mittlerweile erkrankte ich an Flecktyphus<br />
mit sehr hohem Fieber. Unter uns gab es<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
einen Tierarzt namens Dr. Winkler, der mich<br />
nicht in die Krankenstube gehen ließ, da alle,<br />
die sich dort hinwandten, nicht mehr zurückkamen.<br />
Sie wurden einfach hingerichtet. Dr.<br />
Winkler kümmerte sich um die Kühe von Bauern<br />
und war im Dorf eine sehr bekannte Figur.<br />
Nachdem ich die Krankheit überstanden<br />
hatte, erkrankte Dr. Winkler, und ich habe ihn<br />
am Feld in St. Anna begraben. Auf der Pritsche<br />
neben mir lag ein guter und treuer Mensch namens<br />
Jenö Berger. Er war 42 Jahre alt, sprach<br />
einige Tage lang nicht, verschloss sich gegenüber<br />
den anderen, ich versuchte ihm zu helfen,<br />
mit dem Trinken, wo ich nur konnte. Aber es<br />
half gar nichts. Er schlief in der Nacht ein, und<br />
in der Früh war er tot. Das war für mich ein<br />
schwerer Schlag. Auch ihn habe ich begraben.<br />
(Dr. Winkler und Jenö Berger wurden auf dem<br />
Friedhof oder außerhalb begraben. Auch andere<br />
Tote wurden dort begraben, aber ich kenne<br />
deren Namen nicht.) Die Wächter waren<br />
Ukrainer, die sich den Deutschen angeschlossen<br />
haben, und sie waren grausam. Oft bedrohten<br />
sie die Frauen von St. Anna mit ihren<br />
Gewehren, wenn diese unterhalb ihrer Tücher<br />
Essenspakete versteckten und über den Zaun<br />
warfen. Die Wächter verjagten sie, indem sie<br />
ihnen mit ihren Waffen drohten. Über die<br />
weiblichen Bewohner des Dorfes kann ich nur<br />
Gutes sagen.<br />
Zur Arbeit gingen wir, begleitet von Wächtern,<br />
zu Fuß. Wir gingen einige Kilometer, wir<br />
arbeiteten mit den bloßen Händen, bauten<br />
Panzergraben. […] Das Essen, das wir zeitig<br />
in der Früh ausgeteilt erhielten, war ein Löffel<br />
Suppe aus Trockengemüse ohne Salz und etwa<br />
200 Gramm trockenes Brot. Nach einer Zeit,<br />
im Februar oder März, verlegte man uns in ein<br />
Zeltlager. (Das Lager war in der Nähe unserer<br />
Arbeitsstätte, wo wir an dem Panzergraben ar-<br />
215
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Sandor Vandor 2005 in St. Anna am Aigen – Sandor Vandor 2005 v St. Anna-i am Aigen<br />
216<br />
fotografija: F .J. Schober
eiteten.) Wir waren zwanzig Personen in einem<br />
Zelt. Das Lager war nicht umzäunt.<br />
Eines Tages flohen aus dem Lager einige Personen<br />
nach Ungarn oder Slowenien. Die Rote<br />
Armee der Russen war bereits in der Nähe der<br />
österreichischen Grenze. Als Strafe wurde jeder<br />
zehnte Häftling hingerichtet, auch diejenigen,<br />
die krank waren. Die Tage waren sehr<br />
schwer, die Kälte war weit unter null Grad.<br />
Ende März führte man uns in Richtung der<br />
Stadt Graz. Wir gingen zu Fuß, ohne Essen,<br />
Menschen fielen unterwegs um, die Wächter<br />
erschossen sie.<br />
Als wir 5 Kilometer vor Graz waren, liefen die<br />
Wächter davon, wir waren nur wenige geblieben.<br />
Wir kamen in ein Dorf und versteckten<br />
uns auf einem Heuboden. Tags darauf gingen<br />
wir auf Essenssuche, und da kam eine Gruppe<br />
von SS-Soldaten und stellte uns zum Erschießen<br />
auf. Plötzlich erschien ein Mann mit einer<br />
Gipshand, ich weiß nicht mehr, woher er kam,<br />
und sagte den Soldaten, dass wir ungarische<br />
Zöglinge seien, und die Soldaten gingen weg.<br />
Der Mann, der uns gerettet hatte, das wurde<br />
mir im Nachhinein erzählt, war der Bürgermeister,<br />
wir sahen ihn nie wieder.<br />
Einige Stunden später kamen die Panzer der<br />
Roten Armee und befreiten uns. Sie bewegten<br />
sich weiter in Richtung Graz, wir gingen<br />
zu Fuß in Richtung ungarische Grenze.<br />
Ich kam im Juni 1945 nach Budapest, mager,<br />
krank, man musste mir 6 Zähne ziehen, seelisch<br />
und körperlich angegriffen, ohne Familie.<br />
Die ,Joint’-Organisation half mir und sorgte<br />
für mich. Ich wohnte in einem Internat mit<br />
noch Dutzenden Kindern wie mich, ohne Eltern,<br />
ohne häusliche Stütze, nur mit schrecklichen<br />
Erinnerungen. Im Jahre 1948 wanderte<br />
ich nach Israel aus und begann ein neues Leben.“<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
Sandor Vandor (geb. 1925) stammte aus der<br />
ungarischen Stadt Rákospalota, die heute ein<br />
Teil von Budapest ist. Im Mai 1944 musste er<br />
zu einem jüdischen Arbeitsbataillon der ungarischen<br />
Armee einrücken. Zur selben Zeit<br />
musste sich auch sein Vater bei einem anderen<br />
Arbeitsbataillon melden. Waffen durften die<br />
Juden nicht tragen, wohl aber wurden sie zur<br />
Arbeit herangezogen.<br />
Vandors Arbeitsbataillon musste später von<br />
Szöny (bei Komarom) in Richtung Österreich<br />
(damals Teil des Deutschen Reiches) marschieren.<br />
Bis zur ungarischen Grenze wurden<br />
die Angehörigen des jüdischen Arbeitsbataillons<br />
von ungarischen Soldaten bewacht, die<br />
sie oft sehr grob behandelten. In der Gegend<br />
von Sopron wurde die Grenze zum damaligen<br />
Deutschen Reich überschritten, und die Männer<br />
wurden in deutschen Gewahrsam genommen.<br />
Die Arbeitskompanie von Sandor Vandor marschierte<br />
dann weiter bis nach St. Anna am Aigen,<br />
das sie im Jänner 1945 erreichte. Die ungefähr<br />
150 jüdischen Männer im Alter zwischen<br />
ca. 18 und 40 Jahren wurden in einem heute<br />
nicht mehr bestehenden Gebäude nahe dem<br />
Kaufhaus Lippe untergebracht, in dem primitive<br />
Schlafräume mit zweistöckigen Schlafkojen<br />
eingerichtet worden waren. 69<br />
Das Areal wurde von deutschen Soldaten und<br />
SS bewacht. Zweimal täglich gab es Essen.<br />
Das Frühstück bestand aus einer Flüssigkeit,<br />
die Kaffee genannt wurde, und einem Stück<br />
Brot, auf dem manchmal Marmelade war. Als<br />
Abendessen erhielten die jüdischen Arbeiter<br />
ebenfalls eine Flüssigkeit, die nun Suppe genannt<br />
wurde. Für die harte Arbeit, die von den<br />
Juden geleistet werden musste, war die Nahrung<br />
zu wenig und zu minderwertig. Die allgemeine<br />
Gesundheitslage war daher schlecht,<br />
217
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
es gab weder eine Krankenstube noch irgendeine<br />
medizinische Hilfe.<br />
Täglich musste die jüdische Arbeitskompanie<br />
unter SS-Bewachung von St. Anna am Aigen<br />
zur Arbeitsstelle marschieren. Die Juden<br />
mussten südlich von St. Anna am Aigen einen<br />
Panzergraben mit Spaten, Pickeln und Schaufeln<br />
ausheben. An der Arbeitsstelle wurden<br />
die Männer von Soldaten bewacht. Wenn das<br />
tägliche Arbeitssoll erfüllt war, konnten die<br />
10-köpfigen Arbeitsgruppen ins Lager zurückgehen,<br />
dort wurde ihre Vollzähligkeit kontrolliert.<br />
Obwohl es von den Wachmannschaften und<br />
deren ukrainischen Helfern öfters harte Schläge<br />
gab, hatte Vandor selbst kaum Probleme mit<br />
den Bewachern. Nach der Erinnerung von Sandor<br />
Vandor trugen er und die anderen Arbeitsdienstler<br />
keinen gelben Stern, sondern mussten<br />
gelbe Armschleifen tragen, die sie als Juden<br />
kennzeichneten.<br />
Sandor Vandor erinnert sich besonders dankbar,<br />
dass sie einige Male Hilfe von der Zivilbevölkerung<br />
aus St. Anna am Aigen und den<br />
Umgebungsdörfern erhielten. Es kam mehrmals<br />
vor, dass zur Feldarbeit gehende Frauen<br />
Essenspakete entlang der Straße liegen ließen,<br />
die dann von den jüdischen Arbeitern gefunden<br />
wurden und deren Überleben erleichterten.<br />
Sandor Vandor und sein Jugendfreund Gyuri,<br />
der ebenfalls aus Rákospalota war, konnten<br />
auch einige Male über den das Lager umgebenden<br />
Zaun springen und sich davonschleichen,<br />
um Essen zu suchen. Sie bekamen öfters von<br />
den einheimischen Frauen etwas zum Essen<br />
zugesteckt. Einmal wurden sie sogar von zwei<br />
Mädchen bzw. jungen Frauen ins Haus hinein<br />
geholt und mit Eierspeisbroten bewirtet. Einem<br />
Juden zu helfen, war nach den national-<br />
218<br />
sozialistischen Gesetzen strafbar. Diese jungen<br />
Frauen waren aber besonders mutig und<br />
gegenüber den NS-Gesetzen ungehorsam.<br />
Um die vierte Woche des März 1945 erkrankten<br />
etwa 40 Männer an Typhus. Sie erhielten<br />
keine Medikamente, sondern wurden vom<br />
Rest der Arbeitskompanie abgesondert. Vandors<br />
Jugendfreund Gyuri blieb vorerst im Lager<br />
in St. Anna am Aigen. Er musste später mit<br />
dem Rest der Arbeitskompanie den „Todesmarsch“<br />
ins Konzentrationslager Mauthausen<br />
mitmachen, hat aber überlebt. Er kehrte nach<br />
Ungarn zurück, emigrierte aber in die USA<br />
und starb dort bereits 1970.<br />
Der an Typhus erkrankte Sandor Vandor wurde<br />
mit den ungefähr 40 anderen Kranken ins<br />
Barackenlager (im Bereich „Höll“) südlich von<br />
St. Anna am Aigen gebracht. Gyuri stützte ihn<br />
auf dem Weg zum Barackenlager und kehrte<br />
dann wieder ins Lager nach St. Anna am Aigen<br />
zurück. Die Kranken wurden zum Sterben<br />
im Barackenlager zurückgelassen. Sie wurden<br />
auch nicht bewacht (es gab keinen Grund<br />
dazu, denn keiner war in der Verfassung, davonlaufen<br />
zu können). Sie wurden nicht ärztlich<br />
behandelt, es gab auch kein Essen. Von irgendwo<br />
kam ein wenig verschimmeltes Brot,<br />
unzählige Menschen starben links und rechts<br />
von Vandor.<br />
Am 4. April 1945 am späten Nachmittag konnte<br />
Sandor Vandor beobachten, wie ein deutscher<br />
Soldat ein Maschinengewehr auf dem<br />
zentralen Platz (Exerzierplatz) des Barackenlagers<br />
aufstellte. Was er damit wollte, ist nicht<br />
klar. 70 Dann kam aber ein weiterer Soldat auf<br />
einem Fahrrad, nach einem kurzen Gespräch<br />
packte der erste Soldat sein Maschinengewehr<br />
wieder ein, und beide verschwanden in Eile.<br />
In der Früh des 5. April 1945 sah Vandor<br />
russische Soldaten, hatte aber keinen direk-
ten Kontakt mit ihnen. Jedenfalls waren die<br />
noch lebenden jüdischen Zwangsarbeiter von<br />
den Nazis befreit. Es waren im Barackenlager<br />
vielleicht noch 20 Zwangsarbeiter am Leben,<br />
großteils in allerschlechtestem Gesundheitszustand.<br />
Vandor erzählte den anderen die Neuigkeit<br />
von den russischen Soldaten. Mit einer<br />
Gruppe von vielleicht noch fünf Kameraden<br />
begab er sich sofort auf den Weg nach Ungarn.<br />
In ihrem Zustand schafften sie am ersten Tag<br />
gerade einmal drei Kilometer. Dort trafen sie<br />
auf eine Kompanie russischer Soldaten, die<br />
Verpflegung und ein Feldspital hatten. Ein Geheimdienstoffizier<br />
verhörte die ungarisch-jüdischen<br />
Zwangsarbeiter, dann konnten sie im<br />
russischen Lager schlafen. Sie gingen in den<br />
nächsten beiden Tagen bis zur Bahnlinie (die<br />
von Murska Sobota nach Norden bis nach Ungarn<br />
führte) und konnten von dort mit einem<br />
Zug bis in einen Vorort von Budapest mitfahren.<br />
Der ebenfalls in einem Arbeitsbataillon dienende<br />
Vater von Sandor Vandor hatte auch überlebt.<br />
Während der Abwesenheit der Männer<br />
waren die Mutter und die Schwester von Sandor<br />
Vandor nach Auschwitz gebracht worden.<br />
Die Mutter wurde sofort nach der Ankunft in<br />
Auschwitz vergast, die Schwester überlebte.<br />
Im Zuge der durch die Niederschlagung des<br />
ungarischen Volksaufstandes entstandenen<br />
großen Fluchtbewegung verließ Sandor Vandor<br />
mit seiner Frau und seinem Sohn Mitte<br />
November 1956 Ungarn und erreichte bei<br />
Deutschkreutz Österreich. Anfang Dezember<br />
1956 wurde in Wien noch sein jüngerer Sohn<br />
geboren, ehe die Familie nach Amerika (USA)<br />
emigrierte.<br />
ANMERKUNGEN<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
1 Hermann Kurahs, Zur Geschichte der Juden in Radkersburg, in: Gerald<br />
Lamprecht (Hg.), Jüdisches Leben in der Steiermark. Marginalisierung<br />
– Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 59ff; ders., Noch<br />
mehr haben nirgends eine Heimat, aber Gräber auf jedem Friedhof. Zur<br />
Wiederansiedlung der Juden in Radkersburg, in: Blätter für Heimatkunde,<br />
75. Jg., H. 2/3. Graz 2001, S. 69ff.<br />
2 Die Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg (Kloster-<br />
Pfarrchronik Bad Gleichenberg), S. 111, S. 132, S. 133, S. 143 u. S. 193,<br />
bringt einige Hinweise auf die jüdischen Kurgäste, z. B.1906: „weitaus die<br />
Mehrzahl dem ,auserwählten Volke’ angehörte“; 1918: „allerdings 90 %<br />
Juden“ und „meist ungarische und polnische Juden“; 1922: „natürlich meist<br />
aus Israel“ u. 1928: „Sehr viele Juden!“. Bei der Darstellung in der Chronik<br />
ist zu berücksichtigen, dass sie nicht frei von Antisemitismus ist und daher<br />
möglicherweise die Zahl der Juden höher einschätzt als diese tatsächlich<br />
war, z. B.90 %. Aber zweifellos war Gleichenberg bei Juden beliebt.<br />
3 Manès Sperber, Die vergebliche Warnung. All das Vergangene... Wien<br />
1975, S. 56ff., S. 67 u. S. 122f.<br />
4 Special-Orts-Repertorium der im österreichischen Reichsrathe vertretenen<br />
Königreiche und Länder. IV. Steiermark. Wien 1883, S. 49; Special-Orts-<br />
Repertorium der im österreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche<br />
und Länder. (Volkszählung vom 31. December 1890) IV. Steiermark. Wien<br />
1893, S. 74; Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche<br />
und Länder. (Volkszählung vom 31. Dezember 1900) IV. Steiermark. Wien<br />
1905, S. 70; Spezialrepertorium der österr. Länder. Spezialrepertorium von<br />
Steiermark. (Volkszählung vom 31. Dezember 1910) Wien 1917, S. 36.<br />
5 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg, S. 38; Mathias<br />
Macher, Gleichenberg in Steiermark als klimatischer und Brunnen-Kurort.<br />
Graz 1873, S. 24.<br />
6 Gleichenberger- und Johannisbrunnen-Actien-Verein (Hg.), Curort<br />
Gleichenberg ungarische Westbahn-Station Feldbach in Steiermark.<br />
Gleichenberg o. J. (ca. 1880), S. 38 u. S. 46.<br />
7 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg in Steiermark. Wien – Leipzig 1892,<br />
S. 114.<br />
Dr. Karl Höffinger war Kurarzt in Gleichenberg (Sommersaison) und in<br />
Gries bei Bozen (Wintersaison).<br />
8 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1902), S. 19; Emil<br />
Ziffer, Der Kurort Gleichenberg in Wort und Bild. Gleichenberg 1906, S.<br />
68.<br />
9 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg, S. 96 u. S. 114; Georg Ensbruner,<br />
Der Kurort Gleichenberg in Steiermark. Gleichenberg o. J. (1923), S. 57.<br />
10 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1913), S. 84.<br />
11 Dr. Rudolf Grasmug sei herzlichst für viele wertvolle Hinweise gedankt.<br />
12 Emil Ziffer, Der Kurort Gleichenberg in Wort und Bild. Gleichenberg 1906,<br />
S. 79.<br />
13 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1913), S. 48.<br />
14 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg, S. 133; Adressenbuch<br />
von Steiermark für Industrie, Handel u. Gewerbe. Graz 1927 u.1929, S. 238<br />
bzw. S. 130.<br />
Die Villa „Dreibaum“ brannte 1945 ab. Heute steht an ihrer Stelle der<br />
„Gleichenbergerhof“.<br />
15 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg, S. 125; Heidemarie Uhl,<br />
Erinnern und Vergessen. Denkmäler zur Erinnerung an die Opfer der<br />
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an die Gefallenen des<br />
Zweiten Weltkrieges in Graz und in der Steiermark, in: Stefan Riesenfellner<br />
– Heidemarie Uhl, Todeszeichen. Zeitgeschichtliche Denkmalkultur in Graz<br />
und in der Steiermark vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.<br />
Wien – Köln – Weimar 1994, S. 123.<br />
16 Georg Ensbruner, Der Kurort Gleichenberg. Gleichenberg o. J. (1912), S.<br />
44f.<br />
17 Adolph Jellinek, Rede zur Eröffnung des israelitischen Spitals im Curorte<br />
Gleichenberg, gehalten am 23. Juni 1884. Wien 1884.<br />
18 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg, S. 6; Karl W. Gawalowski (Hg.),<br />
Steiermark. Hand- und Reisebuch. Graz 1914, S. 345; StLA, BG Feldbach,<br />
KG Bad Gleichenberg, EZ 191.<br />
19 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1908, bzw. ca.<br />
1910, bzw. ca. 1913), S. 29, bzw. S. 36, bzw. S. 34; Wilhelm K. Rauch, Bad<br />
Gleichenberg und seine Ärzte 1772–1992. Bad Gleichenberg 1993, S. 18ff.<br />
Für wichtige Hinweise betreffend die jüdischen Kurärzte sei Herrn Dr.<br />
Rudolf Grasmug herzlich gedankt.<br />
219
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
20 Wilhelm K. Rauch, Bad Gleichenberg, S. 27.<br />
21 Franz Röschel, Steiermarks Paradies. Bruck a. d. Mur 1925, S. 51;<br />
Adressenbuch von Steiermark für Industrie, Handel u. Gewerbe. Graz 1929,<br />
S. 130; Bad Gleichenberg, 3. Jg. Nr. 4 (April 1935). Graz 1935.<br />
22 Heimo Halbrainer – Joachim Hainzl, „Ersuche um Mitteilung, wie ich zu<br />
einem jüdischen Geschäft komme.“ Arisierung in der Steiermark, in: Korso,<br />
2. Jg., Nr. 9. Graz 1988.<br />
23 Eduard G. Staudinger, „Ich bitte die Vermögensverkehrsstelle um baldige<br />
Entscheidung“. Aspekte der „Arisierung“ in der Steiermark, in: Gerald<br />
Lamprecht (Hg.), Jüdisches Leben in der Steiermark. Marginalisierung<br />
– Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 211; StLA, Arisierung<br />
1938–45, LG/I 47-537, Mappe 199/II. Dr. Eduard G. Staudinger sei für seine<br />
Hinweise besonders gedankt.<br />
Die „Villa Dreibaum“ wurde ursprünglich „Villa Schuch“ genannt. Sie war<br />
eine der originellsten Villen des Kurortes und brannte bei Kriegsende 1945<br />
ab. Heute steht an seiner Stelle der „Gleichenbergerhof“. Das Gebäude des<br />
israelitischen Spitals in Bad Gleichenberg überstand das Ende des Zweiten<br />
Weltkrieg und wurde Jahre später abgetragen.<br />
24 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg, S. 292; Anatol P.<br />
Fuksas, Bad Gleichenberg. Skizzen der Zeit. Graz 1988, S. 201f u. S.<br />
207f. (Ansonsten findet man in den zahlreichen Büchern von Fuksas über<br />
Bad Gleichenberg kaum Hinweise auf das einstige jüdische Leben in Bad<br />
Gleichenberg. In seinem 1988 erschienenen Buch „Skizzen der Zeit“<br />
erwähnte Fuksas auf Seite 203 in einer Fußnote z. B., dass bis 1938 der<br />
Generalvertrieb des Gleichenberger Mineralwassers noch in den Händen<br />
eines Juden war. Im Buch „Bad Gleichenberg 1837–1997. Erste Kursaison –<br />
Zeitenwende im Heilbade“ von Fuksas findet man auf Seite 65f. noch einen<br />
kurzen Hinweis auf den bereits erwähnten Gleichenberger Kuraufenthalt<br />
und das Buch „Die vergebliche Warnung“ des Schriftstellers Manès<br />
Sperber, jedoch ohne einen Vermerk zu dessen jüdischer Herkunft.)<br />
25 Wilhelm K. Rauch, Bad Gleichenberg, S. 22 u. 27; Siglinde Bolbecher<br />
– Konstantin Kaiser, Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien –<br />
München 2000, S. 545.<br />
26 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg, S. 295.<br />
27 Heidemarie Uhl, Erinnern und Vergessen, S. 123.<br />
28 Franz Josef Schober (Mitarbeit Günther Prutsch), Das Kriegsende 1945<br />
rund um den Königsberg im Bezirk Radkersburg, in: Feldbacher Beiträge<br />
zur Heimatkunde der Südoststeiermark, H. 4. Feldbach 1989, S. 115ff.<br />
29 Curd Jürgens, ... und kein bißchen weise. Autobiographischer Roman.<br />
Locarno 1976, S. 300ff; Anna Hinterholzer, Klöch (12.2.1985), Sammlung<br />
F. J. Schober.<br />
30 Hier im Gruislawald und bei den Resten des Panzergrabens im Wald<br />
bei Deutsch Haseldorf fanden am 15. April 1993 Dreharbeiten für die<br />
Dokumentation „Alles Schweigen“ über den Einsatz der ungarischen<br />
Juden beim Stellungsbau und den anschließenden „Todesmarsch“ nach<br />
Mauthausen statt (Der Film wurde am 15. November 1993 in ORF 2<br />
gesendet).<br />
31 Franz Josef Schober (Mitarb. Günther Prutsch), Das Kriegsende 1945, S.<br />
116ff.<br />
32 Leopold Banny, Schild im Osten. Der Südostwall zwischen Donau und<br />
Untersteiermark 1944/45. Lackenbach 1985, S. 97; Eleonore Lappin, Die<br />
Todesmärsche ungarischer Juden durch den Gau Steiermark, in: Gerald<br />
Lamprecht (Hg.), Jüdisches Leben in der Steiermark. Marginalisierung –<br />
Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 273f.<br />
33 Szabolcs Szita, Verschleppt – Verhungert – Vernichtet. Die Deportation von<br />
ungarischen Juden auf das Gebiet des annektierten Österreich 1944–1945.<br />
Wien 1999, S. 215f.<br />
Für ein Arbeitslager mit jüdischen Stellungsbauarbeitern in Radkersburg<br />
– wie von Szabolcs Szita angeführt – finden sich aber keine weiteren<br />
Hinweise.<br />
34 Desider Schwarz (4.9.1945), PRO (= Public Record Office London/Kew)<br />
WO (= War Office) 310/143.<br />
35 Anton Waltensdorfer (Klöch) an die Frau von Georg Fischer in Budapest<br />
(23.12.1946), Privatbesitz; Anton Oswald (26.7.1947), AdR (= Archiv der<br />
Republik Wien) BuMinI 172.275-2/52. Zur Auslieferung der jüdischen<br />
Budapester/innen siehe: László Varga, Ungarn, in: Wolfgang Benz (Hg.),<br />
Dimensionen des Völkermordes. München 1991, S. 349; Szabolcs Szita,<br />
Verschleppt – verhungert – vernichtet. , S. 195.<br />
36 Chronik der Volksschule Klöch.<br />
37 Watzek-Chronik (16.3.1945), Stadtarchiv Bad Radkersburg.<br />
38 Anna Hinterholzer, Klöch (12.2.1985), Sammlung F. J. Schober.<br />
220<br />
39 Robert O. Fisch (2.9.1995 u. 8.11.1995), IGJ (= Institut für Geschichte der<br />
Juden in Österreich, St. Pölten); Robert O. Fisch, Light from the Yellow Star.<br />
A Lesson of Love from the Holocaust. Minnesota 1994, S. 14ff.<br />
40 PRO WO 310/167; Das Steirerblatt, 11.11.1947, S. 1; Neue Zeit, 11.11.1947,<br />
S. 2; Wahrheit, 11.11.1947, S. 2.<br />
41 Emmerich Adler (3.5.1946), PRO FO (Foreign Office) 1020/2059; Franz<br />
Josef Schober, 100 Jahre Zeitgeschichte – Ratschendorf 1898 bis 1997/98,<br />
in: Heinrich Kranzelbinder – Günther Prutsch – Franz Josef Schober,<br />
Ratschendorf. Vom Werden eines Dorfes. Beiträge zur Geschichte einer<br />
südoststeirischen Gemeinde. Ratschendorf 1997/98, S. 310; Alfred<br />
Kolleritsch, Von der schwarzen Kappe, in: Gespräche im Heilbad. Salzburg<br />
1985, S. 49; Eleonore Lappin, The Death Marches of Hungarian Jews<br />
through Austria in the spring of 1945, in: Yad Vashem Studies XXVIII.<br />
Jerusalem 2000, S. 231f.<br />
42 Chronik der Volksschule Klöch; Anton Waltensdorfer (Klöch) an die Frau von<br />
Fischer Georg in Budapest (23.12.1946), Privatbesitz; Cäcilia Schönberger<br />
(16. u. 23.5.2005), Sammlung Franz Josef Schober; Eleonore Lappin, The<br />
Death Marches of Hungarian Jews, S. 220.<br />
43 Chronik des Gendarmeriepostens Klöch; Grenzbote, 31.8.1947, S. 5.<br />
44 Das Steirerblatt, 11.11.1947, S. 1; Neue Zeit, 11.11.1947, S. 2.<br />
45 Das Steirerblatt, 14.11.1947, S. 2; Neue Zeit, 14.11.1947, S. 3; Wahrheit,<br />
14.11.1947, S. 3.<br />
46 Das Steierblatt, 10.12.1947, S. 2; Neue Zeit, 10.12.1947, S. 3; Wahrheit,<br />
10.12.1947, S. 3.<br />
47 Schreiben IKG Graz (18.10.1948 u. 12.11.1948), Yad Vashem 05/13.<br />
48 Lt. Sterbebuch der Pfarre Klöch starb bereits am 5. Februar 1945 im Klöcher<br />
Schulhaus ein Jude aus Ungarn (nähere Daten nicht bekannt), die Todesart<br />
wurde nicht angegeben. Ende März starben zwei weitere ungarische Juden<br />
im Klöcher Schulhaus (Arbeitslager Klöch) an Flecktyphus. IKG Wien,<br />
Mappe KZ-Friedhöfe.<br />
49 Chronik der Pfarre St. Anna am Aigen; Bericht Simson Schvarc (9.3.2005 u.<br />
26.4.2005), Sammlung F. J. Schober.<br />
50 Chronik der Pfarre St. Anna am Aigen; Herbert Peklar (Hg.), Pfarre St. Anna<br />
am Aigen. Festschrift zum 200jährigen Jubiläum. St. Anna am Aigen 1988,<br />
S. 130 u. 135f.<br />
51 Anton Rutte (25.5.1946), PRO WO 310/144.<br />
52 Eleonore Lappin, Die Rolle der Waffen-SS beim Zwangsarbeitseinsatz<br />
ungarischer Juden im Gau Steiermark und bei den Todesmärschen ins KZ<br />
Mauthausen (1944/45), in: Dokumentationsarchiv des österreichischen<br />
Widerstandes (Hg.), Jahrbuch 2004. Münster 2004, S. 91; Franz Eftimov<br />
(26.3.1966), AdR BuMinl 91. 348-18/62.<br />
53 Tibor Weiss (1.9.1945), PRO WO 310/143.<br />
54 Eleonore Lappin, Die Todesmärsche ungarischer Juden, S. 273; Ladislaus<br />
Dér (25.3.1969), AdR BuMinI 55.178-18/71; Imre Weisz, Moreshet D.<br />
2.1120. (Die durchwegs hebräischen Berichte des Moreshet Archivs in<br />
Givat Chaviva, Israel, wurden von Frau Dr. Eleonore Lappin übersetzt. Sie<br />
hat mir in diese Berichte und andere wertvolle Quellen dankenswerterweise<br />
Einsicht gewährt.)<br />
55 Shmuel Roth, Moreshet A. 1476; Szabolcs Szita, Zwangsarbeit,<br />
Todesmärsche, Überleben durch Hilfe. Die österreichische Bevölkerung<br />
in der Erinnerung der ungarischen Deportierten und politischen Häftlinge<br />
1944–1945. Budapest 2004, S. 60f. u. 106.<br />
56 Chronik des Marktes St. Anna am Aigen.<br />
57 StLA, LG Graz Vg Vr 8009/47.<br />
58 Imre Weisz, Moreshet D. 2.1120; Simson Schvarc (9.3.2005), Sammlung F.<br />
J. Schober.<br />
59 PRO WO 310/167 (zu Vr 486/45); Neue Steirische Zeitung, 12.8.1945, S. 5.<br />
Angesichts der Daten der Erschießungsaktionen in anderen Lagern erscheint<br />
dieses Datum allerdings zu früh. Ein Mitglied des Erschießungskommandos<br />
soll bei der Abfahrt die Bemerkung gemacht haben, dass sie noch am<br />
selben Tag ca. 70 Juden im Raum Kalch „ins Lazarett zu befördern hätten“.<br />
Die Erschießung von ca. 100 Juden in Krottendorf (zwischen Kalch und<br />
Neuhaus am Klausenbach) fand erst am 23. März 1945 statt. So wäre es<br />
möglich, dass auch die Erschießung im Wald bei Deutsch Haseldorf erst in<br />
der zweiten Märzhälfte stattfand.<br />
60 Imre Weisz, Moreshet D. 2.1120; Tibor Weiss (1.9.1945), PRO WO 310/143.<br />
Simson Schvarc (9.3.2005), Sammlung F. J. Schober.<br />
61 Kleine Zeitung, 4.2.2005, Lokalteil Südoststeier, S. 26.<br />
62 Tibor Weiss (1.9.1945), PRO WO 310/143; Chronik der Pfarre St. Anna am<br />
Aigen; Eleonore Lappin, The Death Marches of Hungarian Jews, S. 231f;<br />
Yad Vashem 05/89.
63 Eleonore Lappin, Die Todesmärsche ungarischer Juden, S. 273f.<br />
64 Alois Gangl (9.2.1985), Sammlung F. J. Schober.<br />
65 Udo Fellner, Bittere Heimatgeschichte. Das Schicksal der jüdischen<br />
Zwangsarbeiter in Krottendorf und Kalch, in: Gerhard Baumgartner – Eva<br />
Müllner – Rainer Münz (Hg.), Identität und Lebenswelt. Ethnische, religiöse<br />
und kulturelle Vielfalt im Burgenland. Eisenstadt 1989, S. 128ff; Karl Knapp<br />
(27.7.2005), Sammlung F. J. Schober.<br />
66 StLA, LG Graz Vg 869/45.<br />
67 Schreiben des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V.,<br />
6.9.1994.<br />
68 Von Josef Weinhandl, dem Bürgermeister von St. Anna am Aigen, erhielt ich<br />
dankenswerterweise die Adressen von Simson Schvarc und Sandor Vandor.<br />
Simson Schvarc, der heute in Tel Aviv in Israel lebt, berichtete mir in einem<br />
umfangreichen Brief im März 2005 seine Erinnerungen an die Zwangsarbeit<br />
in St. Anna am Aigen. Einzelne ergänzende Fragen wurden von ihm noch in<br />
einem weiteren Brief im April 2005 beantwortet. Sandor Vandor, der heute<br />
in Kalifornien lebt, schilderte mir dann ebenfalls im März 2005 in einer Reihe<br />
von E-Mails seine Erinnerungen an die Zeit als jüdischer Zwangsarbeiter in<br />
St. Anna am Aigen. Bei einem Besuch von Sandor Vandor im Juni 2005 in<br />
St. Anna konnten dann in vielen Gesprächen (an denen auch Dr. Eleonore<br />
Lappin vom Institut für Geschichte der Juden in Österreich beteiligt war)<br />
noch viele Einzelheiten besprochen werden. Berichte über den Besuch von<br />
Sandor Vandor in: Bildpost, 30.6.2005, S. 12 u. Süd-Ost Journal, 20.7.2005,<br />
S. 45. Simson Schvarc und Sandor Vandor danke ich für ihre große Geduld<br />
bei der Beantwortung meiner Fragen.<br />
69 Ursprünglich glaubte Sandor Vandor, 1945 zuerst im Schulgebäude<br />
untergebracht gewesen zu sein, doch im Laufe seines Besuches im Juni<br />
2005 in St. Anna am Aigen musste er seine Meinung revidieren.<br />
70 Es sei aber daran erinnert, dass ungefähr zu dieser Zeit die im Schulgebäude<br />
Klöch zurückgelassenen ungarischen Juden von der SS abgeholt und dann<br />
im Wald bei Röhrl erschossen wurden.<br />
Jüdisches Schicksal an der Grenze<br />
221
Judovska usoda<br />
Judovska usoda<br />
Dva delna vidika<br />
Na obeh straneh obmejnega potoka<br />
Kutschenitza/Kučnica so živeli do druge<br />
svetovne vojne tudi še pripadniki judovskega<br />
ljudstva oz. judovske vere.<br />
Zgodovino Judov mesta Radgone je temeljito<br />
raziskal Hermann Kurahs. 1 Heimo Halbrainer<br />
je v svojem obhodnem vodniku „Po sledeh<br />
protestantov, Judov, Romov in Slovencev v<br />
Bad Radkersburgu in okolici“ (Znanstvena<br />
knjižna zbirka Pavlove hiše, knjiga, 2a) posvetil<br />
zgodovini Judov v Radgoni eno poglavje.<br />
O zgodovini Judov v Prekmurju onstran<br />
Kučnice so poročali v zadnjem Signalu (letni<br />
zbornik Pavlove hiše 2004/05) Franc Kuzmič,<br />
Lászlo Németh in Beata Lazar. V nasprotju z<br />
bolj majhnim številom judovskega prebivalstva<br />
na področju Radgone (1934 je bilo še osem oseb)<br />
je bilo v Prekmurju v prvi polovici 20. stoletja še<br />
relativno veliko judovskih skupnosti (npr. 1921<br />
je v Murski Soboti/Muraszombatu/Olsnitzu<br />
živelo 179 Judov, v celotnem Prekmurju jih je<br />
bilo 642).<br />
Nacisti so na strahoten način pokončali nekoč<br />
cvetoče judovsko življenje v jugovzhodnem<br />
štajersko-slovenskem prostoru. 387 Judov<br />
iz Prekmurja je prišlo 1944 ob življenje v<br />
koncentracijskem taborišču Auschwitz ali na<br />
poti do tja, med njimi tudi iz Radgone izgnani<br />
zakonski par Moritz in Berta Neumann.<br />
Naslednji prispevek naj bi na kratko spomnil<br />
na dva nadaljna delna vidika „judovske usode<br />
na meji“. Na eni strani na nekoč veliko število<br />
judovskih zdraviliških gostov v jugovzhodnem<br />
štajerskem zdravilišču Bad Gleichenberg in na<br />
drugi strani na prisilno delo madžarskih Judov<br />
pri Stellungsbau/izgradnji obrambne linije leta<br />
222<br />
1945 na meji s Kučnico. Gospe Dr. Eleonore<br />
Lappin iz Institut für Geschichte der Juden<br />
in Österreich/Inštituta za zgodovino Judov<br />
v Avstriji (St. Pölten oz. Dunaj) se prisrčno<br />
zahvaljujem za možnost vpogleda v dragocene<br />
vire in za njeno veliko pomoč pri pripravi<br />
poglavja o prisilnem delu madžarskih judov<br />
pri izgradnji obrambne linije.<br />
Judovsko življenje v zdravilišču Bad<br />
Gleichenberg. 1837 je bilo prvo leto<br />
zdraviliške sezone jugovzhodnega štajerskega<br />
zdravilišča Gleichenberg (okraj Feldbach)<br />
katerega je ustanovil Mathias Constantin grof<br />
Wickenburg-ški. Medtem ko je bilo zdravilišče<br />
v naslednjih treh desetletjih obiskano predvsem<br />
s strani plemstva, visokih vojaških veljakov in<br />
bogatih meščanov, je bil Gleichenberg od ca.<br />
1870 tudi favoriziran cilj zdraviliških gostov<br />
judovske vere. Judovski zdraviliški gostje so<br />
bili predvsem iz Avstrije in Madžarske, pa tudi<br />
Poljske in Galicije.<br />
Šele ustavni zakon iz 1867 je prinesel Judom<br />
(več kot tri in pol stoletja po pregonu iz<br />
Štajerske 1496/97) enakopravnost z drugimi<br />
državljani in so se smeli ponovno neomejeno<br />
zadrževati na Štajerskem.<br />
Judovski zdraviliški gostje so do 1938<br />
predstavljali velik del gostov v Bad Gleichenbergu.<br />
2 Med njimi je bil od junija do septembra<br />
1921 tudi iz Galicije izvirajoč kasnejši pisatelj<br />
Manès Sperber (1905-1984), ki je na begu pred<br />
dogodki prve svetovne vojne s svojo judovsko<br />
družino 1916 dosegel Dunaj. 3<br />
Dejanske judovske skupnosti pa v Gleichenbergu<br />
ni bilo, kot kažejo tudi rezultati popisa<br />
prebivalstva. Izven od maja do septembra<br />
trajajoče zdraviliške sezone, torej tudi na<br />
konkreten ključni dan popisa prebivalstva<br />
(večinoma 31. december), ni bilo zdraviliških
gostov v Gleichenberg-u in tudi večina<br />
zdraviliških zdravnikov je odpotovala.<br />
Pri popisu prebivalstva 1880 v zdraviliškem<br />
kraju Gleichenberg ni bilo Judov, le ena oseba<br />
izraelske veroizpovedi v kraju Sulz. 1890 so<br />
v zdraviliškem kraju Gleichenberg našteli 11<br />
oseb izraelske veroizpovedi, 1900 je bilo še pet<br />
oseb. Pri popisu prebivalstva 1910 in 1934 ni v<br />
Bad Gleichenberg-u zaslediti nobenih Judov. 4<br />
Pomemben napotek glede visokega števila<br />
judovskih zdraviliških gostov v Gleichenbergu<br />
po uveljavitvi ustavnega zakona iz 1867 je, da<br />
je stavbenik Philipp Schweighofer iz Graz-a dal<br />
že 1869 urediti „judovsko košêr gospodarjenje<br />
s hrano” v pomožni zgrabi njegovega<br />
1849 zgrajenega „Berliner Hof-a“ (danes<br />
„Kirchenwirt“) v Gleichenberg-u. 5 1874/75 je<br />
Schweighofer dal takoj ob njegovem „Berliner<br />
Hof-u“ zgraditi vilo „Stadt Petersburg“ (kasneje<br />
imenovano „Charlottenburg“, danes občinski<br />
urad in ljudska šola), kamor je dal preseliti<br />
tudi košêr kuhinjo. Okoli 1880 so v restavraciji<br />
„Stadt Petersburg“ (Philipp-a Schweighofer-ja)<br />
ponudili „izraelsko kuhinjo“. Kratkoročno so v<br />
istem času ponudili „izraelsko kuhinjo“ tudi v<br />
restavraciji „Hohe Warte“, ki jo je vodila Helene<br />
Kremsier, k ponudbi so sodili tudi „izraelski<br />
kruh in pecivo“. 6<br />
1892 sta omenjeni izraelski kuhinji v 1883<br />
zgrajenem „Theresienhof-u“ (danes „Hotel<br />
Austria“) in v že 1847 zgrajenem „Wilhelmshofu“<br />
(1991 porušen). 7 Medtem ko se je košêr<br />
kuhinja iz „Wilhelmshof-a“ na prelomu stoletja<br />
preselila v ob njej stoječo vilo „Hungaria“ (danes<br />
internat „Rosenschlößl“), 8 naj bi „Theresienhof“<br />
do 30ih let prejšnjega stoletja ostal<br />
najpomembnejši prostor judovskega življenja<br />
v Gleichenberg-u. V hotelu „Theresienhof“ je<br />
bilo že 1892 v času zdraviliške sezone vsako<br />
soboto organizirano judovsko bogoslužje, tu<br />
Judovska usoda<br />
je bilo najti vse do 30ih let prejšnjega stoletja<br />
tudi molitveni prostor za judovske zdraviliške<br />
goste v Bad Gleichenberg-u. 9 Kot lastnika za<br />
judovsko življenje v Gleichenberg-u posebno<br />
pomembnega „Theresienhof-a“ je najti<br />
najprej Siegmund-a Breiner-ja, kasneje kot<br />
zakupnika Max-a Goldschmied-a in končno<br />
podjetje Horn & Imbermann. V tik pred<br />
izbruhom prve svetovne vojne izdani knjižici<br />
o zdraviliškem kraju Gleichenberg se ponuja<br />
v „Max Goldschmied hotelu in restavraciji<br />
‘Theresienhof’. ... odlična košêr Dunajska<br />
kuhinja“. 10<br />
V zdraviliškem kraju Gleichenberg je veliko<br />
let živel in delali tudi iz področja Papa na<br />
Madžarskem izvirajoči mož, ki obrezuje, košêr<br />
mesar in gostilničar Samuel Eisen, ki je v teku<br />
let iz začetnih skromnih službenih razmerij<br />
uspel priti do lastništva hotela. V Gleichenberg<br />
je prišel tik pred prelomom stoletja in najprej v<br />
času poletne sezone (sezona je v Gleichenbergu<br />
takrat trajala samo od maja do septembra)<br />
vodil v vasi Gleichenberg košêr lokal s hrano. 11<br />
Eisen je bil pozneje, začasno, za eno sezono v<br />
službi kot košêr mesar pri hotelirki Ernestine<br />
Tritsch (lastnici že omenjenih vil „Wilhelmshof“<br />
in „Hungaria“). V eni knjižici o Gleichenbergu<br />
iz leta 1906 je najti reklamo za „Salamon<br />
Eisen-jevo košêr kuhinjo v restavraciji Baumer“<br />
(= gostilna „Zur Hinterbrühl“ v Gleichenbergu<br />
št. 47). Ker je bila ta gostilna malo izven<br />
dejanskega zdraviliškega kraja ob cesti proti<br />
naselju Bärenreith, je bil gostom v času kosila<br />
brezplačno ponujen voz. 12 Ob poskusu, svoj<br />
košêr lokal prestaviti bliže zdraviliškemu<br />
kompleksu, je Salamon Eisen občutil učinek<br />
antisemitizma. Tik pred začetkom prve<br />
svetovne vojne je Samuel Eisen vodil tudi<br />
restavracijo z izraelsko kuhinjo v gostilni<br />
„Fünfkirchen“. 13 1919 je končno kupil v bližini<br />
223
Judovska usoda<br />
Gleichenberg-škega zdraviliškega kompleksa<br />
nahajajočo se vilo „Scherbaum“, ki se je kasneje<br />
imenovala „Hotel Eisen“ ali vila „Dreibaum“. 14<br />
Judovski gostilničar in hotelir Samuel<br />
Eisen je umrl 1924 v starosti 69 let in bil<br />
pokopan na judovskem pokopališču v bližini<br />
Trautmannsdorf-a, kjer je bilo izraelsko<br />
pokopališče za judovske zdraviliške goste iz<br />
Gleichenberg-a. 15 (Gleichenberg je do 1940 sodil<br />
k rimskokatoliški župniji Trautmannsdorf. Ker<br />
katoliška cerkev pokop drugovercev na svojem<br />
pokopališču ni dovoljevala, je bilo v bližini<br />
katoliškega pokopališča zasnovano judovsko<br />
pokopališče, na katerem je bilo med 1881 in<br />
1932 pokopano skoraj 100 umrlih.) Nagrobni<br />
kamen Samuel-a Eisen-a je eden redkih danes<br />
še ohranjenih nagrobnikov na judovskem<br />
pokopališču v Trautmannsdorf-u.<br />
V Gleichenberg-u sta ponujali dve bolnišnici,<br />
ena katoliška in ena izraelska, tudi revnim<br />
pacientom možnost obiska zdravilišča. 16<br />
Katoliška bolnišnica „Zum Pilger“ je bila<br />
zgrajena že 1844 in je bila v času poletne<br />
sezone oskrbovana s strani graških „sester<br />
usmiljenk“.<br />
1883/84 je bila s strani „Verein zur Errichtung<br />
eines israelitisches Hospitales in Gleichenberg/<br />
Društva za izgradnjo izraelske bolnišnice<br />
v Gleichenberg-u “ zgrajena bolnišnica. Ob<br />
otvoritvi 23. junija 1884 je imel slavnostni<br />
govor dunajski višji rabin Dr. Adolph Jellinek. 17<br />
Izraelska bolnišnica „Zur Barmherzigkeit“<br />
(lastnik: Israelitische Kultusgemeinde Wien/<br />
Izraelska verska skupnost Dunaj) je imela 1892<br />
8 postelj in je bila omenjena tudi v štajerskem<br />
Hand- und Reisebuch/Priročniku za potovanje<br />
iz 1914. 18 Kot ordinarij izraelske bolnišnice<br />
je do ca. 1910 naveden Dr. Paul Hönigsberg,<br />
kateremu je sledil Dr. Josef Kentzler. Ob iz<br />
Slavonije izvirajočem Dr. Hönigsberg-u (ta<br />
224<br />
je bil v zimski sezoni zdraviliški zdravnik v<br />
Meran-u) in ob iz madžarskega Debrecena<br />
prihajajočem Dr. Kentzler-jem sta bila v<br />
letih okoli 1900 tudi še Dr. Martin Szigeti iz<br />
madžarskega Kecskemét-a (pozimi zdraviliški<br />
zdravnik v Opatiji/Abazzia) in Dr. David<br />
Kaufer iz madžarske Peč-i/Fünfkirchen (on<br />
je bil pozimi prav tako zdraviliški zdravnik<br />
v Meran-u) zdraviliška zdravnika izraelske<br />
veroizpovedi v Gleichenberg-u. 19<br />
V času med obema vojnama (1919-1938)<br />
so trije judovski zdravniki iz Dunaja in<br />
Budimpešte prestavili svoje prakse v času<br />
sezone v Bad Gleichenberg. S tem so poskrbeli,<br />
da je tudi veliko njihovih pacientov za njimi<br />
pripotovalo na zdravljenje v zdravilni kopeli.<br />
To je pripeljalo tudi do upoštevanje vrednega<br />
povečanja frekvence gostov. 20<br />
V 20ih in 30ih letih prejšnjega stoletja je bilo ob<br />
že tradicionalnem judovskem „Theresienhof-u“<br />
(lastnik Horn & Imbermann) in hotelom Eisen<br />
(lastnik Samuel Eisens Erben) najti tudi še v<br />
„Franzensburg-u“ (lastnik S. Komet) judovski<br />
lokal s hrano. 21<br />
Po „priključitvi“ in nacističnem prevzemu<br />
oblasti marca 1938 so bile v Bad Gleichenbergu<br />
s strani gestapa zasežene izraelska<br />
bolnišnica (lastnik je bila Izraelska verska<br />
skupnost Dunaj) in mnoge vile. 22 Med temi<br />
vilami (katerih lastniki so bili večinoma<br />
iz Dunaja) sta bili, že večkrat zaradi svoje<br />
izraelske kuhinje omenjeni vili „Theresienhof“<br />
in „Villa Dreibaum“, nekdanja last Samuel-a<br />
Eisen-a. „Villa Dreibaum“ je bila potem sedež<br />
Ortsgruppe/krajevne sekcije NSDAP, izraelsko<br />
bolnišnico je uporabljala SA in HJ. 23<br />
V dnevih „priključitve“ 1938 so nacisti<br />
vzeli v „preventivni pripor“ približno 30<br />
let v Gleichenberg-u delujočega in živečega<br />
lekarnarja Mag. Julius Roda. Kasneje so ga
skupaj z družino in le malo prtljage spravili do<br />
nove nemško – madžarske meje in jih izgnali<br />
na Madžarsko. Prej so še v juniju 1938 mnogi<br />
nacisti pred njegovo hišo vpili: „Juda verrecke!<br />
Juden hinaus!/Jud crkni! Judi proč!“. 24<br />
Lekarnar Mag. Julius Roda je kot njegov brat,<br />
znani pisatelj Alexander Roda (ta je bil večkrat<br />
na obisku pri bratu v Bad Gleichenberg-u),<br />
že pred desetletji konventiral iz mojzesovske<br />
k rimskokatoliški veri (oba sta bila rojena s<br />
priimkom Rosenfeld). 25<br />
Izraelsko pokopališče za zdraviliške goste iz<br />
Gleichenberg-a v bližnjem Trautmannsdorf-u<br />
(na katerem je bilo med 1881 in 1932 pokopanih<br />
94 umrlih) je bilo v „kristalni noči“ (9./10.<br />
novembra 1938) oskrunjeno. Majhna obredna<br />
hiša je bila zažgana, nagrobniki prevrnjeni. 26 V<br />
naslednjih letih je ob pokopališkem zidu izginila<br />
tudi večina nagrobnikov. 27 Na pokopališču v<br />
Trautmannsdorf-u spominjata danes le še dva<br />
nagrobna spomenika na čas pred 1938: eden za<br />
Jakob-a Pohoryles-ka (1861-1921) in drugi za<br />
1924 umrlega Gleichenberg-škega gostilničarja<br />
(hotelirja) Salamon-a Eisen-a.<br />
1947/48 so bili na pokopališču v<br />
Trautmannsdorf-u pri Bad Gleichenbergu<br />
pokopane tudi, ob koncu vojne na meji s<br />
Kučnico na področju Klöch – St. Anna am<br />
Aigen umorjene, judovske NS- žrtve. Samo<br />
dva nagrobnika spominjata na žrtve leta<br />
1945: en nagrobni kamen za Ernö Ackermana<br />
(1945) in en nadaljni nagrobni kamen za<br />
Otto-a Neuwalder-ja (1924-1945), ki nosi tudi<br />
napis: „V spomin tukaj počivajočim judovskim<br />
mrtvim in žrtvam let 1938–1945“.<br />
Judi na prisilnem delu pri izgradnji<br />
obrambne linije 1945 na meji s Kučnico.<br />
Postavitev „obrambne linije rajha“ 1944/45.<br />
Na osnovi katastrofalnega vojaškega položaja<br />
Judovska usoda<br />
Velike Nemčije so poleti 1944 stekle priprave<br />
za obrambo meja rajha. V obrambno linijo<br />
imenovano „Reichsschutzstellung/obrambna<br />
linija rajha“ ali „Südostwall/jugovzhodni<br />
okop“ naj bi bil vključen tudi jugovzhodni<br />
mejni prostor pri Kučnici. V sredini oktobra<br />
1944 so začeli z gradnjo.<br />
Štajerski gauleiter in rajhovski obrambni<br />
