SPORTaktiv Outdoorguide 2017
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ÖSTERREICHS GRÖSSTES AKTIVSPORT-MAGAZIN<br />
aktiv<br />
Foto: LOWA<br />
FOTO: Hanwag<br />
OUTDOORGUIDE<br />
<strong>2017</strong><br />
EMOTIONEN<br />
Warum es uns<br />
in die Berge zieht<br />
MENSCHEN<br />
Vom Hüttenwirt bis<br />
zur Bergführerin<br />
REGIONEN<br />
Top-Urlaubsziele<br />
für Bergsportler<br />
AUSRÜSTUNGS-TIPPS FÜR WANDERER, BERGSTEIGER, KLETTERSTEIGGEHER UND KLETTERER
Panorama-Gondel • Eispalast • Sky Walk • Sightseeing • Wandern • Klettern<br />
Langlaufen • Snowboarden • Ski fahren • Paragleiten • Gletscherrestaurant<br />
Highlights: Hängebrücke inkl. Treppe ins Nichts<br />
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EDITORIAL<br />
OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
CHRISTOF DOMENIG<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-Chefredakteur<br />
christof.domenig@styria.com<br />
ANSPANNUNG – ENTSPANNUNG<br />
Körper und Geist benötigen Anspannung und Entspannung – im richtigen<br />
Verhältnis zueinander. Das betont der Wirtschaftspsychologe und Bergführer<br />
Ronald Newerkla, von dem wir gleich in der ersten großen Geschichte<br />
in diesem <strong>Outdoorguide</strong> erfahren, warum in jüngster Zeit die<br />
Berge und die Natur wieder ein Traumziel so vieler geworden sind. Viele<br />
interessante Ansatzpunkte nennt der Psychologe (nachzulesen ab Seite<br />
12). Und ein Schlüssel ist eben, dass die Berge beides bieten: sportliche<br />
Herausforderungen – und genauso Rückzugs- und Erholungsräume.<br />
Dass Outdoor boomt, lässt sich auch in den Urlaubsstatistiken ablesen. Und<br />
damit in Verbindung stehend auch am Umfang dieses jährlichen <strong>SPORTaktiv</strong>-Specials.<br />
Analog zu unserem Winterguide im letzten Dezember, der<br />
als Lustmacher für den Winterurlaub dient, hat auch sein sommerliches<br />
Pendant „<strong>Outdoorguide</strong>“ mächtig zugelegt. Und wie im Winter haben wir<br />
auch diesmal die Vorstellungen der Tourismusregionen zum Dreh- und Angelpunkt<br />
des Magazins gemacht. Diese starten ab Seite 36 und ziehen<br />
sich fast bis zur letzten Seite.<br />
Damit sich das Ganze aber nicht wie ein Reisekatalog liest, findet ihr jede<br />
Menge Storys zwischen die Regionssvorstellungen platziert. Als hoffentlich<br />
gelungene Melange mit dem Bergsport als rotem Faden – und allem,<br />
was unsere Leser gewohnt sind: Ratgebergeschichten zu den Outdoor-Sportarten,<br />
Sicherheitstipps, Materialvorstellungen oder viele<br />
Porträts von Menschen, wie die „Bergfreunde“ David Lama und Peter Habeler<br />
(ab S. 16). Auch die Mischung zwischen Spannung (in Form von lesenswerten<br />
Texten) und Entspannung (mit traumhaften Bildern) stimmt.<br />
Inhaltlich findet alles Platz, was die Berge sportlich bieten: Von actionreich<br />
(Klettern, Canyoning ...) bis beschaulich (Weit- und Genusswandern ...).<br />
Vom spannenden Sidestep zum Trailrunning – in Form eines Interviews<br />
mit US-Trailrunner Anton Krupicka (ab Seite 20) – bis zum traditionellen<br />
Schlusspunkt jeder <strong>SPORTaktiv</strong>-Ausgabe, den sportiven Ansichten und Einsichten<br />
des Schriftstellers und Satirikers Egyd Gstättner (ab Seite 240).<br />
Der passt mit seinem Titel voll ins (ent)spannende Gesamtkonzept: „Über<br />
allen Gipfeln ist Wellness“.<br />
Also: Spannende Lektüre und – einen entspannenden Bergsommer!<br />
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& higher<br />
true compression since 1951<br />
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Foto: Thomas Polzer<br />
IMPRESSUM: Medieninhaber und Herausgeber: TOP TIMES Medien GmbH, ein Unternehmen der Styria Media Group,<br />
8010 Graz, Gadollaplatz 1; Tel.: 0 316/80 63-25 80 Geschäftsführung: Mag. Alfred Brunner, Markus Gstöttner;<br />
Brandmanager: Ronald Tomandl; Chefredaktion: Christof Domenig; Redaktion: Klaus Molidor, Christoph Lamprecht, Claudia<br />
Riedl, Thomas Polzer, Axel Rabenstein, Sonja Burger, Linda Freutel, Klaus Höfler, Wolfgang Kuhn, Wolfgang Kühnelt, Florian<br />
Madl; Anzeigenverkauf: Arnold Pauly, Robert Nebel, Sandra Freidl; Layout & Produktion: Styria Media Design GmbH & Co<br />
KG, Helga Schweinzer; HERSTELLER: Leykam Druck GmbH & Co KG, 7201 Neudörfl; Alle Angaben ohne Gewähr, Haftung<br />
für Irrtümer und Änderungen ausgeschlossen. Satz- und Druckfehler vorbehalten. Alle Rechte vorbehalten.<br />
Berichte über Tourismusregionen und Events werden gegen Druckkostenbeiträge produziert.<br />
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Vertrieb Österreich . Deeluxe Sportartikel Handels GmbH<br />
Europastraße 8 / I . A-6322 Kirchbichl<br />
T + 43 (0) 5332 930 81 . e-mail: info@deeluxe.com<br />
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OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
INHALT<br />
16<br />
20<br />
Coolmax ® Reversible Hat BUFF ®<br />
46<br />
84<br />
High UV BUFF ®<br />
Gut geschützt<br />
6 HOTSPOTS<br />
Bilder, die Lust auf den Bergsommer machen.<br />
12 DIE MACHT DER BERGE<br />
„Die Berge sind unser eigenes Spiegelbild“ – ein<br />
Bergführer und Psychologe erklärt, warum das zutrifft.<br />
Für jede Wanderung, BUFF® Head- und Neckwear schützt<br />
dich, trocknet schnell und ist stylisch.<br />
16 EINE FRAGE DER EHRE<br />
Bergsteigerlegende Peter Habeler und Kletterstar David<br />
Lama über die Eiger Nordwand und ihre Freundschaft.<br />
20 ANTON KRUPICKA ÜBER ... KOMFORT<br />
Was den US-Amerikaner bei seinen extremen Läufen<br />
in den Bergen antreibt, erzählt er im Interview.<br />
BUFF ® is a registered trademark property of Original Buff, S.A. (Spain)<br />
Mütze & Neckwear<br />
& Design kombinieren.<br />
24 DIE BERGE SIND FÜR ALLE DA<br />
Bergurlaub bringt alle auf den Gipfel der Gefühle.<br />
28 HOCHWERTIG, NACHHALTIG<br />
Der Outdoorbranche auf den Zahn gefühlt.<br />
36 OUTDOORLAND TIROL<br />
573 Gipfel, 700 Bergführer und große alpine Vielfalt.<br />
46 HOCH AUF TOUR<br />
Sommerhochtouren auf 3.000 bis 4.000 m hohe Gipfel<br />
versprechen große Emotionen. So geht man’s an ...<br />
62 ALPINISTIN AUS LEIDENSCHAFT<br />
Wie sich Bergführerin Lisi Steurer Respekt verschafft.<br />
70 UNTERWEGS MIT DEM RANGER<br />
Mit Nationalpark-Ranger Emanuel Egger zum Gletscher.<br />
74 ZWISCHEN EXTREM UND BEQUEM<br />
Warum Klettersteige so viele Sportler faszinieren.<br />
84 HEIMSPIEL<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-Experte Herbert Ranggetiner über ein<br />
spezielles Klettererlebnis in den Lienzer Dolomiten.<br />
90 DIE HÜTTE IST SEINE HEIMAT<br />
Berufung statt Beruf: Gottlieb Lorenz ist schon in<br />
vierter Generation Wirt auf der Jamtalhütte in Galtür.<br />
94 BIST DU AUCH FIT GENUG? – POWERED BY RUNTASTIC<br />
Wie man sich richtig auf die Bergsaison vorbereitet.<br />
100 GUT GEGANGEN<br />
So lassen sich Blasen und „Reibereien“ verhindern.<br />
106 DER ETWAS ANDERE DUATHLON<br />
Live dabei beim „Hike & Fly“ am Achensee.<br />
FOTOS: Stefan Siegrist/Red Bull Contentpool, La Sportiva, Herbert Raffalt, Herbert Ranggetiner, Klaus Höfler, Stefan Leitner, iStock<br />
www.buff.eu<br />
www.epmsports.at<br />
4<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
106 146<br />
Neues Leben für<br />
altes Schuhwerk<br />
216<br />
230<br />
Nasse Füße?<br />
Schmutz und<br />
eingedrungenes Wasser<br />
verhindern, dass<br />
Schweiß nach außen<br />
entweichen kann. Ihre<br />
Füße bleiben feucht.<br />
Trockene Füße!<br />
Aus sauberen,<br />
wasserfesten Stiefeln<br />
kann Wasserdampf<br />
entweichen. So bleiben<br />
Ihre Füße trocken.<br />
110 OUTDOORLAND SALZBURG<br />
10.000 km Wanderwege und andere Zahlenspiele<br />
126 FELSWAND, ICH KOMME<br />
Live dabei bei einem Kletterkurs für Einsteiger.<br />
132 GEDANKEN ZUR MOTIVATION<br />
Im 6. Teil unserer Kletterschule fragt sich Herbert<br />
Ranggetiner, ob er andere motivieren kann und soll.<br />
136 ALS AUS „SCHLUCHTELN“ CANYONING WURDE<br />
Vom Abenteuer zum Sport für eine breite Zielgruppe.<br />
142 DIE ZUSTIEGS-BESCHLEUNIGER<br />
Die besten Touren mit schnellem Zustieg per Seilbahn.<br />
146 KULINARISCH AUF DER HÖH’<br />
Durch die Alpen gewandert, auf der Suche nach der<br />
etwas anderen Hüttenjause.<br />
158 OUTDOORLAND STEIERMARK<br />
Zahlen und Fakten zur wanderbaren „Grünen Mark“.<br />
168 DEM GENUSS AUF DER SPUR<br />
Es muss nicht immer „höher, schneller, weiter“ sein.<br />
178 OUTDOORLAND KÄRNTEN<br />
Zahlen aus Österreichs südlichstem Bundesland.<br />
186 60 JAHRE RETTER AUS DER NOT<br />
Einblicke in das Leben eines Bergretters.<br />
198 OUTDOORLAND OBERÖSTERREICH<br />
Berge, Seen und ein Nationalpark mit 20.856 Hektar.<br />
202 FRAUEN WANDERN ANDERS<br />
... davon ist Wanderführerin Eva Sigl überzeugt.<br />
210 OUTDOORLAND SÜDTIROL<br />
Exakt 1.733 Almen warten in den Bergen Südtirols.<br />
216 BILDER, DIE UNS BERGE GEBEN<br />
Zwei Bergfotografen erklären ihre imposanten Bilder.<br />
224 OUTDOORLAND SLOWENIEN<br />
6.000 Wanderwege schlängeln sich durch Slowenien.<br />
230 ES STEHT IN DEN WOLKEN<br />
Wie man das Wetter auf Bergtouren richtig „liest“.<br />
234 OUTDOORLAND BAYERN<br />
Watzmann und Zugspitze warten auf Bergsteiger.<br />
240 ÜBER ALLEN GIPFELN IST ... WELLNESS<br />
Als „Finale grande“: Schriftsteller Egyd Gstättners<br />
ganz eigene Sicht auf die Bergwelt.<br />
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HOTSPOT IN TIROL<br />
FOTO: TVB St. Anton am Arlberg<br />
6<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
ST. ANTON AM ARLBERG – LIVE SPORTY!<br />
SPORT TREIBEN IM EINKLANG MIT DER NATUR und mit jedem Atemzug die frische Bergluft<br />
spüren – das ist nicht nur inspirierend, sondern auch wohltuend und gesund.<br />
St. Anton am Arlberg bietet aufgrund seiner Lage ein vielseitiges Areal für Sportler und<br />
aktive Gäste. Egal, ob beim Bergwandern auf den über 300 km markierten Wanderwegen<br />
oder Mountainbiken auf 350 km langen Routen, beim Klettern an riesigen Felsen,<br />
beim Yoga oder mit dem Kajak über die tosenden Wellen reitend: Die abwechslungsreiche<br />
Bergwelt bietet jeden Tag neue Möglichkeiten.<br />
Bei all diesen Voraussetzungen wundert es nicht, dass sich hier jedes Jahr die sportliche<br />
Elite zu hochkarätigen Events trifft.<br />
EVENT-HIGHLIGHTS <strong>2017</strong>:<br />
24./25. Juni.: Musica et Artificium<br />
1. Juli: Montafon-Arlberg-Sparkassen-Marathon (Berglauf)<br />
29./30.Juli: ARLBERG Giro<br />
19. August: Arlberger Bike-Marathon<br />
23.–26. August: 23. Filmfest „Berge, Menschen, Abenteuer“<br />
31. August–3. September: 2. Mountain Yoga Festival<br />
4./5. September: Gore-Tex Transalpine-Run<br />
16. September: Almabtrieb und Bauernfest<br />
INFORMATION UND BUCHUNGEN: Tourismusverband St. Anton am Arlberg |<br />
Tel. +43/54 46/22 69-0 | info@stantonamarlberg.com | www.stantonamarlberg.com<br />
7
HOTSPOT IN TIROL<br />
„KOASA TRAIL“ – WO MAN DAS<br />
HERZ DES KAISERS BERÜHRT ...<br />
DER WILDE KAISER, der gern als der „Koasa“ bezeichnet wird, thront<br />
unübersehbar inmitten der Kitzbüheler Alpen. Er erfreut sich großer<br />
Beliebtheit und wer ihm einmal richtig nahekommen will, erhält dazu eine<br />
neue Gelegenheit: den „Koasa Trail“. So nennt sich Tirols jüngster Weitwanderweg,<br />
der auf vier Etappen rund um St. Johann in Tirol führt und<br />
dabei den Wilden Kaiser ständig im Blick hat.<br />
DIESER GENUSSREICHE WEITWANDERWEG vereint die schönsten Naturschauplätze<br />
der Region St. Johann in Tirol. 65 Kilometer und 3.750 Höhenmeter<br />
sind an vier Tagen zurückzulegen. Täglich erwartet den Wanderer<br />
dabei ein landschaftlicher Höhepunkt: vom Niederkaiserkamm über das<br />
Kaiserbachtal, der sagenumwobenen Teufelsgasse bis hin zur Grießbachklamm.<br />
Es gilt also: Rucksack packen, weil der Koasa ruft ...<br />
MEHR INFOS: www.koasatrail.info<br />
FOTOS: TVB Kitzbüheler Alpen<br />
8<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
9
HOTSPOT IN SALZBURG<br />
IM SOMMER IST OBERTAUERN<br />
NOCH EIN GEHEIMTIPP<br />
BERGSEEN, HÜTTEN, WANDERWEGE – auch das ist Obertauern. Der<br />
Winter-Hotspot hat auch im Sommer viel zu bieten. Familien und sportliche<br />
Bergfreunde können 100 Kilometer Wanderwege entdecken, über urige<br />
Almen wandern und sich an stillen Bergseen erfrischen. Die Region mit<br />
Obertauern, Untertauern und Tweng ist im Sommer noch ein Geheimtipp,<br />
bietet aber ein abwechslungsreiches Outdoor-Programm.<br />
FAMILIENTAUGLICH ist die 3-Seen-Wanderung oder eine Familientour<br />
unter dem Motto „Alles Alm“. Dazu kommen Bergyoga-Kurse im Freien,<br />
Fahrrad- und Mountainbike-Touren sowie die actionreiche Mountain<br />
Skyver Tour, bei der es mit Geländerollern vom Berg ins Tal geht. Für<br />
Stärkung und Genuss sorgen dann zünftige Brettljausen in den vielen<br />
gemütlichen Almhütten.<br />
MEHR INFOS UND BUCHUNGEN: www.obertauern.com<br />
10<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
FOTO: TVB Obertauern
11
OUTDOORGUIDE<br />
DIE MACHT DER<br />
BERGE<br />
„DIE BERGE SIND UNSER EIGENES SPIEGELBILD“,<br />
sagt der Bergführer und Psychologe Dr. Ronald Newerkla.<br />
Wie das gemeint ist, ob der aktuelle Outdoorboom auch mit dem<br />
Zeitgeschehen zusammenhängt und wie man die „Macht der<br />
Berge“ für sich bestmöglich nutzen kann: Das wollen wir zum<br />
Einstieg in diesen <strong>Outdoorguide</strong> mit dem Experten ergründen.<br />
Man muss gar nicht regelmäßig<br />
auf Gipfeln stehen und herabschauen,<br />
um dieses Phänomen<br />
nachvollziehen zu können. Einen<br />
markanten Berg nur aus der Ferne zu<br />
betrachten, lässt kaum jemanden kalt. Er<br />
strahlt etwas Mächtiges, Ergreifendes,<br />
Schönes – unter Umständen aber auch Bedrohliches<br />
aus. „Der große Berg und der<br />
kleine Mensch“ – das Motiv ist uralt.<br />
Doch gibt es dafür aus psychologischer<br />
Sicht eine schlüssige Erklärung?<br />
„Berge sind ein ‚psychologisches<br />
Konglomerat‘ – sie können schön, anziehend<br />
und auch abschreckend und bedrohlich<br />
wirken“, meint Mag. Dr. Ronald<br />
Newerkla dazu. Der Bergführer, Bergsteiger<br />
und Wirtschaftspsychologe aus St.<br />
Pölten, der häufig mit Managern arbeitet<br />
und seine Erfahrung aus dem Bergsport<br />
einfließen lässt, erzählt dazu diese Begebenheit:<br />
„Als ich im Basislager des Nanga<br />
Parbat gesessen bin, hat die Druckwelle<br />
einer Lawine aus der Diamir-Flanke fast<br />
unsere gesamten Zelte niedergedrückt.<br />
Das war Bedrohung pur. Zwei Stunden<br />
später, von der Abendsonne beleuchtet,<br />
wirkte der Berg friedlich und durch diese<br />
Ausstrahlung ließ auch unsere Anspannung<br />
nach. Die Bedrohung wich, das<br />
Mächtige und Ergreifende stand nun vor<br />
uns – umrahmt von Schönheit.“<br />
Woher kommt es also, wie wir einen<br />
Berg empfinden? Zumindest zum Teil aus<br />
uns selbst, sagt Newerkla. „Nicht nur objektive<br />
Gegebenheiten zeichnen das Bild<br />
vom Berg: Auch unsere subjektiven Empfindungen<br />
entscheiden, ob wir im Berg<br />
etwas Mächtiges, Schönes, Ergreifendes<br />
oder Bedrohliches – oder von allem etwas<br />
sehen. Die Berge sind letztlich wir selbst:<br />
unser eigenes Spiegelbild.“<br />
Noch ein Phänomen, das zum aktuellen<br />
Outdoorboom passt: Wenn man in<br />
eine grüne Umgebung statt in eine „Betonwüste“<br />
schaut, sinkt der Stresspegel<br />
messbar. Auch das kann Newerkla bestätigen:<br />
„Wir wissen tatsächlich, dass Patienten<br />
im Krankenhaus mit Blick ins Grüne<br />
rascher gesunden.“ Warum das so ist,<br />
sei nicht so genau geklärt. „Wenn wir uns<br />
aber fragen, was wir mit einer grünen<br />
Landschaft verbinden – Aufblühen, Harmonie,<br />
Gleichgewicht, Kraft, Energie<br />
usw. – so sind das alles Dinge, die wir zum<br />
Gesundbleiben gut brauchen können<br />
und die als ‚geistige Nahrung‘ genauso<br />
beim Gesundwerden helfen können.“<br />
FOTO: Tiroler Zugspitz Arena<br />
Text: Christof Domenig<br />
12<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
13<br />
Der Anblick eines<br />
Bergriesen –<br />
wie hier am Bild<br />
aus der Tiroler<br />
Zugspitz Arena<br />
– löst bei fast<br />
jedem Menschen<br />
Emotionen aus.
PSYCHOLOGIE<br />
RUHEZONEN UND RÜCKZUGSORTE<br />
Dass die Berge und die Natur die Menschen<br />
anziehen, kann also nicht verwundern.<br />
„Sie bieten Ruhe und ermöglichen<br />
die innere Einkehr. Gerade<br />
in einem stressgeplagten, hektischen<br />
Alltag werden solche Rückzugsorte<br />
wichtiger.“ Aus Untersuchungen wisse<br />
man, dass der erlebte Erholungsfaktor<br />
ins Tal mitgenommen<br />
wird und in den<br />
Alltag hineinwirkt.<br />
Vor diesem Hintergrund<br />
passt es<br />
denn auch gut in die<br />
Zeit, dass Erlebnisse<br />
in der Natur und in<br />
den Bergen von vielen<br />
Menschen wieder gesucht<br />
werden. „Wir<br />
erleben immer mehr<br />
Ereignisse, die sich<br />
als unvorhersehbar<br />
und unkontrollierbar<br />
erweisen. Naturkatastrophen,<br />
Terroranschläge<br />
oder die Sorge<br />
um den Arbeitsplatz.<br />
Menschen brauchen aber gerade in ihrer<br />
näheren Lebensumgebung das Gefühl<br />
von Kontrolle und Vorhersehbarkeit“,<br />
sagt Ronald Newerkla.<br />
Fehlten solche Kontrollmöglichkeiten,<br />
könnten ernsthafte physische<br />
wie psychische Erkrankungen die Folge<br />
sein. „Bergsteigen ermöglicht nun<br />
Menschen, mit der Natur und mit sich<br />
selbst in Kontakt zu treten. Man erwirbt<br />
dabei auch das Gefühl, dass eigene<br />
Leistungen und Anstrengungen<br />
zu einem Ziel führen können. Etwas,<br />
was im heutigen Berufsleben mehr<br />
und mehr verschwindet.“<br />
„Bergsteigen ermöglicht<br />
Menschen, mit<br />
der Natur und mit<br />
sich selbst in Kontakt<br />
zu treten. Man<br />
erwirbt auch das<br />
Gefühl, dass eigene<br />
Leistungen zu einem<br />
Ziel führen können.“<br />
DR. RONALD NEWERKLA,<br />
BERGFÜHRER UND<br />
PSYCHOLOGE<br />
Spannung und<br />
Entspannung:<br />
Beim Sport in<br />
den Bergen geht<br />
es auch darum,<br />
die „goldene<br />
Mitte“ zu finden.<br />
STÄNDIG IN KONKURRENZ<br />
Apropos Leistung: Manchen geht es in<br />
der Natur um ein Herauskommen aus<br />
dem Alltag und um die Erholung –<br />
„Leistungsbeweise“ wie erreichte Gipfel<br />
treten in den Hintergrund. Anderen<br />
ist es dagegen sehr wohl sehr<br />
wichtig, sportliche Leistungen zu erbringen.<br />
Was steht nach Einschätzung<br />
des Experten<br />
beim derzeitigen Outdoorboom<br />
im Vordergrund?<br />
„Es sind mit Sicherheit<br />
alle<br />
angesprochenen Phänomene<br />
zu finden.<br />
Doch gerade wenn<br />
man mit stressgeplagten<br />
Managern zu tun<br />
hat, stellt man oft fest:<br />
Leistung und Performance<br />
spielen im Beruf<br />
wie im Freizeitleben<br />
die gleiche Rolle.<br />
Die gehen nicht gemütlich<br />
Bergsteigen,<br />
sondern konkurrieren<br />
sich dort genauso mit<br />
anderen“, weiß Newerkla. Viele würden<br />
Ruhe und Nachdenken gar als etwas<br />
Bedrohliches empfinden. „Nachdenken<br />
über das eigene Tun kann bei<br />
solchen Menschen große Unsicherheit<br />
hervorrufen, deshalb betäuben<br />
sie sich gerne mit einem sportlichen<br />
Kick nach dem anderen. Sie flüchten<br />
dann vor ihrer Familie, vor der eigenen<br />
inneren Leere. Beschäftigt sein ist<br />
das Wichtigste“, übt der Psychologe<br />
Kritik.<br />
Doch Leistungswille am Berg,<br />
sich Herausforderungen zu stellen, sei<br />
andererseits natürlich positiv zu sehen<br />
– es sei alles eine Frage der Herangehensweise:<br />
„Das bergsportliche Unternehmen<br />
muss sich mit den übrigen<br />
Lebensaufgaben vereinen lassen: Es<br />
braucht die Zeit, die Energie und das<br />
nötige Training dazu“.<br />
SCHULE FÜRS LEBEN<br />
(Berg-)Sport sei daher „mit Sicherheit<br />
eine Schule fürs Leben“, meint Newerkla.<br />
Er lehre uns Ziele konsequent zu<br />
verfolgen; aber auch mit Niederlagen<br />
und Rückschlägen konstruktiv umzugehen:<br />
„Sportliche Herausforderungen<br />
brauchen körperliches Training<br />
und mentale Ressourcen: Dies<br />
beginnt schon damit, dass ich eine Herausforderung<br />
annehme und nicht<br />
vor ihr zurückschrecke. Und mir in<br />
weiterer Folge dann einen Plan mache,<br />
wie ich sie meistern kann.“ Erfahrungen<br />
solcher Art könnten überall<br />
im Leben und speziell auch im Berufsleben<br />
natürlich sehr helfen.<br />
Bleibt abschließend noch die Frage:<br />
Wie geht man nun sinnvoll mit der<br />
Herausforderung in den Bergen um,<br />
um das Erholungspotenzial einerseits<br />
und die Möglichkeit, am „Berg zu<br />
wachsen“, andererseits optimal zu<br />
nutzen? Für Newerkla geht es hier um<br />
die rechte Balance. „Goethe schrieb<br />
einmal: ‚Die Berge sind stumme Meister<br />
und machen schweigsame Schüler.‘<br />
Wenn wir auch als Professionisten,<br />
die wir beispielsweise als<br />
Bergführer ja sind, in die Berge gehen<br />
und dabei trotzdem immer Lehrlinge<br />
bleiben, so erhalten wir uns immer<br />
die Bereitschaft zum Lernen.“<br />
Eine Grundvoraussetzung für<br />
Persönlichkeitsentwicklung sei die<br />
Fähigkeit zur Reflexion, betont der<br />
Psychologe, „Dinge zu analysieren<br />
und die Lehren daraus zu ziehen.<br />
Etwa, sein aktuelles Können mit den<br />
momentanen Herausforderungen in<br />
Einklang bringen. Es geht also darum,<br />
sich durchaus die Latte hoch zu legen,<br />
sich zu fordern – dann aber soll wieder<br />
etwas Gemütliches folgen. Geist wie<br />
Körper brauchen die Anspannung,<br />
aber genauso die Entspannung.“<br />
MAG. DR. RONALD NEWERKLA aus<br />
St. Pölten (NÖ) ist Wirtschaftspsychologe,<br />
Trainer, Coach, Bergführer und<br />
Bergsportler.<br />
E-Mail: ronald.newerkla@aon.at<br />
www.ronald-newerkla.at<br />
FOTO: iStock<br />
14<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
4<br />
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OUTDOORGUIDE<br />
16<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Eine<br />
Frage<br />
der Ehre<br />
BERGFREUNDE FÜRS LEBEN. David Lama ist mit seinem<br />
Entdecker, Everest-Legende Peter Habeler, Ende März die<br />
Eiger-Nordwand durchstiegen. Und für beide war es eine<br />
Ehre, das mit dem anderen zu erleben. Eine Geschichte über<br />
Stil, eine Nacht im Todesbiwak – und vor allem, was Freundschaft<br />
in den Bergen bedeutet.<br />
TEXT: Klaus Molidor<br />
FOTO: Stefan Siegrist/Red Bull Contentpool<br />
Zuerst ist der Peter mit dem David<br />
gegangen. Über Felder mit<br />
großen Felsblöcken und im<br />
Klettergarten. Jetzt ist der David<br />
mit dem Peter gegangen. Durch die<br />
berüchtigte Eiger-Nordwand. Knapp<br />
22 Jahre liegen zwischen den beiden<br />
Abenteuern und dem Rollentausch<br />
von Peter Habeler und David Lama. Habeler<br />
war damals schon ein hochdekorierter<br />
Alpinist, den seine erstmalige<br />
Everest-Besteigung ohne Sauerstoff gemeinsam<br />
mit Reinhold Messner zur<br />
Bergsteigerlegende gemacht hat. Lama<br />
war ein fünfjähriges Bürscherl, das geradezu<br />
über die Blöcke getänzelt ist.<br />
„Diese Geschmeidigkeit in seiner Bewegung<br />
ist mir sofort aufgefallen, ich<br />
hab gleich gesehen: Der Bursche ist ein<br />
Talent“, erinnert sich Habeler.<br />
30. März <strong>2017</strong>: Jetzt geht das „Bürscherl“,<br />
mittlerweile 26, voraus. Steigt<br />
durch die Eiger-Nordwand nach oben.<br />
In der linken Hand einen Eispickel, in<br />
der rechten Hand einen Eispickel, so<br />
zieht er sich beinahe spielerisch nach<br />
oben. „Geht’s, Peter? Lass dir Zeit“, ruft<br />
David nach unten zu seinem Entdecker.<br />
Die beiden klettern auf der Heckmair-Route.<br />
Dort, wo Habeler 1974 mit<br />
Reinhold Messner einst in knapp zehn<br />
Stunden einen Rekord aufgestellt hat<br />
und wo auch Lama bei seinem ersten<br />
Eiger-Abenteuer gehen wollte, da steigen<br />
sie jetzt gemeinsam auf.<br />
„Ich hab den Anderl Heckmair<br />
noch gekannt“, erinnert sich Habeler<br />
an einen „tollen, lustigen Burschen“.<br />
Lama kannte den Namensgeber der<br />
Route naturgemäß nicht mehr. Dafür<br />
wusste er aber schon als Fünfjähriger<br />
im Kletterkurs, welcher Kapazunder<br />
ihm schon nach den ersten paar Kurstagen<br />
prophezeit hatte: „David, du<br />
wirst einmal Weltmeister.“<br />
Die Berge haben David Lama<br />
17
PERSONALITY<br />
KLEIN<br />
PRAKTISCH<br />
BESSER<br />
MICRO VARIO CARBON<br />
Photo © Claudia Ziegler<br />
immer schon fasziniert. „Aus den Büchern<br />
meiner Eltern wusste ich auch,<br />
wer der Peter Habeler ist und was er geleistet<br />
hat“, erzählt Lama, „richtig einschätzen,<br />
was so jemand geleistet hat,<br />
kannst du dann aber erst, wenn du<br />
selbst ähnliche Erfahrungen gemacht<br />
hast.“ Jetzt kann er also noch besser bewerten,<br />
was sein Partner bereits hinter<br />
sich gebracht hat, der da hinter ihm<br />
über den sogenannten „Eisschlauch“<br />
geht – als ältester Mensch, der sich je an<br />
die Eiger-Nordwand herangewagt hat.<br />
„Ich musste nicht lange überlegen, als<br />
der Peter vor zwei, drei Jahren mit dem<br />
Vorschlag an mich herangetreten ist,<br />
dass ich ihn durch die Wand führe."<br />
BERG KRÄFTIGT BEZIEHUNG<br />
Die Verhältnisse sind winterlich, der<br />
Felsen ist mit Eis überzogen, das bei jedem<br />
Schritt mit den Steigeisen absplittert.<br />
„Da denke ich schon daran, wie die<br />
Leute das früher gegangen sind“, sagt<br />
Habeler. „Der Heckmair, der Harrer,<br />
der Hias Rebitsch. Mit Lodenhosen, mit<br />
Hanfseilen, die gefroren sind.“ Heute alles<br />
längst kein Thema mehr. Das Material<br />
hat sich weiterentwickelt, der Klettersport<br />
ebenso wie die Qualität der<br />
Wetterprognosen. „Darum ist die Eiger-<br />
Nordwand heute nicht mehr die ultimative<br />
Herausforderung, die sie einmal<br />
gewesen ist“, sagt Lama. Weil sich viele<br />
Tragödien in dieser mächtigen Felswand<br />
aufgrund eines rasanten Wetterumschwungs<br />
ereignet hatten. „Dieses<br />
Risiko kann man heute sehr viel kleiner<br />
halten“, sagt er.<br />
„Wer weiß, vielleicht<br />
wäre ich ohne Peter nie<br />
zum Klettern und zum<br />
Alpinismus gekommen.“<br />
DAVID LAMA<br />
Am Nachmittag des ersten Tages<br />
erreichen die beiden das sogenannte<br />
Todesbiwak, in dem 1935 die Münchner<br />
Bergsteiger Max Sedlmayr und Karl<br />
Mehringer bei einem mehrtägigen Wettersturz<br />
ums Leben kamen. „Eigentlich<br />
die einzige Stelle in der Wand, an<br />
der man gescheit biwakieren und sich<br />
hinlegen kann“, sagt Habeler. „Wenn<br />
„Der David hat mir<br />
Sicherheit gegeben,<br />
mich bestärkt. Das<br />
hat die Sache sehr<br />
angenehm gemacht.“<br />
PETER HABELER, MIT 74 DER<br />
ÄLTESTE MENSCH, DER DIE<br />
EIGER-NORDWAND<br />
DURCHSTIEGEN IST<br />
ich denk, dass früher Bergsteiger in<br />
der Eiger-Nordwand drei, vier Tage bei<br />
schlechtem Wetter im Stehen biwakieren<br />
mussten … Da tät ich durchdrehen.“<br />
Diesmal ist das Wetter aber gut<br />
und bleibt auch so. Im Biwak ist endlich<br />
auch einmal Zeit, um über andere<br />
Dinge als das Klettern zu reden. Über<br />
ihre Freundschaft zum Beispiel: Seit<br />
der Zeit im Kletterkurs ist der Kontakt<br />
zwischen den beiden ja nie abgerissen.<br />
Vier Jahre später, David Lama war gerade<br />
einmal neun Jahre alt, sind sie gemeinsam<br />
auf den Großglockner gegangen.<br />
„Das sind Erlebnisse, die vergisst<br />
du nicht“, sagt Lama.<br />
Das Band zwischen Habeler und<br />
Lama ist geblieben, „in den letzten Jahren<br />
hab ich ihn wieder mehr verfolgt,<br />
weil er im Zillertal Routen geklettert ist,<br />
die ich auch gut kenne“, sagt Habeler.<br />
Gemeinsame Erlebnisse am Berg verbinden,<br />
machen die Freundschaft noch<br />
stärker. „Wenn man in einer Freundschaft<br />
gemeinsam Dinge tut und erlebt,<br />
wird die Beziehung automatisch tiefer“,<br />
sagt Lama – „das kann auch Kuchen backen<br />
sein.“ Oder eben wie bei ihnen die<br />
Eiger-Nordwand. „Es war mir eine Ehre,<br />
das mit Peter zu machen, und ich hoffe,<br />
dass wir auch in 10, 20 Jahren noch darüber<br />
reden werden.“<br />
DIE CHEMIE MUSS STIMMEN<br />
Für Habeler macht gerade das gemeinschaftliche<br />
Erleben am Berg viel von<br />
dem Gesamteindruck aus. „Wenn man<br />
gemeinsam eine Bergtour macht, geht<br />
es nicht, wenn man sich nicht mag. Das<br />
Menschliche muss stimmen, sonst ist<br />
es eine Quälerei.“ Im Todesbiwak rennt<br />
aber nicht nur der Schmäh. „Wenn<br />
man sich gut versteht, braucht es nicht<br />
immer viele Worte“, sagt Lama. Außerdem:<br />
Ganz auslassen darf die Konzentration<br />
auch nicht, jeder hat seine<br />
FOTO: Stean Voitl/Red Bull Contentpool<br />
WWW.LEKI.COM<br />
18<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Die langjährigen<br />
Bergfreunde Peter<br />
Habeler und David<br />
Lama am Fuß der Eiger-Nordwand,<br />
die<br />
sie dann gemeinsam<br />
durchstiegen sind.<br />
©Birgit Gelder<br />
Aufgaben zu erledigen. „Wenn du da<br />
den Gaskocher umschmeißt und Wasser<br />
in den Schlafsack rinnt, ist das nicht<br />
wirklich lustig.“<br />
Und so genießen beide die Stille, die<br />
Aussicht, die Natur. „Der breite Grinser<br />
vom Peter beim Sonnenuntergang wird<br />
mir in Erinnerung bleiben“, sagt Lama.<br />
Die beiden vertrauen einander. „Der David<br />
hat mir Sicherheit gegeben, mich<br />
bestärkt – das hat die Sache schon sehr<br />
angenehm gemacht“, sagt Habeler.<br />
Für eine Doku zu Habelers 75. Geburtstag<br />
am 22. Juli war auch eine Crew<br />
von Servus TV mit von der Partie – „da<br />
war im ganzen Team eine Kameradschaft,<br />
eine ganz besondere Stimmung“,<br />
sagt Peter Habeler, der genaue solche Erlebnisse<br />
braucht, die für ihn das Bergsteigen<br />
ausmachen. „Es muss nicht immer<br />
nur Leistung, Leistung, Leistung<br />
sein. Klar gehört das auch dazu, mehr<br />
zu schaffen als andere zuvor. Dieser<br />
Ehrgeiz ist ja in uns. Aber es braucht<br />
auch die erbaulichen Erlebnisse. Einmal<br />
die Natur genießen, langsamer gehen,<br />
stehen bleiben.“<br />
STIL GEHT VOR GIPFEL<br />
Eine Philosophie, der auch Lama etwas<br />
abgewinnen kann. Es geht auch ihm<br />
nicht nur um den Gipfel, sondern auch<br />
um den Stil. Etwas erreichen um jeden<br />
Preis und dafür seine Ideale verraten<br />
kommt nicht in Frage. „Peter und Reinhold<br />
Messner haben mich sicher beeinflusst,<br />
einen ähnlichen Weg zu gehen.<br />
Die beiden waren Wegbereiter, sie haben<br />
den Leuten gezeigt, was möglich<br />
ist.“ Umgekehrt ist es ähnlich. „Der David<br />
klettert heute Sachen, die wir uns<br />
damals nur angeschaut haben und gedacht<br />
haben: Das wär lässig.“<br />
Trotz des großen Altersunterschieds<br />
von 48 Jahren verstehen sich<br />
die beiden Bergsteiger, auch ohne viel<br />
zu reden. Die Grenzerfahrungen in den<br />
Bergen verbinden und schweißen zusammen.<br />
„Peter hat so viel Erfahrung,<br />
dass du keine Seilkommandos schreien<br />
musst, das geht einfach alles automatisch.<br />
Er weiß, wie das ist, wenn der<br />
Kletterer oben am Stand ankommt, wie<br />
viel Zeit er da braucht, da muss er gar<br />
nicht raufschauen.“<br />
Zum Tagesausklang tauschen die<br />
beiden Freunde dann noch Erlebnisse<br />
von ihren Expeditionen aus. „Dann haben<br />
wir geschlafen wie die Murmeltiere“,<br />
erinnert sich Habeler bei unserem<br />
Gespräch nach der Rückkehr aus der<br />
Schweiz. Am zweiten Tag klettern sie<br />
weiter über das „Brüchige Band“, über<br />
den Götterquergang bis zum Gipfel.<br />
„Der David ist so gut beinander und<br />
hat eine so gute Technik, der spaziert<br />
dort oben ja fast herum, so leicht schaut<br />
das aus“, streut Habeler seinem jungen<br />
Bergfreund Rosen. Und Lama gibt das<br />
Kompliment an seinen Entdecker zurück.<br />
„Auch, wenn es nicht mehr die<br />
ganz, ganz schwierige Wand von einst<br />
ist: Du musst dort auch im Nachstieg<br />
voll konzentriert bleiben.“ Dann trennen<br />
sich die Wege der beiden wieder.<br />
Lama befährt danach noch die Pallavicini-Rinne<br />
am Großglockner mit Skiern,<br />
Habeler reist von Vortrag zu Vortrag<br />
und lässt sich einen Leistenbruch operieren<br />
– „jetzt muss ich einmal drei Wochen<br />
ohne Klettern auskommen.“ Nur<br />
David Lama sinniert zum Schluss noch:<br />
„Wer weiß, vielleicht wär ich ohne den<br />
Peter überhaupt nicht zum Klettern gekommen<br />
...“<br />
SERVUS-TV zeigt die Bergwelten-Doku<br />
über Habeler und Lama am 3. 7. um 20.15.<br />
LEICHT<br />
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19<br />
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OUTDOORGUIDE<br />
„Berge sind wild,<br />
haben etwas<br />
Dramatisches und<br />
wecken spezielle<br />
Emotionen“, sagt<br />
Anton Krupicka.<br />
Langweilig wird ihm<br />
auf seinen Läufen<br />
nie – „dafür ist die<br />
Natur einfach viel<br />
zu schön“.<br />
FOTOS: xxx<br />
20<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
ANTON KRUPICKA ÜBER ...<br />
KOMFORT<br />
MIT 12 LÄUFT ER SEINEN ERSTEN MARATHON.<br />
Zehn Jahre später debütiert er beim Leadville 100 und gewinnt das legendäre<br />
Rennen mit mehr als einer Stunde Vorsprung. Der US-Amerikaner Anton<br />
Krupicka zählt zu den besten Outdoor-Athleten der Welt. Was ihn beim Laufen in<br />
den Bergen antreibt, hat er <strong>SPORTaktiv</strong>-Redakteur Axel Rabenstein verraten.<br />
Und vor allem, wie wichtig es für ihn ist, die eigene Komfortzone zu verlassen.<br />
FOTOS: La Sportiva, Buff<br />
Der Bergläufer<br />
ANTON KRUPICKA wurde am 2. August<br />
1983 in Nebraska (USA) geboren.<br />
Er wuchs auf der Farm seiner Eltern auf,<br />
die nächste befestigte Straße war meilenweit<br />
entfernt. Im Alter von 12 Jahren<br />
startete er bei seinem ersten Marathon,<br />
den er in 3:50 h absolvierte. Im Jahr<br />
2006 gewann er in 17:01:56 h den Leadville<br />
Trail 100 über 160 Kilometer und<br />
4.800 Höhenmeter. Ein Jahr später wiederholte<br />
er diesen Erfolg. Bis heute gewann<br />
er einige der härtesten Ultraläufe<br />
der Welt, u.a. das Miwok Trail Race<br />
(100 km) in Kalifornien sowie den Rocky<br />
Raccoon (160 km) in Texas. Anton Krupicka<br />
hat Physik, Philosophie und Geologie<br />
studiert. Er ist ledig und lebt in<br />
Boulder (Colorado).<br />
www.antonkrupicka.com<br />
Tony, du bist in Nebraska aufgewachsen.<br />
Hat die Weite dieser Region den<br />
Drang in dir geweckt, lange Strecken<br />
zurücklegen zu können?<br />
Schon möglich, jedenfalls bin ich<br />
schon als Kind stundenlang alleine<br />
durch die Natur gelaufen. Das war für<br />
mich aber weniger etwas Idealisiertes<br />
oder Romantisches. Ich bin immer<br />
sehr strukturiert unterwegs gewesen.<br />
Laufen war für mich etwas Zählbares,<br />
das ich minutiös dokumentiert habe.<br />
Bei meinen Ultraläufen ging es dann<br />
natürlich um die Bildung einer eigenen<br />
Identität. Um Abenteuer und Emotionen.<br />
Aber als kleiner Junge wollte<br />
ich in erster Linie sehen, zu was ich<br />
körperlich in der Lage bin.<br />
Im Alter von 12 Jahren hast du deinen<br />
ersten Marathon absolviert. Hattest<br />
du nichts Besseres zu tun?<br />
Für mich war es das Beste, was ich tun<br />
konnte. Ich war wie besessen davon,<br />
mich besonderen physischen Herausforderungen<br />
zu stellen. Ein Marathon<br />
schien mir so etwas wie der „Gold Standard“<br />
des Laufens zu sein. Nachdem<br />
ich im Training einige Male mehr als<br />
30 Kilometer gelaufen bin, wusste ich,<br />
dass ich bereit dafür war. Dieselbe Motivation<br />
trieb mich dann auf noch längere<br />
Strecken und Ultramarathons.<br />
Mit 23 Jahren bist du Profi geworden.<br />
Immer noch glücklich über deine Berufswahl?<br />
Oh ja … Ich bin seit 10 Jahren professioneller<br />
Outdoor-Athlet. Und ich kann<br />
immer noch nicht glauben, dass ich dafür<br />
bezahlt werde, nach Lust und Laune<br />
durch die Berge zu rennen.<br />
Was ist so schön daran?<br />
Berge sind wild, sie haben was Dramatisches<br />
und wecken spezielle Emotionen.<br />
Das ist wahrscheinlich in jeder<br />
natürlichen Umgebung der Fall, aber<br />
Berge haben den Menschen schon immer<br />
als Inspirationsquelle gedient.<br />
Dich inspiriert die Natur zu extremen<br />
sportlichen Leistungen mit Läufen<br />
über mehr als 150 Kilometer. Was<br />
bedeutet „extrem“ für dich?<br />
Für mich ist grundsätzlich alles extrem,<br />
was außerhalb meiner Komfortzone<br />
liegt. Wissenschaften wie Informatik<br />
oder Mathematik können<br />
ebenso extrem sein. Es gibt Dinge und<br />
Zusammenhänge, die ich nicht verstehe.<br />
Das ist extrem für mich. Und wenn<br />
sich Menschen wenig mit Ausdauersport<br />
beschäftigen, mag es ihnen vielleicht<br />
extrem vorkommen, wenn ich<br />
auf einen Berggipfel renne oder 100<br />
Meilen am Stück laufe.<br />
Nach solchen Distanzen benötigt der<br />
Körper üblicherweise eine längere Regenerationsphase.<br />
Bei dir häufen sich<br />
die strapaziösen Einheiten schon mal.<br />
Wie steckst du das weg?<br />
Genau das ist der Punkt … Ich muss es<br />
eben wegstecken. Erholung ist individuell<br />
und hat viel mit deinem Training<br />
zu tun. Ich höre auf meinen Körper<br />
und nehme mir die Zeit, die ich benötige,<br />
um mich zu reparieren und gut zu<br />
fühlen.<br />
Du bist dafür bekannt, mit einem Mini-<br />
21
MOUNTAIN BOOTS<br />
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INTERVIEW<br />
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steigeisenfeste Makra Combi GTX ® ist ein besonders leichter<br />
und doch stabiler Allrounder für herausfordernde Bergtouren.<br />
Mit aggressiver Sohle für besten Gripp am harten Fels.<br />
mum an Equipment zu laufen, oftmals<br />
ohne Shirt. Ist das eine spezielle Philosophie?<br />
Oder sparst du einfach nur so<br />
viel Gewicht wie möglich?<br />
Es geht um Komfort. Nichts weiter.<br />
Warum sollte ich ein Shirt tragen,<br />
wenn mir eh schon heiß ist? Und<br />
Equipment wie einen Trinkrucksack<br />
oder einen Haufen Gels mitzuschleppen,<br />
macht mir keinen Spaß. Ich brauche<br />
nicht so viel. Also habe ich so wenig<br />
dabei wie möglich.<br />
Du verzichtest beim Laufen auch auf<br />
Musik. Was denkst du, Stunde um<br />
Stunde, alleine dort draußen?<br />
So viel laufe ich gar nicht, meistens<br />
nur drei bis fünf Tage die Woche. Ehrlich<br />
gesagt, denke ich nicht großartig<br />
nach. Ich konzentriere mich einfach<br />
auf die Strecke.<br />
Wird das nicht irgendwann langweilig?<br />
Dafür ist die Natur doch viel zu schön!<br />
Ich werde vielleicht müde. Aber langweilig<br />
wird mir nie.<br />
Bei einem Rennen wie dem Leadville<br />
100 musst du alles geben. Was kriegst<br />
du dafür?<br />
Schwere Beine. Authentische Emotionen.<br />
Und das Bewusstsein, mich einer<br />
schier unüberwindbaren Herausforderung<br />
gestellt zu haben, die ich dank<br />
meiner Standhaftigkeit meistern<br />
konnte. Das ist erfüllend.<br />
Du konntest dieses legendäre Rennen<br />
in Colorado gleich im ersten Anlauf<br />
2006 gewinnen. War das geplant?<br />
Auf dein erstes Rennen über 100 Meilen<br />
kannst du dich mental nicht vorbereiten,<br />
weil du gar nicht weißt, was auf<br />
dich zukommt. Das ist aber gleichzeitig<br />
dein großer Vorteil: Wenn du keine<br />
Ahnung hast, was du da machst, bist<br />
du auch nicht durch Erwartungen an<br />
dich selbst oder in bestimmten Grenzen<br />
limitiert. Diese Blauäugigkeit<br />
kann dir dabei helfen, etwas Unerwar-<br />
FOTO: La Sportiva<br />
WWW.HANWAG.DE<br />
22<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
„Wenn du den Flow<br />
erlebst, fühlst du dich<br />
wie ein Held. Und in<br />
diesem Moment, in<br />
deinem Universum,<br />
bist du auch ein Held.“<br />
ANTON KRUPICKA<br />
tetes zu erreichen. Und so war es wohl<br />
möglich, dass ich als Erster ins Ziel gekommen<br />
bin.<br />
Was machst du, wenn dein Körper dir<br />
mitteilt, dass er am Ende ist?<br />
Ich bleibe stur und hart zu mir selbst.<br />
Schließlich weiß ich,<br />
dass viel mehr in meinem<br />
Körper steckt, als<br />
er vielleicht zugeben<br />
mag. Gefühlte Erschöpfung<br />
ist kein<br />
maßgeblicher Faktor.<br />
Je öfter du an diesem<br />
Punkt angelangt bist,<br />
desto einfacher wird<br />
es, ihn zu überwinden.<br />
Und wenn’s läuft: Erlebst<br />
du dann so etwas<br />
wie einen Flow?<br />
Was man als „Flow“ bezeichnet, ist<br />
wahrscheinlich der Grund, warum ich<br />
Sport treibe. Es ist ein Gefühl von totaler<br />
Integration zwischen deinem Körper,<br />
deiner Seele – und dem, was dich<br />
umgibt. Es ist die perfekte Verflechtung<br />
von Herausforderung und Fähigkeit.<br />
Du fühlst dich wie ein Held. Und<br />
in diesem Moment, in deinem Universum,<br />
bist du auch ein Held.<br />
Sind das besonders klare Momente,<br />
weil man die eigene Existenz auf so<br />
etwas wie einen Selbsterhaltungstrieb<br />
reduziert?<br />
Wenn du mehrere<br />
Stunden am Stück<br />
rennst, auf dem Rad<br />
sitzt oder auf einen<br />
Gipfel kletterst – dann<br />
ist das mit Sicherheit<br />
so. Irgendwann ist alles<br />
in seine Einzelteile<br />
zerlegt, wirkt elementar.<br />
Plötzlich hat jeder<br />
Moment die Intensität<br />
und das Potenzial, für<br />
immer bei dir zu sein.<br />
Das sind in meinen Augen unschätzbar<br />
wertvolle Erfahrungen.<br />
Warum halten sich so große Teile unserer<br />
Gesellschaft dennoch lieber in<br />
ihrer Komfortzone auf, anstatt öfter<br />
mal eine neue Herausforderung zu suchen?<br />
Komfort fühlt sich eben gut an. Und<br />
die eigene Trägheit übt eine große<br />
Kraft auf uns aus. Das Überwinden dieser<br />
Trägheit bietet uns aber gleichzeitig<br />
die Möglichkeit, zu wachsen und<br />
uns weiterzuentwickeln. Wir erfahren<br />
ein größeres Spektrum an Emotionen.<br />
Ich denke, dass dich solche Erfahrungen<br />
und Gefühle zu einer empathischeren<br />
Persönlichkeit machen können.<br />
Es ist doch ganz einfach: Ohne<br />
Herausforderung stagniert das Leben.<br />
Hast du dir deshalb den Titel „Outdoor<br />
Ambassador“ verliehen? Weil du<br />
der Überzeugung bist, dass wir dort<br />
draußen viel lernen können und mehr<br />
Zeit im Freien verbringen sollten?<br />
In erster Linie bin ich der Meinung,<br />
dass es besser klingt als „arbeitslos“. Irgendeine<br />
Berufsbezeichnung braucht<br />
man ja. Zweifellos bedeutet es aber<br />
auch, dass mir die Berge und unsere<br />
Natur sehr am Herzen liegen.<br />
Eine letzte Frage: Was ist deine<br />
Schwäche?<br />
Besessenheit. Gelegentlich Disziplinlosigkeit.<br />
Und Zucker.<br />
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OUTDOORGUIDE<br />
DIE BERGE<br />
SIND FÜR ALLE DA!<br />
BEIM URLAUB IN DEN BERGEN kommt wirklich jedes<br />
Familienmitglied auf den Gipfel seiner sportlichen Gefühle.<br />
Weil die alpine Abwechslung grenzenlos ist – für<br />
Groß und Klein, für Abenteurer und Erholungsuchende.<br />
Mit Familienurlauben ist das ja<br />
an sich so eine Sache: Papa<br />
träumt vom ultimativen Adrenalinkick<br />
und den neuesten<br />
sportlichen Trends. Mama wünscht<br />
sich einfach Ruhe und am besten ein<br />
bisschen Wellness, während sich die<br />
Kinder bereits beim Gedanken an Ferien<br />
mit den Erwachsenen langweilen. Und<br />
so wird aus der schönsten Zeit des Jahres<br />
nicht selten auch die anstrengendste.<br />
Fällt ihre Wahl im Sommer allerdings<br />
auf das Urlaubsziel Berg, dann liegen<br />
Familien schon einmal im Vorteil.<br />
Alpiner Urlaub hat sein altbackenes<br />
Image entstaubt. Zwischen Gipfeln und<br />
Grotten hat sich ein buntes Potpourri an<br />
sportlichen Möglichkeiten entwickelt,<br />
wie es kaum eine andere Landschaft zu<br />
bieten hat – und wo wirklich jeder auf<br />
seine Kosten kommt – wie wir hier in einem<br />
kurzen Überblick zeigen wollen.<br />
ERHOLUNG TRIFFT NERVENKITZEL<br />
Angefangen bei all jenen, die einfach nie<br />
stillsitzen wollen; im Urlaub erst Recht<br />
nicht. Adrenalin-Junkies bleibt in Österreichs<br />
Alpen keine Challenge verwehrt.<br />
Etwa am Schleierwasserfall in Going am<br />
Wilden Kaiser in Tirol, einem Mekka für<br />
Kletter-Freaks, wo schon die Kulisse<br />
schlicht begeistert. Geklettert wird auf einen<br />
urigen, rund 60 Meter hohen Felsdom,<br />
in dessen Mitte ein rauschender Gebirgsbach<br />
als tosender Schleier in die<br />
Tiefe fällt und sich zu einem romantisch<br />
kleinen Badeplatz sammelt – die wohl<br />
schönste und verdienteste Erfrischung<br />
nach dem schweißtreibenden Anstieg.<br />
Und das Beste für alle, die neue Herausforderungen<br />
suchen: Neben den regulären<br />
150 Kletterrouten gibt es hier auch noch<br />
ungekletterte Projekte zu finden.<br />
Noch mehr Freiheitsgefühl verspricht,<br />
wenn man Gurt und Seil weglässt,<br />
während man sich am Fels entlanghangelt.<br />
Ausprobieren kann man das in<br />
einem der vielen Bouldergebiete; z.B. dem<br />
Silvapark Galtür (ebenfalls in Tirol). Dessen<br />
Königsroute „Anam Cara“ mit<br />
Schwierigkeitsgrad 8c ist freilich nichts<br />
für schwache Nerven und Muskeln.<br />
FOTO: iStock<br />
24<br />
TEXT: Linda Freutel <strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
25
BERGURLAUB<br />
SCHARFE<br />
SCHWEIZER<br />
Die zwei neuen Modelle<br />
von Victorinox sind<br />
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von Victorinox gibt es jetzt<br />
im neuen Kleid. Aus 1.254 Vorschlägen<br />
mit Tiermotiven beim Classic Limited<br />
Edition Design Contest hat Victorinox<br />
35 ausgewählt und ließ in den sozialen<br />
Netzwerken über die Designs abstimmen.<br />
Die zehn besten sind jetzt im<br />
Fachhandel in limitierter Auflage erhältlich<br />
– vom Glühwürmchen bis zur Honigbiene.<br />
Die Naturkulisse in den Bergen bietet sportliche Erlebnis möglichkeiten<br />
für jedes Alter und alle Bedürfnisse. Perfekt für den Familienurlaub.<br />
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„Spartan PS“ von Victorinox schimmern<br />
die Klingen dank eines speziellen Veredelungsverfahrens<br />
je nach Lichteinfall<br />
dunkelgrau bis anthrazit. Die veredelten<br />
Stahloberflächen altern nicht, werden<br />
weder rissig noch bleichen sie aus<br />
oder blättern ab. Dass die Veredelung<br />
unbedenklich für Mensch und Umwelt<br />
ist, versteht sich von selbst. Erhältlich<br />
isdas neue Spartan PS in den Farben<br />
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Wollen Eltern mit ihren Teenie-Sprösslingen<br />
gemeinsamen Nervenkitzel erleben,<br />
dann ist Canyoning eine gute<br />
Wahl. Eine Highlight-Location dafür<br />
ist eine der längsten Schluchten des<br />
Landes, die Strubklamm in Faistenau<br />
(Salzburg). Durch märchenhafte Flusslandschaften<br />
führen besonders lange<br />
Schwimmstrecken, teilweise extrem<br />
enge Felspassagen und insgesamt 17<br />
Sprünge. Die bis zu zehn Meter hohen<br />
Sprungstellen sind nichts für schwache<br />
Nerven; dafür aber eine echte Augenweide<br />
für Naturliebhaber.<br />
Wer den freien Fall ins türkis<br />
leuchtende Nass nicht wagen will,<br />
kann sich natürlich sicher abseilen;<br />
verpasst dabei aber das berauschende<br />
Gefühl von Selbstüberwindung. Wer<br />
es etwas weniger wild, dafür aber nicht<br />
weniger nass mag, kann die wundersa-<br />
men Wasserlandschaften der Alpen<br />
natürlich auch per Boot erkunden. Geführte<br />
Kanu- oder Raftingtouren gibt<br />
es in diversen Schwierigkeitsstufen;<br />
sodass durchaus die ganze Familie<br />
durch die Schluchten schippern kann.<br />
Mit einer Stirnlampe auf dem<br />
Kopf die ewige Finsternis einer alten<br />
Höhle erkunden: Das können Familien<br />
zum Beispiel in der Odelsteinhöhle bei<br />
Johnsbach im steirischen Gesäuse.<br />
Ebenfalls für alle Altersstufen geeignet:<br />
eine Flusswanderung oder ein Besuch<br />
im Hochseilgarten. So ziemlich<br />
jede alpine Ferienregion hat solche<br />
Abenteuer im Angebot.<br />
ENTSPANNEN AUF ALPINE ART<br />
Wer in den Alpen dagegen einfach nur<br />
seelische Erholung sucht, bekommt<br />
diese auch. Wellnesshotels, die mit<br />
Heukuren für die Haut, alpinen Moor-<br />
FOTOS: istock, Silvaoark Galtür, OÖ Adventures, Tourismus Going<br />
26<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
ädern oder regionalen Kräutermassagen<br />
die Kraft der Natur an die Haut ihrer<br />
Gäste lassen, gibt es in den Bergregionen<br />
annähernd so viele wie Blumen vor<br />
den Balkonen. Oder wie wäre es mit einem<br />
Ausflug auf einen „Gesundheitsbauernhof“,<br />
auf dem es darum geht, innere<br />
Eintracht mit Mutter Natur zu<br />
finden? Beim Yoga oder einer entspannten<br />
Almwanderungen können gestresste<br />
Großstadtgemüter ebenso entspannen<br />
wie bei gemeinsamer Meditation.<br />
Wem auch solche Relaxangebote<br />
noch zu viel Trubel bedeuten, der kann<br />
seine Ruhe auch fernab jeglicher Zivilisation<br />
finden: Indem man sich einfach<br />
einen Tag an einem der unzähligen<br />
Bergbadeseen gönnt, sich nach ein<br />
paar geschwommenen Kilometern erschöpft<br />
ans Ufer legt und die warme<br />
Sonne genießt. Sollen doch die anderen<br />
Kitesurfen, Standup-Paddeln oder<br />
all die anderen Wassersport-Aktivitäten<br />
ausprobieren.<br />
GROSSE AUGEN BEI DEN KLEINEN<br />
Doch was ist mit den Jüngsten? Neugierige<br />
Knirpse sollen beim Familienurlaub<br />
schließlich auch auf ihre<br />
Kosten kommen. Wie wäre es mit einem<br />
Spaziergang über einen der unzähligen<br />
Naturlehrpfade? Einige führen<br />
vorbei an düsteren Hexenwäldern<br />
(z. B. dem Hexenwasser am Wilden<br />
Kaiser) oder zu wunderschönen Blumen<br />
und Blüten (in St. Jakob im Defereggental),<br />
barfuß über kitzelndes<br />
Gras oder zu einem Einblick in das Leben<br />
der fleißigen Bienen (z. B. in Reith).<br />
Für leuchtende Kinderaugen sorgt<br />
natürlich immer auch ein Ausflug<br />
zum Bauernhof – am besten ist es freilich<br />
gleich, dort zu übernachten. Von<br />
Kuhglocken geweckt zu werden und<br />
frische Milch zum Frühstück zu genießen,<br />
ist schließlich nicht nur für Kleinkinder<br />
ein Erlebnis der Extraklasse.<br />
Natürlich darf bei den Kleinsten auch<br />
der sportliche Aspekt nicht zu kurz<br />
kommen. Spezielle Familienwanderwege<br />
sind großteils sogar für Kinderwägen<br />
geeignet: Papa schiebt, während<br />
die Zwerge die Natur bewundern, die<br />
Teenies Blumen und Kräuter sammeln<br />
und Mama sich auf den verdienten Kuchen<br />
nach dem Marsch freut. Und<br />
schon herrscht Familienfriede; kein<br />
Wunder: Die Berge sind schließlich für<br />
alle da.<br />
So wird’s harmonisch<br />
im Familienurlaub<br />
ORGANISATION IST ALLES: Aktivitäten<br />
möglichst schon im Vorfeld planen<br />
und buchen. Wer sich erst vor Ort informiert,<br />
verschwendet Urlaubszeit<br />
und riskiert, dass organisierte Veranstaltungen<br />
ausgebucht sind.<br />
ERHOLSAME ANREISE: Die Berge liegen<br />
vor der Haustür und machen<br />
eine lange, für Kinder langweilige<br />
Anreise damit hinfällig. Soll es dennoch<br />
etwas weiter in die Ferne gehen,<br />
machen Zwischenstopps den<br />
Trip familienfreundlicher.<br />
PAUSEN EINPLANEN: Wer im Urlaub<br />
neue Sportarten ausprobiert, muss<br />
mit Muskelkater rechnen. Daher sollten<br />
unbedingt Pausentage zum Relaxen<br />
eingeplant werden.<br />
AUSZEITEN: Familienurlaube finden<br />
gemeinsam statt, sollten deshalb<br />
aber trotzdem Freiraum für jeden<br />
Einzelnen lassen.<br />
So wirkt die Urlaubsfreude<br />
nachhaltig<br />
„POSTURLAUBSSYNDROM“ nennt<br />
sich fachsprachlich das Phänomen:<br />
die schlechte Stimmung, wenn<br />
der Urlaub vorbei ist und man dem<br />
Alltag in die Augen blickt. Doch<br />
mit diesen Tricks entgehst du der<br />
„Frust-Falle“:<br />
NEUE ZIELE: Der Mensch braucht etwas,<br />
auf das er sich freuen kann.<br />
Nach dem Urlaub gilt es daher,<br />
neue Vorfreude zu wecken; vielleicht<br />
mit der Aussicht auf den<br />
nächsten Trip? Oder wenigstens einen<br />
Wochenendausflug. Am besten<br />
gleich buchen.<br />
SCHNELLSTARTS VERMEIDEN: Die<br />
Heimreise aus dem Urlaubsort so<br />
planen, dass man noch ein bis zwei<br />
freie Tage daheim verbringen kann,<br />
ehe Arbeit, Alltag und Schule wieder<br />
starten.<br />
ERINNERUNGEN FRISCH HALTEN:<br />
Souvenirs und Fotos erinnern an die<br />
entspannte Zeit und sorgen auch<br />
daheim für ein paar Minuten entspannter<br />
Stimmung.<br />
AUSGLEICH SCHAFFEN: Vor allem in<br />
den ersten Tagen nach dem Urlaub<br />
sollte der Alltag nicht nur aus Arbeit<br />
bestehen. Am besten ist es, täglich<br />
ein besonderes Erlebnis (Sport,<br />
Freunde treffen, Essen gehen ...)<br />
einzubauen.<br />
27<br />
MARTINI-SPORTSWEAR.COM
OUTDOORGUIDE<br />
HOCHWERTIG,<br />
NACHHALTIG<br />
WIE GEHT’S <strong>2017</strong> DER OUTDOORBRANCHE?<br />
Ruft der Berg oder ist der Gipfel erreicht? Was liegt im<br />
Trend? Was wünschen sich Outdoorsportler von ihren<br />
Produkten? Wir fühlen dem Outdoormarkt auf den Zahn<br />
und haben dafür bei Spitzenvertretern unserer drei großen<br />
Vertriebspartner im Sporthandel nachgefragt:<br />
bei Gigasport, Intersport und Sport 2000.<br />
INTERVIEWS: C hristof Domenig und Thomas Polzer<br />
SUCH DIR ETWAS AUS!<br />
DIE VORSTELLUNG neuer Ausrüstungsteile ist<br />
traditionell ein wichtiger Bestandteil all unserer<br />
SPORT aktiv Guides – diesmal sind es<br />
95 Produkte aus den aktuellen Sortimenten<br />
hochwertiger Outdoormarken, die wir vorstellen.<br />
Als Orientierungshilfe hier ein kleiner<br />
Wegweiser, auf welchen Seiten du welche<br />
Produkte findest.<br />
10 HOCHTOURENRUCKSÄCKE SEITE 54/55<br />
10 EIN-TAGES-RUCKSÄCKE SEITE 60/61<br />
5 KLETTERSTEIGSETS SEITE 79<br />
5 KLETTERHELME SEITE 80<br />
10 KLETTERHANDSCHUHE SEITE 82/83<br />
10 BERG- UND ALPINSCHUHE SEITE 102/103<br />
10 APPROACHSCHUHE SEITE 104/105<br />
5 KLETTERSCHUHE SEITE 134<br />
10 OUTDOORJACKEN & 10 HOSEN SEITE 152/153<br />
5 OUTDOORHEMDEN & 5 SHIRTS SEITE 156/157<br />
FOTO: istock<br />
28<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
FOTO: Thomas Polzer<br />
REINHARD SCHAFFLER,<br />
GIGASPORT-GESCHÄFTSFÜHRER<br />
Die Zeit der jährlich großen Wachstumsraten<br />
der Outdoorbranche gelten<br />
als vorbei. Welche Bedeutung hat das<br />
Thema Outdoor aktuell für den Sporthandel?<br />
Ist der Gipfel erreicht?<br />
Für uns ist Outdoor das wichtigste<br />
und größte Segment. Über alle Bereiche<br />
– Schuhe, Hartware, Textilien –<br />
hatten wir 2016 ein Wachstum von 9<br />
Prozent, am stärksten im Bereich<br />
Schuhe. Dass Outdoor nicht mehr automatisch<br />
für Wachstum steht, haben<br />
wir vor zwei Jahren gemerkt. Danach<br />
haben wir im Sortiment einige Veränderungen<br />
vorgenommen, noch stärker<br />
auf Marken und Qualität gesetzt und<br />
seither geht es wieder bergauf.<br />
Im Vorjahr war z. B. Nachhaltigkeit ein<br />
beherrschendes Thema. Und heuer?<br />
Das Nachhaltigkeits-Thema hat<br />
für uns im Herbst 2015 wirklich begonnen<br />
und spielt unverändert eine<br />
wichtige Rolle. Wir nennen es „Wear<br />
Fair“ und es ist unser Ziel, den Kunden<br />
Orientierung im Zertifikate-Dschungel<br />
zu geben. Das geschieht mit Informationsaufstellern<br />
in den Shops genauso<br />
wie durch die Mitarbeiter. Ein<br />
neues Thema, das wir <strong>2017</strong> stark im Fokus<br />
sehen, ist „Mikroabenteuer“.<br />
Worum geht es dabei?<br />
Um Kurzausflüge, Erlebnisse in der<br />
Natur übers Wochenende, schnelles<br />
Wegkommen vom Alltag. Ein Teil der<br />
jungen Generation strebt nicht nach<br />
dem einen großen Bergabenteuer, sondern<br />
will lieber spontan, kurzfristig in<br />
die Natur der näheren Umgebung aufbrechen,<br />
auch draußen übernachten.<br />
Zelte, Trinkflaschen, Messer usw. gehören<br />
zu dieser Produktwelt, hier merkt<br />
man eine stark gestiegene und noch<br />
weiter steigende Nachfrage.<br />
Welche signifikanten Trends sehen Sie<br />
noch und wie ist das Durchschnittsalter<br />
der Outdoor-Kunden?<br />
Es gibt auch nach wie vor die sehr<br />
performanceorientierte Gruppe, die<br />
im Alpinbereich verankert ist. Aber generell<br />
sehen wir, dass Outdoor breiter<br />
und massentauglicher wird. Und auch<br />
jünger. Die traditionelle Kernzielgruppe<br />
ist 45+ und gut situiert. Mit den<br />
schon angesprochenen jungen Abenteurern<br />
kommt eine neue, starke<br />
Gruppe dazu. Diese Jungen betreiben<br />
viele Sportarten, sind dynamisch und<br />
einfach gern in der Natur unterwegs.<br />
Outdoor besteht nicht mehr nur aus<br />
dem Bergsport, sondern wächst beispielsweise<br />
mit dem Thema Outdoor-<br />
Fitness und somit anderen starken<br />
Marken zusammen.<br />
Welche Rolle spielt eine hochwertige<br />
Fachberatung im Outdoorhandel?<br />
Eine sehr wichtige. Der Trend geht<br />
zu Qualität und Beratung – weil sich<br />
die Erkenntnis durchsetzt, dass hochwertige<br />
Produkte bei Passform, Leichtigkeit<br />
und Sicherheit überlegen sind<br />
und dies in der Praxis deutlich spürbar<br />
ist. Bei den Schuhen ist das Thema „Fitting“<br />
ein starkes Beratungsthema. Es<br />
geht im Shop aber nicht nur ums Beraten,<br />
sondern auch ums Angreifen und<br />
Erleben – beispielsweise bei unserer<br />
Rucksackpackstation, wo man das<br />
richtige Packen erlernt und den Unterschied<br />
erleben kann, der sich ergibt,<br />
wenn man beim Equipment aufs Gewicht<br />
der einzelnen Teile achtet.<br />
29
SPORTHANDEL<br />
BERND FÜRTBAUER,<br />
SORTIMENTSMANAGER OUTDOOR<br />
BEI INTERSPORT AUSTRIA<br />
Welche Bedeutung hat Outdoor aktuell<br />
für den Sporthandel? Die automatischen<br />
jährlichen großen Wachstumsraten<br />
gelten als vorbei ...<br />
Outdoorsport ist neben Bike und Ski<br />
alpin das größte Thema – noch dazu 365<br />
Tage im Jahr. Ich würde derzeit eine<br />
Wachstumsrate vor allem in Bezug auf<br />
die Qualität sehen. Vom Spaziergänger bis<br />
zum Hochalpinisten sind alle, die sich<br />
draußen bewegen, an funktionellem,<br />
wasserdichtem und atmungsaktivem<br />
Material mit hoher Qualität interessiert.<br />
Im Vorjahr sprach alles von Nachhaltigkeit.<br />
Wie sieht es <strong>2017</strong> damit aus?<br />
Viele Hersteller produzieren mittlerweile<br />
PFC-frei. Auch McKinley, die<br />
Exklusivmarke von INTERSPORT<br />
AUSTRIA arbeitet ständig an der Optimierung<br />
der schadstofffreien Produktion.<br />
Wir verwenden bei McKinley<br />
schon lange hochwertige Materialien<br />
wie Merino-Wolle, S-Café- eine Faser,<br />
die aus Kaffeesatz hergestellt wird und<br />
somit in das Thema Nachhaltigkeit<br />
(Recycling) spielt. Ab 2018 wird auch<br />
PFC-frei produziert, also wir nehmen<br />
dieses Thema sehr ernst“ Vaude war<br />
hier der Vorreiter, viele Marken ziehen<br />
nach oder werden noch nachziehen.<br />
Das ist eine tolle Entwicklung und diese<br />
Produkte werden von uns auch gekennzeichnet.<br />
Wir legen in unserem<br />
Sortiment sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit<br />
und ermutigen auch die Hersteller,<br />
nachhaltig zu produzieren.<br />
Hier hat sich enorm viel in kurzer Zeit<br />
getan.<br />
Welche weiteren signifikanten Trends<br />
sehen Sie im Outdoor-Segment? Und<br />
wie sieht hier das Durchschnittsalter<br />
der Kunden aus?<br />
„Mountain Athletic“, Trailrunning<br />
bzw. Laufen in der Natur – das sind signifikante<br />
Trends. Auch, sich einfach in<br />
der Natur zu bewegen, nach der Arbeit<br />
mal schnell auf den Berg zu gehen. Vier<br />
von zehn Kunden sagen, sie wollen einen<br />
Funktionsschuh für leichtes Wandern,<br />
der auch zum Spazierengehen<br />
passt. Die Leute leben bewusster und<br />
gesünder und wünschen sich dafür<br />
funktionelle und modische Textilien.<br />
Die Zielgruppe wird insgesamt breiter<br />
und bewegt sich von Jung bis Alt. Beim<br />
Material sind Merinowolle und die Gore-Surround-Technologie<br />
für Schuhe<br />
gewiss signifikante Trends.<br />
Die Outdoor-Szene entwickelte sich<br />
über die Jahre auch stark in Richtung<br />
Lifestyle. Wie sehen Sie die aktuelle<br />
Situation: Zählen Funktion und Sportlichkeit<br />
oder Lifestyle und Mode?<br />
Es zählt sicher beides. Marken wie<br />
zum Beispiel Ortovox oder Schöffel sind<br />
absolut freizeittauglich. Produkte müssen<br />
generell immer auch gefallen. Eine<br />
Marke muss authentisch sein und ihre<br />
Ware funktionell sein und gut aussehen.<br />
Welche Rolle spielt eine hochwertige<br />
Fachberatung im Outdoorhandel?<br />
Beratung ist das Um und Auf.<br />
Schließlich hängt von einem Outdoor-Produkt<br />
unter Umständen ein Leben<br />
ab. Unsere interne Aktion für Beratungskompetenz<br />
nennen wir „Best in<br />
Town“, sie beinhaltet regelmäßige<br />
Schulungen für unsere Verkäufer<br />
ebenso wie die Möglichkeit, möglichst<br />
viele Produkte selbst zu testen.<br />
Persönliche Frage zum Schluss: Welcher<br />
Outdoortyp sind Sie selbst?<br />
Ich habe schon alles bis zum Klettern<br />
und Klettersteiggehen ausprobiert,<br />
bin aber ein leidenschaftlicher<br />
Wanderer und Trailrunner. Ich genieße<br />
die Natur, kann dabei abschalten<br />
und bin immer gerne draußen.<br />
FOTOS: Thomas Polzer<br />
30<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
DR. HOLGER SCHWARTING,<br />
SPORT-2000-VORSTAND<br />
Welche Bedeutung hat das Thema<br />
Outdoor aktuell für den Sporthandel?<br />
Ist der Gipfel erreicht?<br />
Gesamt gesehen ja: Es stagniert<br />
bzw. wächst nur leicht. Aber für<br />
SPORT 2000 ist das Outdoorsegment<br />
überproportional wichtig, hier generieren<br />
wir über 20 Prozent des Gesamtumsatzes.<br />
Besonders wichtig ist<br />
das Segment bei Händlern im Westen<br />
und Süden, wo auch viele Touristen<br />
sind. Insgesamt wollen wir uns zum<br />
Verband der Spezialisten im Outdoorbereich<br />
entwickeln und auch noch<br />
mehr Outdoor-Spezialisten unter den<br />
Händlern ansprechen. Was wir auch<br />
feststellen: Qualität wird immer wichtiger<br />
und Kunden wünschen wirklich<br />
kompetente Ansprechpartner im<br />
Handel.<br />
Hochwertige Fachberatung spielt<br />
also eine entsprechend große Rolle?<br />
Mehr als das: Sie wird zu dem entscheidenden<br />
Faktor! Ansonsten würde<br />
der Diskont und das Internet gewinnen.<br />
Es geht nur über Topberatung<br />
durch perfekt ausgebildetes Personal<br />
und Topqualität. Dafür investieren<br />
wir stark in Schulungen. Neben der<br />
besten Beratung wollen wir den Kunden<br />
auch überall Profitools zur Verfügung<br />
stellen – z. B. zur Fuß- und Schuhanalyse<br />
im Outdoorbereich. Hier sind<br />
wir gerade mittendrin in der Konzeptentwicklung,<br />
die in den nächsten 6 bis<br />
12 Monaten abgeschlossen sein soll.<br />
Im Vorjahr war Nachhaltigkeit ein beherrschendes<br />
Thema. Ist es das heuer<br />
auch noch?<br />
Das Thema wird nun auch für den<br />
Verbraucher immer wichtiger und fordert<br />
Verantwortung von Herstellerund<br />
Händlerseite. SPORT 2000 hat die<br />
Aktion „Green and Fair“ ins Leben gerufen,<br />
die über eine Kooperation mit<br />
Bluesign funktioniert. Wir fördern das<br />
Thema und ermutigen auch die Marken<br />
dazu.<br />
Wo sehen Sie weitere signifikante<br />
Outdoor-Trends? Und wie sieht es eigentlich<br />
mit dem Durchschnittsalter<br />
der Kunden aus?<br />
Sportarten wie Speedhiking werden<br />
immer wichtiger. Generell steigt<br />
die Nachfrage nach hochwertigen Artikeln,<br />
z. B. beim Thema Klettersteig-<br />
Sicherheit, aber auch bei hochwertigen<br />
Funktionstextilien.<br />
Die Outdoor-Szene entwickelte sich<br />
über die Jahre auch in Richtung Lifestyle.<br />
Aktuell: Zählen Funktion und<br />
Sportlichkeit oder Lifestyle und ein<br />
cooler Look?<br />
Der Outdoorbereich ist vor ca. 10<br />
bis 12 Jahren richtig durchgestartet. -<br />
Es wurde trendige Outdoormode zunehmend<br />
auch im Alltag getragen –<br />
auch in der Stadt – und davon hat der<br />
Sporthandel sehr profitiert.<br />
Die Modebranche hat danach begonnen<br />
diese auch im Handel zu führen.<br />
Der Sporthandel muss sich hier künftig<br />
deutlich abheben. Dies tun wir<br />
durch starke Outdoorbrands, hohe<br />
Qualität und die oben erwähnte persönliche<br />
Top-Beratung.<br />
Abschlussfrage: Was reizt Sie selbst<br />
outdoor am meisten?<br />
Wandern in der Natur – das wirkt<br />
beruhigend und ausgleichend.<br />
31
MATERIAL<br />
BUSINESS PORTRÄT<br />
SERIE<br />
MIT VOLLEM<br />
STOCKEINSATZ<br />
Komperdell erzeugt seit 95<br />
Jahren Stöcke für Skifahrer,<br />
Wanderer und Alpinisten und<br />
ist heute führend auf dem<br />
Sektor der Teleskopstöcke.<br />
Gerlinde Kaltenbrunner bestieg mit ihnen alle 14 Achttausender und Ski-<br />
Superstar Marcel Hirscher vertraut darauf: Stöcke aus dem Hause Komperdell.<br />
Vom Haselnussholz über Bambus<br />
zu Carbon. Von Spazierstöcken<br />
und Queues für Billard zu Olympiagold<br />
im Skisport, von einer kleinen<br />
Drechslerei in Wien zur modernsten<br />
Stockfabrik im oberösterreichischen<br />
Mondsee. Das ist – im Zeitraffer – die<br />
Geschichte der Firma Komperdell. Sie<br />
wurde 1922 gegründet, zu einer Zeit,<br />
als Skistöcke noch eine Rarität waren.<br />
Das änderte sich aber schnell und<br />
schon 1933 war die Firma einer der<br />
größten Stockproduzenten weltweit.<br />
Und bald auch hochdekoriert. Denn<br />
Toni Sailer fuhr 1956 bei Olympia in<br />
Cortina mit Stöcken aus dem Hause<br />
Komperdell zu seinen legendären<br />
drei Goldmedaillen. Heute verwenden<br />
Stars wie Marcel Hirscher, Henrik<br />
Kristoffersen und Anna Veith Komperdell-Stöcke.<br />
INNOVATIONEN IM BERGSPORT<br />
Seit den 1990er-Jahren legt Komperdell<br />
auch spezielles Augenmerk auf<br />
die Entwicklung extraleichter Stöcke<br />
für den Alpin- und Outdoormarkt.<br />
Mit der Entwicklung von neuen Federungs-<br />
und Griffkonzepten sorgt das<br />
Unternehmen für Aufsehen. 2015 präsentierte<br />
Komperdell ein Verstellsystem,<br />
das per Knopfdruck am Griff<br />
funktioniert und bei den Wintersport-Protektoren<br />
ist die Firma ebenfalls<br />
die Nummer 1.<br />
Was sich nie geändert hat: Immer<br />
noch produziert der Technologieführer<br />
im Teleskopstocksektor zu 100<br />
Prozent in der Fabrik am Mondsee.<br />
„Hier können wir viel flexibler auf<br />
Kundenwünsche eingehen als bei einer<br />
Produktion in Übersee“, erklärt<br />
Geschäftsführer Thomas Roiser und<br />
bekennt sich zur Nachhaltigkeit. „Wir<br />
leben davon, dass unsere Kunden<br />
Spaß in den Bergen haben. Da ist es für<br />
uns unumgänglich, dass wir verantwortungsbewusst<br />
mit der Umwelt<br />
umgehen.“<br />
Komperdell-<br />
Geschäftsführer<br />
THOMAS ROISER bekennt<br />
sich zu Österreich<br />
als Produktionsstandort.<br />
Facts zu Komperdell<br />
Seit 95 Jahren im Stock-Geschäft,<br />
seit 1983 am Mondsee (OÖ).<br />
•KOMPERDELL wird 1922 vom Unternehmen<br />
Bednar in Wien gegründet.<br />
• 1933 beginnt sich die Firma auf Skistöcke<br />
zu spezialisieren und bringt die<br />
ersten Bambusstöcke auf den Markt,<br />
1948 die ersten Stöcke aus Metall.<br />
•1983 übernimmt die Familie Roiser das<br />
Unternehmen und übersiedelt es nach<br />
St. Lorenzen bei Mondsee.<br />
•IN DEN 1990er-JAHREN produziert<br />
Komperdell Carbonstöcke und steigt ins<br />
Golf-Geschäft ein.<br />
•NACH EINEM BRAND 2015 baute<br />
Komperdell Montage-, Logistik- und<br />
Lackierhallen aus und produziert nun<br />
1,5 Millionen Stöcke pro Jahr.<br />
ALLE INFOS: www.komperdell.com<br />
FOTOS: Komperdell<br />
32<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
TOURISMUS<br />
WWW.HOCHKOENIG.AT 34<br />
OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
SCHÖNE<br />
AUSSICHTEN!<br />
AUF DEN FOLGENDEN 208 SEITEN<br />
STEHEN DIE URLAUBSREGIONEN IM MITTEL-<br />
PUNKT, DIE EINEN SPORTLICHEN SOMMER IN<br />
DEN BERGEN GARANTIEREN. IN ÖSTERREICH<br />
WIE IN UNSEREN NACHBARLÄNDERN. UND<br />
DAZWISCHEN WIDMEN WIR UNS IMMER WIE-<br />
DER DEM BERG SPORT IN ALL SEINEN FACETTEN:<br />
VOM WANDERN BIS ZUM KLETTERN, VON DER<br />
AUSRÜSTUNG BIS ZUM WETTER. UND DEN MEN-<br />
SCHEN: HÜTTENWIRTEN UND BERGRETTERN,<br />
WANDERFÜHRERN UND KLETTERSTEIGBAUERN –<br />
ODER BERGFOTOGRAFEN, DIE AUSSICHTEN WIE<br />
DIESE IM BILD EINFANGEN ...<br />
FOTO: Hochkönig Tourismus<br />
35
ZAHLENSPIELE<br />
FOTO: TiVB Reutte/Robert Eder<br />
WWW.REUTTE.COM<br />
36<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WWW.TIROL.AT<br />
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
TIROL<br />
24ETAPPEN UND 320 KM<br />
IN NORDTIROL, 9 ETAPPEN UND<br />
93 KM IN OSTTIROL. DAS SIND<br />
DIE GARDEMASSE DES „ADLER-<br />
WEGES“, TIROLS BEKANNTES-<br />
TEM WEITWANDERWEG. WAS<br />
DIESER SPEKTAKULÄRE TRAIL<br />
ALLES ZU BIETEN HAT:<br />
WWW.ADLERWEG.COM<br />
24.000<br />
KILOMETER<br />
an markierten und von<br />
den Bergvereinen gewarteten<br />
Wanderwegen führen<br />
durch Tirol. Nur zum<br />
Vergleich: Von Innsbruck<br />
nach New York sind es<br />
Luftlinie gerade einmal<br />
6.500 Kilometer!<br />
im<br />
Bergland<br />
Tirol<br />
sind höher als<br />
3.000 Meter! Die<br />
Nase vorn im Ranking<br />
hat der Großglockner (3.798<br />
m), den sich die Tiroler mit den<br />
Kärntnern teilen. Um nichts weniger attraktiv:<br />
die Wildspitze mit 3.768 m.<br />
573Gipfel<br />
20.800.000<br />
NÄCHTIGUNGEN in 340.000 Gästebetten: Der vergangene<br />
„Bergsommer“ hat auch zahlenmäßig wieder<br />
eindrucksvoll bewiesen, wie gefragt Tirol und<br />
seine Berge bei den Urlaubern aus aller Welt sind.<br />
GLETSCHERSKIGEBIET SORGT<br />
DAFÜR, DASS AUCH IM SOMMER<br />
WINTERSPORT MÖGLICH IST:<br />
DER HINTERTUXER GLETSCHER<br />
IM ZILLERTAL BEGEISTERT MIT<br />
SEINEN 18 LIFTANLAGEN UND<br />
TRAUMPISTEN SKIFAHRER, FREE-<br />
STYLER UND SNOWBOARDER<br />
1GLEICHERMASSEN.<br />
700<br />
BERGFÜHRER<br />
UND 2.000 WANDERFÜHRER SORGEN NICHT<br />
NUR FÜR SICHERE TOUREN, SONDERN ZEIGEN<br />
DIR AUCH DIE WUNDERWELT DER BERGE.<br />
100<br />
KLETTERSTEIGE, 5.000 Alpinkletterrouten,<br />
3.000 Sportkletterrouten und 1.500<br />
Boulderfelsen: Wen wundert’s, dass Tirol bei<br />
den Felssportlern den Titel „Paradies“ führt.<br />
Top für Trainierer: Ab Sommer stehen im neuen<br />
Kletterzentrum Innsbruck gigantische 5.500 m²<br />
Kletterfläche zur Verfügung!
