Museumszeitung, Ausgabe 44 vom 4. Dezember 2012

museumszeitung.de

Museumszeitung, Ausgabe 44 vom 4. Dezember 2012

museumszeitung 04/2012

Ausgabe 44

Germanisches Nationalmuseum | Neues Museum in Nürnberg | museen der stadt nürnberg | Fränkisches Freilandmuseum | DB Museum Nürnberg | Museum für Kommunikation Nürnberg

Veer Towers, Las Vegas, 2006–2010

Foto: Rainer Viertlböck

Aus dem Inhalt

02

03

06

08

10

11

4. Dezember 2012

11. März 2013

Fränkisches

Freilandmuseum

• Dauernd ausgestellt:

Menschen in Häusern

• Krippe in neun Szenen:

Fränkische Krippe aus 200 Figuren

• Winter im Museum

Germanisches

Nationalmuseum

• Tagträume – Nachtgedanken.

Phantastische Bildwelten aus

fünf Jahrhunderten

• Vorschau: Richard Wagner

• Der Alles-Könner Henry van de Velde

• Sammlung 20. Jahrhundert

wieder offen

• Wunderwelt der Tropen

Neues Museum in Nürnberg

• Helmut Jahn – Architekt und

Visionär: Große Ausstellung zum

Gesamtwerk in Fotografien,

Zeichnungen und Modellen

• Ausstellung ars viva 12/13 – Systeme

• St. Martin im Ausverkauf

Umfangreiche Präsentation der

Cit Art Foundation

museen der Stadt Nürnberg

• „100 Jahre Schuco-Spielzeug“ im

Spielzeugmuseum

• „Hans Sachs, Richard Wagner und

der Nürnberger Meistergesang“

im Stadtmuseum Fembohaus

• „Tief im Burgberg“:

Der „Historische Kunstbunker“

wird nach Umbau wiedereröffnet

DB Museum

• Bald ist es so weit: Das neue

Kinder-Bahnland öffnet seine

Pforten

• Interview mit der Agentur Kwod,

Planer des neuen Kinderbereichs

Museum für Kommunikation

• Neue Attraktion: Die rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen

Kunsthandwerkers Sennedjem

• Festveranstaltung „Neunzig Jahre

Postgeschichtsforschung in Bayern“

am 6.12.2012


museumszeitung 04/2012

Ausgabe 44

Germanisches Nationalmuseum | Neues Museum in Nürnberg | museen der stadt nürnberg | Fränkisches Freilandmuseum | DB Museum Nürnberg | Museum für Kommunikation Nürnberg

Veer Towers, Las Vegas, 2006–2010

Foto: Rainer Viertlböck

Aus dem Inhalt

02

03

06

08

10

11

4. Dezember 2012

11. März 2013

Fränkisches

Freilandmuseum

• Dauernd ausgestellt:

Menschen in Häusern

• Krippe in neun Szenen:

Fränkische Krippe aus 200 Figuren

• Winter im Museum

Germanisches

Nationalmuseum

• Tagträume – Nachtgedanken.

Phantastische Bildwelten aus

fünf Jahrhunderten

• Vorschau: Richard Wagner

• Der Alles-Könner Henry van de Velde

• Sammlung 20. Jahrhundert

wieder offen

• Wunderwelt der Tropen

Neues Museum in Nürnberg

• Helmut Jahn – Architekt und

Visionär: Große Ausstellung zum

Gesamtwerk in Fotografien,

Zeichnungen und Modellen

• Ausstellung ars viva 12/13 – Systeme

• St. Martin im Ausverkauf

Umfangreiche Präsentation der

Cit Art Foundation

museen der Stadt Nürnberg

• „100 Jahre Schuco-Spielzeug“ im

Spielzeugmuseum

• „Hans Sachs, Richard Wagner und

der Nürnberger Meistergesang“

im Stadtmuseum Fembohaus

• „Tief im Burgberg“:

Der „Historische Kunstbunker“

wird nach Umbau wiedereröffnet

DB Museum

• Bald ist es so weit: Das neue

Kinder-Bahnland öffnet seine

Pforten

• Interview mit der Agentur Kwod,

Planer des neuen Kinderbereichs

Museum für Kommunikation

• Neue Attraktion: Die rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen

Kunsthandwerkers Sennedjem

• Festveranstaltung „Neunzig Jahre

Postgeschichtsforschung in Bayern“

am 6.12.2012


museumszeitung 04/2012

Ausgabe 44

Germanisches Nationalmuseum | Neues Museum in Nürnberg | museen der stadt nürnberg | Fränkisches Freilandmuseum | DB Museum Nürnberg | Museum für Kommunikation Nürnberg

Veer Towers, Las Vegas, 2006–2010

Foto: Rainer Viertlböck

Aus dem Inhalt

02

03

06

08

10

11

4. Dezember 2012

11. März 2013

Fränkisches

Freilandmuseum

• Dauernd ausgestellt:

Menschen in Häusern

• Krippe in neun Szenen:

Fränkische Krippe aus 200 Figuren

• Winter im Museum

Germanisches

Nationalmuseum

• Tagträume – Nachtgedanken.

Phantastische Bildwelten aus

fünf Jahrhunderten

• Vorschau: Richard Wagner

• Der Alles-Könner Henry van de Velde

• Sammlung 20. Jahrhundert

wieder offen

• Wunderwelt der Tropen

Neues Museum in Nürnberg

• Helmut Jahn – Architekt und

Visionär: Große Ausstellung zum

Gesamtwerk in Fotografien,

Zeichnungen und Modellen

• Ausstellung ars viva 12/13 – Systeme

• St. Martin im Ausverkauf

Umfangreiche Präsentation der

Cit Art Foundation

museen der Stadt Nürnberg

• „100 Jahre Schuco-Spielzeug“ im

Spielzeugmuseum

• „Hans Sachs, Richard Wagner und

der Nürnberger Meistergesang“

im Stadtmuseum Fembohaus

• „Tief im Burgberg“:

Der „Historische Kunstbunker“

wird nach Umbau wiedereröffnet

DB Museum

• Bald ist es so weit: Das neue

Kinder-Bahnland öffnet seine

Pforten

• Interview mit der Agentur Kwod,

Planer des neuen Kinderbereichs

Museum für Kommunikation

• Neue Attraktion: Die rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen

Kunsthandwerkers Sennedjem

• Festveranstaltung „Neunzig Jahre

Postgeschichtsforschung in Bayern“

am 6.12.2012


02

Rechts: Das Ebner Jesulein,

oben der Rohling,

unten die fertige Figur.

Unten: Die Geburt

Christi aus dem

Krippenzyklus von

Norbert Tuffek

Fränkisches Freilandmuseum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Menschen im Haus – eine Spurensuche

Zur Darstellung der Besitzer- und Bewohnergeschichte in den Museumshäusern

Zu den Aufgaben des Fränkischen Freilandmuseums

des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim

gehört es, nicht nur die bauhistorische Entwicklung

der versetzten Gebäude zu erforschen, sondern auch

der Bewohnergeschichte nachzuspüren. Es ist also

nicht nur die technische Seite des Hauses von Bedeutung,

sondern auch die Sozialgeschichte, denn: Was

wären die Häuser ohne die ehemaligen Bewohner,

ohne die „Menschen im Haus“? Und dann stellt sich

die Frage: Wie gebe ich die gewonnenen Erkenntnisse

an die Besucher weiter?

In dem erst kürzlich neu eröffneten Bauernhaus

aus Reichersdorf (Landkreis Roth) ist ein ganzer

Raum den „Menschen im Haus“ gewidmet. Wie viele

Menschen waren es eigentlich, die in diesem Haus

geboren und aufgewachsen sind? Was ist geblieben

von ihnen, an Informationen, möglicherweise auch

an Fotografi en? Es war eine Spurensuche, die uns –

neben Gesprächen mit den letzten Bewohnern – vor

Visualisierung der ehemaligen Bewohner im Bauernhaus aus Reichersdorf

(oben) und im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld Alle Fotos: Ute Rauschenbach

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Norbert Tuffek muss ein „Ver-rückter“ im besten

Sinne des Wortes sein. Wie anders wäre seine immense

Leidenschaft zu erklären, seit über 12 Jahren

fortgesetzt an einem Krippenzyklus zu arbeiten, der

mittlerweile über 200 Figuren umfasst? Aber das ist

noch lange nicht alles: Der gelernte Holzbildhauermeister

aus Wendelstein bemerkte beim Anfertigen

allem ins Archiv führte, zu den Kirchenbüchern, die

Aufschluss geben über Geburt, Taufe, Konfi rmation,

Eheschließung, Tod und Sterben – in einer Zeit, als es

noch keine Einwohnermeldeämter gab. Für den „Zuckerhof“,

so der alte Hofname, sind seit der Bauzeit

um 1500 fünfzehn Generationen nachzuweisen.

Alle Familienangehörigen, die wir ab etwa 1700

sicher nachweisen konnten, haben wir in der Kammer

gegenüber der Stube auf Bannern vorgestellt.

Die Informationen geraten umso spärlicher, je weiter

sie zurückreichen. Oft sind es nur die Daten von

Geburt und Tod, die von einem Menschenleben übrig

geblieben sind. Und wie viel Kummer und Gram hier

in diesem Haus erlitten wurde, zeigen die vielen Einträge

von früh verstorbenen Kindern. Zu Beginn des

19. Jahrhunderts überlebten von den sieben Kindern

der Margaretha Hussendörfer nur die älteste Tochter

und ein Sohn. Auch die Todesursachen sind bisweilen

benannt. So starb Kunigunda Hussendörfer 1866

mit elf Jahren an Luftröhrenvereiterung, wie es im

Kirchenbuch heißt.

Im 2002 im Freilandmuseum eröffneten Bauernhaus

aus Kleinrinderfeld (Landkreis Würzburg) steht

das Leben der letzten Bewohnerin Hildegard Borst

im Mittelpunkt. Mittels zweier vom Bayerischen

Rundfunk produzierter Hörstationen geht es um

eine unglaubliche Geschichte: Weil sie es nicht verwinden

konnte, dass ihr Bruder – der Hofi nhaber –

im Zweiten Weltkrieg vermisst blieb, konservierte sie

den Zustand im Haus. Der Bruder sollte nach seiner

Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft das Haus so

vorfi nden, wie er es verlassen hatte. So blieb die Zeit

stehen auf dem „Simonshof“, fast 50 Jahre lang – ein

wirklicher Glücksfall für ein Freilichtmuseum.

Es gibt einen auffälligen Bruch innerhalb des

Kleinrinderfelder Hauses: Während die Stuben und

die meisten Kammern sowie die Küche und die Flure

durch die Fülle der überlieferten Ausstattung beeindrucken,

sind im Obergeschoss einige Räume fast

vollkommen leer. Hier haben während des Zweiten

Weltkrieges Zwangs- und Fremdarbeiter gewohnt,

danach Ausgebombte und Vertriebene, die nach

dem Auszug Mitte der 1950er Jahre die Möbel und

der halbmetergroßen Gliederfi guren und

beim Schneidern Schneidern der prächtigen Gewänder,

dass dass diese nur mit Goldbesätzen Goldbesätzen so richtig richtig

wirken. Doch woher diese bekommen,

ohne auf industrielle Massenware zurückgreifen

zu müssen? Das Rohmaterial,

das fein gezogene „Gespinst“,

entdeckte er in einem Spezialgeschäft.

Aber wer konnte das zu einer fertigen

Spitze verarbeiten? Norbert Tuffek suchte

und probierte, probierte, fand aber keinen Spezialisten,

der genau genug auf seine Wünsche

und Vorstellungen einging. Also blieb wohl

nur selbst machen. machen. Er belegte kurzerhand

kurzerhand

einen Klöppelkurs in der nahe gelegenen

Klöppelschule Abenberg und fertigt fertigt nun die

Goldspitzen passgenau selber an. Die prächtigen

Stoffe für die Gewänder der Figuren bezieht

er aus abgetragenen Messgewändern.

Interessant ist, dass diese bei jahrelangem

Gebrauch meist meist in Bauchhöhe Bauchhöhe durch das das FalFaltenten der der Hände zum Gebet häufi g abgenutzt

sind, im Schulter- oder Beinbereich für die

Zwecke des Bildhauermeisters aber

noch bestens taugen.

Besuch im Atelier des Künstlers

Es riecht ein wenig nach Farbe, vermischt

mit dem Wohlgeruch von frisch

verarbeitetem Holz, beim Betreten der

großen, hellen Werkstatt. Norbert Tuffek

arbeitet in der Vorweihnachtszeit

an einem Christkind, das dem „Ebner

Jesulein“ so exakt wie möglich nachemp-

funden ist. Der Typus geht zurück auf

die Nonne und Schriftstellerin Margareta

Ebner, Ebner, die die um um 1300 1300 im im Kloster Maria Maria MeMedingendingen bei Dillingen lebte und die die älteste älteste

heute heute noch erhaltene Jesuleinfi gur umhegt umhegt

haben haben soll. Das „Gnadenkind Jesu zu Maria

Kirchheim“ ist eine prunkvoll ausgestatte-

ausgestatte-

Die „Gute Stube“ der letzten Hausbewohnerin im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld

sonstige Ausstattung mitgenommen haben. Selbst

durch die Befragung von Zeitzeugen war nur wenig

über diese Hausbewohner zu erfahren – gerade mal

die Namen, bei den Zwangs- und Fremdarbeitern

sogar nur die Vornamen. Was von diesen Menschen

auf ihrer Durchgangsstation im Simonshof blieb,

sind undeutliche Konturen, Schatten.

Eine gut dokumentierte und ansprechend präsentierte

Besitzer- und Bewohnergeschichte kann ein

versetztes Haus für Besucher so richtig lebendig machen.

Dabei kommt es auf Fingerspitzengefühl an.

Die Räume sollen möglichst „original“ präsentiert

werden, andererseits aber auch Informationen mit

modernen Ausstellungstechniken weitergeben –

eine Herausforderung, der sich Ausstellungsmacher

gerne stellen. Auch weitere gelungene Beispiele

zur Dokumentation von Besitzergeschichten laden

zu einem Museumsbesuch ein, z.B. die Vermittlung

eines Doppelmordes von 1921 im Seldenhaus aus

Obermässing oder der Arbeit des Bienenforschers

Johann Witzgall, der um 1900 als Schullehrer mit

seiner Familie im Schulhaus wirkte.

Herbert May

te, hölzerne Jesuskindfi gur, die einen Vogel in

der Hand hält eine Anspielung auf das erste

Wunder des kleinen Jesus, der einen Vogel

aus Ton zum Fliegen gebracht haben soll –

so berichten es die Apokryphen. Eine andere

Deutung geht auf den Stieglitz zurück, der

laut Legende dem Gekreuzigten die Dornen

aus dem Kopf zieht – in der Hand des

Jesuleins eine Vorwegnahme der Passion.

Prächtige Szenerien zur Geburt Christi

Die Werkstatt ist zugleich auch Ausstellungsraum

– und hier fällt der Blick des

Besuchers auf die prächtige Krippendarstellung,

die in Kürze eingepackt wird und

als eine der neun Szenerien ab Dezember in

der Spitalkirche im Fränkischen Freilandmuseum

zu sehen sein wird. Museumsleiterin

Dr. Andrea K. Thurnwald wurde auf den Krip- Krippenzyklus

aufmerksam, der im Jahr zuvor in

Wendelstein ausgestellt war und orderte ihn

für das Museum Kirche in Franken – wo sollte

er besser hinpassen? Beeindruckend ist die

Detailliebe und die handwerkliche Perfektion

bei eigener Handschrift, mit der Norbert Tuf- Tuffek

den Krippenzyklus gestaltet hat. Doch

nicht nur die Figuren, auch die Umgebung,

in der sie agieren, ist aufwendig gestaltet.

Die Einteilung der Szenen ist traditionell:

zu sehen sind die Verkündigung an Maria,

der Besuch Marias bei Elisabeth, Maria

durch ein Dornwald ging, die Herbergssuche,

die Anbetung der Engel, die Anbetung

der Hirten und Könige, die Beschneidung

Christi, die Darstellung im Tempel und die

Flucht nach Ägypten.

Geöffnet ist das Museum Kirche in Franken

täglich außer montags noch bis 16. Dezember,

danach am 25., 26., 30. Dezember sowie 1. und 6.

Januar jeweils von 11–16 Uhr.

Ute Rauschenbach

Termine

Veranstaltungen

Advent in fränkischen Bauernstuben

mit Stubenmusik, Gesang, Geschichten

und Gedichten, Kartoffellebkuchen und

Plätzchen, Kaffee und Glühwein. Verkauf

von Weihnachtsbaumschmuck, handgeschnitzten

Backmodeln, Krippen, Kränzen,

Keramik, handgefertigten Fleckerlteppichen,

Filzfi guren, Gestricktem aus handgesponnener

Schafwolle.

So, 9. und 16.12. (2. und 3. Advent),

12–16 Uhr

Museumsweihnacht

Jahresausklang mit dem Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum e.V. rund um

die Mühle aus Unterschlauersbach.

So, 9.12., 12–16 Uhr

Weihnachtsspiel „Empfängnis und

Geburt Christi“

Die Theatergruppe Eschenbach inszeniert

das historische Weihnachtsspiel von Hans

Sachs in der abendlichen Dämmerung des

Seubersdorfer Hofes. Mit dabei: die Aurataler

Sänger, die Eschenbacher Hausmusik und

der Museumsschäfer mit seinen Schafen,

Ochs und Esel.

So, 16.12., 16 Uhr

Winteröffnungstage

Verschneite Bauernhäuser, Eiszapfen an

hölzernen Dachrinnen und glitzernde Winterlandschaft.

Für Fotofreunde bieten sich

wunderbare Motive – mit etwas Glück!

So, 30.12. und 6.1.2013, 10–16 Uhr

Konzerte

Spitalkonfekt: Fränkische Weihnacht

Lesung der Weihnachtsgeschichte, begleitet

von den Bad Windsheimer Sängern und

Spielleut`. Veranstalter: Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum. Eintritt frei,

Spenden erbeten.

So, 9.12., 16.30 Uhr, Museum Kirche in

Franken

Ausstellungen

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Krippenzyklus in neun Bildern mit über 200

Figuren von Norbert Tuffek im Museum

Kirche in Franken

täglich Di – So bis 16.12.12 und 25., 26.,

30.12., sowie 1. und 6. Januar jeweils

11–16 Uhr

Umbruchzeit

Die 1960er bis 1970er Jahre auf dem Land

noch bis So, 16.12., Di – So, 10–16 Uhr

Saisonstart nach der Winterpause:

Sa, 9.3.13

Weitere Infos unter

www.freilandmuseum.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Germanisches Nationalmuseum

03

Tagträume – Nachtgedanken

hantasie und Phantastik in Graphik und Photographie führt zu den Wurzeln der Surrealisten

Hannah Höch: Der Strauß, 1929/65,

Germanisches Nationalmuseum © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

„Er ist so schön … wie die unvermutete Begegnung

einer Nähmaschine und eines Regenschirms

auf einem Seziertisch!“ Diese sinnwidrige Metapher

für die Schönheit eines

Jünglings aus Lautréamonts

„Les Chants de

Maldoror“ aus dem Jahr

1870 regte die Surrealisten

der 1920er Jahre

zu ihren phantastischen

Bildgedanken an.

Um die Wurzeln der Moderne,

speziell der Kunst

der Surrealisten, geht es

auch in der aktuellen Sonderausstellung„Tagträume

– Nachtgedanken“. Als Modell diente Alfred H.

Barrs 1936/37 im Museum of Modern Art, New York,

veranstaltete legendäre Ausstellung „Fantastic Art,

Dada, Surrealism“. Unter diesem Titel zeigte der

Gründungsdirektor des MoMA Werke seiner Zeitgenossen

in der Gegenüberstellung mit Arbeiten von

u.a. Bosch, Arcimboldo, Piranesi, Hogarth, Goya,

„Die Meistersinger von Nürnberg“ ist Richard

Wagners (1813–1883) längste, heiterste und meist

rezipierte Oper, die er selbst mehrfach als sein bestes

Werk bezeichnete. Anlässlich des 200. Geburtstags

des großen Komponisten holt das Germanische

Nationalmuseum die Originalpartitur aus dem

Tresor und zeigt sie ab dem 21. Februar im Rahmen

einer Studioausstellung.

In den 1868 in München uraufgeführten

Meistersingern stellt

Wagner die ideale deutsche

Stadt einer großen deutschen

Vergangenheit dar.

Überraschenderweise

wurde dem Verhältnis

Wagners zum

realen Nürnberg des

19. Jahrhunderts

bislang nur wenig

Aufmerksamkeit geschenkt.

Dabei kam

Wagner mehrfach

in die Frankenmetropole,

in der zeitweise

seine Schwester Clara

mit ihrem Mann Heinrich

Wolfram lebte. Hier

besuchte er das neue Stadttheater

und hörte in der Oper „Die

Schweizerfamilie“ von Joseph Weigel

die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient.

Als 16-Jähriger hatte er sie zum ersten Mal in Beethovens

„Fidelio“ in Leipzig erlebt und (angeblich)

daraufhin beschlossen, Musiker zu werden. Das

Wiederhören in Nürnberg hinterließ einen weiteren

prägenden Eindruck.

Grandville. Die Zusammenschau verhalf dem Surrealismus

zu einem historischen „Stammbaum“. Ohne

Zweifel hatten die psychische Sensibilität und die

künstlerischen Methoden

der Surrealisten den Blick

auf eine lange Tradition

subjektiv-phantastischer

Kunst geöffnet, die vom

Spätmittelalter über den

Manierismus und den

Barock bis in die Moderne

reicht.

Diese Tradition greift

die Ausstellung im GermanischenNationalmuseum

auf, die noch bis

zum 3. Februar zu sehen ist. Sie zeigt überwiegend

Blätter aus den reichen Beständen der eigenen

Graphischen Sammlung, von der Mitte des 15. Jahrhunderts

bis etwa 1945. Auch hier sollen die Motivzusammenhänge

epochenübergreifend verfolgt

werden, gegliedert in einzelne Themenbereiche.

Trotz vergleichbarer Darstellungen, die Motivati-

Teils lapidar, teils amüsiert, aber auch mit einem

gewissen Unwillen schildert der Musiker Anekdoten

und Erlebnisse während seiner Aufenthalte. In

epischer Breite beschreibt er zum Beispiel mit einer

Wirtshausrauferei ein eher banales Ereignis, das

ihn jedoch später zur „Prügelszene“ in den „Meistersingern“

inspirieren wird. In der Ausstellung

hinterfragen zeitgenössische Nürnberger

Stadtansichten das romantisierende

Bild, das Wagner zeichnete,

denn schon damals gab es

sowohl winklige Gassen

als auch weite, offene

Plätze. Die Ausstellung

verdeutlicht

die verschiedenen

Selbstbilder Nürnbergs

zwischen

mittelalterlichem

Mythos und modernemHandelszentrum.

Auch das damals

noch junge „Germanische

Museum“ sah

Wagner. Am 10. August

1861 stand es neben allerlei

Nürnberger „Merkwürdigkeiten“

auf dem Programm, das

er gemeinsam mit einem befreundeten

Journalisten und Politiker Emile Ollivier

und dessen Frau Blandine, der älteren Tochter von

Franz Liszt, absolvierte. Als sechzehnter von rund

50 Besuchern trug sich Wagner in das Besucherbuch

des Hauses ein, das das befreundete Ehepaar

ein wenig pikiert als „armselig“ bezeichnete.

Francisco de Goya: Der Schlaf/Traum der Vernunft

gebiert Ungeheuer, 1799, Privatbesitz

on der Künstler variierte: Von der Höllenangst des

christlichen Mittelalters über die Begeisterung der

Neuzeit für naturwissenschaftliche, speziell optische

Phänomene bis hin zu den Ausbrüchen des

Unbewussten im Zeitalter der Vernunft.

Das Auge spielt als Bildgegenstand eine zentrale

Rolle. Seine Beschreibung als Organ der Wahrnehmung

und Spiegelung psychischer Zustände ist eine

Erkenntnis des 18. Jahrhunderts. Damals wurde seine

Anatomie und Funktionsweise zu einem Gegenstand

der Wissenschaft. Das Auge entwickelte sich

zum Symbol für Vernunft und Erkenntnis, zugleich

gilt es bis heute als Spiegel der Seele oder Sinnbild

innerer Zustände.

Hannah Höch stellte ihre 1929 begonnene Collage

„Der Strauß“ erst 1965 fertig. Aus Zeitungsausschnitten

gestaltete sie ein buntes Blumenbouquet,

als Blüten setzte sie zahlreiche Augen ein: weibliche

und männliche, braune, blaue und grüne, rechte

und linke. Sie vertreten nicht nur einunddreißig

verschiedene Individuen, sie nehmen auch einunddreißig

verschiedene Blickrichtungen ein und

schauen aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihr

Umso interessanter ist deshalb die Tatsache,

dass, bei allem anfänglichen Desinteresse, die Originalpartitur

der Meistersinger im Jahr 1902, kaum

20 Jahre nach Wagners Tod, ihre endgültige Heimat

ausgerechnet in Nürnberg, im Germanischen Nationalmuseum

fand.

Die Studioausstellung zeigt die mehr als 400

Seiten umfassende Wagner-Handschrift der Meistersinger.

Zudem erzählt sie mittels Autographen,

Gegenüber und ihre Umwelt. Höch, die zum engen

Kreis der Berliner Dadaisten gehörte und politisch

dachte, wollte die Gesellschaft in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit

erfassen. So lässt die Künstlerin

„ihren Blick“ schweifen und bezieht diverse Positionen,

um den sich daraus ergebenden Ausschnitt zu

verifi zieren und verschiedene Haltungen zur Welt

zu demonstrieren.

Daneben galt auch der Traum zu allen Zeiten und

in allen Kulturen als Fenster zu überirdischen Mächten.

Der Traum offenbarte göttliche Weissagungen,

visionäre Blicke in die Zukunft, Erkenntnisse, Ratschläge

und Erweiterungen des Bewusstseins – oft

diente er in Überlieferungen als Brücke zwischen irdischer

und überirdischer Sphäre. Goya zeigt in seiner

Aquatinta „Der Schlaf/Traum der Vernunft gebiert

Ungeheuer“ den Künstler selbst, der erschöpft

an seinem Arbeitstisch eingeschlafen ist. Um ihn

her wimmelt es von dämonischen Nachttieren, die

als dunkle Schatten aus seinen Alpträumen aufsteigen.

Die inneren Gedankenspiele manifestieren sich

ganz real und werden zu ihn bedrohlich umgebenden

Dämonen.

Erläutern und erzählen lässt sich viel zu diesen

phantastischen Bildwelten. Öffentliche Führungen

fi nden jeden Mittwochabend um 18 Uhr und jeden

Sonntag um 14 Uhr statt. Ein besonderes Angebot

gibt es außerdem jeden Mittwoch um 19.15 Uhr:

Die „Nachtgedanken“ richten sich an Besucher, die

sich gerne mit in die Führung einbringen möchten.

In kleinen Gruppen wird in gemeinsamem Gespräch

ein Exponat betrachtet und diskutiert. Persönliche

Sichtweisen und Ideen sind willkommen, statt eines

Monologs soll ein fruchtbarer Dialog entstehen.

Wagner – Nürnberg – Meistersinger: Das Nürnberg seiner Zeit

zeitgenössischen Graphiken und Objekten die Geschichte

des Werks und der Partitur in ihrem Verhältnis

zu Nürnberg.

Anhand des individuellen Zeugnisses des „Weltreisenden“

in Sachen Musik wird außerdem exemplarisch

sichtbar, welchen Bedeutungswandel das

Germanische Nationalmuseum zwischen Wagners

Besuch 1861 und der Übergabe der Partitur im Jahr

1902 erfuhr.

Paul Ritter: Refectorium im ehemaligen Kartäuserkloster, 1857, Germanisches Nationalmuseum

Links: Michael Wolgemut:

Tanz der Skelette,

1493

Unten: Wendel Dietterlin:

Phantastische

Ornamentfi guren, 1615,

Germanisches Nationalmuseum

Links: Johann Lindner:

Brustbild des Dirigenten

und Komponisten

Richard Wagner, 1871

Germanisches Nationalmuseum


04 Germanisches Nationalmuseum

Oben: Henry van de

Velde: Sezessions-

Schreibtisch, 1899

Rechts: Henry van de

Velde: „Also sprach

Zarathustra“, 1908,

beides Germanisches

Nationalmuseum

Rechts: Tee-Extrakännchen,

nach einem

Entwurf von Marianne

Brandt, Bauhaus-Werkstatt,

nach 1924,

Germanisches Nationalmuseum

Unten: Blick in die neu

gestaltete Sammlung des

20. Jahrhunderts

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde aus den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums

Fällt der Name Henry

van der Velde (1863–1957), hat vermutlich

jeder diverse Objekte vor Augen,

und dennoch jeder ein ganz eigenes Bild von

dem Jugendstil-Künstler. Dies mag daran liegen,

dass das Werk van de Veldes nicht nur ungemein

umfangreich, sondern auch überaus vielfältig ist.

Malerei und Zeichnung standen am Anfang seines

Schaffens, doch folgten schon bald erste typografi

sche Arbeiten sowie Werke der Architektur und

Innenausstattung. Zu letzteren zählen Möbel, Lampen,

Tapeten, Teppiche und Bodenfl iesen. Aber auch

Geschirr, Besteck, Tafelgerät, Leuchter, Schmuck,

Stoffe, Kleider und vieler weiterer Gegenstände des

täglichen Lebens nahm er sich an.

Parallel zu diesen Dingen widmete sich van de

Velde während seines mehr als fünfzigjährigen

Schaffens der Theorie, indem er sich als Autor und

Lehrer der Vermittlung seines „neuen“ Stils und dessen

Voraussetzungen verschrieb. So veröffentlichte

er bereits in den frühen 1890er Jahren erste theoretische

Abhandlungen. Zahlreiche Essays zur und

über die zeitgenössische Kunst sollten folgen. Auch

als Lehrender war sein Einfl uss groß: ab 1892 in Vorlesungen

an der Kunsthochschule Antwerpen, in öföffentlichen Vorträgen, als Dozent am Kunstgewerblichen

Seminar und an der Kunstgewerbeschule in

Weimar und schließlich als Professor für Architektur

in Gent und Brüssel.

Der sogenannte Sezessions-Schreibtisch

ist

wohl das bekannteste

Möbel van de Veldes und

steht ab 6. Dezember im

Zentrum einer Ausstellung

im Germanischen

Nationalmuseum. Auffällig

ist die geschwungene

Form, die dem Benutzer

einen bequemen Zugriff

auf alle Utensilien ermöglicht, die auf der Tischplatte

ausgebreitet sind. Damit trug der Künstler

den Bedürfnissen seiner in der Regel privaten

Kunden Rechnung, die ein solches Möbel weniger

zum Repräsentieren als zum Arbeiten benötigten.

Nichts sollte ablenken, das Möbel in sich eine Ein-

heit bilden. Dies könne nach van de Velde nur dann

gelingen, wenn alle „fremden“ Teile wie Schrauben,

Scharniere, Schlösser oder Griffe in ihm aufgehen,

will heißen in ihm verschmelzen.

Auf der berühmten Münchner Sezessions-

Ausstellung des Jahres 1899 war der Schreibtisch

der Mittelpunkt des sogenannten „Herren-

Zimmers“. Er rief große Begeisterung hervor

und wurde von mehreren Interessenten

noch vor Ort bestellt. Heute sind vom

Sezessions-Schreibtisch nur drei Exemplare in

öffentlichen Sammlungen erhalten, neben dem

Germanischen Nationalmuseum im Hessischen

Landesmuseum in Darmstadt und im Musée

d’Orsay in Paris.

„In Van de Velde sehen wir nun die äußersten

Konsequenzen des individualistischen Prinzips im

Wohnraume insofern verkörpert, als er einen Raum

nicht nur selber baut und dekorirt und nicht nur jedes

Möbel und jeden Eisenbeschlag selber entwirft,

– nein, auch Tapete und Teppich entstammen seiner

Werkstatt, jeder Stoff, jede Lampe, jedes Tintenfass

auf dem Schreibpult wird von ihm gefertigt, und

wenn er wollte, könnte er gar den Tisch des Salons

belegen mit Büchern, die er selbst illustrirt, auf

seiner Handpresse gedruckt und eingebunden hat.

Eine solche Allseitigkeit der

Produktion auf allen Gebieten,

die mit dem Wohngebrauch

zusammenhängen,

ist vielleicht noch nie von

einem Einzelmenschen

entfaltet worden, und es

liegt auf der Hand, dass bei

dieser Art des Schaffens

eine Einheitlichkeit in der

individuellen Durchbildung

eines Raumes ermöglicht

wird, die nicht zu überbieten ist“, schrieb Fritz

Schumacher in einem Essay im Jahr 1899.

Dieses Zitat verdeutlicht, wie vielseitig Henry

van de Velde arbeitete. Seine Idee von einem konsequent

durchgestalteten Lebensraum, einem

bewohnbaren Gesamtkunstwerk, kommt bei allen

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ausgeführten Aufträgen zum Ausdruck. Objekte aus

seinem reichhaltigen Œuvre fi nden sich in fast allen

Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums,

die das späte 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

umfassen. Den Geburtstag des Künstlers,

der sich am 3. April 2013 zum 150. Mal jährt, ist der

Anlass, sie im Rahmen einer Sonderausstellung zusammenzustellen.

Zu sehen sind rund 35 Objekte,

neben Möbeln gibt es Keramik, Besteck, Gebrauchsgegenstände

und von ihm gestaltete Bücher zu sehen,

nicht zu vergessen Schriften von Henry van de

Velde selbst.

Führungen fi nden ab Januar jeden Sonntag um

15 Uhr statt, weitere Themenführungen mit den Kuratorinnen

Dr. Petra Krutisch oder Dr. Almuth Klein

gibt es am Mittwoch, 16.01., 30.01., 20.02. und 20.03.

jeweils um 18 Uhr sowie am Sonntag, 20.01. um 11

Uhr und am Sonntag, 03.02., 03.03. und 24.03. um 15

Uhr. Ein besonderes Angebot: Am Mittwoch, 02.01.

widmet sich Ingrid Wambsganz in der Reihe „Gespräch

vor einem Kunstwerk“ ausschließlich dem

Sezessions-Schreibtisch.

NEU: Die Sammlung des 20. Jahrhunderts ist wieder geöffnet

Großzügig, hell und in frisch sanierten Räumen

präsentiert sich die eindrucksvoll neu konzipierte

Sammlung des 20. Jahrhunderts. Die Spanne reicht

von Meisterwerken der Malerei über ausdrucksstarke

Skulpturen und dreidimensionale Objekte bis

hin zu Fotoarbeiten und bekannten Klassikern der

Designgeschichte. So entsteht ein umfassendes Bild

der Kunst- und Stilgeschichte der letzten 100 Jahre.

Schwerpunkt der nach dem Zweiten Weltkrieg begründeten

Sammlung liegt auf Werken des Expressionismus

und des Bauhauses. Im

Jahr 1967 erwarb das Museum

Ernst Ludwig Kirchners

„Selbstbildnis als Trinker“ als

bedeutenden Baustein für die Sammlung der Moderne.

Der Ankauf wurde damals programmatisch

verstanden. Mit ihm wurde der kunst- und kulturhistorische

Maßstab umrissen, dem sich das Germanische

Nationalmuseum bei seiner Beschäftigung

mit dem 20. Jahrhundert zu

stellen hatte. Seit den

1960er Jahren gelangten

auch Werke zeitgenössischer

Künstler

in das Museum, die

Bestände gewannen durch

Ankäufe und Leihgaben aus privaten

Sammlungen rasch an Umfang. In den

1980er und 90er Jahren wurde die Sammeltätigkeit

dann auf das gesamte 20. Jahrhundert ausgedehnt.

Zu den Highlights gehören heute neben dem

Selbstbildnis Kirchners eindringliche Skulpturen

von Ernst Barlach, farbintensive Gemälde von Emil

Nolde, Max Pechstein oder Ernst Wilhelm Nay, aber

auch kritische künstlerische Äußerungen

einer Hannah Höch.

Beispiele völkischer

Kunst haben ebenso Eingang

in die Präsentation gefunden

wie politische Plakate, formschöne

Möbel oder die damals revolutionäre

Frankfurter Küche. Filigrane Skulpturen

Vortrag zum Simplicissimus-Zeichner Karl Arnold

Karl Arnold (1883–1953) hat wie kaum ein anderer

Künstler seiner Generation zeichnend den Charakter

und die Charaktere seiner Zeit beobachtet.

Nach dem Studium der Malerei an der Münchner

Kunstakademie arbeitete er für Zeitschriften wie

„Simplicissimus“ und „Die Jugend“. Parallel entwickelte

er für die „Münchner illustrierte Presse“ eine

neue Form von Bildergeschichte und gezeichneter

Reportage.

Obwohl er einer der schärfsten Kritiker Adolf

Hitlers war, konnte Arnold in der NS-Diktatur

weiterarbeiten. Neben außenpolitischen Ereignissen

karikierte er vor allem das vermeintlich unverfängliche

Alltagsleben. Im Jahr 1942 erkrankte er

schwer und musste deshalb – zwei Jahre vor Einstellung

des „Simplicissimus“ – seine künstlerische

Arbeit beenden.

Andreas Strobl, Kurator der großen Arnold-Ausstellung

in der Pinakothek der Moderne München

2012, beleuchtet in einem Vortrag am Mittwoch,

9. Januar 2013 um 19 Uhr anschaulich das Leben

und Werk dieses wichtigen Zeichners. In der Vorbereitung

recherchierte er mehrfach im Deutschen

Henry van de Velde bei der Arbeit

von Hans Uhlmann oder Norbert Kricke stehen neben

Fotoarbeiten von Ute Klophaus und Charlotte

Matthesie. Und auch der Designgeschichte wird

mit freischwingenden Stahlrohrsesseln oder dem

berühmten Bauhaus-Stuhl von Marcel Breuer Rechnung

getragen.

Die Neueinrichtung zeugt von einer Neuausrichtung

der Kunst im 20. Jahrhundert. Mit der globalen

Vision der Moderne gilt es, Schlüsselpunkte künstlerisch-kultureller

Entwicklungen in Deutschland in

ihren internationalen Kontext zu stellen. Die Sammlung

ist nun wieder zugänglich, Führungen und

Workshops bieten ab Januar spannende Zugänge

und neue Erkenntnisse.

Kunstarchiv und konnte so Lücken in der Biografi e

schließen, wie etwa die Umstände von Arnolds

künstlerischem Überleben im Jahr 1933. Der Vortrag

im Aufseß-Saal dauert ungefähr eine Stunde, der

Eintritt ist frei.

Karl Arnold: Der Münchner, 1923, Staatliche Graphische

Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2013


Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ie Wunderwelt der Tropen

ur noch bis 3. Februar sind die exquisiten Illustrationen des Surinam-Buchs von Maria Sibylla Merian zu sehen

Die Pfl anzenkompositionen Maria Sibylla Merians

(1647–1717) gehören zu den eindrucksvollsten

Zeugnissen naturwissenschaftlicher Illustrationskunst

des frühen 18. Jahrhunderts. Ein Jahr lang

zeigte das Germanische Nationalmuseum in der

von Johannes Pommeranz kuratierten Studioausstellung

jeweils 16 Blätter ihres sogenannten

Surinam-Buchs. Im Rhythmus von drei Monaten

wurden die Motive gewechselt, um über das Jahr

hinweg alle 60 Kupfertafeln zeigen zu können. Bis

zum 3. Februar 2013 ist nun die letzte Charge zu

sehen.

Was den Charme der Darstellungen ausmacht,

ist vor allem die ganz eigene Symbiose aus Kunst

und Wissenschaft. Detailliert und exakt sind Pfl anzen

und Insekten gezeichnet und verschmelzen

doch zu einer Komposition. Die handkolorierten

Kupfertafeln entstanden nach einer Reise Merians

1699 bis 1701 in den südamerikanischen Küstenstaat

Surinam, auf der sie sich eingehend mit der

dortigen Flora und Fauna beschäftigte. Einzigartig

für ihre Zeit ist die kombinierte Darstellung von

Pfl anze und Tier, also von einem Insekt mit seiner

Wirtspfl anze.

Tafel 49 zeigt Granatapfelblüten und Laternenträger.

Weniger der in kraftvollem Rot blühende

Granatapfelbaumzweig als vielmehr dessen Besucher

sind das Spektakuläre. Stammen doch die

prominentesten Vertreter der Gattung Laternenträger

aus Surinam (Fulgora laternaria). Diese Art,

die sich insbesondere durch eine auffällige Verlängerung

der Stirnpartie auszeichnet, wurde erst

durch die Zeichnung Merians in Europa bekannt.

Irrtümlich nahm die Künstlerin an, dass dieser

buckelige Kopfaufsatz nachts wie eine Laterne

VORSCHAU: Rembrandt

Rembrandt Harmenszoon van Rijn: Der Tod der

Maria, Ausschnitt,1639, GNM

Eine Studioausstellung zeigt ab 5. März rund 40

graphische Blätter des 1606 in Leiden geborenen

Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Niederländische

Künstler begannen damals, mit den technischen

Termine

Ausstellungen

Tagträume – Nachtgedanken

Phantasie und Phantastik

in Graphik und Photographie

bis 3. Februar 2013

Merians Krönungswerk

Die Wunderwelt der Tropen

bis 3. Februar 2013

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde

aus den Sammlungen

des Germanischen Nationalmuseums

6. Dezember 2012 – 1. April 2013

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Richard Wagner und das reale Nürnberg

seiner Zeit

21. Februar – 2. Juni 2013

Rembrandt. Meister der Radierung

5. März 2013 – 26. Januar 2014

Vorschau: Zünftig!

Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800

Ab 21. März 2013

Granatapfelblüte und Laternenträger, Tafel 49 aus: Maria Sibylla Merian, Metamorphosis insectorum

Surinamensium, 1705, Germanisches Nationalmuseum

leuchte. Aus dieser Vermutung leitet sich dann

auch die Namensgebung des Insekts ab.

Doch wie kam eine Frau Ende des 17. Jahrhunderts

überhaupt auf die Idee, eine Reise nach Su-

Möglichkeiten der Radierung zu experimentieren.

Rembrandt wurde zu einem Meister der Kaltnadel.

Durch einen lockeren Zeichenstil, einem reich abgestuften

Spiel des Helldunkel und der Verwendung

eines tiefen, samtigen Schwarz erzielte er bis dahin

unvorstellbare malerische Effekte.

Die Ausstellung legt einen thematischen Schwerpunkt

auf Porträts und biblische Erzählungen. Die

Bildnisse reichen von privaten, oft skizzenhaften

Studien bis zu repräsentativen Darstellungen mit

Zugeständnissen an den Geschmack eines vornehmen

Kundenkreises. Ein kapitales Blatt aus dem

christlichen Themenkreis ist „Der Tod der Maria“. Typisch

für Rembrandt zeichnet sich die fi gurenreiche

Szene in einem prunkvollen Schlafgemach sowohl

durch ihre realistische Schilderung als auch durch

ihre emotionale Spannung aus: Während der Arzt

den Puls der Gottesmutter fühlt, drängen die seelisch

aufgewühlten Freunde mit ausdrucksstarker

Mimik und Gestik zum Bett der Sterbenden.

Vorträge, Meisterkurse, Konzerte

Forum Historische Musikinstrumente

Zinken und Posaunen

23. Januar – 26. Januar 2013

Programm unter

http://www.gnm.de/index.php?id=437

In Kooperation mit der:

Führungen

Blick zuRück – 50 Jahre Musikinstrumente

Sammlung Rück im GNM

Mi, 5. Dezember, 19 Uhr und

So, 9. Dezember, 11 Uhr

Nürnberger Puppenhäuser des 17. Jahrhunderts.

Repräsentation und Anschauung

Mi, 12. Dezember, 19 Uhr und

So, 16. Dezember, 11 Uhr

rinam anzutreten? Maria Sibylla Merian wurde am

2. April 1647 in Frankfurt am Main in die berühmte

Verleger-Familie Merian hineingeboren. Schon

früh erhielt sie eine künstlerische Ausbildung.

Zinken und Posaunen sind das Thema

einer viertägigen Veranstaltung, die vom

23. bis 26. Januar im Germanischen Nationalmuseum

stattfi ndet. Mitveranstalte-

rin ist die Hochschule für Musik Nürnberg.

Vor zwei Jahren begann eine offi zielle Forschungs-Kooperation

zwischen beiden Institutionen,

deren Ziel der Austausch von theoretischem

Wissen über historische Instrumente mit

der praktischen Erfahrung etablierter Musiker

und junger Musikstudenten ist.

Das „Forum Historische Musikinstrumente“ trägt

maßgeblich zu dieser Idee bei und lädt jedes Jahr

zu einer Tagung mit informativen Vorträgen und

Führungen, praktischen Workshops, Meisterklassen

und Konzerten. Neben einer aktiven Teilnahme als

Musiker ist auch eine passive Teilnahme als Zuhörer

möglich. Die Spanne der Vorträge reicht von Einblicken

in die Geschichte und Konzerttradition der

Instrumentalmusik über die Schwierigkeiten und

Doppelt hält besser. Diptychen, Bilderpaare,

Polaritäten

Mi, 19. Dezember, 19 Uhr und

So, 23. Dezember, 11 Uhr

Heilige der Winterzeit und ihr Brauchtum

Mi, 2. Januar, 19 Uhr und So, 6. Januar, 11 Uhr

Der Alles-Könner. Arbeiten von Henry van de

Velde aus den Sammlungen des GNM

Mi, 16. Januar, 19 Uhr und

So, 20. Januar, 11 Uhr

Büste, Bildnis, Porträt. Köpfe in den Sammlungen

des GNM

Mi, 23. Januar, 19 Uhr und

So, 27. Januar, 11 Uhr

Im Zeichen der Zunft. Zur Symbolsprache

der Zünfte

Mi, 30. Januar, 19 Uhr und

So, 3. Februar, 11 Uhr

Germanisches Nationalmuseum

Neben der Kunst galt ihr Interesse der Flora und

Fauna. Nachdem sie viele einheimische Pfl anzen

und die mitteleuropäische Käferwelt untersucht

hatte, übte das Exotische einen besonderen Reiz

auf sie aus. Der Hauptgrund für ihre Reise lag allerdings

in dem Umstand begründet, dass sie in

den Kunst- und Wunderkammern ihrer Zeit immer

nur einzelne Stadien einer Insektenentwicklung

vorfand und nie die gesamte Metamorphose vom

Ei bis zum geschlüpften Imago. Sie machte sich

auf die Reise, um den gesamten Zyklus eines Insektenlebens

zu dokumentieren, wie wir aus ihrer

Korrespondenz wissen.

Auf Anregung des Gouverneurs der holländischen

Kolonie Surinam, Cornelis van Sommelsdijk,

brach Meran im Jahr 1699 in den südamerikanischen

Küstenstaat auf, begleitet von ihrer jüngeren

Tochter Dorothea Maria. Vor Ort entstanden

zahlreiche Skizzen und Handzeichnungen von außergewöhnlichen,

in Europa weitestgehend noch

unbekannten Insekten und Pfl anzen.

Nach Amsterdam zurückgekehrt, arbeitete

Merian ihre Studien aus und publizierte sie als

illustrierende Kupferstiche in dem Buch „Metamorphosis

Insectorum Surinamesium“, das zu

ihrem Hauptwerk werden sollte. Das Germanische

Nationalmuseum besitzt eines der wenigen erhaltenen

Umdruckexemplare der Erstausgabe, die im

Jahr 1705 in Amsterdam erschien. Die ursprünglich

schwarz-weißen Grafi ken kolorierte Merian nachträglich

von Hand.

Eine letzte Führung durch die Studioausstellung

und zum außergewöhnlichen Leben Merians

fi ndet am Samstag, 5. Januar 2013 um 15 Uhr statt.

Tagung: Zinken und Posaunen

Bedürfnisse beim Nachbau historischer Blechblasinstrumente

bis hin zu exemplarischen Musiker-

und Musikstückbiografi en, die ein tieferes Eintauchen

in bestimmte Epochen erlauben. Das Forum

beginnt mit einem Konzert der Reihe „Musica Antiqua“

in Kooperation mit dem

Bayerischen Rundfunk

– Studio Franken

und endet mit

einem klangvollen Abschlusskonzert

am Samstag,

26. Januar um 20 Uhr.

Für die passive Teilnahme ist

keine Anmeldung notwendig.

Das komplette Programm in der

Übersicht fi nden Sie unter www.

gnm.de, Rubrik „Forschung“ und

„Tagungen“ oder unter www.hfmnuernberg.de/veranstaltungen/

forum-zinken-posaunen/.

Von der römischen Reibschale bis zur

Frankfurter Küche

Ein Küchenstreifzug durch die Jahrhunderte

Mi, 6. Februar, 19 Uhr und

So, 10. Februar, 11 Uhr

Alltag und Vergnügen

Genredarstellungen aus vier Jahrhunderten

Mi, 13. Februar, 19 Uhr und

So, 17. Februar, 11 Uhr

Facetten des spätmittelalterlichen

Alltagslebens

Mi, 27. Februar, 19 Uhr und

So, 3. März, 11 Uhr

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Mi, 6. März, 19 Uhr und So, 10. März,

11 Uhr

Das besondere Angebot

Kunst der Moderne im GNM – Kunstvermittlung

einmal anders

Die Kunst des 20. Jahrhunderts: Führungen,

Kreativaktionen und Kunstspiele.

Die Teilnahme ist kostenlos.

So, 10. Februar, 10–16 Uhr

Krummer Zink,

17. Jahrhundert, und

Bassposaune, 1612

beide Germanisches

Nationalmuseum

05


06 Neues Museum in Nürnberg

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Neues Museum in Nürnberg

07

ben: Veer Towers,

as Vegas

oto: Rainer Viertlböck

echts: University of

hicago, Joe and Rika

ansueto Library

oto: Rainer Viertlböck

zlem Günyol & Mustafa

unt, …AND JUSTICE FOR

LL! 2010

oto: Özlem Günyol &

ustafa Kunt

Systeme, die lenken

Das Neue Museum zeigt die aktuellen ars-viva-Preisträger

„Wer nicht umsteigt, wird abgeschaltet.“ Mit diesem

Slogan wurde in Deutschland im April des Jahres die

Umstellung vom analogen zum digitalen Fernsehen

vehement beworben. Der neuseeländische Künstler

Simon Denny nimmt solche Ereignisse unseres globalen

Kommunikationssystems zum Anlass, um die

aktuellen Veränderungen und deren Auswirkungen

in seinen Werken konkreter vor Augen zu führen.

In einer Serie neuer Objektkästen thematisiert der

heute in Berlin lebende Künstler, der derzeit ein Stipendium

des PIN in München innehat, die neuen

Möglichkeiten des internetfähigen Fernsehgerätes.

Wie bei Werken der Pop Art setzt Denny dabei Güter

unserer Konsumwelt ein. Hardware-Produkte, wie ein

Smart-TV, oder Screenshots, in denen die Hersteller mit

Begriffen wie Gesichtserkennung, Gestensteuerung

oder Sprachsteuerung die Vorzüge der neuen Technik

hervorheben, konfrontiert Denny mit Elementen von

Halloween-Masken und führt so ein Horror-Kabinett

des Internets vor.

Im Zentrum von Dennys Preisträger-Arbeit für den

ars-viva-Kunstpreis, der alljährlich vom Kulturkreis der

Deutschen Wirtschaft unter

einem Leitbegriff

vergeben wird, steht eine Infografi k von Business Insider,

einem Netzwerk für Geschäftsleute, in der über

die neue Bereitschaft der Internetgemeinde informiert

wird, für Inhalte wieder zu zahlen. Diese kommerzielle

Ausrichtung des Informationsmediums Internet nimmt

Denny zum Anlass für eine Wand- und Bodeninstallation,

wodurch eine Art begehbare dreidimensionale

Informationsbox entsteht.

Mit Melvin Moti, Özlem Günyol & Mustafa Kunt ist

Simon Denny aber nur einer von den drei diesjährigen

Preisträgern des ars-viva-Kunstpreises an die Nachwuchskunst.

Özlem Günyol & Mustafa Kunt, 1977/78 in

Ankara geboren, behandeln die politische Kommunikationskultur.

Politische Parolen, politische Gesten und

das Demonstrieren zerlegt das in Frankfurt lebende

Künstlerduo zunächst in ihre Bestandteile, in einzelne

Worte und Gesten. Diese werden als ein zweiter Schritt

dann spielerisch in einen anderen Kontext gebracht,

wie den des Feierns, den des Tanzes oder den des

Sports.

Durch diese Dekonstruktion entsteht nicht allein

eine Entkräftung von Konstituenten der Macht, sondern

vor allem auch eine distanzierte und amüsierte

Sichtweise auf das sonst so ernste und machtbewusste

System der politischen Kommunikation.

Melvin Moti, der aus den Niederlanden kommt,

wendet sich schließlich dem System unserer Wahrnehmung

zu. Seine Arbeiten kreisen wie Indizienbeweise

jeweils um ein fehlendes Zentrum herum und weisen

so auf die Lücken in der Realität hin, die durch unsere

selektive Wahrnehmung normalerweise ausgeklammert

werden.

Helmut Jahn – Architekt, Multitalent, Weltbürger

Nach 46 Jahren kehrt der weltberühmte Architekt und Visionär in seine Geburtsstadt Nürnberg zurück

Panoramaaufnahme oben: Suvarnabhumi International Airport, Bangkok Foto: Rainer Viertlböck

Animation unten: Großformatige Fotos an den Wänden als monumentale Skyline bilden den Rahmen für die Skizzen und Modelle von Helmut Jahn. Entwurf der Ausstellungsarchitektur im Neuen Museum © bangertprojects

Eine facettenreiche Ausstellung im Neuen Museum

zeigt erstmalig das dynamische Gesamtwerk des in

Nürnberg geborenen und von Chicago aus weltweit tätigen

Architekten Helmut Jahn. In Zeichnungen und Modellen

sowie in den brillanten Fotografi en Rainer Viertlböcks

wird das global agierende Multitalent erfahrbar.

Wie das Werk des Architekten ist die Ausstellung

eine Weltreise von Chicago über die USA, Südafrika,

Europa zum Mittleren Osten, nach China, Japan, Korea

und Thailand. Die Ausstellung dokumentiert die

Entstehungsgeschichten international bekannter

Bauwerke wie des Sony Centers in Berlin oder des futuristischen

Großfl ughafens in Bangkok ebenso wie die

Projektierung von Idealstädten, Shoppingzentren oder

die Entwicklung von heutigen „mega big buildings“.

Neben über 100 gebauten Werken spiegelt die Ausstellung

auch Jahns Visionen des Ungebauten und Zukünftigen.

Termine

Sammlung

Cit Art Foundation

Bis 10.3.2013

Franceso Pavan

Bis 3.2.2013

Helen Britton

Ab 7.2.2013

Attila Kovács

Ab 18.1.2013

Ausstellung

ars viva 12/13 - Systeme. Simon Denny, Özlem

Günyol & Mustafa Kunt, Melvin Moti

Bis 13.01.2013

/prospekt/ Vorhang auf…

für die Akademie der Bildenden Künste in

Nürnberg

2.Teil: 14.12.2012 bis 13.01.2013

Eröffnung: Donnerstag, 13.12.2012, 19 Uhr

HELMUT JAHN – PROCESS PROGRESS

Das Gesamtwerk des Architekten in Zeich-

„The Future is never wrong“ – dieses programmatische

Zitat von Helmut Jahn verweist ebenso wie der

Titel der Ausstellung „PROCESS PROGRESS“ auf das

Vertrauen und die Selbstverpfl ichtung des Architekten,

sich nicht nur der Gegenwart zu stellen, sondern auch

die Herausforderung der Zukunft anzunehmen und zu

gestalten. Der unbedingte Glaube an die Zukunft lässt

sich auch in den Architekturen Helmut Jahns ablesen,

setzen sie doch immer wieder neue Maßstäbe, sei es

im Ausreizen der technischen Möglichkeiten und ihrer

Weiterentwicklung, sei es in der Realisierung innovativer

Bauformen und städteplanerischer Ideen oder sei es

in ihrer pionierhaften Haltung ökologischer Verantwortung

gegenüber.

