Takte_1_17

bv1927ks

[t]akte

Das Bärenreiter-Magazin

1I2017

Informationen für

Bühne und Orchester

SCHWERPUNKT: FRANZÖSISCHE MUSIK

Händels „Esther“ und Telemanns

„Auferstehung und Himmelfahrt“

Neue Werke von Manfred Trojahn,

Philipp Maintz und Miroslav Srnka


[t]akte

1I2017

4 8 10 13

14 20 21 22

L’Opéra français

Musiktheater zwischen

Revolution und Moderne

Die Reihe „L’Opéra français“

veröffentlicht historisch-kritische

Editionen von französischen

Musiktheaterwerken,

die verlässliche Grundlagen

für Aufführungen bieten.

Ein Blick zurück,

ein Blick nach vorn

Die New Berlioz Edition nach

fünfzig Jahren

1967 erschien der erste Band der

„New Berlioz Edition“. Die Gesamtausgabe

wurde zu einem

Musterbeispiel moderner Musikedition

und hat bis heute große

Auswirkungen auf die Praxis.

Perles orchestrales

Die symphonischen und konzertanten

Werke Gabriel Faurés

Gabriel Faurés Orchesterwerke

und konzertanten Stücke gilt

es neu zu entdecken. Dabei

hilft der Urtext der Gesamtausgabe

bei Bärenreiter.

Hoch virtuos und emotional

Maurice Ravels Konzert für die

linke Hand

Das Konzert, das Paul Wittgenstein

bei Maurice Ravel in

Auftrag gab, ist das berühmteste

für den kriegsversehrten

Pianisten. Nun liegt es in einer

Urtext-Ausgabe auf dem neuesten

Stand der Quellenbewertung

vor.

Wo das Adagio blüht

Werke aus dem Nachlass Jean

Barraqués

Olivier Messiaen bewunderte

ihn für die „noble Art seiner

Kunst und seines Denkens“:

Nun liegt die Edition von zwei

unveröffentlichten Werken

Jean Barraqués vor, die aus

den Archiven der Association

Jean Barraqué bzw. der

Bibliothèque nationale de

France stammen und neue

Erkenntnisse liefern.

„move 03“ for large orchestra

Drei Fragen an Miroslav Srnka

„Bei mir enthält ,move‘ zunehmend

zwei Deutungen: Die

erste Deutung liegt in der Bewegung

als Struktur: Mit musikalischen

Mitteln, beispielsweise

mit der Gestalt eines

polyphonen Schwarms, wird

eine bewegte, changierende

dreidimensionale Struktur

suggeriert, die etwa an Vogelschwärme

erinnert. Die zweite

Deutung bezieht sich auf die

Bewegungen der Musiker, mit

denen sie physisch den Klang

erzeugen …“

„Les dentelles de Montmirail“

Drei Fragen an Manfred Trojahn

„Das Harte, auch das Monumentale,

das ein Zeichen der

Landschaft ist, auf die Char

sich bezieht und in die ich ihm

folge, steht immer im Gegensatz

zur äußersten Zartheit

von Stimmungen und Reflexionen.

Musikalische Dramaturgie

baut man auch aus diesen

Gegensätzen und von daher

berühren sich die künstlerischen

Ansätze …“

„hängende gärten“ für großes

orchester

Drei Fragen an Philipp Maintz

„… einerseits eine Anlage,

in der man Pflanzen setzen,

begärtnern, pflegen und wachsen

sehen kann (ja, eigentlich

,Musik aus Musik‘ schreiben)

– andererseits aber auch ein

,Sehnsuchtsgarten‘, in dem es

schön blühen, aber auch wuchern

soll …“

Oper

L’Opéra français

Musiktheater zwischen Revolution

und Moderne 4

Orchester

Perles orchestrales

Die symphonischen und

konzertanten Werke Gabriel

Faurés 10

Hoch virtuos und emotional

Maurice Ravels Konzert für die

linke Hand 13

Wo das Adagio blüht

Werke aus dem Nachlass

Jean Barraqués 14

In neuem Licht

Antonín Dvořáks Violinkonzert

op. 53 und seine drei „Slawischen

Rhapsodien“ op. 45 19

Oratorium

Von wegen Schwanengesang!

Telemanns Oratorium „Die Auferstehung

und Himmelfahrt

Jesu“ 17

Drama in Oratorienform

Händels „Esther“ in der

Hallischen Händel-Ausgabe 18

Neue Musik

Poesie, die bewegt

Neue Stücke des französischen

Komponisten Bruno

Mantovani 16

„move 03“ for large orchestra

Drei Fragen an Miroslav

Srnka 20

„Les dentelles de Montmirail“

Drei Fragen an Manfred

Trojahn 21

„hängende gärten“ für großes

orchester

Drei Fragen an Philipp Maintz 22

Neue Musik

Die Oper ist tot, es lebe die

Oper! 23

aktuell: Matthias Pintscher,

Thomas Daniel Schlee, Charlotte

Seither, Dieter Ammann 24

Unter dem Stern Gustav Mahlers

Colin und David Matthews und

ihre Annäherungen an den großen

Komponisten 25

Pinocchio und Engel

Neue Stücke von Lucia Ronchetti

und Francesco Filidei 26

Publikationen

Ein Blick zurück, ein Blick nach

vorn

Die „New Berlioz Edition“

nach fünfzig Jahren 8

Neue Bücher 27

Neue Aufnahmen 30

Termine

Festspielsommer 2017 28

Termine 31

Titelbild

Szenenfoto aus der Neuinszenierung

von Hector

Berlioz’ „Les Troyens“ an

der Oper Frankfurt (Foto:

Barbara Aumüller)

Übersetzungen

S. 8–9: Anna-Lena Bulgrin

S. 10–11: Annette Thein

S. 14–17: Irene Weber-

Froboese

S. 25: Johannes Mundry

S. 26: Christine Anderson

2 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 3


[t]akte

1I2017

L’Opéra français

Musiktheater zwischen Revolution und Moderne

Die Reihe „L’Opéra français“ veröffentlicht

historisch-kritische Editionen von französischen

Musiktheaterwerken, die verlässliche Grundlagen

für Aufführungen bieten.

Das Repertoire französischer Opern des 19. Jahrhunderts

im Bärenreiter-Verlag ist inzwischen erheblich

angewachsen: In der Reihe „L’Opéra français“, die auch

in Subskription bezogen werden kann, stehen veritable

Wiederentdeckungen neben Kerntiteln des Repertoires.

Die Werke erscheinen unter der Editionsleitung von Paul

Prévost in Zusammenarbeit mit bedeutenden Forschern

der Gattung in kritischen Neuausgaben inklusive einer

kritischen Edition des Librettos in all ihren historischen

Fassungen. Noch immer brachte diese zumeist erste

Ausleuchtung aller Quellen der Aufführungspraxis wesentliche

Impulse – à découvrir!

Charles Gounod

Faust (version opéra). Oper in 5 Akten. Libretto

von Jules Barbier und Michel Carré. Hrsg. von Paul

Prévost (BA 8713)

Besetzung: Marguerite (S), Siebel (S), Marthe (MS),

Faust (T), Valentin (Bar), Wagner (Bar), Méphistophélès

(B); Chœur

Orchester: 2 (I ou pte fl.).2 (I ou cor anglais).2 (I ou

clar. b). 2 – 4.2 Cnt à pist.(ou 2 trp).2.3.1. – Timb.,

Trgl, Tamb. (ou c. claire), Tamb. basque, Tamt,

Cymb., Gr. c. – 4 Harpes, Org. – Cordes; Bühnenmusik

(N° 22): SSaxhn, 2 Cnt à pist., 2 Trp. à cyl., 2

ATromb., TTromb, BSaxhn, CbSaxhn

Faust steht repräsentativ für seinen Komponisten, der

zwischen dem Ausdruck übersteigerter Sinnlichkeit

und einer tiefen Spiritualität hin- und hergerissen

war. So erfuhr Goethes Drama in seiner bedeutendsten

musikalischen Umsetzung eine zutiefst persönliche

Auslegung. Mit einer detaillierten Einleitung (französisch,

englisch, deutsch) präsentiert die Neuausgabe

die Geschichte des Werkes in seinen verschiedenen

vollständig gesungenen Fassungen bis zum Tod des

Komponisten. Die Hauptfassung der Edition entspricht

der Aufführung vom 3. März 1869 an der Pariser Opéra.

Mit einfachen Querverweisen ermöglicht es die Partitur

aber auch, die vorigen und die späteren Stadien

der Oper aufführungspraktisch zu rekonstruieren.

Vervollständigt wird die Ausgabe durch eine kritische

Edition des Librettos. Alle verfügbaren Quellen sind

beschrieben, und der Kritische Bericht erteilt Auskunft

über alle Änderungen. Die beiden früheren Fassungen

des Faust mit gesprochenen Dialogen sind Gegenstand

eines separat in Vorbereitung befindlichen Bandes

derselben Serie (BA 8714).

Camille Saint-Saëns

Samson et Dalila. Oper in 3 Akten und 4 Bildern.

Libretto von Ferdinand Lemaire. Hrsg. von Andreas

Jacob / Libretto-Edition Fabien Guilloux (BA 8710)

„Faust“ an der Nationale Opera Amsterdam, Premiere: 10.4.2014, Musikalische Leitung: Marc Minkowski, Inszenierung: Àlex Ollé/La Fura dels

Baus (Foto: Ruth Walz)

Besetzung: Dalila (MS), Samson (T), Le Grand prêtre

de Dagon (Bar), Abimélech, Satrape de Gaza (B),

Un vieillard Hébreu (B), Un Messager philistin

(T), Premier Philistin (T), Deuxième Philistin (B);

Chœur des Hébreux, Chœurs des Philistins; Ballett

– Prêtresses de Dagon

Orchester: 3 (III ou pte fl.).2.Cor angl.2. Clar. b.2.

Cb bn – 4.2.2 Cnt à pist.3.1.2 Ophicl.– Timb., Gr. c.,

Bck, Trgl, Cymb, Cstgn, Tamb, Tamt – 2 Harpes –

Cordes; Bühnenmusik: Clôche en fa#

Samson et Dalila ist heute die einzige Oper Saint-Saëns’,

der er seinen Ruf als Opernkomponist verdankt; dieser

allgemeinen, in ihrer Einschränkung vielfach beklagten

Verengung editorisch zu begegnen und das Werk

in einen Schaffenszusammenhang einzubetten, war

bereits beim Start des Projekts eines der Ziele. Doch

auch das Hauptwerk musste einige Umwege auf sich

nehmen, um seine Position zu finden: Als 1875 der erste

Akt im Théâtre du Châtelet in Paris (innerhalb der

„Concerts nationaux“) konzertant aufgeführt wurde,

war die Aufnahme mehr als kühl. Ohne die Unterstützung

von Franz Liszt, der das Werk am 2. Dezember 1877

in Weimar zur Uraufführung brachte (in deutscher

Sprache und mit triumphalem Erfolg), hätte es wohl

gar nicht seinen globalen Siegeszug angetreten und

wäre wie Saint-Saëns’ zwölf weitere Opern von den

Bühnen verschwunden. Es folgten Aufführungen in

Brüssel (1878, konzertant, französische EA), in Rouen

und am Pariser Théâtre-Lyrique de l’Eden. Doch erst

am 23. November 1892 fand die erste Aufführung in

der Salle Garnier statt, die schließlich den großen und

kontinuierlichen Erfolg brachte. Diese Fassung ediert

die Ausgabe in ihrem Hauptteil. Dafür wurden die

reichhaltigen Quellen aus den Aufführungen in Weimar

und Paris erstmals ausgewertet.

Jules Massenet

Werther. Lyrisches Drama in 4 Akten und 5

Bildern. Libretto von Édouard Blau, Paul Milliet

und Georges Hartmann (nach Johann Wolfgang

von Goethe). Hrsg. von Lesley Wright (BA 8706)

Besetzung: Werther (T), Albert (Bar), Le Bailli

(Bar/B), Schmidt (T), Johann (Bar/B), Brühlmann

(T), Charlotte (MS), Sophie (S), Käthchen (S), Les

6 enfants (KinderS), Un petit paysan (stumme

Rolle), Un domestique (stumme Rolle)

Orchester: 2 (II ou pte fl).2 (II ou cor angl).2.Asax.2

– 4.2 Cnt à pist.3.1. – Timb., Trgl, Tamb, Gr c. – Harpe

– gr. Org., Clav. de timbres (ou clavier Glcksp) –

CordeS; Bühnenmusik: Tamt, Machine à vent

Um Massenets letzte kompositorische Vorstellungen

ideal zu präsentieren, wertet die Neuausgabe erstmals

alle Änderungen aus, die in

den vielen Orchesterpartituren

und Klavierauszügen

zu Lebzeiten des Komponisten

erschienen. Das Autograph

von 1887 (das vom

Stecher für die Herstellung

der ersten Orchesterpartitur

verwendet wurde)

dient dabei als Basis; doch

spiegelt es nicht die vielfältigen

Eingriffe wider,

die der Komponist vor und

nach der Uraufführung an

der Wiener Hofoper (am 16.

Februar 1892, in deutscher

Sprache) vornahm, und ist

bei der Lösung vieler problematischer

Passagen eher

irreführend. Die verschiedenen,

bei Heugel vor 1912

erschienenen Auflagen der

Partitur weisen deutliche

Änderungen auf, gegenüber

dem Autograph, untereinander

sowie gegenüber

den Klavierauszügen ihrer

Zeit. Eine wesentliche Quelle

der neuen Ausgabe war

Aleksandrs Antonenko als Samson in der

Neuinszenierung von „Samson et Dalila“

an der Opéra national de Paris. Premiere:

1.10.2016, Musikalische Leitung: Philippe

Jordan, Inszenierung: Damiano Michieletto

(Foto: Vincent Pontet)

Massenets Handexemplar des Klavierauszugs, in das

er minutiös Änderungen der Vokallinien, Ausdrucksbezeichnungen

und eine genauere Dynamik vermerkte

sowie dezidierte Bühnenanweisungen notierte – ein

Zeugnis der präzisen Arbeit mit seinen Sängern. Diese

Neuausgabe spürt erstmals die Lesarten aller Quellen

zu Massenets Lebzeiten auf, erklärt sie und führt sie

wieder zusammen, räumt dem Libretto in einer Edition

der Textquellen seinen Stellenwert ein, korrigiert

Fehler und Auslassungen, und schlägt alternative

Tonhöhen für die (historisch eingeschränkten) Pauken

vor. Zahlreiche Anhänge belegen die reiche Aufführungsgeschichte.

Ambroise Thomas

Hamlet. Oper in 5 Akten, Libretto von Michel

Carré und Jules Barbier. Hrsg. von Sarah Plummer

und Hugh Macdonald (BA 8709)

Besetzung: Claudius, roi de Danemark (B), La

reine Gertrude (MS), Hamlet (Bar), Polonius (B),

Ophélie (S), Laërte (T), Horatio (B), Marcellus (T), Le

Spectre (B), 1 er fossoyeur (T), 2 e fossoyeur (B); Chœur

et Ballet: Seigneurs, Dames, Soldats, Comédiens,

Serviteurs, Paysans danois

Orchester: Pte fl.2.2 (II ou cor angl).2.Clar b. ASax,

]

4 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 5


[t]akte

1I2017

Musiktheater zwischen Revolution und Moderne

„Hamlet“ im Theater an der Wien. Premiere: 23.4.2012, Musikalische Leitung: Marc

Minkowski, Inszenierung: Olivier Py (Foto: Werner Kmetisch)

BarSax.4. – 4 (III–IV ou cors á pist).2,2 Cnt à pist.3.

Saxhn b. – Timb; Gr. c., Trgl, Cymb – 2 Harpes

– Cordes – Bühnenmusik: Fl., Clar., Cor, 6 Trp, 4

Tromb, Saxhn b, Perc., 2 Harpes

Hamlet, einer der größten Opernerfolge im 19. Jahrhundert

in Frankreich, wurde am 7. März 1868 an der Opéra

de Paris aus der Taufe gehoben. Außer Frage steht, dass

Ambroise Thomas Shakespeares weltberühmtes Drama

überzeugend umzusetzen verstand – auch wenn seine

Librettisten den Helden am Ende überleben lassen. Um

das sensible englische Publikum diesem unerwarteten

Finale nicht auszusetzen, entstand für die Aufführungen

1869 in London ein Schluss, der mit der englischen

Tragödie übereinstimmt und bei dem Hamlet beim

Schlussvorhang sein Leben aushaucht. Der gigantische

Quellenbefund offenbart allerdings eine weit größere

Vielfalt der Fassungen als lediglich das alternative

Ende: Allein in der Bibliothèque nationale de France, im

der Bibliothèque-musée de l’Opéra und in den Archives

nationales in Paris finden sich Skizzen, alternative

Szenen, ergänzende Ballette, Korrekturen, Revisionen,

alles aus Thomas’ Hand. Die wissenschaftliche Neuausgabe

bietet also Gelegenheit, den Reichtum eines

Schlüsselwerks am Ende des Second Empire zu erfassen,

mit dem Ziel die Quellen auf wissenschaftlicher Basis

der Praxis zugänglich zu machen. Doch allein schon,

um die Fehler der alten Ausgabe zu bereinigen, lohnte

sich der Aufwand.

Édouard Lalo

Fiesque. Grand Opéra in 3 Akten, Libretto von

Charles Beauquier (nach Friedrich Schiller), Hrsg.

von Hugh Macdonald, Libretto-Edition Vincent

Giroud und Paul Prévost (BA 8703)

Besetzung: Fiesque, Comte de Lavagna (T), Verrina

(B), Hassan (Bar), Léonore, Comtesse de Lavagna

(S), Julie, Princesse Doria (MS), Gianettino Doria

(B), Borgonino (B), Sacco (T), Romano (Bar), 3 Sentinelles

(TBB), Coryphée (B), Un homme du peuple

(T), Un page (S); Chœur

Orchester: P te fl.2.2 (ou cor angl).2 (II ou clar. b).2.

– 4.4 (III–IV ou cnt à pist.).3.Oph. (ou Tb) – Timb.,

Gr. c., Cymb., Tamb., Trgl, Cloches – Cordes ; Bühnenmusik:

2.2.2.2. – 0.0.0.0. – Trgl

Den Opernkennern ist vor allem Le roi d’Ys von Édouard

Lalo ein Begriff, doch auch seine erste Oper von 1868 ist

heute zugänglich: Fiesque wurde, trotz seiner musikalischen

Qualitäten, erst in dieser Ausgabe von Hugh

Macdonald erstmals veröffentlicht. 1868 hatte es bei

einem Wettbewerb nur den dritten Preis erhalten und

war daher nicht aufgeführt worden. Die Uraufführung

erfolgte erst 2006, zunächst konzertant in Montpellier

(unter der musikalischen Leitung von Alain Altinoglu

mit Roberto Alagna als Fiesque), dann szenisch in

Mannheim; auch eine CD-Einspielung aus Montpellier

liegt vor. Damit kann das lyrische Drama nach Schillers

Verschwörung des Fiesco zu Genua seinen Stellenwert

unter den Bühnenwerken Gounods, Bizets, Saint-Saëns’

und Massenets behaupten.

Adolphe Adam

Le Toréador ou l’Accord parfait. Opéra bouffon in

zwei Akten, Libretto von Thomas Sauvage. Hrsg.

von Paul Prévost (BA 8701)

Besetzung: Coraline (S), Tracolin (T), Don Belflor

(B ou Bar)

Orchester: 2 (I ou p te fl).2.2.2. – 4.2 Cnt à pist (ou

Trp).3.0 – Timb., Trgl, Timbre – Cordes; Bühnenmusik:

Flûte

1849 an der Opéra-Comique erstmals aufgeführt, steht

diese komische Oper in zwei Akten und zehn Nummern

mit ihrer musikalischen Eleganz und komischen Verve

stellvertretend für den Stil des noch jungen Second

Empire. Nach traditionellem Schema entspinnt sich die

Kabale zwischen einem Hagestolz, der jungen Schönen

und ihrem Liebhaber, doch die Moral des Ausgangs

als harmonischer, „perfekter“ Dreiklang ist durchaus

modern und lässt spüren, dass die Libretti nun nicht

mehr dem Zwang der Zensur unterlagen.

Für jede Partie sind zwei Arien vorgesehen, als Flötist

weiß Tracolin außerdem berühmte Melodien aus

dem französischen Opernrepertoire beziehungsreich

in sein Werben einzubeziehen. Kernstücke sind insbesondere

die beiden Terzette. Die Variationsnummer

über „Ah! vous dirai-je, maman“ ist das vielleicht

zentrale Juwel, doch nicht nur hier verbinden sich

sangliche Virtuosität und die Komik der Situation in

brillanter Leichtigkeit.

Emmanuel Chabrier

L’Étoile. Opéra bouffe in 3 Akten, Libretto von

Eugène Leterrier und Albert Vanloo. Hrsg. von

Hugh Macdonald (BA 8708)

Besetzung: Ouf 1 er (T), Lazuli (MS), La Princesse

Laoula (S), Siroco (B), Hérisson de Porc Épic (T),

Aloès (MS), Tapioca (T), Patacha (T), Zalzal (Bar),

6 Desmoiselles d’honneur (3 S, 3 MS), Le Maître

(B), Le Chef de la police (gespr. Rolle), Le Maire

(stumm), Un Page (stumm); Chœur: Peuple,

Gardes, Hommes et Dames de la cour

Orchester: 2 (ou p tes fl).1.2.1. – 2.2Cnt à pist.1.0. –

Timb., Cloches, Gr. c., Cymb., Trgl – Cordes

L’Étoile, Chabriers Durchbruch auf der Bühne, ist eine

typische Opéra bouffe in Nummernform mit gesprochenen

Dialogen und in der Absurdität der Handlung

und ihrem rabenschwarzen Humor typisch für die Zeit

des späten Second Empire: In einem orientalischen

Fantasiereich herrscht König Ouf, der seinen Geburtstag

jährlich mit einer Hinrichtung feiert – dafür sucht

er nun noch einen Gesetzesübertreter, und trifft auf

Lazuli. Doch die Sterne gebieten dessen Schutz … Jede

musikalische Nummer ist eine Delikatesse, mit bezaubernder

Melodik und feinster Orchestrierung. Dass

diese Wiederentdeckung inzwischen einen kleinen

Siegeszug angetreten hat, ist also nur berechtigt. Die

Neuausgabe stellt die im Autograph vorgesehene Konzeption

mit zwei Sopranen (Aloès und Laoula, wobei

Aloès etwas höher liegt) sowie Zalzal als Tenor wieder

her, während Lazuli ein Mezzosopran mit weitem

Ambitus ist.

