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Izbrisani - Pavlova hiša

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Der Umstand, dass Ideologie bestritten wird, sagt schon aus, dass eine solche

exisitiert.

Ampak ideologija najbolje deluje takrat ko je naslovniki niti ne prepoznajo in

torej a priori in pravičniško zanikajo vsakršen njen obstoj.

ISBN:3-900181-14-4

Boris Jaušovec

winter/zima 2005/2006 Jahresschrift des Pavel-Hauses – Letni zbornik Pavlove hiše

winter/zima 2005/2006

Jahresschrift des Pavel-Hauses – Letni zbornik Pavlove hiše


Der Pavelhaus-Chor unter der Leitung von Bruno

Petrischek. Eine Aufnahme vom Oktober 2005. Zbor Pav-

love hiše pod vodstvom Bruna Petrischka. – Posnetek oktob-

ra leta 2005.

Impressum.

Medieninhaber:

Artikel VII-Kulturverein für Steiermark – Kulturno društvo Ğlen 7 za avstrijsko Štajersko

Elisabethinergasse 34, 8020 Graz, Österreich / Avstrija

Telefon / Fax +43 (0) 316/ 77 13 83

Pavelhaus – Pavlova hiša

Laafeld / Potrna 30, 8490 Bad Radkersburg, Österreich / Avstrija

Telefon / Fax + 43 (0) 3476/ 3862

www.pavelhaus.at, pavel.haus@nextra.at

Redaktion – redakcija: Michael Petrowitsch, Susanne Weitlaner

Gestaltung, Satz & Layout – oblikovanje: Roman Klug, 2.U.S.2. / grafics solutions

Fotonachweis – fotografije: wenn nicht anders angegeben Pavelhaus – kadar ni drugače navedeno Pavlova hiša

Übersetzung & Lektorat – prevod & lektorat: Susanne Weitlaner, Peter Pirnath, Barbara Predin, Sonja Wakounig

Förderer – pokrovitelj: Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Abt. Volksgruppenförderung – Urad zveznega kanclerja

Republike Avstrije, oddelek za subvencioniranje etničnih skupin

ISBN:3-900181-14-4


Sommerausstellung 2005 – poletna razstava

Bildgalerie – galerija slik I

3


Inhaltsverzeichnis – Vsebina

Inhaltsverzeichnis – Vsebina

Zum Geleit .....................................................5

Spremna beseda .............................................7

Preveč nacionalizma,

premalo patriotizma .....................................9

Zu viel Nationalismus,

zu wenig Patriotismus ................................12

Izbrisani“– Die „Ausgelöschten“ ...............15

Izbrisani“ ....................................................21

Interview mit Matevž Krivic .....................26

Intervju z Matevžem Krivicem ..................29

Usodna privlačnost juga ..............................33

Schicksalhafter Charme des Südens ..........37

Zeit der Übergänge in Europa ..................... 41

Čas prehodov v Evropi ................................46

Die Universität Graz setzt Akzente ...........53

Univerza Gradec postavlja poudarke ..........56

Grenzen erzählen ........................................ 61

Meje pripovedujejo ......................................67

Moč šibkih ...................................................71

Die Kraft der Schwachen ............................ 76

Auf der Suche

nach einer versunkenen Kultur ..................81

Iskanje davno minule kulture .....................86

Julius Franz Schütz .....................................91

Julius Franz Schütz (SLO) ..........................94

Die Rotunde von Selo .................................97

Rotunda v Selu ............................................99

Niemals vergessen! .................................... 101

Nikoli pozabiti ..........................................104

4

Mariborski judje nekoč ............................. 107

Die Juden von Maribor einst ................... 114

Verleugnung, Vergessen

und Verdrängen .........................................121

Zanikanje, pozabljanje

in izpodrinjanje .........................................129

Kalt-Warm .................................................135

Toplo-Hladno ............................................143

Graz im slowenischen Volkslied ............... 149

Gradec v slovenskih narodnih pesmih ..... 151

Legionäre aus dem Süden ..........................153

Savo Ekmečić im Gespräch .......................157

Legionarji z Juga ........................................159

Pogovor s Savom Ekmečićem ....................163

Wir haben oft auch hinübergeschaut .......165

Zazreti se tja preko in odvrniti pogled ..... 176

Trate v Evropski uniji ................................185

Trate in der Europäischen Union .............. 191

Jüdisches Schicksal ....................................195

Judovska usoda ..........................................222

Slovenci po svetu .......................................237

Slowenen in der Welt ................................242

Und sie bewegt sich doch … ....................247

In vendar se premika … ............................260

Protestantismus in der Steiermark ...........270

Protestantizem na slovenskem

štajerskem ..................................................278

Dejavniki razvoja Slovenije .......................286

Entwicklungsfaktoren Sloweniens ...........296


Zum Geleit

� Text: Michael Petrowitsch

Zum Geleit

Das Jahr 2005 war eine ereignisreiches. Abgesehen von den politischen Veränderungen im Land

Steiermark wurden neue Pläne des Vereins ausformuliert, die positiv aufgenommen wurden. Etwa

gibt es die Idee, slowenische topographische Orts- und Flurbezeichnungen in Form von Kulturtafeln

zu visualisieren. Ein Unterfangen, das auch auf slowenischer Seite anzudenken wäre und

neben dem historischen Aspekt einen wirtschaftlich-touristischen hätte. Man denke an Südfrankreich

oder Irland. Auch in Sachen Schul- und Kindergartenpolitik war der Verein aktiv. Ein

interkultureller Kindergarten im Süden der Steiermark wäre ein Meilenstein in der Geschichte der

steirischen Minderheitenpolitik, dieser Vorschlag ist bei ausgewählten Multiplikatoren auf Gehör

gestoßen und hat eine nachhaltige Diskussion in Gang gesetzt.

Mit der vorliegenden Jahresschrift versammeln wir auch heuer wieder verschiedene Positionen

aus breit gefächerten Sparten. Vier Essays eröffnen den Reigen. Gründungsmitglied Boris

Jaušovec geht der Frage nach, wieviel Abwehrnationalismus ein Land verträgt, während Herwig

Höller anhand der „Izbrisani“-Diskussion die Frage stellt, was an Identität und Nichtidentität in

einer modernen Gesellschaft möglich ist. Kulturelle Manifestationen in Beziehung zwischen Slowenien

und den Bruderländern setzt Tanja Petrović und spricht vom mangelnden gesellschaftlichen

und politischen Engagement in der slowenischen Kulturlandschaft. Gleichsam visionär ließ

Wolfgang Petritsch anlässlich des Symposions „Geist und Gegenwart“ auf Schloss Seggau noch vor

der Ablehnung der EU Verfassung in Frankreich mit provokanten Thesen aufhorchen. Er konstatierte

ein Unbehagen: Europa ist in Europa nicht beliebt. Er sprach weiters von einer Verlagerung

Österreichs und der angrenzenden Südslavia ins Zentrum des Kontinents.

Roberta Maierhofer von der Karl Franzens Universität Graz führt uns mit ihrem Beitrag über die Brückenfunktion

zwischen der Grazer Uni und Südosteuropa in den wissenschaftlichen Teil. Angelika

Brechelmaiers Wanderausstellung „Grenzen erzählen“ durften wir im März des Jahres beherbergen,

und Irena Destovniks wissenschaftliche Arbeit über Frauen im Zeitalter der bäuerlichen Wirtschaft

„Die Kraft der Schwachen“ läutete das neue Jahr ein. Die Beiträge der Autorinnen geben einen Überblick

über die Ausstellungen. Das Übermurgebiet und seine versunkene jüdische Kultur und der

5


Zum Geleit

südsteirische Heimatdichter

Franz

Schütz prägten die

Themenbereiche

von Elisabeth Arlt.

Marjan Toš von der

Synagoge in Maribor

stellt in einem

kurzen Abriss das

jüdische Leben in

Maribor über die

Jahrhunderte vor.

Erfreuliches gibt es von Seiten der jungen Wissenschaftsgeneration

zu berichten. Das Autorenkollektiv

Grilj – Hadler – Hammer betrachtet

den sensiblen Bereich Slavizität der

Steiermark mit einem zeitgemäßen Blick und

löst ihn aus dem leider im universitären Bereich

noch stark ethnozentristisch gedeuteten

Begriff des Kulturerbes, indem sie ihn in einen

emanzipatorischen übersetzen.

Vorstandsmitglied Robert Muscherlins reiches

Arbeitsfeld führte ihn diesmal ins Kulturtouristische.

Er arbeitet mit Jugendlichen

den Wellness- und Thermenboom auf, eine

Ausstellung im Pavelhaus war ein erstes Ergebnis,

sein Beitrag ein zweites. Prof. Erich Prunč

publizierte bereits in den Sechzigerjahren eine

kleine Studie zum Thema: Graz im slowenischen

Volkslied. Eine Idee, die wir gerne noch

einmal aufnehmen und in absehbarer Zeit weiterführen

wollen.

Bereits in Umsetzung ist eine Studie über slowenische

und andere südslawische Torjäger,

die in Österreich reussierten. Wolfgang Kühnelt,

Signallesern wohl bekannt, wird uns

nächstes Jahr mit einem neuen Band über dieses

Thema in unserer wissenschaftlichen Reihe

beehren. Elisabeth Schobers Band in dieser

Reihe liegt bereits in den Händen des Layou-

6

Der Pavelhaus-Chor anlässlich eines Auftritts auf den Grazer Kasematten im Juli 2005 – zbor Pavlove hiše ob

nastopu na graškem Kasematten v juliju 2005

ters. Ihre intensiven Feldforschungsarbeiten

im Radkersburger und Murecker Gebiet über

die zwischenstaatlichen Wechselbeziehungen

in Zusammenhang mit dem EU-Beitritt wird

hier mit einem kleinen Vorgeschmack beworben.

Auch Sonja Bezjak gehört zur jüngsten

Generation wissenschaftlicher Mitarbeiter, die

das vorliegende Signal bereichern. Sie setzt sich

regionalgeschichtlich mit dem kleinen Grenzort

Trate auseinander und fragt nach der regionalen

Bedeutung der europäischen Einigung.

Der akribisch arbeitende Historiker Franz Joseph

Schober wirbt ebenfalls für seine 2006

im Pavelhaus-Verlag erscheinende Publikation.

Seine spannende Arbeit über jüdische Schicksale

im südoststeirisch-slowenischen Grenzgebiet

würdigt sein eigenes Streben nach Neuem

und Unentdecktem im steirisch-slowenischenungarischen

Umfeld. Marjan Šrimpf, Freund

des Pavelhauses und RTV-Urgestein, stellt uns

in einem kurzen, aber prägnanten Überblick

den Exodus der Slowenen in alle Welt vor und

wirft einen Blick auf Gegenwart und Zukunft

der in Südamerika lebenden Nachfahren.

Der Historiker Hans Peter Wassermann begab

sich in die Region Leutschach an der südsteirischen

Weinstraße, um anhand von erhaltenen

Chroniken Geschichtsschreibung zurechtzu-


Michael Petrowitsch

rücken. Ein Projekt, das sich in breiterer Form

in nächster Zeit mit einer Publikation in unserer

wissenschaftlichen Reihe wieder finden

wird. Anja Zaltas Beitrag zum Protestantismus

in der Untersteiermark und dessen Entwicklung

bis zur Gegenwart und Jernej Zupančičs

Analyse über die nationale Entwicklung Sloweniens

in der neuen Union runden die Jahresschrift

ab.

Als besonderes Zuckerl freue ich mich, eine CD

beilegen zu können, die die Arbeit von Bruno

Petrischek und des Pavelhaus-Chors entsprechend

würdigt.

Keine Jahresschrift ohne Kollektiv: Ein Dank

an die layoutorische Wendigkeit Roman Klugs,

an die sprachliche Zurechtbiegung durch Peter

Pirnaths, an die fachspezifische Unterstützung

der ÜbersetzerInnen und natürlich der koeditorischen

Weitsicht von Susanne Weitlaner.

Spremna beseda

Spremna beseda

Leto 2005 je bilo polno energije. Če odmislimo

politične spremembe v Deželi Štajerski

so bili formulirani in sprejeti novi pozitivni

načtrti društva. Kot recimo ideja, imena slovenskih

topografskih krajev in rek vizualizirati

v obliki kulturnih tabel. Početje, katerega

bi si bilo mogoče omisliti tudi na slovenski

strani in ob zgodovinskih aspektih predstaviti

tudi gospodarsko-turistično stran. Človek

misli pri tem na južno Francijo in Irsko. Tudi

v zadevah šolske ni predšolske politike je bilo

društvo aktivno. Interkulturni otroški vrtec na

jugu Štajerske bi lahko bil mejnik v zgodovini

štajerske manjšinske politike, ta predlog je pri

izbranih multiplikatorjih naletel na posluh in

spravil v pogon trajno diskusijo.

S pričujočim letnim zbornikom smo tudi letos

ponovno zbrali različne pozicije iz širokega

spektra panog.

Štirje eseji odpirajo ples. Ustanovni član Boris

Jaušovec sledi vprašanju, koliko obrambnega

nacionalizma lahko prenesa ena dežela,

medtem ko Herwig Höller sledi vprašanju na

osnovi vprašanja izbrisanih, kaj je mogoče na

podlagi identitete in ne-identitete v moderni

družbi. Kulturne manifestacije in odnos med

Slovenijo in bratskimi deželami opisuje Tanja

Petrović in govori o pomankljivem družbenem

in političnem angažmaju v slovenski kulturni

podobi. Tako rekoč vizionarsko je govoril

Wolfgang Petritsch na simpoziju Geist und

Gegenwart / Miselnost in sedanjost na gradu

Seggau še pred zavrnitvijo EU ustave v Franciji

in postavil provokatne teze v posluh. Evropa

v Evropi ni priljubljena je ugotovil in postavil

Avstrijo in sosednje Južne Slovane v center.

Roberta Maierhofer iz Karl Franzens univer-

7


Spremna beseda

ze iz Gradca nas s svojim prispevkom popelje

čez most znanstvenega in izobraževalnega

dela med Graško univerzo in jugovzhodno

Evropo. Potujočo razstavo Angelike Brechelmaier

„Grenzen erzählen/Meje pripovedujejo“

smo gostili marca tega leta. Znanstveno delo

Irene Destovnik o ženskah v času kmečkega

gospodarstva „Moč šibkih“ je naznanilo novo

leto. Prekmurje in njegova davno minula judovska

kultura in južnoštajerski domovinski

pesnik Franz Schütz sta oblikovala tematska

področja Elisabeth Arlt. Marjan Toš iz mariborske

Sinagoge predstavlja v kratkem obrisu

judovsko življenje v Mariboru skozi stoletja.

Razveseljivo od mlajše znanstvene generacije.

Avtorski kolektiv Grilj – Hadler – Hammer

je opazoval senzibilno področje Slovanstva na

Štajerskem s času primernim emancipatornim

pogledom in pojem kulturne dediščine, ki je

na univerzitetnem področju žal še zelo močno

etnocentristično pojmovan, rešili iz spon ter ga

emancipatorno predelali.

Bogato delovno področje je člana predsedstva

Roberta Muscherlina tokrat popeljalo v kulturno-turistični

sektor, z madino je obdelal termalni

in wellness boom. Prof. Erich Prunč je že

v 60ih delal na manjši študiji o imenu Gradec

v slovenskih narodnih pesmih. Ideja, ki smo jo

radi še enkrat sprejeli in v doglednem času nadaljevali.

Že v končni fazi je študija o slovenskih

in drugih južnoslovanskih nogometaših, ki

so uspevali v Avstriji. Wolfgang Kühnelt, poznan

bralcem Signala, nas bo že v prihodnjem

letu počastil z novo knjigo na to temo za našo

znanstveno zbirko. Knjiga Elisabeth Schober

je že v rokah našega layouterja. Njeno intenzivno

terensko raziskovalno delo na področju

Radgone in Cmureka o meddržavnih izmenjavah

v sklopu EU-pristopa, je tukaj predstavljeno

tako za pokušino.

8

Tudi Sonja Bezjak sodi k mlajši generaciji znanstvenih

sodelavcev, ki so obogatili pričujoč

Signal. Ukvarja se z regionalno zgodovino malega

obmejnega mesta Trate in z regionalnim

pomenom evropskega združevanja. Natančno

in temeljito delo zgodovinarja Franza Josepha

Schoberja bo kot publikacija pravtako izšla

2006 v založbi Pavlove hiše. Njegovo napeto

delo o judovski usodi na južnoštajerskemslovenskem

obmejnem območju časti njegovo

stremenje po novem in neodkritem v

štajersko-slovensko-madžarskem habitusu.

Marjan Šrimpf, prijatelj Pavlove hiše in RTVprakamnina,

nam v kratkem, vendar pregnantnem

pregledu predstavi slovenski eksodus

po vsem svetu in pogled sedanjosti in prihodnosti

v južni Ameriki živečih potomcev.

Zgodovinar Hans Peter Wassermann se je podal

na področje Lučan na južnoštajerski vinski

cesti, da bi na podlagi obstoječih kronik popravil

zgodovinopisje. Projekt, ki se bo v naslednjem

času v širši obliki našel kot publikacija

naše znanstvene zbirke. Prispevek Anje Zalta

o protenstantizmu na Spodnjem Štajerskem

in njegov razvoj do danes ter analiza Jerneja

Zupančiča o razvoju v novem združenju,

zaokrožata letni zbornik.

Veseli me, da lahko kot posebno poslastico

priložimo zgoščenko, ki delu Bruna Petrischeka

in zbora Pavlove hiše daje ustrezno priznanje.

Nobenega letnega zbornika brez kolektiva:

Hvala okretnosti layouterja Romana Kluga,

jezikovnemu lektoriranju Petra Pirnatha, strokovni

podpori prevajalcev/k in seveda daljnovidnosti

sourednice Susanne Weitlaner.


Preveč nacionalizma, premalo patriotizma

Esej

� Text: Boris Jaušovec

Preveč nacionalizma, premalo patriotizma

Nekoč so rekli in verjeli, da obstajata dve različici nacionalizma. Prvi je agresiven, torej nevaren

in vreden vsega obsojanja, drugi pa je defenziven, torej upravičen in pravičen. Dilema je stara,

podobno kot tista o osvajalni, napadalni, in pravični, obrambni vojni. In ni razrešena.

Slovenci so pri sebi v svoji zgodovini do nedavnega v veliki večini prepoznavali zgolj obrambni

nacionalizem. Ta naj bi bil viden predvsem v visokem vrednotenju ohranjanja lastnega jezika, torej

slovenščine, in lastne kulture, ki da se je najbolj profilirala skozi pesništvo in literaturo. Zato ni

naključje, da je na najbolj slikovitem trgu v prestolnici Ljubljani postavljen spomenik največjemu

slovenskemu pesniku Francetu Prešerenu in ne morda kakšnemu spretnemu slovenskemu diplomatu

ali generalu, kakor svoje najznamenitejše trge ponavadi okrasijo številni drugi narodi. Seveda je

slovenski nacionalizem premogel še druge dimenzije, ne nazadnje, ko je šlo za najhujše čase, tudi

vojaško, ki pa so bile tudi zmeraj razumljene kot obrambne. Slovenci v zgodovini pač niso osvajali

tujih ozemelj, sploh pa ne z orožjem. Če je že prihajalo do spopadov, naj bi bila to zgolj obramba

slovenskega etničnega ozemlja. Seveda je takšna obramba lahko upravičena – težava nastane, če si

neko ozemlje v resnici delita dve ali več etnij.

Vendar pustimo zgodovino, ki bi zlahka našla tudi drugačne interpretacije; denimo, čemu je

asimilacijski pritisk zmeraj v slovenski družbi bil zelo visok in nadpovprečno uspešen. Slovenci

so večino svoje zgodovine preživeli v večnacionalnih tvorbah. Takšna je bila tako rekoč tisočletna

habsburška monarhija, takšna je bila manj kot stoletje trajajoča Jugoslavija. V takšnih razmerah

lažje razumemo teorijo o defenzivnem nacionalizmu, čeprav je ni treba nujno odobravati.

Vendar se je leta 1991 zgodovina temeljito spremenila. Takrat je Slovenija postala suverena država

in samostojen subjekt mednarodnega prava. V slovenski ustavi po zaslugi takrat močnih liberalnih

ali bolje libertarnih krogov sicer ne piše, da naj bi bila Slovenija država slovenskega naroda, torej zgolj

nacionalna država. Prav zato bi morala biti država odgovorna za dobro počutje vseh državljanov

in ne zgolj Slovencev, ki živijo v njej. Vendar se zdi, da to odgovornost, ki jo torej nalaga ustava,

9


Preveč nacionalizma, premalo patriotizma

vsakokratna oblast razume in prevzema precej

po svoje. Če je približno ducat let vladavine

LDS v Sloveniji zaznamoval precej uspešni

pragmatizem, ki pa mu kritiki upravičeno

dodajajo aroganco, lahko to nemara še najlepše

ponazorimo prav z odnosom eldeesovskih

vlad do nacionalnih in drugih manjšin.

Verbalno so bile te vlade z Drnovškom ali

Ropom na čelu vseeno naklonjene manjšinam

in drugim odrinjenim skupinam. Vendar pa

v resnici za izboljšanje njihovega statusa v

smislu parole „vsi drugačni, vsi enakopravni“,

ki so jo sicer ponavljale do onemoglosti, niso

znale ali hotele poskrbeti. Zato se je pod temi

vladami zgodil škandal z izbrisanimi, ko je

prva poosamosvojitvena, Demosova vlada, v

stilu balkanskih etničnih čiščenj – tokrat sicer

po slovensko v rokavicah in na računalnikih

– preprosto vsem prebivalcem iz drugih

jugoslovanskih republik, ki niso zaprosili

za državljanstvo, izbrisala status stalno

naseljenih prebivalcev in s tem vseh pravic, ki

k takemu statusu gredo. Tudi položaj Romov

se v Sloveniji pod eldeeseovskimi vladami ni

izboljšal. Za vse, kar Romi imajo, je poskrbela

že bivša socialistična oblast, šele ob koncu

eldeesovske vladavine so Romi v svojih okoljih

dobili direktne mandate v mestnih svetih, kar

pa ni šlo brez odporov v premnogih lokalnih

skupnostih. Tudi tako imenovane nove

manjšine še niso dobile primernih pravic in

zaščite; drugače je bilo s Staroavstrijci, ki pa so

bolj pomenili zastavek v politični trgovini med

Ljubljano in Dunajem. LDS je pač v svojem

pragmatizmu zaznavala latentni, v resnici

pa zelo slabo prikriti slovenski šovinizem,

ignorantsko pa se je izogibala odkritemu

soočenju z njim tudi zaradi političnih

računic, saj je morala pri svojem koalicijskem

vladanju prevečkrat računati na glasno ali

10

tiho podporo stalne sopotnice vseh slovenskih

vlad: Jelinčičeve Slovenske nacionalne stranke.

Aroganca do omenjenih manjšin je bila

tako zgolj zunanji, najbolj opazen izraz teh

pritlehnih dilem liberalcev.

Lani oktobra je v Sloveniji oblast prevzela

desnosredinska koalicija na čelu z Janševo SDS.

Janeza Janše se sicer ne da direktno primerjati

s koroškim populističnim glavarjem Jörgom

Haiderjem ali celo s francoskim desničarjem

Jeanom Mariejem le Penom, kakor so storili

nekateri slovenski in tuji, tudi avstrijski

mediji. Za to vlogo je mnogo bolj primeren že

omenjeni Jelinčič, res pa je, da njegova vloga

bolj spominja na slabega kabaretista kakor

na politika z jasnim premočrtnim kurzom.

Premočrtno je samo to, da, tudi tokrat formalno

v opoziciji, Jelinčič sedanji vladi spet dvori in

jo celo hvali, da je mnogo boljša od prejšnjih

eldeeseovskih. Zakaj? Jelinčič ni ravno neumen

in je tudi opazil, da je ta vlada do manjšin,

kot so izbrisani, nove manjšine, Romi, pa

tudi homoseksualci in mlade samske ženske,

ubrala mnogo manj ambivalentno politiko.

Retorika te vlade je namreč, za razliko od

eldeesovske, ki je morda koga še prepričala, da

le ni tako hudo, veliko bolj neizprosna in, kar

je še posebej odbijajoče, čeprav značilno za vse

evropske politične sile podobne provenience,

nezmotljivo pravičniška. O izbrisanih se tako

govori samo še kot o špekulantih, rešitev zanje

se sicer išče z ustavnim zakonom, ki bi po

preizkušenem scenariju, kakor ga že poznamo

tudi iz Avstrije, obšel odločbo ustavnega

sodišča, v resnici pa niti tega ni pričakovati v

doglednem času. Razen če bi to vlado spodbudil

zunanji pritisk, kar pa je malo verjetno. Tudi

Romi postajajo pravzaprav vse bolj problem

kriminala in pomanjkanja discipline, ne pa


nemara socialni problem in problem siceršnje

družbene odrinjenosti. Ilustrativen primer

slednjega je osnovna šola v Bršljinu pri Novem

mestu, kjer je novi šolski minister po vsej

verjetnosti precej namišljen gordijski vozel

problema discipline romskih otrok rešil na

sumljivo „izviren“ način. Namreč s segregacijo

romskih otrok. Formalno sicer otroke v

Bršljinu ločujejo v različne klopi po šolskem

uspehu, toda romski otroci, tudi tisti z boljšim

učnim uspehom, so vendarle pristali skupaj

in ločeni od „belih“ ali „civilnih“ vrstnikov.

Gremo naprej. Če LDS nikakor ni mogla

sprejeti zakona o registraciji istospolnih porok,

je desna vlada s tem prav pohitela. Seveda na

način, ki homoseksualno poroko jasno loči

od poroke hetroseksualnega para. Kajti, kot

so ugotavljali vladajoči, „zakon o istospolnih

skupnostih nikoli ne more biti diskriminacijski

v primerjavi z zakonom o zakonski zvezi, ker

gre za popolnoma različni stvari“. Očitana

diskriminatornost omenjenega zakona torej

sploh ni prepoznana, ker naj bi bila očitno

naravno stanje stvari. Kakor vselej v takih

primerih pa je lahko zgolj ideološko stanje

stvari. Ampak ideologija najbolje deluje takrat,

ko je naslovniki niti ne prepoznajo in torej a

priori in pravičniško zanikajo vsakršen njen

obstoj. To velja tudi za ideologijo nacionalizma

v Sloveniji. Takrat, ko vam bodo najbolj

zatrjevali, da ga ni, je že na delu. Skratka,

namesto pragmatične arogance dobivamo tudi

v Sloveniji, z besedami svetovalca nekdanjega

češkega predsednika Havla Jirija Pehe, čas

nesramnega populizma. In primitivizma,

dodajamo.

Vendar je pri tem pomembna razlika. To

namreč ni primitivizem ljudi, temveč oblasti.

Ko so konec 15. stoletja iz slovenskih mestec

Preveč nacionalizma, premalo patriotizma

zabrisali oziroma nagnali Žide, je bil tega sicer

kriv habsburški monarh, pa čeprav so se tega

ljudje menda veselili. Ko so konec 20. stoletja

v Sloveniji po tihem izbrisali izbrisane, je bila

tega kriva slovenska država, pa če to prizna ali

ne, ne pa njeni državljani.

Človek bi si v Sloveniji zaželel več državljanske

zavesti. Zato, da bi vrednota postala patriotizem

in ne nacionalizem. S tem bi morda lahko

elegantno razrešili tudi dilemo, izpostavljeno na

začetku teksta, o obrambnem in napadalnem

nacionalizmu. Nacionalisti namreč niso nujno

tudi patrioti. Patrioti, ki so nacionalisti, pa

domovini dokazljivo delajo škodo. Tako se pač

lahko zgodi, da slovenska katoliška cerkev, ki

od Slovencev terja denimo višjo rodnost, svojo

banko proda Avstrijcem. Ali to, da desničarji

prodajo svojo televizijo, namreč TV3, Hrvatu,

nato pa v imenu pravičnejše razporeditve

medijskega prostora zakonsko uzurpirajo kar

javno televizijo. Primera, kakršna sta omenjena,

sta možna prav zato, ker nacionalisti še zdaleč

niso patrioti, pa če se to sliši še tako absurdno.

Patrioti so sposobni terjati pravico in zaščito

za vse prebivalce svoje domovine, nacionalisti

česa podobnega ne morejo, ker te iste prebivalce

delijo na naše in nenaše, na prave in tuje. In

tako umetno ohranjajo konflikte, ki domovini

in njenim ljudem ne koristijo.

11


Zu viel Nationalismus, zu wenig Patriotismus

Zu viel Nationalismus, zu wenig

Patriotismus

Einst sagte und glaubte man, dass es gäbe zwei

Varianten von Nationalismus gebe. Der Erstere

sei aggressiv, also gefährlich und verachtenswert,

der Zweitere aber defensiv und somit

berechtigt und gerecht. Das Dilemma ist alt,

ähnlich jenem vom aggressiven Eroberungskrieg

und vom gerechten Abwehrkrieg.

Bis vor nicht allzu langer Zeit haben die Slowenen

aus ihrer Geschichte ausschließlich den

Abwehrnationalismus herausgelesen. Dieser

sei vor allem im hohen Stellenwert erkennbar,

den die Erhaltung der eigenen Sprache und der

eigenen Kultur, die sich vor allem durch Poesie

und Literatur manifestiere, einnimmt. So

ist es kein Zufall, dass auf dem malerischsten

Platz in der slowenischen Hauptstadt ein

Denkmal für den größten slowenischen Dichter,

France Prešeren, steht und nicht etwa für

einen gewandten Diplomaten oder einen fähigen

General, wie dies bei zahlreichen anderen

Nationen der Fall ist. Der slowenische Nationalismus

hatte natürlich auch andere Dimensionen,

nicht zuletzt aufgrund schlimmer

Kriegszeiten eine militärische, doch wurde er

immer als Abwehr verstanden. Die Slowenen

haben in ihrer Geschichte eben keine fremden

Territorien erobert. Kam es zum bewaffneten

Kampf, diente dieser bloß der Verteidigung des

slowenischen ethnischen Territoriums. Natürlich

kann eine solche Abwehr berechtigt sein,

ein Problem entsteht aber dann, wenn auf einem

Territorium zwei oder mehrere Volksgruppen

leben.

In der Geschichte war der Assimilationsdruck

auf die slowenische Gesellschaft immer sehr

hoch und überdurchschnittlich erfolgreich. Die

12

Slowenen lebten in ihrer Geschichte in multinationalen

Systemen, wie in der über Jahrhunderte

existierenden Habsburgermonarchie oder

in Jugoslawien, das nicht einmal hundert Jahre

lang bestand. In diesem Kontext erscheint die

Theorie von einem defensiven Nationalismus

verständlicher, obwohl man ihr nicht unbedingt

zustimmen muss. Die Geschichte nahm

1991 eine entscheidende Wende. Slowenien

wurde ein souveräner Staat und ein völkerrechtlich

selbständiges Subjekt. Die slowenische

Verfassung besagt aber nicht, dass Slowenien

der Staat des slowenischen Volkes, also

ein Nationalstaat sei, was das Verdienst der zu

jenem Zeitpunkt starken liberalen bzw. libertären

Kreise ist. Gerade deswegen müsste der

Staat für das Wohl aller Bürger Sorge tragen,

nicht nur für die Slowenen. Doch es hat zuweilen

den Anschein, dass diese verfassungsmäßige

Verantwortung von den jeweils an der

Macht stehenden Politikern negiert wird.

Zwar standen die zwölf Regierungsjahre der

Liberalen Demokratie (LDS) im Zeichen eines

relativ erfolgreichen Pragmatismus, wobei Kritiker

der Regierung allerdings auch Arroganz

vorwarfen, doch kann man das zuvor Gesagte

gerade durch das Verhältnis der LDS-Regierungen

zu nationalen und anderen Minderheiten

belegen. Verbal waren diese Regierungen,

sowohl unter Drnovšek als auch unter Rop,

den Minderheiten und anderen Randgruppen

wohlgesinnt. Doch in der Realität konnten

oder wollten sie, im Sinne der andauernd

wiederholten Parole „alle anders, alle gleich“,

ihre Lage nicht wesentlich verbessern. So gab

es unter diesen Regierungen den Skandal mit

den Ausgebürgerten, als nach der Erreichung

der staatlichen Unabhängigkeit die erste DE-

MOS-Regierung im Stil der balkanischen ethnischen

Säuberungen – zwar auf slowenische


Art über den Schreibtisch, sozusagen mit „Glacéhandschuhen“

– allen Bürgern aus anderen

ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken,

die nicht um die Staatsbürgerschaft angesucht

hatten, den Aufenthaltsstatus und damit auch

alle daraus resultierenden Rechte aberkannte.

Auch die Lage der Roma verbesserte sich unter

der LDS nicht. Alle Rechte, die die Roma

an genießen, wurden noch unter den ehemaligen

kommunistischen Machthabern festgeschrieben,

erst gegen Ende der LDS-Regierung

wurden den Roma in ihrem Siedlungsgebieten

Direktmandate in den Stadträten zugestanden,

oft gegen starke Widerstände in den

betroffenen Gemeinden. Auch die so genannten

neuen Minderheiten (aus dem ehemaligen

jugoslawischen Raum) genießen nur unzureichenden

Rechtsschutz. Anders verhielt es mit

den „Altösterreichern“, doch diese stellten eher

ein Objekt im Polithandel zwischen Ljubljana

und Wien dar. Die LDS registrierte zwar in ihrem

Pragmatismus den latenten und schlecht

getarnten slowenischen Chauvinismus, doch

mied sie aus Ignoranz und wegen des politischen

Kalküls eine offene Auseinandersetzung

mit dieser Geisteshaltung, weil sie allzu oft auf

eine offene oder stillschweigende Unterstützung

ihrer Koalition durch die ständige Begleiterin

aller slowenischen Regierungen, die Nationalpartei

von Zmago Jelinčič, angewiesen war.

Die Arroganz gegenüber den erwähnten Minderheiten

war also auch ein Ausdruck dieses politischen

Dilemmas der Liberaldemokraten.

Im Oktober 2004 kam die Mitte-Rechts Regierung

mit Janez Janšas Slowenischer Demokratischer

Partei (SDS) an der Spitze an die Macht.

Janša ist mit dem populistischen Kärntner Landeshauptmann

Jörg Haider oder gar mit dem

französischen Ultrarechten Jean-Marie le Pen

Zu viel Nationalismus, zu wenig Patriotismus

nicht direkt vergleichbar, obwohl einige slowenische

und auch österreichische Medien solche

Vergleiche ansstellten. Der zuvor erwähnte

Jelinčič passt eher in dieses Bild, obwohl seine

Rolle mehr an einen schlechten Kabarettisten

erinnert. Aufgefallen ist er vor allem seine

Anbiederungsveruche; formal in der Opposition,

lobt er sogar die gegenwärtige Regierung,

die die bislang beste sei. Warum? Jelinčič geht

mit dem weit weniger ambivalenten Kurs dieser

Regierung gegenüber den nationalen Minderheiten,

Ausgebürgerten, den durch den

Zusammenbruch Jugoslawiens entstanden

neuen Minderheiten, Roma, Homosexuellen

und jungen, alleinstehenden Frauen, konform.

Die Rethorik dieser Regierung ist zum Unterschied

von jener der LDS kompromisslos, was

für alle europäischen Kräfte dieser Provenienz

charakteristisch ist. Die Ausgebürgerten werden

als Spekulanten dargestellt, es wird zwar

eine verfassungskonforme Lösung angestrebt,

diese soll aber nach dem bereits in Österreich

erprobten Szenario nur das Urteil des Verfassungsgerichtshofes

umgehen, aber selbst eine

formale Lösung ist in naher Zukunft nicht zu

erwarten. Mit ernsthaftem Druck von außen

ist indessen auch nicht zu rechnen. Die Frage

der Roma wird immer mehr als Kriminalitätsproblem

dargestellt und nicht als soziales Problem

von Gruppen am Rand der Gesellschaft

gesehen. Ein Musterbeispiel hierfür stellt die

Praxis an der Grundschule in Bršljin bei Novo

mesto dar, wo der neue Bildungsminister das

vorgebliche Problem mit den Roma mit einer

Trennung der Romakinder von den anderen

„löste”. Formell werden die Kinder in Bršljin

anhand des schulischen Erfolgs separiert,

doch auch diejenigen Romakinder, die in der

Schule besser abschneiden, werden nichtsdestotrotz

von den „weißen” oder „zivilisierten”

13


Zu viel Nationalismus, zu wenig Patriotismus

Altersgenossen getrennt.Hinsichtlich gleichgeschlechtlicher

Partnerschaften lehnt die LDS

deren Gleichstellung ab. Denn, so stellten die

Regierenden fest,„ein unterschiedliches Gesetz

über gleichgeschlechtliche Beziehungen

gegenüber dem Ehegesetz kann niemals eine

Diskriminierung bedeuten, weil es sich um

zwei vollkommen verschiedene Dinge handelt“.

Hierbei geht es um einen rein ideologischen

Standpunkt. Hinsichtlich der Leugnung

der Existenz ideologischer Positionen gilt dasselbe

für den Nationalismus in Slowenien. Der

Umstand, dass Ideologie bestritten wird, sagt

schon aus, dass eine solche existiert. Letztlich

folgt auch in Slowenien, um es mit den Worten

des Havel-Beraters Jiři Peha auszudrücken,

der „pragmatischen Arroganz die Zeit des unverschämten

Populismus“; die Zeit des Primitivismus,

könnte man hinzufügen.

Es handelt sich hierbei nicht um den Primitivismus

eines Menschen von der Straße, sondern

um denjenigen der Machthaber. Die Vertreibung

der Juden aus den slowenischen Ländern

Ende des 15. Jahrhunderts wurde von den

Habsburgern angeordnet, wobei dies angeblich

auf die Zustimmung der Bevölkerung traf. Als

man Ende des 20. Jahrhunderts in Slowenien

stillschweigend Menschen ausbürgerte, lag das

in der Verantwortung des slowenischen Staates

und nicht seiner Bürger, auch wenn dies bestritten

wird.

Man würde sich in Slowenien mehr bürgerrechtliches

Bewusstsein wünschen, womit

Patriotismus und nicht Nationalismus zu den

allgemeinen Werten zählen würde. So könnte

man auch das am Anfang dargestellte Dilemma

zwischen abwehrendem und aggressivem

Nationalismus lösen. Nationalisten sind näm-

14

lich nicht unbedingt auch Patrioten, denn sie

fügen ihrer Heimat erwiesenermaßen Schaden

zu. So verkauft die slowenische katholische

Kirche, die von den Slowenen mehr Gebärfreudigkeit

fordert, die in ihrem Besitz befindliche

Bank an österreichische Investoren. Die slowenischen

Rechten wiederum verkauften ihren

Fernsehkanal TV3 an einen Kroaten, um dann

unter dem Vorwand einer gerechteren Verteilung

des medialen Raumes das öffentliche

Fernsehen per Gesetz zu vereinnahmen. Beide

Beispiele belegen, dass Nationalisten keine

Patrioten sind, wenn dies auch auf den ersten

Blick absurd klingen mag. Patrioten treten für

die Rechte aller Bürger ihrer Heimat ein, Nationalisten

hingegen unterscheiden zwischen

den „Unseren“ und den „Fremden“. So werden

Konflikte künstlich geschürt und prolongiert,

Konflikte, die der Heimat und ihren Bürgern

großen Schaden zufügen.

O AVTORJU – ZUR PERSON

Boris Jaušovec

Boris Jaušovec je urednik sobotne priloge „V

soboto“ v dnevniku Večer, ki izhaja v Mariboru.

– Boris Jaušovec ist Redakteur der Samstagbeilage

„V soboto“ der slowenischen Tageszeitung

Večer.


Izbrisani“ – Die „Ausgelöschten“

Eine unerfreuliche Never Ending Story

� Text: Herwig Höller

Izbrisani“ — Die „Ausgelöschten“

Auch im Sommer 2005 waren die so genannten „Izbrisani“ („Ausgelöschten“) einmal mehr eines

der zentralen innenpolitischen Themen Sloweniens. Mehr als 13 Jahre nachdem ein Fremdengesetz,

dem der slowenische Verfassungsgerichtshof wiederholt Verfassungswidrigkeit bescheinigte 1 ,

18.305 aus anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken stammende Einwohner des Landes

aus den Melderegistern gelöscht hat, harrt das Problem nach wie vor einer befriedigenden Lösung.

1992 wurden mit dieser Streichung Tausende der gesetzlichen Grundlage ihrer Existenz beraubt.

Aber auch im Jahre 2005 dauern humanitäre und soziale Konsequenzen an, wie extreme, kafkaesk

anmutende Beispiele immer wieder illustrieren.

Beginn der Hungerstreikaktion der CIIA, Grenzübergang Šentilj, 2.7.2005 – Začetek gladovne stavke CIIA, mejni prehod Šentilj, 2.7.2005

15


Izbrisani“ — Die „Ausgelöschten“

So etwa der Fall des gebürtigen albanisch-kosovarischen

Rom Ali Berisha, der mit seiner

Familie seit 1987 in Maribor wohnte und dort

regulär gemeldet war. Von seinem „Izbris“, seiner

„Auslöschung“ – so in einem Brief Berishas

an den Aktivisten Aleksandar Todorović –

habe er im Mai 1993 erfahren, als er von einem

zweiwöchigen Besuch bei Verwandten in

Deutschland zurückgekehrt sei: „Am Grenzübergang

bei Maribor [Šentilj-Spielfeld] verlangte

der Zollbeamte meinen Reisepass, den

ich ihm aushändigte. Als er sah, dass ich einen

jugoslawischen Pass habe, sagte er mir,

dass dieser nicht mehr gelte, und ich, da ich

Albaner sei, in den Kosovo zurückkehren müsse.

Als ich ihm sagte, dass ich in Maribor lebe

und dort meinen ständigen Wohnsitz habe,

erwiderte er, dass in Slowenien nur Platz für

Slowenen sei. Als ich ihm sagte, dass ich mir

am nächsten Tag von den Behörden einen neuen

Pass ausstellen lassen wolle, antwortete er,

dass ich in ein Gefängnis nach Ljubljana kommen

werde, wo Albaner, Serben, Kroaten und

Roma zusammengesammelt werden.“ Vom

Grenzübergang ging es tatsächlich direkt in

die Schubhaft nach Ljubljana, anschließend

wurde Berisha per Flugzeug nach Albanien

abgeschoben, in ein Land, in dem er noch nie

gewesen war und auch niemanden kannte.

Dort konnte er allerdings einen albanischen

Polizisten bestechen, der ihn tags darauf in

ein Flugzeug zurück nach Ljubljana setzte, wo

er erneut in Schubhaft genommen wurde. Er

konnte jedoch aus der Schubhaft fliehen und

begab sich aus Furcht vor einer wiederholten

Abschiebung nach Deutschland. Von dort will

man ihn nun, im Sommer 2005, erneut abschieben,

dieses Mal in den Kosovo. In Slowenien

hat Berisha auch nach den Urteilen des

Verfassungsgerichtshofes, die – wie oben er-

16

wähnt – die Verfassungswidrigkeit der „Auslöschung“

feststellten, keinerlei Status. Auch

wenn dies der Staatsbürger Serbiens und Montenegros

erst mit Verspätung registrierte: Am

27. Februar 1992 waren er und weiterte 18.304

ex-jugoslawische Staatsbürger aus den slowenischen

Melderegistern gestrichen worden.

Die Geschichte der „Auslöschung“ ergab sich

aus dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen

Republik Jugoslawien und der Entstehung

neuer, unabhängiger Staaten. Nachdem sich

in einer Volksabstimmung am 23. Dezember

1990 fast neunzig Prozent für die Unabhängigkeit

ausgesprochen hatten, beschloss das Parlament

Sloweniens im Juni 1991 grundlegende

Gesetze, darunter das Staatsbürgerschaftsgesetz.

Darin ist u. a. festgelegt, dass Menschen,

die die jugoslawische und die slowenische

Staatsbürgerschaft 2 besaßen, automatisch zu

Staatsbürgern des unabhängigen Sloweniens

wurden, und dass jugoslawische Staatsbürger,

die am Tag der Volksabstimmung ihren

ordentlichen Wohnsitz in Slowenien hatten,

innerhalb von sechs Monaten die slowenische

Staatsbürgerschaft beantragen konnten.

174.000 Betroffene stellten Anträge, 171.000

davon wurde auch die slowenische Staatsbürgerschaft

verliehen.

Die Tücke lag allerdings im Fremdengesetz,

das ebenfalls im Juni 1991 beschlossen wurde:

Alle Einwohner Sloweniens, die die Staatsbürgerschaft

einer anderen ehemaligen jugoslawischen

Teilrepublik besaßen und keinen Antrag

stellten oder deren Anträge die Behörden abgelehnt

hatten, wurden zwei Monate nach Ende

der Antragsfrist plötzlich wie „Fremde“ ohne

jeglichen Status behandelt. Sie verloren durch

die Löschung aus den Melderegistern Wohnsitz,

Aufenthaltsrecht und Arbeitserlaubnis,


Sozial-, Kranken- und Pensionsversicherung

usw. Ein Umstand, der zwangsläufig beträchtliche,

insbesondere soziale Auswirkungen

nach sich zog.

Es mag unterschiedliche Gründe gegeben haben,

die die Betroffenen bewogen haben, die

slowenische Staatsbürgerschaft trotz eines

Wohnsitzes im Lande nicht zu beantragen. Einer

davon bestand wohl im Wunsch, die Staatsbürgerschaft

der Heimatrepublik zu behalten,

ohne sich dabei der Konsequenzen bewusst

zu sein. Bekannte Intellektuelle und Künstler

nichtslowenischer Abstammung, wie z. B. die

aus die Kroatien gebürtige Künstlerin und Philosophin

Marina Gržinić oder der Vertreter der

Neuen Slowenische Kunst, Dušan Mandić, dessen

serbischer Vater als Offizier der Jugoslawischen

Volksarmee in Slowenien stationiert war,

stellten rechtzeitig Anträge. Ingesamt fällt auf,

dass vor allem Menschen aus den unteren sozialen

Schichten von der Streichung betroffen

sind, von denen sich wohl eine Mehrzahl der

drastischen Konsequenzen einer Nichtbeantragung

der Staatsbürgerschaft nicht bewusst

war.

Als verschärfend erwies sich auch der Umstand,

dass die „Auslöschung“ (siehe Interview

mit Matevž Krivic) – im Gegensatz zur Praxis

in Rechtsstaaten – ohne Bescheid erfolgte.

Die „Ausgelöschten“ wurden von Amts wegen

nicht verständigt. Die Monstrosität und

die Konsequenzen der „Auslöschung“ scheinen

Eingeweihten von Anfang an klar gewesen

zu sein: Noch vor der Beschließung des

Gesetzes hatte die Abgeordnete Metka Mencin

einen Abänderungsantrag eingebracht,

der allen Bewohnern Sloweniens aus anderen

ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken,

die am Stichtag ihren Wohnsitz in Slowenien

hatten, eine permanente Aufenthaltserlaubnis

Izbrisani“ — Die „Ausgelöschten“

France Cukjati (Mitte) in Graz – France Cukjati (v sredini) v Gradcu,

18.7.2005

Ein Anti-„Izbrisani“-Grafitto im Zentrum von Ljubljana, Juni 2005

– Grafit proti „izbrisanim“ v centru Ljubljane. (Das ist Raub. Die so

genannten „Ausgelöschten“, 4.4.2004 – dagegen. Die Frage beim Referendum

am 4. April 2004 lautete: Sind sie für ein technisches Gesetz

zur Lösung des Izbrisani-Problems. – Vprašanje na referendumu 4.

aprila 2004 se je glasilo: Ste za tehnični zakon za rešitev vprašanja

izbrisanih.)

gewährt hätte, wodurch das Problem der „Izbrisani

erst gar nicht entstanden wäre. Dieser

Antrag wurde aber von einer Mehrheit im Parlament

abgelehnt. Lokale Behörden weigerten

sich zunächst, das Gesetz zu exekutieren und

ohne Bescheid Menschen aus den Registern

zu streichen. Daraufhin ordnete der damalige

Staatssekretär im Innenministerium, Slavko

Debelak, am 27. Februar 1992 alle Meldeäm-

17


Izbrisani“ — Die „Ausgelöschten“

ter an, die betroffenen Personen zu streichen 3 .

Wie hatte es dazu kommen können? Der seinerzeit

ebenfalls „ausgelöschte“ Filmemacher

Dimitar Anakiev aus Tolmin, der vergangenes

Jahr den Dokumentarkurzfilm Zradirani (Ausradiert)

drehte und nun an einer filmischen

Fortsetzung arbeitet, sieht die „Auslöschung“

als „klassischen Akt einer ethnischen Säuberung,

die jedoch auf versteckte und intelligente

Art“ vollzogen worden sei, indem sie als

gesetzliches Problem oder sogar als Computerfehler

dargestellt werde. Man versuche auf politischer

Ebene bis zum heutigen Tag mit großem

Einsatz, das Wesen der „Auslöschung“ zu

verdecken. Der ehemalige Verfassungsrichter

Matevž Krivic sieht indessen die offizielle Einbürgerung

von 170.000 Južnjaki (Südländer),

d. h. Menschen aus den südlichen Republiken

des ehemaligen Jugoslawiens, als den zentralen

politischen Kontext 4 . Diese Einbürgerung

sei für die politische Rechte und auf die auf die

Politik und die öffentliche Meinung einflussreichen

rechten, ausländerfeindlichen Zirkel ein

großer Schock gewesen. Mitte der Neunzigerjahre

sei deshalb sogar versucht worden, den

170.000 Eingebürgerten die Staatsbürgerschaft

wieder zu entziehen. Die „Auslöschung“ von

18.000 als Kompensation für eine empörte

ausländerfeindliche Rechte?

Die meisten Betroffenen selbst wussten zunächst

auch nichts von ihrem Unglück, viele

„Ausgelöschte“ erfuhren erst durch Zufälle,

dass ihnen etwas Gravierendes widerfahren

war. Aufgrund dessen war auch kein organisierter

Protest gegen das erlittene Unrecht möglich

– erst 2002 formierte sich um den Serben

Aleksandar Todorović, der mit seiner slowenischen

Frau Mitte der Achtzigerjahre nach Ptuj

gezogen war, die erste, vor allem aktivistischaktionistisch

tätige „Izbrisani“-NGO, Društvo

18

izbrisanih prebivalcev Slovenije/Verband der ausgelöschten

Einwohner Sloweniens. Todorović hat

sich zwischenzeitlich mit dem Rechtsvertreter

dieser NGO überworfen und eine neue Vereinigung

gegründet. Schon Mitte der Neunzigerjahre

waren vereinzelte Beschwerden beim

slowenischen Verfassungsgericht eingebracht

worden, aber erst 1999 fällte dieser die erste

Entscheidung in der Causa und erklärte die

„Auslöschung“ als verfassungswidrig und forderte

eine verfassungskonforme Lösung innerhalb

von 6 Monaten. Die Materie war und ist

in rechtlicher Hinsicht sehr komplex. Einerseits

hatten es zahlreiche „Ausgelöschte“ unter

großem Aufwand geschafft, als Ausländer

neu im Land registriert zu werden sowie Aufenthalts-

und Beschäftigungsbewilligungen

zu bekommen. Andererseits wurden seit 1999

zwei weitere Gesetze zur Causa beschlossen,

die allerdings vom Verfassungsgerichtshof teilweise

wieder aufgehoben wurden. Ein Teil der

Izbrisani“ erhielt auf diese Weise ihren verfassungswidrig

verlorenen Status wieder zurück.

Auch wurde 2004 ein Referendum gegen die

„Ausglöschten“ abgehalten. Sowohl Fragestellung

als auch Ausgang machen das Verhältnis

des politischen Mainstreams Sloweniens zu

den „Izbrisani“ deutlich. Die Frage am 4. April

2004 lautete: „Sind Sie dafür, dass das Gesetz

zur Ausführung des 8. Punktes der Entscheidung

des Verfassungsgerichts der Republik

Slowenien, Nummer U-I-246/02-28 (EPA

956-III), in Kraft tritt, das am 25.11.2003 vom

Državni zbor (Nationalrat) der Republik Slowenien

beschlossen wurde?“ Um die Frage zu

verstehen: Ein Jahr zuvor, am 3. April 2003,

hatte das Verfassungsgericht im Punkt 8 seiner

Entscheidung festgehalten, dass den am

26.2.1992 „Ausgelöschten“ rückwirkend das

Aufenthaltsrecht zurückzugeben sei. Die Ant-


wort war eindeutig: Bei einer Wahlbeteiligung

von 31,5% stimmten 94,7% gegen die Rückgabe

des Status, 3,8% dafür, 1,5% ungültig. Von

einer Kompensation und weiteren Schritten einer

Reparatur war dabei noch gar keine Rede.

Nach wie vor gibt es in die Illegalität abgedrängte

Izbrisani“ in und außerhalb des Landes,

es wurde auch keinerlei Kompensation für

zerstörte Existenzen geleistet, und man ignorierte

Urteile des Verfassungsgerichtshofes.

Um auf diesen Umstand hinzuweisen und

ungelöste Probleme

der „Ausgelöschten“Sloweniens

erneut

zu thematisieren,

organisierte

die Civilna iniciativa

izbrisanih

aktivistov/Zivile

Initiative ausgelöschter

Aktivisten

(CIIA) schließlich

ab im 2005

einen Hungerstreik

an jenem

Ort, an dem

die Odyssee Berishas

1993 ihren

Ausgang genommen hatte. Am Grenzübergang

Spielfeld-Šentilj verweigerten zunächst neun

Mitglieder der Initiative die Nahrungsaufnahme

und forderten eine politischen Lösung des

Problems – insbesondere im Falle Berishas. 24

Tage später brachen auch CIIA-Sprecher Aleksandar

Todorović und der Aktivist Ilija Ivanović

in Ljubljana ihren Hungerstreik erfolglos ab.

Dennoch war das mediale Echo in Sloweniens

Medien beträchtlich, und insbesondere Innen-

Izbrisani“ — Die „Ausgelöschten“

minister Dragutin Mate, der die Hungerstreikenden

ignorierte, wurde heftig kritisiert. So

etwa in einem Kommentar des Journalisten

Dejan Pušenjak in der Tageszeitung Delo: „Jeder

normale Bürger würde sich vom Innenminister

erwarten, dass er zu den Hungerstreikenden

fährt und Ihnen sagt: ,Im Namen des

Staates, den ich repräsentiere, entschuldige ich

mich für das Unrecht, das Ihnen der Staat zugefügt

hat, als ich noch nicht Minister war.

Ich bitte Sie, den Hungerstreik zu beenden,

und bitte Sie ferner um Ihre Geduld: Wir arbeiten

an einer

Lösung, die für

Sie und für uns

– die Behörden

– annehmbar

sein wird.´“ 5

Während der Innenministeruntätig

blieb, wurde

die offizielle Politik

zumindest

auf parlamentarischer

Ebene

aktiv. In die letzte

Sitzung des

Beginn der Hungerstreikaktion der CIIA, Grenzübergang Šentilj, 2.7.2005, Fortsetzung

– Začetek gladovne stavke CIIA, mejni prehod Šentilj, 2.7.2005, nadaljevanje

Državni zbor vor

der Sommerpause,

am 14. Juli 2005, wurde der Ombudsmann

für Menschenrechtsfragen, Matjaž Hanžek, geladen,

und man debattierte viereinhalb Stunden

über das Problem. Mit einer – zumindest aus

Hanžeks Sicht – ernüchternden Bilanz: „Es gibt

ein größeres Problem mit dem fehlenden Verständnis

oder mit dem fehlenden Willen, die

Problematik zu verstehen. Anhand der Tatsache,

wie Abgeordnete Staatsbürgerschaft und

Aufenthaltstitel der Ausgelöschten durchein-

19


Izbrisani“ — Die „Ausgelöschten“

anderbringen, sieht man, dass sie noch nicht

verstehen, worum es geht.“ 6 Wenige Tage später

kündigte der konservative Parlamentspräsident

France Cukjati in Graz und später auch

in Ljubljana an, dass der Innenminister bis

Herbst ein Gesetz einbringen werde, mit dem

das erlittene Unrecht wieder gutgemacht würde.

Eine Erklärung, die skeptisch bis sehr kritisch

(Siehe Interview mit Krivic) aufgenommen

wurde. Bislang (Mitte September) ist

nichts passiert.

20

ANMERKUNGEN

1 Entscheidungen des slowenischen Verfassungsgerichtshofs, Nr. U-I-

284/94 v. 4.2.1999, veröffentl. in: Uradni list RS, št. 14/1999 bzw. Nr. U-I-

246/2 v. 3.4.2004, veröffentl. in: Uradni list RS, št. 36/2003.

2 Die Tatsache, dass es in der Sozialistische Föderative Republik

Jugoslawien eine doppelte Staatsbürgerschaft gab, die des Bundesstaates

und die der Teilrepublik, scheint vielen Einwohnern Jugoslawiens nicht

bewusst gewesen sein. In jugoslawischen Zeiten hatte dies auch keine

Konsequenzen.