Der deutsch-amerikanische Architekt (geb. 1940)

prägt seit über 40 Jahren Baugeschichte, und so werden

auch die Benutzer und Rezipienten seiner spezifi schen

Architektur geprägt. Viele seiner Bauwerke stehen in

nungen und Modellen sowie Fotografi en von

Rainer Viertlböck

Bis 24.2.2013

Vorträge und Gespräche

Seen by Rainer Viertlböck: the Work of

Helmut Jahn

Vortrag von Rainer Viertlböck, Fotograf

Di, 4.12.2012, 18 uhr

Quelle und andere Fälle. Probleme mit

großen Projekten der Nachkriegsmoderne

Vortrag von Prof. Dr. Gerd Weiß, Hessischer

Landeskonservator

Do, 6.12.2012, 19 Uhr

Das Unternehmen Kunst. Fördern mit

System

Vortrag von Dr. Stephan Frucht, Geschäftsführer

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im

BDI e.V.

Do, 10.01.2013, 19 Uhr

Die Zukunft ist nie falsch

Vortrag von Helmut Jahn, Architekt

Mi, 16.01.2013, 20 Uhr

ihrer architektonischen Gestalt – die sich vor allem

durch Konstruktion und Stil konstituiert – und ihrem

Anspruch repräsentativ für ein Jahrzehnt: für die 80er

Jahre unter anderem das State of Illinois Center, heute

James R. Thompson Center genannt, und das Xerox Center

in Chicago, für die 90er Jahre das Charlemagne der

Europäischen Union in Brüssel, für das erste Jahrzehnt

des neuen Milleniums das Shanghai New International

Expo Centre in Shanghai oder die Veer Towers in Las Vegas

sowie für die Zukunft das Doha Convention Center

mit seinem 540 Meter hohen Glasturm.

Auch gibt es wohl wenige Bewohner von Städten, die

die Architekturen von Helmut Jahn nicht kennen, selbst

wenn sie den Autor zunächst nicht benennen können.

Denn seine Architekturen sind gleichsam zu Wahrzeichen

geworden: allein in Deutschland unter anderen

der Messeturm in Frankfurt (1991), das Münchner Airport

Center (1999), das Sony Center in Berlin (2000), der

Gespräch mit dem Sammler Rafael

Jablonka

Do, 7.2.2013, 18 Uhr

Gespräch mit der Künstlerin

Helen Britton

Do, 7.3.2013, 14 Uhr

BDA Vortragsreihe 1+1=3 Stadtbaumeister

D0, 24.1.2013, 19 Uhr

Do, 14.2.2013, 19 Uhr

Musik

KlangKonzepteEnsemble

»Wunder des Rhythmus und Schönheit des

Raumes«

Hommage à Hans Hofmann

So, 9.12.2012, 11.15 Uhr

Die Kunst der Niederländer

So, 20.01.2013, 11.15 Uhr

Karlheinz Stockhausen. Frühe Werke

So, 10.02. 2013, 11.15 Uhr

Post-Tower in Bonn (2003) oder das Hochhaus Sign! im

Düsseldorfer Medienhafen (2010).

Bei dem Versuch, die Architekturen Helmut Jahns zu

charakterisieren, bieten sich zunächst Kategorisierungen

wie Bauten für die Öffentlichkeit oder Bauten für

Unternehmen an. Seine Flughäfen, Atriumbauten, seine

Wolkenkratzer und Monumentalbauten sind auch aus

Ingenieurssicht großartige Glas-Stahl-Konstruktionen.

Seine grundsätzliche Orientierung an der klassischen

Moderne hat er durch ein seinen Bauten innewohnendes

außerordentliches Raffi nement individualisiert.

Helmut Jahn hat Neues in die Architektur gebracht.

Die Ausstellung ermöglicht nun eine neue Auseinandersetzung

mit seiner komplexen Ideenwelt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Neuen Museums

und der Neuen Sammlung – The International

Design Museum Munich in enger Zusammenarbeit mit

Helmut Jahn.

Fantastische Reise durch die Musik

Konzert des Bundesakkordeonorchesters

So, 03.03.2013, 11.15 Uhr

Konzertreihe Across

Valgir Sigurdsson

Di, 26.2.2013, 21 Uhr

Kinder und Jugendliche

Hoch hinaus …

Workshops zur Ausstellung HELMUT JAHN –

PROCESS PROGRESS

Sa, 15.12.2012, 14.30 Uhr (ab 10 Jahren)

Sa, 26.01.2013, 14.30 Uhr (ab 12 Jahren)

Jeweils begrenzte Teilnehmerzahl. Infos und

Anmeldung unter 0911 2402036

Zu Gast

Pechkucha Night

Di, 19.2.2013, 20 Uhr

Creative Monday

Mo, 11.3.2013, 19.30 Uhr

Weitere Termine und Informationen unter:

www.nmn.de

St. Martin im Ausverkauf

Die Cit Art Foundation in fünf Räumen des Neuen Museums

Katharina Fritsch (geb. 1956) ist eine Künstlerin, die

in Bildern denkt und Plastiken von emblematischer

Eindringlichkeit schafft. Sie sagt: „Meine Skulpturen

sind nie ganz zu fassen, wie ein Bild, das sich nie ganz

entschlüsseln lässt. Sie bleiben wie ein Rätsel im Kopf.“

Dass Katharina Fritschs Kunst so enigmatisch wirkt,

ist nicht zuletzt Ergebnis ihrer hohen handwerklichen

Perfektion, ihrer oft matten Oberfl ächen und merkwürdigen

Farben.

In Kaufhäusern und Ramschläden sind Wühltische

die Endstation vieler Waren. Schnäppchenjäger graben

auf den hüfthohen Möbeln nach Beute. Auf Katharina

Fritschs Wühltisch (1987/89) gibt es keine große Auswahl

mehr: Grüne Tücher mit dem Motiv des Heiligen

Martin werden ausverkauft. Auch in unserer scheinbar

religionsfernen Zeit berührt es uns merkwürdig, das

Heilige so profaniert zu sehen. In klassischer Ikonographie

ist der Heilige Martin hoch zu Ross dargestellt. Er

teilt seinen Mantel, um einen nackten Bettler zu kleiden.

Tuch und Heiligenlegende stehen in einem Zusammenhang,

der den Gegensatz zwischen Warenhandel

und Mantelspende umso schärfer hervortreten lässt.

Der Wühltisch gehört zu einer Auswahl von Werken

aus der Cit Art Foundation des Kölner Galeristen Rafael

Jablonka, die fortan dauerhaft mit dem Neuen Museum

verbunden ist. Mit einer umfangreichen Dauerleihgabe

von Arbeiten Hubert Kiecols begann im Jahre 2004 die

Zusammenarbeit der Cit Art Foundation mit dem Neuen

Museum. Im vergangenen Jahr ist die Stiftung eine

noch engere Bindung mit dem Nürnberger Haus eingegangen,

das nun über die komplette Sammlung der Cit

Art Foundation als Dauerleihgabe verfügt. Wenn die

Stiftung weiterhin wächst, wird davon dann ebenfalls

das Neue Museum profi tieren. Diese außerordentlich

großzügige und uneigennützige Geste bereichert die

Sammlung des Museums um Werke verschiedenster

deutscher, amerikanischer und internationaler Künstler,

von denen viele bislang noch nicht im Neuen Museum

vertreten waren.

In fünf Sammlungsräumen zeigt das Neue Museum

noch bis 10. März 2013 Arbeiten von Greg Bogin, Edward

Dwurnik, Katharina Fritsch, Peter Halley, Hubert Kiecol,

Alexej Koschkarow, Cady Noland, Richard Prince,

Guy Rombouts & Monica Droste, Andreas Slominski

und Philip Taaffe. In der Zusammenschau ergibt sich

die Physiognomie einer ganz besonderen Kunstsammlung,

die alles andere als Mainstream

ist.

State Street Village,

Chicago

Foto: Rainer Viertlböck;

James R. Thompson

Center, Chicago

Foto: Rainer Viertlböck

Katharina Fritsch,

Wühltisch, 1987/89

Foto: Neues Museum

(Annette Kradisch)


08

Ernste Mienen, schönes

Spiel: Firmenchef

Heinrich Müller (2.v.l.)

mit den Herren der

Geschäftsleitung,

um 1950

Rechts: Schuco-Motorrad

Curvo 1000, ab 1950

Unten: Donald Duck

Tanzfi guren, 1937 und

1958. Die Comic-Enten

tanzten und schnatterten

dabei munter vor

sich hin.

Fotos: Spielzeugmuseum

Museen der Stadt Nürnberg

Pick-Pick, Studio, Piccolo

Wunder der Technik: Sonderausstellung zum 100. Geburtstag der Nürnberger Spielzeuglegende Schuco

Schuco gehört zu den ganz großen Namen der

internationalen Spielzeuggeschichte. Die Marke

stand über Jahrzehnte hinweg – zusammen mit

Märklin, Steiff oder Käthe Kruse – für den guten

Ruf deutschen Qualitätsspielzeugs. Tanzende Figuren,

nickende Bären, pickende Vögel und unzählige

Fahrzeuge mit verblüffenden technischen Merkmalen:

Aus der Nürnberger Ideenwerkstatt des

Firmengründers und genialen Erfi nders Heinrich

Müller (1886–1958) gingen immer wieder wahre

Wunder der Spielzeugtechnik hervor. Mit einer Fülle

von außergewöhnlichen Exponaten aus Museums-,

Firmen- und Privatbesitz zeichnet die Ausstellung

den Aufstieg des 1912 als Schreyer & Co. (abgekürzt:

Schuco) gegründeten Unternehmens vom Hinterhofbetrieb

zum einstmals größten Spielwarenher-

steller Europas nach.

In den beiden ersten

Jahrzehnten seiner Existenz

erwarb sich das

Unternehmen vor allem

mit mechanischen Filz- und

Plüschspielwaren einen

guten Ruf. Beliebt

und vorzüglich

gestaltet warenmarschierende

Hunde und

Teddybären oder

Ausstellungen

Termine

Kunst & Handwerk

Weihnachtsverkaufsausstellung

Stadtmuseum Fembohaus

6. bis 16.12.2012

Licht und Schatten

Foto-Retrospektive. Horst Schäfer 2001–2012

Museum Industriekultur

Bis 30.12.2012

„Ihr Kinderlein kommet ...“

Die Weihnachtsbescherung: Stubenschmuck

und Gabentisch

Weihnachtsausstellung des Spielzeugmuseums

in der Ehrenhalle des Rathauses

Bis 4.1.2013

Lernlabor Matheland

Ausprobieren, Knobeln, Rechnen für Kinder

von 4 bis 8 Jahren

Museum Industriekultur

8.1. bis 3.3.2013

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der

Nürnberger Meistergesang

Stadtmuseum Fembohaus

18.1. bis 17.4.2013

Affen, deren Köpfe sich mit einem versteckten

Drahtgestänge in jede Richtung bewegen ließen.

Vor allem aber begeisterten ab 1928 die täuschend

naturgetreuen Pick-Pick-Vögel und in der Folgezeit

eine Fülle von witzigen Tanzfi guren Kinder

wie Erwachsene in aller Welt. Im Gegensatz zum

herkömmlichen fi gürlichen Metallspielzeug waren

die Blechkörper dieser Figuren mit Filz oder

Plüsch bezogen. Sie fühlten sich angenehm an und

führten dank eines ausgeklügelten, patentierten

Federwerk-Mechanismus natürlich bis amüsant wirkende

Bewegungen aus. Mit seinem untrüglichen

Sinn für den Zeitgeist griff Heinrich Müller zudem

auch Themen aus der amerikanischen Film- und

Comicwelt auf. Charlie Chaplin als watschelnder

Tramp mit schwingendem Spazierstöckchen erweiterte

in den 1930er Jahren ebenso das Sortiment wie

Micky Maus, Donald Duck oder Schweinchen Dick.

Autos für alle

Bis heute wird der Name Schuco vor allem mit den

technisch meisterhaft ausgestatteten Fahrzeugen

verbunden, die seit Mitte der 1930er Jahre aus den

Fabrikhallen an der Fürther Straße in Nürnberg rollten.

Autos, die dank eines verborgenen fünften Rads

nicht vom Tisch fallen konnten, Limousinen, die

aufs Wort gehorchten oder bei Anruf aus der Garage

fuhren: Die technischen Ideen aus der Schuco-Mustermacherei

waren bahnbrechend. Das Aushänge-

Wunder der Technik

100 Jahre Schuco-Spielzeug

Spielzeugmuseum

Bis 7.4.2013

Entrechtet. Entwürdigt. Beraubt.

Arisierung in Nürnberg und Fürth

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Bis 30.6.2013

Sonderveranstaltungen

Schaustück des Monats Dezember 2012

60 Jahre Fernsehen

Spezialführungen mit Matthias Murko:

Mi, 5.12.2012, 16 Uhr; So, 16.12.2012, 15 Uhr

Museum Industriekultur

Mythologie im Hirsvogelsaal

Erzählreihe in Kooperation mit der ErzählBühne

„Klassische Fiaskos“:

So, 24.2.2013, 17.30–19 Uhr

14 Euro/ 10 Euro ermäßigt;

Kartenreservierung: Mobil: 0170/ 5546329 oder

per Mail: info@erzaehlbuehne.de

Meisterhaft! Schätze aus dem Tucherschloss

Kuratorenführung mit Museumsleiterin

Ulrike Berninger M.A.

schild der Schuco-Autofl otte war aber ohne Zweifel

das Studio-Auto, das nach dem Vorbild des Mercedes

Silberpfeil W 25 gestaltet und mit zahlreichen technischen

Funktionen ausgestattet war (Montagesets,

Reifenwechsel, funktionierende Lenkung, sichtbares

Differential etc.). Der Erfolg des Studio-Autos refl

ektiert die ungeheure Motorsportbegeisterung der

1930er Jahre, die eng mit den Mercedes Silberpfeilen

verbunden ist. Besonders bemerkenswert: Es ist das

einzige Auto der Spielzeuggeschichte, das von 1936

bis heute nahezu unverändert produziert wird.

Mitten in den Boomjahren seines Unternehmens

– zeitweise waren bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigt

– musste sich Heinrich Müller unter dem Druck

des NS-Regimes von seinem jüdischen Kompagnon

Adolf Kahn trennen, der mit seiner Familie in die

USA emigrierte. Die erzwungene Trennung lief

allem Anschein nach zu fairen Konditionen ab, Müller

und Kahn blieben zeitlebens freundschaftlich

verbunden. Dies verschaffte dem Unternehmen

nach Kriegsende sogar einen gewissen Wettbewerbsvorteil,

denn Adolf Kahn und sein Sohn Eric

übernahmen schon bald nach der Wiederaufnahme

der Produktion den Alleinvertrieb von Schuco-

Spielwaren auf dem wichtigen nordamerikanischen

Markt.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Die Wirtschaftswunderjahre brachten noch

einmal goldene Zeiten für das Unternehmen:

Schuco stieg zur größten Spielwarenfabrik

Europas auf. Jährlich kamen neue Wunderwerke

der Technik heraus: kurvengängige

Motorräder, Autos mit Fernlenkung,

Mehrgangschaltung

oder Autoradio, Feuerwehrfahrzeuge

mit

aufwendiger Leitermechanik,

aber auch

lenkbare Flugzeuge

oder fl otte Schiffe mit

Außenbordmotor. Eine

außergewöhnliche Idee

war das bis in die 1960er Jahre hinein

millionenfach verkaufte Varianto-Spielsystem,

eine billigere und platzsparende Auto-Alternative

zur Modelleisenbahn. Schuco-Autos waren aber

nicht nur Spielzeuge von hohem technischem Anspruch.

Sie wurden in Schulen und sogar Fahrschulen

auch als Lehrmittel im Sinne der Verkehrserziehung

eingesetzt. Auf Straßenplänen mit Ampeln,

Zebrastreifen und Verkehrszeichen konnten Kinder

und Jugendliche ihre Schuco-Fahrzeuge durch die

Stadt steuern und lernten dabei auf spielerische

Weise verkehrsgerechtes Verhalten.

Mit dem Tode Heinrich Müllers 1958 verlor das

Unternehmen einen genialen Erfi nder und Konstrukteur.

Zwar gelangen auch danach noch erfolg-

„Verliebt, verlobt, verheiratet. Hochzeits- und

Ehebildnisse der Patrizierfamilie Tucher“:

Do, 17.1.2013, 16 Uhr; So, 20.1.2013, 11 Uhr

„Ave Maria! Das berühmte Verkündigungsfenster

aus der Grasersgasse“:

So, 3.3.2013, 11 Uhr; Do, 7.3.2013, 15 Uhr

Fokus Stadtgeschichte

Führung durch das Stadtmuseum Fembohaus

mit Museumsleiterin Brigitte Korn

„Zerstörung und Wiederaufbau“:

So, 3.2.2013, 14 Uhr; Do, 28.2.2013, 16 Uhr

Montagskonzert

Musikalische Kostprobe zur Mittagszeit

Hirsvogelsaal

Mo, 4.2./ 18.3.2013, jeweils 13.15 Uhr

Scarlatti meets Bach

Italienische und deutsche Barocksonaten für

Violoncello und Cembalo

Kammerkonzert mit Cembalo

im Hirsvogelsaal

Sa, 2.2.2013, 20 Uhr

Museumstheater und Kostümführungen

Mit Katharina Tucher durchs Schloss

Führung im historischen Gewand

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

reiche Neuentwicklungen insbesondere im Bereich

der funkgesteuerten Modellfahrzeuge, doch geriet

das Unternehmen ab Mitte der 1960er Jahre in zunehmende

Schwierigkeiten. 1976 ging das Tradi-tionsunternehmen

in Konkurs. Individuelle Managementfehler

waren sicher hierfür mitverantwortlich,

aber letztlich teilte Schuco das Schicksal der meisten

Nürnberger Metallspielzeugproduzenten: Man

reagierte zu spät auf den Trend hin zu billigerem

Plastik- und Elektronikspielzeug, das aus Fernost

und den USA kommend den Markt eroberte.

Starke Marke

Viele hatten geglaubt, dass mit der Firmenpleite

die Marke Schuco rasch in Vergessenheit geraten

würde. Mit einer Ramschpolitik, die billige Massenware

mit dem Aufkleber Schuco an den Käufer

bringen wollte, brachte der neue Besitzer, der britische

Konzern DCM, die Marke auch tatsächlich in

Verruf. Doch nachdem auch DCM Konkurs anmelden

musste, erwarb 1980 die Fürther Traditionsfi rma

GAMA alte Formen und Markenrechte. Bei GAMA

erkannte man, dass die Zukunft von Schuco auch

in der großen Vergangenheit lag: Alte Renner der

Firmengeschichte wie die Oldtimerserie, der Micro-

Racer und natürlich das Studio-Auto kamen als

Replikate für den damals gerade entstehenden

Sammlermarkt heraus. Vor allem aber

gelang es in den 1990er Jahren, auf dem

expandierenden Modellautosektor mit

neuen Produkten Fuß zu fassen, die dem

Trend der Zeit folgend

in Osteuropa, später später

auch in China produziert

wurden.

Die altbekannte Piccolo-Serie mit ihren Fahrzeugen

aus Zinkdruckguss wurde mit immer neuen MiniMiniaturen zu einer breit gefächerten Produktpalette

ausgebaut, die begeisterte Anhänger fand. Seit 1999

gehört Schuco zur Fürther Simba-Dickie-Gruppe

und konnte sich unter diesem Dach erfolgreich weiterentwickeln.

100 Jahre nach ihrer Gründung hat

sich die Firma vom Spielzeugproduzenten zu einem

Anbieter hochwertiger Sammelartikel gewandelt.

Mit ihren Qualitätsprodukten sorgt sie dafür, dass

der Name Schuco seinen guten Klang in aller Welt

behalten hat.

Helmut Schwarz

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Jeden So, 14 Uhr

Mit Agnes Dürer durchs Dürer-Haus

Führung im historischen Gewand

Albrecht-Dürer-Haus

Führung in deutscher Sprache: Di, Mi und

Sa, 15 Uhr; Do, 18 Uhr; So, 11 Uhr

Spezial-Kinderführungen:

jeden 1. und 3. So im Monat, 15 Uhr;

jeden 1. Do im Monat, 17 Uhr

Englische Führung: Sa, 14 Uhr

Ein ehrenwertes Haus

Historisches Musiktheater mit ohne Dürer

Albrecht-Dürer-Haus

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/duererhaus/museumstheater.html

Feine Gesellschaft

Skandalgeschichte(n) aus Nürnbergs

Goldener Zeit

10 Jahre historisches Kulttheater

mit kulinarischen Überraschungen!

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Do und So, 17-18.30 Uhr *

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/tucherschloss/schlosstheater.html

www.museen.nuernberg.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museen der Stadt Nürnberg

09

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der Nürnberger Meistergesang

Oben: Lorenz Gedon: Porträtbüste Richard

Wagners, 1939. Bronze.

Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und

Skulpturensammlung; Foto: Museen

Meistersinger – historisch

Vielleicht halten ihn manche ja schon für eine Erfi

ndung des Komponisten Richard Wagner – doch der

Nürnberger Schuhmachermeister, Dichter und Sänger

Hans Sachs (1494–1576) war eine der prägnantesten

Erscheinungen der Renaissancezeit in Nürnberg.

Zugleich ist er bis heute der populärste Vertreter der

bürgerlichen Volkskultur des „Meistersangs“, der in

der der Reichsstadt Nürnberg Nürnberg mit besonderem Eifer und

langer Tradition bis 1770 gepfl egt wurde. Die wechselnden

Austragungs- und und Festorte dieser speziellen

Gesangsart waren über die gesamte gesamte Altstadt verteilt. verteilt.

Die Ausstellung „Wagner – MeisterSinger – Sachs“

setzt chronologisch mit mit der besonderen Tradition

des Nürnberger Meistersangs ein und zeigt mit mit Hans Hans

Sachs zugleich dessen dessen berühmte Leitfi gur. gur. Seine Wiederentdeckung

ab 1776 durch durch bedeutende bedeutende Literaten Literaten

wie Wieland, Goethe oder Herder gehört zu zu den

Grundlagen der lokal- und nationalpatriotischen

Verklärung Nürnbergs im 19. und 20. Jahrhundert.

Auch Richard Wagner (1813–1883) ließ dieser

Mythos seit einem Nürnberger Verwandtenbesuch

im Jahre 1835 nicht mehr los: Ein real

erlebter, tragisch-komischer Sänger-Aufruhr

in der verwinkelten Nürnberger Altstadt wird

zur Keimzelle einer der berühmtesten Opern

der Musikgeschichte: den „Meistersingern von

Nürnberg“. Nach einer ersten Skizze betrieb der

Komponist ab 1845 immer wieder intensive Studien

zu Sachs und dem Phänomen des Meistersangs.

Meistersinger – historistisch

Wagner hatte sich eigentlich eine Uraufführung

in Nürnberg selbst erhofft und wollte deren Erlös

sogar für das Projekt des Hans-Sachs-Denkmals stiften.

Doch in der so grandios besungenen Stadt selbst

kam man – trotz der langen Nürnberger Theatergeschichte

mit Fastnachtsspiel, Schembartlauf und

der Gründung des „Nationaltheaters“ 1801 – nicht

recht in die Gänge. So ging die Oper erstmals im Juni

1868 in München über die Bühne, wurde mit Jubel

aufgenommen und begründete eine musikalische

Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Auch gibt

es keine Bilder oder Texte, die für den Ruhm des

„mittelalterlichen“ Nürnberg so emblematisch warben,

wie Richard Wagners einzige komische Oper.

1874 wurde das Hans-Sachs-Denkmal dennoch ohne

Zutun und ohne Beisein des Komponisten feierlich

eingeweiht – obwohl er seit diesem Jahr das nahe

Bayreuth zu seinem künftigen Lebensmittelpunkt

gemacht hatte.

1894 erreicht die Sachs-Verehrung in den Feierlichkeiten

und dem großen historischen Festumzug

ihren einsamen Höhepunkt: Das (groß-)bürgerliche

Nürnberg feiert sich in einer bunten Maskerade als

den Hort „urdeutscher“ Tugenden selbst. Ihr Fortblühen

in der ehemaligen Reichsstadt sollte den ewigen

Bestand des Kaiserreiches gewährleisten. Auch wenn

das deutsche Sängerfest in Nürnberg 1912 noch einmal

Sachs und den Meistersang in den Mittelpunkt

rückt, ist der 400. Geburtstag Sachsens 1894 Höhepunkt

seiner historischen Verklärung – und trotz der

unentwegt beschworenen „Volkstümlichkeit“ des

Hans Sachs blieb die Nürnberger Sozialdemokratie

damals von den Feiern ausgeschlossen.

Auf- und Untergänge

Mit der unrühmlichen Erhebung Nürnbergs zur

„Stadt der Reichsparteitage“ während der NS-Zeit

wird Wagner zum Staatskomponisten, die „Meistersinger“

zur Nationaloper: In der Musterinszenierung

des „Reichsbühnenbildners“ Benno von Arent eröffnen

sie nun in Gegenwart Hitlers sämtliche Reichsparteitage

bis 1938. In diesem Jahr leitet Gauleiter

Streicher wenig später die Zerstörung der Synagoge

am Hans-Sachs-Platz mit einem Zitat aus Wagners

„Meistersingern“ ein – nur einer der Gründe für die

Zerstörung der Altstadt Nürnbergs bei Kriegsende.

Doch auch die Zerstörung ließ nicht alle Fäden reißen:

Noch immer kann man in Nürnberg viele Spuren

aus Mittelalter und Renaissance entdecken, und

bis in die Gegenwart werden Hans Sachs, Richard

Wagner und seine Oper und mit der Stadt in Verbindung

gebracht – bis heute ist eine Nürnberger Neuinszenierung

der „Meistersinger“ am Staatstheater ein

kulturelles Medienereignis. Und schließlich bringt

Nürnberg mit Martha Mödl, deren 100. Geburtstag

in das Jahr 2012 fi el, eine der größten Wagner-

Interpretinnen der Nachkriegszeit hervor. Mit einer

Präsentation durch das Stadtarchiv Nürnberg wird

das Thema Wagner, Sachs und Nürnberg bis in die

Gegenwart geführt und abgerundet.

Bereichert um einige ausgewählte Leihgaben,

entsteht die Ausstellung aus den Beständen der Graphischen

Sammlung und der Gemälde- und Skulpturensammlung

der Museen der Stadt Nürnberg in

Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Nürnberg und

der Staatsoper Nürnberg. Die Präsentation ist vom

18. Januar bis 17. April 2013 im Stadtmuseum Fembohaus

zu sehen. Ein reich bebilderter Katalog wird im

Michael-Imhof-Verlag erscheinen. Thomas Schauerte

Tief im Burgberg: Der neu gestaltete „Historische Kunstbunker“

ben links: Blick in den „Historischen Kunstbunker“. Foto: Verein Nürnberger Felsengänge e.V. Oben rechts: Im Kunstbunker eingelagerte Skulpturen aus

ürnberger Kirchen. Foto: Stadtarchiv Nürnberg

Am 12. März 2013 ist es so weit: Nach über 17

Jahren erfolgreichem Führungsbetrieb durch den

„Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V.“ wird

der Historische Kunstbunker im Burgberg mit einer

neuen Ausstellung eröffnet.

Im Jahr 1995 – fünfzig Jahre nach dem Ende des

Zweiten Weltkriegs – hat der Förderverein der Stadt

Nürnberg die Idee unterbreitet, den Kunstbunker

für Besucher zu öffnen, um an die große Bedeutung

der Kunstbergungsanlage für Nürnberg zu erinnern.

Der Förderverein und die städtischen Museen

haben daraufhin gemeinsam ein Führungskonzept

erarbeitet, das die Geschichte des Nürnberger

Kunstluftschutzes dokumentiert. Seit dieser Zeit ist

die Ausstellung der Öffentlichkeit im Rahmen von

Führungen durch den Verein zugänglich.

Um den jetzigen Vereinsvorsitzenden Ralf Arnold

und die Historikerin Hanne Bank hat sich vor einem

Jahr ein Arbeitskreis gebildet, der diese erste Ausstellung

überarbeitete und gänzlich neu gestaltete,

fachlich begleitet von den Museen der Stadt Nürnberg.

Die neue Ausstellung

Die Themen „Kunstluftschutz“ und „Zerstörung“

wurden um inhaltliche Aspekte erweitert und erhielten

ein zeitgemäßes Layout. Originale Einbauten,

großformatige Fotografi en, Audiostationen und

digitale Bilderrahmen mit verschiedenen Fotosequenzen

vermitteln eindrücklich die Katastrophe

des Krieges und das Ausmaß der Zerstörung und des

Verlusts. Bilder historischer Bergungssituationen

wurden den realen Örtlichkeiten zugeordnet, was

der Ausstellung noch mehr Authentizität verleiht.

Die Präsentation erfuhr auch eine inhaltliche

Erweiterung um das relevante Thema „Wiederauf-

bau der Nürnberger Altstadt“. Die Neukonzeption

beleuchtet nun auch die damaligen Kontroversen

um den Wiederaufbau: Sie wirft einen Blick auf

den Ideenwettbewerb von 1947, zu dem Oberbürgermeister

Hans Ziegler nicht nur die Architekten

und Stadtplaner, sondern „alle Nürnberger“ aufrief,

„ihre Gedanken, Vorschläge und Ideen über den

Wiederaufbau ihrer Heimatstadt“ mitzuteilen. Sie

erinnert an den im gleichen Jahr ausgelobten Architektenwettbewerb,

der die weitere Diskussion

maßgeblich bestimmte, und sie gibt einen Eindruck

von dem schließlich eingeschlagenen Weg, die Stadt

wieder aufzubauen.

Zur Geschichte des Kunstbunkers

Kurz nach Kriegsbeginn wurde in den Felsengewölben

unter der Kaiserburg ein Aufbewahrungsort

geschaffen, um wertvolles Kunst- und Kulturgut,

mit dem die ehemalige Reichsstadt Nürnberg so

reich gesegnet war, vor Zerstörung zu schützen. In

einer Tiefe von bis zu 24 Metern entstand ein ausgeklügeltes

Gangsystem mit Entwässerung, Beheizung

und Belüftung, um adäquate Klimabedingungen

zur Einlagerung der Kunstschätze zu schaffen

– ein in Deutschland einmaliges Unterfangen. Neben

den Altären, Glasfenstern und Chorgestühlen

aller Nürnberger Altstadtkirchen wurden herausragende

Kunstwerke – u.a. die Uhr der Frauenkirche

mit dem „Männleinlaufen“, die Reichskleinodien,

der „Engelsgruß“ von Veit Stoß oder das „Schlüsselfelder

Schiff“, das als eines der Hauptwerke der

europäischen Goldschmiedekunst um 1500 gilt, – in

eigens angefertigten Kisten sorgfältig verpackt und

eingelagert.

Seit 1942 war Nürnberg eines der Hauptziele der

alliierten Bomber: 59 Luftangriffe legten die Stadt

in Schutt und Asche. Über 6000 Menschen verloren

ihr Leben, mehr als 350.000 Einwohner

wurden obdachlos, gerade einmal 9%

der Gebäude blieben gänzlich ohne

Schäden. Nürnberg war nach Dresden,

bezogen auf die bebaute Fläche,

die am stärksten zerstörte deutsche

Stadt. Nur dank des Kunstbunkers

im Burgberg

und der rechtzeitig

getroffenen Vorsorge

haben zahlreiche

Meisterwerke aus

Nürnberger Museen

und Kirchen den verheerenden

Luftkrieg

unbeschadet überstanden.

Erst die großzügige fi nanzielle Unterstützung

durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse

Nürnberg ermöglichte die Neukonzeption des Historischen

Kunstbunkers. Brigitte Korn

Unten: Carl Hammer:

Erinnerungsblatt für das

Hans-Sachs-Fest 1894.

Farblithographie.

Museen der Stadt

Nürnberg, Graphische

Sammlung. Foto: Museen

Die Reichskrone als Teil

der Reichskleinodien

Foto: Kunsthistorisches

Museum Wien


10

Der Kinderbeirat des

DB Museums bei der

ersten Probefahrt auf

der Miniatur-Eisenbahn.

Foto: Mike Beims

DB Museum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Kinder-Bahnland – die neue Attraktion

Der neue interaktive Kinderbereich im DB Museum wird im Januar eröffnet

Eine ganze Eisenbahnwelt nur für Kinder zu

schaffen: Das hatten sich Museumsdirektorin Russalka

Nikolov und ihr Team als Meilenstein zur Weiterentwicklung

des DB Museums vorgenommen.

In Zusammenarbeit mit der Hamburger Agentur

KWOD & MS Design, die hierzu ein überzeugendes

Konzept lieferten (siehe hierzu das Porträt auf dieser

Seite), ist nun, nach gut einjähriger Arbeit, das

Kinder-Bahnland, kurz KIBALA, entstanden.

Noch wird eifrig gehämmert und gefräst, doch

alle Beteiligten sind sich schon jetzt einig, dass hier

die neue Sensation im DB Museum entsteht. Denn

KIBALA ist mehr als eine Erlebniswelt, wie man

sie heute in vielen Museen eingerichtet findet. Es

ist vielmehr ein Mikrokosmos, ein Eisenbahnland,

in das die Museumsbesucher im Alter von drei bis

zwölf Jahren eintauchen können und dort alles finden,

was sie sich schon immer gewünscht haben.

Das KIBALA löst die alte Eisenbahn-Erlebniswelt

ab; deren Fläche im ersten Obergeschoss ist nun frei

und soll zukünftig den letzten Teil der Dauerausstellung

sowie einen Raum für Modelle aufnehmen. Der

neue Kinderbereich erstreckt sich nun auf einer Fläche

von beinahe 1.000 Quadratmetern im zweiten

Stockwerk. Noch ist hier Baustelle, doch ein Blick

auf die bunten Entwurfszeichnungen von KWOD

lässt erahnen, wie es hier bald aussehen wird. Der

erste Bereich hinter dem Eingang ist wie die Halle

eines Bahnhofs gestaltet. Dort werden die Besucher

einen alten Bekannten treffen: Die Comic-Figur Oli,

vielen Bahnreisenden aus den Pixibüchern im Kinderabteil

vertraut, nimmt dort die kleinen Gäste in

Empfang und „führt“ sie durch die Miniaturwelt.

Mit von der Partie ist seine Freundin Polly, die der

Zeichner und Oli-Schöpfer Titus Ackermann eigens

für KIBALA entwickelt hat. Die beiden animieren die

Das neue Kinder-Bahnland steht kurz vor der Vollendung

– Gelegenheit, ein Porträt der Agentur zu

zeichnen, von der Konzept und Gestaltung stammen.

Die Museumszeitung hat hierzu Harald Krischer und

Prof. Manfred Schulz, die Geschäftsführer von KWOD

& MS Design, interviewt.

MuZ: Wie geht es Ihnen, wenige Wochen vor Eröffnung

von KIBALA?

Krischer: Wir befinden uns in einer der anstrengendsten

aber auch schönsten und aufregendsten

Projektphasen, dem Endspurt – eigentlich wie zur

Weihnachtszeit kurz vor der Bescherung. Die Ideen

und Entwürfe kommen alle zusammen und werden

Wirklichkeit. Alle Beteiligten sind voll im Einsatz und

die Vollendung des Gesamtwerkes gibt uns zusammen

ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

MuZ: Welche Leistungen bringen Sie konkret in das

Projekt ein?

Schulz: So eine Ausstellung zu entwickeln und produzieren

ist mindestens ein so komplexer Vorgang wie

ein Haus zu bauen. Wir haben auf konzeptioneller

Ebene aufgrund eines Briefings unserer Auftraggeber

ein teilweise modifiziertes Gesamtkonzept entwickelt

und von einer dramaturgischen Reise ausgehend

verschiedene Themen- und Spielsituationen

entlang einer erlebbaren Zugreise entwickelt. Unser

Team besteht aus den unterschiedlichsten Disziplinen:

Designer, Architekten, Grafiker, Illustratoren,

Pädagogen, Programmierer, Medienspezialisten.

MuZ: Neben dem Museumsteam haben Sie auch eigene

Recherchen unternommen – nicht unbedingt

selbstverständlich für einen Ausstellungsdesigner.

Krischer/Schulz: Die Eisenbahn ist für uns schon immer

eine faszinierende Mischung aus Technik und

Emotion gewesen. In der Kindheit war es die Begeis-

Tunnel und Berge, Kletterlok und Spieleisenbahn – so bunt und vielfältig wird das neue Kinder-Bahnland. Zeichnung: KWOD

Kinder, auf Entdeckungsreise zu gehen und an den

vielen Spielstationen aktiv zu werden: Sie können

sich als Gleisbauer und Zugbegleiter betätigen, alte

und moderne Eisenbahnwagen erkunden, Signale

stellen und Kohlen für eine Dampflok schaufeln. Neben

der schon aus der alten Erlebniswelt bekannten

Briobahn wartet ein Playmobil-Bereich zum Thema

Güterverkehr auf die jungen Besucher. Die ebenfalls

in der alten Kinderwelt schon vorhandene LGB-

Bergbahn wurde erheblich erweitert und befährt

jetzt zwei Bergmassive.

Doch die größte Attraktion ist wohl der KIBALA-

Express, eine Miniaturbahn, auf der die Kinder

durch den ganzen Bereich fahren können – durch

Tunnel, über Brücken und vorbei an Landschaften,

die von den Gestaltern fantasievoll und mit viel Liebe

zum Detail entworfen wurden.

So eine Miniaturbahn kann man nicht von der

Stange kaufen. Der Mainzer Modellbauer und Spezialist

für die Fünf-Zoll-Bahn, Klaus Wagner, stellte

die Fahrzeuge in sorgfältiger Handarbeit her. Die

beiden Lokomotiven stellen naturgetreue Modelle

im Maßstab 1:11 dar; Vorbilder für die akkubetriebenen

Fahrzeuge waren eine Elektrolok der Baureihe

E 80 und eine Diesellok vom Typ V 100. Die Loks ziehen

mit einer Leistung von etwa einem halben PS

vier Sitzwagen für Kinder und einen Wagen mit dem

Lokführer. Wenn das Ausfahrsignal des Bahnhofs

auf „Fahrt frei“ gestellt ist – das dürfen die kleinen

Fahrgäste auf Anweisung des Lokführers tun – setzt

sich der KIBALA-Express in Bewegung, und der Zug

umrundet die ganze Miniaturwelt auf einer über

110 Meter langen Strecke. Nach den ersten Probefahrten

ist den Beteiligten klar: Die Kleinbahn wird

ein Publikumsrenner!

Auch unser Partner, das Museum für Kommunikation,

ist an den neuen Bereich angedockt: Denn der

seit 2008 geschlossene hintere Übergang zwischen

den beiden Museen wird reaktiviert. Dort entsteht

sogar eine Haltestation des KIBALA-Express, an dem

Besucher, die aus dem Internet-Raum des Kommunikationsmuseums

kommen, einsteigen können.

Bis es so weit ist, liegen noch einige Wochen intensiver

Arbeit vor dem Museumsteam. Doch alle

freuen sich schon auf den 12. Januar 2012, wenn

wir mit einem großen Kinderfest eröffnen und der

KIBALA-Express zu seiner Jungfernfahrt startet.

Rainer Mertens

Die KIBALA-Gestalter – KWOD & MS Design

terung für die Technik, später entwickelte sich ein

Bahnhof in unserer Vorstellung zum Kulminationspunkt

von Emotionen: Abschiedstrauer, Wiedersehensfreude,

Reiselust und manchmal eine neugierige

Reise ins Ungewisse. Es ist kein Zufall, wie oft die Eisenbahn

Handlungsort in der Literatur, dem Film und

der Malerei gewesen ist. Schließlich ist unser Team

in der einjährigen Projektphase ca. 80.000 Kilometer,

also zweimal um die Welt, mit der Bahn gefahren.

MuZ: Was sind für Sie die Highlights des neuen Bereichs?

Schulz: Der KIBALA-Express, mit der die Kinder durch

die ganze Ausstellung fahren können, ist sicherlich

eines der ganz großen Highlights. Aber letztlich ist es

das Gesamterlebnis, das die Ausstellung zum Highlight

macht.

MuZ: Bei der Planung war ein Kinderbeirat eingebunden,

der die Ideen für das KIBALA einer kritischen

Prüfung unterzog und viele eigene Ideen ein-

brachte. Wie beurteilen Sie dieses Modell, Kinder

mitentscheiden zu lassen?

Krischer: Die Zusammenarbeit und die Workshops

mit den Kindern waren äußerst lebendig, kreativ,

fantasievoll und enorm aufschlussreich. Es hat uns

immer großen Spaß gemacht. Wir selbst haben dabei

gelernt, mehr mit den Augen der Kinder zu sehen

und konnten dadurch viele Entscheidungen besser

treffen.

MuZ: Wie sind insgesamt Ihre Erfahrungen in der

Zusammenarbeit mit dem Museum?

Krischer/Schulz: Sie ist geprägt durch eine kreative

und konstruktive Arbeitsweise, sowie hohe Themenkompetenz

und Aufgeschlossenheit des wissenschaftlichen

Teams. Eine große Bereicherung ist die

hauseigene Werkstatt unter der Leitung von Lorenz

Krauß, die mit ihrer Erfahrung Vieles im Ausstellungsbau

ermöglicht hat. Eisenbahngeschichte ist ein

großes und faszinierendes Thema, das uns in seinen

Bann gezogen hat.

Das Team von KWOD & MS Design: Markus Meyer, Harald Krischer, Ana Frotscher, Milena Gradtke, Manfred

Schulz, Kurt Odendahl

Termine

Veranstaltungen und Events

Adlergeburtstag

Museums-Weihnachtsfest für die ganze

Familie

So, 9.12.2012, 10–16 Uhr

Kinderfest zur Eröffnung des neuen

Kinder-Bahnlands

Sa, 12.1.2013, 11–18 Uhr

Internationaler Gedenktag für die Opfer

des Holocaust

Führungen zur Rolle der Reichsbahn im

Holocaust

So, 27.1. 2013, 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr,

16 Uhr

Lesungen „Reiseerlebnisse“

Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn

Zekarias Kebraeb, Botschafter der Deutschlandstiftung

Integration, berichtet über

seine Flucht aus Eritrea.

Fr, 7.12.2012, 19 Uhr

„Zwedschga“

Lesung mit Fitzgerald Kusz

Fr, 18.1.2013, 19 Uhr

Afrika – Mit dem Zug durch den

Schwarzen Kontinent

Diashow von und mit Rohan Vos,

Eisenbahn-Enthusiast aus Südafrika

Do 7.2.2013, 19 Uhr

„Mei Vater war Heizer auf der Seku“

Reisen auf Fränkisch mit Klaus Karl-Kraus

Fr, 8.3.2013, 19 Uhr

Bühne

Loriot – Szenische Lesungen

Mit dem Ensemble „Stilblüten“

Fr, 22.3.2013, 19 Uhr

Vorträge

Eisenbahnen am St. Gotthard

Vortrag von Dr. Kilian Elsasser

Mi, 27.2.2012, 19 Uhr

Ostseefähren im Kalten Krieg

Vortrag von Wolfgang Klietz

Mi, 27.3.2013, 19 Uhr

Jazz-Matinee/Soiree

KLIMA KALIMA

So, 27.1.2013, 11–13 Uhr

Folk Tassignon Quartet

So, 24.02.2013, 11–13 Uhr

Lea W. Frey Trio

So, 17.03.2013, 11–13 Uhr


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museum für Kommunikation Nürnberg

11

Die Grabkammer des Sennedjem

otenkult und Schriftkultur der alten Ägypter werden im Museum anschaulich

Zwei Deckenszenen: der Sonnengott Re (links)/Sennedjem verehrt Horus und zwei Kanopengötter

Seit einigen Wochen ist das Museum für Kommunikation

um eine große Attraktion reicher. Besucher

können jetzt die im originalen Maßstab rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen Kunsthandwerkers

Sennedjem besuchen, die zur Zeit des

Neuen Reiches (ca. 1550 – 1070 v. Chr.) entstand. Die

originale Grabanlage

des Sennedjem und

seiner Familie liegt

mehrere Meter tief

im Fels des thenanischen

Westgebirges

am Rande der Ruinensiedlung

von Deir el-

Medina, einem Ort, in

dem im Neuen Reich

die pharaonischen

Künstler und Handwerker

lebten. Hier

waren insgesamt zwanzig Mumien bestattet, darunter

Sennedjems Ehefrau Iineferti und seine Kinder.

Berühmt ist das Grab, das Ende des 19. Jahrhunderts

nahezu unversehrt aufgefunden wurde, wegen seiner

Ausstattung. Seine vollständig mit Zitaten aus

dem altägyptischen Totenbuch und den sie illustrierenden

prächtigen Wandvignetten bedeckten

Wände zeigen die enge Verbindung von Architektur,

Schrift und Totenkult im alten Ägypten. Das Grab

des Sennedjem ist daher mediengeschichtlich hoch

interessant, da hier deutlich wird, dass die Menschen

schon vor fast viertausend Jahren multimedial

Bilder und Texte gleichzeitig nutzten. Doch warum

wurde diese Anlage im Museum rekonstruiert?

Das Haus thematisiert

in seiner Dauerausstellung

die Kommunikation

mit Tönen,

Bildern und Schrift

sowie im Internet.

Das neu errichtete

Sennedjemgrab ist in

die Abteilung Schrift

integriert. Hier werden

die Entwicklung

von Schriftsystemen

und die Bedeutung

des Schreibens für Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung

erläutert.

Die Grabkammer mit ihrer aufwendigen Ausstattung

beleuchtet einen weiteren Aspekt des Themas:

Sie ist ein sehr schönes Beispiel für das Bedürfnis

des Menschen, mit der Welt des Überirdischen

und der Sphäre der Götter in Verbindung zu treten

und zu kommunizieren, vor allem nach dem Tode.

Besucherinnen und Besuchern bietet sich hier die

einzigartige Gelegenheit, die Schönheit und den

Reichtum der Darstellungen ohne zeitlichen Druck

kennenzulernen und das Zusammenspiel von Bild

und Text zu studieren. Im ägyptischen Totenkult

schützten das Grab und seine Architektur den Verstorbenen,

darin einem Sarkophag vergleichbar. Die

weißen Textstreifen, die die Deckenmalereien gliedern,

erinnern an die Mumienbänder, mit denen die

Toten umwickelt wurden. Die Bilder beziehen sich

auf Sprüche aus dem ägyptischen Totenbuch, einer

Sammlung von etwa 190 Sprüchen, die um die Themen

Tod und Auferstehung in der jenseitigen Welt

der Götter kreisen. Sie enthalten magische Formeln

und beschreiben rituelle Handlungen, die die Toten

auf ihrem Weg ins Jenseits sicher begleiten sollen.

Die Darstellungen im Grab des Sennedjem illustrieren

eine Auswahl dieser Sprüche und zeigen, wie der

Künstler und seine Frau Iineferti nach dem erfolgreichen

Bestehen des Totengerichts in die Ewigkeit und

in die jenseitige Welt der Götter eingeführt werden,

wobei diese ihnen helfen, mögliche Gefahren abzuwehren.

Eine der berühmtesten Darstellungen des

Grabes findet sich auf der Ostwand: Hier wird das

vom Licht des Sonnengottes Re durchflutete jenseitige

Paradies dargestellt.

Inhaltlich betreut wurde das Projekt von dem

Ägyptologen und Sennedjem-Spezialisten Dr. Wolfgang

Wettengel. Nachdem in dem dafür vorgesehenen

Kabinett das Gewölbe der Kammer nachgebaut

worden war, übernahm der auf Wand- und Deckenmalerei

spezialisierte Nürnberger Kunstmaler

Klaus-Martin Grebe die Ausmalung. Er projizierte zunächst

mit einem Overhead-Projektor die Bilder auf

die auszumalenden Wände. Nachdem er die Linien

der Szenen vorgezeichnet hatte, arbeitete er diese

unter Zuhilfenahme des vorhandenen Fotomaterials

Schritt für Schritt aus. Dabei kooperierten Wettengel

und Grebe eng, der Ägyptologe gab Farbtöne

und Pigmente vor, kontrollierte die Ausführung und

stand für Rückfragen zur Verfügung. Beim Malen

fühlte sich Klaus-Martin Grebe nach eigenem Bekunden

dem Maler des ägyptischen Originals sehr

verbunden. „Besonders fasziniert hat mich das

Gefühl beobachtet zu werden von einem ganz wunderbaren

Künstler aus einem fernen Zeitalter“, so

beschreibt er sein Empfinden während der Arbeit.

Im Frühjahr 2013 wird es im Museum eine dreiteilige

Vortragsreihe mit Wolfgang Wettengel

und Klaus-Martin Grebe geben. Am Sonntag, den

eunzig Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Die „Deutsche Gesellschaft für Post und Telekommunikationsgeschichte

(DGPT)“ ist einer der

größten und traditionsreichsten Geschichtsvereine

Europas. Eine Wurzel dieser Organisation, die heute

bundesweit etwa 12.000 Mitglieder hat, liegt in München.

Ende des Jahres 1922 wurde hier nämlich die

„Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ gegründet, die erst in den 1990er Jahren in

der DGPT aufging.

Die DGPT ist heute als Freundeskreis den Museen

für Kommunikation in Berlin, Frankfurt am Main

und in Nürnberg sowie dem Archiv für Philatelie in

Bonn eng verbunden. 1922 war die neu ins Leben ge-

Termine

Überblicksführungen

Mit der Familie durchs Museum

So, 2.12.2012/6.1./3.2./3.3.2013; 14 Uhr

Führung für Familien (Museumseintritt)

Vom Urlaut zum USB-Stick.

Die Welt der Kommunikation im

Überblick

So, 30.12.2012/27.01./24.02./31.3.2013;

14 Uhr

Führung für Einzelbesucher (Museumseintritt)

Themenführungen

Als die graue Maus geliefert wurde

Di, 8.1./22.1.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

rufene Gesellschaft die erste Organisation Deutschlands,

die ihren Schwerpunkt auf die Beschäftigung

mit der Postgeschichte legte. Wichtigstes Organ hierfür

war das „Archiv für Postgeschichte in Bayern“.

Mitarbeiter der Oberpostdirektionen, per Verfügung

sogar ermuntert, in ihrer Dienstzeit postgeschichtliche

Forschung zu betreiben, trugen unter anderem

durch Beiträge zur Postgeschichte bayerischer Städte,

durch Reiseberichte, Porträts von Posthaltern

und Artikeln über bayerische Briefmarken und deren

Gestalter zum Erfolg der Zeitschrift bei. Die Gesellschaft

und ihre Publikation existierten bis zur Privatisierung

der Bundespost Mitte der 1990er Jahre.

Das Fräulein vom Amt

Di, 29.1./14.2.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

Anmeldung für diese zwei Angebote

(0911) 2308885 bzw. E-Mail:

mfk-nuernberg@mspt.de

Auf den Spuren der Postgeschichte

90 Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Do, 6.12.2012; 19 Uhr

Öffentliche Festveranstaltung im Museum

Anmeldung erbeten: 0911/ 230 88 85.

Workshops für Kinder

Schreib- und Geheimwerkstatt

So, 9.12./30.12.2012/13.1./17.2./31.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Danach ging die bayerische Vereinigung in der

bundesweit tätigen DGPT auf. Diese gibt heute mit

der Zeitschrift „DAS ARCHIV. Magazin für Kommunikationsgeschichte“

eine moderne, reich bebilderte

Publikation heraus, die in ihrem Regionalteil nach

wie vor Beiträge und Informationen aus und für

Bayern enthält. Das Gründungsjubiläum der „Gesellschaft

zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ ist am Donnerstag, den 6.12.2012 ab 19 Uhr

Anlass für eine Festveranstaltung mit hochkarätigen

Gästen. Dr. Wolfgang Bötsch, letzter Bundesminister

für Post und Telekommunikation wird im Gespräch

mit Werner Scheller, dem stellvertretenden Vorsit-

Du bist ja ne Marke!

So, 16.12.2012/20.1./24.2.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Volles Rohr – und ab die Post!

So, 23.12.2012/27.1./24.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

„Hieroglyphen-Werkstatt“: Workshop

für Kinder

So, 6.1./3.2./3.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Hier gibt’s was auf die Ohren“: Workshop

für Kinder

So, 10.2./10.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Wie siehst du denn aus!“: Workshop

für Kinder

So, 15.2./17.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

3.2.2013 behandelt Wolfgang Wettengel das Thema

„Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild im Totenkult

der alten Ägypter“, während er am Sonntag,

den 14.4.2013 zum Thema „Sennedjem und seine

Kollegen. Kunsthandwerker im alten Ägypten“

sprechen wird. Am Sonntag, den 3.3.2012, berichtet

Klaus-Martin Grebe in einem Werkstattgespräch

über die Ausmalung der Grabkammer und das, was

ihn an dieser Aufgabe fasziniert hat. Die Vorträge

beginnen jeweils um 11 Uhr. Das Kunst- und Kulturpädagogische

Zentrum der Museen in Nürnberg

(www.kpz-nuernberg.de) bietet ab Anfang 2013 unter

dem Titel: „Ein Architekt des Pharao – unterwegs

im alten Ägypten“ einen neuen Kindergeburtstag

an, in dessen Mittelpunkt die Erforschung der Grabkammer

und die Gestaltung eines Forschertagebuches

stehen. Als offenes Angebot gibt es jeden ersten

Sonntag im Monat von 14–16 Uhr für Kinder die

Hieroglyphenwerkstatt. VL

zenden der DGPT, über die spannende Privatisierungszeit

der Bundespost berichten. Isabell Koch

beleuchtet nach intensivem Quellenstudium die

Entwicklung der Postgeschichtsforschung in Bayern.

Der Bamberger Landeshistoriker Prof. Karl Möckl

wird in seinem Vortrag „den Ort Bayerns nach dem

Ersten Weltkrieg“ in der historisch und gesellschaftspolitisch

bedeutenden Umbruchphase zwischen Monarchie

und Demokratie betrachten.

All diejenigen, die sich für Post- und Kommunikationsgeschichte

interessieren, sind herzlich zu dieser

Veranstaltung eingeladen.

Anmeldung erbeten unter 0911-23 08 88 5. VL

Kosten für Workshops: Museumseintritt

Vorträge zum Sennedjem-Grab

Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild

im Totenkult der alten Ägypter

So, 3.2.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Die Ausmalung des Sennedjem-Grabes –

ein Werkstattbericht

So, 3.3.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Sennedjem und seine Kollegen. Kunsthandwerker

im alten Ägypten

So, 14.4.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

http://www.mfk-nuernberg.de/

Links unten: Blick auf

die Westwand

Unten: Blick in die

Grabkammer auf die

Ostwand.

Fotos: Mile Cindric


„Manche Maler machen aus der Sonne einen gelben Punkt.

Andere machen aus einem gelben Punkt eine Sonne.“

Pablo Picasso (1881-1973), spanischer Maler, Grafi ker und Bildhauer

Wir fördern Museumskultur in und um Nürnberg

IMPRESSUM

Herausgeber:

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Dr. Matthias Henkel

Gregor Isenbort

Dr. Herbert May

Russalka Nikolov

Dr. Angelika Nollert

Redaktion:

Walter Schatz (verantwortlich)

Ulrike Berninger M.A. (Museen)

Birgit Hohenstein (Museen)

Hendrikje Loof M.A. (NMN)

Dr. Vera Losse (MKN)

Eva Martin (NMN)

Dr. Rainer Mertens (DB)

Dr. Sonja Mißfeldt (GNM)

Ute Rauschenbach M.A. (FFM)

Gestaltung:

Alexander Frank

Sven Irmler

Peter Töpfer

(Entwurf: Martin Küchle)

Verlag und Druck:

Verlag Nürnberger Presse

Druckhaus Nürnberg GmbH & Co.