komisar Uiberreither je s svojimi Kreisleiter/<br />
okrožnimi vodji skrbel za mobilizacijo<br />
potrebnih delavcev in za zbiranje materialov.<br />
Abschnittsleiter/Vodja sektorja izgradnje<br />
obrambnega linije sektorja V-Feldbach<br />
je bil okrožni vodja NSDAP-ja Feldbach,<br />
Personalamtsleiter/vodja kadrovskega oddelka<br />
Anton Rutte, pod katerega je spadal tudi<br />
Cmureški okrožni vodja Arnulf Lill. Obrambna<br />
linija sektorja V je obsegala oba okrožja Cmurek<br />
in Feldbach, torej področje od Radgone do<br />
Mogersdorf-a (takrat je spadal gradiščanski<br />
okraj Jennersdorf k okrožju Feldbach). Južni<br />
del sektorja izgradnje obrambnega položaja V-<br />
Feldbach je bil razdeljen na Unterabschnitte/<br />
odseke V/1-Radgona, V/2-Klöch, V/3-St. Anna<br />
am Aigen in na danes že na gradiščansekem<br />
ležeč odsek V/4 Kalch.<br />
Moške in ženske iz vseh teh krajev obmejnega<br />
prostora so z Notdienstverordnung/uredbo<br />
dežurstva za nekaj tednov zadolžili za<br />
izgradnjo obrambne linije. Zraven so bili na<br />
meji s Kučnico v naslednjih pet in pol mesecih<br />
vključeni tudi delavci iz okrajev Graz-Stadt/<br />
mesto, Graz-Land/okolica, Deutschlandsberg,<br />
Voitsberg in Leoben, iz bližnje Madžarske<br />
(okraj Murska Sobota) in iz okrožij München-<br />
Oberbayern ter Dunaj. 28<br />
Med temi iz Dunaja pripeljanimi delavci<br />
na področju Klöch-a je bil tudi igralec Curd<br />
Jürgens. 29 Čez nekaj časa je pobegnil in bil<br />
s strani Halbenrain-škega grofa Barthold-<br />
225
Judovska usoda<br />
a Stürgkh-a oz. njegove žene začasno skrit<br />
v vinogradniški hiši. Ob dežurni dolžnosti<br />
civilnega prebivalstva so bili v delo gradnje<br />
okopov pri meji s Kučnico vključeni tudi HJ iz<br />
Graz-a, Mürzzuschlag-a in Deutschlandsberga.<br />
Končno so bili v izgradnjo obrambne<br />
linije vključeni tudi tujci, delavci iz vzhoda,<br />
taboriščniki in ujeti madžarski Judi (katerim je<br />
1944 ostala prihranjena deportacija v Auschwitz).<br />
Načrtovana obrambna linija je bila zgrajena<br />
s primitivnimi sredstvi, večinoma z rokami.<br />
Na liniji Aigen-Deutsch Haseldorf-Gruisla-<br />
Pölten so položaji potekali v bližini obmejnega<br />
potoka Kučnica. Posebno v Gruislawald-u so še<br />
danes dobro vidni raztegnjeni ostanki teh linij<br />
(tranšeje in podobno). 30 Obstajajo še ostanki<br />
tankovskih jarkov pri Aigen-u, Deutsch<br />
Haseldorf-u in Gruisla-vi, ki naj bi varovali<br />
tankovsko prehodno območje v bližini meje.<br />
Pogojeno s hitrim napredovanjem Sovjetov<br />
so izgradnjo obrambne linije še pred dokočno<br />
izgradnjo konec marca 1945 prekinili. V<br />
naslednjih aprilskih dneh pa so se, z intervencijo<br />
tisočev delavcev zgrajene, obrambne linije<br />
izkazale za nekoristne, saj niso bile v skladu z<br />
zahtevami vojaških enot. Ujeti madžarski Judi<br />
so bili v začetku 1945 v bližini meje s Kučnico<br />
vključeni predvsem v izgranjo tankovskih<br />
jarkov obrambne linije odsekov Klöch (V/2) in<br />
St. Anna am Aigen (V/3) in so morali opravljati<br />
delo pod večinoma nečloveškimi pogoji. 31 Po<br />
kasnejših izjavah okrožnega vodje Antona<br />
Rutte je bilo v njegovem sektorju izgradnje<br />
obrambne linije V-Feldbach (Radgona do<br />
Mogersdorf-a) od januarja 1945 vključeno ca.<br />
3.000 madžarskih Judov kot prisilnih delavcev.<br />
Dne 1. marca 1945 je bilo od skupno ca. 13.535<br />
delavcev na celotnem sektorju izgradnje<br />
obrambne linije V-Feldbach 2.464 Judov (= ca.<br />
18,2 %). 32<br />
226<br />
Madžarski Judi kot prisilni delavci pri<br />
izgradnji obrambne linije na področju<br />
Klöch-a. Medtem ko na najjužnejšem<br />
sektorju izgradnje obrambne linije V/1-<br />
Radgona (sektorski vodja je bil radgonski vodja<br />
krajevne sekcije Ernst Huallenz) očitno ni bilo<br />
madžarskih Judov, je bilo v sektorju V/2-Klöch<br />
(sektorski vodja je bil SA-Obersturmführer/<br />
višji jurišni vodja in Volkssturmkommandant<br />
Anton Oswald) od januarja 1945 med 300 in<br />
400 madžarskih Judov vključenih v izgradnjo<br />
obrambne linije. 33<br />
Od januarja 1945 je prišlo v Klöch več<br />
transportov z madžarskimi Judi. Po eni strani<br />
so bili v delo vključeni madžarski prisilni<br />
delavci kot Schwarz Desider iz Peč-i, ki je bil<br />
že od 1942 prisilni delavec madžarske vojske. 34<br />
(Kajti Judom iz Madžarske je bila vojaška<br />
služba z orožjem prepovedana.) V Klöch-u<br />
so bili po drugi strani očitno vključeni v delo<br />
tudi Judi iz Budimpešte, ob prisilnih delavcih<br />
madžarske vojske, katerim je bila spomladi<br />
1944 prizanesena deportacija v Auschwitz.<br />
Med v Klöch-u vključenimi madžarskimi Judi<br />
je bilo tudi veliko žensk. 35<br />
300 do 400 madžarskih Judov je bilo<br />
nameščeno v takrat še v centru Klöch-a<br />
nahajajočo se šolo, ki je bila že od oktobra<br />
1944 namenjena nastanitvi delavcev različnih<br />
nacij pri izgradnji obrambne linije. 36 Kuhinja<br />
izgradnje obrambne linije je bila urejena<br />
v bivšem zdravilišču (nasproti gostilne<br />
Domittner).<br />
Judi so morali dnevno opravljati težka izkopna<br />
dela, prejemali pa so le nezadostne porcije<br />
hrane. Obravnava s strani čuvajev je bila<br />
pogosto zelo brutalna, udarci so bili pogosti.<br />
Zaradi katastrofalnih higienskih pogojev v<br />
taborišču in temu sledeči ušivosti, je februarja<br />
1945 izbruhnila epidemija pegavice. V taborišču
so bili judovski zdravniki, vendar ti skoraj niso<br />
imeli na razpolago zdravil. V sredini marca<br />
1945 so prišla poročila o epidemiji pegavice<br />
med judovskimi prisilnimi delavci okopa v<br />
Klöch-u in St. Anna am Aigen tudi do mesta<br />
Radgone. 37<br />
Učiteljica iz Klöch-a Fränzi Costa-Kuhn je<br />
bila vključena v izgranjo obrambne linije kot<br />
telefonistka. Kot prej, je še naprej živela v svoji<br />
sobi v šoli. Bližji kontakt s prav tako v šoli<br />
nastanjenimi Judi ji je bil prepovedan. Enkrat<br />
je bila Costa-Kuhn presenetljivo nagovorjena<br />
s strani mladega Juda z imenom Pött. Pred<br />
vojno je bila v Budimpešti prav pri družini<br />
tega fanta vzgojiteljica. Učiteljica je od takrat<br />
skrivoma oskrbovala fanta s hrano. Ko je tudi<br />
on zbolel za pegavico, ga je skrila v svoji sobi in<br />
ga ozdravila. Pött je tako preživel nadalnje delo<br />
in končno tudi konec vojne. Srčna učiteljica je<br />
madžarskemu Judu s svojo pomočjo verjetno<br />
rešila življenje. 38<br />
Epidemija pegavice se je razširila. Namesto<br />
zagotovitve zadostne medicinske oskrbe<br />
bolnim, naj bi bili oboleli Judi po navodilu<br />
Gauleitung/okrožnega vodstva ustreljeni. V<br />
Klöch-u je 24. marca 1945 judovski zdravnik<br />
izbral 26 bolanih Judov z mnenjem, da bodo<br />
premeščeni v bolnišnico. Po njih so prišli s<br />
tovornjakom.<br />
Iz Budimpešte izvirajoč Robert O. Fisch, ki je<br />
bil v Klöch-u od 23. januarja 1945 in je prav<br />
tako obolel za pegavico, bi naj s pozivom<br />
zdravnika tudi odšel na tovornjak. Uprl se je<br />
in je raje delal naprej bolan; to mu je rešilo<br />
življenje. 39<br />
Bolane so s tovornjakom prepeljali v bližino<br />
„Klöcklwald-a/Klöckl-gozda“ vzhodno od<br />
Klöch-a, kjer so bili s strani Volkssturmmänner<br />
Anton-a Oswald-a, Anton-a Sablatnig-a in<br />
Ing. Robert-a Sattler-ja ustreljeni (ukaz za<br />
Judovska usoda<br />
to so dobili od Feldbach-škega okrajnega<br />
vodje Anton-a Rutte-ja oz. od Cmureškega<br />
okrajnega vodje Arnulf-a Lill-a). Prav tako v<br />
izgradnjo obrambne linije vključena NSDAP<br />
vodji krajevne sekcije Klöch-a (Alois Ulrich) in<br />
St. Peter-a am Ottersbach (Franz Koren) in dva<br />
nadaljna Volkssturmmänner (Anton Hütter<br />
in Franz Zelenka) so morali stražiti, oz. naj bi<br />
preprečili pobeg judov. 40<br />
Nekaj dni zatem so morali dela izgradnje<br />
obrambne linije zaradi napredujočih sovjetskih<br />
vojakov še predčasno zaključiti. Konec marca<br />
1945 so madžarske Jude iz Klöch-a, ki so<br />
še bili sposobni korakati odgnali v smeri<br />
koncentracijskega taborišča Mauthausen.<br />
Najprej so korakali preko Ratschendorf-a (tam<br />
so v šoli prenočili), Brunnsee-ja, Jagerberga,<br />
St. Stefan-a im Rosental-u do Gleisdorf-a.<br />
Od tam je končno vodil „Todesmarsch/marš<br />
smrti“ preko Graz-a in Präbichl-a naprej v<br />
smeri Mauthausen-a. 41<br />
V Klöch-u je ob umiku ostalo približno<br />
20 težko bolnih Judov, očitno nemočnih<br />
korakanja. Vrata v šoli nahajajoče se bolniške<br />
sobe so enostavno zabili. Krajani so odkrili<br />
zapuščene in jih oskrbeli. Nekaj dni (okoli 4.<br />
aprila) po odhodu transporta pa se pojavi v<br />
Klöch-u SS-komando, ki je zapuščene judovske<br />
bolnike postrelil v bližini „Steinriegelwalda/Steinriegel-gozda“<br />
v bližini naselja Röhrl<br />
(takrat področje občine Hürth). 42 Odgovorne<br />
za te umore v začetku aprila 1945 ni bilo<br />
mogoče nikoli postaviti pred sodišče.<br />
4. aprila 1945 so se na področju Klöch-a začeli<br />
direktni boji med nemškimi in sovjetskimi<br />
vojaki, ki so terjali veliko mrtvih med<br />
vojaki pa tudi med ne-pobeglim civilnim<br />
prebivalstvom. Mrtve so pogosto pokopali<br />
le v skupnih grobovih na poljih in šele 1947<br />
ekshumirali in pokopali na pokopališčih. V<br />
227
Judovska usoda<br />
času raziskav sodišča o storjenih umorih 1945<br />
nad madžarskimi Judi na področju Klöch-a so<br />
29. avgusta 1947 ekshumirali trupla tistih 26ih<br />
Judov, ki so jih marca 1945 ustrelili pripadniki<br />
Volkssturmmänner v „Klöcklwald-u/Klöcklgozdu“<br />
vzhodno od Klöch-a. 43 Njihove<br />
posmrtne ostanke so pokopali 30. avgust 1947<br />
na judovskem pokopališču v Trautmannsdorfu<br />
(pri Bad Gleichenberg-u).<br />
Od 10. do 13. novembra 1947 je končno potekal<br />
proces odgovornim za „judovski-pokol pri<br />
Klöch-u“. V „procesu umorov Judov v Klöch-u“<br />
so se morali pred višjim britanskim vojaškim<br />
sodiščem zagovarjati Feldbach-ški NSDAPokrajni<br />
vodja Anton Rutte, Cmureški NSDAPokrajni<br />
vodja Arnulf Lill, SA- Obersturmführer/<br />
višji jurišni vodja in Volkssturmunterabschnit<br />
tskommandant Anton Oswald in pripadnika<br />
Volkssturmmänner Anton Sablatnig in Ing.<br />
Robert. 44 Rutte-a in Lill-a so obtožili, da sta<br />
marca 1945 dala povelje za ustrelitev Judov<br />
obolelih za pegavico Oswald-u, Sablatnig-u<br />
in Sattler-ju. Oswald-a, Sablatnig-a in Sattlerja<br />
so obtožili umora 26 Judov v Klöch-u. 13.<br />
novembra 1947 so vseh pet obtoženih umorov<br />
nad Judi spoznali za krive in jih obsodili na<br />
smrt z obešanjem. 45<br />
Decembra 1947 je bilo vseh pet obsojenih na<br />
smrt s strani britanskega visokega komisarja<br />
v Avstriji, generalpodpolkovnika Gallowaya<br />
pomiloščeno. Smrtno obsodbo za bivša<br />
okrajna vodja Rutte-a in Lill-a kot tudi za<br />
Volkssturmkommandant-a Oswald-a je<br />
bila spremenjena v ječo za 15 let, kazen za<br />
Sablatniga in Sattler-ja je znašala 10 let ječe. 46<br />
Dva nadaljna masovna grobova z 1945 na<br />
področju Klöch-a ustreljenimi madžarskimijudovskimi<br />
prisilnimi delavci so odprli šele zgodaj<br />
jeseni 1948. Ekshumirana trupla so pokopali na<br />
judovskem pokopališču v Trautmannsdorf-u. 47<br />
228<br />
V grobu v „Steinriegelwald/Steinriegel-gozdu“<br />
v bližini naselja Röhrl (ta je takrat spadal k<br />
občini Hürth) so našli 22 trupel (očitno tistih<br />
Judov, ki so jih, po odhodu delavcev obrambne<br />
linije iz Klöch-a, pustili v bolniški sobi šole).<br />
V masovnem grobu „Schadlerwald/Schadlergozdu“<br />
v Deutsch Haseldorf-u so našli 48<br />
umrlih (ti so bili poprej vključeni v izgradnjo<br />
obrambne linije odseka St. Anna am Aigen).<br />
Tri že v času izgradnje obrambnega položaja<br />
v Klöch-u umrle in najprej na pokopališču v<br />
Klöch-u pokopane neznane madžarske Jude<br />
so pozneje prav tako prenesli na judovsko<br />
pokopališče v Trautmannsdorf-u. 48 Podobno<br />
se je verjetno zgodilo tudi s trupli ca. sedmih<br />
madžarskih judov, ki so bili pokopani na<br />
pokopališču v St. Anna-i am Aigen in so umrli<br />
že v času izgradnje obrambne linije. 49<br />
Judovski prisilni delavci pri izgradnji<br />
obrambne linije na področju St. Anna am<br />
Aigen. V izgradnjo obrambne linije odseka<br />
V/3-St. Anna am Aigen od januarja 1945<br />
vključeni madžarski Judi so bili večinoma<br />
nastanjeni v središču župnije St. Anna am<br />
Aigen, župnijska kronika navaja število<br />
400tih Judov. 50 Nameščeni so bili v takratni<br />
ljudski šoli (danes šola Rindler), v hiši društva<br />
(gledališka dvorana, župnijski dom) in v<br />
danes že neobstoječi zgradbi ob veleblagovnici<br />
Lippe. Kot bivališče za madžarske Jude je<br />
služilo tudi taborišče barak v „Höll-u“ med<br />
Deutsch Haseldorf-om in Aigen-om (blizu<br />
Kramarovcev/Sinnersdorf) in občasno tudi<br />
šotorišče. Kuhinja izgradnje obrambne linije je<br />
bila na vrtu gostilne Fischer v St. Anna-i am<br />
Aigen.<br />
Vodja izgradnje obrambne linije odseka V/3-St.<br />
Anna je bil nadučitelj Johann Müller, NSDAPjev<br />
vodja krajevne sekcije Mettersdorf-a. 51
Skupaj z NSDAP-jevim vodjem krajevne sekcije<br />
Dr. Hans-om Gerscha je spadal k političnim<br />
vodjem, ki so bili odgovorni tudi za vključitev<br />
madžarskih Judov na področju St. Anna am<br />
Aigen. Judovski prisilni delavci so bili nadzirani<br />
s strani SA, Ukrajincev in začasno tudi s strani<br />
pripadnikov hrvaške SS (13. Waffen-Gebirgs-<br />
Division der SS/Oborožena-gorska-divizija<br />
SS-a „Handschar“ – hrvaška št. 1). 52 Ravnanje<br />
stražarjev je bilo pogosto zelo surovo, pogosto<br />
so padali udarci.<br />
Tudi judovski prisilni delavci iz St. Anna-e am<br />
Aigen so bili deloma sestavljeni iz prisilnih<br />
delavcev kot npr. Sandor Vandor (glej njegovo<br />
sledeče poročilo) ali Tibor Weiss. 53 Ob njih<br />
pa je bilo tukaj vključeno tudi veliko število<br />
Judov, ki so bili že od poletja 1944 vključeni<br />
kot prisilni delavci v okrožju Groß-Wien/<br />
Veliki-Dunaj (že konec junija 1944 so jih iz<br />
Madžarske premestili v Strasshof in od tam<br />
na različna delovišča na območju Dunaja in<br />
Dolnje Avstrije). Med temi iz območja Dunaja<br />
premeščenimi madžarskimi Judi sta bila tudi<br />
iz Debrecen-a izvirajoč Ladislaus Dér in Imre<br />
Weisz iz Mezötur-a. 54 Prav tako iz Debrecena<br />
izvirajoči Samuel Roth je bil določen za<br />
odgovorno osebo za „Strasshofer Juden/<br />
Strasshof-ske Jude“ v St. Anna-i am Aigen. 55<br />
Med njimi je bilo tudi veliko žena.<br />
Jude so vključili večinoma v gradnjo<br />
tankovskega jarka na Aigen-skih poljih<br />
do Höllwiese-ja v bližini meje z današnjo<br />
Slovenijo, kjer so pogosto delali v nečloveških<br />
razmerah. Delo judovskih prisilnih delavcev<br />
trajajoče več mesecev, torej kopanje skoraj<br />
dva kilometra dolgega, 4,5 m širokega in 5 m<br />
globokega tankovskega jarka, ki se je v zadnjih<br />
bojih 1945 izkazal za vojaško nepomembnega,<br />
je novembra 1947 zasul bager. 56 Prehrana<br />
Judov je bila zelo pomanjkljiva. Od civilnega<br />
Judovska usoda<br />
prebivalstva so judovski prisilni delavci včasih<br />
skrivoma dobili živež, kar je olajšalo preživetje<br />
(glej poročili Sandor-ja Vandor-ja in Simsona<br />
Schvarc-a). Anton Rutte, vodja sektorja<br />
izgradnje obrambne linije sektorja V-Feldbach,<br />
je sredi marca 1945 prišel v St. Anna-o am<br />
Aigen, ker mu je bilo prijavljeno, da judovski<br />
prisilni delavci v okoliških krajih pogosto<br />
nabirajo hrano. Rutte je Jude iz St. Anna-a am<br />
Aigen dal postrojiti. Ker jih je nekaj manjkalo,<br />
so jih takoj začeli iskati. Ko so nekatere Jude<br />
našli, so jih peljali v občinski zapor, kjer so se<br />
nad njimi znesli stražarji. 57<br />
V taborišču v St. Anna-i am Aigen so<br />
bile higienske razmere prav tako kmalu<br />
katastrofalne, bilo je veliko uši. Del Judov je<br />
potem prišlo v šotorišče v bližini gradbišča –<br />
tankovskega jarka. 58 Tam so jim tudi zatrli uši.<br />
Kljub temu je kmalu tudi na področju St. Annae<br />
am Aigen zaradi nezadovoljivih higienskih<br />
razmer med Judi izbruhnila pegavica.<br />
Epidemija tifusa je grozila razširiti se. Ker je<br />
primanjkovalo zdravil, so neozdravljive ustrelili<br />
stražarji. Nekega dne (morda 13.februarja<br />
1945 ?) so 41 bolanih mož s tovornjakom<br />
odpeljali v gozd pri Deutsch Haseldorf-u, jih<br />
tam postrelili in pokopali v masovni grob. 59<br />
Streljanje je izvedla SS-komanda iz Feldbach-a,<br />
vodja odseka Johann Müller in vodja krajevne<br />
sekcije Dr. Gerscha iz St. Anna-e am Aigen sta<br />
morala urediti službo cestnih zapor.<br />
Nekaj dni pred prekinitvijo del izgradnje<br />
obrambne linije konec marca 1945 je iz taborišča<br />
pobegnilo sedem Judov, za kazen oz. kot<br />
povračilni ukrep so zato ustrelili sedem drugih<br />
prisilnih delavcev (in očitno tudi v masovnem<br />
grobu pri Deutsch Haseldorf-u pokopali). 60<br />
Obstajajo napotki civilnega prebivalstva, da so<br />
v bližini taboriščnih barak na področju „Höll“<br />
nekaj umrlih ali umorjenih Judov zagrebli kar<br />
229
Judovska usoda<br />
na mestu samem. 61 Položaj njihovih grobav<br />
pa ni več znan. Nekaj iz območja Dunaja<br />
prepeljanih Judov v St. Anna-o am Aigen so<br />
še pred koncem izgradnje obrambne linije<br />
poslali nazaj na Dunaj, tako npr. Ladislausa<br />
Der-a. Drugi „Strasshof-ski Judi“ so morali<br />
delati naprej do prekinitve izgradnje obrambne<br />
linije v St. Anna-i am Aigen in so bili konec<br />
marca 1945 skupaj z judovskimi prisilnimi<br />
delavci gnani najprej do Gnas-a. 62 V Gnasu,<br />
kjer so umrli trije judovski prisilni delavci,<br />
so sestradani Judi dobili od krajanov živila,<br />
preden se je začel marš smrti preko Gleisdorfa,<br />
Graz-a, Präbichl-a (kjer so bili mnogi priča<br />
znanega pokola) naprej proti Mauthausen-u.<br />
Kolona Simson-a Schvarc-a je bila počasneje<br />
na poti in je bila že pred Graz-em osvobojena<br />
s strani Sovjetov.<br />
V taboriščnih barakah pri Aigen-u (v bližini<br />
Kramarovcev) so pustli za seboj večje število<br />
hudo bolanih Judov, med njimi tudi poročilo<br />
Sandor-ja Vandor-ja. 63 4. aprila 1945 je prišel<br />
še en bolan Jud iz tega taborišča v Deutsch<br />
Haseldorf, da bi poiskal hrano za svoje tovariše<br />
iz taborišča. Veliko je bilo mogoče zbrati in<br />
Alois Gangl iz Deutsch Haseldorf-a je hotel<br />
ta živež s svojim vozom pripeljati v taborišče.<br />
Ker pa so sovjetski vojaki tega dne že streljali<br />
iz smeri Fikšincev/Füchselsdorf, se je Gangl<br />
obrnil. Bolan Jud se je z nekaj živeža sam vrnil<br />
v taborišče. 64<br />
Že naslednjega dne so ruski vojaki dosegli<br />
taboriščne barake v Höll-u, madžarski Judi so<br />
bili osvobojeni in nekaj malega teh, ki so bili<br />
še sposobni pohoda so se podali peš na pot za<br />
Madžarsko. V taboriščnih barakah so ostali<br />
mrtvi in umirajoči.<br />
V gradiščanski sosednji občini Neuhaus am<br />
Klausenbach (izgradnja obrambne linieje-odsek<br />
V/4 Kalch) so bili prav tako kot prisilni delavci<br />
230<br />
vključeni madžarski Judi. 65 Med drugim so<br />
bili nameščeni v šolskih poslopjih Neuhaus-a<br />
am Klausenbach. V eni privatni hiši v Kalchu<br />
so bili prav tako nameščeni judovski prisilni<br />
delavci, medtem ko je Kalch-ška šola služila kot<br />
bolniški oddelek. Ti v Kalch-ški šoli umrli Judi<br />
so bili pokopani v bližnjem gozdičku (sedem<br />
trupel so ekshumirali šele 1988 in jih prenesli<br />
na judovsko pokopališče Rechnitz).<br />
Na osnovi prav tako grozotnih higienskih<br />
razmer je tudi na odseku izgradnje obrambne<br />
linije V/4 Kalch med Judi kmalu izbruhnila<br />
pegavica. Bolane so osamili v zasilnem lazaretu<br />
iz šotorov v bližini Krottendorf-a (med Kalchom<br />
in Neuhaus-om am Klausenbach), da bi<br />
preprečili nadalnje širjenje epidemije. Bolanim<br />
so sicer zatrli ušivost, vendar za Jude ni bilo<br />
primernih zdravil. 23. marca 1945 je bilo<br />
ca. 100 bolanih madžarskih Judov s strani<br />
SS-komanda v gozdu v bližini šotoriščnega<br />
taborišča pri Krottendorf-u ustreljenih in kar<br />
tam v masovnem grobu pokopano. 66<br />
Spomini Simson-a Schvarc-a in Sandorja<br />
Vandor-ja. Kot zaključek sledita poročili<br />
obeh prič Simson-a Schvarc-a in Sandor-ja<br />
Vandor-ja o svojem prisilnem delu v letu 1945<br />
pri izgradnji obrambne linije na področju St.<br />
Anna am Aigen. Oba sta okoli 60 let po koncu<br />
vojne neodvisno drug od drugega stopila<br />
v stik z občino St. Anna am Aigen, da bi se<br />
zahvalila za pomoč tamkajšnjemu civilnemu<br />
prebivalstvu, ki so bili zaslužni za to, da sta<br />
preživela te grozote. 67<br />
Simson Schvarc (roj. 1929 v bližini<br />
madžarskega mesta Miskolc) je bil po<br />
vkorakanju Nemške armade marca 1944 skupaj<br />
z materjo in dvema bratoma prestavljen v geto<br />
Miskolc-Diósgyör, medtem ko so njegovega<br />
očeta in najstarejšega brata vpoklicali v
judovsko delovno enoto. Oče je kasneje prišel<br />
v koncentracijsko taborišče Mauthausen in<br />
je tam tudi umrl, medtem ko je veliki brat<br />
preživel koncentracijska taborišča Buchenwald-<br />
Auschwitz in Theresienstadt (sedaj živi v<br />
Kanadi). Iz geta Diósgyor so mamo in mlajšega<br />
brata deportirali v Auschwitz, kjer sta oba<br />
umrla. Simson-a Schvarc-a in njegovega brata<br />
Itzhak-a je iz geta rešil madžarski oficir, vendar<br />
pa je Itzhak kmalu prišel v koncentracijsko<br />
taborišče Dachau, kjer je prav tako umrl.<br />
Po ovinkih je takrat še ne 16letni Simson<br />
Schvarc prišel na prisilno delo v St. Anna-o<br />
am Aigen, kjer je bil najprej nameščen v hišo<br />
društva (gledališko dvorano). V pismu z dne 9.<br />
marca 2005 naslovljenim na avtorja [članka]<br />
poroča o svojih spominih:<br />
„Konec decembra 1944 so nas natovorili na<br />
tovorni vlak, 80 ljudi stlačenih v en vagon,<br />
prostora ni bilo niti za vsesti se, 3 dni in tri<br />
noči brez hrane in vode smo bili na poti v<br />
Avstrijo v neko mesto z imenom Fehring. Od<br />
tam peš v St. Anna-o. Prostor je bil obdan z<br />
bodečo žico ... Prej je bil to kino. Znotraj so<br />
vse spremenili in opremili s 3-nadstropnimi<br />
lesenimi posteljami, kamor so stisnili stotero<br />
Judov.<br />
Žimnic ni bilo, niti ogrevanja, vode ali<br />
stranišč. Več mesecev nisem zamenjal obleke,<br />
smrad je bil neznosen. Medtem sem zbolel za<br />
pegavico z zelo visoko vročino. Med nami je<br />
bil živinozdravnik po imenu Dr. Winkler, ki<br />
mi ni dovolil odditi v bolniško sobo, saj se vsi<br />
tisti, ki so se obrnili nanje, niso več vrnili. Bili<br />
so enostavno usmrčeni. Dr. Winkler je skrbel<br />
za krave kmetov in bil v vasi zelo znan lik.<br />
Potem ko sem preživel bolezen, je zbolel Dr.<br />
Winkler in jaz sem ga pokopal na polju v St.<br />
Anna-i. Na pogradu ob meni je ležal dober in<br />
zvest prijatel po imenu Jenö Berger. Star je bil<br />
Judovska usoda<br />
42 let, nekaj dni dolgo ni govoril nič, zaprl se<br />
je napram drugih, poskušal sem mu pomagati,<br />
s pitjem, kjer je le bilo mogoče. Vendar nič<br />
ni pomagalo. Zvečer je zaspal in zjutraj je bil<br />
mrtev. To je bil zame težek udarec. Tudi njega<br />
sem pokopal. (Dr. Winkler in Jenö Berger<br />
sta bila pokopana na ali izven pokopališča.<br />
Tudi druge mrtve so tam pokopali, vendar<br />
ne poznam njihovih imen.) Čuvaji so bili<br />
Ukrajinci, ki so se pridružili Nemcem in bili<br />
so kruti. Pogosto so grozili ženskam iz St.<br />
Anna-e s puškami, kadar so pod svojimi plašči<br />
skrivale zavoje s hrano in jih metale čez ograjo.<br />
Čuvaji so jih pregnali tako, da so jim grozili<br />
z orožjem. O ženskih prebivalcih vasi lahko<br />
povem samo dobro.<br />
Na delo smo šli v spremstvu čuvajev, peš.<br />
Hodili smo nekaj kilometrov, delali zgolj z<br />
rokami, kopali smo tankovski jarek ... Hrana,<br />
ki smo nam jo delili zgodaj zjutraj, je bila<br />
zajemalka juhe iz posušene zelenjave brez soli<br />
in približno 200 g suhega kruha. Čez nekaj<br />
časa, februarja ali marca so nas premestili v<br />
taborišče s šotori. (Šotoriščno taborišče je bilo<br />
v bližini našega delovišča, kjer smo kopali<br />
tankovski jarek.) V enem šotoru nas je bilo<br />
dvajset. Taborišče ni bilo obdano.<br />
Nekega dne je iz taborišča zbežalo nekaj oseb<br />
na Madžarsko ali v Slovenijo. Ruska rdeča<br />
armada je bila že v bližini avstrijske meje. Za<br />
kazen so usmrtili vsakega desetega zapornika,<br />
tudi tiste, ki so bili bolani. Tisti dnevi so bili<br />
zelo težki, temperatura je bila pod ničlo. Konec<br />
marca so nas vodili v smeri mesta Graz. Šli smo<br />
peš brez hrane, ljudje so na poti omagovali,<br />
čuvaji so jih ustrelili.<br />
Ko smo bili 5 km pred Graz-em, so čuvaji<br />
zbežali, ostalo nas je le nekaj. Prišli smo v vas<br />
in se skrili na senik. Naslednji dan smo odšli<br />
iskati hrano in naleteli na SS-vojake, ki so nas<br />
231
Judovska usoda<br />
postavili za ustrelitev. Nenadoma se je pojavil<br />
človek z mavcem na roki, ne vem več od kod<br />
je prišel, in rekel vojakom, da smo madžarski<br />
gojenci in vojaki so odšli.<br />
Mož, ki nas je rešil, to so mi povedali kasneje,<br />
je bil župan, nikoli več ga nismo videli.<br />
Nekaj ur kasneje so prišli tanki rdeče armade in<br />
nas osvobodili. Premikali so se naprej v smeri<br />
Graz-a, mi smo odšli peš v smeri madžarske<br />
meje. Junija 1945 sem prišel v Budimpešto,<br />
suh, bolan, morali so mi izdreti 6 zob, duševno<br />
in telesno utrujen, brez družine. Organizacija<br />
‘Joint’ mi je pomagala in skrbela zame. V<br />
interatu sem stanoval še z ducati otrok kot<br />
sem bil jaz, brez staršev, brez domače podpore,<br />
samo s strašnimi spomini. Leta 1948 sem se<br />
izselil v Izrael in začel novo življenje.“<br />
Sandor Vandor (roj. 1925) je izviral iz<br />
madžarskega mesta Rákospalota, ki je danes<br />
del Budimpešte. V maju 1944 je moral vstopiti<br />
v judovski delovni bataljon madžarske vojske.<br />
V istem času se je moral tudi njegov oče javiti<br />
pri enem drugem delovnem bataljonu. Orožja<br />
Judi niso smeli nositi, pač pa so jih uporabljali<br />
kot delovno silo.<br />
Vandor-jev delovni bataljon je moral kasneje<br />
iz Szöny-ja (pri Komarom-em) korakati v<br />
smeri Avstrije (takrat del Nemškega rajha).<br />
Do madžarske meje so pripadnike judovskega<br />
delovnega bataljona stražili madžarski<br />
vojaki, ki so pogosto grobo ravnali z njimi. V<br />
okolici Sopron-a so prečkali mejo takratnega<br />
Nemškega rajha in možje so prišli pod nemški<br />
nadzor.<br />
Delovna četa Sandor-ja Vandor-ja je korakala<br />
potem naprej do St. Anna-e am Aigen, ki so jo<br />
dosegli tik po Novem letu 1945. Približno 150<br />
judovskih mož v starosti med ca. 18 in 40 let<br />
so namestili v danes že neobstoječo zgradbo<br />
v bližini velblagovnice Lippe, v kateri so<br />
232<br />
uredili primitivne spalnice z dvonadstropnimi<br />
spalnimi pogradi. 68 Areal so stražili nemški<br />
vojaki in SS. Dvakrat na dan so dobili hrano.<br />
Zajtrk je bil sestavljen iz neke tekočine, ki so<br />
jo imenovali kava in enega kosa kruha, na<br />
katerem je bila včasih marmelada. Večerja je<br />
bila prav tako sestavljena iz neke tekočine, ki<br />
so jo tokrat imenovali juha. Za takšno težko<br />
delo, ki so ga morali opraviti Judi, je bilo<br />
hrane premalo in bila je nehranljiva. Splošni<br />
zdravstveni položaj je bil zato slab, bilo ni niti<br />
bolniške sobe niti kakršne koli medicinske<br />
pomoči.<br />
Dnevno je morala judovska delovna četa pod<br />
SS-nadzorom korakati iz St. Anna-e am Aigen<br />
do delovišča. Judi so morali južno od St. Annae<br />
am Aigen kopati tankovski jarek z lopatami<br />
in cepini. Na delovišču so može stražili vojaki.<br />
Kadar je bila dnevna delovna norma izpolnjena,<br />
so se smele 10-glave delovne skupine vrniti v<br />
taborišče, ob prihodu jih je moralo biti prav<br />
tako 10.<br />
Čeprav so s strani straže in ukrajinskih<br />
pomočnikov pogosto padali hudi udarci,<br />
Vandor sam skoraj ni imel težav s stražarji.<br />
Po spominu Sandor-ja Vandor-ja, on in drugi<br />
prisilni delavci niso nosili rumene zvezde,<br />
temveč so morali nositi rumene trakove, ki so<br />
jih zaznamovali kot Jude.<br />
Sandor Vandor se posebno hvaležno spominja,<br />
da so precejkrat dobili pomoč s strani civilnega<br />
prebivalstva St. Anna-e am Aigen in okoliških<br />
vasi. Večkrat se je zgodilo, da so ženske na poti<br />
na delo na polju vzdolž ceste pustile pakete s<br />
hrano, ki so jih našli judovski delavci in so jim<br />
tako olajšali preživetje.<br />
Sandor Vandor in njegov prijatelj iz mladosti<br />
Gyuri, ki je bil prav tako iz Rákospalota, sta<br />
večkrat uspela preskočiti taboriščno ograjo<br />
in se odplazila iskati hrano. Večkrat so jima
domačinke vtaknile v žep kakšno hrano.<br />
Enkrat sta bila celo s strani dveh mladih punc<br />
oz. žensk povabljena v hišo in bila postrežena<br />
z ocvrtim jajčnim kruhom. Takrat je bilo po<br />
nacističnih zakonih kaznjivo pomagati Judom.<br />
Ti dve mladi ženski pa sta bili posebno hrabri<br />
in proti NS-zakonom neposlušni.<br />
Okoli četrtega tedna v marcu 1945 je okoli 40<br />
mož zbolelo za tifusom. Dobili niso nobenih<br />
zdravil, temveč so jih ločili od ostale delovne<br />
čete. Vandor-jev prijatelj iz mladosti Gyuri<br />
je ostal v taborišču v St. Anna-i am Aigen.<br />
Kasneje je moral s preostalo delovno četo<br />
na „marš smrti“ v koncentracijsko taborišče<br />
Mauthausen, vendar je preživel. Vrnil se je na<br />
Madžarsko, vendar kmalu emigriral v Ameriko<br />
(ZDA) in tam že leta 1970 umrl.<br />
Za tifusom obolelega Sandor-ja Vandor-ja so s<br />
približno 40 drugimi bolanimi možmi spravili<br />
v taborišče barak (na področju „Höll-a“) južno<br />
od St. Anna-e am Aigen. Gyuri ga je podpiral<br />
na poti do taborišča barak in se potem vrnil<br />
v taborišče v St. Anna-i am Aigen. Bolane so<br />
pustili v taborišču barak, da bi umrli. Niso bili<br />
zastraženi (ni bilo razloga za to, saj nobeden<br />
ni bil v stanju zbežati). Tudi zdravili jih niso,<br />
hrane tudi ni bilo. Nekako so imeli nekaj<br />
plesnivega kruha, nešteto ljudi je umrlo levo in<br />
desno od Vandor-ja.<br />
4. aprila 1945 pozno popoldan je Sandor Vandor<br />
opazoval kako nek nemški vojak postavlja<br />
mitraljez na osrednjem prostoru (vežbališču)<br />
taborišča barak. Kaj je s tem hotel, ni jasno. 69<br />
Potem je prišel še en vojak na kolesu in po<br />
kratkem pogovoru je prvi vojak pospravil svoj<br />
mitraljez in oba sta v naglici izginila.<br />
Zjutraj 5. aprila 1945 je Vandor videl ruske<br />
vojake, vendar z njimi ni imel neposrednega<br />
stika. Vsekakor so bili še preživeli judovski<br />
prisilni delavci osvobojeni. V taborišču barak je<br />
Judovska usoda<br />
bilo morda še 20 prisilnih delavcev pri življenju,<br />
večina v najslabšem zdravstvenem stanju.<br />
Vandor je ostalim povedal novico o ruskih<br />
vojakih. V skupini s še morda petimi tovariši<br />
se je takoj odpravili na pot za Madžarsko. V<br />
stanju v kakršnem so bili so prvi dan zmogli<br />
ravno še tri kilometre. Tam so srečali četo<br />
ruskih vojakov, ki so imeli preskrbo in vojaško<br />
bolnišnico. Oficir tajne službe je zaslišal<br />
madžarske-judovske prisilne delavce, potem<br />
so lahko spali v ruskem taboru. V naslednjih<br />
dveh dneh so hodili do železniške proge (ki<br />
je od Murske Sobote proti severu vodila do<br />
Madžarske), od tam so se lahko peljali z<br />
vlakom do predmestja Budimpešte.<br />
Prav tako v delovnem bataljonu služeči oče<br />
Sandor-ja Vandor-ja je preživel. V odsotnosti<br />
moških so mater in sestro Sandor-ja Vandor-ja<br />
odpeljali v Auschwitz. Mati so takoj po prihodu<br />
v Auschwitz zaplinili, sestra je preživela.<br />
V teku zadušitve madžarske splošne vstaje<br />
in nastalega velikega bežanja je Sandor<br />
Vandor z ženo in sinom sredi novembra 1956<br />
zapustil Madžarsko in dosegel Avstrijo pri<br />
Deutschkreutz-u. V začetku decembra 1956 se<br />
je na Dunaju rodil njegov mlajši sin, preden je<br />
družina emigrirala v Ameriko (ZDA).<br />
233
Judovska usoda<br />
OPOMBE<br />
1 Hermann Kurahs, Zur Geschichte der Juden in Radkersburg. In: Gerald<br />
Lamprecht (Hg.), Jüdisches Leben in der Steiermark. Marginalisierung<br />
– Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 59ff. Hermann Kurahs,<br />
Noch mehr haben nirgends eine Heimat, aber Gräber auf jedem Friedhof. Zur<br />
Wiederansiedlung der Juden in Radkersburg. In: Blätter für Heimatkunde,<br />
75. Jg., H. 2/3. Graz 2001, S. 69ff.<br />
2 Die Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg (Kloster-<br />
Pfarrchronik Bad Gleichenberg), S. 111, 132, 133, 143 u. 193, bringt einige<br />
Hinweise auf die jüdischen Kurgäste, z. B.1906: „weitaus die Mehrzahl dem<br />
‚auserwählten Volke‘ angehörte“; 1918: „allerdings 90 % Juden“ und „meist<br />
ungarische und polnische Juden“; 1922: „natürlich meist aus Israel“ und<br />
1928: „Sehr viele Juden!“.<br />
3 Manès Sperber, Die vergebliche Warnung. All das Vergangene ... Wien<br />
1975, S. 56ff., 67 u. 122f.<br />
4 Special-Orts-Repertorium der im österreichischen Reichsrathe vertretenen<br />
Königreiche und Länder. IV. Steiermark. Wien 1883, S. 49. Special-Orts-<br />
Repertorium der im österreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche<br />
und Länder. (Volkszählung vom 31. December 1890) IV. Steiermark. Wien<br />
1893, S. 74. Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche<br />
und Länder. (Volkszählung vom 31. Dezember 1900) IV. Steiermark. Wien<br />
1905, S. 70. Spezialrepertorium der österr. Länder. Spezialrepertorium von<br />
Steiermark. (Volkszählung vom 31. Dezember 1910) Wien 1917, S. 36.<br />
5 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg (Kloster-Pfarrchronik<br />
Bad Gleichenberg), S. 38. Mathias Macher, Gleichenberg in Steiermark als<br />
klimatischer und Brunnen-Kurort. Graz 1873, S. 24.<br />
6 Gleichenberger- und Johannisbrunnen-Actien-Verein (Hg.), Curort<br />
Gleichenberg ungarische Westbahn-Station Feldbach in Steiermark.<br />
Gleichenberg o. J. (ca. 1880), S. 38 u. 46.<br />
7 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg in Steiermark. Wien-Leipzig 1892,<br />
S. 114. Dr. Karl Höffinger war Kurarzt in Gleichenberg (Sommersaison) und<br />
Gries bei Bozen (Wintersaison).<br />
8 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1902), S. 19. Emil<br />
Ziffer, Der Kurort Gleichenberg in Wort und Bild. Gleichenberg 1906, S.<br />
68.<br />
9 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg in Steiermark. Wien-Leipzig 1892,<br />
S. 96 u. 114. Georg Ensbruner, Der Kurort Gleichenberg in Steiermark.<br />
Gleichenberg o. J. (1923), S. 57.<br />
10 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1913), S. 84.<br />
11 Dr. Rudolf Grasmug ist für viele wertvolle Hinweise herzlichst zu danken.<br />
12 Emil Ziffer, Der Kurort Gleichenberg in Wort und Bild. Gleichenberg 1906,<br />
S. 79.<br />
13 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1913), S. 48.<br />
14 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg (Kloster-Pfarrchronik<br />
Bad Gleichenberg), S. 133. Adressenbuch von Steiermark für Industrie,<br />
Handel u. Gewerbe. Graz 1927, S. 238. Adressenbuch von Steiermark<br />
für Industrie, Handel u. Gewerbe. Graz 1929, S. 130. Die Villa „Dreibaum“<br />
brannte 1945 ab. Heute steht an ihrer Stelle der „Gleichenbergerhof“.<br />
15 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg in Steiermark. Wien-Leipzig<br />
1892, S. 125. Heidemarie Uhl, Erinnern und Vergessen. Denkmäler zur<br />
Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und<br />
an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in Graz und in der Steiermark,<br />
in:: Stefan Riesenfellner/Heidemarie Uhl, Todeszeichen. Zeitgeschichtliche<br />
Denkmalkultur in Graz und in der Steiermark vom Ende des 19. Jahrhunderts<br />
bis zur Gegenwart. Wien – Köln – Weimar 1994, S. 123.<br />
16 Georg Ensbruner, Der Kurort Gleichenberg. Gleichenberg o. J. (1912), S.<br />
44f.<br />
17 Adolph Jellinek, Rede zur Eröffnung des israelitischen Spitals im Curorte<br />
Gleichenberg, gehalten am 23. Juni 1884. Wien 1884.<br />
18 Karl Höffinger, Der Kurort Gleichenberg in Steiermark. Wien-Leipzig 1892,<br />
S. 6. Karl W. Gawalowski (Hg.), Steiermark. Hand- und Reisebuch. Graz<br />
1914, S. 345. StLA, BG Feldbach, KG Bad Gleichenberg, EZ 191.<br />
19 Kurort Gleichenberg (Steiermark). Gleichenberg o. J. (ca. 1908, bzw. ca.<br />
1910, bzw. ca. 1913), S. 29, bzw. S. 36, bzw. S. 34. Wilhelm K. Rauch, Bad<br />
Gleichenberg und seine Ärzte 1772-1992. Bad Gleichenberg 1993, S. 18ff.<br />
Für wichtige Hinweise betreffend die jüdischen Kurärzte ist Herrn Dr. Rudolf<br />
Grasmug herzlich zu danken.<br />
20 Wilhelm K. Rauch, Bad Gleichenberg und seine Ärzte 1772-1992. Bad<br />
Gleichenberg 1993, S. 27.<br />
234<br />
21 Franz Röschel, Steiermarks Paradies. Bruck a.d.M. 1925, S. 51.<br />
Adressenbuch von Steiermark für Industrie, Handel u. Gewerbe. Graz 1929,<br />
S. 130. Bad Gleichenberg, 3. Jg. Nr. 4 (April 1935). Graz 1935.<br />
22 Heimo Halbrainer/Joachim Hainzl, „Ersuche um Mitteilung, wie ich zu einem<br />
jüdischen Geschäft komme.“ Arisierung in der Steiermark. In: Korso, 2. Jg.,<br />
Nr. 9. Graz 1988.<br />
23 Eduard G. Staudinger, „Ich bitte die Vermögensverkehrsstelle um baldige<br />
Entscheidung“. Aspekte der „Arisierung“ in der Steiermark. In: Gerald<br />
Lamprecht (Hg.), Jüdisches Leben in der Steiermark. Marginalisierung<br />
– Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 211. StLA, Arisierung<br />
1938-45, LG/I 47-537, Mappe 199/II. Dr. Eduard G. Staudinger ist für seine<br />
Hinweise besonders zu danken. Die „Villa Dreibaum“ wurde ursprünglich<br />
„Villa Schuch“ genannt. Sie war eine der originellsten Villen des Kurortes<br />
und brannte bei Kriegsende 1945 ab. Heute steht an seiner Stelle der<br />
„Gleichenbergerhof“. Das Gebäude des israelitischen Spitals in Bad<br />
Gleichenberg überstand das Ende des Zweiten Weltkrieg und wurde Jahre<br />
später abgetragen.<br />
24 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg (Kloster-Pfarrchronik<br />
Bad Gleichenberg), S. 292. Anatol P. Fuksas, Bad Gleichenberg. Skizzen der<br />
Zeit. Graz 1988, S. 201f u. 207f. (Ansonsten findet man in den zahlreichen<br />
Büchern von Fuksas über Bad Gleichenberg kaum Hinweise auf das<br />
einstige jüdische Leben in Bad Gleichenberg. In seinem 1988 erschienenen<br />
Buch „Skizzen der Zeit“ erwähnte Fuksas auf Seite 203 in einer Fußnote<br />
z.B., dass bis 1938 der Generalvertrieb des Gleichenberger Mineralwasser<br />
noch in den Händen eines Juden war. Im Buch „Bad Gleichenberg 1937-<br />
1997. Erste Kursaison – Zeitenwende im Heilbade“ von Fuksas findet<br />
man auf Seite 65f. noch einen kurzen Hinweis auf den bereits erwähnten<br />
Gleichenberger Kuraufenthalt und das Buch „Die vergebliche Warnung“<br />
des Schriftstellers Manès Sperber, jedoch ohne einen Vermerk zu dessen<br />
jüdischer Herkunft.)<br />
25 Wilhelm K. Rauch, Bad Gleichenberg und seine Ärzte 1772-1992. Bad<br />
Gleichenberg 1993, S. 22 u. 27. Siglinde Bolbecher/Konstantin Kaiser,<br />
Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Wien-München 2000, S. 545.<br />
26 Chronik des Franziskaner-Hospizes in Gleichenberg (Kloster-Pfarrchronik<br />
Bad Gleichenberg), S. 295.<br />
27 Heidemarie Uhl, Erinnern und Vergessen. Denkmäler zur Erinnerung<br />
an die Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an die<br />
Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in Graz und in der Steiermark. In:<br />
Stefan Riesenfellner/Heidemarie Uhl, Todeszeichen. Zeitgeschichtliche<br />
Denkmalkultur in Graz und in der Steiermark vom Ende des 19. Jahrhunderts<br />
bis zur Gegenwart. Wien – Köln – Weimar 1994, S. 123.<br />
28 Franz Josef Schober (Mitarbeit Günther Prutsch), Das Kriegsende 1945<br />
rund um den Königsberg im Bezirk Radkersburg. In: Feldbacher Beiträge<br />
zur Heimatkunde der Südoststeiermark, Heft 4. Feldbach 1989, S. 115ff.<br />
29 Curd Jürgens, ... und kein bißchen weise. Autobiographischer Roman.<br />
Locarno 1976, S. 300ff. Anna Hinterholzer, Klöch (12.2.1985), Sammlung<br />
F.J.Schober.<br />
30 Hier im Gruislawald und bei den Resten des Panzergrabens im Wald<br />
bei Deutsch Haseldorf fanden am 15. April 1993 Dreharbeiten für die<br />
Dokumentation „Alles Schweigen“ über den Einsatz der ungarischen<br />
Juden beim Stellungsbau und den anschließenden „Todesmarsch“ nach<br />
Mauthausen statt (Der Film wurde am 15. November 1993 in ORF 2<br />
gesendet).<br />
31 Franz Josef Schober (Mitarb. Günther Prutsch), Das Kriegsende 1945 rund<br />
um den Königsberg im Bezirk Radkersburg. In: Feldbacher Beiträge zur<br />
Heimatkunde der Südoststeiermark, H. 4. Feldbach 1989, S. 116ff.<br />
32 Leopold Banny, Schild im Osten. Der Südostwall zwischen Donau und<br />
Untersteiermark 1944/45. Lackenbach 1985, S. 97. Eleonore Lappin, Die<br />
Todesmärsche ungarischer Juden durch den Gau Steiermark. In: Gerald<br />
Lamprecht (Hg.), Jüdisches Leben in der Steiermark. Marginalisierung –<br />
Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 273f.<br />
33 Szabolcs Szita, Verschleppt – Verhungert – Vernichtet. Die Deportation von<br />
ungarischen Juden auf das Gebiet des annektierten Österreich 1944-1945.<br />
Wien 1999, S. 215f. Für ein Arbeitslager mit jüdischen Stellungsbauarbeitern<br />
in Radkersburg – wie von Szabolcs Szita angeführt – finden sich aber keine<br />
weiteren Hinweise.<br />
34 Schwarz Desider (4.9.1945), PRO (= Public Record Office London/Kew)<br />
WO 310/143.<br />
35 Anton Waltensdorfer (Klöch) an die Frau von Fischer Georg in Budapest<br />
(23.12.1946), Privatbesitz. Anton Oswald (26.7.1947), AdR (= Archiv der<br />
Republik Wien) BuMinI 172.275-2/52.