3 Mekina Borut, Izbrisala jih je depeša št. 0016/4-14968, in: Večer,

25.02.2004, S. 3.

4 Matevž Krivic, Postskriptum, in: Jasminka Dedić – Vlasta Jalušičm – Jelka

Zorn, The erased. Organized innocence and the politics of exclusion. Hg.

v. Peace Institute. Institute for Contemporary Social and Political Studies.

Ljubljana 2003, S.160.

5 Dejan Pušenjak, Po čem je danas smrt, in: Delo, 16.7.2005.

6 Suzana Lovec, Pogovor: Matjaž Hanžek, varuh človekovih pravic, in:

Dnevnik, 18.7.2005.


Izbrisani

Prav nič razveseljiva neskončna

zgodba.

Tudi poleti 2005 so bili tako imenovani

izbrisani v Sloveniji že spet ena osrednjih

notranjepolitičnih tem. Več kot trinajst let po

tistem, ko je stopil v veljavo zakon o tujcih,

ki ga je ustavno sodišče ponovno ocenilo kot

protiustavnega 1 , in ki je iz registra stalno

prijavljenih izbrisal 18.305 prebivalcev dežele

iz drugih jugoslovanskih republik, ta problem

še kar naprej čaka na primerno rešitev. Leta

1992 so bili s tem izbrisom tisoči oropani

zakonskih podlag za svojo eksistenco. A še

v letu 2005 so, kot vedno znova opozarjajo

mnogi kafkajansko ekstremni primeri, vidne

mnoge humanitarne in socialne posledice.

Takšen primer je Ali Berisha, albanskokosovski

Rom, ki s svojo družino že od leta

1987 živi v Mariboru, kjer je bil do svojega

„izbrisa“ tudi redno prijavljen. Za svoj „izbris“

je Berisha – tako je zapisal v svojem pismu

aktivistu za pravice izbrisanih Aleksandru

Todoroviću – izvedel maja 1993, ko se je vrnil

z dvotedenskega obiska pri svojih sorodnikih

Izbrisani

v Nemčiji: „Na mejnem prehodu pri Mariboru

je carinik od mene zahteval potni list, ki

sem mu ga tudi izročil. Ko je videl, da imam

jugoslovanski potni list, mi je rekel, da ta več ne

velja, ter da sem Albanec in se moram kot tak

vrniti na Kosovo. Ko sem mu rekel, da živim v

Mariboru in imam tam tudi stalno bivališče,

mi je s povzdignjenim glasom odvrnil, da je

v Sloveniji prostor le za Slovence. Ko sem ga

prosil, naj me spusti, da si bom naslednji dan

dal pri pristojnih izdati nov potni list, mi je

rekel, da lahko pridem le še v zapor v Ljubljani,

Hungerstreikaktion der CIIA, Grenzübergang Šentilj, 2.7.2005, Medien und A. Todorović – Gladovna stavka CIIA, mejni prehod Šentilj, 2.7.2005,

mediji in A. Todorović

kjer zbirajo Albance, Srbe, Hrvate in Rome.“ Z

mejnega prehoda je šel direktno v zbirni center

v Ljubljani, nato pa so ga z letalom izgnali v

Albanijo – v državo, kjer ni bil še nikoli in kjer

ni niti nikogar poznal. Tam mu je sicer uspelo

podkupiti nekega albanskega policista, ki ga je

dan zatem spravil v letalo nazaj proti Ljubljani,

kjer pa so ga ponovno priprli v zbirnem centru

za tujce. Iz zbirnega centra mu je sicer uspelo

pobegniti in podal se je na beg pred ponovnim

izgonom – v njemu neznano državo Nemčijo.

Od tam pa ga hočejo zdaj, poleti 2005, ponovno

izgnati, tokrat na Kosovo. V Sloveniji nima

Berisha niti po razsodbi ustavnega sodišča

nikakršnega statusa. In kot je ta državljan

Srbije in Črne gore opazil šele z zamudo: 27.

21


Izbrisani

februarja 1992 so bili on in še

njegovi 18.304 jugoslovanski

sodržavljani izbrisani iz

registra oseb, prijavljenih

v Sloveniji. Ta zgodba o

„izbrisu“ je tesno povezana

z razpadom Socialistične

federativne republike

Jugoslavije in nastankom

novih neodvisnih držav na

ozemljih nekdanjih federalnih

republik. Po tistem, ko se je na

plebiscitu 23. decembra 1990

skoraj 90 odstotkov volilnih

upravičencev v Sloveniji

izreklo za neodvisnost, je

slovenski parlament junija 1991 sprejel temeljne

zakone nove suverene države, med njimi tudi

zakon o državljanstvu. Po eni strani so postali

ljudje, ki so imeli tako jugoslovansko (državno)

kot slovensko (republiško) državljanstvo 2 ,

avtomatsko državljani neodvisne Slovenije. Po

drugi strani pa so lahko drugi jugoslovanski

državljani, ki so imeli na dan plebiscita o

neodvisnosti v Sloveniji prijavljeno stalno

prebivališče, pridobili slovensko državljanstvo

v naslednjih šestih mesecih. Zahtevke je vložilo

174.000 oseb, od tega je bilo 171.000 osebam

slovensko državljanstvo tudi dodeljeno.

A bistvo problema se skriva v zakonu o

tujcih 3 , ki je bil prav tako sprejet junija 1991:

vse prebivalce Slovenije z državljanstvi drugih

jugoslovanskih republik, ki niso vložili zahteve

za slovensko državljanstvo ali jim je bila

zahteva zavrnjena, so dva meseca po izteku

roka za pridobitev državljanstva naenkrat

začeli obravnavati kot „tujce“ brez vsakršnega

statusa. Zato so z izbrisom iz registra stalno

prijavljenega prebivalstva izgubili tudi

22

Hungerstreikaktion der CIIA, 17.7.2005 – gladovna stavka CIIA, 17.7.2005

nastanitveni naslov, pravico do stalnega

prebivanja in dela, socialnega, bolniškega in

pokojninskega zavarovanja itd. Ta okoliščina

je prinesla še druge omembe vredne učinke,

posebno na socialnem področju.

Najbrž so ljudje, ki kljub stalnemu prebivališču

v državi niso vložili zahteve po slovenskem

državljanstvu, imeli za to zelo različne razloge

– hoteli so na primer obdržati državljanstvo

svoje domače republike, ne da bi se pri tem

zavedali morebitnih posledic svoje odločitve.

Znani intelektualci in umetniki neslovenskega

porekla – kot na primer filozofinja in umetnica

Marina Gržinić, ki je po rodu Hrvatica, ali

član Neue Slowenische Kunst Dušan Mandić,

katerega srbski oče je bil nastanjen v Sloveniji

kot oficir Jugoslovanske ljudske armade – so

svoje zahteve večinoma vložili pravočasno.

Nasploh je očitno, da so bili prizadeti predvsem

ljudje iz nižjih socialnih slojev, ki se večinoma

sploh niso zavedali drastičnih posledic

nevložitve zahtev po državljanstvu.

Kot otežilna se je izkazala tudi okoliščina,


Hungerstreikaktion der CIIA, hungerstreikende Aktivisten Todorović und Ivanović (von rechts),

17.7.2005 – gladovna stavka CIIA aktivistov Todorović in Ivanović (z desne), 17.7.2005

da so „izbrisi“ (glej intervju z Matevžem

Krivicem) stopil v veljavo brez izdanih

odločb, ki so v pravnih državah sicer običajna

praksa. „Izbrisani“ niso bili o tem niti uradno

obveščeni. Kot kaže, pa je bila monstruoznost

posledic „izbrisa“ že od vsega začetka povsem

jasna posvečenim: še pred sprejetjem zakonov

je neka poslanka predlagala spremembo, ki bi

omogočila vsem prebivalcem Slovenije iz drugih

jugoslovanskih republik pridobiti dovoljenja

za stalno bivališče, a predlog je bil večinsko

zavrnjen. Tudi lokalni uradniki so sprva

oklevali pri izvajanju zakona in črtanju ljudi

iz registrov brez predhodnih odločb: takratni

državni sekretar v notranjem ministrstvu

Slavko Debelak je vsem policijskim postajam

brisanje omenjene skupine ukazal – z depešo,

poslano 27. februarja 1992. 4

Kako je lahko sploh prišlo do tega? Svoj čas

prav tako izbrisani filmar Dimitar Anakiev

iz Tolmina, ki je lani posnel film Zradirani in

trenutno pripravlja filmsko nadaljevanje, na

primer prikazuje izbris kot „klasično dejanje

etničnega čiščenja, ki pa je bilo opravljeno

Izbrisani

na prikrit in inteligenten

način“ in predstavljeno kot

zakonski problem ali celo kot

računalniška napaka. Vse do

danes se skuša na političnem

nivoju na vse kriplje prikriti

bistvo „izbrisa“. V nasprotju

s tem pa razume nekdanji

ustavni sodnik Matevž

Krivic kot osrednji politični

kontekst 5 uradno podelitev

državljanstva 170.000

„Južnjakom“ (prebivalcem

južnih republik nekdanje

Jugoslavije). Ta je bila za

politično desnico, pa tudi

za javno mnenje pod njenim vplivom in v

do tujcev sovražnih krogih, velik šok. Sredi

devetdesetih so zato celo poskušali doseči, da bi

tem 170.000 ljudem državljanstvo spet odvzeli.

„Izbris“ 18.000 ljudi torej kot kompenzacija za

šokirano ksenofobično „desnico“?

Večina prizadetih sprva niti sama ni vedela

za svojo nesrečo; mnogi „izbrisani“ so šele

po nesrečnih slučajih sploh izvedeli, da se

jim je pripetilo nekaj otežujočega. Pri takem

ozadju tudi ni bil mogoč noben organiziran

protest proti povzročeni krivici – šele leta

2002 se je okrog Srba Aleksandra Todorovića,

ki se je s svojo slovensko ženo preselil na

Ptuj v osemdesetih, zbralo prvo in predvsem

aktivistično-akcionistično delujoče združenje

Izbrisani“-NGO (Društvo izbrisanih

prebivalcev Slovenije); Todorović se je medtem

sicer sprl s pravnim zastopnikom NGO

(Krivicem) in ustanovil novo društvo.

Že sredi devetdesetih so bile na slovensko

ustavno sodišče vložene prve posamezne

pritožbe, šele leta 1999 pa je bil sprejet prvi

23


Izbrisani

sklep v tej zadevi, ki je razglasil, da je bil

izbris v nasprotju z ustavo. Zahteval pa je tudi

uskladitev zadevnih zakonov z ustavo v roku

šestih mesecev. Ta naloga je bila in je ostala

s pravnega vidika vse doslej zelo težavna. Po

eni strani so se uspeli mnogi „izbrisani“ z

mnogo truda in stroškov v Sloveniji na novo

prijaviti kot tujci ter dobiti dovoljenja za

stalno prebivanje in zaposlitev. Po drugi strani

sta bila po letu 1999 v zvezi s tem sprejeta

še dva zakona, ki pa ju je ustavno sodišče

spet razglasilo za delno neveljavna. Še nekaj

„izbrisanih“ je spet dobilo povrnjen pravni

status, ki jim je bil protiustavno odvzet. Kljub

temu pa „izbrisani“ v Sloveniji in na tujem

še vedno ne morejo računati na kakršnekoli

odškodnine za uničene eksistence in prezrte

sodbe ustavnega sodišča.

Leta 2004 je bil izveden tudi referendum (de

facto) proti izbrisanim. Tako predlagana

vprašanja kot pričakovani izid sta bila glede na

razmerja med glavnimi političnimi tokovi v

Sloveniji za „izbrisane“ pričakovana. Vprašanje

4. aprila 2004 se je glasilo: „Ali se strinjate, da

stopi v veljavo zakon o izvedbi 8. točke odločbe

ustavnega sodišča Republike Slovenije, številka

U-I-246/02-28 (EPA 956-III), ki ga je državni

zbor Republike Slovenije sprejel 25. 11. 2003?“

Če hočemo vprašanje razumeti: Več kot leto

poprej, 3. aprila 2003, je ustavno sodišče v 8.

točki svojega sklepa ugotovilo, da naj se 26.

2. 1992 izbrisanim vrne pravica do stalnega

prebivališča z veljavo za nazaj. V nasprotju

s tem pa je bil odgovor povsem jasen: pri

volilni udeležbi 31,5 % je proti vrnitvi statusa

glasovalo 94,7 %, za 3,8 %, neveljavnih pa je

bilo 1,5 % glasovnic. In pri tem sploh ni bilo

govora o odškodninah in nadaljnjih korakih

pri odpravi posledic izbrisa.

24

Da bi opozorila na to okoliščino in pospešila

obravnavo nerešenih problemov „izbrisanih“,

je Civilna iniciativa izbrisanih aktivistov

(CIIA) končno od 2. julija 2005 naprej

organizirala gladovno stavko prav na kraju,

kjer se je leta 1993 začela Berisheva odisejada.

Na mejnem prehodu Šentilj-Spielfeld je devet

članov CIIA sprva odklanjalo uživanje hrane

in zahtevalo rešitev problema – še posebno v

primeru Berisha. 24 dni kasneje sta govorec

CIIA Aleksandar Todorović in aktivist Ilija

Ivanović v Ljubljani prekinila neuspešno

gladovno stavko. Kljub temu je bil odmev

v slovenskih medijih znaten, še posebej pa

je bil deležen ostrih kritik notranji minister

Dragutin Mate, ker se za gladovno stavkajoče

sploh ni zmenil. Tako na primer v komentarju,

ki ga je v dnevniku Delo objavil novinar Dejan

Pušenjak: „[…] Kajti vsak normalen državljan

bi od svojega notranjega ministra pričakoval,

da se bo odpeljal do gladovno stavkajočih in

jim rekel: ‚V imenu države, ki jo predstavljam,

se vam opravičujem za krivico, ki vam jo je

storila ta država, ko še nisem bil njen minister.

Prosim vas za prekinitev gladovne stavke in

za nadaljnje potrpljenje; prizadevamo si za

rešitev, ki bo za vas in za nas – oblastnike –

sprejemljiva. […]“ 6

Medtem ko je notranji minister ostajal ob

strani, se je uradna politika zganila vsaj na

parlamentarni ravni. Na zadnjem zasedanju

državnega zbora pred poletnimi počitnicami,

14. julija 2005, je bil k razpravi o tem problemu,

ki je trajala štiri ure, povabljen varuh človekovih

pravic Matjaž Hanžek. Z – vsaj s Hanžkovega

vidika – streznjujočim učinkom: „[…] veliko

težav je z manjkajočim razumevanjem ali

s pomanjkanjem volje do razumevanja tega

problema. Že glede na to, kako poslanci mešajo


državljanstvo in stalno bivališče izbrisanih, je

jasno, da sploh še ne razumejo, zakaj pri tem

gre.“ 7

Nekaj dni kasneje je konzervativni predsednik

parlamenta France Cukjati v Gradcu in nato še

v Ljubljani napovedal, da bo notranji minister

do jeseni pripravil zakon, ki bo odpravil

prizadejane krivice. Ta izjava je bila sprejeta

skeptično do ostro kritično (glej intervju z

Matevžem Krivicem). Doslej (sredi septembra)

se ni zgodilo še nič.

OPOMBE

1 Sklepi ustavnega sodišča Republike Slovenije, št. U-I-284/94, 4. februar

1999, objavljeno v: Uradni list RS, št. 14/1999, oz. št. U-I-246/2, 3. april

2004, objavljeno v: Uradni list RS, št. 36/2003.

2 Dejstva, da je v SFRJ obstajalo dvojno državljanstvo, zvezno in republiško,

se mnogi prebivalci Jugoslavije očitno niso zavedali. V časih Jugoslavije to

niti ni bilo pomembno.

3 Natančneje okoliščina, navedena v členu 81 zakona o tujcih, ki se je že

pred sprejemom zakona junija 1991 zdela mnogim sporna. Poslanka Metka

Mencin je maja 1991 predlagala spremembo, po kateri bi tudi v Sloveniji

živeči jugoslovanski državljani z republiškimi državljanstvi drugih republik in

stalnim prebivališčem v Sloveniji na dan plebiscita avtomatsko dobili stalno

dovoljenje za bivanje. Če bi bil ta predlog sprejet, problem z „izbrisanimi“

sploh ne bi nastal. A večina v parlamentu je takrat glasovala proti.

4 Glej: Borut Mekina: Izbrisala jih je depeša št. 0016/4-14968. Večer, 25. 02.

2004, str. 3.

5 Krivic, Matevž: Postskriptum, str. 160: v: Dedić, Jasminka, Jalušič, Vlasta in

Zorn Jelka: The erased: organized innocence and the politics of exclusion.

Ljubjana 2003, Peace Institute, Institute for Contemporary Social and

Political Studies.

6 Dejan Pušenjak: Po čem je danas smrt. Delo, 16. 7. 2005, str. 5.

7 Lovec, Suzana: Pogovor: Matjaž Hanžek, varuh človekovih pravic. Dnevnik,

18. 7. 2005.

ZUR PERSON – O AVTORJU

Herwig G. Höller

*1974 in Rottenmann, Slawistik- und Physikstudien

in Graz und Moskau. Seit 1998 freier

Kunstkritiker, zahlreiche Publikationen in

springerin, CAMERA AUSTRIA, Spike und in

anderen Medien. Seit 2000 zudem Referent für

Medien, Video, Film im Forum Stadtpark (bis

2003, nach Strukturreform im Forum Stadtpark

Mitglied des Programmforums, zuständig für

die angesprochenen Bereiche), Lehrbeauftragter

am Institut für Slawistik der Karl-Franzens-Universität

Graz. Seit 2005 Mitarbeit

beim „Falter Steiermark“. – Herwig G. Höller

rojen 1974 v Rottenmannu, študij slavistike in

fizike v Gradcu in v Moskvi. Od 1998 svobodni

umetnostni kritik, številčne publikacije v revijah

springerin, CAMERA AUSTRIA, Spike in drugih

medijih. Od 2000 referent za medije, video, film v

Forum Stadtpark (do 2003, po strukturni reformi

v Forum Stadtparku član programskega

foruma, pristojen za zgoraj navedena področja),

predavatelj na Inštitutu za slavistiko Karl-

Franzens-Universität Gradec. Od 2005

sodelavec pri „Falter Steiermark“.

Izbrisani

25


Interview mit Matevž Krivic

Interview mit Matevž Krivic, von

Herwig Höller

Matevž Krivic, Sie sind Rechtsvertreter der „Društvo

izbrisanih prebivalcev Slovenije“ [Verband der ausgelöschten

Einwohner Sloweniens], einer NGO, die

sich für die Rechte der so genannten „Ausgelöschten“

einsetzt. Wann und wie haben Sie erstmals erfahren,

dass es ein „Izbrisani“-Problem gibt?

Als Verfassungsrichter (1990–1998), als wir in

den Jahren 1994–1995 mit ersten Fällen konfrontiert

waren, die aber von juristisch ungebildeten

Menschen sehr unklar formuliert waren.

Sie bekamen von den Behörden auch keine

Bescheide gegen die man klagen hätte können

– das war ein großes Problem für sie, und darin

besteht auch eine Erklärung für die Tatsache,

dass von über 18.000 „Ausgelöschten“ nur

einige wenige Fälle vor Gericht kamen. Ich

konnte mich mit meinen Ansichten über dieses

Problem im Verfassungsgericht zuerst sehr

lange nicht durchsetzen – erst im Juni 1998,

einige Monate vor dem Ende der Amtszeit des

ersten Verfassungsgerichtes, konnte ich schließlich

eine vorläufige Lösung ausarbeiten, die –

überraschenderweise – sogar mit 6:1 Stimmen

angenommen wurde. Unsere Nachfolger im

Verfassungsgericht brachten dann schon im Februar

1999 diese ersten beiden Fälle zu einem

Abschluss und stellten fest, dass die „Auslöschung“,

die am 26. Februar 1992 stattgefunden

hatte (sozusagen geheim, ohne jegliche Bescheide),

keine gesetzliche Grundlage hat und dass

das Gesetz sofort korrigiert werden müsse, um

eine verfassungskonforme Lösung der entstandenen

Probleme zu ermöglichen.

Seit wann beschäftigen Sie sich intensiv mit der

Thematik?

26

In den Jahren 1999–2001 war ich so sehr mit

anderen schwierigen verfassungsrechtlichen

Problemen beschäftigt (zuerst mit der Beseitigung,

der skandalösen verfassungsgerichtlichen

Fälschung des Resultats des Referendums

über die Einführung des Mehrheitswahlsystems,

was erst mit einer Verfassungsänderung

im Jahre 2000 möglich war, und dann mit der

Klage vor dem neuen Verfassungsgericht gegen

den Vertrag zwischen Slowenien und dem Vatikan),

dass ich sogar die oben erwähnte Entscheidung

vom Februar 1999 nicht kannte.

Erst zehn Jahre nach der „Auslöschung“, als

drei Betroffene in Ptuj im Februar 2002 den

ersten Verein der „Ausgelöschten“ gegründet

hatten, begann ich sofort als dessen Rechtsvertreter

zu fungieren.

Im Jahre 2003 hat der slowenische Verfassungsgerichtshof

ihrer Klage gegen die gesetzlichen Grundlagen,

die zur Löschung von etwa 18.000 aus anderen

jugoslawischen Republiken stammenden

Einwohnern Sloweniens aus den Melderegistern

führten, Recht gegeben und diese Löschung als verfassungswidrig

erklärt. Könnten Sie kurz erklären,

warum der „Izbris“ verfassungswidrig war?

Wie ich schon sagte: Weil er keine gesetzliche

Grundlage hatte und weil er darüber hinaus

„geheim“ (ohne jeglichen Bescheid) ausgeführt

wurde. Die beiden Gründe sind natürlich eng

miteinander verbunden: Wenn man keine gesetzliche

Grundlage für einen Verwaltungsakt

hat, kann man auch keinen Bescheid darüber

ausstellen. Um einen solchen illegalen Verwaltungsakt

mit sehr schwer wiegenden Konsequenzen

dennoch auszuführen, bedarf es

schon „wichtiger“ politischer Gründe… Aber,

um gegenüber unseren Politikern nicht ungerecht

zu sein: Sie wussten damals – und wissen

auch heute noch – nur sehr wenig über juridi-


sche Angelegenheiten Bescheid. Trotzdem sind

sie, in erster Linie die damalige „DEMOS“-Regierung

und deren Innenminister Igor Bavčar

(aber später auch alle Drnovšek-Regierungen)

politisch in vollem Umfang für diesen skandalösen

Umgang mit den Menschenrechten

verantwortlich. Noch viel größere Verantwortung

hatte indessen der damalige Staatssekretär

Slavko Debelak, ein Verwaltungsrechtler,

der die Politiker mit politisch erwünschten „juridischen

Erklärungen“ versorgte…

Dennoch kam es ein Jahr später zu einem Referendum,

das im Wesentlichen gegen die „Izbrisani“ gerichtet

war. Dieses Problem ist bislang nicht gelöst

worden…

Ja, für Slowenien als vorgeblichen Rechtsstaat

eine erstaunliche und wirklich traurige

Geschichte: Dieses Referendum hätte als offensichtlich

verfassungswidrig vom Verfassungsgericht

verboten werden sollen, aber der

Parlamentspräsident versäumte die Frist für einen

Anruf des Verfassungsgerichts um einen

Tag, und dieses konnte nun nichts mehr unternehmen.

Ein weiteres Paradoxon: Das Referendum

annullierte nur ein Gesetz, das ohnehin

verfassungswidrig war, weil es nur 4.000

anstelle von 12.000 (wie es das Verfassungsgerichtsurteil

verlangt hatte) „ausgelöschten“

Personen ihren Status zurückgeben wollte.

Aber es folgten noch weitere, noch unglaublichere

Absurditäten. Erstens: Trotz der Annullierung

des von ihm eingebrachten Gesetzes

setzte Innenminister Dr. Bohinc in den

folgenden Monaten eben dieses nicht mehr

bestehende Gesetz um und missachtete somit

das Verfassungsgerichtsurteil, indem nur

4.000 statt 12.000 Bescheide ausstellte. Zweitens:

Die damalige Opposition drohte ihm

im Parlament mit einem Strafverfahren, weil

Interview mit Matevž Krivic

er überhaupt die vom Verfassungsgericht verlangten

Bescheide auszugeben begann (dann

stellte er nach 4.000 Bescheiden die Ausgabe

ein). Aber auch diese 12.000 stellen nur zwei

Drittel von insgesamt 18.305 „Ausgelöschten“

dar. Für die übrigen 6.000 verlangte das Verfassungsgericht

die Verabschiedung eines Sondergesetzes

innerhalb von sechs Monaten, also

bis Oktober 2003. Die damalige „linke“ Regierung

brachte ein derartiges Gesetz aber erst im

Oktober des folgenden Jahres ein, dass noch

dazu unzulänglich war, weil es das Problem

nur zum Teil gelöst hätte. Aber auch das ging

der Opposition zu weit, und es gelang ihr mit

einer Reihe von Vorschlägen über ein Referendum,

die alle vom Verfassungsgericht abgewiesen

wurden, die Verabschiedung des Gesetzes

zu verhindern. Jetzt befindet sich die damalige

Opposition an der der Regierung und will von

einem solchen Gesetz nichts mehr wissen …

Auf meine Frage, wie es um die Lösung der „Izbrisani“-Problematik

steht, antwortete mir der Vorsitzende

des slowenischen Državni zbor [Nationalrat],

France Cukjati, am 18. Juli 2005 in Graz, dass das

slowenische Innenministerium noch im Herbst ein

Gesetz einbringen und damit das erlittene Unrecht

wieder gutmachen würde. Kurz danach wiederholte

Cukjati diese Aussage auch in Slowenien, woraufhin

Sie in einem Leserbrief an die Tageszeitung „Delo“

(23.7.2005) auf das Schärfste protestierten und

meinten: „Von einer echten Absicht der Lösung des

Problems zu sprechen, ist reiner Hohn.“ Gibt es wirklich

keine politische Absicht, das Problem zu lösen?

In der Tat nicht. Der neue Regierungschef

Janša und andere haben seit ihrem Wahlsieg

mindestens zehnmal wiederholt, dass sie nur

gemeinsam mit der Opposition im Wege eines

speziellen Verfassungsgesetzes dieses Problem

zu „lösen“ bereit sind. Und das heißt: gar

27


Interview mit Matevž Krivic

nicht. Warum? Weil dieses Problem unter die

einfache Gesetzgebung fällt und nicht durch

ein Verfassungsgesetz lösbar ist. Mit einem

Verfassungsgesetz will die Regierung nur die

verfassungsgerichtliche Kontrolle des Gesetzes

vermeiden – obwohl schon zwei Verfassungsgerichtspräsidenten

öffentlich davor gewarnt

haben, auf diese Weise die Verfassung

zu missachten. Die Opposition hat diesen Weg

klar abgelehnt, und so ist auch die oben zitierte

Aussage von Cukjati nur leeres Gerede. Mehr

noch: eine absichtliche Täuschung der Bürger.

Wenn in der slowenischen Öffentlichkeit über die

Lösung des Problems gesprochen wird, werden immer

zwei gesetzliche Varianten in den Raum gestellt.

Einerseits ein Gesetz mit Verfassungsrang, andererseits

ein „systemisches Gesetz“. Für welche Variante

treten Sie ein?

In Betracht kommt nur ein einfaches Gesetz,

man kann es auch „systemisch“ nennen. Für

ein solches Gesetz – im Einklang mit dem

Verfassungsgerichtsurteil von 2003 – hätte

die Regierung eine ausreichende Mehrheit im

Parlament, will es aber um keinen Preis verabschieden.

Ein Gesetz, das die Rechte der „Ausgelöschten“

nicht anerkennt, würde vor dem

Verfassungsgericht keinen Bestand haben.

Ähnlich wie in Kärnten, wo Haider dem Erkenntnis

des Österreichischen Verfassungsgerichtshofes

schon seit 2001 nicht Folge leistet.

Aber dort geht es „nur“ um slowenische Ortstafeln

– hier geht es um elementare Menschenrechte

von 18.305 Personen, die von der Regierung

gesetzwidrig verletzt worden sind.

Was würde eine Entschädigung der Betroffenen kosten,

was müsste alles abgegolten werden? Seinerzeit

war einmal von Kosten in der Höhe von 600 Milliarden

Tolar die Rede – ist das realistisch?

28

Niemand hat davon eine Ahnung, die erwähnte

Zahl ist frei erfunden. Sicher ist nur eines:

Dass eine Entschädigung gemäß Zivilrecht

nur fünf Jahre nach Schadenseintritt möglich

ist. Jegliche Entschädigung für in den Jahren

1992–2000 erlittenes Unrecht ist somit schon

heute ausgeschlossen. Wir haben natürlich ein

eigenes Gesetz für diesen speziellen Fall gefordert,

aber die Politiker werden ein solches Gesetz

niemals verabschieden. Und bevor wir

mit dieser Frage vor das Straßburger Gericht

kommen, wird es sicher noch zehn bis 15 Jahre

dauern …

Im Juli organisierte eine weitere NGO, die „Civilna

iniciativa izbrisanih aktivistov“ (CIIA), einen Hungerstreik

an der österreichisch-slowenischen Grenze,

um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie

distanzierten sich von dieser Aktion und kritisierten

deren Organisator, Aleksandar Todorović (Večer,

4.7.2005). Die CIIA erwiderte ihrerseits, dass sie

kein Recht hätten, den Hungerstreik zu kommentieren,

und es war auch der Vorwurf zu hören, dass

sie alle Aktivitäten eingestellt hätten, weil sie auf

eine offizielle Lösung warteten, die aus der Sicht

der CIIA nicht absehbar sei. Können Sie zu diesem

Streit Stellung beziehen?

Nein, für uns alle ist es besser, diese leidigen

Fragen nicht öffentlich zu diskutieren. In einer

derartigen Situation beschränke ich mich

auf unumgängliche Reaktionen auf öffentliche

Angriffe. So auch hier: Die angebliche „Einstellung

aller Aktivitäten“ unseres Vereins ist

eine Lüge. In den Monaten vor den Wahlen

haben wir nur deshalb von öffentlichen Manifestationen

abgesehen, um nicht noch mehr

Xenophobie unter den Wählern zu erwecken.

Ich möchte lieber nicht ausführlicher auf diese

Frage eingehen.


Andererseits, wie sehen sie Todorović und seine Aktivitäten,

die zumindest diesen Sommer durchaus

medienwirksam waren?

Ich kann nur wiederholen, was ich Herrn

Todorović seit Juni 2004 schon vielmals gesagt

und geschrieben habe: „Wenn wir schon nicht

mehr zusammenarbeiten können, so sollten

wir uns zumindest nicht gegenseitig angreifen.

Wir werden alle deine konstruktiven Initiativen

unterstützen, nur höre mit den ungerechten

Angriffen und Lügen auf!“ Er hat

damit leider nicht aufgehört, aber trotzdem

haben wir seinen letzten öffentlichen Protest

an der Grenze im Juli öffentlich unterstützt.

Nur von der Methode des Hungerstreiks haben

wir uns wegen der Gesundheitsgefährdung der

Beteiligten distanziert. Vor allem aber habe ich

für den Rom Ali Berisha, dessen Schicksal der

Hauptgrund für den Hungerstreik war, konkrete

Schritte in die Wege geleitet, um ihm

die Rückkehr nach Slowenien rechtlich zu ermöglichen.

Das Verfahren ist im Gange, es ist

natürlich auch möglich, dass es keinen Erfolg

bringt. Aber erst dann sollte man andere Methoden

in Betracht ziehen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten

Monaten? Wann ist mit einer Lösung zu rechnen?

Die einzige Hoffnung für uns besteht in der

Ausübung von Druck durch internationale

Organisationen, vor allem vom Komissär für

Menschenrechte, Gil Robles, und der Kommission

gegen Intoleranz (ECRI) – Institutionen des

Straßburger Europarates (nicht der EU). Aber

die slowenische Regierung zeigt sich gegen

Kritik von europäischen Institutionen unempfänglich.

Die größte Schande für Slowenien als

vorgeblichen Rechtsstaat ist vielleicht die Tatsache,

dass das Land mit einer solchen menschenrechtsfeindlichen

Regierung 2008 den

Intervju z Matevžem Krivicem

Vorsitz in der EU übernehmen soll. In dieser

Welt ist scheint alles möglich – nur die Durchsetzung

der Menschenrechte gegenüber einer

feindlich gesinnten Staatsmacht ist anscheinend

unerreichbar.

Intervju z Matevžem Krivicem

Herwig Höller

Matevž Krivic, Vi ste pravni zastopnik „Društva

izbrisanih prebivalcev Slovenije“, ki se zavzema za

pravice tako imenovanih „izbrisanih“. Kdaj in kako

ste prvič izvedeli za problem „izbrisanih“?

Kot ustavni sodnik (1990-1998), ko smo bili

v letih 1994-95 soočeni s prvimi primeri, ki

pa so bili od pravno neukih ljudi zelo nejasno

formulirani. Od oblasti tudi niso prejeli

nobenih odločb, da bi proti njim lahko vložili

tožbe – to je bil za njihov velik problem in prav

v tem je tudi obrazložitev dejstva, da so od več

kot 18.000 „izbrisanih“ prišli pred sodišča le

nekateri redki primeri. Jaz s svojimi pogledi na

ta problem na ustavnem sodišču najprej zelo

dolgo nisem mogel prodreti – in šele junija

1998, nekaj mesecev pred iztekom mandata

prve zasedbe ustavnega sodišča, sem končno

lahko pripravil neko preliminarno rešitev, ki

pa je bila (presenetljivo) sprejeta celo s 6 : 1.

Naši nasledniki na ustavnem sodišču so nato

že februarja 1999 ta dva prva primera pripeljali

do konca in zelo jasno odločili, da izbris, ki

se je zgodil 26. februarja 1992 (tako rekoč

tajno, brez vsakih odločb), ni imel nikakršne

zakonske podlage in da je treba zakon takoj

popraviti, da bi s tem omogočili rešitev nastalih

problemov v skladu z ustavo.

Od kdaj se intenzivno ukvarjate s to tematiko?

29


Intervju z Matevžem Krivicem

V letih 1999-2001 sem bil tako okupiran z

drugimi težkimi ustavnopravnimi problemi

(najprej s problemom, kako odstraniti

škandalozno ustavnosodno potvorbo izida

referenduma o uvedbi večinskega volilnega

sistema, kar je bilo možno šele s spremembo

ustave leta 2000, in nato s tožbo pred novim

ustavnim sodiščem proti pogodbi Slovenije z

Vatikanom), da celo prej omenjene odločitve

iz februarja 1999 nisem poznal (je pa tudi v

medijih ostala popolnoma zamolčana). Šele

točno deset let po „izbrisu“, ko so trije izbrisani

na Ptuju (pri Mariboru) februarja 2002

ustanovili prvo društvo izbrisanih, sem začel

takoj delovati kot njihov pravni zastopnik.

Leta 2003 je slovensko ustavno sodišče ugodilo

vaši tožbi proti zakonskim podlagam, ki so

pripeljale do izbrisa okrog 18.000 iz drugih

jugoslovanskih republik izvirajočih prebivalcev

Slovenije iz prijavnih registrov in je ta izbris

razglasilo za protiustaven. Ali lahko na kratko

pojasnite, zakaj je bil izbris protiustaven?

Kot sem že povedal: ker ni imel nobene

zakonske podlage in dodatno še zato, ker je

bil izpeljan „tajno“ (brez vsake odločbe). Oba

razloga sta seveda tesno povezana: če za neki

upravni akt ni nobene zakonske podlage, potem

o tem tudi ne moreš izdati nikakršne odločbe.

Da nekdo kljub temu izvede tak nezakonit

upravni akt z zelo težkimi posledicami, mora

za to že imeti „važne“ politične razloge…

Toda, da ne bi bil do naših politikov krivičen:

o pravu in pravnih vprašanjih so takrat vedeli

– in vedo še danes – zelo zelo malo. Kljub temu

so seveda, v prvi vrsti takratna „Demosova“

vlada in notranji minister Igor Bavčar (toda

kasneje tudi vse Drnovškove vlade) v polnem

obsegu politično odgovorni za ta škandalozni

odnos do človekovih pravic – toda še veliko

30

večja odgovornost leži na takratnem državnem

sekretarju Slavku Debelaku, ki je bil magister

prava in je politike oskrboval s politično

zaželenimi „pravnimi razlagami“…

Vendar pa je eno leto kasneje prišlo do

referenduma, ki je bil v bistvu uperjen proti

„izbrisanim“ in problem vse do danes pravno

še ni rešen…

Da, to je bila za Slovenijo kot domnevno pravno

državo nova presenetljiva in res žalostna

zgodba: ta referendum bi moral biti kot očitno

protiustaven od ustavnega sodišča prepovedan,

toda predsednik parlamenta je predlog na

ustavno sodišče vložil en dan prepozno –

in ustavno sodišče ni moglo storiti ničesar.

Nadaljnji paradoks: z uspešnim referendumom

je bil samo odstranjen (razveljavljen) neki

zakon, ki je bil tako in tako protiustaven

(ker je hotel vrniti sporni status samo 4.000

„izbrisanim“ osebam namesto 12.000, kot je to

zahtevala sodba ustavnega sodišča). Toda sledili

so še nadaljnji, še bolj neverjetni paradoksi.

Prvič, kljub razveljavitvi zakona, ki ga je on

sam predlagal, je notranji minister dr. Bohinc

v naslednjih mesecih izvršil točno ta ne več

obstoječi zakon in ne sodbo ustavnega sodišča,

izdal je torej samo 4.000 namesto 12.000

odločb! In drugič: takratna opozicija mu je v

parlamentu grozila s kazenskim postopkom,

ker je sploh začel izdajati te, od ustavnega

sodišča zahtevane odločbe (in nato je končal

pri 4.000 odločbah, namesto da bi izdal vseh

12.000)! Toda teh 12.000 ljudi sta le dve tretjini

od vseh 18.305 izbrisanih – za preostalih 6.000

je ustavno sodišče zahtevalo, da bi bilo treba v

šestih mesecih, torej do oktobra 2003, sprejeti

poseben zakon. Prejšnja „leva“ vlada je tak

(ampak slab, le polovico problemov rešujoč)

zakon predložila šele oktobra 2004, ampak tudi

to je bilo za takratno opozicijo preveč in ji je z


mnogimi novimi zahtevami za referendum, ki

pa so bile od ustavnega sodišča vse zavrnjene,

vendarle uspelo, da je sprejetje takega zakona

v prejšnjem zakonodajnem obdobju preprečila.

Sedaj je ta opozicija prišla na oblast – in noče o

takem zakonu nič več slišati…

Na moje vprašanje, kaj je sedaj z reševanjem

problematike „izbrisanih“, mi je predsednik

slovenskega državnega zbora France Cukjati 18.

julija v Gradcu odgovoril, da bo slovensko notranje

ministrstvo še jeseni predložilo zakon in da bodo s

tem vse pretrpljene krivice spet odpravljene. Kmalu

za tem je Cukjati to izjavo ponovil tudi v Sloveniji,

nakar pa ste Vi v pismu bralca v dnevniku Delo

(23. 7.) najostreje protestirali in menili: „Govoriti o

resnem namenu reševanja tega problema je navadno

norčevanje.“ Ali res ni političnega namena rešiti ta

problem?

Res ga ni. Novi šef vlade Janša in drugi so

od volilne zmage naprej najmanj desetkrat

ponovili, da so pripravljeni ta problem „rešiti“

samo skupaj z opozicijo s posebnim „ustavnim

zakonom“, drugače pa nič. In to pomeni: nič.

Zakaj? Zato, ker je ta problem vprašanje

navadne zakonodaje in ni rešljiv z ustavnim

zakonom. Z ustavnim zakonom bi se želela

vlada samo izogniti ustavnosodni kontroli

zakona – čeprav sta že dva predsednika

ustavnega sodišča posvarila pred takim

kršenjem ustave, ki da bo po njunih besedah

tudi ostalo brez uspeha. Opozicija je ta način

reševanja jasno odklonila – in tako so tudi

navedene Cukjatijeve besede zgolj prazne

besede. Še slabše: namerno zavajanje naivne

publike.

Kadar se v slovenski javnosti govori o zakonskih

rešitvah tega problema, se vedno govori o dveh

zakonskih variantah: po eni strani o ustavnem

Intervju z Matevžem Krivicem

zakonu, po drugi strani o „sistemskem zakonu“. Za

katero varianto se zavzemate Vi?

Samo navaden zakon (lahko se seveda

imenuje tudi „sistemski“) pride v poštev. Za

sprejetje takega zakona ima vlada zadostno

večino v parlamentu – toda tega noče narediti.

Pravicam „izbrisanih“ nasproten zakon ne

bi imel nobenih izgledov pred ustavnim

sodiščem – zakona v skladu s sodbo ustavnega

sodišča iz leta 2003 pa vlada za nobeno ceno

noče narediti. Podobno kot na Koroškem, kjer

Haider že dolgo noče slediti odločbi avstrijskega

ustavnega sodišča. Ampak tam gre „samo“

za slovenske krajevne napise – tu pa gre za

elementarne človekove pravice 18.305 ljudi, ki

jih je nezakonito prekršila vlada sama.

Koliko pa bi poprava krivic in odškodnina znašala,

kaj vse bi moralo biti kompenzirano? Enkrat

se je govorilo o 600 milijardah tolarjev – je to

realistično?

Nihče nima pojma o tem – omenjena številka

je popolnoma izmišljena. Gotovo je le eno: da

je odškodnina (v skladu s civilno zakonodajo)

možna samo pet let od nastanka škode. Vsaka

odškodnina za (velike) škode v letih 1992-

2000 je torej že danes popolnoma nedosegljiva.

Mi smo seveda zahtevali poseben zakon za

ta posebni primer, toda naši politiki ne bodo

takega zakona nikoli sprejeli. In preden bomo s

tem vprašanjem lahko prišli pred strassburško

sodišče, bo trajalo gotovo še 10 ali 15 let…

Julija je neka druga nevladna organizacija,

„Civilna iniciativa izbrisanih aktivistov“ (CIIA),

organizirala gladovno stavko na avstrijsko-slovenski

meji, da bi opozorila na nerešenost problema. Vi ste

se od te akcije distancirali in ste kritizirali, da je

organizator gladovne stavke Aleksandar Todorović

odklonil Vašo prošnjo, da bi se vprašanje najprej

31


Intervju z Matevžem Krivicem

razjasnilo po pravni poti (Večer, 4. 7. 2005). CIIA

pa je odgovorila, da vi nimate nobene pravice

komentirati gladovne stavke in slišati je bilo tudi

očitek, da ste ustavili vse aktivnosti, ker ste čakali na

uradno rešitev, ki pa je po mnenju CIIA ni mogoče

pričakovati. Ali lahko komentirate ta spor?

Ne, za vse nas je bolje, če o teh bolečih

vprašanjih ne razpravljamo v javnosti. Ob vsaki

taki priložnosti se omejim le na najnujnejše

odgovore na javne napade. Tako tudi tukaj:

domnevna „ustavitev vseh aktivnosti“ našega

društva je laž. V mesecih pred volitvami smo

se samo odpovedali javnim manifestacijam, da

ne bi med volivci vzbudili še več ksenofobije. Že

iz Vašega vprašanja si lahko vsak predstavlja,

da je do razcepa med nami junija 2004 prišlo

zaradi različnih pogledov na metode našega

boja. Globlje v to vprašanje pa raje ne bi šel.

Kako pa gledate na Todorovića in njegove

aktivnosti, ki so bile vsaj to poletje vsekakor medijsko

učinkovite?

Lahko le ponovim, kar sem od junija 2004

gospodu Todoroviću že velikokrat rekel in

napisal: „Če ne moremo več skupaj delati, se

vsaj medsebojno ne napadajmo. Mi bomo

podprli vse tvoje dobre iniciative – samo

prenehaj z nepravičnimi napadi in z lažmi!“

On s tem žal ni prenehal, kljub temu pa smo

njegov zadnji javni protest na meji (julija)

javno podprli, le od metode gladovne stavke

smo se distancirali (zaradi ogrožanja življenj

nedolžnih ljudi). Predvsem pa sem za Roma

Alija Berisho, katerega usoda je bila glavni

razlog za stavko, naredil konkretne korake, da

bi mu omogočil vrnitev v Slovenijo po pravni

poti. Postopki so v teku – gotovo je možno, da

bodo tudi to neuspešno. A šele potem bodo

morda tudi druge metode lahko učinkovitejše.

32

Kakšen razvoj pričakujete v naslednjih mesecih, s

kakšnimi koraki je treba računati? In kdaj lahko

pričakujemo rešitev?

Edino upanje za nas so možni pritiski

mednarodnih instanc, predvsem komisarja

za človekove pravice gospoda Gila Roblesa in

komisije proti nestrpnosti (ECRI) – oboje sta

instituciji strassburškega Sveta Evrope (ne EU).

Toda naša vlada ne kaže niti nasproti kritikam

iz evropskih institucij nobenega spoštovanja.

Največja sramota za Slovenijo kot domnevno

pravno državo je morda dejstvo, da bi Slovenija

s takšno, človekovim pravicam sovražno vlado,

morala leta 2008 prevzeti predsedovanje EU. V

tem svetu je res vse mogoče – le spoštovanje

človekovih pravic nasproti njim sovražni

državni oblasti je skoraj nedosegljivo.


Usodna privlačnost

juga

Odnos Slovencev do kulture bivših

jugoslovanskih republik

� Text: Tanja Petrović

O AVTORJU – ZUR PERSON

Tanja Petrović

Tanja Petrović, jezikoslovka (diplomirala

1998 in magistrirala 2002 v Beogradu,

doktorirala 2005 v Ljubljani), zaposlena na

Znanstvenoraziskovalnem centru v Ljubljani in

Balkanološkem inštututu v Beogradu. Ukvarja

se z antropološko lingvistiko, vprašanji manjšin

ter kulturnimi procesi na prostorih bivše

Jugoslavije – Tanja Petrović arbeitet als

Sprachwissenschaftlerin (Diplom 1998, Magisterium

2002 in Belgrad, Doktorat 2005 in

Ljubljana) am Wissenschaftsforschungsinstitut

in Ljubljana und am Institut für Balkanologie in

Belgrad. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit

antropologischer Linguistik, Minderheitenfragen

und kulturellen Prozessen auf dem Gebiet

des ehemaligen Jugoslawiens.

Usodna privlačnost juga

Maja 2004 je Republika Slovenija kot prva in najuspešnejša med državami na območju bivše

Jugoslavije postala del velike evropske družine. V obdobju po praznovanju prve obletnice članstva

v Evropski skupnosti in po štirinajstih letih samostojnosti Slovenije se mi zdi smiselno postaviti

vprašanje, kakšen je odnos Slovenije in Slovencev do ostankov zapuščine nekoč skupne države. Po

skoraj poldrugem desetletju propada skupne države, njene bivše republike na svetovnem političnem

zemljevidu nastopajo kot neodvisne države in v skladu s tem, kljub nekaterim težavam in odprtim

vprašanjem, čedalje bolj urejajo medsebojne odnose. Kaj pa je z individualnim in kolektivnim

spominom, nastalim v teku sedemdesetih letih obstoja Jugoslavije? Jugoslovansko nasledstvo

in skupni spomin, ki ju delijo nekdanji državljani Jugoslavije, ne glede na njihove medsebojne

razlike in izvirno različne kulturne tradicije, v veliki meri še vedno oblikujeta na teh prostorih tudi

odnos in distanco do drugega in tujcev: 1 tako na mednarodnih športnih dogodkih, kjer v primeru,

da se “naša” nacionalna reprezentanca ne kvalificira ali izpade iz tekmovanja, bivši Jugoslovani

navijamo za “druge naše”, torej za reprezentanco ene izmed nekdanjih jugoslovanskih republik. Iz

istega razloga v prodajalnah CD plošč v Ljubljani glasba, ki nastaja na prostorih bivše Jugoslavije,

ni razvrščena na policah skupaj s tujo glasbo, temveč ima poseben status in je označena kot „bivša

domača glasba”. Odnos do bivših jugoslovanskih republik je ne nazadnje v Sloveniji drugačen tudi

zaradi velikega števila ljudi, ki prihajajo iz tistih prostorov in so danes prebivalci ali državljani

Republike Slovenije. Kakšen je pravzaprav ta odnos? Kako se oblikuje in kdo ga oblikuje?

V nadaljevanju tega besedila bomo nekaj pozornosti posvetili odnosu Slovencev do Srbije in srbske

kulture in ob tem skušali najti odgovor na predhodno postavljena vprašanja.

V zadnjih letih Slovenci zelo radi hodijo v Srbijo. Po desetletju molčanja in ignoriranja je v Sloveniji

nastopilo „ponovno odkrivanje” Srbije. In kakšna je ta Srbija? V seriji oddaj slovenske nacionalne

33


Usodna privlačnost juga

televizije „Čez planke”, kjer voditeljica

predstavlja druge države in življenjske navade

v teh državah, je bila ena oddaja namenjena

spoznavanju Srbije in Črne gore. Srbija je bila

predstavljena kot precej bizarno carstvo turbofolka,

velik del oddaje so posvetili prav avtorjem

in izvajalcem te glasbene zvrsti. V oddaji je bila

na široko predstavljena Svetlana Ražnatović

alias Ceca, s katero se je novinarka pogovarjala

v prostorih nogometnega kluba „Obilić”,

katerega direktorstvo je Ceca podedovala od

ubitega moža Željka Ražnatovića Arkana, enega

najhujših vojnih zločincev na prostoru bivše

Jugoslavije. Scenarij oddaje je veliko prostora

namenil tudi zelo nenavadnim osebnostim,

kot je Giovanni, žigolo, ki obratuje v Vrnjački

Banji, najbolj znanih srbskih toplicah, kjer

za denar kratkočasi gospe v zrelih letih. Niti

besede ni bilo namenjene srbskim pisateljem,

igralcem, znanstvenikom. Niti besede o

gledaliških, filmskih in glasbenih festivalih.

Nič drugačne podobe Srbije ne ponujajo svojim

klientom številne slovenske potovalne agencije,

ki organizirajo tako obiske Beograda za novo

leto in vikend popotovanja kot tradicionalna

potovanja v Gučo na Sabor trubača. Med

glavne atrakcije Beograda agencije predlagajo

ogled hiše Cece Ražnatović in nepozabni

žur na enem izmed beograjskih splavov na

Savi, kjer se predvaja prepoznavna turbo-folk

glasba.

S tem ni nič narobe. Ponudba je odvisna v

veliki meri od zahtev trga in potemtakem

je razumljivo, da je taka, kot je: ponuja se

pravzaprav to, kar je najlažje prodati. Pa vendar

Slovenci poznajo tudi druge plati srbske kulture:

poslušajo srbski rok, gledajo srbske gledališke

predstave in filme. V Srbijo gredo tudi iz drugih

razlogov in ne samo zaradi poceni zabave. O

takšni Srbiji pa v slovenskih medijih ne slišimo

34

skoraj nič. Kaj povprečno informiranemu

Slovencu pade na pamet, če ga povprašamo

o glasbenem festivalu v Srbiji? Trobentači v

Guči, seveda: par vročih avgustovskih dni nore

zabave ob balkanski glasbi in balkanski hrani

v močno alkoholizirani atmosferi. Kaj pa je z

EXIT-om, največjim balkanskim festivalom

sodobne glasbe, ki se je v tem letu že petič

odvijal v Novem sadu? Na začetku julija 2005

je na EXIT odpotovalo veliko mladih Slovenk

in Slovencev. Tako kot leto poprej in leta pred

tem. V slovenskem medijskem prostoru je

vendarle ta dogodek dobil zelo malo prostora.

Bilo je nekako tako: kdor je vedel in ga je

dogajanje festivala zanimalo, je lahko o EXITu

dobil informacije. Ostala javnost pa o tem

ni mogla veliko zvedeti, saj so mediji o tem

poročali zelo skopo. EXIT je urbani dogodek

svetovnih razmer, pravi evropski festival na

Balkanu. Zakaj nihče v Sloveniji ne govori o

balkanski kulturi, ki je istočasno zelo evropska,

ki je urbana in primerljiva s kulturo ostalih

svetovnih metropol? Zakaj je za slovenski

prostor zanimiv samo tisti del srbske kulture,

ki ima močen priokus neokusa? Če bi šlo za

državo, ki je od Slovenije oddaljena tisoče

kilometrov in o kateri Slovenci vedo zelo malo,

bi lahko poiskali razlago v nerazumevanju

in nevednosti. Tukaj pa očitno gre za nekaj

drugega.

Čeprav si nekateri slovenski intelektualci

prisotnost jugonostalgije med Slovenci in

njihova potovanja v Srbijo razlagajo z izključno

ekonomskega vidika ter navajajo kot pararelni

primer današnjim potovanjem v Srbijo

potovanja na Češkoslovaško pred leti, je težko

verjeti, da mladi Slovenci množično praznujejo

novo leto v Beogradu samo zato, kjer je tam

vse poceni. Je mogoče povod za obisk tudi to,

da v novoletni noči na beograjskih trgih igrajo


najbolj znane srbske rok in pop skupine, ki

so drugače zelo priljubljene tudi v Sloveniji?

So mogoče koncerti Ramba Amadeusa, „Van

Gogha”, „Darkwood duba” in ostalih – torej

spet zelo urbani glasbeni dogodek, ki ga Beograd

za vsako novo leto ponuja svojim prebivalcem

in gostom – to, kar mlade Slovenke in Slovence

vleče v srbsko prestolnico? Ne nazadnje, kaj

pa so Slovenci (in vsi ostali) vedeli o češki in

slovaški glasbi in kulturi, ko so tja množično

potovali na zelo poceni zimske počitnice?

Še bolj jasno se pokaže, da ekonomska razlaga

zanimanja Slovencev za Srbijo ni ne edina

ne najbolj verjetna, če pogledamo sodobno

kulturno produkcijo na slovenskem prostoru:

kot primer lahko navedemo sodobno slovensko

kinematografijo. Trije najbolj gledani slovenski

filmi po letu 1991 so „Kajmak in marmelada”

(2003), „Outsider” (1997) in „Nikogršnja

zemlja” (2001) 2 . Prvi na lestvici, “Kajmak in

marmelada”, je zgodba o ljubezni med Slovenko

in Bosancem. Avtor filma in nosilec glavne

vloge, Branko Ðurić (sarajevski igralec, ki že

vrsto let živi v Ljubljani, znan na celotnem

prostoru bivše Jugoslavije po vlogi v legendarni

TV nadaljevanki iz osemdesetih let „Top lista

nadrealista” in član nekdanje rock-skupine

„Bombaj štampa”), se v filmu subtilno igra s

stereotipi o Slovencih in Bosancih, nastalimi

v njihovem neposrednem stiku bivanja v

slovenskem prostoru. Film „Outsider” (režija

Andrej Košak) govori o težavah mladeniča

iz etnično mešanega zakona: oče je bosanski

oficir JLA, mati pa Slovenka, gospodinja.

Družina se zaradi očetove službe pogosto

seli po celi Jugoslaviji, zgodba pa se začne z

njenim prihodom v Ljubljano leta 1979. V

filmu se togi principi jugoslovanskega oficirja

soočajo s pogledi njegovega sina, oblikovanimi

pod močnim vplivom ljubljanske punk-

Usodna privlačnost juga

kulture. Tretji na lestvici je film „Nikogaršnja

zemlja” (režija Danis Tanović), čigar zgodba je

umeščena v z vojno zajeto Bosno in obravnava

usodo treh vojakov, pripadajočim sovražnim

vojskami, ki se znajdejo na nikogaršnji zemlji.

Kot je razvidno iz pravkar podanih kratkih

opisov, so vsi trije najbolj gledani slovenski

filmi v samostojni Sloveniji tako ali drugače

povezani z bivšo Jugoslavijo. Filmski kritik in

teoretik Marcel Stefančič jr. je napisal, da „če

hoče slovenski film zelo potegniti in postati

mega hit, mora biti zgodba nekako povezana

z bivšo Jugoslavijo… Če hoče slovenski film

v Sloveniji uspeti, ne sme ignorirati Bosancev,

‘Bosancev’ (splošni naziv za vse, ki prihajajo

južno od reke Kolpe, T. P.) in drugih ‘južnjakov’.

Jug je del formule za uspeh.” 3 Skupno znanje in

skupni spomini na jugoslovanski prostor očitno

še vedno v veliki meri vplivajo na kulturno

podobo post-jugoslovanskih družb.

Če je že tako, kako lahko razložimo poudarjanje

zgolj zelo drugačnih in zelo bizarnih aspektov

srbske kulture v slovenskem javnem diskurzu?