Marienstraße 9–11

90402 Nürnberg

Redaktion:

Tel. (0911) 2 16 - 28 82

Dora Hitz: Bildnis der Malerin Marie von Brocken, 1891, Öl auf Leinwand,

Inv.-Nr. Gm 0592

Foto: Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und Skulpturensammlung

C

M

Y

CM

MY

CY

CMY

K

www.museumszeitung.de

spk_2zlg_marke_70x30mm_4c.pdf 01.12.2010 14:26:37 Uhr

Museen der Stadt Nürnberg

Albrecht-Dürer-Haus

Albrecht-Dürer-Straße 39

90403 Nürnberg

Tel. (09 11) 2 31 - 25 68

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Do 10–20 Uhr

Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Stadtmuseum Fembohaus

Burgstraße 15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 25 95

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Dokumentationszentrum

Reichsparteitagsgelände

Bayernstraße 110

90478 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 56 66

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo–Fr 9–18 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Memorium Nürnberger

Prozesse

Bärenschanzstraße 72

90429 Nürnberg

Tel. (0911) 3 21 - 7 93 72

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten: Mi–Mo 10–18 Uhr

Spielzeugmuseum

Karlstraße 13–15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 31 64

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Museum Tucherschloss

und Hirsvogelsaal

Hirschelgasse 9–11

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 54 21

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo 10–15 Uhr, Do 13–17 Uhr

So 10–17 Uhr

Museum Industriekultur

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 38 75

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Schulmuseum

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 53 02 - 5 74

schulmuseum@ewf.uni-erlangen.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Mittelalterliche

Lochgefängnisse

Rathausplatz 2

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 26 90

historischerrathaussaal

@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

Bis 23.12.2012: täglich 10–16.30 Uhr

1.1.–28.2.2013: geschlossen

1.3.–31.10.2013: täglich 10–16.30 Uhr

Historischer Kunstbunker

im Burgberg

Obere Schmiedgasse 52

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 22 70 66

museen@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

täglich 14.30 Uhr

Für Gruppen nach telefonischer

Voranmeldung

Die nächste

Ausgabe der

Museumszeitung

erscheint am

12. März 2013.

Germanisches Nationalmuseum

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 0

info@gnm.de

www.gnm.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr,

Mi 18–21 Uhr freier Eintritt

montags geschlossen

Kaiserburg-Museum

Auf der Burg

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 20 09 54 - 0

Öffnungszeiten:

April–Sept. tägl. 9–18 Uhr

Okt.–März tägl. 10–16 Uhr

Schloss Neunhof

Neunhofer Schlossplatz 4

90427 Nürnberg

Öffnungszeiten:

Jeweils ab Ostersamstag bis zum

letzten Septemberwochenende

Sa, So und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr

DB Museum

Lessingstraße 6 – 90443 Nürnberg

Tel. (01804) 44 22 33 (0,20 €/Anruf)

E-Mail: info@db-museum.de

www.dbmuseum.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag: 9–17 Uhr

Sa, So und Feiertage: 10–18 Uhr

Geöffnet auch am Ostermontag,

geschlossen am Karfreitag

Museum für Kommunikation

Nürnberg

Lessingstraße 6

90443 Nürnberg

Tel. (0911) 23 08 80

mfk-nuernberg@mspt.de

www.mfk-nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, Feiertage 10-18 Uhr: geöffnet

auch an den Adventsmontagen,

26.12.2012. Geschlossen: 24./

31.12.2012/ 1.1.2013

Neues Museum in Nürnberg

Eingang: Klarissenplatz

Luitpoldstraße 5

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 2 40 20 69

www.nmn.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr

Donnertags 10–20 Uhr

Montags geschlossen

26.12/1.1./6.1./12.2. geöffnet, 10-18 Uhr

24.12./25.12./31.12./11.2. geschlossen

Fränkisches Freilandmuseum

des Bezirks Mittelfranken

in Bad Windsheim

Eisweiherweg 1

91438 Bad Windsheim

Tel. (09841) 66 80 - 0

info@freilandmuseum.de

www.freilandmuseum.de

Öffnungszeiten:

täglich außer montags geöffnet

10. März – 7. Oktober: 9–18 Uhr

9. Oktober – 4. November: 10–17 Uhr

6. November – 16. Dezember:

10–16 Uhr

Das Museum Kirche in Franken

öffnet eine Stunde später.

KPZ Kunst- und Kulturpädagogisches

Zentrum

der Museen in Nürnberg

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 2 41

(Schulen und Jugendliche)

Tel. (0911) 13 31 - 2 38

(Erwachsene und Familien)

schulen@kpz-nuernberg.de

www.kpz-nuernberg.de


02

Rechts: Das Ebner Jesulein,

oben der Rohling,

unten die fertige Figur.

Unten: Die Geburt

Christi aus dem

Krippenzyklus von

Norbert Tuffek

Fränkisches Freilandmuseum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Menschen im Haus – eine Spurensuche

Zur Darstellung der Besitzer- und Bewohnergeschichte in den Museumshäusern

Zu den Aufgaben des Fränkischen Freilandmuseums

des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim

gehört es, nicht nur die bauhistorische Entwicklung

der versetzten Gebäude zu erforschen, sondern auch

der Bewohnergeschichte nachzuspüren. Es ist also

nicht nur die technische Seite des Hauses von Bedeutung,

sondern auch die Sozialgeschichte, denn: Was

wären die Häuser ohne die ehemaligen Bewohner,

ohne die „Menschen im Haus“? Und dann stellt sich

die Frage: Wie gebe ich die gewonnenen Erkenntnisse

an die Besucher weiter?

In dem erst kürzlich neu eröffneten Bauernhaus

aus Reichersdorf (Landkreis Roth) ist ein ganzer

Raum den „Menschen im Haus“ gewidmet. Wie viele

Menschen waren es eigentlich, die in diesem Haus

geboren und aufgewachsen sind? Was ist geblieben

von ihnen, an Informationen, möglicherweise auch

an Fotografi en? Es war eine Spurensuche, die uns –

neben Gesprächen mit den letzten Bewohnern – vor

Visualisierung der ehemaligen Bewohner im Bauernhaus aus Reichersdorf

(oben) und im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld Alle Fotos: Ute Rauschenbach

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Norbert Tuffek muss ein „Ver-rückter“ im besten

Sinne des Wortes sein. Wie anders wäre seine immense

Leidenschaft zu erklären, seit über 12 Jahren

fortgesetzt an einem Krippenzyklus zu arbeiten, der

mittlerweile über 200 Figuren umfasst? Aber das ist

noch lange nicht alles: Der gelernte Holzbildhauermeister

aus Wendelstein bemerkte beim Anfertigen

allem ins Archiv führte, zu den Kirchenbüchern, die

Aufschluss geben über Geburt, Taufe, Konfi rmation,

Eheschließung, Tod und Sterben – in einer Zeit, als es

noch keine Einwohnermeldeämter gab. Für den „Zuckerhof“,

so der alte Hofname, sind seit der Bauzeit

um 1500 fünfzehn Generationen nachzuweisen.

Alle Familienangehörigen, die wir ab etwa 1700

sicher nachweisen konnten, haben wir in der Kammer

gegenüber der Stube auf Bannern vorgestellt.

Die Informationen geraten umso spärlicher, je weiter

sie zurückreichen. Oft sind es nur die Daten von

Geburt und Tod, die von einem Menschenleben übrig

geblieben sind. Und wie viel Kummer und Gram hier

in diesem Haus erlitten wurde, zeigen die vielen Einträge

von früh verstorbenen Kindern. Zu Beginn des

19. Jahrhunderts überlebten von den sieben Kindern

der Margaretha Hussendörfer nur die älteste Tochter

und ein Sohn. Auch die Todesursachen sind bisweilen

benannt. So starb Kunigunda Hussendörfer 1866

mit elf Jahren an Luftröhrenvereiterung, wie es im

Kirchenbuch heißt.

Im 2002 im Freilandmuseum eröffneten Bauernhaus

aus Kleinrinderfeld (Landkreis Würzburg) steht

das Leben der letzten Bewohnerin Hildegard Borst

im Mittelpunkt. Mittels zweier vom Bayerischen

Rundfunk produzierter Hörstationen geht es um

eine unglaubliche Geschichte: Weil sie es nicht verwinden

konnte, dass ihr Bruder – der Hofi nhaber –

im Zweiten Weltkrieg vermisst blieb, konservierte sie

den Zustand im Haus. Der Bruder sollte nach seiner

Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft das Haus so

vorfi nden, wie er es verlassen hatte. So blieb die Zeit

stehen auf dem „Simonshof“, fast 50 Jahre lang – ein

wirklicher Glücksfall für ein Freilichtmuseum.

Es gibt einen auffälligen Bruch innerhalb des

Kleinrinderfelder Hauses: Während die Stuben und

die meisten Kammern sowie die Küche und die Flure

durch die Fülle der überlieferten Ausstattung beeindrucken,

sind im Obergeschoss einige Räume fast

vollkommen leer. Hier haben während des Zweiten

Weltkrieges Zwangs- und Fremdarbeiter gewohnt,

danach Ausgebombte und Vertriebene, die nach

dem Auszug Mitte der 1950er Jahre die Möbel und

der halbmetergroßen Gliederfi guren und

beim Schneidern Schneidern der prächtigen Gewänder,

dass dass diese nur mit Goldbesätzen Goldbesätzen so richtig richtig

wirken. Doch woher diese bekommen,

ohne auf industrielle Massenware zurückgreifen

zu müssen? Das Rohmaterial,

das fein gezogene „Gespinst“,

entdeckte er in einem Spezialgeschäft.

Aber wer konnte das zu einer fertigen

Spitze verarbeiten? Norbert Tuffek suchte

und probierte, probierte, fand aber keinen Spezialisten,

der genau genug auf seine Wünsche

und Vorstellungen einging. Also blieb wohl

nur selbst machen. machen. Er belegte kurzerhand

kurzerhand

einen Klöppelkurs in der nahe gelegenen

Klöppelschule Abenberg und fertigt fertigt nun die

Goldspitzen passgenau selber an. Die prächtigen

Stoffe für die Gewänder der Figuren bezieht

er aus abgetragenen Messgewändern.

Interessant ist, dass diese bei jahrelangem

Gebrauch meist meist in Bauchhöhe Bauchhöhe durch das das FalFaltenten der der Hände zum Gebet häufi g abgenutzt

sind, im Schulter- oder Beinbereich für die

Zwecke des Bildhauermeisters aber

noch bestens taugen.

Besuch im Atelier des Künstlers

Es riecht ein wenig nach Farbe, vermischt

mit dem Wohlgeruch von frisch

verarbeitetem Holz, beim Betreten der

großen, hellen Werkstatt. Norbert Tuffek

arbeitet in der Vorweihnachtszeit

an einem Christkind, das dem „Ebner

Jesulein“ so exakt wie möglich nachemp-

funden ist. Der Typus geht zurück auf

die Nonne und Schriftstellerin Margareta

Ebner, Ebner, die die um um 1300 1300 im im Kloster Maria Maria MeMedingendingen bei Dillingen lebte und die die älteste älteste

heute heute noch erhaltene Jesuleinfi gur umhegt umhegt

haben haben soll. Das „Gnadenkind Jesu zu Maria

Kirchheim“ ist eine prunkvoll ausgestatte-

ausgestatte-

Die „Gute Stube“ der letzten Hausbewohnerin im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld

sonstige Ausstattung mitgenommen haben. Selbst

durch die Befragung von Zeitzeugen war nur wenig

über diese Hausbewohner zu erfahren – gerade mal

die Namen, bei den Zwangs- und Fremdarbeitern

sogar nur die Vornamen. Was von diesen Menschen

auf ihrer Durchgangsstation im Simonshof blieb,

sind undeutliche Konturen, Schatten.

Eine gut dokumentierte und ansprechend präsentierte

Besitzer- und Bewohnergeschichte kann ein

versetztes Haus für Besucher so richtig lebendig machen.

Dabei kommt es auf Fingerspitzengefühl an.

Die Räume sollen möglichst „original“ präsentiert

werden, andererseits aber auch Informationen mit

modernen Ausstellungstechniken weitergeben –

eine Herausforderung, der sich Ausstellungsmacher

gerne stellen. Auch weitere gelungene Beispiele

zur Dokumentation von Besitzergeschichten laden

zu einem Museumsbesuch ein, z.B. die Vermittlung

eines Doppelmordes von 1921 im Seldenhaus aus

Obermässing oder der Arbeit des Bienenforschers

Johann Witzgall, der um 1900 als Schullehrer mit

seiner Familie im Schulhaus wirkte.

Herbert May

te, hölzerne Jesuskindfi gur, die einen Vogel in

der Hand hält eine Anspielung auf das erste

Wunder des kleinen Jesus, der einen Vogel

aus Ton zum Fliegen gebracht haben soll –

so berichten es die Apokryphen. Eine andere

Deutung geht auf den Stieglitz zurück, der

laut Legende dem Gekreuzigten die Dornen

aus dem Kopf zieht – in der Hand des

Jesuleins eine Vorwegnahme der Passion.

Prächtige Szenerien zur Geburt Christi

Die Werkstatt ist zugleich auch Ausstellungsraum

– und hier fällt der Blick des

Besuchers auf die prächtige Krippendarstellung,

die in Kürze eingepackt wird und

als eine der neun Szenerien ab Dezember in

der Spitalkirche im Fränkischen Freilandmuseum

zu sehen sein wird. Museumsleiterin

Dr. Andrea K. Thurnwald wurde auf den Krip- Krippenzyklus

aufmerksam, der im Jahr zuvor in

Wendelstein ausgestellt war und orderte ihn

für das Museum Kirche in Franken – wo sollte

er besser hinpassen? Beeindruckend ist die

Detailliebe und die handwerkliche Perfektion

bei eigener Handschrift, mit der Norbert Tuf- Tuffek

den Krippenzyklus gestaltet hat. Doch

nicht nur die Figuren, auch die Umgebung,

in der sie agieren, ist aufwendig gestaltet.

Die Einteilung der Szenen ist traditionell:

zu sehen sind die Verkündigung an Maria,

der Besuch Marias bei Elisabeth, Maria

durch ein Dornwald ging, die Herbergssuche,

die Anbetung der Engel, die Anbetung

der Hirten und Könige, die Beschneidung

Christi, die Darstellung im Tempel und die

Flucht nach Ägypten.

Geöffnet ist das Museum Kirche in Franken

täglich außer montags noch bis 16. Dezember,

danach am 25., 26., 30. Dezember sowie 1. und 6.

Januar jeweils von 11–16 Uhr.

Ute Rauschenbach

Termine

Veranstaltungen

Advent in fränkischen Bauernstuben

mit Stubenmusik, Gesang, Geschichten

und Gedichten, Kartoffellebkuchen und

Plätzchen, Kaffee und Glühwein. Verkauf

von Weihnachtsbaumschmuck, handgeschnitzten

Backmodeln, Krippen, Kränzen,

Keramik, handgefertigten Fleckerlteppichen,

Filzfi guren, Gestricktem aus handgesponnener

Schafwolle.

So, 9. und 16.12. (2. und 3. Advent),

12–16 Uhr

Museumsweihnacht

Jahresausklang mit dem Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum e.V. rund um

die Mühle aus Unterschlauersbach.

So, 9.12., 12–16 Uhr

Weihnachtsspiel „Empfängnis und

Geburt Christi“

Die Theatergruppe Eschenbach inszeniert

das historische Weihnachtsspiel von Hans

Sachs in der abendlichen Dämmerung des

Seubersdorfer Hofes. Mit dabei: die Aurataler

Sänger, die Eschenbacher Hausmusik und

der Museumsschäfer mit seinen Schafen,

Ochs und Esel.

So, 16.12., 16 Uhr

Winteröffnungstage

Verschneite Bauernhäuser, Eiszapfen an

hölzernen Dachrinnen und glitzernde Winterlandschaft.

Für Fotofreunde bieten sich

wunderbare Motive – mit etwas Glück!

So, 30.12. und 6.1.2013, 10–16 Uhr

Konzerte

Spitalkonfekt: Fränkische Weihnacht

Lesung der Weihnachtsgeschichte, begleitet

von den Bad Windsheimer Sängern und

Spielleut`. Veranstalter: Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum. Eintritt frei,

Spenden erbeten.

So, 9.12., 16.30 Uhr, Museum Kirche in

Franken

Ausstellungen

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Krippenzyklus in neun Bildern mit über 200

Figuren von Norbert Tuffek im Museum

Kirche in Franken

täglich Di – So bis 16.12.12 und 25., 26.,

30.12., sowie 1. und 6. Januar jeweils

11–16 Uhr

Umbruchzeit

Die 1960er bis 1970er Jahre auf dem Land

noch bis So, 16.12., Di – So, 10–16 Uhr

Saisonstart nach der Winterpause:

Sa, 9.3.13

Weitere Infos unter

www.freilandmuseum.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Germanisches Nationalmuseum

03

Tagträume – Nachtgedanken

hantasie und Phantastik in Graphik und Photographie führt zu den Wurzeln der Surrealisten

Hannah Höch: Der Strauß, 1929/65,

Germanisches Nationalmuseum © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

„Er ist so schön … wie die unvermutete Begegnung

einer Nähmaschine und eines Regenschirms

auf einem Seziertisch!“ Diese sinnwidrige Metapher

für die Schönheit eines

Jünglings aus Lautréamonts

„Les Chants de

Maldoror“ aus dem Jahr

1870 regte die Surrealisten

der 1920er Jahre

zu ihren phantastischen

Bildgedanken an.

Um die Wurzeln der Moderne,

speziell der Kunst

der Surrealisten, geht es

auch in der aktuellen Sonderausstellung„Tagträume

– Nachtgedanken“. Als Modell diente Alfred H.

Barrs 1936/37 im Museum of Modern Art, New York,

veranstaltete legendäre Ausstellung „Fantastic Art,

Dada, Surrealism“. Unter diesem Titel zeigte der

Gründungsdirektor des MoMA Werke seiner Zeitgenossen

in der Gegenüberstellung mit Arbeiten von

u.a. Bosch, Arcimboldo, Piranesi, Hogarth, Goya,

„Die Meistersinger von Nürnberg“ ist Richard

Wagners (1813–1883) längste, heiterste und meist

rezipierte Oper, die er selbst mehrfach als sein bestes

Werk bezeichnete. Anlässlich des 200. Geburtstags

des großen Komponisten holt das Germanische

Nationalmuseum die Originalpartitur aus dem

Tresor und zeigt sie ab dem 21. Februar im Rahmen

einer Studioausstellung.

In den 1868 in München uraufgeführten

Meistersingern stellt

Wagner die ideale deutsche

Stadt einer großen deutschen

Vergangenheit dar.

Überraschenderweise

wurde dem Verhältnis

Wagners zum

realen Nürnberg des

19. Jahrhunderts

bislang nur wenig

Aufmerksamkeit geschenkt.

Dabei kam

Wagner mehrfach

in die Frankenmetropole,

in der zeitweise

seine Schwester Clara

mit ihrem Mann Heinrich

Wolfram lebte. Hier

besuchte er das neue Stadttheater

und hörte in der Oper „Die

Schweizerfamilie“ von Joseph Weigel

die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient.

Als 16-Jähriger hatte er sie zum ersten Mal in Beethovens

„Fidelio“ in Leipzig erlebt und (angeblich)

daraufhin beschlossen, Musiker zu werden. Das

Wiederhören in Nürnberg hinterließ einen weiteren

prägenden Eindruck.

Grandville. Die Zusammenschau verhalf dem Surrealismus

zu einem historischen „Stammbaum“. Ohne

Zweifel hatten die psychische Sensibilität und die

künstlerischen Methoden

der Surrealisten den Blick

auf eine lange Tradition

subjektiv-phantastischer

Kunst geöffnet, die vom

Spätmittelalter über den

Manierismus und den

Barock bis in die Moderne

reicht.

Diese Tradition greift

die Ausstellung im GermanischenNationalmuseum

auf, die noch bis

zum 3. Februar zu sehen ist. Sie zeigt überwiegend

Blätter aus den reichen Beständen der eigenen

Graphischen Sammlung, von der Mitte des 15. Jahrhunderts

bis etwa 1945. Auch hier sollen die Motivzusammenhänge

epochenübergreifend verfolgt

werden, gegliedert in einzelne Themenbereiche.

Trotz vergleichbarer Darstellungen, die Motivati-

Teils lapidar, teils amüsiert, aber auch mit einem

gewissen Unwillen schildert der Musiker Anekdoten

und Erlebnisse während seiner Aufenthalte. In

epischer Breite beschreibt er zum Beispiel mit einer

Wirtshausrauferei ein eher banales Ereignis, das

ihn jedoch später zur „Prügelszene“ in den „Meistersingern“

inspirieren wird. In der Ausstellung

hinterfragen zeitgenössische Nürnberger

Stadtansichten das romantisierende

Bild, das Wagner zeichnete,

denn schon damals gab es

sowohl winklige Gassen

als auch weite, offene

Plätze. Die Ausstellung

verdeutlicht

die verschiedenen

Selbstbilder Nürnbergs

zwischen

mittelalterlichem

Mythos und modernemHandelszentrum.

Auch das damals

noch junge „Germanische

Museum“ sah

Wagner. Am 10. August

1861 stand es neben allerlei

Nürnberger „Merkwürdigkeiten“

auf dem Programm, das

er gemeinsam mit einem befreundeten

Journalisten und Politiker Emile Ollivier

und dessen Frau Blandine, der älteren Tochter von

Franz Liszt, absolvierte. Als sechzehnter von rund

50 Besuchern trug sich Wagner in das Besucherbuch

des Hauses ein, das das befreundete Ehepaar

ein wenig pikiert als „armselig“ bezeichnete.

Francisco de Goya: Der Schlaf/Traum der Vernunft

gebiert Ungeheuer, 1799, Privatbesitz

on der Künstler variierte: Von der Höllenangst des

christlichen Mittelalters über die Begeisterung der

Neuzeit für naturwissenschaftliche, speziell optische

Phänomene bis hin zu den Ausbrüchen des

Unbewussten im Zeitalter der Vernunft.

Das Auge spielt als Bildgegenstand eine zentrale

Rolle. Seine Beschreibung als Organ der Wahrnehmung

und Spiegelung psychischer Zustände ist eine

Erkenntnis des 18. Jahrhunderts. Damals wurde seine

Anatomie und Funktionsweise zu einem Gegenstand

der Wissenschaft. Das Auge entwickelte sich

zum Symbol für Vernunft und Erkenntnis, zugleich

gilt es bis heute als Spiegel der Seele oder Sinnbild

innerer Zustände.

Hannah Höch stellte ihre 1929 begonnene Collage

„Der Strauß“ erst 1965 fertig. Aus Zeitungsausschnitten

gestaltete sie ein buntes Blumenbouquet,

als Blüten setzte sie zahlreiche Augen ein: weibliche

und männliche, braune, blaue und grüne, rechte

und linke. Sie vertreten nicht nur einunddreißig

verschiedene Individuen, sie nehmen auch einunddreißig

verschiedene Blickrichtungen ein und

schauen aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihr

Umso interessanter ist deshalb die Tatsache,

dass, bei allem anfänglichen Desinteresse, die Originalpartitur

der Meistersinger im Jahr 1902, kaum

20 Jahre nach Wagners Tod, ihre endgültige Heimat

ausgerechnet in Nürnberg, im Germanischen Nationalmuseum

fand.

Die Studioausstellung zeigt die mehr als 400

Seiten umfassende Wagner-Handschrift der Meistersinger.

Zudem erzählt sie mittels Autographen,

Gegenüber und ihre Umwelt. Höch, die zum engen

Kreis der Berliner Dadaisten gehörte und politisch

dachte, wollte die Gesellschaft in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit

erfassen. So lässt die Künstlerin

„ihren Blick“ schweifen und bezieht diverse Positionen,

um den sich daraus ergebenden Ausschnitt zu

verifi zieren und verschiedene Haltungen zur Welt

zu demonstrieren.

Daneben galt auch der Traum zu allen Zeiten und

in allen Kulturen als Fenster zu überirdischen Mächten.

Der Traum offenbarte göttliche Weissagungen,

visionäre Blicke in die Zukunft, Erkenntnisse, Ratschläge

und Erweiterungen des Bewusstseins – oft

diente er in Überlieferungen als Brücke zwischen irdischer

und überirdischer Sphäre. Goya zeigt in seiner

Aquatinta „Der Schlaf/Traum der Vernunft gebiert

Ungeheuer“ den Künstler selbst, der erschöpft

an seinem Arbeitstisch eingeschlafen ist. Um ihn

her wimmelt es von dämonischen Nachttieren, die

als dunkle Schatten aus seinen Alpträumen aufsteigen.

Die inneren Gedankenspiele manifestieren sich

ganz real und werden zu ihn bedrohlich umgebenden

Dämonen.

Erläutern und erzählen lässt sich viel zu diesen

phantastischen Bildwelten. Öffentliche Führungen

fi nden jeden Mittwochabend um 18 Uhr und jeden

Sonntag um 14 Uhr statt. Ein besonderes Angebot

gibt es außerdem jeden Mittwoch um 19.15 Uhr:

Die „Nachtgedanken“ richten sich an Besucher, die

sich gerne mit in die Führung einbringen möchten.

In kleinen Gruppen wird in gemeinsamem Gespräch

ein Exponat betrachtet und diskutiert. Persönliche

Sichtweisen und Ideen sind willkommen, statt eines

Monologs soll ein fruchtbarer Dialog entstehen.

Wagner – Nürnberg – Meistersinger: Das Nürnberg seiner Zeit

zeitgenössischen Graphiken und Objekten die Geschichte

des Werks und der Partitur in ihrem Verhältnis

zu Nürnberg.

Anhand des individuellen Zeugnisses des „Weltreisenden“

in Sachen Musik wird außerdem exemplarisch

sichtbar, welchen Bedeutungswandel das

Germanische Nationalmuseum zwischen Wagners

Besuch 1861 und der Übergabe der Partitur im Jahr

1902 erfuhr.

Paul Ritter: Refectorium im ehemaligen Kartäuserkloster, 1857, Germanisches Nationalmuseum

Links: Michael Wolgemut:

Tanz der Skelette,

1493

Unten: Wendel Dietterlin:

Phantastische

Ornamentfi guren, 1615,

Germanisches Nationalmuseum

Links: Johann Lindner:

Brustbild des Dirigenten

und Komponisten

Richard Wagner, 1871

Germanisches Nationalmuseum


04 Germanisches Nationalmuseum

Oben: Henry van de

Velde: Sezessions-

Schreibtisch, 1899

Rechts: Henry van de

Velde: „Also sprach

Zarathustra“, 1908,

beides Germanisches

Nationalmuseum

Rechts: Tee-Extrakännchen,

nach einem

Entwurf von Marianne

Brandt, Bauhaus-Werkstatt,

nach 1924,

Germanisches Nationalmuseum

Unten: Blick in die neu

gestaltete Sammlung des

20. Jahrhunderts

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde aus den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums

Fällt der Name Henry

van der Velde (1863–1957), hat vermutlich

jeder diverse Objekte vor Augen,

und dennoch jeder ein ganz eigenes Bild von

dem Jugendstil-Künstler. Dies mag daran liegen,

dass das Werk van de Veldes nicht nur ungemein

umfangreich, sondern auch überaus vielfältig ist.

Malerei und Zeichnung standen am Anfang seines

Schaffens, doch folgten schon bald erste typografi

sche Arbeiten sowie Werke der Architektur und

Innenausstattung. Zu letzteren zählen Möbel, Lampen,

Tapeten, Teppiche und Bodenfl iesen. Aber auch

Geschirr, Besteck, Tafelgerät, Leuchter, Schmuck,

Stoffe, Kleider und vieler weiterer Gegenstände des

täglichen Lebens nahm er sich an.

Parallel zu diesen Dingen widmete sich van de

Velde während seines mehr als fünfzigjährigen

Schaffens der Theorie, indem er sich als Autor und

Lehrer der Vermittlung seines „neuen“ Stils und dessen

Voraussetzungen verschrieb. So veröffentlichte

er bereits in den frühen 1890er Jahren erste theoretische

Abhandlungen. Zahlreiche Essays zur und

über die zeitgenössische Kunst sollten folgen. Auch

als Lehrender war sein Einfl uss groß: ab 1892 in Vorlesungen

an der Kunsthochschule Antwerpen, in öföffentlichen Vorträgen, als Dozent am Kunstgewerblichen

Seminar und an der Kunstgewerbeschule in

Weimar und schließlich als Professor für Architektur

in Gent und Brüssel.

Der sogenannte Sezessions-Schreibtisch

ist

wohl das bekannteste

Möbel van de Veldes und

steht ab 6. Dezember im

Zentrum einer Ausstellung

im Germanischen

Nationalmuseum. Auffällig

ist die geschwungene

Form, die dem Benutzer

einen bequemen Zugriff

auf alle Utensilien ermöglicht, die auf der Tischplatte

ausgebreitet sind. Damit trug der Künstler

den Bedürfnissen seiner in der Regel privaten

Kunden Rechnung, die ein solches Möbel weniger

zum Repräsentieren als zum Arbeiten benötigten.

Nichts sollte ablenken, das Möbel in sich eine Ein-

heit bilden. Dies könne nach van de Velde nur dann

gelingen, wenn alle „fremden“ Teile wie Schrauben,

Scharniere, Schlösser oder Griffe in ihm aufgehen,

will heißen in ihm verschmelzen.

Auf der berühmten Münchner Sezessions-

Ausstellung des Jahres 1899 war der Schreibtisch

der Mittelpunkt des sogenannten „Herren-

Zimmers“. Er rief große Begeisterung hervor

und wurde von mehreren Interessenten

noch vor Ort bestellt. Heute sind vom

Sezessions-Schreibtisch nur drei Exemplare in

öffentlichen Sammlungen erhalten, neben dem

Germanischen Nationalmuseum im Hessischen

Landesmuseum in Darmstadt und im Musée

d’Orsay in Paris.

„In Van de Velde sehen wir nun die äußersten

Konsequenzen des individualistischen Prinzips im

Wohnraume insofern verkörpert, als er einen Raum

nicht nur selber baut und dekorirt und nicht nur jedes

Möbel und jeden Eisenbeschlag selber entwirft,

– nein, auch Tapete und Teppich entstammen seiner

Werkstatt, jeder Stoff, jede Lampe, jedes Tintenfass

auf dem Schreibpult wird von ihm gefertigt, und

wenn er wollte, könnte er gar den Tisch des Salons

belegen mit Büchern, die er selbst illustrirt, auf

seiner Handpresse gedruckt und eingebunden hat.

Eine solche Allseitigkeit der

Produktion auf allen Gebieten,

die mit dem Wohngebrauch

zusammenhängen,

ist vielleicht noch nie von

einem Einzelmenschen

entfaltet worden, und es

liegt auf der Hand, dass bei

dieser Art des Schaffens

eine Einheitlichkeit in der

individuellen Durchbildung

eines Raumes ermöglicht

wird, die nicht zu überbieten ist“, schrieb Fritz

Schumacher in einem Essay im Jahr 1899.

Dieses Zitat verdeutlicht, wie vielseitig Henry

van de Velde arbeitete. Seine Idee von einem konsequent

durchgestalteten Lebensraum, einem

bewohnbaren Gesamtkunstwerk, kommt bei allen

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ausgeführten Aufträgen zum Ausdruck. Objekte aus

seinem reichhaltigen Œuvre fi nden sich in fast allen

Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums,

die das späte 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

umfassen. Den Geburtstag des Künstlers,

der sich am 3. April 2013 zum 150. Mal jährt, ist der

Anlass, sie im Rahmen einer Sonderausstellung zusammenzustellen.

Zu sehen sind rund 35 Objekte,

neben Möbeln gibt es Keramik, Besteck, Gebrauchsgegenstände

und von ihm gestaltete Bücher zu sehen,

nicht zu vergessen Schriften von Henry van de

Velde selbst.

Führungen fi nden ab Januar jeden Sonntag um

15 Uhr statt, weitere Themenführungen mit den Kuratorinnen

Dr. Petra Krutisch oder Dr. Almuth Klein

gibt es am Mittwoch, 16.01., 30.01., 20.02. und 20.03.

jeweils um 18 Uhr sowie am Sonntag, 20.01. um 11

Uhr und am Sonntag, 03.02., 03.03. und 24.03. um 15

Uhr. Ein besonderes Angebot: Am Mittwoch, 02.01.

widmet sich Ingrid Wambsganz in der Reihe „Gespräch

vor einem Kunstwerk“ ausschließlich dem

Sezessions-Schreibtisch.

NEU: Die Sammlung des 20. Jahrhunderts ist wieder geöffnet

Großzügig, hell und in frisch sanierten Räumen

präsentiert sich die eindrucksvoll neu konzipierte

Sammlung des 20. Jahrhunderts. Die Spanne reicht

von Meisterwerken der Malerei über ausdrucksstarke

Skulpturen und dreidimensionale Objekte bis

hin zu Fotoarbeiten und bekannten Klassikern der

Designgeschichte. So entsteht ein umfassendes Bild

der Kunst- und Stilgeschichte der letzten 100 Jahre.

Schwerpunkt der nach dem Zweiten Weltkrieg begründeten

Sammlung liegt auf Werken des Expressionismus

und des Bauhauses. Im

Jahr 1967 erwarb das Museum

Ernst Ludwig Kirchners

„Selbstbildnis als Trinker“ als

bedeutenden Baustein für die Sammlung der Moderne.

Der Ankauf wurde damals programmatisch

verstanden. Mit ihm wurde der kunst- und kulturhistorische

Maßstab umrissen, dem sich das Germanische

Nationalmuseum bei seiner Beschäftigung

mit dem 20. Jahrhundert zu

stellen hatte. Seit den

1960er Jahren gelangten

auch Werke zeitgenössischer

Künstler

in das Museum, die

Bestände gewannen durch

Ankäufe und Leihgaben aus privaten

Sammlungen rasch an Umfang. In den

1980er und 90er Jahren wurde die Sammeltätigkeit

dann auf das gesamte 20. Jahrhundert ausgedehnt.

Zu den Highlights gehören heute neben dem

Selbstbildnis Kirchners eindringliche Skulpturen

von Ernst Barlach, farbintensive Gemälde von Emil

Nolde, Max Pechstein oder Ernst Wilhelm Nay, aber

auch kritische künstlerische Äußerungen

einer Hannah Höch.

Beispiele völkischer

Kunst haben ebenso Eingang

in die Präsentation gefunden

wie politische Plakate, formschöne

Möbel oder die damals revolutionäre

Frankfurter Küche. Filigrane Skulpturen

Vortrag zum Simplicissimus-Zeichner Karl Arnold

Karl Arnold (1883–1953) hat wie kaum ein anderer

Künstler seiner Generation zeichnend den Charakter

und die Charaktere seiner Zeit beobachtet.

Nach dem Studium der Malerei an der Münchner

Kunstakademie arbeitete er für Zeitschriften wie

„Simplicissimus“ und „Die Jugend“. Parallel entwickelte

er für die „Münchner illustrierte Presse“ eine

neue Form von Bildergeschichte und gezeichneter

Reportage.

Obwohl er einer der schärfsten Kritiker Adolf

Hitlers war, konnte Arnold in der NS-Diktatur

weiterarbeiten. Neben außenpolitischen Ereignissen

karikierte er vor allem das vermeintlich unverfängliche

Alltagsleben. Im Jahr 1942 erkrankte er

schwer und musste deshalb – zwei Jahre vor Einstellung

des „Simplicissimus“ – seine künstlerische

Arbeit beenden.

Andreas Strobl, Kurator der großen Arnold-Ausstellung

in der Pinakothek der Moderne München

2012, beleuchtet in einem Vortrag am Mittwoch,

9. Januar 2013 um 19 Uhr anschaulich das Leben

und Werk dieses wichtigen Zeichners. In der Vorbereitung

recherchierte er mehrfach im Deutschen

Henry van de Velde bei der Arbeit

von Hans Uhlmann oder Norbert Kricke stehen neben

Fotoarbeiten von Ute Klophaus und Charlotte

Matthesie. Und auch der Designgeschichte wird

mit freischwingenden Stahlrohrsesseln oder dem

berühmten Bauhaus-Stuhl von Marcel Breuer Rechnung

getragen.

Die Neueinrichtung zeugt von einer Neuausrichtung

der Kunst im 20. Jahrhundert. Mit der globalen

Vision der Moderne gilt es, Schlüsselpunkte künstlerisch-kultureller

Entwicklungen in Deutschland in

ihren internationalen Kontext zu stellen. Die Sammlung

ist nun wieder zugänglich, Führungen und

Workshops bieten ab Januar spannende Zugänge

und neue Erkenntnisse.

Kunstarchiv und konnte so Lücken in der Biografi e

schließen, wie etwa die Umstände von Arnolds

künstlerischem Überleben im Jahr 1933. Der Vortrag

im Aufseß-Saal dauert ungefähr eine Stunde, der

Eintritt ist frei.

Karl Arnold: Der Münchner, 1923, Staatliche Graphische

Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2013


Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ie Wunderwelt der Tropen

ur noch bis 3. Februar sind die exquisiten Illustrationen des Surinam-Buchs von Maria Sibylla Merian zu sehen

Die Pfl anzenkompositionen Maria Sibylla Merians

(1647–1717) gehören zu den eindrucksvollsten

Zeugnissen naturwissenschaftlicher Illustrationskunst

des frühen 18. Jahrhunderts. Ein Jahr lang

zeigte das Germanische Nationalmuseum in der

von Johannes Pommeranz kuratierten Studioausstellung

jeweils 16 Blätter ihres sogenannten

Surinam-Buchs. Im Rhythmus von drei Monaten

wurden die Motive gewechselt, um über das Jahr

hinweg alle 60 Kupfertafeln zeigen zu können. Bis

zum 3. Februar 2013 ist nun die letzte Charge zu

sehen.

Was den Charme der Darstellungen ausmacht,

ist vor allem die ganz eigene Symbiose aus Kunst

und Wissenschaft. Detailliert und exakt sind Pfl anzen

und Insekten gezeichnet und verschmelzen

doch zu einer Komposition. Die handkolorierten

Kupfertafeln entstanden nach einer Reise Merians

1699 bis 1701 in den südamerikanischen Küstenstaat

Surinam, auf der sie sich eingehend mit der

dortigen Flora und Fauna beschäftigte. Einzigartig

für ihre Zeit ist die kombinierte Darstellung von

Pfl anze und Tier, also von einem Insekt mit seiner

Wirtspfl anze.

Tafel 49 zeigt Granatapfelblüten und Laternenträger.

Weniger der in kraftvollem Rot blühende

Granatapfelbaumzweig als vielmehr dessen Besucher

sind das Spektakuläre. Stammen doch die

prominentesten Vertreter der Gattung Laternenträger

aus Surinam (Fulgora laternaria). Diese Art,

die sich insbesondere durch eine auffällige Verlängerung

der Stirnpartie auszeichnet, wurde erst

durch die Zeichnung Merians in Europa bekannt.

Irrtümlich nahm die Künstlerin an, dass dieser

buckelige Kopfaufsatz nachts wie eine Laterne

VORSCHAU: Rembrandt

Rembrandt Harmenszoon van Rijn: Der Tod der

Maria, Ausschnitt,1639, GNM

Eine Studioausstellung zeigt ab 5. März rund 40

graphische Blätter des 1606 in Leiden geborenen

Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Niederländische

Künstler begannen damals, mit den technischen

Termine

Ausstellungen

Tagträume – Nachtgedanken

Phantasie und Phantastik

in Graphik und Photographie

bis 3. Februar 2013

Merians Krönungswerk

Die Wunderwelt der Tropen

bis 3. Februar 2013

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde

aus den Sammlungen

des Germanischen Nationalmuseums

6. Dezember 2012 – 1. April 2013

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Richard Wagner und das reale Nürnberg

seiner Zeit

21. Februar – 2. Juni 2013

Rembrandt. Meister der Radierung

5. März 2013 – 26. Januar 2014

Vorschau: Zünftig!

Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800

Ab 21. März 2013

Granatapfelblüte und Laternenträger, Tafel 49 aus: Maria Sibylla Merian, Metamorphosis insectorum

Surinamensium, 1705, Germanisches Nationalmuseum

leuchte. Aus dieser Vermutung leitet sich dann

auch die Namensgebung des Insekts ab.

Doch wie kam eine Frau Ende des 17. Jahrhunderts

überhaupt auf die Idee, eine Reise nach Su-

Möglichkeiten der Radierung zu experimentieren.

Rembrandt wurde zu einem Meister der Kaltnadel.

Durch einen lockeren Zeichenstil, einem reich abgestuften

Spiel des Helldunkel und der Verwendung

eines tiefen, samtigen Schwarz erzielte er bis dahin

unvorstellbare malerische Effekte.

Die Ausstellung legt einen thematischen Schwerpunkt

auf Porträts und biblische Erzählungen. Die

Bildnisse reichen von privaten, oft skizzenhaften

Studien bis zu repräsentativen Darstellungen mit

Zugeständnissen an den Geschmack eines vornehmen

Kundenkreises. Ein kapitales Blatt aus dem

christlichen Themenkreis ist „Der Tod der Maria“. Typisch

für Rembrandt zeichnet sich die fi gurenreiche

Szene in einem prunkvollen Schlafgemach sowohl

durch ihre realistische Schilderung als auch durch

ihre emotionale Spannung aus: Während der Arzt

den Puls der Gottesmutter fühlt, drängen die seelisch

aufgewühlten Freunde mit ausdrucksstarker

Mimik und Gestik zum Bett der Sterbenden.

Vorträge, Meisterkurse, Konzerte

Forum Historische Musikinstrumente

Zinken und Posaunen

23. Januar – 26. Januar 2013

Programm unter

http://www.gnm.de/index.php?id=437

In Kooperation mit der:

Führungen

Blick zuRück – 50 Jahre Musikinstrumente

Sammlung Rück im GNM

Mi, 5. Dezember, 19 Uhr und

So, 9. Dezember, 11 Uhr

Nürnberger Puppenhäuser des 17. Jahrhunderts.

Repräsentation und Anschauung

Mi, 12. Dezember, 19 Uhr und

So, 16. Dezember, 11 Uhr

rinam anzutreten? Maria Sibylla Merian wurde am

2. April 1647 in Frankfurt am Main in die berühmte

Verleger-Familie Merian hineingeboren. Schon

früh erhielt sie eine künstlerische Ausbildung.

Zinken und Posaunen sind das Thema

einer viertägigen Veranstaltung, die vom

23. bis 26. Januar im Germanischen Nationalmuseum

stattfi ndet. Mitveranstalte-

rin ist die Hochschule für Musik Nürnberg.

Vor zwei Jahren begann eine offi zielle Forschungs-Kooperation

zwischen beiden Institutionen,

deren Ziel der Austausch von theoretischem

Wissen über historische Instrumente mit

der praktischen Erfahrung etablierter Musiker

und junger Musikstudenten ist.

Das „Forum Historische Musikinstrumente“ trägt

maßgeblich zu dieser Idee bei und lädt jedes Jahr

zu einer Tagung mit informativen Vorträgen und

Führungen, praktischen Workshops, Meisterklassen

und Konzerten. Neben einer aktiven Teilnahme als

Musiker ist auch eine passive Teilnahme als Zuhörer

möglich. Die Spanne der Vorträge reicht von Einblicken

in die Geschichte und Konzerttradition der

Instrumentalmusik über die Schwierigkeiten und

Doppelt hält besser. Diptychen, Bilderpaare,

Polaritäten

Mi, 19. Dezember, 19 Uhr und

So, 23. Dezember, 11 Uhr

Heilige der Winterzeit und ihr Brauchtum

Mi, 2. Januar, 19 Uhr und So, 6. Januar, 11 Uhr

Der Alles-Könner. Arbeiten von Henry van de

Velde aus den Sammlungen des GNM

Mi, 16. Januar, 19 Uhr und

So, 20. Januar, 11 Uhr

Büste, Bildnis, Porträt. Köpfe in den Sammlungen

des GNM

Mi, 23. Januar, 19 Uhr und

So, 27. Januar, 11 Uhr

Im Zeichen der Zunft. Zur Symbolsprache

der Zünfte

Mi, 30. Januar, 19 Uhr und

So, 3. Februar, 11 Uhr

Germanisches Nationalmuseum

Neben der Kunst galt ihr Interesse der Flora und

Fauna. Nachdem sie viele einheimische Pfl anzen

und die mitteleuropäische Käferwelt untersucht

hatte, übte das Exotische einen besonderen Reiz

auf sie aus. Der Hauptgrund für ihre Reise lag allerdings

in dem Umstand begründet, dass sie in

den Kunst- und Wunderkammern ihrer Zeit immer

nur einzelne Stadien einer Insektenentwicklung

vorfand und nie die gesamte Metamorphose vom

Ei bis zum geschlüpften Imago. Sie machte sich

auf die Reise, um den gesamten Zyklus eines Insektenlebens

zu dokumentieren, wie wir aus ihrer

Korrespondenz wissen.

Auf Anregung des Gouverneurs der holländischen

Kolonie Surinam, Cornelis van Sommelsdijk,

brach Meran im Jahr 1699 in den südamerikanischen

Küstenstaat auf, begleitet von ihrer jüngeren

Tochter Dorothea Maria. Vor Ort entstanden

zahlreiche Skizzen und Handzeichnungen von außergewöhnlichen,

in Europa weitestgehend noch

unbekannten Insekten und Pfl anzen.

Nach Amsterdam zurückgekehrt, arbeitete

Merian ihre Studien aus und publizierte sie als

illustrierende Kupferstiche in dem Buch „Metamorphosis

Insectorum Surinamesium“, das zu

ihrem Hauptwerk werden sollte. Das Germanische

Nationalmuseum besitzt eines der wenigen erhaltenen

Umdruckexemplare der Erstausgabe, die im

Jahr 1705 in Amsterdam erschien. Die ursprünglich

schwarz-weißen Grafi ken kolorierte Merian nachträglich

von Hand.

Eine letzte Führung durch die Studioausstellung

und zum außergewöhnlichen Leben Merians

fi ndet am Samstag, 5. Januar 2013 um 15 Uhr statt.

Tagung: Zinken und Posaunen

Bedürfnisse beim Nachbau historischer Blechblasinstrumente

bis hin zu exemplarischen Musiker-

und Musikstückbiografi en, die ein tieferes Eintauchen

in bestimmte Epochen erlauben. Das Forum

beginnt mit einem Konzert der Reihe „Musica Antiqua“

in Kooperation mit dem

Bayerischen Rundfunk

– Studio Franken

und endet mit

einem klangvollen Abschlusskonzert

am Samstag,

26. Januar um 20 Uhr.

Für die passive Teilnahme ist

keine Anmeldung notwendig.

Das komplette Programm in der

Übersicht fi nden Sie unter www.

gnm.de, Rubrik „Forschung“ und

„Tagungen“ oder unter www.hfmnuernberg.de/veranstaltungen/

forum-zinken-posaunen/.

Von der römischen Reibschale bis zur

Frankfurter Küche

Ein Küchenstreifzug durch die Jahrhunderte

Mi, 6. Februar, 19 Uhr und

So, 10. Februar, 11 Uhr

Alltag und Vergnügen

Genredarstellungen aus vier Jahrhunderten

Mi, 13. Februar, 19 Uhr und

So, 17. Februar, 11 Uhr

Facetten des spätmittelalterlichen

Alltagslebens

Mi, 27. Februar, 19 Uhr und

So, 3. März, 11 Uhr

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Mi, 6. März, 19 Uhr und So, 10. März,

11 Uhr

Das besondere Angebot

Kunst der Moderne im GNM – Kunstvermittlung

einmal anders

Die Kunst des 20. Jahrhunderts: Führungen,

Kreativaktionen und Kunstspiele.

Die Teilnahme ist kostenlos.

So, 10. Februar, 10–16 Uhr

Krummer Zink,

17. Jahrhundert, und

Bassposaune, 1612

beide Germanisches

Nationalmuseum

05


06 Neues Museum in Nürnberg

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Neues Museum in Nürnberg

07

ben: Veer Towers,

as Vegas

oto: Rainer Viertlböck

echts: University of

hicago, Joe and Rika

ansueto Library

oto: Rainer Viertlböck

zlem Günyol & Mustafa

unt, …AND JUSTICE FOR

LL! 2010

oto: Özlem Günyol &

ustafa Kunt

Systeme, die lenken

Das Neue Museum zeigt die aktuellen ars-viva-Preisträger

„Wer nicht umsteigt, wird abgeschaltet.“ Mit diesem

Slogan wurde in Deutschland im April des Jahres die

Umstellung vom analogen zum digitalen Fernsehen

vehement beworben. Der neuseeländische Künstler

Simon Denny nimmt solche Ereignisse unseres globalen

Kommunikationssystems zum Anlass, um die

aktuellen Veränderungen und deren Auswirkungen

in seinen Werken konkreter vor Augen zu führen.

In einer Serie neuer Objektkästen thematisiert der

heute in Berlin lebende Künstler, der derzeit ein Stipendium

des PIN in München innehat, die neuen

Möglichkeiten des internetfähigen Fernsehgerätes.

Wie bei Werken der Pop Art setzt Denny dabei Güter

unserer Konsumwelt ein. Hardware-Produkte, wie ein

Smart-TV, oder Screenshots, in denen die Hersteller mit

Begriffen wie Gesichtserkennung, Gestensteuerung

oder Sprachsteuerung die Vorzüge der neuen Technik

hervorheben, konfrontiert Denny mit Elementen von

Halloween-Masken und führt so ein Horror-Kabinett

des Internets vor.

Im Zentrum von Dennys Preisträger-Arbeit für den

ars-viva-Kunstpreis, der alljährlich vom Kulturkreis der

Deutschen Wirtschaft unter

einem Leitbegriff

vergeben wird, steht eine Infografi k von Business Insider,

einem Netzwerk für Geschäftsleute, in der über

die neue Bereitschaft der Internetgemeinde informiert

wird, für Inhalte wieder zu zahlen. Diese kommerzielle

Ausrichtung des Informationsmediums Internet nimmt

Denny zum Anlass für eine Wand- und Bodeninstallation,

wodurch eine Art begehbare dreidimensionale

Informationsbox entsteht.

Mit Melvin Moti, Özlem Günyol & Mustafa Kunt ist

Simon Denny aber nur einer von den drei diesjährigen

Preisträgern des ars-viva-Kunstpreises an die Nachwuchskunst.

Özlem Günyol & Mustafa Kunt, 1977/78 in

Ankara geboren, behandeln die politische Kommunikationskultur.

Politische Parolen, politische Gesten und

das Demonstrieren zerlegt das in Frankfurt lebende

Künstlerduo zunächst in ihre Bestandteile, in einzelne

Worte und Gesten. Diese werden als ein zweiter Schritt

dann spielerisch in einen anderen Kontext gebracht,

wie den des Feierns, den des Tanzes oder den des

Sports.

Durch diese Dekonstruktion entsteht nicht allein

eine Entkräftung von Konstituenten der Macht, sondern

vor allem auch eine distanzierte und amüsierte

Sichtweise auf das sonst so ernste und machtbewusste

System der politischen Kommunikation.

Melvin Moti, der aus den Niederlanden kommt,

wendet sich schließlich dem System unserer Wahrnehmung

zu. Seine Arbeiten kreisen wie Indizienbeweise

jeweils um ein fehlendes Zentrum herum und weisen

so auf die Lücken in der Realität hin, die durch unsere

selektive Wahrnehmung normalerweise ausgeklammert

werden.

Helmut Jahn – Architekt, Multitalent, Weltbürger

Nach 46 Jahren kehrt der weltberühmte Architekt und Visionär in seine Geburtsstadt Nürnberg zurück

Panoramaaufnahme oben: Suvarnabhumi International Airport, Bangkok Foto: Rainer Viertlböck

Animation unten: Großformatige Fotos an den Wänden als monumentale Skyline bilden den Rahmen für die Skizzen und Modelle von Helmut Jahn. Entwurf der Ausstellungsarchitektur im Neuen Museum © bangertprojects

Eine facettenreiche Ausstellung im Neuen Museum

zeigt erstmalig das dynamische Gesamtwerk des in

Nürnberg geborenen und von Chicago aus weltweit tätigen

Architekten Helmut Jahn. In Zeichnungen und Modellen

sowie in den brillanten Fotografi en Rainer Viertlböcks

wird das global agierende Multitalent erfahrbar.

Wie das Werk des Architekten ist die Ausstellung

eine Weltreise von Chicago über die USA, Südafrika,

Europa zum Mittleren Osten, nach China, Japan, Korea

und Thailand. Die Ausstellung dokumentiert die

Entstehungsgeschichten international bekannter

Bauwerke wie des Sony Centers in Berlin oder des futuristischen

Großfl ughafens in Bangkok ebenso wie die

Projektierung von Idealstädten, Shoppingzentren oder

die Entwicklung von heutigen „mega big buildings“.

Neben über 100 gebauten Werken spiegelt die Ausstellung

auch Jahns Visionen des Ungebauten und Zukünftigen.

Termine

Sammlung

Cit Art Foundation

Bis 10.3.2013

Franceso Pavan

Bis 3.2.2013

Helen Britton

Ab 7.2.2013

Attila Kovács

Ab 18.1.2013

Ausstellung

ars viva 12/13 - Systeme. Simon Denny, Özlem

Günyol & Mustafa Kunt, Melvin Moti

Bis 13.01.2013

/prospekt/ Vorhang auf…

für die Akademie der Bildenden Künste in

Nürnberg

2.Teil: 14.12.2012 bis 13.01.2013

Eröffnung: Donnerstag, 13.12.2012, 19 Uhr

HELMUT JAHN – PROCESS PROGRESS

Das Gesamtwerk des Architekten in Zeich-

„The Future is never wrong“ – dieses programmatische

Zitat von Helmut Jahn verweist ebenso wie der

Titel der Ausstellung „PROCESS PROGRESS“ auf das

Vertrauen und die Selbstverpfl ichtung des Architekten,

sich nicht nur der Gegenwart zu stellen, sondern auch

die Herausforderung der Zukunft anzunehmen und zu

gestalten. Der unbedingte Glaube an die Zukunft lässt

sich auch in den Architekturen Helmut Jahns ablesen,

setzen sie doch immer wieder neue Maßstäbe, sei es

im Ausreizen der technischen Möglichkeiten und ihrer

Weiterentwicklung, sei es in der Realisierung innovativer

Bauformen und städteplanerischer Ideen oder sei es

in ihrer pionierhaften Haltung ökologischer Verantwortung

gegenüber.

Der deutsch-amerikanische Architekt (geb. 1940)

prägt seit über 40 Jahren Baugeschichte, und so werden

auch die Benutzer und Rezipienten seiner spezifi schen

Architektur geprägt. Viele seiner Bauwerke stehen in

nungen und Modellen sowie Fotografi en von

Rainer Viertlböck

Bis 24.2.2013

Vorträge und Gespräche

Seen by Rainer Viertlböck: the Work of

Helmut Jahn

Vortrag von Rainer Viertlböck, Fotograf

Di, 4.12.2012, 18 uhr

Quelle und andere Fälle. Probleme mit

großen Projekten der Nachkriegsmoderne

Vortrag von Prof. Dr. Gerd Weiß, Hessischer

Landeskonservator

Do, 6.12.2012, 19 Uhr

Das Unternehmen Kunst. Fördern mit

System

Vortrag von Dr. Stephan Frucht, Geschäftsführer

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im

BDI e.V.

Do, 10.01.2013, 19 Uhr

Die Zukunft ist nie falsch

Vortrag von Helmut Jahn, Architekt

Mi, 16.01.2013, 20 Uhr

ihrer architektonischen Gestalt – die sich vor allem

durch Konstruktion und Stil konstituiert – und ihrem

Anspruch repräsentativ für ein Jahrzehnt: für die 80er

Jahre unter anderem das State of Illinois Center, heute

James R. Thompson Center genannt, und das Xerox Center

in Chicago, für die 90er Jahre das Charlemagne der

Europäischen Union in Brüssel, für das erste Jahrzehnt

des neuen Milleniums das Shanghai New International

Expo Centre in Shanghai oder die Veer Towers in Las Vegas

sowie für die Zukunft das Doha Convention Center

mit seinem 540 Meter hohen Glasturm.

Auch gibt es wohl wenige Bewohner von Städten, die

die Architekturen von Helmut Jahn nicht kennen, selbst

wenn sie den Autor zunächst nicht benennen können.

Denn seine Architekturen sind gleichsam zu Wahrzeichen

geworden: allein in Deutschland unter anderen

der Messeturm in Frankfurt (1991), das Münchner Airport

Center (1999), das Sony Center in Berlin (2000), der

Gespräch mit dem Sammler Rafael

Jablonka

Do, 7.2.2013, 18 Uhr

Gespräch mit der Künstlerin

Helen Britton

Do, 7.3.2013, 14 Uhr

BDA Vortragsreihe 1+1=3 Stadtbaumeister

D0, 24.1.2013, 19 Uhr

Do, 14.2.2013, 19 Uhr

Musik

KlangKonzepteEnsemble

»Wunder des Rhythmus und Schönheit des

Raumes«

Hommage à Hans Hofmann

So, 9.12.2012, 11.15 Uhr

Die Kunst der Niederländer

So, 20.01.2013, 11.15 Uhr

Karlheinz Stockhausen. Frühe Werke

So, 10.02. 2013, 11.15 Uhr

Post-Tower in Bonn (2003) oder das Hochhaus Sign! im

Düsseldorfer Medienhafen (2010).