36 Chronik der Volksschule Klöch.<br />
37 Watzek-Chronik (16. März 1945), Stadtarchiv Bad Radkersburg.<br />
38 Anna Hinterholzer, Klöch (12.2.1985), Sammlung F.J.Schober.<br />
39 Robert O. Fisch (2.9.1995 u. 8.11.1995), IGJ (= Institut für Geschichte der<br />
Juden in Österreich, St. Pölten). Robert O. Fisch, Light from the Yellow Star.<br />
A Lesson of Love from the Holocaust. Minnesota 1994, S. 14ff.<br />
40 PRO WO 310/167. Das Steirerblatt, 11. November 1947, S. 1. Neue Zeit, 11.<br />
November 1947, S. 2. Wahrheit, 11. November 1947, S. 2.<br />
41 Emmerich Adler (3.5.1946), PRO FO 1020/2059. Franz Josef Schober,<br />
100 Jahre Zeitgeschichte – Ratschendorf 1898 bis 1997/98. In: Heinrich<br />
Kranzelbinder/Günther Prutsch/Franz Josef Schober, Ratschendorf. Vom<br />
Werden eines Dorfes. Beiträge zur Geschichte einer südoststeirischen<br />
Gemeinde. Ratschendorf 1997/98, S. 310. Alfred Kolleritsch, Von der<br />
schwarzen Kappe. In. Gespräche im Heilbad. Salzburg 1985, S. 49.<br />
Eleonore Lappin, The Death Marches of Hungarian Jews through Austria<br />
in the spring of 1945. In: Yad Vashem Studies XXVIII. Jerusalem 2000, S.<br />
231f.<br />
42 Chronik der Volksschule Klöch.Anton Waltensdorfer (Klöch) an die Frau von<br />
Fischer Georg in Budapest (23.12.1946), Privatbesitz. Cäcilia Schönberger<br />
(16. u. 23.5.2005). Sammlung Franz Josef Schober. Eleonore Lappin, The<br />
Death Marches of Hungarian Jews through Austria in the spring of 1945. In:<br />
Yad Vashem Studies XXVIII. Jerusalem 2000, S. 220.<br />
43 Chronik des Gendarmeriepostens Klöch. Grenzbote, 31. August 1947, S. 5.<br />
44 Das Steirerblatt, 11. November 1947, S. 1; Neue Zeit, 11. November 1947, S.<br />
2.<br />
45 Das Steirerblatt, 14. November 1947, S. 2, Neue Zeit, 14. November 1947,<br />
S. 3; Wahrheit, 14. November 1947, S. 3.<br />
46 Das Steierblatt, 10. Dezember 1947, S. 2; Neue Zeit, 10. Dezember 1947, S.<br />
3; Wahrheit, 10. Dezember 1947, S. 3.<br />
47 Schreiben IKG Graz (18.10.1948 u. 12.11.1948), Yad Vashem 05/13.<br />
48 Lt. Sterbebuch der Pfarre Klöch starb bereits am 5. Februar 1945 im Klöcher<br />
Schulhaus ein Jude aus Ungarn (nähere Daten nicht bekannt), die Todesart<br />
wurde nicht angegeben. Ende März starben zwei weitere ungarische Juden<br />
im Klöcher Schulhaus (Arbeitslager Klöch) an Flecktyphus. IKG Wien,<br />
Mappe KZ-Friedhöfe.<br />
49 Chronik der Pfarre St. Anna am Aigen. Bericht Simson Schvarc (9.3.2005 u.<br />
26.4.2005), Sammlung F.J.Schober.<br />
50 Chronik der Pfarre St. Anna am Aigen. Herbert Peklar (Hg.), Pfarre St. Anna<br />
am Aigen. Festschrift zum 200jährigen Jubiläum. St. Anna am Aigen 1988,<br />
S. 130 u. 135f.<br />
51 Anton Rutte (25.5.1946). PRO WO 310/144.<br />
52 Eleonore Lappin, Die Rolle der Waffen-SS beim Zwangsarbeitseinsatz<br />
ungarischer Juden im Gau Steiermark und bei den Todesmärschen ins KZ<br />
Mauthausen (1944/45). In: Dokumentationsarchiv des österreichischen<br />
Widerstandes (Hg.), Jahrbuch 2004. Münster 2004, S. 91.<br />
53 Tibor Weiss (1.9.1945), PRO WO 310/143.<br />
54 Eleonore Lappin, Die Todesmärsche ungarischer Juden durch den Gau<br />
Steiermark. In: Gerald Lamprecht, Jüdisches Leben in der Steiermark.<br />
Marginalisierung – Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 273.<br />
Ladislaus Dér (25.3.1969), AdR BuMinI 55.178-18/71. Imre Weisz, Moreshet<br />
D. 2.1120. (Die durchwegs hebräischen Berichte des Moreshet Archivs in<br />
Givat Chaviva, Israel, wurden von Frau Dr. Eleonore Lappin übersetzt. Sie<br />
hat mir in diese Berichte und andere wertvolle Quellen dankenswerterweise<br />
Einsicht gewährt.)<br />
55 Shmuel Roth, Moreshet A. 1476. Szabolcs Szita, Zwangsarbeit,<br />
Todesmärsche, Überleben durch Hilfe. Die österreichische Bevölkerung<br />
in der Erinnerung der ungarischen Deportierten und politischen Häftlinge<br />
1944-1945. Budapest 2004, S. 60f. u. 106.<br />
56 Chronik des Marktes St. Anna am Aigen.<br />
57 StLA, LG Graz Vg Vr 8009/47.<br />
58 Imre Weisz, Moreshet D. 2.1120. Simson Schvarc (9.3.2005), Sammlung<br />
F.J.Schober.<br />
59 PRO WO 310/167 (zu Vr 486/45). Neue Steirische Zeitung, 12. August<br />
1945, S. 5. Das Erschießungsdatum 13. Februar 1945 scheint sehr früh und<br />
könnte vielleicht nicht stimmen. Ein Mitglied des Erschießungskommandos<br />
soll bei der Abfahrt die Bemerkung gemacht haben, dass sie noch am<br />
selben Tag ca. 70 Juden im Raum Kalch „ins Lazarett zu befördern hätten“.<br />
Die Erschießung von ca. 100 Juden in Krottendorf (zwischen Kalch und<br />
Neuhaus am Klausenbach) fand erst am 23. März 1945 statt. So wäre es<br />
möglich, dass auch die Erschießung im Wald bei Deutsch Haseldorf erst in<br />
der zweiten Märzhälfte stattfand.<br />
Judovska usoda<br />
60 Imre Weisz, Moreshet D. 2.1120. Tibor Weiss (1.9.1945), PRO WO 310/143.<br />
Simson Schvarc (9.3.2005), Sammlung F.J.Schober.<br />
61 Kleine Zeitung, 4. Februar 2005, Lokalteil Südoststeier, S. 26.<br />
62 Tibor Weiss (1.9.1945), PRO WO 310/143. Chronik der Pfarre St. Anna am<br />
Aigen. Eleonore Lappin, The Death Marches of Hungarian Jews through<br />
Austria in the spring of 1945. In: Yad Vashem Studies XXVIII. Jerusalem<br />
2000, S. 231f. Yad Vashem 05/89.<br />
63 Eleonore Lappin, Die Todesmärsche ungarischer Juden durch den Gau<br />
Steiermark. In: Gerald Lamprecht, Jüdisches Leben in der Steiermark.<br />
Marginalisierung – Auslöschung – Annäherung. Innsbruck 2004, S. 273f.<br />
64 Alois Gangl (9.2.1985), Sammlung F.J.Schober.<br />
65 Udo Fellner, Bittere Heimatgeschichte. Das Schicksal der jüdischen<br />
Zwangsarbeiter in Krottendorf und Kalch. In: Gerhard Baumgartner/Eva<br />
Müllner/Rainer Münz (Hg.), Identität und Lebenswelt. Ethnische, religiöse<br />
und kulturelle Vielfalt im Burgenland. Eisenstadt 1989, S. 128ff. Karl Knapp<br />
(27.7.2005), Sammlung F.J.Schober.<br />
66 StLA, LG Graz Vg 869/45.<br />
67 Durch Josef Weinhandl, den Bürgermeister von St. Anna am Aigen, erhielt<br />
ich dankenswerterweise die Adressen von Simson Schvarc und Sandor<br />
Vandor. Simson Schvarc, der heute in Tel Aviv in Israel lebt, berichtete<br />
mir dann in einem umfangreichen Brief im März 2005 seine Erinnerungen<br />
an die Zwangsarbeit in St. Anna am Aigen. Einzelne ergänzende Fragen<br />
wurden von ihm noch in einem weiteren Brief im April 2005 beantwortet.<br />
Sandor Vandor, der heute im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien lebt,<br />
schilderte mir dann ebenfalls im März 2005 in einer Reihe von e-mails<br />
seine Erinnerungen an die Zeit als jüdischer Zwangsarbeiter in St. Anna<br />
am Aigen. Bei einem Besuch von Sandor Vandor im Juni 2005 in St. Anna<br />
konnten dann in vielen Gesprächen (an denen auch Dr. Eleonore Lappin<br />
vom Institut für Geschichte der Juden in Österreich beteiligt war) noch viele<br />
Einzelheiten besprochen werden. Berichte über den Besuch von Sandor<br />
Vandor in: Bildpost, 30. Juni 2005, S. 12 und Süd-Ost Journal, 20. Juli 2005,<br />
S. 45. Simson Schvarz und Sandor Vandor danke ich für ihre große Geduld<br />
bei der Beantwortung meiner Fragen.<br />
68 Ursprünglich glaubte Sandor Vandor, 1945 zuerst im Schulgebäude<br />
untergebracht gewesen zu sein, doch im Laufe seines Besuches im Juni<br />
2005 in St. Anna am Aigen musste er seine Meinung revidieren.<br />
69 Es sei aber daran erinnert, dass ungefähr zu dieser Zeit die im Schulgebäude<br />
Klöch zurückgelassenen ungarischen Juden von SS abgeholt und dann im<br />
Wald bei Röhrl erschossen wurden.<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Franz Josef Schober<br />
Franz Josef Schober, geb. 1957, wohnhaft in<br />
Ratschendorf; Finanzbeamter; Gründungsmitglied<br />
der Kulturinitiative Ratschendorf; Mitarbeit<br />
an diversen volkskundlichen und zeitgeschichtlichen<br />
Ausstellungen. Veröffentlichung<br />
mehrerer zeitgeschichtlicher Arbeiten über den<br />
Bezirk Radkersburg. – Franz Josef Schober,<br />
rojen 1957, stanujoč v Ratschendorfu; finančni<br />
uradnik; ustanovni član kulturne iniciative<br />
Ratschendorf; sodeluje pri raznih etnografskih<br />
in sodobnozgodovinskih razstavah. Objavil<br />
je več sodobnozgodovinskih del o okraju Bad<br />
Radkersburg.<br />
235
Bildgalerie – galerija slik VII<br />
Hoher Besuch anlässlich der Ausstellungseröffnung „Krieg um Slowenien 1991“ – visok obisk ob otvoritvi razstave Vojna za Slovenijo 1991<br />
236
Slovenci po svetu<br />
Potopis<br />
� Text: Marjan Šrimpf<br />
Ekipa televizije Maribor je v<br />
zadnjih letih obiskala slovenske<br />
izseljence in zdomce v dvajsetih<br />
državah sveta. V diaspori – torej<br />
zunaj domovine – živi okrog<br />
300.000 Slovencev in njihovih<br />
potomcev, največ v ZDA,<br />
Avstraliji, Kanadi in Argentini.<br />
Amerika – obljubljena dežela.<br />
S trebuhom za kruhom so šli<br />
Slovenci iz tedanje Avstro-<br />
Ogrske že okrog leta 1900. Ob<br />
popisu prebivalstva v ZDA leta<br />
1910 se je za slovenski materin<br />
Slovenci po svetu<br />
Ekipa TV Maribor v Venezueli; z leve: izseljenec Albin Valenčič, novinar Marjan Šrimpf,<br />
snemalec Robert Zupanc, tonski technik Damijan Krajnc – Das Team von TV Maribor in Venezuela;<br />
von links: Aussiedler Albin Valenčič, Journalist Marjan Šrimpf, Kameramann Robert<br />
Zupanc, Tontechniker Damijan Krajnc<br />
jezik odločilo 123.631 oseb prve generacije (rojene na Slovenskem) in 59.800 Slovencev, rojenih že<br />
v Združenih državah Amerike. Tik pred drugo svetovno vojno je živelo v ZDA 250.000, Kanadi<br />
6000, v Argentini 25.000, v Braziliji 5000 in v Avstraliji 2000 Slovencev. Po drugi svetovni vojni<br />
pa je iz Slovenije v prekomorske države odšlo še 20.000 do 25.000 političnih in tudi ekonomskih<br />
emigrantov. K temu moramo prišteti še 80.000 do 100.000 Slovencev, ki jih je v šestdesetih in<br />
sedemdesetih letih prejšnjega stoletja zajel ekonomski val. Višji zaslužek in boljše življenje so iskali<br />
v zahodnoevropskih državah. Leta 1972 je delalo v Zahodni Evropi 72.000 Slovencev. Nekateri od<br />
teh so se vrnili v domovino, mnogi pa tudi ne.<br />
Takšna bi bila na kratko slika slovenskega zdomstva in izseljenstva v prejšnjem stoletju.<br />
Ekipa Televizije Maribor, ki je bila večkrat tudi na obiskih v Potrni pri društvu 7. člen, ko je gostilo<br />
tudi slovenske izseljence iz različnih prekomorskih držav, je obiskala naše ljudi po svetu. Tokrat<br />
237
Slovenci po svetu<br />
Leon Štukelj med slovenskimi delavci v tovarni Chrysler v Torontu, Kanada. – Leon Štukelj<br />
inmitten der slowenischen Arbeiter der Fabrik Chrysler in Toronto, Kanada.<br />
bomo strnili vtise z obiskov v Južni Ameriki,<br />
Avstraliji, Kanadi, ZDA in še kje.<br />
Največ Slovencev se je v ZDA naselilo v državi<br />
Ohio in v Clevelandu, ki so ga imenovali tudi<br />
drugo največje slovensko mesto, takoj za<br />
Ljubljano. Tam je bilo kar 13 slovenskih far in 14<br />
domov. Mnogi Slovenci so v Združenih državah<br />
uspešni na raznih področjih. V ZDA je denimo<br />
imelo leta 1990 kar 738 ljudi slovenskega rodu<br />
doktorat znanosti. Tudi Američani poznajo<br />
Slovence, kot so Friderik Baraga, Luis Adamič,<br />
Frank Lausche, James Oberstar, George<br />
Voinovič (zadnji trije so politiki), pa vesoljec<br />
Ronald Šega, v širši javnosti so manj znani<br />
številni slovenski zdravniki, znanstveniki,<br />
profesorji, gospodarstveniki – pri vesoljski<br />
agenciji NASA je delal dr. Petrač. Mi smo se<br />
v Clevelandu srečali z Joejem Valenčičem, ki<br />
pripravlja zgodovino pomembnih Slovencev<br />
v zabavnem življenju in v ameriškem filmu.<br />
Pokazal nam je tudi dokumentarni film, ki ga<br />
je naredil o življenju Slovencev v Clevelandu<br />
– to je še danes na kulturnem področju zelo<br />
pestro.<br />
Iz Clevelanda smo se odpravili v kanadsko<br />
zvezno državo Ontario in njeno glavno mesto<br />
238<br />
Toronto, kjer živi največ od<br />
20.000 kanadskih Slovencev.<br />
Imajo kar 18 društev, klubov<br />
in domov. Mi smo bili gostje<br />
v Slovenskem domu Lipa, kjer<br />
so pripravili slovenski večer<br />
s folklornimi plesi in večerjo<br />
s potico in drugimi jedmi iz<br />
svoje nekdanje domovine.<br />
Med številnimi Slovenci<br />
različnih poklicev je še posebej<br />
zanimiv John Letnik iz<br />
Lenarta v Slovenskih goricah,<br />
ki je iz Jugoslavije v torontsko<br />
pristanišče pripeljal odsluženo potniško ladjo<br />
in jo priredil v restavracijo – zdaj tja prihajajo<br />
številni ugledni gostje. Pred tremi leti je bil<br />
tam tudi slovenski olimpionik Leon Štukelj.<br />
Dobitnik številnih olimpijskih kolajn je pred<br />
tem obiskal nekaj slovenskih domov in bil gost<br />
slovenskih delavcev v tovarni avtomobilov<br />
Crysler, kjer so ga izjemno lepo sprejeli.<br />
Južna Amerika odpira vrata. Tako kot v<br />
Severno Ameriko, so Slovenci začeli množično<br />
odhajati tudi v Brazilijo in Argentino že pred<br />
letom 1900. Argentina je na podlagi zakona<br />
iz leta 1876 začela s sistematično kolonizacijo<br />
državnega ozemlja in je v ta namen začela<br />
sklepati pogodbe za priseljevanje evropskega<br />
kmečkega prebivalstva. Slovenci so začeli<br />
množično z ladjami iz Trsta potovati v Brazilijo<br />
in Argentino. To se je nadaljevalo še po koncu<br />
druge svetovne vojne, ko je Argentina sprejela<br />
več kot 6000 političnih beguncev. No, in prav<br />
v Argentini so izjemno dobro organizirali<br />
šolanje v slovenskem jeziku, tako da tamkajšnji<br />
Slovenci, predvsem v Buenos Airesu, zelo<br />
dobro govorijo slovenščino – med vsemi<br />
slovenskimi izseljenci, ki smo jih obiskali,
znajo največ slovenskega jezika.<br />
Večina Slovencev živi v Buenos<br />
Airesu, kjer je že več kot 50<br />
let zelo dejavna SLOVENSKA<br />
KULTURNA AKCIJA, ki<br />
združuje intelektualce raznih<br />
vrst. Izdajajo literarno revijo<br />
Meddobje, organizirali so<br />
slikarsko šolo, ki jo je v začetku<br />
vodila akademska slikarka Bara<br />
Remec, danes deluje tam veliko<br />
likovnikov. Obiskali smo kiparja<br />
Marjana Gruma – ta prodaja<br />
svoje izdelke iz železa po celem<br />
svetu, največ na Japonsko. V šali nam je dejal:<br />
“Japonci so kupili toliko mojih skulptur, da se<br />
je gotovo njihov največji otok Kijušu pogreznil<br />
za kak centimeter.” Marjan Grum je hišo, v<br />
kateri stanuje, preuredil v razstavišče, kamor<br />
zdaj prihajajo številni obiskovalci iz Argentine<br />
in iz drugih držav sveta. Ena zadnjih razstav je<br />
imela naslov Luč, barve, gibanje – podkrepil jo<br />
je tudi z instalacijami boja proti drogi, ki je še<br />
kako prisotna v znanem predelu Boce, kjer je<br />
Marjanova hiša.<br />
Čez Ande v Mendozo. Z letalom sva s<br />
snemalcem iz Buenos Airesa odletela še v<br />
Santiago de Chile, kjer živi približno 100<br />
slovenskih družin. Svojega kluba oziroma<br />
društva nimajo, zato se srečujejo pri različnih<br />
družinah na domu in obujajo spomin na<br />
domovino svojih staršev, ki so tja prišli v<br />
glavnem iz Primorske pred in po drugi svetovni<br />
vojni. Eden takšnih Primorcev je Angelo<br />
Kovačič iz slovenske vasi blizu Trsta. Kovačič<br />
ima v Santiagu že 40 let svoje podjetje, oglasili<br />
pa smo se tudi pri zlatarju Jožetu Helmlingerju.<br />
Skupaj s sinom imata sredi Santiaga lepo<br />
urejeno zlatarno, sicer pa izvira njegova družina<br />
Slovenci po svetu<br />
Marjan Šrimpf na poti čez Ande iz Santiaga de Chile v Mendozo. – Marjan Šrimpf auf dem Weg<br />
über die Anden von Santiago de Chile nach Mendoza.<br />
iz Sevnice. Naši izseljenci so nama svetovali,<br />
naj se odpraviva po zelo slikoviti cesti iz<br />
Santiaga prek Andov v argentinsko Mendozo,<br />
mesto, kjer ima domove okrog 500 Slovencev.<br />
Tako sva tudi storila in po šestih urah vožnje<br />
s taksijem sva prispela v mesto vina in sonca,<br />
kot pravijo Mendozi. Slovenska kolonija ima<br />
lep dom z dvorano za razne prireditve, dobro<br />
je organizirana slovenska šola, pevski zbor in<br />
razne druge dejavnosti. V Mendozi smo srečali<br />
brata Bajuk – arhitekta Božidarja in zdravnika,<br />
kirurga Jurija, ki sta poleg družine Bajda najbolj<br />
znana v slovenski skupnosti v Mendozi. Njun<br />
brat Andrej je danes slovenski finančni minister<br />
in bivši predsednik vlade Republike Slovenije.<br />
Martin Bajda vodi podjetje, ki izdeluje največje<br />
sode v Argentini – tudi takšne s prostornino<br />
10 in več tisoč litrov. Pred nedavnim so izdelali<br />
tudi 300.000-litrsko leseno kad za Guinessovo<br />
knjigo rekordov.<br />
V Brazillji živi 1000 Slovencev. Poleg<br />
Argentine je bila tudi Brazilija že pred<br />
devetdesetimi leti cilj revnih slovenskih<br />
kmetov. Tudi po drugi vojni je prišlo tja<br />
kar nekaj Slovencev, ki pa so bili večinoma<br />
239
Slovenci po svetu<br />
ekonomski emigranti – za<br />
razliko od pribežnikov v<br />
Argentino. Največ jih živi in<br />
dela v Sao Paolu in so v glavnem<br />
podjetniki. Tudi oni nimajo<br />
svojega kluba, pač pa »Skupnost<br />
Slovencev v Braziliji«, ki šteje<br />
kakšnih 200 družin – njihovi<br />
člani se srečujejo, tako kot v<br />
Čilu, po domovih. Med najbolj<br />
znanimi Slovenci v tej državi<br />
so pripadniki družine Hlebanja<br />
z Gorenjske. Prvi je tja prišel<br />
Janez (pred kratkim je umrl),<br />
sledil mu je brat Federico, on<br />
ima veliko tovarno kovinskih predmetov<br />
DRAVA in je skupaj s sinom Brankom<br />
uspešen podjetnik. Tudi Janezov sin Sandro<br />
je podjetnik. Med zanimivimi Slovenci je še<br />
grafik Peter Slavec, ki pa je tudi najbolj znan<br />
slovenski jamar v tej državi in eden najbolj<br />
prizadevnih raziskovalcev brazilskih jam.<br />
V Belo Horizontu prav tako srečamo Slovence.<br />
Najbolj znana je družina Šalej. Ana Šalej ima<br />
turistični biro in je slovenska častna konzulka.<br />
Nasledila je svojega brata Bogdana, podjetnika<br />
in novinarja. Šalej je bil celo kandidat za<br />
brazilskega gospodarskega ministra. Njegovo<br />
podjetje je znano po tem, da je prvo osvetlilo kip<br />
Kristusa na hribu Corcavalo v Rio de Janieru,<br />
kjer živi tudi Koprčanka Majda Starman.<br />
Na slovenskem pikniku v Venezueli. V tem<br />
kratkem in seveda le bežnem sprehodu med<br />
Slovenci v Južni Ameriki smo se ustavili še v<br />
mestu Maracay v Venezueli. V tej državi si<br />
je ustvarilo dom okrog 700 Slovencev. Ti se<br />
enkrat na leto zberejo na pikniku v tem ali<br />
onem mestu, se pogovorijo, kaj zapojejo in<br />
zaplešejo. Tako je bilo tudi tokrat, ko je prišlo<br />
240<br />
Projektant Andrej Vadnjal, izseljenec na Novi Zelandiji, ob mostu, ki ga je projektiral (Tauranga<br />
Harbour Bridge) – Projektleiter Andrej Vadnjal, Aussiedler in Neuseeland, bei der Brücke, die<br />
er geplant hat (Tauranga Harbour Bridge)<br />
k jezeru Valencija kakšnih 400 Slovencev. Med<br />
rojaki v tej deželi je najbolj znan podjetnik<br />
Ivan Jerak, ki ima kar štiri manjše tovarne. Prav<br />
gotovo je najuspešnejša tovarna kuhinjskih<br />
korit, ki se prodajajo po celi Latinski Ameriki.<br />
V Venezueli živi tudi nekaj slovenskih<br />
zdravnikov, umetnikov, znan je umetniški<br />
fotograf Jože Srša iz Caracasa in slikarkarestavratorka<br />
Karolina Koglot.<br />
Težko je v takšnem kratkem zapisu zajeti<br />
celovito sliko rojakov v Južni Ameriki, a<br />
vendar naj omenim še skupnost Prekmurcev:<br />
Transmurana v Urugvaju združuje kakšnih<br />
100 rojakov iz Pomurja – v Montevideu imajo<br />
svoj klub. Pa še skok v Bolivijo. Tam sta<br />
najbolj znana pustolovec Pavel Šimac iz Nove<br />
Gorice, ki že 45 let seka les in zdravi Indijance<br />
v bolivijski džungli. O svojem razburljivem<br />
življenju – bil je tudi zlatokop in lovec – je<br />
napisal tri knjige, izšle so v Sloveniji. Druga je<br />
akademska slikarka Ejti Štih, ki razstavlja po<br />
celem svetu – leta 2003 je razstavljala tudi v<br />
Ljubljani in Mariboru. V Boliviji živi Ejti Štih<br />
že 25 let in je priznana slikarka v vsej Latinski<br />
Ameriki.
Esti Štih iz Santa Cruza / Bolivija – Esti Štih aus Santa Cruz / Bolivien<br />
Slovenska dragulja na Tasmaniji. Za konec<br />
tega kratkega obiska med slovenskimi izseljenci<br />
v prekomorskih državah se ustavimo še v<br />
Avstraliji. Po splošnih ocenah naj bi v Avstraliji<br />
danes živelo okrog 25.000 Slovencev različnih<br />
generacij. Prvi Slovenci so se začeli priseljevati v<br />
to državo v 20-ih letih prejšnjega stoletja, žal je<br />
ohranjenih le malo sledi o njihovem takratnem<br />
življenju in delu. Današnjo slovensko skupnost<br />
predstavljajo predvsem priseljenci iz let po<br />
2. svetovni vojni. Večja slovenska središča v<br />
Avstraliji so v Melbournu, Sydeyu in Adelaidi,<br />
manjša pa v Perthu, Brisbanu oziroma Gold<br />
Coastu, Canberri, Geelongu, Albury-Wodongi,<br />
Necastlu in v Hobartu na Tasmaniji. V teh<br />
mestih je organiziranih tudi po več slovenskih<br />
društev, ki imajo skoraj vsa tudi svoje domove.<br />
Slovenska verska središča s cerkvami in<br />
dvoranami, ki so jih postavili Slovenci sami,<br />
delujejo v Sydneyu, Adelaidi in Melbournu.<br />
V tej prostrani državi živi in dela veliko<br />
pomembnih Slovencev, a imamo premalo<br />
prostora, da bi jih pričeli naštevati. Zato le<br />
beseda o dveh Slovenkah, ki smo ju obiskali<br />
na otoku Tasmanija, enem najlepših predelov<br />
Avstralije.<br />
Slovenci po svetu<br />
V mestecu Devenport živi že<br />
več kot 40 let Primorka Anka<br />
Makovec, ki je delala kot<br />
bolniška sestra. Ob tem je bila<br />
vseskozi aktivna pri varovanju<br />
okolja. Avstralci so jo spoznali<br />
leta 1985, ko je še z nekaterimi<br />
somišljeniki preprečila, da bi na<br />
čudoviti reki Gordon zgradili<br />
hidrocentralo. Takrat so se<br />
spopadali s policijo, privezovali<br />
na buldožerje in s pomočjo<br />
televizijske slike, ki je šla po<br />
vsej Avstraliji, tudi uspeli.<br />
Hidroelektrarne niso nikoli zgradili, za kar so<br />
ji domačini ob reki Gordon še danes neizmerno<br />
hvaležni, saj imajo delo v turizmu.<br />
Druga Slovenka na otoku je Daniela Hliš. V<br />
mestecu Bisheno na zahodni obali Tasmanije<br />
je ob Pacifiku postavila turistično naselje<br />
Hydeway, kiga obiskujejo turisti iz celega sveta.<br />
Naselje se čudovito sklada z naravo, bungalovi<br />
ne motijo okolja, v bližini je tudi živalski<br />
vrt. Skratka, Daniela Hliš je tukaj ustvarila<br />
izjemen kotiček za preživljanje počitnic.<br />
Hliševa je prava pesniška duša. Doslej je izdala<br />
že tri pesniške zbirke, od tega dve v angleščini<br />
in eno v slovenščini, svoje pesmi objavlja tudi<br />
v različnih literarnih revijah. Obe Slovenki<br />
smo obiskali s kamero in nastal je zanimiv<br />
dokumentarni film, ki smo ga poimenovali<br />
Tasmanska dragulja.<br />
In takšnih draguljev s tega ali onega področja<br />
bi med Slovenci po svetu lahko našli še veliko.<br />
Potrebujemo le čas, da jih odkrijemo...<br />
241
Slowenen in der Welt<br />
Marjan Šrimpf na delovnem mestu. – Marjan Šrimpf am Arbeitsplatz.<br />
Slowenen in der Welt<br />
Ein Reisebericht<br />
Das TV-Team RTV Slovenija aus Maribor hat<br />
in den letzten Jahren slowenische Auswanderer<br />
und Gastarbeiter in zwanzig Staaten der<br />
Welt – der in Diaspora leben rund 300.000 Slowenen,<br />
die meisten davon in den USA, Australien,<br />
Kanada und in Argentinien – besucht.<br />
Amerika – das gelobte Land. Vom Hunger<br />
getrieben, verließen Slowenen die damalige<br />
Donaumonarchie schon um das Jahr 1900, um<br />
anderswo ihr Glück zu finden. Bei der Volkszählung<br />
in den USA im Jahre 1910 bezeichneten<br />
sich insgesamt 183.431 Personen (davon<br />
123.631 der ersten noch in Slowenien geborenen<br />
und 59.800 der zweiten Generation) als<br />
Slowenen. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg<br />
lebten in den USA 250.000, in Kanada 6.000,<br />
in Argentinien 25.000, in Brasilien 5.000 und<br />
in Australien 2.000 Slowenen. Nach dem<br />
Zweiten Weltkrieg wanderten noch 20.000<br />
bis 25.000 politische und Wirtschaftsemigranten<br />
nach Übersee aus. Dazu sind noch 80.000<br />
242<br />
bis 100.000 Slowenen hinzuzuzählen,<br />
die in den 60er und 70er<br />
Jahren des vorigen Jahrhunderts<br />
im Zuge des „Wirtschaftswunders“<br />
in den westeuropäischen<br />
Staaten einen höheren Verdienst<br />
und ein besseres Leben suchten.<br />
Im Jahre 1972 arbeiteten in<br />
Westeuropa 72.000 Slowenen.<br />
Einige von ihnen kehrten wieder<br />
zurück in die Heimat, viele<br />
aber blieben.<br />
Das TV-Team aus Maribor, das<br />
schon oft in Laafeld/Potrna beim Artikel-VII-Kulturverein<br />
zu Besuch war, auch als dieser slowenische<br />
Auswanderer aus verschiedenen Überseestaaten<br />
zu Gast hatte, besuchte die Slowenen<br />
in aller Welt. Diesmal möchten wir die Eindrücke<br />
von unseren Besuchen in den USA, Kanada,<br />
Südamerika und Australien zusammenfassen.<br />
In den USA siedelten sich die meisten Slowenen<br />
im US-Staat Ohio und hier vor allem in<br />
Cleveland an, das man sogar die zweitgrößte<br />
slowenische Stadt, gleich nach Ljubljana,<br />
nannte. Dort gibt es 13 slowenische Pfarrgemeinden<br />
und 14 Kulturhäuser. In den USA<br />
leben viele Slowenen, die auf verschiedenen<br />
Gebieten erfolgreich sind. Im Jahre 1990 besaßen<br />
738 Personen slowenischer Herkunft ein<br />
Doktorat der Wissenschaften. Auch Amerikaner<br />
kennen Slowenen wie Fridrik Baraga, Luis<br />
Adamič, Frank Lausche, James Oberstar, George<br />
Voinovič (die drei Letzteren sind Politiker)<br />
und den Astronauten Ronald Šega. In der breiten<br />
Öffentlichkeit weniger bekannt sind viele<br />
slowenischen Ärzte, Wissenschaftler, Professoren<br />
und Unternehmer. In Cleveland trafen wir<br />
Joe Valenčič, der einen Artikel oder ein Buch
über die bedeutendsten Slowenen in der amerikanischen<br />
Unterhaltungsindustrie schreibt.<br />
Er führte uns einen von ihm gedrehten Dokumentarfilm<br />
über das Leben der Slowenen in<br />
Cleveland, das über ein reiches und vielfältiges<br />
kulturelles Angebot verfügt, vor.<br />
Aus Cleveland führte uns der Weg nach Toronto,<br />
die Hauptstadt der kanadischen Provinz<br />
Ontario, wo die Mehrzahl der 20.000 in<br />
Kanada lebenden Slowenen wohnt. Dort gibt<br />
es 18 slowenische Vereine, Klubs und Kulturhäuser.<br />
Wir waren im Haus des slowenischen<br />
Kulturvereins Lipa zu Gast, wo man einen slowenischen<br />
Abend mit Folkloretänzen und einem<br />
Abendessen mit Köstlichkeiten aus der<br />
ehemaligen Heimat (u. a. die slowenische potica<br />
[Potitze]) organisierte. Unter den zahlreichen<br />
Slowenen, die die verschiedensten Berufe<br />
ausüben, war John Letnik aus Lenart aus den<br />
Slovenske Gorice eine der interessantesten Persönlichkeiten.<br />
Er überführte ein ausgedientes<br />
Passagierschiff aus Jugoslawien in den Hafen<br />
von Toronto und baute es zu einem Restaurant<br />
um, das heute von vielen angesehenen Gästen<br />
besucht wird. Vor drei Jahren stattete auch der<br />
mehrfache Olympiamedaillengewinner Leon<br />
Štukelj dem Restaurant einen Besuch ab. Vorher<br />
besuchte er noch einige slowenische Kulturhäuser<br />
und auch die slowenischen Arbeiter<br />
in der Chrysler-Autofabrik, wo man ihm einen<br />
herzlichen Empfang bereitete.<br />
Südamerika öffnet seine Pforten. Vor der<br />
Wende zum 20. Jahrhundert wanderten Slowenen<br />
in großer Zahl auch nach Brasilien<br />
und Argentinien aus. Argentinien begann ab<br />
1876 mit der systematischen Kolonisation seines<br />
Staatsgebietes und warb zu diesem Zweck<br />
bäuerliche Bevölkerung aus Europa an. Die<br />
Slowenen reisten von Triest aus nach Brasili-<br />
Slowenen in der Welt<br />
en und Argentinien. Dieser Trend setzte sich<br />
noch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs<br />
fort, als Argentinien mehr als 6.000 politische<br />
Flüchtlinge aufnahm. In Argentinien ist der<br />
Unterricht der slowenischen Sprache so gut organisiert,<br />
dass die dort lebenden Slowenen, vor<br />
allem die in Buenos Aires, wo die meisten slowenischen<br />
Einwanderer leben, über sehr gute<br />
Slowenischkenntnisse verfügen. In der argentinischen<br />
Hauptstadt ist schon seit über 50 Jahren<br />
die Slovenska kulturna akcija (Slowenische<br />
Kulturaktion), die Intellektuelle unterschiedlicher<br />
politischer Ausrichtungen vereinigt, sehr<br />
aktiv. Der Kulturverein gibt die literarische<br />
Zeitschrift Meddobje heraus und organisiert<br />
eine Malschule, die anfänglich von der akademischen<br />
Malerin Bara Remec geleitet wurde.<br />
Heute sind dort viele Künstler tätig. Wir besuchten<br />
den Bildhauer Marjan Grum, der seine<br />
Kunstwerke aus Eisen in der ganzen Welt, vor<br />
allem in Japan, verkauft. Er sagte im Scherz<br />
zu uns: „Die Japaner haben so viele Skulpturen<br />
von mir gekauft, dass sich ihre größte Insel<br />
Kyushu wahrscheinlich schon um den einen<br />
oder anderen Zentimeter abgesenkt hat.“<br />
Sein Haus hat er in eine Kunsthalle umgestaltet,<br />
die heute von zahlreichen Kunstliebhabern<br />
aus Argentinien und anderen Staaten der Welt<br />
besucht wird. Eine der letzten Ausstellungen<br />
hieß „Luč, barve, gibanje“ (Licht, Farben, Bewegung),<br />
die er mit Installationen zum Kampf<br />
gegen Drogen untermalte, die im bekannten<br />
Viertel Boce, in dem Grum wohnt, ein großes<br />
Problem darstellen.<br />
Über die Anden nach Mendoza. Mein Kameramann<br />
und ich flogen anschließend nach<br />
Santiago de Chile, wo etwa 100 slowenische<br />
Familien leben. Da sie in keinem Klub oder<br />
Verein organisiert sind, treffen sie sich bei<br />
243
Slowenen in der Welt<br />
sich zu Hause und schwelgen in Erinnerungen<br />
an die Heimat ihrer Eltern, die überwiegend<br />
vor und nach dem Zweiten Weltkrieg<br />
aus dem Küstenland (Primorska) nach Chile<br />
gekommen sind. Zu ihnen zählt auch Angelo<br />
Kovačič, der aus einem slowenischen Dorf<br />
in der Nähe von Triest stammt. Bereits seit 40<br />
Jahren besitzt er sein eigenes Unternehmen in<br />
Santiago. Wir besuchten auch den aus Sevnica<br />
stammenden Juwelier Jože Helmlinger, der<br />
mit seinem Sohn im Zentrum der Hauptstadt<br />
ein schönes Juweliergeschäft betreibt. Die slowenischen<br />
Auswanderer empfahlen uns, den<br />
malerischen Weg von Santiago über die Anden<br />
in das argentinische Mendoza zu nehmen, wo<br />
rund 500 Slowenen leben. Wir befolgten ihren<br />
Rat und erreichten nach einer sechsstündigen<br />
Taxifahrt die Stadt des Weines und der Sonne,<br />
wie Mendoza häufig genannt wird. Die slowenische<br />
Kolonie besitzt ein schönes Kulturhaus<br />
mit einem Saal für verschiedene Veranstaltungen.<br />
Auch eine slowenische Schule, ein Chor<br />
und andere kulturelle Aktivitäten sind gut<br />
organisiert. In Mendoza trafen wir die Brüder<br />
Bajuk (den Architekten Božidar und den<br />
Chirurgen Jurij), die neben der Familie Bajda<br />
eine der bekanntesten Familien in der slowenischen<br />
Gemeinschaft von Mendoza sind. Ihr<br />
Bruder Andrej ist heute slowenischer Finanzminister<br />
war zuvor Premierminister.<br />
Martin Bajda, leitet ein Unternehmen, das<br />
die größten Fässer in Argentinien mit bis zu<br />
10.000 Litern Fassungsvermögen herstellt. Vor<br />
kurzem stellte sein Betrieb für das Guinessbuch<br />
der Rekorde einen 300.000 Liter fassenden<br />
Holzbottich her.<br />
In Brasilien leben 1.000 Slowenen. Neben Argentinien<br />
war Brasilien ein weiteres Auswanderungsziel<br />
armer slowenischer Bauern. Auch<br />
244<br />
nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten viele<br />
Slowenen in das südamerikanische Land, diese<br />
waren aber zum Unterschied zu den politischen<br />
Flüchtlingen in Argentinien zumeist<br />
Wirtschaftsemigranten. Die Mehrheit von<br />
ihnen lebt in Sao Paolo und arbeitet dort als<br />
selbständige Unternehmer. Auch sie haben<br />
keinen eigenen Klub, aber die so genannte Gemeinschaft<br />
der Slowenen in Brasilien, die etwa<br />
200 Familien zählt, organisiert – wie in Chile<br />
– Treffen bei verschiedenen Familien zu Hause.<br />
Zu den bekanntesten Slowenen in diesem<br />
Land zählen die Mitglieder der Familie Hlebanja<br />
aus Oberkrain (Gorenjska). Der vor kurzem<br />
verstorbene Janez war der erste aus der<br />
Familie, der nach Brasilien gekommen ist. Ihm<br />
folgte sein Bruder Federico, der jetzt die große<br />
Metallfabrik DRAVA besitzt. Sein Sohn Branko<br />
ist ebenfalls ein erfolgreicher Unternehmer.<br />
Eine interessante Persönlichkeit ist auch der<br />
Graphiker Peter Slavec, der zudem der bekannteste<br />
Höhlenforscher des Land ist.<br />
Auch in Belo Horizonte treffen wir Slowenen.<br />
Die bekannteste Familie in dieser Stadt ist die<br />
Familie Šalej. Ana Šalej ist Besitzerin eines<br />
Reisebüros und slowenische Honorarkonsulin.<br />
Ihr Bruder Bogdan, ein Unternehmer und<br />
Journalist, war sogar ein Kandidat für den Posten<br />
des brasilianischen Wirtschaftsministers.<br />
Sein Unternehmen wurde vor allem durch die<br />
Beleuchtung der Christusstatue auf dem Berg<br />
Corcovado in Rio de Janiero bekannt.<br />
Auf einem slowenischen Picknick in Venezuela.<br />
Während unseres Südamerika-Trips<br />
besuchten wir noch die slowenische Gemeinschaft<br />
in Maracay in Venezuela. In diesem<br />
Staat schufen sich rund 700 Slowenen ihre<br />
neue Heimat. Sie treffen sich einmal jährlich<br />
zu einem Picknick bei Tanz und Unterhaltung.
So war es auch diesmal, als rund 400 Slowenen<br />
zum See von Valencia kamen. Der bekannteste<br />
Slowene ist hier der Unternehmer<br />
Ivan Jerak, der vier kleinere Fabriken besitzt.<br />
Die erfolgreichste davon ist die Fabrik für Küchenspülbecken,<br />
die in ganz Lateinamerika<br />
verkauft werden. In Venezuela leben auch einige<br />
slowenische Künstler, darunter der Fotograf<br />
Jože Srša und die Malerin und Restauratorin<br />
Karolina Koglot.<br />
Es ist schwierig, in einem kurzen Aufsatz ein<br />
ganzheitliches Bild der Slowenen in Südamerika<br />
zu vermitteln, doch eines muss noch erwähnt<br />
werden: die Gemeinschaft der Auswanderer<br />
aus dem Übermurgebiet (Prekmurje)<br />
Transmurana in Uruguay zählt ungefähr 100<br />
Slowenen aus der slowenischen Region Pomurje,<br />
die in Montevideo ihren eigenen Klub haben.<br />
Und jetzt noch ein Sprung nach Bolivien.<br />
Die bekanntesten Slowenen sind hier der<br />
Abenteurer Pavel Šimac aus Nova Gorica und<br />
die akademische Malerin Ejti Štih. Pavel Šimac<br />
hackt dort schon seit 45 Jahren Holz und heilt<br />
die Indianer im Dschungel von Bolivien. Über<br />
sein abenteuerliches Leben – er war auch Goldgräber<br />
und Jäger – schrieb er drei Bücher, die<br />
auch in Slowenien erschienen sind. Ejti Štih<br />
stellt ihre Werke auf der ganzen Welt – im Jahre<br />
2003 in Ljubljana und Maribor – aus. Die in<br />
ganz Lateinamerika anerkannte Malerin lebt<br />
schon 25 Jahre in Bolivien.<br />
Slowenische Juwelen in Tasmanien. Am<br />
Ende dieses kurzen Besuches bei den slowenischen<br />
Auswanderern in Übersee machen wir<br />
noch einen Abstecher nach Australien. Heute<br />
leben rund 25.000 Einwanderer slowenischer<br />
Abstammung auf den Kontinent. Die ersten<br />
Slowenen kamen in den 20er Jahren des vorigen<br />
Jahrhunderts, doch leider blieben nur we-<br />
Slowenen in der Welt<br />
nige Spuren von ihrem damaligen Leben und<br />
Wirken erhalten. Größere slowenische Gemeinschaften<br />
findet man in Melbourne, Sydney<br />
und Adelaide, kleinere in Perth, Brisbane<br />
bzw. Gold Coast, Canberra, Geelong, Albury-Wodonga,<br />
Newcastle und in Hobard auf<br />
der Insel Tasmanien. In diesen Städten gibt es<br />
mehrere slowenische Vereine, von denen fast<br />
jeder ein eigenes Kulturheim besitzt. Slowenische<br />
religiöse Zentren mit Kirchen und Sälen,<br />
die die Slowenen in ihrer Freizeit selbst gebaut<br />
haben, findet man in Sydney, Adeleida und<br />
Melbourne. In diesem großen Land leben und<br />
arbeiten viele bedeutende Slowenen, doch leider<br />
steht zu wenig Platz zur Verfügung, um sie<br />
alle aufzuzählen. Deshalb erwähnen wir nur<br />
zwei Sloweninnen, die wir auf der Insel Tasmanien,<br />
besuchten.<br />
Anka Makovec, die früher als Krankenschwester<br />
tätig war und aus dem Küstenland (Primorska)<br />
stammt, lebt schon seit über 40 Jahren in<br />
der kleinen Stadt Devenport. Die ganzen Jahre<br />
setzte sie sich auch für den Umweltschutz<br />
ein. Die Australier lernten sie im Jahre 1985<br />
kennen, als sie zusammen mit einigen Gleichgesinnten<br />
verhinderte, dass am schönen Fluss<br />
Gordon ein Wasserkraftwerk errichtet wurde.<br />
Diese lieferten sie sich Auseinandersetzungen<br />
mit der Polizei, ketteten sie sich an Planierraupen<br />
fest und hatten schließlich mit Hilfe von<br />
TV-Bildern, die durch ganz Australien gingen,<br />
Erfolg. Das Wasserkraftwerk wurde nicht gebaut,<br />
wofür ihr die Einheimischen am Gordon-Fluss<br />
heute noch sehr dankbar sind.<br />
Die zweite auf der Insel lebende Slowenin ist<br />
Daniela Hliš. Sie errichtete in der kleinen Stadt<br />
Bisheno an der Westküste von Tasmanien die<br />
Feriensiedlung Hydeway, die von Touristen aus<br />
der ganzen Welt besucht wird. Mit der Siedlung,<br />
die im Einklang mit der Natur errichtet<br />
245
Slowenen in der Welt<br />
wurde, schuf Daniela Hliš ein idyllisches Ferienparadies.<br />
Darüber hinaus widmet sie sich der<br />
Poesie. Sie hat bereits drei Gedichtssammlungen<br />
herausgegeben, zwei davon in englischer<br />
und eine in slowenischer Sprache und veröffentlicht<br />
ihre Gedichte auch in verschiedenen<br />
Literaturzeitschriften. Wir besuchten die beiden<br />
Sloweninnen und drehten den Dokumentarfilm<br />
„Zwei Tasmanische Juwelen“.<br />
Man könnte unter den Slowenen in der Welt<br />
noch viele solcher Juwelen finden, die auf so<br />
unterschiedlichen Gebieten erfolgreich sind.<br />
Alles was man braucht ist Zeit, um sie zu entdecken…<br />
246<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Marjan Šrimpf<br />
Na RTV Slovenija (Televizija Slovenija – Studio<br />
Maribor) je redno zaposlen 34 let. Dela kot<br />
novinar-komentator in spremlja gospodastrvo<br />
in politiko. Za svojo dušo pa potuje tudi po<br />
svetu in snema filme ter reportaže o<br />
Slovencih, ki živijo na tem lepem našem modrem<br />
planetu (če ga gledamo iz vesolja). 5 let je bil<br />
tudi urednik oddaje Slovenci po svetu in<br />
Naši na tujem, ki je tekla na 1. sporedu TV<br />
Slovenija in kasneje na TV Maribor. V oddajah smo<br />
predstavili prek 1000 naših izseljencev iz<br />
prekomorskih držav in zdomcev iz Zahodne<br />
Evrope. Govorili smo tudi o manjšinah in<br />
pripravljali okrogle mize v studiu na temo:<br />
SLOVENCI PO SVETU.<br />
Poleg oddaja o Slovencih po svetu je bil v<br />
40-tih državah, je posnel in objavil tudi 18<br />
dokumentarnih filmov (30 minutnih), ki so bili<br />
na sporedu TV Slovenija. Zadnja dva v letu<br />
2005: “Dežela dolgega belega oblaka” (govori<br />
o Novi Zelandfiji) in Vizija Vide Vidmar (portret<br />
zdravilke -Slovenke iz Ilheusa v brazilski zvezni<br />
državi Bahia) sta dobili tudi VIKTORJA- to je<br />
najvišje priznanje revije STOP, ki ocenjuje TV<br />
program v državi kot najboljša dosežka minulega<br />
tedna. – Seit 34 Jahren bei RTV Slovenija<br />
(Slowenischer Rundfunk) beschäftigt, arbeitet<br />
er als Journalist und Kommentator und verfolgt<br />
Wirtschaft und Politik. Zur eigenen Freude reist<br />
er durch die ganze Welt und dreht Filme und<br />
Reportagen über die Slowenen, die auf diesem<br />
unserem schönen blauen Planeten Erde leben.<br />
Er war fünf Jahre lang Redakteur zweier Sendungen:<br />
Slovenci po svetu (Slowenen in der<br />
Welt) und Naši na tujem (Landsleute in der<br />
Fremde), wobei die letztgenannte zuerst beim<br />
nationalen Sender TV Slovenija I und später<br />
beim Regionalsender TV Maribor ausgestrahlt<br />
wurde. In mehreren Sendungen wurden mehr<br />
als 1.000 Auswanderer in Überseeländern und<br />
Gastarbeiter in Westeuropa vorgestellt. Wir<br />
sprachen auch über die Minderheiten, und im<br />
Studio wurden Gespräche am Runden Tisch<br />
zum Thema Slowenen in der Welt organisiert.<br />
Neben der Sendung „Slowenen in der Welt“<br />
besuchte er 40 Länder und veröffentlichte 18<br />
(30-minütige) Dokumentarfilme, die beim TV<br />
Slovenija I ausgestrahlt wurden. Die letzten<br />
zwei Dežela dolgega belega oblaka – Das Land<br />
der langen weißen Wolke (über Neuseeland)<br />
und Vizija Vide Vidmar – Die Vision der Vida<br />
Vidmar (das Portrait einer slowenischen Heilpraktikerin<br />
aus Ilheus im brasilianischen Bundesland<br />
Bahia), wurden im Jahr 2005 gezeigt<br />
und bekamen den VIKTOR-Preis, die höchste<br />
Auszeichnung der Zeitschrift STOP, die das<br />
slowenische TV Programm beurteilt und die<br />
Spitzenleistungen des vergangenen Jahres<br />
prämiiert.