Weitere französische Opern in Neuausgaben

bei Bärenreiter · Alkor (Auswahl)

Georges Bizet: Les Pêcheurs des Perles. Hrsg. von

Hugh Macdonald. AE 354.

Fromental Halévy: La Juive. Oper in fünf Akten.

Hrsg. von Karl Leich-Galland. AE 340.

Jacques Offenbach: La belle Hélène. Opéra bouffe

in drei Akten. Hrsg. von Robert Didion. AE 511.

Gioachino Rossini: Le comte Ory. Oper in zwei

Akten. Hrsg. von Damien Colas. BA 10508.

Irrtum, Preisänderung und Lieferungsmöglichkeiten vorbehalten

Lieferbare Bühnenwerke:

Anacréon

Ballet héroïque en un acte (1754)

BA 8851 Part. OOR IV/25 und

KlA (BA 8851-90) käuflich

Castor et Pollux

Tragédie en cinq actes (1754,

compléments de 1763-1764)

BA 8864

Dardanus

Tragédie en un prologue et

cinq actes (1739, 1744)

BA 8854 Part. OOR IV/5 (1739)

und KlA (BA 8854-90) käuflich

Hippolyte et Aricie

Tragédie en cinq actes (1757, 1742)

BA 8853 Part. OOR IV/6 und

KlA (BA 8853-90) käuflich

Platée

Ballet bouffon en un prologue

et trois actes (1749, 1745)

BA 8852 Part. OOR IV/10 und

KlA (BA 8852-90) käuflich

Le Temple de la Gloire

Fête en un prologue et trois

actes (1746, 1745)

BA 8859

OOR = Opera omnia Rameau

Kritische Gesamtausgabe

der musikalischen Werke

Part. = Partitur

KlA = Klavierauszug

Jean-Philippe

Rameau

Opera omnia

Les Fêtes de l’Hymen

et de l‘Amour

Ballet héroïque (1745)

en un prologue et trois entrées

BA 8858 Part. OOR IV/14 und

KlA (BA 8858-90) käuflich

Les Indes galantes

Ballet héroïque en un prologue

et quatre actes (1736, 1735, 1743,

1751, 1761)

BA 8860

Naïs

Opéra en un prologue et

trois actes (1749, 1764)

BA 8857

Zaïs

Ballet héroïque en un prologue

et quatre actes (1748)

BA 8856 Part. OOR IV/15 und

KlA (BA 8856-90) käuflich

Zoroastre

Tragédie en cinq actes (1756)

BA 8867

Aufführungsmaterial leihweise

Ausführliche Werkeinführungen

zu den Titeln finden Sie unter

www.takte-online.de

Auslieferung weltweit:

Bärenreiter

www.baerenreiter.com

]

6 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 7


[t]akte

1I2017

Ein Blick zurück,

ein Blick nach vorn

Die „New Berlioz Edition“ nach fünfzig Jahren

1967 erschien der erste Band der „New Berlioz

Edition“. Die Gesamtausgabe wurde zu einem

Musterbeispiel moderner Musikedition und hat

bis heute große Auswirkungen auf die Praxis.

Ein Wagnis wird zur Erfolgsgeschichte

Vor fünfzig Jahren erschien im Bärenreiter-Verlag der

erste Band der New Berlioz Edition, und bald sah man die

vertrauten schwarzen Einbände in Benutzung bei den

bekanntesten Orchestern in aller Welt. Das erste Werk

der Reihe, die Symphonie funèbre et triomphale, wurde

deshalb ausgewählt, weil sie weitgehend unbekannt,

die Quellenlage hingegen relativ unkompliziert war.

Möglicherweise wurde der schwarze Einband aufgrund

der Trauerkomposition ausgewählt, ich bin mir nicht

mehr sicher. Ich erinnere mich aber noch gut an das

Auftaktkonzert, das 1967 vom Liverpool Philharmonic

Orchestra unter Sir Charles Groves in Anwesenheit des

französischen Botschafters gegeben wurde. Die Überreichung

der Partitur sorgte bei den Anwesenden, die

wussten, dass die letzte Korrektur der Partitur noch

nicht abgeschlossen war und dass Seiner Exzellenz

ein Band von ansprechend gebundenen leeren Seiten

überreicht wurde, für Heiterkeit.

Ich hatte die Partitur selbst herausgegeben und damit

akzeptiert, dass es besser sei, das Hauptwerk, Les

Troyens, in drei Bänden erst herauszugeben, nachdem

wir mit der Edition eines einbändigen Werkes erste

Erfahrungen gesammelt hatten.

Es war eine erstaunlich visionäre Tat des Verlagsgründers

Karl Vötterle, eine so monumentale Edition

eines französischen Komponisten zu veröffentlichen,

der zu dieser Zeit keineswegs als herausragende Figur

der europäischen Musik galt. Seine Musik wurde in

Deutschland nicht oft gespielt, und die Franzosen hatten

wenig Interesse gezeigt, seine Werke zu studieren

oder aufzuführen.

Es war ein mutiges Unternehmen, das, wie mancher

sagte, von ein paar exzentrischen Engländern auf

die Beine gestellt wurde. Aber es schien der richtige

Zeitpunkt gewesen zu sein. Die zweibändige Biografie

von Jacques Barzun, 1950 in Amerika erschienen, das

Aufkommen der Langspielplatte sowie die hervorragende

Neuproduktion von Les Troyens in Covent

Garden 1957 unter Rafael Kubelik hatten erneutes

Interesse an Berlioz hervorgerufen, das seither stetig

zugenommen hat.

Mittlerweile ist es keine Sensation mehr, dass französische

Musik im Bärenreiter-Katalog stark vertreten

ist. Berlioz‘ große Werke werden regelmäßig von vielen

führenden Dirigenten aufgeführt. Vor allem Les Troyens,

das Werk, dessen größte Teile Berlioz selbst nie auf

der Bühne gesehen hat, ist zu einem Werk geworden,

das von keinem großen Opernhaus ignoriert werden

kann. Als eine der wichtigen Opern des 19. Jahrhunderts

steht es neben Tristan und Isolde und Otello.

Auch hinter La damnation de Faust steht eine interessante

Geschichte. Es ist das einzige Werk, das in

Frankreich anerkannt war und häufig gespielt wurde,

zumindest bis zum Ersten Weltkrieg. In den letzten

Jahren ist es bei Orchestern und Chören wieder zunehmend

beliebter geworden und hat auch durch einige

gefeierte Bühnenproduktionen, vor allem in London

und New York, neuen Aufwind bekommen. Die Motivation

hinter der ersten Bühnenproduktion, die 1893 von

Raoul Gunsbourg in Monte Carlo vorgenommen wurde,

war es, den farbenprächtigen Szenen und Charakteren

in Berlioz‘ „dramatischer Legende“ Leben einzuhauchen.

Die Tatsache, dass Berlioz das Werk nicht für die

Bühne gedacht hatte, hielt die vielen Theater, die mit

Inszenierungen folgten, nicht davon ab, die Darstellung

von Auerbachs Keller und des Ritts in den Abgrund

als äußerst verlockend anzusehen, ganz zu schweigen

von Himmel und Hölle. Die Puristen haben immer

darauf bestanden, dass Berlioz‘ Musik keine sichtbare

Unterstützung benötigt: Die Musik selbst entfalte ihre

eigene visuelle Wirkung und erreiche jeden, der etwas

Vorstellungskraft besitze, auch wenn diese vielleicht

nicht so lebhaft ist wie die des Komponisten.

Aber wir leben in einem visuellen Zeitalter, in dem

alle täglichen Vorgänge sich auf einem Bildschirm abspielen

oder dort vermeldet werden. Also warum nicht

auch La damnation de Faust? Eine wortgetreue Inszenierung

lag weder in der Absicht des Komponisten, noch ist

es das, was heutige Regisseure wollen. Das Werk eignet

sich perfekt für eine fantasievolle Inszenierung, die

neue Sichtweisen auf die Handlung eröffnet, ohne dass

die einzelnen Szenen exakt umgesetzt werden müssen.

Neuere Produktionen waren in ihrer Interpretation oft

sehr frei, so dass die Hörer Berlioz‘ Werk immer noch

vor ihrem inneren Auge „sehen“ konnten.

Die New Berlioz Edition wurde 2006 abgeschlossen,

zu einer Zeit, als ohne Übertreibung gesagt werden

konnte, dass sie die Berlioz-Rezeption revolutioniert

hatte. Selbstverständlich hat nicht nur die Edition zu

der veränderten Sichtweise beigetragen, aber sie hat

die Zugänglichkeit zu Berlioz‘ Werken vorangetrieben,

bis hin zu den selten aufgeführten Chorwerken und

Liedern. Als abgeschlossene Edition kann die Ausgabe

als Beispiel für andere ähnlich monumentale Projekte

dienen. Sie wird bereits in Universitätsseminaren zur

Editionstechnik verwendet.

Als Editionsleiter habe ich die Grundsätze aufgestellt,

denen die Edition zu folgen bestrebt war.

Selbstverständlich muss eine solche Ausgabe sowohl

den Bedürfnissen der Forschung als auch denen der

Musikpraxis gerecht werden. Das ist nicht immer

einfach. Musikwissenschaftler wünschen sich, dass

Dirigenten den Kritischen Bericht lesen und die Lesarten

studieren. Viele Dirigenten tun das auch. Die ausführenden

Musiker in Theater und Konzert benötigen

Hintergrundinformationen zur Musik, jedoch keine für

sie nebensächlichen Details.

Ich habe mich daher bemüht, in den Vorworten

Erfolgsgeschichte rund um den Globus „Les Troyens“, hier an der Oper Frankfurt

(Premiere 19.2.2017, Musikalische Leitung: John Nelson,

Inszenierung: Eva Maria Höckmayr, Foto: Barbara Aumüller)

die wichtigsten Informationen über Geschichte und

Entstehung eines Werkes darzulegen und kritische

Bewertungen über die Komposition zu vermeiden. Im

Kritischen Bericht am Ende jedes Bandes war es mir

wichtig, selektiv zu sein. Minimale Unterschiede in den

verschiedenen Quellen sind praktisch nicht relevant,

während es oft wirkliche Varianten gibt, mit denen

der Musiker konfrontiert wird. Eines der Leitprinzipien

war daher sicherzustellen, dass diese wichtigen Fragen

nicht zwischen Trivialitäten untergehen. Die bessere

Quellenzugänglichkeit auf Gallica (www.gallica.bnf.fr)

und ähnlichen Webseiten ermöglicht es dem Musikforscher

heute, die Details viel einfacher nachzuschlagen,

als es früher möglich war.

Warum eine Gesamtausgabe?

Einige haben argumentiert, dass Berlioz bessergestellt

sei als die meisten französischen Komponisten,

dass Breitkopf & Härtel in den Jahren 1900–1910 eine

Gesamtausgabe seiner Werke herausgebracht hatte

und dass daher keine neue Edition notwendig sei.

Ich selbst kann dieser Sichtweise einiges abgewinnen.

Die Breitkopf-Ausgabe ist eine bemerkenswerte

Leistung. Sie stellte Aufführungsmaterial für alle

Orchester- und Chorwerke bereit. Wenn ich mir zum

Beispiel Aufführungen der Ouvertüren anhöre, kann

ich nicht unterscheiden, ob die Ausgabe von Breitkopf,

Bärenreiter oder Costallat verwendet wurde. Einige

der bedeutendsten Dirigenten, die eine Neuausgabe

befürworteten, verwendeten in alter Routine weiterhin

ihre älteren Partituren und Orchesterstimmen. Aber

die nächste Dirigentengeneration hat gelernt, dass

Berlioz-Partituren von Bärenreiter eine redaktionelle

Genauigkeit und eine Praktikabilität garantieren, die

bei den älteren Ausgaben nicht vorausgesetzt werden

kann.

Die ursprüngliche Absicht, die beiden großen Opern,

die Breitkopf nicht herausgebracht hatte, zu veröffentlichen,

wurde verwirklicht. Les Troyens erschien 1969,

Benvenuto Cellini folgte 1996. Die neue Verfügbarkeit

führte zu einer neuen Beliebtheit der Werke. Les Troyens

wurde mittlerweile in nahezu jedem großen Opernhaus

der Welt inszeniert, und auch an zahlreichen

mittleren und kleinen. Benvenuto Cellini konnte sich auf

der Bühne erst mit der New Berlioz Edition etablieren:

Seit der ersten Verwendung der Ausgabe 2002 in Zürich

gab es zwölf Inszenierungen: 2003 an der Met in New

York, 2004 in Gelsenkirchen, 2007 bei den Salzburger

Festspielen, 2008 in Nürnberg (Wiederaufnahme 2016),

2014 an der ENO in London und in Münster, 2015 in

Amsterdam, Barcelona, Bonn und Köln, 2016 an der

Opera di Roma.

Auch Le Freyschütz wird immer häufiger in der

französischen Fassung von Hector Berlioz aufgeführt:

2010 in Trier, 2011 an der Opéra-Comique in Paris, 2012

in Liberec, 2013 in Bern und Nizza sowie 2015 in Erfurt.

Benvenuto Cellini wird nicht als geichwertiges

Meisterwerk wie Les Troyens anerkannt werden, aber

die komplexe Entstehungsgeschichte musste entwirrt

werden. Im Theater kann die Oper zweifellos eine

elektrisierende Wirkung haben. Unsere Edition bietet

einen Lösungsansatz für eine Oper, bei der viele Überarbeitungen

des Komponisten existieren, von denen

jede für sich auf die Bühne gebracht werden könnte. Es

ist jedoch keine leichte Aufgabe, und ich erhebe nicht

den Anspruch, unser Lösungsansatz sei der einzige

oder gar der beste.

Ein Triumphmoment der New Berlioz Edition war

1993 die Veröffentlichung von Berlioz‘ erstem großen

Werk, der Messe solennelle, die als verschollen galt.

Durch einen glücklichen Zufall wurde das Autograph

in einer Kirche in Antwerpen entdeckt und der ersten

Wiederaufführung seit 1827 folgten weltweit viele

weitere. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass in den

kommenden Jahren weitere verschollene Werke entdeckt

werden. Möglicherweise ist die Arbeit der New

Berlioz Edition nicht so vollständig und abgeschlossen,

wie wir meinen.

Hugh Macdonald

Editionsleiter der „New Berlioz Edition”

]

8 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 9


[t]akte

1I2017

Perles orchestrales

Die symphonischen und konzertanten Werke

Gabriel Faurés

Gabriel Faurés Orchesterwerke und konzertanten

Stücke gilt es neu zu entdecken. Dabei hilft der

Urtext der Gesamtausgabe bei Bärenreiter.

Sein erster Biograph Hugues Imbert unterstrich 1888

noch Faurés „ausgeprägte Neigungen zur eigentlich

symphonischen Musik“. Aus heutiger Sicht wirkt diese

Einschätzung eher befremdlich, doch sind insbesondere

in den 1870er und 1880er Jahren eine Reihe ambitionierter

Orchesterwerke entstanden. Innerhalb der

Œuvres complètes de Gabriel Fauré sind nun zwei Bände

erschienen: Band 2 der Serie der Orchesterwerke enthält

die weiteren sinfonischen Werke. Band 3 der Serie enthält

die (größtenteils bekannten) konzertanten Werke.

Damit liegt, gemeinsam mit dem 2013 erschienenen

Band 1, das Orchesterschaffen Faurés vollständig in

kritischen Ausgaben vor.

Shylock op. 57 (Orchestersuite)

Die Premiere seiner Schauspielmusik zu Shylock,

Edmond Haraucourts Adaptation von Shakespeares

Kaufmann von Venedig dirigierte Fauré am 17. Dezember

1889 im Pariser Théâtre de l‘Odéon. Gegenüber

seinem um ein Jahr früheren Ansatz mit Caligula

repräsentiert sie einen bedeutenden Fortschritt: Die

Musik ist mit dem Drama dicht verwoben und spielt

bei der Aufführung eine tragende Rolle. Neben den

Streichern verlangt die Partitur nur einfache Holzbläser

(ausgenommen zwei Klarinetten), ein Horn, eine

Trompete und eine Harfe. Im Gegensatz dazu sieht die

Orchestersuite doppelte Holzbläser vor, vier Hörner,

zwei Trompeten, Harfe und Triangel. Der Vergleich

beider Partituren zeigt, dass Fauré seine Musik nicht

einfach uminstrumentierte, sondern viele sorgfältige

Revisionen durchführte sowie neue Passagen einfügte.

Die Suite op. 57 wurde am 17. Mai 1890 in einem Konzert

der Société nationale de musique unter der Leitung von

Gabriel Marie erstaufgeführt. Shylock enthält Musik

Faurés in ihren farbenprächtigsten und fantasievollsten

Instrumentierungen.

Chanson – Entracte – Madrigal – Épithalame –

Nocturne – Final

Besetzung: Tenor solo, 2,2,2,2 – 4,2,0,0 – Pk, Trgl –

2 Hfe – Str

BA 7906, Aufführungsmaterial leihweise

Pelléas et Mélisande op. 80 (Orchestersuite)

Faurés nächster bedeutender Auftrag für Orchester

war 1898 die Schauspielmusik zu Maurice Maeterlincks

Stück Pelléas et Mélisande, und die daraus hervorgegangene

Orchestersuite darf sicherlich als sein Meisterwerk

dieser Gattung bezeichnet werden. Zeitliche

Engpässe zwangen ihn, die Orchestrierung zunächst

seinem Schüler Charles Koechlin zu übertragen. Ab

dem 21. Juni 1898 fanden am Prince of Wales Theatre

in London neun Aufführungen statt, der Komponist

selbst leitete die Uraufführung. Als Fauré dann die Suite

zusammenstellte, wählte er die drei Hauptnummern:

das „Prélude“, das zweite Zwischenspiel („Entr’acte“),

das zu „Fileuse“ wurde, und das vierte „Entr’acte“, nun

„Molto adagio (La Mort de Mélisande)“ bezeichnet. Die

Besetzung wurde erweitert und enthielt nun eine sinfonische

Streichergruppe mit doppelten Holzbläsern

(also zusätzlich eine Oboe und ein Fagott), vier Hörner

anstelle von zwei, die zwei originalen Trompeten und

unveränderte Pauken sowie eine zusätzliche Harfe.

Diese Ergänzungen gaben Anlass zu zahlreichen Änderungen

in Balance und Stimmführung. Erstmals

aufgeführt wurde die Orchestersuite op. 80 in Faurés

eigener Orchesterfassung am 3. Februar 1901 von

Camille Chevillard und dem Orchester der Concerts

Lamoureux. Nicht nur in Frankreich erfreute sie sich

bereits in ihrer dreisätzigen Fassung eines beachtlichen

Erfolgs. Zwar wurde die Suite schon seit Dezember 1912

in vier Sätzen aufgeführt, doch erst 1920 fragte Fauré

förmlich bei Edgard Hamelle an, ob die Sicilienne der

Orchesterpartitur eingegliedert werden könne.

Gabriel Fauré, Suite „Pelléas et Mélisande“, Prélude, Takt 65–69, Bibliothèque

national de France

Prélude – Fileuse – Sicilienne – Molto adagio

(La Mort de Mélisande)

Besetzung: 2,2,2,2 – 4,2,0,0 – Pk – 2 Hfe – Str

Bärenreiter-Verlag BA 7895, Aufführungsmaterial

käuflich

Vorspiel zu „Pénélope“ (Konzertfassung)

Die Idee, eine Oper zu komponieren, ließ Fauré nie

los, während seiner gesamten Schaffenszeit ist seine

Korrespondenz gespickt mit Anspielungen auf

Opernprojekte, Kooperationen mit Librettisten und

Verhandlungen mit möglichen Auftraggebern. Die Idee

zu Pénélope entstand nach einem Gespräch mit der

Sängerin Lucienne Bréval in Monte-Carlo im Februar

1907. Bréval brachte ihn mit dem jungen Dramatiker

René Fauchois zusammen, der in ihrem Auftrag ein

Libretto nach Homers Odyssee verfasste: Fauré war vom

Sujet begeistert, doch aufgrund seiner Verpflichtungen

als Direktor des Pariser Konservatoriums konnte er fast

ausschließlich in den Sommermonaten komponieren.

Die ersten Aufführungen der Oper fanden daher erst im

März 1913 in Monte-Carlo unter der musikalischen Leitung

von Léon Jéhin statt. Die Pariser Erstaufführung

folgte im Mai desselben Jahres am Théâtre des Champs-

Elysées, wurde ausgesprochen gut aufgenommen und

als Meisterwerk gefeiert, doch steckte das Theater bald

in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten und ging

kurz nach der Aufführung am 28. Oktober bankrott.

Die Kulissen wurden verkauft und der Erste Weltkrieg

unterbrach mögliche Folgeaufführungen. Zwar wurde

die Pénélope 1919 wieder an der Opéra-Comique aufgenommen,

und in Belgien wie in ganz Frankreich fanden

zwischen den Kriegen erfolgreiche Aufführungen statt,

doch wurde die Oper nie ein Repertoirestück.

In dem Bewusstsein, im „Prélude“ die Atmosphäre

der ganzen Oper anzulegen, bedachte Fauré die orchestralen

Farben sehr sorgfältig. Dabei ist das Vorspiel

weit davon entfernt, ein Potpourri aneinandergereihter

Themen zu sein, vielmehr ist es, darin Wagners Musikdramen

ähnlich, der Angelpunkt, von dem aus sich

das Drama entwickelt. Bei szenischen Aufführungen

geht das Prélude fließend in den ersten Akt über, und

so war es nötig, für die Konzertfassung neue Schlusstakte

zu formulieren. Dafür ergänzte er einen kurzen

Abschnitt, der auf Pénélopes Liebesthema basiert, und

so endet das Prélude in einer ruhigen Stimmung, mit

den Schlusstakten des ersten Aktes, wo Pénélope dem

verkleideten Odysseus Obdach gewährt.