In, če vprašanje postavimo na raven „navadnih

ljudi”, tj. porabnikov kulture – zakaj Slovenci

množično obožujejo Ceco Ražnatović in na

„saboru” v Guči nosijo majice s portreti haaških

obtožencev Ratka Mladića in Radovana

Karadžića? Beograjski novinar Teofil Pančić v

tedniku „Vreme” to slovensko oboževanje srbskih

bizarnosti, ta „antiglobalizacijski turizem”,

razlaga kot del širšega „turbolevičarskega

diskurza, ki nasprotuje establišmentu, Evropski

skupnosti in zvezi NATO”. Kot nekdo, ki že pet

let živi med Beogradom in Ljubljano ter dobro

pozna situacijo v obeh okoljih in se v obeh počuti

doma, lahko ponudim bolj kompleksen odgovor

na postavljeno vprašanje, odgovor, ki ima dva

dela, ki sta med sabo vseskozi povezana, saj se

prepletata in podpirata. Orientalizirana podoba

35


Usodna privlačnost juga

Srbije kot hedonističnega raja za radovedne,

zabave željne in od resnega dela utrujene

slovenske turiste, raja, polnega bizarnih scen

in oseb, je en izmed načinov, kako slovenska

družba, posebno ta njen del, ki sodeluje v

oblikovanju javnega mnenja, poskuša upravičiti

pojav ti. „jugonostalgije”, zelo prisoten na vseh

prostorih bivše države. Jugonostalgija se namreč

marsikaterim zdi neprimerna in nezdružljiva

z zgodbo o uspehu samostojne Slovenije.

Zanimanje za Srbijo in ohranjevanje skupnega

kulturnega prostora je nekaterim lažje sprejeti

v kolonizacijskem ključu, kot zanimanje za

nekaj, kar je zelo drugačno in zelo oddaljeno, pri

čemer ni nevarnosti identifikacije – z bizarnimi

scenami čaščenja vojnih zločincev ali tem,

kar se dogaja na „določeni vrsti beograjskih

splavov”, se je namreč težko identificirati, razen

na sproščenih, razposajenih in neobvezujočih

počitnicah. Vse to je zelo daleč od doma, kjer

je resno življenje. Doma je Evropa. „Normalne”,

evropske, urbane, univerzalno ovrednotene

manifestacije kulture, kot je recimo srbska, se pri

tem, razumljivo, ignorirajo. Drugi del odgovora

je povezan s vsesplošno komercializacijo

slovenske družbe in njenih vrednot: vredno

in sprejemljivo je to, kar je najlažje prodati, in

tukaj se vse bolj pogosto končajo vse razprave

o kakovosti in okusu. 4 V takem diskurzu

se da vse relativizirati; tako je že omenjana

Ceca Ražnatović dobila neverjeten prostor v

slovenskih medijih v času njenega koncerta v

maju l. 2005, celo na nacionalni televiziji, ki

naj bi skrbela za kulturno politiko v državi.

Povezano s prvim delom odgovora pa je dejstvo,

da je omenjena gospa na veliko reklamirana kot

„ikona srbske glasbe”, in se je v medijih celo

pojavljal argument, da njen koncert v slovenski

prestolnici potrjuje, da se v Sloveniji skrbi za

kulturne potrebe Srbov, ki v tej državi živijo v

36

velikem številu. Argument, ki ga je veliko Srbov

v Sloveniji (vključno z avtorico tega besedila)

doživelo kot žaljiv, saj so zanje C. Ražnatović

in njen soprog ter njena glasba najizrazitejši

simbol časov in vrednot režima Slobodana

Miloševića, zaradi katerega je nenazadnje

veliko od njih tudi zapustilo Srbijo. Čeprav to ni

dejstvo, ki je v Sloveniji neznano, je izenačevanje

vseh že preverjeno učinkovit mehanizem

orientalizacije. Lahkotno sprejemanje takih

vrednot in takih mehanizmov, ki so zadnje

čase značilni za slovensko družbo, bi težko

ne povezali s trenutno politično in družbeno

situacijo v Republiki Sloveniji. Kot se zdi, je

ravno današnji čas, bolj kot kadarkoli pred tem,

ožigosan s pomanjkanjem politične in družbene

angažiranosti kulturnih delavcev. Ali pa je

naključje, da je prav skupina „Laibach”, za katero

lahko rečemo, da je prava „slovenska glasbena

ikona”, in to po svetovno priznanih merilih, in

istočasno ena izmed redkih glasbenih skupin na

slovenski sceni, katerih člani ob muziki izražajo

tudi čvrsto politično stališče in zagovarjajo

določene družbene vrednote, dobila drastično

zmanjšano denarno podporo Ministrstva za

kulturo Republike Slovenije, ki sofinancira

najkvalitetnejše izvajalce javnih kulturnih

programov s področja uprizoritvene, glasbene,

vizualne ter intermedijske umetnosti? 5

OPOMBE

1 Prav zaradi skupne zgodovine večnacionalne države Jugoslavije šteje

zgodovinarka Maria Todorova Slovenijo za del Balkana, ker “zgodovine

Balkana v 20. stoletju ni možno predstaviti, če se območje nekdanje

Jugoslavije ne obravnava kot celota” (prim. Maria Todorova, Introduction:

Learning Memory, Remembering Identity, v: “Balkan Identities, Nation and

Memory”, Maria Todorova (ed.), New York: New York University Press 2004,

str. 13, opomba 27).

2 Vir: Več kot 100.000 gledalcev, “Mladina”, 5. januar 2004.

3 Več kot 100.000 gledalcev, “Mladina”, 5. januar 2004.

4 To je, recimo, bilo zelo razvidno v diskusiji o slovenskem turbo-folku v oddaji

“Trenja” na POP-TV 3. februarja 2005.

5 Prim. Izjavo za javnost skupine „Laibach” ob vložitvi tožbe zoper državo v

časopisu „RockOnNet”, 11. marec 2005, http://www.rockonnet.com/clanek.

php?id=2&article=2930.


Schicksalhafter Charme des

Südens

Die Beziehung der Slowenen zur

Kultur der ehemaligen jugoslawischen

Teilrepubliken

Im Mai 2004 wurde Slowenien als erster und

erfolgreichster der auf dem Gebiet des ehemaligen

Jugoslawiens entstandenen Staaten Teil

der großen europäischen Familie. In der Zeit

nach den Feiern anlässlich der einjährigen Mitgliedschaft

in der EU und nach 14 Jahren der

Unabhängigkeit Sloweniens erscheint es mir

sinnvoll, sich die Frage zu stellen, wie die Beziehung

Sloweniens und seiner Bürger zum

Rest des einstigen gemeinsamen Staates aussieht.

Fast eineinhalb Jahrzehnte nach dem

Zerfall Jugoslawiens versuchen die ehemaligen

Teilrepubliken als unabhängige Staaten, trotz

verschiedener Probleme und offener Fragen, die

zwischenstaatlichen Beziehungen zu verbessern.

Wie aber verhält es sich mit der individuellen

und kollektiven Erinnerung, die im Laufe

des über 70-jährigen Bestehens Jugoslawiens

entstanden ist? Die gemeinsame Erinnerung,

die die ehemaligen Bürger Jugoslawiens ungeachtet

ihrer kulturellen Unterschiede miteinander

teilen, stellt noch immer in großem Maße

sowohl Nähe als auch Distanz zum Anderen

und auch gegenüber Dritten her. 1 Das tritt beispielsweise

bei internationalen Sportereignissen

zutage: Wenn „unsere“ Nationalmannschaft

ausscheidet, drücken wir als vormalige

Jugoslawen für „unser ehemaliges“ Team, d. h.

für die Mannschaft einer der ehemaligen Teilrepubliken

Jugoslawiens die Daumen. Dasselbe

gilt für die Musikgeschäfte, wo auf dem Gebiet

des ehemaligen Jugoslawiens produzierte

Schicksalhafter Charme des Südens

Musik nicht internationalen Gruppen zugeordnet

wird, sondern als „ehemalige jugoslawische

Musik“ einen besonderen Status einnimmt.

Die Beziehung gegenüber den anderen

ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken ist

in Slowenien schon deswegen eine besondere,

weil viele Bürger des ehemaligen Jugoslawiens

heute Einwohner oder sogar Staatsbürger Sloweniens

sind. Wie sieht diese Beziehung aus

und wie ist sie entstanden?

In weiterer Folge wird in diesem Artikel das

Augenmerk auf die Beziehung der Slowenen

zu den Serben und deren Kultur gerichtet, wobei

der Versuch unternommen wird, Antworten

auf die zuvor gestellten Fragen zu finden.

Viele Slowenen besuchen seit einigen Jahren

immer häufiger Serbien. Nach einem Jahrzehnt

der „Eiszeit“ wird Serbien von den Slowenen

„aufs Neue entdeckt“. Wie sieht dieser Staat

aus? Eine Folge der Serie Čez planke (Über die

Zaunlatte) im staatlichen slowenischen Fernsehen,

in der andere Länder und deren Bräuche

vorgestellt werden, wurde Serbien und Montenegro

gewidmet. Serbien wurde als ein bizarres

Reich des Turbofolks (eine Mischung aus

Disco, Rap, Techno, Bauchtanz und serbischen

Liedern) präsentiert, und einen Großteil der

Sendung widmete man den Interpreten dieser

Musikrichtung. Mit Svetlana Ražnatović alias

Ceca führte eine Journalistin in den Räumen

des Fußballklubs Obilić ein Interview. Die

Leitung des Klubs erbte sie von ihrem getöteten

Mann Željko Ražnatović alias Arkan, der

als einer der größten Kriegsverbrecher im ehemaligen

Jugoslawien gilt. In der Sendung erschienen

auch viele außergewöhnliche Persönlichkeiten,

wie z. B. Giovanni, ein Gigolo, der

in Vrnjačka Banja, dem bekanntesten Kurort

Serbiens, aktiv ist und für Geld Damen reiferen

Alters die Langeweile vertreibt. Kein Wort

37


Schicksalhafter Charme des Südens

über serbische Schriftsteller, Schauspieler und

Forscher. Kein Wort über Theater-, Film- oder

Musikfestivals.

Ein ähnliches Bild von Serbien wird von den

slowenischen Reisebüros vermittelt, die Silvester-Reisen

nach Belgrad, Wochenendausflüge

oder längere Reisen nach Guča zum Turbofolk-

Festival (Sabor Trubača) organisieren. Zu den

von den Reisebüros angebotenen Topattraktionen

von Belgrad zählt das Haus von „Ceca“

Ražnatovič und eine unvergessliche Party auf

einem Floß auf der Save mit Turbofolkmusik.

Weil das Angebot von der Nachfrage bestimmt

wird, ist es verständlich, das das offeriert wird,

was sich am besten verkaufen lässt. Dennoch

kennen die Slowenen auch andere Seiten der

serbischen Kultur: Sie hören serbische Rockmusik,

besuchen serbische Theaterstücke und sehen

sich serbische Filme an. Billige Partys sind

nicht der einzige Grund, warum die Slowenen

nach Serbien fahren. Doch über diese andere

Seite Serbiens wird in den slowenischen Medien

fast gar nichts berichtet.

Was fällt einem durchschnittlich informierten

Slowenen ein, wenn man ihn über ein Musikfestival

in Serbien befragt? Die Trompeter

in Guča, einige heiße Sommertage im August

mit wilder Partylaune, balkanischer Musik

und balkanischem Essen in einer alkoholgetränkten

Atmosphäre. Was ist mit dem EXIT,

einem der größten Festivals für moderne Musik

auf dem Balkan, das im Jahre 2005 in Novi

Sad schon zum fünften Mal veranstaltet wurde?

Anfang Juli 2005 nahmen viele junge Slowenen

und Sloweninnen an dieser Veranstaltung

teil, wie bereits 2004 und in den Jahren

davor. In den slowenischen Medien wurde diesem

Ereignis aber nur wenig Platz eingeräumt,

obwohl EXIT ein Festival von internationaler

Dimension ist. Warum spricht kein Mensch in

38

Slowenien über die Kultur des Balkans, die zugleich

sehr europäisch, urban und mit der Kultur

von Weltmetropolen vergleichbar ist? Warum

ist für Slowenien nur derjenige Teil der

serbischen Kultur interessant, der einen starken

Geruch von Geschmacklosigkeit hat? Wenn es

um einen Staat ginge, der Tausende Kilometer

von Slowenien entfernt wäre und über den die

Slowenen nur wenig Ahnung hätten, könnte

man die Erklärung in Unwissenheit und Unverständnis

suchen. Hier handelt es sich aber

offensichtlich um etwas anderes.

Obwohl einige slowenische Intellektuelle die

„Jugonostalgie“ unter den Slowenen und deren

Reisen nach Serbien ausschließlich mit

wirtschaftlichen Aspekten begründen und als

paralleles Beispiel die Reisen in die Tschechoslowakei

vor einigen Jahren anführen, ist es

schwer vorstellbar, dass die Slowenen massenweise

das neue Jahr in Belgrad feiern, nur weil

dort alles billig ist. Kann es auch daran liegen,

dass in der Silvesternacht in den Straßen von

Belgrad die bekanntesten serbischen Rock &

Pop Gruppen auftreten, die auch in Slowenien

sehr populär sind? Sind vielleicht die Konzerte

von Rambo Amadeus, Van Gogh, Darkwood dub

und anderen – also wiederum ein urbanes Musikereignis

– das die Stadt Belgrad jedes Jahr

zu Silvester für die Bürger und Gäste veranstaltet,

gerade das, was die jungen Slowenen an

der serbischen Metropole so fasziniert? Und

nicht zuletzt: Was wussten die Slowenen (und

auch all die anderen) über die tschechische und

slowakische Musik und Kultur, als sie massenweise

dorthin auf billigen Winterurlaub gefahren

sind?

Es zeigt sich, dass das slowenische Interesse an

Serbien nicht alleine mit wirtschaftlichen Faktoren

zu erklären ist, vor allem wenn wir einen

Blick auf die moderne slowenische Kulturpro-


duktion werfen. Als Beispiel könnte man die

zeitgenössische slowenische Filmproduktion

anführen. Die drei beliebtesten slowenischen

Filme nach 1991 sind Kajmak in marmelada

(Kajmak und Marmelade), 2003; Outsider, 1997

und Nikogaršnja zemlja (Niemandsland), 2001.

Der auf Platz eins der Beliebtheitsskala rangierende

Film Kajmak in marmelada mit mehr als

100.000 Zuschauern 2 ist eine Liebesgeschichte

zwischen einer Slowenin und einem Bosnier.

Der Filmautor und Hauptdarsteller Branko

Jurić 3 spielt im Film mit den gegenseitigen Vorurteilen,

die Slowenen und Bosnier voneinander

haben. Der Film Outsider (Regisseur Andrej

Košak) zeigt die Probleme eines Jugendlichen

aus einer Mischehe: Sein bosnischer Vater war

Offizier in der JNA (Jugoslovenska Narodna

Armija/Jugoslawische Volksarmee) und seine

Mutter slowenische Hausfrau. Die Arbeit des

Vaters verlangt von der Familie häufige Übersiedlungen.

Die Geschichte beginnt mit deren

Ankunft in Ljubljana im Jahre 1979. Im Film

kollidieren die starren Prinzipien des jugoslawischen

Offiziers und die Denkweise seines Sohnes,

die stark von der Punk-Kultur in Ljubljana

beeinflusst ist. Der dritte Film auf der Beliebtheitsskala,

Nikogaršnja zemlja (Regisseur Danis

Tanović), spielt im bosnischen Kriegsgebiet

und berichtet vom Schicksal dreier Soldaten,

die verschiedenen feindlichen Armeen angehören

und im Niemandsland aufeinander treffen.

Die drei beliebtesten slowenischen Filme sind

also auf irgendeine Weise mit dem ehemaligen

Jugoslawien verbunden. Der Filmkritiker Marcel

Stefančič meint dazu: „Wenn ein slowenischer

Film erfolgreich oder sogar ein Megahit

werden sollte, muss die Geschichte irgendwie

mit dem ehemaligen Jugoslawien verbunden

sein. […] Wenn ein slowenischer Film Erfolg

haben will, darf er die ,Bosnier’ 4 und andere

Schicksalhafter Charme des Südens

,Südländer’ 5 nicht ignorieren. Der Süden ist

eine Erfolgsgarantie“. Die gemeinsame Erinnerung

an das ehemalige Jugoslawien trägt noch

immer viel zur kulturellen Ausprägung der

postjugoslawischen Gesellschaften bei.

Wie kann man sich indessen die Betonung

der sehr unterschiedlichen Rezeption der verschiedenen,

zum Teil bizarren Aspekte der

serbischen Kultur in der slowenischen Öffentlichkeit

erklären? Stellen wir die Frage vom

Niveau „der einfachen Leute“, d. h. der Kulturverbraucher,

aus: Warum vergöttern die Slowenen

massenweise „Ceca“ Ražnatović und wieso

tragen sie beim Sabor in Guča T-Shirts mit

der Porträts der Kriegsverbrecher Ratko Mladić

und Radovan Karadžić? Der Belgrader Journalist

Teofil Pančić beschreibt in der Wochenzeitung

Vreme die slowenische Verherrlichung

der serbischen Absonderlichkeit und den „Antiglobalisierungstourismus“

als einen Teil des

breiten „turbolinken Diskurses, der sich gegen

das politische Establishment, die EU und die

NATO richtet.“ Als jemand, der schon fünf

Jahre zwischen Belgrad und Ljubljana lebt,

die beiden Umfelder sehr gut kennt und sich

in beiden zuhause fühlt, kann ich eine komplexere,

aus zwei Teilen bestehende Antwort

auf die gestellte Frage geben: Das orientalisierte

Bild Serbiens als ein hedonistisches Paradies

für die Neugierige, Partyhungrige und slowenische

Touristen, die des Alltagstrotts überdrüssig

sind, ein Paradies voll bizarrer Szenen

und Personen, ist nur eine Möglichkeit, die so

genannte „Jugonostalgie“, die in allen Ländern

des ehemaligen Jugoslawien existiert, zu rechtfertigen.

Diese „Jugonostalgie“ scheint vielen

mit der Erfolgsgeschichte des unabhängigen

Sloweniens unvereinbar. Das Interesse für Serbien

und die Beibehaltung des gemeinsamen

Kulturraumes ist für einige leichter im Sinne

39


Schicksalhafter Charme des Südens

eines Interesse für etwas, das anders und weit

weg ist, wobei keine Identifikationsgefahr besteht,

zu verstehen – mit bizarren Szenen der

Ehrung von Kriegsverbrechern oder mit dem,

was auf gewissen Belgrader Flößen passiert,

kann man sich nur schwer identifizieren. Dies

gelingt nur in ungezwungener und ausgelassener

Urlaubsatmosphäre. All dies passiert weit

weg von zu Hause, wo sich das ernste Leben

abspielt. Zu Hause wartet Europa. „Normale“,

europäische, urbane, universell bewertbare

Kulturmanifestationen werden dabei logischerweise

ignoriert. Der zweite Teil der Antwort

hängt mit der allgemeinen Kommerzialisierung

der slowenischen Gesellschaft und ihrer

Werte zusammen: Wertvoll und akzeptabel ist

nur das, was sich verkaufen lässt, und an diesem

Punkt enden immer öfter die Diskussionen

über Qualität und Geschmack 6 . In einem

solchen Diskurs kann man alles relativieren;

die bereits erwähnte „Ceca“ Ražnatović bekam

zur Zeit ihres Konzerts in Ljubljana im Mai

2005 unglaublich viel Raum in den slowenischen

Medien, sogar im staatlichen Fernsehen,

das eigentlich einen Kulturauftrag zu erfüllen

hätte. Mit dem ersten Teil der Antwort ist der

Umstand verbunden, dass die genannte Sängerin

sehr häufig als „Ikone der serbischen Musik“

angesehen wird und in den Medien sogar

das Argument auftauchte, dass ihr Konzert in

der slowenischen Metropole gezeigt habe, dass

die Slowenen auch an die Kulturbedürfnisse

der zahlreichen in Slowenien lebenden Serben

denken. Ein Argument, das viele Serben in Slowenien

(einschließlich der Autorin dieses Artikels)

als sehr beleidigend empfanden, da für

diese Menschen sowohl „Ceca“ Ražnatović,

ihr Ehemann wie auch ihre Musik das bezeichndste

Symbol für das Miloševič-Regime

sind und viele Serben wegen der damaligen po-

40

litischen Situation das Land verlassen haben.

Dieser Umstand ist in Slowenien nicht unbekannt,

und das „Über-den-Kamm-Scheren“ aller

stellt einen bewährten Mechanismus des

Orientalismus dar. Die unreflektierte Annahme

solcher Mechanismen, die in der letzten

Zeit für die slowenische Gesellschaft charakteristisch

sind, lässt sich mit der derzeitigen

politischen und gesellschaftlichen Situation in

Slowenien erklären. Wie es scheint, ist gerade

die heutige Zeit – mehr als je zuvor – durch

den Mangel an politischem und gesellschaftlichem

Engagement der Kulturschaffenden geprägt.

Oder ist es nur ein Zufall, dass das Kulturministerium

ausgerechnet der Musikgruppe

Laibach, die man nach internationalen Maßstäben

wahrlich als „slowenische Musikikone“

bezeichnen kann und die zugleich eine der

wenigen slowenischen Musikgruppen ist, deren

Mitglieder politische Positionen einnehmen

und für bestimmte gesellschaftliche Werte eintreten,

die Subventionen drastisch kürzte? 7

ANMERKUNGEN

1 Gerade wegen der gemeinsamen Geschichte im Vielvölkerstaat Jugoslawien

zählt die Historikerin Maria Todorova Slowenien zu einem Teil des Balkans.

Man könne nämlich „die Geschichte des Balkans im 20. Jahrhundert nicht

richtig darstellen, wenn man das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens nicht

als eine Einheit betrachtet“ (vgl. Maria Todorova, Intoduction: Learning

Memory, Remembering Identity, in: Maria Todorova (Hg.), Balkan Identities,

Nation and Memory. New York 2004, S. 13.

2 Mladina, 5.1.2004.

3 Schauspieler aus Sarajevo, der schon viele Jahre in Ljubljana lebt und

der im ehemaligen Jugoslawien wegen seiner Rolle in der legendären TV-

Serie aus den 80-er Jahren Top lista nadrealista (Topliste des Surrealisten)

bekannt ist und auch Mitglied der Rock-Gruppe Bombaj štampa war.

4 Sammelbegriff für alle Bewohner südlich des Flusses Kolpa.

5 Auf Slowenisch južnjaki: Bezeichnug für die Bewohner der südlichen

ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken.

6 Dies kam z. B. in der Diskussion über die slowenische Turbofolkmusik in der

Sendung „Trenja“ (POP TV) am 3.2.2005 zum Ausdruck.

7 Vgl. Öffentlichkeitserklärung der Musikgruppe Laibach anlässlich der

Klageerhebung gegenüber dem Staat Slowenien in der Zeitschrift RockOnNet

(www.rockonnet.com/clanek.php?id=2&article=2930), 11.3.2005.


Zeit der Übergänge in Europa

Ein Thesenpapier

� Text: Wolfgang Petritsch

Zeit der Übergänge in Europa

Das nachfolgend wiedergegebene Thesenpapier wurde für den Pfingstdialog auf Schloss Seggau (11.

bis 14. Mai 2005) vorbereitet und im Rahmen des Forums Politik am 12. Mai – also noch vor der

Ablehnung des EU-Verfassungsvertrages durch Frankreich und die Niederlande – präsentiert.

Der Titel des Forums Politik „Zeit der Übergänge in Europa“ drückt die vorherrschende europäische

Befindlichkeit treffend aus. Europa befindet sich in der Tat in einer Phase der Übergänge

– „Übergang“ im Singular wäre zu wenig, um den widersprüchlichen Zustand des Kontinents zu

beschreiben; ein Blick zu unseren Nachbarn genügt: Vor genau einem Jahr hat die EU ihre bislang

größte Erweiterung erfahren. Zehn neue Staaten, darunter unsere östlichen, nördlichen und südlichen

Nachbarn, sind der Union beigetreten. Vor wenigen Tagen (am 25. April) haben Bulgarien

und Rumänien in Brüssel ihre Beitrittsverträge unterschrieben, beide sollen voraussichtlich 2007

beitreten. Kroatien wird derzeit noch von einem General – den in seiner Heimat viele immer noch

für einen Helden halten, der jedoch vom Haager Tribunal der Kriegsverbrechen bezichtigt wird

– vom Verhandlungsbeginn abgehalten; die europäische Ampel steht dort derzeit auf „gelb“.

„Wie geht es weiter?“ lautet die Titel-Frage. Um einigermaßen treffsicher die Frage nach der zukünftigen

Entwicklung Europas beantworten zu können, muss nach dem „Woher kommen wir?“

und „Wo stehen wir heute?“ geforscht werden. Eines steht fest: Die Europäische Union präsentiert

sich in diesen Tagen nicht in bester Verfassung. Wenn es in diesem Europa überhaupt zu einem

die nationalen Grenzen überschreitenden öffentlichen Diskurs kommt, dann – fast ausschließlich

– über negativ besetzte Themen.

Was sind im Augenblick die dominanten „europäischen“ Themen?

• Das drohende „Nein“ der Franzosen zur EU-Verfassung und die Suche nach einem „Plan B“,

• Arbeitsplätze, die ostwärts wandern (wobei der „Osten“ immer öfter in China oder Indien

liegt),

• der Euro als „Teuro“,

• „grenzenlose“ Kriminalität,

41


Zeit der Übergänge in Europa

• illegale Arbeitskräfte, zunehmender Migrationsdruck,

• das Versagen „der EU“ oder „Brüssels“ angesichts

rasanter Globalisierung

• und natürlich das Thema „Türkei“.

Diese Stichworte verweisen auf ein diffuses

Unbehagen – eine EU-Skepsis – weiter Bevölkerungskreise,

das sich im Stimmverhalten bei

europäischen Urnengängen (und immer öfter

auch bei lokalen Wahlen) manifestiert.

Europa ist in Europa nicht beliebt. Auch in

Österreich ist die EU-Begeisterung an einem

neuerlichen Tiefpunkt angelangt, die europäische

Identität ist so schwach ausgeprägt wie

seit zehn Jahren nicht. Nur 30 Prozent sehen

die EU als eine gute Sache an – bloß im traditionell

EU-abgewandten Großbritannien gibt

es mit 29 Prozent noch weniger Zustimmung.

Die Negativwahrnehmung der EU erreicht

derzeit europaweit neue Höhepunkte, obgleich

es Entwicklungen gibt, die (gerade aus österreichischer

Sicht) zweifellos die Bezeichnung

„historisch“ verdienen.

Denn: Die jüngste Erweiterung um acht zentral-

und osteuropäische Staaten bedeutet:

• das Ende der Zweiteilung Europas und damit

• die „Rückkehr“ Österreichs ins Zentrum

des Kontinents;

• die tatsächliche „Erweiterung“ der wirtschaftlichen

Möglichkeiten (wird besonders

von Österreichs Klein- und Mittelbetrieben

und Banken genutzt);

• vor allem aber bedeutet die jüngste EU-Erweiterung

die Ausdehnung und Konsolidierung

der Sicherheits- und Friedenszone Europa

Richtung Osten und Südosten.

Allerdings: Die gewaltigen Herausforderungen

42

und Probleme, mit denen das europäische Einigungsprojekt

konfrontiert ist, dürfen keinesfalls

klein geredet werden – sie sind sowohl endogener

als auch exogener Natur.

Die EU befindet sich in einer „Transformationskrise“.

• Die EU-Verfassung ist Chiffre und Synonym

für den Anfang vom Ende des europäischen

Nationalstaates, der ohnehin bereits

viele seiner Funktionen eingebüßt hat.

Die Verfassung schafft etwa mit dem Amt

des Präsidenten und des Außenministers

erstmals eine sichtbare EU-Repräsentanz;

das aufgewertete EU-Parlament würde in

zunehmenden Maße gemeinsam mit der

Staatenvertretung im Rat über die europäischen

Gesetze entscheiden. Schließlich

sieht die europäische Verfassung die längst

überfällige Vereinfachung der komplexen

innereuropäischen Entscheidungsabläufe

vor. Das mit 350 Seiten voluminös ausgefallene

Dokument signalisiert sowohl effizientere

Entscheidungsregeln für die EU-

Institutionen als auch mehr Einfluss der

Bürger und des EU-Parlamentes; kurz, das

dringend notwendige demokratische Mehr.

Ob dies europäische Realität wird, ist alles

andere als sicher.

• Der institutionalisierte Zwiespalt des europäischen

Wirtschafts- und Sozialsystems

zwischen neoliberalem amerikanisch-asiatischem

Marktwirtschaftsmodell und

kontinentaleuropäischem Sozialstaatsmodell

wurde durch den Beitritt der transatlantisch

orientierten osteuropäischen Staaten

dramatisch verstärkt. Ein Kompromiss

zwischen den beiden Modellen ist wohl

nicht möglich.

• Die EU-Kommission, das Instrument der


„Vergemeinschaftung“ Europas, tendiert

zu neoliberalen Lösungen – siehe die so genannte

„Bolkenstein-Direktive“ zur vollständigen

Liberalisierung des Dienstleistungsbereiches

(trade in services) – die bei

EU-Gründern wie Frankreich auf heftige

Ablehnung stoßen.

• Der Stabilitäts- und Wachstumspakt – hier folge

ich dem Urteil des amerikanischen Nobelpreisträgers

Joseph E. Stiglitz – ist ein

problematisches, weil rigide und mechanistisch

angelegtes Disziplinierungsinstrument;

die kürzlich erfolgte Reform ist Flickwerk.

• Die Europäische Zentralbank verfolgt unbeirrt

eine einseitig auf die Eindämmung der

Inflation ausgerichtete Politik. Dies war bei

der Einführung des Euro notwendig und

richtig. Die Folgen rigider monetärer Orthodoxie

haben jedoch die nationalen Regierungen

in Form von geringem Wachstum

und steigenden Arbeitslosenraten zu

tragen; neue Arbeitsplätze sind europaweit

Mangelware.

• Nach der Erweiterung drohen die europäischen

Steuer- und Sozialsysteme womöglich

noch weiter auseinander zu klaffen

(flat tax, „Steuer- und Sozialdumping“,

krasse Unterschiede bei Pensionen und anderen

staatlichen Transferzahlungen). Dies

belastet die Solidarität der Nettozahler mit

den auf „light governance“ setzenden osteuropäischen

Nettoempfängern.

Vor allem aber:

• Das Zusammenwachsen Europas folgt

überwiegend ökonomischen Effizienzkriterien,

der Schaffung eines einheitlichen

Wirtschaftsraumes und weniger der Berücksichtigung

der – im weitesten Sinne

Zeit der Übergänge in Europa

– „kulturellen“ und gesellschaftlichen Bedürfnisse,

den individuellen Wünschen

und ideellen Zielen seiner Bürger. Der europäische

Bürger hat zunehmend das Gefühl,

zum Objekt wirtschaftlicher Interessen

geworden zu sein. Gesellschaftliche

Solidarität und soziale Gerechtigkeit haben

im politischen Diskurs keinen Platz mehr.

Überhaupt hat die Politik ihre Leitfunktion

an „die Wirtschaft“ – wer immer das auch

sein mag – abgetreten. Außerdem: Wenn

das europäische Projekt auf gemeinsamen

Wertvorstellungen gründet, dann fehlt

dem zusammenwachsenden Kontinent immer

noch das kulturelle Bindemittel; denn

europäische Einheit setzt die Berücksichtigung

der kulturellen Vielfalt voraus. Erst

mit dem Faktor Kultur wird eine „europäische

Öffentlichkeit“ möglich, und man

wird der drohenden De-Legitimierung des

europäischen Projektes und seiner Errungenschaften

wirksam und nachhaltig entgegentreten

können.

• Was nach den Erweiterungen der vergangenen

zehn Jahre fehlt, ist eine „Erweiterung

in den Köpfen“ – eine intellektuell-geistige

Europäisierung der Bürger jenseits alter und

neuer Demarkationslinien.

„Erweiterung und Vertiefung“ als Erfolgsstrategie?

Wenn die EU-Verfassung bei den

bevorstehenden Referenden nicht die erforderliche

Zustimmung erhält, ist erstmals die

bewährte Strategie „Erweiterung und Vertiefung“

in Frage gestellt.

Denn gerade die jüngste Erweiterungsrunde

wurde unter der Voraussetzung verhandelt,

dass die nun zur Disposition stehende Verfassung

dem Fortschritt des Integrationsprozesses,

der enorm gewachsenen Zahl der Mitglie-

43


Zeit der Übergänge in Europa

der und der daraus resultierenden Komplexität,

um nicht zu sagen „Unregierbarkeit“ Europas,

Rechnung trägt. Diese integrationspolitische

Gleichung – die Dialektik und Parallelität

von Erweiterung und Vertiefung – scheint

nun ernsthaft in Gefahr. Das ist das eigentlich

Neue an der gegenwärtigen prekären Situation.

Für unsere Nachbarn in Südosteuropa wären

die möglichen Folgen unter Umständen

gravierend. Die nächste Erweiterung um Bulgarien

und Rumänien wäre zwar nicht gefährdet,

wohl aber der Zeitpunkt des Beitrittes. Für

Kroatien bedeutete ein Nein Frankreichs wohl

eine zusätzliche Verzögerung des Verhandlungsbeginnes.

In weiterer Folge müssten die

restlichen Staaten des „Westbalkans“ – ohnehin

belastet mit der Lösung der „Statusfragen“

– noch länger im Wartesaal verbringen; eine

bedauerliche Perspektive.

Hier gilt es, gemeinsame europäische Antworten

zu formulieren und „Kollateralschäden“ so

klein wie möglich zu halten; im Hinblick auf

die EU-Präsidentschaft keine geringe Herausforderung

für Österreich.

Zeit der Übergänge? Der Versuch, vier Fragezeichen

aufzustellen. Europa Grenzen-los?

Was in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts

als westeuropäisches Projekt begann,

sich aber bereits damals „europäisch” nannte,

erweiterte sich in alle europäischen Himmelsrichtungen,

um schließlich vor einem Jahr die

vom Kalten Krieg gezogene Demarkationslinie

zu überschreiten. Nun ist der Südosten

an der Reihe – und mit der Türkei sind Fragen

zu Geographie und Grenzen des Kontinentes,

aber auch der längst überfällige Diskurs über

die geistigen Grundlagen und Identität(en) Europas,

Grundsatzfragen der Zukunft des Einigungsprojektes,

nicht mehr länger aufschieb-

44

bar. Endlich europäische Themen, könnte

man sagen; grundlegende Fragen, die eine aktive

Öffentlichkeit, und zwar die europäische

Öffentlichkeit, benötigen und diese wohl auch

schaffen werden.

Friedensprojekt Europa? Nach innen hat die

europäische Integration weiten Teilen des Kontinentes

eine in ihrer Dauer und Produktivität

historisch einmalige Friedensperiode beschert.

Die gilt es zu verlängern, auszubauen und auszudehnen.

Aber wie?

Die EU ist zum „Global Player“ geworden, und

das in einer unübersichtlich gewordenen Welt

mit neuartigen Bedrohungen, Ungewissheiten

und Herausforderungen. Im Gefolge von

9/11 und dem von den USA erklärten „Krieg

gegen den Terror“ rüstet das „Friedensprojekt

Europa“ auf. Es bilden sich „Battle Groups“

und „Schnelle Eingreiftruppen“, die „Verlegefähigkeit“

von europäischen Truppen ist konzeptionell

aufbereitet, „Transportkapazitäten“

werden als dringend notwendig erachtet; eine

etwas verschämt als Europäische Verteidigungsagentur

bezeichnete Einrichtung ist im Aufbau;

ihre Aufgaben umfassen explizit aber auch

„Ermittlung des operativen Bedarfs“ und die

„Rüstung“.

Dies kontrastiert mit einem sich ausbreitenden

Gefühl der Skepsis gegenüber militärischen Lösungen,

wie es etwa in den europaweiten Demonstrationen

vom Feber 2003 gegen den Irakkrieg

spontan zum Ausdruck gebracht worden

ist. Jürgen Habermas und Jacques Derrida haben

diese Friedensmanifestationen als „Signal

für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit“

gedeutet. In der Tat sind damals Millionen

Europäer für eine friedliche Lösung auf

die Straße gegangen – oftmals gegen die politischen

Intentionen ihrer eigenen Regierungen.


Bürger haben den Slogan vom „Friedensprojekt

Europa“ wörtlich genommen; eine vertane

Chance für einen möglichen alternativen

Gesellschaftsentwurf und für die Stärkung der

europäischen Gemeinsamkeit und gemeinsamer

Werte. Denn eher früher als später wird

sich Europa zu entscheiden haben, wo es als

„Global Player“ zwischen den Extrempositionen

der US-Militarisierung der Außen- und

Sicherheitspolitik und einer – kurzfristig unrealistischen

– pazifistischen Position seine Rolle

sieht. Dazwischen aber liegt das weite Feld

von militärischer „hard power“ und den jetzt

schon erfolgreich angewendeten europäischen

„soft power“- Bereichen. Wo und wie sich Europa

im 21. Jahrhundert in der globalen Sicherheitspolitik

und ihres praktischen Einsatzes

positionieren wird, sollte eigentlich schon heute

eine kritische europäische Öffentlichkeit interessieren.

Weiter bemerkenswert: Die traditionellen parteipolitischen

Muster befinden sich im europäischen

Kontext in Auflösung: Konservative,

Liberale und Sozialdemokraten stehen etwa in

der Irak-Frage sowohl auf derselben als auch auf

der gegnerischen Seite. Die Namen Blair und

Berlusconi, Chirac und Schröder bezeichnen

eine neue europäische Entwicklung. Das traditionelle

Links-Rechts-Schema des 20. Jahrhunderts

hat seine Ausschließlichkeit eingebüßt.

So verlief etwa die politische Konfliktlinie in

der Irak-Frage tendenziell zwischen dem westlichen

„Alt-Europa“ und dem östlichen „Neu-

Europa“. Die Zustimmung für militärische

Lösungen (und damit für den momentanen

US-Kurs) ist im ehemaligen kommunistischen

Bereich der EU größer als im westlichen Teil.

Dies bedeutet eine weitere potentielle Konfliktlinie

für eine gemeinsame europäische Sicherheits-

und Friedenspolitik.

Zeit der Übergänge in Europa

Europa als Wirtschafts- und Sozialunion?

Die radikale Vision des friedlichen Zusammenlebens

der Völker und Nationen Europas nach

dem Zeitalter der „europäischen Bürgerkriege“

begann mit der pragmatischen Verknüpfung

der beiden damals noch kriegswichtigen Grundstoffe

Kohle und Stahl (Europäische Gemeinschaft

für Kohle und Stahl – EGKS); dies führte zur Europäischen

Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und

schließlich zur Europäischen Union.

Das europäische Wirtschaftsmodell der sozialen

Marktwirtschaft, die traditionelle Rolle

des Staates, stieß noch in den achtziger Jahren

des vorigen Jahrhunderts auf breite politische

und gesellschaftliche Unterstützung. Die

Unterschiede wirtschaftspolitischer Praxis in

(West)Europa waren gradueller Natur.

Das europäische Sozialmodell – „Sozialstaat“,

„soziale Marktwirtschaft“ oder wie immer die

Bezeichnungen des „Grand Bargain“ zwischen

Arbeitgebern und Arbeitnehmern lauteten

– hatte sich als Gegenentwurf zum Kommunismus

erfolgreich erwiesen und den europäischen

Einigungsprozess beschleunigt. Die

Quadratur des Kreises schien gelungen, demokratische

Freiheit und sozioökonomische Sicherheit

erreicht.

Mit Ausnahme der anglo-amerikanischen

Variante Thatchers, die von Blairs „Drittem

Weg“ großteils übernommen wurde, hat sich

in Europa erst im Zuge der Globalisierungsdebatte

seit den frühen neunziger Jahren eine

neue gesellschaftliche Konkurrenzsituation –

sozusagen eine „innerwestliche“ – entwickelt.

Das neoliberale Gesellschaftsmodell stellt das

traditionelle europäische Wirtschafts- und Sozialmodell

in Frage. Die neuen europäischen

Instrumente – Stabilitäts- und Wachstumspakt,

Europäische Zentralbank, Lissabon-Agenda – stellen

sich als unflexibel, einseitig auf Inflations-

45


Zeit der Übergänge in Europa — Čas prehodov v Evropi

bekämpfung ausgerichtet oder schlicht als

unrealistisch heraus. Sie geben keine wachstumspolitische

Antwort auf die spezifischen

europäischen Herausforderungen (wie etwa

Stand und Zustand der europäischen Einigung;

demographische Trends, u. a.). Die Zustimmung

zur Europäischen Union, die immer

noch für steigenden Wohlstand steht, nimmt

weiter ab. Politische Reformen und Korrekturen

im Sinne einer effizienten Reform – nicht

Abschaffung – des bewährten europäischen

Modells, lahmen. Wohl auch deshalb, weil es

keine Verständigung über das „Nachfolgemodell“

gibt: Soll es das amerikanisch-asiatische

sein oder ein reformiertes europäisches Sozialstaatsmodell?

Solange es jedoch über diese

Frage keine grundlegende Verständigung gibt,

solange werden Projekte wie eine „europäische

Verfassung“, die diesen Namen auch verdient,

den Keim des Scheiterns in sich tragen.

Die gegenwärtige Krise kann aber auch als

Chance zur gründlichen Neuorientierung des

europäischen Einigungsprojektes verstanden

werden.

Europa als Elitenprojekt? Europa ist nicht von

„unten“ gewachsen. Es waren einige beherzte

Visionäre – Monet, Schumann, auch De Gaulle

und Adenauer – die dem Kriegskontinent eine

radikal andere politische Entwicklung als Vision

mit auf den Weg aus den Trümmern des

Zweiten Weltkrieges gegeben hatten. Der auf

„bloß“ wirtschaftliche Einigung der entwickelten

Industriestaaten Westeuropas beschränkte

Integrationsprozess hatte damit von vorne

herein gute Chancen auf Erfolg; der demokratischen

Legitimation, einer Massenbasis sozusagen,

bedurfte es die längste Zeit nicht; Europa

war das Projekt der politischen Eliten

schlechthin. Diese Linie blieb in Zeiten hoher

46

wirtschaftlicher Zuwachsraten und ständigen

Ausbaus des Wohlfahrtsstaates ohne größere

Probleme. Mangelnde demokratische Legitimation

wurde durch wirtschaftliche Erfolgsbilanzen

zum Wohle breiter Bevölkerungskreise

scheinbar wettgemacht. Heute ist in Europa

vieles anders. Die „Zeit der Übergänge“ gilt in

besonderem Maße für die überfällige Verbreiterung

der europäischen Legitimationsbasis.

Wie aber geht es weiter? Die neue Qualität

Europas, für die eine Verfassung ein Signal

wäre, verlangt aber auch, dass die Union aus

den Bürotürmen des Elitenprojektes tritt und

sich um eine breite demokratische Legitimierung

bemüht. Die Union muss sich daher zu

einem von der Mehrheit seiner Bürger mitbestimmten

und aktiv unterstützten demokratischen

und sozialen Europa wandeln.

Čas prehodov v Evropi

Ta tezni spis je bil pripravljen za Pfingstdialog

– Binkoštni dialog na gradu Seggau (11. do 14.

maja 2005) in predstavljen v okviru „Foruma

politike“ dne 12. maja – torej še pred zavrnitvijo

Evropske ustave pogodbe s strani Francije in

Nizozemske.

Naslov „Foruma politike“ ČAS PREHODOV

V EVROPI točno izraža prevladujočo evropsko

razpoloženost. Evropa se dejansko nahaja v fazi

prehodov – „prehod“ v ednini bi bil premalo,

da bi opisal protislovno stanje kontinenta; že

en pogled do naših sosedov zadostuje: Pred

točno enim letom je EU doživela do sedaj svojo

največjo širitev. Deset novih držav, med drugimi

so v EU pristopili naši vzhodni, severni in južni

sosedi. Pred nekaj dnevi (25. aprila) sta Bolgarija


in Romunija v Bruslju podpisali svoji pristopni

izjavi, obe naj bi pristopili predvidoma leta

2007. Hrvaško trenutno zadržuje pred začetki

pogajanj še general – katerega imajo v domovini

še zmeraj mnogi za junaka, čeprav ga je Haaški

tribunal obtožil vojnih zločinov. Evropski

semafor torej kaže „rumeno“.

Kako bo šlo naprej? se glasi vprašanje iz

naslova. Da bi kolikor lahko toliko točno

odgovorili na vprašanje bodočega razvoja

Evrope, moramo raziskati „od kod prihajamo

mi?“ in „kje stojimo danes?“.

Nekaj je zagotovo: Evropska unija se v teh

dneh ne predstavlja najbolje.

Če v tej Evropi sploh pride do javnega diskurza

preko nacionalnih meja, potem – skoraj

izključno – preko negativno ovrednotenih

tem.

Kaj so v tem trenutku dominantne „evropske“

teme?

• Grozilni francoski „ne“ k Evropski ustavi in

iskanje po nekem planu B

• delovna mesta, ki potujejo proti vzhodu

(pri čemer leži „vzhod“ zmeraj pogosteje na

Kitajskem ali v Indiji)

• evro je „drag“

• „brezmejna“ kriminaliteta

• ilegalne delovne sile, naraščajoč migracijski

pritisk

• neuspeh „EU“ ali „Bruslja“ spričo bliskovite

globalizacije

• in seveda tema „Turčija“.

Te iztočnice opozarjajo na difuzno nelagodje

– EU-skepso – velikih krogov prebivalstva,

ki se manifestirajo v volilnem obnašanju ob

evropskih volitvah (vse pogosteje tudi pri

lokalnih volitvah).

Čas prehodov v Evropi

Evropa v Evropi ni priljubljena. Tudi v

Avstriji je EU-navdušenje nedavno prispelo

na najnižjo točko, evropska identiteta je tako

šibko oblikovana, kot ni bila zadnjih deset let.

Samo 30 odstotkov vidi EU kot dobro stvar

– samo tradicionalno EU-odbijajoča Velika

Britanija ocenjuje nekoliko slabše, namreč z 29

odstotki.

Negativno zaznavanje EU je doseglo trenutno

po vsej Evropi nov padec, čeprav obstajajo

razvoji, ki (prav z avstrijskega stališča)

nedvomno zaslužijo oznako “zgodovinski”.

Kajti: najmlajša razširitev pomeni razširitev za

osem centralnoevropskih in vzhodnoevropskih

držav,

• konec delitve Evrope in s tem

• „vrnitev“ Avstrije v center kontinenta

• dejansko „razširitev“ gospodarskih

možnosti (korist imajo posebno avstrijska

mala in srednja podjetja ter banke)

• predvsem pa pomeni najmlajša širitev EU

raztezanje in konsolidacijo varnostnih in

mirovnih con Evrope v smeri vzhoda in

jugovzhoda.

Seveda: velikanski izzivi in problemi, s

katerimi je konfrontiran evropski združitveni

projekt, ne smejo biti pisani z malo – so tako

endogene kot tudi eksogene narave.

EU se nahaja v „transformacijski krizi“.

• EU-ustava je šifra in sinonim za začetek

in konec evropskih nacionalnih držav,

katere so tako in tako izgubile že veliko

svojih funkcij. Ustava ustvarja s funkcijo

predsednika in zunanjim ministrom prvič

vidno predstavništvo EU; postopno bo prišlo

do povzdignjene vrednosti EU-parlamenta

in Sveta državnih predstavnikov, ki bodo

odločali o evropskih zakonih. Končno

47


Čas prehodov v Evropi

predvideva evropska ustava že davno

zakasnelo poenostavitev kompleksnih

notranje-evropskih odločitvenih potekov.

350 strani dolg, voluminozen in nenavaden

dokument signalizira tako učinkovitejša

odločitvena pravila za EU-institucije kot tudi

večji vpliv državljanov in EU-parlamenta;

na kratko, nujno potreben demokratični

Več. Ali bo to postala evropska realiteta, je

vse prej kot gotovo.

• Institucionalizirano neskladje

evropskega gospodarskega in socialnega

sistema med neoliberalnim ameriškoazijskim

tržnogospodarskim

modelom in kontinentalno-evropskim

socialnodržavnim modelom se je z

vstopom transatlantsko orientiranih

vzhodnoevropskih držav dramatično

povečalo. Kompromis med obema

modeloma bržkone ni možen.

• EU-komisija, instrument „vseskupne“

Evrope, tendira k neoliberalni rešitvi – glej

tako imenovano „Bolkenstein direktivo“

k dokončni liberalizaciji storitvenega

področja (trade in services) – ki je pri

ustanoviteljicah EU, kot je Francija, naletela

na ostro odklonitev.

• Pakt stabilnosti in razvoja – tukaj sledim

sodbi ameriškega Nobelovega nagrajenca

Josepha E. Stiglitzkega – je problematičen,

saj je rigidno in mehanistično zasnovan

instrument kazenskih ukrepov; pred

kratkim izvedena reforma je krparija.

• Evropska centralna banka neomajno

sledi enostransko na inflacijo orientirano

politiko. To je bilo ob vpeljavi evra potrebno

in pravilno. Posledice rigidne monetarne

ortodoksije pa nosijo nacionalne vlade

v obliki majhne rasti in vzpenjajoče se

brezposelnosti; nova delovna mesta so

48

v celotni evropski skupnosti blago, ki ga

primanjkuje.

• Po razširitvi grozi evropskemu davčnemu

in socialnemu sistemu verjetno še naprej

zijanje vsaksebi (flat tax, „davčni in socialni

dumping“, drastične razlike pri rentah in

pokojninah ter drugih državnih transfernih

plačilih). To obremenjuje solidarnost neto

plačnikov s tako imenovanimi „light

governance“ evropskimi neto prejemniki.

Predvsem pa:

• Zraščanje Evrope v eno sledi pretežno

ekonomskim kriterijem učinkovitosti,

ustvarjanju enotnega gospodarskega

prostora; vse manj pa upoštevanju v najširšem

smislu „kulturnih“ in družbenih potreb,

individualnih želja in idejnih ciljev svojih

državljanov. Evropski državljan ima vse bolj

občutek, da postaja objekt gospodarskih

interesov. Družbena solidarnost in socialna

pravičnost nimata več prostora v političnem

diskurzu. Nasploh je politika svojo vodilno

funkcijo prepustila „gospodarstvu“ – kdor

koli že to je. Vrh vsega: če evropski projekt

temelji na skupnih predstavah o vrednotah,

potem manjka zraščajočemu se kontinentu

kulturnega veziva; evropska enotnost

predpostavlja upoštevanje kulturnih

raznolikosti. Šele s faktorjem kulture bo

mogoča „evropska javnost“, bo grozeča delegitimacija

evropskega projekta in njenih

pridobitev učinkovita in bo mogla trajno

stopiti nasproti.

• Kar manjka razširitvi preteklih deset-, let,

je „razširitev v glavah“ – intelektualnoduševna

evropeizacija državljanov onstran

starosti in demarkacijskih linij.


„Razširitev IN poglobitev“ kot strategija

uspeha? Če EU-ustava ob bližajočem se

referendumu ne prejme potrebne privolitve, je

zanesljiva strategija „razširitve in poglobitve“

prvič postavljena pod vprašaj.

Saj so prav ob najmlajšem razširitvenem krogu

izhajali iz predpostavke, da je na razpolago

dana ustava koncipirana kot – upoštevajoč

razvoj integracijskih procesov, enormnega

povečanja števila članic in iz tega izhajajoče

kompleksnosti – „zmožna upravljanja“ Evrope.

Ta integracijsko-politična računica – dialektika

IN vzporednost razširitve in poglobitve –

izgleda sedaj resno ogrožena.

To je pravzaprav novo pri sedanji neugodni

situaciji. Za naše sosede v jugovzhodni

Evropi bi bile v določenih okoliščinah mogoče

posledice hude. Naslednja širitev z Bolgarijo

in Romunijo naj ne bi bila ogrožena, pač pa

čas njunega pristopa. Za Hrvaško bi pomenil

francoski “ne” najbrž dodatno upočasnitev

začetka pogajanj. Kot nadaljnja posledica bi

morale ostale države „zahodnega Balkana“

– že tako obremenjene z rešitvijo „statusnih

vprašanj“ – še dlje časa preživeti v čakalnici,

kar je obžalovanja vredna perspektiva.

Tukaj velja formulirati skupne evropske

odgovore in kolikor mogoče držati

„kolateralno škodo“ na vajetih; z ozirom na

EU-predsedovanje nikakor ne majhen izziv za

Avstrijo.

Čas prehodov? Poskus, postavitve štirih

vprašajev. Evropa brez meja? Kar se je v

petdesetih letih prejšnjega stoletja začelo kot

zahodnoevropski projekt – že takrat se je

imenoval „evropski“ – in se razširilo na vse

evropske strani neba, je končno pred letom dni

prekoračil demarkacijsko linijo hladne vojne.

Sedaj je na vrsti jugovzhod… in s Turčijo so na

Čas prehodov v Evropi

vrsti vprašanja geografije in meja kontinenta,

pa tudi že davno zapadel diskurz o duhovnih

temeljih in identiteti/-ah Evrope, načelnih

vprašanjih prihodnosti združitvenega projekta;

vprašanja, katerih se ne da več odrivati.

… Končno evropske teme, bi lahko rekel

človek, temeljna vprašanja, ki potrebujejo

aktivno javnost, namreč evropsko javnost, in

kateri bodo tudi kos.

Evropa projekt miru? Navznoter je evropska

integracija prostranim delom kontinenta v

svojem trajanju in produktivnosti naklonila

zgodovinsko enkratno obdobje miru. To velja

podaljšati, nadgraditi in raztegniti. Ampak

kako?

EU je postala „global player“, in to v novonastalem

nepreglednem svetu z nevarnostmi novega

tipa, negotovostmi in izzivi. V spremstvu z

9/11 in s s strani ZDA napovedano „vojno proti

terorizmu“ se je oborožil „Evropski projekt

miru“. Nastale so „battle groups“ in hitre

intervencijske enote, „sposobnost prestavitve“

evropskih enot je bila koncepcionalno

obdelana, „transportne kapacitete“ naj bi bile

nujno potrebne; ena nekoliko sramežljiva,

„Evropska obrambena agentura“ imenovana

ustanova, je v gradnji; njene naloge zajemajo

eksplicitno tudi „odkrivanje operativnih

potreb“ in „oboroževanje“.

To je v kontrastu z razširjajočim se

občutkom skepse do vojaških rešitev, kot

recimo v času spontanih demonstracij po

vsej Evropi februarja 2003 proti Iraški vojni.

Jürgen Habermas in Jacques Derrida sta te

manifestacije miru tolmačila kot „signal

za rojstvo evropske javnosti“. Dejansko so

takrat milijoni Evropejcev za mirno rešitev

odšli na ulice – dostikrat proti političnim

nameram njihove lastne vlade. Državljani so

49


Čas prehodov v Evropi

slogan Evropa projekt miru vzeli dobesedno;

zamujena priložnost za možen alternativni

družbeni osnutek in za krepitev evropskih

skupnih potez ter vrednot. Kajti prej kot

pozneje se bo Evropa odločala, kje vidi svojo

vlogo kot „global player“, med ekstremnima

pozicijama militarizacije zunanje in varnostne

politike po vzoru ZDA in neko – kratkoročno

nerealistično – pacifistično pozicijo. Vmes pa

leži prostrano polje, od vojaškega „hard power“

in sedaj že uspešno uporabljenih evropskih

„soft power“ področij. Kje in kako se bo

pozicionirala Evropa v 21. stoletju v globalni

varnostni politiki in s svojim praktičnim

posredovanjem, bi pravzaprav moralo že danes

zanimati kritično evropsko javnost.

Dalje omembe vredno: Tradicionalen

strankarsko-politični vzorec v evropskem

kontekstu je v razkroju: konzervativni,

liberalni in socialni-demokrati stojijo ob

vprašanju Iraka tako na isti kot tudi na

strani opozicije. Imena Blair in Berlusconi,

Chirac in Schröder označujejo nov evropski

razvoj. Tradicionalen levo-desni vzorec 20.

stoletja je svojo izključnost zapravil. Tako

približno poteka politična konfliktna linija

ob vprašanju Iraka tendenčno med zahodno

„staro Evropo“ in vzhodno „novo Evropo“.

Privolitev za vojaško rešitev (in s tem trenutno

usmeritev ZDA) je v bivšem komunističnem

območju EU večja kot v zahodnem delu. To

pomeni dodatno potenciano konfliktno linijo

za skupno evropsko varnostno in mirovno

politiko.

Evropa kot gospodarska in socialna unija?

Radikalna vizija miroljubnega skupnega

življenja ljudstev in narodov Evrope po dobi

„evropskih državljanskih vojn“ se je začela

s pragmatično povezavo takratnih dveh še

50

vojaško pomembnih prvin :premoga in jekla

(ECCS); to je vodilo k Evropski gospodarski

skupnosti (EGS) in končno k Evropski uniji.

Evropski gospodarski model socialnega tržnega

gospodarstva in tradicionalna vloga države

sta še v osemdesetih letih prejšnjega stoletja

naletela na široko politično in družbeno

podporo. Razlike gospodarsko-politične prakse

v (zahodni) Evropi so bile gradualne.