Und sie bewegt sich doch …<br />
Grenzüberschreitende Nachbarschaftspolitik anhand der Region Leutschach<br />
� Text: Heinz Wassermann<br />
Und sie bewegt sich doch …<br />
Als der Autor vor einigen Jahren im Zusammenhang mit einem Forschungsauftrag die Geschichte<br />
von vier südsteirischen Gemeinden – Eichberg-Trautenburg, Glanz an der Weinstraße, Leutschach<br />
und Schloßberg – recherchierte, 1 bekam er den durchaus wohlmeinenden Ratschlag: „Machen Sie<br />
mir hier keinen Krieg!“ Dass sich Zeithistoriker grundsätzlich auf vermintem Gebiet bewegen, ist<br />
an sich nicht neu. Zumeist ist damit aber die Nazi-Zeit gemeint; das war zwar auch in diesem Falle<br />
mit gemeint, „erschwerend“ kam jedoch hinzu, dass Teile der Region Leutschach 2 sowohl nach 1918<br />
als auch nach 1945 vom SHS-Staat bzw. Jugoslawien als slowenisches Territorium beansprucht<br />
wurden.<br />
Als der Verfasser im Rahmen einer Lehrveranstaltung der FH-Joanneum vor Ort Recherchen für ein<br />
Videoprojekt anstellte, meinte ein – durchaus wohl gesinnter – Gemeindebediensteter sinngemäß:<br />
„Aber das Slowenische betonen Sie nicht allzu sehr.“<br />
Somit ist ein zweites Konfliktfeld, die zumindest partielle „slowenische Vergangenheit“ von zwei<br />
Gemeinden, nämlich von Glanz an der Weinstraße und von Schloßberg, benannt.<br />
Man kann also von zwei (historischen) „Verwerfungen“ ausgehen: Zum einen die Problematik der<br />
Grenzziehung, einschließlich zeitlich begrenzter Besetzungen durch jugoslawische Truppen, zum<br />
anderen eine partielle „slowenisch(sprachig)e Vergangenheit“, die im Zuge von Assimilationsprozessen<br />
nach 1918 zunehmend liquidiert wurde, teilweise – wie noch weiter unten gezeigt werden<br />
wird – aber durchaus noch historisch relevant ist.<br />
Grenzstreitigkeiten – Grenzziehung – Grenzübergriffe und Grenzland. Dass sich die Habsburgermonarchie<br />
mit Ende des Ersten Weltkriegs – nicht ausschließlich, aber nicht zuletzt auf Grund<br />
des Beharrens des „deutschen Elementes“ auch auf künftige Dominanz – auflöste, darf als bekannt<br />
vorausgesetzt werden. 3<br />
Im November 1918 kam es zwischen der Republik Deutsch-Österreich und dem sich konstituierenden<br />
südslawischen Staat zu einem ersten Übereinkommen, das vor allem wirtschaftliche Belange<br />
regelte. In diesem wurde auch festgelegt, dass die künftige Grenzziehung Thema der kom-<br />
247
Und sie bewegt sich doch …<br />
Der Friedhof von Sv. Duh/Heiligengeist<br />
2003 – Pokopališče v Sv. Duhu/<br />
Heiligengeist, 2003<br />
menden Friedensverhandlungen sein werde.<br />
Was diesen Punkt betraf, war das Abkommen<br />
das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben<br />
stand. „Noch vor dem am 3. November 1918<br />
zwischen Österreich-Ungarn und der Entente<br />
[…] geschlossenen Waffenstillstand hatte General<br />
Majster [sic!] mit seinen südslawischen<br />
Truppen am 1. November die Stadt Marburg<br />
besetzt. Am 25. November erfolgte die Besetzung<br />
von Spielfeld und am 1. Dezember jene<br />
von Radkersburg. Nach der Einnahme Murecks<br />
am 3. und Halbenrains am 7. Dezember<br />
sowie einiger weiterer Ortschaften kontrollierten<br />
die Südslawen praktisch bereits die Murlinie<br />
sowie vor allem auch die zwischen Spielfeld<br />
und Radkersburg verlaufende Bahn.“ 4<br />
Anfang Dezember erfolgte auch die Besetzung<br />
der Region Leutschach (allerdings ohne die im<br />
Norden gelegene Gemeinde Eichberg-Trautenburg).<br />
Am 14. Jänner 1919 unternahm die Deutsche<br />
Volkswehr einen „überfallsartigen Angriff<br />
auf die Besatzungstruppen. […] Rings um den<br />
Markt wurde gleichzeitig das Feuer eröffnet.<br />
[…] Nach 4-stündiger heftiger Beschießung<br />
kam es durch Vermittlung zweier Parlamentäre<br />
zur Einstellung des Feuers.“ 5 Im Rahmen<br />
dieses lokalen Scharmützels fand auch der unbeteiligte<br />
Postbeamte Alois Huber den Tod.<br />
Der Angriff auf Leutschach war ein<br />
248<br />
Quelle: Wasserm./Vg. Classic<br />
Quelle: Štajerski deželni arhiv/Stmk. Landesarchiv<br />
Zeitgenössische Darstellung der jugoslawischen<br />
Gebietsforderungen<br />
nach 1945 – Sočasne predstavitve<br />
jugoslovanskih ozemeljskih zahtev po<br />
letu 1945<br />
Am 20. April 1992 fand erstmals der<br />
gemeinsame „Georgiritt“ statt. – 20.<br />
aprila 1992 so prvič pripravili skupno<br />
konjeniško prireditev ob Jurijevem.<br />
Mosaikstein(chen) des zunehmenden Widerstandes<br />
gegen die südslawische Besatzung,<br />
der diese in zunehmendem Maße unter Druck<br />
setzte, sodass am 14. Februar 1919 Demarkationslinien<br />
festgelegt wurden.<br />
In diesem Zusammenhang ist vor allem die<br />
Entwicklung in Kärnten im Auge zu behalten,<br />
wo der Widerstand wesentlich massiver<br />
– wenngleich letztlich militärisch ebenfalls<br />
erfolglos – war. Für die vier Rebenlandgemeinden<br />
bedeutete dieses Abkommen die vorläufige<br />
Teilung. „Im Bereich der Region Leutschach<br />
verlief die südliche Demarkationslinie in einem<br />
Halbkreis von einem Kilometer südlich<br />
um den Markt. Die deutschösterreichische Demarkationslinie<br />
verlief hingegen am Nordrand<br />
der Region. Damit lagen die fast ausschließlich<br />
deutschsprachigen Gemeinden Leutschach und<br />
Eichberg-Trautenburg zur Gänze in der neutralen<br />
Zone. […] Die Gemeinden Glanz und<br />
Schlossberg lagen jedoch zum Großteil innerhalb<br />
der südlichen Demarkationslinie und waren<br />
auch in zivilen Belangen dem SHS-Staat<br />
untergeordnet. […] Bis zum 20. Februar hatten<br />
die Besatzungstruppen den Markt Leutschach<br />
zu räumen. […] Doch die Teilung der Region<br />
Leutschach sollte noch die nächsten eineinhalb<br />
Jahre andauern.“ 6<br />
Auf der Pariser Friedenskonferenz wurden die<br />
Quelle: Chronik der Gemeinde Glanz/Verlag Classic
Grenzen mit der Tschechoslowakei, Ungarn,<br />
Italien und mit dem SHS-Staat gezogen. Für<br />
die Steiermark bedeutete dies den Verlust von<br />
einem Drittel seiner Bewohner und seines Territoriums.<br />
Vorerst umfassten die jugoslawischen<br />
Gebietsforderungen „fast die gesamte<br />
Region Leutschach und darüber hinaus Radkers-<br />
Und sie bewegt sich doch …<br />
Zwischen jugoslawischen und österreichischen Vorstellungen hinsichtlich des Grenzverlaufs bestanden erhebliche Auffassungsunterschiede. – Med<br />
jugoslovanskimi in avstrijskimi predstavami glede poteka meje je bilo mnogo bistvenih razhajanj.<br />
burg, Halbenrain, Purkla, Mureck, Straß, Ehrenhausen<br />
und Eibiswald. […] Anfang März<br />
wurden auf der Territorialkonferenz der Friedenskonferenz<br />
die Forderungen des SHS-Staates<br />
im Bereich der Steiermark erörtert. Dabei<br />
mußten die slowenischen Vertreter zu ihrem<br />
Erschrecken feststellen, daß in der Kommissi-<br />
249<br />
Quelle: A. Suppan 1989/Verlag Classic
Und sie bewegt sich doch …<br />
Das Bad Gleichenberger Abkommen zwischen Österreich und Jugoslawien erleichterte den Grenzübertritt wesentlich. – Sporazum iz Bad<br />
Gleichenberga med Jugoslavijo in Avstrijo je bistveno olajšal prehajanje državne meje.<br />
on die Tendenz vorherrschte, den Vorschlägen<br />
der […] amerikanischen Kommission folgend,<br />
das Drautal südlich von Leutschach als ,beste<br />
natürliche Grenze’ festzulegen. Außerdem hielt<br />
die amerikanische Kommission fest, daß selbst<br />
die Bewohner des südlichen Drautals nichts<br />
von Jugoslawien wissen wollten.“ Die im Laufe<br />
der Verhandlungen reduzierten Gebietsforderungen<br />
sparten den Markt Leutschach aus.<br />
„Dadurch wären zumindest wenigstens die<br />
überwiegend slowenischsprachigen Teile der<br />
Gemeinden Schloßberg und Glanz an den<br />
SHS-Staat gefallen. […] Im Gegensatz dazu<br />
bestimmte der Oberste Rat, einem Vorschlag<br />
der Territorialkommission folgend, jedoch die<br />
Wasserscheide von der Kärntner Grenze bis<br />
Heiligen Geist als künftige Grenze. Von dort<br />
bis zur Mur sollte die Grenze dann entlang der<br />
bisherigen Grenzlinie der politischen Bezirke<br />
Leibnitz und Marburg verlaufen. […] Dieser<br />
Passus sollte auch in den endgültigen Friedens-<br />
250<br />
vertrag übernommen werden.“ 7 Das bedeutete,<br />
dass die vier Rebenlandgemeinden – abgesehen<br />
von der Kirche von Hl. Geist und eines kleinen<br />
Teils der Katastralgemeinde Schloßberg – bei<br />
Österreich verbleiben sollten.<br />
Im Zuge der endgültigen Grenzziehung (ab<br />
Dezember 1920) kam es noch zu geringfügigen<br />
Korrekturen. „Insgesamt wurden im<br />
Grenzabschnitt Hl. Geist–Spielfeld 585,8 Hektar<br />
an den SHS-Staat abgetreten, wovon allein<br />
583,2 Hektar auf den südlichen Teil von Großwalz<br />
entfielen. Dafür wurden 514,2 Hektar<br />
Territorium gewonnen. Da Österreich damit<br />
jedoch eine karge Gebirgslandschaft gegen ein<br />
reiches Weinbaugebiet eintauschte, in dem viele<br />
Österreicher Überlandbesitz hatten, wurde<br />
dieser Tausch seitens des Länder-Zentralbüros<br />
als vorteilhaft angesehen. […] Die Begeisterung<br />
auf regionaler Ebene (Gemeindevorstand<br />
von Schloßberg, Bezirksausschuß von Arnfels)<br />
hielt sich jedoch in Grenzen.“ 8 Im Gegen-<br />
Quelle: Wassermann/Verlag Classic
satz zum östlichen Teil der Region Leutschach<br />
war die Grenzziehung im westlichen Teil umstrittener.<br />
Konkret ging es um die Kirche, den<br />
Friedhof und die Schule von Hl. Geist. Am 8.<br />
Juli 1921 fasste die Interalliierte Grenzkommission<br />
den Beschluss, „daß im fraglichen Grenzabschnitt<br />
die Wasserscheidegrenze gelte. Zehn<br />
der durch die Grenze zerschnittenen Gehöfte<br />
wurden Österreich zugewiesen, fünf fielen<br />
an Jugoslawien. Bezüglich des Friedhofs von<br />
Hl. Geist wurde weiters entschieden, daß er<br />
an den SHS-Staat falle, doch hätten die österreichischen<br />
Bewohner das Recht, ihn zu besuchen<br />
und ihre Toten in einem bestimmten<br />
Abschnitt zu bestatten.“ 9 Die Volksschule verblieb<br />
bei Österreich und wurde 1944, weil sie<br />
der Gestapo als Stützpunkt gedient hatte, von<br />
Partisanen gesprengt.<br />
Somit wurde in diesem Bereich die Südgrenze<br />
am 1. November 1921 endgültig festgelegt; mit<br />
diesem Datum waren die ausgetauschten Gebiete<br />
von der jeweils anderen Seite zu räumen.<br />
Daraus folgte auch der Status der „Doppelbesitzer“,<br />
also jener Bauern, die Grund und Boden<br />
dies- und jenseits der Grenze hatten. Am 23. Februar<br />
1922 wurde zwischen der Republik Österreich<br />
und dem südslawischen Staat eine Regelung<br />
bezüglich des „kleinen Grenzverkehrs“<br />
getroffen, von dem im Bezirk Leibnitz 147 Besitzer<br />
profitieren sollten (umgekehrt verfügten<br />
47 Jugoslawen auf österreichischem Territorium<br />
über Grundbesitz). 10 Einer Erhebung von<br />
Studenten der Universität Graz aus dem Jahre<br />
1939 zufolge besaßen jugoslawische Bauern<br />
in der Gemeinde Glanz 33,85 und in der Gemeinde<br />
Schloßberg 26,63 Hektar; Grundbesitzer<br />
aus der Gemeinde Glanz bewirtschafteten<br />
63,16, aus Schloßberg 10 Hektar 11 in Jugoslawien.<br />
Christian Promitzer fasst das Verhalten der<br />
südslawischen (Besatzungs)Truppen zwischen<br />
Und sie bewegt sich doch …<br />
1919 und 1921 treffend mit „Behinderungen<br />
und Drangsalierungen“ 12 zusammen. Anfang<br />
Jänner 1919 schrieb die nach Arnfels geflüchtete<br />
Schloßberger Gemeindeführung an die Landesregierung,<br />
dass nunmehr „die slowenischen<br />
Truppen in Leutschach den wirtschaftlichen<br />
Verkehr mit Deutschösterreich abgesperrt<br />
[haben], sodass die Gemeinden Leutschach,<br />
Schlossberg und Glanz von Deutschösterreich<br />
nichts mehr bekommen, der Zuschub<br />
von Mehl, Zucker, Petroleum, Tabak u.s.w. hat<br />
aufgehört, aber auch vom jugoslawischen Staate<br />
ist ein Zuschub umso weniger zu erwarten,<br />
da die Abstimmungsergebnisse uns die Südslawen<br />
noch mehr zu Feinden gemacht haben.“ 13<br />
Tatsächlich versuchte die jugoslawische Seite,<br />
mit Lebensmittellieferungen positive Stimmung<br />
für sich zu erzeugen; wer sich den Verlockungen<br />
widersetzte, ging dementsprechend<br />
leer aus. Hausdurchsuchungen standen ebenso<br />
an der Tagesordnung wie Requirierungen,<br />
Schikanen beim Schul- beziehungsweise, Kirchenbesuch,<br />
die Verweigerung ärztlicher Hilfe,<br />
Misshandlungen und Übergriffe mit teilweise<br />
tödlichen Folgen. 14 Allerdings handelte es sich<br />
nicht bei allen „Übergriffen“ auch tatsächliche<br />
um solche, sondern um übliche Kontrollen,<br />
ungeachtet dessen, ob die Grenze nun fix<br />
gezogen oder eben nur eine Demarkationslinie<br />
war. In diesem Zusammenhang ist darüber hinaus<br />
zu bedenken, dass am „4. April 1919 […]<br />
die Demarkationslinie von den jugoslawischen<br />
Organen geschlossen wurde, um das Einsickern<br />
von Schmugglern und feindlichen Agenten<br />
nach Jugoslawien zu verhindern.“ 15<br />
Eine Folge der Grenzziehung nach dem Ersten<br />
Weltkrieg bestand darin, dass sich beiderseits<br />
der Grenze – in den Bezirken „Leibnitz,<br />
Radkersburg, Luttenberg/Ljutomer und Marburg/Maribor<br />
– eine ,tote Grenze’ herausbilde-<br />
251
Und sie bewegt sich doch …<br />
Grenzstein, aufgenommen<br />
im Gebiet<br />
Großwalz / Sv. Duh<br />
Mejni – kamen,<br />
posnet v okraju<br />
Großwalz / Sv. Duh<br />
te. Das Land war ein Randgebiet geworden, an<br />
dem die schrittweise Modernisierung der folgenden<br />
Jahre weitgehend vorbeiging.“ 16 Konkret<br />
bedeutete dies, dass für den Grenzgürtel<br />
– und damit auch für die vier Rebenlandgemeinden<br />
– das Fehlen bedeutender Zentren, lange<br />
Wege in den Grazer Zentralraum, eine hohe<br />
Agrarquote und agrarischer Nebenerwerb, unterdurchschnittliche<br />
Betriebsgrößen, stark von<br />
außen abhängige Betriebe, unterdurchschnittliche<br />
Einkommen und ein hohes Maß an Tages-<br />
oder Wochenpendlern typisch waren – ein<br />
Umstand, der auch heute noch Gültigkeit hat.<br />
Darüber hinaus ist auf die Tatsache zu verweisen,<br />
dass die neue Grenze in den Köpfen der<br />
Menschen zu keinem Zeitpunkt akzeptiert<br />
wurde. Das mag vor allem darin begründet gewesen<br />
sein, dass durch die in Saint Germain<br />
festgelegte Grenze die ursprüngliche verkehrsgeographische<br />
und wirtschaftliche Ausrichtung<br />
nach Maribor durchtrennt worden war.<br />
Eine Konsequenz bestand in regem Schmuggel,<br />
der quasi als Notwehrmaßnahme betrachtet<br />
wurde. 17<br />
Über den Überfall Nazi-Deutschlands auf Jugoslawien<br />
berichtet die Schulchronik von Langegg:<br />
„Große Wehrmachtseinheiten stehen in<br />
Bereitschaft in unmittelbarer Nähe zur Staats-<br />
252<br />
Quelle: Wassermann/Verlag Classic<br />
Das Gedenkkreuz<br />
für den am 14.<br />
Jänner 1919 erschossenen<br />
Alois<br />
Haas – Spominski<br />
križ za 14. januarja<br />
1919 ustreljenega<br />
Aloisa Haasa<br />
Quelle: Wassermann/Verlag Classic<br />
Einladung zum grenzüberschreitenden<br />
LFI-Projekt „Ländlicher<br />
Raum woher<br />
– wohin?“, 1992 – Povabilo<br />
k čezmejnemu<br />
LFI-projektu Krajinski<br />
prostor od kod-kam?,<br />
1992<br />
Quelle: Chronik d. Gem. Glanz/Verlag Classic<br />
Der Gedenkstein für die Partisanen<br />
der „Abteilung Lacko“ in Sv. Duh / Hl.<br />
Geist – Spominski kamen za partizane<br />
Lackovega odreda v Sv. Duhu / Hl.<br />
Geist<br />
grenze. Am 6. April 1941 um 4h früh kam es<br />
zur Entladung der Spannung. Die Deutsche<br />
Wehrmacht rückte nach kurzem Gefecht an<br />
der Grenze in Jugoslawien ein. Der Vormarsch<br />
ging rasch vorwärts [,] und große Abteilungen<br />
von Gefangenen wurden an der Schule vorbeigeführt.<br />
So wurde die hiesige Schule aus einer<br />
Grenzschule zu einer Hinterlandschule“ 18 . Obwohl<br />
die Grenze zu Jugoslawien ab April 1941<br />
nicht mehr existierte, sollte die Region – anders<br />
als im Ersten Weltkrieg – die Auswirkungen<br />
des Krieges wesentlich intensiver zu spüren<br />
bekommen. Sieht man von gelegentlichen<br />
Bombenangriffen ab, so waren es ab 1944 vor<br />
allem die Aktivitäten der Partisanen, die nachdrücklich<br />
in Erinnerung blieben. 19 Zum Dechanten<br />
und zum Gendarmerie-Postenkommandanten<br />
von Leutschach knüpften die<br />
Partisanen nachweislich Kontakte, die allerdings<br />
nichts fruchteten. Der Kommandant der<br />
so genannten Poßruck-Partisanen kam letztlich<br />
zum ernüchternden Schluss, dass mit den<br />
Österreichern „nichts anzufangen“ sei. 20<br />
Das Kuriosum der Steiermark in der unmittelbaren<br />
Nachkriegszeit, die fünffache Besetzung<br />
durch Amerikaner, Briten, Sowjets, bulgarische<br />
Einheiten und Partisanenverbände, hinterließ<br />
Quelle: Wassermann/Verlag Classic
auch vor Ort ihre wenn auch kurzlebigen Spuren.<br />
Der Leutschacher Dechant, Johann Stoff,<br />
schrieb im Februar 1945 an das fürstbischöfliche<br />
Ordinariat in Graz: [Aus] „den Andeutungen<br />
Wissender […] können wir uns hier für die<br />
nächste Zukunft auf allerhand gefaßt machen;<br />
im Falle des Falles wäre dann Leibesabwesenheit<br />
weit besser als Geistesgegenwart. Betont<br />
muß werden, daß von keiner Seite – vorläufig<br />
– einem Pfarrhof oder Geistlichen etwas geschehen<br />
ist.“ 21 Die ersten fremden Truppen,<br />
die das Pfarrgebiet besetzten, waren bulgarische<br />
Einheiten, die im Verband der Roten Armee<br />
gekämpft hatten. Ihnen folgten die ersten<br />
Partisaneneinheiten aus dem Raum Maribor,<br />
über die der Dechant von Leutschach berichtete,<br />
dass sie „Freiheitskämpfer im wahrsten<br />
Sinne des Wortes und religiös eingestellt“ gewesen<br />
seien. „Als jedoch die kommunistischen<br />
Partisanen aus dem Laibacher Gebiet und aus<br />
dem Balkan nachrückten, mußten die [katholischen]<br />
Partisanen vielfach wieder weichen<br />
und wegen ihrer Verteidigung [katholischer]<br />
Interessen sogar über die Grenze fliehen, um<br />
ihr Leben zu retten.“ 22 Die Gendarmeriechronik<br />
berichtet neben den Plünderungen auch<br />
von Vergewaltigungen; welches Ausmaß diese<br />
annahmen, ist allerdings nicht bekannt. 23<br />
Mitte Mai kamen Einheiten der der 14. Stoßdivision<br />
der Jugoslawischen Armee nach Leutschach<br />
und mit ihnen auch der später berühmt-berüchtigte<br />
Kommissar von Leutschach,<br />
Fišinger. 24 Dieser verkündete, dass er den Anschluss<br />
des Gebietes an Jugoslawien vorzubereiten<br />
habe. Das bedeutete unter anderem, dass<br />
fortan Slowenisch als Amtssprache fungierte.<br />
In die Amtszeit des Kommissars von Leutschach,<br />
die unzweifelhaft als Terror, als eine Mischung<br />
von Todesdrohungen, Plünderungen, Requirierungen<br />
und Vergewaltigungen zu bezeichnen<br />
Und sie bewegt sich doch …<br />
ist, fällt auch die Ermordung von mehr als vierzig<br />
Soldaten am 22. Mai 1945. Es handelte sich<br />
hierbei zum Großteil um kroatische Ustaše, die<br />
aus dem Lazarett in der ehemaligen Klosterschule<br />
geholt und in einem Graben auf bestialische<br />
Art und Weise getötet wurden. Anfang<br />
Juli wurden die Partisaneneinheiten von sowjetischen<br />
und diese wiederum – gemäß dem<br />
Ersten Kontrollabkommen – am 22. Juli 1945 von<br />
britischen Einheiten abgelöst.<br />
Zwei Jahre später schrieb der Leutschacher Dechant<br />
in einem Bericht, er habe „einen Milieu-<br />
Bericht über dieses unruhige und fast kriegsmäßige<br />
Grenzgebiet geben wollen“. 25 Gemeint<br />
war damit, dass die Grenzregion auch Austragungsort<br />
der innerjugoslawischen Abrechnung<br />
der siegreichen Kommunisten mit ihren<br />
Gegnern war. 26<br />
Die von Jugoslawien Anfang 1947 erhobenen<br />
Gebietsansprüche, die auch die Rebenlandgemeinden<br />
betrafen, versetzten die einheimische<br />
Bevölkerung in hellen Aufruhr. 27 Dem folgte<br />
die hermetische Abriegelung der Grenze,<br />
die erst mit dem Bad Gleichenberger Abkommen<br />
(1953), das den „kleinen Grenzverkehr“ regelte<br />
und in der Folge ausgeweitet wurde, aufgehoben<br />
wurde. Von Bedeutung war das Abkommen<br />
in der Region vor allem für die österreichischen<br />
„Doppelbesitzer“, die fortan ihre<br />
Besitzungen auf jugoslawischem Staatsgebiet<br />
bewirtschaften konnten. Sieht man von gelegentlichen<br />
Grenzübergriffen ab, die jedoch<br />
nicht mehr die „bleihaltige Qualität“ der Nachkriegsjahre<br />
erreichten, herrschte an der Grenze<br />
Ruhe, was allerdings auch Stillstand auf mehreren<br />
Gebieten bedeutete.<br />
Abgesehen von diplomatischen Verstimmungen<br />
wegen der von der Republik Österreich –<br />
um es zurückhaltend zu formulieren – mehr<br />
als zaghaft umgesetzten Minderheitenrechte,<br />
253
Und sie bewegt sich doch …<br />
Eine zeitgenössische Darstellung<br />
des Grenzverlaufes in Sv. Duh. /<br />
Heiligengeist – Takratna predstavitev<br />
poteka meje pri Sv. Duhu /<br />
Heiligengeist<br />
die im Artikel VII des Staatsvertrages festgeschriebenen<br />
sind, können die nachbarschaftlichen<br />
Beziehungen in den folgenden Jahrzehnten<br />
als durchaus korrekt bezeichnet werden. 28<br />
Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang,<br />
dass die (unverändert gebliebene) Grenze<br />
nicht nur eine Abgrenzung staatlicher Territorien,<br />
sondern auch eine ideologische Trennlinie<br />
war. Vor Ort bedeutete dies, dass sich<br />
„einschlägige“ Kreise, die schon vor 1938 ihr<br />
(Un)Wesen getrieben hatten, Anfang der fünfziger<br />
Jahre die „Grenzlandarbeit“ ins Zentrum<br />
ihrer Aktivitäten rückten und die Behauptung<br />
des „Deutschtums“ vor einer phantasierten<br />
„slawischen Unterwanderung“ ins Zentrum<br />
ihrer Agitation stellten. 29<br />
Die (lokale) Einschätzung bzw. Interpretation<br />
wird jedoch berücksichtigen müssen, dass diese<br />
Aktivitäten auch eine soziale Zielrichtung<br />
verfolgten, was angesichts großer Armut in<br />
dieser Grenzregion die Frage nach der Weltanschauung<br />
als sekundär erscheinen ließ.<br />
Die „slowenische Vergangenheit“. Um den<br />
Anteil der slowenischsprachigen Bevölkerung<br />
abschätzen zu können, sind sowohl die Volkszählungen<br />
der Monarchie als auch die des republikanischen<br />
Österreich nur bedingt brauchbare<br />
Indikatoren. Brachten diejenigen aus der Zeit<br />
der Monarchie eher sozioökonomische Dominanzverhältnisse<br />
zum Ausdruck, so wurde bei<br />
254<br />
Quelle: Stmk. Landesarchiv<br />
Das Mahnmal für die in der Nähe des<br />
Graf-Bunkers am 22. Mai 1945 ermordeten<br />
Soldaten – Spominsko obeležje<br />
za 22. maja 1945 v bližini grofovega<br />
bunkerja umorjenimi vojaki<br />
Quelle: Wassermann/Verlag Classic<br />
Die im August 1944 gesprengte<br />
Volksschule von Großwalz –<br />
Avgusta 1944 razstreljena ljudska<br />
šola v Großwalzu<br />
den Volkszählungen der Ersten Republik das<br />
ethnographische Verhältnis nur äußerst ungenau<br />
widergespiegelt. Kein Zweifel kann jedenfalls<br />
an der Tatsache bestehen, dass auf dem<br />
Gebiet der Steiermark nach 1918 (und auch<br />
nach 1945) Menschen mit slowenischer Umgangssprache<br />
leb(t)en. 1934 wurde beispielsweise<br />
nach der Sprache, deren „Kulturkreis<br />
man sich zugehörig“ fühle, gefragt. Erhalten<br />
sind die Daten auf Bezirksebene. „Auf dem gesamten<br />
Gebiet der österreichischen Steiermark<br />
gab es […] 3.838 Einwohner mit slowenischer<br />
Umgangssprache, davon 1.756 im politischen<br />
Bezirk Lipnica/Leibnitz, wohin auch die Dörfer<br />
der Radkersburger Ecke mit Radgona/Radkersburg<br />
gehörten.“ 30<br />
Die nationalsozialistische Volkszählung im<br />
Jahre 1939 – Falschangaben standen unter<br />
Strafe – ergab „insgesamt 3.607 Einwohner, die<br />
in den nichtdeutschen Sprachgruppen ausgewiesen<br />
wurden (,slowenisch’, ,deutsch-slowenisch’,<br />
,windisch’, ,deutsch-windisch’).“ Von<br />
diesen lebten 1.444 Personen in den Bezirken<br />
Radkersburg und Leibnitz. Die Volkszählung<br />
von 1951 wies in der Grenzregion insgesamt<br />
580, diejenige von 1961 229, die von 1971 257<br />
Slowenen aus. 1991 wurden – allerdings für<br />
das gesamte Bundesland – insgesamt 1.500<br />
Personen mit slowenischer Muttersprache erhoben.<br />
31 Bei diesen Zählungen handelt es sich<br />
allerdings um die gesamte slowenischsprachi-<br />
Quelle: Chronik der VS Großwalz
ge Wohnbevölkerung in der Steiermark, unabhängig<br />
von der Staatsangehörigkeit. Bleiben<br />
somit als andere Indikatoren, die zumindest<br />
eine vorsichtige Abschätzung erlauben, die<br />
Schulchroniken 32 und als Quellen von eminenter<br />
Bedeutung die Unterlagen aus dem Diözesanarchiv<br />
Graz. Die Visitationsprotokolle aus<br />
den zwanziger Jahren verweisen mehrfach<br />
darauf, dass einige Schüler der deutschen Sprache<br />
überhaupt nicht mächtig waren. 33 Noch<br />
1951 hieß es in einem Schulvisitationsbericht,<br />
die Lernschwierigkeiten lägen unter anderem<br />
daran, dass die Eltern vielfach „slowenisch“ 34<br />
seien.<br />
Beide Sprachen zu beherrschen, gehörte gewissermaßen<br />
zum Anforderungsprofil für<br />
ein kirchliches Amt in der Pfarre Leutschach,<br />
weil die Bevölkerung „der Natur nach aus<br />
Deutschen und Slowenen“ 35 bestehe. So wies<br />
der Nachfolger von Dechant Ribitsch, Anton<br />
Waude, in seinem Bewerbungsschreiben<br />
darauf hin, dass er „die beiden slowenischen<br />
Sprachkurse mit gutem Erfolg besucht [habe]<br />
und er der slowenischen Sprache somit mächtig“<br />
36 sei. 1953 schrieben die Leutschacher Kapläne<br />
an das Ordinariat, dass in der Pfarre „viele<br />
Leute die deutschen Sprache schlecht oder<br />
gar nicht“ 37 beherrschten, weshalb der künftige<br />
Pfarrer auch des Slowenischen mächtig<br />
sein solle. Damals stand die Einsetzung eines<br />
Nachfolgers von Johann Stoff (1942 bis 1953)<br />
an, der nach Graz resignierte. Viktor Ferdinand<br />
Krainer aus Groß St. Florian betonte in seiner<br />
Bewerbung, dass er durch seine vormalige „Tätigkeit<br />
in der Untersteiermark […] die slowenische<br />
Sprache“ beherrsche, sodass ihm „auch<br />
der Kontakt mit dem Slowenisch sprechenden<br />
Teil von Leutschach nicht schwer fallen würde.“<br />
38 In der ebenfalls erfolglosen Bewerbung<br />
von Kaplan Alois Hoinig aus Eggersdorf steht,<br />
Und sie bewegt sich doch …<br />
dass es „dort noch alte Leute geben [soll], die<br />
überhaupt kein Wort der deutschen Sprache<br />
verstehen“ 39 , und natürlich verwies auch der<br />
letztlich erfolgreiche Bewerber, Peter Reiter,<br />
auf seine einschlägigen Sprachkenntnisse. 40<br />
Christian Promitzer hat den Prozess des Verschwindens<br />
der Slowenen in der Region Leutschach<br />
im Laufe des 20. Jahrhunderts überzeugend<br />
nachgezeichnet. Die slowenischsprachige<br />
Bevölkerung geriet „zwischen den Hammer<br />
der Eindeutschung und den Amboß der Stigmatisierung.“<br />
41<br />
Abschließend soll noch darauf hingewiesen<br />
werden, wie hoch emotional das „Thema Slowenen“<br />
vor Ort noch immer ist. 1996 setzte<br />
der Steiermärkische Landtag einen Unterausschuss<br />
zum Verfassungsausschuss ein, der die<br />
Thematik der steirischen Slowenen klären hätte<br />
sollen. 42 Zwischen August 1996 und Jänner<br />
1997 tagte dieser sieben Mal. Gewissermaßen<br />
als „Fact-Finding-Mission“, aber auch um „mit<br />
der in dieser Frage kaum informierten Bevölkerung<br />
zu diskutieren und [um] Mißverständnisse<br />
auszuräumen“ 43 wurden im Juni 1997 in Bad<br />
Radkersburg-Umgebung, Soboth und Glanz/<br />
Schloßberg Informationsveranstaltungen oder<br />
Gemeindeversammlungen mit Abgeordneten<br />
der fünf im Landtag vertretenen Fraktionen<br />
und einem Vertreter des Artikel-VII-Kulturvereins<br />
durchgeführt.<br />
Wie die Veranstaltungen in Radkersburg-Umgebung<br />
und Soboth verliefen, entzieht sich<br />
der Kenntnis des Verfassers. Tatsache ist, dass<br />
die Veranstaltung am 27. Juni 1997 im Gasthof<br />
Mahorko in Glanz äußerst turbulent war.<br />
Im Vorfeld arbeitete die Gemeindevertretung<br />
von Glanz eine Proklamation und Resolution<br />
aus, der sich auch die Gemeindevertreter von<br />
Schloßberg anschlossen. Dort hieß es unter<br />
anderem, dass die „19 bei der Volkszählung<br />
255
Und sie bewegt sich doch …<br />
1991 festgestellten Personen aus Altjugoslawien<br />
(18 Slowenen, 1 Kroate) […] den Aufenthalt<br />
bei uns aufgrund der befristeten Beschäftigungs-<br />
und Aufenthaltsbewilligungen ständig<br />
gewechselt [haben]. Tatsache ist, daß HEU-<br />
TE bei uns 13 Slowenen und 6 Personen aus<br />
Restjugoslawien (einschl[ießlich] Kroatien)[,]<br />
großteils im erwerbsfähigen Alter[,] gemeldet<br />
sind“, wobei diese aber erst zwischen 1990 und<br />
1997 zugezogen seien. Historische untermauert<br />
wurde dies mit Auszügen aus Chroniken,<br />
die im ‘s Rebenblattl – einer regionalen Gratiszeitung<br />
– abgedruckt wurden, wobei diese allerdings<br />
sehr selektiv zitiert wurden. 44<br />
Die Versammlung führte zum Eklat. „Während<br />
die Abgeordneten Lopatka/ÖVP und<br />
Wiedner/FPÖ diese klare Meinung akzeptierten,<br />
wollten die Abg. Brünner/Lib[erales] Forum<br />
und Zitz/Grüne das Nichtvorhandensein<br />
von Volksgruppen nicht ganz wahrhaben. Insbesondere<br />
die Aussage von Abg. Brünner löst<br />
Unmut aus, daß wir an Slowenien noch etwas<br />
gutzumachen hätten. Dies führte zu lautstarken<br />
Protesten und zu mehr oder weniger emotionalen<br />
und unsachlichen Wortmeldungen.<br />
Den Antragstellern wurde vorgeworfen, mit<br />
ihrer Antragstellung alte Wunden wieder aufgerissen<br />
und damit Unfrieden nach geschaffenen<br />
gutnachbarlichen Beziehungen gestiftet<br />
zu haben. Nach weiteren verbalen Attacken an<br />
die beiden vorgen[annten] Abgeordneten verließen<br />
diese vorzeitig die Gemeindeversammlung,<br />
da sie sich nach ihren eigenen Angaben<br />
bedroht fühlten.“ 45 Daraufhin distanzierten<br />
sich die Gemeindevertretungen der beiden Gemeinden<br />
„mit aller Entschiedenheit von Aussagen<br />
über ,Hitler, Rauswatschen etc.’“ 46 .<br />
Sozusagen unter der Hand wurde dem Verfasser<br />
von einem Bürgermeister erzählt, dass der<br />
Umstand, dass er einen Slowenischkurs be-<br />
256<br />
sucht habe, von einem Teil der Bevölkerung<br />
nicht unbedingt goutiert wurde.<br />
Nachbarschaftspolitik vor Ort. Um es noch<br />
einmal knapp zusammenzufassen: Die Region<br />
Leutschach ist zumindest mit zwei historischen<br />
Verwerfungen konfrontiert. Zum einen<br />
die Grenze, zum anderen die „slowenische Vergangenheit“<br />
zumindest eines Teiles der Region<br />
und der Bevölkerung. Unter diesen beiden<br />
geschichtsträchtigen Aspekten muss die regionale<br />
Nachbarschaftspolitik (auch) gesehen<br />
werden. 1995 schrieb das lokale Gratisblatt, ‘s<br />
Rebenblattl, dass die Beziehungen dies- und jenseits<br />
der Grenze eine „inzwischen gewachsene<br />
echte Freundschaft“ 47 seien. Gemeint waren<br />
damit grenzüberschreitende Aktivitäten im<br />
Rahmen der Renovierung der Kirche von Sv.<br />
Duh/Heiligen Geist – doch dazu später.<br />
Am 21. Jänner 1967 nahmen Schülerinnen<br />
und Schüler der Hauptschule Gornja Radgona<br />
am Schulskitag der Volksschule Großwalz teil<br />
– es ist dies die erste dokumentierte grenzüberschreitende<br />
Aktion. 48<br />
Die Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr in<br />
Leutschach hält für die Zeit seit den siebziger<br />
Jahren fest, dass „sich ein sehr guter Kontakt<br />
mit einigen Feuerwehren von Slowenien angebahnt<br />
[hat]. Dieser Kontakt drückt sich auch<br />
in gegenseitiger Hilfe aus, wenn größere Brände<br />
es erfordern.“ 49<br />
Ebenfalls in den siebziger Jahren wurden „die<br />
bis zum Zweiten Weltkrieg üblichen grenzüberschreitenden<br />
Wallfahrten nach Hl. Geist<br />
wieder aufgenommen.“ 50 Allerdings waren<br />
diese nicht immer frei von Schikanen durch<br />
jugoslawische Zöllner, wie der Leutschacher<br />
Pfarrer dem Verfasser erzählte.<br />
Als sich Mitte der achtziger Jahre in Jugoslawien<br />
(beziehungsweise in Slowenien) politi-
sche Veränderungen abzeichneten, kam auch<br />
die grenzüberschreitende Zusammenarbeit<br />
Schritt für Schritt in Gang. Ein Meilenstein<br />
war zweifelsohne die Renovierung der Kirche<br />
von Sv. Duh na Ostrem vrhu/Hl. Geist am<br />
Osterberg in den späten achtziger Jahren. Treibende<br />
Kraft auf österreichischer Seite war der<br />
Leibnitzer Bezirkshauptmann Johann Seiler,<br />
der im Winter 1989 ein Komitee zur Rettung<br />
der Hl. Geist-Kirche gründete, dem vor allem<br />
die Bürgermeister der Nachbargemeinden diesseits<br />
und jenseits der Grenze angehörten. Insgesamt<br />
wurden für die Aktion „Kirche ohne<br />
Grenze/Cerkev ne pozna meja“ die beträchtliche<br />
Summe von rund 1,5 Millionen Schilling<br />
durch verschiedene Benefizaktionen, wie<br />
eine Bausteinaktion (Werke der Künstler Gerald<br />
Brettschuh, Gert Christian und Willibald<br />
Karl), Liederabende usw. aufgebracht. Und die<br />
Festschrift anlässlich der hundertjährigen Pfarrerhebung<br />
von Sv. Duh wurde bemerkenswerterweise<br />
zweisprachig verfasst. 51<br />
Überhaupt scheint die Kirche eine nicht zu<br />
unterschätzende Triebkraft für eine neue<br />
Nachbarschaft(spolitik) gewesen zu sein. Am<br />
7. September 1991 – im Jahr der slowenischen<br />
Unabhängigkeit – führte die Dekanatswallfahrt<br />
nach Sv. Duh, was „von vielen Menschen<br />
als Zeichen besonderer Solidarität“ 52 aufgefasst<br />
wurde. Am 9. Juli 1995 statteten „Pfarrbewohner<br />
von St. Georgen an der Peßnitz […] mit ihren<br />
Pfarrer Branko Macek [Maček]“ der Pfarre<br />
Leutschach einen Besuch ab. „Alle Gläubigen<br />
sangen und beteten in ihrer Muttersprache.“ 53<br />
Nur zum Vergleich: Als knapp fünf Jahrzehnte<br />
zuvor Dechant Reiter die Abnahme der Beichte<br />
in slowenischer Sprache durch den Pfarrer<br />
von Gamlitz in der Pfarrkirche Leutschach ankündigte,<br />
wurde dieser deshalb von einigen<br />
Gemeindebürgern „als Slowenenfreund bei der<br />
Und sie bewegt sich doch …<br />
staatlichen u[nd] kirchlichen Obrigkeit“ denunziert.<br />
54 Am 20. April 1992 wurde erstmals<br />
gemeinsam der „Georgiritt“ durchgeführt, der<br />
mittlerweile fixer Bestandteil des grenzüberschreitenden<br />
Zusammenlebens ist.<br />
Für das Schuljahr 1993/94 vermerkt der Jahresbericht<br />
der Hauptschule Leutschach „enge Beziehungen<br />
zu slowenischen Schulen in Selnica<br />
und Ptuj“. Im Oktober 1993 besuchten die<br />
Schüler/innen der Hauptschule Leutschach<br />
die Hauptschule in Ptuj, der Gegenbesuch in<br />
Leutschach fand am 3. Juni 1994 statt. In diesem<br />
Schuljahr wurde für die Hauptschule in<br />
Selnica gesammelt, weiters standen der Besuch<br />
einer Dichterlesung in Maribor und der<br />
Besuch einer Ausstellung in Jurij auf dem Programm.<br />
55 In den Schuljahren 1995/96, 1996/97<br />
und 1997/98 wurden Slowenischkurse an<br />
der Hauptschule Leutschach durchgeführt. 56<br />
Die Schülerinnen und Schüler der Volksschule<br />
Großwalz führte im Schuljahr 1995/96 ein<br />
Wandertag erstmals nach Slowenien, wo sie<br />
die Jugendherberge Dom Škorpion aufsuchten. 57<br />
Am 10. Juni 2001 feierten die 3. und 4. Klassen<br />
der Volksschule Langegg mit Schülern der<br />
Nachbargemeinde Kungota gemeinsam am<br />
Eory-Kogel, wobei auch ein slowenisches Lied<br />
gemeinsam gesungen wurde. 58<br />
1989 wurde in Leutschach erstmals eine Liedertafel<br />
unter slowenischer Beteiligung durchgeführt.<br />
Neben dem Frauensingkreis Leutschach,<br />
dem Arnfelser Gesangsverein nahm auch das<br />
Mariborksi Oktet daran teil. 59 Damit war der<br />
Anstoß für eine Kooperation gegeben, die sich<br />
– abgesehen von gegenseitigen Einladungen –<br />
nicht zuletzt in den gesanglichen Benefizaktionen<br />
zur Sanierung der Kirche von Hl. Geist<br />
mehr als bewähren sollte. 60<br />
Aber auch auf wirtschaftlichem Gebiet kam<br />
es zunehmend zu Kooperationen. So war der<br />
257
Und sie bewegt sich doch …<br />
Georigiritt am 26. April 1998 ein gemeinsames<br />
Projekt der Tourismusverbände Rebenland Leutschach<br />
und Jurij-Kungota. 61<br />
Am 24.01.1992 fand in der Hauptschule Leutschach<br />
die Eröffnungsveranstaltung des vom<br />
Ländlichen Fortbildungsinstitut in Zusammenarbeit<br />
mit dem Beratungsring in der Republik<br />
Slowenien und den Gemeinden Arnfels, Eichberg-Trautenburg,<br />
Glanz, Gaj, Hl. Geist, Jurij,<br />
Oberhaag, Schloßberg, St. Johann i. Saggautal<br />
und Svecina initiierten Projekts „Grenzraum<br />
– Lebensraum, Slowenien – Steiermark“ unter<br />
großer Beteiligung der Bevölkerung aus beiden<br />
Teilen des Grenzraumes statt. 62<br />
Am 1. August 1999 wurde schließlich der<br />
Grenz-Panoramaweg – ein 130 Kilometer langer<br />
Wanderweg von der Soboth bis nach Radkersburg<br />
dies- und jenseits der Grenze – im Rahmen<br />
eines „Grenzenlosen Bergfestes“ offiziell<br />
eingeweiht. Planung und Umsetzung des<br />
Projektes wurden aus Mitteln des Interreg-Programms<br />
der EU maßgeblich gefördert. 63<br />
Werfen wir abschließend noch einen Blick auf<br />
die Gegenwart. Derzeit wird laut Gemeindeamt<br />
Glanz am grenzüberschreitenden Wegprojekt<br />
Radweg R 54 – Panoramaweg gearbeitet.<br />
Starke Verbindungen gebe es mit dem Projekt<br />
Wirtschaftsinitiative Pößnitz-Saggautal, das „aufgrund<br />
möglicher Interreg-Mittel mit dem Bereich<br />
Ptuj (Pettau) vertieft werden“ soll.<br />
Anlässlich des EU-Beitritts Sloweniens am<br />
1. Mai 2004 gab es bei den Grenzübergängen<br />
Langegg und Großwalz grenzüberschreitende<br />
Feierlichkeiten. Slowenien wird vor Ort<br />
als nachbarschaftlicher, aufstrebender Wirtschaftspartner<br />
gesehen. 64<br />
Demnach sind die nachbarschaftlichen Beziehungen<br />
vor allem wirtschaftlich orientiert.<br />
Das Interesse an der Sprache und der Kultur des<br />
258<br />
Nachbarlandes lässt hingegen von österreichischer<br />
Seite stark zu wünschen übrig. Während<br />
die meisten slowenischen Bürgermeister<br />
deutsch sprechen, sind bei den österreichischen<br />
Bürgermeistern Slowenischkenntnisse<br />
lediglich rudimentär (wenn überhaupt) vorhanden.<br />
Wollte man Promitzers Diktum von<br />
den „verlorenen Brüdern“ geographisch umdrehen,<br />
so ist von österreichischer Seite kein Gefühl<br />
des Verlustes wahrzunehmen. Der Lauf<br />
der Geschichte hat wohl sein abschließendes<br />
Urteil gesprochen.
ANMERKUNGEN<br />
1 Vgl. Heinz P. Wassermann, Das 20. Jahrhundert, in: Alexander Wilhelm<br />
(Hg.), Die Rebenlandchronik. Graz 2004, S. 191–348.<br />
2 Den Begriff „Region Leutschach“ hat der Grazer Historiker Christian<br />
Promitzer geprägt und auch überzeugend argumentiert.<br />
3 Vgl. Manfried Rauchensteiner, Der Tod des Doppeladlers. Österreich-<br />
Ungarn und der Erste Weltkrieg. Graz 1993.<br />
4 Franz Josef Schober – Eduard Staudinger, Dr. Brodmann und das<br />
Untersteirische Bauernkommando (1919–1922), in: Gottfried Almer –<br />
Norbert Müller (Hg.), 800 Jahre Pfarre Straden 1188–1988. Straden – Graz<br />
1988, S. 466–473 (hier S. 466).<br />
5 Chronik der Gemeinde Glanz.<br />
6 Christian Promitzer, Verlorene Brüder. Geschichte der zweisprachigen<br />
Region Leutschach in der südlichen Steiermark (19.–20. Jahrhundert), Phil.<br />
Diss. Graz 1996, S. 199.<br />
7 Ebd., S. 201f..<br />
8 Ebd., S. 221f..<br />
9 Ebd., S. 223.<br />
10 Ebd., S. 232.<br />
11 Vgl. Helmut Kanzler, Die volkspolitische Lage und Aufgabe im Großraum<br />
Ratsch-Lieschen. Graz o. J. [1939]. Lebensfragen der Grenzbevölkerung,<br />
untersucht an der steirischen Südgrenze, S. 334.<br />
12 Promitzer, Brüder, S. 205.<br />
13 StLA (Steiermärkisches Landesarchiv), Statth. Präs. A5B-113/11919:<br />
Gemeinde Schloßberg an Landesregierung, 4.1.1919.<br />
14 Vgl. Wassermann, Jahrhundert, S. 316f.<br />
15 Promitzer, Brüder, S. 205.<br />
16 Stefan Karner, Die Steiermark im Dritten Reich 1938–1945. Aspekte ihrer<br />
politischen, wirtschaftlich-sozialen und kulturellen Entwicklung, 2. Aufl.<br />
Graz – Wien 1986, S. 123.<br />
17 Vgl. in diesem Zusammenhang die amüsanten und berührenden<br />
Lebenserinnerungen von Fritz Körbler: Vom Leben an der Grenze.<br />
Besinnliche und heitere Kurzgeschichten aus entschwundener Zeit. O. O.<br />
o. J. [1994] u. ders.: Unvergessene Heimat an der Grenze. Besinnliche und<br />
heitere, aber auch tragische Geschichten aus entschwundener Zeit., O. O. o<br />
J. [1997].<br />
18 Chronik der Volksschule Langegg.<br />
19 Vgl. Wassermann, Jahrhundert, S. 238–240.<br />
20 Vgl. Promitzer, Brüder, S. 284–289.<br />
21 DAG (Diözesanarchiv Graz), Dechantliche Visitationen, Dekanat<br />
Leutschach, Kirchenvisitationen 1900–1955: Dekanatsamt Leutschach an<br />
fb. Ordinariat, 14.2.1945.<br />
22 DAG, Dechantliche Visitationen, Dekanat Leutschach, Kirchenvisitationen<br />
1900–1955: Dekanatsamt Leutschach an fb. Ordinariat, 11.5.1946.<br />
23 Vgl. Chronik des Gendarmerieposten Leutschach.<br />
24 Promitzer, Brüder, S. 303.<br />
25 DAG, Dechantliche Visitationen, Dekanat Leutschach, Kirchenvisitationen<br />
1900–1955: Dekanatsamt Leutschach an fb. Ordinariat, 10.6.1947.<br />
26 Vgl. Wassermann, Jahrhundert, S. 322–324.<br />
27 Vgl. Ebd., S. 319–322.<br />
28 Vgl. Helmut Liedermann, Österreichs Image im ehemaligen Jugoslawien,<br />
in: Oliver Rathkolb [u. a.] (Hg.), Mit anderen Augen gesehen. Internationale<br />
Perzeption Österreichs 1955–1990. Wien [u. a.] 2002. Österreichische<br />
Nationalgeschichte, Bd. 2, S. 523–562.<br />
29 Vgl. Wassermann, Jahrhundert, S. 333–342.<br />
30 Matjaž Klemenčič, Im Lichte der sprachlichen Statistik. Slowenisch-<br />
und Deutschsprachige in der Süd- und Untersteiermark 1830–1991, in:<br />
Slowenische Steiermark. Verdrängte Minderheit in: Christian Stenner (Hg.),<br />
Österreichs Südosten. Wien [u. a.] 1997. Zur Kunde Südosteuropas, II/23, S.<br />
69–105 (hier S. 96).<br />
31 Ebd., S. 97f..<br />
32 Auf die Auswertung der Schulchroniken wird platzbedingt verzichtet. Aus<br />
ihnen geht eindeutig hervor, dass nach 1918 auch Unterricht in slowenischer<br />
Sprache erteilt wurde.<br />
33 Vgl. DAG, Schulakten, Dechantliche Schulvisitationen Leutschach:<br />
Dekanatsamt Leutschach an fb Ordinariat, 3.11.1923; Dekanatsamt<br />
Leutschach an fb Ordinariat, 9.9.1924; Dekanatsamt Leutschach an fb<br />
Ordinariat, 1.10.1926; Dekanatsamt Leutschach an fb Ordinariat, 29.8.1927;<br />
Dekanatsamt Leutschach an fb Ordinariat, 14.9.1928; Dekanatsamt<br />
Leutschach an fb Ordinariat, 6.9.1929.<br />
Und sie bewegt sich doch …<br />
34 DAG, Schulakten, Dechantliche Schulvisitationen Leutschach, 4622/49, S.<br />
1900ff.<br />
35 DAG, Pfarre Leutschach, Bischöfliche Visitationen: Fb Seckauer Ordinariat<br />
an Kreisdekanat St. Florian an der Lassnitz, 5.6.1922.<br />
36 DAG, Pfarrakten Leutschach, Pfarre (1560) – Besetzung (S. 1900ff), Anton<br />
Waude an fb. Ordinariat, 6.2.1932.<br />
37 Ebd., Schreiben der Kapläne von Leutschach an das bischöfliche Ordinariat,<br />
28.10.1953.<br />
38 Ebd., Viktor Ferdinand Krainer an fb. Ordinariat, 15.10.1953.<br />
39 Ebd., Alois Hoinig an fb Ordinariat, 29.10.1953.<br />
40 Ebd., Peter Reiter an bischöfliches Seckauer Ordinariat, 14.10.1953.<br />
41 Promitzer, Brüder, S. 357.<br />
42 Die Unterlagen wurden dem Verfasser freundlicherweise von Univ.-Prof. Dr.<br />
Christian Brünner zur Verfügung gestellt.<br />
43 Sammlung Brünner/Steirische Slowenen. Reinhold Lopatka an Peter<br />
Kutschi, 30.5.1997.<br />
44 Sammlung Brünner/Steirische Slowenen. Statement zur Minderheitenfrage<br />
in unserer Gemeinde anläßlich der Gemeindeversammlung am 27.06.1997,<br />
23.6.1997.<br />
45 Bürgerversammlung der Gemeinden Glanz und Schloßberg zum Thema<br />
„Slowenische Minderheit“, in: ´s Rebenblattl, 2/1997, S. 6.<br />
46 Sammlung Brünner/Steirische Slowenen; Gemeindeversammlung zur<br />
Minderheitenfrage am 27.06.1997 im GH Mahorko in Glanz; Distanzierung<br />
von manchen Äußerungen, 18.7.1997.<br />
47 Hlg. Geist – Sv. Duh, in: s´ Rebenblattl, 4/1995, S.6.<br />
48 Vgl. Chronik der Volksschule Großwalz.<br />
49 Hans Georg Zach, 111 Jahre Freiwillige Feuerwehr Leutschach, in: 111<br />
Jahre Freiwillige Feuerwehr Leutschach. 1877–1988, hg v. Freiwillige<br />
Feuerwehr Leutschach. Leutschach 1988, S. 21.<br />
50 Promitzer, Brüder, S. 325.<br />
51 Vgl. Heimatbuch des Marktes Leutschach u. Hlg. Geist – Sv. Duh, in: s´<br />
Rebenblattl, 4/1995, S.6.<br />
52 Heimatbuch des Marktes Leutschach.<br />
53 Chronik der Gemeinde Glanz.<br />
54 Chronik der Dekanatspfarre Leutschach.<br />
55 Vgl. Jahresbericht der Hauptschule Leutschach 1993/94.<br />
56 Vgl. Jahresberichte der Hauptschule Leutschach 1995/96, 1996/97,<br />
1997/98.<br />
57 Vgl. Chronik der Volksschule Großwalz.<br />
58 Vgl. Chronik der Volksschule Langegg.<br />
59 Vgl. Heimatbuch des Marktes Leutschach.<br />
60 Vgl. Heimatbuch des Marktes Leutschach; Hildgard Nagy, Musik kennt<br />
keine Grenzen, in: s´ Rebenblattl, 1/1991, S. 4; Christl Zach, Benefizkonzert<br />
für die Hl.-Geist-Kirche, in: s´ Rebenblattl, 3/1991, S. 15.<br />
61 Vgl. Georgiritt nach Jurij/St. Georgen, in: s´ Rebenblattl, 1/1998, S. 21.<br />
62 Vgl. Karlheinz Wirnsberger, Grenzraum – Lebensraum, in: s´ Rebenblattl,<br />
1/1992, S. 4.<br />
63 Der Grenz-Panoramaweg, in: s´ Rebenblattl, 2/1999, S. 3.<br />
64 E-Mail von AR Karl Peitler an den Verfasser, Juni 2005.<br />
259
In vendar se premika …<br />
In vendar se premika …<br />
Čezmejna sosedska politika s pomočjo<br />
„Lučanske regije“<br />
Ko je avtor tega prispevka pred nekaj<br />
leti opravljal raziskave o zgodovini štirih<br />
južnoštajerskih občin – Eichberg-Trautenburg,<br />
Klanci ob Vinski cesti (Glanz an der<br />
Weinstraße), Lučane (Leutschach) in Gradišče<br />
(Schloßberg) 1 , je dobil vseskozi dobronameren<br />
nasvet: „Ne zanetite mi tukaj nobene vojne!“<br />
Da se zgodovinarji načeloma gibljemo po<br />
miniranih območjih, ni samo po sebi nič<br />
novega. A večinoma mislimo pri tem na<br />
obdobje nacizma; to obdobje smo sicer tudi<br />
nameravali vključiti v raziskavo, a k temu smo<br />
morali dodati še „oteževalno okoliščino“, da so<br />
po delih „Lučanske regije“ 2 tako po letu 1918 kot<br />
po letu 1945 bile izražene ozemeljske zahteve<br />
s strani države SHS oziroma Jugoslavije, češ<br />
da gre za slovenski teritorij. Še drugi preblisk:<br />
ko sem kot avtor v okviru seminarja, ki ga je<br />
pripravil FH Joanneum, raziskoval na kraju<br />
samem in pripravljal videoprojekt, mi je neki –<br />
sicer povsem dobrohotni – občinski uslužbenec<br />
svetoval nekaj v smislu: „Ampak slovenskega<br />
ne poudarjajte preveč.“ In tako smo označili<br />
drugo konfliktno polje, namreč vsaj delno<br />
„slovensko preteklost“ dveh občin, Klancev<br />
ob Vinski cesti in Gradišča. Torej lahko<br />
izhajamo iz dveh (zgodovinskih) „prelomov“:<br />
na eni strani je to problematika določanja<br />
razmejitvene črte, skupaj s časovno omejeno<br />
zasedbo s strani jugoslovanskih enot, na drugi<br />
pa delna „slovensk(ojezičn)a preteklost“, ki<br />
je bila v teku asimilacijskega procesa po letu<br />
1918 sicer vedno bolj zatirana, a deloma – kot<br />
bomo pokazali kasneje – še vedno vredna<br />
zgodovinskega proučevanja.<br />
260<br />
Mejni spori – določanje meje – prekoračitve<br />
pooblastil in obmejna dežela. Da je Habsburška<br />
monarhija – ne zgolj, a tudi zaradi vztrajanja<br />
„nemškega elementa“ pri nadaljnji dominaciji –<br />
s koncem prve svetovne vojne razpadla, lahko<br />
predpostavimo, da je splošno znano. 3<br />
Novembra 1918 je prišlo med republiko<br />
Nemško Avstrijo in nastajajočo južnoslovansko<br />
državo do sporazuma, ki je urejal predvsem<br />
gospodarske interese. V njem sta se strani tudi<br />
dogovorili, da bo natančna določitev meje ena<br />
od tem prihodnje mirovne konference. Kar<br />
zadeva to točko, sporazum ni bil vreden niti<br />
papirja, na katerem je bil napisan. „Še pred<br />
3. novembrom 1918 sklenjenim premirjem<br />
med Avstro-Ogrsko in antanto […] je general<br />
Maister s svojimi južnoslovanskimi enotami<br />
1. novembra zasedel mesto Maribor. 25.<br />
novembra je sledila zasedba Šentilja (Spielfeld)<br />
in 1. decembra Radgone (Radkersburg). Po<br />
zavzetju Cmureka (Mureck) 3. in Halbenraina<br />
7. decembra ter še nekaj vasi so Južni Slovani<br />
praktično že nadzirali linijo reke Mure,<br />
predvsem pa med Šentiljem in Radgono<br />
speljano železniško progo.“ 4<br />
V začetku decembra jim je uspelo zasesti tudi<br />
„Lučansko regijo“ (vendar brez severne občine<br />
Eichberg-Trautenburg). 14. januarja 1919 je<br />
„Nemška ljudska straža“ izvedla „totalni<br />
napad na zasedbene sile […]. Hkrati so začeli<br />
streljati z vseh strani obroča okrog trga. […]<br />
Po štiriurnem silovitem streljanju je prišlo<br />
po posredovanja pogajalcev z obeh strani do<br />
prekinitve ognja.“ 5 V okviru te lokalne praske<br />
je bil ubit tudi neudeleženi poštni uradnik<br />
Alois Huber.<br />
Napad na Lučane je bil kamen(ček) v mozaiku<br />
vse ostrejšega odpora proti južnoslovanski<br />
zasedbi, ki je vpletene izpostavil zadostnim<br />
pritiskom, da so 14. februarja 1919 določili
demarkacijske črte. V zvezi s tem ne smemo<br />
pozabiti na razvoj sočasnih dogodkov na<br />
Koroškem, kjer je bil odpor mnogo bolj<br />
množičen – čeprav vojaško v glavnem enako<br />
neučinkovit.<br />
Za štiri občine „dežele vinskih goric“ (oz.<br />
severnega, zdaj avstrijskega dela Slovenskih<br />
goric, op. prev.) je ta sporazum pomenil<br />
začasno delitev. „V območju Lučanske regije<br />
je potekala južna demarkacijska črta znotraj<br />
polkroga, kilometer oddaljenega od trga.<br />
Avstrijskonemška demarkacijska črta pa je<br />
na nasprotni strani potekala po severnem<br />
robu regije. S tem sta bili skoraj izključno<br />
nemškogovoreči občini Lučane in Eichberg-<br />
Trautenburg v celoti v nevtralni coni. […]<br />
Občini Klanci in Gradišče sta se večinoma<br />
nahajali znotraj južnega demarkacijskega<br />
območja in sta bili tudi v civilnih zadevah<br />
podrejeni državi SHS. […] Do 20. februarja bi<br />
morale zasedbene enote izprazniti trg Lučane.<br />
[…] A delitev Lučanske regije naj bi trajala še<br />
naslednje leto in pol.“ 6<br />
Na pariški mirovni konferenci so bile določene<br />
meje s Čehoslovaško, Madžarsko, Italijo<br />
in seveda tudi z državo SHS. Za Štajersko<br />
je to pomenilo izgubo tretjine prebivalstva<br />
in ozemlja nekdanje vojvodine. Sprva so<br />
jugoslovanske ozemeljske zahteve obsegale<br />
„skoraj celotno Lučansko regijo in poleg nje še<br />
Radgono, Halbenrain, Purklo, Cmurek, Straß,<br />
Ehrenhausen in Eibiswald. […] V začetku<br />
marca so v okviru teritorialnega dela mirovne<br />
konference razpravljali o ozemeljskih zahtevah<br />
države SHS na območjiu Štajerske. Pri tem<br />
so morali slovenski predstavniki zgroženo<br />
ugotoviti, da je znotraj komisije prevladala<br />
težnja, ki je, sledeč predlogom ameriške<br />
delegacije, opredelila Dravsko dolino južno od<br />
Lučan kot ‚najboljšo naravno mejo‘. Poleg tega<br />
In vendar se premika …<br />
je ameriška komisija zavzela stališče, da naj bi<br />
celo prebivalci južnega dela Dravske doline ne<br />
hoteli niti slišati za Jugoslavijo.“ Trg Lučane je<br />
bil iz v teku pogajanj izločen iz zmanjšanih<br />
ozemeljskih zahtev. „S tem bi pripadli državi<br />
SHS vsaj večinoma slovenskogovoreči deli<br />
občin Gradišče in Klanci. […] A v nasprotju<br />
s tem je vrhovni odbor sledil predlogu<br />
ozemeljske komisije, da naj bi prihodnjo<br />
državno mejo med Koroško in Sv. Duhom na<br />
Ostrem vrhu (Hl. Geist am Osterberg) zarisali<br />
po meji razvodja (prevladujoče smeri izlivanja<br />
manjših vodotokov v večje, op. prev.). Naprej<br />
do Mure naj bi meja potekala po dotedanjih<br />
mejah političnih okrožij Lipnica (Leibnitz) in<br />
Maribor. […] Ta navedek naj bi bil vključen<br />
tudi v dokončni mirovni sporazum.“ 7 To je<br />
pomenilo, da naj bi štiri občine „dežele vinskih<br />
goric“ – z izjemo cerkve Sv. Duha, pa tudi<br />
majhnega dela katastrske občine Gradišče –<br />
ostala v Avstriji.<br />
Med postopkom dokončnega določanja meje<br />
(od decembra 1920) pa je vendarle prišlo do<br />
neznatnih popravkov. „Skupaj je bilo v mejnem<br />
odseku Sv. Duh-Šentilj državi SHS dodeljenih<br />
dodatnih 585,8 hektarja ozemlja, od česar je<br />
kar 583,2 hektarja odpadlo na južni del<br />
Velikega Boča (Großwalz). V zameno je Avstrija<br />
pridobila 514,2 hektarja ozemlja. Ker pa je<br />
Avstrija tako zamenjala večinoma nerodovitno<br />
ozemlje za bogato vinorodno območje, kjer so<br />
mnogi Avstrijci imeli odmaknjene posesti, je<br />
osrednji deželni urad to menjavo označil kot<br />
ugodno. […] Navdušenje na regionalni ravni<br />
(občinski glavar Gradišča, občinski odbor<br />
Arneža [Arnfels]...) pa je bilo bolj zadržano.“ 8<br />
Za razliko od „Lučanske regije“ pa je bila<br />
razmejitev na zahodnem delu bolj sporna.<br />
Konkretno je šlo za cerkev, pokopališče in šolo<br />
pri Sv. Duhu. 8. julija 1921 je medzavezniška<br />
261
In vendar se premika …<br />
komisija sprejela sklep, „da na spornem<br />
mejnem območju velja meja razvodja. Deset<br />
z mejo presekanih domačij je bilo dodeljenih<br />
Avstriji, pet jih je pripadlo Jugoslaviji. Glede<br />
pokopališča pri Sv. Duhu je bilo nadalje<br />
določeno, da pripade državi SHS, a avstrijski<br />
prebivalci so obdržali pravico do obiskovanja<br />
grobov svojih mrtvih na določenem odseku.“ 9<br />
Ljudska šola je ostala v Avstriji in so jo leta<br />
1944 – ker je služila kot postojanka gestapa –<br />
partizani razstrelili.<br />
Tako je bila na tem področju procedura<br />
zaključena 1. novembra 1921; s tem<br />
datumom bi morali obe strani tudi zapustiti<br />
zamenjana področja. Iz tega izhaja tudi status<br />
„dvolastnikov“, torej kmetov, ki so imeli zemljo<br />
in posest to- in onstran meje. 23. februarja 1922<br />
je bila med Avstrijo in južnoslovansko državo<br />
sklenjena ureditev „maloobmejnega prometa“,<br />
od katere naj bi v „političnem okrožju Lipnica<br />
imelo koristi 147 lastnikov“ (na drugi strani<br />
pa 47 jugoslovanskih posestnikov, ki so<br />
razpolagali z lastništvom zemlje na avstrijskem<br />
teritoriju). 10 Po poizvedbah študentov graške<br />
univerze so jugoslovanski kmetje v občini<br />
Klanci posedovali 33,85, v občini Gradišče pa<br />
26,63 hektarjev zemlje; zemljiški posestniki iz<br />
občine Klanci so v Jugoslaviji obdelovali 63,16,<br />
iz Gradišča pa 10 hektarjev. 11<br />
Christian Promitzer je obnašanje južnoslovanskih<br />
(zasedbenih) enot med letoma 1919 in 1921<br />
prepričljivo in natančno povzel kot „oviranje in<br />
zatiranje“. 12 V začetku januarja 1919 je vodstvo<br />
občine Gradišče, ki je zbežalo v Arnež, pisalo<br />
deželni vladi, da so odtlej „slovenske enote v<br />
Lučanah zaprle blagovni promet z Nemško<br />
Avstrijo, tako da občine Lučane, Gradišče in<br />
Klanci ne dobijo ničesar več; dobava moke,<br />
sladkorja, petroleja, tobaka itn. je prenehala, še<br />
262<br />
manj pa je pričakovati dobavo iz jugoslovanske<br />
države, saj smo po zadnjih volilnih rezultatih<br />
pri Južnih Slovanih še bolj osovraženi.“ 13<br />
Dejansko se je jugoslovanska stran poskušala<br />
pri dobavah življenjskih potrebščin ravnati<br />
glede na naklonjenost prebivalstva; kdor se je<br />
upiral, je ostal temu primerno praznih rok.<br />
Hišne preiskave so bile sprva na dnevnem redu<br />
v enaki meri kot zaplembe, šikaniranja pri<br />
obiskovanju šole oziroma cerkve, odrekanja<br />
zdravniške pomoči, trpinčenja in prekoračitve<br />
pooblastil s strani organov prisile, deloma<br />
celo s smrtnimi posledicami. 14 A v resnici vsi<br />
„napadi“ le niso bili dejanski napadi, ampak so<br />
izhajali tudi iz povsem legitimne potrebe po<br />
(samo)obrambi – ne glede na to, ali so bile meje<br />
dokončno določene ali le začasne demarkacijske<br />
črte. V zvezi s tem je treba spomniti, da so<br />
„jugoslovanski organi 4. aprila 1919 […] zaprli<br />
demarkacijsko črto, ker so hoteli tihotapcem<br />
in sovražnim agentom preprečiti infiltracijo v<br />
Jugoslavijo.“ 15<br />
Ena od posledic določanja meje po prvi<br />
svetovni vojni je bila, da se je tako tostran<br />
kot onstran meje – v okrožjih „Lipnica,<br />
Radgona, Ljutomer in Maribor – izoblikovala<br />
‚mrtva meja‘. Dežela je postala obrobje, ki ga<br />
je postopna modernizacija v prihodnjih letih<br />
obšla v velikem loku.“ 16 Konkretno se je to v<br />
obmejnem pasu – in torej samoumevno tudi v<br />
štirih občinah „dežele vinskih goric“ – odražalo<br />
kot odsotnost pomembnih središč, dolge poti<br />
do graškega osrednjega območja, visok delež<br />
agrarne in obagrarne dejavnosti, podpovprečna<br />
velikost proizvodnih obratov, vodenje obratov<br />
od zunaj, podpovprečni dohodki, pa tudi visok<br />
delež dnevnih in tedenskih migrantov – kar je<br />
bilo od takrat značilno za to območje in velja<br />
še danes.
