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Kultur de Lux - Mai 2017

Kultur de Lux - Mai

Kultur de Lux MONTAG, 29. MAI 2017 Mehr als 14 Meter lang ist dieser „LuXembourg“-Schriftzug auf der Kinnekswiss nahe dem Glacis – eine Marketingidee mit Fotomotivund Selfiepotenzial. Auch Jacob Gapp (links) und Adam Heine aus Minnesota haben den Eyecatcher fotografiert – als Erinnerung an ihren Urlaub. Noch etwa drei Wochen bleiben die Riesenbuchstaben im Stadtpark, bevor sie ihre Reise durchs Großherzogtum fortsetzen. FOTO: ARIANE ARNDT-JAKOBS INTERVIEW NATURMUSEUM „Wir posten etwas über Katzen – und die Leute rennen uns die Bude ein.“ Neues in den Museen: Katzen und Geschichte INTERVIEW LËTZEBUERG CITY MUSEUM „Wie in einer Zeitmaschine mitten auf den Marktplatz im 17. Jahrhundert.“ Saurier- und Katzenfreund: Patrick Michaely. FOTO: MNHN Zwei Luxemburger Museen präsentieren sich renoviert und umgestaltet. Das Naturmuseum zeigt die Sonderausstellung „Alles für die Katz“. Unter neuem Namen hat das Lëtzebuerg City Museum eröffnet. Kurator Guy Thewes. © LËTZEBUERG CITY MUSEUM, FOTO: DAVID LAURENT Die Katze ist seit Tausenden von Jahren ein beliebtes Haustier des Menschen. Ihr und ihren wilden Verwandten widmet sich die Ausstellung „Alles für die Katz“ im Luxemburger Naturmuseum. Dessen Sprecher Patrick Michaely erzählt von den Hintergründen der Ausstellung, von einem besonderen „Catwalk“ und von der Popularität der Katze im Internet. Welche Idee steht hinter der Ausstellung „Alles für die Katz“? Patrick Michaely: Es ist eine monographische Beschäftigung mit einer Tiergruppe, wie wir sie schon ein paar Mal hatten – 2001 zum Beispiel mit einer Ausstellung über Bären. Das war ein Riesenerfolg. Auf die Katze sind wir einerseits gekommen, weil wir einige Exemplare besitzen, andererseits durch unsere Forschungsarbeit. Es gab ein größeres Wildkatzenprojekt unseres Museums, und da kam die Idee auf, dieses Thema an die Öffentlichkeit zu bringen – mit einer Ausstellung über Katzen. In der Ausstellung geht es aber nicht nur um Wildkatzen? Michaely: Nein, wir erzählen die komplette Naturund Kulturgeschichte der großen Katzenfamilie sowie ihrer lieben Verwandtschaft: Das geht von der ganz kleinen, der Schwarzfußkatze, bis zur ganz großen, dem Tiger, und von der Haus- bis zur Wildkatze. Die Ausstellung beginnt mit der Frage: Wie kam der Mensch zur Katze? Dabei gehen wir chronologisch vor – angefangen bei den alten Ägyptern, bei denen die Katze fast Gottstatus hatte und stark verehrt wurde. Ihre Wichtigkeit als Mäusevertilger in den Kornkammern für eine solche Kultur kann man sich leicht vorstellen. Welches sind die spannendsten Exponate? Michaely: Das spannendste dürfte der Catwalk sein.Unser größter Saal wird von einem 20 Meter langen Laufsteg, wie man ihn aus der Mode kennt, durchzogen. Katzen haben die Fähigkeit, die auch Models heute haben müssen: mit großer Sicherheit über schmale Stege zu gehen. Daher stammt der Begriff „Catwalk“. Auf dem Catwalk stehen jede Menge Dermoplastiken, also Tierpräparate: Tiger, Löwen, Leoparden, Jaguare, Panther, ... Das ist einfach ein Blickfang, weil man die Familie in ihrer ganzen Vielfalt von Größen und Farben sehen kann. Für Katzenfans ist das toll. Was gibt es sonst noch zu sehen? Michaely: In einem kleineren Raum reden wir über Katzen in der Kultur, „Cat-content“ zum Beispiel – machen Sie nur mal Youtube auf! Wir merken es ja selbst auf Facebook: Wir posten etwas über Katzen – und die Leute rennen uns die Bude ein. Das gilt hoffentlich nicht nur virtuell, sondern auch für die Ausstellung. VON DANIEL JOHN LUXEMBURG