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dudli

Made in Bern

SonntagsZeitung — Nr. 2 — 18. Juni 2017

Die schönsten

Velorouten

Der Radrennfahrer und Olympiasieger

Fabian Cancellara über seine Zukunft und

den Kanton Bern als Veloparadies

Baden in Bern

Wie sich unsere Hauptstadt

in Badehose und Bikini entdecken lässt

Grand Tour

Starkoch Anton Mosimann zeigt

seine Lieblingsplätze. Und die besten

Berner Restaurants

Eine Zusammenarbeit der

BE! Tourismus AG

mit der SonntagsZeitung


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EDITORIAL

«Hier bin ich daheim,

hier fühle ich mich wohl»

Er ist einer der erfolgreichsten Schwinger der Schweiz. 2016 wurde Matthias Glarner

zum Schwingerkönig gekrönt. Bodenständigkeit und Tradition sind denn

auch die Werte, die der gebürtige Berner als Chance für die ganze Region sieht

Liebe Leserinnen

Liebe Leser

Bern ist meine Heimat. Rund neunzig Prozent

meiner Zeit verbringe ich in diesem wunderschönen

Kanton. In Meiringen bin ich auf

die Welt gekommen, in der Stadt Bern habe

ich studiert, in Meiringen bei den Bergbahnen

befindet sich auch mein jetziger Arbeitsplatz,

und sogar meine Freundin kommt aus dem

Kanton Bern, dem Berner Seeland.

Am schönsten ist es für mich oben auf den

Planplatten im Haslital. Hier bin ich oft. Beruflich

oder zum Skifahren und Wandern. Die

traumhafte Aussicht vom Brienzersee bis zum

mächtigen Panorama von Eiger, Mönch und

Jungfrau ist einfach unschlagbar.

Aber Bern hat noch mehr zu bieten als schöne

Landschaften, herrliche Ski- und Wandergebiete,

schneebedeckte Gipfel und tiefblaue

Seen. Auch die Gastronomie in unserem Kanton

ist einzigartig mit den vielen typischen

und regionalen Produkten. Wenn ich im

Ausland bin, sehne ich mich nach den währschaften

Speisen, die bei uns auf den Tisch

kommen. Eine deftige Berner Platte etwa oder

eine grosse Portion Meringues. Nach dem Bodenständigen

und Traditionellen, das wir hier

noch immer hochhalten und pflegen.

Im Kanton Bern wird es einem nie langweilig.

Diese Vielseitigkeit ist einmalig für die

Schweiz. Im Radius von nur einer Stunde ist

man oben auf den Gipfeln des Berner Oberlandes

oder in der wunderbaren Landschaft

des Seelandes. Hier leben andere Menschen,

werden andere Traditionen gepflegt. Und

trotzdem bilden wir Berner eine Einheit. Der

Spirit greift über alle Regionen.

Deutlich erlebt man das etwa an einem

eidgenössischen Schwingfest, wenn die Berner

einmarschieren und stolz darauf sind, die

Berner Fahne zu tragen. Ob aus dem Berner

Jura oder der Hauptstadt, wir ziehen alle am

selben Strick. Und das ist wichtig für unsere

Region, die stark vom Tourismus geprägt ist.

Wir müssen eine Einheit bilden, selbstbewusst

auftreten und wegkommen vom Tälerdenken,

das ist unsere Chance.

Vielleicht ist es gerade das Schwingen, diese

traditionelle Sportart, die so typisch ist für uns

Berner (und in der wir in den letzten zehn

Jahren auch ziemlich erfolgreich waren!).

Denn der Schwingsport vereint treffend die

Eigenschaften der Berner. Bodenständigkeit,

Fleiss, Ehrgeiz, Willensstärke. Aber auch

Gemütlichkeit.

Doch gerade die Gemütlichkeit wird von

Nicht-Bernern oft mit Langsamkeit verwechselt.

Gemütlichkeit aber heisst, sich Zeit zu

nehmen, etwas bewusster zu geniessen, seien

es die Berge, die Seen, die pittoresken Dörfer

vom Bielersee bis ins Emmental. Oder unsere

Hauptstadt, die nicht nur verzaubert mit ihrer

Altstadt, den Gassen und Lauben, sondern

auch als Unesco-Weltkulturerbe internationales

Ansehen geniesst.

Mit Gemütlichkeit und Freundlichkeit möchten

wir unsere Gäste empfangen. Damit sie

sich wie zu Hause fühlen. Und immer gern

wiederkommen in meine schöne Heimat. ■

«In nur einer

Stunde ist man

oben auf

den Gipfeln

des Oberlandes

oder im

traumhaften

Berner Seeland»

MATTHIAS GLARNER

2/2017 MADE IN BERN

3


INHALT

Ausflug in die Hauptstadt

Bern bietet nicht nur pittoreske Gassen und Lauben.

Zahlreiche Freibäder und die traumhafte Lage an der Aare

laden auch zum Baden ein

Seite 12

Berner Mundart

Bei Pedro Lenz in Langenthal. Der Schriftsteller und

Kolumnist schreibt fast ausschliesslich in Bärndütsch.

Und feiert damit Erfolge im In- und Ausland

Seite 20

Fabian Cancellara

Der Olympiasieger verrät seine Zukunftspläne.

Und sagt, warum der Velokanton Bern ideal für grössere

und kleinere Fahrradtouren ist

Seite 24

Der Velo-Bauer

Im Dörfchen Oberried entwickelt der frühere Bauernsohn

Thomas Binggeli seine Bikes. Ein Werkbesuch bei Thömus,

einer der weltweit innovativsten Velomarken

Seite 28

Zeit für Uhren

Longines ist eine der vielen Uhrenmanufakturen

im Kanton Bern. Die weltberühmte

Firma hat 1954 das Quarzuhrwerk entwickelt

Seite 30

Unspunnenfest

Der grösste Anlass des Schweizer Brauchtums

findet erst zum zehnten Mal statt. Dieses Jahr werden

in Interlaken 150 000 Besucher erwartet

Seite 34

Über Stock und Stein

Zu Fuss die wunderbare Natur erleben. Eine der

schönsten mehrtägigen Wanderungen führt von

Grindelwald über Adelboden nach Lenk

Seite 38

Mit dem Oldtimer auf Tour

Starkoch Anton Mosimann geht mit einem Jaguar E-Type

auf Entdeckungsreise. Und zeigt die schönsten Plätze

und besten Restaurants seiner Heimat

Seite 40

4

MADE IN BERN 2/2017


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01

Grosse Schanze für die besten Freestyler

Freestyle.ch ist der wichtigste Anlass in der Schweiz für Snowboarder,

Freeskier, Mountainbiker und Freestyle-Motocrosser. Nach Zürich

findet er vom 29. September bis 1. Oktober 2017 erstmals in Bern statt

und zwar auf dem Bernexpo-Gelände. Dank der grossen Schanze, die

in Zürich keinen Platz hatte, ist Freestyle.ch nun offizieller Teil des FIS-

Big-Air-Weltcups und der Olympiaqualifikation für Pyeongchang 2018.

freestyle.ch

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MADE IN BERN 2/2017


HIGHLIGHTS

Hoch hinaus

Warum in die Ferne schweifen? Der Berner Sommer bietet unendlich viel

Abwechslung: Der grösste Freestyle-Anlass der Schweiz sorgt für massenhaft

Adrenalin, das Seaside Musikfestival bringt internationale Pop- und Rockstars

an den Thunersee, und ein Vintage-Fest krönt radelnde Bergkönige

NENA MORF

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MADE IN BERN 2/2017


HIGHLIGHTS

Hunde-Invasion in der

Hauptstadt

02

Bern erwartet diesen Sommer tierische

Besucher: Über hundert Bernhardiner-

Skulpturen werden die Stadt verschönern.

Die sogenannten BernARTiner

sind 1,25 Meter gross und 15 Kiloschwer.

Lanciert hat die Aktion der

Verein «Bern gestaltet». Die weissen

Roh linge wurden von Privatpersonen,

Firmen und Institutionen gekauft und

anschliessend individuell gestaltet.

«Viele Käufer engagierten Künstler für

die Bemalung ihrer BernARTiner», sagt

Pascal Schütz vom Verein «Bern gestaltet».

Die Confiserie Eichenberger etwa

liess ihren BernARTiner vom bekannten

Künstler Ted Scapa kreieren.

bernartiner.ch

04

Status Quo und Krokus rocken

in der Spiezer Bucht

Am malerischen Thunersee findet Ende August erstmals das

Seaside Festival statt – mit musikalischen und kulinarischen

Leckerbissen. Das zweitägige Musikfestival wartet mit einem Topprogramm

auf. «Der Freitag steht ganz im Zeichen der Popmusik»,

sagt Veranstalter Philippe Cornu. Besonders freut er sich auf den

Weltstar Emeli Sandé. Der Samstag gehört dann den grossen,

legendären Rockbands wie Status Quo, Krokus und The Hooters.

seasidefestival.ch

Zu Land

und zu Wassser

Oldtimer-Velos vor dem Alpenpanorama

«Früher war die Schweiz für ihre Velo-Helden berühmt», sagt Alex

Beeler. «Diese Zeit wollen wir wieder aufleben lassen.» Deshalb hat er

den «Bergkönig» initiiert, das verrückteste Vintage-Velo-Festival der

Schweiz. Erstmals veranstaltet wird es am 26. August im Saanenland.

«Es ist eine Hommage an die grossen Jahre des Schweizer Radrennsports

mit Ferdy Kübler und Hugo Koblet.» Zugelassen sind Fahrräder

bis Baujahr 1986, mit denen verschiedene Routen inmitten des Alpenpanoramas

von Gstaad unter die Räder genommen werden können.

bergkoenig-gstaad.ch

Erst eine herrliche Wanderung entlang

des Brienzersees, dann die Rückreise im

Kajak oder mit dem Stand-up-Paddle –

der neue Paddle-Trail auf dem Brienzersee

machts möglich. «Der See ist wegen

seiner Lage und der wenigen Schiffe

perfekt dafür», sagt David Storey vom

Familienunternehmen Hightide Kayak

School. Der Paddle-Trail verfügt über die

drei Standorte Bönigen, Iseltwald und

Brienz. An jedem können Wassergefährte

ge mietet und wieder abgegeben werden.

Storey: «Die Paddler können so ihre

Ausfahrt zu Wasser mit einer Wanderung

oder einer Biketour kombinieren.»

paddletrail.ch / hightide.ch

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MADE IN BERN 2/2017


03

KROKUS

EMELI SANDÉ

FOTOS: KEYSTONE, ANDREAS VON GUNTEN, ZVG

06

Hallo Velo

05

Unter dem Motto «Hallo Velo» steigt am

Sonntag, 6. August, das erste Berner

Velofestival. Die Stadt Bern und sieben

Regionsgemeinden laden Velofahrer ein,

sich am 40 Kilometer langen Rundkurs zu

beteiligen. Auf einem Parcours können die

Velofahrer in den verschiedenen Gemeinden

die Vielfalt des Fahrrads kennenlernen.

So wird in Münsingen das E-Bike im

Zentrum stehen, während sich Köniz dem

Mountainbike auf dem Gurten verschreibt.

hallovelo.be

2/2017 MADE IN BERN

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Mit Volldampf aufs Rothorn

Nach dem Bau der Rigibahn 1871 wollte das Berner Oberland hinter

der Zentralschweiz nicht zurückstehen und begann mit der Planung

einer Eisenbahn aufs Rothorn. Und vor genau 125 Jahren tuckerte

der erste Zug auf den 2244 Meter über Meer gelegenen Gipfel. Ein

Grund zum Feiern! «Vom 19. bis zum 30. Juni gibts spezielle Jubiläumstickets

für Dampfbahn-Fans», sagt Direktor Simon Koller. Im

September ist zudem ein grosses Dampfspektakel mit der Snowdon

Mountain Railway in Wales geplant, die über dasselbe Schienensystem

verfügt und für die die Brienz-Rothorn-Bahn Vorbild war.

brienz-rothorn-bahn.ch

Bahn frei für Wanderer,

Biker und Taucher

Dutzende von Bahnen führen hinauf in die traumhafte

Bergwelt, wo unzählige Sommeraktivitäten

warten. Es muss nicht immer das Jungfraujoch sein,

der Kanton Bern hat noch viele weitere Gipfel, die

sich erwandern oder bequem per Schwebe-, Seiloder

Gondelbahn erklimmen lassen. Lohnenswert ist

etwa eine Fahrt mit der Gelmerbahn, Europas steilster

Standseilbahn. Eine traumhafte Aussicht auf

die mächtigen Viertausender bietet das Schilthorn

mit seinem Drehrestaurant. Weniger bekannt, aber

genauso spektakulär ist auch ein Ausflug auf den

Harder bei Interlaken, aufs Niederhorn hoch über

dem Thunersee oder aufs Stockhorn im Simmental.

madeinbern.com/bergbahnen

08

10

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07

10

Wie ein Adler durch

die Lüfte sausen

Einsteigen, anschnallen und los

gehts! Im First-Glider fühlt man

sich frei wie ein Adler hoch in den

Lüften. Mit rund siebzig Stundenkilometern

geht es ab Schreckfeld

zuerst bergaufwärts nach First.

Im Adlerhorst angekommen

fliegen die tollkühnen Piloten dann

mit Höchstgeschwindigkeit kopfvoran

zurück nach Schreckfeld.

Der First-Glider bietet im Gegensatz

zum First-Flyer gleichzeitig

Platz für bis zu vier Personen.

jungfrau.ch

Gleich zwei Hotels erstrahlen in

neuem Licht im Kanton Bern. Das

eine ist das Boutique-Hotel Ultima

in Gstaad, das mit seinen 17 Suiten

über alle Annehmlichkeiten eines

Edelresorts verfügt. Was man hier

nicht findet, ist eine herkömmliche

Rezeption. «Unsere Gäste sollen

sich bei uns wie zu Hause fühlen»,

sagt Generaldirektor Andrés

Oppenheim. Deshalb werden die

Besucher

10

von einem persönlichen

HOTEL SAVOY

Der ultimative

Genuss

Betreuer in Empfang genommen.

Aber auch das Berner Traditionshaus

Savoy leuchtet nach einer

Totalrenovation wieder. Nur die

Fassade blieb bestehen. «Ansonsten

haben wir das Gebäude komplett

erneuert und mit allen Schikanen

ausgestattet», sagt Geschäftsführer

Marc Haubensak.

11

hotelsavoybern.ch

ultimagstaad.com

HOTEL ULTIMA

09

Nervenkitzel in Kandersteg

Nichts für schwache Nerven. Die neuste Attraktion in der Nordic

Arena in Kandersteg heisst Mountain Tubing. Dabei rauscht man in

Luftreifen den Hang der Sprungschanzen hinunter und erreicht eine

Geschwindigkeit von gegen hundert Stundenkilometern. Das

einzigartige Bergerlebnis gibts von Juni bis September jeweils

freitags von 18 bis 20 Uhr und samstags von 16 bis 18 Uhr. Die drei

grossen Sprungschanzen sind übrigens auch im Sommer in Betrieb.

nordicarena.ch

Ein Verein

mit 240 Hotels

und 23 000 Betten

Um den Tourismus Ende des Ersten

Weltkriegs wieder anzukurbeln, wurde

1917 die «Hotelgenossenschaft

des Berner Oberlandes» gegründet.