Glede na to je treba opozoriti na okoliščino, da<br />
v glavah ljudi nova meja v nobenem trenutku<br />
ni bila sprejeta. To bi lahko utemeljili predvsem<br />
s tem, da je bila z v Saint Germainu določeno<br />
in nato pred hišnim pragom zarisano mejo<br />
prekinjena prastara prometnogeografska in<br />
gospodarska usmeritev proti Mariboru. Ena<br />
od posledic tega je bila, da so tihotapstvo, če<br />
sploh, opravičevali tako rekoč kot nujen ukrep<br />
samoohranitve, v katerega so bili prisiljeni. 17<br />
Ob napadu nacistične Nemčije na Jugoslavijo<br />
so v šolsko kroniko Langegga zapisali, da so<br />
bile „velike enote Wehrmachta pripravljene v<br />
neposredni bližini državne meje. 6. aprila 1941<br />
je okrog 4. ure prišlo do sprostitve napetosti.<br />
Nemška vojska je po kratkem spopadu na<br />
meji prodrla v Jugoslavijo. Napredovanje je<br />
potekalo hitro in mnoge oddelke ujetnikov<br />
so vodili mimo šole. Tako je tukajšnja šola iz<br />
šole ob meji postala šola v zaledju.“ 18 Čeprav<br />
meja z Jugoslavijo od 6. aprila 1941 ni več<br />
obstajala, je regija – za razliko od prve svetovne<br />
vojne – mnogo bolj občutila učinke vojne.<br />
Če zanemarimo občasna bombardiranja, so<br />
ostale prebivalcem od leta 1944 v neizbrisnem<br />
spominu predvsem aktivnosti partizanov. 19 Z<br />
dekanom in poštnim upravnikom so partizani<br />
dokazano navezali stike, ki pa niso obrodili<br />
nobenih sadov. Konec koncev je poveljnik<br />
tako imenovane „partizanske drhali“ trezno<br />
ugotovil, da si z Avstrijci ni mogoče prav nič<br />
pomagati. 20<br />
Posebnost Štajerske v času takoj po vojni,<br />
namreč petkratna zasedba od Američanov,<br />
Britancev, Sovjetov, Bolgarov in partizanskih<br />
enot, je zapustila neposredne, dasiravno kratke<br />
sledi.<br />
Lučanski dekan Johann Stoff je februarja 1945<br />
pisal knezoškofijskemu ordinariatu v Gradcu:<br />
In vendar se premika …<br />
„Sodeč po namigih […] se lahko mi tukaj v<br />
bližnji prihodnosti pripravimo na vse mogoče;<br />
v vsakem primeru pa bi bilo zavračanje<br />
mnogo boljše od sprejemanja. Poudariti pa je<br />
treba, da se – vsaj za zdaj – z nobene strani<br />
ni zgodilo nič hudega nobenemu župniku<br />
ali duhovniku.“ 21 Prve tuje čete, ki so zasedle<br />
območje župnije, so bile bolgarske enote, ki so<br />
se borile v sklopu (sovjetske) Rdeče armade.<br />
Sledile so jim partizanske enote, o katerih je<br />
lučanski dekan poročal, da so sprva prihajale<br />
iz območja Maribora in so jih sestavljali „borci<br />
za svobodo v pravem pomenu besede in versko<br />
naravnani. A ko so jim sledili komunistični<br />
partizani iz ljubljanskega območja in z Balkana,<br />
so se morali [katoliški] partizani mnogokrat<br />
spet umakniti in zaradi svojega branjenja<br />
[katoliških] interesov celo bežati čez mejo, če<br />
so si hoteli rešiti življenje.“ 22 Žandarmerijska<br />
kronika poroča poleg ropanja in plenjenja tudi<br />
o posilstvih, katerih domnevni obseg pa ni<br />
znan niti približno. 23<br />
Sredi maja so prišle v Lučane enote 14. udarne<br />
divizije Jugoslovanske armade, z njimi pa<br />
konec koncev tudi slavno-zloglasni „lučanski<br />
komisar“. 24<br />
Ta je razglasil, da ima nalogo pripraviti vse<br />
za pripojitev območja k Jugoslaviji. To je med<br />
drugim pomenilo, da je slovenščina od tistega<br />
trenutka postala uradni jezik. V času, ko je<br />
opravljal funkcijo „lučanskega komisarja“<br />
Fišinger, in ki ga lahko lokalno brez nadaljnjega<br />
označimo kot obdobje najhujšega terorja – torej<br />
kombinacije stalnih groženj s smrtjo, ropanj,<br />
zaplemb, posilstev ipd. -, je bilo 22. maja 1945<br />
pobitih tudi več kot štirideset vojakov; veliko<br />
večino so sestavljali hrvaški ustaši, ki so jih iz<br />
lazareta v nekdanji samostanski šoli odvedli<br />
do nekega jarka in jih, deloma na zverinski<br />
način, postrelili ali dotolkli. V začetku julija so<br />
263
In vendar se premika …<br />
partizanske enote zamenjale sovjetske, te pa<br />
so se spet – v skladu s prvotnim sporazumom<br />
o nadzoru – 22. julija 1945 umaknile<br />
britanskim.<br />
Dve leti kasneje je lučanski dekan v nekem<br />
pismu zapisal, da „želi podati poročilo o<br />
položaju v tem nemirnem in skoraj vojnemu<br />
stanju podobnem mejnem območju.“ 25 S tem<br />
je hotel povedati, da je bila obmejna regija<br />
prizorišče znotrajjugoslovanske državljanske<br />
vojne med belo- in rdečegardisti. 26<br />
Jugoslovanske ozemeljske zahteve, ki so se<br />
dotikale tudi „dežele vinskih goric“, so bile v<br />
začetku 1947 umaknjene, kar je med domačini<br />
sprožilo vzneseno odobravanje. 27 Temu pa<br />
je nemudoma sledilo hermetično zaprtje<br />
meje, ki je popustilo šele s sporazumom<br />
iz Bad Gleichenberga (1953), ko je bil<br />
zakonsko urejen, kasneje pa še razširjen, tudi<br />
„maloobmejni promet“. Na kraju samem je bil<br />
sporazum pomemben predvsem za avstrijske<br />
dvolastnike, ki so lahko šele od takrat naprej<br />
spet gospodarili s svojo lastnino na državnem<br />
ozemlju Jugoslavije. Če zanemarimo občasne<br />
prekoračitve pooblastil, ki pa seveda niso več<br />
dosegale „svinčene kakovosti“ iz let takoj<br />
po vojni, je na meji poslej vladal mir, kar pa<br />
je resnici na ljubo pomenilo tudi zastoje na<br />
mnogih področjih.<br />
Z izjemo s strani Republike Avstrije – če<br />
se izrazimo zelo zadržano – več kot le<br />
neodločnega uveljavljanja manjšinskih<br />
zakonov v skladu z Državno pogodbo (7. člen),<br />
bi lahko medsosedske odnose označili kot<br />
povsem korektne. 28 V zvezi s tem pa ne smemo<br />
pozabiti, da ta meja (ki je ostala nespremenjena)<br />
ni razmejevala le državnih teritorijev, ampak<br />
je bila tudi ideološka ločnica. Na kraju samem<br />
je to pomenilo, da so „zadevni“ krogi, ki so se<br />
tam že pred letom 1938 igrali svoje „zadevne“<br />
264<br />
(umazane) igrice, postavili „področje obmejne<br />
dežele“ v središče svojih aktivnosti, iz tega<br />
izpeljane zgodbice o „slovanski infiltraciji“ pa<br />
v središče svoje duhovne drže. 29<br />
Seveda je treba ob tem upoštevati (lokalno)<br />
relevantno oceno oziroma interpretacijo, saj so<br />
te aktivnosti sledile tudi socialno usmerjenim<br />
ciljem, kar vsled neverjetne revščine v tej<br />
obmejni regiji dopušča možnost, da se nam<br />
zazdijo vprašanja o svetovnih nazorih<br />
drugotnega pomena.<br />
„Slovenska preteklost“. Če želimo določiti<br />
delež slovenskogovorečih prebivalcev,<br />
so tako podatki ljudskih štetij oziroma<br />
popisov prebivalstva v stari monarhiji kot v<br />
republikanski Avstriji uporabni le deloma.<br />
Kakor so bili v monarhiji predvsem izraz<br />
socialnoekonomskih razmerij nadvlade, so bila<br />
etnografska razmerja tudi pri ljudskih štetjih<br />
v prvi republiki prikazana le skrajno površno.<br />
Nobenega dvoma namreč ne more biti, da so na<br />
področju Štajerske po letu 1918 (in tudi 1945)<br />
živeli (in živijo) ljudje s slovenskim občevalnim<br />
jezikom. Leta 1934 so na primer spraševali<br />
ljudi po jeziku, „katerega kulturnemu krogu<br />
se čutijo pripadni“. Ohranjeni so podatki „na<br />
ravni političnih okrožij […]. Na celotnem<br />
področju avstrijske Štajerske je bilo […] 3.838<br />
prebivalcev s slovenskim občevalnim jezikom,<br />
od tega 1.756 v političnem okrožju Lipnica,<br />
h kateremu so spadale tudi vasi Radgonskega<br />
kota skupaj z Radgono.“ 30 Nacionalsocialistično<br />
ljudsko štetje v letu 1939 – za dajanje napačnih<br />
podatkov je bila zagrožena kazen – je izkazalo<br />
„skupaj 3.607 prebivalcev, ki so se izjasnili<br />
za pripadnike nenemških jezikovnih skupin<br />
(‚slovenske‘, ‚nemško-slovenske‘, ‚vindišarske‘,<br />
‚nemško-vindišarske‘).“ Od tega je 1444 oseb<br />
živelo v okrožjih Radgona in Lipnica. Ljudsko
štetje leta 1951 je v obmejnem območju<br />
ugotovilo skupaj 580, leta 1961 229, 1971 pa<br />
257 Slovencev. Leta 1991 se je – resda v celotni<br />
zvezni deželi – število oseb s slovenskim<br />
maternim jezikom dvignilo na 1500. 31 Zaradi<br />
natančnosti in odprave nejasnosti pa je k temu<br />
treba dodati pojasnilo, da je ta popis štel osebe<br />
s stalnim prebivališčem v Avstriji ne glede na<br />
njihovo državljanstvo.<br />
Preostanejo torej drugi indikatorji, ki dovoljujejo<br />
vsaj približne ocene – konkretno šolske<br />
kronike 32 in kot viri eminentnega pomena<br />
dokumenti Škofijskega arhiva v Gradcu.<br />
Vizitacijska poročila iz 20-ih let pogosto<br />
opozarjajo, da nekateri učenci sploh niso<br />
obvladali nemškega jezika. 33 Še leta 1951 je bilo<br />
v nekem poročilu o šolski vizitaciji zapisano,<br />
da učne težave nekaterih otrok med drugim<br />
izhajajo iz dejstva, da so njihovi starši pogosto<br />
„slovenski“. 34<br />
Obvladovanje obeh jezikov je v župniji Lučane<br />
do neke mere veljalo za pogoj pri prevzemanju<br />
cerkvenih služb, češ da je tamkajšnje<br />
prebivalstvo „po naravi sestavljeno iz Nemcev<br />
in Slovencev“. 35 Tako je Anton Waude, kasneje<br />
izbrani naslednik dekana Ribitscha, v svojem<br />
prijavnem dopisu omenil, da je „zelo uspešno<br />
obiskoval oba tečaja slovenskega jezika in torej<br />
obvlada slovenščino.“ 36<br />
Leta 1953 je lučanski kaplan pisal ordinariatu,<br />
da v župniji „mnogo ljudi le slabo govori<br />
nemško ali pa sploh ne“ 37 , zaradi česar bi moral<br />
prihodnji župnik obvladati tudi slovenščino.<br />
Takrat so izbirali naslednika Johanna Stoffa<br />
(župnika od 1942 do 1953), ki se je umaknil<br />
v Gradec. V svoji vlogi je Viktor Ferdinand<br />
Krainer iz Groß St. Floriana zatrdil, da zaradi<br />
svoje prejšnje „dejavnosti na Spodnjem<br />
Štajerskem […] slovenski jezik“ obvlada, torej<br />
mu „tudi stiki s slovensko govorečim delom<br />
In vendar se premika …<br />
Lučan ne bi predstavljali težave.“ 38 Enako velja<br />
za prav tako neuspešno vlogo, ki jo je podal<br />
kaplan iz Eggelsdorfa Alois Hoinig in v kateri je<br />
med drugim zapisal, da naj bi „tam še bili stari<br />
ljudje […], ki sploh ne razumejo niti besede<br />
nemškega jezika.“ 39 Samoumevno je, da je na<br />
svoja tozadevna jezikovna znanja opozoril<br />
tudi na koncu uspešni kandidat Peter Reiter. 40<br />
Christian Promitzer suhoparno ugotavlja,<br />
da danes v Lučanski regiji ni več Slovencev.<br />
„Slovenskogovoreče prebivalstvo“ se je znašlo<br />
„med kladivom ponemčenja in nakovalom<br />
stigmatizacije.“ 41<br />
Končno moramo opozoriti še na to, kako<br />
močna čustva v tistih krajih še dandanes<br />
vzbuja načenjanje teme slovenstva. Leta 1996<br />
je štajerski deželni zbor ustanovil pododbor<br />
ustavnega odbora, ki naj bi razčistil vprašanje<br />
štajerskih Slovencev. 42 Med avgustom 1996 in<br />
januarjem 1997 se je pododbor sestal sedemkrat.<br />
Deloma kot „fact-finding mission“, a tudi zato,<br />
da bi „skozi pogovore s prebivalstvom, ki je s tem<br />
vprašanjem komajda kaj seznanjeno, odstranili<br />
(tudi) nesporazume“ 43 , so v juniju 1997 v<br />
okrožju Radgona-okolica (Bad Radkersburg-<br />
Umgebung) ter občinah Sobote (Soboth)<br />
in Klanci/Gradišče izpeljali informativne<br />
shode ali zbore občanov, ki so se jih udeležili<br />
tudi poslanci vseh petih v deželnem zboru<br />
zastopanih strank in predstavnik Slovenskega<br />
kulturnega društva 7. člen za (avstrijsko)<br />
Štajersko.<br />
Kako sta potekali prireditvi v Radgoni-okolici<br />
in Sobotah, se je vedenju avtorja izmuznilo.<br />
Dejstvo pa je, da je prireditev 27. junija 1997 v<br />
gostilni Mahorko v Klancih potekala izredno<br />
burno. Zastopstvo občine Klanci je vnaprej<br />
pripravilo izjavo in resolucijo, ki so se jima<br />
pridružili tudi zastopniki občine Gradišče. Med<br />
drugim je bilo v teh dokumentih zapisano, da<br />
265
In vendar se premika …<br />
„je 19 med ljudskim štetjem 1991 ugotovljenih<br />
oseb iz nekdanje Jugoslavije (18 Slovencev, 1<br />
Hrvat) tukaj bivalo na osnovi dela za določen<br />
čas in stalno zamenjevalo dovoljenja za stalno<br />
prebivališče. Dejstvo je, da je DANES pri nas<br />
prijavljenih 13 Slovencev in 6 oseb iz preostale<br />
Jugoslavije (vklj[učno] s Hrvaško), večinoma v<br />
za pridobitno dejavnost primerni starosti,“ a<br />
še ti so se priselili med letoma 1990 in 1997.<br />
Zgodovinsko so to utemeljevali s kopijami<br />
kronik, ki so izhajale v ´s Rebenblattlu<br />
(„Vinskogoriški list“, op. prev), brezplačnem<br />
regionalnem časopisu – a v primerjavi z<br />
dosegljivimi originali so bili prikazi v njih zelo<br />
selektivni. 44<br />
Zborovanje se je sprevrglo v škandal.<br />
“Medtem ko sta poslanca Lopatka (ÖVP –<br />
Avstrijska ljudska stranka) in Wiedner (FPÖ<br />
– Svobodnjaška stranka Avstrije) to jasno<br />
izraženo mnenje sprejela, poslanca Brünner<br />
(Lib[eralni] forum) in Zitz (Zeleni) trditvam<br />
o neobstoju narodnostnih skupnosti nista<br />
hotela povsem verjeti. Nejevoljo je sprožila<br />
predvsem izjava poslanca Brünnerja, da naj bi<br />
bili Sloveniji še nekaj dolžni. To je privedlo do<br />
glasnih protestov in bolj kot ne emocionalnih<br />
besednih izbruhov, ki s tematiko shoda niso<br />
imeli mnogo skupnega. Predlagateljem so<br />
očitali, da s svojimi stališči ponovno odpirajo<br />
stare rane in s tem vnašajo nemir v dosežene<br />
dobrososedske odnose. Po nadaljnjih besednih<br />
napadih nanju sta oba prej imen[ovana]<br />
poslanca predčasno zapustila zbor občanov,<br />
saj sta se po njunih lastnih navedbah počutila<br />
ogroženo.” 45 Zaradi tega so se predstavniki<br />
obeh občin “z vso odločnostjo” ogradili od izjav<br />
“v zvezi s ‘Hitlerjem, klofutami itd.’” 46 Nekako<br />
na uho je eden od tamkajšnjih županov avtorju<br />
tega zapisa povedal, da del prebivalstva sploh<br />
ni odobraval njegovega obiskovanja tečaja<br />
266<br />
slovenščine, ter da ga je to spravilo v precej<br />
neprijeten položaj.<br />
Sosedska politika na kraju samem. Če še<br />
enkrat na hitro povzamemo. “Lučanska<br />
regija” se sooča vsaj z dvema zgodovinskima<br />
prelomnicama. Ena je meja, druga pa<br />
“slovenska preteklost” vsaj dela regije in njenega<br />
prebivalstva. S teh zgodovinsko utemeljenih<br />
vidikov je treba gledati (tudi) na regionalno<br />
sosedsko politiko. 1995 je lokalni brezplačni<br />
časopis ´s Rebenblattl zapisal, da so odnosi<br />
med to in ono stranjo meje “medtem prerasli v<br />
resnično prijateljstvo”. 47 S tem so bile mišljene<br />
čezmejne aktivnosti v okviru obnavljanja<br />
cerkve v Svetem Duhu – a o tem kasneje.<br />
21. januarja 1967 so učenke in učenci osnovne<br />
šole Gornja Radgona sodelovali na šolskem<br />
smučarskem dnevu ljudske šole Veliki Boč – to<br />
je prvo dokumentirano čezmejno dejanje. 48<br />
Slavnostni zbornik prostovoljnih gasilcev<br />
ugotavlja za 70-a leta in naprej, da se je utirilo<br />
zelo dobro sodelovanje z nekaj gasilskimi<br />
društvi v Sloveniji. Ti stiki se odražajo tudi<br />
v medsebojni pomoči, kadar je ta potrebna<br />
zaradi večjih požarov.” 49<br />
Prav tako od 70-ih let naprej so “spet začeli<br />
prirejati čezmejna romanja k Svetemu Duhu,<br />
kot so bila običajna do druge svetovne vojne.” 50<br />
A kot je avtorju tega zapisa povedal lučanski<br />
župnik, so jugoslovanski cariniki udeležence<br />
romanj občasno šikanirali.<br />
Ko so se sredi 80-ih v Jugoslaviji (oziroma<br />
v Sloveniji) začele zarisovati politične<br />
spremembe, se je postopoma krepilo tudi<br />
čezmejno sodelovanje. Mejni kamen je bil<br />
predvsem obnavljanje cerkve Svetega Duha na<br />
Ostrem vrhu v poznih osemdesetih. Gonilna<br />
sila na avstrijski strani je bil nedvomno lipniški<br />
okrajni glavar Johann Seiler, ki je “pozimi 1989
[ustanovil] komite za rešitev cerkve Sv. Duha,<br />
v katerega so se vključili predvsem župani<br />
sosednjih občin tostran in onstran meje.”<br />
Skupaj je bila v okviru akcije “Kirche ohne<br />
Grenze/Cerkev ne pozna meja” s pomočjo<br />
različnih dobrodelnih akcij, kot na primer z<br />
gradbenim kamnom (svoja dela so prispevali<br />
umetniki Gerald Brettschuh, Gert Christian in<br />
Willibald Karl), pevskimi večeri in podobnim,<br />
zbrana impozantna vsota okrog 1,5 milijona<br />
šilingov (26 milijonov sedanjih tolarjev oz.<br />
108 tisoč evrov, op. prev.). In – kar je prav<br />
tako vredno še posebne omembe – slavnostni<br />
zbornik ob stoti obletnici ustanovitve župnije<br />
Sv. Duha je bil pripravljen v dvojezični izdaji. 51<br />
Nasploh se zdi, da je bila Cerkev gonilna sila<br />
novega sosedstva (in njegove politike), ki je ne<br />
kaže podcenjevati. 7. septembra 1991 – v letu<br />
slovenske osamosvojitve – je bilo dekanijsko<br />
romanje na Sv. Duh “s strani mnogih ljudi<br />
razumljeno in sprejeto kot znak posebne<br />
solidarnosti.” 52 9. julija 1995 so “prebivalci<br />
župnije Sv. Jurij ob Pesnici (St. Georgen an der<br />
Peßnitz) […] s svojim župnikom Brankom<br />
Mačkom” obiskali župnijo Lučane. “Vsi verniki<br />
so peli im molili v svojem maternem jeziku.” 53<br />
Zgolj za primerjavo: slabih pet desetletij<br />
predtem je župnik iz Gomilice (Gamlitz)<br />
v župnijski cerkvi v Lučanah napovedal<br />
spovedi tudi v slovenskem jeziku. Dekana<br />
Reiterja so nekateri občani zato “pri državnih<br />
i[n] cerkvenih oblasteh ovajali kot prijatelja<br />
Slovencev. Nikomur drugemu,” tako piše Reiter<br />
v župnijski kroniki, “ne bi bilo ljubše […], če bi<br />
bilo vse v njegovi župniji nemško.” 54<br />
20. aprila 1992 je bilo prvič prirejeno skupno<br />
“jahanje na jurijevo” z blagoslovom konj, ki je<br />
medtem postalo stalnica čezmejnega sožitja.<br />
V šolskem letu 1993-1994 je letno poročilo<br />
splošne šole Lučane zabeležilo “tesne stike<br />
In vendar se premika …<br />
s slovenskima šolama v Selnici in Ptuju.”<br />
Oktobra 1993 je sledil šolski obisk na Ptuju, ki<br />
so ga ptujski šolarji lučanskim vrnili 3. junija<br />
1994. V tem šolskem letu so zbirali prispevke<br />
za šolo v Selnici, v letnem poročilu pa sta<br />
zabeležena še obiska literarne prireditve v<br />
Mariboru in razstave v Juriju. 55 V šolskem letu<br />
1995-1996 so v splošni šoli prvič izpeljali tečaj<br />
slovenskega jezika; taka tečaja sta zabeležena<br />
še v dveh naslednjih šolskih letih. 56 Učenci in<br />
učenke ljudske šole Veliki Boč so v šolskem<br />
letu 1995-1996 na pohodniškem dnevu prvič<br />
obiskali Slovenijo, kjer so si za cilj izbrali<br />
mladinski dom Škorpion (pri Sv. Duhu). 57<br />
10. junija 2001 sta 3. in 4. razred ljudske šole<br />
na Eory-Koglu proslavljala skupaj z učenci iz<br />
sosednje občine Kungota; na slavju so učenci<br />
obeh šol skupaj zapeli tudi slovensko pesem. 58<br />
Leta 1989 so pevsko srečanje v Lučanah prvič<br />
pripravili z udeležbo slovenskega zastopstva.<br />
Poleg Krožka pojočih žena Lučane in Pevskega<br />
društva Arnež se ga je udeležil tudi Mariborski<br />
oktet. 59 S tem je bilo spočeto sodelovanje, ki se<br />
je – poleg medsebojnih povabil – ne nazadnje<br />
več kot izkazalo ob pevskih dobrodelnih<br />
nastopih za sanacijo cerkve Sv. Duha. 60<br />
A tudi na gospodarskem področju je prihajalo<br />
do vse tesnejšega sodelovanja. Jurijevo jahanje<br />
26. aprila 1998 je bilo na primer skupni projekt<br />
občinskih turističnih zvez Lučan in Jurija-<br />
Kungote. 61<br />
“Pod geslom ‘Obmejno območje – življenjski<br />
prostor, Slovenija-(avstrijska) Štajerska’ je bila<br />
v splošni šoli Lučane 24. 01. 1992 otvoritvena<br />
prireditev, ki so se je v velikem številu udeležili<br />
prebivalci iz obeh delov obmejnega območja.”<br />
Deželni izobraževalni inštitut je pripravil<br />
program skupaj “s Svetovalnim centrom<br />
Republike Slovenije in lokalnimi skupnostmi<br />
Arnež, Eichberg, Trautenberg, Klanci, Gaj, Sv.<br />
267
In vendar se premika …<br />
Duh, Jurij, Oberhaag, Gradišče, St. Janez v<br />
Seggauski dolini in Svečina […].” 62<br />
1. avgusta 1999 je bila v okviru “planinskega<br />
praznika brez meja” končno tudi uradno<br />
posvečena obmejna panoramska pot. To je<br />
pešpot med Sobotami in Radgono, ki poteka<br />
to- in onstran meje. “Projekt je bil v veliki meri<br />
načrtovan in izveden ob podpori sredstev iz<br />
programa Interreg.” 63<br />
Ozrimo se končno še za trenutek na sedanjost.<br />
Da bi se seznanili s pregledom trenutne situacije,<br />
smo s štirimi občinami “dežele vinskih goric”<br />
skušali navezati stike s pomočjo elektronske<br />
pošte. Odgovorila je le občina Klanci ob Vinski<br />
cesti. Tačas – tako piše v odgovoru na naša<br />
dopis – se ukvarjajo s projektom čezmejne poti<br />
“Kolesarska pot R 54 – panoramska pot”. Močne<br />
povezave so tudi s projektom “Gospodarska<br />
pobuda Pesnica-Seggauska dolina”, ki pa bi ga<br />
bilo “treba zaradi možnosti pridobitev sredstev<br />
iz programa Interreg razširiti še na območje<br />
Ptuja (Pettau).”<br />
Ob vstopu Slovenije v Evropsko unijo so na<br />
mejnih prehodih Jurij-Langegg in Sv. Duh-<br />
Großwalz potekale čezmejne slovesnosti.<br />
“Na Slovenijo v (avstrijskih) obmejnih krajih<br />
poslej gledamo kot na dobrososedskega in<br />
vzpenjajočega se gospodarskega partnerja.” 64<br />
S tem so medsosedske povezave usmerjene in<br />
določene predvsem na gospodarskih osnovah.<br />
A medtem ko večina slovenskih županov<br />
govori nemško, je znanje slovenščine pri<br />
avstrijskih županih kvečjemu rudimentarno<br />
(če sploh). Če bi želeli Promitzerjevo izjavo o<br />
“izgubljenih bratih” geografsko preobrniti, na<br />
avstrijski strani ne bi zaznali nobene izgube.<br />
Tok zgodovine je najbrž že izrekel dokončno<br />
sodbo.<br />
268<br />
OPOMBE<br />
1 Prim. Wassermann, Heinz P.: 20. stoletje. V: Kronika Vinske dežele. Izd.<br />
Alexander Wilhelm. Gradec 2004. str. 191-348.<br />
2 Pojem “Lučanska regija” je skoval in tudi prepričljivo argumentiral graški<br />
zgodovinar Christian Promitzer.<br />
3 Prim. Rauchensteiner, Manfried: Smrt dvoglavega orla. Avstro-Ogrska v<br />
prvi svetovni vojni. Gradec 1993.<br />
4 Schober, Franz Josef in Staudinger, Eduard: Dr. Brodmann in<br />
spodnještajerska kmečka komanda (1919-1922). V: 800 let župnije Straden<br />
1188-1988. Izd. Gottfried Almer in Norbert Müller. Straden in Gradec 1988.<br />
str. 466-473 (tu str. 466).<br />
5 Kronika občine Klanci.<br />
6 Promitzer, bratje, str. 199.<br />
7 Prav tam, str. 201f..<br />
8 Prav tam, str . 221f..<br />
9 Prav tam, str. 223.<br />
10 Prav tam, str. 232.<br />
11 Prim. Kanzler, Helmut: Narodnopolitična situacija in naloge na območju<br />
Ratsch-Lieschen. Gradec o. J. [1939] (= Del Življenjskih vprašanj obmejnega<br />
prebivalstva, raziskanih ob južni štajerski meji). S. 334.<br />
12 Promitzer, bratje, str. 205.<br />
13 Štajerski deželni arhiv (StLA), Stat. predst. A5B-113/11919; Občina<br />
Gradišče deželni vladi, 4. januar 1919.<br />
14 Prim. Wassermann, Stoletje, str. 316f..<br />
15 Promitzer, bratje, str. 205.<br />
16 Karner, Stefan: Štajerska v Tretjem rajhu 1938-1945. Vidiki njenega<br />
političnega, gospodarsko-socialnega in kulturnega razvoja, 2., razširjena<br />
izdaja. Gradec in Dunaj 1986. str. 123.<br />
17 Prim. v tej zvezi vseskozi zabavne in ganljive življenjske spomine Fritza<br />
Körblerja: O življenju ob meji. Zamišljene in vznesene kratke zgodbe iz<br />
izginulega časa. O.O. o. J. [1994] in sodelavci: Nepozabna domovina ob<br />
meji. O.O. o. J. [1997].<br />
18 Kronika ljudske šole Langegg.<br />
19 Prim. Wassermann, Stoletje, str. 238-240.<br />
20 Prim. Promitzer, bratje, str. 284-289<br />
21 Škofijski arhiv Gradec (DAG), Dekanijske vizitacije, Dekanat Lučane,<br />
Cerkvene vizitacije 1900-1955; Dekanijski urad Lučane škofijskemu.<br />
ordinariatu, 14. februar 1945.<br />
22 Dekanijske vizitacije, Dekanat Lučane, Cerkvene vizitacije 1900-1955;<br />
Dekanijski urad Lučane škofijskemu. ordinariatu, 11. maj 1946.<br />
23 Prim. Kronika žandarmerijske postaje Lučane.<br />
24 Promitzer, bratje, str. 303.<br />
25 Dekanijske vizitacije, Dekanat Lučane, Cerkvene vizitacije 1900-1955;<br />
Dekanijski urad Lučane škofijskemu. ordinariatu, 10. junij 1947.<br />
26 Prim.. Wassermann, Stoletje, str. 322-324.<br />
27 Prim. prav tam, str. 319-322.<br />
28 Prim. Liedermann, Helmut: Podoba Avstrije v nekdanji Jugoslaviji. V:<br />
Videno z drugimi očmi. Mednarodna percepcija Avstrije 1955-1990. Izd.<br />
Oliver Rathkolb [idr.] . Dunaj [idr.] 2002 (= Avstrijska nacionalna zgodovina,<br />
zv. 2), str. 523-562.<br />
29 Prim. Wassermann, Stoletje, str. 333-342.<br />
30 Klemenčič, Matjaž: V luči jezikovne statistike. Slovensko- in nemškogovoreči<br />
v južni in spodnji Štajerski 1830-1991. V: Slovenski Štajerec. Zatirana<br />
majnšina na avstrijskem Jugovzhodu. Izd. Christian Stenner. Dunaj [idr.]<br />
1997 (= K dediščini jugovzhodne Evrope, II/23). str. 69-105 (tu str. 96).<br />
31 Prav tam, str. 97f..<br />
32 Obdelavi šolskih kronik se bomo zaradi pomanjkanja prostora odpovedali.<br />
Iz njih pa lahko nedvoumno razberemo, da jim je bil po letu 1918 dodeljen<br />
tudi pouk v slovenskem jeziku.<br />
33 Prim. DAG (Škofijski arhiv Grdec), Šolski dokumenti, Dekanijske šolske<br />
vizitacije, Lučane 1900ff; Dekanijski urad Lučane škofovskemu ordinariatu,<br />
3. november 1923; 9. september 1924; 1. oktober 1926; 29. avgust 1927; 14.<br />
september 1928; 6. september 1929.<br />
34 DAG, Šolski dokumenti, Dekanijske vizitacije, Lučane 1900ff; 4622/49.<br />
35 DAG, Župnija Lučane – škofovske vizitacije; Seckauski škofijski ordinariat<br />
okrožnemu dekanatu St. Florian an der Lassnitz, 5. junij 1922.<br />
36 DAG, Župnijske karte Lučane, Župnija (1560) – Zasedba (1900ff); Anton<br />
Waude ordinariatu; 6. februar 1932.<br />
37 DAG, Župnijske karte Lučane, Župnija (1560) – Zasedba (1900ff); pisanje<br />
kaplanov iz Lučan škofijskemu ordinariatu, 28. oktober 1953.
