Obwaldner Volksfreund 1886

staatsarchivow

Tier

O D l i t u a l ö n c r V o l k s f r e m d .

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lvei s仫llich»n Post-Bneeanr.)

äbrlich (franko durch die ganze KchwNj) . .

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S« der Srpeditton abgtholtZjckhrlich . . . .

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Erscheint jeden Tamstag BormittagS.

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Die dreispaltige Petil^ite oder deren Raum . 10 Rv

Bei Wiederboloagea 8

Die zweispaltige Petitzeile »der deren Raum . . 20

Bei Wiederholungen 16

H T a r n e n , 1886.

i. IZnncr.

16. Jahrgang.

3nfcrate von

neh«en f« an« entgegen die »nn°«c.n-Srv«diii»n.n der Herren Haasenstetn Js Vogler, «udolf Moffe und Orell »üglt » Eik. in Bern. Zilrich, Luzern,

Basel. Lausanne. Senf, »erlin. Leipzig. Dretden. München, Hamburg. Frankfurt a./«.. Gtratburg und Wien.

-

MonnMents-Lintaduiig.

Der „Obwaldner Volksfreund"

wird auch im kommenden Jahre nach Haltung

und Form in bisheriger Weise forter

scheinen, weßhalb er zu zahlreichem Abonne

ment bestens einladet. Derselbe kann bei

jedem Postamt und beim Verleger (Buchdrucker

Jos. Müller) bestellt werden.

Das Blatt kostet jährlich bei Versendung

durch die Post Fr. 4, halbjährlich Fr. 2.10.

Für das Ausland beträgt das Jahresabonnement

Fr. 6.60 und ist dasselbe zum Voraus

an die Expedition einzusenden oder durch

Beauftragte in hier einzahlen zu lassen, damit

die Zusendung keine Störung erleidet.

Der ausgedehnte Leserkreis des „Volks

freund" macht denselben für die Verbreitung

von Anzeigen besonders geeignet.

Redaktion und Expedition.

Neujahrsketrachtungen.

Alles begrüßt sich heute mit den» lebhaft srohen

Zuruf: „Ein glücklich freudenreiches Neujahr." Alles

wünscht sich gegenseitig Glück, Segen und Wohlergehen

auf ein ganzes langes Jahr. Aber ach, wie viele

Wünsche, gedankenlos hingeplaudert, verhallen ohne

alles weitere Echo auf Straße und Gasse l Wie viele

Wünsche hinwieder, aus treuem aufrichtigem Herzen

kommend, entflammen in dem gedrückten Gemüthe des

Unglücklichen neue Hoffnungen für Gegenwart und

Zukunft? Doch die Zukunft und wenn auch nur die

kurze Spanne eines Jahres umfassend, sie liegt ver«

schleiert vor uns. Die dunklen und die heitern Loose,

um mit dem Dichter zu sprechen, Niemand vermag sie

mit Bestimmtheit vorauszusehen. Gerade das ist zweifels«

ohne eine der weisesten und wohlwollendsten Anordnungen

Gottes, daß der Mensch, obwohl er fast immer seines

eigenen Glückes oder Unglückes Schmied ist, doch nicht eine

einzige Minute mit Sicherheit in die Zukunft zu blicken

v.rmag. Es liegt ein mächtiger Drang im menschlichen

Herzen, die Zukunft vorherwissen zu wollen. Nicht

selten waren es sogar hervorragende Geister, bei welchen

dieser Drang in eine Art Manie ausartete und welche

zu allerlei abergläubische» Mitteln ih'e Zuflucht nehm.-nd,

mit Gewalt den Vorhang zu heben versuchten,

welcher die Zukunft von der Gegenwart trennt.

Trübe Auestchten begleiten vielfach den Antritt des

neuen Jahres. Ein europäischer Krieg von schrecklicher

u»d großartiger Tragweite wurde soeben im Orient

, mit knapper Noth verhindert, aber immer noch lastet

eine unheimliche Beklommenheit auf den Völker» und

beißt sie vell ding,r Ähnung in die Zukunft fchauen.

I» unserm Vaterland erlöilt lauter Jammer über Herr«

schenke G jcl'äjlvktiien und allerhand volkswirlhschaft»

'iiche U.dcistände; Trübsal in Hülle und Fülle soll

*»das Unglücksjahr 1886 bringen. Und doch gar so

hoffnungslos und trostlos steht es keineswegs aus, lebt

doch immer noch der alte Gott. Seit Jahrzehnten

vielleicht war daS Schweizervolk im Großen und Wesentlichen

nie so einig, als gerade jetzt. Au» der letzten

Bundesversammlung wehte ein milder Luftzug versöhn«

licher Stimmung zwischen den verschiedenen politischen

Parteiungen und durch die trübe, neblige Atmosphäre

langjähriger Parteiwillkür brechen von Bern her die

Sonnenblickt eines wohlthuenden Verständnisses zu ge>

meinsamem Vorgehen auf volkswirthschaftlichem und

socialem Gebiete. Ja, um nur mit einigem Erfolg an

die Lösung der großen sociale» Fragen heranzutreten,

bedarf daS Schweizervolk vor Allem der Einigkeit.

Von unserm kleinen Obwalden können wir im

Kleinen daS Gleiche behaupten. Die Einjührung der

Kantonalbank mit der Gültenamortisation, diesem so

ungemein wichtigen und schwierigen Geschästszweige,

steht vor der Thüre. Auch hier bedarf man, um nur

einigen Erfolg zu sichern, geeinigten Vorgehens. Wer

daher immer es mit dem Volke ernstlich gut meint,

wer immer eifrig bestrebt ist, wirklichen und wahren

Fortschritt zu sördern, wird kleinliche Parteichikanen

hintansetzen und wenn nöthig dem Vaterlande und seiner

Ueberzeugung ein Opfer zu bringen wissen.

Noch kommen wir kurz, unsere Neujahrswünsche

selbsten zu entbieten. Sie lassen sich in zwei Worte

zusammenfassen: Friede und Wohlergehen möge unseren

Freunden und Gönnern, Friede und Wohlergehen un«

serm lieben Obwalden, Friede und Wohlergehen möge

aber anch unserm gesammten schweizerischen Laterlande

im Jahre 1886 beschieden sein.

Wenn wir schließlich so nnbescheiden sein dürfen,

auch für uns etwaS zu wünschen, so sehnen wir uns

nicht bloß nach einer noch größern Abonnentenzahl, s andern

wir hoffen auch aus eine noch regere Theilnahme ab

Seite unserer Freunde. So eine kleine Korrespondenz

wäre öfters gar bald verfertigt und würde dem „Volks,

freund" nur wohl anstehen. Drum, Ihr geistlichen

und weltlichen Herren, die Ihr Euch doch Gönner und

Freunde des „VolkSfreundes" nennt, ergreifet hie und

da die Feder, senkt sie ein in das schwarze Naß und

laßt den „Volkssreuud" etwas Neues, etwas Gediegenes

vernehmen. Mannigfaltigkeit und Frische

machen eine Zeitung anziehend. Drum frisch voran!

Wir schließen diese etwas länger gewordene Be.

trachtung mit dem aufrichtigen Wunsche, es möge das

Jahr 1836 in That und Wahrheit werden zu einem

Jahre des Heils und Glück i für uns Alle.

* Ein Zubiläum für das Zahr 1886

ist vom hl. Vater den 22. Dez. 1885 verkündet wo»

den. Er wurde dazu durch folgende Erwägungen ver«

anlaßt. In feinem letzten Nundfchreibe» habe er ge«

zeigt, nach welchen Grundsätze» die christlichen Staaten

geleitet und regiert werden sollen. Nun aber sei ein

christlicher Staat vorzüglich dadurch bedingt, daß die

Einzelnen ein tugendhastes undchristliches Leben sühren.

Durch ein Jubiläum werden sie ;u einem solchen 5.'ebe»

aufgemuntert und diese Aufmunterung sei um so noth»

wendiger, je größer die Gefahren sind. Der hl. Vater

bedauert es, daß in unserer Zeit viele Tugenden un«

erer Voreltern verschwunveu, daß die böse» Neigungen

mehr Freiheit erlangt, daß die unsinnigsten Meinungen

täglich immer mehr ausgebreitet werden, daß sich ein

großer Theil scheut, die Wahrheit offen zu bekennen,

daß das böse Beispiel da und dort aus die Gesittuug

des Volke« einen nachtheiligen Einfluß ausübt und

daß sich eine geidiffe Gesellschaft alle Mühe gibt, daS

Volk von Golt und dem christlichen Glauben abwendig

zu machen. In Anbetracht dieser Gefahren findet sich

der hl. Vater verpflichtet, nichts zu versäumen, was

ihm einige Besserung verspricht. Er verkündet deß«

wegen ein hl. Jubiläum und ermahnt Alle, denen ihr

Seelenheil am Herzen liegt, ihre auf die Erde gerich«

teten Gedanken zu sammeln und zu Besserem zu er«

heben. In dem Grade, in welchem die Einzelnen im

Christenthum zunehmen, wird auch der Staat christlicher

werden. Damit daS Jubiläum um so mehr

Früchte bringe, ermahnt er die hochwürdigsten Bischöfe,

daS Volk dazu vorzubereiten und den Priestern den

Auftrag zu geben, dasselbe durch süßliche Predigten zur

Buße zu ermähnen und das um so mehr, da die Welt

so sehr geneigt ist zur Sinnlichkeit und zur Genußsucht

und so wenig Kraft nnd Ueberwindung besitzt

und deßhalb das Abstinenz« und Fastengebot alS eine

unerträgliche Last betrachtet. Er ermahnt die Priester,

das Volk recht deutlich zu lehren, daß nicht nur

das Evangelium, sondern auch das Naturgesetz es ver«

lange, daß mau sich selbst regiere nnd seine bösen

Neigungen beherrsche und daß die Sünde nur durch

Buße getilgt werden könne. Um den Bußgeist zu be«

sördern, ist nach seiner Lehre der dritte Orden des hl.

Franziskus ganz besonders geeignet, da die Regeln

deSsclben jetzt leicht zu beobachten und nicht wenig zur

Förderung des christlichen Lebens beitragen. Er er«

mahnt, in diesen so großen Drangsalen seine Zuflucht

zum Gebet, besonders zum Roseukranzgebet zu nehmen,

„welches eine sehr schöne, zeitgemäße, leichte und sehr

nützliche Gebetsart ist." Wie Gott dem Menschen die

Hände gegeben, um sich die leibliche Nahrung zu ver«

schaffen; ebenso hat er ihm die Fähigkeit zum Gebet

gegeben, um das zu erlangen, was zu seinem Seelen«

heil nützlich ist. Er ermähnt neuerdings, die im letzten

Rundschreiben berührten Streitigkeiten ganz besonders

zu meiden. Zur Gewinnung des Jubelablasses sind

dann Kirchenbesuch, Fasten und Almosen vorgeschrieben.

Eidgenossenschaft.

— Der Bnndesralh hat das Kommando der III.

Division Hrn. Oberst Fciß Übertrag.'». — Hr. Dr.

Ellin wurde zum Hauptmau« der Sanitätstruppen

befördert.

— Schweizer in der Fremde. Herr Josef

Durrer vou Kerns, Sekretär des eidgenössischen stati«

stischen Bureau's iu Lern, veröffentlicht eine AbHandlung.

aus welcher hervorgeht, daß im Jahr 1880 sich

>19,7(17 Schweizer in andern europäischen Ländern befanden,

wovon einzig in Frankreich 66,281. In frem«

den Erdtheilen weilten > 14,338,und zwa> in Nordamerika

83,821, im übrigen Amerika 19,159, in Afrika (mit

Algier) 3456, in Australien 2300, und in Asien 802.

Im Auslande wohnten somit 234,045 oder 8.7 Prozent

der schweizerischen Gesainmtbevölkerung. Zu glei«

cher Zeit wohnten 2l 1,053 Ausländer in der Schweiz.

Der Grund dieses Völkeraustausches liege darin : Einerfnl§

genüge die schweizerische Bevölkerung zur Bewältigung

der Jndnstrie, der Gewerbe und der Handwerke

nicht, daher Zuzug aus dem Auslande; anderseits könne

die Schweiz dem Nachwuchs der landwirtschaftlichen


Bevölkerung nicht genügende Beschäftigung bieten, daher

unsere Auswanderung.

— Eidgenössisches Schützenfest. Die soeben

fertig gestellte Schlußrechnung deS eidgenössischen schützenfestes

in Bern weist einen Aktivsaldo von Fr. 8167.15

auf. Die Ausgaben betiefen sich für daS Bau- und

DekorationSkomite ans Fr. 254,222.05, für das Polizei»

komite aus Fr. 11,266.16, für daS Quartierkomite auf

Fr. 904.50, für daS EmpsangSkomite auf Fr. 2069,

für daS Musikkomite auf Fr. 16,624.42. Total

Fr. 301.767.98. Netto eingenommen wurden vom

Schießkomite Fr. 241,720.84, vom Finanzkomite

Fr. 7067.37. vom WirthschastSkomite Fr. 68,870.67.

Total Fr. 317,658.88. Bleibt ein Einnahmeüberschuß

von Fr. 15.890.90. Davon gingen ab Zinsen auf

da» Aktienkapital Fr. 7723.75. Somit bleibt der oben

genannte Neltoüberschuß von Fr. 8167.15.

— Schützenwefen. DaS OrganisationSkomite

vom letzten eidgenössischen Schützenfest beschloß die Er»

richtung einer sog. Schützenstube und betraute ein en»

gere» Komite mit der AuSsührung, welches sich bereits

an seine Ausgabe machte. Die Schützenstube soll ein

Museum werden, in welchem Alles vereiniget wird,

wa» aus daS schweizerische Lchütz-nwesen Bezug hat.

ES werden also hier zur Aufstellung kommen: Modelle

und Originale sämmtlicher Schießwaffen von früher

und jetzt, Schützenbeqer, Schützenthaler, Scheibenbilder,

Schießpläue, Schießreglemente, Pläne von Gaben»

tempeln, Festhallen, Schieß- und Scheibenständen u. s w.

— Ziegenzucht. Der Borstand deS schweizerischen

landwirthschastlichen Vereins fordert auf, der

Ziegenzucht mehr als bisher der Fall war, Aufmerksamkeit

zu schenken, indem die Ziege für die rationelle

AuSnützung der Hochalpen und die Ernährung der

ärmeren VolkSklaffe von nicht zu unterschätzendcr Be«

deutung fei. Zu dem Ende soll gestützt auf ein ringehotteS

Gutachten deS yrn. 0r. JutiuS Kühn in Halle

durch Beranftaltung von SpezialauSstellungen ein so«

genannter Konkurrenzkampf eröffnet werde» zwischen

den verschiedenen Schlägen, um das beste Zuchmaterial

nach Form, Größe, Farbe, Milchergiedigkeit u. f. w.

herau» zu finden. Ferner« soll eine BundeSsudvention

begehrt werden zur Anlage einer Musterfarm für

Ziegenzucht, wie solche in England bestehen.

O d w a l d e n.

«u» dem RegieruungSrathe. DaS eidgen.

LandwirthschaftSdepartement übermittelt einen Bericht

über .die Betheiligung des Bundes an der Hagelver»

sicherung' und ersucht, ihm diesseitige Ansicht über die

Stellung deS Bundes zu dieser Frage mitzutheilen.

DaS Departement spricht sich in dieser Brochure gegen

eine BundeSdttheiligung auS. Schreiben und Bericht

gehen zur Prüsung resp. Begutachtung an das Staats»

wirthschastSdepartement. Hr. Peter Muxel in Sar«

nen wird als Polizeiwachtmeister, Hr. Jof. Bäbi als

Polizist in Alpiiach und Beat Ming als Polizist in

Lungern auf ein Jahr bestättet. Die Polizeidirektion

stellt sämmtlichen 3 Gewählten das Zeugniß befriedi»

gender Dienstleistungen aus.

Carnen Am Siephanstag war der hiesige O r t S»

Piusverein im Gasthaus zur „Krone" so zahlreich

wie noch nie versammelt. $>ochw. Hr. Psarrhelser

Omlin von Sächseln batte sich erbeten lassen, die Ber>

sammlung durch einen Bortrag zu erfreuen und er

löSte seine Ausgabe durch eine formell und inhaltlich

gleich ausgezeichnete Behandlung deS Themas: „Die

soziale Fiage und die katholische Kirche". Redner zeigte,

daß das Christenthum schon bei seinem Eintritt in die

Welt sich den gewaltigsten sozialen Aufgaben gegenüber,

gestellt sah und dieselben auch bewältigte wie z. B.

durch Abschaffuug der Sklaverei. Sodann schilderte

er die Entstehung und den Charakter der sozialen Nothstände

unserer Zeit und leistete den Nachweis, daß nur

durch die Kirche mit ihren Lehren und Gnaden die

Begriffe des Eigenthums, der Armuth, der Arbeit und

Entsagung in ein Licht gestellt werden, welches eine

Hebung der sozialen Nothstände bedinge. Er wies

aus die durch den Katholizismus im Lause der Zeit

ins Leben getretenen Schöpfungen hin, welche zur Erreichung

deS angegebene» Zweckes so Vieles beitrugen.

Wir hoffen den Vortrag demnächst vollinhaltlich ver«

öffentlichen zu können. An der Diskussion betheiligten

sich die Ho- Gerichtspräsident Wirz, Landammann

Wirz und Gemeindepräsident Dr. Ming und es wurde

von denselben hauptsächlich betont, daß der Piusverein

vermöge seines Zweckes und seiner Wirksamkeit zur

Lösung der sozialen Frage beitrage, daß ein einträchtiges

Zusammenwirken von Kirche und Staat ein unum»

gängliches Erforderniß für Erreichung des vom Referenten

angedeuteten Ziele« bilde, daß deßhalb eine

Beeinträchtigung der kirchlichen Lebensentjaltung ein

Hemmnis, für die soziale Wohlfahrt sei und daß auf

den Gebieten der obligatorische» Armenpflege, der

Krankenunterstützung und des Versicherungswesens

für Linderung der sozialen Noth erfolgreich gearbeitet

werden könne. — Das Referat fand ein«

stimmig die wärmste Verdankung und es wurde dessen

Veröffentlichung beschlossen. Die Vereinsrechnung und

die Rechnung sür die Suppenanstalt in Sarnen wurden

genehmigt und für die Suppenanstalten in Sarnen und

im Stalden angemessene Beiträge beschlossen. Ebenso

wurde dem Komite Vollmacht ertheilt, eine solche Sup«

penanstalt auch sür Kägiswil zu schaffen. Aus der

Berichtgabe über die Bereinsbibliothek notiren wir nur,

daß dieselbe im Lause der letzten fünf Jahre durch«

schnittlich von ca. 100 Abonnenten benützt wurde und

daß diese während dieser Zeit über 12,000 Bände be«

zogen haben. Die Verwaltung der Bibliothek wird

in nächster Zeit an Hrn. Kanzlist Amrhein in Kirch.

Hosen übergehen. Das Vereinskomite wurde bestellt

in den HH. Psarrhelser Britschgi als Präsident, Civilricht«

Simon Wirz, Kaplan Kaiser im Stalden,

Hauptmann Jstdor Kathriner und Lehrer Röthlin.

Den gemüthlichen Schluß der interessanten Verhand»

lungen bildete eine Verloosung zahlreicher und hübscher

VereinSgaben unter die anwesenden Mitglieder.

'Sächseln. (Christbaumfeier.) Zum ersten

Male Halle» wir hier am letzten Sonntage eine Christ»

baumfeier, und dieselbe war so durchaus gelungen und

hat unS soviel Unterhaltung und selbst Erbauung gebracht,

daß eS sich wohl geziemt, wenn wir den Ur»

hebern dieser herzigen Feier ein Wort öffentlicher An«

erkennung und Dankes aussprechen. Die Feier fand

in dem geräumigen Schulhaussaale statt und dauerte

über 2 Stunden; aber bei dem trefflichen Arrangement

und dem reichhaltigen und mit viel Abwechslung verbundenen

Programm verging die Zeit unS sehr schnell.

ES wurde durch die Mädchen der obern Primär

und Fortbildnngsschule ein recht sinnvolles Theater,

siückchen aufgesührt: „Die Jugend am Scheideweg, oder

der Kamps zwischen dem guten und bösen Engel."

Die Zwischenakte wurden mit ernsten und launigen

Deklamationen ausgefüllt. Und die guten Kinder haben

Alle, da« dürfen wir mit Fug und Recht sagen, ihre

Sache ganz famos gemacht; doch gebührt die Palmdem

guten Engel, der wackern Sängerin Anna, und

der komischen Eierhändlerin, aber vor Allem der braven

Lehrerin Schwester Anastasia, die neben der Schulzeit

bittert. daß sie sofort das Regiment verließen. Alle

Versuche, sie zur Rückkehr zu bewegen, waren umsonst.

In dieser Angelegenheit stellte sich Ludwig mit den

übrigen Offizieren des Schweizerregiments Salis-

Samaden auf Seite der Ordnung und der Disciplin;

er mißbilligte daS Vorgehen der drei HanptleM und

erNärte frei und ungezwungen, daß er sich glücklich

schätze, unter Bachmann zu stehen und daß Bachmann

Allen ein wahrer Freund und Bater sei. Diese Erklärung

ist unterzeichnet von den Hauptmännern Acherund

gewiß mit" großer Aufopferung dieseMnder so

gut instruirt und überhaupt das Ganze aus sich selbst

so trefflich arrangirt halle. Freundlichen Dank auch

dem löbl. Kirchen-Gesangchore für feine gefällige Un«

terstützung und Mitwirkung zum Gelingen des herzigen

Kinderfestes.

Den Schluß bildete dann die Austheilung der

reichlichen Gaben an die Kinder; 9l Kinder wurde»

beschenkt; bei 140 Gaben, darunter Regenschirme,

Schreibmappen, Arbeitskörbchen. Unterkleider, Finken,

Strümpfe, ic. waren von einer einzigen Wohlthäterin

zu den Füßen des Christbaumes gelegt worden. Der

Frauenverein hatte bei 34 Kleidchen sür ärmere Kinder

gespendet. (Die Gaben an die ärmern Knaben waren

früher ausgetheilt worden.) Auch der löbl. Töchterverein

hatte zahlreiche praktische Gaben geliefert; obige

edle Wohlthäterin und ein anderes thätiges Mitglied

deS Frauenvereines hatten noch für Ringlibrode und

Lebkuchen an sämmtliche Kinder gesorgt. Wir greisen

wohl kaum zu hoch, wenn wir den Werth der Gaben

aus nahezu 500 Fr. anschlagen. Welche Lust und

Freude, und welch' ein Leben kam da beim Anblick

all dieser Gaben unter die liebe Kinderschaar!

Und wie sehr mochten wir den lieben Kindern

dieses Stück Poesie gönnen, ach, das spätere Leben

bringt wohl den Meisten der oft bittern und freudelosen

Prosa noch genug!

Um den Kindern das Maß ihrer Freude voll zu

machen, sehlte ihnen nur Eines, — ihre edle Gönnerin,

die gute, verehrte Frau Landammann Hermann mußte

wegen Unpäßlichkeit leider zu Hause bleiben. Wie

sehr hätten wir auch ihr die Freude gönnen mögen,

die vor Freude und Glück strahlenden Kindergesichter

mitanzusehen l Aber sicherlich werden diese reichbeschenkten

Kinder dann auch am Abende ihr Herz und

Händchen für ihre edle Wohlthäterin und alle die

übrigen Gönner zum Himmel erhoben haben.

Engelberg. (Korr.) Weihnachten voräberl Vorüber

die Zeit seligster Hoffnung und srommer Begeisterung

der Jugend. Sie hat sich wieder beim reichgeschmückten,

hellerleuchteten Christbaum im Schul»

hause als die schönste Zeit des Lebeiis in kindlich-frohem

Sinn bewahrheitet. Mit freudestrahlendem Antlitz

standen die 292 Kinder da und betrachteten die vielen

schönen Bescheerunqen des liebe» Christkindleins. Gaben

voil über 1200 Fr., meistens in Kleidungsstücken und

Schulmaterialien bestehend, welche je nach Bedürfniß

unter fämmliche Schulkinder vertheilt wurden, halten

die fleißigen Hände des löbl. Wohlthätigkeilsvereines

»in den Christbaum gelagert. Es waren dies meist

Spenden von hiesigen Kurgästen und edlen Menschen»

freunden von Engelberg. Das Kloster hatte sein

Schärslein redlich dazu beigetragen. Einige Gesangsproduklionen

und humoristisch-deklamatorische Vortläge

ver Schulkinder begrüßten als Einleitung die Christ«

feier und gaben ihr ei» recht liebliches Gepräge; eine

sinnige, zu Herzen gehende Ansprache von Hochw. Hrn.

Pfarrer P. Joseph an die Kinder und ein warmes

Dankeswort an die Geber der Bescheernng schloß sich

an. Unter großem Jubel der jungen Schaar schloß

hieraus die wohlthätige Feier, deren wohlverdiente Anerkennung

durch die zahlreiche Theilnahme des Publi«

knms bekundet wurde. Die geschmackvolle Ausschmückung

des Christbaums und die Anfertigung und Vertheilung

der Gaben hatten Frau Cattani, zum Engel, und Frau

Wyrfch übernommen und sei ihnen besonders für die

lagelaiige Arbeit und Mühe der wohlverdiente Dank

ausgesprochen. Herzlichen Dank auch allen übrigen

Gönnern und Wohlthätern von Nah' und Fern'. Jesus,

der göttliche Kindersreund, wird Allen reichlich ver«

/ m l U t o i t .

gardehauptmann Ludwig von -ftüe,

der Vertheidiger der Vastille am 14. Juli 1789. *

(Schluß.)

Nachdem Ludwig den vielen Gefahren glücklich entgangen,

ging er zum Regiment nach Pontoise, wo er

von den Offizieren und Soldaten mit unbeschreiblicher

Freude empfangen wurde. Diese Freude war um so

größer, da gerade damals neun ihm nahe verwandte

von Flüe als Offiziere beim Regiments waren. Einer

davon war sein Bruder, Hauptmann Franz. sieben

davon seine Nepoten, nämlich Michael. Josef, Karl

und Viktor, Söhne deS Landammann Niklaus Jgnaz,

Jgnaz, Niklaus und Franz, Söhne des Pannerherrn

Nikodem, und Nikodem, ein Sohn des Landammann

Johann Peter. Diese Freude des Wiedersehens war

eine wohlverdiente Entschädigung für die vielen Mühfeligkeiten,

die er gelitten hat. 1791 den 10. April

erhielt er den Orden des hl Ludwig und als sein

Bruder Franz gestorben, wurde er den 15. Mai 1791

zum Hauptmann seiner Compagnie ernannt. Er besaß

dieselbe aber nicht, weil Franz Söhne hatte, von denen

Ferdinand bereits die Stelle eines Unterlieutenants bekleidete.

Den 1. November verließ er dieselbe, um

Rekruten auszuwerben. ES ist ziemlich wahrscheinlich,

daß er beim Tod seiner Mutter, die im Alter von 83

Jahren den 15. Jänner 1792 gestorben, zugegen war.

Im Juni 1792 marschirte das Regiment von Havre

nach Rouen. Beim Einzug in Rouen sagte Marschall

Bachmann zu einigen nachlässigen Soldaten: „Ihr

macht eueren Kameraden Schande, marschiret in Ordnung

und gehorchet!" Als dieses nichts half, schlug

er auf Einige mit der Degenklinge und sagte: „Ihr

marschiret wie CarabinierS, ihr seid schlechte Soldaten."

Darüber wurden die Hauptleute dieser nachlässigen

Soldaten, Buxtorf, Burkard und Salis-Seewis so er-

mann, Dieffenthaler, Nikodem von Flüe, Luchem,

Stehelin und Ludwig von Flüe. Durch die feierliche

Auflösung der Schweizerregimenter zu Arras den 25.

Sept. 1792 wurde dann auch dieser Streit beendet.

Nach der Entlassung fand Ludwig Zeit, sich um

eine Frau umzusehen. Er verheirathete sich den 21.

Jänner 1793 mit Katharina Sophie von Boulanger

zu Rouen, von welcher er mehrere Kinder hatte, die

aber schon frühzeitig gestorben sind. Im Frühling

dieses Jahres kam er mit seiner Frau nach Obwalden

und hinterlegte eine Gült von 760 Pfd. auf der Thurmmatt,

damit er das Landrecht nicht verliere, weil er

eine Fremde geheirathet. 1794 warb er mit seinen

Nepoten Michael und Joseph für das Regiment Roll

in englischem Dienste. Diese Werbung wurde aber

geheim betrieben. Dessenungeachtet erfuhr es der französische

Gesandte und beschwerte sich deßwegen. Zürich

verbot diese Werbung und Obwalden ertheilt Ludwig

die Weisung, bei der Werbung keine Unterhändler zu

gebrauchen.' Das Bataillon sammelte sich zu Villingen

und verreiste den Iß. Dezember 1795 von TelfS in

Tirol nach Korsika. Sie kamen nach Lissabon und

London. 1796 wurde das Regiment Roll wieder aufgelöst,

weil es durch Schiffbruch und Krankheit sehr

gelitten. Ludwig ging dann wahrscheinlich zu seiner


gelten, denn er saMa-.'WaS ihr einem dieser Kleinen

qftban habt, das habt Ihr mir gethan.

Vorwärt«! rufen ua» die Allen,

Borwärl«. auf dem gnlin Pfad,

Lied». Wohlthun I°llm wallen.

Ihn Frucht ist Hi«»»l«saai!

Mögen nun die Eltern und die reichbeschenkten

Kinder an all' dem Guten sich ersreuen und dasselbe

auch zu würdigen wissen; mögen die lieben Kleinen

dem JesuSkindlein recht dankbar sein, dadurch, daß sie

zunehmen wie an Alter, so an Weisheit und Tugend.

Zürich. DaS kantonale Polizeikommando hat

die Heilsarmee wegen Uebertretung deS WirthschaslSgesetzeS

verzeigt, weil in deren Lokal in Hottingen

gewirthet und ein Eintrittsgeld von 50 Rp. verlangt

wurde, ohne daß die Heilsarmee die Konzession zu

einem WirthschastSbetriebe hatte.

Luzern Der hochwst. Bischof vr. Fiala hat im

Einverständnis} mit der Regierung die Verwaltung deS

bischöslichcn Kommissariates bis auf Weiteres

Er. Gnaden Hrn. StistSprobst vr. Tanner übertragen.

DaS wichtige Amt hätte jedenfalls keinen würdigern

und tüchtigern Händen anvertraut werden können.

— Am Montag fand eine Kreisversammlung von

süns OrtSpiusvereinen in RuSwyl statt. Die

Vereinsmitglieder erbauten sich an einem vortrefflichen

Kanzelworte des hochw. Pfarrer von Ah von Kerns,

über den Frieden unter den Katholiken. Drei gediegene

Referate bildeten den Hauptgegenstand der Verhand»

lungen. Mit großer Freude wurde ein telegraphischer

Gruß des hochwst. Bischoss von Basel entgegengenommen.

— 33 Ltänderäthe aller Parteischattirungen sandten

ihrem zurückgetretenen Kollegen Hrn. Schultheiß

Fischer einen der Feder des Hrn. vr. Birmann

entflossenen Weihnachtsgruß.

— In Rothenburg wurde letzten Sonntag der

500. Jahrestag der Zerstörung des dortigen Schlosses

durch Festreden, dramatische Ausführung im Freien und

Bankett gefeiert.

Urt. (Korr. von Altdorf.) Unsere löbliche Er«

sparnißkasse ist ledig. Doch nicht erschrocken, sie

ist besorgt, das sämmtliche Personal ist aber noch im

Junggesellenstande, also ledig und frei, ohne Vorbehalt,

und nur die Landsteuer ausgenommen. Scherz bei

Seite! Der Landrath hat letzten Montag die Wahlen

für die Erfparnißkasse in Folge Rücktritts des Ver«

Walters, wie früher mitgetheilt, vorgenommen und den

bisherigen Hrn. Buchhalter Alois Müller zum Ver»

Walter und den bisherigen Sekretär Hrn. Alois Suffer

zum Buchhalter gewählt, an dessen Stelle aber unter

vier sämmtlich befähigten Bewerbern den Hrn. Attilio

Müller zum Sekretär erkoren. Der Gewählte ist ein

im Handelsfache gebildeter, fleißiger junger Mann.

Uebrigens berieth der Landrath das Budget, was

für weitere Kreise wenig Interesse bietet und setzte ord«

nungsgemäß die Fastnachtstage fest: Tanzen nach Belieben,

die verbotenen Tage vorbehalten, und zwei Tage

Maskengehen, wer Lust dazu hat.

Hr. Landammann Gustav Muheim gedachte bei

Eröffnung der Versammlung in freundlichen Worten

der jüngster Zeit verstorbenen vieljährigen Mitglieder

Hnt. alt-Landammann Frz. Lusser und Hrn. Landschreibet

I. A. Gisler. Abends aber sprach derselbe

den üblichen Neujahrswuusch in trefflicher Anrede ans.

Bafel. Das „Basler Volksblatt' theilt mit,

daß die neue katholische Kirche der Muttergottes

gewidmet werde und demnach den ossiziellen Titel

„Marienkirche" erhalten solle. Sie kostet ohne Bau«

Platz iu die 200,000 Fr. und ist vorherrschend ein

Werk freiwilliger Spenden und Geldopfer in- und aus-

Familie nach Rouen. Wie es scheint hat er sich daselbst

ruhig verhalten, bis nach dem Sturz Napoleons und seiner Gattin. Gemäß Ueberlieferung besitzt auch

mutter wünschte und erhielt das Portrait von Ludwig

Ludwig XVIII. an die Regierung kam. Nach der Hr. vr. Wyrsch ein Portrait von demselben. Die freundlichen

GesichtSzüge machen auf uns einen guten Ein-

Militärkapitulation von 1816 treffen wir ihn im Garderegiment

Salis-ZizerS als Hauptmann der Compagnie druck. Seine Kleidung zeigt uns, wie die Schweizeroffiziere

zur Zeit der französischen Revolution gekleidet

Nr. 2 im 2. Bataillon. Die übrigen Offiziersstellen

dieser Compagnie sind noch nicht besetzt. In Folge waren. Auf seinem Grabstein, der in einen Todtenköpf

ausläuft, in den ein massives Kreuz mit der

dessen kam nun Ludwig den 22. Sept. 1816 nach

Sächseln, um für seine Gardekompagnie und auch für Inschrift und dem Geschlechtswappen, von einer

die Compagnie seines Nepoten Albert zu werben. Im Krone überschattet, eingesenkt ist, ist ihm folgende«

Frühling des folgenden Jahres wurde er krank und ehrenvolle Denkmal gesetzt: „Ruhestätte deS wohledlen

starb in der Brunnenmatt, wo er ein Kamin nach Herrn Ludwig Vonflüe. Er war ein getreuer Schweizerfranzösischer

Manier errichten ließ, den 1. April 1317. Held unter Ludwig XVI., wurde Ritter des hl. Ludwigs-

Einige Tage vorher, den 25. März, starb auch seine Ordens und Hauptmann der königl. Schweizergarde

Frau zu Rouen. Kost und Verpflegung für 172 Tage Ludwigs XVIII. Er war vermählt mit der wohledeln

betrug 258 Gl. Die Kosten seiner Krankheit beliefert Sophia le Boulanger von Rouen in Frankreich, welche

sich ^uf 200 Gl. und die Sterbekosten auf 81 Gl. allda den 25. März 1817 im 49. Jahre ihres Alters

67 Schl. Dem Schlosser von Matt, welcher seiner gestorben ist. Er selbst starb in seinem Vaterlande den

Mutter sel. Kreuz unrecht gemacht, und dem Maler 1. April 1317 im 65. Jahre seines Alters. Er lebte

Heymann wurden je 13 Gl. bezahlt. Dieser Grabstein

befindet sich jetzt noch auf dem Friedhof zu Sächseln Hier liegt der fromme Held im Grabe seiner Ahnen,

selig in Gott.

auf der rechten Seite, wenn man über die Stiege ob Seine Seel' ist im Himmelreich, schwingt hoch die Siegesfahnen',

der Kirche hinauigeht. Da er keine Leiberben hinterließ,

kam sein Vermögen, welches 24,000 Fr. betrug,

O wohl ein selten Ding auf diesem Erdenthal.

Ein guter Ehrist im Feld. — O daß ihn alle preisen überall!"

nach Sächseln und nach Belsort. Seine Schwiegerländischer

Katholiken. Am WeihnachtSseste wurde darin

der erste Gottesdienst gefeiert und am zweiten Sonn«

tag deS neuen ZahreS soll ste feierlich eingeweiht werden.

wozu der neue Bischof der Diözese Basel sicher

erwartet wird.

St. Gallen. Der flüchtige BezirkSammann von

Tablatt, Walliser von Streng, ist in BuenoS-AyreS

verhastet worden. ES wird ein AuSlieserungSbegehren

gestellt werden.

«argau. 3» nächster Zeit tritt die römisch»

katholische Synode zusammen. Dieselbe ist eine

Schöpsung der neuen Verfassung und dient wesentlich

dazu, den überzeugungstreuen Katholiken die freie und

selbstständige Verwaltung ihrer konfessionellen Angelegenheilen

zu sichern. Die Wahlen fielen denn auch in

sehr großer Mehrheit konservativ auS und an der Spitze

der Gewählten stehen in den meisten Gemeinden die

Psarrhe»ren. Die Synode wählt auch die 'Abgeordneten

an die bischöfl. baselsche Diöz.sankonserenz; ihre erste

Ausgabe besteht aber in der Wahl von einem in Lolothurn

residirenden und zwei weiteren Domherren. Ge»

wiß ist eS ein herrlicher Umschwung, daß gerade vom

„Kulturstaat" Aargau der erste Schritt zur Wiederbesetzung

deS so sehr zusammengeschmolzenen Dom«

senateS geschieht.

WaUiS. Am 21. Dez. wurde im höchstgelegenen

Gotieshause Europa'S, in der am Fuße de« berühmten

MatterhornS 2579 m. hoch gelegenen Kapelle „Maria

zum Schwarzen See" Gottesdienst gehalten. In ge«

wöhnlichen Jahren gelangt zu dieser Jahreszeit selbst

der kühnste GemSjäger nicht aus eine solche Höhe. Am

gleichen Tage bestieg ein §err auS Italien in Begleitung

von drei Führern von Zermatt auS glücklich das

Breithorn.

Genf. Hier erwägt man ernstlich daS Projekt

einer Weltausstellung für das Jahr 1837. Die

Kosten sind auf Fr. 1,700,000. die Einnahmen auf

Fr. 1,564,000 veranschlagt. Für daS Unternehmen

wird eine Bundessubvention beansprucht werden. Einst,

weilen hat sich behusS Förderung des Planes ein Ausschuß

angesehener Genfer gebildet, der sich durch Mitglieder

aus der ganzen Schweiz ergänzen wird.

A u s l a n d .

Deutschland. Der neue Erzbischof von

Köln. vr. Philipp Krementz, der bisher Bischof von

Ermeland gewesen, war der erste preußische Bischos,

der wegen Mißachtung der Kulturkampfgesetze gemäßregelt

worden war. Nun ist er am 14. Dezember

unter einem unbeschreiblichen Jubel der Bevölkerung

von Köln in seine neue Residenz eingezogen. An der

EmpsangSseierlichkeit waren die Spitzen der Staat«-

und Militärbehörden vertreten und an derKundgebnng am

Spätabend des Festtages betheiligten sich über 20,000

Fackelträger. Am 13. Dezember war Erzbischof Krementz

vom Kaiser aus's Feierlichste empfangen worden.

Frankreich. Montag den 2l. Dez. begannen

in der Kammer die Redekämpfe über die Kredilforderungen

der Regierung für die Kriegführung in

Tonkin, im Betrage von 75 Millionen Franken. Unter

sehr stürmischen Auftritten wurden die verlangten Kre«

dite am Donnerstag mit 274 gegen 270 Stimmen

bewilligt. — In Versailles traten am letzten Montag

Deputirtenkammer und Senat zur Wahl des Präsidenten

der Republik zusammen. Die Sitzung wurde mit

großartigem Lärm und Skandal eröffnet, indem die

Monarchisten behaupteten, die Versammlung sei eine

ungesetzliche, weil nicht alle Departemente gehörig vertreten

seien. In der Abstimmung wurde Grevy mit

457 von"592 abgegebenen Stimmen neuerdings auf

sieben Jahre als Präsident der Republik bestätigt.

Bulgarien. Der Einzug des Fürsten Alexander

in Losia erfolgte am SamStag bei herrlichem Wetter

und unter dem begeisterten Jubel der ganzen Bevöl«

kcrung. Der Fürst wurde mit Kränzen und Blumen

überschüttet und war lies gerührt. Nach Anhörung

kineS kurzen Tedeum nahm er vor dem Schlosse über

die Begleitung von 25,000 Mann der verschied, uen

Waffengattungeu die Parade ab.

Spanien. Vergangenen Februar scheiterte der

aus der Fahrt von Cadix nach der Insel Cuba be«

griffene Dampfer „Alsonso XII." unweit der Cana«

tischen Inseln und sank nach wenigen Stunden. Da

derselbe für drei Millionen Franken Gold an Bord

! hatte, so engagirten die Eigenthümer deS DampserS

den berühmten Taucher Lamberto, daS Gold auS den

Trümmern herauszuholen; eS ist Lamberto gelungen, iu

daS 46 Meter tief lugende Wrack zu dringen, nach«

dem er dasselbe durch Dynamit gesprengt hatte, und

die mit Gold gesüllten Kisten auS demselben herauszuholen.

Lamberto bedient sich bei dieser Arbeit einer

von ihm eigenS konstruirten Taucherglocke.

Amerika. Die preußische Regierung hat eine

neue Warnung vor der Auswanderung nach den

Vereinigten Staaten Amerika'S erlassen, weil dort die

Arbeitslosigkeit und Noth der Arbeiterklassen ungewöhnlich

groß ist und vielfach GeschistSstockung waltet.

Namentlich lausen Auswanderer mit Familien große

Gesahr. _

Zum neuen Jahre

entbieten die nachstehend Verzeichneten ihren Freunden

die öesten Wünsche und verbinden damit — statt

der Versendung von Neujahrskarten — eine Gabe an

die Suppenanstalt für arme Schulkinder im Dorfe

Sarnen:

Bucher Gottlieb, Sandschreiber

Dillier, alt-KirchenvoyI

Dillier Franz. Negottant

Dillier Julian. Sattler

(Silitl Kaspar, Negotianl

Heß Barihol.

Jmseld Joses, Kanton«rath, Hostall

Kathriner Zfidor, Hauptmann

Küster Kaspar

Michel, Frau Landammann und Familie

Müller Sebastian, Kriminalrichter

Omlin Alois, alt-Kapellvogt

Omlin Jgnaz, Landsäckelmeister

Seiler, Staaisanwalt

Stockmann Aloi», alt-Rath«herr

Stockmann Felir, Obergerichis-Vizepräfldent

Stockmann llr Melchior, Kanton«rath

Wir, S., Ralbsherr

Uebertrag au» letzter Nummer

In gleicher Absicht verabfolqen:

Müller Kaspar, Kirchenvogt, an die Suppenanstalt

im Stalden

Ft. 5 —

5.—

5.—

5.—

10.—

6.—

5.—

3.—

3.—

4.—

4.—

4.—

8.—

5.-

5.-

5.—

10.—

3.50

157.—

Total Fr 252.50

Fr.

Buchet I. M., Kriminalrichter, sür arme Schultindrr

in Kern« » ^—

Omlin I. A, Pfarrer in Sächseln, für da« dortige

Waisenhaus - 8-—

.«Ssehandel. Solide Pariser Verkäufer beklagen stch bitter,

daß gegenwärtig von gewissen Schweizer-Häusern Emmenthalerkäse

zu wahren Schleuderpreisen nach Paris und an andere franzdstsche

Plätze geliefert und dadurch der Handel mit Schweizer»Käsen ganz

ruinirt werde. I» Pari« kaufe man gegenwärtig feine Smmenthaler

zu Fr. 105 per 100 Kilo, also 52'/, Rp. per Pfund.

ZfeuerSbrunst. Am 25 d. Nacht« halb 2 Uhr brannte

in Bia«ca da« große. 15 Lokomotiven enthaltend« Maschinenhau«

der Gotthardbah» nieder. Eine Anzahl Maschinen wurden mehr

oder weniger beschädigt. Der Bahnverkehr erlitt keine Störung.

Falschmünzerei. Ja RapverSwii wurde Bäcker Vollenweider

verhaftet wegen Au«gabe von falschen italienischen Fünfsränklern.

Verschüttet. Am >S. d. wurden am See in Nuolen der

57jährige Lorenz Bruhin und sein l «jähriger Sohn Josef im Steinbruch

verschüttet.

Der Spielteufel. I» Berlin hat einer der angesehensten

Kunsthändler, Julius Lepke, welcher ein flotte» Geschäft betrieb und

im Jahre 1882 allein 145,000 Franken verdiente, innert 3 Jahren

mehr als eine Million Mark im Spiele verloren und nun seinem

Leben durch Selbstmord ein Ende gemacht. Er hinterläßt noch gegen

900,000 Fr. Spielschulren.

Explosion. Am vorletzten SamStag verunglückten ca. 200

Arbeiter bei einer Srplosion von Gasen im Steinkohlenbergwerk von

Ponlpprid in der englischen Provinz Wale«. 120 Mann waren

augenblicklich todt.

Die «aye de« Ketehrten. Jakob Grimm schrieb unter

dem 5. Dezember 1817 an eine seiner Bekannten: „Werthgeschätzte

Freundin! Da e« mir die Mäuse tagtäglich ärger machen und sogar

Bücher fressen, die ich erst noch rezenfiren soll, so bin ich Willen«,

eine Katze in Dienst zu nehmen; könnten Sie mir nicht eine wohlerzogene

und hoffnungsvolle verschaffen? Dieselbe hat zeitlebens Brot

und Milch bei mir und wird anständig behandelt. Ich bin und

bleibe Ihr ic."

Wochenmarkt in Luzern vom 23. Dezember. Erdäpfel 100

Kilo Fr. 5.00—5.50; Butter 1 Kilo Fr. 2.30—2.40; Eier 6—8

Stück 60 Rp.

Plauderei. Bei der jetzigen, selbst sür einen

Eskimo anständigen schönen Kühle hinter dem warmen

Ösen zu sitzen, ist ein Genuß, nach welchem manch'

tapferer Bulgare im fernen Osten vergebens krach«

tete; selbst ein zusammengehauener Milan von

! Serbien sände ihn angenehm, würde ihm nicht

> ohnedieß das Blut darüber siedend heiß in den Kops

steigen, daß er seine Schlachten so glänzend verloren,


alS ob ihm nach Ansicht deS ZürcherpoflplaudtrkrS

unser V. Divisionair leibhaftig zur Seite gestand«».

Doch, was willst du in die Ferne schweif««, sieh, —

die Beispiel« liegen ja so nah! Auch unsere Landesviter

verzichteten letzthin mit finanzieller Todcsverachtung

aus die Genüsse des heimatlichen Heerdes und

lebten sasi nur von patriotischer Redewärme. Zu ditstin

wohligen Gefühle heimeliger Temperatur, welche u»S

militärisch« und politische Laie» so Manckes verschmerzen

läßt, kommt nun auch noch das Hochgesühl vermehrter

Sicherheit, nachdem jetzt die Pionnier« der Laudesbesestigung

glücklich ihre erste Schanze siegreich ausge«

rednert. Za, lieb' Vaterland, nun magst ruhig sein,

denn «in« ganze Arme« moderner Vaubans sitzt in

unserer Bundesv«rsammlung u»d zweifellos wird unsere

Schweiz über kurz oder lang das reinste Gibraltar sein.

Zwar sürchle» i'irle, „die nicht mithelfen", es könnte

di« jungfräulich- Helvetia in ihrem projektirten Sperr«

sortgürtel sich nur reizender ansnehmen und so auf

die Gelüste unserrr bentkgierigen Nachbarn jenseits des

Gotthard, dieser braven Gualantuomini, ein« «rhöht«

Lockung ausüben, sollte aber auch die Landesbekestig«

ung unsere äußere Sicherheit noch so sehr in Frage

stellen, die innere Sicherheit, so hoffen wir Zuversicht»

— 4

sich, wird dadurch nicht getrübt. Seitdem wir nämlich,

gleich dem Grom't'ate Lnzern, auch in unserer kleinen

Residenz die haarsträubende Erfahrung gemacht, dag

selbst das Palladium der öffentlichen Sicherheit, unser

kantonales Polizeiamt, vor einbrecherischen Gelüsten

nicht mehr sicher ist, hat man die Zahl der Geheim-

Polizisten in offenster Weise vermehrt und diese patrouil»

lir«n nun fast ebenso fleißig als die Diebe selbst. Gutdeckt

wurde bisan, allerdings mit Ausnahme der allge»

meinen Unsicherheit, wenig, denn

.Was qeschiehi bei Nacht und mit Grauen

Darf stlbft ei» Polizist nur stlitn erschau«»."

Indessen trat eine Zeitlang Ruhe für sämmtliche Läden

ein und die Krämer konnten sich sür neue Besuche

wieder mit Waaren versehen. Mit der zunehmenden

Kälte schien wirklich die Ehrlichkeit redlich Schritt

halten zu wollen. Selbst unser geheimnißvolle Falsch»

münze» scheint einem Anfluge von Ehrlichkeit zu huldige»

und prägt seine Fünfsränkler so herzlich schlecht,

daß ihnen die Nidwaldnerdetektivs das obwaldnerische

Fabrikat schon aus Distanz ansehen. Ja, unsere lieben

Mitlandlente nid dem Kernwald hassen die Fälschung

überall, sogar am Metalle, nicht bloß an den Roten

ihrer Rckrut.'n.

Gewiß, die Zeiten werden immer schlimmer und

die Leute immer verderbter.

Wenn der brave Dichter Hölty f. Z. schrieb oder

sang:

.Neb' immer Treu und Redlichkeit

Bis an dein kühle« Grab,

Und weiche keinen Fingerbreit

Von Gottes Wegen ab."

so ist das nun veraltet und paßt ganz und gar nicht

mehr für unsere Zeit. Ein zeitgemäßer und zeitverständiger

Dichter würde heutzutage, um ein Situations.

bild zu entwerfen den guten Hölty travestiren müssen

und sagen:

„Neb' nimmer Treu und Redlichkeit,

Sie trägt, d» weißt ja. nicht» mehr ab.

Stiehl lieber, leb' fidel in Heiterkeit

Und Arbeit spar' bi« au dem kühle« Grab.»

Für das Zeitalter des Stromerthums, der großen

nilv kleinen Industrieritter, der Bankmarder und Roten,

falscher, könnte man diese Worte füglich als Devise

anschaffen und die «Strafgesetzbücher dann in dem Sinne

revidiren, daß Ehrlichkeit nur mehr biS zu einem gewissen

Grade straslos ausgeht. Prosit Neujahr, aus

Wiedersehen!

Joco8U8.

Kirchliche f Gedächtniß.

D»i»ier«lag den 7. Januar wird in der Pfarrkirche zu Ear n en

di» driite Gedächtniß für iwaa KirchensiqnS Andrrhlrsern-

Bckbt gehallea. wozu Areunce und Verwandte freundlichst eingeladen

»xito.

av

Mütter-Verein.

nreüag den ö. Januar, 7,9 Uhr: Gotte«ddienst in der Dorfkarelle

in Sanieu.

Vierhalle

Walliser

„j. Schlüssel", Tarnen.

Jlpujafjr und

Muskateller

und über

Dreikönigen

B O C K - B I E R .

Aus Neujahr und solgeudeu Sonntag

B o c k b i e r

in dn

R e s t a u r a t i o n W f r z .

Theater im „Adler", Sarnen.

Sonntag, 3. und Mittwoch, 6. Januar 1886:

Per verirrte Sohn

oder: Die Wäuber im Schn?arzwatd.

Hierauf al« Lastspiel:

Die

neue » . Atois Wichet, Pfi»»r.

Danksagung unö Empfehlung.

3nteni wir »nseln werthen ssrenude» »nd Gönnern anläßlich

te« IahreSwechxl« unsere tier^lichsten Glückwünsche e»lbi«le», verlantcn

wir da> nn« bisan geschenlie ^»tränen besten« und empsehlen

gleichzeitig aus'« Neue uuser wchlajsouirte»

Lager in

av

H e u Unübertrefflich an Feinheit des Geschmackes: (misssz) 20®

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präparirte Bohnen-,

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Semmel - Melile.

D r . 111 c d . ^ a e f - D u l a

F r a u e n a r z t in Luzcrn (Stadlhos) ist ziiriltlnekehrt. wm*»

Der Unterzeichnete empfiehlt seine neue, aus'S Vorzüglichste eingerichtete

Hanf-, Flachs- u n d , 4 b w e r g - S p i n n e r e i

t-m ^'«'1! ^Oiidwirthen zum Reiben und Spinnen im Lohn. Durch langjährige Erfahrung bin ich in den Stand gesetzt, vorzüglich« und

villlae Arbeit zuzusichern. 'Auch besorge ich da« Bäuchen und Verweben der Garne. — Zusendungen von Spinnstoff sind durch unten angegebene

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I ^ W W ^ D e r G e r i c h t s s a a l " ,

schweizerisches Wochenblatt für Kivib und Ktrafrechtspflege. erscheint zeden Samstag.

Abonnement vierteljährlich I Fr. SO Cl».

Jeder Abonnent des .Gerichtssaal" erhält auf schriftliche Anfrage über irgend welche Rechtsfrage

unentgeltliche Antwort im Fragekasteu — Populäre Abhandlungen aus dem Gebiete der Civilrechts.

pflege, Kriminal- und Polizeifälle ic.

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Redaktion: r» „St. Germain.

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Bei Wiederholung«! 8 „

Di» zweispaltige Pelitzeile »der deren Raum . . 20 ,

Bei Wiederholungen 16 „

T a r n e n , 1886.

9. Jännrr.

16. Jahrgang.

3nftratt rvn »u«wärt« nehmen für an« entgegen di« «»n°nc.n.«rpediii»nen der Herren Haasenttet» » «ogler. «udolf Moffe imd Orell Aüßli » «ie. in Bern. Zürich. Lnjern,

Basel. Lausanne, «enf. Berlin. Leipzig. Dre«den. München, Ha.durg. gra-kwl a. e,ra»burg und Wie«.

Das

päpstliche Rundschreiben.

in.

Welche Religion die wahre sei, ist für jeden klar

und aufrichtig denkenden Menschen leicht zu bestimmen

Die Erfüllung der Prophezeiungen, die rasche und un«

aufhaltsame Verbreitung selbst mit Hinwegräumung

der gewaltigsten Hindernisse, daS Blut unzähliger Martyrer

und eine Menge der unläugbarsten Wunder lassen

über die Wahrheit der katholischen Religion keinen

Zweifel. Nun hat aber Christus der Herr diese Re>

ligion in seiner Kirche hinterlegt, welcher er die Ausgäbe

zutheilte, seine Wahrheit unter den Menschen zu

verkünden und zu verbreiten. Diese Kirche ist eine

große Gesellschaft von Menschen und schon aus diesem

Grunde ist ste nothwendigerweise Vorstehern unterstellt.

Christus hat aber solche Vorsteher auch wirklich ringe»

setzt und unter diesen hat er Einen vor allen Andern

ausgezeichnet. Diesen hat er alö den größten und zu

verlässigsten Lehrer der Wahrheit hingestellt und ihm

die Schlüssel seines Reiches übertragen. Die Kirche

hat allerdings das Ewige und Uebernatürliche zum

Zwecke; aber gleichwohl ist ste auch, juridisch gesprochen,

eine wahre Gesellschaft mit allen denjenigen Befug»

nissen, welche auch nach menschlichen Begriffen und

nach natürlichem Rechte einer vom Staate unabhängigen,

von Gott eingesetzten Gesellschaft zukommen. Sie besteht

neben dem Staate, unabhängig vom Staate und

mit Rücksicht aus die unendliche Erhabenheit ihres

Zweckes überragt ste den Staat. All' das ist allerdingS

gar häufig und heftig bestatten worden. Die

Vorsteher der Kirche haben sich jedoch stetssort dem

Angriff auf ihre Rechte des Entschiedensten widersetzt;

und es haben denn auch die staatlichen Regierungen

auf mannigfache Art bewiese», daß sie die Selbstständigkeit

der Kirche anerkennen.