HOTSPOT IN TIROL<br />
FOTO: TVB Tannheimer Tal/Wolfgang Ehn<br />
WANDERGENUSS AUF DREI EBENEN<br />
IM TANNHEIMER TAL<br />
RAUF AUF DEN BERG – der Alltag bleibt im Tal! Wer dem Gewöhnlichen<br />
einfach davonwandern möchte, ist im Tiroler Tannheimer Tal richtig. Auf<br />
drei Ebenen warten entspannte Panoramarouten, sportliche Aufstiege und<br />
lohnende Klettertouren auf Outdoorsportler. Im Detail:<br />
EBENE 1 bietet Genusswandertouren entlang der romantischen Bergseen<br />
Vilsalpsee und Haldensee.<br />
EBENE 2 beinhaltet aussichtsreiche Höhenwege wie am Füssener Jöchle von der<br />
Bergstation Richtung Gamskopf, wo der neue Sonnenpanoramahut als<br />
herrlicher Aussichtspunkt wartet.<br />
EBENE 3 ist jene der sportlichen Aufstiege: Die Drei-Seen-Tour, der Gräner<br />
Höhenweg und die Besteigung der Leilachspitze sowie des Gaishorns sind<br />
Klassiker unter den alpinen Touren im Tannheimer Tal.<br />
Ein nützlicher Tipp noch: Das Ticket „Sommerbergbahnen inklusive“ öffnet die<br />
Türen zu den Höhen ganz bequem. Die überall gültige Bergbahnenkarte ist bei<br />
teilnehmenden Gastbetrieben im Preis inbegriffen.<br />
MEHR INFOS: www.tannheimertal.com<br />
38<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE<br />
<strong>2017</strong><br />
<strong>2017</strong>
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TIROL<br />
WANDERN AUF DEN<br />
SCHWINGEN DES ADLERS<br />
Abseits vom Trubel bietet die Ferienregion Hohe Salve alles, was das Herz des<br />
Bergurlaubers begehrt: fantastische Natur, spektakuläre Berge, tolle Wanderwege.<br />
Die Ferienregion Hohe Salve liegt<br />
mitten im Herzen Tirols, in den<br />
Kitzbüheler Alpen und ist ein<br />
Paradies für Wanderurlauber. Die<br />
Orte rund um den wohl schönsten<br />
Aussichtsberg Tirols, die Hohen Salve,<br />
bieten alle Voraussetzungen für einen<br />
unvergesslichen Wander- und Kultururlaub.<br />
Schon von Weitem grüßt der<br />
1.829 Meter hohe Berg, auf dem sich<br />
Österreichs höchstgelegene Wallfahrtskirche<br />
befindet, in alle Himmelsrichtungen.<br />
Das 360-Grad-Panorama,<br />
das man von oben genießt, ist<br />
der außergewöhnlichen Lage der Hohen<br />
Salve zu verdanken. Mehr als 70<br />
Dreitausender reihen sich wie auf einer<br />
Perlenkette entlang des Panoramas<br />
auf.<br />
Die Bergbahnen Wilder Kaiser<br />
-Brixental sind der direkte Einstieg in<br />
die Welt der Sommer-Erlebnisse. 13<br />
topmoderne Lifte führen mitten hinein<br />
in die Bergwelt, wo nicht nur Natur<br />
pur, sondern sechs der schönsten<br />
„Berg-ErlebnisWelten“ der Alpen entdeckt<br />
werden wollen.<br />
AM ADLERWEG DURCH TIROL<br />
Einheitlich beschildert, gut markiert<br />
und detailliert beschrieben: So führt<br />
der Adlerweg, Tirols Hauptwanderweg,<br />
durch die Natur der Tiroler Bergwelt.<br />
In der Ferienregion Hohe Salve<br />
streift die Hauptroute des „Adlers“ die<br />
Etappen H04 und H05. Zwischen den<br />
beiden Routen befindet sich Tirols einzige<br />
zugängliche Eis- und Tropfsteinhöhle:<br />
Die Hundalm Eis- und<br />
Tropfsteinhöhle. Sie ist sogar die einzige<br />
Höhle in den Nordtiroler Alpen, in<br />
der es Eis- und Tropfsteingebilde zu sehen<br />
gibt. Man findet sie auf 1.520 Metern<br />
Höhe und im Inneren herrscht<br />
auch im Sommer eine Temperatur von<br />
0° Celsius. Pudelmütze und Handschuhe<br />
also nicht vergessen.<br />
WEIT WEG VOM TRUBEL<br />
Wer am liebsten eine Landschaft mit<br />
kühlen Wäldern, klaren Gebirgsbächen<br />
und traumhaften Bergseen erwandert,<br />
der ist in der Kelchsau, dem<br />
naturbelassenen Seitental des Brixentales,<br />
richtig. Das idyllische Almdorf<br />
mit seinen urigen Bauernhöfen ist<br />
Startpunkt vieler verschiedener Wanderungen<br />
und bietet seinen Besuchern<br />
Ruhe und Erholung – nur das Plätschern<br />
der vielen Bäche begleitet die<br />
Wanderer beim Aufstieg. Spezieller<br />
Tipp: Mit dem Auto in den „Kurzen<br />
Grund“ bis zum Gasthaus Wegscheid<br />
fahren und von dort zirka zwei Stunden<br />
bis zur Neuen Bamberger Hütte<br />
auf 1.756 m wandern. Weiter geht es<br />
dann über die drei herrlich gelegenen<br />
Wildalmseen auf den Gipfel des Schafsiedels<br />
(2.447 m). Der Aufstieg lohnt<br />
sich – Aussicht und Ambiente sind<br />
wirklich atemberaubend!<br />
Kontakt<br />
FERIENREGION HOHE SALVE<br />
Innsbrucker Straße 1, A-6300 Wörgl<br />
Tel.: 057 507 7000<br />
E-Mail: info@hohe-salve.com<br />
www.hohe-salve.com<br />
FOTOS: Ferienregion Hohe Salve<br />
40<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
hohesalve.at<br />
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Biken in den<br />
Kitzbüheler Alpen<br />
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€ 554,-<br />
inkl. 3 Nächte mit Energyhalbpension,<br />
geführte Touren,<br />
Leihbike, Leistungscheck mit Spiroergometrie,<br />
individueller Trainingsplan,<br />
funktionielles Krafttraining<br />
und Teilkörpermassage<br />
(kein Einzelzimmerzuschlag)<br />
Hoch hinaus?<br />
UND DAZWISCHEN FALLEN LASSEN.<br />
Wir setzen auf die Kraft der Bewegung – im Sommer wie im Winter –<br />
365 Tage im Jahr.<br />
Meierhofgasse 26 | 6361 Hopfgarten im Brixental<br />
T +43 5335 2420 | welcome@hohesalve.at
HOTSPOT<br />
FOTO: TVB Reutte<br />
42<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
REUTTE VERBINDET ROM UND TIBET,<br />
NATUR UND KULTUR<br />
DIE TIROLER NATURPARKREGION REUTTE mit ihren elf Ortschaften steht<br />
für Ursprünglichkeit sowie Natur- und Kulturerlebnisse am Fuße des<br />
Hochgebirges. Das Element Wasser spielt am Eingangstor Tirols eine<br />
Hauptrolle. Neben dem Lech, dem letzten Wildfluss der Alpen, und dem<br />
Plansee beheimatet die Naturparkregion viele Bergseen –, die alle in<br />
Trinkwasserqualität im Sommer zum Sprung ins kühle Nass einladen.<br />
AUCH EINE ALTE RÖMERSTRASSE, die Via Claudia Augusta, durchquert<br />
die Region und macht Geschichte ebenso erlebbar wie die Ehrenberger<br />
Klause, die Festungsanlagen Ehrenberg, Schlosskopf und Fort Claudia.<br />
Tauch im Museum ins Mittelalter ein oder erlebe den Ausblick auf der<br />
weltlängsten Fußgängerhängebrücke im Tibet-Style, der „highline 179“.<br />
FREU DICH AUCH AUF DIE SOMMER AKTIV CARD: Mit der Karte, die du<br />
nach Ankunft in der Region Reutte beim Vermieter bekommst, kannst du<br />
zahlreiche Attraktionen gratis oder ermäßigt nützen.<br />
ALLE INFOS: www.reutte.com<br />
43
TIROL<br />
KLETTERSPASS IM PITZTAL:<br />
BOULDER-FELSEN<br />
FÜR DIE GANZE FAMILIE<br />
FRISCHLUFT STATT HALLE: Outdoor-Bouldern liegt im Trend. Im märchenhaften Wald von<br />
Mandlers Boden erleben Einsteiger den besonderen Reiz des Kletterns ohne Gurt und Seil.<br />
N<br />
icht weniger als 55 Felsblöcke<br />
mit insgesamt 180 Routen erwarten<br />
Boulder-Fans im märchenhaften<br />
Wald bei Mandlers Boden<br />
im Pitztal! Das Areal ist mit seinen imposanten<br />
Felsen nun offiziell als neues<br />
Boulder-Gebiet ausgewiesen. Viele<br />
der Felsbrocken weisen nur einen geringen<br />
Schwierigkeitsgrad auf und<br />
sind daher optimal für Familien und<br />
Einsteiger.<br />
Bouldern liegt im Trend und gilt<br />
als natürlichste Form des Kletterns –<br />
ohne künstliche Griffe und im Fels<br />
vorgegebene Routen. Mandlers Boden<br />
ist eines der wenigen Boulder-Gebiete<br />
in Tirol, die sogar für Kinder geeignet<br />
sind. „Das tapfere Schneiderlein“,<br />
„Rumpelstilzchen“ und „Jogibär“<br />
etwa sind nur 1,50 bis 2,20 Meter hoch<br />
und mit etwas Geschick locker zu<br />
meistern.<br />
Erwachsene hingegen finden ihre<br />
Herausforderungen an Felsen, die bis<br />
zu vier Meter hochragen und deren<br />
Schwierigkeitsgrade bis in den oberen<br />
Skalenbereich reichen. Sportlich aktive<br />
Familien finden im Pitztal also große<br />
Auswahlmöglichkeiten.<br />
VON EINFACH BIS HOCHALPIN<br />
Schon für die Kleinsten beginnt der<br />
Kletterspaß im Pitztal auch im „XP<br />
Abenteuerpark“ in Jerzens – einem<br />
Waldseilgarten mit maßgeschneiderten<br />
Parcours für alle Altersgruppen.<br />
Gästekinder können zudem mit dem<br />
Pitztaler Freizeitpass kostenlos jeden<br />
Mittwoch im Kletterpark am Hochzeiger<br />
üben. Für Familien und Einsteiger<br />
besonders geeignet ist auch der Klettergarten<br />
in Stillebach – nicht nur wegen<br />
seiner acht einfachen, kurzen Routen,<br />
sondern auch wegen des<br />
Badeteichs und der Kneippanlage, in<br />
der man sich abkühlen kann.<br />
Der Hexenkessel in Plangeross dagegen<br />
ist etwas für echte Bergfexe. Er<br />
verzaubert Sportler mit mehr als 30<br />
Touren in den oberen Schwierigkeitsgraden.<br />
Wer es hochalpin und abgeschieden<br />
mag, wandert von Plangeross<br />
etwa dreieinhalb Stunden hinauf zur<br />
Kaunergrathütte und nimmt sich hier<br />
oben die 21 Sportkletterrouten vor.<br />
Insgesamt stehen im Pitztal 178<br />
Sportkletterrouten zur Verfügung sowie<br />
14 Mehrseillängen, zwei Kletteranlagen<br />
(Kletterpark Jerzens Hochzeiger<br />
und XP Adventure Park), fünf<br />
Klettergärten, zwei Klettersteige, 22<br />
Eiskletter-Routen und zwei familienfreundliche<br />
Klettergärten.<br />
Also: Nichts wie ran an die Felsen ...<br />
Boulder-Angebot<br />
Wer das „Klettern in Absprunghöhe“<br />
und ohne Seil und Gurt erstmalig ausprobieren<br />
möchte, für den ist der dreistündige<br />
Schnupperkurs für 49 Euro inklusive<br />
Leihausrüstung (Kletterschuhe,<br />
Matten, Magnesium) genau richtig.<br />
Kontakt:<br />
TOURISMUSVERBAND PITZTAL<br />
Tel.: 0 54 14/86 9 99-88<br />
E-Mail: info@ pitztal.com<br />
www.pitztal.com<br />
FOTOS: TVB Pitztal<br />
44<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Keb Trousers<br />
NEXT STOP<br />
NATURE<br />
eines der schönsten Dinge an<br />
der Natur ist, dass du sie auf deine<br />
ganz eigene Weise erleben kannst.<br />
Auf unsere Ausrüstung kannst du<br />
dich draußen verlassen. Manche<br />
unserer Produkte sind zu wahren<br />
Klassikern geworden. Andere sind<br />
auf dem Weg dahin.<br />
Zum Beispiel unsere Keb Trousers.<br />
Diese technisch fortschrittliche<br />
Hose wurde speziell fürs Trekking<br />
in anspruchsvollem Gelände<br />
entwickelt. Sie hat die Auszeichnung<br />
„Beste Outdoor-Hose des Jahres“<br />
bekommen und bewährt sich darüber<br />
hinaus jeden Tag aufs Neue in der<br />
freien Natur, wofür sie bei Trekkern<br />
auf der ganzen Welt beliebt ist. Das<br />
Design ist für den Einsatz in der<br />
Natur bestimmt und aus unserem<br />
eigenen, nachhaltigen G-1000 Eco<br />
gefertigt.<br />
Egal, wer du bist und wohin du<br />
gehst – in dieser Saison bieten wir<br />
eine breite Auswahl an Hosen für<br />
alle, die die Freiheit der Natur auf<br />
eigene Weise genießen möchten.<br />
www.fjallraven.de<br />
Die Keb Hose ist auch als Zip-Off Version (Keb Gaiter Trousers) erhältlich. Bei diesem Modell können<br />
die abgezippten Hosenbeine als Gamaschen verwendet werden.
OUTDOORGUIDE<br />
HOCH<br />
AUF TOUR<br />
TOUREN AUF DREI- UND VIERTAUSENDER sind die Königsdisziplin<br />
des Bergsommers in den Alpen und üben eine enorme<br />
Anziehungskraft aus. Sie führen ins hochalpine, ausgesetzte und<br />
meist vergletscherte Gelände; Kletter- oder Klettersteigpassagen<br />
sind die Regel. Richtig angegangen, versprechen Hochtouren<br />
Genuss und ein Gefühl von Freiheit.<br />
Zahllose Wanderungen sind absolviert.<br />
Frühmorgendliche Touren<br />
samt Sonnenaufgang am Gipfel<br />
wurden genossen. Sportlich-schnelle<br />
Gipfelerfolge in Trailrunning-Manier<br />
gefeiert. Der Wunsch nach<br />
einer weiteren Herausforderung wird immer<br />
größer. Sommerliche Hochtouren<br />
sind der logische nächste Schritt. Damit<br />
gemeint sind längere Touren in hochalpine,<br />
meist vergletscherte Regionen. Es geht<br />
in der Regel ausgesetzt, oft via Kletteroder<br />
Klettersteigpassagen bis auf oder<br />
über 3.000 Meter.<br />
Wie vieles Reizvolle haben Hochtouren<br />
zwei Seiten – wunderschön und begeisternd<br />
einerseits. Beachtliche Gefahren in<br />
sich bergend andererseits. Der Grat zwischen<br />
Glücksgefühl und Absturz – im<br />
wahrsten Sinn des Wortes – ist schmal. Damit<br />
bestmöglich umzugehen heißt, sich<br />
selbst um seine eigene „Überlebens-Versicherung“<br />
zu kümmern. Was Profis – Martin<br />
Edlinger, Hubert Granitzer und Wolfgang<br />
Nairz – raten, um den Hochtourengenuss<br />
zu maximieren und das Risiko zu minimieren,<br />
hat <strong>SPORTaktiv</strong> erfragt.<br />
GENUSS UND FREIHEITSGEFÜHL<br />
„Hochtouren sind für mich eines der<br />
schönsten Naturerlebnisse. Allein das<br />
Durchsteigen verschiedener Vegetationszonen<br />
– vom Tal über alpine Blumenwiesen<br />
bis zu vergletscherten Regionen und<br />
Gipfeln – ist in seiner Pracht und Eindrucksvielfalt<br />
immer wieder faszinierend“,<br />
schwärmt Wolfgang Nairz. „Mich<br />
begeistert an Hochtouren, in der freien,<br />
unberührten Natur unterwegs zu sein.<br />
Und dieses gewaltige Freiheitgefühl des<br />
Obenseins zu spüren“, beschreibt Martin<br />
Edlinger sein Empfinden. Die Anziehungskraft<br />
von Hochtouren erklärt Bergführer<br />
Hubert Granitzer damit, „dass man in verschiedenen<br />
Bergsportarten – Wandern,<br />
Bergsteigen, Klettern und Gletschergehen<br />
– versiert sein muss. Es ist die Krönung des<br />
Bergsteigens in den Alpen“. „Hochtouren<br />
werden oft als eines der letzten echten<br />
Abenteuer wahrgenommen“, weiß Edlinger.<br />
„Zuerst begnügen sich die meisten mit<br />
einfacheren Gipfeln. Irgendwann will<br />
man höher hinaus und etwa den Großglockner<br />
(3.798 m) über den anspruchsvollen<br />
Stüdlgrats besteigen. Ein typischer<br />
nächster Schritt ist der Ortler (3.905 m),<br />
ehe der Blick auf die 4.000er der Westalpen<br />
– etwa Mönch (4.107 m), Matterhorn (4.478<br />
m) oder Mont Blanc (4.810 m) – fällt“, beschreibt<br />
Granitzer das typische, „oft übertriebene<br />
Gipfel-Ziel-Denken“. Everest-Pionier<br />
Nairz rät, sich nicht von Ehrgeiz und<br />
Leistungsdrang treiben zu lassen. „Am<br />
Berg zählen andere Faktoren. Höher,<br />
schneller, weiter ist weniger wichtig. Entscheidend<br />
ist das Genießen der Natur, der<br />
Ruhe und der Einsamkeit.“<br />
FOTOS: xxx<br />
TEXT: Oliver Pichler<br />
46<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Hochtouren<br />
werden als die<br />
Krönung des<br />
Bergsteigens<br />
in den Alpen<br />
empfunden.<br />
FOTO: Herbert Raffalt<br />
47
HOCHTOUREN<br />
Die Experten<br />
MARTIN EDLINGER ist Hochtouren-<br />
Experte, Berg- & Skiführer und Leiter<br />
der Abteilung Bergsport der Naturfreunde<br />
Österreich.<br />
WEB: www.naturfreunde.at<br />
HUBERT GRANITZER ist seit 25 Jahren<br />
als Bergführer auf den höchsten<br />
Gipfeln der Ost- und Westalpen unterwegs.<br />
WOLFGANG NAIRZ war 1978 einer<br />
der drei ersten Österreicher am Mount<br />
Everest (8.848 m) und leitete zeitgleich<br />
die Expedition, bei der Reinhold<br />
Messner und Peter Habeler erstmals<br />
ohne Sauerstoff „ganz oben“ standen.<br />
BASICS, TRAINING, AUSRÜSTUNG<br />
„Zu glauben, man kann bergsteigen,<br />
weil man gehen kann, ist falsch. Man<br />
soll Bergsteigen von Grund auf lernen<br />
und dabei etwa das Gehen mit Steigeisen<br />
oder den Umgang mit dem Seil<br />
üben. Kurse der alpinen Vereine und<br />
vieler Bergsteigerschulen sind dafür<br />
ideal“, plädiert Nairz für eine gewissenhafte<br />
Vorbereitung. „Es sind viele<br />
Facetten, auf die man sich vorbereiten<br />
und einstellen muss. Die Kombination<br />
von Gletscher und Fels, Weglosigkeit,<br />
Orientierung, Wissen um Wetter und<br />
Verhältnisse, Verhalten im Fall eines<br />
Gewitters im Hochgebirge u. v. m. spielen<br />
bei Hochtouren komplex zusammen“,<br />
weiß Bergführer Granitzer.<br />
Als besonders wichtig stuft Martin<br />
Edlinger die Vorbereitung auf das<br />
Gehen am Gletscher ein. „Während<br />
man viele Touren, die hoch hinauf führen,<br />
aber ohne Gletscherquerungen<br />
auskommen, bald einmal gehen kann,<br />
ist das am Gletscher anders. Hier<br />
braucht es zumindest eine Grundschulung“,<br />
betont Edlinger. Das Verhalten<br />
am Gletscher, speziell Seil- & Rettungstechnik,<br />
sollte Inhalt von Vorbereitungskursen<br />
sein. Sich nur auf das<br />
Können des Führers zu verlassen wäre<br />
trügerisch.<br />
Als längerfristige Hausaufgabe<br />
der Vorbereitung gilt die gute bis sehr<br />
gute Grundkondition. „Fit und gut<br />
trainiert zu sein, verbessert die Trittsicherheit<br />
und reduziert das Risiko zu<br />
stürzen, zu stolpern oder auszurut-<br />
schen“, weiß Hochtouren-Profi Edlinger.<br />
Noch einen Tipp hat er: „Es ist ratsam,<br />
sich nicht dauerhaft nahe an<br />
seiner Leistungsgrenze zu bewegen,<br />
weil es sonst nicht gelingt, über längere<br />
Zeit mit hoher Konzentration unterwegs<br />
zu sein.“<br />
„Von Bedeutung ist die richtige<br />
Ausrüstung. Sich etwa gut gegen das<br />
Wetter schützen zu können ist Standard.<br />
Wind- und wasserdichte Jacken<br />
und Hosen sind ein Muss. Und Haube<br />
wie Handschuhe sollten mit dabei<br />
sein“, so der Naturfreunde-Experte.<br />
Gute, eingegangene und steigeisenfeste<br />
Schuhe, Steigeisen mit Antistollen-Platten<br />
aus Gummi, Eispickel sowie<br />
ein Klettergurt, ein paar Karabiner<br />
und Reepschnüre sowie ein vernünftiges<br />
Seil gehören ebenfalls zur Grundausstattung.<br />
„Gleichzeitig ist es ratsam,<br />
nur das mitzunehmen, was man<br />
wirklich braucht. Größe und Gewicht<br />
der Rucksäcke machen schneller müde<br />
und vor allem auch unbeweglicher.<br />
Für eine Tages tour muss ein 35- bis 40<br />
Liter-Rucksack reichen“, rät Edlinger<br />
zur Reduktion.<br />
STEHEN BLEIBEN ODER<br />
GESCHICHTE SCHREIBEN.<br />
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Mit den Outdoor-Lampen von Ledlenser<br />
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Schwierige Passagen sind untrennbar<br />
mit Hochtouren verbunden.<br />
Dann sind Können<br />
und Erfahrung gefragt.<br />
Kurse & Profi-Begleiter<br />
Der erste Schritt zur sicheren<br />
Hochtour führt in einen Kurs<br />
TOUREN IN HOCHALPINE, vergletscherte<br />
Regionen sind nicht zu unterschätzen.<br />
Entsprechend wichtig ist es, sich im<br />
Rahmen professioneller Kurse vorzubereiten.<br />
Alleine sollte man Hochtouren,<br />
insbesondere Gletscherpassagen, sowieso<br />
nie in Angriff nehmen. Erfahrene<br />
Begleiter sind speziell für Einsteiger ein<br />
Muss. Staatlich geprüfte Bergführer<br />
und Tourenführer der Alpinen Vereine<br />
sind kompetente Begleiter auf<br />
solchen Touren, auch in heiklen Alpin-<br />
Situationen.<br />
Die Naturfreunde bieten beispielsweise<br />
ein umfassendes Kursprogramm:<br />
ALLE INFOS: www.naturfreunde.at<br />
FOTO: Herbert Raffalt<br />
UNMITTELBARE VORBEREITUNG<br />
„Wichtig vor jeder Hochtour ist die saubere<br />
Tourenplanung. Zu wissen wo,<br />
man hingehen will und ob man sich die<br />
Tour in ihren Details überhaupt zutraut,<br />
ist eine Grundvoraussetzung“, appelliert<br />
der Naturfreunde-Bergprofi.<br />
„Wenn man sich überschätzt und man<br />
sich etwa an extremen Stellen aus blanker<br />
Angst nicht mehr weiterwagt, ist<br />
das für alle Beteiligten ein Problem. Insbesondere<br />
am Glockner habe ich solche<br />
Situationen schon mehrfach erlebt“, erzählt<br />
Edlinger. „Deshalb ist es wichtig,<br />
zuerst leichtere Touren, etwa auf den<br />
Dachstein (2.995 m) oder auch auf den<br />
Großvenediger (3.666 m), zu gehen und<br />
sich dann behutsam an Schwierigeres,<br />
wie etwa den Glockner (3.798 m) heranzutasten.“<br />
Die Wettersituation ist in der Vorbereitung<br />
zentral. „Bei Hochtouren<br />
können Gewitter extrem gefährlich<br />
werden und die Tour massiv verlän-<br />
ORTLIEB WATERPROOF:<br />
DER WEG<br />
ENDET. DEIN<br />
ABENTEUER<br />
BEGINNT.<br />
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Gravel-Pack: die leichte, wasserdichte Tasche<br />
für den Lowrider aus der Bikepacking-Serie
HOCHTOUREN<br />
Auf Gletschern gilt: unbedingt anseilen.<br />
Ideale Gruppengröße: Drei<br />
oder mehr Bergsteiger.<br />
gern, auch weil die Orientierung viel<br />
schwieriger ist“, warnt Edlinger. Blitzschlag<br />
und nasser Felsuntergrund sind<br />
die unmittelbaren Gefahrenquellen<br />
von Wärmegewittern, die nur grundsätzlich<br />
und nicht im Detail vorhersagbar<br />
sind. „Frühestmöglich zu starten,<br />
um bis spätestens 10 oder 11 Uhr am<br />
Gipfel zu sein“, empfiehlt deshalb<br />
Bergführer Granitzer. Genauer vorhergesagt<br />
werden Frontgewitter. Sie sind<br />
noch gefährlicher, weil sie einen Kälteeinbruch<br />
bringen, der in höheren Lagen<br />
oft mit Schneefällen einhergeht.<br />
„Von einem Wettersturz unvorbereitet<br />
überrascht zu werden, hat meist mit<br />
schlechter Planung zu tun“, rät Edlinger<br />
zu guter Tourenplanung.<br />
Sechs Top-Hochtouren<br />
HERBERT RAFFALT aus dem steirischen<br />
Ennstal ist Bergführer und mehrfach<br />
ausgezeichneter Fotokünstler – von<br />
ihm stammen die Bilder dieses Artikels.<br />
Und er verriet uns seine sechs Lieblings-Hochtouren<br />
in Österreich:<br />
1. GROSSGLOCKNER (3.798 m) über<br />
den Stüdlgrat, Osttirol, schwer.<br />
2. FUSCHERKARKOPF (3.331 m),<br />
Kärnten und Salzburg, mittelschwer.<br />
3. HOCHKÖNIG (S, 2.941 m) über den<br />
Königsjodler Klettersteig, schwer.<br />
4. HOCHTOR IM GESÄUSE (2.369 m),<br />
Steiermark, mittelschwer<br />
5. GROSSER PRIEL (2.515 m) über den<br />
Bert-Rinesch-Klettersteig, OÖ, schwer.<br />
6. GROSSVENEDIEGR (3.666 m),<br />
Salzburg und Tirol, mittelschwer.<br />
KONTAKT: www.raffalt.com<br />
ZENTRALER FAKTOR GLETSCHER<br />
„Im vergletscherten Bereich haben wir<br />
häufig das Problem des Gletscherrückgangs.<br />
Dadurch treten vermehrt Spaltenzonen<br />
und Randklüfte am Übergang<br />
zwischen Gletscher und Fels<br />
hervor“, weiß Martin Edlinger. Gletscher<br />
sind eine große, unberechenbare<br />
Gefahrenquelle. Stürze in Spalten<br />
können jederzeit passieren. Der einzige<br />
Schutz ist anseilen. Daher darf man<br />
keinesfalls alleine unterwegs sein.<br />
Am besten sind drei- bis vierköpfige<br />
Gruppen.<br />
Zusätzlich, so Edlinger und Granitzer,<br />
bedingen die Klimaveränderungen,<br />
dass die Steinschlaggefahr<br />
deutlich ansteigt. „Daher kann man<br />
eine Reihe von Touren im Hochsommer<br />
gar nicht gehen, weil es zu gefährlich<br />
ist“, stellt Bergführer Granitzer<br />
fest. „Ich erlebe es oft, dass Unerfahrene<br />
Risiken nicht wahrnehmen und<br />
Gefahren nicht erkennen. Während<br />
wir gefährliche Passagen möglichst<br />
zügig durchschreiten, beobachte ich<br />
es immer wieder, dass andere genau<br />
an diesen Stellen Wasser nehmen<br />
oder gar Pause machen“, erzählt der<br />
Kärntner Bergführer.<br />
NÄCHSTE PLÄNE<br />
Wer motiviert durch das Bewältigen<br />
erster Hochtouren über nächste Ziele<br />
nachdenkt, dem gibt der 73-jährige<br />
Tiroler Nairz noch den Rat: „Um in<br />
den Bergen glücklich zu sein, soll man<br />
sich realistische, nicht übertriebene<br />
Ziele setzen. Das Geheimnis ist, den<br />
eigenen Glückshorizont so zu wählen,<br />
dass man es bis zu ihm auch schaffen<br />
kann. Dadurch erreicht man wunderbare<br />
Gipfelerlebnisse – und nicht,<br />
indem man immer extremer unterwegs<br />
ist.“<br />
Die Ausrüstung<br />
für Hochtouren<br />
DIE BASICS<br />
• Bekleidung – zusätzlich zur<br />
üblichen Tourenausrüstung<br />
auf jeden Fall eine wind- &<br />
wasserdichte Jacke und Hose<br />
• Funktionsunterwäsche,<br />
die Schweiß von der Haut<br />
wegtransportiert<br />
• Handschuhe und Haube – es kann<br />
schnell kalt werden!<br />
• Bergschuhe – solide,<br />
eingegangene Schuhe, die klettertauglich<br />
und steigeisenfest sind<br />
• Socken (Ersatzpaar)<br />
• Sonnenbrille – die Sonnenstrahlung<br />
in der Höhe, speziell auf Gletschern,<br />
erfordert Schutz<br />
• Rucksack mit rund 40 Litern Volumen<br />
– (mehr dazu siehe S. 55)<br />
• Trinkflaschen – empfehlenswert<br />
sind isolierte Edelstahlflaschen,<br />
dazu ein im Rucksack integriertes<br />
Trinksystem<br />
• Stöcke – längenverstellbar.<br />
Bei Kletterpassagen sind<br />
Faltstöcke vorteilhaft<br />
• Kartenmaterial &<br />
Tourbeschreibung<br />
• Zusatzakku fürs Smartphone<br />
SICHERHEIT I<br />
AUF JEDEN FALL MIT DABEI SEIN<br />
SOLLTEN:<br />
• Steigeisen (inklusive Antistoll-<br />
Platten)<br />
• Eispickel<br />
• Helm<br />
• Stirnlampe – falls es unplanmäßig<br />
lang dauert<br />
• Notfallausrüstung mit Erste-Hilfe-<br />
Paket und Verbandszeug sowie<br />
Biwaksack. Martin Edlinger rät zu<br />
einem 2er-Biwaksack pro Person,<br />
weil etwa ein Verletzter nicht mehr<br />
in den Biwaksack einsteigen kann,<br />
sondern nur umwickelt werden<br />
kann.<br />
SICHERHEIT II<br />
ZUM ANSEILEN, SICHERN, BER-<br />
GEN: Wichtig ist, bei der Auswahl<br />
auf normgerechte, für den Einsatzbereich<br />
zugelassene Ausrüstung zu<br />
achten. Was auf welcher Tour konkret<br />
mit dabei sein soll, ist im Rahmen<br />
der Tourenvorbereitung zu prüfen<br />
und mit den Tourpartnern bzw.<br />
dem Bergführer abzusprechen.<br />
• Anseilgurt & Klettergurt<br />
• Fangstoßdämpfer (Klettersteigbremse)<br />
• Karabiner<br />
• Klemmkeile & Klemmgeräte<br />
• Reepschnüre & Schlingen<br />
• Seile<br />
• Spaltenbergungs- & Abseilgerät<br />
FOTO: Herbert Raffalt<br />
50<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
www.northland.at<br />
Es grünt so grün!<br />
Die Marke aus Österreich.
TIROL<br />
DAS TANNHEIMER TAL –<br />
TRAININGSREVIER FÜR PROFIS<br />
UND FREIZEITSPORTLER<br />
Bergsportler, Läufer, Radfahrer, Gleitschirmflieger:<br />
Alle finden im Tiroler Hochtal beste Voraussetzungen<br />
Das Tannheimer Tal ist zwar nur<br />
16 Kilometer lang, in sportlicher<br />
Hinsicht aber ganz groß.<br />
Vom gemütlichen Wandern bis zum<br />
anspruchsvollen Klettern, von Mountainbikestrecken<br />
bis zu ausgiebigen<br />
Rennradtouren, vom Gleitschirmfliegen<br />
bis zum Angeln: Das Hochtal bietet<br />
eine Vielzahl an Freizeitangeboten.<br />
Die größte Lauf- und Nordic<br />
Walking-Arena Tirols mit 186 km Wegen<br />
und hochkarätige Events wie der<br />
Rad-Marathon Tannheimer Tal unterstreichen<br />
zusätzlich die sportlichen<br />
Qualitäten des Tals.<br />
AM FELS, IN DER LUFT, ZU WASSER<br />
Das Tannheimer Tal bietet also perfekte<br />
Bedingungen für Sportler – so auch<br />
für alle, die gern in den Bergen unterwegs<br />
sind. Die Kalkfelswände gehören<br />
zu den besten Revieren für Alpinisten<br />
in Tirol. Zahlreiche Gipfel wie etwa<br />
Gimpel, Rote Flüh, Gehrenspitze oder<br />
Läuferspitze genießen Kultstatus in<br />
der Kletterszene und bieten viel Abwechslung,<br />
von der einfachen Einseillängen-Route<br />
in leichter Genusskletterei<br />
bis zur anspruchsvollen alpinen<br />
Mehrseil-Route.<br />
Ganz oben genießen Gleitschirmflieger<br />
die Qualitäten des Tals. Das<br />
Neunerköpfle mit seiner ausgezeichneten<br />
Thermik zählt zu den beliebtesten<br />
Startplätzen – zu denen man noch<br />
dazu bequem mit der Seilbahn gelangt.<br />
Die beiden Naturstartplätze befinden<br />
sich direkt bei der Bergbahn und der<br />
große Landeplatz gleich neben der Talstation.<br />
Viel Natur und nicht ganz so<br />
viel Bewegung genießen auch Sportfischer<br />
im Tannheimer Tal. Für die klassischen<br />
Outdoorsportarten Wandern<br />
oder Klettersteigen sind die Bedingungen<br />
ebenfalls sehr gut.<br />
MIT RENNRAD UND MOUNTAINBIKE<br />
Beliebt ist das Tannheimer Tal auch bei<br />
Radsportlern. Das Hochtal liegt perfekt<br />
als Ausgangspunkt für Rennradtouren,<br />
etwa Richtung Lechtal oder<br />
Allgäuer Alpen. Tipp: 22 Touren mit<br />
2.500 km Gesamtlänge sind im Rennrad-Booklet<br />
verzeichnet – Kartenmaterial<br />
inklusive. Erhältlich ist es im Tourismusbüro.<br />
Saison-Highlight ist der<br />
Rad-Marathon, der heuer am 9. Juli<br />
stattfindet. Bei dem ist auch Ex-Profi<br />
Marcel Wüst – auch Trainingsstammgast<br />
im Tannheimer Tal – gerne dabei.<br />
Für Mountainbiker passen die Bedingungen<br />
ebenfalls: 15 offizielle Strecken<br />
mit 150 km warten, von gemütlich<br />
bis anspruchsvoll und mit<br />
herrlichen Aussichtspunkten. Zudem<br />
startet im Tannheimer Tal der „Bike<br />
Trail Tirol“, eine 800 km lange Rundtour<br />
durch Tirols vielfältige Regionen.<br />
Info & Buchungen<br />
TOURISMUSVERBAND TANNHEIMER TAL<br />
Tel.: 0 56 75/62 20-0<br />
E-Mail: info@tannheimertal.com<br />
www.tannheimertal.com<br />
FOTOS: TVB Tannheimer Tal/Stefan Eisend, Marco Felgenhauer, Wolfgang Ehn<br />
52<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
ERKLÄR<br />
MIR ...<br />
EINEN HOCHTOURENRUCKSACK<br />
ROBUSTES<br />
LEICHT-<br />
GEWICHT<br />
Was muss ein Hochtourenrucksack können,<br />
wie viel Platz muss er bieten und was unterscheidet<br />
ihn von anderen Rucksacktypen? Bergretter und<br />
Rucksackentwickler Martin Vallazza erklärt es am<br />
Beispiel des Ortlieb Elevation Pro 2 – den auch die<br />
österreichische Bergrettung verwendet.<br />
ANZEIGE / FOTOS: Ortlieb<br />
WELCHE HAUPTEIGENSCHAFTEN<br />
BRAUCHT EIN HOCHTOURENRUCKSACK?<br />
„Er sollte leicht und robust zugleich<br />
sein“, sagt der Vorarlberger Bergretter<br />
Martin Vallazza, der den „Elevation Pro<br />
2“ von Ortlieb mitentwickelt hat. Das<br />
Material muss deutlich robuster als bei<br />
gewöhnlichen Wanderrucksäcken sein.<br />
Im Hochgebirge geht es nicht gerade<br />
sanft zu, da muss der Rucksack mitunter<br />
auch eine rauhe Behandlung stoisch<br />
hinnehmen. In der Form unterscheidet<br />
sich der Hochtourenrucksack von einem<br />
Wandermodell ebenfalls. „Er muss<br />
schmäler sein: Auf der Hochtour ist man<br />
meist mit Stöcken unterwegs, da soll er<br />
die Armpendelbewegung nicht stören.“<br />
WELCHE GRÖSSE IST OPTIMAL? „Rund<br />
40 Liter“, empfiehlt Vallazza. „30 Liter<br />
sind zu wenig, 50 eher zu viel.“ Aber<br />
aufgepasst: „Jeder Hersteller hat andere<br />
Messverfahren, sodass Rucksäcke<br />
bei gleicher Angabe oft unterschiedlich<br />
viel Platz bieten.“ Ein Insidertipp,<br />
wie man das Volumen bestmöglich ausnützt:<br />
„Dinge, die man nur zur Reserve<br />
mithat und nur in Notfällen braucht,<br />
wie Erste-Hilfe-Packerl, zusätzliches<br />
Ersatz-Shirt oder -Jacke kann man vakuumdicht<br />
verpacken lassen. Dadurch<br />
wird die Luft herausgesaugt und die<br />
Dinge benötigen viel weniger Platz.“<br />
WIE SIEHT DAS OPTIMALE TRAGESYSTEM<br />
AUS? Da nennt Vallazza eine Faustregel:<br />
„So viel wie nötig, so wenig wie<br />
möglich.“ Die Gurte werden bei Hochtourenrucksäcken<br />
in der Regel weniger<br />
stark gepolstert als bei einem Trekkingmodell,<br />
weil diesen Effekt die mehr-<br />
Der Experte<br />
MARTIN VALLAZZA ist Physiotherapeut<br />
und Bergretter<br />
in Bludenz und hat den Elevation<br />
Pro 2 von Ortlieb mitentwickelt.<br />
WEB: www.ortlieb.com<br />
schichtige Kleidung mitübernimmt. Beim<br />
Elevation Pro 2 von Ortlieb so wie bei<br />
vielen anderen Modellen schon Standard:<br />
der abnehmbare Hüftgurt. Er<br />
trägt zwar im Normalfall die Hauptlast,<br />
stört aber andererseits, wenn man einen<br />
Klettergurt trägt. „Außerdem besteht<br />
dann die Gefahr, dass man die<br />
Seile in den falschen Gurt einbindet.“<br />
Und was ist mit der Traglast, die dann<br />
an den Schultern hängt: „Die wird ein<br />
wenig vom Klettergurt aufgefangen,<br />
auf dem der Rucksack dann aufsitzt.“<br />
WENIGE ODER VIELE FÄCHER: WAS IST<br />
OPTIMAL? „Ein Hauptfach und ein gutes,<br />
höhenverstellbares Deckelfach<br />
müssen unbedingt sein“, sagt Martin<br />
Vallazza. Für ihn entscheidender als die<br />
Anzahl der Fächer ist die einfache Zugriffsmöglichkeit.<br />
„Bei Hochtourenrucksäcken<br />
braucht es einen Reißverschluss<br />
am Boden oder an der Seite, damit man<br />
auch schnell an jene Dinge kommt, die<br />
in tiefen Regionen eingepackt sind. Du<br />
willst die Gruppe am Gletscher ja nicht<br />
zehn Minuten warten lassen, bis du ein<br />
Teil heraußen hast.“ Sonst noch wichtig:<br />
Es sollten alle Utensilien so verstaut<br />
werden können, dass nichts baumelt<br />
und dadurch beim Gehen stört.<br />
Nr. 3; Juni / Juli <strong>2017</strong><br />
53
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER: 10 HOCHTOURENRUCKSÄCKE<br />
Worauf es bei Hochtourenrucksäcken ankommt, haben wir vorne ja im Detail erklärt. Hier in der Kurzvorstellung:<br />
zehn hochwertige Produkte der Saison <strong>2017</strong> für alpine Touren und lange Wanderungen.<br />
BLACK DIAMOND<br />
SPEED 40 PACK<br />
Ein leichter Alpinrucksack für anspruchsvolle<br />
Unternehmungen am Fels,<br />
im Schnee und im Eis. Der Hüft- und<br />
Brustgurt sowei die herausnehmbare<br />
Rückenplatte sorgen für Komfort.<br />
PickPockets sichern die Ausrüstung an<br />
der Außenseite, während die Innenmanschette<br />
mit einer Zugschnur vor<br />
Feuchtigkeit schützt.<br />
PREIS (UVP): € 150,–<br />
WEB: http://eu.blackdiamondequipment.com<br />
MARMOT<br />
EIGER 32<br />
Der Eiger 32 ist genau die richtige Wahl<br />
für den vielseitigen Einsatz im Gebirge.<br />
Wertvolle Features wie Material- und<br />
Karabinerschlaufen, ein integriertes<br />
Seiltragesystem, ein verstaubarer<br />
Hüftgurt sowie Skitrageschlaufen<br />
machen den Eiger 32 zu einem wahren<br />
Multitalent. Volumen: 32 Liter.<br />
PREIS (UVP): € 180,–<br />
WEB: www.marmot.eu<br />
DEUTER<br />
ACT LITE 40+10<br />
Der ACT Lite ist ein moderner Hochtouren-<br />
und Trekkingrucksack, sportlich<br />
schlank und vielseitig. Er hat für <strong>2017</strong><br />
nicht nur ein frisches Äußeres erhalten,<br />
sondern ist auch unter anderem dank<br />
seines neuen Schulterträger-Designs<br />
mit doppellagigem Polsteraufbau und<br />
angepasster Form noch komfortabler<br />
geworden.<br />
PREIS (UVP): € 165,–<br />
WEB: www.deuter.com<br />
LOWE ALPIN<br />
MOUNTAIN ASCENT 40:50<br />
Der Allround-Bergrucksack macht<br />
von der Hüttentour im Sommer<br />
über die Mehrtages-Skitour im<br />
Winter alles mit. Durch die Aufteilung<br />
in Boden- und Hauptfach<br />
mit zusätzlichem Zugriff von der<br />
Seite sind alle Bereiche im Rucksackinneren<br />
gut zugänglich. Die<br />
bequemen Hüftflossen sind bei<br />
Verwendung mit Klettergurt leicht<br />
abzunehmen.<br />
PREIS (UVP): € 149,95<br />
WEB: www.lowealpine.com/eu<br />
ORTLIEB<br />
ELEVATION PRO2<br />
Der wasserdichte Alpinrucksack hat einen<br />
Rollverschluss und einen höhenverstellbaren,<br />
abnehmbaren Deckel.<br />
Fein: der seitliche Zugang über einen<br />
wasserdichten Reißverschluss. Ein Fixierungsgurt<br />
fürs Seil, eine unterteilte<br />
Innentasche für ein optionales Trinksystem,<br />
ein abnehmbarer Hüftgurt mit Metallverschluss<br />
sowie Materialschlaufen<br />
gehören ebenfalls zur Ausstattung.<br />
PREIS (UVP): € 349,99<br />
WEB: www.ortlieb.com<br />
FOTOS: Hersteller<br />
54<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
ORTOVOX<br />
PEAK 35<br />
Durch die Verarbeitung des extrem reißund<br />
abriebfesten Nylonmaterials 420D<br />
ist der Hochtourenrucksack sehr robust.<br />
Das Besondere ist das Rückensystem<br />
„Swisswool Full Contact“: Berg sportler<br />
profitieren spürbar vom einzigartigen<br />
Feuchte- und Klimamanagement der<br />
Wolle und damit von einem komfortablen<br />
und trockenen Gefühl am Rücken.<br />
PREIS (UVP): € 189,95<br />
WEB: www.ortovox.com<br />
THULE<br />
VERSANT 50L<br />
Die Thule-Versant-Serie steht für<br />
Leichtigkeit ohne Verzicht auf wichtige<br />
Funktionsmerkmale. Der Rucksack<br />
zeigt sich bei großen Verstellbereichen<br />
leicht anpassbar, sodass er bei jedem<br />
perfekt sitzt. Der Deckel lässt sich für<br />
den Gipfelsturm in einen Sling-Rucksack<br />
verwandeln.<br />
PREIS (UVP): € 199,–<br />
WEB: www.thule.com<br />
OSPREY<br />
VARIANT 52<br />
Der Osprey-Rucksack besitzt viele<br />
durchdachte Details – Highlights: die<br />
kompressionsgeformte Rückenplatte mit<br />
Schneeabweisenden Eigenschaften;<br />
die FlapJacket-Abdeckung zur Verwendung<br />
ohne Deckel; die PU-Textur<br />
an der Vorderseite schützt vor Abrieb;<br />
ein verstärktes Kompressionsfach nimmt<br />
die Steigeisen auf; die Schnallen lassen<br />
sich handschuhfreundlich bedienen.<br />
PREIS (UVP): € 200,–<br />
WEB: www.ospreyeurope.com<br />
TATONKA<br />
CEBUS 45<br />
Der Kletterrucksack Cebus 45 ist<br />
mit 45 Liter Volumen und seiner<br />
speziellen Ausstattung für lange<br />
Berg- und Klettersteigtouren konzipiert.<br />
Durch das ergonomisch<br />
gepolsterte Vent-Comfort-Tragesystem,<br />
das mit Hüft- und Brustgurt<br />
eng am Rücken fixiert wird,<br />
bietet er erstklassigen Tragekomfort<br />
und eine optimale Lastkontrolle<br />
bei bewegungsintensiven Einsätzen.<br />
Der gepolsterte Hüftgurt<br />
lässt sich abnehmen.<br />
PREIS (UVP): € 140,–<br />
WEB: www.tatonka.com<br />
VAUDE<br />
BRENTOUR 45 + 10<br />
Vaudes neuer Lastenträger für Hütten-<br />
und Mehrtageswanderungen heißt<br />
Brentour und bietet Wanderern auf der<br />
Langstrecke ordentlich Rückenwind.<br />
Erstmals kommt das von Vaude entwickelte<br />
belüftete, Tragesystem AeroflexX+<br />
zum Einsatz. Es lässt kühlende<br />
Luft über die gesamte Rückenlänge zirkulieren<br />
und kann individuell auf die<br />
Größe des Trägers eingestellt werden.<br />
PREIS (UVP): € 180,–<br />
WEB: www.vaude.com<br />
55
OUTDOORGUIDE<br />
PACK DEN<br />
SACK!<br />
Jeder braucht ihn am Berg, keiner will ihn spüren –<br />
den Rucksack. Höchste Zeit, einmal umfassend zu erklären,<br />
was die Hightech-Rucksäcke von heute ausmacht und wie<br />
du den richtigen Partner für deine Bergtour findest.<br />
Klaus Molidor<br />
Jausenweckerl, Trinkflasche, Haube,<br />
Regenschutz: Unverzichtbare Dinge<br />
für jede Bergtour. Genauso wie<br />
Wechselkleidung, Pflaster, Handy,<br />
Fotoapparat. Für all das braucht es einen<br />
Partner. Einen der zuverlässig ist und<br />
nichts durcheinanderbringt – kurz: einen<br />
Rucksack. Auch wenn Retro im<br />
Trend liegt und die Nostalgiemodelle<br />
wieder kommen: Der moderne Wanderund<br />
Bergtourenrucksack ist ein Hightech-Produkt.<br />
Er besteht aus – je nach<br />
Einsatzbereich – 200 bis 300 Einzelteilen.<br />
und es gibt ihn für nahezu alle Bedürfnisse,<br />
von der Wanderrunde bis zur<br />
Hochtour fein auf die jeweiligen Einsatzbereiche<br />
abgestimmt.<br />
MIT ODER OHNE NETZ<br />
Vorbei ist die Zeit, in der eingepackte harte<br />
Gegenstände den Rücken malträtiert<br />
haben, vorbei ist auch das Chaos im Stauraum.<br />
Die aktuellen Rucksäcke sind stabil,<br />
bieten jede Menge Platz und können<br />
ganz individuell an den Rücken ihres<br />
Trägers angepasst werden.<br />
Aber vor der Wahl des richtigen Modells<br />
gilt es trotzdem eine Glaubensfrage<br />
zu beantworten: Rückenteil mit Netz<br />
oder ohne Netz. Daran scheiden sich die<br />
Geister. Bei den Netzmodellen liegt nur<br />
ein luftiges Netz am Rücken auf, während<br />
der Packsack gewölbt dahinter in<br />
ein paar Zentimetern Abstand folgt. Der<br />
Vorteil: Zwischen Rücken und Rucksack<br />
kann die Luft zirkulieren, der Träger<br />
schwitzt deutlich weniger, verliert also<br />
weniger Flüssigkeit und büßt damit auch<br />
nicht so schnell an Leistung ein. Der<br />
Nachteil: Der Rucksack lässt sich durch<br />
die Wölbung nicht so exakt packen und<br />
liegt deutlich weniger stabil am Rücken<br />
an. Um einen Rucksack so wenig wie<br />
möglich zu spüren, sollte das Gewicht<br />
möglichst nah beim Körperschwerpunkt<br />
liegen. Ein Rückennetz steht aber<br />
genau diesem Effekt entgegen.<br />
Eine kleine Entscheidungshilfe gibt<br />
es allerdings schon: Wer hauptsächlich<br />
wandert und nicht im alpinen oder hochalpinen<br />
Bereich unterwegs ist, der ist mit<br />
einem Netzrücken gut bedient. Wer längere<br />
Touren geht und auf Trittsicherheit<br />
und Bewegungsfreiheit achten muss, der<br />
sollte dagegen ein Modell wählen, das<br />
mit einem Polster eng am Rücken anliegt.<br />
Outdoor-Spezialist Ortovox verzichtet<br />
in seiner Modellpalette überhaupt<br />
gänzlich auf Rucksäcke mit<br />
Netzrücken. „Weil wir das Gewicht möglichst<br />
nah am Körper tragen wollen. Das<br />
trägt wesentlich zum Tragekomfort bei“,<br />
erklärt Markus Kacner, Rucksack-Produktmanager<br />
von Ortovox.<br />
INTENSIVE TESTPHASE<br />
Bevor ein Rucksack aber überhaupt auf<br />
den Markt kommt, testen Athleten, Profibergführer<br />
und Mitarbeiter einen Prototyp<br />
auf Herz und Nieren. „Da werden<br />
dann Details optimiert, bis der Rucksack<br />
in Serienreife gehen kann“, sagt Kacner.<br />
FOTOS: Ortovox<br />
56<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
57
MATERIAL<br />
Ein großes Thema in der Entwicklung<br />
ist zurzeit das Gewicht. „Die Herausforderung<br />
dabei ist es, die Balance<br />
zwischen Leichtigkeit und Robustheit<br />
zu finden.“ Stabilität hat bei Ortovox<br />
im Zweifelsfall Vorrang.<br />
Auch wenn es keine Netzrücken<br />
gibt, ist das Klima am Rücken natürlich<br />
ein Thema. „So kombinieren wir<br />
beispielsweise Wolle mit einem technischen<br />
Schaum im Tragesystem unseres<br />
Hochtourenrucksacks Peak, was<br />
eine deutliche Verbesserung des Klimakomforts<br />
bringt“, erklärt Kacner.<br />
Und nachhaltig ist es obendrein. Bei<br />
den Schultergurten wird ebenfalls auf<br />
die „Klimatisierung“ geachtet. „Die<br />
werden mit einem 3D-Gewebe ausgestattet,<br />
das für Belüftung sorgt“, weiß<br />
Kacner. Bei einzelnen Modellen werden<br />
zusätzlich auch gelochte Schäume<br />
eingesetzt, um die Belüftung noch<br />
zu verstärken.<br />
Die Klimafrage wäre also geklärt.<br />
Bei der Ausstattung ist eine Regenhülle<br />
schon Standard, auch eine Vielzahl<br />
von Fächern und Reißverschlüssen,<br />
die einen Zugriff auf den Inhalt nicht<br />
bloß klassisch von oben, sondern auch<br />
von unten oder den Seiten ermöglichen.<br />
Zu viele Fächer und Verschlüsse<br />
treiben aber andererseits das Gewicht<br />
wieder in die Höhe. Bei einem großen<br />
Rucksack kann der Unterschied da bis<br />
zu einem halben Kilogramm betragen.<br />
Die Mehrheit der Bergsportler<br />
wird mit einem Hauptfach sowie Seitentaschen<br />
und einem Deckelfach für<br />
Kleinkram wie Geldbörserl, Schlüssel<br />
und Handy das Auslangen finden.<br />
Der „Trad 25“<br />
von Ortovox<br />
(rechts) eignet<br />
sich optimal für<br />
Klettertouren,<br />
während man mit<br />
dem „Peak 35“<br />
und seinen vielen<br />
Fächern perfekt<br />
für eine Hochtour<br />
gerüstet ist.<br />
VERSCHIEDENE RÜCKENLÄNGEN<br />
Sinnvoller ist es da, auf eine möglichst<br />
individuelle Anpassbarkeit des Tragesystems<br />
zu achten. Ortovox hat bei<br />
allen Modellen einen höhenverstellbaren<br />
Brustgurt, um einen optimalen<br />
Sitz zu gewährleisten. Der Hüftgurt<br />
ist bei Modellen für den Klettereinsatz<br />
abnehmbar, damit der Rucksack<br />
auch mit Klettergurt noch gut sitzt.<br />
Den Hüftgurt sollte man generell keinesfalls<br />
unterschätzen. Schließlich<br />
soll die Hauptlast auf den Hüfte liegen<br />
und nicht auf den Schultern. Nur<br />
dann macht Wandern und Bergsteigen<br />
auch richtig Spaß – weil eben die<br />
Last am Rücken weniger zu spüren ist.<br />
Ebenfalls entscheidend für den<br />
Komfort ist die Rückenlänge und der<br />
Schnitt der Träger. Ortovox bietet von<br />
fast allen Rucksäcken S-Modelle an,<br />
die einen kürzeren Rücken haben und<br />
damit für Damen und kleinere Herren<br />
besser geeignet sind. „Außerdem haben<br />
die Schulterträger der S-Modelle<br />
eine stärker ausgeprägte S-Form, um<br />
sich optimal an die weibliche Anatomie<br />
anzupassen“, sagt Kacner. „Auch<br />
der Hüftgurt ist kürzer und im Winkel<br />
etwas weiter aufgestellt, um auf<br />
der Damenhüfte den optimalen Sitz<br />
zu finden.“<br />
Der Experte<br />
MARKUS KACNER ist Junior-<br />
Produktmanager Backpacks beim<br />
Bergsport-Spezialisten Ortovox.<br />
KONTAKT: www.ortovox.com<br />
Darauf solltest du<br />
beim Kauf achten<br />
WIE FINDET MAN DAS MODELL,<br />
DAS ZU SEINEM KÖRPER PASST?<br />
• Beim Kauf den Rucksack im<br />
Geschäft realistisch beladen lassen.<br />
Wanderrucksäcke mit fünf, Tourenpacks<br />
mit rund zwölf Kilogramm.<br />
• Alle Träger weit stellen und den<br />
Rucksack umhängen.<br />
• Danach zuerst den Hüftgurt festziehen,<br />
denn er soll die Hauptlast tragen.<br />
Es folgen Schulter- und Brustgurte.<br />
• Der Ansatz der Schulterträger sollte<br />
zwischen den Schulterblättern liegen.<br />
Liegt er zu hoch, ist die Rückenlänge zu<br />
lang, liegt er zu tief, ist sie zu kurz.<br />
• Nun länger – im Idealfall eine halbe<br />
Stunde – mit dem Rucksack am Rücken<br />
durchs Geschäft marschieren. Erst dann<br />
kannst du ein profundes Urteil darüber<br />
abgeben, ob du und der Rucksack zusammenpassen.<br />
So packst du richtig<br />
Der Schwerpunkt des Rucksacks<br />
sollte dicht am Körper liegen. Im<br />
leichten Gelände packt man den<br />
Lastenschwerpunkt höher, im<br />
schwierigen Gelände etwas tiefer.<br />
• Leichte Gepäckteile wie<br />
Daunenjacken oder ein Schlafsack<br />
kommen ins Bodenfach.<br />
• Mittelschweres wie Ersatzkleidung<br />
kommt nach oben außen.<br />
• Alle schweren Sachen kommen nach<br />
oben in Schulterhöhe, möglichst nahe<br />
an den Rücken.<br />
• Kleinzeug wie Schlüssel, Handy,<br />
Geld oder Wanderkarten werden im<br />
Deckelfach verstaut. Dort sind sie<br />
schnell greifbar.<br />
• Die Trinkflasche kommt wie<br />
Energieriegel oder Handschuhe in die<br />
seitlichen Fächer.<br />
FOTOS: Ortovox<br />
58<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
ENTDECKUNGSREISE ZWISCHEN<br />
WALDBODEN UND BAUMWIPFELN<br />
Im Stubai wartet ein neuer Baumhausweg mit jeder Menge Überraschungen. Das ideale<br />
Terrain, um mit Kindern gemeinsam auf Entdeckungsreise in der Natur zu gehen.<br />
FOTOS: TVB Stubai Tirol/Andre Schönherr, Loewenzahm, naturidea<br />
Fünf fantasievoll gestaltete Baumhäuser<br />
laden im Wanderzentrum<br />
„Schlick 2000“ ab diesem Sommer<br />
zum Spielen, Klettern und Entdecken<br />
ein. Der neue, etwa einstündige<br />
Wanderweg startet bei der Mittelstation<br />
der Kreuzjochbahn und führt zum<br />
Alpengasthof Vergör. Er ist die ideale<br />
Motivation, um mit Kindern auf Entdeckungsreise<br />
in die Natur zu gehen.<br />
Hier stellt sich auch Bardin als kundiger<br />
Waldbewohner vor. Der Zwerg<br />
lebt seit einer Ewigkeit im Stubaital<br />
und begleitet die Besucher auf ihrem<br />
Weg durch Wald und Wipfel. Dabei<br />
gewährt er spannende Einblicke in<br />
die Geschichte der Region und die<br />
Kraft des Waldes.<br />
WIE EIN ZWERG WOHNT<br />
Jedes Baumhaus stellt einen anderen<br />
Bereich von Bardins Zwergenreich dar.<br />
Am Anfang steht der Zwergenspielplatz,<br />
wo sich die Kids bei Seilrutsche,<br />
Hängebrücke und Netzröhrentunnel<br />
im Klettern und Kriechen üben können.<br />
Als nächstes folgt die Zwergenschatzkammer,<br />
wo Schätze wie<br />
Amethyst, Bergkristall und Katzengold<br />
bunt in der Sonne glitzern.<br />
Weiter geht es in die Zwergenküche,<br />
die Beförderungsmöglichkeiten<br />
bietet, um die Früchte des Waldes vom<br />
Boden sicher in die Speisekammer zu<br />
transportieren. Wahlweise über Rutsche,<br />
Kletterstange oder Leiter geht es<br />
schließlich wieder nach unten. Wenn<br />
Bardin müde ist, zieht er sich in sein<br />
Schlafzimmer, das als freischwingendes<br />
Baumelhaus konstruiert worden<br />
ist, zurück. Zu guter Letzt entführt die<br />
Reise in die Zwergenwerkstatt, deren<br />
wabenartige Konstruktion sich um<br />
einen Baumstamm schlängelt. Mit einem<br />
Astmikado und Holzbauklötzen<br />
können dort dann auch eigene Bauwerke<br />
geschaffen werden.<br />
HINAUF ZUM GLETSCHER<br />
Der neue Baumhausweg stellt insgesamt<br />
eine weitere tolle Bereicherung<br />
des ohnehin schon umfassenden<br />
Wanderwegenetzes im Stubaital dar<br />
und erweitert das Familienangebot<br />
im Sinne einer Naturerlebniswelt Stubai.<br />
Ein riesiger „Spielplatz der Natur“<br />
für Outdoorsportler ist gleichzeitig<br />
das gesamte Stubaital: Die Stubaier<br />
Alpen zeichnen sich durch ihre wilde<br />
und unberührte Hochgebirgslandschaft<br />
aus. Unzählige abwechslungsreiche<br />
Wandererlebnisse lassen sich<br />
hier sammeln – etwa am Gletscherpfad<br />
oder dem WildeWasserWeg sowie<br />
bei einzigartigen Naturschauplätzen.<br />
Kontakt:<br />
TOURISMUSVERBAND STUBAI TIROL<br />
Stubaitalhaus, Dorf 3<br />
A-6167 Neustift im Stubaital<br />
Tel.: 0 50 1881-0<br />
E-Mail: info@stubai.at<br />
www.stubai.at<br />
59
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER: 10 RUCKSÄCKE FÜR<br />
20 bis 30 Liter Volumen sind ideal für Unternehmungen, an denen am gleichen Tag wieder ins Tal abgestiegen wird.<br />
ARCTERYX<br />
BRIZE 25<br />
Ein funktionaler Wanderrucksack, der<br />
sich auch für Reisen und den alltäglichen<br />
Gebrauch eignet. Das Hauptfach<br />
ist über das obere Reißverschlusspaneel<br />
leicht zugänglich, in den Seitentaschen<br />
lassen sich Flaschen oder energiereiche<br />
Snacks verstauen und ein Deckelfach<br />
bietet Platz für leichte Utensilien.<br />
In die Innentasche passen Stirnlampe,<br />
Ausweis oder wichtige Kleinutensilien.<br />
Das ergonomische, thermogeformte Aeroform-Rückenpaneel<br />
sorgt für eine<br />
optimale Luftzirkulation.<br />
PREIS (UVP): € 140,–<br />
WEB: www.arcteryx.com<br />
LOWE ALPIN<br />
AIRZONE TRAIL 25<br />
Mit ihrem großmaschigen Mesh<br />
am Netzrücken präsentiert sich<br />
die AirZone-Linie von Lowe Alpin<br />
perfekt belüftet. Die Trail-Serie<br />
passt für Tagestouren und überzeugt<br />
auch mit klarer Optik und<br />
durchdachten Details. Das robuste<br />
210D-Ripstop-Material mit Hydro-<br />
Shield-Imprägnierung trotzt auch<br />
gelegentlichem Felskontakt.<br />
PREIS (UVP): € 99,95<br />
WEB: www.lowealpine.com<br />
ORTLIEB<br />
PACKMAN PRO2<br />
Dieser Ortlieb-Rucksack ist ein wasserdichter<br />
Daypack mit Rollverschluss<br />
und atmungsaktivem Rückentragesystem,<br />
Brustgurt und Hüftgurt. Er besteht<br />
aus PU-beschichtetem Nylongewebe,<br />
verfügt über ein organisiertes Inneres,<br />
eine Helmhalterung, einen Durchlass<br />
für einen optionalen Trinkschlauch und<br />
ist mit Reflektoren ausgestattet.<br />
PREIS (UVP): € 124,99<br />
WEB: www.ortlieb.com<br />
DEUTER<br />
FUTURA 26<br />
Ein Toploader mit mächtig Rückenwind<br />
ist der Futura 26. Das Aircomfort-FlexLite-System<br />
besteht aus einer flexiblen<br />
2-Rahmen-Konstruktion und bietet effektive<br />
Belüftung nach drei Seiten. Die<br />
leichten Rucksäcke sind perfekt für längere<br />
Tageswanderungen, aber auch<br />
mehrtägige Bergtouren oder lange<br />
Klettersteige.<br />
PREIS (UVP): € 130,–<br />
WEB: www.deuter.com<br />
ORTOVOX<br />
TRAVERSE 20<br />
Die ergonomisch geformten Schulterträger<br />
und der breite Hüftgurt sorgen<br />
für eine ausgewogene Gewichtsverteilung.<br />
Den Ortovox-Rucksack zeichnet<br />
außerdem das Rückensystem „Comfort<br />
Contact“ aus: Dessen Kontakt-Pads sorgen<br />
für eine permanente Luftzirkulation<br />
und ein angenehmes Tragegefühl bei<br />
bewegungsintensiven Aktivitäten.<br />
PREIS (UVP): € 99,95<br />
WEB: www.ortovox.com<br />
FOTOS: Hersteller<br />
60<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
EINTÄGIGE TOUREN<br />
OSPREY<br />
TALON 22<br />
Der Wanderrucksack ist sehr vielseitig<br />
einsetzbar und extraleicht. Das innovative<br />
Design der neuen AirScape-<br />
Rückenplatte besteht aus mit Mesh<br />
überzogenem Schaum. Ein sehr atmungsaktives,<br />
nahtloses Mesh-Tragesystem<br />
sorgt für Ventilation und<br />
einen sehr hohen Tragekomfort. Es verteilt<br />
das Gewicht gleichmäßig auf den<br />
Hüften und sorgt dafür, dass die Last<br />
nah am Körper liegt.<br />
PREIS (UVP): € 120,–<br />
WEB: www.ospreyeurope.com<br />
STUBAI BERGSPORT<br />
THIRTY 30L<br />
Der Stubai Thirty ist ein Skitourenrucksack,<br />
der von Bergsportlern das ganze<br />
Jahr über gern verwendet wird und mit<br />
seinem schmalen Schnitt beim Klettern<br />
und auf Klettersteigen sogar in seinem<br />
Element ist. Der leichte Rucksack fasst<br />
30 Liter Gepäck und lässt in Sachen Design<br />
und Funktion keine Wünsche offen.<br />
PREIS (UVP): € 139,99<br />
WEB: www.stubai-sports.com<br />
SALOMON<br />
EVASION 25<br />
Der Salomon Evasion 25 ist ein stabiler,<br />
bequemer Rucksack mit einem<br />
praktischen Stockhalterungssystem<br />
und sorgfältig geplanten<br />
Accessoires. Damit du deine Tageswanderung<br />
noch besser genießen<br />
kannst!<br />
PREIS (UVP): € 90,–<br />
WEB: www.salomon.com<br />
SALEWA<br />
APEX 22<br />
Das Contact-Fit-Tragesystem stellt sicher,<br />
dass der Rucksack eng am Rücken<br />
anliegt, während Kontrollriemen die<br />
Last verteilen. Die anatomisch geformten<br />
Rückenpolster und die gepolsterten<br />
Schultergurte sichern ein angenehmes<br />
Tragegefühl. Zum Klettern lässt sich das<br />
stabilisierende ISB-Board abnehmen,<br />
dazu verfügt der Apex 22 über eine<br />
Halterung für Eispickel und Stöcke.<br />
PREIS (UVP): € 99,–<br />
WEB: www.salewa.at<br />
TATONKA<br />
VENTO 2<br />
Ein robuster und strapazierfähiger<br />
Wanderbegleiter ist der Vento 2. Mit<br />
seinem belüfteten Tragesystem, 25 Liter<br />
Packvolumen und der umfangreichen<br />
Ausstattung eignet sich dieser Wanderrucksack<br />
ideal für anspruchsvolle Tageswanderungen.<br />
Für Ausrüstung und<br />
Verpflegung stehen das Hauptfach, ein<br />
Deckelfach, eine Front- und zwei Seitentaschen<br />
zur Verfügung.<br />
PREIS (UVP): € 120,–<br />
WEB: www.tatonka.com<br />
61
OUTDOORGUIDE<br />
Alpinistin aus<br />
Leidenschaft<br />
SEIT MEHR ALS 10 JAHREN<br />
steht Lisi Steurer im männerdominierten<br />
Berufsfeld des<br />
Berg- & Skiführers erfolgreich<br />
ihre „Frau“. Was gute Bergführer<br />
ausmacht, wie sie sich<br />
im alpinen Gelände Respekt<br />
verschafft und wo sie die aktuellen<br />
Probleme ihres besonderen<br />
Berufsstandes sieht, das<br />
erzählte sie uns im Interview.<br />
FOTOS: xxx<br />
TEXT: Claudia Riedl<br />
62<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
FOTOS: Elisabeth Steurer<br />
Lisi, lass uns zu Beginn einen kurzen<br />
Blick auf deinen Werdegang werfen.<br />
Welchen Beruf hast du vor deiner<br />
Bergführerkarriere ausgeübt?<br />
Ich arbeite jetzt seit knapp 15 Jahren<br />
als Berg- und Skiführerin, und das<br />
immer noch mit großer Leidenschaft.<br />
Die Entscheidung, Bergführerin zu<br />
werden, kam bei mir gleich nach der<br />
Matura. Ich habe danach viele verschiedene<br />
Ferialjobs angenommen<br />
und unter anderem als Reinigungskraft,<br />
Sekretärin und Museumsangestellte<br />
gearbeitet. So habe ich meine<br />
Ausbildung zur Berg- und Skiführerin<br />
finanziert.<br />
Wie kam es überhaupt zu der<br />
Idee, die Ausbildung zu machen?<br />
Es waren meine damaligen Kletterkollegen<br />
und Freunde, die mich inspiriert<br />
haben, diesen Beruf zu ergreifen.<br />
Einige davon waren schon als<br />
Bergführer aktiv. Motiviert habe ich<br />
mich letztendlich wohl selber – vor allem,<br />
weil ich beim ersten Anlauf der<br />
Aufnahmeprüfung durchgefallen bin<br />
und somit zwangsläufig noch ein Jahr<br />
Zeit hatte, zu hinterfragen, ob ich das<br />
auch wirklich will. Die Antwort war<br />
aber eindeutig: „Ja“!<br />
Und wie hat dein Umfeld auf deine<br />
Berufswahl reagiert?<br />
Meine Eltern waren zu Beginn alles<br />
andere als begeistert. Sie hätten<br />
mich wohl lieber in einem „sicheren“<br />
Beruf gesehen. Jetzt verstehe ich das<br />
auch besser (lacht).<br />
„Bergführer“ klingt tatsächlich nach<br />
einem riskanten Beruf. Wie gehst du<br />
mit den Themen Sicherheit und Risiko<br />
beim Bergsteigen um?<br />
Risiken sind natürlich ein Teil<br />
meines Berufs – und ich versuche<br />
auch, mich aktiv damit auseinanderzusetzen.<br />
Dazu zählen eine perfekte<br />
Vorbereitung, entsprechendes Training,<br />
aber auch das Miteinbeziehen<br />
äußerer Faktoren wie des Wetters am<br />
Berg. Besonders wichtig ist für mich<br />
auch der Faktor Mensch. Bevor ich mit<br />
meinen Gästen „etwas Großes“ klettere,<br />
gibt es einige Vorbereitungstouren<br />
und Vorgespräche und es werden Trainingsmöglichkeiten<br />
besprochen.<br />
Was ist das für ein Gefühl, wenn man<br />
den Gipfel erreicht hat?<br />
Ist man nach der intensiven Vorbereitung<br />
am Ziel angekommen, ist<br />
das natürlich ein tolles Gefühl. Dann<br />
Die Bergführerin<br />
ELISABETH STEURER, MA (38)<br />
aus Lienz ist staatlich geprüfte<br />
Berg- & Skiführerin und begleitet<br />
ihre Kunden seit 15 Jahren<br />
mit Umsicht in alpines Gelände.<br />
Die Berge bedeuten für die Osttirolerin<br />
„Inspiration und Reduktion<br />
auf das Wesentliche“. Seit<br />
2015 ist Lisi auch als Ausbildnerin<br />
im Verband der österr. Bergführerausbildung<br />
tätig.<br />
TEL.: 0664/516 58 35<br />
E-MAIL: info@bergstatt.at<br />
WEB: www.lisisteurer.at<br />
weiß man, dass sich der ganze Planungsaufwand<br />
gelohnt hat. Auf Tour<br />
kann es aber auch passieren, dass dich<br />
bestimmte Umstände zur Umkehr<br />
zwingen. Dann ist es meine Aufgabe,<br />
zu sagen: „Heute geht’s nicht!“<br />
Der Gipfel ist also das Ziel, aber nicht<br />
um jeden Preis?<br />
Ganz genau.<br />
Mit einem Frauenanteil von 1 Prozent<br />
ist der Beruf des Berg- und Skiführers<br />
in Österreich ganz klar eine Männerdomäne.<br />
Hat man es als Frau schwerer,<br />
sich am Berg Respekt zu verschaffen?<br />
Ich bin der Meinung, dass man<br />
sich sowohl als Mann als auch als Frau<br />
ohne laute Worte und heroische Ausdrucksweise<br />
Respekt verschaffen<br />
kann und soll. Ich bin bisher jedenfalls<br />
mit meinen Stammgästen und<br />
auch in der Bergführerausbildung<br />
ohne „Respektverschaffungsstrategien“<br />
ausgekommen ...<br />
Das heißt, du wurdest als Frau bei der<br />
Ausbildung nicht anders behandelt als<br />
die männlichen Kursteilnehmer?<br />
Nachdem man in der Ausbildung<br />
und generell in den Alpen nur sehr<br />
wenige Frauen antrifft, ist man als<br />
Dame im Bergführer-Metier an sich<br />
schon eine Ausnahmeerscheinung.<br />
Deshalb bin ich während meines Kurses<br />
aber nicht schlechter behandelt<br />
worden als meine männlichen Kollegen.<br />
‚Extrawürste‘ gab’s für mich aber<br />
auch keine. Ich musste dasselbe leisten<br />
wie alle anderen auch.<br />
Apropos Leistung: Glaubst du, dass<br />
Bergführerinnen ihren männlichen Kollegen<br />
in bestimmten Bereichen überlegen<br />
oder unterlegen sind?<br />
Ganz ehrlich, ich glaube, dass wir<br />
den Männern grundsätzlich nicht unter-<br />
oder überlegen sind, und stehe<br />
auch für die Gleichstellung beider Geschlechter.<br />
Im körperlichen Umkehrschluss<br />
heißt das aber auch, dass wir<br />
Frauen im Bergführerberuf dasselbe<br />
leisten müssen wie die Männer. Und<br />
nachdem wir in der Regel kleiner und<br />
leichter sind, können gewisse Aufgaben<br />
wie das Tragen von sehr schweren<br />
Rucksäcken körperlich sicher zur Herausforderung<br />
werden.<br />
Wie sieht es in puncto Einfühlungsvermögen<br />
aus? Haben da Frauen<br />
Vorteile?<br />
Auf der Soft-Skills-Ebene ist das<br />
weibliche Geschlecht wahrscheinlich<br />
wirklich im Vorteil. Die Psychologie<br />
stuft manche Frauen jedenfalls als<br />
sensibler ein.<br />
Dann gleichen sich die Fähigkeiten<br />
von Mann und Frau also wieder aus?<br />
So ist es. Und hey, wenn man etwas<br />
wirklich will, dann ist auch vieles<br />
möglich.<br />
Das heißt also, mit viel Disziplin und<br />
der entsprechenden körperlichen Voraussetzung<br />
kann jede Frau zur Alpinistin<br />
werden. Warum gibt es dann noch<br />
immer so wenige Bergführerinnen?<br />
Vielleicht gibt es weniger Frauen<br />
in dem Beruf, weil Führungskompetenz<br />
und Durchsetzungsvermögen<br />
noch immer keine „typisch“ weiblichen<br />
Charaktereigenschaften sind.<br />
Generell ist die Frauenquote in diversen<br />
Spitzenpositionen – sei es in der<br />
Wirtschaft oder in der Politik – immer<br />
noch niedrig. Ich glaube aber, dass<br />
sich diesbezüglich in den nächsten<br />
Jahren einiges verändern wird.<br />
Stichwort „Veränderung“. Seit der<br />
Gründung des Bergführerverbandes<br />
hat sich im Umfeld dieses Berufsstandes<br />
viel getan. Wenn du für deine Berufsgruppe<br />
eintreten musst – wo ortest<br />
du aktuelle Probleme?<br />
Meiner Meinung nach ist der aktuelle<br />
Brutto-Tagessatz eines Berg-<br />
63
INTERVIEW<br />
und Skiführers in Österreich von 320<br />
Euro zu niedrig angesetzt. In der<br />
Schweiz zum Beispiel beträgt er 699<br />
Euro. Bei unserer Tätigkeit handelt es<br />
sich ja größtenteils um eine saisonale<br />
Arbeit. Wer davon hauptberuflich<br />
(über)leben muss, sollte sich möglichst<br />
nicht verletzen. Ein Sommer<br />
mit viel Sonnenschein und ein Winter<br />
mit viel Schnee und Eis wären<br />
auch nicht schlecht ...<br />
Wenn also mal etwas nicht nach Plan<br />
läuft, kann man schnell in eine finanzielle<br />
Notlage geraten?<br />
Ja, leider. Viele Bergführer entscheiden<br />
sich daher für eine nebenberufliche<br />
Lösung und müssen dann<br />
zwei Jobs handeln. Das empfinde ich<br />
zum einen für den Menschen und dessen<br />
Familienleben und zum anderen<br />
Nachtschicht:<br />
Bei der Bergführerausbildung<br />
müssen<br />
die Kandidaten<br />
auch im Dunkeln<br />
ausrücken.<br />
auch langfristig für die Qualität des<br />
Berufsstandes als kontraproduktiv.<br />
Gibt es eigentlich noch Leute, die<br />
minder ausgebildete „Schwarzführer“<br />
statt einem Profi-Bergführer<br />
engagieren?<br />
Hier ist eindeutig ein Umdenken<br />
zu erkennen. Immer mehr Menschen<br />
lassen sich gerne von einem Profi in<br />
die Berge führen – das hat sicher auch<br />
mit einem gesteigerten Sicherheitsbewusstsein<br />
zu tun. Obwohl es den Begriff<br />
„Sicherheit“ beim Bergsteigen eigentlich<br />
ja gar nicht gibt, aber das ist<br />
wieder eine andere Geschichte …<br />
Was macht einen guten Berg- und Skiführer<br />
deiner Meinung nach aus?<br />
Ein guter Berg- und Skiführer<br />
sollte ein alpiner Allrounder mit Führungskompetenz<br />
und Entscheidungsstärke<br />
sein. Durch die hauptberufliche<br />
Ausübung der Tätigkeit gewinnt<br />
man dann viel an Erfahrung und sozialen<br />
Fähigkeiten dazu.<br />
Wie sieht eigentlich das Anforderungsprofil<br />
laut Bergführerverband<br />
aus?<br />
Das Ausbildungsteam fordert bereits<br />
ein relativ hohes bergsteigerisches<br />
Niveau der Kandidaten bei der<br />
jährlichen Aufnahmeprüfung. Die<br />
Ausbildung dient dann definitiv nicht<br />
mehr der Verbesserung des Eigenkönnens<br />
im Bergsteigen, Klettern und<br />
Skifahren – sondern wir arbeiten in<br />
relativ anspruchsvollen Touren an<br />
den Führungskompetenzen. Zu diesen<br />
zählen neben den technischen Aspekten<br />
wie den Sicherungstechniken<br />
eben auch die Soft Skills.<br />
Wenden wir uns noch den schönen<br />
Seiten des Bergführerberufs zu. Gibt<br />
es ein Tourerlebnis, das dir besonders<br />
in Erinnerung geblieben ist?<br />
Es ist immer schön, wenn ich ein<br />
Ziel, an dem ich länger arbeite, zusammen<br />
mit einem Stammgast erreiche.<br />
Das habe ich etwa im „Steiner Weg“<br />
V+ in der Dachstein-Südwand erlebt.<br />
Mein Gast, anfangs ein Kletternovize,<br />
hat es sich zum Ziel gesetzt, durch die<br />
Südwand bis zum Gipfel des Hohen<br />
Dachsteins aufzusteigen. Innerhalb<br />
von zwei Jahren hat er es geschafft.<br />
Zum Schluss noch ein Rat für den<br />
alpinen Nachwuchs?<br />
Climb more, post less! Zu<br />
Deutsch: Mehr klettern, weniger<br />
quatschen!<br />
SO WIRD MAN BERG- UND SKIFÜHRER IN ÖSTERREICH<br />
Für Interessierte: Das sind die wichtigsten Infos rund um Ausbildung, Anforderungen und Kosten.<br />
DIE AUSBILDUNG ist zentral organisiert<br />
und obliegt dem Verband der Österr.<br />
Berg- und Skiführer, der die Ausbildung<br />
mit der Bundessportakademie Innsbruck<br />
(BSPA) durchführt. Diese staatlich anerkannte<br />
Ausbildung ist die einzige Möglichkeit<br />
in Österreich, die Ausbildung<br />
zum international legitimierten „IVBV“<br />
(= internat. Vereinigung der Bergführerverbände)-Bergführer<br />
zu machen.<br />
ANFORDERUNGEN: Die Ausbildung umfasst<br />
die ganze Palette des alpinen Bergsteigens<br />
in Theorie und Praxis. Dazu zählen<br />
Fels- und Sportklettern, Skitechnik, Eisfallklettern,<br />
Skihochtouren, Hochtouren, Freeriden<br />
und Ski-Durchquerung.<br />
EINE EIGNUNGSPRÜFUNG ist vor der eigentlichen<br />
Ausbildung abzulegen. Die<br />
Anmeldung dafür erfolgt beim Verband<br />
der Österr. Berg- und Skiführer und ist<br />
unter folgenden Voraussetzungen möglich:<br />
• Vollendung des 18. Lebensjahres<br />
• sportmedizinische Bestätigung über<br />
den Gesundheits- und Konditionszustand<br />
des Bewerbers<br />
• Beilage eines Tourenberichts<br />
Die Eignungsprüfung besteht aus zwei<br />
Teilen: Winter und Sommer. Im Winter jedes<br />
Jahres findet der erste Prüfungsteil<br />
im Bereich Skifahren, danach die Prüfungen<br />
Steileis und Eis leicht statt. Ist<br />
der erste Teil positiv absolviert, darf<br />
man im Mai zur Eignungsprüfung im<br />
Felsbereich antreten. Nach erfolgreicher<br />
Besprechung des Tourenberichts<br />
kann mit der Ausbildung begonnen werden.<br />
KOSTEN: Pro Prüfungsteil ist eine pauschale<br />
Aufwandsentschädigung von<br />
€ 130,– zu bezahlen. Für den ersten<br />
Ausbildungsteil fallen Kosten von ca.<br />
€ 5.500,– an. Für die anschließende<br />
staatliche Berg- und Skiführerausbildung<br />
an der BSPA Innsbruck sind keine<br />
weiteren Ausbildungskosten mehr zu bezahlen.<br />
MEHR INFOS: www.bergfuehrer.at<br />
FOTO: Elisabeth Steurer<br />
64<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
TIROL<br />
BERGWELTEN VOLLER GEGENSÄTZE<br />
Von sanften Wiesen des Tuxertales bis hin zum ewigen Eis des Hintertuxer Gletschers<br />
erstreckt sich die schöne Tiroler Ferienregion Tux-Finkenberg.<br />
FOTOS: Tourismusverband Tux-Finkenberg<br />
Das Tuxertal, ein Seitental des<br />
Zillertals, gilt als eines der<br />
schönsten Tiroler Alpenhochtäler.<br />
Gesunde Höhenluft, frisches<br />
Quellwasser, sattgrüne Almwiesen –<br />
das sind hier die Zutaten für einen<br />
unvergesslichen Bergsommer! Die 350<br />
Kilometer Wege der Region sind<br />
ideal zum Wandern. 120 Kilometer<br />
MTB-Routen ergänzen das Wegenetz.<br />
Der Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler<br />
Alpen wurde im letzten Jahr<br />
erst erweitert und erstreckt sich nun<br />
von der Reichenspitzgruppe im Osten<br />
bis zum Tuxer Hauptkamm mit dem<br />
Olperer im Westen; von Mayrhofen im<br />
Norden bis zum Alpenhauptkamm im<br />
Süden. Diese einzigartige, schützenswerte<br />
Welt können Wanderer täglich<br />
bei bis zu drei unterschiedlichen Themenwanderungen<br />
entdecken. Für Erholungssuchende<br />
besteht die Möglichkeit,<br />
mit einer der Sommerbahnen,<br />
den Wandertaxis und dem kostenlosen<br />
Wanderbus dem Gipfelglück ein<br />
Stück entgegenzukommen. Seit Sommer<br />
2016 sind zudem die TUX-Welten<br />
geöffnet. Dahinter verbergen sich unterschiedliche,<br />
faszinierende Themenwege:<br />
die Schluchtwelt, Natur- und<br />
Tierwelt, Pflanzenwelt und Wasserwelt;<br />
weiters die Gletscherflohsafari<br />
und die Gletscherwelt.<br />
SKIFAHREN IM SOMMER<br />
Womit auch schon das Stichwort gefallen<br />
ist: Am Hintertuxer Gletscher, Österreichs<br />
einzigem Ganzjahres-Skigebiet,<br />
können Sonnenskifahrer und<br />
-Snowboarder auch in der wärmsten<br />
Zeit des Jahres auf bis zu 18 Kilometern<br />
präparierten Pisten voll abfahren. Die<br />
Panoramaterrasse hier heroben bietet<br />
Traumausblicke und ist sogar barrierefrei<br />
zu erreichen.<br />
In Tux-Finkenberg vergeht im<br />
Sommer außerdem kaum ein Wochenende<br />
ohne Fest: Vom Bergfeuer<br />
(17. Juni) zur Sommer-Sonnenwende<br />
bis zum Hintertuxer Oktoberfest mit<br />
Almabtrieb von der Bichlalm (29. bis<br />
30. September) können Gäste und<br />
Gastgeber den Eventsommer gemeinsam<br />
in vollen Zügen genießen.<br />
Angebots-Tipp:<br />
Sommer ist Bergerlebnis in<br />
Tux-Finkenberg<br />
Inkludiert sind: 7 Nächte, 6 Tage Zillertal<br />
Activcard (inkl. aller Bergbahnen<br />
in Tux und im Zillertal, Finkenberg-Hintertux-Shuttle,<br />
freier Eintritt in alle Freibäder<br />
im Zillertal ...)<br />
PREISBEISPIELE:<br />
ab € 549,– p. P. (****Hotel mit HP)<br />
ab € 439,– p. P. (***Hotel mit HP)<br />
ab € 249,– p. P. (Pension mit Frühstück)<br />
ab € 219,– p. P. (Appartement)<br />
SOMMERJOURNAL, INFOS & ZIMMER:<br />
Tourismusverband Tux-Finkenberg<br />
Tel.: +43/52 87/85 06<br />
E-Mail: info@tux.at<br />
www.tux.at<br />
65
OSTTIROL, DACHSTEIN & <strong>SPORTaktiv</strong> LADEN EIN INS:<br />
DAS<br />
ANGEBOT:<br />
3 Übernachtungen, geführte<br />
Großglockner-Tour<br />
plus 1 Paar „Dachstein<br />
Grimming EV“-Bergschuhe<br />
(Wert: € 249,95) ab<br />
€ 549,–<br />
Wandercamp im<br />
Nationalpark Hohe Tauern<br />
Termin: 5. bis 8. Oktober <strong>2017</strong><br />
IM PREIS INKLUDIERT SIND:<br />
• 2 Nächte mit Halbpension im Vital- und Wanderhotel<br />
Taurerwirt in Kals am Großglockner<br />
• 1 Nacht mit Halbpension auf der Erzherzog-<br />
Johann-Hütte bzw. Stüdlhütte<br />
• Nationalpark-Rangertour zur Stüdlhütte<br />
• Glocknerbesteigung mit Kalser Bergführern<br />
wahlweise über Normalweg oder Stüdlgrat<br />
• Urkunde für jeden Campteilnehmer<br />
• Vortrag Mythos Großglockner<br />
• 1 Paar Bergschuhe von Dachstein im Wert von<br />
€ 249,95 sowie weitere Zugaben (siehe unten)<br />
DIE UNTERKUNFT:<br />
Wir sind im 4-Sterne-Vital- und Wanderhotel Taurerwirt in<br />
Kals am Großglockner (Osttirol) untergebracht. Das Hotel<br />
liegt mitten im Nationalpark Hohe Tauern und bietet seinen<br />
Gästen auch eine großzügige Wellness- & Spa-Anlage.<br />
DIE PREISE FÜR DIESES EXKLUSIVE CAMP:<br />
€ 549,– im DZ p. P. für die Variante Normalweg<br />
€ 649,– im DZ p. P. für die Variante Stüdlgrat<br />
EZ-Zuschlag: jeweils € 50,–<br />
TRAUMZIEL<br />
GLOCKNER<br />
DIE AUSSTATTUNG: DAS BEKOMMT JEDER CAMPTEILNEHMER:<br />
• 1 Paar Grimming EV von Dachstein: Dieser<br />
hochwertige, wasserdichte und atmungsaktive<br />
Bergschuh ist bedingt steigeisenfest. Wert € 249,95!<br />
• <strong>SPORTaktiv</strong>-Camp-Versicherung der NÜRNBERGER<br />
• 1 Dose PANACEO Natur-Medizinprodukt<br />
im Wert von € 39,90<br />
• 1 Pflegepaket von Riviera/Holzhacker<br />
• 1 <strong>SPORTaktiv</strong>-Headband von BUFF®<br />
DAS SIND DEINE GESCHENKE:<br />
Beim <strong>SPORTaktiv</strong>-Wandercamp im Nationalpark<br />
Hohe Tauern geht’s wie schon im Vorjahr auf<br />
Österreichs höchsten Punkt: Vom 5. bis 8. Oktober<br />
haben 20 Leser/-innen wieder die Möglichkeit,<br />
zusammen mit Kalser Bergführern den<br />
Großglockner zu besteigen. Und zum „Eingehen“<br />
wartet eine spannende Nature-Watch-Tour mit<br />
einem Nationalpark-Ranger.<br />
INFORMATION:<br />
OSTTIROL INFORMATION<br />
Tel.: +43/50/212 212<br />
E-Mail: info@osttirol.com<br />
WEB: nationalpark.osttirol.com, www.ostirol.com<br />
BUCHUNG:<br />
VITAL- UND WANDERHOTEL TAURERWIRT<br />
E-Mail: info@taurerwirt.at<br />
Buchungskennwort: <strong>SPORTaktiv</strong> Wandercamp <strong>2017</strong><br />
FOTOS: xxx
FOTOS: Osttirol Werbung<br />
Einmal im Leben sollte man als<br />
sportlicher Österreicher schon<br />
ganz oben gewesen sein, beim<br />
Großglockner-Gipfelkreuz. Das<br />
sahen auch im Vorjahr viele unserer<br />
Leserinnen und Leser so, als wir das<br />
Wandercamp mit der geführten Tour<br />
auf den Glockner erstmalig ausgeschrieben<br />
haben. Es herrschte großes<br />
Interesse an dem limitierten Package<br />
– und alle, die damals nicht zum Zug<br />
kamen, haben jetzt eine neue Chance.<br />
Weil wir uns mitten im Nationalpark<br />
Hohe Tauern befinden, haben<br />
wir heuer noch ein zweites Highlight<br />
eingebaut: Eine Nature Watch Tour<br />
mit einem Nationalpark Ranger. Es<br />
geht auf die Spuren der „Big Five“ der<br />
Hohen Tauern – Steinadler, Steinbock,<br />
Gämse, Bartgeier und Murmeltier.<br />
Der Ranger hat Spektiva und<br />
Ferngläser für die Gäste mit – ein Klasse-Erlebnis<br />
für Gäste und Hobbyfotografen!<br />
SO LÄUFT DAS CAMP AB<br />
Unser „Stützpunkt“ für die Großglockner-Begehung<br />
ist wieder das Vital- und<br />
Wanderhotel Taurerwirt in Kals. Folgendes<br />
Programm erwartet die Teilnehmer<br />
an den Camptagen:<br />
• 5. 10.: Am Anreisetag stehen Einchecken,<br />
ein gemeinsames Abendessen<br />
und der Vortrag „Mythos Großglockner“<br />
auf dem Programm.<br />
• 6. 10.: Es geht auf die Nature-Watch-<br />
Tour. Übernachtet wird auf der Erzherzog-<br />
Johann-Hütte oder der Stüdlhütte.<br />
• 7. 10.: Der Tag der Glocknerbesteigung,<br />
wahlweise über den Normalweg<br />
oder den Stüdlgrat. Zur Voraussetzung:<br />
Der Normalaufstieg ist für gute Berggeher<br />
stressfrei machbar, trotzdem<br />
muss die körperliche Verfassung für<br />
eine Hochtour vorhanden sein. Der<br />
Anstieg über den Stüdlgrat ist mit<br />
Kletterstellen im dritten und vierten<br />
Grat eine echte alpine Herausforderung<br />
und setzt entsprechende Fähigkeiten<br />
voraus!<br />
• 8. 10.: Mit hoffentlich tollen Eindrücken<br />
und einer Urkunde für deine Leistung<br />
im Gepäck wird am letzten<br />
Camptag die Heimreise angetreten.<br />
Alle Details zum Camp und zur<br />
Anmeldung findest du links im Kasten.<br />
Anmeldeschluss ist der 31. Au-<br />
Alle Infos: www.sportaktiv.com
TIROL<br />
FÜNF GUTE GRÜNDE, DIE FÜRS<br />
ZILLERTAL SPRECHEN ...<br />
SCHNEEBALLSCHLACHT<br />
IM SOMMER<br />
WEGE ZUM ENTDECKEN<br />
& GENIESSEN<br />
Leichte Wanderungen führen entlang dem breiten,<br />
sonnigen Talboden durch die wildromantischen<br />
Seitentäler oder über blühende Almwiesen –<br />
anspruchsvolle Touren dagegen bis auf die höchsten<br />