Bereits im ersten Jahr traten 405 der

500 Betriebe dem neuen Fachverband

bei. Heute umfasst der Verein Hotellerie

Berner Oberland rund 240 Hotelbetriebe,

die über ein Angebot von

23 000 Betten verfügen und jährlich

3,7 Millionen Logiernächte generieren.

berneroberland.hotelleriesuisse.ch

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Abkühlung vor

dem Bundeshaus.

Seit 2004 sprudeln

die 26 Fontänen

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STADT BERN

Pack die

Badehose ein

Heisse Sommertage können in Städten zur Qual werden.

Nicht so in Bern. Was die Einheimischen immer dabeihaben,

sollten auch die Gäste mitnehmen: Badehose und Bikini

PHILIPP PROBST

13

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STADT BERN

01

Einmalig für

eine Hauptstadt:

Mit dem

Gummiboot

direkt am

Parlamentsgebäude

vorbeipaddeln

02

Wahrzeichen: Das Berner Münster hat

den höchsten Kirchturm der Schweiz

Zu Fuss, mit Hop-on-hop-off-Bussen oder mit

Bimmelbähnchen – so kann man überall auf

der Welt Städte besichtigen. Bern dagegen

bietet noch eine andere, einzigartige Variante:

individuelles Sightseeing auf einer Badetour.

Dabei lernt man nicht nur die Bernerinnen

und Berner kennen, sondern auch den Charakter

dieser Stadt. Gemütlich ist es in und an

der Aare. Man kann «plegere», wie die Berner

sagen. Halt! Auch in Bern wird heute Neudeutsch

gesprochen: Man kann gut chillen

an der Aare. Allerdings ist das Klischee der

Berner Langsamkeit im globalisierten Smartphone-Zeitalter

längst überholt. Doch an der

Aare trifft es noch immer zu. Hier gönnt man

sich ein Stück Heimatschutz. Redet miteinander.

Und zelebriert Gemütlichkeit.

Wer also eine Bade-Stadtbesichtigung

unternehmen will, organisiert sich zuerst

einen Schwimmsack, in dem sich alles wasserdicht

verstauen lässt. Damit geht es hinunter

zur Aare und dort zum Eichholz. Dann rein

in den Fluss und sich treiben lassen. Augen

auf. Durch die Bäume hindurch ist schon bald

die Berner Skyline zu erkennen: das Bundeshaus,

das oben auf dem Hügel thront, rechts

daneben die Häuser der Altstadt. Voilà. Beim

Marzili gibt es den ersten Fotostopp. Raus aus

dem Fluss. Und rein in die chillende Menschenmenge.

Denn an hochsommerlichen

Hitzetagen räkeln und sonnen sich hier mitten

in der Stadt bis zu 15 000 Menschen. Das

Marzili ist eines der grössten Gartenbäder der

Schweiz. Und doch hat es Platz genug. Für

einige Stunden wird hier jeder zum «Marzilianer».

So nennen sich die eingefleischten

Gäste. Und das sind viele. Sommer wie Win-

03

Wappentier und Namensgeber: Die Berner

Bären leben heute im Bärenpark an der Aare

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04

Eine der längsten

gedeckten Einkaufsstrassen

Europas:

Die Berner Altstadt

ist weltberühmt

für ihre Sandsteingebäude

mit ihren

Lauben

05

Bär mit Helm

und Schwert:

Der Zähringerbrunnen

stammt

aus dem

16. Jahrhundert

und steht unterhalb

des Zytglogge-

Turms

FOTOS: ISTOCK, ALAMY

ter. Denn das Freibad ist ganzjährig geöffnet.

Die Schwimmbecken sind im Winter natürlich

leer. Aber wer auch bei Kälte unbedingt

ins Wasser will, geht eben in die Aare. Ja, das

gibt es tatsächlich. «Das sind täglich sicher

zehn bis fünfzehn Leute», sagt Beat Wüthrich.

Der 39-Jährige ist Anlagechef des Freibads

Marzili. Der oberste Bademeister quasi. Dass

der gelernte Metzger nach vielen Umwegen

hier der Chef geworden ist, macht ihn schon

stolz, obwohl er es nicht gleich zugibt. Er sagt

lieber: «Ich bin stolz auf mein grandioses

Team!» Das besteht aus 22 Leuten. «Inklusive

Kassiererin», wie er betont. Betonen muss

er es deshalb, weil das Kassenpersonal nur

zwecks Kästli oder Umkleidekabine da sein

muss. Der Badi-Eintritt ist nämlich gratis.

Wie in allen Gartenbädern der Stadt. Das hat

Tradition. «Bädele» wird offeriert durch die

Stadt Bern. Jeder soll schliesslich schwimmen

dürfen. Allerdings sollte er es auch können.

Vor allem in der Aare. Denn offiziell überwacht

ist der Fluss nicht. Trotzdem werfen die

Bademeister immer mal wieder einen Blick

über den Beckenrand hinaus in Richtung

Aare. Wüthrich: «Nichtschwimmer haben in

der Aare nichts zu suchen.»

Geübte Schwimmer dürfen die Sightseeingtour

also weiter geniessen. Einen Ab-

SOUVENIRS

Aare-Wasser, Stockere Manndli

oder Honiglebkuchen – das Label

«Typisch Bern» vereint traditionelle

und innovative Produkte, Dienstleistungen,

Events und Institutionen, die

für Bern stehen und Bern ausmachen.

bern.com/typisch-bern

stecher zum Schwellenmätteli machen, wo es

sich schon wieder chillen lässt. Bern eben. Von

dort ein Stück zu Fuss zum Bärengraben, was

aber längst kein schrecklicher Graben mehr

ist, sondern ein viel artgerechterer Bärenpark.

Dort gibt es den Jöö-Effekt. Wenn die Bären

gerade aktiv sind. Von hier kann man mit dem

12er-Bus einen Abstecher zum Zentrum Paul

Klee machen. Oder man gelangt mit einem

Katzen- oder eben mit einem Bärensprung

zum Weltkulturerbe Berner Altstadt. Über

die Nydeggbrücke, durch die Kramgasse am

Haus vorbei, in dem Albert Einstein seine

Relativitätstheorie aufgestellt hat, hinauf zur

berühmten Zytglogge. Und von dort zum

Bundeshaus. Da darf dann bereits wieder gechillt

werden. Also nicht im Bundeshaus, hallo,

nein, dort wird politisiert und gearbeitet.

Aber vor dem ehrenwerten Palast sprudelt

Berns Wasserspiel. Ein Riesenplausch! Und

eine willkommene Abkühlung.


2/2017 MADE IN BERN

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STADT BERN

Natürlich gibt es in der Altstadt ganz viel zu

sehen. Doch die Badetour geht weiter. Also

mit dem «Senkeltram», einem Lift mit echten

Liftboys, von der «Pläfe», der Münsterplattform,

hinunter in die Matte. Ein altes

Arbeiterquartier, in dem die Leute früher eine

Sprache parlierten, die die Obrigkeit nicht

verstanden hat: das Matteänglisch. Es ist keine

Fremdsprache, sondern eine Wortverdrehung.

Gepflegt wird sie noch heute, allerdings

im kleinen Kreis.

Zurück in den Fluss. Sich treiben lassen

bis zum Lorraine-Bad. Das ist auch Kult.

«Das Marzili ist für Hipster, die Lorraine für

Hippies», sagt Christoph Hoigné. Das ist jetzt

kein Matteänglisch, das der Kulturveranstalter

spricht, sondern globalisiertes Deutsch. Also:

Das Lorraine-Bad ist nicht ganz so angesagt

wie das Marzili, dafür etwas verwegener. «Es

ist das Woodstock der Freibäder», fügt Hoigné

02

Trendquartier: Der Stadtteil Breitenrain-

Lorraine im Norden von Bern

an. Stimmt. Denn im Lorraine-Bad dreht sich

keiner um, wenn Gäste zum Sonnenbaden die

Hüllen fallen lassen. Der FKK-Bereich ist zudem

gemischt. Der 50-jährige Hoigné betreibt

Das Lorraine-Bad ist

nicht ganz so angesagt

wie das Marzili, dafür

etwas verwegener

das La Cappella, ein Bijou der Kleinkunstszene.

Dieses steht gleich oberhalb des Lorraine-Quartiers

im Breitenrain, dem «Breitsch».

Im nächsten Jahr feiert er das 20-Jahr-Jubiläum

seines Kulturhauses, das früher eine

Methodistenkirche war. Das La Cappella

gilt zwar als etabliert, trotzdem habe es immer

noch den Hauch eines Geheimtipps, wie

Hoigné sagt. Denn das Lokal liegt ein bisschen

versteckt mitten im Wohnquartier. Aber, ein

Lokal, in dem vor allem Musikkabarett zelebriert

wird, das rund 26 000 Besucher pro Jahr

zählt – das schreit förmlich nach Ärger. Einspruch!

Hoigné beklagt sich nicht: «Wir haben

ein freundschaftliches Verhältnis zu unseren

Nachbarn. Ja, das Miteinander funktioniert in

diesem Quartier gut.»

In Bern wird Toleranz gelebt. Was wird

von rechtsbürgerlichen Politikern seit Jahren

auf die Reitschule eingedroschen. Jenem

selbst in linken Kreisen umstrittenen Kulturzentrum.

Oder die Duldung alternativer Lebensformen

in Bauwagen und Hütten. Ein

Relikt aus den Jugendunruhen der 80er-Jahre.

In den meisten Städten ausgerottet. In Bern

noch am Leben. Das Zaffaraya, ursprünglich

im Gas kessel beim Marzili entstanden,

heute zu Hause im Autobahnwirrwarr Neufeld.

Auch das ist Bern. Vielleicht ein Stück

heile Welt, die Kulturveranstalter Hoigné an

Bern so schätzt. «Die Leute, die zu uns ins La

Cappella kommen, sind eben noch bereit, anständige

Preise für ein Ticket zu bezahlen»,

sagt er. Was ihm ermöglicht, neben vielen Jungtalenten

immer wieder etablierte Künstlerinnen

und Künstler ins Berner Breitenrain-

Quartier zu locken. Wie den Schweizer Kabarettisten

Lorenz Keiser. Oder den deutschen

Entertainer Bodo Wartke. «Der am liebsten im

Sommer kommt», wie Hoigné erzählt, «weil

er dann in der Aare schwimmen kann.»

Immer wieder die Aare. Sommer-Gefühl.

Ein Hauch von Süden. «Von unserem Quartier

aus ist man schnell an der Aare», sagt

Hoigné. «Und auch sonst wird hier alles geboten.

Das macht dieses Quartier so beliebt. Einkaufen

und Essen aus allen Kontinenten. Und

eben diese Italianità.» Diese kommt vor allem

auch von der Gelateria di Berna, einer durch

und durch bernischen Mini-Gelateria-Kette,

die einen beeindruckenden Erfolg verbuchen

BERNS

SCHÖNSTE

TERRASSEN

Altes Tramdepot

Selbst gebrautes Bier. Im

Garten dieses historischen

Gebäudes wird Bären-Salat

oder eine Braumeister-Platte

aufgetischt. Und das mitten im

Restaurant gebraute Tram-Bier.

altestramdepot.ch

Schweizerhof

Atemberaubende Aussicht.

Von der Sky Terrace des Hotels

Schweizerhof blickt man über

die Berner Altstadt bis zu den

mächtigen, weissen Bergen des

Berner Oberlandes.

schweizerhof-bern.ch

Schwellenmätteli

Traumhafte Lage. Zwischen

Aare-Flusslauf und Wald,

mit freiem Blick zum Berner

Münster und zum Mattequartier

liegen die vier Restaurants

des Schwellenmätteli.

schwellenmaetteli.ch

16

MADE IN BERN 2/2017


03

Unesco-

Weltkulturerbe:

Die von

der Aare

umflossene

Altstadt

von Bern

04

Der Aare

entlang:

Das

ehemalige

Industriequartier

Lorraine

FOTOS: FABIAN UNTERNÄHRER/13PHOTO, MAURITIUS IMAGES

kann. Eine verrückte Geschichte. Entstanden

in einer Garage, arbeiten heute zwölf Festangestellte

und 55 Teilzeit-Mitarbeitende in den

vier Filialen der Firma. Wie das Naturerlebnis

in der Aare soll auch dieses Gelato authentisch

sein, sagt Hansmartin Amrein, einer der Mitgründer

der Gelateria di Berna. Zitrone soll

nach Sorrento, nach Amalfi-Küste schmecken.

Neuerdings gibt es ein Baumharz-Gelato, das

den Geniesser in den Jura versetzt.

Dass die Erfolgsgeschichte auch stark mit

Berns Quartieren zusammenhängt, ist dem

45-Jährigen bewusst. «Das Marzili, klar, im

Sommer ein Hit. Alles geht baden. Im Breitenrain

hatten wir einen verhaltenen Start.

Aber jetzt kennt man uns. Mattenhof galt lange

als überaltert, mittlerweile ziehen viele Familien

hierher und abends läuft es rund. Und

mit unserem ersten Geschäft in der Länggasse

– das war natürlich ein Glücksgriff.»

Die Länggasse, oder auch «Längiige» genannt,

hat zwar einen gewaltigen Nachteil:

Für Berner Verhältnisse ist die Aare unendlich

weit weg. Trotzdem lohnt sich der Besuch.

Also: Zur Badehose schnell ein luftiges

Shirt überstreifen, in lässige Schlappen

schlüpfen und eintauchen ins quirligste Quartier

von Bern. Hier leben Menschen aus allen

Gesellschaftsschichten. Und wegen der Nähe

zur Uni vor allem viele Studenten. Hier gibt

es aber nicht nur die Gelateria di Berna. Die

Länggasse ist ein Paradies für Schleckmäuler.

Seit 1890 betreibt hier die Bäckerei Glatz


Rosengarten

Hotel Allegro

Bellevue Palace

Einstein au Jardin

Bären im Visier. Das Restaurant

Rosengarten liegt in einer

wunderschönen Parkanlage, nur

wenige Schritte vom Bärenpark

entfernt. Und bietet eine tolle

Sicht auf Altstadt und Münster.

rosengarten.be

Italianità. Auf der grossen

Sommerterrasse des Hotels

Allegro beim Kursaal Bern und

dem Casino werden kühle

Drinks und feinste italienische

Spezialitäten serviert.

kursaal-bern.ch

Eine Oase mitten in der Stadt.