Bei dem Versuch, die Architekturen Helmut Jahns zu

charakterisieren, bieten sich zunächst Kategorisierungen

wie Bauten für die Öffentlichkeit oder Bauten für

Unternehmen an. Seine Flughäfen, Atriumbauten, seine

Wolkenkratzer und Monumentalbauten sind auch aus

Ingenieurssicht großartige Glas-Stahl-Konstruktionen.

Seine grundsätzliche Orientierung an der klassischen

Moderne hat er durch ein seinen Bauten innewohnendes

außerordentliches Raffi nement individualisiert.

Helmut Jahn hat Neues in die Architektur gebracht.

Die Ausstellung ermöglicht nun eine neue Auseinandersetzung

mit seiner komplexen Ideenwelt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Neuen Museums

und der Neuen Sammlung – The International

Design Museum Munich in enger Zusammenarbeit mit

Helmut Jahn.

Fantastische Reise durch die Musik

Konzert des Bundesakkordeonorchesters

So, 03.03.2013, 11.15 Uhr

Konzertreihe Across

Valgir Sigurdsson

Di, 26.2.2013, 21 Uhr

Kinder und Jugendliche

Hoch hinaus …

Workshops zur Ausstellung HELMUT JAHN –

PROCESS PROGRESS

Sa, 15.12.2012, 14.30 Uhr (ab 10 Jahren)

Sa, 26.01.2013, 14.30 Uhr (ab 12 Jahren)

Jeweils begrenzte Teilnehmerzahl. Infos und

Anmeldung unter 0911 2402036

Zu Gast

Pechkucha Night

Di, 19.2.2013, 20 Uhr

Creative Monday

Mo, 11.3.2013, 19.30 Uhr

Weitere Termine und Informationen unter:

www.nmn.de

St. Martin im Ausverkauf

Die Cit Art Foundation in fünf Räumen des Neuen Museums

Katharina Fritsch (geb. 1956) ist eine Künstlerin, die

in Bildern denkt und Plastiken von emblematischer

Eindringlichkeit schafft. Sie sagt: „Meine Skulpturen

sind nie ganz zu fassen, wie ein Bild, das sich nie ganz

entschlüsseln lässt. Sie bleiben wie ein Rätsel im Kopf.“

Dass Katharina Fritschs Kunst so enigmatisch wirkt,

ist nicht zuletzt Ergebnis ihrer hohen handwerklichen

Perfektion, ihrer oft matten Oberfl ächen und merkwürdigen

Farben.

In Kaufhäusern und Ramschläden sind Wühltische

die Endstation vieler Waren. Schnäppchenjäger graben

auf den hüfthohen Möbeln nach Beute. Auf Katharina

Fritschs Wühltisch (1987/89) gibt es keine große Auswahl

mehr: Grüne Tücher mit dem Motiv des Heiligen

Martin werden ausverkauft. Auch in unserer scheinbar

religionsfernen Zeit berührt es uns merkwürdig, das

Heilige so profaniert zu sehen. In klassischer Ikonographie

ist der Heilige Martin hoch zu Ross dargestellt. Er

teilt seinen Mantel, um einen nackten Bettler zu kleiden.

Tuch und Heiligenlegende stehen in einem Zusammenhang,

der den Gegensatz zwischen Warenhandel

und Mantelspende umso schärfer hervortreten lässt.

Der Wühltisch gehört zu einer Auswahl von Werken

aus der Cit Art Foundation des Kölner Galeristen Rafael

Jablonka, die fortan dauerhaft mit dem Neuen Museum

verbunden ist. Mit einer umfangreichen Dauerleihgabe

von Arbeiten Hubert Kiecols begann im Jahre 2004 die

Zusammenarbeit der Cit Art Foundation mit dem Neuen

Museum. Im vergangenen Jahr ist die Stiftung eine

noch engere Bindung mit dem Nürnberger Haus eingegangen,

das nun über die komplette Sammlung der Cit

Art Foundation als Dauerleihgabe verfügt. Wenn die

Stiftung weiterhin wächst, wird davon dann ebenfalls

das Neue Museum profi tieren. Diese außerordentlich

großzügige und uneigennützige Geste bereichert die

Sammlung des Museums um Werke verschiedenster

deutscher, amerikanischer und internationaler Künstler,

von denen viele bislang noch nicht im Neuen Museum

vertreten waren.

In fünf Sammlungsräumen zeigt das Neue Museum

noch bis 10. März 2013 Arbeiten von Greg Bogin, Edward

Dwurnik, Katharina Fritsch, Peter Halley, Hubert Kiecol,

Alexej Koschkarow, Cady Noland, Richard Prince,

Guy Rombouts & Monica Droste, Andreas Slominski

und Philip Taaffe. In der Zusammenschau ergibt sich

die Physiognomie einer ganz besonderen Kunstsammlung,

die alles andere als Mainstream

ist.

State Street Village,

Chicago

Foto: Rainer Viertlböck;

James R. Thompson

Center, Chicago

Foto: Rainer Viertlböck

Katharina Fritsch,

Wühltisch, 1987/89

Foto: Neues Museum

(Annette Kradisch)


08

Ernste Mienen, schönes

Spiel: Firmenchef

Heinrich Müller (2.v.l.)

mit den Herren der

Geschäftsleitung,

um 1950

Rechts: Schuco-Motorrad

Curvo 1000, ab 1950

Unten: Donald Duck

Tanzfi guren, 1937 und

1958. Die Comic-Enten

tanzten und schnatterten

dabei munter vor

sich hin.

Fotos: Spielzeugmuseum

Museen der Stadt Nürnberg

Pick-Pick, Studio, Piccolo

Wunder der Technik: Sonderausstellung zum 100. Geburtstag der Nürnberger Spielzeuglegende Schuco

Schuco gehört zu den ganz großen Namen der

internationalen Spielzeuggeschichte. Die Marke

stand über Jahrzehnte hinweg – zusammen mit

Märklin, Steiff oder Käthe Kruse – für den guten

Ruf deutschen Qualitätsspielzeugs. Tanzende Figuren,

nickende Bären, pickende Vögel und unzählige

Fahrzeuge mit verblüffenden technischen Merkmalen:

Aus der Nürnberger Ideenwerkstatt des

Firmengründers und genialen Erfi nders Heinrich

Müller (1886–1958) gingen immer wieder wahre

Wunder der Spielzeugtechnik hervor. Mit einer Fülle

von außergewöhnlichen Exponaten aus Museums-,

Firmen- und Privatbesitz zeichnet die Ausstellung

den Aufstieg des 1912 als Schreyer & Co. (abgekürzt:

Schuco) gegründeten Unternehmens vom Hinterhofbetrieb

zum einstmals größten Spielwarenher-

steller Europas nach.

In den beiden ersten

Jahrzehnten seiner Existenz

erwarb sich das

Unternehmen vor allem

mit mechanischen Filz- und

Plüschspielwaren einen

guten Ruf. Beliebt

und vorzüglich

gestaltet warenmarschierende

Hunde und

Teddybären oder

Ausstellungen

Termine

Kunst & Handwerk

Weihnachtsverkaufsausstellung

Stadtmuseum Fembohaus

6. bis 16.12.2012

Licht und Schatten

Foto-Retrospektive. Horst Schäfer 2001–2012

Museum Industriekultur

Bis 30.12.2012

„Ihr Kinderlein kommet ...“

Die Weihnachtsbescherung: Stubenschmuck

und Gabentisch

Weihnachtsausstellung des Spielzeugmuseums

in der Ehrenhalle des Rathauses

Bis 4.1.2013

Lernlabor Matheland

Ausprobieren, Knobeln, Rechnen für Kinder

von 4 bis 8 Jahren

Museum Industriekultur

8.1. bis 3.3.2013

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der

Nürnberger Meistergesang

Stadtmuseum Fembohaus

18.1. bis 17.4.2013

Affen, deren Köpfe sich mit einem versteckten

Drahtgestänge in jede Richtung bewegen ließen.

Vor allem aber begeisterten ab 1928 die täuschend

naturgetreuen Pick-Pick-Vögel und in der Folgezeit

eine Fülle von witzigen Tanzfi guren Kinder

wie Erwachsene in aller Welt. Im Gegensatz zum

herkömmlichen fi gürlichen Metallspielzeug waren

die Blechkörper dieser Figuren mit Filz oder

Plüsch bezogen. Sie fühlten sich angenehm an und

führten dank eines ausgeklügelten, patentierten

Federwerk-Mechanismus natürlich bis amüsant wirkende

Bewegungen aus. Mit seinem untrüglichen

Sinn für den Zeitgeist griff Heinrich Müller zudem

auch Themen aus der amerikanischen Film- und

Comicwelt auf. Charlie Chaplin als watschelnder

Tramp mit schwingendem Spazierstöckchen erweiterte

in den 1930er Jahren ebenso das Sortiment wie

Micky Maus, Donald Duck oder Schweinchen Dick.

Autos für alle

Bis heute wird der Name Schuco vor allem mit den

technisch meisterhaft ausgestatteten Fahrzeugen

verbunden, die seit Mitte der 1930er Jahre aus den

Fabrikhallen an der Fürther Straße in Nürnberg rollten.

Autos, die dank eines verborgenen fünften Rads

nicht vom Tisch fallen konnten, Limousinen, die

aufs Wort gehorchten oder bei Anruf aus der Garage

fuhren: Die technischen Ideen aus der Schuco-Mustermacherei

waren bahnbrechend. Das Aushänge-

Wunder der Technik

100 Jahre Schuco-Spielzeug

Spielzeugmuseum

Bis 7.4.2013

Entrechtet. Entwürdigt. Beraubt.

Arisierung in Nürnberg und Fürth

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Bis 30.6.2013

Sonderveranstaltungen

Schaustück des Monats Dezember 2012

60 Jahre Fernsehen

Spezialführungen mit Matthias Murko:

Mi, 5.12.2012, 16 Uhr; So, 16.12.2012, 15 Uhr

Museum Industriekultur

Mythologie im Hirsvogelsaal

Erzählreihe in Kooperation mit der ErzählBühne

„Klassische Fiaskos“:

So, 24.2.2013, 17.30–19 Uhr

14 Euro/ 10 Euro ermäßigt;

Kartenreservierung: Mobil: 0170/ 5546329 oder

per Mail: info@erzaehlbuehne.de

Meisterhaft! Schätze aus dem Tucherschloss

Kuratorenführung mit Museumsleiterin

Ulrike Berninger M.A.

schild der Schuco-Autofl otte war aber ohne Zweifel

das Studio-Auto, das nach dem Vorbild des Mercedes

Silberpfeil W 25 gestaltet und mit zahlreichen technischen

Funktionen ausgestattet war (Montagesets,

Reifenwechsel, funktionierende Lenkung, sichtbares

Differential etc.). Der Erfolg des Studio-Autos refl

ektiert die ungeheure Motorsportbegeisterung der

1930er Jahre, die eng mit den Mercedes Silberpfeilen

verbunden ist. Besonders bemerkenswert: Es ist das

einzige Auto der Spielzeuggeschichte, das von 1936

bis heute nahezu unverändert produziert wird.

Mitten in den Boomjahren seines Unternehmens

– zeitweise waren bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigt

– musste sich Heinrich Müller unter dem Druck

des NS-Regimes von seinem jüdischen Kompagnon

Adolf Kahn trennen, der mit seiner Familie in die

USA emigrierte. Die erzwungene Trennung lief

allem Anschein nach zu fairen Konditionen ab, Müller

und Kahn blieben zeitlebens freundschaftlich

verbunden. Dies verschaffte dem Unternehmen

nach Kriegsende sogar einen gewissen Wettbewerbsvorteil,

denn Adolf Kahn und sein Sohn Eric

übernahmen schon bald nach der Wiederaufnahme

der Produktion den Alleinvertrieb von Schuco-

Spielwaren auf dem wichtigen nordamerikanischen

Markt.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Die Wirtschaftswunderjahre brachten noch

einmal goldene Zeiten für das Unternehmen:

Schuco stieg zur größten Spielwarenfabrik

Europas auf. Jährlich kamen neue Wunderwerke

der Technik heraus: kurvengängige

Motorräder, Autos mit Fernlenkung,

Mehrgangschaltung

oder Autoradio, Feuerwehrfahrzeuge

mit

aufwendiger Leitermechanik,

aber auch

lenkbare Flugzeuge

oder fl otte Schiffe mit

Außenbordmotor. Eine

außergewöhnliche Idee

war das bis in die 1960er Jahre hinein

millionenfach verkaufte Varianto-Spielsystem,

eine billigere und platzsparende Auto-Alternative

zur Modelleisenbahn. Schuco-Autos waren aber

nicht nur Spielzeuge von hohem technischem Anspruch.

Sie wurden in Schulen und sogar Fahrschulen

auch als Lehrmittel im Sinne der Verkehrserziehung

eingesetzt. Auf Straßenplänen mit Ampeln,

Zebrastreifen und Verkehrszeichen konnten Kinder

und Jugendliche ihre Schuco-Fahrzeuge durch die

Stadt steuern und lernten dabei auf spielerische

Weise verkehrsgerechtes Verhalten.

Mit dem Tode Heinrich Müllers 1958 verlor das

Unternehmen einen genialen Erfi nder und Konstrukteur.

Zwar gelangen auch danach noch erfolg-

„Verliebt, verlobt, verheiratet. Hochzeits- und

Ehebildnisse der Patrizierfamilie Tucher“:

Do, 17.1.2013, 16 Uhr; So, 20.1.2013, 11 Uhr

„Ave Maria! Das berühmte Verkündigungsfenster

aus der Grasersgasse“:

So, 3.3.2013, 11 Uhr; Do, 7.3.2013, 15 Uhr

Fokus Stadtgeschichte

Führung durch das Stadtmuseum Fembohaus

mit Museumsleiterin Brigitte Korn

„Zerstörung und Wiederaufbau“:

So, 3.2.2013, 14 Uhr; Do, 28.2.2013, 16 Uhr

Montagskonzert

Musikalische Kostprobe zur Mittagszeit

Hirsvogelsaal

Mo, 4.2./ 18.3.2013, jeweils 13.15 Uhr

Scarlatti meets Bach

Italienische und deutsche Barocksonaten für

Violoncello und Cembalo

Kammerkonzert mit Cembalo

im Hirsvogelsaal

Sa, 2.2.2013, 20 Uhr

Museumstheater und Kostümführungen

Mit Katharina Tucher durchs Schloss

Führung im historischen Gewand

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

reiche Neuentwicklungen insbesondere im Bereich

der funkgesteuerten Modellfahrzeuge, doch geriet

das Unternehmen ab Mitte der 1960er Jahre in zunehmende

Schwierigkeiten. 1976 ging das Tradi-tionsunternehmen

in Konkurs. Individuelle Managementfehler

waren sicher hierfür mitverantwortlich,

aber letztlich teilte Schuco das Schicksal der meisten

Nürnberger Metallspielzeugproduzenten: Man

reagierte zu spät auf den Trend hin zu billigerem

Plastik- und Elektronikspielzeug, das aus Fernost

und den USA kommend den Markt eroberte.

Starke Marke

Viele hatten geglaubt, dass mit der Firmenpleite

die Marke Schuco rasch in Vergessenheit geraten

würde. Mit einer Ramschpolitik, die billige Massenware

mit dem Aufkleber Schuco an den Käufer

bringen wollte, brachte der neue Besitzer, der britische

Konzern DCM, die Marke auch tatsächlich in

Verruf. Doch nachdem auch DCM Konkurs anmelden

musste, erwarb 1980 die Fürther Traditionsfi rma

GAMA alte Formen und Markenrechte. Bei GAMA

erkannte man, dass die Zukunft von Schuco auch

in der großen Vergangenheit lag: Alte Renner der

Firmengeschichte wie die Oldtimerserie, der Micro-

Racer und natürlich das Studio-Auto kamen als

Replikate für den damals gerade entstehenden

Sammlermarkt heraus. Vor allem aber

gelang es in den 1990er Jahren, auf dem

expandierenden Modellautosektor mit

neuen Produkten Fuß zu fassen, die dem

Trend der Zeit folgend

in Osteuropa, später später

auch in China produziert

wurden.

Die altbekannte Piccolo-Serie mit ihren Fahrzeugen

aus Zinkdruckguss wurde mit immer neuen MiniMiniaturen zu einer breit gefächerten Produktpalette

ausgebaut, die begeisterte Anhänger fand. Seit 1999

gehört Schuco zur Fürther Simba-Dickie-Gruppe

und konnte sich unter diesem Dach erfolgreich weiterentwickeln.

100 Jahre nach ihrer Gründung hat

sich die Firma vom Spielzeugproduzenten zu einem

Anbieter hochwertiger Sammelartikel gewandelt.

Mit ihren Qualitätsprodukten sorgt sie dafür, dass

der Name Schuco seinen guten Klang in aller Welt

behalten hat.

Helmut Schwarz

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Jeden So, 14 Uhr

Mit Agnes Dürer durchs Dürer-Haus

Führung im historischen Gewand

Albrecht-Dürer-Haus

Führung in deutscher Sprache: Di, Mi und

Sa, 15 Uhr; Do, 18 Uhr; So, 11 Uhr

Spezial-Kinderführungen:

jeden 1. und 3. So im Monat, 15 Uhr;

jeden 1. Do im Monat, 17 Uhr

Englische Führung: Sa, 14 Uhr

Ein ehrenwertes Haus

Historisches Musiktheater mit ohne Dürer

Albrecht-Dürer-Haus

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/duererhaus/museumstheater.html

Feine Gesellschaft

Skandalgeschichte(n) aus Nürnbergs

Goldener Zeit

10 Jahre historisches Kulttheater

mit kulinarischen Überraschungen!

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Do und So, 17-18.30 Uhr *

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/tucherschloss/schlosstheater.html

www.museen.nuernberg.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museen der Stadt Nürnberg

09

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der Nürnberger Meistergesang

Oben: Lorenz Gedon: Porträtbüste Richard

Wagners, 1939. Bronze.

Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und

Skulpturensammlung; Foto: Museen

Meistersinger – historisch

Vielleicht halten ihn manche ja schon für eine Erfi

ndung des Komponisten Richard Wagner – doch der

Nürnberger Schuhmachermeister, Dichter und Sänger

Hans Sachs (1494–1576) war eine der prägnantesten

Erscheinungen der Renaissancezeit in Nürnberg.

Zugleich ist er bis heute der populärste Vertreter der

bürgerlichen Volkskultur des „Meistersangs“, der in

der der Reichsstadt Nürnberg Nürnberg mit besonderem Eifer und

langer Tradition bis 1770 gepfl egt wurde. Die wechselnden

Austragungs- und und Festorte dieser speziellen

Gesangsart waren über die gesamte gesamte Altstadt verteilt. verteilt.

Die Ausstellung „Wagner – MeisterSinger – Sachs“

setzt chronologisch mit mit der besonderen Tradition

des Nürnberger Meistersangs ein und zeigt mit mit Hans Hans

Sachs zugleich dessen dessen berühmte Leitfi gur. gur. Seine Wiederentdeckung

ab 1776 durch durch bedeutende bedeutende Literaten Literaten

wie Wieland, Goethe oder Herder gehört zu zu den

Grundlagen der lokal- und nationalpatriotischen

Verklärung Nürnbergs im 19. und 20. Jahrhundert.

Auch Richard Wagner (1813–1883) ließ dieser

Mythos seit einem Nürnberger Verwandtenbesuch

im Jahre 1835 nicht mehr los: Ein real

erlebter, tragisch-komischer Sänger-Aufruhr

in der verwinkelten Nürnberger Altstadt wird

zur Keimzelle einer der berühmtesten Opern

der Musikgeschichte: den „Meistersingern von

Nürnberg“. Nach einer ersten Skizze betrieb der

Komponist ab 1845 immer wieder intensive Studien

zu Sachs und dem Phänomen des Meistersangs.

Meistersinger – historistisch

Wagner hatte sich eigentlich eine Uraufführung

in Nürnberg selbst erhofft und wollte deren Erlös

sogar für das Projekt des Hans-Sachs-Denkmals stiften.

Doch in der so grandios besungenen Stadt selbst

kam man – trotz der langen Nürnberger Theatergeschichte

mit Fastnachtsspiel, Schembartlauf und

der Gründung des „Nationaltheaters“ 1801 – nicht

recht in die Gänge. So ging die Oper erstmals im Juni

1868 in München über die Bühne, wurde mit Jubel

aufgenommen und begründete eine musikalische

Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Auch gibt

es keine Bilder oder Texte, die für den Ruhm des

„mittelalterlichen“ Nürnberg so emblematisch warben,

wie Richard Wagners einzige komische Oper.

1874 wurde das Hans-Sachs-Denkmal dennoch ohne

Zutun und ohne Beisein des Komponisten feierlich

eingeweiht – obwohl er seit diesem Jahr das nahe

Bayreuth zu seinem künftigen Lebensmittelpunkt

gemacht hatte.

1894 erreicht die Sachs-Verehrung in den Feierlichkeiten

und dem großen historischen Festumzug

ihren einsamen Höhepunkt: Das (groß-)bürgerliche

Nürnberg feiert sich in einer bunten Maskerade als

den Hort „urdeutscher“ Tugenden selbst. Ihr Fortblühen

in der ehemaligen Reichsstadt sollte den ewigen

Bestand des Kaiserreiches gewährleisten. Auch wenn

das deutsche Sängerfest in Nürnberg 1912 noch einmal

Sachs und den Meistersang in den Mittelpunkt

rückt, ist der 400. Geburtstag Sachsens 1894 Höhepunkt

seiner historischen Verklärung – und trotz der

unentwegt beschworenen „Volkstümlichkeit“ des

Hans Sachs blieb die Nürnberger Sozialdemokratie

damals von den Feiern ausgeschlossen.

Auf- und Untergänge

Mit der unrühmlichen Erhebung Nürnbergs zur

„Stadt der Reichsparteitage“ während der NS-Zeit

wird Wagner zum Staatskomponisten, die „Meistersinger“

zur Nationaloper: In der Musterinszenierung

des „Reichsbühnenbildners“ Benno von Arent eröffnen

sie nun in Gegenwart Hitlers sämtliche Reichsparteitage

bis 1938. In diesem Jahr leitet Gauleiter

Streicher wenig später die Zerstörung der Synagoge

am Hans-Sachs-Platz mit einem Zitat aus Wagners

„Meistersingern“ ein – nur einer der Gründe für die

Zerstörung der Altstadt Nürnbergs bei Kriegsende.

Doch auch die Zerstörung ließ nicht alle Fäden reißen:

Noch immer kann man in Nürnberg viele Spuren

aus Mittelalter und Renaissance entdecken, und

bis in die Gegenwart werden Hans Sachs, Richard

Wagner und seine Oper und mit der Stadt in Verbindung

gebracht – bis heute ist eine Nürnberger Neuinszenierung

der „Meistersinger“ am Staatstheater ein

kulturelles Medienereignis. Und schließlich bringt

Nürnberg mit Martha Mödl, deren 100. Geburtstag

in das Jahr 2012 fi el, eine der größten Wagner-

Interpretinnen der Nachkriegszeit hervor. Mit einer

Präsentation durch das Stadtarchiv Nürnberg wird

das Thema Wagner, Sachs und Nürnberg bis in die

Gegenwart geführt und abgerundet.

Bereichert um einige ausgewählte Leihgaben,

entsteht die Ausstellung aus den Beständen der Graphischen

Sammlung und der Gemälde- und Skulpturensammlung

der Museen der Stadt Nürnberg in

Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Nürnberg und

der Staatsoper Nürnberg. Die Präsentation ist vom

18. Januar bis 17. April 2013 im Stadtmuseum Fembohaus

zu sehen. Ein reich bebilderter Katalog wird im

Michael-Imhof-Verlag erscheinen. Thomas Schauerte

Tief im Burgberg: Der neu gestaltete „Historische Kunstbunker“

ben links: Blick in den „Historischen Kunstbunker“. Foto: Verein Nürnberger Felsengänge e.V. Oben rechts: Im Kunstbunker eingelagerte Skulpturen aus

ürnberger Kirchen. Foto: Stadtarchiv Nürnberg

Am 12. März 2013 ist es so weit: Nach über 17

Jahren erfolgreichem Führungsbetrieb durch den

„Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V.“ wird

der Historische Kunstbunker im Burgberg mit einer

neuen Ausstellung eröffnet.

Im Jahr 1995 – fünfzig Jahre nach dem Ende des

Zweiten Weltkriegs – hat der Förderverein der Stadt

Nürnberg die Idee unterbreitet, den Kunstbunker

für Besucher zu öffnen, um an die große Bedeutung

der Kunstbergungsanlage für Nürnberg zu erinnern.

Der Förderverein und die städtischen Museen

haben daraufhin gemeinsam ein Führungskonzept

erarbeitet, das die Geschichte des Nürnberger

Kunstluftschutzes dokumentiert. Seit dieser Zeit ist

die Ausstellung der Öffentlichkeit im Rahmen von

Führungen durch den Verein zugänglich.

Um den jetzigen Vereinsvorsitzenden Ralf Arnold

und die Historikerin Hanne Bank hat sich vor einem

Jahr ein Arbeitskreis gebildet, der diese erste Ausstellung

überarbeitete und gänzlich neu gestaltete,

fachlich begleitet von den Museen der Stadt Nürnberg.

Die neue Ausstellung

Die Themen „Kunstluftschutz“ und „Zerstörung“

wurden um inhaltliche Aspekte erweitert und erhielten

ein zeitgemäßes Layout. Originale Einbauten,

großformatige Fotografi en, Audiostationen und

digitale Bilderrahmen mit verschiedenen Fotosequenzen

vermitteln eindrücklich die Katastrophe

des Krieges und das Ausmaß der Zerstörung und des

Verlusts. Bilder historischer Bergungssituationen

wurden den realen Örtlichkeiten zugeordnet, was

der Ausstellung noch mehr Authentizität verleiht.

Die Präsentation erfuhr auch eine inhaltliche

Erweiterung um das relevante Thema „Wiederauf-

bau der Nürnberger Altstadt“. Die Neukonzeption

beleuchtet nun auch die damaligen Kontroversen

um den Wiederaufbau: Sie wirft einen Blick auf

den Ideenwettbewerb von 1947, zu dem Oberbürgermeister

Hans Ziegler nicht nur die Architekten

und Stadtplaner, sondern „alle Nürnberger“ aufrief,

„ihre Gedanken, Vorschläge und Ideen über den

Wiederaufbau ihrer Heimatstadt“ mitzuteilen. Sie

erinnert an den im gleichen Jahr ausgelobten Architektenwettbewerb,

der die weitere Diskussion

maßgeblich bestimmte, und sie gibt einen Eindruck

von dem schließlich eingeschlagenen Weg, die Stadt

wieder aufzubauen.

Zur Geschichte des Kunstbunkers

Kurz nach Kriegsbeginn wurde in den Felsengewölben

unter der Kaiserburg ein Aufbewahrungsort

geschaffen, um wertvolles Kunst- und Kulturgut,

mit dem die ehemalige Reichsstadt Nürnberg so

reich gesegnet war, vor Zerstörung zu schützen. In

einer Tiefe von bis zu 24 Metern entstand ein ausgeklügeltes

Gangsystem mit Entwässerung, Beheizung

und Belüftung, um adäquate Klimabedingungen

zur Einlagerung der Kunstschätze zu schaffen

– ein in Deutschland einmaliges Unterfangen. Neben

den Altären, Glasfenstern und Chorgestühlen

aller Nürnberger Altstadtkirchen wurden herausragende

Kunstwerke – u.a. die Uhr der Frauenkirche

mit dem „Männleinlaufen“, die Reichskleinodien,

der „Engelsgruß“ von Veit Stoß oder das „Schlüsselfelder

Schiff“, das als eines der Hauptwerke der

europäischen Goldschmiedekunst um 1500 gilt, – in

eigens angefertigten Kisten sorgfältig verpackt und

eingelagert.

Seit 1942 war Nürnberg eines der Hauptziele der

alliierten Bomber: 59 Luftangriffe legten die Stadt

in Schutt und Asche. Über 6000 Menschen verloren

ihr Leben, mehr als 350.000 Einwohner

wurden obdachlos, gerade einmal 9%

der Gebäude blieben gänzlich ohne

Schäden. Nürnberg war nach Dresden,

bezogen auf die bebaute Fläche,

die am stärksten zerstörte deutsche

Stadt. Nur dank des Kunstbunkers

im Burgberg

und der rechtzeitig

getroffenen Vorsorge

haben zahlreiche

Meisterwerke aus

Nürnberger Museen

und Kirchen den verheerenden

Luftkrieg

unbeschadet überstanden.

Erst die großzügige fi nanzielle Unterstützung

durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse

Nürnberg ermöglichte die Neukonzeption des Historischen

Kunstbunkers.

Unten: Carl Hammer:

Erinnerungsblatt für das

Hans-Sachs-Fest 1894.

Farblithographie.

Museen der Stadt

Nürnberg, Graphische

Sammlung. Foto: Museen

Die Reichskrone als Teil

der Reichskleinodien

Foto: Kunsthistorisches

Museum Wien


10

Der Kinderbeirat des

DB Museums bei der

ersten Probefahrt auf

der Miniatur-Eisenbahn.

Foto: Mike Beims

DB Museum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Kinder-Bahnland – die neue Attraktion

Der neue interaktive Kinderbereich im DB Museum wird im Januar eröffnet

Eine ganze Eisenbahnwelt nur für Kinder zu

schaffen: Das hatten sich Museumsdirektorin Russalka

Nikolov und ihr Team als Meilenstein zur Weiterentwicklung

des DB Museums vorgenommen.

In Zusammenarbeit mit der Hamburger Agentur

KWOD & MS Design, die hierzu ein überzeugendes

Konzept lieferten (siehe hierzu das Porträt auf dieser

Seite), ist nun, nach gut einjähriger Arbeit, das

Kinder-Bahnland, kurz KIBALA, entstanden.

Noch wird eifrig gehämmert und gefräst, doch

alle Beteiligten sind sich schon jetzt einig, dass hier

die neue Sensation im DB Museum entsteht. Denn

KIBALA ist mehr als eine Erlebniswelt, wie man

sie heute in vielen Museen eingerichtet findet. Es

ist vielmehr ein Mikrokosmos, ein Eisenbahnland,

in das die Museumsbesucher im Alter von drei bis

zwölf Jahren eintauchen können und dort alles finden,

was sie sich schon immer gewünscht haben.

Das KIBALA löst die alte Eisenbahn-Erlebniswelt

ab; deren Fläche im ersten Obergeschoss ist nun frei

und soll zukünftig den letzten Teil der Dauerausstellung

sowie einen Raum für Modelle aufnehmen. Der

neue Kinderbereich erstreckt sich nun auf einer Fläche

von beinahe 1.000 Quadratmetern im zweiten

Stockwerk. Noch ist hier Baustelle, doch ein Blick

auf die bunten Entwurfszeichnungen von KWOD

lässt erahnen, wie es hier bald aussehen wird. Der

erste Bereich hinter dem Eingang ist wie die Halle

eines Bahnhofs gestaltet. Dort werden die Besucher

einen alten Bekannten treffen: Die Comic-Figur Oli,

vielen Bahnreisenden aus den Pixibüchern im Kinderabteil

vertraut, nimmt dort die kleinen Gäste in

Empfang und „führt“ sie durch die Miniaturwelt.

Mit von der Partie ist seine Freundin Polly, die der

Zeichner und Oli-Schöpfer Titus Ackermann eigens

für KIBALA entwickelt hat. Die beiden animieren die

Das neue Kinder-Bahnland steht kurz vor der Vollendung

– Gelegenheit, ein Porträt der Agentur zu

zeichnen, von der Konzept und Gestaltung stammen.

Die Museumszeitung hat hierzu Harald Krischer und

Prof. Manfred Schulz, die Geschäftsführer von KWOD

& MS Design, interviewt.

MuZ: Wie geht es Ihnen, wenige Wochen vor Eröffnung

von KIBALA?

Krischer: Wir befinden uns in einer der anstrengendsten

aber auch schönsten und aufregendsten

Projektphasen, dem Endspurt – eigentlich wie zur

Weihnachtszeit kurz vor der Bescherung. Die Ideen

und Entwürfe kommen alle zusammen und werden

Wirklichkeit. Alle Beteiligten sind voll im Einsatz und

die Vollendung des Gesamtwerkes gibt uns zusammen

ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

MuZ: Welche Leistungen bringen Sie konkret in das

Projekt ein?

Schulz: So eine Ausstellung zu entwickeln und produzieren

ist mindestens ein so komplexer Vorgang wie

ein Haus zu bauen. Wir haben auf konzeptioneller

Ebene aufgrund eines Briefings unserer Auftraggeber

ein teilweise modifiziertes Gesamtkonzept entwickelt

und von einer dramaturgischen Reise ausgehend

verschiedene Themen- und Spielsituationen

entlang einer erlebbaren Zugreise entwickelt. Unser

Team besteht aus den unterschiedlichsten Disziplinen:

Designer, Architekten, Grafiker, Illustratoren,

Pädagogen, Programmierer, Medienspezialisten.

MuZ: Neben dem Museumsteam haben Sie auch eigene

Recherchen unternommen – nicht unbedingt

selbstverständlich für einen Ausstellungsdesigner.

Krischer/Schulz: Die Eisenbahn ist für uns schon immer

eine faszinierende Mischung aus Technik und

Emotion gewesen. In der Kindheit war es die Begeis-

Tunnel und Berge, Kletterlok und Spieleisenbahn – so bunt und vielfältig wird das neue Kinder-Bahnland. Zeichnung: KWOD

Kinder, auf Entdeckungsreise zu gehen und an den

vielen Spielstationen aktiv zu werden: Sie können

sich als Gleisbauer und Zugbegleiter betätigen, alte

und moderne Eisenbahnwagen erkunden, Signale

stellen und Kohlen für eine Dampflok schaufeln. Neben

der schon aus der alten Erlebniswelt bekannten

Briobahn wartet ein Playmobil-Bereich zum Thema

Güterverkehr auf die jungen Besucher. Die ebenfalls

in der alten Kinderwelt schon vorhandene LGB-

Bergbahn wurde erheblich erweitert und befährt

jetzt zwei Bergmassive.

Doch die größte Attraktion ist wohl der KIBALA-

Express, eine Miniaturbahn, auf der die Kinder

durch den ganzen Bereich fahren können – durch

Tunnel, über Brücken und vorbei an Landschaften,

die von den Gestaltern fantasievoll und mit viel Liebe

zum Detail entworfen wurden.

So eine Miniaturbahn kann man nicht von der

Stange kaufen. Der Mainzer Modellbauer und Spezialist

für die Fünf-Zoll-Bahn, Klaus Wagner, stellte

die Fahrzeuge in sorgfältiger Handarbeit her. Die

beiden Lokomotiven stellen naturgetreue Modelle

im Maßstab 1:11 dar; Vorbilder für die akkubetriebenen

Fahrzeuge waren eine Elektrolok der Baureihe

E 80 und eine Diesellok vom Typ V 100. Die Loks ziehen

mit einer Leistung von etwa einem halben PS

vier Sitzwagen für Kinder und einen Wagen mit dem

Lokführer. Wenn das Ausfahrsignal des Bahnhofs

auf „Fahrt frei“ gestellt ist – das dürfen die kleinen

Fahrgäste auf Anweisung des Lokführers tun – setzt

sich der KIBALA-Express in Bewegung, und der Zug

umrundet die ganze Miniaturwelt auf einer über

110 Meter langen Strecke. Nach den ersten Probefahrten

ist den Beteiligten klar: Die Kleinbahn wird

ein Publikumsrenner!

Auch unser Partner, das Museum für Kommunikation,

ist an den neuen Bereich angedockt: Denn der

seit 2008 geschlossene hintere Übergang zwischen

den beiden Museen wird reaktiviert. Dort entsteht

sogar eine Haltestation des KIBALA-Express, an dem

Besucher, die aus dem Internet-Raum des Kommunikationsmuseums

kommen, einsteigen können.

Bis es so weit ist, liegen noch einige Wochen intensiver

Arbeit vor dem Museumsteam. Doch alle

freuen sich schon auf den 12. Januar 2012, wenn

wir mit einem großen Kinderfest eröffnen und der

KIBALA-Express zu seiner Jungfernfahrt startet.

Rainer Mertens

Die KIBALA-Gestalter – KWOD & MS Design

terung für die Technik, später entwickelte sich ein

Bahnhof in unserer Vorstellung zum Kulminationspunkt

von Emotionen: Abschiedstrauer, Wiedersehensfreude,

Reiselust und manchmal eine neugierige

Reise ins Ungewisse. Es ist kein Zufall, wie oft die Eisenbahn

Handlungsort in der Literatur, dem Film und

der Malerei gewesen ist. Schließlich ist unser Team

in der einjährigen Projektphase ca. 80.000 Kilometer,

also zweimal um die Welt, mit der Bahn gefahren.

MuZ: Was sind für Sie die Highlights des neuen Bereichs?

Schulz: Der KIBALA-Express, mit der die Kinder durch

die ganze Ausstellung fahren können, ist sicherlich

eines der ganz großen Highlights. Aber letztlich ist es

das Gesamterlebnis, das die Ausstellung zum Highlight

macht.

MuZ: Bei der Planung war ein Kinderbeirat eingebunden,

der die Ideen für das KIBALA einer kritischen

Prüfung unterzog und viele eigene Ideen ein-

brachte. Wie beurteilen Sie dieses Modell, Kinder

mitentscheiden zu lassen?

Krischer: Die Zusammenarbeit und die Workshops

mit den Kindern waren äußerst lebendig, kreativ,

fantasievoll und enorm aufschlussreich. Es hat uns

immer großen Spaß gemacht. Wir selbst haben dabei

gelernt, mehr mit den Augen der Kinder zu sehen

und konnten dadurch viele Entscheidungen besser

treffen.

MuZ: Wie sind insgesamt Ihre Erfahrungen in der

Zusammenarbeit mit dem Museum?

Krischer/Schulz: Sie ist geprägt durch eine kreative

und konstruktive Arbeitsweise, sowie hohe Themenkompetenz

und Aufgeschlossenheit des wissenschaftlichen

Teams. Eine große Bereicherung ist die

hauseigene Werkstatt unter der Leitung von Lorenz

Krauß, die mit ihrer Erfahrung Vieles im Ausstellungsbau

ermöglicht hat. Eisenbahngeschichte ist ein

großes und faszinierendes Thema, das uns in seinen

Bann gezogen hat.

Das Team von KWOD & MS Design: Markus Meyer, Harald Krischer, Ana Frotscher, Milena Gradtke, Manfred

Schulz, Kurt Odendahl

Termine

Veranstaltungen und Events

Adlergeburtstag

Museums-Weihnachtsfest für die ganze

Familie

So, 9.12.2012, 10–16 Uhr

Kinderfest zur Eröffnung des neuen

Kinder-Bahnlands

Sa, 12.1.2013, 11–18 Uhr

Internationaler Gedenktag für die Opfer

des Holocaust

Führungen zur Rolle der Reichsbahn im

Holocaust

So, 27.1. 2013, 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr,

16 Uhr

Lesungen „Reiseerlebnisse“

Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn

Zekarias Kebraeb, Botschafter der Deutschlandstiftung

Integration, berichtet über

seine Flucht aus Eritrea.

Fr, 7.12.2012, 19 Uhr

„Zwedschga“

Lesung mit Fitzgerald Kusz

Fr, 18.1.2013, 19 Uhr

Afrika – Mit dem Zug durch den

Schwarzen Kontinent

Diashow von und mit Rohan Vos,

Eisenbahn-Enthusiast aus Südafrika

Do 7.2.2013, 19 Uhr

„Mei Vater war Heizer auf der Seku“

Reisen auf Fränkisch mit Klaus Karl-Kraus

Fr, 8.3.2013, 19 Uhr

Bühne

Loriot – Szenische Lesungen

Mit dem Ensemble „Stilblüten“

Fr, 22.3.2013, 19 Uhr

Vorträge

Eisenbahnen am St. Gotthard

Vortrag von Dr. Kilian Elsasser

Mi, 27.2.2012, 19 Uhr

Ostseefähren im Kalten Krieg

Vortrag von Wolfgang Klietz

Mi, 27.3.2013, 19 Uhr

Jazz-Matinee/Soiree

KLIMA KALIMA

So, 27.1.2013, 11–13 Uhr

Folk Tassignon Quartet

So, 24.02.2013, 11–13 Uhr

Lea W. Frey Trio

So, 17.03.2013, 11–13 Uhr


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museum für Kommunikation Nürnberg

11

Die Grabkammer des Sennedjem

otenkult und Schriftkultur der alten Ägypter werden im Museum anschaulich

Zwei Deckenszenen: der Sonnengott Re (links)/Sennedjem verehrt Horus und zwei Kanopengötter

Seit einigen Wochen ist das Museum für Kommunikation

um eine große Attraktion reicher. Besucher

können jetzt die im originalen Maßstab rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen Kunsthandwerkers

Sennedjem besuchen, die zur Zeit des

Neuen Reiches (ca. 1550 – 1070 v. Chr.) entstand. Die

originale Grabanlage

des Sennedjem und

seiner Familie liegt

mehrere Meter tief

im Fels des thenanischen

Westgebirges

am Rande der Ruinensiedlung

von Deir el-

Medina, einem Ort, in

dem im Neuen Reich

die pharaonischen

Künstler und Handwerker

lebten. Hier

waren insgesamt zwanzig Mumien bestattet, darunter

Sennedjems Ehefrau Iineferti und seine Kinder.

Berühmt ist das Grab, das Ende des 19. Jahrhunderts

nahezu unversehrt aufgefunden wurde, wegen seiner

Ausstattung. Seine vollständig mit Zitaten aus

dem altägyptischen Totenbuch und den sie illustrierenden

prächtigen Wandvignetten bedeckten

Wände zeigen die enge Verbindung von Architektur,

Schrift und Totenkult im alten Ägypten. Das Grab

des Sennedjem ist daher mediengeschichtlich hoch

interessant, da hier deutlich wird, dass die Menschen

schon vor fast viertausend Jahren multimedial

Bilder und Texte gleichzeitig nutzten. Doch warum

wurde diese Anlage im Museum rekonstruiert?

Das Haus thematisiert

in seiner Dauerausstellung

die Kommunikation

mit Tönen,

Bildern und Schrift

sowie im Internet.

Das neu errichtete

Sennedjemgrab ist in

die Abteilung Schrift

integriert. Hier werden

die Entwicklung

von Schriftsystemen

und die Bedeutung

des Schreibens für Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung

erläutert.

Die Grabkammer mit ihrer aufwendigen Ausstattung

beleuchtet einen weiteren Aspekt des Themas:

Sie ist ein sehr schönes Beispiel für das Bedürfnis

des Menschen, mit der Welt des Überirdischen

und der Sphäre der Götter in Verbindung zu treten

und zu kommunizieren, vor allem nach dem Tode.

Besucherinnen und Besuchern bietet sich hier die

einzigartige Gelegenheit, die Schönheit und den

Reichtum der Darstellungen ohne zeitlichen Druck

kennenzulernen und das Zusammenspiel von Bild

und Text zu studieren. Im ägyptischen Totenkult

schützten das Grab und seine Architektur den Verstorbenen,

darin einem Sarkophag vergleichbar. Die

weißen Textstreifen, die die Deckenmalereien gliedern,

erinnern an die Mumienbänder, mit denen die

Toten umwickelt wurden. Die Bilder beziehen sich

auf Sprüche aus dem ägyptischen Totenbuch, einer

Sammlung von etwa 190 Sprüchen, die um die Themen

Tod und Auferstehung in der jenseitigen Welt

der Götter kreisen. Sie enthalten magische Formeln

und beschreiben rituelle Handlungen, die die Toten

auf ihrem Weg ins Jenseits sicher begleiten sollen.

Die Darstellungen im Grab des Sennedjem illustrieren

eine Auswahl dieser Sprüche und zeigen, wie der

Künstler und seine Frau Iineferti nach dem erfolgreichen

Bestehen des Totengerichts in die Ewigkeit und

in die jenseitige Welt der Götter eingeführt werden,

wobei diese ihnen helfen, mögliche Gefahren abzuwehren.

Eine der berühmtesten Darstellungen des

Grabes findet sich auf der Ostwand: Hier wird das

vom Licht des Sonnengottes Re durchflutete jenseitige

Paradies dargestellt.

Inhaltlich betreut wurde das Projekt von dem

Ägyptologen und Sennedjem-Spezialisten Dr. Wolfgang

Wettengel. Nachdem in dem dafür vorgesehenen

Kabinett das Gewölbe der Kammer nachgebaut

worden war, übernahm der auf Wand- und Deckenmalerei

spezialisierte Nürnberger Kunstmaler

Klaus-Martin Grebe die Ausmalung. Er projizierte zunächst

mit einem Overhead-Projektor die Bilder auf

die auszumalenden Wände. Nachdem er die Linien

der Szenen vorgezeichnet hatte, arbeitete er diese

unter Zuhilfenahme des vorhandenen Fotomaterials

Schritt für Schritt aus. Dabei kooperierten Wettengel

und Grebe eng, der Ägyptologe gab Farbtöne

und Pigmente vor, kontrollierte die Ausführung und

stand für Rückfragen zur Verfügung. Beim Malen

fühlte sich Klaus-Martin Grebe nach eigenem Bekunden

dem Maler des ägyptischen Originals sehr

verbunden. „Besonders fasziniert hat mich das

Gefühl beobachtet zu werden von einem ganz wunderbaren

Künstler aus einem fernen Zeitalter“, so

beschreibt er sein Empfinden während der Arbeit.

Im Frühjahr 2013 wird es im Museum eine dreiteilige

Vortragsreihe mit Wolfgang Wettengel

und Klaus-Martin Grebe geben. Am Sonntag, den

eunzig Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Die „Deutsche Gesellschaft für Post und Telekommunikationsgeschichte

(DGPT)“ ist einer der

größten und traditionsreichsten Geschichtsvereine

Europas. Eine Wurzel dieser Organisation, die heute

bundesweit etwa 12.000 Mitglieder hat, liegt in München.

Ende des Jahres 1922 wurde hier nämlich die

„Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ gegründet, die erst in den 1990er Jahren in

der DGPT aufging.

Die DGPT ist heute als Freundeskreis den Museen

für Kommunikation in Berlin, Frankfurt am Main

und in Nürnberg sowie dem Archiv für Philatelie in

Bonn eng verbunden. 1922 war die neu ins Leben ge-

Termine

Überblicksführungen

Mit der Familie durchs Museum

So, 2.12.2012/6.1./3.2./3.3.2013; 14 Uhr

Führung für Familien (Museumseintritt)

Vom Urlaut zum USB-Stick.

Die Welt der Kommunikation im

Überblick

So, 30.12.2012/27.01./24.02./31.3.2013;

14 Uhr

Führung für Einzelbesucher (Museumseintritt)

Themenführungen

Als die graue Maus geliefert wurde

Di, 8.1./22.1.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

rufene Gesellschaft die erste Organisation Deutschlands,

die ihren Schwerpunkt auf die Beschäftigung

mit der Postgeschichte legte. Wichtigstes Organ hierfür

war das „Archiv für Postgeschichte in Bayern“.

Mitarbeiter der Oberpostdirektionen, per Verfügung

sogar ermuntert, in ihrer Dienstzeit postgeschichtliche

Forschung zu betreiben, trugen unter anderem

durch Beiträge zur Postgeschichte bayerischer Städte,

durch Reiseberichte, Porträts von Posthaltern

und Artikeln über bayerische Briefmarken und deren

Gestalter zum Erfolg der Zeitschrift bei. Die Gesellschaft

und ihre Publikation existierten bis zur Privatisierung

der Bundespost Mitte der 1990er Jahre.

Das Fräulein vom Amt

Di, 29.1./14.2.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

Anmeldung für diese zwei Angebote

(0911) 2308885 bzw. E-Mail:

mfk-nuernberg@mspt.de

Auf den Spuren der Postgeschichte

90 Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Do, 6.12.2012; 19 Uhr

Öffentliche Festveranstaltung im Museum

Anmeldung erbeten: 0911/ 230 88 85.

Workshops für Kinder

Schreib- und Geheimwerkstatt

So, 9.12./30.12.2012/13.1./17.2./31.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Danach ging die bayerische Vereinigung in der

bundesweit tätigen DGPT auf. Diese gibt heute mit

der Zeitschrift „DAS ARCHIV. Magazin für Kommunikationsgeschichte“

eine moderne, reich bebilderte

Publikation heraus, die in ihrem Regionalteil nach

wie vor Beiträge und Informationen aus und für

Bayern enthält. Das Gründungsjubiläum der „Gesellschaft

zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ ist am Donnerstag, den 6.12.2012 ab 19 Uhr

Anlass für eine Festveranstaltung mit hochkarätigen

Gästen. Dr. Wolfgang Bötsch, letzter Bundesminister

für Post und Telekommunikation wird im Gespräch

mit Werner Scheller, dem stellvertretenden Vorsit-

Du bist ja ne Marke!

So, 16.12.2012/20.1./24.2.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Volles Rohr – und ab die Post!

So, 23.12.2012/27.1./24.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

„Hieroglyphen-Werkstatt“: Workshop

für Kinder

So, 6.1./3.2./3.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Hier gibt’s was auf die Ohren“: Workshop

für Kinder

So, 10.2./10.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Wie siehst du denn aus!“: Workshop

für Kinder

So, 15.2./17.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

3.2.2013 behandelt Wolfgang Wettengel das Thema

„Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild im Totenkult

der alten Ägypter“, während er am Sonntag,

den 14.4.2013 zum Thema „Sennedjem und seine

Kollegen. Kunsthandwerker im alten Ägypten“

sprechen wird. Am Sonntag, den 3.3.2012, berichtet

Klaus-Martin Grebe in einem Werkstattgespräch

über die Ausmalung der Grabkammer und das, was

ihn an dieser Aufgabe fasziniert hat. Die Vorträge

beginnen jeweils um 11 Uhr. Das Kunst- und Kulturpädagogische

Zentrum der Museen in Nürnberg

(www.kpz-nuernberg.de) bietet ab Anfang 2013 unter

dem Titel: „Ein Architekt des Pharao – unterwegs

im alten Ägypten“ einen neuen Kindergeburtstag

an, in dessen Mittelpunkt die Erforschung der Grabkammer

und die Gestaltung eines Forschertagebuches

stehen. Als offenes Angebot gibt es jeden ersten

Sonntag im Monat von 14–16 Uhr für Kinder die

Hieroglyphenwerkstatt. VL

zenden der DGPT, über die spannende Privatisierungszeit

der Bundespost berichten. Isabell Koch

beleuchtet nach intensivem Quellenstudium die

Entwicklung der Postgeschichtsforschung in Bayern.

Der Bamberger Landeshistoriker Prof. Karl Möckl

wird in seinem Vortrag „den Ort Bayerns nach dem

Ersten Weltkrieg“ in der historisch und gesellschaftspolitisch

bedeutenden Umbruchphase zwischen Monarchie

und Demokratie betrachten.

All diejenigen, die sich für Post- und Kommunikationsgeschichte

interessieren, sind herzlich zu dieser

Veranstaltung eingeladen.

Anmeldung erbeten unter 0911-23 08 88 5. VL

Kosten für Workshops: Museumseintritt

Vorträge zum Sennedjem-Grab

Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild

im Totenkult der alten Ägypter

So, 3.2.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Die Ausmalung des Sennedjem-Grabes –

ein Werkstattbericht

So, 3.3.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Sennedjem und seine Kollegen. Kunsthandwerker

im alten Ägypten

So, 14.4.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

http://www.mfk-nuernberg.de/

Links unten: Blick auf

die Westwand

Unten: Blick in die

Grabkammer auf die

Ostwand.

Fotos: Mile Cindric


„Manche Maler machen aus der Sonne einen gelben Punkt.

Andere machen aus einem gelben Punkt eine Sonne.“

Pablo Picasso (1881-1973), spanischer Maler, Grafi ker und Bildhauer

Wir fördern Museumskultur in und um Nürnberg

IMPRESSUM

Herausgeber:

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Dr. Matthias Henkel

Gregor Isenbort

Dr. Herbert May

Russalka Nikolov

Dr. Angelika Nollert

Redaktion:

Walter Schatz (verantwortlich)

Ulrike Berninger M.A. (Museen)

Birgit Hohenstein (Museen)

Hendrikje Loof M.A. (NMN)

Dr. Vera Losse (MKN)

Eva Martin (NMN)

Dr. Rainer Mertens (DB)

Dr. Sonja Mißfeldt (GNM)

Ute Rauschenbach M.A. (FFM)

Gestaltung:

Alexander Frank

Sven Irmler

Peter Töpfer

(Entwurf: Martin Küchle)

Verlag und Druck:

Verlag Nürnberger Presse

Druckhaus Nürnberg GmbH & Co.

Marienstraße 9–11

90402 Nürnberg

Redaktion:

Tel. (0911) 2 16 - 28 82

Dora Hitz: Bildnis der Malerin Marie von Brocken, 1891, Öl auf Leinwand,

Inv.-Nr. Gm 0592

Foto: Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und Skulpturensammlung

C

M

Y

CM

MY

CY

CMY

K

www.museumszeitung.de

spk_2zlg_marke_70x30mm_4c.pdf 01.12.2010 14:26:37 Uhr

Museen der Stadt Nürnberg

Albrecht-Dürer-Haus

Albrecht-Dürer-Straße 39

90403 Nürnberg

Tel. (09 11) 2 31 - 25 68

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Do 10–20 Uhr

Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Stadtmuseum Fembohaus

Burgstraße 15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 25 95

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Dokumentationszentrum

Reichsparteitagsgelände

Bayernstraße 110

90478 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 56 66

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo–Fr 9–18 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Memorium Nürnberger

Prozesse

Bärenschanzstraße 72

90429 Nürnberg

Tel. (0911) 3 21 - 7 93 72

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten: Mi–Mo 10–18 Uhr

Spielzeugmuseum

Karlstraße 13–15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 31 64

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Museum Tucherschloss

und Hirsvogelsaal

Hirschelgasse 9–11

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 54 21

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo 10–15 Uhr, Do 13–17 Uhr

So 10–17 Uhr

Museum Industriekultur

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 38 75

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Schulmuseum

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 53 02 - 5 74

schulmuseum@ewf.uni-erlangen.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Mittelalterliche

Lochgefängnisse

Rathausplatz 2

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 26 90

historischerrathaussaal

@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

Bis 23.12.2012: täglich 10–16.30 Uhr

1.1.–28.2.2013: geschlossen

1.3.–31.10.2013: täglich 10–16.30 Uhr

Historischer Kunstbunker

im Burgberg

Obere Schmiedgasse 52

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 22 70 66

museen@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

täglich 14.30 Uhr

Für Gruppen nach telefonischer

Voranmeldung

Die nächste

Ausgabe der

Museumszeitung

erscheint am

12. März 2013.

Germanisches Nationalmuseum

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 0

info@gnm.de

www.gnm.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr,

Mi 18–21 Uhr freier Eintritt

montags geschlossen

Kaiserburg-Museum

Auf der Burg

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 20 09 54 - 0

Öffnungszeiten:

April–Sept. tägl. 9–18 Uhr

Okt.–März tägl. 10–16 Uhr

Schloss Neunhof

Neunhofer Schlossplatz 4

90427 Nürnberg

Öffnungszeiten:

Jeweils ab Ostersamstag bis zum

letzten Septemberwochenende

Sa, So und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr

DB Museum

Lessingstraße 6 – 90443 Nürnberg

Tel. (01804) 44 22 33 (0,20 €/Anruf)

E-Mail: info@db-museum.de

www.dbmuseum.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag: 9–17 Uhr

Sa, So und Feiertage: 10–18 Uhr

Geöffnet auch am Ostermontag,

geschlossen am Karfreitag

Museum für Kommunikation

Nürnberg

Lessingstraße 6

90443 Nürnberg

Tel. (0911) 23 08 80

mfk-nuernberg@mspt.de

www.mfk-nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, Feiertage 10-18 Uhr: geöffnet

auch an den Adventsmontagen,

26.12.2012. Geschlossen: 24./

31.12.2012/ 1.1.2013

Neues Museum in Nürnberg

Eingang: Klarissenplatz

Luitpoldstraße 5

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 2 40 20 69

www.nmn.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr

Donnertags 10–20 Uhr

Montags geschlossen

26.12/1.1./6.1./12.2. geöffnet, 10-18 Uhr

24.12./25.12./31.12./11.2. geschlossen

Fränkisches Freilandmuseum

des Bezirks Mittelfranken

in Bad Windsheim

Eisweiherweg 1

91438 Bad Windsheim

Tel. (09841) 66 80 - 0

info@freilandmuseum.de

www.freilandmuseum.de

Öffnungszeiten:

täglich außer montags geöffnet

10. März – 7. Oktober: 9–18 Uhr

9. Oktober – 4. November: 10–17 Uhr

6. November – 16. Dezember:

10–16 Uhr

Das Museum Kirche in Franken

öffnet eine Stunde später.

