Die Federsammler - Fietje und Arti in Erlangen

federsammler

Kraaah, kraaah!


Fietje und Arti in Erlangen


Impressum

Die Federsammler

Fietje und Arti in Erlangen

1. Auflage 2015

©KlangbildVerlag, Jena

Konzept & Projektleitung: Antje Hübner

Hrsg.: Jugend will… gemeinnützige GmbH / Die Federsammler

Jung-Autoren:

Yannik Ambrusits, Viktoria Barckhan, Vivian Blazek, Lena Bujarsky, Robin Bujarsky, Eda Catikkas, Daniele

Cipullo, Regina Dachs, Hannah Denzlinger, Anna Dittrich, Nicole Dorsch, Eva-Maria Dotterweich, Tom Ebel,

Sven Eberhardt, Annabell Elsinger, Ellen Fabry, Lara Filip, Laurence Fischer, Tina Foth, Carolin Fröhlich,

Pauline Grimmer, Alica Habel, Luca Habel, Emma Hamker, Lotte Hamker, David Hashemolhosseini, Johannes

Heinrich, Julius Hirsch, Amélie Hopfner, Julia Höppe, Aaron Hourch, Carina Hoyer, Alexandra Hummelmann,

Tina Keil, Pavel Koch, Lara Kraetsch, Fabian Kühnel, Tolgahan Kuzucular, Sarah Landschütz, Melina Leypold,

Ann-Kathrin Lindner, Edzard Lübben, Hannah Lühr, Xenia Lütjohann, Louise Mang, Anna Rauschert,

Sebastian Rosenberger, Antonia Schenkl, Laurin Schindler, Jana Seidel, Myumyun Shule, Tabea Spiers,

Lisa Thönnes, Nico Tobias, Nele Trierweiler, Lola Vortmeyer, Theresa Wasserscheid, Talea Weidner,

Paula Wissel, Paula Wüstner

Online-Autoren (Fietjes Tagebuch):

Yannik Ambrusits, Anneka Bäßler, Elisa Ender, Viviane Renner

Co-Autoren: Antje Hübner, Ildiko Bruhns

Redaktion/ Werkstattleiter: Elisa Schönbrunn, Martin Kohlstedt, Antje Hübner, Ina Haun

Lektorat: Antje Hübner, Ina Haun

Satz: Katrin Meyer, DenKraft, Jena

Illustration und Umschlag: Maria Suckert Illustration und Grafik, Weimar

Fietje und Arti in

Erlangen

Gedruckt in Deutschland bei Pressel, Remshalden

Der Abdruck der Geschichten erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Urheber und ihrer Erziehungsberechtigten.

Vielen Dank!

Die Handlungskulissen der Geschichte sind reale Orte. Die Handlung selbst sowie in Verbindung stehende

Personen und Namen sind frei erfunden.

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-9814441-6-2

www.federsammler.de


Die Autoren aus Erlangen

5

Alles klar! Los gehts!

übernehmen und schreiben

weiter.

Die Autoren aus

Zwickau

übergeben ihre Geschichten

zum Weiterschreiben an die

Schüler aus Erlangen und

wünschen viel Spaß.

Schreib sie an!

Liebe Grüße aus

Zwickau!

www.federsammler-community.de


Fietjes Tagebuch

Feder-Schatz

Wort aus dem Text

Fietje erzählt seinem Tagebuch, wie er und

Arti von einer Stadt in die nächste gelangten.

Dies ist jeweils die Eingangsgeschichte eines

jeden Federsammler-Bandes.

In welcher Stadt die beiden Helden bald

sein werden und wie du mitschreiben

kannst, erfährst du unter

www.federsammler-community.de

Melde dich an, schreibe mit anderen am

neuen Tagebuch-Eintrag und werde so Autor

eines Federsammler-Bandes! Als Dankeschön

erhältst du dein eigenes druckfrisches Buch.

Dein Buch ist nicht „nur“ ein Buch!

Auf manchen Seiten fliegen Federn.

Die Autoren schenken dir damit vielleicht für dich neue

Wörter, die im Text rot markiert sind.

Wenn du das Abenteuer von Fietje und Arti zu Ende

gelesen hast, kannst du deinen Feder-Schatz noch einmal

überblicken.

Du findest ihn auf Seite 188.

ERFAhRE MEHR Über die

Federsammler-Community

Unsere

Online-Autoren:

"YannikFenyves"

Yannik

Ambrusits

13 Jahre

Erlangen

"Kuschelbird"

Elisa

Ender

12 Jahre

Zwickau

"Vivi"

Viviane

Renner

12 Jahre

Zwickau

"Anne"

Anneka Bäßler

12 Jahre

Zwickau


8

WER IST WER?

Sprachlos-Land

Wort-Reich

Fietje ist ein ganz normaler

Junge. Er ist 12 Jahre alt und

kommt aus Jena. Er liebt das

Skaten. Zusammen mit seinem

Papagei Arti erlebt er viele Abenteuer.

Er muss den Vogel und

seine Federn oft beschützen.

Er und sein Freund Arti sind auf

der Flucht vor den Männern aus

Sprachlos-Land.

Arti ist ein Graupapagei. Er ist

1439 Jahre alt. Er ist der König

von Wort-Reich. Er spricht 100

Sprachen und sucht den großen

deutschen Sprachschatz. In jeder

seiner Federn ist ein Wort. In seinen

roten Federn sind seine Lieblingswörter

oder ganze Sprachen.

Überall wo er hinfliegt, sammelt

er neue deutsche Wörter für sein

Wort-Reich. Er ist sehr klug und

kennt sich aus.

Fietjes Skateboard

ist ein Zauber-Skateboard. Es hört

auf Befehle. Arti kann sich in dem

Skateboard verstecken. Der Papagei

kann hinein verschwinden, wenn

Fietje es nass macht.

Wenn Fietje es trocknet, kann Arti

wieder herauskommen. Es kann

fliegen.

Herr Keinwort &

Mister Mundzu

kommen aus Sprachlos-Land. Dort

kann man keine Sprache sprechen.

Sie sprechen nur eine Sprache aus

Gedanken. Die beiden Männer sind

hinter Arti und seinem Sprachschatz

her. Sie versuchen, ihn für

ihr Land zu fangen. Jedes Wort =

jede Feder, die sie von Arti stehlen,

sprechen sie laut aus.


inhaltsverzeichnis

Fietjes Tagebuch

1. Die Stadt der Hugenotten

2. Artis Befreiung

3. Das Fallenhaus

4. Ein Notfall

5. Joana

6. Wo ist Fietje?

7. Eine Zeitreise mit Skelett

8. Lilly Blütenstaub

9. Wer ist Lukas?

10. Immer diese Reime!

11. Das Wiedersehen

12. Verknallt

13. Die Enthüllung

14. Der Gondelsprung

15. Rang und Namen

16. Jeremir

17. Der Verrat

18. Owymbus

19. Der Spezialzylinder

20. Warten auf Papa

21. Wieder zu Hause

Feder-Schatz

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17

23

29

35

41

49

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12

13

13

Liebes Tagebuch,

Prima! Da saß ich am Rand von Zwickau,

hatte meinen Rucksack verloren, hatte

nur noch mein Skateboard. Arti hatte

eine Vogel-Kreatur entführt. Und ich?

Was sollte ich jetzt machen?

Ich wollte jetzt endlich nach Hause, zu

Mama, Lilly und Sebastian.

Ich befahl meinem Board, dass es mich

zurück bringen sollte. Ich freute mich

riesig auf Jena.

Tja. Pustekuchen!

Als ich ankam,

war niemand zu

Hause. Mama

hatte einen

Zettel hingelegt:


14

14

RUBINROT UND SAPHIRBLAU

15

15

Die Schrift von Mama war total zittrig.

Was hatte ich getan? Ich hatte mich nicht

mehr bei meiner Tante in Werdau gemeldet,

seit ich Claras Federkleid retten wollte.

Mann, war das ein Abenteuer in Zwickau!

Der Anruf bei Oma in Erlangen brachte

dann nur Nerv. 10 Minuten lang hörte ich

nur Geweine und Geschluchze von Mama.

Sie war unglaublich glücklich, dass ich

wieder da war. Dann erfuhr ich von ihr,

dass Papa wollte, dass ich nach Erlangen

komme.

Das wäre doch möglich.

Ich öffnete den Wasserhahn, machte das

Skatebord nass und rieb es kräftig wieder

trocken. Wenig später saß Arti auch schon

drauf.

Ich fuhr also zu Oma nach Erlangen, um

dort meine Ferien zu verbringen. Toll :(!

Und meinen Vater hatte ich schon so lange

nicht mehr gesehen, dass ich gar nicht

wusste, ob ich mich auf ihn freuen sollte.

Schon wieder hatte sie einfach meine Ferien

verplant!

Am Abend kam mir dann noch eine Idee.

Ob sich Arti vielleicht aus den Klauen der

Vogel-Kreatur befreien konnte und sich

wieder im Skateboard versteckt hatte?


16

17

"Die Stadt der Hugenotten"

geschrieben von:

aus der

Werner-von-Siemens-Realschule

Carina

Hoyer

12 Jahre

Lara

Filip

11 Jahre

Lisa

Thönnes

11 Jahre

Melina

Leybold

11 Jahre


18 DIE STADT DER HUGENOTTEN

Fietje saß im Bus.

„Nächste Haltestelle Hugenottenplatz“, tönte es aus der Lautsprecheranlage.

Er lief zur Tür und stieg aus. Dabei stolperte

er über einen Stein und verlor den Boden unter den Füßen.

Für einen Augenblick war er bewusstlos.

Als er die Augen wieder öffnete, wollte er weiterlaufen, aber

er konnte nicht aufstehen. Alles tat ihm weh. Er wurde von

einer Brünetten beobachtet.

Sie hatte neongelbe Schuhe an und weiße Shorts.

Ihre große Uhr und die großen Ohrringe fielen Fietje ins Auge.

Sie half ihm aufzustehen. Beide setzten sich auf eine Bank

und sie fragte ihn, was passiert war.

Nachdem er ihr geantwortet hatte, entschied sie, mit ihm

zum Krankenhaus zu fahren.

Fietje dachte bei sich: „Die ist ja hübsch. Und so hilfsbereit.“

Im Krankenhaus stellte der Arzt eine Prellung am Bein fest.

Das Mädchen sagte: „Ach ja, übrigens, ich bin Joana.“

Fietje meinte: „Ich heiße Fietje, und danke für deine Hilfe!“

Joana und er sprachen noch eine Weile miteinander.

„Ja klar, gerne. Gib mir einfach deine Handynummer. Dann

rufe ich dich morgen an.“

Ungeduldig wartete Fietje bei seiner Oma auf eine Nachricht

von ihr. Endlich kam eine SMS.

„Hey Fietje, lass uns am Freitag um 15 Uhr an der Hugenottenkirche

treffen.“

Er freute sich schon sehr darauf, doch jetzt musste er sich

noch etwas schonen.

Fietje fragte Arti heute das erste Mal:

„Wie bist du eigentlich in mein Skateboard gekommen?“

Sie saßen in einem Café.

Gerade als Arti antworten wollte, ging das Licht aus. Fietje sah,

wie die Leute zur Tür liefen. Er folgte ihnen sofort.

Als er draußen war, merkte Fietje, dass Arti von seiner Schulter

gerissen wurde. Aber keiner war hinter ihm zu sehen. Er

blickte nach oben. Über ihm, auf einem roten Dach, stand Herr

Keinwort und hielt Arti in den Händen.

19

Fietje sagte irgendwann zu ihr: „Also, ich weiß nicht genau,

wie ich es sagen soll, aber hättest du Lust, mit mir ins Kino

zu gehen?“


20 DIE FEDER STADT DER IM ALTPAPIER

HUGENOTTEN

21

Arti zwickte ihn heftig in die Hand. Herr Keinwort war darauf nicht

gefasst und ließ den Vogel los. Dabei riss er ihm zwei Federn aus. Arti

schrie laut auf und landete hart auf dem Boden. Fietje humpelte zu

ihm und hob ihn hoch.

„Geht es dir gut?“

Arti antwortete: „Ja schon. Aber zwei meiner Wörter sind weg. Mit

dem einen begrüßt man jemanden und das andere ist ein Verbindungswort.“

Fietje überlegte scharf:

„Das eine müsste 'Hallo' sein und das andere kann nur …“

Da fiel ihm Arti ins Wort und rief:

„Wir müssen ins Museum. Wenn wir mit dem Bus fahren, sind wir in

zehn Minuten dort.“

Fietje meinte:

„Ok, ich weiß zwar nicht, wieso wir dort dein Verbindungswort finden

sollten. Wenn du jedoch unbedingt dahin willst ... Aber was ist mit

Herrn Keinwort?“

Sie drehten sich um, aber er war nicht mehr da.

Dann stiegen sie wieder in den Bus und fuhren zum Stadtmuseum.

Vor dem Eingang fühlten sie sich beobachtet.

Fietje ging hinein. Arti musste im Rucksack bleiben. Haustiere waren

verboten. Da kam Mister Mundzu auf Fietje zu.

Er war als Polizist verkleidet.

Mister Mundzu schrie ihm hinterher: „Aber, aber, ...!“

Jetzt wussten sie, wie das zweite Wort

hieß.

Als sie wieder draußen waren, holte

Fietje Arti aus dem Rucksack. Sie

suchten sich eine Bank. Es war ein

anstrengender Vormittag gewesen.

Arti stopfte die beiden Wörter wieder

zurück in sein

Federkleid.

1

Welche Verbindungswörter

kennst du?


22

23

"Artis Befreiung"

geschrieben von:

aus der

Werner-von-Siemens-Realschule

Eda

Catikkas

11 Jahre

Luca

Habel

12 Jahre

Myumyun

Shule

12 Jahre

Robin

Bujarsky

12 Jahre


24 ARTIS BEFREIUNG

25

Als sie am Nachmittag wieder etwas Kraft geschöpft hatten, gingen

Fietje und Arti direkt zum Hugenottenbrunnen, um dort neue Wörter zu suchen.

An alten Plätzen fand man fast immer etwas. Doch ein Unglück passierte.

Fietje sah Arti plötzlich nicht mehr.

Eine Stimme hinter ihm flüsterte: „Hallo, bist du Fietje?“

Fietje sah sich um, woher die Stimme kam. Aber er sah nur einen Vogel. Der

sah aus wie Arti, hatte aber andere Farben. Fietje fragte ihn:

„Wer bist du denn?“

„Ich bin Artis Bruder Anti. Arti ist in Schwierigkeiten. Er wurde von Herrn Keinwort

und Mister Mundzu entführt.“

„Woher weißt du das?“

Hugenottenbrunnen

„Schau mal, hier geht ein Lift in den Brunnen, den nur er benutzen

kann. Aber ich habe den Schlüssel nicht.“

„Anti, hier ist ein Schlüssel! Vielleicht haben wir Glück, probiere ihn mal!“

„Ja, es ist der Schlüssel, drück den roten Knopf!“

„Ja, ja, mach ich doch schon.“

Wschschsch … Sie sausten in die Tiefe des Hugenottenbrunnens.

„Oh mein Gott, da liegt Arti! Auf dem Grund!“, schrie Fietje entsetzt.

Der graue Papagei lag wie benommen auf dem Boden des Brunnens.

Zum Glück hatte der kein Wasser.

„Er hat es mir gesendet.“

„Wie bitte? Er hat es dir gesendet?“

„Es liegt in der Familie, dass wir Gedanken

senden können“, antwortete Artis blaues

Ebenbild.

Fietje fragte: „Weißt du denn, wo dein

Bruder jetzt ist?“

„Ja, natürlich“, antwortete Anti.

Der Hugenottenbrunnen

erinnert an die Entstehungder

Stadt Erlangen, die Markgraf

Christian Ernst 1686 für die aus

Frankreich geflüchteten Hugenotten

errichten ließ.

Die Brunnenpyramide besteht aus

Sandstein und ist 12 m hoch. Die

Figuren zeigen neben Markgraf

Christian vor allem verschiedene

Natur- und Wassergottheiten.

ERFAhRE MEHR

„Komm, wir müssen ihn befreien!“

Fietje griff seinem gefiederten Freund behutsam

unter die Flügel. Plötzlich wurden sie von

einem Geräusch aufgeschreckt.

„Hast du das gehört? Das war

doch ein Pistolenschuss da

oben. Komm decke mich!

Ich bringe Arti raus.

Achte du auf die

Agenten!“, flüsterte Fietje.

„Dann lass uns dort hingehen! Worauf

wartest du noch, komm!“


26

ARTIS BEFREIUNG

27

„Okay.“

„Hast du Arti?“

Verlies

„Ja, hab ich. Komm, wir rufen die Polizei. Sie muss die beiden Agenten ins

Markgrafenschloss bringen.“

„Das war knapp“, sagte Fietje, nachdem sie aus dem Brunnen herausgeklettert

waren.

Arti fragte die beiden: „Wo sind wir?“

Fietje antwortet ihm: „Na wieder aus dem Brunnen raus. Und dort ist der

Schlossgarten und das da drüben ist das Markgrafenschloss. Da bringt die

Polizei Herrn Keinwort und Mister Mundzu hoffentlich jetzt hin und sperrt

sie ins Verlies.“

„Und was machen wir jetzt?“, fragte Arti weiter.

„Was ist hier los?“

1

Verlies =

Substantiv

dunkler, als

Kerker

dienender

Raum

„Wir schauen mal zum Marktplatz auf der anderen Seite des Schlosses.“

Auf dem Weg dorthin hörte Arti ein Rascheln.

Als sie am Markt angekommen waren, traf sie der Schlag.

„Der Markt ...“, stotterte Fietje, „... ist leer!“

Kein Mensch war zu sehen. Arti fasste Mut und sagte:

„Ich wette mit dir, dass bei den Obstständen jemand ist.“

Doch als sie dort ankamen, verzweifelten sie fast.

„Das ist der letzte Stand, immer noch niemand“, sagte Fietje.

„Woher soll ich das wissen“, sagte Arti und biss

in einen Apfel, den er sich einfach vom Stand

genommen hatte. Auf einmal packte ihn

jemand und drückte ihn mit aller Gewalt in

einen Bananenhaufen. Arti schrie:

„Lass mich los! Du bekommst meine Federn

nicht!“

Fietje sah die zwei Ganoven ins Markgrafenschloss

huschen. Wie war das möglich? Sie

sollten doch längst hinter Gittern sein? Er war

sich sicher, dass sie Arti hatten und lief ihnen

ins Schloss hinterher.

Markgrafenschloss

Das Herzstück der Erlanger Innenstadt

bildet das Markgrafenschloss.

Sein Bau wurde 1700 begonnen.

Beim Schlossbrand von 1814 brannte

es vollständig aus und wurde

erst 1821-25 wiederaufgebaut.

Heute ist hier die Verwaltung der

Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg untergebracht.

ERFAhRE MEHR


28

29

"Das Fallenhaus"

geschrieben von:

aus der

Werner-von-Siemens-Realschule

Emma Hamker

12 Jahre

Lotte Hamker

12 Jahre


30 DAS FALLENHAUS

31

Fietje rannte den langen, mit Porträts gesäumten,

Korridor entlang. Da tauchte Herr Keinwort vor

ihm auf. Fietje schlitterte direkt vor seine Füße.

Der Agent grinste, denn er hatte Arti fest unter

dem Arm gepackt. Doch auch er rutschte auf dem

frisch gewischten Boden aus und ließ Arti dabei los.

Arti und Fietje nutzen die Gelegenheit und flüchteten

aus dem Schloss. Sie blieben erst zwei Straßen

weiter stehen.

Keuchend krächzte Arti:

„Das war mal wieder haarscharf, hauchdünn, super

knapp, gerade so …“

„Jetzt halte aber mal die Luft an, Arti!“,

unterbrach ihn Fietje.

„Außerdem habe ich eine geniale Idee. Was die können,

können wir schon lange.“

Fietje starrte wie gebannt auf ein verlassenes Haus in der

Nähe.

„Ich verstehe, was du meinst“, erwiderte Arti grinsend, während

sein Blick zu dem einen verlassenen Haus ging.

Sie wussten, die Agenten würden sie bald suchen.