Das „ë“ mit den zwei Punkten darüber ist auf einer deutschen Tastatur gar nicht so einfach zu schreiben – auf einer englischen erst recht nicht. In Luxemburg aber geht’s nicht ohne diesen Buchstaben, denn den braucht man schon für den Namen von Stadt und Land. Dass man sich entschieden hat, das Historische Museum der Stadt Luxemburg umzubenennen in Lëtzebuerg City Museum zeugt also ebenso von Lokalkolorit wie von Internationalität. Das entspricht sowohl dem Lebensgefühl der Luxemburger, als auch der Ausrichtung des Hauses. Die neu konzipierte und vor drei Wochen eröffnete Dauerausstellung The Luxembourg Story soll nämlich einerseits internationalen Besuchern einen ersten Überblick über die luxemburgischen Geschichte geben, andererseits Einheimischen die Gelegenheit bieten, ihre Stadt im Detail zu entdecken. Konsequent ist die Abkehr vom Namensbestandteil „historisch“: Gegenwart und Zukunft der Stadt, deren Einwohnerzahl allein in den letzten 20 Jahren um 50 Prozent gewachsen ist, spielen jetzt ebenso eine Rolle im Museum (siehe Interview rechts). Neu sind neben einer Erweiterung der Sammlung um bislang ungezeigte Objekte auch verschiedene interaktive Stationen – etwa zur Tauschurkunde von 963, mit der der Stadtgründer Graf Siegfried den Bockfelsen erwarb, um darauf seine Burg zu errichten, sowie Hörstationen mit Zeitzeugeninterviews zum Zweiten Weltkrieg. Für die Zukunft sind außerdem wechselnde Sonderausstellungen geplant, beginnend im Oktober mit Straßenfotografie mit Szenen aus der Stadt Luxemburg von 1950 bis heute. „Alles für die Katz“ sagt man, wenn etwas vergebliche Mühe gewesen ist. Auf das Luxemburger Nationalmuseum für Naturgeschichte trifft das ganz sicher nicht zu. Dort wurde seit 2015 nicht nur die Ausstellung neu konzipiert, sondern auch das Gebäude saniert. Mit der Sonderausstellung Alles für die Katz hat es wieder eröffnet. Seit wenigen Tagen begrüßen die Katzengöttin Bastet und die Löwengöttin Sachmet die Besucher. Gezeigt wird in einer Kooperation mit dem LWL- Museum für Naturkunde Münster die Natur- und Kulturgeschichte der Raub-, Wild-, Haus-, Schmuse- und aller sonstigen Katzen (siehe Interview links). Bergbau, Bier und Bienen Neben den großen Museen wie dem Mudam, dem Naturmuseum oder dem Lëtzebuerg City Museum gibt es in Luxemburg viele weitere – nicht nur in der Hauptstadt. Kaum ein Thema, dem nicht irgendwo eine Ausstellung gewidmet ist. Eine kleine Auswahl: Rund ums Bier dreht sich zum Beispiel alles auf Schlosses Wiltz. Im Brauereimuseum gibt es eine 50-Liter Mikrobrauerei und eine historische Schänke. Führungen mit Verkostung gibt’s auf Anfrage. Die Bierstadt Diekirch hat ebenfalls ein Brauereimuseum. Im Erdgeschoss befindet sich dort das Konservatorium historischer Fahrzeuge. Im Ort sind außerdem das Nationale Militärmuseum und ein kleines Bienenmuseum, das nur vom 15. Juli bis 15. August geöffnet ist. Honig und Met gibt’s in der Tourist-Info. Der Abbau von Eisenerz in Luxemburg ist Geschichte, im Bergbaumuseum in Rumelange kann man sich aber unter Tage ein Bild Der zweite Teil der Neueröffnung steht erst noch bevor. Die Dauerausstellung ist ab 27. Juni für das Publikum zugänglich. Einen Ausblick auf das, was die Besucher erwartet, gibt Museumssprecher Patrick Michaely: „Wir fangen an mit der Geburt der Erde aus Sternenstaub“, sagt er. Weiter geht es in die Zeit der Dinosaurier. So wird zum Beispiel ein Plesiosaurier gezeigt – ein Meeresreptil mit langem Hals und kleinem Kopf, das von Forschern des Museums gefunden wurde. Überhaupt soll – anders als bisher – die Forschung stärker in den Blickpunkt gerückt werden. In jedem Raum wird künftig die Arbeit der insgesamt rund 30 Forscher des Museums vorgestellt. Neu hinzugekommene Objekte wie der Saurier sind aber nicht der einzige Grund für die Umgestaltung. In den vergangenen 20 Jahren hat, so Michaely, „statistisch gesehen jeder Luxemburger die Ausstellung zweimal besucht.