Gott hat die Regierung des Menschengeschlechtes

zwei verschiedenen Gewalten übertragen, der kirchlichen

und der staatlichen. Die Machtsphäre einer jeder dieser

Gewalten ergibt sich aus der Natur der Kirche und

des Staates. Jene will dem Menschen das himmlische

und dieser soll ihm das irdische Glück verschaffen. Alles

was die ewige Bestimmung des Menschen betrifft und

aus dieselbe Bezug hat, sällt in den Machtbereich der

Kirche. Nun gibt es aber eine Reihe von Fragen,

bei denen die beiden Gewalten sich berühren. Es würde

der göttliche» Weisheit widersprechen, wenn man annehmen

wollte, sie habe den Menschen im Gewissen

verpflichtet, sich den beiden Gewalten in Gehorsam zu

unterwerfen, ste habe aber das Tätigkeitsgebiet derselben

nicht mit genauer Grenzlinie bezeichnet, denn

alsdann hätte ste dem Menschen eine doppelte Pflicht

auferlegt, der er nicht gleichzeitig zu genüge» im Stande

wäre. Gott will, daß sich die beiden Gewalten in

Frieden und Liebe in ihren Pflichtenkreis theilen, sich

unter Umständen darüber verständigen und ihre gegen«

seitigen Beziehungen sollen nicht unähnlich denjenigen

sein, welche im Leben des Menschen zwischen Leib und

Seele bestehen.

Nicht selten sind zwischen den Fürsten und den

römischen Päpsten zur Regelung der Wechselbeziehungen

zwischen Kirche und Staat Verträge abgeschlossen wor»

den. Hiebei hat sich die mütterliche Liebe der Kirche

in glänzender Weise gezeigt; denn sie hat eine Nach

sicht und ein Entgegenkommen bewiesen, welche bi» an

die äußersten Grenzen des Möglichen gingen.

Die hier entwickelte Lehre von der Kirche — so

sährt das Rundschreiben sort — enthält für den Staat

durchaus nichts Unwürdiges. Sie weist jeder Gewalt

ihr Thäligkeitsgebiet an und umgrenzt dasselbe genauer.

Würde man sich auf diesen Standpunkt stellen, so

würden die weltlichen Regierungen an Ansehen und

Festigkeit gewinnen. Jedermann weiß, daß ihm auf

dem Wege in die Ewigkeit Führer gegeben wurden,

an die er sich zu halten hat, ebenso weiß er, daß andere

Vorsteher die Aufgabt haben, ihm die Sicherheit, die

Güter und die Vortheile diese? Lebens zu verschaffen

und zu bewahren.

Die Familie findet ihr nothwendiges Fundament

in der Heiligkeit, der Einheit und Unauflöslichkeit des

Ehebandes. Die Pflichten und Rechte der Ehegatten

sind mit Weisheit und Gerechtigkeit geordnet, die

Würde der Frau ist gewahrt. In der staatlichen Ordnung

herrscht nicht eine augenblickliche Laune, eine

rohe Willkür, sondern die Wahrheit und die Gerechtigkeit.

Dadurch wird der Gehorsam zu einer süßen

Pflicht und die Ehrfincht vor der Obrigkeit wird ge»

heiligt. In dieser Ordnung der Dinge finden denn

auch alle Tugenden deS christlichen Lebens ihre Pflege.

Der hl. Vater erinnert sodann an jene Zeit, wo

Eintracht zwischen Kirche und Staat geherrscht habe.

Es sei dies sür die menschliche Gesellschaft von den

größten Vortheilen gewesen. Dieser Eintracht sei der

Sieg über die Barbaren, ihr- Bekehrung und Civilisirung,

die Abwehr des Tmtenjoches und eine Reihe

anderer unsterblicher Wohlthaten sür die Menschheit zn

verdanken. Die Religion habe sich des Schutzes der

Regierungen erfreut. Auf diesem innigen Wechselver»

hältniß habe auch daS Uebergewicht der europäischen

Civilisation beruht. Aber auch sür die innere Wohlfahrt

der Staaten sei ste von den heilsamsten Folgen

gewesen, die Religion habe den Völkern die wahre

Freiheit gebracht und ste habe jene zahllosen und groß«

artigen Werke geschaffen, welche zur Linderung deS

menschliche» Elendes in's Leben traten.

Aus die verderbliche und bedauernswerthe Neuerungssucht

des XVI. Jahrhunderts sind die Grundlagen

jenes neuen Rechtes zurückzuführen, welches in Wider»

fpruch mit dem christliche» und natürlichen Rechte die

Freiheit in dem Sinne aufgefaßt wissen wollte, daß

Jedem das unbedingte Recht zustehe, zu denken und zu

glauben, was er wolle, und seine Meinungen in schrankenlvser

Willkür öffentlich kundzugeben. Ebenso wurde

die obrigkeitliche Gewalt nicht als ein Ausfluß der

göttlichen Machtfülle, sondern als ein im Volke wurzelndes

und von demselben beliebig und willkürlich

übertragbares Recht aufgefaßt. Dadurch ergab sich

nun nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für den

' taat das vermeintliche Recht, sich seine religiösen Mei»

nungen beliebig zurecht zu legen oder sich um die

Religion überhaupt gar nicht zu kümmern.

Daraus folgt, daß der Staat, welcher solchen An»

schauungen huldigt, die Kirche nicht änderst behandelt

als irgend eine beliebige Gesellschaft und in seinen Anordnungen

auf die kirchlichen Gesetze keine Rücksicht

nimmt und die beiden Gebieten gemeinsamen Angelegenheiten,

wie z. B. die Kirche und die Schule, einseitig

regelt und der Kirche sogar da« Recht abspricht,

Eigenthum zu erwerben und Vermögen zu besitzen.

Wenn man heutzutage nach Trennung deS Staates

von der Kirche rust und die zwischen der staatlichen

und kirchlichen Gewalt abgeschlossenen Konkordate auf»

heben will, so hat dieS keinen andern Zweck, als die

Kirche, welche der irdischen Machtmittel entbehrt, der

Staatsgewalt zu unterwersen. Darauf zielen denn

auch ab die religionslose Erziehung der Jugend, die

Beraubung und Unterdrückung der religiösen Orden

und die Beseitigung deS KirchenstaaleS.

Wenn man die staatliche Newalt jede« höhern

Charakters entkleidet und als die Quelle derselben einzig

den Willen der Menge betrachtet, so räumt man der

letztem auch das Recht ein, sich gegen die obrigkeitliche

Gewalt aufzulehnen und dieselbe zu beseitigen und da»

durch wird beständigen Unruhen Thür und Thor ge»

öffnet.

Leben in Amerika.

(»u« einem Bericht des .Unter-Lnimenlhalert".)

Hier hat man beinahe keinen Frühling. Die Natur

erwacht erst spät. Aber dann entwickelt sie mit einem

Male eine solche Vegetation, die den Neueingewanderten

in wahrhaftig's Erstaunen versetzt. Das Obst wird

allgemein viel schöner, vollkommener, als draußen. So

habe ich den Apselbaum noch nie blühen sehen. Da»

Grün des Laubes und des Graswuchses ist viel inten»

stver, als mu's je im Leben vorgekommen.

Für den Frühling entschädigt uns der Herbst; bis

zum Neujahr ist das Wetter schön und mild. Erst

dann sängt die grausige Kälte an. Die Tageszeit be»

hagt mir hier besser als daheim. Im höchsten Sommer

ist Morgens 4 Uhr noch nicht Tag und Abends 8 Uhr

schon dunkle Na ht. Im Winter werden die Tage nie

so kurz. Im Allgemeinen ist der Amerikaner viel ungebildeter

als der Schweizer. Er ist unverschämt

gwundrig. Kommt er in eine Werkstatt, wo Dinge

zum Repariren aufhängen, so möchte er wissen, wem

dieses oder jenes angehört. Viele machen es zum

Brauch, sich halbe Tage lang in einem Laden oder in

irgend einer Werkstatt auszuhalten. Viele erlernen so

durch's Zuschauen einzelne Partien eines Berufes.

Viele Handwerker haben, sofern dies angeht, nur einen

einzigen Stuhl im Zimmer stehen, so verleidet's den

Leuten bald, wenn sie dadurch zum Stehen gezwungen

werden.

Die Jugend ist hier grundverdorben. Sie wächst

auf wie die Wildsau im Wald. Man muß sich oft

vor den Schlingeln von Jungens in Acht nehmen

Im Westen muß der Lehrer den Revolver mit in die

Schule nehme», wenn er seines Lebens sicher sein will.

Er hätte ihn oft auch i» Ohio, wo ich jetzt wohne'

nöthig. Es wird nur im Winter Schule gehalten!

Dasür besuchen die Schüler die Schule bis zum 21.

Jahre. Die Lehrer werden nur für je ein halbes Jahr

angestellt; nachher können sie sich wieder melden oder

gehen. Von Frühlingsexame» oder dergleichen keine

Spur. Auch besteht kein Schulzwang; es tan» in die

schule gehen, wem's beliebt. In der Schule wird

nichts getrieben als Geographie, Rechne» und englische

Sprache; diese oft mangelhaft genug. Religionsunter»

richt und Gesang werden nicht ertheilt. Kein Wunder

daher, daß die Jugend, wie bemerkt, wie das liebe

Vieh aufwächst. Auch zu Haufe mangelts an jedweder

Zucht, man läßt sie machen, was sie wollen. Halbe

Nächte schwärmen zügellose Banden herum wieLützows

wilde, verwegene Jagd. Ich habe mich schon oft ge»

fragt: Was soll aus der künstigen Generation werden?

Das Kreditwesen ist hier sür den Berufsmann eine


wahrbastige Laudplage. Selbst die Allerbekanntesttu

acnirtn sich nicht, ihre Sachen ausschreiben zu lassen.

ü»d haben sie die Arbeit einmal, denkt keiner ans

aahle», bis man ihn stüpsl. Es dunkt einem oft, die

Zute haben alle kein Geld. Es sind hier viele Leute

aus den bessern Familien, die vielleicht wochenlang

keinen Cent (ö Cts.) Geld im Hause haben. Ob es

an andern Orten besser ist, weiß ich nicht. ES ist eben

„ich» alleS Gold, was man von Amerika aus über hie«

sige Verhältnisse nach Europa schreibt, und ich möchte

Jeden warnen, sich zweimal zu besinnen, bevor er Jich

entschließt, hieher zu kommen.

ES hat meinen Vater manchmal gequält, dag er

nicht vor Jahre» seinen Verwandten nach Amerika gesolgt

ist. Ict> habe mit eigenen Augen die Verhältnisse

gesehen, in denen sich hier die Nachkommen unserer

damalS ausgewanderten Verwandten befinden: sie stehen

um kein Haar besser. alS sie eS draußen mit dem gleichen

Gelde auch hätten haben können. — Denkt euch eine

so einsame, weltverlorne Farm, mit Busch umgeben,

wie unendlich einsam es dort war und noch heute ist.

Die Langweile würde mich todte», wen» ich in einer

solchen vergrabe» sein sollte. — Und dan» die ersten

Ansiedler hier, vor 60 Jadren! Die Haare stehen

einem zu Berge, wenn man hier die Berichte vou alten

Leuten hört. In die Mühle mußten sie z. B. vielleicht

30—60 Meilen weit aus schlechtgedahuten Wegeu reiten,

Schuhe und Kleider konnten sie selber machen lernen.

In der Noth war kein Arzt da, keine Hebamme. Wie

mühsam und kostspielig machte sich wieder der Verkauf

ihrer landwirthschastlichen Produkte? So stehts noch

heute vielsach im Westen.

WaS mir in Amerika vor allem gesällt, ist die

demokratisch republikanische Gleichheit, die hier für Alle

konsequent durchgesührt. resp, gehandhabt wird, ist serner

der Umstand, daß hier keine Untere oder Ueberordnung

herrscht. Zwei Tische kennt man hier nicht; der Reiche

speiSt mit dem Arbeiter am gleichen Tisch. Der Be«

amte ist nicht höher geachtet alS der Bürger. Gewöhn,

lich wird hier alles per Du angesprochen, selten zeigt

einer Stolz. Der Größte verrichtet die niedrigste Arbeit.

Hier sieht man den größten Gasthofb. sitzer den Fußboden

mit eigener Hand segen. Da sehe ich z. B. den

Doktor mit dem Milchkesseli im Städtchen herum lausen.

Der Pfarrer milkt selbst seine Kühe, striegelt und putzt

sein Pserd. Die ärmste Haushaltung metzget vielleicht

4—5 Schweine im Jahr und lebt sast so gut wie die

reichste. Ueberhaupt giebt eS hier keine Faulleuzer,

keine Schlemmer. Die WirthShauShocker werden gemieden

und verachtet. Arbeit edelt den Menschen und

ihr dienen Reich wie Arm gleich. Der Reiche gibt

dem Armen ein guteS Beispiel uud darum ist der Haß

der Besitzlosen gegen die Besitzenden nicht so groß wie

draußen.

Eidgenossenschaft.

— Militärisches. Wie das „Luz. Tagblatt"

vernimmt, wird Hr». Oberstl. Roth von Wangen, dem

bisherigen Kommandanten des »6. Infanterieregimentes,

daS Kommando der 7. Jnfauteriebrigade anvertraut.

Hr. Roth wird gleichzeitig zum Oberst befördert.

DaS Regiment steht den lanajährigen erprobten Führer,

der sich der ungetheilten Achtung uno Sympathie seiner

Untergebenen erfreute, nur ungern» scheiden. Unter«

walden wird demselben speziell ein dankbares Andenken

bewahren.

— Sempacher Jubiläumsfeier. Bekanntlich

soll zur Erinnerung an diese 500jährige Feier der

/ e u i l l e t o n .

K. Die Tiesertegung des Lungere rfees.*)

Zur 50jährigen Erinnerung.

Eines der kühnsten und mühevollsten Wasserbau

werke der srüheren Zeit, „das in seiner Art sast einzig

dasteht und dessen Vollendung unüberwindlich scheinende

Schwierigkeiten darbot," ist die Tieserlegung des Luu

gerersees.

Nachdem endlich im Jahre 1767 der Auslaus des

Rudenzersees in Giswil**) vollendet war, erwachte auch

*) Quellen: Schriften der Seegesellschaft, welche uns Hr

Gemeindefchreiber Imseld gefälligst mitgetheilt, Lande«archiv, geschichl

licher Umriß, die Tieferlegnng des Lnnqererfee«, Kalender de»

Schweizerboten auf da« Jahr 1837, Bericht und Schlußrechnung

von >838 und 184t, Briefe unter den Tchriften von Pfarrer Ioh

Ming sel. u. s. n>.

**) Der Rudenzerfee sammt Mühle, Rübe und Sage» in der

Aa und der Mühle im Milchenloch gehörte 1621 dem Landamman»

Peter Jmfeld. Die anstoßenden Güterbefitzer versprachen, ihm jährlich

gewisse Tage zu arbeiten und einen Zins zu geben, wenn er den

Auslauf gut unterhalte; sooft aber feien sie nicht dazu verpflichtet

und dürfen wieder fischen, wie von Alter« her. Dieser verkauft den

See, zwei Weiher mit Wasser- und Fifchrecht und 45 Pfd. von den

Anstößen wegen des Auszuge« dem Fähndrich Jakob Wirz. 162?

Schlacht auf dem schön gelegenen Kirchplatze in Lempach

ein Gedenkstein errichtet werden, an dessen Kosten im

Betrage von 15,000 Fr. die Stadt bereits einen an.

'ehnlichen Beitrag beschlossen hat. Für Ausbringung

der weitern nöthigen FondS wendet sich das Organiationskomite

an die schweizerische Offiziers- und Unter«

osfiziersgesellschaft, sowie an den Sckützenverein. Der

Gedenkstein soll betreffend Material und Form ein mög«

ichst monumentales Gepräge erhalten.

— Schützen wese n. Ein internationales schützen«

fest soll im Laufe des Jahres 1886 i» Paris abge«

halten werden, für welches vorzugsweise aus die Betheiligung

französischer, belgischer und schweizerischer

Schützen gerechnet wird. Es soll damit auch ein Wett«

schießen verbunden werden, zu welchem jedes Land 100

Mann stellt, die nur mit den militärischen Ordonnanz«

waffen ihres Landes schießen dürsen. Man will auf

diese Weife nicht bloß die Schießkunst der Vertreter

der verschiedenen Länder erproben, sondern namentlich

auch die Leistungssähigkeit der eingeführten Militär»

waffen zur Darstellung düngen.

— Wohlthätigkeit. DaS von der „Schweiz.

HandelSzeilung" geführte Verzeichniß der in der Schweiz

gemachten Geschenke und Vermächtuisse zu gemein«

nützigen Zwecken, soweit dieselben bekannt geworden,

ergibt sür daS letztverflossene Jahr den Betrag von

3,833,729 Franken.

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Waadt. Samstag Abends wurde im Bunde««

aerichlSgebäude in Lausanne eingebrochen.Die

5>auplkasse und ti« kleine Kasse des Gerichtes wurden

geplündert; erstere aber bloß iheilweise. ebenso ver.

schiedene Pultschublade» im Kanzleisaal. Der ent.

wendete Werth beträgt zusammen ca. 4400 Franken.

Die Polizei hat namentlich zwei italienische Vagabunden

im Verdacht, die am gleiche» Abend auch einen

Diebstahl in einem Privathause begangen haben sollen.

gegeben.^^ Schuhmacher auS allen Theilen von

Deutschland verlangen in einer Petition an den Reichs«

tag das Verbot, in den Strasanstallen Scduhwaare»

und andere Arbeiten des Privatgewerbes anzufertigen.

Frankreich Das Ministerium Brisson hat »n

Folge des zweiselhasten Sieges in der Tonkinkredilsrage

seine Entlassung genommen uud Präsident Grevy

hat insolge wiederholter Weigerung Brisson's, im Amte

zu bleiben, Freycinet mit der Neubildung des KabinelS

betraut. ., . . .

— Eine unerhörte Rekrutenqualerei. di« den

Tod des OpserS zur Folge hatte, wird auS Bannes

gemeldet. Ein jnnger Artillerist konnte die «cheu, das

Pserd zu besteigen, nicht überwinde». Die Unterojfiziere

meldeten dies dem Offizier und dieser befahl, daß der

Mann aus dem Pferoe festgebunden würde. Dies ge«

schah buchstäblich und alS die Schnürerei zu Ende war,

hieb man aus den Gaul ein, bii er im Galopp die

Neitbah» durchsauSte. Eine Zeitlang hielt der arme

Soldat die unsäglichsten Qualen aus. bis er aus ein«

mal schwer zu Boden schlug; der Sattelgurt war ge«

platzt. Hierbei erhielt der Stürzende nock einige kräs«

tige Peitschenhiebe. Man brachte den Ohnmächtigen

aus eine Stube, wo man ihm zwei Eimer Waffer über

den Kopf goß; wenige Augenblicke darauf verfchied er.

Oetterretcd Am 28. Dezember starb zu St.

Leonhard im Passeyer der greise „Brühwirth" Joses

Holzknecht, der Schwiegersohn Andreas £>of«3. Beim

letzten österreichischen Bundesschießen iu Innsbruck sah

man den alten wetterfesten Tyroler, der noch meisterhast

den Stutzen zu handhaben verstand, zum letzte» Mal

in der O.ffentlichkeit. Er zählte 88 Jahre.

Italien. Aus dem südlichen Italien wird großer

Schneesall gemeldet. In Sizilien liegt der Schnee

stellenweise meterhoch. Bei Catania stürzten mehrere

Häuser unter dem Drucke der Schneemasse» zusammen.

In San Bartolomeo ist die Kathedrale, serner da»

Gerichtsgebäude und daS Stadthaus dergestalt verschneit,

daß man sie in aller Eile mit großen Balken stützen

mußte. Die Kathedrale ka»n jeden Augenblick zu« '«1

sammenstürzen. In den Straßen stockt jeder Äerkehr.

Die Zahl der Erfrorene» ist groß.

flflen. Am 1. Januar wurde durch Proklama«

tion des BizekönigS von Indien daS Königreich Birma

dem britisch-indischen Reiche einverleibt. DaS mit

seinen Kolonien ohnehin so riesige britische Reich er«

hält durch die Annexion eineii Gebietszuwachs von

rund 450,000 Quadrat - Kilometer, d. h. >50,000

Quadrat Kilometer mehr, als England,' Schottland

A u s l a n d .

Deutschland. Sehten Sonntag seierte der Kaiser und Irland zusammen ausweisen. Die LevölkerungS»

von Deutschland sein 25jähr>geS Jubiläum als

zahl oeS neuen Gebiete« beträgt vier Millionen. Die

König von Preuße». Die Feier verlies selb,«verstand«

neuen Engländer sind indessen »>it dieser Veränderung

lich großartig. Vormittag« war in allen Kirchen tffst» nicht zufrieden und man befürchtet ernstliche Unruhen.

aotteSdienst. Außer den Mitgliedern und Verwandten

• Nordamerika. Die wohlehrw. Klostersrauen,

der königlichen Familie brachte anch d» unerwartet em«

welche von Sarnen „nach dem serne« Westen' auSge«

aetrossene Köniq von Sachien dem Kaiser persönlich wandert, bezogen den 4. Dez. 1885 dai ueue Kloster

seine Glückswünsche dar. Mittag« war FcstgottcSdlenst in Uniontown. Dasselbe überschaut mit seinem

in der Schloßtapelle. hieraus «roßerGratuat.ons.

Thurm das ganze Städtchen und ist von der Größe

empfang im weißen Saale des Kd»lgSschlo,ses. MS des Schulhauses in Kerns. Sie hoffen 3040_Pen«

sich hierbei Bismarck «iherte, ging ihm der Kaiser fionärinnen aufnehmen und im Frühling die Schule

einige Schritte entgegen und küßte ihn zweimal; die eröffnen zu können. Sie freuen sich sehr darüber, daß

aleiche Auszeichnung wurde auch Moltke zu Theil

es ihnen immer mehr vergönnt ist, zu der in Sarnen

— Seit längerer Zeit berathen die nächsten Bluts« liebgewonnenen klösterlichen Ordnung zurückzukehren.

verwandten des Königs von Baiern darüber, wie die

aus'S Höchste gestiegene finanzielle Mißlage Ludwig 11.

Zum neuen Jahre

«rhoben werden könne. Veranlassung zu diesen ernllen

Berathungen haben die vor einigen Tagen beim kompetenten

Gericht überreichten Gesuche aus Psandung die beste», Wünsche und verbinden damit — statt

entbieten die nachstehend Verzeichneten ihren Freunden

der Versendung von Reujahrskarteu — eine Gabe an

die Slippeilanstalt für arme Schulkinder im Dorfe

Sarnen:

«nderhaltrn Arnold. Professor, «fcrtmi Fr. 10.-

Guallini, Familie. Wylrrbad » «• —

Fäderli nach Lungern aus den Augenschein. Den 31.

Mai 1790 kam Deggeler, welcher seit etwa 10 Jahren

Direktor eines Bleibergwerkes im Laulerbrunncnthal

ivar und durch Pfarrer Amman» in Hasle eingeladen

wurde, mit feinem Schreiber Schlatter, einem Diener

und zwei Pferden nach Lungern und machte den 2.,

3. und 4. Juni die nöthigen Vermessungen und Be«

rechnungen. Das Resultat seiner Untersuchungen war,

baß am steilsten Abhänge des Kaiserstuhls, neben dem

Bette des Seeabflusses, 145 Fuß unter der Oberfläche

des Sees, ein horizontaler, ein wenig ansteigender

Stollen unter das Becken desselben getrieben und ans

diese Weise das Wasser abgelassen werden müsse. Die

Länge des Kanals betrage 207 Klafter und die Tiefe

vo» der Oderfläche des Sees 22 Klafter und 6'/, Achtel.

Die Kosten berechnete er aus 30,79 l Pfd. 4 Schl. Deu

3. Heumonat wurde der Plan dem Rathe vorgelegt

und obrigkeitlich genehmigt, sosern innert 3 Wochen

Niemand Einsprache dagegen erhebe. Den 31. Heum.

meldet der regierende Landammann Peter Jgnaz von

Flüe, daß mau Beschwerden eingelegt. Es wurde eine

Kommission gewählt, damit sie in Lungern den Augen«

schein nehme, die Beschwerden anhöre und Bericht er«

statte. Da die Kommission daS Weik alS eiu nützliches

betrachtete, so wurde den 14. August 1790 die obrig«

leitliche Bewilligung ertheilt, unter der Bedingung, daß

Lohner, Frau, Ki.chhof«» »

Schmid Werner, Eeidensergger . 5—

Uebertrag au« letzler Nummer . 252.50

Total Fr 279.50

Hohe« Alter. In Cret bei Neuenburg starb am 26. Dez.

Richter August Bonjour im seltenen Alter von 100 Jahren, 6

Monaten und 17 Tagen eine« unerwartet plötzlichen und sanften

Tode«, nachdem er bi« zum l«tzl«n Augenblick im vollen Besitz« seiner

geistigen Kräfte geblieben u»d während seine» ganzen lieben« auch

nicht einmal wirklich krank gewesen.

Stromer. Am Weihnachtsabend nahm ein armer Bauer im

Studeh>i«li bei Appenzell einen Handwerk«hursch«n auf dringliche«

Ansuchen über Nacht in den Stall zu seiner einzigen Kuh auf. Der

Bursche lödlete die Kuh mit Vorbedacht aus wahrhaft teuflische

Weise, indem er ihr mit einem Stocke mehrmal« durch die Rippen

bi« in die Lunge stach Er umwickelte di« Glock« d«« arm«n Thier««

mit Stroh und da« Maul vtrstopfl« er ihm mit einem Rock«, so

daß sein Schmtr,«n«laul M«nsch«n da« abschtnlich« Wirk verrath«»

konnt«.

«m WirthStische. In ei»«r Wirthschaft zu Moill«sula,

starb l«tzi«n Samstag am Wirlh«tifch« «in Franzos«. Dersrlb« hatt«

einig« Tag« zuvor «in« Erbschaft von Kr. 800 gemacht und wollte

dieselbe in den Kn«ip«n durchdringe»; «r that di«« mit so vi«l«m

Erfolgt, daß zngl«ich mit d«>» G«lde auch da« Lebt» zu Ende war.

BrrdänftntAvolle Christbaumfeter. In einem stark

besuchten Hospitale in Chicago gerielh «in Weihnachisbaum durch

di« brennenden Kerzen in Brand Die Zuschauer standen dicht g«-

schaart um den Baum und die Kleidungsstück« einiger Personen fiengen

an zu brennen. E« wurde um Hülfe geschrieen und die Menge

drängte sich dem Au«gange zu, wobei einer über den audern fiel.

Etwa 100 Personen wurde» verletzt, mehrere darunter lebenSgefährlich.

Die Krankenwärter löschten schließlich die Klammen und stellten

die Ordnung wieder her.

Woedenmarkt in Luzern vom 5, Jänner. Erdäpfel 100

Kilo Fr. 5.00—5.50; Butter l Kilo Fr. 2.20—2.30; Eier 6—8

Stück «0 Rp.

sie billigen Schadenersatz zu leisten verpflichtet sind,

wenn wider Verhoffen in Folge dessen Gemeinden oder

Private geschädiget werden. Zugleich beschloß man,

dafür zu sorge», daß vorher das Aawasser geschöpst

werde. Streitigkeiten sollen durch unparteiische Richter

entschieden werden. Pannerherr Nikodem von Flüe,

„ohne dessen rath wir nicht vieles unternome»", wie

Gerichtschreiber Furrer schreibt, gratulirt der Gemeinde

Lungern und wünscht, daß sie „in dieser», grosen Lor«

haben immerhin standhaft und eünig beharre, wo dann

keineswegs zweifle, das der Allmächtige ein solches Werk

aus die späteste nachkunst hi» bekrönen werde". Es

kamen vier Bergleute von Lauterbrunnen und den 20.

Sept. 1790 begann das Werk. Dasselbe wurdc fortgesetzt

bis zum 16. Sept. 1798, wo die letzte Abrech«

nung mit den Bergleuten stattgefunden. Im April

1799 wurde „das gstäng frisch gelegt, der Wasser Wind

äußert und im Kanal Wiederum eingerichtet". Obschon

durch den „Wafserwind" wieder irische Lust in den Stollen

hineingesührt wurde, so blieb die Arbeit wegen den

damaligen politischen Wirren dennoch unterbrochen.

Gewöhnlich waren 3—4 Bergleute angestellt. Der

Meister unter deilselben hieß „Steiger". Da Deggeler

nicht anwesend war, deßhalb wurden Rathsherr und

alt-Säckelmeister Halter und Gerichtschreiber Johann

Peter Furrer von der Gemeinde zu Aufsehern gewählt.


K Chronik von Kerns

(Fortsetzung.)

kauft«» di« Kilcher von K«ra« von Richltr Lor«nz Wallimann

di« Alp Waldmalt im Melchthal um 12,500 Pfd. und

50 Psd. Trinkgeld. 1543 besaß dieselbe Landvogt Simon

i» Grund in Alpnach und schuldete von dtiselbeu Ziu« der

Tpend in Kern«. 1640 b«saß dieselbe Li-men-at Andrea«

Schöninbäl, welch«r st« d«m Lorenz Wallimann »«rkanst.

I65Z kaust«» di« K«rns«r vo« d«n Erb«» le« Landvogt Anton

Bücher, Balz Schmid »ad Z»s. Büchtr di« Alp Berg matt

i« Milchibal »n. 6750 Pf«. Daß Bruder Klau- di«s«lb«

b«skff«n, ist niAt ganz sicher, weil in d«n alt«n Schrift«»

Verggüler und Boralp«» auch Bergmalie« gtnauat w«rd«a.

Di« Alpenrechnnag nannt« mau auch Brrgmalt«a-R«chnung.

ll»g«fahr 1570 Maß Landammaan NiNan« von Flüe, roß.

sohu d«« sei. Bruder Klau«, di« Luß im Melchibal. S« ist

wahrscheinlich, daß schon Bruder Klan« fi« besessen hat und

daß da« j«»« Btrgmatt, wo lxr Teufel ihn 30 Schritt w«it

durch Dorn«« und GtbSich hinabzeworfeu. Sein Sohn b«<

sorgi, unleideffen da« Bi«h in d«r .Scheur od«r Gad«u".

In der Alp B«rgmatl ist ab«r noch nie «in« Scheuer g«-

ftauWu. 1664 kaust«» di« Kernser Rültimat« am Fuß«

de« Slanstrhoru«« von de« Balz Buchkr« sei. Erb«n um

6000 Pfd. und 10 181. 30 Schl. Trinkgeld. Balz Bucher

war Rechnungtsührer beim Bau der Kapelle in Wißerlen. 1676

kauft«» fi« »ou de« Han« Etlltn« s«l. Kintrrn dir Alp Läger

um 3400 Pfd., welche fi« 1841 wieder den Th«il«rn von d«r

Alp Slald«» um 4353 Pfd. 5 Schl. »«rkanst. 1679,

15. Jan. v«rk-usl«n di« Sihne d«« Kirch«nv°gt Lebastian

Wirz Eglibrunu«» d«m Han« Franz Ar.derhald»» um

6500 Pfd. Wi« e« scheint wurde dann von den Kilch«rn in

Kernt da« Zugrechl au«g«übt. Stock, wob«i da« K ly st «r

inb«griff«n, welche« 1838 an Sächseln ««rkauft wurde, ist

1681 d«n I I. D«z«mb«r von de« Landammann Wolfgang

Wirzen sei. Erben um »600 Pst», und 30


B e o b a c h t u n g e n

der meteorologischen Station Engelberg

(Höhe 1024 Meter)

im Monat Dezember 1885.

Temperatur in Cels. Graden.

Niederste! ~ Höchste. Durchschnitt im Monat.

—16,6(12.); +12,5(6); —2,86.

Kältester Tag —14,9 (12.) Wärmster -\- >l,8 (6.)

Bewölkun g.

hell

1t,

theilweise n. ganz bedeckt. Durchschnitt.

13, 7 Tage. 4,4.

Niederschläge:

an 14 Tagen, davon an 7 Tagen Schnee. Menge:

96 mm. Größte Schneehöhe 56 cm. Vorherrschender

Wind zuerst die Lüdwinde, vom 9. an die Westwinde.

Der Monat begann unter dem Donner der Lawinen.

* Einige Bemerkungen über die Witterungsverhältnisse

von Engelberg im ver«

sloffenen Jahre. Um gleich mit der Temperatur

anzufangen, so war der kälteste Tag des Jahres der

12. Dezember mit seiner durchschnittlichen Kälte von

— 4

nahezu 15 Grad unter Null. Am gleichen Tag beobachtete

ich denn auch die niedrigste Temperatur von

16,6 Grad. Außerdem aber war dieser Monat bei

weitem nicht der kälteste; sondern es hat diesen Ruhm

der Januar, der eine durchschnittliche Kälte von 6

Grad unter Null aufweist.

Was die höchste Jahres-Temperatur betrifft, so stieg

das Thermometer in jedem der 5 Monate vom Mai

au einmal bis nahezu 24°. Dabei ist jedoch zu be«

merken, daß der Letztere in seiner Durchschnittswärme

weit hinter den folgenden Monaten zurückblieb, über-

Haupt ei» unfreundliches Gesicht machte. Als der

wärmste M^nat ergab sich der Heumonat mit einer

durchschnittlichen Wärme von nahezu 16 Grad. Was

nun die Niederschläge angeht, so ist dies Jahr mit

seinen 160 cm. Regenmenge ziemlich weit hinter der

durchschnittliche»Jahresmeuge zurückgeblieben, fodaß man

es zu den trockene» zählen kann. Diesen Namen v.r«

dienen besonders die Monate Januar, März, April

und Juni. Dagegen hat der Herbstmonat weit mehr

Niederschlag als gewöhnlich geliefert und am Ende uns

gar einen Schnee von 56 cm Höhe gebracht.

.yelle Tage, wo die Bewölkung höchstens '/« des

Himmels bedeckte, gab es 92; dagegen waren es 117

Tage, an welchen die Bedeckung «/, und noch mehr

betrug. An 162 Tage» fielen Niederfchläge, davon

an 50 Tagen Schnee. Anfangs August fiel auch einmal

Hagel, der aber glücklicherweise ohne viel Schaden

sich wieder verzog. Am Ende November, wo man

sonst eher eine empfindliche Kälte zu erwarten hat,

drohte noch eine Ueberschwemmung, und von den Ber«

gen herab tosten die Bäche wie im Sommer nach einem

Gewitter.

Von allen derartigen Naturgesahren wolle uns der

Herrgott im neuen Jahre bewahren und durch seinen

allmächtigen Willen bewirken, daß die Kräfte der Natur

immer im rechten Gleichgewicht bleiben.

Eheverkündigungen. Joses Kluser, Landarbeiter von

Spiringen, des Johann, und Franziska Rohrer von Sächseln, des

Alois. — Valentin Zybnng. Landwirth von HergiSwyl, de« Franz

Josef, und Anna Maria Blättler von HergiSwyl, des Jakob. —

Johann Halter, Gastwilth in GiSwil, des Peter, und Anna Maria

Berchtold von GiSwil, des Peter. — Johann Vogler, Landwirth von

Lungern, Ui Martin, und Katharina Zumstein von Lungern, des

Johann. — Luigi Fern, Maurer von Caprino (Italien), in Engelberg,

des Josne, und Maria Hurschler, geb. Amstutz, Hebamme von

Engelberg, des Jakob. — Maurns Amstutz, Viehwärter von Engelberg,

in Monsheim (Hessen), des Jos. Maria, nnd Charlotta Gleber

von Wachenheim, des Georg Thomas.

Kirchliche i Gedächtniß.

Montag den lt. Jänner wird in der Pfarrkirche in Kern«

Gedächtniß für die in EnnetmooS gestorbene Frau Chriftina

Bunter geb. Röttili» gehalten. Freunde nnd Verwandte werden

zn zahlreicher Theilnahme gebeten.

av

Kirchliche i Gedächtniß.

Montag den 11. Jänner wird in der Pfarrkirche in Sächseln

die dritte Gedächtniß für Jungfrau Anna Maria von Flüe,

Andaresen, gehalten.

Kirchliche i Gedächtniß.

Mittwoch den 13. Jänner wird in der Pfarrkirche in Ker nS

der erste Jahrestag für Frau Marie Etti» geb. von Oeschwanden,

Bord, gehalten

av

Danksagung.

Die große, ebenso aufrichtige als rührende Theilnahme,

welche sich beim Tode unseres geliebten Vaters und Bruder»

Melchior v. Deschwanden

kund gegeben im ganzen theuren Obwaldnerlande, ganz besonders

in unserer Vatergemeinde KernS, wo sich der Verstorbene

ein Denkmal gestiftet, uud in der Gemeinde Lungern, wo

er seine einst rüstige ManiieSkraft zum allgemeinen Wohle

eingesetzt hat, legt UNS die wehemüthige aber angenehme

Pflicht auf. Allen unsern herzlichen D.u>k zu bezeugen.

Möge Gott eS Alle», welche unserem lieben Verstorbenen

ein so trene«, dankbares und frommes Andenken durch ein

halbe« Jahrhundert, ja selbst über das Grab hinaus bewahrt

haben und noch bewahren werden, reichlich vergelten!

Die Familie Deschwanden.

Bibliothek des Piusvereins Sarnen.

Die Abonnenten werden ersucht, alle Bücher beförderlichst zurückzugeben

behufs jährlicher Revision.

Adalhert Wirz.

General -Versammlung

des Männerkrankeuvereins vom Freitheilbezirk Sarnen

Sonntag den 17. Jänner um 3 Uhr Nachmittags

in der Wirthschaft des Hrn. Staatsanwalt I. Seiler

in Kirchhöfen.

Traktanden:

1. Wahl der Stimmenzähler.

2. Verlesen des Protokolls der letzten Vereinsversammlung.

3. Kenntnißgabe der Jahresrechnung, des Vereinsvermögens, der den

Verein betreffenden Buchführung zc

4. Kenntnißgabe über die projektirte Gründung eines Vereins für

Versicherung bei Todesfälle» und eventuelle diesbezügliche

Schlußnahmen.

5. Ergänzung des Verwaltungsrathes. Im Austritte befinden fich

die HH. Theodor HaaS-Amstalden, Kassier. Josef Emmenegger,

Pfleger und Josef Amfchwand, Aktuar.

K. Wahl von drei Rechnungsrevisoren und einem Ersatzmann.

7. Wahl des VereinSweibelS.

8. Allfällige nach Art. 27 der Vereinsstatuten zn stellende Anträge.

Sämmtliche HH. Ehren- und Aktivmitglieder werden zu zahlreichem

Erscheinen bestens eingeladen.

2av

Der Verwattungsrath.

Versammlung

der Sektion Kerns des Obwaldner Bauernvereins

Sonntag den 10. Jänner 1886, Abends 7 Uhr,

bei der „Krone" in Kerns.

Berathung über Gründung einer Viehversicherung, wozu die

Vereinsmitglieder sowie sämmtliche Viehbesitzer zu zahlreicher Theilnähme

eingeladen werden.

a» Sektion KernS.

19a

Unübertrefflich an Feinheit des Geschmackes: (Misssz) 19»

in p lG k f blag i en Ä S S i g I " H l . © l l I © Erbsen- u. I !'"" »-

'/, Kilo Pakete und offen

Semmel - Meltle.

S c h w e i z e r i s c h e R e n t e n a n s t a l t .

XXIX. Jahrgang.

Die fälligen Renten können vom 2. Januar an bezogen werden.

Die auf Prämien Versicherten werden hiemit daran erinnert, daß die Prämien pro 1886 mit dem 1. Januar verfallen

und franko einzusenden sind.

Die Versicherten werden im Interesse schnellerer Spedition dringend ersucht, dabei die Rummern ihrer

Policen anzugeben.

Neue Versicherungsverträge können jederzeit eingeleitet werden bei

NiklauS Hartmann in Luzern,

la2v

Generalagent für die Centralfchweiz, und dessen Agenturen.

Danksagung nnd Empfehlung.

Indem wir unsern werthen Freunden und Gönnern anläßlich

de» Jahreswechsel« unsere herzlichsten Glückwünsche entbieten, verdanken

wir daZ uns bi«an geschenkte Zutrauen besten« und empfehlen

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Das

päpstliche Rundschreiben.

IV.

Es ist unsinnig, anzunehmen, daß es gleichgültig

f et, zu welcher Religion man sich bekenne, da die konfessionellcn

Lehrmeinungen in den wichtigsten Fragen

in so großem Widerspruche stehen und deßhalb sicher

nicht dem Allerhöchsten in der gleichen Weise als wahr

und gut erscheinen können. Die jeder Schranke entzogene

Freiheit, zu denken und seine Gedanken kundzugeben,

ist also an und für sich kein Gut, dessen sich

die Gesellschaft zu rühmen hätte, sondern sie ist vielmehr

die Quelle vieler Uebel.

Der Mensch erreicht seine wahre Bestimmung nur,

wenn er die ihm vom Schöpfer gewährte Freiheit des

Geistes und des Willens in den Dienst der Wahrheit

und der Tugend stellt. Deßhalb ist denn auch jene

Zügellosigkeit verwerflich, welche unter dem Schutz der

Gesetze das Reich der Wahrheit und der Tugend in

den Herzen der Jugend und des Volkes zu zerstören

sucht. Die Kirche Christi ist die wahre Lehrerin der

Tugend und die Hüterin reiner Sitten und der Staat

handelt daher weder vernunftgemäß, noch in seinem

Interesse, wenn er die Kirche zu unterdrücken strebt.

Der hl. Vater beruft sich auf die Erlasse seiner

Vorgänger Gregor XVI. und Pius IX. um darzuthun,

daß sie den in der vorliegenden Encyklika entwickelten

Grundsätzen gehuldigt und die entgegengesetzten Lehren

verurtheilt haben. Nicht in der Trennung von Kirche

und Staat, noch weniger im Kampfe zwischen beiden,

sondern in jener Eintracht, welche sich in Uebereinstimmung

befindet mit den Aufgaben beider, liegt das Wohl

der menschlichen Gesellschaft begründet.

Der hl. Vater betont nochmals, daß die von ihm

dargelegten Grundsätze keine Re^ierungssorm verwerfen,

sondern daß alle, wenn sie mit Weisheit und Gerechtig.

keit gehandhabt werden, die öffentliche Wohlfahrt sichern

können. Ebenso wenig verwirft er eine mehr oder weniger

weitgehende Theilnahme des Volkes an der Regierung,

welche unter gewissen Umständen nicht nur ein Vortheil,

sondern auch eine Pflicht für die Bürger ist.

Niemand kann mit Grund die Kirche beschuldigen,

daß sie eine Feindin der wahren Toleranz und Freiheit

sei. Wenn sie die sämmtlichen Religionsbekennt

nisse nicht auf den gleichen Fuß gestellt wissen will,

wie die wahre Religion, so verurtheilt sie deßhalb die

jenigen Regierungen nicht, welch- aus Zweckmäßigkeitsgründen

den verschiedenen Religionsgesellschaften

ihren Platz im Staate anweisen. Im Uebrigen wacht

die Kirche mit aller Sorgfalt, daß Niemand gezwungen

werde, den katholischen Glauben anzunehmen.

Der Papst erklärt, daß die Kirche die wahre Frei

heit keineswegs verurtheile nnd beruft sich darauf, daß

seine Vorgänger und überhaupt die kirchlichen Würden-

. träger die Freiheit der Völker, der Gemeinden und der

i Einzelnen jederzeit gegen Willkür und Gewaltherrschaft

'in Schutz genommen und gar oft vor roher Unter-

- ->rückung und Ausbeutung bewahrt haben. Ebenso wenig

* .ehe die Kirche dem wahren Fortschritt in den Wissen-

Haften und in der Civilisation feindlich gegenüber,

ielmehr befördere sie Alles, was dazu dienen könne,

das menschliche und gesellschastliche Leben in Wirklich

keit angenehmer und glücklicher zu gestalten und dem

menschlichen Geiste neue Gesichtspunkte der Thätigkeit

zu eröffnen. Jedoch betrachte die Kirche nur dasjenig

als eine wahre Errungenschaft, was den Menschen nicht

von seinem ewigen Ziele abbringe, sondern vielmehr

auf dem Wege zu demselben fördere.

Die Anwendung der in der Encyklika enthaltenen

Vorschriften hat sich auf das private und öffentliche

Leben zu beziehen. Jeder katholische Christ hat die

Pflicht, sein Leben nach den Lehren des Evangeliums

und den kirchlichen Satzungen einzurichten und nach

christlicher Tugend und Vollkommenheit zu streben. Im

öffentlichen Leben haben die Katholiken in denjenigen

Fragen, welche die Religion und das Gewissen berühren,

sich an die Lehre der Kirche und an die Aussprüche

der Päpste zu halten und in treuem Anschluß

an die Bischöfe, welche der hl.. Vater gesetzt hat, die

Kirche Gottes zu regieren, ihre Kraft für das öffentliche

Wohl eirzufetzen. Mit Nachdruck ermahnt der hl.

Vater die überzeugungstreuen Katholiken, an den staat»

lichen Angelegenheiten eifrig Antheil zu nehmen. Nur

in ganz ausnahmsweifen Verhältnissen, wobei er offenbar

die gegenwärtigen italienischen Zustände im Auge

hat» sei den Katholiken die Theilnahme am öffentlichen

Leben verunmöglicht. Im Allgemeinen aber seien sie

es ihrem Gewissen und der Sorge um die öffentliche

Wohlfahrt schuldig, sich im politischen Leben zu bethätigen,

indem sonst die Leitung desselben überall in

kirchenfeindliche Hände gelangen müßte. Die Katholiken

sollen sich größtmöglicher Eintracht befleißen. In Fragen,

welche nicht durch das kirchliche Lehramt entschieden,

sondern der freien Meinung jedes Einzelnen überlassen

sind, sollen mit Mäßigung und ohne gegenseitige

Verdächtigungen und ungerechte Anklagen Erörterungen

gepflogen werden. Besonders solle man sich hüten, Männer

eines Mangels an Rechtgläubigkeit zu beschuldigen,

deren Frömmigkeit und Unterwürfigkeit unter die Ent

scheidungen des hl. Stuhles außer Zweifel stehe, wenn

sie auch in gewissen, der freien Prüfung anheimgegebenen

Fragen anderer Ansicht seien.

Zum Schlüsse mahnt der hl. Vater ganz vorzüglich

die Männer der Presse, die Eintracht zu pflegen und

allen innern Zwistigkeiten Halt zu gebieten. Wenn in

der Vergangenheit Zwistigkeiten vorgekommen seien, so

sollen sie in einem aufrichtigen Vergessen begraben und

alles Unrecht, das begangen worden sein mag, soll

durch gegenseitige Liebe gesühnt werden. Mit Geist und

Herz sollen Alle nach dem einen, gemeinsamen Ziele

streben, die großen Interessen der Religion und der

Gesellschaft zu retten. Wenn die Katholiken die in der

Encyklika niedergelegten Lehren befolgen, so unterstützen

sie einerseits die Kirche in der Bewahrung und Ver

breitung der christlichen Heilslehre und anderseits erweisen

sie einen ausgezeichneten Dienst der menschlichen

Gesellschaft, deren Wohlfahrt durch die verderblichen

Lehren und Leidenschaften in hohem Maße bedroht wird

Der

Wetterschaden in Ridwatden

vom 4. 3uCt 1883.

Vor uns liegt eine Brochurc, betitelt: „Die Verheerungen

des Lieli- und Trästlibaches in Beckenried

und der Wetterschaden in Nidwalden am 4. Juli 1883".

Dieses Werklein, von Herrn Landammann und National»

rath Rob. Dur er im Auftrage des Centralhülfskomites

verfaß:, fckildert in höchst anziehender und formgewandter

Weise jene unglückselige Katastrophe, welche

über das Dorf Bcckenried so enormen Schaden, so

namenloses Elend gebracht. Erst wenn wir die ergreisenden

Schilderungen der meist vom Unglück selbst betroffenen

Augenzeugen lesen, bekommen wir eine annähernd

richtige Ahnung von dem Schrecken des für

Bcckenried so verhängnißvollen 3. Jnli 1883. Sogar

ein theures Menschenleben ging verloren, ein freilich

unberechenbarer Verlurst, wie der Bericht sich treffend

ausdrückt. Nachdem nämlich Anton Gander angesichts

des furchtbaren Unwetters in der Ridlikapelle Pflichtgemäß

„über Wetter" geläutet, wollte er, wie zweifelsohne

anzunehmen, in den „Trästlibach" , um dorten

Sicherungsvorkehren zu treffen. Von diesem Augenblicke

an hörte und sah man von Gander bis aus die

heutige Stunde nichts mehr.

Als sodann die Knnde von der verheerenden Katastrophe

hinausdrang in die Gauen des Schweizerlandes;

als der Hülferuf für die meist armen Beschädigten allüberall

erscholl, da zeigte und bewährte sich aufs Neue

und Glänzende der opferwillige Sinn der Miteidgenosfen

von Nah und Fern. Das sofort behufs Organifation

der Hülfsarbeiten und Liebesbethätigung niedergesetzte

Centralkomite fand allenthalben das bereitwilligste Entgegenkommen.

Der Nidwaldner Landrath votirte in

außerordentlicher Sitzung eine sofortige Staatsunterstütznng

von Fr. 3000, ordnete im Weiter» eine amt.

liche Schadensabschatzmig an und ertheilte Weisungen

hinsichtlich Sammlung von Liebesgaben im eigenen

Kanton. Von allen Seilen liefen nicht nur Zuschriften

voll herzlicher Theilnahme und voll aufrichtigen Beileides

ein, sondern nicht minder auch Beweise werkthätiger

Hülfe. Sogar vom Auslande sandte der patriotische

Brudersinn einiger braver Schweizer ansehnliche

Gaben. Auch S. Heiligkeit, Papst Leo XIII., übermittelte

zur Linderung der Noth eine angemessene

Unterstützung.

Der angerichtete Schaden beträgt laut amtlicher

Schätzung Fr. 204,183. Die Gefammtsumme der erhaltenen

Hülssgelder erreichte den schönen Betrag von

Fr. 52,876. 84. Obwalden ist hiebei mit Fr. 2l04. 30

in ehrenvoller Weise vertreten, zumal wenn, wie Herr

Landammann Durer richtig hervorhebt, in's Auge gefaßt

wird. daß Obwalden gleichzeitg auch von Hagelschlag

und Überschwemmung zu leiden hatte. Mit der

Versicherung tiefgefühltesten Dankes au Alle, welche

das Liebeswerk mit Wort und That gefördert, schließt

die verdienstliche Darstellung. Der umsichtigen Organisation

und Durchführung der Liebesgabensammlung

gebührt entschieden Anerkennung und Beckenried verdankt

der regen Thätigkeit des Hülfskomites viel, sehr

viel. Die Elemente hassen das Gebild von Menschen-

Hand, sagt der Dichter. Die Wahrheit dieses Dichterwortes

empfand Beckenried am 4. Juli 1883 sehr

schwer. Aber der Opsersinn des Schweizervolkes stand

als schützender Genius zur Seite, bereit, die von rohen

Naturgewalten geschlagene Wunde mit mildthätiger

Hand 'zu heilen. So wird und soll es auch in Zukunst

gehen.

Eidgenossenschaft.

— Militärisches. Der Bundesrath hat Herrn

Major Henggeler zum Oberstlieutenant befördert und

demselben, an Stelle des Herrn Oberst Roth, das

Kommando des 16. Infanterieregimentes (.Auszug)

übertragen.

— Münzwefen. Znr Einlösung der 20«, 10-

und 5-Rappenstücke alten Gepräges mit Wappenschild

wurde vom Bundesrath ein letzter Termin bis 31.

März 1886 anberaumt.

— Das eidgen. Finanzdepartement macht bekannt,

daß die italienischen Silberscheidemünzen wieder in der

Schweiz zirkulationsfähig geworden sind und von den


eidgen. Kassen, sowie von den Greuzzoll-, Post- und

Telegraphenbureaux an Zahlungsstatt angenommen

werden.

— Schweizer in der Fremde. Wie den

„Emmenth, Nachr." gemeldet wird, sind dieser Tage

22 Schweizer mit einander aus Amerika in die Schweiz

gekommen, sämmtliche in der Absicht, sich Schweizerinnen

als Gattinnen zu holen. Es haben diese Söhne

TellS auch in der Fremde die Töchter der Heimat

nicht vergessen können und sich mit dem Wesen der

Amerikanerinnen nicht recht zu befreunden vermocht.

O b w a l d e n.

— Aus dem Negierungsrathe. Aus Montag

den 8. Febr, wird Sitzung des h. Kanton srathes

anberaumt. — verr Kantonsrath Pi us Wallimann

in Alp nach wird zum Hanptmann der 3. Kompagnie

ernannt. — Das Organisationskomite für die Säkularseier

der Sempacher Schlacht drückte den Wunsch

aus. daß Obwalden 25 kostümirte „alte Krieger" zum

Volksschauspiel stellen möge. Mit Rücksicht daraus,

daß eine große vaterländische Feier wegen des vierhundertjährigen

Todestages des sel. Landesvaters

in Sächseln bevorsteht, und in Anlehnung an das

ablehnende Verhalten der h. Regierungen von Schwyz

und Ridwalden erhält das Gesuch höflich ablehnenden

Bescheid, wobei übrigens auf die Bereitwilligkeit für

Spendung eines Wappenschildes in Form eines Glasgemälves

für die Schlachtkapelle und der Stellung des

Pannerträgers und der Harsthornmänner für den Festzug

hingewiesen wird.

— Summarische Znsammenstellung der

Ehen, Geburten uud Sterbefälle im Jahre

1835:

Ehen Geburten Sterbefälle

Tarnen 19 56 27 81 2* 83 39 36 75

Kerns 10 23 24 47 — 47 17 15 32

Sächseln 8 16 24 39 1 40 12 8 20

Alpnach 5 21 18 37 2 39 8 8 16

Giswil 3 14 12 25 1 26 6 20 26

Lungern 13 24 29 5t 2 53 18 13 31

Engelberg 5 40 20 60 — 60 25 25 50

Total 63 194^54 340 8 348 125 125 250

* Nach dem Bnrgerprinjipe entfallen vo» diesen 2 unehelichen

Geburten 1 auf Sächseln und t auf GiSwit.

Lungern. (Korresp.) Endlich besitzt auch Lungern

einen Männerkranke»verein. Nachdem bereits

zwei vorberathende Versammlungen stattgefunden, wurde

derselbe Sonntag den 10. ds. Mts. endgültig gegrün -

det. Es haben sich für denselben 84 Aktive und ein

Ehrenmitglied angemeldet. Es wird sich aber die Zahl,

sowohl der Aktiven, als Ehrenmitglieder in Bälde noch

erheblich vermehren. Möge dem Benjamin der obwaldnerischen

Krankenvereine eine recht glückliche Zukunft

beschicken sein 1

Zürich. Nächsten Montag wird am Technikum

in Winterthur ein Fachkurs für Schuhmacher

eröffnet, der bis zum 31. Januar dauert. Die Unterrichtszeit

ist auf täglich 8 Stunden festgesetzt (von

8 — 12 und von 2 — 6 Uhr). Unterrichtsfächer sind:

/ m l U t u n .

K. Die Tieferlegung des Lungererfees.

Zur Svjährigen Erinnerung.