KPZ Kunst- und Kulturpädagogisches

Zentrum

der Museen in Nürnberg

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 2 41

(Schulen und Jugendliche)

Tel. (0911) 13 31 - 2 38

(Erwachsene und Familien)

schulen@kpz-nuernberg.de

www.kpz-nuernberg.de


museumszeitung 04/2012

Ausgabe 44

Germanisches Nationalmuseum | Neues Museum in Nürnberg | museen der stadt nürnberg | Fränkisches Freilandmuseum | DB Museum Nürnberg | Museum für Kommunikation Nürnberg

Veer Towers, Las Vegas, 2006–2010

Foto: Rainer Viertlböck

Aus dem Inhalt

02

03

06

08

10

11

4. Dezember 2012

11. März 2013

Fränkisches

Freilandmuseum

• Dauernd ausgestellt:

Menschen in Häusern

• Krippe in neun Szenen:

Fränkische Krippe aus 200 Figuren

• Winter im Museum

Germanisches

Nationalmuseum

• Tagträume – Nachtgedanken.

Phantastische Bildwelten aus

fünf Jahrhunderten

• Vorschau: Richard Wagner

• Der Alles-Könner Henry van de Velde

• Sammlung 20. Jahrhundert

wieder offen

• Wunderwelt der Tropen

Neues Museum in Nürnberg

• Helmut Jahn – Architekt und

Visionär: Große Ausstellung zum

Gesamtwerk in Fotografien,

Zeichnungen und Modellen

• Ausstellung ars viva 12/13 – Systeme

• St. Martin im Ausverkauf

Umfangreiche Präsentation der

Cit Art Foundation

museen der Stadt Nürnberg

• „100 Jahre Schuco-Spielzeug“ im

Spielzeugmuseum

• „Hans Sachs, Richard Wagner und

der Nürnberger Meistergesang“

im Stadtmuseum Fembohaus

• „Tief im Burgberg“:

Der „Historische Kunstbunker“

wird nach Umbau wiedereröffnet

DB Museum

• Bald ist es so weit: Das neue

Kinder-Bahnland öffnet seine

Pforten

• Interview mit der Agentur Kwod,

Planer des neuen Kinderbereichs

Museum für Kommunikation

• Neue Attraktion: Die rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen

Kunsthandwerkers Sennedjem

• Festveranstaltung „Neunzig Jahre

Postgeschichtsforschung in Bayern“

am 6.12.2012


02

Rechts: Das Ebner Jesulein,

oben der Rohling,

unten die fertige Figur.

Unten: Die Geburt

Christi aus dem

Krippenzyklus von

Norbert Tuffek

Fränkisches Freilandmuseum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Menschen im Haus – eine Spurensuche

Zur Darstellung der Besitzer- und Bewohnergeschichte in den Museumshäusern

Zu den Aufgaben des Fränkischen Freilandmuseums

des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim

gehört es, nicht nur die bauhistorische Entwicklung

der versetzten Gebäude zu erforschen, sondern auch

der Bewohnergeschichte nachzuspüren. Es ist also

nicht nur die technische Seite des Hauses von Bedeutung,

sondern auch die Sozialgeschichte, denn: Was

wären die Häuser ohne die ehemaligen Bewohner,

ohne die „Menschen im Haus“? Und dann stellt sich

die Frage: Wie gebe ich die gewonnenen Erkenntnisse

an die Besucher weiter?

In dem erst kürzlich neu eröffneten Bauernhaus

aus Reichersdorf (Landkreis Roth) ist ein ganzer

Raum den „Menschen im Haus“ gewidmet. Wie viele

Menschen waren es eigentlich, die in diesem Haus

geboren und aufgewachsen sind? Was ist geblieben

von ihnen, an Informationen, möglicherweise auch

an Fotografi en? Es war eine Spurensuche, die uns –

neben Gesprächen mit den letzten Bewohnern – vor

Visualisierung der ehemaligen Bewohner im Bauernhaus aus Reichersdorf

(oben) und im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld Alle Fotos: Ute Rauschenbach

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Norbert Tuffek muss ein „Ver-rückter“ im besten

Sinne des Wortes sein. Wie anders wäre seine immense

Leidenschaft zu erklären, seit über 12 Jahren

fortgesetzt an einem Krippenzyklus zu arbeiten, der

mittlerweile über 200 Figuren umfasst? Aber das ist

noch lange nicht alles: Der gelernte Holzbildhauermeister

aus Wendelstein bemerkte beim Anfertigen

allem ins Archiv führte, zu den Kirchenbüchern, die

Aufschluss geben über Geburt, Taufe, Konfi rmation,

Eheschließung, Tod und Sterben – in einer Zeit, als es

noch keine Einwohnermeldeämter gab. Für den „Zuckerhof“,

so der alte Hofname, sind seit der Bauzeit

um 1500 fünfzehn Generationen nachzuweisen.

Alle Familienangehörigen, die wir ab etwa 1700

sicher nachweisen konnten, haben wir in der Kammer

gegenüber der Stube auf Bannern vorgestellt.

Die Informationen geraten umso spärlicher, je weiter

sie zurückreichen. Oft sind es nur die Daten von

Geburt und Tod, die von einem Menschenleben übrig

geblieben sind. Und wie viel Kummer und Gram hier

in diesem Haus erlitten wurde, zeigen die vielen Einträge

von früh verstorbenen Kindern. Zu Beginn des

19. Jahrhunderts überlebten von den sieben Kindern

der Margaretha Hussendörfer nur die älteste Tochter

und ein Sohn. Auch die Todesursachen sind bisweilen

benannt. So starb Kunigunda Hussendörfer 1866

mit elf Jahren an Luftröhrenvereiterung, wie es im

Kirchenbuch heißt.

Im 2002 im Freilandmuseum eröffneten Bauernhaus

aus Kleinrinderfeld (Landkreis Würzburg) steht

das Leben der letzten Bewohnerin Hildegard Borst

im Mittelpunkt. Mittels zweier vom Bayerischen

Rundfunk produzierter Hörstationen geht es um

eine unglaubliche Geschichte: Weil sie es nicht verwinden

konnte, dass ihr Bruder – der Hofi nhaber –

im Zweiten Weltkrieg vermisst blieb, konservierte sie

den Zustand im Haus. Der Bruder sollte nach seiner

Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft das Haus so

vorfi nden, wie er es verlassen hatte. So blieb die Zeit

stehen auf dem „Simonshof“, fast 50 Jahre lang – ein

wirklicher Glücksfall für ein Freilichtmuseum.

Es gibt einen auffälligen Bruch innerhalb des

Kleinrinderfelder Hauses: Während die Stuben und

die meisten Kammern sowie die Küche und die Flure

durch die Fülle der überlieferten Ausstattung beeindrucken,

sind im Obergeschoss einige Räume fast

vollkommen leer. Hier haben während des Zweiten

Weltkrieges Zwangs- und Fremdarbeiter gewohnt,

danach Ausgebombte und Vertriebene, die nach

dem Auszug Mitte der 1950er Jahre die Möbel und

der halbmetergroßen Gliederfi guren und

beim Schneidern Schneidern der prächtigen Gewänder,

dass dass diese nur mit Goldbesätzen Goldbesätzen so richtig richtig

wirken. Doch woher diese bekommen,

ohne auf industrielle Massenware zurückgreifen

zu müssen? Das Rohmaterial,

das fein gezogene „Gespinst“,

entdeckte er in einem Spezialgeschäft.

Aber wer konnte das zu einer fertigen

Spitze verarbeiten? Norbert Tuffek suchte

und probierte, probierte, fand aber keinen Spezialisten,

der genau genug auf seine Wünsche

und Vorstellungen einging. Also blieb wohl

nur selbst machen. machen. Er belegte kurzerhand

kurzerhand

einen Klöppelkurs in der nahe gelegenen

Klöppelschule Abenberg und fertigt fertigt nun die

Goldspitzen passgenau selber an. Die prächtigen

Stoffe für die Gewänder der Figuren bezieht

er aus abgetragenen Messgewändern.

Interessant ist, dass diese bei jahrelangem

Gebrauch meist meist in Bauchhöhe Bauchhöhe durch das das FalFaltenten der der Hände zum Gebet häufi g abgenutzt

sind, im Schulter- oder Beinbereich für die

Zwecke des Bildhauermeisters aber

noch bestens taugen.

Besuch im Atelier des Künstlers

Es riecht ein wenig nach Farbe, vermischt

mit dem Wohlgeruch von frisch

verarbeitetem Holz, beim Betreten der

großen, hellen Werkstatt. Norbert Tuffek

arbeitet in der Vorweihnachtszeit

an einem Christkind, das dem „Ebner

Jesulein“ so exakt wie möglich nachemp-

funden ist. Der Typus geht zurück auf

die Nonne und Schriftstellerin Margareta

Ebner, Ebner, die die um um 1300 1300 im im Kloster Maria Maria MeMedingendingen bei Dillingen lebte und die die älteste älteste

heute heute noch erhaltene Jesuleinfi gur umhegt umhegt

haben haben soll. Das „Gnadenkind Jesu zu Maria

Kirchheim“ ist eine prunkvoll ausgestatte-

ausgestatte-

Die „Gute Stube“ der letzten Hausbewohnerin im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld

sonstige Ausstattung mitgenommen haben. Selbst

durch die Befragung von Zeitzeugen war nur wenig

über diese Hausbewohner zu erfahren – gerade mal

die Namen, bei den Zwangs- und Fremdarbeitern

sogar nur die Vornamen. Was von diesen Menschen

auf ihrer Durchgangsstation im Simonshof blieb,

sind undeutliche Konturen, Schatten.

Eine gut dokumentierte und ansprechend präsentierte

Besitzer- und Bewohnergeschichte kann ein

versetztes Haus für Besucher so richtig lebendig machen.

Dabei kommt es auf Fingerspitzengefühl an.

Die Räume sollen möglichst „original“ präsentiert

werden, andererseits aber auch Informationen mit

modernen Ausstellungstechniken weitergeben –

eine Herausforderung, der sich Ausstellungsmacher

gerne stellen. Auch weitere gelungene Beispiele

zur Dokumentation von Besitzergeschichten laden

zu einem Museumsbesuch ein, z.B. die Vermittlung

eines Doppelmordes von 1921 im Seldenhaus aus

Obermässing oder der Arbeit des Bienenforschers

Johann Witzgall, der um 1900 als Schullehrer mit

seiner Familie im Schulhaus wirkte.

Herbert May

te, hölzerne Jesuskindfi gur, die einen Vogel in

der Hand hält eine Anspielung auf das erste

Wunder des kleinen Jesus, der einen Vogel

aus Ton zum Fliegen gebracht haben soll –

so berichten es die Apokryphen. Eine andere

Deutung geht auf den Stieglitz zurück, der

laut Legende dem Gekreuzigten die Dornen

aus dem Kopf zieht – in der Hand des

Jesuleins eine Vorwegnahme der Passion.

Prächtige Szenerien zur Geburt Christi

Die Werkstatt ist zugleich auch Ausstellungsraum

– und hier fällt der Blick des

Besuchers auf die prächtige Krippendarstellung,

die in Kürze eingepackt wird und

als eine der neun Szenerien ab Dezember in

der Spitalkirche im Fränkischen Freilandmuseum

zu sehen sein wird. Museumsleiterin

Dr. Andrea K. Thurnwald wurde auf den Krip- Krippenzyklus

aufmerksam, der im Jahr zuvor in

Wendelstein ausgestellt war und orderte ihn

für das Museum Kirche in Franken – wo sollte

er besser hinpassen? Beeindruckend ist die

Detailliebe und die handwerkliche Perfektion

bei eigener Handschrift, mit der Norbert Tuf- Tuffek

den Krippenzyklus gestaltet hat. Doch

nicht nur die Figuren, auch die Umgebung,

in der sie agieren, ist aufwendig gestaltet.

Die Einteilung der Szenen ist traditionell:

zu sehen sind die Verkündigung an Maria,

der Besuch Marias bei Elisabeth, Maria

durch ein Dornwald ging, die Herbergssuche,

die Anbetung der Engel, die Anbetung

der Hirten und Könige, die Beschneidung

Christi, die Darstellung im Tempel und die

Flucht nach Ägypten.

Geöffnet ist das Museum Kirche in Franken

täglich außer montags noch bis 16. Dezember,

danach am 25., 26., 30. Dezember sowie 1. und 6.

Januar jeweils von 11–16 Uhr.

Ute Rauschenbach

Termine

Veranstaltungen

Advent in fränkischen Bauernstuben

mit Stubenmusik, Gesang, Geschichten

und Gedichten, Kartoffellebkuchen und

Plätzchen, Kaffee und Glühwein. Verkauf

von Weihnachtsbaumschmuck, handgeschnitzten

Backmodeln, Krippen, Kränzen,

Keramik, handgefertigten Fleckerlteppichen,

Filzfi guren, Gestricktem aus handgesponnener

Schafwolle.

So, 9. und 16.12. (2. und 3. Advent),

12–16 Uhr

Museumsweihnacht

Jahresausklang mit dem Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum e.V. rund um

die Mühle aus Unterschlauersbach.

So, 9.12., 12–16 Uhr

Weihnachtsspiel „Empfängnis und

Geburt Christi“

Die Theatergruppe Eschenbach inszeniert

das historische Weihnachtsspiel von Hans

Sachs in der abendlichen Dämmerung des

Seubersdorfer Hofes. Mit dabei: die Aurataler

Sänger, die Eschenbacher Hausmusik und

der Museumsschäfer mit seinen Schafen,

Ochs und Esel.

So, 16.12., 16 Uhr

Winteröffnungstage

Verschneite Bauernhäuser, Eiszapfen an

hölzernen Dachrinnen und glitzernde Winterlandschaft.

Für Fotofreunde bieten sich

wunderbare Motive – mit etwas Glück!

So, 30.12. und 6.1.2013, 10–16 Uhr

Konzerte

Spitalkonfekt: Fränkische Weihnacht

Lesung der Weihnachtsgeschichte, begleitet

von den Bad Windsheimer Sängern und

Spielleut`. Veranstalter: Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum. Eintritt frei,

Spenden erbeten.

So, 9.12., 16.30 Uhr, Museum Kirche in

Franken

Ausstellungen

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Krippenzyklus in neun Bildern mit über 200

Figuren von Norbert Tuffek im Museum

Kirche in Franken

täglich Di – So bis 16.12.12 und 25., 26.,

30.12., sowie 1. und 6. Januar jeweils

11–16 Uhr

Umbruchzeit

Die 1960er bis 1970er Jahre auf dem Land

noch bis So, 16.12., Di – So, 10–16 Uhr

Saisonstart nach der Winterpause:

Sa, 9.3.13

Weitere Infos unter

www.freilandmuseum.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Germanisches Nationalmuseum

03

Tagträume – Nachtgedanken

hantasie und Phantastik in Graphik und Photographie führt zu den Wurzeln der Surrealisten

Hannah Höch: Der Strauß, 1929/65,

Germanisches Nationalmuseum © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

„Er ist so schön … wie die unvermutete Begegnung

einer Nähmaschine und eines Regenschirms

auf einem Seziertisch!“ Diese sinnwidrige Metapher

für die Schönheit eines

Jünglings aus Lautréamonts

„Les Chants de

Maldoror“ aus dem Jahr

1870 regte die Surrealisten

der 1920er Jahre

zu ihren phantastischen

Bildgedanken an.

Um die Wurzeln der Moderne,

speziell der Kunst

der Surrealisten, geht es

auch in der aktuellen Sonderausstellung„Tagträume

– Nachtgedanken“. Als Modell diente Alfred H.

Barrs 1936/37 im Museum of Modern Art, New York,

veranstaltete legendäre Ausstellung „Fantastic Art,

Dada, Surrealism“. Unter diesem Titel zeigte der

Gründungsdirektor des MoMA Werke seiner Zeitgenossen

in der Gegenüberstellung mit Arbeiten von

u.a. Bosch, Arcimboldo, Piranesi, Hogarth, Goya,

„Die Meistersinger von Nürnberg“ ist Richard

Wagners (1813–1883) längste, heiterste und meist

rezipierte Oper, die er selbst mehrfach als sein bestes

Werk bezeichnete. Anlässlich des 200. Geburtstags

des großen Komponisten holt das Germanische

Nationalmuseum die Originalpartitur aus dem

Tresor und zeigt sie ab dem 21. Februar im Rahmen

einer Studioausstellung.

In den 1868 in München uraufgeführten

Meistersingern stellt

Wagner die ideale deutsche

Stadt einer großen deutschen

Vergangenheit dar.

Überraschenderweise

wurde dem Verhältnis

Wagners zum

realen Nürnberg des

19. Jahrhunderts

bislang nur wenig

Aufmerksamkeit geschenkt.

Dabei kam

Wagner mehrfach

in die Frankenmetropole,

in der zeitweise

seine Schwester Clara

mit ihrem Mann Heinrich

Wolfram lebte. Hier

besuchte er das neue Stadttheater

und hörte in der Oper „Die

Schweizerfamilie“ von Joseph Weigel

die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient.

Als 16-Jähriger hatte er sie zum ersten Mal in Beethovens

„Fidelio“ in Leipzig erlebt und (angeblich)

daraufhin beschlossen, Musiker zu werden. Das

Wiederhören in Nürnberg hinterließ einen weiteren

prägenden Eindruck.

Grandville. Die Zusammenschau verhalf dem Surrealismus

zu einem historischen „Stammbaum“. Ohne

Zweifel hatten die psychische Sensibilität und die

künstlerischen Methoden

der Surrealisten den Blick

auf eine lange Tradition

subjektiv-phantastischer

Kunst geöffnet, die vom

Spätmittelalter über den

Manierismus und den

Barock bis in die Moderne

reicht.

Diese Tradition greift

die Ausstellung im GermanischenNationalmuseum

auf, die noch bis

zum 3. Februar zu sehen ist. Sie zeigt überwiegend

Blätter aus den reichen Beständen der eigenen

Graphischen Sammlung, von der Mitte des 15. Jahrhunderts

bis etwa 1945. Auch hier sollen die Motivzusammenhänge

epochenübergreifend verfolgt

werden, gegliedert in einzelne Themenbereiche.

Trotz vergleichbarer Darstellungen, die Motivati-

Teils lapidar, teils amüsiert, aber auch mit einem

gewissen Unwillen schildert der Musiker Anekdoten

und Erlebnisse während seiner Aufenthalte. In

epischer Breite beschreibt er zum Beispiel mit einer

Wirtshausrauferei ein eher banales Ereignis, das

ihn jedoch später zur „Prügelszene“ in den „Meistersingern“

inspirieren wird. In der Ausstellung

hinterfragen zeitgenössische Nürnberger

Stadtansichten das romantisierende

Bild, das Wagner zeichnete,

denn schon damals gab es

sowohl winklige Gassen

als auch weite, offene

Plätze. Die Ausstellung

verdeutlicht

die verschiedenen

Selbstbilder Nürnbergs

zwischen

mittelalterlichem

Mythos und modernemHandelszentrum.

Auch das damals

noch junge „Germanische

Museum“ sah

Wagner. Am 10. August

1861 stand es neben allerlei

Nürnberger „Merkwürdigkeiten“

auf dem Programm, das

er gemeinsam mit einem befreundeten

Journalisten und Politiker Emile Ollivier

und dessen Frau Blandine, der älteren Tochter von

Franz Liszt, absolvierte. Als sechzehnter von rund

50 Besuchern trug sich Wagner in das Besucherbuch

des Hauses ein, das das befreundete Ehepaar

ein wenig pikiert als „armselig“ bezeichnete.

Francisco de Goya: Der Schlaf/Traum der Vernunft

gebiert Ungeheuer, 1799, Privatbesitz

on der Künstler variierte: Von der Höllenangst des

christlichen Mittelalters über die Begeisterung der

Neuzeit für naturwissenschaftliche, speziell optische

Phänomene bis hin zu den Ausbrüchen des

Unbewussten im Zeitalter der Vernunft.

Das Auge spielt als Bildgegenstand eine zentrale

Rolle. Seine Beschreibung als Organ der Wahrnehmung

und Spiegelung psychischer Zustände ist eine

Erkenntnis des 18. Jahrhunderts. Damals wurde seine

Anatomie und Funktionsweise zu einem Gegenstand

der Wissenschaft. Das Auge entwickelte sich

zum Symbol für Vernunft und Erkenntnis, zugleich

gilt es bis heute als Spiegel der Seele oder Sinnbild

innerer Zustände.

Hannah Höch stellte ihre 1929 begonnene Collage

„Der Strauß“ erst 1965 fertig. Aus Zeitungsausschnitten

gestaltete sie ein buntes Blumenbouquet,

als Blüten setzte sie zahlreiche Augen ein: weibliche

und männliche, braune, blaue und grüne, rechte

und linke. Sie vertreten nicht nur einunddreißig

verschiedene Individuen, sie nehmen auch einunddreißig

verschiedene Blickrichtungen ein und

schauen aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihr

Umso interessanter ist deshalb die Tatsache,

dass, bei allem anfänglichen Desinteresse, die Originalpartitur

der Meistersinger im Jahr 1902, kaum

20 Jahre nach Wagners Tod, ihre endgültige Heimat

ausgerechnet in Nürnberg, im Germanischen Nationalmuseum

fand.

Die Studioausstellung zeigt die mehr als 400

Seiten umfassende Wagner-Handschrift der Meistersinger.

Zudem erzählt sie mittels Autographen,

Gegenüber und ihre Umwelt. Höch, die zum engen

Kreis der Berliner Dadaisten gehörte und politisch

dachte, wollte die Gesellschaft in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit

erfassen. So lässt die Künstlerin

„ihren Blick“ schweifen und bezieht diverse Positionen,

um den sich daraus ergebenden Ausschnitt zu

verifi zieren und verschiedene Haltungen zur Welt

zu demonstrieren.

Daneben galt auch der Traum zu allen Zeiten und

in allen Kulturen als Fenster zu überirdischen Mächten.

Der Traum offenbarte göttliche Weissagungen,

visionäre Blicke in die Zukunft, Erkenntnisse, Ratschläge

und Erweiterungen des Bewusstseins – oft

diente er in Überlieferungen als Brücke zwischen irdischer

und überirdischer Sphäre. Goya zeigt in seiner

Aquatinta „Der Schlaf/Traum der Vernunft gebiert

Ungeheuer“ den Künstler selbst, der erschöpft

an seinem Arbeitstisch eingeschlafen ist. Um ihn

her wimmelt es von dämonischen Nachttieren, die

als dunkle Schatten aus seinen Alpträumen aufsteigen.

Die inneren Gedankenspiele manifestieren sich

ganz real und werden zu ihn bedrohlich umgebenden

Dämonen.

Erläutern und erzählen lässt sich viel zu diesen

phantastischen Bildwelten. Öffentliche Führungen

fi nden jeden Mittwochabend um 18 Uhr und jeden

Sonntag um 14 Uhr statt. Ein besonderes Angebot

gibt es außerdem jeden Mittwoch um 19.15 Uhr:

Die „Nachtgedanken“ richten sich an Besucher, die

sich gerne mit in die Führung einbringen möchten.

In kleinen Gruppen wird in gemeinsamem Gespräch

ein Exponat betrachtet und diskutiert. Persönliche

Sichtweisen und Ideen sind willkommen, statt eines

Monologs soll ein fruchtbarer Dialog entstehen.

Wagner – Nürnberg – Meistersinger: Das Nürnberg seiner Zeit

zeitgenössischen Graphiken und Objekten die Geschichte

des Werks und der Partitur in ihrem Verhältnis

zu Nürnberg.

Anhand des individuellen Zeugnisses des „Weltreisenden“

in Sachen Musik wird außerdem exemplarisch

sichtbar, welchen Bedeutungswandel das

Germanische Nationalmuseum zwischen Wagners

Besuch 1861 und der Übergabe der Partitur im Jahr

1902 erfuhr.

Paul Ritter: Refectorium im ehemaligen Kartäuserkloster, 1857, Germanisches Nationalmuseum

Links: Michael Wolgemut:

Tanz der Skelette,

1493

Unten: Wendel Dietterlin:

Phantastische

Ornamentfi guren, 1615,

Germanisches Nationalmuseum

Links: Johann Lindner:

Brustbild des Dirigenten

und Komponisten

Richard Wagner, 1871

Germanisches Nationalmuseum


04 Germanisches Nationalmuseum

Oben: Henry van de

Velde: Sezessions-

Schreibtisch, 1899

Rechts: Henry van de

Velde: „Also sprach

Zarathustra“, 1908,

beides Germanisches

Nationalmuseum

Rechts: Tee-Extrakännchen,

nach einem

Entwurf von Marianne

Brandt, Bauhaus-Werkstatt,

nach 1924,

Germanisches Nationalmuseum

Unten: Blick in die neu

gestaltete Sammlung des

20. Jahrhunderts

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde aus den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums

Fällt der Name Henry

van der Velde (1863–1957), hat vermutlich

jeder diverse Objekte vor Augen,

und dennoch jeder ein ganz eigenes Bild von

dem Jugendstil-Künstler. Dies mag daran liegen,

dass das Werk van de Veldes nicht nur ungemein

umfangreich, sondern auch überaus vielfältig ist.

Malerei und Zeichnung standen am Anfang seines

Schaffens, doch folgten schon bald erste typografi

sche Arbeiten sowie Werke der Architektur und

Innenausstattung. Zu letzteren zählen Möbel, Lampen,

Tapeten, Teppiche und Bodenfl iesen. Aber auch

Geschirr, Besteck, Tafelgerät, Leuchter, Schmuck,

Stoffe, Kleider und vieler weiterer Gegenstände des

täglichen Lebens nahm er sich an.

Parallel zu diesen Dingen widmete sich van de

Velde während seines mehr als fünfzigjährigen

Schaffens der Theorie, indem er sich als Autor und

Lehrer der Vermittlung seines „neuen“ Stils und dessen

Voraussetzungen verschrieb. So veröffentlichte

er bereits in den frühen 1890er Jahren erste theoretische

Abhandlungen. Zahlreiche Essays zur und

über die zeitgenössische Kunst sollten folgen. Auch

als Lehrender war sein Einfl uss groß: ab 1892 in Vorlesungen

an der Kunsthochschule Antwerpen, in öföffentlichen Vorträgen, als Dozent am Kunstgewerblichen

Seminar und an der Kunstgewerbeschule in

Weimar und schließlich als Professor für Architektur

in Gent und Brüssel.

Der sogenannte Sezessions-Schreibtisch

ist

wohl das bekannteste

Möbel van de Veldes und

steht ab 6. Dezember im

Zentrum einer Ausstellung

im Germanischen

Nationalmuseum. Auffällig

ist die geschwungene

Form, die dem Benutzer

einen bequemen Zugriff

auf alle Utensilien ermöglicht, die auf der Tischplatte

ausgebreitet sind. Damit trug der Künstler

den Bedürfnissen seiner in der Regel privaten

Kunden Rechnung, die ein solches Möbel weniger

zum Repräsentieren als zum Arbeiten benötigten.

Nichts sollte ablenken, das Möbel in sich eine Ein-

heit bilden. Dies könne nach van de Velde nur dann

gelingen, wenn alle „fremden“ Teile wie Schrauben,

Scharniere, Schlösser oder Griffe in ihm aufgehen,

will heißen in ihm verschmelzen.

Auf der berühmten Münchner Sezessions-

Ausstellung des Jahres 1899 war der Schreibtisch

der Mittelpunkt des sogenannten „Herren-

Zimmers“. Er rief große Begeisterung hervor

und wurde von mehreren Interessenten

noch vor Ort bestellt. Heute sind vom

Sezessions-Schreibtisch nur drei Exemplare in

öffentlichen Sammlungen erhalten, neben dem

Germanischen Nationalmuseum im Hessischen

Landesmuseum in Darmstadt und im Musée

d’Orsay in Paris.

„In Van de Velde sehen wir nun die äußersten

Konsequenzen des individualistischen Prinzips im

Wohnraume insofern verkörpert, als er einen Raum

nicht nur selber baut und dekorirt und nicht nur jedes

Möbel und jeden Eisenbeschlag selber entwirft,

– nein, auch Tapete und Teppich entstammen seiner

Werkstatt, jeder Stoff, jede Lampe, jedes Tintenfass

auf dem Schreibpult wird von ihm gefertigt, und

wenn er wollte, könnte er gar den Tisch des Salons

belegen mit Büchern, die er selbst illustrirt, auf

seiner Handpresse gedruckt und eingebunden hat.

Eine solche Allseitigkeit der

Produktion auf allen Gebieten,

die mit dem Wohngebrauch

zusammenhängen,

ist vielleicht noch nie von

einem Einzelmenschen

entfaltet worden, und es

liegt auf der Hand, dass bei

dieser Art des Schaffens

eine Einheitlichkeit in der

individuellen Durchbildung

eines Raumes ermöglicht

wird, die nicht zu überbieten ist“, schrieb Fritz

Schumacher in einem Essay im Jahr 1899.

Dieses Zitat verdeutlicht, wie vielseitig Henry

van de Velde arbeitete. Seine Idee von einem konsequent

durchgestalteten Lebensraum, einem

bewohnbaren Gesamtkunstwerk, kommt bei allen

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ausgeführten Aufträgen zum Ausdruck. Objekte aus

seinem reichhaltigen Œuvre fi nden sich in fast allen

Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums,

die das späte 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

umfassen. Den Geburtstag des Künstlers,

der sich am 3. April 2013 zum 150. Mal jährt, ist der

Anlass, sie im Rahmen einer Sonderausstellung zusammenzustellen.

Zu sehen sind rund 35 Objekte,

neben Möbeln gibt es Keramik, Besteck, Gebrauchsgegenstände

und von ihm gestaltete Bücher zu sehen,

nicht zu vergessen Schriften von Henry van de

Velde selbst.

Führungen fi nden ab Januar jeden Sonntag um

15 Uhr statt, weitere Themenführungen mit den Kuratorinnen

Dr. Petra Krutisch oder Dr. Almuth Klein

gibt es am Mittwoch, 16.01., 30.01., 20.02. und 20.03.

jeweils um 18 Uhr sowie am Sonntag, 20.01. um 11

Uhr und am Sonntag, 03.02., 03.03. und 24.03. um 15

Uhr. Ein besonderes Angebot: Am Mittwoch, 02.01.

widmet sich Ingrid Wambsganz in der Reihe „Gespräch

vor einem Kunstwerk“ ausschließlich dem

Sezessions-Schreibtisch.

NEU: Die Sammlung des 20. Jahrhunderts ist wieder geöffnet

Großzügig, hell und in frisch sanierten Räumen

präsentiert sich die eindrucksvoll neu konzipierte

Sammlung des 20. Jahrhunderts. Die Spanne reicht

von Meisterwerken der Malerei über ausdrucksstarke

Skulpturen und dreidimensionale Objekte bis

hin zu Fotoarbeiten und bekannten Klassikern der

Designgeschichte. So entsteht ein umfassendes Bild

der Kunst- und Stilgeschichte der letzten 100 Jahre.

Schwerpunkt der nach dem Zweiten Weltkrieg begründeten

Sammlung liegt auf Werken des Expressionismus

und des Bauhauses. Im

Jahr 1967 erwarb das Museum

Ernst Ludwig Kirchners

„Selbstbildnis als Trinker“ als

bedeutenden Baustein für die Sammlung der Moderne.

Der Ankauf wurde damals programmatisch

verstanden. Mit ihm wurde der kunst- und kulturhistorische

Maßstab umrissen, dem sich das Germanische

Nationalmuseum bei seiner Beschäftigung

mit dem 20. Jahrhundert zu

stellen hatte. Seit den

1960er Jahren gelangten

auch Werke zeitgenössischer

Künstler

in das Museum, die

Bestände gewannen durch

Ankäufe und Leihgaben aus privaten

Sammlungen rasch an Umfang. In den

1980er und 90er Jahren wurde die Sammeltätigkeit

dann auf das gesamte 20. Jahrhundert ausgedehnt.

Zu den Highlights gehören heute neben dem

Selbstbildnis Kirchners eindringliche Skulpturen

von Ernst Barlach, farbintensive Gemälde von Emil

Nolde, Max Pechstein oder Ernst Wilhelm Nay, aber

auch kritische künstlerische Äußerungen

einer Hannah Höch.

Beispiele völkischer

Kunst haben ebenso Eingang

in die Präsentation gefunden

wie politische Plakate, formschöne

Möbel oder die damals revolutionäre

Frankfurter Küche. Filigrane Skulpturen

Vortrag zum Simplicissimus-Zeichner Karl Arnold

Karl Arnold (1883–1953) hat wie kaum ein anderer

Künstler seiner Generation zeichnend den Charakter

und die Charaktere seiner Zeit beobachtet.

Nach dem Studium der Malerei an der Münchner

Kunstakademie arbeitete er für Zeitschriften wie

„Simplicissimus“ und „Die Jugend“. Parallel entwickelte

er für die „Münchner illustrierte Presse“ eine

neue Form von Bildergeschichte und gezeichneter

Reportage.

Obwohl er einer der schärfsten Kritiker Adolf

Hitlers war, konnte Arnold in der NS-Diktatur

weiterarbeiten. Neben außenpolitischen Ereignissen

karikierte er vor allem das vermeintlich unverfängliche

Alltagsleben. Im Jahr 1942 erkrankte er

schwer und musste deshalb – zwei Jahre vor Einstellung

des „Simplicissimus“ – seine künstlerische

Arbeit beenden.

Andreas Strobl, Kurator der großen Arnold-Ausstellung

in der Pinakothek der Moderne München

2012, beleuchtet in einem Vortrag am Mittwoch,

9. Januar 2013 um 19 Uhr anschaulich das Leben

und Werk dieses wichtigen Zeichners. In der Vorbereitung

recherchierte er mehrfach im Deutschen

Henry van de Velde bei der Arbeit

von Hans Uhlmann oder Norbert Kricke stehen neben

Fotoarbeiten von Ute Klophaus und Charlotte

Matthesie. Und auch der Designgeschichte wird

mit freischwingenden Stahlrohrsesseln oder dem

berühmten Bauhaus-Stuhl von Marcel Breuer Rechnung

getragen.

Die Neueinrichtung zeugt von einer Neuausrichtung

der Kunst im 20. Jahrhundert. Mit der globalen

Vision der Moderne gilt es, Schlüsselpunkte künstlerisch-kultureller

Entwicklungen in Deutschland in

ihren internationalen Kontext zu stellen. Die Sammlung

ist nun wieder zugänglich, Führungen und

Workshops bieten ab Januar spannende Zugänge

und neue Erkenntnisse.

Kunstarchiv und konnte so Lücken in der Biografi e

schließen, wie etwa die Umstände von Arnolds

künstlerischem Überleben im Jahr 1933. Der Vortrag

im Aufseß-Saal dauert ungefähr eine Stunde, der

Eintritt ist frei.

Karl Arnold: Der Münchner, 1923, Staatliche Graphische

Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2013


Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ie Wunderwelt der Tropen

ur noch bis 3. Februar sind die exquisiten Illustrationen des Surinam-Buchs von Maria Sibylla Merian zu sehen

Die Pfl anzenkompositionen Maria Sibylla Merians

(1647–1717) gehören zu den eindrucksvollsten

Zeugnissen naturwissenschaftlicher Illustrationskunst

des frühen 18. Jahrhunderts. Ein Jahr lang

zeigte das Germanische Nationalmuseum in der

von Johannes Pommeranz kuratierten Studioausstellung

jeweils 16 Blätter ihres sogenannten

Surinam-Buchs. Im Rhythmus von drei Monaten

wurden die Motive gewechselt, um über das Jahr

hinweg alle 60 Kupfertafeln zeigen zu können. Bis

zum 3. Februar 2013 ist nun die letzte Charge zu

sehen.

Was den Charme der Darstellungen ausmacht,

ist vor allem die ganz eigene Symbiose aus Kunst

und Wissenschaft. Detailliert und exakt sind Pfl anzen

und Insekten gezeichnet und verschmelzen

doch zu einer Komposition. Die handkolorierten

Kupfertafeln entstanden nach einer Reise Merians

1699 bis 1701 in den südamerikanischen Küstenstaat

Surinam, auf der sie sich eingehend mit der

dortigen Flora und Fauna beschäftigte. Einzigartig

für ihre Zeit ist die kombinierte Darstellung von

Pfl anze und Tier, also von einem Insekt mit seiner

Wirtspfl anze.

Tafel 49 zeigt Granatapfelblüten und Laternenträger.

Weniger der in kraftvollem Rot blühende

Granatapfelbaumzweig als vielmehr dessen Besucher

sind das Spektakuläre. Stammen doch die

prominentesten Vertreter der Gattung Laternenträger

aus Surinam (Fulgora laternaria). Diese Art,

die sich insbesondere durch eine auffällige Verlängerung

der Stirnpartie auszeichnet, wurde erst

durch die Zeichnung Merians in Europa bekannt.

Irrtümlich nahm die Künstlerin an, dass dieser

buckelige Kopfaufsatz nachts wie eine Laterne

VORSCHAU: Rembrandt

Rembrandt Harmenszoon van Rijn: Der Tod der

Maria, Ausschnitt,1639, GNM

Eine Studioausstellung zeigt ab 5. März rund 40

graphische Blätter des 1606 in Leiden geborenen

Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Niederländische

Künstler begannen damals, mit den technischen

Termine

Ausstellungen

Tagträume – Nachtgedanken

Phantasie und Phantastik

in Graphik und Photographie

bis 3. Februar 2013

Merians Krönungswerk

Die Wunderwelt der Tropen

bis 3. Februar 2013

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde

aus den Sammlungen

des Germanischen Nationalmuseums

6. Dezember 2012 – 1. April 2013

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Richard Wagner und das reale Nürnberg

seiner Zeit

21. Februar – 2. Juni 2013

Rembrandt. Meister der Radierung

5. März 2013 – 26. Januar 2014

Vorschau: Zünftig!

Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800

Ab 21. März 2013

Granatapfelblüte und Laternenträger, Tafel 49 aus: Maria Sibylla Merian, Metamorphosis insectorum

Surinamensium, 1705, Germanisches Nationalmuseum

leuchte. Aus dieser Vermutung leitet sich dann

auch die Namensgebung des Insekts ab.

Doch wie kam eine Frau Ende des 17. Jahrhunderts

überhaupt auf die Idee, eine Reise nach Su-

Möglichkeiten der Radierung zu experimentieren.

Rembrandt wurde zu einem Meister der Kaltnadel.

Durch einen lockeren Zeichenstil, einem reich abgestuften

Spiel des Helldunkel und der Verwendung

eines tiefen, samtigen Schwarz erzielte er bis dahin

unvorstellbare malerische Effekte.

Die Ausstellung legt einen thematischen Schwerpunkt

auf Porträts und biblische Erzählungen. Die

Bildnisse reichen von privaten, oft skizzenhaften

Studien bis zu repräsentativen Darstellungen mit

Zugeständnissen an den Geschmack eines vornehmen

Kundenkreises. Ein kapitales Blatt aus dem

christlichen Themenkreis ist „Der Tod der Maria“. Typisch

für Rembrandt zeichnet sich die fi gurenreiche

Szene in einem prunkvollen Schlafgemach sowohl

durch ihre realistische Schilderung als auch durch

ihre emotionale Spannung aus: Während der Arzt

den Puls der Gottesmutter fühlt, drängen die seelisch

aufgewühlten Freunde mit ausdrucksstarker

Mimik und Gestik zum Bett der Sterbenden.

Vorträge, Meisterkurse, Konzerte

Forum Historische Musikinstrumente

Zinken und Posaunen

23. Januar – 26. Januar 2013

Programm unter

http://www.gnm.de/index.php?id=437

In Kooperation mit der:

Führungen

Blick zuRück – 50 Jahre Musikinstrumente

Sammlung Rück im GNM

Mi, 5. Dezember, 19 Uhr und

So, 9. Dezember, 11 Uhr

Nürnberger Puppenhäuser des 17. Jahrhunderts.

Repräsentation und Anschauung

Mi, 12. Dezember, 19 Uhr und

So, 16. Dezember, 11 Uhr

rinam anzutreten? Maria Sibylla Merian wurde am

2. April 1647 in Frankfurt am Main in die berühmte

Verleger-Familie Merian hineingeboren. Schon

früh erhielt sie eine künstlerische Ausbildung.

Zinken und Posaunen sind das Thema

einer viertägigen Veranstaltung, die vom

23. bis 26. Januar im Germanischen Nationalmuseum

stattfi ndet. Mitveranstalte-

rin ist die Hochschule für Musik Nürnberg.

Vor zwei Jahren begann eine offi zielle Forschungs-Kooperation

zwischen beiden Institutionen,

deren Ziel der Austausch von theoretischem

Wissen über historische Instrumente mit

der praktischen Erfahrung etablierter Musiker

und junger Musikstudenten ist.

Das „Forum Historische Musikinstrumente“ trägt

maßgeblich zu dieser Idee bei und lädt jedes Jahr

zu einer Tagung mit informativen Vorträgen und

Führungen, praktischen Workshops, Meisterklassen

und Konzerten. Neben einer aktiven Teilnahme als

Musiker ist auch eine passive Teilnahme als Zuhörer

möglich. Die Spanne der Vorträge reicht von Einblicken

in die Geschichte und Konzerttradition der

Instrumentalmusik über die Schwierigkeiten und

Doppelt hält besser. Diptychen, Bilderpaare,

Polaritäten

Mi, 19. Dezember, 19 Uhr und

So, 23. Dezember, 11 Uhr

Heilige der Winterzeit und ihr Brauchtum

Mi, 2. Januar, 19 Uhr und So, 6. Januar, 11 Uhr

Der Alles-Könner. Arbeiten von Henry van de

Velde aus den Sammlungen des GNM

Mi, 16. Januar, 19 Uhr und

So, 20. Januar, 11 Uhr

Büste, Bildnis, Porträt. Köpfe in den Sammlungen

des GNM

Mi, 23. Januar, 19 Uhr und

So, 27. Januar, 11 Uhr

Im Zeichen der Zunft. Zur Symbolsprache

der Zünfte

Mi, 30. Januar, 19 Uhr und

So, 3. Februar, 11 Uhr

Germanisches Nationalmuseum

Neben der Kunst galt ihr Interesse der Flora und

Fauna. Nachdem sie viele einheimische Pfl anzen

und die mitteleuropäische Käferwelt untersucht

hatte, übte das Exotische einen besonderen Reiz

auf sie aus. Der Hauptgrund für ihre Reise lag allerdings

in dem Umstand begründet, dass sie in

den Kunst- und Wunderkammern ihrer Zeit immer

nur einzelne Stadien einer Insektenentwicklung

vorfand und nie die gesamte Metamorphose vom

Ei bis zum geschlüpften Imago. Sie machte sich

auf die Reise, um den gesamten Zyklus eines Insektenlebens

zu dokumentieren, wie wir aus ihrer

Korrespondenz wissen.

Auf Anregung des Gouverneurs der holländischen

Kolonie Surinam, Cornelis van Sommelsdijk,

brach Meran im Jahr 1699 in den südamerikanischen

Küstenstaat auf, begleitet von ihrer jüngeren

Tochter Dorothea Maria. Vor Ort entstanden

zahlreiche Skizzen und Handzeichnungen von außergewöhnlichen,

in Europa weitestgehend noch

unbekannten Insekten und Pfl anzen.

Nach Amsterdam zurückgekehrt, arbeitete

Merian ihre Studien aus und publizierte sie als

illustrierende Kupferstiche in dem Buch „Metamorphosis

Insectorum Surinamesium“, das zu

ihrem Hauptwerk werden sollte. Das Germanische

Nationalmuseum besitzt eines der wenigen erhaltenen

Umdruckexemplare der Erstausgabe, die im

Jahr 1705 in Amsterdam erschien. Die ursprünglich

schwarz-weißen Grafi ken kolorierte Merian nachträglich

von Hand.

Eine letzte Führung durch die Studioausstellung

und zum außergewöhnlichen Leben Merians

fi ndet am Samstag, 5. Januar 2013 um 15 Uhr statt.

Tagung: Zinken und Posaunen

Bedürfnisse beim Nachbau historischer Blechblasinstrumente

bis hin zu exemplarischen Musiker-

und Musikstückbiografi en, die ein tieferes Eintauchen

in bestimmte Epochen erlauben. Das Forum

beginnt mit einem Konzert der Reihe „Musica Antiqua“

in Kooperation mit dem

Bayerischen Rundfunk

– Studio Franken

und endet mit

einem klangvollen Abschlusskonzert

am Samstag,

26. Januar um 20 Uhr.

Für die passive Teilnahme ist

keine Anmeldung notwendig.

Das komplette Programm in der

Übersicht fi nden Sie unter www.

gnm.de, Rubrik „Forschung“ und

„Tagungen“ oder unter www.hfmnuernberg.de/veranstaltungen/

forum-zinken-posaunen/.

Von der römischen Reibschale bis zur

Frankfurter Küche

Ein Küchenstreifzug durch die Jahrhunderte

Mi, 6. Februar, 19 Uhr und

So, 10. Februar, 11 Uhr

Alltag und Vergnügen

Genredarstellungen aus vier Jahrhunderten

Mi, 13. Februar, 19 Uhr und

So, 17. Februar, 11 Uhr

Facetten des spätmittelalterlichen

Alltagslebens

Mi, 27. Februar, 19 Uhr und

So, 3. März, 11 Uhr

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Mi, 6. März, 19 Uhr und So, 10. März,

11 Uhr

Das besondere Angebot

Kunst der Moderne im GNM – Kunstvermittlung

einmal anders

Die Kunst des 20. Jahrhunderts: Führungen,

Kreativaktionen und Kunstspiele.

Die Teilnahme ist kostenlos.

So, 10. Februar, 10–16 Uhr

Krummer Zink,

17. Jahrhundert, und

Bassposaune, 1612

beide Germanisches

Nationalmuseum

05


06 Neues Museum in Nürnberg

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Neues Museum in Nürnberg

07

ben: Veer Towers,

as Vegas

oto: Rainer Viertlböck

echts: University of

hicago, Joe and Rika

ansueto Library

oto: Rainer Viertlböck

zlem Günyol & Mustafa

unt, …AND JUSTICE FOR

LL! 2010

oto: Özlem Günyol &

ustafa Kunt

Systeme, die lenken

Das Neue Museum zeigt die aktuellen ars-viva-Preisträger

„Wer nicht umsteigt, wird abgeschaltet.“ Mit diesem

Slogan wurde in Deutschland im April des Jahres die

Umstellung vom analogen zum digitalen Fernsehen

vehement beworben. Der neuseeländische Künstler

Simon Denny nimmt solche Ereignisse unseres globalen

Kommunikationssystems zum Anlass, um die

aktuellen Veränderungen und deren Auswirkungen

in seinen Werken konkreter vor Augen zu führen.

In einer Serie neuer Objektkästen thematisiert der

heute in Berlin lebende Künstler, der derzeit ein Stipendium

des PIN in München innehat, die neuen

Möglichkeiten des internetfähigen Fernsehgerätes.

Wie bei Werken der Pop Art setzt Denny dabei Güter

unserer Konsumwelt ein. Hardware-Produkte, wie ein

Smart-TV, oder Screenshots, in denen die Hersteller mit

Begriffen wie Gesichtserkennung, Gestensteuerung

oder Sprachsteuerung die Vorzüge der neuen Technik

hervorheben, konfrontiert Denny mit Elementen von

Halloween-Masken und führt so ein Horror-Kabinett

des Internets vor.

Im Zentrum von Dennys Preisträger-Arbeit für den

ars-viva-Kunstpreis, der alljährlich vom Kulturkreis der

Deutschen Wirtschaft unter

einem Leitbegriff

vergeben wird, steht eine Infografi k von Business Insider,

einem Netzwerk für Geschäftsleute, in der über

die neue Bereitschaft der Internetgemeinde informiert

wird, für Inhalte wieder zu zahlen. Diese kommerzielle

Ausrichtung des Informationsmediums Internet nimmt

Denny zum Anlass für eine Wand- und Bodeninstallation,

wodurch eine Art begehbare dreidimensionale

Informationsbox entsteht.

Mit Melvin Moti, Özlem Günyol & Mustafa Kunt ist

Simon Denny aber nur einer von den drei diesjährigen

Preisträgern des ars-viva-Kunstpreises an die Nachwuchskunst.

Özlem Günyol & Mustafa Kunt, 1977/78 in

Ankara geboren, behandeln die politische Kommunikationskultur.

Politische Parolen, politische Gesten und

das Demonstrieren zerlegt das in Frankfurt lebende

Künstlerduo zunächst in ihre Bestandteile, in einzelne

Worte und Gesten. Diese werden als ein zweiter Schritt

dann spielerisch in einen anderen Kontext gebracht,

wie den des Feierns, den des Tanzes oder den des

Sports.

Durch diese Dekonstruktion entsteht nicht allein

eine Entkräftung von Konstituenten der Macht, sondern

vor allem auch eine distanzierte und amüsierte

Sichtweise auf das sonst so ernste und machtbewusste

System der politischen Kommunikation.

Melvin Moti, der aus den Niederlanden kommt,

wendet sich schließlich dem System unserer Wahrnehmung

zu. Seine Arbeiten kreisen wie Indizienbeweise

jeweils um ein fehlendes Zentrum herum und weisen

so auf die Lücken in der Realität hin, die durch unsere

selektive Wahrnehmung normalerweise ausgeklammert

werden.

Helmut Jahn – Architekt, Multitalent, Weltbürger

Nach 46 Jahren kehrt der weltberühmte Architekt und Visionär in seine Geburtsstadt Nürnberg zurück

Panoramaaufnahme oben: Suvarnabhumi International Airport, Bangkok Foto: Rainer Viertlböck

Animation unten: Großformatige Fotos an den Wänden als monumentale Skyline bilden den Rahmen für die Skizzen und Modelle von Helmut Jahn. Entwurf der Ausstellungsarchitektur im Neuen Museum © bangertprojects

Eine facettenreiche Ausstellung im Neuen Museum

zeigt erstmalig das dynamische Gesamtwerk des in

Nürnberg geborenen und von Chicago aus weltweit tätigen

Architekten Helmut Jahn. In Zeichnungen und Modellen

sowie in den brillanten Fotografi en Rainer Viertlböcks

wird das global agierende Multitalent erfahrbar.

Wie das Werk des Architekten ist die Ausstellung

eine Weltreise von Chicago über die USA, Südafrika,

Europa zum Mittleren Osten, nach China, Japan, Korea

und Thailand. Die Ausstellung dokumentiert die

Entstehungsgeschichten international bekannter

Bauwerke wie des Sony Centers in Berlin oder des futuristischen

Großfl ughafens in Bangkok ebenso wie die

Projektierung von Idealstädten, Shoppingzentren oder

die Entwicklung von heutigen „mega big buildings“.

Neben über 100 gebauten Werken spiegelt die Ausstellung

auch Jahns Visionen des Ungebauten und Zukünftigen.

Termine

Sammlung

Cit Art Foundation

Bis 10.3.2013

Franceso Pavan

Bis 3.2.2013

Helen Britton

Ab 7.2.2013

Attila Kovács

Ab 18.1.2013

Ausstellung

ars viva 12/13 - Systeme. Simon Denny, Özlem

Günyol & Mustafa Kunt, Melvin Moti

Bis 13.01.2013

/prospekt/ Vorhang auf…

für die Akademie der Bildenden Künste in

Nürnberg

2.Teil: 14.12.2012 bis 13.01.2013

Eröffnung: Donnerstag, 13.12.2012, 19 Uhr

HELMUT JAHN – PROCESS PROGRESS

Das Gesamtwerk des Architekten in Zeich-

„The Future is never wrong“ – dieses programmatische

Zitat von Helmut Jahn verweist ebenso wie der

Titel der Ausstellung „PROCESS PROGRESS“ auf das

Vertrauen und die Selbstverpfl ichtung des Architekten,

sich nicht nur der Gegenwart zu stellen, sondern auch

die Herausforderung der Zukunft anzunehmen und zu

gestalten. Der unbedingte Glaube an die Zukunft lässt

sich auch in den Architekturen Helmut Jahns ablesen,

setzen sie doch immer wieder neue Maßstäbe, sei es

im Ausreizen der technischen Möglichkeiten und ihrer

Weiterentwicklung, sei es in der Realisierung innovativer

Bauformen und städteplanerischer Ideen oder sei es

in ihrer pionierhaften Haltung ökologischer Verantwortung

gegenüber.

Der deutsch-amerikanische Architekt (geb. 1940)

prägt seit über 40 Jahren Baugeschichte, und so werden

auch die Benutzer und Rezipienten seiner spezifi schen

Architektur geprägt. Viele seiner Bauwerke stehen in

nungen und Modellen sowie Fotografi en von

Rainer Viertlböck

Bis 24.2.2013

Vorträge und Gespräche

Seen by Rainer Viertlböck: the Work of

Helmut Jahn

Vortrag von Rainer Viertlböck, Fotograf

Di, 4.12.2012, 18 uhr

Quelle und andere Fälle. Probleme mit

großen Projekten der Nachkriegsmoderne

Vortrag von Prof. Dr. Gerd Weiß, Hessischer

Landeskonservator

Do, 6.12.2012, 19 Uhr

Das Unternehmen Kunst. Fördern mit

System

Vortrag von Dr. Stephan Frucht, Geschäftsführer

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im

BDI e.V.

Do, 10.01.2013, 19 Uhr

Die Zukunft ist nie falsch

Vortrag von Helmut Jahn, Architekt

Mi, 16.01.2013, 20 Uhr

ihrer architektonischen Gestalt – die sich vor allem

durch Konstruktion und Stil konstituiert – und ihrem

Anspruch repräsentativ für ein Jahrzehnt: für die 80er

Jahre unter anderem das State of Illinois Center, heute

James R. Thompson Center genannt, und das Xerox Center

in Chicago, für die 90er Jahre das Charlemagne der

Europäischen Union in Brüssel, für das erste Jahrzehnt

des neuen Milleniums das Shanghai New International

Expo Centre in Shanghai oder die Veer Towers in Las Vegas

sowie für die Zukunft das Doha Convention Center

mit seinem 540 Meter hohen Glasturm.

Auch gibt es wohl wenige Bewohner von Städten, die

die Architekturen von Helmut Jahn nicht kennen, selbst

wenn sie den Autor zunächst nicht benennen können.

Denn seine Architekturen sind gleichsam zu Wahrzeichen

geworden: allein in Deutschland unter anderen

der Messeturm in Frankfurt (1991), das Münchner Airport

Center (1999), das Sony Center in Berlin (2000), der

Gespräch mit dem Sammler Rafael

Jablonka

Do, 7.2.2013, 18 Uhr

Gespräch mit der Künstlerin

Helen Britton

Do, 7.3.2013, 14 Uhr

BDA Vortragsreihe 1+1=3 Stadtbaumeister

D0, 24.1.2013, 19 Uhr

Do, 14.2.2013, 19 Uhr

Musik

KlangKonzepteEnsemble

»Wunder des Rhythmus und Schönheit des

Raumes«

Hommage à Hans Hofmann

So, 9.12.2012, 11.15 Uhr

Die Kunst der Niederländer

So, 20.01.2013, 11.15 Uhr

Karlheinz Stockhausen. Frühe Werke

So, 10.02. 2013, 11.15 Uhr

Post-Tower in Bonn (2003) oder das Hochhaus Sign! im

Düsseldorfer Medienhafen (2010).