Gipfel. Das Zillertal bietet eine riesige Auswahl<br />
an Routen auf einem über 1.400 Kilometer langen<br />
Wegenetz.<br />
Das einzige Ganzjahresskigebiet Österreichs, der<br />
Hintertuxer Gletscher, bietet nicht nur Skispaß im Sommer<br />
– hier finden sich auch geheimnisvolle Eisgebilde und<br />
glitzernde Eiskristalle. Die sagenumwobene Umgebung<br />
des Natur Eis Palasts auf über 3.000 m Höhe ist eine ganz<br />
eigene funkelnde Welt von einzigartiger Schönheit. Durch<br />
eine konstante Temperatur im Inneren des Palastes ist<br />
dieses Naturjuwel ein Ausflugsziel für jedes Wetter und<br />
jede Jahreszeit.<br />
PURE LUST<br />
AM BIKEN<br />
Ob Mountainbiker, E-Biker, Rennradfahrer oder Familien:<br />
Die Naturkulisse und das bestens ausgebaute Routen- und<br />
Wegenetz des Zillertals lassen Radlerherzen höher schlagen.<br />
Über 1.200 Kilometer ausgebaute Rad- und Bikerouten<br />
laden ein, das unverwechselbare Bergpanorama<br />
des Zillertals vom Sattel aus zu erleben. Freerider erwarten<br />
anspruchsvolle Singletrails und Marathonrider messen<br />
sich jährlich am ersten Juliwochenende bei der Zillertal<br />
Bike Challenge (www.zillertal-bikechallenge.com).<br />
WASSER MARSCH:<br />
RAFTING & CANYONING<br />
Nicht nur in der Ruhe liegt die Kraft, auch Action und<br />
Adrenalinkicks können den perfekten Ausgleich zum<br />
Alltag schaffen. Das Wildwasser des Flusses Ziller und<br />
des Wildgerlosbachs ist perfekt für Nervenkitzel im<br />
Raftingboot. Und die Seitentäler des Zillertals mit ihren<br />
Schluchten, Bächen und Wasserfällen sind der ideale<br />
Spielplatz fürs Canyoning: abseilen, klettern, rutschen,<br />
springen – kurz: Abenteuer pur!<br />
Die ausgezeichneten Hütten in<br />
den Zillertaler Skigebieten sind<br />
hauptsächlich im Winter bei Urlaubern<br />
beliebt, etwa wegen der guten Küche,<br />
den erlesenen Weinen oder ihren<br />
Übernachtugsmöglichkeiten auf<br />
5-Sterne-Niveau. Im Sommer sind sie<br />
ideale Ausgangspunkte für Touren oder<br />
einfach zum Relaxen. Und wer möchte,<br />
kann auch im Sommer die ruhigen<br />
Nächte hier oben, hoch überm Tal,<br />
genießen.<br />
HÜTTEN: IM SOMMER<br />
EIN ECHTER GEHEIMTIPP<br />
MEHR INFOS UNTER:<br />
holiday@zillertal.at<br />
www.zillertal.at<br />
Tel: +43/52 88/87 1 87<br />
FOTOS: xxx<br />
FOTOS: Tourismusverband Zillertal<br />
68<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Pic: Ulrich Grill<br />
Unsere Speed Hiking Ausrüstung nimmt es mit jedem Terrain auf,<br />
das du erobern möchtest. Ob du neue Trails in Angriff nimmst oder<br />
für das härteste Adventure-Rennen der Welt trainierst – unsere<br />
funktionelle und durchdachte Ausrüstung unterstützt dich auf jedem<br />
Schritt zu deinem Ziel.<br />
OFFIZIELLE PARTNER VON SALEWA<br />
salewa.com
OUTDOORGUIDE<br />
TEXT: Oliver Pichler<br />
70<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
UNTERWEGS MIT DEM<br />
RANGER<br />
ES GEHT INS EWIGE EIS, MIT EMANUEL EGGER, DEM<br />
GLETSCHEREXPERTEN. Jeder Nationalpark-Ranger hat<br />
seine besondere Passion. Emanuel, Ranger im Nationalpark<br />
Hohe Tauern, faszinieren Gletscher. Seine Begeisterung,<br />
sein Wissen gibt er weiter. Etwa während der Tour am<br />
Gletscher lehrweg Innergschlöss am Fuß des Großvenedigers<br />
in Osttirol. Wir machen uns mit ihm auf den Weg.<br />
FOTO: Nationalpark Hohe Tauern Tirol/Martin Lugger<br />
Natur-Bulldozer. Beständige<br />
Urgewalt. Beeindruckend.<br />
Mächtig ... – Die Gletscherwelt<br />
rund um den Großvenediger<br />
prägt sich tief in die Erinnerung<br />
ein. Nicht von ungefähr entstand hier<br />
der Gletscherlehrweg Innergschlöss.<br />
Die Tour erlaubt es, intensiv und umfassend<br />
in die faszinierende Welt der<br />
Gletscher einzutauchen.<br />
„Das Gschlösstal bietet viele lehrbuchhafte<br />
Gletscher-Phänomene. Binnen<br />
drei acdsdasdasdasdasdasdasdwir<br />
all das erleben, wofür<br />
bis vier Stunden reiner Gehzeit<br />
können<br />
Gletscher bekannt sind“, erzählt Nationalpark-Ranger<br />
und Gletscherexperte<br />
Emanuel Egger. Er ist es, der Interessierte<br />
einmal in der Woche hinauf ins<br />
„ewige Eis“ begleitet. Von Mitte Juli bis<br />
Mitte September besteht jeden Mittwoch<br />
die Möglichkeit dazu.<br />
START: MATREIER TAUERNHAUS<br />
Ausgangspunkt der Tour „Ins ewige<br />
Eis – Gletscherlehrweg Innergschlöss“<br />
ist das Matreier Tauernhaus (1.512 m)<br />
unterhalb des Südportals des Felbertauerntunnels.<br />
Begleitet von Emanuel<br />
Egger wird das erste Wegstück per<br />
Taxi „abgekürzt“. Die sehr schöne erste<br />
Stunde Gehzeit über Außergschlöss,<br />
vorbei an der berühmten Felsenkapelle<br />
aus dem Jahr 1870, nach Innergschlöss<br />
will der Ranger seinen Gästen<br />
ersparen. Er weiß, es gilt, mit der Kraft<br />
hauszuhalten, um die Tour hinauf<br />
zum Schlatenkees gut bewältigen zu<br />
können.<br />
Beim Venedigerhaus (1.691 m) in<br />
Innergschlöss geht es dann wirklich<br />
los. Hier öffnet sich ein prächtiger<br />
Blick Richtung Gletscherzunge. Und<br />
es wird klar, welch landschaftsgestaltende<br />
Kraft der Gletscher hier in vergangenen<br />
Jahrtausenden entfaltet hat.<br />
Flach, ja gemütlich, startet die Tour –<br />
hinein in den Gschlösstalboden. Der<br />
Talschluss sorgt für den ersten<br />
Wow-Effekt. Die steil aufragenden<br />
Trogwände, die Wasserfälle und mit<br />
etwas Glück Bartgeier und Steinadler<br />
machen klar, dass der innerste Teil des<br />
Nationalparks erreicht ist.<br />
1850ER-MORÄNE & WASSERFALL<br />
Nachdem links – Richtung Gletscherweg<br />
– abgezweigt wurde, ist die<br />
„1850er Moräne“ schnell erreicht. Bis<br />
hierher hat der Gletscher während der<br />
letzten kleinen Eiszeit im Jahr 1850 gereicht.<br />
Nun geht es so richtig bergauf.<br />
Steil. Über Felsstufen. Gut 400 Höhen-<br />
71
NATIONALPARK-TOUREN<br />
Bildtext<br />
Der Nationalpark Hohe<br />
Tauern & seine Ranger<br />
DER NATIONALPARK HOHE TAUERN erstreckt<br />
sich auf 1.856 Quadratkilometern<br />
in Kärnten, Osttirol und Salzburg.<br />
Davon sind etwa 10 Prozent Gletscher.<br />
30 Gemeinden sind Teil des Nationalparks.<br />
Österreichs höchste Gipfel vom<br />
Großglockner bis zum Großvenediger<br />
liegen in der Schutzzone. ebenso 1.200<br />
km Wanderwege, 17 Themenwege und<br />
120 Hütten bzw. Almen.<br />
meter. Ranger Emanuel drosselt das<br />
Tempo, damit nicht nur gegangen<br />
wird, sondern alle Sinne ihre Zeit zum<br />
Wahrnehmen haben.<br />
Unterbrochen wird der Anstieg<br />
gleich zu Beginn durch den zweiten<br />
Wow-Effekt – den tosenden Schlatenbachwasserfall,<br />
der unvermittelt aufragt.<br />
Weitergehen lohnt sich dennoch:<br />
Schon bald – auf gut 2.100 m<br />
Höhe – breitet sich im Bereich Salzboden<br />
eine beeindruckende Moränenlandschaft<br />
aus, in deren Mitte der<br />
Gletscher den tiefblauen Salzbodensee<br />
hinterlassen hat.<br />
DAS „AUGE GOTTES“<br />
Vorbei am See, dauert es nicht lange,<br />
bis das „Auge Gottes“ erreicht ist. So<br />
heißt ein beschaulicher, dreieckiger<br />
Tümpel mit Insel, auf der Wollgras<br />
blüht. Von hier erfolgt die respektvolle<br />
weitere Annäherung an den Gletscher.<br />
„Zuerst sind zwei Moränen zu<br />
überqueren, ehe sich der direkte, freie<br />
Blick auf die Gletscherzunge öffnet.<br />
Land der Nationalparks<br />
ÖSTERREICH VERFÜGT ÜBER<br />
SECHS NATIONALPARKS<br />
• Donau-Auen (seit 1996)<br />
• Gesäuse (seit 2002)<br />
• Hohe Tauern (seit 1981)<br />
• Kalkalpen (seit 1997)<br />
• Neusiedler See-Seewinkel (seit 1993,<br />
gemeinsam mit Ungarn)<br />
• Thayatal (seit 2000)<br />
Alle sechs bieten Nationalpark-Ranger-Programme<br />
an. Ziel ist es stets, interessierte<br />
Besucher kundig, professionell<br />
und erlebnisreich in die Welt des<br />
jeweiligen Nationalparks einzuführen.<br />
www.nationalparksaustria.at<br />
Gleichzeitig sehen wir nach unten,<br />
Richtung Ausgangspunkt der Tour. So<br />
offenbart sich die ganze Länge, die der<br />
Gletscher einmal hatte“, beschreibt<br />
Emanuel Egger die Stimmung.<br />
Weiter führt der Weg über den<br />
Gletscherschliff – das ist kahler, vom<br />
Gletscher modellierter, rötlich-brauner<br />
Fels ohne jede Vegetation. So<br />
könnte es auch am Mond aussehen ...<br />
Der mit 2 Grad eiskalte Gletscherbach<br />
mit seinem milchig-trüben Wasser<br />
schlängelt sich durch den Fels talwärts.<br />
Am Gletschervorfeld des Schlatenkees<br />
geht es hin bis zum Eis, das<br />
türkis-grün-blau schimmert. Es anzufassen<br />
und zu wissen, 500 oder mehr<br />
Jahre alte Materie in der Hand zu haben,<br />
flößt Respekt ein. Immerhin ist<br />
das Schlatenkees Teil der größten zusammenhängenden<br />
Gletscherfläche<br />
der Ostalpen.<br />
GESCHICHTSTRÄCHTIGER STEIG<br />
Es geht noch auf 2.300 m hinauf, zum<br />
höchsten Punkt und dann auf historischen<br />
Spuren, am 150 Jahre alten Prager-Hüttensteig,<br />
talwärts. Dieser Steig<br />
ist es, auf dem die Großvenediger-Erstbesteigungen<br />
über den Ostanstieg von<br />
Innergschlöss aus erfolgten. Nach 600<br />
Höhenmetern teils steilen Abstiegs ist<br />
das Venedigerhaus erreicht. Seine<br />
Sonnenterrasse samt Prachtpanorama<br />
lädt zum Genuss köstlicher Osttiroler<br />
Küchenspezialitäten ein. Der<br />
ideale Ort, um den Abschluss des alpinen<br />
Tages auszukosten.<br />
Was bleibt, ist neues Wissen um<br />
das Phänomen Gletscher. Und die Gewissheit,<br />
das Werk der Gletscher ab<br />
der nächsten alpinen Tour mit viel<br />
kundigeren Augen zu sehen.<br />
30 NATIONALPARK-RANGER gehören<br />
ganzjährig fixangestellt zu den Nationalpark-Teams<br />
in den drei Bundesländern;<br />
weitere 30 sind saisonal tätig. Die<br />
natur- und bergbegeisterten Damen<br />
und Herren durchlaufen eine mehrstufige,<br />
umfassende Ausbildung, ehe sie aktiv<br />
werden können. „Unsere Ranger sind<br />
in erster Linie Naturvermittler und pro<br />
Jahr mit etwa einer Million Menschen<br />
in direktem Kontakt“, erklärt Peter Rupitsch,<br />
Direktor der Nationalparkverwaltung<br />
Kärnten. „Sie sind naturverbundene,<br />
engagierte ‚Typen‘ und mit viel<br />
Begeisterung bei der Sache. Die Ranger<br />
sind es, die die Nationalpark-Idee vermitteln“,<br />
betont Rupitsch.<br />
www.hohetauern.at<br />
Weitere Beispiele<br />
für Ranger-Touren<br />
IM NATIONALPARK HOHE TAUERN:<br />
OSTTIROL: „BIG FIVE–Wildtierbeobachtung<br />
& Fotosafari“ in Kals, „Wasser mit<br />
allen Sinnen erleben“ im Defereggental,<br />
„Wilde Natur – wie schmecken Kräuter<br />
& Beeren aus Wald & Wiese?“ im Virgental,<br />
„Murmeltier-Führungen“ in Lienz<br />
u.v.m.<br />
KÄRNTEN: Wildtierbeobachtungen<br />
„Steinbock – König der Alpen“ oder<br />
„Dem Rotwild auf der Spur“; Geotrail<br />
Tauernfenster & Gletscherweg Pasterze<br />
mit Start in Heiligenblut; wechselnde<br />
besondere Touren, etwa „Moosboden<br />
im Kaponigtal“ in Obervellach.<br />
SALZBURG: Statt geführte Touren zu<br />
begleiten, erwarten die Ranger die Besucher<br />
an fixen bzw. an wechselnden<br />
Treffpunkten in den einzelnen Nationalparktälern<br />
– etwa dem Wildgerlostal,<br />
Krimmler Achental, Sulzbachtäler, Stubachtal,<br />
Raurisertal u.v.m.<br />
RENT A RANGER: In Kärnten, Osttirol<br />
und Salzburg können die Ranger auch<br />
gezielt „gebucht“ werden.<br />
Infos zu Ranger-Programmen im Nationalpark<br />
Hohe Tauern:<br />
www.nationalparkerlebnis.at<br />
FOTOS: Nationalpark Hohe Tauern Tirol/Martin Lugger, Nationalpark Hohe Tauern/Roland Mühlanger<br />
72<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WANDERN ABSEITS<br />
DER MASSEN<br />
Die renommierte Zeitschrift GEO kürte die Urlaubsregion Wipptal<br />
zu einem der zehn Trendreiseziele für <strong>2017</strong>. Das hat seine Gründe.<br />
FOTOS: Tourismusverband Wipptal<br />
Kanada punktet mit grandioser<br />
Natur, Papua-Neuguinea mit exotischer<br />
Kultur, Südkorea mit futuristischer<br />
Architektur. Diese Destinationen<br />
haben eines gemeinsam: Die<br />
Zeitschrift GEOsaison hat sie zu den<br />
Trendreisezielen <strong>2017</strong> gekürt. Ebenfalls<br />
unter den Top Ten: das Tiroler<br />
Wipptal. Hier ist „das Bewusstsein für<br />
den Einklang zwischen Natur und<br />
Mensch noch lebendig“, schreibt die<br />
Geo-Redaktion. Entschleunigung<br />
und Nachhaltigkeit stehen im Vordergrund<br />
– beste Voraussetzungen also<br />
für eine gesunde Auszeit vom Alltag.<br />
Das Wipptal mit seinen fünf Seitentälern<br />
gilt generell als Geheimtipp<br />
unter Wanderern. Wenige Autominuten<br />
südlich von Innsbruck erlebt<br />
man hier den unverfälschten Charakter<br />
der Tiroler Bergwelt: 600 Kilometer<br />
Wanderwege unterschiedlichster<br />
Schwierigkeitsgrade erschließen die<br />
Hochtäler, die ostseitig in den Zillertaler<br />
und westseitig in den Stubaier<br />
Alpen liegen.<br />
VON HÜTTE ZU HÜTTE<br />
Hüttenwanderer kommen im<br />
Gschnitztal voll auf ihre Kosten: In diesem<br />
westlichen Seitental des Wipptales<br />
befinden sich sechs bewirtschaftete<br />
Berghütten, die durch einen teilweise<br />
etwas ausgesetzten Kammwanderweg<br />
miteinander verbunden sind,<br />
aber auch als Tagesziel einzeln vom<br />
Tal aus erwandert werden können. Auf<br />
der Ostseite des Wipptales gibt es einen<br />
weiteren Hüttenrundwanderweg<br />
mit Start im Bergsteigerdorf St. Jodok/<br />
Schmirn/Vals. Die „Peter-Habeler-Runde“,<br />
benannt nach dem Zillertaler Extrembergsteiger,<br />
führt in sechs Tagesetappen<br />
beginnend bei der Geraer Hütte<br />
rund um das Olperer-Gletscher-Massiv.<br />
Ständiger Begleiter bei diesen Touren<br />
ist ein traumhafter Panoramablick.<br />
Für alle Genusswanderer bietet<br />
sich eine Almrundwanderung im Navistal<br />
an. Sechs bewirtschaftete Almen<br />
laden dabei zur urigen Einkehr.<br />
Da bleibt dem Gast nur noch die Qual<br />
der Wahl zwischen zahlreichen typischen<br />
Tiroler Almschmankerln wie<br />
Kaiserschmarrn, Kasspatzln oder<br />
Knödel in allen Variationen.<br />
WEITERE INFOS:<br />
Tourismusverband Wipptal<br />
Brennerstraße 67, 6150 Steinach<br />
Tel.: 0 52 72/62 70<br />
E-Mail: tourismus@wipptal.at<br />
www.wipptal.at<br />
73
OUTDOORGUIDE<br />
Zwischen<br />
BEQUEM<br />
und<br />
EXTREM<br />
KLETTERSTEIG. Der Hype um die Eisenwege ist<br />
ungebrochen. Aber warum ziehen Trittklammern<br />
und Fixseile so viele Leute in den Fels? Wir haben<br />
uns mit dem Klettersteig-Experten Axel Jentzsch-<br />
Rabl auf die Spurensuche gemacht.<br />
FOTOS: Axel Jentzsch-Rabl, Claudia Schmied<br />
74<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Der Trend zum Klettersteig ist<br />
ungebrochen. Jedes Jahr werden<br />
wieder neue Trittklammern<br />
in die Felsen geschlagen<br />
und Stahlseile befestigt. Die Lust<br />
am Steig steigt also weiter – nicht nur<br />
hierzulande. Im gesamten Alpenraum<br />
und sogar in Norddeutschland,<br />
einer Gegend, die man nicht unbedingt<br />
mit hohen Bergen verbindet.<br />
„Dort kauft oder pachtet der Alpenverein<br />
gerade Steinbrüche und baut dann<br />
Klettersteige“, sagt Axel Jentzsch-<br />
Rabl, der Klettersteig-Experte<br />
schlechthin und mit seinem Bruder<br />
Andreas Jentzsch Autor zahlreicher<br />
Fachbücher auf diesem Sektor.<br />
SCHNELLER ERFOLGE<br />
Interessantes hat Axel Jentzsch-Rabl<br />
auch unlängst in Italien entdeckt. Am<br />
Palmsonntag hat er sich wieder einmal<br />
in der Region um den Idrosee, einen<br />
kleineren See westlich des Gardasees<br />
umgesehen. „Dort ist in Casto ein<br />
Park mit 16 Klettersteigen in allen<br />
Schwierigkeitsgraden entstanden“,<br />
erzählt Jentzsch-Rabl. „Das hab ich in<br />
dieser Form im gesamten Alpenraum<br />
noch nirgendwo gesehen.“ Von einem<br />
großen Parkplatz aus gibt es im „Ferrata<br />
Casto“-Park Steige für Kinder, Ungeübte,<br />
Fortgeschrittene und Profis.<br />
Daneben fließt ein Bach und es lockt<br />
einen Badebereich. Und alles ist gratis.<br />
„Am Parkplatz gibt es einen Essensund<br />
Getränkestand, so finanziert sich<br />
der Klettersteigpark“, weiß<br />
Jentzsch-Rabl nach einem Gespräch<br />
mit den Betreibern. Den Bau hat die<br />
Stahlindustrie in Casto unterstützt.<br />
Warum ist das Klettersteiggehen<br />
so in Mode? „Weil du damit in Regionen<br />
vorstößt, in die du als normaler<br />
Wanderer sonst nicht kommst – sondern<br />
nur Kletterer“, glaubt<br />
Jentzsch-Rabl. Er selbst ist den umgekehrten<br />
Weg gegangen. „Anfangs haben<br />
mich als Kletterer die Steige gar<br />
nicht interessiert. Irgendwann haben<br />
wir sie dann zum Abstieg nach Klettertouren<br />
genützt“, sagt der gebürtige<br />
Niederösterreicher, der aufgrund seines<br />
Berufs längst in Tirol zu Hause ist.<br />
„Zum Teil führen Klettersteige sogar<br />
über Routen, die für Kletterer gar<br />
nicht machbar sind – das macht auch<br />
einen Teil der Faszination aus.“<br />
Zur Beliebtheit der Sportart trägt<br />
Der Experte<br />
AXEL JENTZSCH-RABL, 48,<br />
aus Bad Häring (T) ist Autor<br />
und Herausgeber der umfassenden<br />
Klettersteigführer im<br />
heimischen Alpinverlag.<br />
WEB: www.bergsteigen.com<br />
sicherlich auch bei, dass man mit einer<br />
gewissen Grundfitness relativ<br />
rasch Erfolge erzielt. „Die ersten drei<br />
Schwierigkeitsgrade bis C bekommt<br />
man ziemlich schnell hin“, weiß<br />
Jentzsch-Rabl. Da ist keine Klettererfahrung<br />
vonnöten. Darüber hinaus<br />
kommt es darauf an, wie der Steig beschaffen<br />
ist. „Wenn keine Trittklammern<br />
im Steig sind, wird es schwieriger,<br />
da tut man sich mit<br />
Klettererfahrung schon leichter. Umgekehrt<br />
kann es aber auch sein, dass<br />
ein D-Steig für einen leicht Fortgeschrittenen<br />
schon zu gehen ist.“ Das<br />
Zusammenspiel von Action und Sicherheit,<br />
von Anspruch ohne Unüberwindbarkeit<br />
macht für den Experten<br />
insgesamt die Faszination Klettersteig<br />
aus – und ist für ihn der Grund<br />
für den Zustrom an die Felswände.<br />
Wiewohl sich schon immer wieder<br />
Leute überschätzen und sich<br />
durch die Tritte und dicken Stahlseile<br />
in einer sicheren Umgebung wähnen.<br />
„Zwar stürzen nur sehr wenige tatsächlich<br />
ab“, sagt Jentzsch-Rabl. „Dafür<br />
geht umso mehr Leuten gerade auf<br />
längeren Klettersteigtouren die Kraft<br />
aus. Die bleiben dann in der Wand<br />
hängen, lassen sich von der Bergrettung<br />
holen oder hoffen darauf, dass sie<br />
andere Leute aus dem Steig bringen.“<br />
SCHNELLER, GEFÄHRLICHER<br />
Und bei den Abstürzen sind nicht die<br />
Anfänger die Gefahrengruppe, sondern<br />
die guten Geher. „In Lienz gibt es<br />
einen Steig, da werden regelrecht Rennen<br />
veranstaltet, wer schneller oben<br />
ist“, erzählt der Klettersteig-Experte.<br />
„Und Zeit zu gewinnen, hängen sich<br />
einige nicht korrekt ein.“ Oder ältere<br />
Kletterer verwenden Kletterseile statt<br />
der Klettersteigsets mit Bandseildämpfer<br />
– ein gefährliches Spiel. Sinnvoll<br />
für Novizen sieht Jentzsch-Rabl<br />
professionelle Einführungskurse, wie<br />
beispielsweise den „Klettersteigschein“-Kurs<br />
in der steirischen<br />
Ramsau. Neben der sicheren Handhabe<br />
der Klettersteigsets geht es auch<br />
um das Thema Selbsteinschätzung.<br />
Oder um den Zustieg: „Viele setzen<br />
den Helm zum Schutz gegen Steinschlag<br />
erst in der Wand auf. Oft ist<br />
man aber schon davor im Steinschlagbereich“,<br />
sagt Jentzsch-Rabl. (Tipp:<br />
Lies zum Thema Klettersteig-Sicherheit<br />
auch die Story auf S. 176/177.)<br />
STEIG IN DER STAUMAUER<br />
Die meisten verzichten aber auf professionelle<br />
Unterstützung und wagen<br />
sich so in die Wände, weiß der Experte.<br />
Klettergurt und Helm kann man sich<br />
ja schon vielerorts direkt bei den Steigen<br />
ausleihen. Das senkt die Hemmschwelle,<br />
es einmal zu probieren. So<br />
wie an einem der wohl spektakulärsten<br />
Klettersteige Österreichs, dem<br />
„Schlegeis 131“ im Tiroler Zillertal. Der<br />
wurde direkt an der Staumauer des<br />
Schlegeis-Stausees geschraubt und ist<br />
damit der erste seiner Art – weltweit.<br />
Für Kinder ist dieser Steig zwar<br />
nicht geeignet – generell kann aber<br />
auch der Nachwuchs schon mit dem<br />
Klettersteiggehen beginnen: Viele Steige<br />
sind von der Schwierigkeit her auf<br />
Kinder und Jugendliche ausgelegt. Bei<br />
der Ausrüstung kommt ihnen die neue<br />
Klettersteignorm entgegen, die seit<br />
Ende April gilt. Bislang waren Bandfalldämpfer<br />
nicht für leichte Personen<br />
oder Kinder ausgelegt. Auch schwere<br />
Personen über 80 Kilogramm sind im<br />
Grunde sprichwörtlich „aus der Norm<br />
gefallen“.<br />
NEUE STURZPRÜFUNG<br />
Die Sturzprüfung wird nun mit unterschiedlichen<br />
Gewichten, einmal mit<br />
40, einmal mit 120 Kilogramm, durchgeführt.<br />
„Damit wird sichergestellt,<br />
dass alle Personen, die in diesen Gewichtsbereich<br />
fallen, ausreichenden<br />
Schutz vor zu großen Fangstößen<br />
haben“, sagt Doris Günther<br />
vom Klettersteigset-Hersteller Austri-<br />
Alpin aus Fulpmes im Stubaital (Details<br />
zur neuen Norm: siehe S. 88).<br />
75
KLETTERSTEIG<br />
NEUE<br />
STEIGE<br />
HAT DAS LAND<br />
Ob in der Stadt, im Hochgebirge oder in der Staumauer: Auch diese Saison<br />
beschert den heimischen Bergsportlern wieder neue Klettersteige. Ein kleiner<br />
Überblick, zusammengestellt von unserem Experten Axel Jentzsch-Rabl.<br />
TIROL. So ganz anders als alle anderen ist der<br />
„Schlegeis 131“-Klettersteig in den Zillertaler Alpen<br />
(großes Bild). Er führt über Trittklammern 131 Meter die<br />
Staumauer des Schlegeis-Stausees nach oben. „Sieht<br />
von unten langweilig aus“, sagt Jentzsch-Rabl. „Aber<br />
man merkt schnell, dass man immer am Abgrund steht<br />
und es noch ein weiter Weg nach oben ist.“<br />
VORARLBERG. Kurz, aber schön – so beschreibt<br />
Axel Jentzsch-Rabl den Känzele-Klettersteig in Bregenz.<br />
„Unten und oben taucht man in den dichten, im<br />
Sommer kühlen Wald ein, dazwischen bietet sich ein<br />
schöner Ausblick auf das Rheintal. „Ein toller, leichter<br />
Klettersteig, den man durchaus empfehlen kann.“<br />
SALZBURG. Der „Kronprinz Rudolf“-Klettersteig ist<br />
auch einer für Kinder. Von der Bergstation der Weißsee-Gletscherbahn<br />
geht es in der Schwierigkeit zwischen<br />
A und B nach oben. „Perfekt, um den Besuch der<br />
Gletscherwelt mit einem Kraxel-Abenteuer zu kombinieren“,<br />
empfiehlt Jentzsch-Rabl.<br />
STEIERMARK. Bei einer Neuvermessung 2015 stellte<br />
sich heraus, dass der „Irg“-Klettersteig in der Koppenkarstein-Südwand<br />
wenige Meter auf oberösterreichischer<br />
Seite lag. Noch dazu im Natura-2000-Gebiet.<br />
Weil sich die Bundesländer nicht einigen konnten, wurde<br />
er einige hundert Meter nach links in die Steiermark<br />
verlegt und „Irg 2“ getauft. „Ein klassischer Steig ohne<br />
große Höhepunkte, der aber eine gute Klettersteigrunde<br />
bildet“, erklärt Axel Jentzsch-Rabl.<br />
NIEDERÖSTERREICH. Im größten Bundesland wurde<br />
der Königschusswand-Steig im Rax-Schneeberg-Gebiet<br />
saniert – brüchige Freikletterpassagen und alte Seile<br />
gehören jetzt der Vergangenheit an. Dazu wurde ein<br />
direkter und komplett gesicherter Zustieg geschaffen.<br />
„Wegen der üppigen Absicherung wird er jetzt sicher<br />
viel mehr Anhänger finden“, glaubt der Experte.<br />
OBERÖSTERREICH. Nichts für Anfänger ist der<br />
Klettersteig Nordwand-Krippenstein. Auf dem Extrem-Klettersteig<br />
(Schwierigkeit E) wird nach einem<br />
leichteren Einstieg die Armmuskulatur ordentlich gefordert.<br />
„Vor allem die leicht überhängenden Passagen<br />
ab der Hängeleiter sind schöne, ausgesetzte Klettersteigmeter,<br />
die man als versierter Klettersteiggeher gemacht<br />
haben sollte“, sagt Jentzsch-Rabl. Die leichtere<br />
Möglichkeit, die Nordwand des Krippensteins zu klettern,<br />
ist der Klettersteig „Gams“, der auch deutlich weniger<br />
Kraft erfordert.<br />
Neue Klettersteige<br />
von links<br />
oben im Uhrzeigersinn:<br />
Krippenstein,<br />
Känzele,<br />
Schlegeis 131<br />
und Irg2.<br />
FOTOS: Axel Jentzsch-Rabl<br />
76<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
TEAMATHLET DANIEL - DALTON – HORVATH<br />
Der große, 592<br />
Seiten starke<br />
„Klettersteigführer<br />
Österreich“ von<br />
Axel Jentzsch-Rabl<br />
u. a. ist aktuell in<br />
der 6. Auflage erhältlich.<br />
Info: www.<br />
alpinverlag.at<br />
A U S T R I A L P I N . A T<br />
77<br />
FISH - Der erste Autotuber für Einfachseile<br />
mit zusätzlichem Ablasshebel. 68 Gramm.<br />
Im Set mit HMS RONDO Autolock Selfie.<br />
Made in Tirol.
MATERIAL<br />
ERKLÄR<br />
MIR ...<br />
DIE NEUE NORM BEI KLETTERSTEIGSETS<br />
EINES FÜR ALLE<br />
GEWICHTSKLASSEN<br />
SEIT MAI <strong>2017</strong> GILT DIE NEUE KLETTERSTEIGSET-NORM „EN958:<strong>2017</strong>“.<br />
Was die neuen Sets besser können, wie sie funktionieren und wer von der Neuerung<br />
profitiert: Wir haben beim heimischen Hersteller AUSTRIALPIN nachgefragt.<br />
WAS ÄNDERT SICH DURCH DIE NEUE<br />
KLETTERSTEIGSET-NORM? In erster Linie<br />
geht es darum, die dynamische Belastbarkeit<br />
neu festzulegen. Waren bislang<br />
die Sets auf ein durchschnittliches Nutzergewicht<br />
von 80 Kilogramm ausgelegt,<br />
so müssen sie nun sowohl bei 40<br />
als auch bei 120 Kilogramm nachweislich<br />
optimal funktionieren. Der Fangstoß<br />
darf maximal 3,5 Kilonewton (bei Nutzern<br />
mit 40 kg) bzw. 6 Kilonewton (bei<br />
120 kg) betragen. Die maximale Reißlänge<br />
der Bandfalldämpfer, die den<br />
Sturz auffangen und abmildern, wurde<br />
von bisher 1,2 auf 2,2 Meter verlängert.<br />
WAS ÄNDERT SICH TECHNISCH IN DEN<br />
SETS? Durch die Verlängerung des Bandes<br />
hat der Hersteller die Möglichkeit,<br />
im Bandfalldämpfer verschiedene Webtechniken<br />
anzuwenden. „Der erste Teil<br />
ist so gewebt, dass er leichter aufreißt,<br />
danach wird der Widerstand sukzessive<br />
höher. Dadurch ergibt sich die große<br />
Bandbreite beim Nutzergewicht“,<br />
erklärt Doris Günther vom Klettersteigset-Hersteller<br />
AUSTRIALPIN.<br />
WAS BRINGT KLETTERSTEIGSPORTLERN<br />
DIE ÄNDERUNG? Vor allem leichte und<br />
schwere Bergsportler/-innen profitieren.<br />
„Die große Mehrheit kann jetzt si-<br />
cher sein, dass sie optimalen Schutz<br />
genießt“, sagt Doris Günther. „Kinder<br />
sollte man aber generell zusätzlich mit<br />
einem Seil von oben sichern.“<br />
MÜSSEN ALTE KLETTERSTEIGSETS VOM<br />
MARKT GENOMMEN WERDEN? „Sets<br />
nach der alten Norm, die bereits im<br />
Handel erhältlich sind, dürfen noch verkauft<br />
werden“, weiß Doris Günther. Sind<br />
Die Expertin<br />
DORIS GÜNTHER ist Marketing-Leiterin<br />
beim Klettersteigset-Hersteller<br />
AUSTRIALPIN<br />
in Fupmes/T und leidenschaftliche<br />
Freizeit-Bergsportlerin.<br />
WEB: www.austrialpin.at<br />
diese verkauft, werden nur noch Sets<br />
erhältlich sein, die der neuen Norm<br />
entsprechen. Erkennbar ist die neue<br />
Norm an der Prüfnummer EN958:<strong>2017</strong>.<br />
Der Fachhandel berät dazu.<br />
WÄRE ES NICHT SINNVOLL, VERSCHIE-<br />
DENE SETS FÜR UNTERSCHIEDLICHE GE-<br />
WICHTSKLASSEN ANZUBIETEN? Das sehen<br />
die Experten von AUSTRIALPIN<br />
kritisch. „Die Sets müssen auf alle Klettergurte<br />
passen, egal, ob sie für Kinder<br />
oder Erwachsene sind. Es könnte z. B.<br />
innerhalb von Familien zu Verwechslungen<br />
kommen – mit schwerwiegenden<br />
Folgen“, erklärt Doris Günther. Ein Set<br />
mit einem breiten Gewichtsspektrum<br />
schließt dieses Risiko aus.<br />
IST DER SPORT DURCH DIE NEUE NORM<br />
NUN SICHERER? Nur in der Hinsicht,<br />
dass die Bandfalldämpfer garantiert<br />
ausreichend sind, wenn Sportler zwischen<br />
40 und 120 kg wiegen. „Die Fallhöhe<br />
am Klettersteig kann aber schon<br />
hoch werden“, sagt Günther. „Daher<br />
darf man keinesfalls leichtsinnig sein<br />
und auf den Bandfalldämpfer vertrauen<br />
– auch der erlaubte Fangstoß sowie<br />
die Stahltritte und das Sturzgelände<br />
können zu schweren Verletzungen<br />
führen.“<br />
ANZEIGE / FOTOS: AustriaAlpin, Klaus Kranebitter<br />
78<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
IM SCHAUFENSTER: 5 KLETTERSTEIGSETS<br />
Diese fünf erfüllen nicht nur die neue Sicherheitsnorm, sondern bieten viele weitere Vorzüge.<br />
EDELRID<br />
CABLE COMFORT 2.3<br />
Ein High-End-Klettersteigset mit<br />
elastischen Lastarmen und hohem<br />
Bedienkomfort. Der neue Bandfalldämpfer<br />
erfüllt die neue Norm<br />
für Klettersteigsets und sorgt für<br />
niedrige Fangstoßwerte bei allen<br />
Gewichtsklassen. Die neuen Easy-<br />
Touch-Karabiner verhindern das<br />
Einklemmen der Finger zwischen<br />
Drahtseil und Schnapper und ein<br />
integrierter Wirbel beugt versehentlichem<br />
Verdrehen der Äste<br />
beim Umhängen vor.<br />
PREIS (UVP): € 120,–<br />
WEB: www.edelrid.de<br />
AUSTRIALPIN<br />
HYDRA<br />
Das erste Klettersteigset mit drei<br />
Armen ist eine Kombination aus<br />
dem Klettersteigset Colt und dem<br />
Ferrata.Bloc. Alle drei Arme sind<br />
mit dem gewebten Bandfalldämpfer<br />
verbunden. Im Drahtseil eingehängt,<br />
verhindert der Ferrata.<br />
Bloc weite Stürze in die nächste<br />
Zwischensicherung. Die Colt Karabiner<br />
sind mit dem AUSTRIALPIN<br />
Schalldämpfer ausgestattet, und<br />
das Set ist „made in Austria“.<br />
PREIS (UVP): € 144,90<br />
WEB: www.austrialpin.at<br />
FOTOS: Hersteller<br />
PETZL<br />
SCORPIO VERTIGO<br />
Das Scorpio Vergigo-Klettersteigset<br />
ist gemäß der neuen Norm<br />
prEN 958: <strong>2017</strong> für Anwender bestimmt,<br />
die zwischen 40 und 120<br />
kg wiegen. Das sehr kompakte<br />
und 380 g leichte Klettersteigset<br />
ist dank der Vertigo Wire-Lock-Karabiner<br />
an den elastischen Armen<br />
leicht zu bedienen. Aufgrund seines<br />
robusten Designs ist es auch<br />
für die regelmäßige Verwendung<br />
geeignet.<br />
PREIS (UVP): € 90,–<br />
WEB: www.petzl.com<br />
SALEWA<br />
ERGO TEX<br />
Das Klettersteigset, das Standards<br />
setzt und höchste Sicherheit<br />
bei reduziertem Kraftaufwand<br />
verspricht. Seine<br />
revolutionären Ergotec-Karabiner<br />
wurden zusammen mit der TU<br />
München entwickelt. Die ergonomische<br />
Konstruktion und die extragroße<br />
Öffnung vereinfachen<br />
und beschleunigen das Einhängen<br />
in das Stahlseil um ein Vielfaches,<br />
was bis zu 30 Prozent Kraft<br />
spart.<br />
PREIS (UVP): € 159,90<br />
WEB: www.salewa.at<br />
STUBAI BERGSPORT<br />
SUMMIT LIGHT X1<br />
Eine völlige Neuentwicklung von<br />
STUBAI. Die Karabiner sind ergonomisch<br />
so gestaltet, dass beim<br />
Einhängen in die Stahlseile die<br />
Hände weit genug vom Öffnungsbereich<br />
weg sind. Somit sind die<br />
Finger beim Ein- und Aushängen<br />
geschützt und der Ablauf des sicheren<br />
Einhängens erfolgt ganz<br />
easy.<br />
PREIS (UVP): € 99,95<br />
WEB: www.stubai-sports.com<br />
79
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER: 5 KLETTERHELME<br />
Leichtes Gewicht, gute Belüftung, starke Designs – bei hohem Schutzfaktor:<br />
Moderne Kletterhelme haben ihren „Ahnen“ vieles voraus.<br />
BLACK DIAMOND VECTOR<br />
Der Vector ist ein leichtgewichtiger<br />
Helm, der grosszügige Belüftungsöffnungen<br />
mit vollwertigem Schutz<br />
durch eingeformten EPS-Schaum<br />
kombiniert. Er ist ideal für lange<br />
Routen und alpine Begehungen und<br />
besitzt Stirnlampenclips. Das Ratschen-Einstellungssystem<br />
sorgt für<br />
eine ideale Passform.<br />
PREIS (UVP): € 90,–<br />
WEB: eu.blackdiamondequipment.com<br />
PETZL ELIOS<br />
Der vielseitige, robuste Elios-Helm<br />
ist zum Klettern und Bergsteigen,<br />
für Klettersteige, Canyoning usw.<br />
geeignet. Die Helmschale aus ABS<br />
und die Innenschale aus Polystyrol<br />
bieten effizienten Schutz gegen<br />
Schläge und Stöße. Die vielen<br />
Einstellmöglichkeiten gewährleisten<br />
einen passgenauen Sitz. Die<br />
Lüftungsklappen lassen sich je nach<br />
Bedarf auf- und zuschieben.<br />
PREIS (UVP): € 60,–<br />
WEB: www.petzl.com<br />
EDELRID SHIELD II<br />
Der Shield II ist ein leichter und<br />
robuster Softshell-Helm mit<br />
innovativem Verschlusssystem,<br />
großen Belüftungsöffnungen und<br />
vier robusten Stirnlampenclips.<br />
Er ist ein idealer Helm für lange<br />
und anspruchsvolle alpine<br />
Unternehmungen.<br />
PREIS (UVP): € 85,–<br />
WEB: www.edelrid.de<br />
CAMP STORM<br />
Der Storm ist superleicht und<br />
außerordentlich komfortabel. Er<br />
bietet kompletten Schutz bei allen<br />
vertikalen Aktivitäten, zeichnet sich<br />
durch eine sehr robuste Konstruktion<br />
aus, besitzt eine hervorragende<br />
Belüftung und lässt sich schnell<br />
regulieren. Dies macht ihn zum<br />
idealen Begleiter für lange und<br />
anspruchsvolle Aufstiege. Das<br />
Design verbindet Robustheit und<br />
Leichtigkeit.<br />
PREIS (UVP): € 79,95<br />
WEB: www.camp.it<br />
SALEWA VEGA<br />
Ein leichter, komfortabler Helm,<br />
der kompromisslose Sicherheit<br />
bietet. Die Innenschale ist stark<br />
energieabsorbierend und schützt<br />
gegen mehrfaches Aufprallen –<br />
sowohl von herabfallenden Steinen<br />
und Eisbrocken als auch bei einem<br />
Sturz. Die Ventilationsöffnungen<br />
garantieren eine gute Belüftung,<br />
mittels eines Verstellrads und des<br />
einfach zu verstellenden Kinnriemens<br />
lässt sich der Helm sehr gut<br />
anpassen.<br />
PREIS (UVP): € 99,95<br />
WEB: www.salewa.at<br />
FOTOS: Hersteller<br />
80<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
SCORPIO VERTIGO<br />
Der neue Standard.<br />
Photo © www.kalice.fr<br />
Das SCORPIO VERTIGO-Klettersteigset ist gemäß der Norm EN 958: <strong>2017</strong> für<br />
Anwender bestimmt, die zwischen 40 und 120 kg wiegen. Das sehr kompakte<br />
und leichte Klettersteigset ist dank der VERTIGO WIRE-LOCK-Karabiner an den<br />
beiden elastischen Armen leicht zu bedienen. Aufgrund seines robusten Designs<br />
ist es auch für die regelmäßige Verwendung und für den Verleih geeignet.
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER: 10 KLETTERHANDSCHUHE<br />
Beim Klettern und auf Klettersteigen, beim Sichern und Abseilen sind die Hände<br />
viel zu wichtig, um sie nicht zu schützen!<br />
BLACK DIAMOND<br />
STONE GLOVES<br />
Ein ¾-Finger-Ziegenlederhandschuh für<br />
beste Fingerfertigkeit beim Klettern, Sichern,<br />
technischen Klettern und Abseilen.<br />
Der Klettverschluss am Handgelenk<br />
sorgt für eine angenehme Passform,<br />
verstärkte Handflächen und Aufsätze<br />
an den Fingerknöcheln geben zusätzliche<br />
Sicherheit.<br />
PREIS (UVP): € 40,–<br />
WEB: eu.blackdiamondequipment.com<br />
EDELRID<br />
SKINNY<br />
Der Skinny ist ein dünner Handschuh<br />
aus robustem Ziegenleder. Er ist ideal<br />
zum Sichern, Aid Climbing und Klettersteiggehen.<br />
Durch seinen Klettverschluss<br />
am Handgelenk lässt er sich<br />
leicht an- und ausziehen.<br />
PREIS (UVP): € 35,–<br />
WEB: www.edelrid.de<br />
CHIBA<br />
VIA FERRATA<br />
Ein Klettersteighandschuh mit<br />
starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.<br />
Elastische Materialien verleihen<br />
ihm eine perfekte Passform. Die<br />
gedoppelten Handinnenflächen<br />
machen ihn robust und abriebfest,<br />
Für perfekten Grip sind sie zusätzlich<br />
mit Silikon bedruckt.<br />
PREIS (UVP): € 24,90<br />
WEB: www.chiba.de<br />
CAMP<br />
START FINGERLESS<br />
Ein Handschuh im Zeichen der Vielseitigkeit:<br />
Er ist perfekt für die Klettersteige<br />
und Seilmanöver, gleichzeitig auch<br />
stark am nassen Fels. Die Konstruktion<br />
aus synthetischem Gewebe, mit Verstärkungen<br />
an den besonders beanspruchten<br />
Stellen, gewährleistet ein Höchstmaß<br />
an Atmungsfähigkeit und Komfort<br />
auch bei nassem Handschuh.<br />
PREIS (UVP): € 22,95<br />
WEB: www.camp.it<br />
JACK WOLFSKIN<br />
ACTIVATE GLOVE<br />
Ein Softshell-Handschuh aus robustem,<br />
sehr atmungsaktivem und bi-elastischem<br />
Flex-Shield-Material. Die Handschuhe<br />
schützen vor Wind und leichten<br />
Schauern und sind mit rutschfester Verstärkung<br />
auf den Handflächen sowie<br />
weitenverstellbaren Bündchen mit Klettverschluss<br />
versehen.<br />
PREIS (UVP): € 37,95<br />
WEB: www.jack-wolfskin.de<br />
FOTOS: Hersteller<br />
82<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
KURZ-<br />
PORTRÄT<br />
HAUPTEIGENSCHAFTEN: • Schutz vor Verletzungen durch<br />
scharfkantige Felsen, scharfe Drähte oder Drahtenden,<br />
sowie beim Sichern und Ablassen • ohne Fingerkuppen:<br />
Koordinativ feiner abgestimmte Bewegungen sind besser<br />
möglich • mit Fingerkuppen: bessere Schutzfunktion<br />
• robuste Materialien sind gefragt wie Leder, Synthetikleder<br />
oder auch robuste Synthetikstoffe • exponierte<br />
Stellen sind häufig zusätzlich verstärkt<br />
EINSATZBEREICHE: Je nach Modell: Klettersteig, technisches<br />
Klettern, hochalpines Klettern<br />
RÖCKL SPORTS<br />
KAPIN<br />
Der Kapin ist ein hochtechnischer Klettersteighandschuh<br />
aus Leder-Textil-Mix<br />
und mit Kevlar® verstärkt. Länger geschnittene<br />
Finger schützen vor herausstehenden<br />
Litzen und schroffen Felsen;<br />
das robuste und zugleich geschmeidige<br />
Material sorgt für Fingerspitzengefühl<br />
sowie einen hervorragenden Griff.<br />
PREIS (UVP): € 39,95<br />
WEB: www.roeckl.de<br />
STUBAI BERGSPORT<br />
ETERNAL FULL FINGER<br />
Extraleicht und komfortabel: Diese Stubai-Handschuhe<br />
kommen dann zum Einsatz,<br />
wenn die Hände Schutz benötigen<br />
und die Umgebungstemperaturen eher<br />
hoch sind. Das Netzgewebe am Handrücken<br />
ist atmungsaktiv, die Handflächen<br />
sind speziell verstärkt, was sie abrieb-<br />
und rutschfest macht.<br />
PREIS (UVP): € 24,90<br />
WEB: www.stubai-sports.com<br />
SKYLOTEC<br />
KS HANDSCHUHE<br />
Die Klettersteighandschuhe aus<br />
Ziegenleder und Nylon bieten idealen<br />
Schutz vor Verletzungsgefahren<br />
wie abstehenden Litzen oder<br />
scharfem Fels. Ausgestattet mit<br />
einer Ausziehhilfe und als Halboder<br />
Vollfinger-Version erhältlich,<br />
sind die Handschuhe auch ideal<br />
zum Sichern oder Abseilen beim<br />
Klettern geeignet.<br />
PREIS (UVP): € 40,–<br />
WEB: www.skylotec.com/eu<br />
SALEWA<br />
STEEL VF 2 DST GLOVES<br />
Der Salewa-Handschuh ist ein leichter,<br />
abriebfester Handschuh ohne Fingerspitzen,<br />
der aus angenehmem<br />
Stretchmaterial besteht und über eine<br />
verstärkte Handinnenfläche für Klettersteige<br />
verfügt.<br />
PREIS (UVP): € 29,90<br />
WEB: www.salewa.at<br />
ZANIER<br />
HOCHGALL<br />
Für einen sicheren Griff der Stöcke<br />
beim Wandern und des Drahtseils am<br />
Klettersteig wurde der Hochgall-Handschuh<br />
entwickelt. Seine Innenhand aus<br />
Ziegenleder sorgt für starken Grip. Der<br />
Handschuh verfügt über einen Wischer<br />
am Daumen zum Reinigen einer Brille<br />
und er trägt sich komfortabel.<br />
PREIS (UVP): € 69,95<br />
WEB: www.zaniergloves.com<br />
83
OUTDOORGUIDE<br />
Herbert Ranggetiner (re.) und<br />
sein Kletterpartner, „Lehrmeister“<br />
und väterlicher Freund<br />
Franz Pöll: ein geniales Duo<br />
am Fels – in moderner genauso<br />
wie in historischer Ausrüstung.<br />
HEIMSPIEL<br />
FASZINATION KLETTERN. Exklusiv für unseren <strong>Outdoorguide</strong> <strong>2017</strong><br />
schildert Kletterprofi und SPORT aktiv-Experte Herbert Ranggetiner eine<br />
„Begehung der besonderen Art“ in den Lienzer Dolomiten. Und macht sich dabei<br />
seine Gedanken, was in der Begegnung mit den Bergen wirklich zählen sollte.<br />
TEXT: Herbert Ranggetiner<br />
84<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
FOTOS: Herbert Ranggetiner<br />
Es ist einer dieser elendig heißen<br />
Sommertage 2010, bei denen<br />
Klettern nur im hochalpinen<br />
Gelände möglich ist. Franz und<br />
ich brettern spätnachmittags mit unserem<br />
VW-Bus T2 in Richtung Lienzer<br />
Dolomiten, als mich eine Vollbremsung<br />
aus meinem Dämmerschlaf<br />
reißt. Zwei junge, fesche Mädels suchen<br />
eine Mitfahrgelegenheit auf der<br />
steilen Bergstraße Richtung Dolomitenhütte.<br />
Franz hat dieses komische<br />
breite Grinsen und ich greife mir auf<br />
den Kopf, da ich weiß, was jetzt folgt.<br />
Kurze Zeit später sitzt eines der Mädels<br />
aus Platzmangel auf meinem<br />
Schoß und Franz muss (wie immer)<br />
die Heizung unseres 45-PS-Vehikels<br />
voll aufdrehen – so werden aus 30<br />
schnell 40 Grad! Leider ist es die einzige<br />
Möglichkeit, den Motor nicht zu<br />
überhitzen. Also wurde schon die Anreise<br />
im doppelten Sinne heiß, dank<br />
natürlichem Zusatzgewicht ...<br />
Ehrlich gesagt: Langweilig, mittelmäßig<br />
oder überflüssig war keiner<br />
unserer Ausflüge in den vergangenen<br />
20 Jahren – eher jeder für sich einzigartig!<br />
Beim Zustieg zum Roten Turm<br />
pendelte sich schließlich mein Kreislauf<br />
wieder im grünen Bereich ein<br />
und nach zwei Stunden Zustieg und<br />
einbrechender Dunkelheit lagen wir<br />
dann fix und fertig in unseren Schlafsäcken.<br />
Im Halbschlaf bekam ich<br />
noch mit, wie uns einige Schafe besuchten,<br />
ja eigentlich eh alles wie jede<br />
Nacht, wir waren definitiv zu Hause!<br />
AUSSEN STILLE, INNEN UNRUHE<br />
Der geniale nächste Morgen beginnt<br />
wie immer, mit wenig Worten und<br />
viel Kaffee. Wir sitzen unter der 15<br />
Meter überhängenden Wand, an der<br />
ich in den letzten 15 Jahren alle<br />
schwierigen Routen erstbegangen<br />
habe. Es gibt wenig Orte, an denen es<br />
so still ist, dass man sein Herz schlagen<br />
hört – dies ist so einer! Aber nicht<br />
die Ruhe, eher die innere Unruhe ist<br />
Motor und Antrieb für Geschichten<br />
dieser Art. Eine der Traumlinien hier<br />
heroben trägt den Namen ,,Heimspiel“<br />
und hat Schwierigkeitsgrad<br />
XI–. Ja, das ist schon recht schwierig<br />
und wohl auch der Grund, warum diese<br />
Route in mehr als zehn Jahren<br />
schon oft versucht wurde, aber noch<br />
nie geklettert werden konnte.<br />
Der Kletterprofi<br />
HERBERT RANGGETINER, 48,<br />
aus Mühlbach im Pinzgau (S),<br />
ist Profi kletterer und einer der<br />
besten Extremkletterer Europas.<br />
Mehr als 600 Lines wurden von<br />
ihm als Erstem durchstiegen.<br />
In <strong>SPORTaktiv</strong> gibt Herbert regelmäßig<br />
einen Einblick in seine<br />
Welt. In seiner Serie „Kletterschule“<br />
(siehe S. 136/137) – und<br />
im <strong>Outdoorguide</strong> zusätzlich mit<br />
dem exklusiven Beitrag über die<br />
Begehung der „Heimspiel“-Route<br />
VIDEO ZUR STORY:<br />
https://goo.gl/Xz99s5<br />
In der Regel hat ja eine Route im<br />
Abstand von ca. zwei Metern Bohrhaken,<br />
die als Sicherung im Fall eines<br />
Sturzes dienen. In diesem Schwierigkeitsgrad<br />
stürzt man zigmal am Tag,<br />
da man eben am absoluten Limit klettert.<br />
Das heißt, im Normalfall ist ein<br />
Sturz ungefährlich, die Herausforderung<br />
besteht primär im Raufklettern.<br />
Hier hatte ich aber die Idee, die<br />
Route ,,clean“ zu klettern, also selber<br />
abzusichern! Heißt: alle Bohrhaken<br />
raus und versuchen, die Route mit mobilen<br />
Sicherungsgeräten abzusichern.<br />
Im Detail: Ein offensichtlich von zu<br />
hohem Koffeinkonsum geistig stark<br />
beeinträchtiger Kletterer versucht<br />
eine arschglatte, stark überhängende<br />
Wand hochzuklettern. Weil das noch<br />
zu langweilig ist, stopft er als Zwischensicherung<br />
Keile und Klemmgeräte<br />
in die spärlich bis gar nicht vorhandenen<br />
winzigen Löcher und Risse,<br />
ohne zu wissen, ob diese Dinger überhaupt<br />
bei einem Sturz halten werden.<br />
In dieser Route können auf 25 Metern<br />
exakt drei Klemmgeräte plaziert<br />
werden. Meist steht man acht bis zehn<br />
Meter über der letzten Sicherung und<br />
hat seine Finger auch noch genau in<br />
das Loch gestopft, wo auch das<br />
Klemmgerät rein sollte. Stürzt man an<br />
gewissen Stellen, hat man sehr viel<br />
Flugzeit, um nachzudenken. Und der<br />
Sicherungsmann sehr wenig Zeit, um<br />
zu reagieren.<br />
Eigentlich war es dieser selbst<br />
herbeigeführte mentale Supergau, der<br />
mich reizte. Diese physische und psychische<br />
Ausnahmesituation. Eine Geschichte<br />
mit Erfolgsgarantie, wenn es<br />
um Ansätze von braunen Streifen in<br />
der Unterhose geht. Jetzt weiß ich<br />
auch, was ,,Angsthase‘‘ mit ,,Hosenscheißer‘‘<br />
zu tun hat.<br />
EIN ABENTEUER, NUR FÜR UNS<br />
Wie oft bei meinen Unternehmungen<br />
erscheint das ,,Warum‘‘ im Nachhinein<br />
unlogisch. Bei der Aktion selbst<br />
war alles logisch und klar. Der Durchstieg<br />
war ein Prozess des Lernens, ein<br />
Abenteuer im Stillen, dessen Wertigkeit<br />
um einiges höher einzustufen ist<br />
als die Begehung der Route mit Bohrhaken.<br />
Zweitere wurde damals gefilmt<br />
und weltweit im TV gezeigt –<br />
von Ersterer habe ich nie etwas an die<br />
Medien weitergegeben.<br />
Als Franz und ich damals danach<br />
auf der Karlsbaderhütte unser Bier<br />
tranken, fühlte ich diese geniale, aber<br />
aus Erfahrung nicht lang anhaltende<br />
innere Ruhe. Ich beobachtete Wanderer,<br />
Berggeher, Touristen; jeder war<br />
jetzt und hier in seinem Element der<br />
King, das Maß aller Dinge, unabhängig<br />
von der Art seiner Leistung. Und in<br />
solchen Momenten wird mir stets klarer<br />
denn je, dass Anerkennung von außen<br />
nicht mein angestrebter Preis ist.<br />
Mein Wissen um Erbrachtes reicht<br />
mir, um zufrieden zu sein. Glücklich<br />
macht es mich, wenn ich einem 83-Jährigen<br />
gratulieren kann, der sich mit<br />
der Wanderung zu einer Hütte noch<br />
einmal einen Lebenstraum erfüllt hat.<br />
In Wirklichkeit sind wir und<br />
auch die Berge nur ein winzig kleiner<br />
Teil der Oberfläche unseres Planeten.<br />
Auf diesem kriechen wir herum wie<br />
Ameisen und versuchen, kleine Anhöhen<br />
zu erklettern oder zu besteigen<br />
und glauben, Großes zu bewegen. In<br />
der Begegnung mit den Bergen ist es<br />
aber nicht wichtig, der Beste zu sein,<br />
sondern sein Bestes zu geben! Schlussendlich<br />
ist es der Umgang mit den<br />
Mitmenschen und mit der Natur, der<br />
dich als Mensch ausmacht: Es sollte<br />
das Ziel eines jeden sein, hier Vorreiter<br />
und Vorbild zu sein.<br />
85
TIROL<br />
BÜHNENREIFE<br />
BERGKULISSE<br />
Das Pillerseetal bietet eine Vielfalt von überraschenden<br />
Bergerlebnissen und ist eine Region für echte Genießer.<br />
Eingebettet zwischen der Steinplatte,<br />
den Loferer Steinbergen<br />
und mitten in den Kitzbüheler<br />
Alpen macht das Tiroler Pillerseetal<br />
Lust auf einen Urlaub im Herzen der<br />
Alpenwelt. Die fünf Wanderdörfer<br />
Fieberbrunn, Hochfilzen, St. Jakob in<br />
Haus, St. Ulrich am Pillersee und Waidring<br />
sind bekannt für ihre Naturschauspiele<br />
und vielfältigen Bergerlebniswelten.<br />
Seit <strong>2017</strong> ist das<br />
Pillerseetal auch eine zertifizierte österreichische<br />
Wanderdorfregion und<br />
garantiert somit einen hohen Qualitätsstandard<br />
für Wanderer.<br />
WAS BEDEUTET „WAIWI“?<br />
50 Streckenkilometer, ca. 3.200 Höhenmeter,<br />
drei wunderschöne Tagesetappen:<br />
Das sind die Kennzahlen des neuen<br />
„WaiWi“, des Wanderwegs, der quer<br />
durchs Pillerseetal führt und mit dem<br />
österreichischen Wandergütesiegel<br />
ausgezeichnet ist. „WaiWi“ steht für<br />
„Von Waidring bis zum Wildseeloder“,<br />
und bindet alle Highlights der Region<br />
in eine Tour ein!<br />
Von Waidring geht’s nach St. Jakob<br />
in Haus zum Übernachten und<br />
dann weiter zum 30 Meter hohen Jakobskreuz<br />
auf der Buchsteinwand. Immer<br />
wieder fällt der Blick auf den Pillersee,<br />
der der Region ihren Namen<br />
gibt. Am Ende des zweiten Tages ist das<br />
Wildseeloderhaus auf 1.854 Metern erreicht.<br />
Quartier beziehen und vorm<br />
Abendessen vielleicht noch eine Runde<br />
am idyllischen Wildseeloderseerudern?<br />
Kein Problem! Die Berghütte in<br />
Traumlage hat sogar ihren eigenen<br />
Bootsverleih.<br />
Tag drei führt schließlich zurück<br />
nach Fieberbrunn – und macht Lust<br />
auf mehr. Genau wie die Schnuppertouren,<br />
die am „WaiWi“ immer mittwochs<br />
kostenlos für Gäste angeboten<br />
werden.<br />
MEHR INFOS: www.waiwi.at<br />
Angebots-Tipp:<br />
„MUSIK & KULINARIK AM WAIWI<br />
ERWANDERN“<br />
(buchbar vom 11. 6. bis 28. 9. <strong>2017</strong>)<br />
• 4 Übernachtungen im Hotel inkl.<br />
Halbpension (So.–Do.)<br />
• Geführte Wanderung auf der<br />
1. Etappe des WaiWi<br />
• Geführte Wanderung<br />
„Pillersee Forelle“<br />
• Besuch in GIDI’s Genusswerkstatt<br />
mit Schnaps-Schaubrennen<br />
• PillerseeTal-Card für 4 Tage<br />
(inkl. Bergbahnen, Bäder, etc.)<br />
• „Musik am Berg“ – traditionelle<br />
Volksmusik auf Berghütten<br />
• Kostenloser Wanderbus<br />
AB € 299,- P. P.<br />
Event-Tipp:<br />
STOABERGMARSCH –<br />
DAS 24-STUNDEN-WANDERERLEBNIS<br />
Der fünfte Stoabergmarsch am 24.<br />
und 25. Juni verspricht wieder ein intensives<br />
Wandererlebnis in den Steinbergen<br />
zwischen Tirol und Salzburg.<br />
4.600 Höhenmeter und 50 Kilometer<br />
fordern Kondition und Durchhaltevermögen!<br />
www.stoabergmarsch.at<br />
INFOS UND BUCHUNGEN:<br />
Tourismusverband PillerseeTal<br />
Dorfplatz 1, A-6391 Fieberbrunn<br />
Tel.: +43/53 54/56 3 04<br />
info@pillerseetal.at<br />
www.pillerseetal.at<br />
FOTOS: Tourismusverband Pillerseetal<br />
86<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
EQUIPMENT<br />
QUALITY AND SAFETY MADE IN TIROL<br />
nuovoline.at | Foto: Max Meissner<br />
NEW<br />
KRAXL-BOARD<br />
CLASSIC & ROCK<br />
KLETTERHELM<br />
NIMBUS<br />
FIRE 9,9 mm / 70 m<br />
DYNAMIK-SEIL<br />
www.stubai-sports.com
TIROL<br />
FÜNF TAGE ZUGSPITZ ARENA<br />
FÜR SPORTLER UND GENIESSER<br />
Zum ersten Mal bietet die Ferienregion auf der Tiroler Seite der Zugspitze ein sommerliches<br />
Aktivprogramm für Wanderer und Mountainbiker in Light- und Plus-Variante.<br />
Abwechslung steht beim Sporteln<br />
am Fuß der Zugspitze im<br />
Vordergrund. Fünf Tage lang<br />
lernen Teilnehmer des neuen, sommerlichen<br />
Sportpakets „Magnet Zugspitze“<br />
mit erfahrenen Guides die<br />
schönsten Ecken der Region Tiroler<br />
Zugspitz Arena kennen. Und verbessern<br />
dabei ganz nebenbei ihre Trittsicherheit<br />
beim Wandern oder üben das<br />
Befahren von Spitzkehren mit dem<br />
Mountainbike.<br />
Weil der Genuss nicht fehlen<br />
darf, führen die Guides die Sportler<br />
auch zu gemütlichen Almen, schönen<br />
Berghütten und den schönsten Aussichtspunkten<br />
der Region. Mitte der<br />
Woche steht den Teilnehmern ein<br />
freier Tag zur Verfügung, um zu regenerieren<br />
oder einen Programmpunkt<br />
auf eigene Faust zu erkunden.<br />
Sowohl das Wander- als auch das<br />
Mountainbike-Programm gibt es in<br />
den Varianten Light und Plus. Die<br />
Light-Version ist für alle, die es lieber<br />
etwas gemütlicher angehen und den<br />
Berggenuss in den Vordergrund stellen.<br />
Die Plus-Variante richtet sich an<br />
routinierte Sportler, die in erster Linie<br />
ihre Fähigkeiten in Workshops mit<br />
den Guides verbessern möchten.<br />
GEMEINSAM AUF DEN GIPFEL<br />
Alle Programme werden in zwei verschiedenen<br />
Ecken der Tiroler Zugspitz<br />
Arena angeboten: zum einen im „Tal<br />
der Energie“ – in Ehrwald, Lermoos<br />
und Biberwier. Zum anderen im „Tal<br />
der Erholung“ – dort befinden sich die<br />
Orte Berwang, Bichlbach, Heiterwang<br />
am See und Namlos. Je nach Tal ist das<br />
Sportprogramm an die Gegebenheiten<br />
vor Ort angepasst.<br />
Die gemeinsame Klammer und<br />
der Höhepunkt der Woche ist jedoch<br />
immer die Zugspitze – jener Berg, der<br />
über der Region thront. Am Ende der<br />
Woche sind dann sowohl Wanderer als<br />
auch Mountainbiker zu Fuß unterwegs.<br />
Die Plus-Gruppe erobert den<br />
Berg zu Fuß, die Light-Gäste nutzen die<br />
Tiroler Zugspitzbahn, erkunden das<br />
Zugspitzplatt – und genießen alle gemeinsam<br />
die Panorama-Aussicht auf<br />
Hunderte 3000er und in vier Länder.<br />
Package-Tipps:<br />
MAGNET ZUGSPITZE<br />
„AKTIV WANDERN“:<br />
Drei geführte Bergwanderungen plus<br />
Zugspitz-Tagestour um €365,– (Light)<br />
bzw. € 395,– (Plus-Version).<br />
„AKTIV BIKEN“:<br />
Drei geführte Touren, plus<br />
Zugspitz-Tagestour um<br />
€ 395,– (Light) bzw. €435,–<br />
(Plus-Version).<br />
INFOS UND BUCHUNGEN:<br />
Tiroler Zugspitz Arena<br />
A-6632 Ehrwald<br />
Te.: +43/56 73/20 000<br />
info@zugspitzarena.com<br />
www.zugspitzarena.com<br />
FOTOS: ©Tiroler Zugspitz Arena/U. Wiesmeier<br />
88<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Hoch techischer Schaft mit wasserabweisenden und hoch resistenten<br />
Honey-Comb Guard Verstärkungen. Sohlenpaket bestehend aus<br />
La Sportiva Cube by Vibram mit jetzt noch leichteren Materialien.<br />
Die fortschrittlichste Entwicklung für den Alpinisten treffen auf<br />
das unverkennbare Design der Trango-Serie.<br />
Trango Tower GTX: Die Zukunft bereits jetzt.<br />
www.lasportiva.com<br />
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@lasportivatwitt<br />
Val di Fiemme, Trentino<br />
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OUTDOORGUIDE<br />
DIE HÜTTE IST<br />
GOTTLIEB LORENZ ist Wirt auf der Jamtalhütte in Tirol. Er lebt von ihr und für sie. Im Sommer<br />
wie im Winter. Denn was vor 120 Jahren begonnen hat, führt der leidenschaftliche Hüttenwirt<br />
in vierter Generation fort – auch einem schweren Schicksalsschlag zum Trotz.<br />
Gottlieb Lorenz arbeitet von<br />
zu Hause aus. Sein Arbeitsplatz<br />
steckt hinter 40 Zentimeter<br />
dickem Stahlbeton<br />
und durch die kleinen Panzerglasfenster<br />
sieht er fast ein halbes Jahr vor<br />
allem eines: Schnee. Lorenz ist Wirt<br />
auf der Jamtalhütte auf der Tiroler Seite<br />
der „Blauen Silvretta“, im Talschluss<br />
des Jamtales. Auf knapp 2.200<br />
Metern Seehöhe und rund 16 Kilometer<br />
von der Zivilisation, sprich: dem<br />
Ort Galtür entfernt.<br />
Der 56-Jährige ist aber nicht einfach<br />
nur Hüttenwirt. „Der Gottlieb“,<br />
wie ihn hier alle nennen, ist die Jam-<br />
talhütte. Seit 120 Jahren gehört sie zur<br />
Familie Lorenz. In vierter Generation<br />
führt Gottlieb Lorenz sie nun. Sein Urgroßvater,<br />
der auch Gottlieb hieß, war<br />
der Erste, es folgte sein Großvater Albert,<br />
schließlich Gottliebs Vater Franz<br />
und seit 1995 eben Gottlieb, der Zweite.<br />
„Ich bin auf der Hütte aufgewachsen,<br />
der Papa und der Opa sind hier sogar<br />
noch auf die Welt gekommen. Sie<br />
in der Familiendynastie weiterzuführen,<br />
bedeutet mir sehr viel“, erzählt<br />
Gottlieb Lorenz.<br />
AUS DER BANK AUF DIE HÜTTE<br />
Der Weg zu ihm herauf ist nicht<br />
leicht. Fünfeinhalb Stunden Fußmarsch<br />
sind es im Sommer von Galtür<br />
aus, wenn man es sportlich nimmt.<br />
Etwas mehr als die Hälfte des Weges<br />
könnte man auch mit dem Auto fahren,<br />
bis ein Schranken endgültig zum<br />
Umstieg auf Schusters Rappen<br />
zwingt. Im Winter holt Lorenz Gäste<br />
mit einem umgebauten Pistenbully in<br />
Galtür ab. Anders ist die Hütte bei<br />
Schnee nicht zu erreichen.<br />
„Als ich ein Kind war, gab es sowas<br />
noch nicht: Der Papa hatte noch<br />
sieben, acht Träger pro Winter, die Lebensmittel,<br />
Material und Rucksäcke<br />
der Gäste getragen haben.“ Wie war<br />
FOTOS: Gottlieb Lorenz, TVB Paznaun-Ischgl<br />
Klaus Molidor<br />
90<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Sonne scheint auf die Berge, denk ich<br />
mir oft: Herrgott, was hast du uns wieder<br />
für einen Traumtag beschert ...“<br />
Gottlieb Lorenz, 56, aus Galtür (T) ist seit<br />
1995 in vierter Generation Wirt auf der<br />
Jamtalhütte in den Bergen über Galtür.<br />
VOM SCHICKSAL GEPRÜFT<br />
Doch Naturidylle trügt bekanntlich<br />
auch – und das Schicksal hat Gottlieb<br />
Lorenz vor die wohl schwerste Prüfung<br />
gestellt, die man sich nur vorstellen<br />
kann: Als die katastrophale Lawine<br />
1999 in den Ort Galtür gedonnert<br />
ist, die 38 Todesopfer forderte, hat er<br />
seine schwangere Frau und seine Mutter<br />
verloren.<br />
„So große Lawinen sind Naturereignisse,<br />
das ist einfach so“, sagt Lorenz<br />
heute – 18 Jahre später. Er hadert<br />
nicht, sucht keinen Schuldigen, sondern<br />
lebt mit der Natur. „Du darfst nie<br />
die Demut verlieren und etwas zur<br />
Routine werden lassen“, ist sein Credo.<br />
Einen Tag vor dem großen Unglück<br />
war auch im Jamtal schon eine<br />
Lawine abgegangen und hatte die<br />
Hütte schwer getroffen. Seitdem verstärken<br />
sie eben Stahlbeton und Panzerglas.<br />
„Jetzt ist sie gebaut wie ein<br />
Bunker.“<br />
SEINE HEIMAT<br />
der Schulweg? Im Sommer hat der Vater<br />
sie mit dem Auto zur Schule ins Tal<br />
gebracht und wieder abgeholt. Und im<br />
Winter – zu Fuß durch den Schnee?<br />
„Nein, nein“, klärt Lorenz auf. „Da sind<br />
wir im Tal geblieben, meine Schwester,<br />
meine zwei Brüder und ich.“<br />
Sein Weg zum Hüttenwirt war<br />
nicht vorgezeichnet. „Eigentlich hätte<br />
das der Manfred, mein älterer Bruder,<br />
der Bergführer ist, machen sollen“, sagt<br />
Gottlieb Lorenz. Nach dem Gymnasium<br />
in Bregenz hat er 13 Jahre in einer<br />
Bank in Landeck gearbeitet. „Als der<br />
Vater aber in Pension gegangen ist, war<br />
klar, dass ich das machen werde.“ Seit<br />
1995 ist er nun Chef der Jamtalhütte.<br />
LIEBE ZU DEN BERGEN<br />
Die Arbeit ist herausfordernd. 180<br />
Schlafplätze hat die „Jam“ in Zweiund<br />
Mehrbettzimmern und in einem<br />
Matratzenlager, dazu kommen 225<br />
Sitzplätze in den Gaststuben. Eine<br />
Kletteranlage im Keller will betreut<br />
werden und im Winter noch ein Tourenski-Verleih.<br />
„Da musst du effizient<br />
arbeiten“, sagt Lorenz<br />
auf dem Weg durch die<br />
Küche hinaus auf die<br />
Terrasse. Nur jetzt am<br />
späten Vormittag hat er<br />
ein bisschen Zeit, die<br />
Aussicht zu genießen.<br />
Der Blick schweift über<br />
die 3000er-Gipfel.<br />
Das raue Klima mit<br />
fünf Monaten Eis und<br />
Schnee pro Jahr hat aus dem Wirt aber<br />
keinen knorrigen Kauz geformt. Er<br />
spricht mit sanfter Stimme und freut<br />
sich, dass er seine Liebe zu den Bergen<br />
an seine Gäste weitergeben darf.<br />
„Wenn ich in der Früh aufsteh und die<br />
91<br />
„Als Hüttenwirt<br />
musst du die<br />
Berge und die<br />
Arbeit schon sehr<br />
gern haben.“<br />
GOTTLIEB LORENZ<br />
ANSTRENGENDER SOMMER<br />
Der kurze Moment an der Sonne ist<br />
vorbei, weiter geht es wieder in die Küche,<br />
mit der Köchin den Einkaufsplan<br />
besprechen, Zimmerpläne erstellen,<br />
einkaufen, schauen, dass der Laden<br />
läuft. Um 6 Uhr früh beginnt der Arbeitstag,<br />
Schluss ist erst gegen 23, 24<br />
Uhr. Sieben Tage die Woche. „Da<br />
musst du die Berge und die Arbeit<br />
schon sehr gern haben“, lacht er.<br />
Die nächsten Gäste kommen und<br />
setzen sich auf der Terrasse in die Sonne.<br />
„Im Sommer kannst<br />
bei uns zu Mittag auch<br />
à la carte essen“, erzählt<br />
Lorenz. Im Winter dagegen,<br />
in der Skitourensaison<br />
gibt es einfach<br />
kräftige Suppen zur<br />
Selbstbedienung. „Daher<br />
ist der Sommer von<br />
der Arbeit her viel anstrengender<br />
für uns.“<br />
Die Gäste wollen aber nicht nur<br />
essen, sondern auch Fragen zu<br />
Bergtouren beantwortet bekommen.<br />
„Das ist ganz wichtig, dass du da eine<br />
fundierte Auskunft geben kannst. Im<br />
Sommer wie Winter“, sagt Lorenz. Er
PERSONALITY<br />
Im Winter gibt es<br />
mittags Suppen.<br />
„Im Sommer wollen<br />
die Wanderer<br />
schon à la carte<br />
essen“, sagt Hüttenwirt<br />
Gottlieb<br />
Lorenz.<br />
kennt hier heroben jeden Stein, jeden<br />
Hang. Weiß, was der Wind ausrichtet,<br />
wenn er von Westen kommt oder von<br />
Osten. „Als Kinder waren wir ständig<br />
im Freien, auch als ich in der Bank<br />
war, bin ich am Wochenende fast immer<br />
herauf. Da bekommst ein Gefühl<br />
für die Umgebung.“<br />
Im Winter muss er den Gästen<br />
dann auch oft von einer geplanten<br />
Tour abraten. „Manche wollen das<br />
nicht verstehen, dann musst ein bissl<br />
eindringlicher werden“, erzählt er. Im<br />
Winter und im Frühjahr gehen hier<br />
immer wieder Lawinen ab. „Bei dem<br />
Thema sind wir hier sowieso gebrannte<br />
Kinder ...“<br />
WANDERN, KLETTERN, BIKEN<br />
Wieder kommen Gäste, die über<br />
Nacht bleiben und in der Früh von der<br />
Jamtalhütte zu einer Hochtour aufbrechen<br />
wollen. Jeder Gruppe, jedem<br />
Gast weist er bei der Ankunft einen fixen<br />
Platz zu. So behält er den Überblick<br />
und merkt gleich, ob einer fehlt.<br />
Die Tische sind gut besetzt, das Essen<br />
gibt Kraft.<br />
Auch wenn hier heroben nicht<br />
bloß auf den Gletschern, sondern auch<br />
um die Hütte herum sehr lange<br />
Schnee liegt, „macht der Sommer<br />
schon 40 Prozent unseres Geschäfts<br />
aus“, berichtet Lorenz. Neben den<br />
Bergsteigern kommen viele Wanderer,<br />
die bis zum Schranken fahren und<br />
einen Tagesausflug auf die Hütte machen.<br />
Dazu kommen die Kletterer und<br />
solche, die es werden wollen. Einen<br />
Klettersteig hat Gottlieb Lorenz selbst<br />
in den Fels gebohrt, gehämmert und<br />
geschraubt. Immer zahlreicher werden<br />
auch die Mountainbiker – und vor<br />
allem: „Ältere Herrschaften mit dem<br />
E-Mountainbike. Das hat in den vergangenen<br />
Jahren wirklich markant<br />
zugenommen.“ Daher gibt es auf der<br />
Hütte auch eine Ladestation für die<br />
Akkus der Räder.<br />
URLAUB ABSEITS DER BERGE<br />
Und wenn er selbst einmal ausspannen<br />
will? In den eineinhalb Monaten<br />
zwischen Winter und Sommerbetrieb<br />
fährt er gern in die steirische Thermenregion.<br />
Einmal eine andere Landschaft<br />
sehen, andere Dialekte hören,<br />
abends in Ruhe ein Glaserl Wein trinken.<br />
Zeit für die Familie haben. „Das<br />
mag ich schon auch.“ Ab Mitte Juni<br />
stehen dann sowieso wieder seine<br />
Gäste im Mittelpunkt. Viele Prominente<br />
sind darunter. Peter Habeler ist<br />
oft hier, Reinhold Messner war da,<br />
Spitzenköche wie Tim Mälzer oder<br />
Eckart Witzigmann. Albert Einstein<br />
und Ernest Hemingway haben einst<br />
auf der Jamtalhütte übernachtet.<br />
So wie der Sherpa Phurba Tenjing<br />
aus Nepal, der einst mit einem Bergführer<br />
eine Alpenüberquerung gemacht<br />
hat. Er ist zum Freund geworden<br />
und Lorenz unterstützt ein<br />
Schulprojekt von Phurba. „Die Nepalesen<br />
sind extrem liebe Menschen, die<br />
so dankbar und mit so wenig zufrieden<br />
sind. Da sieht man erst, wie gut es<br />
uns hier geht“, sagt Gottlieb Lorenz.<br />
DIE „FÜNFTE GENERATION“<br />
Dankbarkeit und Demut – zwei wichtige<br />
Stichwörter seines Lebens. Und<br />
auch das Stichwort „Familie“ ist schon<br />
gefallen: Er hat wieder geheiratet und<br />
eine mittlerweile 16-jährige Tochter.<br />
„Sie arbeitet gern im Gastgewerbe und<br />
redet auch gern mit den Leuten. Vielleicht<br />
übernimmt sie einmal die Hütte.“<br />
Und wenn nicht? „Auch kein Drama.<br />
Dann endet die Dynastie eben.“<br />
Kurz denkt er nach. „Aber wenn ich es<br />
mir aussuchen könnte, würde es mich<br />
natürlich freuen.“<br />
FOTOS: Gottlieb Lorenz<br />
92<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WANDERSCHUHE UND HIGH HEELS<br />
Egal, ob Bergpanorama, Single-Trail oder City-Flair: Innsbruck lockt im Sommer<br />
mit einem Rundum-Angebot von entspannt bis sportlich, von Natur bis Kultur.<br />
FOTOS: @innsbrucktourismus/NN<br />
Kuhglocken treffen auf barocke<br />
Klänge, Wanderschuhe auf High<br />
Heels. Um für Stadt und Berg gerüstet<br />
zu sein, könnte das Gepäck für<br />
einen Urlaub in Innsbruck und seinen<br />
Feriendörfern etwas umfangreicher<br />
ausfallen. Abgesehen davon ist die<br />
Entdeckung der Gegensätze ein lustvolles<br />
und faszinierendes Erlebnis.<br />
Eben noch im Straßencafé mit Blick<br />
auf die mittelalterlichen Prachtbauten<br />
der Innsbrucker Altstadt, und keine<br />
halbe Stunde später sitzt man auf<br />
der Terrasse eines Bergrestaurants auf<br />
2.000 Höhenmetern.<br />
HOCHALPIN IN 20 MINUTEN<br />
Seit dem Neubau der Innsbrucker<br />
Nordkettenbahnen liegt die Talstation<br />
mitten im Herzen der Stadt. Die von<br />
der Stararchitektin Zaha Hadid konzipierten<br />
insgesamt vier Stationen mit<br />
Schrägseilbrücke über den Inn sind architektonische<br />
Höhepunkte, markante<br />
Landmarks, die den Formenfluss der<br />
Natur aufgreifen. In nur 20 Minuten<br />
pendelt man mit der Bahn ins Hochalpine<br />
und genießt einen atemberaubenden<br />
Ausblick. Die Seegrube und das<br />
Die „Innsbruck Card“<br />
Mit der Innsbruck Card erlebst du<br />
Innsbruck und seine Feriendörfer „all<br />
inclusive“. Die Card gibt es für 24 Stunden<br />
(€ 39,–), 48 Stunden (€ 48,–) und<br />
72 Stunden (€ 55,–), sie öffnet die Türen<br />
für alle Sehenswürdigkeiten der Region<br />
und gilt für eine Berg- und Talfahrt<br />
mit den Bergbahnen. Kinder zwischen 6<br />
und 15 Jahren erhalten die Card um 50<br />
Prozent ermäßigt.<br />
ALLE INFOS: www.innsbruck.info<br />
Hafelekar sind Ausgangspunkte für<br />
schöne Wanderungen, ebenso wie für<br />
spannende Kletterabenteuer.<br />
Zum „Après-Berg“ trifft man sich<br />
in der modern gestalteten Maria-Theresien-Straße<br />
zum Schaufensterbummel,<br />
nimmt einen Aperitif in einer der<br />
gemütlichen Bars, bevor man sich wieder<br />
in höhere Gefilde begibt. Etwa in<br />
den Gourmethimmel – den zahlreichen<br />
Haubenköchen sei Dank. Dort<br />
trifft beispielsweise das zarte Tiroler<br />
Berg lamm auf internationale Inspiration.<br />
Auch für akustische Genüsse ist<br />
gesorgt: Ḿit den Innsbrucker Festwochen<br />
der Alten Musik, dem Tanzsommer<br />
Innsbruck oder dem New Orleans<br />
Festival für Jazz und Swing.<br />
STADT TRIFFT BIKE<br />
Innsbruck steht aber auch im Sommer<br />
natürlich für Sport: Durch spektakuläre<br />
Trails, die Biker direkt von den beeindruckenden<br />
Bergen in die Stadt<br />
bringen; durch den neuen Bikepark<br />
Innsbruck mit Angeboten für alle Kenner-<br />
und Könnerstufen. Oder durch<br />
„Crankworx“, das größte Mountainbike-Gravity-Festival<br />
der Welt, bei dem<br />
sich die lokale Szene mit internationalen<br />
Stars trifft.<br />
Die Bike-City Innsbruck wird ihrem<br />
Namen dadurch mehr als gerecht<br />
und begeistert Mountainbiker mit<br />
sportlichen Herausforderungen genauso<br />
wie mit dem urbanen Angebot.<br />
www.bikecity-innsbruck.com<br />
93
OUTDOORGUIDE<br />
BIST<br />
DU AUCH<br />
FIT<br />
GENUG?<br />
TEXT: Christoph Lamprecht<br />
94<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
GERADE FÜR GELEGENHEITSSPORTLER werden Berg touren nicht<br />
selten zum Aha-Erlebnis. Weil eben auch eine vermeintlich einfache<br />
Wandertour Anforderungen an die Fitness stellt. Welche das sind<br />
und wie man sich vorbereiten kann, hat uns Sportmediziner und<br />
Runtastic-Experte Dr. Wolfgang Gleirscher verraten.<br />
FOTO: istock<br />
Draußen sein, sich in der Natur<br />
bewegen, am besten hoch<br />
droben. Einfach über den<br />
Dingen des Alltags stehen.<br />
Immer mehr Menschen verspüren die<br />
Motivation, in die Berge zu ziehen –<br />
und sei es auch nur für ein paar Stunden<br />
am Wochenende. Oder einmalig<br />
im Jahr im Sommerurlaub.<br />
Outdoor ist in, die Berge sind zum<br />
Sehnsuchtsort einer ganzen Gesellschaft<br />
geworden. Das Image von Bergaktivitäten<br />
hat sich in den vergangenen<br />
Jahren stark gewandelt – mit<br />
vielen positiven Effekten, aber auch<br />
einer negativen Begleiterscheinung:<br />
Das Mehr an Freizeitsportlern schlägt<br />
sich in der alpinen Unfallstatistik nieder.<br />
Und immer wieder zeigt sich:<br />
Herz-Kreislauf-Probleme liegen bei<br />
den Unfallursachen gemeinsam mit<br />
„Stolpern und Ausrutschen“ an der<br />
Spitze. Beides Ursachen, die nicht selten<br />
mit einem mangelhaften Fitnesszustand<br />
zu tun haben.<br />
„Gerade weniger fitte Personen<br />
stoßen bei einer ausgedehnten<br />
Bergtour tatsächlich oft unerwartet<br />
an ihre körperlichen Grenzen“, weiß<br />
auch der Sport- und Flugrettungsarzt<br />
Dr. Wolfgang Gleirscher vom Runtastic-Team.<br />
Und er appelliert nachdrücklich:<br />
„Ist der Körper ausgelaugt,<br />
summieren sich die Gefahren schneller,<br />
als man glaubt. Daher gehört<br />
schon eine gewisse Grundfitness<br />
dazu, wenn man nicht nur hinauf,<br />
sondern auch wieder heil vom Berg<br />
herunterkommen will.“<br />
EIN EINFACHER SELBSTTEST<br />
Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt<br />
Dr. Gleirscher folgenden Selbsttest:<br />
„Will man eine Bergtour mit einer<br />
bestimmten Länge bestreiten, sollte<br />
man in der Lage sein, die doppelte Streckenlänge<br />
in der Ebene zu gehen oder<br />
im Grundlagentempo zu laufen. Ist das<br />
möglich, steht auch einer Höhenwanderung<br />
nichts im Weg.“ Ein Indikator<br />
ist auch der Ruhepuls. Gleirscher:<br />
„Dieser liegt normalerweise zwischen<br />
60 und 80 Schlägen pro Minute. Faustregel:<br />
Je niedriger er ist, desto fitter ist<br />
man.“<br />
Besteht in Sachen Fitness Handlungsbedarf,<br />
plädiert der Sportarzt<br />
unbedingt für ein gezieltes Grundlagentraining<br />
vor der ersten Tour:<br />
„Weil es sich bei Bergtouren um eine<br />
kontinuierliche, längere Belastung<br />
handelt, führt kein Weg an der entsprechenden<br />
Grundlagenausdauer<br />
vorbei. Dafür sollte man über mehrere<br />
Wochen hinweg drei- bis viermal für<br />
mindestens 30 Minuten laufen. Und<br />
im Idealfall gleich ein paar Höhenmeter<br />
einstreuen.“<br />
Der Experte<br />
DR. WOLFGANG GLEIR-<br />
SCHER ist Allgemeinmediziner<br />
und Flug rettungsarzt<br />
mit Ordination in Stockerau<br />
(NÖ) und den Schwerpunkten<br />
Neuraltherapie sowie<br />
Sport- und Arbeitsmedizin.<br />
WEITERFÜHRENDE INFOS ZUM<br />
BODYWEIGHT TRAINING:<br />
https://goo.gl/Xz99s5<br />
„Wer eine Bergtour in<br />
einer gewissen Länge<br />
bestreiten will, sollte<br />
die doppelte Strecke in<br />
der Ebene locker<br />
laufen können.“<br />
SPORT- UND FLUGRETTUNGSARZT<br />
DR. WOLFGANG GLEIRSCHER<br />
KRAFT GIBT SICHERHEIT<br />
Neben der Ausdauer verlangen gerade<br />
längere Bergunternehmungen nach einer<br />
gezielt ausgebildeten (Stütz-)Muskulatur.<br />
Gleirscher: „Eine gute Oberschenkelmuskulatur<br />
sowie Stabilität<br />
im Core-Bereich ist für eine Bergtour<br />
durch nichts zu ersetzen.“ Als sehr<br />
gute Übung für die Beine empfiehlt der<br />
Runtastic-Experte den sogenannten<br />
Wandsitz (siehe Fotos), bei dem beide<br />
Beine einen rechten Winkel bilden.<br />
Der gesamte Rücken drückt dabei an<br />
die Wand, während der Oberkörper<br />
aufrecht ist und angespannt wird. Diese<br />
Position wird, je nach Trainingslevel,<br />
für mindestens 30 Sekunden gehalten.<br />
Auch für den Alltag hat die<br />
Übung einen positiven Effekt, denn<br />
ein starker Rücken unterstützt die<br />
Wirbelsäule und beugt damit Überlastungen<br />
vor.<br />
Weiters rät der Mediziner zum<br />
Klassiker Liegestütze oder den sogenannten<br />
Low Planks. „Letztere sind<br />
besonders funktional, stärken sie<br />
doch den gesamten Körper. Die Ellbogen<br />
werden direkt unter den Schultern<br />
platziert, die Hüfte bleibt in einer Linie<br />
mit den Schultern. Die Körpermitte,<br />
das Gesäß und die Beine werden angespannt.<br />
Auch diese Übung hält man, je<br />
nach Trainingslevel, mindestens für 30<br />
95
FITNESS<br />
Wolfgang Gleirscher rät Bergsportlern zu Eigengewichtsübungen wie<br />
dem Low Plank (oben), Liegestütz (li.) oder dem Wandsitz (re.).<br />
Sekunden.“ Diese und viele weitere Bodyweight-Übungen<br />
sind übrigens in<br />
der Handyapp „Runtastic Results“ inklusive<br />
Video-Anleitung zu finden.<br />
TRITTSICHERHEIT HOLEN<br />
Auch die passende Ausrüstung ist<br />
letztlich ein „Fitness thema“: Die richtigen<br />
Wanderschuhe können etwa das<br />
Ermüden der Fuß- und Beinmuskulatur<br />
maßgeblich hinauszögern. „Anspruchsvolle<br />
Bergtouren verlangen<br />
Trittsicherheit, und um diese zu gewährleisten,<br />
ist die richtige Schuhwahl<br />
von enormer Bedeutung“, weiß<br />
Gleirscher. „Auch die Koordination<br />
sollte nicht außer Acht gelassen wer-<br />
den. Bevor man also einen größeren<br />
Anstieg im alpinen Gelände in Angriff<br />
nimmt, gilt es, sich in einfacherem Gelände<br />
an die Belastung heranzutasten.“<br />
Unerfahrene unterschätzten<br />
auch oft den Aspekt des verminderten<br />
Sauerstoffgehalts in der Höhe. „In den<br />
ersten drei Tagen am Berg fehlt die Höhenakklimatisation.<br />
Dadurch kommt<br />
es zu einem deutlichen Leistungsabfall,<br />
was besonders auf über 2.000 m<br />
Seehöhe in Form von Kurzatmigkeit,<br />
mit einem höheren Puls oder Kopfschmerzen<br />
spürbar wird“, gibt Gleirscher<br />
zu bedenken.<br />
RICHTIG ESSEN UND TRINKEN<br />
In jedem Bergsport ist es wichtig, mit<br />
einer gewissen Reserve unterwegs zu<br />
sein, um auch für Unvorhergesehenes<br />
gerüstet zu sein. Eine gute und genaue<br />
Tourenplanung hilft dabei und sollte<br />
für jede Unternehmung selbstverständlich<br />
sein. Was aber tun, wenn einem<br />
trotz sorgsamer Vorbereitung<br />
eine schlechte Tagesverfassung einen<br />
Strich durch die Rechnung macht?<br />
Gleirscher: „Sollte einem am Berg<br />
wirklich einmal die sprichwörtliche<br />
Puste ausgehen, ist es am wichtigsten,<br />
ruhig zu bleiben und die Nerven zu bewahren.<br />
Zunächst sollte man rasten,<br />
zusätzliche Flüssigkeit und Nahrung<br />
aufnehmen. Schnelle Energie liefern<br />
insbesondere jene Kohlenhydrate, die<br />
z. B. in Bananen oder Sportgetränken<br />
enthalten sind. Aber auch Wärme ist<br />
essentiell, um schnell wieder zu Kräf-<br />
FOTOS: runtastic<br />
96<br />
RUNDUM-SORGLOS-PAKET FÜR JEDES WETTER.<br />
LUFTIG LEICHT UND MULTIFUNKTIONAL BIS INS DETAIL.<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