38 DAG, Župnijske karte Lučane, Župnija (1560) – Zasedba (1900ff); Viktor<br />
Ferdinand Krainer ordinariatu; 15. oktober 1953.<br />
39 DAG, Župnijske karte Lučane, Župnija (1560) – Zasedba (1900ff); Alois<br />
Hoinig ordinariatu; 29. oktober 1953.<br />
40 Prim. DAG, Župnijske karte Lučane, Župnija (1560) – Zasedba (1900ff);<br />
Peter Reiter škofijskemu ordinariatu Seckau; 14. oktober 1953.<br />
41 Promitzer, bratje, str. 357.<br />
42 Dokumente je avtorju prijazno dal na razpolago univ. prof. dr. Christian<br />
Brünner.<br />
43 Zbirka Brünner/Štajerski Slovenci. Reinhold Lopatka in Peter Kutschi; 30.<br />
maj 1997.<br />
44 Zbirka Brünner/Štajerski Slovenci. Izjava o manjšinskem vprašanju v naši<br />
skupnosti ob zboru občanov 27. 06. 1997, 23. junij 1997.<br />
45 NN: Zbor občanov občin Klanci in Gradišče na temo slovenska manjšina. V:<br />
´s Rebenblattl, 2/1997. str. 6.<br />
46 Zbirka Brünner/Štajerski Slovenci; zbor občanov 27. 06. 1997 v Gost.<br />
Mahorko v Klancih o manjšinskih vprašanjih; distanciranje od nekaterih<br />
zahtev, 18. julij 1997.<br />
47 NN, Hlg. Geist-Sv. Duh, v: s´Rebenblattl, 4/1995. S. 6.<br />
48 Prim. Kronika ljudske šole Veliki Boč.<br />
49 Zach, Hans Georg: 111 let prostovoljnega gasilstva v Lučanah. V: 111 let<br />
prostovoljnega gasilstva v Lučanah 1877-1988. Izd. Prostovoljno gasilsko<br />
društvo Lučane. Lučane 1988. str. 16-23 (tu str. 21).<br />
50 Promitzer, bratje, str. 325.<br />
51 Prim. Domovinska knjiga trga Lučane in NN, Sv. Duh, str. 6.<br />
52 Domovinska knjiga trga Lučane.<br />
53 Kronika skupnosti Klanci (Glanz).<br />
54 Kronika dekanijske župnije Lučane.<br />
55 Prim. Letno poročilo splošne šole Lučane 1993/94.<br />
56 Prim. Letno poročilo splošne šole Lučane 1995/96, 1996/97, 1997/98.<br />
57 Prim. Kronika ljudske šole Veliki Boč.<br />
58 Prim. Kronika ljudske šole Langegg.<br />
59 Prim. Domovinska knjiga trga Lučane.<br />
60 Prim. Domovinska knjiga trga Lučane; Nagy, Hildgard: Glasba ne pozna<br />
meja. V: s´Rebenblattl, 1/1991. str. 4. Zach, Christl: Dobrodelni koncert za<br />
cerkev Sv. Duha. V: s´Rebenblattl, 3/1991. str. 15.<br />
61 Prim. K. N.: Jurijevo jahanje v Jurij/St. Georgen. V: s´Rebenblattl, 1/1998. S.<br />
21.<br />
62 Wirnsberger, Karlheinz: Mejni prostor – življenjski prostor. V: s´Rebenblattl,<br />
1/1992. str. 4.<br />
63 NN: Mejna panoramska pot. V: s´Rebenblattl, 2/1999. str. 3.<br />
64 Elektronsko pismo predstavnika občine Klanci Karla Peitlerja avtorju.<br />
ZUR PERSON – O AVTORJU<br />
Heinz P. Wassermann<br />
Heinz P. Wassermann, Mag. Dr., geb. 1964,<br />
Studium der Betriebswirtschaftslehre, Geschichte<br />
und Sozialkunde, Philosophie, Psychologie<br />
und Pädagogik an der Universität<br />
Graz. Diplom 1991, Promotion 1999. Mitarbeiter<br />
am Studiengang Journalismus und<br />
Unternehmenskommunikation der FH Joanneum<br />
in Graz. E-Mail: heinz.wassermann@<br />
fh-joanneum.at – Heinz P. Wassermann, Mag.<br />
Dr., roj. 1964, študij ekonomije, zgodovine in<br />
spoznavanja družbe, filozofije, psihologije in<br />
pedagogike na univerzi iz Gradca. Diplomiral<br />
1991, doktoriral 1999. Sodelavec študijske<br />
smeri novinarstva in podjetne komunikacij na<br />
FH Joanneum iz Gradca.<br />
In vendar se premika …<br />
269
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
Kratek zgodovinski pregled o razvoju protestantizma na Spodnjem Štajerskem od<br />
svojih začetkov do prve svetovne vojne.<br />
� Text: Dr. Anja Zalta<br />
V Mariboru in okolici se je število protestantov povečalo takrat, ko so dobili protestanti leta 1578<br />
na deželnem zboru v Brucku skoraj popolno deželno svobodo. Pred tem Maribora in Spodnje<br />
Štajerske v celoti ne moremo primerjati z razmahom protestantizma na Kranjskem in Koroškem.<br />
Šele v drugi polovici 16. stoletja je nova vera našla plodna tla tudi v Mariboru: leta 1587 je dal<br />
baron Viljem Herberstein protestantom na voljo svojo graščino Betnavo, kjer so ustanovili protestantsko<br />
občino, šolo, cerkev in pokopališče, vendar pa se val protireformacije tudi Štajerske ni<br />
izognil. Leta 1599 je Maribor obiskala protireformacijska komisija, ki je mariborskemu mestnemu<br />
svetu in sodniku dala navodila, kako naj meščani ravnajo v verskem pogledu, nato pa je razdejala<br />
protestantsko molilnico in pokopališče na Betnavi, kar je bil začetek konca reformacijskega gibanja<br />
v Mariboru. Že 8. januarja tega leta je bila v Mariboru požgana evangeličanska cerkev in šola.<br />
Protestanti so še istega leta pokopališče obnovili in ga uporabljali vse do leta 1620.<br />
Ko se je val protireformacije polegel, so se evangeličanski verniki, ki so ostali oziroma ki niso bili<br />
pregnani in ne rekatolizirani, po letu 1784 in tolerančnem patentu Jožefa II. ponovno organizirali<br />
tudi na Štajerskem, v Mariboru in okolici.<br />
V prvi polovici 19. stoletja se je mesto Maribor naglo širilo: leta 1851 je štelo 6.706 prebivalcev, v<br />
desetletju in pol se pa je število prebivalcev povečalo na 12.670, predvsem zaradi odprtja južne<br />
železnice leta 1846, koroške železnice in leta 1863 železniške strojne tovarne. 1 Železnica in industrija<br />
sta postali glavni faktor mestnega razvoja, velika večina mariborskega uradništva pa je prišla<br />
iz avstrijskih nemških krajev. Tako je Maribor postal nemški otok sredi slovenskega podeželja. V<br />
mesto so prišli tudi tisti s protestantskimi koreninami in so se vanj naselili kot delavci, obrtniki,<br />
trgovci ali uradniki ter se kasneje pridružili evangeličanski občini Gradec.<br />
Maribor je leta 1890 štel 19.898 ljudi, od tega 15.950 Nemcev in 2.650 Slovencev; na prelomu stoletja<br />
pa je bilo že 24.601 prebivalec, od tega 19.298 Nemcev in 4.602 Slovenca, 24.183 katolikov in<br />
326 protestantov. Po podatkih, ki jih navaja Arnold Suppan, se je po ljudskem štetju med leti 1880<br />
do 1910 nemško govoreče prebivalstvo na Spodnjem Štajerskem povečalo iz 46 734 na 73 148, tj.<br />
iz 10,7 % na 15 %. 2<br />
270
Proč-od-rimskega gibanja (Die Los-von-Rom-<br />
Bewegung) in začetek 20. stoletja. 19. stoletje<br />
je bila rojstna doba modernega nacionalizma.<br />
Težnje po zedinjenju vseh Nemcev je zagovarjala<br />
predvsem Vsenemška stranka (Alldeutsche<br />
Partei) Georga Ritterja von Schönererja, ki je<br />
od začetka 80. let 19. stoletja vse bolj obvladoval<br />
nacionalno gibanje na Dunaju. Schönerer<br />
je v glavnem propagiral združitev z nemškim<br />
rajhom in rasni antisemitizem. Novembra leta<br />
1898 izide Schönererjev poziv k prestopanju<br />
v protestantizem in tudi spodnještajerski<br />
nemški tisk (predvsem Marburger Zeitung in<br />
Deutsche Wacht) začne z močno agitacijo za<br />
izstopanje iz rimskokatoliške cerkve, glavno<br />
propagandno delo pa v svoje roke vse bolj prevzemata<br />
vikar Fritz May v Celju in pastor Ludwig<br />
Mahnert v Mariboru.<br />
Spodnještajerski tisk v propagandni kampanji<br />
za izstopanje iz rimskokatoliške cerkve sprva<br />
poudarja, da gre v prvi vrsti za politično in<br />
nacionalno, nikakor pa ne za religiozno (kar<br />
poudarja Schönerer) ali celo protiavstrijsko zadevo.<br />
3 Predvsem z delovanjem mariborskega<br />
pastorja Ludwiga Mahneta, ki je bil leta 1903 v<br />
Mariboru izvoljen za evangeličanskega duhovnika,<br />
pa se v pročodrimski propagandi pojavlja<br />
tudi verski moment. V svojem romanu „Die<br />
Hungerglocke“ med drugim zapiše, da so prav<br />
Slovenci (die Windischen) najlepši, a tudi najbolj<br />
žalosten dokaz nesposobnosti Rima, da<br />
bi neko ljudstvo popeljalo do kulturnega nivoja.<br />
4 Čeprav so na Spodnjem Štajerskem obstajali<br />
politični pogoji za uspeh pročodrimskega<br />
gibanja, pa opaznejše uspehe gibanje doseže<br />
šele v letih 1904-1910, ko v Lavantinski škofiji<br />
zabeležijo 1.126 od skupaj 1.653 izstopov iz<br />
rimskokatoliške cerkve do konca leta 1913. 5<br />
Nedvomno so so odnosi med katoliško in<br />
evangeličansko cerkvijo v tem času zaostrili.<br />
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
Avstrijski katoliški tabor je pročodrimsko gibanje<br />
razumel kot gibanje, ki se želi odcepiti<br />
od Avstrije (Los von Österreich), in zanimivo<br />
je tudi, da se je od gibanja distanciral tudi vrhovni<br />
cerkveni svet (Oberkirchenrat) na Dunaju.<br />
6<br />
Razcvet protestantske vere v tem času je nedvomno<br />
posledica vpliva pročodrimskega gibanja.<br />
Pojav organizacije Südmark, vloga<br />
evangeličanskega duhovnika Ludvika Mahnerta<br />
in borba za Podravje. Poseben problem,<br />
ki je mučil spodnještajerske Nemce, je bilo<br />
ozemlje Dravske doline in Slovenskih goric, ki<br />
je bilo – razen Maribora in Ptuja – poseljeno<br />
z večinskim slovenskim prebivalstvom: delež<br />
Nemcev na jezikovno mešanem območju med<br />
Špiljem in Mariborom je padel na vsega 25 %. 7<br />
Za obrambo fevdalnih gospodarskih in kulturnih<br />
postojank na slovenskem Štajerskem<br />
in za zaviranje nadaljnjega napredovanja Slovencev<br />
so avstrijski Nemci dali že leta 1880<br />
pobudo za ustanovitev nemške šolske družbe<br />
– »Schulverein« –, graški Nemci pa so leta 1889<br />
ustanovili organizacijo za gospodarsko utrjevanje<br />
slovenještajerskega nemštva – »Südmark«.<br />
»Namen Schulvereina je bil pomagati<br />
slovenještajerskim Nemcem povsod, kjer<br />
so prebujeni Slovenci terjali slovenski šolski<br />
pouk; namen Südmarke pa ‘varovati ogroženo<br />
nemško zemljiško posest, pridobivati nazaj izgubljeno<br />
in gojiti med ljudmi zavest nemške<br />
skupnosti’.« 8<br />
Organizacija Südmark je s podporo duhovnika<br />
Ludwiga Mahnerta v letih med 1906 in 1914<br />
izvedla kolonizacijo okolice Šentilja in Dravske<br />
doline, da bi na tak način vzpostavila »nemško<br />
mostišče« do Maribora. Od skupaj 75 družin s<br />
443 člani, ki so se priselile do julija leta 1914, so<br />
271
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
kar 64 družin s 368 člani – v glavnem je šlo za<br />
evangeličane iz Württemberga – naselili v okolici<br />
Šentilja, ostale nemške družine (iz Ogrske)<br />
pa so naselili po Dravski dolini. 9<br />
Pastor Mahnert je za Slovence poosebljal zagrizenega<br />
nemškonacionalističnega hujskača, ki je<br />
zaradi izrazito protidržavnega govora ob grobu<br />
smrtno ranjenega nemškega vojaka dravske<br />
vojašnice, poročnika Emila Gugla, ki je padel<br />
ob Maistrovi razorožitvi Schutzwehra, postal<br />
trni v peti slovenskih oblastnikov. 28. decembra<br />
1918 so ga aretirali: Mahnert je bil obsojen<br />
na dva meseca strogega zapora, vendar mu<br />
sodišče obsodbe ni izreklo osebno, saj je sredi<br />
pomladi leta 1919 pobegnil v Avstrijo. 10 Mariborska<br />
evangeličanska občina je nato razpisala<br />
prosto mesto duhovnika, na katerega se je prijavil<br />
Johann oziroma Janez ali Ivan Baron.<br />
Prevratni časi ob koncu prve svetovne vojne.<br />
Protestanti v Sloveniji so bili po razpadu<br />
Avstro-Ogrske odrezani od svojih avstrijskih<br />
in madžarskih verskih predstojništev.<br />
Prevratniški časi so bili usodni za mnogo<br />
nemških uslužbencev. Ob začetku 1. svetovne<br />
vojne so imeli Nemci v rokah vse vajeti gospodarstva<br />
in politične oblasti, delež slovenskega<br />
prebivalstva pa je padal, zato se je sprožil<br />
pogrom nemških ekstremistov proti slovensko<br />
usmerjeni inteligenci in tudi duhovščini. Veliko<br />
jih je bilo aretiranih, zaprtih in deležnih<br />
hišnih preiskav, zaslišanj in drugih šikaniranj. 11<br />
Kot odgovor na to početje so bili maja 1919<br />
iz države izgnani vsi odpuščeni nemški<br />
železničarji iz Spodnje Štajerske, razpustili so<br />
nemška društva, v kolikor niso bila humanitarnega<br />
značaja, istočasno pa je deželna vlada<br />
za Slovenijo (naslednica narodne vlade) sklenila<br />
poslati vsem občinam dopis o prepovedi podeljevanja<br />
domovinske pravice Nemcem. 12 Po<br />
272<br />
podatkih evangeličanskega župnijskega urada<br />
jih je v prevratnem obdobju iz Maribora odšlo<br />
okrog 2.000. 13<br />
Nemški seniorat in evangeličanska skupnost<br />
v Mariboru v obdobju med obema vojnama.<br />
Kmalu po letu 1918 je nova oblast številna<br />
nemška društva razpustila. Razpuščena so<br />
bila stanovska in kulturna društva, društva delavcev<br />
in uradnikov, rezervnih oficirjev, upokojencev,<br />
vojaška in policijska združenja itd. 14<br />
Slovenska oblast ni prepovedala le dela društev<br />
Deutscher Schulverein in Südmark, temveč<br />
tudi razpečevanje njunih glasil in propagandnih<br />
sredstev.<br />
V tem obdobju je mariborska gmajna štela<br />
900 duš in njihova nacionalnost je bila – po<br />
besedah evangeličanskega duhovnika J. Barona<br />
– nemška, zato so nanjo leteli očitki, da je<br />
nacionalistična, kar se je čez dobrih deset let<br />
tudi pokazalo.<br />
O težkem položaju nemških vernikov v<br />
Sloveniji je na 29. generalnem zasedanju<br />
Evangeličanske zveze junija 1925 v Königsbergu<br />
govoril bivši mariborski, takrat innsbruški<br />
duhovnik L. Mahnert, ki je ostro obsodil »slovenski<br />
teror«, ki da je popolnoma ohromil kulturno<br />
življenje Nemcev, jim razpustil društva,<br />
ukinil šole in zdaj nad njimi izvaja prisilno<br />
slavizacijo. Število vernikov je prav na račun<br />
tega pritiska drastično padlo, zato Mahnert<br />
navaja primerjave med podatki o številu vernikov<br />
za leti 1918 in 1925: Celje je imelo leta<br />
1918 640 evangeličanov, leta 1925 pa le še 270.<br />
Šentilj jih je imel najprej 300, potem 260, Maribor<br />
prej 1.800 in nato 900, Ptuj jih je imel<br />
prej 200 in potem 110, Marenberg (Radlje ob<br />
Dravi) pa najprej 180 in nato 90. Slovenci naj<br />
bi onemogočali prestope v luteranstvo, vendar<br />
se je versko življenje gmajn v odporu zoper slo-
venski pritisk le še okrepilo. Takrat so bile z izjemo<br />
Ljubljane vse ostale gmajne še vedno povsem<br />
nemške. 15<br />
Seniorja Barona pa je med drugim navduševalo<br />
tudi delo z mladino in postal je predsednik<br />
deželnocerkvenega mladinskega sveta (landeskirchlicher<br />
Jugendrat), njegovo delo pa je,<br />
po Zajškovih besedah, v marsičem spominjalo<br />
na nacistične koncepte mladinskega gibanja,<br />
saj je na veliko poudarjala pomen nacionalne<br />
zavesti. 16 Evangeličanska mladina<br />
v Jugoslaviji se je podobno kot drugod organizirala<br />
v mladinskih združenjih in skupinah<br />
“križarjev”, svojo aktivnost pa je udejanjala ob<br />
raznih družabnih in športnih srečanjih. 17 Pomembno<br />
vlogo v deželni cerkvi pa je imel tudi<br />
Gerhard May, ki je po besedah Georga Wilda<br />
veljal celo za »najpomembnejšega teološkega<br />
vodjo nemškega protestantizma v Jugoslaviji.«<br />
18 Leta 1934 je v Göttingenu izšla njegova<br />
knjiga o nemškem poslanstvu cerkve v diaspori<br />
(Die volksdeutsche Sendung der Kirche),<br />
ki predstavlja najpomembnejše delo kakega<br />
jugoslovanskega evangeličanskega teologa.<br />
Knjiga je doživela velik odziv v vsej nemškoevangeličanski<br />
diaspori. Cerkev mora po<br />
Mayevem mnenju ohranjati nemške elemente<br />
evangeličanskega duha ter skrbeti za to, da si<br />
bodo Nemci v diaspori medsebojno pomagali<br />
in tako krepili svoj politično-gospodarski in<br />
kulturni položaj.<br />
V obdobju med leti 1934 in 1941 se je v okviru<br />
t.i. jugovzhodne konference (Südostkonferenz)<br />
vršil poskus združevanja nemških<br />
evangeličanskih cerkva v diaspori. Kot vemo,<br />
se je po razpadu tako nemške kot avstroogrske<br />
monarhije leta 1918 njun teritorij razdelil na<br />
več držav in nemško govoreče prebivalstvo je<br />
ostalo v manjšini. Za pripadnike te manjšine,<br />
predvsem v državah vzhodne in jugovzhod-<br />
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
ne Evrope, se je uveljavil izraz »folksdojčer«<br />
(Volksdeutscher), ki so si ga izmislili nacisti in<br />
je imel politični poudarek. 19<br />
Pojav zveze Kulturbund in njena povezanost<br />
z evangeličansko cerkvijo v Sloveniji. Po 1.<br />
svetovni vojni so se Nemci na slovenskem<br />
Štajerskem strnili v pevskih društvih, športnih<br />
organizacijah in denarnih zavodih 1. oktobra<br />
leta 1922 pa so ustanovili svoje Politično in<br />
gospodarsko društvo Nemcev v Sloveniji (Politischer<br />
und wirtschaftlicher Verein der Deutschen<br />
in Slowenien) s sedežem v Mariboru.<br />
Namen društva je bil ozaveščanje Nemcev<br />
na Slovenskem o političnih, gospodarskih in<br />
kulturnih zadevah ter izboljševanje splošnega<br />
položaja nemškega prebivalstva v družbi. 20 Poleg<br />
svoje politične dejavnosti (sodelovanje pri<br />
državnozborskih in občinskih volitvah) pa je<br />
društvo delovalo tudi na kulturnem področju,<br />
saj je odprlo čitalnico, kjer so bili na razpolago<br />
jugoslovanski, nemški in avstrijski časopisi<br />
ter revije, septembra 1928 pa je pričela delovati<br />
tudi ljudska in otroška knjižnica. 21 Društvo je<br />
opravljalo tudi socialno poslanstvo, saj je vsakemu<br />
nemškemu rojaku, ki je bil brez sredstev,<br />
nudilo zdravniško in pravno pomoč.<br />
Prvi poskusi združitve nemštva v Kraljevini<br />
SHS so se začeli že leta 1919. Takrat je bilo v<br />
Zrenjaninu ustanovljeno Nemško gospodarsko<br />
in kulturno društvo (Deutscher Wirtschafts-<br />
und Kulturverein), leta 1920 pa so Nemci v<br />
Novem Sadu osnovali še svojo matično organizacijo<br />
švabsko-nemško kulturno zvezo<br />
(Schwäbisch-Deutscher Kulturbund), kasneje<br />
imenovano preprosto Kulturbund. Kulturbund<br />
je bil zasnovan kot nepolitična organizacija, z<br />
nalogo ustanavljanja knjižnic, promoviranja<br />
knjig, filmov, glasbe, organiziranja predavanj,<br />
skrbi za vzgojo nemških učiteljev in duhov-<br />
273
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
nikov itd. Društvo, ki naj bi razvijalo nemško<br />
kulturo, se je v naslednjem desetletju izkazalo<br />
za najpomembnejši člen utiranja hitlerjanstva<br />
pri nas, kulturna društva pa so vse bolj postajala<br />
podaljšana roka Kulturbunda, ki je prek<br />
njih širil nacistično ideologijo.<br />
Kulturbund je po vzponu nacizma postajal<br />
vse bolj politična organizacija, ki je s predavanji,<br />
ljudskimi večeri, materinskimi dnevi,<br />
spoznavanji nemške kulture in nemških<br />
pesmi ter folklore, s socialnimi podporami<br />
revnejšim, z gostovanji, športnimi igrami itd.<br />
širila nacionalistično ideologijo. Kulturbund si<br />
je močno prizadeval ustanoviti nemške šole,<br />
še posebej po izdanem odloku prosvetnega<br />
ministrstva 1. septembra 1930, po katerem se<br />
vpisujejo otroci v nemške šole po želji in izjavi<br />
staršev. Tako so si z vsemi napori prizadevali,<br />
da bi zbrali v raznih krajih primerno število<br />
otrok. »Ker pravih Nemcev in nemških otrok<br />
razen v Mariboru nikjer ni bilo dovolj, so se z<br />
vsemi sredstvi lotili finančno in gospodarsko<br />
odvisnih slovenskih staršev, da bi vpisali svoje<br />
otroke v nemške manjšinske šole.« 22<br />
Leta 1933 je v Kulturbundovih prostorih med<br />
drugimi predaval tudi Johann Baron o pomenu<br />
Luthra, ob koncu leta pa je bil svečan<br />
sprejem novih članov (kameradov), na katerem<br />
je Rudolf Holzer v govoru novincem že<br />
nakazal smernice delovanja društva. Med drugim<br />
je poudaril: »Naš narod mora živeti, tudi<br />
če moramo zato umreti. Hvaležni moramo<br />
biti, da smo v materinskem naročju našli hrbtenico<br />
manjšine, pa naj gre za bojevanje proti<br />
brezposelnosti ali čiščenje nemške kulture od<br />
židovske umazanije.« 23<br />
Po sklepu banske uprave je bil zaradi vse<br />
bolj očitnega nacionalsocialističnega delovanja<br />
15. oktobra 1935 Kulturbund v Mari-<br />
274<br />
boru razpuščen, kar pa ni pretrgalo delovanje<br />
nacistično usmerjenih Nemcev v Mariboru,<br />
saj se je njihovo delovanje strnilo v legalno dovoljenih<br />
pevskih društvih, športnih organizacijah<br />
in v nemških evangeličanskih cerkvenih<br />
občinah ter v vrsti ilegalnih nacističnih organizacij.<br />
Po priključitvi Avstrije k nemškemu<br />
rajhu leta 1938, po sudetski krizi in razbitju<br />
Češkoslovaške, se je Nemcem v Sloveniji povrnilo<br />
upanje po obnovitvi Kulturbunda.<br />
Leta 1939 je postal Kulturbund osrednja<br />
nemška organizacija, njegov razmah pa so<br />
spremljale občasne protestne demonstracije<br />
in kritike slovenskih rodoljubov, ki so želeli<br />
zatreti uničujočo petokolonaško dejavnost<br />
v Mariboru. Vsi napori so bili zaman in ob<br />
priključitvi slovenske Štajerske k nemškemu<br />
rajhu so Nemci v Mariboru pričeli ustanavljati<br />
polvojaške formacije (Deutsche Mannschaft).<br />
Jeseni leta 1940 so v Mariboru na sestanku<br />
okrajnih vodij Kulturbunda izvedli organizacijo<br />
»obveščevalnega in informacijskega sistema«<br />
in se dogovorili o izdelavi alarmnega sistema,<br />
»da bi bila čimbolj zagotovljena zaščita<br />
nemške krvi in premoženja.« 24 Ob okupaciji se<br />
je velika večina mariborskih Nemcev povezala<br />
z okupatorjem, predvsem nemški lastniki mariborskih<br />
tovarn. Okupatorjevi ukrepi v Mariboru<br />
leta 1941 so bili večinoma posledica delovanja<br />
nemške manjšine, ki je že pred vojno<br />
pripravila gradivo, ki je bilo na voljo okupatorju<br />
ob njegovem prihodu v Maribor. 25<br />
Evangeličanska cerkev na Štajerskem je<br />
sčasoma prevzela vlogo glasnika nemške<br />
manjšine pri nas, saj je simbolično že od<br />
časov pročodrimskega gibanja predstavljala<br />
čisto nemštvo ter vztrajno skrbela za ohranjanje<br />
nemškega videza: vsak poskus vdora<br />
slovenščine v Cerkev je bil preprečen.<br />
V tridesetih letih pa so evangeličanski du-
hovniki naredili še en odločilni korak: poudarjanje<br />
pomembnosti narodnosti in boj za<br />
večjo enakopravnost nemštva sta jih zbližala z<br />
nacionalsocialističnimi strujami. Posebej očitno<br />
je to postalo, ko so se povezali s Kulturbundom.<br />
Če so bili do srede 30. let kulturbundovci<br />
še zvesti državi, pa so po razpustu društva leta<br />
1936 radikalizirali svojo politiko ter jo povsem<br />
približali nacizmu: pričeli so uporabljati gesla o<br />
enem narodu in enem vodji.<br />
Po vnovični obnovitvi Kulturbunda leta 1939<br />
je prav nemška evangeličanska duhovščina zasedla<br />
vodilna mesta v društvu, predsednik pokrajinskega<br />
vodstva za Dravsko banovino pa je<br />
postal mariborski pastor J. Baron. 26<br />
Zajšek pravi, da je J. Baron svojo vlogo vodje<br />
Kulturbunda vzel resno, saj je v letu 1940 banu<br />
Dravske banovine poslal več dopisov, v katerih<br />
opozarja na težek položaj nemške manjšine<br />
in našteva konkretne primere, ko si bili Nemci<br />
zaradi svoje nacionalne pripadnosti tako ali<br />
drugače šikanirani, dotaknil pa se je tudi mnogo<br />
primerov verbalnega šikaniranja Nemcev, ki<br />
so bili deležni zbadljivk, groženj in psovk kot<br />
npr. »nemčur« ali »prekleti švaba«. 27<br />
Vendar pa je J. Baron že dobro leto potem, ob<br />
drugem valu nemškega preseljevanja štajerskih<br />
Slovencev, skupaj s tovarnarjem Franzem<br />
Tscheligijem sestavil javno izjavo, v kateri sta<br />
izrazila ogorčenje nad nasiljem, ki so ga nemške<br />
okupacijske sile izvajale nad štajerskim prebivalstvom<br />
nenemške narodnosti, nad ropanjem<br />
in zaplenjanjem njihovega premoženja itd.<br />
Avtorja izjave sta za teroristične protinemške<br />
akcije okrivila okupacijske sile same, njihovo<br />
brutalnost in nespamet ter svojeglavo postopanje<br />
brez posvetovanja z domačimi Nemci.<br />
Na ta način naj bi panslavistom in komunistom<br />
dale priložnost, da so s svojo protinemško<br />
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
agitacijo in akcijami pritegnile tukajšnje prebivalstvo,<br />
ki naj bi bilo do pred vojne po njunih<br />
besedah Nemcem naklonjeno. 28<br />
Baronovo odkrito ogorčenje nad početjem<br />
nemških okupacijskih sil ga je stalo funkcije<br />
v Kulturbundu, ki se je maja 1941 v Mariboru<br />
preimenovala v Steirischer Heimatbund:<br />
J. Barona so izključili iz kroga ljudi, na katere<br />
se je opirala nacistična oblast, in med katerimi<br />
je bilo mnogo evangeličanov, med njimi<br />
tudi Gerhard May iz Celja, ki je bil pred letom<br />
1941 predsednik Kulturbunda v Celju in nato<br />
okrožni kulturni referent Heimatbunda, ki je<br />
še naprej aktivno sodeloval pri germanizaciji<br />
Spodnje Štajerske. 29 Za svoje početje je bil<br />
jeseni leta 1944 nagrajen: postal je duhovnik<br />
graške cerkvene občine, nato pa je v Avstriji<br />
postal celo škof in po vojni predsednik avstrijskega<br />
Oberkirchenrata. 30<br />
Življenje Mariborske evangeličanske cerkvene<br />
občine med in po okupaciji. Slovenske cerkvene<br />
občine so po okupaciji postale del avstrijske<br />
evangeličanske cerkve, tako kot so bile do<br />
leta 1919. Preko avstrijske evangeličanske cerkve<br />
so bile vključene v nemško evangeličansko<br />
cerkev, naslednico Kirchenbunda. Dunajski<br />
Oberkirchenrat je jeseni leta 1941 sestavil pregled<br />
stanja protestantskih gmajn v bivši Dravski<br />
banovini.<br />
Življenje mariborske verske občine se je prilagodilo<br />
spremembam, ki jih je narekoval novonastali<br />
politični položaj. Bogoslužja so bila<br />
vsako nedeljo, razen prve nedelje v mesecu, ko<br />
so bila na Ptuju. Po njih so sledila bogoslužja<br />
tudi za otroke.<br />
V svojem poročilu, ki ga je avgusta leta 1945<br />
napisal za štajersko deželno vlado (potem ko je<br />
v Gradcu dobil zatočišče), je J. Baron predstavil<br />
nemško manjšino na slovenskem v obdobju<br />
275
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
1933–1941 kot nacizmu nenaklonjeno: zavrnil<br />
je očitke, da bi imel on in njegovi sonarodnjaki<br />
zveze z genocidnim preganjanjem Slovencev<br />
na Štajerskem, saj so se (z izjemo nekaterih)<br />
zavzemali za krščansko-socialno nacionalno<br />
politiko. Heimatbund pa naj bi jim bila vsilila<br />
okupacijska oblast. 31 Na njegovo žalost mu<br />
niso verjeli ne zavezniki in tudi ne jugoslovanska<br />
oblast. Že novembra 1944 je AVNOJ<br />
sprejel odloke, ki so določili povojno politiko<br />
do folksdojčerjev v Jugoslaviji: njihova lastnina<br />
je po vojni prešla v državno lastnino. 32<br />
Po odhodu J. Barona in večine nemških<br />
evangeličanov iz Slovenije so se za mariborsko<br />
evangeličansko cerkveno občino ponovili težki<br />
časi, ki so spominjali na obdobje po koncu prve<br />
svetovne vojne: Kristusova cerkev v Trubarjevi<br />
ulici je bila skupaj z župniščem in drugim<br />
premoženjem podržavljena, cerkev je bila izropana,<br />
orgle so odpeljali na Primorsko, porušena<br />
pa je bila tudi betonska ograja ob cerkvi in<br />
župnišču. 33 Leta 1952 je bilo evangeličanom<br />
dovoljeno opravljati obrede v svoji cerkvi, vendar<br />
v souporabi z verniki pravoslavne veroizpovedi,<br />
saj je bila pravoslavna cerkev v Mariboru<br />
porušena. Da cerkev ne bi popolnoma propadla,<br />
so evangeličani ob pomoči vernikov iz Prekmurja<br />
in iz tujine v letih 1985–1992 cerkev v<br />
celoti obnovili in elektrificirali. V letu 1994 je<br />
bil cerkveni občini vrnjen del podržavljenega<br />
premoženja (cerkev, župnišče).<br />
K mariborski cerkveni občini, ki je danes<br />
del Evangeličanske cerkve v Sloveniji, katere<br />
škofijski sedež je v Moravskih Toplicah, še danes<br />
spadajo verniki iz bližnje in daljne okolice,<br />
ki so do konca druge svetovne vojne imeli svoje<br />
bogoslužne in druge pripadajoče objekte, ki<br />
pa so jim bili odvzeti ali porušeni. Mariborska<br />
gmajna trenutno šteje okoli 100 članov, čeprav<br />
lahko na podlagi odseljevanja iz Prekmurja<br />
276<br />
sklepamo, da je v Mariboru in okolici kar nekaj<br />
sto evangeličanov, ki pa so se svoji veroizpovedi<br />
odtujili. 34 Bogoslužja se odvijajo vsako<br />
nedeljo ob 9:30 uri, vodi pa jih duhovnica Vladimira<br />
Mesarič.
OPOMBE<br />
1 Baš, Franjo: Prispevek k zgodovini Severovzhodne Slovenije, Založba<br />
Obzorja Maribor, 1989, str. 139.<br />
2 Suppan, Arnold: Deutsche Geschichte im Osten Europas – Zwischen Adria<br />
und Karawanken, Siedler Verlag, Berlin, 1998, str. 297.<br />
3 Cvirn, Janez: Trdnjavski trikotnik, Založba Obzorja Maribor, 1997, str. 238–<br />
239.<br />
4 Mahnert, Ludwig, Die Hungerglocke, str. 142, v: Cvirn, Janez: Trdnjavski<br />
trikotnik, Založba Obzorja Maribor, 1997, str. 241.<br />
5 Kovačič, Fran, Zgodovina Lavantinske škofije (1228–1928), Maribor 1928,<br />
str. 419.<br />
6 Karl Amon – Maximilian Liebmann, Kirchengeschichte der Steiermark. Graz<br />
– Wien – Köln 1993, str. 495.<br />
7 Kirchengeschichte der Steiermark, Styria, Graz, 1993, str. 505.<br />
8 Baš, Franjo: Prispevki k zgodovini severovzhodne Slovenije, Založba<br />
Obzorja Maribor, 1989, str. 195.<br />
9 Več v: Cvirn, Janez: Trdnjavski trikotnik, Založba Obzorja Maribor, 1997, str.<br />
305.<br />
10 Zajšek, Boštjan, str. 38–39.<br />
11 Ožinger, Anton: Maribor 1848–1914: Od multietičnega do multireligioznega,<br />
V: Od Maribora do Trsta, 1850–1914, Zbornik referatov, Pedagoška fakulteta<br />
Maribor, 1997, str. 346, glej tudi: Pleterski, Janko: Politično preganjanje<br />
Slovencev v Avstriji 1914–1917, Poročili vojaške in vladne komisije, Viri 1,<br />
Ljubljana 1980, str. 31–50.<br />
12 Sejni zapiski narodne vlade Slovencev, Hrvatov in Srbov v Ljubljani in<br />
deželnih vlad za Slovenijo 1918–1921, 2. del: Od 28. februarja 1919 do 5.<br />
novembra 1919, Arhiv Republike Slovenije, Ljubljana 1999, str. 218., navaja<br />
Zajšek, str. 40.<br />
13 PAM (Pokrajinski arhiv Maribor), pismo Der Pfarrsprengler Maribor, fond<br />
Evangelijska verska občina Maribor, škatla 37, navaja: Zajšek, str. 41.<br />
14 Potočnik, Dragan: Kulturno dogajanje v Mariboru v letih 1918–1941,<br />
Študentska založba Litera, Maribor, 2003, str. 331.<br />
15 PAM, Ludwig Mahnert, Die evangelische Kirche in Oesterreich, Vortrag<br />
gelegentlich der 29. Generalversammlung des Evangelischen Bundes,<br />
1925, fond Evangeljska verska občina Maribor, škatla 9, navaja Zajšek, str.<br />
67.<br />
Protestantizem na slovenskem štajerskem<br />
16 Zajšek, str. 93.<br />
17 Wild, Georg: Die deutsche evangelische Kirche in Jugoslawien 1918–1941,<br />
Verlag des Südostdeutschen Kulturwerkes, München, 1980, str. 177.<br />
18 Ibid., 196.<br />
19 Enciklopedija Slovenije, 14, U-We, Mladinska knjiga, Ljubljana 2000, str.<br />
359.<br />
20 Nemci na Slovenskem 1941–1955, Zbornik, Znanstveni inštitut Filozofske<br />
fakultete, Ljubljana 1998, str. 83.<br />
21 Potočnik, Dragan: Kulturno dogajanje v Mariboru v letih 1918–1941,<br />
Študentska založba Litera, Maribor, 2003, str. 332–333 .<br />
22 ibid., str. 88.<br />
23 Holzerja navaja Potočnik, Dragan: Kulturno dogajanje v Mariboru v letih<br />
1918–1941, Študentska založba Litera, Maribor, 2003, str. 334.<br />
24 Ferenc: Nacistična raznarodovalna politika, str. 106, navaja: Potočnik,<br />
Dragan: Kulturno dogajanje v Mariboru v letih 1918–1941, Študentska<br />
založba Litera, Maribor, 2003, str. 91.<br />
25 Žnidarič, Marjan: Prispevek k zgodovini Nemcev v Mariboru med obema<br />
vojnama, ČZN, 19=54, št. 1–2, Maribor, 1984, str. 219.<br />
26 Enciklopedija Slovenije, 11, Savs-Slovenska m, Mladinska knjiga, Ljubljana,<br />
1997, str. 18 in pravi, da je pod Baronovo pristojnostjo delovalo pet okrožnih<br />
vodstev (v Mariboru, Celju, Kočevju, Ljubljani in na Ptuju) z več kot 50<br />
krajevnimi skupinami in z 12.268 člani.<br />
27 Zajšek, str. 103–104.<br />
28 PAM, osnutek javne izjave s popravki, neavtorizirano, nedatirano, fond<br />
Evangeljska verska občina Maribor, škatla 61, navaja Zajšek, str. 105, in pa<br />
»Nemci« na Slovenskem 1941–1955, Zbornik, Znanstveni inštitut Filozofske<br />
fakultete, Ljubljana 1998, str. 112.<br />
29 Baš, Franjo: Prispevki k zgodovini severovzhodne Slovenije, Založba<br />
Obzorja Maribor, 1989, str. 117.<br />
30 Kirchengeschichte der Steiermark, Styria, Graz, 1993, str. 573.<br />
31 Nemci na Slovenskem (1918–1955), Kratek oris, Znanstveni inštitut<br />
Filozofske fakultete, Ljubljana, 1998, str. 75.<br />
32 Več o tem: Nemci na Slovenskem (1918–1955), Kratek oris, Znanstveni<br />
inštitut Filozofske fakultete, Ljubljana, 1998, str. 76.<br />
33 Kerčman, Vili: Evangeličanska Cerkev na Slovenskem, založba<br />
Evangeličanske Cerkve v Sloveniji, Murska Sobota, 1995, str. 276.<br />
34 Ibid., str. 276.<br />
277
Protestantismus in der Steiermark<br />
Protestantismus in der Steiermark<br />
Ein kurzer historischer Überblick<br />
Kurzer historischer Überblick über die Entwicklung<br />
des Protestantismus in der Untersteiermark<br />
von seinen Anfängen bis zum<br />
ersten Weltkrieg. Nachdem die Protestanten<br />
im Jahre 1578 auf dem Landtag in Bruck an<br />
der Mur die fast vollständige Landesfreiheit erhalten<br />
hatten, nahm ihre Zahl in Maribor und<br />
Umgebung in der Folge zu. Bis zu diesem Zeitpunkt<br />
kann man die Situation in Maribor und<br />
in der Untersteiermark mit dem Aufschwung<br />
des Protestantismus in Krain (Kranjska) und<br />
Kärnten (Koroška) nicht vergleichen. Erst in<br />
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam<br />
die neue Religion auch nach Maribor: Im Jahre<br />
1587 stellte Baron Wilhelm Herberstein den<br />
Protestanten das Schloss Betnava zur Verfügung,<br />
wo diese eine protestantische Gemeinde<br />
gründeten und eine Schule, eine Kirche und<br />
einen Friedhof errichteten. Doch die Welle der<br />
Gegenreformation erfasste in weiterer Folge<br />
auch die Steiermark. Im Jahre 1599 besuchte<br />
eine gegenreformatorische Kommission Maribor,<br />
die dem Stadtrat und dem Stadtrichter<br />
Anweisungen gab, wie sich die Bürger im Sinne<br />
der Religion zu verhalten haben. Dann zerstörte<br />
die Kommission den protestantischen<br />
Beetsaal und den Friedhof in Betnava, was den<br />
vorläufigen Anfang vom Ende der reformatorischen<br />
Bewegung in Maribor bedeutete. Schon<br />
am 8. Jänner desselben Jahres wurden in Maribor<br />
die evangelische Kirche und die Schule niedergebrannt.<br />
Aber noch im selben Jahr setzten<br />
die Protestanten den Friedhof wieder instand<br />
und nutzten ihn dann bis 1620. Nach dem Toleranzpatent<br />
Josephs II im Jahre 1871 organisierten<br />
sich die evangelischen Gläubigen, die<br />
278<br />
nicht verbannt und nicht rekatholisiert worden<br />
waren, auch in der Untersteiermark wieder.<br />
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs<br />
die Stadt Maribor schnell: Im Jahre 1851 zählte<br />
sie 6.706 Einwohner, innerhalb von eineinhalb<br />
Jahrzehnten erhöhte sich die Zahl der Einwohner<br />
auf 12.670. Das war vor allem eine Folge<br />
der Eröffnung der Südbahn im Jahre 1846, der<br />
Kärntner Eisenbahn und der Maschinenfabrik<br />
für Eisenbahngüter im Jahre 1863 1 . Eisenbahn<br />
und Industrie waren die Hauptfaktoren für die<br />
Stadtentwicklung, und; die große Mehrheit<br />
der Beamten in Maribor kam aus den deutschsprachigen<br />
Gebieten Österreichs. So wurde<br />
Maribor eine deutschsprachige Insel inmitten<br />
des slowenischen Landes. In die Stadt kamen<br />
auch Menschen mit protestantischen Wurzeln<br />
und ließen sich dort als Arbeiter, Handwerker,<br />
Händler oder Beamte nieder.<br />
Im Jahre 1890 zählte Maribor 19.898 Einwohner,<br />
davon waren 15.950 „Deutsche“ und<br />
2.650 Slowenen; um die Jahrhundertwende betrug<br />
die Einwohnerzahl schon 24.601, wovon<br />
19.298 „Deutsche“ und 4.602 Slowenen waren<br />
– 24.183 Katholiken und 326 Protestanten.<br />
Gemäß den Ergebnissen von Volkszählungen<br />
hat sich die Zahl der deutschsprachigen Bevölkerung<br />
in der Untersteiermark in den Jahren<br />
zwischen 1880 und 1910 von 46.734 auf<br />
73.148, d. h. von 10,7% auf 15% der Gesamtbevölkerung<br />
erhöht 2 .<br />
Die Los-von-Rom-Bewegung und der Beginn<br />
des 20. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert begann<br />
die Zeit des modernen Nationalismus.<br />
Die Vereinigung aller „Deutschen“ wurde vor<br />
allem von der Alldeutschen Partei von Georg Ritter<br />
von Schönerer, der seit den 1880er Jahren<br />
einer der wichtigsten Vertreter der nationalen
Bewegung in Wien war, gefordert. Schönerer<br />
propagierte vor allem die Vereinigung mit dem<br />
Deutschen Reich und den Antisemitismus.<br />
Im November 1898 wird Schönerers Aufforderung<br />
zum Übertritt zum Protestantismus<br />
veröffentlicht, und auch die deutschsprachigen<br />
Zeitungen in der Untersteiermark (vor allem<br />
die Marburger Zeitung und die Deutsche Wacht)<br />
beginnen mit einer starken Agitation für den<br />
Austritt aus der römisch-katholischen Kirche.<br />
Die Propagandaarbeit wird immer mehr von<br />
Vikar Fritz May in Celje und Pastor Ludwig<br />
Mahnert in Maribor übernommen.<br />
In der Kampagne für den Austritt aus der römisch-katholischen<br />
Kirche heben die untersteirischen<br />
Zeitungen hervor, dass es sich<br />
hierbei in erster Linie um eine politische und<br />
nationale, keineswegs aber um eine religiöse<br />
(wie auch Schönerer betont) oder gar um eine<br />
antiösterreichische Sache handle 3 . Doch vor allem<br />
der Pastor Ludwig Mahnert, der im Jahre<br />
1903 in Maribor zum evangelischen Priester<br />
geweiht worden war, betonte auch einen<br />
religiösen Faktor in der Los-von-Rom-Propaganda.<br />
In seinem Roman „Die Hungerglocke“ erwähnt<br />
er unter anderem, dass gerade die „Windischen“<br />
die schönsten Menschen seien, doch<br />
seien sie leider auch ein trauriger Beweis für die<br />
Unfähigkeit Roms, ein Volk auf Kulturniveau<br />
zu heben 4 . Obwohl es in der Untersteiermark<br />
gute politische Voraussetzungen für den Erfolg<br />
der Los-von-Rom-Bewegung gab, erreichte diese<br />
erst in den Jahren 1904–1910 beachtliche Erfolge,<br />
als in der Diözese Lavant bis zum Ende<br />
des Jahres 1913 1.126 von insgesamt 1.653 Austritten<br />
aus der römisch-katholischen Kirche in<br />
Österreich verzeichnet wurden 5 .<br />
Zweifellos haben sich zu dieser Zeit die Beziehungen<br />
zwischen der katholischen und der<br />
evangelischen Kirche verschärft. Das öster-<br />
Protestantismus in der Steiermark<br />
reichische katholische Lager verstand die Losvon-Rom-Bewegung<br />
als eine Los-von-Österreich-<br />
Bewegung, und es ist sehr interessant, dass sich<br />
auch der Evangelische Oberkirchenrat in Wien<br />
von dieser Bewegung distanzierte 6 .<br />
Das Aufblühen der protestantischen Religion<br />
zu dieser Zeit ist indessen zweifellos die Folge<br />
der Los-von-Rom-Bewegung.<br />
Der Verein Südmark, die Rolle des evangelischen<br />
Priesters Ludwig Mahnert und der<br />
Kampf um das Draugebiet (Podravje). Eine<br />
Quelle des Unmutes für die deutschsprachige<br />
Bevölkerung der Untersteiermark stellten die<br />
Landschaft der Windischen Bühel (Slovenske<br />
Gorice) und das Drautal (Dravska dolina) dar,<br />
wo – außer in Maribor und Ptuj – vornehmlich<br />
slowenische Bevölkerung lebte: Der Anteil<br />
der deutschsprachigen Bevölkerung in diesem<br />
gemischtsprachigen Gebiet zwischen Spielfeld<br />
(Špilje) und Maribor betrug nur 25% 7 . Um<br />
die feudalen wirtschaftlichen und kulturellen<br />
Bollwerke in der slowenischen Steiermark zu<br />
schützen und um die Emanzipation der Slowenen<br />
zu behindern, gründeten die „Deutschen“<br />
im Jahre 1880 den so genannten Schulverein.<br />
In Graz wurde im Jahre 1889 die Südmark,<br />
ein Verein zur wirtschaftlichen Stärkung des<br />
„Deutschtums“ in der Untersteiermark, gegründet.<br />
Dessen Aufgabe bestand in der Unterstützung<br />
der deutschsprachigen Grundbesitzer<br />
und in der Schaffung eines „deutschen<br />
Bewusstseins“ in der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe<br />
8 .<br />
Der Verein Südmark setzte sich mit Unterstützung<br />
des Priesters Ludwig Mahnert in den Jahren<br />
zwischen 1906 und 1914 die Kolonisierung<br />
der Umgebung von Spielfeld und des Drautals<br />
zum Ziel, um auf diese Weise eine „deutsche<br />
Brücke“ zur Stadt Maribor zu schaffen. Von<br />
279
Protestantismus in der Steiermark<br />
insgesamt 75 Familien mit 443 Mitgliedern,<br />
die bis zum Juli 1914 zugezogen waren, wurden<br />
64 Familien mit 368 Mitgliedern – meistens<br />
handelte es sich um Protestanten aus<br />
Württemberg – in der Nähe von Spielfeld angesiedelt,<br />
während deutschsprachige Familien<br />
aus Ungarn im Drautal angesiedelt wurden 9 .<br />
Pastor Mahnert war für das slowenische Volk<br />
ein fanatischer deutsch-nationalistischer Hetzer.<br />
Nach einer gegen den SHS-Staat gerichteten<br />
Rede am Grab des „deutschen“ Leutnants<br />
Emil Gugl, der bei der Entwaffnung der Schutzwehr<br />
durch General Maister gefallenen war,<br />
wurde er am 28. Dezember 1918 verhaftet und<br />
zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Mahnert<br />
floh allerdings vor Haftantritt im Frühjahr<br />
1919 nach Österreich. 10 Die Evangelische<br />
Gemeinde Maribor schrieb dann die freie Stelle<br />
aus, um die sich Johann Baron mit Erfolg bewarb.<br />
Umbruchzeiten am Ende des ersten Weltkriegs.<br />
Nach dem Zerfall der Donaumonarchie<br />
hatten die Protestanten in Slowenien<br />
keinen Kontakt mehr zu ihren österreichischen<br />
und ungarischen Glaubensvorständen.<br />
Die Umbruchzeit hatte für viele „deutsche“<br />
Beamte negative Folgen. Am Beginn des Ersten<br />
Weltkriegs hatten die Deutschsprachigen<br />
die Zügel der Wirtschaft und der politischen<br />
Macht fest in ihrer Hand. Der Anteil der slowenischen<br />
Bevölkerung sank, und „deutsche“<br />
Extremisten lösten einen Pogrom gegen die<br />
slowenische Intelligenz und Geistlichkeit aus.<br />
Viele wurden verhaftet, eingesperrt, verhört,<br />
es fanden Hausdurchsuchungen statt u. dgl.<br />
mehr. 11 Als Folge darauf wurden im Mai 1919<br />
alle deutschsprachigen Stahlarbeiter in der Untersteiermark<br />
entlassen und des Landes verwiesen,<br />
nicht-humanitäre „deutsche“ Vereine<br />
280<br />
aufgelöst, und die Landesregierung für Slowenien<br />
sandte an alle Gemeinden ein Schreiben<br />
betreffend das Verbot der Erteilung des Heimatrechtes<br />
an „Deutsche“. 12 Nach Angaben<br />
des Evangelischen Pfarramtes verließen in der<br />
Umbruchzeit rund 2.000 „Deutsche“ die Stadt<br />
Maribor. 13<br />
Das Deutsche Seniorat und die evangelische<br />
Gemeinde in Maribor während der beiden<br />
Weltkriege. Bald nach der Gründung des Staates<br />
löste die neue Staatsmacht viele „deutsche“<br />
Vereine, darunter Wohn-, Kultur-, Arbeiter-<br />
und Beamtenvereine, Vereine von Reservenoffizieren<br />
und Pensionisten, Militär- und Polizeivereinigungen,<br />
auf. 14 Der Deutsche Schulverein<br />
und der Verein Südmark sowie deren Zeitschriften<br />
wurden verboten.<br />
Zu dieser Zeit zählte die evangelische Gemeinde<br />
in Maribor 900 Mitglieder, deren Nationalität<br />
nach Angaben des evangelischen Priesters<br />
Johann Baron „deutsch“ war. Man warf diesen<br />
Personen Nationalismus vor, was sich dann<br />
auch in einem guten Jahrzehnt bewahrheiten<br />
sollte.<br />
Auf der Generalversammlung des Evangelischen<br />
Bundes in Königsberg im Juni 1925 verurteilte<br />
der bereits erwähnte Ludwig Mahnert, der damals<br />
Priester in Innsbruck war, in seiner Rede<br />
über die schwierige Lage der „deutschen“ Gläubigen<br />
in Slowenien den „slowenischen Terror“.<br />
Dieser habe durch die Auflösung der Vereine<br />
und Schulen das kulturelle Leben der „Deutschen“<br />
gelähmt, und darüber hinaus werde<br />
eine Zwangsslawisierung durchgeführt. Auf<br />
Grund dieses Drucks sei die Zahl der Gläubigen<br />
drastisch gesunken. Mahnert führte einige<br />
Beispiele über die Zahl der Gläubigen in<br />
den Jahren 1918 und 1925 an: In Celje habe es<br />
im Jahre 1918 640 Protestanten gegeben, 1925
hingegen nur noch 270. In Spielfeld habe es zuerst<br />
300, später nur noch 260, in Maribor 1800<br />
und dann 900, in Ptuj 200, später 110 und in<br />
Marenberg ursprünglich 180, dann aber nur<br />
noch 90 Protestanten gegeben. Außerdem hätten<br />
die Slowenen Übertritte zum Luthertum<br />
unmöglich gemacht haben, jedoch habe sich<br />
das religiöse Leben durch den Widerstand gegen<br />
den slowenischen Druck gestärkt. 15<br />
Johann Baron wurde er der Vorsitzende des<br />
landeskirchlichen Jugendrates. Seine Arbeit<br />
wies indessen – nach Ansicht von Zajšek – nazistische<br />
Zügen auf, da er stets die Wichtigkeit<br />
des nationalen Bewusstseins betonte. 16 Die<br />
evangelische Jugend in Jugoslawien organisierte<br />
sich in Jugendvereinigungen und Kreuzrittergruppen<br />
und veranstaltete verschiedene<br />
gesellschaftliche Aktivitäten und Sportfeste.<br />
17 Eine wichtige Rolle in der Landeskirche<br />
spielte auch Gerhard May, der nach Worten<br />
von Georg Wild als „der wichtigste theologische<br />
Führer des deutschen Protestantismus in<br />
Jugoslawien“ galt. 18 Im Jahre 1934 wurde in<br />
Göttingen sein Buch über die deutsche Mission<br />
der Kirche in der Diaspora (Die volksdeutsche<br />
Sendung der Kirche) veröffentlicht. Diese<br />
Publikation gilt als das wichtigste Werk eines<br />
evangelischen Theologen aus Jugoslawien<br />
und fand in der gesamten deutschen evangelischen<br />
Diaspora großen Anklang. Nach Mays<br />
Ansicht müsse die Kirche die deutschen Elemente<br />
des evangelischen Geistes bewahren<br />
und dafür sorgen, dass sich die Deutschen in<br />
der Diaspora gegenseitig unterstützen und auf<br />
diese Weise ihre politisch-wirtschaftliche und<br />
kulturelle Lage stärken. In der Zeit zwischen<br />
1934 und 1941 erfolgte im Rahmen der so genannten<br />
Südostkonferenz ein Versuch, die deutschen<br />
evangelischen Kirchen in der Diaspora<br />
zu vereinigen. Die Angehörigen der deutschen<br />
Protestantismus in der Steiermark<br />
Minderheit, vor allem in ost- und südosteuropäischen<br />
Staaten, wurden in der nationalsozialistischen<br />
Terminologie „Volksdeutsche“ genannt.<br />
19<br />
Der Kulturbund und seine Verbindung mit<br />
der evangelischen Kirche in Slowenien. Nach<br />
dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich die<br />
Deutschsprachigen in der Untersteiermark in<br />
Gesangvereinen, Sportorganisationen u. Ä.<br />
und gründeten am 1. Oktober 1922 den politisch-wirtschaftlichen<br />
Verein der Deutschen<br />
in Slowenien mit Sitz in Maribor. Der Zweck<br />
dieses Vereins war es, die „Deutschen“ in Slowenien<br />
über die politischen, wirtschaftlichen<br />
und kulturellen Angelegenheiten zu informieren<br />
und die allgemeine Lage der deutschsprachigen<br />
Bevölkerung in der Gesellschaft zu verbessern.<br />
20 Neben der politischen Tätigkeit war<br />
man auch im kulturellen Bereich sehr aktiv. So<br />
wurde ein Lesesaal eröffnet, wo jugoslawische,<br />
deutsche sowie österreichische Zeitungen und<br />
Zeitschriften auflagen, und im September<br />
1928 wurde auch eine Volks- und Kinderbibliothek<br />
gegründet. 21 Der Verein leistete darüber<br />
hinaus soziale Arbeit, indem man jedem mittellosen<br />
„Deutschen“ kostenlose ärztliche und<br />
rechtliche Hilfe zukommen ließ.<br />
Die ersten Versuche, die Deutschsprachigen<br />
im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen<br />
(SHS) zu vereinigen, gehen auf das Jahr 1919<br />
zurück. In diesem Jahr wurde in Zrenjanin der<br />
Deutsche Wirtschafts- und Kulturverein gegründet<br />
und 1920 der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund<br />
in Novi Sad, der später einfach Kulturbund genannt<br />
wurde. Dieser war ursprünglich eine<br />
unpolitische Vereinigung, die sich den Betrieb<br />
von Bibliotheken sowie die Herausgabe von<br />
Büchern, die Produktion von Filmen und Musik,<br />
die Organisation von Vorträgen, die Aus-<br />
281
Protestantismus in der Steiermark<br />
bildung von deutschsprachigen Lehrern und<br />
Priestern u. a. zur Aufgabe gemacht hatte. Der<br />
Verein, der ursprünglich zur Förderung der<br />
deutschen Kultur gegründet worden war, erwies<br />
sich im folgenden Jahrzehnt als die wichtigste<br />
Stütze des Nationalsozialismus in diesem<br />
Gebiet.<br />
Der Kulturbund wurde nach dem Aufstieg des<br />
Nationalsozialismus immer mehr zu einer politischen<br />
Organisation, die durch verschiedene<br />
Vorträge, Lieder- und Folkloreabende, durch<br />
soziale Unterstützung der Armen, Sportereignisse<br />
usw. seine nationalistische Ideologie verbreitete.<br />
Der Kulturbund setzte sich die Gründung<br />
deutscher Schulen zum Ziel, vor allem<br />
nachdem das Schulministerium am 1. September<br />
1930 eine Verordnung erlassen hatte,<br />
derzufolge Kinder auf Wunsch der Eltern in<br />
eine deutsche Schule eingeschrieben werden<br />
konnten. So setzte man alle Hebel in Bewegung,<br />
um in den verschiedenen Städten genügend<br />
Kinder zu finden. „Da es außer in Maribor<br />
nirgendwo anders genug echte Deutsche<br />
und deutsche Kinder gab, versuchte man die<br />
finanziell und wirtschaftlich abhängigen slowenischen<br />
Eltern zu veranlassen, ihre Kinder<br />
in eine deutsche Schule einzuschreiben“. 22<br />
Im Jahre 1933 hielt auch Johann Baron in<br />
den Räumen des Kulturbundes über die Bedeutung<br />
Luthers eine Rede, und am Ende des Jahres<br />
fand ein feierlicher Empfang für die neuen<br />
Mitglieder (Kameraden) statt, auf dem Rudolf<br />
Holzer in seiner Rede den Neukömmlingen<br />
die Ziele des Vereins darlegte. Unter anderem<br />
betonte er: „Unser Volk muss leben, auch<br />
wenn wir dafür sterben müssen. Wir müssen<br />
dankbar sein, dass wir in diesem mütterlichen<br />
Schoß das Rückgrad der Minderheit gefunden<br />
haben, sei es im Kampf gegen die Arbeitslosig-<br />
282<br />
keit oder um die Säuberung der deutschen Kultur<br />
vom Judenschmutz. 23<br />
Gemäß dem Beschluss der Banschaftsverwaltung<br />
(Provinzverwaltung) wurde der Kulturbund<br />
am 15. Oktober 1935 wegen seiner immer<br />
offensichtlicheren nationalsozialistischen Tätigkeit<br />
aufgelöst. Doch die nazistischen „Deutschen“<br />
in Maribor schien das in keinster Weise<br />
zu hindern. So begannen sie sich sowohl in<br />
legalen Gesangs- und Sportvereinen sowie in<br />
deutsch-evangelischen Kirchengemeinden als<br />
auch in einer Reihe von illegalen nazistischen<br />
Organisationen zu vereinigen, wo sie dann<br />
ihre Tätigkeit fortsetzten. Nach „Anschluss“<br />
Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre<br />
1938, nach der Sudetenkrise und dem Angriff<br />
auf die Tschechoslowakei, hegten die „Deutschen“<br />
die Hoffnung, dass der Kulturbund wieder<br />
zum Leben erweckt würde.<br />
Im Jahre 1939 wurde der Kulturbund tatsächlich<br />
eine zentrale Organisation, deren rascher<br />
Aufschwung von gelegentlichen Protest-Demonstrationen<br />
und Kritiken slowenischer Patrioten,<br />
die dessen destruktive Tätigkeit eindämmen<br />
wollten, begleitet wurde. Doch alle<br />
Anstrengungen waren vergeblich, und mit der<br />
Annexion der slowenischen Untersteiermark<br />
begannen die „Deutschen“ in Maribor die so<br />
genannten Deutschen Mannschaften zu gründen.<br />
Im Herbst 1940 wurde im Rahmen einer Sitzung<br />
der Bezirksleiter des Kulturbundes in Maribor<br />
ein so genanntes „Kommunikations- und<br />
Informationssystem“ eingeführt, und man einigte<br />
sich auf die Einrichtung eines Alarmierungssystems,<br />
„damit der Schutz des deutschen<br />
Blutes und Besitzes so gut wie möglich<br />
beschützt wird“. 24 Bei der Besetzung stellte<br />
sich die große Mehrheit der „Deutschen“<br />
in Maribor, vor allem die Fabriksbesitzer, auf
die Seite der Besatzungsmacht. Die darauf<br />
folgenden Unterdrückungsmaßnahmen im<br />
Jahre 1941 wurden durch die Aktivitäten der<br />
deutschsprachigen Minderheit bereits vor dem<br />
Krieg vorbereitet. 25<br />
Im Laufe der Zeit übernahm die Evangelische<br />
Kirche in der Untersteiermark die Rolle des<br />
Sprachrohrs der „deutschen“ Minderheit. Das<br />
war auch nicht weiter verwunderlich, hatte<br />
die Kirche doch schon seit der Zeit der Losvon-Rom-Bewegung<br />
das „reine Deutschtum“ betont<br />
und sich beharrlich für die Erhaltung der<br />
„deutschen“ Kultur eingesetzt: Jeder Versuch,<br />
die slowenische Sprache im Gottesdienst einzuführen,<br />
wurde sofort vereitelt.<br />
In den dreißiger Jahren näherten sich die evangelischen<br />
Priester durch die Betonung der Nationalität<br />
und durch den Kampf um die Rechte<br />
des „Deutschtums“ den nationalsozialistischen<br />
Ideen weiter an. Besonders offensichtlich wurde<br />
dies, als sie sich mit dem Kulturbund verbanden.<br />
Waren dessen Anhänger noch bis Mitte<br />
der dreißiger Jahren dem Staat gegenüber loyal,<br />
radikalisierten sie ihre Politik nach der Auflösung<br />
der Organisation im Jahre 1936, die immer<br />
offener nazistisch wurde. So begannen sie<br />
die Parole von „einem Volk und einem Führer“<br />
zu verwenden.<br />
Nachdem der Kulturbund im Jahre 1939 wieder<br />
gegründet worden war, besetzten evangelische<br />
Geistliche die leitenden Stellen. Der Präsident<br />
der Regionalleitung für die Drau-Banschaft<br />
wurde Johann Baron, der ehemalige Pastor in<br />
Maribor. 26<br />
Gemäß Zajšek nahm Johann Baron seine Rolle<br />
als Leiter des Kulturbundes sehr ernst: Im Jahre<br />
1940 sandte er dem Banus (Statthalter) der<br />
Drau-Banschaft mehrere Schreiben, in denen<br />
er auf die schwierige Lage der deutschsprachigen<br />
Minderheit hinwies und konkrete Beispie-<br />
Protestantismus in der Steiermark<br />
le nannte, in denen die „Deutschen“ auf Grund<br />
ihrer Nationalität schikaniert, bedroht oder<br />
mit Schimpfwörtern, wie „nemčur“ (verächtliche<br />
Bezeichnung für Deutsche) oder „prekleti<br />
švaba“ (verdammter Schwabe), bedacht wurden.<br />
27<br />
Doch schon ein gutes Jahr später, bei der zweiten<br />
Umsiedlung der untersteirischen Slowenen<br />
durch die Deutschen, gab Johann Baron<br />
gemeinsam mit dem Fabrikanten Franz Tscheligi<br />
eine öffentliche Erklärung ab, in der sie ihre<br />
Empörung über die Gewalt der deutschen Besatzungsmacht<br />
ausdrückten. Deren Brutalität,<br />
Unvernunft und eigenmächtiges Handeln –<br />
ohne sich mit den einheimischen „Deutschen“<br />
abzusprechen – hätten es den Panslawisten<br />
und Kommunisten erst ermöglicht, die Bevölkerung,<br />
die vor dem Krieg den „Deutschen“<br />
wohlgesinnt gewesen sei, auf ihre Seite zu ziehen.<br />
28<br />
Barons Kritik an der Besatzungsmacht kostete<br />
ihn seine Stelle im Kulturbund, der im Mai 1941<br />
in Steirischer Heimatbund umbenannt wurde.<br />
Johann Baron wurde aus dem Kreis der Personen,<br />
auf die sich die Nazi-Herrschaft stützte,<br />
ausgeschlossen. Dazu zählten viele Protestanten,<br />
u. a. Gerhard May aus Celje, der ehemalige<br />
Präsident des Kulturbundes in Celje (bis 1941)<br />
und nachmalige Kreiskulturreferent des Heimatbundes,<br />
der an der Germanisierung der Untersteiermark<br />
maßgeblich beteiligt war. 29 Für seine<br />
Taten wurde er im Herbst 1944 ausgezeichnet:<br />
Er wurde zum Priester der Grazer Kirchengemeinde<br />
geweiht, später wurde er Bischof und<br />
schließlich sogar Präsident des Evangelischen<br />
Oberkirchenrats in Österreich. 30<br />
Das Leben der evangelischen Kirchengemeinde<br />
in Maribor während und nach der<br />
Besatzung. Die slowenischen Kirchengemein-<br />
283
Protestantismus in der Steiermark<br />
den wurden nach der Besatzungszeit ein Teil<br />
der österreichischen evangelischen Kirche, wie<br />
bereits im Jahre 1919. Über die Österreichische<br />
Evangelische Kirche waren sie in die Deutsche<br />
Evangelische Kirche, die Nachfolgerin des Kirchenbundes,<br />
eingegliedert.<br />
Das Leben der Gemeinde in Maribor passte<br />
sich den neuen politischen Verhältnissen an.<br />
Gottesdienste fanden jeden Sonntag, außer<br />
den ersten im Monat, an dem die Messe in<br />
Ptuj abgehalten wurde, statt.<br />
In seinem Bericht, den Johann Baron im August<br />
1945 für die steirische Landesregierung<br />
verfasste (nachdem er in Graz Zuflucht gefunden<br />
hatte), bezeichnete er die deutschsprachige<br />
Minderheit in Slowenien in der Zeit von 1933–<br />
1941 als nazifeindlich. Er wies die Vorwürfe<br />
zurück, dass er und seine Landsleute je etwas<br />
mit dem Genozid an den Slowenen in der Untersteiermark<br />
zu tun gehabt hätten, denn sie<br />
hätten sich (mit wenigen Ausnahmen) für eine<br />
christlich-soziale und nationale Politik eingesetzt.<br />
Zum Beitritt zum Heimatbund seien sie<br />
von der Besatzungsmacht gezwungen worden.<br />
31 Das glaubten ihm aber weder die Alliierten<br />
noch die jugoslawische Staatsmacht. Schon<br />
im November traten die AVNOJ-Beschlüsse in<br />
Kraft. Diese regelten die Nachkriegspolitik gegenüber<br />
den „Volksdeutschen“ in Jugoslawien:<br />
Ihr Besitz wurde vom Staat beschlagnahmt<br />
und ging in dessen Eigentum über. 32<br />
Nachdem Johann Baron und die Mehrheit der<br />
„deutschen“ Protestanten Slowenien verlassen<br />
hatten, kehrten für die Evangelische Kirchengemeinde<br />
Maribor schwierige Zeiten zurück,<br />
wie sie schon nach dem Ersten Weltkrieg bestanden<br />
hatten. Die Christuskirche in der Trubar-Straße<br />
wurde zusammen mit dem Pfarrhaus<br />
und anderen Besitztümern verstaatlicht,<br />
die Kirche wurde geplündert und die Orgel<br />
284<br />
ins slowenische Küstenland abtransportiert.<br />
Ebenso wurde der Betonzaun um die Kirche<br />
und das Pfarrhaus niedergerissen. 33 Ab 1952<br />
durften die Protestanten in ihrer Kirche Gottesdienste<br />
abhalten, doch mussten sie diese<br />
mit den orthodoxen Gläubigen teilen, weil die<br />
orthodoxe Kirche in Maribor abgerissen worden<br />
war. In den Jahren 1985–1992 wurde die<br />
Kirche mit Hilfe von Gläubigen aus dem Übermurgebiet<br />
(Prekmurje) und aus dem Ausland<br />
renoviert. Im Jahre 1994 bekam die Kirchengemeinde<br />
die Kirche und das Pfarrhaus aus dem<br />
verstaatlichen Besitz zurück.<br />
Zur Kirchengemeinde Maribor, die heute zur<br />
Evangelischen Kirche Sloweniens mit dem Bischofssitz<br />
in Moravske Toplice gehört, zählen<br />
auch die Gläubigen aus der näheren und weiteren<br />
Umgebung, die bis zum Ende des Zweiten<br />
Weltkriegs ihre eigenen Kirchen gehabt hatten,<br />
die aber später zerstört oder enteignet wurden.<br />
Die Gemeinde Maribor zählt heute rund 100<br />
Mitglieder, obwohl man auf Grund der Abwanderung<br />
aus dem Übermurgebiet folgern<br />
kann, dass es in Maribor und Umgebung einige<br />
Hundert getaufte Protestanten gibt, die sich<br />
aber von der Religion entfremdet. haben und<br />
der Gemeinde nicht angehören 34 Gottesdienste<br />
finden jeden Samstag um 9:30 statt und werden<br />
von der Pfarrerin Vladimira Mesarič geleitet.