Evropski socialni model – „socialna država“,

„socialno tržno gospodarstvo“ ali kakor

koli se je že glasila oznaka „Grand Bargain“

med delodajalci in delojemalci – se je kot

protiosnutek v primerjavi s komunizmom

izkazal za uspešnega in je evropski združitveni

proces pospešil. Kvadratura kroga je bila videti

uspešna, demokratična svoboda IN socialnoekonomska

varnost dosežena.

Z izjemo angleško-ameriške variante

Thatcherjeve, katero je Blair s svojo „tretjo potjo“

večinoma prevzel, se je v Evropi šele v teku

globalizacijske debate iz zgodnjih devetdesetih

let razvil nov družbeni konkurenčni položaj

– takorekoč „notranje-zahodni“. Neoliberalni

družbeni model postavlja tradicionalen evropski

gospodarski in socialni model pod vprašaj.

Novi evropski instrumenti – Pakt stabilnosti

in rasti, Evropska centralna banka, Lizbonska

deklaracija – se izkažejo kot nefleksibilni,

enostransko usmerjeni k zatiranju inflacije ali

končno kot nerealistični. Ne dajejo nobenega

novega političnega odgovora na specifične

evropske izzive (kot so položaj in stanje

evropske združitve, demografske tendence

itn.). Odobravanje Evropske unije, ki še

zmeraj velja za naraščajočo blaginjo, še zmeraj

upada. Politične reforme in korekture v smislu

učinkovite reforme – ne ukinitve – zanesljivega

evropskega modela šepajo. Verjetno tudi zato,

ker ne obstaja komunikacija o „naslednjem


modelu“: Naj bi to bil ameriško-azijski ali

reformirani evropski socialnodržavni model?

Dokler pa o teh vprašanjih ne bo obstajala

temeljna komunikacija, tako dolgo bodo

projekti kot „evropska ustava“, ki to ime tudi

zasluži, v sebi nosili klico neuspeha. Trenutna

kriza pa je lahko tolmačena kot priložnost za

temeljito reorientacijo evropskega združitvenega

projekta.

Evropa kot projekt elit? Evropa ni zrasla „od

spodaj“. Bilo je veliko srčnih vizionarjev –

Monet, Schumann, tudi De Gaulle in Adenauer

-, ki so vojnemu kontinentu dali radikalno

drugačen političen razvoj kot vizijo na pot

iz ruševin 2. svetovne vojne. Saj na „golo“

gospodarsko združitev razvitih industrijskih

držav zahodne Evrope omejen integracijski

proces je imel že od samega začetka dobre

možnosti za uspeh; demokratična legitimacija,

masovna baza takorekoč, pa je v zadnjem času

ni potrebovala; Evropa je bila kratko malo

projekt političnih elit.

Ta linija je ostala v času visoke gospodarske

stopnje rasti in nenehne izgradnje državne

blaginje brez večjih problemov. Pomanjkanje

demokratične legitimacije je bilo skozi

gospodarsko bilanco uspeha v korist širših

krogov prebivalstva navidezno nadoknadeno.

Danes je v Evropi veliko drugače. „Čas

prehodov“ velja v večini za zapoznelo razširitev

evropske legitimacijske baze. Kako pa bo šlo

naprej? Nova kvaliteta Evrope – za katero bi

lahko bila ustava signal – pa tudi zahteva, da

Unija izstopi iz pisarniških stolpov elitnega

projekta in se potrudi za široko demokratično

legitimacijo. Unija se mora zatorej spremeniti

v eno, v katerem soodloča večina državljanov

in aktivno podpira demokratično in socialno

Evropo.

ZUR PERSON – O AVTORJU

Wolfgang Petritsch

Der Autor ist österreichischer Vertreter bei den

Vereinten Nationen in Genf und war zwischen

1998 und 2002 in verschiedenen EU- und internationalen

Funktionen in Südosteuropa tätig.

– Avtor je avstrijski predstavnik pri Združenih

narodih v Ženevi in je med 1998 in 2002

opravljal različne funkcije EU in mednarodne

naloge v jugovzhodni Evropi.

Čas prehodov v Evropi

51


Bildgalerie – galerija slik II

Der Steirische Kulturlandesrat Kurt Flecker eröffnet im März 2005 die Ausstellung „Grenzen erzählen“ – Kurt Flecker član deželne vlade za kuturo je

marca 2005 otvoril razstavo „Meje pripovedujejo“

Workshopbetrieb im Pavelhaus: Juli 2005, Besuch aus Ungarn – delavnica v Pavlovi hiši: julij 2005, obisk iz Madžarske

52


Die Universität Graz setzt Akzente

Gesamtuniversitärer Schwerpunkt „Südöstliches Europa“

� Text: Roberta Maierhofer

Die Universität Graz setzt Akzente

Seit Jahrzehnten ist die Universität Graz in vielfältiger Weise mit den Regionen des südöstlichen

Europas durch intensive Zusammenarbeit verbunden. Es handelt sich dabei um einen weiten Bogen

von Partnerschaften, in deren Rahmen verschiedene Zielsetzungen in Wissenschaft, Forschung,

Ausbildung und Wirtschaft verfolgt werden. Ihre traditionelle Rolle in diesem Raum hat die Universität

seit den politischen Veränderungen und angesichts der wachsenden politischen und wirtschaftlichen

Perspektiven gefestigt und dazu genutzt, an der Entwicklung des gemeinsamen europäischen

Bildungsraums maßgeblich mitzuwirken.

In der Kooperation mit Südosteuropa stärkt die Universität Graz nicht nur ihre regionale Vernetzung

und die gesamteuropäische Dimension ihrer Identität als Bildungsinstitution. Diese Schwerpunktsetzung

bedeutet eine Steigerung der Attraktivität sowohl der Universität Graz als auch des

Wissenschaftsstandortes Graz im Rahmen transatlantischer internationaler Kooperationen.

Im Vizerektorat für Internationale Beziehungen der Universität Graz wurde bereits im Jahre 2000 ein

gesamtuniversitärer Schwerpunkt Südöstliches Europa als profilbildender Kern des Universitätsentwicklungskonzeptes

definiert und stellt im Entwicklungsplan der Universität eines der entscheidenden

strategischen Konzepte dar, um die zahlreichen Aktivitäten zu bündeln und besser

koordinieren zu können.

Seither entstand eine Vielzahl neuer Programme und Kooperationen, die dem wachsenden Interesse

sowohl seitens der Studierenden, Lehrenden und Forscher/innen der Universität Graz als auch

der Partnerinstitutionen, aber auch der Universität Graz und ihrer Partneruniversitäten als Institutionen

Rechnung tragen. Der Bogen der gemeinsamen Aktivitäten spannt sich über Forschungsschwerpunkte

an den einzelnen Fakultäten bis hin zu gesamtuniversitären Partnerschaften, Netzwerk-

und Projektbeteiligungen.

Vergleicht man die Mobilitätszahlen der letzten Studienjahre, so ergibt sich ein Bild, das der Strategie

der Universität Graz Recht gibt. Mehr und mehr Grazer Studierende entscheiden sich für einen

Studienaufenthalt an einer südosteuropäischen Partnerinstitution.

In gemeinsamen Aktivitäten mit dem südöstlichen Europa im Rahmen von Netzwerken (Coimbra

Group, Utrecht Network, ARGE Alpe Adria, Donaurektorenkonferenz) sowie Programmen wie TEM-

53


Die Universität Graz setzt Akzente

PUS (Trans- European Mobility Programme

for University Studies), CEEPUS (Central European

Exchange Program for University Studies),

MOEL-Plus (Mittel- und Osteuropäische

Länder) etc. bemüht sich die Universität

Graz, dem steigenden Interesse an Kooperationen

mit dieser für den Bildungsstandort Graz

außerordentlich wichtigen Region gerecht zu

werden.

Darüber hinaus wurden an der Universität Graz

zahlreiche Schwerpunktprogramme ins Leben

gerufen, wie etwa die Stipendienprogramme

mit den Universitäten Zagreb/Kroatien und

Niš/Serbien sowie das Abschluss-Stipendium,

mit dem das Vizerektorat für Internationale Beziehungen

zahlreiche Studierende aus Nicht-EU/

EWR-Ländern beim Abschluss ihres Diplom-,

Lehramts- oder Dissertationsstudiums an der

Universität Graz unterstützen konnte, wobei

mehr als 80% der Stipendien an Studierende

aus Südosteuropa vergeben wurden.

Gemeinsam mit der Kommission der Europäischen

Bischofskonferenzen bei der Europäischen Union

(COMECE) und der Diözese Graz-Seckau entwickelt

die Universität Graz zurzeit die Sommeruniversität

Seggau (Beginn: 2006) mit dem

Ziel der Profilierung künftiger Führungskräfte

für Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft

und Religion. Interdisziplinäre Begegnung

und Zusammenarbeit zwischen Lehrenden

und Studierenden mit den Schwerpunkten

Ost- und Südosteuropa stehen dabei ebenso im

Mittelpunkt des 14-tägigen Programmes wie

das Aufzeigen kultur- und geistesgeschichtlicher

Dimensionen der aktuellen europäischen

Integration.

Bietet sich mit all den erwähnten Programmen

vorrangig Lehrenden und Studierenden

die Möglichkeit, ihre Fachkenntnisse zu erweitern,

so versteht es die Universität Graz darü-

54

ber hinaus als ihre Aufgabe, als „Lebenspartnerin“

die Schwerpunktsetzung „Südöstliches

Europa“ der breiten Öffentlichkeit zugänglich

zu machen, wie sie es ab Wintersemester

2005/2006 mit der überfakultären Vortragsreihe

„SOE-Akademie“ vorhat.

Dass es sich nicht nur um eine strategische

Schwerpunktsetzung der Universität Graz

handelt, sondern diese von der Region mit großer

Überzeugung mitgetragen wird, beweist

die Unterstützung zweier wegweisender Projekte

durch den Zukunftsfonds Steiermark. In

konsequenter Weiterentwicklung der bereits

geleisteten Arbeit dokumentieren die Projekte

das ernsthafte Bemühen der Universität

Graz, die im Entwicklungsplan verankerte

Profilsetzung umzusetzen und über die Universitäten

hinaus, nachhaltig gesellschaftliche,

wirtschaftliche und politische Wirkung zu erzielen.

Die Umsetzung des ersten Projektes „Die

Steiermark – Internationaler Qualifizierungsstandort

für Südosteuropa-Kompetenz“

(http://international.uni-graz.at/soe) berücksichtigt

wirtschaftliche, wissenschaftliche und

kulturelle Gesichtspunkte gleichermaßen und

stellt einen Meilenstein auf dem Weg der Universität

Graz zu einem gesamtuniversitären

Kompetenzzentrum dar. Ziel dieses über den

Zukunftsfonds Steiermark geförderten Projektes

ist es, die Nachhaltigkeit des bisher Erreichten

für die Region zu festigen und in Zusammenarbeit

mit Partnerinstitutionen aus dem südöstlichen

Europa die Kooperation wesentlich

auszubauen und damit die Annäherung der

Bildungslandschaften voranzutreiben. Die thematische

Bandbreite der Projekte umfasst:

• Menschenrechte und wirtschaftliche Zusammenarbeit

in Südosteuropa

• Südosteuropa-Forschungsprojekt


• Südosteuropa-Symposium

• Südosteuropa-Sommerakademie

• Kompetenzzentrum Südosteuropa

• Datenbank Wirtschaft – Recht – Umwelt

in Südosteuropa

• Regional Policies in Europe

• Übersetzer- und Dolmetscherausbildung

Deutsch – Albanisch in Graz und Shkodër

• Historische Anthropologie im südöstlichen

Europa

• International Short Course SEE-HEAD

• Master of Medical Sciences Alpe-Adria

• Studierendenaustauschprojekt mit südeuropäischen

Universitäten

Mit einem zweiten Projektantrag legt die Universität

Graz den Grundstein für eine einzigartige

Innovation in der steirischen Bildungslandschaft:

Im Rahmen des Zukunftsfonds-Projektes

Joint Degrees (http://international.uni-graz.at/

jd/) erarbeitet die Universität Graz sechs Forschungsprojekte.

Es handelt sich hiebei um

ein von mehreren Universitäten gemeinsam

geplantes Studium auf „Bologna-Magister/

Magistra-Ebene“, bei dem mehrere Partnerinstitutionen

als multinationale Konsortien gemeinsame

Curricula entwickeln.

Vor allem die Stärkung der europäischen Dimension

des Studiums und die Erhöhung der

Attraktivität des Europäischen Bildungsraums

stehen dabei im Mittelpunkt. Mit dem Joint

Degree in Südosteuropäischer Geschichte sowie

der Beteiligung südosteuropäischer Universitäten

an einigen der fünf weiteren Programme

(Jüdische Studien, Frauen- und Geschlechterforschung,

Umweltsystemwissenschaften, Alpen-Adria

Joint Degree in Amerikanistik/Anglistik

und Lateinamerika-Studien) bietet sich

die Universität Graz einmal mehr als Brücke in

vielerlei Hinsicht an: Einerseits wird für Österreich

der Weg nach Südosteuropa geöffnet, an-

Die Universität Graz setzt Akzente

dererseits wird im Sinne einer gesamteuropäischen

Integration „Europa“ die Möglichkeit

geboten, sich erweitert zu verstehen.

Die Zusammenarbeit mit den Universitäten

Ljubljana (Slowenien) und Cluj (Rumänien)

im Rahmen des Teilprojektes Südosteuropäische

Geschichte ist nur einer von vielen Bereichen,

in denen die Universität Graz erfolgreich mit

Partnerinstitutionen aus dem südöstlichen Europa

an der Annäherung beider Bildungsräume

und der gemeinsamen Umsetzung des Bologna-

Prozesses zusammenarbeitet. Das Projekt zielt

u. a. auch auf verstärkte gemeinsame Qualitätssicherung

sowie gegenseitige Anerkennung

akademischer Grade und Qualifikationen ab.

Langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet

die Universität Graz mit ihren Partnerinstitutionen

in Slowenien, den Universitäten

Ljubljana (Univerza v Ljubljani), Maribor

(Univerza v Mariboru), mit denen bereits seit

1990 bzw. 1992 gesamtuniversitäre Partnerschaften

und weitere zahlreiche bilaterale Abkommen

bestehen.

Über bilaterale Kooperationen hinaus sind die

Universitäten Graz und Ljubljana auch im Rahmen

des UTRECHT Network aktiv. So findet

alljährlich eine Summer School des Netzwerkes

in Ljubljana statt, an dem zahlreiche Studierende

der Universität Graz teilnehmen und

Lehrende an der Programmgestaltung mitwirken.

Beide Universitäten gestalten gemeinsam

im Steering Committee des UTRECHT Network

die Schwerpunkte des Netzwerkes mit.

Eine einzigartige Form der Zusammenarbeit

fanden die Universitäten Graz und Maribor

im Rahmen des Gemeinsamen Hörsaals Maribor:

Studierende beider Universitäten besuchten

Lehrveranstaltungen an der jeweiligen

Partneruniversität, die automatisch an der

Heimatuniversität anerkannt wurden. Studie-

55


Univerza Gradec postavlja poudarke

renden aller Fakultäten sowohl aus Graz wie

auch aus Maribor bot sich so die Möglichkeit,

vom Studienangebot beider Universitäten zu

profitierten. Die Wirtschaftskammer Steiermark

unterstützte dieses Programm durch die Übernahme

der Reisekosten.

Dies sind nur einige Beispiele von vielen, die

verdeutlichen, wie es der Universität Graz gelingt,

mit ihrer Schwerpunktsetzung einen

Mehrwert nicht nur für die Institution, sondern

für die gesamten Region zu schaffen.

In Zusammenarbeit mit unseren langjährigen

verlässlichen Partnerinstitutionen wird die

Universität Graz auch weiterhin eine aktive

Rolle in der regionalen wie internationalen Bildungslandschaft

spielen.

Univerza Gradec postavlja

poudarke

Skupno univerzitetno težišče

„Jugovzhodna Evropa“

Že desetletja je univerza v Gradcu na veliko

načinov in v intenzivnem sodelovanju

povezana z regijami Jugovzhodne Evrope.

Gre za obširen lok partnerstev, v katerega

okviru sledi ciljem znanosti, raziskovanja,

izobraževanja in gospodarstva. To tradicionalno

pozicijo je Univerza, odkar je prišlo do

političnih sprememb in spričo naraščajočih

političnih in gospodarskih perspektiv v tem

prostoru, utrdila in uporabila za odločilno

sodelovanje pri razvoju skupnega evropskega

izobraževalnega okvira.

V kooperaciji z „Jugovzhodno Evropo“

krepi Univerza Gradec ne le regionalno

prepletenost in vseevropsko dimenzijo

56

njene identitete kot izobraževalne ustanove.

Težišče pomeni stopnjevanje atraktivnosti

tako Univerze Gradec kot tudi znanstvenega

središča Gradec v okviru transatlantskih

mednarodnih sodelovanj. V uradu rektorjevega

namestnika za mednarodne odnose Univerze

Gradec so že leta 2000 definirali skupno

univerzitetno težišče „Jugovzhodna Evropa“

kot profil izobraževanja, jedro univerzitetnega

razvojnega koncepta in predstavlja v

izobraževalnem planu Univerze odločilen

strateški koncept, namenjen boljši povezanosti

in koordinaciji številnih aktivnosti.

Od takrat je nastalo veliko število novih

programov in kooperacij, ki upoštevajo

naraščajoč interes tako študentov, profesorjev

in raziskovalcev Univerze Gradec, kot tudi

partnerskih institucij, pa tudi Univerzo Gradec

in njene partnerske univerze kot institucije. Lok

skupnih aktivnosti se razteza od raziskovalnih

težišč posameznih fakultet do skupnih

univerzitetnih partnerstev, povezovanj in

udeležb pri projektih.

Primerjava (statistik) mobilnosti zadnjih

študijskih let daje sliko, ki potrjuje strategijo

Univerze Gradec. Zmeraj več graških študentov

se odloča za študijsko bivanje [izmenjavo] na

kateri od jugovzhodnih partnerskih institucij.

S skupnimi aktivnostmi z Jugovzhodno

Evropo v okviru povezovanj (Coimbra

Group, Utrecht Network, ARGE Alpe Adria,

Donaurektorenkonferenz – Rektorska

konferenca Donava), kot tudi s programi

TEMPUS (Trans- European Mobility

Programme for University Studies), CEEPUS

(Central European Exchange Program for

University Studies), MOEL-Plus (Mittel- und

Osteuropäische Länder) itn., se Univerza

Gradec trudi, zadostiti naraščajoči interes za

sodelovanje z regijo, ki je za izobraževalno


središče Gradec osrednjega pomena. Še več,

na Univerzi Gradec so priklicali v življenje

programe in težiščna področja, kot recimo

štipendijske programe z univerzama Zagreb/

Hrvaška in Niš/Srbija, kot tudi štipendijo za

zaključek študija, s katero urad namestnika

za internacionalne odnose podpira številne

študente/ke, ki niso iz dežel EU/EWR, pri

zaključku njihove diplome, zaključnem izpitu

ali dizertaciji na Univerzi Gradec, pri čemer

je bilo več kot 80 % štipendij dodeljenih

študentom/kam iz Jugovzhodne Evrope.

Skupaj s Komisijo evropske škofovske

konference pri Evropski uniji (COMECE)

in Škofijo Gradec-Seckau razvija trenutno

Univerza Gradec poletno univerzo Seggau

(začetek: 2006) s ciljem profiliranja bodočih

vodilnih kadrov v politiki, upravi, znanosti

in religiji. Interdisciplinarno srečanje in

sodelovanje med profesorji in študenti

s težiščem na Vzhodni in Jugovzhodni

Evropi je prav tako v središču pozornosti 14dnevnega

programa, kot tudi predstavitev

kulturnozgodovinske in duhovnozgodovinske

dimenzije aktualne evropske integracije.

Tako kot omenjeni programi prednostno

ponujajo možnost profesorjem in študentom,

da svoje ekspertize sestavijo in nadgradijo,

tako razume Univerza Gradec to dejavnost

kot svojo nalogo, biti „življenjska družica“

težišču „Jugovzhodne Evrope“ in jo predstaviti

širši javnosti, kar načrtuje za zimski semester

2005/2006 v okviru medfakultetne serije

predavanj „SOE-Akademije“.

Da ne gre le za strateško težišče Univerze

Gradec, temveč da jo z močnim prepričanjem

podpira celotna regija, dokazuje sodelovanje

dveh vodilnih projektov „Zukunftsfonds

Steiermark – Štajerskega sklada prihodnosti“. Z

doslednim nadaljnjim razvojem že opravljenega

Univerza Gradec postavlja poudarke

dela dokumentirajo projekti resna prizadevanja

Univerze Gradec, ki uresničujejo v razvojnih

načrtih določene odločitve o profilu in tako

tudi skozi univerzitetno dejavnost dosegajo

trajno družbeno, gospodarsko in politično

delovanje.

Izvedba prvega projekta „Štajerska –

mednarodno kvalifikacijsko mesto za

kopmpetenco Jugovzhodne Evrope“ (http://

international.uni-graz.at/soe) upošteva v enaki

meri gospodarske, znanstvene in kulturne

vidike ter predstavlja enega od mejnikov

na poti Univerze Gradec do splošnega

univerzitetnega kompetenčnega centra. Cilj

tega, preko Štajerskega sklada prihodnosti

dotiranega projekta, je stabilnost do sedaj

doseženega za to regijo utrditi in v sodelovanju

s partnerskimi institucijami iz Jugovzhodne

Evrope sodelovanje bistveno nadgraditi ter s

tem pospešiti zbližanje izobraževalnih krajin.

Tematska širina projekta zajema:

• človekove pravice in gospodarsko

sodelovanje v Jugovzhodni Evropi

• raziskovalni projekt Jugovzhodna Evropa

• simpozij Jugovzhodna Evropa

• poletna akademija Jugovzhodna Evropa

• center kompetence Jugovzhodna Evropa

• banka podatkov gospodarsko-pravno okolje

v Jugovzhodni Evropi

• regionalne politike v Evropi

• izobraževanje tolmačev in prevajalcev

nemško-albansko v Gradcu in Skadru

(Albanija)

• zgodovinska antropologija v Jugovzhodni

Evropi

• International Short Course SEE-HEAD

• Master of Medical Sciences Alpe-Adria

• projekt izmenjave študentov/k z

južnoevropskimi univerzami.

Z drugim projektnim predlogom polaga

57


Univerza Gradec postavlja poudarke

Univerza Gradec mejnik za edinstveno inovacijo

štajerske izobraževalne krajine: V okviru

projekta-sklada prihodnosti pod naslovom

„Joint Degrees“ je Univerza Gradec izdelala

šest tako imenovanih Joint Degrees (http://

international.uni-graz.at/jd/). Gre torej za

skupno načrtovan študij več univerz na stopnji

„Bologna-Magister – bolonjskega magistra“, pri

čemer razvija več partnerskih institucij skupen

kurikulum kot multinacionalni konzorcij.

Predvsem krepitev evropske dimenzije študija

kot tudi povečanje atraktivnosti evropskega

izobraževalnega prostora je pri tem v središču

pozornosti. Z Joint Degree iz jugovzhodne

evropske zgodovine kot tudi z udeležbo

jugovzhodnih univerz pri nekaj od petih

nadaljnjih programov (Judovske študije,

Ženske raziskave in raziskave spolov kot tudi

znanosti sistema okolja, Alpe-Adria Joint

Degree iz amerikanistike/anglistike, študiji

latinske Amerike) se Univerza Gradec ponuja

še enkrat več kot most v mnogoterih pomenih:

po eni strani bo za Avstrijo odprta pot proti

jugovzhodni Evropi, po drugi strani bo v

smislu evropske integracije ponujena možnost,

razumeti „Evropo“ kot razširjeno skupnost.

Sodelovanje z Univerzo Ljubljana (Slovenija) in

Univerzo Cluj (Romunija) v okviru podprojekta

„Jugovzhodna evropska zgodovina“ je le eno od

mnogih področij, pri katerih uspešno sodeluje

Univerza Gradec s partnerskimi institucijami

iz „Jugovzhodne Evrope“ pri približevanju obeh

izobraževalnih prostorov in skupni izvedbi

bolonjskih procesov. Projekt stremi med drugim

tudi k povečani skupni zagotovitvi kvalitete,

kot tudi obojestranskemu priznavanju

akademskih stopenj in kvalifikacij.

Dolgoletno uspešno sodelovanje združuje

Univerzo Gradec s partnerskima institucijama

iz Slovenije, z Univerzo v Ljubljani in Mariboru,

58

s katerima že od leta 1990 oz. 1992 obstaja

skupno univezitetno partnerstvo in številni

bilateralni dogovori.

Z vidika bilateralnih kooperacij sta Univerza

Gradec in Univerza Ljubljana aktivni tudi v

okviru UTRECHT Networka. Tako v Ljubljani

vsako leto prirejajo poletno šolo Networka,

ki se je udeležujejo mnogi študenti/ke in

profesorji Univerze Gradec, ki sodelujejo tudi

pri oblikovanju programa. Obe univerzi skupaj

oblikujeta težišča sodelovanja v Steering

Committeeju UTRECHT Networka.

Edinstveno obliko sodelovanja sta našli

Univerza Gradec in Maribor v okviru „skupnih

predavalnic Maribor“. Šudenti in študentke obeh

univerz so obiskovali predavanja partnerskih

univerz, ki so bila avtomatsko priznana tudi

na domači univerzi. Tako graškim kot tudi

mariborskim študentom/kam vseh fakultet

se je ponudila možnost izkoristiti študijsko

ponudbo obeh univerz. Štajerska gospodarska

zbornica je podprla ta program s prevzemom

stroškov prevoza.

To je le nekaj primerov od mnogih, ki

ponazarjajo, kako uspeva Univerzi Gradec s

svojim težiščnim pristopom ustvariti presežno

vrednost – ne le za institucijo, temveč za

celotno regijo.

V sodelovanju z našimi dolgoletnimi

zanesljivimi partnerji bo Univerza Gradec tudi

nadalje igrala aktivno vlogo v regionalni in

internacionalni izobraževalni krajini.


ZUR PERSON – O AVTORJU

Roberta Maierhofer

Vizerektorin für Internationale Beziehungen

und Frauenförderung der Karl-Franzens Universität

Graz • Studium der Anglistik/Amerikanistik

und Germanistik, Lehramt (1985) und

Doktorat (1992), Universität Graz • Studium

der Vergleichenden Literaturwissenschaften,

(1987), State University of New York, Binghamton.

• Venia Docendi für das Fach „Amerikanistik“.

• Fulbright Professor, University

of Pennsylvania, Philadelphia, USA (1995).

• Adjunct Associate Professor der Binghamton

University, NY (seit 1996). • Paul Petry

Preis für Alterswissenschaften (1998).

• Vizerektorin für Internationale Beziehungen

nach UOG 93 (1999-2003). • Vizerektorin für Internationale

Beziehungen und Frauenförderung

nach UG 2002 (ab 2003). – izr. univ. prof. mag.

dr. Roberta Maierhofer, M.A., namestnica

rektorja za mednarodne odnose in podporo

žensk, Karl-Franzens Universität Graz. • Študij

anglistike/amerikanistike in germanistike,

diploma (1985) in doktorat (1992),

Univerza Gradec. • Študij primerjalne

književnosti (1987), State University of

New York, Binghamton. • Venia Docendi

za predmet amerikanistika. • Fulbright

Professor, University of Pennsylvania,

Philadelphia, USA (1995). • Adjunct Associate

Professor, Binghamton University, NY

(od 1996). • Nagrada Paul Petry za znanosti

tretjega življenjskega obdobja (1998).

• Namestnica rektorja za internacionalne

odnose po UOG 93 (1999-2003). • Namestnica

rektorja za internacionalne odnose in podporo

žensk po UG 2002 (od 2003). Univerza

Gradec postavlja poudarke Skupno univerzitetno

težišče „Jugovzhodna Evropa“.

Univerza Gradec postavlja poudarke

59


Bildgalerie – galerija slik III

Der mazedonische Kurator Oliver Musovik spricht anlässlich der Eröffnung im Juli 2005. – govor makedonskega kuratorja Oliverja Musovika na otvoritvi

julija 2005

60


Grenzen erzählen

Reflexionen zur Wanderausstellung

„Geschichte und Geschichten der Nachbarschaft“

Putovní výstava „Historie a příběhy sousedství“ 1

� Text: Angelika Brechelmacher

Als ARGE grenzen erzählen hatten sich Tanja Täuber, Gabriela Miechtner und ich vor mehr als zwei

Jahren die Aufgabe gestellt, den öffentlichen Diskurs zum nachbarschaftlichen Verhältnis zwischen

Tschechen/innen und Österreichern/innen, der seit Beginn der Verhandlungen zur bisher

größten Erweiterung der Europäischen Union in österreichischen Medien eingesetzt hatte, zu hinterfragen.

Welche Bilder, welche Stereotype begründeten die in Meinungsumfragen vordergrün-

Rübenernte bei Znojmo – spravilo pese pri kraju Znojmo

Grenzen erzählen

61


Grenzen erzählen

dig konstatierten „Ängste der Österreicher/innen“

2 vor dem EU-Beitritt der Tschechischen

Republik? In wessen Namen pochten politische

Machtzirkel auf vereinheitlichend „nationale“

Interessen, die durch den Beitritt der

Nachbarstaaten gefährdet würden? [Gemeint

ist der Diskurs medialer und politischer Eliten,

die in den politischen Zentren den Topos der

„Angst der Bevölkerung“ zur Durchsetzung eigener

Interessen hervorhoben (FPÖ, Gewerkschaft,

Bauernbund etc.)] Wie blickte man an

der so genannten „Peripherie“, in der Grenzregion

selbst, der Erweiterung entgegen? Überwogen

auch hier national bis nationalistisch

geprägte „Ängste“ oder hatte sich längst ein regionales,

grenzüberschreitendes Bewusstsein

entwickelt, das in der Bundeshauptstadt Wien

einfach (noch) nicht wahrgenommen wurde?

Diese und ähnliche Fragen beschäftigten

uns. Wir erwarteten Antworten in der Region

selbst, auf beiden Seiten der Grenze, am besten

von derjenigen Generation, die nachbarschaftliches

Zusammenleben noch vor der Errichtung

des Eisernen Vorhangs erlebt hatte.

Grenzen erzählen – Sammeln von Erinnerungen.

Die Interviewserie „Frauen-Leben

an der Grenze“ eröffnete 2003 eine Reihe von

grenzübergreifenden Projekten der ARGE grenzen

erzählen in der österreichisch-tschechischen

Grenzregion Weinviertel-Südmähren. Die älteste

Generation hat mit der Zwischenkriegszeit

eine Periode erlebt, in der Kontakt zwischen

den Ethnien Alltag war. Viele Frauen

und Männer beherrschten neben der Muttersprache

auch die Sprache der Nachbarn/innen.

Fünfzehn biographisch-narrative Interviews

mit elf durchschnittlich 80-jährigen Frauen und

vier Männern derselben Generation erlaubten

uns Einblick in die Kindheit und Jugend dies-

62

seits und jenseits der österreichisch-tschechischen

Grenze, in die nachbarschaftlichen Beziehungen,

aber auch in die Verfolgungen 1938

und die Zwangsaussiedlungen 1945. In den Interviews

trafen wir bisweilen auf stereotype

ethnische Abgrenzungen und Abwertungen.

Die Erzählungen von persönlichen Begegnungen

aber stellten Brüche dieser Stereotype dar

und spiegelten sehr wohl nachbarschaftliche

Nähe. Die Klischees und ihre Brüche, die persönlichen

Erfahrungen im Alltag standen im

Mittelpunkt unseres Interesses.

Zuhören und Hinschauen. Die Erzählenden

sprachen auf Tschechisch und Deutsch, häufiger

auf Deutsch. Bisweilen wechselten sie

mitten in der Geschichte in die andere Sprache.

Manche beklagten, die meisten Vokabeln

seit der Schulzeit vergessen zu haben.

Als wir dann im Sommer 2004 mit allen Interviewpartnern/innen

aus der Interviewserie

„Frauen-Leben an der Grenze“ in Retz den internationalen

Workshop Grenzen erzählen veranstalteten,

funktionierte die Verständigung

jedenfalls wunderbar. In einer großen Erzählrunde

sprachen Frauen und Männer aus Suchohrdly,

Retzbach, Brno, Hohenau, Bulhary

und Poysdorf über ihr Leben in der Grenzregion

und die Beziehung zu den Nachbarn und

Nachbarinnen. Jedes Statement wurde simultan

in die jeweils andere Sprache übersetzt.

Zwei Stunden Zuhören, ohne Unterbrechung,

mit hoher Aufmerksamkeit und gegenseitigem

Respekt. Trotz ihres teilweise hohen Alters

und trotz der Beschwerlichkeit der Anreise

hatten rund dreißig Personen teilgenommen.

Gemeinsames Mittagessen, Jause und Plaudern

in kleineren Gruppen, gelöste Stimmung

bis zum Schluss der Veranstaltung.


Katarina Eder aus Unterretzbach und Terezia Líčeniková aus Bulhary

beim internationalen Workshop Grenzen erzählen, Retz 2004 –

Katarina Eder iz Unterretzbacha in Terezia Líčeniková iz Bulharya na

internacionalnem workshopu Meje pripovedujejo, Retz 2004

Alle unsere Gesprächspartner und -partnerinnen

hatten wir mehrmals zu Hause besucht.

Mit Tonband und Kamera dokumentierten

wir die Gesprächssituationen. Die transkripierten

Interviews legten wir den Erzählern/innen

nochmals vor, Missverständnisse wurden

korrigiert. Immer neue Erinnerungen kamen

hoch, Ergänzungen, Einschübe. Viel Zeit nahmen

wir uns für die Auswahl der persönlichen

Fotos, die in der Ausstellung zum Abschluss

der Projektserie dokumentiert werden sollten.

Wir saßen lange Nachmittage in Suchohrdly,

Hohenau und den anderen Orten und blätterten

gemeinsam in den alten Fotos. Zu jedem

Ludmila Štanclovás Leidenschaft galt dem Schauspiel in einer Laiengruppe,

mit der sie in den späten Zwanzigerjahren in Znojmo und den umliegenden

Dörfern auftrat. Ludmila Štanclová verstarb im Frühjahr 2005.

– Strast Ludmile Štanclová je bila igra v gledališki amaterski skupini, s

katero je nastopala v poznih dvajsetih letih v Znojmovem in okoliških

vaseh. Ludmila Štanclová je umrla spomladi 2005.

Grenzen erzählen

Foto neue Geschichten, die Schicksale der Eltern

und Großeltern, der Tanten und Onkel.

Wie sollten wir den Faden behalten, den Blickwinkel

der Ausstellung auf die gemeinsame

Kindheit und Jugend, die Nachbarschaft in der

Grenzregion?

Wir zeichneten alle Gespräche auf, transkripierten

und übersetzen die Texte. Die Vorbereitung

der letzten und größten Station unserer

eigenen Reise durch die Geschichten und

die Geschichte der Grenzregion begann. Die

zweisprachige Wanderausstellung „Geschichte

und Geschichten der Nachbarschaft“ – Putovní

výstava „Historie a příběhy sousedství“

und der deutsch-tschechischsprachige Film

„grenzen erzählen“ – „vyprávéní z pohraniči“

sollten das Erlebte sichtbar machen, unabhängig

von politischen Einstellungen und historischer

Übereinstimmung. Den alltäglichen

und auch besonderen „Geschichten der Nachbarschaft“

wollten wir in dieser Ausstellung

Raum geben.

Der sozialanthropologische Blickwinkel. 3

„Grenzen erzählen“ – entwächst der ethnologischen

Annahme, dass Kulturen lebendig und in

ständiger Bewegung sind. Nachbarschaftliches

Interagieren verschiedener ethnischer Gemeinschaften

kann auf staatlicher Ebene von nationaler

Ab- bzw. Ausgrenzung begleitet sein.

Dieses Ineinanderfließen unterschiedlicher

gesellschaftlicher Dynamiken entpuppte sich

im Lauf der Interviewserie als Schwerpunkt

der Forschung. Nicht nur nachbarschaftliches

Zusammenleben und grenzüberschreitende

Festlichkeiten, sondern auch Zwangsaussiedlungen

und traditionelle Vorurteile flossen in

die Erzählungen ein. Unser „Ziel war es […],

die individuellen Selbst- und Weltbilder so zu

63


Grenzen erzählen

Eröffnung in Poysdorf / Weinmarkt – otvoritev v Poysdorfu / Weinmarktu

erkunden und ernstzunehmen, wie sie erzählt

wurden. […] Die historische Tiefe [der] Untersuchungen

hingegen war weitgehend vom

kollektiven Gedächtnis selbst bestimmt: Die

Geschichte konnte miteinfließen, soweit sie

eben eine wahrnehmbare Rolle in den Erinnerungen

und Identitätsbildern der Gewährsleute

spielt.“ 4 .

Aufbau und Gestaltung der Wanderausstellung.

Die Ausstellung wurde als virtueller Spaziergang

an der Grenze gestaltet. Wir hielten

uns an einen groben chronologischen Verlauf.

Nicht eingehalten wurde der einheitliche/vereinheitlichende

Blickwinkel. Als Gestalterinnen

der Ausstellung hüpften wir hin und her,

horchten hüben und drüben, fügten zusammen

und trennten, indem wir die erzählten

Passagen von dieseits und jenseits der Grenze

aneinanderreihten, eine einheitliche, national

bekömmliche Sichtweise verweigernd.

Wir brachten die Erzählungen nur am Rande

mit so genannten historischen Fakten in Verbindung.

Auf einer einleitenden Tafel listeten

wir einige einschneidende Ereignisse von der

Zwischenkriegszeit an bis in die Sechzigerjahre

auf. „Manchmal weiß man nicht mehr, in

64

welcher Zeit und auf welcher Seite der Grenze

man in den Erzählungen gerade eintaucht,

aber vielleicht ist das ja auch die zentrale Aussage“,

schrieb einer unserer Besucher ins Gästebuch.

Das war in unserem Sinn.

Im chronologischen Verlauf folgen wir zunächst

den Lebensabschnitten unserer Gesprächspartner/innen:

Kindheit und Schule dokumentiert die ersten

Jahre im Leben unserer Interviewpartner/innen.

Viele von ihnen waren in dieser Zeit beider

Sprachen mächtig.

Festlichkeiten spielten in den erzählten Biografien

eine wichtige Rolle. Sie waren Momente

kultureller Begegnung. Kirtage und Hochzeiten

boten Gelegenheit zu verwandtschaftlichen

Besuchen über die Grenze. Steroetype Darstellungen

boten Grundlage für kulturelle Vergleiche:

„Die haben tanzen können, die Südmährer!

Wie die Südmährer haben tanzen können,

hat niemand tanzen können. Die haben tanzt,

links und rechts!“ 5

Landwirtschaft – Kleiner Grenzverkehr

– Lehrjahre – Schwere Zeiten dokumentieren

Broterwerb und lokale und grenzüberschreitende

wirtschaftliche Verflechtungen

in der Region. Auch Schmuggelgeschichten,

liebevoll „Kleiner Grenzverkehr“ genannt,

werden schmunzelnd zum Besten gegeben:

„Ån d’ Schuach håd mas dakennt, ob de von

drüm woan. De håm olle hintn nua die Noht

ghåbt, jå? Die unsan habm des Bandl då hintn

rauf ghåbt – und wånn wea die Schuach mit

da Noht hintn ghåbt hat, da håt ma gwußt,

des san die büllichen Bata-Schuach. Do sand

d’ Lei mit so rechte Hatscha einigångan und

die hams dånn drinnan bein Hoamgehn in an

Åcka gwoafm und håm si die neichn Schuach

ånzogn.“ 6


Brüche der Nachbarschaft fasst die Erzählungen

zur nachbarschaftliche Situation vom „Anschluss“

Österreichs an das nationalsozialistische

Deutschland 1938 und der Annektierung

tschechoslowakischer Gebiete durch die Nazionalsozialisten

bis zur Antwort der tschechoslowakischen

Regierung bei Kriegsende, der

rigorosen Zwangsaussiedlung der deutschsprachigen

Bevölkerung ab 1945, zusammen.

Im Kulturhaus von Bulhary – V kulturnem domu Bulharyja

Im Kulturhaus von Suchohrdly bei Znojmo – V kulturnem domu

Suchohrdly-ja pri Znojmovem

Leben an der Grenze richtet den Blick nochmals

auf die Veränderungen im Grenzraum

Grenzen erzählen

und den damit verbundenen Wandel sozialer

Begegnungen nach dem Zweiten Weltkrieg, in

der kommunistischen Ära und nach der Öffnung

der Grenzen 1989. Mit kurzen biografischen

Texten werden die Erzähler/innen zum

Abschluss der Ausstellung vorgestellt. Fotoporträts

geben die Situation des Erzählens wieder.

Eine zweisprachige Landkarte vereinfacht das

Wiederauffinden von erwähnten Ortschaften.

Terezia Líčeniková vor den Abbildungen ihrer Eltern – Terezia Líčeniková

pred fotografijami svojih staršev

Maria Marschitz bei der Eröffnung im Kulturhaus von Bulhary – Maria

Marschitz ob otvoritvi v kulturnem domu Bulharyja

Sie benennt die Ortschaften im südmährischen

Raum in beiden Sprachen und ermög-

65


Grenzen erzählen

licht die räumliche Zuordnung der Erzählungen.

Der letzte Teil der Ausstellung schließlich

dokumentiert die Wanderung der Ausstellung

selbst, im Zickzack durch die Ortschaften des

Weinviertels und Südmährens, nach Retz, Suchohrdly

u Znojmo, Poysdorf, Bulhary u Mikulova

bis in die Kreishauptstadt Brno und ins

Museumsquartier in Wien. Beim Aufbau des

virtuellen Grenzspaziergangs in den Gemeinden

wurde uns nicht nur praktische Hilfe zuteil,

die Darstellungen auf den Tafeln wurden

jeweils bereits vor der Eröffnung interessiert

kommentiert und ergänzt, Personen und Orte

wurden wiedererkannt.

Zu den Eröffnungen kamen unsere Interviewpartner/innen

als Ehrengäste. Manche von ihnen

begleiteten die Ausstellung sogar durch

mehrere Orte. Die letzte Station führte uns

schließlich ganz in den Süden Österreichs, an

die Grenze zu Slowenien, ins Pavel-Haus bei

Bad Radkersburg.

66

ANMERKUNGEN

1 Ein Projekt der ARGE grenzen erzählen in Kooperation mit Česky Svaz

Žen / jihomoravská krajská organizace und der ÖAR Regionalberatung

GmbH.

2 Vgl. Angelika Brechelmacher, Österreichs Politik auf der Suche nach

europäischer Identität – eine Analyse des politischen und medialen

Diskurses zur Entwicklung und Akzeptanz von „europäischer Identität“ zur

Zeit des österreichischen Ratsvorsitzes, in: Helmut Gruber – Florian Menz –

Oswald Panagl (Hg.), Sprache und politischer Wandel. Frankfurt u. a. 2003,

S. 131-150. – Angelika Brechelmacher, Identity by way of demarcation – the

discourse on the expansion of the European Union in Austria´s leading daily

papers, in: Anna Duszak (Hg.), Us and Others – Social identities across

languages, discourses and cultures. Amsterdam – Philadelphia 2002, S.

293-320.

3 Zitiert aus: Angelika Brechelmacher – Tanja Täuber – Gabriela Miechtner,

Putovní výstava „Historie a příběhy sousedství“ | Wanderausstellung

„Geschichte und Geschichten der Nachbarschaft“. Katalog zur

gleichnamigen Ausstellung und DVD „grenzen erzählen“. Wien 2005.

4 Katharina Eisch, Grenze. Eine Ethnographie des bayrisch-böhmischen

Grenzraums. München, 1996.

5 Franziska Autrieth, Kleinriedenthal, März 2004.

6 Maria Exel sen., Mitterretzbach, Dezember 2003.


Meje pripovedujejo

refleksije potujoče razstave

„Geschichte und Geschichten der

Nachbarschaft“ – „Zgodovina in zgodbe

sosedstva“ | Putovní výstava „Historie a

příběhy sousedství“ 1

Kot ARGE grenzen erzählen – meje pripovedujejo

smo si Tanja Täuber, Gabriela Miechtner

in jaz pred več kot dvema letoma zadale

nalogo, pogledati v ozadje javnega diskurza

o sosedskih odnosih med Čehi/njami in

Avstrijci/kami, ki je, od začetka pogajanj ob

največji širitvi Evropske unije doslej, zagrabila

avstrijske medije. Kakšne prispodobe,

stereotipe, centralno ugotovljene „strahove“

„Avstrijcev/k“ 2 utemeljujejo z raziskavami

javnega mnenja pred EU-pristopom Češke

republike? Je to bil le diskurz mestnih centrov,

ki potiska naprej nacionalne interese? Kakšen

je pogled na tako imenovano „periferijo“,

v sami obmejni regiji, glede na širitev? Ali

tudi tam prevladujejo nacionalni in vse do

nacionalistično oblikovanih „strahov“, ali pa

se je že zdavnaj razvila regionalna, čezmejna

zavest, ki v glavnem mestu Dunaju enostavno

(še) ni zaznana? Ta in podobna vprašanja

so nas zanimala. Odgovore smo si obetali

v regiji sami, na obeh straneh meje, najraje

od generacije, ki je sosedsko skupno življenje

doživela še pred postavitvijo železne zavese.

Meje pripovedujejo – zbiranje spominov.

Serija intervjujev „Frauen-leben an der Grenze“

– „Žensko življenje na meji“ je 2003 odprla niz

čezmejnih projektov ARGE meje pripovedujejo

v avstrijsko-češki obmejni regiji Weinviertel

– Južna Moravska. Najstarejša generacija je z

Meje pripovedujejo

medvojnim časom doživela periodo, v kateri

je bil stik med etnijama del vsakdana. Veliko

žensk in moških je ob materinščini obvladalo

tudi jezik sosedov, češko in nemško, nemško

in češko. Petnajst biografsko-narativnih

intervjujev z enajstimi povprečno 80-letnimi

ženskami in štirimi moškimi iste generacije

nam je omogočilo vpogled v otroštvo in

mladost tostran in onstran avstrijsko-češke

meje, v sosedske odnose, pa tudi v preganjanje

leta 1938 in v prisilno izselitev leta 1945. V

intervjujih smo včasih naleteli na stereotipe

etnične razmejitve in razvrednotenja. Zgodbe

osebnih srečanj pa so pokazale zlom teh

stereotipov in so vsekakor zrcalile sosedsko

bližino. Klišeji in njihov zlom, osebne izkušnje

v vsakdanjiku, so bili v središču našega

interesa.

Poslušati in gledati. Pripovedovalci/ke so

govorili po češko in nemško, pogosteje po

nemško. Včasih so sredi zgodbe zamenjali

jezik. Nekateri/e so tožili/e, da so večino besed

iz šolskega časa pozabili/e. Ko smo poleti 2004

z vsemi intervjuvanimi iz serije intervjujev

„Žensko življenje na meji“ organizirali v Retzu

internacionalni workshop „Meje pripovedujejo“,

je razumevanje potekalo vsekakor čudovito.

Na velikem pripovednem omizju so govorile

ženske in moški iz Suchohrdlyja, Retzbacha,

Brna, Hohenaua, Bulharyja in Poysdorfa o

svojem življenju v obmejni regiji in o odnosih

s sosedi in sosedami. Vsaka izjava je bila

simultano prevedena v en ali drug jezik.

Dve uri poslušanja, brez prekinitev, z veliko

pozornosti in medsebojnega spoštovanja. Kljub

njihovi deloma visoki starosti in napornemu

prihodu je sodelovalo okrog trideset oseb.

Skupno kosilo, malica in klepet v manjših

skupinah, so pripomogli k sproščenemu

67


Meje pripovedujejo

počutju do konca prireditve. Vse naše partnerje

in partnerke pogovora smo večkrat obiskali

doma. Z magnetofonskim trakom in kamero

smo dokumentirali pogovorne situacije.

Prepisane intervjuje smo še enkrat predložili

pripovedovalcem/kam, nesporazumi so bili

popravljeni. Zmeraj znova so na plano privreli

novi spomini, dopolnitve, vrinjeni odstavki.

Veliko časa smo si vzeli pri izboru osebnih

fotografij, ki naj bi dokumentirale razstavo ob

koncu projektne serije. Veliko popoldnevov

smo presedeli v Suchohrdlyju in Hohenauu

in drugih krajih in skupno listali po starih

fotografijah. K vsaki fotografiji nove zgodbe,

usode staršev in starih staršev, tet in stricev.

Kako naj obdržimo [rdečo] nit, zorni kot

razstave na otroštvo in mladost, sosedstvo v

obmejni regiji?

Posneli smo vse pogovore, jih zapisali in

prevedli. Priprava zadnje in največje postaje

našega potovanja skozi zgodbe in zgodovino

obmejne regije se je začela. Dvojezična potujoča

razstava „Zgodovina in zgodbe sosedstva“

| Putovní výstava „Historie a příběhy

sousedství“ in film v nemškem in češkem

jeziku „Meje pripovedujejo“ | „vyprávéní z

pohraniči“ naj bi doživeto naredila vidno,

neodvisno od političnih naravnanosti in

zgodovinskih analogij. Vsakdanjemu in tudi

posebnim „zgodbam iz sosedstva“ smo želeli

dati mesto na tej razstavi.

Socialno-antropološki zorni kot. 3 Raziskava

„meje pripovedujejo“ izhaja iz etnološke

predpostavke, da so kulture žive in v

nenehnem premikanju. Sosedsko medsebojno

delovanje različnih etničnih skupnosti

lahko na državni ravni spremlja nacionalna

razmejitev oz. izključevanje. To prehajanje

različnih družbenih dinamik se je v teku serije

68

intervjujev izkazalo kot težišče raziskave. Ne

samo sosedsko skupno življenje in čezmejne

slovesnosti, temveč tudi prisilno izseljevanje

in tradicionalni predsodki so vpleteni v

pripovedovanja. Naš „cilj je bil […] individualne

lastne podobe in podobe o svetu raziskati

in jemati resno, kot so bile pripovedovane.

[…] Zgodovinska globina raziskav pa je bila

nasprotno v veliki meri določena s samim

kolektivnim spominom: Zgodovina je bila

dodana, v kolikor je igrala zaznavno vlogo v

spominih in podobah identitete zaupnikov/

c.“(Eisch 1996) 4 .

Postavitev in oblikovanje potujoče razstave.

Razstava je bila oblikovana kot sprehod ob

osvetljenih inštalacijah vzdolž meje. Držale

smo se grobega kronološkega poteka. Nismo pa

se držale enotnega/poenotenega zornega kota.

Kot oblikovalke razstave poskakujemo sem ter

tja, prisluškujemo tod in onstran, spajamo in

ločujemo, tako da nizamo pripovedovane pasaže

tostran in onstran meje in s tem zavračamo

enoten nacionalni pogled. Pripovedi smo

samo obrobno povezale s tako imenovanimi

zgodovinskimi dejstvi. Na uvodnem panoju

smo naštele nekatere odločilne dogodke od

medvojnega časa do šestdesetih let. „Včasih

človek ne ve več, v katerem času in na kateri

strani meje se je pravkar zatopil v zgodbe, toda

mogoče je prav to ključna izjava,“ je zapisal

eden naših obiskovalcev v knjigo gostov. To je

bil tudi naš namen.

V kronološkem poteku sledimo življenjskemu

obdobju naših pogovornih partnerjev/ic:

Otroštvo in šola dokumentira prva leta življenja

naših intervjuvancev/k. Mnogi od njih so bili

v tistem času dvojezični.

Slovesnosti so igrale v pripovedovanih

biografijah pomembno vlogo. Bile so trenutki


kulturnih srečanj. Sejmi in poroke so nudili

priložnost sorodstvenih obiskov čez mejo.

Stereotipni prikazi ponujajo osnovo za

kulturne primerjave: „Ti so znali plesati, ti

južni Moravci! … tako kot so znali plesati

južni Moravci, tako ni znal plesati nihče. Ti so

plesali, levo in desno!“ 1

Kmetijstvo – maloobmejni promet – učna

doba – težki časi dokumentirajo zaslužek in

lokalno ter čezmejno gospodarsko prepletenost

v regiji. Tihotapske zgodbe, ljubko imenovane

„maloobmejni promet“, ponazarjajo najbolje:

„Po čevljih smo jih prepoznali, ali ti prihajajo

od tam preko. Ti [čevlji] so vsi imeli samo en

šiv od zadaj, da? Naši so imeli odzadaj trak

– in, če je imel nekdo čevlje s šivom od zadaj,

smo vedeli, to so poceni Bata čevlji. Od tam

so ljudje prišli z res pošvedranimi čevlji, na

poti domov pa so se preobuli in stare vrgli na

njivo.“ 5

Prelomi sosedstva združijo zgodbe sosedskega

položaja od priključitve Avstrije k nacistični

Nemčiji 1938 in anektiranja čehoslovaškega

področja s strani nacistov do odgovora

čehoslovaške vlade konec vojne, rigoroznega

prisilnega izseljevanja nemškogovorečega

prebivalstva od 1945.

Življenje na meji usmerja pogled še enkrat na

spremembe v obmejnem prostoru in s tem

povezano spreminjanje socialnih srečanj po

drugi svetovni vojni, v komunistični dobi in

po odprtju meja 1989.

S kratkimi biografijami so ob koncu razstave

predstavljeni/e pripovedovalci/ke. Fotografski

portreti prikazujejo situacijo pripovedovanja.

Dvojezičen zemljevid poenostavlja iskanje

omenjenih krajev. V obeh jeziki so poimenovani

kraji v južnomoravskem prostoru in s tem

omogočajo prostorsko določitev zgodb.

Zadnji del razstave končno dokumentira

potujočo razstavo samo, v cikcaku skozi kraje

Weinviertela in Južne Moravske, proti Retzu,

Suchohrdlyju in Znojmovem, Poysdorfu,

Bulharyju in Mikulovaji do okrožnega

glavnega mesta Brno in v muzejsko bivališče

na Dunaju. Pri postavitvi inštalacij v občinah

nismo dobile le praktične pomoči, predstavitve

na panojih so bile še pred otvoritvami z

zanimanjem komentirane in dopolnjene, osebe

in kraji prepoznani. K otvoritvam so prišli naši

intervjuvanci/ke kot častni/e gostje. Nekateri/

e od njih so spremljali/e razstavo skozi več

krajev. Zadnja postaja nas je peljala čisto na jug

Avstrije, na mejo s Slovenijo, v Pavlovo hišo v

Radgono.

OPOMBE

Meje pripovedujejo

1 Projekt ARGE grenzen erzählen – meje pripovedujejo je kooperacija z/s

kooperací: Česky Svaz Žen – jihomoravská krajská organizace in ÖAR

Regionalberatung GmbH

2 prim. Brechelmacher, Angelika (2003): Österreichs Politik auf der Suche

nach europäischer Identität – eine Analyse des politischen und medialen

Diskurses zur Entwicklung und Akzeptanz von „europäischer Identität“ zur

Zeit des österreichischen Ratsvorsitzes – Avstrijska politika na poti iskanja

evropske identitete – analiza političnega in medijskega diskurza za razvoj

in akceptanco „evropskih identitet“ v času avstrijskega predsedovanju

svetu, v: Gruber, Helmut; Menz, Florian; Panagl, Oswald (Hg.): Sprache

und politischer Wandel – Jezik in politična sprememba. Frankfurt et al.:

Peter Lang. S. 131-150. – Brechelmacher, Angelika (2002): Identity by way

of demarcation – the discourse on the expansion of the European Union in

Austria´s leading daily papers. v: Duszak, Anna (2002) (ed.): Us and Others

– Social identities across languages, discourses and cultures. Amsterdam

– Philadelphia: John Benjamins. S. 293-320. und 2002).

3 Citirano iz: Brechelmacher, Angelika; Täuber, Tanja; Miechtner, Gabriela

(2005): Putovní výstava „Historie a příběhy sousedství“ | Wanderausstellung

– Potujoča razstava „Geschichte und Geschichten der Nachbarschaft“/

„Zgodovina in zgodbe sosedstva“, katalog k istoimenski razstavi in DVD

grenzen erzählen – meje pripovedujejo. Wien: ARGE grenzen erzählen

4 Eisch, Katharina (1996): Grenze. Eine Ethnographie des bayrischböhmischen

Grenzraums – Meja: Etnografija bavarsko-češkega obmejnega

prostora

5 Maria Exel sen., Mitterretzbach, december 2003

69


70

ZUR PERSON – O AVTORJU

Angelika Brechelmacher

Dr in Angelika Brechelmacher arbeitet als Sozialanthropologin und Sprachwissenschaftlerin

in Wien. Sie interessiert sich für kollektive Ab- und

Ausgrenzung, sprachlich konstruierte Identitäten, ihre Verflechtungen

und Brüche. Als Shiatsu-Trainerin ist sie in der Erwachsenenbildung tätig.