Besetzung: 2,2,Eh,2, BKlar,2 – 4,2,3,1 – Pk, Becken,

Gr. Trommel – Hfe – Str

BA 7907, Aufführungsmaterial leihweise

Gabriel Fauré 1905

Masques et Bergamasques op. 112

Faurés letzter Beitrag zur Orchestermusik war 1919

die Suite aus dem musikalischen Lustspiel Masques et

Bergamasques, die 1920 bei Durand erschien. Offenbar

hatte sein lebenslanger Freund und Förderer Camille

Saint-Saëns die Idee zu einem kleinen, das Thema der

„Fête galante“ aufnehmenden Bühnenstück Prinz

Albert I. von Monaco unterbreitet: Von Raoul Gunsbourg

beauftragt schuf René Fauchois eine lockere

Handlungsfolge zu einem kleinen Szenario, das einige

von Faurés älteren Stücken miteinander in Verbindung

bringen sollte; Fauré fügte dem eine kurze Ouvertüre,

ein Menuett und eine Gavotte hinzu. Das vollständige

„Divertissement“ wurde 1919 in Monte Carlo erstmals

und im März 1920 an der Opéra-Comique in Paris aufgeführt.

Die Bühnenfassung enthielt acht Nummern, während

die Orchestersuite op. 112 lediglich die vier zuvor

noch unveröffentlichten Stücke des jungen Komponisten

in revidierten Fassungen zusammenführt. Wie

der erfahrene Komponist seine jugendlichen Ideen

aufgreift und neu gestaltet, macht den Charme dieser

Zusammenstellung aus. Die Ouvertüre geht auf ein

„Intermède symphonique“ von 1864–69 zurück (eine

Vorfassung für Klavier vierhändig sogar auf 1864). Die

Herkunft des „Menuet“ ist unklar, wahrscheinlich

basiert auch sie auf älterem Material. Die „Gavotte“

wiederum geht auf die Klavier-Gavotte von 1869 (sowie

ihre Orchestrierung in der Sinfonie in F op. 20) zurück,

während es sich bei der wunderbar gestalteten, wehmütigen

„Pastorale“ (1919), die an letzter Stelle steht,

um Faurés letztes Werk für Orchester handelt.

]

10 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 11


[t]akte

1I2017

Die symphonischen und konzertanten Werke

Gabriel Faurés

Hoch virtuos

und emotional

Maurice Ravels Konzert für die linke Hand

Das Konzert, das Paul Wittgenstein bei Maurice

Ravel in Auftrag gab, ist das berühmteste für den

kriegsversehrten Pianisten. Nun liegt es in einer

Urtext-Ausgabe auf dem neuesten Stand der Quellenbewertung

vor.

(Masques et Bergamasques)

Ouverture – Menuet – Gavotte – Pastorale

Besetzung: 2,2,2,2 – 2,2,0,0 – Pk – Str

BA 7894, Aufführungsmaterial käuflich

Robin Tait

Berceuse op. 16 für Violine und Orchester

Das Risiko für Hamelle bei der Publikation der Berceuse

war 1879 denkbar gering: Solche kleinen Stücke für

Violine (oder Violoncello) und Klavier waren um 1880

einerseits sehr in Mode, andererseits setzte sich Faurés

Berceuse durch den unnachahmlichen Charme ihrer

Melodie von der Massenware ihrer Zeit deutlich ab.

Struktur und Stil orientierten sich an Frédéric Chopins

Berceuse op. 57 (1843/44), gleichsam dem Mutterwerk

für alle nachfolgenden Werke dieser Benennung: eine

einfache, träumerische Melodie im wiegenden 6/8-Takt

über einem ostinaten Bass. Und tatsächlich machte das

Stück Furore, nicht nur in Paris, und wurde zusammen

mit der Élégie für Violoncello in den beiden Jahrzehnten

bis zur Jahrhundertwende gleichsam zum Aushängeschild

des Komponisten Fauré. Seine Orchestrierung

entstand (zunächst noch mit Horn) bereits Anfang 1880,

wurde später noch überarbeitet und verfeinert, bevor

sie 1899 im Druck erschien.

Besetzung: Violine solo – 1,0,1,0 – 0,0,0,0 – Str

BA 7909, Aufführungsmaterial leihweise

Ballade op. 19 für Klavier und Orchester

Die Originalfassung der Ballade für Klavier entstand

im Spätsommer/Herbst 1879. Formal folgt Fauré hier

Liszts Konzept der Mehrsätzigkeit in der Einsätzigkeit,

verlegt es aber stilistisch in den Bereich von Charakterstücken.

So sehr die Grundform – ein schneller Mittelteil

wird von langsamen Abschnitten umrahmt – an

Chopins Nocturnes erinnert, so originell ist die Form

mit drei motivisch verwandten Themen und einem

Zwischenspiel.

Die Orchesterfassung von 1881 kann ihre Herkunft

als reines Klavierwerk kaum verleugnen. Nur an wenigen

Stellen wird der Originalpart vollständig ins Orchester

verlagert, es überwiegen kleine Einwürfe und

Färbungen im Orchester, allerdings an herausragenden

Stellen auch konzertante Dialoge mit den Bläsern.

Doch erst nach ihrer Veröffentlichung 1902 und einem

Konzert 1903 mit Isidor Philipp, der auch 1908 eine Bearbeitung

für zwei Klaviere erstellte, sowie durch das

Engagement Marguerite Longs für das Stück, wurde

die Ballade immer öfter mit renommierten Orchestern

und Solisten aufgeführt und mauserte sich schließlich

sogar zum für Fauré repräsentativen Orchesterstück

schlechthin.

Besetzung: Klavier – 2,2,2,2 – 2,0,0,0 – Str

BA 7910, Aufführungsmaterial leihweise

Élégie op. 24 für Violoncello und Orchester

Die Élégie wurde in ihrer Originalfassung für Violoncello

und Klavier vermutlich erstmals einem größeren

Kreis von Musikern im Rahmen der berühmten Montag-Soireen

von Saint-Saëns im Juni 1880 vorgeführt,

die öffentliche Uraufführung mit dem Widmungsträger

Jules Lœb als Solisten fand im 136. Konzert der Société

nationale de musique am 15. Dezember 1883 statt.

Ursprünglich hatte Fauré in seiner Orchestrierung auch

zwei Trompeten vorgesehen. Nach dem Erscheinen der

Orchesterfassung 1901 stieg die Élégie dann – neben

der Ballade – zum Flaggschiff der konzertanten Werke

Faurés auf und wurde im In- und Ausland häufig

aufgeführt.

Besetzung: Violoncello solo – 2,2,2,2 – 4,0,0,0 – Str

BA 7908, Aufführungsmaterial leihweise

Peter Jost

Gabriel Fauré

Symphonie en fa, op. 20, Pavane, op. 50, Caligula,

op. 52: Œuvres complètes, Série IV, Volume 1.

Hrsg. von Robin Tait. Bärenreiter-Verlag 2013.

BA 9467-01.

Shylock, op. 57 (Suite d’orchestre), Pelléas et Mélisande,

op. 80 (Suite d’orchestre), Pénélope: Prélude

(version de concert), Masques et Bergamasques,

op. 112 (Suite d’orchestre): Œuvres complètes, Série

IV, Volume 2. Hrsg. von Robin Tait. Bärenreiter-

Verlag 2016. BA 9475-01.

Berceuse pour violon et orchestre, op. 16, Ballade

pour piano et orchestre, op. 19, Élégie pour violoncelle

et orchestre, op. 24, Romance pour violon et

orchestre, op. 28, Fantaisie pour piano et orchestre,

op. 111, Concerto pour violon et orchestre, op. 14 (Allegro):

Œuvres complètes, Série IV, Volume 3. Hrsg.

von Peter Jost. Bärenreiter-Verlag 2016. BA 9465-01.

Das Basler Sinfonieorchester unter der Leitung

von Ivor Bolton plant für 2017/18 eine Neueinspielung

dieser Werke auf 2 CDs und wird eine

Auswahl auch im Konzert vorstellen.

Sein Schicksal berührte. Kaum hatte Paul Wittgenstein

(1887–1961) eine pianistische Karriere begonnen, war

der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Im österreichischungarischen

Kriegsdienst wurde er verletzt, sein

rechter Arm musste amputiert werden. Davon unbeirrt

knüpfte Wittgenstein nach dem Krieg dort an, wo er

hatte aufhören müssen. Er präsentierte sich wieder

am Konzertflügel, nun mit Werken

für nur eine Hand. Das Publikum

bewunderte ihn für die psychische

und physische Überwindung eines

vom Krieg gezeichneten Körpers. Wittgenstein

war ein Symbol für Mut und

Unerschütterlichkeit.

Seine pianistischen Fähigkeiten

wurden jedoch auch kritisiert. Tonaufnahmen

zeugen von technischen

Mängeln seines Klavierspiels. Dass

sich Wittgensteins Name dennoch in

die Musikgeschichte hat einschreiben

können, hängt damit zusammen, dass

ihm die Entstehung von bedeutenden

Werken für die linke Hand zu verdanken

ist. Angewiesen auf repräsentative

Stücke, erteilte er bezahlte Aufträge

an die berühmtesten Komponisten

seiner Zeit, darunter Richard Strauss, Paul Hindemith,

Sergej Prokofjew und Benjamin Britten. Das Konzert

für die linke Hand für Klavier und Orchester von

Maurice Ravel ist wohl das bekannteste von zwanzig

Klavierkonzerten, deren Komposition Wittgenstein

veranlasste.

Als Wittgenstein und Ravel im Jahr 1929 einen

Kompositionsauftrag vereinbarten, war Ravel als

Komponist international gefeiert. Wegen der vorgesehenen

6.000 US-Dollar hätte Ravel diesen Auftrag nicht

annehmen müssen. Auch von einer besonderen Wertschätzung

gegenüber Wittgenstein wissen wir nichts.

Vielmehr scheint es hauptsächlich die kompositorische

Herausforderung gewesen zu sein, die Ravel reizte, ein

Klavierkonzert für die linke Hand zu schreiben. Von

ihm selbst ist überliefert, dass er bei der Komposition

danach strebte, den Eindruck eines zweihändigen Werkes

zu erwecken. Die besondere Schwierigkeit bestehe

zudem darin, trotz der Reduktion auf nur eine Hand

ein Stück in Konzertlänge interessant zu gestalten.

Das Ergebnis war ein hochvirtuoses und zugleich zutiefst

emotional wirkendes Konzert in nur einem Satz,

bei dem Ravel verschiedene stilistische Elemente zu

einem fesselnden und abwechslungsreichen Ganzen

zusammenfügte.

Als zu wenig effektvoll beurteilte Wittgenstein

das für ihn geschaffene Werk, nachdem er es um den

Jahreswechsel 1930/1931 erhalten hatte. Er wollte im

„Interpreten sind Sklaven“.

Maurice Ravel (1925)

Rampenlicht stehen und änderte bedenkenlos Solostimme

und Orchestrierung ab, damit sie diesem

Bedürfnis entsprachen. Interpreten seien Sklaven,

die sich strikt an den vom Komponisten geschaffenen

Notentext zu halten haben, soll der französische

Komponist entgegnet haben, und wollte Wittgenstein

daran vertraglich gebunden wissen. Aufgrund dieser

grundsätzlichen Diskrepanzen kam eine gemeinsame

Aufführung erst im Januar 1933 in Paris zustande, ein

Jahr nach der Wiener Uraufführung des Werks. Eine

für Ravel vollkommen zufriedenstellende Aufführung

konnte gar erst nach Ablauf von Wittgensteins

Exklusivrechten im März

1937 mit Jacques Février stattfinden.

Das Ende der Schutzfrist machte dann

auch die Drucklegung des Werkes

möglich, die von dem gesundheitlich

schwer beeinträchtigten Ravel, der

wenige Monate später starb, jedoch

nicht mehr vollständig begleitet

werden konnte.

Wittgensteins Rolle ist nicht nur

für die Genese des Werks, sondern

auch für die Bearbeitung der vorliegenden

historisch-kritischen Ausgabe

des Werkes zentral. In seinem privat

verwalteten Nachlass haben sich

bedeutende Quellen erhalten, die für

diese Edition erstmals ausgewertet werden konnten.

Mit ihrer Hilfe war es dem Herausgeber Douglas Woodfull-Harris

möglich, Notationsunstimmigkeiten und

widersprüchliche Lesarten in den Quellen zu klären

sowie Fehler in der Erstausgabe zu korrigieren. Als

wichtiges Zeugnis der frühen Aufführungsgeschichte,

die mehrere Jahre lang allein von Wittgenstein

gestaltet wurde, werden im Klavierauszug neben den

vom Komponisten vorgegebenen Fingersätzen auch

die des Widmungsträgers beigegeben. Schließlich

wird die neue Ausgabe durch eine ausführliche historische

Einführung abgerundet, die auf dem aktuellen

Forschungsstand einen Überblick über Entstehungs-,

Publikations- und Aufführungsgeschichte des Werks

gibt sowie Aspekte der Rezeption und Aufführungspraxis

berücksichtigt.

Christine Baur

Maurice Ravel

Konzert für die linke Hand für Klavier und Orchester.

Hrsg. von Douglas Woodfull-Harris. Mit

einer Einführung von Christine Baur. Bärenreiter-Verlag

2016. BA 7881. Partitur, Klavierauszug,

Aufführungsmaterial käuflich.

Bedenkenlose Änderungen von

Ravels Partitur: Paul Wittgenstein

]

12 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 13


[t]akte

1I2017

Wo das Adagio blüht

Werke aus dem Nachlass Jean Barraqués

Olivier Messiaen bewunderte ihn für die „noble Art

seiner Kunst und seines Denkens“: Nun liegt die

Edition von zwei unveröffentlichten Werken Jean

Barraqués vor, die aus den Archiven der Association

Jean Barraqué bzw. der Bibliothèque nationale

de France stammen und neue Erkenntnisse liefern.

Melos

Melos, ein in den Jahren 1950/51 für den Prix Biarritz

komponiertes Ballett, ist die Synthese der musikalischen

Denkweise, die sich Barraqué im Laufe der Jahre

1948–1951 durch die Lektüre der Werke von René Leibowitz

und das Studium bei Jean Langlais und anschließend

bei Olivier Messiaen angeeignet hatte. Darin

finden sich – veredelt durch hier erstmals verwendete

spezifische Orchesterklänge – Barraqués Lied Les nuages

s’entassent sur les nuages auf ein Gedicht von Tagore,

seine Kantate La nature s’est prise aux filets de ta vie auf

ein Gedicht von Paul Éluard sowie sein Streichquartett

wieder. Das Szenario – eine herrlich antiquierte Handlung

von Marie-Laure de Noailles (1902–1970) – hebt

sich deutlich von den schwermütigen Tönen der in

denselben Jahren komponierten Klaviersonate ab; sie

atmet den Duft der Pariser Salons, in denen Jean Cocteau,

Man Ray, Luis Buñuel, Jacques Lacan oder auch

Francis Poulenc verkehrten. Letzterer war, gemeinsam

mit anderen Größen des Musiklebens, Jurymitglied

Fein gewebte Texturen: Barraqués „Melos“-Handschrift (Association Jean Barraqué)

des Prix Biarritz. Laut Barraqué geht es darin um „die

Bestrebungen eines jungen Mannes, der unsicher ist,

welcher Kunst er sich widmen soll, und der sich dann

für seine erste Liebe, die Musik, entscheidet“.

Das Ballett besteht aus sieben Abschnitten oder

„morceaux“, wie Barraqué sie nennt: Prélude / I. Rêverie

et danse du jeune homme / II. Entrée de la promeneuse

Poésie (pas de deux) / III. Entrée du promeneur Peinture

(pas de trois) / IV. Jalousie du jeune homme (pas seul) /

V. Entrée de la promeneuse Sculpture, puis double pas de

deux (en canon) / VI. Entrée du promeneur Architecture

(fugue) / VII. Final: 1. Introduction, 2. Entrée et chant

de Mélodie, 3. Danse du jeune homme et de Mélodie

(Rondo), 4. Final.

Nach einem elaborierten Prélude in der Form ABA,

das einige grundlegende Linien des Werks einführt,

hebt sich der Vorhang, und ein Jüngling bringt „seinen

Stolz, seine Unentschlossenheit, seine Hoffnungen“

zum Ausdruck. In der Musik wechseln sich Schlagwerk,

kurze serielle Figuren und eine eindringliche Linie der

Oboe ab. Mit einem Unisono-Ostinato der Streicher

col legno tritt die Poesie auf. Über dem stetig dichter

werdenden Orchestersatz erhebt sich ein Flötensolo. Die

Flöte und ein Horn führen, recht eigenständig, in eine

Steigerung, bevor das Englischhorn zart und traurig die

Melancholie des Jünglings wiedergibt, dessen Blick in

die Wellen vertieft ist. Dann folgt der Auftritt der Malkunst,

begleitet von einer äußerst dichten Polyphonie

(erst zu drei, dann aufsteigend auf sieben und wieder

zurück auf drei Stimmen). Verstärkt scheinen hier die

Elemente der raschen Sätze des kurz zuvor entstandenen

Streichquartetts Eingang gefunden zu haben. Die

Eifersucht des jungen Mannes, der von der, nunmehr

für die Malkunst Modell stehenden Poesie verlassen

wurde, spiegelt sich in einem heftig bewegten, mit

vielen Oktaven durchsetzten und in Blöcken orchestrierten

Abschnitt wider, der in einem spektakulären

„fff“ und einer Coda gipfelt. Darauf entwickelt sich

mit dem majestätischen Erscheinen der allegorischen

Gestalt der Bildhauerkunst eine serielle Polyphonie, in

der sich Melodien, Harmonien und Kanons über einer

Reihe schichten, deren Grundformen nicht transponiert

werden. Mit dem Auftritt der Baukunst setzt

passenderweise eine Fuge ein, dreistimmig und mit

einem Staccato-Thema, einer Exposition, einem Zwischenspiel,

einer Kontraexposition und einer Stretta.

Im Finale findet die Apotheose der Musik statt: Die

Einleitung ist eine Art Duo für Klavier und Celesta, mit

einigen Einwürfen des Orchesters und der erwähnten

obsessiven Linie aus dem ersten Satz im Fagott, die

dann im Englischhorn zu einem Wiegenlied der personifizierten

Melodie für den schlummernden Jüngling

wird, deren Partie mit folgenden Versen versehen ist:

„Connais-tu le pays / Où fleurit l’adagio ? Où la fugue

mûrit / sur les noires clefs de sol ? / Reconnais-tu

l’abeille / Mourante sous nos archets

? / Le son du cor sommeille /

Au fond de nos vergers“ („Kennst

du das Land, / Wo das Adagio

blüht? Wo die Fuge reift / bei den

schwarzen Violinschlüsseln? /

Erkennst du die Biene, / Sterbend

unter unseren Bögen? / Der Klang

des Horns schlummert / Am Ende

des Obstgartens“). Ein frenetischer

Tanz des Jünglings und der Melodie

führt sodann ins Finale, wo in

einem Hochzeitsmarsch die Elemente

der vorangegangenen Sätze

Jean Barraqué (1928–1973)

höchst virtuos übereinandergelegt

werden. Eine Einschiffung nach

Kythera dreier Paare: der Jüngling

und die Melodie, Poesie und Malerei, Bildhauerkunst

und Architektur.

Musique de scène

In den Jahren 1958/59 – die Klaviersonate ist vollendet,

ebenso Séquence, eine Étude für Elektronik auf Gedichte

von Nietzsche, sowie (noch nicht instrumentiert) Le

Temps restitué – komponierte Barraqué für eine Aufführung

des Regisseurs und Theoretikers Jacques Polieri

eine Musique de scène zu kurzen Stücken von Jean

Thibaudeau. An der Schauspielmusik sollten mehrere

Maler, unter ihnen Sonia Delaunay und Jean-Michel

Atlan, beteiligt sein, die „die Musik in Bilder umsetzen“,

aber auch die Mitarbeit von Maurice Béjart wurde in

Erwägung gezogen. Mit Jacques Polieri (1928–2011)

hatte Barraqué gerade an dem Projekt einer szenischen

Komposition mit dem Titel Sonorité jaune (nach Wassily

Kandinsky) gearbeitet, für die bereits seit 1957 einige

Skizzen vorlagen. Jean Thibaudeau (1935–2013) war

Romanautor, Essayist, Dramatiker und Übersetzer

von Calvino, Cortázar und Sanguineti; er arbeitete außerdem

als Redakteur für die angesehene Zeitschrift

Tel Quel. Mit seinen Romanen befand er sich in der

Nähe des Nouveau Roman. Die sieben kurzen Stücke

entstanden in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre; sie

wurden von Barraqué zurückgehalten und blieben unveröffentlicht:

La Chambre, Invitation au voyage, Échelle

visuelle, Comédie intrigante, Le Voyage und Le Regard.

Das Werk wurde dann unter dem Titel … au-delà du

hasard neu geschrieben und stark erweitert. Es sieht

Sprechstimmen und Instrumentalensemble vor und

ist von der rein linearen Dramaturgie von Melos weit

entfernt. Zum ersten Mal wendet Barraqué seine Technik

der „proliferierenden Reihen“ an. Es wechseln sich

mehr oder weniger kurze Abschnitte miteinander ab,

die wie „Scherben“ oder „Bruchstücke“ anmuten und

die in …au-delà du hasard zu einem Mosaik wurden. So

besteht La Chambre nur in einem einzigen Abschnitt

von fünf Takten. Comédie intrigante ist in zwölf Abschnitte

zu zwei bis elf Takten aufgeteilt, während Le

Voyage und Le Regard größere Entwicklungen – und

Barraqués unvermittelt heftige Lyrik – zeigen.