ANMERKUNGEN<br />
1 Franjo Baš, Prispevki k zgodovini Severovzhodne Slovenije. Maribor 1989,<br />
S. 139.<br />
2 Arnold Suppan, Deutsche Geschichte im Osten Europas – Zwischen Adria<br />
und Karawanken. Berlin 1998, S. 297.<br />
3 Janez Cvirn, Trdnjavski trikotnik. Maribor 1997, S. 238–239.<br />
4 Ludwig Mahnert, Die Hungerglocke, S. 142, in: Janez Cvirn, Trdnjavski<br />
trikotnik, S. 241.<br />
5 Fran Kovačič, Zgodovina Lavantinske škofije (1228–1928). Maribor 1928, S.<br />
419.<br />
6 Karl Amon – Maximilian Liebmann, Kirchengeschichte der Steiermark. Graz<br />
– Wien – Köln 1993, S.495.<br />
7 Ebd., S.505.<br />
8 Franjo Baš, Prispevki k zgodovini, S. 195.<br />
9 Janez Cvirn, Trdnjavski trikotnik, S. 305.<br />
10 Boštjan Zajšek, Evangeličanska cerkvena občina v Mariboru (1862–1945),<br />
phil. DA. Maribor 2002, S. 38f.<br />
11 Anton Ožinger, Maribor 1848–1914. Od multietičnega do multireligioznega,<br />
in: Od Maribora do Trsta 1850–1914. Maribor 1997, S. 346; siehe auch:<br />
Janko Pleterski, Politično preganjanje Slovencev v Avstriji 1914–1917.<br />
Poročili vojaške in vladne komisije. Ljubljana 1980, S. 31–50.<br />
12 Arhiv Republike Slovenije (Hg.), Sejni zapiski Narodne vlade Slovencev,<br />
Hrvatov in Srbov v Ljubljani in Deželnih vlad za Slovenijo 1918–1921, 2.<br />
del: Od 28.2.1919 do 5.11.1919. Ljubljana 1999, S. 218. Zit. nach Zajšek,<br />
Evangeličanska cerkvena občina, S. 40.<br />
13 PAM (Pokrajinski arhiv Maribor), Brief: Der Pfarrsprengler Maribor,<br />
Fonds Evangelijska verska občina Maribor, Sch. 37. Zit. nach: Zajšek,<br />
Evangeličanska cerkvena občina, S. 41.<br />
14 Dragan Potočnik, Kulturno dogajanje v Mariboru v letih 1918–1941. Maribor<br />
2003, S. 331.<br />
15 PAM, Ludwig Mahnert, Die evangelische Kirche in Österreich, Vortrag<br />
gelegentlich der 29. Generalversammlung des Evangelischen Bundes,<br />
1925, Fonds Evangelijska verska občina Maribor, Sch. 9. Zit. nach Zajšek,<br />
Evangeličanska cerkvena občina S. 67.<br />
16 Boštjan Zajšek, Evangeličanska cerkvena občina, S. 93.<br />
17 Georg Wild, Die deutsche evangelische Kirche in Jugoslawien 1918–1941.<br />
München 1980, S. 177.<br />
18 Ebd., S. 196.<br />
19 Enciklopedija Slovenije, Bd. 14 (U–We). Ljubljana 2000, S. 359.<br />
20 Dušan Nećak (Hg.), „Nemci“ na Slovenskem 1941–1955. Ljubljana 1998, S.<br />
83.<br />
21 Dragan Potočnik, Kulturno dogajanje, S. 332–333.<br />
22 Ebd., S. 88.<br />
23 Zit. nach Dragan Potočnik, Kulturno dogajanje, S. 334.<br />
24 Tone Ferenc, Nacistična raznarodovalna politika, S. 106. Zit. nach Potočnik,<br />
Kulturno dogajanje, S. 91.<br />
25 Marjan Žnidarič, Prispevek k zgodovini Nemcev v Mariboru med obema<br />
vojnama, ČZN, Nr. 1–2. Maribor 1984, S. 219.<br />
26 Gemäß der Enciklopedija Slovenije (Bd. 11, S. 18) befanden fünf<br />
Kreisleitungen (Maribor, Celje, Kočevje, Ljubljana und Ptuj) mit mehr als 50<br />
Ortsgruppen und 12.268 Mitgliedern in Barons Zuständigkeitsbereich.<br />
27 Boštjan Zajšek, Evangeličanska cerkvena občina, S. 103–104.<br />
28 PAM, Entwurf einer öffentlichen Erklärung mit Korrekturen, nicht autorisiert,<br />
undatiert, Fonds Evangelijska občina Maribor, Sch. 61. Zit. nach Zajšek,<br />
Evangeličanska cerkvena občina, S. 105 u. Dušan Nećak (Hg.), „Nemci“ na<br />
Slovenskem 1941–1955, S. 112.<br />
29 Franjo Baš, Prispevki k zgodovini, S. 117.<br />
30 Karl Amon – Maximilian Liebmann, Kirchengeschichte der Steiermark, S.<br />
573.<br />
31 Dušan Nećak (Hg.), „Nemci“ na Slovenskem, S. 75.<br />
32 Ebd., S. 76.<br />
33 Vili Kerčman, Evangeličanska Cerkev na Slovenskem. Murska Sobota<br />
1995, S. 276.<br />
34 Ebd..<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Anja Zalta<br />
Protestantismus in der Steiermark<br />
Anja Zalta, rojena l. 1973 v Mariboru je na<br />
Filozofski fakulteti v Ljubljani študirala sociologijo<br />
kulture in etnologijo. V Indiji je l. 1996<br />
nastala diplomska naloga iz etnologije in<br />
kulturne antropologije (Varanasi – trdnjava<br />
hinduizma). Leta 1998 je diplomirala na<br />
Oddelku za sociologijo FF z nalogo „Prodor<br />
drugačne misli – gnostični elementi v<br />
herezijah 11. in 12. stoletja“. Leta 2002 je<br />
doktorirala s temo „Gnostični elementi v kabali<br />
in njen vpliv na evropsko kulturno zgodovino“.<br />
Strokovno-potopisne prispevke je<br />
objavljala v časnikih Delo in Večer,<br />
pripravila je dve fotografski razstavi in<br />
prevedla knjigo analitičnega psihologa<br />
Edwarda F. Edingerja (Jaz in arhetip). – Anja<br />
Zalta, 1973 in Maribor geboren, studierte an<br />
der Philosophischen Universität in Ljubljana<br />
Soziologie und Ethnologie. In Indien entstand<br />
ihre Diplomarbeit im Fach Ethnologie und<br />
Kulturantropologie (Varanasi – Festung des<br />
Hinduismus). Im Jahr 1998 legte sie ihre Diplomprüfung<br />
zum Thema „Vormarsch anderer<br />
Gedanken – das gnostische Element in der<br />
Häresie des 11. und 12. Jahrhunderts“. 2002<br />
verfasste sie die Dissertation zum Thema „Das<br />
gnostische Element in der Kabbala und sein<br />
Einfluss auf die europäische Kulturgeschichte“.<br />
Sie veröffentlichte wissenschaftliche Reiseberichte<br />
in den Zeitungen Delo und Večer, gestaltete<br />
zwei Photoausstellungen und übersetzte<br />
das analytische Werk von Edward F. Edinger<br />
(Ich und der Archetyp) ins Slowenische.<br />
285
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
Analiza<br />
� Text:Jernej Zupančič<br />
Prispevek obravnava dejavnike razvoja Slovenije v Evropski uniji. Uvodni predstavitvi nekaterih<br />
ključnih procesov v razširjeni EU sledi analiza dejavnikov, ki pomembneje vplivajo na nacionalni<br />
razvoj Slovenije. Predstavljene temeljne cilje Slovenije je mogoče doseči le ob skrbno premišljeni<br />
strategiji. Ta mora upoštevati predvsem dejavnike, ki imajo na nacionalni razvoj največji vpliv.<br />
Prispevek podaja analizo notranjih in zunanjih dejavnikov ter zaključuje z oceno razvojnih<br />
možnosti in pasti Slovenije v Evropski uniji.<br />
Z vstopom v Evropsko unijo Slovenija zapušča – v zgodovinski perspektivi nedvomno izjemno<br />
pomembno, toda kratko in očitno prehodno – vmesno obdobje obstoja neodvisne državnosti.<br />
Ponovno se vključuje v zelo raznorodno in kulturno ter jezikovno pestro skupnost. To je velik<br />
strateški premik, saj tako obsežna, ekonomsko močna, pravno urejena in v temeljih demokratična<br />
skupnost držav na starem kontinentu še ni obstajala. Združevalni proces pomeni tudi zapuščanje<br />
in postopno zabrisovanje sledov postblokovske Evrope, ki je potrebovala pol stoletja za izgradnjo in<br />
porušitev berlinskega zidu. Zapuščanje na eni strani te, med socialistični in kapitalistični družbeni<br />
ustroj razpete Evrope, na drugi pa tudi poslavljanje od modela klasične nacionalne države evropskega<br />
tipa, sta vsekakor procesa, ki zahtevata trezen premislek in (sorazmerno) hitro odločanje. Veliki<br />
geopolitični premiki so v prvi vrsti posledica spoznanja, da je evropske gospodarske, kulturne in<br />
tudi politične dominacije v svetu konec. Celo več: z integracijskimi procesi mora vzpostavljati<br />
ravnovesje, če hoče obdržati in razvijati ekonomske in družbene pridobitve preteklosti. Te<br />
pridobitve je mogoče postaviti na skupni imenovalec kakovosti življenja. Slovenija je vstopila<br />
v Evropsko unijo v fazi njene največje prostorske in prebivalstvene širitve. Širitev je velikanski<br />
izziv za vse: za stare članice, za novinke in za evropsko vzhodno obrobje. Stare članice morajo<br />
sprejeti izziv ekonomske teže združitve in določena tveganja, ki jih prinašajo (še vedno) neznanke<br />
tranzicijskih procesov v nekdanjih socialističnih sistemih, preteča recesija (ki je tudi strukturni<br />
problem ter obenem odsev globalizacije), birokratizacija in s tem tudi rastoča javna poraba in<br />
neučinkovitost, do ne nazadnje tudi iskanja vloge močne Evrope v svetu. Prav slednje se zdi, da je<br />
bilo v pretekli dekadi prava polomija v neposredni – namreč balkanski – soseščini. Nove članice<br />
286
se morajo prilagoditi sprejetim (večinoma<br />
dobrim) normam in dosegati kakovosti na vseh<br />
področjih. Vzhodna in Jugovzhodna Evropa,<br />
ki bosta ostali večinoma zunaj Evropske unije,<br />
bosta morali najti »modus vivendi« v poizkusu<br />
vstopanja v Unijo v naslednji fazi (če in kadar<br />
bo), predvsem pa iskati povezave na različnih<br />
ravneh in področjih. Predvsem pa nastopa čas<br />
mnogo tesnejšega povezovanja in sodelovanja,<br />
izpolnjevanja izzivov lastne promocije in<br />
afirmacije, širine in svetovljanstva, pa tudi<br />
razvojnih pasti in tveganj, ki jih nosi v sebi<br />
tako spremenjena Evropa, ki jo bo treba<br />
nadvse odgovorno tudi soupravljati, ustvarjati<br />
in spreminjati.<br />
V desetletni fazi vključevanja Slovenije v EU<br />
so se v prvi vrsti izpostavljali problemi pravne<br />
in stvarne-strukturne prilagojenosti. Vrsta<br />
študij na različnih področjih je opozarjala na<br />
šibkosti slovenskega prostora in družbe, kakor<br />
tudi temeljne strateške cilje, ki jih je potrebno<br />
doseči, ob njih pa vrednote, ki bi jih ne smeli<br />
spregledati. Med temi je bila tudi široko<br />
zastavljena raziskava »Slovenija in nadaljnji<br />
razvoj Evropske unije«, ki je tudi podlaga<br />
tega prispevka. Seveda je obširno tematiko<br />
nemogoče podati v skopo odmerjenem<br />
prostoru članka, niti ne želimo obremenjevati<br />
bralcev z analitičnimi podrobnostmi. Zato<br />
smo se usmerili zlasti k temeljnim parametrom<br />
slovenskega nacionalnega razvoja v okviru in<br />
pogojih razširjene Evropske unije, upoštevajoč<br />
pri tem okoliščine, procese in pojave v Sloveniji<br />
in v svetu, ki pomembneje vplivajo na ta razvoj.<br />
S tem želimo nadaljevati kritično razpravo o<br />
perspektivah in pasteh razvoja Slovenije in<br />
Slovencev v multietnični evropski skupnosti,<br />
še posebej, kar zadeva obstoj in razvoj narodne<br />
identitete, jezika in kulture.<br />
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
Značilnosti razvoja Evropske unije. Evropska<br />
unija je zveza sedaj petindvajsetih držav, ki<br />
združuje 451 milijonov ljudi. Petindvajset<br />
držav, devetnajst uradnih jezikov, a precej več<br />
jezikov in kultur ter kolektivnih (narodnih)<br />
identitet. Poleg nazivnih narodov-nacij<br />
sestavljajo pestro evropsko družbo tudi<br />
številni priseljenci in njihovi potomci ne le<br />
iz evropskega prostora, temveč tudi iz Azije,<br />
Afrike in Latinske Amerike. Danes predstavljajo<br />
v večini razvitih držav Evropske unije znaten<br />
delež prebivalstva, ki se po svoji kulturi,<br />
veri, načinu življenja, vrednotah in drugih<br />
lastnostih opazno razlikuje od staroselcev. V<br />
mešanju generacij se potem stapljajo v novo<br />
evropsko prebivalstveno stvarnost. Nacionalne<br />
ideologije so v preteklosti stremele k etničnemu<br />
poenotenju na ozemlju svojih držav in pri<br />
tem uporabile različne asimilacijske politike<br />
od pritiskov na področju šolstva in kulture<br />
do nasilnih množičnih preseljevanj ali celo<br />
genocida. Vendar je evropski etnični in kulturni<br />
zemljevid ostal pester.<br />
Tako številčna, jezikovno in kulturno raznolika<br />
evropska družba, sestavljena iz nacionalnih<br />
držav in državnih narodov, narodov in<br />
skupnosti brez držav, velikega števila<br />
avtohtonih narodnih manjšin in priseljencev<br />
ter njihovih potomcev, je po eni strani zelo<br />
zahtevna in tudi draga za upravljanje, po<br />
drugi strani pa zahteva zelo strpne odnose<br />
in vrsto sprotnih kompromisov vseh<br />
udeleženih v medsebojnem sporazumevanju<br />
in komunikaciji. Dokumenti Sveta Evrope in<br />
Evropskega parlamenta ter drugih formalnih<br />
organov EU, vsaj na deklarativni ravni,<br />
podpirajo kulturno raznolikost Evrope, tako<br />
klasične-avtohtone, kakor tudi različnih<br />
priseljenskih skupnosti. Varovanje narodne<br />
identitete, jezika in kulture je imelo in ima v<br />
287
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
sodobni Evropi izjemen strateški pomen, zato<br />
ga vidno izpostavljajo nacionalne ustave in<br />
različni strateški dokumenti držav članic.<br />
Poleg raznolikosti evropskega prostora in<br />
družbe je treba posebej upoštevati ključne<br />
pojave in procese, za katere na podlagi<br />
preteklih izkušenj utemeljeno sodimo, da bodo<br />
pomembneje vplivali na slovenski nacionalni<br />
razvoj. To so predvsem:<br />
• premik »periferije« proti vzhodu<br />
• naraščajoča periferizacija nekaterih<br />
območij<br />
• močan imigracijski pritisk iz Azije in<br />
Afrike<br />
• zelo šibka rodnost in naravno zmanjševanje<br />
prebivalstva<br />
• problemi demografske strukture prebivalstva<br />
perifernih območij<br />
• zelo močna emigracija z nekaterih območij<br />
• močna koncentracija moči v nekaj največjih<br />
jedrih<br />
• asimilacijski pritiski zlasti na manjše<br />
skupnosti<br />
• naraščajoča socialna stratifikacija<br />
• močna regionalistična gibanja<br />
• regeneracija manjšin<br />
• naraščajoča multikulturnost evropskih<br />
družb<br />
• birokratizacija upravljanja<br />
• povečevanje medregionalih razlik.<br />
Temeljni cilji razojva Slovenije v Evropski<br />
uniji. Vključitev v Evropsko unijo pomeni<br />
izjemno spremembo geopolitičnega položaja<br />
Slovenije. Ob tem, strateško nedvomno zelo<br />
pomembnem cilju ne gre prezreti drugih ciljev,<br />
ki so pravzaprav vrednote, katerih izpolnitev<br />
zagotavlja kakovost življenja naroda, države<br />
in družbe na različnih področjih. Navedene so<br />
samo tiste, ki so izraz družbenega konsenza<br />
288<br />
in se razmeroma pogosto (čeprav ne vedno<br />
skupaj) navajajo kot pomembne prioritete v<br />
različnih strategijah. To so predvsem:<br />
• ohranitev teritorialne celovitosti<br />
• ohranitev in razvoj narodne in drugih<br />
identitet<br />
• ohranitev in razvoj kulturne dediščine in<br />
njene institucionalne organizacijske sheme<br />
ter kulturne pokrajine<br />
• ohranitev in razvoj človeškega potenciala:<br />
demografske strukture, vitalnosti,<br />
delovne sposobnosti in učinkovitosti<br />
ter stabilne poselitve celotne kulturne<br />
pokrajine; posebno mesto ima pri tem<br />
vzgojnozobraževalni sistem<br />
• ohranitev biotske raznovrstnosti in biotske<br />
vitalnosti<br />
• ohranjanje in izboljšanje okolja ter<br />
odpravljanje že povzročenih škod<br />
• ohranitev in razvoj gospodarskih<br />
potencialov: proizvodnih možnosti,<br />
tehničnih, tehnoloških in prostorskih<br />
kapacitet na področju industrije in<br />
obrti, razvojnih možnosti storitvenega<br />
sektorja, konkurenčnih pogojev kmetijstva<br />
ob zagotavljanju strateških rezerv in<br />
ohranjanju kakovosti okolja ter negovanju<br />
kulturne pokrajine<br />
• infrastrukturna opremljnost: zajema<br />
fizično (prometno) infrastrukturo (ceste,<br />
železnice, letališča, pristanišča); energetsko<br />
infrastrukturo (električno omrežje,<br />
plinovodi, toplovodi ipd.), komunikacijsko<br />
infrastrukturo (telefonsko, kabelsko,<br />
internetno omrežje, mobilna telefonija) in<br />
tudi družbeno infrastrukturo (organizacije<br />
in ustanove na državni in nižjih ravneh,<br />
javni zavodi, organizacije civilne družbe,<br />
organizacije in ustanove kot zasebne
iniciative ipd.)<br />
• kakovost prostora: bivalnega in<br />
funkcionalnega okolja, ki ga sestavljajo<br />
neposredno naseljen sistem poselitve<br />
ter pripadajoče površine za sprostitev in<br />
rekreacijo<br />
• kakovost življenja stalnega in začasno<br />
prisotnega prebivalstva, ki poleg bivalnih<br />
kvalitet zajema še zlasti sistem socialnega<br />
in zdravstvenega varstva<br />
• socialna varnost in pravičnost ter<br />
zagotavljanje enakih možnosti za različne<br />
skupine prebivalstva po spolu, starosti,<br />
socialnem položaju, verski in narodni<br />
pripadnosti ipd.<br />
• dobri družbeni in medčloveški odnosi<br />
• enakopravnost in nediskriminatornost do<br />
različnih skupin državljanov in začasno<br />
prisotnega prebivalstva<br />
• osebna, premoženjska, pravna in socialna<br />
varnost; v tem okviru so pomembni<br />
razvitost, organiziranost in usposobljenost<br />
varnostnih sil (policije, vojske), ki skrbijo<br />
tako za raven osebne kakor kolektivne<br />
(nacionalne) varnosti.<br />
Dejavniki razvoja Slovenije v Evropski uniji.<br />
Predstavljeni strateški cilji razvoja Slovenije<br />
v EU so zelo kompleksni in dolgoročni.<br />
Uresničevati jih je mogoče z usklajeno politiko<br />
različnih dejavnikov, upoštevaje pri tem vse<br />
domače in mednarodne okoliščine. Slovenija<br />
lahko aktivneje vpliva le na nekatere segmente<br />
razvoja, drugod pa se predvsem strukturno<br />
prilagaja ter išče zavezništva in partnerstva<br />
ter se izogiba poljem s premočno konkurenco<br />
ali prikritim hegemonističnim težnjam.<br />
Dejavniki, ki jih predstavljamo v nadaljevanju,<br />
so torej prehodni in povratni: proces lahko<br />
torej poteka v obe smeri.<br />
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
Notranji dejavniki. Med notranje dejavnike<br />
razvoja Slovenije sodijo vsi tisti, ki neposredno<br />
izhajajo iz slovenskega prostora in družbe.<br />
Nanje lahko pomembneje vplivamo. To so:<br />
• fizične lastnosti prostora; kot so prehodnost,<br />
prometna odprtost, dostopnost, obseg in<br />
razporeditev naravnih virov, klimatske<br />
poteze, reliefne značilnosti, gostota rečne<br />
mreže in vodnatost, pa tudi nekatere<br />
družbene poteze, kot sta na primer gostota<br />
in tip poselitve. Slovenija je stična, zelo<br />
pestra in slikovita, a tudi ranljiva pokrajina<br />
s precej omejitvami<br />
• infrastrukturna opremljenost; obsega<br />
gostoto in kakovost ter medsebojno<br />
povezljivost prometne, energetske,<br />
komunikacijske in družbene infrastrukture.<br />
Slovenija ima solidno razvit avtocestni<br />
sistem, toda nezadostno razporejeno<br />
omrežje druge infrastrukture, ki je preveč<br />
podrejena lokalnim interesom. Nekatera,<br />
zlasti obmejna periferna območja, so<br />
infrastrukturno zelo slabo opremljena<br />
• gospodarska struktura; obsega razmerja<br />
med različnimi sektorji dejavnosti,<br />
lastniške odnose, učinkovitost in<br />
večfunkcionalnost. Slovenija se je v dobrem<br />
desetletju spremenila iz tipične industrijske<br />
v storitveno gospodarstvo, medtem ko je<br />
pomen kmetijstva, razen kot vzdrževalca<br />
podeželske kulturne pokrajine, močno<br />
nazadoval. Opazen je trend povezovanja<br />
podjetij, zapiranje malih obratov, selitev<br />
proizvodnje v druge države, prihod tujih<br />
podjetij ipd. Lastniška struktura se je<br />
močno spremenila (privatizacija; tuji<br />
nakupi). Gospodarska struktura velja za<br />
dokaj ranljiv člen<br />
• prostorska kohezivnost; označuje<br />
povezanost različnih predelov države v<br />
289
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
teritorialno in družbeno skupnost, ki jo<br />
omogočajo infrastrukturna opremljenost in<br />
povezanost, moč državnega in regionalnih<br />
središč, zavest prebivalstva in drugi pogoji.<br />
Slovenija je močno notranje integrirana le v<br />
osrednjeslovenskem prostoru, medtem ko so<br />
obsežna obmejna območja infrastrukturno<br />
šibka, s prešibkimi regionalnimi središči (in<br />
močnimi konkurenti), zato so že prisotne<br />
centrifugalne težnje v smislu gravitacije<br />
nekaterih predelov. Značilne in obenem<br />
razvojno slabe so različne paritete v<br />
slovenskem prostoru od medlokalnih (med<br />
vasmi) do medregionalnih<br />
• odnosi med središčem in obrobjem:<br />
zajemajo vse interakcije politične, kulturne,<br />
ekonomske in upravne (administrativne)<br />
narave, ki se vzpostavljajo med populacijsko<br />
in ekonomsko močnimi urbanimi območji<br />
v osredju države ter praviloma šibkejšimi<br />
območji (regijami) v robnih in obmejnih<br />
predelih. Lokalizmi in regionalizmi,<br />
naslonjeni na odpor do »središča«, so v<br />
slovenskem prostoru precej močni<br />
• moč in vpliv državnega središča;<br />
prestolnice so praviloma največja mesta in<br />
zaradi koncentracije kapitala, prebivalstva<br />
kot človeškega potenciala (znanje,<br />
sposobnosti, institucije), infrastrukturnega<br />
vozlišča in drugih lastnosti s prevlado<br />
tendenc koncentracije izjemno razvojni<br />
dejavnik celotne države. Središča nudijo<br />
najrazličnejše storitve od delovnih mest<br />
najrazličnejših profilov in zahtevnosti,<br />
bogato oskrbo (trgovine, gostinskohotelske<br />
in turistične kapacitete, zabavo in<br />
sprostitev, zdravstvo, družbene dejavnosti),<br />
obsežno in raznovrstno kulturno ponudbo<br />
ipd., so privlačna in razpoznavna in kot<br />
taka olajšujejo prostorsko in narodno<br />
290<br />
identifikacijo. Močna Ljubljana je torej<br />
dejavnik povečevanja strateške teže<br />
slovenske države. Njena vloga je predvsem<br />
zagotavljati storitve nacionalnega pomena<br />
za prebivalstvo Slovenije ter privlačna tudi<br />
za druge. S tem nikakor ne zanemarjamo<br />
pomena regionalnih in lokalnih središč<br />
• etnična struktura in medetnični odnosi; so<br />
pomembni zaradi stabilnosti ter kot človeški<br />
razvojni potencial. Slovenija sodi z manj<br />
kot 90 % naslovnega naroda med etnično<br />
razmeroma heterogene države. Zgledna<br />
skrb za avtohtone manjšinske skupnosti<br />
Italijanov, Madžarov, nekoliko manj pa<br />
tudi za Rome, se srečuje s podobni pritiski<br />
tudi imigrantskih skupnosti iz nekdanjega<br />
jugoslovanskega prostora. Slednje so<br />
se zaradi jezikovne bližine razmeroma<br />
hitro integrirale v slovensko okolje. Pri<br />
gospodarskem prodoru proti jugovzhodu<br />
so lahko pomemben povezovalni dejavnik<br />
• lastnosti narodne identitete in drugih<br />
identitet; narodno identiteto sestavlja vrsta<br />
objektivnih in subjektivnih elementov,<br />
ki jih je mogoče razvrstiti v pet skupin:<br />
kulturno-jezikovne, zgodovinske,<br />
prostorske, socialnogospodarske in<br />
politične. Posameznik si jo pridobi in jo<br />
razvija v procesu socializacije, ki poteka vse<br />
življenje. Narodna identiteta je dokaj trajna,<br />
ni pa nespremenljiva. Slovenska identiteta<br />
ima močno poudarjeno jezikovno plat, kar<br />
je zlasti med pripadniki manjšin, izseljenci<br />
in njihovimi potomci dejavnik ločevanja.<br />
Močno prisotne so tudi regionalne in<br />
lokalne identitete, ki podčrtavajo močno<br />
navezanost na prostor<br />
• kulturna aktivnost in organiziranost: je<br />
predvsem integracijski dejavnik navznoter,<br />
ki utrjuje družbo v povezano skupnost,
krepi narodno identiteto (pa tudi regionalno<br />
in lokalno), zavest in občutek pripadnosti<br />
• odnos do Slovencev po svetu in povezanost<br />
z njimi: slovenske manjšine v »zamejstvu«,<br />
izseljenci in njihovi potomci predstavljajo<br />
pomemben del slovenskega naroda in<br />
kulturnega zaledja. Dragoceni so zaradi<br />
svojih izkušenj, poznavanja lastnega<br />
in slovenskega okolja, kot dejavniki<br />
mednarodnega povezovanja ipd. Odnos do<br />
manjšinskih ustanov in organizacij mora<br />
biti celovit, upoštevajoč lokalne in državne<br />
posebnosti ter upoštevajoč lojalnost do<br />
držav, v katerih prebivajo, obenem pa naj<br />
bi spodbujali čimveč stikov na različnih<br />
ravneh. Potrebno je tudi usposabljanje<br />
prebivalstva za čezmejno komunikacijo na<br />
obeh straneh meje<br />
• upravno-administrativna organiziranost; je<br />
v prvi vrsti namenjena delovanju različnih<br />
služb na različnih ravneh. Pomembna je<br />
medsebojna povezanost prebivalstva v<br />
administrativnih enotah in oblikovanje<br />
ter ohranjanje identitete, obenem pa<br />
tudi konkurenčnost s primerljivimi<br />
enotami v sosednjih državah. Slovenija<br />
je administrativno razdrobljena (majhne<br />
občine) in zaradi tega sorazmerno<br />
centralizirana (med državno in lokalno<br />
ravnijo ni vmesnih stopenj); to je<br />
neugodno<br />
• izobraževalni sistem; povečuje in<br />
vzdržuje človeški potencial, dviga delovne<br />
sposobnosti in močno vpliva na kakovost<br />
življenja, oblikuje pa tudi narodno zavest in<br />
identiteto. Sistem šolstva zajema formalne<br />
stopnje od predšolske vzgoje, osnovne šole,<br />
poklicnih in srednjih šol, šol za osebe s<br />
posebnimi zahtevami, višjih in visokih šol,<br />
univerze, umetnostnih akademij, pa tudi<br />
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
znanstvenoraziskovalne sfere. Poleg tega<br />
je treba upoštevati še različne neformalne<br />
oblike izobraževanja in usposabljanja, kot<br />
so npr. različne jezikovne šole, glasbene<br />
šole, tečaji, športne in rekreacijske šole/<br />
tečaji, programi dodatnega usposabljanja<br />
in različne druge oblike izobraževanja,<br />
usposabljanja in vzgoje, ki pripomorejo<br />
k večji delovni učinkovitosti, osebni<br />
razgledanosti, kulturni dejavnosti, boljši<br />
zdravstveni, športni in rekreativni zavesti<br />
ter podobno. Pomembna je tako kakovost<br />
šol in programov kakor tudi njihova<br />
dostopnost. Slovenija ima razvejan šolski<br />
sistem, ki pokriva celoten državni teritorij.<br />
Zaradi infrastrukturne opremljenosti je<br />
dostop do izobraževalnih možnosti otežen<br />
oziroma je že opazna gravitacija k središčem<br />
v sosednjih državah<br />
• varnostni sistem: je namenjen varovanju<br />
ozemeljske celovitosti, gospodarskih<br />
objektov, splošnih in skupnih kulturnih<br />
dobrin, varovanje zasebnega premoženja,<br />
zdravja in življenja prebivalstva. Varnostni<br />
sistem sestavljajo vojaške (obrambne) in<br />
policijske sile ter različne oblike civilne<br />
zaščite, pa tudi zasebne (ali družbene)<br />
varovalne agencije in ustanove. Vojska<br />
in policija sta v večini držav tudi temelja<br />
državnosti in pomembna nosilca nacionalne<br />
identitete<br />
• demografski razvoj in struktura: človek<br />
je najpomembnejši razvojni dejavnik.<br />
Ohranjanje števila prebivalstva, stalne<br />
poselitve, primerne starostne sestave, so<br />
zato med najpomembnejšimi izhodiščnimi<br />
vrednotami in cilji. Prebivalstvena politika,<br />
ki jo sestavljajo različni gospodarski,<br />
zdravstveni, socialni in pravni ukrepi za<br />
povečanje rodnosti na eni ter urejanje<br />
291
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
selitvene dinamike na drugi strani, mora<br />
voditi k zagotavljanju stabilne demografske<br />
strukture. Slovenija sodi med države z zelo<br />
nizko rodnostjo in negativnim naravnim<br />
prirastkom, zato pa tudi med države, ki<br />
bodo morale bistveno večjo pozornost<br />
namenjati ukrepom prebivalstvene politike<br />
(Malačič, 1993; Šircelj, 1998)<br />
• delovne sposobnosti prebivalstva: gre<br />
za doseganje formalne in funkcionalne<br />
usposobljenosti za opravljanje del in služb<br />
v gospodarstvu, kulturi, upravi, socialnih<br />
dejavnostih, zdravstvu, storitvah in na<br />
drugih področjih, kar navsezadnje vodi k<br />
višji kakovosti življenja domačega<br />
prebivalstva (Kajzer, 1998), ki ustvarja<br />
vabljivo okolje tudi za npr. tuje strokovnjake,<br />
ki bi to raven še dvigali.<br />
Zunanji dejavniki. Nabor zunanjih<br />
dejavnikov vpliva na družbeni in prostorski<br />
razvoj Slovenije, zajema pa vse okoliščine,<br />
procese in pojave zunaj teritorija Slovenije in<br />
slovenske družbe. Večina dejavnikov izhaja<br />
iz širše slovenske soseščine (Srednja Evropa,<br />
Jugovzhodna Evropa) oziroma Evrope nasploh,<br />
nekaj pa je svetovnih-globalnih. Nanje je težje<br />
vplivati. Mednje sodijo:<br />
• globalizacija: splet procesov in odnosov na<br />
področjih gospodarstva, politike, kulture,<br />
znanosti, družbenih odnosov in informacij,<br />
kjer ima dogodek lahko odmeve v širokem<br />
prostoru ali družbi (Boyd, 1999). Slovenije<br />
ni mogoče gledati izolirano, temveč v močni<br />
povezanosti in soodvisnosti z globalnimi<br />
gibanji<br />
• regionalizacija: prizadevanja, da bi imele<br />
regije večje upravne pristojnosti. EU podpira<br />
oblikovanje regij in njihovo krepitev (tudi<br />
292<br />
na račun nacionalnih držav) in uvaja<br />
čedalje več programov, ki se prek njih<br />
izvajajo. Obenem so se v evropskih državah<br />
močno razmahnila različna regionalistična<br />
gibanja, bodisi kot odpor proti centralizmu<br />
bodisi kot t.i. »etnoregionalizem«<br />
• individualizacija: urbani način življenja<br />
postavlja posameznika, njegove pravice<br />
in potrebe na čedalje vidnejše mesto,<br />
obenem pa ga zaradi načina življenja<br />
vodi tudi v določeno odtujenost. Učinki<br />
individualizacije so zato zelo opazni na<br />
področju socializacije in komunikacije.<br />
Individualizacija ovira družbeno<br />
kohezivnost (Mlinar, 1994)<br />
• informatizacija: proces tehničnega in<br />
tehnološkega razvoja, ki temelji na<br />
razvoju komunikacijske in informacijske<br />
tehnologije. Določa družbene odnose, vpliva<br />
na lokacijo dejavnosti in poselitve, odloča<br />
o kakovosti bivanja, skratka je odločilni<br />
dejavnik prostorskega razvoja. Stopnja<br />
informatizacije je že sedaj eno temeljnih<br />
meril standarda in stopnje družbene in<br />
gospodarske razvitosti. Informacijska<br />
družba je družba komunikacij; hitrost in<br />
kakovost prenosa informacij, spoznanj in<br />
znanja ter storitev, je temeljna konkurenčna<br />
prednost in razvojna zahteva (Trček,<br />
2000). Informatizacija (tehnična stopnja)<br />
in vsebina (kakovost) informacij je tudi<br />
izjemno pomembnega kohezivnega značaja<br />
tako v smislu družbe tako skupnosti kakor<br />
teritorija, ki ga obvladuje in upravlja<br />
• tranzicija: proces gospodarskega, političnega<br />
in družbenega spreminjanja nekdanjih<br />
socialističnih držav v kapitalistične. Proces<br />
je zlasti na gospodarskem in tudi družbenem<br />
področju počasnejši kot na političnem<br />
(demokratizacija) (Boehm, 1997)
• fizične lastnosti širšega zaledja Slovenije:<br />
Slovenija je reliefno omejena proti Avstriji<br />
(gorato ozemlje) in proti delu Hrvaške,<br />
medtem ko je proti Madžarski, Italiji in<br />
večjemu delu Hrvaške odprta. Ti elementi<br />
so pomembni predvsem kot osnova<br />
gostote poselitve, gospodarske usmeritve<br />
in moči, poteka prometa in infrastrukture.<br />
Ti elementi imajo sorazmerno skromno<br />
veljavo, če ni tudi ustrezne družbene<br />
organizacije in moči; če jih torej družba ne<br />
obvladuje učinkovito<br />
• značilnosti poselitve širšega zaledja:<br />
poselitvene značilnosti kažejo na<br />
prebivalstveno in posredno tudi na<br />
gospodarsko in kulturno moč izbranih<br />
območij. Okolica je povprečno, ponekod<br />
bolj in drugod manj gosto naseljena kot<br />
Slovenija. Odločilnejši pomen kot gostota<br />
poselitve pa ima omrežje mest in njihova<br />
funkcija v ožjem in širšem zaledju. V<br />
tem pogledu so večinoma neugodne večje<br />
koncentracije prebivalstva v bližnji soseščini,<br />
ker predstavljajo konkurenčna gravitacijska<br />
jedra, čeprav lahko (redkeje) pomenijo tudi<br />
dragoceno podporo slovenskemu omrežju<br />
mest<br />
• infrastrukturna opremljenost širšega<br />
zaledja: Infrastruktura ima izjemen pomen<br />
predvsem zaradi tega, ker omogoča boljšo<br />
(hitrejšo, cenejšo) komunikacijo in usmerja<br />
prometne in druge tokove k središčem<br />
(pospešuje ali zavira centrifugalne težnje).<br />
Prav tako pa je pomembna tudi druga,<br />
še posebej informacijska tehnologija<br />
in infrastruktura. Območja v Italiji in<br />
Avstriji so na splošno infrastrukturno bolje<br />
opremljena kot območja v Sloveniji, na<br />
Hrvaškem in Madžarskem pa slabše<br />
• oblike povezanosti in organiziranosti<br />
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
sosednjih območij: tri od štirih sosednjih<br />
držav so članice Evropske unije, dve vojaške<br />
zveze NATO. Nič manj niso pomembne<br />
regionalne iniciative, kot so na primer<br />
Delovna skupnost Alpe-Jadran in pobude<br />
za Severni Jadran; programa, ki zadevata<br />
predvsem alpski prostor (Euromontana,<br />
Alpska konvencija), ali pa za Podonavje in<br />
srednjo Evropo (program CADSES), ali pa<br />
ne nazadnje tudi pobude za Jugovzhodno<br />
Evropo (Pakt stabilnosti)<br />
• gospodarska struktura širšega zaledja:<br />
je pomembna zaradi gospodarske moči<br />
partnerskih oziroma konkurenčnih<br />
območij. Gospodarska struktura usmerja<br />
prometne tokove, obenem pa je medij,<br />
predmet ali celo sredstvo prodora v slovenski<br />
prostor, pri čemer obstajajo možnosti vpliva<br />
tudi na identiteto slovenskega prostora<br />
in različne vidike kakovosti življenja v<br />
njem. Gospodarsko zelo močna in v tem<br />
pogledu konkurenčna je zlasti severna<br />
Italija, regionalno pa še območji Gradca<br />
in Zagreba; druga območja v sosedstvu<br />
so v večji meri lahko partnerska kot pa<br />
konkurenčna. Gospodarska usmerjenost<br />
območji v sosedstvu se od slovenskega<br />
prostora precej razlikuje<br />
• etnična struktura in mednacionalni odnosi<br />
v širšem zaledju: Slovenija je na etničnem<br />
stičišču precej večjih, jezikovno in kulturno<br />
zelo raznolikih sosedov z močnimi in<br />
zgodovinsko utrjenimi in uveljavljenimi<br />
narodnimi identitetami. Ta širši prostor je<br />
torej po eni strani soočen z večetničnostjo<br />
in večkulturnostjo, ki je sestavni del<br />
zgodovinske dediščine, po drugi strani pa še<br />
vedno obremenjen tudi z določeno latentno<br />
konfliktnostjo. Trije od štirih sosedov so<br />
imeli v preteklosti določeno oblast nad<br />
293
Dejavniki razvoja Slovenije<br />
slovenskim ozemljem in imajo še sedaj<br />
predvsem v robnih območjih sorazmerno<br />
močan vpliv<br />
• prisotnost agresivnih ideologij: čeprav se zdi<br />
v 21. stoletju v kontekstu združene Evrope<br />
in vrste deklaracij o varnosti, miroljubnosti,<br />
dobronamernosti... nekoliko nenavadno<br />
omenjati obstoj agresivnih ideologij, ne<br />
moremo mimo dejstva, da te vendarle še<br />
obstajajo. Pri tem ne gre toliko za namere<br />
o vojaških podvigih in ozemeljskih<br />
pričakovanjih, temveč za ideologije, ki<br />
skušajo na različne načine efektivno<br />
obvladovati slovenski prostor gospodarsko<br />
in kulturno; uperjene so najprej zoper<br />
slovenske manjšine<br />
• kulturna moč in vplivnost sosednjih regij,<br />
držav in nacij: je sorazmerna številčnosti<br />
in ustvarjenemu dohodku, ki skupaj<br />
prispevata k večjemu ali manjšemu vplivu<br />
izbrane etnije (naroda, nacije, države)<br />
v sosedstvu. Država ima na razpolago<br />
vrsto pomembnih institucij, ki pomagajo<br />
oblikovati, razvijati in tudi širiti narodno<br />
(nacionalno) identiteto. Slovenija je v tem<br />
pogledu v položaju šibkejšega: vsi sosednji<br />
narodi so številčnejši, imajo starejšo<br />
državniško tradicijo in daljši čas vplivanja<br />
na slovenski prostor (zlasti na obmejna<br />
območja)<br />
• upravno-administrativna organiziranost:<br />
je najprej pomembna zaradi doseganja<br />
notranje kohezivnosti, racionalnosti in<br />
učinkovitosti delovanja in zagotavljanja<br />
storitev na različnih ravneh. Območja v<br />
sosednjih državah imajo v povprečju večje<br />
administrativne enote, predvsem pa bolj<br />
dograjen sistem hierarhije administrativnih<br />
enot<br />
• politična stabilnost širšega okolja: širše<br />
294<br />
zaledje Slovenije je v glavnem nekonfliktno,<br />
razen na prostoru nekdanje Jugoslavije<br />
zaradi medetničnih vojaških spopadov,<br />
in je treba ta prostor opredeliti kot manj<br />
stabilen<br />
• mednarodne selitve: Evropska unija je<br />
v celoti imigracijsko dokaj privlačna za<br />
potrebno delovno silo ne le iz Vzhodne in<br />
Jugovzhodne Evroope, temveč v čedalje<br />
večji meri iz Afrike in Azije. Prostorska<br />
mobilnost prebivalstva se povečuje in<br />
ustvarja še bolj multikulturna okolja in<br />
situacije (Verlič Christensen, 2002).<br />
Prostorski, gospodarski, družbeni in<br />
etnični razvoj Slovenije je odvisen od niza<br />
med seboj prepletajočih se dejavnikov. Na<br />
nekatere je mogoče neposredno vplivati in jih<br />
spreminjati sebi v prid, pri drugih je smiselno<br />
izbirati partnerje in zaveznike, pri tretjih je<br />
najprimernejše izogibanje ali pa nasprotovanje.<br />
Uspešen slovenski razvoj v evropskih okvirih<br />
ne more biti samoumevna posledica vključitve<br />
v to naddržavno skupnost, temveč le rezultat<br />
zavestnih, premišljenih in vztrajnih dejanj.<br />
Ne smemo pozabiti obdobij, ko so bila za<br />
neuspehe na zgoraj imenovanih področjih<br />
kriva močna središča v jedru večetničnih<br />
državnih sistemov (Dunaj v času Habsburške<br />
monarhije, Beograd v času obeh Jugoslavij in<br />
skoraj bi nekateri videli v podobni vlogi tudi<br />
Bruselj). Čeprav ni mogoče zanikati obsežnih<br />
področij, kjer je in bo vpliv drugih, še posebej<br />
sosednjih držav, izredno pomemben, ima<br />
na drugi strani Slovenija na razpolago vrsto<br />
institucij države in nižjih upravnih ravni ter<br />
možnosti organizacije in institucij civilne<br />
družbe. Razpolaga tudi z vrsto izkušenj<br />
številnih generacij, ki so živele v okviru<br />
različnih državnih sistemov. To je pomembna
dediščina na poti sprotnega uveljavljanja in<br />
promocije slovenske skupnosti kot ene izmed<br />
evropskih družb in držav. Gre torej tudi za<br />
odgovornost do pojavov in procesov v novem<br />
skupnem evropskem družbenem okolju. Zato<br />
je članstvo Slovenije v EU treba jemati ne le<br />
kot priložnost gospodarskega in družbenega<br />
razvoja, temveč tudi kot soodgovornost za<br />
usodo starega kontinenta. Na ta način lahko<br />
uspešno premaga tudi eno največjih dosedanjih<br />
ovir: slabo prepoznavnost v evropskem in še<br />
bolj v svetovnem okviru, predvsem pa lahko<br />
dejavnike razvoja, tako notranje kakor zunanje,<br />
bistveno uspešneje naravnava v prid lastnega<br />
gospodarskega, družbenega, prostorskega,<br />
etničnega in kulturnega razvoja.<br />
O AVTORJU – ZUR PERSON<br />
Doc. Dr. Jernej Zupančič<br />
Dela na oddelku za geografijo na Filozofski<br />
fakulteti in na Inštitutu za narodnostna<br />
vprašanja v Ljubljani. Oddelek za<br />
geografijo, Filozofska fakulteta, Aškerčeva<br />
2, 1000 Ljubljana, Slovenija Inštitut za<br />
narodnostna vprašanja, Erjavčeva 26, 1000<br />
Ljubljana, Slovenija; jernej.zupancic@guest.<br />
arnes.si – Arbeitet am Institut für Geographie<br />
an der Philosophischen Fakultät und am Institut<br />
für Volksgruppenfragen in Ljubljana.<br />
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str. (ur. J. Zupančič)<br />
295
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
Eine Analyse<br />
296<br />
Der vorliegende Beitrag behandelt die Entwicklungsfaktoren<br />
Sloweniens in der Europäischen<br />
Union. Der einleitenden Darstellung<br />
einiger Schlüsselprozesse der EU-Erweiterung<br />
folgt eine Analyse der Faktoren, die die nationale<br />
Entwicklung Sloweniens bedeutend beeinflussen.<br />
Die hier vorgestellten Grundziele<br />
Sloweniens kann man nur mit einer sorgfältig<br />
durchdachten Strategie erreichen. Diese muss<br />
vor allem Faktoren berücksichtigen, die auf<br />
die nationale Entwicklung größten Einfluss<br />
haben. Der Beitrag gibt die Analyse innerer<br />
und äußerer Faktoren wieder und schließt mit<br />
der Bewertung der Entwicklungsmöglichkeiten<br />
Sloweniens in der Europäischen Union und<br />
der damit verbundenen Risiken.<br />
Mit dem Beitritt zur Europäischen Union beendet<br />
Slowenien eine – aus historischer Perspektive<br />
zweifellos äußerst wichtige, aber kurze<br />
und offensichtlich vorübergehende – Periode<br />
des Bestehens einer unabhängigen Eigenstaatlichkeit.<br />
Erneut gliedert sich Slowenien in eine<br />
sehr heterogene und sowohl kulturell als auch<br />
sprachlich vielfältige Gemeinschaft ein. Dies<br />
bedeutet eine große strategische Veränderung,<br />
denn eine so große, ökonomisch starke, rechtlich<br />
reglementierte und in den Fundamenten<br />
demokratische Staatengemeinschaft hat in Europa<br />
in dieser Form noch nicht existiert. Dieser<br />
Prozess der Vereinigung bedeutet auch die<br />
Überwindung und die Verwischung der Spuren<br />
des durch feindliche Blöcke geteilten Europas,<br />
das ein halbes Jahrhundert bestanden<br />
hat. Dies bedeutet einerseits die Auflösung<br />
der Spannungen zwischen der kommunisti-<br />
schen und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung<br />
innerhalb Europas, andererseits den<br />
Abschied vom Modell des klassischen europäischen<br />
Nationalstaates. Diese Prozesse erfordern<br />
auf jeden Fall nüchterne Überlegungen<br />
und relativ rasche Entscheidungsprozesse. Die<br />
großen geopolitischen Veränderungen sind in<br />
erster Linie eine Folge der Erkenntnis, dass die<br />
wirtschaftliche, kulturelle und politische Dominanz<br />
Europas in der Welt vorüber ist. Wenn<br />
die ökonomischen und gesellschaftlichen Errungenschaften<br />
der Vergangenheit beibehalten<br />
und weiterentwickelt werden sollen, muss<br />
daher durch Integrationsprozesse ein europäisches<br />
Gleichgewicht hergestellt werden. Diese<br />
Errungenschaften können auf den gemeinsamen<br />
Nenner „Lebensqualität“ gebracht werden.<br />
Slowenien ist der Europäischen Union<br />
in der Phase ihrer größten räumlichen Erweiterung<br />
und der damit verbundenen enormen<br />
Vergrößerung ihrer Einwohnerzahl beigetreten.<br />
Diese Erweiterung stellt eine ungeheure<br />
Herausforderung für alle Beteiligten – für die<br />
alten und für die neuen Mitglieder sowie für<br />
die im Osten angrenzenden Staaten – dar. Die<br />
alten Mitgliedsstaaten müssen die ökonomische<br />
Last der europäischen Integration tragen.<br />
Hinzu kommen bestimmte Risiken, die die<br />
Transformationsprozesse in den ehemaligen<br />
kommunistischen Staaten mit sich bringen,<br />
drohende Rezession (die die Strukturprobleme<br />
und Globalisierung reflektiert), Bürokratismus<br />
(damit verbunden: steigender Verbrauch<br />
öffentlicher Mittel bei zunehmender Ineffizienz)<br />
und nicht zuletzt die Suche nach einer<br />
stärkeren Rolle Europas in der Welt. Gerade<br />
Letzteres erscheint im vergangenen Jahrzehnt<br />
in Bezug auf die unmittelbaren Nachbarregionen<br />
auf dem Balkan als regelrechte Bauchlandung.<br />
Die neuen Mitglieder müssen sich den
akzeptierten und überwiegend bewährten<br />
Normen anpassen und in allen Bereichen entsprechende<br />
Qualität erreichen. Der Zeitpunkt<br />
eines engeren Zusammenschlusses und einer<br />
intensiveren Zusammenarbeit ist gekommen.<br />
Das bedeutet die Betonung von Offenheit und<br />
Weltbürgertum, birgt aber auch die Entwicklungsfallen<br />
und Risiken, die das so veränderte<br />
Europa in sich trägt. Dieses Europa muss verantwortungsvoll<br />
gestaltet, verändert und verwaltet<br />
werden.<br />
In der zehnjährigen Phase der Annäherung<br />
Sloweniens an die EU haben sich in erster Linie<br />
Probleme rechtlicher und struktureller Anpassungen<br />
gezeigt. Verschiedene Studien warnen<br />
vor Unzulänglichkeiten Sloweniens und<br />
dessen Gesellschaft. Darunter befindet sich<br />
die sehr breit angelegte Untersuchung „Slowenien<br />