(Fortsetzung.)

Kaum hatten sich die politischen Stürme ein wenig

gelegt, da dachten die Lungerer schon wieder an die

Tieferlegung des Sees. Sie sahen aber wohl ein, daß

sie dieses Werk ohne Hülfe von Außen nicht zu vollen«

den vermögen. Die Kasse war leer. Man hatte

4800 Gl. geliehen, welche man alljährlich verzinsen

mußte. Die einzelnen Haushaltungen hatten nicht un

bedeutende Opfer gebracht. Die Baumwollenspinnerei,

mit der sich früher ein großer Theil beschäftigt hatte,

trug nichts mehr ein. Der Wohlstand der Gemeinde

hatte sich wegen verschiedener Unglücksfälle vermindert.

1708, 11. Mai verbrannte Obfee mit 46 Firsten und

den 11. März 1739 ein großer Theil vom Dorf mit

der Kapelle, 16 Häusern, 8 „Gäden" und 5 Speichern.

Der „Viehpresten". auf Breitenfeld raffte in wenigen

Jahren mehr a!s 100 Stücke dahin. Dazu kamen noch

Kriegssteuern und Einquartirungen während der Revolution.

In dieser Noth wandte sich Landammann

Michael von Flüe den 11. Juni 1802 an den kleinen

Fußkenntniß, Fußpflege, Lehre von der richtigen Form

der Leisten und Herrichten derselben, Musterzeichnen

und Musterschneiden nach geometrischem System für

sämmtliche vorkommenden Fußbekleidungen, Fachzeichnen,

Kenntniß der Rohmaterialien und vortheilhafte

Eintheilung derselben. Ausschnittlehre und Berechnung

der Materialien und der fertigen Arbeiten, Vorführung

praktischer Neuheiten, Kenntniß der Werkzeuge.

— Am 2. Juli 1885 wurden auf dem Waffenplatz

Frauenfeld infolge des Platzens einer Granate

zwei Zürcher Kanoniere getödtet, ein dritter schwer

verletzt und des Augenlichtes beinahe beraubt. Den

Familien der beiden Getödteten wurden vom Bundesrath

jährlich Pensionen von Fr. 250 und 320 bewilligt,

dem invaliden Ueberlebenden Fr. 600; zu

den Pensionen der beiden Familien macht überdies

die zürcherische Winkelriedstiftung einen Zuschuß von

je Fr. 200 jährlich, zu derjenigen des beinahe gänzlich

Erblindeten einen solchen von Fr. 300.

Bern. Vorletzten Samstag hatte der 13jährige

August Choulat in Puntrnt im Austrage seines Vaters

100 Fr. für gelieferte Holzschuhe bei einem Krämer in

Empfang zu nehmen. Hinten in der Stube tranken

einige Korbmacher Schnaps und sahen, daß dem Kinde

jene Summe übergeben wurde. Zu seinen Eltern kehrte

der Knabe nicht mehr zurück und erst nach eifrigen

Nachforschungen der Polizei wurde am Montag Nach»

mittags sein entsetzlich verstümmelter Leichnam in einem

Tannenwald zwischen Alle und Puntrut aufgefunden.

Jene Korbmacher, aber auch ein Straßenarbeiter wurden

verhaftet; bei letzterem fand man den Holzschuh, der

zu jenem paßt, der neben der Leiche lag und womit

der Knabe todtgeschlagen worden ist.

— „Gyrenjäger" Schild in Brienz hat am Neujahrstage

den fünften Steinadler in diesem Winter

erlegt.

Uri. Die Landrathssitzung vom 28. v. M. wurde

von Herrn Landammann Muheim mit einer ächt

staatsmännischen und von weisem Patriotismus und

Zeitverständniß getragenen Neujahrsrede geschlossen.

Redner besprach vornehmlich die Kulturaufgaben des

Staates. Speziell wurde betont die Eindämmung der

Wildwasser, die Oeffnung neuer Verkehrsadern und die

Gründung einer Erziehungsanstalt für verwahrloste

Kinder. Ein warmer und sicher auch erfolgreicher

Apell an die Opferwilligkeit der Privaten soll den

bescheidenen staatlichen Finanzquellen ergänzend an die

Seite treten. — Sowohl der katholische Gesellenverein,

als der Grütliverein veranstalteten eine Christbaumfei

er. Der Erlös aus der Versteigerung der den

Baum schmückenden Gegenstände wurde der neu zu

gründenden Erziehungsanstalt zugewendet und diese

dadurch mit Fr. 200 beschenkt. — In Amsteg starb

K a p l a n A r n o l d, 75 Jahre alt. Er hatte die dortige

Kaplaneipfründe während 47 Jahren bekleidet.

Scbwyz. Der Verschönerungsverein von Gersau

hatte die nunmehr rasch ihrer Vollendung entgegengehende

Straße Vitznau-Gersau auf beiden Seiten mit

einigen hundert jungen Bäumen anfianzen lassen;

Zierbaum wechselte mit Obstbaum. In letzter Zeit

wurden von ruchloser Hand aus unbekannten Gründen

sämmtliche Zierbäume der Allee durchsägt.

Ridwalden. HergiSwil. (Corresp.) Vom 1.

bis 8. Januar fand in HergiSwil eine Volksmission

statt, und zwar unter höchst zahlreicher Betheiligung

der hiesigen Pfarrgemeinden. Dreimal täglich war

unsere schöne neue Kirche von Andächtigen angefüllt,

welche mit gespannter Aufmerksamkeit den populären

Rath der helvetischen Regierung, der schon vor zwei

Jahren 15 Zentner Puluer und 2000 Frkn. an das

Seeunternehmen geschenkt, und bat um eine Unterstütznng

für die arme Gemeinde Lungern. Dieser übergab

die Sache der Bergwerkkommission zum Untersuch

und zur Begutachtung. Bergwerkdirektor Grnoner wurde

deßwegen nach Lungern geschickt, wo er schon früher

zwei Mal die Arbeiten angeschaut. Dieser erklärte, daß

der Gewinn, wenn die Sache gelingen würde, „sehr

groß" sei und daß, es „eine ungemein heilsame und

vortreffliche Verbesserung" wäre. Erfahrene Männer

haben sich „durch die Bank" günstig für das Unternehmen

ausgesprochen; dessenungeachtet habe Keiner

einen Plan zum Durchbruch gemacht und deßwegen

habe man das Werk so leicht und sorglos begonnen.

Er habe sie besucht, als sie bloß 10 Klafter vorgerückt

waren und habe sie damals umsonst auf die Unmöglichkeit

und die Gefährlichkeit ihres Unternehmens aufmerksam

gemacht. Jetzt, da die Arbeit schon nahezu

200 Klafter vorwärts gerückt und man nichts Anderes

thun könne, als fortfahren, habe man ihm die Leitung

übergeben wollen, er habe sie aber abgelehnt, weil er

glaube, daß der Plan verfehlt sei, und ihnen bloß

einige Bemerkungen gemacht, wie z. B., daß sie vom

geraden Weg abgewichen und mit dem Stollen wieder

ans die Hauptrichtung einlenken müssen. Er beantragt

dem kleinen Rath der helvetischen Republik, dieses

Vorträgen der Missionäre lauschten. Feierlich war

der Schlußabend. Nach dem letzten Vortrage des

P AloiS erneuerte das gesammte Volk das katholische

Glaubensbekenntniß, wobei alle Anwesenden brennende

Kerzen in der Hand trugen. Es war ein erhebender,

rührender Akt. Alte Leute versichern, in ihrem Leben

noch nie eine so ergreifende religiöse Handlung gesehen

zu haben.

* Zug. In Folge Ablehnung des Herrn Dr.

Schmid von Baar verlor leider die konservative

Fraktion des Ständerathes wieder einen ehrenwerthen

und tüchtigen Vertreter, der mit wissenschaftlicher Bildung

und loyaler Kollegialität politische Charakterfestigkeit

verband. Wir freuen uns der glänzenden

Wiederwahl des auch im Obwaldnerlande gutbekannten

Biedermannes, des Herrn Ständerath Kaiser. Wir

zweifeln nicht daran, daß sein neugewählter Kollege,

Herr Ständerath Hilde brand, in den Fußstapfen

feines verdienten seligen Onkels wandeln wird. Es

fehlte nicht gar viel, so wäre in die Phalanx der Rechten

im Ständerathe Bresche geschossen worden. Es hätte

dieß natürlich die Stellung der Rechten in der Bundes-

Versammlung in hohem Grad erschüttert, und Konservative,

welche zu folchartigen Eompromissen wenn auch

nur durch Stimmenthaltung helfen, verdienen Alles

eher, als die Ehrenmedaille für politische Consequenz

und Einsicht. Man kann nur dann mit Erfolg gemäßigt

sein, wenn man über ein gewisses Maß von

Macht und Einfluß zu verfügen hat, und der Ständerath

ist gerade in d e in Maße der richtige Vertreter

der schweizerischen Volksmehrheit, als er den radikalen

und kulturkämpferifchen Ausschreitungen ein gebieterisches

Halt entgegensetzt. Gerade für die Ausbildung des

eidgen. Rekursrechtes in konfessionell politischen Gebie«

ten ist der Ständerath eine hochwichtige Behörde, und

die kleinern katholischen Kantone können ihren Einfluß

nirgends besser geltend machen, als im Ständerath.

Aber dazu bedarf es der Eintracht und Entschiedenheit,

und so sehr wir Freund jeder berechtigten Minoritäten-

Vertretung sind, so absurd erscheint uns die Znmuthung

einer Minoritätenvertretung da, wo sich in einer

eminent politischen Behörde eine Partei zu politischer

Bedeutungslosigkeit verdammen soll.

— Bei den Wa h l e n vom letzten Sonntag wurden

die konservativen Hh. Kaiser und Staatsanwalt

Hildebrand als Ständeräthe gewählt. Der Regierungsrath

wurde aus fünf konservativen und zwei liberalen

Mitgliedern bestellt. Die vom ganzen Kanton in Einem

Wahlkreis- zu treffenden 15 Kantousrathswahlen fielen

durchaus nach der konservativen Liste aus, während bei

den 4 Nachwahlen in der Stadt Zug die Liberalen

mit einer durchschnittlichen Mehrheit von 114 Stimmen

siegten. Bei einer Nachwahl in Baar unterlag

der Kandidat der Liberalen.

Freiburg. Ein merkwürdiger Vergiftuugs«

fall ist im Dörfchen Oberried vorgekommen. Ein da»

selbst begüterter Landwirth hatte ein Stück Vieh durch

den Milzbrand verloren und dasselbe sofort verscharren

lassen. Des andern Tages vernahm er, daß das Thier

ansgegrabeu worden sei und er ging hin, um sich dessen

zu vergewissern. Das Loch war zwar wieder zugedeckt,

doch mußte er sich, nachdem er mit seiner Hacke nachgegraben,

überzeugen, daß der Diebstahl wirklich stattgefunden.

Auf^ dem Rückwege scheint ihm nun die

Hacke von der Schulter geglitten zu sein, wobei sie ihn

leicht an der Wange verwundete. Sehr bald stellten

sich 'Anzeichen einer starken Vergiftung ein, so daß der

Verletzte nach Bern in den Juselspital transportirt

Werk zu unterstützen unter der Bedingung, daß es in

sachkundige Hände gelegt werde, und erklärt den Durchbruch

als „eine der allergefährlichsten und schwierigsten

Arbeiten des Bergmannes, das schwerste Meisterstück

in seiner Art." 1803, 14. Hornnng wurde dann beschlössen,

an das Unternehmen 20 Zentner Pulver zu

geben. 1803, 25. Juni empfiehlt die Regierung von

Obwalden die Gemeinde Lungern bei der Tagsatzung

und bittet um Erlaubniß, für dieselbe eine allgemeine

Collekte aufnehmen zu dürfen. Die Tagsatzung gestattet

es den 30. Juli 1804, nachdem Berghauptmann Schlatter

den 21. Juli über den gegenwärtigen Stand des

Unternehmens einen Bericht verfaßt, die noch übrigen

Kosten des Durchschlages auf 21,680 Fr. berechnet und

durch Pläne die Sache anschaulich gemacht. Die Tagsatzung

wünschte, daß der Landrath von Obwalden an

jeden Kanton eine Empfehlung und den Bericht eines

Experten sammt Kostenberechnung senden möchte.

Es wurde nun Pfarrer Jmfeld in Lungern ersucht,

„Ein Wort zur Empfehlung" zu schreiben. Dieser

übersandte den 7. März 1805 seine „unreife Kopfgeburt"

dem Landammann Michael von Flüe, welche

dann den 23. März vom Landrath gutgeheißen und

zum Druck befördert wurde. Solche Empfehlungen

sammt Kostenberechnung wurden nun an die Kantonsregierungen

und Klöster abgesendet und es flössen

einige Beiträge. Die meisten entschuldigten sich, daß


werden mußte, wo er nur mit Anwendung einer sehr

energischen Behandlungsmethode gerettet werden konnte.

Was auS dem Fleisch des gestohlenen Thieres geworden,

ist noch nicht ermittelt.

Graubünde». In Chur sind einige Wagenladungen

StrohauSAmerika angekommen. Dasselbe

ist wie Baumwollballen verpackt und kommt bil>

liger als einheimisches zu stehen.

Sl. Gallen. Beim Steinsprengen im Steinbruche

in St. Margarethen hatte ein Schuß dem Anscheine

nach versagt. Der 43jährige Steinbrecher Joh. Bapt.

Zanolin eilte hinzu und wollte eine zweite Zündschnur

anbringen. Da explodirte die Ladung und riß dem

Bedauernswerthen den Bauch bis zur Brust auf und

zerfleischte ihm überdieß noch das Gesicht. Nach einer

qualvollen Stunde hauchte der Arme da« Leben aus.

Der Steinbruchbesitzer und ein Arbeiter, die während

der Explosion ebenfalls keinen Meter weit von der

Unglücksstelle weg sich aufhielten, kamen wunderbarer

Weise mit heiler Haut davon.

Neuenburg. Zwei junge Neuenburger Lehrer

reisten am 31. Dezember in Begleitung eines Genfers

nach Costa-Rica (Südamerika) ab, wohin sie vom

Präsidenten dieser Republik berufen wurden, um daselbst

eine Normalschule nach den Grundsätzen der

modernen Pädagogik zu errichten.

A u s l a n d .

Deutschland. Freitag Abends brannte in

Aachen eine große Baumwollspinnerei nieder. Bei

dem raschen Umsichgreifen des FeuerS wurde mehreren

Arbeitern der Rückweg abgeschnitten. Zwei Frauen

hatten sich auf das Dach geflüchtet, aber auch dieses

war im Nu von den Flammen ergriffen, es sank zusammen

und die Unglücklichen stürzten in die Gluth.

Verschiedene Arbeiter retteten sich an Riemen, Winden

u. s. w., wobei sich manche nicht unerheblich verletzten

Ein Meister verlor sein Leben, als er noch rasch

Einiges von seinen Habseligkeiten holen wollte. Im

Ganzen sollen siebenzehn Personen der Katastrophe

zum Opfer gefallen sein.

Oesterreich. Die Wiener Pollzeioireftion hat

ein Verbot gegen das Erscheinen aus Maskenball en

in Mönchs« und Nonnen trachten erlassen. In

der polizeilichen Anordnung heißt es: „Da diese Klei--

dung, abgesehen davon, daß deren ernster Charakter im

grellen Gegensatze zu dem Charakter der Feste steht,

um so mehr Aergerniß zu erregen geeignet ist, je mehr

die Träger der Kleidung den Abstand zwischen dem

mit den religiösen Ordensregeln in Verbindung stehen«

den Kleide und der Lustbarkeit hervortreten lassen, so

erscheint die Verwendung von Mönchs- oder Nonnenkostümen

auf Tanzunterhaltungen gerade so unstatthaft,

wie die Verwendung von Kostümen, welche Sitte und

Anstand verletzen."

— Schon seit vielen Jahren ist Wien von keinem

so starken Schneefalle heimgesucht worden, wie am

10. und 11. d. Die gefallenen Schneemassen sind so

groß, daß es kaum möglich war, die Häuser zu ver«

lassen und die Straßen zu passiren, bevor Fußwege

ausgeschaufelt waren, da der Schnee durchschnittlich

1"/, Fuß hoch war. Dazu kam, daß der starke Nord-

West den Schnee von den Dächern in die Straßen her«

abgeworfen und daselbst zusammengeweht hatte. Welche

Anstrengung die Freimachung des Verkehrs kostete, läßt

sich wohl daraus ermessen, daß die Transportgesellschaft

6000 Arbeiter, die Gemeindeverwaltung und die Tramsie

wegen Bulle, welches kurz vorher abgebrannt und

wegen den Revolutionskosten nicht viel geben können.

Die Aebtissin von Däniken gab 2 Louisdor mit der

Bemerkung, daß das Kloster monatlich 570 fl. Steuer

bezahlen müsse. Der Abt von Wettingen schrieb, das

Kloster müsse 60,000 Frkn. Kriegssteuer bezahlen und

habe sonst noch viele Beschädigungen gelitten. Als wieder

einiges Geld vorhanden war, wandte sich die Seegesellschast

an den Berghauptmann Schlatter, der 1791

nach der Entlassung von Joh. Caspar Deggeler aus

Schaffhausen Direktor des Bleibergwerkes geworden,

der schon mit Deggeler und auch nachher in Lungern

war und ihnen schon seit Jahren ein besonderes Wohlwollen

bewiesen hatte. Dieser verdankt den 7. März

1806 das Zutrauen und erklärt, daß er trotz der vielen

Geschäfte die Leitung bei der Tieferlegung übernehmen

wolle, und wünscht, daß sie den Werkmeister Haller

einladen, mit ihm nach Lungern zu gehen und die

Holzarbeit für die nöthige Maschinerie zu übernehmen.

Vom 7. — 10. Juni waren sie miteinander in Lungern.

Im Berichts vom t. Juli, den sie sür den Landrath

versaßt, erklärten sie: Die Ausführung sei mög«

lich und gefahrlos für Giswil, sofern nicht Unvorhergesehenes

eintritt, aber sehr schwer. Sie lehnten jede

Verantwortlichkeit ab, wenn die Sache nicht gelingen

sollte und verlangten, daß es ihnen an der Ehre

durchaus nicht schade. Wegen dem Bergsturz von

way-Gesellschaft zusammen beinahe ebenso viele in

Verwendung nahm. Erst von halb 10 Uhr konnten

die Pfcrdcbahnwagen, und auch dann nur mit Vorspann

verkehren. Nach ungefährer Schätzung belanfen sich

die Kosten für die Beseitigung der Schneemassen aus

40,ODO Gulden.

— In Temeswar (Ungarn) haben in der dortigen

Staats Tabakfabrik 3000 Arbeiter wegen schlechter Be-

Handlung und geringer Löhne die Arbeit eingestellt.

Frankreich. Das Ministerium Freycin'et

hat sich endlich zusammengesetzt. Freycinet übernimmt

den Vorsitz und die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten.

Ein großer Theil der bisherigen Minister

bleibt im Amte. Man kann das jetzige Kabinet als

ein Uebergangsministerium bezeichnen, das zwischen

dem Opportunismus und dem radikalen Flügel in der

Mitte steht; ob dasselbe sich lange halten wird, ist

zweifelhaft.

Im Allgemeinen wird das neue Ministerium günstig

aufgenommen. ES will dasselbe für die nächste Zeit

besonders drei Aufgaben in's Auge fassen: Die Herstellung

des Gleichgewichtes in den Einnahmen und

Ausgaben, die Verminderung der Kosten für die

Kolonieunternehmungen durch Errichtung von Schutz-

Herrschaften und eine bessere Verwaltung.

— Unter den französischen Soldaten in Tonkin tritt

die Cholera mit großer Heftigkeit auf. Ein Soldat

schreibt: „'In Haiphong sterben täglich 30 — 50 Soldaten.

Von den l6 Mann, welche hier das Detachement

bildeten, bin ich allein übrig geblieben, die einen

sind todt, andere liegen im Spital. Auf dem Schiff,

welches uns in das unselige Land gebracht hat, besänden

sich zwanzig Militär-Krankenwärter; drei Monate

nach der Landung lebten noch zwei von ihnen."

— In Paris unterschlug ein Schweizer,

Namens Biolley, einem Bankhause 116,000 Fr. Als

er verhaftet wurde fand man nur noch 3000 Fr. bei

ihm, das andere soll ihm ein Taschendieb gestohlen

haben, eine Behauptung, welcher die Polizei keinen

Glauben schenkte.

Italien. Der Papst hat dem Fürsten Bismarck

in Anerkennung seiner entgegenkommenden Haltung

in der Karolinenangelegenheit das mit Brillanten besetzte

Ritterkreuz des Christusordens verliehen.

— Der hl. Vater übergab neuerdings dem Kardinalvikar

2000 Fr. zur Vertheilung an bedürftige

Priester; dem St. Josess-Jnstitut wurden l 2,000,

dem Hospital St. Margaretha 3500 Fr. überwiesen.

Das großartigste Geschenk aber empfing die Propaganda.

Dieses durch das bekannte Vorgehen der

Regierung so schwer geschädigte Institut erhielt eine

halbe Million Franken überwiesen, welche Summe

dem hl. Vater in den letzten Jahren als besondere

Liebesgabe von verschiedenen Seiten zugegangen war.

Als Bedingung war beigefügt, daß ein kleiner Theil

davon zu Gunsten der Schulen und Wohlthätigkeitsanstalten

in Carpineto, der Vaterstadt des Papstes,

verwendet werden solle. So verfügt der hl. Vater

in edelster Weise über die ihm von Seiten der Gläubigen

gespendeten Liebesgaben.

— In Rom liegt der Jesuitengeneral P. Beckx

im Sterben. Derselbe ist geboren 1795. Er gehört

dem Orden seit 70 Jahren an. Sein bereits gewählter

Nachfolger ist bekanntlich der Walliser P. Anderledy,

welcher schon seit Jahr und Tag an der

Stelle des altersschwach gewordenen Generals die

Ordensleitung besorgte.

Monaco. In Monaco, dessen Spielhölle seit

Goldau, wo Schlatter sich längere Zeit aufhielt, und

wegen einer Straße, die bei Sempach in den See fiel,

wurde der Beginn der Arbeit um einige Wochen verzögert.

Endlich, nachdem das „Wettergebläse", wodurch

frische Luft hineingetrieben wurde, und das „Gestänge"

zum Hinaustransport der Steine wieder eingerichtet

war, wurde von den Bergleuten den 1l. November

1806 die Arbeit wieder begonnen. Einige von den

Bergarbeitern kamen zum Schaden der Gesellschaft

kränklich nach Lungern, Andere sind daselbst erkrankt.

In Folge dessen waren die Fortschritte im Ltollen

weniger groß. Dieses gefiel dem Berghauptmaun

Schlatter nicht. Er mochte auch immer mehr einsehen,

daß es ihm trotz all' seinem Protest doch an der Ehre

schade, wenn die Sache nicht gelinge und er suchte

deßhalb einen Vorwand, um die Leitung wieder niederzulegen.

Dazu benutzte er die Begräbniß der Frau

des Steigers Kaspar Ginsberg von Horgen in Zürich.

Diese litt an der Auszehrung und wurde von Pfarrer

Jmfeld öfters besucht. Als keine Hoffnung mehr war,

bemerkte er ihr, daß sie in Lungern nicht so beerdigt

werden könne, wie die Katholiken, weil dieselben ihren

Friedhof als Familienbegräbuißstätte betrachten, er

wolle aber dafür sorgen, daß sie in Meiringen nach

protestantischem Ritus beerdigt werde. Nun wünschte

die Frau, daß man sie in Horgen beerdigen möchte

und ihr Leichnam wurde den 5. Dezember 1307 aus

1877 bis 1885 nicht weniger als 1820 Selbstmorde

verursacht hat, haben sich allein im Monat Dezember

wieder 10 Personen das Leben genommen, und das

ist noch eine bescheidene Ziffer, denn oft fordert diese

Spielhölle in einem einzigen Monat Dutzende von

Opfern, und unter 120 — 200 Selbstmorden schließt

eine Saison nie. Die Opferliste für 1385 endet

leider ein Schweizer, Keller, der sein in Brasilien erwordenes

Vermögen in Monaco wieder verspielt hatte,

verzweifelt seine Familie in Marseille zurückließ und

sich in Nizza aus dem Fenster stürzte, um sofort todt

zu bleiben.

Spanien. Ätzten Montag Nachts 1 Uhr versuchte

ein Sergeant mit einer Anzahl aufständischer

Lauern sich des Fort St. Julien bei Chartagena zu

bemächtigen. Die Aufrührer konnten sich jedoch nicht

lange halten. da die Besatzung sie nicht unterstützte;

es gelang ihnen indessen, nach dem Meere zu entfliehen.

Rußland. In Odessa ist wieder ein Nihilist,

der Edelmann Manitscharow, vom Kriegsgericht zum

Tode durch den Strang verurtheilt worden. Die Ver-

Handlungen fanden bei geschlossenen Thüren statt und

alle Zugänge zum Gerichtshofe wurden strenge bewacht.

Gnqland. Mr. Stead, der Herausgeber der

„Pall Mall Gazette", ist zur Abbüßung seiner Strafe

im Gefängniß zu Holloway internirt. Um nun dem

Verhafteten die Zeit in angenehmer Weise zu vertreiben,

bezahlt die „Heilsarmee" >50 Musiker verschieden«

Theater, welche die Aufgabe haben, täglich

durch mehrere Stunden vor jenem Theil deS Gefängnisses

, in welchem Mr. Stead sich befindet, heitere

Stücke zu spielen, um so seine Stimmung einiger--

maßen zu beleben. Die Gefängnißdirektion sucht vergeblich

nach einem Paragraphen, der e8 möglich

machen soll, diese unliebsamen Störungen zu unter--

sagen.

Amerika. Die atlantischen Staaten sind von

starkem Schneefall heimgesucht worden, wodurch

zahlreiche Unglücksfälle zu Wasser und zu Land verursacht

wurden. In den an den Golf von Mexiko

grenzenden Staaten herrscht eine beispiellose Kälte. —

In PittSburg sind 3000 Feuerarbeiter der dortigen

Stahlwerke brodlos. — Ueber Boston und Umgebung

zog letzten Freitag ein furchtbarer Wirbelsturm

dahin. Mehr als 60 Schiffe sind zerstört, gegen 20

Personen seien umgekommen.

* LiterarifcheS.

— R. P. Leo Fischer,^Professor am Kollegium

„Niklaus von der Flüe" zu Sarnen — als Dichter.

Von diesem jungen hochw. Herrn aus dem schönen

Lande Tyrol sind bisanhin zwei Bändchen Gedichte

erschienen, beide reich an zarten, naturgetreuen, gar

liebenswürdigen Poesien, so daß sie ihren Verfasser

gleich als einen gottbegnadigten Dichter erscheinen lassen.

Das erste Bändchen führt den Titel „Ecclesia

militana — Streitende Kirche — ein Cyklus historischer

Gedichle". Das erste, zuverlässigste katholische

Blatt Deutschlands, die „Germania", sagt über diese

Gedichte: „Möge der lateinische Titel und das Prä«

dicat „historisch" nur Niemandem vom Lesen dieser

Gedichte abhalten; sie siud durch und durch deutsch,

aus tiesstem Grunde eines deutschen Gemüthes hervorgegangen.

Tiefernste Gedanken verkünden sich darin

mit mächtiger, wahrer Empfindung und finden ihren

Ausdruck in vollendeter, meisterhafter Form."

Kosten der Seegesellschaft nach Alpnach geführt. Nun

entstund Lärm in den Zeitungen und die Gemeinde

Lungern, besonders der Pfarrer, wurde der Unduldsam«

keit beschuldigt. Schlatter schrieb den 30. Januar 1303

der Regierung von Obwalden, daß ihn düses ganz besonders

veranlaßt, die Leitung aufzugeben und die reformirten

Arbeiter zu entlassen. Alles Bitten der Seegesellschast,

der Regierung von Obwalden und von

Bern war umsonst. Umsonst sandte die Regierung

einen Bericht in den „Schweizerboten"; umsonst versprach

der Pfarrer, dafür zu sorgen, daß in Zukunft die Pro«

testanten unter den Katholiken beerdigt werden dürfen

oder ihre Leichen auf Kosten der Gemeinde nach Brieuz

oder Meiringen sühren zu lassen. Im März 1308 hat

die letzte Abrechnung mit den Bergleuten stattgefunden.

Sie waren ungefähr 10 Klafter vorwärts gekommen

und der Stollen hatte nun eine Länge von ca. 190

Klafter. Die Kosten vom 20. September 1306 bis

den 20. September 1807 betrugen 2280 Gl. und bis

zum 20. «September 1308 1250 Gl. Im ersten Jahr

mußte eine Haushaltung 11 Gl. 10 Schl. und im zweiten

6 Gl. bezahlen. Daß Gebhard Bernauer, der beim

Losbrennen eines Schusses im Stollen zugegen war,

nicht beschädigt wurde, betrachtete man als eine glückliche

Vorbedeutung.

(Fortsetzung folgt.)


Das andere Bändchen, eben jetzt erschienen an der

Wende des Jahres, ist eine Weihnachtsgabe im edelsten

Sinne des Wortes, für gebildete und christliche Kreise,

unter dem Titel: „Blumen aus dem Klostergarten".

Diese „Blumen" reihen sich aneinanver zum geistvolle»

Kranze als poetische „Spiele", leicht vorzutragen in

Familienkreisen, an Schulen und Instituten. Dann

folgen „Gedichte" unter der Ueberschrift: Naturbilder —

Geschichte — Geistliche Gesänge. — Ein Kunstkritiker

sagt zu diesem zweiten Bäuvchen: „Der hochw. Herr

Verfasser, der unstreitig zu den bedeutendsten Dichtern

der Gedcuwart gezählt werden darf, vereinigt in färben«

prächtiger, naturgetreuer Darstellung das Zarte, Innige

und Seelische mit dem Kühnen, Tapfern, Ritterlichen.

Die Sprache ist von wahrhaft klassischer Schönheit/*)

Da haben wir unserm „Dichter" fürwahr nichts

mehr beizufügen. Ufogen Andere ihm die Gabe eines

würdigern Lorbeerkranzes reichen. Dem „Klostergarten"

aber und der blühenden Studienanstalt zu Saruen

unsere Glückwünsche zu ihrem Gärtner und Professor!

— K. Soeben erschien das 2. Heft: „Beiträge zur

Geschichte Nidwaldens". In demselben erzählt

uns Herr alt-NatHöHerr Karl von Defchwanden mit

gutem Humor von den Leiben und Freuden der Schulmeister

in Staus bis zum Jahre 1634. Unter denselben

erblicken wir Jakob Lülhy von Bremgarten,

welcher von 1587 bis 1594 Schulmeister in Samen

war. Jakob Kaiser, welcher von 1687—1589 in Stans

den „hasleneu Scepter" führte, war wahrscheinlich der

Sohn des Baumeisters Kaspar Kaiser in Alpnach,

welcher für 3 Kühe Alpig zu Melchsee besaß. Als

die Negierung von Obwalden 1600 ersucht wurde, das

„weiße Buch" nach Stans zu leihen, da ließ sie dasselbe

vorher abschreiben „durch Jitob Keisereu Landt,

mann", damit sie dann nachschaue» könne, wenn etwa

») Die Gedichte find zu haben bei A. Foeffer Nachfolger, Verl-g»haudlung

i» Lu,ern.

die Nidwaldner im Original Verbesserungen vorgenommen.

Für nichtsnutzige Buben wird vom Wochen«

rath den 10. Februar 1593 folgendes Recept vorgeschrieben:

Es „soll der Vater ein gut Buschen Nuothen

nen und In gewaltig strichen und das der vater In

in hege» (im Zaume) haben und bruche zwercken";

dagegen aber wird dem Schulmeister empfohlen, daß er

„in der Straff der Jugend ziemlich fahre und nid umb

die Häupter fchlachen soll". Herr Kaplan A. O-ermatt

bringt ein interessantes Gültengesetz vom Jahre 1432.

Schon damals wurde geklagt über die vielen Gülten,

die auf den Gütern haften. „Und habent betrachtet,

wie dz ettliche güttcr in vnsserm lande bekönnt vnd beladet

weren swerlichen mit Zinsen vnd mit jerlichen

gülten. Und damit och teglichen beladet werden, dz aber

vns nu beducht, das es vnss vnd vnssers landes ver«

derbnnsse vnd nit nutzklichen were." Im gleichen Heft

erzählt uns Hr. Odermatt von der Kapelle und Pfründe

zu Büren. Die Arbeit: „Acht und Bann, ein Stück

Geschichte Nidwaldens und der Urkantone, von P. Martin

Niederberger, Ord. Cap." verräth einen sehr tüchtigen

nnd gewandten Geschichtsforscher Herr Hr. Wyrsch,

dessen volksthümliche Feder auch vom diesjährigen

Nidwaldner Kalender in gutem Andenken ist. berichtet

über die alten Baureste zu Buochs. Das Gotteshaus

Engelberg besaß daselbst eine „Klosterruine", die Pfarrkirche

und einen Hof und die „Edeln von Buochs"

einen Wachtthurm an der Seefuhren, von denen noch

Baureste vorhanden sind. Meister Josef von Flüe ha»

die Kirche zu Buochs 1718 theilweise neu gebaut. Zu

guter Letzt erscheint Hr. Pfarrbelfer Blättler mit dem

ältesten Uerthegefetz oder Einig von Hergiswil und mit der

Chronik und dem Wetterbericht von Nidwalden sür das

Jahr 1883. Ausstattung und Inhalt ist noch besser,

als beim ersten Heft. Wir wünschen demselben eine

gute Ausnahme, damit der gefchichtsforschende Verein

dadurch aufgemuntert wird, noch recht viele Hefte erscheinen

zu lassen.

Verzeichnis

der Geburten, Ehen und Sterbefälle im Dezember.

Gemeinde Tarnen.

Geburten: 1. Johann Peter, Sohn des Johann Sigrist und

der Josefa Langer, Faltig. — 1. Marie Joftphina, Tochter des

Herrn Rathsherr Josef Verwert und der Marie Burch, Stalden. —

4. Theresia, Tochter des Btasius Brischgi und der Anna Maria

Britfchgi, auf Egg. — 11. Fritz AloiS, Sohn des Jofef Aloi« Etlin

und der Theresia Amstalden, Lanenen. — 14. Franz Sale», Sohn

des Anton Kathriner und der Anna Britfchgi, Kaltibach. — 20.

Johann, Sohn des Herrn Zeugherr Albert Omlin und der Franziska

Burch, Dorf. — IS. Thomas AloiS, Sohn de» Josef Reinhard und

der Theresia Britfchgi, Schwarzacher. — LZ. Mathilda Jnliana,

Tochter des Johann Michel, Zimmermann und der Marie Rohrer,

K-giSwyl — 29. Jofef Robert, Sohn des Josef Blättler. Parquetfabrikarbeiter

und der Karoline Schmid, KägiSwyl.

Sterbefälle: 5. Frau Kirchensigrist Franziska Anderhirsern,

geb. Bäbi, Kirchhöfen; geb. den 5. Dezember 1817. — 6. Jgfr.

Klara Josefa Küster von Engelberg, im Spital gestorben; geb. den

20. Juni 1332. — 16. Jgfr. Anna Lochmann von Sächseln, im

Spital gestorben; geb. den 13. Februar 1801.

Gemeinde Kern«.

Geburten: 18. Theresia Hedwig, Tochter des Niklau« Etlin

und der Louisa Röthlin, Breiteli. — 20. Joses Anton. Sohn de«

Franz Julian Dnrrer und der Agnes Ettlin, auf Halten bei

St. Niklaufen.

Sterbefälle: 8. Wittwe Viktoria von Defchwanden geb. von

Rotz, in Halten, geb. den 6. Januar 1817. — 12. Wittwer Melchior

von Defchwanden, Handelsmann, in Stan«, geb. den 13. September

1800. — 14. Frau Kath Barbara Dürrer geb. Röthlin, auf dem

Sand in Weißerlen, geb. den 28. Mai 1842. — 17. Lient. Jsidor

Reinhard, Revierförster, Dorf, geb. den 4. August 1854.

Gemeinde Sacbfeln.

Geburten: 4. Josef Jakob, Sohn des Josef Rohrer, Landarbeiter

und der Elisabeth geb. von Flüe. — 5. Genovefa Anna

Marie, Tochter des Bernhard Rohrer, Landwirth und der Marie geb.

Rohrer. — 25. Maria Josefa, Tochter de» Franz Josef Omlin,

Thurmmatt und der Anna Marie geb. von M00S. — 28. Niklaus

Jgnaz, Sohn des Jgnaz Anderhalden, Schreiner und der Salome

geb. Röthlin. — 31. Wilhelmine Josefa, Tochter de» Josef Omlin,

Strählermattli und der Agnes geb Krummenacher.

Sterbefälle,: 4. Josefina Emma, Kind des Anton Omlin.

Steinen, geb. den 25. Juni 1885. — 13. Anna Marie, Tochter

des Andreas von Flüe, geb. den 14. Januar 1843. — 26. Albert,

Sohn des Peter Spichtig, Brunnenmatt, geb. den 27. Juni 1881.

Eheverkündung. Josef Vogler, Klarinettist von Lungern, de»

AloiS, und Josefa Riebli von GiSwil, des Josef.

Kirchliche f

Gedächtniß.

Dienstag den 19. Jänner nächsthin wird in der

Pfarrkirche in Kern« die dritte Gedächtnißfeier für Herrn

Revierförster

Isidor Reinhard fet.

abgehallen werden.

Lerwandte und Freunde werden zur Theilnahme höflichst

eingeladen. av Familie Neinljard.

Kirchliche * Gedächtniß.

Dienstag den 19. Jänner wird in der Pfarrkirche

in Sächseln die vierte Gedächtniß (erste Jahrestag) für

Ratthasar

Omlin

gehalten.

Freunde und Verwandte find eingeladen.

Kirchliche Gedächtniß.

Donnerstag den 21. Jänner 183« wird in der Pfarrkirche in

Garnen die vierte Gedächtniß für Wittwe FranjiSka Jmfeld

geb. Gasser gehalten. «

Die Bibliothek des Drts-Pius-Vereins Ssrncn

wird demnächst Herrn Kanzlist Amrhein zur ferneren Besorgung

übertragen. Zu diesem Zwecke müssen aber die Bücher vollständig

gesammelt werden, weßhalb die titl. Abonnenten ersucht find, im

Laufe der nächsten Tage alle Bücher zurückzubringen.

Sollten ficb sonst »och irgendwo Bücher befinden, die der Bibliothek

gehören z. B. von Dienstboten herrührend die den Platz gewechselt,

so wird dringend um deren Rückgabe gebeten. Wann die

Bücher wieder ausgegeben werden, wird seiner Zeit bekannt gemacht.

Adalbert Wirz.

K e r n s .

Sonntag den 17. Jänner 1886:

Männer-KrMcnvcrcins-Vcrsaiiniiliiiig

bei der „Krone" in Kerns um 3 Uhr Nachmittags.

üierfjstsse „Schlüssel" Sarnen.

Künstig jeden Sonntag

E x p o r t b i e r .

« /-J Provifion zahle ich tüchtigen (Mal 23/,II)

1 9 0 , A g e n t e n

Jl/W 0 für den Verkauf von Kaffee, Hhee -c. an Private.

J. Wallenstein, Hamburg. 3v

aV

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Unterzeichneter zeigt einem ehrenden Publikum von Sarnen und Umgebung an,

daß er im Hause der Frauen Abegg, neben dem Gasthaus

Iiandenberg, ein

M e t z g e r e i - u n d W u r s t e r e i - G e s c h ä f t

errichtet und mit SamStag den 2. Jänner 188« eröffnet hat.

stets guten Fleisch- und Wurstlorten,

Er empfiehlt sich zur Abnahme von

als- Rindfleifck zu 50 Cts., Kalbfleisch zu 40 und 45 Cts., Schweinefleisch zu 60 und 65 Cts.,

BaUero«. und Lyonerwnrst, B-efs«lat und ftefnUter ScdweinSfnß zu Fr. 1.20, Schinkenwurst

zu Fr. 1.40, sowie die kleineren Sorten: St. Galler Sciküblinq, Cervelate und Brat-

Würste zu den gewöhnlichen Preisen. Mache hiemit ein werthes Publikum ganz besonders aufmerksam, daß

es mir sehr daran gelegen sein wird, stets schmackhafte, reinliche, gute und frische Wurstwaare zu halten.

Für geneigten Zuspruch empfiehlt sich höflichst

_

R i c h a r d Frei, Metzger.

NB. Zugleich mache die Herren Landwirthe aufmerksam für das Feiltragen von Schlachtvieh.

H ä v r e - I e w - I o r h .

Passagepreis Fr. 115, Normandie Fr. 125.

Ab Basel 21. Jan., ab HAvre 23. Jan. mit franz. Postdampfer St. Germain.

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Msstflc p N r . 3 Des „ODmnsftner IMfissreunft" v o m 16. J a n u a r 1880.

General-Bersanimlung

des Männerkrankenvereins vom Freitheilbezirk Tarnen

Sonntag den 17. Jänner um 3 Uhr Nachmittags

in der Wirthschaft des Hrn. Staatsanwalt I. Seiler

in Kirchhöfen.

Traktanden:

1. Wahl der Stimmenzähler.

2 Verlesen deS Protokolls der letzten VereinSversainmlung.

Z. Kenntnißgabe der JahreSrechnuug, deS VereiuSvermogenS. der den

Verein betreffenden Buchführung !C ,

4. Kenntnißgabe über die projektirte Gründung emeS Vereins für

Versicherung bei Todesfällen und eventuelle dießvezugtliye

Schlußnahmen.

5. Ergänzung des VerwaltuugsratheS. Im Austritte befinden Nch

die HH. Theodor HaaS-Amstalden, Kalsier, Josef Emmenegger.

Pfleger und Josef Amfchwaud, Aktua^.

k. Wahl von drei Rechnungsrevisoren und einem Ersatzmann.

7. Wahl des VereinSweibelS.

8. Allfällige nach Art. 2? der VereinSsiatuten zu stellende Antrage.

Sämmtliche HH. Ehren- und Aklivmitglieder werden zu zahlreichem

Erscheinen bestens eingeladen.

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XXIX. Jahrgang.

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„Ihre Suppenmehle sind sehr gut und besonders nahrhaft, damit ist aber

noch nicht gesagt, dass uns Hausfrauen nicht auch noch etwas zu thun übrig

bleibt, um dieselben recht schmackhaft zu machen. Die ersten Versuche, welche

ich nach Ihren etwas zu einfach gehaltenen Recepten machte, waren nicht sehr

günstig, vielen Andern mag's auch nicht besser gegangen sein. Heute kann

ich aber aus vollster Ueberzeugung sagen, dass Ihre Produkte „nahrhaft, sparhast

und schmackhaft" sind, und stelle ich es Ihnen frei, meine seitherigen

Küchenerfahrungen zu veröffentlichen." (Was hiemit mit Vergnügen geschieht.)

„Die Maggi-Suppe muss gekocht werden, bis sie etwas schleimig ist,

und zwar darf sie nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick sein. Gesalzen wird

sie wie man Fleischbrühe salzt, und als "Würze ist etwas Pfeffer oder Muscatnuss

zu empfehlen. — Ist an und für sich schon eine gute Suppe eine ebenso

gesunde als sparsame Kost, so ist die „Maggi-Suppe" noch besonders geeignet,

in jeder Familie eine eigentlich haushälterische Bolle zu spielen. Jederlei

Tischresten, rühren sie von Fleisch oder Brühen, besonders aber auch von

Qemüsen her, die ihrer Geringfügigkeit wegen sonst keine rechtc Verwendung

mehr finden könnten, kommen als Zuthat zur Maggi-Suppe zur allerdankbarsten

Verwendung, denn keine Suppe ist für die einfachste Zuthat so dankbar wie

diese. Indem du sparst und kräftig nährst, schafftst du also auch noch was den

Gaumen freut in allerlei Abwechslung. — "Wie zu allen Gemüsesuppen, so

bilden Muggi- Suppenmehle auch eine vorzügliche Unterlage für alle andern

Suppeneinlagen und für Brühen aller Art. Wieder aufgewärmte Maggi-Suppe

gewinnt noch an Wohlgeschmack oder lässt sich vortheilhaft neuer Maggi-Suppe

wieder beisetzen.

Andere einfache Kochrecepte. 1) "Während dem Kochen oder nach

dem Anrichten der mit Wasser gekochten Suppe ausser vorhandenen Suppenkräutern

etwas Fett beifügen oder noch besser in Fett geröstete Brodwürfelchen

oder nach Geschmack auch in Fett geröstete Zwiebeln. Vor dem Auftragen

etwas Käse oder einen vorhandenen Milchresten beifügen, verfeinert den Geschmack

ebenfalls. 2) Durch mehr oder weniger Rösten des Mehles in etwas

Butter oder anderem Fett und längerem Kochen kann man wiederum die angenehmste

Geschmacksabwechslung erzielen. Man kann damit Fleischbrühe,

welche zu allen Suppen die beste Grundlage ist, fast entbehrlich machen. —

Beim Kosten empfiehlt es sich, die Röste mit kaltem Wasser abzuschrecken,

dann diese recht glatt zu rühren und erst nachher wieder das benöthigte

Quantum kochendes Wasser langsam zuzugiessen. — Auch kann man ein wenig

Kümmelpulver mitkochen, oder bei stärkerem Rösten beim Anrichten etwas

Wein beifügen. — 3) Knochen (gut zerkleinert und mit kaltem Wasser aufgesetzt)

aussieden, gleichzeitig mit grünem Gemüse unter Beifügung des nöthigen

Salzes und etwas Pfeffer. Mit dem Abguss koche die „Maggi-Suppe".— ^Verschiedene

Suppenkräuter mit etwas ganz fein gehackten Zwiebeln mit Fett

leicht anrösten, dann das Mehl zum gewünschten Quantum Suppe noch ganz

kurz mitrösten. 5) Kanu statt Wasser gute Fleischbrühe verwendet werden,

so wird die Suppe allerdings am schmackhaftesten. Aber auch mit nur halb

Fleischbrühe und halb Wasser erreicht man vollständig den Geschmack einer

Fleischbrühsuppe, ebenso durch Beifügung von etwas Fleischextract oder

Bratensauce. 6) Hochfeine Suppen erstellt man besonders mit den präparirten

Semmelmehlen und den Marken C und CC durch Beifügen von Ei und Rahm.

7) Zu Milchsuppen und Milchbrei werden am besten die. Marken C und CC

verwendet. Ein mit Zucker und Zimmet davon hergestellter Milchbrei ist die

Freude der Kinder.

Recept für Erbsteigwaaren. Die Teigwaaren Maggi werden wie andere

Teigwaaren in viel siedendes ziemlich stark gesalzenes Wasser eingelegt und

ca. 10 Minuten gekocht, alsdann wird gestossenes oder zerriebenes Brod in ein

wenig Butter leicht geröstet und über die angerichteten Teigwaaren geschüttet.

Sehr zu empfehlen ist auch, die Teigwaaren nach dem Kochen in Butter zu

braten.

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Die soziale Frage und das Christenthum.

(Gin Vortrag, gehalten von Kochw. Kerrn Kapiletsprättdent

»n!> "Srii^liittiasrtiiB ©msin an der PluSvereluSversammlnng

SarmnÄ A Dezenfb»1885. Auf dringende« Verlangen zum

Druck überlassen.)*

Drei heftige und wichtige Kämpfe regen gegenwärtig

die Welt auf und halten die Völker in Spannung.

Auf religiösem Gebiele rast der sogen. Kulturkampf,

das ist der Kampf zwischen Materialismus und Christenthum;

auf politischem Gebiete der Kampf zwischen

Staatsallmacht und individueller, d.h. persönlicher

Freiheit; und aus sozialem Gebiete der Kamps des

dritten und vierte» Standes, oder die volkswirthschastliche,

kulturfeindliche Ausbeulung des vierten Standes

durch den dritten, der Arbeit und Arbeiter durch das

Kapital.

Der Schöpfer hat die Menschen als gesellige Wesen

erschaffen; das Leben hat sich im Laufe der Zeit unendlich

mannigfaltig gestaltet und entwickelt; es bestehen die

mannigfachsten und innigsten Wechselbeziehungen zwischen

den Menschen, und diese gegenseitigen Beziehungen und

Verbindungen der Menschen nennt man «Sozietät,

menschliche Gesellschaft.

Wenn die Menschen nun ihre Beziehungen zu ein«

ander nicht mehr ans den von Gott gewallten Grundlagen

und iu der von Gott gewellten Weise einrichten,

so entstehen Schäden daraus, soziale Uebel, Und die

Frage, wie diese Schäden wieder ausgebessert, diese

Uebel wieder geheilt werden können, nennt man die

soziale Fraae.

Man br . ie soziale Frage fast immer in Verbindung

mit -..zufriedenen Arbeitern, die Strikes

machen, oder gar mit Raub- und Mordplänen :>mgehen;

es sind dieS alles aber mehr Symptome der

sozialen Krankheit. Ein berühmter christlicher Sozial»

Politiker der Gegenwart sagt: „Die soziale Frage ist

eine Lebensfrage im eminentesten Sinn des Wortes sür

die ganze Menschheit Ihre Lösung ist die großartigste,

die bedeutungsvollste, aber auch die schwerste Ausgabe

unserer Zeit, eine Aufgabe, der nur die katholische

Kirche gewachsen ist, indem das soziale Elend nur im

Christenthum, in der Rückkehr zur religiösen Wahrheit

und dem christlichen Sittengesetze (das im Dekalog,

in den zehn Geboten Gottes niedergelegt ist) Heilung

Druden irb. Und es wird auch die Kirche in dieser

t^abe ih^en großartigen Triumph feiern; denn es

l .. leicht gerade das soziale Problem die Jnaugu-

» je ler neuen Zukunft, wo die um Wahrheit,

Fr :di. und Glück betrogene Menschheit wieder zurückeilt

in den Schooß der katholischen Kirche, zu dem

Lebensqucll, der ihr allein sprudelt unter dem Felsen

Pein".

Die soziale Frage ist so alt wie die die menschliche

'^es?llschaft selbst, und sie ist zugleich mit der Erbsünde

die Welt gekommen, oder besser gesagt, ist ihr aus

dem Fuße nachgefolgt. An Allem, was die Menschheit

angeht, hat Gott gewollt, daß sie mitarbeiten solle, und

Er hat sich, natürlich ohne abzudanken, in den meisten

Fällen mehr die Rolle eines Regulators vorbehalten.

Der Mensch ist aber ein unvollkommenes Wesen und

* Bei Abfassung dieses Vortrage» wurden folgende Schriften

benutzt: „Volkswirthschaft" von Ratzinger; „Soziale Frage" von

Franz Hitze; und „Arbeitersrag« nnd Christenthum" von Ketteler.

erfüllt fein Stück Mitarbeit oft gar nichts weniger als

nach der beabsichtigten Ordnung Gottes. So hat es

immer, so lange die Welt steht, vielerlei Uebelstände

in der menschlichen Sozietät gegeben; zu allen Zeiten

gab es Armuth und Elend nnd unterdrückte Menschenklaffen,

und es haben sich auch immer Bestrebungen

geltend gemacht, diese sozialen Mißstände zu heben oder

zu mildern.

Heute aber ist die soziale Frage mehr wie je «ine

allgemeine, eine „brennende" Frage geworden, und

untn scheidet sich von jeder frühern. Das Uebel selbst

hat vielleicht nie so allgemein alle Gesellschaftsklassen

berührt gehabt, wie in der Gegenwart, jedenfalls hat

man sich auch nie so allgemein mit dieser Frag- beschästigt

wie heute. Die erhöhte, allgemeine Bildung

der durch den allgemeinen Verkehr, durch Presse und

Vereinsleben erleichterte Austausch der ^zdeen, der erwetterte

Einblick in die sozialen Verhältnisse, Alles

das muß es dem vierten Staude immer mehr zum

Bewußtsein bringen, daß seine damalige Lag- mit dem

Gesellschaftsideal, das'er sich mit der Zeit gebildet, in

grellem Widerspruche steht. Und schon seit Jahrzehnten

war die soziale Frage in Tagespresse ein vielbesprochenes

Thema, und wenn auch nicht ohne Widerstreben

fängt man seit Iahren auch in den Parlamenten

und NalhSsäälen diese hochernste Frage zu besprechen

an. Ihr könnt fast keine Zeitung mehr zur Hand

nehmen, wo nicht von Sozialismus, Sozialisten, Sozial

Politik n. s. w. etwas vorkäme, und doch mag diese

soziale Frage besonders dem gemeinen Manne immer

noch recht spanisch vorkommen, darum ist es wohl so

unpraktisch nicht, wenn dieses Thema auch einmal in

einer Piusvereinsversammlung etwas besprochen wird

Allein der enge Rahmen eines Vortrages, das halbe

tündcheu Zeit, gestattet mir nun keineswegs, diese

Frage einläßlich zu behandeln, noch weniger will ich

hier eine Geschichte des Sozialismus geben, auch nicht

in den skizzenhaftesten und flüchtigsten Zügen, es müßte

das ja eine ganze WeU< und Kulturgeschichte sei». Der

kurze Vortrag wird sich mehr, wie dies schon der Titel

des Themas sagt, darauf beschränken, nachznweisen,

wie die soziale Frage am wirksamsten durch das

Christenthum gelöst, oder wie die sozialen Nothstände

der Gegenwart zu einem guten Theile gehoben oder

gemildert werden könnten , wenn man zu den Lehren

und Segnungen des Christenthums zurückkehren würde.

Wie schon bemerkt, die soziale Frage ist so alt wie

die Menschheit selber; dock soweit wollen wir nicht

zurückgreisen, sondern nur bis zur Zeit, wo das Christenthum

an ihre Lösung herantrat.

Welch' furchtbare soziale Nothstände hat das Christen

thum gleich bei feinem Eintritt in die Welt unter den

Menschen angetroffen I

Um von den ganz unknltivirten Völkern des alten

Heiventhnms zu schweigen, wie traurig waren die

sozialen Verhältnisse selbst bei den sogenannten Kulturvölkern

, den Griechen und Römern zur Zeit von

Christi Geburt I Die weitaus größere Zahl Menschen

bei diesen Völkern seufzte unter dem traurigen, schreck

lich harten Joche der Sklaverei und führte nicht

mehr ein menschenwürdiges Dasein. Man kann das

traurige Loos dieser Sklaven nicht besser schildern als

mit dem Wort- „W a a r e", d. h. der Sklave wurde

ganz wi- eine Waare betrachtet.

In Attika, einem kleinen Staate in Griechenland,

kamen aus 30.000 freie Bürger 200.000 Sklaven; das

kaum eine Qnadratmeile große Aegina zählte 470.000

solcher unfreier, unglücklicher Menschen. Rom hatte

zur Zeit des Kaisers Augustns sogar eine Million

Sklaven. Es gab in Rom einzelne reiche Bürger, die

2000 Sklaven eigenthümlich besaßen. Neben der Million

klaven gab es in Rom noch >,200,000 sreie Menschen,

die aber so verarmt waren, daß zu Zeiten JuliuS

Cäsars mehr als die Hälfte davon rein aus Bettlern

bestand und durch regelmäßige Getreidespenden Jahr

aus und Jahr ein vom Staate unterstützt und 320,000

ganz erhalten werden mußten.

(Fortsetzung folgt.)

Eidgenossenschaft.