– Dr in Angelika Brechelmacher dela kot socialna antropologinja in

jezikovna raziskovalka na Dunaju. Zanima se za kolektivno razmejitev in

izključevanje, jezikovno konstituirane identitete, njihovo prepletenosti in

navade. Kot predavateljica shiatsuja deluje pri izobraževanju odraslih.

DANKSAGUNG

Unser Dank gilt allen unseren Interviewpartnerinnen und -partnern für ihr

Vertrauen in unsere Arbeit und die offene und herzliche Atmosphäre bei den

gemeinsamen Begegnungen. Ausstellung und Film werden demnächst auf

der Homepage der ARGE grenzen erzählen www.grenzenerzaehlen.at installiert

und ab November 2005 virtuell begehbar sein. Interessierte können

den Katalog zur Ausstellung inklusive Film „vyprávéní z pohraniči“ | „grenzen

erzählen“ als DVD unter angelika.brechelmacher@uni-klu.ac.at bestellen.

Meje pripovedujejo

– Naša zahvala velja vsem našim intervjuvancen/kam za zaupanje pri našem

delu in za odprto in prisrčno vzdušje pri skupnih srečanjih. Razstava in film

bosta kmalu umeščena na spletno stran ARGE grenzenerzählen – www.

grenzenerzaehlen.at in od novembra 2005 kot virtualni sprehod po razstavi.

Zainteresirani lahko naročijo razstavni katalog skupaj s filmom „vyprávéní

z pohraniči“ | „grenzen erzählen – meje pripovedujejo“ kot DVD na naslovu

angelika.brechelmacher@uni-klu.ac.at.

PROJEKTTEAM – PROJEKTNA SKUPINA

Dr in Angelika Brechelmacher (Projektleiterin), Gabriela Miechtner, Maga

Tanja Täuber, Tina Hochkogler. Projektsupervision: Dr. Harald Payer,

ÖAR Regionalberatung GmbH. Kooperationspartnerinnen in der Tschechischen

Republik: RN Dr in Bronislava Milinková und Mgr. Margita Březnová/

ČSŽ – Tschechischer Frauenverband/Kreis Südmähren. – Dr in Angelika

Brechelmacher (vodja projekta), Gabriela Miechtner, Maga Tanja Täuber,

Tina Hochkogler. Projektni nadzor: Dr. Harald Payer, ÖAR Regionalberatung

GmbH. Partnerji kooperacije v Češki republiki: RN Dr in Bronislava Milinková

in Mgr. Margita Březnová / ČSŽ – Češko žensko združenje / okrožje Južna

Moravska.

FÖRDERUNGEN – PODPORE

Die Austellung wurde von Regionalentwicklungsfonds EFRE Wien, Kulturreferat

der NÖ Landesregierung und Frauenbüro der Stadt Wien gefördert,

die Videoproduktion durch das Kulturreferat der Stadt Wien. Finanzielle

Unterstützung der tschechischen Partnerinnen: Österreichisches Kulturforum

in Prag. Mit Unterstützung des Weinviertelfestivals 2004. – Dotacije:

Razstava je bila podprta s strani Regionalentwicklungsfonds EFRE

Wien (Sklada regionalnega razvoja EFRE Dunaj), Kulturreferat der NÖ

Landesregierung (Kulturnega referata deželne vlade Spodnje Avstrije), in

Frauenbüro der Stadt Wien (Ženske pisarne mesta Dunaja, video produkcija

s strani), Kulturreferat der Stadt Wien (Kulturnega referata mesta Dunaja).

Finančna podpora čeških partnerjev: Österreichisches Kulturforum in Prag

(Avstrijski kulturni forum iz Prage). V sodelovanju z Weinviertelfestivalom

2004.


Moč šibkih

Ženske v času kmečkega gospodarjenja

� Text: Irena Destovnik

Moč šibkih

V prispevku izhajam iz ugotovitev, ki sem jih opisala v knjigi Moč šibkih, Ženske v času kmečkega

gospodarjenja 1 in prikazala na razstavi z istim naslovom. Način življenja žensk iz kmečkega in

podkmečkega sloja sem raziskovala v Šentjanžu v Rožu in na Šentjanških Rutah, vaških skupnostih

na dvojezičnem območju južne Koroške, in sicer v obdobju druge polovice 19. in prve polovice

20. stoletja. 2 Omenjene ženske so zapustile sledi le v skopih zaznamkih v rojstnih, poročnih in

mrliških matičnih knjigah ter v notarskih aktih, predvsem v sklepih o odpravninah in ženitnih

pogodbah. Spomin nanje ohranjajo tudi njihove potomke, katerih mentalni svet se predvsem pri

starejših ni bistveno spremenil. Tradicionalni svet se je zrušil šele po drugi svetovni vojni, ko se je

vaška skupnost odprla navzven, družina pa zaprla navznoter.

Statistični podatki kažejo naslednjo sliko: leta 1883 je v obeh vaseh živelo 265 ljudi, vsi so bili

Slovenci, leta 1900 je tu živelo sedem Nemcev, leta 1910 pet, ob popisu prebivalstva leta 2002 pa

se je za govorce slovenskega jezika opredelilo okoli 23 odstotkov prebivalcev. Poklicna struktura

nekdaj kmečkega slovenskokoroškega prebivalstva, ki je danes v primerjavi z nemško krepko v

prid slovensko govorečim, se je začela spreminjati po letu 1957. Takrat je bila ustanovljena Zvezna

gimnazija za Slovence, pozneje pa še dve dvojezični višji šoli.

Z raziskavo sem hotela dokazati pomembnost gospodarske vloge žensk, ki so jo imele ženske

v času kmečkega gospodarjenja, kar pa v izbranem okolju ni bila lahka naloga. Viri, ki so na

razpolago, hkrati dokazujejo njihovo gospodarsko in družbeno podrejenost. Ker pa sem želela

oporekati mnenju o manjvrednosti dela, ki ni ovrednoteno z denarjem, sem ženske iskala tam, kjer

so bile najbolj prisotne in dejavne. Hkrati pa sem želela posledice delitve produkcije in reprodukcije

povezati s spremembami pojmov ženska, mati in gospodinja, saj je to vplivalo na današnji pomen

in položaj žensk tako v zasebnem kot javnem življenju.

Čeprav smo si ženske predvsem v 20. stoletju priborile številne politične pravice in pravice na

področju izobraževanja, zaposlitve ter socialnega varstva, analiza teh pravic pokaže, da ohranjajo

starodavne mite o ženski in moški naravi. Iluzijo linearnega razvoja je, poleg tega, da sta v 16.

stoletju cerkev in država reprodukcijo ljudi potisnili v »božje roke«, v obdobju industrializacije

porušil predvsem izgon žensk iz produkcijskega procesa. Moški so zasedli zunanji prostor, ženski

71


Moč šibkih

pa ostale v zasebnem. V kmečki ekonomiji,

ki je bila hišno in družinsko organizirana ter

brez ločnice med družinskim življenjem in

pridobitnim delom, so bile ženske kot delovna

sila na obeh področjih nepogrešljive. Tako

razloge za spolno delitev dela kot razliko med

vsakokratnim pomenom ženskega dela in

družbenim položajem žensk lahko prepoznamo

le, če upoštevamo vsa dela, ki so jih ženske

opravljale. Sodobna delitev dela na plačano

in neplačano delo je podobo ženskega dela

precej popačila. Koncept dela in naš odnos do

njega se stalno spreminjata; kaj se na področju

neplačanega ženskega dela vrednoti kot delo

in kaj kot prostočasna aktivnost, določa cena

storitve na trgu. Tudi današnje pojmovanje

kmečkega dela se je zaradi agrarnega prevrata

oblikovalo šele v drugi polovici 18. in v prvi

polovici 19. stoletja.

Čeprav so zaradi proletarizacije moške delovne

sile – leta 1935 je bilo v obeh vaseh kar 45,1

odstotka kajžarjev z manj kot petimi hektarji

zemlje – prvi gostači, označeni kot industrijski

delavci, v matičnih knjigah zapisani že leta

1888, pa njihovih družin še ne moremo označiti

kot delavske ali obrtniške. Sieder 3 piše, da so

prvi delavci družino kot gospodarsko skupnost

zamenjali s plačano zaposlitvijo, njihove

žene pa so za preživetje opravljale dela, ki so

presegala reprodukcijske naloge. Njihov način

preživetja je zaradi agrarnega ozadja še dolgo

temeljil na dvojni ekonomiji. Sieder je ta tip

družine poimenoval na pol odprta družinska

struktura. V zaprtih družinskih strukturah

ženske opravljajo samo reprodukcijske naloge.

Kmečko gospodarstvo je temeljilo na lastnini

zemlje in njej ustreznemu številu delovne sile,

temelj za poroko in lastno samostojnost je

bila dediščina. Na Koroškem je veljalo načelo

nedeljivosti oziroma pravo enega dednega

72

prevzemnika. Praviloma je dedoval najstarejši

sin, ki je moral ob prevzemu izplačati tako

imenovane odpravljene dediče. Prav zaradi

tega se je v kmečkem okolju izoblikoval

raznolik podkmečki sloj prebivalstva, ki se je

od kmečkega razlikoval zgolj glede socialne

strukture. Socialni statusi ženinov in nevest

pričajo o socialni endogamiji, vendar pa so se

znotraj slojev, vezanih na kmečko ekonomijo,

te meje lažje prekoračevale, kot pa med drugimi

sloji. Za večino ljudi so bili začasni izhodi iz

privilegiranih kmečkih slojev predvsem pred

poroko skorajda pravilo. Večje število kmečkih

sinov in hčera si je pred prevzemom lastništva

ali poroko služilo kruh kot hlapci ali dekle.

Neporočene kmečke hčere so po prevzemu

lastništva enega od sorojencev v matičnih

knjigah označene kot dekle ali gostačice.

Pari brez otrok so si zagotovili preživetje in

ohranitev kmetije tako, da so posest izročili

kakemu sorodniku ali dolgoletnemu poslu.

Pred industrializacijo je spolna delitev dela veljala

samo za moške. Ženske so vedno opravljale vsa,

moški pa le tako imenovana moška dela, to pa

je bilo povezano predvsem z ugledom. Bolj

kot so posamezna delovna opravila povezana

s samopreskrbo oziroma preživetjem družine

in ne prinašajo neposrednega zaslužka, bolj

postajajo ženska; bolj kot so tržno usmerjena in

povezana z zaslužkom, bolj so moška. Namen

porazdelitve vlog na temelju spola je določanje

mesta vsake osebe doma in v družbi, oziroma,

kot pravi Margaret Mead 4 , moški lahko dela

karkoli, da le to v njegovem okolju ne velja

za žensko delo. Kljub kulturnim razlikam je

vzorec univerzalen: ob prekoračitvi se moške

zasmehuje, ženske pa hvali. Tako moški kot

ženske so s ponosom pripovedovali o ženskah,

ki so opravljale moška dela, nihče pa ni

nobenega pomena pripisoval tipičnim ženskim


opravilom. Odgovori žensk o vrednotenju

lastnega dela odražajo družbeno vrednotenje.

Kljub jasni spolni obeleženosti posameznih del

in enosmernim prekoračitvam pa je v primerjavi

s kasnejšo delitvijo dela po spolu mogoče

za nazaj govoriti o dopolnjujočih oblikah

delitve dela med zakoncema. Če dokazujemo

gospodarsko nepogrešljivost žensk le s tem,

da so opravljale najtežja fizična dela, na neki

način utrjujemo odnos, ki ga ima potrošniška

družba do gospodinjstva. Ker denar v družinski

ekonomiji ni bil nekaj običajnega, so ženske

s posebnimi strategijami poskrbele za čim

manjše stroške pri oskrbi družine s prehrano,

obleko, zdravjem in izobraževanjem.

Večina avtorjev razume kmečki način

gospodarjenja kot kombinacijo bivanja in dela,

ki ženskam omogoča hkratno opravljanje

produkcijske in reprodukcijske vloge. Kljub

visokemu moralnemu pomenu materinstva,

na katerem je gradila predvsem cerkev, pa je

bila ženska pomembnejša kot delovna sila.

Kmečka ekonomija je tudi nezakonskim

materam in njihovim otrokom omogočala

preživetje, saj so bili nepogrešljivi za kmečko

družbo, ki je potrebovala številno delovno

silo. Iz ekonomskih razlogov je bila Koroška

dežela z najmanjšim številom poročenih

ljudi in največjim deležem nezakonskih

otrok. Leta 1890 jih je bilo na Koroškem 45,

na območju celotne Avstro-Ogrske pa 15

odstotkov. Med letoma 1832 in 1945 se je v

obeh vaških skupnostih rodilo 17 odstotkov

nezakonskih otrok. Več kot polovico so jih

rodile hčere večjih posestnikov, le 15 odstotkov

je bilo dekel, 24 odstotkov pa gostačic. Številke

ilustrirajo ekonomsko ozadje velikega števila

nezakonskih otrok, načine preživetja njihovih

mater pa opisujejo posamezne življenjske

zgodbe.

Moč šibkih

Rodnost se je začela zmanjševati šele, ko

zemlja ni bila več pogoj za preživetje, skrb

za nepreskrbljene družinske člane pa se je

iz družinske mreže prenesla na državne

ustanove. Državni skrbstveni sistem je družino

razbremenil skrbi za šibkejše družinske člane;

splošna socialnopolitična zakonodaja, ki so jo

države Srednje in Zahodne Evrope sprejemale

v zadnjih letih 19. in prvih letih 20. stoletja,

je bila odgovor na probleme industrijskega

kapitalizma. Čeprav je vlada že leta 1909

sprejela prvi predlog kmečkega zavarovanja,

ta ni bila sprejet, saj naj bi kmetje zaradi

neustrezne posestne strukture in številčne

prevlade malih kmetov ne prenesli finančnih

bremen socialnega zavarovanja. V Avstriji so

se kmetje lahko zdravstveno zavarovali šele

leta 1965, pokojninsko pa leta 1969.

Niti kmečke družine niti medsebojnih čustev

njenih članov ni mogoče obravnavati ločeno

od kmečke ekonomije. Ljudje so se pri izbiri

zakonskega partnerja dobro zavedali, da je

lastnina zemlje temelj preživetja ne le zanje,

temveč tudi za druge družinske člane. Zaradi

ponotranjenih vrednot so nezavedno upoštevali

ekonomske zahteve, ki niso dopuščale izbire

ter jim ni bilo kam uiti. V obdobju tako

imenovanega baby-booma sredi 20. stoletja

se je prvič v evropski zgodovini lahko vsak

odrasel in polnoleten državljan poročil brez

zakasnitve. Takrat se je ustanovitev družine

spremenila iz privilegija v družbeno normo.

Spomin na otroke, ki so umrli v prvih treh

letih življenja, se v družinskem spominu ni

ohranjal. Podatki iz rojstnih in mrliških knjig

pričajo, da je bila smrtnost otrok največja v

prvem letu. Prvi babiški tečaji v Celovcu so se

začeli že leta 1753; pouk naj bi bil vse do leta

1893 v slovenskem jeziku. Splošno bolnišnico,

v kateri so uredili tudi porodniški oddelek, so

73


Moč šibkih

zgradili leta 1784. Od ustanovitve bolnišnice

do prvega poroda ženske iz Šentjanža, to je

leta 1933, je minilo celih 149 let. Ta podatek ne

govori o težavah uvajanja strokovno vodenih

porodov na podeželje, saj porodnišnice dolgo

niso bile namenjene poročenim ženskam in

vdovam, temveč praktičnemu učenju babic

na nezakonskih materah in drugih ženskah

v stiski. V vasi so ženskam vse do leta 1842

pri porodu pomagale neizprašane babice. Od

tega leta je tudi avstrijski kazenski zakonik

predvideval hude kazni za opravljanje porodne

pomoči brez izobrazbe oziroma dovoljenja.

S pripovedovanjem o ženskah kot skupini, ki

se o kontracepciji med seboj v preteklosti ni

pogovarjala, so se ženske izognile osebnim

izpovedim. Krščanska morala je od njih

zahtevala, da so smele biti ali device ali matere,

ne pa samostojna spolna bitja. Da kot spolna

bitja niso obstajale, potrjujejo izjave, da večina

deklic ni opazila materine nosečnosti, tabu pa

so bili tudi pogovori o menstruaciji.

Zaposleno mater kot predmet sočutja je

ustvarilo šele določeno obdobje. Do kmečkih

žensk in žensk iz podkmečkega sloja, ki so

morale zaradi dela svoje otroke prepuščati

drugim osebam, puščati same brez varstva ali

pa jih za pastirje ali pestrne prepuščati drugim

kmetom, imajo ljudje povsem drugačen odnos,

kot do zunaj doma zaposlenih žensk. Iste

ženske, ki so vse življenje trdo delale na kmetiji

in hkrati skrbele za otroke, danes nasprotujejo

zaposlovanju žensk.

Kmalu po prvih razgovorih z ženskami, ki

so obe vlogi v preteklosti še združevale, sem

postavila trditev, da je povečana zaščita žensk

na področju medicinskega varstva predvsem

v zvezi z zaščito materinstva potekala hkrati

z zmanjševanjem pomena žensk na področju

produkcije. Zanimalo me je, kdaj sta se ti

74

pravici izoblikovali in zakaj. Ali so bili ti ukrepi

sprejeti zaradi žensk samih ali zaradi utrjevanja

ideologije, ki je žensko po ločitvi produkcije

in reprodukcije izrinila iz delovnega procesa.

Izkazalo se je, da zakonodaja s področja

zaščite materinstva s svojo vsebino oblikuje in

vzdržuje mnenje o primarni oziroma naravni

vlogi žensk, ki naj bi bila predvsem skrb za

otroke in druge družinske člane.

Zaradi takratnega načina dela je prevladujoči

družbeni diskurz, ki ga je oblikovala cerkev,

kot največjo vrednoto poudarjal delavnost

ženske in njeno skrb za druge. Družbeno

zaželeno žensko telo še ni bilo fizično šibko

telo, temveč objekt, s katerim se dela; človek

je bil vreden toliko, kolikor je lahko s svojim

telesom naredil. Noseče ženske so brez vsake

zaščite delale do poroda in takoj po njem.

Ker ženske še niso bile odvisne od nihanj na

trgu delovne sile, na družbeno konstrukcijo

ženskega telesa medicina še ni imela vpliva. Z

njeno pomočjo je država pozneje uravnavala

dostop do zaposlitve zunaj doma in si na ta

način v času, ki je ženskam kot smisel življenja

narekoval materinstvo, zagotavljala rezervno

armado poceni delovne sile. Šele feministične

raziskave skrbstvene zakonodaje so pokazale,

da ima navzven sicer nevtralna zakonodaja

drugačne posledice za moške kot za ženske.

Socialna in medicinska skrb za mater in

otroka sta nujni; z njima je nekaj narobe,

kadar sta utemeljeni na ideologiji in povezani

s prebivalstveno politiko. Zakonodaja, ki k

izpolnjevanju določenih ciljev usmerja vse

ženske, ne upošteva pa njihovih interesov, je

problematična. Danes se nataliteta znižuje

predvsem v državah s konzervativno spolno

ideologijo in slabo organizirano družbeno

skrbjo za otroke. Stopnja družbene skrbi je

vedno odvisna od stanja na trgu delovne


sile: ko država potrebuje ženske kot delovno

silo, hkrati pa ne želi, da bi se rodilo manj

otrok, poskrbi za zaščitne ukrepe, med

povečano brezposelnostjo pa se državna

zaščita materinstva zmanjša, prednost pri

zaposlovanju imajo moški, v ospredju pa je

ideologija, usmerjena v družinske vrednote.

Kot piše Steinman 5 , je moderna družba sicer

ustvarila možnosti za enakopravnost med

moškimi in ženskami, ohranila ali celo okrepila

pa je razliko med moškostjo in ženskostjo.

Tudi splošno veljavne psihološke in vzgojne

znanosti, ki določajo temeljne karakteristike

otrokovega razvoja, otežujejo odločitve žensk

za zaposlitev zunaj doma. Denise Riley 6 je z

razčlenitvijo obstoječih psiholoških razprav o

razvoju otroka in njegovi življenjski odvisnosti

od matere ugotovila, da so te nastajale v tesni

zvezi s konkretnimi vladnimi zahtevami, z

demografsko politiko, s politiko zaposlovanja

in programi političnih strank. Christiane

Olivier 7 piše, da človek ne more brez tveganja

tako radikalno ločiti produkcije od reprodukcije.

Ločitev je imela posledice za oba spola, tako na

področju delitve dela kot vsebine družinskih

vlog, predvsem pa je vplivala na odnos med

zasebnim družinskim življenjem in javnim

svetom dela. Gospodinjsko delo se je začelo

opravljati v imenu ljubezni, pravo pridobitno delo

pa naj bi potekalo zunaj doma. Tudi tehnizacija

kmetijstva je hkrati z intimizacijo družine

ženske vedno bolj izrinjala iz produkcije. S

spremenjenima vlogama gospodinje in matere,

ki nista več le funkcionalni, temveč sta hkrati

nosilki posebnih simbolnih pomenov, sta se

začela zasebni in javni prostor ločevati tudi

na podeželju. Izvor ambivalentnega odnosa

do žensk v današnji družbi vedno več avtoric

in avtorjev išče v ideologiji, ki je izključno

ženskam naprtila odgovornost za otroke. Po

Giddensu 8 ima prevlada matere v zgodnji skrbi

za otroka globoke psihološke posledice za oba

spola. Danes se psihična struktura pri majhnih

deklicah in dečkih oblikuje ob odsotnosti očeta,

zaradi česar se ti ne morejo naučiti bistvenega

za komunikacijo v odraslosti, to je spoštovanja

drugega zaradi njega samega. Predvsem pa

otroci v podobi matere ne prepoznajo kulturno

dostopne in spoštovane podobe ženske, ker

jo doživljajo le v njeni materinski funkciji. S

strategijami združevanja obeh vlog se ženska

danes spoprijema, kot da je to njen zasebni

problem. Demokratizacija zasebnega življenja

bi uspela le – o tem sta pisala Giddens in

Olivierjeva -, če bi otroci od prvega dne rasli

skupaj z žensko in moškim, ki bi se svobodno in

suvereno gibala na vseh področjih družbenega

življenja.

O AVTORJU – ZUR PERSON

Irena Destovnik

Irena Destovnik je diplomirana univerzitetna

etnologinja in sociologinja kulture. Ima

status samostojne ustvarjalke na področju

kulture-kustosinje in je stalna zunanja

sodelavka Slovenske prosvetne zveze v

Celovcu. – Irena Destovnik ist diplomierte Ethnologin

und Kultursoziologin. Sie ist im Kulturbereich

selbständig tätig (u. a. als Kustos) und

ist ständige externe Mitarbeiterin beim Slowenischen

Kulturverband in Klagenfurt.

OPOMBE

Moč šibkih

1 Irena Destovnik: Moč šibkih, Ženske v času kmečkega gospodarjenja.

Slovenska prosvetna zveza (izd.), Drava (zal.), Celovec 2002, 240 str.

2 Naročnik raziskave je bila Slovenska prosvetna zveza v Celovcu, ena od

obeh osrednjih kulturnih organizacij koroških Slovencev.

3 Reinhard Sieder, Socialna zgodovina družine. Ljubljana 1998, S. 174–176.

4 Vgl. Michael Mitterauer, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in

vorindustrieller Zeit, in: Beiträge zur historischen Sozialkunde 11, Salzburg

1981, S. 81.

5 Vgl. Ann Oakley, Gospodinja. Ljubljana 2000, S. 97.

6 Vgl. Eva Bahovec, Predavanje za uvod: Feminizem in materinstvo, in: Delta

– Revija za ženske študije in feministično teorijo 1–2. Ljubljana 1995, S.

47.

7 Christiane Olivier, Die Söhne des Orest. Ein Plädoyer für Väter. München

1997, S. 197.

8 Anthony Giddens, Preobrazba intimnosti: Spolnost, ljubezen in erotika v

sodobnih družbah. Ljubljana 2000, S. 135–136.

75


Die Kraft der Schwachen

Die Kraft der Schwachen

Die Frauen im Zeitalter der bäuerlichen

Wirtschaft

Dieser Beitrag geht von den Feststellungen

aus, die ich im Buch „Moč šibkih, Ženske v

času kmečkega gospodarjenja“ (Die Kraft der

Schwachen, Die Frauen im Zeitalter der bäuerlichen

Wirtschaft) 1 getroffen habe und die

bei der gleichnamigen Ausstellung dargestellt

wurden. Ich untersuchte die Lebensweise der

Frauen aus der Schicht der Bauern sowie der

Knechte und Mägde in St. Johann im Rosental

und in Rabenberg – in Dorfgemeinschaften im

zweisprachigen Gebiet Südkärntens – zur Zeit

der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte

des 20. Jahrhunderts. 2 Die genannten Frauen

hinterließen ihre Spuren nur in knappen

Vermerken in Geburten- und Sterbebüchern,

Heiratsregistern und Notariatsakten, meistens

in den Beschlüssen über Abfertigungen und

in Heiratsverträgen. Die Erinnerung an diese

Frauen bewahren auch die weiblichen Nachkommen,

deren mentale Welt sich vor allem

bei älteren Frauen kaum geändert hat. Die traditionelle

Welt brach erst nach dem Zweiten

Weltkrieg zusammen, als sich die Dorfgemeinschaft

nach außen hin öffnete, die Familie sich

hingegen nach innen zurückzog.

Die statistischen Daten zeigen folgendes Bild:

Im Jahre 1883 lebten in beiden Dörfern 265

Menschen, und zwar ausschließlich Slowenen;

im Jahre 1900 lebten hier sieben Deutschsprachige,

im Jahre 1910 fünf, bei der Volkszählung

2002 definierten sich 23% der Bevölkerung als

slowenischsprachig. Die berufliche Struktur

der einst bäuerlichen slowenischsprachigen

Bevölkerung in Kärnten begann sich nach dem

Jahr 1957 zu ändern. Damals wurde das Bun-

76

desgymnasium für Slowenen gegründet, später

folgten noch zwei weitere zweisprachige

höhere Schulen.

Mit der vorliegenden Studie wollte ich die Bedeutung

der wirtschaftlichen Rolle der Frauen

darlegen, die sie in den Zeiten des bäuerlichen

Wirtschaftens spielten, was im ausgewählten

Umfeld sicherlich keine leichte Aufgabe war.

Die zur Verfügung stehenden Quellen belegen

die zugleich wirtschaftliche und soziale

Schlechterstellung der Frauen. Da ich aber

der Auffassung widersprechen wollte, dass Arbeit,

die nicht bezahlt wird, minderwertig sei,

suchte ich die Frauen dort, wo sie am stärksten

vertreten waren. Zugleich wollte ich die Folgen

der Produktions- und Reproduktionsteilung

mit den Veränderungen des Begriffes der

Frau, Mutter und Hausfrau verbinden, da genau

dies großen Einfluss auf die Position der

Frau sowohl im privaten als auch im öffentlichen

Leben hatte.

Obwohl sich die Frauen vor allem im 20. Jahrhundert

politische Rechte, Rechte im Bereich

der Ausbildung, des Berufs und des Sozialrechts

erkämpft haben, zeigt eine Analyse,

dass diese den altertümlichen Mythos über

die Natur von Mann und Frau aufrechterhalten.

Die Illusion einer linearen Entwicklung

ist, abgesehen davon, dass im 16. Jahrhundert

sowohl die Kirche als auch der Staat die Menschenreproduktion

in die „Hände Gottes“ legten,

in der Industrialisierungsperiode vor allem

mit der Verdrängung der Frau aus dem Produktionsprozess

zerstört worden. Die Männer besetzten

den äußeren, öffentlichen Raum, die

Frauen blieben im privaten Bereich.

In der bäuerlichen Wirtschaft, die auf Haushalt

und Familie basierte und wo es keine

Trennlinie zwischen Familienleben und Erwerbstätigkeit

gab, waren die Frauen als Ar-


eitskraft in beiden Bereichen unabkömmlich.

So können wir sowohl die Gründe für die geschlechtliche

Arbeitsteilung als auch die Unterschiede

zwischen der Bedeutung der Arbeit

und der gesellschaftlichen Lage der Frauen nur

dann erkennen, wenn wir alle Arbeiten in Betracht

ziehen, die von Frauen erledigt wurden.

Die moderne Arbeitsteilung in bezahlte und

unbezahlte Arbeit führt zu einem verfälschten

Bild der Frauenarbeit. Die Arbeitsabläufe und

unsere Einstellung dazu ändern sich ständig;

was im Bereich der unbezahlten Frauenarbeit

als Arbeit bewertet wird und was zur Freizeitaktivität

zählt, bestimmt der Dienstleistungspreis

am Markt. Auch die heutige Auffassung

der Bauernarbeit hat sich erst mit der Agrarrevolution

in der zweiten Hälfte des 18. und in

der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet.

Infolge der Proletarisierung der männlichen Arbeitskraft

– im Jahre 1935 besaßen in den beiden

Dörfern 45,1 % der Keuschler weniger als 5

ha Anbaufläche – wurden die ersten Bewohner

bereits im Jahre 1888 im Personenstandbuch

als industrielle Arbeiter eingetragen. Dennoch

können ihre Familien noch nicht als Arbeiter-

oder Handwerkerfamilien bezeichnet werden.

Reinhard Sieder 3 schreibt, dass bei den ersten

Arbeitern die Familie als wirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft

von der Lohnarbeit abgelöst

wurde, ihre Frauen übten die für das Überleben

notwenigen Arbeiten aus. Die Lebensweise basierte

wegen des agrarischen Hintergrundes

noch lange auf dieser Doppelwirtschaft. Sieder

bezeichnet diese Art der Familie als halboffene

Familienstruktur. In geschlossenen Familienstrukturen

hingegen üben die Frauen nur die

Mutterrolle aus.

Die bäuerliche Wirtschaft basierte auf Landeigentum

und einer entsprechenden Zahl an

Die Kraft der Schwachen

Arbeitskräften, die Grundlage für Heirat und

eigene Selbstständigkeit war die Erbschaft.

In Kärnten galt das Prinzip der Unteilbarkeit

des Besitzes bzw. eines einzigen Erbfolgers.

In der Regel erbte der älteste Sohn, der bei der

Übernahme die abgefertigten Erben auszahlen

musste. Gerade dies war der Grund, dass

sich eine bäuerliche Unterschicht bildete, die

sich von den Bauern in der sozialen Struktur

unterschied. Der soziale Status der Brautpaare

zeugt von einer sozialen Endogamie, jedoch

konnten innerhalb der Bevölkerungsschichten,

die von der Landwirtschaft lebten, die Grenzen

leichter überschritten werden als bei anderen

Bevölkerungsgruppen. Für die Mehrheit

der Menschen war der vorübergehende Austritt

aus der privilegierten bäuerlichen Schicht

vor der Ehe fast die Regel. Viele Bauernsöhne

und Bauerntöchter verdingten sich vor der Besitzübernahme

oder vor der Heirat als Knechte

oder Mägde. Unverheiratete Bauerntöchter

wurden nach der Besitzübernahme durch eines

der Geschwister im Standesregister als

Mägde oder Inwohner bezeichnet. Kinderlose

Paare sicherten sich das Überleben und den Erhalt

ihres Bauernhofs durch die Übergabe des

Besitzes an einen Verwandten oder an einen

langjährigen Dienstboten.

Vor der Industrialisierung galt die geschlechtliche

Arbeitsteilung nur für Männer. Frauen erledigten

immer alle Arbeiten, Männer nur die

so genannten Männerarbeiten, was vor allem

mit dem Ansehen zu tun hatte. Je mehr eine

Arbeit mit der Selbstversorgung bzw. mit der

Sicherung des Überlebens der Familie zu tun

hat und keine direkten Gewinne bringt, desto

mehr wird sie zur so genannten Frauenarbeit;

je mehr sie marktorientiert und mit einem Verdienst

verbunden ist, desto mehr wird sie zur

so genannten Männerarbeit. Der Sinn der Rol-

77


Die Kraft der Schwachen

lenverteilung auf Basis der Geschlechter liegt in

der Stärkung der Position jedes Individuums in

der Familie und in der Gesellschaft bzw., wie

Margaret Mead 4 sagt, könne der Mann alle Arbeiten

erledigen, solange diese in seinem Umfeld

nicht als „Frauenarbeiten“ bezeichnet werden.

Trotz kultureller Unterschiede gilt dieses

Muster als universell: Bei Übertretung dieser

Schranke werden die Männer verspottet, die

Frauen hingegen gelobt. Sowohl Männer als

auch Frauen waren voll Anerkennung über diejenigen

Frauen, die so genannte Männerarbeiten

erledigten, niemand jedoch maß den typischen

Frauenarbeiten eine Bedeutung zu. Die

Antworten der Frauen über die Bewertung der

eigenen Arbeit reflektieren deren gesellschaftliche

Bewertung. Trotz der klaren geschlechtlichen

Prägung einiger Arbeiten kann man –

im Vergleich mit der späteren geschlechtlichen

Arbeitsteilung – im Nachhinein von einer ergänzenden

Form der Arbeitsteilung zwischen

den Eheleuten sprechen.

Die meisten Autoren verstehen die bäuerliche

Art des Wirtschaftens als eine Einheit aus Leben

und Arbeit, die es den Frauen ermöglicht,

gleichzeitig Produktions- und Mutterrolle zu

meistern. Trotz der hohen moralischen Bewertung

der Mutterschaft, die vor allem die Kirche

betonte, war die der Rolle Frau als Arbeitskraft

wichtiger. Die bäuerliche Wirtschaft ermöglichte

auch den unehelichen Müttern und ihren

Kindern das Überleben, vor allem deshalb,

weil sie für die bäuerliche Gesellschaft, die viele

Arbeitskräfte brauchte, unabkömmlich waren.

Diese wirtschaftlichen Gesichtspunkte waren

ein Grund dafür, dass Kärnten die niedrigste

Zahl an verheirateten Personen und den größten

Anteil an unehelichen Kindern aufwies.

Im Jahre 1890 betrug dieser Anteil in Kärnten

45, in der gesamten Donaumonarchie hinge-

78

gen nur 15 Prozent. Zwischen 1832 und 1945

kamen in den beiden Dorfgemeinschaften 17

Prozent der Kinder unehelich zur Welt. Mehr

als die Hälfte brachten die Töchter der großen

Grundbesitzer zur Welt, nur 15 Prozent der ledigen

Mütter waren Mägde und 24 Prozent

Inwohnerinnen. Diese Zahlen illustrieren den

wirtschaftlichen Hintergrund der vielen unehelichen

Kinder.

Die Geburtenrate begann erst zu sinken, als

die Agrarwirtschaft nicht mehr eine Voraussetzung

für das Überleben war. Die Sorge um

unversorgte Familienmitglieder wurde von

den Familien auf die staatlichen Institutionen

übertragen. Das staatliche Fürsorgesystem

nahm den Familien die Versorgung der schwächeren

Familienmitglieder ab. Die allgemeine

sozialpolitische Gesetzgebung, die von den

mittel- und westeuropäischen Ländern Ende

des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts

eingeführt wurde, war eine Reaktion

auf die Probleme des industriellen Kapitalismus.

Obwohl die Regierung schon im Jahre

1909 die erste Gesetzesvorlage für eine Sozialversicherung

der Bauern einbrachte, wurde das

Gesetz nicht beschlossen, weil man der Meinung

war, dass die Bauern wegen der ungünstigen

Besitzstruktur – die Mehrheit waren

Kleinbauern – die finanzielle Last der Sozialversicherung

nicht tragen können. In Österreich

wurde die bäuerliche Sozialversicherung

erst im Jahre 1965 eingeführt, die Pensionsversicherung

1969.

Die Entwicklungen in der Landwirtschaft können

nicht getrennt von der emotionalen Situation

der bäuerlichen Bevölkerung betrachtet

werden. Die Menschen waren sich bei der Partnersuche

der Tatsache bewusst, dass Grundbesitz

die Basis für die Gründung einer Familie

ist. Erst in der so genannten Baby-Boom-Periode


Mitte des 20. Jahrhunderts konnte zum ersten

Mal in der Geschichte Europas jeder volljährige

Bürger heiraten, die Gründung einer Familie

war nicht länger ein Privileg der Besitzenden,

sondern wurde zur gesellschaftlichen Norm.

Die Daten aus dem Geburten- und Sterbebuch

belegen, dass die Sterberate der Kinder im ersten

Lebensjahr am höchsten war. Die ersten

Hebammenkurse wurden in Klagenfurt bereits

im Jahre 1753 durchgeführt, der Unterricht

wurde bis 1893 in slowenischer Sprache

abgehalten. Das allgemeine Krankenhaus, in

dem auch eine Entbindungsstation eingerichtet

war, wurde im Jahre 1784 errichtet. Dennoch

kam es dort erst ab dem Jahre 1933 zu

Entbindungen in größerer Zahl. Die Krankenhäuser

wurden lange nicht von verheirateten

Frauen aufgesucht, sondern dienten in erster

Linie einem praxisorientierten Unterricht für

Hebammen an unehelichen Müttern und anderen

Frauen in Not. Auf dem Land halfen bis

zum Jahr 1842 vor allem nicht geschulte Hebammen

bei den Entbindungen. Ab diesem Jahr

sah das österreichische Strafgesetzbuch strenge

Strafen für die Ausübung der Geburtenhilfe

ohne Ausbildung bzw. Zulassung vor.

Aus Interviews geht hervor, dass Sexualität

und Verhütung in der Vergangenheit ein stark

tabubehaftetes Thema waren, selbst wenn

Frauen unter sich waren. Das war vor allem

eine Folge der katholischen Moralverstellung,

die die Frau entweder als Jungfrau oder Mutter,

nicht aber als eigenständiges geschlechtliches

Wesen sah. Das bekräftigen auch Aussagen,

wonach die meisten Mädchen die Schwangerschaft

ihrer Mütter nicht bemerkten.

Während es bei Bäuerinnen als normal betrachtet

wurde, dass sie ihre Kinder auf Grund der

Arbeit anderen Personen anvertrauen mussten

oder sie ohne Aufsicht ließen, wurden berufs-

Die Kraft der Schwachen

tätige Frauen, die das Gleiche taten, scheel angesehen.

In Gesprächen mit Frauen, die in der Vergangenheit

Mutterschaft und Beruf vereinten,

zeigte sich, dass sich diese heute gegen die Berufstätigkeit

von Frauen aussprechen. Darüber

hinaus konnte ich feststellen, dass durch die

Einführung Mutterschaftsschutzes die Bedeutung

der Frau im Bereich der Produktion sank.

Mein Interesse bestand vor allem in der Frage,

vor welchem Hintergrund die Gesetze über

den Mutterschaftsschutz eingeführt wurden.

Wurden diese Maßnahmen wegen der Frauen

selbst ergriffen oder wollte man dadurch jene

Ideologie verfestigen, die die Frauen aus dem

Arbeitsprozess hinausdrängte. Es stellte sich

heraus, dass die Intention des Mutterschaftsschutzes

darin bestand, den Frauen ihre „natürliche“

Rolle zuzuweisen, die primär in der

Sorge um die Kinder und andere Familienmitglieder

bestehe. Dieses Bild der Frau als Mutter

und Fürsorgerin wurde auch stark von der Kirche

geprägt.

Ein schlanker Körper stellte damals kein Idealbild

dar, denn er war Ausdruck physischer

Schwäche, und dem Menschen wurde soviel

Wert beigemessen, als er körperlich leisten

konnte. Schwangere Frauen arbeiteten ohne

jedweden Schutz bis zur Entbindung und auch

danach setzen sie ihre Arbeit gleich wieder

fort.

Feministische Untersuchungen der auf den ersten

Blick geschlechtsneutralen Sozialgesetzgebung

zeigten, dass diese unterschiedliche Folgen

für Frauen und für Männer hatte.

Soziale Rechte und medizinische Versorgung

von Mutter und Kind sind zweifelsfrei erforderlich

und wünschenswert, dürfen aber nicht

für ideologische und bevölkerungspolitische

Ziele instrumentalisiert werden. Die Gebur-

79


Die Kraft der Schwachen

tenrate sinkt vor allem in Ländern mit einer

wertkonservativen Vorstellung der Geschlechterrolle

und einem Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen.

Der Stellenwert der staatlichen

Obsorge für Mutter und Kind hängt

immer von der Arbeitsmarktsituation ab:

Wenn Frauen als Arbeitskräfte benötigt werden

und gleichzeitig ein Absinken der Geburtenrate

verhindert werden soll, sorgt der Staat

für soziale Maßnahmen, während hingegen in

Zeiten steigender Arbeitslosigkeit der staatliche

Mutterschutz sinkt. Am Arbeitsmarkt haben

Männer gegenüber Frauen den Vorrang, und

es rückt eine auf konservativen Familienwerten

basierende Ideologie in den Vordergrund.

Wie Ann Steinmann 5 schreibt, schuf die moderne

Gesellschaft zwar die Möglichkeit der

Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau,

zugleich wurde aber der Unterschied zwischen

Männlichkeit und Weiblichkeit bewahrt oder

sogar gestärkt.

Denise Riley 6 stellte im Vergleich psychologischer

Abhandlungen bezüglich der Kindesentwicklung

fest, dass diese Forschungen unter

Einflussnahme konkreter Forderungen der

jeweiligen Regierung bezüglich der Bevölkerungs-

und Beschäftigungspolitik zustande

kamen.

Christiane Olivier 7 vertritt die Meinung, dass

man die Erwerbstätigkeit von der Familienplanung

nicht völlig trennen kann. Eine Trennung

hat für beide Geschlechter Folgen – sowohl bei

der Arbeitsteilung als auch im Bereich der Rollenverteilung

in den Familien. Vor allem aber

beeinflusst sie die Beziehung zwischen Familienleben

und Arbeitswelt. Die Haushaltsarbeit

erledigt man als „Zeichen der Liebe“, doch

die „richtige“ Erwerbstätigkeit sollte außerhalb

der eigenen vier Wände stattfinden. In der

Landwirtschaft wurden die Frauen durch die

80

Technisierung immer mehr aus der Produktionsrolle

gedrängt. Die Rolle der Hausfrau und

Mutter, wurde nicht mehr nur funktionell gesehen,

sondern bekam auch einen besonderen

symbolischen Wert beigemessen, und so begannen

sich auch auf dem Land privater und

beruflicher Bereich zu trennen.

Die Ursache der ambivalenten Beziehung der

heutigen Gesellschaft gegenüber Frauen wird

von immer mehr Autorinnen und Autoren in

der Ideologie gesucht, die den Frauen die Verantwortung

für die Kinder zuweist. Nach Anthony

Giddens 8 hat die bedeutende Rolle der

Mutter in der Anfangsphase der Kindererziehung

sowohl für die Frau als auch für den

Mann tief greifende psychologische Konsequenzen.

Die psychische Struktur der Kinder

wird heute durch die Abwesenheit des Vaters

geprägt, weshalb sie grundlegende Kenntnisse

für die Kommunikation im Erwachsenalter

nicht erlernen können, d. h. das Respektieren

des Anderen. Die Demokratisierung des privaten

Lebens kann nur dann erfolgreich sein –

darüber diskutierten schon Anthony Giddens

und Christiane Olivier – wenn die Kinder mit

beiden Elternteilen aufwachsen, die sich beide

in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens

frei und souverän bewegen können.

ANMERKUNGEN

1 Irena Destovnik, Moč šibkih, Ženske v času kmečkega gospodarjenja. Hg v.

Slovenska prosvetna zveza. Klagenfurt/Celovec 2002.

2 Der Auftraggeber der vorliegenden Studie ist der Slowenische Kulturverband

in Klagenfurt, eine der beiden zentralen Kulturorganisationen der Kärntner

Slowenen.

3 Reinhard Sieder, Socialna zgodovina družine. Ljubljana 1998, S. 174–176.

4 Vgl. Michael Mitterauer, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in vorindustrieller

Zeit, in: Beiträge zur historischen Sozialkunde 11, Salzburg 1981, S.

81.

5 Vgl. Ann Oakley, Gospodinja. Ljubljana 2000, S. 97.

6 Vgl. Eva Bahovec, Predavanje za uvod: Feminizem in materinstvo, in: Delta

– Revija za ženske študije in feministično teorijo 1–2. Ljubljana 1995, S.

47.

7 Christiane Olivier, Die Söhne des Orest. Ein Plädoyer für Väter. München

1997, S. 197.

8 Anthony Giddens, Preobrazba intimnosti: Spolnost, ljubezen in erotika v

sodobnih družbah. Ljubljana 2000, S. 135–136.


Auf der Suche nach einer

versunkenen Kultur

Jüdisches Leben im Übermurgebiet

� Text: Elisabeth Arlt

An einem trüben Spätherbsttag begebe ich mich auf den Weg in das Übermurgebiet um mich auf

die Suche nach der einst reichen jüdischen Kultur in dieser Gegend zu machen.

Mein erstes Ziel ist Lendava, eine kleine Stadt direkt an der Grenze zu Ungarn. Mein Weg führt

durch Murska Sobota, die Bezirkshauptstadt, auf dem Rückweg möchte ich auch hier Halt machen.

Die Straße Richtung Lendava ist an diesem Tag – und nicht nur an diesem – stark befahren,

ist es doch die Hauptroute nach Ungarn und Kroatien, viel Schwerverkehr zeugt von der Tat-

Gedenkpark – spominski park

Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur

81


Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur

sache, dass die sich bereits seit einigen Jahren

im Bau befindliche Autobahn dringend fertig

gestellt gehört. Zwischendurch immer wieder

Traktoren, die den Verkehr aufhalten und darauf

hinweisen, dass das Prekmurje seit jeher

landwirtschaftlich intensiv genütztes Gebiet

war und ist. Hat das Gebiet im Sommer ohne

Zweifel seinen Reiz, flaches Land, Maisäcker

soweit das Auge reicht, beschleicht einen im

Spätherbst leichtes Unbehagen angesichts der

abgeernteten, kahlen Felder, der nassen Kälte,

des morastigen Bodens und des Nebels, der

sich wie ein Leintuch über das Land legt.

Die Strecke von Radkersburg nach Lendava

beträgt etwa 50 Kilometer, was allerdings im

Windschatten eines LKWs, den zu überholen

die durch die Witterung bedingte schlechte

Sicht unmöglich macht, leicht zum Geduldspiel

werden kann.

Endlich erreiche ich Lendava und, oh Wunder,

der Nebel lichtet sich. Trotzdem präsentiert

sich die kleine Stadt nicht von ihrer besten Seite.

Vielleicht liegt es am Wetter, aber ich kann

mich einer gewissen Tristesse nicht erwehren.

Lendava ist eine sehr alte Stadt und hat eine

bewegte Geschichte. Das bereits im 13. Jahrhundert

errichtete Schloss thront auf den Lendavske

gorice, jenen Hügeln die das größte zusammenhängende

Weinbaugebiet Sloweniens

ausmachen, erhaben über der Stadt. Wie viele

Städte in dieser Gegend hatte auch Lendava

unter den Türkeneinfällen vom 16. bis ins frühe

18. Jahrhundert erheblich zu leiden.

Die östlichste Stadt Sloweniens hat heute

etwa 4.000 Einwohner und ist vor allem wegen

ihrer Thermalquellen bekannt. Eigentlich

ist man in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts

durch puren Zufall auf die heilenden

Quellen gestoßen. Ursprünglich hatte man

nach Erdöl gesucht…

82

Eine weitere Besonderheit Lendavas ist seine

über 1.000 Jahre währende Zweisprachigkeit,

Slowenen und Ungarn lebten seit jeher

einträchtig nebeneinander, bis zum Jahr 1919

gehörte Lendava ebenso wie das gesamte

Übermurgebiet zu Ungarn, nach den Friedensverträgen

von Saint Germain wurde das Land

dem neu gegründeten SHS Staat zugesprochen.

Noch heute hört man oft die ungarische

Sprache, auch die Namen der Menschen in dieser

Gegend sind zu einem Großteil ungarisch.

Lendava besaß über zwei Jahrhunderte ein

überaus reiches jüdisches Leben. Der große

Zuzug von Juden vor allem aus Westungarn

begann im frühen 18. Jahrhundert, als die Türkengefahr

gebannt war und die öde daliegende

Landschaft wieder besiedelt werden musste.

Da während der Türkeneinfälle ein Großteil

der ansässigen Bevölkerung getötet oder durch

Seuchen hinweggerafft worden war, war man

bestrebt, für das brachliegende Land Neusiedler

zu gewinnen. Dazu gehörten die Juden

zunächst nicht, war es ihnen doch seit jeher

untersagt, Land zu besitzen. Eine andere so

genannte Randgruppe profitierte jedoch von

der Notwendigkeit der Neuansiedelungen. Die

Roma, seit Jahrhunderten „fahrendes Volk“,

wurden in dieser Gegend angesiedelt, sie wurden

sesshaft gemacht und leben bis heute im

Prekmurje. Ähnlich wie die Juden hatten auch

sie seit Beginn ihrer Sesshaftigkeit mit Anfeindungen

durch die einheimische Bevölkerung

zu kämpfen, jedoch aus anderen Gründen als

die Juden. Resultierten Neid und Missgunst

gegenüber den Juden vorwiegend aus deren

Geschäftstüchtigkeit und Geschick in finanziellen

Dingen, erfuhren die Roma Repressalien

wegen ihrer Unangepasstheit und auf Grund

von Vorurteilen.


Im Prekmurje erlangten die Juden jedoch hohes

Ansehen, sie waren in die Gemeinschaft

integriert, ja, sie waren ein wichtiger Teil derselben,

arbeiteten bevorzugt als Händler, das

heißt, sie verkauften Waren, die andere dringend

brauchten und trugen somit ganz wesentlich

zu einem neuen Wohlstand in der Gegend

bei, der ohne sie nicht möglich gewesen

wäre. Darüber hinaus bildeten die Juden in

diesen ausschließlich von der Landwirtschaft

geprägten Gebieten so etwas wie eine geistige

Oberschicht, die regen kulturellen Austausch

mit anderen Städten, vor allem Budapest, das

durch die neue, in den Jahren 1907/08 erbaute

Eisenbahnlinie relativ leicht zu erreichen war,

pflegte.

Erst unter Joseph II. erlangten die Juden Gleichberechtigung.

Zuvor war unter Maria Theresia

1744 eine eigene Judensteuer eingeführt worden,

die erst 1846 aufgehoben wurde. Dennoch

brachte das Toleranzpatent Josephs II. für die

Juden große Erleichterungen; erstmals durften

sie öffentliche Schulen besuchen, Berufe erlernen

und Besitz erwerben. 1783 erhielten sie das

Recht, sich in Städten niederzulassen. Dieses

Recht war ihnen 1496 unter Kaiser Maximilian

I. aberkannt worden, die Juden mussten

fliehen. So verlor beispielsweise auch die Stadt

Radkersburg ihre jüdische Gemeinde.

Erst nach der Aufhebung der Judensteuer im

Jahr 1846 waren die Juden einige Zeit völlig

gleichberechtigt, doch bereits im letzten Drittel

des 19. Jahrhunderts begann sich in zunehmendem

Maße der Antisemitismus in der Gesellschaft

zu etablieren.

Von ihren neuerworbenen Rechten machten

auch die Juden im Prekmurje Gebrauch.

Die Industrialisierung, die im 19. Jahrhundert

Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur

in großem Umfang einsetzte, brachte auch der

Landwirtschaft erheblichen Nutzen. Vor allem

Mühlen, Getreidespeicher, aber auch Lederfabriken,

Fleischereien, Brauereien und Geschäfte

mit landwirtschaftlichem Gerät befanden sich

in jüdischem Besitz.

Ein wichtiger Geschäftszweig war das Geld-

und Bankwesen, das sich auch auf das Wirtschaftsleben

im Übermurgebiet positiv auswirkte.

Heute ist davon nicht mehr viel zu bemerken.

Ich parke mein Auto an der Hauptstraße

gegenüber der Kirche. Hier soll sich irgendwo

die ehemalige Synagoge befinden. Ich finde

sie nicht, muss einen Passanten fragen. Sie sei

ganz nah, sagt man mir, gleich hier, hinter dem

Supermarkt. Ich gehe ein paar Treppen hinunter,

gesichtslose Wohnblocks umringen einen

Parkplatz, linker Hand macht sich recht protzig

das erst vor einigen Jahren neu errichtete

Volks- und Kulturhaus der Gemeinde Lendava

aus. Fast hätte ich das kleine, unscheinbare

Gebäude übersehen. Ja, das könnte sie gewesen

sein! Neu renoviert und doch irgendwie

gesichtslos. Als Warenlager des benachbarten

Supermarkts hätte die Synagoge lange gedient,

erklärt mir der junge Mann, der mir aufsperrt,

wahrscheinlich hat sie dieser Umstand vor

dem endgültigen Abbruch bewahrt. Drinnen

ist alles sauber renoviert, man kann sich vorstellen,

wie es früher einmal ausgesehen hat,

als es in Lendava noch einen Rabbiner gab, der

die Gottesdienste abhielt. Heute dient die Synagoge

als Ausstellungsraum für Künstler und

als Konzertsaal. Oben auf der Galerie befindet

sich eine Schautafelausstellung, die das einst

blühende Leben der ehemaligen jüdischen Gemeinde

Lendavas anschaulich dokumentiert.

83


Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur

Die ehemalige Synagoge in Lendava – nekdanja sinagoga v Lendavi

Bis 1995 sei auch die alte jüdische Schule

noch gestanden, erfahre ich, gleich gegenüber

der Synagoge, sie musste dem neuen Volkshaus

weichen. Sonst sieht man in Lendava

nichts mehr an jüdischen Spuren, ich bedanke

mich für die Auskunft und fahre weiter, lasse

Lendava hinter mir und begebe mich Richtung

Dolga Vas, das einige Kilometer westlich

liegt. Ein kleines Dorf an der Hauptstraße, ich

muss wieder fragen, diesmal eine ältere Frau,

die gerade am katholischen Friedhof ein Grab

schmückt. Wo denn der jüdische Friedhof sei,

will ich wissen. Es tue ihr leid, das wisse sie

nicht, antwortet sie. Ob es an meinem schlechten

Slowenisch lag? Ich fahre weiter und sehe

schließlich rechter Hand ein etwas verwildertes,

zugewachsenes Gebäude. Dahinter muss

der Friedhof sein, ich bin am Ziel! Ein besonderer

Ort. Ich gehe durch ein gelbes Häuschen

und befinde mich mitten auf dem Friedhof.

Schön ist es hier, der Spätherbst zaubert eine

84

interessante Stimmung auf die Gräber, deren

Inschriften erstaunlich gut zu lesen sind. Ich

sehe zum Großteil deutsche Namen, deutsche

Inschriften. Es sind Steine auf manche Gräber

gelegt, ein schöner Brauch, das gibt Hoffnung.

Hoffnung, dass diese Menschen, von denen die

meisten, wie auf vielen Grabsteinen nachträglich

vermerkt, in Auschwitz umgebracht wurden,

nicht vergessen sind. Dass es sie gegeben

hat und dass sie diese Gegend für Jahrhunderte

geprägt haben. Ich gehe zu einem geschmückten

Grab, Kerzen und Gestecke befinden sich

an seinem Stein. Es sieht neu aus, und ich beuge

mich hinunter, um die Inschrift zu lesen.

„Lajos Blau 1903-1998“, steht darauf geschrieben.

Er war der letzte Jude in Lendava. Mit

ihm ist eine Ära, die schon vorüber war, endgültig

zu Ende gegangen.

Ein jüdischer Friedhof ist nach altem Ritus

in verschiedene Sektoren geteilt, Männer, un-

￱ Foto: Elisabeth Arlt


verheiratete Frauen, Kinder. Ob das hier auch

noch so ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen,

es scheint, als seien die Grabsteine zum

Teil nachträglich neu angeordnet worden. Den

Friedhof soll auch eine schöne Mauer umgeben

haben, jetzt sieht man nichts mehr davon, zuviel

Unkraut wuchert um die Gräber und die

einst die Grabmäler schmückenden Thujen

sind meterhoch gewachsen und weisen eine

zum Teil groteske Schieflage auf.

Trotzdem ist das ein guter Ort, an dem ich

mich befinde. Es lässt sich ein Teil der Vergangenheit

rekonstruieren, unvorstellbar, wie es

möglich war, eine so fest mit der Gegend verwachsene

Kultur in so kurzer Zeit einfach auszulöschen.

In der Mitte des Friedhofs befindet sich ein

Mahnmal für die Opfer des Faschismus, ein

aus Stein gemeißelter Baumstamm soll an die

vielen Menschen erinnern, die in Auschwitz

ihr Leben verloren.

Es wird kalt, ich werfe noch einen letzten

Blick auf die vielen Grabsteine, dann fahre ich

zurück, jedoch nicht ohne als letzter Station

meiner Reise auf jüdischen Spuren noch dem

Spominski Park in Murska Sobota einen Besuch

abzustatten.