Direkt neben dem Bundeshaus

steht das Traditionshotel

Bellevue Palace mit seiner

lauschigen Terrasse, die den

Blick freigibt auf die Aare.

bellevue-palace.ch

Selber grillieren. Im gemütlichen

Lokal beim Berner Münster

gibts selbstgemachte

Kuchen und Törtchen. Und

im Garten kann sich jeder als

Grillmeister versuchen.

einstein-jardin.ch

2/2017 MADE IN BERN

17


BERNER

MUSEEN

01

Albert

Einstein im

Bernischen

Historischen

Museum

02

Die besten

Glaces gibts

in den Filialen

der Gelateria

di Berna

MUSEUM

FÜR KOMMU-

NIKATION

Am 19. August

wird das

Museum beim

Helvetiaplatz neu eröffnet.

Und zeigt dann auf 2000

Quadratmetern die ganze

Welt der Kommunikation.

KUNST-

MUSEUM

Mit den Werken

der Sammlung

Hahnloser erhält

das Kunstmuseum

Bern eine hochkarätige

Erweiterung seiner

Bestände. Eröffnung ist am

10. August 2017.

IN A NUTSHELL

einen Laden. Werbeslogan: «Gäng delicious».

Was genauso typisches Berndeutsch ist wie

chillen. Glatz ist aber tatsächlich immer lecker:

Für seine luftigen Mandelbärli ist er weit

über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Neben

Glatz und der Gelateria gibt es auch noch das

Kuchenparadies Apfelgold, in dem nicht nur

In der Länggasse

wurde Schweizer

Leckerei-Geschichte

geschrieben

der Magen, sondern dank einer Bibliothek

auch der Geist beglückt werden kann. Ebenso

leckere Kuchen gibt es im Tingel Kringel, das

in erster Linie aber ein Bagelcafé ist.

Und es gab Tobler. In der Länggasse wurde

nämlich Schweizer Leckerei-Geschichte

geschrieben. Ach was, hier passierte Weltgeschichte.

Theodor Tobler und sein Cousin

Emil Baumann erfanden hier 1908 die Toblerone.

Und jedes Stück Toblerone, das heute

irgendwo auf der Welt verkauft wird, stammt

immer noch aus Bern. Aber nicht mehr aus

der Länggasse, sondern aus Bern-Brünnen.

Aus einem kahl-kalten Industriebau neben

der Shoppingmall Westside. Tobler gehört

heute Mondelēz, einem amerikanischen Nahrungsmittelmulti.

Im Gegensatz zu Tobler

kann man aber in der Gelateria di Berna die

Herstellung live mitverfolgen. «Nicht nur

unsere Produkte sind frisch und authentisch.

Wir sind es auch», sagt Hansmartin Amrein.

«Wir produzieren vor Ort, in jeder Filiale.

Nur die Grundglace aus Milch, Rahm und

Zucker wird in unserem Geschäft im Marzili

hergestellt.» Gleich vis-à-vis vom Haupteingang

des Marzili-Bads.

Im Epizentrum des Berner Sommerfeelings.

Hier kann man den Tag gut ausklingen

lassen. Wem das gemeinschaftliche Chillen

dann doch etwas zu viel wird, für den hat

Bademeister Beat Wüthrich noch einen Geheimtipp:

Der Aareschlaufe-Schwumm beim

Zehndermätteli. Da steigt man in die Aare,

lässt sich zwanzig Minuten lang das bewaldete

Ufer entlang treiben, klettert aus dem Fluss

und ist dank einem Tunnel in fünf Minuten

wieder am Ausgangspunkt.

Dort lässt es sich – natürlich – auch wieder

wunderbar chillen!


Autor dieser Reportage ist der Schweizer

Schriftsteller Philipp Probst, der mehrere

Jahre in Bern gelebt hat.

FOTOS: ESTHER MICHEL, 2017 PROLITTERIS, ZÜRICH, CHRISTINE MOOR

Summer

in the city

The picturesque old town

of Bern with its arcades and

narrow streets is a UNESCO

World Heritage Site. The

many historic buildings, the

Bundeshaus, which is home

to the Swiss government and

Swiss Federal Parliament,

and the Minster of Bern,

which features Switzerland’s

highest church tower (100

metres), are among the

must-see spots. Not to

forget Bern’s museums, such

as the Einstein Museum (it

was here in Bern that the

physicist developed his

theory of relativity) or the

Zentrum Paul Klee. In

summer, the Swiss capital

reveals another charming

side. Its beautiful location on

the river Aare and its many

outdoor swimming pools

offer unlimited bathing

pleasure. Numerous

shaded beer gardens create

that special summer feeling.

18

MADE IN BERN 2/2017


SHOPPING

Design und Mode

Bern besteht nicht nur aus Laubengängen und Gemütlichkeit. In Sachen Shopping

steht unsere Hauptstadt den grossen Metropolen in nichts nach

CPH

KULTA

HAUTNAH LES DESSOUS

MAX&MOI

TOKU

ZANA

CPH Das Kürzel steht für «Copenhagen».

Die kleine, aber edle Modeboutique

an der Kramgasse führt

in ihrem Sortiment neben bekannten

Brands auch viele dänische

und skandinavische Modelabels.

c-p-h.ch

HAUTNAH LES DESSOUS Nomen

est omen. Im schicken Geschäft an

der Münstergasse findet sich feinste

Unterwäsche für Damen und Herren.

Alle grossen Labels sind vertreten.

hautnah-lesdessous.ch

KULTA Barbara Mohr ist eine der

wenigen Goldschmiedinnen, die ohne

Drehbank oder Giesstechnik arbeiten.

In ihrem Atelier an der Münstergasse

kreiert sie wunderbare, individuelle

Schmuckstücke, Colliers und Ringe.

kulta.ch

MAX&MOI Die exklusive Pariser

Modekette verfügt über Filialen in

ganz Europa – und auch in der Berner

Altstadt. Das Angebot umfasst

trendige Roben und Accessoires.

maxemoi.ch

TOKU Die Boutique an der Gerechtigkeitsgasse

hat sich ganz auf Schweizer

Labels spezialisiert und bietet ein

abwechslungsreiches Sortiment an

Kleidern, Accessoires und Schuhen

von einheimischen Designern an.

toku-store.ch

ZANA Die Boutique von Marianne

Feher bringt italienische Lebensfreude

nach Bern. Die Bandbreite reicht

von subtil-exklusiver Eleganz bis zu

fröhlich-frecher Extravaganz.

zana.ch

KLASSIK

VON WELT-

FORMAT

CAMERATA Das berühmte

Kammerorchester wurde 1962

gegründet und ist seither auf

Tourneen in allen Kontinenten

aufgetreten. In Bern veranstaltet

Camerata Konzertreihen im

Zentrum Paul Klee, im Konservatorium

und im Kulturcasino.

cameratabern.ch

KONZERT THEATER BERN

Der Zusammenschluss des

Berner Sinfonieorchesters und

des Stadttheaters Bern bietet

jede Saison 30 Premieren und

20 Konzertereignisse.

konzerttheaterbern.ch

2/2017 MADE IN BERN

19


20

MADE IN BERN 2/2017


INTERVIEW

«Hey, das geht ja!»

Der in Langenthal aufgewachsene Schriftsteller Pedro Lenz ist eine Ausnahmeerscheinung

in der Schweizer Literaturszene: Seine erfolgreichsten Bücher verfasst er in Mundart.

Warum eigentlich? Und woher weiss er, wie man einen Begriff auf Berndeutsch schreibt?

MARIUS LEUTENEGGER (TEXT) UND TAMARA JANES (FOTOS)

Sie sind in Langenthal geboren.

Fühlen Sie sich als richtiger Berner?

Auf jeden Fall! Langenthal trieft ja geradezu

vor bernischer Heimatliebe. Trotzdem ist

Langenthal eine eigene Welt, ohne Mani Matter,

Zibelemärit und Lauben. Das ist ja das

Interessante an Bern: die grosse Vielfalt. Bern

war ein Stadtstaat, wir waren die Untertanen.

Und die Stadtberner Überzeugung, dass ihre

Sprache die schönste der Welt ist, schliesst uns

nur bedingt mit ein – denn die Vielfalt schlägt

sich auch im Dialekt nieder.

Ihre Mutter ist Spanierin, Ihr Vater Ostschweizer.

Waren Sie ein Aussenseiter?

Ich war wie Petrus, der dreimal den Heiland

verleugnete: Sprach meine Mutter mit mir

spanisch, lief ich weg und fand, sie ginge mich

nichts an. Ich hatte eben Angst, als Tschinggeli

zu gelten. Die Spanier und die Italiener

waren damals die einzigen Ausländer, und die

waren tatsächlich Aussenseiter.

Wie war es mit dem Ostschweizer Dialekt?

Mein Vater sprach mit uns immer Sanktgallerisch.

Im Kindergarten lachten uns die anderen

Goofen deswegen aus, und darum lernten

wir sehr schnell Berndeutsch.

Heute schreiben Sie vor allem auf

Berndeutsch. Wie kam es dazu?

Lange dachte ich, Dialekt funktioniere nur

mündlich. Ich veröffentlichte meine Mundarttexte

anfänglich nicht gedruckt, sie waren nur

auf CD erhältlich. Dann ging ich für sechs

Monate nach Glasgow. Einmal kam ein schottischer

Mundartdichter zu mir und sagte:

Wenn du in deiner eigenen Sprache sprichst,

klingt das viel natürlicher. Schreib in Mundart!

Und so entschied ich mich, es einmal mit

Texten in Mundart zu versuchen. Ich kam

also im Ausland auf die Mundart.

«Ich entwickle meine

eigene Schreibweise,

muss sie aber

immer wieder neu

definieren»

Sie schreiben Dialekt und Hochdeutsch.

Wann wählen Sie welche Sprache?

Private Briefe oder Kolumnen verfasse ich in

der Regel auf Hochdeutsch. Das geht schneller,

weil ich mir nie überlegen muss, wie etwas

geschrieben wird. Wenn ich Leute reden lasse,

mache ich das aber lieber auf Schweizerdeutsch.

Es fällt mir leichter, Menschen über

die Sprache zu charakterisieren.

Welche Sprache liegt Ihnen besser?

Wahrscheinlich ist Mundart inzwischen tatsächlich

meine Literatursprache geworden.

Ich glaube, meine Vorliebe hat damit zu tun,

wo ich lebe. In Spanien erlebe ich immer wieder,

wie schnell ich mich anpasse. Spanisch ist

ja meine Muttersprache, und nach einer Woche

bei Verwandten träume ich auf Spanisch.

Wie sieht es mit der Grammatik und der

Orthografie der Dialekttexte aus?

Ich entwickle meine eigene Schreibweise,

muss sie aber immer wieder neu definieren.

Auch die Lesbarkeit ist natürlich wichtig. Pronomen

stelle ich zum Beispiel separat, ich

schreibe «machen i» statt «macheni», weil das

einfacher zu lesen ist.

Trotzdem ist es nicht immer leicht, Ihre

Dialekttexte zu lesen.

Ich höre immer wieder, das Lesen sei anstrengend.

Ich antworte dann: Anstrengung ist

gut! Dann bleibt mehr haften. Deutsche sagen

mir oft, sie hätten einen Mundarttext mit

Gewinn gelesen. Sie waren stolz darauf, Anteil

zu haben an etwas Fremden und zu merken:

Hey, das geht ja!

Ihre grössten Erfolge haben Sie mit

Romanen erzielt – «Der Goalie bin ig» und

jetzt mit «Di schöni Fanny». Dennoch

erscheinen von Ihnen vor allem Bücher

mit Kolumnen oder kürzeren Texten.

Für mich sind die Lesetourneen sehr wichtig.

In diesem Jahr bin ich für 100 Lesungen gebucht.

Ich kann mich daher nicht ein halbes


2/2017 MADE IN BERN

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PEDRO LENZ AUF TOUR

Pedro Lenz wurde 1965 in Langenthal geboren. Nach

der Lehre als Maurer holte er 1995 die Matura nach.

Heute lebt Pedro Lenz in Olten und arbeitet als

Kolumnist und Schriftsteller. Gegenwärtig tourt er mit

Christian Brantschen von Patent Ochsner und seinem

aktuellen Roman «Di schöni Fanny» durch die Schweiz.

befriedigung, wenn jemand sagt: Ich lese nie

ein Buch, aber deines habe ich gelesen!

Könnten Sie irgendwo auf der Welt leben?

Ich mag die Kleinräumigkeit. Würde mir einer

sagen, du musst für ein Jahr nach New York,

würde ich zuerst wohl erschrecken. Aber

kaum wäre ich dort, würde ich mir sofort wieder

ein Langenthal oder Olten aufbauen.

Sie leben heute in Olten, haben aber ein

Atelier in Bern. Warum?

Das Lorraine-Quartier ist eben auch mein

Dorf. Ich wohnte dort viele Jahre.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Stadt Bern?

Zunächst einmal ist YB für mich eine grosse

Leidenschaft – wann immer ich kann, gehe

ich die Heimspiele schauen. Die Stadt selbst

finde ich sehr komfortabel. Manchmal denke

ich: Sie ist vielleicht fast etwas zu komfortabel.

Man ist nicht mehr gezwungen, sich mit

ihr auseinanderzusetzen.

Wenn Sie einem Touristen den Kanton Bern

zeigen, wohin führen Sie ihn?

Hmm ... ich habe ja viele Freunde aus Spanien,

denen ich die Gegend tatsächlich zeige.

Kaum fahren wir in Langenthal los, sagen sie

schon: herrlich, diese Wiesen! Ich antworte:

Wartet mit eurer Begeisterung erst einmal, bis

wir im Emmental sind! Diese Region gefällt

mir sehr. Ich bin eher der Hügel- als der Bergtyp.

Viertausender machen mich unruhig. ■

Jahr auf ein grosses Schreibprojekt einlassen.

In «Di schöni Fanny» nimmt sich der Protagonist

vor, täglich vier Seiten zu schreiben.

Setzen Sie sich auch solche Ziele?

Nein, jeder Tag ist anders. Einmal schreibe ich

vier Seiten, aber am nächsten Tage streiche ich

davon wieder eine weg.

Das Gespräch in der Beiz ist in Ihren

Texten wichtig. Im Leben auch?

Ja, ich suche den direkten Kontakt. Ich verweigere

mich dem Chatten und Skypen. In dieser

Hinsicht bin ich ein extremer Nostalgiker. Die

Beiz war ein Ort des Austauschs, und ich bin

überzeugt: Gäbe es wieder mehr Stammtische,

gäbe es nicht so viel Hass in den Medien.

Sie touren mit dem Pianisten von Patent

Ochsner durch die Schweiz. Warum

sind Sie mit einem Musiker unterwegs?

Für mich ist in der Literatur nichts so wichtig

wie der Sound. Ich höre einen Ernest-

Hemingway-Sound, wenn ich einen Roman

von ihm lese, oder einen Peter-Bichsel-Sound.

Ich bin ja 50 Prozent Bühnenautor, und ich

habe für die Bühne viel mehr von Musikern

als von Schauspielern gelernt. Musiker den­

ken ans Kollektiv, sie wissen, wie man einen

Rhythmus wechselt, wo man Pausen setzen

muss und was man anziehen sollte, wenn

man auf die Bühne geht.