Durch den Schlauch, durch den Müll entsorgt wird, kletterten die

beiden in das Haus. Drinnen legten sie gleich los. Arti nahm sich die Tür

vor. Er befestigte eine Schnur am Türgriff und setzte einen Tacker

ans andere Ende der Schnur.

Inzwischen nahm sich Fietje den Keller vor. Er befestigte den XXL-

Elektro-Schocker am Waschbecken.

Im ersten Stock zog Arti jetzt einen Sack durch ein Loch im Boden.

Er schmiss die Schnur runter, damit sie später auf Herrn Keinwort

und Mister Mundzu fallen würde.

Im zweiten Stock baute Fietje eine Lampe so um, dass jeder Hut,

jede Mütze oder auch Haare Feuer fangen würden, wenn man direkt

unter ihr stand.


32 DAS FALLENHAUS

33

Nachdem die beiden fertig waren, warteten sie bis es

dunkel wurde. Sie wollten, dass sich Herr Keinwort und

Mister Mundzu in Sicherheit glaubten. Und da sahen sie die

beiden auch schon kommen.

Langsam schälten sich die Konturen der beiden Agenten

aus der Dunkelheit. Arti lockte sie mit seinem Krächzen

ins Haus. Alles lief nach Plan.

Als Herr Keinwort seine Hand an den Türgriff legte, löste

sich der

Tacker. Arti hörte seine Schmerzensschreie

und kicherte.

Nachdem die Agenten auch in die zweite Falle

mit dem Elektro-Schocker gerannt waren, gaben

sie auf und verzogen sich schnell wieder. Erst jetzt, als die

Gefahr vorbei war, merkten Fietje und Arti, wie müde sie

waren.

Sie legten sich schlafen und wachten erst am anderen

Morgen wieder am Hugenottenplatz auf. Anscheinend

konnte Arti noch andere Sachen anstellen. Teleportieren?

Aber das war wieder eine andere Geschichte.


34

35

"Ein Notfall"

geschrieben von:

aus der

Werner-von-Siemens-Realschule

Ellen Fabry

11 Jahre

Lena Bujarsky

11 Jahre


36 EIN NOTFALL

37

beherzt

Fietje hatte vor Kurzem in der Hugenottenkirche einen kleinen

Ferien-Job als Reiseführer ergattert. Deshalb musste er jetzt los.

Er ließ Arti noch eine Weile mit dem Skateboard spielen.

Dann holte er seine Gruppe am Eingang der Kirche ab.

Mit dabei war auch eine Mutter mit einem kleinen Kind.

Er begann seine Führung. Doch sein Handy klingelte und er entschuldigte

sich bei den Besuchern. Vielleicht war es wichtig. Er musste

rangehen.

„Ich komme gleich wieder.“

Er ging zu den hinteren Bänken, um das Gespräch anzunehmen.

antworten. Doch er wurde von einem schrillen Schrei unterbrochen.

Er rannte schnell zurück zur Gruppe.

Da sah er, dass das kleine Mädchen auf dem Boden lag.

Fietje sprach sie vorsichtig an.

„Hallo, kannst du mich hören?“

Er beugte sich vor und hielt sein Ohr an ihren Mund.

„Sie atmet, aber nur ganz leicht.“

Als Fietje jetzt beherzt auf den Bauch des Mädchens

drückte, spuckte sie ein Bonbon aus und hustete laut.

Dann saß sie mit hochrotem Gesicht wieder aufrecht.

2

beherzt =

Adjektiv

mutig

entschlossen,

unerschrocken

„Ich bin es, Joana. Ich wollte dir nur sagen, dass ich heute Zeit habe.“

Fietje wurde es weich ums

Herz und er wollte schon

Die Mutter umarmte Fietje dankbar. Auch er hatte

sich sehr erschrocken.

Hugenottenkirche

Die Hugenottenkirche ist eine

barocke Kirche. Mit ihrem

Bau am 14. Juli 1686 begann auch

der Aufbau der Neustadt Erlangen.

1693 wurde die Kirche schließlich

eingeweiht - zunächst ohne Turm.

Erst 39 Jahre später erhielt die

Hugenottenkirche ihren markanten

Kirchturm.

ERFAhRE MEHR


38 EIN NOTFALL

39

Plötzlich hörte er wieder ein Kreischen.

„Kraaah, kraaah, kraaah!“

Fietje ging zum Lüftungsschacht, wo das Geräusch herkam.

Der Schacht war groß und hatte ein Gitter. Dahinter

sah er seinen Papagei. Arti war eingesperrt.

Arti, wieso bist du denn nicht bei Oma?“

„Sie haben mich auf dem Fensterbrett entdeckt.

Und dann haben sie mir unzählige Federn ausgerissen und

mich danach hierher gebracht."

„Na komm, wir gehen zurück zu Oma nach Hause und

schauen nach, welche Federn fehlen“, meinte Fietje.

Als Fietje bei seiner Oma die Tür aufsperrte, begegnete er

seiner Mutter.

Sie sagte:

„Mann, Fietje, wo kommst du denn jetzt her? Ich hatte solche

Angst um dich! Und warum trägst du eigentlich diesen

Stoffpapagei ständig mit dir herum?“, fragte seine Mutter

ihn aus.

Fietje lachte leise, schlurfte in sein Zimmer und schloss die

Tür hinter sich.


40

41

"Joana"

geschrieben von:

aus der

Werner-von-Siemens-Realschule

Fabian Kühnel

14 Jahre

Tina Keil

15 Jahre

Daniele Cipullo

14 Jahre

Tina Foth

16 Jahre


42 JOANA

43

„Nächste Haltestelle Hugenottenkirche“

Fietje schnappte sich Arti und stieg aus. Heute wollte er mit

Joana einen Stadtbummel durch Erlangen machen. Sie hatten

sich für 15 Uhr hier verabredet.. Danach wollte er endlich Papas

Schwester, seine Tante Gerlinde besuchen. Er hatte sie seit

Jahren nicht mehr gesehen.

Arti krächzte: „Können wir bitte mal etwas essen. Ich habe

schon seit Zwickau Hunger.“

„Du nervst!“, stöhnte der Jenenser. Er war etwas aufgeregt

wegen Joana.

„Ich schau mal, wo es etwas gibt“, sagte Arti und flog davon.

Bevor Fietje ihn aufhalten konnte, war er schon weg. Doch

dann sah er ihn winken. Er rannte zu ihm.

Kurz darauf fand er sich in einem hohen, antiken und weiß

gestrichenen Raum wieder. Es war die Orangerie.

Eine Hochzeit war gerade im Gange.

Fietje hörte aufmerksam und gerührt zu. Er dachte an Clara, in

die er sich in Zwickau verliebt hatte.

Ob es Clara doof fand, wenn er sich heute mit Joana traf? Er

wurde rot bei dem Gedanken. Schämte er sich etwa?

Arti machte sich über das Buffet her. Schließlich waren sie

zum Essen hier.

Ein kleiner Lichtstrahl blendete den Papagei. Vorsichtig flog er

hin und stupste mit dem Schnabel eine Tür auf. Zögernd folgte

ihm Fietje.

Orangerie

Eine Orangerie ist ein historischer

Garten. Hier werden wie in einem

Gewächshaus Pflanzen untergebracht.

Sie wurde im Schlossgarten von Erlangen

1704-1706 erbaut.

1818 ging das Gebäude in den Besitz

der Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg über und ist seitdem

Sitz der Institute für Kirchenmusik und

Kunstgeschichte. Die Orangerie dient auch

als prunkvoller Ort für Konzerte und

Trauungen.

Was ist der Unterschied

zwischen einem Jenenser

und einem Jenaer?

2

Finde es raus!

ERFAhRE MEHR


44

JOANA

45

Die beiden traten in den großen, bunt blühenden Park hinaus.

Es war der Erlanger Schlossgarten, um den herum sich alte

Bauwerke tummelten.

Die Hugenottenkirche, der Hugenottenbrunnen, das Markgrafenschloss

und auch die Orangerie.

Studenten lagen auf der großen Wiese und lernten. Fietje

suchte sich auch ein ruhiges Plätzchen.

Er stellte sein Skateboard auf das frisch gemähte Gras und

legte sich daneben. Dann schaltete er seinen iPod an, setzte die

Kopfhörer auf, schloss die Augen und dachte an Clara.

Fietje schreckte hoch und wollte sein Skateboard schnappen. Doch

es war weg! Sein Herz rutschte in die Hose. Joana musste leider

warten. Er suchte das Board im ganzen Park.

Er suchte hinter jedem Busch und fragte nahezu jeden, der ihm über

den Weg lief. Leider ohne Erfolg. Mit Tränen in den Augen lief er aus

dem Park hinaus.

„Warum hab ich nur rumgeträumt“, wimmerte er schniefend.

Am Westausgang des Gartens sah er einen Jungen mit einem

Skateboard. Fietje rannte zu ihm.

3

nahezu =

Adverb

fast, beinahe

4

wimmern =

Verb

zitternd jammern,

unterdrückt

weinen

Auf einmal hörte Fietje Joana rufen. Er hatte sie

komplett vergessen. Sie hatte ewig vor der Hugenottenkirche

auf ihn gewartet und suchte

ihn jetzt.

„Hey, kannst du mir bitte helfen? Mein Skateboard

wurde geklaut. Hast du etwas beobachtet?“

nahezu

wimmern

Schlossgarten

Der Schlossgarten gilt als eine der

ersten barocken Gartenanlagen

Frankens. Er befindet sich hinter dem

Erlanger Schloss. Auf 7,5 Hektar Fläche

bietet er genügend Platz für Spaziergänge

und Entspannung im Grünen. Jährlich

findet hier das Schlossgartenfest statt -

das größte Gartenfest Europas.

Und tatsächlich: der Junge

erzählte, dass ein Typ mit

einem Board in Richtung

Klinikum gefahren sei.

Fietje rannte los und bedankte

sich im Laufen.

ERFAhRE MEHR


ERFAhRE MEHR

46 JOANA

An der Straße vor dem Universitätsklinikum sah Fietje den

großen Jungen mit seinem Skateboard unter dem Arm. Er

verschwand damit gerade im Krankenhaus.

47

5

fündig

werden =

Verb

aufspüren,

finden

Als die Ampel grün wurde rannte er schnell wie der Blitz über

die Straße und dann ins Klinikum, dem Jungen hinterher.

Im ersten Stock suchte er vergebens. Im zweiten Stock fand

er den Jungen leider auch nicht. Aber im dritten wurde er

fündig.

Er sprach ihn an:

„Hey, das ist mein Board! Gib es mir wieder!“

Der Dieb stieß ihn um und lief weiter.

Da wurde Fietje sauer und schrie seinem Board zu:

fündig werden

„Befreie dich! Hierher!“

Der andere Junge war völlig platt. Was war das denn? Das

Board unter seinem Arm verschwand und flog zu seinem

Besitzer zurück. Fietje stellte sich ungerührt auf sein Board

und flog damit los.

„Das war Spitzenklasse“, meinte Arti, der auch gerade angeflogen

kam.

„So, jetzt aber los zu Tante Gerlinde!“

Universitätsklinikum

Das Universitätsklinikum Erlangen,

gegründet 1815, umfasst mit seinen

24 Kliniken, 18 Abteilungen und 7 Instituten

alle Bereiche der modernen Medizin.

Es ist eines der drei Krankenhäuser in

Erlangen. Die Gebäude des Uni Klinikums

liegen überwiegend am Erlanger Schlosspark

und bieten Krankenversorgung und

Forschung auf höchstem Niveau.


48

49

"Wo ist Fietje?"

geschrieben von:

aus der

Werner-von-Siemens-Realschule

Johannes

Heinrich

14 Jahre

Julius Hirsch

13 Jahre

Tolgahan

Kuzucular

13 Jahre


50

WO IST FIETJE?

51

Fietje betrat das Haus. Es roch nach altem Holz. Er klingelte

mit zitternden Händen bei Müller.

So ganz kalt hatte ihn der Diebstahl nicht gelassen. Und auch

das mit Joana war blöd gelaufen.

Er hatte ihr eine SMS geschrieben.

Eine blonde, nette Frau öffnete jetzt die Tür.

Sie rief laut und aufgedreht:

„Hallo Fietje! Wow, bist du groß geworden! Toll, komm rein! Das

sind deine Cousine Paula, dein Cousin Fabian und dein Onkel

Robert. Du kannst dich sicher kaum erinnern.“

„Hi“, sagte Fietje schüchtern in die Runde.

Nach 25 Minuten waren sie allesamt angekommen. Es war schon

dunkel im Saal. Sie fanden am Rand noch freie Plätze. Als die Vorführung

begann, erschrak Fietje:

„Oh, mein Gott!“, entfuhr es ihm.

Die Schauspieler auf der Bühne waren die Bösewichte aus Sprachlos-Land.

Die Scheinwerfer gingen an und leuchteten das ganze

Theater aus. Überall waren lauter Agenten. Kein normaler Mensch

war mehr unter den Zuschauern. Auch seine Tante, sein Onkel, Paula

und Fabian waren Agenten. Er steckte in der Falle.

Zum Glück hatte er Arti in seinem Rucksack im Haus der Tante

gelassen.

Seine Tante zeigte ihm das ganze Haus.

Dann aßen sie alle zu Abend.

Fabian fragte, ob er mit ins E-Werk möchte. Fietje nahm das

Angebot an und sie gingen feiern. So richtig gefiel ihm die Musik

hier nicht, aber das war ja Geschmackssache.

Außerdem war Fabian war ja schon etwas älter.

Am nächsten Morgen holte Gerlinde die Jungs zum Frühstück.

Fietje aß still seine Cornflakes. Er war übermüdet. Onkel Robert

fragte, ob er Lust hätte, ins Markgrafentheater zu gehen.

Fietje bejahte, obwohl er lieber geschlafen hätte.

Er wollte nicht unhöflich sein.

Was stand da

3

wohl drin?


52

WO IST FIETJE?

53

In der Zwischenzeit bei Tante Gerlinde:

Arti hörte ein Klopfen an der Zimmertür und bekam Angst. Da

bemerkte er den Briefumschlag unter dem Türschlitz. Er hob ihn

mit dem Schnabel auf und öffnete ihn sogleich.

Auf dem Zettel, der sich darin versteckte, stand:

„Markgrafentheater, 11 Uhr!“

Arti flog sofort dorthin. Doch er ahnte nicht, was ihn erwartete.

Als er den Saal erreichte, sah er Fietje gleich. Sein Freund saß in

der ersten Reihe, hielt sich die Augen zu und schrie.

Gerade als Arti zu ihm fliegen wollte, schnappte sich ein Agent

Fietje und steckte ihn in einen Kartoffelsack.

Mit Artis nächstem Flügelschlag waren alle weg.

Der Saal war leer.

Zurück blieb wieder nur eine Notiz für den König von Wort-

Reich. Auf dem Bühnenvorhang war zu lesen:

„Finde die Unterschrift des Markgrafen Christian Ernst in der

Neustädter Kirche und bring uns eine Socke des Markgrafen

Friedrich! Erst dann wirst du Fietje am Schlossplatz wiedersehen.“

Arti flog sofort zur Neustädter Kirche. Das konnte doch alles

nicht wahr sein! Jetzt waren sie schon hinter Fietje her! Oder

benutzten sie Fietje als Köder? Sollte er ihnen auf diese Art

ins Netz gehen?

An der Neustädter Kirche angekommen, flog er durch die

geöffnete Tür hinein. Er sah den Pfarrer, wie er

seine Rede probte. Sofort fragte er ihn.

Markgrafentheater

Das Markgrafentheater ist eine

der beiden Spielstätten des Theater

Erlangen. Es ist das älteste bespielte Barocktheater

Süddeutschlands und bietet

570 Zuschauern Platz.

1719 eröffnet, werden heute im Markgrafentheater

vorwiegend Klassiker und

moderne Stücke gezeigt.

Auch Konzerte, Lesungen und Festivals

finden hier statt.

Neustädter Kirche

Die Neustädter Kirche ist der

größte barocke Sakralbau in

Erlangen. Sie ist gleichzeitig Universitätskirche

der Friedrich-Alexander-

Universität Erlangen-Nürnberg.

Neben Gottesdiensten wird besonders

die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

gefördert.

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54

WO IST FIETJE?

55

„Guten Tag, Eminenz! Wissen Sie, wo ich den Erlass zur Gemeindegründung

von Erlangen finden kann?“

Der Pfarrer zeigte auf ein Gemälde und flüsterte: „Dahinter ist

die Kopie.“

Arti fand den Zettel und riss ihn von der Wand. Die Unterschrift

von Christian Ernst war drauf. Somit hatte er den ersten Teil

der Aufgabe erfüllt.

Jetzt musste er Markgraf Friedrich finden. Er wusste, der

Gründer der Erlanger Universität war seit 250 Jahren tot und

seitdem in seinem Wort-Reich.

Er musste also zu seinem Denkmal fliegen, dort den Code

entschlüsseln, kurz ins Denkmal verschwinden und den Herzog

um seine Socke bitten.

leicht öffnete. Er schlüpfte hinein. Mit der uralten Socke kam er

angewidert wieder heraus.

Mit Socke und Zettel bewaffnet sah er sich entnervt auf dem

Schlossplatz um. Hier sollte der Austausch stattfinden. Hoffentlich

hielten die Agenten Wort. Doch jetzt traute er seinen Augen

nicht.

Fietje saß seelenruhig an einer Bushaltestelle und tippte etwas

in sein Handy. Wollten sie ihn nur alle veräppeln? Warum hatte

er sich so gesorgt? Und vor allem diese Stinkesocke mit sich

rumgeschleppt?

„Eine Frechheit!“, quäkte der König von Wort-Reich. So sauer war

er selten gewesen.

6

anwidern =

Verb

abstoßen, anekeln

„So eine dämliche Aufgabe! Die waren auch

schon mal kreativer“, meckerte der

Vogel vor sich hin.

anwidern

Markgraf Friedrich III.

von Brandenburg-Bayreuth

Es sollte wirklich einfach werden.

Der Code am Denkmal des Herzogs

bestand nur aus Zahlen: “4812569“.

Übersetzt hieß das: “Friedrich“.

Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth

ist der Gründer

der Erlanger Universität. Er lebte

von 1711 bis 1763 und war ein fortschrittlicher

Fürst und Herrscher. Anlässlich

des 100. jubiläums der Universität wurde

ihm zu Ehren 1843 auf dem Schlossplatz

das Markgrafendenkmal errichtet. Es

Arti sprach den Namen nun laut

aus, woraufhin sich das Denkmal

zählt zu den wichtigsten Wahrzeichen

Erlangens.

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56

57

"Eine Zeitreise mit Skelett"

geschrieben von:

aus der

Werner-von-Siemens-

Realschule

Emma

Hamker

12 Jahre

Carina

Hoyer

12 Jahre

Daniele

Cipullo

14 Jahre

Fabian

Kühnel

14 Jahre

Melina

Leybold

11 Jahre

Tina Foth

16 Jahre

Tina Keil

15 Jahre


58

EINE ZEITREISE MIT SKELETT

Arti flog verärgert zu seinem Freund. Der schien ihn gar nicht zu

bemerken. War er überhaupt jemals entführt worden?

Wenn ja, dann hatte das ja keinen großen Schaden bei ihm

hinterlassen. Der Vogel schmiss wütend die Socke von Herzog

Friedrich auf den Boden.

Da piepte Fietjes Handy. Eine SMS von seinem Vater:

Fietje sagte: „Na toll, wie sollen wir jetzt hinein kommen?“

„Warte, ich fliege mal ums Haus und schaue nach einer Tür. Ja, da

ist was, komm schnell!“, rief Arti.

Sie gingen rein und Arti fragte: „Wo ist denn nun dein Vater?“

„Immer mit der Ruhe“, meinte Fietje.

59

Am nächsten Morgen machten sich Fietje und Arti auf den Weg.

An der Haltestelle Zollhaus mussten sie aussteigen. Arti hüpfte

vor Aufregung auf Fietjes Schultern. In einem Archiv konnte er

bestimmt viele neue Wörter sammeln. Vor dem Gebäude sahen

sie eine Baustelle.

Nachdem die beiden 10 Minuten gewartete hatten, tauchten drei

Männer in Anzügen auf.

„Du bist Fietje und willst etwas über unser altes Gebäude wissen?“,

fragte einer der drei.

Fietje wunderte sich über die seltsamen Klamotten. Arti aber

flog den Männern schon hinterher.