Fast übersieht man den kleinen Park, ich habe

zwar von seiner Existenz gehört, ihn nur durch

Zufall gefunden. Direkt an der Hauptstraße

aus Rakič ankommend liegt linker Hand eine

kleine Parkanlage. Alte Grabsteine des zerstörten

jüdischen Friedhofs hat man hier in einem

Halbkreis angeordnet, zur Erinnerung, wie der

Name schon sagt, an etwas, was es nicht mehr

gibt. Schwer vorstellbar eigentlich: In Murska

Sobota gab es einst drei Synagogen und eine lebendige

jüdische Gemeinde, heute findet man

– wie so oft – keine Spuren mehr. Murska Sobota

wurde nach dem 2. Weltkrieg modern

Auf der Suche nach einer versunkenen Kultur

ausgebaut. Die sogenannte „dritte Synagoge“,

die größte und schönste, wurde erst im Jahr

1956 aus Baufälligkeit abgerissen, nachdem sie

nach Vertreibung und Vernichtung der Juden

als Stall und Warenlager genützt worden war.

Eine weitere Synagoge, die „erste“ und kleinste

wurde sogar erst Mitte der 90er Jahre, als

sie bereits so verfallen war, dass man sie kaum

mehr als Gebäude ausmachen konnte, ebenfalls

abgerissen.

Alles weg, auch hier, der Spominski Park ist das

letzte Zeugnis.

Es leben noch einige wenige Juden im Prekmurje,

die meisten wurden ermordet, die wenigen,

die überlebten, emigrierten vornehmlich nach

Israel oder in die Vereinigten Staaten. Die, die

zurückgekehrt sind, sind oft zum evangelischen

Glauben konvertiert.

Ich fahre nachdenklich zurück. Könnte man

doch einige Jahre in der Geschichte ungeschehen

machen. Ich hätte noch viele Fragen.

85


Iskanje davno minule kulture

Der jüdische Friedhof von Dolga Vas – judovsko pokopališče v Dolgi Vasi

Iskanje davno minule kulture

Judovsko življenje v Prekmurju

Nekega oblačnega poznojesenskega dne se

odpravim na pot v Prekmurje, da bi poiskala

nekoč bogato judovsko kulturo na tem

področju.

Moj prvi cilj je Lendava, majhno mesto

neposredno ob madžarski meji. Pot me vodi

skozi Mursko Soboto, okrajno glavno mesto, ob

povratku bi rada tudi tukaj naredila postanek.

Cesta v smeri Lendave je tega dne – in ne

samo tega – močno prometna, je glavna pot

proti Madžarski in Hrvaški. Veliko težkega

prometa priča o dejstvu, da nujno velja že leta

v izgradnji nahajajočo se avtocesto dokončati.

86

Vmes zmeraj traktorji, ki zadržujejo promet

in opozarjajo na to, da je Prekmurje že od

nekdaj bilo intenzivno kmetijsko izkoriščano

zemljišče in je še.

Kot ima področje poleti nedvomno svoje čar,

ravnina, polja s koruzo, dokler seže oko, se v

pozni jeseni priplazi lahno nelagodje spričo

pospravljenih, ogolelih polj, vlažnega mraza,

močvirnih tal in megle, ki se kot mrtvaški prt

vleče čez deželo.

Pot med Radgono in Lendavo je dolga približno

50 kilometrov, kar v zavetrju tovornjaka, ki

ga je ob slabem vremenu nemogoče prehiteti,

vsekakor lahko postane igra potrpežljivosti.

Končno pridem do Lendave in – o, čudež –

megla se je dvignila. Kljub temu se majhno

mesto ne predstavlja v svojem najboljšem


oblačilu. Morda zaradi vremena, vendar se ne

morem ubraniti določeni turobnosti. Lendava

je zelo stara in ima bogato zgodovino. Že v

13. stoletju zgrajeni grad kraljuje vzvišen nad

mestom v Lendavskih goricah, tistih gričih, ki

tvorijo največje povezano vinorodno območje

Slovenije. Kot mnoga mesta na tem področju

je tudi Lendava v času turških vdorov od 16. do

začetka 18. stoletja močno trpela.

Najbolj vzhodno mesto Slovenije ima danes

približno 4.000 prebivalcev in je poznano

predvsem zaradi svojih termalnih vrelcev.

Pravzaprav so v 60-ih letih prejšnjega stoletja

naključno naleteli na zdravilne vrelce. Sprva so

iskali nafto...

Nadaljnja posebnost Lendave je več kot 1.000

let trajajoča dvojezičnost, Slovenci in Madžari

že od nekdaj žive eden ob drugem. Do leta

1919 je Lendava, tako kot celotno Prekmurje,

pripadala Madžarski, po St. Germainskih

mirovnih pogodbah je bila dežela dodeljena

Sloveniji. Še danes je pogosto slišati madžarski

jezik, tudi priimki v Prekmurju so pogosto

madžarski.

Lendava je imela več kot dve stoletji nadvse

bogato judovsko življenje.

Veliko priseljevanje Judov, predvsem iz

zahodne Madžarske, se je začelo v zgodnjem

18. stoletju, ko je bila turška nevarnost

pregnana in je bilo potrebno pusto pokrajino

ponovno poseliti. V času turških vdorov je

bila večina tamkajšnjih prebivalcev umorjena

ali so jih pobrale kužne bolezni, tako so si

prizadevali neobdelano zemljo prepustiti tako

imenovanim novim priseljencem. K tem v

začetku niso sodili Judje, saj jim je bilo že od

nekdaj prepovedano posedovati zemljo. A neka

druga, tako imenovana marginalna skupina,

je le imela korist od potrebe po ponovni

poselitvi. Rome, že stoletja potujoče ljudstvo,

Iskanje davno minule kulture

so naselili na tem področju. Ti so se ustalili in

žive še danes v Prekmurju. Podobno kot Judje

so tudi Romi že od samega začetka bili boje s

sovražnostjo tamkajšnjega prebivalstva, vendar

iz drugačnih razlogov. Medtem ko je pri Judih

sledila predvsem iz zavisti in nevoščljivosti,

izhajajočih iz njihove poslovne sposobnosti in

spretnosti v finančnih zadevah, je pri Romih

izhajala iz njihove neprilagojenosti in podobnih

represalij na podlagi predsodkov.

V Prekmurju so Judje vendarle prišli do visokega

ugleda, bili so integrirani v skupnost, da, bili

so pomemben del istih, čeprav so bili pretežno

trgovci. To se pravi, dodali so produkte, ki so

jih drugi nujno potrebovali, in tako bistveno

pripomogli k novi blaginji področja, ki brez

njih ne bi bila mogoča.

Prav tako se je v tej pretežno kmetijski

pokrajini razvil neke vrste višji duhovni sloj,

ki je negoval živahno kulturno izmenjavo z

drugimi mesti, predvsem z Budimpešto, ki je

bila z novo, v letih 1907/08 zgrajeno železniško

linijo, relativno lahko dosegljiva.

Šele pod Jožefom II. so Judje dosegli

enakopravnost. Pod Marijo Terezijo je bil leta

1744 uveden poseben judovski davek, ki je bil

razveljavljen šele leta 1846.

Kljub temu je prinesel tolerančni patent Jožefa

II. za Jude veliko olajšanje; prvič so smeli

obiskovati javne šole, priučiti se poklica in

pridobiti posest. 1783 so dobili pravico naseliti

se v mestih. Ta pravica jim je bila leta 1496 pod

cesarjem Maksimiljanom I. odvzeta, Judje so

morali zbežati. Tako je na primer tudi mesto

Radgona izgubilo svojo judovsko četrt.

Šele po razveljavitvi judovskega davka leta

1846 so bili Judje nekaj časa popolnoma

enakopravni, vendar se je že v zadnji tretjini

19. stoletja začel v družbi okrepljeno uveljavljati

antisemitizem.

87


Iskanje davno minule kulture

Svoje novo pridobljene pravice so izkoristili

tudi Judje v Prekmurju. Na veliko se je začela

industrializacija, eden do takrat v tej okolici

neznanih fenomenov, ki je tudi kmetijstvu

prinesel znatno korist. Predvsem mlini,

kašče za žito, pa tudi tovarne usnja, mesnice,

pivovarne, trgovine s kmetijskimi orodji, so

bile v judovski lasti. Pomembna panoga je bila

denar in bančništvo, ki je pozitivno učinkovala

tudi na gospodarsko življenje v Prekmurju.

Danes od tega ni opaziti prav mnogo. Avto

parkiram na glavni cesti nasproti cerkve. Tu

nekje naj bi se nahajala nekdanja sinagoga. Ne

najdem je, moram vprašati mimoidočega. Je

prav blizu, so mi rekli, tik za samopostrežnico.

Grem nekaj stopnic navzdol, brezizrazni

stanovanjski bloki obkrožajo parkirišče, na

levi strani se bohoti pred nekaj leti novozgrajen

narodni in kulturni dom občine Lendava. Skoraj

bi spregledala majhno, neugledno stavbo. Da,

to bi lahko bila!

Na novo prenovljena, pa vendar nekako

neizrazita. Dolgo je sinagoga služila kot

skladišče bližnjemu supermarketu, mi je

razložil mladi mož, ki mi je odklenil; verjetno

jo je ta okoliščina obvarovala pred dokončnim

rušenjem. Znotraj je vse lepo prenovljeno,

lahko si je predstavljati, kako je bilo vse skupaj

videti včasih, ko je v Lendavi še bil rabin, ki je

vodil bogoslužje.

Danes služi sinagoga kot razstavni prostor za

umetnike in kot koncertna dvorana. Zgoraj

na galeriji se nahaja razstavna preglednica, ki

nazorno dokumentira nekoč cvetoče življenje

nekdanje judovske skupnosti Lendave.

Do 1995 je stala še stara judovska šola, sem

izvedela, takoj nasproti sinagoge; umakniti se

je morala novemu narodnemu domu.

Sicer v Lendavi ni več videti judovskih sledi.

Zahvalim se za informacije in se peljem

88

naprej, Lendavo pustim za seboj in se napotim

v smeri Dolge Vasi, ki leži nekaj kilometrov

zahodno. Majhna vas ob glavni cesti. Spet

moram vprašati, tokrat starejšo gospo, ki

krasi na katoliškem pokopališču neki grob.

Kje je judovsko pokopališče, želim izvedeti.

Opravičuje se, da ne ve, odgovori. Morda zaradi

moje slovenščine? Peljem naprej in vidim

končno na desni strani nekoliko podivjano

poraslo zgradbo. Zadaj bo pokopališče, na cilju

sem.

Poseben kraj. Grem skozi rumeno hišico in

se znajdem sredi pokopališča. Lepo je tukaj,

pozna jesen pričara zanimivo razpoloženje na

grobove, katerih napisi so presenetljivo dobro

ohranjeni. Vidim veliko nemških priimkov,

nemške napise, večinoma pravzaprav. Na

nekatere grobove so položili kamne – lepa

navada, to daje upanje. Upanje, da tile

ljudje, od katerih večina, kot je na mnogih

grobovih naknadno zabeleženo, je bila ubita

v Auschwitzu, niso pozabljeni. Da so obstajali

in da so to področje za stoletja zaznamovali.

Grem k nekemu okrašenemu grobu, sveče in

aranžmaji se nahajajo na [nagrobnem] kamnu.

Videti je nov in sklonim se, da bi prebrala napis.

“Lajos Blau 1903-1998,“ je bilo zapisano. Bil

je zadnji Jud iz Lendave. Z njim je dokončno

odšlo obdobje, ki je že davno minilo.

Judovsko pokopališče je po starem običaju

razdeljeno na različne sektorje: moški,

neporočene ženske , otroci. Ali je tukaj tudi

tako, se ne da več razbrati; kaže, kot da so

nekatere nagrobne kamne naknadno na novo

razvrstili. Pokopališče naj bi bilo obdano z

lepim zidom, sedaj od tega ni videti ničesar

več, preveč plevela raste okoli grobov, in tuje,

ki so nekoč krasile grobove, so meter visoko in

so deloma groteskno poševno.

Kljub temu je to dober kraj, na katerem


se nahajam. Mogoče je rekonstruirati del

preteklosti, neverjetno, da je bilo mogoče eno,

tako močno v to področje zasidrano kulturo, v

tako kratkem času enostavno izbrisati.

V sredini pokopališča se nahaja spominsko

obeležje žrtvam fašizma, iz kamna izklesano

deblo naj bi spominjalo na mnoge žrtve, ki so v

Auschwitzu morale pustiti svoja življenja.

Hladno postaja, poslednjič še pogledam na

mnoge nagrobnike, potem se peljem nazaj, toda

ne brez obiska zadnje postaje mojega potovanja

po judovskih sledovih, „Spominskega Parka“ v

Murski Soboti.

Prav mogoče je prezreti majhen park, za

njegovo eksistenco sem že slišala, našla pa sem

ga le po naključju. Neposredno ob glavni cesti,

prihajajoč iz Rakičana, stoji na desni strani

majhen park. Stare nagrobnike razdejanega

judovskega pokopališča so tukaj razvrstili

v polkrog, v spomin, kot že naslov pove, na

nekaj, kar več ne obstaja.

Težko predstavljivo pravzaprav, v Murski

Soboti so bile nekoč tri sinagoge in živa

judovska skupnost – danes, kot tolikokrat,

nobene sledi več. Murska Sobota je bila po 2.

svetovni vojni povečana, mesto je moderno

oblikovano. Tako imenovano „tretjo sinagogo“,

največjo in najlepšo, so porušili šele leta 1956,

zaradi propadanja ali morda bolj zato, ker je

bila po pregonu in uničenju Judov uporabljana

kot hlev in skladišče.

Nadaljnjo sinagogo, „prvo“ in najmanjšo, so

porušili šele sredi 90-ih let 20. stoletja, potem,

ko je bila že tako propadla, da jo je bilo težko

prepoznati kot zgradbo.

Ničesar več, tudi tukaj, Spominski Park je

zadnje pričevanje.

V Prekmurju živi še nekaj Judov, večina

je bila umorjenih. Nekaj malega teh, ki so

preživeli je emigriralo v Izrael ali v Združene

države Amerike. Ti, ki so se vrnili, so pogosto

prestopili v evangeličansko vero.

Razmišljujoč vozim nazaj. Ko bi lahko nekaj

let v zgodovini zbrisali... Imela bi še mnogo

vprašanj.

ZUR PERSON – O AVTORJU

Elisabeth Arlt

Iskanje davno minule kulture

Mag.ª Elisabeth Arlt ist Kunsthistorikerin und

arbeitet an verschiedenen Projekten im Kulturbereich

in der Steiermark und in Südosteuropa.

– Mag.ª Elisabeth Arlt je umetnostna

zgodovinarka in sodeluje pri raznoraznih

projektih na področju kulture na Štajerskem in v

jugovzhodni Evropi.

89


Bildgalerie – galerija slik IV

Prof. Christian Brünner und der Bürgermeister von Tuzla sprechen anlässlich des Symposions. Wieviel Minderheit(en) verträgt Europa? – Pogovor med

prof. Christianom Brünnerjem in županom Tuzle na simpoziju. Koliko manjšin prenese Evropa?

90


Julius Franz Schütz

(K)ein steirischer Heimatdichter

� Text: Elisabeth Arlt

Eine sehr interessante, jedoch heute weitestgehend unbekannte

Figur in der steirischen Literaturszene der ersten Hälfte des 20.

Jahrhunderts stellt zweifelsohne Julius Franz Schütz dar. Schütz,

1889 in Mureck geboren, entdeckte schon früh seine Begabung

zum Schreiben. Einer seiner Lehrer am Grazer Bischöflichen

Gymnasium erkannte das Talent des Knaben und förderte ihn.

Nichtsdestotrotz begann Schütz an der Grazer Universität ein

Jusstudium, das er auch abschloss. Mit einer Erbschaft des Vaters

bedacht, war es Schütz’ Plan, als Dichter unbeschwert leben zu

können. Der Erste Weltkrieg und die damit einhergehende Inflation

machten diesen Traum jedoch zunichte.

Schon während seiner Studienzeit begab sich Schütz auf ausgedehnte

Reisen, vor allem innerhalb Europas, aber auch nach Nordafrika,

die sein Leben und Werk nachhaltig prägen sollten.

Julius Franz Schütz

Julius Franz Schütz bei einer Lesung in

der Steiermärkischen Landesbibliothek –

Julius Franz Schütz na literarnem večeru v

Štajerski deželni knjižnici

Schütz fand eine Anstellung an der Steiermärkischen Landesbibliothek, die er ab dem Jahr 1939

auch leitete.

Nach 1912 gelang es ihm, einen Verlag zu finden, der seine Gedichte, die stark expressionistische

Züge aufweisen, veröffentlichte. Seine Werke wurden von anderen Verlagen jedoch auch abgelehnt,

mit der Begründung, er würde am Leser vorbeischreiben, diesen nicht berühren, ihn allenfalls

erstaunen. Das kränkte ihn zwar, wie aus seiner Korrespondenz ersichtlich ist, ließ ihn jedoch

nicht resignieren.

Auffallend ist die Wandlungsfähigkeit seiner Literatur, der häufige Stilwandel, der als geradezu

charakteristisch für ihn galt. Ebenso der schonungslose Naturalismus, mit dem er Dinge beschrieb

und sich Themen annahm, die den Leser mehr verstörten als unterhielten.

Was ihn nicht nur in seinem Werk, sondern auch als Menschen auszeichnete beschreiben viele seiner

Zeitgenossen wie folgt: Schütz stand mit vielen Künstlern in regem Kontakt, darüber hinaus

gehörten auch Wissenschaftler anderer Disziplinen, wie der Maler Max Robathin, der Botaniker

91


Julius Franz Schütz

Verschiedene Darstellungen Schütz‘ - različne upodobitve Schütza

Herbert Lamprecht, der vor allem in Schweden

wirkte, und der Rektor der Leobener Montanuniversität

Franz Platzer, die alle wie Schütz

ebenfalls in Mureck geboren wurden, zu seinem

umfangreichen Bekanntenkreis.

Interessant aus heutiger Sicht in Leben und

Werk Schütz’ ist seine Heimatliebe, die entgegen

der in dieser Zeit vorherrschenden Gesinnung

weder deutschtümelnd noch von nationalsozialistischem

Gedankengut geprägt

war. In vielen Gedichten, aber auch Romanen

beschreibt er das südsteirische Weinland, die

Gegend seiner Kindheit in und um Mureck.

Gleichzeitig jedoch hatte er großes Interesse

an fremden Kulturen, vor allem an asiatischen,

deren Sprachen er zum Teil beherrschte. Erhalten

ist eine umfangreiche Sammlung an asiatischer

Kunst, die er zum Teil von seinen Reisen

mitbrachte, zum Teil von Freunden geschenkt

bekommen hatte.

Überaus reich war seine Korrespondenz. Die

deutsch-kroatische Dichterin Camilla Lucerna

gehörte ebenso zu seinen Freunden wie

auch der spätere Nobelpreisträger Ivo Andrić.

Schütz bemühte sich, slawische Sprachen zu

lernen und hielt sich des Öfteren in Zagreb

auf, wo er Lesungen abhielt und freundschaftliche

Kontakte pflegte.

Für ihn ging durch die Grenzziehung nicht ein

Land verloren, wie es von vielen seiner Zeitgenossen

empfunden wurde, sondern er betrach-

92

tete es als persönlichen Gewinn, neue Sprachen

zu lernen und sich mit anderen Kulturen

vertraut zu machen.

Nachdem 1949 seine Frau Grete nach langer

schwerer Krankheit verstorben war, litt Schütz

unter zunehmender Einsamkeit. Obwohl er

fest im gesellschaftlichen Leben integriert war

und auch einen großen Freundeskreis besaß,

ist ab diesem Zeitpunkt eine gewisse Todessehnsucht

zu verspüren. Es kränkte ihn sehr,

dass seine Werke zwar gelobt wurden, er aber

von der Öffentlichkeit mehr oder weniger ignoriert

wurde.

Ein Anliegen waren ihm die jungen Dichter,

die er förderte und unterstützte. Dass er, der

sich selbst als Junger über die verbohrten Alten

kritisch geäußert hatte, diesem Grundsatz treu

blieb, zeigt sich, als er Anfang der 50er Jahre das

damals neu gegründete und unter den alteingesessenen

Dichtern höchste Empörung hervorrufende

Forum Stadtpark mit ganzer Kraft

unterstützte. Einer dieser jungen Dichter, Alfred

Kolleritsch, der wie Schütz auch aus der

Gegend um Mureck stammte, wies ihm später

auch in der von ihm initiierten Publikation

„Lichtungen“ einen ehrenden Platz zu.

Julius Franz Schütz, der 1961 kinderlos starb,

hinterließ seinem Heimatort Mureck, dem er

bis zu seinem Tod eng verbunden blieb, sein

Haus am Murecker Hauptplatz, und das sich

darin befindliche Mobiliar und seine überaus


umfangreiche Bibliothek, die heute in der Landesbibliothek

aufbewahrt wird, mit der Auflage,

daraus ein Museum zu schaffen.

Das geschah auch Anfang der 70er Jahre, als

Teile der Schützwohnung zu einem Heimatmuseum,

dem damaligen Standard entsprechend,

zu einem Heimatmuseum umgestaltet

wurden. Bis vor kurzem in schlechtem, unzeitgemäßem

Zustand, wurde heuer eine Sichtung

der Objekte samt Zustandsbestimmung

Julius Franz Schütz

Julius Franz Schütz‘ Haus am Hauptplatz von Mureck, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist. – hiša Juliusa Franza Schütza na Glavnem

trgu v Cmureku, v kateri je danes Mestni muzej.

veranlasst und Maßnahmen zur Restaurierung

diverser Möbel, Kleingegenstände und Schriftstücke

in die Wege geleitet, die durch unsachgemäße

Lagerung bereits Schaden erlitten hatten.

Wenn alles gut geht, soll in nächster Zeit

ein neues, modern adaptiertes Museum eröffnet

werden, das diesem berühmten Sohn Murecks

ein gebührendes Andenken zukommen

lassen und ihn vor dem Vergessen bewahren

soll.

93

￱ Foto: JUZ Mureck


Julius Franz Schütz

Julius Franz Schütz

Štajerski domači pesnik, ali tudi ne

Zelo zanimivo, vendar danes širši publiki

nepoznano figuro štajerske literarne scene

prve polovice 20. stoletja, predstavlja prav

gotovo Julius Franz Schütz. Schütz, rojen 1889

v Cmureku, je že zgodaj odkril nadarjenost za

pisanje. Eden od učiteljev na graški škofovski

gimnaziji je prepoznal dečkov talent in ga

podpiral.

Kljub temu je začel Schütz na Graški univerzi

študirati pravo, katerega je tudi zaključil.

Računajoč na očetovo dediščino, je bil Schützov

načrt neobremenjeno živeti kot pesnik. Prva

svetovna vojna in z njo povezana inflacija sta

te sanje naredili nične.

Že v času študija se je podal na dolga potovanja

predvsem po Evropi, pa tudi v severno Afriko,

ki naj bi njegovo življenje in delo trajno

zaznamovala.

Schütz je našel službo v Štajerski deželni

knjižnici, katero je od leta 1939 tudi vodil.

Po 1912 mu je uspelo najti založbo, ki je

njegove pesmi z močnimi ekspresionističnimi

potezami objavila. Njegova dela so bila s strani

drugih založb zavrnjena tudi z obrazložitvijo,

da piše mimo bralcev, da se teh ne dotakne,

kvečjemu osupne. To ga je sicer prizadelo, kar

je vidno tudi iz njegove korespondence, vendar

zato ni obupal.

Pozornost vzbuja njegova literatura zaradi

zmožnosti spremembe, pogoste menjave stila,

ki je zanj naravnost karakteristična. Prav

tako neprizanesljiv naturalizem, s katerimi je

opisoval stvari in izbrane teme, ki spravljajo

bralca bolj iz ravnotežja kot zabavajo.

Kar ga odlikuje ne samo v njegovem delu,

temveč tudi kot človeka, opisuje veliko

94

njegovih sodobnikov: Schütz je bil z mnogimi

umetniki v živahnih stikih, k tem so spadali

tudi znanstveniki drugih disciplin, kot slikar

Max Robathin, botanik Herbert Lamprecht,

ki je deloval predvsem na Švedskem, kot tudi

rektor leobenske Montanuniversität – rudarske

univerze Franz Platzer, ki so vsi, kot Schütz,

bili rojeni v Cmureku; ti so bili del njegovega

obsežnega kroga znancev.

Zanimivo z današnjega vidika Schützovega

življenja in dela je njegovo domoljubje, ki je

bilo v nasprotju z v tistem času prevladujočim

prepričanjem. Oblikovano ni bilo niti

nemškutarsko niti nacistično. V mnogih

pesmih pa tudi romanih opisuje južni štajerski

vinorodni okoliš, okolico svojega otroštva v

in okoli Cmureka. Istočasno pa so ga zelo

zanimale druge kulture, predvsem azijske,

katerih jezike je deloma obvladal. Ohranjena

je obsežna zbirka azijske umetnosti, ki jo je

deloma prinesel s svojih potovanj, deloma kot

darilo dobil od svojih prijateljev.

V enem od njegovih pisem je razbrati žalost

mladega moža, potem ko je bila njegova

ljubljena Untersteiermark – Spodnja Štajerska z

novo nastalo mejo ločena. Vendar je bil dovolj

daljnoviden, da ga ni zapopadlo takrat široko

razširjeno topo sovraštvo do vsega slovenskega.

V tem smislu ni bilo slišati kakršne koli njegove

izjave niti ni mogoče najti takšnega mišljenja v

njegovem delu.

Nadvse bogata je bila njegova korespondenca.

Nemško-hrvaška pesnica Camilla Lucerna

je prav tako štela k njegovim prijateljem kot

tudi kasnejši Nobelov nagrajenec Ivo Andrić.

Prizadeval si je naučiti se slovanskih jezikov

in je večkrat obiskal Zagreb, kjer je imel

predavanja in je gojil prijateljske stike.

Zaradi nastanka meje zanj ni bila izgubljena

dežela, kot so to čutili mnogi njegovi sodobniki,


temveč je to obravnaval kot osebno pridobitev,

učiti se novih jezikov in se seznaniti z drugimi

kulturami.

Potem ko je 1949 po dolgi in težki bolezni

umrla njegova žena Grete, je Schütz trpel vse

večjo osamljenost. Čeprav je bil trdno vključen

v družbeno življenje in je imel velik krog

prijateljev, je od tega trenutka mogoče občutiti

hrepenenje po smrti. Zelo ga je žalilo, da je

njegovo delo sicer hvaljeno, njega samega pa je

javnost bolj ali manj ignorirala.

Ena od potreb mu je bila podpirati mlade

pesnike. Ker se je sam, kot mlajši, kritično

izrazil o zadrtosti starih in ostal zvest temu

načelu, je v začetku 50-ih let z vso močjo

podpiral takrat novo ustanovljeni Forum

Stadtpark, ki je izzval skrajno ogorčenje pri

starejših pesnikih. Eden teh mladih pesnikov,

Alfred Kolleritsch, ki je tako kot Schütz prihajal

iz okolice Cmureka, mu je kasneje v z njegove

strani iniciirani publikaciji Lichtungen – Jase

dodelil častitljivo mesto.

Julius Franz Schütz, ki je 1961 umrl, brez

otrok, je zapustil svojemu domačemu kraju

Cmureku, s katerim je ostal tesno povezan

vse do svoje smrti, svojo hišo na cmureškem

Glavnem trgu, v hiši nahajajoče se pohištvo

in nadvse obsežno knjižnico, ki je danes

shranjena v deželni knjižnici, z zahtevo, naj iz

tega ustvarijo muzej.

To se je tudi zgodilo v začetku 70-ih let

prejšnjega stoletja, ko so del Schützovega

stanovanja v skladu s takratnim standardom

preoblikovali v domovinski muzej.

Za do pred kratkim v slabem, nesodobnem

stanju nahajajoči se domovinski muzej je

bila letos dana pobuda poskrbeti za ogled in

določitev stanja objektov in izpeljavo ukrepov

za restavracijo različnega pohištva, majhnih

predmetov in listin, katere so se zaradi

Julius Franz Schütz

nestrokovnega skladiščenja poškodovale. Če

bo šlo vse po sreči, naj bi v kratkem odprli nov,

moderno adaptiran muzej, ki naj bi bil primeren

spominu na tega slavnega sina Cmureka, in ga

tako obvarovati pred pozabo.

95


Die Rotunde von Selo

Südansicht der Rotunde von Selo – južni pogled na rotundo iz Sela

96

￱ Foto: Elisabeth Arlt


Die Rotunde von Selo

Eine kunsthistorische Besonderheit

� Text: Elisabeth Arlt

Die Rotunde von Selo

Ein besonders interessantes Beispiel romanischer Baukunst in Slowenien befindet sich nahe der

Ortschaft Selo im Goričko, wie diese Landschaft im äußersten Nordosten Sloweniens, unweit der

ungarischen Grenze genannt wird.

Mitten in einer Wiese steht die kleine romanische Rundkirche, die, so versteckt in der üppigen

frühsommerlichen Vegetation, kaum auszumachen ist.

Und doch handelt es sich hier um den seltenen Kirchentyp der Rotunde, der in dieser Form im

Prekmurje einzigartig ist. Im benachbarten Ungarn findet man Vertreter dieses Typs häufiger.

In Österreich ist dieser Kirchentyp ebenfalls selten, in den alpinen Regionen so gut wie gar nicht

vertreten, teilweise baute man – wie beispielsweise im niederösterreichischen Petronell – Karner in

Rotundenform, Kirchen jedoch nie.

Die Rotunde von Selo ist dem Heiligen Nikolaus geweiht. Nikolaus ist der Patron der Kinder, Schüler,

Richter, Reisenden, Pilger, Seefahrer, Fischer und anderer.

Von außen ist der Bau sehr schlicht, man stellt sich die Kirche, wenn man sie von Bildern her

kennt, größer vor. Ein Sockel aus Natursteinen begradigt das unebene Gelände, darüber erhebt

sich ein Ziegelbau, der durch Lisenen gegliedert ist. Den Abschluss der Wand bildet ein Zackenfries,

über das direkt das mit Schindeln gedeckte Dach samt kleinem aufgesetztem Glockenturm

anschließt.

An der Südseite befinden sich drei schmale Fenster, die einzige Lichtquelle, sieht man von der Türe

und einer weiteren sehr schmalen Fensteröffnung in der Apsis ab.

Betritt man die Rotunde ist man zuerst von den beeindruckenden Wandmalereien fasziniert, die

beinahe den gesamten Innenraum bedecken.

Stilistisch scheinen die Malereien, die al secco, also auf trockenen Grund gemalt wurden, älter zu

sein, als sie es tatsächlich sind. Man hat auch als Kunsthistoriker durchaus Probleme mit der Datierung.

Die stark akzentuierten Umrisse, die dann farbig ausgemalt wurden, geben den Malereien

einen etwas blockhaften starren Charakter, auch die perspektivische Darstellung, fehlt gänzlich.

Tatsächlich sind die Malereien erst Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden, wie in dem vor Ort

erhältlichen Führer nachzulesen ist, stilistische Ähnlichkeiten sind mit den Fresken der Johannes-

97


Die Rotunde von Selo

kapelle von Pürgg in der Obersteiermark zu erkennen,

deren Entstehungszeit jedoch bereits

in das 12. Jahrhundert datiert werden kann.

So verwundert der für das späte Entstehungsdatum

künstlerisch sehr anachronistisch anmutende

Stil. Ist es die Abgeschiedenheit der

Landschaft, die sich den damals zeitgemäßen

Trends in der Malerei verschlossen zeigte; man

weiß es nicht. In der Kuppel, gleichsam im

Zentrum des Raumes, befindet sich eine ausdrucksvolle

Darstellung des gekreuzigten und

des auferstandenen Christus in einer Mandorla,

umgeben von den Darstellungen der vier

Evangelisten samt den ihnen zugeschriebenen

Attributen.

Darunter ist die Passion Christi in sehr figurenreichen,

detailverliebten Darstellungen abgebildet.

Dem Betrachter wird, indem er sich

um die eigene Achse dreht, die gesamte Leidensgeschichte

Christi erzählt.

Diese mittelalterlichen Bildergeschichten, deren

Künstler bis auf einige wenige Ausnahmen

immer unbekannt sind, dienten dazu, die des

Schreibens Unkundigen über die Geschehnisse

in der Bibel zu unterweisen.

Die Wandmalerei wurde im Laufe der Zeit bis

hin zum Ende des Mittelalters immer realistischer,

das Starre, Blockhafte in der Darstellung

wurde überwunden und biblische Szenen, wie

auch die Leiden Christi, immer drastischer und

bewegter dargestellt. Ist Christus in der Romanik

noch der still Leidende, der über den Tod

triumphiert und auch als Gekreuzigter noch

eine stolze und herrschaftliche Haltung einnimmt,

so ändert sich das in den folgenden

Jahrhunderten. Das geht so weit, dass Christus

in der gotischen Malerei als menschlich,

als Leidender, von Wunden übersät, dargestellt

wird. Dieser Messias muss erst sein Menschsein

hinter sich lassen, und das wird oft dras-

98

tisch ausgedrückt. Im Hoch und Spätmittelalter

übernahmen dann die Glasfenster diese

Rolle, die, da die Wände der Gotteshäuser immer

aufgelöster wurden, stetig an Bedeutung

gewannen.

In dieser romanischen Kirche wird das Hauptaugenwerk

hingegen noch völlig auf die Wandmalereien

gelegt.

Erwiesen ist, dass die Kirche, die Mitte des

13. Jahrhunderts erbaut wurde, anfangs keine

Wandmalereien besessen hatte, die heute vorhandenen

wurden, wie schon erwähnt, erst

Mitte des 14. Jahrhunderts geschaffen.

Leider kam es in den Jahren 1845/46 zu Umbauarbeiten,

die sehr unbedacht durchgeführt

worden waren und unter anderem den Abbruch

der Apsis zur Folge hatten. Ihr wieder

erlangtes Aussehen verdankt die Kirche, die

heute den Status einer Kapelle hat, zwei großen

Renovierungen 1956 bzw. in den Jahren

1978/79. Diese Renovierungen beinhalteten

unter anderem auch die Wiedererrichtung der

verlorenen Apsis und die sachgemäße Renovierung

der Wandmalereien.

Dass das mit Sorgfalt geschah, ist heute gut

ersichtlich. Bei den Malereien blieb die Farbigkeit

weitestgehend erhalten, ohne jedoch, wie

bei so mancher unsachgemäßer Restaurierung,

übermalt zu wirken. Natürlich haben die al secco

aufgetragenen Farbschichten nie eine solche

Haltbarkeit und Leuchtkraft wie die auf noch

feuchtem Putz aufgetragene Freskomalerei,

trotzdem kann man sich noch ein gutes Bild

über die ursprüngliche Farblichkeit machen.

Wer also mit dem Gedanken spielt, einen Ausflug

ins Goričko zu unternehmen, der sollte es nicht

versäumen, Selo zu besuchen, die Landschaft zu

genießen und dieses schöne Beispiel romanischer

Baukunst auf sich wirken zu lassen.


Rotunda v Selu

Kulturno-zgodovinska posebnost

Posebno zanimiv primer romanskega

stavbarstva v Sloveniji se nahaja v kraju Selo

na Goričkem, kakor se imenuje ta pokrajina na

skrajnem severovzhodu Slovenije nedaleč od

madžarske meje.

Sredi travnika stoji majhna romanska okrogla

cerkev, ki jo je le težko zapaziti, skrito v

bohotni zgodnjepoletni vegetaciji.

In vendar gre tukaj za redek tip cerkve v

obliki rotunde, ki je v Prekmurju edinstven.

V sosednji Madžarski je mogoče predstavnike

takšnega tip najti pogosteje.

V Avstriji je takšen tip cerkve prav tako redek, v

alpskih regijah tako rekoč nezastopan, deloma

se je gradilo – kot na primer v Spodnji Avstriji

– v tej obliki kostnice, vendar ne cerkev.

Rotunda v Selu je posvečena svetemu

Miklavžu. Miklavž je zaščitnik otrok, šolarjev,

sodnikov, popotnikov, romarjev, pomorcev,

ribičev in drugih.

Od zunaj je zgradba zelo preprosta – človek

si predstavlja cerkev, če jo pozna iz slik,

večjo. Podstavek iz naravnega kamna

uravnava neraven teren, nad tem se dviguje

opečnata zgradba, ki je razčlenjena z linicami.

Zaključek stene tvori nazobčana obrobna

letev, neposredno nad njo je s skodlami pokrita

streha z majhnim zvonikom.

Na južni strani se nahajajo tri ozka okna, edini

viri svetlobe, če odmislimo vrata in zelo ozke

okenske odprtine apside.

Ob vstopu v rotundo človeka najprej

prevzamejo stenske slikarije, ki pokrivajo

skoraj celotno notranjščino.

Stilistično so slikarije, al secco, torej naslikane

na suho površino, videti starejše, kot v

Rotunda v Selu

resnici so. Človek ima, tudi kot umetnostni

zgodovinar, težavo z datiranjem. Močno

poudarjeni obrisi, ki so bili nato barvno

izpolnjeni, dajejo slikarijam nekoliko tog

karakter, manjka tudi prikaz iz perspektive.

Dejansko so slikarije nastale šele v sredini 14.

stoletja, kot je mogoče prebrati iz tamkajšnje

brošure s podatki, stilistične podobnosti je

mogoče najti s freskami iz Johanneskapelle

– Janezove kapele v Pürggu v Zgornji Avstriji,

katerih čas nastanka pa je mogoče datirati že

v 12. stoletje. Tako čudi – za tako pozen čas

nastanka – umetniško zelo anahronističen

stil.

Ali je to posledica odmaknjenosti pokrajine,

ki je bila nedostopna takratnim sodobnim

trendom v slikarstvu, ne ve se.

V kupoli, tako rekoč v centru prostora, se

nahaja izrazita upodobitev križanega in od

mrtvih vstalega Kristusa v mandoli, obdanega

z upodobitvami štirih evangelistov skupaj z

njihovimi atributi.

Na stenah je podrobno upodobljen Kristusov

pasion z mnogimi figurami. Opazovalcu je,

če se zavrti okoli svoje osti, prikazano celotno

Kristusovo trpljenje.

Te srednjeveške slike zgodb, katerih slikarji z

nekaj malega izjemami večinoma niso znani,

so služile kot napotki nepismenim o napisanem

v bibliji.

Stensko slikarstvo je sčasoma tja do konca

srednjega veka postajalo vedno bolj realistično;

okorno, togo v upodobitvah, je bilo preseženo.

Biblijske scene in Kristusovo trpljenje so bile

upodobljene zmeraj bolj drastično in ganljivo.

Če je Kristus v romaniki še tiho trpeči, ki slavi

zmago nad smrtjo in tudi kot križani zavzema

ponosno in gosposko držo, se to spremeni v

naslednjih stoletjih. To gre tako daleč, da je

Kristus v gotskem slikarstvu upodobljen kot

99


Rotunda v Selu

človeški, kot trpeči, posejan z ranami. Ta mesija

mora najprej pustiti za seboj svoje človečanstvo

in to je pogosto drastično prikazano.

V visokem in poznem srednjem veku

prevzamejo to vlogo steklena okna, saj so

stene božjih hiš postale s tem bolj razgibane in

so okna tako zmeraj bolj pridobila pomen.

V tej romanski cerkvi pa je nasprotno, glavna

pozornost je še docela usmerjena na stenske

slikarije.

Dokazano je, da je cerkev, ki je bila zgrajena

sredi 13. stoletja, bila v začetku brez današnjih

stenskih poslikav. Kot je že bilo omenjeno,

ustvarjene so bile šele v sredini 14. stoletja.

Žal je v letih 1845/46 je prišlo do adaptacijskih

del, ki so bila nepremišljeno izvedena in so med

drugim imela za posledico rušenje apside. Za

svojo ponovno prvotno podobo dolguje cerkev,

Die Rotunde von Selo: Fresken im Inneren – rotunda iz Sela: notranje freske

100

ki ima danes status kapelice, zahvalo dvema

velikima prenovama v letih 1956 oz. 1978/79.

Ta renoviranja so med drugim vsebovala

ponovno postavitev izgubljene apside in

strokovno adaptacijo stenskih slikarij.

Da se je to zgodilo skrbno, je vidno še danes.

Pri slikarijah je barvitost pretežno ohranjena,

ne da bi, kot pri mnogih nestrokovnih

prenovah, delovala prebarvano. Seveda nimajo

al secco nanešene barvne plasti nikoli takšne

trajnosti in luminoznosti kot na vlažen omet

naneseno freskno slikarstvo, kljub temu pa

si lahko človek ustvari dobro sliko o prvotni

barvitosti.

Kdor se torej igra z mislimi, narediti izlet na

Goričko, ta naj ne pozabi obiskati Sela, uživati

v pokrajini in se prepustiti vplivu tega lepega

primera romanskega stavbarstva.


Niemals vergessen!

Jüdische Kultur in Slowenien

� Text: Elisabeth Arlt

Niemals vergessen!

Erika Fürst, eine der wenigen im Übermurgebiet verbliebenen Menschen jüdischen Glaubens lebt

heute in Murska Sobota. Auf Vermittlung von Franc Kuzmic vom Pokrajinski muzej in Murska Sobota

bekam ich die Möglichkeit, ein Interview mit ihr zu führen.

Ihre Kindheit in Murska Sobota sei sehr schön gewesen, beginnt Frau Fürst zu erzählen, ihre Eltern

hätten ein Transportunternehmen gehabt, noch vorwiegend mit Pferden, ja, Pferde liebe sie

immer noch sehr. Sie hätte eine unbeschwerte Kindheit gehabt, zusammen mit ihrer Schwester.

Die Familie war angesehen und wohlhabend.

Die jüdische Kultur sei vielfältig gewesen in Murska Sobota in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg.

Nachdem das Komitat Vas in den Friedensverträgen von Saint Germain im Jahr 1919 von

Ungarn an den neu gegründeten SHS Staat abgetreten werden musste, änderte sich für die Einwohner

einiges. Viele Bewohner des Prekmurje, darunter auch Juden, wollten Ungarn bleiben und

zogen aus diesem Grund auf das verbliebene ungarische Staatsgebiet; der Großteil blieb jedoch.

Drei Synagogen gab es in Murska Sobota, einen Rabbiner, koschere Fleischereien, Schulen, ein Kulturzentrum,

kurz, das jüdische Leben war ein wichtiger Bestandteil dieser Gegend. Eine weitere

Stadt mit vielen jüdischen Einwohnern stellte Lendava, die östlichste Stadt Sloweniens dar. Auch

dort gab es eine Synagoge, eine Schule, einen jüdischen Sportverein, reiches kulturelles Leben.

Bereits in den 20er Jahren überschattete jedoch die beginnende Wirtschaftskrise – wie beinahe

überall – auch das Leben der Bewohner des Übermurgebietes.

Frau Fürst ging in Murska Sobota in die Schule, sie erzählt, es sei eine schöne, sorgenfreie Zeit für

sie gewesen. Ihre Schulfreunde seien zumeist Katholiken und Protestanten gewesen, sie habe sich

nie anders gefühlt, die Kinder seien gute Freunde gewesen.

Auch als die Nationalsozialisten im Jahr 1933 in Deutschland die Macht übernahmen, gab es in

dieser Gegend noch keinen Grund zur Beunruhigung. Zu weit weg schienen diese Geschehnisse

zu sein, zu sicher fühlten sich die Bewohner des Prekmurje.

Es sollte bis zum April 1941 dauern, als deutsche Truppen in das Gebiet einmarschierten, das daraufhin

wieder Ungarn zugesprochen wurde.

Ab diesem Zeitpunkt begannen die Repressalien vor allem gegen Juden und Roma. Jüdische Ge-

101


Niemals vergessen!

Elisabeth Arlt im Gespräch mit Frau Fürst – Elisabeth Artl v pogovoru z gospo Fürst

schäfte wurden beschmiert und verwüstet,

viele jüdische Menschen verloren ihre Arbeit,

die ersten begannen über Emigration nachzudenken.

Bald steigerten sich die Auswüchse

von Hass und Gewalt, und es fanden erste

Verhaftungen statt.

Auch Erika Fürst und ihre Familie wurden verhaftet

und ins Konzentrationslager Auschwitz

deportiert.

Ihr Vater wurde in Auschwitz ermordet, sie

kehrte mit ihrer Mutter und ihrer Schwester

nach ihrer Befreiung nach Murska Sobota zurück.

Warum sie zurückgekehrt seien, möchte ich

wissen, warum sie nicht wie die meisten Überlebenden

ausgewandert sei, nach Israel oder in

die Vereinigten Staaten.

Sie wisse es nicht genau, antwortet Frau Fürst.

Aber Murska Sobota sei ihre Heimat gewesen,

der Ort, an dem sie ihr Leben verbracht hatte,

bis zu jenem Tag im Sommer 1941.

Hart sei es schon gewesen, nach dem Krieg,

ohne Wohnung, ohne Nahrung, ohne Vater,

nichts so wie früher, keine Verwandten, keine

Freunde, die Überwindung, mit Mitmenschen

zu kommunizieren, die noch vor kurzem einer

Ideologie verfallen waren, die ihr und ihrer Fa-

102

milie den Vater und sie selbst fast das Leben

gekostet hätte. Aber sie habe es geschafft und

bereue es nicht, hier geblieben zu sein.

Ich bemerke, heute ist der 27. Jänner 2005.

Heute, vor genau 60 Jahren wurde das Konzentrationslager

Auschwitz-Birkenau befreit,

im letzten Moment und doch um Jahre zu

spät. Hat Frau Fürst den Termin für das Interview

absichtlich gewählt? Erinnert sie sich daran,

wie es war, zurück ins Leben zu gehen?

Es begannen Jahre des Wiederaufbaues, der

Neuorientierung in einem jungen Staat, der

nichts anderes wollte, als wirtschaftlich erfolgreich

zu sein

Für Minderheiten gab es keinen Platz. Man

war froh, die Deutschen los zu sein, auch die

Sowjets, es sollte nur Jugoslawen geben in einem

neuen Staat, der Jugoslawien hieß.

In den 40er Jahren gab es von Seiten der jugoslawischen

Regierung Repressalien in Form

einer Art „Judengesetzgebung“, die jüdischen

Mitbürgern den Hochschulzugang verweigerte

oder willkürlich den Handel mit gewissen

Produkten, vornehmlich Lebensmitteln, verbot.

Von der Öffentlichkeit wurde dieses Vorgehen

scharf kritisiert, es gab Protestmärsche

und Kundgebungen.

￱ Fotos(2): Pavel-Haus


Unter Tito war die Lage mehr oder weniger ruhig,

die jüdische Bevölkerung Jugoslawiens hatte

zwar keine Unterdrückung zu befürchten,

wurde jedoch als Minderheit auch nicht wahrgenommen

und hatte keine Sonderrechte.

Nach Titos Tod kam es in den 90er Jahren in

Kroatien immer wieder zu antisemitischen

Äußerungen seitens des Präsidenten Franjo

Tudjman, die lange Zeit seine Wahlkampfparolen

untermalten. In Slowenien gab es, zumindest

von offizieller Seite, keine derartigen

Aussagen.

Frau Fürst arbeitete lange in Murska Sobota,

jetzt ist sie in Pension und genießt es, wie sie

versichert.

Leid tue ihr, dass sie nicht zum Gottesdienst

gehen könne, es gäbe keine Synagoge mehr,

die nächste Möglichkeit, eine Synagoge zu

besuchen, wäre nach Ljubljana oder Graz zu

fahren. Aber sie fahre in der Dunkelheit nicht

mehr so gerne mit dem Auto, ja, das mache sie

schon etwas traurig, aber so sei es eben.

In Maribor, das auch eine große jüdische Gemeinde

besessen hatte, leben heute nur noch

einige wenige Juden. Die im Kern gotische Synagoge,

die nur aus dem Grund, dass man sie

bereits im Mittelalter zu einer katholischen

Kirche umgewandelt hatte, erhalten geblieben

ist, dient heute als Ausstellungsraum für verschiedene

wechselnde Ausstellungen. Letzten

Winter wurde dort eine Schautafelausstellung

zum Thema Shoa mit dem Titel „Holokavst

1933-1945 – Pogum da se spominjamo / Holocaust

1933-1945 – der Mut, sich zu erinnern“

gezeigt.

Sie ist, wie auch die ebenfalls erhaltene Synagoge

in Lendava hübsch renoviert, ja, man hat

seine Pflicht getan, aber als geschichtskundiger

Besucher beschleicht einen ein klammes

Gefühl, wenn man die weißen Wände be-

Niemals vergessen!

trachtet. Beide Gebäude wirken kalt und leer,

zweckentfremdet, da können auch ein neuer

Dachstuhl und moderne Fenster nichts daran

ändern, auch ein Gebäude lebt von seiner

Funktion.

Juden in Slowenien: ein schwieriges Thema,

das nicht aufgearbeitet ist.

Es gebe eine jüdische Gemeinschaft in Ljubljana,

erzählt mir Frau Fürst, sie treffe sich regelmäßig

in einem Privathaus irgendwo in der

Stadt, wo, wisse sie selbst nicht genau. Der

Rabbiner sei Italiener, er komme einmal die

Woche aus Triest, sei der slowenischen Sprache

nicht sehr mächtig. Es kämen aber viele

Menschen, vorwiegend Junge. Viele davon

seien keine Juden, würden aus Sympathie und

Interesse an der jüdischen Kultur die Gottesdienste

und Kulturveranstaltungen besuchen.

Sie selbst sei jedoch noch nie dort gewesen.

Man müsse sich damit abfinden, dass Slowenien

eben ein Staat ohne Juden sei, nicht mehr

und nicht weniger.

Erika Fürst ist es wichtig, ihre Geschichte

möglichst vielen jungen Leuten zu erzählen.

Deshalb sei sie oft in Schulen eingeladen, das

mache ihr Freude, obwohl ihre Geschichte so

traurig ist, sei es für sie immer ein gutes Gefühl,

Jugendlichen die Augen zu öffnen und Sorge zu

tragen, dass sich diese dunklen Kapitel der Geschichte

nie mehr wiederholen mögen.

103


Nikoli pozabiti

Nikoli pozabiti

Judovska kultura v Sloveniji

Erika Fürst, ena od majhnega števila ljudi

judovske vere iz Prekmurja, živi danes v Murski

Soboti. S posredovanjem Franca Kuzmiča iz

Pokrajinskega muzeja iz Murske Sobote sem

dobila priložnost z njo narediti intervju.

Njena mladost v Murski Soboti je bila zelo

lepa, začne pripovedovati gospa Fürst, njeni

starši so imeli transportno podjetje, pretežno

še s konji – da, konje ima še zmeraj zelo rada.

Imela je brezskrbno mladost, skupaj s svojo

sestro. Družina je bila ugledna in premožna.

Judovska kultura je bila v Murski Soboti

raznolika v letih vse do prve svetovne vojne.

Potem, ko je madžarska županija Vas po

mirovnih pogodbah iz Saint Germaina leta

1919 pripadla novonastali državi SHS, se je

za prebivalce veliko spremenilo. Veliko, tudi

judovskih, prebivalcev Prekmurja je želelo

ostati na Madžarskem in so se iz tega razloga

preselili nazaj na Madžarsko, velika večina pa

je ostala.

V Murski Soboti so obstajale tri sinagoge, rabin,

košer mesnice, šole, kulturni center – na kratko,

judovsko življenje je bilo pomemben sestavni

del tega področja. Drugo mesto z mnogo

judovskimi prebivalci je predstavljala Lendava,

najbolj vzhodno mesto Slovenije. Tudi tam je

bila sinagoga, šola, judovsko športno društvo,

bogato kulturno življenje.

Toda že v 20-ih letih prejšnjega stoletja je

začetna gospodarska kriza – kot skoraj povsod

– zasenčila življenje prebivalcev Prekmurja.

Gospa Fürst je v Muski Soboti hodila v šolo.

Pripoveduje, da je bil to lep, brezskrben čas

zanjo. Njeni sošolci so bili večinoma katoliki

in protestanti, nikoli se ni počutila drugačna,

104

otroci so bili dobri prijatelji. Tudi ko so nacisti

od leta 1933 v Nemčiji pridobivali moč, na

tem področju še ni bilo nobenega razloga za

vznemirjenje. Predaleč so se zdeli ti dogodki,

preveč sigurne so se počutili prebivalci

Prekmurja. Vse do aprila 1941, ko so nemške

čete vkorakale v z madžarske strani ponovno

osvojeno področje in ga okupirale.

Od tega trenutka so se začele represalije

predvsem proti Judom in Romom. Judovske

trgovine so zamazali in opustošili, veliko Judov

je izgubilo službo, prvič so začeli razmišljati o

emigraciji. Kmalu so se stopnjevale zlorabe,

sovraštvo in nasilje, prišlo je do prvih aretacij.

Tudi Erika Fürst in njena družina so bili

aretirani in deportirani v koncentracijsko

taborišče Auschwitz.

Njen oče je bi v Auschwitzu umorjen, ona pa se

je z mamo in sestro vrnila v Mursko Soboto.

Zakaj so se vrnile, sem hotela vedeti, zakaj se

niso kot večina preživelih izselile v Izrael ali

Združene države.

Ne ve prav točno, odgovori gospa Fürst. Toda

Murska Sobota je bila njena domovina, kraj, na

katerem je preživela svoje življenje, do tistega

dne poleti 1941.

Težko je že bilo, po vojni, brez stanovanja,

hrane, brez očeta, ne tako kot nekoč, nobenih

sorodnikov, prijateljev; samopremagovanje,

komuniciranje s soljudmi, ki so še pred kratkim

podlegli ideologiji, ki je njo in njeno družino

skoraj stala življenja in pobrala očeta. Ampak

uspela je in ne obžaluje, da je ostala.

Pripomnim, danes je 27. januar 2005.

Danes, točno pred 60 leti, je bilo osvobojeno

koncentracijsko taborišče Auschwitz-Birkenau;

v zadnjem trenutku, pa vendar leta prepozno.

Ali je gospa Fürst namenoma izbrala ta

datum za intervju? Se spominja, kako je bilo,

vrniti se v življenje? Začela so se leta obnove,


eorientacija mlade države, ki ni želela nič

drugega kot gospodarsko uspeti.

Za manjšine ni bilo prostora. Človek je bil vesel,

da se je rešil Nemcev, tudi Sovjetov, bili naj bi

le Jugoslovani v novi državi, ki se je imenovala

Jugoslavija.

V 40-ih letih prejšnjega stoletja je s strani

jugoslovanske vlade prišlo do represalij v

obliki neke vrste „judovske zakonodaje“, ki je

preprečevala judovskim sodržavljanom vpis

na visoke šole ali samovoljno prepovedala

trgovanje z določenimi proizvodi, pretežno z

živili. S strani javnosti je bil to ravnanje ostro

kritizirano, izvedeni so bili protestni pohodi in

zborovanja.

Pod Titom je bil položaj več ali manj miren,

judovskemu prebivalstvu Jugoslavije se sicer ni

bilo treba bati zatiranja, vendar kot manjšina

niso bili zaznani in niso imeli posebnih

pravic.

Po Titovi smrti je prihajalo v 90-ih letih

prejšnjega stoletja na Hrvaškem zmeraj znova

do antisemitskih izjav s strani predsednika

Franja Tudjmana, ki so pogosto dopolnjevale

njegova predvolilna gesla. V Sloveniji v

tem oziru vsaj z uradne strani ni bilo nič

objavljeno.

Gospa Fürst je dolgo časa delala v Murski

Soboti, sedaj pa je v pokoju in uživa, kot

zatrjuje.

Žal ji je, da ne more k bogoslužju, nobene

sinagoge ni več, najbližja možnost obiskati

sinagogo je peljati se v Ljubljano ali v Gradec.

Vendar se ne vozi več rada z avtom, ko se

stemni; da, to jo že žalosti, vendar tako pač

je.

V Mariboru, ki je tudi imel veliko judovsko

skupnost, živi danes le še nekaj Judov. V jedru

gotska sinagoga, ki je samo iz razloga, da so jo že

v srednjem veku spremenili v katoliško cerkev,

Nikoli pozabiti

ostala ohranjena, služi danes kot razstavni

prostor za različne izmenjujoče se razstave.

Zadnjo zimo so prikazali razstavno preglednico

na temo Shoa z naslovom „Holokavst 1933-

1945 – Pogum, da se spominjamo“.

Ta je, tako kot ohranjena sinagoga v Lendavi,

lepo renovirana, da, dolžnost so izpolnili,

vendar obide zgodovinsko izkušenega

obiskovalca tesen občutek, ko opazuje bele

zidove. Obe zgradbi delujeta hladno in prazno,

uporabljeni sta za druge namene, pri tem ne

more nič spremeniti niti novo ostrešje, niti

moderma okna, zgradba tudi živi od svoje

funkcije.