«Gäbe es wieder

mehr Stammtische,

gäbe es nicht

so viel Hass in den

Medien»

Ihre Tour führt Sie durch die ganze

Schweiz – von Heiden über Zürich und

Safenwil bis nach Riehen. Gibt es

Unterschiede bei den Auftritten in den

verschiedenen Regionen?

In der Stadt gibt es ein spezifisches Pedro-

Lenz-Publikum, auf dem Land kommen die

Leute, weil einfach einmal etwas läuft. Das gefällt

mir, denn es ist mein Ehrgeiz, ein Autor

für Nichtleser zu sein. Es gibt mir eine Riesen­

IN A NUTSHELL

Great literature

in Swiss dialect

Novelist and writer Pedro Lenz, who

grew up in Langenthal in the Canton of

Bern, stands out among the Swiss

literary figures. His novels and

columns are highly successful, even

though he pens them almost exclusively

in the local vernacular. Writing in

Swiss dialect – «Schwiizerdütsch» –

is not easy, however, because there

are no rules to follow. Which is why

Pedro Lenz constantly changes his

writing style, following his own grammar

and spelling rules. At the moment

he is criss-crossing Switzerland

together with a pianist, reading from

his works. Langenthal is not just the

home town of Pedro Lenz but also a

hot spot for quality design. Touring it

means gaining direct insight into the

production world of locally domiciled

companies and manufacturers with

national and international presence.

Every two years a «Designers’ Saturday»

is being held here. It’s an event

that always attracts some 15 000 fans

of contemporary design.

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MADE IN BERN 2/2017


DESIGNTOUR LANGENTHAL

Immer dem Design nach

Langenthal ist nicht nur die Heimat von Pedro Lenz, sondern auch ein Hotspot

des guten Designs. Verschiedene Touren bieten Einblicke in den Produktionsalltag von fünf

hier ansässigen Unternehmen mit nationaler und internationaler Ausstrahlung

ERIK BRÜHLMANN

GIRSBERGER

CRÉATION

BAUMANN

HECTOR EGGER HOLZBAU

GLAS TRÖSCH

RUCKSTUHL

Création Baumann, Glas Trösch, Ruckstuhl,

Girsberger, Hector Egger

Holzbau: Wer sich für Design auf

höchstem Niveau interessiert, kennt

diese Namen. Die Création Baumann

produziert hochwertige Textilien, Glas

Trösch ist unter anderem ein führender

Anbieter im Bereich Innenarchitektur,

Ruckstuhl betreibt die älteste

Teppichmanufaktur der Schweiz, Girsberger

stellt erstklassige Stühle und

Tische her – und Hector Egger Holzbau

hat sich einen Namen im Holzund

Elementebau gemacht.

Dass Langenthal zu einem Cluster des

Designs wurde, hat historische Gründe:

Die Region wurde relativ spät industrialisiert

und wies eine hohe Bevölkerungsdichte

auf, deshalb fanden

hier mutige Industriepioniere noch

Arbeitskräfte und Platz. Zudem

befruchteten die Firmen einander

gegenseitig. Dass sie bis heute gut

kooperieren, zeigt der alle zwei Jahre

stattfindende Designers’ Saturday:

Der Anlass lockt jeweils rund 15 000

Fans in den Oberaargau.

Nun kann man die fünf Firmen auch

ausserhalb dieses Grossanlasses

ganzjährig besuchen – im Rahmen der

Designtour Langenthal. Zur Wahl

stehen drei Varianten. Wer den Zeitpunkt

und Ablauf des Rundgangs

flexibel planen will, entscheidet sich

für die Showroom Tour, bei der sich

auch der thematische Schwerpunkt

individuell festlegen lässt. Im Preis von

49 Franken sind der Zugang zu vier

Showrooms, ein Mittagessen sowie

der Transfer zwischen den einzelnen

Designfirmen inbegriffen. Die Factory

Tour hingegen bietet exklusive

Einblicke in die Produktionsräumlichkeiten

der Betriebe.

Auf der geführten Tagestour stehen

Besichtigungen von drei der fünf

Unternehmen auf dem Programm. Das

kostet mit Transfers und Mittagessen

86 Franken. Bei der Light-Variante der

Factory Tour für 98 Franken werden

nur zwei Unternehmen besucht, dafür

gibts am Nachmittag noch einen

Ausflug – etwa in die Wässermatten,

ins Whisky-House Langatun oder ins

Kloster St. Urban. Schliesslich hat die

Region übers Design hinaus noch viel

mehr zu bieten. designtour.ch

2/2017 MADE IN BERN

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VELOKANTON

Im Zweiradparadies

Fabian Cancellara ist schon fast überall auf der Welt Velo gefahren.

Doch am schönsten ist es immer noch in seiner Heimat Bern

ERIK BRÜHLMANN (TEXT) UND MICHAEL SIEBER (FOTOS)

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MADE IN BERN 2/2017


25

«Bern ist ein perfektes

Bike-Gebiet»: Der

frühere Radprofi Fabian

Cancellara auf dem Dach

vom Hotel Allegro

MADE IN BERN 2/2017


«Das Einzige, was mir

seit dem Rücktritt fehlt,

ist, nicht mehr

jeden Tag im Sattel

sitzen zu können»

Fabian «Spartacus» Cancellara hat in seiner

langen Karriere als Radprofi so ziemlich alles

gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dreimal

siegte er bei den Ein-Tages-Klassikern Paris–

Roubaix und der Flandern-Rundfahrt, einmal

entschied er die Tour de Suisse für sich, und

viermal wurde er Weltmeister im Zeitfahren.

Selbst jenen, die mit Radsport nichts am Hut

haben, wird er als zweifacher Olympiasieger

im Zeitfahren in Erinnerung bleiben.

Tempi passati. Im Oktober 2016 bestritt

der in Wohlen bei Bern geborene Athlet sein

letztes Rennen. «Den Rennzirkus vermisse

ich ehrlich gesagt nicht», sagt der 36-Jährige.

«Schliesslich bin ich ein vielbeschäftigter

Rentner.» Neben seinen Verpflichtungen für

Sponsoren und Partner gehe es jetzt vor allem

darum, das Leben nach dem Spitzensport aufzubauen.

«Es ist etwas anderes, alle Details

selbst im Griff haben zu müssen, statt vieles

wie während der aktiven Karriere dem Team

überlassen zu können», sagt er. Darum will er

dieses Jahr an der HSG St. Gallen wieder die

Schulbank drücken. «Ich bin jetzt nicht mehr

Velofahrer, ich bin Unternehmer, mit allem,

was dazugehört. Darauf muss ich mich einstellen,

und ich muss lernen, was zu lernen

MIT DEM VELO

DURCH DEN

KANTON BERN

1

Langnau–Trubschachen (30 km)

Die leichte Rundstrecke beginnt am Bahnhof

Langnau, führt durch Hühnerbach und

steigt dann auf den Hüpfenboden. Hinab

geht es durch den Chrümpelgraben nach

Trubschachen und von hier über den Gohl

wieder zurück nach Langnau.

2

Brienz–Meiringen (13 km)

Vom Bahnhof Brienz geht es Richtung Aare,

zum Funtenensee und über Hausen nach

Meiringen, wo sich ein Besuch des Reichenbachfalls

oder der Aareschlucht anbietet.

Die Route ist auch für Anfänger geeignet,

denn sie ist fast topfeben.

26

MADE IN BERN 2/2017


VELOKANTON

ist.» Denn in ein paar Jahren werden Erfolge

aus der Vergangenheit im Business nicht

mehr viel zählen. Um gemütlich durch den

Kanton Bern zu radeln, bleibt also vorläufig

kaum Zeit. «Ich hoffe aber, dass sich das in

naher Zukunft wieder ändert», sagt Cancellara.

«Denn das Einzige, was mir seit dem Rücktritt

fehlt, ist, nicht mehr jeden Tag im Sattel

sitzen zu können.» Eine Tour an den Thunersee

oder durch das Seeland könne er sich gut

vorstellen. Die Kafipause unterwegs würde

natürlich dazugehören. «Ich muss ja nicht

mehr unter Druck fahren, sondern kann das

Fahren jetzt komplett geniessen.»

Der Kanton Bern, so «Spartacus», sei nicht

nur «das Zentrum Europas», sondern auch ein

perfektes Bike-Gebiet – sowohl für Spitzensportler

als auch für Touristen. Schliesslich

gebe es hier ausser dem Meer alles, was das

Radlerherz begehrt. Cancellara: «Im Oberland

hat man Berge, Richtung Freiburg wird

es hügelig, im Seeland ist alles flach, im Emmental

fährt man über grössere Hügel – ich

nenne eine Strecke erst einen Berg, wenn sie

«Das E-Bike ist ein

effizientes Fortbewegungsmittel»

10, 15 Kilometer nach oben führt.» Seine

Lieblingsrouten? «Ich bin ein Riesenfan des

Emmentals und des Oberlands», sagt er, «aber

ich habe die Stadt Bern auch schon grossräumig

umfahren: von Ittigen Richtung Oberaargau,

dann ins Emmental und Oberland,

von dort ins Seeland und dann wieder nach

Hause.» Wenn Fabian Cancellara über seinen

Kanton ins Schwärmen gerät, könnte man

ihm auch eine Karriere als Tourismus direktor

zutrauen. «Wir sind hier in Bern wirklich

privilegiert», sagt er. «Wir sind mitten in der

Natur, haben mit Belp einen internationalen

EIN RENNEN MIT DEM VELOSTAR

Fabian Cancellara ist nach wie vor ein gefragter

Mann. Jetzt lanciert der zweifache Olympiasieger

das Wochenendformat «Chasing Cancellara» – eine

Mischung aus Sport, Spass und persönlichem Kontakt

mit dem Velostar. Es geht darum, auf einer für den Verkehr

gesperrten Strasse den Ex-Profi zu schlagen. Die besten zehn

Fahrer auf jeder Strecke qualifizieren sich für den Final, der

nächstes Jahr in Lugano stattfindet. Mitmachen kann jeder.

chasingcancellara.com

Flughafen – einfach perfekt!» Und wenn man

dies manchmal vergesse, brauche man nur

einem Amerikaner zu erzählen, dass man in

die Aare springen und am Bundeshaus vorbeischwimmen

könne. «Und was ich ebenfalls

schätze, ist die familiäre Atmosphäre Berns.»

Doch zurück zu den Bikes und der Frage:

Welches Bike eignet sich denn am besten?

«Ein Rennvelo mit guter Gangschaltung ist

natürlich von Vorteil», sagt Cancellara. Dabei

müsse es gar nicht unbedingt ein Rad für

10 000 Franken sein. «Es kommt darauf an,

wie oft und wofür man sein Velo braucht», so

der Experte. Fast noch wichtiger als das Material

sei aber der Mensch, der auf dem Material

sitzt. «Was nützt ein 4,8-Kilo-Custom-made-

Velo, wenn Kondition und Muskeln nicht auf

der Höhe sind? – S’Gwicht chunnt vom Ranze,

nöd vom Velo!» Ein allgemeines Grundlagentraining

kombiniert mit gesunder Ernährung

reiche für Durchschnittsbiker eigentlich

schon. Nur zu trainieren, ohne vernünftig zu

essen, sei jedenfalls ebenso unsinnig wie nur

zu essen, ohne vernünftig zu trainieren.

Und wie viele Bikes stehen in seiner Garage?

«Ein Rennvelo, ein Zeitfahrvelo, ein Bahnvelo,

ein Querfeldeinvelo, ein Mountainbike,

ein Stadtvelo und ein E-Bike – und die fahre

ich alle.» Zusammen mit Frau und Kindern,

die bikemässig ebenfalls gut ausgerüstet sind,

gibt das einen ansehnlichen Fuhrpark. Doch

wofür braucht ein zweifacher Olympiasieger

ein E-Bike? «Weshalb sollte ich keins haben?»,

entgegnet «Spartacus». «Beim E-Bike geht es

ja auch darum, dass man für kurze Strecken

das Auto in der Garage lassen kann und

trotzdem schnell und unverschwitzt ans Ziel

kommt. Das E-Bike ist ein effizientes Fortbewegungsmittel,

mit dem man oft schneller

von A nach B kommt als mit dem Auto.»

Fabian Cancellara sieht das E-Bike sowieso

nicht als Konkurrenz zum traditionellen

Bike. «Zudem hat ein E-Bike viele Vorteile»,

sagt der Berner. «So kann meine Frau mit dem

E-Bike ungefähr mein Tempo mithalten.

Oder man besichtigt eine Stadt per E-Bike

statt mit Bus, Tram oder U-Bahn. Oder fährt

mit dem E-Bike zur Arbeit, hat sich bewegt

und ist trotzdem nicht ausgepumpt. Und auf

dem Heimweg ist das E-Bike ideal, um an der

frischen Luft abzuschalten.» Man müsse aber

mit einem E-Bike umgehen können, vor allem,

was Beschleunigung, Gewicht und Bremsen

angeht. Doch am Ende geht es beim Biken

immer um eine ganz einfache Sache – auch für

den zweifachen Olympiasieger: «Man muss

Spass haben am Velo und am Velofahren,

alles andere ist zweitrangig!»


3

4

5

Lenk–Simmenfälle (5 km)

Dieser leichte Radweg eignet sich für Familien,

Anfänger oder all jene, die es gern

etwas gemütlicher nehmen. Gestartet wird

in Lenk, von dort geht es fast ebenaus zu

den imposanten Simmenfällen. Wem das zu

kurz ist, beginnt die Tour in Zweisimmen.

Gstaad–Zweisimmen (14 km)

Entlang malerischer Dörfer führt diese Route

durchs Saanenland. Gestartet wird in

Gstaad, von wo es zuerst hinauf nach Saanenmöser

geht. Belohnt wird man mit einer

wunderbaren Abfahrt durchs Simmental

nach Zweisimmen oder weiter nach Spiez.

Rund um den Bielersee (39 km)

Das Berner Seeland mit seiner traumhaften

Landschaft, den Hügeln und Winzerdörfern

eignet sich hervorragend für Velotouren.

Eine der schönsten führt von Biel über

Erlach durch die Rebberge rund um den

Bielersee und dauert knapp drei Stunden.

2/2017 MADE IN BERN

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Im ländlichen

Oberried tüftelt

Thomas Binggeli

an neuen Velos

Bike mit Sex-Appeal

Leonardo DiCaprio, Bryan Adams und Elon Musk pedalen auf Velos aus Bern:

Thömus stellt Fahrräder her, die immer noch ein bisschen besser werden

ERIK BRÜHLMANN (TEXT) UND FILIPA PEIXEIRO (FOTOS)

In der Region Oberried der Gemeinde Köniz

dominieren Bauernhöfe und weite Landschaften.

Auf einem dieser Höfe gibt es aber weder

Käse noch Eier zu kaufen: Bei Thömus kommen

die Freunde des Zweiradsports auf ihre

Kosten. «Thömu» heisst eigentlich Thomas

Binggeli, ist 43 Jahre alt und gelernter Spengler.