Es tut mir leid, dass es

heute nicht geklappt hat,

ich musste länger arbeiten.

Aber dafür habe ich

eine Überraschung für

Dich. Komm bitte morgen

ins MedArchiv von

Siemens. Viele Grüße.

„Oh ja, hier kann ich wirklich jede Menge neuer Wörter finden!“

Fietje folgte zögerlich. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die Männer

sahen aus wie aus einer anderen Zeit. Aber was sollte es. Seit

Fietje Arti kennengelernt hatte, waren so allerhand verrückte

Dinge passiert.

„Also dann, tretet ein in unsere heiligen Hallen!“


60

EINE ZEITREISE MIT SKELETT

Mit einer einladenden Handbewegung warteten die Herren auf

Fietje. Seltsam. Sie hatten sich immer noch nicht vorgestellt.

Doch als sie jetzt vor einem der Bücherregale im Vortragsraum

standen, dämmerte es Fietje. Hatte er nicht beim Hineingehen

an einer Wand drei Fotos entdeckt? Die Ähnlichkeit war nicht

zu übersehen. Der gleiche altmodische Kleidungsstil, dieselben

Gesichter.

„Was stand noch mal auf den Fotos?“

Fietje versuchte sich krampfhaft zu erinnern. Jetzt fiel es ihm

wieder ein: Firma Reiniger, Gebbert & Schall.

Aber was hatte das mit Siemens zu tun?

„Ja, wir sind die Pioniere der Medizintechnik“,

unterbrach einer der Herren Fietjes Gedanken.

Er hatte mal wieder laut gedacht.

„Mit unseren mechanischen Apparaten, Stromgeräten

und Beleuchtungskörpern können Ärzte ihre

Patienten genau untersuchen“, stimmte ihm der

andere zu.

61

„Und vergessen Sie nicht unsere kürzlich entwickelte

Zahnbohrmaschine! Was für eine Erfindung!“

Fietje war verwirrt.

„Komm schon, das schauen wir uns mal genauer an“,

flüsterte Arti.

Fietje sagte zaghaft: „Meine Herren, ich

würde gern die Toilette aufsuchen.“

Und schon verschwanden die beiden

aus dem Zimmer. Sie öffneten eine schwere Tür,

durch die sie ins Archiv gelangten. Das Licht schaltete

sich automatisch an und sie sahen große weiße und

moderne Schränke. Per Knopfdruck schoben sich die

Schränke auseinander.

Unmengen von Büchern ragten

aus den riesigen Regalen. Graue,

mit Stricken sorgfältig verschnürte

Ordner lagen überall herum. So, als

warteten sie darauf, durchforstet zu

werden.

Die drei Männer, die Fietje so seltsam

vorkommen, sind Max Gebbert (1),

Erwin Moritz Reiniger (2) und Karl Schall

(3). Sie gründeten 1886 die Firma „Reiniger,

Gebbert & Schall“, heute bekannt als

Siemens AG, Bereich Medizinische Technik.

RGS Katalog

Mit Hilfe von reich verzierten Katalogen

machte die Firma Reiniger, Gebbert &

Schall (RGS) auf ihre neuesten medizinischen Geräte

aufmerksam. Der Katalog von 1888 enthielt

1500 Produkte.

1

3

2


62

EINE ZEITREISE MIT SKELETT

„Das sind Folianten“, gab Arti altklug von sich.

Sie gingen weiter.

„Du musst an der Kurbel drehen, dann erzeugt der Kasten Strom“,

sagte Arti.

63

Im Nebenraum war ein Filmarchiv. Es sah aus, als gäbe es

den Raum schon eine Ewigkeit. Durch Kurbeln musste man

hier die Schränke öffnen.

Fietje erspähte alte Filmrollen und Video-Kassetten. Er nahm

sich eine Rolle und spannte den Film auf eine Bandmaschine.

Er kannte das von den Vorführungen seines Onkels.

Jedes Weihnachten musste die Familie seine “alten Schinken“

gucken. Doch bei der Maschine hier passierte nichts. Sie gab

keinen Mucks von sich.

„Ah, der Stromgenerator! Den braucht man vielleicht?“

Neben Fietje stand der Generator. Er war ganz aus Holz.

Fietje kurbelte daran und die Filmrolle begann sich zu drehen. Der

Monitor sprang an.

Sie betrachteten aufmerksam die vielen Bilder, die sich in schneller

Folge abwechselten. Doch auf einmal hüpfte Fietje erschrocken

zurück. Er hatte das Skelett einer Hand mit einem Ring auf

dem Film gesehen hatte.

„Was war das?“, schrie er entsetzt.

„Psst!“

Arti deutet zur Tür.

Sie hörten eine Stimme

auf dem Gang.

Ein Foliant ist ein Begriff aus dem

Archiv. Er enthält eine Sammlung

historischer Dokumente. Die einzelnen

Seiten und Blätter werden von einem Buchbinder

per Hand zusammengeknüpft.

Mit einem sogenannten Archivknoten

werden Schriftstücke so verschlossen,

dass man den Knoten leicht wieder

aufmachen kann.

Im 19. Jahrhundert kam

der Strom noch nicht aus

der Steckdose.

Die Batterien und Apparate zur

Stromerzeugung waren mit Holz

verkleidet. Größere Stromgeräte

hatten das Aussehen

von Möbeln, damit sie nicht so

„unschön“ aussahen.


64

EINE ZEITREISE MIT SKELETT

Röntgen-Aufnahme

Eine Röntgen-Aufnahme konnte damals bis

zu einer halben Stunde dauern. In dieser

Zeit mussten die Patienten vollkommen still

halten und durften sich nicht bewegen.

„Wo bist Du?“, rief er in die Dunkelheit.

Hastig durchwühlte Fietje seinen Rucksack nach der Taschenlampe, die

er vorsichtshalber nach seinem letzten Abenteuer eingepackt hatte.

Doch bevor er sie greifen konnte, biss ihn Arti mit voller Kraft in den

Finger.

65

„Ja, hier haben wir den Film über die Röntgen-Strahlen. Ich hole

ihn mal.“

Arti, schnell, das ist ein Mitarbeiter

aus dem Archiv! Der kommt gleich

rein! Du musst die Maschine abschalten!“,

flüsterte Fietje.

Arti schnappte sich die Kurbel vom

Generator. Er kurbelte jedoch in die

entgegengesetzte Richtung. Dadurch

blieb die Kurbel stecken.

Vor Schreck schmiss er mit seinem

Flügel den Generator um. Mit einem

lauten Krachen fiel er zu Boden. Entsetzt

sahen sich die zwei Freunde an.

„Beeil Dich, wir müssen verschwinden!“,

krächzte Arti.

Sie versuchten die Tür aufzureißen, doch

mit einem Mal war alles dunkel. Der Generator

hatte einen Kurzschluss ausgelöst.

Vorsichtig tastete Fietje, ob Arti noch da

war.

Bertha Röntgens Hand

Die erste Röntgenaufnahme

stammt von

Bertha Röntgens Hand und

wurde 1895 von ihrem Mann

Wilhelm Conrad Röntgen

gemacht.

Fietje schrie auf: „Aua, was soll das, bist du bescheuert?“

Doch Arti krächzte nur: „Nein niemals, lasst mich in Ruhe, ihr kriegt

mich nicht, verschwindet!“

Fietje schrie auf: „Aua, was soll das, bist du bescheuert?“

Doch Arti krächzte nur: „Nein niemals, lasst mich in Ruhe, ihr kriegt

mich nicht, verschwindet!“

Arti, beruhig’ dich! Ich bin es, Fietje.“

Schnell griff er seine Taschenlampe und strahlte Arti damit an. Doch

der Vogel stand da wie festgefroren.

Erschrocken rannte Fietje zum Ausgang.

Er versuchte schnell die Tür zu öffnen. Doch

er wusste nicht, dass man dazu einen Knopf

drücken musste.

„Verdammt, wie geht das hier auf!“, schrie

Fietje.

Er tastete nach der Türklinke und kam an

den Knopf. Schlagartig öffnete sich die große

Metalltür.

1895 entdeckte Wilhelm

Conrad Röntgen, ein Professor

und Physiker aus Würzburg,

eine besondere Art von Lichtstrahlen,

X-Strahlen genannt.

Diese machten es möglich, in das

Innere eines Körpers zu sehen.

In Deutschland trägt die

Erfindung seither seinen Namen:

Röntgen-Strahlen.


66

EINE ZEITREISE MIT SKELETT

Fietje sprintete aus dem Raum und eilte zum Büro

seines Vaters. Beinahe wäre er gegen eine Vitrine gerannt.

In einer Ecke entdeckte er einen kofferähnlichen Gegenstand

aus Holz, auf dem "Babyglühlampe" geschrieben stand.

67

Er war ganz außer Atem.

„Was ist das denn?“

„Was ist denn hier los? Fietje, du bist ja ganz blass!“

Fietje packte den Koffer und schleppte ihn zu seinem Vater.

Zusammen öffneten sie die Kiste und klappten sie auf. Der Vater

„Oh, Papa, ich hab Mist gebaut! Ich hab den Filmdings angeschmis-

schloss ihn am Strom an. Die Lampen darin begannen zu glühen.

sen und als ich ihn wieder ausmachen wollte, ist er mir runtergefallen.

Und da waren vorhin noch die drei seltsam gekleidete

Männer."

„So hat man früher die Babys gewärmt, mein

Junge.“

Fietje, welche Männer denn? Also manchmal fantasierst du

schon ordentlich, oder? Du wolltest doch bloß aufs Klo.“

Der Vater schüttelte den Kopf.

Stolz erzählte der Vater von der Geschichte seiner Firma und

zeigte auf die große Ausstellungstafel. Sein Junge konnte

sich gar nicht satt sehen, an all den alten

Geräten, die hier standen. Doch dann war

„Komm jetzt, Junge! Ich wollte dir doch den Ausstellungsraum

zeigen, den dein Vater gerade mit Frau Vittinghoff zusammen

plant.“

Damit ging er voran. Fietje hinterher. Aber wo war Arti geblieben?

Vorsichtig drehte er sich zur Metalltür um. Doch von Arti keine

es Zeit zu gehen. Sein Vater hatte noch

jede Menge zu tun. Und auch Fietje hatte

es nun eilig, denn Arti war immer noch

nicht aufgetaucht.

Wo steckte der Papagei bloß schon wieder?

Spur. Hatte er sich das alles wieder mal nur eingebildet?

Sein Vater und er betraten einen riesigen Raum, der mit großen

Fenstern versehen war. Fietje war beeindruckt.

Überall standen seltsame alte Gerät herum. Die sollten wohl für

die Ausstellung vorbereitet werden. Und auf dem Boden waren

Ausstellungstafeln angebracht.

„So was arbeitet Papa?“, dachte Fietje laut nach.


68

EINE ZEITREISE MIT SKELETT

Röntgen-röhre

69

Siemens-Healthcare in Erlangen

Heute ist Erlangen einer der größten

Standorte der Siemens AG weltweit. Der

Bereich Medizintechnik, auf Englisch Healthcare

genannt, ist hier entstanden.

Maschinensaal

Im alten Maschinensaal

von Reiniger,

Gebbert & Schall befindet

sich heute das Siemens Med-

Museum.

Röntgen-Kugel

1934 baute die Firma

RGS mit der Röntgenkugel

eine mobile

Röntgeneinheit. Sie konnte

direkt an das Stromnetz

angeschlossen werden.

Innerhalb von 40 Jahren

wurden insgesamt 40.000

Stück davon produziert.

Max Gebbert erkannte die

Möglichkeiten der Röntgen-

Strahlen. Er baute die Geräte, um sie

anwenden zu können. Die ersten waren

die sogenannten Röntgen-Röhren.

Das waren Glaskörper, in denen elektronische

Bauteile komplett luftleer

eingeschmolzen waren. Schloss man

diese Röhren an den Strom an, entstand

ein Röntgen-Bild.

Wichtige Daten zur Unternehmensgeschichte von

Siemens Healthcare:

1847 - Werner von Siemens gründet mit dem Mechaniker

Johann Georg Halske in Berlin die Firma

"Siemens & Halske“ (S&H). Sie stellen Telegrafen her,

mit denen Nachrichten übermittelt werden können,

aber auch elektromedizinische Geräte

1886 - Die Mechaniker Erwin Moritz Reiniger, Max

Gebbert und Karl Schall gründen in Erlangen die

Firma "Reiniger, Gebbert & Schall“ (RGS) zur Herstellung

medizintechnischer Produkte.

1925 - Nach dem Weggang von Erwin Moritz

Reiniger und Karl Schall sowie dem Tod von Max

Gebbert (1907) kommt es zu einem Zusammenschluss

der Firma RGS mit „Siemens&Halske“.

1932 - Die neue Firma "Siemens-Reiniger-Werke“ (SRW)

wird gegründet.

1947 - Der medizintechnische Bereich wird von Berlin

komplett nach Erlangen verlegt.

1969 - Als Teil der Siemens AG wird SRW zum Unternehmensbereich

Medizintechnik in Erlangen, seit

2008 Sektor Healthcare genannt.

Siemens MedMuseum&MedArchiv

Am 23.05.2014 eröffnete in Erlangen das

Siemens MedMuseum, ein Museum zur

Geschichte der medizinischen Technik in Erlangen.

Hier wird die Geschichte der Medizintechnik aufregend

und spannend zum Leben erweckt. Zahlreiche

Exponate und technische Geräte werden gezeigt,

Hintergründe und Funktionsweisen erklärt. Alles

ist multimedial erfahrbar.

Auch die Geschichte der Vorgänger-firmen und Ihrer

Gründer wird sichtbar und zeigt den Pioniergeist

der Menschen.

Im angrenzenden Archiv lagern zahlreiche Akten,

Straßennamen

In Erlangen sind

zahlreiche Straßen

nach den Erfindern und

Pionieren der Medizintechnik

benannt.

Fotoalben, Filme und schriften zur Firmen- und

Schau` s dir an

Technikgeschichte von Siemens Healthcare. Zusammen

mit der Bibliothek bildet das MedArchiv eines

der bedeutendsten medizintechnischen

Wissensspeicher.


70

DANKE für

den Blick hinter

die Kulissen!71

71

So war`s bei

Siemens

Doris Vittinghoff, die

Leiterin des MedArchivs,

erklärte allen, wie Siemens

Healthcare entstand, wer

sich dahinter verbarg und

welche Erfindungen auch

heute noch in der Medizin

angewendet werden.

Ein hochinteressanter

Einblick!


72

RUBINROT UND SAPHIRBLAU

73

73

Werner-von-Siemens-

Die Autoren aus der

Werner-von-Siemens-

Realschule

übergeben ihre Geschichten

zum Weiterschreiben an das

Gymnasium Fridericianum

und wünschen viel Spaß.

Schreib sie an!

Alles klar! Los gehts!

Die Schüler aus dem

Liebe Grüße aus der

Realschule!

www.federsammler-community.de

Gymnasium Fridericianum

übernehmen und schreiben

weiter.


74

75

"Lilly Blütenstaub"

geschrieben von:

aus dem

Gymnasium

Fridericianum

Ann-Kathrin

Lindner,

12 Jahre

Louise

Mang,

12 Jahre

Paula

Wissel,

12 Jahre

Paula

Wüstner,

12 Jahre

Pauline

Grimme,

11 Jahre

Talea

Weidner,

12 Jahre


76 LILLY BLÜTENSTAUB

„Hast du schon das Wort 'Botanik'?“

„Nein“, krächzte Arti.

„Dann zeige ich dir heute einen Ort, wo du es finden kannst“, schlug

Fietje seinem Freund vor.

Und schon standen sie vor dem Botanischen Garten.

Sie gingen hinein und trafen auf ein Mädchen.

„Sucht ihr etwas Bestimmtes?“, fragte sie die beiden.

„Ja, ich suche das Wort 'Botanik' für meinen Papagei“,

antwortete Fietje.

„Wieso?“, wunderte sich das Mädchen und kräuselte die Stirn. Aber sie

erklärte ihm geduldig die Bedeutung. Während Fietje alles aufschrieb,

was sie sagte, stellte sich das Mädchen vor.

„Ich heiße übrigens Lilly Blütenstaub. Und wer bist du?“

„Ich bin Fietje Anderswo“, antwortete ihr Fietje. Er kam sich von ihr

veralbert vor.

Was bedeutet das

Wort Botanik?

4

„Hey, lass uns doch zusammen

in die Arcaden gehen!

Dort gibt es einen

Buchladen. Da könnt

ihr noch mehr Wörter

finden“, schlug Lilly vor.

Sie verließen den herrlich

grünen Garten wieder.

Arti war verärgert. Er wäre

gerne noch geblieben. Denn

Botanischer garten

er wurde an Jena erinnert. Auch da gab es einen solchen Garten.

Er hatte damals geglaubt, wieder in seinem Wort-Reich gelandet zu

sein.

Lilly rief ein Taxi. Sie fuhren zu den Erlangen Arcaden. Tatsächlich

fanden sie dort nicht nur Geschäfte, sondern auch viele neue Wörter.

Später schlenderten Fietje, Lilly und der Papagei durch die kleinen

Gassen von Erlangen. Fietje schaute sich um, ob die beiden Männer

aus Sprachlos-Land irgendwo waren. Aber nichts war zu sehen.

Dafür erblickte er einen Heißluftballon, der zum Losfliegen bereitstand.

Als sie bei ihm ankamen, entdeckten sie den Besitzer.

„Hallo, ihr zwei“, begrüßte er sie freundlich.

„Hallo“, entgegneten Fietje und Lilly. Arti aber schwieg. Er sah sich

überall nach den beiden verlorenen Federn um.

Es ließ ihm keine Ruhe.

mitten im Stadtzentrum liegt der große

Botanische Garten.

In den Gewächshäusern können viele exotische

Pflanzen aus den Tropen und Subtropen bewundert

werden. Der Garten zeigt Pflanzen verschiedener

Klimazonen und ist das ganze Jahr hindurch ein

beliebtes Besucherziel.

Erlangen Arcaden

Die Erlangen Arcaden sind ein

glasüberdachtes Einkaufscenter

inmitten der Erlanger Innenstadt. Mit

rund 105 Geschäften und zahlreichen

Cafes und Restaurants, verteilt auf 3

Etagen findet sich hier alles, was das

Shopping-Herz begehrt.

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77

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78

LILLY BLÜTENSTAUB

79

Als alle im Ballon saßen und er in die Lüfte stieg, fragte

sie der Mann:

„Wo soll es denn hingehen?“

„Zum Kino“, entgegnete Lilly.

Als sie über Erlangen dahinflogen, fragte Fietje seinen Freund:

besänftigen

Der Film begann. Arti stopfte

wie wild Federn in seine Flügel.

“Hallo“ war zum Glück auch

dabei und er konnte wieder

jemanden grüßen. Warum

ihm dieses Wort nur immer

gestohlen wurde?

7

besänftigen =

Verb

beruhigen,

beschwichtigen

„Warum warst du so unhöflich und hast nicht gegrüßt?“

„Ich hatte doch die Wörter nicht mehr“, schluchzte der Papagei. Als

sie landeten, standen sie vor dem gläsernen Kino.

Fietje meinte: „Arti, wir sehen uns jetzt einen Film an. Dabei kannst

du wieder neue Wörter bekommen.“

„Ok“, meinte Arti besänftigt.

Als sie an der Kasse standen, sah Lilly einen Fotoautomaten.

„Lasst uns ein Erinnerungsfoto machen!“, schlug sie vor.

Nachdem sie das Foto gemacht hatten, fragte Lilly:

„In welchen Film möchtest du denn gehen?“

„In 'Wir sind die Millers’“, kam es von Fietje.

„Oh, ich auch. Komm, schnell in den Kinosaal!“

Als der Film zu Ende war, bestellten

die drei den Aufzug, um

nach unten zu fahren. Als die

Türen sich öffneten, war der

Aufzug leider belegt. Aber nicht

von irgendwem.

Drinnen standen die beiden

Männer aus Sprachlos-Land.

Aus ihren Sakkos lugte je eine

rote Feder hervor.

Arti hatte die zwei Federn also

nicht einfach verloren.

Fietje überlegte nicht lange. Er rannte auf sie zu und

schnappte sich die Federn. Dann versteckte er sich hinter

einer Säule. Lilly Blütenstaub blickte die Agenten verdattert an.