—* Der Bundesrath hat einen Entscheid gefällt,

für welchen ihm die schweizerischen Katholiken nicht

zu danken haben. Die „Basler Nachrichten" brachten

aus der Feder eines untergeordneten deutschen Belletristen

eine Reihe von FeuittetowAufsätzen, in welchen

katholische Glaubenssätze und ehrwürdige liturgische

Gebräuche in gemeiner Weise angegriffen und lächerlich

gemacht wurden. Die logische Schlußfolgerung

aus solchen Elaboraten geht stillschweigend, aber mit

Naturnothwendigkeit dahin, daß die Anhänger des

römischen Katholizismus ans einigen schlauen Betrügern

und aus einer einfältigen Masse Betrogener

bestehen. Weil nicht ein verrufenes Winkelblatt, sondern

ein respektirtes Hauptorgan der schweizerischen

Presse diesen Verleumdungen seine Spalten öffnete,

so fühlte sich die römisch-katholische Genossenschaft in

Basel zur Klagestellung berechtigt und verpflichtet. Der

sehr radikale'Staatsanwalt klagte vor Gericht in

schneidioem juristischem Votum, und die liberal pro«

testantischen Gerichtsinstanzen haben sodann den Redaktor

Dr. Wackernagel zu drei Tagen Strafarrest

verurtheilt. Nun rekurrirt derselbe aber an den Bundesrath

und beruft sich auf die Gewissens- und Preßsreiheit.

Und der Bundesrath hat die Strafe aufgehoben.

Er findet. Basel sei zu weit gegangen im

Schutze der Ehre einer kirchlichen Genossenschaft. Man

müsse seine Meinung doch frei äußern dürfen. Solche

Preßerzeugnisse stören den konfessionellen Frieden nicht.

Der Bundesrath beruft sich auch auf einen Rekursentscheid,

wo ein brutaler Freidenkcr einem freibnrzischen

Mädchen eine Bruderschaftsmedaille abriß und

wo dann Dr. Sulzer im Ständerathe fand, das

Mädchen habe mit seiner Medaille eben diesem Freidenker

Aergerniß gegeben und seine Gewissensfreiheit

verletzt.

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Wir waren bisher der naiven Meinung, der Rechtsstaat

habe neben dem Eigenthum auch ein anderes,

höheres Gut: die Ehre zu schützen, und die Ehrenhaftigkeit

eines Menschen besteht auch in der Ehrenhaftigkeit

seiner religiösen Ueberzeugung. Zur Kultusfreiheit

gehört aber doch gewiß auch der Schutz der

Ehre dieses Kultus. Wenn man einen großen, respektabeln

Volkstheil in seiner heiligsten, innersten Ueberzeugung

beschimpfen und verletzen darf, wie kann man

da von einem eigentlichen Rechtsstaat sprechen, wo ist

da der Schutz der Ehre? Das ist allerdings zweifellos,

daß eine ruhige, freie Erörterung aller religiöfen

Grundfragen in den Consequenzen der Preß- und

Gewissensfreiheit liegt. Aber sobald man hiebei in

einen pamphletistischen, verleumderischen Ton verfällt,

so begibt man sich auf das Gebiet der Ehrbeleidigung

und Friedensstörung, und diesbezüglich

schützende Strafrechts-Normen aufzustellen liegt nicht


nur in der Souveränität des Kantons, sondern es

ist ein Postulat der Bundesverfassung, dah

der Bund Alles verhindere, was den Frie«

den zwischen den Konfessionen stört. Durch

die Jahrhunderte der konfessionellen Trennung im

Schweizerlande wurde eS immer als ein elementares

Erfordernis! für Erhaltung des Landfriedens angesehen,

daß das gegenseitige konfessionelle Schimpfen und

Schmähen verboten werde. Zum wahren Landfrieden

gehört aber nicht nur innere Waffenruhe, sondern

Ächtung vor jeder ehrlichen religiösen Ueberzeugung,

wahre Toleranz. Es ist ein ungemein

kränkendes Gefühl für die schweizerischen Katholiken,

daß man ungestraft ihre heiligsten Institutionen in

den Koth hinunterziehen kann. Der geringste Landes

insasse hat ein Recht auf Ehre, aber mehr denn eine

Million römischer Katholiken soll sich in ihrer innersten

religiösen Ueberzeugung ungestraft beschimpfen lassen!

Das entspricht weder dem Rechts- noch dem Kulturstaat,

das führt zum Unfrieden und zur Verwilderung

im öffentlichen Leben, und man kann aus diese Weise

die angegriffene kirchliche Ehre einfach nicht vertheidigen,

weil die Angreifer einen ganz andern Leserkreis

als die Vertheidiger besitzen.

Wir tadeln den bundesräthlichen Entscheid Hauptsächlich

der Konsequenzen wegen, und es war

eben eine verhängnißvolle Verfassungswidrigkeit, als

man die konfessionellen „Rechtsentscheide" den poli«

tischen Behörden übertrug. Die schweizerischen Katholiken

verdienen den verfassungsgemäßen Schutz auf

Ehre, sie leisten ihre bürgerlichen und patriotischen

Pflichten so gut wie jeder andere Eidgenosse, und in

den katholischen Landestheilen ist der andersgläubige

Miteidgenosse respektirt. Es erweckt aber ein sehr berechtigtes

Schmerzgefühl und es greift sehr tief, wenn

die oberste Autorität im Lande den Satz aufstellt,

unsere Kirche habe keinen oder nur einen äußerst savenscheinigen

und bodenlosen Rechtsschutz für ihre Ehre.

Wir haben ein ehrenwerthes protestantisches Blatt vor

uns, das wegen dieses Entscheides viel schärfer schreibt,

als wir. Wir können nicht genug bedauern, daß auf

diese Weise im katholischen Volksherzen neuerdings das

Gefühl der Rechtlosigkeit und Rechtsunsicherheit wachgerufen

wird. Das ' politische Kleinod der Preßfreiheit

wird auf diese Weise im allerwichtigsten Gebiete

zur Geißel der Preßzügellosigkeit verunstaltet. Darunter

muß erfahrungsgemäß die katholische Minderheit

im Lande leiden. Und so sehr wir für eine friedliche

und maßvolle Politik im Lande sind, so sehr wir sonst

die Männer der Bundesverwaltung respektiren, und so

wenig wir aus klaren Gründen zu einem Rekurse nahen

würden, so energisch müssen wir vom Standpunkte

des historischen, religiösen und republikanischen Selbstgesühls

in der katholischen Presse dagegen feierlichen

Protest einlegen, daß man die Ehre unserer Kirche im

eidgenössischen „Rechtsstaate" vogelfrei erklärt.

— Militärisches. Der Bundesrath hat Herrn

Lieut. Adolf Traxler, Kerns, der Magazinabtheilung

der Verwaltnngskompagnie Nro. IV zugetheilt.

— Eidgen. Wahl- und Abstimmungsgesetz.

Das „Schweizerische Bundesblatt" enthält den von

Herrn Ständerath Wirz in der Ständerathssitzung

vom 9. Dezember v. I. erstatteten „Bericht einer

Fraktion der ständeräthlichen Kommission betreffend die

Eintretensfrage in die Berathung des Gesetzen»--

Wurfes über eidgen. Wahlen und Abstimmungen."

Das Aktenstück umfaßt 18 Druckseiten.

Wir werden auf dasselbe einläßlicher zurückkommen,

weil es erschöpfend und mit großer Bestimmtheit den

/ r u i l l k t a n .

k. Die Tieserlegung bcs Lungerersees.

Zur 50jährige» Erinnerung.

(Fortsetzung.)

Im Jahre 1812 nahmen Escher von der Linth

und Berghauptmann Tscharner von Bern neue Vermessungen

vor und zeigten an, daß der von Schlatter und

Haller vorgeschlagene Plan nicht zum Ziele führe. Dieselben

wollten nämlich den Stollen bis nahe an den

See treiben und dann von der Oberfläche des See's

den Bohrer auf den 120 Fuß tiefen Grund ansetzen

und so viele Bohrlöcher schlagen, bis der See abfließe.

Es scheint, daß die Urheber dieses Planes es später

selbst eingesehen und deßhalb die Leitung niedergelegt.

Escher und Tscharner wollten vom Seerand einen senkrechten

Schacht in den horizontalen Schacht hinabtreiben

und dann die Felsenwand gegen den See hin

schlitz oder durch große Heber (krumme Röhren), wie man

beim Abziehen von Wein aus großen Fässern gebraucht,

das Seewasser durch den senkrechten in den horizontalen

Schacht, hinableiten. Dieser Plan, obschon er mehr

Sicherheit bot, gefiel nicht wegen der großen Kosten.

Standpunkt der konservativen Partei gegenüber dieser

ebenso bedeutungsvollen als vielbesprochenen Gesetzesvorläge

kennzeichnet. Der Bericht enthält jedenfalls

schätzensiverthes Material zur Lösung einer Frage,

welche in einer nicht allzu langen Frist sicher wieder

auf der Traktandenliste der eidgenössischen Räthe er«

scheinen wird.

O b w a l d e n.

— Aus dem Regierungsrathe. Herr Oberst

Roth nimmt in einem herzlichen Briefe an das kantonale

Militärdepartement Abschied von der hierseitigen

Regierung und den hierseitgen Truppen, indem er

vom Regimentskommandanten zum Chef der VII.

Brigade befördert wurde. Dem wackern Berner, diesem

treuen Freunde des Obwaldnerlaudes, wird in

angemessener Weise geantwortet. — Herr Albert

Reinhard wird zum Revierförster der Gemeinde

Kerns ernannt. — Der Theatergesellschaft von

Kerns wird die Aufführung des Volksschauspieles:

„'s Nullerl" bewilligt. — Dem betreffenden badischen

Archivariate wird zur Herstellung der Ouellensammlung

für die ältere Geschichte des Bis thu ms Konstanz

der Inhalt verschiedener wichtiger Aktenstücke übermittelt.

— Militärkurse im Jahre 188 6. UnterofsizierSschule

der IV. Division vom 12. Februar bis

13. März in Luzern Rekrutenschule für die Hälfte

der Jnfanterie-Rekruten der Kantone Bern u. Luzern,

sämmtliche Jnfanterie-Rekruten der Kantone Obwal«

den, Nidwalden und Zug nebst der Hälfte der Tarn,

boui-Rekruten des Kreises, Cadres vom 26. April

bis 19. Juni, Rekruten vom 4. Mai bis l9 Juni

in Luzern, Füsilierregiment Nr. 16 (Bat. 46, 47 und

48) vom 20. September bis 7. Oktober in Luzern.

Jnfanterie-Osfiziersbildungsschule vom 11. Okt. bis

23. Nov. in Luzern. Armeetrain-Rekrutenschule vom

5. Okt. bis 17. Novbr. in Thun. Genie-Bataillon

Nr. 4. Sappeur-Kompagnie vom 22. März bis 8.

April in Liestal; Pontonnier-Kompagnie und Pionnier-

Kompagnie vom 14. bis 31. Mai in Brugg; Infanterie-Pionniere

der IV. Division vom 22. März

bis 8. April in Liestal. Sanitäts-Vorkurs vom 6.

bis 17. März in Bern; Rekrutenschulen vom 17.

März bis 22. April in Basel und Freiburg. Wiederholungskurs

für die Ambulancen Nr. 19 und 20, das

Sanitätspersonal der Füsilierbataillone Nr. 37 bis

48 und des Schützenbataillons Nr. 4, mit Ausnahme

der Bataillonsärzte, sowie der vier jüngsten Wärter

jedes Bataillons; Vorkurs für Offiziere und Unteroffiziere

vom 2t). Sept bis 4. Okt. und Mannschaft

vom 26. Sept. bis 4. Okt in Stans; Feldübung vom

4. bis 7. Okt. mit dem Infanterieregiment Nr. >6.

Wiederholungskurs der Verwaltung« Kompagnie Nr. 4

(in Verbindung mit dem Infanterieregiment Nr. 15)

vom 4. bis 2l. Sept. in Luzern.

— Ueber den Standpunkt, welchen die hierfeitige

Regierung in Sachen der Hagelverficherungsfrage

einnimmt und gegenüber dem schweiz. Land-

Wirthschaftsdepartement geltend macht, können wir

Folgendes berichten. In wesentlicher Anlehnung an

das Müller'sche Gutachten wird allerdings betont, daß

ohne Einführung der obligatorischen Versicherung

ein Einschreiten des Bundes und der Kantone,

zumal aus Billigkeitsgründen gegenüber den ärmern,

selten versicherten Kleinbauern, dermalen nicht angezeigt

scheine. Das Obligatorium aber babe gegenwärtig

wenig Aussicht auf Erfolg, obschon es viel-

Das geliehene Geld wurde nun zurückbezahlt und es

ruhte das Unternehmen bis zum Jahre 1828. In diesem

Jahre kam General und Stadtrath Finsler von

Zürich, der im Herbst 1827 wegen Kränklichkeit verhindert

war, der Einladung von Landammann Spichtig

Folge zu leisten, nach Lungern auf den Augenschein und

ermunterte sie, die Arbeit fortzusetzen. Es wurde dann

die Regierung den 24. Juli 1828 ersucht, zu bewirken,

daß die Tagsatzung eine Collecte erlaube und daß sie

zu leichtem Zins Geld bekomme. Wie es scheint, hat

die Negierung nicht entsprochen, wahrscheinlich weil dem

Unternehmen eine sachkundige Leitung fehlte und weil

ohne dieses wenig .Hoffnung war, daß die Tagsatzung

einem derartigen Gesuch entspreche. Im Wintermonat

1831 kam Bergmeister I. Silberer von Kleinadel im Bez.

Salzburg nach Lungern und bot sich an, das Werk zu

vollenden. Er wurde aber vom Gemeinderath abgewiesen.

Diese Abweisung wurde aber nicht von Allen

gebilligt. Diese gingen nun von Haus zu Haus, um

die Stimmung des Volkes bezüglich des Seewerkes kennen

zu lernen und zur Vollendung aufzumuntern. Viele

erklärten sich für das Seewerk, wenn die Mehrheit dafür

sei, wenn die Reicheren mithalten, wenn man unten

durch fahre, wenn man keine Geldanleihen mache u. drgl.

Andere sagten, sie wollen weder Nutzen noch Schaden,

sie seien zu alt, um einigen Nutzen erwarten zu könleicht

mit der Zeit gleichwohl dazu kommen könn«

Käme im Weitern eine obligatorische Hagelversicherun

wirklich zu Stande, so müßte dieselbe wohl oder übe

in kurzer Zeit zu einer allgemeinen Asseeuranz gegen

Elementarschaden jeder Art erweitert werden. Wen

nämlich gänzlich hagelfreie Gegenden von ander»

Elemenrarereignissen als Frost, Nässe ?c. Heimgesuch

würden, so könnten sie in die Lage kommen, ohne

Aussicht auf Ersatz ihrer eigenen Schädigungen fremden

Hagelschaden mitersetzen resp, mittragen zu müssen,

das wäre aber wieder ungerecht. Bemerkt wurde noch

speziell, daß eine Betheiligung des Bundes wie bei

Kantone auf diesem Gebiete sehr zu begrüßen wärekönne

dieß ohne Beeinträchtigung der materiellen Billigkeit

und ohne auf unüberwindliche konstitutionell

Schwierigkeiten zu stoßen, geschehen, so biete Obwalde

hiezu jederzeit sehr gern die Hand.

— Eivilstandliches. Der im Amtsblatte ver>

öffentlichten Civilstandsstatistik pro 1885 entnehmen

wir nebst der in letzter Nummer des „Volksfreundes"

erschienenen summarischen Zusammenstellung der Ge

burten, Ehen und Sterbefälle vergleichsweise nach

folgende, nicht uninteressante Daten.

Geburten weist, nach dem Heimathsprinzip, Engeln

berg mit 6t die höchste Ziffer auf; es folgen Kerns

mit 60, Lungern mit 59 und Sarnen mit 58. Mehi

Geburten als Sterbefälle zählt Alpnach 23, Lungern

22, Sachsein 20, Kerns >5, Engelberg 10 und Sar

nen 8, im Ganzen ein Vorschlag von 98, wovon Kg

„Buben" und 29 Mädchen.

„Heil Dir, Helvetia,

Hast noch der Söhne ja, ic."

Giswil glich Geburten und Sterbefälle aus. Zwil

linge erblickten 6 Paare das Licht der Welt.

Heirathskandidaten und -Kandidatinnen lieferd

auffallender Weife die Gemeinde Lungern mit 29 ai

meisten und Alpnach mit 4 am wenigsten. Sarne,

bürger beugten sich bloß 23 unter's Ehejoch, Kernst j

nur 17, Sachseler 16, Giswiler 9 und Engelberger 14. ]

Der Tod hielt seine reichste Ernte unter den

Bürgern des Thales Engelberg, von welchem er 55

in's Jenseits abberief. Es scheint, daß den Einheimischen

dort die berühmte Kurluft weniger gut anschlägt,

obschon auch 2 Kurgäste daran glauben mußten. —

Todtgeburten gab es im ganzen Kanton 5, alle männlichen

Geschlechtes. Ueber 9u Jahre alt verstarb eine

einzige Person; im Alter von 60 — 85 Jahren verschieden

111 Personen , also annähernd die Hälfte

sämmtlicher Todesfälle. Unter 25 Jahren beschlossen

ihr Leben 84 Personen, ein ernster Mahner an die

Jungmannschaft, nicht allzu „trutzig" zu sein auf Gesundheit

und Stärke.

Hinsichtlich der ärztlich bezeugten Todesursachen

steht die heimtückische Lungenentzündung (der „Stich")

mit 55 Opfern obenan. Liest man die vielfach sehr

imponirenden Krankheitsnamen, so gruselt es Einen

unwillkürlich und man fühlt so recht die Wahrheit

des malitiösen Verses:

„Die Medicin ist jene» Wissen,

Wonach die Leutestreben müssen."

Sarne«. Letzten Sonntag den 17. ds. versammelte

sich im Gasthause des Herrn Staatsanwalt

Seiler der Männerkrankenverein des Freitheilbezirkes

Sarnen zur Entgegennahme der

Jahresrechnung pro 18H5. Es ergaben sich Fr. 2047. M

Einnahmen und Fr. 1688.47 Ausgaben, somit ein

Vorschlag von Fr. 358.81. Es ist das ein Resultat,

welches / angesichts der mit Inkrafttreten der revidirnen,

wenn das Pferd müöe niiö matt geworden, so solle

man ihm nicht noch die Sporen geben u, s. f. Man

fand nun, daß immerhin eine schöne Anzahl für das

Unternehmen sei und es bildete sich die sogenannte Seegesellschast,

die aus 149 Mitgliedern bestand und sich

anerbot, frei und uuentgeltlich alles zu leisten, was in

ihrer Macht stehe. Diese machte nun den 24. Nov.

einen Accord mit Johann Silberer und den 9. Dez.

l 831 wurde die Arbeit wieder begonnen. Gemäß diesem

Accord durste Silberer ohne erhebliche Ursache nicht

aus dem Werk stehen, sonst hätte er die Caution zurücklassen

müssen. Er stund unter dem Befehl der Gesell«

schast, die ihn aber ohne wichtigen Grund in der Aus«

führung seiner Pläne nicht hindern durfte. Er erhielt

per Klafter 90 Gulden, wovon ihm ein Sechstel erst

zuletzt bezahlt werden mußte. Die Gesellschaft mußte

ihm Kost, Logis und die zum Werk nothwendigen Artikel

verschaffen. Im Jahre 1832 gelang es der Seegesellschast,

Melchior Deschwanden von Stans,

einen Mann, der die nöthigen Kenntnisse und edle

GemÄnnützigkeit in hohem Grade besaß, für das Unternehmen

zu gewinnen. Dieser sah wohl ein, daß Lungern

ohne fremden Beistand das Werk kaum zu vollenden

vermöge und entschloß sich deßhalb, der Vollendung

desselben seine Kräfte und seine Zeit zu widmen. Er

leitete von nun an als Bevollmächtigter der Seegesell-


ten Statuten nothwendig vermehrten Auslagen für

Krankengelder entschieden ein günstiges genannt werden

muß. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 3l.

Dezember 1885 auf Fr. 16.271. 29. Hier anschließend

theilte Herr Vereinspräsident S. Wirz mit, daß der

Verein in den 20 Jahren seines Bestandes 16,085

Franken an Krankenbeiträgen ausbezahlt. Sicher wurde

damit wie Herr Wirz richtig bemerkte, manche herbe,

durch Krankheit verursachte Noth gelindert und mancher

darbenden Familie im rechten Augenblick hülfreiche

Hand geleistet. — Vom Berichte, daß sich für die

letztes Jahr angeregte Sterbekasse nicht die erforder

liche Zahl von 30 Theilnehmern angemeldet und dieses

Projekt somit für einstweilen als dahingefallen zu

betrachten sei, wird Vormerk genommen. Wir unserseitS

bedauern lebhaft, daß dieser zumal für Familienväter

höchst wohlthätige Verein keinen bessern Boden

gefunden. ES wurde, wie uns schien, die Sache den

Leuten zu wenig mundgerecht gemacht. eine Unterlassungssünde.

welche bei allfälligem spätern Wiederaufgreifen

des Projektes wohl vermieden werden dürfte.

Die HH. Kassier Th. Haas und Pfleger Jo-h.

Emmene-gger wurden auf eine neue 2jährige Amts'

dauer wiedergewählt. An Stelle des demissionirenden

Aktuars, Hrn Jos. Amschwand. wurde neu gewählt

Herr Säger Arnold Heß Als Rechnungsrevisoren

wurden bestimmt: Hr. Landschreiber I. Jmfeld, Prosessor

P. Karl Prevost und Alt-Lehrer Vonwil;

Herr Apotheker Felix Stockmann wurde als Suppleant

der Rechnungsrevisoren bestätet; ebenso N.

Amstalden als Vereinsweibel.

Herr VereinSkassier Th. HaaS hatte sich die verdienstvolle

Mühe genommen. eine kurze, aber interessante

Zusammenstellung der sämmtlichen in Obwalden

wirkenden, freiwilligen Krankenvereine zn fertigen. Es

existiren im Ganzen 4 Männer- und ein Frauenkrankenverein

mit 963 Ehren- und Aktivmitgliedern.

Ein 6. Verein wurde eben gegründet. Das Gesammtvermögen

dieser Vereine beträgt Fr. 43.055. 58. —

Fürwahr, ein schöne« Denkmal gemeinnützigen Wirkens

in unserm Obwaldnerlande. Wir schließen mit einer

pflichtgemäßen Aeußerung des Dankes gegenüber der

uneigennützigen und mühevollen Amtsthätigkeit des

Verwaltungsrathes. B.

Kerns. (Einges.) Dank großmüthiger Spenden

von Nah und Fern ist unsere Bühne so weit der

Vollendung entgegen gerückt, daß sie benutzt werden

kann. Die Theatergesellschaft möchte hier den besten

Dank aussprechen den edlen Beförderern des an sich

kleinen, aber für eine junge Gesellschaft immerhin gew.igten

Unternehmens und deßhalb zug'eich sich neuerdings

empfehlen, um so mehr, da sie sich zum Ziele

gesetzt, wo immer möglich , bei Unglück und zu gemeinnützigen

Zwecken mit ihren schwachen Kräften in

die Schranken zu treten. Daß Schicksalsschläge keine

Parteien kennen, wissen Alle und so soll auch die Hülfe

sie nicht kennen. — Um so viel als möglich dem Publikum

entgegen zu kommen, wurde zur ersten Aufführung

ein Volksstück gewählt, das in Steyermark (Oesterreich)

spielt.

„'s Nullerl" heißt das Stück und ist erst 1885

im Drucke erschienen und >884 im Manuskript zuerst

über die Bretter gegangen.

„I bin — i bin der Neamd af der Welt

I hab — i hab ka Feld und ka Geld;

Ka Hütterl, ka Kammerl, ka Fensterl g'hört mir

I bin — i bin af der Weil' im Quartier!"

so singt ein alter abgearbeiteter Bauernknecht, der die

Vollkraft seines Lebens der Arbeit, dem Fleiß, der

^scbast das Unternehmen. Um dem herrschenden Geld-

Mangel abzuhelfen, erließ er den 10. Dez. 1832, nach

dem der Vorort Luzeru das Werk empfohlen, nachdem

die Negierung von Obwalden den 5. Ott. erlaubt, durch

«Aktien Geld außer dem Land aufzunehmen und den

| Seeboden zu verpfänden, einen „Aufruf." und bat, durch

gemeinnützige Darlehen das Unternehmen zn unterstützen.

Er veranschlagte die Kosten der Vollendung

aus Grund der Berechnung von Schlatter auf 16,000

Fr. die durch 400 Aktien a 40 Fr. zn decken wären.

Die Gesellsclaft bittet zugleich jeden^biederen Bergmann

unseres Vaterlan des, jeden Freund des Gemeinwesens

um seine Ansich *en uno Vorschläge über dieses Unternehmen.

Kein Plan wird ungeprüst bleiben, der beste

aber treu befolgt. Zn kurzer Zeit gelang es dem rastlosen

Eifer von Melchior Deschwanden, die erforderlichen

Aktien aufzubringen. Diese wurden in die eigenössische

Kanzlei gelegt und dann je hundert Aktien gegen geleistete

Rcalcantio» von 4320 Fr. durch das Loos herausgezogen.

Die Betreffenden wurden dann ermahnt, die

Aktien einzuzahlen. Nachdem der See tiefer gelegt,

war man berechtigt, die Aktien und die daherigen Zin»

feil zurück zu fordern. Sollte die Tieferlegung nicht

gelingen, dann war der Seegrund Unterpfand. Waren

die 100 Aktien aufgebraucht, dann wurde von Melk

Deschwanden in einer Zeitung und in Separatabdrücken

Treue geopfert, aber dem bei den Verhältnissen in

jener Ländesgegend, nachdem die Kräfte ihn verlassen,

nichts geblieben ist. als ein siecher Körper und die

bittere Noth. Eine Null ist er geworden, ein Nullerl.

wie sie dort sagen, ein Nichts auf der Welt.

Versorgungshäuser findet man nicht und von den

Behörden wird, wie es scheint, nichts gethan für die

Armen und die dortige Bauersame, die vor Verarmung

sich sicher wähnt, wird spinngiftig, wenn Jemand von

Anstalten redet für im Dienste ergraute und lahm gewordene

Dienstboten. — Halt, in diesen Pflegehäusern

würden diese Leute zu alt und ginge es ihnen zu gut,

darum ist es besser, diese lahmen, siechen Einleger,

wie man in Steyermark die von Hans zu Haus ziehenden

Bettler nennt. denen vielleicht manch' ein

Bauernhof Wohlhabenheit. ja Reichthum dankt und

die vielleicht bloß die Arbeit ausgesetzt, so lange sie

für ihren Kaiser und das Vaterland im Felde gestanden.

diese armen unglücklichen Menschen gehen betteln

von Hof zu Hof, von Hütte zu Hütte! Betteln ! ?

Dünn sind die Bissen, aber dick die Grobheiten oft,

die für sie abfallen.

Dank den Einrichtungen in unserm lieben Vater«

lande, in unserm lieben Heimathkantone, in unsern

Gemeinden, Dank der Opferwilligkeit unseres braven

VölkleinL sind wir über so traurige Erscheinungen weg.

Gelingt es den Darstellern im „Nullerl" nur

halbwegs'der Durchführung gerecht zu werden, so dür>

fen wir getrost auf die Zufriedenheit des Publikums

hoffen. Was die Dekoration anbelangt, wurde möglichst

auf das zum Stück Passende und auf hübsche

Ausführung Gewicht gelegt, so daß wir uns der Hoff

nnng hingeben, der Zuschauer, der uns seinen freundlichen

Besuch gönnt, werde mit Befriedigung von uns

scheiden, wenn er, um waS wir das ganze Publikum

bitten, nicht vergißt, daß er vor Dilettanten und nicht

vor Künstlern steht.

Unsere herzliche Einladung heißt darum an Jung

und Alt: Aus Wiedersehen in Kerns ! I

Nidwalden. Emmetten. (Korresp.) Am letz

ten Mittwoch den 13. Januar, Abends 5 Uhr, starb

an einem Herzleiden Hr. Kantonsgerichtsvizepräsident

Joseph Würsch. Jo>eph Würsch ist ein Schüler des

Kollegiums zu Sarnen und die dortigen Hochw. HH.

Professoren dürfen mit Genugthuung und Freude auf

das Leben dieses ihres Schülers hinweisen; sie haben

ihn zu einem tüchtigen und sittlichen Manne gebildet und

erzogen und er hat das Gelernte nicht in einem alten

Bankkasten gleichsam verborgen und ist darauf gesessen

und hat Tust dazu getrunken, nein, er hat mit seinen

Talenten gearbeitet. Zwar fanden die Muriherren

ein wohl vorbereitetes Erdreich vor, den Samen des

Edeln und Guten aufzunehmen: Das Haus in der

„Reketen" zu Emmetten beherbergte eine christliche,

grundbrave Unterwaldnerfamilie und der alte Raths-

Herr fel. hatte auch zwei helle, aber auch zwei gar

freundliche Augen unter seiner hohen Stirne, er ist

allen Emmettern Rath und Freund und daher lieb

gewesen. Sein ältester Sohn hätte doch ganz aus der

Linie schlagen müssen, wenn er nicht auch etwas Rechtes

abgegeben hätte.

Schon 1877 wählte die Einwohnergemeinde Emmetten

ihn, kaum 23 Jahre alt, zum Präsidenten, in

demselben Jahre wurde er Kantonsrichter, 1883

Armenprästdent und in demselben Jahre Vizepräsident

des KantonSgerichteS und Mitglied des Landrathes.

Die materielle und geistige Hebung seiner Heimath«

gemeinde war sein erstes Ziel als Vorsteher. Nicht

Bericht und Rechnung abgelegt. Wenn keine Einsprache

dagegen erhoben wurde, dann würden einige Wochen

nachher wieder 16(1 Aktien aus der eidg. Kanzlei aus»

geloost. Solche Rechnungen und Berichte erschienen den

11. Aug. 1334, den I. Juli 1835, den 21. März

und den 17. März 1838. Einige Wochen nach der

Schlußrechnung wurde dem Melchior Deschwanden die

Kaution wieder zurückgegeben. Vom 1. Januar 1832

bis den 11. Brachmonat hatte Silberer an Geld und

Lebensmitteln 2765 Gldn., 21 Schill. erhalten. Es

entstund nun ein Streit bezüglich des Accordes. Ein

Schiedsgericht erklärte den 18. Brachmonat 1833: Der

Accord dürfe nicht ganz als null und nichtig erklärt

werden, weil es nicht vollständig ersichtlich sei, daß er

auf Rechnung der Gesellschaft gearbeitet. Die Seegesellschaft

solle ihm über das schon Bezahlte hinaus

noch 135 Gld. bezahlen. Die Gerichtskosten sollen sie

zu gleichen Theilen tragen. Da man keine Versuche

machte, Silberer zurückzuhalten, so scheint es, dah man

seinen Abschied wegen Mangel an Vertrauen aus seine

Tüchtigkeit nicht ungern gesehen. Nun trat wieder eine

Pause ein.

(Fortsetzung folgt.)

zum wenigsten ihm, seiner Initiative, seiner Beredsamkeit

und Energie verdankt Emmetten die neue

Landstraße und den Beschluß betreffend Neubau eines

wahrhaft großartigen Schul- und Gemeindehauses.

Wenn dieser kleinen Berggemeinde nachgerühmt werden

kann, daß sie unter sehr guter Leitung und Verwaltung

stehe, so gebührt dem jungen Präsidenten

Jos. Würsch vorab die Ehre. — Dieser aber entwickelte

außerdem noch eine vorzügliche Privatthätigkeit. Der

Vater hinterließ den beiden Söhnen, neben einer bedeutenden

Landwirthschaft, eine Pfisterei u. Spezerei-

Handlung. Joseph ließ sich überdies frühe schon in

einen großartigen Holzhandel ein, der sich in die

Hunderttausende von Franken belief und sozusagen die

ganze Umgebung des Vierwaldstättersees umfaßte.

So hatte er kaum 32 Jahre lang gelebt und

dennoch sehr viel gearbeitet, „viele Jahre erfüllt." Nicht

nur Emmetten, vielmehr ganz Nidwalden hat einen

seiner tüchtigsten Beamten verloren, aber vor Allem

einen christlichen Familienvater und rastlos thätigen

Ehrenmann. R. I. P.

Au«;. Haupkmann Stutz hat die auf ihn gefallene

Wahl in den Regierungsrath abg'lehnt. Stadt»

Präsident Zürcher nur eine bedingte Annahme erklärt.

Die Liberalen halten für den zweiten Wahlgang ander

Candidatur von Oberstlieutenant Henggeler seit.

A u s l a n d .

Italien. Der hl. Vater hat ein Schreiben veröffentlicht.

welches als Antwort auf das gemeinsame

Hirtenschreiben der Fuldaer Bischofskonferenz anzusehen

'st. Dasselbe bespricht in gemäßigter Form,

aber mit voller Entschiedenheit die religiöse Lage und

betont die Nothwendigkeit der Lösung der Heranbil,

dungSfrage der Geistlichen. Schließlich behandelt es

die Freiheit der katholischen Missionen in den Kolonien

vom Standpunkte der freien Entwicklung der kathotischen

Kirche, speziell die Ausbildung katholischer Missionäre

in Preußen.

Frankreich. In der Nähe von Paris wurde

der Präfekt des Eure-Departementes im Eisenbahnwagen

ermordet. Der Verdacht lenkt sich auf

fahrende Kümmelblättchen - Spieler, die seit langer

Zeit jene Gegend unsicher machten, und denen der

Präfekt eine strenge Verfolgung angekündigt hatte.

Versammlung d. obwaldnerischen Bauernvereins,

Sektion Sarnen.

Sonntag, deu ^4. Januar, Abends halb 8 Uhr

im „Laudenberg" iu Samen.

VerHand lungsgegenstände:

1") Vortrag über Werth und Bedeutung der wichtigsten Nah-

rungSmittel-

2) Anfrage bezüglich Ankauf von Erduußkucheu und Dünger.

Jedermann ist zum Erscheinen eingeladen.

Der Borstand.

E. Chronik von Kerns.

1055, 1. Hornung werde» von Rathsherr Josef Bucher die Kapitalien

angewiesen für die 6000 Pfd., welche Laudvog! Anton

Bucher an die Pfarrkirche gestiftet hat.

ca. 1658 bekennt Hans Balz Müller, daß er verpflichtet, ein ewiges

Licht im Bein ha uS zu unterhalten und gibt Berfatznng

auf WendelSan.

1662 besaß Haus Bucher eine Pulvermühle beim Erlenbach in

der Nähe der jetzige» Wirthschaft ans dem Sand.

1663, 19. gebrnar, wurde erlaubt, in St. Riklaufen da«

Allerhe iligste aufzubewahren. Vorher mnßten die

Kranken im Melchchal von der Kirche aus mit den Sterbfakrameuten

«ersehe» werden.

1064, 1673 und 1734 wurde» auf der Egg in KernS Feuerzeichen

aufgestellt. Gleichzeitig waren auch Feuerzeichen

auf dem Rotzberg, auf dem Hnbel in der Schwäudi und -uf

der Mühlefiuh in Lungern. Anstatt dem Feuerzeichen anf

dem Rotzberg und auf der Egg hatte mau früher bei Kriegsgefahren

ein Feuerzeichen anf dem Mieterschwauderberg.

1667—>669 war Streit wegen der Alpen Aecherli und

Röschen egg. Die Nidwaldner wollten, daß die March

durch die Lust gehe und die Obwaldn-r, daß die Schueefchmelze

marche und daß sie, wenn mau die Alpen an die Ennelmooser

verkaufen wolle, berechtiget seien, das Zugrecht auszuüben.

Obwalden will den Streit an eine dreiöriige Conferenz

kommen lassen. Endlich läßt Nidwalden die Schueefchmelze

als Laudmarch gelten und die Alpen wurden von Landammanit

Johann Peter Jmfeld gekauft.

1668 erscheinen HauS Kaspar Lenz, Müller in der Kernmatt und

Baiz Ettlin, Müller in der Mühlematt, vor Gericht gegen

Balz Bimmermann, Müller im Foribach, und es beklagen

sich die Ersteren gegen den Letzteren, daß derselbe ihnen das

Wasser wegnehme, obfchon ihre Mühlen älter seien.

Derselbe leitete nämlich bei der Kapelle in St. Anton, wo

beide Bäche nahe bei einander hinabfließen, vom Rnsibach

oder Kernbach durch Kennet Waffer hinüber in den Foribach.

Das Gericht erkennt, daß er nur halbes Waffer hinüberleiteu

dürfe.

1671, 13. Hornung, wnrde Meinrad Bncher mit Drillingen beschenkt.

1675 im Jubeljahr sind Niklau« Anderhalden, Kaplan iu St. Riklaufen

und später Pfarrer in Alpnach, Bergherr Wolfgang Stockmann,

Heinrich Bncher auf den, großen Ried in Znben,

Rathsherr Melchior Hug, Balz Durrer, Anton Steinibach,

Lieutenant Joh. Jakob Bucher, fpäier Landammanu, Rathsherr

Balz Michel, Meister Anton Schonet, Franz Schwarber

von Sarnen nnd Weibel Arnold Wallimann nach Rom ge»

pilgert, um die hl. Orte zu besuchen und den Jubelablaß zu

gewinnen. Johann Jakob Bncher wandte sich an den hl. Vater


und bat ihn um Reliquien und killt» vollkommenen Ablaß

Er erhielt dann a»S dem Cömeterittm „Cyrianae" das H an p t

des hl. Märtyrer MagnuS, 4 Gebeine vom M. Märtyrer

Jnnozcnz und 2 Gebeine vom hl. Märtyrer CandiduS.

Dieselbe» wurden von ihm „mit größten Freude»" heimgetragen

und „zu einem Kram Leibs und der Seelen" ter

Pfarrkirche in Kern» geschenkt. Die Geschenke und Kosten

beliesen sich ans ca. 50'@l. Dieselben find nun unten am

Umtragbild des hl. MagnuS angebracht. Die Nachkommen

von Johann Jakob Bucher, der bei Villmergen gefallen, besaßen

ein alteS Gemälde, worauf drei hl. Märtyrer abgebildet

und diese Begebenheit ausgezeichnet war. AIS fie heimgekehrt

waren, beschlossen fie, eine Römerbrnderschast zu

stiften, zur Ehre der hlst. Dreifaltigkeit, zum Dank für die

vielen Gnaden, die fie empfangen haben, damit Gott seine

hl. Kirche, den römischen Stuhl, Jhro päpstliche Heiligkeit

sammt allen geistlichen und weltlichen Ständen vor alle»

fichtbaren und nnfichtbaren Feinden gnädig bewahren wolle

und zum Trost der Verstorbene», die in diesem Jubeljahr

oder früher «ach Rom gepilgert. Dieses Jahrzeit wird alljährlich

am 18. Jänner gehalten. Die zweihundertjährige

Stiftungsfeier ist 1876 feierlich begangen worden. Als später

diese Bruderschaft auSzusterben drohte, würd? dann die

Magnusbrnderfchaft gestiftet und damit verbunden.

1676 begegnet uns zuerst eine Kapelle im Mai zu Wißerlen.

HanS Josef Gabriel von StanS hatte im Alter von 15 Jahre»

„vS dem meyen Cäpeli Unnfer Liebe» Frauen 3 Betti genomen",

welche nachher von seinem Vater bezahlt wurden.

1699 wurde wegen derselben zuerst Rechnung abgelegt.

(Fortsetzung folgt.)

Zu verkaufen:

Da» Hau» des alt - Wachtmeister» Franz Jmfeld, dessen Kindern

gehörend, im Unterdorf, Sarnen.

2av

Anmeldungen beim Vogt Joseph Wirz, „zur Krone".

Bortheilhafte Gelegenheit!

Zu ganzem oder ttieilweisem Verkaufe, eveut. auch zum Verlehnen

werden folgende Liegenschaften angetragen, als:

1. Die Liegenschaft d-S I. M. Odermatt, GypSmüller in Ennetmoo»,

Nidwalde», „Betti" genannt, sammt Wohnhaus, GypSmühle,

mechanische Werkstätte, Schmiede, Mosttrotte und Zubehör;

2. dessen Wirzbodenried, an obige Liegenschaft anstoßend;

3. dessen Schlenggenried bei St. Jakob;

4. dessen Wald am Müetterschwandenberg und

5. dessen Antheil Mehlbach.

Allfällige verehrte Käufer wollen sich gef. innert 14 Tagen an

die Unterzeichneten wende», woselbst sie über Flächeninhalt der Liegenschasteu,

über die Wasserkraft der GypSmühle, über GutSertrag und

Anderes nähere Auskunft erhalten.

2a

StanS und Buoch», 21. Jänner 188f>.

Kaspar Adermalt, Weinhandlung, Stan».

I. Zimmermann Narmettier, Kreuzgarten, Buoch».

Die GypSsteine für den Sommerbedarf 1886 sind bereit« zugeführt.

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2 »

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— 26. Rosalia Ottilia. Tochter des Peter Eberli und der Karolina

Anderhaldeu im Kretzacher. — 27. Walter Paul, unehelicher Sohn

der Franziska Bnrch, Tochter des Peter und der Theresia E«z sel.

Sterbefälle: 12. Jgsr. Theresia Schälin, Seilenweberin, im

Pfedli; geb. 12. August 1862. — 20. Peter Schäli, Diepigen, geb.

den 31. Jan. 1315. — 21. Vinzenz Enz, Räbstock ; geb. den 5. April

>871. — 24. Frau Josesa Berchtold, Ziegler»; geb. den 25. März 1824.

Gemeinde Lungern.

Geburten: 3. Anna Marie, Tochter des Johann Bürgi und

der Franziska Gasser. — 13. Johann Franz, Sohn des Josef Imfeld,

LahmentoniS und der Katharina Jmfeld. — 21. Katharina

Pauline, Tochter des Baptist Jmfeld, Förster u»d der Marie Zurgilgeu.

— 24. Katharina Emma, Tochter des Josef Ming, Buchholz>

acher und der Barbara Zumst.'i». — 25. Beat, Sohn des Johan»

Gaffer, Mathisen und der Josesa Gasser.

Sterbefälle: 27. Frau Jgnazia Gaffer, geb. Amgarten, von

und in Lungern, Ghesrau de» Johann Gaffer, SchnidersepS, Tochter

des Melk Amgarten und der Anna Marie Gaffer; geb. 30. No»,

1846. — 27. Karl, Kind de» Anton Halter und der Karolina j

Halier; geb. 25. Septbr. 1885. — 28. Marie, Kind des Jakob j

Jmfeld und der Franziska Gaffer; geb. 13. Jnni 1885.

Gemeinde Enlielber«.

Geburten: 12 Wilhelm Emil, Sohn de» Carl Amrhein

und der Marie Cattani. — 15. Rosa Marie, Tochter de» Karl Heß

und der Katharina Matter. — 24. Anselm Josef, Sohn de» Franz

Amstntz und der Rosa Hurschler. — 24. Anna AgneS, Tochter de»

Joses Waser nnd der Marie Hurschler. — 30. Franz Eugen, Sohn

de» Franz Küster und der Anna Hurschler.

Sterbefälle: 4. Mathilda, Tochter de» Eugeu Vogel, Boden,

geb. den 2g. Sept. 1884. — 15. Melchior Langenstein, Hofstall,

geb. den 18. Dezember 1810. — 16. Aloisia Küster geb. Fa»ger. im

Waisenhaus gestorben, geb. den 22. Juni 1825. — 29. Josef, Sohn

deS Joh. Josef Feierabend, Eutern, geb. den 1. April 1885. — 30.

Josef, Sohn teS Josef Waser, Revierförster, geb. den 19. November

1881. — 30. Rosa, Tochter des Engen Amstutz, Heeg, geb. den

2. Dezember 1883. — 8. Maurus Heß, Schlag, iu Alzeln gestorben,

geb. den 27. Juli 1814. — 31. In Egnach gestorben: Albert,

Sohn des Mauru» Aimhein (alt-Bott), geb. den 22. Februar 1862.

Gheverkündignn„en. Peter Anton Burch, Landwirlh, von

der Schwändi, des Peter Josef, nnd Anna Maria Vonah, von der

Schwändi, deS Peter Anton. — Peter Studh alter, Schreiner, von

Horw, des Jakob, und Katharina Sarah AgneS Grifiger, Kellnerin,

von Sachsein, des Alois. — Peter Josef Britschgi, Melker, von

Alpnach, des Valentin, und Barbara Slocker, Hebamme, von Sin», i

des Kaspar.

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30. Janncr. 16. Jahrgang

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ie soziale Frage und das Christenthum.

z(Vortrag von Hochw. Herrn KapiteiSpräfeS Pfarrhelfer Omlin^)

(Fortsetzung.)

Schon um's Jahr 133 v. Christi Geburt hatt- Cajus

racchus den Vorschlag eingebracht, daß Jedem, der sich

eldete, monatlich vom Staate Getreide um die Hälfte des

Marktpreises verabreicht werden sollte. Zu den Ge»

eidespendungen kamen noch Salz«, Oel- und Fleisch-

«rtheilungen, unentgeltliche Bäder, Schauspiele und

jLtunter kolossale Schmausereien. Rom wurde der

»mmelplatz aller in's Proletariat hinabgesunkenen

freien; hier lebten diese zahllosen Proletarier von Gercidespendungen

und Wahlbestechungen. #Panem et

ircenses", „Brod und Schauspiele", war ihr Geschrei,

gab in Rom, der größten Weltstadt, um's Jahr

i vor Christus kaum 2000 vermögende Familien, darun-

[r freilich ungeheure Vermögen, die durch Aneignung des

*er publicus, d. h. des Gemeinlandes, durch wucheri-

Handel mit den Aemtern, durch Pachten der

steuern, durch Lieferunzen für die Armeen, durch Er-»

Pressungen in den eroberten Provinzen, durch industriellen

Betrieb der Gewerbe mittels der zahllosen

Sklaven, zusammengehäuft wurden.

Ein gewisser Cäcilins Claudus z. B. hinterließ nach

Plinius 3600 Paar Ochsen und an anderm Vieh

257,000 Stuck. Diese Reichbegüterten verzehrten ihre

kolossalen Reichthümer in Luxus und in rasfinirter

Genußsucht, während die große Menge hungerte und

hungernd zu Grunde ging.

Und es galt bei diesen Kulturvölkern auch nur der

Reiche, Mächtige, der physisch und wirthschaftlich Starke

als vollberechtigter Mensch und Staatsbürger. Der Arme,

der Schwache, der Kranke, ja selbst die Frau, das

Kind, sie waren alle rechtlos und von der Willkür der

Damilienhäupter abhängig. Wnrden die Sklaven krank

oder invalid, so wurden sie ohne Erbarmen dem Tode

geweiht. Für die armen Kranken, Waisen u. s. w. gab

: es kein Kranken» und Waisenhaus, keinen Spital, wie

überhaupt Armen- und Krankenpflege, Spitäler, Armen-

I und Irrenhäuser erst eine christliche Einrichtung sind

i FKr die Armen hatten selbst bessere Geister nur weg

1

werfende Worte und erklärten Mitleid und Barm-

Herzigkeit als Schwäche und Fehler des Charakters.

- Gewiß, das waren recht traurige, große soziale Rothstände!

Die Geschichte erzählt, daß der damalige Kaiser

Liberius einst einsam auf der Insel Capreae lange

zar ernst über diesen traurigen Zustand seines Reiches

nachgedacht. Das stolze Weltreich, dessen allmächtiger

Herr er war, bereitete ihm tiefen Kummer, denn

ir sah die ganze Gesellschaft von unheilbarem Siech

thum ergriffen. Luxus und Elend waren die Krankheit,

die an deren Lebensmark nagte. Tag und Nacht

sann er auf Heilmittel zur Rettung der Gesellschaft.

Da wandte er sich an den römischen Senat und wollte

^den Rath der weisesten Männer der Zeit hören

Wohl saßen in diesem Rathe gar gelehrte Männer

in Menge, Philosophen, Sophisten und Schönredner;

allem Keiner aus Allen wußte Rath. Wir wissen ja,

vaß einer der bessern Philosophen der damaligen Zeit,

^eneca, daS demüthige Bekenntniß abgelegt hat

»Niemand sei mehr im Stande, sich selbst zu helfen, son

dern es müsse Jemand von Oben kommen und die Hand

reichen und ihn emporziehen."

Und wirklich, schon während Tiberius in tiefem

Gram der Seele aus Capreae umsonst nach Heilmitteln

forschte, war — der Retter nicht bloß seines Reiches, sondern

der ganzen menschlichen Gesellschaft, — der Erlöser

der Menschheit bereits in einem verborgenen, unscheinbaren

Winkel des römischen Weltreiches erschienen und

verkündete eben armen und verachteten und ungebildeten

Schaaren jene wunderbaren Lehren, welche die Menschen

aus dem tiefen Elende herausziehen und sie zu den

Höhen nie gekannter Kultur und Civilisation empor»

heben sollten. Ein neues belebendes Prinzip ist in die

Welt eingetreten, — dgs Christenthum — das Prinzip

der Liebe, der wahren Freiheit und der Entsagung.

Langsam erkämpfte es zwar seinen Sieg, aber jedem

Volke, wo es Wurzeln faßte, brachte es Erlösung aus

seinem sozialen Elende; es löste die harten Sklavenketten,

milderte das Loos der Leibeigenen, adelte die

Würde des Weibes, heiligte und festigte das Familienleben,

und versöhnte die schroffen Gegensätze zwischen

Reichthum und Armuth und zwischen den verschiedenen

Ständen und Klassen der Sozietät, kurz, das Christenthum

erneuerte, je nach dem Maße der Freiheit seiner

Wirksamkeit, das Angesicht der Erde.

Menschliche Verschuldung durchkreuzte zwar oft schnell

genug wieder die sittigenden und wohlthätigen Bestrebungen

des Christenthums in dieser Beziehung.

Wir übergehen aber eine anderthalbtausendjährige

Geschichte europäischer christlicher Kultur, und geben in

paar flüchtigen Zügen die Genesis, die Entstehung der

sozialen Frage der Gegenwart.

Durch die französische Revolution anno 1789, die

dann die Runde durch ganz Europa machte? und der

durch ungläubige Philosophen, wie Diderot, d'Alembert,

Voltaire, und die Encyklopädisten der Weg war geebnet

worden, kamen nicht nur ganz neue politische, sondern

auch ganz neue volkswirthschastliche, soziale Ideen auf

die Bühne der europäischen Völkerfamilie. Der sogen,

dritte Stand, der, ob mit Recht oder Unrecht, wollen

wir nicht untersuchen, vom zweiten Stande, dem Adel,

sich unterdrückt glaubte, erhob sich. Er gab vor, die

Rechte der Menschheit zu vertreten; Freiheit, Gleichheit,

Brüderlichkeit war seine Parole, und gerade dadurch

wußte er sich die Sympathien des Arbeiterstandes zu

erwerben, der ihm getreulich nun beistund in der Zer«

trümmeruug von Thron und Altar.

Mit dem alten ehrwürdigen Zunftwesen wurde aufgeräumt,

die Zunftschranken und Privilegien wurden

aufgehoben, die Adelsdiplome wurden zerrissen. Eine

neue Aera des Völkerglückes sollte aufgehen. Wir wollen

nicht leugnen, daß es um die Abschneidung manchen

Zopfes von damals nicht schade war, und daß in den

Ideen jener Zeit manches Gute lag. Allein man

schüttete das Bad mit dem Kinde aus. Man überhörte

die Stimme der Vernunft; man entfernte sich von dem

Pfade und Wegweiser des christlichen Sittengesetzes

und statt dem Lichte der göttlichen Offenbarung folgte

man den Irrlichtern der trügerischen menschlichen

Vernunft.

Wie höchst gefährliche politische, so wurden auch

sehr verderbliche wirthschaftlich-soziale Ideen proklamirt,

so z. B. unbeschränkte Handels- und Gewerbesreiheiheit,

Freizügigkeit u. s. w. Und gerade

diese volkswirthschaftlichen Grundsätze, dann der erleichterte

Verkehr, die Erweiterung des Lokal- zum

Weltmarkte, die Erfindung und das Ueberhandnehmcu

der Maschine, die Millionen von Hände lahm legte,

Die Theilung der Arbeit, die völlig entfesselte, allgemeine

Konkurrenz, das Alles hat im sozialen Leben total neue

Verhältnisse geschaffen, hat das Kapital im wirthschaft,

lichen Leben zum fast allein entscheidenden und maß«

gebenden Faktor gemacht und die ehrliche Arbeit in den

Hintergrund gedrängt, in die gänzliche Abhängigkeit

vom Kapital gebracht.

Und die Folgen: der Wettkampf in der Konkurrenz,

die Ueberproduktion, der Luxus; ferner: das Verschwinden

des für die Sozietät so wohlthätigen Mittelstandes;

der Handwerker» und kleinere Bauernstand

treten immer mehr in die Reihen der Lohnarbeiter;

der Arbeitsschweiß von Millionen kehrt als klingende

Münze in die Geldtruheu einiger Weniger zurück, das

Kapital häuft sich in immer weniger Händen zu sabel»

haften Vermögen zusammen, während der größere Theil

der Menschheit zum sogen. Proletariat hinabsinkt und

in materiellem und sittlichem Elende dahinsiecht. Oder

wie viele glückliche Existenzen wurden zerstört, wie vi.-lc

tausend und tausend vielleicht einst ganz behäbige und

glückliche Familien mußten ihres bescheidenen Vermögens

beraubt und in hungernde und verhungernde Proletarier

verwandelt werden, bis ein Rothschild seinen Kindern

1700, und ein Vanderbilt 1000 Millionen hinterlassen

konnten?

(Fortsetzung folgt.)

Eidgenossenschaft.

— Eidgen. Schützenfest. Die Rechnung für

das letzte eidgen. Schützenfest in Bern schließt ohne

Einnahmenüberfchuß. indem nachträglich noch Nachzahlungen

für verschiedene Arbeiten geleistet und die

l3 stadtbernifchen Schützenvereine mit je einem silberneu

Becher zum Andenken bedacht wurden.

— Freiberge. Im Jahre 1885 wurden in

19 Freibergen der Schweiz gezählt: 6495 Gemsen und

120 Rehe. Dieselben werden von 33 Wildhütern bewacht,

welche zusammen 8472 Streiftouren machten,

die 95 Anzeigen betreffend Wildfrevel zur Folge hatten.

Von den Wildhütern wurden 643 vierfüßige Raub»

thiere und 1361 Raubvögel erlegt.

O b w a l d e n .

— Aus dem Regierungsrathe. Gemäß

Kreisschreiben des schweizerischen Landwirthschasts-

Departement?» sind unserm Kanton pro 1886 Fr. 968

Bundeszulagen fürZuchtstierprämien und Fr. 305

Bundesprämien fürRindv ieh-Zu chtfamilien

in Aussicht gestellt. — Als Traktanden für den auf

Montag den 8. Februar eivberufeneu Kantonsrath

werden fixirt: Spitalrechnuug; gerichtlicher

und regierungsräthlicher Gefchäftsbericht;Lauwikorrektion;

Konzessionserweiterung hin,

sichtlich des Wasserbezuges der Parquetfabrik Bucher

& Durrer; provisorische Abänderung der Viehzucht-

Verordnung; Begnadigungsgesuche. — In

Folge Nichteintreten in Haben und Sollen wird über

Geschw. Friedrich, Seelibiel, Giswil, Konkurs

verhängt. — Vom Resultate der kantonalen Obstbaumzähluug

wird Notiz genommen und den Gemeinden

an daherige, einheitlich berechnete Kosten ein

StaatSbeitrag von 50°/« zuerkannt. (Die Zusammenstellung

wird nächstens veröffentlicht.)

I


— Sempacher Jubiläum. Wenn die Regierung

von Obwalden die verlangte Stellung „kostümirter

Krieger" an die Säkularfeier der Sempacher-

Schlacht ablehnte, so geschah dies nach der Ablehnung

der Regierungen von Schwyz und Nidwalden, also zu

einer Zeit, wo ein bejahender Entscheid rein gegenstandslos

gewesen wäre. Die Ablehnung erfolgte

auch mittels freundlichster Zuschrift an das Organi--

fations-Komite, in nichts weniger als brüsker Weise.