«Aber es war das Velo, das mir den Weg in

die Welt öffnete», sagt er. «Wollte man damals

von Oberried aus jemanden besuchen, blieb

einem fast nichts anderes als das Velo.» 1991,

mit gerade einmal 17 Jahren, eröffnete Binggeli

auf dem elterlichen Hof den Bike-Shop

«Thömus» − obwohl es die Eltern gern gesehen

hätten, wenn er den Bauernbetrieb über-

nommen hätte. Dass er keine Lehre zum Velomechaniker

absolvierte, hat einen einfachen

Grund: «Ich hatte ein eigenes Geschäft − und

keiner der umliegenden Händler wollte einen

Konkurrenten ausbilden.»

MASSGESCHNEIDERT

Am Hauptsitz von Thömus in Oberried

und im Shop in Bern wird jedes Velo

nach Mass angepasst. Thömus ist seit

2016 Partner der BE! Tourismus AG.

madeinbern.com/thoemus

Aber auch so legte Thömus einen fliegenden

Start hin. «Wir machten damals etwas,

das heute fast normal ist: Wir gingen zu den

Kunden», erklärt Thomas Binggeli. «Und

organisierten Rennen, Touren und andere

Events. Und bauten so einen Kundenstamm

auf.» Schon damals lebte man einen Slogan,

der erst Jahre später offiziell entwickelt wurde:

«Be part of the family». Klingt kitschig, doch

bei Thömus fühlt man sich tatsächlich ein Stück

weit zu Hause. Alle sind freundlich und hilfsbereit

und stets zu einem Spässchen aufgelegt.

Die Werte, die Thömus-CEO Binggeli vorgibt

− Mut, Einfachheit, Liebe, Offenheit,

Spass −, sind ganz offensichtlich nicht nur

28

MADE IN BERN 2/2017


VELOKANTON

IN A NUTSHELL

Wo alles begann: 1991 eröffnete Thomas Binggeli auf dem elterlichen Bauernhof

einen Veloshop. Heute gehört Thömus zu den renommiertesten Bike-Marken

Lippenbekenntnisse. «Im Gespräch versuchen

wir herauszufinden, was sich die Kunden

vorstellen, was sie mit dem neuen Bike vorhaben»,

umreisst Thomas Binggeli die Anfänge

eines jeden Kaufs. «Danach wird es relativ

einfach − denn wir bauen das passende Velo

für jedes ‹Füdli›.»

«Bauen» ist übrigens

wörtlich gemeint, denn

seit 1998 ist Thömus

nicht nur ein Geschäftsname,

sondern auch eine

Bike-Marke. «Wir holten

Produzenten und Designer

zu uns auf den Hof

und machten sie zum

Teil der Thömus-Family»,

erinnert sich Binggeli.

Ziel war es, nicht einfach

die immer gleichen

Teile anders zusammenzusetzen,

sondern etwas

wirklich Neues zu entwickeln

− möglichst ohne

Zwischenhändler. Denn

auch vor zwanzig Jahren

reichte Familiengefühl allein nicht aus, um

auf dem umkämpften Velomarkt bestehen zu

können. «Wir versuchten, nach dem Prinzip

‹Trial and Error› immer einen Schritt voraus

zu sein», sagt Binggeli.

Dass Binggeli damit auf der richtigen Spur

war, zeigte sich spätestens 2006, als Thömus

den Swiss Economic Award gewann und zum

Schweizer Jungunternehmen des Jahres gekürt

wurde. Auch den Trend zum E-Bike hat

Thomas Binggeli nicht verpasst. Genau genommen

gestaltet er ihn seit 2008 mit, als der

erste «Stromer» erschien. «Ich hielt damals bei

Thömus’ neuster Hit: Das

E-Mountainbike Lightrider E1

«Es war das Velo,

das mir den Weg in

die Welt öffnete»

THOMAS BINGGELI

Apple einen Vortrag über die Karbontechnologie

und war von diesem Unternehmen so

begeistert, dass ich zu meinem Bruder sagte:

‹Wir müssen ein E-Bike entwickeln, das so ist

wie das iPhone!›» Also ein Gerät, das nicht

nur den Velofreunden unter die Arme greift,

sondern das einen solchen

Sex-Appeal hat, dass

es auch bei jungen Hipstern

ankommt.

«Sieht man sich die

Verkehrssituation weltweit

an, muss man einfach

zum Schluss kommen,

dass Velofahren in

Zukunft vermutlich die

effizienteste Art der Fortbewegung

sein wird», ist

Binggeli überzeugt. Er

gibt aber auch zu, dass

die Entwicklung des

Stromers viel Lehrgeld

gekostet hat. Doch Thomas

Binggeli wäre nicht

Thömus, wenn er sich

davon hätte aufhalten

lassen − oder sich gar nach den ersten Entwicklungen

zurückgelehnt hätte. Im Gegenteil:

Dank der Stromer-Vorarbeit kann Thömus

mit dem Lightrider E1 mittlerweile ein

E-Mountainbike anbieten, das allen Querfeldein-Anforderungen

gerecht wird.

Thömus- und Stromer-Entwicklungen sind

beliebt, sowohl bei Hardcore- als auch bei

Gelegenheitsbikern. Selbst Prominente wie

Leonardo DiCaprio, Til Schweiger, Bryan

Adams, Tesla-Mastermind Elon Musk und

Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson

halten sich mit Bikes aus Oberried fit. ■

On tour with an

Olympic medallist

The Swiss are known to be

good skiers. But one of the

greatest Swiss sportsmen

is cyclist Fabian Cancellara.

He was crowned time-trial

world champion four times

and twice won Olympic Gold.

The athlete, who was born in

Wohlen near Bern, finished

his active career in October

2016. He is now busy creating

a life after professional

racing and fulfilling his many

obligations with sponsors

and partners. Of course, still

hardly a day goes by without

Cancellara mounting his bike:

«The Canton of Bern is the

perfect cycling region», he

says. «The Oberland gives

you the mountains, Fribourg

is undulating, the Seeland is

as flat as can be, and the

Emmental offers the challenging

hills.» For hobby cyclists

he recommends a 100-

kilometre ride around Lake

Thun, starting in Bern. Hardcore

cyclists will enjoy a ride

across one of the passes –

from Brienz across the

Susten pass to Göschenen,

for instance.

IN A NUTSHELL

From Oberried

to Hollywood

Leonardo DiCaprio, Bryan

Adams and Elon Musk ride

bicycles from the Canton of

Bern. It all began when Thomas

Binggeli set up a small

bike shop on his parents’

farm. Today, his two companies,

Thömus and Stromer,

produce bicycle brands that

are among the world’s most

prestigious. The Bernese

entrepreneur has just introduced

his latest model: the

Lightrider E 1, an e-mountainbike

that lives up to any

cross-country challenge.

2/2017 MADE IN BERN

29


30

MADE IN BERN 2/2017


Im Zeichen

der

Quarzuhr

Die Uhrenmanufaktur Longines wurde im Kanton Bern

gegründet. Hier ist sie verwurzelt, und hier hat die

weltberühmte Firma einen der bedeutendsten Bereiche

der Schweizer Horlogerie entwickelt: das Quarzuhrwerk

MATHILDE BINETRUY

Innenleben. Das ultrapräzise Quarzwerk

wurde für das neue Modell

Conquest V.H.P. entwickelt.

«Schon als kleiner Junge hat mich das Unternehmen

eingangs von Saint-Imier, in dem

die Mehrheit der Bevölkerung unserer Region

arbeitet, sehr beeindruckt. Und ich war

überzeugt, eines Tages dort zu arbeiten.» So

beginnt Präsident Walter von Känel seine

Rede; «Le Chef», wie ihn alle nennen, weiss,

wie er sein Publikum fesseln kann. Es ist

eine Angewohnheit von ihm, die historische

Entwicklung seines Unternehmens zu betonen.

Bereits 1969 trat er in die Firma ein,

1988 wurde er zum Direktor ernannt. Und

2019 wird er wohl sein 50-Jahr-Jubiläum bei

Longines feiern. Heute stellt er die neuste

Quarzuhr des Hauses vor: die Conquest

V.H.P. Mit dieser Uhr verschiebt Longines die

Grenzen des Machbaren auf dem Gebiet der

Quarzuhren, in dem die Firma Pionierin und

Expertin ist – nicht zuletzt dank ihres Engagements

in der Zeitmessung.

Alles begann 1954, an dem Tag, an dem eine

Quarzuhr der Marke Longines im Observatorium

von Neuenburg eine Reihe von Präzisionsrekorden

aufstellte. Mit dieser Uhr

wurde «Chronocinégines» ausgerüstet, ein

Zeitmessgerät, das den Schiedsrichtern von

Sportanlässen einen Film mit hundert Bildern

pro Sekunde lieferte und so ermöglichte, die

Zeit der Athleten beim Überqueren der Ziellinie

genauestens zu messen. Das Fotofinish

war geboren. Nur schwer kann man sich ein

Lächeln unterdrücken, wenn man heute ein

Bild dieses Geräts anschaut: eine Art klobiger,

viereckiger Transistor, der mittels Drähten

mit einer Kamera verbunden war. Doch

genau dieses Objekt inspirierte Longines zur

Kreation der ersten Quarzarmbanduhr, der

Ultra-Quarz im Jahr 1969.

Zwischen 1975 und 1985 wurde allerdings

die Konkurrenz der in Japan und den USA

31

MADE IN BERN 2/2017


UHRMACHERKUNST

Traditionsunternehmen: Ein Inserat von 1881 zeigt die Longines-Manufaktur in Saint-Imier

fabrizierten, äusserst preiswerten Quarzuhren

derart übermächtig, dass die Schweizer

Uhrenbranche um ein Haar verschwunden

wäre. Hundertmal präzisere Uhren wurden

zu hundertmal günstigeren Preisen verkauft.

Doch die Schweizer Uhrenbranche fand einen

Ausweg. Nicht in der Quarzuhr, sondern im

mechanischen Uhrwerk, das fragil und kostbar

ist – und von Sammlern heiss begehrt.

Diese Umstellung war ein ebenso grosses

wie unvorhergesehenes Phänomen. Sie ging

einher mit der Verbreitung des Computers,

des Internets und der digitalen Bilder. Dass

eine anscheinend anachronistische Technologie

ein solches Interesse auf sich zog, erklärt

sich nicht zuletzt dadurch, dass die Uhr

das einzige Schmuckstück ist, das Männer

gern tragen. Der Zeitmesser erlangte einen

neuen Status: Er wurde zum Luxusobjekt.

Longines trug mit ihren mechanischen Uhren

zu diesem Umschwung bei. Die Firma verband

Uhrmachertradition mit Innovation.

Gleichzeitig vergass Longines aber nicht, ihr

Know-how im Bereich der Quarzuhren zu

pflegen und zu perfektionieren. 1984 lancierte

sie das Kaliber Quarz 276 VHP (Very High

Precision) mit einer neuen Technologie, die in

der Lage war, die Auswirkungen von Temperaturschwankungen

auszugleichen.

Die Kooperationen in der sportlichen Zeitmessung

vervielfachten sich: Longines ging

Partnerschaften unter andern mit der Fédération

Internationale de Gymnastique (1985),

IN A NUTSHELL

dem Internationalen Skiverband (2007), der

internationalen Dachorganisation des Pferdesports

FEI und dem Tennisturnier French

Open (2007) ein. Die Firma war sich aber

auch bewusst, dass extremste Präzision verlangt

wird, wenn sie erneut auf eine Quarzuhr

setzen wollte – weil die Uhrenbranche unter

wirtschaftlichem Rückgang litt, aber auch, weil

die grossen IT-Unternehmen die vernetzte

Uhr als Antwort auf das Web 3.0 sahen. Doch

Longines ist es gelungen, eine neue Stufe der

Vollendung zu erklimmen: mit der Quarzuhr

Conquest V.H.P.

Die Liste ihrer Vorzüge spricht für sich:

Ultrapräzision, das heisst, eine Abweichung

von höchstens fünf Sekunden pro Jahr, Resistenz

auf Stösse und den Einfluss von Magnetfeldern,

ein ewiger Kalender, der keinerlei

Korrekturen mehr verlangt, und, als krönender

Abschluss, eine sehr lange Lebensdauer

der Batterie, nämlich fünf Jahre – gegenüber

18 Monaten für eine klassische Quarzuhr. Die

Linie umfasst zwei Variationen: eine Dreizeigeruhr

mit ewigem Kalender und einen

Chronografen. «Wir wollten den Akzent auf

die uhrmacherische Meisterleistung legen»,

erklärt Juan-Carlos Capelli, Vizepräsident und

internationaler Marketingdirektor von Longines.

«Das ist eine moderne Uhr, hergestellt in

Schweizer Tradition. Eine Uhr, die repräsen-

The quartz movement hails from the Bernese Jura

Many famous clock and watch manufacturers

have their headquarters and

production sites in the Canton of Bern.

One of them is Longines, a brand with

a long tradition. It was founded in 1832

and has remained true to its roots. More

than half of the 5 000 inhabitants of

Saint-Imier work at Longines. The

company achieved world fame when it

developed the quartz movement and

became instrumental in measuring time

at sport events. Longines is a partner of

the International Ski Federation and the

French Open tennis tournament.

DIE

QUARZUHR

VON DEN

ANFÄNGEN

BIS HEUTE

1954 Die erste Quarzuhr von

Longines. Sie stellte eine ganze

Serie von Rekorden auf. Mit

einer Kamera gekoppelt, bildete

sie den «Chronocinégines», der

es im Sport erstmals möglich

machte, die Zeit beim Überqueren

der Ziellinie zu messen.

1965 Longines entwickelt ein

elektronisches Quarzuhrwerk,

das Kaliber 800, mit dem Bordchronometer

ausgestattet wurden.

Der Mechanismus eröffnete

eine neue Ära der Präzision

und übertraf alle Rekorde von

mechanischen Uhrwerken.

1969 Das Ziel des streng

vertraulichen Projekts «Sablier»

(Sanduhr) wurde erreicht, als

Longines unter der Bezeichnung

Ultra-Quarz mit dem Kaliber

L6512 das erste Kybernetik-

Quarzwerk für eine Armbanduhr

auf den Markt brachte.

32

MADE IN BERN 2/2017


tiert.» Und deren Mindestpreis erst noch unter

1000 Franken liegt. Also genau das Richtige,

um die 185-jährige Firmengeschichte zu

feiern. Und zu beweisen – falls das überhaupt

noch nötig ist –, dass auch die Quarztechnologie

tief in der schweizerischen Tradition

verankert ist.

Man muss bis ins 19. Jahrhundert zurückgehen,

um die Geschichte von Longines

nachzuerzählen. 1832 tat sich Auguste

Agassiz mit einem Uhrmacherkontor in

Saint-Imier zusammen und gründete die

Firma Agassiz & Co. Ernest Francillon, der

Neffe von Agassiz, vereinigte das gesamte

Know-how dann unter einem einzigen Dach,

an einem Ort mit dem Namen Les Longines,

und gründete 1867 die gleichnamige Fabrik.