Bei dem Versuch, die Architekturen Helmut Jahns zu

charakterisieren, bieten sich zunächst Kategorisierungen

wie Bauten für die Öffentlichkeit oder Bauten für

Unternehmen an. Seine Flughäfen, Atriumbauten, seine

Wolkenkratzer und Monumentalbauten sind auch aus

Ingenieurssicht großartige Glas-Stahl-Konstruktionen.

Seine grundsätzliche Orientierung an der klassischen

Moderne hat er durch ein seinen Bauten innewohnendes

außerordentliches Raffi nement individualisiert.

Helmut Jahn hat Neues in die Architektur gebracht.

Die Ausstellung ermöglicht nun eine neue Auseinandersetzung

mit seiner komplexen Ideenwelt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Neuen Museums

und der Neuen Sammlung – The International

Design Museum Munich in enger Zusammenarbeit mit

Helmut Jahn.

Fantastische Reise durch die Musik

Konzert des Bundesakkordeonorchesters

So, 03.03.2013, 11.15 Uhr

Konzertreihe Across

Valgir Sigurdsson

Di, 26.2.2013, 21 Uhr

Kinder und Jugendliche

Hoch hinaus …

Workshops zur Ausstellung HELMUT JAHN –

PROCESS PROGRESS

Sa, 15.12.2012, 14.30 Uhr (ab 10 Jahren)

Sa, 26.01.2013, 14.30 Uhr (ab 12 Jahren)

Jeweils begrenzte Teilnehmerzahl. Infos und

Anmeldung unter 0911 2402036

Zu Gast

Pechkucha Night

Di, 19.2.2013, 20 Uhr

Creative Monday

Mo, 11.3.2013, 19.30 Uhr

Weitere Termine und Informationen unter:

www.nmn.de

St. Martin im Ausverkauf

Die Cit Art Foundation in fünf Räumen des Neuen Museums

Katharina Fritsch (geb. 1956) ist eine Künstlerin, die

in Bildern denkt und Plastiken von emblematischer

Eindringlichkeit schafft. Sie sagt: „Meine Skulpturen

sind nie ganz zu fassen, wie ein Bild, das sich nie ganz

entschlüsseln lässt. Sie bleiben wie ein Rätsel im Kopf.“

Dass Katharina Fritschs Kunst so enigmatisch wirkt,

ist nicht zuletzt Ergebnis ihrer hohen handwerklichen

Perfektion, ihrer oft matten Oberfl ächen und merkwürdigen

Farben.

In Kaufhäusern und Ramschläden sind Wühltische

die Endstation vieler Waren. Schnäppchenjäger graben

auf den hüfthohen Möbeln nach Beute. Auf Katharina

Fritschs Wühltisch (1987/89) gibt es keine große Auswahl

mehr: Grüne Tücher mit dem Motiv des Heiligen

Martin werden ausverkauft. Auch in unserer scheinbar

religionsfernen Zeit berührt es uns merkwürdig, das

Heilige so profaniert zu sehen. In klassischer Ikonographie

ist der Heilige Martin hoch zu Ross dargestellt. Er

teilt seinen Mantel, um einen nackten Bettler zu kleiden.

Tuch und Heiligenlegende stehen in einem Zusammenhang,

der den Gegensatz zwischen Warenhandel

und Mantelspende umso schärfer hervortreten lässt.

Der Wühltisch gehört zu einer Auswahl von Werken

aus der Cit Art Foundation des Kölner Galeristen Rafael

Jablonka, die fortan dauerhaft mit dem Neuen Museum

verbunden ist. Mit einer umfangreichen Dauerleihgabe

von Arbeiten Hubert Kiecols begann im Jahre 2004 die

Zusammenarbeit der Cit Art Foundation mit dem Neuen

Museum. Im vergangenen Jahr ist die Stiftung eine

noch engere Bindung mit dem Nürnberger Haus eingegangen,

das nun über die komplette Sammlung der Cit

Art Foundation als Dauerleihgabe verfügt. Wenn die

Stiftung weiterhin wächst, wird davon dann ebenfalls

das Neue Museum profi tieren. Diese außerordentlich

großzügige und uneigennützige Geste bereichert die

Sammlung des Museums um Werke verschiedenster

deutscher, amerikanischer und internationaler Künstler,

von denen viele bislang noch nicht im Neuen Museum

vertreten waren.

In fünf Sammlungsräumen zeigt das Neue Museum

noch bis 10. März 2013 Arbeiten von Greg Bogin, Edward

Dwurnik, Katharina Fritsch, Peter Halley, Hubert Kiecol,

Alexej Koschkarow, Cady Noland, Richard Prince,

Guy Rombouts & Monica Droste, Andreas Slominski

und Philip Taaffe. In der Zusammenschau ergibt sich

die Physiognomie einer ganz besonderen Kunstsammlung,

die alles andere als Mainstream

ist.

State Street Village,

Chicago

Foto: Rainer Viertlböck;

James R. Thompson

Center, Chicago

Foto: Rainer Viertlböck

Katharina Fritsch,

Wühltisch, 1987/89

Foto: Neues Museum

(Annette Kradisch)


08

Ernste Mienen, schönes

Spiel: Firmenchef

Heinrich Müller (2.v.l.)

mit den Herren der

Geschäftsleitung,

um 1950

Rechts: Schuco-Motorrad

Curvo 1000, ab 1950

Unten: Donald Duck

Tanzfi guren, 1937 und

1958. Die Comic-Enten

tanzten und schnatterten

dabei munter vor

sich hin.

Fotos: Spielzeugmuseum

Museen der Stadt Nürnberg

Pick-Pick, Studio, Piccolo

Wunder der Technik: Sonderausstellung zum 100. Geburtstag der Nürnberger Spielzeuglegende Schuco

Schuco gehört zu den ganz großen Namen der

internationalen Spielzeuggeschichte. Die Marke

stand über Jahrzehnte hinweg – zusammen mit

Märklin, Steiff oder Käthe Kruse – für den guten

Ruf deutschen Qualitätsspielzeugs. Tanzende Figuren,

nickende Bären, pickende Vögel und unzählige

Fahrzeuge mit verblüffenden technischen Merkmalen:

Aus der Nürnberger Ideenwerkstatt des

Firmengründers und genialen Erfi nders Heinrich

Müller (1886–1958) gingen immer wieder wahre

Wunder der Spielzeugtechnik hervor. Mit einer Fülle

von außergewöhnlichen Exponaten aus Museums-,

Firmen- und Privatbesitz zeichnet die Ausstellung

den Aufstieg des 1912 als Schreyer & Co. (abgekürzt:

Schuco) gegründeten Unternehmens vom Hinterhofbetrieb

zum einstmals größten Spielwarenher-

steller Europas nach.

In den beiden ersten

Jahrzehnten seiner Existenz

erwarb sich das

Unternehmen vor allem

mit mechanischen Filz- und

Plüschspielwaren einen

guten Ruf. Beliebt

und vorzüglich

gestaltet warenmarschierende

Hunde und

Teddybären oder

Ausstellungen

Termine

Kunst & Handwerk

Weihnachtsverkaufsausstellung

Stadtmuseum Fembohaus

6. bis 16.12.2012

Licht und Schatten

Foto-Retrospektive. Horst Schäfer 2001–2012

Museum Industriekultur

Bis 30.12.2012

„Ihr Kinderlein kommet ...“

Die Weihnachtsbescherung: Stubenschmuck

und Gabentisch

Weihnachtsausstellung des Spielzeugmuseums

in der Ehrenhalle des Rathauses

Bis 4.1.2013

Lernlabor Matheland

Ausprobieren, Knobeln, Rechnen für Kinder

von 4 bis 8 Jahren

Museum Industriekultur

8.1. bis 3.3.2013

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der

Nürnberger Meistergesang

Stadtmuseum Fembohaus

18.1. bis 17.4.2013

Affen, deren Köpfe sich mit einem versteckten

Drahtgestänge in jede Richtung bewegen ließen.

Vor allem aber begeisterten ab 1928 die täuschend

naturgetreuen Pick-Pick-Vögel und in der Folgezeit

eine Fülle von witzigen Tanzfi guren Kinder

wie Erwachsene in aller Welt. Im Gegensatz zum

herkömmlichen fi gürlichen Metallspielzeug waren

die Blechkörper dieser Figuren mit Filz oder

Plüsch bezogen. Sie fühlten sich angenehm an und

führten dank eines ausgeklügelten, patentierten

Federwerk-Mechanismus natürlich bis amüsant wirkende

Bewegungen aus. Mit seinem untrüglichen

Sinn für den Zeitgeist griff Heinrich Müller zudem

auch Themen aus der amerikanischen Film- und

Comicwelt auf. Charlie Chaplin als watschelnder

Tramp mit schwingendem Spazierstöckchen erweiterte

in den 1930er Jahren ebenso das Sortiment wie

Micky Maus, Donald Duck oder Schweinchen Dick.

Autos für alle

Bis heute wird der Name Schuco vor allem mit den

technisch meisterhaft ausgestatteten Fahrzeugen

verbunden, die seit Mitte der 1930er Jahre aus den

Fabrikhallen an der Fürther Straße in Nürnberg rollten.

Autos, die dank eines verborgenen fünften Rads

nicht vom Tisch fallen konnten, Limousinen, die

aufs Wort gehorchten oder bei Anruf aus der Garage

fuhren: Die technischen Ideen aus der Schuco-Mustermacherei

waren bahnbrechend. Das Aushänge-

Wunder der Technik

100 Jahre Schuco-Spielzeug

Spielzeugmuseum

Bis 7.4.2013

Entrechtet. Entwürdigt. Beraubt.

Arisierung in Nürnberg und Fürth

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Bis 30.6.2013

Sonderveranstaltungen

Schaustück des Monats Dezember 2012

60 Jahre Fernsehen

Spezialführungen mit Matthias Murko:

Mi, 5.12.2012, 16 Uhr; So, 16.12.2012, 15 Uhr

Museum Industriekultur

Mythologie im Hirsvogelsaal

Erzählreihe in Kooperation mit der ErzählBühne

„Klassische Fiaskos“:

So, 24.2.2013, 17.30–19 Uhr

14 Euro/ 10 Euro ermäßigt;

Kartenreservierung: Mobil: 0170/ 5546329 oder

per Mail: info@erzaehlbuehne.de

Meisterhaft! Schätze aus dem Tucherschloss

Kuratorenführung mit Museumsleiterin

Ulrike Berninger M.A.

schild der Schuco-Autofl otte war aber ohne Zweifel

das Studio-Auto, das nach dem Vorbild des Mercedes

Silberpfeil W 25 gestaltet und mit zahlreichen technischen

Funktionen ausgestattet war (Montagesets,

Reifenwechsel, funktionierende Lenkung, sichtbares

Differential etc.). Der Erfolg des Studio-Autos refl

ektiert die ungeheure Motorsportbegeisterung der

1930er Jahre, die eng mit den Mercedes Silberpfeilen

verbunden ist. Besonders bemerkenswert: Es ist das

einzige Auto der Spielzeuggeschichte, das von 1936

bis heute nahezu unverändert produziert wird.

Mitten in den Boomjahren seines Unternehmens

– zeitweise waren bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigt

– musste sich Heinrich Müller unter dem Druck

des NS-Regimes von seinem jüdischen Kompagnon

Adolf Kahn trennen, der mit seiner Familie in die

USA emigrierte. Die erzwungene Trennung lief

allem Anschein nach zu fairen Konditionen ab, Müller

und Kahn blieben zeitlebens freundschaftlich

verbunden. Dies verschaffte dem Unternehmen

nach Kriegsende sogar einen gewissen Wettbewerbsvorteil,

denn Adolf Kahn und sein Sohn Eric

übernahmen schon bald nach der Wiederaufnahme

der Produktion den Alleinvertrieb von Schuco-

Spielwaren auf dem wichtigen nordamerikanischen

Markt.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Die Wirtschaftswunderjahre brachten noch

einmal goldene Zeiten für das Unternehmen:

Schuco stieg zur größten Spielwarenfabrik

Europas auf. Jährlich kamen neue Wunderwerke

der Technik heraus: kurvengängige

Motorräder, Autos mit Fernlenkung,

Mehrgangschaltung

oder Autoradio, Feuerwehrfahrzeuge

mit

aufwendiger Leitermechanik,

aber auch

lenkbare Flugzeuge

oder fl otte Schiffe mit

Außenbordmotor. Eine

außergewöhnliche Idee

war das bis in die 1960er Jahre hinein

millionenfach verkaufte Varianto-Spielsystem,

eine billigere und platzsparende Auto-Alternative

zur Modelleisenbahn. Schuco-Autos waren aber

nicht nur Spielzeuge von hohem technischem Anspruch.

Sie wurden in Schulen und sogar Fahrschulen

auch als Lehrmittel im Sinne der Verkehrserziehung

eingesetzt. Auf Straßenplänen mit Ampeln,

Zebrastreifen und Verkehrszeichen konnten Kinder

und Jugendliche ihre Schuco-Fahrzeuge durch die

Stadt steuern und lernten dabei auf spielerische

Weise verkehrsgerechtes Verhalten.

Mit dem Tode Heinrich Müllers 1958 verlor das

Unternehmen einen genialen Erfi nder und Konstrukteur.

Zwar gelangen auch danach noch erfolg-

„Verliebt, verlobt, verheiratet. Hochzeits- und

Ehebildnisse der Patrizierfamilie Tucher“:

Do, 17.1.2013, 16 Uhr; So, 20.1.2013, 11 Uhr

„Ave Maria! Das berühmte Verkündigungsfenster

aus der Grasersgasse“:

So, 3.3.2013, 11 Uhr; Do, 7.3.2013, 15 Uhr

Fokus Stadtgeschichte

Führung durch das Stadtmuseum Fembohaus

mit Museumsleiterin Brigitte Korn

„Zerstörung und Wiederaufbau“:

So, 3.2.2013, 14 Uhr; Do, 28.2.2013, 16 Uhr

Montagskonzert

Musikalische Kostprobe zur Mittagszeit

Hirsvogelsaal

Mo, 4.2./ 18.3.2013, jeweils 13.15 Uhr

Scarlatti meets Bach

Italienische und deutsche Barocksonaten für

Violoncello und Cembalo

Kammerkonzert mit Cembalo

im Hirsvogelsaal

Sa, 2.2.2013, 20 Uhr

Museumstheater und Kostümführungen

Mit Katharina Tucher durchs Schloss

Führung im historischen Gewand

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

reiche Neuentwicklungen insbesondere im Bereich

der funkgesteuerten Modellfahrzeuge, doch geriet

das Unternehmen ab Mitte der 1960er Jahre in zunehmende

Schwierigkeiten. 1976 ging das Tradi-tionsunternehmen

in Konkurs. Individuelle Managementfehler

waren sicher hierfür mitverantwortlich,

aber letztlich teilte Schuco das Schicksal der meisten

Nürnberger Metallspielzeugproduzenten: Man

reagierte zu spät auf den Trend hin zu billigerem

Plastik- und Elektronikspielzeug, das aus Fernost

und den USA kommend den Markt eroberte.

Starke Marke

Viele hatten geglaubt, dass mit der Firmenpleite

die Marke Schuco rasch in Vergessenheit geraten

würde. Mit einer Ramschpolitik, die billige Massenware

mit dem Aufkleber Schuco an den Käufer

bringen wollte, brachte der neue Besitzer, der britische

Konzern DCM, die Marke auch tatsächlich in

Verruf. Doch nachdem auch DCM Konkurs anmelden

musste, erwarb 1980 die Fürther Traditionsfi rma

GAMA alte Formen und Markenrechte. Bei GAMA

erkannte man, dass die Zukunft von Schuco auch

in der großen Vergangenheit lag: Alte Renner der

Firmengeschichte wie die Oldtimerserie, der Micro-

Racer und natürlich das Studio-Auto kamen als

Replikate für den damals gerade entstehenden

Sammlermarkt heraus. Vor allem aber

gelang es in den 1990er Jahren, auf dem

expandierenden Modellautosektor mit

neuen Produkten Fuß zu fassen, die dem

Trend der Zeit folgend

in Osteuropa, später später

auch in China produziert

wurden.

Die altbekannte Piccolo-Serie mit ihren Fahrzeugen

aus Zinkdruckguss wurde mit immer neuen MiniMiniaturen zu einer breit gefächerten Produktpalette

ausgebaut, die begeisterte Anhänger fand. Seit 1999

gehört Schuco zur Fürther Simba-Dickie-Gruppe

und konnte sich unter diesem Dach erfolgreich weiterentwickeln.

100 Jahre nach ihrer Gründung hat

sich die Firma vom Spielzeugproduzenten zu einem

Anbieter hochwertiger Sammelartikel gewandelt.

Mit ihren Qualitätsprodukten sorgt sie dafür, dass

der Name Schuco seinen guten Klang in aller Welt

behalten hat.

Helmut Schwarz

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Jeden So, 14 Uhr

Mit Agnes Dürer durchs Dürer-Haus

Führung im historischen Gewand

Albrecht-Dürer-Haus

Führung in deutscher Sprache: Di, Mi und

Sa, 15 Uhr; Do, 18 Uhr; So, 11 Uhr

Spezial-Kinderführungen:

jeden 1. und 3. So im Monat, 15 Uhr;

jeden 1. Do im Monat, 17 Uhr

Englische Führung: Sa, 14 Uhr

Ein ehrenwertes Haus

Historisches Musiktheater mit ohne Dürer

Albrecht-Dürer-Haus

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/duererhaus/museumstheater.html

Feine Gesellschaft

Skandalgeschichte(n) aus Nürnbergs

Goldener Zeit

10 Jahre historisches Kulttheater

mit kulinarischen Überraschungen!

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Do und So, 17-18.30 Uhr *

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/tucherschloss/schlosstheater.html

www.museen.nuernberg.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museen der Stadt Nürnberg

09

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der Nürnberger Meistergesang

Oben: Lorenz Gedon: Porträtbüste Richard

Wagners, 1939. Bronze.

Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und

Skulpturensammlung; Foto: Museen

Meistersinger – historisch

Vielleicht halten ihn manche ja schon für eine Erfi

ndung des Komponisten Richard Wagner – doch der

Nürnberger Schuhmachermeister, Dichter und Sänger

Hans Sachs (1494–1576) war eine der prägnantesten

Erscheinungen der Renaissancezeit in Nürnberg.

Zugleich ist er bis heute der populärste Vertreter der

bürgerlichen Volkskultur des „Meistersangs“, der in

der der Reichsstadt Nürnberg Nürnberg mit besonderem Eifer und

langer Tradition bis 1770 gepfl egt wurde. Die wechselnden

Austragungs- und und Festorte dieser speziellen

Gesangsart waren über die gesamte gesamte Altstadt verteilt. verteilt.

Die Ausstellung „Wagner – MeisterSinger – Sachs“

setzt chronologisch mit mit der besonderen Tradition

des Nürnberger Meistersangs ein und zeigt mit mit Hans Hans

Sachs zugleich dessen dessen berühmte Leitfi gur. gur. Seine Wiederentdeckung

ab 1776 durch durch bedeutende bedeutende Literaten Literaten

wie Wieland, Goethe oder Herder gehört zu zu den

Grundlagen der lokal- und nationalpatriotischen

Verklärung Nürnbergs im 19. und 20. Jahrhundert.

Auch Richard Wagner (1813–1883) ließ dieser

Mythos seit einem Nürnberger Verwandtenbesuch

im Jahre 1835 nicht mehr los: Ein real

erlebter, tragisch-komischer Sänger-Aufruhr

in der verwinkelten Nürnberger Altstadt wird

zur Keimzelle einer der berühmtesten Opern

der Musikgeschichte: den „Meistersingern von

Nürnberg“. Nach einer ersten Skizze betrieb der

Komponist ab 1845 immer wieder intensive Studien

zu Sachs und dem Phänomen des Meistersangs.

Meistersinger – historistisch

Wagner hatte sich eigentlich eine Uraufführung

in Nürnberg selbst erhofft und wollte deren Erlös

sogar für das Projekt des Hans-Sachs-Denkmals stiften.

Doch in der so grandios besungenen Stadt selbst

kam man – trotz der langen Nürnberger Theatergeschichte

mit Fastnachtsspiel, Schembartlauf und

der Gründung des „Nationaltheaters“ 1801 – nicht

recht in die Gänge. So ging die Oper erstmals im Juni

1868 in München über die Bühne, wurde mit Jubel

aufgenommen und begründete eine musikalische

Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Auch gibt

es keine Bilder oder Texte, die für den Ruhm des

„mittelalterlichen“ Nürnberg so emblematisch warben,

wie Richard Wagners einzige komische Oper.

1874 wurde das Hans-Sachs-Denkmal dennoch ohne

Zutun und ohne Beisein des Komponisten feierlich

eingeweiht – obwohl er seit diesem Jahr das nahe

Bayreuth zu seinem künftigen Lebensmittelpunkt

gemacht hatte.

1894 erreicht die Sachs-Verehrung in den Feierlichkeiten

und dem großen historischen Festumzug

ihren einsamen Höhepunkt: Das (groß-)bürgerliche

Nürnberg feiert sich in einer bunten Maskerade als

den Hort „urdeutscher“ Tugenden selbst. Ihr Fortblühen

in der ehemaligen Reichsstadt sollte den ewigen

Bestand des Kaiserreiches gewährleisten. Auch wenn

das deutsche Sängerfest in Nürnberg 1912 noch einmal

Sachs und den Meistersang in den Mittelpunkt

rückt, ist der 400. Geburtstag Sachsens 1894 Höhepunkt

seiner historischen Verklärung – und trotz der

unentwegt beschworenen „Volkstümlichkeit“ des

Hans Sachs blieb die Nürnberger Sozialdemokratie

damals von den Feiern ausgeschlossen.

Auf- und Untergänge

Mit der unrühmlichen Erhebung Nürnbergs zur

„Stadt der Reichsparteitage“ während der NS-Zeit

wird Wagner zum Staatskomponisten, die „Meistersinger“

zur Nationaloper: In der Musterinszenierung

des „Reichsbühnenbildners“ Benno von Arent eröffnen

sie nun in Gegenwart Hitlers sämtliche Reichsparteitage

bis 1938. In diesem Jahr leitet Gauleiter

Streicher wenig später die Zerstörung der Synagoge

am Hans-Sachs-Platz mit einem Zitat aus Wagners

„Meistersingern“ ein – nur einer der Gründe für die

Zerstörung der Altstadt Nürnbergs bei Kriegsende.

Doch auch die Zerstörung ließ nicht alle Fäden reißen:

Noch immer kann man in Nürnberg viele Spuren

aus Mittelalter und Renaissance entdecken, und

bis in die Gegenwart werden Hans Sachs, Richard

Wagner und seine Oper und mit der Stadt in Verbindung

gebracht – bis heute ist eine Nürnberger Neuinszenierung

der „Meistersinger“ am Staatstheater ein

kulturelles Medienereignis. Und schließlich bringt

Nürnberg mit Martha Mödl, deren 100. Geburtstag

in das Jahr 2012 fi el, eine der größten Wagner-

Interpretinnen der Nachkriegszeit hervor. Mit einer

Präsentation durch das Stadtarchiv Nürnberg wird

das Thema Wagner, Sachs und Nürnberg bis in die

Gegenwart geführt und abgerundet.

Bereichert um einige ausgewählte Leihgaben,

entsteht die Ausstellung aus den Beständen der Graphischen

Sammlung und der Gemälde- und Skulpturensammlung

der Museen der Stadt Nürnberg in

Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Nürnberg und

der Staatsoper Nürnberg. Die Präsentation ist vom

18. Januar bis 17. April 2013 im Stadtmuseum Fembohaus

zu sehen. Ein reich bebilderter Katalog wird im

Michael-Imhof-Verlag erscheinen. Thomas Schauerte

Tief im Burgberg: Der neu gestaltete „Historische Kunstbunker“

ben links: Blick in den „Historischen Kunstbunker“. Foto: Verein Nürnberger Felsengänge e.V. Oben rechts: Im Kunstbunker eingelagerte Skulpturen aus

ürnberger Kirchen. Foto: Stadtarchiv Nürnberg

Am 12. März 2013 ist es so weit: Nach über 17

Jahren erfolgreichem Führungsbetrieb durch den

„Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V.“ wird

der Historische Kunstbunker im Burgberg mit einer

neuen Ausstellung eröffnet.

Im Jahr 1995 – fünfzig Jahre nach dem Ende des

Zweiten Weltkriegs – hat der Förderverein der Stadt

Nürnberg die Idee unterbreitet, den Kunstbunker

für Besucher zu öffnen, um an die große Bedeutung

der Kunstbergungsanlage für Nürnberg zu erinnern.

Der Förderverein und die städtischen Museen

haben daraufhin gemeinsam ein Führungskonzept

erarbeitet, das die Geschichte des Nürnberger

Kunstluftschutzes dokumentiert. Seit dieser Zeit ist

die Ausstellung der Öffentlichkeit im Rahmen von

Führungen durch den Verein zugänglich.

Um den jetzigen Vereinsvorsitzenden Ralf Arnold

und die Historikerin Hanne Bank hat sich vor einem

Jahr ein Arbeitskreis gebildet, der diese erste Ausstellung

überarbeitete und gänzlich neu gestaltete,

fachlich begleitet von den Museen der Stadt Nürnberg.

Die neue Ausstellung

Die Themen „Kunstluftschutz“ und „Zerstörung“

wurden um inhaltliche Aspekte erweitert und erhielten

ein zeitgemäßes Layout. Originale Einbauten,

großformatige Fotografi en, Audiostationen und

digitale Bilderrahmen mit verschiedenen Fotosequenzen

vermitteln eindrücklich die Katastrophe

des Krieges und das Ausmaß der Zerstörung und des

Verlusts. Bilder historischer Bergungssituationen

wurden den realen Örtlichkeiten zugeordnet, was

der Ausstellung noch mehr Authentizität verleiht.

Die Präsentation erfuhr auch eine inhaltliche

Erweiterung um das relevante Thema „Wiederauf-

bau der Nürnberger Altstadt“. Die Neukonzeption

beleuchtet nun auch die damaligen Kontroversen

um den Wiederaufbau: Sie wirft einen Blick auf

den Ideenwettbewerb von 1947, zu dem Oberbürgermeister

Hans Ziegler nicht nur die Architekten

und Stadtplaner, sondern „alle Nürnberger“ aufrief,

„ihre Gedanken, Vorschläge und Ideen über den

Wiederaufbau ihrer Heimatstadt“ mitzuteilen. Sie

erinnert an den im gleichen Jahr ausgelobten Architektenwettbewerb,

der die weitere Diskussion

maßgeblich bestimmte, und sie gibt einen Eindruck

von dem schließlich eingeschlagenen Weg, die Stadt

wieder aufzubauen.

Zur Geschichte des Kunstbunkers

Kurz nach Kriegsbeginn wurde in den Felsengewölben

unter der Kaiserburg ein Aufbewahrungsort

geschaffen, um wertvolles Kunst- und Kulturgut,

mit dem die ehemalige Reichsstadt Nürnberg so

reich gesegnet war, vor Zerstörung zu schützen. In

einer Tiefe von bis zu 24 Metern entstand ein ausgeklügeltes

Gangsystem mit Entwässerung, Beheizung

und Belüftung, um adäquate Klimabedingungen

zur Einlagerung der Kunstschätze zu schaffen

– ein in Deutschland einmaliges Unterfangen. Neben

den Altären, Glasfenstern und Chorgestühlen

aller Nürnberger Altstadtkirchen wurden herausragende

Kunstwerke – u.a. die Uhr der Frauenkirche

mit dem „Männleinlaufen“, die Reichskleinodien,

der „Engelsgruß“ von Veit Stoß oder das „Schlüsselfelder

Schiff“, das als eines der Hauptwerke der

europäischen Goldschmiedekunst um 1500 gilt, – in

eigens angefertigten Kisten sorgfältig verpackt und

eingelagert.

Seit 1942 war Nürnberg eines der Hauptziele der

alliierten Bomber: 59 Luftangriffe legten die Stadt

in Schutt und Asche. Über 6000 Menschen verloren

ihr Leben, mehr als 350.000 Einwohner

wurden obdachlos, gerade einmal 9%

der Gebäude blieben gänzlich ohne

Schäden. Nürnberg war nach Dresden,

bezogen auf die bebaute Fläche,

die am stärksten zerstörte deutsche

Stadt. Nur dank des Kunstbunkers

im Burgberg

und der rechtzeitig

getroffenen Vorsorge

haben zahlreiche

Meisterwerke aus

Nürnberger Museen

und Kirchen den verheerenden

Luftkrieg

unbeschadet überstanden.

Erst die großzügige fi nanzielle Unterstützung

durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse

Nürnberg ermöglichte die Neukonzeption des Historischen

Kunstbunkers.

Unten: Carl Hammer:

Erinnerungsblatt für das

Hans-Sachs-Fest 1894.

Farblithographie.

Museen der Stadt

Nürnberg, Graphische

Sammlung. Foto: Museen

Die Reichskrone als Teil

der Reichskleinodien

Foto: Kunsthistorisches

Museum Wien


10

Der Kinderbeirat des

DB Museums bei der

ersten Probefahrt auf

der Miniatur-Eisenbahn.

Foto: Mike Beims

DB Museum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Kinder-Bahnland – die neue Attraktion

Der neue interaktive Kinderbereich im DB Museum wird im Januar eröffnet

Eine ganze Eisenbahnwelt nur für Kinder zu

schaffen: Das hatten sich Museumsdirektorin Russalka

Nikolov und ihr Team als Meilenstein zur Weiterentwicklung

des DB Museums vorgenommen.

In Zusammenarbeit mit der Hamburger Agentur

KWOD & MS Design, die hierzu ein überzeugendes

Konzept lieferten (siehe hierzu das Porträt auf dieser

Seite), ist nun, nach gut einjähriger Arbeit, das

Kinder-Bahnland, kurz KIBALA, entstanden.

Noch wird eifrig gehämmert und gefräst, doch

alle Beteiligten sind sich schon jetzt einig, dass hier

die neue Sensation im DB Museum entsteht. Denn

KIBALA ist mehr als eine Erlebniswelt, wie man

sie heute in vielen Museen eingerichtet findet. Es

ist vielmehr ein Mikrokosmos, ein Eisenbahnland,

in das die Museumsbesucher im Alter von drei bis

zwölf Jahren eintauchen können und dort alles finden,

was sie sich schon immer gewünscht haben.

Das KIBALA löst die alte Eisenbahn-Erlebniswelt

ab; deren Fläche im ersten Obergeschoss ist nun frei

und soll zukünftig den letzten Teil der Dauerausstellung

sowie einen Raum für Modelle aufnehmen. Der

neue Kinderbereich erstreckt sich nun auf einer Fläche

von beinahe 1.000 Quadratmetern im zweiten

Stockwerk. Noch ist hier Baustelle, doch ein Blick

auf die bunten Entwurfszeichnungen von KWOD

lässt erahnen, wie es hier bald aussehen wird. Der

erste Bereich hinter dem Eingang ist wie die Halle

eines Bahnhofs gestaltet. Dort werden die Besucher

einen alten Bekannten treffen: Die Comic-Figur Oli,

vielen Bahnreisenden aus den Pixibüchern im Kinderabteil

vertraut, nimmt dort die kleinen Gäste in

Empfang und „führt“ sie durch die Miniaturwelt.

Mit von der Partie ist seine Freundin Polly, die der

Zeichner und Oli-Schöpfer Titus Ackermann eigens

für KIBALA entwickelt hat. Die beiden animieren die

Das neue Kinder-Bahnland steht kurz vor der Vollendung

– Gelegenheit, ein Porträt der Agentur zu

zeichnen, von der Konzept und Gestaltung stammen.

Die Museumszeitung hat hierzu Harald Krischer und

Prof. Manfred Schulz, die Geschäftsführer von KWOD

& MS Design, interviewt.

MuZ: Wie geht es Ihnen, wenige Wochen vor Eröffnung

von KIBALA?

Krischer: Wir befinden uns in einer der anstrengendsten

aber auch schönsten und aufregendsten

Projektphasen, dem Endspurt – eigentlich wie zur

Weihnachtszeit kurz vor der Bescherung. Die Ideen

und Entwürfe kommen alle zusammen und werden

Wirklichkeit. Alle Beteiligten sind voll im Einsatz und

die Vollendung des Gesamtwerkes gibt uns zusammen

ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

MuZ: Welche Leistungen bringen Sie konkret in das

Projekt ein?

Schulz: So eine Ausstellung zu entwickeln und produzieren

ist mindestens ein so komplexer Vorgang wie

ein Haus zu bauen. Wir haben auf konzeptioneller

Ebene aufgrund eines Briefings unserer Auftraggeber

ein teilweise modifiziertes Gesamtkonzept entwickelt

und von einer dramaturgischen Reise ausgehend

verschiedene Themen- und Spielsituationen

entlang einer erlebbaren Zugreise entwickelt. Unser

Team besteht aus den unterschiedlichsten Disziplinen:

Designer, Architekten, Grafiker, Illustratoren,

Pädagogen, Programmierer, Medienspezialisten.

MuZ: Neben dem Museumsteam haben Sie auch eigene

Recherchen unternommen – nicht unbedingt

selbstverständlich für einen Ausstellungsdesigner.

Krischer/Schulz: Die Eisenbahn ist für uns schon immer

eine faszinierende Mischung aus Technik und

Emotion gewesen. In der Kindheit war es die Begeis-

Tunnel und Berge, Kletterlok und Spieleisenbahn – so bunt und vielfältig wird das neue Kinder-Bahnland. Zeichnung: KWOD

Kinder, auf Entdeckungsreise zu gehen und an den

vielen Spielstationen aktiv zu werden: Sie können

sich als Gleisbauer und Zugbegleiter betätigen, alte

und moderne Eisenbahnwagen erkunden, Signale

stellen und Kohlen für eine Dampflok schaufeln. Neben

der schon aus der alten Erlebniswelt bekannten

Briobahn wartet ein Playmobil-Bereich zum Thema

Güterverkehr auf die jungen Besucher. Die ebenfalls

in der alten Kinderwelt schon vorhandene LGB-

Bergbahn wurde erheblich erweitert und befährt

jetzt zwei Bergmassive.

Doch die größte Attraktion ist wohl der KIBALA-

Express, eine Miniaturbahn, auf der die Kinder

durch den ganzen Bereich fahren können – durch

Tunnel, über Brücken und vorbei an Landschaften,

die von den Gestaltern fantasievoll und mit viel Liebe

zum Detail entworfen wurden.

So eine Miniaturbahn kann man nicht von der

Stange kaufen. Der Mainzer Modellbauer und Spezialist

für die Fünf-Zoll-Bahn, Klaus Wagner, stellte

die Fahrzeuge in sorgfältiger Handarbeit her. Die

beiden Lokomotiven stellen naturgetreue Modelle

im Maßstab 1:11 dar; Vorbilder für die akkubetriebenen

Fahrzeuge waren eine Elektrolok der Baureihe

E 80 und eine Diesellok vom Typ V 100. Die Loks ziehen

mit einer Leistung von etwa einem halben PS

vier Sitzwagen für Kinder und einen Wagen mit dem

Lokführer. Wenn das Ausfahrsignal des Bahnhofs

auf „Fahrt frei“ gestellt ist – das dürfen die kleinen

Fahrgäste auf Anweisung des Lokführers tun – setzt

sich der KIBALA-Express in Bewegung, und der Zug

umrundet die ganze Miniaturwelt auf einer über

110 Meter langen Strecke. Nach den ersten Probefahrten

ist den Beteiligten klar: Die Kleinbahn wird

ein Publikumsrenner!

Auch unser Partner, das Museum für Kommunikation,

ist an den neuen Bereich angedockt: Denn der

seit 2008 geschlossene hintere Übergang zwischen

den beiden Museen wird reaktiviert. Dort entsteht

sogar eine Haltestation des KIBALA-Express, an dem

Besucher, die aus dem Internet-Raum des Kommunikationsmuseums

kommen, einsteigen können.

Bis es so weit ist, liegen noch einige Wochen intensiver

Arbeit vor dem Museumsteam. Doch alle

freuen sich schon auf den 12. Januar 2012, wenn

wir mit einem großen Kinderfest eröffnen und der

KIBALA-Express zu seiner Jungfernfahrt startet.

Rainer Mertens

Die KIBALA-Gestalter – KWOD & MS Design

terung für die Technik, später entwickelte sich ein

Bahnhof in unserer Vorstellung zum Kulminationspunkt

von Emotionen: Abschiedstrauer, Wiedersehensfreude,

Reiselust und manchmal eine neugierige

Reise ins Ungewisse. Es ist kein Zufall, wie oft die Eisenbahn

Handlungsort in der Literatur, dem Film und

der Malerei gewesen ist. Schließlich ist unser Team

in der einjährigen Projektphase ca. 80.000 Kilometer,

also zweimal um die Welt, mit der Bahn gefahren.

MuZ: Was sind für Sie die Highlights des neuen Bereichs?

Schulz: Der KIBALA-Express, mit der die Kinder durch

die ganze Ausstellung fahren können, ist sicherlich

eines der ganz großen Highlights. Aber letztlich ist es

das Gesamterlebnis, das die Ausstellung zum Highlight

macht.

MuZ: Bei der Planung war ein Kinderbeirat eingebunden,

der die Ideen für das KIBALA einer kritischen

Prüfung unterzog und viele eigene Ideen ein-

brachte. Wie beurteilen Sie dieses Modell, Kinder

mitentscheiden zu lassen?

Krischer: Die Zusammenarbeit und die Workshops

mit den Kindern waren äußerst lebendig, kreativ,

fantasievoll und enorm aufschlussreich. Es hat uns

immer großen Spaß gemacht. Wir selbst haben dabei

gelernt, mehr mit den Augen der Kinder zu sehen

und konnten dadurch viele Entscheidungen besser

treffen.

MuZ: Wie sind insgesamt Ihre Erfahrungen in der

Zusammenarbeit mit dem Museum?

Krischer/Schulz: Sie ist geprägt durch eine kreative

und konstruktive Arbeitsweise, sowie hohe Themenkompetenz

und Aufgeschlossenheit des wissenschaftlichen

Teams. Eine große Bereicherung ist die

hauseigene Werkstatt unter der Leitung von Lorenz

Krauß, die mit ihrer Erfahrung Vieles im Ausstellungsbau

ermöglicht hat. Eisenbahngeschichte ist ein

großes und faszinierendes Thema, das uns in seinen

Bann gezogen hat.

Das Team von KWOD & MS Design: Markus Meyer, Harald Krischer, Ana Frotscher, Milena Gradtke, Manfred

Schulz, Kurt Odendahl

Termine

Veranstaltungen und Events

Adlergeburtstag

Museums-Weihnachtsfest für die ganze

Familie

So, 9.12.2012, 10–16 Uhr

Kinderfest zur Eröffnung des neuen

Kinder-Bahnlands

Sa, 12.1.2013, 11–18 Uhr

Internationaler Gedenktag für die Opfer

des Holocaust

Führungen zur Rolle der Reichsbahn im

Holocaust

So, 27.1. 2013, 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr,

16 Uhr

Lesungen „Reiseerlebnisse“

Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn

Zekarias Kebraeb, Botschafter der Deutschlandstiftung

Integration, berichtet über

seine Flucht aus Eritrea.

Fr, 7.12.2012, 19 Uhr

„Zwedschga“

Lesung mit Fitzgerald Kusz

Fr, 18.1.2013, 19 Uhr

Afrika – Mit dem Zug durch den

Schwarzen Kontinent

Diashow von und mit Rohan Vos,

Eisenbahn-Enthusiast aus Südafrika

Do 7.2.2013, 19 Uhr

„Mei Vater war Heizer auf der Seku“

Reisen auf Fränkisch mit Klaus Karl-Kraus

Fr, 8.3.2013, 19 Uhr

Bühne

Loriot – Szenische Lesungen

Mit dem Ensemble „Stilblüten“

Fr, 22.3.2013, 19 Uhr

Vorträge

Eisenbahnen am St. Gotthard

Vortrag von Dr. Kilian Elsasser

Mi, 27.2.2012, 19 Uhr

Ostseefähren im Kalten Krieg

Vortrag von Wolfgang Klietz

Mi, 27.3.2013, 19 Uhr

Jazz-Matinee/Soiree

KLIMA KALIMA

So, 27.1.2013, 11–13 Uhr

Folk Tassignon Quartet

So, 24.02.2013, 11–13 Uhr

Lea W. Frey Trio

So, 17.03.2013, 11–13 Uhr


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museum für Kommunikation Nürnberg

11

Die Grabkammer des Sennedjem

otenkult und Schriftkultur der alten Ägypter werden im Museum anschaulich

Zwei Deckenszenen: der Sonnengott Re (links)/Sennedjem verehrt Horus und zwei Kanopengötter

Seit einigen Wochen ist das Museum für Kommunikation

um eine große Attraktion reicher. Besucher

können jetzt die im originalen Maßstab rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen Kunsthandwerkers

Sennedjem besuchen, die zur Zeit des

Neuen Reiches (ca. 1550 – 1070 v. Chr.) entstand. Die

originale Grabanlage

des Sennedjem und

seiner Familie liegt

mehrere Meter tief

im Fels des thenanischen

Westgebirges

am Rande der Ruinensiedlung

von Deir el-

Medina, einem Ort, in

dem im Neuen Reich

die pharaonischen

Künstler und Handwerker

lebten. Hier

waren insgesamt zwanzig Mumien bestattet, darunter

Sennedjems Ehefrau Iineferti und seine Kinder.

Berühmt ist das Grab, das Ende des 19. Jahrhunderts

nahezu unversehrt aufgefunden wurde, wegen seiner

Ausstattung. Seine vollständig mit Zitaten aus

dem altägyptischen Totenbuch und den sie illustrierenden

prächtigen Wandvignetten bedeckten

Wände zeigen die enge Verbindung von Architektur,

Schrift und Totenkult im alten Ägypten. Das Grab

des Sennedjem ist daher mediengeschichtlich hoch

interessant, da hier deutlich wird, dass die Menschen

schon vor fast viertausend Jahren multimedial

Bilder und Texte gleichzeitig nutzten. Doch warum

wurde diese Anlage im Museum rekonstruiert?

Das Haus thematisiert

in seiner Dauerausstellung

die Kommunikation

mit Tönen,

Bildern und Schrift

sowie im Internet.

Das neu errichtete

Sennedjemgrab ist in

die Abteilung Schrift

integriert. Hier werden

die Entwicklung

von Schriftsystemen

und die Bedeutung

des Schreibens für Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung

erläutert.

Die Grabkammer mit ihrer aufwendigen Ausstattung

beleuchtet einen weiteren Aspekt des Themas:

Sie ist ein sehr schönes Beispiel für das Bedürfnis

des Menschen, mit der Welt des Überirdischen

und der Sphäre der Götter in Verbindung zu treten

und zu kommunizieren, vor allem nach dem Tode.

Besucherinnen und Besuchern bietet sich hier die

einzigartige Gelegenheit, die Schönheit und den

Reichtum der Darstellungen ohne zeitlichen Druck

kennenzulernen und das Zusammenspiel von Bild

und Text zu studieren. Im ägyptischen Totenkult

schützten das Grab und seine Architektur den Verstorbenen,

darin einem Sarkophag vergleichbar. Die

weißen Textstreifen, die die Deckenmalereien gliedern,

erinnern an die Mumienbänder, mit denen die

Toten umwickelt wurden. Die Bilder beziehen sich

auf Sprüche aus dem ägyptischen Totenbuch, einer

Sammlung von etwa 190 Sprüchen, die um die Themen

Tod und Auferstehung in der jenseitigen Welt

der Götter kreisen. Sie enthalten magische Formeln

und beschreiben rituelle Handlungen, die die Toten

auf ihrem Weg ins Jenseits sicher begleiten sollen.

Die Darstellungen im Grab des Sennedjem illustrieren

eine Auswahl dieser Sprüche und zeigen, wie der

Künstler und seine Frau Iineferti nach dem erfolgreichen

Bestehen des Totengerichts in die Ewigkeit und

in die jenseitige Welt der Götter eingeführt werden,

wobei diese ihnen helfen, mögliche Gefahren abzuwehren.

Eine der berühmtesten Darstellungen des

Grabes findet sich auf der Ostwand: Hier wird das

vom Licht des Sonnengottes Re durchflutete jenseitige

Paradies dargestellt.

Inhaltlich betreut wurde das Projekt von dem

Ägyptologen und Sennedjem-Spezialisten Dr. Wolfgang

Wettengel. Nachdem in dem dafür vorgesehenen

Kabinett das Gewölbe der Kammer nachgebaut

worden war, übernahm der auf Wand- und Deckenmalerei

spezialisierte Nürnberger Kunstmaler

Klaus-Martin Grebe die Ausmalung. Er projizierte zunächst

mit einem Overhead-Projektor die Bilder auf

die auszumalenden Wände. Nachdem er die Linien

der Szenen vorgezeichnet hatte, arbeitete er diese

unter Zuhilfenahme des vorhandenen Fotomaterials

Schritt für Schritt aus. Dabei kooperierten Wettengel

und Grebe eng, der Ägyptologe gab Farbtöne

und Pigmente vor, kontrollierte die Ausführung und

stand für Rückfragen zur Verfügung. Beim Malen

fühlte sich Klaus-Martin Grebe nach eigenem Bekunden

dem Maler des ägyptischen Originals sehr

verbunden. „Besonders fasziniert hat mich das

Gefühl beobachtet zu werden von einem ganz wunderbaren

Künstler aus einem fernen Zeitalter“, so

beschreibt er sein Empfinden während der Arbeit.

Im Frühjahr 2013 wird es im Museum eine dreiteilige

Vortragsreihe mit Wolfgang Wettengel

und Klaus-Martin Grebe geben. Am Sonntag, den

eunzig Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Die „Deutsche Gesellschaft für Post und Telekommunikationsgeschichte

(DGPT)“ ist einer der

größten und traditionsreichsten Geschichtsvereine

Europas. Eine Wurzel dieser Organisation, die heute

bundesweit etwa 12.000 Mitglieder hat, liegt in München.

Ende des Jahres 1922 wurde hier nämlich die

„Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ gegründet, die erst in den 1990er Jahren in

der DGPT aufging.

Die DGPT ist heute als Freundeskreis den Museen

für Kommunikation in Berlin, Frankfurt am Main

und in Nürnberg sowie dem Archiv für Philatelie in

Bonn eng verbunden. 1922 war die neu ins Leben ge-

Termine

Überblicksführungen

Mit der Familie durchs Museum

So, 2.12.2012/6.1./3.2./3.3.2013; 14 Uhr

Führung für Familien (Museumseintritt)

Vom Urlaut zum USB-Stick.

Die Welt der Kommunikation im

Überblick

So, 30.12.2012/27.01./24.02./31.3.2013;

14 Uhr

Führung für Einzelbesucher (Museumseintritt)

Themenführungen

Als die graue Maus geliefert wurde

Di, 8.1./22.1.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

rufene Gesellschaft die erste Organisation Deutschlands,

die ihren Schwerpunkt auf die Beschäftigung

mit der Postgeschichte legte. Wichtigstes Organ hierfür

war das „Archiv für Postgeschichte in Bayern“.

Mitarbeiter der Oberpostdirektionen, per Verfügung

sogar ermuntert, in ihrer Dienstzeit postgeschichtliche

Forschung zu betreiben, trugen unter anderem

durch Beiträge zur Postgeschichte bayerischer Städte,

durch Reiseberichte, Porträts von Posthaltern

und Artikeln über bayerische Briefmarken und deren

Gestalter zum Erfolg der Zeitschrift bei. Die Gesellschaft

und ihre Publikation existierten bis zur Privatisierung

der Bundespost Mitte der 1990er Jahre.

Das Fräulein vom Amt

Di, 29.1./14.2.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

Anmeldung für diese zwei Angebote

(0911) 2308885 bzw. E-Mail:

mfk-nuernberg@mspt.de

Auf den Spuren der Postgeschichte

90 Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Do, 6.12.2012; 19 Uhr

Öffentliche Festveranstaltung im Museum

Anmeldung erbeten: 0911/ 230 88 85.

Workshops für Kinder

Schreib- und Geheimwerkstatt

So, 9.12./30.12.2012/13.1./17.2./31.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Danach ging die bayerische Vereinigung in der

bundesweit tätigen DGPT auf. Diese gibt heute mit

der Zeitschrift „DAS ARCHIV. Magazin für Kommunikationsgeschichte“

eine moderne, reich bebilderte

Publikation heraus, die in ihrem Regionalteil nach

wie vor Beiträge und Informationen aus und für

Bayern enthält. Das Gründungsjubiläum der „Gesellschaft

zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ ist am Donnerstag, den 6.12.2012 ab 19 Uhr

Anlass für eine Festveranstaltung mit hochkarätigen

Gästen. Dr. Wolfgang Bötsch, letzter Bundesminister

für Post und Telekommunikation wird im Gespräch

mit Werner Scheller, dem stellvertretenden Vorsit-

Du bist ja ne Marke!

So, 16.12.2012/20.1./24.2.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Volles Rohr – und ab die Post!

So, 23.12.2012/27.1./24.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

„Hieroglyphen-Werkstatt“: Workshop

für Kinder

So, 6.1./3.2./3.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Hier gibt’s was auf die Ohren“: Workshop

für Kinder

So, 10.2./10.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Wie siehst du denn aus!“: Workshop

für Kinder

So, 15.2./17.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

3.2.2013 behandelt Wolfgang Wettengel das Thema

„Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild im Totenkult

der alten Ägypter“, während er am Sonntag,

den 14.4.2013 zum Thema „Sennedjem und seine

Kollegen. Kunsthandwerker im alten Ägypten“

sprechen wird. Am Sonntag, den 3.3.2012, berichtet

Klaus-Martin Grebe in einem Werkstattgespräch

über die Ausmalung der Grabkammer und das, was

ihn an dieser Aufgabe fasziniert hat. Die Vorträge

beginnen jeweils um 11 Uhr. Das Kunst- und Kulturpädagogische

Zentrum der Museen in Nürnberg

(www.kpz-nuernberg.de) bietet ab Anfang 2013 unter

dem Titel: „Ein Architekt des Pharao – unterwegs

im alten Ägypten“ einen neuen Kindergeburtstag

an, in dessen Mittelpunkt die Erforschung der Grabkammer

und die Gestaltung eines Forschertagebuches

stehen. Als offenes Angebot gibt es jeden ersten

Sonntag im Monat von 14–16 Uhr für Kinder die

Hieroglyphenwerkstatt. VL

zenden der DGPT, über die spannende Privatisierungszeit

der Bundespost berichten. Isabell Koch

beleuchtet nach intensivem Quellenstudium die

Entwicklung der Postgeschichtsforschung in Bayern.

Der Bamberger Landeshistoriker Prof. Karl Möckl

wird in seinem Vortrag „den Ort Bayerns nach dem

Ersten Weltkrieg“ in der historisch und gesellschaftspolitisch

bedeutenden Umbruchphase zwischen Monarchie

und Demokratie betrachten.

All diejenigen, die sich für Post- und Kommunikationsgeschichte

interessieren, sind herzlich zu dieser

Veranstaltung eingeladen.

Anmeldung erbeten unter 0911-23 08 88 5. VL

Kosten für Workshops: Museumseintritt

Vorträge zum Sennedjem-Grab

Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild

im Totenkult der alten Ägypter

So, 3.2.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Die Ausmalung des Sennedjem-Grabes –

ein Werkstattbericht

So, 3.3.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Sennedjem und seine Kollegen. Kunsthandwerker

im alten Ägypten

So, 14.4.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

http://www.mfk-nuernberg.de/

Links unten: Blick auf

die Westwand

Unten: Blick in die

Grabkammer auf die

Ostwand.

Fotos: Mile Cindric


„Manche Maler machen aus der Sonne einen gelben Punkt.

Andere machen aus einem gelben Punkt eine Sonne.“

Pablo Picasso (1881-1973), spanischer Maler, Grafi ker und Bildhauer

Wir fördern Museumskultur in und um Nürnberg

IMPRESSUM

Herausgeber:

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Dr. Matthias Henkel

Gregor Isenbort

Dr. Herbert May

Russalka Nikolov

Dr. Angelika Nollert

Redaktion:

Walter Schatz (verantwortlich)

Ulrike Berninger M.A. (Museen)

Birgit Hohenstein (Museen)

Hendrikje Loof M.A. (NMN)

Dr. Vera Losse (MKN)

Eva Martin (NMN)

Dr. Rainer Mertens (DB)

Dr. Sonja Mißfeldt (GNM)

Ute Rauschenbach M.A. (FFM)

Gestaltung:

Alexander Frank

Sven Irmler

Peter Töpfer

(Entwurf: Martin Küchle)

Verlag und Druck:

Verlag Nürnberger Presse

Druckhaus Nürnberg GmbH & Co.

Marienstraße 9–11

90402 Nürnberg

Redaktion:

Tel. (0911) 2 16 - 28 82

Dora Hitz: Bildnis der Malerin Marie von Brocken, 1891, Öl auf Leinwand,

Inv.-Nr. Gm 0592

Foto: Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und Skulpturensammlung

C

M

Y

CM

MY

CY

CMY

K

www.museumszeitung.de

spk_2zlg_marke_70x30mm_4c.pdf 01.12.2010 14:26:37 Uhr

Museen der Stadt Nürnberg

Albrecht-Dürer-Haus

Albrecht-Dürer-Straße 39

90403 Nürnberg

Tel. (09 11) 2 31 - 25 68

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Do 10–20 Uhr

Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Stadtmuseum Fembohaus

Burgstraße 15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 25 95

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Dokumentationszentrum

Reichsparteitagsgelände

Bayernstraße 110

90478 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 56 66

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo–Fr 9–18 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Memorium Nürnberger

Prozesse

Bärenschanzstraße 72

90429 Nürnberg

Tel. (0911) 3 21 - 7 93 72

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten: Mi–Mo 10–18 Uhr

Spielzeugmuseum

Karlstraße 13–15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 31 64

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Museum Tucherschloss

und Hirsvogelsaal

Hirschelgasse 9–11

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 54 21

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo 10–15 Uhr, Do 13–17 Uhr

So 10–17 Uhr

Museum Industriekultur

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 38 75

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Schulmuseum

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 53 02 - 5 74

schulmuseum@ewf.uni-erlangen.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Mittelalterliche

Lochgefängnisse

Rathausplatz 2

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 26 90

historischerrathaussaal

@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

Bis 23.12.2012: täglich 10–16.30 Uhr

1.1.–28.2.2013: geschlossen

1.3.–31.10.2013: täglich 10–16.30 Uhr

Historischer Kunstbunker

im Burgberg

Obere Schmiedgasse 52

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 22 70 66

museen@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

täglich 14.30 Uhr

Für Gruppen nach telefonischer

Voranmeldung

Die nächste

Ausgabe der

Museumszeitung

erscheint am

12. März 2013.

Germanisches Nationalmuseum

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 0

info@gnm.de

www.gnm.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr,

Mi 18–21 Uhr freier Eintritt

montags geschlossen

Kaiserburg-Museum

Auf der Burg

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 20 09 54 - 0

Öffnungszeiten:

April–Sept. tägl. 9–18 Uhr

Okt.–März tägl. 10–16 Uhr

Schloss Neunhof

Neunhofer Schlossplatz 4

90427 Nürnberg

Öffnungszeiten:

Jeweils ab Ostersamstag bis zum

letzten Septemberwochenende

Sa, So und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr

DB Museum

Lessingstraße 6 – 90443 Nürnberg

Tel. (01804) 44 22 33 (0,20 €/Anruf)

E-Mail: info@db-museum.de

www.dbmuseum.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag: 9–17 Uhr

Sa, So und Feiertage: 10–18 Uhr

Geöffnet auch am Ostermontag,

geschlossen am Karfreitag

Museum für Kommunikation

Nürnberg

Lessingstraße 6

90443 Nürnberg

Tel. (0911) 23 08 80

mfk-nuernberg@mspt.de

www.mfk-nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, Feiertage 10-18 Uhr: geöffnet

auch an den Adventsmontagen,

26.12.2012. Geschlossen: 24./

31.12.2012/ 1.1.2013

Neues Museum in Nürnberg

Eingang: Klarissenplatz

Luitpoldstraße 5

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 2 40 20 69

www.nmn.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr

Donnertags 10–20 Uhr

Montags geschlossen

26.12/1.1./6.1./12.2. geöffnet, 10-18 Uhr

24.12./25.12./31.12./11.2. geschlossen

Fränkisches Freilandmuseum

des Bezirks Mittelfranken

in Bad Windsheim

Eisweiherweg 1

91438 Bad Windsheim

Tel. (09841) 66 80 - 0

info@freilandmuseum.de

www.freilandmuseum.de

Öffnungszeiten:

täglich außer montags geöffnet

10. März – 7. Oktober: 9–18 Uhr

9. Oktober – 4. November: 10–17 Uhr

6. November – 16. Dezember:

10–16 Uhr

Das Museum Kirche in Franken

öffnet eine Stunde später.