Thatsache ist, daß durch die von Obwalden geforderte

Anzahl von „Kriegern" ein Äusgabeposten von >200

bis 1500 Fr. geichassen worden wäre, daß in solchen

Dingen ein halbes Entsprechen weniger als eine

Halbheit ist, und daß die Steuerwilligkeit für nicht

nothwendige Landesausgaben Hierlands eine sehr beschränkte

ist. Wir haben die Säkularfeier des Bruder-

Klausen-Festes vor der Thür, welche ganz aus eigenen

Mitteln und durchaus würdig begangen werden

soll. Unbestreitbare Thatsache ist, daß Regierung und

Volk Luzerns uns liebe, ehrenwerthe Nachbarn sind

und daß die Sempacher Schlachtfeier im Herzen des

Obwaldner Volkes und seiner Behörden sehr berechtigte

und treue Sympathien findet. Thatsache ist aber

auch, daß für Schankung eines Glasgemäldes unsere

Regierung sofort und freudigst sich bereit erklärte.

Bei treuer Hülfe in der Noth, die man sich keineswegs

gegenseitig vorrechnet, werden Luzern und Obwalden

auch fürder als loyale, freundnachbarliche Eidgenossen

sich bewähren. Wir wollen, trotz der entschiedenen

Verneinung von Federn verschiedener Parteirichtung,

nicht untersuchen, ob die richtige Feier an solchem

Tag und an solchem Orte ein noch so edel angelegteS

Schauspiel ist, welches beim Zusammenwirken

manch' ungeübter Kräfte durchaus gelingen muß, um

einen würdigen Effekt zu machen, und zu dessen Gelingen

die Witterung ein sehr gewichtig' Wort zu sagen

hat. Da« Spiel ist allerdings tüchtiger Leitung anvertraut.

Aber so viel ist Thatsache, daß es nicht wie

Geschichtschreibung und Dichtung einen bleibenden

Werth besitzt. Und so viel ist Thatsache, daß wenn

man für ein gemeinnütziges oder bleibendes

Andenken an die tiefernste Säkularfeier, für diese oder

jene Stiftung u. s. w., einen mindestens so großen

Beitrag als denjenigen für die „kostümirten Krieger"

sollizitirt hätte, ein abschlägiger Bescheid nicht zu gefährven

gewesen wäre. Mangel an loyaler Rücksichtnähme

kann man sich nur bei Versagung eines wirkliehen,

reellen Dienstes vorwerfen; bei Formfragen,

mögen sie auch in schöner patriotischer Umkleidung

an uns herantreten, darf man anderweitige

Rücksichten und Pflichten der Landesverwaltung nie

ganz außer Acht lassen. Zwischen verständigen Leuten

und guten Freunden tritt hiedurch nicht die leiseste

Spur einer Erkältung ein.

— Ueber die gleiche Frage schreibt der „Luzerner

Landbote": „Die Regierungen von Schwyz und Unterwalden

haben dem Festkomite melden lassen, daß sie

gerne ihre Standeswappen in die Schlachtkapelle, die

Abordnung und Weibel in den Standesfarben zum

Feste selbst senden wollen, dagegen die Ausrüstung

bewaffneter Truppen zum Volksschauspiele den lieben

Luzernern selbst überlassen müssen. Das ist auch be»

greiflich. Es wäre denn doch des Guten zuviel, wenn

die Leute in den Alpen drinnen für Reisen zu den

Proben und Festvorstellungen Opfer an Zeit und

Geld bringen sollen, haben doch ihre Ahnen vor 500

Jahren für die Luzerner ihr bestes Blut geopfert.

Wären die Sempacher Herren, welche im Komite das

Wort führen, etwas mehr praktisch, als politisch spekulativ,

so wäre es auch leicht möglich, die 500 Be-

waffneten nebst der „friedlichen Bevölkerung" im

Luzernbiete selbst zusammen zu bringen."

Tarnen (Mitgetheilt) Die vierzehnte ordentliche

Jahresversammlung des hiesigen Frauen-Krankenverein«,

welche Sonntag den 24. Januar abhin im

Waisenhause stattfand, erfreute sich einer recht zahlreichen

Theilnahme seitens der Vereinsmitglieder. Die

gut geführte und von der Versammlung mit bestem

Dank genehmigte Rechnung ergab an Einnahmen

1089 Fr. 11 Rp., an Ausgaben 710 Fr. 41 Rp.,

mithin pro 1885 einen Vorschlag von 378 Fr. 70 Rp.

— Das Vereinsvermögen beziffert sich auf 31. Dez.

1885 auf 8733 Fr. 97 Rp. Die Mitgliederzahl beträgt

auf gleiche Zeit >86. wovon 113 Aktive und 68

Ehrenmitglieder. — Die im Austritte befindlichen

Komite-Mitglieder wurden mit Ausnahme der Stellvertreterin

der Pflegerinnen, Frl. Anna Jmfeld, welche

eine Wiederwahl ablehnte, bestätiget und an letzterer

Stelle sodann Frau Küster«Röthlin gewählt. Als

Rechnung« - Revisor für den abtretenden Hrn. Zunftmeister

Zurgilgen wurde Hr. Civilrichter Simon Wirz

gewählt. Die Versammlung beschloß ferner mit Ein

muth. dem Mitgründer und langjährigen treuen Freunde

des Vereins, Hrn. Rechnungsrevisor Zurgilgen, bei

seinem dereinstigen Ableben die letzte Ehre zu erweisen.

— Den titl. Ehrenmitgliedern, die den Verein auch

im abgelaufenen Jahre mit reichen Beiträgen unter

stützten, sei hiemit der herzlichste Dank abgestattet.

Möge dieser wohlthätige Verein unter Gottes Segen

auch ferner blühen und gedeihen!

— In derVersammlung hiesiger B auernvereinssektion

referirte letzten Sonntag Hr. Dr. Ming „über

Werth und Bedeutung der verschiedenen Lebensmittel".

In überzeugender. Weise erörterte der Vortragende

namentlich, wie eine weit ausgedehntere Verwendung

der Milch und ihrer Produkte im gewöhnliche» Haushalt

sowohl vom gesundheitlichen als auch vom ökonomischen

Standpunkte aus dringend zu empfehlen

fei. — Es wurde ferner in Aussicht genommen, neuerdings

100 Doppelzentner Erdnußkuchen anzuschaffen

und zu den bisherigen Bedingungen zu verabfolgen.

GiStvil Ein vom Entlebuch her fignalisirter

Wolf gab in jüngster Zeit reichlichen Stoff zu den

verschiedensten abenteuerlichen Gerüchten und brachte

sogar eine Anzahl muthiger Jünger des edlen Waid-

Werkes auf die Beine. Das Unthier scheint sich aber

nachgerade als ein „Bär" zu entpuppen.

Z Bern. Die Bundesstadt hatte bisher eine

solide und ehrenwerthe konservative Verwaltung. Die

Seele derselben war der Vieepräsident des Einwohnergemeinderathes.

Herr Rudolf St über, der seine

ganze Zeit in uneigennützigster Weise seiner Vaterstadt

gewidmet hat und der alle Details der Verwaltung

mit äußerst praktischem Blick und eisernem Fleiße zu

bemeistern wußte. Nach Jahrzehnde langem radikalem

Anprall ist nun auch das edle Bern gefallen. Nationalrath

Brunn er, der sich um die Mühen einer

komplizirten Gemeindeverwaltung blutwenig kümmert

und der leichten Herzens Alles nach der radikalen

Parteischablone mißt, gab sich dazu her, als Gegenkandidat

Herrn S tu ber zu beseitigen. Letzterer hat

nun in vollgerütteltem Maß den Dank der von radikalen

Agitatoren mißleiteten Demokratie erfahren.

Es ist hiermit ein neuer Beweis erstellt, daß städtische

Gemeinwesen ohne den Halt einer landschaftlichen Bevölkerung

heutzutage fast unmöglich in gemässigten

Bahnen sich erhalten können. Wir hoffen aber, der

Umschwung in der Stadt Bern mit seinen zweifellos

trüben finanziellen Folgen werde die liberal-konservative

Strömung im Lande Bern begünstigen, indem

immer ein starker Gegensatz zwischen Stadt und Land

sich geltend machte nnd indem der Radikalismus keineswegS

in der Natur des wackern Berner Volkes wurzele

Hrn. Stuber aber gebührt in unserm Blatte ein

Wort achtungsvoller Sympathie, weil er einer der

treuesten Freunde der Urschweiz und gegenüber den

Katholiken einer der vorurtheilsfreiesten Protestanten

ist. Solche Männer sind eben die geistigen Hauptträger

jener überaus glücklichen Union, welche zumal

vor und nach dem Konraditag des Jahres 1882 zwischen

den Katholiken und den positiven Protestanten

sich vollzogen hat. sie sind aber auch die Hauptträger

der überaus ehrenvollen Geschichte des eidg. Vereines,

und die in der Defensive so mächtige fchwnz. Volkspartei

wird wieder ihre alten Heeresmassen zur Referendumsurne

führen, so bald sie gegnerischer Seits

zum Kampfe provozirt wird.

— In Brienzwiler. welches 700 bis 800 Einwohner

zählt, sei die einzige bisherige Wirthschaft zum

„Bären" vorläufig eingegangen.

Luzern. Der Große Rath ist seit Montag

zu außerordentlicher Sitzung versammelt. Eine Motion

von vr. Steiger betr Ausschluß des Einflusses also -

holischer Getränke als Milderungsgrund wurde erheblich

erklärt. Für die Straßenbahn Luzern - Kriens

wurde eine Subvention von 30,000 Fr. beschlossen.

Ferner wurde festgesetzt, daß für neu zu errichtende

Gülten und Zahlungsbriefe der Zinsfuß 4'/, % nicht

übersteigen darf.

Uri. (Korr. aus Altdorf vom 27. Jan.) Ohne

vom Wetter, welches das gewöhnliche Auskunftsmittel

ist, etwas und doch nichts zu sagen, wissen wir Ihnen

wenig zu berichten, als das der w. w. Bezirksrath

letzte Woche sich entschieden dafür aussprach, die seit

letztem Spätjahr brennend gewordene Frage der B a-

lanka-Korrektion ernstlich an Hand zu nehmen,

begreiflich mit Voraussetzung einer Bundessubvention

und kantonalen Mithülfe, was ebenso nothwendig als

löblich ist. Dann verdient auch erwähnt zu werden, daß

sich für Ausführung der „kantonalen Erziehungsanst

a l t" ein reger Eifer kund gibt, und dermalen besonders

die Vereine mit gutem Beispiele vorangehen, wobei

das Publikum durch fleißigen Besuch bezüglicher Vor--

stellungen seinen Beifall beweist. Wir zweifeln auch

nicht, daß die Sammlung bei den Privaten ein wil- •

liges Gehör finden wird. Seit gestern ist der Landrath

hier velsammelt, doch ist noch wenig von den

Verhandlungen zu melden, das für ein weiteres Publikum

Interesse böte. Nachmittags füllte die Debatte

über die „Bierpresstonen" die Zeit aus. ohne ein abschließliches

Resultat zu bringen; dem Vernehmen

nach wurde die Angelegenheit an eine Kommission

zur nochmaligen Prüfung gewiesen. Apropos I also

das Wetter: Lange schön und kalt, dann Föhn und

warm, jetzt Regen, was uns im Jänner am wenigsten

gefällt, indessen Wechsel muß sein und somit Adieu!

auf Wiederkommen!

— Am Mittwoch wurde beschlossen, sich an der

Säkularfeier der Sempacher Schlacht zu betheiligen,

gleichzeitig aber der Wunsch auf Verminderung der zu

stellenden Mannschaft ausgesprochen. Der Regierungsrath

ist mit den nähern Anordnungen betraut.

— (Korr. aus Altdoif vom 28. Jan.) Montag

den 25. d. ging ein gewisser Z'berg von Bristen. Gemeinde

Silenen, mit drei erwachsenen Söhnen bei

Föhnwetter von Hause, um das letzten Herbst gesammelte

Wilvheu zu holen. Die vier Männer ge?

riethen in eine Lawine und trotz eifrigen Nachsuchens

/ m l U t n « .

K- Die Tieftrtegung Des Lungerersees.

Zur Svjährigen Erinnerung.

(Fortsetzung.)

Es wurden nun Gutachten eingereicht von verschiedenen

Ingenieuren, die man ganz besonders darum

ersucht und gebeten, dieselben längstens bis den 10.

Januar 1834 einzuhändigen. 1833 im April erschien

das Gutachten von Ingenieur Peyer in Luzern, im

Juni von Bergwerkbesitzer Könlein in Uznach, im Juli

von Ingenieur Sulzberger in Frauenfeld, im Oktober

vom königl. sächsischen Oberbergamt Freiberg, im Dezember

von Ingenieur Emanuel Müller in Altorf und

von einem „Freund der Gemeinnützigkeit", das ist vo»

dem nachmaligen Statthalter Franz Jos. Michel. Peyer

berechnet, daß man wegen den Krümmungen einen Umweg

von 32 Fuß gemacht. Er will vom Hauptstollen

einen schiefliegenden Schacht bis unter die Oberfläche

des Sees hinaufgraben und einen Seitenstollen machen,

HM durch den Schacht in den Seitenstollen hinabsteigen

und nachschauen zu können, wo es fehle, wenn das

Sprengen mißglückt. Er berechnet die Kosten auf

22,000 Fr. Könlein empfiehlt Bohrlöcher und Wasser--

thüren und berechnet die Kosten auf höchstens 16,000

Franken. Sulzberger will Bohrlöcher mit Hahnen und

glaubt, daß dieses etwa 6500 Fr. koste; er behält sich

vor, Abänderungen zu treffen. DaS Oberbergamt

Freiberg empfiehlt das Bohrlöchersystem von Schlatter

und Haller. Michel meldet, daß der Stollen bis 1808

174 und jetzt 203 Klafter lang sei. Er will den

Stollen sprengen bis auf

7 / 6 Klafter und meint, der

Lehm, welcher oavorliege, sei hinreichend, um den Druck

des Wassers zu hemmen. Er will dann eine 3% Klafter

breite und 1 Klafter hohe Wand bilden und in

dieselbe 27 Bohrlöcher von 10 Zoll Durchmesser schlagen.

Er beschäftigt sich dann ganz besonders mit der

Einrichtung der von Sulzberger vorgeschlagenen Hahnen,

damit man sie öffnen und schließen kann. Die Kosten

berechnet er auf 14.000 Fr. Gutachten und Plan sind

lithographirt. Müller will sprengen und berechnet die

Kosten auf 7000 j$r. Er erklärt sich bereit, das Werk

für eine gewisse Summe zu übernehmen. Er will in

den Felsen gegen den See an verschiedenen Orten

Minen legen und dieselben gleichzeitig losbrennen.

Die Seegesellschaft, aus deren Mitte die Basler

Aktionäre den 9. Juni 1833 eine verantwortliche Direktion

gewählt, erklärte sich für den Plan Sulzberger's

nnd arbeitete seit dem 1. September 1833 nach demselben

auf Rechnung der Aktionäre. Die obrigkeitliche

Ehrenkommission, welche den 7. September versammelt

war, wollte denselben noch nicht definitiv genehmigen.

Sie erlaubte aber, 100 Aktien zu beziehen und die

begonnene Arbeit fortzusetzen, weil einige Experten dem

Plane Sulzberger's einigen Beifall gezollt. Es dürfen

aber keine weiteren Aktien bezogen werden, bevor ein

Plan genehmigt ist. Es sollen immer 3 Klafter vorgebohrt

und erst dann darf wieder ein Klafter weiter

gesprengt werden. Sie sollen den Plan Sulzberger's

Sachkundigen zur Prüfung übergeben. Am gleichen

Tag wurde auch das Werkzeug inventaristrt.

Den 12. November verspricht die Seegesellschaft der

Obrigkeit, uach der gegebenen Weisung zu handeln und

sie von merkwürdigen Vorfällen in Kenntniß zu setzen:

es sei also der „Vorbohrungsnäpper", welcher zerbrechen

war, letzte Nacht wieder reparirt worden. Da-

Mals wurde Tag und Nacht gearbeitet. Eine Abtheilung

blieb eine „Schicht", d.i. 8 Stunden im Stollen.

Am folgenden Tag verantwortet sich die Seegesellschaft

bei der Regierung wegen der Steigung; Sulzberger

habe es befohlen. Zugleich meldet sie, das „Wetter-


onnte bisher noch keiner von ihnen aufgefunden wer.

en Trauriges Schicksal und schreckliche stunde für

ie Ihrigen! Sie ruhen nun im kalten Grabe, doch

er Herr hat sie gefunden, wie es im gemüthvollen

olksliede heißt. R. I P-

Solothurn. Das bls vor Kurzem hochangeehene

und unbedingten Kredit genießende Bankgeschäft

"imon Lack u. Co. ist mit einem Defizit von zwei

illionen in den Konkurs gekommen. Hunderte

on Familien hatten ihre Ersparnisse bei dieser Firma

interlegt und haben nun das leere Nachsehen; viele

avon werden um die Arbeit ihres ganzen Lebens

ebracht. Die beiden kantonalen Bankinstitute verieren

ebenfalls einige hunderttausend Franken. Wahnitzige

Börsenspekulationen stno Schuld dieses Ereignisses,

welches als eine Landeskalamität bezeichnet

werden muß.

Appenz-ll J.-Rh Dem armen Bäuerlein im

Studehüsli bei Appenzell, dessen Kuh auf so rohe

Weise durch einen Vaganten war getödtet worden,

wurde von milden Leuten au« dem Ertrag einer

Sammlung wieder eine Kuh und eine Ziege gekauft.

(Nraudnndeii. Im letzten Jahre wurden im

ebiete dieses Kantons 1300 Gemsen, 20 Rehe, 4

ären, 19 Steinadler, dagegen nur l Fischotter geschössen.

Im Jahre 1873 sollen nur 696 Gemsen erlegt

worden sein, demnach wäre eine große Vermehrung

des Wildstandes zu konstatiren.

Genf. Eine in Sachen der Ausstellung veranstaltete

Versammlung genehmigte die Anträge des

bestellten Komite's. Demnach findet im Jahre 1838

in Genf eine Ausstellung für Aus- und Einfuhrprodukte

statt. Die Gesammlkosten sollen 1,500,000 Fr.

betragen.

A u s l a n d .

Deutschland. Am 17. d. feierte Wind t hör st

seinen 73sten Geburtstag. Zweihundert seiner Freunde

begingen denselben durch ein Bankett im Hotel äs Roms

in Berlin. Die Freiherren von Franken st ein und

Schorlemer-Alst hielten Reden. Schorlemer sagte:

Me mehr man unsern Führer angreift, desto mehr wer«

»den wir ihn innig lieben. Seine Führung ist unsere

Mhre, ihn verlassen wäre Verrath, bewußter Selbstmord.

Auf die Solidarität der Genossen, das treue und einige

Zusammenhalten kommt es jetzt vor Allem an. Unter

Excellenz Windthorst's Führung werden wir nicht wanten,

sonvern ausharren im Kampf bis zum Sieg.

— Aus München wird berichtet, daß die

mißliche Lage der königlichen Kabinetskasse zum großen

Theil von im Großen betriebenen Veruntreuun

gen herrühre, was bei der Sorglosigkeit des

Königs in Geldangelegenheiten sehr glaubwürdig klingt.

Durch Aufnehmen von zweiten Hypotheken hoffe man,

da die Grundstücke viel zu niedrig gewerthet seien, die

Gläubiger zufrieden stellen zu können.

Im bayrischen Hochlande fährt König Ludwig

übrigens, trotz der Zeiten Klemme, fleißig Schlitten.

Wie ein Zaubermärchen begegnet dem Wanderer hie

und da, meist in tiefer Nacht, die wunderbare Erscheinung

des königlichen Fahrzeugs. Man denke sich

Anen goldenen Schlitten mit Krone und Wapptn und

mit einem vergoldeten Coupe, der die Form eines

Schwans mit aufgeblähten Flügeln hat. Im Innern

des Coupe's sieht man auf blauem, goldgesticktem

Hintergrunde die volle Gestalt und das blasse Gesicht

des Königs. DaS Innere ist magisch erhellt von einem

milden strahlenden Lichte, das aus dem Coupe heraus

in weitem Kreise den Schlitten und die dampfenden

Pferde beleuchtet und sogar den Vorreiter mit seiner

Laterne weit überstrahlt. Es soll elektrisches Licht

sein, das durch Akkumulatoren im Innern des Schlittens

erzeugt wird.

Oesterreich. In einigen Gegenden Croatiens

liegt der Schnee meterhoch. Die Wölfe wagen sich Nachts

in großer Anzahl in die Dörfer. Jüngst ging eines

Abends ein Bauer mit seiner Tochter von Samobor

nach dem drei Stunden entfernten Ruda; auf dem Wege

wurden beide von Wölfen überfallen nnd aufgefressen.

Am andern Tage fand man im Schnee Blulspuren, die

Stiefel und andere Kleidungsstücke der Unglücklichen.

An der tyrolischen Grenze wurden von etner Finanz«

wachpatrouille sieben italienische Schmuggler im Schnee

erfroren aufgefunden.

— In Siebenbürgen haben durch Aufstauung von

Treibeis in den Flüssen bedeutende Ueber.'schwemmungen

stattgefunden.

Frankreich Seit einiger Zeit ist die Stadt

Marseille das Opfer einer neuen Epidemie. Die

Blattern raffen nämlich täglich bis 40 Personen

hinweg. Der Choleraspital „Pharo" mußte wegen

Raummangel in den übrigen Hospitälern wieder zur

Aufnahme von Kranken geöffnet werden

— Im Bergwerk von Decazeville sind Unruhen

auSgebrochen. Der Direktor wurde zum Fenster hinaus«

geworfen und dann von der Menge mit Füßen zu

Tode getreten. Bald darauf wurden 700 Mann Truppen

nach Decazeville gesandt.

Italien. In Neapel hat der größte Theil der

Kutscher das Fahren eingestellt. Letzter Tage versuchten

dieselben, die Polizeiwache zu stürmen und konnten

nur durch Militär mit aufgepflanztem Bajonnet zerstreut

werden. Die Behörden haben nun die noch verkehrenden

Wagen und Pferdebahnen unter militärischen

Schutz gestellt.

England. Das konservative Ministerium

Salisbury ist zurückgetreten und es wird Gladstone

mit einem radikalen Programm neuerdings die Regierung

übernehmen.

Amerika. Beim Brande des Armenhauses in

Jackson (Michigan) sind 40 Jnsaßen verbrannt, dieselben

wurden buchstäblich zu Tode geröstet. Andere

stürzten halbnackt in den Schnee und es werden wahrscheinlich

noch viele in Folge von Erkältung sterben.

— Letzte Woche wüthete an der Westseite des Felsengebirges

ein fürchterlicher Orkan, der heftigste,

dessen man sich in St. Franzisko erinnert. Am Mittwoch

erreichte der Sturm seinen Höhepunkt, indem er

82 englische Meilen in der Stunde erreichte. Viele

Häuser wurden geschädigt, Telegraphenleitungen zer

stört und mehrere Personen lebensgefährlich verletzt.

— In Ohio wurde ein armer eingewanderter

Schweizer, der für seine Familie mit Koh

lengrabeu den Unterhalt verdiente, von seinen strikenden

Nebenarbeitern erschossen, weil er nicht wie diese

die Arbeit eingestellt hatte. Die Morden kamen vor

das Schwurgericht und wurden — freigesprochen.

— Die Zahl der während des Jahres >885 in

New Jork gelandeten Einwanderer betrug 280,745 gegen

329,445 im Jahre 1884.

— Im Laufe des letzten Jahres ist im mittleren

Theile des Staates Illinois mindestens ein Drittel

aller Schweine an der „Schweine-Eholera" gefallen

und auf einzelnen Farmen in den Counties

Douglas und Champaign sind alle Schweine der Seuche

erlegen.

Todtentafel. In der Morgenfrühe des 22. Januar starb

in Lugano, 66 Jahr« alt, Herr Francesco Gianella, minors,

der letzte der drei Brüder, welche unter der Firma gleichen Namens

wohl seit ManneSalter eiuen großartigen Vieh« und Käsehandel betrieben,

der von den Söhnen fortgeführt wird. Herr Francesco

Gianella war gleich seinem Bruder in Sächseln, dem HerrnKom-

Mandanten Gianella sl.. namentlich in deu Urkantonen eine wohlbekannte,

gerngesehene und als grundbraver Charakter hochgeachtete Persönlichkeit.

Ein fatale« Ia,zdstticklcin pasfirte vorletzten Montag

beim Bruderholz. Beim Verladen von Unzarschweinen riß eine« der

Rüsselthiere aus und sprang gegen das Bruderholz zu. Dort wurde

es von einem Landwirth, der es in Folge seinesstruppigen Aenßern

für ein Wildschwein hielt, zwischen die Rippen geschossen. Schon

war die Bütte mit heißem Wasser gefüllt, um die San zu brühen,

als zwei Männer herbeikamen, die den Auftrag erhalten hatten, die

Entflohene aufzusuchen und nun zu ihrer Verwunderung sahen,

welch' jähes Ende sie genommen. Natürlich war's mit dem Wildsau-

Brühen nichts und es wird sich nun fragen, wer den Schaden trägt.

Warnung! Am Z. d. M. ereignete sich in Obervatz folgender

Fall. Gin in den 40 Jahrenstehendes Fräulein, welches die

Katzen liebte, wollte zwei streitende Katzen aus Mitleid auseinander

nehmen. Aber o weh! sie wurde in die Hand derart gebissen, daß

sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. GS ist zwar Besserung

vorhanden, aber es geht sehr wahrscheinlich noch ziemlich lange,

denn der ganze Arm war aufgeschwollen. DieS zur Warnung für

ältere nnd jüngere Fräuleins, daß man lieben soll, was zu lieben ist.

(„Bündner Tagblatt" )

Riesenkäse. Gegenwärtig gewinnen die Engländer einen

Geschmack für den amerikanischen Riesenkäse, den Mammouth-Käse.

Bor kurzer Zeit langten drei solcher Käse in England an, die zusammen

9000 Pfund wogen. Sie sind von Dr. Wieght im Staate

New-Uork hergestellt. Die Milch, welche 1200 Kühe während sechs

Tagen gaben, wurde zur Herstellung dieser Käse verwendet; sie fanden

nebst vier ander», jeder im Gewicht von iSOO Pfund, wegen ihres

vorzüglichen Geschmackes einen sofortigen Absatz und eine andauernde

Nachfrage.

London, Englands Hauptstadt, zählt jetzt ohne die Außengemeinden

3 Millionen, mit diesen 5 Millionen Einwohner. Wöchentlich

sterben ungefähr 1500 Menschen, während 2500 neue Weltbürger

diese» Verlust ersetzen.

K. Chronik von Kerns.

(Fortsetzung.)

1676, 20. November verkauft Hans von Rotz im Melchthal Hau«

und Garten auf dem Platzli unter der Straße seinem Tochtermann

Melchior Amschwand um 550 Pfd., die er zum leichte»

Zins, d. i. zu 4% verzinsen mußte. Davon mußte er 500 Pfd.

alljährlich dem Kaplan in St. Niklauseu verzinsen, damit er

für ihn und seine Frau, Anna Durrer, in der Kapelle im

Melchthal einige Messen lese. Er mußte dessen Söhnen, wenn

sie e« verlangten, unentgeltlich Behausung geben. Dieser

„Hans Rotzer" war Rathsherr von 1662 bis zu seinem

Tod, den 27. Juni 1700. Er saß im Gericht in den Jahren

1652, 1663 und 1679. Wegen seiner außerordentlichen Kraft

wurde er „der Starke" genannt. Er soll nach der Tradition

7 Zentner Eisen auf einmal nach Kerns getragen haben

Auf dem Rückwege trug er auf der Achsel ein „Salzröhrli''

von 8 Zentnern und fischte dazu wiederum mit der Angelruthe.

Zu einem „KollermuoS" brauchte er ein hatbeS Viertel Mehl

und aß dann eine Woche lang nicht mehr. Ohne Zweisel

hat derselbe, als die Gemeinden Tarnen, Kerns und Sächseln

am Feste Kreuzerhöhung den 14. September 167Z die behaueueu

Marmorsteine für die Kirche in Sächseln nach

St. Niklauseu geschafft und daselbst um 10 Uhr der hl.

Messe beigewohnt, gute Dienste geleistet. Man erzählt, er sei

wegen Uebervortheilnng in Bezug auf den Gemeinnützen

nach dem Tode gestraft worden, d. h. er hab« „wandeln"

müssen. Ob das wahr ist, wissen wir nicht; aber da« wissen

wir, daß die Urtheile Gottes mit den Urtheilen der Menschen

nicht immer übereinstimmen. Aus der Geschichte ist er uns

als ein braver und angesehener Mann bekannt.

(Fortsetzung folgt.)

Wochenmarkt in Luzern vom 26. Jänner. Erdäpfel 100

Kilo Fr. 5.00—5.50; Butter l Kilo Fr. 2.10—2.20; Gier 6—9

Stück SO Rp.

Für die Snppenanstalt Garnen

find eingegangen:

Familie Huber, z. „Metzgern" Fr. 5.—

Uebertrag a»S Nr. 2 „ 279.50

Total 284.50

Eheverkündigungen. Jost Trorler, Maurermeister, von

Adligenfchwyl, des Nikolaus, und Anna Mr. Katharina Burch, vou

Tarnen, in Lnzern, des Nikolaus. — Johann Gnz, Fuhrmann, vou

Giswil, des Johann, und Bernardina Gnz, Dienstmagd, von GiSwil,

des Anton.

Hiezn als Beilage Nr. I der „Blätter de« Obwald-

«er Bauernvereins".

gebläst"*) sei wieder gut und neu eingerichtet und es

sei nun im Stollen zu arbeiten wie im Freien. Den

20. und 21. Januar 1834 war die Expertenkomisston

in Zürich versammelt und genehmigte den Plan Sulzberger's

mit dem Vorbehalt, daß es ihr erlaubt. an

demselben Abänderungen zu treffen. In dieser Kom>

Mission waren Hofrath Horner, Wilhelm Geigy von

Laset, Ingenieur Snlzberger, Ingenieur Heinrich Pestalozzi,

Arnolo Escher von der Linth, E. H. Gräffe,

Professor der Mathematik, Kaspar Escher im Felsenhof

Und Ntflaus Meyer von Luzern. Den 3. Februar

wurde dieser Plan auch von der Negierung Obwaldens

gutgeheißen. Sulzberger empfiehlt im Juli 1833 4 °/„,

den 22. Januar 1834 5 •/. und den 13. Mai 1 Fuß

Steigung per Klafter, welches dann auch von den Ex«

perten und von der Regierung genehmigt wurde. Er

wollte diese vermehrte Steigung deßwegen, damit das

asser, welches durchdringt, schneller abfließe. Im

uli 1834 wurden sie von Charpentier, Direktor des

alzwerkes in Bex im Waadtland und Hofrath Horner

esucht. Diese erklärten, daß dieses Werk im Allgemei-

,V J? x ® in 8 an 8 zum Stollen und die Tunnel-Ventilation

»ttelst Holzrohren und mittelst Wasser, welches außen vom Felsen

inabsturzte und die Luft bewegte. ist eine der ersten Arbeiten des

m »tzten Jahr gestorbenen Landschaftsmaler« Jos. Zelger.

neu ganz zweckmäßig betrieben werde und daß man sich

der Hoffnung eines erwünschten Erfolges überlassen

dürfe. Horner schreibt den 25. August: „Man erstaunt

über den Fleiß und die Beharrlichkeit, die ein so mühe,

volles und weitgehendes Werk zu Stande gebracht hat."

Er zählt den Besuch des Stollens zu deu interessantesten

Erinnerungen seiner Sommerreise.

Den 11. August 1834 erscheint der erste Bericht

sammt Rechnung. In demselben meldet Melk Deschwa»,

den, daß der Stollen bis 1808 1044 Fuß lang gewesen

und 32,739 Frkn. gekostet habe. Es seien 409

Aktien gezeichnet worden, die er den 28. Aug. 1833

in die eidgen. Bank gelegt. Alsdann habe er 100

Aktien durch das Loos gezogen. Die Bücher der See«

gesellschast zeigen, daß das Seewerk vom Dezember

1831 bis den 31. August 1833 Fr. 7167. I I nebst

3335 Arbeitstagen gekostet und daß der Stollen um

159 Fuß verlängert worden. Von dieser Summe

schuldet die Gesellschaft noch 1600 Fr. Sulzberger

sei von Zeit zu Zeit Bericht erstattet worden und er

habe dann seine Räthe ertheilt. Nebst dem großen

wagrechten Bohrloch von 18 — 26 Fuß, seien später

noch Bohrlöcher von 10 -14 Fuß aufwärts gegen den

See geschlagen und dann wieder 6 Fuß nachgesprengt

worden. Es seien immer nur 2 Bergarbeiter im Stollen,

denen beim Bohren »och 3 — 6 handfeste Freiarbeiter

behüiflich sind. Vom 1. September 1833 bis 5. Juli

1834 sei der Stollen von"?—8 Fuß Höhe und Breite

75 Fuß vorwärts getrieben worden. Die Kosten für

Arbeit nebst Anschaffung der großen Bohrer aus Kriens,

Unterhalt des Werkzeuges und Vermessung belaufen sich

auf Fr. 4097. 33. Das losgesprengte Gestein werde

durch Freiarbeiter aus dem Kanal entfernt. Dieselben

leisten Alles, was sie thun können, unentgeltlich.

Vom 5. Juli 1834 bis den 14. April 1835 wurde

mit Bohren und Sprengen fortgefahren und der Stollen

um 72 Fuß verlängert, so daß er eine Länge von

1293 Pariser-Fnß erreicht. Wegen Mangel an frischer

Luft uud wegen angeschossenem Kluftwasser wurde die

Arbeit bedeutend erschwert. Endlich, nachdem man de»

14. April, Abends um 7 Uhr, 15 Fuß durch hartes

Gestein vorgebohrt und 6 Fuß Lehm durchstochen, stieß

man mit dem Bohrer in den offenen See und das

Wasser warf 30 Fuß lange Strahlen. „Die Freude

war laut und allgemein, sie glänzte in jedem Auge,

widertönte von den Flühen des Bergthales und manch'

frommes Gebet für nahe und ferne Wohlthäter stieg

zum Himmel auf."

durch die Zeitungen bekannt gemacht.

(Fortsetzung folgt.)

Dieses glückliche Ereigniß wurde


— 4 —

Herzlichen Dank

allen unsern lieben Freunden, Verwandten und Bekannte«,

vorzüglich den Bewohnern von Kerns, für die vielen und

aufrichtigen Beweise freundschaftlicher Theilnahme bei dem

Tode und der Begräbniß meiner lieben unvergeßlichen Tante

Witwe Katharina Wirz-Jmseld sl.

Herzlichen Dank für alle« Liebe und Gute, da» ihr zeitlebens

erwiesen worden! Der liebe Gott wolle es Allen reichlich vergelten

in gesunden und kranken Tagen, im Leben und im

Sterben! Diese Liebe und Theilnahme wird mir mit dem

Andenken an die abgeschiedene gute und treue Seele unvergeßlich

sein.

Die dritte Gedächtniß (der Dreißigste) für die liebe Verstorbene

wird

av

Freitags, F. Februar

in der Pfarrkirche zu Kerns gehalten werden.

§of. Zgn. von Uh, Pfarrer.

Kirchliche % Gedächtniß.

Montag den l. Febr. wird in der Pfarrkirche zu Giswil die

dritte Gedächtniß (Dreißigster) für Frau Ioscfa Berchtold geb.

Berchtold gehalten. Freunde und Verwandte werden zu zahlreicher

Theilnahme gebeten.

av

Kirchliche $ Gedächtniß.

Donnerstag den 4. Febr. wird in der Pfarrkirche zu Saruen

die vierte Gedächtniß sErstjahr) für Kaspar Wirz sl. gehalten

«erden.

av

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M ü t t e r - B e r e i n .

Freitag den 5. Februar, V, 9 Uhr, Gottesdienst in der Dorfkapelle

in Sarnen.

Die Zunft- und Meisterschaft in Zierns

versammelt sich nächsten Sonntag. 1. Februar. Nachmittags

2 Uhr, im Gasthause zur „Krone" in KernS, um über den Antrag

Beschluß zu fassen: wie sich die Zunft mit dem Männer-Krankenverein

in Kerns vereinigen wolle. Die Wichtigkeit des Gegenstandes

«acht eine zahlreiche Betheiligung erwünscht. av

Der Zunftpfleger: Utois Michel, Oberrichter.

G e f u n d e n :

Anfangs Januar ein silberner Rosenkranz.

Auskunft ertheilt die Expedition d. Bl.

R ö t h l i n

av

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in Sächseln.

Bringe einem geehrten Publikum zur Kenntniß, daß ich das

Gasthaus zum „Rößli" verkauft habe. Ich danke für das mir bezeugt«

Wohlwollen und hoffe, daß dieses Zutrauen auch auf meine

Nachfolger übertragen werde.

Nikodem Schäli, Gemeinderath.

Bezugnehmend auf obige Erklärung empfehlen wir das auf

Lichtmeß 2. Iebruar nächllhin auf unsere Rechnung übergehende

Gasthaus und geben Allen die Versicherung, daß wir durch gute und

billige Bedienung unsere Gäste zufrieden stellen werden.

Sächseln, 27. Jänner 1886.

av

A. Rohrer, Unterweibel.

Oavid Omiin, Weibels.

G u t e , kassafähige G ü l t e n

werden zu kaufen gesucht.

Von wem, sagt die Erpedit. d. Bl. 1»

Gerberei,

W o h n h a u s und S c h e u n e

billig zu verkaufen

Auskunft ertheilt die Erpedition d. Bl 1»

Käseverkauf.

Verkauf von Emmenthaler-Käse wird perKilo (1 Pfd.)

ä 45, 50 und 55 Cts. durch Frau Bufinger von Bnoch»

stattfinden: Am 5. Februar bei der „Rose" in KernS und am

6. Februar bei der Remise beim ..Obwaldnerhof" in Sarnen. av

Zu verkaufen:

Das Haus des alt-Wachtmeisters Franz Jmfeld, dessen Bindern

gehörend, im Unterdorf. Sarnen.

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arneit, 1886.

6. Februar.

16. Jahrgang.

Inserate von Auswärts nehmen für uns entgegen die Annoncen-Erpeditionen der Herren Haascnstein * Vogler, Rudolf Mosse und Orcll Füßli

J 1

Basel, Lausaune. Genf, Berlin. Leipzig, Dresden, München, Hamburg. Frankfurt a. M.. Straßbnrg und Wien.

Cie. in Bern, Zürich. Luzern.

iie soziale Frage und das Christenthum.

• ('Bottrag von Hochw, Herrn KapitelSpräseS Pfarrhelfer Omlin )

(Fortsetzung.)

Wir find weit entfernt, Armuth schon als Elend

»zusehen, so wenig als wir den braven und ehr-

,men Arbeiter mit dem Proletarier verwechseln. Ar-

Lth, Entbehrung des Angenehmen, ist noch keinesegS

Elend. Armuth muß auf der Welt sein, sie

egt im Plane der göttlichen Weltordnung: „Arme

werdet ihr allzeit um euch haben" ; aber Elend sollte

auf Gottes schöner Welt keines sein. Die Armuth

wird erst zum Elende, wo Reich und Arm in schroffen

Gegensatz treten, wo der Arme verachtet und gemieden,

der Reiche gehaßt ist, wo zu der Gedrücktheit der

Armuth noch innerer Groll, Neid, Verbitterung, Zerfall

mit Gott und den Menschen und sich selbst hinzutritt,

wo das materielle Elend auch noch gegen sich

selbst wüthet, und gerade das macht den Armen zum

Proletarier.

j. Einer der bedenklichsten sozialen Nothstände der

Gegenwart ist die Unterdrückung des Handwerkerstandes

durch die Großindustrie und das Fabrikwesen

Früher war der Handwerkerstand geschützt durch

seine Organisation in Zünften und Innungen. Jede

Stadt und jeder Flecken hatten ihre Zünfte, die ihr

bestimmtes Handwerk repräsentirten. Jede Zunft hatte

nur eine bestimmte Anzahl Meister, jeder Meister seine

festgesetzte Zahl Gesellen und Lehrlinge. Lehrzeit,

Prüfung, Alles war genau geregelt. Lehrlinge und

Gesellen wurden als Glieder des Familienverbandes angesehen

und behandelt. Hatte der Lehrling sein Probestück

glücklich abgelegt, so zog er als Geselle in die

weite Welt und sammelte sich Berufsausbildung,

Menschen- und Volkskenntnisse. Wie lustige Vögel

zogen sie von Stadt zu Stadt. Bei ihren Zunft

genossen fanden sie freundliche Aufnahme. In jedem

Flecken war eine Herberge und die war ihr Vaterhaus.

Da jede Zunft ihre bestimmte Anzahl Meister und

hatte, so war das Handwerk vor erdrückender

Konkurrenz gesichert.

Der Meister war selbst Arbeiter, nicht Unterneh

mer, der,wie der heutige Fabrikherr, durch Ausbeutung

fremder Arbeit sich eine angenehme und sorgenfreie

Existenz zu sichern trachtete.

Der Meister war Vorstand seiner Werkstatt;

war seine höchste Ehre, wenn seine Gesellen zu den

besten Arbeitern und zu den gesittetsten Mitgliedern

der Genossenschaft gehörten; es war das Ziel seines

Strebens, daß die Arbeiten aus seiner Werkstatt durch

'Güte und Solidität und Kunstfertigkeit sich auszeichneten.

Der Meister war nicht bloß das Haupt seiner

Familie, sondern selbst wieder Mitglied einer größern

Familie, d. h. seiner Zunft und diese Mitgliederschast

weckte sein edles Ehr- und Selbstgefühl, spornte seilen

Eifer an, durch seinen Mannescharakter und

surch seine Arbeitsleistungen zur Ehre der Zunft beizutragen.

Die Innungen und Zünfte hatten gemeinsamen

Gottesdienst, einen besondern Patron, welcher ihnen

*18 Muster im Leben und in der Arbeit vorschwebte,

sie hatten gemeinsame kirchliche Feste, eine eigene Fahne,

meistens auch einen eigenen Altar in der Kirche, wie

überhaupt die Religion die Ordnung der Zünfte geheiligt

und die Organisation der Zünfte und Jnnungen

von der Kirche ausgegangen ist. Fast ein Jahr«

tausend sind die Zünfte der Rückgrat des ehrsamen

Handwerkes gewesen.

Jetzt freilich ist's aus mit den Zünften; das Aufkommen

der Maschine und das Kapital hat sie erdrückt.

Und die Gewerbefreiheit vernichtete die schützenden

Schranken der Innungen. An die Stelle des

Handwerks trat der Fabrikbetrieb und die Maschine,

die viel rascher und oft viel exakter arbeitet als der

Mensch und, einmal angelegt, fast keine Unterhaltung

kostet, wiegt tausend Menschenhände auf. Und so

wurde der selbstständige Handwerker gezwungen, seine

Werkstatt zu schließen, in die Fabrik einzutreten und

sich einzureihen in das Heer der Lohnarbeiter. Der

Fabrikherr bestimmt den Lohn, die Arbeit wird zur

Waare und der Arbeiter der moderne Sklave des

Fabrikherrn. Die Konkurrenz der Fabriken. die um

die Wette beflügelte Arbeit, welche selbst zarte Kinder

und schwache Frauen anspannt und den armen Arbeitern

nicht einmal die Ruhe der Nacht und des Sonntags

gönnt, erzeugt eine ungesunde Ueberproduktion und

diese erzeugt den Luxus.

Es entstehen Krisen, Arbeiterentlassungen. Arbeitslosigkeit

von Tausenden und Hunderttausenden und

zahllose Familien stehen fast über Nacht im tiefsten

Elende. Ist es sich zu verwundern, wenn der arme

Arbeiter dumpfer Verzweiflung sich hingibt und Groll

und Haß im Herzen empfindet gegen den Besitzenden,

den er in rasfinirter Genußsucht den Arbeitsschweiß der

Arbeiter verprassen sieht. Seit Jahr und Tag hat

der liberale Bourgeois in allen Formen das lautere

Evangelium des Unglaubens verkündet und alle

Religion und allen Glauben an eine göttliche Off.mbarung

und an ein Jenseits lächerlich gemacht, und

alle religiöse und kirchliche Autorität zu unterwühlen

gesucht. Diese Lehren des nackten Unglaubens, sie

drangen auch in die Hütten der Armen und in die

Werkstätten der Arbeiter. Ja sie haben sie gehört, die

Predigten des Liberalismus: „es gibt keinen Gott, keine

Hölle, keine Ewigkeit, keine Vergeltung und Ausgleichung

nach dem Tode." Aber sie machen bereits an vielen

Orten auch die Anwendung von diesen Lehren und

rufen den liberalen Geldsäcken und Fabrikanten zu:

„Gut, wir glauben auch, daß es keinen Himmel, keine

Hölle und keine Vergeltung und Ausgleichung nach

dem Tode gibt. Da ihr jedoch Menschen seid wie

wir, so wollen wir die irdischen Genüsse und Güter

mit euch theilen. Wir sehen nicht ein, warum ihr

allein der Erde Güter und Freuden genießen sollt,

wir aber ein geplagtes und elendes Leben führen.

Wenn ihr uns lehrt, daß die Autorität Gottes abgeschasst

ist, so sehen wir nicht ein, warum wir uns

eurer Autorität unterwerfen sollten. Ihr habt uns

den Himmel genommen, wohlan, so gebt uns die Erde

dafür!" Logisches Denken kann man diesen Leuten

nicht absprechen. „Ach, die Geister, die ich beschworen,

kann ich nicht mehr bannen", so mag nun auch der

ungläubig" Liberalismus klagen und in dem zahl

losen Heere der Sozialisten, Kommunisten, Nihilisten

und Petroleusen sieht er die Saat aufgehen, die er

selbst gesäet hat.

Das ist in paar flüchtigen Conturen das Bild

der sozialen Frage der Gegenwart. Es bestehen große

Nothstände, es sind schroffe Gegensätze da, es drohen

ernste soziale Gefahren.

Doch ist es glücklicher Weise nicht der Fall, daß

Niemand diese sozialen Nothstände und Gefahren einsehe,

im Gegentheile wird man der großen Gefahr

immer allgemeiner bewußt, welcher die menschliche Gesellschast

in Folge dieser sozialen Nothstände entgegen

geht und es sind nur im Laufe der letzten Jahrzehnte

viele Menschenfreunde aufgestanden, haben diese

Uebelstände untersucht und mit redlichen Mitteln auch

nach Heil- und Rettungsmitteln geforscht; allein gar

verschieden waren ihre Ansichten und Vorschläge. Da

tritt ein Schulze-Delitzsch auf mit seinem Programm:

Der Arbeiter muß sich selbst helfen, z. B.

durch Bildung von Associationen: Kerditvorschnßvereine,

Sparvereine, Betheiligung am Geschäftsgewinn u. s. w.

Da kommen die Lassallianer oder Sozialdemokraten

und rufen: „Der Staat muß helfen" — Staatshülfe.

Bei diesen beiden Parteien ist von Gott keine

Rede, und doch gilt auch hier das Wort des Psalmisten:

„Wenn der Herr das Haus nicht baut, so bauen die

Bauleute umsonst."

Gewiß, der Arbeiter muß helfen; die Arbeitgeber

müssen helfen; auch der Staat muß helfen, und aufrichtig

gesagt, wir weisen hier die St^itshülfe gar

nicht zurück, sondern erachten zur Lösung der sozialen

Frage der Gegenwart ein Stück Staatshülfe oder

Staatssozialismus in gewissen Grenzen sogar für

nothwendig und pflichtgemäß. Aber vor Allem, zuerst

und zuletzt muß hier Gott helfen; oder mit andern

Worten: die menschliche Gesellschaft muß wieder christlich

werden; man gebe der katholischen Kirche die Fr,eiheit

wieder zurück und lasse sie mit ihren Lehren und

Wahrheiten wieder das private, wie öffentliche Leben

durchdringen und das Angesicht der Erde wird sich

zum zweiten Male wieder erneuern.

(Fortsetzung folgt.)

Eidgenossenschaft.

— Sempacher Jubiläum. Letzten Sonntag

versammelten sich auf der „Meise" in Zürich die Vorstände

der zürcherischen Sänger^, Turner- und Schützenvereine.

Es wurde der Antrag angenommen: „Anläßlich

der Sempachfeier ist eine große nationale Kundgebung

in's Werk zu setzen behufs Sammlung eines

Winkelriedsondes zur Unterstützung von Wehrmännern

und deren Familien. Hievon sind auch die Kosten

des Denkmals zu bestreiten. Man geht in Verbindung

mit den andern Kantonen vor."

— Militärisches. Bei den sanitarischen Rekruten-

Untersuchungen soll künftig auch die Dicke des Oberarms

maßgebend sein; beträgt dieselbe weniger als

»/ 7 der Körperlänge, so findet die Einreihung nur noch

bei rüstiger Gesammtkonstitution statt. — Die schwedischnorwegische

Regierung wird kommenden Frühling einen

Genieoffizier nach der Schweiz schicken, um die hierseitige

Organisation, Instruktion und Ausrüstung der

Genietruppen zu studiren.

— Münzwesen. Das eidgen. Finanzdepartement

macht bekannt, daß die Zwei-, Ein- und Halbfrankenstücke

italienischen Ursprungs, welche eine frühere

Jahreszahl als 1863 tragen, außer Kurs erklärt

bleiben. — Es kursiren gegenwärtig in vielen Gegen--

den, namentlich auch in der Urschweiz, rumänische,

spanische und südamerikanische Thaler; dieselben haben


kaum 4 Franken Silberwerth, sind vom gesetzlichen

Kurs ausgeschlossen und müssen daher von den öfsentlichen

Kassen zurückgewiesen werden.

D b w a l d e n.

— Aus dem Regiern ngsrathe. Dem schweiz.

Handels- u Landwirthschaftsd ep artem e nt

wird die unentgeltliche Zusendung des Werkes „L'architecture

en Suisse aux differentes epoques" von

Andreas Lambert und Alfred Rychner zu Handen

hierseitiger Kantons- und mitverbundener Zeichnungsschule

bestens verdankt. — Ueber Franz I o s. W a l 1 i-

mann, Inhaber von Hausantheil und Land Viel

und Blätz in Alpnach, wird das Benesizinm Inventarii

eröffnet; Eingabefrist bis 27. Febr. nächsthin.

— In Folge Nichteintretens in Haben und Sollen

wird über Carl Küster, Gmeinegg, Engelberg.

Konkurs eröffnet. Eingaben sind keine mehr zu

machen. Die Creditorenversammlung findet den 2 0.

Februar nächsthin, Mittags >2 Uhr, im Gasthause

zum „Alpenklub" in Engelberg statt.

— Militärisches. In Sächseln tagte letzten

Sonntag der kantonale Unteroffiziersverein.

Herr Major von Moos rekerirte über die Stellung

des Unteroffiziers in der gegenwärtigen Militärorganifation

und betonte namentlich die Wichtigkeit

der außerdienstlichen militärischen Bethätigung und

Fortbildung; ein sehr dankbares Feld hiefür bieten

besonders die freiwilligen Schießvereine. In einer noch

im Laufe dieses Monats abzuhaltenden Versammlung

deS Offiziers^ und Unteroffiziersvereins sowie der Vorstände

der Schützengesellschaften und Schießvereine gedenkt

der Vortragende, Leitung und Komptabilität der

freiwilligen militärischen Schießübungen eingehend

zn besprechen, da namentlich letztere Hierlands

noch bedeutend zu wünschen übrig lasse. Bei diesem

Anlasse soll auch die Frage eines gemeinschaftlichen

Beitrages an das Jubiläumsdenkmal in Sempach

erledigt werden.

Züricb Letzten Donnerstag fand in Zürich die

Fahnenweihe der katholischen Studentenverbindung

„Turieia", Sektion des schweiz. Studentenvereines,

statt. In 36 Droschken fuhr die Verbindung und

zahlreiche Gäste Morgens 10 Uhr unter heftigem

Schneegestöber zur katholischen Kirche nach Außersihl.

Nach dem feierlichen Hochamt und dem Weiheakt hielt

Hochw. Hr. Pfarrer Reichlin eine treffliche Ansprache.

Nachher bewegte sich der stattliche Zug, von der Stadt

musik begleitet, nach dem „Predigerhof" zum Frühschoppen.

In der „Waag" fand Nachmittags ein

Bankett und Abends ein Kommers statt.

— Letzten Dienstag verhandelte der Schulverein

in Zürich über die Kleidermoden der Schülerinnen,

welche in ihrer Extravaganz namentlich auch

bei den minder Begüterten die Aufmerksamkeit beim

Schulunterricht, die Gesundheit der Kinder und die

Natürlichkeit ihrer Bewegungen beeinträchtigen. Doch

kam man zum Schlüsse, die Schule könne zur Bekämpfung

des Uebelstandes nicht viel thun; dies sei

in erster' Linie die Aufgabe des Hauses, dann dürften

auch die Frauenvereine sich in dieser Hinsicht bethätigen.

Bern. Letzten Donnerstag früh brach in einem

der ersten Häuser der Ortschaft Lesbois (Jura; Feuer

aus. Das Gebäude war von sechs Haushaltungen

bewohnt. Der Brand entstand im dritten Stocke," in

welchem ein Schuhmacher mit seinem zehnjährigen

Knaben wohnte, und griff so schnell um sich, daß diese

beiden Personen in den Flammen umkamen. Man

glaubt, daß eine Unvorsichtigkeit des dem Trunke ergebenen

Schusters Ursache des Brandes sei.

— Das Centralkomite der Volkspa rtei verlangt

im Namen von 80(10 Bürgern. daß in der nächsten

Woche vom Großen Rathe die Frage der Verantwortlichkeit

der Kantonalbankbeamten behandelt

werde vor der Berathung des neuen KantonalbankgesetzeS.

Der RegierungSrath hat in Folge dessen die

verantwortlichen Beamten und Direktoren der Kantonalbank

eingeladen, sich ihm gegenüber in Betreff

der ihnen zur Last gelegten Handlungen. wodurch

der Verlust der Kantonalbank entstanden, aus^usprechen.

Je nachdem diese Personen im Stande sind, sich zu

verantworten, wird die Regierung dann bezüglich des

weitern Vorgehens dem Großen Rathe Anträge stellen

Lnzern Am Sonntag starb Hochw. Hr. Eommissar

und Chorherr Dr. Josef Winkler im 77.

Altersjahre. Er war 51 Jahre Priester, beinahe 4(J

Jahre Professor an der theologischen Lehranstalt. Er

veröffentlichte 1862 ein sehr praktisches und gediegenes

Handbuch des Kirchenrechtes, dessen Werth von der

Universität Freiburg i. B. dadurch anerkannt wurde,

daß sie dem Verfasser die Doktorwürde verlieh. Von

1848 bis in die allerjüngste Zeit war der Verewigte

bischöflicher Commissar für den Kanton Luzern, welches

wichtige Amt er unter oft schwierigen Verhältnissen

mit großer Umsicht und Energie verwaltete. Als

Schriftsteller verfaßte er Abhandlungen über das Erziehungs-

und Armenwesen, über den „Sonntag"

und über verschiedene Tagesfragen. Mit Winkler ist

unbestreitbar einer der hervorragendsten Priester und

Gelehrten der katholischen Schweiz zu Grabe gestiegen,

ein Mann der Kirche in der Wissenschaft und im

Leben, ein edler, goldlauterer Charakter. R. I. P.

Zt. Galle». Am 28. Januar tödtete in der

Gemeinde Stein im Obertoggenburg Küfer Bollhalder,

Vater von drei Kindern, seine zwei ältesten Töchter

und dann sich selbst. Diese grauenvolle That soll

ihre Ursache darin haben, daß die ermordeten Töchter,

im Alter von circa 20 und 15 Jahren, blödsinnig

waren und ihr Vater deßhalb von tiefer Schwermuth

befallen wurde.