Judje v Sloveniji: zapletena tema, ki ni

obdelana.

V Ljubljani obstaja judovska skupnost,

pripoveduje gospa Fürst, srečujejo se redno v

privatni hiši nekje v mestu; kje, sama ne ve

točno. Rabin je Italijan, enkrat tedensko prihaja

iz Trsta, slovenskega jezika pa ne obvlada prav

dobro. Prihaja pa veliko ljudi, predvsem mladih.

Veliko od njih ni judovske vere, iz simpatije

in zanimanja za judovsko kulturo obiskujejo

bogoslužje in kulturne prireditve. Sama pa še

nikoli ni bila tam.

Človek se mora sprijazniti s tem, da je Slovenija

država brez Judov, nič več in nič manj.

Za Eriko Fürst je pomembno, da lahko svojo

zgodbo pove čim več mladim. Zato je pogosto

povabljena v šole, to jo veseli, čeprav je njena

zgodba tako žalostna. Zmeraj ima dober

občutek, mladim odpreti oči in upuštevajoč,

da se to temno poglavje zgodovine nikoli več

ne bi ponovilo.

105


Bildgalerie – galerija slik V

Prof. Helmut Konrad spricht anlässlich der Veranstaltung zum Gedenkjahr im Mai 2005 – govor prof. Helmuta Konrada na prireditvi ob spominskem

letu maja 2005

106


Mariborski judje nekoč

Obnovljena nekdanja sinagoga danes

� Text: Marjan Toš

Mariborski judje nekoč

Na slovenskem narodnostnem ozemlju srečujemo Jude predvsem od 12. stoletja naprej, vzporedno

z nastankom meščanskih naselij. Tako po številu kot po gospodarski vlogi, ki so jo odigrali, so bili

Judje oziroma njihove skupnosti pomembne zlasti v Mariboru, na Ptuju, v Celju, v Ljubljani, v Gorici,

Trstu in v nekaterih koroških mestih. Ohranjene listine pričajo, da je njihova dejavnost segala preko

deželnih meja in da je bila mobilnost judovskega življa izredno velika. V gospodarskem pogledu so

bila omenjena mesta preko judovskega življa povezana s celotno srednjo Evropo. 1 Nasploh so Judje

v preteklosti srednjeveške Evrope odigrali izjemno pomembno vlogo, saj so s svojo dejavnostjo

na gospodarskem in kulturnem področju prispevali k njenemu napredku in so sooblikovali njeno

podobo. Njihova glavna gospodarsko-pridobitna dejavnost, trgovanje na daljavo, predvsem v

zgodnjem srednjem veku, in denarni posli v kasnejših stoletjih, so jih pripeljali v skoraj vse dele

Evrope. Judje so bili zaradi svoje gospodarske dejavnosti, zlasti trgovanja in denarništva, navezani

na tedanja gospodarska in prometna središča. Naselili so se torej tam, kjer so našli pogoje za svojo

gospodarsko in s tem življenjsko eksistenco. 2

Kot povsod drugod, so se Judje tudi na slovenskem Štajerskem naselili v krajih ob pomembnih

gospodarskih poteh. Tako so se nastanili tudi v Mariboru, kjer so se križale pomembne poti,

ki so vodile na zahod proti Koroški, na jug proti Slovenski Bistrici, prek Celja do Ljubljane in v

smeri morja, na sever proti deželnemu glavnemu mestu Gradcu, vzhodna pot pa je povezovala

Maribor s Ptujem in s potmi, ki so vodile na Ogrsko. V Mariboru so Judje predstavljali pomemben

del mestnega prebivalstva in so s svojo dejavnostjo pustili trajne sledi v njegovi zgodovini. Še

posebej odločilna in pomembna je bila v srednjeveškem Mariboru gospodarska dejavnost Judov,

ki so držali trdne povezave z mnogimi takratnimi vplivnimi gospodarskimi in tudi kulturnimi

središči. V Mariboru so se Judje naselili in živeli v jugovzhodnem delu mesta na območju, ki je

obsegalo današnjo Židovsko in Ključavničarsko ulico, del današnje Ulice kneza Koclja, spodnji del

Vetrinjske ulice in del glavnega trga. Judovsko občino je vodil judovski mojster, verske obrede in

tudi pravne zadeve pa so opravljali v sinagogi, ki je bila verjetno zgrajena že v drugi polovici 13.

stoletja. Sinagoga je bila tudi sicer versko, duhovno in kulturno središče vsake judovske skupnosti

oziroma četrti. Kjerkoli so se namreč Judje naselili, povsod so zgradili sinagogo (shodnico) za

107


Mariborski judje nekoč

Sinagoga v Mariboru – Synagoge in Maribor

molitev, branje Tore in urejanje skupnih zadev.

Judom je bilo prepovedano živeti v mestu, ki

ni imelo sinagoge. V njej so tudi prenočevali

popotniki, saj so zmeraj dobili kako odvečno

klop ali vsaj prazen kot. Sinagoga je s pročeljem

obrnjena proti jeruzalemskemu templju, in

čeprav je to posvetna ustanova, v kateri imajo

duhovniki le manjšo vlogo, ji pravijo »malo

svetišče«. 3 Mariborska sinagoga naj bi bila

prvič izpričana že v času druge polovice 13.

stoletja, omenja pa se leta 1429, ko so v njej

tudi opravljali pravne posle. Ob sinagogah je

bila ponavadi šola in ob njej kopališče s tekočo

vodo za obredne kopeli. Za Maribor Vladimir

Travner navaja, da naj bi bila šola »domnevno v

židovskem stolpu« in naj bi jo bili zgradili okoli

leta 1477. Tega leta naj bi namreč cesar Friderik

III. naročil radgonskemu judovskemu mojstru

Muschu, naj Judu Davidu črta plačilo globe

dvanajstih goldinarjev, ki bi jih moral plačati

za gradnjo talmudske šole v Mariboru. Isti

avtor tudi omenja, da naj bi bilo že omenjeno

kopališče za obredne kopeli mariborskih Judov

»tik pod sinagogo ob mestnem obzidju ob

Dravi. Ob mariborski sinagogi naj bi bilo tudi

108

pokopališče, pri čemer pa isti

avtor poudarja, da po verskih

predpisih pokopališče ne bi

smelo biti poleg sinagoge. Ker

pa je bil prostor v mariborskem

judovskem getu omejen, se

Judje na to prepoved niso

mogli ozirati. Trditev opira na

nagrobnike, ki so bili najdeni

znotraj mestnega obzidja. 4

Že leta 1367 je bilo judovsko

pokopališče v Mariboru zunaj

mesta, na prostoru zahodno

od današnjega Vodnikovega

trga. Mariborska sinagoga je

kot preprosta ravnokrilna stavba zagotovo

obstajale prej, preden je poleg nje živel prvi

znani rabin Abraham (umrl leta 1379).

Obokali so jo v prvi četrtini 15. stoletja, preden

je postala občasni sedež vrhovnega rabinata

za Štajersko, Koroško in Kranjsko. Izjemno

pomemben in znan je bil rabin Israel Isserlein

(1390 ?-1460 ?). Judovska četrt v Mariboru

je v 15. stoletju, ko je ekonomski potencial

judovskega prebivalstva v tem mestu dosegel

največjo moč, obsegala desetino obzidanega

mesta. Čeprav so Judje kot posebna skupina

mestnega prebivalstva živeli znotraj mestnega

obzidja v posebni četrti , to še ne pomeni,

da so živeli izključno v svojem getu. Primeri

Maribora, Ljubljane in Velikovca kažejo, da

je nek majhen del judovskega življa prebival

tudi zunaj zanj določene četrti. Znano je tudi,

da so bile posamezne meščanske družine

lastnice nepremičnin tudi v judovski četrti.

Povsem razumljivo je seveda, da obe skupini

prebivalstva nista nikoli živeli pod isto streho.

Mariborske davčne knjige iz druge polovice 15.

stoletja na primer pričajo, da so si Judje pridobili

zunaj svoje četrti kar lepo število nepremičnin.


Pri teh presojah pa moramo biti previdni, saj

so si Judje nekatere hiše pridobili le začasno,

in to na račun zapadlega dolga, ter v njih niso

prebivali. Take nepremičnine so običajno tudi

odprodali. 5

Judje so bili kot del mestnega prebivalstva

dolžni skrbeti in prispevati tudi za obrambo

mesta. Ko so v letu 1465 Mariborčani popravljali

mestno obzidje in utrdbe ob judovski četrti

od Židovske ulice do Salzburškega dvora, so

zlasti za les in njegov prevoz ter za zidarje

porabili večjo količino denarja. Mestni sodnik

Sebald Mitterhueber je tedaj potrdil, da so

Judje prispevali štirideset funtov denarjev.

Medtem ko je bilo srednjeveško prebivalstvo

vezano na en kraj: podložniki so bili zavezani

grudi (glebae adscripti) in so se smeli odseliti

s svoje kmetije le s privoljenjem zemljiškega

gospoda, tudi obrtniki se v mestih zlasti zaradi

posedovanja delavnic niso selili, judovski živelj

pa je bil izjemno mobilen. Trgovski posli so

Jude pripeljali daleč na tuje in mnogi so tam

tudi ostali, saj so dobili bistveno boljše pogoje

za bivanje in za opravljanje gospodarske

dejavnosti. O veliki mobilnosti judovskega

prebivalstva pričajo tudi mnoge listine za

Maribor in kažejo na močno povezanost

mariborskih judovskih družin in sorodstvene

vezi predvsem z graškimi in ljubljanskimi Judi.

Mnoge mariborske judovske družine so se v

14. in 15. stoletju preselile v deželno glavno

mesto Gradec. Glavni gospodarski dejavnosti

Judov sta bili trgovina in denarništvo.

Trgovske zveze mariborskih Judov (pa tudi

celjskih) so segale do Dubrovnika in Benetk

ter do Dunaja in Prage. Velike dobičke je

judovskemu prebivalstvu prinašala trgovina

z beneškim blagom. S svojimi zvezami so

posredovali med domačo in tujo trgovino in

s tem koristili gospodarstvu domačih naselij. 6

Mariborski judje nekoč

Mariborski Judje so imeli tudi nemajhen delež

v vinski trgovini, ki jim je prinašala lepe

dohodke. Vinski pridelek so ali preprodajali ali

pa prodajali vino, ki so si ga pridobili na račun

zapadlega dolga. Mnoge judovske družine iz

Maribora so postale tudi lastnice vinogradov

v mariborski okolici (podobna ocena velja

tudi za ptujske Jude). Nekateri dolžniki so

namreč Judom zastavljali kot posojilojemalci

vinogradniške komplekse, in ker dolga niso

mogli poravnati, so upniki postali lastniki

zemlje. Pri tem pa je zanimivo, da so si

Judje na veliko prizadevali tako pridobljene

nepremičnine čimprej prodati. Mariborski

Judje so vino zaradi boljših zaslužkov na veliko

prodajali tudi v koroških mestih. Najbolj

razširjena gospodarska dejavnost judovskega

življa v Mariboru pa so bili denarni posli,

zlasti posojanje denarja na obresti, kar je

bilo krščanskemu prebivalstvu s cerkvenimi

predpisi prepovedano. Med njihovimi dolžniki

srečujemo vse plasti takratnega prebivalstva.

Od začetka 15. stoletja, zlasti pa od sredine

stoletja, se je položaj Judov na Štajerskem

močno poslabšal. Splošna gospodarska kriza

in konkurenca krščanskega prebivalstva pri

trgovanju in celo v kreditnih poslih sta bili iz

dneva v dan večji, restrikcij deželnega kneza, ki

so jih od njega terjali meščani in plemstvo, pa

je bilo vedno več. V drugi polovici 15. stoletja

so bili Judje že popolnoma izrinjeni iz večjih

trgovskih poslov, vse bolj pa tudi iz kreditnih

in denarnih dejavnosti, kar je močno oslabilo

njihovo gospodarsko moč. Poleg občutnega

slabšanja gospodarskega položaja Judov je

v 15. stoletju naraščalo splošno sovraštvo

do Judov, ki se je zrcalilo tudi v Mariboru.

Nerazpoloženje do Judov je imelo svoje

korenine v gospodarskih, socialnih in verskih

razmerah tedanje dobe. Stopnjevala se je verska

109


Mariborski judje nekoč

Sinagoga v Mariboru – Synagoge in Maribor

nestrpnost krščanskega prebivalstva do Judov,

in to še posebej v času naravnih katastrof

ter gospodarskih, socialnih in duhovnih

kriz. Posledica je bila preganjanje judovskega

prebivalstva, začasni ali trajni izgoni iz mest in

celih dežel. 7 Zahteve za rigorozne ukrepe zoper

Jude so se okrepile po smrti cesarja Friderika

III.(1493). Njegov naslednik Maksimilijan I. je

ugodil prošnji štajerskih in koroških deželnih

stanov in 18. marca 1496 ukazal, da morajo

Judje oditi s Štajerske. Že 9. marca 1496 je

izdal podoben ukaz za Jude na Koroškem. Za

Jude na Štajerskem, torej tudi v Mariboru, je

veljal rok za izselitev do 6. januarja naslednjega

leta (1497) in v roku šestih mesecev naj bi

bile poravnane vse njihove terjatve. Nekateri

mariborski Judje so se začasno zatekli najprej v

Ljubljano, od koder so morali oditi po cesarjevi

odredbi o izgonu Judov s Kranjske leta 1515. 8

Del mariborskih Judov se je preselil v mesta

ob severnem in celo južnem Jadranu in na

ozemlje Beneške republike. Mariborski Judje so

v italijanskem okolju dobili ime »Morpurgo«,

ki se je ponekod ohranilo do današnjih dni.

Očitno je bila mariborska judovska skupnost

110

tako močna, da je pustila svoje

sledi celo v poimenovanjih. 9

Z izgonom Judov iz Maribora

je bilo najbolj prizadeto prav

mariborsko mesto, ki je postalo

osiromašeno v gospodarskem in

kulturnem pogledu. Z izgonom

Judov so vse njihove ustanove

v Mariboru propadle, sinagogo

sta že leta 1497 kupila zakonca

Barbara in Bernardin Druckher,

ki sta si tudi sicer pridobila

največ nekdanje judovske

posesti. Sinagogo sta preuredila

v cerkev vseh svetnikov. To

se je po vsej verjetnosti zgodilo že leta 1501.

Delovala je kot katoliška cerkev vse do reform

Jožefa II., ko je bila skupaj s kaplanijo izročena

vojski. Ta je zgradbo nekdanje sinagoge

uporabljala kot skladišče do leta 1811, nato pa

je zgradba prešla v meščanske roke. Objekt je

doživel tudi več prezidav in dozidav in zgornji

del etaže je bil spremenjen celo v stanovanje. 10

Leta 1992 je bila sinagoga razglašena za

kulturni in zgodovinski spomenik. 11 Pripravljen

je bil tudi celoviti program njene obnove, ki so

ga zasnovali strokovnjaki in sodelavci Zavoda

za varstvo naravne in kulturne dediščine iz

Maribora. 12 Leta 1992 se je začela prenova

in rekonstrukcija objekta, ki je bil pred tem

zaradi nerešenih lastniških razmerij nekaj

časa tudi zaprt. Tega leta so strokovnjaki

izdelali natančne arhitektonske posnetke in

vzporedno z raziskavami začeli pripravljati

konservatorski program in konservatorski

projekt potrebnih posegov. Zaradi izjemnih

kvalitet sinagoge v širšem prostoru so se namreč

odločili, da je treba sinagogo rekonstruirati v

tisti obliki in obsegu, za katero so imeli dovolj

materialnih podatkov in dokazov. 13 Vzporedno


z raziskavami in sprotnimi ugotovitvami

o pomenu posameznih prostorov, lokaciji in

obliki posameznih okenskih odprtin, so

strokovnjaki opravili nekatere korekcije, ki so

jih vodile k prvemu cilju – iz amorfne gradbene

substance izluščiti kvalitetno arhitekturo

nekdanje sinagoge, takšne, kot je bila pred

letom 1500. 14 Arheološke raziskave v prostoru

nekdanje sinagoge kljub svoji temeljitosti

niso dale konkretnejših rezultatov, ki bi dali

podatke o morebitnih starejših gradbenih fazah

sinagoge. Judje so prvič arhivsko izpričani

v drugi polovici 13. stoletja, v Mariboru pa

naj bi se bili naselili že sredi 13. stoletja,

ko naj bi se prvič omenjala tudi sinagoga. 15

Neposrednih sledov te prve sinagoge, ki bi bili

stilno opredeljivi v obstoječi stavbni substanci,

niso našli. Arheološko poročilo omenja v

substrukturi le ostanke zidov, ki imajo gradbeno

značilnost iz obdobja romanike. Ne glede na

starejše vabljive špekulacije o gradbeni starosti

in gradbeni kontinuiteti mariborske sinagoge

so se strokovnjaki omejili na najdbe, ki so dajale

podatke o njeni velikosti, njeni pojavnosti ter

arhitekturnih elementih in jo opredelili kot

objekt, ki je v zdajšnji materialno dokumentirani

podobi nastal v obdobju ekonomskega in

kulturnega razcveta mariborskih Judov, to

je sredi 15. stoletja. 16 Glede na zadovoljivo

število materialnih podatkov o videzu in

arhitektonski ter konstrukcijski organizaciji

zadnje gradbene faze sinagoge in na izjemnost

judovskega kultnega objekta v Mariboru so se

odločili za rekonstrukcijo celote iz srede 15.

stoletja z vsemi podrobnostmi, ki so jih uspeli

pridobiti med raziskavami stavbe. Obnova

je trajala več let, za javnost je bila nekdanja

judovska sinagoga odprta 1. aprila 2001 leta.

Že leta 1999 je bil izdelan in potrjen elaborat s

predlogom vsebinske zasnove ter organizacije

Mariborski judje nekoč

izvajanja programa v obnovljeni nekdanji

judovski sinagogi Maribor, ki sta ga pripravila

Peter Može iz Pokrajinskega muzeja Maribor

in Daniel Sajko iz Mestne občine Maribor. 17 S

posebno pogodbo je bila obnovljena sinagoga

predana v začasno upravljanje Pokrajinskemu

muzeju Maribor. Ta z njo upravlja še danes.

Temeljni program, ki ga določa narava objekta

in njegova zgodovina, je program ohranjanja,

negovanja in prezentacije judovske kulturne

dediščine na prostoru današnje Slovenije. Tak

program ustreza tudi določilom Sporazuma

med vlado Republike Slovenije in vlado ZDA

o zaščiti in ohranjanju nekaterih kulturnih

predmetov in dobrin. 18 Omenjeni sporazum

obe državi podpisnici zavezuje k ohranjanju

kulturnih dobrin in spomenikov, ki so

dediščina narodnih, verskih ali etničnih skupin

– žrtev genocida med 2. svetovno vojno. Za

izvajanje sporazuma sta zadolžena Ministrstvo

za zunanje zadeve Republike Slovenije –

sektor za mednarodno kulturno sodelovanje

in Ministrstvo za kulturo Republike Slovenije

– uprava za kulturno dediščino. V skladu z že

omenjenim elaboratom naj bi imela obnovljena

nekdanja judovska sinagoga v Mariboru v prvi

vrsti funkcijo muzejskega informacijskega

centra, ki bo informiral o zgodovini judovstva

na območju Maribora in celotne Slovenije in

ki bo prezentiral različne spomenike judovske

kulturne dediščine. Različne programske

usmeritve, ki naj bi sestavljale celoviti program

bodočega muzejskega in dokumentacijskega

centra judovske kulturne dediščine Slovenije,

so bile delovno poimenovane »Center judovske

kulturne dediščine Maribor«, ki pa zaradi

še ne dorečenih statusno-organizacijskih in

finančnih vprašanj še ni zaživel. Kljub temu

so nastali zametki bodočega tovrstnega centra

in vzpostavljeno je delovno sodelovanje z

111


Mariborski judje nekoč

nekaterimi podobnimi

centri in ustanovami

iz domovine in

tujine. Vprašanja

okoli bodočega centra

judovske dediščine v

Mariboru so znova

izjemno aktualna in

z njimi naj bi se bolj

intenzivno ukvarjalo tudi kulturno ministrstvo.

Nasploh je doslej prevladalo stališče, da bo

dejavnost v obnovljeni nekdanji mariborski

sinagogi omejena na vsebine in programe,

ki bodo direktno povezani z muzejskodokumentacijskim

oziroma informacijskim

centrom po eni strani in po drugi predstavljali

javni kulturni program, ki ga definira

mesto z drugimi kulturnimi ustanovami in

izvajalci programov. Ta segment dejavnosti

je od leta 2001 že zaživel, pri čemer je od

vsega začetka prevladalo stališče, da morajo

biti ponujeni programi vsebinsko raznoliki,

kakovostni in tematsko občasno prilagojeni

prezentaciji judovske kulturne dediščine in

aktualne kulturne ponudbe ustvarjalcev iz

države Izrael oziroma judovskih ustvarjalcev

iz Evrope in ZDA. Ta programski sklop se v

Sinagogi 19 uspešno uveljavlja, saj je obnovljena

sinagoga zaživela kot manjši mestni kulturnoprireditveni

center za glasbene večere,

koncerte, radijska omizja, predavanja,

pogovore, občasne likovne razstave in podobne

oblike kulturnega ustvarjanja. Zaradi dobre

akustike ga zelo rade uporabljajo manjše

glasbene skupine komornega značaja in tudi

manjše vokalne skupine. Dobro je zaživelo tudi

sodelovanje z drugimi mariborskimi kulturnimi

ustanovami (Narodni dom, Društvo likovnih

umetnikov Maribor, Univerza, različne srednje

šole, festival kreativnosti Magdalena, Mladinski

112

Nagrobnik rabina – Grabstein

des Rabbiners

Pečat judovskega sodnika – Siegel

des jüdischen Richters

kulturni center,

Zveza kulturnih

društev, Mariborska

knjižnica, Sinagoga

Lendava), tako da je

obnovljena nekdanja

sinagoga eno od

pomembnejših žarišč

kulturnega dogajanja v mariborskem starem

mestnem jedru. Vzpostavljeno je tudi korektno

sodelovanje z Judovsko skupnostjo Slovenije in

z veleposlaništvom države Izrael na Dunaju.

Sinagoga je kot izjemno pomemben kulturnozgodovinski

spomenik nadvse privlačna za

mnoge domače in predvsem tuje turiste. Med

njimi je iz leta v leto več gostov iz Izraela in

Judov iz vseh delov sveta, od Avstralije do

ZDA. Statistični podatki o obiskovalcih (tako

tistih, ki prihajajo na kulturne prireditve, kot

turistov) potrjujejo ocene, da je obisk prireditev

in sinagoge kot kulturno-zgodovinskega

spomenika v okviru turističnih programov

domačih in tujih agencij dokaj stabilen. Leta

2001 je bilo zabeleženih 6629 obiskovalcev,

leta 2002, ko je bila izvedena načrta promocija,

je bilo 16.426 obiskovalcev, leta 2003 je prišlo v

sinagogo 9425 obiskovalcev, lani pa 8794. Med

obiskovalci je tudi veliko mladih, ki so jim

na voljo pedagoški programi in organizirana

vodenja v okviru pouka zgodovine ali

predmeta državljanska vzgoja in etika ter

izbirnih predmetov o verstvih. Vse več pa

je povpraševanja po strokovnem gradivu

in literaturi, ki se nanaša na zgodovino

mariborskih in slovenskih Judov, saj je med

dijaki in študenti kar nekaj zanimanja za

pisanje seminarskih oziroma diplomskih nalog

na judovsko tematiko. Programi in celotna

dejavnost sinagoge v Mariboru je deležna nadvse

korektne in permanentne medijske podpore


in pozornosti, kar je še posebej pomembno

za učinkovito promocijo. Objekt je pogosto

zanimiv za različne prireditve in srečanja

drugih ustanov in organizacij civilne družbe.

Čeprav je organizacijsko vezan na Pokrajinski

muzej Maribor, je dejavnost dovolj fleksibilna

in prilagojena potrebam ciljnih skupin, odprt

pa tudi izven formalnega delovnega časa.

Sinagoga v Mariboru je zanimiva tudi za

številne visoke obiske protokolarnega značaja.

Obnovljena nekdanja sinagoga torej omogoča

izvajanje kulturnih vsebin in programov

ter zagotavlja osnovne pogoje za postopno

ustanovitev muzejskega dokumentacijskega

ali informacijskega centra, ki bi ob ustrezni

državni (in najbrž tudi mednarodni) podpori

lahko prerasel v »Center judovske kulturne

dediščine Slovenije«.

OPOMBE

Mariborski judje nekoč

1 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane, Ljubljana, 1995, 5.

2 Jože Mlinarič, Mariborski Židje v zadnjih desetletjih pred izgonom iz mesta,

njihov izgon in sledovi, Pokrajinski arhiv Maribor, Katalogi 7. Prim. Jože

Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne izselitve v

letu 1496, v: Judovski zbornik, ČZN 1-2, Maribor ,2000, 50-70. Prim. Janez

Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga Maribor, Maribor 2002.

3 Alan Unterman, Judovstvo, Mali leksikon, Ljubljana, 2001, 252.

4 V.Travner, Mariborski ghetto, v:Kronika slovenskih mest II ( 1935 ), 155-156.

Prim. Jože Mlinarič,Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne

izselitve v letu 1496, v:Judovski zbornik, ČZN 1-2, Maribor, 2000, 50-70.

5 Jože Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne izselitve

1496, v: Judovski zbornik, ČZN 1-2, Maribor, 2000, 54. Prim. Mariborska

davčna knjiga za leto 1465, StLA, Gradivo za zgodovino Maribora XVII, 42

in Jože Mlinarič, Gradivo za zgodovino Maribora XVII, 17,25, 72, 76, 78 in

103.

6 Ibid.,57.

7 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane, Ljubljana, 1992, 26-31.

8 Ibid.

9 Janez Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga Maribor, 2002.

Avtor navaja, da ga je ob obisku Izraela presenetil napis na trgovini ob

severnih vratih v Jeruzalem z oznako » Morpurgo store« in obisk trgovine je

potrdil njegovo predvidevanje, da gre za potomce mariborskih Judov.

10 Marjan Toš, Programska zasnova in dejavnost obnovljene nekdanje

judovske sinagoge v Mariboru, rokopis, KC Sinagoga, 2005.

11 Medobčinski uradni Vestnik, 5/92.

12 Strokovno skupino so sestavljali Ivan Tušek in Mihela Kajzer-Cafnik za

arheologijo, Janez Mikuž za umetnostno zgodovino; Marjan Teržan za

restavratorstvo, Irena Krajnc-Horvat za arhitekturo in Miran Ježovnik za

statiko.

13 Zavod za varstvo naravne in kulturne dediščine Maribor

14 Janez Mikuž, Nekdanja židovska četrt in nekdanja sinagoga v Mariboru, v:

Judovski zbornik, ČZN, 1-2, 2000, 166.

15 Ibid.

16 Ibid., 167.

17 Mariborska sinagoga – predlog vsebinske zasnove ter organizacije

izvajanja programa, Maribor, junij 1999. Elaborat je potrdil Strokovni kolegij

Pokrajinskega muzeja Maribor dne 16. 3. in 13. 9. 1999.

18 Uradni list Republike Slovenije, 57/96.

19 Objekta se je dobro oprijel naziv Kulturni center (KC ) Sinagoga Maribor, v

javnosti pa je prepoznan tudi po krajšem imenu Sinagoga Maribor. Lastnica

objekta je Mestna občina Maribor.

113


Die Juden von Maribor einst

Die Juden von Maribor einst

Die renovierte ehemalige Synagoge

heute

Auf dem Gebiet Sloweniens begegnen wir

den Juden vor allem ab dem 12. Jahrhundert,

was zeitlich mit der Gründung der städtischen

Siedlungen zusammenfällt. Sowohl auf Grund

ihrer Zahl als auch wegen der wirtschaftlichen

Rolle, die den Juden damals zukam, waren sie

vor allem in Maribor, Ptuj, Celje, Ljubljana

Gorica, Triest und in einigen Kärntner Städten

von besonderer Bedeutung. Die überlieferten

Urkunden bezeugen, dass sich die Aktivitäten

der Juden über die Landesgrenzen

hinaus erstreckten und ihre Mobilität immer

stärker zunahm. In wirtschaftlicher Hinsicht

waren die erwähnten Städte durch die Juden

mit ganz Mitteleuropa verbunden 1 . Im Mittelalter

leisteten die Juden auf wirtschaftlichem

und kulturellem Gebiet einen wichtigen Beitrag

zum Fortschritt Europas und prägten seine

Gestalt mit. Vor allem im Frühmittelalter

war der Fernhandel ihr Haupterwerb, in den

folgenden Jahrhunderten hingegen dominierten

die Geldgeschäfte, die sie in nahezu allen

Teile Europas betrieben. Die Juden waren auf

Grund ihres wirtschaftlichen Engagements,

insbesondere wegen ihrer Handels- und Geldgeschäfte,

an die damaligen Wirtschafts- und

Verkehrszentren gebunden. Sie ließen sich dort

nieder, wo sie die Voraussetzungen für ihre Erwerbstätigkeit

fanden2 .

Wie überall sonst, siedelten sich die Juden auch

in der slowenischen Steiermark in Orten an

den wichtigen Handelswegen an. So kamen sie

auch nach Maribor, eine am Kreuzungspunkt

bedeutender Handelswege gelegene Stadt, von

wo die Handelsrouten in westlicher Richtung

nach Kärnten, in Richtung Süden nach Slo-

114

venska Bistrica, weiter über Celje nach Ljubljana

und schließlich an die Küste sowie in Richtung

Norden in die Landeshauptstadt Graz

führten. In östlicher Richtung waren Maribor

und Ptuj mit den nach Ungarn führenden

Handelswegen verbunden.

Im mittelalterlichen Maribor stellten die Juden

einen wichtigen Teil der Stadtbevölkerung

dar und hinterließen unübersehbare Spuren.

Auf Grund ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten

pflegten sie intensive Kontakte mit zahlreichen

anderen wirtschaftlichen und kulturellen

Zentren in Mitteleuropa. In Maribor machten

sich die Juden im südöstlichen Stadtteil ansässig,

der die heutige Židovska ulica (Judengasse),

die Ključavničarska ulica (Schlossergasse),

einen Teil der heutigen Straße Kneza Koclja,

den unteren Teil der Vetrinjska ulica und einen

Teil des Hauptplatzes umfasste. Die jüdische

Gemeinde wurde von einem Judenmeister geführt,

die Gottesdienste, aber auch die Rechtsangelegenheiten

wurden in der Synagoge, die

bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts

errichtet worden war, abgewickelt.

Die Synagoge war das religiöse, geistige und

kulturelle Zentrum jeder jüdischen Gemeinschaft

beziehungsweise jeden Judenviertels.

Juden durften nicht in einer Stadt ohne ein jüdisches

Gotteshaus leben. Die Synagoge ist mit

ihrer Vorderfront nach dem Jerusalemer Tempel

ausgerichtet; obwohl sie ein Profanbau ist,

in dem den Priestern eine untergeordnete Rolle

zukam, nannte man sie „eine kleine Kultstätte

3 “. Die Synagoge von Maribor soll zum

ersten Mal bereits in zweiter Hälfte des 13.

Jahrhunderts bezeugt worden sein, urkundlich

erwähnt wurde sie allerdings erst im Jahre

1429. In der unmittelbaren Nähe der Synagoge

wurden üblicherweise eine Schule gebaut und

ein Ritualbad errichtet.


Gemäß Vladimir Travner, befand sich die um

das Jahr 1477 errichtete Schule im Judenturm.

Weiters führt Travner an, dass sich das bereits

erwähnte jüdische Ritualbad in Maribor

unmittelbar unter der Synagoge an der Stadtmauer

an der Drau befunden habe. Neben der

Synagoge soll auch ein jüdischer Friedhof gewesen

sein, wobei Travner betont, dass dieser

gemäß den jüdischen religiösen Geboten nicht

neben der Synagoge stehen hätte dürfen. Da

aber der Raum im jüdischen Ghetto sehr begrenzt

war, konnten sich die Bewohner nicht

an dieses Verbot halten. Travners These untermauern

auch die Grabsteine, die innerhalb der

Stadtmauer gefunden wurden 4 . Bereits im Jahre

1367 befand sich der jüdische Friedhof außerhalb

der Stadt, westlich des heutigen Platzes

Vodnikov trg.

Als ein schlichtes, symmetrisches Gebäude

muss die Synagoge in Maribor aber bereits

früher existiert haben, noch bevor in ihrer

Nachbarschaft der erste namentlich überlieferte

Rabbiner Abraham residierte (1379 gestorben).

Ihre Auswölbungen erhielt die Synagoge

im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts,

bevor sie als vorübergehender Sitz des Obersten

Rabbinats für Steiermark, Kärnten und

Krain genutzt wurde. Eine bedeutungsvolle

Persönlichkeit war der Rabbiner Israel Isserlein

(1390–1460).

Als das wirtschaftliche Potential der Juden

von Maribor im 15. Jahrhundert seinen Höhepunkt

erreichte, machte das jüdische Viertel

ein Zehntel des ummauerten Stadtgebiets aus.

Obwohl die Juden als besondere Gemeinschaft

der Stadtbevölkerung innerhalb der Stadtmauer

in einem eigenen Viertel wohnten, bedeutete

dies jedoch nicht, dass sie ausschließlich

in ihrem Ghetto lebten. Beispiele aus Maribor,

Ljubljana und Völkermarkt belegen, dass ein

Die Juden von Maribor einst

kleiner Teil der jüdischen Gemeinschaft auch

außerhalb seines Viertels wohnte. Darüber hinaus

ist bekannt, dass einige Bürgerfamilien

auch Eigentümer von Liegenschaften im jüdischen

Viertel waren. Dennoch steht fest, dass

beide Bevölkerungsgruppen nie unter einem

Dach wohnten.

So bezeugen beispielsweise die Steuerbücher

von Maribor aus der zweiten Hälfte des 15.

Jahrhunderts, dass die Juden außerhalb ihres

Viertels eine beträchtliche Zahl von Liegenschaften

erworben hatten. Dabei ist allerdings

zu berücksichtigen, dass sich einige Häuser

nur vorübergehend in ihrem Besitz befanden,

als Folge unbeglichener Schulden, bewohnt

hatten sie sie jedoch nie. Normalerweise verkauften

sie solche Liegenschaften umgehend

weiter 5 .

Die Juden waren als Teil der Stadtbevölkerung

verpflichtet, zur Verteidigung der Stadt beizutragen.

Als im Jahre 1465 die Stadtmauer und

die Festungsbauten entlang des jüdischen Viertels

– von der Židovska ulica (Judengasse) bis

zum Salzburski dvor (Salzburger Hof) – erneuert

wurden, mussten die Juden 40 Pfund aufbringen.

Während der Großteil der mittelalterlichen Bevölkerung

an einen Ort – an die Scholle (glebale

adscripti) – gebunden war und die Untertanen

ihre Bauernhöfe nur mit der Zustimmung

des Grundherrn verlassen durften – auch die

städtischen Handwerker wanderten nur selten

ab – war die Mobilität der Juden sehr hoch.

Handelsgeschäfte führten sie in fremde Länder,

wo sich viele von ihnen, wenn sie bessere

Lebensbedingungen vorfanden, ansiedelten.

Die große Mobilität der jüdischen Bevölkerung

bestätigen zahlreiche Urkunden der Stadt Maribor.

Sie bezeugen eine starke Verbundenheit

zwischen den jüdischen Familien aus Maribor

115


Die Juden von Maribor einst

mit den Juden von Graz und Ljubljana. Zahlreiche

jüdische Familien aus Maribor zogen im

14. und 15. Jahrhundert in die Landeshauptstadt

Graz.

Die Handelsverbindungen der Juden von Maribor

(wie auch derjenigen von Celje) reichten

von Dubrovnik und Venedig bis nach Wien

und Prag. Große Gewinne erzielten sie durch

den Handel mit venezianischen Waren. 6 Die

Juden von Maribor erwirtschafteten auch im

Weinhandel beträchtliche Gewinne. Schuldner

gaben den Juden ihre Weinberge zum Pfand,

da sie aber die Schulden nicht begleichen konnten,

wurden die Gläubiger zu Landbesitzern.

Interessant ist dabei die Tatsache, dass die Juden

bestrebt waren, die auf diese Art erworbenen

Liegenschaften möglichst bald weiterzuverkaufen.

Die Juden von Maribor verkauften

den Wein wegen besserer Verdienste auch in

den Kärntner Städten. Die meisten Juden betrieben

auch Kreditgeschäfte, weil das Zinsnehmen

nach der kirchlichen Lehre Christen

verboten war. Unter ihren Gläubigern waren

damals alle Bevölkerungsschichten zu finden.

Seit dem Beginn, vor allem aber seit der Mitte

des 15. Jahrhunderts, verschlechterte sich die

Lage der Juden in der Steiermark wesentlich.

Die allgemeine Wirtschaftskrise und die Konkurrenz

der christlichen Bevölkerung im Handel

und sogar im Kreditwesen wurden von Tag

zu Tag größer, Bürger und Adel forderten vom

Landesfürsten immer neue Beschränkungen

für die wirtschaftlichen Aktivitäten der Juden.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts

wurden die Juden fast völlig aus den größeren

Handelsgeschäften und aus den Kredit- und

Geldgeschäften verdrängt, was ihr wirtschaftliches

Potential schmälerte. Neben der deutlichen

Verschlechterung der Wirtschaftslage

nahm der allgemeine Antijudaismus stark zu,

116

der auch an Maribor nicht vorüberging. Die

Aversionen gegen die Juden hatten ihre Wurzeln

in den wirtschaftlichen, sozialen und religiösen

Verhältnissen der damaligen Zeit. Die

religiöse Intoleranz der Christen gegenüber

den Juden nahm, insbesondere zur Zeit von

Naturkatastrophen, wirtschaftlichen, sozialen

und geistigen Krisen, zu. All dies mündete in

der vorübergehenden oder permanenten Ausweisung

der Juden. 7 Die Forderungen nach rigorosen

Maßnahmen gegen die Juden nahmen

nach dem Tode des Kaisers Friedrich III. (1493)

weiter zu. Sein Nachfolger, Maximilian I., gab

den Forderungen des steiermärkischen und

kärntnerischen Landesstands nach und befahl

am 18. März 1496 die Ausweisung der Juden

aus der Steiermark; bereits am 9. März 1496

erließ er einen ähnlichen Befehl betreffend die

Juden in Kärnten. Die steiermärkischen Juden,

also auch diejenigen aus Maribor, waren

gezwungen, bis zum 6. Jänner des folgenden

Jahres auszuwandern. Zusätzlich mussten

sie binnen sechs Monaten alle ausstehenden

Schulden begleichen.

Einige Juden aus Maribor fanden vorübergehend

Zuflucht in Ljubljana, von wo aus sie

nach dem Erlass des Kaisers über die Ausweisung

aller Juden aus dem Land Krain im Jahre

1515 neuerlich fliehen mussten 8 . Andere zogen

in die Städte an der Adria. Die Juden aus

Maribor wurden von ihrer italienischen Umgebung

„Morpurgo“ genannt. Diesem Namen

kann man ab und zu noch heute begegnen.

Offensichtlich war die jüdische Gemeinschaft

von Maribor so stark, dass sie ihre Spuren sogar

bei den Benennungen hinterließ 9 . Die Ausweisung

der Juden aus Maribor traf die Stadt

selbst schwer, die dadurch in wirtschaftlicher

und kultureller Hinsicht verarmte. Die jüdischen

Einrichtungen verfielen, und die Syna-


goge wurde – wie auch der Großteil des einst

jüdischen Besitzes – bereits 1497 vom Ehepaar

Barbara und Bernandin Druckner gekauft.

Das Ehepaar ließ die Synagoge zur Allerheiligenkirche

umgestalten. Dazu kam es höchstwahrscheinlich

bereits im Jahr 1501. Die Funktion

einer katholischen Kirche hatte sie bis zur

Einführung der Reformen von Joseph II., als

sie samt ihrer Kaplanei dem Militär übergeben

wurde. Dieses benutzte die ehemalige Synagoge

bis 1811 als Lagerhaus, danach kam das Gebäude

in Besitz der Bürger. Die Anlage wurde

mehrmals um- und ausgebaut, der obere Teil

des Geschosses wurde sogar in eine Wohnung

umgebaut 10 .

1992 wurde die Synagoge zum kulturellen und

historischen Denkmal erklärt 11 . Im gleichen

Jahr erarbeiteten Experten und Mitarbeiter des

Instituts für den Schutz des Natur- und Kulturerbes

Maribor 12 einen Plan für ihre Generalrenovierung.

Ein Jahr später begann man auch mit

dem Umbau und der Rekonstruktion des Gebäudes,

das zuvor wegen ungeklärter Besitzverhältnisse

eine Zeit lang geschlossen bleiben

musste. Im gleichen Jahr machten die Experten

detaillierte architektonische Aufnahmen

und begannen parallel zu den Forschungen das

konservatorische Programm vorzubereiten.

Man entschloss sich, die Synagoge in derjenigen

Form zu rekonstruieren, für die man

genügend Materialien und Quellen gesammelt

hatte 13 . Parallel zu den Forschungsarbeiten

über die Bedeutung der einzelnen Räume,

des Standortes und der Form der Fensteröffnungen

führten die Fachleute einige Umbauten

durch, die sie ein Stück näher an ihr erstes

Ziel brachten: Sie meißelten aus einer formlosen

Bausubstanz die wertvolle Architektur der

ehemaligen Synagoge, die bereits vor dem Jahre

1500 bestanden hatte, heraus 14 . Trotz aller

Die Juden von Maribor einst

Sorgfältigkeit erbrachten die archäologischen

Forschungen jedoch keine konkreten Resultate,

die eventuell auf noch frühere Bauphasen

oder -zustände der Synagoge schließen ließen.

Archivalisch sind die Juden zum ersten Mal in

der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts belegt,

in Maribor sollen sie sich jedoch bereits Mitte

des 13. Jahrhunderts niedergelassen haben, als

auch die Synagoge zum ersten Mal schriftlich

erwähnt wurde. 15 Unmittelbare Spuren der

ersten Synagoge, die in ihrer baulichen Form

der heutigen entsprochen haben soll, wurden

allerdings nie gefunden. Der archäologische

Fachbericht erwähnt lediglich, dass in der Substruktur

Mauerreste gefunden wurden, die der

Romanik zuzuordnen sind. Ungeachtet verschiedener

Spekulationen über die Entstehung

der Synagoge, beschränkten sich die Experten

auf diejenigen Funde, die verlässliche Angaben

über ihre Größe, Architekturelemente und ihr

Erscheinungsbild lieferten, als sie zur Zeit der

wirtschaftlichem und kulturellen Blüte der Juden

in Maribor, Mitte des 15. Jahrhunderts,

entstanden ist. 16

Auf Grund der ausreichenden Menge an Befunden

über die architektonische und konstruktionsbedingte

Form der Synagoge in ihrer letzten

Bauphase hat man sich darauf geeinigt, sie

mit allen während der Forschungsarbeiten gesammelten

Details neu zu errichten. Die Renovierungsarbeiten

dauerten mehrere Jahre. Am

1. April 2001 öffnete die renovierte ehemalige

jüdische Synagoge ihre Tore der Öffentlichkeit.

Bereits 1999 wurde ein Fachbericht mit dem

Vorschlag über ein inhaltliches Programm und

über organisatorische Belange der Synagoge erstellt.

Das Programm wurde von Peter Može

vom Regionalmuseum Maribor und Daniel Sajko

von der Stadtgemeinde Maribor konzipiert 17 .

Mittels eines Sondervertrages wurde die Syn-

117


Die Juden von Maribor einst

agoge dem Regionalmuseum zur vorübergehenden

Verwaltung übergeben, unter dessen Zuständigkeit

sie noch heute fällt.

Das auf die Charakteristik des Gebäudes und

seine Geschichte ausgerichtete Grundsatzprogramm

ist der Erhaltung, der Pflege und der

Präsentation des jüdischen Kulturerbes auf

dem Gebiet des heutigen Sloweniens verpflichtet.

Dieses Programm entspricht auch den Bestimmungen

des Abkommens zwischen der

slowenischen und der US-Regierung über den

Schutz und die Erhaltung von Kulturgütern. 18

Das Abkommen verpflichtet beide Staaten zur

Erhaltung der Kulturgüter und -denkmäler, die

das Erbe nationaler, religiöser und ethnischer

Gemeinschaften – Völkermordopfer des II.

Weltkrieges – darstellen. Zur Umsetzung des

Abkommens haben sich die Abteilung für internationale

Kulturzusammenarbeit des Ministeriums

für äußere Angelegenheiten der Republik Slowenien

und die Verwaltung für das kulturelle Erbe des

Kulturministeriums der Republik Slowenien verpflichtet.

Im Einklang mit dem erwähnten Fachbericht

soll die ehemalige jüdische Synagoge in erster

Linie die Funktion eines Museums und Informationszentrums

haben, das über die Geschichte

des Judentums in Maribor und ganz

Slowenien informiert und verschiedene Denkmäler

des jüdischen Kulturerbes zur Schau

stellt. Die unterschiedlichen Programmrichtungen,

die Teil des Programmganzen des

künftigen Museums und Dokumentationszentrums

des jüdischen Kulturerbes Sloweniens darstellen

sollen, bekamen den Arbeitstitel „Zentrum

des jüdischen Kulturerbes Maribor“. Dieses hat

allerdings wegen noch ungelöster organisatorischer

und finanzieller Fragen seine Aktivitäten

noch nicht zu entfalten begonnen. Es entstanden

trotzdem konkrete Ansätze für die Tätig-

118

keit eines künftigen derartigen Zentrums, und

es wurde bereits eine Zusammenarbeit mit einigen

vergleichbaren slowenischen, aber auch

ausländischen Zentren und Einrichtungen initiiert.

Fragen um das künftige Zentrum des

jüdischen Kulturerbes in Maribor sind neuerdings

wieder sehr aktuell geworden, mit ihnen

sollte sich auch das Kulturministerium intensiv

auseinandersetzen. Im Allgemeinen überwog

bislang die Meinung, dass die Aktivitäten

in der ehemaligen Synagoge auf Inhalte und

beschränkt sein sollten, die unmittelbar mit

dem Museum sowie dem Dokumentations-

und Informationszentrum verbunden sind

und zugleich ein öffentliches Kulturprogramm

darstellen, das von der Stadt im Einklang mit

anderen Kultureinrichtungen und Programmträgern

bestimmt wird.

Diesen Grundsätzen entsprechend, entfaltete

die Synagoge ab 2001 ihre Aktivitäten, wobei

man von Anfang großen Wert auf ein hohes

künstlerisches Niveau und auf inhaltliche

Vielfältigkeit legte. Thematisch sollte das Programm

auch auf die Darstellung des jüdischen

Kulturerbes ausgerichtet und dem aktuellen

kulturellen Angebot israelischer beziehungsweise

der in Europa und in den Vereinigten

Staaten lebenden jüdischen Künstler angepasst

werden.

Eine solche Ausrichtung des Programms setzt

sich bereits erfolgreich durch, und die renovierte

Synagoge 19 wurde als ein kleines Kultur-

und Veranstaltungszentrum für Musikabende,

Konzerte, Vorlesungen, Gespräche,

Bilderausstellungen u. Ä. neu belebt. Wegen

der guten Akustik werden hier von kleineren

Kammermusikgruppen und Vokalgruppen

oftmals Konzerte abgehalten. Initiiert wurde

auch eine Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen

in Maribor (Kulturhaus Na-


odni dom, Verband bildender Künstler Maribor,

Universität Maribor, verschiedene Mittelschulen,

Festival der Kreativität Magdalena, Jugendkulturzentrum,

Bund der Kulturvereine, Bibliothek

Maribor). Somit wurde die Synagoge zu einem

der wichtigsten Treffpunkte des Kulturgeschehens

im alten Stadtkern von Maribor. Darüber

hinaus wurde eine korrekte Zusammenarbeit

zwischen der slowenischen jüdischen Gemeinschaft

und der israelischen Botschaft in Wien

hergestellt.

Als außerordentlich wichtiges kulturhistorisches

Denkmal ist die Synagoge eine höchst

interessante Sehenswürdigkeit für einheimische,

insbesondere aber für ausländische Touristen.

Unter ihnen finden sich immer mehr

Gäste aus Israel und Juden aus aller Welt, von

Australien bis zu den USA. Die Besucherstatistik

zeigt, dass die Frequenz der Besucher sowohl

der kulturellen Veranstaltungen als auch

der Synagoge als kulturhistorisches Denkmal

selbst relativ stabil ist. Im Jahre 2001 wurden

6.629 Besucher verzeichnet, ein Jahr später,

nach einer Werbekampagne, bereits 16.426. Im

Jahre 2003 kamen 9.425 Besucher, im Vorjahr

waren es 8.794.

Unter den Besuchern befanden sich viele Schüler,

für die eigene Führungen angeboten werden.

Die Nachfrage nach Fachliteratur, die sich

auf die Geschichte der slowenischen Juden bezieht,

steigt ständig, weil unter den Schülern

und Studenten großes Interesse am Thema Judentum

besteht. Die Aktivitäten der Synagoge

in Maribor genießen große Aufmerksamkeit in

den Medien, was für eine wirkungsvolle Vermarktung

von großem Vorteil ist. Das Gebäude

ist auch ein interessanter Austragungsort

für verschiedene Veranstaltungen und Treffen

anderer Institutionen und Organisationen.

Die renovierte ehemalige Synagoge ermöglicht

Die Juden von Maribor einst

die Durchführung einer Reihe von kulturellen

Veranstaltungen und stellt die Voraussetzung

für die schrittweise Gründung des Museums

sowie des Dokumentations- und Informationszentrums

dar, das mithilfe staatlicher (vielleicht

auch internationaler) Unterstützung zu

einem „Zentrum des jüdischen Kulturerbes

Sloweniens“ wachsen soll.

119


Die Juden von Maribor einst

ANMERKUNGEN

1 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane. Ljubljana 1992, S. 5 (Die

Juden in der Geschichte Ljubljanas).

2 Jože Mlinarič, Mariborski Židje v zadnjih desetletjih pred izgonom iz mesta,

njihov izgon in sledovi. Pokrajinski arhiv Maribor, Katalogi 7 (Die Juden

Maribors in den letzten Jahrzehnten vor ihrer Vertreibung aus der Stadt,

ihre Vertreibung und Spuren. Archiv des Regionalmusems Maribor); vgl.

Jože Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem do njihove prisilne izselitve

v letu 1496, in: Judovski zbornik, ČZN 1–2. Maribor 2000, S. 50–70 (Die

Juden in der slowenischen Steiermark bis zu ihrer Zwangsaussiedlung im

Jahre 1496); vgl. Janez Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga

Maribor. Maribor 2002 (Geschichte der Juden in Slowenien).

3 Alan Unterman, Judovstvo, Mali leksikon. Ljubljana 2001, S. 252. (Das

Judentum, Kleines Lexikon).

4 Vladimir Travner, Mariborski ghetto, in: Kronika slovenskih mest II (1935), S.

155–156. (Das Ghetto von Maribor); vgl. Jože Mlinarič, Judje na slovenskem

Štajerskem, S. 50–70.

5 Jože Mlinarič, Judje na slovenskem Štajerskem, S. 54; vgl. Mariborska

davčna knjiga za leto 1465, StLA, Gradivo za zgodovino Maribora XVII, 42

(Steuerbuch von Maribor anno 1465) u. Jože Mlinarič, Gradivo za zgodovino

Maribora XVII, S. 17, 25, 72, 76, 78, 103 (Literatur über die Geschichte von

Maribor).

6 Ebd., S. 57.

7 Vlado Valenčič, Židje v preteklosti Ljubljane. Ljubljana 1992, S. 26–31.

8 Ebd.

9 Janez Marolt, History of Jews in Slovenia, KC Sinagoga. Maribor 2002.

Der Autor schreibt, dass ihm während eines Besuchs in Israel ein

Geschäftsschild in Jerusalem auffiel, auf dem „Morpurgo store“ stand.

Der Besuch des Geschäfts bestätigte seine Vermutung, dass es sich um

Nachkommen der Juden von Maribor handelte.

10 Marjan Toš, Programska zasnova in dejavnost obnovljene nekdanje

judovske sinagoge v Mariboru, KC Sinagoga, Manuskript. Maribor 2005

(Programmentwurf und die Aktivitäten der renovierten ehemaligen

jüdischen Synagoge in Maribor).

11 Medobčinski uradni Vestnik, 5/92 (Interkommunales amtliches

Mitteilungsblatt).

12 Das Fachteam bildeten: Ivan Tušek und Mihela Kajzer-Cafnik für

Archäologie, Janez Mikuž für Kunstgeschichte, Marjan Teržan für

Restauration, Irena Krajnc-Horvat für Architektur und Miran Ježovnik für

Statik.

13 Zavod za varstvo naravne in kulturne dediščine Maribor (Institut für den

Schutz des Natur- und Kulturerbes Maribor).

14 Janez Mikuž, Nekdanja židovska četrt in nekdanja sinagoga v Mariboru, in:

Judovski zbornik, ČZN, 1–2. Maribor 2000, S. 166 (Das ehemalige jüdische

Viertel und die ehemalige Synagoge in Maribor).

15 Ebd.

16 Ebd., S. 167.

17 Synagoge Maribor – Vorschlag über den inhaltlichen Entwurf und

Organisation der Programmdurchführung, Juni 1999. Der Bericht wurde

vom Fachkollegium des Regionalmuseums Maribor am 16.3. u. 13.9.1999

genehmigt.

18 Amtsblatt der Republik Slowenien, 57/96.

19 Die offizielle Bezeichnung lautet „Kulturni Center (KC) Sinagoga Maribor“

(Kulturzentrum Synagoge Maribor), in der Öffentlichkeit ist auch der

Kurzname „Synagoge Maribor“ bekannt. Das Gebäude befindet sich im

Besitz der Gemeinde Maribor.

120

O AVTORJU – ZUR PERSON

Marjan Toš

Mag. Marjan Toš, profesor zgodovine in

geografije, kustos Pokrajinskega muzeja

Maribor v Sinagogi. Veliko se ukvarja s

proučevanjem sodobne lokalne zgodovine

Slovenskih goric, zlasti obdobja 1941-1945 in

po letu 1945. Je avtor, urednik in sourednik

številnih zbornikov, avtor prispevkov v

Književnih listih Dela, Večera in drugih

časopisov. Redno objavlja tudi v Časopisu

za zgodovino in narodopisje v Mariboru, kot

publicist in novinar se ukvarja tudi z ekološko

problematiko in sodeluje kot član uredniškega

odbora strokovnih revij LOVEC in RIBIČ. Je

dolgoletni strokovni komentator balkanskega

dogajanja za zunanjepolitično uredništvo Radia

Maribor, pisec knjižnih ocen in predstavitev za

kulturno-umetniški program Radia Maribor in

avtor številnih dokumentarnih in javnih oddajah

v okviru dokumentarno-feljtonskega programa

Radia Maribor. V zadnjih letih se še posebej

ukvarja s proučevanjem zgodovinskega

spomina na slovenske Jude po letu 1945. To

je tudi tema njegovega doktorskega študija na

Fakulteti za podiplomske humanistične študije

ISH v Ljubljani. – Mag. Marjan Toš unterichtet

Geschichte und Geographie, ist Kustos des

Regionalmuseums in der Synagoge in Maribor.

Er beschäftigt sich sehr intensiv mit der

modernen lokalen Geschichte der Slovenske

Gorice / Windischen Büheln, insbesondere

aber mit dem zeitraum 1941-1945 und danach.

Er ist Autor, Herausgeber und Mitherausgeber

zahlreicher Sammelbände und von Beiträgen,

die in den Zeitungen Delo, Vecer u. a.

veröffentlicht werden. Regelmäßig erscheinen

auch Artikel in der Zeitschrift für Geschichte

und Volkskunde in Maribor. Als Publizist

beschäftigt er sich auch mit Problemen der

Ökologie und arbeitet als Redaktionsmitglied

bei den Zeitschriften LOVEC (Der Jäger) und

RIBIC (Der Fischer) mit. Toš fungiert seit

Jahren als wissenschaftlicher Kommentator der

Ereignisse am Balkan für die außenpolitische

Redation von Radio Maribor und ist ebendort

auch im Kulturbereich tätig. In den letzten

Jahren forscht er intensiv an der Geschichte der

slowenischen Juden nach 1945. Dies ist auch

Thema seines Doktorats an der Universität in

Ljubljana.


Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

Das slowenischen Kulturerbe in der Steiermark – Eine Bestandsaufnahme

� Text: Benjamin Grilj, Simon Hadler und Mathias Hammer

Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

Das von Prof. Moritz Csaky im Wintersemester 2003/04 an der Karl-Franzens-Universität Graz

geleitete Seminar mit dem Titel „Cultural Heritage – National Heritage?“ war Ausgangspunkt

dieser Studie. Der Begriff des „Kulturerbes“ im Kontext einer erweiterten Bedeutung von Kultur

führte uns zu der Frage, was ein historisch gewachsenes kulturelles Element ist, jedoch nicht in

den Kanon des nationalen oder auch regionalen Kulturerbes fällt. Es zeigte sich, dass die slawische

Kultur in der Steiermark, obwohl über Jahrhunderte und bis heute tief verankert, ein interessantes

Beispiel für die Ein- und Ausschließungsmechanismen von kulturellem Erbe darstellt. So soll im

Folgenden aufgezeigt werden, wo das slawische Erbe in der Steiermark seine Spuren hinterlassen

hat, wie es gleichzeitig jedoch immer mehr an den Rand des kollektiven Bewusstseins gedrängt

wurde oder ganz daraus verschwunden ist. Im Mittelpunkt der Arbeit steht besonders die Bedeutung

der Sprache als kulturelles Erbe.

Die Sprache wurde in der Steiermark um die Jahrhundertwende Gegenstand des Konflikts zwischen

Deutschsprachigen und Slowenen, zwei Gruppen, die sich vor dem Auftauchen des Nationalismusdiskurses

aufgrund der multikulturell-sprachlichen Kommunikations- und Interaktionszusammenhänge,

die in der Süd- und Untersteiermark vorherrschten, nicht eindeutig mit einer

der beiden Nationalitäten identifizierten. Hintergrund dieses neuen Konflikts war eine ethnozentristische

Sichtweise von kulturellem Erbe, die mit der Entstehung nationaler Ideen zusammenhängt.

Wird Sprache im Sinne einer nationalen Standardsprache bzw. einer identitätsstiftenden

Komponente als Kulturgut, das es zu bewahren gilt, angesehen, führt dies dazu, sie als statisch

und potentiell von anderen isoliert aufzufassen. Der Begriff der „Sprachgrenze“ steht exemplarisch

für diese aus der Außenansicht einer Region entsprungene Konstruktion von Differenz. Diese

Idee war eine entscheidende Komponente im „Volkstumskampf“. Der von der deutschnationalen

Ideologie geschaffene Mythos einer durch Überfremdung bedrohten Grenzregion, die verteidigt

werden muss, findet auch in der aktuellen Tagespolitik nach wie vor Verwendung. Nachdem die

betreffende Landschaft im Sinne der nationalen Identität aufgeladen worden war, wurde die Anwesenheit

der slowenischen Bevölkerung als Eingriff in eine ursprünglich „deutsche“ Gegend dar-

121


Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

gestellt. Um dem entgegenzuwirken, bemühte

man sich, die deutschen Sprachinseln miteinander

zu verbinden und ausweiten. 1

Gleichzeitig war die Annahme einer solchen

– fiktiven – Grenze notwendig, um die Nation

geographisch verorten zu können, die ja bis

1918 nicht durch nationale Grenzziehungen

festgelegt war. Das Bild einer klaren Trennlinie,

das keine Rücksicht auf lokale Realitäten

nahm, wurde unterstellt. Diese wurden dann

in der Tat auch immer mehr durch den Assimilationsdruck

von außen geprägt.

Zu Beginn ist es notwendig, einige Begrifflichkeiten

zu klären. Zwar hat gegenwärtig

der Begriff des „Kulturerbes“ Konjunktur, und

gerade die Steiermark konnte in den vergangenen

Jahren damit werben. Doch selten wurde

darüber reflektiert, was „kulturelles Erbe“

bedeutet. Auszugehen ist hierbei vom Begriff

„Kultur“, dessen Bedeutung sich historisch

verschiedentlich gewandelt hat: Von der Landwirtschaft

und dem bestellten Land – als Gegensatz

zur Natur –, der Abgrenzung gegenüber

dem Unzivilisierten und Barbarischen bis

zur heute häufigen Gleichsetzung mit dem

Kunstbegriff. In dieser Arbeit steht der Begriff

jedoch in einem größeren Bedeutungszusammenhang,

und wir verwenden die methodisch

sinnvolle Trennung von materieller und symbolischer

Kultur, wobei Letztere Sprache und

Schrift beinhaltet. Trotz dieser Unterscheidung

versuchen Wissenschaftler, auf beiden

Ebenen denselben Fragen nachzugehen: Wie

werden Güter oder Zeichen produziert und

wie werden sie für den Menschen bedeutsam?

Wie lassen sich die sozialen Beziehungen und

Handlungsweisen verstehen, in die die Dinge

des täglichen Lebens einbezogen werden?

Von diesem weiten Kulturbegriff ausgehend,

ist auch die Bedeutung von „kulturellem Erbe“

122

zu erklären. Demzufolge ist es der Teil einer

Kultur oder Tradition, der noch – in welcher

Form auch immer – gelebt wird, sprich im Bewusstsein

der Menschen verankert ist. Das Erinnern

gehört ebenso zum Leben einer Kultur

und Tradition wie auch beispielsweise besondere

Tänze, regionale Dialekte und Ähnliches.

Daraus folgt, dass das kulturelle Erbe konstruiert

ist, weil es immer vom Bewusstsein abhängt.

Ein weiterer zentraler Begriff dieser Arbeit ist

jener der Identität. Eine allgemeine Definition

zu finden, ist nicht einfach, zu verschieden

sind die gebräuchlichen Verwendungen, und

allzu oft wäre ideologiekritisches Hinterfragen

notwendig, um den Begriff wieder an die sozialen

oder politischen Realitäten anzupassen.

Die vorliegende Studie orientiert ihren Identitätsbegriff

an folgendem Schema für Idealtypen

regionaler Identitäten. Sie begrenzen auf

unterschiedliche Weise das Selbst der Gruppe.

Die Art und Weise der Definition der Merkmale,

die das Selbst und damit die Gruppenzugehörigkeit

festlegt, bestimmt zugleich die

Grenze gegenüber dem Fremden. Damit werden

Grenzüberschreitungen entweder ermöglicht

oder verhindert.

1. Primordial kodierte Identität beruft sich auf

„natürliche“ Merkmale, wie Volk oder Rasse,

und ist von Kommunikation unabhängig.

Sie verhindert den Eintritt in oder den

Austritt aus der Gruppe, Gemeinsamkeiten

und Vertrauen lassen sich nur sehr schwer

herstellen.

2. Konventionell bzw. zivil und kulturell kodierte

Identität beruht auf Verhaltensregeln

und sozialer Routine. Sie ermöglicht die

Aufnahme von Fremden oder die gleichzeitige

Mitgliedschaft in mehreren Kollektiven,

weil lediglich die erlernbaren Regeln


efolgt werden müssen, um dazuzugehören,

wodurch die Schaffung und der Erhalt

von Gemeinsamkeit und Vertrauen erleichtert

werden.

3. Sakral kodierte Identität wiederum beruft

sich auf den Glauben, die besondere Leistungskraft

und die Auserwähltheit einer

Gruppe, die eine ausgezeichnete Verbindung

zu einer übergeordneten Rationalität

unterhält. Solche Gruppen haben häufig

eine messianisch geprägte Haltung. Sakrale

Kodierungen schließen sich zwar nicht

unbedingt von ihrer Umwelt ab, doch ist

ihnen der Drang eigen, Mitglieder anderer

Gruppen zu assimilieren oder im Kontakt

zu dominieren. Dennoch sind die Schaffung

von Gemeinsamkeiten und die Möglichkeit

von Grenzübertritten nicht ausgeschlossen.

Die Qualität der Grenzziehung regelt also den

Kontakt und den Austausch innerhalb der

Gruppe, aber auch den Kontakt mit anderen

Gruppen 2 .

Diese Idealtypen kommen allerdings nie in

einer „Reinform“ vor, sondern sind in unterschiedlichen

Ausprägungen miteinander vermischt.

So findet man zum Beispiel auf der

österreichischen Seite der Steiermark ab den

1890er Jahren gemeinsam mit der Betonung

der ethnischen Trennung den Mythos der

„besseren, da aufrichtigeren deutschen Mentalität“

und der „besseren, da erfolgreicheren“

Wirtschaftsweise usw., der auch das sakrale

Element seiner Identität zeigt. Seit den 1890er

Jahren dominierten in der gesamten Steiermark

die zivilen Anteile gegenüber den primordialen

Elementen der Identitätskonstruktion,

sodass sie als gesellschaftlich verbundene

Gruppen nebeneinander lebten.

In der Arbeit wird zwar die Einteilung in pri-

Verleugnung, Vergessen und Verdränge

mordiale, zivil kodierte und sakral kodierte

Identität übernommen, nun aber als gesetzte,

worunter wir die primordiale und die sakrale

subsumieren, und als gelebte, die wir als zivil

kodierte Identität verstehen, bezeichnet.

Entscheidend ist nun der Zusammenhang

zwischen Identität und kulturellem Erbe: Das

kulturelle Erbe ist, wie bereits oben erwähnt,

die im Bewusstsein verankerte Kulturleistung

einer Gesellschaft. Die zivile Identität entsteht

aus dem Teil des kulturellen Erbes, der für den

Großteil dieser Gesellschaft und/oder Gruppe

relevant ist. Bei primordial oder sakral kodierter

Identität erfolgt die Identifizierung mit einem

von einer Autorität vorgegebenen Sachverhalt.

Um die Existenz slawischer Kultur in der Steiermark

auch in der heutigen Zeit nachzuweisen,

sollen vorerst zwei Beispiele ausreichen:

Zum einen das sprachliche Erbe, das sich in

erster Linie auf Namen von Ortschaften, Flüssen,

Bergen und Familien erstreckt. 3 Im 6.

Jahrhundert setzte der Zuzug der Slawen in

die Steiermark ein (die Landnahme der bayrischen

Kolonisten erfolgte vom 9. bis zum 13.

Jahrhundert). Einige wenige Beispiele belegen

deren Ausbreitung über das gesamte Land:

Mürz/Murica, Leoben/Liubina, Graz/Gradec,

Semmering/Cemernic, Schöckel/Sekkel.

Zum anderen findet sich der Hakenhof als Teil

des slawischen Erbes in der Steiermark. Bei

diesem sind der Wohn- und Stalltrakt in einer

Linie hintereinander angeordnet und werden

an der Rückseite von der Scheune abgeschlossen.

Ursprünglich dürfte er aus dem Gebiet

um das heutige Murska Sobota stammen. Von

hier aus hat sich der Hakenhof nach Ungarn

und in das Gebiet des heutigen Österreichs

ausgebreitet. Die Besonderheit, die den Hakenhof

im Vergleich zu den anderen „typisch

123


Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

österreichischen“ Bauernhöfen kennzeichnet,

besteht darin, dass dieser die einzige Hofform

ist, die nicht mittels Primogenitur weitervererbt

wird. Die Geschichte der steirischen Slowenen

wurde in den vergangenen 150 Jahren

von Assimilation und Verdrängung geprägt.

Im Folgenden sollen diese Entwicklungen

nachgezeichnet werden. Man kann davon ausgehen,

dass die Trennung zwischen Slowenen

und Deutschsprachigen bis in das 19. Jahrhundert

keine nationale war. Die Differenzierungen

waren vielmehr sozialer Natur und kamen

in einem Stadt-Land-Gefälle zum Ausdruck.

Um die Mitte des Jahrhunderts zeichnete sich

in etwa folgendes Bild ab: In den regionalen

Zentren (wie etwa Radkersburg oder Leutschach)

herrschte die deutsche Sprache vor, die

dort ansässige slowenische Bevölkerung neigte

eher zur Assimilation. Bürokratie, Politik und

später auch der Unterricht sind fast gänzlich

„deutsch“ kontrolliert, was aber auf die Umgebungsbevölkerung

lange Zeit kaum Einfluss

hatte. Hier hatte sich ein eigenes System von

Zwei- u. Mischsprachigkeit entwickelt, das die

Verständigung zwischen den beiden Volksgruppen

möglich machte. Gesprochen wurde

ein slowenischer Dialekt, sehr viele Wörter

kamen auch aus dem Deutschen (laut Zeitzeugen

die Hälfte 4 ); umgekehrt war auch der

deutsche Dialekt stark von der slowenischen

Sprache geprägt. 5

Eine nationale Trennung und damit auch der

Wandel zu einer gesetzten Identität dürfte

erst um 1880 eingetreten sein, wobei gerade

in kleineren und autarken Dörfern der Prozess

nur langsam vor sich gegangen ist und immer

nur von außen hineingetragen wurde.

Ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung der

deutschen Sprache war die Schule. Nachdem

der Staat 1869 die Schulbildung von der Kir-

124

che übernommen hatte, wurde gerade in den

gemischtsprachigen Gebieten Slowenisch

meist nur so lange unterrichtet, bis die Schüler

deutsch konnten. Die slowenischen Schüler

hatten unter dem aufgrund mangelnder

Sprachkenntnisse schlechten Schulerfolg oft

sehr zu leiden, weshalb sie später ihre Muttersprache

umso heftiger verleugneten.

Generell kann man sagen, dass die Slowenen

auf dem Gebiet der heutigen Steiermark nie

ein echtes Nationalgefühl entwickeln konnten.

Einige wenige Ausnahmen gab es vor dem

Ersten Weltkrieg, doch seither fehlt ein solches

Zugehörigkeitsgefühl völlig.

Eine Zäsur bilden der Erste Weltkrieg, die Besatzung

der zweisprachigen Gebiete durch

SHS-Truppen und die kurze und in Wahrheit

wenig spektakuläre Phase des so genannten

Abwehrkampfes. Zu dieser Zeit wurde ein Klima

der Polarisierung geschaffen, in dem sich

die Bewohner auf einer der beiden Seiten positionieren

mussten. Ausdruck dafür sind etwa

die Artikel in den Zeitungen Deutsche Grenzwacht

und Murska Straža 6 oder die Racheaktionen

der deutschsprachigen Bevölkerung nach

dem Abzug der SHS-Truppen.

Vieles änderte sich nun für die slowenische Bevölkerung,

die jetzt in einem eindeutig deutsch

deklarierten Land lebte. Die vielfältigen Auswirkungen

verstärkten den Assimilationsdruck

und die Verdrängung des Slowenischen

aus dem öffentlichen Raum.

Trotz des massiv angewachsenen Drucks

scheint die sprachliche Situation in den slowenischen

Gebieten stagniert zu haben 7 . Ein

Großteil der Schüler hatte beim Erlernen der

deutschen Sprache weiterhin Probleme, und

die in Standardslowenisch gehaltenen Messen

waren schlecht besucht 8 , weil die Bevölkerung

noch immer ihren eigenen Dialekt sprach.


Zwar durchschnitt nun eine Grenze den alten

Lebensraum, trotzdem waren Grenzübertritte

aus verschiedensten Gründen häufig. Es

scheint so, als hätte die innere Ordnung gerade

in der ländlichen Gegend noch überlebt (erst

nach 1938 sollte der einheitliche Kulturraum

endgültig zerstört werden). Nach außen hin

wurde es jedoch notwendig, seine Loyalität zu

Österreich und zum „Deutschtum“ offen zu

bekennen. Dies zeigt sich etwa im Wahlverhalten

(Christlich-Sozial, Bauernbund) und im

völligen Fehlen national-slowenischer Aktivitäten.

Die nationalsozialistische Herrschaft hatte

für die steirischen Slowenen verhältnismäßig

geringe Auswirkungen. Viel eher sollte das

Kriegsende, vor allem im Gebiet von Leutschach,

für die Bevölkerung noch lange prägend

sein 9 . Die Loyalität der Bevölkerung zu

verschiedenen mit Machtanspruch auftretenden

Gruppierungen führte zu einem intensiven

Drang nach Vergessen und zu dem Schweigen,

das auch noch heute vorherrscht. 10

Während nach 1945 die Nachbarschaft zu

Tito-Jugoslawien eine neue Situation schuf

und aus jedem bekennenden Slowenen quasi

einen Kommunisten machte, herrschte andererseits

ideologische Kontinuität vor. So wurde

der Grenzland-Mythos weiterhin hochgehalten,

wodurch die Region das besondere Augenmerk

„volksbewusster“ Kreise auf sich zog, die den

„deutschen“ bzw. den steirischen Charakter

mittels verschiedener Aktivitäten und Aufrufe

zu stärken versuchten. 11

Prinzipiell hätten die im Staatsvertrag verankerten

Minderheitenrechte den Schutz der

Identität der zweisprachigen Bevölkerung in

der Steiermark garantieren sollen. Doch neben

historischen Ereignissen und den ungünstigen

Umfeldbedingungen durch den ökonomi-

Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

schen Wandel war es insbesondere die Politik,

die vor allem mit dem Mittel der Verleugnung

gegen die Zweisprachigkeit ankämpfte. Gründe

könnten die Gebietsansprüche Jugoslawiens,

der vorherrschende Antikommunismus,

der tief verankerte Grenzland-Mythos 12 oder die

Beruhigung „national“-konservativer Bevölkerungsteile

und auch das starke Anpassungsbedürfnis

lokaler Politiker sein.

Heute ist die Situation in den letzten Inseln

der Zweisprachigkeit desolat. Die slowenischsprachige

Minderheit ist eine aussterbende 13 ,

die Jugend versteht meist nur mehr wenige

Wörter Slowenisch. Man sieht sich auch nicht

als eine Sprachminderheit.

Welche Auswirkungen der hundert Jahre lang

währende Assimilationsdruck heute hat, zeigt

eine Studie über den Ort Laaken auf der Soboth.

14 Obwohl von 23 Erwachsenen zwölf

Slowenisch als Muttersprache angaben, wird

gegenüber Außenstehenden eben diese Zweisprachigkeit

geleugnet. Auch in der Region

um Radkersburg existiert Zweisprachigkeit

bis heute. Daneben können noch immer viele

Menschen, auch wenn sie die Sprache nicht

sprechen, slowenische Lieder mitsingen oder

kennen zumindest noch ein paar Wörter oder

Phrasen.

Im Kontrast zu und in Verbindung mit dem

vorherigen Abschnitt soll die Wahrnehmung

slawischer Kultur und Sprache von außen, aus

der Sicht der steirischen Hochkulturproduktion,

dargestellt werden. Analysiert soll der

durch den aufkommenden Nationalismusdiskurs

vollzogene Wandel in der steirischen Historiographie

werden, wie auch auf eine ähnliche

Wahrnehmung in der Literatur am Beispiel

Peter Roseggers hingewiesen wird.

Ein erstes Werk über die steirische Geschichte

aus dem Jahre 1815 15 beschreibt die slawische

125


Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

Besiedelung ab dem 6. Jahrhundert noch als

besonders gewinnbringend für das nach der

Völkerwanderung verwüstete Land. Die Slawen

betrieben Ackerbau und brachten damit

„die Wurzel aller Cultur fast in jeden Winkel

dieses Landes“; auch die Wiederaufnahme des

Bergbaues am Erzberg sei nur ihnen zu verdanken

gewesen. 16 Die Herkunft zahlreicher Ortsnamen

aus dem Slawischen findet ebenso Erwähnung.

In weiterer Folge wird nicht mehr

zwischen Slawen und „Deutschen“ differenziert,

sondern einfach nur von den Bewohnern

des Landes gesprochen.

Eine Differenzierung bezüglich Körperbau,

Sprache und Kleidung findet sich in dem 1844

von Albert Muchar vorgelegten Geschichtswerk

17 , jedoch wird noch nicht zwischen verschiedenen

Charakteranlagen der Bevölkerungsgruppen

unterschieden. Andererseits

bezweifelt Muchar die Besiedelung der ganzen

Steiermark durch Slowenen und konstruiert einen

Mythos von einer „celtisch-germanischen

Urbevölkerung“, die sich in der Obersteiermark

gehalten habe. Auch sei der Erzberg nicht von

Slowenen erschlossen worden, und überhaupt

seien, bis auf wenige Ausnahmen, auch die

Ortsnamen „rein deutsch“. 18 Dieser Mythos

bereitete einen fruchtbaren Boden für spätere

nationale Diskurse.

Inwieweit dieser Mythos nachwirkte, zeigt

sich daran, dass er noch 1949 von Hans Pirchegger

verteidigt wurde (interessanterweise,

als er slowenischen Historikern, die ihrerseits

auf die Bedeutung der Ortsnamen u. a. pochten,

„Geschichtsfälschung“ vorwarf). 19

Schließlich machen sich Tendenzen einer negativen

Charakterisierung der Slowenen immer

mehr bemerkbar. In dem von Wilhelm

von Gebler 1862 vorgelegten Werk über die

steirische Geschichte wird von „Slawenhor-

126

den“ gesprochen, deren Einwanderung „wahrscheinlich

nicht ohne blutige Zerstörungen“

abgelaufen sei. 20 Nun wird auch eindeutig charakterlich

differenziert: Der „obersteirische

Mann“ sei gesund, stark, arbeitsam, aufrichtig,

selbstvertrauend etc. Doch: „Die selben Eigenschaften

findet man im Ganzen auch bei dem

Untersteiermärker, doch je mehr man sich den

Grenzen Krains und Kroatiens nähert, gibt

sich auch das biegsame, kluge Wesen des Slawen

kund.“ 21 Wobei biegsam und klug als „verschlagen“

verstanden wird.

Nach 1918 ist der „deutsche“ Charakter der

Steiermark unbestritten, und die slowenische

Minderheit in der Grenzregion wird ignoriert

oder verleugnet. Ein Beispiel einer nationalsozialistischen

Blut-und-Boden-Mythologie,

die bereits die neue Selbstverständlichkeit aufzeigt,

alle Steirer als „Deutsche“ zu betrachten,

liefert der schon genannte Hans Pirchegger,

der 1931 schreibt: „Der Bauer war zwar meist

an seine Scholle gebunden, aber die Vorfahren

gar vieler mögen aus Bayern, aus Franken und

Schwaben gekommen sein. So fühlten sich die

Steirer ganz selbstverständlich als Deutsche,

man darf sagen: unbewußt. Im 16. Jahrhundert

wurden sie sich dessen bewußt, sie sprachen

offen aus, daß ihr Land ein Teil des Reiches

sei, und nicht der schlechteste.“ 22

Nach dem Krieg legte Pirchegger scheinbar seine

nationalsozialistischen Ansichten ab und

schrieb sein Werk um, allerdings findet sich

auch noch 1949 die Verteidigung von Muchars

altem Mythos. 23 Bei der Schilderung des Sprachenstreites

um 1900 folgt er der Terminologie

deutschnationaler Agitation. Noch bis in die

jüngste Zeit galt „der Pirchegger“ als geschätztes

Standardwerk.

Was die Existenz einer slowenischen Minderheit

auf dem Gebiet der heutigen Steiermark


etrifft, so wird dieser von der Historiographie

des 20. Jahrhunderts keine Beachtung

geschenkt. 24 Das heutige Verhältnis zu Slowenien

mag von einer freundschaftlichen

Nachbarlichkeit geprägt sein, das Bewusstsein

für ein gemeinsames Erbe ist allerdings aus der

Erinnerung verschwunden.

Nicht nur die Geschichtsschreibung, auch die

Literatur gilt es, als ein Medium der kulturellen

Wahrnehmung und Produktion einer Analyse

zu unterziehen. Exemplarisch ist hier Peter Rosegger

angeführt, der, nicht zuletzt aufgrund

der identitätsstiftenden Bedeutung seiner Person

selbst, ein vorzügliches Beispiel abgibt,

weil sich zeigen lässt, wie scheinbar wohlgemeinte

Betrachtungen ein abschätziges Bild

transportierten. In seiner Reisebeschreibung

„Am Wanderstabe“ aus dem Jahre 1882 charakterisiert

er die slowenischen Steirer als klug,

verschlossen und melancholisch. Und: „Den

Eindruck treuherziger Gemütlichkeit der deutschen

Steirer fühlt man hier nicht mehr.“ 25 Den

– sinngemäß „rassischen“ – Einfluss der Slowenen

auf die Mittelsteirer sieht Rosegger jedoch

eindeutig negativ: „So ist er auch unbeholfener

und träger in seinem geistigen Leben […] Den

geistigen Getränken, welche hier aus Obst und

Traube gezogen werden, giebt man die Schuld;

gewiß aber wirken auch andere Factoren ein –

vor Allem vielleicht die unmittelbare Nachbarschaft

fremder Völker, als Slaven, Magyaren,

Romanen – man will das hier näher nicht untersuchen.“

26 Das Nobelpreiskomitee verweigerte

die Verleihung des Literaturnobelpreises

1913 übrigens mit dem Verweis auf des Heimatdichters

deutschnationale Ansichten und

Aktivitäten bezüglich der „Südmark“. 27

Kulturelles Erbe ist eine Frage des Bewusstseins.

Das slawische Erbe in der Steiermark ist

größtenteils in Vergessenheit geraten und ver-

Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

drängt worden. Die Vereinnahmung der Sprache

im nationalen Sinne und das Bestreben,

sie durch Homogenisierung und Abgrenzung

zu schützen, äußerte sich in einer weitgehenden

Ausmerzung jener kulturellen Zusammenhänge

der Zwei- und Mehrsprachigkeit,

die als nicht wünschenswert, ja bedrohlich

erachtet wurden. Sprache auf eine verbindliche

standardisierte Form festzulegen statt ihre

lokalen Variationen als kulturelles Erbe gerade

im nicht-nationalen Sinne zu sehen, resultierte

letztendlich im Verlust von kulturellem

Erbe und auch in einer Reduzierung der steirischen

Identität. Stattdessen ist das öffentliche

Bewusstsein noch vielfach mit Figuren und

Denkbildern besetzt, die den nationalen Entfremdungs-Diskursen

entsprangen.

127


Verleugnung, Vergessen und Verdrängen

ANMERKUNGEN

1 Peter M. Judson, Versuche um 1900, die Sprachgrenze sichtbar zu machen,

in: Moritz Csaky – Peter Stachel (Hg.), Die Verortung von Gedächtnis. Wien

2001, S.164f.

2 Vgl. Bernhard Giesen, Nationale und kulturelle Identität. Studien zur

Entwicklung des kollektiven Bewußtseins in der Neuzeit. Frankfurt/

Main 1991 u. Max Haller, Identität und Nationalstolz der Österreicher.

Gesellschaftliche Ursachen und Funktionen. Wien 1996.

3 Manfred Trummer, Slawische Steiermark, in: Christian Stenner (Hg.),

Slawische Steiermark. Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten.

Wien – Köln – Weimar 1997, S. 17.

4 Klaus Jürgen Hermanik – Christian Promitzer, (Hg.), Grenzenlos

zweisprachig. Die Erinnerungen des Keuschlersohnes Anton Šantel (1845–

1920) an seine Kindheit in Leutschach und Jugend in Marburg. Aus dem

Slowenischen von Andrea Haberl-Zemljič. Graz 2002, S. 38.

5 http://members.a1.net/edze/reader/slawstmk.htm (8.12.2003).

6 Andrea Haberl-Zemljič, Die fünf Dörfer auf der ungarischen Seite –

Historische, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedingungen des

Sprachwechsels in der Gemeinde Radkersburg-Umgebung 1848–1997,

phil. DA. Graz 1997, S. 138ff.

7 Ebd., S. 146ff.

8 Christian Promitzer, Das Ideal vom „reinen Volkskörper“. Eine Chronologie

des Verschwindens, in: Stenner, Slawische Steiermark, S. 148f.

9 Christian Promitzer, Verlorene Brüder. Geschichte der zweisprachigen

Region Leutschach in der südlichen Steiermark (19.–20. Jahrhundert). Graz

1996, S. 286ff.

10 Ebd., S. 32.

11 Promitzer, Verlorene Brüder, S. 340 f, 350 f; Haberl-Zemljič, Die fünf Dörfer,

S. 187.

12 Haberl-Zemljič, Die fünf Dörfer, S. 184, S. 191.

13 Klaus Jürgen Hermanik, The (hidden) Slovene minority in Austrian Styria

– including examples of Soboth region at the Austrian-Slovenian border.

TUAC-Conference: The Unifying Aspects of Cultures Vienna, 7.–9.11.2003

u. Johannes Moser – Elisabeth Katschnig-Fasch (Hg.), Blatten. Ein Dorf an

der Grenze („Kuckuck“, Sonderband 2), Graz 1992.

14 Moser – Katschnig-Fasch, Blatten.

15 Joseph Wartinger, Kurzgefasste Geschichte der Steiermark. Graz 1815.

16 Ebd., S. 31f.

17 Albert Muchar, Geschichte des Herzogthums Steiermark. Bde. I-III. Graz

1844. Bd. I: „Das Steirervolk ist reich begabt mit den glücklichsten Anlagen

zu trefflichen Tugenden und Taten; sein Charakter ist – bei manchen Härten

– im Ganzen edel u. anbetungswürdig.“

18 Ebd., Bd. III., S. 83.

19 Hans Pirchegger, Geschichte der Steiermark. Mit besonderer Rücksicht auf

das Kulturleben. Graz 1949, S. 252.

20 Wilhelm von Gebler, Geschichte des Herzogtums Steiermark von den

ältesten Zeiten bis auf unsere Tage. Graz 1862, S. 42.

21 Ebd., S. 3.

22 Hans Pirchegger, Geschichte der Steiermark 1282–1740. Graz – Wien –

Leibnitz 1931.

23 Pirchegger, 1949, S. 9.

24 Vgl. u. a. Stefan Karner, Die Steiermark im 20. Jahrhundert. Graz – Wien

– Köln 2000, S. 133.

25 Zit. nach Anton Janko, Das Slowenenbild in Peter Roseggers Reisebeschreibungen,

in: Peter Vodopivec u. a. (Hg), Kulturelle Wechselseitigkeit.

O .o. 1995, S. 201.

26 Zit. nach Janko, S. 199.

27 Walter Zitzenbacher (Hg.), Landeschronik Steiermark. Wien – München

1988, S. 303.

128

ZU DEN AUTOREN – O AVTORJIH

Benjamin Grilj

Geb. 17.8.1981 in Graz; Studium der Philosophie und Geschichte in Graz

seit 1999, 2004 mit der Diplomarbeit „Wahrheit oder Ethik“ abgeschlossen,

schreibt dzt. seine Dissertation über den Zusammenhang von Sprache

und Erkenntnis. – Rojen 17. avgusta 1981 v Gradcu; študij filozofije

in zgodovine v Gradcu od leta 1999, zaključil leta 2004 z diplomskim

delom „Wahrheit oder Ethik“, sedaj piše disertacijo o povezanosti jezika

in spoznanja.

Mathias Jörg Hammer

Geb. 26.7.1980 in Graz; Studium der Geschichte und der Rechtswissenschaften

in Graz seit 2000, Studium der Geschichte in Groningen

2002/03. Dzt. Kand. Phil, Diplomarbeit zum Thema „Nationalism and

Historical Thought in Indonesia“ – Rojen 26. julija 1980 v Gradcu; študij

zgodovine in pravnih znanosti v Gradcu, od leta 2000, študij zgodovine v

Groningenu 2002/03, sedaj piše na filozofiji, diplomsko delo z naslovom

„Nationalism and Historical Thought in Indonesia“.

Simon Hadler

Geb. 5.9.1980 in Graz;

Studium der Geschichte und der Philosophie in Graz und Krakau seit

2000. – Rojen 5. septembra 1980 v Gradcu, študij zgodovine in filozofije

v Gradcu in Krakovu od leta 2000.


Zanikanje, pozabljanje in

izpodrinjanje

Sedanje stanje

Izhodišče te študije je bil seminar z naslovom

„Cultural Heritage – National Heritage?“

(„Kulturna dediščina – nacionalna dediščina?“),

ki ga je vodil prof. Moritz Csaky na univerzi

Karl-Franzens-Universität Graz v zimskem

semestru 2003/04. Pojem „kulturne dediščine“

v kontekstu širšega pomena kulture nas je

vodil k vprašanju, kaj je zgodovinsko razvit

kulturni element, vendar ne spada v kanon

nacionalne ali regionalne kulturne dediščine.

Pokazalo se je, da je slovanska kultura na

avstrijskem Štajerskem, čeprav se je čez

stoletja in do današnjih dni globoko zasidrala,

zanimiv primer za vključitvene in izključitvene

mehanizme kulturne dediščine. Tako bo v

nadaljevanju prikazano, kje na avstrijskem

Štajerskem je slovanska dediščina pustila svoje

sledi, kako so jo hkrati vedno bolj potiskali

na rob kolektivne zavesti ali pa je popolnoma

izginila iz nje. Delo posveča pozornost zlasti

pomenu jezika kot kulturne dediščine.

Jezik na avstrijskem Štajerskem je ob

prelomnici stoletja postal predmet konflikta

med Nemci in Slovenci, dvema skupinama,

ki se pred pojavom diskurza nacionalizma

nista enoznačno identificirali z eno od

narodnosti na podlagi večkulturno-jezikovnih

komunikacijskih in interakcijskih povezav, ki

so prevladovale na območju Južne in Spodnje

Štajerske. Ozadje tega novega konflikta je bilo

etnocentrično dojemanje kulturne dediščine,

ki je povezano z nastankom nacionalnih idej.

Če gledamo na jezik v smislu nacionalnega

standardnega jezika oz. komponente, ki daje

identiteto, kot na kulturno dobrino, ki jo je treba

Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje

varovati, vodi to k temu, da se jezik dojema kot

statičen in morebiti izoliran od ostalih. Pojem

„jezikovna meja“ ponazarja to neskladje,

ki izhaja iz zunanjega pogleda na regijo.

Njegova ideja je bila odločujoča komponenta

v „narodnostnem boju”. Mit, ki ga je tukaj

uporabila nemška nacionalna ideologija, je bil

mit o meji, ki ji je grozilo potujčevanje in jo

je bilo nujno braniti – tudi v aktualni dnevni

politiki se še vedno uporablja. Ko se je ta mit

razširil po teh pokrajinah, je bila prisotnost

slovenskega prebivalstva predstavljena kot

napad na prvotno nemško območje. Da bi se

temu uprli, so se pojavila prizadevanja, da bi

se nemški jezikovni otoki med seboj povezali

in se razširili. 1

Hkrati je bilo sprejetje takšne – namišljene

– meje nujno, da je bilo mogoče narod

zemljepisno opredeliti, saj meja do leta 1918

ni bila določena z nacionalnimi razmejitvami.

Prikrito so vsiljevali jasno razmejitev, ki sploh

ne upošteva krajevnih dejstev. Nanje se je

potem dejansko tudi vedno bolj vplivalo z

asimilacijskim pritiskom od zunaj.

Na začetku moramo nujno pojasniti nekatere

pojme. Sicer je pojem „kulturne dediščine“

sedaj priljubljen in ravno Štajerska se je

lahko v preteklih letih z njim oglaševala.

Vendar se je redko razmišljalo o tem, kaj

„kulturna dediščina“ pomeni. Tukaj je treba

izhajati iz pojma „kultura“, katerega pomen

se je skozi zgodovino različno spreminjal: od

gospodarstva in obdelane zemlje, kot nasprotje

narave, distanciranost od neciviliziranega in

barbarskega, do v današnjem času pogostega

enačenja s pojmom umetnosti. V tem besedilu

pa je pojem v širši pomenski povezanosti in

uporabljamo metodološko priročno delitev

na materialno in simbolno kulturo, pri čemer

slednja zajema jezik in pisavo. Kljub temu

129


Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje

razlikovanju se skušajo znanstveniki na obeh

ravneh ukvarjati z istim vprašanjem: Kako se

proizvajajo dobrine ali znaki in kakšen pomen

imajo za človeka? Kako je mogoče razumeti

družbene odnose in načine ravnanja, v katere

se vključujejo stvari iz vsakdanjega življenja?

Na osnovi tega širokega kulturnega pojma

je mogoče pojasniti tudi pomen „kulturne

dediščine“. Zato je to del kulture ali tradicije,

ki, v kakršni koli obliki že, še živi in je torej

zasidrana v zavesti ljudi. Spominjanje prav

tako spada k življenju kulture in tradicije, kot

je na primer izvajanje posebnih plesov, uporaba

posebnih narečij in podobno. Iz tega sledi, da

je kulturna dediščina izoblikovana tako, da je

vedno odvisna od zavesti.

Naslednji osrednji pojem v tem besedilu je pojem

identitete. Sploh ni preprosto najti splošne

definicije, saj se pojem uporablja zelo različno

in prepogosto bi bilo potrebno ideološkokritično

raziskovanje, da bi se ga dalo vedno

znova prilagoditi družbenim in političnim

resničnostim. Pričujoča študija usmerja svoj

pojem identitete glede na naslednjo shemo za

idealne vrste regionalnih identitet, posebnost

katerih je v tem, kaj določa njihov tip: na

različne načine omejujejo sebstvo skupine.

Vrsta in način definicije značilnosti, ki določajo

sebstvo in s tem pripadnost skupini, hkrati

pa določajo mejo nasproti tujemu. S tem se

prestopi meje ali omogočijo ali preprečijo.

1. Prvobitno kodirana identiteta se sklicuje

na „naravne“ značilnosti, kot sta narod

ali rasa, in je neodvisna od komunikacije.

Preprečuje vstop ali izstop iz skupine,

skupne značilnosti in zaupanje se le stežka

vzpostavijo.

2. Konvencionalno oz. civilno in kulturno

kodirana identiteta temelji na pravilih

vedenja in socialne rutine. Omogoča

130

sprejetje tujega ali hkratno članstvo v več

kolektivih, ker se morajo upoštevati zgolj

pravila, ki se jih je mogoče naučiti, da bi

spadali h kolektivu, kar olajša vzpostavitev

in ohranitev skupnih značilnosti in

zaupanja.

3. Sakralno kodirana identiteta se ponovno

sklicuje na prepričanje, na posebno

zmogljivost in izbranost neke skupine,

ki vzdržuje odlično zvezo z nadrejeno

razumskostjo. Takšne skupine imajo

pogosto mesijansko držo. Sakralna

kodiranja se nujno ne zapirajo pred svojim

okoljem, ampak je zanje značilna potreba

po asimilaciji drugih skupin ali po prevladi

v navezanih stikih. Vendar se vzpostavitev

skupnih značilnosti in prestopov meje ne

izključuje.

Kakovost vzpostavitve meje torej ureja tudi

stik in izmenjavo znotraj skupine ter tudi

stik z drugimi skupinami 2 . (prim. Giesen

1993, Haller 1992) Vsekakor se ti idealni tipi

nikoli ne pojavijo v “čisti obliki”, ampak so v

različnih oblikah med seboj pomešani. Tako je

na avstrijski strani Štajerske od 1890 mogoče

najti mitos skupaj s poudarjanjem etničnega

ločevanja „boljše, ker je iskrena“ nemške

mentalitete in „boljšega, ker je uspešnejše“

gospodarjenja itn., vse to tudi kaže sakralni

element v njihovi identiteti. Pred letom 1890 so

na celotnem Štajerskem civilni deli prevladovali

nad prvobitnimi elementi identitete, tako da

so živeli drug poleg drugega kot družbeno

povezane skupine.

V besedilu smo sicer uporabili razdelitev

identitete na prvobitno, civilno kodirano,

in sakralno kodirano, zdaj pa uporabljamo

razdelitev identitete na obstoječo, v katero

štejemo prvobitno in sakralno, in na identiteto,

vnešeno od zunaj, ki jo razumemo kot civilno


kodirano identiteto. Odločilna je zdaj povezava

med identiteto in kulturno dediščino: kulturna

dediščina je, kot je bilo omenjeno že zgoraj,

zasidrana kulturna dejavnost neke družbe.

Civilna identiteta nastane iz segmenta

kulturne dediščine, ki je pomemben za velik

del te družbe in/ali skupine. Pri prvobitno

ali sakralno kodirani identiteti pride do

identificiranja z dejanskim stanjem, ki ga

določa avtoriteta.

Da bi dokazali obstoj slovanske kulture na

avstrijskem Štajerskem tudi v današnjem času,

naj zaenkrat zadoščata dva primera: po eni

strani je to jezikovna dediščina, ki v prvi vrsti

obsega imena naselij, rek, gora in družin. 3 Od

6. stoletja naprej se je okrepilo priseljevanje

Slovanov čez Štajersko (naseljevanje bavarskih

kolonistov je potekalo od 9. do 13. st.). Nekateri

redki primeri kažejo razširitev na celotno

deželo: Mürz/Murica, Leoben/Liubina, Graz/

Gradec, Semmering/Cemernic, Schöckel/

Sekkel.

Po drugi strani se zdi, da je dvorišče v obliki

črke L del slovanske dediščine na avstrijskem

Štajerskem. Pri tem stojita stanovanjski del in

hlev drug za drugim in se skleneta na zadnjem

delu skednja. Prvotno bi naj izhajal iz območja

okoli Murske Sobote. Od tukaj se je dvorišče v

obliki črke L razširilo v današnjo Madžarsko

in na območje današnje Avstrije. Posebnost, ki

označuje dvorišče v obliki črke L v primerjavi

z drugimi „tipično avstrijskimi“ kmetijami, je,

da je to edina oblika dvorišča, ki se ne deduje z

dedno pravico prvorojenca.

Zgodovino štajerskih Slovencev sta v

preteklih 150 letih zaznamovali asimilacija

in izpodrinjanje. Te težnje bodo opisane v

nadaljevanju.

Izhajati je mogoče iz dejstva, da ločitev

med Slovenci in Nemci do 19. stoletja ni

Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje

bila nacionalna. Razlikovanja so bila veliko

bolj socialnega značaja in prepoznavna v

vrzeli med mestom in podeželjem. Okrog

srede stoletja se je izoblikovala približno

takšna slika: v regionalnih središčih (kot sta

Radgona ali Lučane) je prevladoval nemški

jezik, tam živeče slovensko prebivalstvo pa

se je bolj nagibalo k asimilaciji. Uradništvo,

politika in pozneje tudi šolstvo so bili skoraj

v celoti pod nemškim nadzorom, vendar to na

okoliško prebivalstvo dolgo časa ni kaj preveč

vplivalo. Tukaj se je razvil lasten sistem dvo- in

večjezičnosti, ki je omogočil razumevanje med

obema skupinama prebivalcev. Govorilo se je

slovensko narečje, zelo veliko besed je prišlo iz

nemščine (glede na priče časa polovica 4 ), prav

tako je tudi slovenski jezik močno vplival na

nemško narečje 5 .

Nacionalna ločitev in s tem tudi prehod k od

zunaj vnešeni identiteti je verjetno nastopila

šele okrog leta 1880, pri čemer se je ravno v

manjših in samozadostnih vaseh proces le

počasi odvijal, in vedno je prihajal samo od

zunaj.

Na razširjanje nemškega jezika je pomembno

vplivala šola. Ko je država leta 1869 prevzela

izobraževanje od cerkve, se je ravno na

mešano govorečih področjih slovenščina

večinoma govorila le tako dolgo, dokler se

šolarji niso naučili nemško. Slovenski šolarji so

zaradi pomanjkljivega jezikovnega znanja in

posledično slabega šolskega uspeha velikokrat

zelo trpeli, zato so pozneje še toliko močneje

zanikali svoj materni jezik.

Na splošno je mogoče trditi, da Slovenci na

območju današnje avstrijske Štajerske nikoli

niso mogli razviti prave nacionalne zavesti.

Nekaj redkih izjem je bilo pred 1. svetovno

vojno, vendar od takrat naprej sploh ni več

zaslediti takšnega občutka pripadnosti.

131


Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje

Zaradi 1. svetovne vojne, zasedbe dvojezičnih

območij s strani vojakov SHS ter kratkega in v

resnici nič kaj posebnega obdobja t. i. obrambnega

boja proti SHS, je prišlo do prelomnice. V tem

času se je ustvarilo polarizirano vzdušje, v

katerem so se prebivalci morali postaviti na

eno od obeh strani. Izraz tega so morda članki

časopisov „Deutsche Grenzwacht“ in „Murska

Straža 6 “ ali maščevalne dejavnosti nemškega

prebivalstva po umiku enot SHS.

Tako se je za slovensko prebivalstvo, ki je zdaj

živelo v enoznačno nemško opredeljeni deželi,

veliko spremenilo. Različni vplivi so okrepili

asimilacijski pritisk in izpodrivanje slovenskega

iz javnega prostora.

Kljub močno povečanemu pritisku se zdi, da

je jezikovna situacija na slovenskih območjih

stagnirala 7 . Veliko šolarjev je imelo še naprej

težave pri učenju nemškega jezika in maše, ki

so se izvajale v standardni slovenščini, so bile

slabo obiskane 8 , ker je prebivalstvo še vedno

govorilo svoje lastno narečje. Čeprav je stari

življenjski prostor takrat presekala meja, so

bili prestopi meje iz različnih vzrokov pogosti.

Zdi se, kot da bi notranji red še preživel ravno

zaradi kmečkega okolja (šele po letu 1938 je bil

enoten kulturni prostor dokončno uničen). Na

zunaj je bilo vendarle nujno, da se odprto prizna

njegova zvestoba do Avstrije in nemškosti.

To se v neki meri kaže v obnašanju volivcev

(krščansko-socialna stranka, kmečka zveza)

in v popolni odsotnosti nacionalno-slovenskih

dejavnosti.

Čas nacionalsocialistične vladavine je na

štajerske Slovence sorazmerno malo vplival.

Veliko bolj je na prebivalstvo še dolgo vplival

konec vojne, predvsem na območju Lučan 9 .

Zvestoba prebivalstva različnim skupinam, ki

so hotele na oblast, je vodila k močni potrebi

po pozabljanju in k molku, ki prevladuje še

132

danes. 10 Medtem ko so po letu 1945 iz sosedstva

s Titovo Jugoslavijo nastale nove razmere in

iz vsakega priznanega Slovenca pravzaprav

naredile komunista, je po drugi strani vladala

ideološka kontinuiteta. Tako se je mitos

„obmejne dežele“ še naprej cenil, zaradi česar je

regiji posvetilo pozornost „narodno zavedno“

prebivalstvo, ki je poskušalo okrepiti nemški

oz. štajerski značaj z različnimi dejavnostmi

in pozivi. 11

Načeloma bi manjšinske pravice državne

pogodbe morale zagotavljati zaščito identitete

štajerskega dvojezičnega prebivalstva. Vendar

je poleg zgodovinskih dogodkov in neugodnih

okoliščin (gospodarska sprememba) bila zlasti

politika tista, ki se je proti temu borila predvsem

s sredstvom zanikanja. Vzroki bi lahko bili

ozemeljske zahteve Jugoslavije, prevladujoč

antikomunizem, globoko zakoreninjen mitos

„obmejne dežele“ 12 , umiritev nacionalnokonzervativnih

delov prebivalstva in tudi stalna

potreba krajevnih politikov po asimilaciji.

Danes je situacija na zadnjih otokih

dvojezičnosti zelo žalostna. Slovensko govoreča

manjšina izumira 13 , mladi razumejo le nekaj

slovenskih besed. Ljudje se tudi ne vidijo kot

jezikovna manjšina.

Kakšne učinke ima stoletni asimilacijski

pritisk danes, kaže študija o soboškem kraju

Mlake. 14 Čeprav jih je od 23 odraslih 12

navedlo slovenščino kot svoj materni jezik,

se pred drugimi ta dvojezičnost zanika.

Tudi v območju okrog avstrijske Radgone je

dvojezičnost še danes prisotna. Poleg tega zna

še veliko ljudi peti slovenske pesmi ali vsaj

nekaj besed ali stalnih besednih zvez, tudi če

ne govorijo jezika.

V nasprotju in v povezavi s prejšnjim

odstavkom se predstavlja zunanje zaznavanje

slovanske kulture in jezika z vidika štajerskega


visokokulturnega ustvarjanja. Analiza bo

pokazala, kako se je spremenilo štajersko

zgodovinopisje zaradi nastalega diskurza

nacionalizma in na primeru Petra Roseggerja se

bo pokazalo podobno zaznavanje v literaturi.

Prvo delo o štajerski zgodovini iz leta 1815 15

opisuje slovansko naseljevanje od 6. stoletja

še kot posebej koristno za deželo, opustošeno

od preseljevanja narodov. Ukvarjali so se s

poljedelstvom in s tem vnesli „korenine vse

kulture skoraj v vsak kotiček te dežele“; tudi za

ponovno vzpostavitev rudarstva na Erzbergu

bi se bilo treba zahvaliti le njim. 16 Prav tako

se omenja izvor številnih krajevnih imen iz

slovanščine. V nadaljevanju se ne razlikuje več

med Slovani in Nemci, ampak se preprosto

govori samo o prebivalcih dežele.

Razlikovanje v zvezi s telesno postavo,

jezikom in obleko se pojavi v zgodovinskem

delu Alberta Mucharja iz leta 1844, vendar

se še ne ločijo različne značajske lastnosti

skupin prebivalstva 17 . Po drugi strani Muchar

dvomi o poselitvi celotne Štajerske s Slovenci

in izoblikuje mitos „keltsko-germanskega

praprebivalstva“, ki bi se naj zadrževalo na

Zgornjem Štajerskem. Tudi rudnika Erzberg naj

ne bi odprli Slovenci, sploh pa so bila krajevna

imena z redkimi izjemami „popolnoma

nemška 18 “. Mitos je poskrbel za plodna tla za

poznejše nacionalne diskurze.

Kakšen vpliv je imel ta mitos, se kaže v tem,

da ga je še leta 1949 ponovno uporabljal Hans

Pirchegger, ki ga je branil (zanimivo, da je

slovenskim zgodovinarjem, ki so med drugim

opozarjali na pomen krajevnih imen, očital

„ponarejanje zgodovine“). 19

Sčasoma so postajale težnje negativnega

označevanja Slovencev vedno bolj opazne. V

knjigi Wilhelma von Geblerja iz leta 1862 se

govori o „hordah Slovanov (Slovencev), katerih

Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje

priseljevanje očitno ni potekalo brez krvavih

razdejanj“. 20 Tudi značajsko jih enoznačno

ločuje: „zgornještajerski človek“ je zdrav,

močan, delaven, iskren, samozavesten itd.

Vendar: „iste lastnosti je mogoče v celoti najti

tudi pri spodnjih Štajercih, ampak bolj se

približamo mejam Kranjske in Hrvaške, bolj

pride do izraza prilagodljiva, pametna narava

Slovanov.“ 21 Pri tem se pridevnika prilagodljiv

in pameten razumeta kot „zahrbten”.

Po letu 1918 je nemški značaj Štajerske nesporen,

slovenska manjšina celotne regije se ignorira

ali zanika. En primer nacionalsocialistične

mitologije krvi in zemlje, ki že nakazuje novo

samoumevnost, da se vse Štajerce dojema kot

Nemce, navaja že omenjeni Hans Pirchegger, ki

leta 1931 piše: „Kmet je bil največkrat navezan

na svojo grudo, ampak predniki zelo številnih bi

lahko prišli z Bavarske, Frankovske in Švabske.

Tako so se Štajerci čisto samoumevno počutili

kot Nemci, lahko bi se reklo, nezavedno. V

16. stoletju so se tega zavedali, odprto so

govorili, da je njihova zemlja del Rajha in ne

najslabši…“ 22

Po vojni je Pirchegger kot kaže opustil svoje

nacionalsocialistične poglede in je preoblikoval

svoje delo, ampak leta 1949 je še vedno

mogoče zaznati odobravanje Mucharjevega

starega mitosa. 23 Pri opisovanju jezikovnega

spora okrog leta 1900 sledi terminologiji

nemškonacionalnega podpihovanja. Še do

nedavnega je veljal „Pirchegger“ za cenjeno

standardno delo.

Kar zadeva obstoj slovenske manjšine na

območju današnje avstrijske Štajerske, je

zgodovinopisje 20. stoletja ne upošteva. 24

Današnji odnos do Slovenije sicer zaznamujejo

prijateljski sosedski odnosi, vendar pa je zavest

do skupne dediščine izginila iz spomina.

Ne le zgodovinsko pisanje, tudi književnost

133


Zanikanje, pozabljanje in izpodrinjanje

kot medij kulturnega zaznavanja in ustvarjanja

je treba analizirati. Za primer je tukaj naveden

Peter Rosegger, ne nazadnje zaradi pomena

njegove osebe same, ki podpira identiteto.

Odlično ponazarja, kako navidezno

dobronamerna opažanja prenašajo

podcenjevalno podobo. V njegovem potopisu

„Am Wanderstabe“ iz leta 1882 označi

slovenske Štajerce za pametne, zaprte

in melanholične. In: „Vtisa zvestosrčne

dobrodušnosti nemških Štajercev tukaj ni več

mogoče občutiti.“ 25 Vendar ima Rosegger – v

smislu „rase“ – vpliv Slovencev na prebivalce

Srednje Štajerske za enoznačno negativnega:

„Tako je tudi bolj nebogljen in lenoben v

svojem duhovnem življenju… Duhovni

pijači, ki jo tukaj pridobivajo iz sadja in

grozdja, se pripisuje krivda; gotovo pa delujejo

tudi drugi dejavniki – predvsem mogoče

neposredno sosedstvo tujih narodov, kot so

Slovani, Madžari, Romani – tega nočemo

tukaj natančneje raziskovati.“ 26 Odbor za

podeljevanje Nobelove nagrade je odklonil

podelitev Nobelove nagrade za književnost

leta 1913 večinoma z grajo nemškonacionalnih

pogledov in dejavnosti domovinskega pisatelja

v prid „Južne Štajerske“ („Südmark“). 27

Kulturna dediščina je vprašanje zavesti.

Slovanska dediščina na avstrijskem Štajerskem

je večidel utonila v pozabo in bila izpodrinjena.

Polaščanje jezika v nacionalnem smislu in

prizadevanja, da bi ga uničili s homogenizacijo

in razmejevanjem, se je izražalo v obsežnem

iztrebljanju vsakršnih kulturnih povezav

dvo- in večjezičnosti, ki so jih imeli za

nezaželene in celo ogrožujoče. Omejitev

jezika na obvezno standardizirano obliko,

namesto da bi se upoštevale njegove krajevne

različice kot kulturna dediščina ravno v

nenacionalnem smislu, se je konec koncev

134

OPOMBE

1 Judson, Peter M.: Versuche um 1900 die Sprachgrenze sichtbar zu machen.

V: Csaky, Moritz; Stachel Peter (Hg.): Die Verortung von Gedächtnis. Dunaj

2001, 164f.

2 Giesen, B.: Nationale und kulturelle Identität. Studien zur Entwicklung des

kollektiven Bewußtseins d. Neuzeit. Frankfurt/M.: 19912, str. 126. In: Haller,

M.: Identität und Nationalstolz der Österreicher: gesellschaftliche Ursachen

und Funktionen. Dunaj: 1996.

3 Trummer, Manfred: Slawische Steiermark. V: Stenner, Christian (Hg.):

Slawische Steiermark. Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten.

Dunaj – Köln – Weimar. 1997, 17.

4 Hermanik, Klaus Jürgen, Promitzer, Christian (Hg.): Grenzenlos

zweisprachig. Die Erinnerungen des Keuschlersohnes Anton Šantel (1845-

1920) an seine Kindheit in Leutschach und Jugend in Marburg. Aus dem

Slowenischen von Andrea Haberl-Zemljič. Gradec, 2002, 38.

5 http://members.a1.net/edze/reader/slawstmk.htm, 12. 2003.

6 Haberl-Zemljič, Andrea: Die fünf Dörfer auf der ungarischen Seite –

Historische, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedingungen des

Sprachwechsels in der Gemeinde Radkersburg-Umgebung 1848-1997.

Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde an der Geisteswis

senschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. Eingereicht

Juli 1997, 138 ff.

7 Ebda., 146 ff.

8 Christian Promitzer: Das Ideal vom „reinen Volkskörper“. Eine Chronologie

des Verschwindens. V: Stenner 1997, 148 f.

9 Promitzer, Christian: Verlorene Brüder. Geschichte der zweisprachigen

Region Leutschach in der südlichen Steiermark (19.-20. Jahrhundert).

Gradec, 1996, 286 ff.

10 Ebda., 32.

11 Glej Promitzer 1996, 340 f, 350 f, Haberl-Zemljič 1997, 187.

12 Haberl-Zemljič 1997, 184, 191.

13 Hermanik, Klaus Jürgen: The (hidden) Slovene minority in Austrian

Styria – including examples of Soboth region at the Austrian-Slovenian

border. TUAC-Conference: The Unifying Aspects of Cultures Vienna, 7.-

9.November 2003, 12, in tudi: Moser, Johannes, Katschnig-Fasch Elisabeth

(Hg.): Blatten. Ein Dorf an der Grenze. („Kuckuck“, Sonderband 2) Graz,

1992.

14 Moser, Katschnig-Fasch 1992

15 Wartinger, Joseph, Kurzgefasste Geschichte der Steiermark. Gradec 1815.

16 Ebda, 1815, 31f.

17 Muchar, Albert: Geschichte des Herzogthums Steiermark. Bd. I-III. Gradec,

1844, Bd. I: „Štajersko prebivalstvo je bogato obdarjeno z najboljšimi

značilnostmi odličnih kreposti in dejanj; njihov značaj je – pri nekaterih

tegobah – v celoti žlahten in vreden občudovanja.“

18 Ebda., Bd. III., 83.

19 Pirchegger, Hans: Geschichte der Steiermark. Mit besonderer Rücksicht