KPZ Kunst- und Kulturpädagogisches

Zentrum

der Museen in Nürnberg

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 2 41

(Schulen und Jugendliche)

Tel. (0911) 13 31 - 2 38

(Erwachsene und Familien)

schulen@kpz-nuernberg.de

www.kpz-nuernberg.de


02

Rechts: Das Ebner Jesulein,

oben der Rohling,

unten die fertige Figur.

Unten: Die Geburt

Christi aus dem

Krippenzyklus von

Norbert Tuffek

Fränkisches Freilandmuseum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Menschen im Haus – eine Spurensuche

Zur Darstellung der Besitzer- und Bewohnergeschichte in den Museumshäusern

Zu den Aufgaben des Fränkischen Freilandmuseums

des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim

gehört es, nicht nur die bauhistorische Entwicklung

der versetzten Gebäude zu erforschen, sondern auch

der Bewohnergeschichte nachzuspüren. Es ist also

nicht nur die technische Seite des Hauses von Bedeutung,

sondern auch die Sozialgeschichte, denn: Was

wären die Häuser ohne die ehemaligen Bewohner,

ohne die „Menschen im Haus“? Und dann stellt sich

die Frage: Wie gebe ich die gewonnenen Erkenntnisse

an die Besucher weiter?

In dem erst kürzlich neu eröffneten Bauernhaus

aus Reichersdorf (Landkreis Roth) ist ein ganzer

Raum den „Menschen im Haus“ gewidmet. Wie viele

Menschen waren es eigentlich, die in diesem Haus

geboren und aufgewachsen sind? Was ist geblieben

von ihnen, an Informationen, möglicherweise auch

an Fotografi en? Es war eine Spurensuche, die uns –

neben Gesprächen mit den letzten Bewohnern – vor

Visualisierung der ehemaligen Bewohner im Bauernhaus aus Reichersdorf

(oben) und im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld Alle Fotos: Ute Rauschenbach

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Norbert Tuffek muss ein „Ver-rückter“ im besten

Sinne des Wortes sein. Wie anders wäre seine immense

Leidenschaft zu erklären, seit über 12 Jahren

fortgesetzt an einem Krippenzyklus zu arbeiten, der

mittlerweile über 200 Figuren umfasst? Aber das ist

noch lange nicht alles: Der gelernte Holzbildhauermeister

aus Wendelstein bemerkte beim Anfertigen

allem ins Archiv führte, zu den Kirchenbüchern, die

Aufschluss geben über Geburt, Taufe, Konfi rmation,

Eheschließung, Tod und Sterben – in einer Zeit, als es

noch keine Einwohnermeldeämter gab. Für den „Zuckerhof“,

so der alte Hofname, sind seit der Bauzeit

um 1500 fünfzehn Generationen nachzuweisen.

Alle Familienangehörigen, die wir ab etwa 1700

sicher nachweisen konnten, haben wir in der Kammer

gegenüber der Stube auf Bannern vorgestellt.

Die Informationen geraten umso spärlicher, je weiter

sie zurückreichen. Oft sind es nur die Daten von

Geburt und Tod, die von einem Menschenleben übrig

geblieben sind. Und wie viel Kummer und Gram hier

in diesem Haus erlitten wurde, zeigen die vielen Einträge

von früh verstorbenen Kindern. Zu Beginn des

19. Jahrhunderts überlebten von den sieben Kindern

der Margaretha Hussendörfer nur die älteste Tochter

und ein Sohn. Auch die Todesursachen sind bisweilen

benannt. So starb Kunigunda Hussendörfer 1866

mit elf Jahren an Luftröhrenvereiterung, wie es im

Kirchenbuch heißt.

Im 2002 im Freilandmuseum eröffneten Bauernhaus

aus Kleinrinderfeld (Landkreis Würzburg) steht

das Leben der letzten Bewohnerin Hildegard Borst

im Mittelpunkt. Mittels zweier vom Bayerischen

Rundfunk produzierter Hörstationen geht es um

eine unglaubliche Geschichte: Weil sie es nicht verwinden

konnte, dass ihr Bruder – der Hofi nhaber –

im Zweiten Weltkrieg vermisst blieb, konservierte sie

den Zustand im Haus. Der Bruder sollte nach seiner

Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft das Haus so

vorfi nden, wie er es verlassen hatte. So blieb die Zeit

stehen auf dem „Simonshof“, fast 50 Jahre lang – ein

wirklicher Glücksfall für ein Freilichtmuseum.

Es gibt einen auffälligen Bruch innerhalb des

Kleinrinderfelder Hauses: Während die Stuben und

die meisten Kammern sowie die Küche und die Flure

durch die Fülle der überlieferten Ausstattung beeindrucken,

sind im Obergeschoss einige Räume fast

vollkommen leer. Hier haben während des Zweiten

Weltkrieges Zwangs- und Fremdarbeiter gewohnt,

danach Ausgebombte und Vertriebene, die nach

dem Auszug Mitte der 1950er Jahre die Möbel und

der halbmetergroßen Gliederfi guren und

beim Schneidern Schneidern der prächtigen Gewänder,

dass dass diese nur mit Goldbesätzen Goldbesätzen so richtig richtig

wirken. Doch woher diese bekommen,

ohne auf industrielle Massenware zurückgreifen

zu müssen? Das Rohmaterial,

das fein gezogene „Gespinst“,

entdeckte er in einem Spezialgeschäft.

Aber wer konnte das zu einer fertigen

Spitze verarbeiten? Norbert Tuffek suchte

und probierte, probierte, fand aber keinen Spezialisten,

der genau genug auf seine Wünsche

und Vorstellungen einging. Also blieb wohl

nur selbst machen. machen. Er belegte kurzerhand

kurzerhand

einen Klöppelkurs in der nahe gelegenen

Klöppelschule Abenberg und fertigt fertigt nun die

Goldspitzen passgenau selber an. Die prächtigen

Stoffe für die Gewänder der Figuren bezieht

er aus abgetragenen Messgewändern.

Interessant ist, dass diese bei jahrelangem

Gebrauch meist meist in Bauchhöhe Bauchhöhe durch das das FalFaltenten der der Hände zum Gebet häufi g abgenutzt

sind, im Schulter- oder Beinbereich für die

Zwecke des Bildhauermeisters aber

noch bestens taugen.

Besuch im Atelier des Künstlers

Es riecht ein wenig nach Farbe, vermischt

mit dem Wohlgeruch von frisch

verarbeitetem Holz, beim Betreten der

großen, hellen Werkstatt. Norbert Tuffek

arbeitet in der Vorweihnachtszeit

an einem Christkind, das dem „Ebner

Jesulein“ so exakt wie möglich nachemp-

funden ist. Der Typus geht zurück auf

die Nonne und Schriftstellerin Margareta

Ebner, Ebner, die die um um 1300 1300 im im Kloster Maria Maria MeMedingendingen bei Dillingen lebte und die die älteste älteste

heute heute noch erhaltene Jesuleinfi gur umhegt umhegt

haben haben soll. Das „Gnadenkind Jesu zu Maria

Kirchheim“ ist eine prunkvoll ausgestatte-

ausgestatte-

Die „Gute Stube“ der letzten Hausbewohnerin im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld

sonstige Ausstattung mitgenommen haben. Selbst

durch die Befragung von Zeitzeugen war nur wenig

über diese Hausbewohner zu erfahren – gerade mal

die Namen, bei den Zwangs- und Fremdarbeitern

sogar nur die Vornamen. Was von diesen Menschen

auf ihrer Durchgangsstation im Simonshof blieb,

sind undeutliche Konturen, Schatten.

Eine gut dokumentierte und ansprechend präsentierte

Besitzer- und Bewohnergeschichte kann ein

versetztes Haus für Besucher so richtig lebendig machen.

Dabei kommt es auf Fingerspitzengefühl an.

Die Räume sollen möglichst „original“ präsentiert

werden, andererseits aber auch Informationen mit

modernen Ausstellungstechniken weitergeben –

eine Herausforderung, der sich Ausstellungsmacher

gerne stellen. Auch weitere gelungene Beispiele

zur Dokumentation von Besitzergeschichten laden

zu einem Museumsbesuch ein, z.B. die Vermittlung

eines Doppelmordes von 1921 im Seldenhaus aus

Obermässing oder der Arbeit des Bienenforschers

Johann Witzgall, der um 1900 als Schullehrer mit

seiner Familie im Schulhaus wirkte.

Herbert May

te, hölzerne Jesuskindfi gur, die einen Vogel in

der Hand hält eine Anspielung auf das erste

Wunder des kleinen Jesus, der einen Vogel

aus Ton zum Fliegen gebracht haben soll –

so berichten es die Apokryphen. Eine andere

Deutung geht auf den Stieglitz zurück, der

laut Legende dem Gekreuzigten die Dornen

aus dem Kopf zieht – in der Hand des

Jesuleins eine Vorwegnahme der Passion.

Prächtige Szenerien zur Geburt Christi

Die Werkstatt ist zugleich auch Ausstellungsraum

– und hier fällt der Blick des

Besuchers auf die prächtige Krippendarstellung,

die in Kürze eingepackt wird und

als eine der neun Szenerien ab Dezember in

der Spitalkirche im Fränkischen Freilandmuseum

zu sehen sein wird. Museumsleiterin

Dr. Andrea K. Thurnwald wurde auf den Krip- Krippenzyklus

aufmerksam, der im Jahr zuvor in

Wendelstein ausgestellt war und orderte ihn

für das Museum Kirche in Franken – wo sollte

er besser hinpassen? Beeindruckend ist die

Detailliebe und die handwerkliche Perfektion

bei eigener Handschrift, mit der Norbert Tuf- Tuffek

den Krippenzyklus gestaltet hat. Doch

nicht nur die Figuren, auch die Umgebung,

in der sie agieren, ist aufwendig gestaltet.

Die Einteilung der Szenen ist traditionell:

zu sehen sind die Verkündigung an Maria,

der Besuch Marias bei Elisabeth, Maria

durch ein Dornwald ging, die Herbergssuche,

die Anbetung der Engel, die Anbetung

der Hirten und Könige, die Beschneidung

Christi, die Darstellung im Tempel und die

Flucht nach Ägypten.

Geöffnet ist das Museum Kirche in Franken

täglich außer montags noch bis 16. Dezember,

danach am 25., 26., 30. Dezember sowie 1. und 6.

Januar jeweils von 11–16 Uhr.

Ute Rauschenbach

Termine

Veranstaltungen

Advent in fränkischen Bauernstuben

mit Stubenmusik, Gesang, Geschichten

und Gedichten, Kartoffellebkuchen und

Plätzchen, Kaffee und Glühwein. Verkauf

von Weihnachtsbaumschmuck, handgeschnitzten

Backmodeln, Krippen, Kränzen,

Keramik, handgefertigten Fleckerlteppichen,

Filzfi guren, Gestricktem aus handgesponnener

Schafwolle.

So, 9. und 16.12. (2. und 3. Advent),

12–16 Uhr

Museumsweihnacht

Jahresausklang mit dem Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum e.V. rund um

die Mühle aus Unterschlauersbach.

So, 9.12., 12–16 Uhr

Weihnachtsspiel „Empfängnis und

Geburt Christi“

Die Theatergruppe Eschenbach inszeniert

das historische Weihnachtsspiel von Hans

Sachs in der abendlichen Dämmerung des

Seubersdorfer Hofes. Mit dabei: die Aurataler

Sänger, die Eschenbacher Hausmusik und

der Museumsschäfer mit seinen Schafen,

Ochs und Esel.

So, 16.12., 16 Uhr

Winteröffnungstage

Verschneite Bauernhäuser, Eiszapfen an

hölzernen Dachrinnen und glitzernde Winterlandschaft.

Für Fotofreunde bieten sich

wunderbare Motive – mit etwas Glück!

So, 30.12. und 6.1.2013, 10–16 Uhr

Konzerte

Spitalkonfekt: Fränkische Weihnacht

Lesung der Weihnachtsgeschichte, begleitet

von den Bad Windsheimer Sängern und

Spielleut`. Veranstalter: Förderverein

Fränkisches Freilandmuseum. Eintritt frei,

Spenden erbeten.

So, 9.12., 16.30 Uhr, Museum Kirche in

Franken

Ausstellungen

Fränkische Krippe im barocken Glanz

Krippenzyklus in neun Bildern mit über 200

Figuren von Norbert Tuffek im Museum

Kirche in Franken

täglich Di – So bis 16.12.12 und 25., 26.,

30.12., sowie 1. und 6. Januar jeweils

11–16 Uhr

Umbruchzeit

Die 1960er bis 1970er Jahre auf dem Land

noch bis So, 16.12., Di – So, 10–16 Uhr

Saisonstart nach der Winterpause:

Sa, 9.3.13

Weitere Infos unter

www.freilandmuseum.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Germanisches Nationalmuseum

03

Tagträume – Nachtgedanken

hantasie und Phantastik in Graphik und Photographie führt zu den Wurzeln der Surrealisten

Hannah Höch: Der Strauß, 1929/65,

Germanisches Nationalmuseum © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

„Er ist so schön … wie die unvermutete Begegnung

einer Nähmaschine und eines Regenschirms

auf einem Seziertisch!“ Diese sinnwidrige Metapher

für die Schönheit eines

Jünglings aus Lautréamonts

„Les Chants de

Maldoror“ aus dem Jahr

1870 regte die Surrealisten

der 1920er Jahre

zu ihren phantastischen

Bildgedanken an.

Um die Wurzeln der Moderne,

speziell der Kunst

der Surrealisten, geht es

auch in der aktuellen Sonderausstellung„Tagträume

– Nachtgedanken“. Als Modell diente Alfred H.

Barrs 1936/37 im Museum of Modern Art, New York,

veranstaltete legendäre Ausstellung „Fantastic Art,

Dada, Surrealism“. Unter diesem Titel zeigte der

Gründungsdirektor des MoMA Werke seiner Zeitgenossen

in der Gegenüberstellung mit Arbeiten von

u.a. Bosch, Arcimboldo, Piranesi, Hogarth, Goya,

„Die Meistersinger von Nürnberg“ ist Richard

Wagners (1813–1883) längste, heiterste und meist

rezipierte Oper, die er selbst mehrfach als sein bestes

Werk bezeichnete. Anlässlich des 200. Geburtstags

des großen Komponisten holt das Germanische

Nationalmuseum die Originalpartitur aus dem

Tresor und zeigt sie ab dem 21. Februar im Rahmen

einer Studioausstellung.

In den 1868 in München uraufgeführten

Meistersingern stellt

Wagner die ideale deutsche

Stadt einer großen deutschen

Vergangenheit dar.

Überraschenderweise

wurde dem Verhältnis

Wagners zum

realen Nürnberg des

19. Jahrhunderts

bislang nur wenig

Aufmerksamkeit geschenkt.

Dabei kam

Wagner mehrfach

in die Frankenmetropole,

in der zeitweise

seine Schwester Clara

mit ihrem Mann Heinrich

Wolfram lebte. Hier

besuchte er das neue Stadttheater

und hörte in der Oper „Die

Schweizerfamilie“ von Joseph Weigel

die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient.

Als 16-Jähriger hatte er sie zum ersten Mal in Beethovens

„Fidelio“ in Leipzig erlebt und (angeblich)

daraufhin beschlossen, Musiker zu werden. Das

Wiederhören in Nürnberg hinterließ einen weiteren

prägenden Eindruck.

Grandville. Die Zusammenschau verhalf dem Surrealismus

zu einem historischen „Stammbaum“. Ohne

Zweifel hatten die psychische Sensibilität und die

künstlerischen Methoden

der Surrealisten den Blick

auf eine lange Tradition

subjektiv-phantastischer

Kunst geöffnet, die vom

Spätmittelalter über den

Manierismus und den

Barock bis in die Moderne

reicht.

Diese Tradition greift

die Ausstellung im GermanischenNationalmuseum

auf, die noch bis

zum 3. Februar zu sehen ist. Sie zeigt überwiegend

Blätter aus den reichen Beständen der eigenen

Graphischen Sammlung, von der Mitte des 15. Jahrhunderts

bis etwa 1945. Auch hier sollen die Motivzusammenhänge

epochenübergreifend verfolgt

werden, gegliedert in einzelne Themenbereiche.

Trotz vergleichbarer Darstellungen, die Motivati-

Teils lapidar, teils amüsiert, aber auch mit einem

gewissen Unwillen schildert der Musiker Anekdoten

und Erlebnisse während seiner Aufenthalte. In

epischer Breite beschreibt er zum Beispiel mit einer

Wirtshausrauferei ein eher banales Ereignis, das

ihn jedoch später zur „Prügelszene“ in den „Meistersingern“

inspirieren wird. In der Ausstellung

hinterfragen zeitgenössische Nürnberger

Stadtansichten das romantisierende

Bild, das Wagner zeichnete,

denn schon damals gab es

sowohl winklige Gassen

als auch weite, offene

Plätze. Die Ausstellung

verdeutlicht

die verschiedenen

Selbstbilder Nürnbergs

zwischen

mittelalterlichem

Mythos und modernemHandelszentrum.

Auch das damals

noch junge „Germanische

Museum“ sah

Wagner. Am 10. August

1861 stand es neben allerlei

Nürnberger „Merkwürdigkeiten“

auf dem Programm, das

er gemeinsam mit einem befreundeten

Journalisten und Politiker Emile Ollivier

und dessen Frau Blandine, der älteren Tochter von

Franz Liszt, absolvierte. Als sechzehnter von rund

50 Besuchern trug sich Wagner in das Besucherbuch

des Hauses ein, das das befreundete Ehepaar

ein wenig pikiert als „armselig“ bezeichnete.

Francisco de Goya: Der Schlaf/Traum der Vernunft

gebiert Ungeheuer, 1799, Privatbesitz

on der Künstler variierte: Von der Höllenangst des

christlichen Mittelalters über die Begeisterung der

Neuzeit für naturwissenschaftliche, speziell optische

Phänomene bis hin zu den Ausbrüchen des

Unbewussten im Zeitalter der Vernunft.

Das Auge spielt als Bildgegenstand eine zentrale

Rolle. Seine Beschreibung als Organ der Wahrnehmung

und Spiegelung psychischer Zustände ist eine

Erkenntnis des 18. Jahrhunderts. Damals wurde seine

Anatomie und Funktionsweise zu einem Gegenstand

der Wissenschaft. Das Auge entwickelte sich

zum Symbol für Vernunft und Erkenntnis, zugleich

gilt es bis heute als Spiegel der Seele oder Sinnbild

innerer Zustände.

Hannah Höch stellte ihre 1929 begonnene Collage

„Der Strauß“ erst 1965 fertig. Aus Zeitungsausschnitten

gestaltete sie ein buntes Blumenbouquet,

als Blüten setzte sie zahlreiche Augen ein: weibliche

und männliche, braune, blaue und grüne, rechte

und linke. Sie vertreten nicht nur einunddreißig

verschiedene Individuen, sie nehmen auch einunddreißig

verschiedene Blickrichtungen ein und

schauen aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihr

Umso interessanter ist deshalb die Tatsache,

dass, bei allem anfänglichen Desinteresse, die Originalpartitur

der Meistersinger im Jahr 1902, kaum

20 Jahre nach Wagners Tod, ihre endgültige Heimat

ausgerechnet in Nürnberg, im Germanischen Nationalmuseum

fand.

Die Studioausstellung zeigt die mehr als 400

Seiten umfassende Wagner-Handschrift der Meistersinger.

Zudem erzählt sie mittels Autographen,

Gegenüber und ihre Umwelt. Höch, die zum engen

Kreis der Berliner Dadaisten gehörte und politisch

dachte, wollte die Gesellschaft in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit

erfassen. So lässt die Künstlerin

„ihren Blick“ schweifen und bezieht diverse Positionen,

um den sich daraus ergebenden Ausschnitt zu

verifi zieren und verschiedene Haltungen zur Welt

zu demonstrieren.

Daneben galt auch der Traum zu allen Zeiten und

in allen Kulturen als Fenster zu überirdischen Mächten.

Der Traum offenbarte göttliche Weissagungen,

visionäre Blicke in die Zukunft, Erkenntnisse, Ratschläge

und Erweiterungen des Bewusstseins – oft

diente er in Überlieferungen als Brücke zwischen irdischer

und überirdischer Sphäre. Goya zeigt in seiner

Aquatinta „Der Schlaf/Traum der Vernunft gebiert

Ungeheuer“ den Künstler selbst, der erschöpft

an seinem Arbeitstisch eingeschlafen ist. Um ihn

her wimmelt es von dämonischen Nachttieren, die

als dunkle Schatten aus seinen Alpträumen aufsteigen.

Die inneren Gedankenspiele manifestieren sich

ganz real und werden zu ihn bedrohlich umgebenden

Dämonen.

Erläutern und erzählen lässt sich viel zu diesen

phantastischen Bildwelten. Öffentliche Führungen

fi nden jeden Mittwochabend um 18 Uhr und jeden

Sonntag um 14 Uhr statt. Ein besonderes Angebot

gibt es außerdem jeden Mittwoch um 19.15 Uhr:

Die „Nachtgedanken“ richten sich an Besucher, die

sich gerne mit in die Führung einbringen möchten.

In kleinen Gruppen wird in gemeinsamem Gespräch

ein Exponat betrachtet und diskutiert. Persönliche

Sichtweisen und Ideen sind willkommen, statt eines

Monologs soll ein fruchtbarer Dialog entstehen.

Wagner – Nürnberg – Meistersinger: Das Nürnberg seiner Zeit

zeitgenössischen Graphiken und Objekten die Geschichte

des Werks und der Partitur in ihrem Verhältnis

zu Nürnberg.

Anhand des individuellen Zeugnisses des „Weltreisenden“

in Sachen Musik wird außerdem exemplarisch

sichtbar, welchen Bedeutungswandel das

Germanische Nationalmuseum zwischen Wagners

Besuch 1861 und der Übergabe der Partitur im Jahr

1902 erfuhr.

Paul Ritter: Refectorium im ehemaligen Kartäuserkloster, 1857, Germanisches Nationalmuseum

Links: Michael Wolgemut:

Tanz der Skelette,

1493

Unten: Wendel Dietterlin:

Phantastische

Ornamentfi guren, 1615,

Germanisches Nationalmuseum

Links: Johann Lindner:

Brustbild des Dirigenten

und Komponisten

Richard Wagner, 1871

Germanisches Nationalmuseum


04 Germanisches Nationalmuseum

Oben: Henry van de

Velde: Sezessions-

Schreibtisch, 1899

Rechts: Henry van de

Velde: „Also sprach

Zarathustra“, 1908,

beides Germanisches

Nationalmuseum

Rechts: Tee-Extrakännchen,

nach einem

Entwurf von Marianne

Brandt, Bauhaus-Werkstatt,

nach 1924,

Germanisches Nationalmuseum

Unten: Blick in die neu

gestaltete Sammlung des

20. Jahrhunderts

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde aus den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums

Fällt der Name Henry

van der Velde (1863–1957), hat vermutlich

jeder diverse Objekte vor Augen,

und dennoch jeder ein ganz eigenes Bild von

dem Jugendstil-Künstler. Dies mag daran liegen,

dass das Werk van de Veldes nicht nur ungemein

umfangreich, sondern auch überaus vielfältig ist.

Malerei und Zeichnung standen am Anfang seines

Schaffens, doch folgten schon bald erste typografi

sche Arbeiten sowie Werke der Architektur und

Innenausstattung. Zu letzteren zählen Möbel, Lampen,

Tapeten, Teppiche und Bodenfl iesen. Aber auch

Geschirr, Besteck, Tafelgerät, Leuchter, Schmuck,

Stoffe, Kleider und vieler weiterer Gegenstände des

täglichen Lebens nahm er sich an.

Parallel zu diesen Dingen widmete sich van de

Velde während seines mehr als fünfzigjährigen

Schaffens der Theorie, indem er sich als Autor und

Lehrer der Vermittlung seines „neuen“ Stils und dessen

Voraussetzungen verschrieb. So veröffentlichte

er bereits in den frühen 1890er Jahren erste theoretische

Abhandlungen. Zahlreiche Essays zur und

über die zeitgenössische Kunst sollten folgen. Auch

als Lehrender war sein Einfl uss groß: ab 1892 in Vorlesungen

an der Kunsthochschule Antwerpen, in öföffentlichen Vorträgen, als Dozent am Kunstgewerblichen

Seminar und an der Kunstgewerbeschule in

Weimar und schließlich als Professor für Architektur

in Gent und Brüssel.

Der sogenannte Sezessions-Schreibtisch

ist

wohl das bekannteste

Möbel van de Veldes und

steht ab 6. Dezember im

Zentrum einer Ausstellung

im Germanischen

Nationalmuseum. Auffällig

ist die geschwungene

Form, die dem Benutzer

einen bequemen Zugriff

auf alle Utensilien ermöglicht, die auf der Tischplatte

ausgebreitet sind. Damit trug der Künstler

den Bedürfnissen seiner in der Regel privaten

Kunden Rechnung, die ein solches Möbel weniger

zum Repräsentieren als zum Arbeiten benötigten.

Nichts sollte ablenken, das Möbel in sich eine Ein-

heit bilden. Dies könne nach van de Velde nur dann

gelingen, wenn alle „fremden“ Teile wie Schrauben,

Scharniere, Schlösser oder Griffe in ihm aufgehen,

will heißen in ihm verschmelzen.

Auf der berühmten Münchner Sezessions-

Ausstellung des Jahres 1899 war der Schreibtisch

der Mittelpunkt des sogenannten „Herren-

Zimmers“. Er rief große Begeisterung hervor

und wurde von mehreren Interessenten

noch vor Ort bestellt. Heute sind vom

Sezessions-Schreibtisch nur drei Exemplare in

öffentlichen Sammlungen erhalten, neben dem

Germanischen Nationalmuseum im Hessischen

Landesmuseum in Darmstadt und im Musée

d’Orsay in Paris.

„In Van de Velde sehen wir nun die äußersten

Konsequenzen des individualistischen Prinzips im

Wohnraume insofern verkörpert, als er einen Raum

nicht nur selber baut und dekorirt und nicht nur jedes

Möbel und jeden Eisenbeschlag selber entwirft,

– nein, auch Tapete und Teppich entstammen seiner

Werkstatt, jeder Stoff, jede Lampe, jedes Tintenfass

auf dem Schreibpult wird von ihm gefertigt, und

wenn er wollte, könnte er gar den Tisch des Salons

belegen mit Büchern, die er selbst illustrirt, auf

seiner Handpresse gedruckt und eingebunden hat.

Eine solche Allseitigkeit der

Produktion auf allen Gebieten,

die mit dem Wohngebrauch

zusammenhängen,

ist vielleicht noch nie von

einem Einzelmenschen

entfaltet worden, und es

liegt auf der Hand, dass bei

dieser Art des Schaffens

eine Einheitlichkeit in der

individuellen Durchbildung

eines Raumes ermöglicht

wird, die nicht zu überbieten ist“, schrieb Fritz

Schumacher in einem Essay im Jahr 1899.

Dieses Zitat verdeutlicht, wie vielseitig Henry

van de Velde arbeitete. Seine Idee von einem konsequent

durchgestalteten Lebensraum, einem

bewohnbaren Gesamtkunstwerk, kommt bei allen

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ausgeführten Aufträgen zum Ausdruck. Objekte aus

seinem reichhaltigen Œuvre fi nden sich in fast allen

Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums,

die das späte 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

umfassen. Den Geburtstag des Künstlers,

der sich am 3. April 2013 zum 150. Mal jährt, ist der

Anlass, sie im Rahmen einer Sonderausstellung zusammenzustellen.

Zu sehen sind rund 35 Objekte,

neben Möbeln gibt es Keramik, Besteck, Gebrauchsgegenstände

und von ihm gestaltete Bücher zu sehen,

nicht zu vergessen Schriften von Henry van de

Velde selbst.

Führungen fi nden ab Januar jeden Sonntag um

15 Uhr statt, weitere Themenführungen mit den Kuratorinnen

Dr. Petra Krutisch oder Dr. Almuth Klein

gibt es am Mittwoch, 16.01., 30.01., 20.02. und 20.03.

jeweils um 18 Uhr sowie am Sonntag, 20.01. um 11

Uhr und am Sonntag, 03.02., 03.03. und 24.03. um 15

Uhr. Ein besonderes Angebot: Am Mittwoch, 02.01.

widmet sich Ingrid Wambsganz in der Reihe „Gespräch

vor einem Kunstwerk“ ausschließlich dem

Sezessions-Schreibtisch.

NEU: Die Sammlung des 20. Jahrhunderts ist wieder geöffnet

Großzügig, hell und in frisch sanierten Räumen

präsentiert sich die eindrucksvoll neu konzipierte

Sammlung des 20. Jahrhunderts. Die Spanne reicht

von Meisterwerken der Malerei über ausdrucksstarke

Skulpturen und dreidimensionale Objekte bis

hin zu Fotoarbeiten und bekannten Klassikern der

Designgeschichte. So entsteht ein umfassendes Bild

der Kunst- und Stilgeschichte der letzten 100 Jahre.

Schwerpunkt der nach dem Zweiten Weltkrieg begründeten

Sammlung liegt auf Werken des Expressionismus

und des Bauhauses. Im

Jahr 1967 erwarb das Museum

Ernst Ludwig Kirchners

„Selbstbildnis als Trinker“ als

bedeutenden Baustein für die Sammlung der Moderne.

Der Ankauf wurde damals programmatisch

verstanden. Mit ihm wurde der kunst- und kulturhistorische

Maßstab umrissen, dem sich das Germanische

Nationalmuseum bei seiner Beschäftigung

mit dem 20. Jahrhundert zu

stellen hatte. Seit den

1960er Jahren gelangten

auch Werke zeitgenössischer

Künstler

in das Museum, die

Bestände gewannen durch

Ankäufe und Leihgaben aus privaten

Sammlungen rasch an Umfang. In den

1980er und 90er Jahren wurde die Sammeltätigkeit

dann auf das gesamte 20. Jahrhundert ausgedehnt.

Zu den Highlights gehören heute neben dem

Selbstbildnis Kirchners eindringliche Skulpturen

von Ernst Barlach, farbintensive Gemälde von Emil

Nolde, Max Pechstein oder Ernst Wilhelm Nay, aber

auch kritische künstlerische Äußerungen

einer Hannah Höch.

Beispiele völkischer

Kunst haben ebenso Eingang

in die Präsentation gefunden

wie politische Plakate, formschöne

Möbel oder die damals revolutionäre

Frankfurter Küche. Filigrane Skulpturen

Vortrag zum Simplicissimus-Zeichner Karl Arnold

Karl Arnold (1883–1953) hat wie kaum ein anderer

Künstler seiner Generation zeichnend den Charakter

und die Charaktere seiner Zeit beobachtet.

Nach dem Studium der Malerei an der Münchner

Kunstakademie arbeitete er für Zeitschriften wie

„Simplicissimus“ und „Die Jugend“. Parallel entwickelte

er für die „Münchner illustrierte Presse“ eine

neue Form von Bildergeschichte und gezeichneter

Reportage.

Obwohl er einer der schärfsten Kritiker Adolf

Hitlers war, konnte Arnold in der NS-Diktatur

weiterarbeiten. Neben außenpolitischen Ereignissen

karikierte er vor allem das vermeintlich unverfängliche

Alltagsleben. Im Jahr 1942 erkrankte er

schwer und musste deshalb – zwei Jahre vor Einstellung

des „Simplicissimus“ – seine künstlerische

Arbeit beenden.

Andreas Strobl, Kurator der großen Arnold-Ausstellung

in der Pinakothek der Moderne München

2012, beleuchtet in einem Vortrag am Mittwoch,

9. Januar 2013 um 19 Uhr anschaulich das Leben

und Werk dieses wichtigen Zeichners. In der Vorbereitung

recherchierte er mehrfach im Deutschen

Henry van de Velde bei der Arbeit

von Hans Uhlmann oder Norbert Kricke stehen neben

Fotoarbeiten von Ute Klophaus und Charlotte

Matthesie. Und auch der Designgeschichte wird

mit freischwingenden Stahlrohrsesseln oder dem

berühmten Bauhaus-Stuhl von Marcel Breuer Rechnung

getragen.

Die Neueinrichtung zeugt von einer Neuausrichtung

der Kunst im 20. Jahrhundert. Mit der globalen

Vision der Moderne gilt es, Schlüsselpunkte künstlerisch-kultureller

Entwicklungen in Deutschland in

ihren internationalen Kontext zu stellen. Die Sammlung

ist nun wieder zugänglich, Führungen und

Workshops bieten ab Januar spannende Zugänge

und neue Erkenntnisse.

Kunstarchiv und konnte so Lücken in der Biografi e

schließen, wie etwa die Umstände von Arnolds

künstlerischem Überleben im Jahr 1933. Der Vortrag

im Aufseß-Saal dauert ungefähr eine Stunde, der

Eintritt ist frei.

Karl Arnold: Der Münchner, 1923, Staatliche Graphische

Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2013


Nr. 44 | 4. Dezember 2012

ie Wunderwelt der Tropen

ur noch bis 3. Februar sind die exquisiten Illustrationen des Surinam-Buchs von Maria Sibylla Merian zu sehen

Die Pfl anzenkompositionen Maria Sibylla Merians

(1647–1717) gehören zu den eindrucksvollsten

Zeugnissen naturwissenschaftlicher Illustrationskunst

des frühen 18. Jahrhunderts. Ein Jahr lang

zeigte das Germanische Nationalmuseum in der

von Johannes Pommeranz kuratierten Studioausstellung

jeweils 16 Blätter ihres sogenannten

Surinam-Buchs. Im Rhythmus von drei Monaten

wurden die Motive gewechselt, um über das Jahr

hinweg alle 60 Kupfertafeln zeigen zu können. Bis

zum 3. Februar 2013 ist nun die letzte Charge zu

sehen.

Was den Charme der Darstellungen ausmacht,

ist vor allem die ganz eigene Symbiose aus Kunst

und Wissenschaft. Detailliert und exakt sind Pfl anzen

und Insekten gezeichnet und verschmelzen

doch zu einer Komposition. Die handkolorierten

Kupfertafeln entstanden nach einer Reise Merians

1699 bis 1701 in den südamerikanischen Küstenstaat

Surinam, auf der sie sich eingehend mit der

dortigen Flora und Fauna beschäftigte. Einzigartig

für ihre Zeit ist die kombinierte Darstellung von

Pfl anze und Tier, also von einem Insekt mit seiner

Wirtspfl anze.

Tafel 49 zeigt Granatapfelblüten und Laternenträger.

Weniger der in kraftvollem Rot blühende

Granatapfelbaumzweig als vielmehr dessen Besucher

sind das Spektakuläre. Stammen doch die

prominentesten Vertreter der Gattung Laternenträger

aus Surinam (Fulgora laternaria). Diese Art,

die sich insbesondere durch eine auffällige Verlängerung

der Stirnpartie auszeichnet, wurde erst

durch die Zeichnung Merians in Europa bekannt.

Irrtümlich nahm die Künstlerin an, dass dieser

buckelige Kopfaufsatz nachts wie eine Laterne

VORSCHAU: Rembrandt

Rembrandt Harmenszoon van Rijn: Der Tod der

Maria, Ausschnitt,1639, GNM

Eine Studioausstellung zeigt ab 5. März rund 40

graphische Blätter des 1606 in Leiden geborenen

Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Niederländische

Künstler begannen damals, mit den technischen

Termine

Ausstellungen

Tagträume – Nachtgedanken

Phantasie und Phantastik

in Graphik und Photographie

bis 3. Februar 2013

Merians Krönungswerk

Die Wunderwelt der Tropen

bis 3. Februar 2013

Der Alles-Könner

Arbeiten von Henry van de Velde

aus den Sammlungen

des Germanischen Nationalmuseums

6. Dezember 2012 – 1. April 2013

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Richard Wagner und das reale Nürnberg

seiner Zeit

21. Februar – 2. Juni 2013

Rembrandt. Meister der Radierung

5. März 2013 – 26. Januar 2014

Vorschau: Zünftig!

Geheimnisvolles Handwerk 1500–1800

Ab 21. März 2013

Granatapfelblüte und Laternenträger, Tafel 49 aus: Maria Sibylla Merian, Metamorphosis insectorum

Surinamensium, 1705, Germanisches Nationalmuseum

leuchte. Aus dieser Vermutung leitet sich dann

auch die Namensgebung des Insekts ab.

Doch wie kam eine Frau Ende des 17. Jahrhunderts

überhaupt auf die Idee, eine Reise nach Su-

Möglichkeiten der Radierung zu experimentieren.

Rembrandt wurde zu einem Meister der Kaltnadel.

Durch einen lockeren Zeichenstil, einem reich abgestuften

Spiel des Helldunkel und der Verwendung

eines tiefen, samtigen Schwarz erzielte er bis dahin

unvorstellbare malerische Effekte.

Die Ausstellung legt einen thematischen Schwerpunkt

auf Porträts und biblische Erzählungen. Die

Bildnisse reichen von privaten, oft skizzenhaften

Studien bis zu repräsentativen Darstellungen mit

Zugeständnissen an den Geschmack eines vornehmen

Kundenkreises. Ein kapitales Blatt aus dem

christlichen Themenkreis ist „Der Tod der Maria“. Typisch

für Rembrandt zeichnet sich die fi gurenreiche

Szene in einem prunkvollen Schlafgemach sowohl

durch ihre realistische Schilderung als auch durch

ihre emotionale Spannung aus: Während der Arzt

den Puls der Gottesmutter fühlt, drängen die seelisch

aufgewühlten Freunde mit ausdrucksstarker

Mimik und Gestik zum Bett der Sterbenden.

Vorträge, Meisterkurse, Konzerte

Forum Historische Musikinstrumente

Zinken und Posaunen

23. Januar – 26. Januar 2013

Programm unter

http://www.gnm.de/index.php?id=437

In Kooperation mit der:

Führungen

Blick zuRück – 50 Jahre Musikinstrumente

Sammlung Rück im GNM

Mi, 5. Dezember, 19 Uhr und

So, 9. Dezember, 11 Uhr

Nürnberger Puppenhäuser des 17. Jahrhunderts.

Repräsentation und Anschauung

Mi, 12. Dezember, 19 Uhr und

So, 16. Dezember, 11 Uhr

rinam anzutreten? Maria Sibylla Merian wurde am

2. April 1647 in Frankfurt am Main in die berühmte

Verleger-Familie Merian hineingeboren. Schon

früh erhielt sie eine künstlerische Ausbildung.

Zinken und Posaunen sind das Thema

einer viertägigen Veranstaltung, die vom

23. bis 26. Januar im Germanischen Nationalmuseum

stattfi ndet. Mitveranstalte-

rin ist die Hochschule für Musik Nürnberg.

Vor zwei Jahren begann eine offi zielle Forschungs-Kooperation

zwischen beiden Institutionen,

deren Ziel der Austausch von theoretischem

Wissen über historische Instrumente mit

der praktischen Erfahrung etablierter Musiker

und junger Musikstudenten ist.

Das „Forum Historische Musikinstrumente“ trägt

maßgeblich zu dieser Idee bei und lädt jedes Jahr

zu einer Tagung mit informativen Vorträgen und

Führungen, praktischen Workshops, Meisterklassen

und Konzerten. Neben einer aktiven Teilnahme als

Musiker ist auch eine passive Teilnahme als Zuhörer

möglich. Die Spanne der Vorträge reicht von Einblicken

in die Geschichte und Konzerttradition der

Instrumentalmusik über die Schwierigkeiten und

Doppelt hält besser. Diptychen, Bilderpaare,

Polaritäten

Mi, 19. Dezember, 19 Uhr und

So, 23. Dezember, 11 Uhr

Heilige der Winterzeit und ihr Brauchtum

Mi, 2. Januar, 19 Uhr und So, 6. Januar, 11 Uhr

Der Alles-Könner. Arbeiten von Henry van de

Velde aus den Sammlungen des GNM

Mi, 16. Januar, 19 Uhr und

So, 20. Januar, 11 Uhr

Büste, Bildnis, Porträt. Köpfe in den Sammlungen

des GNM

Mi, 23. Januar, 19 Uhr und

So, 27. Januar, 11 Uhr

Im Zeichen der Zunft. Zur Symbolsprache

der Zünfte

Mi, 30. Januar, 19 Uhr und

So, 3. Februar, 11 Uhr

Germanisches Nationalmuseum

Neben der Kunst galt ihr Interesse der Flora und

Fauna. Nachdem sie viele einheimische Pfl anzen

und die mitteleuropäische Käferwelt untersucht

hatte, übte das Exotische einen besonderen Reiz

auf sie aus. Der Hauptgrund für ihre Reise lag allerdings

in dem Umstand begründet, dass sie in

den Kunst- und Wunderkammern ihrer Zeit immer

nur einzelne Stadien einer Insektenentwicklung

vorfand und nie die gesamte Metamorphose vom

Ei bis zum geschlüpften Imago. Sie machte sich

auf die Reise, um den gesamten Zyklus eines Insektenlebens

zu dokumentieren, wie wir aus ihrer

Korrespondenz wissen.

Auf Anregung des Gouverneurs der holländischen

Kolonie Surinam, Cornelis van Sommelsdijk,

brach Meran im Jahr 1699 in den südamerikanischen

Küstenstaat auf, begleitet von ihrer jüngeren

Tochter Dorothea Maria. Vor Ort entstanden

zahlreiche Skizzen und Handzeichnungen von außergewöhnlichen,

in Europa weitestgehend noch

unbekannten Insekten und Pfl anzen.

Nach Amsterdam zurückgekehrt, arbeitete

Merian ihre Studien aus und publizierte sie als

illustrierende Kupferstiche in dem Buch „Metamorphosis

Insectorum Surinamesium“, das zu

ihrem Hauptwerk werden sollte. Das Germanische

Nationalmuseum besitzt eines der wenigen erhaltenen

Umdruckexemplare der Erstausgabe, die im

Jahr 1705 in Amsterdam erschien. Die ursprünglich

schwarz-weißen Grafi ken kolorierte Merian nachträglich

von Hand.

Eine letzte Führung durch die Studioausstellung

und zum außergewöhnlichen Leben Merians

fi ndet am Samstag, 5. Januar 2013 um 15 Uhr statt.

Tagung: Zinken und Posaunen

Bedürfnisse beim Nachbau historischer Blechblasinstrumente

bis hin zu exemplarischen Musiker-

und Musikstückbiografi en, die ein tieferes Eintauchen

in bestimmte Epochen erlauben. Das Forum

beginnt mit einem Konzert der Reihe „Musica Antiqua“

in Kooperation mit dem

Bayerischen Rundfunk

– Studio Franken

und endet mit

einem klangvollen Abschlusskonzert

am Samstag,

26. Januar um 20 Uhr.

Für die passive Teilnahme ist

keine Anmeldung notwendig.

Das komplette Programm in der

Übersicht fi nden Sie unter www.

gnm.de, Rubrik „Forschung“ und

„Tagungen“ oder unter www.hfmnuernberg.de/veranstaltungen/

forum-zinken-posaunen/.

Von der römischen Reibschale bis zur

Frankfurter Küche

Ein Küchenstreifzug durch die Jahrhunderte

Mi, 6. Februar, 19 Uhr und

So, 10. Februar, 11 Uhr

Alltag und Vergnügen

Genredarstellungen aus vier Jahrhunderten

Mi, 13. Februar, 19 Uhr und

So, 17. Februar, 11 Uhr

Facetten des spätmittelalterlichen

Alltagslebens

Mi, 27. Februar, 19 Uhr und

So, 3. März, 11 Uhr

Wagner – Nürnberg – Meistersinger

Mi, 6. März, 19 Uhr und So, 10. März,

11 Uhr

Das besondere Angebot

Kunst der Moderne im GNM – Kunstvermittlung

einmal anders

Die Kunst des 20. Jahrhunderts: Führungen,

Kreativaktionen und Kunstspiele.

Die Teilnahme ist kostenlos.

So, 10. Februar, 10–16 Uhr

Krummer Zink,

17. Jahrhundert, und

Bassposaune, 1612

beide Germanisches

Nationalmuseum

05


06 Neues Museum in Nürnberg

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Neues Museum in Nürnberg

07

ben: Veer Towers,

as Vegas

oto: Rainer Viertlböck

echts: University of

hicago, Joe and Rika

ansueto Library

oto: Rainer Viertlböck

zlem Günyol & Mustafa

unt, …AND JUSTICE FOR

LL! 2010

oto: Özlem Günyol &

ustafa Kunt

Systeme, die lenken

Das Neue Museum zeigt die aktuellen ars-viva-Preisträger

„Wer nicht umsteigt, wird abgeschaltet.“ Mit diesem

Slogan wurde in Deutschland im April des Jahres die

Umstellung vom analogen zum digitalen Fernsehen

vehement beworben. Der neuseeländische Künstler

Simon Denny nimmt solche Ereignisse unseres globalen

Kommunikationssystems zum Anlass, um die

aktuellen Veränderungen und deren Auswirkungen

in seinen Werken konkreter vor Augen zu führen.

In einer Serie neuer Objektkästen thematisiert der

heute in Berlin lebende Künstler, der derzeit ein Stipendium

des PIN in München innehat, die neuen

Möglichkeiten des internetfähigen Fernsehgerätes.

Wie bei Werken der Pop Art setzt Denny dabei Güter

unserer Konsumwelt ein. Hardware-Produkte, wie ein

Smart-TV, oder Screenshots, in denen die Hersteller mit

Begriffen wie Gesichtserkennung, Gestensteuerung

oder Sprachsteuerung die Vorzüge der neuen Technik

hervorheben, konfrontiert Denny mit Elementen von

Halloween-Masken und führt so ein Horror-Kabinett

des Internets vor.

Im Zentrum von Dennys Preisträger-Arbeit für den

ars-viva-Kunstpreis, der alljährlich vom Kulturkreis der

Deutschen Wirtschaft unter

einem Leitbegriff

vergeben wird, steht eine Infografi k von Business Insider,

einem Netzwerk für Geschäftsleute, in der über

die neue Bereitschaft der Internetgemeinde informiert

wird, für Inhalte wieder zu zahlen. Diese kommerzielle

Ausrichtung des Informationsmediums Internet nimmt

Denny zum Anlass für eine Wand- und Bodeninstallation,

wodurch eine Art begehbare dreidimensionale

Informationsbox entsteht.

Mit Melvin Moti, Özlem Günyol & Mustafa Kunt ist

Simon Denny aber nur einer von den drei diesjährigen

Preisträgern des ars-viva-Kunstpreises an die Nachwuchskunst.

Özlem Günyol & Mustafa Kunt, 1977/78 in

Ankara geboren, behandeln die politische Kommunikationskultur.

Politische Parolen, politische Gesten und

das Demonstrieren zerlegt das in Frankfurt lebende

Künstlerduo zunächst in ihre Bestandteile, in einzelne

Worte und Gesten. Diese werden als ein zweiter Schritt

dann spielerisch in einen anderen Kontext gebracht,

wie den des Feierns, den des Tanzes oder den des

Sports.

Durch diese Dekonstruktion entsteht nicht allein

eine Entkräftung von Konstituenten der Macht, sondern

vor allem auch eine distanzierte und amüsierte

Sichtweise auf das sonst so ernste und machtbewusste

System der politischen Kommunikation.

Melvin Moti, der aus den Niederlanden kommt,

wendet sich schließlich dem System unserer Wahrnehmung

zu. Seine Arbeiten kreisen wie Indizienbeweise

jeweils um ein fehlendes Zentrum herum und weisen

so auf die Lücken in der Realität hin, die durch unsere

selektive Wahrnehmung normalerweise ausgeklammert

werden.

Helmut Jahn – Architekt, Multitalent, Weltbürger

Nach 46 Jahren kehrt der weltberühmte Architekt und Visionär in seine Geburtsstadt Nürnberg zurück

Panoramaaufnahme oben: Suvarnabhumi International Airport, Bangkok Foto: Rainer Viertlböck

Animation unten: Großformatige Fotos an den Wänden als monumentale Skyline bilden den Rahmen für die Skizzen und Modelle von Helmut Jahn. Entwurf der Ausstellungsarchitektur im Neuen Museum © bangertprojects

Eine facettenreiche Ausstellung im Neuen Museum

zeigt erstmalig das dynamische Gesamtwerk des in

Nürnberg geborenen und von Chicago aus weltweit tätigen

Architekten Helmut Jahn. In Zeichnungen und Modellen

sowie in den brillanten Fotografi en Rainer Viertlböcks

wird das global agierende Multitalent erfahrbar.

Wie das Werk des Architekten ist die Ausstellung

eine Weltreise von Chicago über die USA, Südafrika,

Europa zum Mittleren Osten, nach China, Japan, Korea

und Thailand. Die Ausstellung dokumentiert die

Entstehungsgeschichten international bekannter

Bauwerke wie des Sony Centers in Berlin oder des futuristischen

Großfl ughafens in Bangkok ebenso wie die

Projektierung von Idealstädten, Shoppingzentren oder

die Entwicklung von heutigen „mega big buildings“.

Neben über 100 gebauten Werken spiegelt die Ausstellung

auch Jahns Visionen des Ungebauten und Zukünftigen.

Termine

Sammlung

Cit Art Foundation

Bis 10.3.2013

Franceso Pavan

Bis 3.2.2013

Helen Britton

Ab 7.2.2013

Attila Kovács

Ab 18.1.2013

Ausstellung

ars viva 12/13 - Systeme. Simon Denny, Özlem

Günyol & Mustafa Kunt, Melvin Moti

Bis 13.01.2013

/prospekt/ Vorhang auf…

für die Akademie der Bildenden Künste in

Nürnberg

2.Teil: 14.12.2012 bis 13.01.2013

Eröffnung: Donnerstag, 13.12.2012, 19 Uhr

HELMUT JAHN – PROCESS PROGRESS

Das Gesamtwerk des Architekten in Zeich-

„The Future is never wrong“ – dieses programmatische

Zitat von Helmut Jahn verweist ebenso wie der

Titel der Ausstellung „PROCESS PROGRESS“ auf das

Vertrauen und die Selbstverpfl ichtung des Architekten,

sich nicht nur der Gegenwart zu stellen, sondern auch

die Herausforderung der Zukunft anzunehmen und zu

gestalten. Der unbedingte Glaube an die Zukunft lässt

sich auch in den Architekturen Helmut Jahns ablesen,

setzen sie doch immer wieder neue Maßstäbe, sei es

im Ausreizen der technischen Möglichkeiten und ihrer

Weiterentwicklung, sei es in der Realisierung innovativer

Bauformen und städteplanerischer Ideen oder sei es

in ihrer pionierhaften Haltung ökologischer Verantwortung

gegenüber.

Der deutsch-amerikanische Architekt (geb. 1940)

prägt seit über 40 Jahren Baugeschichte, und so werden

auch die Benutzer und Rezipienten seiner spezifi schen

Architektur geprägt. Viele seiner Bauwerke stehen in

nungen und Modellen sowie Fotografi en von

Rainer Viertlböck

Bis 24.2.2013

Vorträge und Gespräche

Seen by Rainer Viertlböck: the Work of

Helmut Jahn

Vortrag von Rainer Viertlböck, Fotograf

Di, 4.12.2012, 18 uhr

Quelle und andere Fälle. Probleme mit

großen Projekten der Nachkriegsmoderne

Vortrag von Prof. Dr. Gerd Weiß, Hessischer

Landeskonservator

Do, 6.12.2012, 19 Uhr

Das Unternehmen Kunst. Fördern mit

System

Vortrag von Dr. Stephan Frucht, Geschäftsführer

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im

BDI e.V.

Do, 10.01.2013, 19 Uhr

Die Zukunft ist nie falsch

Vortrag von Helmut Jahn, Architekt

Mi, 16.01.2013, 20 Uhr

ihrer architektonischen Gestalt – die sich vor allem

durch Konstruktion und Stil konstituiert – und ihrem

Anspruch repräsentativ für ein Jahrzehnt: für die 80er

Jahre unter anderem das State of Illinois Center, heute

James R. Thompson Center genannt, und das Xerox Center

in Chicago, für die 90er Jahre das Charlemagne der

Europäischen Union in Brüssel, für das erste Jahrzehnt

des neuen Milleniums das Shanghai New International

Expo Centre in Shanghai oder die Veer Towers in Las Vegas

sowie für die Zukunft das Doha Convention Center

mit seinem 540 Meter hohen Glasturm.

Auch gibt es wohl wenige Bewohner von Städten, die

die Architekturen von Helmut Jahn nicht kennen, selbst

wenn sie den Autor zunächst nicht benennen können.

Denn seine Architekturen sind gleichsam zu Wahrzeichen

geworden: allein in Deutschland unter anderen

der Messeturm in Frankfurt (1991), das Münchner Airport

Center (1999), das Sony Center in Berlin (2000), der

Gespräch mit dem Sammler Rafael

Jablonka

Do, 7.2.2013, 18 Uhr

Gespräch mit der Künstlerin

Helen Britton

Do, 7.3.2013, 14 Uhr

BDA Vortragsreihe 1+1=3 Stadtbaumeister

D0, 24.1.2013, 19 Uhr

Do, 14.2.2013, 19 Uhr

Musik

KlangKonzepteEnsemble

»Wunder des Rhythmus und Schönheit des

Raumes«

Hommage à Hans Hofmann

So, 9.12.2012, 11.15 Uhr

Die Kunst der Niederländer

So, 20.01.2013, 11.15 Uhr

Karlheinz Stockhausen. Frühe Werke

So, 10.02. 2013, 11.15 Uhr

Post-Tower in Bonn (2003) oder das Hochhaus Sign! im

Düsseldorfer Medienhafen (2010).

Bei dem Versuch, die Architekturen Helmut Jahns zu

charakterisieren, bieten sich zunächst Kategorisierungen

wie Bauten für die Öffentlichkeit oder Bauten für

Unternehmen an. Seine Flughäfen, Atriumbauten, seine

Wolkenkratzer und Monumentalbauten sind auch aus

Ingenieurssicht großartige Glas-Stahl-Konstruktionen.

Seine grundsätzliche Orientierung an der klassischen

Moderne hat er durch ein seinen Bauten innewohnendes

außerordentliches Raffi nement individualisiert.

Helmut Jahn hat Neues in die Architektur gebracht.

Die Ausstellung ermöglicht nun eine neue Auseinandersetzung

mit seiner komplexen Ideenwelt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Neuen Museums

und der Neuen Sammlung – The International

Design Museum Munich in enger Zusammenarbeit mit

Helmut Jahn.

Fantastische Reise durch die Musik

Konzert des Bundesakkordeonorchesters

So, 03.03.2013, 11.15 Uhr

Konzertreihe Across

Valgir Sigurdsson

Di, 26.2.2013, 21 Uhr

Kinder und Jugendliche

Hoch hinaus …

Workshops zur Ausstellung HELMUT JAHN –

PROCESS PROGRESS

Sa, 15.12.2012, 14.30 Uhr (ab 10 Jahren)

Sa, 26.01.2013, 14.30 Uhr (ab 12 Jahren)

Jeweils begrenzte Teilnehmerzahl. Infos und

Anmeldung unter 0911 2402036

Zu Gast

Pechkucha Night

Di, 19.2.2013, 20 Uhr

Creative Monday

Mo, 11.3.2013, 19.30 Uhr

Weitere Termine und Informationen unter:

www.nmn.de

St. Martin im Ausverkauf

Die Cit Art Foundation in fünf Räumen des Neuen Museums

Katharina Fritsch (geb. 1956) ist eine Künstlerin, die

in Bildern denkt und Plastiken von emblematischer

Eindringlichkeit schafft. Sie sagt: „Meine Skulpturen

sind nie ganz zu fassen, wie ein Bild, das sich nie ganz

entschlüsseln lässt. Sie bleiben wie ein Rätsel im Kopf.“

Dass Katharina Fritschs Kunst so enigmatisch wirkt,

ist nicht zuletzt Ergebnis ihrer hohen handwerklichen

Perfektion, ihrer oft matten Oberfl ächen und merkwürdigen

Farben.