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ten zu kommen. Prinzipiell gilt es aber,<br />
eine Tour stets so zu planen, dass man<br />
gar nicht in so eine Situation kommt.“<br />
Was man vor bzw. während einer<br />
Tour essen sollte, um gut versorgt zu<br />
sein, hängt zwar einerseits von den<br />
persönlichen Gewohnheiten und andererseits<br />
von externen Faktoren wie<br />
den Wetterbedingungen und der Außentemperatur<br />
ab. Doch ein paar<br />
Richtwerte gibt es auch hierzu:<br />
„Grundsätzlich gilt, dass man rund<br />
zwei Liter Flüssigkeit in vier Stunden<br />
trinken soll – aufgeteilt auf kleine Portionen“,<br />
erklärt Gleirscher.<br />
Und zum Essen: „Die Grundlage<br />
für die Energieversorgung sollte das<br />
Frühstück sein. Dafür eignet sich insbesondere<br />
kohlenhydratreiche Kost –<br />
etwa ein Vollkornmüsli mit Joghurt<br />
und Früchten, Haferbrei mit Banane<br />
oder ein Vollkornbrot mit Erdnussmus.<br />
Um einen Leistungsabfall vorzubeugen,<br />
sollte man alle 30 bis 45 anstrengende<br />
Minuten am Berg<br />
wiederum eine kleine Portion Kohlenhydrate,<br />
z. B. in Form eines Müsliriegels,<br />
zu sich nehmen.“<br />
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In allen Bergsportarten gilt, mit einer körperlichen<br />
Reserve unterwegs zu sein. Auch, weil man den Berg<br />
und die Natur dann mit anderen Augen wahrnimmt ...<br />
97<br />
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TIROL<br />
WO WEITWANDERN<br />
TRADITION HAT<br />
Die Natur spüren, die Langsamkeit entdecken, dem Alltag entfliehen:<br />
Egal, was der Wanderer sucht – auf Osttirols weiten Wegen wird er es finden.<br />
Wandern ist für Osttirol-Besucher<br />
fast Pflicht. Und weil für<br />
die vielen Highlights inmitten<br />
der 266 Dreitausender ein (Wander-)Tag<br />
allein nicht reicht, gibt es in<br />
Osttirol eine Fülle von Weitwanderwegen.<br />
Vom legendären Adlerweg<br />
über den Karnischen Höhenweg bis<br />
zum Herz-Ass-Weg ist für jeden etwas<br />
dabei. Ganz neu ist ab diesem Juli der<br />
grenz überschreitende „2TälerTrail“,<br />
der vom Defereggental in Osttirol bis<br />
ins Antholzertal in Südtirol führt. In<br />
sieben Tagesetappen erleben Wanderer<br />
den „Balkon der Alpen“ – sprich:<br />
eine Strecke, die stets in der Mitte zwischen<br />
Talboden und Gipfelhöhen dahinführt.<br />
Auf dem Adlerweg braucht man<br />
dagegen eine gute Kondition und Trittsicherheit:<br />
Die neun Etappen von Ströden<br />
am Fuße des Großvenedigers bis<br />
zur Stüdlhütte am Großglockner führen<br />
über fast 100 Kilometer. Wird diese<br />
schönste Verbindung zwischen den<br />
beiden heimischen Giganten im Ganzen<br />
gegangen, sind 8.000 Höhenmeter<br />
bergauf und bergab zu bewältigen.<br />
Die Villgrater Berge wiederum<br />
umschließen mit ihren imposanten<br />
Gipfeln die beiden Bergsteigerdörfer<br />
Außer- und Innervillgraten in einer<br />
großen Herzform, was freilich nur aus<br />
der Vogelperspektive erkennbar ist. Im<br />
Jahr 1988 wurde die Umrundung der<br />
Villgrater Berge erstmals im Rahmen<br />
einer spannenden und herausfordernden<br />
Expedition erfolgreich gemeistert,<br />
das „Herz-Ass Villgraten“ war geboren.<br />
Die Weitwanderrunde ist auf fünf mittelschwere<br />
Tagesetappen ausgelegt.<br />
Entlang des Weges warten gemütliche<br />
Hütten und Almen, wo man sich mit<br />
Hausmannskost stärken kann.<br />
WEIT, WEITER, OSTTIROL<br />
Spätestens seit dem Jakobsweg-Hype<br />
entdecken immer mehr Naturliebhaber<br />
die Faszination des Weitwanderns<br />
– und dafür passt Osttirol einfach ideal.<br />
Überlaufene Wege sucht man hier<br />
außerdem vergebens. Die Region ist<br />
mit ihrem verzweigten Wanderwegenetz,<br />
den Seitentälern und alpinen<br />
Ur-Landschaften schon lange eine der<br />
ersten Adressen für Weitwander-Fans.<br />
Romantik, Schönheit, Kultur und berühmte<br />
Berge – wer all das schätzt, ist<br />
auf Osttirols weiten Wegen richtig.<br />
Weitere Informationen unter:<br />
wandern.osttirol.com<br />
Angebots-Tipp<br />
„Erlebnisvielfalt am<br />
Osttiroler Bauernhof“<br />
13. 5.–16.9.<strong>2017</strong><br />
Genieße die herrliche und ursprüngliche<br />
Landschaft beim Wandern, Klettern,<br />
Radfahren.<br />
INKLUSIVLEISTUNGEN:<br />
• 7 Übernachtungen im qualitätsgeprüften<br />
„Urlaub am Bauernhof“-Betrieb<br />
• 1 erfrischender und hausgemachter<br />
Fruchtsaft zur Begrüßung<br />
• 1 Hofführung mit Kennenlernen des<br />
Bauernhof-Alltags. Je nach Bewirtschaftung<br />
erfahren Sie dabei unterschiedliche<br />
und spannende Geschichten<br />
• 1 gemeinsame Almwanderung<br />
• 1 kleines Kräuter-Souvenir aus dem<br />
Bauerngarten als Geschenk<br />
PREIS: ab € 200,– pro Person in der Ferienwohnung,<br />
ab € 220,– im Doppelzimmer<br />
mit Frühstück<br />
INFOS UND BUCHUNGEN:<br />
www.osttirol.com<br />
FOTOS: TVB Osttirol<br />
98<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
AM FUSSE DES GLOCKNERS<br />
STEHT DIE NATUR IM MITTELPUNKT<br />
Wandern, Wellness, Gipfelglück: Das Vier-Sterne-Hotel Taurerwirt in<br />
Kals am Großglockner bietet dir einen Natur-Urlaub mit allen Facetten.<br />
FOTOS: Vital- und Wanderhotel Taurerwirt<br />
Geborgenheit und Ruhe zum<br />
Wohlfühlen und Aktivsein;<br />
in einer Lage zum Verlieben:<br />
Das alles zeichnet den Taurerwirt in<br />
Kals am Großglockner, direkt im Nationalpark<br />
Hohe Tauern gelegen, aus.<br />
Die Gipfelwelt ringsum macht das Hotel<br />
zu einem Kraftplatz mitten in den<br />
Bergen.<br />
Egal, ob beim Entspannen und<br />
Erholen, beim Wandern und Bergsteigen<br />
oder beim Essen und Trinken – die<br />
Natur steht hier immer und eindeutig<br />
im Mittelpunkt. Vom Frühstück bis<br />
zum Abendessen verwöhnen die<br />
Hausherren ihre Gäste mit Produkten<br />
aus Osttirol: Wild aus dem Kalser<br />
Jagdrevier, Milch- und Fleischprodukte<br />
von Osttiroler Bauern sowie Saibling<br />
und Forelle aus dem eigenen Fischwasser.<br />
Dazu kommen die frische<br />
Almbutter und der Graukäse aus dem<br />
Kalser Lesachtal oder das Berg lamm<br />
aus dem Villgratental.<br />
Gut gestärkt, kann man Wanderungen<br />
jeder Schwierigkeit in Angriff<br />
nehmen. Der Taurerwirt ist passenderweise<br />
ein Gründerbetrieb der<br />
Europa Wanderhotels, wodurch Gäste<br />
eine Vielzahl an Serviceleistungen<br />
rund ums Wandern in Osttirol genießen.<br />
Beispielsweise können sie an speziellen<br />
Touren, die zumindest vier Mal<br />
pro Woche stattfinden, teilnehmen<br />
– an einer Sonnenaufgangswanderung<br />
oder einer Nature-Watch-Wanderung.<br />
Das Highlight ist eine Tour auf<br />
Österreichs größten Berg, den Großglockner.<br />
Gemeinsam mit den Kalser<br />
Bergführern geht es hinauf auf die<br />
„Adlersruhe“ und nach einer Nacht in<br />
der höchstgelegenen Hütte des Landes<br />
auf den Gipfel in 3.798 Metern Seehöhe.<br />
Dort liegt Bergsteigern das „Land<br />
der Berge“ zu Füßen.<br />
GLETSCHERSCHLIFF FÜR DIE HAUT<br />
Nach der Rückkehr ist eine Bergsteigermassage<br />
im „Glockner Spa“ des<br />
Taurerwirts genau das Richtige für<br />
die müden Muskeln und Knochen.<br />
Pure Entspannung bieten auch der<br />
Whirlpool im Freien, eine Panoramasauna<br />
mit Gletscherblick, ein So-<br />
le-Dampfbad, eine Infrarot- sowie<br />
eine finnischen Sauna. Ein Spa-Highlight<br />
ist das „Original Taurerwirt<br />
Gletscherschliffpeeling“ – ein zu 100<br />
Prozent reines Naturprodukt aus den<br />
Bergen. Wie übrigens sogar der Strom,<br />
der zur Gänze vom hauseigenen Wasserkraftwerk<br />
kommt.<br />
Package-Tipp: „Großglockner-Gipfelwoche“<br />
• 6 Nächte inkl. Frühstücksbuffet, Tee<br />
und Kuchen am Nachmittag, freie Benützung<br />
des „Glockner Spa“<br />
• 1 Hüttenübernachtung auf der Adlersruhe<br />
mit Halbpension<br />
• 1 Großglockner-Gipfelbesteigung mit<br />
einem Kalser Bergführer<br />
• 1 Bergsteigermassage (25 Minuten)<br />
PREIS: ab € 836,– p. P. und Woche<br />
VITAL- UND WANDERHOTEL<br />
TAURERWIRT****<br />
9981 Kals am Großglockner<br />
Tel.: 0 48 76/82 26<br />
E-Mail: info@taurerwirt.at<br />
WEB: www.taurerwirt.at<br />
99<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
OUTDOORGUIDE<br />
GUT<br />
GEGANGEN<br />
Blasen und Scheuerstellen lassen eine Wanderung<br />
schnell zur „Tortour“ werden. Mit der<br />
richtigen Fußpflege, speziellen Trekkingsocken<br />
und Einlegesohlen kannst du dem Wundlaufen<br />
aber entgehen. Wir erklären, wie’s funktioniert.<br />
Nichts verdirbt eine Tour so<br />
schnell wie die Blase am Fuß.<br />
Die gute Nachricht: Wandern<br />
ohne Wundstellen ist<br />
kein Glücksspiel. Mit ein paar einfachen<br />
Kniffen lassen sich Blasen und<br />
andere schmerzende Scheuerstellen<br />
reduzieren – oder sogar verhindern.<br />
Eine regelmäßige Pflege der Füße einerseits,<br />
sowie die Auswahl und das<br />
„Tunen“ des Materials (vom Schuh bis<br />
zu den Einlagen) andererseits sind dabei<br />
entscheidend.<br />
DAS MUSS SITZEN<br />
Der eingefleischte Outdoorer weiß bereits,<br />
dass gut sitzende Wanderschuhe<br />
das A und O für einen gelungenen (und<br />
blasenfreien) Marsch in die Berge sind.<br />
Daher gilt: keine Kompromisse beim<br />
Schuhkauf!<br />
Darauf solltest du bei der Anprobe<br />
achten, um beim Sportfachhändler<br />
letztlich zum richtigen Paar zu greifen:<br />
Wichtig ist, dass Länge und Passform<br />
hundertprozentig stimmen. Die<br />
Zehen dürfen vorne nicht anstoßen –<br />
hier sollte schon eine Daumenbreite<br />
frei sein. Außerdem muss das Schuhoberteil<br />
den Fuß genau umschließen,<br />
ohne unangenehm zu drücken. Und<br />
„Kurz vor der<br />
Wanderung zur<br />
Fußpflege zu gehen,<br />
ist ein No-Go.“<br />
EVA KNOLL, KOSMETIKERIN<br />
& FUSSPFLEGERIN<br />
auch auf die Ferse nicht vergessen.<br />
Wenn diese im Wanderschuh nämlich<br />
zu viel Spielraum hat, reibt sie bei<br />
jedem Schritt auf und ab. Die Blase ist<br />
vorprogrammiert – und die guten<br />
Wandersocken werden auch kaputt ...<br />
Noch ein Tipp: Den Bergschuhkauf<br />
solltest du am besten am Nachmittag<br />
einplanen, da die Füße dann etwas größer<br />
sind als am Morgen. Nimm zur Anprobe<br />
auch unbedingt die Trekkingsocken<br />
mit, die du später beim Wandern<br />
tragen wirst, und gehe mit den Schuhen<br />
im Sportgeschäft bergauf und bergab.<br />
Einige Läden bieten für diesen Zweck<br />
sogar eine eigene schiefe Ebene.<br />
„TUNING“ FÜR DRINNEN<br />
Im Kampf gegen das Wundlaufen<br />
können spezielle Wandersocken<br />
und Einlegesohlen ebenfalls zu deinen<br />
Verbündeten werden. „Hochwertige<br />
Trekkingsocken sind gerade an Problemstellen<br />
wie Fußballen und Ferse<br />
mit Verstärkungen ausgestattet. Wenn<br />
es Druckstellen im Schuh gibt oder der<br />
Schaft zu viel Volumen hat, sind die gepolsterten<br />
Funktionsmodelle von Vorteil“,<br />
bestätigt auch die Kosmetikerin<br />
und Fußpflegerin Eva Knoll – und warnt<br />
gleichzeitig: „Zu groß und zu dick sollten<br />
die Socken aber nicht sein, damit sie<br />
im Schuh keine Falten werfen.“<br />
Welche Rolle spielen Einlegesohlen<br />
beim Wandern? „Gute Nachrüstsohlen<br />
sind vor allem für Wanderer<br />
mit ‚Problemfüßen‘ empfehlenswert.<br />
Die Sohlen sollten aber vor der ersten<br />
großen Tour unbedingt von einem Orthopäden<br />
angepasst und mindestens<br />
ein bis zwei Monate vorher vom Wanderer<br />
auch ‚eingetragen‘ werden“,<br />
weiß die Expertin. „So gewöhnen sich<br />
die Füße an die Einlagen, die anfangs<br />
für den Träger etwas unangenehm<br />
sein können.“<br />
Aber auch dem Wanderer mit<br />
Durchschnittsfüßen können Einlegesohlen<br />
nützen. Je nach Modell erhöhen<br />
sie die Dämpfung oder verkleinern<br />
das Schuhvolumen und sorgen<br />
für mehr Halt im Schuh.<br />
FOTOS: iStock, Fotostudio Alexandra<br />
100<br />
TEXT: Claudia Riedl <strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
RICHTIGE FUSSPFLEGE<br />
Beim Marschieren müssen unsere<br />
Füße aber immer noch die Hauptarbeit<br />
leisten. Es spricht also nichts dagegen,<br />
ihnen vor, nach und im Notfall sogar<br />
während der Wanderung Pflege zu<br />
gönnen – vor allem, wenn man weiß,<br />
dass man mit ein paar regelmäßig angewendeten<br />
Fußpflegetricks Wundstellen<br />
vorbeugen kann.<br />
Fußpflegerin Eva erklärt uns, was<br />
vor dem Abmarsch zu tun ist: „Man<br />
sollte vorher einen Blick auf seine Zehennägel<br />
werfen. Zu lange Nägel gehören<br />
gegebenenfalls gekürzt. Außerdem<br />
ist es ratsam, gerade auf den<br />
Fersen spröde Hautteile mit einem<br />
Bimsstein vorsichtig zu entfernen,<br />
um ein Aufspringen der Haut und in<br />
Folge schmerzhafte Risse zu vermeiden.“<br />
Wichtig: Kurz vor der Tour zur<br />
Profi-Fußpflege zu gehen, ist jedoch<br />
ein No-Go, da die Haut dann nach der<br />
Behandlung empfindlich ist.<br />
Damit die Haut geschmeidig<br />
bleibt, sollte man seine Füße nach der<br />
Bimssteinbehandlung und auch generell<br />
regelmäßig mit einer pflegenden<br />
Die Expertin<br />
EVA KNOLL (25) ist Kosmetikerin<br />
& Fußpflegerin. Nach vier Jahren<br />
als Fachkraft in der Kosmetik-<br />
und Fußpflegebranche hat<br />
sie sich Anfang <strong>2017</strong> in Naas bei<br />
Weiz (St) den Traum vom eigenen<br />
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KONTAKT: Tel.: 0664/39 88 676<br />
WEB: www.eva-knoll.at<br />
Fußcreme einreiben. „Denn geschmeidige<br />
Haut ist weniger anfällig<br />
für Blasen“, weiß die Expertin. „Unsere<br />
Füße brauchen Feuchtigkeit und<br />
Fett – feuchtigkeitsspendende Cremes<br />
schützen vor trockenen, rissigen Füßen,<br />
fettspendende Salben (z. B. mit<br />
Hirschtalg) vor Druckstellen.“<br />
Nach einer langen Wandertour<br />
gönnst du deinen Füßen am besten<br />
ein warmes Fußbad zur Entspannung.<br />
Das warme Wasser wirkt durchblutungsfördernd,<br />
außerdem wird etwaige<br />
Hornhaut aufgeweicht und kann<br />
anschließend leicht entfernt werden.<br />
Tipp der Expertin: „Fußbäder mit<br />
Kräuterzusätzen wie Lavendel und<br />
Rosmarin beleben die Haut und lassen<br />
unangenehmen Schweißgeruch<br />
verschwinden. Danach die Füße noch<br />
gut abtrocknen und eincremen.“<br />
BLASE – WAS JETZT?<br />
Und was ist zu tun, wenn sich doch<br />
mal eine Blase den Weg an die Hautoberfläche<br />
bahnt? „Kleine Blasen ja<br />
nicht aufstechen, sondern lieber ein<br />
Blasenpflaster verwenden. Die Haut<br />
über der Blase schützt nämlich vor Infektionen.<br />
Größere, unter Spannung<br />
stehende Blasen sollte man nur mit einer<br />
sauberen Nadel aufstechen, desinfizieren<br />
und überkleben.“ Generell<br />
gilt: Bei einer aufgeplatzten Blase die<br />
Wundstelle möglichst sauber halten.<br />
Ein kleines Erste-Hilfe-Set mit Blasenpflaster<br />
und Wunddesinfektionsspray<br />
gehört also in jeden Rucksack!<br />
Aktiver Gel-Polster lindert<br />
Druckschmerzen sofort.<br />
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MATERIAL<br />
KURZ-<br />
PORTRÄT<br />
HAUPTEIGENSCHAFTEN: hoch geschnitten<br />
für Stabilität und guten Knöchelhalt<br />
• festere, steifere Sohle für bessere Trittfestigkeit<br />
im felsigen Gelände • gröberes bis<br />
grobes Profil • Gummiumrandung als<br />
Geröllschutz • wenig Dämpfung • meist<br />
wasserdicht • bedingt steigeisenfest;<br />
Alpinschuh: voll steigeisenfest<br />
EINSATZBEREICH: steile, grobe, steinige und<br />
felsige Wege in höheren Lagen<br />
IM SCHAUFENSTER:<br />
Je höher es hinausgeht, je schwieriger das Unternehmen in den Bergen ist,<br />
desto stabiler und robuster muss der Schuh sein.<br />
So wie die zehn hier vorgestellten Modelle.<br />
DACHSTEIN<br />
MONT BLANC EV<br />
Im voll steigeisenfesten Mountaineering-Modell<br />
„Mont Blanc EV“ wurde als<br />
Besonderheit ein Recco-Reflektor verarbeitet,<br />
der das vom Helikopter ausgestrahlte<br />
Suchsignal reflektiert und so<br />
eine schnelle Ortung im Notfall ermöglicht.<br />
Der Schuh ist dank eVent-Membran<br />
wasserdicht, für besonderen Komfort<br />
und erhöhte Bewegungsfreiheit<br />
sorgt ein Neopren-Schaftabschluss.<br />
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DOLOMITE<br />
TORQ GTX<br />
Ein Schuh mit allen Eigenschaften, die<br />
auf Klettersteigen und anspruchsvollen<br />
Touren im alpinen Gelände gefordert<br />
sind. Er bietet eine präzise Passform<br />
und eine Schnürung mit unabhängigen<br />
Haken, um den Fuß zu umschließen und<br />
nicht einzuschnüren. Die Sohle Alp HC<br />
Vibram® bietet sicheren Halt im alpinen<br />
Gelände. Er ist bequem, leicht und strapazierfähig.<br />
PREIS (UVP): € 259,95<br />
WEB: www.dolomite.it<br />
HANWAG<br />
MAKRA COMBI GTX®<br />
Der besonders leichte (590 Gramm bei<br />
Größe 7) und stabile Hanwag Makra<br />
Combi GTX® ist ein wahrer Allrounder<br />
für alpine Bergtouren mit und ohne<br />
Gletscherpassagen. Seine aggressive<br />
Sohle bietet besten Grip. Hochwertiges<br />
Cordura® mit Verstärkungsnähten und<br />
eine Nylon-Brandsohle sorgen für Halt<br />
im Schuh sowie einen sicheren Auftritt.<br />
Dank Gore-Tex®-Innenfutter bleiben die<br />
Füße vor Nässe geschützt.<br />
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KEEN<br />
GALLEO MID WP<br />
Der Wanderstiefel für Damen und Herren<br />
ist aus hochwertigem Nubukleder<br />
gefertigt und besitzt eine wasserdichte,<br />
atmungsaktive KEEN.Dry-Membran.<br />
Seine Hauptmerkmale sind ein starker<br />
Komfort, hohe Funktionalität und ein<br />
traditioneller Hikerlook. Der für ausgedehnte<br />
Wanderungen und Rucksacktouren<br />
konzipierte Galleo verfügt über<br />
eine PU-Mittelsohle mit hohem Maß an<br />
Flexibilität und Dämpfung.<br />
PREIS (UVP): € 179,95<br />
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FOTOS: Hersteller, iStock<br />
102<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
10 BERG- UND ALPINSCHUHE<br />
LA SPORTIVA<br />
TRANGO TOWER GTX<br />
Ein leichter und wasserfester Wanderschuh<br />
für Klettersteige und Backpacking<br />
mit schwerem Gewicht. Das neue<br />
Honey-Comb-Guard-Material verstärkt<br />
den Schuh an abnutzungsanfälligen<br />
Stellen und durch seine abgestufte<br />
TPU-Ferse ist der Trango steigeisenkompatibel.<br />
Für optimalen Grip sorgt die<br />
Cube-Sohle von Vibram®.<br />
PREIS (UVP): € 285,–<br />
WEB: www.lasportiva.com/de<br />
MAMMUT<br />
MAGIC HIGH GTX MEN / WOMEN<br />
Mammuts steigeisenfester Bestseller<br />
wurde überarbeitet, mit dem Ziel, den<br />
Komfort und den Halt im Schuh zu verbessern.<br />
Dies wurde über ein elastisches<br />
Textil im Bereich der Zunge, der<br />
Flex-Zone und am Kragen sowie weitere<br />
Maßnahmen erreicht. Unverändert<br />
ist, dass sich der Schuh ideal auf anspruchsvollen<br />
Bergwanderungen und<br />
auf Klettersteigen einsetzen lässt.<br />
PREIS (UVP): € 270,–<br />
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SALOMON<br />
S-LAB X ALP CARBON 2 GTX®<br />
Schnell und leicht vom Tal bis zum Gipfel<br />
und wieder zurück: Der S-LAB X Alp<br />
Carbon 2 GTX ist (nicht nur optisch) ein<br />
einzigartiger Schuh, dessen Aufgabe<br />
es ist, diese komplexe Aufgabe zu meistern.<br />
Salomon verspricht einen Bergschuh,<br />
der für eine neue Dimension von<br />
Leichtigkeit sorgt.<br />
PREIS (UVP): € 320,–<br />
WEB: www.salomon.com<br />
LOWA<br />
ALPINE PRO GTX®<br />
Der Alpine Pro GTX® ist ein technisch<br />
ausgereifter High-End-Bergstiefel, der<br />
selbst die höchsten Ansprüche moderner<br />
Alpinisten erfüllt. Während seine<br />
besonders flache Zwischensohle für<br />
mehr Sensibilität zum Boden sorgt, stehen<br />
das Profil der VIBRAM®-„Alp Trac“-<br />
Außensohle sowie die verkürzte Schuhspitze<br />
für optimale Kontrolle und beste<br />
Kraftübertragung bei alpinen Touren.<br />
PREIS (UVP): € 379,95<br />
WEB: www.lowa.at<br />
SALEWA<br />
MS MTN TRAINER MID GTX<br />
Der Mountain Trainer Mid GTX® ist ein<br />
leichter Trekkingstiefel, der aus robustem<br />
Veloursleder und abriebfestem Textilmaterial<br />
gefertigt sowie mit einem<br />
wasserdichten und atmungsaktiven Gore-Tex®-Futter<br />
versehen ist. Er ist für<br />
gemischtes und technisches Gelände<br />
entwickelt, bietet guten Halt und zuverlässigen<br />
Tragekomfort auch bei langen<br />
Wanderungen.<br />
PREIS (UVP): € 219,95<br />
WEB: www.salewa.at<br />
SCARPA<br />
ZODIAC TECH GTX<br />
Der leichte, bedingt steigeisenfeste<br />
Bergstiefel ist dank Gore-Tex® Futter<br />
dauerhaft wasserdicht und atmungsaktiv.<br />
Mit seinem stabilen Sohlenaufbau<br />
und der Steigeisenaufnahme für den<br />
Kipphebel an der Ferse ist er mit Kombi-Steigeisen<br />
kompatibel. Für Bergtouren<br />
mit Kletterabschnitten, Klettersteige<br />
und leichte Querungen über Schneefelder<br />
und flaches Gletschereis ist er somit<br />
vorbereitet.<br />
PREIS (UVP): € 270,–<br />
WEB: www.scarpa.net<br />
103
KURZ-<br />
PORTRÄT<br />
HAUPTEIGENSCHAFTEN:<br />
• oft (aber nicht immer) niedrig geschnitten • eher<br />
steife Sohle • weiche Gummimischung für hohe Reibung<br />
• massives, robustes Außenmaterial mit hochgezogenem<br />
Gummirand als Geröllschutz • nach vorn gezogene<br />
Schnürung für guten Halt und gute Kontrolle<br />
im Zehenbereich<br />
EINSATZBEREICHE: Zustieg zur Felswand, Klettern<br />
(wenn technisch nicht zu anspruchsvoll), Klettersteig<br />
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER:<br />
10 APPROACHSCHUHE<br />
Leichtigkeit und Allroundeigenschaften auf wechselnden Untergründen<br />
sind (nicht nur) beim Zustieg zur Felswand gefragt.<br />
COLUMBIA<br />
CONSPIRACY IV OUTDRY<br />
Dieser vielseitige Schuh mit geschweißten<br />
Textil-Überschlägen<br />
verfügt über eine leichte Zwischensohle<br />
für lang anhaltenden<br />
Komfort, hervorragende Dämpfung<br />
und extra Sprungkraft. Der<br />
abriebfeste Gummi sorgt für guten<br />
Halt, während die wasserdichte<br />
Konstruktion mit atmungsaktivem<br />
Netzmaterial garantiert, dass du<br />
für alles gerüstet bist, was der Tag<br />
am Berg so bringt.<br />
PREIS (UVP): € 99,95<br />
WEB: www.columbiasportswear.at<br />
DACHSTEIN<br />
SPÜRSINN EVO<br />
Zusammen mit „Blind Climber“<br />
Andy Holzer hat Dachstein das<br />
High-Performance-Modell mit besonders<br />
feinfühliger Sohle und<br />
einem sockenartigen, gestrickten<br />
Schaft entwickelt. Die 9-mm-Fersen-Vorfuß-Sprengung<br />
erhöht den<br />
Gehkomfort. Gleichzeitig verspricht<br />
der minimalistische Schaft<br />
eine hervorragende Passform und<br />
mehr Gefühl für das Gelände.<br />
PREIS (UVP): € 179,95<br />
WEB: www.dachsteinschuhe.com<br />
DOLOMITE<br />
STEINBOCK APPROACH HP GTX<br />
Der Schuh ist leistungsstark, zuverlässig<br />
und leicht; garantiert<br />
guten Schutz und Komfort- zeigt<br />
sich dabei modisch attraktiv. Der<br />
Oberschuh besteht aus Sämischleder,<br />
Zehen- und Fersenkappen aus<br />
Gummi sorgen für festen Sitz und<br />
Schutz. Durch seine Vibram®-Sohle<br />
bietet er eine hohe Sicherheit<br />
und ist durch die Gore-Tex®-Membrane<br />
wasserdicht und atmungsaktiv<br />
zugleich.<br />
PREIS (UVP): € 219,95<br />
WEB: www.dolomite.it<br />
HANWAG<br />
MAKRA LOW GTX®<br />
Er ist ein robuster, gleichzeitig<br />
flexibler Zustiegsschuh für anspruchsvolles<br />
Gelände. Seine aggressive<br />
Sohle bietet idealen Grip,<br />
während ein besonders weicher<br />
Textilabschluss unterhalb des Knöchels<br />
den Tragekomfort optimiert.<br />
Ein Materialmix aus Velours und<br />
Cordura® macht den Makra Low<br />
besonders leicht. Damen- und<br />
Herrenvarianten sind wahlweise<br />
mit einem Leder- oder GORE-TEX®-<br />
Innenfutter erhältlich.<br />
PREIS (UVP): € 179,99<br />
WEB: www.hanwag.de<br />
104<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
LA SPORTIVA<br />
TX 3 GTX<br />
Der wasserdichte TX 3 GTX eignet<br />
sich für Zustiege, Klettersteige<br />
und leichte Kletterei. Er besitzt die<br />
griffige „Megagrip“-Sohle von Vibram®<br />
sowie das von La Sportiva<br />
bekannte Impact-Brake-System.<br />
Die Climbing Zone an der Fußspitze<br />
bietet zusätzlichen Halt am<br />
Fels. PREIS (UVP): € 175,–<br />
WEB: www.lasportiva.com/de<br />
SALEWA<br />
UN WILDFIRE PRO<br />
Der Wildfire Pro ist ein Halbschuh<br />
für den Zustieg mit technischem<br />
Anspruch für Bergsteiger-Profis.<br />
Konzipiert für Zustiege, technisch<br />
anspruchsvolles Wandern<br />
und felsige Bergpfade bietet<br />
der Schuh eine ausgezeichnete<br />
Steigleistung. Verantwortlich dafür<br />
ist die Vibram-Tech-Approach-EVO-Laufsohle<br />
mit einer<br />
Gummimischung, die auch bei<br />
Kletterschuhen verwendet wird.<br />
PREIS (UVP): € 159,95<br />
WEB: www.salewa.at<br />
SCARPA<br />
EPIC GTX<br />
Der Epic GTX ist ein wetterfester<br />
Zustiegsschuh mit einem hervorragenden<br />
Verhältnis aus Komfort<br />
und Präzision. Mit seiner relativ<br />
schmalen Sock-Fit-Passform<br />
bietet der technische Halbschuh<br />
viel Kontrolle bei Kletterpassagen<br />
– dank optimalem Ferseneinschluss,<br />
Verstärkung im Mittelfußbereich<br />
und langer, bis in den<br />
Vorfuß reichenden Schnürung. Das<br />
Gore-Tex®-Futter macht ihn zum<br />
perfekten, wasserdichten und atmungsaktiven<br />
Allwetter-Begleiter.<br />
PREIS (UVP): € 180,–<br />
WEB: www.scarpa.net<br />
FOTOS: Dolomiti Scott, Hersteller<br />
LOWA<br />
APPROACH PRO GTX® LO<br />
Statt unnötigen Ballast mit<br />
sich herumzutragen, bietet der<br />
APPROACH PRO GTX® LO ambitionierten<br />
Gipfelstürmern eine<br />
sportlich-funktionale Lösung:<br />
Konstruiert wie ein robuster Socken,<br />
umschließt der Halbschuh<br />
mit griffiger VIBRAM®-„Rock<br />
Trac“-Sohle den gesamten Fuß<br />
und lässt sich dank innovativem<br />
Double-Speedlacing in gleich zwei<br />
Zonen individuell anpassen.<br />
PREIS (UVP): € 189,95<br />
WEB: www.lowa.at<br />
SALOMON<br />
X ALP SPRY<br />
Salomon hat seine besten X-ALPund<br />
Trailrunning-Technologien<br />
vereint, um diesen leistungsstarken<br />
und leichtgewichtigen<br />
Zustiegsschuh ins Leben zu rufen.<br />
Der X Alp Spry ist perfekt für<br />
Zustiege und technisch orientiertes<br />
Terrain geeignet, wo es vor allem<br />
auf Flexibilität und Reaktivität<br />
ankommt.<br />
PREIS (UVP): € 120,–<br />
WEB: www.salomon.com/de<br />
VAUDE<br />
DIBONA ADVANCED STX<br />
Ein wasserdichter Approach-Halbschuh<br />
mit umweltfreundlicher<br />
Sympatex®-Membran und griffiger<br />
Vibram®-Ibex-Sohle. Das<br />
hochwertige Nubukleder kommt<br />
aus Deutschland und wird unter<br />
höchsten Umweltstandards hergestellt.<br />
Materialmischung und Profilierung<br />
der Sohle sind mit ihrer<br />
Härte und Dämpfung speziell auf<br />
den Zustieg abgestimmt.<br />
PREIS (UVP): € 160.–<br />
WEB: www.vaude.com<br />
105
OUTDOORGUIDE<br />
DER ETWAS ANDERE<br />
DUATHLON<br />
KLETTERN UND FLIEGEN: Am Tiroler Achensee kann man beides<br />
kombinieren. Man braucht weder Seillängen-, noch Flug stunden-<br />
Erfahrung. Nur mit Fragen sollte man sich zurückhalten.<br />
TEXT: Klaus Höfler<br />
106<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
FOTOS: Klaus Höfler<br />
Es ist eine der latenten dramaturgischen<br />
Schwächen des Alpinismus.<br />
Egal, ob bei Expeditionen<br />
auf die höchsten Gipfel des<br />
Globus, beim Wandern Richtung<br />
Almhütte, beim Kraxeln im Klettersteig<br />
oder beim Freesolo in irgendeiner<br />
senkrechten Nordwand: Der Höhepunkt<br />
– nämlich das Gipfelerlebnis<br />
– kommt nicht als „Grande Finale“ daher,<br />
sondern bettet sich irgendwo in<br />
die Mitte des Abenteuers. Es hört am<br />
Berg nicht auf, wenn es am schönsten<br />
ist – nämlich ganz oben. Man muss<br />
auch wieder runter. Und egal, wo: Der<br />
Abstieg ist meist weniger spektakulär,<br />
weniger unterhaltsam, weniger<br />
elegant.<br />
Meist ja. Aber nicht immer. Denn<br />
es gibt eine spektakulärere Variante<br />
für das Decrescendo an Höhenmetern,<br />
indem man beispielsweise aus<br />
dem Runtergehen ein Runterfliegen<br />
macht. „Hike & Fly“ nennt sich dieser<br />
extravagante Duathlon mit den Zutaten:<br />
Rauf mit Bergschuhen und Klettersteigset,<br />
runter mit dem Paragleitschirm.<br />
Die einzigen Konstanten sind<br />
der Helm und der Rock'n'Roll der Endorphine.<br />
DAS GRÜNE „TIROLER MEER“<br />
Ausprobieren kann man diese glücksbringende<br />
Kombination beispielsweise<br />
am Achensee. Tirols größter<br />
Bergsee ist für sich schon eine landschaftliche<br />
Attraktion. Das sehnsuchtsvoll<br />
„Tiroler Meer“ genannte,<br />
bis zu 133 Meter tiefe Gewässer besticht<br />
durch karibische Farbmischungen<br />
– wenn das Wasser auch nicht<br />
ganz die dortige Badewannentemperatur<br />
erreicht. Die umgebenden Gebirgsstöcke<br />
des Karwendels und Rofangebirges<br />
sind bewährte<br />
Wandergebiete mit einer Vielzahl an<br />
bewirtschafteten Alm(hütt)en. Am<br />
See kann man kitesurfen, segeln oder<br />
baden.<br />
Und über dem See? Ein an guten<br />
Tagen mit bunten Paragleitschirmen<br />
vollbehangener Himmel verrät, dass<br />
hier Felsen, Almen, Wasser und die<br />
Lage an der Witterungskante zwischen<br />
Österreich und Deutschland<br />
eine besonders günstige Thermik entstehen<br />
lassen. Sie zu spüren, gehört zu<br />
den aufregenderen Augenblicken eines<br />
Outdoorlebens.<br />
Über den Klettersteig zum Startplatz: Hike & Fly ist eine Bergsport-Kombination,<br />
in der sich Auf- und Abstieg gleichermaßen kurzweilig gestalten lassen.<br />
HINTER MIR BRÜLLT EINER ...<br />
„Renn! Renn! Renn!“ Die Anweisungen<br />
von Mike Küng lassen an Deutlichkeit<br />
nichts vermissen. Unablässig<br />
brüllt er mir ins Ohr, obwohl ich gerade<br />
einmal 30 Zentimeter vor ihm bin.<br />
Durch eine gefinkelte Sitzgurtekonstruktion<br />
für Tandemflüge sind wir zu<br />
einer Schicksalsgemeinschaft aneinandergekettet.<br />
Zusammen rennen<br />
wir, was das Zeug hält, die Böschung<br />
hinunter. Ich klammere mich an den<br />
Gurt, Mike streckt seine Arme, die an<br />
fast unsichtbaren Fäden am sich langsam<br />
aufplusternden Paragleitschirm<br />
hängen, links und rechts wie Flügel<br />
weg: Das Bild, das wir abliefern, muss<br />
an den behäbig wirkenden Startvorgang<br />
von Schwänen erinnern.<br />
„Renn! Renn!“ Mike schreit noch<br />
immer. Ich laufe noch immer – obwohl<br />
meine Füße längst den Kontakt<br />
zum Boden verloren haben. Aber das<br />
Ein Selfie geht sich noch aus ...<br />
gehört im Sinne der Sicherheit zum<br />
Prozedere, wie auch die Suche nach<br />
Gegenwind als optimale Start bedingung.<br />
Nur zögernd will sich nach<br />
dem Zurechtrücken im Sitzgurt so etwas<br />
wie entspannte Gemütlichkeit<br />
beim Flugnovizen einstellen.<br />
Und dann greift plötzlich auch<br />
noch die Thermik nach uns. Es fühlt<br />
sich an, als wären wir in einen unsichtbaren<br />
Lift gestiegen, der uns in<br />
den Himmel katapultiert. In engen<br />
Kurven schrauben wir uns nach oben.<br />
Die eben noch über den Almboden<br />
rennenden Schuhe baumeln mittlerweile<br />
schwerelos in der Luft. Es bleibt<br />
bei all dem Staunen gar keine Zeit,<br />
sich dem mulmigen Gefühl in der Magengegend<br />
zu widmen.<br />
FLY MIT MIKE ...<br />
Ein vorsichtiger Blick nach oben:<br />
Stramm spannt sich der Schirm in der<br />
Größe einer Kleinwohnung (40 Quadratmeter)<br />
wie ein Dach über uns.<br />
Dann und wann ein leichtes Ziehen<br />
an den Steuerungsseilen und schon<br />
biegt unser Gespann in die gewünschte<br />
Richtung ab. So zischen wir mit bis<br />
zu 40 km/h über Bergflanken und weiter<br />
über den See, den man von hier –<br />
tausend Meter über dem Wasser – in<br />
seiner ganzen Ausdehnung bewundern<br />
kann. Den Luftraum über dem<br />
See kennt Mike Küng besonders gut.<br />
Hier führt er als Pilot der offiziellen<br />
107
HIKE & FLY<br />
Bergführer Andreas Nothdurfter, in Blau in der Bildmitte, ist für die Bergauf-<br />
Höhenmeter der „Hike & Fly“-Gruppe verantwortlich.<br />
Prüfinstitution „European Academy<br />
of Parachute Rigging“ (EAPR) häufig<br />
die Testflüge für neue Paragleitschirm-Modelle<br />
durch. Was das mit<br />
dem Wasser zu tun hat? „Im Zweifelsfall<br />
sind Notlandungen im Wasser<br />
statt am harten Landboden die bessere<br />
Wahl“, scherzt er. Hätte man nur<br />
nicht gefragt ...<br />
Noch einmal drehen wir ab Richtung<br />
Bergwelt. Wie geschrumpft liegt<br />
unser Startplatz da unten. Mike zeigt<br />
auf Alternativen in der Umgebung, allesamt<br />
knapp über 2000 Meter hoch:<br />
Spieljoch, Hochiss, Unnutz und Guffert.<br />
... UND HIKE MIT ANDREAS<br />
Diese Startplätze für das Flugabenteuer<br />
sind allesamt über ausgesucht schöne<br />
Routen oder Klettersteige zu erreichen.<br />
„Wir wählen nicht die<br />
Mike Küng, dreifacher Weltmeister in<br />
Gleitschirmakrobatik, Spitzname „Mad<br />
Mike“, heißt Gäste an Bord willkommen.<br />
einfachsten Wege, aber die schönsten“,<br />
wirbt Bergführer Andreas Nothdurfter.<br />
Er ist für den ersten Teil der<br />
ungewöhnlichen Duathlons zuständig,<br />
steht hinter dem Programmkapitel<br />
„Hike“. Es geht über alte Almpfade,<br />
entlang ruppiger Schuttkegel und<br />
über ausgesetzte Traversen Richtung<br />
Klettersteig.<br />
Je nach Können werden Touren<br />
ausgesucht, die einen fordern, aber<br />
nicht überfordern. Die Steige sind gut<br />
ausgebaut, auch wenn der Regen am<br />
Vortag den Fels teilweise rutschig gemacht<br />
hat. Die Aussichten rüber ins<br />
Karwendelgebirge, die Zillertaler und<br />
Stubaier Alpen oder ins Inntal sind<br />
schon von der Gipfelkreuz-Position<br />
aus grandios. Ein paar Stockwerke höher,<br />
am Schirm baumelnd, werden sie<br />
atemberaubend. Wie hoch er selbst<br />
schon mit einem Paragleitschirm geflogen<br />
ist, will ich vom Chefpiloten<br />
wissen. „Beim Höhenweltrekord bin<br />
ich aus 10.100 Meter mit dem Schirm<br />
aus einem Ballon abgesprungen“, erzählt<br />
der seither mit dem Vornamen-Zusatz<br />
„Mad“ Geschmückte.<br />
Auch dass er schon über den Ärmelkanal<br />
geflogen ist, weiß man wenig später.<br />
Hätte man nur nicht gefragt ...<br />
UND DAS GEHT SICH AUS?<br />
Mad Mike ist bereits wieder Richtung<br />
See abgebogen. Am Südende am Ortsrand<br />
von Maurach wird schon der<br />
Landeplatz sichtbar. Noch wirkt er<br />
ziemlich klein. Plötzlich ziehen mich<br />
die Fliehkräfte nach außen, die Sitzposition<br />
verändert sich von waagrecht in<br />
leicht gekippt, die Flugbahn von einer<br />
Geraden in eine enge Spirale Richtung<br />
unten. „Was machst du da?“, will ich<br />
wissen. „Wingover“, sagt Mad Mike.<br />
Dass er dreifacher Weltmeister im Akrobatikfliegen<br />
ist, verrät er mir erst<br />
nach der Landung. Hätte man nur<br />
nicht gefragt.<br />
Der Boden kommt jetzt immer<br />
schneller immer näher. Ein Blick auf<br />
den Windsack neben der Wiese verrät<br />
dem Piloten die richtige Richtung für<br />
den Landeanflug. „Das geht sich aus?“,<br />
äußere ich sanfte Zweifel am Gelingen<br />
einer sanften Landung. „Ich bin schon<br />
in einem fahrenden Ferrari-Cabrio gelandet“,<br />
hat Mad Mike auch noch Zeit,<br />
mir diese Anekdote zukommen zu lassen.<br />
Hätte man nur nicht gefragt ...<br />
„Füße nach vorne strecken“, kommen<br />
letzte Anweisungen. „Aufsetzen!“<br />
Ich spüre wieder Boden unter<br />
den Füßen. Hinter uns sinkt der<br />
Schirm erschöpft in die Wiese. Hat da<br />
irgendwer behauptet, der Weg vom<br />
Gipfel sei nur ein lästiger Abspann eines<br />
Bergabenteuers?<br />
„Hike & Fly“ Achensee –<br />
wird zu folgenden Terminen mit<br />
den beiden genannten Akteuren<br />
Mike Küng und Andreas<br />
Nothdurfter angeboten:<br />
28. & 29. OKTOBER <strong>2017</strong><br />
4. & 5. NOVEMBER <strong>2017</strong><br />
WEITERE TERMINE AUF ANFRAGE<br />
VORAUSSETZUNGEN: Gute Kondition,<br />
Trittsicherheit, Schwindelfreiheit.<br />
PREIS: EUR 399,– PRO PERSON<br />
Anmeldung & Reservierung unter<br />
info@mikekueng.com<br />
INFOS ZUR REGION:<br />
www.achensee.info<br />
FOTOS: Klaus Höfler<br />
108<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
KLETTERN UND „MEER“ AM ACHENSEE<br />
Der Achensee ist Tirols größter See. Seine fünf Ferienorte liegen eingebettet in der<br />
faszinierenden Berglandschaft des Karwendel- und Rofangebirges im Herz der Alpen.<br />
FOTOS: Achensee Tourismus<br />
Zwischen dem wildromantischen<br />
Karwendelgebirge im Westen<br />
und dem majestätischen Rofangebirge<br />
im Osten liegt der größte und<br />
wohl auch schönste See von Tirol – der<br />
Achensee. Dieser kristallklare Gebirgssee<br />
bildet auch das Herz der Urlaubsregion,<br />
die aus den fünf Orten<br />
Achenkirch, Maurach, Pertisau, Steinberg<br />
und Wiesing besteht.<br />
Einen der schönsten Ausblicke<br />
auf den Achensee genießen jene Sportler,<br />
deren Zuhause der Fels ist: Hoch<br />
über dem See finden passionierte Kletterer<br />
mit dem Rofangebirge eines der<br />
besten Tiroler Kletterreviere. Und<br />
wenn als Alternative ein so prominentes<br />
Klettergebiet wie das Karwendel<br />
ebenso „vor der Tür“ liegt, reicht ein<br />
Urlaub zum Kennenlernen kaum aus.<br />
Geübte lockt zum Beispiel das Gebiet<br />
rund ums Lamsenjoch mit bis zu 400<br />
Meter hohen Wänden.<br />
Aber auch Kinder und Einsteiger<br />
finden überm Achensee ihre Lieblingsfelsen.<br />
Tipp: Detaillierte Infos<br />
über die zahlreichen Klettermöglichkeiten<br />
im Rofan- und im Karwendelgebirge<br />
enthält eine ausführliche Broschüre,<br />
die es kostenlos beim<br />
Tourismusverband Achensee gibt.<br />
SPASS FÜR DIE GANZE FAMILIE<br />
Schon fast ein Klassiker im Rofan ist<br />
der Achensee-5-Gipfel-Klettersteig. Er<br />
führt zu den umliegenden Gipfeln von<br />
Haidachstellwand, Rosskopf, Seekarlspitze,<br />
Spieljoch und Hochiss. Mit einer<br />
Länge von zwei Kilometern zählt<br />
er zu den längsten Klettersteigen im<br />
Alpenraum.<br />
Ein besonderer Tipp für Familien<br />
und Einsteiger ist der neue Klettergarten<br />
Achenseehof in Achenkirch. Der<br />
ist ein perfekter Übungsplatz für Kletterfreunde<br />
jeder Generation. Neben<br />
Routen für Kinder- und Jugendliche<br />
bzw. Anfänger wartet auch die eine<br />
oder andere schwierigere Route.<br />
Strand, Spielplätze, Parkplätze und<br />
Kontakt<br />
ACHENSEE TOURISMUS<br />
Im Rathaus 387, A-6215 Achenkirch<br />
am Achensee, Tirol<br />
Tel.: 0 52 46/53 00 0<br />
E-Mail: info@achensee.com<br />
www.achensee.com<br />
ein Hochseilgarten in unmittelbarer<br />
Nähe runden das Angebot ab.<br />
Nach so viel Bewegung empfiehlt<br />
sich ein Sprung ins kühle Nass. Am<br />
Achensee kann man aufgrund des frei<br />
zugänglichen Ufers überall einfach<br />
sein Handtuch aufschlagen – von<br />
traumhaften Badebuchten bis zu den<br />
Strandbädern haben Wasserratten die<br />
Qual der Wahl. Aufgrund der perfekten<br />
topografischen Voraussetzungen<br />
bietet der Achensee auch für Radfahrer,<br />
die genussvoll die Natur erkunden<br />
wollen, schöne Tourenmöglichkeiten:<br />
Radwanderwege führen entlang des<br />
Seeufers in eines der romantisch gelegenen<br />
Seitentäler oder zu bekannten<br />
Almen, die bequem auch von den Orten<br />
aus zu erreichen sind.<br />
Tipp: WER DIE FÜNF GIPFEL mit erfahrenen<br />
Guides gehen möchte, kommt<br />
am besten zum Klettersteigcamp vom<br />
6. bis 9. Juli. Erfahrene Salewa-Klettersteig-Guides<br />
führen dort Anfänger sowie<br />
Fortgeschrittene über die Eisenwege<br />
und zeigen, worauf es bei Planung,<br />
Technik, Ausrüstung und Sicherheit am<br />
Berg ankommt.<br />
Das komplette Package kostet<br />
€ 435,– PRO PERSON, beinhaltet 3 Nächte<br />
im 4-Sterne-Wellnesshotel mit Halbpension,<br />
4 Tage Trainingsprogramm,<br />
Leihmaterial, Rofanseilbahn-Fahrten<br />
und ist über sportalpen.com buchbar.<br />
109
ZAHLENSPIELE<br />
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
SALZBURG<br />
10.000 KILOMETER LANG IST DIE STRECKE, WENN MAN ALLE OFFIZIELLEN WANDERWEGE ZUSAMMEN-<br />
FOTO: TVB Rauris/Gruber<br />
WWW.RAURISERTAL.AT<br />
110<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
STECKT, DIE IN ALLEN SALZBURGER URLAUBSREGIONEN MARKIERT UND BESTENS BESCHILDERT SIND.<br />
WWW.SALZBURGERLAND.AT<br />
liegt<br />
das Zittelhaus<br />
am<br />
Hohen Sonnblick<br />
– und ist damit die<br />
höchstgelegene Schutzhütte<br />
Salzburgs. Sehenswert<br />
auch: Das Heinrich-Kiener-Haus am<br />
Hochgründeck: Öko-Pionier Hermann<br />
Hinterhölzl baute dieses Schutzhaus zum<br />
ökologischsten Hüttenprojekt Europas aus.<br />
3.106<br />
Meter hoch<br />
1 Nationalpark<br />
ist im Salzburgerischen beheimatet<br />
– aber der zählt mit seinen 1.856<br />
km² Fläche nicht nur zu den größten<br />
Nationalparks Europas, sondern<br />
auch zu den großartig sten<br />
Hochgebirgslandschaften der Erde.<br />
Wer alles über dieses Outdoor-Paradies<br />
wissen will:<br />
www.hohetauern.at<br />
KILOMETER<br />
misst in seiner Gesamtheit<br />
der „Arnoweg“, Salzburgs<br />
längster Weitwanderweg.<br />
Benannt nach dem einstigen<br />
Bischof Arno führt<br />
dieser Rundweg auf 63<br />
ausgewiesenen Tagesetappen<br />
vorbei an landschaftlichen<br />
und kulturhistorischen<br />
Höhepunkten im<br />
Land Salzburg.<br />
1.200<br />
57<br />
SEILBAHNEN<br />
HABEN SOMMERBETRIEB<br />
IM OUTDOORLAND SALZBURG –<br />
ZEHN DAVON ALLERDINGS SIND ALS „ZERTI-<br />
FIZIERTE SOMMERBAHNEN“ MIT HÖCHSTER<br />
QUALITÄT UND MIT THEMENSCHWERPUNK-<br />
TEN EXTRA AUSGEWIESEN.<br />
DIESER BELIEBTE<br />
RUNDWANDERWEG FÜHRT<br />
AUF 31 ETAPPEN UND 350 KM<br />
EINMAL QUER DURCH<br />
DEN PONGAU.<br />
LIEGEN AUF DEM BEKANNTESTEN THEMENWEG – DEM „SALZBURGER ALMENWEG“: <br />
120 ALMHÜTTEN<br />
ALLE INFOS:WWW.<br />
SALZBURGER-ALMENWEG.AT<br />
STATIONEN BERÜHRT DIE<br />
EINSTÜNDIGE WANDERUNG,<br />
DIE IN WERFEN STARTET UND<br />
VOR ALLEM BEI WANDERERN AUS<br />
ÜBERSEE GEFRAGT IST. DENN DER<br />
„SOUND OF MUSIC-TRAIL“ FÜHRT<br />
AUCH AUF JENE WIESE, AUF DER<br />
JULIE ANDREWS ALS MARIA VON<br />
TRAPP MIT IHREN FILM-KINDERN<br />
EINE BERÜHMTE FILMSZENE<br />
DREHTE, DIE BIS HEUTE ÖSTER-<br />
REICHS BILD IN DEN USA PRÄGT.
SALZBURG<br />
DAS EINTRITTSTOR IN DIE<br />
WELT DES HOCHGEBIRGES<br />
WER DIE BERGE MAG, WIRD AUCH DIE GROSSGLOCKNER HOCHALPENSTRASSE<br />
SCHÄTZEN: Die Panoramastraße im Herzen Österreichs entführt in die Welt des<br />
Hochgebirges mit Gletscher, Schnee und Eis und macht die alpine Natur jedermann<br />
zugänglich. Die vor über 80 Jahren harmonisch in die Landschaft gefügte<br />
Straße führt in 36 Kehren ins Herz des Nationalparks Hohe Tauern. Immer höher<br />
schraubt sich das graue Band, die Dreitausender rücken näher, bis der höchste<br />
Berg Österreichs, der Großglockner (3.798 m) beinahe in Griffweite ist.<br />
ENTLANG DER 48 KILOMETER langen Großglockner Hochalpenstraße gibt<br />
es viel zu entdecken. Neben einzigartigen hochalpinen Ausblicken und<br />
spannenden Ausstellungen finden sich vielerorts schön angelegte Themenwege,<br />
die beispielsweise über die Flora und Fauna im Nationalpark Hohe Tauern<br />
informieren. Spielplätze sowie urige Hütten und Bergrestaurants erwarten<br />
Besucher ebenfalls, und wer möchte, kann oben sogar übernachten.<br />
INFO: www.grossglockner.at<br />
FOTO: Großglockner Hochalpenstrasse<br />
112<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
113
SALZBURG<br />
SPORTLICHES<br />
WERFENWENG<br />
Zu Fuß, per Rad oder in der Luft: Im Salzburger Pongau haben<br />
Bewegungsbegeisterte alle Optionen, ihren Leidenschaften nachzugehen.<br />
Sanfter Tourismus, das bedeutet:<br />
Ruhe und Entspannung,<br />
Naturgenuss fernab von Stress<br />
und Hektik des Alltags. In<br />
Werfenweng, idyllisch auf der Südseite<br />
des Tennengebirges im Salzburger<br />
Pongau gelegen, gehört Entschleunigung<br />
zum Programm. Langweilig<br />
wird dabei aber garantiert niemandem!<br />
So finden sich in der Region<br />
zahllose Möglichkeiten zur aktiven<br />
Erholung: Erfahrene Gipfelstürmer<br />
kommen hier ebenso zu ihrem Spaß<br />
wie Liebhaber langer Wanderungen<br />
und lockerer Spaziergänge. Unweit<br />
des Ferienorts lädt das Hochtal zu jeder<br />
Jahreszeit dazu ein, die Schönheiten<br />
seiner Natur mit allen Sinnen<br />
wahrzunehmen. Eine besonders attraktive<br />
Möglichkeit dafür findet<br />
man auf den frisch angelegten, rund<br />
zwölf Kilometer langen Wegen des<br />
„Werfenwenger Spazierhimmels“.<br />
Weit weg von Autoverkehr und anderen<br />
Störfaktoren führen sie entlang<br />
saftiger Baumreihen und kristallklarer<br />
Bachläufe zu den schönsten Aussichtsplätzen<br />
der Region.<br />
SANFT MOBIL AM (E-)BIKE<br />
Mit dem Tourenrad oder dem Mountainbike<br />
die Gegend erkunden? Aber<br />
gern! Fahrradfahrer haben in und um<br />
Werfenweng alle Möglichkeiten, abgasfrei<br />
und nur mit Muskelkraft die<br />
Bergwelt zu erfahren. Wer dafür ein<br />
wenig elektrische Unterstützung<br />
braucht, kann aufs E-Bike umsteigen.<br />
Das lässt sich – falls kein eigenes vorhanden<br />
ist – auch direkt vor Ort ausleihen,<br />
am besten mit der samo-Card,<br />
welche viele weitere Vorteile, wie beispielsweise<br />
die Nutzung von Elektro-<br />
114<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Die hervorragende Thermik macht<br />
Werfenweng auch zum Paradies der<br />
Para gleiter – was auch Jakob Herrmann<br />
(Bild rechts), Werfenwenger<br />
und einer der besten Skibergsteiger<br />
Österreichs, gerne nutzt.<br />
FOTOS: TVB Werfenweng/ Bernhard Bergmann, Fotolia, Jakob Herrmann<br />
fahrzeugen oder die Teilnahme an geführten<br />
Wanderungen bereithält.<br />
Denn in Werfenweng macht man<br />
samo – sanfte Mobilität – zum Urlaubsprinzip.<br />
PERSPEKTIVENWECHSEL<br />
Ein Paradies ist Werfenweng aufgrund<br />
seiner einmaligen Lage und der Thermik<br />
auch für Paragleiter und Drachenflieger.<br />
Vom bequem mit der lokalen<br />
Ikarus-Seilbahn erreichbaren Hausberg<br />
Bischling aus starten die Anhänger<br />
dieses Sports auf rund 1.850 Metern<br />
Höhe ihre Flüge. Jakob<br />
Herrmann ist hier quasi zu Hause: Die<br />
zweite Leidenschaft des österreichischen<br />
Nationalteam-Skibergsteigers<br />
gehört nämlich dem Gleitschirmfliegen,<br />
das er vor einigen Jahren auch zu<br />
seinem Beruf machte. So bietet das<br />
Unternehmen des Pongauers unter<br />
anderem spezielle Tandemflüge, während<br />
derer Urlauber die Region aus der<br />
Vogelperspektive bestaunen können,<br />
an – der ideale Start für eine Karriere<br />
als „Überflieger“!<br />
Package-Tipp<br />
INKLUDIERT SIND: • 2 ÜN mit Frühstück für 2 Personen • samo-Card*<br />
PREISE: ab € 80,– (Ferienwohnung) / ab €112,– (Bauernhof)<br />
ab € 142,– (3-Sterne-Hotel) / ab € 276,– (4-Sterne-Hotel)<br />
ab € 316,– (4-Sterne-Superior-Hotel)<br />
*Die samo-Card hat inkludierte Leistungen im Wert von über € 350,–!<br />
INFOS UND BUCHUNGEN: Tourismusverband Werfenweng,<br />
Tel. 0043 6466 42 00, tourismusverband@werfenweng.eu, www.werfenweng.eu<br />
115
SALZBURG<br />
266 DREITAUSENDER<br />
IM RUCKSACK<br />
Zum ersten Mal das Klettern ausprobieren, erste Schritte im Gletschergelände wagen<br />
oder den ersten Dreitausender-Gipfel ins Tourenbuch eintragen: Solche „Abenteuer<br />
im Kopf“ werden mit den Bergführern Wildkogel-Arena, mitten in der<br />
Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern, jeden Tag aufs Neue Realität.<br />
116<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
FOTOS:WILDKOGEL-ARENA NEUKIRCHEN & BRAMBERG<br />
Keine Frage: Der Nationalpark<br />
Hohe Tauern zählt zu den imposantesten<br />
Hochgebirgslandschaften<br />
der Erde. 266 Dreitausender<br />
und 342 Gletscher können hier<br />
begangen werden. Einige der schönsten<br />
Gipfel stehen in der Wildkogel-Arena<br />
Neukirchen & Bramberg<br />
Spalier. Beim Schnupperklettern, bei<br />
ersten Schritten am Gletscher und auf<br />
leichten Klettersteigen lässt sich die<br />
Venedigergruppe mit echten Profis<br />
von immer neuen Seiten entdecken.<br />
Wer den Einstieg in die höheren<br />
bergsportlichen Aufgaben schon geschafft<br />
hat, entscheidet sich vielleicht<br />
für ein Zwei-Täler-Gletschertrekking:<br />
von den Krimmler Wasserfällen ausgehend<br />
führt die Tour über das<br />
Krimmler Achental und das Krimmler<br />
Törl ins Obersulzbachtal. Das<br />
Nonplusultra für konditionsstarke<br />
und trittsichere Gipfelfreunde ist jedoch<br />
eine Großvenedigertour mit den<br />
Bergführern. Salzburgs höchster Dreitausender<br />
(3.666 m) wird im Rahmen<br />
einer 1,5-Tagestour vom Obersulzbachtal<br />
aus angegangen, samt Übernachtung<br />
auf der Kürsingerhütte.<br />
Und auch wenn Bergfexe einen<br />
anderen Dreitausender ins Visier genommen<br />
haben, sind die Bergführer<br />
sichere Begleiter: etwa am Keeskogel,<br />
dem Larmkogel, der Dreiherrenspitze,<br />
dem Gabler oder dem Großen Geiger,<br />
einem der imposantesten Dreitausender<br />
der Venedigergruppe. Oder<br />
natürlich auch am 3.798 m hohen<br />
Großglockner.<br />
VON GEMÜTLICH BIS FORDERND<br />
Andererseits starten von der Bergstation<br />
der Wildkogelbahn aus schöne, einfache<br />
und sogar kinderwagen taugliche<br />
Rundwege. Was zum Familien-Wanderglück<br />
im wahrsten Sinne des Wortes<br />
„beiträgt“, sind Kindertragen, Buggies<br />
für die Kleinen sowie Bergschuhe<br />
für Erwachsene, die mit der Gästekarte<br />
von Neukirchen und Bramberg gratis<br />
ausgeliehen werden können. In den<br />
gemütlichen Hütten mit großen<br />
Sonnenterrassen werden Pinzgauer<br />
Schmankerl aufgetischt – und man<br />
genießt einen herrlichen Blick auf die<br />
Hohen Tauern.<br />
Die Tauerntäler locken auch<br />
Mountainbiker mit Traumrouten und<br />
grandiosen Aussichten. Genussradler<br />
können in den 270 Kilometer langen<br />
Tauernradweg einsteigen – und bei<br />
Bedarf zwischen Krimml und Zell am<br />
See alle paar Kilometer auf die<br />
Pinzgauer Lokalbahn umsteigen. Der<br />
Tipp dazu: Mit der Nationalpark Sommercard<br />
MOBIL sind alle lokalen, öffentlichen<br />
Verkehrsmittel und die<br />
Sommerbergbahnen nutzbar!<br />
Kontakt:<br />
WILDKOGEL-ARENA<br />
NEUKIRCHEN & BRAMBERG<br />
5741 Neukirchen am Großvenediger<br />
5733 Bramberg am Wildkogel<br />
Tel: 0 72 0/71 07 30<br />
E-Mail: info@wildkogel-arena.at<br />
www.wildkogel-arena.at<br />
117
HOTSPOT IN SALZBURG<br />
GEH AUF SCHATZSUCHE!<br />
... UND ENTDECKE ECHTE HEILKRÄUTERSCHÄTZE AUF DEN ALMWIESEN. Die<br />
Region Hochkönig steht nämlich für eine grandiose Landschaft und für eine<br />
intakte Natur, zu der ein wahrer Kräuterschatz gehört. Mit fachkundigen<br />
Kräuterpädagogen zu wandern ist ein Erlebnis mit großem Mehrwert – man<br />
kann sich aber auch auf eigene Faust auf den Kräuterweg machen. Spezielle<br />
Kräuterwanderungen werden auch für Kinder angeboten – dabei geht’s ums<br />
Staunen, Lernen und Sammeln. Die 13 Kräuteralmen verwöhnen die Besucher<br />
mit verschiedenen Kräuter-Schmankerln – mit schmackhaften Speisen,<br />
wohltuenden Tees und bekömmlichen Spirituosen.<br />
TIPP: „ECHT, EHRLICH & URSPRÜNGLICH – KRÄUTERWANDERN“<br />
• 3 oder 7 Übernachtungen • Hochkönig Card • Gutschein für ein<br />
Almfrühstück • Wildkräuterführung • Hochkönig-Wanderkarte –<br />
Ab € 142,– pro Person (buchbar bis 14. Oktober)<br />
ALLE DETAILS ZU DIESEM ANGEBOT FINDEST DU UNTER:<br />
www.hochkoenig.at<br />
FOTOS: Hochkönig Tourismus<br />
118<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
119
SALZBURG<br />
GOLDENER SOMMER<br />
Ein Sandstrand mitten in den Bergen, ein Goldstollen zum Entspannen und hohe Berge<br />
rundherum: All das bietet „Das.Goldberg“ in Bad Hofgastein.<br />
An einem Logenplatz gelegen, mit<br />
herrlichem Ausblick auf den Nationalpark<br />
Hohe Tauern, ist<br />
„Das.Goldberg“ in Bad Hofgastein ein<br />
perfektes Basislager, um seinen Urlaub<br />
aktiv zu genießen. Ob entspannt<br />
durchs Tal oder steil bergauf über fordernde<br />
Trails und Steige – für jeden<br />
Geschmack gibt es eine Tour, die direkt<br />
vor der Haustür startet.<br />
Wer lieber in Begleitung unterwegs<br />
ist, findet in Christian Pichler einen<br />
versierten Bergführer, der die Hotelgäste<br />
zu den schönsten Plätzen des<br />
Gasteiner Tals führt. Unvergessliche<br />
Erlebnisse sind seine Sonnenaufgangs-<br />
oder Barfußwanderungen.<br />
Wer seine Wanderstöcke vergessen<br />
hat oder einmal ein E-Bike ausprobieren<br />
möchte, kann sich diese Ausrüstung<br />
im Hotel ausleihen.<br />
Aber auch für Golfer ist „Das.<br />
Goldberg“ perfekt. Gleich im<br />
Nachbar ort Bad Gastein wartet ein<br />
18-Loch-Platz und Hotelgäste erhalten<br />
20 Prozent Rabatt auf die Greenfee.<br />
ERHOLUNG MIT GLETSCHERBLICK<br />
Morgens aktiv in den Bergen oder auf<br />
dem Golfplatz – und nachmittags an<br />
den Strand! Am feinen Goldstrand des<br />
Naturbadeteichs lässt es sich mit den<br />
Füßen im warmen Sand und einem<br />
Cocktail in der Hand wunderbar entspannen.<br />
Um sich fit für den nächsten Tag<br />
zu machen, lockt das Natur-Spa. Hier<br />
versprechen eine Saunalandschaft,<br />
ein Pool mit Panoramablick sowie ein<br />
großzügiger Ruhebereich innen und<br />
außen pure Entspannung. Panoramafenster<br />
geben zudem vom Spa aus den<br />
Blick auf die Natur frei. Ein Highlight<br />
ist der Goldstollen. Dieses Caldarium<br />
hat in Design und Wirkung den Gasteiner<br />
Heilstollen als Vorbild. Bei einer<br />
Temperatur von 42 bis 45 Grad Celsius<br />
fühlen sich Erholungsuchende<br />
ganz wie im Inneren eines Berges.<br />
SCHÖNER WOHNEN<br />
Ebenfalls top: Die 65 Studios und Suiten<br />
des Hotels sind alle zur Tal- oder<br />
Südseite ausgerichtet und große Glasfronten<br />
ermöglichen einen direkten<br />
Blick auf die historische Marktgemeinde<br />
Bad Hofgastein, den Gletscher<br />
sowie das Bergpanorama. Die Wohnräume<br />
verfügen über große Terrassen<br />
oder Balkone, eine Regendusche in<br />
den Bädern sowie teilweise über einen<br />
gemütlichen Schaukelstuhl und eine<br />
freistehende Badewanne.<br />
Außerdem verwöhnen die Gastgeber<br />
Vera und Georg Seer ihre Gäste<br />
tagtäglich mit persönlichem Service,<br />
feiner regionaler Kulinarik und Spezialitäten<br />
aus der eigenen Kaffeerösterei<br />
und Brot-Manufaktur.<br />
Kontakt:<br />
DAS.GOLDBERG<br />
Haltestellenweg 23,<br />
5630 Bad Hofgastein<br />
Tel.: 0 64 32/64 44<br />
E-Mail: info@dasgoldberg.at<br />
www.dasgoldberg.at<br />
FOTOS: Das.Goldberg<br />
120<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
DIE LEICHTIGKEIT DES WANDERNS<br />
Flachau bietet allen Outdoor-Liebhabern einen einfachen Einstieg in die Bergwelt.<br />
Und punktet zudem mit einem hohen Spaßfaktor.<br />
FOTOS: Flachau Tourismus<br />
Keine Frage: Die Berge sind ein unvergleichlicher<br />
Naturraum, der<br />
Ruhe, Entspannung und Action<br />
verspricht. Nah am Himmel und weit<br />
weg vom Alltag können Körper, Geist<br />
und Seele aufatmen – und auch der<br />
Spaß kommt nicht zu kurz. Flachau<br />
im Salzburger Land bietet die besten<br />
Voraussetzungen für einen aktiven<br />
Sommerurlaub in den Bergen, für Einsteiger<br />
ebenso wie für echte Bergfexe<br />
und die ganze Familie. Das Tal ist<br />
weit, die Gipfel sind aussichtsreich,<br />
die Bergbahnen bequem und das Angebot<br />
vielfältig.<br />
WANDERN UND „SOMMERLIFTLN“<br />
Flachau ist umgeben von einer grandiosen<br />
Bergwelt mit malerisch gelegenen<br />
Almhütten, grünen Wiesen und<br />
glasklaren Bächen. Das alles ergibt ein<br />
ideales Terrain für erlebnisreiche<br />
Wanderungen. Diese lassen sich individuell<br />
unternehmen – oder in einer<br />
Gruppe Gleichgesinnter und unter<br />
Aufsicht eines professionellen Wanderführers.<br />
Während der Sommermonate<br />
werden täglich geführte Erlebniswanderungen<br />
angeboten, darunter<br />
Alm-, Kulinarik- und Gipfeltouren sowie<br />
eine Sonnenaufgangswanderung<br />
als echte Highlighttour.<br />
Besonders bequem geht es mit den<br />
Bergbahnen in Richtung Gipfel, mitten<br />
hinein ins Wandergebiet Grießenkar.<br />
Hier sind alle, die die Natur lieben,<br />
frische Gebirgsluft schnuppern wollen<br />
und Lust auf Abenteuer haben, richtig<br />
– egal, ob sie „bloß“ Flori’s Erlebnispfad<br />
beschreiten oder einen Gipfel besteigen<br />
wollen. Tipp: Einen besonders<br />
schönen Rundum-Panoramablick auf<br />
den Dachstein und die Tauern bietet<br />
der Gipfel des 2.051 Meter hohen<br />
Lackenkogels. An dessen Fuß befindet<br />
sich mit den Lackenalmen eines der<br />
wohl schönsten Almengebiete des oberen<br />
Ennstals. Stärken kann man sich<br />
oben auf den zahlreichen Almhütten,<br />
wo feinste regionale Schmankerl serviert<br />
werden.<br />
SECHS SCHULEN FÜR SPORTLICHE<br />
Die Anreise nach Flachau erfolgt über<br />
die Tauernautobahn A10 – von dort<br />
landet man direkt im Hotspot für Outdoor-Liebhaber.<br />
Sechs Sportschulen<br />
sorgen außerdem dafür, dass bestimmt<br />
keine Langeweile aufkommt:<br />
Sie bieten beispielsweise Höhlen- und<br />
Klettertouren, Mountainskyve- oder<br />
Canyoning-Abenteuer an.<br />
Einen ganz besonderen Service<br />
bietet das Sport- & Aktivzentrum<br />
Flachau: Hier kann ein persönliches<br />
Urlaubs-Wunschprogramm individuell<br />
zusammengestellt und auch gleich<br />
gebucht werden.<br />
ALLE INFOS UND BUCHUNG<br />
Flachau Tourismus<br />
Tel.: 0 64 57/22 14<br />
E-Mail: info@flachau.com<br />
www.flachau.com<br />
121
SALZBURG<br />
RUNDUM-ANGEBOT IN<br />
SALZBURG UND DRUMHERUM<br />
Die Mozartstadt und ihre Umgebungsorte Grödig, Wals-Siezenheim und Eugendorf<br />
bieten nicht nur Kultur, sondern auch jede Menge sportliche Möglichkeiten.<br />
Wer Salzburg hört, denkt oft an<br />
Hochkultur: Mozart, Festspiele<br />
und die UNESCO-Altstadt.<br />
Dabei hat Salzburg auch in<br />
sportlicher Hinsicht viel zu bieten.<br />
Kaum eine andere Stadt in Österreich<br />
vereint Kultur und Natur auf so harmonische<br />
Weise wie die Mozartstadt.<br />
Außerdem ist sie Austragungsort für<br />
zahlreiche Sportveranstaltungen.<br />
DIE SPORTLICHE STADT ...<br />
Durch seine grüne Natur mitten in der<br />
Stadt sowie die Infrastruktur bietet<br />
sich Salzburg für Wanderungen und<br />
zum Radeln an. Beim Wandern über<br />
die Stadtberge oder einer ausgedehnten<br />
Fahrradtour entlang der Salzach<br />
zeigt sich die Weltkulturerbestadt aus<br />
ganz neuen Perspektiven. 184 Kilometer<br />
misst das lokale Radwegenetz und<br />
ganze 13 Routen führen durchs Stadtgebiet.<br />
Auf diesen Strecken ist es ein<br />
Leichtes, in die umgrenzenden Gemeinden<br />
zu fahren und die Nähe von<br />
Stadt und Land auszukosten.<br />
Neben Großveranstaltungen wie<br />
dem „mozart100“-Lauf, dem Salzburg<br />
Marathon oder dem Red Bull X-Alps,<br />
bieten Salzburg und die angrenzenden<br />
Orte Eugendorf, Grödig und<br />
Wals-Siezenheim vielfältige Sportangebote<br />
für Groß und Klein, für Abenteurer<br />
und Genusssportler.<br />
... UND IHRE UMGEBUNGSORTE<br />
Stichwort Nachbarorte: In Grödig und<br />
Wals-Siezenheim befindet sich der<br />
Untersberg. Im Winter bei Skitourengehern<br />
beliebt, eröffnet er im Sommer<br />
nach einem fordernden Aufstieg einen<br />
spektakulären Ausblick über den<br />
Salzburger Flachgau sowie das Steinerne<br />
Meer Richtung Saalfelden. Wer<br />
den Ausblick ohne Anstrengung genießen<br />
will, nimmt die Untersbergbahn.<br />
Eugendorf wiederum liegt direkt<br />
auf dem Weg ins Salzkammergut<br />
– also in einer Gegend, die durch die<br />
malerische Schönheit ihrer Seen und<br />
der Bergwelt bezaubert.<br />
Da die Salzburger in der Regel<br />
selbst sehr sportlich sind, kennen sie<br />
sowohl das landschaftliche Angebot<br />
als auch die Bedürfnisse von sportlichen<br />
Gästen genau. Einige Hotels entsprechen<br />
sogar den Ansprüchen von<br />
Profisportlern, während andere sich<br />
wiederum besonders für Erholungssuchende<br />
eignen. Allen gemeinsam ist,<br />
dass der Gast mit seinen individuellen<br />
Wünschen im Mittelpunkt steht.<br />
Tipp: „Slow-Bike“<br />
3 EUREGIO-GIPFEL IN 4 ETAPPEN<br />
Dieser 160 km Fahrradrundweg führt<br />
durch Voralpenlandschaft über Buchberg,<br />
Gaisberg und Högl.<br />
Info: www.slow-bike-tour.com<br />
Alle Infos:<br />
Über die Stadt Salzburg und ihre<br />
vielen Vorteilen informierst du dich<br />
am besten auf:<br />
www.salzburg.info/pauschalen<br />
Alles zu den Salzburger Umlandgemeinden<br />
steht auf:<br />
www.salzburg-umgebung.com<br />
FOTOS: Untersberg © TVB Grödig / Salzburg mit Slow Bike © makrohaus AG/Thomas Kujat / Wals © TVB Wals-Siezenheim / Eugendorf Radler © Wildbild<br />
122<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
facebook.com/marmot.mountain.europe<br />
Gabe Rogel<br />
THE RAIN<br />
STOPS HERE<br />
Shell Kollektion<br />
Den Elementen aussetzten und gleichzeitig maximal geschützt. Egal bei welchen<br />
Bedingungen, Marmots technische Shells schützen Dich dank funktioneller Membranen<br />
und durchdachten Designs bei allen Outdoor Abenteuern vor den Elementen.<br />
Knife Edge Jacket & Wm’s Knife Edge Jacket<br />
www.marmot.eu
BIKE’N SOUL HOTELS<br />
SAALBACH HINTERGLEMM<br />
Die bike’n soul Hotels in Saalbach Hinterglemm füllen<br />
ein breites Spektrum an Unterkünften, perfekt ausgerichtet<br />
auf die Bedürfnisse von Mountainbikern. Ob Luxushotel,<br />
Appartement oder urige Almhütte - die Entscheidung<br />
liegt bei Ihnen. Mit Guiding, speziellen Bike-Vorteilen und<br />
3 bike‘n soul Shops & Rentals sind die bike’n soul Hotels<br />
Ihre Top-Adresse für einen lässigen und unkomplizierten<br />
Bikeurlaub!<br />
TIPP:<br />
bike‘n soul UP&DOWN Package mit Guiding und<br />
speziellen Vorteilen für Biker!<br />
Alle Infos unter<br />
WWW.BIKE-N-SOUL.AT
EINFACH<br />
WANDERN<br />
Genießer genauso wie Bergprofis fühlen sich in Saalfelden Leogang wie zu Hause.<br />
FOTOS: Saalfelden Leogang Touristik<br />
Saalfelden Leogang im Salzburger<br />
Pinzgau ist die kontrastreichste<br />
Urlaubsregion der Alpen. Zwischen<br />
Kalkriesen und sanften Grasbergen,<br />
Ländlichkeit und Urbanität,<br />
Tradition und Innovation ergibt sich<br />
eine einzigartige Kombination. Damit<br />
bietet die Urlaubsstadt Saalfelden<br />
und das Urlaubsdorf Leogang ein umfangreiches<br />
Angebot an Erlebnissen<br />
für die ganze Familie.<br />
Für alle ist etwas dabei: Auf schier<br />
endlosen Wanderwegen finden Erholungssuchende<br />
die ersehnte Entspannung,<br />
und wer sich in luftigen Höhen<br />
wohler fühlt, findet seine Erfüllung<br />
auf den unzähligen Kletterrouten<br />
und zehn Klettersteigen in und um<br />
Saalfelden Leogang.<br />
DER BERG UND DIE FÜNF SINNE<br />
Bei allen natürlichen Ressourcen<br />
bleibt in der Region dennoch nichts<br />
dem Zufall überlassen. Hinter dem<br />
Schlagwort „Einfach wandern“ steht<br />
ein Konzept, um jede Tour zum individuellen<br />
Erlebnis werden zu lassen. Für<br />
Genusswanderer wurden die Wege beispielsweise<br />
nach einem bestimmten<br />
Muster angelegt. Dort gibt es etwa Bänke<br />
und Waldschaukeln zum Ausruhen<br />
Eine Card, viele Vorteile<br />
DIE LÖWEN ALPIN CARD ist in der<br />
Region Saalfelden Leogang der Schlüssel<br />
zu vielen Vorteilen: Sie bietet täglich<br />
freie Berg- und Talfahrten mit den<br />
Bergbahnen, Eintritte zu den drei Freischwimmbädern,<br />
erlaubt die Teilnahmen<br />
an geführten Wanderungen, dem<br />
Kinderprogramm u. v. m. Wer bei einem<br />
Löwen-Alpin-Partnerbetrieb nächtigt,<br />
erhält die Card kostenlos.<br />
ALLE INFOS UND BUCHUNGEN:<br />
Saalfelden Leogang Touristik GmbH<br />
Tel.: 0 65 82/ 70 660<br />
E-Mail: info@saalfelden-leogang.at<br />
www.saalfelden-leogang.com<br />
und Verweilen sowie Photopoints, an<br />
denen Wanderer mit der Kamera die<br />
besten Motive einfangen können.<br />
Als „Berg der Sinne“ bietet der<br />
Asitz auch die einzigartige Möglichkeit,<br />
die Natur im wahrsten Sinne des<br />
Wortes mit allen fünf Sinnen zu erleben.<br />
Für jene, die sich auch mal eine<br />
Verschnaufpause gönnen wollen,<br />
gibt es ab diesem Sommer dort zudem<br />
das Angebot „Stille Wasser“: Ruheliegen,<br />
Aussichtsterrassen und eine<br />
Schwimmplattform mit atemberaubendem<br />
Blick laden dazu ein, einfach<br />
vom Alltag abzuschalten.<br />
MIT 130 KM/H ÜBER DIE BAUMWIPFEL<br />
Wer aber nach einer gehörigen Portion<br />
Action sucht, ist beim „Flying Fox XXL“<br />
genau richtig: Als eine der längsten<br />
und schnellsten Stahlseilrutschen der<br />
Welt bieten die 1.600 Meter einen prickelnden<br />
Nervenkitzel für Wagemutige.<br />
Die Beschleunigung ist atemberaubend<br />
und mit 130 km/h rauschen<br />
Urlauber schließlich über die Baumwipfel<br />
und erleben einen unvergesslichen<br />
Ausblick auf die Bergwelt.<br />
Wer höchst sportliche Herausforderungen<br />
im Trendsport Klettern<br />
sucht, ist hier in guter Gesellschaft: In<br />
der Bergsportregion Steinberge sind<br />
auch Profis wie Markus Bendler, Chris<br />
Sharma und die Huber-Buam regelmäßig<br />
unterwegs. Das Highlight nennt<br />
sich „Pinzgawurm“ – und ist mit 45 Seillängen<br />
gar eine der längsten und actiongeladensten<br />
Kletterrouten der Alpen.<br />
125
OUTDOORGUIDE<br />
LIVE DABEI<br />
SERIE<br />
FELSWAND,<br />
ICH KOMME!<br />
KLETTERN ERFREUT SICH STETIG WACHSENDER BELIEBTHEIT.<br />
Wer sich allerdings das erste Mal in die Hallenwand oder den Fels wagt,<br />
muss ein paar Grundtechniken beherrschen, um sicher nach oben zu<br />
kommen. Redakteurin Claudia Riedl wollte den ersten Einstieg in die<br />
Felswand einmal versuchen – und hat sich zu einem Kletterkurs in die<br />
Bergsportregion Steinberge aufgemacht.<br />
126<br />
TEXT: Claudia Riedl <strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
FOTOS: Textwerkstatt/Irene Walser, airFreshing/Veit Schumacher, privat<br />
Das Klettern – sowohl indoor<br />
als auch an der Felswand –<br />
boomt. Dementsprechend<br />
groß ist die Nachfrage nach<br />
Kletterkursen, die dem Neuling das<br />
nötige „Rüstzeug“ fürs Hochsteigen<br />
einer Wand mitgeben.<br />
Auch <strong>SPORTaktiv</strong> hat sich vom<br />
Hype um diese Sportart anstecken lassen<br />
und Kletternovizin Claudia Riedl<br />
in die Leoganger und Loferer Steinberge<br />
geschickt, um dort an einem Einsteiger-Kletterkurs<br />
teilzunehmen.<br />
Der perfekte Ort für diese Ersterfahrung<br />
– denn die Salzburger Region<br />
Saalfelden Leogang bietet mit dem<br />
Salzburger Saalachtal und der benachbarten<br />
Region Tiroler PillerseeTal –<br />
Kitzbüheler Alpen gemeinsam eine<br />
quasi unerschöpfliche Bandbreite an<br />
Kletter mög lichkeiten. Wie weit (und<br />
hoch) Claudia bei ihrer ersten Klettererfahrung<br />
kam, beschreibt sie hier ...<br />
DIE ERSTEN TRITTE<br />
Es gibt für alles ein erstes Mal. Das gilt<br />
fürs Autofahren, fürs Marathonlaufen<br />
– für mich war’s das Klettern. Zwei<br />
Tage lang durfte ich mit vier weiteren<br />
Kletternovizen die Steinberge unsicher<br />
machen. Das Kurs programm war<br />
klar definiert: zuerst Hallenklettern,<br />
um sich mit der Materie vertraut zu<br />
machen, und dann Sportklettern am<br />
Fels.<br />
Am Tag 1 geht es für unsere fünfköpfige<br />
Anfängergruppe also von unserem<br />
„Basislager“, dem Salzburger<br />
Hof, ins Überdachte – genauer zur<br />
Kletterhalle „felsenfest“ in Saalfelden<br />
mit insgesamt 1.700 m 2 Kletterfläche.<br />
Mein erster Eindruck: sehr viele bunte<br />
Griffe!<br />
In der Halle nimmt uns Kletterlehrer<br />
Georg Kysela gleich unter seine<br />
Fittiche und stattet uns mit Klettergurt<br />
und -schuhen aus. Bevor wir aber<br />
Hand an der buntbesteinten Wand anlegen<br />
dürfen, schärft uns Georg noch<br />
die drei Kletter-Grundregeln ein, die<br />
da lauten:<br />
1. Nicht die Armkraft ist entscheidend<br />
– im Idealfall drückt man sich aus den<br />
Beinen hoch.<br />
2. Die Hüfte nah an die Wand, um die<br />
Belastung auf die Beine zu bekommen.<br />
3. Immer am langen, gestreckten Arm<br />
klettern.<br />
Kletterneulinge lernen zunächst am besten in der Halle das richtige Verhalten.<br />
Mit diesen Anweisungen im Hinterkopf<br />
geht es dann erst mal ab zum<br />
Bouldern – sozusagen zum „Warmwerden“.<br />
Nachdem sich alle mit Griff<br />
und Tritt vertraut gemacht haben,<br />
nimmt uns Georg auch schon mit zur<br />
„hohen Wand“ – jetzt wird Toprope geklettert.<br />
„Für Einsteiger ist das Toprope-Klettern,<br />
bei dem beide Seilenden<br />
bis zum Boden reichen und zwei<br />
Personen eine Seilschaft bilden, eine<br />
risikoarme Möglichkeit, das Klettern<br />
und Sichern zu erlernen. Der Sichernde<br />
reicht laufend Seil nach, während<br />
sein Partner klettert“, erklärt uns der<br />
Profi und zeigt uns anschließend den<br />
korrekten Umgang mit dem Sicherungsgerät<br />
und das Einbinden in den<br />
Gurt mit einem Achterknoten.<br />
Fertig „vertaut“, wage ich mich<br />
also an die Wand. Arme ausstrecken,<br />
wegsteigen und den nächsthöheren<br />
Griff schnappen – mit diesem Mantra<br />
klettere ich immer höher die Wand hinauf,<br />
wobei ich zwischendurch automatisch<br />
dazu neige, zu viel mit den<br />
Armen zu ziehen und die Griffe zu<br />
„quetschen“, statt mit den Beinen wegzusteigen.<br />
Ein klassischer Anfängerfehler,<br />
wie ich mir später sagen lasse.<br />
Ganz oben angekommen geht mir<br />
langsam die Kraft aus. Ich drehe meinen<br />
Kopf, um meinem Sicherungspartner<br />
zu sagen, dass ich wieder nach<br />
unten möchte. Ganz schön hoch oben,<br />
nebenbei bemerkt.<br />
Aber kein Grund zur Sorge. Ein<br />
Vorteil beim Toprope-Klettern besteht<br />
darin, dass sich der Kletterer jederzeit<br />
in das Seil hängen und von seinem<br />
Partner auf den Boden abgelassen<br />
werden kann. Also kippe ich beruhigt<br />
nach hinten und lasse mich nach unten<br />
befördern, wobei ich mich in<br />
James-Bond-Manier immer wieder<br />
mit den Füßen von der Wand abstoße.<br />
Wir wiederholen die Kletterei so<br />
lange, bis jeder Teilnehmer mit Klettern<br />
und Sichern an der Reihe war.<br />
Fürs Protokoll: Vom Sichern wurde<br />
ich aus gewichtstechnischen Gründen<br />
(zu leicht für alle anwesenden<br />
Kletterpartner) „freigestellt“. Das<br />
schreit also förmlich nach einer Extraportion<br />
Spinatknödel am Abend!<br />
NATURWAND STATT HALLE<br />
Nachdem wir uns indoor die ersten<br />
Sporen verdient haben, steigt bei uns<br />
am zweiten Kurstag die Lust auf einen<br />
„Griffwechsel“ – sprich: Ran an den<br />
echten Fels! Also machen wir uns auf<br />
127
KLETTERKURS<br />
Anleitung vom Profi: Um den Sprung von der Halle an den Fels zu schaffen, sind<br />
entsprechendes Know-how und ein bisschen Mut gefragt.<br />
den Weg zur Steinplatte, einem gut<br />
1.800 Meter hohen Bergmassiv im Tiroler<br />
Pillerseetal. Zum Klettern verschlägt<br />
es uns auf die Südseite, wo der<br />
Berg in markante Felswände abbricht.<br />
Dort angekommen, fallen uns sofort<br />
die markanten Unterschiede zwischen<br />
Halle und Fels auf. Im Freien herrschen<br />
– naturgemäß – keine standardisierten<br />
Bedingungen wie normierte Hakenabstände<br />
vor. Es gibt keine fix installierten<br />
Sicherungsseile, sondern nur Sicherungshaken.<br />
Alles naturbelassen<br />
also.<br />
„Beim Felsklettern ist viel mehr<br />
Eigenverantwortung als in der Halle<br />
gefragt. Hier kann es auch mal vorkommen,<br />
dass sich ein Haken über<br />
den Winter etwas lockert“, betont<br />
auch Ski- und Bergführer Reinhold<br />
Percht, der uns heute ins Felsklettern<br />
einführt. Skeptisch beäuge ich die<br />
Felswand – wo soll man hier hinsteigen<br />
und sich festhalten? Ich schiebe<br />
meine Bedenken aber beiseite und beobachte,<br />
wie Reini die Routen für uns<br />
vorbereitet.<br />
„Wichtiges Ausrüstungsbestandteil<br />
ist das Seil, das mindestens doppelt<br />
so lang wie die Route sein muss,<br />
um wie in der Halle toprope sichern<br />
zu können“, erklärt er uns. Eine Einführung<br />
in Sachen Knotenkunde, Sicherungstechniken,<br />
Klettern im Vorund<br />
Nachstieg sowie im Abseilen<br />
gibt’s vom Experten nochmal obendrauf.<br />
Und dann geht’s los.<br />
Verwöhnt von der Halle, ist es anfangs<br />
gar nicht so einfach, Griffe und<br />
Tritte im Fels überhaupt zu erkennen.<br />
Je weiter ich mich nach oben „hangele“,<br />
desto glatter werden die Felsen<br />
und desto schwieriger wird es, Halt in<br />
der Wand zu finden. In puncto Kraft<br />
fällt mir das Klettern im Freien zwar<br />
leichter, da die „Naturwand“ weniger<br />
steil ist. Trotzdem klopft das Herz<br />
nach ein paar Minuten am Fels heftig.<br />
Bei einigen Passagen hänge ich nur<br />
sehr instabil in der Wand und muss<br />
mich mit den Fingern festklammern,<br />
um nicht abzurutschen.<br />
Trotz allem schaffe ich es bis ganz<br />
nach oben – ein tolles Gefühl, und<br />
auch mein Puls normalisiert sich wieder.<br />
Zurück am Boden brennt mir<br />
dann noch eine Frage auf der Zunge:<br />
Wie kann ich an Ängsten beim Klettern<br />
arbeiten? Profi Reini hat einen<br />
Tipp: „Man sollte immer nur so weit<br />
an der Wand hochsteigen, wie man<br />
sich wohlfühlt. Es bringt nichts, weiterzuklettern,<br />
wenn bereits die Beine<br />
zittern. Zuerst kleinere Ziele setzen,<br />
dann kommt die Höhe von alleine.“<br />
KLETTERKURS – EIN MUSS!<br />
Mit dem guten Gefühl, einiges in der<br />
Wand erreicht zu haben, trete ich nach<br />
zwei intensiven Kurstagen schließlich<br />
die Heimreise an. Wer wie ich den<br />
Trendsport das erste Mal ausprobieren<br />
möchte, dem sei ein Einsteiger-Kletterkurs<br />
wärmstens empfohlen. Denn sowohl<br />
Indoor als auch am Fels ist neben<br />
Erfahrung vor allem Know-how nötig,<br />
um sicher nach oben zu kommen. Etwas<br />
sportliche Grundkondition und<br />
ein bisschen Mut sollte man auch mitbringen<br />
– so wird Klettern für jeden<br />
zur schaffbaren Herausforderung. Na<br />
dann: Ran an die Wand!<br />
FOTOS: Textwerkstatt/Irene Walser<br />
Thule Guidepost<br />
Mit der Thule Guidepost Serie konzentrieren wir uns auf das,<br />
was draußen im Freien wichtig ist: einfache Nutzung, Langlebigkeit<br />
und Komfort dank perfekter Passform.