Mit Melos und Musique de scène gewinnen wir zwei

Werke, die für die Bühne gedacht waren und weit von

Hermann Brochs Welt entfernt liegen, aus dessen Werk

Barraqué für seine vollendeten Kompositionen fast

ausschließlich schöpfte. Genannt sei insbesondere

das Opernprojekt L’Homme couché, von dem leider nur

Textskizzen existieren: Vergil wartet auf den Tod, denkt

über die Kindheit nach, über Liebe, Rache, radikalen

Aufstand, Unterwerfung, Talent und wie man es annimmt,

Strenge, Einsamkeit, Genie, tödliche Krankheit,

Heiligkeit und den Umgang mit sich selbst.

Laurent Feneyrou

Jean Barraqué

Melos

Uraufführung: 24.6.2017 Köln (Funkhaus) WDR

Sinfonieorchester, Leitung: Jean-Michael Lavoie

Besetzung: 2 Fl (1 auch Picc), Ob (auch Eh), 2 Klar

(1 auch BKlar), Fag, Hn, Trp, Pos, Klav, Cel, Schlg

(2), Str

Verlag: Bärenreiter

Weitere Werke (Auswahl)

Le temps restitué für Solostimme, Chor und Orchester.

BA 7360

… au delà du hasard für Solostimmen und Orchester

in 4 Gruppen. BA 7361

Chant après chant für sechs Schlagzeuger, Sopran

solo und Klavier. BA 7362

Sequence für Solostimme und Instrumentalensemble.

BA 7359

Concerto pour six formations instrumentales et

deux instruments, BA 7363

Quatuor à cordes. BA 11015

Sonate pour piano. BA 7284

Sonate für Violine solo. BA 9374

Ecce videmus eum für 5-stimmigen gemischten

Chor a cappella. BA 11017

La nature s‘est prise aux filets de ta vie pour

choeur mixte, contralto solo et instruments.

Cantate. BA 11103

]

14 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 15


[t]akte

1I2017

Poesie, die bewegt

Neue Stücke des französischen Komponisten

Bruno Mantovani

Von wegen

Schwanengesang!

Telemanns Oratorium „Die Auferstehung und

Himmelfahrt Jesu“

Als 78-Jähriger schuf Georg Philipp Telemann sein

Auferstehungsoratorium für Hamburg. Darin

kann er aus der prallen Erfahrung seines langen

Komponistenlebens schöpfen. Eine großartige

Alternative für Passionskonzerte.

Bruno Mantovanis C… für Violoncello solo, das am

28. April 2017 bei den Badenweiler Musiktagen mit

Jean-Guihen Queyras zur Uraufführung

kommt, zeugt von einer

bedeutenden Inspirationsquelle des

Komponisten: Es nimmt den zentralen

Platz eines umfangreichen, schwerpunktmäßig

dem Violoncello gewidmeten

Triptychons ein, dessen bereits

vorliegendes Stück Once Upon A Time

2016 anlässlich der Einweihung des

Louvre Abu Dhabi uraufgeführt wurde.

In diesem Werk für „violoncelle

principal“ (wie Mantovani präzisiert)

und Orchester wird dem Violoncello

gleichermaßen die Rolle eines Anführers

wie eines Märtyrers zugewiesen.

Das ist vergleichbar mit der von Luciano

Berio entwickelten und oft angewendeten

konzertanten Dialektik,

wo die Bestimmung des Verhältnisses

Individuum – Gruppe bisweilen als Ausgangspunkt für

eine Komposition diente.

C… beginnt mit einem mikrotonalen Singsang im

Pianississimo. Darauf folgt rasch die Einführung

einer wuchtigen rhythmischen Figur aus akzentuierten,

aufsteigenden Zweiunddreißigstel-Noten.

Im Zusammenhang mit der Musik von Rameau

(ebenfalls ein Komponist, dem ein nervöser Stil eigen

war und der im Bereich der Oper, aber auch – und

das ist weniger bekannt – in allen Gattungen der

Kammermusik seiner Zeit herausragend war) nennt

man dies „fusée“ („Rakete“): eine charakteristische

aufsteigende Notenfolge in den Streichern. Dieses

Element tritt gehäuft auf und zieht das Geschehen

mit sich fort. Wir befinden uns damit im zentralen

Bereich von Mantovanis Stil, für den die Dramaturgie

von entscheidender Bedeutung ist, wobei der Stoff

aus zwei Komponenten besteht: einem Konflikt und

dessen Darstellung durch das Werk.

Mantovanis drittes Streichquartett, das kurz vor

Beginn der Arbeit am Cellozyklus entstand, zeigt neue

Stilmerkmale, insbesondere den Einsatz der Pause

als Unterbrechung des zeitlichen Ablaufs. Diese Art,

Pausen einzusetzen, fand sich bereits in Le Sette chiese,

einem Hauptwerk aus der noch jungen Schaffenskraft

des Komponisten (2002), worin im ersten Satz die

Annäherung an das Thema – die sieben Kirchen Bolognas

– durch eine Tutti-Prozessionsmusik dargestellt

wird, die von einer einige Sekunden dauernden Pause

unterbrochen wird – vielleicht als Ausdruck einer

Das Cello als Anführer und

Märtyrer: Bruno Mantovani

(Foto: Pascal Bastien)

sakralen Dimension (der französische Philosoph Jean-

Luc Nancy sagt: „Ist das Sakrale das, woran man nicht

denken kann, ohne zu zittern?“). Ebenfalls erkennbar

ist eine gewisse Radikalisierung des Materials: Es finden

komplexe, etwa durch Spektralanalysen manifeste

Geräusche Eingang in den Instrumentalklang, die sich

insbesondere durch die Wiederholung dichtgedrängter

Motive zeigen. Auch die harmonischen Veränderungen

finden fortan über einen längeren Zeitraum statt.

Genau genommen geht es dem Komponisten darum,

im formalen Bereich und im großen Stil zu experimentieren.

Im Jahre 2009, während seiner Arbeit am Konzert

für zwei Bratschen, will Mantovani die Zeitlichkeit

gefunden haben, die ihm entspricht – das Konzert

dauert 35 Minuten. Seine gleichzeitig entstandene,

2010 uraufgeführte zweite Oper Akhmatova überrascht

hinsichtlich der Form: Auf die eigentliche Oper, also 90

Minuten gesungene Handlung, folgt ein halbstündiges

Postludium für Orchester allein. Es ist dieser Moment

der schweigenden Singstimmen, der den Zuschauer

erfassen lässt, unter welch schrecklichen Zwängen das

Schaffen der russischen Dichterin stand. Zwischen der

formalen Gestaltung und der Dramaturgie besteht also

eine enge Verbindung.

Diese Methode erfährt durch Mantovani in seinem

Zyklus für Violoncello eine Weiterentwicklung hin zu

größerer Komplexität. Das Stück C… wird auf nicht lineare

Art in das Ballett Abstract integriert werden, das der

Komponist für das Festival du Printemps des Arts 2018

von Monte-Carlo schreibt. Der introvertierten Selbstbeobachtung

wird am Anfang sowie in der Mitte ihr Platz

zugewiesen. Und ein neues Orchesterstück wird hinzukommen:

Entrechoc, eine 2016 von der japanischen

Suntory Foundation in Auftrag gegebene Komposition,

die ebenso bruchstückhaft angelegt ist wie Once Upon

A Time. Was den Zauber dieser Musik ausmacht, ist

vergleichbar mit dem, was für die Malerei von Hans

Hartung – über die Striche und das Gleichmaß der

Farben hinaus – gilt: Es ist die Poesie, die bewegt. Der

Konflikt, der den Komponisten beschäftigt, ist einfach

nur menschlich. Die Herausforderung besteht heute

nicht darin, ihn zu lösen, sondern zu wissen, wie man

damit umgeht.

Benoît Walther / Editions Henry Lemoine

Verlag der Werke Bruno Mantovanis: Editions

Henry Lemoine, www.henry-lemoine.com,

Vertrieb: Bärenreiter · Alkor

Am 23. April 1760 kündigte die Hamburger Presse an,

dass in Georg Philipp Telemanns Drillhaus-Konzert

vom 28. April neben der berühmten Donner-Ode

TVWV 6:3a (Teil 1) und einem „Oster=Stück“ eine neue

Komposition erklingen würde: „Christi Auferstehung

bis zu dessen Himmelfahrt, nach einer neuen Poesie“.

Dabei handelte es sich um das Oratorium Die Auferstehung

und Himmelfahrt Jesu, dessen „neue Poesie“

von Karl Wilhelm Ramler (1725–1798) stammte, dem

von Telemann im Alter bevorzugten Dichter. Ramler,

der als Lehrer an der Berliner Kadettenanstalt wirkte,

wurde von Arnold Schering zu Recht als der „gefeiertste

Oratorienpoet dieser Zeit“ bezeichnet. Bevor Telemann

das neuentstandene Libretto vertonte, hatte er bereits

zwei Texte Ramlers in Musik gesetzt: das Passionsoratorium

Der Tod Jesu TVWV 5:6 (1755, zeitgleich mit Carl

Heinrich Graun) und die Weihnachtskantate Die Hirten

bey der Krippe zu Bethlehem TVWV 1:797 (1759). Nach

den Werken über die Geburt und die Passion folgte nun

eines über Auferstehung und Himmelfahrt Jesu. Waren

die erstgenannten Libretti für andere Komponisten

entstanden, schrieb Ramler das dritte dieses Zyklus

speziell für Telemann. Später wurde es u. a. auch von

Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Friedrich Agricola

vertont. Ramler selbst berichtete am 24. Februar

1760 in einem Brief an Johann Wilhelm Ludwig Gleim

etwas salopp über die Entstehung der Dichtung: „… ich

habe ein feyerliches Versprechen von mir gegeben auf

Ostern etwas fertig zu machen, woran sich ein alter

Musikus todtsingen will. Herr Telemann, ein Greis

von 78 Jahren, will seinen Schwanengesang singen,

und dazu soll ich ihm die Worte vorsprechen.“ Was den

„Schwanengesang“ Telemanns betrifft, so irrte Ramler:

Bedeutende und überraschend moderne Werke wie Der

Tag des Gerichts TVWV 6:8 sollten in den kommenden

Jahren noch folgen. Hierzu zählen auch die dramatische

Kantate Ino TVWV 20:41 und die Idylle Der Mai TVWV

20:40 nach Ramlers Dichtungen.

In Auferstehung und Himmelfahrt Jesu werden die in

der Bibel geschilderten Ereignisse in sieben aus Rezitativ-Arie-Chor/Choral

oder Rezitativ-Arie bestehenden

Abteilungen untergliedert. Telemann setzt dem Werk

eine düstere sarabandenartige Einleitung voran, es

folgen eindringliche Chöre (z. B. die erschütternde Chorfuge

am Beginn oder der prächtige Psalmchorkomplex

zum Beschluss), bildhafte Accompagnati und großangelegte,

mit wechselnden obligaten Instrumenten versehene

Da-capo-Arien (mit deutlich kontrastierendem

Mittelteil). Hervorzuheben sind die beiden Duette, von

denen eines die konventionelle Form einer französischen

Ouverture zeigt, das andere aber („Vater deiner

schwachen Kinder“) einen hochempfindsamen Ton

anschlägt, von dem sich schon Telemanns Zeitgenossen

zu Tränen rühren ließen.

Telemann experimentierte in seinen späten, meist

für den Konzertsaal bestimmten Werken sehr bewusst

mit den modernen Dichtungen von Friedrich Gottlieb

Klopstock, Friedrich Wilhelm Zachariae und Ramler. Sie

boten ihm Inspiration zu einem ganz eigenen musikalischen

Ton, der sich auch im vorliegenden Oratorium

manifestiert. Er entsteht aus

einer Verschmelzung von älteren

Formen und Stilmitteln mit einer

modern anmutenden, sehr unmittelbar

auf die empfindsame

Dichtung eingehenden Motivik

und Harmonik. Dabei maß Telemann

sowohl der affektgemäßen

als auch der deklamatorisch

und agogisch genauen Umsetzung

der dichterischen Vorlage

eine hohe Bedeutung zu. Das

Wort wird von seinem filigran

ausgearbeiteten und mit Bedacht

instrumentierten Orchestersatz

nie überdeckt. Es entwickelt sich

in der dicht und zugleich elegant

gearbeiteten Komposition eine

eigenständige Stilwelt, die nicht

anders als „telemannisch“ zu

umschreiben ist.

Telemanns Oratorium Die

Auferstehung und Himmelfahrt

Jesu ist eines seiner interessantesten,

vielleicht auch besten

Vokalwerke, das zudem auch für

Chöre Anreiz bietet. Exemplarisch zeigt sich hier die bis

ins Alter bestehende stilistische Wandlungsfähigkeit

des Komponisten. Dem schon zitierten Christian Gottfried

Krause ist wohl nicht zu widersprechen, wenn er

mit Blick auf diese „unvergleichliche“ Musik schreibt,

Die Auferstehung auf Matthias

Grünewalds Isenheimer Altar (ca. 1510)

Telemann habe „in seinem 80. Lebensjahr gezeigt, daß

er alles kann […]!“

Ralph-Jürgen Reipsch

Georg Philipp Telemann

Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu TVWV

6:6: Hrsg. von Ralph-Jürgen Reipsch. Georg Philipp

Telemann, Musikalische Werke, Band XXXII

Solisten: Soprano (I, II), Alto, Tenore, Basso (I, II)

Orchester: Flauto traverso (I, II), Oboe (I, II), Fagotto,

Corno (I, II), Tromba (I, II, III), Timpani, Violino (I,

II), Viola, Basso continuo (Violoncello, Contrabbasso,

Fagotto, Cembalo, Organo)

Dauer: ca. 70 Minuten

Verlag: Bärenreiter, BA 5851, Aufführungsmaterial

leihweise, Klavierauszug käuflich

]

16 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 17


[t]akte

1I2017

Drama in Oratorienform

Händels „Esther“ in der Hallischen Händel-Ausgabe

Die spannende alttestamentliche Geschichte der

Königin Esther haben Händel und sein Librettist Samuel

Humphreys zu einem nicht minder spannenden,

an Höhepunkten reichen Oratorium geformt.

„Esther“ ist nun im Urtext der HHA erhältlich.

In neuem Licht

Antonín Dvořáks Violinkonzert op. 53 und seine

drei „Slawischen Rhapsodien“ op. 45

Bärenreiter Praha bringt mit dem a-Moll-

Violinkonzert und den „Slawischen Rhapsodien“

zwei Werke heraus, die dringend einer Neuedition

bedurften.

1718 begann Händel mit der Komposition seines ersten

englischen Oratoriums Esther HWV 50a. Er hatte die

biblische Gestalt Esther aus dem gleichnamigen Buch

des Alten Testaments zum Gegenstand gewählt. Das

Libretto in sechs Szenen basiert auf Esther, or Faith Triumphant.

A sacred tragedy von Thomas Brereton (Oxford

1715), das wiederum auf die Tragödie Esther von Jean

Racine (1718) zurückgeht. Spätestens 1720 wurde das

Werk im privaten Kreis in Cannons aufgeführt, danach

erst wieder Anfang 1732 unter Bernard Gates. Vielleicht

war es diese Aufführung, die Händel inspirierte, Esther

zu überarbeiten (HWV 50b).

Esther ist die Gemahlin des persischen Königs

Assuerus. Sie ist sehr schön, und sie hat ihre jüdische

Herkunft auf Geheiß ihres Pflegevaters Mordecai

verschwiegen. Mordecai wird Zeuge, wie zwei Türhüter

ein Mordkomplott gegen Assuerus schmieden

und lässt ihn durch Esther warnen. Assuerus erhebt

Haman zum mächtigsten Mann nach dem König, und

alle Fürsten müssen vor ihm niederknien. Weil er ein

Jude ist, weigert sich Mordecai, diesem Befehl zu folgen.

Daraufhin erwirkt Haman ein Gesetz zur Vernichtung

aller Juden. Diese klagen, und Mordecai gebietet Esther,

beim König für ihr Volk einzutreten. Wer jedoch

ungerufen zum König geht, muss laut Gesetz sterben,

es sei denn, der König streckt das goldene Zepter gegen

ihn aus. Mordecai antwortet auf Esthers Einwand, sie

solle nicht glauben, als einzige aller Juden ihr Leben

retten zu können. Darauf entschließt sie sich, zum

König zu gehen. Sie findet Gnade und lädt Assuerus

und Haman zum Mahl ein. Esther bittet für ihr Leben

und das ihres Volkes. Haman wird entlarvt und fleht

Esther vergeblich um sein Leben an. Er wird gehängt,

Mordecai hingegen für sein Verdienst geehrt und an

Hamans Stelle gesetzt. Am Schluss preisen alle Gott

für ihre Rettung.

Samuel Humphreys fertigte ein neues Libretto an.

Er übernahm einen großen Teil des Textes, stellte eine

in die Handlung einführende Szene voran und formte

daraus drei Akte, die dem Handlungsschema einer

Oper entsprachen.

Händel komponierte neue Musik, doch eine Überarbeitung

wäre ohnehin nötig gewesen, weil er in London

ein anderes Ensemble zur Verfügung hatte. Außerdem

sah er eine Möglichkeit, die Coronation Anthems von

1727 wiederzuverwenden. Er schrieb die meisten neu

komponierten Sätze an das Ende des Autographs, hinzu

kamen Anweisungen für den Kopisten, was in die

Direktionspartitur eingefügt werden soll.

In Esther findet man u. a. musikalisches Material aus

dem Oratorium La Resurrezione, der Motette Silete venti,

der Ode Eternal source of light divine und besonders aus

der Brockes-Passion. Letztere lieferte Musik für dramatische

Höhepunkte wie das Duett zwischen Esther und

Assuerus „Who calls my parting soul from death“ und

Hamans Arie „Turn not, O Queen, thy face away“. Esther

ist eines der vier Oratorien, in denen Händel eine Harfe

besetzte. Im Chorus „He comes“ spielen zwei Hörner

mit. Der Schlusschor „The Lord our enemy has slain“

knüpft an die Art von Purcells Verse Anthems an. Voll

besetzte Chor- und Orchesterabschnitte mit Pauken

und Trompeten (und gelegentlich hervortretender

Solo-Trompete) wechseln sich hier mit langen vom

Continuo begleiteten Sopran-Soli ab.

Knapp zwei Wochen vor der Aufführung wurde am

19. April 1732 angezeigt, dass es keine Bühnenaktion

geben würde, das Haus werde jedoch für das Publikum

dekoriert, und die Musiker würden wie beim Krönungsgottesdienst

angeordnet.

Händel führte Esther in verschiedenen Spielzeiten

auf. Deshalb wurde die Direktionspartitur ständig

angepasst, viele Blätter ersetzt, und große Teile des

Urbestandes fehlen heute. Die noch erhaltenen Teile der

Ur-Direktionspartitur enthalten zahlreiche Einträge für

die verschiedenen Aufführungen, und so bietet sich

dem Herausgeber ein kompliziertes Puzzle. Chrysander

fand es zu Recht sehr schwer, eine ordentliche Werkfassung

zu erstellen. Es ist ihm nicht gelungen, die Form

der ersten Aufführung zu erschließen.

In der Hallischen-Händel-Ausgabe liegt jetzt als Vorabpartitur

die Fassung der Uraufführung vom 2. Mai

1732 im King’s Theatre am Haymarket vor, erstellt auf

der Grundlage eines umfassenden Quellenstudiums.

Der vollständige HHA-Band, mit sämtlichen Anhängen

und ausführlichen Textteilen, befindet sich in Vorbereitung.

Annette Landgraf

Georg Friedrich Händel

Esther, Zweite Fassung 1732, HWV 50b. Hrsg. von

Annette Landgraf. Hallische Händel-Ausgabe I/10

Erstaufführung nach der Edition: 3.6.2017 Halle

(Händel-Festspiele): Solisten, Chor der Capella Cracoviensis,

La Risonanza, Leitung: Fabio Bonizzoni

Personen: Assuerus (Mezzosopran/Alt), Esther

(Sopran), Israelite Woman (Soprano), Mordecai

(Contralto), Haman (Bass), 1st Israelite (Soprano),

2nd Israelite/Harbonah/Offizier (Tenor), Chor

Orchester: Flauto dolce I‒II, Flauto traverso I‒II,

Oboe I‒II, Fagotto I‒II; Corno I‒II, Tromba I‒III,

Timpani; Violino I‒V, Viola; Bassi (Violoncello,

Contrabbasso, Fagotto, Cembalo, Tiorba, Arpa,

Organo)

Dauer: ca. 160 Minuten

Verlag: Bärenreiter, Aufführungsmaterial leihweise,

Klavierauszug käuflich (März 2018)

Antonín Dvořák, Violinkonzert in a-Moll op. 53 (B 108)

Die neue Edition von Dvořáks Violinkonzert op. 53, die

Iacopo Cividini, Experte für Dvořáks Instrumentalkonzerte

und Mitarbeiter des Salzburger Mozarteums,

vorbereitet hat, spiegelt detailliert den komplizierten

Textprozess von den ersten Skizzen im Jahre 1879 bis zur

letzten Revision, die in die Druckausgabe bei Simrock

im Frühjahr 1883 mündete.

Die Geschichte des Konzerts ist im Grunde eine

Geschichte der Verhandlungen mit dem Geiger Joseph

Joachim, dessen Verdienste als Berater im Laufe der Entstehung

des Werkes außer Zweifel stehen, wenngleich

er selbst das Werk nie öffentlich aufführte. Cividini

unterscheidet in der autographen Partitur des Konzerts

insgesamt sieben unterschiedliche Kompositions- und

Revisionsphasen und vier Phasen einer redaktionellen

Bearbeitung des Manuskripts, die der Druckausgabe

vorausgingen. Diese detaillierte Analyse deckt so die

Entwicklung von Dvořáks Absicht auf und ermöglicht

es, besser nachzuverfolgen, in welchem Maße sie im

Erstdruck verwirklicht wurde. Neben der gedruckten

Partitur finden auch die gedruckten Orchesterstimmen,

der Solopart und der Klavierauszug Berücksichtigung,

zu denen Dvořák – so die Vermutung Cividinis

– eigenhändige Vorlagen lieferte. Diese Vorlagen durchliefen

jedoch offensichtlich nicht alle Revisionsphasen,

und so spiegeln die gedruckten Orchesterstimmen

und der Klavierauszug nicht den endgültigen Stand

des Textes wider. Der Klavierauszug, wahrscheinlich

Dvořáks eigener, musste in der Edition so angepasst

werden, dass er nach mehr als 130 Jahren die nicht vorgenommenen

Revisionen nachvollzieht und so wieder

mit der Partitur übereinstimmt.