Die Marke war geboren. Sehr schnell setzte

man auf zwei Faktoren: Eleganz und Präzision.

Longines legte rasch an Bedeutung zu

und reihte eine Innovation an die andere, vor

allem in der Zeitmessung im Sportbereich.

Es folgten zahlreiche Partnerschaften mit

prestigereichen Sportanlässen. Und die Zusammenarbeit

mit grossen Athleten wie Steffi

Graf oder Andre Agassi.

Seit der Gründung 1832 bis heute hat

Longines ihren Sitz im Herzen von Saint-

Imier. In der 5000-Seelen-Gemeinde arbeitet

mindestens ein Mitglied jeder Familie in der

Manufaktur. Dass Kontinuität und Langlebigkeit

zum Motto von Longines gehören,

ist zumindest teilweise auch ihrer geografischen

Verankerung zu verdanken. Hier, in

diesem Berner Juratal, konnte die Marke von

der Schweizer Identität profitieren, auf die sie

seit ihren Anfängen gesetzt hat und damit zur

Weltmarke wurde, wie wir sie heute kennen.

Longines, seit 1983 im Besitz der Swatch

Group, produziert heute 1,4 Millionen

Uhren pro Jahr. Zwei von zehn sind mit einem

Quarzuhrwerk ausgerüstet. Zumindest bisher.

Denn: «Dieses Verhältnis wird dank dem

neuen Modell V.H.P. steigen», prophezeit

«Le Chef» Walter von Känel.


«UNSER

MUSEUM IST

EIN MUSS FÜR

DIE BESUCHER

DER REGION»

Wenn man Quarzuhr und Swiss

made verbindet, erinnert man

sich immer wieder an die Krise

in den 70er-Jahren.

Seit 1954 gehört die Quarzuhr

zur Geschichte von Longines. Die

Verbindung von Quarzuhr und

Swiss made lässt mich vor allem

an ein ausserordentliches Innovationspotenzial

denken. Das Image

der Quarzuhr in den 70er-Jahren

macht heute einer Quarzuhr made

in Switzerland Platz, die Qualität

und Spitzentechnologie vereinigt

und sich so eine neue Position

in der Schweizer Horlogerie

erkämpft hat.

Was hat Longines dem Kanton

Bern gebracht?

Longines war und ist im Herzen

des Berner Juras konstant und

stark präsent. Das Unternehmen

ist ein wichtiger Akteur in der

Region und ein qualitativ hochstehender

Arbeitgeber. Unser

Museum ist ein Muss für alle Besucher

der Region. Es repräsentiert

185 Jahre Geschichte. Dank

Walter von Känel,

Präsident von Longines

seiner internationalen Ausstrahlung

empfängt es Besucher aus

der ganzen Welt.

Und was hat der Kanton Bern

Longines gebracht?

Longines wurde 1832 in Saint-

Imier gegründet. Dass das

Unternehmen immer noch hier ist,

zeugt von der Stabilität dieses Ortes.

Ideal im Herzen der Schweizer

Horlogerie gelegen, profitiert

Longines von der Nähe regionaler

Wirtschaftspartner, was für die

Entwicklung unserer Marke ein

unerlässlicher Vorteil ist. Die

Unterstützung durch die kommunalen

und kantonalen Behörden

war und ist ebenfalls ein wichtiges

Element. Vom Bau der Eisenbahn

nach Saint-Imier bis zum Gesetz

zum Schutz der Marken können

wir auf eine jahrzehntelange,

exzellente Zusammenarbeit mit

den Behörden zurückblicken.

In unseren Archiven finden sich

übrigens interne Reglemente von

1879, die damals von den kantonalen

Behörden bestätigt wurden.

1972 Die in Zusammenarbeit

mit dem Uhrwerkhersteller

Ebauches SA und Texas

Instruments entwickelte

Longines LCD (Liquid Crystal

Display) besass dank eines Bildschirms

aus Flüssigkristallen

erstmals eine digitale Anzeige.

1979 Longines präsentiert

eine nur 1,98 Millimeter dünne

Quarzuhr, die «Feuille d’Or» (goldenes

Blatt). Sie war das

Resultat einer Zusammenarbeit

verschiedener Uhrenunternehmen.

Ein Jahr später wird sie gar

auf 0,98 Millimeter reduziert.

1984 Longines lanciert das

Kaliber 276 V.H.P. (Very High

Precision), ein Quarzuhrwerk

von allerhöchster Präzision,

versehen mit einer Technologie,

welche die Auswirkungen

von Temperaturschwankungen

unterdrückt.

2017 Die Conquest V.H.P.

(Very High Precision) wird

lanciert. Sie zeichnet sich aus

durch Abweichungen von

höchstens fünf Sekunden pro

Jahr sowie durch ihre Fähigkeit,

ihre Zeiger nach einem Stoss

zurückzusetzen.

2/2017 MADE IN BERN

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TRADITION

Bewährtes

erhalten

Vom 26. August bis 3. September steigt in Interlaken zum zehnten Mal

das Unspunnenfest. Rund 150 000 Besucher werden zu diesem wichtigsten

Anlass des Schweizer Brauchtums erwartet

MARIUS LEUTENEGGER

«Das Unspunnenfest ist einmalig», sagt Ueli

Bettler, Präsident des Organisationskomitees.

«So viel Schweizer Brauchtum gleichzeitig an

einem Ort gibt es sonst nirgends.» Und Vizepräsident

Walter Dietrich ergänzt: «Beeindruckend

ist vor allem das friedliche Beisammensein.

Wir erwarten 150 000 Leute – und

gemäss unseren Erfahrungen wird die Stimmung

ausnehmend freundlich sein.» Obwohl:

So ganz auf die Erfahrungen verlassen kann

man sich beim zehnten Unspunnenfest, das

dieses Jahr vom 26. August bis 3. September

stattfindet, nicht. Denn erstens wird das Fest

in so grossen Abständen durchgeführt, dass

jeder Anlass für sich allein steht. Und zweitens

gibt es gemäss dem Motto «Bewährtes

erhalten, Neues gestalten» viele Neuerungen.

Erstmals erstreckt sich das Fest über zwei Wochenenden.

Dem Schwingfest zum Auftakt

folgt eine Themenwoche. Und erstmals findet

das Fest nicht auf der Unspunnenmatte statt,

sondern auf der Höhematte in Interlaken.

Das «friedliche Beisammensein» hingegen

war bereits Ziel des allerersten Unspunnenfests

von 1805. Die Differenzen zwischen

Stadt und Land waren damals nach der Zeit

der Helvetik gross, und so entstand in den

Bergtälern die Bewegung der «Patrioten», die

sich gegen die Herren aus der Stadt stellten.

Die delikate Situation veranlasste schliesslich

die Stadtberner, einen Verbrüderungsanlass

zu planen. Mit einem Fest sollten den

Städtern die Traditionen und das idyllische

Leben des Bergvolks nähergebracht werden,

die «Hirten» ihrerseits sollten unter gnädiger

Aufsicht der Herren ihre Bräuche pflegen und

sich Preise für Höchstleistungen verdienen.

Wie viel Tradition in diesen Spielen steckte,

ist nicht ganz klar. Tatsächlich fanden

schon lange jedes Jahr Älplerfeste statt, meist

anlässlich der Besuche der reichen Herren,

Die neue Arena

auf der Höhematte

bietet Platz für 15 000

Zuschauerinnen und

Zuschauer

die ihr Vieh auf die Alp gaben. Aber bei der

Planung des Unspunnenfests standen eher

Mythen als Rituale Pate. Die Initianten verfolgten

mit dem Anlass jedoch noch ein weiteres

Ziel: dem Tourismus Schub zu verleihen.

Die Reiseindustrie steckte zwar noch in den

Kinderschuhen, die europäische Oberschicht

entdeckte aber gerade die Bergwelt. Das

Unspunnenfest sollte die Adligen und reichen

Bürger ins Oberland locken und ihnen ein

ursprüngliches Hirtenleben präsentieren.

In halb Europa erschienen Annoncen, und

tatsächlich war das Interesse am Anlass gewaltig.

Es ist wohl keine Übertreibung, wenn

man sagt, dass das Unspunnenfest von 1805

am Anfang der Tourismusindustrie im Berner

Oberland stand. Tausende kamen nach

Interlaken, darunter Prinzen, Fürsten und der

König von Württemberg. Die wenigen bestehenden

Unterkünfte reichten bei weitem

nicht, und die Einheimischen räumten ihre

Betten für die hochwohlgeborenen Gäste.

Die Vorbereitungen für den Anlass waren

angesichts des heutigen Aufwands spektakulär

gering. Das genaue Programm wurde am

Vorabend in der ehemaligen Klosterherberge

festgelegt: Ein Umzug eröffnete den Reigen,

es folgten Wettbewerbe im Kugel- und Steinstossen,

im Schwingen und Schiessen, im Alphornblasen

und Singen. 1808 stieg das zweite

Fest, noch prächtiger als das erste: Am Vorabend

wurde in Interlaken zum ersten Mal ein

Feuerwerk entzündet. Die noch zahlreicher

angereisten Gäste aus aller Welt verliebten

sich förmlich in die Region und die bodenständigen

Einheimischen. Doch auch wenn

das Unspunnenfest den Tourismus tüchtig

ankurbelte, verfehlte es seinen eigentlichen

Zweck: Die Stimmung zwischen Stadt und

Land wurde nicht besser.

Erst 100 Jahre nach dem ersten Fest wurde

es wiederbelebt – als Marketingmassnahme.

1905 wollte man mit der dritten Austragung

ein Jahrhundert Fremdenverkehr im Berner

Oberland feiern. In jenem Jahr warfen die

Muskelprotze von Berg und Tal auch erstmals

den 83,5 Kilogramm schweren Unspunnenstein

aus Grimselgranit, in den die Erinnerungsdaten

«1805–1905» gehauen worden

waren. Das bis zu vier Meter weit fliegende

Wurfgeschoss hat also nicht ganz so viel Tradition,

wie man denken könnte. Trotzdem

haftet ihm viel Charisma als Berner Symbol

an. 1984 stahlen jurassische Separatisten den

Unspunnenstein, erst 2001 gaben sie ihn zurück.

Allerdings hatten die Jurassier dem Stein

ein paar Symbole reingehämmert, weshalb er

zwei Kilogramm abgenommen hatte. Gestossen

wird darum weiterhin mit einer Replik.


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MADE IN BERN 2/2017


PROGRAMM

SAMSTAG, 26. AUGUST

Eröffnungsfeier

und Tag der Jugend

SONNTAG, 27. AUGUST

Unspunnen-Schwinget

MONTAG, 28. AUGUST

Tag der Alphirten und

Landfrauen mit

Unspunnen-Uftischete

DIENSTAG, 29. AUGUST

Tag des Steinstossens

MITTWOCH, 30. AUGUST

Schiessen und Hornussen

DONNERSTAG, 31. AUGUST

Alphorn

und Fahnenschwingen

FREITAG, 1. SEPTEMBER

Volksmusik und Chorsingen

SAMSTAG, 2. SEPTEMBER

Trachten und Jodeln

SONNTAG, 3. SEPTEMBER

Das grosse Finale

unspunnenfest.ch

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MADE IN BERN 2/2017


TRADITION

Schwerer Brocken. Der 83,5 Kilo wiegende Unspunnenstein gehört seit 1905 zum grössten

Schweizer Folkloreanlass. Heute ist allerdings eine zwei Kilo leichtere Replik im Einsatz

2005 wurde das Original schon wieder geklaut.

Seither wird der Stein eifrig gesucht.

«Ich bin optimistisch, dass er wieder auftauchen

wird», sagt OK-Präsident Ueli Bettler.

«Das Unspunnenfest ist ein Anlass der Versöhnung,

und wir werden mit denen, die uns

den Stein wiedergeben, gern an stossen!»

Das vierte Unspunnenfest

fand dann erst 1946

statt. Diesmal sollte es vor

allem die Unabhängigkeit

der Schweiz symbolisieren.

Von nun an konnte sich der

Grossanlass halten, er wurde

fast regelmässig 1955,

1968, 1981, 1993 und

2006 durchgeführt. Und

jetzt folgt also die zehnte

Auflage. Längst ist aus dem

Verbrüderungsfest ein Folkloreanlass

der Superlative

geworden.

Die Bedeutung des Unspunnenfests

rühre auch

daher, dass es die Initialzündung für die

Gründung vieler Verbände gewesen sei, sagt

Ueli Bettler: «Die schweizerische Trachtenvereinigung,

der eidgenössische Jodler- und der

Schwingerverband, sie alle haben Wurzeln im

Un spunnenfest.» Die Verbände geben denn

auch den etwas ungewöhnlichen Veranstaltungsrhythmus

vor. «Grundsätzlich findet das

Fest alle zwölf Jahre statt», sagt OK-Vizepräsident

Walter Dietrich. Das heisst aber auch,

dass das Unspunnenfest jedes Mal sozusagen

neu erfunden werden muss. Es gibt keine Infrastrukturen

und keine Teams, die sich reaktivieren

liessen. Natürlich standen einige

der heutigen Verantwortlichen schon 2006 im

Einsatz, aber seither hat sich viel verändert.

So boomt mittlerweile

auch das Interesse an

Brauchtum wie schon

lange nicht mehr – der

Hauptgrund dafür, dass

das Fest erstmals neun

Tage dauert und auf die

Höhematte verlegt werden

musste. «Am alten

Stadt und Land

finden am

Unspunnenfest

zusammen

Ort hatte nur eine Arena

für 10 000 Leute Platz»,

so Ueli Bettler. «Auf der

Höhematte hingegen

können wir 15 000 Zuschauer

unterbringen.»

Warum stösst das

Brauchtum auf derart

grosses Interesse? «Ich glaube, dahinter

steht die Sehnsucht nach ursprünglicheren

und friedlicheren Zeiten», meint Ueli Bettler.

«Die Welt ist brutal geworden. Ein Anlass wie

das Unspunnenfest bietet da ein wichtiges

Ge gengewicht.» Stadt und Land, Jung und

Alt, Kräftig und Elegant, alles findet hier zusammen

– ganz so, wie sich das die Gründer

des Anlasses einst erträumt hatten.


IN A NUTSHELL

Switzerland’s

biggest Festival

The Unspunnen festival near

Interlaken is one of the most

important events featuring

traditional Swiss culture. It

was held for the first time in

1805, when Bern’s nobility

wanted to appease their

rural subjects and farmers –

unsuccessfully. After a long

hiatus, the idea of a big

popular festival with

hundreds of Swiss wrestlers,

flag-throwers, yodellers,

alphorn players and rockthrowers

was taken up again

and the event is now held

every 12 years, this year

from 26 August to 3 September.

Some 150 000 visitors

are expected to join. One of

the main attractions is the

so-called Unspunnenstein,

a rock weighing more than

80 kilos that the men have to

throw as far as possible.