In Kaufhäusern und Ramschläden sind Wühltische

die Endstation vieler Waren. Schnäppchenjäger graben

auf den hüfthohen Möbeln nach Beute. Auf Katharina

Fritschs Wühltisch (1987/89) gibt es keine große Auswahl

mehr: Grüne Tücher mit dem Motiv des Heiligen

Martin werden ausverkauft. Auch in unserer scheinbar

religionsfernen Zeit berührt es uns merkwürdig, das

Heilige so profaniert zu sehen. In klassischer Ikonographie

ist der Heilige Martin hoch zu Ross dargestellt. Er

teilt seinen Mantel, um einen nackten Bettler zu kleiden.

Tuch und Heiligenlegende stehen in einem Zusammenhang,

der den Gegensatz zwischen Warenhandel

und Mantelspende umso schärfer hervortreten lässt.

Der Wühltisch gehört zu einer Auswahl von Werken

aus der Cit Art Foundation des Kölner Galeristen Rafael

Jablonka, die fortan dauerhaft mit dem Neuen Museum

verbunden ist. Mit einer umfangreichen Dauerleihgabe

von Arbeiten Hubert Kiecols begann im Jahre 2004 die

Zusammenarbeit der Cit Art Foundation mit dem Neuen

Museum. Im vergangenen Jahr ist die Stiftung eine

noch engere Bindung mit dem Nürnberger Haus eingegangen,

das nun über die komplette Sammlung der Cit

Art Foundation als Dauerleihgabe verfügt. Wenn die

Stiftung weiterhin wächst, wird davon dann ebenfalls

das Neue Museum profi tieren. Diese außerordentlich

großzügige und uneigennützige Geste bereichert die

Sammlung des Museums um Werke verschiedenster

deutscher, amerikanischer und internationaler Künstler,

von denen viele bislang noch nicht im Neuen Museum

vertreten waren.

In fünf Sammlungsräumen zeigt das Neue Museum

noch bis 10. März 2013 Arbeiten von Greg Bogin, Edward

Dwurnik, Katharina Fritsch, Peter Halley, Hubert Kiecol,

Alexej Koschkarow, Cady Noland, Richard Prince,

Guy Rombouts & Monica Droste, Andreas Slominski

und Philip Taaffe. In der Zusammenschau ergibt sich

die Physiognomie einer ganz besonderen Kunstsammlung,

die alles andere als Mainstream

ist.

State Street Village,

Chicago

Foto: Rainer Viertlböck;

James R. Thompson

Center, Chicago

Foto: Rainer Viertlböck

Katharina Fritsch,

Wühltisch, 1987/89

Foto: Neues Museum

(Annette Kradisch)


08

Ernste Mienen, schönes

Spiel: Firmenchef

Heinrich Müller (2.v.l.)

mit den Herren der

Geschäftsleitung,

um 1950

Rechts: Schuco-Motorrad

Curvo 1000, ab 1950

Unten: Donald Duck

Tanzfi guren, 1937 und

1958. Die Comic-Enten

tanzten und schnatterten

dabei munter vor

sich hin.

Fotos: Spielzeugmuseum

Museen der Stadt Nürnberg

Pick-Pick, Studio, Piccolo

Wunder der Technik: Sonderausstellung zum 100. Geburtstag der Nürnberger Spielzeuglegende Schuco

Schuco gehört zu den ganz großen Namen der

internationalen Spielzeuggeschichte. Die Marke

stand über Jahrzehnte hinweg – zusammen mit

Märklin, Steiff oder Käthe Kruse – für den guten

Ruf deutschen Qualitätsspielzeugs. Tanzende Figuren,

nickende Bären, pickende Vögel und unzählige

Fahrzeuge mit verblüffenden technischen Merkmalen:

Aus der Nürnberger Ideenwerkstatt des

Firmengründers und genialen Erfi nders Heinrich

Müller (1886–1958) gingen immer wieder wahre

Wunder der Spielzeugtechnik hervor. Mit einer Fülle

von außergewöhnlichen Exponaten aus Museums-,

Firmen- und Privatbesitz zeichnet die Ausstellung

den Aufstieg des 1912 als Schreyer & Co. (abgekürzt:

Schuco) gegründeten Unternehmens vom Hinterhofbetrieb

zum einstmals größten Spielwarenher-

steller Europas nach.

In den beiden ersten

Jahrzehnten seiner Existenz

erwarb sich das

Unternehmen vor allem

mit mechanischen Filz- und

Plüschspielwaren einen

guten Ruf. Beliebt

und vorzüglich

gestaltet warenmarschierende

Hunde und

Teddybären oder

Ausstellungen

Termine

Kunst & Handwerk

Weihnachtsverkaufsausstellung

Stadtmuseum Fembohaus

6. bis 16.12.2012

Licht und Schatten

Foto-Retrospektive. Horst Schäfer 2001–2012

Museum Industriekultur

Bis 30.12.2012

„Ihr Kinderlein kommet ...“

Die Weihnachtsbescherung: Stubenschmuck

und Gabentisch

Weihnachtsausstellung des Spielzeugmuseums

in der Ehrenhalle des Rathauses

Bis 4.1.2013

Lernlabor Matheland

Ausprobieren, Knobeln, Rechnen für Kinder

von 4 bis 8 Jahren

Museum Industriekultur

8.1. bis 3.3.2013

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der

Nürnberger Meistergesang

Stadtmuseum Fembohaus

18.1. bis 17.4.2013

Affen, deren Köpfe sich mit einem versteckten

Drahtgestänge in jede Richtung bewegen ließen.

Vor allem aber begeisterten ab 1928 die täuschend

naturgetreuen Pick-Pick-Vögel und in der Folgezeit

eine Fülle von witzigen Tanzfi guren Kinder

wie Erwachsene in aller Welt. Im Gegensatz zum

herkömmlichen fi gürlichen Metallspielzeug waren

die Blechkörper dieser Figuren mit Filz oder

Plüsch bezogen. Sie fühlten sich angenehm an und

führten dank eines ausgeklügelten, patentierten

Federwerk-Mechanismus natürlich bis amüsant wirkende

Bewegungen aus. Mit seinem untrüglichen

Sinn für den Zeitgeist griff Heinrich Müller zudem

auch Themen aus der amerikanischen Film- und

Comicwelt auf. Charlie Chaplin als watschelnder

Tramp mit schwingendem Spazierstöckchen erweiterte

in den 1930er Jahren ebenso das Sortiment wie

Micky Maus, Donald Duck oder Schweinchen Dick.

Autos für alle

Bis heute wird der Name Schuco vor allem mit den

technisch meisterhaft ausgestatteten Fahrzeugen

verbunden, die seit Mitte der 1930er Jahre aus den

Fabrikhallen an der Fürther Straße in Nürnberg rollten.

Autos, die dank eines verborgenen fünften Rads

nicht vom Tisch fallen konnten, Limousinen, die

aufs Wort gehorchten oder bei Anruf aus der Garage

fuhren: Die technischen Ideen aus der Schuco-Mustermacherei

waren bahnbrechend. Das Aushänge-

Wunder der Technik

100 Jahre Schuco-Spielzeug

Spielzeugmuseum

Bis 7.4.2013

Entrechtet. Entwürdigt. Beraubt.

Arisierung in Nürnberg und Fürth

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Bis 30.6.2013

Sonderveranstaltungen

Schaustück des Monats Dezember 2012

60 Jahre Fernsehen

Spezialführungen mit Matthias Murko:

Mi, 5.12.2012, 16 Uhr; So, 16.12.2012, 15 Uhr

Museum Industriekultur

Mythologie im Hirsvogelsaal

Erzählreihe in Kooperation mit der ErzählBühne

„Klassische Fiaskos“:

So, 24.2.2013, 17.30–19 Uhr

14 Euro/ 10 Euro ermäßigt;

Kartenreservierung: Mobil: 0170/ 5546329 oder

per Mail: info@erzaehlbuehne.de

Meisterhaft! Schätze aus dem Tucherschloss

Kuratorenführung mit Museumsleiterin

Ulrike Berninger M.A.

schild der Schuco-Autofl otte war aber ohne Zweifel

das Studio-Auto, das nach dem Vorbild des Mercedes

Silberpfeil W 25 gestaltet und mit zahlreichen technischen

Funktionen ausgestattet war (Montagesets,

Reifenwechsel, funktionierende Lenkung, sichtbares

Differential etc.). Der Erfolg des Studio-Autos refl

ektiert die ungeheure Motorsportbegeisterung der

1930er Jahre, die eng mit den Mercedes Silberpfeilen

verbunden ist. Besonders bemerkenswert: Es ist das

einzige Auto der Spielzeuggeschichte, das von 1936

bis heute nahezu unverändert produziert wird.

Mitten in den Boomjahren seines Unternehmens

– zeitweise waren bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigt

– musste sich Heinrich Müller unter dem Druck

des NS-Regimes von seinem jüdischen Kompagnon

Adolf Kahn trennen, der mit seiner Familie in die

USA emigrierte. Die erzwungene Trennung lief

allem Anschein nach zu fairen Konditionen ab, Müller

und Kahn blieben zeitlebens freundschaftlich

verbunden. Dies verschaffte dem Unternehmen

nach Kriegsende sogar einen gewissen Wettbewerbsvorteil,

denn Adolf Kahn und sein Sohn Eric

übernahmen schon bald nach der Wiederaufnahme

der Produktion den Alleinvertrieb von Schuco-

Spielwaren auf dem wichtigen nordamerikanischen

Markt.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Die Wirtschaftswunderjahre brachten noch

einmal goldene Zeiten für das Unternehmen:

Schuco stieg zur größten Spielwarenfabrik

Europas auf. Jährlich kamen neue Wunderwerke

der Technik heraus: kurvengängige

Motorräder, Autos mit Fernlenkung,

Mehrgangschaltung

oder Autoradio, Feuerwehrfahrzeuge

mit

aufwendiger Leitermechanik,

aber auch

lenkbare Flugzeuge

oder fl otte Schiffe mit

Außenbordmotor. Eine

außergewöhnliche Idee

war das bis in die 1960er Jahre hinein

millionenfach verkaufte Varianto-Spielsystem,

eine billigere und platzsparende Auto-Alternative

zur Modelleisenbahn. Schuco-Autos waren aber

nicht nur Spielzeuge von hohem technischem Anspruch.

Sie wurden in Schulen und sogar Fahrschulen

auch als Lehrmittel im Sinne der Verkehrserziehung

eingesetzt. Auf Straßenplänen mit Ampeln,

Zebrastreifen und Verkehrszeichen konnten Kinder

und Jugendliche ihre Schuco-Fahrzeuge durch die

Stadt steuern und lernten dabei auf spielerische

Weise verkehrsgerechtes Verhalten.

Mit dem Tode Heinrich Müllers 1958 verlor das

Unternehmen einen genialen Erfi nder und Konstrukteur.

Zwar gelangen auch danach noch erfolg-

„Verliebt, verlobt, verheiratet. Hochzeits- und

Ehebildnisse der Patrizierfamilie Tucher“:

Do, 17.1.2013, 16 Uhr; So, 20.1.2013, 11 Uhr

„Ave Maria! Das berühmte Verkündigungsfenster

aus der Grasersgasse“:

So, 3.3.2013, 11 Uhr; Do, 7.3.2013, 15 Uhr

Fokus Stadtgeschichte

Führung durch das Stadtmuseum Fembohaus

mit Museumsleiterin Brigitte Korn

„Zerstörung und Wiederaufbau“:

So, 3.2.2013, 14 Uhr; Do, 28.2.2013, 16 Uhr

Montagskonzert

Musikalische Kostprobe zur Mittagszeit

Hirsvogelsaal

Mo, 4.2./ 18.3.2013, jeweils 13.15 Uhr

Scarlatti meets Bach

Italienische und deutsche Barocksonaten für

Violoncello und Cembalo

Kammerkonzert mit Cembalo

im Hirsvogelsaal

Sa, 2.2.2013, 20 Uhr

Museumstheater und Kostümführungen

Mit Katharina Tucher durchs Schloss

Führung im historischen Gewand

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

reiche Neuentwicklungen insbesondere im Bereich

der funkgesteuerten Modellfahrzeuge, doch geriet

das Unternehmen ab Mitte der 1960er Jahre in zunehmende

Schwierigkeiten. 1976 ging das Tradi-tionsunternehmen

in Konkurs. Individuelle Managementfehler

waren sicher hierfür mitverantwortlich,

aber letztlich teilte Schuco das Schicksal der meisten

Nürnberger Metallspielzeugproduzenten: Man

reagierte zu spät auf den Trend hin zu billigerem

Plastik- und Elektronikspielzeug, das aus Fernost

und den USA kommend den Markt eroberte.

Starke Marke

Viele hatten geglaubt, dass mit der Firmenpleite

die Marke Schuco rasch in Vergessenheit geraten

würde. Mit einer Ramschpolitik, die billige Massenware

mit dem Aufkleber Schuco an den Käufer

bringen wollte, brachte der neue Besitzer, der britische

Konzern DCM, die Marke auch tatsächlich in

Verruf. Doch nachdem auch DCM Konkurs anmelden

musste, erwarb 1980 die Fürther Traditionsfi rma

GAMA alte Formen und Markenrechte. Bei GAMA

erkannte man, dass die Zukunft von Schuco auch

in der großen Vergangenheit lag: Alte Renner der

Firmengeschichte wie die Oldtimerserie, der Micro-

Racer und natürlich das Studio-Auto kamen als

Replikate für den damals gerade entstehenden

Sammlermarkt heraus. Vor allem aber

gelang es in den 1990er Jahren, auf dem

expandierenden Modellautosektor mit

neuen Produkten Fuß zu fassen, die dem

Trend der Zeit folgend

in Osteuropa, später später

auch in China produziert

wurden.

Die altbekannte Piccolo-Serie mit ihren Fahrzeugen

aus Zinkdruckguss wurde mit immer neuen MiniMiniaturen zu einer breit gefächerten Produktpalette

ausgebaut, die begeisterte Anhänger fand. Seit 1999

gehört Schuco zur Fürther Simba-Dickie-Gruppe

und konnte sich unter diesem Dach erfolgreich weiterentwickeln.

100 Jahre nach ihrer Gründung hat

sich die Firma vom Spielzeugproduzenten zu einem

Anbieter hochwertiger Sammelartikel gewandelt.

Mit ihren Qualitätsprodukten sorgt sie dafür, dass

der Name Schuco seinen guten Klang in aller Welt

behalten hat.

Helmut Schwarz

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Jeden So, 14 Uhr

Mit Agnes Dürer durchs Dürer-Haus

Führung im historischen Gewand

Albrecht-Dürer-Haus

Führung in deutscher Sprache: Di, Mi und

Sa, 15 Uhr; Do, 18 Uhr; So, 11 Uhr

Spezial-Kinderführungen:

jeden 1. und 3. So im Monat, 15 Uhr;

jeden 1. Do im Monat, 17 Uhr

Englische Führung: Sa, 14 Uhr

Ein ehrenwertes Haus

Historisches Musiktheater mit ohne Dürer

Albrecht-Dürer-Haus

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/duererhaus/museumstheater.html

Feine Gesellschaft

Skandalgeschichte(n) aus Nürnbergs

Goldener Zeit

10 Jahre historisches Kulttheater

mit kulinarischen Überraschungen!

Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal

Do und So, 17-18.30 Uhr *

* Genaue Termine unter www.museen.nuernberg.de/tucherschloss/schlosstheater.html

www.museen.nuernberg.de


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museen der Stadt Nürnberg

09

Wagner – MeisterSinger – Sachs

Hans Sachs, Richard Wagner und der Nürnberger Meistergesang

Oben: Lorenz Gedon: Porträtbüste Richard

Wagners, 1939. Bronze.

Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und

Skulpturensammlung; Foto: Museen

Meistersinger – historisch

Vielleicht halten ihn manche ja schon für eine Erfi

ndung des Komponisten Richard Wagner – doch der

Nürnberger Schuhmachermeister, Dichter und Sänger

Hans Sachs (1494–1576) war eine der prägnantesten

Erscheinungen der Renaissancezeit in Nürnberg.

Zugleich ist er bis heute der populärste Vertreter der

bürgerlichen Volkskultur des „Meistersangs“, der in

der der Reichsstadt Nürnberg Nürnberg mit besonderem Eifer und

langer Tradition bis 1770 gepfl egt wurde. Die wechselnden

Austragungs- und und Festorte dieser speziellen

Gesangsart waren über die gesamte gesamte Altstadt verteilt. verteilt.

Die Ausstellung „Wagner – MeisterSinger – Sachs“

setzt chronologisch mit mit der besonderen Tradition

des Nürnberger Meistersangs ein und zeigt mit mit Hans Hans

Sachs zugleich dessen dessen berühmte Leitfi gur. gur. Seine Wiederentdeckung

ab 1776 durch durch bedeutende bedeutende Literaten Literaten

wie Wieland, Goethe oder Herder gehört zu zu den

Grundlagen der lokal- und nationalpatriotischen

Verklärung Nürnbergs im 19. und 20. Jahrhundert.

Auch Richard Wagner (1813–1883) ließ dieser

Mythos seit einem Nürnberger Verwandtenbesuch

im Jahre 1835 nicht mehr los: Ein real

erlebter, tragisch-komischer Sänger-Aufruhr

in der verwinkelten Nürnberger Altstadt wird

zur Keimzelle einer der berühmtesten Opern

der Musikgeschichte: den „Meistersingern von

Nürnberg“. Nach einer ersten Skizze betrieb der

Komponist ab 1845 immer wieder intensive Studien

zu Sachs und dem Phänomen des Meistersangs.

Meistersinger – historistisch

Wagner hatte sich eigentlich eine Uraufführung

in Nürnberg selbst erhofft und wollte deren Erlös

sogar für das Projekt des Hans-Sachs-Denkmals stiften.

Doch in der so grandios besungenen Stadt selbst

kam man – trotz der langen Nürnberger Theatergeschichte

mit Fastnachtsspiel, Schembartlauf und

der Gründung des „Nationaltheaters“ 1801 – nicht

recht in die Gänge. So ging die Oper erstmals im Juni

1868 in München über die Bühne, wurde mit Jubel

aufgenommen und begründete eine musikalische

Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Auch gibt

es keine Bilder oder Texte, die für den Ruhm des

„mittelalterlichen“ Nürnberg so emblematisch warben,

wie Richard Wagners einzige komische Oper.

1874 wurde das Hans-Sachs-Denkmal dennoch ohne

Zutun und ohne Beisein des Komponisten feierlich

eingeweiht – obwohl er seit diesem Jahr das nahe

Bayreuth zu seinem künftigen Lebensmittelpunkt

gemacht hatte.

1894 erreicht die Sachs-Verehrung in den Feierlichkeiten

und dem großen historischen Festumzug

ihren einsamen Höhepunkt: Das (groß-)bürgerliche

Nürnberg feiert sich in einer bunten Maskerade als

den Hort „urdeutscher“ Tugenden selbst. Ihr Fortblühen

in der ehemaligen Reichsstadt sollte den ewigen

Bestand des Kaiserreiches gewährleisten. Auch wenn

das deutsche Sängerfest in Nürnberg 1912 noch einmal

Sachs und den Meistersang in den Mittelpunkt

rückt, ist der 400. Geburtstag Sachsens 1894 Höhepunkt

seiner historischen Verklärung – und trotz der

unentwegt beschworenen „Volkstümlichkeit“ des

Hans Sachs blieb die Nürnberger Sozialdemokratie

damals von den Feiern ausgeschlossen.

Auf- und Untergänge

Mit der unrühmlichen Erhebung Nürnbergs zur

„Stadt der Reichsparteitage“ während der NS-Zeit

wird Wagner zum Staatskomponisten, die „Meistersinger“

zur Nationaloper: In der Musterinszenierung

des „Reichsbühnenbildners“ Benno von Arent eröffnen

sie nun in Gegenwart Hitlers sämtliche Reichsparteitage

bis 1938. In diesem Jahr leitet Gauleiter

Streicher wenig später die Zerstörung der Synagoge

am Hans-Sachs-Platz mit einem Zitat aus Wagners

„Meistersingern“ ein – nur einer der Gründe für die

Zerstörung der Altstadt Nürnbergs bei Kriegsende.

Doch auch die Zerstörung ließ nicht alle Fäden reißen:

Noch immer kann man in Nürnberg viele Spuren

aus Mittelalter und Renaissance entdecken, und

bis in die Gegenwart werden Hans Sachs, Richard

Wagner und seine Oper und mit der Stadt in Verbindung

gebracht – bis heute ist eine Nürnberger Neuinszenierung

der „Meistersinger“ am Staatstheater ein

kulturelles Medienereignis. Und schließlich bringt

Nürnberg mit Martha Mödl, deren 100. Geburtstag

in das Jahr 2012 fi el, eine der größten Wagner-

Interpretinnen der Nachkriegszeit hervor. Mit einer

Präsentation durch das Stadtarchiv Nürnberg wird

das Thema Wagner, Sachs und Nürnberg bis in die

Gegenwart geführt und abgerundet.

Bereichert um einige ausgewählte Leihgaben,

entsteht die Ausstellung aus den Beständen der Graphischen

Sammlung und der Gemälde- und Skulpturensammlung

der Museen der Stadt Nürnberg in

Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Nürnberg und

der Staatsoper Nürnberg. Die Präsentation ist vom

18. Januar bis 17. April 2013 im Stadtmuseum Fembohaus

zu sehen. Ein reich bebilderter Katalog wird im

Michael-Imhof-Verlag erscheinen. Thomas Schauerte

Tief im Burgberg: Der neu gestaltete „Historische Kunstbunker“

ben links: Blick in den „Historischen Kunstbunker“. Foto: Verein Nürnberger Felsengänge e.V. Oben rechts: Im Kunstbunker eingelagerte Skulpturen aus

ürnberger Kirchen. Foto: Stadtarchiv Nürnberg

Am 12. März 2013 ist es so weit: Nach über 17

Jahren erfolgreichem Führungsbetrieb durch den

„Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V.“ wird

der Historische Kunstbunker im Burgberg mit einer

neuen Ausstellung eröffnet.

Im Jahr 1995 – fünfzig Jahre nach dem Ende des

Zweiten Weltkriegs – hat der Förderverein der Stadt

Nürnberg die Idee unterbreitet, den Kunstbunker

für Besucher zu öffnen, um an die große Bedeutung

der Kunstbergungsanlage für Nürnberg zu erinnern.

Der Förderverein und die städtischen Museen

haben daraufhin gemeinsam ein Führungskonzept

erarbeitet, das die Geschichte des Nürnberger

Kunstluftschutzes dokumentiert. Seit dieser Zeit ist

die Ausstellung der Öffentlichkeit im Rahmen von

Führungen durch den Verein zugänglich.

Um den jetzigen Vereinsvorsitzenden Ralf Arnold

und die Historikerin Hanne Bank hat sich vor einem

Jahr ein Arbeitskreis gebildet, der diese erste Ausstellung

überarbeitete und gänzlich neu gestaltete,

fachlich begleitet von den Museen der Stadt Nürnberg.

Die neue Ausstellung

Die Themen „Kunstluftschutz“ und „Zerstörung“

wurden um inhaltliche Aspekte erweitert und erhielten

ein zeitgemäßes Layout. Originale Einbauten,

großformatige Fotografi en, Audiostationen und

digitale Bilderrahmen mit verschiedenen Fotosequenzen

vermitteln eindrücklich die Katastrophe

des Krieges und das Ausmaß der Zerstörung und des

Verlusts. Bilder historischer Bergungssituationen

wurden den realen Örtlichkeiten zugeordnet, was

der Ausstellung noch mehr Authentizität verleiht.

Die Präsentation erfuhr auch eine inhaltliche

Erweiterung um das relevante Thema „Wiederauf-

bau der Nürnberger Altstadt“. Die Neukonzeption

beleuchtet nun auch die damaligen Kontroversen

um den Wiederaufbau: Sie wirft einen Blick auf

den Ideenwettbewerb von 1947, zu dem Oberbürgermeister

Hans Ziegler nicht nur die Architekten

und Stadtplaner, sondern „alle Nürnberger“ aufrief,

„ihre Gedanken, Vorschläge und Ideen über den

Wiederaufbau ihrer Heimatstadt“ mitzuteilen. Sie

erinnert an den im gleichen Jahr ausgelobten Architektenwettbewerb,

der die weitere Diskussion

maßgeblich bestimmte, und sie gibt einen Eindruck

von dem schließlich eingeschlagenen Weg, die Stadt

wieder aufzubauen.

Zur Geschichte des Kunstbunkers

Kurz nach Kriegsbeginn wurde in den Felsengewölben

unter der Kaiserburg ein Aufbewahrungsort

geschaffen, um wertvolles Kunst- und Kulturgut,

mit dem die ehemalige Reichsstadt Nürnberg so

reich gesegnet war, vor Zerstörung zu schützen. In

einer Tiefe von bis zu 24 Metern entstand ein ausgeklügeltes

Gangsystem mit Entwässerung, Beheizung

und Belüftung, um adäquate Klimabedingungen

zur Einlagerung der Kunstschätze zu schaffen

– ein in Deutschland einmaliges Unterfangen. Neben

den Altären, Glasfenstern und Chorgestühlen

aller Nürnberger Altstadtkirchen wurden herausragende

Kunstwerke – u.a. die Uhr der Frauenkirche

mit dem „Männleinlaufen“, die Reichskleinodien,

der „Engelsgruß“ von Veit Stoß oder das „Schlüsselfelder

Schiff“, das als eines der Hauptwerke der

europäischen Goldschmiedekunst um 1500 gilt, – in

eigens angefertigten Kisten sorgfältig verpackt und

eingelagert.

Seit 1942 war Nürnberg eines der Hauptziele der

alliierten Bomber: 59 Luftangriffe legten die Stadt

in Schutt und Asche. Über 6000 Menschen verloren

ihr Leben, mehr als 350.000 Einwohner

wurden obdachlos, gerade einmal 9%

der Gebäude blieben gänzlich ohne

Schäden. Nürnberg war nach Dresden,

bezogen auf die bebaute Fläche,

die am stärksten zerstörte deutsche

Stadt. Nur dank des Kunstbunkers

im Burgberg

und der rechtzeitig

getroffenen Vorsorge

haben zahlreiche

Meisterwerke aus

Nürnberger Museen

und Kirchen den verheerenden

Luftkrieg

unbeschadet überstanden.

Erst die großzügige fi nanzielle Unterstützung

durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse

Nürnberg ermöglichte die Neukonzeption des Historischen

Kunstbunkers.

Unten: Carl Hammer:

Erinnerungsblatt für das

Hans-Sachs-Fest 1894.

Farblithographie.

Museen der Stadt

Nürnberg, Graphische

Sammlung. Foto: Museen

Die Reichskrone als Teil

der Reichskleinodien

Foto: Kunsthistorisches

Museum Wien


10

Der Kinderbeirat des

DB Museums bei der

ersten Probefahrt auf

der Miniatur-Eisenbahn.

Foto: Mike Beims

DB Museum

Nr. 44 | 4. Dezember 2012

Kinder-Bahnland – die neue Attraktion

Der neue interaktive Kinderbereich im DB Museum wird im Januar eröffnet

Eine ganze Eisenbahnwelt nur für Kinder zu

schaffen: Das hatten sich Museumsdirektorin Russalka

Nikolov und ihr Team als Meilenstein zur Weiterentwicklung

des DB Museums vorgenommen.

In Zusammenarbeit mit der Hamburger Agentur

KWOD & MS Design, die hierzu ein überzeugendes

Konzept lieferten (siehe hierzu das Porträt auf dieser

Seite), ist nun, nach gut einjähriger Arbeit, das

Kinder-Bahnland, kurz KIBALA, entstanden.

Noch wird eifrig gehämmert und gefräst, doch

alle Beteiligten sind sich schon jetzt einig, dass hier

die neue Sensation im DB Museum entsteht. Denn

KIBALA ist mehr als eine Erlebniswelt, wie man

sie heute in vielen Museen eingerichtet findet. Es

ist vielmehr ein Mikrokosmos, ein Eisenbahnland,

in das die Museumsbesucher im Alter von drei bis

zwölf Jahren eintauchen können und dort alles finden,

was sie sich schon immer gewünscht haben.

Das KIBALA löst die alte Eisenbahn-Erlebniswelt

ab; deren Fläche im ersten Obergeschoss ist nun frei

und soll zukünftig den letzten Teil der Dauerausstellung

sowie einen Raum für Modelle aufnehmen. Der

neue Kinderbereich erstreckt sich nun auf einer Fläche

von beinahe 1.000 Quadratmetern im zweiten

Stockwerk. Noch ist hier Baustelle, doch ein Blick

auf die bunten Entwurfszeichnungen von KWOD

lässt erahnen, wie es hier bald aussehen wird. Der

erste Bereich hinter dem Eingang ist wie die Halle

eines Bahnhofs gestaltet. Dort werden die Besucher

einen alten Bekannten treffen: Die Comic-Figur Oli,

vielen Bahnreisenden aus den Pixibüchern im Kinderabteil

vertraut, nimmt dort die kleinen Gäste in

Empfang und „führt“ sie durch die Miniaturwelt.

Mit von der Partie ist seine Freundin Polly, die der

Zeichner und Oli-Schöpfer Titus Ackermann eigens

für KIBALA entwickelt hat. Die beiden animieren die

Das neue Kinder-Bahnland steht kurz vor der Vollendung

– Gelegenheit, ein Porträt der Agentur zu

zeichnen, von der Konzept und Gestaltung stammen.

Die Museumszeitung hat hierzu Harald Krischer und

Prof. Manfred Schulz, die Geschäftsführer von KWOD

& MS Design, interviewt.

MuZ: Wie geht es Ihnen, wenige Wochen vor Eröffnung

von KIBALA?

Krischer: Wir befinden uns in einer der anstrengendsten

aber auch schönsten und aufregendsten

Projektphasen, dem Endspurt – eigentlich wie zur

Weihnachtszeit kurz vor der Bescherung. Die Ideen

und Entwürfe kommen alle zusammen und werden

Wirklichkeit. Alle Beteiligten sind voll im Einsatz und

die Vollendung des Gesamtwerkes gibt uns zusammen

ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

MuZ: Welche Leistungen bringen Sie konkret in das

Projekt ein?

Schulz: So eine Ausstellung zu entwickeln und produzieren

ist mindestens ein so komplexer Vorgang wie

ein Haus zu bauen. Wir haben auf konzeptioneller

Ebene aufgrund eines Briefings unserer Auftraggeber

ein teilweise modifiziertes Gesamtkonzept entwickelt

und von einer dramaturgischen Reise ausgehend

verschiedene Themen- und Spielsituationen

entlang einer erlebbaren Zugreise entwickelt. Unser

Team besteht aus den unterschiedlichsten Disziplinen:

Designer, Architekten, Grafiker, Illustratoren,

Pädagogen, Programmierer, Medienspezialisten.

MuZ: Neben dem Museumsteam haben Sie auch eigene

Recherchen unternommen – nicht unbedingt

selbstverständlich für einen Ausstellungsdesigner.

Krischer/Schulz: Die Eisenbahn ist für uns schon immer

eine faszinierende Mischung aus Technik und

Emotion gewesen. In der Kindheit war es die Begeis-

Tunnel und Berge, Kletterlok und Spieleisenbahn – so bunt und vielfältig wird das neue Kinder-Bahnland. Zeichnung: KWOD

Kinder, auf Entdeckungsreise zu gehen und an den

vielen Spielstationen aktiv zu werden: Sie können

sich als Gleisbauer und Zugbegleiter betätigen, alte

und moderne Eisenbahnwagen erkunden, Signale

stellen und Kohlen für eine Dampflok schaufeln. Neben

der schon aus der alten Erlebniswelt bekannten

Briobahn wartet ein Playmobil-Bereich zum Thema

Güterverkehr auf die jungen Besucher. Die ebenfalls

in der alten Kinderwelt schon vorhandene LGB-

Bergbahn wurde erheblich erweitert und befährt

jetzt zwei Bergmassive.

Doch die größte Attraktion ist wohl der KIBALA-

Express, eine Miniaturbahn, auf der die Kinder

durch den ganzen Bereich fahren können – durch

Tunnel, über Brücken und vorbei an Landschaften,

die von den Gestaltern fantasievoll und mit viel Liebe

zum Detail entworfen wurden.

So eine Miniaturbahn kann man nicht von der

Stange kaufen. Der Mainzer Modellbauer und Spezialist

für die Fünf-Zoll-Bahn, Klaus Wagner, stellte

die Fahrzeuge in sorgfältiger Handarbeit her. Die

beiden Lokomotiven stellen naturgetreue Modelle

im Maßstab 1:11 dar; Vorbilder für die akkubetriebenen

Fahrzeuge waren eine Elektrolok der Baureihe

E 80 und eine Diesellok vom Typ V 100. Die Loks ziehen

mit einer Leistung von etwa einem halben PS

vier Sitzwagen für Kinder und einen Wagen mit dem

Lokführer. Wenn das Ausfahrsignal des Bahnhofs

auf „Fahrt frei“ gestellt ist – das dürfen die kleinen

Fahrgäste auf Anweisung des Lokführers tun – setzt

sich der KIBALA-Express in Bewegung, und der Zug

umrundet die ganze Miniaturwelt auf einer über

110 Meter langen Strecke. Nach den ersten Probefahrten

ist den Beteiligten klar: Die Kleinbahn wird

ein Publikumsrenner!

Auch unser Partner, das Museum für Kommunikation,

ist an den neuen Bereich angedockt: Denn der

seit 2008 geschlossene hintere Übergang zwischen

den beiden Museen wird reaktiviert. Dort entsteht

sogar eine Haltestation des KIBALA-Express, an dem

Besucher, die aus dem Internet-Raum des Kommunikationsmuseums

kommen, einsteigen können.

Bis es so weit ist, liegen noch einige Wochen intensiver

Arbeit vor dem Museumsteam. Doch alle

freuen sich schon auf den 12. Januar 2012, wenn

wir mit einem großen Kinderfest eröffnen und der

KIBALA-Express zu seiner Jungfernfahrt startet.

Rainer Mertens

Die KIBALA-Gestalter – KWOD & MS Design

terung für die Technik, später entwickelte sich ein

Bahnhof in unserer Vorstellung zum Kulminationspunkt

von Emotionen: Abschiedstrauer, Wiedersehensfreude,

Reiselust und manchmal eine neugierige

Reise ins Ungewisse. Es ist kein Zufall, wie oft die Eisenbahn

Handlungsort in der Literatur, dem Film und

der Malerei gewesen ist. Schließlich ist unser Team

in der einjährigen Projektphase ca. 80.000 Kilometer,

also zweimal um die Welt, mit der Bahn gefahren.

MuZ: Was sind für Sie die Highlights des neuen Bereichs?

Schulz: Der KIBALA-Express, mit der die Kinder durch

die ganze Ausstellung fahren können, ist sicherlich

eines der ganz großen Highlights. Aber letztlich ist es

das Gesamterlebnis, das die Ausstellung zum Highlight

macht.

MuZ: Bei der Planung war ein Kinderbeirat eingebunden,

der die Ideen für das KIBALA einer kritischen

Prüfung unterzog und viele eigene Ideen ein-

brachte. Wie beurteilen Sie dieses Modell, Kinder

mitentscheiden zu lassen?

Krischer: Die Zusammenarbeit und die Workshops

mit den Kindern waren äußerst lebendig, kreativ,

fantasievoll und enorm aufschlussreich. Es hat uns

immer großen Spaß gemacht. Wir selbst haben dabei

gelernt, mehr mit den Augen der Kinder zu sehen

und konnten dadurch viele Entscheidungen besser

treffen.

MuZ: Wie sind insgesamt Ihre Erfahrungen in der

Zusammenarbeit mit dem Museum?

Krischer/Schulz: Sie ist geprägt durch eine kreative

und konstruktive Arbeitsweise, sowie hohe Themenkompetenz

und Aufgeschlossenheit des wissenschaftlichen

Teams. Eine große Bereicherung ist die

hauseigene Werkstatt unter der Leitung von Lorenz

Krauß, die mit ihrer Erfahrung Vieles im Ausstellungsbau

ermöglicht hat. Eisenbahngeschichte ist ein

großes und faszinierendes Thema, das uns in seinen

Bann gezogen hat.

Das Team von KWOD & MS Design: Markus Meyer, Harald Krischer, Ana Frotscher, Milena Gradtke, Manfred

Schulz, Kurt Odendahl

Termine

Veranstaltungen und Events

Adlergeburtstag

Museums-Weihnachtsfest für die ganze

Familie

So, 9.12.2012, 10–16 Uhr

Kinderfest zur Eröffnung des neuen

Kinder-Bahnlands

Sa, 12.1.2013, 11–18 Uhr

Internationaler Gedenktag für die Opfer

des Holocaust

Führungen zur Rolle der Reichsbahn im

Holocaust

So, 27.1. 2013, 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr,

16 Uhr

Lesungen „Reiseerlebnisse“

Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn

Zekarias Kebraeb, Botschafter der Deutschlandstiftung

Integration, berichtet über

seine Flucht aus Eritrea.

Fr, 7.12.2012, 19 Uhr

„Zwedschga“

Lesung mit Fitzgerald Kusz

Fr, 18.1.2013, 19 Uhr

Afrika – Mit dem Zug durch den

Schwarzen Kontinent

Diashow von und mit Rohan Vos,

Eisenbahn-Enthusiast aus Südafrika

Do 7.2.2013, 19 Uhr

„Mei Vater war Heizer auf der Seku“

Reisen auf Fränkisch mit Klaus Karl-Kraus

Fr, 8.3.2013, 19 Uhr

Bühne

Loriot – Szenische Lesungen

Mit dem Ensemble „Stilblüten“

Fr, 22.3.2013, 19 Uhr

Vorträge

Eisenbahnen am St. Gotthard

Vortrag von Dr. Kilian Elsasser

Mi, 27.2.2012, 19 Uhr

Ostseefähren im Kalten Krieg

Vortrag von Wolfgang Klietz

Mi, 27.3.2013, 19 Uhr

Jazz-Matinee/Soiree

KLIMA KALIMA

So, 27.1.2013, 11–13 Uhr

Folk Tassignon Quartet

So, 24.02.2013, 11–13 Uhr

Lea W. Frey Trio

So, 17.03.2013, 11–13 Uhr


Nr. 44 | 4. Dezember 2012 Museum für Kommunikation Nürnberg

11

Die Grabkammer des Sennedjem

otenkult und Schriftkultur der alten Ägypter werden im Museum anschaulich

Zwei Deckenszenen: der Sonnengott Re (links)/Sennedjem verehrt Horus und zwei Kanopengötter

Seit einigen Wochen ist das Museum für Kommunikation

um eine große Attraktion reicher. Besucher

können jetzt die im originalen Maßstab rekonstruierte

Grabkammer des altägyptischen Kunsthandwerkers

Sennedjem besuchen, die zur Zeit des

Neuen Reiches (ca. 1550 – 1070 v. Chr.) entstand. Die

originale Grabanlage

des Sennedjem und

seiner Familie liegt

mehrere Meter tief

im Fels des thenanischen

Westgebirges

am Rande der Ruinensiedlung

von Deir el-

Medina, einem Ort, in

dem im Neuen Reich

die pharaonischen

Künstler und Handwerker

lebten. Hier

waren insgesamt zwanzig Mumien bestattet, darunter

Sennedjems Ehefrau Iineferti und seine Kinder.

Berühmt ist das Grab, das Ende des 19. Jahrhunderts

nahezu unversehrt aufgefunden wurde, wegen seiner

Ausstattung. Seine vollständig mit Zitaten aus

dem altägyptischen Totenbuch und den sie illustrierenden

prächtigen Wandvignetten bedeckten

Wände zeigen die enge Verbindung von Architektur,

Schrift und Totenkult im alten Ägypten. Das Grab

des Sennedjem ist daher mediengeschichtlich hoch

interessant, da hier deutlich wird, dass die Menschen

schon vor fast viertausend Jahren multimedial

Bilder und Texte gleichzeitig nutzten. Doch warum

wurde diese Anlage im Museum rekonstruiert?

Das Haus thematisiert

in seiner Dauerausstellung

die Kommunikation

mit Tönen,

Bildern und Schrift

sowie im Internet.

Das neu errichtete

Sennedjemgrab ist in

die Abteilung Schrift

integriert. Hier werden

die Entwicklung

von Schriftsystemen

und die Bedeutung

des Schreibens für Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung

erläutert.

Die Grabkammer mit ihrer aufwendigen Ausstattung

beleuchtet einen weiteren Aspekt des Themas:

Sie ist ein sehr schönes Beispiel für das Bedürfnis

des Menschen, mit der Welt des Überirdischen

und der Sphäre der Götter in Verbindung zu treten

und zu kommunizieren, vor allem nach dem Tode.

Besucherinnen und Besuchern bietet sich hier die

einzigartige Gelegenheit, die Schönheit und den

Reichtum der Darstellungen ohne zeitlichen Druck

kennenzulernen und das Zusammenspiel von Bild

und Text zu studieren. Im ägyptischen Totenkult

schützten das Grab und seine Architektur den Verstorbenen,

darin einem Sarkophag vergleichbar. Die

weißen Textstreifen, die die Deckenmalereien gliedern,

erinnern an die Mumienbänder, mit denen die

Toten umwickelt wurden. Die Bilder beziehen sich

auf Sprüche aus dem ägyptischen Totenbuch, einer

Sammlung von etwa 190 Sprüchen, die um die Themen

Tod und Auferstehung in der jenseitigen Welt

der Götter kreisen. Sie enthalten magische Formeln

und beschreiben rituelle Handlungen, die die Toten

auf ihrem Weg ins Jenseits sicher begleiten sollen.

Die Darstellungen im Grab des Sennedjem illustrieren

eine Auswahl dieser Sprüche und zeigen, wie der

Künstler und seine Frau Iineferti nach dem erfolgreichen

Bestehen des Totengerichts in die Ewigkeit und

in die jenseitige Welt der Götter eingeführt werden,

wobei diese ihnen helfen, mögliche Gefahren abzuwehren.

Eine der berühmtesten Darstellungen des

Grabes findet sich auf der Ostwand: Hier wird das

vom Licht des Sonnengottes Re durchflutete jenseitige

Paradies dargestellt.

Inhaltlich betreut wurde das Projekt von dem

Ägyptologen und Sennedjem-Spezialisten Dr. Wolfgang

Wettengel. Nachdem in dem dafür vorgesehenen

Kabinett das Gewölbe der Kammer nachgebaut

worden war, übernahm der auf Wand- und Deckenmalerei

spezialisierte Nürnberger Kunstmaler

Klaus-Martin Grebe die Ausmalung. Er projizierte zunächst

mit einem Overhead-Projektor die Bilder auf

die auszumalenden Wände. Nachdem er die Linien

der Szenen vorgezeichnet hatte, arbeitete er diese

unter Zuhilfenahme des vorhandenen Fotomaterials

Schritt für Schritt aus. Dabei kooperierten Wettengel

und Grebe eng, der Ägyptologe gab Farbtöne

und Pigmente vor, kontrollierte die Ausführung und

stand für Rückfragen zur Verfügung. Beim Malen

fühlte sich Klaus-Martin Grebe nach eigenem Bekunden

dem Maler des ägyptischen Originals sehr

verbunden. „Besonders fasziniert hat mich das

Gefühl beobachtet zu werden von einem ganz wunderbaren

Künstler aus einem fernen Zeitalter“, so

beschreibt er sein Empfinden während der Arbeit.

Im Frühjahr 2013 wird es im Museum eine dreiteilige

Vortragsreihe mit Wolfgang Wettengel

und Klaus-Martin Grebe geben. Am Sonntag, den

eunzig Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Die „Deutsche Gesellschaft für Post und Telekommunikationsgeschichte

(DGPT)“ ist einer der

größten und traditionsreichsten Geschichtsvereine

Europas. Eine Wurzel dieser Organisation, die heute

bundesweit etwa 12.000 Mitglieder hat, liegt in München.

Ende des Jahres 1922 wurde hier nämlich die

„Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ gegründet, die erst in den 1990er Jahren in

der DGPT aufging.

Die DGPT ist heute als Freundeskreis den Museen

für Kommunikation in Berlin, Frankfurt am Main

und in Nürnberg sowie dem Archiv für Philatelie in

Bonn eng verbunden. 1922 war die neu ins Leben ge-

Termine

Überblicksführungen

Mit der Familie durchs Museum

So, 2.12.2012/6.1./3.2./3.3.2013; 14 Uhr

Führung für Familien (Museumseintritt)

Vom Urlaut zum USB-Stick.

Die Welt der Kommunikation im

Überblick

So, 30.12.2012/27.01./24.02./31.3.2013;

14 Uhr

Führung für Einzelbesucher (Museumseintritt)

Themenführungen

Als die graue Maus geliefert wurde

Di, 8.1./22.1.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

rufene Gesellschaft die erste Organisation Deutschlands,

die ihren Schwerpunkt auf die Beschäftigung

mit der Postgeschichte legte. Wichtigstes Organ hierfür

war das „Archiv für Postgeschichte in Bayern“.

Mitarbeiter der Oberpostdirektionen, per Verfügung

sogar ermuntert, in ihrer Dienstzeit postgeschichtliche

Forschung zu betreiben, trugen unter anderem

durch Beiträge zur Postgeschichte bayerischer Städte,

durch Reiseberichte, Porträts von Posthaltern

und Artikeln über bayerische Briefmarken und deren

Gestalter zum Erfolg der Zeitschrift bei. Die Gesellschaft

und ihre Publikation existierten bis zur Privatisierung

der Bundespost Mitte der 1990er Jahre.

Das Fräulein vom Amt

Di, 29.1./14.2.2013; 14 – 15 Uhr

Kosten: 5 € (inkl. Eintritt)

Anmeldung für diese zwei Angebote

(0911) 2308885 bzw. E-Mail:

mfk-nuernberg@mspt.de

Auf den Spuren der Postgeschichte

90 Jahre Postgeschichtsforschung in Bayern

Do, 6.12.2012; 19 Uhr

Öffentliche Festveranstaltung im Museum

Anmeldung erbeten: 0911/ 230 88 85.

Workshops für Kinder

Schreib- und Geheimwerkstatt

So, 9.12./30.12.2012/13.1./17.2./31.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Danach ging die bayerische Vereinigung in der

bundesweit tätigen DGPT auf. Diese gibt heute mit

der Zeitschrift „DAS ARCHIV. Magazin für Kommunikationsgeschichte“

eine moderne, reich bebilderte

Publikation heraus, die in ihrem Regionalteil nach

wie vor Beiträge und Informationen aus und für

Bayern enthält. Das Gründungsjubiläum der „Gesellschaft

zur Erforschung der Postgeschichte in

Bayern“ ist am Donnerstag, den 6.12.2012 ab 19 Uhr

Anlass für eine Festveranstaltung mit hochkarätigen

Gästen. Dr. Wolfgang Bötsch, letzter Bundesminister

für Post und Telekommunikation wird im Gespräch

mit Werner Scheller, dem stellvertretenden Vorsit-

Du bist ja ne Marke!

So, 16.12.2012/20.1./24.2.2013,

jeweils 14–16 Uhr

Volles Rohr – und ab die Post!

So, 23.12.2012/27.1./24.3.2013,

jeweils 14–16 Uhr

„Hieroglyphen-Werkstatt“: Workshop

für Kinder

So, 6.1./3.2./3.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Hier gibt’s was auf die Ohren“: Workshop

für Kinder

So, 10.2./10.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

„Wie siehst du denn aus!“: Workshop

für Kinder

So, 15.2./17.3.2013 jeweils 14–16 Uhr

3.2.2013 behandelt Wolfgang Wettengel das Thema

„Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild im Totenkult

der alten Ägypter“, während er am Sonntag,

den 14.4.2013 zum Thema „Sennedjem und seine

Kollegen. Kunsthandwerker im alten Ägypten“

sprechen wird. Am Sonntag, den 3.3.2012, berichtet

Klaus-Martin Grebe in einem Werkstattgespräch

über die Ausmalung der Grabkammer und das, was

ihn an dieser Aufgabe fasziniert hat. Die Vorträge

beginnen jeweils um 11 Uhr. Das Kunst- und Kulturpädagogische

Zentrum der Museen in Nürnberg

(www.kpz-nuernberg.de) bietet ab Anfang 2013 unter

dem Titel: „Ein Architekt des Pharao – unterwegs

im alten Ägypten“ einen neuen Kindergeburtstag

an, in dessen Mittelpunkt die Erforschung der Grabkammer

und die Gestaltung eines Forschertagebuches

stehen. Als offenes Angebot gibt es jeden ersten

Sonntag im Monat von 14–16 Uhr für Kinder die

Hieroglyphenwerkstatt. VL

zenden der DGPT, über die spannende Privatisierungszeit

der Bundespost berichten. Isabell Koch

beleuchtet nach intensivem Quellenstudium die

Entwicklung der Postgeschichtsforschung in Bayern.

Der Bamberger Landeshistoriker Prof. Karl Möckl

wird in seinem Vortrag „den Ort Bayerns nach dem

Ersten Weltkrieg“ in der historisch und gesellschaftspolitisch

bedeutenden Umbruchphase zwischen Monarchie

und Demokratie betrachten.

All diejenigen, die sich für Post- und Kommunikationsgeschichte

interessieren, sind herzlich zu dieser

Veranstaltung eingeladen.

Anmeldung erbeten unter 0911-23 08 88 5. VL

Kosten für Workshops: Museumseintritt

Vorträge zum Sennedjem-Grab

Das Grab des Sennedjem. Schrift und Bild

im Totenkult der alten Ägypter

So, 3.2.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Die Ausmalung des Sennedjem-Grabes –

ein Werkstattbericht

So, 3.3.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

Sennedjem und seine Kollegen. Kunsthandwerker

im alten Ägypten

So, 14.4.2013; 11 Uhr

Kosten: Museumseintritt

http://www.mfk-nuernberg.de/

Links unten: Blick auf

die Westwand

Unten: Blick in die

Grabkammer auf die

Ostwand.

Fotos: Mile Cindric


„Manche Maler machen aus der Sonne einen gelben Punkt.

Andere machen aus einem gelben Punkt eine Sonne.“

Pablo Picasso (1881-1973), spanischer Maler, Grafi ker und Bildhauer

Wir fördern Museumskultur in und um Nürnberg

IMPRESSUM

Herausgeber:

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Dr. Matthias Henkel

Gregor Isenbort

Dr. Herbert May

Russalka Nikolov

Dr. Angelika Nollert

Redaktion:

Walter Schatz (verantwortlich)

Ulrike Berninger M.A. (Museen)

Birgit Hohenstein (Museen)

Hendrikje Loof M.A. (NMN)

Dr. Vera Losse (MKN)

Eva Martin (NMN)

Dr. Rainer Mertens (DB)

Dr. Sonja Mißfeldt (GNM)

Ute Rauschenbach M.A. (FFM)

Gestaltung:

Alexander Frank

Sven Irmler

Peter Töpfer

(Entwurf: Martin Küchle)

Verlag und Druck:

Verlag Nürnberger Presse

Druckhaus Nürnberg GmbH & Co.

Marienstraße 9–11

90402 Nürnberg

Redaktion:

Tel. (0911) 2 16 - 28 82

Dora Hitz: Bildnis der Malerin Marie von Brocken, 1891, Öl auf Leinwand,

Inv.-Nr. Gm 0592

Foto: Museen der Stadt Nürnberg, Gemälde- und Skulpturensammlung

C

M

Y

CM

MY

CY

CMY

K

www.museumszeitung.de

spk_2zlg_marke_70x30mm_4c.pdf 01.12.2010 14:26:37 Uhr

Museen der Stadt Nürnberg

Albrecht-Dürer-Haus

Albrecht-Dürer-Straße 39

90403 Nürnberg

Tel. (09 11) 2 31 - 25 68

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Do 10–20 Uhr

Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Stadtmuseum Fembohaus

Burgstraße 15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 25 95

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Dokumentationszentrum

Reichsparteitagsgelände

Bayernstraße 110

90478 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 56 66

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo–Fr 9–18 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Memorium Nürnberger

Prozesse

Bärenschanzstraße 72

90429 Nürnberg

Tel. (0911) 3 21 - 7 93 72

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten: Mi–Mo 10–18 Uhr

Spielzeugmuseum

Karlstraße 13–15

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 31 64

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So 10–18 Uhr

Während des Christkindlesmarktes

auch: Mo 10–17 Uhr

Museum Tucherschloss

und Hirsvogelsaal

Hirschelgasse 9–11

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 54 21

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Mo 10–15 Uhr, Do 13–17 Uhr

So 10–17 Uhr

Museum Industriekultur

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 38 75

museen@stadt.nuernberg.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Schulmuseum

Äußere Sulzbacher Straße 62

90491 Nürnberg

Tel. (0911) 53 02 - 5 74

schulmuseum@ewf.uni-erlangen.de

www.museen.nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, 10–18 Uhr

Mittelalterliche

Lochgefängnisse

Rathausplatz 2

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 2 31 - 26 90

historischerrathaussaal

@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

Bis 23.12.2012: täglich 10–16.30 Uhr

1.1.–28.2.2013: geschlossen

1.3.–31.10.2013: täglich 10–16.30 Uhr

Historischer Kunstbunker

im Burgberg

Obere Schmiedgasse 52

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 22 70 66

museen@stadt.nuernberg.de

Führungen für Einzelbesucher:

täglich 14.30 Uhr

Für Gruppen nach telefonischer

Voranmeldung

Die nächste

Ausgabe der

Museumszeitung

erscheint am

12. März 2013.

Germanisches Nationalmuseum

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 0

info@gnm.de

www.gnm.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr,

Mi 18–21 Uhr freier Eintritt

montags geschlossen

Kaiserburg-Museum

Auf der Burg

90403 Nürnberg

Tel. (0911) 20 09 54 - 0

Öffnungszeiten:

April–Sept. tägl. 9–18 Uhr

Okt.–März tägl. 10–16 Uhr

Schloss Neunhof

Neunhofer Schlossplatz 4

90427 Nürnberg

Öffnungszeiten:

Jeweils ab Ostersamstag bis zum

letzten Septemberwochenende

Sa, So und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr

DB Museum

Lessingstraße 6 – 90443 Nürnberg

Tel. (01804) 44 22 33 (0,20 €/Anruf)

E-Mail: info@db-museum.de

www.dbmuseum.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag: 9–17 Uhr

Sa, So und Feiertage: 10–18 Uhr

Geöffnet auch am Ostermontag,

geschlossen am Karfreitag

Museum für Kommunikation

Nürnberg

Lessingstraße 6

90443 Nürnberg

Tel. (0911) 23 08 80

mfk-nuernberg@mspt.de

www.mfk-nuernberg.de

Öffnungszeiten:

Di–Fr 9–17 Uhr

Sa, So, Feiertage 10-18 Uhr: geöffnet

auch an den Adventsmontagen,

26.12.2012. Geschlossen: 24./

31.12.2012/ 1.1.2013

Neues Museum in Nürnberg

Eingang: Klarissenplatz

Luitpoldstraße 5

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 2 40 20 69

www.nmn.de

Öffnungszeiten:

Di–So 10–18 Uhr

Donnertags 10–20 Uhr

Montags geschlossen

26.12/1.1./6.1./12.2. geöffnet, 10-18 Uhr

24.12./25.12./31.12./11.2. geschlossen

Fränkisches Freilandmuseum

des Bezirks Mittelfranken

in Bad Windsheim

Eisweiherweg 1

91438 Bad Windsheim

Tel. (09841) 66 80 - 0

info@freilandmuseum.de

www.freilandmuseum.de

Öffnungszeiten:

täglich außer montags geöffnet

10. März – 7. Oktober: 9–18 Uhr

9. Oktober – 4. November: 10–17 Uhr

6. November – 16. Dezember:

10–16 Uhr

Das Museum Kirche in Franken

öffnet eine Stunde später.

KPZ Kunst- und Kulturpädagogisches

Zentrum

der Museen in Nürnberg

Kartäusergasse 1

90402 Nürnberg

Tel. (0911) 13 31 - 2 41

(Schulen und Jugendliche)

Tel. (0911) 13 31 - 2 38

(Erwachsene und Familien)

schulen@kpz-nuernberg.de

www.kpz-nuernberg.de

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