Sie verstand die Welt nicht mehr.

„Ein komischer Typ, dieser Fietje!“,

schüttelte sie den Kopf.


80

LILLY BLÜTENSTAUB

Dabei sah er sich nervös nach einem Fluchtweg um. In dem Raum

81

Fietje lehnte an einer Scheibe des gläsernen Kinos.

gab es drei Türen. Hinter einer klapperte und rauschte es, als würde

jemand abspülen. Eine Tür sah verdächtig nach Hinterausgang aus

„He, Freundchen, die Scheibe habe ich eben frisch geputzt!“

und dann gab es noch die Tür, durch die sie hereingekommen waren.

Plötzlich rief jemand aus dem Geschirrspül-Zimmer:

Fietje drehte sich erschrocken um.

Vor ihm stand ein Mann, der ziemlich sauer war. Derb packte er den

„Feuer, ... es brennt!“

entsetzten Jungen am Arm.

Sofort sprang Herr Cipollo auf: „Oleye, was hast du wieder gemacht?“

„Komm mal schön mit, du Lümmel! Ich muss mit dir ein ernstes

Damit verschwand er hinter der Tür.

Wörtchen reden!“

Er strich sich über seine gegelten Haare.

In der nächsten Sekunde ging die Tür auf, die nach Hinterausgang

aussah.

„Aua, Sie tun mir weh!“, quäkte Fietje.

„Schnell“, zischte der Junge, der durch den Türspalt hervorlugte.

Fietje sprang auf und rannte dem Jungen hinterher.

Aber der Mann zerrte ihn durch eine Stahltür in ein kahles Zimmer.

Darin befanden sich ein leerer Schreibtisch, drei Stühle und ein hohes

Sie rasten im Slalom durch die

belebten Straßen.

Regal, das mit Aktenordnern vollgestopft war.

„Setz dich!“

Fietje wurde unsanft auf einen Stuhl gedrückt.

„Ich bin hier der Hausmeister. Herr Cipollo. Wenn ich die Scheiben

putze, dann fasst sie keiner mehr an! Wie heißt du und wo sind

deine Eltern?“

„Ähm, also ich bin Fietje und meine Eltern ..., äh ..., meine Mutter ist

im Theater Paulistraße und mein Vater ist bei Siemens. Er arbeitet

dort“, antwortete Fietje artig.


82

83

"Wer ist Lukas?"

geschrieben von:

aus dem

Gymnasium Fridericianum

Laurin

Schindler

11 Jahre

Pavel Koch

11 Jahre

Sebastian

Rosenberge

11 Jahre

Sven

Eberhardt

11 Jahre


84 WER IST LUKAS?

85

8

erbärmlich=

Adjektiv

heruntergekommen,

armselig

9

krakeelen =

Verb

laut schreien,

streiten

krakeelen

Fietje sah hinter sich. Er hatte Angst, von Herrn Cipollo verfolgt zu

werden. Als er wieder nach vorne sah, war Oleye weg. Wo war er

denn nur hingerannt? Eine komische Begebenheit.

Arti fror erbärmlich. Auch Fietje ging es nicht viel besser. Deshalb

gingen sie in das erstbeste Haus, um sich aufzuwärmen.

„Hier ist es schön warm“, krächzte Arti fröhlich.

Es war eine Pizzeria. Fietje wollte gleich wieder gehen, denn er hatte

kaum noch Geld. Doch an Artis bettelndem Blick sah er, dass Widerstand

zwecklos war.

„Na gut.“

„Hurra, ich nehme Salami“, hörte Fietje es von seiner Schulter

krakeelen.

Fietje bestellte eine Pizza zum Mitnehmen. Als die beiden satt gefuttert

durch die Straßen zogen, sahen sie unter

einer Brücke einen Aufruhr.

erbärmlich

Ein Skater-Turnier war in vollem Gange. Überall waren Jugendliche

mit Skateboards. Laute Musik dröhnte aus großen Boxen.

„Lass uns ein bisschen zusehen“, sagte Fietje und hockte sich vor eine

Bank. Schon bald zeigte sich, wer das größte Talent besaß. Ein Junge

in Fietjes Alter schlug die Konkurrenz um Längen. Als sich der Platz

nach einiger Zeit leerte, kam der Junge auf Fietje zu.

„Hey, ich bin Lukas. Ich habe dich nicht beim Turnier gesehen. Wer

bist du?“

„Ich bin Fietje und das ist mein Freund Arti. Ich kam zu spät, um

noch teilnehmen zu können.“

„Oh, das tut mir leid, aber ich kann euch diese Feder schenken.“

„Danke!“, rief Arti schnell.

Fietje schaute verdutzt. Wie konnte Lukas von den Federn wissen?

Als Lukas die Feder überreichte, wurde auf ihr das Wort “Freundschaft“

sichtbar. Es war das zweite Wort, was Arti vorhin verloren

hatte. Konnte es Lukas auch sehen? Fietje war sich nicht sicher, ob

das mit der Feder nur ein Zufall war.


86

WER IST LUKAS?

Lukas bot an, Fietje seine Lieblingsgegend zu zeigen. Schon bald

fanden sie sich in einer großen Menschenmenge wieder. Lärm und

Sie schafften es noch bevor sich die Türen schlossen.

„Abgehängt“, dachte Fietje.

87

glühende Gesichter umgaben sie.

Sie konnten beruhigt an der besagten Kirche aussteigen. Doch plötz-

„Das ist die Bergkirchweih, 'der Berg’, das zweitgrößte Volksfest in

lich bekam Fietje einen harten Schlag auf den Hinterkopf.

Bayern“, erklärte Lukas.

Arti“, konnte er noch sagen. Doch dann wurde ihm schwarz vor Au-

Plötzlich sah Arti zwei Schatten in der Menge.

Die Agenten!“, schrie er Fietje ins Ohr.

Da sprach ihn eine Frau an. Sie nahm ihn beim Arm und raunte ihm

gen. Kurz darauf wachte Fietje wieder auf. Vor ihm stand ein Mann,

der mindestens 95 Jahre alt war. Er quasselte leicht verwirrt:

„Wo ist nur der Vogel?“

ins Ohr:

„Ihr müsst schnell von hier verschwinden. Geht zum Hauptbahnhof

und nehmt den Bus zur Dreifaltigkeitskirche!“

Lukas rief ihnen noch etwas hinterher. Doch sie waren schon in der

Menge verschwunden.

Mit diesen Worten ging er davon. Dabei fiel ihm ein Zettel aus der

Hosentasche.

Fietje sah sich um: „Verdammt, wo ist Arti?“

Er hob den Zettel auf.

„Der Vogel ist in den Gewölben der Dreifaltigkeitskirche gefangen“,

Dicht von den Bösewichten verfolgt, hasteten Fietje und Arti zum

Hauptbahnhof. Sie hatten Glück. Der Bus stand zur Abfahrt bereit.

stand darauf mit krakeliger Handschrift geschrieben. Darunter war

eine Karte mit einem Kreuz gezeichnet.

Bergkirchweih

Die Bergkirchweih, auch fränkisch

"Berch“ genannt, ist ein beliebtes

Volksfest. Es findet jedes Jahr zu Pfingsten

statt und lockt viele Besucher in die

Stadt Erlangen.

Aufgrund seiner Lage hat das Bergkirchweihgelände

am Burgberg einen

ganz besonderen Charme. Hier können im

größten Biergarten Europas Spezialitäten

unter alten, mit Lampions geschmückten

Kastanienbäumen genossen werden.

ERFAhRE MEHR


88

WER IST LUKAS?

89

10

spähen =

Verb

forschend,

suchend

blicken

Sofort rannte Fietje zum Gewölbeeingang der Kirche und sprang

hinunter. Hinter einer Biegung des Kellerganges hörte er Gekrächze

und Gekreische.

Er spähte vorsichtig um die Ecke und sah, wie die zwei schwarzen

Gestalten Artis Federn mit glühenden Augen aufsaugten. Fietje

wurde wütend. Er schlug solange auf den einen der beiden ein, dass

der sich mit einem Mal auflöste.

Dabei fielen viele Federn zu Boden. Die andere Gestalt, es war Mister

Mundzu, ließ seine ergaunerten Federn fallen und rannte davon.

Fietje hob Arti auf. Der Vogel jammerte:

„Mister Mundzu hat noch viele Federn in seinen Taschen. Wir müssen

ihn aufhalten!“

Am Gewölbeausgang fand Fietje sein Skateboard wieder.

„Er ist nach links gelaufen, ich spüre es“, sagte Arti matt.

spähen

Fietje stieg schnell auf sein Board und sie flogen nach links. Bald kam

der dicke Mann in Sichtweite. Er stieg in einen Bus. Fietjes Board flog

ihm hinterher. So jagten sie kreuz und quer durch die Stadt. Fietje

versuchte den Bus von oben aus der Luft auszumachen. Dann war

er weg. Einfach so. Und mit ihm eine Menge von Artis Federn.


90

91

"Immer diese Reime!"

geschrieben von:

aus dem

Gymnasium Fridericianum

David Hashemolhosseini,

12 Jahre


92

LOREM IMMER IPSUM DIESE DOLOR REIME!

„Zu Papa!“, befahl er dem Board. Es setzte sich in Bewegung.

93

Fietje hatte gehörig die Nase voll. Seit Stunden suchten sie nun schon

auf dem Friedhof nach Verwandten von ihm.

„Willst du mich wohl …, kraaah, ... loslassen?!“

„Sag mal, warum interessierst du dich eigentlich für meine Verwandtschaft?“,

fragte Fietje seinen Freund.

Wütend befahl Arti dem Skateboard stehenzubleiben.

Es stoppte, Fietje fiel vorn über und rieb sich die Nase. Als er den

Arti schwieg. Es war noch zu früh. Er wollte Fietje noch nicht aufklären.

Fietje war erschöpft. Er ließ sich auf einer Parkbank nieder.

Weg, den sie gekommen waren, zurücksah, stockte ihm der Atem.

Dort, auf dem dunklen Asphalt, lagen Federn.

Irrte er sich oder waren das wabernde Nebelschwaden über den

Gräbern? Und warum kämpfte da ein Skelett mit einer Schildkrö…

Schildkr… Sch…

Natürlich, die Federn hätten auch von jedem anderen Vogel stammen

können.

„Haa… haa… hatschi!“

Mit einem lauten Niesen schoss Fietje in die Höhe und war hellwach.

Aber 1. : Schimmerten auf normalen Federn etwa Buchstaben?

Und 2. : Es war außer Arti kein weiterer Vogel zu sehen.

Und 3. : Sie vermissten jede Menge Federn.

„Du bist eingeschlafen, typisch!“, beschwerte sich Arti.

„Aber heute wird weiter nach Mister Mundzu gesucht!“

„Vergiss es!“

„Na, na! So spricht man doch nicht mit dem König von Wort-Reich.

Und wo willst du hin?“

Fietje antwortete nicht. Er klemmte sich Arti unter den Arm und

stieg auf sein Skateboard.


94

LOREM IMMER IPSUM DIESE DOLOR REIME!

Arti tapste nun auch heran.

„Ich glaube, ich werde nicht wieder. Was ist mit meinem Gefieder?“,

fragte er.

Fietje blickte ihn verwundert an.

„Seit wann reimst du denn?“

gescheit

Sie standen jetzt genau vor dem Kaffeehaus. Das Skateboard hatte

entschieden. Arti war recht unschlüssig, weil er nicht mehr wusste,

was er sagen sollte und Fietje war kreidebleich, weil er schon wieder

“schwarz“ sah.

Die Leute blickten verwundert zu dem Jungen, der unsicher auf

seinem Skateboard stand, mit einem Papageien auf der Schulter. Ein

95

Arti schaute auch verwirrt drein.

„Wie kann das sein? Mir fielen keine anderen Wörter ein“,

versuchte er sich das zu erklären.

ungewohntes Bild in Erlangen.

Die Autos hupten und Fietje überlegte verzweifelt, wie sie den Männern

mit den Zylindern entkommen könnten.

Da waren inzwischen auch zwei weitere Männer

Fietje grübelte: „Das bedeutet, dass du Federn verlierst. Und mit jeder

aufgetaucht, die Fietje noch nicht kannte.

verlorenen Feder ja ein Wort vergisst und ...?“

„Du liebe Güte, wie viele denn noch?“, fragte er sich.

11

gescheit =

Adjektiv

geschickt,

gut, klug

„Mensch, bist du gescheit, welch eine tolle Neuigkeit!“, brummte Arti.

„Und, dass du Reimwörter als Ersatz dafür vielleicht leichter in deinem

Kleid findest“, stöhnte Fietje.

Arti sah ein, dass eine Diskussion zu nichts führte.

Auf dem Weg zu dem Café, in dem sich der Junge mit seinem

Vater treffen wollte, fiel dem Vogel aber noch etwas ein.

Er sah runter auf sein Skateboard. Es hob vom

Boden ab und stand jetzt senkrecht vor ihm. Es

hatte einen Pfeil, der nach unten zeigte. Wie eine

Aufforderung.

„Da rein, muss das sein?“, entrüstete sich Arti erschrocken.

„Mit den Federn, die mir vom Leib entschwinden“, krähte er von Fietjes

Schulter herunter,

„ ..., können Herr Keinwort und Mister Mundzu uns finden.“

„Ach du Kacke!“ Mehr fiel Fietje dazu nicht ein.

Das Skateboard bremste jetzt von ganz allein. Gesteuert durch die

bedrohliche Atmosphäre.


96

LOREM IMMER IPSUM DIESE DOLOR REIME!

12

Klischee =

Substantiv

Kopie,

Abklatsch

Er sah Fietje in den Gully klettern, der sich unter dem Board befunden

hatte und nun zum Vorschein kam.

„Du hast Recht, das ist eklig. Aber wir werden bald wieder hier rauskommen“,

erwiderte Fietje.

„Du hast es selbst gesehen, da oben wird Aufruhr entstehen.“

Dass die beiden bald wieder draußen sein würden, stimmte allerdings

nicht ganz. Um sicher zu gehen, dass die Agenten ihre Spur

verloren hatten, krabbelten sie eine ganze Weile durch die nasskalten,

tropfenden Rohre unter der Erde. Doch schon bald meldete sich Arti

wieder zu Wort.

„Ohjee, so ein Klischee!“

Fietje ermahnte ihn:

„Meckern in Reimen ist echt furchtbar! Los, wir steigen hier an dieser

Stelle wieder raus! Das wird hoffentlich genug weit weg sein.“

Der nächste Ausgang aus der Kanalisation befand sich dicht vor der

Universitätsbibliothek. Entnervt hockte sich Fietje auf die Steinstufen

vor dem Gebäude.

Klischee

97

Arti wollte sofort in die Bibliothek. Er musste das Rätsel um

seine Reime erforschen. Vielleicht fand er einen Hinweis dazu.

Aber Fietje sagte nur:

„Zuerst müssen wir meinen Vater finden. Der wird sicher

schon nach mir suchen.“

„Da muss ich rein. Da kann die Heilung sein! Immer ein Reim,

das darf nicht sein!“

Arti sprach es und flatterte los. Kaum war er im ersten

Raum angelangt, begann er zu suchen. Zwischen vielen Schriften

und Büchern zum Thema Vogelkunde, fand er seine

Rettung. Glücklich kam Arti wieder aus der Bibliothek

geflogen.

Fietje! Es war die Mauser!

Ich hab mich gemausert!“

Auch Fietje konnte nun aufatmen.

Reime waren nichts für ihn.

Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek

Erlangen-Nürnberg ist eine

wissenschaftliche Bibliothek und

gleichzeitig Regionalbibliothek für

Mittelfranken. Sie hat ein sehr breites

Angebot an Büchern und Schriften aus

allen Wissenschaftsgebieten.

ERFAhRE MEHR

Wenn sich jemand

5

"gemausert" hat, was

passierte dabei?


98

99

"Das Wiedersehen"

geschrieben von:

aus dem

Gymnasium Fridericianum

Jana Seidel

15 Jahre

Anna Dittrich

13 Jahre

Annabell

Elsinger

15 Jahre

Alica Habel

14 Jahre


100 LOREM DAS WIEDERSEHEN

IPSUM DOLOR

101

Am Morgen wachte Fietje in einem fremden Zimmer auf. Doch

dann erinnerte er sich. Er war in der Wohnung seines Vaters. Jetzt

klingelte sein Handy, das auf dem Schreibtisch lag. Schnell sprang er

aus seinem Bett und stieß sich treffsicher den Zeh.

„Hey, Fietje!“

„Clara?! Du bist aber früh dran“, quetschte Fietje hervor, während er

sich den schmerzenden Zeh rieb.

Clara klang seltsam bedrückt. Stockend sagte sie:

„Du, Fietje, eigentlich wollte ich dir nur sagen … ich glaube,

das mit unserer Fernbeziehung ist nichts für mich.“

„Aber, aber Clara ...“

„Sorry.“

"Tut-tut-tut-tut…"

Sie hatte aufgelegt, einfach so. Fassungslos starrte

Fietje auf sein Handy. Dann ging er mit Arti wortlos in

den großen Garten am Haus seines Vaters hinaus und

setzte sich auf die Veranda.

„Ach, Arti!“

Während er so dasaß, wurde ihm bewusst,

wie lange er schon nicht mehr hier gewesen war. Vor seinem geistigen

Auge spielten sich Szenen aus seiner Kindheit ab.

Als sein Vater ihm das Fahrradfahren beigebracht hatte, spielend

mit Mia auf der Straße …

„Mia?“

Sie hatte er total vergessen. Seine Freundin aus der Kindheit.

Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Gerade als Arti

antworten wollte, erklang eine Mädchenstimme neben ihnen.

„Redest du etwa mit deinem Vogel?“

Fietje schaute auf. Ein Mädchen mit braunen

Haaren stand vor ihm, in ihren Augen ein fragender Blick.

„Also?“, fragte sie leicht spöttisch.

„Naja“, stammelte Fietje hilflos.

Dafür mischte sich Arti ein:

„Naja, na klar spricht er mit mir, mit wem denn sonst, hä?“

„Ja, dann ist das wohl geklärt“, konterte das Mädchen locker.

„Ich unterhalte mich auch immer mit meinem Wellensittich.“


102

LOREM DAS WIEDERSEHEN

IPSUM DOLOR

.„Du wagst es, mich mit einem Wellensittich zu vergleichen? Mit

gewöhnlichem Federvieh? Mein liebes Fräulein, nicht mit mir! Ich bin

schließlich Arti, König von Wort-Reich, ich spreche 100 Sprachen und

…“

„Ja, schon gut, König von Sonstwo“, unterbrach sie ihn. „Nachdem ich

jetzt weiß, wer du bist, wüsste ich auch gerne deinen Namen“, wandte

sie sich an Fietje.

„Ich heiße Fietje“, antwortet er und spürte, wie er rot wurde. „Und

du?“

„Mia. Schön dich wiederzusehen“, sagte sie.

Da war sie! Seine Mia! Er wollte antworten, doch er brachte kein Wort

heraus.

„Hey Mia“, stotterte er schließlich.

„Lang istś her“, grinste Mia. „Ich hab dich vermisst“, fügte sie noch

verlegen hinzu.

„Ich dich auch.“

Fietje gewann langsam seine Sprache wieder. Arti war erstaunt.

Hatte er Fietje doch für ein wortgewandtes Kerlchen gehalten. Dies

hier war eine Ausnahmesituation. Er konnte die Magie spüren, die

zwischen Mia und Fietje bestand. Sie unterhielten sich eine Ewigkeit.

Strategie

alles zusammen, was Fietje ihr in den letzten Stunden erzählt hatte.

„Genau! Können wir uns jetzt endlich einen Plan dafür ausdenken“,

fragte Arti eingeschnappt. Fietje hatte Arti angeschnauzt, weil er

sein Gespräch mit Mia ständig unterbrochen hatte. Doch Arti hatte

Recht. Sie mussten sich endlich eine Strategie ausdenken. Weder

Fietje noch Arti noch Mia wollte etwas einfallen.