www.perskindol.at<br />
KLETTERKURSE<br />
FÜR EINSTEIGER<br />
Wer Kletterer werden will, ist mit<br />
einem Einstiegskurs gut beraten.<br />
Hier einige Anbieter und<br />
ausgewählte Termine:<br />
SAAC (SNOW & ALPINE AWARENESS CAMPS)<br />
Datum & Ort (alle Tirol):<br />
3./4. Juni: Zirl-Innsbruck-Klettercamp;<br />
10./11. Juni: Ötztal-Klettercamp;<br />
24./25. Juni: PillerseeTal-Klettercamp;<br />
1./2. Juli: Tiroler-Zugspitz-Arena-<br />
Klettercamp; 8./9. Juli: Kufsteinerland-<br />
Klettercamp; 9./10. September:<br />
Ferienregion-Imst-Klettercamp<br />
Inhalt: Theorie – Sicherheitsaspekte, Ausrüstung,<br />
alpine Gefahren; Praxis – Ausrüstung,<br />
Partnercheck, Sicherheitsaspekte,<br />
Sichern mit versch. Sicherungsgeräten,<br />
Ablassen, Vorstieg, Seilumlenkung u. v. m.<br />
INFOS UND ANMELDUNG: www.saac.at<br />
WARM-UP<br />
by NATURE.<br />
ORTOVOX SAFETY ACADEMY<br />
Datum & Ort (Alpine Climbing Basic):<br />
10./11. Juni: Wilder Kaiser (T);<br />
24./25. Juni: Tannheimer Tal (T);<br />
1./2. Juli: Dachstein (St);<br />
8./9. Juli: Allgäu (Deutschland); 22./23.<br />
Juli: Inntal (Deutschland); 22./23. Juli:<br />
Stubaital (T); 29./30. Juli: Dachstein (St);<br />
12./13. August: Imst (T)<br />
Inhalt: Profibergführer bringen dir in den<br />
Intensivkursen Tourenplanung, Knoten,<br />
Sicherungstechniken, Standplatzbau und<br />
Abseilen nahe.<br />
WEB: www.ortovox.com<br />
CLIMBHOW<br />
Datum & Ort:<br />
20. Juli & 10. August in Zirl (T)<br />
Inhalt: Grundlagen Knotenkunde,<br />
Sicherungstechniken, Klettern und Sichern<br />
im Vor- und Nachstieg, Abseilen passiv und<br />
aktiv.<br />
Mindestalter: ohne Begleitung 7 Jahre, in<br />
Begleitung eines Erwachsenen 5 Jahre<br />
WEB: www.climbhow.info/schnuppern<br />
ALPINSCHULE STEIERMARK<br />
Datum:<br />
10./11. Juni; 7./8. Oktober; 21./22. Oktober<br />
Ort: Gh Grassauer in Mixnitz (St)<br />
Inhalt: Ausrüstungs- und Materialkunde,<br />
Knotenkunde und Anseilarten, Tritt- und<br />
Griffschulung, Grundklettertechniken, Toprope<br />
klettern, Vorstiegsklettern, Sturzübungen,<br />
Lösungen für Stressbewältigung ...<br />
WEB: www.alpinschule-steiermark.at<br />
PERSKINDOL AKTIV<br />
Als Gel, Fluid, Spray und Bad.<br />
Ob zum Warm-up vor dem Sport oder zur optimalen<br />
Versorgung von Muskeln und Gelenken danach - mit<br />
PERSKINDOL AKTIV geht’s für Sie auf jeden Fall voran!<br />
• Fördert die lokale Hautdurchblutung<br />
• Erwärmt und lockert die Muskulatur<br />
• Entspannt Muskeln und Gelenke nach dem Sport<br />
PFLANZLICHE<br />
GO VERTICAL<br />
Datum: 22.–25. Juni<br />
Ort: Dolomiten (Südtirol)<br />
Inhalt: Themen wie Knotenkunde,<br />
Sicherungs- und Klettertechnik, Materialkunde<br />
usw. stehen im Vordergrund.<br />
WEB: www.go-vertical.at<br />
INHALTSSTOFFE<br />
129<br />
Exklusiv in Ihrer Apotheke.
SALZBURG<br />
AUF JEDEN FALL EIN KÖNIG<br />
Egal, ob auf vier Bike-Etappen oder zu Fuß auf dem Weitwanderweg:<br />
In der Region Hochkönig findet jeder ein majestätisches Aktivangebot.<br />
DIE KÖNIGSTOUR<br />
Ein Klassiker unter den Mehrtages-<br />
Biketouren ist die „Königstour“. Sie<br />
führt auf vier Tagesetappen auf den<br />
schönsten Wegen von Maria Alm über<br />
Dienten nach Mühlbach und zurück.<br />
Mit das Schönste an dieser Tour:<br />
Der Gepäck transfer ist inkludiert!<br />
Nach einem erfüllenden und anstrengenden<br />
Tag mit herrlichen Ausblicken,<br />
tollen Abfahrten und (teils doch<br />
schweißtreibenden) Anstiegen wartet<br />
am Abend das Gepäck schon in der<br />
nächsten Unterkunft. Wer sein eigenes<br />
Rad lieber zu Hause lassen möchte,<br />
kann vor Ort auch ein Mountainbike<br />
oder E-Bike seiner Wahl ausleihen.<br />
KÖNIGSTOUR-PACKAGE<br />
(buchbar vom 27. 5.–30. 9. <strong>2017</strong>)<br />
• 6 Übernachtungen<br />
• Hochkönig-Bikekarte + detaillierte<br />
Routenbeschreibung<br />
• Gepäcktransfer<br />
• Hochkönig Card<br />
• Gutschein für ein Almjausenbrot<br />
• Hochkönig-Pin<br />
zum Preis von € 359,– pro Person<br />
DER KÖNIGSWEG<br />
Wer die Natur lieber zu Fuß genießen<br />
und erkunden möchte, kann das auf einem<br />
Weg tun, der eines Königs würdig<br />
ist – und auch so heißt: Der „Königsweg“<br />
führt die Weitwanderer 74 km<br />
entlang des Hochkönigmassivs durch<br />
das Steinerne Meer und die Dientner<br />
Grasberge sowie durch Maria Alm,<br />
Dienten und Mühlbach. Beim gemütlichen<br />
Wandern kann man Landschaft,<br />
Almhütten und Berggipfel in vollem<br />
Umfang genießen und lernt die<br />
schönsten Seiten der Region kennen.<br />
Wer sich wie ein König fühlen möchte,<br />
kann spezielle Wanderpauschalen buchen<br />
und ganz ohne Gepäck wandern.<br />
KÖNIGSWEG-PACKAGE<br />
(buchbar vom 27. 5.–30. 9. <strong>2017</strong>)<br />
• 6 Übernachtungen<br />
• Hochkönig Card<br />
• Gepäcktransfers<br />
• Hochkönig-Wanderkarte<br />
• Routenbeschreibung mit Höhenprofil<br />
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zum Preis ab € 329,– pro Person<br />
HOCHKÖNIG CARD<br />
EINE KARTE – ÜBER 60 VORTEILE<br />
Die Hochkönig Card macht den Urlaub<br />
in der Region rund um die Orte Maria<br />
Alm, Dienten und Mühlbach noch komfortabler<br />
und preiswerter. Bereits bei<br />
der Ankunft bekommen Sie die Karte<br />
von Ihrem Hochkönig-Card-Gastgeber<br />
überreicht und können die Vorteile dieser<br />
kostenlosen Karte vom ersten bis<br />
zum letzten Moment Ihres Aufenthaltes<br />
nutzen – wie etwa kostenlose, uneingeschränkte<br />
Fahrt mit den Sommerbahnen<br />
und dem Hochkönig-Wanderbus u.v.m.<br />
HOCHKÖNIG TOURISMUS GMBH<br />
Am Gemeindeplatz 7, A-5761 Maria Alm<br />
Tel.: +43 (0) 65 84/20 3 88<br />
E-Mail: region@hochkoenig.at<br />
www.hochkoenig.at<br />
FOTOS: Hochkönig Tourismus<br />
130<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Die extrem sicheren und<br />
funktionellen Karabiner des<br />
Typs Horai und das patentierte<br />
System Gyro, vermeiden das<br />
Verdrillen der Bänder.
OUTDOORGUIDE<br />
GEDANKEN ZUR<br />
MOTIVATION<br />
„ICH BIN BEIM KLETTERN IMMER MOTIVIERT. Doch soll und kann ich<br />
deshalb eigentlich auch andere motivieren?“ – fragt sich Kletterprofi<br />
Herbert Ranggetiner im sechsten Teil seiner Serie „Kletterschule“.<br />
FOTOS: xxx<br />
132<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
KLETTERSCHULE<br />
6. TEIL<br />
TEXT: Herbert Ranggetiner<br />
FOTOS: Herbert Ranggetiner<br />
MOTIVATION –<br />
DER ANFANG VON ALLEM.<br />
Mein letzter Vortrag ist schon ein paar<br />
Jahre her. Aber an eine Frage aus dem<br />
Publikum erinnere ich mich noch<br />
sehr gut: „Jetzt mal ganz ehrlich, Herbert.<br />
Bist du eigentlich beim Klettern<br />
und Trainieren immer motiviert?“<br />
Meine Antwort war: „Logisch! Denn<br />
warum sollte ich sonst überhaupt<br />
klettern und trainieren gehen?“<br />
Die Motivation ist der Anfang<br />
von allem. Der erste Schritt – oder der<br />
Stein, der den Dominoeffekt auslöst.<br />
Arbeite ich an einem Projekt, bin ich<br />
oft sogar übermotiviert, da ignoriere<br />
ich auch heute noch im kindlichen<br />
Übermut bewusst und konsequent<br />
Temperatur, Wetter oder den langen<br />
Zustieg. Alles Nebensache, ich muss<br />
da einfach hin! Ich meine, mal ganz<br />
ehrlich, wo bin ich in jungen Jahren<br />
überall hingegurkt, wenn mir ein Mädel<br />
getaugt hat? Es geht halt nur darum,<br />
welche Wertigkeit eine Aktion<br />
hat, da dreht man doch nicht bei ein<br />
bisschen Gegenwind um.<br />
MOTIVATION DURCH<br />
DEN SEILPARTNER.<br />
Natürlich braucht man bei diversen<br />
Kletteraktionen, wo es schneit und einem<br />
der Knackarsch abfriert, auch<br />
Leute, die mitziehen. Doch fast immer<br />
ist ein genialer Tag der Lohn. Wenn<br />
ich meinen idealen Seilpartner, den<br />
Franz, um 22 Uhr anrufe und ihm<br />
sage, wir müssen um 4 Uhr aufbrechen,<br />
da ich eine coole Sache am Laufen<br />
habe – da fragt er nicht einmal<br />
nach, wo es hingeht! Denn eines weiß<br />
er aus Erfahrung: Der nächste Tag<br />
wird mit Sicherheit nicht langweilig.<br />
MOTIVATION PER COACHING.<br />
Vor Kurzem hat mir ein Kumpel bei<br />
einem Glas Wein eine geistreiche Idee<br />
präsentiert: „Herbert, du solltest unbedingt<br />
Motivationskurse geben.<br />
Also in Firmen den Angestellten etwas<br />
von deiner positiven Energie, deiner<br />
Lebensphilosophie mitgeben.“<br />
Dazu meine eigene, vielleicht für<br />
viele nicht verständliche Sicht der<br />
Dinge: Warum soll ich jemanden motivieren,<br />
seine Arbeit gut zu machen?<br />
Noch dazu jemanden, den ich nicht<br />
mal kenne. Ich soll Parallelen suchen<br />
von ,,mit einem Finger seilfrei in einer<br />
1.000-Meter-Wand hängen“, zum<br />
,,mit einem Finger in einem grauen<br />
Büro auf die Tastatur zu klopfen‘‘.<br />
Aber sicher nicht!<br />
Bist du nicht motiviert, dann<br />
wechsle deinen Job, ändere dein Leben,<br />
gehe den Jakobsweg oder triff den<br />
Dalai Lama – das alles ist glaubhafter,<br />
Der Kletterprofi<br />
HERBERT RANGGETINER, 48,<br />
aus Mühlbach im Pinzgau (S),<br />
ist Profi kletterer und einer der<br />
besten Extremkletterer Europas.<br />
Mehr als 600 Lines europaweit<br />
wurden von ihm als Erstem<br />
durchstiegen.<br />
In <strong>SPORTaktiv</strong> gibt Herbert regelmäßig<br />
einen Einblick in die faszinierende,<br />
für viele aber auch<br />
unbegreifliche Welt des Freikletterns.<br />
Dabei nimmt er sich in<br />
jeder Ausgabe eines bestimmten<br />
Themas an, erklärt Techniken<br />
und Abläufe – und lässt den Leser<br />
auch an seiner ganz speziellen<br />
Lebensphilosophie teilhaben.<br />
als wenn ich dir sage: „Wir sind aus<br />
ähnlichem Holz geschnitzt.“<br />
Ja – oder gib eben einem Motivator<br />
oder Coach Geld dafür, dass er dich<br />
bei Regen rausjagt und dir dann sagt:<br />
,,du harter Hund du – ab jetzt haut<br />
dich nix mehr im Leben um.‘‘ Das kapiere<br />
ich zwar alles nicht, aber das<br />
wird wohl daran liegen, dass ich nur<br />
ein einfacher Bub vom Land bin.<br />
Letztlich ist doch alles nur eine Frage<br />
von Angebot und Nachfrage – also hat<br />
auch diese Motivationsschiene schon<br />
ihre Berechtigung.<br />
MOTIVATION AUS DIR<br />
SELBST HERAUS.<br />
Wenn ich aber spüre, jemand interessiert<br />
sich für mich als Person, für meine<br />
Einstellung und Philosophie – ja,<br />
dann taugt mir so ein Vieraugengespräch.<br />
Früher hatte der Hofnarr als<br />
einziger das Privileg, dem Herrscher<br />
die meist offensichtliche Wahrheit zu<br />
sagen. Ja, ich denke, ich will eher Hofnarr<br />
als Motivator sein. Denn derjenige,<br />
der nicht ernst genommen wird,<br />
darf alles sagen.<br />
Ich weiß nicht, welchen IQ ich<br />
habe. Rhetorisch bin ich schwach und<br />
in Sachen Fremdsprachen keine große<br />
Leuchte. Aber was mich motiviert, jeden<br />
Tag aufzustehen, das sind: meine<br />
Familie, meine Visionen und das Wissen,<br />
in einem Land zu leben, wo es genug<br />
zu essen gibt und man fast aus jedem<br />
Bach trinken kann.<br />
Oft höre ich, ,,heute ist alles sch...,<br />
ich kann mich echt für nix mehr motivieren‘‘.<br />
Ich dagegen sage und weiß:<br />
,,Das Glück im Leben hängt direkt von<br />
der Qualität meiner Gedanken ab“.<br />
Und wer sich jetzt fragt, was das Ganze<br />
noch mit Klettern zu tun hat, dem<br />
antworte ich: Ich schreibe doch nicht<br />
nur im <strong>SPORTaktiv</strong>, um Euch sterile<br />
Klettertipps zu geben. „Kletterschule‘‘<br />
ist natürlich immer auch ,,Lebensschule“<br />
...<br />
133
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER: 5 NEUE KLETTERSCHUHE<br />
Knifflige Herausforderungen in der Vertikalen sind das Metier dieser fünf.<br />
ADIDAS FIVE TEN<br />
GAMBIT<br />
Der Gambit hat eine niedrige Fersenspannung<br />
und eine steife Mittel sohle,<br />
was vor allem auf langen Kletterpartien<br />
für Komfort sorgt. Die perforierte<br />
Ariaprene-Zunge hält die Füße den Tag<br />
über kühl. Die „Stealth® C4 “ Außensohle<br />
macht den Gambit zum idealen<br />
Allround-Kletterschuh.<br />
PREIS (UVP): € 109,95<br />
WEB: www.fiveten.com<br />
EDELRID<br />
CYCLONE<br />
Der High-End-Kletterschuh besitzt ein<br />
innovatives Schnellschnürsystem und ist<br />
prädestiniert für die oberen Schwierigkeitsgrade.<br />
Der asymmetrische, stark<br />
vorgespannte Leisten gewährleistet<br />
einen optimalen Zug im Überhang und<br />
die spezielle Fersenkonstruktion sorgt<br />
für bestmögliche Hook-Performance.<br />
PREIS (UVP): € 130,–<br />
WEB: www.edelrid.de<br />
KURZ-<br />
PORTRÄT<br />
HAUPTEIGENSCHAFTEN: Sitzt wie<br />
eine zweite Haut • ohne Vorspannung:<br />
bequemer, einsteigerfreundlich,<br />
für leichtere Klettertouren<br />
• mit Vorspannung:<br />
sportlicher, ermöglicht mehr<br />
Druck auf sehr kleinen Tritten<br />
• spezielle Gummimischung für<br />
hohe Reibung am Fels<br />
EINSATZBEREICHE: Bouldern,<br />
Felsklettern, Klettergarten; und<br />
bei Mehrseillängen-Touren,<br />
wenn der Zustiegsschuh nicht<br />
mehr ausreicht<br />
LA SPORTIVA<br />
KATAKI<br />
Der Kataki eignet sich dank<br />
innovativer S-Heel besonders für<br />
Rissklettern und überhängende<br />
Passagen. Der Fersenbereich<br />
besteht aus zwei unterschiedlich<br />
steifen Gummierungen, was eine<br />
Außen rotation beim Heel-Hook<br />
vermeidet und die Stabilität<br />
erhöht. Durch das P3-System<br />
hält der Schuh dauerhaft seine<br />
Vorspannung.<br />
PREIS (UVP): € 145,–<br />
WEB: www.lasportiva.com/de<br />
LOWA<br />
ROCKET<br />
Der ungefütterte Monovelcro-Kletterschuh<br />
mit seiner „VIBRAM® XS-Grip“-<br />
Sohle sorgt für optimale Kontrolle und<br />
eine extradirekte Kraftübertragung.<br />
Dank der sockenartigen Passform und<br />
des flexiblen Elastikmaterials schmiegt<br />
sich der vorgespannte Schuh wie eine<br />
zweite Haut um den Fuß und sorgt für<br />
beste Performance am Fels, in der Halle<br />
oder beim Bouldern.<br />
PREIS (UVP): € 139,95<br />
WEB: www.lowa.at<br />
SCARPA<br />
CHIMERA<br />
Der Chimera von Scarpa ist ein innovativer<br />
High-End-Kletterschuh, welcher<br />
perfekt zum Bouldern und Sportklettern<br />
geeignet ist. Durch ein gut durchdachtes<br />
Schnürsystem ist idealer Halt garantiert.<br />
Durch das SRT-Randing- System<br />
und den handgemachten Fersenteil ist<br />
der Chimera perfekt für Zehen- und<br />
Fersen-Hook geeignet.<br />
PREIS (UVP): € 160,–<br />
WEB: www.scarpa.net<br />
FOTOS: Hersteller<br />
134<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
SANKT JOHANN-ALPENDORF<br />
IST WUNDERBAR WANDERBAR<br />
Endlos-Panoramen, Eisriesen, tosende Wassermassen und Hunderte malerische Kilometer<br />
am Almenweg: Sankt Johann-Alpendorf ist wie geschaffen für Naturliebhaber.<br />
FOTOS: Tourismusregion Sankt Johann-Alpendorf<br />
Tosende Wassermassen zwischen<br />
hoch aufragenden Felsen<br />
in der Liechtensteinklamm;<br />
Postkarten-idyll am Tappenkarsee;<br />
meterhohe Eistürme in der Eisriesenwelt:<br />
Ja, in den Bergen ist die Welt<br />
noch in Ordnung. Das kann man<br />
rings um Sankt Johann-Alpendorf im<br />
Salzburger Pongau wahrlich auf<br />
Schritt und Tritt feststellen.<br />
Wie beispielsweise auch auf den<br />
vielen Almenwegen, die Wanderern<br />
und Erholungssuchenden unzählige<br />
stille Momente bescheren. Auf den<br />
blühenden Almmatten kann man<br />
sich an den frischen Farben kaum<br />
sattsehen und auf den Berggipfeln die<br />
unendliche Weite genießen.<br />
Das alles liegt rund um Sankt Johann-Alpendorf<br />
in greifbarer Nähe,<br />
etwa am Hahnbaum oder am Alpendorf-Panoramaweg.<br />
Wer sich nicht<br />
lange mit dem Aufstieg aufhalten<br />
will, aber trotzdem ins Gernkogel Almen-<br />
und Wanderland gelangen<br />
möchte, kann auch mit der Bergbahn<br />
fahren und von der Bergstation weg<br />
zu Höhenwanderungen starten. Ein<br />
beliebtes Ziel ist auch die Maurachalm<br />
am Sonntagskogel im Großarltal.<br />
Wöchentlich kommen Gipfelstürmer<br />
bei geführten Wanderungen<br />
auf Hochglocker und Hochgründeck<br />
sicher ans Ziel.<br />
BIKESTRECKEN UND ZAPFSTELLEN<br />
Auch Mountainbiker finden rund um<br />
Sankt Johann-Alpendorf die persönlich<br />
passende Route: von familientauglichen<br />
Kurzstrecken bis zum<br />
300 Kilometer langen Tauernradweg<br />
an der Salzach, von leichten Bergstrecken<br />
bis zu Trails mit „bissigen“ Steilstufen.<br />
Auch E-Biker haben’s gut: Es gibt<br />
zahlreiche passende Strecken und auf<br />
vielen Almen ringsum „Zapfstellen“,<br />
um die Akkus zu laden. Und an der<br />
Salzach findet man die neun Laufstrecken,<br />
zwei Nordic-Walking-Trails und<br />
die zwei „Freiluft-Fitnessstudios“ von<br />
Sankt Johann-Alpendorf.<br />
Angebot-Tipps<br />
WANDERPACKAGE „BERG & SCHLUCHT“<br />
• 7 Nächte<br />
• „Berg & Schlucht“-Ticket<br />
• 1x Eintritt in die Liechtensteinklamm<br />
• 1x Berg- und Talfahrt mit der Alpendorf<br />
Gondelbahn<br />
• Eintritt in den Geisterberg<br />
am Gernkogel<br />
• Geführte Wanderungen im Rahmen<br />
des Wochenprogramms<br />
PREIS: AB € 445,– im ****Hotel mit HP,<br />
AB € 270,– im 2er-Appartement<br />
RAD-PACKAGE „SAGENHAFTER<br />
TAUERNRADWEG“<br />
• 3 Nächte im Hotel am Tauernradweg<br />
• Kostenlose Radkarte<br />
• Rad-Check –<br />
PREIS: AB € 249,– im ****Hotel mit HP<br />
INFOS UND BUCHUNGEN<br />
Tourismusregion Sankt Johann-<br />
Alpendorf<br />
5600 Sankt Johann im Pongau<br />
Tel.: 0 64 12/60 36<br />
E-Mail: info@sanktjohann.com<br />
www.sanktjohann.com<br />
www.alpendorf.com<br />
135
OUTDOORGUIDE<br />
ALS AUS<br />
„SCHLUCHTELN“<br />
CANYONING<br />
WURDE<br />
Die Zeit ist vorbei, als sich nur echte Abenteuer im<br />
Taucheranzug durch spektakuläre Felseinschnitte hantelten.<br />
Der Trendsport Canyoning entwickelte sich über die Jahre<br />
zur Attraktion für eine immer breitere Zielgruppe.<br />
FOTOS: istock, Ralf Wallinger<br />
TEXT: Florian Madl<br />
136<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Nicht hinunterschauen, ordentlich<br />
wegschwingen,<br />
sonst hängt ihr mittendrin.<br />
Just do it!“ Das Abseilen<br />
durch einen Wasserfall verlangt der<br />
achtköpfigen Schülergruppe eines<br />
Innsbrucker Gymnasiums alles ab, da<br />
kann der sympathische Canyoning-Guide<br />
noch so sehr die Jugendsprache<br />
bemühen. Für den Mitzwanziger,<br />
im Winter Skilehrer und<br />
während der Sommermonate in den<br />
Schluchten des Tiroler Pillerseetals<br />
unterwegs, ist es Alltag. Für die in<br />
Neopren gezwängten Teenager, die<br />
während ihrer Sportwoche dem Klassenzimmer<br />
entfliehen und auf der Suche<br />
nach Herausforderungen sind,<br />
Abenteuer genug.<br />
Das wiegt so manches Erlebnis im<br />
Sportunterricht auf und sollte am<br />
Abend des letzten Tags mit dem Attribut<br />
„unglaublich“ bedacht werden.<br />
Selbst der sportlich versierte Lehrer<br />
erweckt in der Gischt des kalten Wildbachs<br />
nicht den Anschein, als sei er<br />
über Selbstzweifel erhaben, sein Gesicht<br />
signalisiert das jedenfalls. Also:<br />
nicht hinunterschauen, ordentlich<br />
wegschwingen, nicht im Wasserstrahl<br />
hängen. Cool, so ein Canyoning-Abenteuer!<br />
DIE EIGENEN GRENZEN AUSLOSTEN<br />
Nach Erlebnissen wie diesen verlangt<br />
der Zeitgeist, dabei gibt es den Trend<br />
schon lange. Aber die Outdoorszene<br />
kennt dieses Umstyling hinlänglich:<br />
Aus sportlich ambitioniertem Wandern<br />
wurde „Nordic Walking“, aus Geländelaufen<br />
„Trailrunning“. Und früher<br />
hieß es mancherorts auch<br />
„Schluchteln“, doch das war einmal.<br />
Jetzt heißt es selbst im Volksmund<br />
schon „Canyoning“, weil sich Anglizismen<br />
in einer kommerzialisierten<br />
Welt offenbar besser machen.<br />
Dass sich aus der Eroberung von<br />
naturgegebenen Einschnitten und<br />
eiskalten Bächen ein Geschäftszweig<br />
entwickeln würde, war jedoch nicht<br />
absehbar. Doch es hat durchaus seinen<br />
Reiz, sich diesem Wechselspiel<br />
mit der Natur hinzugeben, dem bisweilen<br />
mutigen Sich-Herantasten an<br />
die eigenen Grenzen und die der Physik.<br />
In einer zivilisierten Welt muss<br />
schließlich kein Wasserlauf durchstiegen<br />
und keine Felskante mittels<br />
Abseilen, klettern, schwimmen, springen – und die Angst vorm Unbekannten überwinden.<br />
Hohe gesetzliche Sicherheitsstandards halten objektive Gefahren klein.<br />
Seil bewältigt werden. Die Zuhilfenahme<br />
eines Lifts ist in dieser Dimension<br />
der Natur unmöglich, lediglich<br />
Klettern, Schwimmen, Springen, sogar<br />
Rutschen tragen zur Bewältigung<br />
von Geländeerhebungen bei.<br />
Was früher lediglich das Hobby<br />
einer kleinen Szene Unentwegter war,<br />
gehört mittlerweile zur Sommersportwoche<br />
bei Outdoor-Anbietern<br />
wie das Lagerfeuer oder die Schnitzeljagd.<br />
„Mittlerweile lukrieren wir<br />
zehn Prozent unseres Umsatzes und<br />
mehr aus dem Bereich Canyoning“, erzählt<br />
Christoph Schaaf, ein Outdoor-Anbieter<br />
aus dem Salzburger<br />
Lammertal. Seine jungen Gäste würden<br />
dieses Abenteuer lieben, ebenso<br />
Reisegruppen oder die Teilnehmer eines<br />
Firmenausflugs.<br />
WER DARF ES ANBIETEN?<br />
Beim Tiroler Alexander Riml heißt<br />
der Sport immer noch Schluchtenführen.<br />
Das hat damit zu tun, dass der<br />
Ötztaler im Tiroler Bergsportführerverband<br />
einen deutschen Namen verwenden<br />
muss und der Experte als Referent<br />
und Ausbildungsleiter selbst<br />
über die Einhaltung der Bestimmungen<br />
wacht. „Tirol war ein Vorreiter“,<br />
blickt der 47-Jährige, seit über 20 Jahren<br />
in kalten Bächen und auf glitschigen<br />
Felsen unterwegs, zurück. Kommerzielles<br />
Führen von Touren wurde<br />
angesichts der hohen Nachfrage<br />
durch die Landesregierung gesetzlich<br />
geregelt. In Salzburg, Kärnten und<br />
Oberösterreich sei man dem Bundesland<br />
in den gesetzlichen Bestimmungen<br />
fast aufs Wort gefolgt.<br />
137
CANYONING<br />
Augen zu und durch! Ein Canyoning-Abenteuer ist durch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade in fast jedem Alter möglich.<br />
Und der Bedarf erklärt das hinlänglich:<br />
Allein die Auerklamm in<br />
Rimls engerer Ötztaler Heimat wird<br />
zwischen den Monaten Mai und September<br />
groben Schätzungen zufolge<br />
von 30.000 Gästen besucht. Eine Verletzung<br />
pro Woche, zumeist an Arm<br />
oder Bein und durchs Ausrutschen<br />
verursacht, könne man im Schnitt<br />
feststellen. Geschätzte fünf oder sechs<br />
Todesfälle hätten sich hier in den vergangenen<br />
zehn Jahren ereignet – statistisch<br />
betrachtet ein akzeptabler<br />
Wert. „In Frankreich passiert um einiges<br />
mehr, dort ist das Begehen von<br />
Schluchten geradezu Volkssport“,<br />
führt Riml das auf den hohen Sicherheitsstandard<br />
in Österreich zurück.<br />
Hier würden einen erst über 20<br />
Praxistage und zusätzlich knapp 25<br />
Ausbildungstage als offiziell anerkannten<br />
Schluchtenführer legitimieren,<br />
bis zu 2.500 Euro müssten die<br />
Kurs teilnehmer dafür veranschlagen.<br />
Nur wer sich hinlänglich in die Geheimnisse<br />
von Sackstich, Achterknoten,<br />
Halbmastwurf, Prusikknoten,<br />
Reihenverankerung und „Piranha“<br />
(Abseilachter) einführen ließ, kann sichere<br />
Touren garantieren. Und eine<br />
Fortbildungspflicht verhindere überaltete<br />
Methodik, zumindest alle vier<br />
Jahre müsse man sich im Sinne einer<br />
Berechtigung einer Fortbildung unterziehen.<br />
Ohne Ausweis – den sich<br />
Interessenten eines Canyoning-Ausflugs<br />
übrigens tunlichst zeigen lassen<br />
sollten – wäre das Führen einer Gruppe<br />
nicht zulässig.<br />
Verdienen lasse sich je nach Gruppengröße,<br />
Länge und Schwierigkeitsgrad<br />
der Tour. Gäste, darunter auch<br />
wenig trittsichere Einmalkunden, legen<br />
von € 60,– aufwärts auf den Tisch,<br />
um in den Genuss eines Canyoning-Ausflugs<br />
zu kommen. Angesichts<br />
des Risikos für die Führer und<br />
der Kosten des Materials (Neopren,<br />
Helm, Sicherheitsutensilien etc.) ein<br />
gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.<br />
HELI-CANYONING<br />
Alexander Riml antwortet auf die Frage,<br />
wo denn ein Canyoning-Freund in<br />
seinem Leben gewesen sein müsste,<br />
unvermittelt: „In den Alpentälern,<br />
also bei uns.“ Schön sei es natürlich<br />
auch in Frankreich und Spanien, vor<br />
allem aber im Tessin (Schweiz). Dort<br />
wird sogar Heli-Canyoning für knapp<br />
€ 400,– angeboten.<br />
In der Schweiz ereignete sich am<br />
27. Juli 1999 auch das wohl größte Canyoning-Unglück.<br />
45 Touristen stiegen<br />
damals mit acht Guides in den Saxetbach<br />
im Berner Oberland. Doch am<br />
Beginn des für eineinhalb Stunden<br />
angesetzten Abenteuers regnete es für<br />
einige Minuten, der Wasserpegel stieg<br />
leicht an. Plötzlich überraschte eine<br />
Flutwelle aus Wasser, Holz und Steinen<br />
die Gruppe, 21 Menschen kamen<br />
ums Leben.<br />
Seit damals änderte sich viel in<br />
der Szene, mittlerweile verfügen auch<br />
Schluchtenführer über eine Art „Lawinenwarndienst“.<br />
Mithilfe von Unternehmern,<br />
Bergsportführerverband,<br />
Polizei und Bergrettung<br />
wurden Standards erarbeitet, um Ereignisse<br />
wie dieses zu verhindern.<br />
Mittlerweile seien auch die Techniken<br />
zur Begehung der Canyons, die<br />
Qualität des Materials und die professionelle<br />
Herangehensweise eine andere<br />
als noch vor einigen Jahren. Selbst<br />
eine Tabelle mit Schwierigkeitsgraden<br />
wurde erarbeitet, um über Anhaltspunkte<br />
zu verfügen, doch die<br />
hält Experte Riml nur bedingt für<br />
hilfreich: „Die Schwierigkeitsgrade<br />
orientieren sich am Mindestwasserstand,<br />
diese Tabelle spiegelt die Situation<br />
kaum entsprechend wider.“<br />
An der Faszination für den Sport<br />
hat sich indes nichts geändert. „An<br />
Stellen kommen, die kaum jemand zu<br />
Gesicht bekommen hat“, nennt Anbieter<br />
und Guide Christoph Schaaf einen<br />
der Hauptbeweggründe seiner Kunden.<br />
Hier sei nichts künstlich, die Kulisse<br />
an sich ein Naturschauspiel. Und<br />
der physiologische Anspruch – Ausdauertraining,<br />
Anregung des<br />
Herz-Kreislauf-Systems durch kaltes<br />
Wasser sowie koordinatives Training<br />
– ein positiver Nebeneffekt. Am besten<br />
also probieren. Selbst auf die Gefahr<br />
hin, dass man mittendrin hängt<br />
im Wasserfall. Auch das gehört<br />
manchmal dazu.<br />
FOTOS: Ralf Wallinger<br />
138<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
TIPP: DIE WAGRAIN-KLEINARL-GÄSTECARD<br />
BIETET TÄGLICH FREIEN EINTRITT IN DIE<br />
WASSERWELT WAGRAIN. DAS 1000 M²<br />
GROSSE FREIBAD MIT SONNIGER LIEGE-<br />
WIESE GARANTIERT BADESPASS HOCH 2.<br />
LEBENSFREUDE HOCH 2<br />
Wagrain-Kleinarl hält verzaubernde Abenteuer und neue Erlebnisse bereit –<br />
oder, wie man in der Region sagt: Lebensfreude hoch 2.<br />
FOTOS: (c) Ideenwerk, Bryan Reinhart<br />
Geschafft! Der Gipfel ist erreicht.<br />
Unbändige Freude breitet<br />
sich aus, wenn der Blick<br />
über das atemberaubende Alpenpanorama<br />
schweift. Tief durchatmen –<br />
ein Gefühl von Freiheit und Erleichterung<br />
durchströmt Körper und Geist.<br />
Die unberührte Natur lässt Sorgen<br />
vergessen und spendet neue Kraft und<br />
Energie.<br />
Die abwechslungsreiche Naturund<br />
Bergwelt in Wagrain-Kleinarl<br />
bietet auf markierten Wanderwegen<br />
mit einer Länge von 140 Kilometern<br />
jedem das Richtige. Ein gemütlicher<br />
Spaziergang rund um den smaragdgrünen<br />
Jägersee macht ebenso Freude<br />
wie ein berauschendes Gipfelerlebnis<br />
auf dem Penkkopf. Von seinen 2.011 m<br />
Seehöhe aus sieht man über umliegende<br />
Täler und Berge bis zum Dachsteinmassiv.<br />
Die Sommerbahnen Flying<br />
Mozart, Grafenbergbahn und G-LINK<br />
Wagrain machen es möglich, auch<br />
ohne Anstrengung die Bergwelt zu erkunden.<br />
NEUE ABENTEUER FÜR FAMILIEN<br />
Eine Bergerlebniswelt, wie Kinder sie<br />
sich wünschen, ist WAGRAINi’s Grafenberg.<br />
Auf den überdimensionalen<br />
Abenteuerstationen gibt es viel Platz<br />
zum Erkunden, viel Raum zum Wandern<br />
und viele schöne Erlebnismomente<br />
für die ganze Familie. Bequem<br />
geht’s mit der Grafenbergbahn hinauf<br />
auf 1.700 m Höhe, wo die Abenteuer<br />
warten. Toll für alle mit kleinen<br />
Kindern: Der Erlebnispark am Grafenberg<br />
ist so angelegt, dass man auch mit<br />
einem Kinderwagen ohne große Anstrengung<br />
zu allen Stationen gelangt.<br />
NOCH MEHR NATURERLEBNISSE<br />
Hoch hinaus geht’s nicht nur beim<br />
Wandern, sondern auch in der Kletterwelt<br />
(www.kletter-welt.at). Verschiedene<br />
Parcours führen dort über Wasserfälle,<br />
Schluchten und Seilrutschen<br />
– ein Abenteuer für jedes Alter. Auf den<br />
neuen Lehrpfaden „Pfade durch ein<br />
Grünes Tal“ erfahren Kinder ebenfalls<br />
Spannendes über die Region.<br />
Für das leibliche Wohl sorgen die<br />
vielen urigen Hütten mit Herzhaftem<br />
und Süßem aus der Region. Die reine<br />
Natur und die schmackhaften Köstlichkeiten:<br />
Beides macht es einfach,<br />
den Moment zu genießen und richtig<br />
aufzutanken.<br />
Info & Buchung<br />
WAGRAIN-KLEINARL TOURISMUS<br />
Tel.: 0 64 13/84 48<br />
E-Mail: info@wagrain-kleinarl.at<br />
www.wagrain-kleinarl.at<br />
INFO ZUM SOMMER-<br />
SEILBAHNBETRIEB<br />
BERGBAHNEN AG WAGRAIN<br />
Tel.: 0 64 13/82 38<br />
E-Mail: office@bergbahnen-wagrain.at<br />
www.bergbahnen-wagrain.at<br />
139
SALZBURG<br />
3.000 MAL STAUNEN IN MITTERSILL<br />
Umgeben von den 3.000ern des Nationalparks Hohe Tauern gibt es in Mittersill-<br />
Hollersbach-Stuhlfelden eine Vielzahl an sehens- und staunenswerten Wanderplätzen.<br />
Veranstaltungs-Tipp<br />
HOHE-TAUERN-WANDERTAGE-PACKAGE<br />
TERMIN: 8. BIS 10. SEPTEMBER <strong>2017</strong><br />
Freu dich darauf, den Nationalpark<br />
Hohe Tauern und die Kitzbühler Alpen<br />
bei den 1. Hohe Tauern Wandertagen<br />
zu erwandern. Lerne gemeinsam<br />
mit Gleichgesinnten die Schönheiten<br />
der Nationalparkorte Mittersill – Hollersbach<br />
– Stuhlfelden kennen und genieße<br />
die Natur in ihrer ganzen Pracht.<br />
LEISTUNGEN:<br />
• 3 ÜN in einem zertifizierten Wanderbetrieb<br />
mit Frühstück/Halbpension<br />
•Wanderstartpaket<br />
•1 Startpaket für die permanenten IVV<br />
Wanderwege; AB € 149, –<br />
Nähere Informationen<br />
MITTERSILL PLUS GMBH<br />
Stadtplatz 1, 5730 Mittersill<br />
E-Mail: welcome@mittersill.info<br />
www.mittersill.info<br />
Was die Region Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden<br />
zum<br />
idealen Ausgangspunkt für<br />
hochalpines Wandern und Bergwandern<br />
macht? Eindeutig die unschlagbare<br />
Lage zwischen den 3.000ern des<br />
Nationalparks Hohe Tauern und den<br />
Grasbergen der Kitzbüheler Alpen.<br />
BERGWELTEN ZUM STAUNEN<br />
Den Wanderern gehen dank der zahlreichen<br />
Gipfel des Nationalparks<br />
Hohe Tauern und der sanften Grasberge<br />
der Kitzbüheler Alpen sicher nicht<br />
die Marschoptionen aus: Bei einer<br />
Tour durch das Felbertal und das Hollersbachtal<br />
etwa eröffnet sich dir eine<br />
malerische Naturlandschaft. Für hochalpine<br />
Wanderer hingegen stellen die<br />
„Bergriesen“ Larmkogel, Kratzenberg,<br />
Tauernkogel, Hörndl und Hochgasser<br />
eine echte Herausforderung dar. Und<br />
selbst Großglockner und Großvenediger<br />
sind hier nicht weit.<br />
Wer möchte, kann sich auch zur<br />
„Staunrunde“ aufmachen. Wie der<br />
Name schon verrät, kommt man dabei<br />
an den schönsten Plätzen in Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden<br />
vorbei –<br />
und gerät angesichts der Wasserfälle,<br />
Bergseen, jahrhundertealter Almen<br />
und Gletscher garantiert ins Staunen.<br />
KOMPETENTE GASTGEBER<br />
Für einen rundum gelungenen Urlaub<br />
sorgen die zertifizierten Wanderbetriebe<br />
der Region: Mit sechs geführten<br />
Wanderungen pro Woche in der<br />
Hauptsaison bleibst du sportlich „ausgelastet“.<br />
Highlight dabei: Ein kostenloser<br />
Wandershuttle bringt dich vom<br />
Hotel an den Startpunkt der geführten<br />
Tour und holt dich danach wieder ab.<br />
Die Wanderkompetenz der Gastgeber<br />
spiegelt sich außerdem in der persönlichen<br />
Beratung der Gäste sowie der professionellen<br />
Ausstattung, darunter<br />
Wanderinfotheken, Kartenmaterial,<br />
Wasch- und Trockenräume, Wanderausrüstung<br />
und vieles mehr, wider.<br />
Auch die Nationalpark-Ranger begleiten<br />
große und kleine Wanderer<br />
gerne in die Berge: Erkunde etwa den<br />
Hollersbacher Kräutergarten, die Nationalparkwerkstatt<br />
und das Hollersbachtal<br />
oder lausche gemeinsam<br />
mit den Kids den Baum- und Waldgeschichten<br />
der Ranger.<br />
FOTOS: Mittersill Plus GmbH/ Fotograf Michael Huber<br />
140<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
ECHTES SOMMERG’FÜHL<br />
IM RAURISERTAL<br />
Zwischen Adlerhorst und unberührten Wasserfällen finden Aktivurlauber im<br />
Raurisertal zahlreiche Naturschätze. Und mit etwas Glück sogar Alpengold!<br />
FOTOS: Tourismusverband Rauris<br />
Gemütliche Almwanderungen<br />
oder hochalpine Dreitausender-Besteigungen:<br />
In den fünf<br />
Seitentälern des Raurisertals finden<br />
Urlauber einzigartige Möglichkeiten<br />
für aktiven Genuss. Dreitausender<br />
wie der Hohe Sonnblick mit seiner<br />
Wetterwarte faszinieren den Berggast<br />
dabei ebenso wie das mehr als<br />
500 Jahre alte Rauriser Tauernhaus.<br />
Auf Geier und Steinadler trifft<br />
man im Krumltal, liebevoll auch „Tal<br />
der Geier“ genannt, während die Blumenlehrpfade<br />
im Gaisbachtal und<br />
das ursprüngliche Forsterbachtal als<br />
Teil des Nationalparks Hohe Tauern<br />
seine Besucher verzaubern.<br />
WASSER MARSCH!<br />
Mehr als 300 natürliche Quellen und<br />
imposante Wasserfälle haben dem<br />
Raurisertal den Namen „Tal der Quellen“<br />
eingebracht. Entlang der 295 km<br />
Wanderwege findet man 60 Trinkwasserbrunnen,<br />
die zur Rast einladen.<br />
Wer mächtige Wasserfälle aus nächster<br />
Nähe betrachten möchte, begibt<br />
sich am besten auf den 2,8 km langen<br />
Wasserfallrundweg im Talschluss<br />
Kolm Saigurn. Ein Tipp dazu: Der neu<br />
angelegte Wanderweg mit seinen<br />
rund 200 Höhenmetern eignet sich<br />
auch für spannende Ausflüge mit der<br />
gesamten Familie.<br />
ERLEBNISBERG HOCHALM<br />
Die Rauriser Hochalmbahnen bringen<br />
Naturliebhaber überhaupt bequem<br />
und in nur wenigen Minuten ins Wandergebiet<br />
Hochalm auf fast 1.800 m<br />
Höhe. Hier erwarten Wanderer mitunter<br />
atemberaubende Ausblicke auf die<br />
umliegende Goldberggruppe, den<br />
Großglockner, die Niederen Tauern,<br />
das Steinerne Meer, den Hochkönig sowie<br />
den Dachstein.<br />
Perfekt für die Kids: Von der<br />
Hochalm oder der Heim alm ausgehend<br />
führt „Tilly’s Wald pfad“ zu einer<br />
der „aussichtsreichsten“ Plattformen<br />
der Region, vorbei an zahllosen Infound<br />
Spielstationen, die Interessantes<br />
über die Rauriser Tier- und Pflanzenwelt<br />
offenbaren. Ein besonderes Erleb-<br />
nis ist auch der Besuch der Greifvogelwarte<br />
auf der Hochalm. Zweimal<br />
täglich finden hier Vorführungen mit<br />
den ansonsten scheuen „Königen der<br />
Lüfte“ statt. Und wer sein Glück als<br />
Schatzsucher versuchen möchte, der<br />
kann am Goldwaschplatz an der Mittelstation<br />
der Rauriser Hochalmbahnen<br />
feine Goldplättchen aus dem Wasser<br />
waschen – und bei dieser<br />
Gelegenheit gleich die neu gestaltete<br />
„Mineralienwelt“ besuchen.<br />
Hochalmbahn<br />
FAHRZEITEN SOMMER <strong>2017</strong>: bis 29. 6.<br />
und vom 12. 9. bis 8. 10. jeweils Sonntag,<br />
Dienstag und Donnerstag.<br />
Vom 2. 7. bis 10. 9. täglicher Betrieb,<br />
Zusatzfahrten auch 16. 6. sowie am<br />
14./15. und 21./22.10 (Samstag & Sonntag)<br />
und am 26. 10.<br />
Kontakt und Infos<br />
TOURISMUSVERBAND RAURIS<br />
Sportstr. 2, A-5661 Rauris<br />
Tel.: 0 65 44/20 0 22<br />
E-Mail: info@raurisertal.at<br />
www.raurisertal.at<br />
141
OUTDOORGUIDE<br />
DIE ZUSTIEGS-<br />
BESCHLEUNIGER<br />
Kräfte sparend zum Ausgangspunt interessanter Touren geht es am<br />
einfachsten per Seilbahn! Wir haben quer durch die Bundesländer<br />
Toptouren mit schnellem Zustieg per Gondel gesucht und gefunden.<br />
Der Zustieg ist meist lästige<br />
Notwendigkeit. Manchmal<br />
Vergnügen. Doch selten bereits<br />
Alpingenuss. Jedenfalls<br />
wäre es vielfach fein, den Zustieg einfach<br />
zu überspringen. Und das geht<br />
auch: per Bergbahn – um dann gleich<br />
„oben“ zu starten. Ab Bergstation warten<br />
nämlich vielerorts in Österreich<br />
herrliche Kletter- bzw. Klettersteigrouten,<br />
hochalpine Gipfeltouren, fordernde<br />
Weitwanderungen ebenso<br />
wie herausragend schöne, gemütliche<br />
Wanderungen.<br />
200 SOMMERSEILBAHNEN<br />
Rund 200 österreichische Berge können<br />
im Sommer per Seilbahn „erklommen“<br />
werden. Natürlich kommt<br />
das auch vielen Bergbesuchern entgegen,<br />
die zum Schauen und Staunen<br />
„hinauf“ fahren. Die oft mit Flip-<br />
Flops, Sandalen oder Halbschuhen<br />
„ausgerüsteten“ Gäste bewegen sich<br />
im Nahbereich der Bergstationen oder<br />
auf kurzen Erlebniswegen. Die ambitionierten<br />
Alpinisten, die Bergbahnen<br />
für den Schnellzustieg nutzen, sind<br />
bereits wenige Hundert Meter abseits<br />
der Stationen unter sich.<br />
Eine rein subjektive Auswahl<br />
empfehlenswerter Seilbahntouren<br />
wollen wir euch hier – quer durch die<br />
Alpen-Bundesländer und natürlich<br />
ohne Anspruch auf Vollständigkeit –<br />
vorstellen. Und zwar so ausgewählt,<br />
dass für jeden etwas dabei ist: anspruchsvolle<br />
Touren ebenso wie besonders<br />
schöne, die jeder schafft.<br />
FOTO: Bad Kleinkirchheimer Bergbahnen/Gruber, TVB Paznaun-Ischgl, TVB Saalbach Hinterglemm, Rax Seilbahn<br />
TEXT: Oliver Pichler<br />
142<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
TIROL & OSTTIROL<br />
ISCHG: Ischgl bietet im Sommer Berge<br />
statt Party. An der Schweizer Grenze,<br />
nahe der Bergstation der Flimjochbahn<br />
und neben dem Viderjoch (2.737<br />
m), befindet sich der Ausgangspunkt<br />
für relativ schnelle 3.000er-Touren.<br />
www.ischgl.com<br />
HOCHZEIGER IM PITZTAL: Gipfeltour<br />
ab Mittelstation, zuerst auf den Hochzeiger<br />
(2.560 m), via Bergstation der<br />
Seilbahn bis zum Sechszeiger (2.392<br />
m) und zurück zur Bergstation. Oder<br />
ab der Mittelstation auf das hochalpine<br />
Wildgrat (2.971 m).<br />
www.hochzeiger.com<br />
MAYRHOFEN: Mit Österreichs größter<br />
Seilbahn (160 Personen) auf den<br />
Ahorn (1.955 m) und von dort auf die<br />
Ahornspitze (2.973 m).<br />
www.mayrhofner-bergbahnen.com<br />
ST. JOHANN/TIROL: Ab Bergstation der<br />
Kabinenbahn Harschbichl (1.604 m),<br />
nach kurzem Zustieg via Klettersteig<br />
(Einstieg 1.850 m) aufs Kitzbüheler<br />
Horn (1.996 m).<br />
www.bergbahnen-stjohann.at<br />
DEFEREGGENTAL: Per Brunnalmbahn<br />
und Mooserberg-Sessellift bis auf<br />
über 2.300 m. Drei Gipfel: Kl. Leppleskofel<br />
(leicht, 2.469 m), Gr. Leppleskofel<br />
(mittel, 2.811 m), Gr. Degenhorn<br />
(mittel/schwer, 2.946 m).<br />
www.stjakob-ski.at<br />
KALS: Mit der Kabinenbahn bis zur<br />
Adler-Lounge auf 2.400 m. Tour über<br />
den Gorner (2.702 m) zum Rotenkogel<br />
(2.762 m).<br />
www.gg-resort.at<br />
SILLIAN: Per Bahn auf 2.100 m. Wandern<br />
„Rund um den Thurntaler“, erweiterbar<br />
etwa um den Aufstieg auf<br />
die Hochrast (2.436 m).<br />
www.hochpustertal-ski.at<br />
Ischgl:<br />
Top-Klettersteige<br />
und<br />
3.000er in<br />
Griffweite.<br />
Rax: Älteste Seilbahn<br />
Österreichs in<br />
neuem Kleid.<br />
NIEDERÖSTERREICH<br />
RAX: Die Pendelbahn auf die Rax war<br />
1926 Österreichs erste Seilbahn. Bis<br />
heute ist sie ideal für Bergsportler, die<br />
von der Bergstation (1.547 m) aus zu<br />
Wanderungen aufbrechen wollen. Etwa<br />
zur Heukuppe, dem höchsten Punkt der<br />
Rax (2.007 m).<br />
www.raxseilbahn.com<br />
ÖTSCHER: Via Ötscher-Doppelsessellift<br />
auf 1.436 m, dann knapp 500 Höhenmeter<br />
hinauf auf den Großen Ötscher<br />
(1.893 m). www.oetscher.at<br />
143<br />
Saalbach: unterwegs<br />
zwischen zwei der<br />
Glemmtaler Seven<br />
Summits.<br />
SALZBURG<br />
SAALBACH: SEVEN-SUMMITS-TOUR<br />
Der Schattberg-Ostgipfel (2.018 m) ist<br />
Ausgangspunkt einer 9-Stunden-Tour zu<br />
den schönsten Gipfeln des Glemmtals.<br />
Hinauf auf den Schattberg bringt die<br />
Seven-Summits-Wanderer der Schattberg<br />
X-press (extra Frühfahrt Mo.–Fr.<br />
um 7.30 Uhr). Die fast 24 km lange Tour<br />
führt über sieben der attraktivsten Gipfel<br />
der Region. Danach: Abstieg (etwa<br />
1.100 Höhenmeter) in den Talschluss<br />
des Glemmtals.<br />
www.saalbach.com<br />
KITZSTEINHORN: „Mein erster 3.000er“,<br />
von der Bergstation der Gletscherbahn<br />
(3.029 m) auf das „Kitz“ (3.203 m), geführt<br />
von einem Bergführer.<br />
www.kitzsteinhorn.at<br />
GASTEIN: Sechs Klettersteige aller<br />
Schwierigkeitsgrade auf der Schlossalm<br />
& Höhentouren mit Panoramablick am<br />
Stubnerkogel.<br />
www.skigastein.com<br />
MÜHLBACH AM HOCHKÖNIG: Die<br />
Bergstation der Karbachalmbahn<br />
(1.564 m) ist Ausgangspunkt der Höhenwanderung<br />
auf den Schneeberg.<br />
www.hochkoenig.at<br />
OBERTAUERN: Mit der Grünwaldkopf-Kabinenbahn<br />
auf 1.975 m Höhe. Von hier<br />
aus auf die Seekarspitze (2.350 m) und<br />
Abstieg zur Bergstation Hochalm-Sesselbahn<br />
(2.033 m).<br />
www.ski-obertauern.at<br />
5-GIPFEL-PANORAMATOUR AB HOCH-<br />
ALMBAHN-BERGSTATION: Von 1.780 m<br />
Höhe aus auf Schwarzwand (2.194 m),<br />
Reißrachkopf (2.210 m), Hirschkopf<br />
(2.252 m), Baukogel (2.224 m) und Roßkopf<br />
(2.039 m).<br />
www.hochalmbahnen.at<br />
ZAUCHENSEE: Ab Gamskogelbahn-Bergstation<br />
(1.884 m) zur 4-Gipfel-Höhentour<br />
im Seekargebiet: via<br />
Seekarscharte zur Arche (2.060 m),<br />
zum Tagweideck (2.135 m), auf den<br />
Schwarzkopf (2.263 m) und zuletzt auf<br />
den Gamskogel (2.186 m).<br />
www.zauchensee.at
Dachstein:<br />
Klettersteig-,<br />
Gletscheroder<br />
Gipfelerlebnis.<br />
STEIERMARK<br />
DACHSTEIN – GLETSCHER & CO:<br />
Die Magie des Dachsteins lässt<br />
sich mit Ausgangspunkt Gletscherbahn-Bergstation<br />
(2.700 m) auf<br />
drei anspruchsvollen Touren erleben.<br />
Ein Klassiker (Seil & Klettersteig)<br />
führt Richtung Westen über<br />
den Schulteranstieg auf den Hohen<br />
Dachstein (2.995 m).<br />
Weitere empfehlenswerte Touren<br />
ab Bergstation: Richtung Osten via<br />
Klettersteig auf den Koppenkarstein<br />
(2.863 m). Richtung Norden<br />
auf den Hohen (Großen) Gjaidstein<br />
(2.794 m), wobei bis zum Kleinen<br />
Gjaidstein ein 2016 errichteter Themenweg<br />
führt.<br />
www.derdachstein.at<br />
RIESNERALM: 5-Gipfel-Höhenwanderung,<br />
ab der Mittelstation (1.576<br />
m) auf den 2.022 m hohen Seespitz<br />
(Finsterkarspitze), das Große<br />
Bärneck (2.071 m), die Gstemmerspitze<br />
(1.996 m), den Sonntagskarspitz<br />
(1.999 m) und den Mößna<br />
Kopf (2.077 m).<br />
www.riesneralm.at<br />
Die Dorfbahn<br />
Brandnertal<br />
ist Startpunkt<br />
vielfältiger<br />
Touren.<br />
MATERIAL<br />
Der Däumling-Klettersteig<br />
am<br />
Nassfeld.<br />
OBERÖSTERREICH<br />
KRIPPENSTEIN – DACHSTEIN-BLICK & VIEL MEHR:<br />
Die Dachstein-Krippenstein-Seilbahn bietet viele Bergerlebnis-Möglichkeiten:<br />
Dachsteinhöhlen bei der Mittelstation,<br />
Aussichtsplattform „5fingers“, Klettersteige<br />
in der Krippenstein -Ost- & -Nordwand bei der Bergstation.<br />
Die 3. Teilstrecke der Bahn führt wieder hinunter<br />
auf 1.788 m, wo ebenfalls attraktive Touren starten.<br />
www.dachstein-salzkammergut.com<br />
KATRIN-SEILBAHN BAD ISCHL: Auf 1.415 m startet die<br />
gemütliche 7-Seenblick-Wanderung, die sich in Kombination<br />
mit der 3-Gipfel-Tour etwas fordernder gestalten<br />
lässt.<br />
www.katrinseilbahn.com<br />
KÄRNTEN<br />
NASSFELD: Von der Bergstation (1.888<br />
m) der Gartnerkofel-Bahn geht es in<br />
Serpentinen ein steiles Schotterfeld<br />
hinauf, weiter über Bergwiesen und<br />
felsiges Gelände. Knapp vor Erreichen<br />
des 2.195 m hohen Gartnerkofels<br />
wird es dann noch einmal steiler.<br />
Der Lohn für etwa 300 Höhenmeter<br />
Anstieg ist ein gewaltiger Ausblick –<br />
bei guter Sicht bis zum Mittelmeer.<br />
www.nassfeld.at<br />
BAD KLEINKIRCHHEIM: Sportliche<br />
Nockberge-Touren ab Brunnachbahn-Bergstation<br />
(1.902 m) – auf den<br />
Großen Rosennock (2.440 m), den<br />
Pfannock (2.254 m), den Mallnock<br />
(2.226 m) oder den Falkert (2.308 m).<br />
www.badkleinkirchheim.com<br />
PETZEN: Touren ab Bergstation (1.712<br />
m), hinauf an die Gebirgsgrenze<br />
zu Slowenien, etwa auf den Kordeschkopf<br />
(2.126 m), den Knieps (2.110<br />
m) oder Feistritzer Spitz (2.113 m).<br />
www.petzen.net<br />
ANKOGEL: von der Bergstation auf<br />
2.637 m gut erreichbar sind die Grauleitenspitze<br />
(2.891 m, leicht); der<br />
Kleine Ankogel (3.096 m, mittelschwer<br />
– mit Schneefeld überquerung); und<br />
der Ankogel (3.252 m, hochalpin ausgesetzt).<br />
www.ankogel-ski.at<br />
Blick von der Aussichtsplattform<br />
„5Fingers“ am<br />
Krippenstein.<br />
VORARLBERG<br />
BRANDNERTAL – 3-LÄNDER-BLICK-TOUR:<br />
Mit der Dorfbahn geht es von Brand hinauf auf 1.390<br />
m, dann weiter über Parpfienz Alpe zum Amatschonjoch<br />
(2.028 m). Alternativ und der Weg über den langgezogenen<br />
Rücken des Gulma (1.859 m). Retour vom Amatschonjoch<br />
über die Innerpalüd Alpe zur Bergstation der<br />
Palüdbahn.<br />
www.brandnertal.at<br />
GOLM: Ab Mittelstation (1.520 m) oder Bergstation<br />
(1.900 m) mehrere Panorama-Wandermöglichkeiten.<br />
www.golm.at<br />
KLEINES WALSERTAL: Von der Kanzelwandbahn-Bergstation<br />
(1.975 m) Höhenwanderungen auf das Fellhorn<br />
(2.038 m) oder die Walser Hammerspitze (2.170 m).<br />
www.kleinwalsertal.com<br />
FOTOS: xxx<br />
FOTO: Dachstein Gletscherbahn, Nassfeld Lesachtal Weissensee Tourismus, Dachstein Tourismus AG, Bergbahnen Brandnertal<br />
144<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WANDERBARER LUNGAU<br />
Der Salzburger Lungau liegt eingebettet zwischen Niederen Tauern und Nockbergen –<br />
ein Wanderparadies mit 68 bewirtschafteten Hütten, 42 Almen und fast 60 Bergseen.<br />
Exemplarisch: die Tour von Mariapfarr auf die 2.452 m hohe Zechnerkarspitze.<br />
FOTOS: Tourismusverband Mariapfarr<br />
Nur wo du auch zu Fuß warst,<br />
dort warst Du wirklich! Der<br />
Lungau ist ein Wanderparadies<br />
der ganz besonderen Art. Auf wunderschönen<br />
Wanderwegen liegen<br />
idyllische Bergseen und knapp 68 bewirtschaftete<br />
Amhütten, die zur Rast<br />
einladen. Sanfte und anspruchsvollere<br />
Gipfel warten darauf, erwandert<br />
und berührt zu werden. Der Weg soll<br />
das Ziel sein!<br />
AUF DIE ZECHNERKARSPITZE<br />
Um die Vorfreude noch ein wenig<br />
mehr zu schüren, wollen wir eine besondere<br />
Tour exemplarisch vorstellen:<br />
die Wanderung auf die Zechnerkarspitze<br />
(2.452 m). Die lohnt sich nicht<br />
nur wegen der grandiosen<br />
Gipfelaussicht. So verläuft die Tour:<br />
Von Mariapfarr aus führt die Straße zunächst<br />
Richtung Lignitz. Bei der Abzweigung<br />
Kraischaberg biegt man<br />
links zum Schranken ab – hier bleibt<br />
das Auto stehen. Zu Fuß folgt man dem<br />
leicht ansteigenden Forstweg (Nr. 763)<br />
bis zum Marterl, dort geht es rechts<br />
vorbei bis zur Wegkreuzung mit Wegweiser.<br />
Jetzt wird der Weg bis zur Granitzlalm<br />
rasch steiler. Das gleichnamige<br />
„Granitzlwasser“ ist übrigens<br />
erstklassig und versorgt die Orte Mariapfarr<br />
und Weißpriach. Rechts bei der<br />
Granitzlhütte führt der Steig nun weiter<br />
in das wunderschöne Zechnerkar<br />
mit seinen vielen kleinen Seen und Lacken.<br />
Beeindruckend am Weg sind<br />
auch die alten Lärchen und die Vielfalt<br />
der verschiedenen Blumen. Besonders<br />
sehenswert: die Almrauschblüte in<br />
den Monaten Juni und Juli. Vor dem<br />
Gipfelaufbau dreht der Steig nach<br />
links und führt in Serpentinen zu einer<br />
kleinen Scharte. Nun sind es den<br />
Grat entlang noch rund 30 Minuten bis<br />
zum Gipfel. Dort angekommen, gilt es<br />
den Ausblick zum Hochgolling, Preber,<br />
Hafner, Dachstein sowie zu vielen<br />
Bergen dies- und jenseits der Lungauer<br />
Grenzen hinaus auszukosten, ehe man<br />
sich auf den Rückweg macht ...<br />
Die Fakten zur<br />
beschriebenen Tour<br />
Gehzeiten: Schranken–Granitzlhütte:<br />
1,5 Stunden, Schwierigkeitsgrad: mittel;<br />
Granitzlhütte–Zechnerkarspitze: ca. 2<br />
Stunden, Schwierigkeitsgrad: schwer;<br />
Abstieg auf selbem Weg: ca. 3 Stunden<br />
INFOS ZUR REGION UND BUCHUNGEN<br />
Tourismusverband Mariapfarr<br />
Tel.: 0 64 73/87 66<br />
E-Mail: mariapfarr@lungau.at<br />
www.mariapfarr.at<br />
145
OUTDOORGUIDE<br />
KULINARISCH<br />
AUF DER HÖH’<br />
In der Morgendämmerung geht es los. Hunderte Kalorien später<br />
haben wir das Ziel erreicht. Wir steuern die nächste Hütte an.<br />
Stellt sich nun die eine bange Frage, die alle Outdoorfans zur<br />
Genüge kennen: Was genau wird uns dort erwarten?<br />
Auf der Suche nach regionalen<br />
Köstlichkeiten und neuen kulinarischen<br />
Ideen auf den Almen<br />
und Berggipfeln haben<br />
wir für euch etliche Recherchekilometer<br />
zurückgelegt. Die gute Nachricht:<br />
Immer mehr Hütten- und Gastwirte<br />
erkennen, dass eine geschmackvolle<br />
Speisekarte zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal<br />
werden kann.<br />
ALLES, NUR KEIN ÖTZI-TELLER<br />
Beginnen wir im Südtiroler Eisacktal.<br />
Dort gibt es Routen wie den Doloramaweg,<br />
die sportliche Herausforderung mit<br />
gutem Essen ideal verbinden. 61 Kilometer<br />
führt dieser Weg über Forst- und Wanderstraßen.<br />
Hier gibt es nicht nur Almenlandschaften<br />
und die Berggipfel der<br />
Dolomiten zu entdecken, sondern auch<br />
eine Menge Geschichte. Auf der Lüsner<br />
Alm machten schon die Jäger in der Steinzeit<br />
Rast. Keine Angst, wir bestellen trotzdem<br />
kein Ötzi-Menü. So etwas wird in<br />
den Almgasthäusern wie dem „Ütia de<br />
Börz“ am Würzjoch, auf der Ramitzler<br />
Schwaige oder der Schutzhütte Raschötz<br />
auch gar nicht angeboten. Allein die Na-<br />
FOTOS: xxx<br />
FOTOS: iSalzburger Land Tourismus/David Schultheiß, stock, Pitztal Tourismus/Dani Elzangerl, Eisacktal Marketing/Alex Filz, Brixen Tourismus/Thomas, Graner. hochzeiger.com/Daniel Zanger<br />
TEXT: Wolfgang Kühnelt 146<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Was die Südtiroler können, beherrschen auch jene im Norden: Nämlich in den Bergen für exzellente Gaumenfreuden zu sorgen.<br />
Im Uhrzeigersinn: im Eisacktal und auf der Schatzerhütte über Brixen – im Zeigerrestaurant und im Café 3.440, beides im Pitztal.<br />
men der Gaststätten sprechen schon<br />
Bände. Den Rest erzählt die Speisekarte<br />
– seltener allerdings die Website, da<br />
sind die Südtiroler Wirtsleute fast alle<br />
überraschend zurückhaltend.<br />
Macht nichts, wir sind ja nicht<br />
wegen der virtuellen Welt hier, sondern<br />
wegen der realen Nahrungsaufnahme.<br />
Und da kann man im Eisacktal<br />
viel Neues probieren. Es gibt<br />
typische Gerichte wie Speckbrettl,<br />
Wildgulasch, Knödel und neuerdings<br />
immer mehr „Exzellenz“-Nahrungsmittel<br />
wie Zwetschken, Kastanien,<br />
Äpfel, Milchprodukte und Honig.<br />
Eine schöne Jause, hier „Marende“ genannt,<br />
beinhaltet dann auch ein<br />
Schüttelbrot, Almkäse und Butter<br />
frisch vom Senner.<br />
DIE UNSICHTBARE GRENZE<br />
56 TOP-Hütten gibt es im Eisacktal.<br />
TOP steht übrigens für „Tested outstanding<br />
place“. Heißt: Hier gibt es Genusskultur<br />
auf höchstem Niveau. Würzigen<br />
Graukäse oder Schafsmilchkäse<br />
kennt man auch außerhalb Südtirols.<br />
Aber wer hat schon Weinsuppe, die<br />
traditionellen Teigwaren Tirtln oder<br />
Schlutzer probiert?<br />
Eine gute Gelegenheit, Kulinarik<br />
mit Bergsport zu verbinden, bietet beispielsweise<br />
die Prantneralm in Sterzing.<br />
Auf 1.800 Metern serviert Familie<br />
Gogl Gerstsuppe, Graukäscremesuppe<br />
mit Roggencroutons und Ronenknödel.<br />
Noch höher liegt die Europahütte,<br />
ein Schutzhaus auf 2.693 Metern in<br />
den Zillertaler Alpen. Nicht nur das Essen<br />
und Trinken sind hier bemerkenswert,<br />
sondern auch die Tatsache, dass<br />
die Grenze zwischen Österreich und<br />
Italien mitten durch den Gastraum<br />
verläuft.<br />
EIN KAFFEEHAUS AM GLETSCHER<br />
Wenn wir schon auf österreichischem<br />
Terrain angekommen sind: Auch Nordtirol<br />
hat Spannendes zu bieten. Wer<br />
Bergsportler und zugleich Genießer<br />
ist, sollte sich Österreichs höchstgelegenes<br />
Kaffeehaus vormerken. Die imposante<br />
Bergstation der Wildspitz-Bahn<br />
am Pitztaler Gletscher<br />
beherbergt das „Café 3.440“. Richtig,<br />
wir befinden uns auf einer Seehöhe,<br />
wo es eher außergewöhnlich ist, Sachertorte<br />
und Kaffee nach Wiener Art<br />
zu servieren. Dafür ist die Fernsicht genial<br />
und Ski fahren kann man hier von<br />
September bis Mai. An guten Tagen fabriziert<br />
Konditor Norbert Santeler mit<br />
seinen Zwillingstöchtern Sandra und<br />
Stefanie auf beachtlichen 2.840 Metern<br />
in der höchsten Konditorei des Landes<br />
4 Tonnen Kaiserschmarrn und rund 25<br />
Meter Apfelstrudel. Hier zu arbeiten<br />
erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung.<br />
Denn wenn der Luftdruck<br />
nicht passt, geht der Kuchen nicht auf.<br />
Weiter unten im Pitztal dominiert<br />
neuerdings die Zirbe. Es gibt einen<br />
Zirbenpark mit Zirbenwasser,<br />
eine Zirbencart-Strecke und ein Stamperl<br />
Zirbenschnaps. Gut essen kann<br />
man im Hochzeigerhaus und auf der<br />
Stalderhütte, wo man stilgerecht im<br />
Zirbenzimmer übernachtet. Besonders<br />
konsequent ist man im Zeigerrestaurant<br />
auf 2.000 Metern. Christian<br />
Wittwer serviert dort Zirbencappuccino,<br />
Zirbenhauswürste, Zirbensenf,<br />
Zirbenzapfenbrot und Zirbensirup.<br />
SALZBURGER BIO-BLADLN<br />
Über die Verbindung von bodenständiger<br />
Küche, Outdoorsport und den immer<br />
anspruchsvolleren Gästen hat<br />
man in Salzburg bereits seit Jahren<br />
nachgedacht. Die Antwort: Via Culina-<br />
147
KULINARIK<br />
ria. Neun Genusswege verbinden 260<br />
empfohlene Adressen. Der neue Guide<br />
dieser Initiative ist 190 Seiten stark.<br />
Leo Bauernberger, der oberste Salzburger<br />
Touristiker, sieht dementsprechend<br />
gutes Essen als „wesentlichen<br />
Bestandteil eines gelungenen und unvergesslichen<br />
Urlaubs“. Es gibt Genusswege<br />
für „Hüttenhocker“, „Naschkatzen“,<br />
„Kräuterliebhaber“ und seit<br />
heuer auch für „Bio-Genießer“. Das ist<br />
weit mehr als eine Marketingidee. Die<br />
Salzburger können stolz darauf verweisen,<br />
dass es in keiner europäischen<br />
Region mehr Bio-Produzenten gibt.<br />
Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen<br />
Fläche wird biologisch bzw. biologisch-dynamisch<br />
bewirtschaftet.<br />
Zu den Salzburger Stärken gehören<br />
Milchprodukte wie der Tennengauer<br />
Almkäse oder der Lungauer<br />
Ziegenkäse; Fleisch, zum Beispiel vom<br />
Berglamm, aber auch Fisch wie bei<br />
Walter Grüll. Stellvertretend für viele<br />
engagierte Wirte und Produzenten<br />
besuchen wir die Familie Hörl und<br />
ihre Jagglalm in Saalfelden, die erste<br />
bio-zertifizierte Almhütte im Salzburger<br />
Land. Hier gibt es unter anderem<br />
herzhafte Bladln, eine Art Krapfen,<br />
die im Pinzgau süß oder pikant gefüllt<br />
werden, Kaspressknödel und Bio-Eier<br />
der Rassehühner. Wer mehr über die<br />
Wege zum Genuss im Salzburger<br />
Land erfahren will, sollte sich den<br />
Guide kostenlos auf www.via-culinaria.com<br />
bestellen.<br />
FRIGGA VOM ALMBUTLER<br />
Zum Abschluss begeben wir uns ins<br />
Grenzgebiet zwischen Kärnten und<br />
der Steiermark. Auf der Turracher<br />
Höhe ist im Winter der Pistenbutler<br />
aktiv, der mit den Gästen von Hütte zu<br />
Hütte auf Kostprobefahrt geht. Im<br />
Sommer ist es der Almbutler, mit dem<br />
man wandern kann und der einem regionale<br />
Spezialitäten zeigt.<br />
In der Früh geht es eine gute Stunde<br />
lang zu Fuß auf den Kornock, wo der<br />
Butler höchstpersönlich ein Frühstück<br />
zubereitet. Mit etwas Glück handelt es<br />
sich dabei um Frigga, ein Gericht, das<br />
früher besonders die Holzknechte<br />
schätzten. Bergkäse, Speck, Eier und<br />
Schwarzbrot nehmen die einen, die an-<br />
FOTOS: Almbutler Seepicknick<br />
ab<br />
€ 429,–<br />
p. P.<br />
BERGSPORT & BERGSPA IM MONTAFON<br />
Ziehe auf eigene Faust los oder schließe<br />
dich einem erfahrenen Berg- und Wanderführer<br />
an. Im Montafoner Gebirge<br />
erwarten dich sportliche Abenteuer –<br />
etwa auf mehr als 500 km markierten<br />
Wanderwegen zu den Gipfeln der Bergketten<br />
Verwall, Rätikon und Silvretta.<br />
Aber auch Mountainbiker finden hier<br />
unter den 270 km beschilderten Bikewegen<br />
ganz bestimmt ihren Lieblings-Trail.<br />
Das Hotel Zamangspitze hat<br />
auch in Sachen „Genuss“ viel zu bieten:<br />
Spezialitäten von regionalen Landwirten<br />
und das hoteleigene Berg-SPA mit<br />
Hallenbad, Sole-Dampfbad, Kräutersauna<br />
und Kneippbecken.<br />
BERGSPA & HOTEL ZAMANGSPITZE<br />
MONTAFON / VORARLBERG<br />
Ziggamweg 227, 6791 St. Gallenkirch<br />
Tel.: 0043 5557/6238<br />
E-Mail: info@zamangspitze.at<br />
WEB: www.zamangspitze.at<br />
„Berge erleben 5=4“<br />
BUCHBAR VOM 25. 5. BIS 22. 7. <strong>2017</strong><br />
UND VOM 26. 8. BIS 22. 10. <strong>2017</strong><br />
• 5 Nächte wohnen und nur 4 bezahlen<br />
inkl. ¾-Verwöhnpension<br />
• Wellnessgutschein im Wert von € 32,–<br />
• 1 x Montafon-Brandnertal-Card für<br />
3 Tage (pro Erwachsenem)<br />
• kostenloser Verleih von<br />
Wanderstöcken<br />
• täglich geführte Wanderungen mit<br />
erfahrenen Wanderführern<br />
FOTOS: BergSPA & Hotel Zamangspitze<br />
148<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Ein Bauernkrapfen mit Preiselbeeren – eine von vielen Versuchungen, denen man im Salzburger Land begegnet. Rechtes Bild: See-<br />
Picknick mit dem Almbutler. Das Erlebnis erwartet einen auf der Turracher Höhe im Grenzgebiet von Kärnten und der Steiermark.<br />
deren setzen auf Polenta. Eine Pfanne<br />
und offenes Feuer und bald ist das bodenständige<br />
Gericht fertig.<br />
Wer etwas länger gehen möchte,<br />
bucht beim Almbutler die Wanderung<br />
über die Schafalm und die<br />
Winkleralm bis zur Wildbachhütte,<br />
wo es eine köstliche Jause gibt. Oder<br />
man besucht Franz Grubenbauer, der<br />
sich auf Heu-Produkte spezialisiert<br />
hat und daraus sogar Schnaps brennt.<br />
Für die Kinder ist besonders die Familienwanderung<br />
mit See-Picknick ein<br />
Erlebnis, bei der man nicht nur gemeinsam<br />
jausnet, sondern auch barfuß<br />
über das Hochmoor geht.<br />
EIS VOM BERGBAUERN<br />
Wieder beim Ausgangspunkt auf der<br />
Turracher Höhe angelangt, empfiehlt<br />
sich ein Besuch der K-Alm am Fuße der<br />
Kornockbahn. Die Wirtsleute haben<br />
sich mit einem großen Humidor für<br />
ihre Schinken-, Speck- und Käsespezialitäten<br />
einen Herzenswunsch erfüllt.<br />
Zum Finale gibt es dann noch Eis vom<br />
Bergbauernhof. Ja, richtig gehört: Hans<br />
Peter Huber aus Saureggen unweit der<br />
Turrach produziert auf 1.600 Metern<br />
Speiseeis. Anfangs belächelte man ihn,<br />
heute stellt er mehr als 160 Sorten her,<br />
allesamt ohne chemische Zusätze oder<br />
Farbstoffe, dafür aber mit bester Alm-<br />
Milch. Feinstes Eis mit Granten, Waldhonig,<br />
Kürbiskern oder Butterkeks,<br />
wie man es bei den Hubers am Hof kaufen<br />
kann. Damit kann man sicher auch<br />
Kinder von der Sinnhaftigkeit des<br />
Wanderns überzeugen.<br />
Thomas Huber<br />
Komperdell Botschafter<br />
Extrembergsteiger<br />
CARBON -<br />
WEIL JEDES<br />
GRAMM ZÄHLT<br />
DER SPEZIALIST<br />
FÜR CARbon<br />
STöCkE<br />
Je weniger Gewicht,<br />
umso mehr Ausdauer<br />
am Berg. Spüren Sie<br />
Sicherheit durch die<br />
extraleichten Carbonstöcke<br />
von Komperdell.<br />
www.komperdell.com
MATERIAL<br />
LAUFSTEG<br />
WANDERWEG<br />
Wohin geht <strong>2017</strong> der Trend bei der Outdoor- Bekleidung? Erfreuliche Antwort:<br />
Es wird gleichzeitig stylisher, technischer und nachhaltiger.<br />
Die Berge bleiben, die Zeiten<br />
ändern sich. Und mit den Zeiten<br />
ändert sich die Mode, mit<br />
der man auf die Berge steigt<br />
oder an Felswänden klettert. Das Motto:<br />
„Hauptsache praktisch“ ist längst<br />
passé: Stilbewusstsein hat sich auch<br />
im Bergsport durchgesetzt. Neben der<br />
sich ändernden Mode gibt es im Bereich<br />
der Outdoor-Bekleidung aber<br />
jährlich eine Reihe weiterer aktueller<br />
Trends. Jenen für <strong>2017</strong> haben wir gemeinsam<br />
mit einer Textilexpertin<br />
nachgespürt.<br />
OPTIK IMMER WICHTIGER<br />
„Die größte Motivation der Kunden ist<br />
es, fit zu bleiben, deshalb ist ein athletisches<br />
Erscheinungsbild besonders<br />
wichtig“, sagt Beate Gerlach, Commerical<br />
Manager von Salomon, und bestätigt<br />
damit den Trend zum Modebewusstsein<br />
am Berg. Zudem verjüngt<br />
sich die Gruppe der Wanderer und<br />
Bergsteiger – „und für diese Zielgruppe<br />
ist der Style oftmals eben sehr wichtig“.<br />
Für einige zähle Optik bei der<br />
Kaufentscheidung sogar mehr als die<br />
Funktionalität. Technikbegeisterte<br />
Kunden gibt es natürlich auch unverändert<br />
jede Menge. Vor allem ambitionierte<br />
Sportler, die sehr viel im Freien<br />
unternehmen, ziehen nach wie vor<br />
die Funktion vor, meint die Bekleidungsexpertin.<br />
„Wir versuchen unsere<br />
Kollektionen daher so zu gestalten,<br />
dass wir für beide Typen Lösungen anbieten.“<br />
LEICHT UND KLEIN VERPACKBAR<br />
Wie bei vielen anderen Ausrüstungsteilen<br />
geht auch bei der Bekleidung<br />
der Trend weiter Richtung<br />
Leichtigkeit. Vor allem im immer beliebter<br />
werdenden Trailrunning ist<br />
das ein entscheidender Faktor. Leichtigkeit<br />
um jeden Preis ist aber andererseits<br />
nicht der „Stein der Weisen“ –<br />
vielmehr gehe es darum, die richtige<br />
Balance zwischen geringem Gewicht<br />
und hoher Stabilität zu halten. „Dem<br />
wird bei uns zum Beispiel durch Hybrid-Kollektionen<br />
Rechnung getragen“,<br />
erklärt Gerlach.<br />
Ebenfalls im Trend: ein möglichst<br />
geringes Packmaß. „Das ist für uns<br />
auch von äußerster Wichtigkeit“, sagt<br />
Gerlach dezidiert. Erreicht wird all<br />
FOTO: Salomon, istock<br />
TEXT: Klaus Molidor<br />
150<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
das mit neuen Materialien, die sich<br />
noch kleiner zusammenlegen lassen.<br />
TÜFTELN AN DER FUNKTION<br />
Neue Materialien stillen dann auch<br />
ein weiteres Grundbedürfniss aller<br />
Sportler, nämlich jenes nach einem<br />
angenehmen Tragegefühl durch möglichst<br />
gutes Ableiten von Schweiß und<br />
Körperwärme. „Die 37,5-Technologie<br />
ist <strong>2017</strong> unsere Antwort auf dieses Bedürfnis“,<br />
sagt Gerlach. Diese Technologie<br />
bezieht sich auf die Fähigkeit des<br />
menschlichen Körpers, Temperatur<br />
und Feuchtigkeit in Hautnähe zu regeln,<br />
um eine Feuchtigkeit von 37,5<br />
Prozent und eine Körperkerntemperatur<br />
von 37,5 Grad Celsius beizubehalten.<br />
Zudem nimmt diese Kleidung<br />
keine Gerüche auf – vor allem bei<br />
Mehrtagestouren, bei denen man<br />
nicht immer ein frisches Shirt zur<br />
Hand hat, eine gute Sache.<br />
Erreicht wird das bei Salomon<br />
mit einer Kombination aus natürlichen<br />
und synthetischen Fasern – was<br />
auch bei anderen Herstellern im<br />
Trend liegt. Etwa: Merinowolle mit<br />
künstlichen Fasern zu mischen und<br />
die Vorteile der „beiden Welten“ miteinander<br />
zu vereinen.<br />
ES WIRD WIEDER VIELSEITIG<br />
Jacken, Hosen, Shirts – sie alle werden<br />
seit einigen Jahren immer spezieller<br />
und für einen immer engeren Einsatzbereich<br />
ausgelegt. So sagt es zumindest<br />
das Gefühl. Sieht man das bei Salomon<br />
auch so? Antwort: Jein! Man<br />
wolle hier bewusst einen etwas anderen<br />
Weg beschreiten und auch Kunden<br />
bedienen, die Bekleidung mit<br />
starken Allroundfähigkeiten suchen:<br />
„Das heißt, es geht um eine vielseitige<br />
Nutzbarkeit der Kollektion anstatt einer<br />
immer weiteren Spezialisierung<br />
auf die einzelnen Sportarten“, erklärt<br />
Beate Gerlach. Wer also beispielsweise<br />
mit seiner Jacke sowohl laufen als<br />
auch wandern, bergsteigen oder klettern<br />
will, wird <strong>2017</strong> ebenfalls fündig.<br />
FAIR UND NACHHALTIG<br />
Die vielseitige Nutzbarkeit spielt auch<br />
in eines der wichtigsten Themen unserer<br />
Zeit hinein: die Nachhaltigkeit.<br />
Viele Outdoor-Hersteller, sind heute<br />
Mitglied in der „Fair Wear Foundation“<br />
oder anderen Vereinigungen, die<br />
sich dafür einsetzen, dass Produkte<br />
fair produziert werden. Also ohne<br />
Ausbeutung von Arbeitskräften. Mindestens<br />