Dvořáks eigener Fingersatz für die Sologeige wird

in der Partitur und in der Solostimme abgedruckt,

während Joachims weitere zahlreiche Fingersätze

zu dokumentarischen Zwecken im Klavierauszug zu

finden sind. Einige Stellen im Solopart, die Joachim

mit Dvořáks Wissen technisch vereinfachte, bietet die

Edition in beiden Varianten an, der ursprünglichen

anhand des Autographs und der vereinfachten nach

der Simrock-Ausgabe als Ossia-Version. Eine weitere

interessante Besonderheit der neuen kritischen Edition

ist die sorgfältige Unterscheidung der Artikulation und

Länge der dynamischen Zeichen anhand des Autographs.

Auf der Basis genauer Kenntnisse von Dvořáks

Notation und der spezifischen Editionsproblematik

verbessert Iacopo Cividini unser Wissen von Dvořáks

Werk wesentlich.

Jonáš Hájek

Antonín Dvořák, Slawische Rhapsodien op. 45 (B 86)

Die Slawischen Rhapsodien für großes Orchester

komponierte Antonín Dvořák im Jahre 1878, und

wenngleich sie unter einer gemeinsamen Opusnummer

notiert und anschließend herausgegeben wurden,

handelt es sich um drei eigenständige Kompositionen,

die in Skizzen, Partituren und vierhändigen Klavierbearbeitungen

das ganze Jahr über erschienen, in dem

sich der Komponist übrigens auch mit weiteren Werken

von „slawischer Thematik“ befasste (Slawische Tänze

op. 46, Streichquartett op. 51, „Slawisches“). Die drei

Rhapsodien D-Dur, g-Moll und As-Dur stellen in ihrer

folkloreartigen Nuancierung eine Art Orchesterpendant

zu den Mährischen Duetten op. 20, 29, 32 und 38 dar,

an deren Erfolg Dvořák anzuknüpfen versuchte, wozu

er auch vom Verleger Fritz Simrock ermahnt wurde.

Die ersten beiden Slawischen Rhapsodien dirigierte

Dvořák bei der Uraufführung im Herbst 1878 selbst, und

zwar bei seinem ersten eigenständigen Konzert, mit

dem er sich dem Prager Publikum als Komponist und

Dirigent vorstellte; zahlreiche weitere Aufführungen

folgten. In den allermeisten Fällen wurden die Stücke

einzeln aufgeführt, also nicht als Zyklus. Obwohl zu

Dvořáks Lebzeiten die Slawischen Rhapsodien zu seinen

am häufigsten aufgeführten Werken zählten, die

darüber hinaus in einem hohen Maße zu seinen ersten

Erfolgen im Ausland beitrugen, sind sie derzeit in den

Konzertsälen eher selten zu hören.

Das Werk erschien erstmals im Jahre 1879 im Verlag

Simrock in Berlin, die einzige weitere Edition ist die

Ausgabe im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe

des Werkes von Antonín Dvořák im Jahre 1959, die

nicht mehr in all ihren Parametern den modernen

Anforderungen entspricht. Die neue Edition des amerikanischen

Musikwissenschaftlers Robert Simon

geht vom Erstdruck aus, den er mit dem Autograph

konfrontiert und trägt damit zu einer komplexen Sicht

auf den Komponisten bei, dessen „slawische“ Periode

nicht nur über die notorisch bekannten Slawischen

Tänze wahrgenommen werden kann. Eva Velická

Antonín Dvořák

Violinkonzert in a-Moll op. 53 (B 108). Hrsg. von

Iacopo Cividini. Bärenreiter Praha. BA 10422. Partitur,

Klavierauszug und Aufführungsmaterial

käuflich (April 2017)

Slawische Rhapsodien op. 45, Nr. 1–3 (B 86).

Hrsg. von Robert Simon. Bärenreiter Praha.

BA 10401–10403 (Juni 2017–2018). Partitur, Klavierauszug

und Aufführungsmaterial käuflich.

]

18 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 19


[t]akte

1I2017

„move 03“

for large orchestra

Drei Fragen an Miroslav Srnka

„Les dentelles

de Montmirail“

Drei Fragen an Manfred Trojahn

1. „move 03“ ist der Titel deines neuen Stücks, das in Monte-

Carlo uraufgeführt wird. In welcher Form spielt die Bewegung

eine Rolle. Wie korrespondiert sie mit dem Klang?

Das englische Wort „move“ steht für unterschiedliche

Bedeutungen: Es bezeichnet eine Bewegung zum

Erreichen eines anderen Ortes oder eines Ziels, eine

spezifische Tanzbewegung oder die Aktion einer Figur

in einem Spiel. Bei mir enthält „move“ zunehmend zwei

Deutungen: Die erste Deutung liegt in der Bewegung

als Struktur: Mit musikalischen Mitteln, beispielsweise

mit der Gestalt eines polyphonen Schwarms, wird eine

bewegte, changierende dreidimensionale Struktur

suggeriert, die etwa an Vogelschwärme erinnert. Die

zweite Deutung bezieht sich auf die Bewegungen der

Musiker, mit denen sie physisch den Klang erzeugen.

2. Schon bei den „moves 01 and 02“ hast du von dieser

sehr physischen Auffassung gesprochen, dass auch die

Spielbewegung des Musikers eine Rolle spielt. Wie hast

du das hier aufgegriffen?

Ich glaube immer mehr, dass der Ausdruck einer Interpretation

von einem physischen Gefühl und einer

physischen Freiheit der Orchestermusiker – sowohl

individuell als auch gemeinsam – abhängt. Ich möchte,

dass Musik fliegt. Um zu fliegen, brauchen die Musiker

Freiheit. Ihr Freiheitsgefühl kommt von einer freien

Bewegung. Und die freie Bewegung ist bedingt durch

das, was man im Englischen „state of mind“ nennt, ihre

„Haltung“, einen „Flow“. Dieser ist in der Musik am einfachsten

durch ein Legato ausgedrückt. Ein Legato ist

die einzige wirklich für alle Instrumente gemeinsame

phrasierende Denkweise. Sogar Schlagzeuger denken

im Legato. Deswegen wird dieses in meinen Partituren

zum Grundstatus einer Artikulationsweise. Aber es ist

nicht nur ein gängiges Legato. Es wird zum Beispiel bei

den Streichern durch ein „molto arco“ erzeugt, durch

möglichst viel Bogen, sogar im Pianissimo. Weniger

Bogen würde weniger fliegende Energie erzeugen. Ich

möchte jedoch nicht, dass die Musik landet, sondern dass

sie in die stille Ferne wegfliegt. Deswegen wird bei einem

Decrescendo nicht die Bogenbewegung reduziert,

sondern die schnelle bleibende Bogenbewegung mit

abnehmendem Druck eingesetzt, bis der Klang durch

verschiedene flautandoartige und weniger satte Klangfarben

innerhalb der Bewegungsenergie verschwindet.

3. Das Werk ist Teil einer Serie von Kompositionen –

„moves 01 and 02“ wurden zusammen aufgeführt. Bilden

die „moves“ einen Zyklus, wie autark sind sie?

Die Reihe von moves – für Orchester – sowie die Reihe

von tracks – für kleine Kammerbesetzungen – sind

derzeit meine internen Nischen, um Zusammenhänge

zwischen meinen eigenen Stücken zu suchen und um

Konsequenzen weiterzuführen. Daraus entstehen Reihen,

die sowohl separat als auch in Folge oder sogar in

integralen Aufführungen in verschiedenen Abfolgen

gespielt werden können. moves 01 und 02 etwa sind in

der umgekehrten Reihenfolge uraufgeführt worden.

Zunächst bin ich von einem lockeren Zusammenhang

der Stücke in der Tradition der symphonischen Tänze

ausgegangen. „move“ erinnert auch an „movement“ –

die englische Bezeichnung für einen symphonischen

Satz. move 03 ist von den drei existierenden moves

einem solchen „movement“ am nächsten. Es ist das

autarkste von den drei Stücken, weil es auch das heterogenste

ist … Es ist auch das erste Werk, das ich nach der

Oper South Pole geschrieben habe. Die Musik danach

musste danach werden. In die Bewegung sind klare,

„weiße“ Objekte eingeflossen. Sie lassen die Bewegung

in Klang-Stasen anhalten. Als ob man die Musik mit

einer Stopptaste anhalten lassen könnte und dann den

Moment eines Klangs von mehreren Seiten beobachten,

bis man bereit ist, dem Strom weiter zu folgen.

Die Fragen stellte Marie Luise Maintz

Miroslav Srnka

Move 03 für Orchester

Uraufführung: 2.4.2017 Monte-Carlo (Festival

Printemps), Orchestre Philharmonique de Nice,

Leitung: Pierre-André Valade

Besetzung: 4,3,4,3 – 6,4,3,0 – Schlg (3) – Akk, Klav – Str

Verlag: Bärenreiter

Miroslav Srnka – aktuell

2.4.2017 Monte-Carlo (Printemps

des Arts), move 03

for large orchestra (Uraufführung),

Orchestre Philharmonique

de Nice, Leitung:

Pierre-André Valade

+++ 27.5., 10., 18., 21.6.2017

Darmstadt, South Pole

(Erstauff. der reduzierten

Fassung), Musikalische

Leitung: Johannes Harneit,

Regie: Karsten Wiegand

+++ 30.5.2017 Prag (Experimental Space NoD), Porträtkonzert,

PKF Prague Philharmonic +++ 31.5.2017

Prag (Prague Spring), Simple space for cello and

accordion, Tomáš Jamník (Violoncello), Frode Haltli

(Akkordeon) +++ 11.8.2017 Bregenz (Festspiele),

Les Adieux für Ensemble, Opus XXI, Leitung: Aurelien

Azan Zielinski +++ 1.9.2017 Ostrava (Biennial

Ostrava Days), Make No Noise. Chamber opera

(Tschechische Erstaufführung), Musikalische

Leitung: Joseph Trafton, Inszenierung: Johannes

Erath. (Foto: Vojtěch Havlík)

1. Die „Dentelles de Montmirail“ sind eine Berggruppe in

der Nähe des Mont Ventoux, die René Char im drittletzten

Gedicht seines Zyklus „Quitter“ thematisiert. Von acht

Gedichten sind vier bereits komponiert und uraufgeführt.

Nun folgt mit diesem Gedicht der umfangreichste Teil

– sowohl was die Besetzung als auch die Dauer angeht.

Handelt es sich um den Höhepunkt Ihres Zyklus „Quitter“?

Ich bin mit Zuordnungen wie „Höhepunkt“ sehr

vorsichtig, man verbindet das sehr leicht mit einem

speziellen Ausdruck in der Musik, der dann erwartet

wird. Les dentelles de Montmirail ist ein umfangreicher

Text, der in seinen zahlreichen Teilen keinem fokussiertem

Thema folgt, wie das in den anderen Teilen

des Gedichtzyklus Quitter angelegt ist. Ich denke, dass

Char Gedanken fixiert hat, wie sie in jemandem entstehen,

der ohne gedankliches Ziel in einer bestimmten

Situation des Gehens immer wieder neue Eindrücke

verarbeitet, und der, ohne eine Form zu planen, seine

Gedankensplitter wie ein Journal notiert.

Die Vielfalt der Bilder, die dadurch entstehen, mag

man mit der außerordentlichen landschaftlichen Vielfalt

und Gegensätzlichkeit der Dentelles de Montmirail

in Beziehung setzen. Und ich versuche, dem musikalisch

etwas an die Seite zu stellen, das vielleicht eine

Entsprechung ist, vielleicht aber auch eine musikalische

Ordnung in den Zufall der Worte und Gedanken

zu bringen versucht. Um dieser musikalischen Ordnung

willen stelle ich zuweilen Sätze um und forme so eine

eigene, musikalisch bestimmte Dramaturgie.

2. Angesichts der „Königstrümmer von unbezwingbarer

Wildheit“, der Ewigkeit und Monumentalität, reflektiert

René Char das Dichten als ein existenzielles Tun. Ist das

auch ein Thema Ihres Komponierens?

Das Harte, auch das Monumentale, das ein Zeichen

der Landschaft ist, auf die Char sich bezieht und in

die ich ihm folge, steht immer im Gegensatz zur äußersten

Zartheit von Stimmungen und Reflexionen.

Musikalische Dramaturgie baut man auch aus diesen

Gegensätzen und von daher berühren sich die künstlerischen

Ansätze. Natürlich ist das Komponieren,

dem man sich in Ausschließlichkeit widmet, durchaus

ohne an seine Relevanz zu denken, existenziell, wie

das Dichten.

3. Wie schlägt sich das in Ihrer Komposition der „Dentelles“

nieder?

Komponieren muss immer der persönlichsten Entscheidung

folgen, der individuellen Notwendigkeit. Daraus

folgt nicht immer nur existenziell Tiefes. Auch Leichtes,

Schönheitstrunkenes kann absolut notwendig sein.

Das Schwerste ist immer, Musik konkret zu beschreiben,

wie es eine Antwort auf Ihre Frage ja versuchen

müsste. Musik enthält natürlich Gedanken, wie sie sich

auch in poetischer Sprache finden. Aber so wie poetische

Sprache sich eben von derjenigen unterscheidet,

mit der wir unsere alltägliche Kommunikation durchführen

– sie ist viel weniger konkret auf Sachverhalte

bezogen –, unterscheidet sich Musik von poetischer

Sprache. Es sind noch einmal ein paar Umdrehungen

mehr in Richtung einer abstrakten Konkretion – sie

ist nicht festzumachen in ihrer Bedeutung und vornehmlich

um ihrer Schönheit willen erfunden, mit der

auch das Schrecklichste ausgedrückt werden kann …

Die Kombination von beidem, wie sie in diesem Stück

angestrebt wird, ergibt poetische „Denk-Räume“ – das

ist wenigstens das Ziel: Räume, in denen man sich

verlieren könnte …

Die Fragen stellte Marie Luise Maintz

Manfred Trojahn

Les dentelles de Montmirail für zwei Soprane,

Vokalensemble und Ensemble nach einem Text

von René Char aus „Quitter“

Besetzung: Fl (auch AFl), Ob (auch Eh), Klar (auch

BKlar), KbKlar, Fag (auch Kfag) – Hn, 2 Trp, Pos –

Schlg (2) – Klav – 2 V, Va, 2 Vc, Kb

Uraufführung: 1.5.2017 Köln (Festival Acht Brücken)

Vokalensemble Köln, Ensemble Modern, Musikalische

Leitung: Duncan Ward

Verlag: Bärenreiter

Manfred Trojahn – aktuell

1.5.2017 Köln (Festival Acht Brücken), Les dentelles

de Montmirail, Vokalensemble Köln, Ensemble

Modern, Musikalische Leitung: Duncan Ward

+++ 8.7.2017 Cheltenham (Music Festival), Sonata V

für Klarinette und Klavier (UK-Erstaufführung),

Annelien van Wauwe (Klarinette), Simon Lepper

(Klavier) +++ 14.7.2017 Salzburg (St. Andrä-Kirche),

Prélude Nr. 7 – Le silence habité des maisons

(Österreichische Erstaufführung), Eung-Gu Kim

(Klavier) +++ 16.7.2017 Duisburg, Lehmbruck

Museum (Klavierfestival Ruhr), Göttinnen für

Sprecher und Klavier auf Texte von Michael

Krüger (Uraufführung), Michael Krüger (Sprecher),

Hanni Liang (Klavier)

]

20 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 21


[t]akte

1I2017

„hängende gärten“

für großes orchester

Drei Fragen an Philipp Maintz

Die Oper ist tot,

es lebe die Oper!

1. „hängende gärten“ ist ein beziehungsreicher Titel für

dein neues Orchesterstück. Wie ist er zu verstehen?

Der Überlieferung nach hat der babylonische König

Nebukadnezar II. die hängenden Gärten von Babylon

für seine Frau Semiramis bauen lassen, die sich

nach dem Tiefland von

Babylonien und den

Wäldern und Bergen

ihrer Heimat gesehnt

haben soll. Genau dieses

Bild passte für mich

am besten zum Gedanken

dieses Orchesterstückes:

einerseits als

eine Anlage, in der man

Pflanzen setzen, begärtnern,

pflegen und

wachsen sehen kann

(ja, eigentlich „Musik

aus Musik“ schreiben)

– andererseits aber auch

ein „Sehnsuchtsgarten“,

in dem es schön

blühen, aber auch wuchern

soll. Und Christoph

Eschenbach ist ein

Meister orchestraler

Balance und Farbigkeit,

das habe ich ja hocherfreut

schon bei seinem

Dirigat meines tríptico

vertical erlebt. Das

Prinzip, Formbestandteile in verschiedenen, proportional

zueinanderstehenden Tempi anzulegen,

habe ich hier weitergeführt. Und ich habe diese

Proportionalität fortentwickelt, indem ich diese

Bestandteile mehr und mehr habe ineinander wachsen

lassen: Es bilden sich richtige Schlingpflanzen …

Die hängenden Gärten von Babylon, aus: Alain Manesson

Mallet, Desprition de L‘Universe 1719

2. Nach Instrumentalkonzerten und Werken für Gesang

und Orchester schreibst du nun erstmals wieder für reines

Orchester – wie fließen deine Erfahrungen aus den letzten

Stücken ein?

Vor allem habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass ich

mich zunächst neu orientieren musste: Bei einem Stück

mit Solist gibt es einen klaren „Fokalpunkt“, um den

herum man das Orchester austarieren sollte. Dieser

entfällt hier. Andererseits haben mich diese „Konzerte“

doch auch klanglich sehr sensibilisiert, so dass ich

nun mit den Orchesterfarben frei agieren kann, ohne

Sorge haben zu müssen, dass sie dem Solisten die Show

stehlen oder gegen ihn untergehen. Ein Ergebnis dieser

Erfahrung ist insbesondere ein rhythmisch profilierter

Umgang mit dem Material, ohne dass sich große

„Farbseen“ bilden.

3. Ein neues Streichquartett ist entstanden – auch hier

also eine „absolute“ Gattung: Was erwartet den Hörer und

Spieler, wie gehst du mit den vier Stimmen um?

Ja, Streichquartett: vier Instrumente, vier Persönlichkeiten,

vier Launen und Temperamente (musikalisch

vier Materialien und Tempi), vier Richtungen, in die

es gehen kann — manchmal gemeinsam, manchmal

bleibt einer hinterher oder prescht vor, es bleibt immer

Diskurs, schreitet mal voran und rollt noch einmal von

hinten auf … Ich möchte die Komposition organisch

verstanden wissen und schließlich, dass die vier am

Ende auch ein großes singendes Instrument bilden ...

Die Fragen stellte Marie Luise Maintz

Philipp Maintz

hängende gärten für großes Orchester

Uraufführung: 28.5.2017 Berlin (Philharmonie)

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Leitung:

Christoph Eschenbach

Besetzung: 3 (2. auch Picc, 3. auch AFl und Picc, 2,

Eh, 2, BKlar, 2 (2. auch Kfag), Kfag – 4,3,3,1 – Schlg

(4) – Hfe, Klav – Str

Aufführungsdauer: ca. 20 Minuten

Verlag: Bärenreiter

Philipp Maintz –

aktuell

23.5.2017 Orléans (Scène

nationale), streichquartett

nr. 2 (Uraufführung),

Quatuor Diotima +++

28.5.2017 Berlin (Philharmonie),

hängende gärten

für großes orchester

(Uraufführung), Deutsches

Symphonieorchester

Berlin, Leitung: Christoph Eschenbach (Foto:

Paavo Blåfield)

Höchst lebendig ist sie, die Kunstform Oper. Zeitgenössisches

Musiktheater füllt die Häuser, als große Oper

für ein großes Publikum. Miroslav Srnkas Doppeloper

South Pole erzählt den berühmten Wettlauf zweier

Männer zum Südpol und ihren erbitterten Kampf um

„ewigen“ Ruhm im ewigen Eis als aktuellen Theaterstoff

über die Hybris des Menschen. Nach zwei

Aufführungsserien an der Bayerischen Staatsoper

München kommt nun bereits eine Neuproduktion am

Staatstheater Darmstadt heraus, Hausherr Karsten

Wiegand inszeniert. Und auch Srnkas Kammeroper

Make No Noise ist unterwegs: Mit der Produktion der

Bregenzer Festspiele wird sie ihre tschechische Erstaufführung

bei den Biennial Ostrava Days im September

erleben, im folgenden Jahr wird sie in Prag gespielt.

In seiner jüngsten Oper Orest erzählt Manfred

Trojahn den antiken Stoff um den Muttermörder als

das Psychogramm eines gebrochenen Mannes nach

seiner Tat, der sich schließlich aus der Fremdbestimmung

befreit. Bis in die heutige Zeit ist er – als Täter

und Opfer – eine politisch wie psychologisch hochbrisante

Figur. Trojahns Orest erlebte im Februar eine

gefeierte Neuinterpretation durch Hans Neuenfels

am Zürcher Opernhaus. Die Erstproduktion der Oper

in Amsterdam wurde von der Opernwelt zur „Uraufführung

des Jahres 2012“ gewählt. In Hannover wurde

diese Inszenierung nachgespielt, in Wien gab es eine

Neuproduktion. „Selbst schuld, wer das verpasst“,

leitet die F.A.Z. den Chor enthusiastischer Pressestimmen

an. Hans Neuenfels und sein Team, Georg

Nigl in der Titelpartie und das Sängerensemble als

Interpreten des „herausragenden Werks der neuesten

Operngeschichte“ gestalten einen „Triumph der Beteiligten“

in dieser „gelungenen Fortschreibung eines

bekannten Theaterstoffs“ (Neue Zürcher Zeitung). Und

noch ein weiteres Werk von Manfred Trojahn erfuhr

„Selbst schuld, wer das verpasst“: Manfred Trojahns „Orest in Zürich

(Foto: Judith Schlosser)

„wild, wuchtig, packend …“ Andrea Lorenzo Scartazzinis „Edward II“ an

der Deutschen Oper Berlin (Foto: Monika Rittershaus)

eine erfolgreiche Neuinterpretation: Limonen aus

Sizilien an der Volksoper Wien. Die drei italienischen

Geschichten nach Luigi Pirandello und Eduardo de

Filippo fanden eine ungeteilt positive Resonanz.