FOTOS: KEYSTONE (3)

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MADE IN BERN 2/2017


BRAUCHTUM

Wo Natur und Architektur

zusammentreffen

Im Freilichtmuseum Ballenberg und im Naturpark Diemtigtal können inmitten einer herrlichen

Landschaft traditionelle Gebäude aus vergangenen Zeiten bewundert werden

BALLENBERG

Über hundert

originale Gebäude

aus allen Regionen

der Schweiz

DIEMTIGTAL

Prächtige

Holzhäuser aus

dem 17. und

18. Jahrhundert

FREILICHTMUSEUM BALLENBERG

NATURPARK DIEMTIGTAL

Über hundert originale und zum

Teil jahrhundertealte Gebäude

aus allen Landesteilen der

Schweiz können in diesem

einzigartigen Freilichtmuseum

besichtigt werden. Dazu finden

Vorführungen von traditionellem

Handwerk, Brauchtum

und Spezialveranstaltungen

statt, die Einblick ins frühere

Leben geben. Angeboten werden

etwa Kurse in Brotbacken,

Holzschnitzen, Weben oder in

der Herstellung von Schokolade.

Verschiedene Ausstellungen

beleuchten zudem ausgewählte

Aspekte des ländlichen Lebens

damals und heute. In mehreren

Werkstätten sind Profis an der

Arbeit und zeigen ihr Können,

etwa in der Seilerei, in der Sattlerei

oder in der Schmiede.

Eine weitere Attraktion sind die

rund 250 Bauernhoftiere,

die auf dem Museumsgelände

gehalten werden.

Dieses Jahr stehen sie unter

dem Motto «Wir lassen die Sau

raus» im Rampenlicht.

Und schliesslich wird hier auch

Theater gespielt. Nach Gotthelfs

«Ueli der Knecht» und

«Ueli der Pächter» inszeniert

das Landschaftstheater Ballenberg

diesen Sommer den historischen

Stoff «Veronika Gut –

Aufruhr in Nidwalden».

ballenberg.ch

Das Diemtigtal, westlich des

Thunersees zwischen Simmenund

Kandertal gelegen, gehört

mit seiner intakten Landschaft,

den traditionellen Streusiedlungen

und schmucken Gebäuden

zu einer der schönsten

Landschaften in der Schweiz.

Dank seiner einzigartigen Natur

und der grossen Biodiversität

trägt es denn auch das Bundeslabel

«Regionaler Naturpark

– Landschaft von nationaler Bedeutung».

Das Dorf Diemtigen

mit seiner Kirche und den zum

Teil noch aus dem 17. Jahrhundert

stammenden Holzhäusern

wurde zudem mit dem Wakker-

Preis ausgezeichnet.

Für Wanderer und Naturliebhaber

ist das Tal ein Paradies. So

lassen sich auf den «Diemtigtaler

Hauswegen» die schönsten

Bauten in den verschiedenen

Talabschnitten erkunden.

Und auf dem Erlebnisweg

«Grim mimutz» können Kinder

die spannende Geschichte vom

«Grimmimutz und der bösen

Pfefferhexe» erleben.

Für einen Adrenalinschub sorgt

zudem der Bikepark Wiriehorn

mit seinen attraktiven Strecken.

Und für Genussmenschen bieten

sich mehrere Alpkäsereien

an, wo man den Käsern bei der

Arbeit zuschauen kann.

diemtigtal.ch

2/2017 MADE IN BERN

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AARESCHLUCHT

Die eindrückliche, 1,4 Kilometer

lange und 200 Meter tiefe

Schlucht kann dank einem Steg

problemlos besichtigt werden.

MEIRINGEN

GRINDELWALD

Auf der Kleinen

Scheidegg lohnt die

Rösti im Restaurant

Bahnhof einen Umweg.

Lokale Spezialität ist

der Haslikuchen mit

Haselnussfüllung.

HOTEL ROSENLAUI

Der Weg führt direkt

am historischen Hotel

vorbei, das noch immer in

Betrieb ist. Die ersten

Gäste speisten 1779

unter den Stuckdecken.

LAUTERBRUNNEN

STAUBBACHFALL

Der 300 Meter hohe

Wasserfall stiebt

wie Pulver in alle

Richtungen.

MÜRREN

AUF DEM BÄRENTREK

ZU FUSS VON MEIRINGEN

NACH ADELBODEN

TAG 1: Meiringen–Aareschlucht

retour (1,5 Stunden)

TAG 2: Meiringen–Grindelwald

via Grosse Scheidegg

(6 Stunden, 1367 Höhenmeter)

TAG 3: Grindelwald–Lauterbrunnen

via Kleine Scheidegg

(8 Stunden, 1027 Höhenmeter)

TAG 4: Lauterbrunnen–Kiental

via Mürren und Sefinefurgge

(6 Stunden, 1817 Höhenmeter)

TAG 5: Kiental–Kandersteg

via Hohtürli (7 Stunden,

1397 Höhenmeter)

TAG 6: Kandersteg–

Adelboden via Sunnbüel,

Engstligenalp und das Tal

der Roten Chumme

(5 Stunden, 1444 Höhenmeter)

Die Wanderung kann individuell

organisiert werden. Es

gibt aber auch Angebote, bei

denen das Gepäck von Hotel

zu Hotel transportiert wird.

Ab 1050 Fr. pro Person

(inkl. Übernachtungen).

alpavia.ch

SCHILTHORN

Hier, auf 2970 Metern,

geniesst man einen

fantastischen Blick auf

Eiger, Mönch und Jungfrau.

VON EINEM FERIENORT ZUM NÄCHSTEN

38

Wer nach sechs Tagen noch

nicht genug hat von der

fantastischen Bergwelt des

Berner Oberlandes, kann

noch zwei weitere Etappen

anhängen: Von Adelboden

gehts über den Hahnenmoospass

und Bühlberg

in den Ferienort Lenk (Wanderzeit

rund 4,5 Stunden).

Von dort lässt sich auch das

mondäne Gstaad per pedes

erwandern. Der Weg führt

über den Trüttisbergpass

ins Turbachtal (7 Stunden).

lenk-simmental.ch

MADE IN BERN 2/2017


WANDERN

Im Frühtau

zu Berge

Zu Fuss auf die Gipfel. Der Kanton Bern ist ein Wanderparadies

par excellence. Eine der schönsten Touren führt auf dem Bärentrek von

Meiringen über Grindelwald und Lauterbrunnen nach Adelboden

RENATA LIBAL

KIENTAL

Im Berghotel

Oeschinensee

gibts köstliche

Patisserie.

Ein perfekter Ort,

um die alpine

Fauna zu beobachten:

Steinböcke,

Murmeltiere und

Gämsen.

OESCHINENSEE

Inmitten von Gletschern

und uralten Tannen liegt

der grösste Bergsee der

Schweiz. Auch zum Baden!

SUNNBÜEL

Auf dem Plateau

gibt es einen Pflanzen-Rundweg

mit

vielen Informationen

über die einheimische

Bergflora.

KANDERSTEG

ADELBODEN

Südlich des Dorfes

liegt die Engstligenalp.

Das Wanderparadies

ist bequem per

Seilbahn erreichbar.

LENK

Die Simmenfälle

und die

Simmenquellen

sind ein Kraftort

und wunderbares

Ausflugsziel.

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Etappen-Stopp im

Saanenland: Spitzenkoch

Anton Mosimann mit

einem Jaguar E-Type

Cabriolet von 1972

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MADE IN BERN 2/2017


GRAND TOUR

Grand Tour

mit Grandezza

Obwohl er seit über vierzig Jahren in London lebt, kehrt Anton Mosimann immer wieder

gern in seine Heimat zurück. Auf einer zweitätigen Tour mit einem Jaguar E-Type

besucht der Spitzenkoch alte Freunde und zeigt seine Lieblingsplätze im Kanton Bern

MARIUS LEUTENEGGER (TEXT) UND TOM WÜTHRICH (FOTOS)

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MADE IN BERN 2/2017


GRAND TOUR

01

Die von Schweiz Tourismus lancierte

Grand Tour of Switzerland

führt auf 1600 Kilometern quer

durch die Schweiz, von einer

Sehenswürdigkeit zur nächsten.

Spitzenkoch Anton Mosimann

nimmt das Berner Teilstück unter

die Räder – und zwar stilgerecht

mit einem Jaguar E-Type Serie

3 V12 Roadster, Jahrgang 1972.

Mit dem

Emmental

verbindet Anton

Mosimann

eine lebenslange

Liebe

Das Auto sieht nicht nur aus wie

ein Museumsstück, es ist auch

eines: Rollt es nicht gerade über

die schönsten Strassen im Kanton,

steht es im Classic-Car-Museum

in Safenwil. Mosimann lebt

seit vierzig Jahren in London, zu

seiner Berner Heimat hat er aber

weiterhin eine enge Beziehung.

Gerade ist er in der Schweiz, um

seine Autobiografie vorzustellen.

01 Die Fahrt beginnt in

Nidau. Das Nachbarstädtchen

von Biel liegt zwar nicht auf der

Grand Tour of Switzerland, aber

hier wuchs Anton Mosimann

auf. Die Eltern führten ein Restaurant,

das heute Nidaux heisst.

Mosimann: «Meine Beziehung

zu Nidau ist noch immer sehr

eng.» Jeden Monat kehrt er in

die Schweiz zurück, meist aus

geschäftlichen Gründen. Jetzt

gerade kümmert er sich um

02

die Mosimann Collection. Das

Museum befindet sich in der

Hotelfachschule César Ritz

Colleges in Le Bouveret. Mosimann

stiftete dafür seine 6000

Kochbücher und alle 50 Goldmedaillen,

die er gewonnen hat.

02 Weiter auf der Mosimann-

Tour: Im Bären in Twann absolvierte

der Spitzenkoch von 1962

bis 1964 seine Lehre. Dabei lernte

er nicht nur den Umgang mit

Pfannen und Messern, sondern

auch mit Menschen: «Im Bären

hatte ich zwei Lehrchefs. Der eine

war eine fantastische Person, der

andere das pure Gegenteil. Da

lernte ich, wie man es machen

sollte und wie nicht. Ich behandle

Menschen seither so, wie ich

selber gern behandelt werden

möchte.» Anton Mosimann ist

keiner, der in der Küche laut wird.

«Liefert jemand nicht das ab, was

ich erwarte, muss ich den Fehler

zuerst bei mir selber suchen. Ich

respektiere andere und möchte

selber respektiert werden.» Was

das bedeutet, sieht man, wenn

man mit Anton Mosimann auf

der Grand Tour Halt macht. Es

ist ein Genuss, den Star ohne jede

Allüren im herzlichen Umgang

mit Bekannten zu beobachten,

wie etwa mit Hans-Jürg Aeschlimann,

langjähriger Bären-Wirt

und Schwiegersohn des Lehrmeisters

von Anton Mosimann,

und dem aktuellen Küchenchef

Rafaël Antzlinger.

03 Twann zählt zu den beliebtesten

Ausflugsorten am Bielersee.

Anton Mosimann geniesst

die Fahrt im Jaguar E-Type, ein

Modell, das er selber 35 Jahre

lang fuhr. «Damit nahm ich an

vielen Oldtimer-Rallyes teil, etwa

in Osteuropa oder im Südtirol.

Weil dieses Fahrzeug aber ein

bisschen wenig Platz fürs Gepäck

bietet, bin ich mittlerweile für die

Rallyes auf einen alten Mercedes

umgestiegen.» Mit Schweiz Tourismus

veranstaltet Anton Mosimann

im Herbst ein Genussrallye

entlang der Grand Tour.

04 Nach dem kleinen Abstecher

in die Vergangenheit gehts

weiter ins Emmental, genauer

in die Schaukäserei in Affoltern,

wo Anton Mosimann gern im

Kessi rührt. Käse ist ein wichtiger

Bestandteil seiner Küche, und

Emmentaler mag er: «Vor allem,

wenn er gut gereift ist.»

OLDTIMER-MUSEUM

Das Classic Car Museum in

Safenwil gehört der Emil Frey

Classic AG. Die Emil Frey AG

ist Partnerin von der BE! Tourismus

AG. Auf 1500 Quadratmetern

gibts rund 60 Fahrzeuge

aus der Firmengeschichte zu

bewundern – vorwiegend englische

und japanische Raritäten.

emilfreyclassics.ch

05 Mit dem Emmental verbindet

Anton Mosimann eine

lebenslange Liebe. «Ich besass

hier ganz in der Nähe ein wunderschönes

Chalet, das ich bereits

im Alter von 19 Jahren erstehen

konnte. Als wir nach London zogen,

verkauften wir es – aber ich

kehre immer wieder gern in diese

liebliche Gegend zurück.»

06 «Ich habe in 80 Städten auf

der Welt gearbeitet, denn ich

bin immer sehr gern gereist»,

sagt Anton Mosimann. Auch in

Bern war er immer wieder tätig

und kochte für Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Oberhalb des

Bärengrabens geniesst er die

Aussicht auf die Berner Skyline.

07 Afternoon-Tea im Hotel

Bellevue Palace, dem offiziellen

Gästehaus der Schweizer Regierung.

Anton Mosimann scheint

mit der halben Belegschaft bekannt

zu sein. «Im Gastgewerbe

kennt man sich eben.» Aber im

Bellevue Palace ist es einfach zu

schön und erstaunlich unkompliziert.

Schwellenängste wären für

Grand-Tour-Reisende jedenfalls

ganz und gar unbegründet.

08 Die Tour führt weiter in

den bezaubernden Naturpark

Gantrisch, der nur eine halbe

Stunde von Bern entfernt liegt.

In Rüggisberg gibts einen kurzen

Stopp bei einer bedeutenden

Klosterruine: Hier stand einst das

erste und wichtigste Priorat der

Cluniazenser in der Schweiz.

09 Weiter nach Thun. Der

riesige Donjon des Schlosses

wurde um 1190 von Herzog Berthold

V. von Zähringen erbaut.

Heute beherbergt das Schloss das

historische Museum, das die kulturelle

Entwicklung der Gegend

seit 4000 Jahren thematisiert.

10 Übernachtung im Victoria

Jungfrau Grand Hotel & Spa in

Interlaken, einem der schönsten

Häuser der Schweiz. Mit Luxushotels

kennt sich Anton Mosimann

aus, schliesslich war er

lange Chefkoch im Dorchester

in London und damit Vorgesetzter

von 130 Köchen. In seinem

Clubrestaurant Belfry beschäftigt

er noch 16 Köche. Was ist denn

eigentlich so schön am Kochberuf,

dass Anton Mosimann ihm


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fast sein ganzes Leben gewidmet

hat? «Dass man anderen Freude

machen kann – mit einem guten

Essen und einer angenehmen

Ambiance», sagt der 70-Jährige.

Beides findet man auch im

Victoria Jungfrau: Das Restaurant

La Terrasse trumpft mit 15 «Gault

Millau»-Punkten auf. Bei seiner

Eröffnung war Anton Mosimann

übrigens Gastkoch.