ebenso wichtig ist auch Umweltfreundlichkeit.<br />
„Ohne Spielplatz<br />
kannst du nicht spielen“, wie Salomon-CEO<br />
Jean-Marc Pambet mit einem<br />
plastischen Vergleich die<br />
Notwendigkeit umweltschonender<br />
und möglichst schadstofffreier Produktion<br />
erklärt.<br />
Klingt also alles vielversprechend,<br />
wenn man in die Zukunft<br />
blickt: immer leichtere Outdoor-Kleidung,<br />
die trotzdem strapazierfähig ist<br />
und sich für viele verschiedene Einsatzbereiche<br />
verwenden lässt. Und darüber<br />
hinaus fair und umweltschonend<br />
hergestellt wird und cool<br />
aussieht. Stimmt schon: Auch Outdoor-Mode<br />
ist heute zum Statement<br />
seiner Träger geworden.<br />
KARPOS<br />
FREE SHAPE STONE<br />
JACKET, STONE PANT<br />
UND MOVED JERSEY<br />
KOMFORTABEL, LEICHT, ROBUST – MIT MAXIMA-<br />
LER BEWEGUNGSFREIHEIT. Dank der innovativen<br />
Free-Shape-Technologie ist es möglich,<br />
unterschiedliche Materialcharakteristika bereits<br />
in das Grundmaterial einzuweben. Dadurch<br />
werden die meisten Nähte vermieden,<br />
was die Free-Shape-Kleidungstücke leichter<br />
und komfortabler macht, und zudem ein sehr<br />
elegantes Design erlaubt.<br />
Die Verwendung von Cordura®-Fäden im Gewebe<br />
an den am stärksten beanspruchten<br />
Stellen und die dauerhafte Imprägnierung erlauben<br />
zudem sehr langlebige und stark wasserabweisende<br />
Kleidungsstücke. Optimales<br />
Klimamanagement auch bei sehr heißen Temperaturen<br />
garantiert – als ideale Ergänzung<br />
– das Moved Jersey.<br />
Somit sind Free-Shape-Stone-Jacke<br />
und -Hose und das Moved Jersey<br />
die ideale Bekleidung für die<br />
Bergtour und den Klettersteig.<br />
www.sportful.com/karpos<br />
FOTO: Karpos
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER: 10 OUTDOOR-JACKEN ...<br />
Atmungsaktivität, Beweglichkeit, Robustheit und bei Bedarf Schutz vor Wind und Schmuddelwetter: Outdoor-<br />
Oberbekleidung muss Schwerarbeit leisten. Qualität ist gefragt – wie sie die hier vorgestellten Teile besitzen.<br />
BERGANS MICROLIGHT JACKET<br />
Die vielseitige Jacke ist ideal für alle<br />
Aktivitäten, bei denen ein guter Windschutz<br />
erforderlich ist. Der winddichte,<br />
wasserabweisende 4-Wege-Stretch<br />
gewährleistet ausgezeichnete Bewegungsfreiheit.<br />
PREIS (UVP): € 150,–<br />
TORFINNSTIND PANTS<br />
Die superleichte, bequeme Softshellhose<br />
gewährleistet optimale Bewegungsfreiheit,<br />
ist wind- und wasserabweisend<br />
und leitet Feuchtigkeit effektiv<br />
vom Körper weg. PREIS (UVP): € 120,–;<br />
WEB: www.bergans.com<br />
MAIER SPORT<br />
JACOB (M)/SOLVEIG (D)<br />
Die innovative Fernwanderjacke mit<br />
hochfunktioneller Membrane ist mit<br />
dem German Design Award <strong>2017</strong> ausgezeichnet.<br />
Das clever angedockte, patentierte<br />
Rucksack-Cape hält das Gepäck<br />
auch bei Dauerregen trocken, die<br />
Imprägnierung ist PFC-frei. PREIS (UVP):<br />
€ 299,95<br />
NATURNO LIGHT<br />
Die Naturno Light ist die perfekte technische<br />
Hose für sommerliche Touren. Sie<br />
ist schmal geschnittenen und sehr abriebfest.<br />
PREIS (UVP): € 109,95<br />
WEB: www.maier-sports.com<br />
FJÄLLRÄVEN<br />
ABISKO ECO SHELL JACKET<br />
Die leichte 2,5 Lagen-Jacke mit Vier-<br />
Wege-Stretch bietet ausgezeichnete Atmungsaktivität<br />
und verpackt viele praktische<br />
Details in ein reduziertes Design.<br />
PREIS (UVP): € 159,95<br />
ABISKO TREKKING TIGHTS W:<br />
Die technischen Trekking-Tights für Damen<br />
sind aus strapazierfähigem und<br />
hochfunktionalem Stretchmaterial gefertigt<br />
und haben praktische Taschen<br />
und Verstärkungen.<br />
PREIS (UVP): € 159,95<br />
WEB: www.fjallraven.de<br />
LA SPORTIVA<br />
TX LIGHT JACKET<br />
Die Jacke richtet sich an Kletterer<br />
und alle, die in den Bergen<br />
zu Hause sind. Strategisch<br />
platziertes Cordura®-Material<br />
an den Schultern verhindert das<br />
Aufscheuern durch Rucksackriemen<br />
und schützt am Fels. PREIS<br />
(UVP): € 139,–<br />
TX MAX PANT<br />
Die lange Kletterhose eignet<br />
sich für Mehrseillängentouren<br />
und Klettersteige. Mehrere Taschen<br />
an Vorder- und Rückseite<br />
sowie an den Seiten bieten ausreichend<br />
Stauraum.<br />
PREIS (UVP): € 149,–<br />
WEB: www.lasportiva.com<br />
MARMOT KNIFE EDGE JACKET<br />
Die Jacke mit Gore-Tex®-Paclite-Technologie<br />
ist besonders leicht und mit ihrem<br />
etwas längeren Schnitt sowie den<br />
hoch gesetzten Taschen ideal fürs Alpinklettern,<br />
Bergsteigen oder Klettersteiggehen<br />
geeignet. PREIS (UVP): €<br />
250,–<br />
HIGHLAND PANT<br />
Die funktionelle Softshellhose für Damen<br />
und Herren macht mit ihrem abriebfesten<br />
und stark wasserabweisenden<br />
Obermaterial alle Aktivitäten im<br />
Gelände mit. PREIS (UVP): € 140,–<br />
WEB: www.marmot.eu<br />
FOTOS: Hersteller<br />
152<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
... UND OUTDOOR-HOSEN<br />
MARTNI SPORTWEAR<br />
INFINITE JACKET<br />
Eine extrem leichte Kombijacke für Damen.<br />
Während Primaloft® Gold vor<br />
Wind und Nässe schützt, sorgt hochfunktionelles<br />
Stretchmaterial im Armund<br />
Rückenbereich für Atmungsaktivität<br />
und Tragekomfort. PREIS (UVP): € 199,95<br />
MONTANA PANTS<br />
Das funktionelle Stretchmaterial der<br />
sportiven Berg- und Outdoorhose für<br />
Herren garantiert eine optimale Bewegungsfreiheit,<br />
während das Martini-<br />
Bundband mit Silikoninnenseite für Halt<br />
sorgt. PREIS (UVP): € 129,90<br />
WEB: www.martini-sportswear.com<br />
SALOMON ONE & ONLY JACKE<br />
Eine Jacke für alles, was outdoor Spaß<br />
macht. Ob Wind, Regen oder Sonne:<br />
die One + Only 3L Jacke ist eine Schutzschicht,<br />
die für leichten Tragekomfort und<br />
schnelle Fortbewegung sorgt. PREIS (UVP):<br />
€ 300,–<br />
WAYFARER UTILITY PANT W<br />
Die Hose ist robust und warm und rüstet<br />
Bergsportlerinnen bestens für anspruchsvolle<br />
Bedingungen. Durch ihren lässigen<br />
Style macht sie auch beim Chillen und im<br />
Alltag Spaß. PREIS (UVP): € 120,–<br />
WEB: www.salomon.com<br />
ORTOVOX CORVARA JACKET<br />
Die leichte Jacke für alpine Unternehmungen<br />
ist von den Felspionieren früherer<br />
Zeiten inspieriert. Bei Produkten der<br />
Shield-Vintage-Linie greift Ortovox auf<br />
lang bewährte Traditionsfasern zurück<br />
und mischt sie mit modernen Hightechstoffen.<br />
PREIS (UVP): € 349,95<br />
PELMO PANTS<br />
Speziell für die Bedürfnisse von Bergsteigern<br />
entwickelt, verzichtet diese<br />
Hose auf alle überflüssigen Details. Sie<br />
zeichnet sich durch Leichtigkeit und<br />
eine hohe Atmungsaktivität aus – ist zugleich<br />
sehr robust und elastisch.<br />
PREIS (UVP): € 119,95;<br />
WEB: www.ortovox.com<br />
SALEWA PEDROC HYBRID 2<br />
DST/PTX M JACKET<br />
Eine Kombination aus verschiedenen<br />
Materialien bietet optimalen<br />
Schutz. Sie wurde gemeinsam mit<br />
Salewa-Athleten entwickelt, die<br />
regelmäßig in den Alpen trainieren.<br />
PREIS (UVP): € 179,95<br />
PEDROC 2 DST M PANT<br />
Die Hose ist leicht, atmungsaktiv<br />
und schnelltrocknend. Das 4-Wege-Stretch-Material<br />
bietet einen<br />
integrierten, UV-beständigen<br />
50+-Sonnenschutz und ein permanent<br />
wasserabweisendes Finish.<br />
PREIS (UVP): € 99,95<br />
WEB: www.salewa.at<br />
153<br />
ZIENER EMIC<br />
Die leichte 2,5-Lagen-Regenjacke schützt<br />
optimal. Vollverklebte Nähte und die atmungsaktive,<br />
wasser- und winddichte<br />
Membran sorgen für ein warmes, trockenes<br />
Klima. Fein: die Ventilationsöffnungen<br />
unter den Armen. PREIS (UVP): € 149,99<br />
ERYCK X- FUNCTION<br />
Leichte Fahrradhose, aus der man die Innenhose<br />
(inklusive X-Function Pad) rausknüpfen<br />
kann und dann eine perfekte<br />
Wanderhose mit allen Funktionen hat.<br />
Ventilationslöcher am Innenbein sorgen<br />
für optimale Klimakontrolle. Das dicht gewebte<br />
Material ist sehr robust und der<br />
weitenregulierbare Bund höchst komfortabel.<br />
PREIS (UVP): € 129,99<br />
WEB: www.ziener.com
MODE<br />
BEREIT FÜR<br />
DIE BERGE<br />
Seit 1974 US-Studenten in einem Kletterklub die Idee zur<br />
Outdoor-Marke Marmot hatten, überzeugt der Ausrüster<br />
mit hochwertiger Bekleidung und Ausrüstung für<br />
Bergsportler. Für jede Jahreszeit und alle Einsatzzwecke.<br />
ANZEIGE / FOTOS: Marmot<br />
154<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Klettern, wandern oder einfach in der Natur<br />
sein: Marmot hat für alle, die draußen unterwegs<br />
sind, das Richtige. Und erfindet sich<br />
dabei selbst ständig neu, um das Erlebnis in<br />
der Natur noch besser zu machen. Beispielsweise<br />
mit der Entwicklung des leistungsfähigen,<br />
extrem atmungsaktiven und wasserdichten<br />
Materials „Marmot NanoPro“.<br />
Diesen Sommer bringt Marmot mit der<br />
Gore-Tex® Knife Edge Jacket und der<br />
NanoPro Magus Jacket wieder zwei<br />
High-End-Shelljacken für verschiedene<br />
Einsatzzwecke auf den Markt.<br />
Alles zur Marke Marmot sowie das volle<br />
<strong>2017</strong>er-Sortiment findest du auf:<br />
www.marmot.eu<br />
Begonnen hat bei Marmot<br />
alles mit einer Daunenweste<br />
und der Partnerschaft<br />
mit Gore-Tex®. Inzwischen<br />
können die beiden Textil-Spezialisten<br />
auf die<br />
längste Partnerschaft im<br />
Outdoor-Bereich verweisen.<br />
Wovon Sportler im Sommer<br />
wie im Winter profitieren.<br />
155
MATERIAL<br />
IM SCHAUFENSTER: 5 OUTDOOR-HEMDEN ...<br />
Ob man zu Hemd/Bluse oder Shirt tendiert, ist reine Geschmacksfrage –<br />
topmodisch und hochfunktionell sind alle zehn hier vorgestellten Teile.<br />
FJÄLLRÄVEN<br />
ABISKO HIKE M<br />
Das komfortable Kurzarm-Trekking-Shirt<br />
ist aus feuchtigkeitsableitendem, kühlendem<br />
Stoff gemacht. Es ist am Rücken<br />
belüftet, die Brusttasche hat einen<br />
Reißverschluss. Beim Einpacken nimmt<br />
das Shirt kaum Platz ein – und ist damit<br />
ideal auf Reisen mit kleinem Gepäck.<br />
PREIS (UVP): € 89,95<br />
WEB: www.fjallraven.de<br />
MARMOT<br />
ELDRIDGE SHORTSLEEVE M<br />
Zeitlos-elegant und dabei überaus<br />
funktional ist das Eldridge Short Sleeve.<br />
Das weiche, umweltfreundliche Gewebe<br />
schützt vor schädlicher UV-Strahlung<br />
und ist äußerst angenehm zu tragen.<br />
PREIS (UVP): € 60,–<br />
WEB: www.marmot.eu<br />
SCHÖFFEL<br />
COLMAR UV M SHIRT M<br />
Das extraleichte Mountain-Hiking-Hemd<br />
mit 4-Way-Stretch von Schöffel<br />
gefällt mit Eigenschaften wie einem<br />
besonders hohen Feuchtigkeitstransport<br />
und schneller Trocknung. Es ist mit<br />
zwei praktischen Reißverschlusstaschen<br />
sowie Belüftungsschlitzen am Rücken<br />
ausgestattet und bietet einen<br />
UV-Schutzfaktor von 25+.<br />
PREIS (UVP): € 89,95<br />
WEB: www.schoeffel.com<br />
LÖFFLER<br />
TREKKING-BLUSE KA W<br />
Löfflers Trekking-Bluse im Karodesign<br />
besteht aus atmungsaktivem, schnell<br />
trocknendem Funktionswebstoff. Praktisch<br />
ist die Zip-Schlüsseltasche. Wie<br />
alle Löffler-Produkte, wird die Bluse<br />
zum Großteil in Österreich produziert;<br />
es gibt sie auch als ärmelloses Modell<br />
sowie für Männer als Trekking Hemd.<br />
PREIS (UVP): € 69,99<br />
WEB: www.loeffler.at<br />
SALOMON<br />
EXPLORE POLO M<br />
Mit dem Explore-Polohemd stehen dir<br />
alle Möglichkeiten offen, egal, ob du<br />
einen Abstecher ins Vereinshaus oder<br />
eine kleine Wanderung vorhast. Dieses<br />
Polohemd liefert Style und leichtgewichtige<br />
Performance, um dich überall<br />
hin zu begleiten. Das schnell trocknende<br />
Polyestergewebe fühlt sich leicht an<br />
und sorgt auch beim Dinner in der City<br />
für einen cleanen Look.<br />
PREIS (UVP): € 50,–<br />
WEB: www.salomon.com<br />
FOTOS: Hersteller<br />
156<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
... UND 5 OUTDOOR-SHIRTS<br />
DEVOLD<br />
RUNNING-T-SHIRT W<br />
Es heißt „Running“, ist aber für jeden<br />
High-Performance-Sport perfekt geeignet.<br />
Denn Devolds Shirts trocknen superschnell,<br />
sind ultraleicht, atmungsaktiv<br />
und bestehen aus Merinowolle und<br />
Tencel. Dank ihrer strategisch platzierten<br />
Mesh-Einsätze und des schweißabsorbierenden<br />
Feinripp-Gewebes stehen<br />
sie für allerbesten Komfort und Belüftung<br />
– den ganzen Tag lang.<br />
PREIS (UVP): € 39,–<br />
WEB: www.devold.com<br />
MARMOT<br />
INDIO ½ ZIP / WM’S INDIO ½ ZIP<br />
Das Indio ½ Zip ist ein vielseitig einsetzbarer<br />
Outdoor-Baselayer, das es<br />
für Damen (Bild) wie auch als Männermodell<br />
gibt. Das technische Polartec®-Gewebe<br />
trocknet rasch und<br />
verfügt über UV-Schutzfaktor 50, die<br />
Kapuze sorgt für zusätzlichen Schutz.<br />
Mit seinen flachen Nähten trägt sich<br />
das Indio besonders bequem.<br />
PREIS (UVP): € 100,–<br />
WEB: www.marmot.eu<br />
FJÄLLRÄVEN<br />
ABISKO TRAIL-T-SHIRT PRINT W<br />
Das Kurzarm-T-Shirt besteht aus einem<br />
kühlen Funktionsmaterial aus Wolle und<br />
Tencel. Ein femininer Schnitt, weiter<br />
Rundhalsausschnitt, Raglanärmel und<br />
ein Aufdruck mit Fjällräven-Logo zeichnen<br />
es aus. Wolle leitet Feuchtigkeit ab<br />
und vermeidet Gerüche, flache Nähte<br />
verhindern Scheuerstellen.<br />
PREIS (UVP): € 59,95<br />
WEB: www.fjallraven.de<br />
ICEBREAKER<br />
STRIKE LITE SS CREWE M<br />
Das technische, hoch atmungsaktive<br />
T-Shirt ist ideal für Aktivitäten bei heißem<br />
Wetter. Das T-Shirt besteht aus einer<br />
Mischung aus weicher Merinowolle<br />
und der Naturfaser Tencel® sowie über<br />
Icebreakers Corespun-Technologie, bei<br />
der Merinofasern einen Nylonkern<br />
ummanteln, um den Stoff robuster zu<br />
machen. Das weiche Tragegefühl auf<br />
der Haut bleibt so erhalten.<br />
PREIS (UVP): € 79,95<br />
WEB: www.icebreaker.com/de<br />
SALOMON<br />
COSMIC LOGO SS TEE M<br />
Leistungsstarke Konstruktion, lässiges<br />
Design: Das Cosmic-Logo-Kurzarm shirt<br />
ist immer für spontane Abenteuer bereit.<br />
Der superleichte Mix aus Polyester<br />
und Elastan sorgt für ein angenehmes<br />
und leichtes Tragegefühl, selbst wenn<br />
du ins Schwitzen kommst.<br />
PREIS (UVP): € 45,–<br />
WEB: www.salomon.com<br />
157
ZAHLENSPIELE<br />
1.900<br />
ALMEN mit ihren gemütlichen<br />
Wanderwegen, und oftmals<br />
noch bewirtschaftet, sind wohl<br />
mit ein Grund, warum die Steiermark<br />
vor allem für die „Flachländler“<br />
ein so beliebtes Wanderland<br />
ist.<br />
122<br />
WANDERROUTEN<br />
sind in der Steiermark als<br />
spezielle „Themenwege“<br />
ausgeschrieben, die großteils<br />
als leichte Touren mit<br />
der ganzen Familie zu erkunden<br />
sind. Wie etwa die<br />
„Herzspur“ in Bad Gleichenberg,<br />
der Genussweg Riegersburg,<br />
die Via Artis im<br />
Ausseerland, der Gipfel-Barfußweg<br />
auf der Riesneralm,<br />
der Wasserweg in Miesenbach<br />
und viele andere.<br />
15<br />
SOMMERSEILBAHNEN<br />
BRINGEN DICH STRESSFREI IN DIE<br />
STEIRISCHEN BERGE. DIE MEISTEN<br />
GÄSTE WERDEN IN DER SCHLAD-<br />
MINGER REGION BERGWÄRTS GE-<br />
SCHAUKELT – DIE BERGBAHNEN<br />
AUF PLANAI, REITERALM, HOCH-<br />
WURZEN UND CO. SIND AUCH IM<br />
SOMMER ALS TRANSPORTMITTEL<br />
GEFRAGT. KLAR DIE NUMMER EINS<br />
ABER IST DIE DACHSTEIN-SEIL-<br />
BAHN, DIE ZU DEN EISHÖHLEN,<br />
DER „STIEGE INS NICHTS“ UND<br />
ANDEREN ATTRAKTIONEN FÜHRT.<br />
warten<br />
in der<br />
Steiermark auf<br />
hungrige Gäste.<br />
Und 97 davon sind bewirtschaftete<br />
Schutzhütten<br />
von alpinen Vereinen.<br />
350<br />
Hütten<br />
2.995<br />
66<br />
KLETTERSTEIGE<br />
MACHEN DIE STEIERMARK<br />
ZU EINEM PARADIES FÜR<br />
DIE FREUNDE DER „EI-<br />
SERNEN WEGE“. SICHER<br />
EIN HIGHLIGHT: DER<br />
„JOHANN“ DURCH DIE<br />
DACHSTEIN-SÜDWAND.<br />
548<br />
KILOMETER LANG IST DIE WANDERROUTE<br />
„VOM GLETSCHER ZUM WEIN“, DIE VON<br />
NORD BIS SÜD DIE STEIERMARK IN IHRER<br />
GANZEN NATUR-VIELFALT ZEIGT.<br />
METER<br />
misst der Gipfel des<br />
Hohen Dachsteins. Der<br />
höchste Berg der Steiermark<br />
ist damit natürlich<br />
auch ein gefragtes Ziel,<br />
was sich zeitweise in einem<br />
ziemlichen Gedränge<br />
auf dem letzten, befestigten<br />
Steig zum Gipfelkreuz<br />
niederschlägt.<br />
158 <strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
FOTO: Steiermark Tourismus/Hochschwab/ikarus.cc
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
STEIERMARK<br />
WWW.STEIERMARK.COM<br />
159
STEIERMARK<br />
AM STEIG BERGAUF<br />
SEIT 174 JAHREN<br />
IN DER REGION SCHLADMING-DACHSTEIN wurden schon 1843 die ersten eisernen<br />
Steighilfen in den Fels gehauen. Die „Wiege der Klettersteige“ ist heute ein wahres<br />
Klettersteig-Paradies für alle – vom Anfänger bis zum erfahrenen Bergfex.<br />
Wo sonst sollte man den<br />
Klettersteigsport erstmalig<br />
ausprobieren als in<br />
Ramsau am Dachstein.<br />
Dort, wo der weltweit erste Klettersteig<br />
entstanden ist, lange bevor aus<br />
diesem „Verbindungsstück zwischen<br />
Wandern und Klettern“ ein alpiner<br />
Trend geworden ist. Anno 1843 ließ<br />
der Geograf und Alpenforscher Friedrich<br />
Simony eine Steighilfe auf den<br />
Dachstein erbauen – freilich ohne zu<br />
wissen, dass er damit den Klettersteig<br />
erfand ...<br />
174 Jahre später erstreckt sich<br />
zwischen den imposanten Südwänden<br />
des Dachsteins und den massiven<br />
Berggipfeln der Tauern die Urlaubsregion<br />
Schladming-Dachstein. Und damit<br />
ein wahres Klettersteig-Paradies.<br />
19 Steige in allen Schwierigkeitsgraden<br />
hat Ramsau am Dachstein, die<br />
„Wiege der Klettersteige“, heute ausgehend<br />
vom erhöhten Sonnenplateau<br />
zu bieten. Von dort, auf rund 1.000 m<br />
Seehöhe, gelangt man annähernd bis<br />
auf 3.000 m hinauf. Wanderer, Bergsteiger,<br />
Kletterer und eben Klettersteiggeher<br />
finden im hochalpinen Gelände<br />
perfekte Bedingungen vor.<br />
Übrigens gibt es noch einen guten<br />
Grund dafür, dass sich ausgerechnet<br />
hier der Klettersteig-Trend so stark<br />
ausgebreitet hat: Der Dachsteinkalk<br />
ist als perfekter Kletterfels bekannt.<br />
Fixseile und Eisenstifte, Trittklammern<br />
und Leitern, die im Fels verankert<br />
sind – sie machen den Klettersteig<br />
eben zur einfacheren<br />
Klettervariante. So können auch weniger<br />
Geübte die Faszination des Bergsports<br />
in den steilen Wänden rund<br />
um das Ramsauer Plateau perfekt erleben.<br />
ERLEBNISVIELFALT AM DACHSTEIN<br />
An der Bergstation der Dachstein-Gletscherbahn,<br />
auf dem Hunerkogel auf<br />
FOTOS: Tom Lamm, photo-austria/Steiner, Herbert Raffalt<br />
160<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
2.700 m Seehöhe, steht eine Vielzahl an<br />
anspruchsvollen Tourenoptionen bereit.<br />
Über die Klettersteige „Anna“ und<br />
„Johann“ und den ältesten Klettersteig<br />
der Welt, den „Randkluftsteig“, ergibt<br />
sich eine Highlight-Tour mit 1.200 Höhenmetern<br />
– eine der längsten und anspruchsvollsten<br />
Routen der Alpen.<br />
Naturliebhaber erwarten an der<br />
Bergstation aber auch ganz einfach zu<br />
erreichende und trotzdem sehr lohnenswerte<br />
Ziele. Wer es gerne gemütlich<br />
hat, besucht den Dachstein-Eispalast<br />
oder gönnt sich den (absolut<br />
sicheren) Nervenkitzel mit Aus- und<br />
Fernsicht auf der „Hängebrücke“ sowie<br />
auf der „Treppe ins Nichts“.<br />
VOM EINSTEIGER ZUM PROFI<br />
Die 19 Ramsauer Klettersteige sind<br />
keineswegs nur für Profis und erfahrene<br />
Alpinisten geeignet. Drei Steige<br />
sind speziell für Kinder, Jugendliche<br />
und Klettersteig-Neulinge gebaut –<br />
ideal für erste Fels-Erfahrungen. Die<br />
Steige „Kali“ (für Kinder), „Kala“ und<br />
„Kalo“ (für Jugendliche), die man talnah<br />
findet, führen perfekt abgesichert<br />
von der alten Getreidemühle zum Gipfel<br />
des Sattelbergs.<br />
Und noch ein starkes Argument<br />
gibt es, sich ausgerechnet in Ramsau<br />
am Dachstein an die faszinierende<br />
Welt des Klettersteigsports heranzutasten:<br />
Der Klettersteigkurs „Gipfelstürmer“<br />
kann auch in der Sommersaison<br />
<strong>2017</strong> in der Ramsau am<br />
Dachstein wieder absolviert werden.<br />
Bis 15. Oktober finden diese speziellen<br />
Einführungskurse ständig statt.<br />
Dort erlernt man von einem<br />
staatlich geprüften Bergführer in wenigen<br />
Stunden die Basics, um sich in<br />
Klettersteigen sicher bewegen zu können.<br />
Dafür braucht es nämlich mehr<br />
als nur eine gute Ausrüstung, Schwindelfreiheit<br />
und einen sicheren Tritt.<br />
Man erfährt Wissenswertes über Tourenplanung<br />
und über den Umgang<br />
mit der Ausrüstung. Auch das in den<br />
Bergen sensible Thema Wetter<br />
kommt zur Sprache. Die Bergführer<br />
geben dann auf einer gemeinsamen<br />
Tour auch gute Tipps zur optimalen<br />
Klettertechnik und -taktik oder dazu,<br />
wie man die Schwierigkeitsgrade richtig<br />
einschätzt. Ganz nach der Devise:<br />
„Wer sicher unterwegs ist, kann jeden<br />
Moment in den Bergen voll genießen.“<br />
„Gipfelglück für die<br />
ganze Familie“-Paket<br />
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161
OUTDOORGUIDE<br />
„ICH KENNE<br />
JEDEN STEIN“<br />
19 Klettersteige gibt es auf der steirischen Seite des Dachsteins.<br />
Erbaut hat sie allesamt der Ramsauer Bergführer Hans Prugger.<br />
Wie das vor sich geht, wollten wir von dem „Mr. Klettersteig“<br />
wissen. Und er hat uns gleich noch einiges mehr erzählt ...<br />
FOTOS: Hans Prugger<br />
TEXT: Klaus Höfler<br />
162<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Das erste Mal stand er mit 13<br />
ganz oben. Seither hat ihn der<br />
Dachstein nicht mehr losgelassen.<br />
Wie oft er schon am<br />
Gipfel war, hat Hans Prugger nicht dokumentiert.<br />
Die Spuren, die er am<br />
Berg hinterlassen hat, sind aber deutlich<br />
sichtbar. 19 Klettersteige in allen<br />
Schwierigkeitsgraden zieren die Südseite<br />
des Kalksteinmassivs – allesamt<br />
erbaut vom 52-jährigen Ramsauer.<br />
Sieben Wochen hatte er 1999 für<br />
das Installieren der ersten Route<br />
durch die Dachstein-Südwand gebraucht.<br />
„Es war ein Versuchsprojekt“,<br />
erinnert er sich. Der „Johann“-Steig<br />
gilt heute als Klassiker:<br />
540 Höhenmeter, kniffliger Einstieg,<br />
als Schwierigkeitsgrad „E“ (sehr<br />
schwierig) kategorisiert, führt er bis<br />
auf 2.740 Meter zur Seetalerhütte.<br />
ZUGÄNGE UND ABSTIEGE<br />
Nach und nach wurden seither von<br />
Prugger zusätzliche Touren angelegt.<br />
Ein Prozedere, das sich über mehrere<br />
Monate zieht. Zunächst wird die<br />
Wand ausgesucht, dann eine machbare<br />
Route festgelegt. „Es müssen taugliche<br />
Zugänge und Abstiegsvarianten<br />
gefunden werden, damit man nicht am<br />
Gipfel endet und dann womöglich nicht<br />
mehr zurück hinunter kommt“, erklärt<br />
Prugger. Das ausgesuchte Areal wird<br />
über den Winter in Sachen Schnee- und<br />
Eisbelastungen beobachtet.<br />
Im Frühjahr beginnt die Feinplanung<br />
direkt am Fels. Die Arbeitsrichtung<br />
folgt dabei der Schwerkraft: von<br />
oben nach unten. Die Inspektion des<br />
Gesteins geschieht mittels Abseilen.<br />
„Weil die Steige abseits klassischer<br />
Kletterrouten verlaufen, ist auch der<br />
Fels dort nicht immer der beste“, erklärt<br />
Prugger. Da ist beim Ausmessen<br />
Vorsicht geboten.<br />
Steht die Route entgültig fest,<br />
wird das dafür benötigte Material anund<br />
herbeigeschafft. Mittels Hubschrauber<br />
werden entlang der gesamten<br />
Route Depots mit Ankerpolzen,<br />
Seilen, Klebstoff, Trittklammern usw.<br />
angelegt. Dabei muss es manchmal<br />
schnell gehen. Bei der „Anna“, dem<br />
Nachbarklettersteig des „Johann“,<br />
überraschte ein Kälteeinbruch im Oktober<br />
bei der Arbeit. „Ich musste mich<br />
beeilen, alles winterfest zu lagern,<br />
während der Fels unter mir zufror.“<br />
Hans Prugger ist der „Herr der Klettersteige“. Das Material für einen neuen Steig<br />
wird mit dem Hubschrauber gebracht und dann wird von oben nach unten gebaut.<br />
LIFTSEIL-RECYCLING<br />
Die Arbeiten im Frühjahr gehen an einem<br />
Fixseil weiter. An ihm steigt<br />
Prugger immer wieder in die Route<br />
ein, auch Geräte werden daran abgeseilt,<br />
unter anderem eine Bohrmaschine<br />
und ein Aggregat zur Stromversorgung.<br />
Mindestens zwanzig<br />
Zentimeter werden die Tritt- und Ankerpolzen<br />
im Fels versenkt und dort –<br />
fixiert – früher mit einem Spezialzement,<br />
heute mit einem<br />
Zweikomponentenkleber. „Das hält<br />
bis zu zehn Tonnen aus“, beruhigt<br />
Prugger.<br />
Verwendet wird eigens geschmiedeter<br />
Baustahl, auf dem dann die Seile<br />
eingehängt werden. „Früher, beispielsweise<br />
beim ‚Johann‘, haben wir<br />
alte Seile von Schleppliften verwendet“,<br />
sagt der routinierte Bergfex. Das<br />
Seil war mit 19 Millimetern Durchmesser<br />
entsprechend dick, schwer<br />
und steif. „Aber zum Festhalten ist es<br />
besser.“ Mittlerweile gibt es fast keine<br />
Schlepplifte mehr, damit ist auch die<br />
Recyclingseil-Quelle vertrocknet. Daher<br />
werden heute eigene Klettersteigseile<br />
verbaut. Für kurze Sicherungspassagen<br />
kommt dabei ein zwölf<br />
Millimeter dünnes Seil zum Einsatz,<br />
für die Kletterpassagen meist eines<br />
mit 16 Millimetern.<br />
Dem Gewicht der Bergsteiger hält<br />
es locker stand – der Kraft eines Blitzes<br />
dagegen nicht zwingend. Im Fall eines<br />
Einschlags wird die Energie abgeleitet<br />
und kann am Ende das Seil samt Bolzen<br />
und sogar Teilen des Felsens geradezu<br />
heraussprengen. Keine erbauliche<br />
Vorstellung, in so einem<br />
Augenblick in der Wand zu hängen ...<br />
Und das Bewusstsein für derartige alpine<br />
Gefahren vermisst Prugger zeitweise:<br />
„Die meisten sind zwar topausgerüstet,<br />
das Risiko bezüglich Länge,<br />
hochalpiner Umgebung und aktuellen<br />
Witterungsbedingungen wird<br />
aber häufig nicht berücksichtigt“,<br />
wundert sich der Bergführer und ärgert<br />
sich über eine andere populäre<br />
Unfallquelle: Selbstüberschätzung.<br />
DER NEUE „IRG“<br />
Um den Steig selbst möglichst sicher<br />
zu halten, sind jährlich Sanierungarbeiten<br />
notwendig. Jedes Frühjahr, an<br />
schneereichen Stellen erst im Sommer,<br />
wird der Weg von losem Gestein<br />
gesäubert, Trittstellen werden kontrolliert<br />
und nachgebessert. „Aber eine<br />
hundertprozentige Sicherheit gibt es<br />
im alpinen Gelände nicht“, warnt<br />
Prugger, der selbst an bis zu 250 Tagen<br />
pro Jahr am Berg unterwegs ist. „Ich<br />
kenne in den Aufstiegsrouten jeden<br />
Stein am Dachstein“, scherzt er.<br />
Erst einmal war Pruggers Arbeit<br />
umsonst. Zumindest kurzfristig. Die<br />
nach dem Erstbesteiger der Südwand,<br />
Georg „Irg“ Steiner, benannte Route<br />
auf dem Koppenkarstein wurde 2004<br />
von den steirischen Behörden genehmigt<br />
und von Prugger angelegt. Zwei<br />
Jahre später wurde aber mehr oder<br />
minder zufällig festgestellt, dass sich<br />
der Klettersteig gar nicht auf steirischer<br />
Seite, sondern auf oberösterreichischem<br />
Hoheitsgebiet befindet –<br />
noch dazu in einem Natura-<br />
2000-Schutzgebiet. Das Land Oberösterreich<br />
forderte daher den Abriss des<br />
Steigs.<br />
Die beiden Länder einigten sich<br />
schließlich auf eine Verlegung. Prugger<br />
rückte wieder aus und binnen<br />
zwei Monaten war die Transplantation<br />
auf steirischen Fels vollzogen. Der<br />
„Irg“ ist jetzt zwar etwas länger, aber<br />
noch immer ungefähr im gleichen<br />
Schwierigkeitsgrad (C/D). 15.000 Euro<br />
kostete die kuriose Operation ...<br />
163
OUTDOORGUIDE<br />
LUFTIGE<br />
HÖHEN<br />
SICHER<br />
GENIESSEN<br />
KLETTERSTEIGGEHEN WIRD IMMER BELIEBTER.<br />
Das Problem: Ungeübte, aber auch Sportliche verkennen<br />
leider oft die Risiken. Sicherheit am Klettersteig geht<br />
nämlich weit über das richtige Equipment hinaus.<br />
Wer bei der Einstiegsstelle<br />
zum „HTL Steig“ bei der<br />
Hohen Wand in Niederösterreich<br />
derzeit nach<br />
dem Drahtseil sucht, wird nicht<br />
mehr fündig. Der Klettersteig ist<br />
nämlich bis auf Weiteres gesperrt.<br />
Denn sowohl Sicherungsseile als<br />
auch die Verankerungen sind schwer<br />
beschädigt. Und das, obwohl er erst<br />
letzten Juni generalsaniert wurde.<br />
Die Schäden rühren von zahlreichen<br />
Unfällen und Stürzen: Obwohl<br />
der Klettersteig als schwierig klassifiziert<br />
ist, einige teils sehr anspruchsvolle<br />
Schlüsselstellen aufweist, begehen<br />
ihn auch Unerfahrene und wenig<br />
Geübte. Schließlich liegt das Klettersteiggehen<br />
voll im Trend. Während<br />
aber Geübte für den HTL Steig rund<br />
zwei Stunden brauchen, kann sich<br />
die Dauer für Unerfahrene verdoppeln.<br />
Mit der Konsequenz, dass die<br />
Anforderungen in puncto Kraft, Ausdauer<br />
und Kondition die eigenen<br />
Möglichkeiten übersteigen.<br />
EQUIPMENT IST NICHT ALLES<br />
„Wir von der Bergrettung erleben häufig,<br />
dass Klettersteiggeher gerade am<br />
HTL Steig konditionell über ihre<br />
Grenzen kommen. Im Sommer ist die<br />
Hitze eine zusätzliche Belastung.<br />
Mehrmals im Jahr rücken wir aus,<br />
auch um Unverletzte, die weder vor<br />
noch zurück können, zu bergen“, erzählt<br />
Martin Gurdet, Bundesgeschäftsführer<br />
des Österreichischen Bergrettungsdienstes<br />
und Landeseinsatzleiter<br />
für Niederösterreich und Wien.<br />
Wie kommt es aber, dass sich offenbar<br />
viele mit Sicherheit am Klettersteig<br />
zu wenig auseinandersetzen? Ein<br />
Grund wurde schon genannt: Deutlich<br />
mehr Sportler als in früheren Zeiten<br />
entdecken den Sport. Nachfrage und<br />
Angebot bedingen einander, sodass<br />
auch die Zahl der Klettersteige steigt.<br />
Hochwertige Ausrüstung wird von<br />
mehr Herstellern zu leistbaren Preisen<br />
angeboten. Nicht zuletzt sind Toureninfos<br />
vielfach online zugänglich.<br />
Kenntnisse in punkto Tourenpla-<br />
FOTO: istock<br />
TEXT: Sonja Burger<br />
164<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
nung und die nötige Praxis geraten da<br />
bei manchen ein wenig ins Hintertreffen.<br />
„Neben der technischen Ausrüstung<br />
dürfen die Fähigkeit, sie korrekt<br />
zu benutzen, eine gute Selbsteinschätzung<br />
sowie physische und psychische<br />
Fähigkeiten nicht auf der Strecke bleiben“,<br />
betont Gurdet. Besondere Vorsicht<br />
sei bei Erfahrungsberichten aus<br />
dem Internet geboten. Man kenne die<br />
Person nicht und wisse weder, wie erfahren<br />
sie ist, noch ob sie zur Selbstdarstellung<br />
neige. So kann etwa derselbe<br />
Klettersteig von extrem<br />
schwierig bis extrem einfach beschrieben<br />
werden.<br />
AUF NUMMER SICHER MIT PLAN B<br />
Nur, weil die Ausrüstung top ist, heißt<br />
das noch lange nicht, dass man auch<br />
sicher unterwegs ist. Sicherheit am<br />
Klettersteig ist vielschichtig: Dazu gehören<br />
Basics wie eine sorgfältige Planung,<br />
Tourenvorbereitung, Ausbildung<br />
und Sicherheit bei der<br />
Anwendung. Was viele außer Acht<br />
lassen: Kann ich auf Unvorhergesehenes<br />
reagieren? Habe ich einen Plan B,<br />
wenn ich selbst oder jemand aus der<br />
Gruppe ein Problem bekommt?<br />
„Mit einem kleinen Flaschenzug<br />
kann man sich über eine schwierige<br />
Stelle helfen und sich an geeigneter<br />
Stelle abseilen. Wer die Technik beherrscht,<br />
ist nicht gleich auf Hilfe von<br />
Dritten angewiesen“, weiß der Niederösterreicher.<br />
Das Fehlen eines Plan B<br />
für den Notfall ist eine der häufigsten<br />
Fehlerquellen. Gerade am Berg sind<br />
Technik und Wissen allein aber nicht<br />
genug.<br />
Soft Skills sind mindestens ebenso<br />
wichtig, um Notsituationen vermeiden<br />
bzw. entschärfen zu können:<br />
auf sich selbst und andere zu achten;<br />
einander von Anfang an zu ermutigen,<br />
was den eigenen Gefühls- und<br />
Könnenszustand betrifft, ehrlich zu<br />
sein. Manchmal ist es besser, die Tour<br />
doch nicht anzutreten oder sie über einen<br />
Notausstieg abzubrechen, als aus<br />
Gruppenzwang und falschem Ehrgeiz<br />
ein Unglück herauszufordern.<br />
Der Experte<br />
ING. MARTIN GURDET, MSC ist<br />
42 Jahre alt und seit 1998 Bergretter<br />
in der Ortsstelle Grünbach<br />
am Schneeberg. Er war<br />
Ortsstellen Einsatz-, als auch<br />
Ausbildungsleiter, bevor er Landeseinsatzleiter<br />
und zuletzt<br />
Bundesgeschäftsführer wurde.<br />
C<br />
DAMIT JEDER HANDGRIFF SITZT<br />
Am Beispiel HTL Steig: Schon zwischen<br />
Einstiegsüberhang mit<br />
Y<br />
Schwierigkeitsgrad D/E und „Dreieck“<br />
weist die Tourenbeschreibung<br />
ausdrücklich auf sehr glatte Stellen<br />
hin. Klettersteige wie dieser sind nur CY<br />
für Geübte und Alpinkletterer geeignet.<br />
Auf dieses Level kommt man nur<br />
K<br />
mit Geduld und viel Übung. Langsames<br />
Herantasten lautet der Königsweg.<br />
Heißt: Nur, weil man einmalig<br />
einen C-Klettersteig bewältigt hat,<br />
heißt das nicht, dass man diese Kategorie<br />
damit abhaken und zu D aufsteigen<br />
kann.<br />
Bei Klettersteigen steigert man<br />
kontinuierlich und langsam beides:<br />
Länge und Schwierigkeitsgrad. Ein<br />
Sturz im Klettersteig ist schließlich<br />
immer gefährlich und die Situation,<br />
weder vor noch zurück zu können,<br />
ist eine mentale Belastung. Bei einem<br />
Kurs bei alpinen Vereinen oder mit<br />
einem Bergführer lernt man, auch<br />
mit solchen Situationen umzugehen.<br />
Geht es mal wirklich nicht mehr<br />
weiter, ist die Berg rettung zur Stelle –<br />
aber: „Jeder Einsatz ist auch für uns<br />
eine Herausforderung und birgt ein<br />
Restrisiko. Das Vermeiden von Unfällen<br />
ist daher immer zu favorisieren“,<br />
mahnt der erfahrene Bergretter.<br />
M<br />
CM<br />
MY<br />
CMY<br />
165
HOTSPOT<br />
DER WEG IST DEIN ZIEL<br />
DICH HINAUS INS GRÜNE BEWEGEN, das Besondere suchen – das kannst<br />
du perfekt im Hartbergerland. Die Region im Herzen der Steiermark ist der<br />
ideale Ausgangspunkt für Wanderungen: Die hügelige Landschaft, grüne<br />
Felder, alte Apfelbäume und bunte Blumen laden zum Wandern, Suchen,<br />
Entdecken und Genießen ein. 550 Kilometer Wanderwege bietet die Region<br />
– von steilen Touren bis zu sanften Wegen. Vorbei geht es an Schlössern,<br />
Burgen und unzähligen Ausflugszielen.<br />
LEBE DEINEN GENUSS: Hotels, Gasthöfe, Privatzimmer oder Bauernhöfe erwarten<br />
die Wanderer mit Köstlichkeiten. Erlebe in Hartberg Kulturgeschichte<br />
und steirische Kulinarik – oder genieße steirische Schmankerl bei einem<br />
gemütlichen Picknick.<br />
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Schützenhöfer in Grafendorf und einen gefüllten Picknickkorb mit Köstlichkeiten<br />
aus dem Hartbergerland. MITSPIELEN: bis 31. Juli per E-Mail mit dem<br />
Kennwort „Hartbergerland“ an tourismus@hartbergerland.at!<br />
MEHR UNTER: www.hartbergerland.at<br />
FOTO: Hartbergerland Tourismus<br />
166<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
167
OUTDOORGUIDE<br />
DEM GENUSS<br />
AUF DER SPUR<br />
Es muss nicht immer „höher, schneller, weiter“ sein. „Genusswandern“ kommt<br />
immer mehr in Trend und lädt ein, Land, Leute und Kulinark bei<br />
entspanntem Gehen neu zu entdecken.<br />
FOTOS: Verena und Andreas Jeitler<br />
TEXT: Wolfgang Kuhn<br />
168<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Genusswanderer<br />
sollten<br />
vor allem genügend<br />
Zeit im<br />
Gepäck haben<br />
– um Land und<br />
Leute zu erkunden.<br />
Das langsame Reisen ist für<br />
uns etwas ganz Besonderes.<br />
Man wird einfach ein Teil der<br />
Natur, man sieht, hört und<br />
riecht alles mit jeder Faser seines Körpers.“<br />
Das sagen zwei, die es wissen<br />
müssen. 1.000 Kilometer haben Verena<br />
und Andreas Jeitler im letzten Jahr<br />
auf den schönsten steirischen Pilgerwegen<br />
zurückgelegt.<br />
Die beiden steirischen Fotografen<br />
und Filmemacher lieben es, langsam<br />
zu reisen und abseits von bekannten<br />
Pfaden wahre Juwelen zu entdecken.<br />
Und genau das ist der Hintergrund des<br />
Genusswanderns, das abseits von Gipfeleroberungen<br />
und Bergläufen immer<br />
mehr Liebhaber findet. „In der<br />
heutigen Zeit muss alles immer<br />
schneller, höher und weiter sein. Wir<br />
stellen uns hier bewusst dagegen, wir<br />
wollen den Weg intensiv erleben und<br />
so viel wie möglich sehen, auch, um<br />
die schöne Landschaft mit unseren<br />
Kameras einzufangen“, kommentiert<br />
das Ehepaar Jeitler den Trend.<br />
IM SCHRITTTEMPO<br />
Doch was versteht man eigentlich unter<br />
„Genusswandern“? Kurz gesagt:<br />
abschalten, genießen, beim Gehen seine<br />
„inneren Akkus“ aufladen. Das Zufußgehen<br />
erlebt eine Renaissance in<br />
unterschiedlichsten Facetten. Immer<br />
mehr Menschen stellen fest, dass es etwas<br />
Besonderes ist, sich einem Ziel im<br />
„Schritttempo“ zu nähern.<br />
Der Genuss als „bewusstes Vergnügen,<br />
Behagen, beglückendes Erleben“<br />
spielt dabei eine besondere Rolle,<br />
und das in den verschiedenen Ausprägungen:<br />
der Ausblick vom Gipfel, die<br />
Blumenwiese am Wegesrand, die gemeinsame<br />
Jause, der gute Schluck<br />
Wein in der Buschenschank. Der Duft<br />
eines Feldes, die Geselligkeit in der<br />
Gruppe oder auch die innere Freude<br />
über die erbrachte körperliche Leistung.<br />
Eine Urlaubsregion, die man zu<br />
Fuß durchwandert, hinterlässt intensive<br />
Eindrücke.<br />
DER REIZ DES HÜGELLANDES<br />
Das gilt nicht nur, aber besonders<br />
auch für jene Teile Österreichs, die<br />
nicht im engeren Sinn zum Bergland<br />
zu zählen sind. Etwa für die östlicher<br />
und südlicher gelegenen Teile der Steiermark.<br />
„Das Land hat noch viel mehr<br />
zu bieten als hohe Berge, die durchaus<br />
auch ihren Reiz haben. Besonders die<br />
Landschaften zwischen der Ost- und<br />
Weststeiermark bieten mit ihrer Hügellandschaft<br />
viele Möglichkeiten für<br />
jeden Wanderer. Dabei kann man besonders<br />
kulinarische Schmankerl<br />
entdecken, die sich einem auf dem<br />
Weg anbieten“, streuen die Jeitlers ihrer<br />
Heimat Rosen.<br />
Tatsächlich scheint die Steiermark<br />
eine ideale Spielwiese für Genusswanderer<br />
zu sein, vermittelt das<br />
Land doch seit jeher Lebensqualität<br />
und Genusskultur. Apfel, Wein und<br />
Kürbis, die kulinarischen Eckpfeiler<br />
des Landes, sind buchstäblich in aller<br />
Munde. Landschaft und Klima bereiten<br />
den idealen, fruchtbaren Boden sowohl<br />
für herausragende Spezialitäten<br />
als auch besondere Wandererlebnisse.<br />
Egal wo – im Norden, Süden, Osten<br />
oder Westen des Landes – gelangt<br />
der Genießer auf nicht zu steilen Wegen,<br />
dafür in einer atemberaubenden<br />
Landschaft zu besonderen Ausblicken<br />
und regionalen Köstlichkeiten. „Ist<br />
man etwa auf dem Mariazellerweg<br />
von Eibiswald nach Mariazell unterwegs,<br />
kommt man an die Schilcher-Weinstraße,<br />
wo es Pflicht ist, bei<br />
einer Buschenschank einzukehren,<br />
um ein Glas Schilcher bei einer gut<br />
schmeckenden Jause zu genießen.<br />
169
GENUSSWANDERN<br />
Kleine, verträumte Ortschaften laden<br />
zum Verweilen ein, am Wegesrand ergeben<br />
sich nette Gespräche – besonders<br />
dann, wenn man auf einem Pilgerweg<br />
unterwegs ist“, erzählen<br />
Verena und Andreas Jeitler.<br />
MODERATE ETAPPENLÄNGEN<br />
Allerdings: Wenn alle Wege zum Genuss<br />
(nein, nicht nach Rom) führen,<br />
hat man natürlich die Qual der Wahl.<br />
Welche besonders schönen Pfade haben<br />
die beiden Wanderprofis auf ihren<br />
Reisen entdeckt? „Bezüglich der<br />
verschiedenen Pilgerwege in der Steiermark<br />
gibt es natürlich so manchen<br />
Die Experten<br />
VERENA JEITLER (35) und ANDREAS<br />
JEITLER (41) sind beide Fotografen<br />
und Filmemacher aus St. Kathrein/<br />
Offenegg (St) und leidenschaftliche<br />
Weitwanderer. Über ihre Touren berichten<br />
sie in Vorträgen und Büchern.<br />
WEB: www.erlebnis-erde.at<br />
Favoriten, der zum Genusswandern<br />
einlädt. Dazu zählt besonders der<br />
Weststeirische Jakobsweg von Thal<br />
bei Graz bis zur Soboth. Gestartet<br />
wird der Weg am Geburtsort von Arnold<br />
Schwarzenegger, später geht es<br />
noch am Lippizaner Gestüt in Piber<br />
vorbei, pilgerfreundliche Familien laden<br />
zum Verweilen ein und die Länge<br />
der Tagesetappen sind großteils moderat<br />
und auch für Wanderanfänger geeignet.“<br />
Denn auch das zählt schließlich<br />
zum Genuss – dass die<br />
Anstrengung im Rahmen bleibt. Und<br />
selbst wenn man die Kirche im Dorf<br />
lässt, sind auch grenzüberschreitende<br />
Erfahrungen möglich: „Der Kirchenund<br />
Lindenweg, der unter anderem<br />
über die Grenze Österreichs nach Slowenien<br />
hinausführt, bietet einen<br />
traumhaften Blick über das Drautal.“<br />
Und auch der Rest Österreichs hat<br />
mehr als bloß den einen oder anderen<br />
geheimen Platz oder versteckten Genusspfad<br />
zu bieten – wissen natürlich<br />
auch Andreas und Verena Jeitler. „Besonders<br />
gut gefällt uns der Johannesweg<br />
im Mühlviertel und der Kalkalpenweg<br />
im Nationalpark Kalkalpen.“<br />
Fünf besondere Genusswege in Österreich<br />
haben wir im Kasten rechts aufgelistet<br />
– ohne Reihung oder Anspruch<br />
auf Vollständigkeit.<br />
Abschlussfrage: Und was ist für<br />
euch eigentlich das größte Erlebnis<br />
auf einer Genusswanderung? „Wenn<br />
man erkennt, wie schön es zu Hause<br />
wirklich ist.“<br />
5GENUSSWANDERUNGEN<br />
KLÖCHER TRAMINERWEG (ST)<br />
Auf romantischen 13,5 Kilometern begibt<br />
man sich auf die Spuren eines besonderen<br />
Weines: Über Wiesen und<br />
durch Weingärten und Laubwälder führt<br />
der Weg zu versteckten Buschenschänken<br />
und traumhaften Aussichten bis<br />
nach Slowenien. www.kloech-online.a<br />
WEINVIERTLER DREILÄNDERECK (NÖ)<br />
Die Kombination aus Landschaftsvielfalt,<br />
Kulturgütern und kulinarischem Angebot<br />
bietet die ideale Voraussetzung<br />
für faszinierende Naturerlebnisse.<br />
www.wde.at<br />
SALZBURGER ALMENWEG<br />
Man muss nicht alle 31 Etappen durch<br />
die Pongauer Bergwelt auf einer Länge<br />
von 350 Kilometern auf einmal zurücklegen.<br />
Doch über 120 Almen warten darauf,<br />
entdeckt zu werden, und urige Almhütten<br />
locken zur gemütlichen Einkehr.<br />
www.salzburger-almenweg.at<br />
GENUSSROUTEN STUBAITAL (T)<br />
Was der Duft der Almkräuter und Wiesen<br />
vor der Einkehr verspricht, wird auf<br />
den Tellern der Stubaier Genussbetriebe<br />
eingelöst: Frisch gebackenes Bauernbrot,<br />
herzhafter Speck und Käse,<br />
feurige Schnäpse und verlockender Kaiserschmarren<br />
warten auf Wanderer.<br />
https://www.stubai.at<br />
HERZSPUR BAD GLEICHENBERG (ST)<br />
Die Herzspur ist der wohl sinnlichste<br />
Wanderweg der Steiermark, der vor allem<br />
Paare einlädt. Die 7,4 Kilometer<br />
lange Strecke führt über den Kurpark<br />
durch die sanft hügelige Landschaft<br />
nach Trautmannsdorf und retour.<br />
www.bad-gleichenberg.at<br />
FOTOS: Verena und Andreas Jeitler<br />
DIE NEUE YUKON-SERIE VON TATONKA<br />
www.tatonka.com/yukon
DER ZAUBER EINER<br />
URLAUBSREGION<br />
Bewegung in schöner Landschaft und kulinarische Genüsse passen perfekt zusammen.<br />
Daher ist es gut zu wissen, dass einmal pro Jahr das „Weinblattl“ einen tiefen Einblick in die<br />
Urlaubsregion der Süd-, Ost- und Weststeiermark bietet.<br />
FOTOS: Steiermark Tourismus/Schiffer, Raffalt, Hummer, Pixelmaker<br />
Herausgegeben wird das Magazin<br />
einmal jährlich von<br />
zwölf steirischen Weingasthöfen<br />
– und die laden alle<br />
auch heuer wieder herzlich auf eine<br />
Entdeckungsreise in die schönste Urlaubsregion<br />
der Steiermark ein. Und<br />
weiters dazu, reinzu „blatteln“ (=blättern)<br />
ins Weinblattl: Auf 148 Seiten erfährt<br />
man alles Wissenwerte über<br />
Wein, Kulinarik, Kunst, Kultur,<br />
Brauchtum; über alle wichtigen traditionellen<br />
Veranstaltungen und die<br />
Highlights der einzigartigen Region.<br />
Und was genau findet man nun<br />
alles im aktuellen „Weinblattl“-Magazin<br />
des Jahres <strong>2017</strong>? Hier ein kleiner<br />
Überblick, um auf den Geschmack zu<br />
kommen:<br />
WEINGASTHÖFE: Lerne die zwölf<br />
steirischen Weingasthöfe kennen und<br />
lass dich von ihrer köstlichen Welt der<br />
kulinarischen Genüsse beeindrucken.<br />
WEIN & GENUSS: Von den Weinbauern<br />
und Winzern der Region erfährst<br />
du Spannendes über Weinbau und<br />
Weinsorten; urige Buschenschänke<br />
npräsentieren regionale Schmankerl<br />
und traditionelle Köstlichkeiten.<br />
TYPISCH STEIRISCH – DAS GUTE<br />
ESSEN: Wer gut isst, der lässt es sich<br />
gut gehen. In der Steiermark gelingt<br />
das auf ganz besonders herrliche Art<br />
und Weise. Typische steirische Köstlichkeiten<br />
sind das Kürbiskernöl und<br />
Maroni mit süßem Sturm.<br />
URLAUB IN DER SÜD-, OST- UND<br />
WESTSTEIERMARK: Nimm dir Zeit<br />
für einen Urlaub mit Ruhe und Erholung<br />
und lerne diese besondere Region,<br />
das beeindruckende Land und die herzlichen<br />
Leute kennen.<br />
AUF ENTDECKUNGSREISE: Am besten<br />
lässt sich die Region mit dem Rad<br />
oder beim Wandern erkunden. Einmal<br />
entdeckt, lässt einen die Faszination<br />
meist nie mehr los: Romantische Landschaften,<br />
sanfte Hügel, von der Sonne<br />
geküsste Weinberge, Wald und Wiesen<br />
in saftigem Grün werden dich verzücken<br />
...<br />
Dein Gratis-Weinblattl<br />
Hol dir dein kostenloses Exemplar!<br />
EINFACH ANFORDERN UNTER:<br />
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171
STEIERMARK<br />
UND NOCH EIN TIPP: ABENDS FLA-<br />
NIEREN SIE DURCH DIE HISTORISCHE<br />
ALTSTADT BAD RADKERSBURGS. UNTER DEN<br />
STERNEN DER MUSIK LAUSCHEN, DIE<br />
BUNTE LOKALSZENE UND EINFACH DAS<br />
GUTE LEBEN GENIESSEN ...<br />
EIN BEWEGTER SOMMER<br />
FÜR ALLE SINNE<br />
Ob wandern, radfahren oder laufen: Die Region Bad Radkersburg ist mit ihren sanften<br />
Hügeln und weiten Au-Landschaften ideal für aktive Erlebnisse in der freien Natur.<br />
Der Duft von Kräutern und Blumen<br />
belebt die Luft, wohltuendes<br />
Wasser lockt zum Erholen<br />
und swingende Musik erklingt. Man<br />
merkt, dass im Sommer in der Region<br />
Bad Radkersburg, im südöstlichsten<br />
Winkel der Steiermark, die Lebenslust<br />
wohnt. Mildes Klima, sanfte Hügel<br />
und weite Aulandschaften bestimmen<br />
das Bild. Überall zeigt sich die<br />
Natur von ihrer schönsten Seite: Das<br />
ist die Kulisse für bewegende Erlebnisse<br />
in der Natur – ob beim Wandern,<br />
Radeln, Golfen oder Laufen.<br />
AUF ENTDECKUNGSTOUREN<br />
Es gibt viel zu entdecken in der Region.<br />
Etwa auf den verschiedenen Themenwanderwegen<br />
durch die Weingärten<br />
– auf dem Traminerweg in<br />
Klöch und dem TAU-Weg der Riede in<br />
Tieschen, um zwei Beispiele zu nennen.<br />
Entlang der Wege laden zahlreiche<br />
herzliche Buschenschänken zur<br />
Weinverkostung und zur verdienten<br />
Stärkung ein.<br />
„Beweg-Gründe“ gibt es auch für<br />
Radfahrer etliche: Vielerorts ergeben<br />
sich herrliche Panoramablicke auf das<br />
sanfte Hügelland; einsame Wege<br />
durch die Murauen lassen sich bis<br />
über die Grenze zu den slowenischen<br />
Nachbarn erradeln.<br />
Die sogenannten „Rad-Entdeckungstouren“<br />
führen in der Regel<br />
durch schattige Aulandschaften und<br />
über sanfte Weinhügel. Um sie zu finden,<br />
schaut man entweder in den<br />
„Rad-Entdeckungskarten“ nach, die<br />
der Tourismusverband bereithält.<br />
Oder man lässt sich von einem<br />
RAD-Guide die schönsten Plätze zeigen.<br />
Mit E-Bikes ist grenzenloses Radfahren<br />
über die hügelige Weinlandschaft<br />
sogar bis weit nach Slowenien<br />
und Ungarn hinein möglich – und das<br />
ohne große Anstrengung.<br />
Und dann heißt es: rein ins Thermalwasser<br />
der Parktherme. Für Bewegungshungrige<br />
ist das 50-Meter-Sportbecken<br />
ideal, um Länge für<br />
Länge zu ziehen. Oder man lässt sich<br />
beim Faszien-Fitness-Programm in<br />
Form bringen.<br />
FÜR GROSS UND KLEIN<br />
Keine Sorge, dass den Kindern langweilig<br />
wird: Viele Abenteuer warten<br />
rund um Bad Radkersburg auch<br />
auf kleine Entdecker. Die Rätselrallye<br />
oder der Kids Coach der Parktherme<br />
versprechen jede Menge Spaß<br />
und Action. Große Entdecker verführen<br />
dagegen edle Tropfen und feine<br />
Schmankerl zu einer Einkehr in Buschenschänken<br />
und Wirtshäuser.<br />
Alles in allem gilt: Die Bewegungsangebote,<br />
die sommerliche<br />
Leichtigkeit und das südliche Flair:<br />
diese Kombination macht die Region<br />
Bad Radkersburg unverwechselbar.<br />
Kontakt<br />
TVB REGION BAD RADKERSBURG<br />
Tel.: 0 34 76/25 45<br />
info@badradkersburg.at<br />
www.badradkersburg.at<br />
FOTOS: TVB Bad Radkersbug<br />
172<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WANDER-<br />
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MIT BEA UND MOJA HAT NORTHLAND<br />
die richtige Begleitung für Damen auf Wanderungen.<br />
„Bea“ ist ein T-Shirt aus 100 Prozent<br />
Merinowolle, „Moja“ eine Funktionsjacke,<br />
die leicht, winddicht und atmungsaktiv<br />
ist und sich ganz klein verpacken lässt.<br />
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Trekking-Tights für<br />
Damen und Herren. Verstärkungen<br />
an Knien und Gesäß<br />
sind selbst scharfen Felsen gewachsen.<br />
Clever platzierte Taschen<br />
bieten Platz für Karten<br />
und Kompass. Und durch das<br />
Stretchmaterial sind die Tights<br />
extrem bequem.<br />
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den Körper optimal nach dem<br />
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richtigen Frischekick.<br />
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OHNE BERG<br />
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das ideale Gerät fürs Klettertraining daheim.<br />
Verschiedene Leisten bieten durch<br />
unterschiedliche Tiefen, Formen und<br />
Neigungen vielfältige Möglichkeiten zum<br />
Fingertraining.<br />
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173<br />
Nachhaltig<br />
schlafen<br />
DER SLEEPEN von PICTURE<br />
ist ein Schlafsack aus recyceltem<br />
Polyester. Als Futter wird<br />
das Restmaterial der Winterproduktion<br />
von PrimaLoft verwendet.<br />
Fazit: ein echt nachhaltiges<br />
Produkt, das es in vier<br />
verschiedenen Looks gibt.<br />
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OUTDOORGUIDE<br />
BLEIB<br />
SAUBER<br />
AUF DER<br />
TOUR<br />
Es dauert nur wenige Sekunden,<br />
bis man die leere Plastikflasche lautlos<br />
in die Landschaft geworfen hat.<br />
Fünftausend Jahre später ist sie dann<br />
auch sicher verrottet. Damit solche<br />
Umweltsünden nicht zur Regel werden,<br />
macht sich eine aktuelle Initiative<br />
dafür stark, dass Outdoor-Liebhaber<br />
in Zukunft auch zu überzeugten<br />
Naturschützern werden.<br />
FOTOS: istock, kk<br />
TEXT: Wolfgang Kühnelt<br />
174<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Wer möchte schon in Zukunft<br />
die Erstbesteigung<br />
von Müllbergen feiern?<br />
Entlang der Wanderrouten<br />
und an belebten Flussufern sieht<br />
es leider gerade in der Hochsaison gar<br />
nicht selten aus wie am Rande einer<br />
Deponie. Da liegen nicht nur Aludosen,<br />
PET-Flaschen, Zigarettenstummel<br />
und Verpackungsmaterial, sondern<br />
auch Bananenschalen. Ist ja eh<br />
Bio, dachte sich da vermutlich jemand,<br />
der nicht wusste, dass selbst die<br />
natürliche Hülle von Bananen bis zu<br />
drei Jahre braucht, bis sie abgebaut ist.<br />
Bei Plastiksäcken dauert dieser Vorgang<br />
je nach Beschaffenheit sogar<br />
zwischen 10 und 1.000 Jahren. Wenn<br />
man seinen Nachkommen etwas hinterlassen<br />
will, sollte es vielleicht doch<br />
etwas Schöneres sein als Müll, den<br />
man bei einer Wanderung oder einer<br />
Raftingtour nicht mehr nach Hause<br />
mitnehmen wollte.<br />
Seit fünf Jahren engagiert sich in<br />
Österreich die ARA (Altstoff Recycling<br />
Austria) gemeinsam mit Partnern<br />
aus der Wirtschaft darum, das<br />
Bewusstsein für umweltfreundliches<br />
Verhalten in der Natur zu steigern.<br />
Das Motto der Aktivitäten lautet:<br />
„Reinwerfen statt Wegwerfen“. Rund<br />
500 größere und kleinere Projekte<br />
wurden in diesem Rahmen bereits<br />
umgesetzt. Seit 2014 vergibt die Initiative<br />
jährlich einen Preis für die „sauberste<br />
Region Österreichs”.<br />
NICHTS BLEIBT AM BERG ZURÜCK!<br />
Eigentlich ist es eine einzige, ganz einfache<br />
Regel, die Experten in diesem<br />
Zusammenhang für grundlegend halten:<br />
Abfälle sollen nicht weggeworfen,<br />
sondern wieder mit ins Tal genommen<br />
werden. Theoretisch kann<br />
man die Überreste der Jause zwar<br />
Die Expertin<br />
DIPL.-ING. REGINA HRBEK<br />
leitet die Abteilung Natur<br />
und Umweltschutz, nachhaltige<br />
Entwicklung und Umweltpolitik<br />
bei den Naturfreunden<br />
Österreich.<br />
E-MAIL: regina.hrbek@<br />
naturfreunde.at<br />
WEB: www.naturfreunde.at<br />
auch in einen Mülleimer entlang der<br />
Strecke stecken oder beim Hüttenwirt<br />
abgeben, aber auch hier ist dann noch<br />
eine weitere Entsorgung notwendig,<br />
die man sich eigentlich ersparen könnte.<br />
Immer mehr Menschen verbringen<br />
ihre Freizeit gerne in der Natur.<br />
Doch nicht alle beherrschen die<br />
Grundregeln, die für ein harmonisches<br />
Miteinander gelten. 2016 startete<br />
daher auch eine Kooperation zwischen<br />
der ARA und den Naturfreunden, die<br />
heuer fortgeführt wurde. „Saubere Berge“<br />
wurde am Fuße des Großglockners<br />
im Beisein von Skifahrer Christopher<br />
Neumayer, Skicross-Profi Katrin Ofner<br />
und Skispringer Gregor Schlierenzauer<br />
präsentiert. Die Naturfreunde mit<br />
ihren landesweit über 150.000 Mitgliedern<br />
setzen bei der Umsetzung der<br />
Maßnahmen freilich nicht nur auf bekannte<br />
Gesichter, sondern vor allem<br />
auf die Kommunikation in ihren Hütten.<br />
Von ihnen gibt es rund 150 in ganz<br />
Österreich. Es finden sich dort Tafeln,<br />
die über umweltfreundliches Verhalten<br />
informieren, und auch die Wirte<br />
sind dafür vorbereitet, Wissen weitergeben<br />
zu können. Dabei geht es zwar<br />
vorrangig um das Thema Abfälle – umweltgerechter<br />
richtiger Umgang mit<br />
Fauna und Flora umfasst aber noch einiges<br />
mehr.<br />
DAS SÜNDENREGISTER<br />
Regina Hrbek von den Naturfreunden<br />
Österreich fügt daher den schon<br />
erwähnten Grundregeln noch einige<br />
hinzu: „Bleib am Weg und vermeide<br />
Lärm. Schließlich sind wir Gast<br />
in der Natur und müssen uns auch so<br />
verhalten. Keine Pflanzen pflücken.<br />
Ein Foto von ihnen ist viel schöner<br />
und langlebiger. Und nicht zuletzt:<br />
Reise nach Möglichkeit mit öffentlichen<br />
Verkehrsmitteln an.“ Letzteres<br />
schont nicht nur die Umwelt, sondern<br />
ist gerade für Wanderungen<br />
sehr praktisch. Man muss nicht notgedrungen<br />
einen Rundweg planen,<br />
sondern kann von einem Punkt zum<br />
anderen gehen, um dann wieder mit<br />
Bus oder Bahn nach Hause zu fahren.<br />
Wenn man doch das eigene<br />
Auto verwendet, will auch das richtige<br />
Parken gelernt sein. Wer seinen<br />
fahrbaren Untersatz gnadenlos in<br />
die Natur platziert, richtet damit<br />
nicht nur Schaden an, sondern lernt<br />
unter Umständen auch einen erbosten<br />
Grundeigentümer kennen. Informationen<br />
über Parkmöglichkeiten<br />
und die Beschaffenheit des<br />
Wandergebiets, der Bike- oder Kajakstrecke<br />
einzuholen, unterscheidet<br />
kluge Outdoorer von unwissenden<br />
Anfängern.<br />
Eine sehr weit verbreitete Idee<br />
ist es auch, beim Wandern oder Biken<br />
Abkürzungen von den ausgewiesenen<br />
Wegen zu machen. Je näher<br />
an der Falllinie, desto schneller,<br />
scheint hier das Motto zu lauten. Naturschützer<br />
sehen das freilich gar<br />
nicht gerne, denn dadurch werden<br />
Schäden am Boden angerichtet, die<br />
beim nächsten Regen zu massiven<br />
Erosionen führen können.<br />
Auch Wildtiere leiden darunter,<br />
wenn sie plötzlich im freien Gelände<br />
auf Menschen und Hunde treffen.<br />
Beim Klettern heißt es ohnehin besonders<br />
viel Rücksicht auf die Natur<br />
zu nehmen. Bewachsene Felsköpfe<br />
etwa sollen auf keinen Fall betreten<br />
werden. Auch wenn es für die Menschen<br />
ein einzigartiges Erlebnis sein<br />
kann, in der frühmorgendlichen<br />
Dämmerung im Hochgebirge unterwegs<br />
zu sein – für das Wild sind Begegnungen<br />
dieser Art ausgesprochen<br />
unerfreulich.<br />
175
NATURSCHUTZ<br />
RÜCKSICHT GEFRAGT<br />
Spezialdisziplinen abseits der Wege<br />
wie Orientierungslauf, Wildwasserpaddeln<br />
oder Skitourengehen haben<br />
daher klar definierte Regeln, die man<br />
unbedingt kennen und beachten sollte.<br />
Dabei geht es nicht nur um Naturschutz,<br />
sondern auch um ein Verhalten,<br />
mit dem man sich und andere<br />
nicht gefährdet. Ein weiteres wichtiges<br />
Prinzip für alle Outdoor-Fans lautet<br />
nämlich: Gegenseitige Rücksichtnahme.<br />
Das gilt besonders für das<br />
friedliche Nebeneinander von Wanderern<br />
und Mountainbikern, das nur<br />
dann möglich ist, wenn sich alle entsprechend<br />
zivilisiert verhalten.<br />
Wie steht es aber generell um das<br />
Umweltbewusstsein in Österreich?<br />
Naturfreunde-Expertin Regina Hrbek<br />
ist optimisch: „Ich würde sagen, da tut<br />
sich einiges im positiven Sinn. Die<br />
meisten Menschen sind für dieses<br />
Thema sensibilisiert. Natürlich findet<br />
man trotzdem immer wieder weggeworfene<br />
Sachen im Wald. Hier kann<br />
man nicht sagen, ob das absichtlich<br />
beziehungsweise gedankenlos geschehen<br />
ist, oder ob es unabsichtlich<br />
passiert ist. Ich hoffe einfach mal, es<br />
ist Zweiteres.“<br />
SAUBERE LÖSUNG<br />
<strong>2017</strong> sind es besonders die Naturfreunde<br />
in der Steiermark, die im Zusammenwirken<br />
mit der ARA mit gutem<br />
Beispiel vorangehen wollen. ARA-Vorstand<br />
Werner Knausz gibt die Richtung<br />
vor: „Für Wanderer, die eine volle<br />
Flasche Wasser den Berg<br />
hinauftragen können, muss es doch<br />
ein Leichtes sein, die leere Flasche<br />
wieder mit ins Tal zu nehmen.“ In der<br />
Steiermark bekommt heuer jede Hütte<br />
ein Paket mit Informationsmaterialien.<br />
Inkludiert ist ein Gewinnspiel,<br />
das bis zum 20. September läuft und<br />
das als Hauptpreise Sportgutscheine<br />
und ein Thermenwochenende bietet.<br />
Übrigens können nicht nur die Besucher<br />
der Hütten gewinnen, sondern<br />
auch die Wirte selbst, die man so zum<br />
Unterstützen der Aktion motiviert.<br />
Wer nicht in der Steiermark unterwegs<br />
ist, kann den Aktivitäten im Internet<br />
unter www.reinwerfen.at und<br />
auf www.facebook.com/reinwerfen<br />
folgen.<br />
Echte Naturliebhaber kümmern<br />
sich übrigens nicht nur um das Mitnehmen<br />
des eigenen Abfalls. Regina<br />
Hrbek: „Ich habe immer ein Sackerl<br />
im Rucksack und wenn etwas herumliegt,<br />
nehme ich es mit, auch wenn es<br />
nicht von mir stammt. Nur bei gebrauchten<br />
Windeln wird es zugegeben<br />
etwas heikel.“ Falls man Menschen<br />
trifft, denen offensichtlich<br />
gerade etwas „zufällig“ in die Gegend<br />
gefallen ist, sollte man sie darauf ansprechen,<br />
empfiehlt Hrbek. Falls sich<br />
diese uneinsichtig zeigen, ist es allerdings<br />
besser, ohne weitere Diskussionen<br />
den Müll einzusammeln und seiner<br />
Wege zu gehen – im Sinne einer<br />
sauberen Lösung für alle.<br />
Auch ganz oben läuft heuer die Aktion<br />
„Saubere Berge“ – hier auf der Erzherzog-<br />
Johann-Hütte, der höchstgelegenen<br />
Schutzhütte Österreichs.<br />
ULTIMATE GRIP CONCEPT<br />
FOTO: Saubere Berge<br />
176<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
LIGHTER.<br />
FASTER.<br />
STRONGER.<br />
First Light Hoody<br />
Stone 45 Rucksack<br />
Spot Stirnlampe<br />
BD Athlete Joe Kinder | Rätikon, Switzerland<br />
Tim Kemple
ZAHLENSPIELE<br />
ist<br />
es her,<br />
dass der<br />
Großglockner zum<br />
ersten Mal bestiegen<br />
wurde: Am 29. Juli 1800<br />
erreichten vier Teilnehmer einer<br />
Großexpedition, die in Klagenfurt begonnen<br />
hatte, den höchsten Gipfel<br />
Österreichs – den sich die Kärntner mit<br />
Osttirol teilen.<br />
217<br />
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
Jahre<br />
KÄRNTEN<br />
500<br />
LERCHBAUMER – was die<br />
rüstige und resolute Dame<br />
nicht davon abhält, noch immer<br />
auf der Goldberghütte in<br />
der Goldberggruppe bei Stall<br />
im Mölltal das Kommando zu<br />
führen.<br />
82JAHRE ALT IST PAULINE<br />
METER LANG IST DER „DÄUMLING“, UND NUR<br />
150 HÖHENMETER MÜSSEN ÜBERWUNDEN WER-<br />
DEN. DENNOCH ZÄHLT DIESER „KLEINE“ KLET-<br />
TERSTEIG IM GARTNERKOFEL-MASSIV AM NASS-<br />
FELD ZU DEN SPANNENDSTEN UNTER DEN 17<br />
KÄRNTNER KLETTERSTEIGEN.<br />
768 WANDERWEGE weist das<br />
„Tourenportal“ für Kärnten aus – auf der Plattform<br />
„Bergfex“ sind sogar 1.301 Wege verzeichnet. Die<br />
unterschiedlichen Zahlen spielen aber keine Rolle –<br />
entscheidend ist, dass es im wanderbaren Kärnten<br />
von großartigen Höhenwegen (wie dem Karnischen<br />
Höhenweg) bis zum idyllischen Themenweg für alle<br />
die passende Route gibt.<br />
BERGBAHNEN SIND DEN SOMMER ÜBER IN<br />
BETRIEB. ZU DEN ATTRAKTIVSTEN ZÄHLT DA-<br />
BEI SICHER DIE GERLITZEN KANZELBAHN MIT<br />
IHRER NEUEN AUSSICHTSPLATT-<br />
FORM. ABER WOHL AUCH, WEIL<br />
SIE DIE KOMBINATION „BERG &<br />
BADESEE“, DIE KÄRNTEN IM<br />
SOMMER PRÄGT, AM BESTEN<br />
DARSTELLT.<br />
72.000<br />
ÜBERNACHTUNGEN wurden<br />
allein im Jahr 2016 auf dem Alpe-<br />
Adria-Trail gezählt, der Kärntens Leitprodukt<br />
zum Thema Wandern ist.<br />
Verständlich: Von den insgesamt 43<br />
Etappen der 750-km-Strecke befinden<br />
sich 23 in Kärnten. Zur Info: Im Vorjahr<br />
waren rund 15.000 Wanderer am Trail<br />
unterwegs ...<br />
FOTO: Kärnten Werbung<br />
WWW.KAERNTEN.AT<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
178
6,4 KILOMETER LANG IST DER „SENTIERO DELL‘AMORE“ – DER NEUE „WEG DER LIEBE“,<br />
DER VON DER ALEXANDERHÜ TE HOCH ÜBER DEM MILLSTÄTTER SEE ZUM GRANATTOR FÜHRT.<br />
AN SIEBEN STATIONEN WARTEN SIEBEN BÜCHER – IN DIE VERLIEBTE WANDERER IHRE GEDANKEN SCHREIBEN KÖNNEN.<br />
179
KÄRNTEN<br />
WO WELLNESS<br />
AM WEG LIEGT<br />
WASSER UND WOHLFÜHLEN.<br />
Diese Kombi muss man nicht im Relaxmodus in einer<br />
Therme suchen. Man kann ihr auch entgegenwandern – wie<br />
Anfang Mai auf Etappen des Alpe-Adria-Trails in Kärnten<br />
selbst versucht. Erkenntnis: Wellness liegt am Weg.<br />
Passt schon irgendwie, dass ich<br />
erst knapp vor 22 Uhr im schönen<br />
Hotel Moserhof in Seeboden<br />
am Millstätter See eintreffe,<br />
weil ich mich von der Arbeit nicht früher<br />
losreißen konnte. Vom See seh ich<br />
in der Dunkelheit ebenso wenig wie<br />
tageszeitbedingt vom hoteleigenen<br />
Spa mit Naturbadeteich und Saunalandschaft<br />
(schaut aber auf Bildern<br />
fein aus). Eingecheckt, gilt es stattdessen<br />
noch den Rucksack zu packen:<br />
Treffpunkt mit Wanderführerin<br />
Susanne ist zeitig um 8 Uhr früh.<br />
Sieben Stunden Gehzeit sind für<br />
rund 18 Kilometer und 800 Bergaufwie<br />
Bergabhöhenmeter anberaumt.<br />
Tag eins meiner zweitägigen Tour auf<br />
Wegen des Kärntner Teils des Alpe-<br />
Adria-Trails. Und noch einmal 17 Kilometer<br />
sollen am zweiten Tag folgen,<br />
dann von Ossiach bis Velden. Die gemeinsame<br />
Klammer dieser kurzen<br />
Auszeit von Arbeit und Alltag sowie<br />
des Reinschnupperns in die Welt des<br />
Weitwanderns bilden die drei größten<br />
Kärntner Seen: Millstätter See, Ossiacher<br />
See und Wörthersee.<br />
TAG EINS: RAUF AUF DIE NOCKEN<br />
Der erste Tag startet zugegebenermaßen<br />
ganz bequem: mit dem Taxi zur<br />
Hansbauerhütte, dem Startpunkt<br />
der Wanderung auf 1.700 m Seehöhe.<br />
Die offizielle Etappe 12 des Alpe-Adria-Trails<br />
führt stattdessen von Seeboden<br />
weg zu Fuß hier herauf – bestimmt<br />
auch schön. Aber ich soll die<br />
Essenz der Etappen 12 und 13 des<br />
Alpe-Adria-Trails gehend erkunden:<br />
die Nockberge mit ihren sanften Gipfelrundungen<br />
und so schönen, passenden<br />
Namen wie Tschiernock,<br />
Tschierweger Nock oder Kamplnock.<br />
Obwohl es also nur knapp 400 Höhenmeter<br />
zum ersten Gipfelkreuz<br />
sind, muss man sich die dennoch verdienen.<br />
„Wie gut bist du beinand?“,<br />
will Wanderguide Susanne bald einmal<br />
von mir wissen – und erzählt mir<br />
daraufhin, dass die Frage auch aus ihrer<br />
Erfahrung heraus Berechtigung<br />
hat: Auch Journalisten aus weniger<br />
bergaffinen Ländern wie beispielsweise<br />
England recherchieren gern<br />
„live“ am Alpe-Adria-Trail ...<br />
Verdienen muss man sich den<br />
FOTOS: xxx<br />
FOTO: Kärnten Werbung<br />
TEXT: Christof Domenig <strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
180
181<br />
Der Schluchtweg<br />
führt rund 500 Höhenmeter<br />
von Ossiach<br />
hinauf auf den<br />
Ossiacher Tauern.