Und sie bewegt sich doch: Oper ist ein langsames

Medium, denn Komponisten und Librettisten arbeiten

an einem Werk über viele Jahre, Tagesaktualität ist hier

kaum möglich. Und doch blicken die Autoren auf ein

Sujet mit den Augen ihrer Zeit, und ihre Realisierung

kann einen Hinweis auf die gesellschaftliche oder

auch politische Relevanz geben. Dies zeigt die erhitzte

Diskussion um die neue Oper von Andrea Lorenzo

Scartazzini. Edward II nach einem Stoff von Christopher

Marlowe und einem Libretto von Thomas Jonigk

wurde Mitte Februar an der Deutschen Oper Berlin in

einer Inszenierung von Christof Loy zum Zündstoff

extremer Kontroversen. Die Handlung um einen

homosexuellen König wird von Loy bildmächtig mit

handfesten Verweisen auf schwule Klischees in Szene

gesetzt. In den Medien stehen sich begeisterter Jubel

bis einhellige Ablehnung gegenüber, beim Publikum ist

das Werk erfolgreich. Eine Glosse in der ZEIT zieht eine

Flut von Leserbriefen nach sich. Der Tagesspiegel fand

die Oper „wild, wuchtig, packend … packendes, kraftvolles

Musiktheater geht da über die Bühne, saugt die

Zuschauer in einen Strudel aus Bildern und Klängen,

reißt Assoziationsräume auf, verführt, verschreckt.“

Die Neue Zürcher Zeitung sieht das ähnlich: „Sehr farbig,

bildkräftig, dicht ist die Musik … nie verdeckt sie

die Gesangsstimmen. Sie schattiert die Einsamkeit

des Königs (Michael Nagy), seine Gebrochenheit als

gehetzter Außenseiter. Aber auch die Figuren in seinem

Umfeld …, sie alle entfalten ihre je eigene Aura.“

Für die totgesagte Kunstform sind alle Nachrichten gute

Nachrichten. Die Oper ist tot, es lebe die Oper! Red.

]

22 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 23


[t]akte

1I2017

aktuell

Unter dem Stern

Gustav Mahlers

Colin und David Matthews und ihre Annäherungen

an den großen Komponisten

Matthias Pintscher – aktuell

6./7./9.4.2017 Hamburg (Elbphilharmonie,

Foto oben: Iwan Baan), shirim für Bariton und

Orchester (Uraufführung), Bo Skovhus (Bariton),

NDR Elbphilharmonie

Orchester, Leitung:

Christoph Eschenbach +++

4./5.5.2017 Indianapolis /

6.5.2017 Carmel (Indiana,

USA), towards Osiris for

orchestra, Indianapolis

Symphony Orchestra, Leitung:

Matthias Pintscher

+++ 1.6.2017 Wien (Konzerthaus),

Osiris for orchestra,

RSO Wien, Leitung:

Matthias Pintscher +++

17./18.6.2017 Berlin (Pierre Boulez Saal), mar‘eh

for violin and ensemble, Diego Tosi (Violine),

Ensemble Intercontemporain, Leitung: Matthias

Pintscher +++ 9.6.2017 New York (University)

Choc für Ensemble, Chimera Ensemble,

Leitung: John Stringer +++ 7.7.2017 München

(Herkulessaal der Residenz), With lilies white,

BR Symphonieorchester, Leitung: Matthias

Pintscher – (Foto: Franck Ferville)

Charlotte Seither – aktuell

2.4.2017 Hamburg (Resonanzraum St. Pauli), figure

in space für Violine, Violoncello und Klavier,

Boulanger Trio +++ 4.4.2017 Berlin (Unerhörte

Musik), Echoes of O‘s for one or more performer(s),

Ulrike Brand, Violoncello +++ 30.4.2017

Recklinghausen (Erlöserkirche Herten), Inschrift

für Chor und Orchester.

Kommentar zu Bach-Kantate

BWV 4 „Christ lag

in Todes Banden“ (Uraufführung),

Hertener

Kantorei, Mitglieder der

Dortmunder Philharmonie,

Leitung: Elke Cernysev

+++9./10.5.2017 Arhus,

Wanting to fly für Sopran,

Schlagzeug und Violoncello,

Ramina Abdullah-Zadé

(Sopran), Alexandros Giovanos

(Schlagzeug), Ulrike

Brand (Violoncello) +++ 19.5.2017 Oldenburg

(Universität), Corps croisé für Streichquartett,

Ensemble Horizonte +++ 1.6.2017 Dresden (Hygiene-

Museum), Wenige Silben vom Glück (Uraufführung),

Anna Palimina (Stimme) +++ 1./2.7.2017 Bad

Kissingen (Kissinger Sommer), Neues Werk für

Stimme und Klavier (Uraufführung), Auftragswerk

des Kissinger Sommers, Kimberley Böttger-Soller

(Mezzosopran), Axel Bauni (Klavier) +++

11.9.2017 Menaggio / Italien (Villa Vigoni), Tre acque

con ombre für Ensemble, mdi ensemble Milano

+++ 13.10.2017 Berlin, Kulturforum St. Matthäi,

Neues Werk für Frauen-Vokalensemble (Uraufführung),

Auftragswerk der Guardini-Stiftung Berlin,

Vokalensemble St. Matthäi, Leitung: Lothar Knappe

– (Foto: Marco Bussmann)

Thomas Daniel Schlee – aktuell

Thomas Daniel Schlee feiert am 26. Oktober 2017

seinen 60. Geburtstag. +++ 26.3.2017 Rheindahlen,

(Kirche St. Helena), Zwei Psalmen op. 74, Reinhold

Richter (Orgel) +++ 1.6.2017 Wien (Universitätskirche

St. Ursula), Ein Psalm Davids op. 49 für Harfe

und Orgel, Psalm 128 für

Sopran und Orgel (Uraufführung),

Introduktion,

Fantasie und Cantus für

Violine und Orgel (Uraufführung),

Tina Zerdin

(Harfe), Marie-Antoinette

Stabentheiner (Sopran),

Anna Maria Dirnberger

(Violine), Ekaterina

Kurmyshova, Zita Nauratyill

(Klavier), Benedikt

Nudig, Peter Tiefengraber

und Johannes Zeinler (Orgel) +++ 29.9.2017 Bad Reichenhall

(Theater), Sinfonia tascabile op. 67, Bad

Reichenhaller Philharmonie, Leitung: Christian

Simonis +++ 19.10.2017 Wien (Konzerthaus), Spes

unica op. 72, RSO Wien, Leitung: Cornelius Meister

+++ 24.10.2017 Wien (Musikverein), Suite für

Violine und Klavier op. 82 (Uraufführung), Jubilus

op. 35a, Silberne Schnur, Martin Walch (Violine),

Luis Zorita (Violoncello), Till Alexander Körber

(Klavier) – (Foto: Herbert Lehmann)

Dieter Ammann – aktuell

20.4.2017 Wien, Konzerthaus, Le réseau des

reprises pour grande ensemble (Öster. Erstaufführung),

Klangforum Wien, Leitung: Bas Wiegers

Colin und David Matthews haben eine einzigartige

Stellung in der Neuen Musik im Vereinigten Königreich.

Während beide Brüder, nun jenseits der Siebziger,

sehr unterschiedliche künstlerische Wege beschritten

haben, blicken sie weiterhin auf gemeinsame Erfahrungen

aus ihrer Ausbildungszeit zurück. Beide arbeiteten

als Assistenten Benjamin Brittens und teilen seit dem

Gedenkjahr 1960 eine gemeinsame Leidenschaft für

Gustav Mahler. Bei der Erarbeitung einer aufführbaren

Fassung von Mahlers 10. Symphonie standen sie Deryck

Cooke zur Seite. „Wir zwei haben sehr unterschiedliche

Zugänge zu Mahlers Erbe“, sagt Colin, „David hat in der

sinfonischen Tradition Mahlers gearbeitet, wozu ich

mich – vielleicht gerade Mahlers wegen – nicht in der

Lage sah. Auf seine Weise ist er näher an Mahler, aber er

hat dies sehr erfolgreich in einem speziellen englischen

Rahmen entwickelt. Ich dagegen fühle mich immer

meinen Wurzeln verpflichtet, die zur außergewöhnlichen

Zeit von 1900–1914 zurückweisen.“

Von allen neun Symphonien Davids ist es die Sechste

von 2007, welche die direktesten Mahler-Bezüge aufweist.

Dabei war er auch von einem Besuch in Toblach

inspiriert – dem Ort, wo Mahler seine beiden letzten

Symphonien und das Lied von der Erde komponierte.

Davids 6. Symphonie enthält im ersten Satz ein Zwischenspiel

als Evokation der österreichischen Alpen

mit Kuhglocken, die einen Bezug zu Mahlers Sechster

herstellt. Das 35-minütige Werk geht mit einem Akkord

zu Ende, der auf den Schlussakkord des Lieds von der

Erde zurückgeht.

Auch Colin griff Mahlers Musik in seinen eigenen

Werken auf und verwendete ein Fragment aus der X.

Symphonie (das nicht in die Vervollständigung aufgenommen

wurde) als Geistererscheinung in Traces

Remain, seinem musikalischen Palimpsest von 2013.

Als ein von Melancholie überschattetes Gewirr spektraler

Anspielungen auf eine Menge verlorener oder

unfertiger Stücke enthält das Werk auch einen Verweis

auf Beethovens „Adelaide“ in der Instrumentierung

Schönbergs, auf ein sanftes Lautenlied von Robert

Johnson und auf Bruchstücke aus der 8. Symphonie

von Jean Sibelius.

„Colin und ich wurden beide zur selben Zeit von

Mahler besessen“, erzählt David, „und ich denke, Colins

Instrumentation schuldet Mahler mehr als irgendjemandem

sonst. Night Music klingt sehr nach Mahler,

aber Colin wendet sich von der mahlerianischen

Expressivität ab.“ Düstere Parodie ist ein Merkmal in

Colins jüngeren Werken wie No Man‘s Land, eine kraftvolle

Vertonung von Gedichten Christopher Reids für

Bariton, Tenor und Kammerorchester von 2011. Hierin

findet ein Zwiegespräch zwischen zwei Soldaten des

David und Colin Matthews zur Linken und zur Rechten Gustav Mahlers

Ersten Weltkriegs bzw. Geistern statt, die in Stacheldraht

hängen, während historische Instrumente und

Honky-Tonk aus dem Grammophon in eine Musik von

großer Schmerzlichkeit versponnen sind.

2010 bekamen beide Brüder den Auftrag, Stücke zum

150. Geburtstag Mahler zu schreiben. Colins siebenminütiges

Crossing the Alps, eine Vertonung von Zeilen aus

dem VI. Buch von William Wordsworths The Prelude

für achtstimmigen Chor und Orgel, ist als Einleitung

zu Mahlers 2. Symphonie gedacht. Das Vokalwerk, von

der Times als „mysical and moving“ beschrieben, ist

zutiefst mahlerianisch und kontrastiert die Auferstehungs

ode mit einer humanistischen Botschaft.

Für David, der ein Begleitstück zur siebten Mahler-Symphonie

komponierte, war der Ausgangspunkt

instrumental: das Tenorhorn, das im ersten Satz prominent

auftritt, dann aber schweigt. In David Matthews

eigener 7. Symphonie, ein etwa 20-minütiger

musikalischer Bogen, sticht das Tenorhorn heraus. Das

Werk durchläuft endlose Veränderungen einer leidenschaftlichen

Melodie und erreicht seinen Höhepunkt

mit einer spannenden Kadenz des Schlagzeugs, bevor

es einem überschwänglichen Ende zusteuert. „Mahlers

Einfluss habe ich nie abgeschüttelt“, gesteht David

unumwunden, „Ich liebe die emotionalen Qualitäten

der Musik und den direkten Weg sich auszudrücken,

und ich versuche so etwas auch. Meine Musik sehe ich

als eine Art Autobiografie, so wie es Mahler auch tat.“

Sam Wigglesworth / Faber Music

Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen

(1884), Bearbeitung für Kammerensemble von

Colin Matthews

Uraufführung: 9.4.2017 Winterthur, Ian Bostridge

(Tenor), Musikkollegium Winterthur

Verlag: Faber Music, Vertrieb: Bärenreiter · Alkor

]

24 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 25


[t]akte

1I2017

Pinocchio und Engel

Neue Stücke von Lucia Ronchetti und Francesco

Filidei

Neue Bücher

Lucia Ronchetti: „Les Aventures de Pinocchio”

Das musikalische Kammertheater Les Aventures de

Pinocchio (Uraufführung: 8.2.2107 Rouen) entstand im

Auftrag des Ensemble Intercontemporain. Die Stimme,

die Pinocchio darstellt, interagiert mit

fünf Musikern des Ensembles, die die von

Carlo Collodi erdachten Tiere und Figuren

darstellen. Die Musiker und ihre Instrumente

sind die einzigen szenischen und

visuellen Elemente, die auf der Bühne zur

Verfügung stehen, um die Welt der Holzpuppe

zu beschwören und zu erkunden.

Dies ereignet sich in einem begrenzten

kahlen Raum, in dem die Orte und Wesen

der Geschichte sich vor allem akustisch

manifestieren. Der Ort der Aufführung

ist der Körper der Sängerin selbst, ihre

Lucia Ronchetti

Stimme, ihre Bewegungen. In ihrem

Stimmorgan vollzieht sich die Verwandlung

Pinocchios, und von dort aus wird sie dem jungen

Publikum direkt übermittelt. Die anderen Figuren

– unförmige, charakterschwache, zwielichtige und

verdorbene Gestalten – sind vormenschliche Wesen, die

Pinocchio ohne Unterlass ablenken, ihn auf die Probe

stellen, ihn auslachen, und sein Streben danach, sich

in einen Menschen zu verwandeln, behindern wollen.

Les Aventures de Pinocchio ist ein Stück der geringen

Mittel, für die Straße. Es kommt ohne Grenze

zwischen Interpreten und Kindern aus, denn die

Musiker interagieren mit Pinocchio und erschaffen

dabei sehr differenzierte Klangszenen, die die Kinder

im Publikum zum spontanen Mitmachen anregen.

Jedes Instrument ist durch Zitate oder Bearbeitungen

mit seinem spezifischem Repertoire verbunden, seiner

„instrumentalen Stimme”, die sich aufgrund der Spieltechnik

und des Solo-Repertoires herausgebildet hat.

Sie bezieht sich jedoch nicht auf die Vokaltradition oder

die verbale Kommunikation. Der Perkussionist schafft

die Verbindung zwischen Pinocchio, den Musikern und

den Kindern: Er legt Hindernisse in den Weg, bietet

Auswege an, er erschafft donnernde Gewitter, stille

Unterwasserwelten und nächtliche Finsternis. Das

Cello stellt die Grille dar, ihr „springendes Sprechen”

erinnert mit seinen „jeté“-Effekten und Arabesken

aus Flageoletttönen an Stilelemente Sciarrinos. Die

Grille ist eine kleine philosophisch-meditative Figur,

die einen Gegenpol zur Vulgarität und Gewalt der

anderen Figuren bildet. Der Hornist verkörpert einen

Clown, wie man ihn aus Fellini-Filmen kennt: aggressiv

und geistreich, melancholisch und niedergeschlagen

zugleich. Der Kontrabass, die Personifizierung der

Ängste Pinocchios, liefert die wichtigste Klangenergie

des Stückes. Die Violine steht entweder für den freundschaftlichen

Delphin oder für den treulosen Fuchs, der

Pinocchio zwar höflich und freundlich begleitet, ihn

jedoch immer wieder überrumpelt und enttäuscht.

Die Stimme, ein Sopran „en travesti“, verkörpert

den Pinocchio, hin und wieder jedoch auch die blaue

Fee. Mit einer schweren Sprechstimme, die an den römischen

Realismus der Schauspielerin Anna Magnani

erinnert, macht die Fee Pinocchio zunächst Vorhaltungen,

um dann eine Verwandlung zu durchleben: Ihr

zunächst opernhafter Vokalstil wird immer kontrollierter,

reduziert sich zum Renaissancestil und nähert

sich fast der Stille. Als Pinocchio klingt die Stimme des

Soprans direkt, verzweifelt, kapriziös und aggressiv.

Immer jedoch bleibt sie erkennbar als die eines Beinahe-Kindes,

das allein gegen eine Welt durchgedrehter

und unzulänglicher Erwachsener kämpft. Es bleibt

ihm nur die Flucht. Aber damit sind seine Angst, sein

Schreien und Leiden nicht beendet.

Francesco Filidei: „Sull’essere angeli”

Sull’essere angeli ist der Titel des neuen Flötenkonzerts

von Francesco Filidei. Es wird am 2. April 2017 beim

Festival „Printemps des Arts de Monte Carlo“ von Mario

Caroli und dem Orchestre Philharmonique Nizza unter

Leitung von Pierre-André Valade uraufgeführt.

Filidei schreibt dazu: „Nach meiner Oper über Giordano

Bruno, in die meine kompositorischen Erfahrungen

aus jahrelanger Arbeit eingegangen sind, hat

es mich viel Zeit gekostet, mir Wege in

neue Richtungen zu bahnen. In meinen

letzten Arbeiten, den ersten ,Ballate‘ und

einigen anderen Stücken, hatte ich noch

eine skalenbasierte Makrostruktur verwendet,

die allmählich Gefahr lief, steril

zu werden. Seit der Ballata Nr. 6 „Canzone“

für Harmonika und Ensemble habe ich

nun versucht, einer nackten Linie zu

folgen, die sich fragil im Raum bewegt.

In dieser Arbeit wird der abstrakte

Körper einer schwachen Stimme, die auf

einer brüchigen Serialität basiert – eine

Melodie, die sich in Stille verliert – hin

und wieder vom Orchester zugedeckt, Francesco Filidei

jedoch nur, um noch einsamer und entblößter

als zuvor zurückgelassen zu werden. Der Bezug

auf die Engel verweist einerseits auf die Fotoserie On

Being an Angel von Francesca Woodman, andererseits

auf die Widmung, die Alban Berg seinem Violinkonzert

voranstellte, ,Dem Andenken eines Engels‘.“

Andrea Fontemaggi / RAI Com

Verlag der Werke Ronchettis und Filideis: RAI Com,

Vertrieb: Bärenreiter · Alkor

András Schiff: Musik kommt aus der Stille. Gespräche

mit Martin Meyer. Essays. Bärenreiter-Verlag / Henschel

Verlag 2017. 254 Seiten. € 24,95.

András Schiff ist einer der bedeutendsten Pianisten

der Gegenwart. Gleichwohl bewegt er sich jenseits des

Mainstreams: in seiner Art, über Musik zu sprechen,

und in seiner unnachahmlichen Kunst, Musik aus

der Stille heraus erklingen zu lassen. Internationale

Beachtung hat er aber auch dadurch erfahren, dass

er laut und deutlich öffentlich Stellung bezieht gegen

nationalistische und rassistische Haltungen. Im ersten

Teil seines Buches gibt András Schiff in Gesprächen mit

dem prominenten Feuilletonisten Martin Meyer Auskunft

über seine künstlerischen Grundanschauungen,

seine Spieltechniken und Interpretationsweisen und

seine beruflichen Erfahrungen als Pianist und Dirigent.

Im zweiten Teil erzählt er von seiner jüdischen Familie

und seinem bewegten Leben zwischen der Erinnerung

an den Holocaust und politischem Engagement in der

Gegenwart, zwischen Kommunismus und globalem

Kapitalismus, zwischen Budapest, London und Florenz,

zwischen Bach und Kurtág.

Herbert Blomstedt: Mission Musik.Gespräche mit Julia

Spinola. Bärenreiter-Verlag / Henschel Verlag 2017. 192

Seiten. € 24,95.

Herbert Blomstedt ist eine der bemerkenswerten

Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit. Mit ebenso

luziden wie beseelten Interpretationen widerlegt er

das Klischee vom Dirigenten als Pultstar. Im Buch

erzählt er von seiner Kindheit in Schweden, erinnert

sich an sein Studium bei Igor Markewitsch und Leonard

Bernstein und blickt auf seine nunmehr über 60 Jahre

währende Laufbahn zurück. In Gesprächen, die auf

gemeinsamen Reisen und an biografisch wichtigen

Orten geführt wurden, gibt Herbert Blomstedt tiefe

Einblicke in seine musikalischen und menschlichen

Überzeugungen.

Konrad Küster: Musik im Namen Luthers. Kulturtraditionen

seit der Reformation. Bärenreiter-Verlag / Verlag

J.B. Metzler 2016. 319 Seiten. € 34,95.

Konrad Küster eröffnet mit seinem Buch zum Reformationsjubiläum

einen modernen Zugang zur

500-jährigen protestantischen Musiktradition: überkonfessionell,

wissenschaftlich fundiert, aber auch

dem breiteren interessierten Publikum zugewandt.

Der Autor beschreibt die Bedeutung der Kirchenmusik

in Luthers Liturgie und berichtet von der Fortführung

reformatorischer Ideen durch Kantoren, Organisten

und Amateure, über Schaltstellen und Traditionsbrüche

bis in unsere Gegenwart hinein. Besonders

in den Blick genommen werden Heinrich Schütz und

Johann Sebastian Bach. Neue Erkenntnisse und Positionsbestimmungen

ergeben sich unter anderem zum

evangelischen Gemeindegesang, der, wie Küster nachweist,

nicht von Luther begründet wurde, durch die

Darstellung der überraschend intensiven Beziehungen

zwischen lutherischer und italienischer Musik oder die

Orgelkunst des Nordseeraums.

David Koch: Louis Spohrs groß besetzte Kammermusik.

Ein Beitrag zur Gattungsentwicklung in der ersten

Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schweizer Beiträge zur Musikforschung,

Band 24. Bärenreiter-Verlag 2016. € 39,95.