und die Weiterentwicklung der Europäischen<br />
Union 1 “, die auch die Grundlage dieses<br />
Beitrages darstellt. Natürlich kann man diese<br />
umfassende Thematik weder in einem kurzen<br />
Artikel wiedergeben, und der Leser soll nicht<br />
mit analytischen Einzelheiten belastet werden.<br />
Deshalb haben wir uns insbesondere an<br />
den grundlegenden Parametern der nationalen<br />
Entwicklung Sloweniens im Rahmen einer erweiterten<br />
Europäischen Union orientiert. Wir<br />
berücksichtigen dabei die Umstände, Prozesse<br />
und Phänomene in Slowenien und in der Welt,<br />
die die Entwicklung grundlegend beeinflussen.<br />
Damit wollen wir die kritische Diskussion<br />
über die Perspektiven und Gefahren der Entwicklung<br />
Sloweniens innerhalb der multiethnischen<br />
Europäischen Union fortsetzen, vor<br />
allem was Volksidentität, Sprache und Kultur<br />
betrifft.<br />
Merkmale der Entwicklung der Europäischen<br />
Union. Die Europäische Union ist ein Verbund<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
von mittlerweile fünfundzwanzig Staaten mit<br />
451 Millionen Einwohnern. Fünfundzwanzig<br />
Staaten, neunzehn Amtssprachen, tatsächlich<br />
aber wesentlich mehr Sprachen, Kulturen und<br />
kollektive (Volks-)Identitäten. Neben den unterschiedlichen<br />
Ethnien und Nationen setzt<br />
sich die heterogene europäische Gesellschaft<br />
auch aus zahlreichen Einwanderern und deren<br />
Nachkommen nicht nur aus dem europäischen<br />
Raum, sondern auch aus Asien, Afrika<br />
und Lateinamerika zusammen. Heute stellen<br />
die Immigranten in den meisten Ländern der<br />
Europäischen Union einen beträchtlichen Anteil<br />
der Bevölkerung und unterscheiden sich<br />
in Bezug auf Kultur, Religion, Lebensweise,<br />
Wertvorstellungen und andere Eigenschaften<br />
deutlich von den Altansässigen. Die Durchmischung<br />
über Generationen hinweg führte zur<br />
Verschmelzung und zu einer neuen Realität<br />
der europäischen Einwohnerschaft. Die nationalen<br />
Ideologien strebten in der Vergangenheit<br />
eine ethnische Vereinheitlichung auf dem Territorium<br />
der betreffenden Staaten an und übten<br />
dabei verschiedene Formen von Assimilationsdruck<br />
– von Pression im Bereich Schule und<br />
Kultur bis hin zu gewaltsamen Massenumsiedelungen<br />
oder sogar bis zum Genozid – aus.<br />
Trotzdem ist Europa ethnisch und kulturell<br />
inhomogen geblieben.<br />
Diese sprachlich und kulturell vielfältige europäische<br />
Gesellschaft, bestehend aus Nationalstaaten,<br />
Staatsvölkern, ethnischen Gemeinschaften<br />
ohne eigenen Staat, einer großen Zahl<br />
autochthoner nationaler Minderheiten sowie<br />
Zuwanderern ist einerseits sehr aufwändig<br />
und teuer zu verwalten und verlangt andererseits<br />
ein hohes Maß an Toleranz und ständig<br />
neue Kompromisse aller Beteiligten. Die Satzungen<br />
des Europarates und des europäischen<br />
Parlaments sowie der anderen EU-Behörden<br />
297
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
unterstützen zumindest deklamatorisch die<br />
kulturelle Vielfalt Europas, sowohl in Bezug<br />
auf autochthone ethnische Gemeinschaften<br />
als auch auf die verschiedenen Einwanderergruppen.<br />
Der Schutz der Volksidentität, der<br />
Sprache und der Kultur besaß und besitzt in<br />
Europa auch weiterhin eine wesentliche strategische<br />
Bedeutung, die durch die nationalen<br />
Verfassungen und verschiedene Grundsatzdokumente<br />
der Mitgliedsstaaten deutlich hervorgehoben<br />
wird.<br />
Neben der Vielfalt des europäischen Raumes<br />
und der Gesellschaft ist es notwendig, spezielle<br />
Schlüsselerscheinungen und Prozesse zu berücksichtigen,<br />
die erfahrungsgemäß wesentlichen<br />
Einfluss auf die nationale Entwicklung in<br />
Slowenien haben werden:<br />
• Verschiebung der „Peripherie“ in Richtung<br />
Osten,<br />
• wachsende Peripherisierung bestimmter<br />
Gebiete,<br />
• starker Immigrationsdruck aus Asien und<br />
Afrika,<br />
• sehr geringe Natalität und damit verbundener<br />
Rückgang der Bevölkerungszahl,<br />
• demografische Strukturprobleme in peripheren<br />
Gebieten,<br />
• starke Konzentration der Macht in einigen<br />
großen Zentren,<br />
• Assimilationsdruck, vor allem auf kleinere<br />
Gemeinschaften,<br />
• wachsende soziale Stratifikation,<br />
• starke regionalistische Bewegungen,<br />
• Stärkung der Minderheiten,<br />
• wachsende Multikulturalität der europäischen<br />
Gesellschaften,<br />
• Vergrößerung interregionaler Unterschiede.<br />
Grundziel der Entwicklung Sloweniens in<br />
298<br />
der Europäischen Union. Der Beitritt zur Europäischen<br />
Union bringt eine wesentliche Veränderung<br />
der geopolitischen Lage Sloweniens<br />
mit sich. Neben dieser strategisch bedeutenden<br />
Tatsache darf man die Wertvorstellungen<br />
nicht übersehen, deren Erfüllung die Lebensqualität<br />
einer Nation, eines Staates und<br />
einer Gesellschaft in verschiedenen Bereichen<br />
sichert. Angeführt werden nur diejenigen, die<br />
Ausdruck des gesellschaftlichen Konsenses<br />
sind und verhältnismäßig oft – wenn auch<br />
nicht immer gemeinsam – als wichtige Prioritäten<br />
in Zusammenhang mit verschiedenen<br />
Strategien angegeben werden:<br />
• Bewahrung der territorialen Einheit,<br />
• Bewahrung und Entwicklung nationaler<br />
und anderer Identitäten,<br />
• Bewahrung des Kulturerbes,<br />
• Erhaltung und Entwicklung des menschlichen<br />
Potenzials: demografische Struktur,<br />
Vitalität, berufliche Qualifikation und Leistungsfähigkeit<br />
sowie stabile Besiedelung der<br />
gesamten Kulturlandschaft; eine besondere<br />
Rolle spielt hierbei das Erziehungswesen,<br />
• Bewahrung der biotischen Vielfältigkeit<br />
und Vitalität,<br />
• Schutz der Umwelt und die Beseitigung bereits<br />
eingetretener Schädigungen,<br />
• Erhaltung und Entwicklung der wirtschaftlichen<br />
Potenziale: Produktionsmöglichkeiten,<br />
technische, technologische und<br />
räumliche Kapazitäten auf den Gebieten<br />
Industrie und Gewerbe, Entwicklung des<br />
Dienstleistungssektors, Konkurrenzfähigkeit<br />
der Landwirtschaft bei Sicherung der<br />
strategischen Reserven sowie Schutz der<br />
Umwelt und Pflege der Kulturlandschaft,<br />
• Qualität der Infrastruktur: Verkehrsinfrastruktur<br />
(Straßen, Eisenbahnen, Flughäfen,<br />
Fluss- und Seehäfen), Energie-Infra-
struktur (Strom-, Erdgas-, Fernwärmenetz<br />
u. Ä.), Kommunikationsinfrastruktur (Telefonnetz,<br />
Internet, Mobilfunknetz) sowie<br />
gesellschaftliche Infrastruktur (Organisationen<br />
und Einrichtungen auf staatlicher<br />
bzw. lokaler Ebene [öffentliche Ämter], private<br />
Initiativen als Faktoren der Zivilgesellschaft<br />
u. Ä.),<br />
• Qualität des Lebensraumes, die sowohl das<br />
unmittelbar besiedelte Gebiet als auch die<br />
dazugehörigen Erholungsgebiete betrifft,<br />
• Lebensqualität der Bevölkerung, die neben<br />
der Wohnqualität insbesondere auch das<br />
System der Sozial- und Gesundheitsfürsorge<br />
umfasst,<br />
• soziale Sicherheit, Gerechtigkeit und Zusicherung<br />
gleicher Möglichkeiten für die verschiedenen<br />
Bevölkerungsgruppen hinsichtlich<br />
Geschlecht, Alter, sozialer Position,<br />
Religions- und Volkszugehörigkeit u. Ä.,<br />
• gesellschaftlicher Zusammenhalt,<br />
• Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung<br />
der verschiedenen gesellschaftlichen<br />
Gruppen,<br />
• persönliche, soziale, Vermögens- und<br />
Rechtssicherheit; in diesem Zusammenhang<br />
ist die Effizienz der Sicherheitskräfte<br />
(Polizei, Armee) von Bedeutung, die sowohl<br />
auf persönlicher als auch auf kollektiver<br />
(nationaler) Ebene die Sicherheit garantieren<br />
sollen .<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens in der Europäischen<br />
Union. Die vorgestellten strategischen<br />
Ziele der Entwicklung Sloweniens in<br />
der EU sind langfristig und sehr komplex. Verwirklichen<br />
kann man sie durch eine alle heimischen<br />
und internationalen Umstände berücksichtigende<br />
Politik. Slowenien kann nur einige<br />
Bereiche der Entwicklung aktiv beeinflussen,<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
kann sich aber anderswo vor allem strukturell<br />
anpassen, indem es Verbündete und Partner<br />
sucht. Im Folgenden werden die inneren und<br />
äußeren Faktoren der Entwicklung dargestellt:<br />
Innnere Faktoren. Zu den inneren Entwicklungsfaktoren<br />
Sloweniens zählen diejenigen,<br />
die unmittelbar aus dem slowenischem Raum<br />
und der slowenischen Gesellschaft hervorgehen:<br />
• Die physischen Eigenschaften des Gebietes:<br />
verkehrtechnische Bedingungen, Klima,<br />
Landschaftsformen, aber auch verschiedene<br />
gesellschaftliche Merkmale, wie Dichte<br />
und Typus der Besiedelung.<br />
• Die infrastrukturellen Bedingungen umfassen<br />
Dichte und Qualität sowie die wechselseitige<br />
Verbindung von Verkehrs-, Energie-,<br />
Kommunikations- und gesellschaftlicher<br />
Infrastruktur. Slowenien besitzt ein gut<br />
ausgebautes Autobahnnetz, das System der<br />
übrigen Infrastruktur ist hingegen unzureichend<br />
und in hohem Maße lokalen Interessen<br />
untergeordnet. Einige, vor allem<br />
grenznahe, periphere Gebiete sind infrastrukturell<br />
sehr schlecht ausgestattet.<br />
• Die Wirtschaftstruktur setzt sich aus dem<br />
Verhältnis zwischen den verschiedenen<br />
Wirtschaftsbereichen, Eigentumsverhältnissen<br />
und Produktivität zusammen. Slowenien<br />
hat sich in einem guten Jahrzehnt<br />
von einer typisch industriellen Wirtschaft<br />
hin zur Dienstleistungswirtschaft entwickelt.<br />
Unterdessen ist die Bedeutung der<br />
Landwirtschaft, abgesehen von der Pflege<br />
der ländlichen Kulturlandschaft, stark zurückgegangen.<br />
Sichtbar ist der Trend zum<br />
Zusammenschluss von Unternehmen, die<br />
Schließung von Kleinbetrieben, die Abwanderung<br />
der Produktion in andere Länder, die<br />
299
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
Ansiedlung ausländischer Betriebe u. Ä. Die<br />
Eigentumsstruktur hat sich stark verändert<br />
(Privatisierung, Erwerb durch Ausländer).<br />
Die Wirtschaftsstruktur gilt als relativer<br />
Schwachpunkt.<br />
• Die räumliche Kohäsion bezeichnet den<br />
Zusammenschluss verschiedener Gebiete<br />
des Landes zu einer territorialen und gesellschaftlichen<br />
Gemeinschaft, die ein infrastrukturelles<br />
System und die Einheit<br />
des Staates, das Staatsbewusstsein der Einwohner<br />
u. a. ermöglicht. Slowenien ist nur<br />
im Zentrum stark integriert, während weite<br />
Grenzgebiete infrastrukturell unzureichend<br />
ausgestattet sind, mit zu schwachen<br />
regionalen Zentren, weshalb in einigen Gebieten<br />
zentrifugale Tendenzen vorhanden<br />
sind.<br />
• Die Beziehungen zwischen dem Zentrum<br />
und der Peripherie umfassen alle Interaktionen<br />
politischer, kultureller, ökonomischer<br />
und administrativer Natur, die zwischen<br />
den bevölkerungsreichen und ökonomisch<br />
entwickelten urbanen Gebieten und in der<br />
Regel wirtschaftlich rückständigeren Gebieten<br />
in grenznahen Regionen erfolgen.<br />
Die auf lokaler und regionaler Ebene vorhandene<br />
Abneigung gegenüber dem „Zentrum“<br />
ist in Slowenien stark ausgeprägt.<br />
• Die Dominanz der städtischen Zentren: Die<br />
Hauptstadt ist in der Regel die größte Stadt<br />
des Landes und ist wegen der Konzentration<br />
von Kapital, Bevölkerung als menschliches<br />
Potenzial (Wissen, Fähigkeiten,<br />
staatliche Institutionen), infrastruktureller<br />
Knotenpunkte und anderer Eigenschaften<br />
führend bei herausragenden Entwicklungen<br />
und Errungenschaften des Staates. Das<br />
Zentrum bietet die meisten Arbeitsplätze<br />
unterschiedlicher Anforderungsprofile, eine<br />
300<br />
hohe Konzentration der Versorgung (Handel,<br />
Gastgewerbe, Hotel- und Tourismuskapazitäten,<br />
Unterhaltung und Regeneration,<br />
Gesundheitswesen, gesellschaftliches<br />
Leben), ein umfangreiches und vielfältiges<br />
kulturelles Angebot u. dgl. mehr. Es übt eine<br />
hohe Anziehungskraft aus und begünstigt<br />
damit die Entstehung von staatlicher Identifikation<br />
und Volksidentität. Mit dem Gesagten<br />
wollen wir aber in keiner Weise die<br />
Bedeutung regionaler und lokaler Zentren<br />
vernachlässigen.<br />
• Die ethnische Struktur und zwischenethnische<br />
Beziehungen spielen für die staatliche<br />
Stabilität eine wichtige Rolle. Mit weniger<br />
als 90 % Slowenen in der Gesamtbevölkerung<br />
zählt das Land zu den ethnisch verhältnismäßig<br />
heterogenen Staaten. Einem<br />
vorbildlichen Status der autochthonen Minderheiten<br />
der Italiener und Ungarn – etwas<br />
eingeschränkter gilt dies auch für die Roma<br />
– steht ein Drängen der Immigrationsgemeinschaften<br />
aus dem ehemaligen jugoslawischen<br />
Raum nach ähnlichen Rechten gegenüber.<br />
Die Letzteren können sich wegen<br />
der sprachlichen Verwandtschaft rasch in<br />
die slowenische Lebensumwelt integrieren.<br />
Bei wirtschaftlichen Kontakten mit dem<br />
südosteuropäischen Raum können sie einen<br />
bedeutenden verbindenden Faktor darstellen.<br />
• Die Eigenschaften der Volksidentität und<br />
anderer Identitäten: Die Volksidentität besteht<br />
aus einer Reihe objektiver und subjektiver<br />
Elemente, die sich in fünf Gruppen<br />
(kulturell-sprachliche, historische, geographische,<br />
soziale und wirtschaftlich-politische)<br />
einordnen lassen. Der Einzelne erlangt<br />
und entwickelt sie im Prozess seiner Sozialisation,<br />
der ein ganzes Leben lang andauert.
Die Volksidentität ist relativ beständig, jedoch<br />
nicht unveränderbar. Die slowenische<br />
Identität betont stark die sprachliche Komponente,<br />
was insbesondere für Angehörige<br />
von Minderheiten und Einwanderern einen<br />
ausgeprägten Ausgrenzungsfaktor bedeutet.<br />
Stark ausgeprägt sind auch regionale<br />
und lokale Identitäten, die die starke Verbundenheit<br />
mit der Region unterstreichen.<br />
• Das kulturelle Leben stellt einen wesentlichen<br />
Integrationsfaktor nach innen dar, der<br />
die Gesellschaft zu einer stabilen Gemeinschaft<br />
verfestigt und (auch regionale und<br />
lokale) Volksidentität und das Staatsbewusstsein<br />
stärkt.<br />
• Die Beziehungen zu den Slowenen im Ausland:<br />
Die slowenischen Minderheiten jenseits<br />
der Grenze sowie Auswanderer und<br />
deren Nachkommen stellen einen wichtigen<br />
Teil des slowenischen Volkes und des<br />
slowenischen Kulturraumes dar. Bedeutend<br />
sind sie vor allem als Faktoren in den internationalen<br />
Beziehungen. Die Beziehungen<br />
zu Minderheitenorganisationen müssen auf<br />
allen Ebenen stattfinden und lokale und<br />
staatliche Besonderheiten sowie die Loyalität<br />
zu den Ländern, in denen sie ansässig<br />
sind, berücksichtigen. Zugleich sollte aber<br />
ein möglichst enger Kontakt auf verschiedenen<br />
Ebenen angeregt und die Voraussetzungen<br />
für eine grenzüberschreitende<br />
Kommunikation der Bevölkerung auf beiden<br />
Seiten der Grenze geschaffen werden.<br />
• Die Organisation der Verwaltung bezieht<br />
sich in erster Linie auf die Tätigkeit verschiedener<br />
Ämter auf unterschiedlichen<br />
Ebenen. Wesentlich ist die Verbundenheit<br />
der Bevölkerung mit den eigenen Administrationseinheiten<br />
und die Identitätsbildung,<br />
zugleich aber auch die Wettbewerbsfähig-<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
keit mit vergleichbaren Einheiten in den<br />
benachbarten Staaten. Slowenien ist administrativ<br />
in kleine Gemeinden zersplittert,<br />
andererseits jedoch relativ zentralistisch organisiert,<br />
weil es zwischen der staatlichen<br />
und der lokalen Ebene keine Zwischenstufen<br />
gibt, was sich als nachteilig erweist.<br />
• Das Bildungswesen steigert die Chancen des<br />
Einzelnen auf dem Arbeitsmarkt und beeinflusst<br />
maßgeblich die Qualität des Lebens,<br />
formt aber auch nationales Bewusstsein<br />
und Identität. Das System des Schulwesens<br />
umfasst die Stufen der Vorschulerziehung,<br />
Grundschulen, Berufschulen und Mittelschulen,<br />
die Schulen für Personen mit<br />
besonderen Bedürfnissen, Akademien,<br />
Fachhochschulen, Universitäten, Kunstakademien<br />
und Forschungseinrichtungen.<br />
Hinzu kommen noch Weiterbildungseinrichtungen,<br />
wie z. B.Sprachschulen, Musikschulen,<br />
Sport- und Freizeitvereine, die<br />
durch verschiedene Formen der Bildung<br />
und Weiterbildung zu größerer Arbeitseffizienz,<br />
persönlicher Allgemeinbildung, kulturellem<br />
Engagement, besserem Gesundheitsbewusstsein<br />
u. Ä. verhelfen. Wichtig<br />
sind sowohl die Qualität der Schulen und<br />
die Bildungsinhalte als auch ihre Zugänglichkeit.<br />
Slowenien hat ein differenziertes<br />
Schulsystem, das das gesamte Land abdeckt.<br />
Auf Grund der infrastrukturellen Bedingungen<br />
ist allerdings der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten<br />
erschwert, und es lässt<br />
sich ist bereits die Anziehungskraft von<br />
Zentren in den Nachbarstaaten feststellen.<br />
• Das Sicherheitssystem soll den Schutz der<br />
territorialen Einheit, der Wirtschaftsobjekte,<br />
der kulturellen Güter, des Privatvermögens,<br />
der Gesundheit und des Lebens der<br />
Bevölkerung gewährleisten. Das Sicher-<br />
301
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
heitssystem besteht aus Militär und Polizei,<br />
verschiedenen Formen des Zivilschutzes,<br />
aber auch aus privaten Sicherheitsdiensten.<br />
Armee und Polizei stellen in den meisten<br />
Staaten auch das Fundament der der nationalen<br />
Souveränität dar und sind wichtige<br />
Träger der nationalen Identität.<br />
• Die demographische Struktur: Der Mensch<br />
stellt den wichtigsten Entwicklungsfaktor<br />
dar. Die Erhaltung der Bevölkerungszahl<br />
und eine günstige Altersstruktur sind deshalb<br />
als die wichtigsten Ziele zu betrachten.<br />
Die Bevölkerungspolitik beinhaltet<br />
verschiedene Maßnahmen auf wirtschaftlichem,<br />
gesundheits- und sozialpolitischem<br />
sowie rechtlichem Gebiet. Zum Zweck Sicherung<br />
einer stabilen demographischen<br />
Struktur wird eine Erhöhung der Geburtenrate<br />
angestrebt, und auf der anderen Seite<br />
soll eine Regulierung von Landflucht und<br />
Verstädterung erreicht werden. Slowenien<br />
zählt zu den Staaten mit einer sehr niedrigen<br />
Geburtsrate und einem damit verbundenen<br />
Bevölkerungsrückgang und muss<br />
daher bevölkerungspolitischen Maßnahmen<br />
wesentlich größere Aufmerksamkeit<br />
schenken. 2<br />
• Die berufliche Qualifikation der Bevölkerung:<br />
Hierbei geht es um die Erlangung der<br />
formalen und funktionalen Befähigung zur<br />
Ausübung von Tätigkeiten in Wirtschaft,<br />
Kultur, Verwaltung, im Sozialbereich, im<br />
Gesundheitswesen, im Dienstleistungssektor<br />
und in anderen Bereichen, was schließlich<br />
zu einer höheren Lebensqualität der<br />
heimischen Bevölkerung führt. 3<br />
Äußere Faktoren. Die Einschätzung der äußeren<br />
Faktoren, die alle Umstände, Prozesse und<br />
Erscheinungen außerhalb des slowenischen<br />
302<br />
Staates und der slowenischen Gesellschaft<br />
umfassen, wirkt auf die gesellschaftliche und<br />
räumliche Entwicklung Sloweniens zurück.<br />
Die Mehrheit der Faktoren geht aus der Nachbarschaft<br />
in Mittel- und Südosteuropa bzw.<br />
aus Europa im Allgemeinen hervor, einige Faktoren<br />
sind auch global bedingt:<br />
• Globalisierung: Auf Grund der Verflechtungen<br />
von Prozessen und Beziehungen innerhalb<br />
von Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft<br />
und Gesellschaft kann ein Ereignis<br />
Folgeeffekte im breiten Raum oder in der<br />
Gesellschaft hervorrufen. 4 Man kann Slowenien<br />
nicht isoliert, sondern nur in engem<br />
Zusammenhang und in Wechselbeziehung<br />
mit globalen Entwicklungen betrachten.<br />
• Regionalisierung: Bestrebungen nach größeren<br />
Verwaltungskompetenzen der Regionen:<br />
Die EU unterstützt die Stärkung der<br />
Regionen (auch auf Kosten der Nationalstaaten)<br />
und führt immer mehr Programme<br />
ein, über die sich diese Bestrebungen<br />
realisieren lassen. Gleichzeitig haben sich in<br />
europäischen Staaten verschiedene regionale<br />
Bewegungen stark entfaltet, entweder als<br />
Widerstand gegen den Zentralismus oder<br />
als Form eines so genannten „Ethnoregionalismus“.<br />
• Individualisierung: Die urbane Lebensweise<br />
stellt den Einzelnen, seine Rechte und Bedürfnisse<br />
immer deutlicher in den Vordergrund,<br />
gleichzeitig aber führt diese Lebensweise<br />
auch zu einer gewissen Entfremdung.<br />
Die Auswirkungen der Individualisierung<br />
sind deshalb auf dem Gebiet der Sozialisation<br />
und Kommunikation deutlich sichtbar:<br />
Sie beeinträchtigt den gesellschaftlichen<br />
Zusammenhalt. 5<br />
• Informatisierung: Der Prozess, der auf der
Entwicklung der Kommunikations- und Informationstechnologie<br />
basiert. Er bestimmt<br />
die gesellschaftlichen Beziehungen, nimmt<br />
Einfluss auf Wirtschaftsstandorte und Besiedelung,<br />
bestimmt über die Lebensqualität<br />
und ist ein entscheidender Faktor der<br />
räumlichen Entwicklung. Der Grad der<br />
Informatisierung ist schon jetzt einer der<br />
grundlegenden Maßstäbe für den Standard<br />
der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen<br />
Entwicklung. Die Geschwindigkeit und die<br />
Qualität der Informationsübertragung sowie<br />
die übermittelten Informationen sind<br />
grundlegende Konkurrenzvorteile und Entwicklungsvoraussetzungen<br />
6 und spielen eine<br />
wesentliche Rolle im Sinne des Zusammenhaltes<br />
der Gesellschaft und des Staates.<br />
• Die Transformation ist der Prozess des wirtschaftlichen,<br />
politischen und gesellschaftlichen<br />
Übergangs ehemaliger kommunistischer<br />
in kapitalistische Staaten. Dieser<br />
Prozess verläuft im wirtschaftlichen und<br />
im gesellschaftlichen Bereich langsamer als<br />
im politischen (Demokratisierung). 7<br />
• Die landschaftliche Beschaffenheit der an<br />
Slowenien angrenzenden Gebiete: Slowenien<br />
ist gegen Österreich und teilweise gegen<br />
Kroatien durch Gebirge begrenzt, während<br />
es gegen Ungarn, Italien und den größeren<br />
Teil Kroatiens hin offen ist. Diese Faktoren<br />
sind vor allem als Grundlage für die Besiedelungsdichte,<br />
die wirtschaftliche Ausrichtung<br />
sowie den Verkehr und die Infrastruktur<br />
wichtig. Diesen Elementen kommt aber<br />
nur eine verhältnismäßig geringere Bedeutung<br />
zu, wenn es nicht auch eine entsprechende<br />
gesellschaftliche Organisation und<br />
eine politische Macht gibt, die diese Faktoren<br />
kontrolliert.<br />
• Die Besiedelungseigenschaften der angren-<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
zenden Gebiete spiegeln die Bevölkerungszahl<br />
und indirekt auch die wirtschaftliche<br />
und kulturelle Stärke ausgewählter Gebiete<br />
wider. Die Nachbargebiete sind durchschnittlich<br />
dicht besiedelt, stellenweise<br />
dichter und anderswo weniger dicht als in<br />
Slowenien. Entscheidendere Bedeutung als<br />
die Besiedelungsdichte haben hingegen die<br />
Städte mit ihren Funktionen in der unmittelbaren<br />
und in der weiteren Umgebung. In<br />
dieser Hinsicht sind größere Bevölkerungskonzentrationen<br />
in der näheren Nachbarschaft<br />
zumeist ungünstig, weil sie konkurrierende<br />
Gravitationskerne darstellen.<br />
• Die infrastrukturellen Bedingungen in den<br />
Nachbarstaaten: Die Infrastruktur hat vor<br />
allem deshalb besondere Bedeutung, weil<br />
sie schnellere und billigere Kommunikation<br />
ermöglicht und die Verkehrsströme<br />
in die Zentren lenkt, was die Zentrifugaltendenzen<br />
beschleunigen oder mindern<br />
kann. Die Gebiete in Italien und Österreich<br />
sind im Allgemeinen infrastrukturell besser<br />
ausgestattet als diejenigen in Slowenien,<br />
während in Kroatien und Ungarn oftmals<br />
schlechtere Bedingungen herrschen.<br />
• Formen der Integration und der internationalen<br />
Zusammenarbeit in den Nachbarstaaten:<br />
Drei von den vier Nachbarstaaten Sloweniens<br />
sind Mitglieder der Europäischen<br />
Union, zwei des Militärbündnisses NATO.<br />
Nicht weniger wichtig sind allerdings regionale<br />
Initiativen, wie zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft<br />
Alpe-Adria, die Initiativen<br />
für die nördliche Adria, Programme für den<br />
Alpenraum (Euromontana, Alpenkonvention),<br />
für den Donauraum und Mitteleuropa<br />
(CADSES) und nicht zuletzt auch die Initiativen<br />
für Südosteuropa (Stabilitätspakt).<br />
• Die Wirtschaftsstruktur der Nachbarstaa-<br />
303
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
ten Sloweniens: Die Wirtschaftsstruktur<br />
lenkt die Verkehrsströme und ist zugleich<br />
Mittler, Gegenstand oder sogar Mittel des<br />
Vordringens in den slowenischen Raum.<br />
Dies hat auch Einfluss auch auf die Identität<br />
Sloweniens und auf verschiedene Aspekte<br />
der Lebensqualität. Eine starke Konkurrenz<br />
stellt vor allem der norditalienische Raum<br />
dar, was auf die übrigen Nachbarstaaten<br />
weniger zutrifft. Von regionaler Bedeutung<br />
sind noch die Ballungsräume Graz und<br />
Zagreb; die anderen Gebiete in der Nachbarschaft<br />
können mehr als Partner denn<br />
als Konkurrenten betrachtet werden. Die<br />
wirtschaftliche Ausrichtung in den Nachbargebieten<br />
unterscheidet sich maßgeblich<br />
von der im slowenischen Raum.<br />
• Ethnische Struktur und Beziehungen zu<br />
den angrenzenden Gebieten: Slowenien befindet<br />
sich an einer ethnischen Schnittstelle<br />
zwischen größeren sprachlich und kulturell<br />
ungleichartigen Nachbarn mit starken<br />
und historisch gefestigten Volksidentitäten.<br />
Dieser Raum ist also auf einer Seite<br />
mit Multiethnizität und Multikulturalität,<br />
die Bestandteil des historischen Erbes sind,<br />
konfrontiert, auf der anderen Seite hingegen<br />
immer noch mit latenten Konflikten<br />
belastet. Drei von den vier Nachbarstaaten<br />
haben in der Vergangenheit in unterschiedlicher<br />
Form Macht über das heutige<br />
slowenische Staatsgebiet ausgeübt und<br />
beeinflussen auch weiterhin vor allem die<br />
Randgebiete relativ stark.<br />
• Die Existenz aggressiver Ideologien: Obwohl<br />
es im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund<br />
eines vereinten Europas und zahlreichen<br />
Deklarationen über Sicherheit,<br />
Frieden und gute nachbarschaftliche Beziehungen<br />
ein wenig ungewöhnlich erscheint,<br />
304<br />
das Bestehen aggressiver Ideologien zu erwähnen,<br />
können wir nicht an der Tatsache<br />
vorbei, dass diese dennoch existieren. Dabei<br />
geht es weniger um kriegerische Pläne und<br />
territoriale Ansprüche, sondern um Ideologien,<br />
die versuchen auf verschiedene Weise<br />
den slowenischen Raum wirtschaftlich<br />
und kulturell zu beherrschen.<br />
• Der kulturelle Einfluss der benachbarten<br />
Regionen, Staaten und Nationen steht in<br />
Zusammenhang mit Bevölkerungszahl<br />
und Bruttonationalprodukt, die gemeinsam<br />
zu größerem oder kleinerem Einfluss in der<br />
Nachbarschaft beitragen. Der Staat verfügt<br />
über eine Reihe von Institutionen, die die<br />
nationale Identität formen und verbreiten.<br />
Slowenien ist in dieser Hinsicht in der Position<br />
des Schwächeren: Alle Nachbarnationen<br />
sind bevölkerungsreicher, besitzen<br />
eine ältere Staatstradition und haben über<br />
einen gewissen Zeitraum hinweg Einfluss<br />
auf den slowenischen Raum (vor allem auf<br />
die Grenzgebiete) ausgeübt.<br />
• Die Verwaltungsstruktur ist für den inneren<br />
Zusammenhalt und die Effizienz bei<br />
der Gewährleistung staatlicher Leistungen<br />
auf verschiedenen Ebenen bedeutend. Die<br />
Gebiete in den Nachbarstaaten haben in<br />
der Regel größere administrative Einheiten,<br />
vor allem aber eine besser entwickelte Verwaltungshierarchie.<br />
• Die politische Stabilität der Nachbarstaaten:<br />
Die Verhältnisse in den an Slowenien<br />
angrenzenden Gebiete sind größtenteils<br />
konfliktfrei, abgesehen von den Gebieten<br />
des ehemaligen Jugoslawiens, die man auf<br />
Grund der vergangenen militärischen Auseinandersetzungen<br />
als weniger stabil bezeichnen<br />
muss.<br />
• Internationale Migration: Die Europäische
Union ist für Arbeitsimmigranten insgesamt<br />
sehr attraktiv, nicht nur aus der Ost-<br />
und Südosteuropa, sondern in immer größerem<br />
Ausmaß auch aus Afrika und Asien.<br />
Die Mobilität der Völker steigt und schafft<br />
in verstärktem Ausmaß multikulturelle<br />
Umwelten. 8<br />
Die räumliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche<br />
und ethnische Entwicklung Sloweniens<br />
ist von einer Reihe miteinander verflochtener<br />
Faktoren abhängig. Bei manchen besteht<br />
die Möglichkeit, direkt Einfluss zu nehmen<br />
und sie zum eigenen Nutzen zu verändern,<br />
bei anderen ist es sinnvoll, Partner und Verbündete<br />
zu suchen, bei dritten erscheint eine<br />
Ausweichstrategie oder die Konfrontation am<br />
besten geeignet. Die erfolgreiche slowenische<br />
Entwicklung im europäischen Rahmen ist keine<br />
selbstverständliche Folge der Eingliederung<br />
in diese übernationale Gemeinschaft, sondern<br />
das Resultat bewusster, durchdachter und<br />
ausdauernder Vorgangsweise. Die Zeiten sind<br />
vorbei, in denen für Misserfolge in den oben<br />
genannten Bereichen die Zentren multiethnischer<br />
Staatssysteme verantwortlich gemacht<br />
werden können (Wien zur Zeit der Habsburger-Monarchie,<br />
Belgrad zur Zeit der beiden jugoslawischen<br />
Staaten; manche befürchten dass<br />
nun Brüssel eine ähnliche Rolle einnehmen<br />
könnte). Obwohl Einflüsse von außen – vor<br />
allem von den Nachbarstaaten – unbestreitbar<br />
sind, besitzt Slowenien auf der anderen<br />
Seite eine Reihe von Institutionen auf staatlicher<br />
und lokaler Ebene und Organisationen<br />
der Zivilgesellschaft. Das Land verfügt auch<br />
über vielfältige Erfahrungen mehrerer Generationen,<br />
die in verschiedenen staatlichen Systemen<br />
gelebt haben. Das ist ein wichtiges Erbe<br />
auf dem Weg der Herausbildung einer eigen-<br />
ENDNOTEN – ANMERKUNGEN<br />
Entwicklungsfaktoren Sloweniens<br />
ständigen slowenischen Gemeinschaft innerhalb<br />
Europas. Es geht auch um die Verantwortung<br />
gegenüber Entwicklungen in der neuen,<br />
gemeinsamen europäischen Gesellschaft. Deshalb<br />
ist die Mitgliedschaft Sloweniens in der<br />
EU nicht nur als Möglichkeit der wirtschaftlichen<br />
und gesellschaftlichen Entwicklung,<br />
sondern auch als Mitverantwortung für das<br />
Schicksal des alten Kontinents zu sehen. Auf<br />
diese Weise kann auch eines der größten bisherigen<br />
Hindernisse beseitigt werden: Der unzureichende<br />
Bekanntheitsgrad Sloweniens im<br />
europäischen und noch mehr im globalen Kontext.<br />
Vor allem aber kann Slowenien sowohl<br />
innere als auch äußere Entwicklungsfaktoren<br />
wesentlich erfolgreicher zugunsten der eigenen<br />
wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, räumlichen,<br />
ethnischen und kulturellen Entwicklung<br />
beeinflussen.<br />
1 Milan Bufon – Boris Jesih – Dubravko Škiljan – Jernej Zupančič (Red.),<br />
Slovenija in nadaljnji razvoj Evropske unije, zaključno poročilo, raziskovalna<br />
naloga. Ljubljana 2003.<br />
2 Janez Malačič, Prebivalstvo Slovenije danes in jutri. Slovenci in prihodnost.<br />
Ljubljana 1993; Milivoj Šircelj, Demografski razvoj Slovenije, in IB revija, Jg.<br />
32, H. 1–3 u. 4–5, 1998.<br />
3 Alenka Kajzer, Človeški dejavnik in trg dela. Strategija RS za vključitev v<br />
EU. Ljubljana 1998.<br />
4 Gavin Boyd – John H. Dunning (Hg.), Structural change in and cooperation<br />
in the global economy. Cheltenham – Northhampton 1999.<br />
5 Zdravko Mlinar, Individualizacija in globalizacija v prostoru. Ljubljana 1993.<br />
6 Franc Trček, Problemi informatizacije Slovenije, in: Teorija in praksa, Jg. 37,<br />
H. 6, 2000.<br />
7 Andreja Böhm (Hg.), Privatization in Central and Eastern Europe 1995.<br />
Ljubljana 1996.<br />
8 Barbara Verlič Christensen, Evropa v precepu med svobodo in omejitvami<br />
migracij. Ljubljana 2002.<br />
305
Zukünftig erscheinende und bisher erschienene Publikationen<br />
Wissenschaftliche Reihe<br />
Znanstvena zbirka Pavlove hiše<br />
Vom Leben an der Grenze<br />
Aufsätze zur Zeitgeschichte der<br />
südoststeirisch-slowenischen<br />
Grenzräume<br />
A: Franz Josef Schober<br />
Ein Sammelband mehrjähriger Beschäftigung<br />
mit der Geschichte der südoststeirisch-slowenischen<br />
Grenze im 20. Jahrhundert<br />
Auswahl: Vom Leben an der Grenze im 20.<br />
Jahrhundert, Der Kampf um die neue Grenze<br />
im Raum MureckApače/Abstall, Ocinje/Guizenhof,<br />
Kramarovci/Sinnersdorf und Fikšinci/<br />
Füchselsdorf, Erinnerungen an die Jahre 1938<br />
bis 1945, Dr. Julius Matthèy-Guenet, Dr.<br />
Sergej Kapralov, Anton Festl, Krieg um Slowenien<br />
1991 …<br />
Die steirischen Slowenen<br />
Tagungsband zum Symposium<br />
Hg.: Katalin Munda Hirnök & Susanne<br />
Weitlaner<br />
Sammelband mit Vorträgen zur Konferenz<br />
„Ethnologisches Erbe und Kulturkreis der steirischen<br />
Slowenen“ mit Fachexkursion, 23. –<br />
24. September 2004 in Zusammenarbeit mit der<br />
Slowenischen ethnologischen Gesellschaft / Slovensko<br />
etnološko društvo<br />
306<br />
Legionäre aus dem Süden<br />
Fußballer aus Exjugoslawien in der<br />
Steiermark<br />
A: Wolfgang Kühnelt<br />
Der Autor erarbeitet in einem historischen Teil<br />
das Gewesene und geht der Frage nach, was<br />
aus ihnen wurde.<br />
Diskurs und Erinnerung an der<br />
steirisch-slowenischen Grenze.<br />
Eine Analyse anlässlich des EU-Beitritts<br />
A: Elisabeth Schober<br />
Die Autorin untersucht anlässlich des EU-Beitrittes<br />
Sloweniens mit Hilfe von Tiefengesprächen<br />
Unaufgearbeitetes und Verschüttetes.<br />
Audio Compact Disc<br />
Ljudska pesem na Štajerskem<br />
Eine Bestandsaufnahme der<br />
südsteirischen zweisprachigen<br />
Liedkultur<br />
A: Eva Maria Hois<br />
Basierend auf Feldforschungsaufnahmen aus<br />
aus dem Jahr 2001 erscheint im Jahr 2006 in<br />
Zusammenarbeit mit dem Steirischen Volksliedwerk<br />
ein Tonträger mit Dokumentarmaterial<br />
slowenischen Liedgutes aus dem Südsteirischen<br />
Grenzgebiet.
Literarische Reihe<br />
Literarna zbirka Pavlove hiše<br />
Gedichte in dt. und slowenischer<br />
Sprache<br />
A: Vencelslav Šprager<br />
Der umtriebige Künstler veröffentlicht erstmals<br />
in der Pavelhausreihe.<br />
Lyrikband<br />
A: Rezka Kanzian<br />
Neue Gedichte der in Graz lebenden Kärntner<br />
Slowenin<br />
Bodoče izdane publikacije Pavlove hiše<br />
Kunst und Gesellschaft<br />
Umetnost in družba<br />
Schengenblick<br />
A: Michael Petrowitsch, V.A.<br />
Themenbeiträge zum Projekt / zbornik k projektu<br />
DE 98 S. A5+ EURO 10.-<br />
2003 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
ISBN 3-9501567-2-0<br />
Bukaka spat here<br />
A: Alexander Brener/Barbara Schurz<br />
Katalog zur Ausstellung/katalog k razstavi<br />
E 136 S. A5 EURO 5.-<br />
2002 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
ISBN 3-9501567-1-2<br />
„Leb ich mein Schicksal aus“<br />
A: Josefa Prelog<br />
Josefa Prelog – Lebensgeschichte einer steirischen<br />
Slowenin – Življenska zgodba Štajerske Slovenke<br />
Jožice Prelog<br />
DE-SL 168 S. A5 EURO 10.-<br />
2001 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
ISBN 3-85013-889-5<br />
Machen Sie mir dieses Land wieder<br />
… Naredite mi to deželo spet…<br />
Make this country…again<br />
V.A.<br />
Steirischer Herbst 2001, Katalog zur Ausstellung/<br />
zbornik k razstavi<br />
DE-SL-E 58 S. A4 EURO 10.-<br />
2001 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
—<br />
307
Bisher erschienene Publikationen in den Reihen der Pavelhaus-Schriften<br />
Wissenschaftliche Reihe<br />
Znanstvena zbirka Pavlove hiše<br />
Ardigata! Krucinal!<br />
Ein slowenisches Schimpfwörterbuch basierend auf<br />
Arbeiten von Josef Matl (1897-1074) zum deutschslawischen<br />
Sprach und Kulturkontakt<br />
A: Michael Reichmayr<br />
DE–SL 424 S. A5 EURO 25.-<br />
2003 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 1 ISBN 3-9501-5673-9<br />
Auf den Spuren der Protestanten,<br />
Juden, Roma und Slowenen in<br />
und um Bad Radkersburg<br />
Rundgangsführer, 2.Auflage<br />
A: Heimo Halbrainer<br />
DE 103 S. A5 EURO 10.-<br />
2003 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 2 ISBN 3-9501567-4-7<br />
Po sledeh protestantov, Judov,<br />
Romov in Slovencev v Radgoni in<br />
okolici<br />
Vodnik za obhod<br />
A: Heimo Halbrainer<br />
SL 99 st. A5 EURO 10.-<br />
2003 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 2a ISBN 3-9501567-5-5<br />
308<br />
Drugačna Radgona / The hidden<br />
side of Bad Radkersburg<br />
Plan zum Rundgangsführer<br />
A: Heimo Halbrainer<br />
DT, SL, E — — EURO 2.-<br />
2004 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
DT: ISBN 3-9501567-6-3<br />
SL: ISBN 3-900181-05-5<br />
E: ISBN 3-900181-06-3<br />
Die Natur des Sollens...<br />
Erstdruck der mit dem Wartinger-Preis ausgezeichneten<br />
Dissertation des steirischen Philosophen<br />
Franz Weber (1890-1975)<br />
Prvi natis disertacije štajerskega filozofa Franceta<br />
Vebra (1890-1975), odlikovana z Wartingerjevo<br />
nagrado<br />
A: Franz Weber<br />
DE-SL 181 S. A5 EURO 15.-<br />
2004 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 4 ISBN 3-900181-01-2
Drinnen und draußen, wir und ihr.<br />
Fremdenfeindlichkeit als soziale Praxis der Zugehörigkeit<br />
– Eine Feldstudie im Radkersburger Winkel<br />
Sovražnost do tujcev kot socialna praksa pripradnosti<br />
– Raziskava na terenu Radgonskega kota<br />
A: Sonja Ebner<br />
DE-SL 227 S. A5 EURO 15.-<br />
2005 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 5 ISBN 3-900181-02-0<br />
Die Sprache im Dorf lassen<br />
Festhalten und Aufgeben der slowenischen Sprache<br />
in Radkersburg und Umgebung.<br />
A: Andrea Haberl-Zemljič<br />
DE-SL 327 S. A5 EURO 15.-<br />
2004 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 6 ISBN 3-900181-03-9<br />
Do sedaj izdane publikacije Pavlove hiše<br />
Vom Erleben und Deuten<br />
Srečko Kosovels Integrali: Ein herausgeberisches<br />
Artefakt und sein Rang als herausragende Erscheinung<br />
der slowenischen Avantgarde.<br />
A: Erwin Köstler<br />
DE-SL 223 S. A5 EURO 15.-<br />
2005 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 7 ISBN 3-900181-04-7<br />
Von Ajda bis Žuži<br />
Eine kulturhistorische und sprachwissenschaftliche<br />
Studie über österreichische Rindernamen.<br />
A: Michael Reichmayr<br />
DE-SL 199 S. A5 EURO 15.-<br />
2005 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 8 ISBN 3-900181-11X9<br />
309
Bisher erschienene Publikationen in den Reihen der Pavelhaus-Schriften<br />
Literarische Reihe<br />
Literarna zbirka Pavlove hiše<br />
Mein grimmiges Jahrhundert<br />
Eine Auswahl an Gedichten von Avgust Pavel in<br />
ungarischer, slowenischer und deutscher Sprache<br />
A: August Pavel<br />
DE-SL-H 127 S. 120 x 210 EURO 10.-<br />
2005 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band/Knjiga 1 ISBN 3-900181-12-8<br />
310<br />
Unsere Jahresschrift<br />
Naš letni zbornik<br />
Signal 2004/2005<br />
Inhalt/vsebina: Hallo EU – Hallo Slowenien /<br />
Halo EU – Halo Slovenija; Avstrijski konvent in<br />
manjšinske pravice / Der Volksgruppenschutz im<br />
Österreichkonvent; Roma in Europa / Romi v Evropi;<br />
Judje v Prekmurju / Juden im Prekmurje und<br />
vieles mehr / in drugo<br />
V.A.<br />
DE-SL 115 S. 216 x 280 EURO 10.-<br />
2004 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
ISBN 3-900181-08-X<br />
Signal 2003/2004<br />
Inhalt/vsebina: Josef Schleich – Der Judenschlepper<br />
– tihotapec judov; Alois Hergouth – Ein Abend in<br />
Sladka Gora – Večer na Sladki Gori; ZeitzeugInnen<br />
und Jugendliche im Dialog – Priče časa v dialogu<br />
z mladino; Die Minoriten in Graz und Ptuj<br />
– Minoriti v Gradcu in na Ptuju; Fremdenfeindlichkeit<br />
als soziale Praxis– sovražnost do tujcev kot<br />
socialna praksa und vieles mehr / in drugo<br />
V.A.
DE-SL — 216 x 280 EURO 10.-<br />
2003 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Signal 2002/2003<br />
Inhalt/vsebina: Abstall – aus der Zeitgeschichte<br />
eines Grenzraumes / Apače – sodobna zgodovina<br />
v obmejnem prostoru; Grußwort Judith Simon-Pavels<br />
/ Pozdravne besede Judith Simon Pavel; Der<br />
„Brückenbauer“August Pavel / „Graditelj mostov“<br />
Avgust Pavel ; Das Gebiet um Radkersburg in der<br />
Josephinischen Landesaufnahme Področje Radgone<br />
v »Jožefinski izmeri« und vieles mehr / in drugo<br />
V.A.<br />
DE-SL — A4 EURO 5.-<br />
—<br />
2002 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Signal 2001/2002<br />
Inhalt/vsebina: Portrait des Slavisten und Balkanologen<br />
Josef Matl (1897-1974) / portret slavista<br />
in balkanologa Jožeta Matla; Die Deutschen in<br />
Slowenien 1918-1941 Nemci v Sloveniji 1918-1941;<br />
Die Štajerc-Partei 1914-1918 „Štajerčeva“ stranka<br />
1914-1918; Neue Nachbarn – novi sosedi; Steirer<br />
& Štajrer: Ein Sprachenfest – praznik jezikov<br />
V.A<br />
DE-SL — A4 EURO 5.-<br />
—<br />
2001 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
—<br />
Do sedaj izdane publikacije Pavlove hiše<br />
Kunstkataloge<br />
Umetnostni katalogi<br />
In Passing<br />
Katalog der Sommerausstellung 2003 des Pavelhauses<br />
u. a. mit Sabine Bittner/Helmut Weber,<br />
Plamen Dejanoff, Luka Dekleva, Sarah Dis, Petra<br />
Gerschner. Kurator: Walter Seidl<br />
E 16 S. 190 x 270 EURO 10.-<br />
2003 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band / Knjiga 1 ISBN 3-900181-00-4<br />
Radical Positioning<br />
Katalog zur Sommerausstellung 2004 des Pavelhauses<br />
u. a. mit Barbara Casper, Irwin, Tanja<br />
Ostojič, Transparadiso. Kuratorin: Marina Gržinič<br />
E 20 S. 190 x 270 EURO 10.-<br />
2004 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band / Knjiga 2 ISBN 3-900181-07-1<br />
311
Bisher erschienene Publikationen in den Reihen der Pavelhaus-Schriften<br />
Breaking the visual<br />
Katalog zu der im Rahmen des Steirischen Herbstes;<br />
2004 im Pavelhaus gezeigten Ausstellung;<br />
Mitwirkende Künstler: Tomo Brejc, Richard Crow,<br />
Nikolaus Gansterer, N.I.C.J.O.B. u. a.; Kurator:<br />
Walter Seidl<br />
E 16 S. 190 x 270 EURO 10.-<br />
2004 Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Band / Knjiga 3 ISBN 3-900181-10-1<br />
Kontakt/Bestellung<br />
Kontakt/naročilo<br />
Artikel-VII-Kulturverein für Steiermark<br />
Društvo člen 7 za avstrijsko Štajersko<br />
Elisabethinergasse 34<br />
8020 Graz, Austria<br />
Telefon/Fax 0043-316-771383<br />
Pavelhaus – <strong>Pavlova</strong> hiša<br />
Laafeld/Potrna 30<br />
8490 Bad Radkersburg, Austria<br />
Telefon/Fax 0043-3476-3862<br />
pavel.haus@nextra.at<br />
www.pavelhaus.at<br />
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