ALPE-ADRIA-TRAIL<br />
Impressionen von der Millstätter Alpe: „Steinerner Tisch“; noch im Schnee beim Tschiernock-Gipfelkreuz; Blick auf den<br />
Millstätter See; Mittags-Stärkung auf der Millstätter Hütte. Rechte Seite: Die Lammersdorfer Hütte, das Ziel des ersten Tages.<br />
Die beschriebene Tour ist eine Kombination von Teilen der offiziellen Etappen 12 und 13 des Alpe-Adria-Trails.<br />
Gipfel auch deswegen, weil hier heroben,<br />
Anfang Mai, heuer noch Schnee<br />
liegt. Nicht viel, aber genug, um in<br />
überwehten Mulden etwas tiefer einzusinken.<br />
Kein großes Problem freilich<br />
– und der Lohn: ein herrlicher<br />
Rundum-Panoramaausblick. Wie er<br />
sich dann den ganzen Tag über immer<br />
wieder zeigt. Julische Alpen, Karawanken,<br />
Tauern, Nockberge ...<br />
Blicke auf den Millstätter See tun<br />
sich ebenfalls vielerorts auf – einer<br />
der schönsten bei der Alexanderhütte,<br />
die nach einem kurzen Zwischenabstieg<br />
auf rund 1.800 m Höhe bald erreicht<br />
ist. Für Wanderer am Alpe-Adria-Trail<br />
ist die Hütte eine beliebte<br />
Übernachtungsstelle am Berg und bekannt<br />
für ihre Almsennerei. Schade:<br />
Anfang Mai ist sie noch geschlossen.<br />
Die Mittags-Stärkung folgt dafür eine<br />
halbe Wegstunde weiter in der ebenso<br />
schönen Millstätter Hütte.<br />
DIE KRAFT DES GEHENS<br />
Mein subjektives Highlight des Tages<br />
folgt dann am frühen Nachmittag.<br />
Nach dem Aufstieg zum Kamplnock<br />
(2.101 m) geht es kilometerweit den<br />
breiten Grat entlang, ständig mit herrlicher<br />
Aussicht als Begleiter. Bis zum<br />
„Granattor“: Der künstliche metallene<br />
Durchgang, der hier plötzlich in<br />
der Landschaft steht, verweist auf das<br />
größte Granatvorkommen der Alpen<br />
in diesem Teil der Nockberge. Wer den<br />
Blick dafür hat – wie Guide Susanne –<br />
findet hier bei jedem Schritt Steine<br />
mit eingeschlossenem Granat.<br />
Mich fasziniert anderes noch<br />
mehr. Bei diesem Einen-Schritt-vorden-anderen-Setzen<br />
in rund 2.000 m<br />
Seehöhe, mit weiten Vor-, Rück- und<br />
Ausblicken und nach vier, fünf Gehstunden<br />
mit angenehm angesäuerten<br />
Muskeln, entfaltet das Gehen eine geradezu<br />
meditative Wirkung. Hier<br />
kriegt man den besten Eindruck davon,<br />
warum sich Weitwanderer aufmachen.<br />
Und was mit Entschleunigung<br />
gemeint ist. Fast schade, dass<br />
dann der Abstieg zur Lammersdorfer<br />
Hütte ansteht, wo nach 7,5 Stunden<br />
am Berg das Shuttle-Taxi wartet.<br />
TAG 2: STILLE UND IDYLLE<br />
Damit geht’s zum Ossiacher See, dem<br />
Startpunkt der zweiten Etappe (diesmal<br />
ohne Guide). Erst aber checke ich<br />
im Naturgasthof Schlosswirt in Ossiach<br />
ein, der zum Glück nichts Feudales<br />
an sich hat. Dafür perfekte Bioküche<br />
mit regionalen Spezialitäten<br />
(viele davon aus dem See) bietet; und<br />
ein schönes großes „Naturzimmer“<br />
mit Balkon sowie – welch Wohltat –<br />
ohne Fernseher. Eindrücke des Tages<br />
notieren, die Wanderkarte studieren<br />
oder einfach mal lesen passt auch viel<br />
besser zum Charakter so einer Tour.<br />
Der zweite Marschtag unterscheidet<br />
sich vor allem in der Seehöhe wesentlich<br />
vom ersten: Der Start erfolgt<br />
in Ossiach auf rund 500 m Höhe und<br />
der „Gipfel“ ist am rund 1.000 m hohen<br />
Ossiacher Tauern bald erreicht.<br />
Konkret durch den idyllischen<br />
Schluchtweg über Ossiach, wo das<br />
Wasser rauscht und zwei Feuersalamander<br />
über den Weg huschen. Auf<br />
einer Lichtung liegt der Tauernteich,<br />
ein Waldsee, der (ebenso wie später<br />
FOTOS: Christof Domenig<br />
182<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Tag zwei im Zeichen des Wassers: Wild am Schluchtweg über Ossiach, still am Ossiacher<br />
Tauern, „Kärnten wie man es kennt“ in Velden am Wörthersee. Ossiach–Velden<br />
ist die reguläre 20. „AAT“-Etappe – Info: www.alpe-adria-trail.com/de/Etappen<br />
am Tag der Saissersee) eine echt schöne<br />
Ergänzung zu den bekannten<br />
Kärntner Gewässern bildet: Wunderbar<br />
idyllisch und still liegt der Teich.<br />
Die weiteren Kilometer des Tages<br />
führen durch die Zivilisation, vor allem<br />
aber durch Wälder. Allein mit<br />
sich und dem Rucksack am Rücken<br />
bleibt genug Zeit, über dies und jenes<br />
nachzudenken oder einfach die Natur<br />
und die Sonnenstrahlen, die durchs<br />
Geäst brechen, wirken zu lassen.<br />
Um 15.30 Uhr, nach wiederum<br />
rund 7 Stunden auf den Füßen, stehe<br />
ich dann am Casinoplatz in Velden,<br />
dem Zielpunkt meiner zweitägigen<br />
Tour. Und bestaune das Schaulaufen<br />
mit allerlei Luxuskarossen, das hier<br />
offenbar jeden Sonntag abgeht. Welch<br />
lustiger Kontrast zu den letzten beiden<br />
Tagen! Dann schon lieber runter<br />
an den Wörthersee – zum verdienten<br />
Abschlusskaffee und -foto.<br />
DIE REINSTE ENTSPANNUNGSKUR<br />
Zeit, Bilanz zu ziehen: Nachdem die<br />
Alpe-Adria-Trail-Buchungspakete<br />
(siehe Kasten) die Auswahlmöglichkeit<br />
zwischen Gasthöfen, einfacheren<br />
Hotels oder gehobenen Wellnesshotels<br />
geben, muss ich sagen: Ich mag’s<br />
bei der Unterkunft gern einfach – wo<br />
doch die ganze Landschaft schon ein<br />
riesengroßer „Wellnessbereich“ ist.<br />
Aber das ist natürlich eine rein subjektive<br />
Empfindung.<br />
Die Blicke aufs Wasser der drei<br />
größten Kärntner Seen (im Sommer<br />
sind sie sicher perfekt zum Reinspringen)<br />
wie auch auf die kleinen Gewässer;<br />
die rauschende Schlucht, die Berge<br />
und die Wälder: Das alles wirkt in<br />
Summe besser als jedes „Spa“. Finde<br />
zumindest ich. Gut, eine Dusche nach<br />
sieben, acht Marschstunden, die ist<br />
schon fein. Alles andere liegt in der<br />
Natur und entfaltet beim Wandern<br />
die beste Wirkung. Purer Seelenbalsam.<br />
ALLE INFOS UND BUCHUNGEN:<br />
Alpe-Adria-Trail Buchungscenter Kärnten<br />
Tel.: 0 47 82/93 0 93<br />
E-Mail: info@alpe-adria-trail.com<br />
www.alpe-adria-trail.com<br />
Der Alpe-Adria-Trail<br />
43 Etappen durch drei Länder:<br />
Kärnten, Slowenien und Italien.<br />
Nicht der kürzeste, sondern der schönste<br />
Weg vom Großglockner ans Meer –<br />
mit diesem Slogan wird im mittlerweile<br />
fünften Jahr der Alpe-Adria-Trail angeboten.<br />
Mit Erfolg: Zwar geht nur eine<br />
kleine Minderheit die gesamten 750 Kilometer<br />
des Weitwanderwegs durch<br />
drei Länder am Stück. Doch speziell die<br />
individuellen Pakete mit durchschnittlich<br />
drei bis sieben gebuchten Etappen<br />
finden großen Zuspruch.<br />
DIESE „BUCHBAREN ETAPPEN“ lassen<br />
sich individuell und flexibel zusammenstellen<br />
und beinhalten viele Servicleistungen<br />
– z. B. Shuttledienste und Gepäcktransport.<br />
Es gibt die Pakete in drei<br />
Kategorien: „Basic Trek“, „Classic Trek“<br />
und „Comfort Trek“, wobei die Hauptunterschiede<br />
in der Unterkunftskategorie<br />
liegen: Gasthof/Hütte, Zwei- bis<br />
Drei-Sterne-Hotel oder Vier-Sterne-Hotel<br />
mit Wellness-Bereich.<br />
TIPP: DIE ALPE-ADRIA-TRAIL-APP hilft<br />
beim Tourenplanen, bietet viele Tools<br />
für unterwegs (Gipfelfinder, Höhenmesser,<br />
Kompass ...), schützt dank<br />
GPS vorm Verlorengehen, hat<br />
einen Notruf-Button und viele<br />
weitere nützliche Funktionen.<br />
183
KÄRNTEN<br />
Die Facts zum Camp<br />
TERMINE: 31. 8.–3. 9. UND<br />
14. 9.–17. 9. (JEWEILS DO.–SO.)<br />
• 3 Nächte/4 Tage mit Genuss-Frühstücksbuffet<br />
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Abendmenü<br />
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KLETTERFREUNDE AUFGEPASST:<br />
Im Sommer und Herbst <strong>2017</strong> veranstaltet<br />
der Karawankenhof in Villach, das<br />
Hotel der Kärnten Therme, erstmals<br />
ein Alpe-Adria-Klettersteigcamp.<br />
Kompetenter Partner dabei ist die Alpinschule<br />
highLife. Eingeladen sind<br />
Klettersteigbegeisterte, die das abwechslungsreiche<br />
Angebot im Dreiländereck<br />
(Österreich–ItaIien–Slowenien)<br />
nutzen möchten und an drei<br />
Tagen den atem(be)raubenden Weg<br />
nach oben suchen.<br />
Geführt werden die Touren in den Karawanken<br />
und Julischen Alpen von geprüften,<br />
erfahrenen Bergführern.<br />
Programm-Highlights:<br />
DONNERSTAG: Begrüßungsabend mit<br />
Einführung ins Wochenendprogramm<br />
FREITAG, SAMSTAG & SONNTAG:<br />
Täglich geführte Klettersteigtouren im<br />
Alpe-Adria-Triangle. Die genauen Touren<br />
werden, je nach Wetterlage und<br />
Kondition der Teilnehmer, vor Ort bestimmt.<br />
Aber man kann schon verraten,<br />
dass sie in die Karawanken und in<br />
die Julischen Alpen führen. Freu dich<br />
auf abwechslungsreiche Tage in atemberaubender<br />
Kulisse.<br />
Wichtig: Schwindelfreiheit und eine<br />
gute Grundkondition sind Voraussetzung,<br />
um am Camp teilzunehmen.<br />
Bergschuhe, Wanderbekleidung und<br />
Rucksack müssen bitte von den Teilnehmer<br />
selbst mitgebracht werden<br />
(Ausrüstungsempfehlungen bekommst<br />
du bei der Buchung). Die Anreise zu<br />
den einzelnen Touren erfolgt mit dem<br />
eigenen PKW.<br />
Infos und Buchungen:<br />
THERMENHOTEL<br />
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www.karawankenhof.com<br />
FOTOS: Thermenhotel Karawankenhof. Uschnig<br />
184<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>
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OUTDOORGUIDE<br />
60<br />
JAHRE<br />
RETTER<br />
AUS DER<br />
NOT<br />
FOTO: kk<br />
186<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Gerhard Kopiak ist 78 Jahre alt und<br />
seit 60 Jahren bei der Bergrettung.<br />
Ehrenamtlich wie praktisch alle seine<br />
Tausenden Kollegen in Österreich.<br />
Was er in sechs Jahrzehnten erlebte,<br />
könnte wohl ein Buch füllen. Die paar<br />
Geschichten, die er uns erzählt hat,<br />
geben aber auch einen Einblick ins<br />
Leben eines Bergretters.<br />
TEXT: Sonja Burger<br />
Schon mit 16 Jahren entdeckte Gerhard Kopiak seine Leidenschaft<br />
für die Berge – und holte bald darauf den ersten<br />
Verunglückten runter vom Berg.<br />
Herr Kopiak, sind Sie eigentlich zum<br />
Bergretter geboren?<br />
Schon möglich. Jedenfalls hab ich<br />
meinen ersten Hilfseinsatz am Berg<br />
schon gehabt, noch bevor ich wirklich<br />
bei der Bergrettung war.<br />
Wie ist das passiert?<br />
Ich war so 16, 17 Jahre alt und mit<br />
meinem Kletterpartner im Raxgebiet,<br />
im großen Höllental, unterwegs. Plötzlich<br />
hörten wir in der Ferne das Folgehorn<br />
der Bergrettung von Reichenau<br />
und sind sofort zum Talgrund abgestiegen.<br />
Ein ganz junger Bursch war abgestürzt<br />
und lag in einer Höhe von rund<br />
60 Metern. Es war ein ziemlich schwieriger<br />
Zustieg. Äußerlich hatte er keine<br />
Verletzungen und es ging ihm soweit<br />
gut.<br />
Und wie ging es weiter?<br />
Am Rücken, im Tragesitz, haben<br />
wir ihn abgeseilt und die Rettung hat<br />
ihn weggebracht. Wir sind dann selbst<br />
im Dunkeln abgestiegen. Irgendwann<br />
kam uns ein Licht entgegen – ein Gendarmeriebeamter,<br />
der uns ein Bier<br />
brachte – und die traurige Nachricht,<br />
dass der Junge gestorben war. Wahrscheinlich<br />
am Schock, wurde uns gesagt.<br />
Wir konnten es uns einfach nicht<br />
erklären und haben uns wahnsinnig<br />
viele Gedanken gemacht.<br />
Und mit 18 gingen Sie dann zur Bergrettung.<br />
Warum tut man sich das als<br />
junger Bursch an, der eher alle Freiheiten<br />
haben will?<br />
Alle meine Vereinskameraden, die<br />
mich fürs Klettern und Skifahren begeistert<br />
haben, waren ebenfalls bei der<br />
Bergrettung. Es hat mir imponiert, was<br />
die da geleistet haben. Ich war ein relativ<br />
kräftiger Bursch mit großer Ausdauer.<br />
Schon mit 14 Jahren – das war<br />
1953, da hat das sonst kaum jemand gemacht<br />
– war ich berglaufen. Meist,<br />
wenn es finster war, in der Nähe von<br />
Hütteldorf. Mit dem Rennrad bin ich<br />
auch viel gefahren. Bei langen Bergtouren<br />
war ich dann immer am wenigsten<br />
müde. Das hat den Älteren imponiert,<br />
Angst darfst’ als<br />
Bergretter nicht<br />
haben. Vorsicht<br />
und Respekt bei<br />
dem, was du tust,<br />
sind deine wichtigste<br />
Sicherung.<br />
GERHARD KOPIAK, 60 JAHRE<br />
BEI DER BERGRETTUNG<br />
und mich weiter angespornt. Wie<br />
mühsam und wie gefährlich das damals<br />
als Bergretter war, das ist mir in<br />
dem Alter gar nicht bewusst gewesen.<br />
Bergretter vor 60 Jahren – wie muss<br />
man sich da einen Einsatz vorstellen,<br />
zum Beispiel im Winter?<br />
Im Winter war es oft dramatisch,<br />
weil wir wirklich bei jedem Wetter im<br />
Einsatz waren. Damals, als es noch keine<br />
Sicherheitsbindung bei den Skiern<br />
gab, waren es hauptsächlich Beinverletzungen.<br />
Der Abtransport von Verletzten<br />
konnte da zur echten Schwerarbeit<br />
werden. Wir von der Ortsstelle<br />
Wien hatten am Wochenende auch am<br />
Schneeberg Bereitschaftsdienst. Und<br />
du hast nie gewusst, was auf dich zukommt.<br />
Manchmal war’s wochenlang<br />
ruhig, dann hat es wieder zwei Einsätze<br />
hintereinander gegeben. Oder vielleicht<br />
sogar eine große Suchaktion.<br />
Werden solche Bergrettungseinsätze<br />
dann irgendwann zur Routine?<br />
Die Einsätze lassen sich nicht katalogisieren.<br />
Und ich hab schon ganz<br />
arge Sachen erlebt. In den 1980ern hatten<br />
wir zum Beispiel im Wienerwald<br />
eine grausliche Totbergung. Die Person<br />
war acht Wochen lang im Bachbett gelegen.<br />
Zwei Wochen später fanden wir<br />
woanders eine Frau, die sich umgebracht<br />
hatte. Von März bis September<br />
lag sie dort. Es war finster und<br />
Schwammerlzeit. Wir mussten sie bergen,<br />
weil die Leichenbestatter nicht<br />
hinkamen.<br />
Wie gehen Sie mit solchen psychischen<br />
Belastungen um?<br />
Ein Kollege und ich waren damals<br />
die Einzigen, die die beiden Toten anfassen<br />
konnten. Man hat sie schon aus<br />
100 Metern Entfernung gerochen. Das<br />
ist psychisch kein Problem für mich.<br />
Was belastet Sie dann?<br />
Für mich ist unheimlich bedrückend,<br />
wenn ich jemanden reanimieren<br />
muss. Ums Leben eines Menschen<br />
zu kämpfen, das ist psychisch wahnsinnig<br />
schwer. Einmal musste ich einen<br />
Arbeitskollegen reanimieren, danach<br />
war ich so fertig, dass ich nicht<br />
187
PERSONALITY<br />
Über die Zahl seiner Einsätze in 60<br />
Jahren hat Kopiak nie Buch geführt.<br />
mehr mit dem Rettungswagen mitfahren<br />
konnte. Als Kind habe ich im Zweiten<br />
Weltkrieg auch einiges mitgekriegt.<br />
Die Hysterie der Menschen im<br />
Keller und nicht zu wissen, was oben<br />
los ist, war damals für mich am<br />
Schlimmsten. Heute habe ich mit psychischen<br />
Belastungen keine Probleme.<br />
Das hilft mir auch privat, denn meine<br />
Frau ist pflegebedürftig. Ich habe auch<br />
mit ihr schon so viele Sachen erlebt,<br />
die mich stark gemacht haben.<br />
Aber Sie werden auch als Bergretter<br />
mal an Ihre Grenzen gekommen sein?<br />
Die Grenze bist immer nur du<br />
selbst. Wenn man dort oben in Aktion<br />
ist, denkt man nicht jede Minute an die<br />
Gefahr, in die man sich selbst begibt.<br />
Klar habe ich immer auf die eigene Sicherheit<br />
geschaut. Aber wenn du als<br />
Bergretter ständig daran denken würdest,<br />
wer eigentlich dir zu Hilfe kommen<br />
kann, wenn beim Einsatz was passiert<br />
– dann bist’ schon verloren. Die<br />
Hubschrauberbergung hat vieles leichter<br />
gemacht. Aber auch der Hubschrauber<br />
hat seine Grenzen, bei schlechten<br />
Wetterbedingen oder wenn es finster<br />
ist. Dann ist man als Bergretter besonders<br />
gefordert. Deshalb ist die Bergrettung<br />
auch so dahinter, dass viele Übungen<br />
in Extremsituationen stattfinden.<br />
Verdrängen Sie denn die Angst, dass<br />
Ihnen etwas zustoßen könnte?<br />
Nein, ich verdränge nichts – ich<br />
habe wirklich keine Angst. Das gibt es<br />
bei mir nicht. Aber ich bin vorsichtig<br />
und ich habe Respekt vor dem, was ich<br />
tu’. Das sind für mich die entscheidenden<br />
Punkte, die du überall als Helfer<br />
brauchst. Bei einem Einsatz muss man<br />
Stärke zeigen und Kompetenz. Das<br />
lernen die Leute und man kriegt auch<br />
Erfahrung. Bei der Bergrettung gibt es<br />
keine Dienstgrade, aber die Dienstführenden<br />
haben Vorbildwirkung.<br />
Beim Einsatz ist ja auch immer ein Erfahrener<br />
dabei. In der Ersten Hilfe hat<br />
sich Gott sei Dank viel geändert – vor<br />
allem Jüngere, die beim Roten Kreuz<br />
waren, können das heute aus dem Effeff.<br />
Routinierte Hilfeleistung ist eine Sache.<br />
Aber wie geht man mit den Emotionen<br />
um, die ja unweigerlich da sind?<br />
Natürlich macht dich das innerlich<br />
fertig, wenn was Tragisches passiert.<br />
Ich musste mal einen guten Kameraden<br />
und Familienvater aus einer Lawine<br />
bergen. Das war ein ganz schlimmes<br />
Erlebnis. Ich habe lange nicht darüber<br />
reden können. Aber darum gibt es bei<br />
der Bergrettung den gemeinsamen<br />
fachlichen Austausch, das Besprechen<br />
der Einsätze und die regelmäßigen<br />
Treffen mit anderen Bergrettern – das<br />
hilft einem enorm, das Erlebte zu verarbeiten.<br />
Am Berg passieren ja nicht nur Dramen.<br />
Es gibt ja sicher auch viele schöne<br />
oder sogar lustige Erlebnisse.<br />
So komisch es klingt, aber am<br />
schönsten sind für mich die Erlebnisse,<br />
wo mehr durch Zufall am Ende alles<br />
gut ausgeht. Wir wurden einmal<br />
im Winter alarmiert, dass sich ein<br />
Mädchen auf der Kugelwiese bei<br />
Perchtoldsdorf das Knie verletzt hatte.<br />
Einen halben Kilometer vor dem vermeintlichen<br />
Unfallort – und das ist so<br />
ein Zufall – halten uns Leute auf und<br />
sagen, dass das Mädchen woanders<br />
liegt. Dann kommt zufällig auch ein<br />
Arzt vorbei und versorgt das Mädchen,<br />
bei dem Ober- und Unterschenkel<br />
gebrochen waren. Schließlich hat<br />
auch noch der Hubschrauber trotz<br />
dichtem Nebel landen können – und<br />
so hat die Rettungskette perfekt funktioniert.<br />
Das war so ein phänomenales<br />
Erlebnis, das dich als Retter glücklich<br />
und zufrieden macht.<br />
Fällt Ihnen auch was Witziges ein?<br />
Na ja, witzig ... Einmal haben wir<br />
im Wienerwald einen Mann bergen<br />
Der Helfer am Berg<br />
GERHARD KOPIAK, 1939 geboren, begann<br />
mit 14 die Lehre zum Kartolitographen<br />
bei Freytag & Berndt in Wien<br />
und blieb dort bis zur Pension. Mit 16<br />
Jahren begann er mit dem Bergsteigen,<br />
mit 18 ging er zur Bergrettung<br />
und war später Ausbildungsleiter für<br />
Wien und NÖ. Gerhard Kopiak ist seit<br />
50 Jahren verheiratet und nach wie<br />
vor (wenn auch aus gesundheitlichen<br />
Gründen eingeschränkt) bei der Bergrettung<br />
Ortsstelle Wienerwald Süd<br />
aktiv.<br />
sollen, der bei den Gießwänden abgestürzt<br />
war. Es war schon stockfinster,<br />
aber ich kannte mich aus und wir sind<br />
unten an den Fuß der Wand gegangen.<br />
Da lag aber keiner. Wir haben gesucht<br />
und gesucht, bis wir von oben ein Rufen<br />
gehört haben. Der Abgestürzte lag<br />
weiter oben in der Wand – sein Freund<br />
hatte ihn wieder raufgeschleppt. Dort<br />
haben wir sie dann gefunden. Vorher<br />
haben wir uns nur gewundert und<br />
herzlich über unsere anfangs vergebliche<br />
Suche gelacht.<br />
Ihrem Engagement bei der Bergrettung<br />
haben Sie viel Freizeit geopfert.<br />
Kam da nicht Ihre Familie, also Ihre<br />
Frau und die drei Töchter, zu kurz?<br />
Man braucht schon eine Partnerin,<br />
die dafür Verständnis hat. Meine<br />
Frau hat ja mit mir klettern gelernt,<br />
war körperlich topfit und eine großartige<br />
Skifahrerin. Später, als Ausbildungsleiter,<br />
ging der ganze Urlaub für<br />
die Winter- und Sommerkurse drauf.<br />
Aber als meine Kinder schulpflichtig<br />
wurden, habe ich die Ausbildungsleitung<br />
sein lassen – als Bergretter war<br />
ich aber immer aktiv.<br />
Eine Frage noch, die man einem<br />
Bergretter stellen muss: Wie sehr ärgert<br />
es Sie, wenn jemand aus Unvernunft<br />
in Not gerät und Sie oder Ihre<br />
Kollegen ausrücken müssen?<br />
Das ärgert mich überhaupt nicht. Ich<br />
weiß ja, wie deppert ich selbst war –<br />
oder manchmal auch heute in meinem<br />
Alter noch bin ...<br />
FOTOS: kk<br />
188<br />
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ERSTE HILFE<br />
JEDER MUSS EIN<br />
BERGRETTER SEIN!<br />
Schuhe, Kleidung, Rucksack – alles vom Feinsten! Aber „gut gerüstet“<br />
in die Berge zu ziehen, ist nicht nur eine Frage des Materials. Die<br />
Gewissensfrage muss lauten: Bist du auch für den Notfall gerüstet?<br />
Machen wir einen Blitztest mit<br />
nur drei Fragen. Frage 1: Wie<br />
stoppst du eine heftige Blutung?<br />
Frage 2: Wie lautet die Notfallnummer<br />
der Bergrettung? Und Frage<br />
3: Wie führst du eine Wiederbelebung<br />
durch?<br />
Gut, wer dreimal den Kopf geschüttelt<br />
hat, kann sich hinter der Statistik<br />
verstecken: Angesichts der Millionen<br />
Menschen, die Jahr für Jahr in unsere<br />
Berge ziehen, liegt die Wahrscheinlichkeit<br />
einer Verletzung oder eines Unfalls<br />
auf einer Bergtour tatsächlich im<br />
unteren Promillebereich. Denn an den<br />
vom Kuratorium für alpine Sicherheit<br />
veröffentlichten Zahlen, wonach sich<br />
jährlich rund 9.500 Menschen beim<br />
Wandern oder Klettern so schwer verletzen,<br />
dass sie im Krankenhaus behandelt<br />
werden müssen, hat sich seit<br />
Jahren nur wenig verändert.<br />
Der Gewohnheits-Konter „Uns passiert<br />
schon nix“ auf den traditionellen<br />
„Tut’s ja schön aufpassen“-Abschiedsgruß<br />
der Daheimgebliebenen mag also<br />
in 99,5 von 100 Fällen zutreffen.<br />
Andererseits: Man muss kein Mathematiker<br />
sein, um zu wissen, dass<br />
für den Einzelfall eine Statistik genau<br />
null Bedeutung hat. Einem Menschen<br />
in Not nicht helfen zu können, zählt zu<br />
den schlimmsten Erfahrungen, die<br />
man machen kann. Unter „Bergkameraden“<br />
wirkt das doppelt schwer, weil<br />
anders als im Urbanen hier fremde<br />
oder professionelle Hilfe weit weg ist.<br />
Eine Schürfwunde nach einem<br />
Sturz wird nicht das große Malheur<br />
sein, aber selbst die kann, wenn falsch<br />
oder gar nicht versorgt, auf einer Mehrtagestour<br />
zum Problem werden. Die eigene<br />
Ohnmacht aber, die dich umklammert,<br />
wenn du nur hilflos neben<br />
einem Menschen stehst, der das Bewusstsein<br />
verloren hat oder der womöglich<br />
gar nicht mehr atmet – dieses<br />
Erlebnis brennt sich auf ewig in dein<br />
Gewissen ein.<br />
Bloße Angstmache? Nur zur Information<br />
nochmals eine Statistik: Die<br />
Hauptursache von Todesfällen gerade<br />
auf einfachen Wanderungen sind –<br />
Herzkreislaufversagen! Schon richtig,<br />
auch hier reden wir „nur“ von 42 Todesfällen,<br />
die im Jahr 2016 von der Alpingendarmerie<br />
erfasst wurden. Aber<br />
wie gesagt: Für den Einzelfall haben<br />
statistische Zahlen keine Bedeutung.<br />
Fazit und zugleich guter Rat: Ihr<br />
tut gut daran, vor einer Bergtour nicht<br />
nur die Ausrüstung zu checken, sondern<br />
auch wieder einmal eure Kenntnisse<br />
in Erster Hilfe aufzufrischen. Ein<br />
paar gute Tipps dazu haben wir hier<br />
auf den folgenden Seiten parat<br />
FOTOS: ÖRK<br />
190<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
SO LEISTET DU ERSTE HILFE ...<br />
... BEI EINEM ATEM-KREISLAUF-STILLSTAND<br />
Am Beispiel einer der schlimmsten Situationen, die dir begegnen können, wollen wir dir bewusst machen, dass<br />
du jederzeit in der Lage sein musst, zu helfen. Im konkrekten Fall: Wie du einen Menschen wiederbelebst ...<br />
NUR DREI MINUTEN kann das menschliche<br />
Gehirn ohne Sauerstoff auskommen,<br />
dann beginnt bereits das Absterben von<br />
Gehirnzellen mit all seinen irreparablen<br />
Folgen. Diese Tatsache macht klar, warum<br />
bei einem Verletzten, der nicht mehr<br />
atmet, die (natürlich sofort angeforderte)<br />
professionelle Hilfe fast immer zu<br />
spät kommt.<br />
JEDER IST ALSO GEFORDERT, der vor Ort<br />
ist, dem Betroffenen unverzüglich zu<br />
helfen – und das heißt im Fall von Atem-<br />
Kreislauf-Stillstand: Mit der Wiederbelebung<br />
ist unverzüglich zu beginnen!<br />
DIE GUTE NACHRICHT: Man kann bei der<br />
Herzdruckmassage, die in diesem Fall<br />
als Wiederbelebungsmaßnahme angewendet<br />
werden muss, gar nichts falsch<br />
machen – es sind ganz einfache, unproblematische<br />
Handgriffe, die eingesetzt<br />
werden und die jeder kann, wie wir auf<br />
den folgenden Bildern zeigen.<br />
OPTIMAL IST DIE HILFELEISTUNG, wenn<br />
neben der Herzdruckmassage auch eine<br />
Beatmung erfolgt, wie man sie in einem<br />
Erste-Hilfe-Kurs gelernt und trainiert<br />
hat.<br />
1LEGE EINE HAND mit dem Handballen<br />
auf die Mitte des Brustkorbes<br />
des Betroffenen<br />
2LEGE DIE ZWEITE HAND darüber und strecke beide Arme<br />
durch. Dann drückst du kräftig mit beiden Händen auf<br />
den Brustkorb. Wichtig: Drücke schnell, kräftig und immer<br />
wieder auf die Mitte des Brustkorbes. Und wie schon<br />
gesagt: Keine Angst, du kannst nichts falsch machen – außer<br />
nicht zu drücken.<br />
3DIE BEATMUNG Hast du in einem Erste-Hilfe-Kurs<br />
gelernt, wie man einem Menschen, der<br />
nicht mehr atmet, eine Beatmung durchführt,<br />
dann kannst du zusätzlich zur Herzdruckmassage<br />
auch diese Maßnahme einsetzen. Zur Erinnerung zeigen<br />
wir dir hier, wie das Beatmen gemacht wird: Du<br />
kniest dich hin, legst eine Hand auf die Stirn des Betroffenen<br />
und ziehst mit der anderen Hand sein Kinn<br />
hoch. Dann hältst du mit zwei Fingern die Nasenlöcher<br />
zu und bläst deine Atemluft in den Mund des<br />
Betroffenen.<br />
DIE FORMEL für den richtigen Rhythmus zwischen<br />
Herzdruckmassage und Beatmung lautet 30:2. Das<br />
heißt: Du drückst, wie unter Punkt 1 und 2 beschrieben,<br />
30 Mal auf den Brustkorb und führst dann 2 Mal<br />
eine Beatmung durch. Dann drückst du wieder 30<br />
Mal und beatmest danach wieder 2 Mal.<br />
Entscheidend ist, dass du diesen Rhythmus so lange<br />
beibehältst, bis der Betroffene wieder normal atmet<br />
– oder bis professionelle Hilfe eingetroffen ist.<br />
191<br />
WEB: erstehilfe.at
Die Rettungsprofis<br />
Die Bergrettung ist ein Verein<br />
ehrenamtlicher Helfer!<br />
140 ist die Notrufnummer, mit der<br />
die Bergrettung in Österreich<br />
alarmiert wird. Ebenso funktioniert<br />
es über den Europanotruf<br />
112, aber auch mit der Nummer<br />
144 des allgemeinen Rettungsdienstes<br />
erreicht man sofort die<br />
geschulten Disponenten des Roten<br />
Kreuzes, die dir bei einem<br />
Notfall professionell weiterhelfen.<br />
12.500 BERGRETTER machen in<br />
Österreichs Bergen regelmäßig<br />
Dienst – und zwar ehrenamtlich,<br />
also auch völlig unentgeltlich!<br />
IN 291 ORTSSTELLEN, aufgeteilt auf<br />
sieben Landesleitungen, ist der<br />
Bergrettungsdienst österreichweit<br />
organisiert. Lediglich in den Büros<br />
der Bundes- und Landesleitungen<br />
gibt es einige Angestellte.<br />
DIE FINANZIERUNG der Bergrettung<br />
stützt sich auf drei Säulen:<br />
Förderungen von Land und Bund,<br />
Spenden und Sponsoren sowie<br />
schließlich die Verrechnung von<br />
Einsatzkosten.<br />
DIE VIER GRUNDSATZREGELN<br />
Im Mittelpunkt jeder Ersten Hilfe steht immer der Verletzte. Hier auf<br />
einen Blick die Grundversorgung, die bei jedem Unfall Gültigkeit hat.<br />
Unabhängig von der jeweils notwendigen<br />
Versorgung der verschiedensten<br />
Verletzungsarten muss es immer dein<br />
vorrangiges Ziel sein, den Betroffenen<br />
bis zum Eintreffen professioneller Helfer<br />
so beizustehen, dass sie diese Extremsituation<br />
bestmöglich durchstehen.<br />
Die hier angeführten Basismaßnahmen<br />
helfen dir dabei:<br />
1. BEQUEM LAGERN! Lege Verletzte immer<br />
so, dass sie sich möglichst wohlfühlen<br />
und möglichst wenig Schmer-<br />
zen haben. Und zwar so: Bei Kopf- und<br />
Brustverletzungen, Atemnot, Herzbeschwerden<br />
werden Kopf und Oberkörper<br />
erhöht gelagert; bei Kreislaufproblemen<br />
liegen Kopf und Oberkörper<br />
am Boden, Beine erhöht. Bei Bewusstseinsstörung<br />
oder gar Bewusstlosigkeit<br />
werden Verletzte seitlich gelagert.<br />
2. PSYCHISCH BETREUEN! Lass Verletzte<br />
nicht allein, sprich beruhigend mit ihnen<br />
und verhindere durch ruhiges Auftreten,<br />
dass Panik aufkommt. Hör zu<br />
und frag Betroffene, wie es ihnen geht<br />
und was sie brauchen.<br />
3. ATMUNG ERLEICHTERN! Sorge<br />
zum Beispiel durch Lockern<br />
der Kleidung dafür,<br />
dass Verletzte leichter atmen<br />
können.<br />
4. WARM HALTEN! Decke Verletzte,<br />
die am Boden liegen,<br />
möglichst rasch zu und<br />
sorge so dafür, dass sie nicht<br />
auskühlen. Zu diesem Zweck<br />
sollte auch immer eine Decke<br />
aus Alufolie in deinem Notfallgepäck<br />
sein.<br />
ERSTE HILFE MIT<br />
LEUKOTAPE ® CLASSIC!<br />
MAXIMALE STABILITÄT BEI GEZIELTER<br />
FUNKTIONALER MOBILITÄT –<br />
AUCH FÜR UNTERWEGS.<br />
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Hornweg 21 · 6380 St. Johann in Tirol<br />
Tel: +43 (0) 676.84 80 62100 · www.hornpark.at
DIE RUCKSACK-<br />
APOTHEKE<br />
Das beste Erste-Hilfe-Wissen<br />
nutzt nicht viel, wenn nicht auch<br />
das benötigte Material mit auf<br />
der Tour ist.<br />
Verbandszeug im Rucksack mit dabei zu<br />
haben, hat nichts mit der Länge einer<br />
Tour zu tun! Auch auf einer gemütlichen<br />
Wanderung kann plötzlich eine Blase<br />
höllisch brennen, auch ein Sturz mit einer<br />
blutenden Wunde kann immer passieren<br />
– und überhaupt: Wo Menschen<br />
sportlich unterwegs sind, kann es jederzeit<br />
zu kleinen oder größeren Verletzungen<br />
kommen. Sicher ist sicher – und die<br />
nicht einmal 500 Gramm, die dieses Notfallpaket<br />
wiegt, fallen ja nicht wirklich<br />
ins Gewicht, oder?<br />
Diese Dinge sollten in einer Outdoor-<br />
Apotheke unbedingt drin sein:<br />
NOTFALLAUSRÜSTUNG/VERBANDSZEUG:<br />
• mehrere sterile Wundauflagen • steriler<br />
Momentverband • Heftpflasterstreifen<br />
(schmal und breit) • verschiedene<br />
Pflasterstrips • Blasenpflaster • mehrere<br />
elastische Mullbinden • Einmalhandschuhe<br />
• elastische Binden zur Stabilisierung<br />
• Dreiecktuch • Alu-Rettungsdecke<br />
• Beatmungstuch<br />
MEDIKAMENTE/SCHUTZMITTEL<br />
• die je nach Touren bzw. Reiseziel vom<br />
Arzt verschriebenen Tabletten • Wunddesinfektionsmittel•<br />
Sonnen- und Insektenschutzmittel<br />
Bei mehrtägigen Touren zusätzlich:<br />
• Wundheilsalbe • Sportgel (für Prellungen<br />
etc.) • Tabletten gegen Magenverstimmung,<br />
Erbrechen, Übelkeit • Medikamente<br />
nach persönlichem Bedarf<br />
• Augentropfen • Durchfallmittel<br />
• Antibiotikum bei schwerer Infektion<br />
• fiebersenkendes Mittel • event. Tabletten<br />
gegen Höhenkrankheit<br />
Achtung: Bei Touren in fremden Ländern<br />
ist vor der Reise abzufragen, welche<br />
Schutzimpfungen dort vorgeschrieben<br />
bzw. empfohlen sind.<br />
Erste Hilfe Guide ’17<br />
von <strong>SPORTaktiv</strong><br />
DIESER RATGEBER gehört in jeden<br />
Rucksack! Der Erste Hilfe- Guide<br />
<strong>2017</strong>, den wir wieder gemeinsam<br />
mit dem Österreichischen Roten<br />
Kreuz erarbeitet haben, liegt außer<br />
in <strong>SPORTaktiv</strong>-Ausgaben auch<br />
in ausgewählten Apotheken und<br />
Rotes-Kreuz-Landesstellen auf.<br />
ANFORDERN kannst du diesen Erste<br />
Hilfe Guide <strong>2017</strong> (gegen Versandkosten)<br />
aber auch direkt bei uns per<br />
Mail: office.sportaktiv@styria.com<br />
193<br />
Ein außergewöhnliches Weitwandererlebnis<br />
zur Sommersonnenwende!<br />
SONNWEND WANDERUNG<br />
WÖRTHERSEE <strong>2017</strong><br />
Seeumrundung bei Nacht, ca. 55 km / 1.800 Hm<br />
Wir haben von den letzten Jahren noch sehr gut in Erinnerung,<br />
welche magischen Momente der Wörthersee am Rundwanderweg<br />
in dieser kürzesten Nacht des Jahres aufwartet. Ob wir heuer auch<br />
wieder den perfekten Sonnenaufgang erleben werden…?<br />
Samstag, 17. Juni <strong>2017</strong>, 22 Uhr<br />
Start- und Zielort:<br />
Pörtschach - Seepromenade<br />
Gewandert wird am Wörthersee-Rundwanderweg. Jeder<br />
Teilnehmer kann sein Wandertempo selbst bestimmen.<br />
Es gibt drei erfahrene, ortskundige Wanderguides, mit fix<br />
eingeplanten Zielzeiten (14/15/16 Stunden Gehzeit).<br />
www.ultrawandern.com/sonnwendwanderung<br />
GRENZEN GIBT ES NUR IM KOPF!<br />
Fotos: Andreas Kauder - kauderwelt
OUTDOORGUIDE<br />
AN RUHIGEN<br />
ORTEN<br />
LIEGT DIE<br />
KRAFT<br />
Sogenannte „Kraftplätze“ in den Bergen und in der Natur sollen<br />
eine besondere Energie ausstrahlen, an der Menschen ihre Batterien<br />
wieder aufladen können. Ist da etwas dran?<br />
Um das zu ergründen, haben wir unsere Akkus an die „Steckdosen<br />
der Natur“ angeschlossen ...<br />
Ein „Kraftort“, so heißt es, ist ein<br />
Ort, dem eine mysteriöse Energie<br />
zugesprochen wird. Ein Ort,<br />
an dem eine starke Energie von<br />
der Erde ausgeht, der Menschen besondere<br />
Erfahrungen ermöglicht. In grauer<br />
Vorzeit sollen Menschen an Orten<br />
mit starker Erdstrahlung Kultplätze<br />
eingerichtet haben, deren Kraft bis<br />
heute spürbar ist. Sie soll von Natur<br />
aus bestimmten Seen und Bergen eigen<br />
sein, aber auch den Pyramiden<br />
von Gizeh, dem Steinkreis von Stonehenge<br />
oder der Kathedrale von Chartres<br />
in Frankreich.<br />
Oder auch dem Kräftereich St. Jakob<br />
im Walde in der Steiermark – ein<br />
idealer Ort, um in die Materie einzusteigen.<br />
Denn eine eigene Erlebnisausstellung<br />
weiht Interessierte auf einem<br />
1.600 Quadratmeter großen Areal in<br />
die Kräfte ein, die uns umgeben, wie<br />
sie auf uns wirken und wie wir sie uns<br />
zunutze machen können. Themen der<br />
Schau sind etwa Erdstrahlen und<br />
Wasseradern und ihr Einfluss auf den<br />
Menschen. Das Kräftereich informiert<br />
auch über die Gestirne und die<br />
menschliche Wahrnehmung. Ziel der<br />
Ausstellung ist es, verschiedene Zugänge<br />
zu diesen Themen zu präsentieren<br />
und Besucher zum Nachdenken<br />
anzuregen.<br />
Tatsächlich scheint eine sensible<br />
Annäherung an das Thema notwendig.<br />
Jörg Purner, emeritierter Professor<br />
am Institut für Baugeschichte und<br />
Denkmalpflege der Universität Innsbruck,<br />
hat das Phänomen jahrelang<br />
FOTOS: Tourismus Längenfeld<br />
TEXT: Wolfgang Kuhn<br />
194<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Längenfeld im Tiroler<br />
Ötztal ist einer<br />
der Orte, dem eine<br />
besondere Kraft innewohnen<br />
soll.<br />
Beeindruckend –<br />
wenngleich durchaus<br />
weltlichen Ursprungs<br />
– sind dort auch die<br />
im Dunkeln glühenden<br />
Skulpturen am<br />
Sagenweg.<br />
untersucht und ist zu dem Schluss gekommen:<br />
„Es handelt sich um unterschiedliche<br />
Ortsenergien im weiteren<br />
Sinne, die man subjektiv wahrnimmt.<br />
Dadurch wird aber auch klar, dass<br />
sich das nicht im wissenschaftlichen<br />
Sinne objektivieren lässt. Magische<br />
oder heilige Orte auf etwas Messbares<br />
zu reduzieren, wird nicht gelingen.<br />
Man kann nur methodisch im Rahmen<br />
der Radiästhesie die Strahlenwirkungen<br />
auf Organismen untersuchen<br />
– und dieses Phänomen existiert tatsächlich.“<br />
DIE KRAFTPLÄTZE UM LÄNGENFELD<br />
Orte, die für ihre besondere Energie<br />
bekannt sind, sind beispielsweise die<br />
Kraftplätze um Längenfeld im Tiroler<br />
Ötztal, die sich beim Wandern oder<br />
Radfahren entdecken lassen. Ausgewaschen<br />
von einem längst versickerten<br />
See und glatt gewalzt von Wasserund<br />
Gesteinsmassen weist das<br />
Talbecken von Längenfeld besondere<br />
Kraftorte auf. Dazu zählen spirituelle<br />
Stätten wie die Pestkapelle, aber auch<br />
Naturschauspiele wie der Lehner<br />
Wasserfall oder der Sagenweg zum<br />
Feuerstein, der magische Erlebnisse<br />
bieten soll. Auch von der Aussichtsplattform<br />
„Adlerblick“ geht eine besondere<br />
Energie aus.<br />
In Längenfeld gibt es auch die<br />
„Teufelskanzel“ – was schon ein gutes<br />
Stichwort ist, denn ehemalige Kultplätze,<br />
die von christlichen Missionaren<br />
„verteufelt“ wurden, sind ein guter<br />
Wegweiser zu besonderen Plätzen:<br />
Teufelsstein, Deixelkreuz, Hexentreppe<br />
und dergleichen mehr. Es sind<br />
meist vermeintlich einfache Plätze<br />
wie Quellen, Berge, ungewöhnliche<br />
195
KRAFTORTE<br />
Plätze zum<br />
Krafttanken:<br />
Granitfelsen<br />
am Chakra-Weg<br />
(OÖ),<br />
das Kräftereich<br />
St. Jakob (St),<br />
Felsformationen<br />
in Groß<br />
Gerungs (NÖ),<br />
und die Hängebrücke<br />
in Längenfeld<br />
(T – im<br />
Uhrzeigersinn).<br />
Felsformationen, Wasserfälle oder<br />
Waldlichtungen: Diese wurden von<br />
unseren Vorfahren oft entsprechend<br />
markiert. Daraus wuchsen später Erdställe,<br />
Steinkreise, Menhire, Steinreihen.<br />
Diese mitunter monumentalen<br />
Anlagen wurden von den Schamamen,<br />
Druiden oder Priestern zu astronomischen<br />
Berechnungen verwendet<br />
und dienten als Sonnen-, Mond- oder<br />
Sternobservatorien.<br />
DER GIGANT RUHT IN SICH<br />
Ein Ort, an dem man in diese archaische<br />
Welt unserer Vorfahren eintauchen<br />
kann, ist die Kraftarena Groß Gerungs<br />
in Niederösterreich. Hier soll<br />
der „kosmische Atem“ intensiv spürbar<br />
sein, während die Steinobjekte ein<br />
Vehikel sein sollen, um in Kontakt mit<br />
dem Geist der Erde zu treten. Klingt<br />
esoterisch? Der sechs Meter lange<br />
Kierlingstein ruht jedenfalls in sich –<br />
und diese entspannende Wirkung<br />
strahlt auf alle Fälle auch auf Wanderer<br />
ab, die sich hier eine Verschnaufpause<br />
gönnen wollen. Die mystische<br />
Steinpyramide im Neuwald bei Ober<br />
Neustift ist durch die sternförmigen<br />
geomagnetischen Linien ebenfalls ein<br />
Platz zum Energietanken. Das funktioniert<br />
hervorragend – vor allem, wenn<br />
man bei der Wanderung durch die romantischen<br />
Wälder auch noch das<br />
Handy ausschaltet …<br />
Der hinduistischen Lehre folgt<br />
hingegen der Chakra-Weg in Oberösterreich.<br />
Demnach besitzt der<br />
menschliche Körper sieben Zentren,<br />
die Chakren. Sie in Harmonie zu bringen,<br />
ist das Ziel der Wanderer in Eibenstein.<br />
Der Rundkurs startet bei einem<br />
mächtigen, künstlerisch<br />
bearbeiteten Granitfindling im Dorfzentrum.<br />
Von dort geht es zu den sieben<br />
mit Granitsteinen gestalteten<br />
Plätzen, die das jeweilige Chakra darstellen<br />
sollen, wo Wanderer innehalten<br />
und die kosmische Energie spüren<br />
sollen. Auf ihrem Weg passieren sie<br />
auch den „Heidenstein“, ein Felsengebilde<br />
aus grobem Granit, das schon in<br />
grauer Vorzeit als „Ort der Kraft“ für<br />
Kulthandlungen gedient haben soll.<br />
IM REICH DER KELTEN<br />
Apropos Vorfahren: Das Naglköpfl in<br />
Salzburg war einer der ersten Besiedelungspunkte<br />
der Kelten und ist somit<br />
ein Kraftplatz, der mit sogenannten<br />
„Keltenwiegen“ – speziell geformte<br />
Schaukeln – zum Entspannen einlädt.<br />
Von Niedernsill/Steindorf ausgehend<br />
erstreckt sich der Kulturlandschaftsweg<br />
über das Naglköpfl, ein herrlicher<br />
Aussichtspunkt über das Salzachtal<br />
und in die Hohen Tauern. Vorbei an<br />
Obst- und Kräutergärten, einer Holzknecht-Rindenhütte,<br />
an Schautafeln<br />
mit immer wechselnden Ausstellungen<br />
und kunstvoll gestalteten Waldgeistern<br />
erblickt man die Köpflkapelle<br />
samt Heiligenfiguren. Schon die<br />
Kelten sollen hier die Kraftplätze genutzt<br />
haben, um zu beten, zu meditieren<br />
und neue Energie zu tanken.<br />
Schließlich beschert auch eine<br />
Wanderung zum sanft geschwungenen<br />
Gipfel des Mirnock in der Kärntner<br />
Region Millstätter See ein sinnliches<br />
Naturerlebnis, das Kraft schenkt<br />
und außergewöhnliche Erfahrungen<br />
ermöglicht. Eine seltene Konstellation<br />
macht den Mirnock zum „Kärntner<br />
Weltenberg“: Über seinem Gipfel<br />
kreuzen sich zwei Energielinien, die<br />
über Österreich bis nach Slowenien<br />
und Italien führen. Daran finden sich<br />
zahlreiche Klöster aufgereiht wie Perlen<br />
auf einer Schnur, aber auch Kultstätten<br />
aus vergangener Zeit.<br />
Die Energie, die der Weltenberg<br />
ausstrahlt, wird an vielen Plätzen auf<br />
dem Weg zum „Gipfel der Kraft“ spürbar<br />
– und sei es nur in Form einer<br />
schmackhaften Jause in einer der vielen<br />
Hütten. Denn nicht einmal der<br />
größte Skeptiker könnte einer Kärntner<br />
Speckjause eine kräftigende Wirkung<br />
absprechen.<br />
Infos:<br />
KRÄFTEREICH ST. JAKOB IM WALDE:<br />
www.kraeftereich.at<br />
KRAFTARENA GROSS GERUNGS:<br />
www.gerungs.at/kraftarena<br />
KRAFTPLÄTZE IN LÄNGENFELD:<br />
www.laengenfeld.com<br />
CHAKRAWEG IN EIBENSTEIN:<br />
www.eibenstein.at<br />
KELTENWIEGEN VON NIEDERNSILL:<br />
www.piesendorf.at<br />
WELTENBERG MIRNOCK:<br />
www.millstaettersee.com<br />
FOTOS: Chakra-Weg in Eibenstein, Kräftereich St. Jakob, Kraftarena Groß Gerungs, Längenfeld Tourismus<br />
196<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
HIGH-TECH<br />
FALTSTOCK<br />
MICRO VARIO CARBON – der Name verrät bereits,<br />
dass der Faltstock von LEKI aus feinstem Material<br />
besteht. Dank Speed-Lock-2- System ist<br />
er um 20 cm verstellbar und perfekt für den<br />
Zustieg zum Klettersteig, für Trailrunner oder<br />
kleinere Touren.<br />
www.leki.at<br />
OUT-<br />
DOOR<br />
NEWS<br />
Leicht und<br />
genormt<br />
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PETZL. Und:<br />
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958:<strong>2017</strong>-Klettersteigset-Norm!<br />
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VERTIC ist eine vielseitige<br />
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schützt vor Wind<br />
und Nässe. Stretchmaterial<br />
sorgt für Bewegungsfreiheit<br />
und Komfort beim Biken, Laufen<br />
oder auf Bergtouren.<br />
www.martini-sportswear.com<br />
Fest im Griff<br />
DER ZANIER LASERZ.TW ist ein Allround-Handschuh fürs<br />
Wandern, für den Klettersteig oder die Hochtour. Er wurde<br />
gemeinsam mit der österreichischen Bergrettung entwickelt,<br />
schützt und wärmt mit „TIROLWOOL®“ – also feiner Tiroler<br />
Schafwolle. Dank der praktisch en Karabinerlasche am Zeigefinger<br />
kann er auch am Klettergurt verstaut werden.<br />
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besten Komfort und beim Anlegen können Steigeisen<br />
und sogar Ski anbehalten werden. Die Materialschlaufen<br />
bieten ausreichend Platz für Equipment.<br />
FOTOS: Hersteller<br />
www.stubai-sports.com<br />
197
ZAHLENSPIELE<br />
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
OBERÖSTERREICH<br />
WWW.DONAUREGION.AT 198<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
30 JAHRE<br />
SCHON MACHT HANS GAPP DIENST ALS WIRT AUF<br />
DER ADAMEKHÜTTE IM DACHSTEINGEBIRGE – UND<br />
BETREUT SEINE VIELEN BERGGÄSTE NACH WIE VOR<br />
MIT BESTER LAUNE WIE AM ERSTEN TAG.<br />
20.856<br />
HEKTAR groß ist der Nationalpark<br />
Kalkalpen. Ideale Ausgangspunkte<br />
zum Erkunden:<br />
die Besucherzentren in Molln<br />
im Steyrtal, in Reichraming im<br />
Ennstal und beim Panoramaturm<br />
auf dem Wurbauerkogel in<br />
Win dischgarten<br />
hoch<br />
ist<br />
der „Große<br />
Priel“ im Toten<br />
Gebirge und damit<br />
offiziell höchster Berg<br />
Oberösterreichs. Denn der Gipfel<br />
des Dachsteins (2.995 m) liegt<br />
grad um ein paar Meter zu weit im Steirischen.<br />
Egal: Auf beide Berge (der Priel von<br />
Hinterstoder aus und der Dachstein ab Obertraun)<br />
gibt’s tolle Bergtouren von Oberösterreich<br />
aus.<br />
2.515<br />
Meter<br />
WWW.OBEROESTERREICH.AT<br />
350 KILOMETER LANG IST DER<br />
NEUE „SALZKAMMERGUT-BERGE-<br />
SEEN-TRAIL“, DER AB DIESEM JUNI<br />
IN 20 ETAPPEN ZU BEGEHEN IST.<br />
ALLE INFOS DAZU:<br />
HTTP://TRAIL.SALZKAMMERGUT.AT<br />
INSGESAMT GIBT ES 37 WEITWAN-<br />
DERWEGE IN OÖ.<br />
5<br />
WANDERREGIONEN<br />
SANFT ODER SCHROFF?<br />
DAS OUTDOORLAND OBERÖSTERREICH HAT VON<br />
ALLEM ETWAS, JE NACHDEM, WELCHE WANDERRE-<br />
GION DU DIR AUSSUCHST: DAS MÜHLVIERTEL, DEN<br />
NATIONALPARK KALKALPEN, DAS SALZKAMMERGUT,<br />
PYHRN-PRIEL UND DONAU OBERÖSTERREICH –<br />
ALLE INFOS ÜBER DIESE FÜNF SO UNTERSCHIEDLI-<br />
CHEN WANDERREGIONEN BEKOMMST DU AUF<br />
WWW.OBEROESTERREICH.AT/WANDERN<br />
26<br />
KLETTERSTEIGE<br />
WARTEN AUF DIE IMMER MEHR WER-<br />
DENDEN FANS DER „EISERNEN WEGE,<br />
INSGESAMT LADEN RUND 50 KILOME-<br />
TER ZUM GESICHERTEN AUFSTIEG AN<br />
SEIL UND HAKEN EIN. DEN BESTEN<br />
ÜBERBLICK GIBT’S AUF DER EIGENEN<br />
KLETTERSPORTSEITE IM INTERNET AUF<br />
WWW.OBEROESTERREICH.AT<br />
199<br />
9SOMMERSEILBAHNEN<br />
UND EINE ZAHNRAD-<br />
BAHN (AUF DEN SCHAF-<br />
BERG) BRINGEN DICH<br />
MITTEN HINEIN IN DIE<br />
OÖ-BERGWELT. U. A. AUF<br />
DEN DACHSTEIN-KRIP-<br />
PENSTEIN, DEN FEUERKO-<br />
GEL IN EBENSEE, AUF DIE<br />
ZWIESELALM BEI GOSAU<br />
ODER AUF DIE HÖSS IN<br />
HINTERSTODER.<br />
FOTO: WGD Donau Oberösterreich Tourismus GmbH / Hochhauser
OBERÖSTERREICH<br />
„SAGENHAFTER“ DONAUSTEIG<br />
Vielfältige Landschaften und ein Hauch von Geschichte begleiten den Wanderer von<br />
Passau bis Grein und bieten außergewöhnliche Einblicke in den Donauraum.<br />
Einfach sagenhaft: Besser lässt sich<br />
die landschaftliche Vielfalt entlang<br />
der bayerisch-oberösterreichischen<br />
Donau wohl nicht beschreiben.<br />
Von Passau kommend windet<br />
sich der Strom durch das Obere Donautal,<br />
passiert das Eferdinger Becken,<br />
das Mühlviertel sowie die Landeshauptstadt<br />
Linz und bahnt sich<br />
schließlich seinen Weg ins schroffe<br />
Gelände rund um die Stadt Grein. Das<br />
Beste daran: Das Naturspektakel rund<br />
um die Donau kann man auch „erwandern“.<br />
VIELSEITIGER WANDERSTEIG<br />
Seit Juli 2010 bietet der 450 Kilometer<br />
lange Donausteig dem Wanderer „sagenhafte“<br />
Einblicke in die vielfältigen<br />
Landschaften entlang des gleichnamigen<br />
Flusses. Dabei ist der Donausteig<br />
so aufgebaut, dass er für jeden Wanderer-Typ<br />
das passende Angebot hat:<br />
• Weitwanderer erkunden den gesamten<br />
Weg in mehreren Tagesetappen.<br />
• Für Ausflugswanderer wurden die 41<br />
Donausteigrunden konzipiert, die an<br />
ausgewählten Einstiegsstellen von der<br />
Hauptroute abzweigen.<br />
• Gleichzeitig eignet sich der Donausteig<br />
ideal für Familien sowie für Genuss-<br />
und Etappenwanderer.<br />
DONAUSAGEN NEU ERZÄHLT<br />
Ein umfassendes Beschilderungsund<br />
Markierungskonzept – sowohl<br />
auf der Haupt- als auch auf den Rundrouten<br />
– erleichtert die Orientierung<br />
am Donausteig. Ein Verlaufen ist also<br />
ausgeschlossen. Bonus für Kulturliebhaber:<br />
Die Übersichtstafeln sind mit<br />
120 traditionellen, aber neu erzählten<br />
Sagen aus dem Donauraum versehen.<br />
Eine Pause und eine „Stärkung“<br />
zwischendurch wären auch nicht<br />
schlecht? Kein Problem! Insgesamt<br />
165 Start-, Rast- und Panoramaplätze<br />
sowie 38 „Donausteig-Wirte“ stehen<br />
dir entlang des Weges zur Verfügung.<br />
Tipp: Auf der online abrufbaren, interaktiven<br />
Wanderkarte sind alle Touren<br />
und wichtigen Punkte zu finden.<br />
Veranstaltungen am<br />
Donausteig<br />
SAGENWANDERUNG IN WALDHAUSEN<br />
am 17. September <strong>2017</strong><br />
24-STUNDEN-WANDERUNG am Donausteig<br />
rund um die Schlögener Schlinge:<br />
14./15. Oktober <strong>2017</strong><br />
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TOURISMUS GMBH<br />
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FOTOS: WGD Donau Oberösterreich Tourismus GmbH, Hochhauser / Erber<br />
200<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
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Mühlviertel locken unzählige Aktivitäten. Egal ob Nordic Walking Treffs<br />
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zahlreichen Touren in der Region, Reiten oder Segway, Bewegungshungrige<br />
kommen voll auf ihre Kosten. Das Hotel bietet ein umfangreiches<br />
Sport & Aktivprogramm mit Specials wie Ernährungscoaching, und Bike<br />
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Anwendungen im 2500 m 2 Acquapura SPA mit Saunawelt, Ruheräumen<br />
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UNTERSCHIED SCHÄRFEN. DENN MÄNNER TRAINIE-<br />
REN ANDERS. FRAUEN AUCH. „ADAM“ UND „EVA“ GE-<br />
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OUTDOORGUIDE<br />
FOTO: iStock<br />
202<br />
TEXT: Claudia Riedl <strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WOMAN<br />
SERIE<br />
FRAUEN<br />
WANDERN ANDERS<br />
... DAVON IST ZUMINDEST EVA SIGL ÜBERZEUGT.<br />
Die staatlich geprüfte Wanderführerin aus Mauthausen (OÖ)<br />
organisiert seit drei Jahren begleitete Wanderreisen und geführte<br />
Tagestouren im kleinen Rahmen – ausschließlich für Damen!<br />
Was hinter dieser Idee steckt und ob Frauen wirklich „anders“<br />
auf Bergtouren gehen als Männer? Wir haben nachgefragt.<br />
Eva Sigl ist leidenschaftlich gerne<br />
in den Bergen unterwegs. Dazu<br />
kommt, dass sie schon immer ein<br />
Talent für Reiseplanung hatte. In<br />
dieser Kombination aus Freude am Sport<br />
und Organisationstalent wurzelt auch<br />
ihre Idee, Gleichgesinnte bei der Planung<br />
von Wanderreisen zu unterstützen<br />
und geführte Tagesmärsche über Österreichs<br />
Almen anzubieten. Ein Offert, das<br />
sie allerdings nur an die weibliche Wanderfraktion<br />
richtet.<br />
Mit ihrem Konzept des „Frauenwanderns“<br />
stieß die Wanderführerin aber<br />
nicht überall auf Gegenliebe. „Peinlich“<br />
meinten manche, „männerdiskriminierend“<br />
andere. „Aber Frauen wandern<br />
nun mal anders, als Männer es tun“, ist<br />
sich Eva Sigl sicher: „Landschaftseindrücke<br />
und ein gemütliches Miteinander beeinflussen<br />
den Verlauf einer rein weiblichen<br />
Tour – und machen das Erlebnis in<br />
Summe zu etwas anderem als in einer<br />
Gruppe, in der Männer und Frauen gemeinsam<br />
unterwegs sind. “<br />
GENUSS STATT LEISTUNG<br />
Wir haken hier mal nach: Welche Unterschiede<br />
gibt es konkret zwischen der wandernden<br />
Frau und ihrem männlichen Pendant?<br />
„Männer wollen sich häufig in der<br />
Gruppe hervortun. Sie sind oft leistungsorientiert,<br />
möchten schneller am Gipfel<br />
sein und bei allem möglichst keine<br />
Schwächen zeigen. Bei Frauen hingegen<br />
steht weniger die Leistungsorientierung<br />
als vielmehr die Spontanität im Vordergrund“,<br />
meint die Wanderführerin.<br />
„Wenn uns Frauen auf Tour ein Plätzchen<br />
gefällt, dann verweilen wir dort auch gern<br />
länger und genießen die Umgebung. Es<br />
drängt uns schließlich nichts.“<br />
203
FRAUEN-SCHWERPUNKT<br />
Zudem seien die Damen sehr einfühlsam<br />
und achteten darauf, wie es<br />
um die Befindlichkeit von Begleitern<br />
steht. Ist jemand aus der Gruppe erschöpft,<br />
wird ohne Seitenblick auf die<br />
Uhr eine Pause eingelegt. Auch das gegenseitige<br />
Motivieren funktioniere in<br />
der reinen Frauengruppe besser – hat<br />
eine Dame ein körperliches Tief, ist<br />
eine andere Wanderin mit aufmunternden<br />
Worten zur Stelle.<br />
Wie sieht es generell mit der Kommunikation<br />
on Tour aus? „Sind Ladies<br />
unter sich, werden gerne auch Themen<br />
angesprochen, die bei der Beteiligung<br />
von Männern ausgeklammert werden“,<br />
weiß Sigl. „Damen plaudern zum<br />
Beispiel bei einer Auszeit am Berg gerne<br />
über Erfahrungen in der Kindererziehung<br />
oder sie tauschen Koch- und<br />
Abnehmtipps aus. Je besser man sich<br />
kennt, desto offener werden auch die<br />
Gespräche.“<br />
Die Mauthausener Wanderführerin<br />
betont aber auch, dass nicht jede<br />
Frau und jeder Mann gleich ist. „Mir<br />
liegt es fern, alle in einen Topf zu werfen.<br />
Natürlich gibt es auch die leistungsorientierte<br />
Frau, die beim Marschieren<br />
den sportlichen Aspekt in<br />
den Vordergrund stellt. Und genauso<br />
ist der männliche Wanderer, der sich<br />
fern von Leistungsdruck einfach an<br />
der Natur erfreut, zu finden.“<br />
Stellt sich schließlich noch die<br />
Frage, wie die Zielgruppe für das<br />
Frauenwanderangebot beschaffen ist.<br />
„Die Gruppen bestehen in der Regel<br />
aus vier bis sechs wanderlustigen<br />
Frauen. Ansonsten sind sie bunt gemischt:<br />
Singles, Verheiratete, Witwen<br />
und Pensionistinnen interessieren<br />
sich für das rein weibliche Angebot<br />
ebenso wie Genuss- und ambitionierte<br />
Wanderinnen.“<br />
RUCKSACK, SCHUHE UND CO<br />
Legen wir hier einmal eine kurze Rast<br />
ein und wenden uns dem Thema Ausrüstung<br />
zu: Erste Wahl für Damen ist<br />
Equipment, das speziell für Frauen designt<br />
wurde. Die Outdoor-Branche<br />
nimmt auf die körperlichen Unterschiede<br />
zwischen Männern und Frauen<br />
heute Rücksicht und hat – anders<br />
als früher – beispielsweise Wanderrucksäcke<br />
speziell für „sie“ im Angebot.<br />
Von Georg Doppler von Gigasport<br />
Die Wanderführerin<br />
EVA SIGL hat 2013 die Ausbildung<br />
zum geprüften VAVÖ Wanderführer<br />
gemacht. Seither organisiert und<br />
begleitet sie Wanderungen nur für<br />
Frauen.<br />
ARGUMNENTE FÜR EVA SIGLS<br />
FRAUENWANDER-ANGEBOT:<br />
• „Frau“ definiert ihre Wunschdestination<br />
und bekommt dazu Wandervorschläge.<br />
• Die Planung der Tour – von leicht<br />
bis mittelschwer – übernimmt<br />
Eva Sigl. Ablauf, Tempo & Pausen<br />
werden individuell bestimmt.<br />
• Das Angebot richtet sich an<br />
Frauen aller Altersgruppen.<br />
Preis: € 17,– p. P. für Wanderführung<br />
& Planung, zzgl. Fahrtkosten.<br />
TEL.: 0664/1373234<br />
MAIL: info@frauenwandern.at<br />
WEB: www.frauenwandern.at<br />
Graz ließen wir uns geschlechterspezifische<br />
Unterschiede beim wichtigsten<br />
Outdoorequipment erklären.<br />
Zum Rucksack: „Frauen haben in<br />
der Regel einen kürzeren Rücken als<br />
die Herren, sodass ein genauer Blick<br />
auf die Rückenlänge des Rucksackmodells<br />
geworfen werden muss. Hier aber<br />
bitte nicht auf Durchschnittswerte<br />
verlassen, sondern auf alle Fälle die eigene<br />
Rückenlänge messen“, so Doppler.<br />
Da „frau“ meist auch ein breiteres<br />
Becken aufweist, ist der Hüft- oder Beckengurt<br />
beim Damenmodell ergonomisch<br />
geformt. Die Schultergurte sind<br />
kürzer, schmaler und weicher geschnitten<br />
als beim Herrenmodell. Und<br />
ein hoch sitzender Brustgurt, der oberhalb<br />
der Brust geschlossen wird, verhindert<br />
ein unangenehmes Einschneiden.<br />
Viele Tages-, Trekking- und<br />
Alpinrucksäcke sind heute auch in einer<br />
Damenversion erhältlich.<br />
Ebenso wertvoll sind Wanderschuhe,<br />
die von der Lasche bis zu den<br />
Leisten auf die Anatomie der Frau abgestimmt<br />
sind. Meist kommen beim<br />
Damenmodell schmale Leisten aufgrund<br />
des durchschnittlich schmaleren<br />
Fußumfangs zum Einsatz. Georg<br />
Doppler weist auch auf ein Problem<br />
hin, das überdurchschnittlich oft<br />
Frauen betrifft: „Da viele Wanderinnen<br />
mit einem Schiefstand der Großzehe<br />
– dem sogenannten Hallux valgus<br />
– kämpfen, haben einige<br />
Hersteller Schuhmodelle mit speziellen<br />
Leisten entwickelt, die ausreichend<br />
Platz für das Großzehengrundgelenk<br />
bieten.“<br />
Damenjacken und -hosen unterscheiden<br />
sich durch einen taillierteren<br />
Schnitt sowie die Farbgebung von<br />
der Herrenbekleidung. Und dann gibt<br />
es auch noch die Wanderstöcke für<br />
„sie“, die aufgrund der meist kleineren<br />
Hände einer Frau mit schmaleren<br />
Griffen ausgestattet sind.<br />
BLEIBENDE FREUNDSCHAFTEN<br />
Kehren wir abschließend noch einmal<br />
zum „Frauenwandern“-Angebot zurück<br />
– und ziehen gemeinsam mit Eva<br />
Sigl Bilanz. Für die Wanderin, die nur<br />
mit ihren Geschlechtsgenossinnen in<br />
die Berge zieht, ergibt sich erfahrungsgemäß<br />
noch ein häufiger Benefit: „Bei<br />
den rein weiblichen Touren treffen<br />
sich gleichgesinnte Naturliebhaberinnen<br />
und daraus entstehen nicht selten<br />
echte Frauenfreundschaften. Viele,<br />
die sich auf einer meiner Touren kennengelernt<br />
haben, verabreden sich danach<br />
auf eigene Faust zu weiteren<br />
Wandertouren.“<br />
Das Frauenwandern sei letztlich<br />
auch für verheiratete Damen eine<br />
gute Möglichkeit, einmal etwas ohne<br />
ihre „bessere Hälfte“ zu unternehmen,<br />
meint Eva Sigl: „Sich einen<br />
Nachmittag freizunehmen, sollte<br />
doch für jede Frau machbar sein.“ Der<br />
wohl größte Bonus, den das Wandern<br />
für Eva Sigl mit sich bringt, trifft<br />
schließlich doch wieder auf beide Geschlechter<br />
zu: „Der Alltag bleibt zurück,<br />
man ist sportlich aktiv und<br />
kann gleichzeitig die Natur in vollen<br />
Zügen genießen.“ Und das ist letztlich<br />
doch auch das Wichtigste – egal, ob in<br />
„gemischten“ oder nach Geschlechtern<br />
getrennten Gruppen ...<br />
FOTO: kk<br />
204<br />
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OUTDOORGUIDE<br />
„Zwischen<br />
Himmel und<br />
Erde“ heftet<br />
man sich in<br />
Spital am Pyhrn<br />
auf Gerlinde<br />
Kaltenbrunners<br />
Spuren.<br />
FOTOS: Kaltenbrunner Museum<br />
TEXT: Wolfgang Kuhn<br />
206<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
EIN (REGEN-)TAG<br />
IM MUSEUM<br />
DIE LEIDENSCHAFT FÜR DIE BERGE<br />
führt im Regelfall auf den Gipfel. Wenn aber das Wetter<br />
einmal gar nicht mitspielt oder die Muskeln zu sehr brennen,<br />
kann auch ein Besuch in einem Alpinmuseum<br />
sprichwörtlich Berge versetzen.<br />
„Ich pack den Schnaps aus, den ich vom<br />
Plankenhofer Bertl bekommen hab, denn<br />
Röbi hat leicht Durchfall. Ein Schluckerl<br />
wird ihm gut tun“, schreibt Gerlinde Kaltenbrunner<br />
in ihrem Tagebuch, das man<br />
in „ihrem“ Museum virtuell durchblättern<br />
kann. „Kaltenbrunner-Museum“ sagen die<br />
Einheimischen, „Zwischen Himmel und<br />
Erde“ heißt es offiziell. Es entführt die Besucher<br />
in die Welt der Achttausender,<br />
selbst wenn man in Spital am Pyhrn in<br />
Oberösterreich keine Sauerstoffmaske<br />
braucht. In der Heimat von Gerlinde Kaltenbrunner<br />
kommt man der Extrembergsteigerin<br />
durch die audiovisuelle Aufbereitung<br />
jedoch erstaunlich nahe.<br />
„Es war für mich kein einfacher<br />
Schritt, so viel von mir preiszugeben. Mir<br />
war jedoch wichtig, dass nichts kitschig<br />
oder dramatisiert wird, sondern authentisch<br />
bleibt“, sagt die Schirmherrin, die<br />
als erste Frau alle 14 Achttausender ohne<br />
künstlichen Sauerstoff bestiegen hat. Das<br />
Museum zeigt die Geschichte des Alpinismus<br />
in Europa und in den Extremregionen,<br />
die höchsten Berge der Welt und<br />
ihre Besonderheiten sowie die Phasen einer<br />
Hochalpin-Expedition. Man sieht<br />
Ausrüstungsgegenstände, die bei mehreren<br />
Kaltenbrunner-Reisen zum Einsatz<br />
gekommen sind, wobei auch die Frage beantwortet<br />
wird, welche Schuhe noch bei<br />
minus 40 Grad warme Zehen und einen<br />
sicheren Tritt garantieren.<br />
DIE LAWINE DONNERT HERAB<br />
Apropos sicherer Tritt: Schon vor dem<br />
Museum wartet eine Miniaturausgabe<br />
des K2 im Maßstab von 1:1.000 darauf,<br />
von Kletterern bestiegen zu werden. Ihren<br />
ganzen Mut müssen sie auch zusammennehmen,<br />
wenn sie den letzten, verspiegelten<br />
Raum betreten. Dort sieht<br />
man Kaltenbrunner im Schnee stapfen,<br />
während kalter Wind aus den Ventilen<br />
bläst – bis der Boden vibriert und eine virtuelle<br />
Lawine auf den Besucher zudonnert.<br />
„Da werden viele Erinnerungen<br />
wach – das kommt schon sehr eindrucksvoll<br />
rüber“, sagt Kaltenbrunner.<br />
207
ALPINMUSEEN<br />
Querschnitt durchs<br />
Messner Mountain<br />
Museum Corones auf<br />
dem 2.275 m hohen<br />
Kronplatz in Südtirol.<br />
her keiner Auseinandersetzung<br />
aus dem Weg und stets höher und<br />
weiter gegangen ist als andere. Seine<br />
Museen sind demnach weder<br />
klassische Kunst- noch Naturkundemuseen,<br />
sondern vielmehr interdisziplinär<br />
ausgerichtete Erlebnisräume.<br />
Näher wird man dem<br />
Phänomen Messner und den Regionen<br />
der Achttausender kaum kommen<br />
– schon gar nicht an einem<br />
verregneten Sommertag …<br />
www.weltder8000er.at<br />
www.messner-mountain-museum.it<br />
Besucher, die noch höher hinauswollen,<br />
können mit einer eigenen App<br />
zum Großen Pyhrgas wandern und<br />
dabei eine Besteigung des Mount<br />
Everest nachempfinden. Schritt für<br />
Schritt erfährt man über das Handy<br />
Wissenswertes zu den Expeditionen,<br />
wobei Basecamp und Hochlager deutlich<br />
gemütlicher sind als in den eisigen<br />
Höhen des Himalaya: Bosruckhütte<br />
und Rohrauerhaus.<br />
MESSNER UND DIE BERGE<br />
Gänzlich andere Wege geht – wie<br />
schon in seiner aktiven Bergsteigerzeit<br />
– Reinhold Messner mit seinem<br />
Museum. Oder besser gesagt: mit seinen<br />
Museen. Sein Messner Mountain<br />
Museum (kurz MMM) besteht aus<br />
sechs Standorten, welche in den italienischen<br />
Provinzen Südtirol und Belluno<br />
sechs Themenbereiche abdecken.<br />
„Alle Fachleute haben mir von<br />
einer dezentralen Struktur abgeraten<br />
– und ich habe es trotzdem gemacht“,<br />
sagt die Bergsteigerlegende, die als erster<br />
Mensch auf den Gipfeln aller vierzehn<br />
Achttausender stand. Seine Museen<br />
– und insbesondere das zuletzt<br />
eröffnete MMM Corones – bezeichnet<br />
er häufig als seinen 15. Achttausender.<br />
Im MMM Firmian bei Bozen<br />
schlägt das kreative Herz der Gesamtanlage<br />
und thematisiert die Auseinandersetzung<br />
zwischen Mensch und<br />
Berg. In der spätmittelalterlichen Anlage<br />
von Schloss Sigmundskron will<br />
Messner zeigen, „was der Berg mit<br />
dem Menschen macht“. Im MMM Juval<br />
im Vinschgau geht es um den religiösen<br />
Zugang der Bergbewohner zu<br />
ihrer Lebenswelt. Das fast 2.200 Meter<br />
hoch gelegene MMM Dolomites ist<br />
dem Felsklettern, das unterirdisch gelegene<br />
MMM Ortles dem Thema Eis<br />
und das MMM Ripa schließlich den<br />
Bergvölkern gewidmet.<br />
„TOURISMUSPIONIER“<br />
Für Aufsehen sorgte zuletzt die Eröffnung<br />
des MMM Corones auf dem<br />
Kronplatz in 2.275 Metern Höhe. Die<br />
Architektur des tunnelartigen Gebäudes<br />
von Stararchitektin Zaha Hadid<br />
ist an seiner exponierten Stelle so<br />
spektakulär, dass die Zeitung „Financial<br />
Times“ von „einem der auffälligsten<br />
neuen Gebäude in den Alpen“<br />
sprach. An mehreren großen Fenstern<br />
und Balkonen können Besucher weite<br />
Blicke auf die umliegenden Berge genießen,<br />
wie ein Ausguck für Außerirdische<br />
wirkt das Bauwerk von außen.<br />
Im Museum selbst steht die Thematik<br />
„Fels, Klettern und Bergsteigen“<br />
im Mittelpunkt – also der traditionelle<br />
Alpinismus. „Dorthin gehen,<br />
wo alle anderen nicht sind, und auf<br />
viele technische Hilfsmittel verzichten“,<br />
so definiert Reinhold Messner<br />
die Urform des Bergsteigens – die „Königsdisziplin<br />
des Alpinismus“. Gleich<br />
am Eingang des Gebäudes steht eine<br />
Aluminiumleiter – als Mahnmal für<br />
die Erschließung hoher Gipfel für den<br />
Tourismus, den Messner oft kritisiert<br />
hat. Ironischerweise trug ausgerechnet<br />
der Betreiber der lokalen Liftgesellschaft<br />
zur Entstehung des Museums<br />
bei, um abseits der Wintersaison<br />
mehr Gäste auf den Berg zu bringen.<br />
„Mit dem Corones zeige ich, wie<br />
wir der Verbauung der Alpen Herr<br />
werden können. Ich sehe mich da als<br />
Tourismuspionier.“ Wieder so ein<br />
markiges Zitat Messners, der seit je-<br />
Auch immer einen<br />
Besuch wert:<br />
ALPINMUSEUM RAMSAU<br />
AM DACHSTEIN (ST)<br />
Die Austriahütte zeigt die erdgeschichtliche<br />
Entstehung des<br />
Dachsteinmassivs, den Beginn<br />
des Alpinismus und Versuche der<br />
Dachsteinbezwingung.<br />
www.schladming-dachstein.at<br />
HAUS ALPINE NATURSCHAU (K)<br />
Das moderne Museum am „Oberen<br />
Nassfeld“ zeigt als weltweit einzige<br />
Ausstellung das Thema „alpine<br />
Ökologie“.<br />
www.grossglockner.at<br />
ALPINARIUM GALTÜR (T)<br />
Das Museum ist ein zentraler<br />
Bestandteil der 345 Meter langen<br />
und 19 Meter hohen Schutzmauer,<br />
die nach dem Lawinenunglück von<br />
1999 errichtet wurde.<br />
www.alpinarium.at<br />
ALPIN-MUSEUM (D)<br />
Die Ausstellung in Kempten (Allgäu)<br />
beleuchtet die Geschichte der Alpen<br />
als Lebensraum, die Besiedlung des<br />
Gebirges und das Überleben dort.<br />
www.museen-kempten.de<br />
SLOWENISCHES ALPINMUSEUM<br />
Das Museum in Mojstrana wurde<br />
bereits mehrfach mit internationalen<br />
Preisen ausgezeichnet und bietet<br />
faszinierende Einblicke in die Ursprünge<br />
des Bergsteigens.<br />
www.kraji.eu<br />
ALPINES MUSEUM DER SCHWEIZ<br />
Kultur, Kunst, Wissenschaft und<br />
Gesellschaft werfen in Bern<br />
verschiedene Streiflichter auf Berge<br />
und Alpen und machen so neue<br />
Zugänge möglich.<br />
www.alpinesmuseum.ch<br />
FOTO: Messner Mountain Museum<br />
208<br />
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hoch<br />
ist der<br />
Ortler und<br />
damit begehrtester,<br />
weil höchster Gipfel<br />
in Südtirol. Zahlreiche Routen<br />
führen auf den Berg – der „Normalweg“<br />
ab der Payerhütte im oberen<br />
Vinschgau dauert 5 bis 6 Stunden, verlangt<br />
aber gute Alpinkenntnisse.<br />
3.905 Meter<br />
16 EURO<br />
KOSTET<br />
DIE BERG- UND TALFAHRT MIT DER SEIL-<br />
BAHN AUF DIE LANGKOFELSCHARTE,<br />
ABER DAS GELD IST GUT INVESTIERT.<br />
DENN NICHT NUR, DASS DIE FAHRT MIT-<br />
TEN DURCH DIE FELSEN EIN ERLEBNIS<br />
IST, IN EINER WINZIGEN KABINE, IN DER<br />
NUR ZWEI MENSCHEN DICHT ANEIN-<br />
ANDER STEHEN KÖNNEN – OBEN AUF<br />
2.685 M WARTET MIT DER TONI-DE-<br />
METZ-HÜTTE AUCH EINE FEINE EIN-<br />
KEHRMÖGLICHKEIT. DIE TALSTATION<br />
IST AM SELLAJOCH AUF 2.150 M.<br />
7<br />
LADEN DAZU EIN, SÜDTIROL<br />
NICHT NUR ALS WANDERPA-<br />
RADIES, SONDERN AUCH ALS<br />
EINZIGARTIGE NATURLAND-<br />
SCHAFT ZU ERKUNDEN.<br />
NATURPARKE<br />
1.733<br />
ALMEN sind in Südtirol offiziell registriert. Die berühmteste ist die<br />
Seiseralm hoch über dem Grödnertal: Die höchste Alm Europas (reicht<br />
von 1.680 m bis 2.350 m hinauf) ist auf einer Fläche von 56 km² auch<br />
eine grenzenlos schöne Wanderregion für alle Bedürfnisse.<br />
145<br />
KLETTERSTEIGE,<br />
vom „Einsteiger“ bis zum<br />
höchsten Schwierigkeitsgrad,<br />
warten auf die Klettersportler.<br />
Vor allem in den<br />
Dolomiten laden spektakuläre<br />
Eisenwege dazu ein,<br />
auf gesicherte Weise mitten<br />
hinein in dieses felsige<br />
Weltkulturerbe zu klettern.<br />
100 Gäste<br />
haben im „Becherhaus“ Platz –<br />
und den braucht es auch, denn die<br />
höchstgelegene Schutzhütte Südtirols<br />
auf immerhin 3.195 m bietet<br />
nicht nur einen sagenhaften Ausblick,<br />
sondern beherbergt auch die<br />
höchstgelegenen „Marienheiligtümer“.<br />
Der Zugang erfolgt über Ridnaun<br />
in etwa sieben Stunden.<br />
3<br />
BERÜHMTE FERNWANDERWEGE ZIEHEN MITTEN DURCH SÜDTIROL: WER SICH<br />
AUF DEM JAKOBSWEG, DEM EUROPA HÖHENWEG 2 ODER DEM EUROPÄISCHEN<br />
FERNWANDERWEG EINEN STEMPEL HOLEN WILL, HAT HIER ZAHLREICHE EIN-<br />
STIEGSMÖG LICHKEITEN<br />
WWW.STERZING.COM<br />
210<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WWW.SUEDTIROL.INFO<br />
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
SÜDTIROL<br />
FOTO: Sterzing Tourismus<br />
211
SÜDTIROL<br />
FOTOS: Sterzing-Ratschings Archiv<br />
212<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
HOCHGENUSS<br />
MIT FLAIR<br />
DIE URAUBSREGION STERZING-RATSCHINGS<br />
bietet Naturliebhabern eine Fülle von Erlebnissen.<br />
Vom wilden Wasser über weite Wege und hoch<br />
gelegene Hütten, von der Romantik und sanften<br />
Touren bis zum schweißtreibenden Bergabenteuer.<br />
Die nördlichste Stadt unseres<br />
südlichen Nachbarn Italien<br />
ist Dreh- und Angelpunkt einer<br />
Aktiv-Ferienregion, die<br />
zwischen Berg und Tal alles zu bieten<br />
hat. Die Rede ist von Sterzing und der<br />
Region Sterzing-Ratschings, die alpinen<br />
Hochgenuss mit Flair verspricht.<br />
Aktiv sein, sich in der Natur bewegen<br />
und an ihr erfreuen – das steht hier<br />
im Vordergrund.<br />
Zum Einstimmen nur ein paar<br />
Stichworte: Die höchstgelegene<br />
Schutzhütte Südtirols findet sich hier<br />
oder die tosende Gilfenklamm. Trailrunning<br />
und Berg läufe der Extraklasse<br />
lassen sich verwirklichen und die<br />
Bike-Abenteuer beginnen bei der legendären<br />
Transalp und enden noch<br />
lange nicht beim wunderschönen Talradweg,<br />
der von der italienischen<br />
Grenze am Brenner durch das Eisacktal<br />
bis nach Bozen führt.<br />
HÖCHSTE SCHUTZHÜTTEN<br />
Beginnen wir unsere Rundreise durch<br />
die Region hoch oben auf 3.195 Metern<br />
Seehöhe, dort, wo die Luft schon dünn<br />
wird. Dort steht das Becherhaus und<br />
das ist die höchst gelegene Schutzhütte<br />
Südtirols. Seit 1894 thront sie auf<br />
der Südtiroler Seite der Stubaier Alpen<br />
am Rande des Übertalferners. Rund<br />
um die exponierte Hütte fällt der Fels<br />
steil ab. Erreichbar ist sie auf drei Wegen.<br />
Vom Ridnauntal aus geht es per<br />
Bus bis Maiern und über den Fußweg<br />
Nummer 9 in sieben Stunden zum Becherhaus<br />
– das ist der einzige der drei<br />
Wege, auf dem keine alpintechnische<br />
Ausrüstung erforderlich ist. Die anderen<br />
beiden Anstiege queren den Gletscher<br />
und erfordern schon alpinistische<br />
Erfahrung.<br />
Hat man den Aufstieg gemeistert,<br />
ist dann die Aussicht herrlich – und es<br />
gibt mehr als genug Platz (für 100 Personen),<br />
trotz der Höhe fließendes Wasser<br />
und stets warmes Essen. Das Becherhaus<br />
beherbergt sogar eine kleine<br />
Kapelle. Nach einer Nacht auf fast<br />
3.200 Metern laden dann Touren auf<br />
bekannte Gipfel wie das Zuckerhütl<br />
(3.507 m), die Sonklarspitze (3.456 m),<br />
den Wilden Freiger (3.418 m) sowie<br />
den Botzer (3.250 m) ein.<br />
Gut zu wissen: Ab Ende Juni bewirtet<br />
Hüttenwirt Erich Pichler die<br />
Bergsteiger wieder. Bis dahin steht eigenverantwortlichen<br />
Tourengehern<br />
213
SÜDTIROL<br />
Der Erlebnisraum Sterzing-Ratschings hat für Mountainbiker und Wanderer viel zu bieten. Ein besonderes Highlight: die Wanderung<br />
durch die Gilfenklamm in Stange, wo der Ratschinger Bach zu einem tosenden Wildwasser wird.<br />
der Winterraum zur Verfügung. Alternative:<br />
Nur 50 Höhenmeter darunter<br />
steht mit der Müllerhütte die<br />
zweithöchste Hütte Südtirols.<br />
Eine spezielle Berghütte steht im<br />
Pfitschtal in den Zillertaler Alpen. In<br />
der Europahütte auf 2.693 Metern<br />
führt die Staatsgrenze zwischen Österreich<br />
und Italien nämlich mitten<br />
durch den Gastraum. Je nachdem von<br />
welcher Seite man aufsteigt, ist die<br />
Hütte, die von Mitte Juni bis Ende September<br />
geöffnet ist, in zweieinhalb bis<br />
fünf Stunden Gehzeit zu erreichen.<br />
WILDES WASSER<br />
Der Erlebnisraum Sterzing-Ratschings<br />
macht seinem Namen aber<br />
nicht nur hoch droben alle Ehre, sondern<br />
auch in den Tälern. Eine Wanderung<br />
durch die Gilfenklamm in Stange<br />
ist ein großartiges Erlebnis. Hier<br />
wird der sonst friedliche Ratschinger<br />
Bach zu einem tosenden Wildwasser,<br />
das sich über reinweißen Marmor<br />
durch eine der schönsten zugänglichen<br />
Schluchten der Alpen windet.<br />
Über Wellen und Walzen donnert,<br />
rauscht und sprudelt das Wasser in allen<br />
erdenklichen Grüntönen, bis es in<br />
der „Kirche“, einem riesigen Felstrichter,<br />
senkrecht in die Tiefe stürzt.<br />
Erschlossen wurde dieses Naturjuwel<br />
zwischen 1893 und 1895 sowie<br />
1898 – und zu Ehren des Auftraggebers<br />
als „Kaiser-Franz-Josef-Klamm“<br />
bezeichnet. Die Jahre und das Wasser<br />
nagten aber an den Wegen und so<br />
wurde sie erst 1961 wieder instand gesetzt.<br />
Heute schlängelt sich ein trittsicherer<br />
Steig durch die Schlucht, die<br />
klammaufwärts in einer Stunde, mit<br />
dem Lauf des Wassers in rund 45 Minuten<br />
zu durchwandern ist.<br />
Die guten Wege und die geringe<br />
Steigung von nur 175 Höhenmetern<br />
machen eine Wanderung durch die<br />
Gilfenklamm vor allem für Familien<br />
mit Kindern zu einem actionreichen<br />
Naturerlebnis. Geöffnet ist der 2,5 Kilometer<br />
lange Weg seit Anfang Mai<br />
und bis Anfang November täglich von<br />
9.30 bis 17.30 Uhr.<br />
ROMANTIK PUR<br />
Schon zu früherer Tageszeit kommen<br />
echte Romantiker auf ihre Kosten –<br />
bei einem Sonnenaufgang auf einem<br />
der vielen, einfach zu besteigenden<br />
Gipfel der Region. Das Penser Joch ist<br />
ein Beispiel dafür. Die leichte, knapp<br />
fünf Kilometer lange Wanderung eignet<br />
sich perfekt, um die ersten Sonnenstrahlen<br />
des Tages auf 2.151 Meter<br />
ngenießen zu können. Eine weitere<br />
gute Möglichkeit bietet der Rosskopf.<br />
Zu früher Morgenstunde geht es mit<br />
der Bergbahn auf 1.860 Meter Seehöhe<br />
und von dort führt Guide Albin mit<br />
seinen Lamas Gäste hinauf zum<br />
„Köpfl“. Gegen eine freiwillige Spende<br />
kann man danach sogar ein zünftiges<br />
Bergfrühstück genießen.<br />
SPORTLICH BERGAUF<br />
Wer er es noch aktiver liebt und den<br />
Urlaub gern mit einem sportlichen<br />
Laufbewerb verbindet, hat in der Region<br />
Sterzing-Ratschings die Qual der<br />
Wahl. Die Palette reicht vom einfachen<br />
Sprint durch die Gilfenklamm<br />
über den Hochfeiler Hüttenlauf, das<br />
Hühnerspiel-Vertical und geht bis zur<br />
steilsten Herausforderung, der Mareiter<br />
Stein Trophy. Auf einer Länge von<br />
nur 4,8 km gilt es hier, nicht weniger<br />
als 1.180 Höhenmeter zu überwinden.<br />
FOTOS: Sterzing-Ratschings Archiv<br />
214<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Hoch, höher, Becherhaus: Die Schutzhütte (links oben im Bild) liegt auf 3.195 Metern Seehöhe und ist damit Südtirols höchstgelegene<br />
Hütte. Wer es gemütlicher angeht, kann auf dem Radweg Brenner–Bozen eine Rast im schönen Sterzing einlegen.<br />
Die „activeCARD“<br />
All-inclusive-Card für Urlauber.<br />
Bei teilnehmenden Beherbergungsbetrieben<br />
ist die Karte inkludiert. Sie<br />
bietet unter anderem:<br />
1. Berg- und Talfahrt pro Tag in Ratschings-Jaufen<br />
auf den Rosskopf oder<br />
in Ladurns; 1 Eintritt in die Gilfenklamm;<br />
freie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs;<br />
Eintritt in über 80 Museen und<br />
Sammlungen; 1 Milchhof-Führung in<br />
Sterzing; 1 Eintritt Minigolf Stange<br />
sowie zahlreiche Ermäßigungen.<br />
ALLE INFOS ZUR ACTIVECARD:<br />
www.ratschings.info<br />
RADFAHREN IN ALLEN VARIANTEN<br />
Einen größeren Überblick über die gesamte<br />
Region als zu Fuß bekommt<br />
man, logisch, auf dem Mountainbike.<br />
Auf alten Militärstraßen, Forstwegen<br />
und Bergstraßen lässt sich ein guter<br />
Eindruck von Sterzing-Ratschings gewinnen<br />
und das Panorama genießen.<br />
Einsteiger können sich mit Guides<br />
und Mountainbike-Trainern an größere<br />
Aufgaben herantasten. Starke Biker<br />
wagen sich an das Pfundner Joch,<br />
das Schlüsseljoch oder die Schneeberg-Scharte.<br />
Oder probieren einen<br />
Teil der „Transalp“ -Strecke über den<br />
Brenner Grenzkamm und das Pfitscher<br />
Joch aus. Rennrad-Fans können<br />
die legendären Pass-Straßen bewältigen,<br />
wie den Jaufenpass, der Teil des<br />
Ötztaler Radmarathons ist und den<br />
auch die Profis beim Giro d’Italia<br />
schon bezwungen haben.<br />
Gemütlich geht es auch. Sterzing<br />
liegt inmitten eines weit verzweigten<br />
Radwegenetzes und direkt an der Radroute<br />
Brenner–Bozen. Der 96 Kilometer<br />
lange, beschilderte Radweg verläuft<br />
entlang ehemaliger Bahntrassen<br />
und bietet Sehenswürdigkeiten wie<br />
die Städte Sterzing, Brixen oder Klausen<br />
sowie zahlreiche Museen. Wer<br />
sich die Rückfahrt ersparen möchte<br />
oder es zwischendurch ein wenig gemütlicher<br />
angehen will, kann auch<br />
ein Stück mit der Bahn fahren.<br />
ZAHLREICHE VERGÜNSTIGUNGEN<br />
Guter Tipp zum Schluss: Viele Hotels<br />
und Pensionen bieten ihren Gästen<br />
ein besonderes Zuckerl in Form der<br />
„activeCARD“. Sie bietet für die Dauer<br />
des Aufenthalts unter anderem Gratis-Berg-<br />
und -Talfahrten mit Bergbahnen<br />
in Ratschings-Jaufen, Ladurns<br />
und auf den Freizeitberg Rosskopf,<br />
freien Eintritt in Museen sowie freie<br />
Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs.<br />
Ganz nach dem Motto<br />
des Erlebnisraums Sterzing-Ratschings:<br />
alpiner Hochgenuss mit<br />
Flair!<br />
INFOS UND BUCHUNGEN:<br />
Sterzing-Ratschings<br />
Tel.: 0039 0472 765 325<br />
E-Mail: info@sterzings-ratschings.it<br />
www.sterzing-ratschings.it<br />
215
PERSONALITY<br />
Bilder, die uns<br />
Berge geben<br />
ZWEI FOTOGRAFEN LASSEN IHRE WERKE SPRECHEN<br />
UND ERKLÄREN, WIE SOLCH IMPOSANTE BERG-<br />
BILDER WIE AUF DIESER UND DER NÄCHSTEN<br />
DOPPELSEITE EIGENTLICH ENTSTEHEN.<br />
FOTOS: Stefan Leitner<br />
216<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
STEFAN LEITNER<br />
FOTOGRAF IN GRAZ.<br />
DAS BILD. Auf dem Totenköpfl im steirischen<br />
Gesäuse hat Stefan Leitner<br />
dieses Bild gemacht. Der 36-Jährige,<br />
der als selbstständiger Fotograf in<br />
Graz lebt, ist seit zwei Jahren immer<br />
wieder in dieser Gegend, im Sommer<br />
fast durchgehend. „Da wohne<br />
ich in meinem alten VW-Bus und bin<br />
praktisch jeden Tag in den Bergen.“<br />
Aufgewachsen ist Leitner in Obdach,<br />
daher war er immer schon mit Bergen<br />
konfrontiert. Heute klettert er selbst<br />
und bezeichnet sich auch als Alpinist.<br />
„Aber ich bin keiner, der im 9.<br />
Grad klettert.“ Die Erfahrung in den<br />
Bergen hilft ihm aber bei solchen<br />
Bilder. „Ich weiß, wie man sich dort<br />
bewegt und wie ein Foto aussehen<br />
muss, damit es nicht gestellt wirkt.“<br />
Dieses Bild ist im Sommer 2016 entstanden:<br />
„Ich bin mit einem Freund<br />
und einer Flasche Rotwein schon<br />
am Abend zuvor auf den Admonter<br />
Reichenstein aufgestiegen. Wir haben<br />
im Freien übernachtet, sind in<br />
der Früh vier Stunden geklettert und<br />
dann abgestiegen.“ Eine für ihn übliche<br />
Methode. „Denn am Abend und<br />
in der Früh ist das Licht am schönsten.“<br />
Geplant oder inszeniert hat er<br />
das Bild nicht. „Die besten Bilder am<br />
Berg entstehen zufällig. Daher gehe<br />
ich kaum einmal ohne Kamera raus.“<br />
217<br />
DER FOTOGRAF. Zur Fotografie ist<br />
Stefan Leitner überhaupt nur durch<br />
Zufall gekommen. „Das Nudelwasser<br />
ist übergekocht und hat die Elektrik<br />
des Herdes zerstört. Als Wiedergutmachung<br />
hat mir meine damalige<br />
Freundin eine Digitalkamera geschenkt“,<br />
erzählt der 36-Jährige.<br />
Zwei Jahre später hat er sich als Fotograf<br />
selbstständig gemacht. Leitner<br />
veröffentlicht aber nicht nur<br />
Bergfotos in Magazinen, sondern arbeitet<br />
auch als Werbefotograf. „Das<br />
ist mein tägliches Brot. Dadurch hole<br />
ich mir die Freiheit, solche Bilder wie<br />
das im Gesäuse machen zu können.“<br />
stefanleitner.com
PERSONALITY<br />
MARTIN LUGGER<br />
FOTOGRAF IN LIENZ.<br />
DAS BILD. Diese Aufnahme ist auf<br />
dem Mount Kinabalu entstanden,<br />
dem mit 4.095 Metern höchsten<br />
Berg Malaysias. „Wir hatten die<br />
Gelegenheit, eine ganze Woche<br />
lang auf diesem Berg zu sein und<br />
Fotos mit den Kletterern Daniel<br />
Peis und Florian Sorg zu schießen“,<br />
erzählt Fotograf Martin<br />
Lugger aus Lienz. Im Bild steht<br />
Florian Sorg ca. 150 Meter unterhalb<br />
des Gipfels und blickt auf<br />
die Stadt. „Durch die starke Stirnlampe<br />
ist dann dieser Lichtstrahl<br />
entstanden.“<br />
DER FOTOGRAF. Wöhrend des Architekturstudiums<br />
in Innsbruck hat<br />
Martin Lugger mit der Fotografie<br />
begonnen. „Ich hab Dias gemacht,<br />
mit einer analogen Kamera.<br />
Als Student war damals eine<br />
Digitalkamera finanziell nicht<br />
drinnen“, erzählt der 36-jährige<br />
Lienzer. Damals hat er die Bilder<br />
in den Red-Bull-Magazinen bewundert<br />
– heute veröffentlicht er<br />
selbst Bilder in diesem Pool.<br />
Als Bergsteiger, aber nicht als<br />
Alpinist sieht sich Lugger, der gerne<br />
in den Bergen unterwegs ist:<br />
„Aber ich muss nicht ständig auf<br />
einen Gipfel.“ Weil die Berge bei<br />
ihm eben immer vor der Haustür<br />
waren und sind, klettert Lugger<br />
auch. Und das hilft bei seiner Arbeit.<br />
„Weil ich auch weiß, wo eine<br />
gute Stelle für ein Foto sein könnte.“<br />
Bei spektakulären Schüssen<br />
aus einer Wand muss er dagegen<br />
nicht immer klettern, „da seile ich<br />
mich von oben ab, hab eine Seilklemme<br />
und eine Steighilfe und<br />
kann mich so selbst hochziehen.<br />
Klettern ginge ja mit der ganzen<br />
Ausrüstung gar nicht.“<br />
www.martinlugger.com<br />
218<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
FOTOS: Martin Lugger
219
SÜDTIROL<br />
ZWISCHEN AKTIV-SEIN UND<br />
SÜSSEM NICHTSTUN<br />
Die Ferienregion Kronplatz in Südtirol eignet sich gleichermaßen zum Sporteln und<br />
Seelebaumelnlassen. Und langweilig wird einem da auf keinen Fall.<br />
Der kühle Wald ist bald durchquert<br />
und es scheint, als ob<br />
beim Überschreiten der<br />
Waldgrenze auch der Alltag<br />
zurückgelassen wird. Nun werde ich<br />
für die ersten Anstrengungen durch<br />
die imposante Bergkulisse entschädigt.<br />
Schau, die Dolomiten strahlen<br />
mit der Sonne um die Wette! Hier beginnt<br />
die alpine Landschaft, in wunderbarer<br />
Wildheit. Ab und zu gesellt<br />
sich ein freundlicher Gruß eines anderen<br />
Wanderers zum Zirpen der Grillen,<br />
zum Zwitschern der Vögel, zum<br />
Rauschen des Bergbaches, bei dem ich<br />
gerade meine Wasserflasche mit dem<br />
kristallklaren Lebenselixier wieder<br />
auffülle. Einmal ist es ein „Buongiorno!“,<br />
dann wieder ein „Grüß Gott!“ Bedächtig,<br />
ein Schritt nach dem anderen,<br />
kommt der Gipfel immer näher,<br />
bis das Gipfelkreuz plötzlich groß vor<br />
mir auftaucht.<br />
ESPRESSO UND „ZIRMZURSCHTSN“<br />
Geschafft! Stolz, glücklich und überwältigt<br />
vom Ausblick verharre ich.<br />
Nur noch schnell ein Eintrag ins Gipfelbuch<br />
– „Ich war hier“ – und schon<br />
geht es wieder bergab. Weiter unten<br />
habe ich schon vorher die passende<br />
Almhütte zum Einkehren gesehen!<br />
Auf der Terrasse wird gerade ein<br />
Platzerl frei. Perfekt! Die selbst gemachten<br />
Käsenocken schmecken<br />
nach einer Bergtour immer noch ein<br />
bisschen besser als sonst, oder? Und<br />
dieser Johannisbeersaft, den die Wirtin<br />
selbst eingekocht hat, ist doch ein<br />
Traum! Zum Apfelstrudel gibt’s dann<br />
noch einen kräftigen Espresso. Das<br />
Verdauungsschnapserl ist natürlich<br />
auch selbst angesetzt, mit den Zirben,<br />
die gleich „da oben“ wachsen. „Zirmzurschtsn“<br />
nennen die Einheimi-<br />
FOTOS: Ferienregion Kronplatz<br />
220<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
schen die Zirbenzapfen. Bei meinem<br />
Versuch das nachzusprechen lacht die<br />
Wirtin herzhaft und meint, dass ich<br />
das mit ein bisschen Übung bestimmt<br />
nächsten Sommer perfekt aussprechen<br />
kann.<br />
Jetzt geht es aber erst mal wieder<br />
ins Tal, aber nicht ohne vorher die<br />
Füße und Arme ins kalte Wasser zu<br />
stecken. Erfrischt, glücklich und angenehm<br />
müde komme ich unten an.<br />
Heute Abend habe ich mir eine Pizza<br />
so etwas von verdient und ich freue<br />
mich schon auf morgen, auf die Mountainbiketour,<br />
die mir mein Gastwirt<br />
so wärmstens empfohlen hat!<br />
NATURERLEBNIS MIT AUSSICHT<br />
Gemütliche Forstwege, fordernde Gipfeltouren<br />
und steile Hänge locken<br />
Wanderer und Bergsportler in die Ferienregion<br />
Kronplatz in Südtirol. Und<br />
nicht zu vergessen die große Auswahl<br />
an Klettersteigen in der Umgebung!<br />
Wer das Bike zur Auffahrt bevorzugt,<br />
der wird von den unzähligen<br />
Möglichkeiten in den Bergen fasziniert<br />
sein. Nach fordernden Aufstiegen<br />
warten steile und kurvige Downhill-<br />
und Freeridestrecken darauf,<br />
bewältigt zu werden.<br />
Facettenreich und mannigfaltig<br />
ist wirklich alles in dieser Ferienregion.<br />
So kann sich zum Beispiel das<br />
schöne Dorf Terenten über die längste<br />
Sonneneinstrahlung in Südtirol erfreuen.<br />
Und so ist es auch nicht verwunderlich,<br />
dass die ‚Terner‘ selbst<br />
ein Völkchen sonnigen Gemüts sind.<br />
Oder liegt das an der Aussicht? Terenten<br />
hat es sich auf einem Mittelgebirgsplateau<br />
des Pustertals gemütlich<br />
gemacht. Von hier aus schweift der<br />
Blick bis in die Dolomitengipfel im<br />
Südosten und gar bis zu mancher Spitze<br />
der Sarntaler Alpen im Westen.<br />
Auch Welsberg hat eine eigene<br />
Sonnenterasse namens Taisten. Dieses<br />
Dorf mit viel Vergangenheit befindet<br />
sich am Eingang des Gsieser Tals.<br />
Es ist das Schloss Welsperg, das auf<br />
seinem sonnigen Felsvorsprung gelegen<br />
das Tor zur unberührten Natur<br />
darstellt. Wer es besichtigt und seinen<br />
Geschichten lauscht, dem erzählt es<br />
von der adeligsten Familie, die einst<br />
hier wohnte. Wer hingegen lieber Natur<br />
statt Kultur erwandert, hat bei<br />
Taisten den idealen Startpunkt. Zahllose<br />
Spazier- und Wanderwege führen<br />
in eine Wiesen-, Wald- und Berglandschaft<br />
mit reichlich Dolomitenpanorama.<br />
Eine Wanderung zur Taistner<br />
Alm gehört im Sommer wie im Winter<br />
zum Pflichtprogramm.<br />
Info & Kontakt<br />
TOURISMUSVERBAND<br />
FERIENREGION KRONPLATZ<br />
Michael Pacher Straße 11 A<br />
I-39031 Bruneck<br />
Tel.: +39/04 74/555 447<br />
E-Mail: info@kronplatz.com<br />
WEB: www.kronplatz.com<br />
LANGEWEILE? FEHLANZEIGE!<br />
Das frischgrüne Gsieser Tal hat sich<br />
hingegen zwischen den Ausläufern<br />
der Rieserfernergruppe und den Defregger<br />
Alpen Platz verschafft. Bis St.<br />
Magdalena verläuft das Tal schön<br />
flach, weit und sonnig. Die Hänge zu<br />
beiden Seiten des Talbodens sind mit<br />
dichten Tannen- und Fichtenwäldern<br />
bedeckt. Stattliche Höfe mit von der<br />
Sonne geschwärzten Balkonen wirken<br />
wie zufällig über die Blumen- und<br />
Kräuterwiesen gestreut.<br />
Oder das Antholzertal! Sanft<br />
braust hier der Wind in den höchsten<br />
Wipfeln der Bäume, leise knarrt das<br />
Gebälk der alten Höfe. Harzig duften<br />
die wilden Wälder, mit herbsüßem<br />
Geruch betören die Wiesen. Hochmoore,<br />
Auwälder und das Biotop Rasner<br />
Möser bilden das Landschaftsbild<br />
des Tales. „Die Grenzen der Natur und<br />
die Grenzen des Menschen“ – so lautet<br />
das Thema des Naturparks Rieserferner<br />
Ahrn. Die ganz Harten verschaffen<br />
sich im Antholzer See Abkühlung.<br />
Auch der Issinger Weiher oberhalb<br />
von Kiens ruft zum naturnahen Baden<br />
auf.<br />
Ja, hier gibt es so vieles zu entdecken.<br />
Langweilig wird einem bestimmt<br />
nicht. Und die würzige Bergluft,<br />
die jedem Bergsportler oder<br />
Genussbiker um die Nase weht, trägt<br />
dazu bei, dass die richtige Balance<br />
zwischen Aktivsein und dem Dolcefarniente,<br />
dem süßen Nichtstun, bestimmt<br />
gefunden wird!<br />
221
ITALIEN<br />
LIVIGNO LOCKT<br />
NACH DRAUSSEN<br />
Der Sommer in Bella Italia – für Aktive. Livigno bietet perfekte Bedingungen für<br />
alle, die gern in den Bergen unterwegs sind. Egal, ob zu Fuß oder mit dem Bike.<br />
Von Mountainbiking über Laufen,<br />
Trekking bis hin zum Höhentraining:<br />
Im 1.816 m hoch<br />
gelegenen Livigno herrscht die pure<br />
sportliche Vielfalt. Damit trifft der<br />
italienische Bergort genau die Bedürfnisse<br />
aktueller Gäste. Trends zeigen<br />
nämlich, dass Sporttourismus heute<br />
eine der am meisten geschätzten Urlaubsarten<br />
ist. Und neben Frankreich,<br />
den USA oder Spanien zählt Italien zu<br />
den beliebtesten internationalen<br />
Sportdestinationen.<br />
Für alle, die es nicht kennen:<br />
Livigno liegt eingebettet zwischen<br />
majestätischen Gipfeln im Tal Alta<br />
Valtellina, das zur Region Lombardei<br />
gehört. Weil es lange Zeit vom Rest der<br />
Welt abgeschnitten war, bietet Livigno<br />
heute die perfekte Kombination<br />
aus unverfälschter Natur und unvergesslichen<br />
Sporterlebnissen.<br />
Laufbegeisterten und vor allem<br />
Trailrunnern bietet der Ort nicht nur<br />
perfekte Möglichkeiten, sondern auch<br />
eine Reihe spannender Events: den Beginn<br />
macht am 17. und 18. Juni die<br />
zweite Ausgabe des 34 Kilometer langen<br />
Livigno Skymarathons, der zur<br />
Skyrunning World Series gehört. Alternativ<br />
dazu gibt es das 19 km lange<br />
Livigno Mini Skyrace. Das nächste<br />
Laufevent steht am 22. Juli mit dem<br />
Stralivigno, einem traditionellen<br />
Halbmarathon, an. Spannend wird es<br />
auch am 1. September beim Icon Livigno<br />
Xtreme Triathlon, einem Langdistanz-Bewerb<br />
mit 3,8 km Schwimmen,<br />
195 km Radfahren und 42,2 km Laufen.<br />
Der Livigno Triathlon Cross Country<br />
und der Triathlon-Sprint am 2. und<br />
3. September folgen auch noch.<br />
URLAUB FÜR BIKE-ENTHUSIASTEN<br />
Biken und Livigno – das gehört untrennbar<br />
zusammen. Ein bestens entwickeltes<br />
Radwegenetz steht hier zur<br />
Verfügung. Vor allem Mountainbiker<br />
haben die Qual der Wahl. Das Angebot<br />
beginnt mit einem Pumptrack im Ortszentrum.<br />
Von hier aus starten auch die<br />
geführten MTB-Touren – und die Guides<br />
nehmen Biker nicht nur mit in die<br />
Berge, sondern geben auch jederzeit<br />
gerne Auskunft über mögliche Routen.<br />
Weiter geht es mit dem Mottolino<br />
Bike Park, Treffpunkt für Downhillbiker<br />
aus ganz Europa. In bis zu 2.400 m<br />
Seehöhe erwarten Biker 13 Trails in<br />
drei Schwierigkeitsgraden. Freerider<br />
genießen im Gebiet Carosello 3000<br />
atemberaubende Landschaften und<br />
Ausblicke, während sie die Flow-Trails<br />
erkunden. Heuer wird dieses 40 Kilometer<br />
umfassende spezielle Trail-Netzwerk,<br />
das die Bike-Legenden Diddie<br />
Schneider und Hans Rey verantworten,<br />
komplettiert.<br />
Neu ist <strong>2017</strong> auch der Bikepass,<br />
mit dem alle Liftanlagen mit Mountainbike-Transport<br />
genutzt werden<br />
können. Auch wer mit dem E-Bike unterwegs<br />
sein möchte, findet in Livigno<br />
zahlreiche Verleihe und Trails. Für alle<br />
gilt, dass man abends in Europas<br />
höchstgelegener Wasserwelt herrlich<br />
entspannen kann. Das kürzlich rundum<br />
erneuerte Aquagranda Active you<br />
sorgt mit seinen Wellnesslandschaften<br />
dafür, dass die Muskeln am nächsten<br />
Morgen wieder frisch sind.<br />
INFOS UND BUCHUNGEN:<br />
www.livigno.eu/de<br />
FOTOS: Livigno Tourismus<br />
222<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
OUT-<br />
DOOR<br />
NEWS<br />
FÜR ALLE<br />
ABENTEUER<br />
MIT SCHUHEN DER „LOWA INNOX EVO GTX JUNIOR“-SERIE werden<br />
Abstecher mit Kindern ins unbekannte Terrain ab sofort die Regel.<br />
Die zu 100 Prozent in Europa gefertigten Multifunktionsschuhe sind extrem<br />
bequem, sorgen durch Gore-Tex® für ein trockenes und angenehmes<br />
Fußklima und bieten mit der „Enduro Evo Junior“-Sohle und der<br />
Monowrap®-Technologie Komfort und Halt auf jedem Untergrund.<br />
Navi für<br />
die Hand<br />
DIE GARMIN FENIX 3<br />
HR bietet neben den üblichen<br />
Features einer GPS-<br />
Multisport uhr Pulsmessung<br />
am Handgelenk und Navigation<br />
mit grafischer Anzeige,<br />
damit du auch in<br />
unbekannter Umgebung sicher<br />
wieder zurückfindest.<br />
www.conrad.at<br />
www.lowa.at<br />
ELASTISCHER<br />
STAR<br />
DIE RED STAR JACKET mit<br />
MARMOT-NanoPro-Technologie<br />
ist robust, wasserdicht,<br />
atmungsaktiv und<br />
elastisch zugleich. Kurz:<br />
eine funktionelle<br />
3-Lagen-Jacke mit hohem<br />
Wohlfühlfaktor.<br />
www.marmot.eu<br />
WARM, ROBUST,<br />
WASSERDICHT<br />
DER EXPRESS+ ist ein Sporthandschuh von<br />
CHIBA, der winddicht, atmungsaktiv, extrem<br />
strapazierfähig und dank Überzug auch wasserdicht<br />
ist. Die Innenhand ist gel-gepolstert<br />
und verstärkt. Neopren-Pulswärmer halten<br />
auch die Handgelenke warm.<br />
FOTOS: Hersteller<br />
www.chiba.de<br />
Kein Verdrehen mehr<br />
MIT DEM CAMP KINETIC GYRO REWIND<br />
gehört das Verdrehen der Klettersteigset-<br />
Arme der Vergangenheit an. Dafür sorgt<br />
das patentierte Gyro-System. Zudem hat<br />
es einen variablen Bandfalldämpfer und<br />
lässt sich mit allen Klettergurtmodellen<br />
verwenden.<br />
www.camp.it<br />
223
ZAHLENSPIELE<br />
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
SLOWENIEN<br />
3 LÄNDER,<br />
DREI SPRACHEN, DREI KULTUREN:<br />
Die Berg bahnen im Dreiländer eck liegen exakt am<br />
Schnittpunkt von Slowenien, Italien und Österreich und<br />
sind im Sommer ein perfekter Ausgangspunkt für abwechslungsreiche<br />
Wanderungen von 680 bis 1.600 Meter<br />
Höhe. Ausblick auf Karawanken, Julische Alpen, Gailtal<br />
etc. inklusive ...<br />
3%<br />
DER GESAMTFLÄCHE VON SLOWE-<br />
NIEN BEDECKT DER NATIONALPARK<br />
TRIGLAV MIT SEINEN 880 QUADRAT-<br />
KILOMETERN. MIT SEINER GRÜN-<br />
DUNG IM JAHR 1924 ZÄHLT ER ZU<br />
DEN ÄLTESTEN NATIONALPARKS<br />
EUROPAS.<br />
misst<br />
der<br />
Triglav – der<br />
„Dreikopf“ ist damit<br />
nicht nur höchster<br />
Berg Sloweniens, sondern<br />
für die Bergsportler auch<br />
ein „Heiligtum“, das man zumindest<br />
einmal im Leben besucht haben muss.<br />
2.864Meter<br />
11<br />
HAUPTWANDERWEGE<br />
DURCHZIEHEN DAS OUT-<br />
DOORLAND SLOWENIEN.<br />
DIE MEISTE ZEIT VOM START<br />
BIS INS ZIEL BRAUCHT MAN<br />
AUF DEM „SLOWENISCHEN<br />
HOHEN WEG“, DER AUF 599<br />
KILOMETERN PRAKTISCH<br />
QUER DURCHS GANZE LAND<br />
FÜHRT.<br />
6.000 BERGWANDERWEGE, bestens gepflegt und markiert, durchziehen zum überwiegenden Teil die Julischen Alpen und<br />
2.515<br />
METER HOCH liegt die Kredaricahütte,<br />
auch Triglavhaus genannt. Schon seit dem<br />
Jahr 1954 ist diese Ganzjahreshütte Ziel vieler<br />
Triglav-Wanderer – im Winter wird sie<br />
von den Meteorologen der Wetterstation<br />
betreut. Insgesamt gibt es 175 Schutzhütten<br />
in den Bergen Sloweniens.<br />
FOTO: Slowenien Tourismus<br />
WWW.SLOWENIEN.INFO<br />
224<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
die Karawanken. Mehr als 500 ausgewiesene Themenwanderwege sind aber im gesamten Wanderland Slowenien zu finden<br />
225
SLOWENIEN<br />
AUF ENTDECKUNGSREISE<br />
IN DEN JULISCHEN ALPEN<br />
Zwischen Soca und Triglav erwarten Wander- und Kletterbegeisterte<br />
im Ostteil der Julischen Alpen in Slowenien eindrucksvolle Naturwunder.<br />
Am südöstlichen Rand des großen<br />
Alpenbogens, an der Grenze<br />
zwischen Slowenien und Italien,<br />
liegt ein Geheimtipp für Naturliebhaber:<br />
die Julischen Alpen. Hier<br />
ist der Ursprung des smaragdgrünen<br />
Flusses Soča am Fuße des Travnik sowie<br />
Heimat von über 150 eindrucksvollen<br />
Zweitausendern.<br />
Bekanntester und mit 2.864 m<br />
höchster Gipfel der Region ist der sagenumwobene<br />
Triglav. Der nach dem<br />
Berg benannte Nationalpark zählt zu<br />
den ältesten überhaupt in Europa. Gegründet<br />
wurde das Naturschutzgebiet<br />
um die Triglavseen bereits 1906, wodurch<br />
dort weite Teile der Landschaft<br />
über die letzten 100 Jahre nahezu unberührt<br />
blieben. 1981 wurde der Nationalpark<br />
Triglav zu seiner heutigen<br />
Form mit insgesamt 880 Quadratkilometern<br />
Fläche erweitert.<br />
WANDERN AM WASSER<br />
Dank der Erhaltung ihrer Ursprünglichkeit<br />
finden sich in den Julischen<br />
Alpen zahllose Naturschauspiele. Dabei<br />
ist Abwechslung garantiert, denn<br />
jedes Gebiet dieser Gebirgswelt verzaubert<br />
Besucher auf seine eigene Art<br />
und Weise: So erwarten in Posočje<br />
über den kompletten Stromverlauf der<br />
Soca wilde Schluchten und Becken sowie<br />
Wasserfälle, zu deren imposantesten<br />
Vertretern Boka und Kozjak zählen.<br />
In der Region Kranjska Gora findet<br />
man wiederum herrliche Ausflugsziele<br />
zwischen Berggipfeln und eingeschnittenen<br />
Alpentälern.<br />
Ein eindrucksvoller Bergsee erwartet<br />
naturaffine Besucher in<br />
Bohinj, von wo aus der Savica-Wasserfall<br />
mit einer wunderschönen Wanderung<br />
erreicht werden kann. Nicht weniger<br />
beliebt sind unter Kennern die<br />
schluchtartigen Flußbette der Mostnica,<br />
die 1,6 km lange Vintgar-Klamm<br />
sowie der Bleder See, der als Natur-Wahrzeichen<br />
von Slowenien gilt.<br />
Ein prächtiges Panorama mit Blick<br />
auf die Špik-Gruppe bietet sich von<br />
Kranjska Gora aus, das auch ein beliebter<br />
Startpunkt für einen Ausflug<br />
zum Peričnik-Wasserfall an der Nordwand<br />
des Triglav ist.<br />
DEM FELS VERBUNDEN<br />
Beliebt sind Travnik, Špik, Triglav,<br />
Mangart und Co. auch bei ambitionierten<br />
Sportkletterern. Hier finden sich<br />
zahlreiche Wände, die rund 800 bis<br />
1.000 Meter Richtung Himmel ragen.<br />
Die 3 Kilometer breite und 1.200 Meter<br />
Hohe Nordwand des Triglav ist mit ihren<br />
Tausenden befestigten Kletterrouten<br />
sogar die drittgrößte des Kontinents.<br />
Ein sportliches Betätigungsfeld<br />
finden Kletterbegeisterte aber auch in<br />
niedrigeren Lagen. So warten beispielsweise<br />
in und um die Tourismuszentren<br />
Bohinjska Bela, Bohinj und Trenta<br />
zahlreiche markierte Wände für alle<br />
Könnerstufen.<br />
KONTAKT:<br />
SLOWENISCHES TOURISMUSBÜRO WIEN<br />
Tel.: 01/715 40 10<br />
E-Mail: slowenien.at@slowenia.info<br />
www.slovenia.info<br />
FOTOS: Slowenien Tourismus<br />
226<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
www.slovenia.info<br />
#ifeelsLOVEnia<br />
AKTIV URLAUB IN<br />
SLOWENIEN<br />
Land der 5 Sterne Erlebnisse<br />
SLOWENIEN. Grün. Aktiv. Gesund.<br />
Soča
SLOWENIEN<br />
FAHRSPASS<br />
MAL SECHS<br />
1 BIKEPARK KRANJSKA GORA<br />
Hier führen unzählige Streckenkombinationen<br />
vom Gipfel ins Tal. Fünf<br />
Hauptstrecken sind definiert, von denen<br />
jede einen eigenen Charakter hat<br />
und Bikern mit verschiedenen Fahrstilen<br />
zusagt. Der Park ist Mitglied der<br />
GravityCard-Gruppe und IXS-Downhill-Race-Veranstalter.<br />
Tel.: +386 (0)41 706 786<br />
E-Mail: info@bike-park.si<br />
www.bike-park.si<br />
1<br />
2<br />
2 BIKEPARK KRVAVEC<br />
Nur 25 km von Ljubljana entfernt erwarten<br />
dich über 30 km natürliche<br />
Singletrail-Strecken und Cross-Country-Trails<br />
mit verschiedensten Schwierigkeitsgraden<br />
von 150 bis 1.000 m<br />
Höhenunterschied. Die tolle Bike-Erfahrung<br />
ist in der Sommersaison <strong>2017</strong><br />
auch in der Gravity-Card inbegriffen.<br />
Tel.: +386 (0)4 252 59 11<br />
E-Mail: info@rtc-krvavec.si<br />
www.rtc-krvavec.si<br />
3 BIKEPARK CERNKO<br />
Der Bikepark Cernko liegt im Herzen<br />
des Landes und ist der modernste in<br />
Slowenien. Ein Familien-Smooth-Trail,<br />
ein Flow-Trail und ein Downhill-Trail.<br />
garantieren perfekten Fahrspaß.<br />
Tel.: +386 (0)5 374 34 00<br />
E-Mail: info@hotel-cerkno.si<br />
www.ski-cerkno.com<br />
3<br />
5<br />
WANDERN&BIKEN SLOWENIEN, Dimičeva 13, SI-1000 Ljubljana, Slowenien<br />
Tel.: +386 (0)41 646 566, E-Mail: info@hiking.si, www.hiking-biking-slovenia.com<br />
VERBAND DER SLOWENISCHEN LIFTBETREIBER – GIZ, Dimičeva 13, SI-1000<br />
Ljubljana, Slowenien Tel: +386 (0)1 589 81 30, E-Mail: danilo.brecelj@siol.net,<br />
www.activeslo.com<br />
4<br />
6<br />
4 BIKEPARK ROGLA<br />
In Rogla stehen sechs verschiedene<br />
Strecken zur Verfügung, dazu ein<br />
Übungsgelände und eine Bikestation<br />
mit Rad- und Schutzausrüstungsverleih.<br />
Einsteiger, Fortgeschrittene<br />
und Profis holen sich hier Adrenalin-<br />
Erlebnisse oder gehen mit erfahrenen<br />
Guides auf Bike-Tour.<br />
Tel.: +386 (0)3 757 71 00<br />
E-Mail: rogla@unitur.eu<br />
www.rogla.eu<br />
5 BIKEPARK POHORJE<br />
Der Pohorje liegt am Rand von Maribor<br />
und bietet eine sieben Kilometer<br />
lange Flow-Line, die auch für weniger<br />
erfahrene Biker geeignet ist. Mit der<br />
Gondel geht es in nur neun Minuten<br />
zum Start. Auf erfahrene und professionelle<br />
Mountainbiker wartet auch eine<br />
anspruchsvolle Weltcup-Strecke.<br />
Tel.: +386 (0)70 899 863<br />
E-Mail: dominik.dukaric@marprom.si<br />
www.bikeparkpohorje.si<br />
6 SINGLETRAIL PARK JAMNICA<br />
Neun All-Mountain- & Enduro-Trails, 21<br />
km markierte Singletrails und mehr als<br />
75 km „Pure Singletrails“ bei geführten<br />
Touren warten in Jamnica.<br />
Tel.: +386 (0)2 870 30 60<br />
E-Mail: info@mtbpark.com<br />
www.mtbpark.com<br />
FOTOS: Slowenien Tourismus<br />
228<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
WANDERFESTIVALS <strong>2017</strong><br />
IN SLOWENIEN<br />
WANDERN&BIKEN SLOWENIEN<br />
Dimičeva 13, SI-1000 Ljubljana, Slowenien<br />
T +386 (0)41 646 566, E info@hiking.si<br />
www.hiking-biking-slovenia.com<br />
In Slowenien kann man zu jeder Jahreszeit wandern. Der Sommer ist die ideale Zeit zum Besuch des Hochgebirges,<br />
da im Juni der meiste Schnee geschmolzen ist. In dieser Zeit gibt es häufig auch Nachmittagsgewitter, daher ist für<br />
sicheres Wandern in den Bergen die Weisheit „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“ immer ein guter Ratgeber. Der Herbst<br />
ist die schönste Zeit zum Wandern. Die bunt gefärbten Wälder, die gelben Lärchen, der blaue Himmel und die weißen<br />
Kalksteinfelsen sind unvergessene Bilder der Berge, die Wanderer mit ins Tal nehmen.<br />
FRÜHLINGS-WANDERFESTIVALS<br />
FRÜHLINGS-WANDERFESTIVAL BRDA<br />
(09.04. – 04.06.) www.brda.si<br />
AUSDAUERWANDERUNG AUF DEM WANDERWEG<br />
IN KOČEVSKI ROG „AUF DEN SPUREN DES BÄREN“<br />
(22.04.) www.kocevsko.com<br />
GO-WANDERFESTIVAL ... IN GORIŠKA!<br />
(23.04. – 07.05.) www.novagorica-turizem.com<br />
FRÜHLINGSFESTIVAL<br />
DER THEMENWEGE IN POSAVJE<br />
(01. – 31.05.) www.visitkrsko.com<br />
SLOWENIEN WANDERT –<br />
DESTINATION ROGLA WANDERT<br />
(27.05. – 04.06.) www.destinacija-rogla.si<br />
11. INTERNATIONALES<br />
ALPENBLUMENFESTIVAL IN BOHINJ<br />
(20.05. – 04.06.) www.bohinj.si/alpskocvetje<br />
WANDERFESTIVAL STEINER ALPEN<br />
(22. – 25.06.) www.kamnik-savinja-alps.com<br />
TAG DER SLOWENISCHEN ALPINERLEBNISSE<br />
UNTER DEM BERG STORŽIČ<br />
(19.06.) www.pzs.si<br />
HERBST-WANDERFESTIVALS<br />
GO-WANDERFESTIVAL ... IN GORIŠKA!<br />
(03.09. – 03.12.) www.novagorica-turizem.com<br />
WANDERUNG AUF DEM E6 MOZIRJE – RADLJE<br />
(13. – 19.09.) http://eupoti.com<br />
WANDERWOCHENENDE<br />
IN DER THERME SNOVIK<br />
(15. – 17.09.) www.terme-snovik.si,<br />
www.td-tuhinjskadolina.si<br />
FORESTFEST<br />
(September, Oktober) www.kocevsko.com<br />
10-JÄHRIGES JUBILÄUM<br />
DER WANDERTAGE IN BOHINJ<br />
(15.09. – 01.10.) www.bohinj.si/pohodnistvo<br />
WANDERFESTIVAL IM SOČA-TAL<br />
(15.09. – 01.10.) www.visit-soca.com<br />
HERBSTFESTIVAL DER WANDER- UND<br />
GASTRONOMIEERLEBNISSE<br />
(15.10. – 15.11.) www.visitkrsko.com<br />
MARIBOR – POHORJE<br />
(Januar – Dezember)<br />
www.maribor-pohorje.si/wandern
OUTDOORGUIDE<br />
ES STEHT<br />
IN DEN<br />
WOLKEN<br />
WIE WIRD’S WETTER? Unter Bergsportlern ist<br />
diese Frage keine Floskel, sondern mitunter überlebenswichtig.<br />
Was man in der Tourenplanung<br />
über die Wetterprognose wissen sollte und wie man<br />
unterwegs ein Auge auf die Wetterentwicklung<br />
wirft: Wir haben uns bei Experten erkundigt.<br />
FOTOS: iStock, kk<br />
TEXT: Christof Claudia Domenig Riedl <strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong><br />
230
Blick in den App-Store: Unzählige<br />
Tools versprechen kostenlose<br />
Wetterprognosen. Goldene<br />
Zeiten für Bergsportler – nachdem<br />
der Wettercheck bekanntlich ein<br />
Fixteil jeder Tourenplanung sein sollte?<br />
„Die Angebotsvielfalt ist nicht unproblematisch“,<br />
rät Meteorologe Hannes<br />
Rieder vom ZAMG-Kundenservice<br />
Steiermark zur Vorsicht. „Nicht, weil<br />
diese Apps unseriös wären. Aber die<br />
meisten basieren auf einem globalen<br />
Wettermodell, in der Regel auf dem<br />
amerikanischen. Das ist kostenlos zugänglich<br />
und daher bei Gratisdiensten<br />
beliebt, mit 27 km allerdings sehr<br />
grob gerastert. Das heißt, es kann regional<br />
doch zu starken Abweichungen<br />
von der Prognose kommen.“<br />
Außerdem, erklärt Rieder weiter,<br />
würden die Prognosen dieser Apps<br />
fast immer automatisiert erstellt. Die<br />
Meteorologen der österreichischen<br />
Zentralanstalt für Meteorologie und<br />
Geodynamik (ZAMG) stützen sich dagegen<br />
auf mehrere weltweite Prognosenmodelle<br />
und erstellen daraus eigene,<br />
regionale und sehr viel feiner<br />
gerasterte Prognosen – in der Regel für<br />
2,5 oder sogar 1 km horizontale Auflösung.<br />
Die Meteorologen optimieren<br />
diese Modelle also speziell für den Alpenraum.<br />
Das ermöglicht deutlich exaktere<br />
Prognosen und bezieht regionale<br />
Einflüsse, etwa die Topografie<br />
mit ein.<br />
WENN DAS WETTER UMSCHLÄGT<br />
Diese Genauigkeit ist für Bergsportler<br />
tatsächlich besonders wichtig. Im<br />
Berg land ändert sich das Wetter viel<br />
rascher als im Flachland; Unwetter<br />
fallen kleinräumiger, aber nicht selten<br />
umso heftiger aus. „Gewitter entstehen<br />
deshalb oft zuerst in den Bergen,<br />
da die Luft hier zum Aufsteigen<br />
gezwungen wird. Dadurch bilden<br />
sich Quellwolken und in der Folge<br />
sehr rasch Schauer und Gewitter“,<br />
weiß Rieder.<br />
Zwischen wolkenlosem Himmel<br />
und einem schweren Unwetter liegen<br />
im Bergland manchmal nicht mehr<br />
als 20 Minuten! Und ein, zwei Grad<br />
Temperatur unterschied machen in<br />
der sensiblen alpinen „Wetterküche“<br />
oft schon den Unterschied aus, ob es<br />
an einem Sommertag einfach herrlich<br />
wolkenlos bleibt – oder aber ein heftiges<br />
Unwetter entsteht. Wir wissen<br />
jetzt also: Bleibt es trotz Gewitterwarnung<br />
schön, hat sich der Meteorologe<br />
nicht geirrt, die Warnung hatte schon<br />
ihre Berechtigung. Bis ins letzte Detail<br />
lässt sich das Wetter auch mit den<br />
modernsten wissenschaftlichen Methoden<br />
nämlich nicht vorhersagen ...<br />
WISSEN, WO MAN NACHSCHAUT<br />
Wo bekommt man als Sportler nun<br />
also eine wirklich empfehlenswerte<br />
Prognose her? Meteorologe Rieder:<br />
„Die Wetterseiten der heimischen Alpinvereine,<br />
wie etwa jene der Naturfreunde,<br />
greifen auf die ZAMG-Daten<br />
zurück. Und die dort veröffentlichten<br />
Prognosen sind auch bergspezifisch<br />
und daher zu empfehlen.“<br />
Am besten ist allerdings ein Anruf<br />
bei den ZAMG-Kundenservicestellen<br />
in den Bundesländern. Dafür gibt<br />
es Hotlines, die zwar gebührenpflichtig<br />
sind, die ungefähr vier Euro, die<br />
solch ein zweiminütiger Anruf kostet,<br />
sind aber eine gute Investition in<br />
die Sicherheit. Man nennt dem Wetterprofi<br />
am anderen Ende der Leitung<br />
einfach das Gebirge und den Zeitraum,<br />
in dem man unterwegs sein<br />
will – und bekommt sofort eine wirklich<br />
persönliche und punktgenaue<br />
Prognose anhand der aktuellsten Vorhersagedaten<br />
durchgegeben.<br />
Gewitter-Fakten<br />
DIE GEWITTERSAISON: beginnt meist<br />
Mitte Mai und dauert bis Mitte September.<br />
Ab Oktober ist das Gewitterpotenzial<br />
schon klein.<br />
DIE TAGESZEIT: Statistisch ist der Zeitraum<br />
ab 14 Uhr bis in den frühen Abend<br />
hinein gefährlich. Die Vormittage sind<br />
meist noch günstig.<br />
DIE REGIONALE VERTEILUNG: Es gibt<br />
„Gewitterberge“ und solche, wo es weniger<br />
häufig blitzt und donnert. Diese<br />
„Gewitter-Hotspots“ können Meteorologen<br />
aus der langjährigen Statistik<br />
herauslesen – was im Einzelfall freilich<br />
nichts über das Gefahrenpotenzial einer<br />
gerade herrschenden Wetterlage<br />
aussagt ...<br />
DIE PLANUNG UND DAS WETTER<br />
Wie geht man konkret beim Thema<br />
Tourenplanung mit der Wetterprognose<br />
um? Naturfreunde-Experte Arnold<br />
Studeregger empfiehlt dazu:<br />
DREI BIS VIER TAGE VOR DER TOUR<br />
schaut man sich die lokale Wetterprognose<br />
auf einer für Bergsportler geeigneten<br />
Webseite an (z. B. bei den Wetterdiensten<br />
der Alpinvereine oder auf den<br />
Bergwetterseiten der ZAMG) und richtet<br />
seine Tourenplanung danach aus.<br />
Gut wäre es, schon einen Plan B, etwa<br />
in Form einer kürzeren Alternativtour<br />
bereit zu haben. Danach empfiehlt<br />
sich ein tägliches kurzes Wetter-Update.<br />
Ändern sich dabei die Prognosen<br />
öfters, weist das auf eine unsichere<br />
Wetterentwicklung hin.<br />
AM VORTAG DER TOUR bringt ein Anruf<br />
bei den ZAMG-Kundenservicestellen<br />
Gewissheit. Der zuständige Meteorologe<br />
erstellt punktgenau für den anvisierten<br />
Berg „live“ seine Prognose, zudem informiert<br />
er auch bei unsicherer Wetterlage,<br />
mit welchen Wahrscheinlichkeiten und<br />
ab welchem Zeitpunkt etwa mit Gewittern<br />
zu rechnen ist.<br />
ZWEI ARTEN VON GEWITTERN<br />
Gewitter sind im Sommer natürlich<br />
die Hauptgefahr, die in den Bergen<br />
vom Wetter ausgeht. Eine sommerliche<br />
Gewitterlage heißt aber nicht, dass<br />
unter keinen Umständen eine Tour unternommen<br />
werden sollte. Es kommt<br />
Die Experten<br />
MAG. DR. ARNOLD STUDEREGGER-RENNER (li.)ist gerichtlich<br />
beeideter Sachverständiger für Alpinistik und Naturfreunde-Experte.<br />
MAG. HANNES RIEDER (re.) ist Meteorologe an der Zentralanstalt<br />
für Meteorologie und Geodynamik, Kundenservice Steiermark in Graz.<br />
WEB: www.zamg.ac.at, www.naturfreunde.at/wetter<br />
231
WETTERKUNDE<br />
NEUTRON<br />
EPIC<br />
MARMOLADA PRO<br />
ROCK’N’HIKE<br />
WWW.SCARPA.NET<br />
Ein Gewitter in den Bergen ist ein Naturschauspiel, das man<br />
lieber von einem geschützten Raum aus betrachten sollte!<br />
vielmehr auf die Art des prognostizierten<br />
Gewitters an:<br />
WÄRMEGEWITTER: Die typischen Sommergewitter<br />
entstehen in der Regel zwischen<br />
12 und 20 Uhr. Es gilt: zeitig starten<br />
und früh von der Tour wieder zurück<br />
sein.<br />
KALTFRONT-GEWITTER: Entstehen Gewitter<br />
aufgrund eines Wetterwechsels,<br />
ist die Lage viel unberechenbarer. „Hier<br />
besteht bloß die Möglichkeit, mit seiner<br />
Tour in eine andere Gebirgsgruppe, wo<br />
das Wetter noch länger stabiler ist, auszuweichen.<br />
Oder ganz darauf zu verzichten“,<br />
sagt Arnold Studeregger.<br />
WETTERSTÜRZE sind beim Bergsport generell<br />
gefährlich – auch abseits von Blitz<br />
und Donner: Bei Touren im Gebirge sollten<br />
Regenschutz, Haube und Handschuhe<br />
sowie warme Kleidung immer im<br />
Rucksack sein.<br />
DAS LESEN DER WOLKEN<br />
Auf der Tour empfehlen die Wetterprofis,<br />
vor allem die Wolken im Auge zu behalten.<br />
Was man mit geübtem Blick dort<br />
erkennen kann, erklärt wieder Meteorologe<br />
Hannes Rieder:<br />
WOLKEN ENTSTEHEN – und zerfallen<br />
gleich wieder: Dabei handelt es sich<br />
meist um „blumenkohlartige“ Wolken,<br />
die im Aufsteigen entstehen und rasch<br />
wieder zerfallen. „Das deutet auf eine stabile<br />
oder höchstens leicht labile Wetterlage<br />
hin. Und somit darauf, dass es an diesem<br />
Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />
kein Unwetter geben wird.“<br />
WOLKEN ZIEHEN in unterschiedliche<br />
Richtungen: Tief liegende Wolken können<br />
durchaus in die eine, hoch liegende<br />
FOTO: istock<br />
232<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
in die entgegengesetzte Richtung ziehen:<br />
„Diese sogenannte ‚Windscherung‘ ist<br />
ein Alarmzeichen: Gewitter drohen an<br />
diesem Tag kräftig zu werden.“<br />
DIE „WOLKENBASIS“: In welcher Höhe<br />
die Wolken beginnen, lässt sich anhand<br />
der Berggipfel meist gut abschätzen: Eine<br />
Wolken-Untergrenze von 2.500 m deutet<br />
auf geringe Gefahr hin. Tiefer liegende<br />
Quellwolken können ein Zeichen für potenziell<br />
kräftige Gewitter sein. Reichen<br />
Wolken bis auf 1.500 m oder noch tiefer<br />
hinunter, ist das ein großes Alarmsignal.<br />
DER „CHAOTISCHE HIMMEL“: Darunter<br />
versteht man unterschiedliche Wolkenarten,<br />
die sich gleichzeitig am Himmel<br />
zeigen. „Das ist ein typisches Zeichen dafür,<br />
dass sich das Wetter umstellen oder<br />
dass es Gewitter geben wird.“<br />
AUFSTEIGENDE WOLKEN, die sich an<br />
einem punkt stauen: Wolken, die sich<br />
wie an einer „unsichtbaren Mauer“ aufstauen,<br />
sind ebenfalls als Warnsignal<br />
ernst zu nehmen. Und das heißt, wenn<br />
möglich, die Tour abzukürzen. „Die Wolken<br />
stoßen dabei an eine ‚Sperrschicht‘,<br />
die bedingt belastbar ist. Wenn der Druck<br />
zu groß ist, explodiert die Lage: Dann gibt<br />
es schwere Gewitter.“<br />
NEU<br />
TALON | TEMPEST<br />
Oft kopiert. Nie erreicht.<br />
Falls dich ein Gewitter<br />
am Berg überrascht<br />
Noch am Berg bzw. im Gelände zu sein,<br />
wenn das Gewitter losgeht, sollte unter<br />
allen Umständen vermieden werden!<br />
Wenn es aber doch einmal passieren<br />
sollte, dann rät Naturfreunde-Experte<br />
Arnold Studeregger:<br />
ABSTANDS-FAUSTREGEL: Jede Sekunde Abstand<br />
zwischen Blitz und Donner bedeuten<br />
300 Meter Entfernung. Ab 3 km Entfernung<br />
(=10 Sekunden Abstand zwischen Blitz und<br />
Donner) sollte man unbedingt einen Schutz<br />
aufsuchen!<br />
SCHUTZHÜTTE: Ist der beste Unterstand,<br />
sofern sie eine Blitzschutzanlage hat.<br />
Ist eine in der Nähe, diese rechtzeitig<br />
ansteuern.<br />
IM FREIEN GELÄNDE GILT: KEINE GRUPPE<br />
BILDEN, sondern einzeln Schutz suchen /<br />
MINDESTENS 3 METER Abstand von einzelnen<br />
Bäumen halten / IN EINE MULDE<br />
HOCKEN, Biwaksack überziehen / FÜSSE<br />
GESCHLOSSEN HALTEN, damit sich kein<br />
Spannungsfeld aufbauen kann / FERNHAL-<br />
TEN VON BERGKÄMMEN, Graten, Klettersteigen,<br />
Gipfelkreuzen / IM KLETTERSTEIG:<br />
möglichst verlassen; wenn das nicht geht,<br />
einen möglichst geschützten Bereich aufsuchen,<br />
Hände weg vom Metall<br />
BEI EINEM NOTFALL:<br />
ALPINEN NOTRUF 140 ANRUFEN!<br />
233<br />
ospreyeurope.de
ZAHLENSPIELE<br />
... AUS DEM OUTDOORLAND<br />
BAYERN<br />
FOTOS: TOURIST-INFO GRAINAU<br />
WWW.GRAINAU.DE 234<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
höher<br />
kommt man in<br />
Deutschland nicht<br />
hinauf als bei einem Besuch<br />
auf der Zugspitze. Wer „Top of Germany“<br />
erobern will, kann das (nur als<br />
geübter) Bergsteiger machen – oder bequem<br />
mit der Bayerischen Zugspitzbahn und einem<br />
kurzen Gipfelmarsch.<br />
2.962<br />
120<br />
Jahre<br />
alt ist das „Münchner Haus“ auf dem<br />
Westgipfel der Zugspitze und als<br />
höchste Schutzhütte Deutschlands<br />
auch heute noch fast im Orginalzustand.<br />
Muss man gesehen haben!<br />
2<br />
METER<br />
24<br />
STUNDEN<br />
NATIONALPARKS WARTEN AUFS<br />
ERKUNDEN. NEBEN DEM „BAYERI-<br />
SCHEN WALD“ IST ES VOR ALLEM<br />
DER NP BERCHTENSGADEN, DER<br />
RUND UM DAS ZENTRUM „HAUS<br />
DER BERGE“ MIT EINEM GRANDIO-<br />
SEN NETZ VON INSGESAMT 260 KM<br />
WANDERWEGEN ERSCHLOSSEN IST.<br />
VON BAYERN – so heißt die zum Kult gewordene<br />
jährliche Wanderung. <strong>2017</strong> befinden<br />
sich Start und Ziel in Bad Hindelang. Termin: von<br />
24. auf 25. Juni. Die Besonderheit: Nur 444 Teilnehmer<br />
sind zugelassen – und werden per Los<br />
ermittelt. Wer es für 2018 plant, schaut rechtzeitig<br />
nach auf www.bayern.by.<br />
235<br />
4 TAGE DAUERT DIE EINDRUCKSVOLLE TOUR, DIE RUND UM DEN SAGENUMWOBENEN<br />
10-JAHRE-<br />
JUBILÄUM<br />
35,4<br />
MILLIONEN GÄSTEANKÜNFTE und<br />
90,8 Millionen Übernachtungen im<br />
Jahr 2016 sorgten dafür, dass Bayern<br />
seine Spitzenposition als Urlaubsland<br />
Nummer 1 in Deutschland weiter<br />
ausbauen konnte. Mehr dazu auf<br />
www.bayern.by<br />
WATZMANN<br />
FEIERT HEUER DER<br />
„GOLDSTEIG-WANDERWEG“.<br />
UND DIE VIELEN VERANSTALTUNGEN<br />
UND ATTRAKTIONEN,<br />
DIE ES DAS GANZE JAHR ÜBER GIBT,<br />
SIND MIT EIN GRUND, SICH IRGENDWO<br />
AUF DIESER 200-KM-ROUTE EINE ETAPPE<br />
LANG (ODER AUCH MEHRERE)<br />
EINZUKLINKEN.<br />
WWW.GOLDSTEIG-WANDERN.DE<br />
WWW.BAYERN.BY<br />
führt.<br />
Königssee und<br />
Steinernes Meer sind<br />
nur eine der vielen Höhepunkt<br />
dieser Trekkingroute, auf<br />
der in gemütlichen Hütten übernachtet<br />
wird. Höchster Gipfel: das<br />
Hocheck mit 2.651 m.
BAYERN<br />
DAS DORF UNTER DER ZUGSPITZE<br />
Sport und Erholung in allen Varianten zu Wasser, zu Lande und in der Luft bietet das<br />
Zugspitzdorf Grainau in Bayern – und zeigt sich dabei gemütlich und ursprünglich.<br />
Grainau – kennst du nicht? Der<br />
Luftkurort liegt in Oberbayern,<br />
schmiegt sich direkt an<br />
den höchsten Berg Deutschlands, die<br />
Zugspitze, und liegt sechs Kilometer<br />
südwestlich von Garmisch-Partenkirchen.<br />
Es ist „das Zugspitzdorf“. In der<br />
Trailrunning-Szene kennt man es als<br />
Start- und Zielort des Salomon-Zugspitz-Ultratrails<br />
– und damit ist unter<br />
Sportlern schon vieles gesagt! In Grainau<br />
kann man sich prächtig erholen<br />
und wunderbar vielfältig Outdoorsport<br />
betreiben. Das passt und bürgt<br />
für erholsame Tage in der Natur – für<br />
die Großen und die Kleinen.<br />
URSPRÜNGLICHER CHARME<br />
Umgeben von saftigen Wiesen und<br />
eingebettet in die imposante Bergkulisse<br />
von Zugspitze, Waxenstein und<br />
Alpspitze hat sich Grainau mit seinen<br />
3.700 Einwohnern außerdem einen<br />
ursprünglichen Charme bewahrt.<br />
Der blaugrün schimmernde Eibsee,<br />
der Badersee oder die Höllentalklamm<br />
sind Kleinode in der Natur<br />
und laden zu Ausflügen ein. Die fünf<br />
Grainauer Ortsteile, die durch Busse<br />
oder die Zugspitzbahn verbunden<br />
sind, verteilen sich auf ein weitläufiges,<br />
parkähnliches Gelände.<br />
Sanft ansteigende und alpine<br />
Wander- und Spazierwege von insgesamt<br />
rund 100 Kilometern Länge erschließen<br />
die Gebirgswelt und bieten<br />
zahlreiche aktive alpine Erholungsmöglichkeiten.<br />
Ob Kajaken auf der Loisach,<br />
Schwimmen, Gleitschirmfliegen,<br />
Radeln oder Mountainbiken; ob<br />
Nordic-Walking, Trailrunning, Genusswandern,<br />
Bergsteigen oder Klettern<br />
– das sportliche Sommerangebot<br />
ist fast unbegrenzt.<br />
HERZLICHE GASTFREUNDSCHAFT<br />
Das umfangreiche Übernachtungsangebot<br />
lässt ebenfalls keine Wünsche<br />
offen, es reicht vom günstigen Privatzimmer<br />
über die beiden 3- und 5-Stern<br />
Campingplätze bis hin zum First-<br />
Class-Hotel. Keine Frage: Eine herzliche<br />
Gastfreundschaft, bayerische Gemütlichkeit<br />
und viel Kultur mit<br />
bekannten Ausflugszielen rundherum<br />
– in Grainau lässt sich eine gute<br />
Urlaubszeit verbringen. Im Sommer,<br />
und überhaupt zu jeder Jahreszeit!<br />
Viele Vergünstigungen<br />
bietet die GrainauCard<br />
Mit der GrainauCard gestaltest du deinen<br />
Urlaub am Fuße der Zugspitze noch<br />
besser. Sie beinhaltet nämlich zahlreiche<br />
kostenlose und ermäßigte Angebote,<br />
zum Beispiel die kostenlose Nutzung<br />
der Bayerischen Zugspitzbahn auf der<br />
Talstrecke (bis zum Eibsee). Damit erlebst<br />
du einfach noch mehr Grainau –<br />
und noch mehr Urlaub!<br />
www.grainaucard.de<br />
Kontakt<br />
TOURIST-INFORMATION<br />
ZUGSPITZDORF GRAINAU<br />
D-82491 Grainau<br />
Tel.: +49/(0)8821-981850<br />
E-Mail: info@grainau.de<br />
www.grainau.de<br />
FOTOS: TOURIST-INFO GRAINAU, BAYERISCHE ZUGSPITZBAHN BERGBAHN AG, MATTHIAS FEND<br />
236<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
OUTDOORGUIDE<br />
MIT GUTEM GEFÜHL<br />
IN DIE BERGE<br />
IN DER FRÜH AUFZUSTEHEN UND EINE BERGTOUR VOR SICH ZU HABEN:<br />
Ja, das ist ein gutes Gefühl. Vor allem, wenn man auch für den Notfall vorgesorgt hat und<br />
eine Freizeitunfallversicherung besitzt. Es sind nämlich nicht nur „die anderen“, denen was<br />
passiert. Und Bergekosten können in den fünfstelligen Bereich gehen – weiß man bei zwei<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-Kooperationspartnern, den Naturfreunden und der Nürnberger Versicherung.<br />
Bis hier haben wir in diesem<br />
<strong>Outdoorguide</strong> über 230 Seiten<br />
lang Lust auf Outoor und die<br />
Berge gemacht. Zeit, auch eine<br />
Mahnung auszusprechen. Und daran<br />
zu erinnern, dass Unfälle in der Freizeit,<br />
anders als Arbeitsunfälle, nur einem<br />
stark eingeschränkten gesetzlichen<br />
Versicherungsschutz unterliegen.<br />
Jeder Sportler und besonders<br />
Bergsportler sollte daher eine Freizeitunfallversicherung<br />
besitzen.<br />
Vorsicht sollte natürlich generell<br />
bei allen Unternehmungen am Berg<br />
an der ersten Stelle stehen – auch bei<br />
solchen, die nicht als „Risikosportarten“<br />
gelten. „Laut Statistik des Kuratoriums<br />
für alpine Sicherheit verunglückten<br />
im Vorjahr 267 Menschen in<br />
Österreich im Sommer und Winter in<br />
den Bergen tödlich. Davon starben 4<br />
bei Hochtouren, 13 beim Klettern<br />
bzw. in Klettersteigen und 100 beim<br />
Bergsteigen oder Wandern“, weiß<br />
man bei unserem Kooperationspartner,<br />
den Naturfreunden Österreich.<br />
Neben Herz-Kreislauf-Störung<br />
war die Hauptursache für die Unfälle<br />
einfaches, unspektakuläres Stolpern.<br />
Schlussfolgerung: „Die größte Gefahr<br />
steckt dort, wo man sie am wenigsten<br />
erwartet. Und es sind eben nicht immer<br />
‚die anderen‘, denen was passieren<br />
kann. Es kann alle treffen: Ältere<br />
sowie die Jugend, fitte Sportler sowie<br />
gemütliche Wanderer. Vor dem Ausrutschen,<br />
Umknöcheln oder Stolpern<br />
ist niemand gefeit.“<br />
BERGUNGS- UND FOLGEKOSTEN<br />
Passiert ein Unfall in den Bergen,<br />
kann es zudem leicht passieren, dass<br />
die Kosten für die Rettung aus der eigenen<br />
Tasche bezahlt werden müssen.<br />
Bei Hubschraubereinsätzen liegen<br />
diese Kosten schnell im vier- oder sogar<br />
fünfstelligen Bereich. Aber auch<br />
Leistungen, die über eine medizinische<br />
Erstversorgung hinausgehen,<br />
werden von der gesetzlichen Unfallversicherung<br />
kaum gedeckt. Daher ist<br />
FOTO: Birgit Machtinger/Naturfreunde Österreich<br />
238<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
es wichtig, eine zusätzliche Freizeitunfallversicherung<br />
abgeschlossen zu<br />
haben. Oder Mitglied in einem alpinen<br />
Verein ist, denn hier ist eine Freizeitunfallversicherung<br />
im Mitgliedspreis<br />
inkludiert.<br />
Um die Wichtigkeit der Thematik<br />
zu untermauern, haben wir bei Natalie<br />
Hahnenkamp angefragt, die bei<br />
den Naturfreunden Österreich für<br />
Versicherungsangelegenheiten zuständig<br />
ist. Sie erzählt von drei Fällen<br />
aus dem Vorjahr, die ihr stark in Erinnerung<br />
geblieben sind.<br />
Fall 1: Monika E. aus Kematen<br />
(Tirol) unternahm an einem sonnigen<br />
Julitag eine Wanderung auf den Nazogl.<br />
Beim Abstieg war sie schon etwas<br />
müde und unkonzentriert. Monika<br />
blieb mit einem Fuß in einer kleinen<br />
Spalte hängen und stürzte einige Meter<br />
kopfüber ab. Dabei schlug sie mit<br />
dem Kopf auf einem Stein auf. Ein<br />
Notarzthubschrauber wurde geholt<br />
und sie wurde nach der Erstversorgung<br />
ins nächstgelegene Krankenhaus<br />
gebracht. Ein paar Monate später<br />
erhielt sie eine Rechnung in der Höhe<br />
von 10.800 Euro.<br />
Fall 2: Andreas Sch. aus Wien unternahm<br />
an einem herbstlichen Wochenende<br />
eine Klettersteigtour auf<br />
der Rax (NÖ). Beim Vorstieg auf einem<br />
steilen Gelände rutschte er leider ab,<br />
stürzte einige Meter in die Tiefe und<br />
brach sich den Fuß. Die Flugrettung<br />
musste ihn ins nächste Krankenhaus<br />
bringen. Kurz später fand er eine<br />
Rechnung in Höhe von 6.600 Euro in<br />
seinem Briefkasten.<br />
Fall 3: Maria K. aus Liezen (St)<br />
wollte ihre Heimatberge wieder einmal<br />
erkunden und eine einfache<br />
Wanderung auf den Hochkogel machen.<br />
Am Nachmittag sammelten<br />
sich am Himmel dunkle Wolken und<br />
Maria wollte daher möglichst rasch<br />
ins Tal absteigen. Beim flotten Gehen<br />
blieb ihr Wanderstock in einem Felsen<br />
hängen. Beim schwungvollen Herausziehen<br />
stürzte sie frontal auf eine<br />
Felsplatte. Die Notärzte stellten eine<br />
Prellung der Bauchdecke und Verletzung<br />
innerer Organe fest. Die Kosten,<br />
die bei der Rettung und beim Spitalsaufenthalt<br />
entstanden, beliefen sich<br />
auf 6.600 Euro.<br />
Glück im Unglück hatten alle<br />
drei insofern, als sie Naturfreunde-Mitglieder<br />
sind und die Naturfreunde-Freizeitunfallversicherung<br />
die Kosten übernahm.<br />
DIE KURZZEIT-ALTERNATIVE<br />
Auch bei der Nürnberger Versicherung,<br />
einem weiteren unserer Kooperationspartner<br />
(u. a. bei unseren<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-Camps), kennt man viele<br />
solcher Fälle. Der Nürnberger „Bergschutz“<br />
gilt als Vorreiter bei Kurzzeitversicherungen,<br />
die vor allem für Gelegenheitsbergsportler<br />
oder im<br />
Urlaub eine Alternative sein können<br />
Die Idee: sich für 24 Stunden bis 7 Tage<br />
versichern – eben genau so lange, wie<br />
man am Berg unterwegs ist. Kosten<br />
dafür: Ab € 4,98.<br />
„Das Konzept wird vor allem von<br />
Jungen sehr gut angenommen“, weiß<br />
Christian Winkler von der Nürnberger.<br />
Der rasche Abschluss online oder<br />
per App mag ebenso dazu beitragen,<br />
wie die Tatsache, dass der Versicherungsschutz<br />
nach dem vereinbarten<br />
kurzen Zeitraum automatisch endet.<br />
„Und auch Veranstalter von Events<br />
setzen vermehrt auf unser Versicherungskonzept“,<br />
erzählt Winkler.<br />
Mehr Info: bergwelt.nuernberger.at.<br />
Doch letztlich ist egal, für welche<br />
Form der Versicherung man sich entscheidet,<br />
die Hauptsache ist: Gut versichert<br />
geht’s auch wirklich mit gutem<br />
Gefühl in die Berge ...<br />
DAS „FREIZEIT-VORTEILSTICKET“<br />
Naturfreunde-Mitglieder sind automatisch freizeitunfallversichert. Um 45,60 € im Jahr<br />
(Mitgliedsbeitrag <strong>2017</strong> für Vollmitglieder) können sie aber noch viel mehr Vorteile nutzen!<br />
Als <strong>SPORTaktiv</strong>-Kooperationspartner<br />
liefern die Expertinnen und Experten<br />
der Naturfreunde Österreich in jeder<br />
Ausgabe wertvolle Ratschläge. Umgekehrt<br />
der Tipp: Eine Naturfreunde-Mitgliedschaft<br />
hat viele Vorteile –<br />
hier die wichtigsten:<br />
SICHERHEIT: Bietet die weltweite<br />
Freizeitunfallversicherung (Bergungs-,<br />
Rückholkosten, Gesamtinvalidität ab<br />
25 %) und Haftpflichtversicherung,<br />
die im Mitgliedsbeitrag inkludiert ist.<br />
Detail-Info: www.naturfreunde.at/<br />
versicherung<br />
ALPINE KOMPETENZ: Fundierte Ausbildungen,<br />
Kurse und Trainings in den<br />
Naturfreunde-Ausbildungszentren,<br />
Boulder- & Kletterhallen sowie im<br />
Wildwasserzentrum Wildalpen.<br />
HÜTTENLEBEN: 30 % Ermäßigung<br />
bei Übernachtungen in Schutzhütten<br />
aller alpinen Vereine in Österreich.<br />
MEHR ERLEBNIS: Laufend attraktive<br />
und preisgünstige Angebote und Veranstaltungen<br />
in 460 Ortsgruppen und<br />
neun Landesorganisationen aus sämtlichen<br />
Freizeit- und Sportbereichen.<br />
ABENTEUER FÜR KIDS: Spannende<br />
Feriencamps und Umweltprojekte für<br />
Kinder und Jugendliche.<br />
MEHR URLAUB: Attraktive Sporturlaube<br />
sowie Reiseangeboten im Inund<br />
Ausland.<br />
MEHR INFORMATION: Dank des Magazins<br />
„Naturfreund“, das den Mitgliedern<br />
4 x jährlich interessanteste News<br />
sowie wichtige Service- und Freizeittipps<br />
liefert.<br />
239<br />
Mitgliedsbeiträge der<br />
Naturfreunde <strong>2017</strong><br />
VOLLMITGLIED: € 45,60<br />
ERMÄSSIGTER BEITRAG: € 28,10<br />
(gilt für: 2. Mitglied in einer Lebensgemeinschaft,<br />
19- bis 25-Jährige, Student/-innen<br />
bis zum 27. Lebensjahr,<br />
Ausgleichszulagenempfänger/-innen)<br />
KINDER/JUGENDL. BIS 19 JAHRE: € 18,80<br />
FAMILIENMITGLIEDSCHAFT: € 81,50<br />
Voraussetzung: Familie (mind. 3 Personen)<br />
lebt im gemeinsamen Haushalt<br />
FAMILIENBETRAG FÜR ALLEINERZIEHENDE:<br />
55,50 €<br />
INFOS+KONTAKT:<br />
NATURFREUNDE ÖSTERREICH<br />
Viktoriagasse 6, 1150 Wien<br />
Tel.: 01/892 35 34-0<br />
E-Mail: info@naturfreunde.at<br />
WEB: naturfreunde.at/mitgliedschaft
ESSAY<br />
EGYD GSTÄTTNER:<br />
ÜBER ALLEN<br />
GIPFELN IST ...<br />
WELLNESS<br />
FOTO: iStock<br />
240<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
„ICH BRAUCHE EINEN GIPFEL!“<br />
fleht Karl Friedrich Sattmann im zweiten<br />
Teil der Piefka Saga, die silberne<br />
Wandernadel ist ihm zu minder. „Ich<br />
zahle jeden Preis.“<br />
Daran hat sich bis heute nichts geändert.<br />
Aber während der Bergführer<br />
Thomas damals noch seine Stirn runzelte,<br />
rollen die Tourismusexperten<br />
unserer Tage sofort den roten Teppich<br />
auf den Gipfel, selbstverständlich „in<br />
Einklang mit der Natur“, und sie haben<br />
auch die entsprechende Sprache bzw.<br />
die entphrasendsten Phrasen dafür intus:<br />
„Lieber Karl Friedrich, herzliche<br />
Gratulation, du bist der moderne,<br />
multi optionale Bergurlauber par<br />
excellence! Und wir bieten dir in unserem<br />
unvergesslichen Naturerlebnis-Eldorado<br />
genau das, was du brauchst: einerseits<br />
Rückzug von der Hektik des<br />
(Flachland-)Alltags, andererseits Erlebnisorientiertheit,<br />
sozusagen Abenteuerheit,<br />
aber in Sicherheit, Action und<br />
Adrenalinkicks! Und das alles in einem<br />
guten Preis-Leistungs-Verhältnis im<br />
Einklang mit der Natur von uns, deinen<br />
authentischen Gastgebern, die wir<br />
dir deine spannende und einfach zu erreichende<br />
Outdoor-Erlebniswelt perfekt<br />
inszenieren.“<br />
Da läuft einem das Hochgebirgswildwasser<br />
im Mund zusammen! Und<br />
wenn ein Mann älter wird, legt er natürlich<br />
Wert auf hohen Wohlfühlfaktor.<br />
Und bei der Wahl zwischen dem<br />
meditativen Weitwanderboom und<br />
dem kontemplativen Kurzwanderboom<br />
kreuzt er immer öfter b) an. Dasselbe<br />
gilt für die Wahl zwischen Sternenzelt<br />
und Vier-Sterne-Ressort oder<br />
die Wahl zwischen schöner Landschaft<br />
und schöner Saunalandschaft.<br />
Hauptsache, die Landschaft ist authentisch<br />
und der Wein autochton!<br />
WIE SALZBURGER NOCKERL<br />
Auch ich brauchte einen Gipfel und<br />
ich entschied mich für unseren naturbelassenen<br />
Outdoor-Erlebnis-Großglockner.<br />
Ich inszenierte ihn selbst<br />
und bezwang ihn gleich zweimal.<br />
Ein Mann wird älter. Der Mann bin<br />
ich. Das Älterwerden passierte ganz<br />
plötzlich, letztes Jahr, von einem Tag<br />
auf den anderen. Noch an dem einen<br />
Tag habe ich den Glockner bezwungen.<br />
Das war nicht schwer. Ich musste<br />
gar nichts tun, denn ich saß im Flugzeug.<br />
Ich hatte einen Fensterplatz und<br />
gaffte gierig hinunter: Schöne Welt! Je<br />
höher man fliegt, desto schöner wird es<br />
unten.<br />
Hundertprozentig sicher kann<br />
ich mir natürlich nicht sein, dass es<br />
wirklich der Glockner war, den ich bezwungen<br />
habe. Denn die Alpen im<br />
Allgemeinen und die Tauern im Speziellen<br />
haben ja so unendlich viele Gipfel<br />
und im Grund schaut einer wie der<br />
andere aus. Hübsch angezuckert waren<br />
auch noch alle.<br />
Natürlich weiß ich, dass der Großglockner<br />
3.798 Meter hoch ist. Aber<br />
hier oben im Flieger konnte ich<br />
schwer nachmessen und ich besaß<br />
auch kein so langes Maßband. Natürlich<br />
hatte ich Markus Pernharts<br />
Glockner-Gemälde im Kopf, aber das<br />
nutzte mir auch nicht als Schablone.<br />
Von oben betrachtet waren die Alpen<br />
eine Salzburger-Nockerl-Wüste: authentische<br />
Gastlichkeit sozusagen.<br />
Der Johannesberg<br />
ist eigentlich viel<br />
schöner als der Großglockner.<br />
Aber er<br />
hat einfach einen<br />
schlechteren PR-Manager.<br />
Und es fehlen<br />
ihm leider 338 Meter.<br />
EGYD GSTÄTTNER<br />
Nach Salzburg flog die Maschine<br />
übrigens nicht weiter Richtung Zentraldeutschland<br />
(dessen Äcker von<br />
oben wie ein Gustav-Klimt-Puzzle<br />
ausschauen), sondern sie schwenkte<br />
und flog die Nordkette entlang. Und<br />
da sah ich auch schon einen dicken<br />
blauen Fleck: den Bodensee! Konstanz!<br />
Lindau! Bregenz! Der Pfänder,<br />
Vorarlberg!<br />
Wie anmutig sich von hier oben<br />
gesehen die Rheintalautobahn durch<br />
das Rheintal schlängelt! Seltsam ist<br />
bloß, dass die Rheintalautobahn direkt<br />
in den Bodensee mündet. Ebenerdig<br />
ist mir das nie aufgefallen. Wenn<br />
da nur kein Unglück passiert. Aber<br />
des Rätsels einfache Lösung lautete:<br />
Das war gar nicht die Rheintalautobahn<br />
– das war der Rhein!<br />
Weil ein Flug in 10.000 Meter<br />
Höhe zwar ein himmlisches Abenteuer<br />
ist, man so hoch oben aber doch das<br />
eine oder andere verwechseln kann,<br />
habe ich mir noch im Flugzeug vorgenommen,<br />
den Glockner noch einmal<br />
anders zu bezwingen, nämlich mit<br />
dem Rad. Bekanntlich hat der Herr<br />
den Mountain erschaffen, damit dem<br />
Mountainbike nicht so fad ist.<br />
Im Sportgeschäft hatte ich aber<br />
ein unangenehmes Aha-Erlebnis zu<br />
verdauen: So ein Mountainbike<br />
schaut ja völlig anders aus, als ich es<br />
mir vorgestellt hatte: zwei dicke Reifen,<br />
ein Rahmen – und der Rest? Alles<br />
gestohlen. Von der Beleuchtung einmal<br />
ganz zu schweigen, fehlten etwa<br />
vorne und hinten die Kotflügel, die,<br />
wie der Name schon sagt, Schmutzschutz<br />
bieten, wenn einen sein Weg<br />
durch Kot und Kuhflade führt.<br />
LÖSUNG LEIHRUCKSACK<br />
Und wo, bitte schön, befindet sich<br />
beim Mountainbike der Gepäcksträger?<br />
Wenn ein Mann älter wird, hat er<br />
ein paar lebensnotwendige Unterlagen<br />
eben immer gerne bei sich: Proviant,<br />
Preiselbeersaft, Doseneiskaffee,<br />
Windjacke, Kappe, Ersatzunterhose,<br />
Ersatzschuhbänder, Handtuch, Badehose,<br />
Erste-Hilfe-Kasten, Medikamente<br />
für Herz, Nieren, Hals und Hirn,<br />
Defibrillator, Fotoapparat, Notizblock,<br />
Lektüre, Nagelzwicker, Lutschtabletten,<br />
Nitrolingualspray, Handbibliothek.<br />
Da stöhnte der<br />
Sportartikelverkäufer und schlug einen<br />
Leihrucksack vor. Ein Leihrucksack?<br />
Ein unterwegs anpassbarer Hiking-Rucksack<br />
mit perfektem Sitz?<br />
Wenn der wüsste, was mein Orthopäde<br />
zu einem Rucksack sagt! Und der<br />
Orthopäde ist ja im Grund bloß der<br />
Pressesprecher meiner Bandscheiben!<br />
Also nie und nimmer!<br />
Über den „Wettkampfbiker“<br />
habe ich einmal gelesen: „Zu viel Ehrgeiz<br />
ist eher kontraproduktiv. Alles,<br />
was über das individuell verträgliche<br />
Trainingspensum hinausgeht, führt<br />
zu Überlastung oder gar Übertraining.“<br />
Genau. Das ist aber auch schon<br />
alles, was ich mit einem Wettkampfbiker<br />
noch gemeinsam habe. Mit den<br />
Jahren bin ich zum Fitnessbiker, zum<br />
241
ESSAY<br />
Alltagsbiker und zuletzt in die Kategorie<br />
„Bikeeinsteiger“ herabgesunken.<br />
Für den Bikeeinsteiger gilt das<br />
gleiche wie für den Bikeaussteiger:<br />
Der Po tut weh, der Rücken schmerzt,<br />
die Hände schlafen ein.<br />
Mein Motto heute: Wenn der Prophet<br />
nicht auf den Berg radelt, schiebt<br />
sich halt der Berg unter die Räder des<br />
Propheten. Nur eine Frage der Inszenierung.<br />
Und damit meine ich die Räder<br />
meines Autos. Klapprad im Kofferraum<br />
neben den Wandershoes. Und so<br />
multioptional positioniert habe ich<br />
den Wellness-Glockner bezwungen.<br />
Wenn ich einen keuchenden Mountainbiker<br />
überholte, versuchte ich, ein<br />
schlechtes Gewissen zu haben. Dafür<br />
aber hatte ich in Heiligenblut keine<br />
Blutblasen, sondern planschte ein<br />
Stündchen im Hallenbad.<br />
SOLANGE ICH ATME, HOFFE ICH<br />
Auf meiner Abenteuerfahrt war ich<br />
hochgestimmt wie einer der Tafelrundenritter,<br />
die König Artus versammelt<br />
hatte. Aus den Rittern von einst sind<br />
Pedalritter geworden, hauptsächlich<br />
freilich Gaspedalritter. Auf der Fahrt<br />
zum Hochtor, dem höchsten Punkt der<br />
Passstraße (Passhöhe 2.504 Meter), waren<br />
mir allerdings zwei todesmutige<br />
Strampler entgegengekommen. Es sah<br />
tierisch-brutal-bärig aus, wie sie so<br />
zwischen Schneewänden auf ihren filigranen<br />
Rädlein durch den gewaltigen<br />
Nebel ins gewaltige Nichts zischten.<br />
Was für Adrenalinkicks die bei dieser<br />
Action haben mussten!<br />
Bevor sie losgebraust waren, hatten<br />
sie wohl über den Tunnel des<br />
Hochtors die Worte IN TE DOMINE<br />
SPERAVI gemeißelt. Ich hoffe, es hat<br />
ihnen genützt: Sollten die anonymen<br />
Bikedownhiller das Bikedownhillen<br />
überlebt haben – Glückwunsch! Falls<br />
nicht: Beileid! Antworten könnte man<br />
auch: Dum spiro, spero! Solange ich<br />
atme, hoffe ich. „Spiro“ heißt übrigens,<br />
soviel ich weiß, eine Sportartikelhersteller-Firma.<br />
Mir freilich stand der Sinn nach<br />
Pasterzengletscher und Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.<br />
Die wird hier<br />
auf allen Ansichtskarten und Erlebnisführern<br />
überall mit „f“, nirgends<br />
mit „ph“ geschrieben. Aber was ist<br />
schon richtig? Was falsch? Schließlich<br />
steht am Nationalparkplatz, auf<br />
EGYD GSTÄTTNER<br />
Der Klagenfurter ist freier<br />
Schriftsteller und Hobbysportler.<br />
2.365 Metern – na was wohl? – ein Ruderboot.<br />
Ganz aus Bronze! Schließlich<br />
wurden die Bergriesen hier ringsherum<br />
vor ein paar Millionen oder Milliarden<br />
Jahren (ist ja wurscht) aufgefaltet<br />
und sind aus dem Urozean<br />
herausgekrochen.<br />
Alpe-Adria-authentisch! Deswegen<br />
weht wohl hier oben neben anderen<br />
auch die portugiesische Fahne. Es<br />
ist zu wunderbar, um erfunden zu<br />
sein! Alpe-Adria-Atlantik-Romantik!<br />
Jedenfalls habe ich mich in das<br />
Pasterzengletscherbronzeruderboot<br />
gesetzt, denn von dort hat man den allerbesten<br />
Blick auf him himself – auf<br />
den Großglockner, von dem auf allen<br />
Panoramakarten und in allen Erlebnisführern<br />
steht, dass er 3.798 und<br />
nicht einen Meter weniger hoch ist.<br />
Noch zwei Meter mehr und er hätte<br />
3.800. Das wäre eine perfekt inszenierte<br />
Positionierung, aber das kann<br />
noch dauern.<br />
Aber im Pasterzengletscherbronzeruderboot<br />
sitzend habe ich mich als<br />
multioptionaler Bergurlauber, einer<br />
spontanen Stimmungslage nachgebend,<br />
gegen Action und Adrenalin<br />
und für Entspannung entschieden,<br />
denn durch die Kopflöcher der ins<br />
Hochgebirgspanorama gestellten Sisi-und-Franz-Attrappe<br />
blickend (authentisches<br />
Kulturerlebnis) sah ich,<br />
dass der Johannisberg zwei Gipfel weiter<br />
viel schöner und viel authentischer<br />
ist als der Großglockner!<br />
Hätte ich ein Netzwerk, hätte ich<br />
das Johannisberg-Eldorado-Aha-Outdoor-Erlebnis<br />
sofort kommuniziert!<br />
Habe ich aber nicht und deswegen<br />
weiß es auch niemand, und kein postmoderner<br />
Bergsportler kennt und<br />
ehrt den Johannisberg! Der arme Johannisberg<br />
hat einfach den viel<br />
schlechteren PR-Manager! Das Johannisbergproblem<br />
ist halt, dass er nur<br />
3.460 Meter hoch ist. Nur Platz 2! Zwar<br />
ist er immerhin um 92 Meter höher als<br />
der Hohe Ten, um sensationelle 129<br />
Meter höher als der Fuscherkarkopf,<br />
und dem Sonnenwelleck (3.261 m) hat<br />
er geradezu ein Debakel zugefügt.<br />
Aber er ist eben nach wie vor 338 Meter<br />
niedriger als der Glockner.<br />
DER FUDSCHIJAMA DER ALPEN<br />
Das muss man sich einmal vorstellen:<br />
So gewissenhaft hat sich der Johannisberg<br />
den ganzen Winter über vorbereitet,<br />
so beinhart trainiert, so optimistisch<br />
ist er in die neue Saison<br />
gestartet – und ist immer noch bloß<br />
3.460 Meter hoch. Eine Zahl, die keiner<br />
kennt und niemand hören will.<br />
Wenn sich der Johannisberg so<br />
weiter auffaltet, könnte in der nächsten<br />
Milliarde Jahre noch der eine oder<br />
andere Millimeter dazukommen.<br />
Aber bei Platz 2 wird es bleiben. Eine<br />
Enttäuschung letztlich. Dabei viel<br />
schöner! Viel prächtiger glänzt dessen<br />
Eisgefilde! Wie die Schärpe eines<br />
Brautkleids führt der Pasterzengletscher<br />
ja nicht zum schwarzweißgescheckten<br />
Glockner, sondern zum<br />
tiefweißen eleganten Johannisberg,<br />
zum Mont blanc der Tauerngruppe,<br />
zum Fudschijama der Alpen!<br />
Daher habe ich mir als nächstes<br />
Ausdauerabenteuer vorgenommen,<br />
den Glockner zu erniedrigen und den<br />
Johannisberg (3.460 m!!!) zu erhöhen!<br />
Hoppauf, Joahnnisberg! Man muss<br />
immer zu den Schwächeren halten!<br />
Das wird ein Natur-Abenteuer, dachte<br />
ich in der Panorama-Saunalandschaft<br />
meines Mountain-Resort-Hotels,<br />
schaute durch die Panoramascheibe,<br />
schwitzte und sah: Über allen Gipfeln<br />
ist Wellness! Warte nur, balde, schwitzest<br />
du auch!<br />
KARIKATUR: Pismetstrovic<br />
242<br />
<strong>SPORTaktiv</strong>-OUTDOORGUIDE <strong>2017</strong>
Unsere Regionen bieten<br />
viele köstliche Speck- und<br />
Schinkenschmankerl.<br />
Mit bestem Schweine fleisch,<br />
sorgfältiger Herstellung und<br />
typisch alpen ländischen Würzungen<br />
wird jede Berg jaus’n<br />
zum kulinarischen Erlebnis.<br />
Mehr auf amainfo.at<br />
”<br />
Ich<br />
schau drauf,<br />
dass wir zum Wandern<br />
a ordentliche<br />
Motivation mitbringen.<br />
“<br />
Unsere Vielfalt. Unser Genuss.
Akku aufladen<br />
auf gut österreichisch.