Beschlagen in allen musikalischen Gattungen seiner

Zeit hat Louis Spohr auch ungewöhnliche Genres bedient

und bisweilen sogar neu geschaffen. Beispielhaft

dafür steht seine groß besetzte, also über die Standardbesetzungen

hinausgehende Kammermusik. Sieben

Streichquintette, ein Streichsextett, vier Doppelquartette,

ein Oktett, ein Nonett, zwei Klavierquintette und

ein Klavierseptett dokumentieren Spohrs innovative

Produktivität. David Koch geht in seinen Untersuchungen

zu diesem Repertoire auf die kompositorischen

Erfindungen ein und beleuchtet eingehend die biografischen,

institutionellen und gattungsgeschichtlichen

Rahmenbedingungen. Damit leistet er einen Beitrag

zur musikgeschichtlichen Positionierung eines oft

marginalisierten Komponisten.

Ann-Christine Mecke: Strauss. Salome. Opernführer

kompakt. Bärenreiter-Verlag / Henschel-Verlag 2016.

136 Seiten. € 14,95.

Richard Strauss provozierte mit der Verwendung des

biblischen Stoffs bei der „Salome“-Uraufführung 1905

in Dresden einen Skandal. Musikalisch besticht die

Oper durch extreme Dissonanzen und faszinierende

Klangmagie. Ann-Christine Mecke schildert in Ihrem

kompaktem Opernführer den Stoff und die Entstehungsgeschichte

der Oper von Richard Strauss. Weitere Kapitel

sind der musikalischen und dramaturgischen Gestaltung,

der Inszenierungs- und Rezeptionsgeschichte

sowie dem Gedanken „Dein Kopf gehört mir!“ gewidmet.

Busoni. Freiheit für die Tonkunst! Publikation zur

Ausstellung in Berlin, Hrsg. im Auftrag der Stiftung

Preußischer Kulturbesitz. Bärenreiter-Verlag / Stiftung

Preußischer Kulturbesitz 2016. 240 Seiten. € 39,95.

Ferruccio Busoni, der Klaviervirtuose und Komponist,

hatte auch einen Sinn für die anderen Künste. Seine

schriftlichen Äußerungen verdeutlichen in ihrer Bandbreite

an Themen und Beobachtungen den Umbruch in

das Jahrhundert der Moderne. Busoni übt sich dabei

fortwährend in schöpferischer, kritischer Reflexion

über Erscheinungen seiner Zeit (und der Vergangenheit).

Das Buch zur Berliner Busoni-Ausstellung rückt

diese „universalistische“ Prägung dieses Künstlers erstmals

in den Mittelpunkt und gibt Einblicke in das umfassende

Panorama seiner künstlerischen Sichtweisen.

]

26 [t]akte 1I2017

[t]akte 1I2017 27


[t]akte

1I2017

Festspielsommer 2017

Festival d‘Aix-en-Provence

Georges Bizet: Carmen

Orchestre de Paris, Musikal.

Leitung: Pablo Heras-Casado,

Inszenierung: Dmitri Tcherniakov

ab 4. Juli 2017

Wolfgang Amadeus Mozart:

Don Giovanni

Le Cercle de l‘Harmonie, Musikal.

Leitung: Jérémie Rhorer, Inszenierung:

Jean-François Sivadier

ab 6. Juli 2017 (auch 23.7.2017

Beaune, Festival, konzertant)

Akko Opera Festival

Georg Friedrich Händel:

Giulio Cesare in Egitto

Israel Camerata Jerusalem

Orchestra, Musikal. Leitung:

Ethan Schmeisser, Inszenierung:

Tomer Zvulun

3./4. August 2017

Theatersommer Bad Lauchstädt

Wolfgang Amadeus Mozart:

Così fan tutte

Solisten und Chor der Oper Halle,

Staatskapelle Halle, Musikal.

Leitung: Robbert van Steijn,

Inszenierung: Axel Köhler

23. und 25. Juni 2017

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Hochzeit des Figaro

Solisten und Chor der Oper

Halle, Staatskapelle Halle, Inszenierung:

Michael McCaffery,

Musikal. Leitung: Kay Stromberg

26. August und 30. September

2017

Bregenzer Festspiele

Georges Bizet: Carmen

Musikal. Leitung: Jordan Souza,

Inszenierung: Kasper Holten

ab 19. Juli 2017

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro

Musikal. Leitung: Hartmut Keil,

Inszenierung: Jörg Lichtenstein

ab 14. August 2017

Miroslav Srnka: Les Adieux

Opus XXI, Leitung: Aurelien Azan

Zielinski

11. August 2017

Händels „Sosarme“ in Halle, Wiederaufnahme von 2016 (Foto: Falk Wenzel, Theater, Oper und Orchester GmbH Halle)

Buxton International Festival

Wolfgang Amadeus Mozart:

Lucio Silla

The English Concert, Musikal.

Leitung: Laurence Cummings,

Inszenierung: Harry Silverstein

ab 9. Juli 2017

Cheltenham Music Festival

Manfred Trojahn: Sonata V

für Klarinette und Klavier

(UK-Erstaufführung)

Annelien van Wauwe (Klarinette),

Simon Lepper (Klavier)

8. Juli 2017

Drottningholm, Opera Festival

Wolfgang Amadeus Mozart:

Così fan tutte

The Drottningholm Theatre Orchestra,

Musikal. Leitung: Marc

Minkowski, Inszenierung: Ivan

Alexandre

ab 5. August 2017

Garsington Opera (Wormsley)

Georg Friedrich Händel: Semele

Musikal. Leitung: Jonathan

Cohen, Inszenierung: Annilese

Miskimmon

ab 1. Juni 2017

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro

Musikal. Leitung: Douglas Boyd,

Inszenierung: John Cox

ab 9. Juli 2017

Genf, Opéra de Chambre

Wolfgang Amadeus Mozart:

Il re pastore

Musikal. Leitung: Franco Trinca,

Inszenierung: N. N.

ab 4. Juli 2017

Glyndebourne Festival

Wolfgang Amadeus Mozart:

La clemenza di Tito

Orchestra of the Age of Enlightenment,

Musikal. Leitung:

Robin Ticciati

Inszenierung: Claus Guth

ab 26. Juli 2017

Internationale Händel-Festspiele

Göttingen

Georg Friedrich Händel: Lotario

FestspielOrchester Göttingen,

Musikal. Leitung: Laurence

Cummings, Inszenierung: Carlos

Wagner

ab 19. Mai 2017

Georg Friedrich Händel:

Lucio Cornelio Silla (konz.)

Ensemble 1700, Musikal. Leitung:

Dorothee Oberlinger

20. Mai 2017

Joseph Haydn:

L‘anima del filosofo

Göttinger Symphonie Orchester

Musikal. Leitung: Christoph

Mathias Müller, Inszenierung:

Stefan Böhme

27./28.5.2017

Grange Park Festival

Georges Bizet: Carmen

Musikal. Leitung: Jean-Luc

Tingaud, Inszenierung: Annabel

Arden

ab 11. Juni 2017

Schlossoper Haldenstein

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Entführung aus dem Serail

Kammerphilharmonie Graubünden,

Musikal. Leitung: Philippe

Bach, Inszenierung: Anthony

Pilavachi

ab 8. August 2017

Händel-Festspiele Halle

Georg Friedrich Händel: Jephtha

Händelfestspielorchester Halle,

Musikal. Leitung: Christoph

Spering, Inszenierung: Tatjana

Gürbaca

ab 26. Mai 2017

Georg Friedrich Händel:

Acis and Galatea

Collegium Marianum, Musikal.

Leitung: Jana Semerádová

Inszenierung: Vít Brukner

27. Mai 2017

Georg Friedrich Händel: Sosarme

Musikal. Leitung: Bernhard

Forck, Inszenierung: Philipp

Harnoncourt

29. Mai und 8. Juni 2017

Georg Friedrich Händel: Esther

(Erstaufführung nach der Hallischen

Händel-Ausgabe)

Capella Cracoviensis, La Risonanza,

Leitung: Fabio Bonizzoni

3. Juni 2017

Kissinger Sommer

Charlotte Seither: Neues Werk

für Stimme und Klavier

Kimberley Böttger-Soller (Mezzosopran),

Axel Bauni (Klavier)

1./2. Juni 2017

Klavierfestival Ruhr (Duisburg,

Lehmbruck-Museum)

Manfred Trojahn: Göttinnen

Michael Krüger (Sprecher), Hanni

Liang (Klavier)

16. Juli 2017

Oper Klosterneuburg

Gioachino Rossini: Le comte Ory

Sinfonietta Baden, Musikal.

Leitung: Christoph Campestrini,

Inszenierung: François de Carpentries

ab 8. Juli 2017

Konstanz, Kammeroper im

Rathaushof

Bohuslav Martinů: Ariadne

Musikal. Leitung: Peter Bauer,

Inszenierung: Alexander Irmer

ab 16. August 2017

Lucerne Festival

Wolfgang Amadeus Mozart:

Idomeneo

Flüchtlingschor „Zuflucht“, Philharmonia

Chor Stuttgart, Band-

Art Orchester, Musikal. Leitung:

Gordan Nikolić, Inszenierung:

Bernd Schmitt

27. August 2017

Münchner Opernfestspiele

Antonín Dvořák: Rusalka

Musikal. Leitung: Andris Nelsons,

Inszenierung: Martin Kušej

25. Juni 2017

Nürtingen, Opern-Air Festspiele

Georges Bizet: Carmen

Nürtinger Konzertensemble,

Musikal. Leitung: Hans-Peter

Bader, Inszenierung: Gerburg

Maria Müller

ab 21. Juli 2017

Opera Theatre Saint Louis

Wolfgang Amadeus Mozart:

La clemenza di Tito

Musikal. Leitung: Stephen Lord,

Inszenierung: Stephen Lawless

ab 10. Juni 2017

Salzburger Festspiele

Wolfgang Amadeus Mozart:

La clemenza di Tito

musicAeterna, Musikal. Leitung:

Teodor Currentzis, Inszenierung:

Peter Sellars

ab 27. Juli. 2017

Georg Friedrich Händel:

Ariodante

Les Musiciens du Prince, Monaco

Musikal. Leitung: Diego Fasolis,

Inszenierung: Christof Loy

2. und 5. Juni 2017 (Pfingstfestspiele)

und ab 16. August 2017

Kristine Opolais als Rusalka, Wiederaufnahme bei den Münchner Opernfestspielen 2017 (Foto: Wilfried Hösl)

Santa Fe Opera

Georg Friedrich Händel: Alcina

Musikal. Leitung: Harry Bicket,

Inszenierung: David Alden

ab 29. Juli 2017

Savonlinna Opera Festival

Wolfgang Amadeus Mozart: Die

Entführung aus dem Serail

Musikal. Leitung: Christoph Altstaedt,

Inszenierung: Katariina

Lahti

ab 7. Juli 2017

Solna, Ulriksdals slottsteater

Confidencen

Christoph Willibald Gluck:

Orfeo ed Euridice

Musikal. Leitung: Arnold Östman,

Choreographie: Bétina

Marcolin

ab 15. Juli 2017

28 [t]akte 1I2017 [t]akte 1I2017 29


[t]akte

1I2017

Termine (Auswahl)

Neue Aufnahmen April 2017 April 2017

April 2017

April 2017

Audio

Antonio Cesti

L‘Orontea

Frankfurter Opern und Museumsorchester,

Leitung: Ivor Bolton

Oehms

Georg Friedrich Händel

Tu fedel? Tu costante? and other

Italian cantatas

Yetzabel Arias Fernandez

(Sopran), Klaus Mertens (Bass),

Amsterdam Baroque Orchestra,

Leitung: Ton Koopman

Challenge

Sony Yoncheva – Händel

Arien aus Giulio Cesare, Alcina,

Rodelinda, Theodora, Agrippina,

Rinaldo

Sony Yoncheva (Sopran), Academia

Montis Regalis, Leitung:

Alessandro De Marchi

Sony

Wolfgang Amadeus Mozart

La clemenza di Tito

Academia Montis Regalis, Leitung:

Alessandro De Marchi

cpo

Mozart Arias

Regula Mühlemann (Sopran),

Kammerorchester Basel, Umberto

Benedetti Michelangeli

Sony

Bedřich Smetana

Mein Vaterland

Bamberger Symphoniker, Leitung:

Jakub Hrůša

Tudor

Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 2 c-Moll (1872)

Mozarteum Orchester Salzburg,

Leitung: Ivor Bolton

Oehms

Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 1

Deutsche Radio Philharmonie

Saarbrücken Kaiserslautern,

Leitung: Karel Mark Chichon

Hänssler Classic

Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 3 und 4

Deutsche Radio Philharmonie

Saarbrücken Kaiserslautern,

Leitung: Karel Mark Chichon

SWR music

Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 7

in: Michael Gielen Edition Vol. 4

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden

und Freiburg,

Leitung: Michael Gielen

SWR music

Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 9

Staatsphilharmonie Nürnberg,

Leitung: Marcus M. Bosch

coviello

Leoš Janáček

Taras Bulba

in: “my RSO II”

Radio Symphonie Orchester

Wien, Leitung: Jakub Hrůša

ORF

Andreas N. Tarkmann

Die Prinzessin auf der Erbse;

Der Mistkäfer

Juri Tetzlaff (Erzähler), Württembergisches

Kammerorchester

Heilbronn, Leitung: Ruben

Gazarian

coviello

Claude Lenners

Phaeton

Ortwin Stürmer (Klavier), Rundfunk-Sinfonieorchester

Saarbrücken,

Leitung: Gilbert Amy

Neos

Matthias Pintscher

bereshit; Uriel; songs from Solomon’s

garden

Eric-Maria Couturier (Violoncello),

Dimitri Vassilakis (Klavier),

Evan Hughes (Bariton), ensemble

intercontemporain, Leitung:

Matthias Pintscher

Outhere

Francesco Filidei

Killing Bach

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden

und Freiburg, Leitung:

François-Xavier Roth

NEOS

Audiovisuell

Jean Philippe Rameau

Dardanus (1739)

Produktion der Opéra National

de Bordeaux

Ensemble Pygmalion, Musikal.

Leitung: Raphael Pichon, Inszenierung:

Michael Fau

Oxymore

Georg Friedrich Händel

Alcina / Tamerlano

Produktionen des Théâtre de la

Monnaie, Brüssel

Les Talens Lyriques, Musikal.

Leitung: Christophe Rousset,

Inszenierung: Pierre Audi

Alpha Classics

1.4.2017 Montréal (McGill University)

Matthias Pintscher: Mar’eh

Hae Sun Kang (Violine), McGill

Contemporary Music Ensemble,

Leitung: Guillaume Bourgogne

1.4.2017 Plauen (Premiere)

Georges Bizet:

Les Pêcheurs de perles

Musikal. Leitung: Lutz de Veer,

Inszenierung: Jürgen Pöckel

1.4.2017 Radebeul (Premiere)

Giuseppe Verdi: La Traviata

Musikal. Leitung: Hinrich Horstkotte,

Inszenierung: Hans-Peter

Preu

2.4.2017 Palma de Mallorca

(Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Così fan tutte

Musikal. Leitung: Domenico Longo,

Inszenierung: Mario Martone

2.4.2017 Weimar

Andreas N. Tarkmann:

Ali Baba und die 40 Streicher

Staatskapelle Weimar, Leitung:

Dominik Beykirch

2.4.2017 Zürich (Premiere)

Jules Massenet: Werther (Erstaufführung

nach der Kritischen

Neuausgabe)

Musikal. Leitung: Cornelius

Meister, Inszenierung: Tatjana

Gürbaca

2.4.2017 Monte-Carlo (Festival

Printemps des Arts)

–> Miroslav Srnka:

moves 03 (Uraufführung)

Orchestre Philharmonique de

Nice, Leitung: Pierre-André Valade

4.4.2017 Berlin (Unerhörte Musik)

Charlotte Seither: Echoes of O‘s

for one or more performer(s)

Ulrike Brand, Violoncello

5./8.4.2017 Ulm

Georg Friedrich Händel:

Riccardo primo

Hassler Consort, Musikal. Leitung:

Franz Raml, Inszenierung:

Matthias Kaiser

6./7./9.4.2016 Hamburg (Elbphilharmonie)

–> Matthias Pintscher: shirim

(Uraufführung)

Bo Skovhus (Bariton), NDR Elbphilharmonie

Orchester,

Leitung: Christoph Eschenbach

6.4.2017 Graz (Universität für

Musik und darstellende Kunst)

Beat Furrer: XENOS; Szenen aus

Wüstenbuch

PPCM Klasse / Klangforum Wien

7.4.2017 Toulon (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Entführung aus dem Serail

Musikal. Leitung: Jurjen Hempel,

Inszenierung: Tom Ryser

7.4.2017 Bratislava (Premiere)

Fromental Halévy: La Juive

Musikal. Leitung: Robert Jindra,

Inszenierung: Peter Konwitschny

8.4.2017 Solothurn (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Lucio Silla

Musikal. Leitung: Predrag Gosta,

Inszenierung: Daniel Pfluger

8.4.2017 Cottbus (Premiere)

Lucio Gregoretti: Flüchtling

Musikal. Leitung: Gabriel Zinke,

Inszenierung: Hauke Tesch

14.4.2017 Berlin (Konzerthaus)

Hector Berlioz:

Grande messe des morts

Konzerthausorchester, Philharmonischer

Chor Berlin, Leitung:

Paul McCreesh

14.4.2017 Kassel

Hugo Wolf: Penthesilea

Staatsorchester Kassel, Leitung:

Patrik Ringborg

14.4.2017 Oldenburg

Georg Friedrich Händel:

La Resurrezione

Oldenburgisches Staatsorchester,

Leitung: Thomas Bönisch

15./17.4.2017 Straßburg

Hector Berlioz: Les Troyens

(konz.)

Orchestre Philharmonique de

Strasbourg, Chœur de l’Opéra

National du Rhin, Leitung: John

Nelson

15.4.2017 Dresden (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Entführung aus dem Serail

Musikal. Leitung: Christopher

Moulds, Inszenierung: Michiel

Dijkema

20.4.2017 Wien (Konzerthaus )

Dieter Ammann: Le réseau des

reprises (Österr. Erstaufführung)

Klangforum Wien, Leitung: Bas

Wiegers

20.4.2017 Tokyo (New National

Theatre – Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro

Musikal. Leitung: Constantin

Trinks, Inszenierung: Andreas

Homoki

21.4.2017 Düsseldorf

(Robert Schumann Hochschule)

Joseph Haydn:

Il mondo della luna

Leitung: Thomas Gabrisch, Inszenierung:

Peter Nikolaus Kante

26.4.2017 Florenz (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Idomeneo

Musikal. Leitung: Gianluca Capuano,

Inszenierung: Damiano

Michieletto

27./28./29.4.2016 München

(Gasteig)

Bohuslav Martinů: Serenade Nr. 2

Symphonieorchester des Bayerischen

Rundfunks, Leitung: Jiří

Bělohlávek

28.4.2017 Lübeck (Premiere)

Georg Friedrich Händel:

Ariodante

Musikal. Leitung: Andreas Wold,

Inszenierung: Wolf Widder

28./29./30.4.2017 Berkeley

(Zellerbach Hall)

Jean Philippe Rameau: Le Temple

de la gloire (1745, Erstaufführung

nach der kritischen Neuausgabe)

Philharmonia Baroque Orchestra,

Musikal. Leitung: Nicholas

McGegan, Inszenierung: Bruce

Lamott

29.4.2017 Berlin (Radialsystem V)

Hugues Dufourt: L’Europe

d’après Tiepolo

Ensemble KNM Berlin

29.4.2017 Gelsenkirchen

(Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Don Giovanni

Musikal. Leitung: Rasmus Baumann,

Inszenierung: Ben Baur

29.4.2017 Karlsruhe (Premiere)

Antonín Dvořák: Rusalka

Ballett des Staatstheaters

Karlsruhe, Choreographie: Jiří

Bubeníček

29.4.2017 Dresden (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Entführung aus dem Serail

Musikal. Leitung: Christopher

Moulds, Inszenierung: Michiel

Dijkema

29.4.2017 Bydgoszcz (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro

Musikal. Leitung: Marcin Sompoliński,

Inszenierung: Wojciech

Adamczyk

30.4.2017 Dresden (SemperZwei,

Semperoper)

Salvatore Sciarrino: 12 Madrigali

Ensemble auditivvocal

30.4.2017 Genf (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Così fan tutte

Musikal. Leitung: Hartmut

Haenchen, Inszenierung: David

Bösch

30 [t]akte 1I2017 [t]akte 1I2017 31


[t]akte

1I2017

Termine (Auswahl)

April / Mai 2017 Mai 2017 Mai 2017 Mai 2017

Mai 2017 Juni 2017

Juni 2017

Juni 2017

30.4.2017 Recklinghausen

(Erlöserkirche)

–> Charlotte Seither: Inschrift für

Chor und Orchester. Kommentar

zu Bach-Kantate BWV 4 „Christ

lag in Todes Banden“ (Uraufführung)

Hertener Kantorei, Mitglieder

Dortmunder Philharmonie,

Leitung: Elke Cernysev

1.5.2017 Köln (Festival Acht

Brücken)

–> Manfred Trojahn: Les dentelles

de Montmirail (Uraufführung)

Vokalensemble Köln, Ensemble

Modern, Leitung: Duncan Ward

2.5.2017 Lyon (Premiere)

Christoph Willibald Gluck:

Alceste

Musikal. Leitung: Stefano Montanari,

Inszenierung: Alex Ollé/

La Fura dels Baus

4./5.5.2017 Indianapolis (Hilbert

Circle Theatre)

Matthias Pintscher:

towards Osiris

Indianapolis Symphony Orchestra,

Leitung: Matthias Pintscher

(auch 6.5.2017 Carmel, Palladium)

5./6.5.2017 Sevilla

Claudio Monteverdi: L’Orfeo

Orquesta Barroca de Sevilla,

Musikal. Leitung: Karel Valter,

Inszenierung: Barbora Horáková

5.5.2017 Lüneburg (Premiere)

Antonín Dvořák: Rusalka/Die

kleine Meerjungfrau

Musikal. Leitung: Kanako Sekiguchi,

Inszenierung: Mareike

Zimmermann

6.5.2017 Magdeburg (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

La finta giardiniera

Musikal. Leitung: Svetoslav

Borisov, Inszenierung: Tobias

Heyder

6.5.2017 Neustrelitz (Premiere)

Georg Friedrich Händel: Serse

Musikal. Leitung: Jörg Pitschmann,

Inszenierung: Kornelia

Repschläger

6.5.2017 Münster

Hector Berlioz:

Grande messe des morts

Sinfonieorchester der Stadt, Konzertchor,

Philharmonischer Chor,

Capella Vocale Münster, Leitung:

Fabrizio Ventura

6.5.2017 Mailand (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Don Giovanni

Musikal. Leitung: Paavo Järvi,

Inszenierung: Robert Carsen

7.5.2017 Stuttgart (Premiere)

Benjamin Britten:

Death in Venice

Musikal. Leitung: Kirill Karabits,

Inszenierung: Demis Volpi

9./10.5.2017 Arhus

Charlotte Seither: Wanting to fly

Ramina Abdullah-Zadé (Sopran),

Alexandros Giovanos (Schlagzeug),

Ulrike Brand (Violoncello)

10.5.2017 Lille (Auditorium du

Nouveau Siècle)

Georges Bizet:

Les Pêcheurs de perles (konz.)