„Ach, das wird doch sowieso nichts.“

Damit erhob sich Arti in die Luft und verschwand mit zwei, drei

Flügelschlägen hinter einer Häuserfront. Er flog ohne ein bestimmtes

Ziel. Immer geradeaus, Hauptsache weg. Sobald ein Mädchen

auftauchte, war er für Fietje Luft. Und das, obwohl er gerade von

Clara abserviert worden war.

„Ich verstehe die Menschen nicht“, sagte er halblaut vor sich hin, als

er zum Landeanflug vor der westlichen Stadtmauer ansetzte.

Dann riss er sich eine seiner kleinen roten Federn aus. Mit einem

Stück Kreide kritzelte er eine Nachricht darauf. Blieb

nur zu hoffen, dass Fietje sie finden würde.

Dann brach Dunkelheit über ihn herein.

Stadtmauer

13

Strategie =

Substantiv

Plan, Kalkül,

Vorgehen

103

Die Erlanger Altstadt ist mehrmals

völlig zerstört worden, zuletzt bei

„Also: Arti will wieder zurück nach Wort-Reich und braucht dafür

noch viele deutsche Wörter. Du musst ihm dabei helfen“, fasste Mia

einem großen Brand 1706. Teile der mittelalterlichen

Stadtmauer können noch besichtigt

werden. So zum Beispiel in der Nördlichen Stadtmauerstraße.

Auch Reste des Erdgeschosses

eines ehemaligen Badhauses in der Stadtmauerstraße

31 zeugen von der Vergangenheit der

Erlanger.


104 LOREM DAS WIEDERSEHEN

IPSUM DOLOR

105

Inzwischen machte sich Fietje heftige Vorwürfe.

„Wie konnte ich ihn nur ignorieren? Hoffentlich ist ihm nichts passiert!“

„Wir müssen uns beeilen, es wird gleich dunkel“, meinte Mia trocken.

Also zogen sie los, um Arti zu suchen. Sie suchten bis in die Nacht und

hatten die Hoffnung schon aufgegeben, als Mia auf einmal eine rote

Feder entdeckte. Es stand in großen Buchstaben das Wort “Freundschaft“

darauf.

Fietje war den Tränen nahe. Er hob sie auf, drehte sie um und las:

„Westliche Stadtmauer“.

Dort angekommen, sah Fietje die Bescherung. Herr Keinwort und

Mister Mundzu machten sich über einen Haufen Federn her.

Er flüsterte Mia zu:

„Du lenkst sie ab und ich befreie Arti.“

Mia nickte. Dann ging sie selbstsicher

auf die beiden Männer zu, die vor

einem alten Schuppen standen. Sie

hatten Artis Nachricht noch vor Fietje gelesen.

„Entschuldigen Sie bitte, ich kenne mich hier nicht aus“, hörte Fietje Mia

sagen.

Dann verschwand er in dem Schuppen. Hinten war ein Fenster

angelehnt, durch das er eingestiegen war. Wichtig war jetzt nur, dass

niemand sonst hereinkam. Er sah sofort das Netz vor sich, mit

dem die Agenten Arti geschnappt hatten. Arti war bewusstlos.

Behutsam hob Fietje ihn auf und kletterte leise aus dem Fenster

wieder raus. Draußen gab er Mia ein Zeichen, worauf sie sich höflich

bei den beiden Männern bedankte. Sie verdufteten.


106

DAS WIEDERSEHEN

Endlich wieder bei seinem Vater angekommen, ließen sich Fietje und Mia auf

der Bordsteinkante nieder. Das Auto stand nicht in der Einfahrt. Sein Vater

war noch auf Arbeit. Ein lautes Hupen kündigte ihn jetzt aber an.

„Papa!“ Fietje sprang auf und lief dem Auto entgegen.

„Na, mein Kleiner, Wahnsinn, schon so groß“, sagte der Vater zu ihm.

„Ok, ich freue mich!“ Mias Lächeln konnte er hören.

Der folgende Tag in Erlangen ging viel zu schnell vorbei. Sie hatten viel gelacht

und sich wieder sehr viel zu erzählen gehabt. Aber den ganzen Tag lang

musste Fietje auch an Arti denken. Ihn hatte er bei der Oma gelassen.

Dem Vogel hätte es sicher sehr viel Spaß gemacht, den fränkischen Dialekt

zu erhaschen.

107

Ziemlich genau ein Jahr war es her, dass sie sich das letzte Mal gesehen

hatten. Sein Vater hatte sich nicht verändert. Viel Arbeit, immer unterwegs.

Sie gingen gemeinsam ins Haus. Beim Abendessen fanden Fietje und

sein Vater Zeit zum Reden. Nach all dem, was in letzter Zeit so

passiert war, tat es den beiden sehr gut.

In der Nacht klingelte Fietjes Handy. Als er Mias Anzeigebild sah,

begann sein Herz wie verrückt zu schlagen.

„Ganz ruhig“, versuchte er sich zu sammeln bevor er ranging.

„Hey, tut mir leid, dass ich vorhin so schnell weg war, aber ich wollte

euch etwas Zeit geben“, erklärte Mia.

„Ach, kein Problem“, stammelte Fietje. Für eine längere Antwort war

sein Mund zu trocken.

„Wenn ich wieder zuhause bin, bringe ich ihm das Fränkeln bei“, dachte er bei

sich.

Auch die nächsten Tage waren für Fietje wunderschön, weil er viel Zeit mit

Mia, aber auch mit seinem Papa verbringen konnte. Mia und er wollten sich

heute noch einmal treffen.

„Kann ich so gehen, Papa?“, fragte Fietje.

„Na klar, du schaust super aus, du kleiner Gentleman!“, antwortete der Vater.

Fietje verließ das

Haus, um seine

Mia abzuholen.

„Ich wollte fragen, ob du Lust hast, morgen mit mir bummeln zu gehen. So,

wie in alten Zeiten.“

„Oh ja, sehr gerne sogar. Ich hole dich um vier ab?“

Was macht den

6

fränkischen Dialekt

denn aus?


108

109

"Verknallt"

geschrieben von:

aus dem

Gymnasium Fridericianum

Laurence Fischer

15 Jahre


110 VERKNALLT

Als es dämmerte gingen

„Ihr solltet das nicht machen, wenn ich dabei bin.“

111

sie wieder an der Alten

Stadtmauer vorbei, bis Mia

plötzlich stehenblieb.

„Ja, ja, schon gut“, kam es von Mia.

Als sie die Tür öffnete, schwappte ihnen eine Welle

von Dezibel ins Gesicht. Die Bässe dröhnten und der

„Was ist?“, fragte Fietje.

Boden vibrierte. Erschrocken flog Arti von Fietjes Schulter auf.

„Ich glaube, dass wir ihn

„Ich warte draußen“, rief er und war weg.

finden werden.“

Fietje folgte indes Mia, die ihre Suche unbeirrt begonnen hatte. Doch

„Wen willst du denn finden?“

"E-Werk" stand in großen Buchstaben über der Tür des Gebäudes, aus dem

laute Musik drang.

Fietje erinnerte sich nur ungern an den nächtlichen Ausflug mit seinem Cousin.

Mit einem leisen “Ping“ sprangen die kleinen gelben Lämpchen der Buchstaben

gleich wurde er angerempelt. Er trat auf etwas Rutschiges, verlor

das Gleichgewicht und schlug mit dem Kopf gegen einen Tisch. Das

Letzte, was er wahrnahm, war, dass Mia auf ihn zugerannt kam.

14

indes =

Konjunktion

während

15

unbeirrt =

Adjektiv

entschlossen, zielsicher,

willensstark

an. Ein Zeichen dafür, dass es bald dunkel wurde. Und tatsächlich ließen die

letzten Sonnenstrahlen ihren Füßen Schatten entspringen.

„Hier kommt die ganze Jugend zusammen, auch die Leute, die jeden kennen.

Die werden wir fragen“, sagte Mia.

unbeirrt

Fietje wusste immer noch nicht, wen Mia vermisste.

indes

Mia sah ihn sehr ernst an.

„Es geht um meinen Halbbruder.

Ihn will ich finden.“

Arti begann lautstark zu

schimpfen:

Schreib doch auch mal

so einen blumigen Satz!

7

Wieviel Dezibel sind zuviel?

8


112 VERKNALLT

113

Als er die Augen wieder aufschlug, war alles weiß, wie eine Kinoleinwand,

nur ohne Film.

Er hörte Stimmen. Erst leise, dann immer lauter. Und da erkannte

er die Stimmen. Es waren seine Eltern. Er hörte, wie sie sich stritten.

Die Ärzte sagen, du bist bald wieder gesund“, sagte Mia und sah ihn

besorgt an.

„Na hoffentlich! Und, mein Vater ist kein Mörder“, erwiderte Fietje

müde.

„Du bist ein Mörder!“, schrie seine Mutter.

„Jetzt mach aber mal halblang!“, rief sein Vater noch lauter.

Jetzt erkannte Fietje auch, wo er war.

In einem Krankenhaus.! Neben seinen Eltern standen noch ein Arzt

und Mia. Fietje schloss die Augen wieder und schlief ein.

Er hatte eine derbe Gehirnerschütterung vom Sturz auf den Tisch.

„Ich weiß!“

Sie schwiegen noch eine Weile und dann küssten sie sich.

Kurz darauf, als Fietje wieder gesund war, hieß es jedoch Abschied

nehmen.

„Ich muss zurück nach Jena“, sagte Fietje gedrückt.

„Du weißt, wie schwer mir das fällt?“, erwiderte Mia.

Spät in der Nacht stand er mit Mia auf der Aussichtsplattform des

Krankenhauses und blickte in die Nacht. Mia hatte ihm erzählt, was

vorhin passiert war. Von seinem Sturz, von der Fahrt ins Krankenhaus,

von seiner Einlieferung in die Notaufnahme und von seinen

Eltern, die sich die ganze Zeit gestritten hatten.

Fietje nickte nur: „Ich werde die Zugverbindungen nach Erlangen

auswendig lernen“, sagte er mit gezwungenem Lächeln.

„Aber wo ist denn Arti?“, bemerkte Mia.

Sie wollte von diesem Abschiedskram ablenken.

„Keine Ahnung, ich muss ihn morgen suchen.“

Fietje zuckte die Schultern.

Da landete neben ihm sein

grauer Papagei.


114

115

"Die Enthüllung"

geschrieben von:

aus dem

Gymnasium Fridericianum

Antonia Schenkl

13 Jahre


116 DIE ENTHÜLLUNG

16

altehrwürdig =

Adjektiv

aus einer vergangenen

Epoche

stammend

„Brrr! Verdammt, Arti! Beeile dich! Wenn wir noch länger hier stehen,

rupfe ich dir alle Federn aus!“, knurrte Fietje vor sich hin.

Er stand bereits geschlagene 20 Minuten vor dem Erlanger Wasserturm.

Anhaltender Regen durchnässte ihn. Sein grünes Lieblings-

Sweatshirt klebte an seinem schlotternden Leib. Seine Haare hingen

ihm wirr ins Gesicht. Er hätte aus einem

Fluss entstiegen sein können.

Seine königliche Majestät, Artifanas II, kurz Arti genannt, beachtete

ihn nicht einmal. Der schnatternde, selbstverliebte Graupapagei meldete

sich aber jetzt zu Wort.

„Aaah …, ich hab es. Hier entlang“, kommandierte er seinen

Freund.

Er musterte dabei gewissenhaft jeden einzelnen

Stein des altehrwürdigen Wasserturms.

Artis Bemühungen endeten aber abrupt, als

er von einem großen Hund gepackt wurde.

Zappelnd hing der Papagei in der Luft.

Sie kam von einem zweiten Hund, der Clara jetzt in den

Schwanz biss. Mit lautem Jaulen ließ Clara den Papagei los.

Der König von Wort-Reich plumpste zu Boden.

„Hinfort mit dir!“, rief sein Retter.

Damit biss er der Dogge Clara noch einmal in die malträtierte Rute.

Jaulend ergriff die als Hund verwandelte Clara die Flucht.

„Du hast dir ganz schön Zeit gelassen“, krähte Arti seinen Bruder Anti

an, der jetzt flatternd zur Landung ansetzte. Er war der andere

Hund gewesen.

„Kraaah, du hast dich nicht verändert“, sagte Anti.

„Du kannst froh sein, dass ich gekommen bin. Aber trotzdem schön,

dich zu sehen. Und das Beste ist, mein Bruderherz, ...“, fügte Anti

spöttisch hinzu, „... ich habe das letzte Teil mitgebracht.“

altehrwürdig

17

malträtieren =

Verb

plagen , quälen,

wehtun

malträtieren

117

„Aus, ... aus!“, schrie Fietje wütend den Hund an.

„Du kannst mir nichts verbieten“, knurrte der

Hund zu Fietjes Entsetzen mit Claras Stimme.

„Er mag mein Vater sein, doch ich hasse ihn! Ich

werde ihn zum Wohle des Sprachlos-Landes

dem König übergeben!“

Erlanger Wasserturm

Der Wasserturm auf dem Burgberg

ist 32 Meter hoch. Er wurde

1905 in Betrieb genommen und dient der

Wasserversorgung. Die weithin sichtbare

Turmspitze ist eines der Wahrzeichen

der Stadt Erlangen. Der Turm steht

„Oh nein, ganz sicher nicht“, rief da eine

bekannte Stimme.

unter Denkmalschutz.

ERFAhRE MEHR


118 DIE ENTHÜLLUNG

119

18

episch =

Adjektiv

erzählend,

berichtend

Begeistert flatterten die Tiere los, um sich unter einem gewaltigen

Kirschbaum niederzulassen. Fietje folgte ihnen verwirrt.

Als er bei ihnen ankam, hatten sie bereits einen aus Jade geschnitzten

Löwenkopf, ein Amulett, zusammengesetzt. Das letzte Teil dafür

hatte Anti gefunden.

„Und nun drei Haiku sprechen! Zwei von uns, meinem Bruder und mir,

und eins von dir, Fietje! Schön dichten! Ich beginne“, sagte Arti und

räusperte sich.

„Ähm …, also los. Absolute Ruhe, bitte! Dies ist ein

epischer Moment ... Die Goldene Katze erscheint, die prächtige Mähne

wallend, der mächtige Ruf erschallend ...“

Daraufhin setzte Anti mit dem zweiten Haiku ein:

„Eine Kirschblüte fällt herab, weiß und rot wie Schnee und Blut, im

sanften Hauch des Abendwindes.“

Fietje erstarrte, als ein Miauen ertönte, der Ruf einer Katze. Eine

Kirschblüte fiel zu Boden, schneeweiß, mit blutroter Mitte.

Fietje! Sag ein Haiku auf, sonst ist alles verloren“, riefen die Papageienbrüder

wie aus einem Schnabel.

zuteil werden

Mit rauer Stimme sagte Fietje:

„Kühl und angenehm streift ein Windhauch den ehernen Leu“

Und wirklich! Wind kam auf und einen Herzschlag später stand vor ihnen

ein uralter Mann, der Ruhe und Sicherheit ausstrahlte. Um seinen

Hals trug er den Löwenkopf, den Arti und Anti vorher zusammengesetzt

hatten. Wie von Zauberhand befanden sie sich plötzlich auf

einer Klippe.

Tief unter ihnen tosten Wellen, die gegen Felsen krachten. Hinter dem

alten Mann befand sich ein japanisches Kloster. Kirschbäume in voller

Blüte ringsherum. Tausende weiße Blüten tanzten durch die Luft.

Der Alte trug einen roten Kimono, der mit einem goldenen Falken

verziert war. Still und mit leichter Verbeugung überreichte er Fietje

eine Schriftrolle.

Auch Arti und Anti sollten eine Gabe erhalten. Eine wesentlich dickere

Rolle wurde ihnen zuteil.

19

zuteil werden =

Verb

erhalten,

erleiden,

ernten

episch


120 ENTHÜLLUNG

121

Dann fand sich Fieje auf dem Altstädter Friedhof wieder, auf dem

seine Uroma ihre letzte Ruhe gefunden hatte. Wie das geschah? Er

hatte keine Ahnung.

Fietje öffnete seine Schriftrolle und begann sie zu lesen. Zuerst war

er zutiefst erschüttert und dann auch wieder glücklich. Darauf war

der

Stammbaum seiner Familie gezeichnet.

Und da stand Ungeheuerliches:

Sollte sich in dem Mausoleum etwa das Wort-Reich befinden?

Oder wie kamen die Rollen jetzt dorthin?

Und was hielt Arti eigentlich davon, dass Fietje nun wusste, dass sie

verwandt waren?

20

Mausoleum =

Substantiv

monumentale

Grabstätte

Arti, der König von Wort-Reich und er waren

verwandt! Um mehrere Ecken.

Das musste er erst einmal verdauen …

Aufgeregt dirigierte Arti Fietje jetzt zu einem

Mausoleum, vor das er alle drei Schriftrollen

legte.

„Für den Verwalter der Bewohner von

Sprachlos-Land“, fügte Arti wichtig-turisch

hinzu.

Mausoleum

Altstädter Friedhof

Der Altstädter Friedhof ist ein

evangelisch-lutherischer Friedhof

auf dem Martinsbühl in Erlangen.

Im Norden des Friedhofs befindet sich die

Kirche St. Martin, welche 1283 erstmals

urkundlich erwähnt wurde.

ERFAhRE MEHR


122

123

Die Autoren aus dem

Gymnasium Fridericianum

übergeben ihre Geschichten

zum Weiterschreiben an das

Marie-Therese-Gymnasium

und das Emil-von-Behring-

Gymnasium und wünschen

viel Spaß.

Schreib sie an!

Alles klar! Los gehts!

Die Autoren aus dem

Marie-Therese-Gymnasium

Liebe Grüße aus dem

Gymnasium Fridericianum!

und dem Emil-von-Behring-

Gymnasium übernehmen und

schreiben weiter.

www.federsammler-community.de


124

"Der Gondelsprung"

geschrieben von:

aus dem

Marie-Therese-Gymnasium

Aaron

Hourch

11 Jahre

Edzard

Lübben

11 Jahre

Lola

Vortmeyer

10 Jahre

Theresa

Wasserscheid

11 Jahre


126

DER GONDELSPRUNG

Fietje öffnete verschlafen die Augen und machte sie einfach wieder

zu. Der Anblick, der sich ihm geboten hatte, war nicht sehr schön. Er

befand sich in einem Eisenbahntunnel. Er überwand sich und stand

auf. Im Tunnel war es kalt. Er zog seine dünne Jacke fester um

seinen Körper.

langen trennte. Dort stand eine Tafel, auf der ein Stadtplan zu sehen

war. Fietje studierte ihn wie automatisch. Er kannte Erlangen ja. Doch

er wusste nicht, wie er in den Tunnel gekommen war.

Jetzt wäre er gerne wieder in Zwickau gewesen. Dort hatte er auch

auf einen Stadtplan geschaut und dann kam Clara in sein Leben.

127

Er blickte die Schienen entlang nach rechts und links. Der Tunnel war

von einem dämmrigen Licht erfüllt. Er hatte in einer Seitenbucht des

Tunnels geschlafen. Links von ihm befand sich eine schwere Eisentür

mit dem Zeichen für Notausgang darüber. Er nahm sein Skateboard

vom Boden und steuerte auf den Lichtkegel zu, der am Ende des

Ganges leuchtete.

Er verbannte die Gedanken gleich wieder aus seinem Kopf. Das Hier

und Jetzt zählte. Er sah noch einmal auf den Stadtplan und lief dann

die Straße entlang.

Es kam ihm jemand entgegen und einen Moment hoffte er, es wäre

Mia. Aber es war ein Mann. Er hatte eine hässliche Pottfrisur und

einige versprengte Bartstoppeln im Gesicht. Das Schlimmste an ihm

Als er aus dem Tunnel heraus war, schaute er sich um. Die Eisenbahnschienen

beschrieben am Ende des Berges einen Bogen nach

waren seine Augen. Fietje hatte Angst vor ihm, aber er nahm allen

Mut zusammen und fragte ihn:

rechts.

„Wo kann ich denn hier ein günstiges Hotel finden?“

Er rubbelte mit dem Ärmel seiner Jacke die Unterseite des

Skateboards trocken. Es war von der kalten Nässe

der Nacht im Tunnel überzogen. Die Feder, die

Irgendwie musste er in Erfahrung bringen, wie er wieder in die Stadt

kam. Der Mann antwortete mit kreischender Stimme:

die Unterseite des Boards geziert hatte,

dampfte und sein grauer Papagei

mit den roter Schwanzfedern saß

„Im Stadtteil Dechsendorf gibt es gute Hotels. Nimm den Bus dort

drüben.“

wieder auf seiner Schulter.

„Gut, vielen Dank!“, antwortete Fietje. Er war erleichtert, dass nichts

„Guten Morgen“, begrüßte ihn

Böses von ihm kam.

Fietje.

Arti gähnte und nickte nur.

Sie stiegen über einen Zaun, der

die Schienen von der Stadt Er-

Wie sieht denn bitte

eine "Pottfrisur" aus?

11


Großer Bischofsweiher genannt,

ist ein Naherholungsgebiet für die

ganze Familie. Im Sommer kann man

128

DER GONDELSPRUNG

Eine halbe Stunde später stieg er am Dechsendorfer Weiher aus

dem Bus. Erst jetzt nahm er wieder Arti auf seiner Schulter wahr.

Er hatte die letzte Stunde gar nichts gesagt.

Fietje ging zu einer Bank und setzte sich. Er sah auf den Weiher

hinaus und dachte an Mia.

hämisch

Menschenmenge mitgezogen. Sie bewegte sich

wogend auf die Bergkirchweih zu. Im Normalfall hätte sich Fietje

jetzt gerne eine Zuckerwatte gekauft, aber mit seinem Riesenhunger

musste er sich etwas Deftiges suchen.

Er ging erneut die Straße mit den bunten Fahrgeschäften entlang.

Rechts von ihm war das Riesenrad. Fietje musste seinen Kopf ganz in

den Nacken legen, um die oberste Gondel zu sehen. „Mist!“

129

Dechsendorfer Weiher

Er war so sehr in Gedanken, dass er nicht wahrnahm, wie sich

jemand neben ihn setzte. Er merkte es erst, als ihm jemand über

das Gesicht schleckte. Das war zum Glück kein Mensch, sondern ein

Münsterländer, der freundlich hechelnd neben ihm saß. Die Ohren

dieses Hundes wackelten so lustig, dass Fietje trotz seiner misslichen

Lage lachen musste. Dann fiel sein Blick auf das Halsband, was an einer

Leine befestigt war. Die Leine hielt ein kleines Mädchen. Sie grinste

nur.

„Schräger Tag heute!“, knurrte Fietje den Hund an. Er wollte jetzt

zurück in die Stadt und dort etwas essen.

Als in der Stadt ankam, wurde er von einer

Der Dechsendorfer Weiher, auch

In der Gondel saßen die Agenten mit seinem Skateboard und winkten

ihm hämisch zu.

Von seinen letzten fünf Euro kaufte er sich eine Fahrkarte und

bestieg die Gondel, die jetzt unten stand. Irgendwann würde er in die

Gondel mit den beiden rüberspringen müssen, das wusste er.

Die beste Gelegenheit bot sich, als er ganz oben angekommen war.

Das war in etwa 20 Metern Höhe. Würde er die Gondel verpassen und

abstürzen, wäre er tot. Aber Arti saß auf seiner Schulter.

Er würde ihn schon irgendwie retten. Sie mussten das Skateboard

wiederbekommen. Ohne noch weiter nachzudenken, sprang er mit

beiden Füßen vom Geländer seiner Gondel ab und landete in Herrn

Keinworts Rücken. Der Boden war noch 7 Meter entfernt. Fietje

klemmte sich sein Board unter den Arm und sprang wieder. Der

Aufprall tat sehr weh, doch er hatte sich geschickt abgerollt.

21

hämisch =

Adjektiv

bissig, boshaft,

schadenfreudig

hier baden, surfen, zelten, grillen und

(Tret-)Boot fahren. Im Winter lädt der

Weiher zum Eislaufen oder Eisstockschießen

ein.

ERFAhRE MEHR


130

DER GONDELSPRUNG

131

Arti schien genauso erleichtert zu sein wie er.

Doch sein plötzliches Gekrächze ließ Fietje herumfahren.

Dieser Lärm ist Ohren zerfetzend. Eine Unverschämtheit, so einen

Krach zu machen. Können die Erlanger nicht etwas leiser feiern?“

Insgeheim musste Fietje lachen. Wenn sich Arti beschweren konnte,

war alles in Ordnung. Es roch nach gebrannten Mandeln und Zuckerwatte.

Außerdem spielte eine Kapelle fröhliche Musik. Doch da

bemerkte Fietje, dass die Agenten aus Sprachlos-Land auf ihn zukamen.

Sie waren schneller aus ihrer Gondel gestiegen als gedacht.

In Fietjes Kopf war nur Platz für einen Gedanken: „Lauf!“

Er rannte und rannte. Hektisch schaute er hinter sich, ob die Agenten

ihm gefolgt waren. Sie hatten ihn schon fast erreicht und er hörte

Artis empörtes Krächzen. Erschrocken drehte er sich wieder um

und sah, dass Herr Keinwort eine Feder in der Hand hielt.

Er rief: „Vollpfosten!“

Er hatte kein Geld mehr, um zu seiner Oma zurückzufahren.

„Du musst uns etwas Geld verschaffen“, zischte er Arti zu.

„Ich weiß auch schon, wie. Du könntest Kunststücke vorführen.

Würdest du das tun?“, fragte Fiete.

Der König von Wort-Reich sagte trotzig:

„Hunde machen Kunststücke, aber doch keine Könige!“

„Bitte, Arti!“, sagte der Junge flehend.

„Na gut, weil du es bist“, lenkte Arti ein.

Er rief es so laut, dass alle Menschen ringsherum zusammenzuckten

und die Köpfe schüttelten. Seine kalte

Stimme hallte in Fietjes Ohren wider.

„Was sollen wir denn jetzt tun?“, flüsterte Fietje.

„Ich fürchte, wir können gar nichts tun“, erwiderte

der Papagei.

So kam es, dass an diesem Abend

die Besucher der Bergkirchweih dem

Jungen mit dem Papagei Beifall und Geld

spendeten.

Fietje lief schnell durch den

Heinrich-Kirchner-Skulpturengarten

und sprang in den Bus zu seiner Oma.

Heinrich-Kirchner-Skulpturengarten

Am Südhang des Burgbergs

befindet sich der Heinrich-

Kirchner-Skulpturengarten.

Zwischen Terrassen und Obstbäumen

sind achtzehn Plastiken aus

Bronze und Eisen aufgestellt.

Damit wurde dem erlanger Künstler

und Bildhauer Heinrich Kirchner

(1902-1984) ein Denkmal gesetzt.


132

133

"Rang und Namen"

geschrieben von:

aus dem

Emil-von-Behring-Gymnasium

Alexandra

Hummelmann

12 Jahre

Hannah

Lühr

12 Jahre

Regina

Dachs

12 Jahre


134

RANG UND NAMEN

22

faseln=

Verb

Käse reden,

labern

Es war Fietjes drittes Treffen mit seinem Vater. Langsam waren die

beiden sich vertraut, doch heute war irgendetwas anders.

Fietjes Vater Georg benahm sich sonderbar. Er faselte die ganze Zeit

komisches Zeug. Ob er sich Fietjes Vogel Arti mal ausleihen könnte?

Obwohl er am Tag zuvor noch gesagt hatte, dass er allergisch auf

Vögel wäre. Dann erzählte er von zwei schwarzen Männern, mit denen

er gestern etwas trinken gegangen war. Sie hätten nach einiger

Zeit ein Bild von Arti und dazu ein dickes Bündel Geld, auf den Tisch

gelegt. Sie hatten zwar nichts gesagt, aber es war dem Vater klar,

dass sie den Vogel kaufen wollten.

„Hm ...,“ meinte Fietje, „so etwas Ähnliches ist mir in Zwickau auch

schon passiert.“

Doch plötzlich wurde er stutzig.

„Moment mal, schwarze Männer und sie sagten keinen Ton?!“

Wenn das Herr Keinwort und Mister Mundzu gewesen

waren, dann hatten sie seinem Vater

vielleicht etwas ins Getränk gemischt? Das würde

jedenfalls erklären, warum er sich heute so

seltsam verhielt.

Fietje, was ist denn nun jetzt mit dem Papagei?!“

Der Ausruf seines Vaters beunruhigte Fietje

stark.

„Oh, ich überlege es mir, Papa. Aber

ich muss jetzt los!“

faseln

Bei seiner Oma angekommen, zog er Arti zu Rate. Doch auch der

hatte keine Ahnung, was sie tun sollten. Es war zum Verzweifeln.

Bis Fietje am nächsten Tag mit seinem Skateboard eine Straße entlangbretterte

und zufälligerweise hörte, wie ein Verkäufer rief:

„Kaufen Sie Kräutertee! Kräutertee hilft gegen alles!“

„Das ist es!“, dachte Fietje.

Vielleicht half eine Art Gegentrank. Schnell befragte er Arti, ob er

nicht irgendein Rezept für einen Gegentrank kannte.

Dieser meinte:

„Ich kenne kein Gegenmittel gegen die Verwirrung deines Vaters.

Getränke gegen einen Fluch aus Sprachlos-Land werden immer

aus Namen von bedeutenden Personen zubereitet. Diese Personen

müssen etwas Gutes vollbracht haben. Dein Vater ist aus Erlangen,

also sollten wir es auch mit Erlanger Namen versuchen.“

„Ok, gut! Wir müssen uns beeilen",

forderte Fietje zum Aufbruch auf.

Etwa eine Stunde später hatten sie drei bekannte Personen

in Erlangen herausgefunden.

Also schnappte sich Fietje ein Gefäß aus Omas Küche, setzte sich

Arti auf die Schulter, nahm sein Skateboard und fuhr wie vom Hafer

gestochen zur St. Martins Kirche.

Kaufen sie

kräutertee!

135


136

RANG UND NAMEN

Dort lief er zu einer Schrifttafel und las nach, ob Martin Luther, der

Namenspatron dieser Kirche, darauf stand. Sie hatten Glück. Doch sie

mussten den Namen irgendwie in das Gefäß bekommen. Aber wie?

Sie probierten alles aus. Vom Namen hineinsprechen, bis zum Namen

auf einen Zettel schreiben und hineinwerfen. Aber alle Versuche

misslangen. Da fiel es Arti wieder ein:

137

„Warte, ich erinnere mich. Halte das Gefäß unter die Schrifttafel. Ich

streiche mit meinem Flügel über den Namen. Dann müsste er flüssig

werden und ins Gefäß fließen!“

Und so geschah es. Glücklich über diesen Erfolg machten sie sich auf

zur nächsten Station: die Orangerie. Dort holten sie sich den Namen

Gottfried von Gedeler, sprangen auf das Skateboard und fuhren

wieder davon.

„So und nun zur dritten Station, zum Schloss.“

Sie machten sich auf den Weg zum Markgrafenschloss. Dort aber

konnten sie nirgendwo eine Tafel mit dem Namen des Erbauers

finden. Also fragten sie ein paar Passanten. Die wussten zwar, wie

er hieß, aber das half nichts, solange der Name nicht auf einer Tafel

geschrieben war. Fietje meinte:

„Durch die Zeit reisen müsste man können. Früher gab es bestimmt

eine Tafel mit dem Namen.“

Arti rief: „Ja, klar! Das ist es. Natürlich können wir durch die Zeit reisen!

Das Schloss wurde 1700 erbaut. Also müssen wir dahin.“

Fietje stutzte: „Und wie stellst du dir das genau vor?“

„Mit deinem Skateboard geht das. Du musst dich einfach drauf

stellen und ganz fest an das Jahr denken, in das du reisen willst“,

erklärte ihm Arti.

Gesagt, getan. Als sie im Jahre 1704 angekommen waren, fanden sie

die Schrifttafel und holten sich den Namen. Dann reisten sie zurück in

die Gegenwart.

„So, fertig! Jetzt müssen wir nur noch deinen Vater finden.

Vielleicht ist er auf der Bergkirchweih. Dort ist doch jeder gerade“,

kam es von Arti.

Und tatsächlich. Vor der Bühne stand er. Vater und Sohn

gingen zusammen eine Cola trinken. Schnell mischte Fietje

das Gegenmittel in das Glas seines Vaters.

Sekunden nachdem er getrunken hatte, wurde er

wieder normal.

Zum ersten Mal seit er in Erlangen war, konnte auch Fietje

das Fest genießen.


138

139

"Jeremir"

aus dem

Marie-Therese-Gymnasium

Nele Trierweiler

11 Jahre


140

JEREMIR

23

Schneise=

Substantiv

Bahn, Einschlag

Jeremir blickte sich um. Da war er wieder, der blonde Junge mit dem

Vogel auf der Schulter. Er stand mit einer Tüte gebrannter Mandeln

an einer Bude. An seiner Seite ruhte sein Skateboard. Jeremir hatte

von hier oben alles genau beobachtet. Niemand war ihm so sehr

aufgefallen wie dieser Junge.

Nach einer Weile bemerkte Jeremir noch einen Mann. Er trug einen

Anzug, einen Zylinder und war barfuß! Interessant! Er bewegte sich

seltsam. Als würde er nicht hierher gehören, so fremd. Die Menschen

um ihn herum bildeten eine Schneise. Sein Blick war auch auf

den Jungen mit dem Papagei gerichtet. Eiskalt, gefühllos und durchdringend.

Jeremir kannte solche Situationen aus seinen Büchern. Er

hatte immer gehofft, selbst einmal so etwas zu erleben. Und hier

war es, das Abenteuer, das spürte er.

„Gut, dann schulde ich dir eine Erklärung“, begann der aufgeregte

Jeremir. „Du und dein Papagei, ihr seid mir aufgefallen. Als ich euch

beobachtete, bemerkte ich auch diesen komischen Mann. Er wollte

dir ans Leder. Und ich wollte ihn mit meinem Überfall auf dich nur

ablenken. Sein Vorhaben quasi vereiteln.“

Fietje warf Arti einen vielsagenden Blick zu und der Papagei nickte.

„Du hast die ganze Geschichte verdient“, sagte Fietje. „Sie geht so: ...“

Nun erzählte ihm Fietje, was es mit Arti, dem Board und den Agenten

auf sich hatte.

„Ihr wollt mich doch austricksen, oder?“, fragte Jeremir.

24

vereiteln =

Verb

behindern,

bekämpfen,

blockieren

141

Der Junge glitt vom Baum und bahnte sich einen Weg durch die

Menschen. Der schwarze Mann verfolgte ihn sofort. Er rannte los und

plötzlich stand auch der blonde Junge vor ihm. Jeremir packte ihn

am Arm.

„Hey, was soll das?“

„Ich rette dir das Leben!“, antwortete Jeremir

und zog Fietje in ein Gebüsch.

Dort fragte er ihn: „Wer bist du

eigentlich? Du bist nicht von

hier.“

Fietje. Und das hier ist

Arti.“

Schneise

Fietje seufzte: „Zeig es ihm, Arti!“

„Sage in Spanisch: Jeder ist seines Glückes Schmied!“, kam es von

Jeremir.

Arti strich sein graues Federkleid glatt und sprach den

Satz, wie ihn Jeremir von seinem Vater gelernt

hatte. Völlig von den Socken öffnete

Jeremir den Mund und schloss ihn

gleich wieder.

„Jetzt erzählt, weshalb ihr in

Erlangen seid!“

vereiteln

12

Hast du dein Glück auch

schon einmal selbst in die

Hand genommen?


142

JEREMIR

Fietje sagte: „Och, das ist nicht so spannend. Mein Vater arbeitet bei

Siemens. Ich wollte ihn und meine Oma besuchen. Ich bin mit meiner

Mutter hier.“

„Ok, cool“, sagte Jeremir nun überzeugt.

Fietje war erleichtert: „Gut! Wir sollten schleunigst abhauen.“

„Klar! Am besten laufen wir am Schwabachufer entlang. Da sieht

uns keiner.“

Fietje schrie sofort: „Lauf Jeremir!“

Dann rannte er auch los, Jeremir atemlos hinterher.

Seine Seite begann bald zu stechen, doch er scherte sich nicht darum.

Sie rannten durch enge Gassen. Reifen quietschten, Leute schrien.

Fietjes Füße brannten. Er konnte bald nicht mehr. Hohe alte Bäume,

Bänke am Rand der Wege und vereinzelt Tore. Alles rauschte

an ihnen vorbei. Plötzlich sprang Jeremir in einen Busch,

Fietje ihm nach. Für ein paar Sekunden würden sie verschnaufen

können.

143

Geduckt und langsam gelangten sie bald außer Sichtweite der Bergkirchweih.

Fietje sah sich immer wieder unruhig um.

So oft schon hatten sie sich in Sicherheit gewähnt und

waren doch aus dem Hinterhalt überfallen worden.

„Hier entlang!“, drängte Jeremir. Er schob Fietje einen Hang hinab.

25

wähnen =

Verb

annehmen,

vermuten,

wittern

Schwabach

Die Schwabach ist ein 28 km

langer Fluss in Franken.

Er fließt durch Erlangen und mündet in

den Fluss Regnitz.

ein bis zwei mal im Jahr führen beide

Flüsse Hochwasser. Daher gibt es im

Stadtgebiet Pegel, an denen regelmäßig

der Wasserstand gemessen wird.

Am schlammigen Ufer waren sie

gut geschützt. Fietje fühlte sich

nirgendwo richtig sicher. Er drehte

sich wieder um und erschrak. Herr

Keinwort stand vor ihm.

wähnen

ERFAhRE MEHR


144

JEREMIR

145

„Tief durchatmen!“, erinnerte sich Jeremir an die Helden aus seinen

Büchern.

Dann trat er energisch aus dem Busch heraus, stellte sich dem

Agenten in den Weg und sagte mit fester Stimme: „Halt!“

Der Agent streckte den Arm aus und schlug Jeremir kurzer Hand

nieder. Ohnmächtig sackte dieser zusammen. Einige Leute eilten herbei

und kümmerten sich um den Jungen.

Fietje sprintete wieder los, doch auf dem Kies rutschte er aus.

Umständlich kam

Fietje wieder auf

die Beine und

lief schimpfend

davon:

Diese verdammten

Kieswege

hier!“

„So ein Mist!“

Der Agent kam wieder näher. Nur noch wenige Meter trennten die

beiden.

Arti flatterte wie wild neben ihm her. Sie kamen jetzt durch ein Tor

und fanden sich im Aroma-Garten wieder. Beete säumten den Weg.

Ein Duft verschiedenster Kräuter erfüllte die Luft. Dies war ein Ort

der Ruhe - bis sie hier aufgetauchten. Sie durchquerten den halben

Garten. In der Mitte des Gartens trafen sie auf eine Polizistin.

„Der Mann dort verfolgt mich!“, keuchte Fietje.

Die Polizistin hielt den Agenten auf und

gab ihm Aroma-Garten-Verbot.

Fietje setzte sich auf den Boden.

Für einen Moment waren Arti und

er in Sicherheit.

Aroma-Garten

Der Aroma-garten ist ein öffentlicher

Park in der Innenstadt.

Er gehört zur Friedrich-Alexander-

Universität Erlangen-Nürnberg und

war bei seiner Eröffnung 1981 der erste

Garten dieser Art in Deutschland. Rund

120 Duft- und Aromapflanzen wachsen

hier und bieten ein ganz besonderes

Dufterlebnis.


146

147

"Der Verrat"

geschrieben von:

aus dem

Marie-Therese-Gymnasium

Sarah

Landschütz

12 Jahre

Tabea

Spiers

12 Jahre

Xenia

Lütjohann

13 Jahre


148

DER VERRAT

Arti gackerte jetzt leise vor sich hin. Fietje strich ihm über die Federn:

Arti, hör mal her. Ich weiß, dass du es nicht leiden kannst, aber es

wäre besser, wenn du dich vorerst im Skateboard verstecken würdest.“

Der Vogel machte Anstalten zu widersprechen, doch der Junge

setzte den sich sträubenden Arti auf das Federzeichen. Dann spuckte

er darauf. Mit einem kurzen Zischen verschwand der König von

Wort-Reich im Skateboard.

Fietje sah sich um und entdeckte zu seiner Linken eine Bushaltestelle.

Er wartete auf den nächsten Bus. Ihm war es egal, wohin er fuhr.

Der nächste Bus hatte die Nummer 293. Drei Stationen später stieg

Fietje aus. Er sah sich um. Bald fand er ein Café. Seufzend ließ er sich

dort nieder. Sofort kam eine Bedienung angelaufen.

„Was darf es denn sein?“ fragte sie.

Fietje entschied: „Einen Apfelkuchen und eine Cola, bitte!“

Die Kellnerin entfernte sich.

Schnell rief ihr Fietje noch hinterher: „Könnte ich bitte ein Blatt Papier,

einen Umschlag und einen Stift haben?“

Fietje nahm zur Sicherheit jetzt sein Skateboard auf den Schoß.

Schon bald kam die Bedienung zurück. Wortlos stellte sie alles auf den

Tisch.

Fietje griff sich Stift und Papier und verfasste einen Brief an seine

Schwester Lilly, die er sehr vermisste.

Er schrieb ihr, dass er ihren Vater in Erlangen wiedergesehen hatte.

Er adressierte den Umschlag und wollte sich gerade seinem Apfelkuchen

widmen, als er sah, wie Herr Keinwort und Mister Mundzu

ihre Nasen an die Fensterscheiben des Cafes drückten.

Hastig raffte er sein Zeug zusammen, legte Geld auf den Tisch und

auch den Brief. Er hoffte, dass die Bedienung ihn einwerfen wird.

149

Er stieß die Tür des Cafés auf und rannte raus.


150

DER VERRAT

151

An der Straßenecke hielt gerade ein Bus. Er konnte ihn noch schaffen.

Hinter sich hörte er das Fußgetrampel der Fieslinge.

Der Fahrer wollte gerade die Türen schließen, doch Fietje schlüpfte

noch hinein. Er ließ sich auf einen Platz am Fenster fallen. Dann rubbelte

er das Zeichen mit der Feder. Mit Zischen kam Arti hervor.

„Los, hier steigen wir aus“, forderte Fietje seinen Freund auf. Er drückte

den Haltewunsch.

Der Platz vor dem Rathaus war heute nicht sehr belebt. Fietje setzte

sich auf eine Mauer.

26

maulen =

Verb

meckern,

nörgeln,

quengeln

Er schüttelte seine Federn und maulte:

„Wird auch mal Zeit!“

„Pssst, sei leise!“, schimpfte Fietje.

maulen

In der Nähe sah er ein glückliches Liebespaar. Schon drifteten seine

Gedanken zu Mia ab. Was sie wohl gerade machte? Er stellte sich vor,

wie sie lachte.

Der Junge schloss die Augen und genoss die Ruhe. Auch Arti verfiel

Die beiden Freunde blieben im Bus sitzen bis

ihnen eine Station bekannt vorkam.

ins Dösen. Dabei schaukelte er immer vor und zurück, vor und zurück.

Jetzt tippte jemand Fietje auf die Schulter. Er hob ruckartig den Kopf

und sah ein Mädchen mit Sommersprossen. Das Mädchen, was er so

gut kannte.

„Mia!“, entfuhr es ihm. „Was machst du denn hier?“

„Ich hatte gehofft, dich noch irgendwo zu treffen. Ich hatte Glück,

wie du siehst!“

Sie umarmte Fietje, dass es ihm ganz warm wurde.

„Hast du heute schon was vor“, fragten beide gleichzeitig und mussten

lachen.


152

DER VERRAT

153

Da meldete sich Arti, ganz der König:

„Wir werden heute Wörter suchen. Der fränkische Dialekt muss noch

in mein Gefieder bevor wir abreisen.“

„Das hat morgen auch noch Zeit“, widersprach Fietje sofort.

Mia überlegte kurz:

„Hm…, wir könnten zum Naturschutzgebiet Röthelheimpark gehen.

Vielleicht schnappst du fränkische Wörter von den Leuten auf, die

sich dort die Zeit vertreiben.“

Nach kurzer Zeit hatten sie mit dem Bus den ehemaligen Exerzierplatz

erreicht und liefen querfeldein durch das hohe Gras.

Andauernd lachten sie. Es war der schönste Tag, den Fietje je erlebt

hatte. Auch Arti taute immer mehr auf.

Irgendwann wechselte er sogar die Schultern und lies sich von Mia

kraulen. Die andere Hand schmuggelte sie in die Hand des Jungen.

Doch auch die schönsten Stunden gehen irgendwann zu Ende

und sie traten den Rückweg an.

Als Mias Bus kam, wollte Fietje sie noch umarmen. Sie gab ihm

stattdessen einen Kuss.

Dann stieg sie eilig ein. Fietje schaute dem Bus noch lange nach.

„Ich werde mich nie wieder waschen“, murmelte er versonnen.

Dann machte er sich auf den Weg zu seiner Oma.

Seine Mutter saß sicher schon auf gepackten Koffern und wartete

auf ihn.

Leider musste er laufen. Er hatte kein Geld mehr.

Nach einer Weile bog er um eine Häuserecke.

Naturschutzgebiet

Der Exerzierplatz ist ein

ehemaliges Militärgelände im

Stadtteil Röthelheimpark.

2001 wurde das etwa 25 Hektar

große Gebiet mit seinen seltenen und

bedrohten Pflanzen unter Naturschutz

gestellt.

ERFAhRE MEHR


154

DER VERRAT

Ruckartig zog er sich sofort wieder zurück.

„Ist es denn möglich…?“

Vorsichtig lugte er wieder um die Ecke. Nein! Er hatte sich nicht getäuscht.

Die Agenten standen dort. Ihnen gegenüber: ... Mia!

Mia reichte ihnen ein Bündel. Es war grau und flauschig. Artis Federn!

Nicht nur der Papagei schnappte nach Luft. Fietje konnte es erst recht

nicht fassen! Hatte Mia Arti Federn gestohlen, als sie auf der Mauer

eingedöst waren?

Als nächstes sahen sie, wie Keinwort ein Säckchen in Mias Hände ausleerte.

Das Klirren von Münzen war zu hören. Wie konnte Mia auch noch

Geld nehmen? War sie eine Verräterin?!

Da schauten die drei in seine Richtung. Fassungslos sah Fietje Mia an.

„Das…, das ist nicht das, wonach es aussieht“, stammelte sie.

Doch der Junge wollte davon nichts wissen.

„Ich hasse dich! Wie kannst du nur?“, schrie er und rannte

wütend davon.

Er wurde lange nicht müde,

durch die spätabendliche

Stadt zu laufen. Irgendwann

setzte er sich

in den alten verlassenen

Tunnel unter

dem Burgberg.

„Ich hätte nie so

etwas von ihr

gedacht“, flüsterte er in die dunkle Stille.

Arti blieb stumm. Nach einer Weile hörten sie Schritte. Wenig später

tauchte jemand aus der Dunkelheit auf.

„Was willst du hier?“, schnauzte Fietje Mia an.

Seine Freundin aus der Kindheit schaute zu Boden und scharrte verlegen

mit den Füßen.

„Du…, ähm…, hast dein Skateboard liegenlassen“, murmelte sie und reichte

es ihm.

Die Sprachlosen sind einsam. Sie haben deshalb negative Gefühle. Sie

lassen sich von ihnen beherrschen und wissen nicht, was Freude ist. Sie…

tun mir leid.“

„Mann!“, schnaubte Fietje. „Du hast uns verraten! Wie wärs, wenn du jetzt

gehst, hau einfach ab!“

Fietje drehte sich weg, während Mia auf den Ausgang des

Tunnels zusteuerte. Auf halbem Weg drehte sie sich noch

einmal um:

„Der Tag heute war wirklich schön!“

Dann rannte sie weg. Fietje beruhigte sich langsam

und dachte über ihre Worte nach. Hatte sie womöglich

Recht? Er hatte noch nie über das Motiv der

Agenten nachgedacht.

Schließlich übermannte ihn der Schlaf.


156

157

Die Autoren aus dem

Marie-Therese-Gymnasium

und dem Emil-von-Behring-

Gymnasium übergeben ihre

Geschichten zum Weiterschreiben

an das Emmy-

Noether-Gymnasium und das

Albert-Schweitzer-Gymnasium.

Schreib sie an!

Alles klar! Los gehts!

Die Autoren aus dem

Emmy-Noether-Gymnasium

und dem

Liebe Grüße und viel Spaß!

Albert-Schweitzer-Gymnasium

www.federsammler-community.de

schreiben weiter.


158

159

"Owymbus"

geschrieben von:

aus dem

Albert-Schweitzer-Gymnasium

Carolin

Fröhlich

11 Jahre

Nicole

Dorsch

11 Jahre


160

OWYMBUS

161

27

unverwandt =

Adjektiv

längere Zeit

„Klarer Fall von Sprachentzug“, krächzte Arti.

Fietje setzte sich ruckartig auf. Er hatte ganz vergessen, wo er war.

„Schau doch nicht so verdutzt. Wir sollten uns lieber auf den Weg

ins Wort-Reich machen, sonst kann uns Mias Aktion noch viel mehr

Wörter kosten. Schnell!“, motzte der Papagei.

„Ja, das sollten wir“, stammelte Fietje.

unverwandt

Sie stürmten aus dem Tunnel zum Bus Nummer 283, der nach

Dechsendorf fuhr.

Nach 15 Minuten hielt der Bus am Dechsendorfer Weiher und sie

stiegen aus. In Fietjes Hosentasche steckte noch das Busticket. Doch

etwas klebte daran.

„Eine Kastanie?“, dachte er laut.

„Sehr gut!“, sagte Arti und starrte unverwandt auf die Baumfrucht.

„Schwimm zur Mitte des Sees und lass die Kastanie hineinfallen“, rief

der Papagei aufgeregt.

war nicht mehr zu spüren. In der Mitte des Weihers angekommen,

ließ er die Kastanie auf den Grund plumsen. Er folgte ihr mit seinem

Blick. Da kam ein Strudel auf. Fietje wurde mit voller Kraft in den

Weiher gezogen.

Als er erwachte, lag er auf einer Wiese. Neben ihm landete Arti.

„Willkommen im Wort-Reich! Ich habe euch schon erwartet.“

Ein lächelnder alter Mann beugte sich über Fietje.

„Ich bin Owymbus. Der, der euch nach Sprachlos-Land bringt.“

Arti verbeugte sich: „Schön, dich zu sehen! Was sind die Aufgaben für

die Tickets?“

„Was denn für Tickets, Arti?“

Fietje guckte die beiden verwirrt an.

„Folgt mir in die Wortschraube! Ihr müsst drei Aufgaben lösen, um

die Tickets zu bekommen“, sprach Owymbus weiter.

Seine Stimme beruhigte Fietje. Sie machten sich auf zur Wortschraube.

Fietje bangte etwas. Was konnte das denn sein? Eine

Wortschraube?

29

bangen =

Verb

sich sorgen,

Angst haben

„Spinnst du? Ich geh da nicht rein!“

waten

„Es geht um das Wohl von Wort-Reich!“, krähte Arti empört.

bangen

28

waten =

Verb

stapfen,

stelzen,

tappen

Sofort veränderte sich Fietjes Gesichtsausdruck.

„Okay, ... hab ich verstanden ..., ich geh ja schon.“

„Der Junge watete ins Wasser. Zu seinem Erstaunen wurde er nicht

nass. Was war hier los? Jetzt musste er schwimmen. Der Boden


162

OWYMBUS

Owymbus nannte bei der Schraube die erste Aufgabe.

„Nennt mir ein Wort für alle Wörter der Welt.“

Den Rat befolgten die beiden. Als sie durchgestiegen waren, erblickten sie

einen grauen, hohen Palast.

163

Arti fiel vor Schreck um. Doch Fietje kam eine mögliche Lösung in den Sinn:

„Allnich?“, rief er.

Und tatsächlich! Es war die Lösung! Denn alles ist „all“ und „nich“ ist nichts.

Alles und nichts. Das war die Antwort. Owympus schaute ihn bewundernd

an.

„Jetzt sind wir definitiv wieder im Sprachlos-Land“, dachte Arti.

„Wir können nicht mehr reden“, schoss es Fietje durch den Kopf. Er hatte

die Gedanken Artis verstanden.

„Stimmt, aber denkend sprechen!“, bekräftigte Arti in Gedankensprache.

„Alle Achtung! Aber nun die nächste Aufgabe. Erkennt aus zehn verschiedenen

Büchern das Lexikon per Geruch!“

Diesmal war Arti der Zuversichtliche und lies sich vergnügt die Augen zubinden.

Er stakste los, die Bücherreihe entlang. Das Lexikon der Sprachen

kannte er wie seine Westentasche.

„Das da!“, rief er schnell und riss sich siegessicher das

Tuch von den Augen.

Sie gingen in den Palast, in dem sie von Hässlichkeit und Traurigkeit fast

erdrückt wurden. Als sie den Saal betraten, fiel ihnen sofort der graue

Drucker am Ende des Raumes auf. Sie näherten sich ihm langsam. Es

war etwas eingraviert. Ganz aus der Nähe war die Inschrift deutlich zu

erkennen.

„Der Wortdrucker“, dachte Arti, „den benutzen wir, um die gestohlenen

Federn wiederzubekommen.“

Doch er war mit einem großen schweren Eisenschloss verriegelt.

Hallo! hello!

HÓla! bon jorno!

salve! Salut!

aloha! szia!

hai! Privit!

„Richtig!“, schien sich Owympus zu freuen.

„Und nun die letzte Aufgabe. Sagt in 10 Sprachen:

Hallo!“

Arti rief:

„Ok, das erledige ich auch: Hallo! Hello! Hóla! Bon jorno!

Salve! Salut! Aloha! Szia! Hai! Privit! Das sind zehn!”,

jubilierte Arti.

„Respekt! Damit habt ihr alle drei Aufgaben gelöst.

Hier ist euer Ticket. Ihr müsst es auseinanderziehen

und durchsteigen“, erklärte Owymbus.

13

Kannst du jedes HALLO

einer Sprache zuordnen?

Welches "Hallo" kennst du


164

OWYMBUS

30

Malheur =

Substantiv

Fehler,

Missgeschick,

Unglück

„Niemand öffnet das Schloss!“, schaltete sich da ein Gedanke ein.

Fietje versuchte den Mund zu öffnen, doch es wollte ihm nicht gelingen

zu schreien.

„Denkst du wirklich, du würdest deinen Mund aufkriegen?“, erschien

ein neuer Gedanke. „Aber keine Sorge, ich werde euch helfen.“

Arti und Fietje sahen ein Tier in der Ecke sitzen. Es stach mit seinem

weißen Fell aus all dem Grau heraus.

„Seit wann denken denn Eichhörnchen?“, fragte sich Fietje.

„Oh, schon immer“, dachte das Tier zurück.

Malheur

Etwas machte „klack“. Das Schloss öffnete sich.

Daraufhin erwartete sie schon das nächste Malheur.

„Der Drucker!“, dachten beide Freunde gleichzeitig voller Entsetzen.

Unzählige Agenten aus Sprachlos-Land trugen ihn gerade fort.

„Sie lösen ihr Land auf!“, schoss es Arti durch den Kopf.

Fietje, dort drüben! Lauf hin und löse das Rätsel, was dort steht!“

Fietje lief zu einem Kopierer. Auf diesem stand folgendes:

„Natürlich! Das Eichhörnchen!“, dachte der Junge.

Der Kopierer öffnete sich und sog Arti und Fietje in sich hinein.

Wenig später landeten sie in der Universitätsbibliothek Erlangen.

„Da ist der Wort-Drucker! Was macht der denn hier?“, rief Fietje laut.

Er konnte endlich wieder normal sprechen.

Am Wort-Drucker klebten immer noch die Agenten. Doch auf einmal

flimmerten sie. Sie wurden immer durchsichtiger.

„Sie verschwinden!“, schrie Arti aufgeregt.

Als sie weg waren, druckten die beiden Freunde die Wörter aus, die

Mia dem Papagei gestohlen hatte. Doch ein Wort schien gänzlich verloren

gegangen zu sein.

Es war ein Wort, was man nur im Buch „LINGUA“ finden konnte.

D ieses Werk hatte Arti schon in die Zukunft geschickt, damit es dort

in Sicherheit war.

Die beiden Freunde werden später einen langen Weg auf sich nehmen

müssen, um das Buch und damit das verlorene Wort zu finden.

165

„Es hoppelt hin, es hoppelt her, auch hoch fällt ihm nicht schwer.

Das Gleichgewicht hält es mit dem Schwanz, sodass es nicht hinunter

fällt, völlig und ganz. Es lebt in den Bäumen und lässt sich aus dem

Wald nicht räumen.“


166

167

"Der Spezialzylinder"

geschrieben von:

aus dem

Emmy-Noether-Gymnasium

Amélie

Hopfner

11 Jahre

Anna

Rauscher

11 Jahre

Eva-Maria

Dotterweich

11 Jahre

Hannah

Denzlinger

11 Jahre

Nico

Tobias

11 Jahre


168

DER SPEZIALZYLINDER

Als er die Unibibliothek verließ, rief Fietje nach Arti. Er sah ihn nirgends.

Doch dann sah er ein graues Federbüschel durch die Luft

fliegen. Fietje rannte ihm nach, bis er plötzlich von einem Mädchen mit

wunderschönen grünen Augen aufgehalten wurde. Er stotterte auch

gleich:

„Hast du zufällig einen grauen Vogel mit roten Schwanzfedern gesehen?“

„Soll ich dir helfen, den Vogel zu finden?“, fragte sie.

Sie liefen den ganzen Nachmittag durch die Stadt und riefen immer

wieder nach Arti. Schließlich gaben sie auf. Bevor sie sich verabschiedeten,

fragte Lea (so hieß sie) mit ihrer zuckersüßen Stimme:

Fietje, willst du vielleicht nachher noch mit mir ins Kino gehen?“

In Fietjes Kopf gingen 1000 Gedanken um. Sollte er mitgehen? Mia

sollte es besser nicht erfahren. Er war ja nur noch diesen einen Tag in

Erlangen.

Dann sagte er aber: „Ja, sehr gerne.“

„Hey, Fietje, wie geht’s dir so?“, krähte Arti.

Fietje lachte vor Freude.

Arti, du frecher Vogel, wo warst du die ganze Zeit?“

„Mal hier, mal da, mal dort. Hast du dir etwa Sorgen gemacht?“ Arti

setzte sich auf seinen gewohnten Platz.

„Na, und wie!“

Fietje tat entsetzt und tätschelte seinen Freund.

„Na, das sah aber anders aus! Wer war das?“, fragte der Vogel.

Der Junge wollte ihm Lea vorstellen. Doch wo sie eben stand, war

niemand mehr. Sie hatte sich bestimmt erschrocken. Nicht jeder

konnte damit umgehen, dass Arti sprach wie ein Mensch.

Da klingelte Fietjes Handy. Seine Mutter. Er ging schnell ran.

„Hallo, Mama, ... äh, sorry!“

Und prompt war sein Akku leer.

169

Fietje fragte eine Frau nach einer

Telefonzelle. Jetzt musste er

seine Mutter zurückrufen.

Sie war sicher schon krank

vor Sorge. Zum Glück lag

in der Zelle ein Telefonbuch.

Die Nummer

seiner Oma konnte er

doch nicht auswendig!


170

DER SPEZIALZYLINDER

„Alles gut mit dir, Arti?“, erkundigte sich der Junge.

171

„Ok, um sechs am Himbeerpalast. Ich werde pünktlich sein!“, antwortete

er seiner Mutter artig.

Er sollte sofort mit seinem Vater nach Hause kommen. Heute Abend

Er hatte starkes Seitenstechen und schnappte nach Luft.

Arti erwiderte:

„Ja, aber ich will nicht wissen, wie es unserem Angreifer geht!“

fuhr noch ein Zug nach Jena. Den wollte sie unbedingt nehmen.

Beide sahen zwar etwas mitgenommen aus, aber für ein Grinsen

„Dann beeilen wir uns lieber“, krächzte der Vogel.

reichte die Kraft noch. Inzwischen war Mister Mundzu in einem Geheimversteck,

in dem sich Herr Keinwort aufhielt, angekommen. Herr

Fietje hatte das Gefühl, von jemandem verfolgt zu werden. Er beschleunigte

seine Schritte und sah immer wieder er hinter sich. In

Keinwort fragte seinen Gefährten per Gedanken aus. Mister Mundzu

musste ihm gestehen, dass er den Vogel nicht schnappen konnte.

der Schuhstrasse rempelte ihn auch schon Mister Mundzu an. Er

wollte ihm Arti entreißen.

„Ich wurde von diesem Rotzbengel abgewehrt und dann hat mir

dieser verflixte Vogel in die Nase gebissen“, dachte Mister Mundzu.

„Du wirst Arti nie bekommen“, schrie Fietje den dicken

Klops an. Als Mister Mundzu Arti packen

wollte, biss ihm dieser in die

Nase. Das Gesicht

des Agenten war

schmerzverzerrt.

Herr Keinwort ging langsam zu seinem Kleiderschrank. Dort entnahm

er seinen Spezialzylinder. Dann ging er zu Mister Mundzu und nahm

den Zylinder von seinem Komplizen ab. Dann hob er wortlos den

Spezialzylinder hoch und schlug Mister Mundzu damit auf den Kopf.

Wozu das gut war, wusste man nur in Sprachlos-Land.

Fietje rannte los. So

Aktion AG

kam er verschwitzt und

mit hochrotem Kopf in

schreib weiter

der Beethovenstraße an.


172

173

"Warten auf Papa"

geschrieben von:

aus dem

Emmy-Noether-Gymnasium

Julia

Höppe

14 Jahre

Laura

Kraetsch

14 Jahre


174

WARTEN AUF PAPA

Endlich kamen die beiden Freunde am Himbeerpalast an und sahen

das Auto des Vaters davorstehen. Nervös schaute Fietje auf die Uhr.

175

„Wann kommt er denn endlich?“, murmelte er.

Fietje starrte hinauf zu dem einzigen noch erleuchteten Fenster. Arti

saß gelangweilt auf seiner Schulter und putzte sich.

„Kraaah, dein Vater wird schon bald da sein.“

„Aber er hatte schon vor einer halben Stunde Feierabend.“

Arti erwiderte nur genervt: „Es gibt eben viel Arbeit.“

Himbeerpalast

Etwas beschwichtigt sah sich der Junge in der fast menschenleeren

Straße um. Es dämmerte bereits und Fietje wünschte sich, dass

sie endlich nach Hause fahren konnten. Plötzlich bemerkte er einen

Schatten.

„Was war das denn?“

Der Himbeerpalast ist ein

Verwaltungsgebäude der Firma

Siemens. Den schönen Namen hat das

Haus natürlich von seiner Farbe.

Neben dem Himbeerpalast gibt es noch

andere Bürogebäude von Siemens, wie

zum Beispiel das Forschungszentrum.

Aber der Himbeerpalast ist ein Symbol

für Erlangen und Siemens.

ERFAhRE MEHR

Arti flüsterte ihm ins Ohr:

„Sei vorsichtig! Vielleicht war das Mister

Mundzu? Wenn er sich schon erholt

hat von meinem Biss.“

Im gleichen Moment sprang der

Schatten auf sie zu. Erschrocken wich

Fietje zurück. Sein Herz begann zu

rasen. Er spürte, wie auch Arti auf

seiner Schulter zitterte.

„Oh Mist, er hat sich wirklich aufgerappelt!“

Fietje sah gerade noch, wie eine Hand neben ihm ins Leere griff.

Artis Krallen bohrten sich in seine Schulter. Auf einmal näherte sich

von der linken Seite her noch jemand. Das konnte nur Herr Keinwort

sein. Blind vor Angst rannte Fietje nach rechts in eine Sackgasse.

Die Agenten nahmen die Verfolgung auf. Ihre Schritte hallten laut

in der Straße. Arti quäkte erschrocken auf, als die Straße abrupt

endete und Fietje wie gelähmt stehenblieb.

Schon standen die beiden Männer hinter ihnen. Als sich Fietje umdrehte,

blickte er in die schwarzen Augen Herrn Keinworts.

Mit fiesem Blick griff er nach dem kreischenden Arti. Da löste sich

Fietjes Erstarrung.

„Nein!“, schrie er und duckte sich unter dem Arm des Agenten

hinweg.


176

WARTEN AUF PAPA

177

31

entgeistert =

Adjektiv

völlig verstört,

sprachlos

Auch Arti versuchte sich mit verzweifelnden Flügelschlägen zu

retten. Während Mister Mundzu Fietje mit einem gezielten Stoß zu

Boden schlug, griff der andere ein zweites Mal nach Arti.

Der Papagei krähte schmerzerfüllt auf, als zwei seiner roten

Schwanzfedern in der Hand des Agenten landeten. Sofort breitete

sich ein Grinsen auf dem hageren Gesicht von Keinwort aus.

„Puedo hablar!“, rief er erfreut aus.

Sein Komplize kam hinzu und griff nach einer der roten Federn.

Doch in diesem Moment zerfiel sie zu Staub. Entgeistert starrten

die beiden Männer auf die Überreste. Das nutzte Fietje, um schnell

aufzuspringen, Arti zu packen und die Flucht zu ergreifen.

„¡Alto!“, schallte Keinworts Stimme. Gefolgt von einem Aufschrei, als

auch seine Feder zu Staub zerfiel.

Fietje stürmte die Straße entlang. Außer Atem blieb er stehen und

hob den Vogel von seiner Schulter.

Der Vogel krächzte leise:

Diese Dummköpfe! Sie waren zu gierig. Sie haben gedacht, sie könnten

die Sprachen nur vom Anfassen lernen! Das lässt sich keine Sprache

gefallen. Dummerweise fehlen mir jetzt zwei ganze Sprachen!“

Fietje lief zurück zum Himbeerpalast und traf dort endlich seinen Vater

an. Er schloss gerade die Tür zu.

„Gott, Kind!“, rief der Vater vor Überraschung als er Fietje kommen sah.

„Was ist denn mit dir passiert? Du siehst aus, als ob du eine Verfolgungsjagd

hinter dir hättest.“

Sie stiegen ins Auto.

„Wie recht du doch hast“, dachte Fietje bei

sich und schaute schnell zum Fenster raus.

Sein Vater ließ den Motor an. Endlich fuhren

sie zu Fietjes Oma. Seine Mutter wird schon

toben vor Wut. Das konnte heiter werden.

„Ist alles in Ordnung mit dir,

Arti?“, fragte er

besorgt.

entgeistert

14

Welche Sprache steckt in

der roten Schwanzfeder?


178

179

"Wieder zu Hause"

geschrieben von:

aus dem

Emmy-Noether-Gymnasium

Viktoria

Barckhan

12 Jahre

Vivian

Blazek

13 Jahre

Yannik

Ambrusits

12 Jahre


180

WIEDER ZU HAUSE

181

„Sprich leiser! Sie wundern sich schon.“

„Na gut ...“, begann Arti, „... vor zwei Jahren bekam ich eben diesen

ehrenvollen Auftrag von Wort-Reich. Ich sollte in deine Welt reisen,

um all eure Wörter für unser Reich zu sammeln. Viele Wörter zu

besitzen, bedeutet Macht zu haben.“

Fietje setzte sich an Omas Tisch und genoss den Frozen-Joghurt

nach dem anstrengenden Tag. Arti knapperte unter dem Tisch an

runtergefallenen Kuchenstreuseln. Er sah, soweit man das von einem

Vogel sagen konnte, irgendwie traurig aus.

„Was hast du denn?“, fragte Fietje den sonst so lebhaften Freund.

„Ich sehne mich nach meiner Heimat, den saftigen Hügeln, den reichhaltigen

Früchten …“

Fietje wusste, dass der Vogel zu Übertreibungen neigte, und meinte:

„So so, König vom Paradies. Wieso bist du eigentlich nicht bei deinen

saftigen Hügeln geblieben?“

„Aber, wo liegt denn eigentlich dein Wort-Reich, geografisch mein ich?“,

fragte er Arti leise. Die anderen am Tisch stritten sich lauthals.

„Es liegt mitten im Atlantischen Ozean. Die meisten Menschen

kommen nicht zurück. Sie nennen es das Bermuda-Dreieck.

Nur du, Fietje, kannst von dort zurückkommen, denn

wir sind verwandt, wie du ja jetzt weißt."

„Los jetzt! Fahren wir!“, kam es enorm gereizt von

seiner Mutter.

Sie hatte vom Streiten schon ihren roten Hals

bekommen. Fietje fügte sich seinem Schicksal.

Der Zug wartete nicht und Mama sollte er

besser nicht mehr auf die Palme bringen.

Arti antwortete genervt:

„Das ist doch eine lange Geschichte. Außerdem kennst du sie schon."

Mama, Oma und Papa blickten stirnrunzelnd unter den Tisch. Hatten

sie gerade Fietjes Plüschvogel sprechen hören? Oder waren sie nur zu

gestresst, dass sie schon Wahnvorstellungen hatten?

Weißt du etwas über das

Bermuda Dreieck?

14


182

WIEDER ZU HAUSE

183

Auf dem Weg zum Bahnhof flüsterte Arti Fietje ins Ohr: „Die Agenten

wollen uns noch verabschieden, lauf, schneller!“

Fietje lief so schnell er konnte, doch der schwere Koffer machte es

ihm nicht leicht.

„Autsch!“, krächzte da der Papagei.

Fietje sah einen der Agenten mit einer grauen Feder in der Hand

davonlaufen. Schon kam es niedergeschlagen von seiner Schulter:

„Mir wurde schon wieder eine Feder gestohlen!“

„Welches Wort?“, quetschte Fietje durch die Zähne, denn seine Mutter

warf ihm einen prüfenden Blick zu.

Der Zug fuhr ein und sie nahmen auf den reservierten Sitzen Platz.

Fietje nahm sein Skateboard, in dem Arti inzwischen versteckt war, auf

den Schoß.

Fietje, aufwachen, du Faulpelz, wir sind zu Hause.“

Fietjes Mutter versuchte schon lange, ihren Sohn zu wecken. Er schien

eine Menge Schlaf nachzuholen.

„Wer zum Kuckuck…“, fuhr Fietje hoch.

Auf dem Zugfenster lag eine graue Feder. Fietje schnappte sie sich und

stürmte nach draußen. Vor dem Jenaer Bahnhof lag noch eine Feder.

Arti hat sie bestimmt absichtlich fallengelassen“, dachte Fietje laut.

„Keine Ahnung, aber ich brauche deine…“

Artis Miene erstarrte und Fietje verstand zunächst nicht, was er ihm

sagen wollte. Doch dann war ihm alles klar.

„Hilfe“ war das Wort, das Arti jetzt fehlte.

Der Papagei blickte, als hätte er in eine Zitrone gebissen.

Diese besch… eidenen Agenten. Das haben sie gemacht, damit du

mich nie mehr retten kannst!“

Auf einmal fühlte sich Fietje sehr müde.

„Lass uns jetzt endlich in den Zug steigen! Das war genug Ärger

die letzten Tage.“


184

WIEDER ZU HAUSE

185

Seine Mutter schüttelte nur den Kopf. Sie rief ein Taxi. Hier stand

leider keines mehr. Das konnte jetzt noch dauern. Fietje verfolgte

inzwischen die Spur der Federn und sammelte sie ein, bis er in eine

Gasse gelangte. Vor einem alten Haus blieb er stehen. Er glaubte,

Vogellaute zu hören.

Mutig stieg er durch ein kaputtes Fenster. Aus dem Keller kamen Hilferufe.

Das konnte nicht Arti sein, er hatte das Wort ja verloren. Das

mussten die Agenten sein. Aber warum riefen sie um Hilfe? Unsicher

stieg Fietje die Kellertreppe hinunter und da sah er die Bescherung.

Die Agenten hatten Arti gepackt und versuchten, ihm noch mehr

Federn auszureißen. Wie war der Papagei nur aus dem Skateboard

gekommen, ohne dass es seine Mutter bemerkt hatte?

„Nicht wegrennen!“, rief da plötzlich der Dicke.

zu erklären!“, japste der Vogel unter Keinworts Arm hervor.

Das schien der Agent verstanden zu haben, denn auf einmal sprudelte

er los: „Wartet, wir wollen nichts Böses!“

„Genau! Und ich bin der Kaiser von China“, sagte Fietje.

Der Agent sprach aufgewühlt weiter:

„Ihr müsst wissen, dass vor langer Zeit das Wort-Reich nicht geteilt,

sondern glücklich vereint war. Doch eine große Umweltkatastrophe

hat alle Häuser zerstört. Zunächst arbeiteten alle zusammen am

Wiederaufbau. Doch es blieb zu wenig Rohstoff für alle übrig,. So

wurde einem Teil der Bevölkerung die Sprache geraubt, damit sie nie

wieder in das Land zurückkommen konnten.

Sofort blickten alle Beteiligten verdutzt drein.

Hatte Mister Mundzu gerade gesprochen? Aber

das war doch unmöglich! Arti sah Fietje geschockt

an.

„Mundzu, es war Mundzu, der

mich aus dem Board

geholt hat. Und er

hat sich deutsche

Federn genommen.

Nur so ist das


186

WIEDER ZU HAUSE

187

Man halbierte einfach die Bedürftigen. Daraufhin gründeten diese eine

eigene Siedlung, nicht weit weg von ihrer Heimat, während Wort-Reich

in Wohlstand lebte. Das Sprachlos-Land. So hatten wir keine Sprache.

Bis vor knapp zweitausend Jahren dieser Papagei auftauchte.“

Er deutete auf Arti und fuhr fort:

„Er konnte von Geburt an 100 Sprachen sprechen und galt als Wunder.

Die Minister erkannten, dass sie durch ihn noch mehr Reichtum

erlangen konnten. Um wirklich alle Wörter auf Erden zu besitzen,

schickten sie ihn in die Welt hinaus.“

Jetzt mischte sich auch Herr Keinwort ein:

„Wir bitten dich nun, Arti, gib unserem Volk die Sprache zurück. Es tut

uns leid, wir wollten nie Böses.“

Da verstand Fietje auch, warum die beiden das Wort „Hilfe“ gestohlen

hatten. Sie brauchten die Hilfe des Königs von Wort-Reich.

Alles fügte sich nun wie ein Puzzle zusammen, erschien ihm einfach

logisch. Er hob Arti vom Boden auf und überreichte ihn den beiden

Agenten großzügig.

„Autsch! Hey! Was sollte das?!“

Fietje war sauer. Arti hatte ihm in die Hand gebissen.

„Sie pokern, Fietje. Alles Lüge!“


188

FEDER-SCHATZ

Deine Federn

S. 114 Nr.16 altehrwürdig Adjektiv dunkler, als Kerker dienender Raum

189

S. 26 Nr.1 das Verlies Substantiv dunkler, als Kerker dienender Raum

S. 115 Nr.17 malträtieren Verb plagen , quälen, wehtun

S. 37 Nr.2 beherzt Adjektiv mutig, entschlossen, unerschrocken

S. 116 Nr.18 episch Adjektiv erzählend, berichtend

S. 45 Nr.3 nahezu Adverb fast, beinahe

S. 117 Nr.19 zuteil werden Verb erhalten, erleben, erleiden, ernten

S. 45 Nr.4 wimmern Verb leise jammern, unterdrückt weinen

S. 119 Nr.20 das Mausoleum Substantiv monumentale Grabstätte

S. 46 Nr.5 fündig werden Verb aufspüren, finden

S. 127 Nr.21 hämisch Adjektiv bissig, boshaft, schadenfreudig

S. 55 Nr.6 anwidern Verb abstoßen, anekeln

S. 132 Nr.22 faseln Verb Käse reden, labern

S. 76 Nr.7 besänftigen Verb beruhigen, beschwichtigen

S. 138 Nr.23 die Schneise Substantiv Bahn, Einschlag

S. 82 Nr.8 erbärmlich Adjektiv heruntergekommen, armselig

S. 139 Nr.24 vereiteln Verb behindern, bekämpfen, blockieren

S. 82 Nr.9 krakeelen Verb laut schreien, streiten

S. 140 Nr.25 wähnen Verb annehmen, vermuten, wittern

S. 86 Nr.10 spähen Verb forschend, suchend blicken

S. 148 Nr.26 maulen Verb meckern, nörgeln, quengeln

S. 92 Nr.11 gescheit Adjektiv geschickt, gut, klug

S. 158 Nr.27 unverwandt Adjektiv längere Zeit

S. 94 Nr.12 das Klischee Substantiv Kopie, (abwertend) Abklatsch

S. 158 Nr.28 waten Verb stapfen, stelzen, tappen

S. 101 Nr.13 die Strategie Substantiv Plan langfristig, Kalkül, Vorgehen

S. 159 Nr.29 bangen Verb sich sorgen, Angst haben

S. 109 Nr.14 indes Konjunktion während

S. 162 Nr.30 das Malheur Substantiv Fehler, Missgeschick, Unglück

S. 109 Nr.15 unbeirrt Adjektiv entschlossen, zielsicher, willensstark

S. 176 Nr.31 entgeistert Adjektiv völlig verstört, sprachlos


190

DANKE

191

Unser herzlichstes Danke!

Dieser Kinderroman ist etwas ganz Besonderes.

Er hat nicht nur 64 AutorInnen. Diese gehören zudem

noch zu den jüngsten Roman-AutorInnen Deutschlands.

Allen voran gilt deshalb unser Dank den Erlanger Jung-AutorInnen, die mit

ihrer Fantasie der Geschichte ihre ganz eigene Handschrift verliehen haben und

ihre wertvolle Arbeit an das kommende Autoren-Team weitergeben. Wir sind

gespannt auf alle Erlebnisse von Fietje und Arti, die aus euren Geschichten

noch erwachsen werden!

Dicht darauf folgen die Erlanger Personen und Institutionen, die mit Vertrauen und

Tatendrang die Entstehung des Romans unterstützt haben.

Erlanger Tourismus und Marketing Verein e.V.

MAUSS BAU ERLANGEN GmbH & Co. KG

Siemens AG

Erlangen Arcaden

GALERIA Kaufhof GmbH

VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach eG

Michael Müller Verlag GmbH

Fa. Scholten Malerfachbetrieb GmbH

Der Beck GmbH

Danke für die Planung und Durchführung der Schreibwerkstätten:

Albert-Schweitzer-Gymnasium (Schulleiter Winfried Zwick, Deutschlehrerin Thekla Rosahl)

Emil-von-Behring-Gymnasium (Schulleiter Herr Dr. Braun, Deutschlehrer Gerald Meier, Deutschlehrerin Michaela Teichmann)

Emmy-Noether-Gymnasium (Schulleiterin Frau Reichert-Brod, StDin Doris Seifert, Deutschlehrerin Stefanie Holhut)

Gymnasium Fridericianum (Schulleiter Gerhard Hammer, StDin Ulrike Pfeifenberger und StDin Magda Paschek)

Marie-Therese-Gymnasium (Schulleiterin Reane Strübing, Deutschlehrerin Katharina Gänßbauer)

Werner-von-Siemens-Realschule (Schulleiterin Klaudia Gruber, Deutschlehrerin Elke Langer)

Siemens AG, Sektor Healthcare, MedArchiv (Christine Benecke, Doris Vittinghoff)

Michael Müller

Verlag

VR-Bank

Erlangen – Höchstadt – Herzogenaurach eG

Danke für die Bereitstellung der Fotos und Foto-Genehmigungen:

Erlanger Tourismus und Marketing Verein e.V. (Stefan Müller, Sabine Ismaier)

Theater Erlangen (Susanne Ziegler, Jochen Quast)

Siemens AG, Sektor Healthcare, MedArchiv (Doris Vittinghoff)

Ganz persönlich:

Den Eltern der Jung-AutorInnen, allen Familien und Freunden, die so zahlreich

hier nicht namentlich aufgeführt werden können, möchten wir unseren

allerherzlichsten Dank ausdrücken! Begleitet uns auch weiterhin und lasst euch

auf die Schatzsuche unserer Helden mitnehmen!

Das Federsammler-Team


192

BILDNACHWEIS

Bildnachweis

52 Markgrafentheater, © Jochen Quast

60-61, 64, 65, 66-67 aus: Doris-Maria Vittinghoff/ Margrit Vollertsen-Diewerge: Max Gebbert & die Pioniere der Medizintechnik, hrsg. Siemens AG

2006, Berlin München, © Siemens AG, München/Berlin

24, 68-69 www.siemens.com/press, © Siemens AG, München/Berlin

84, 127 Bergkirchweih, © Sabine Ismaier, Erlangen

Alle weiteren Fotos © Jugend will... gGmbH, Jena

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