Thurgau. Um zu zeigen, daß es ihnen nicht

an Opferwilligkeit für wirklich gute gemeinnützige

Zwecke fehle, zeichneten die Gegner der Uebernahme

des eidgen, Schützenfestes durch Frauenfeld eine schöne

Anzahl Aktien der Straßenbahn Frauenseld-Wyl, knüpf'

ten jedoch daran die Bedingung, daß binnen >0 Iah

reiz das Schützenfest nicht in Frauenfeld stattfinden

dürfe.

Teffiii geht gegenwärtig einem lebhaften Refe

rendumskamps um ein neues Kirchengesetz entgegen.

Dasselbe bestimmt die Volkswahl der Geistlichen, regelt

im Fernern die Jnteressenverhältnisse zwischen Kirch

gemeinde und Kirche, führt ebenfalls aus unmittelbarer

Volkswahl hervorgehende Kirchenräthe ein und

umschreibt die Compettnzen des Ordinariates. Die

Radikalen sind entschlossen, ihr Möglichstes zum Ver

werfen des Gesetzes beizutragen, und lameutiren über

Verkümmerung der Volksrechte. Eigenthümlich nimmt

sich diese Klage aus, wenn man bedenkt, daß die

Wahl der Geistlicien durch das Volk eigentlich durch

dieses Gesetz neu begründet wird. Wir Urschweizer

betrachten die Volkswahl der Geistlichen als ein schönes

Vorrecht kirchlicher Freiheit, im Kanton Tessin nennt

man das Ding anders, nämlich Verkümmerung der

Volksrechte. Das alte Spiel vom Wolfe und vom

Lamm!

Waadt. Von einem eigenthümlichen Ver

giftungsfall berichten die Waadtländer Blätter.

Ein Todtengräber in Lausanne war damit beschäftigt

gewesen, einen Sarg in die Gruft niederzulassen. Die

dem Sarge anvertraute Leiche war schon bedeutend im

Verwesungsprozeß vorgeschritten. Durch eine Spalte

des Sarges drang das Leichengift in eine Ritze der

Hand des Todtengräbers, Es trat Blutvergiftung

ein und der Todtengräber starb als ein Opfer seines

Amtes.

— In Wisflisburg sind während dieses Winters

die Nachgrabungen nach Alterthümern wieder aufgenommen

worden. An der Straße nach Peterlingen

tieß man auf einen Friedhof. auf welchem nach der

bisherigen Untersuchung sowohl römische Heiden, als

auch Christen beigesetzt wurden. Die Gräber befinden

ich in einer Tiefe von etwa einem Meter und ruhen

theilweise auf Pflasterungen und Kalkbett.

Retteiiburg. Die Uhrmacherschule in Locle zählt

unter ihren Zöglingen seit einigerZeit zwei I a p a n e se n

von 17 und 18 Jahren, deren Eltern zu Hause in

Tokio angesehene Uhrengeschäfte besitzen. Dieselben

ollen, um ihr Fach von Grund aus zu erlernen, 5

Jahre in Europa zubringen.

— In ChauxdefondS hat man eine Anzahl falscher

Zehnfrankenstücke entdeckt. Dieselben sind aus

Messing gearbeitet und vergoldet. DeS Nachts sollen

sie ziemlich wie ächte aussehen.

A u s l a n d .

Deutschland. Der hl. Vater hat im Einverständniß

mit der preußischen Regierung den Propst

Dinder zum Erzbischof von Posen-Gnesen ernannt.

Dinder gilt als ein ebenso kluger als entschiedener

Mann und hat bei Ausbruch des Kulturkampfes

die Rechte der katholischen Kirche kräftig vertreten.

— Der zum Mitglied des Herrenhauses ernannte

Bischof von Fulda, Dr. Kopp, hat auf die dem hl.

Vater gemachte Anzeige von seiner Berufung ein

Antwortschreiben erhalten, worin derselbe ihm seine

Freude über diese Ernennung und seinen Glückwunsch

dazu ausspricht.

— Im preußischen Abgeordnetenhause hielt Bismarck

dieser Tage eine zwei Stunden lange Rede,

worin er die von der Regierung verfügte Ausweisung

der polnischen Bevölkerung aus den östlichen Provinzen

zu rechtfertigen versuchte. Ihm gegenüber zeichnete

Windthorst mit gewohnter Meisterschaft, das Gewaltsame

und Rechtswidrige dieser Maßnahmen, von

denen über 30,000 Personen betroffen werden. Die

Abstimmung nahm einen sehr stürmischen Verlauf.

Wegen Verletzung des für die Berathung geltenden

Reglementes entfernten sich Centrum und Fortschritt,

so daß die gouvernementalen (protestantischen) Konservativen

und die charakterlosen Nationalliberalen

allein Bismarck das geforderte Schlachtopfer brmgen

konnten.

Italien. Am 23. Januar ist der hochw. General

des Kapuzinerordens, P. Bernhard Christen,

von einer mehrmonatlichen Visitationsreise in der

europäischen Türkei, in Kleinasien und Palästina wohlbehalten

nach Rom zurückgekehrt. Leider erwartete

ihn daselbst ein Aktenstück, das ihn und seine Mitbrüder

auf's Schmerzlichste berühren mußte, nämlich

der von Seite des Stadtrathes in den letzten Tagen

erlassene Befehl, daß das Generalshaus und Kloster

bis August von sämmtlichen Ordensmitgliedern, die

es bisher bewohnten, geräumt werden müsse. Das

Kloster sammt Kirche soll abgebrochen werden, um einer

Straße Platz zu machen!

/ c u i l l f t o n .

K. Die Tiefertegung öes Lungerersees.

Zur 50jährigen Erinnerung.

(Fortsetzung.)

Nachdem man in den See hinausgebohrt. wurde

vor der Aamatten auf dem See der „Näpper" gesucht

und 20 Klafter und 2 Schuh tief unter dem Wasser

aufgefunden. Die Versuche, das Bohrloch mit einem

Ball, den man in den See hinabgesenkt, zu verstopfen,

wollten nicht gelinge». Wenn der „Näpper" im Loche

war, dann floß das Wasser und wenn man ihn mit

großer Mühe wieder herausgezogen, dann war das Loch

in kurzer Zeit mit Sand und Lehm verstopft. Durch

5 Bohrlöcher wurde die Beschaffenheit des Gesteines

untersucht. Bei den Löchern auf den 4 Stollenseiten

mußte der Bohrer 9 Fuß durch Gestein und 6 Fuß

durch Lehm hindurchgetrieben werden. Gleichzeitig wurde

ein Floß gebaut und der Stollen gesäubert. Beim

Eingang in den Stollen wurde eine Schleuße gemacht.

Es wurde nämlich 96 Fuß vom Tag ein Schacht und

ein Querstollen gegraben und eine 60 Zentner schwere

Fallthüre angebracht, die man hinauf- oder hinabziehen

und wodurch man den Abfluß des Wassers vermehren

oder vermindern konnte.

Den 3. Juli 1835 wurde die Regierung von den

Arbeiten, die man seit dem Durchstich unternommen

hatte, in Kenntniß gesetzt und gebeten, daß sie erlau

ben möchte, deu Stollen zu erweitern und mit aller

Vorsicht denselben ein wenig vorwärts zu treiben. Sie

hatte nämlich den 27. Juni die Weisung ertheilt, die

Arbeit einzustellen, bis der Vollendungsplan, von den

Experten genehmigt, angelangt. Den 30. Juli, als die

Arbeiten vollendet waren, die Sulzberger ihnen befohlen

hatte, da baten sie neuerdings, daß die Negierung ihnen

erlauben möchte, die Arbeit fortzusetzen, weil sie sonst

für die Bergmänner keine Arbeit haben und weil sie

dieselben nicht gern entlassen würden. Diesem Gesuche

wurde entsprochen. Sie sollen aber trachten, daß sie

möglichst bald den Vollenduugsplan erhalten.

Vom 23. September bis 19. Oktober wurde die

Arbeit wieder eingestellt, weil die Regierung es befohlen

hatte. Umsonst gingen Schulherr Joachim Jmseld

und Beat Gasser zu den Herren, um sie zu bitten

daß sie den Stollen erweitern dürfen. Umsonst schrieb

Deschwanden, daß Sulzberger, „einer der geschicktesten

Ingenieure und Wasserbaumeister der Schweiz", es er-

laubt. Die Regierung gestattete es nicht, weil sie verpflichtet

sei, darüber zn wachen, daß das Unternehmen

nicht durch unzweckmäßige Arbeit geschädigt werde und

weil sie nicht wolle, daß die Aktionäre ihr irgendwelche

Vorwürfe machen können.

Den 23. September schreibt Sulzberger, nachdem er

zwei Tage vorher das Werk genau untersucht, daß die

Bohrlöcher mit Hahnen sich nicht bewährt, weil der

Felsen brüchig und die Versuche zum Oesfnen und

Schließen nicht gelungen seien. Er schlägt dann vor,

am Ende des Stollens einen Schacht hinaufzutreiben

und daselbst eine Mine anzulegen. Wenn das Loch zu

wenig groß werde, dann könne man von einem Floß

hinab Bohrlöcher hineintreiben oder neue Minen legen.

Er bittet um Genehmigung des Planes und das um

so mehr, „als derselbe auch ganz mit den Ansichten

der Bergleute und Bewohner von Lungern übereinstimmt

und zum Theil von denselben hervorgegangen ist." Daß

die Lungerer schon früher am Ende des Stollens eine

Mine anlegen wollten, geht aus dem Gutachten Grnoner's

hervor, welcher im Jahre 180L schreibt: Die Regierung

habe verboten, ivaghalsige Mittel anzuwenden,

„deren die Lungererköpfe im Schulhause, d. i. bei

Schulmeister Joh. Peter Furrer, mehrere ausheckten,

worunter eine Mine mit Pulverfässern u. dgl. waren."


— In Seitania wurde eine große Falsch?

„lünzerfabrik entdeckt, welche für mehr als >0

Millionen gefälschte Banknoten, Goldstücke u. f. >v.

besaß. Die Verhaftungen, die in Folge dieser Entdeckung

gemacht wurden, setzten die Bewohner in

qroßeS Erstaunen, da die betreffenden Falschmünzer

bisher als Ausbund aller bürgerlichen Tugend galten.

Die Nachahmungen waren ungemein gelungen. Die

Bande verfügte über einen ganzen Stab von Lithographen,

Kupferstechern u. f. w.. und wahrscheinlich

hat sie auch in's Ausland „Geschäfte" gemacht Das

lichtscheue Unternehmen hat bereits Jahre lang bestanden,

so daß man kaum übersehen kann, wie viele

Fälschungen in Umlauf sind. _

— Von Monte Carlo wird berichtet, daß die Regierung

von Monaco einer Verschwörung auf die

Spur gekommen sei. Die Verschwörer wollten angeblich

die Spielhölle in die Luft sprengen. Es

sollen viele Verhaftungen und Beschlagnahmen von

Dynamit stattgefunden haben; die Spielhölle wird

Tag und Nacht streng überwacht und nur bekannte

Personen werden noch zugelassen.

Frankreich. Im Monat Januar sind in Frankreich

nicht weniger als 34 Mordthaten vorgefallen;

in 12 Fällen von diesen 3+ ist der Mörder noch nicht

entdeckt. Die öffentliche Unsicherheit in Paris wird als

Folge der radikalen Wirthschaft bezeichnet. Die radikalen

Gemeinderäthe suchen ihren Geschöpfen Plätze

zu verschaffen, armen Burschen, welche das Polizei-

Handwerk nur ergreifen, weil sie keinen andern Erwerb

finden. Wenn sie nur etwas zu beißen haben fo

kümmern sie sich nicht um die Verbrecherschaaren, die

wie die Ratten ganz Paris durchdringen.

Das englische Unterhaus zählt gegenwärtig

auch einen einfachen landwirthschaftlichen Taglöhner

Namens Josef Arch zu seinen Mitgliedern.

Derselbe ist 60 Jahre alt und hat sich durch Selbststudium

einige Bildung erworben; durch fortwährend

angestrengte Arbeit gelang es ihm wohl, sein Auskommen

zu finden, nicht aber, einige Ersparnisse zu

machen. Vermittelst Gründung einer Arbeitervereinigung,

die in kurzer Zeit über 100,000 Mitglieder

zählte, vermochte er in der Lage der ländlichen

Arbeiter Manches zu verbessern. Der Mann, obwohl

bettelarm, genießt die unbedingte Hochachtung aller

Kreise.

Amerika. In Argentinien (Südamerika) haben

sich in neuester Zeit Thatsachen ereignet, welche an

die schlimmsten Streiche der spanischen Eroberer des

16. Jahrhunderts erinnern. Der Kommandant in

Gran Chaco hatte den Befehl erhalten, alle Indianer

des ehemaligen Jndianergebietes aufzugreifen und nach

Buenos-Aires zu bringen. Der Oberstlieutenant Gomensoro

ließ hierauf über 200 wehrlose Indianer, darunter

Weiber und Kinder, zusammenschießen! Der Rest

wurde an Bord des Regierungsdampfers „San Martin"

gebracht und dort wurden die Unglücklichen gleich

Hausthieren nummerirt und in eine Liste eingetragen.

Am 30. Oktober 1885 kam der „San Martin" mit

seiner Ladung in Buenos Aires an und nun entwickelte

sich eine Scene, die man nur noch in Zentral-Afrika

für möglich halten sollte. Bald nach Ankunft des

Dampfers erschienen zahlreiche Personen mit Briefen,

welche ihnen vom Generalstabe der Armee ausgestellt

worden, wonach ihnen eine oder mehrere „Nummern"

der Menschenladung zu überlassen seien. Die mit der

Ausführung dieser Befehle betrauten Offiziere und

Soldaten rissen nun die Indianer aus den Armen

ihrer Weiber und Kinder. Kinder aus den Armen der

voller Verzweiflung weinenden und schreienden Mütter,

Diese Abänderung des Planes von Snlzberger wurde

zuerst von den Experten, die früher erklärten, daß eine

Mine unsicher und gefährlich sei, und den 17. Oktober

auch von der Regierung genehmigt. Es war dieses

eine Genugthuung für die Lungerer, daß die gelehrten

Ingenieure endlich nichts Besseres zu thun wußten,

als nach ihrem Plan zu handeln. Die Lungerer hatten

das seste Vertrauen, daß Gott sie nicht verlassen werde,

nachdem sie das Ihrige gethan, nachdem sie Jahre lang

gearbeitet und geopfert haben.

Nnn wurde wieder mit neuem Muth an dem Schacht

oder „Kamin" gearbeitet, welches 4 Fuß Durchmesser

und 6 Fuß Höhe hatte. Der Felsen gegen den See ivar

daselbst nur noch 3 — 4 Fuß dick. Es wurde ein

Ledersack mit 950 Pfund Pulver in ein eichenes Faß

verschlossen und ein Theil der Leitiöhre hineingelegt.

Der Transport desselben in den Stollen hinein war

mühevoll, aber »och weit mühevoller war es wegen

Mangel an Raum und geeignetem Werkzeug, dasselbe

4 Fuß hoch auf Holzblöcke hinaufzuheben. Weil man

das „Wettergebläst" entfernt, sind die Lichter öfters

ausgelöscht uud man mußte den Stollen verlassen, um

wieder einige Zeit srische Luft zu schöpfen. In wenigen

Minuten war man von dem Wasser, welches durchsickerte,

ganz durchnäßt. Das Faß wurde bis auf einen

3 —

und vertheilten so die bezeichneten Nummern nach den

Bestimmungen ihrer Vorgesetzten! —

— Mexikanische Truppen feuerten dieser Tage auf

eine Abtheilung amerikanischer Truppen, welche auf

mexikanischem Gebiete Indianer verfolgten. Der

Hauptmann wurde getödtet und mehrere Soldaten

wurden verwundet. Die Mexikaner erklärten, sie hätten

die amerikanischen Truppen irrigerweise für Indianer

gehalten.

_

LiterarischeS.

— „Nach dem fernen Westen", Reisenotizen

der Klosterfrauen von St. Andreas in Sarnen, ist

soeben in vierter, mit l9 Abbildungen illustrirter Ausläge

erschienen. Das hübsch ausgestattete Büchlein

kann zum Preise von nur 55 Rp. vom Frauenkloster

St. Andreas in Sarnen bezogen werden; der Reinertrag

ist für die Mission in Union-Town bestimmt.

— Vor uns liegt das I. Heft der bei Gebr. Benziger

in Einsiedeln erscheinenden Jugendschrist „Unsere

Zeitung", II. Jahrgang 1886. Es gereicht uns zur

angenehmen Pflicht, dieses Werk Jedermann bestens

empfehlen zu dürfen. Von religiös-sittlichem Geiste

durchdrungen, reich an Inhalt, anmuthend und

fesselnd in der Form, liefert dasselbe nicht nur

einen gediegenen Lesestoff für die liebe Jugend,

sondern es 'findet auch der Erwachsene darin ebensoviel

Belehrendes als Unterhaltendes. Wer seine

freien Augenblicke, und solche hat ja zumal die Jugend,

mit dem Lesen nützlicher und guter Bücher ausfüllen

will, darf getrost diese Monatshefte zur Hand nehmen.

— Volkswirthschafts - Lexikon ^ der

Schweiz, von A. Furrer, (Verlag von Schmid,

Francke u. Co., Bern). Die VII. Lieferung behandelt

„Einsuhrzölle — Emissionsbanken". Von Hrn. Durrer.

Sekretär des eidg. statistischen Bureau's, finden wir

darin einen bemerkenswerthen Artikel über „Ein-

Wanderung"

„St. Raphaels«Blatt, Organ des St.

Raphaels Vereins zum Schutze katholischer deutscher

Auswanderer." Zur Ausbreitung seiner seid fast zwei

Dezennien ungemein segensreich wirkenden Ideen gibt

der St. Raphaels - Verein von jetzt ab eine Vierteljahrsschrist

heraus, von welcher uns die erste Nummer

vorliegt. Die Bestrebungen des St. Raphaels-VereinL

zur Hebung der geistigen, sittlichen und materiellen

Lage unserer zahlreichen, oft recht hilflosen deutschen

Auswanderer im Augenblicke ihrer Einschiffung und

bei ihrer Landung find so anerkennenswert!), daß sie

die warme Unterstützung jedes deutschen Katholiken

verdienen. Es ist deshalb dem neugegründeten Or<

gane die weiteste Verbreitung in allen Gesellschaftskreisen

zu wünschen.

Das St. Raphaels «Blatt kann durch die Post

gegen einen jährlichen Abonnementspreis von l Mark

bezogen werden.

Todtentafcl. In Langenthal erlag dem Typhus Rationalrath

Johann Büzberger, 05 I. a. Er war einer

der bedeutendsten Rechtsanwälte nicht nur des Kantons Bern, sondein

der ganzen Schweiz. Für unsern Kanton führte er den vor

Bundesgericht im Sinne unseres Rechtsstandpunktes ausgetragene»

Prozeß wegen Vertheilung d:r SonderbundSkriegSkosteu. Büzberger

war eines jener äußerst wenigen Mitglieder des NarionalratheS,

welche dieser Behörde seit der ersten Legislaturperiode ununterbrochen

augehörten. Sei» scharf logisches und gewandtes Wort mit kraftvoller

Beweisführung fiel namentlich in juristischen Fragen schwer in die

Waagschale. Nach seiner Gesinnung liberal-radikal, folgte er dock

keineswegs immer durch Dick und Dünn dem Heerbann seiner radikalen

Bern« College». Gin meisterhaftes Votum gab er im April 1831

über die Lehrschwesternfrage ab. Er genoß in allen Kreisen verdiente«

Ansehen.

Krawall. Am vorletzten Dienstagsmarkt in Luzern verwies

ein Polizist einem Bauern den thierquälerischeu Transport seiner

Schweine. Rudere Landleute glaubte», sich in die Sacht mische» zu

sollen, der Beamte nahm Verhaftungen vor; aber die Bauern setzten

sich zur Wehre uud der eine der Arrestanten schnitt dem Polizisten

Zeier mit einer Art, die er soeben gekauft hatte, die Finger einer

Hand beinahe ganz durch. Andere Landjäger kamen zu Hülfe uud

brachten die Hauplkamrshähue in'S Gefängniß.

Schleckte Zeiten! Für eine im „Bundesblatt" ansgeschriebene

Weibelstelle im Bundesrathhaus mit einer Minimalbesoldung

von Fr. 2,000 haben sich 170 Bewerber angemeldet.

Wildscdwetnjagd Am 24. Januar schoß Jäger Schwar;

in Großlützel (Jura) in seinen Waldungen nichl weniger als sechs

Wildschweine, worunter zwei Exemplare, die über 150 Pfund wogen,

im Gesammtwerth von ca. 500 Fr. Allerdings war auch die „Saujagd"

nicht ohne Gefahr. Ein alter angeschossener Eber wollte an

seinem Berfolger Rache nehme» undstürzte auf ihn loS; allein der

geübie Jäger kennt solche Ränke und war im gegebenen Momente

stcher geborgen in den «esten einer Tanne, von wo ans ein wohlgezielter

Schuß den daherschuaubenden Eber niederstreckte.

Eine .«in verschal» wird demnächst im Pariser Industriepalast

veranstaltet werden. Es sind bereits viele den Preis der

Schönheit, Stärke oder „Gefcheidtheit" beanspruchende hoffnungS»

volle Sprößlinge eingeschrieben worden. Unter andern wird ein

dreijähriger .Knabe zu sehen sein, welcher nicht weniger al» 118

Centimeter mißt und 8G Pfund wiegt. Die Mutter dieses kleinen

Monstrum» erklärte, derselbe denk.' an nichts als an Essen und Trinken.

Der Vater ist ein Hufschmied. Das Kind hat sich den schwersten

Hammer der Schmiede zum Spielzeug ausgesucht.

Wochenmarkt in Luzern vom Z. Februar. Erdäpfel 100

Kilo gr. 5.00—5.50; Butter I Kilo Fr. 2.05—2.20; Eier 0—9

Stück 00 Rp.

>085.

1085,

K.

Chronik von Kerns.

(Fortsetzung.)

1679 hat Weibel und Schützenmeister GalluS von Zuben geredet:

„Es werde »och dazu khomeu, wie daß der Selige Brueder

Clauß geweissaget, daß Mau die große» Hanse» vff der rneßtülli

suochen werde."

1681 wurde den Knaben des Landammann und Pannerherrn Metchior

von Atzigen die Alp Fr utt sammt Vorsäß für

10,000 Pfd. angeschlagen.

1082, 24. April erscheint vor Gericht ein Theil der Alpgenossen von

B e t e u a l p gegen den andern Theil. Die Einen meinen, weil

fie auf 4 Hofstätte» allein 20 Kühe besitzen, bei den andern

30 Kühen aber fast ebenso viele Thnler seien, sollten fie nicht

alljährlich darum bitten müssen. Zudem haben sie ihnen drei

Hengstfüllen zum Uebertrieb in die Alp gemehrt. Das Gericht

erkennt, daß sie deßwegen Betenalp genannt werde, weil man

alljährlich darum bitten solle; dagegen aber dürfen die Füllen

nichl aufgetriebe» werden

5. April. Den Gebrüdern HanS Melchior und NiklanS von

Zuben wird die Reparatur der Orgel sammt vier neuen

Blasbälgen übergeben. Sie versprechen, in eigenen Kosten an

der Orgel wieder gut zu machen, wenn bei ihren Lebzeiten

an derselben eiwaS fehlen sollte.

8. August erscheine» die Kernser gegen die Melchthaler vor

Gericht, weil sie wider den Eiuung und ohne die gemeinen

Kilchgenossen zu fragen auf die hohen Alpen getrieben. Das

Gericht gestaltet dieses nur, waun es den ssirchgenossen beliebt

und zwar nur mit galtem Vieh, welches sie, obschon im

Theil gewintert, auf ihren Alpen nicht fömmern können Auf

ihre Alpen dürfen sie nach Belieben treiben. Zwei Jahre

nachher verzichten sie auf ihren Antheil an den Hochalpen.

1088, 31. Juli beschließt der Rath: Der Landammann und die Ehrbarkeit

zu HaSle soll ersucht werden, zu verschaffen, daß die

ihrige» den Kilchgenossen von Kern« mit Schafen uud Geissen

nicht immerdar Schaden zufügen. Den 25. September hat

derselbe den Kernsern angerathen, mit deu Hasleru gute Nachbarschaft

zu pflegen. 1774, 3. April wird bei hoher Strafe

verboten, Vieh in die Beruermarch und Atzung oder „Blangen"

zu treiben; dagegen soll Landammann und Rath iu HaSle

geschrieben werde», daß sie sorgen, daß in Zukunft ihre Schafe,

besonders die vo» Banmgarte», de» unfrgen keinen Schaden

zufügen. Landammann und Rath zu Hasle antworten höflich,

daß sie angemessene Verfüguugen»getroffen. Sie hoffen, daß

ihnen auch von Seire der Kernser kein Schade» zugefügt werde.

1095, 10. Dezember wurde die Kaplauei im Melchthal gestiftet

und den 17. Jänner 1090 von Bischof Marquard

approbirt. Daran gab der Priester Melchior Blättler 2250 Gl,

Franz Stolz, Pfarrer in Münsterlingeu, sammt seinem Bruder,

dem Stifter des Stolzen-Almosens, 1000 Pfd., Melchthal

1002 Gl., gutherzige Personen 306 Gl und die h. Regierung

150 Gl., wofürsie das CoufirmatiouSrecht beansprucht. Die

Kapelle gibt jährlich 4 t Gl. 30 Schl. Blättler will erster

Kaplan fein und daß bei Gleichem ein Geistlicher ans seiner

halben Fuß unter die Felsftrst hinausgehoben und mit war, indem es mit Stillschweigen deu Ersolg erwartete.

Holzblöcken fest verrammelt. Es wurde alsdann von Um >/-3 Uhr Nachmittags trat der beherzte Andreas

Sulzberger, welcher den 4. Januar angekommen war, Spier von Luguez in Graubünden mit der Braudröhre

nachdem die Lichter ausgelöscht waren, die 35 Fuß in deu Stollen ein und befestigte dieselbe an das Ende

lange und */* Zoll dicke Zündröhre, die mit Pulver der Zündröyre oder des Pnlverschlanches. Sie sollte

angefüllt war, an dem Rohr befestiget, welches aus etwa 15 Minuten brennen und ihm Zeit zur Flncht

dem Faß hervorragte und mit einem Zapfen verschlossen gewähren. Ein Pistolenschuß verkündete, daß dieser

war. Nachher wurde der Stollen, wo die Mine lag, wackere Mann den Stollen verlassen habe und sich in

15 Fuß lang mit Sand und Steinen sorgfältig ansgefüllt.

Laut und leise stiegen Gebete zum Himmel auf. End-

Sicherheit befinde. Die Spannung stieg aus's Höchste.

Endlich am 9. Januar 1836, nachdem sich Viele lich nach langen, langen 1t Minuten hörte man zwei

schon zwei Tage vorher voller Erwartung versammelt dumpfe Töne, ohne daß die Erde erbebte und ohne

hatten, wurden die Vorbereitungen zur Sprengung daß das Eis des Sees spaltete. Wehmüthig blickten

getroffen. Die Häuser und Ställe in der Nähe der Mine die Zuschauer einander an und sagten: Es hat gesehlt.

mußten verlassen werden. Schon am Morgen früh Als" aber Einige Ranch, Holzblöcke, Sand und schaumendes

Wasser zum Stollen hinauskommen sahen, da

war viel Volk versammelt. Gegen 9 Uhr hob sich der

Nebel, der seit vielen Tagen das Thal verhüllt. Wuuderbar

standen die Riesengestalten der Schrcckhöruer da. des Slollens zu. ' Unbeschreiblich war die Freude, be-

erscholl ein Jubelgeschrei uud Alles eilte dem Eingang

Alles schien, wie bei einem Tranerspiel, mit Bangig, sonders der Seegesellschaft. Das Gefühl war zu mächtig

keit den Ausgang zu erwarten. Mit Bolle-u wurde und die Brust zu voll, als daß sie reden konnten. Doch

vom Kaiserstuhl herab das Zeichen gegeben, daß die mehr als Worte sprachen Thränen und kräftiger

Sprengung bald nfolgen werde und dieses Zeichen wurde Händedruck.

durch deu Donner einer Kanone ans dem Landenberg

(Schluß folgt.)

in tausendfachem Echo fortgepflanzt. Das Volk stieg

auf eine Anhöhe hinauf, die nördlich vom See gelegen


Verwandtschaft den Vorzug habe. DanialS waren im Melchthal

54 Familien. 34 Häuser und etwa 200 Seelen.

1697 12. Juli antwortet die Regierung den Laudleule» nid dem

Wald, daß die Kilchgenosse» zu Kern« die Landstraße

verbessern und nach ihrem Verlangen die Brücke bei der

Landmarch wiederum aufrichten werden. Wenn unterdessen

die anstoßenden Giner Schaden leiden sollten, dann wollen

sie geantwortet haben Sie hoffen, daß sie ein Gleiche» thu»

werden, da die Straße von der March bis auf das Ried sehr

schlecht sei. Früher ging die Straße oder Saumweg weiter

oben bei der Kapelle im Mai vorbei. 1733, 20. Juni bittet

die Regierung die Nidwaldner, daß sie ihre Abgeordneten auf

das Aecherli wegen Beränderung der Landstraße instrniren

wollen. Im November, nachdem Conferenz und Augenschein

stattgefunden, erklärten d'e Nidwaldner den Obwaldnern : Sie

wollen die Landstraße von der Rorenkapelle gerade gegen die

March machen, wenn sie die ihrige von der March gegen

den Stutz, vom Stutz gegeu die Sagen und von da gerade

gegen die Güter in das Dorf über das Ried hinein, d h. ohne

die jetzige Krümmung machen wollen. Die Obwaldnei autwortelen:

Es fei dieses fast nicht möglich; sie wollen deßwegen.

so viel möglich, die alt- Straße verbessern. 1780.

18. April stellt Landammann Melchior Bucher im Namen

des KirchenraiheS von Kerns im Landrath das Gesuch, die

Straße vom Foribach bis au die March gegen Staus als

Landstraße und nicht als Kirchgangsstraße anzuerkennen.

Diesem Wunsche ist im folgenden Jahre von der ^andesgemeinde

entsprochen worden. Da, wo die Landstraße die

Stell« eines ehemalige» Fußweges versah, mußte die Halste

der Straße von den Anstößen und die andere Halfle vom

Land oder wenn sie Kirchgangsstraße war, von der Gemeinde

erhalten werden. Ans dieser Ursache hat man früher, unbekümmert

m Hügel und Krümmungen, sich so sehr bemüht

mit der iraße den Heimwesen und Fußwegen »ach,»fahren.

Als auch die Kerufer eine Landstraße hatte», wurde 1786

von der LaiideSgemeinde beschlossen, daß eine jede Haushaltung

alljährlich einen Tag an der Straße arbeiten solle. Es

wurde dann zu diesem Zwecke eine Kommission gewählt, welche

Aussicht zu führen und die nöthigen Weisungen ;n ertheilen

halte. 1788 wurde den Schildern. Melchthalern und Schwander»

erlaubt, anstatt de» Tagwerkes für jede Person 2 Bz.

zu bezahle». 1812, 10. Oktober wurde das Gutachten bezüglich

der Anlegung einer neuen Straßevon E»netmooS

bis Wißerlen nach der jetzige» Richtung von der

Regierung gebilliget. Dieselbe kam an die Stelle eines alten

Fußweges. ....

Die Bollstraße ging früher wahrscheinlich über den

Boll hinüber in die Dätschmatt hinab, nnd mündete dann

bei der Kapelle in die jetzige Straße ein. Au die 'vollstraße,

welche damals noch nicht Landstraße war, gab die Regierung

170» 30 Gl., 1731 100 Gl. Wahrscheinlich wurde sie damalS

in der jetzigen Richtung erstellt. 1744 gab die Regierung

5 Gl. und 1757 25 Gl., jedoch ohne Consequenz.

1819. 28. Heumouat wurde von Männern von KernS

die V^rbindungSstraße mit der neuen Hauptstraße bei der

Kernmatt („Kernmatt-Sträßli") abgesteckt. Früher ziug die

Hauptstraße durch den Schlierenwald hindurch bei de» Zöpfen

lind bei der Kernmatt vorbei nnd mündete beim Foribach in

die jetzige Kernserstraße ein.

(Fortsetzung folgt.)

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rcröststöfungca des Nantonsrathes

vom 9. Februar 1886.

Vormittags anwesend 57 Mitglieder.

" Hr. Civilrichter Kaiser legt die Rechnung

f des Kantonsspitals für das Jahr 1885 vor. Dieselbe

verzeigt:

im

Einnahmen:

a-t«

— 51. An 1883« Zinsen: a) von Saruen 882. 35

b) .. Kerns 600.98

c) „ Sächseln 682.70

d) .. Alpnach 2114.24

e) „ GiSwil 920.93

f) Lungern 168.23

e) Mission»zinsen 82.16

5452.20

2. An Kostgeldern: a) von Sarnen 4621.24

b) „ Kern» 3080.4a

c) „ Sächseln 2461.10

entigcte

e) „ GiSwil 3691.15

d) „ Alpnach 646.14

f) „ Lungern 1689.03

f die

g) „ Engelberg 142.71

ver-

h) „ Tolerirteu 299.36

i) „ Fremden 67.80

>. —

16698.82

5v 3. An Patrimonien und Zinsen

242. 82

4. Von der Verwaltung der Strafanstalt:

mtW a) Für da« Dienstpersonal der Strafanstalt 244.85

"i a b) Für die Insassen derselben 1804.26

8M)

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3.

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S. Für verkaufte» Vieh und verkaufte Milch:

a) Für Vieh

b) Für Milch

Restitution

Verschiedene«

Aktivsaldo

3028. —

2330. 40

Ausgaben:

Unterstützungen ,

Für das Äufstcktspersonal ». die Seelsorge det Spital«

Für LebenSmittel:

a) Brod und Mehl 3694. 59

b) Butter und Fett 1516.65

c) Fleisch 1265.30

d)ÄW 923.47

e) Mai«, Obst. Kartoffel 737. 70

k) Kaffee, Zucker, Salz,c. *322. ^

g) Getränke 647. 97

.. Medizinconti

5. Begräbuißkosten verstorbener Spitalinsassen

ü. Anschaffungen in die Haushaltung:

a) Holz

b) Stroh zu Betten

e) Seife, Soda. Amlung

2049.1t

5358.40

205. 57

615.10

2056.87

Total 32678.89

1147. 70

147.99

175. 68

An die Oberin zur Bestreitung kleinerer Haushaltung«-

bedürfnisse

Inventar und Reparatur an solchem

9. Reparatur an Gebäuden

0|.k l0 ' d" Liegenschaften pro 1884

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für die

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ries'

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Für die Liegenschaften:

a) Heu und Atzung

b) Streue und Dünger

c) Dienst-, Arbeit«- und Fuhrlöhn«

Für Ankauf von Vieh

Verschiedene»

Honorar

Kapitalbewegung

2152.37

867. 70

884.05

Rekapitulation:

Einnahmen 32678.89

Ausgaben 25776.49

Mehreinnahme 6902.40

514. 25

1527.—

10108.17

772. 98

283. 30

1471.37

589. 03

1215.01

1273.36

1070. 68

3904.12

1096. —

1379.79

500.

71.43

Total 25776.43

Obschon der verflossene Sommer in Bezug auf

en Futterertrag für die Liegenschaften des Spitals

!ls ein recht ungünstiger bezeichnet werden muß. so

bfuttirt auch bei niedrigen Preisansätzen der land

dirthschastlichen Produkte noch ein bescheidener Rein

rtrag für den Landwirthschaftsbetrieb des Spitals,

per Vorschlag des Rechnungsjahres ist wesentlich den

illigen Lebensmittelpreisen zuzuschreiben. Im Uebrigen

'-sucht Hr. Kaiser, in Berücksichtigung seiner langjährigen

Bethätigung als Spitalverwalter und seiner

Gesundheitsverhältnisse ihn der Stelle zu entheben.

~ wird nach Antrag der Rechnungsprüfungskommission

einstimmig beschlossen, die Rechnung zu

genehmigen, die tüchtige Geschäftsführung bestens zu

verdanken und dem Hrn. Verwalter für andauernve

vermehrte Mühewalt eine Gratifikation von Fr. 3()0

zu verabfolgen; ebenso wird Hr. Kaiser um Fortsetzung

seiner Verwaltung ersucht.

Im Anschluß an die Kenntnißgabe der Spitalrechnung

berichtigt Hr. Zuchthausdirektor Landam

mann Durrer einige in jüngster Zeit bezüglich

der Heizeinrichtungen im neuenZuchthause

verbreitete Behauptungen. Alle Plane für eine neue

Zuchthausbaute, deren wenigstens vier vorlagen, sehen

Oefen nur für das Parterre vor, was aber auch auf

Grund der vorgenommenen Messungen zur Erzeugung

der benöthigten Wärme vollständig ausreicht. Die

regelmäßige Temperatur der ArbeitS- und Wohnzimmer

sowie der Haftzellen und der Schlafzellen der Sträflinge

ist im Allgemeinen reichlich so hoch, als dieselbe

von Fachmännern als zuträglich erklärt wird. Die

Zuchthäuser von Zürich, Lenzburg, Altdorf und Basel,

sowie die Irrenanstalten Rosegg und St. Urban weisen

dießbezüglich durchwegs keine höheren Ziffern auf.

Auch ist' ausreichend dafür gesorgt, daß die Sträflinge

nach Rückkehr von der Arbeit jeweilen nach Bedürfniß

trockene Kleider erhalten und nur m solchen wieder

zur Arbeit ausrücken müssen. Die HH. Kantonsräthe,

und wer immer sich um die Sache interessirt, können

sich übrigens von der Richtigkeit des Gesagten an

Ort und Stelle überzeugen, wozu sie ernstlich eingeladen

werden. — Diese Berichtzabe wird verdankt

und eine eventuelle Diskussion auf die Berathung des

betreffenden Abschnittes desGeschäftsberichtes verschoben.

Hr. Landammann Durrer referirt sodann

über das von den HH. Bucher und Dnrrer ein

gereichte Gesuch um Konzesfionse, Weiterung

betreffend den Wasserbezug für ihre Parqueteriefabrik.

In der Konzessionsurkunde vom 22. Februar 1868

ist den HH. Bucher und Durrer für ihr Etablissement

der Bezug von höchstens 50 Kubikfuß Wasser per

Sekunde gestattet. Diese Bestimmung wurde aber schon

seit längerer Zeit von denselben nicht inne gehalten.

Anläßlich des Belastungsrekurses der HH. Bucher und

Durrer wurde durch Hrn. Ingenieur Fellmann ein

Wasserbezug von 93 Kubikfuß per Sekunde und seither

durch die HH. Epper und Diethelm ein solcher

von 107 Kubikfuß konstatirt. Die Schatzungssumme

des Parqueterie-Etablissementes sei übrigens von der

Rekurskommisston wesentlich in Berücksichtigung des

Umstandes, daß dasselbe nur 50 Kubikfuß Wasser per

Sekunde beanspruchen könne, von Fr. 275,0^0 auf

Fr 260.000 reduzirt worden. Unterhandlungen einer

vom Regierungsrathe bestellten Kommission, welche

unter den nöthigen schützenden Bestimmungen für das

Korrektionsunternehmen einen Entwurf zu der nachgesuchten

erweiterten Konzession auf 100 Kubikfuß per

Sekunde mit den HH. Bucher und Durrer vereinbaren

sollte, führten zu keinem Resultat, weil Gesuchsteller

sich nicht zur Entrichtung einer gesetzlich vorgesehenen

Konzessionsgebühr verstehen wollen.

Hr. Fabrikant Bucher setzt auseinander, wie

die Parqueteriefabrik auf der „Gyge" mit Fr. 260,000

weit über ihren wahren Werth taxirt sei, überhaupt

sei dieselbe durch die Korrektion unverhältnißmäßig in

Anspruch genommen worden. Sie bringe Verdienst

und Geld in's Land, auch sei schon vor Inkrafttreten

des kantonalen Wasserbaupolizeigesetzes das jetzt nachgesuchte

Wasserquantum bezogen worden, daher sei

von einer Konzessionsgebühr Umgang zu nehmen.

Hr.Landsäckelmeister Omlin erinnert daran,

daß die HH. Bucher und Durrer seiner Zeit behufs

Gültverschreibungen eine Abschätzung ihres Etablisse

ments bewirkten, die auf Grundlage vorgelegter Rech

nungen und Geschäftsbücher eine Summe von

Fr. 43o,000 ergab.

Nachmittags anwesend 56 Mitglieder.

Hr. Staatsanwalt Seiler gibt nähern Aufschluß

über die Thätigkeit der niedergesetzten Koinmisston,

welche den HH. Bucher und Durrer mög«

lichstes Entgegenkommen habe beweisen wollen und

durchaus nichts Unbilliges verlangt habe. Wenn auch

die Fabriken Geld in's Land bringen, so ließen sich

doch auch Schattenseiten nachweisen.

Hr. Landschreiber Jmfeld macht darauf aufmerksam,

daß Artikel 46 des Wasserbaupolizeigesetzes

den Bezug einer Konzessionsgebühr ausdrücklich verlange;

die geforderten Fr. 200 per Jahr sind im

Verhältniß der dort gegebenen Normen keineswegs zu

hoch; man hoffte im Gegentheil, durch diesen bescheidenen

Ansatz die Gesuchsteller zum Rückzug einiger

anderer von ihnen gegen das Korrektionsunternehmen

gestellter Reklamationen zu veranlassen.

Hr. Fabrikant Buch er hebt den vorausgegangenen

Voten der Kommissionsmitglieder gegenüber

nochmals hervor, daß die Parqueteriefabrik für die

Melcha-Aakorrektion unverhältnißmäßig doch belastet

sei. Bei dem oftmaligen niedrigen Wässerstande sei

es auch bei einer Konzessionserweiterung nicht immer

möglich, von derselben in voller Ausdehnung Gebrauch

zu machen. Bucher und Durrer seien vielleicht bei der

bisherigen strikten Beobachtung der bestehenden Verträge

nur zu gutmüthig gewesen. Wenn übrigens das

Parqueterie-Etablissement in den Siebenziger Jahren

nicht auf 400,UM Fr. hätte geschätzt werden können,

so wäre dasselbe heute keinen Batzen mehr werth.

Bringt die Regierung oder wer immer einen Käufer,

der für die auf 260,000 Fr. geschätzte Fabrik i50,000 Fr.

bezahlt, so erhalten dieselben noch einen Dollmetscherlohn

von l 0,000 Fr., was man an's Protokoll nehmen

soll. Die Zeiten haben sich geändert; es wird schon

gegenwärtig für die Fabrik weniger Holz aus Ungarn

bezogen und im Falle des Nichlentsprechens dürften

vielleicht in Zukunft auch Maschinen dorthin^geschafft

werden. Alle Industrien haben ihre Licht- und Schattenfetten;

im vorligeneen Falle überwiegen aber die für

das Land resnltirenden Vortheile, darum wird das

gestellte Gesuch empfohlen.

Hr. Landammann Wirz weist nach, daß schon

vor Erlaß des Wasserbaupolizeigesetzes nach Art. 14

der Verfassung der Regierungsrath mit der Aufsicht

über die öffentlichen Gewässer betraut war. Dieselben

sind öffentliches. Allen gemeinsames Eigenthum — res

publicae —; Privatansprüche müssen belegt werden

können. Die Konzessionsurkunde vom 22. Februar

186« gibt nur auf ein Wasserquantum von 50 Kubikfuß

per Sekunde Anspruch, von einer Ersitznng einer

weitergehenden Rechlsame kann nicht die Rede sein,

weil hiezu das landesgesetzliche Ersorderniß des „guten

Titels" fehlt. Die erstmalige Konzession wurde aller

dings unentgeltlich ertheilt, all-in das berechtigt noch

keineswegs, eine unentgeltliche Erweiterung zu verlangen,

hat ja doch die Ableitung des Wassers in

den Gewerbekanal die Nothwendigkeit der Anhandnähme

der Korrektion wesentlich beschleunigt und lag

auch die baldige Ausführung der Korrektion in hohem

Interesse der Parqueteriefabrik. Zur Ertheilung der

Konzessionserweiterung, welche erst Mitte Oktober 1885

nachgesucht wurde, ist der Kantonsrath nicht verpflichtet,

grundsätzlich und vom Standpunkte eines loyalen

Entgegenkommens möchte Redner sie indessen gewähren,

obgleich dadurch für die HH. Bücher und Durrer thatsächlich

ein Monopol geschaffen wird. Früher konnte

die Angelegenheit nicht erledigt werden, weil sie zuerst

dem eidg Oberl'auinspektorat und dem Chef des eidg.

Fischereiwesens, Hrn. Forstinspektor Coaz, unterbreitet

werden mußte. Namentlich der Letztere fand die nachgesuchte

Konzessionserweiterung höchst bedenklich und

konstatirte, daß bisher von Seite der Fabrik den Be-

I


stimmungen des eidg. Fischereigesetzes absolut nicht

nachgekommen worden sei. Diese Bedenken trachteten

die Behörden möglichst zu beseitigen und es muß daher

ihre Loyalität durchaus anerkannt werden. Andere

Kantone beziehen ebenfalls KonzessionSgebühren, welche

mitunter weit beträchtlicher sind, als die im vorliegenden

Falle geforderten. Einerseits verlangt das Gesetz

kategorisch den Bezug einer Konzessionsgebühr. anderseits

ist eine solche hier auch durch die Umstände g?'

boten. Dadurch daß die Rekurskommission nur das

berechtigte Wasserquantum in Anschlag gebracht und

die Schatzungssumme der Fabrik um 15,000 Fr.

reduzirt hat, werden auch eine ärmere Anzahl Belastete

betroffen und es wäre unbillig, wenn der Staat auf

die zum Theil der Wuhrgenossenschast zufallende Ent

schädigung verzichten und auf Kosten der übrigen für

da? KorreklionSunternehmen Belasteten den HH. Bucher

und Durrer ein Geschenk machen wollte. Ein Markten

um die Höhe der Gebühr im Kantonsrathe ist mit

dessen Würde unverträglich. RegierungSrath und Kom-

Mission verlangen, daß der Kantonsrath sich darüber

ausspreche, ob der in der Sitzung vom 28. Mai 1885

gefaßte Beschluß und Auftrag, gegenüber den HH. Bucher

und Durrer das allseitige Interesse des Staates und

des Melcha- Aakorrektionsunternehmens zu wahren,

richtig verstanden und ausgeführt worden sei.

Herr Vizepräsident Ad. Wirz: Die zu entscheidene

Frage ist eine doppelte: ist der Kantonsrathsbeschluß

vom 28. Mai 1885 richtig vollzogen

worden und will die nachgesuchte unentgeltliche Konzessionserweiterung

ertheilt werden? DaS Vorgehen

des Regierungsrathes war ein durchaus korrektes.

Schon vor dem 28. Mai 1885 war der Abschluß des

unberechtigt bezogenen Wassers beschlossen, ohne daß

der KantvnSrath sich veranlaßt fand, etwas Anderes

zu verfügen. Allerdings wäre es wünfchenswerth gewesen

, wenn mit den HH. Bucher u. Durrer eine

Verständigung hätte erzielt werden können, allein eine

KonzesfionSgebühr fordern Gesetz und alle vorliegenden

Umstände. ES wird beantragt, über die vom Regierungsrathe

und der bestellten Kommission in dieser

Angelegenheit gethanen Schritte allseitige Billigung

auszusprechen; da ferner die HH. Bucher u. Durrer

die Bezahlung einer gesetzlichen Gebühr und damit

das von der Kommission unter Ratifikationsvorbehalt

gemachte entgegenkommende Anerbieten betreffend Konzessionserweiterung

ablehnen, so sei über ihr Gesuch

bis auf Weiteres zur Tagesordnung zu schreiten.

Aus den folgenden, wesentlich im gleichen Sinne

abgegebenen Voten erwähnen wir noch die Mittheilung

von Herrn Landammann Durrer, daß die nachgesuchte

Konzessionserweiterung um 50 Kubikfuß per

Sekunde einem Zuwachs von 33 Pferdekräften gleichkommt,

die nach den Berechnungen von Herrn KantonSingenieur

Fellmann einen Kapitalwerth von ca.

26,400 Fr. repräsentiren. Hr. Gemeindepräsident

Major Britschgi verdankt die im Verlaufe der

Diskussion gegebenen Aufschlüsse, die klar beweisen,

daß in vorwürfiger Frage gegenüber den HH. Bucher

und Durrer durchaus keine persönlichen Interessen im

Spiele liegen, wie man vielleicht im Publikum glauden

mochte. Die Industrien verdienen allerdings die

Unterstützung des Staates; in diesem Falle konnte

die Regierung aber nicht änderst handeln. Die im

Konzessionsentwurf geforderte jährliche Konzessions,

gebühr von 200 Fr. ist eine Bagatelle für Leute, wie

die Gesuchsteller, welche gewohnt sind, mit Hunderttaufenden

zu verkehren. Er wünscht, daß die HH. Bucher

und Durrer die schwebenden Streitanstände fallen lassen

möchten und könnte sich dann damit einverstanden er-

/ m l l c t o n .

K. Die Tiefertegung des Lungerersees.

Zur 50jährigen Erinnerung.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Der See senkte sich anfangs täglich 2 — 3 Fuß.

Die Schleuß? oder Fallthüre hatte zuerst eine Oeffnung

von 12 und später von ?>/- Quadratsnß. Weil der

Kanal bei Rudenz zu eng war, wurde der Boden des

ehemaligen Nudenzersees in kurzer Zeit mit Wasser

bedeckt, welches bis zum 13. Januar zunahm und dann

wieder allmälig abfloß.

Nun wurde die Freude der Seegesellschaft wieder

getrübt und ihr Herz mit Kummer und Sorgen erfüllt.

Den 23. Januar fiel die Schifflände unter der Kirche

und den 26., Nachts um 1 Uhr, die Helferei, nachdem

sie geräumt und das Holz befestigt war, in den See

hinab. Der 29. Januar war wieder ein Tag des

Schreckens. Es entstund durch mehrere Matten ein

1200 Fuß langer Riß und um 7 — 8 Uhr Morgens

senkte sich ein großes Stück Land 50 Fuß tief in den

klären, daß die jährliche KonzesfionSgebühr auf 100

Franken reduzirt würde.

In der Abstimmung wurden die beiden Anträge

von Herrn Vizepräsident Ad. Wirz einstimmig angenommen.

Herr Baudirektor Landammann Durrer

gibt Kenntniß vom gegenwärtigen Stande der Lauwikorrektionsaugelegeuheit.

Schon im Jahre 1880

wurde von Herrn Ingenieur Diethelm der Zustand

der Lauwi untersucht und ein Projekt für bedeutende

Sicherungsbauten aufgestellt, womit sich Giswil einverstanden

erklärte. Das eidgen. Oberbauinspektorat

glaubte jedoch, nur von einer umfassenden Korrektion

dauernde Abhülfe hoffen zu können. Von Hrn. Ingenieur

Epper sind seither die nöthigen Aufnahmen

gemacht und die Korrektionskosten vorläufig auf

332,000 Fr. berechnet worden. Giswil hat nunmehr

beschlossen, bei angemessener Subvention durch Bund

und Kanton die Korrektion der Lauwi an dje Hand

zu nehmen. Nachdem Beckenried und Hergiswil für

ihre Verbauungen 50 pCt. Bundessubvention erhielten,

darf Giswil mit Fug und Recht auf eine gleiche Quote

zählen. Der Kanton hat allerdings noch ca. >40,000

Franken alte Schulden, allein die Entrichtung eines

kantonalen Beitrages an die Lauwikorrektion wird

weniger empfindlich fallen, weil sie sich vorausfichtlich

auf eine ungefähr zehnjährige Bauzeit vertheilt. Der

Kantonsrath möge sich also darüber aussprechen, ob

er zur Ausführung einer Lauwikorrektion geneigt sei

und diesbezügliche Schritte thun wolle.

Herr Vizepräsident Wirz verdankt den Bericht

des Herrn Baudirektors und wünscht, daß die

Angelegenheit zur Begutachtung und Antragstellung

an den Regierungsrath zurückgewiesen werde.

Hr. Landammann Wirz beantragt, in Uebereinstimmung

mit dem Vorrredner, die Lauwikorrektion

grundsätzlich an die Hand zu-nehmen und dem Re

gierungsrathe Vollmacht zu ertheilen, die nöthigen

Vorkehrungen zu treffen, um sobald als möglich das

Subventionsbegehren den Bundesbehörden unterbreiten

zu können. Für den Fall, daß der Regierungsrath

schon für die nächste Landsgemeinde die Frage

der kantonalen Subvention vorlegen wolle, sei der

Kantonsrath darüber vorher anzufragen.

Herr Präsident Müller weist nach, wie die

ökonomischen Verhältnisse von Giswil eine ausgiebige

Unterstützung dringend rechtfertigen. Giswil wird seinerseits

das Mögliche leisten, hat es ja bereits in den

letzten >2 Jahren 65,000 Fr. für Wuhreu ausgegeben;

die Bürgergemeinde nimmt für die Korrektion einige

Waldverkäufe in Aussicht.

Herr FabrikantBucher findet das grassirende

„Korrektionsfieber" , namentlich im Hinblick auf die

bisherigen großen Schulden des Kantons, höchst bedenklich.

Die Lauwikorrektion trägt die Kosten nicht

ab. Man sollte jedenfalls zuwarten, bis man über

die Korrektionen in Alpnach einige Erfahrungen hätte;

die Alpnacher selbst scheinen nicht viel Vertrauen

darauf zu haben, sonst würde man dort nicht solche

Festungsmauern errichten, wie es wirklich der Fall ist.

Durch die Korrektionen werden wir zu eigentlichen

„Bundesbettlern"; der Staat und Giswil werden

tief verschuldet. GiSwil wäre übrigens niemals im

Stande, die im Unterlande für Korrektionen üblichen

„Brandschatzungen" zu bezahlen. Da der Kantonsrath

heute überhaupt nicht freigebig zu sein scheint,

so wird auch hier Abweisung beantragt. Auch wäre

eine Revision des Wasserbaupolizeigesetzes dringend geboten.

Es sollte keine fremde Taxationskommisston

berufen werden, über deren Ansätze dann schließlich

Einheimische endgültig absprechen.

See hinab und glitt 20 — lOl) Fuß in das Wasser

hinaus. Die meisten Bäume, Hecken und sogar eine

Mauer blieben aufrecht stehen. Eine Scheune war

hinabgesunken und eingestürzt. Nur 180 Fnß von diesein

Abgrund waren die Kirche und mehrere Häuser

entfernt. Da die Seegesellschgft zum Schadenersatz

verpflichtet war und die Mitglieder derselben bloß ein

Vermögen von 200,338 Fr. besaßen, so ist es leicht

begreiflich, daß dufe unerwarteten Vorgänge sie mit

Bangigkeit erfüllten. Bis im März war die Helferei

und eine Scheune, 22,356 Klafter sehr gutes Mattland

und 150 Klafter Landstraße in den See gestürzt.

5 Scheunen und eine Waschhütte wurden abgetragen.

9 Häuser sammt der Kirche wurden mehr oder weniger

beschädigt und mußten verlassen werden, weil man ihren

Einsturz befürchtete. In dieser Noth wandten sich Landammann

Spichtig, Pfarrer Jmfeld und Statthalter

Jof. Jgn. Britschgi, als Mitglieder des Hülsskomite's,

an „das menschenireundliche Publikum" und baten um

Hülfe und Unterstützung „Noch diesen letzten Pfennig",

schrieben sie, „und die schöne Unternehmung, das Kind

edler Wohlthätigkeit, ist ausgesteuert." Von Kerns.

Sächseln, Stans, haslethal und aus der Schwändi

eilten nun Leute herbei, um den Bedrängten in der

Herr Präsident Vogler wünscht den Vorredner

in'S „Abenfytli" oder in die „Studen", damit

er sich ein richtiges Bild der Verhältnisse verschaffen

könnte. Einen so engherzigen Antrag, wie Hr. Bucher

ihn gestellt, hätte man von dieser Seite nicht erwarten

sollen. Die Ehre und das Interesse des Landes gebieten

uns die Rettung eines beträchtlichen Theiles

des Giswiler-Bodens, die hier in Frage liegt.

In der Abstimmung wird mit allen gegen drei

Stimmen nach dem Antrag der HH. Landammann

und Vizepräsident Wirz die Änhandnahme der Lauwikorrektion

beschlossen. Die übrigen Verhandlungsgegenstände

werden verschoben und die Sitzung um

'/,5 Uhr beendigt.

Eidgenossenschaft.

— Winkelriedstiftung. Das Jnitiativkomite

der von Zürich aus angeregten eidgen. Winkelriedstiftung

beschloß die Einberufung einer großen Ver«

sammlung auf den 28. Februar nach Luzern. Ein

engeres Komite wird auf diesen Tag die nöthigen

Vorlagen (Aufrufe und Vorschläge für die kantonalen

Komite's) vorbereiten. Ferner wurde beschlossen, das

Unternehmen durch Privatinitiative in's Leben zu

rufen, entgegen einem Antrag, welcher dasselbe unter

die Leitung des Bundesrathes stellen wollte.

— Freiwillige militärische Schießübungen.

Das eidgen. Militärdepartement hat für das

Jahr 1886 das zum Bezüge der Munitionsvergütung

erforderliche Präzisionsminimum festgestellt wie folgt:

14 Punkte in zwei aufeinander folgenden Serien von

5 Schüssen für die Distanzen auf 300 M., Scheibe I

und 225 M., Scheibe III; 12 Punkte in zwei aufeinander

folgenden Serien von 5 Schüssen für die

Distanz von 400 M., Scheibe I. Die unter dem

dienstpflichtigen Alter stehenden Mitglieder von Schießvereinen,

welche in den Jahren 1867, 1868 und

1869 geboren sind, werden mit der Abgabe von

50 Schüssen, wovon je 10 auf den obligatorischen

Distanzen, ebenfalls beitragsberechtigt, wenn dieselben

auf jeder Distanz wenigstens die Hälfte des festgesetzten

Präzisionsminimums erreichen.

— Weidenkultur. Letzten Sonntag hat sich in

Ölten ein Verein für schweizerische Weidenkultur und

Korbindustrie definitiv konstituirt. Gegenwärtig sind

in der Schweiz 237 Hektaren mit Weiden bepflanzt,

davon einzig in Freiburg 65.

O b w a l d e n.

— Aus dem Regierungsrathe. Das fchweiz,

Militärdepartement wird ermächtigt, eine Anzahl ältere

und für die Armee abgeschaffte großkaliberige Hinterladergewehre,

an welchen Bund und Kanton je zur

Hälfte Eigenthumsrecht besitzen, zu veräußern. Das

gleiche Departement wird ersucht, wenn möglich auch

noch den Verkauf von ca. >00 alten Schützenstutzern

(Vorderladern) zu vermitteln. — Ueber Balz Jds.

Berchtold, Feld, Giswil, wird Konkurs im Fahrenden

verhängt. Eingabefrist bis I.März nächsthin.—

Ueber den Nachlaß des unlängst verstorbenen Altkapellvogt

Melch. Zurmühle, Inhaber von Haus

und Mätteli in Kägiswil, wird da« Benefizium Inventarii

eröffnet. Eingabefrist bis 8. März nächsthin.

— Das Baudepartement wird eingeladen, mit Hrn.

Kantonsingenieur Diethelm, gestützt auf den letzthinigen

Kantonsrathsbeschluß, die Angelegenheit der

Lauwikorrektion in Giswil auf ihre allseitige technische

und finanzielle Tragweite zu prüfen.

— In seiner gestrigen Vormittags - Sitzung

Noth beizustehen. Dieselben haben miteinander 1066

Tagewerke unentgeltlich verrichtet und theilweise nicht

einmal Kost und Quartier verlangt. Usber die 2460

Franken eingegangenen Liebesgaben wurde vom Hülfskomite

Rechnung abgelegt.

Bis zum 27. Februar war der See bis zur Minenöffnung

abgelaufen. Das Pulver hatte prächtig gewirkt

und eine 12—20 Fuß lange und 10—22 Fnß

hohe O ffnung gemacht. Durch die Oeffnung stürzte

das Wasser auf die 12 Fuß tiefe Stollensohle hinab

und durch den Kanal hinaus. Das an den Tag ge«

kommene Land war ein schwarzer Pfuhl mit vielen

Baumstämmen, die durchnnanoer lagen. Es wurden

nun die steilsten Abhänge, besonders bei der Kirche,

abgegraben und in eine sanfte Lage gebracht. Mehreren

Bächen und Quellen wurde, um Erdschlipfen vorzu>>

beugen, eine andere Nichtung gegeben. Im März konnte

nur noch ein kleiner Theil des Seebodens betreten

werden, weil er noch zu schlammig war. Sobald es

etwas trockener geworden, wurden die Bäche in uns

durch den Seeboden geleitet, Straßen angelegt und

einige Stellen entsninpft, damit die Ausdünstungen

der Gesundheit nicht schädlich seien. Im Anfang des

Sommers wurde ein Theil des Seelandes mit Esper-


verurtheilte daS Kriminalgericht einen Italiener,

der sich den offenbar falschen Namen Andreas Besenti

beilegte und dessen wahrer Name unermittelt ist. Derselbe

war angeklagt, dem Anton Durrer, Grunvboden.

in KernS, am Stephanstag während des GotteS>

dienstes Kleidungsstücke, Werthgegenstände und Lebens-

Mittel im Werthe von über 200 Fr. entwendet zu

haben. Der Angeklagte läugnete die That hartnäckig,

wurde aber derselben gleichwohl schuldig befunden und

zu einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren verurtheilt.

Der Dieb wurde aufgegriffen, als er die gestohlenen

Gegenstände in Roßachers Rydliport-Stall, wo man

sie vorher entdeckt hatte, in Empfang nehmen wollte.

Nachmittags behandelte das Gericht den Straffall

des angeblichen JeremiaS Delaiti, der vorgab, aus

Südtirol zu stammen, aber in der von ihm bezeichneten

Heimatgemeinde unter diesem Namen nicht bekonnt

ist. Derselbe war zweier qualisizirter Drebstahle

angeklagt, welche am 8. Dezember v. I. im Teusi*

bach und im Wylerschwendli, Gemeinde Sächseln, verübt

wurden. DeS im Teusibach begangenen Diebstahls

wurde er schuldig befunden, weil man einzelne der gestohlenen

Gegenstände auf ihm gefunden hatte. DeS

zweiten eingeklagten Diebstahls wegen wurde er dagegen

aus * Mangel eines genügenden Beweises nicht

verurtheilt. Das Urtheil lautet auf 22 Monate

Zuchthaus. Diese Gerichtssitzung lieferte einen neuen

Beweis von der Gefährlichkeit des Stromerthums.

* Sächseln. Am Mittwoch fand im Gasthof zum

„Kreuz"eine musikalische Abendunterhaltung

statt, zu welcher sich das Publikum in so großer Zahl

eingefunden hatte, daß die geräumigen Lokalitäten

ganz angefüllt waren. Die sämmtlichen so überaus

tüchtigen musikalischen Kräfte von Sächseln wirkten

in edlem Wetteifer zusammen, um die Produktion zu

einem wahren Kunstgenuß zu gestallen. Das sich in

zwei Abtheilungen abwickelnde Programm zählte nicht

weniger als vierzehn Nummern. Gesang, Blasinstrumente

und Piano, Solo - Vorträge und Chöre

kamen in gleicher Weise zur Geltung. Wir können

nur das von völlig kompetenter Seite abgegebene Urtheil

konstatiren, daß der Gesammteindruck der Pro--

duktion ein sehr günstiger und mehrfache Leistungen

ganz vorzügliche waren. Der muntere Scherz und der

feierliche Ernst behaupteten ihren Platz. Möge die

Theilnahme und der Beifall einei zahlreichen Zuhörerfchaft

die musik- und gesangeskundigen Kräfte in Sächseln

ermuthigen, auch fernerhin unter vortrefflicher

Leitung und in treuem Zusammenwirken der Kunst

ihren Tribut zu zollen und dem Publikum ein so

schätzenswerthes und genußreiches Vergnügen zu bereiten.

Den Schluß bildete für den jüngern und

tanzlustigen Theil der Gesellschaft ein fröhlicher Reigen.

Ungetrübte Gemüthlichkeit belebte den in jeder Hinsicht

gelungenen Abend.

Zürich. Das Bezirksgericht Zürich hat nach 5-

stündiger Verhandlung 11 Angeklagte wegen Religionsstörung

gegenüber der Heilsarmee zu Gefängniß

von 4 Tagen bis 3 Wochen und zu Geldbußen von

20 — 50 Fr. sammt Entschädigung und Gerichtskosten

verurtheilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Sämmtliche Verurtheilte haben appellirt.

— In der Versammlung schweiz. Landwirthe, die

letzten Freitag in Zürich stattfand, empfahl Hr. W.

Gfell in seinem Referate den Anbau von Hafer.

Der Hafer hat den Rückgang der Preise nicht in dem

Maße mitgemacht, wie der Weizen; die Zahl der Konsumenten

ist durch Vermehrung des Pferdebestandes

gewachsen, der Anbau ist sicher und liefert das ausgedroschene

Stroh noch ein gutes Futter.

fette, Kartoffeln, Flachs , Hanf und einigen Halmgewachsen

bepflanzt, wovon die Kartoffeln am besten

gediehen sind. In der zweiten Hälfte des Sommers

wurde nach der Anleitung Sulzberyer's die Felsschwclle

bei der Stollenmündung weggesprenqt und dadurch der

See wieder um 12 Fuß gesenkt.

Im Spätjahr wurde die Seegesellschaft neuerdings

mit Kummer und Sorgen erfüllt. Der lange, hölzerne

Kanal, welcher das Wasser der Lopp in die Tiefe des

Seebovens leitete, wurde von derselben weggerissen. Sie

vertieste das Bett und unterfraß die User. Es stürzte

eine baufällige, alte Brücke und das Schützenhäuschen

ein. Für alle die Schädigungen an Land, Gebäuden,

Brücken und Straßen mußte die Gesellschaft 21,795

Franken 25 Np. bezahlen. Erst im Winter, als das

Wasser wieder abnahm, konnte den Verheerungen gesteuert

werden. Es wurden mehr als 220 Tannen

herbeigeschleppt, zwei Userbefestigungen von 1379 Fuß

Länge gemacht, das Gesäll mittelst Schwellbäumen gekrochen

und die zerrissenen Wiesen in sanfte Halden

umgestaltet. Diese Arbeit erforderte bis im Herbst täglich

4—20 Mann, welche bezahlt werden mußten, und

mehr als 5000 Tag Freiarbeit. In Folge dessen wurde

die Umgebung der Lopp entsumpft und nutzbringender

Uri. Alle Versuche, die vier verunglückten Z'berg

in Bristen dem Lawinen grab zu entheben, blieben

bis jetzt erfolglos und ist weiteres Suchen gegenwärtig

ebenso aussichtslos, als höchst gefährlich. Man be

absichtigt nun, unten an der Lawine Rechen aufzustellen,

damit die Leichen vom Schneewasser nicht dem

Kerstlenbach zu und von diesem fortgeschwemmt werden.

St. Gallen. Donnerstag Abends fand eine

Katzenmusik vor dem Museum in St. Gallen statt,

wo der Offiziersverein einen Ball abhielt, zu dem ein

Theil der Konstanzer Regimentsmusik als Ballmusik

engagirt, aber am Morgen noch telegraphisch abbestellt

worden war. Das „Publikum" fand es nämlich unpassend,

daß bei einem Osfiziersball eine ausländische

Militärmusik funktioniren sollte.

Genf. Der Direktor und der Kassier der Genfer

Bank wurden von den eidgenössischen Geschwornen

schuldig erklärt, weil sie an mehreren Tagen des abgelaufenen

Jahres die durch das Banknotengesetz vorgesehene

verhältnißmäßige Baardeckung der ausgegeben

nen Banknoten nicht vollständig zur Verfügung hatten.

Der Direktor hat HOO Fr., der Kassier 50 Fr. Strafe

zu bezahlen; Ersterer trägt außerdem «/» der auf

300 Fr. festgesetzten Gerichtsgebühr und sämmtliche

Prozeßkosten.

— Am Donnerstag Nachts sind in Genf bei

starkem Nordwind 9 Häuser niedergebrannt. Zwei

Pferde kamen in den Flammen um; eS waren 19

Spritzen, darunter eine Dampfspritze, aus dem Platze.

A u s l a n d.

Deutschland. Das bayrische Abgeordnetenhaus

hat sür Besetzung des Lehrstuhls der Kirchengeschichte

an der theologischen Fakultät der Universität München

einen Kredit von 4200 Mark bewilligt. Bekanntlich

war das ehemalige Haupt der Altkatholiken, Dr. D ö l

linger. bisheriger Inhaber dieser Lehrstelle, obschon

er seit vielen Jahren wegen vorgerückten Alters keine

Vorlesungen mehr hielt. Dadurch wird Herr Döllinger

endgültig aus der theologischen Fakultät entfernt.

Oesterreich. Am 8. Dezember 1881 wurde

Wien durch den Ringtheater-Brand heimgesucht. Der

Kaiser ordnete an, daß auf der Stätle des völlig

ausgebrannten Theaters ein religiöses Monument verbunden

mit einer wohlthätigen Stiftung erbaut werden

solle. So entstand das Sühnehaus, ein mit einer

Kapelle verbundenes Gebäude, das sür die bedürftigen

Hinterbliebenen der Katastrophe bestimmt ist. Die

Einweihung der Kapelle ging am 26. Januar ohne

großes Ceremoniell aber nicht ohne tiefe Erregung

von statten, denn viele der Hinterbliebenen der bei

der Katastrophe Verunglückten hatten sich eingesunden.

— Wir Schweizer kennen die Kroaten durchschnittlich

nur nach den Anekdoten aus der Zeit der

Revolution, wo sie sich bei uns als unersättliche

l Unschlittkerzen Fresser berühmt machten. Sie gehören

I nun wie alle europäischen Völker zu den Anhängern

des Fortschrittes, haben neben dem Kaiser auch ein

Parlament und was so zum Fortschritt gehört; aber

im Ganzen sind sie doch dieselben geblieben, die als

Kroaten und Panduren der Schrecken aller verständigen

Menschen waren. Hingegen haben sie Nationalgesühl,

was nicht mehr überall vorkommt, und lassen's

sich etwas kosten. Letzten Herbst kam es im kroatischen

Landtage zu einer Art Prügelei, wobei der Vorsitzende

mit den Schuhen bearbeitet wurde; es zeichnete sich

dabei der Kroate Grzanic (um solche Namen auszusprechen

muß man jeweilen ernießen) aus und erhielt

dafür einige Monate Gefängniß, die er nächstens abgesessen

haben wird. Die Bürger der kroatischen Stadt

gemacht. Auch der Dnndelsbach hatte einige Häuser ge>

sätzrdet. Als Helserei wurde eiu gut gebautes Haus

gekaust und eingerichtet. Den 26. August 1837 kam

ein Landwirth von Bern, Robert Erlach von Hindel«

dank, nach Lungern, um seine Ansicht über die Be-

Pflanzung des Seelandes mitzutheilen. Damit es besser

bebaut werde, glaubte er, daß es am besten sei, wenn

dasselbe, nachdem Entsumpsung, die Eindämmung der

Bäche und die Anlage der Wege vollendet, als Eigenthum

vertheilt werde. Es wurde dann unter ein jeves

Mitglied der Gesellschaft 392 Quadratruthen Seebeben

und 130 Quadratruthen Seehalde ausgetheilt. Einiges

Land blieb noch unvertheilt.

Den 28. Oktober 1837 schrieb M. Deschwanden

an Johann Ming in Krenzlingen: Er sei 7 Tage

in Zürich gewesen, um ein Gutachten über die Strafsen

und Dämme zu erhalten, und dann wieder in

Lungern, um mit Ingenieur Mcy.-r, welcher schon im

Frühling sich daselbst befand und einen Plan zur Bei

gutachtuug entwarf, die Straßen abzusteckeu. Der Plan

| sei von der Seegesellschaft gutgeheißen worden.

(Schluß folgt.)

Zengg haben nun 800 Gulden (2000 Fr.) gesammelt,

um ihm den Schuh abzukaufen, womit er seine nationale

„Stüpsete" vollbrachte und die Agramer Damen

aedenken, ihm einen silbernen Stiefel zu schenken.

(„B. Bote".)

Italien. Keck gelogen. Wie gewisse Statistiker

mit Zahlen umspringen, wenn es um die bösen

Ultramontanen sich handelt, zeigt Kolb's Handbuch

der vergleichenden Statistik. Dort heißt es (S. >81,

4. Auflage) von Pius IX. und seiner Regierung:

„Politische Verfolgungen betrieb die fromme Reaktion

derart, daß in den drei Jahren 1848— 1352 nicht

weniger als 1644 Menschen hingerichtet wurden."

Jedem, der auch nur einigermaßen den Charakter des

großen Papstes, insbesondere seine unvergleichliche

Milde kennt, mußte diese Zahl geradezu ungeheuerlich

vorkommen, besonders da Pius, wie bei seinem Antritt,

so auch sofort nach Bewältigung der Revolution Amnestie

ertheilt hatte. Wir wendeten uns deßhalb an

seinen Minister des Innern, Negroni, und erhielten

von diesem folgende Antwort: „l. Auch nicht ein Einziger

ist wegen eines politischen Vergehens hingerichtet

worden. 2. Keiner erlitt die Todesstrafe, der nicht

l das gemeine Verbrechen des Mordes begangen hatte.

I 3. Keiner, der eines Kapital (todeswürdigen)-Verbrechens

angeklagt war, wurde seinem zuständigen

Richter entzogen und nach Ausnahme ^Gesetzen gerichtet."

— So lesen wir in den „Stimmen aus

Maria Laach." Es wird gut sein, bei statistischen

Angaben kirchenfeindlichen Inhalts sich der Kolb'schen

Lügen zu erinnern.

(Kirchenztg.)

— In Oberitalien haben in den letzten Tagen

Verhaftungen von Anarchisten in großem Maßstabe

stattgesunden. In Mailand wurde eine Geheimdruckerei

der italienischen Anarchisten entdeckt, in der

sich massenhafte Aufrufe an die norditalienischen Bauern

vorfanden. Wie aus Mantua gemeldet wird, kam es

in der dortigen Gegend zu blutigen Zusammenstößen

zwischen Landarbeitern und dem Militär. Daß die

anarchistische Agitation in Oberitalien einen so günstigen

Boden findet, erklärt sich daraus, daß der durchschnittliche

Tagelohn der Landarbeiter 70 Cts. nicht

übersteigt.

England. In London fand letzten Montag

eine Demonstration beschäftigungsloser

Arbeiter statt. Auf dem Trasalgarplatz wurden heftige

Reden gegen die Kapitalisten gehalten und zur Pünderung

aufgefordert. Hierauf durchzog die Menge

mehrere Straßen und plünderte die Schaufenster der

Magazine. Auch Wagen und Fußgänger wurden ausgeplündert.

Der verstärkten Polizei gelang es endlich,

die Ruhe wieder herzustellen. Zahlreiche Verhaftun«

gen wurden vorgenommen.

Rußland. In Lnblin (Polen) kam es zu einem

großen Volksauflauf, weil die Polizei in ein

Dominikanerkloster eindrang, um mehrere Ordensleute

zu verhaften. Es mußte zur Wiederherstellung der

Ordnung Militär requirirt werden.

ivalkanhalbinfel. Der Sultan und Fürst

Alexander schmauchen die Friedenspfeife. Sie haben

ein Abkommen hezüglich Ostrumelieus getroffen, das

bereits von allen Mächten, mit Ausnahme Rußland'S,

genehmigt worden sei. Nach demselben wird der Fürst

von Bulgarien zum Gouverneur von Rumelien ernannt.

Diese Ernennung wird alle fünf Jahre er«

neuert, so lange der Fürst dem Sultan treu bleibt.

Ostrumelien soll angemessen verwaltet werden. Bei

einem fremden Angriff auf das türkische Staatsgebiet

an den Grenzen Bulgariens oder Ostrumeliens sendet

die Pforte Hülsstruppen. Der Fürst von Bulgarien

hat dabei den Oberbefehl. Bei fremdem Angriff auf

andere Punkte der Türkei stellt der Fürst von Bulgarien

Hülfstruppen unter türkischem Oberbefehl.

Amerika. In Nordamerika hat ein weiterer

furchtbarer Schnee stürm gehaust und der Schneefall

war ein so reichlicher, wie er seit Jahren nicht

mehr erlebt worden war. Der Sturm begann am

Montag und Dienstag letzter Woche im Felsengebirge,

wandte sich dann allmälig dem Osten zu und trieb

am 4. d. über den atlantischen Ozean In südlicher

Richtung dehnte er sich bis zum Golf und der Stadt

Mexiko aus, wo zum ersten Mal seit 30 Jahren

Schnee gefallen ist. Die amerikanischen Eisenbahnen

sind an vielen Stellen tief verschneit. — Aus einer

Prairie unweit Oberlin, Kansas, wurde eine ganze

Familie, bestehend aus 8 Personen, erfroren ausgefunden.

Es waren Einwanderer, die der Schneesturm

überrascht hatte. Auch in Washington erfroren in der

Nacht vom 4. auf den 5. d. zwei Personen.

Verunglückt. In Thurnen (Bern) hantirte der 32jährige

Friedrich Grünig auf dem Ofen in der Woimstube so ungeschickt

mit einer geladenen alten Jagdflinte, daß der Schuß loSging und

dem jungen Mann die »olle Ladung in den Hals drang Das Unglück

ereignete sich in Gegenwart des 70jährigen Vaters und der

ebenso betagten Mutter. Grünig war in 10 Minuten «ine Leicht.

— In Nenpest (Oesterreich) ist am Nachmittag de» 29. Januar

, in Folge der Erweichung des Bodens durch die großen schmelzenden


Schueemassen ein SchulhauS während des Unterricht« eii>gestür,t.

Von 82 Schülern wurde einer lödllich, w schwer, die meisten andern

an Händen und Außen leicht verletzt. ,

Riesenschwcin. In DavoS wurde letzte Woche ein kaum

22 Monate alte» Schwein geschlachtet, welche« nach dem Waaglchem

783 Pfd. lebend Gewicht wog; zwei Schinken im Gewicht »on 12li

Pfund wurden in'« Kurhaus abgegeben.

R.uer Einfuhrartikel Auch »,'» Domleschg (Graubunden)

hat man ein größere« Quantum gepreßte« deutsche« Haferstroh

au« Hamburg bezogen, um dasselbe theil« al« Kurzfutter theil«

als Streue in verwenden. SS ergab sich aber, daß da«>elbe schon

gebraucht und wahrscheinlich als Lage.stroh für's Militär verwendet

worden war, denn wo man es al« Streuematerial benutzte, kribbelle

und krabbelt! bald ein solches Heer germanischer Flöhe au« dem

Verstecke daß die Thiere im betreffenden Stalle von denselbill formlich

über-ogen und bedeckt wurden. Der Zentner solche« Stroh

kostet S Fr.; I Fr. ist dabei wahrscheinlich für die darin enthaltenen

Thierlein berechnet.

KewissenShalber" hat ein Unbekannter der Zürcher Ftnan,-

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Civilst »'»dS.Nachricbten

für den Mvnat Januar 1886.

Gemeinde Sarnen.

Geburten: 2. Maria Waller. Sohn de« Anton Vonwyl

und der Katharina geb. Zurgilgen, Gehri. — 4. Marcha Hedwig,

Tochter de» Peter Z'obrist. Schnitzler von Brien, uud der s-ufanna

geb Müller, Triechten. — 6. Anna Theresia. Tochter des Anton

Burch und der Karolina geb. Denni, Laugacherfommerweid. — 10.

Gustav Karl, Sohn des Anton Steiner, Bäcker von HergiSwyl, Nid-

— 4 —

walden, und der Maria geb. Merz. Unterdorf. — 12. Martin Emil,

Sohn des Alois Vonwyl unv der Rosalia geb. Küchler. Kapellmatt-

Feldli. — 1« Joses» Hermina, Tochter des Niklau» Kalhriner und

der Anna geb. Sigrist, Oberwil — 23. Weiidelin, Sohn des Peter

Berchtold und der Maria Grifiger, Schwarziberg.

Sterbe fälle: 2. Peler Jofef Sigrist, Steinipeterfepp; geb.

den 12. Sept. >825. — 4. Frau Aloifia Schäli, geb. Emmenegger,

von GiSwil, im Spital gestorben; geb. den 3. Juli 1840. — 11.

Peter Knchler-Kathriuer, Schür in KägiSwil; geb. 4. April 1829. —

13. Jakob Kalhriner, Postablagehalter in Wilen; geb. 4. April 1844.

22. Johann Berwert-Kuster, Postablagehalter im Stalden; geb.

den 18. Juni 1820. — 23. Jgfr. Anna Mr. Anderhirsern. Kirchhosen;

geb. den 11. Dez. 1812.

Gemeinde Kern».

Geburten: 1. Agnes Ernestina, Tochter de« Jos. Maria von

Rotz. Drechsler und der Louise geb. Reinhard, Huwelgaß. - 3. Franz

Johann, Sohn deS Johann Gasser, Schirmmacher und der Franziska

geb. Hug, Dorf. — 6. Katharina Christina Meinrada, Tochter des

Leonz Bucher und der Sofia geb. Bucher, Boll. — 9. Theod. Louis,

Sohn des Arnold Reinhard und der Marie geb. Gttliu, Mingetloh.

— 14. Regina Martha, Tochter des Alois Wallimann nnd der

Katharina geb. Britschgi, Siderii. — 16. Alfred. Sohn deS Melch.

Gttlin, Dachdeck und der Franziska geb. Snter, Riedli in Halten. —

I« Paulina Bertha, Tochter des Johann Aufvermauer und der Panlina

geb. Bucher. Steinadler. — 22. Maria Monika, Tochter de«

Frz °iofef Dürrer, Schreiner und der Anna geb. Lisebach, Dorf.

-26 Rosalia Emma, Tochter deS Fritz Etllin und der Maria geb.

Durrer, Siebeueich. — 31. Franz Leonz, Sohn des Anton Durrer

und der Katharina geb. Durrer in Einfiedeln.

St er besä He: 7. Witwe Katharina Wirz geb. Jmfeld, im

Pfarrhaus«; geb. 12. Nov. 1810. — 19. Niklau« Walter Dillier.

Sohn des Frz. Jos. Dillier, Schmied in Root; geb. 18. Febr. 1884.

30. Jgfr. Anna Egger, Justglausen, im Dorf; geb. 30. Oktober 1799.

Gemeinde Sächseln.

Geburten: 1. Sophie Jofefa. Tochter deS Josef »on MovS,

Landarbeiter und der Marie geb Rohr«. — 5. Anna Verena, Tochter

de« Zof. Frivol!» von Ah, Buchbinder, und der Elisabeih geb. von

Mail. — 8. Karolina Seraphina, unehel. Tochter der Frau Franziska

Hanri geb. von Moos vou Rheinach, Kl. Aargau. — 19. Ehristina

Agnes, Tochter des Franz Josef Rohrrr, Landarbeiter, und der Ehristina

geb. von Moo». — 30. Franz NiklauS, Sohn des Maria

Rohrer, Kuiigeu, und der Katharina geb. Ming.

Ehen: 8. Johann Klotzenbücher, Kutschner, »on Waldhausen.

Würtemberg, und Witwe Josesa Baur geb. Jmfeld.

Sterbefälle: 13. Hcrmine Spichtig, Tochter de» Peter

Spichtig, Brunnenmalt; geb. den 21. Juli 187k. — 25. Barbara

von Flüe; geb. den 20. Juli 1811.

Ehevcrkündungen. Aloi» Küchler, Fürsprecher, vou

Alpnach, in Sarnen, de» Rathsherr Melchior sl., und

Louifa Michel, »on und in Kerns, des Uhrmacher Balthasar. —

Andreas Bonrotz, Negotiant, von Kerns, in Sarnen, des Mathia»,

und Regina Dillier, von Sarnen, in Kerns, des Jakob sl. — Josef

Maria Odermatt, Gärtner, von Thalwil, Gemeinde Stau», in Sarnen,

de« Peter sl., und Rosa Dillier, von Sarnen und Kern», in

Sarnen. des Valentin sl. — Nikolaus »on Flüe, Landwirth, von

und in Sächseln, des Nikolaus, und Marie «on Flüe, »on und in

Sachsein, des Josef. — Maria von Flüe, Landwirth, »on nnd in

Sachsein, des Josef, und Marie Omlin, von und in Sächseln, de«

Balthasar sl. — Joses Enz, Landwirth, von und in GiSwil, deS

Peter sl., und Agnes Fruui, geb. Berchtold, von Sarnen, in GiSwil,

deS Peter. — Jgnaz Ambiel, Landarbeiter, von und in GiSwil. d e»

Pet-r sl., und Josefa Abächerli, Landarbeiten», «on und in GiSwil,

des Anton. — Johann Jost, Sattler, in Hagenvorn-Cham, des

Johann sl., und Anna Marie Vonah , Weberin, »on GiSwil in

Hagendorn-Cham, des Alois sl.

Kirchliche i Gedächtniß.

Mittwoch den >7. Februar wird in der Pfarrkirche zu Alp-

»a« der Jahrestag für Frau Katharina Britschgt geb.

av

Vonzuben gehalten werden.

ES wird hieinit von Seite des Tambouren-Vereins

_ zur Kenntniß gebracht, daß diesen Frühling Knaben

im Alter von 15 bis 19 Jahre», welche gedenken ihren Militärdienst

al» Tambouren zu mache», Gelegenheit finden, unter günstigen Bedingungen

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Die soziale Frage und das Christenthum.

(Fortsetzung.)

Der schroffe Gegensatz zwischen Reich und Arm,

die selbstsüchtige und hartherzige Ausbeulung der

Einen durch die Andern, ist also, wie wir gesehen»

einer der größten sozialen Nothstände der (segenwart.

Die Selbstsucht hat das soziale Band vielfach zerrissen,

die sozialen Beziehungen vergiftet.

Das Eigenthum, statt ein Mittel der Bereinigung

und der ausgleichenden Liebe zu sein, ist vielfach eine

Quelle deS Hasses und der Verbitterung unter den

Menschen geworden. Nun ist e« aber gerade das

Christenthum, das den richtigen Begriff deS Eigen«

thumS aufstellt und die schroffen Gegensätze zwischen

Reich und Arm am besten aussöhnt.

DaS Christenthum sanktionirt dem Reichen oder

Besitzenden seinen rechtlich erworbenen Besitzthum

wirksamer als jeder weltliche Strafcodex es vermöchte,

nämlich dadurch, daß die Kirche den Besitzlosen stets«

fort den Paragraphen 7 und 10 des Dekalog'S vor

ihr Gewissen hält und ihnen zuruft: Ihr sollt nicht

stehlen, ja nicht einmal den Wunsch nach fremdem

Eigenthum im Herzen unterhalten.

Wie heilig die Kirche das Eigenthum hält, das

bezeugt die Thatsache, daß sie von keiner Sünde gegen

das Eigenthum in der Beicht absolvirt, ohne die strenge

Verpflichtung der Rückerstattung aufzuerlegen. Und da

gilt nicht einmal die Verjährung, die doch im bürgerlichen

Rechtsleben gilt; es gilt nicht einmal die Thatfache,

daß man den eigentlichen Eigenthümer nicht

mehr ausfindig zu machen weiß. Wenn aber die

Knche durch ihre Sittenlehre und durch ihr Beichttribunal

das Eigenthum vor jeglichem Angriffe schützt,

so ist sie nichts weniger als faul, den Reichen zu sagen,

daß das Eigenthum, um eS mit ruhigem Gewissen

besitzen zu dürfen, ein gerechtes sein muß, d. h. ohne

Ausbeutung des Nächsten, und ohne Unterdrückung

der Schwachen, ohne Uebervortheilung und ohne List,

ohne betrügerische Manipulation und ohne Wucher erworden.

Nach der Moral der katholischen Kirche ge

aügt die Legalität, d. h. die bloße formale Gesetzlichkeit

des Erwerbes und Besitzes nicht. Es ist nicht

hinreichend, daß beim Erwerbe keine staatliche Be

schränkung, kein Strafgesetz mißachtet werde.

Der Erwerb muß nach dem christlichen Sitten^

gesetze ein ehrlicher und redlicher sein. Wer beim

Erwerb seines Besitztumes die christliche Gerechtigkeit

oder die schuldige Nächstenliebe verletzt hat, muß auch

den letzten Heller zurückerstatten, sonst gibt es keine

Verzeihung und Gnade bei Gott. Wie viele Vermögen

der heutigen Zeit würden ganz bedeutend herabgemindert

werden und eine wie große soziale Ausgleichung müßte

stattfinden, wenn ihr Erwerb nach dem Maßstabe

der christlichen Gerechtigkeit und Nächstenliebe geprüft

würde!

Allein nicht bloß ehrlich und redlich erworben muß

das Eigenthum sein, sondern es soll auch edel ver«

wendet werden. Du bist nicht absoluter Herr Deines

Besitzes, ruft die Kirche dem Reichen zu, sondern der

absolute Herr, der eigentliche Eigenthümer ist Gott,

Du bist nur dessen Verwalter (ceconomos) und Gott

wird einst strenge Rechenschaft von Deiner Verwaltung

fordern.

Eigenthum, so lehrt die katholische Kirche in ihrer

Moral, ist nicht Selbstzweck, ist auch nicht gegeben

zur Befriedigung sinnlichen StrebenS, der Genußsucht

und Herrschsucht, es soll auch nut ein Mittel sein zur

ewigen übernatürlichen Bestimmung, jede Verwendung,

die diesem Zwecke wiederspncht, ist sündhaft. Eigenthumsrecht

ist vor Allem Pflicht, Pflicht guter Ver»

waltung, nicht bloß zum eigenen Nutzen, sondern im

Dienste der Menschheit.

Ueberall, wo das Eigenthum sich in Widerspruch

setzte mit der sittlichen Pflicht gegen die Gemeinschaft,

wo eS vom selbstsüchtigen Egoismus und nicht mehr

vom Kommunismus der Liebe getragen war, da regte

sich der Kommunismus der Gewalt.

Nur nach den Grundsätzen der standesgemäßen

Genügsamkeit darf der Reiche von seinem Besitze für

sich verwenden, alleS Uebrige gehört der Gesellschaft,

der Gesammtheit, für deren Dienst der Besitzende durch

Arbeit und Thätigkeit seinen Reichtthum fruchtbar

machen, das Elend beseitigen, die Armuth lindern und

mildern muß. „Der Ueberfluß der Reichen", sagt der

Kirchenlehrer Augustinus, «bildet die nöthige Ergänzung

für die Armen. Fremdes Eigenthum behältst

Du zurück, wennDu Ueberflüssiges zurückbehältst."

— Die Kirche tritt überall als der entschiedenste

Anwalt der Armen auf.

Allerdings hat die Kirche nichts gemeinsam mit

dem SozialiSmus oder Kommunismus. Nie und

nirgends stachelt sie die Leidenschaft der Armen auf,

und nicht entflammt sie die Begierlichkeit der Besitz

losen; im Gegentheil, sie ermahnt sie mit allem Nachdrucke

zur Demuth und Genügsamkeit. „Die Sozialisten,"

sagt Ratzinger sehr gut, „wollen die Reichen mit

Gewalt expropriiten. Die katholische Kirche aber ver

tritt die Freiheit deS Almosens. Die Sozialisten ver

neinen das Eigenthum, die Lehre der Kirche sieht in

demselben eine Anordnung Gottes, ein über dem Be

lieben der Menschen stehendes Gesetz."

Es hat eine Zeit gegeben, wo auch die Kirche

selbst reich, sehr reich war. Aber was hat sie mit

ihrem Vermögen gemacht? Fraget die Geschichte. Sie

hat die Spitäler, die Waisenhäuser, die Zuflucht«

Häuser, die Siechenhäuser, die Pesthäuser gebaut und

ihre Angestellten haben darin die Wärterdienste geübt.

Und auch die Universitäten des Mittelalters, die Gym

nasien, die Bibliotheken und Schulen sind aus diesem

ihrem Vermögen und mit dem Gelde, das sie hierfür

von den Reichen zusammengebettelt, gegründet und

unterhalten worden. Und auch die herrlichen Dome

hat sie gebaut, wodurch die edle Kunst und das ehrsame

Handwerk unterstützt und befördert wurde und

Unzählige von Arbeitern immer Brod erhielten.

Ja, das Alles war ein großes Vermögen, das der

Kirche gehölte, aber an dessen Nutzen Jeder Theil

nahm, der seiner bedürfte. Und gerade dies ist eigentlich

der recht charakteristische Unterschied zwischen den

Gütern der todten Hand und denen der lebendigen,

Man witzelt oft von dem Magen der Kirche, der

viel vertrage; allein wir meinen, die Kirche, ja ein

einziges Kloster, habe mehr zur Stillung des Hungers

armer Menschen und zur Linderung ihrer Noth bei

getragen als der bekannte Herr „Hofrath" mit all'

seiner Poesie und Schreiberei und als all' seine

Nachbeter.

Man nennt die soziale Frage auch oft die Magenoder

Brodfrage. Nun aber gibt das Christenthum

nicht nur dem Eigenthum den richtigen Begriff und

weist demselben die richtige Verwendung zu, wodurch

der Hunger von so Vielen gestillt wurde, sondern es

weist die Menschen auch auf den richtigen, vom

Schöpfer schon angewiesenen Weg hin. der zum Brode

führt, nämlich die Arbeit.

(Fortsetzung folgt.)

Unser Srinenwesen.

Dem letzten Amtsblatte lag der Armenbericht

für das Verwaltungsjahr >884 bei. Durchgehen wir

die verschiedenen Rubriken, so finden wir, daß in diesem

Jahr für das Armenwesen im ganzen Lande über

80,000 Fr. verausgabt worden. Den größten Ausgabeposten

weist Engelberg mit Fr. 20.000. 69, den

kleinsten Alpnach mit Fr. 6383. 10 auf. An Armensteuern

gingen bei Fr. 43,000 ein; es werden also

ungefähr die Hälfte der Ausgaben durch Steuern gedeckt.

Das Armenvermögen sämmtlicher Gemeinden

beträgt circa Fr 370,000. wobei Samen mit 91.673

Franken 60 Cts. obenansteht. Den höchsten Steueransatz

hat Engelberg mit Fr. l.70 vom Tausend, ihm

folgt Giswil mit Fr. 1.50, Sächseln und Lungern

mit l Fr., Sarnen mit 90 Cts.. Kerns und Alpnach

mit 80 Cts.

Sämmtliche Gemeinderäthe versichern, daß sie

möglichste Sorgfalt für gute Unterbringung der Ver«

dingkinder anwendeten. Es ist dieß aber auch, wie

schon wiederholt im Rechenschafts- und im Armenberichte

mit Recht hervorgehoben, das wichtigste Gebiet

der öffentlichen Armenpflege und keine im Interesse

des Amenwesens verausgabten Summen verzinsen sich

in der Zukunft besser, als die Kostgelder für gut

untergebrachte Kinder. Jedes solid erzogene Verding«

kind kommt später in die Lage, die empfangenen Almosen

ganz oder theilweise zu restituiren, während

schlecht erzogene Kinder für die Armenverwaltung

zur steten Quelle neuer Auslagen werden. Man denke

nur an die vielen außerehelichen Kinder, welche leider

so oft in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Eine

regelmäßige Inspektion der Verdingplätze und sorgfältige

Kontrolle der Kinderbehandlung könnte nichts schaden.

Giswil und Lungern beschwer?» sich über den Genuß

geistiger Getränke ab Seite von Armengenössigen,

der zumal auch in Privathäusern stattfinde. Kerns

will es dem vor Alter gebeugten Manne nicht verargen,

seine morschen Glieder innerlich durch ein

„Gläschen" zu stärken. Es heißt da, zwischen zu viel

und zu wenig wohl unterscheiden. Ein Gläschen,

warum nicht; aber wie oft reiht sich an das erste

„Gläschen" das zweite und dritte und damit — zu viel.

Der Bericht erwähnt auch der in verschiedenen

Gemeinden bestehenden privaten Wohlthätigkeitsanstalten,

vor Allem der nunmehr in fast allen Gemeinden

eingeführten Mittagssuppe für arme Schulkind

er. Mehreren Ortes sind diese bald unentbehrlichen

Anstalten von wohlthätiger Hand durch reiche

Geschenke sundirt worden und wir möchten allen,

allen Gemeinden ein gleiches Schicksal gönnen. Am

meisten leistet hierin verhältnißmäßig Engelberg, welches

vom November bis Mai täglich an 120 Kinder eine

kräftige Mittagssuppe verabreicht und innert gleichem

Zeitraum noch zwei Mal Kleider austheilt. Im Fernern

weist der Bericht, und mit Recht, auch auf

die in einigen Gemeinden so gemeinnützig wirkenden


Krankenvereine hin. ES wäre sehr zu begrüßen,

wenn in sämmtlichen Gemeinden des KantonS Kran

kenvereine gegründet würden I

Hinsichtlich des Bettels wird allgemein weniger

über Einheimische als über die noch stetsfort das

Land überschwemmenden „Stromer" geklagt. Wenn

mit der Benützung der Ortsgefängnisse noch etwas

strammer vorgegangen würde, dürften vie profesfionS

mäßigen Vagabunden ihre Vorliebe für unser schöne«

Ländchen noch mehr verlieren

Mit wohlmeinenden und sehr zutreffenden Worten

und Winken schließt Herr Regierungsrath Reinhard,

Chef des Vormundschafts- und ArmentepartementS,

seinen dankenswerthen Bricht — Wenn wir am Berichte

etwas vermissen. so ist es. daß derselbe über

d,m Kantonsspital, diese kantonale Armenanstalt, je>

weilen gar nichts bringt. Die Verwaltung und Or>

ganisation desselben, in welchem ja sämmtliche Gemeinden

eine große Zahl Unterstützuugsgenösfiger

unterbringen, sollte doch wahrlich auch so viel Inte

resse bieten, um wenigstens in aller Kürze ein Wort

hierüber zu verlieren. Die Spitalrechnung selbst, so

umfassend sie auch angelegt ist und so zuverlässig sie

auch geführt wird, ersetzt einen Bericht doch nicht.

Auch darf das Walten des Spitalpersonals einer

regelmäßigen und öffentlichen Besprechung wohl ent.

gegensehen.

Eidgenossenschaft.

— Der spanische Gesandte in Bern ist von

seiner Regierung abberufen worden, weil derselbe in

letzter Zeit in Folge Trunksucht arge Skandalscenen

provozirte.

b w a l d e n.

— Aus dem Regierungsrathe. Mittelst

Kreisschreiben theilt der Bundesrath mit, daß er die

in diesem Jahr vorzunehmende, allgemeine schweizer

Viehzählung aus den 21. April anberaumt habe.

Nebst andern sachbezüglichen Weisungen wird speziell

auch betont, daß vorübergehend abwesendes (auf

Reisen. Märkten, im Militärdienst oder in fremder

Fütterung befindliches) Vieh, an seinem bleibenden

Standort zu zählen sei. Die Begutachtung und

Anordnung der nöthigen Vorkehren wird an die beiden

Departement- der Staatswirthschaft und des Gemeinde«

Wesens gewiesen. - Auf den 27. Februar nächsthin

wird Kantonsrathssitzung anberaumt. Traktanden-.

Gerichtlicher und regierungSräthlicher Geschäftsbericht.

Provisorische Abänderung der Viehzuchtverordnung.

Begnadigungsgesuche. — Im Verlaufe des nächsten

März wird in Sarnen unter Leitung des Hrn. Prof.

Zschokke an der Thierarzneischule in Zürich, ein

Curs über Behandlung des Viehes bei den

am häufigsten vorkommenden Krankheiten

abgehalten werden Die Gemeindefleischschauer

sollen anläßlich auch eine kurze, sachgemäße Instruktion

erhalten. — Gegen schädigendes hauptsächlich durch

Heumangel veranlaßtes „Chrisen" (Sammeln von

Tannennateln) in Giswil, wird eingeschritten; immer«

hin wird dasselbe, wo es am Unschädlichsten geschehen

kann, bewilligt. — Ueber Franz Ming,

Hegglis, Inhaber von Hausantheil und Garten in

Lungern, dato wohnhaft in der Schwändi, wird Konkurs

verhängt Eingabefrist bis 15. März nächsthin.

Die Creditorenversammlung findet den 22. März nächsthin.

Mittags 12 Uhr bei den „Pfistern" in Lungern

statt

— Pilatusbahn Die Vorarbeiten für den Bau

einer Pilatusbahn find nunmehr soweit gediehen, daß

das schweizerische Eisenbahndepartement nach Vorlage

der auf's sorgfältigste ausgeführten Terrainaufnahmen.

Konstruktionspläne, Modelle u s. w. bereits auf

den Zeitpunkt des Finanzausweises die Genehmigung

aussprechen konnte.

In technis-cher Beziehung sieht das jetzige

definitive Projekt, anstatt der früher geplanten Brücken«

konstruktion auf eisernen Trägern, eine durchgehende

massive Mauerung vor. Auch der Oberbau iäßt in

Bezug auf Betriebssicherheit Nichts zu wünschen übrig

und bietet die doppelte Zahnstange mit seitlich eingreifenden

vier paarweise geordneten Zahnrädern eine

bei keinem andern Bergbahnsystem erreichbare sichere

und ruhige Führung Der mit der Lokomotive zu

sammenhängende Wagen enthält in 4 Coupe's Raum

für 32 Personen. Es kommt eine vierfache, sehr kräftig

wirkende Bremsvorrichtung zur Anwendung, darunter

eine selbstthätige Bremse, welche den Zug sofort stellt,

so bald derselbe die vorgesehene Geschwindigkeit über

schreiten sollte. Die Sicherheit des Betriebes ist

dadurch in einer Weise hergestellt, wie sie bisher bei

Bahnen mit starker Steigung nicht erreicht wurde

und hat sich deßhalb dieses neue System den rückhaltlosen

Beifall der Techniker und der zuständigen Behörden

erworben. Die Fahrzeit nach der Höhe des

Pilatns beträgt 80 Minuten.

Zur finanziellen Begründung des Unternehmens

wird ein Kapital von zwei Millionen Franken beansprucht;

dasselbe ist in Aktien zu 500 Fr. eingetheilt

und soll nächster Tage, soweit selbes nicht bereits gedeckt,

zur Zeichnung aufgelegt werden. Wir werden

in den nächsten Nummern auf die zu gründende Aktien

gesellschast und deren Geschäftsbetrieb zurückkommen.

— Brünigbahn. Laut „Demokrat" sollen

zwischen der bernischen Regierung und einer großen

belgischen Gesellschaft sehr ernstliche Verhandlungen

über die Ausführung der Brünigbahn gepflogen werden.

Die Gesellschaft erkläre sich bereit, die Linie

auszuführen und das nöthige Kapital zu beschaffen

gegen einen Staatsbeitrag von nur 500,000 Fr.

Sarnen. K. Ein Jubiläum. Im Jahre «684

erhielten die wohlehrw. Klosterfrauen bei St. Andreas

Reliquien vom hl. Märtyrer Justus. Die Regierung

beschloß den 12. Oktober: „Dem Heiligen Justo

Märtyrer zu Ehren sollen nechsten Sontag bey dessen

translation 6 stuckh geschütz 4 mal nach begehren und

disposition der Ehrwürdig. Closterfr. bey St. Andreas

loßgebrendt und das pulver darzu Verehrt werden,

auch zugelassen seyn solle mit Doppelhägen oder anderem

geschütz zu schiessen." Von einer besondern Betheiligung

der Regierung oder deS Volkes findet man nichts.

Die Uebertragung war nur provisorisch.

Unterdessen wurde dann, wie es scheint, zu Ehren

des hl. Justus ein eigener Altar gebaut und die Reliquien,

nachdem man sie in feierlicher Prozesston im

Dorf herumgetragen, auf demselben zur Verehrung

ausgesetzt. Der Rath beschloß den 4. Mai 1686

»Zu der bevorstehenden Translation S. Just. MriS.

will man alle stuft) geschütz und Doppelhägen brauchen

lassen, darzu für das pulse, 60 Pfund Verehren auß

dem Landseckel, Spitel Vnd Süechenhauß gleich abzutheilen,

dannethin keine Kosten weiters darmit." Man

hatte nämlich den 30. Juni 1685 beschlossen, 100 Gl.

an den im Werk stehenden Bau, d. i. wahrscheinlich

an den Altar und die Vergrößerung der Kirche zu

geben. Pfarrer Benedikt Anderhalden verkündet von

der Kanzel, daß am 4. Sonntag nach Ostern die

Uebertragung der Reliquien des hl. Justus in feierlicher

Prozession, wie am Fronleichnamsfest, stattfinde. Er

ermahnt die Rathsberren und ehrbaren Männer mit

dem Degen bewaffnet und die Junfrauen mit Blumen

bekränzt, zu erscheinen. Der Gottesdienst werde schon

um 5 Uhr in der Kirche gehalten werden. Er hofft,

daß fie recht zahlreich an dieser Feierlichkeit Antheil

nehmen, damit sie nicht von den Kernsern und Sachslern,

welche ebenfalls prozesstonsweise erscheinen, übertroffen

werden.

Im nächsten Mai sind es somit zweihundert

Jahre, seitdem die Gebeine des

hl. Justus auf dem Altare im Frauenkloster

zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt

wurden.

Bern. Im Großrathssaal war unlängst da«

Projekt der Grimselstraße ausgestellt. Dieselbe

bekäme von Hof bis Gletsch eine Länge von 33,451

M. mit 8—9»/o Steigung. Die Kosten sollen 1.800.000

Fr. betragen, wovon der Bund zwei Drittel zu entrichten

hätte.

£u*etit Das Kriminalgericht verurtheilte

letzten Samstag zwei Weibspersonen, welche geständig

waren, vor zwanzig Jahren das Waisenhaus in Aesch in

Brand gesteckt zu haben, zu je fünf Jahrew Zuchthaus.

Urt. (Korr aus Altdorf vom >8. d ) Leben und

Tod reichen sich oft unerwartet die Hand, dies bewies

letzten Samstag wieder ein trauriger Fall. Adolf

Müller, ein hoffnungsvoller Knabe des Herrn alt

Landammann Karl Müller, sprang fröhlich vor dem

Schulhause Altdorf's herum, glitt auf dem eisigen Boden

aus und fiel so unglücklich an einen Kolonnenstein,

daß er sofort todt blieb und als Leiche den guten

Eltern heimgebracht wurde. Der Schmerz derselben

beim Anblick des theuern Kindes läßt sich besser denken

als beschreiben. Der Knabe zählte erst & Jahre.

Die Kollekte für die kantonale E r z i e h u n g s-

anstatt hat in Altdorf begonnen und liefert rem

Vernehmen nach ein günstiges Resultat, mehrere ansehnliche

Gaben find schon geflossen.

Unsere Theater Dilettanten-Gesellschaft bereitet

sich, wie dies auch anderwärts geschieht, ebenfalls auf

eine Produktion vor. „Das Rösel vom Kochersberg"

soll noch diese Faschingszeit zur Aufführung kommen.

Die Ueberweisung des Herrn Sebastian

Christen-Kesselbach von Andermatt an die eidg.

Assisen, weil er gegen den PostHalter Ulrich von

Göschenen grob und drohend sich benommen habe,

erregt hier Aufsehen und nicht geringe Mißbilligung

eines so schroffen Verfahrn,«, während man für große

Sünder, wenn sie eidgen. Obersten sind, wie der bekannte

Bollinger in Zürich, nur sans'e Zurechtweisungen

findet. Wegen solch' geringfügigem Vergehen den

pompösen. eidg. Gerichtsapparat in Bewegung setzen

ist lächerlich aber auch ärgerlich

— Die Regierung von Bern hat derjenigen

von Uri die ausgearbeiteten Pläne und Kostenberechnungen

für eine Sustenstraße übersandt und sich

zur Ausführung dieses Projektes bereit erklärt. Die

Länge der Straße würde von Hof bis zur Paßhöhe

24, von dort bis Wasen 18. zusammen also 42 Kilo-

F e u i l l e t o n .

K. Die Tiefertegung des Lungererfees.

Zur 50jährigen Erinnerung.

(Schluß.)

Den 17. Mär; 1838 erfolgte Bericht und Schlußrechnung.

Gemäß derselben hat das Unternehmen, seitdem

es auf Rechnung der Aktionäre betrieben wurde,

sammt Entschädigung Fr. 44.419. 27 und 25.755 Tagwerke

ä 5 Stunden gekostet. Deschwanden bittet, daß

sie die Rückzahlung der Aktien jetzt noch nicht verlangen

möchten. Er dankt allen Guttdätern. Dieser Dank

wurde den 20. August 1841 auch ihm und allen Beförderern

des Werkes vom Gemeinderath zu Lungern

ausgesprochen. Derselbe war wohlverdient, da Deschwanden

mehr als 8 Jahre lang ohne irgend eine Besoldung

oder persönlichen Vortheil sich mit dieser Angelegenheit

beschäftiget und deßwegen vielen Kummer

und viele Sorgen gehabt.

Den 15. April 1839 wurde von Deschwanden ein

„Aufruf an die verehrlichen Aktionärs" erlassen. Es

wird darin geschildert die Armuth und die Schuldenlast

der Seegesellschaft und es werden die Aktionäre

gebeten, die Aktien zu schenken, d. h. sie entweder den

ärmsten Mitgliedern der Gesellschaft, dem Unterhalt

der Wasserbauten, den Armen und Kranken oder der

Schule zuzuwenden, oder wenigstens deren Verzinsung

erst in 2 Jahren zu verlangen. In Folge dessen wurde

nur für 56 3 / 6 Aktien Rückzahlung verlangt. Den ärmsten

Mitgliedern wurden für 3250 Fr., den Wasserbauten

für 2000 Fr., den Armen und Kranken für 3900 Fr.

und der Schulz für 5700 Fr. Aktien geschenkt. Die

Armen und die Schule wurden ganz besonders deßwegen

unterstützt, um dadurch denjenigen eine Entschädigung

zu bieten, welche glaubten, daß sie durch das Unternehmen

bezüglich der Sommerung widerrechtlich geschädiget

worden. Für die letzten 3 Posten wurden den

24. März 1841 auf dem Seeland 80 Gülten bekennt,

welche von Martini 1840 verzinslich waren. Die

Basler allein haben von 180 Aktien 165'/, geschenkt.

Von 1790 — 1832 belaufen sich sämmtliche Kosten

auf 73,991 Gl., wobei die Fronarbeit und 45,700 Gl.

Zins inbegrifsen. Wenn man nun die seitherigen Kosten

dazu rechnet, dann mögen sämmtliche Auslagen wenigstens

110,000 Gl. oder 220,000 neue Franken betragen.

Dafür erhielt die Gesellschaft, mit Abzug des Raumes

für Wege Bäche und Dämme, 247 Juch. pflanzbares

Land und 58 Juch. geröllige Halden. Berechnet man

300 Juch. zu 30 Frfn., so gibt das einen jährlichen

Zins von 90u0 Fr. Rechnet man hinweg die vielen

Frontage, wo man sonst wenig oder nichts gearbeitet,

dann war das Seeunternehmen trotz allen Unfällen

immer noch ein lohnendes Geschäft. Immerhin ist die

Tieserlegung des See's eine Ehre für die Gemeinde

Lungern, ein Denkmal ihres Muthes, ihrer Beharrlich«

feit und ihrer Opferwilligkeit und ein Denkmal für den

Edelsinn unb die Wohlthätigkeit des Schweizervolkes.