11 Der zweite Tag der Grand

Tour of Bern beginnt in Unterseen

bei Interlaken, auf dem mittelalterlich

geprägten Stadthausplatz,

wo sich ein Restaurant ans

nächste schmiegt. Träumt Anton

Mosimann nicht gelegentlich davon,

in seiner alten Heimat ein

Lokal zu eröffnen? Der Spitzenkoch

winkt ab. «Ich mag London

sehr – etwa wegen der vielen

tollen Musicals und Restaurants.

Man bekommt dort alles, was

das Herz begehrt. Ich kenne zum

Beispiel ein paar hervorragende

japanische Restaurants, die ich

gern aufsuche, ich arbeitete ja

selber ein Jahr lang in Japan und

schätze diese Küche sehr. London

wird aber vor allem deshalb meine

Heimat bleiben, weil meine

Söhne und ihre Familien dort leben.

Meine fünf Enkelkinder sind

inzwischen richtige Briten.»

12 Nächster Stopp Grindelwald

mit seinem weltberühmten

Panorama mit Eiger, Mönch und

Jungfrau. Und schon wieder ein

grosses Hallo: Im Hotel Aspen erkennt

man Anton Mosimann sofort.

Geduldig posiert er mit Küchenchef

Sebastian Schuster und

Direktor Stefan Gross niklaus.

IN A NUTSHELL

Favourite restaurants of a master chef

Anton Mosimann, who grew

up in the little Bernese town

of Nidau, is one of Switzerland’s

top chefs. He became

world famous as a caterer to

the rich and powerful,

cooking for heads of state,

royal families and movie

stars. He is particularly close

to the British royals. In 2004,

Queen Elizabeth II awarded

him the Order of the British

Abschluss der

Tour ist das

pittoreske Dorf

Saanen

13 Einen zweiten Stopp in Grindelwald

legt Mosimann beim Romantik-Hotel

Schweizerhof ein,

das sich vor wenigen Jahren den

fünften Stern verdient hat und

über drei Restaurants verfügt.

14 Von Grindelwald aus geht es

dann zurück nach Interlaken und

von dort durch das Simmental

ins Saanenland. Das ehemalige

Hotel Steigenberger wurde nach

einer kompletten Renovation neu

als HUUS Hotel Gstaad eröffnet.

Das grösste Hotel der Region

überzeugt mit einer sinnlich-warmen

Gestaltung und einer äusserst

aufmerksamen Bedienung.

CEO Günter Weilguni freut sich

über eine kleine Fachsimpelei mit

dem weitgereisten Experten.

15 Abschluss des Ausflugs ist

das pittoreske Chaletdörfli Saanen.

Hier trifft Anton Mosimann

seine Frau Kathrin, mit der er seit

1973 verheiratet ist. Die beiden

fahren weiter nach Montreux, wo

sie eine Wohnung ganz in Weiss

besitzen. Gute Fahrt auf der

Grand Tour of Switzerland!

madeinbern.com/grandtour ■

Empire. Mosimann has just

published his autobiography,

«Life is a Circus». Because

he has always been drawn

back to this Swiss roots,

Mosimann has started a

Grand Tour of his home

country, driving a vintage Jaguar

E-Type. He showcases

the most scenic spots in the

Canton of Bern and stops at

his favourite restaurants.

GOURMETTIPPS VON

ANTON MOSIMANN

DER STARKOCH

In seiner ausführlichen und

reich bebilderten Autobiografie

erzählt Anton Mosimann über

sein Leben mit den Stars.

«Live is a circus»,

Reinhardt-Verlag, 39.80 Fr.

Bären, Twann

Das wunderschöne Gasthaus

am Bielersee gibt es

schon seit 1526. Anton

Mosimann: «Hier geniesse

ich gern einen kleinen

Hecht, ganz gebraten.»

baeren-twann.ch

Harmonie, Bern

«In die Harmonie gehe ich,

wenn ich Lust auf Kutteln

habe», sagt Mosimann über

das gutbürgerliche und

mitten in der Berner Altstadt

gelegene Restaurant.

harmonie.ch

Kemmeriboden-Bad

Der wunderschöne Landgasthof

bei Schangnau im

Emmental ist bekannt für

seine währschafte Küche.

Für Mosimann sind die

Meringues ein Must.

kemmeriboden.ch

Lüderenalp, Wasen

Das Berghotel liegt hoch

über dem Emmental

zwischen Sumiswald und

Langnau. Mosimanns Empfehlung:

«Sauerbraten mit

Berner Alpenpanorama.»

luederenalp.ch

Ruedihus, Kandersteg

So urchig wie das 250-jährige

Holzhaus ist auch die

Küche. «Ganz speziell»,

sagt Anton Mosimann. Auf

den Tisch kommen Suure

Mocke oder Buurehamme.

ruedihus.ch

2/2017 MADE IN BERN

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GURTEN FESTIVAL

AGENDA

OPEN AIRS UND FESTIVALS

23.–25. JUNI

7.−8. JULI

12. JULI – 24. AUGUST

14.−15. JULI

MITTSOMMER FESTIVAL

AM SIMMENFALL

Ein unvergessliches Erlebnis mit

viel Musik, Genuss und Entspannung

inmitten der Natur ganz

hinten an der Lenk

mittsommerfestival.ch

VOGELLISI FESTIVAL

Die Stars im grossen Rundzelt

in Adelboden sind dieses Jahr

Hecht, Love Bugs und Züri West

vogellisifestival.ch

7.–15. JULI

THUNERSEESPIELE

Mit «Cats» wird eines der berühmtesten

Musicals vor einer

traumhaften Kulisse aufgeführt

thunerseespiele.ch

LAKESPLASH

REGGAE FESTIVAL

Die romantische und idyllische

Lage am Bielersee verleiht

dem Open Air in Twann ein

Jamaika-Holiday-Feeling

lakesplash.ch

30. JUNI – 1. JULI

HANGAR ROCKIN’

Wilder Rock und starke Motoren

auf dem Flugplatz St. Stephan

im Obersimmental

hangarrockin.com

MUSIKFESTWOCHE

MEIRINGEN

Seit 1960 findet dieses einzigartige

Klassikfestival in der

traumhaft schönen Michaelskirche

in Meiringen statt

musikfestwoche-meiringen.ch

11.–15. JULI

14.–23. JULI

JAZZ TAGE LENK

Von Swing bis New-Orleans-

Jazz, dieses Jahr unter anderem

mit den Stockholm Stompers,

The Bowler Hats Jazz

Band und den Swing Ninjas

jazztagelenk.ch

30. JUNI – 2. JULI

JAZZ AM DOLDENHORN

Eine Mischung aus klassischem

Jazz, Blues, Gospel und

Rock ’n’ Roll erwartet die Besucher

des kleinen, feinen Jazzfestivals

im Waldhotel Doldenhorn

in Kandersteg

doldenhorn-ruedihus.ch

POD’RING

Bereits zum vierzigsten Mal

gibts dieses charmante Kulturfestival

in der warmen Atmosphäre

der Bieler Altstadt

podring.ch

12.−15. JULI

GURTEN FESTIVAL

Eines der ältesten Open Airs mit

Lo & Leduc, LP, Dabu Fantastic,

Beginner und Züri West

gurtenfestival.ch

13. JULI – 2. SEPTEMBER

GSTAAD MENUHIN

FESTIVAL

Dieses Jahr steht das Festival

unter dem Motto «Pomp in

Music» mit über 70 Konzerten

gstaadmenuhinfestival.ch

Swing Ninjas

15. JULI

CÉLINE DION

Das Konzert-Highlight

dieses Sommers im

Stade de Suisse in Bern

bern.com

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MADE IN BERN 2/2017


THUNERSEESPIELE

3.–6. AUGUST

BRIENZERSEE

ROCKFESTIVAL

Schon zum dreissigsten Mal

geht das Festival am See über

die Bühne. Dieses Jahr unter anderem

mit Dire Straits Experience,

The Sweet und Pretty Maids

brienzerseerockfestival.ch

10.–12. AUGUST

BUSKERS BERN

Das Strassenmusik Festival

mitten in der Berner Altstadt

mit Dutzenden von internationalen

Künstlergruppen

buskersbern.ch

25. AUGUST – 10. SEPTEMBER

ESTIVALES MUSICALES

COURT

Das kleine Kammermusik Festival

im idyllisch gelegenen Vallée

de Tavannes im Berner Jura

estivales-musicales.com

Richard Galliano

19.–26. AUGUST

MENDELSSOHN

MUSIKWOCHEN

Hochkarätige Solisten und

Ensembles interpretieren die

Musik des bedeutenden

deutschen Komponisten und

Pianisten Felix Mendelssohn

mendelssohn-wengen.ch

25.–26. AUGUST

8.–9. SEPTEMBER

COUNTRY NIGHT

GSTAAD

Eines der grossen Country- und

Western-Festivals der Schweiz

im grossen Festivalzelt beim

Sportzentrum in Gstaad

countrynight-gstaad.ch

22. SEPTEMEBER – 1. OKT.

SWISS CHAMBER

MUSIC FESTIVAL

Kammermusikkonzerte auf

höchstem Niveau unter andern

mit dem Orchester Camerata

in Adelboden

adelboden.ch

IMPRESSUM

LEITUNG Dominic

Geisseler REDAKTION

Mathilde Binetruy,

Erik Brühlmann, Marius

Leutenegger, Renata

Libal, Nena Morf,

Philipp Probst

PRODUKTION Dominic

Geisseler GRAFIK

Fabienne Boesch

FOTOREDAKTION Suse

Heinz ÜBERSETZUNGEN

(ENGL.) Rosemarie

Graffagnini TITELFOTO

Michael Sieber LEITUNG

VERLAG Marcel Tappeiner

VERKAUFSLEITUNG

Adriano Valeri

PRINTED IN SWITZERLAND

Eine Zusammenarbeit der

BE! Tourismus AG

mit der SonntagsZeitung

SEASIDE FESTIVAL

Pop und Rock in der Spiezer

Bucht, unter anderem mit

Emeli Sandé, Status Quo

und Krokus

seasidefestival.ch

2/2017 MADE IN BERN

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DIGITAL

Mitmachen

und tolle

Preise

gewinnen!

Folge @madeinbern und kommentiere

die aktuelle Story. Aber Achtung:

Das Bild ist nur 24 Stunden sichtbar!

Der grosse Instagram-

Sommerwettbewerb

Auf Instagram gibts ab sofort tolle Preise zu attraktiven Sommeraktivitäten

im ganzen Kanton Bern zu gewinnen. Einfach @madeinbern folgen und die

aufgeschaltete Story kommentieren

Mit dem Schlauchboot über die

Wellen der wilden Saane gleiten,

Gstaad mit einem Gleitschirm-Tandemflug

aus der Vogelperspektive

erleben, wakesurfen auf dem Thunersee

oder ein exquisites Picknick am

tiefblauen Oeschinensee geniessen:

Ab 19. Juni veröffentlicht @madeinbern

auf Instagram jeden Montag

zwischen 16 und 17 Uhr eine neue

Story zu einer der unzähligen Sommeraktivitäten

in den verschiedenen

Destinationen des Kantons Bern.

Kommentiere die Story und nimm

automatisch am grossen Sommerwettbewerb

#madeinbern teil. Es lohnt

sich! Zu gewinnen gibt es viele attraktive

Preise, die alle unvergessliche

Sommererlebnisse im Kanton Bern

garantieren. Aber Achtung: Jede

Story kann nur während 24 Stunden

angeschaut werden! Die Instagram-

Sommerkampagne dauert acht

Wochen, bis zum 8. August 2017.

#madeinbern • instagram.com/madeinbern • facebook.com/madeinbern

twitter.com/madeinbern • madeinbern.com/newsletter

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MADE IN BERN 2/2017


BERN IN ZAHLEN

Höchster Punkt im Kanton

Bern: Finsteraarhorn (4274 M.)

Die Löcher in

einem Emmentaler

Käse sind

durchschnittlich

drei Zentimeter

gross

(Abbildung im Masstab 1:1)

Anzahl Bären: 5

HÄTTEN SIE’S GEWUSST?

Anzahl Seen im Kanton

Bern: 800

Anzahl «Gault-Millau»-

Punkte: 1260

Durchschnittsgeschwindigkeit

Bernerinnen und Berner

gehen mit einer Geschwindigkeit von

3,8 Kilometer pro Stunde durch

die Innenstadt

Zwiebeln

Am Berner Zibelemärit

werden 50 Tonnen verkauft

BERNER MUNDART-AUSDRÜCKE

Bierdichte

In keinem anderen Kanton wird

so viel gebraut wie im Kanton Bern.

Auf seinen knapp 6000 Quadratkilometern

findet man 88 Brauereien

Marienkäfer

Himmugüegeli

Nackenstarre

Äckegschtabi

Lakritze

Bäredräck

Esslätzchen

Ässmantu

herumhantieren

figureetle

Ohrring

Ohrepänkli

Kuss

Müntschi

in der Aare

schwimmen

Aareschwümme

BERNER SPEZIALITÄTEN

Berner Rösti

Berner Platte

Meringues

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Tiefster Punkt im Kanton Bern:

Aare bei Wynau (401,5 M.)

Durchschnittstemperatur

der Aare im Juli: 17,5 Grad

MADE IN BERN 2/2017


SOUVENIRS

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01 ADELBODNER

MINERAL Wasser

aus einer der höchstgelegenen

Quellen

Europas

02 TOM’S TONIC

WATER Wird mitten in

der Stadt Bern abgefüllt

03 DRACHEN-SIRUP

Süffiges aus der

Natur-Drogerie in

Beatenberg

04 LOLA COLA NULL

Der neue Berner

Sommerdrink

05 SAANE GUTSCH

NR. 3 Naturtrübes Bier

aus dem Saanenland

50

06 SIMMENTALER

BIER Gebraut am Fuss

des Wildstrubelmassivs

07 BURGBIER 775

Das Jubiläumsbier der

Burgbier-Brauerei

Ringgenberg

08 BÄNZ Konzentrat

aus Berner Früchten

09 HABCHER-

RUSCHTIG Sirup aus

Habkern bei Interlaken

10 SWISS ALPINE

HERBS Bio-Sirup

mit Holunderblüten

11 CHASSELAS Weisswein

vom Bielersee von

der Weinkellerei Hasler

11

Das Beste

aus Bern

Nicht nur Bäredräck und Meringues kommen

aus Bern. Auch in Sachen Flüssiges finden sich

im ganzen Kanton unzählige Trouvaillen. Eine

Auswahl der besten Durstlöscher

MADE IN BERN 2/2017


SonntagsZeit

für Wandertouren

Am Sonntag shoppen wird

immer beliebter. Auch in Bern.


BE TOP | BE NATURAL | BE HAPPY | BE TRADITIONAL | BE 2 B

Grosse Scheidegg, Jungfrau Region

INSPIRIERT? ENTDECKEN SIE

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Faszinierende Radtouren durch Berner Täler und anspruchsvolle Strecken

garantieren spektakuläre Fahrten. Für alle, die Kilometer abspulen und

Höhenmeter überwinden wollen!

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