“ Damit war die Zeit reif für etwas Neues. Besucher sollen die Ausstellung intuitiver und über alle Sinne wahrnehmen können. Michaely bringt es auf die kurze Formel: „Die Objekte müssen mir sagen, warum sie da sind.“ ............................................. www.citymuseum.lu www.mnhn.lu von der Arbeit der Kumpel machen. Im Minettpark – sonntags Anfahrt mit Dampflok ab Pétange möglich – geht’s mit der Grubenbahn in die Mine. ............................................. Kooperationspartner dieser Ausgabe sind das Grand Théâtre, die Philharmonie, das Festival International Echternach, das Trifolion Echternach, Neimënster und das Luxemburg City Tourist Office. Die nächste „Kultur de Lux“ erscheint im September. magazin.volksfreund.de Im Jahr 963 beginnt die Geschichte der Stadt Luxemburg. Sie ist im Zeitraffer im Lëtzebuerg City Museum zu sehen. Was außer dem Namen noch neu ist, und warum sich ein Besuch für Einheimische wie für Auswärtige gleichermaßen lohnt, das erläutert Kurator Guy Thewes. Das Geschichtsmuseum heißt jetzt „Lëtzebuerg City Museum“. Warum der neue Name? Guy Thewes: Wir haben eine ganz neue Dauerausstellung und ein neues Gesamtkonzept für das Museum – es ist fast wie ein Neustart. Deshalb bot sich ein neuer Name an, auch damit wir nicht mit anderen Häusern verwechselt werden. Jetzt haben wir ein klares Profil und mit Lëtzebuerg City Museum einen Namen, der auch für internationale Besucher leicht verständlich ist – da weiß jeder, worum es geht: Hier erfahre ich etwas über die Geschichte der Stadt. Was hat sich am Profil des Museums verändert? Thewes: Wir haben jetzt sechs Ausstellungsebenen, aufgeteilt in drei Bereiche: die Dauerausstellung The Luxembourg Story, eine Ebene, wo wir Wechselausstellungen präsentieren zu Themen, die nicht unbedingt stadtbezogen sind, sowie einen dritten Teil für Sammlungsausstellungen, bei denen das Objekt im Zentrum steht. Warum lohnt es sich, das Museum neu zu entdecken? Thewes: In einem Rundgang, der ein bis zwei Stunden dauert, bekommt man die Geschichte der Stadt Luxemburg erzählt – in einer klaren Linie von den Anfängen um das Jahr 1000 bis heute. Neu sind zwei Räume, die Entwicklungs- und Zukunftsperspektiven der Stadt aufzeigen. Vorher war die Ausstellung eher thematisch gegliedert, jetzt chronologisch: Wir haben eine Ebene zum Mittelalter und der Stadt als Festung vom 16. bis 18. Jahrhundert. Dann folgt eine zweite Ebene zum 19. Jahrhundert mit der Schleifung der Festung als zentralem Punkt, mit neuen Stadtvierteln, die entstehen und der Bürgergesellschaft, die sich entwickelt. Auf der dritten Ebene zeigen wir die Stadt im 20. Jahrhundert, von der Zeit der Weltkriege und der Besatzung bis hin zu Luxemburg als Europastadt und Finanzplatz. Welche Exponate muss man unbedingt gesehen haben? Thewes: Was man unbedingt sehen muss, ist unser Panoramaraum, der auf einer 17 Meter langen 360- Grad-Leinwand den Hauptmarkt um die Mitte des 17. Jahrhunderts zeigt. Wie in einer Zeitmaschine wird man mitten auf den Marktplatz versetzt. Das ist sehr beeindruckend. Stadtmodelle, die teilweise multimedial animiert werden, zeigen außerdem die Stadt in verschieden Perioden – zum Beispiel die Belagerung von 1684 durch die Franzosen.

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