Testament

eines christlich gewordenen Jndianer-Hänptlings.

Ende letzten Novembers starb in der Standing

Rock Reservation (Dakota) der Häuptling der Aankton-

Indianer Joseph Two Bears (zwei Bären). Sein

eigenhändig geschriebenes Testament lautet:

Ich bin im Sterben. Deßhalb habe ich dich, mein

Freund Wanbli cinca ahlahpahpaga (d. h. der Adler,

der seine Jungen beschützt. — Name des Priesters

Franz Crast) kommen lassen, auf daß du mich vorbereitest,

und um dir zu sagen, was ich sage zu

Tamaheca (d. h der magere Mann, — Name des

hochwst. Bischofs Martin M a r t y) und zu meinem

Volke. Heute oder Morgen werde ich in's Grab ge«

legt werden und ich wollte gerne meine letzten Anordnungen

meinem Volke und meine letzten Wünsche

Anderen kund thun.

Alle Schwarzrvcke sind meine Freunde. Wanbli,

sage du dem Tamaheca, dem Häuptling der Schwarzrocke

, daß er mich immer als Häuptling auf dem

Jndianer-Gebiet geachtet hat, weil mein Volk mich


meter betragen und 1,204,000 Fr kosten, woran Bern

7«>5,"00 FrUri 499,000 Fr, tragen müßte. Man

erwartet, daß der Bund das politisch und militärisch

wichtige Werk mit einem angemessenen Beitrag unterstützen

werde.

Ridwaldeu. StanS. Die hiesige Theatergesellschaft

ist in voller Thätigkeit für Aufführung

veS vaterländischen Schauspieles: „Arnold von

Winkelried" von Hartmann von Baldegg

(Hochw. Hrn Pfarrer von Ah). Dies Drama reiht

sich würdig an den „Löwen von Luzern" und den

„Ueberfall von Nidwalden" des gleichen Verfasser?.

Es hat der allbekannte Dichter zur fünfhundertjährigen

Gedenkfeier der Schlacht bei Sempach mit diesem

Drama wohl den schönsten Kranz gewunden auf's

Denkmal Winkelried's und die Stanser werden ^auch

sicher weder Mühe noch Kosten scheuen, um dies Stück

würdig zur Aufführung zu bringen. (Nidw Volksbl.)

Zug. Der liberale Regierungsrathskandidat

Oberstlt.' Henggeler wurde letzten Sonntag ohne Op-

Position gewählt.

St. viallc». Letzten Sonntag wurde der liberale

Stoldtammann Müller von St, Gallen mit St.

in den Nationalrath gewählt. Der demokratische Kandidat

Bislin, dem der größere Theil der Konservativen

stimmte, erhielt 5878 Stimmen.

Aargnu hatte in letzter Zeit die Wiederwahl

der Geistlichen. Es waren im eigentlichen Sinne

des Wertes „Wiederwahlen", indem drei einzige

Gemeinden ihrem bisherigen Seelsorger untreu wurden.

Mit Recht meint ein Aargauer Corresvondent des

„Vaterland", daß die drei weggemehrten Pfarrer wohl

eher wieder eine Anstellung, als jene Gemeinden wieder

einen Pfarrer hätten. Im Ganzen bildeten diese

Wahlen ein schönes Zutrauensvotum ab Seite de«

Volkes für ihre Seelsorger und bewiesen gleichzeitig

auch, daß es mit dem demokratischen Grundsatz der

periodischen Wiederwahl der Geistlichen praktisch so

gefährlich doch nicht ist. Die Geistlichen indessen hinsichtlich

der Amtsdauer den weltlichen Beamten gänz<

lich gleichzustellen, heißt die „Demokratie" immerhin

weit getrieben, abgesehen von den Bedenken, welche

Kirchenrecht und öffentliche Moral gegen eine solche

Einrichtung erheben. Aber schließlich bleibt eine brave

Gemeinde einem braven Geistlichen auch bei der „Wiederwahl"

treu, wie wir es eben im Aargau gesehen

und hoffentlich stetsfort sehen werden.

Teffi». Von den gegen das tessinische K i r-

chengesetz gezeichneten Unterschriften, welche durch

die Radikalen zusammengetrommelt wurden, bestanden

ungefähr >800. d. i. ein Viertheil, aus bloßen Kreuzen,

welche von der Regierung nach Maßgabe des Gesetzes

als ungültig erklärt wurden. Gegen diese Verfügung

wurde „wegen Verletzung der Rechtsgleichheit" an den

Bundesrath rekurirt, welcher denn auch der Rekurs in

der Hauptsache begründet erklärte. Zur Thatsache

selbst macht sogar die liberale „N. Z Ztg." folgende

Bemerkungen: „Entweder liegt hier mit >800 Unterschristen

ein großartiger Betrug vor, den die Regierung

untersuchen sollte: oder aber, es liegt kein Betrug

vor; die 1800 KreuzUnterschriften sind wirklich

von eben so viel stimmfähigen Bürgern gemacht worden;

dann ist es eine Schände für den Kanton, daß

er so viele Analphabeten (des Schreibens und Lesens

Unkundige) hat, und zwar fällt die Schande Hauptsächlich

auf die liberale Partei Unter ihrer Herr

schaft noch sind jene Bürger aufgewachsen, ohne eine

Schule oder doch eine ordentliche Schule besucht zu

zaben. Die Partei darf nicht mehr von den Verdummungstendenzen

der Priester und der klerikalen

Partei reden, ohne schamroth zu werden. Die Thatache

von den 1800 Analphabeten zeigt uns, wie

traurig die liberale Partei zur Zeit ihrer Herrschaft

ür den Volksschulunterricht gesorgt hat."

A « s l (i n d.

* Zur Lage. Wenn nicht alle Zeichen trügen,

0 kommt bald in Europa eine Tragödie zur Auf«

ührung; es blitzt da und dort ganz unheimlich und

es ist als ob die Beherrscher der Völker blind wären,

oder wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand

tecken, um den kommenden Feind nicht zu sehen.

Frankreich hat aus der blutigen Geschichte früherer

Jahre nichts gelernt; Bismarck fordert die halbe Welt

m die Schranken, und spielt sich, in deutscher Mon»

tour, als zweiten Ludwig XIV, auf; Italien geht

>ald in langsamerem, bald schnellerem Schritte der

Revolution entgegen, kann auch nicht anders sein;

England sieht die bisher ignorirten Sozialisten mit

erschreckender Macht sich auf ten Plan drängen, die

1 leinen Orientstaaten nagen mit ihren Zähnen am

^aden. welcher noch die wichtige Orientfrage bindet;

Rußland's Ruhe ist nur eine schwache Kruste über

einem Vulkan, und Spanien schon längst in Parteien

zerrissen, und dabei überall kein ernster Wille zur

Rückkehr auf die christliche Bahn von Seite der

Gesetzgeber und Regenten, wohl aber emsiges Schaffen

der geheimen Gesellschaften und der Sozialisten für

ihre Pläne, wie soll es da besser kommen, wer dem

nahenden Sturme vorbeugen?

Italien. Wie wir bereits gemeldet. haben die

Kutscher in Neapel schon seit einiger Zeit ihre

Thätigkeit eingestellt; diese Arbeitseinstellung erstreckt

ich gegenwärtig von den Rosselenkern aller Omnibus

und Tramwaylinien bis auf den letzten Privatkutscher,

Die Anzahl der Strikenden beträgt bereits 5000.

Die einzelnen herrschaftlichen Equipagen und die

wenigen noch funktionirenden Omnibuswagen werden

von Massen drohender Männer und Weiber belagert,

mit Steinen beworfen und die ihrem Dienste treu

gebliebenen Angestellten mit Dolchstößen regalirt. —

Auch in Rom sinken die Fuhrleute seit letzten Mon«

tag und befürchtet man ernste Folgen. Da die Ma

terialtransporte aufgehört haben, so können auch die

Bauleute, Maurer u. s, w. nicht mehr weiter arbeiten.

Amerika. Ein schreckliches Bild von der unge

Heuren Verruchtheit und dem abscheulichen sittlichen

Morast in einer Großstadt liefert der Jahresbericht

von New-Bork. Laut demselben wurden in dieser

Stadt allein im Jahr 1885 nicht weniger als 5755

Leichen aufgefunden und nach dem öffentlichen Leichen-

Hause gebracht. Hievon waren I9li8 Kindsleichen,

die aus Kehrichtfässern u. s. w. gezogen wurden.

Also ca. 6 Kindsmorde und doppelt so viele Selbstmorde

und gemeine Morde finden durchschnittlich jeden

Tag einzig nur in New-Uork statt.

— Am 28. Jan, wurde in LouiSville im Staate

Kentucky ein vor etlichen Jahren aus dem Kanton

Schwyz eingewanderter Schweizer. Namens Jos. Mein

rad Kälin, der mit Erfolg ein Milchgeschäft betrieb,

wegen der Ermordung seiner Gattin zum Tode

durch den Strang verurtheilt. Kälin hatte seine

Frau, ebenfalls eine Schwyzerin aus unbegründeter

Eifersucht erstochen und nachher aus Reue einen

Selbstmordversuch gemacht.

K Chronik von Kerns.

(Fortsetzung)

1699, 2. Nov. beschloß die Gemeinde, daS bischöfliche Ordinariat

um Ablösung de« übrigen Zehnte» zu ersuchen,

den man einem jeweiligen Pfarrer schuldig war. Diesem

Ansuchen wurde entsprochen den lt. Jänner 170g Seit

der Zehntablösnng von 1573 mußte dem Pfarrer nur noch

der Zehnten von allerlei Korn, welche» man mit der Sichel

schneidet und wozu ein halber Tag oder mehr erfordert

wird, entrichtet werden. Dieser betrug unter Pfarrer Keller,

obschon er mehr als 50 Jahre die Pfarrei verwaltete, zusammen

bloß etwa 100 Gl. Die Gemeinde beschloß, ihm

dafür jährlich 22 Gl, 20 Schl, zu geben und ihn von

den Mahlzeiten an den 4 hohen Festtagen für 8 — 10 geistlicht

uud weltliche Herren zu difpensiren. Bald nachher

wurden dem jeweilig?» Pfarrer nur mehr 7 Gl, 20 Schl.

bezahlt, bis Pfarrer Meinrad Anderhalden 1768 reklamirte

und wieder 22 Gl. 20 Schl. erhielt. Die Pfarrherren gaben

wieder Mahlzeilen, obschon sie davon dispensirt waren. Im

Jahre 1800, den 13. Jänner, reichte Pfarrer Georg von

Flüe dem Minister der Wissenschaft ein Memorial ein und

bat ihn, die nnnöihigen Mahlzeiten abzuschaffen, weil

die Pfründen durch Aufhebung der Zehnten geschwächt

worden, «eil er männlich für die gute Sache gelitten und

gestritten, weil e« bedauerlich sei, sich gezwungen zu sehen,

von Uebelgesinnten, von Aristokraten, von Feinden aufgegessen

zn werden. Er ersuchte dann, diese Abschaffung durch den

bischöflichen Commissar auszuführen, damit er nicht in Lerdacht

komme Den 4. Juli 1800 erfolgte dann ein Beschluß

der VerwaltuugSkammer, gemäß welchem die Pfarrherre» von

den „beschwerlichen, kostbilligen und zweckwidrigen" Mahlzeiten

dispensirt wurde». Hocherfreut darüber schrieb von

Flüe, der wegen seiner französische» Gesinnung viel zu leiden

hatte: „Wer hätte daS gedacht, daß ich der Urheber dieses

Memorials und dieses so glücklichen Ereignisses wäre? Und

doch bin ich eS."

(Fortsetzung folgt.)

Todtentafel. * Am 16. d. starb in Geltwil bei Muri im

Aargau Lehrer Küng, welcher sich seit vierundvierzig Jahren

mit unermüdlicher Ausdauer dem Schuldienste widmete, indem er

Lehrer einer Schule von nicht weniger als sechs Klassen war. Küng

galt als ein vortrefflicher Lehrer. Er mußte immer ausschließlich

mit der linken Hand arbeiten, denn die rechte Hand hatte er schon

in seiner Jugend infolge eines UnglückfalleS verloren Seit vielen

Jahren brachte er einen bedeutenden Theil feiner Ferienzeit regelmäßig

im Schwendikaltbad zu, wo sich der grundbrave, einsichtige,

freundliche und bescheidene Mann die nngetheilte und warme Sympathie

aller Kurgäste erwarb. Schreiber dieser Zeilen hat ihm gar

manches Mal die Hand zum Willkomm oder zum Abschied gedrückt,

nun sendet er ihm den letzten FrenndeSgruß in'S Grab nach. Der

wackere Mann ruhe ans von seinem an Arbeit und Verdienst reichen

Tagewerk in Gottes ewigem Frieden!

„Entweder .... oder wir schreiben nach Bern!"

Einem Bürger ans dem OberwalliS war es gelungen, während einer

Reihe von Jahren dem Militärdienste zu entgehe». Das kantonale

Militärdepartement verhielt ih» daher zur Zahlung der sämmtlichen

rückständigen Mtlitärtaren. Nicht verlegen, schreibt der Schlaumeier

sofort an daS eidgenössische Militärdepartement, um bei demselben

gegen daS harte und ungerechte Vorgehen der Kantonsbehörde Befchwerde

zu führen, „Denn," so denkt sich der Man», „das wird

einen Hauptspaß absetzen, wenn der Bund unsere Negiernng beim

Ohr nimmt." Gesagt, gethan Die Antwort blieb nicht lange ans.

Aber au waih! DaS eidgenössische Militärdepartement gab der KantonSbehörde

vollständig Recht und ertheilte dem „arme» Verfolgten"

überdies 20 Tage Arrest, weil er sich den, Militärdienste entzogen.

tWallifer Bote.)

Verunglückt V In Truns (Granbünden) gedeihen zwei

Knaben von neu» Jahren, welche durch daS Dorf schüttelten, unter

ein Pferd, das allein zur Tränke lief. Der eine Knabe erlitt durch

einen Huffchlag einen Schädelbruch, der den sofortigen Tod herbeiführte,

während der andere mit einer starke» Verletzung im Gestchte

davon kam,

— In HeriSan hatten mehrere Knaben ein SchneehanS errichtet.

Während der größere Theil zum Essen gegangen war, machten

sich drei Burschen vou 12, 15 und 20 Jahren noch darin zu schassen.

Plötzlich stürzte das Gebäude zusammen und verschüttete die Jns.'ßen.

Als dieselben »ach einiger Zeit wieder auSgegraben werden konnten,

fand man den 15jährigen Hans Zölper erstickt, während die beiden

andern ohne Beschädigungen davon gekommen tuaien.

zu ihrem Häuptling an Stelle meines Vaters gemacht

hat. Jedoch ich sterbe, oder besser, ich gehe zum großen

Geiste. Dennoch stirbt Two Bears nicht; ich werde

leben mit dem großen Geiste und auf Erden werde

ich in meinem Sohne leben.

Ich wünsche, daß mein Sohn meinen Namen an

nimmt und meine Stelle als Häuptling vertritt; iä

wünsche, daß er den Großen Vater (Präsident Cleve

land) besucht, wie ich es letzten Sommer bestimmt habe;

ich wünsche, daß er ein guter Freund den Schwarz

röcken bleibt und so auch allen Weißen gegenüber,

wie ich es war; ich wünsche, daß mein Volk ihn ehrt

und ihm gehorsam ist, daß es auch dem Agenten

Mc Laughlin hilft und gehorsam ist, der schon so viel

gethan hat, um ihnen zu helfen.

Ich wünsche, daß mein Volk, so viel es kann,

Widerstand leistet gegen alle schlimmen Unternehmun

gen von solchen Indianern, welche den Geist des

Widerspruchs zu ihrem eigenen Nachtheile aufrecht

erhalten gegen den Agenten und die Weißen. Ich

wünsche, daß sie den Schwarzröcken, welche ihnen Leben

geben, gehorsam sind und sie hören. Ich will, daß

der Agent. Tamaheca, der Häuptling der Schwarz

röcke, Wanbli und Waga (Cottonwood. ein anderer

Häuptling) meinen Sohn unterrichten und ihm helfen

auf daß er mein Volk recht regieret. Ich will, daß

mein Verwandter Frank Dates auf der Reservation

bleibt und meinem Volke hilft, und ich wünsche, daß

mein Volk ihn respektirt und ihn gut behandelt, denn

er verdient es. Ich will, daß er die Schwarzröcke respektirt

und ihrem Rathe folgt.

Ich höre die Indianer sagen, daß sie um meinen

Tod trauern wollen und daß sie, wenn ich sterbe, auf

sehr viele Tage nicht zusammen schmausen, noch s

erfreuen wollen. Hiermit bin ich nicht zufrieden.

Warum sollten sie sich grämen? Ich sterbe ja eigentlich

nicht; denn von allen Schmerzen und Mühsalen

hier gehe ich ja nur hinüber in das glückliche und

ewige Land des großen Geistes, Mein Freund Wanbli.

der gegenwärtig die Aufsicht über meine Leute hat*)

wird mich zur Reise vorbereiten.

Diejenigen, welche den Lehren der Schwarzröcke

folgen, fürchten den Tod nicht Mein Volk weiß dieses,

deßhalb sollen sie sich nickt gräme». Ich gebe meinen

Leuten Lebensmittel, damit sie einen gemeinsamen

Schmaus abhalten können, sovald sie vernehmen, daß

ich zum großen Geiste gegangen bin; ich wünsche, daß

sie schmausen und sich erfreuen, und vom Lande des

großen Geistes werde ich ihnen zuschauen und mich

mit ihnen freuen. Meine Theuren, ich werde mit

dem großen Geist für euch sprechen, und Er wird euch

Leben geben.

Wanbli! Vater! Du und ich, wir haben Freunde

im Lande des großen Geistes, wir werden uns die

#) Der hochwst. Bischof Marty war damals von seiner Reise

nach Europa noch nicht in Standing Rock «ingetroffen.

Hände reichen und sie für dich schütteln; auch mit

dem Sohne des großen Geistes, mit Maria, der

Mutter meines Volkes, mit allen Indianern, welche

wir hier gekannt haben, und mit allen Engeln, welche

die Soldaten des großen Geistes sind. Wir alle wollen

an dich, an Häuptling Tamaheca und an Jsta maza

(eiserne Augen: Pater Cl. Ebner, welcher eine Brille

trägt) denken.

Ich wünsche, daß mein Volk meine Leiche an der

Agentur in der Nähe der Kirche der Schwarzröcke be>

gräbt. Ich wünsche nicht, daß man mein Gesicht mit

rother Farbe bestreicht, obgleich ich weiß, daß die rothe

Farbe das Blut des Sohnes des großen Geistes darstellt,

welches alle unsere Sünden abwäscht und uns

Leben gibt. Ich fühle, daß meine Seele roth und

gut durch dieses Blut geworden ist und deßwegen

brauche ich nichts an meinem Körper , um es darzustellen.

Dieses ist Alles, was ich zu sagen wünsche.

Zum letzten Male reiche ich Euch allen in diesem

Leben die Hand.

Ichwarzrock, jetzt will ich mit dir sprechen. Du

sollst mich jetzt zur Reise ausrüsten.

Dieses sage ich, Häuptling Matonr,npa. Dieses

sage ich.

(„Kirchen-Zeitung.")


KrieftAhnnde. die in den .Kämpfen des Mittelalter« bereit«

eine Rolle spielten, find nunmehr die neueste Errungenschaft de«

deutschen Heerwesens. Auf dem Hofe der Domkaserne in GoSlar

find gegenwärtig niehrere Hunde untergebracht, welche zu militärischen

Zwecken abgerichtet werden sollen. Auch in andern Garnisonen

sollen gegenwärtig gemäß Weisung de« Generalkommando« Versuche

mit einer derartigen Dressur gemacht werden. Wie man hört sollen

die so dreffirlen Hunde u. 91. den außerhalb der Ortschaften stehende»

Wachtposten beigegeben werden.

Woedenmarkt in Luzern vom >6. Februar. Erdäpfel 100

Kilo Fr. 5.00—5.50; Butter I Kilo Fr. 2.00—2.10; Sier 7-9

Stück 60 Rp.

Civilst., ttdS-Nnctirichlen

für den Monat Januar 1886.

ffirnicinde Alpnacd.

Geburten: 2. Friedrich Arthur, Sohn de« Johann Egger,

Rothenbächli, und der Anna geb. Hä«ler. — k. Karolina Christin»,

Tochter de« Maria Rohrer, Reng, und der Josefa geb. Wagner. —

12. Maria Anna, Tochter de« Joh. Limacher, Stöckenried, und der

Philomena geb. Wallimann. — lg. Rosa, Tochter de« Felir Jmfeld,

Sattel, und der Maria geb. Adermatt.

Sterbe fälle: 5. Josef Fallegger, Eggmatt; geb. 13. Dez.

1341. — 12. Johanu Langensand, Gehretschwaud; geb. den 25.

Juni 1816. — 25. Anna Maria Vonah geb. Bucher, Gummeli;

geb. 6. April 1812.

Gemeinde

«•

Anerkannt unübertroffenes

M a g e n n i i t t e l

bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen, sowie überhaupt bei VerdauungSbeschwerden

jeder Art.

5vv

Depot bei Hrn. I. A. Etlin, Droguerie in Tarnen;

auch wird derselbe in den meisten Wirthschaften gehalten.

Man achte genau auf obige Aaörikinarke Verfälschungen

jeder Art werden ohne Nachsicht gerichtlich verfolgt.

Prei« per Flasche Fr. 2. —, Preis per Liter offen Lr. 3. —.

Nach Z k e m n o r l i

mit Schnelldampfer, jede Woche. — Preise außerordentlich billig.

Auskunft ertheilt

3a3v

Josef Burch, Agent

von Wirtli-IIerzog In Aarau.

Druck und Expedition von Jos. Müller.

Sterbefälle: 5. Aloi« Hurfchler, Spi«ludi«; geb. 19. Febr.

1863. — 6. Mauru« Malter, de« Josef, Fellnithi; geb. 8. Dez.

1859. — 13. Johann Nikolan« Amstutz, de« Plazidu«, Dellensteln;

geb. 2. März 1885. — 14. Jakob Waser, Gand; geb 19. Dez.

1796. — 30. In Emmen gest.: Ottilia Hurfchler, de« Eugen und

der Elisabeth« Berger; geb. 2. Juli 1876.

Ehcverkündunnen. Benedikt Burch, Landwirth, von und

in Sarnen, Schwändi, Sohn de» Johann Josef, und Theresia Berwert,

von und in Sarnen, Tochter de« Peter Anton st. — Josef

Staub. Lehrer, von und in Menzingeu lKt. Zug), Sohn de« Blafiu«,

und Theresia Bonwil, von Sarnen, in Menzingen, Tochter de« Niklau«.

— Franz Joses Vonah, Landwirth, von Sarnen, in Alpnach,

Sohn de« Valentin, und Christina Spichtig, Haushälterin, von Sachseln,

in Alpnach, Tochter de« Balz. — Anton Gtlin, Landwirth,

von Kern«, in Stan«, Mettenweg. Sohn de« Leonz, und Karolina

Amrhein, von Engelberg, i» Stan«, Tochter de« Maria. — Theodor

Durrer, Lanowirth, von und in Kern«, Sohn de« Anton, uud Katharina

Bucher geb. Furrer, von und in Kern«, Tochter de« Johann.

— Theodor Omlin, Landwirth, vo» und in Sächseln, Sohn de«

Niklau«, und Marie Halter, von und in Lungern, Tochter de« Josef.

— Peler Garovi, Maurermeister, von San Siro bei Como (Italien)

in Sächseln, Sohn de« Karl, und Anna Marie Jmfeld, Haushälterin.

vo» Lunqern. in GiSwil, Tochter de« Johann. — Josef Rufer,

Landarbeiier, vou GiSwil, in Alpnach, Sohn de« Niklau«, und Christina

Burach, von und in Sarnen, Kägi«wil, Tochter de« Kaspar.

— Franz Jmfeld, Lardarbeiter, von uud in Lungern, Sohn de«

Johann, und Theresia Burch, von und in Sarnen, Schwändi, Tochler

de« Franz Josef.

Kirchliche f Gedächtniß.

Die dritte Gedächtniß, für Joh. Perwert. PostHalter, wird

Montag den 22. Februar rffichsihra in der Pfarrkirche zu Sarnen

abgehalten werden, wozu Freunde und Bekannte höflichst eingeladen

werden.

at>

Allgemeiner Miinnerkrankenverein

Sarnen.

Ordentliche Jahresversammlung:

Sonntag den 28. Februar 1886,

Nachmittags 2 Uhr, im Psrundhause im Stalden.

Traktanden:

1. Rechnungsablage.

2. Wahlen.

3. Antrag de» VerwaltungSrathe« auf Statutenrevision.

4. Petition des Herrn alt-Lehrer Al. von Wil-Kaiser und 30

Mitunterzeichneten bezügl. Einführung einer Sterbekasse und

bezügl Antrag des Verwaltungsrathes.

Die Herren Ehren- und Aktiv-Mitglieder sind zu

fleißigem Erscheinen eingeladen. lv!a

Der Borstand.

Z u verkaufen:

Halbe« Steinhaus sammt Garten in Kägiswil. Sich auzumelden

bei av F. Albert z. „Sonne", Alpnach.

Verloren:

Einen goldenen Ring, auf der innern Seite mit den Buchstaben

J. K. 84. Wer selben gefunden hat oder findet, ist gebeten,

selben gegen einen Finderlohn bei der Erp. d. Bl. abzugeben, av

Gegründet 1810.

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mit jährlicher, schriftlicher Garantie.

Einkauf uud Eintausch von altem Gold, Silber und

Münzen.

Hochachtungsvoll

Gebrüder Mäßiger.

X U ö t h l i n - S u c h e r ß

in Tarnen

hält seine Vertretung für die

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und

chemische Waschanstalt

von

Carl Ladendorss in Raset

bestens empfohlen. 7av

Zur gef. Beachtung:

Unterzeichneter ist im Besitz einer Partie billiger HiUe

und erlasse solche, als: Gute Mager-Käse zu 25, 30 und

35 m. pr. /, Kilo, Enimenthaler ' äse zu 40, 45 bi«

./*

— Fette und Halbfette erlasse in den

billigsten Preisen.

Indem um geneigten Zuspruch bitte, empfiehlt fich besten«

Sarnen im Februar 188«.

ltt>>

M. von Rotz, Senn.


( D t r n m l ö n e r M k s f r e m d .

Abonnement

(Bei sämmtlichen Post-Bureanr.)

Jährlich (franko durch die ganze Schweiz) . . Fr. 4. —

Halbjährlich „ 2. 10

Bei der Erpedition abgeholt?jährlich . . . . , 3. SO

. . . . halbjährlich . . „ 2. -

M 9.

Erscheint jeden Samstag

Bormittags.

Einrücknngsgebühr

Die dreispaltig« Petitzeile oder deren Raum . . 10 Rv

Bei Wiederholungen 8 „

Die zweispaltige Petitzeile oder deren Raum . 20 „

Bei Wiederholnngeu 16 „

T a r n e n , 1886.

27. Icbruar.

16. Iahrgana.

Inserat« von Auswärts nehmen für UN« entgegen die Annoncen-Erpeditionen der Herren Haasenstein 6( Vogler, Rudolf Mosse und Orell Füßlt St Eie. in Bern, Zürich, Luzern,

Basel, Lausanne, Gens, Berlin, Leipzig, Dresden, München, Hamburg, Frankfurt a./M., Straßburg und Wien.

Pitatusbahn.

Zur Ausführung dieses Unternehmens ist nach dem

ausgegebenen Prospekte die Gründung einer „Pilatus

bahn-Gesellschaft", mit Geschäftssitz in Alpnach, vorgesehen.

Die Gesellschaft befaßt sich nicht nur mit der

Bahn nach dem Pilatus, sondern sie zieht auch einen

entsprechenden Hotelbetrieb in ihren Geschäftskreis.

Als Gründungskapital sollen, wie wir bereits in

letzter Nummer erwähnt haben, durch Ausgabe von

4000 Aktien zu 500 Fr. zwei Millionen beschafft werten.

Zur vollständigen Ausführung des Projektes kann

außerdem das Unternehmen später mit Obligationen

im Betrage von 500,000 Fr. belastet werden.

Die Bürgergemeinde Alpnach tritt das für die

Bahnanlage benöthigte Land, soweit es ihr Eigenthum

betrifft, unentgeltlich ab; ebenso erwirbj die

Gesellschaft das ausschließliche Recht für Anlage und

Betrieb von Hotels auf der Höhe des Pilatus.

Die Erstellung der Bahn, mit Bahnhof, Remisen-

Anlage und Betriebsmaterial wird unter Garantie

von der bestens bekannten Firma Locher und Guyer

in Zürich um den Betrag von Fr. 1,900,000 über?

nommen; dieselbe soll bis 15. Juni 1889 vollendet sein.

Für Kosten der Gründung. Bauaufsicht und vierprozentige

Verzinsung des Aktienkapitals während der

Bauzeit sind Fr. 150,000 angesetzt, dazu kommt noch

ein Posten von Fr. 50,000 für Errichtung von einfachen

Wohnungen für einen Theil der Bahnangestellten

in Alpnach-Stad.

Es sind die nöthigen Vereinbarungen getroffen,

um die Liquidation der bestehenden Gasthausgesell«

schast auf dem Pilatus und die Uebernahme des Hotel

Bellevue sammt Inventar um den Nominalwert!» der

Aktien durch die Bahnunternehmung zu ermöglichen.

Der Ankauf des Hotel Bellevue auf dem Pilatus

sammt Inventar und mit Einschluß der nöthigen R«;

paraturen soll auf 75,000 Fr. zu stehen kommen.

Um dem vermehrten Besuche des Pilatus Rech«

nung zu tragen, soll ein weiteres Hotel — „Pilatus-

Kulm" — mit ungefähr 60 — 80 Fremdenbetten in

35—45 Zimmern erstellt werden, so daß dannzumal

aus dem Gipfel des Pilatus Unterkunft für 120—150

Personen geboten würde, ohne das Hotel Klimsenhorn

zu rechnen.

Für Bau und Betrieb dieser Gasthäuser soll

jedoch der Charakter eigentlicher Berghotels streng

gewahrt bleiben, aller und jeder Luxus in Disposition,

Einrichtung und Betrieb ausgeschlossen sein, dafür

jedoch durch vorzügliche Betten, Heizung des Gebäudes,

genügende Restaurationsräumlichkeiten und einfachen

aber vorzüglichen Betrieb den besondern Verhältnissen

einer Pilatuswirthschaft Rechnung getragen werden.

Die Kosten des neuen Hotels sind auf Fr. 325,00!)

veranschlagt. Im Ganzen beansprucht also die projektirte

Bahnunternehmung Fr. 2,100,000, die Hotelunternehmung

Fr. 400,000.

Erreicht die Zahl der Pilatusreisenden auch nur

den vierten Theil der durchschnittlichen Rigibesucher

der Jahre 1881—1384, d i. ca. 15,000, so ergibt

sich aus dem Bahnbetriebe ein Nettoergebniß von

Fr. 135,000, rechnet man hiezu den Ertrag der Ardeiterwohnungen

mit Frkn. 2500 und als Ueberschuß

des HotelbetriebeS Frkn. 32,500, so ergibt sich über

Abzug der Zinsen der Obligationen ein jährlicher

Nettoertrag von Fr. l47,000 oder nahezu 7,5 pCt.

des Aktienkapitals.

Wenn sich auch der Pilatus vermöge seiner Gestaltung

nicht so sehr wie die Rigi für längern Aufenthalt

eignet, so entspricht anderseits das Wilde, Zerrissene

und Schroffe seiner Gipfel und Abhänge mehr der

eigentlichen HochgebirgSnatur und erregt in seiner

Eigenthümlichkeit die Bewunderung der Besucher. Für

die von Jahr zu Jahr zunehmenden Kurgäste LuzernS

dürfte die Pilatusfahrt baldigst zu den Lieblingsparthieen

zählen.

W o

fehtt's?

(Eingesandt.)

ES wird heute gar viel geredet und geschrieben

über verfehlte Heirathen, drückende Nothlage, immer

zunehmende Verarmung und hohe Armensteuern. Ebensoviel

wird geredet und geschrieben über Mittel gegen

obige am Tage liegende Erscheinungen. Industrie und

Gewerbe, Land- und Alpenwirthschaft sollen helfen

und während Kunstdünger und Kraftfutter Matten

und Vieh ordentlich eifersüchtig aufeinander machen

und der Milchnutzen verdoppelt wird, so rechnet man,

wird das Geld auch wieder haufenweise in'L Land

kommen, die Schulden werden ausgewischt, und neues

Leben in strotzender Gesundheit wird in einem bleichen

Geschlechte erwachen Alles dies ist recht und schön,

und daß man auf Mitiel denkt gegen den drohenden

Feind, ist sehr.löblich. Aber bei all' dem sollte man

Eines nicht vergessen, das Wichtigste, ohne welches

Alpen- und Landwirthschaft, Sesamkuchen und Kunstdünger

nichts nützen, und dieses Eine und Nothwen«

digste ist der Mensch.

Wollen wir eine Predigt halten? Nein, das überlassen

wir gerne den Geistlichen. Aber nochmals: den

Menschen vergesset nicht, wenn ihr auf Abhilfe der

herrschenden Nothlage denkt. Es schlummern in seinem

Herzen gar viele unwirsche Kobolde, die bei ihrem

Erwachen ärger zu rumorieren beginnen in ihrer Behausung,

als die Gespenster in der Geisterstunde. Wir

meinen die schlechten Triebe und Keime in der Brust,

die, wenn sie gut genährt, ungehemmt aufwachsen

können, ihn leichtsinnig, liederlich, zügellos machen.

Wollen wir der Verlotterung und Verarmung wehren,

so müssen wir unbedingt hierauf das Augenmerk rich»

ten, also auf den Menschen, wie er nun einmal ist

und lebt. Oder was hilft es, einem leichtfertigen,

liederlichen Burschen von Landwirthschaft und Viehzucht

zu reden, da ein solcher ja lieber auf der faulen

Haut liegt, als arbeitet, und unter den vielen Wirthschaften

die Landwirthschaft keineswegs seine größte

Liebhaberei ist.

Aus dieser Sachlage wird sich von selbst die Folge

ergeben: Wir müssen dem jungen Menschen Beschästigung

geben, und ihm hiedurch die Zeit rauben,

sich mit seinen schlimmen Gespannen im Herzen zu

unterhalten, wir müssen ihn von Jugend an zu einem

arbeitsamen, sparsamen Menschen gewöhnen; wir

müssen mit großer Vorsicht und Klugheit über Alles

wachen, was den grimmigen Feind der Familie oder

der Gemeinden, die Genußsucht nämlich, in allen ihren

Formen wecken und großziehen könnte. Gar Manches

erscheint als Unschuld und ist es nicht; Manches mag

in gewissem Maße wirklich unschuldig sein und ohne

schlimme Folgen, wird aber höchst bedenklich als Ge«

wohnheit; Manches erheitert den Sinn des Menschen,

zieht aber, wenn es über das rechte Maß hinausgeht,

eben diesen Sinn ab von Arbeitsamkeit und Sparsamkeit,

von Ernst und Muth gegenüber einem holperigen,

dornenvollen Leben Also Abschneiden der Gelegenheit

in verbotenen, kluges Maß in erlaubten Dingen!

Auf diese Weise werden wir die schlechten Triebe im

Herzen zurückdrängen, unschädlich machen, und einen

soliden, brauchbaren Menschen in's Leben stellen, vor

dem man dann mit Erfolg reden kann, über das was

vor Noth und Armuth schützt, sei es dann Erdnußkuchen

oder Kunstdünger. Ist es nicht so?

„Aber man muß doch dem jungen Menschen etwas

gönnen!" — Einverstanden! Am liebsten schöne

Matten und Ställe voll Vieh! In andern, bekann«

ten Dingen jedoch, ist es ein Unterschied, Alles gönnen,

oder Etwas; ein Unterschied, das von der Natur

der Sache gebotene Maß innehalten, oder den Leicht«

sinn und den Hang zur Genußsucht in allen ihren

Formen zügellos schalten und walten lassen. In dem

Falle werden diese wilden Kräfte der Natur ganz

sicher Leib und Seele zusammenschlagen, die Familie

und die Gemeinde. Höre! Wäre ich etwas Höheres,

Geistliches oder Weltliches, so würden mich jedenfalls

Diejenigen am täubsten machen, die immer nur von

mangelndem Geld und Verdienst reden, von hohen

Steuern und liederlichen Heirathen, von Armuth und

Elend, — aber im nämlichen Augenblicke der Jugend

die Thüre angelweit öffnen zu einem leichtfertigen,

flatterhaften Leben, ohne jegliche Garantie für die

Zukunft. Mit mehr als egyptischer Blindheit müssen

solche Leute geschlagen sein, wenn sie nicht einsehen,

daß sie auf solche Weise einem braven, ökonomischen

Leben den Boden mit beiden Händen unter den Füßen

hinwegzieheu. Einige Jahrzehnte so fortgelebt, würde

dann die Fackel der Vergangenheit und Gegenwart

den Stand der Dinge schauerlich genug beleuchten.

Und nun Schluß und OrdnungS-Rus! Aber den

Knopf machen wir: Wenn ihr dem Sesamkuchen und

dem Kunstdünger mehr Aufmerksamkeit schenkt, als

dem Menschen als Menschen, so werden sich die

Zeiten noch lange nicht bessern, ihr schöpft in ein

Faß ohne Boden. Und wer meint, es sei nicht so,

der beweise es!

Eidgenossenschaft.

— Winkelriedstiftung und Sempacher«

schlachtdenk mal. Mit diesem Losungswort ver«

sammeln sich nächsten Sonntag den 26. ds. auf

Rathhause in Luzern Vertreter aus allen Gauen

unseres Schweizerlandes. Man gedenkt, zur 500jährigen

Erinnerungsfeier der Schlacht bei Sempach einerseits

an letzterem Orte ein Schlachtdenkmal zu errich«

ten und anderseits gleichzeitig eine allgemeine schweiz.

Winkelriedstiftung zu gründen. Zu diesem Zwecke wird

beabsichtigt, wie s. Z. beim Ankauf des „Rütli", unter

den Schulkindern eine Sammlung von Beiträgen zu veranstalteu,

damit auch die Jugend schon Gelegenheit

finde, an diesem patriotisch-gemeinnützigen Unterneh.

men sich angemessen zu betheiligen. Ob Idee,

von den Schulkindern aller Altersstufe, Beiträge zu

sammeln angezeigt sei, lassen wir dahingestellt. Uns

will nämlich scheinen, daß die Ander der Sache doch

unmöglich ein volles Verständniß entgegenbringen

können. Ist dieses aber nicht d.er Fall, dann geht der

ideale Zweck der Gabe ja größtenlheils verloren.

Ob und inwiefern diese neuern Anregungen mit der

bereits von Luzern in Aussicht genommenen Sempacherschlachtseier

zuhammhängen oder in Verbindung

gebracht werden, bleibt abzuwarten. Die Errichtung

eines Schlachtdenkmals und zumal die Grün«

dung eines Winkelriedfondes erscheinen uns mit Rücksicht

auf ihn«-bleibenden Charakter ebenso empsehlenswerth,

als die allerdings glänzende, aber mit dem

Sinken des Festtages verrauschende theateralische Dar«

stellung der Sempacherschlacht. Ob nicht auch die Manen

der bei Sempach Gefallenen an Werken von gemein-


nütziger Tragweite größere Freude hätten, als an bloßen,

auf den bloßen Augenblick berechneten Festlichkeiten?

— Heilsarmee. Das Bundesgericht hat den

Rekurs der Heilsarmee gegen die Regierung von

Zürich, welche durch ihre Maßnahme die HeilSversammlungen"

zu unterdrücken gesucht hatte, begründet

erklärt.

O b w a l d e n .

— Obstbaumstatistik. Nach den soeben vom

Staatswirthschaftsdepartement (Hr. R.«R. Britschgi)

publizirteu amtlichen Zusammenstellungen besitzen die

Gemeinden Obwaldens gegenwärtig folgenden Bestand

an Obstbaum-Hochstämmen:

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w w 6 Exemplaren dos

Werkchens „Die nützlichen Vögel", beschrieben

nach Friedrich, als Beigabe zu dem Lebet'schen

Vogelbilderwerk, verdankt; deßgleichen dem

Regierungsrathe des Kantons Baselland die Uebermittlung

dortigen Urkundenbuches. — Der Erziehungsrath

theilt mit, daß auf Einladung der

Erziehungsdirektion Zürich am 28. Februar nächsthin

in Luzern eine Generalversammlung von Repräsentanten

der ganzen Schweiz stattfinde, um die Gründung

einer allgemeinen eidgen. Winkelried st iftung

und die Errichtung eines Sempacherschlachtdenkmals

zu besprechen. Den gemachten Anregungen, sich

grundsätzlich nicht abgeneigt zeigend, habe er seinen

Aktuar, Hrn. Landschreiber Gottlieb Bucher, bestimmt,

als Delegirter an fraglicher Versammlung Antheil zu

nehmen — Die Anregung des Gemeinderaths von

Sarnen, auf den ersten Mittwoch im April, oder

sofern die Charwoche einfallen sollte, am ersten Montag

im April in Sarnen einen V i e h m a r k t festzusetzen,

wird auf die Traktandenliste des Kantonsrathes ge»

setzt. — Ueber Peter Schält, Diepigen, Giswil,

wird in Folge Nichteintretens in Haben und Sollen

der Konkurs'eröffnet. Eingaben haben keine mehr zu

erfolgen. Die Kreditorenversammlung findet den 12.

März nchästhin, Mittags 12 Uhr, bei der „Krone"

in Giswil statt.

PilatuS. (Korr.) Den 23. abhiu morgens 8

Uhr begann ich in Begleit eines andern Klubisten

von Alpnach-Gstad aus die Besteigung des Pilatus.

Die erste Hälfte der Marschroute führte uns auf gut

gebahntem Wege durch silberbärtigen Tannenwald bis

Emsigen. Von da bis Matthütte mehrte sich der

Schnee, erschwerte aber, weil in schattiger Halde gelegen

und daher leicht und staubig, den Aufstieg nicht.

Nachdem wir auf der Mattalp den frostigen Nebel

verabschiedet, beschien die goldene Sonne unsern

schneeigen Pfad, auf dem wir dann auch, wie auf

fester Landstraße, um halb 1 Uhr das Hotel „Belle

Vue K und damit unser Reiseziel erreichten. Ueber

aller Beschreibung steht die Schönheit und Erhabenheit

des Panoramas, das sich da dem entzückten Auge

bot. Unvergeßlich war der Ausblick auf diese göttliche

Alpennatur, auf die heimischen und fremden Bergriefen

bis hinaus in französische und deutsche Lande,

scheinbar näher gerückt in dem einzig zu dieser Jahreszeit

so feinen, durchsichtigen Aether, während sich die

Tiefe unter einem endlosen Nebelmeere barg. Nachdem

auch unser Körper in der lange entbehrten Sonnenwärme

von 10° R und an einem guten Tropfen

Erquickung gefunden, zogen wir nur ungerne den

Niederungen, dem Kampfe um's Dasein zu.

Zweifellos wird die Pilatusbahn auch zur Winterszeit

viele Naturfreunde in die lichten Höhen tragen.

Daß die Möglichkeit geboten, beweist die projektirte,

den Winterverhältnissen speziell angepaßte Bahnlinie.

würde herzlich gerne das Zehnfache zahlen, wenn —

ich nur auch das entsprechende Vermögen hätte.

Warum man gerade dem Staate nichts gönnen

und zahlen will, ist nicht ganz klar. Für allerhand

haben wir Geld, für Theater und Musik, für Fastnachtumzüge

und kostümirte Krieger nach Sempach,

für Hirsmontage und Schlittenparthieen, für Alles sind

Batzen da. Nur für den Vater Staat, der doch alle

seine lieben Kinder vor jeglichem Ungemach polizeilich

und hie und da sogar vor der Polizei schützen soll,

dem gehört nichts, nicht einmal ein schäbiges „Taglöhnli".

Merkwürdig! für öffentliche Bedürfnisse fließen

die Batzen erschrecklich zähe und langweilig, so schneckenartig

langsam, wie die Urtheile der luzernischen Gerichte

im berühmten Waisenhausprozesse. Und doch

ruft Alles um staatliche Hülfe, sobald man nur Einem

unversehens auf ein Hühnerauge tritt.

Wer jammert nicht über schlechte Zeiten? Ich

weiß wenigstens Niemanden, als einen zuger'scheu

Zimmergesellen, den ich letzthin folgende gemüthliche

Strophe singen hörte:

„Zimmermäudli, Zimmermändli,

Thue di nid bekümmere,

Wenn wir 'S Geld «ersöffe hend

Thüend wir wieder zimmere!"

Es ist wirklich wahr, daß diese« Sprüchlein mehr

oder weniger auch bei Leutchen zutrifft, welche keine

„Breitaxt" schwingen und auch nicht etwa allzusehr

Sie führt von Alpnach-Gstad bis Emsigen, 2'/, Kilometer,

durch eine der Sonne sehr exponirte, steile

Halde, wo sehr wenig Schnee lag, von Emsigen bis

Matt 3 ä 400 Meter maß derselbe i bis I»/, Meter,

ob der Matthütte, wo sich die Bahn südwestlich wendet,

bis auf die Höhe fanden wir fast keinen Schnee. Bei

inständigem Winterwetter kann folglich die Pilatuslahn

mit unbedeutendem Kostenaufwand? schneefrei

und fahrbar gemacht werden. Wer aber, dem die

finanziellen Verhältnisse eS gestatten, wird dann nicht

das Dampfroß besteigen, um sich in 80 Minute» hin«

auftragen zu lassen aus dem schneeigen, nebeligen

Thale in dieses sonnige Wunderland! Bei dem stets

wachsenden Interesse für die Gebirgsnatur und speziell

für Winterbergreisen werden periodisch arrangirte Ver«

gnügungszüge zahlreiche Bewunderer aller Nationen

in die Höhe führen, um so zahlreicher, da man keine

Distanzen mehr kennt. Der Pariser reist abends 8

Uhr ab, ist morgens 9 Uhr 45 in Luzern, l! Uhr in Alpnach.

12 Uhr 20 auf Pilatus, 5 Uhr abend« in Luzern und

lO Uhr 15 morgens wieder in Paris, also in 36

Stunden Paris Pilatus Paris, so der Mailänder.

Der Berliner und der Londoner braucht zu diesem

Bummel 24 Stunden mehr.

Der Pilatus wird auch seine Wintersaison haben!

Kerns. Letzten Sonntag ging das „Nullerl"

zum zweiten Mal über die Bretter des neuen Theaters

in Kerns. Es gab ein volles Haus und waren besonders

eine größere Anzahl Sarner und Alpnacher

anwesend. Gespielt wurde durchwegs sehr sehr gut,

einige Rollen sogar mit entschieden mehr als bloßer

dilettantenhafter Geschicklichkeit und Gewandtheit.

Das Stück selbst enthält gegen unsere Erwartung

viel Handlung und erweist sich durch seine zahlreichen

effektvollen Wandlungen als sehr bühnengerecht. Ein

„Volksstück" darf „'s Nullerl" wohl genannt werden,

ist es doch mitten aus dem Volksleben selbst herausgegriffen

und behandelt in glücklicher Weise eine

Grundidee, welche beim ersten Anblicke sich kaum zu

theateralischer Darstellung eignet. Es zeigt uns nämlich

die öffentliche Armenpflege, wie sie eben nicht sein soll

und glücklicherweise auch selten mehr zu finden ist.

Das Stück beweist aber auch, daß eS im Herzen eines

armen, hin- und hergeschobenen „Umgänglers oder

Einlegers sich ebenso leicht brav und edel denken und

handeln läßt, als in der Brust eines protzigen Grund«

besitzerS.

Wer einige freie Stunde» erübrigen kann, dem

rathen wir, sich ,.'S Nullerl" selbst anzusehen und anzuhören.

ES lohnt sich dieses sehr wohl.

Beinebens erwähnen wir noch des neuen

Theaters selbst. Es gereicht den Kernsern entschieden

zur Ehre, ein eigenes Thcater zu haben und wenn

es auch nur ein „Theaterchen" ist. Die Scenerien

selbst sind geschmackvoll, die HochgebirgSscene sogar

sehr hübsch.

Nach Schluß der Vorstellung gemüthliche Unter«

Haltung, wozu noch das allzeit fleißige und wackere

Orchester die Stunden in angenehmer Weise ver«

kürzte. Auch einige Vorträge deS Gesangvereins

Alpnach legten Zeugniß davon ab, daß dieser

Vereinsbenjamin bei Fleiß und Zusammenhalt einer

schönen Zukunft entgegensieht.

Engelberg. In den „Basler Nachrichten" stellt

ein winterlicher Besucher des Engelberger Thales

die Frage, ob nicht dieses Thal ebenso gut wie andere

Hochthäler der Schweiz (Davos, Andermatt) zu einem

Liebhaber des „Gläschens" find. Aber kommt der

Steuereinzüger oder sonst Einer, der für „öffentliche

Bedürfnisse" sammelt, da ist der letzte Batzen schon

längst zum Loch hinaus. Der gute Mann glaubt'S

und geht — und hinter ihm drein kommt sofort ein Kind

des armen (?) Steuerzahlers und holt in der nächsten

Kneipe eine Flasche Schnaps und einen Wecken. So

geschehen anno 1885! Mit dem Staat geht es akurat

wie mit den Herren „Döktern". So lange man gesund

und wohlauf ist, „schimpfisirt" man lebhaft über die

„Dökter" und ihre „Tränkli und Pülverli" ; packt Dich

aber nur ein leichtes „Gruipi" , flugs soll der Herr

Doktor Wunder wirken. So lange er Dir kein Geld

abverlangt, ist der Staat Dein bester Freund und der

Satz, „Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht" , wird

überall beliebt. Sobald er aber etwas zur Bestreitung

der Auslagen fordert, und wenn auch noch so „manierli",

dann wird geklagt, gejammert und wohl auch „aufbegehrt".

Doch davon ein ander' Mal. ^ooosus.

Ivossenlob.

Melodie: „Preisend mit viel schönen Reden" ».

Preisend in viel schönen Liedern

Ihrer Waffen Wenh und Ruhm,

Saßen jüngst viel' Kameraden —

Nur der „Grüne" blieb ganz stumm.

„Herrlich", sang der Hrtill'riste,

„Wirket die Kanone doch —


Winterkurort gemacht werden könnte. Am Tage

de» Besuches (U. d.) breitete sich ein wunderbar

klarer Horizont über die in Schnee und Eis starrende

Landschaft. Morgens und Abends war die Tempera

tur frisch, etliche Grad unter Null; aber zur Mittagsieit

wirkte die Sonne so intensiv, daß man selbst bei

einem kleinen Spaziergang im Thale gehörig zum

Transpiriren kam. Die Tage im Februar sind durch«

schnittlich hell und klar. Die Sonne steigt Anfangs

Februar schon halb 9 Uhr hinter dem Grasten empor;

Ende Dezember und theilweise im Januar soll sie

allerdings längere Zeit brauchen. bis sie in's Thal

hineinblickt, weil sie dann gerade hinter dem k^lossalen

Rücken des Titlis emporsteigt und diese schwere

Arbeit erst bis Vormittags 11 oder halb 12 Uhr zu

Stande bringt. Aber es bleibt ja immer die Herr«

liche Luft und die splendide Verpflegung, welche Engel»

berg dem Wanderer bietet.

Urt. (Korr. aus Altdorf v. 25. Febr.) Alle

Achtung vor St. Mathias, derselbe hat das Volkswort

pünktlich erfüllt und brach da« Eis. Seit gestern

lacht wieder der blaue Himmel und die warme Sonne

feqt den Schnee vom Boden. Durch die Zeitungen

geht die Kunde, daß die älteste Urnerin mit >05

Jahren von uns in das ewige Vaterland geschieden.

Obwohl man einen Taufschein bei ihr vorgefunden,

welcher auf dieses Alter führt, können wir doch des

starken Zweifels uns nicht erwehren, daß hier ein

Irrthum vorwalte. Wir kannten die gute Frau und

ihre Kinder, und gerade das ungefähre Alter der letz«

teren begründet unsere Zweifel, wir geben ihr

Jahre und vermuthen bei den vielen ihres Namens

„Barbara Baumann" im Taufschein demjenigen einer

Vorgängerin. R. I. P. , .

Scvwvz. Der „Bote der Urschweiz" will nichts

davon wissen, dah nach eine Mittheilung des „Luz.

Tagbl." die Schwyzerregierung auf ihren frühern Beschluß

zurückkommend, nun Fr. 1000 für Theilnahme

an der Sempacher-Schlachtfeier votirt. Wie wir von

zuverläßiger Seite vernehmen, ist wirklich von der

Schwyzerregierung kein derartiger Beschluß gefaßt

worden.

Der Obwaldner Korrespondent de» „Boten der

Urschweiz" scheint in Sachen hierseitiger Betheiligung

an der Sempacherschlachtfeier schlecht berichtet zu sein,

wenn er die Regierung daheriger Halsstarrigkeit beschuldigt.

Weder Offiziers- noch UnteroffizierSverein

gelangte bis anhin mit irgendwelcher Eingabe an den

Regierungsrath; so wird uns des Bestimmtesten versichert.

— Ein gewisser Huber in Schübelbach hatte den

geschmackvollen Einfall, seine Lieblingszeitung — „der

Grütlianer" — in der Kirche zu lesen, was natürlich

ein störendes Aufsehen unter den andern Kirchenbesuchern

erregte, die diese Handlung wahrnehmen konnten.

Wegen dieses Aergerniß erregenden Vergehen«

gegen die Würde Gottes und des heiligen Ortes

wurde er von der Polizei um 5 Fränklein gebüßt.

Huber berief sich auf — die Gewissensfreiheit (!) und

verlangte bundesräthlichen Schutz, wobei diese Sorte

von „Gewissensfreiheit" auch durch einen Artikel der

„N. Zürch. Ztg." vertheidigt wurde. Das war aber

doch selbst dem Bundesrath zu dick. Huber wurde

mit seinem Rekurs abgewiesen und die getroffene

Polizeimaßregel als eine wohlbefugte anerkannt.

(Schwyz. Ztg.

Aargan Letzten Freitag Abends 5'/»zUhr

brach im „Klösterli" bei Baden, dem im Jahre 1868

aufgehobenen Frauenkloster „Maria Krönung' Feuer

aus, das, wäre das wilde Element einige Stunden

später zum Ausbruche gekommen, nach aller Wahrscheinlichkeit

namenloses Unheil angestiftet hätte. In

dem alten, ziemlich weitläufigen, um einen freien Hofräum

aufgeführten Bau war seit mehreren Jahren

nebst einigen Privathaushaltungen eine Erziehungsanstalt

für arme Waisenkinder untergebracht Zur

Zeit beherbergte das Haus 36 Kinder sammt dem

nöthigen Lehr- und Bedienungspersonal. Das Feuer

soll durch eine» Fehler am Kamin veranlaßt worden

sein. Das Mobiliar der Mietherfamilien, sowie das

Kleidermagaziu der Zöglinge konnte durch außerordentliche

Thätigkeit der Feuerwehr gerettet werden.

A u s l a n d .

Deutschland. Wenn die Welt von der selbst«

süchtigen Politik BiSmarck'S nicht zum zehnten Mal

betrogen wird, so scheint endlich der Kulturkampf in

Deutschland sein Ende zu erreichen. Durch die Presse

wandert unter verschiedenartigster Beurtheilung ein

Gesetzesentwurf, welcher demnächst den preußischen