Orchestre National de Lille,

Leitung: Alexandre Bloch

(auch 12.5.2017 TCE Paris)

11.5.2017 Atlanta (Symphony Hall)

Christoph Willibald Gluck:

Orfeo ed Euridice (konz.)

Atlanta Symphony Orchestra,

Leitung: David Daniels

12.5.2017 Schwerin (Premiere)

Charles Gounod: Faust

Musikal. Leitung: Gregor Rot,

Inszenierung: Toni Burkhardt

12.5.2017 Paris (Espace Reuilly –

Premiere)

Emmanuel Chabrier: L’Étoile

Sänger und Orchester des Conservatoire

municipal Paul Dukas,

Musikal. Leitung: Jean-Michel

Ferran, Inszenierung: Didier

Henry

12.5.2017 York (Sir Jack Lyons

Concert Hall)

Beat Furrer: recitativo

Chimera Ensemble

12./14.5.2017 México (Ciudad)

Wolfgang Amadeus Mozart:

La finta semplice

Orquesta de Cámara de Bellas

Artes, Musikal. Leitung: José Luis

Castillo

13.5.2017 Salt Lake City (Capitol

Theatre – Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Don Giovanni

Utah Symphony Orchestra,

Musikal. Leitung: Christopher

Larkin, Inszenierung: Kristine

McIntyre

13.5.2017 Dresden (Staatsoperette

– Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro

Musikal. Leitung: Andreas Schüller,

Inszenierung: Axel Köhler

16.5.2017 Turin (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Zauberflöte

Musikal. Leitung: Asher Fisch,

Inszenierung: Roberto Andò

18.5.2017 München (Reaktorhalle

– Premiere)

Georg Friedrich Händel:

Giulio Cesare

Musikal. Leitung: Kristin von der

Goltz, Inszenierung: Waltraud

Lehner

19.5.2017 Würzburg (Hochschule)

Hugues Dufourt:

L’Afrique d’après Tiepolo

Studenten der HfM Würzburg,

Leitung: Robert HP Platz

19.5.2017 Brandenburg (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Entführung aus dem Serail

Musikal. Leitung: Ivo Hentschel,

Inszenierung: Martin Schüler

19./20.5.2017 Shanghai

(Symphony Hall)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Don Giovanni (konz.)

Shanghai Symphony Orchestra,

Leitung: David Stern

19.5.2017 Oldenburg

(Carl-von-Ossietzky-Universität)

Charlotte Seither: Corps croisé

Ensemble Horizonte

20.5.2017 Innsbruck (Premiere)

Christoph Willibald Gluck:

Orphée et Euridice

Musikal. Leitung: Seokwon

Hong, Inszenierung: Enrique

Gasa Valga

20.5.2017 Schwabach (Stadtkirche)

Georg Friedrich Händel:

Das Alexanderfest

Kammerchor der Uni Erlangen-Nürnberg,

L’Orfeo Barockorchester,

Leitung: Julian Tölle

20.5.2017 Chemnitz (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro

Musikal. Leitung: Felix Bender,

Inszenierung: Helen Malkowsky

23.5.2017 Orléans

Philipp Maintz: streichquartett

nr. 2 (Uraufführung)

Quatuor Diotima

24.5.2017 Augsburg

(Staatsgalerie Alte Meister)

Salvatore Sciarrino:

Gesualdo senza parole

Soundleaks, Leitung: Johannes

Gutfleisch

26.5.2017 Palermo (Premiere)

Jules Massenet: Werther

Musikal. Leitung: Omer Meir

Wellber, Inszenierung: Giorgia

Guerra

26.5.2017 Brno (Premiere)

Gioachino Rossini: Le comte Ory

Musikal. Leitung: Robert Kružík,

Pavel Šnajdr, Inszenierung:

Lenka Flory

27.5.2017 Darmstadt (Premiere)

Miroslav Srnka: South Pole

Musikal. Leitung: Johannes

Harneit, Inszenierung: Karsten

Wiegand

27.5.2017 Oldenburg (Premiere)

Georges Bizet: Carmen

Musikal. Leitung: Hendrik

Vestmann, Inszenierung: Robert

Leimeier

27.5.2017 Suhl

(Congress Centrum )

Georges Bizet: Carmen (konz.)

MDR Sinfonieorchester und

Rundfunkchor, Leitung: Risto

Joost

(auch 28.5.17 Leipzig)

28.5.2017 Berlin (Philharmonie)

–> Philipp Maintz: hängende

gärten (Uraufführung)

Deutsches Symphonie-Orchester

Berlin, Leitung: Christoph

Eschenbach

28.5.2017 Dortmund (Konzerthaus,

Klangvokal)

Gioachino Rossini:

Le comte Ory (konz.)

WDR Funkhausorchester, Rundfunkchor

Köln, Leitung: Giacomo

Sagripanti

30.5.2017 Prag (Experimental

Space NoD)

Miroslav Srnka: Porträtkonzert

PKF Prague Philharmonic

31.5.2017 Prag (Prague Spring)

Miroslav Srnka: Simple space

Tomáš Jamník (Violoncello), Frode

Haltli (Akkordeon)

1.6.2017 Dresden (Deutsches

Hygiene-Museum)

–> Charlotte Seither: Wenige Silben

vom Glück (Uraufführung)

Anna Palimina (Stimme)

1.6.2017 Wien (Konzerthaus)

Matthias Pintscher:

towards Osiris

ORF Radio-Symphonieorchester

Wien, Leitung: Matthias Pintscher

1.6.2017 Wien (St. Ursula)

–> Thomas Daniel Schlee: Ein Psalm

Davids op. 49 für Harfe und

Orgel; Psalm 128 für Sopran und

Orgel (Uraufführung), Introduktion,

Fantasie und Cantus für

Violine und Orgel (Uraufführung)

Tina Zerdin (Harfe), Marie-Antoinette

Stabentheiner (Sopran),

Anna Maria Dirnberger (Violine),

Ekaterina Kurmyshova, Zita Nauratyill

(Klavier), Benedikt Nudig,

Peter Tiefengraber und Johannes

Zeinler (Orgel)

€ = geb. Euro-Preis in Deutschland – Irrtum, Preisänderung und Lieferungsmöglichkeiten vorb.

3.6.2017 Dessau

Camille Saint-Saëns:

Samson et Dalila (konz.)

Anhaltische Philharmonie,

Opernchor Anhaltisches Theater,

Leitung: Elisa Gogou

3.6.2017 Essen (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

La clemenza di Tito

Musikal. Leitung: Tomás Netopil,

Inszenierung: Fréderic Buhr

3.6.2017 Trier (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Idomeneo

Musikal. Leitung: Wouter Padberg,

Inszenierung: N. N.

3./4.6.2017 Seoul (Premiere)

Georges Bizet: Les Pêcheurs de

perles

Musikal. Leitung: Sébastien Rouland,

Inszenierung: Jean-Louis

Grinda

Faksimile der autographen Partitur

in der Staatsbibliothek zu Berlin –

Preußischer Kulturbesitz

»Einer der grandiosesten künstlerischen Arbeitsprozesse,

die in der Musikgeschichte je dokumentiert worden sind«

Hans-Joachim Hinrichsen

3.6.2017 Tel Aviv (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro (konz.)

Israel Philharmonic Orchestra,

Leitung: Dan Ettinger

4.6.2017 Lausanne (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Don Giovanni

Musikal. Leitung: Diego Fasolis,

Inszenierung: Eric Vigié

4.6.2017 Silver Spring (Cultural

Arts Center)

Bohuslav Martinů: Konzert für

zwei Violinen und Orchester

Symphony of the Potomac, Musikal.

Leitung: Joel Lazar

9.6.2017 Leipzig (Peterskirche)

Benjamin Britten: Curlew River

MDR-Chor und Mitglieder des

MDR-Sinfonieorchesters, Leitung:

Risto Joost

Ludwig van Beethoven

Missa solemnis op. 123

Documenta musicologica II,51

Halbleder, gebunden

ISBN 978-3-7618-2395-8 · € 695,–

Von Hand eingeklebte

Ausklappseiten

Bärenreiter

www.baerenreiter.com

32 [t]akte 1I2017 [t]akte 1I2017 33


[t]akte

1I2017

Termine (Auswahl)

Termine (Auswahl)

Juni 2017 Juni 2017

Juli 2017 August 2017

September 2017 September 2017 September 2017

Oktober 2017

9.6.2017 New York (University)

Matthias Pintscher: Choc

Chimera Ensemble, Leitung:

John Stringer

10.6.2017 Basel (Premiere)

Georg Friedrich Händel: Alcina

Musikal. Leitung: Andrea Marcon,

Inszenierung: Lydia Steier

11.6.2017 Köln (Premiere)

Ludwig van Beethoven: Fidelio

Musikal. Leitung: Alexander

Rumpf, Inszenierung: Michael

Hampe

14.6.2017 Santiago de Chile

(Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro

Musikal. Leitung: Attilio Cremonesi,

Inszenierung: Pierre

Constant

15.6.2017 Mönchengladbach

(Premiere)

Christoph Willibald Gluck:

Orfeo ed Euridice

Musikal. Leitung: Werner

Ehrhardt, Inszenierung: Jakob

Peters-Messer

16.6.2017 Metz (Premiere)

Jacques Offenbach:

Les contes d‘Hoffmann

Musikal. Leitung: Jacques Mercier,

Inszenierung: Paul-Emile

Fourny

16.6.2017 Bratislava (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Entführung aus dem Serail

Musikal. Leitung: Peter Valentovič,

Inszenierung: Ján Ďurovčík

17.6.2017 Mailand (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Die Entführung aus dem Serail

Musikal. Leitung: Zubin Mehta,

Inszenierung: Mattia Testi

17.6.2017 Berlin (Pierre Boulez

Saal)

Matthias Pintscher: Mar’eh

Diégo Tosi (Violine), Ensemble

Intercontemporain, Leitung:

Matthias Pintscher

18.6.2017 Berlin (Komische Oper)

(Premiere)

Jean-Philippe Rameau: Zoroastre

(Erstaufführung nach der Neuausgabe

Opera Omnia Rameau)

Musikal. Leitung: Christian Curnyn,

Inszenierung: Tobias Kratzer

21.6.2017 Frankfurt (Oper)

Ernst Krenek: Fibonacci mobile

für Streichquartett

Ensemble Modern, Leitung:

Lothar Zagrosek

21.6.2017 Frankfurt (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Betulia liberata

Musikal. Leitung: Titus Engel,

Inszenierung: Philipp Gloger

23.6.2017 Paris (Radio France)

Jonathan Harvey:

Madonna of Winter and Spring

Orchestre Philharmonique de

Radio France, Leitung: Gegerly

Madaras

24.6.2017 Stuttgart (Liederhalle)

Bohuslav Martinů:

Rhapsody-Concerto

Stuttgarter Ärzteorchester,

Leitung: Arnold Waßner

24.6.2017 München (Staatstheater

am Gärtnerplatz – Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Don Giovanni

Musikal. Leitung: Marco Comin,

Inszenierung: Herbert Föttinger

24.6.2017 Köln (WDR Funkhaus)

–> Jean Barraqué:

Melos (Uraufführung)

WDR Sinfonieorchester, Leitung:

Michael Lavoie

27.6.2017 Paris (Théâtre des

Champs-Elysées)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Le nozze di Figaro (konz.)

Orchestre de chambre de Paris,

Leitung: Douglas Boyd

30.6.2017 Berlin (Schwartzsche Villa)

Charlotte Seither: Gran passo;

Far from distance

Martin Schneuing (Klavier),

Ensemble DTKV

1.7.2017 Koblenz (Festung Ehrenbreitstein)

(Premiere)

Georges Bizet: Carmen

Musikal. Leitung: Enrico Delamboye,

Inszenierung: Anja

Nicklisch

1./2.7.2017 Bad Kissingen

(Kissinger Sommer)

–> Charlotte Seither: Neues Werk

für Stimme und Klavier (Uraufführung)

Kimberley Böttger-Soller (Mezzosopran),

Axel Bauni (Klavier)

6.7.2017 München (Herkulessaal)

Salvatore Sciarrino: Cosa resta

(Uraufführung)

Arditti Quartett

7.7.2017 München (Herkulessaal)

Matthias Pintscher:

With lilies white

BR Symphonieorchester, Leitung:

Matthias Pintscher

8.7.2017 Karlsruhe (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

La clemenza di Tito

Musikal. Leitung: Gianluca

Capuano, Inszenierung: Patrick

Kinmonth

14.7.2017 Salzburg (St. Andrä)

Manfred Trojahn: Prélude

Nr. 7 – Le silence habité des

maisons (Österr. Erstaufführung)

Eung-Gu Kim, Klavier

16.7.2017 Duisburg

(Lehmbruck-Museum)

–> Manfred Trojahn: Göttinnen

(Uraufführung)

Michael Krüger (Sprecher), Hanni

Liang (Klavier)

11.8.2017 Wetzlar (Kloster Altenberg)

Wolfgang Amadeus Mozart:

La finta giardiniera

Musikal. Leitung: Martin Knell,

Inszenierung: N. N.

23.8.2017 Salzburg (Universität

Mozarteum – Premiere)

Joseph Haydn: Orlando Paladino

Musikal. Leitung: Kai Röhrig,

Inszenierung: Stephen Medcalf

24.8.2017 Berlin (Radialsystem)

Hugues Dufourt:

L’Asie d’après Tiepolo

Ensemble KNM Berlin

1.9.2017 Ostrava (Biennial Ostrava

Days)

Miroslav Srnka: Make No Noise

(Tschech. Erstaufführung)

Musikal. Leitung: Joseph Trafton,

Inszenierung: Johannes Erath

1.9.2017 Dresden (Semperoper)

Anton Bruckner: 1. Symphonie

(Linzer Fassung – Neue Anton

Bruckner Gesamtausgabe)

Sächsische Staatskapelle

Dresden, Leitung: Christian

Thielemann

(auch 2.9. Dresden, 4.9. Frankfurt,

6.9. München, 8.9. Wien,

11.9.2017 Mailand)

9.9.2017 Kassel (Premiere)

Umberto Giordano:

Andrea Chenier

Musikal. Leitung: Francesco

Angelico, Inszenierung: Michael

Schulz

9.9.2017 Magdeburg (Premiere)

Antonín Dvořák: Rusalka

Musikal. Leitung: N. N., Inszenierung:

N. N.

11.9.2017 Menaggio (Italien, Villa

Vigoni)

Tre acque con ombre für Ensemble

mdi ensemble Milano

14.9.2017 Basel (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Lucio Silla

Musikal. Leitung: Erik Nielsen,

Inszenierung: Hans Neuenfels

15.9.2017 Angers (Premiere)

Hector Berlioz:

La damnation de Faust

Musikal. Leitung: N. N., Inszenierung:

N. N.

16.9.2017 Halberstadt (Premiere)

Wolfgang Amadeus Mozart:

Idomeneo

Musikalische Leitung: Johannes

Rieger, Inszenierung: Rebekka

Stanzel

17.9.2017 Maastricht

Matthias Pintscher: bereshit

Het Spectra Ensemble, Leitung:

Philipp Rathé

19.9.2017 Bad Reichenhall

Thomas Daniel Schlee:

Sinfonia tascabile

Bad Reichenhaller Philharmonie,

Leitung: Christian Simonis

23.9.2017 Biberach (Premiere)

Ludwig van Beethoven: Fidelio

Capella Novanta, Musikal. Leitung:

Andreas Winter, Inszenierung:

Corinna Palm

23.9.2017 Passau (Premiere)

Joseph Haydn:

Il mondo della luna

Musikalische Leitung: Margherita

Colombo, Inszenierung: Aron

Stiehl

28.9.2017 Ulm (Premiere)

Charles Gounod: Faust

Musikalische Leitung: Joongbae

Jee, Inszenierung: Matthias

Kaiser

29.9.2017 Rouen (Premiere)

Vincenzo Bellini: Norma

Musikal. Leitung: Fabrizio Maria

Carminati, Inszenierung: N. N.

3.10.2017 Dresden (Premiere)

Hector Berlioz: Les Troyens

Musikal. Leitung: Lothar Koenigs,

Inszenierung: Lydia Steier

13.10.2017 Berlin (Kulturforum

St. Matthäi)

–> Charlotte Seither: Neues Werk

für Frauen-Vokalensemble

(Uraufführung)

Vokalensemble St. Matthäi,

Leitung: Lothar Knappe

15.10.2017 Köln (Philharmonie)

Andrea Lorenzo Scartazzini:

Kassiopeia (Deutsche Erstaufführung)

Ensemble Modern, Leitung: Paul

Daniel

(auch 7.11.2017 Frankfurt, Alte

Oper)

19.10.2017 Wien (Konzerthaus)

Thomas Daniel Schlee. Spes unica

(Österr. Erstaufführung)

ORF Radiosinfonieorchester

Wien, Leitung: Cornelius Meister

24.10.2017 Basel (Oekolampad-

Kirche)

–> Andrea Lorenzo Scartazzini:

Neues Werk für Streichquartett

(Uraufführung)

Quatuor Diotima

Telemann-Jahr 2017

Es gibt kaum eine Gattung, für die Telemann keine Werke verfasst –> hat. Zu zahlreichen der in

der Ausgabe »Telemann. Musikalische Werke« erschienenen Sonaten, Konzerten, Liedern,

Kantaten, Psalmen, Oratorien und Opern bietet Bärenreiter Aufführungsmaterial an.

Besuchen Sie unseren aktuellen Fokus auf

www.baerenreiter.com/im-fokus/telemann-jahr-2017/

34 [t]akte 1I2017 [t]akte 1I2017 35


[t]akte

Die MGG ist jetzt online

Die Verlage Bärenreiter und J. B. Metzler haben in

Partnerschaft mit Répertoire International de

Littérature Musicale (RILM) die Datenbank MGG Online

erstellt. Bärenreiter und J. B. Metzler sind für die Inhalte

verantwortlich und sorgen dafür, dass MGG Online

permanent aktualisiert und erweitert wird. Das

Fachwissen von RILM hat wesentlich zum innovativen

Design und zur komfortabel bedienbaren Plattform

der Datenbank beigetragen.

MGG Online — umfassendes Referenzwerk

und dynamische Enzyklopädie in einem:

• Vollständiger Inhalt der zweiten Auflage

der Musik in Geschichte und Gegenwart

• Fortlaufende Aktualisierungen und neue Artikel

• Maßgebende, umfassende Abdeckung aller Aspekte

der Musikwissenschaften

• Über 19.000 Artikel, verfasst von über 3.500

Autoren aus 55 Ländern

• Leistungsstarke Plattform mit den modernsten

Such- und Browse-Funktionen

• Artikel in allen vorhandenen Fassungen aufrufbar

• Automatische Übersetzung aus dem Deutschen

in über 100 Sprachen mittels integriertem

Google Translate

• Benutzerprofile zum Erstellen, Speichern und Teilen

von Anmerkungen und Hinweisen

• Querverweise auf verwandte Inhalte innerhalb der

MGG Online

• Links zu RILM Abstracts of Music Literature

• Interface-Kompatibilität mit Smartphone- und

Tablet-Geräten

MGG Online ist nun als Probe- und Jahresabonnement

erhältlich.

Für Informationen zum Abonnement für Institutionen

bzw. einem kostenlosen 30-Tages-Probeabonnement

siehe rilm.org/mgg-online/.

MGGGermanAd192.5mmX135mm.indd 1

2/9/17 8:38 AM

Impressum

[t]akte

Das Bärenreiter-Magazin

Redaktion:

Johannes Mundry

Bärenreiter-Verlag

Heinrich-Schütz-Allee 35

34131 Kassel · Deutschland

Tel.: 0561 / 3105-154

Fax: 0561 / 3105-310

takte@baerenreiter.com

Erscheinen: 2 x jährlich

kostenlos

Internet

www.takte-online.com

Graphik-Design:

www.takeoff-ks.de

Kontakt

Bestellungen Leihmaterial:

Bärenreiter · Alkor

Alkor-Edition Kassel GmbH

Heinrich-Schütz-Allee 35

34131 Kassel · Deutschland

Tel.: 0561 / 3105-288/289

Fax: 0561 / 3 77 55

order.alkor@baerenreiter.com

www.alkor-edition.com

Promotion:

Dr. Ulrich Etscheit

Tel.: 0561 / 3105-290

Fax: 0561 / 318 06 82

etscheit.alkor@

baerenreiter.com

Projektleitung Neue Musik:

Dr. Marie Luise Maintz

Tel.: 0561 / 3105-139

Fax: 0561 / 3105-310

maintz@baerenreiter.com

Bärenreiter Praha

Leihabteilung:

Perunova 1412/10

130 00 Praha 3 · Tschechische

Republik

Tel.: 00420 274 001 925/928

Fax: 00420 272 652 904

hire@baerenreiter.cz

(SPA 51/22)

36 [t]akte 1I2017

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine