Die Federsammler - Fietje und Arti in Nürnberg

federsammler

Sicherheit am Bahnsteig. Das war das Motto für die Jung-Autoren aus 3 Nürnberger Schulen, welche gemeinsam 2015 eine Comic-Novelle über ihre Heimat verfassten. Mit Hilfe der Deutschen Bahn konnten die Jugendlichen vor Ort einen Eindruck gewinnen, auf was es an den Bahngleisen ankommt. Die absurde Mode, Selfies auf den Bahngleisen zu machen, veranlasste die DB, eine jugendgerechte Aufklärung über die akuten Gefahren dabei zu starten. So entstand diese Comic-Novelle, welche in den Schulen zum Einsatz kommt. Zum Lesen, Verstehen, Diskutieren, Weiterschreiben.

Federsammler

Fietje und Arti in Nürnberg


Kraaah, kraaah!


Fietje und Arti in Nürnberg


Impressum

Die Federsammler

Fietje und Arti in Nürnberg

1. Auflage 2015

©KlangbildVerlag, Jena

Konzept & Projektleitung: Antje Hübner

Hrsg.: Jugend will… gemeinnützige GmbH / Die Federsammler

Fietje und Arti in

Nürnberg

Jung-Autoren und Autorinnen aus Nürnberg:

Tobias Bach, Yannik Bergmann, Fabian Eggert, Vera Eidenschink, Mona Freimanis, Luca Herrmann,

Alma Kaiser, Sari Ketterer, Christina Kornder, Felix Kornmann, Julian Kramer, Jana Lücke, Maximilian Mull,

Ann-Kathrin Reichel, Rebecca Schulz, Mia Schumm, Antonia Travnicek, Robin Verseck

Co-Autorinnen: Kerstin Zippel, Annika-Susann Leicht

Online-Autoren: Aaron Horch, Xenia Lütjohan, Sarah Landschütz aus Erlangen I

Anneka Bäßler aus Zwickau I Dennis Lafeld aus Jena

Werkstattleiter: Elisa Schönbrunn, Martin Kohlstedt, Kerstin Zippel, Jelizaveta Laškevičová

Redaktion/Lektorat: Kerstin Zippel, Antje Hübner, Annika-Susann Leicht

Illustration & Satz: Maria Suckert, Weimar

Umschlag: Maria Suckert, Weimar

Gedruckt in Deutschland bei Pressel, Remshalden

Der Abdruck der Geschichten erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Urheber und ihrer

Erziehungsberechtigten. Vielen Dank!

Die Handlungskulissen der Geschichte sind reale Orte. Die Handlung selbst sowie in Verbindung

stehende Personen und Namen sind frei erfunden.

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-9814441-1-7

www.federsammler.de


unsere

Unsere

Jung-AutorInnen Jung-Autoren:

aus Nürnberg:

aus dem

Sigmund-Schuckert-Gymnasium

Ann-Kathrin

Reichel

11 Jahre

aus dem

Neuen Gymnasium

Rebecca

Schulz

11 Jahre

Fabian

Eggert

10 Jahre

Jana

Lücke

11 Jahre

Christina

Kornder

12 Jahre

Mona

Freimanis

12 Jahre

Tobias

Bach

12 Jahre

Felix

Kornmann

13 Jahre

Yannik

Bergmann

12 Jahre

Julian

Kramer

13 Jahre

Luca

Herrmann

12 Jahre

Vera

Eidenschink

11 Jahre

Sari

Ketterer

11 Jahre

Robin

Verseck

11 Jahre

aus dem

Mia

Schumm

12 Jahre

Maximilian

Mull

12 Jahre

Albrecht-Dürer-Gymnasium

Antonia

Travnicek

10 Jahre

Alma

Kaiser

11 Jahre


6

7

Feder-Schätze

Fietjes Tagebuch

Dein Buch ist nicht „nur“ ein Buch!

Auf manchen Seiten fliegen Federn.

Wort aus dem Text

Das sind Wörter und Redewendungen, die dir die Autoren aus

Nürnberg schenken. Am Ende der Geschichte kannst du diesen

Feder-Schatz noch einmal ganz überblicken.

Fietje erzählt seinem Tagebuch, wie er und

Arti von einer Stadt in die nächste gelangten.

Dies ist jeweils die Eingangsgeschichte eines

jeden Federsammler-Bandes.

Wie cool!

Wenn du möchtest, kannst du auch Autor

der Federsammler-Reihe werden.

Schreib uns unter: post@federsammler.de

In welcher Stadt die beiden Helden bald

sein werden und wie du mitschreiben

kannst, erfährst du unter

www.federsammler-community.de

Melde dich an, schreibe mit anderen am

neuen Tagebuch-Eintrag und werde damit Autor

des nächsten Federsammler-Bandes!

Einmal ein

richtiger

Autor sein!

Als Dankeschön erhältst du dein eigenes

druckfrisches Buch.

Schreib Mit unter

ERFAhRE MEHR Über die

Federsammler-Community


8

WER IST WER?

9

Sprachlos-Land

Wort-Reich

Fietje ist ein ganz normaler

Junge. Er ist 12 Jahre alt und

kommt aus Jena.

Zusammen mit seinem Papagei

Arti erlebt der Skater viele Abenteuer.

Der Vogel und seine Federn

brauchen oft seine Hilfe.

Gemeinsam mit Arti ist Fietje auf

der Flucht vor den Männern aus

Sprachlos-Land.

Arti ist ein Graupapagei. Er

ist 1439 Jahre alt. Der König von

Wort-Reich spricht 100 Sprachen.

In jeder grauen Feder steckt ein

Wort. Trotzdem sucht der Papagei

nach dem großen deutschen

Sprachschatz. Überall sammelt er

deutsche Wörter für sein Wort-

Reich. In seinen roten Federn sind

seine Lieblingswörter oder ganze

Sprachen versteckt. Er ist sehr

klug.

Fietjes Skateboard

ist ein Zauber-Board. Es hört auf

seine und Artis Befehle.

Arti kann sich in dem Skateboard

verstecken. Der Papagei kann

hinein verschwinden, wenn es

nass wird. Erst, wenn jemand es

trocken reibt, kann Arti wieder

herauskommen.

Das Skateboard kann fliegen.

Herr Keinwort &

Mister Mundzu

kommen aus Sprachlos-Land. Dort

kann man keine Sprache sprechen.

Sie sprechen nur eine Sprache aus

Gedanken. Die beiden Männer sind

hinter Arti und seinem Sprachschatz

her. Sie versuchen, ihn für

ihr Land zu fangen. Jedes Wort,

also jede Feder, die sie von Arti

stehlen, sprechen sie laut aus.


11

inhaltsverzeichnis

Fietjes Tagebuch

1. Trubel am Bahnsteig

2. Von Schlössern und Burgen

3. Wo ist Arti?

4. Das Zaubermädchen

5. Unterschlupf

6. Achtung Falle!

7. Immer das Gleiche!

Feder-Schatz

12

16

38

56

74

86

96

114

128


12

FIETJES TAGEBUCH

13

Liebes Tagebuch,

Arti quengelt die ganze Zeit, dass er

mehr deutsche Dialekte lernen möchte.

Den Dialekt aus Jena kennt er inzwischen

schon fast auswendig. Letztens

hat er doch erst Hessisch in Frankfurt

bekommen. Das ist ein lustiger Dialekt,

fanden wir beide. Naja. Er bekommt

eben nie genug.

Gestern konnte ich Arti damit überraschen,

dass mein Onkel angerufen und

mich nach Nürnberg eingeladen hat. Der

Bruder von Papa. Noch nie von ihm gehört.

In Nürnberg kann Arti sich jedenfalls

noch einmal mit dem fränkischen Dialekt

beschäftigen, den er schon aus

Erlangen kennt. Ich habe mich gleich um

eine Fahrkarte gekümmert.


14

LOREM FIETJES ISPSUM TAGEBUCH

15

Heute Morgen ging es schon sehr früh

los.

Vorhin, im Zug, bin ich eingenickt und

hatte einen furchtbaren Traum.

Blöd, so ein Traum!

Jetzt bin ich auf Nürnberg und meinen Onkel

schon richtig gespannt.

Komisch, dass meine MOM nie von ihm

erzählt hat.

Herr Keinwort und Mister Mundzu

haben mir mein Skateboard aus dem

Koffer geklaut und sind damit abgehauen.

Da bin ich gleich hinterher und

habe sie verfolgt, bis zum Frankfurter

Flughafen. Ohne mein Skateboard kann

ich doch nirgendwohin! Wo soll ich Arti

verstecken?

Werde auch ein

Federsammler!

Schreibe online mit!

Dann hat mich zum Glück so eine nette

Zugbegleiterin geweckt.

Mein Skateboard und Arti waren noch

sicher bei mir und die Agenten nirgendwo

zu sehen.

www.federsammler-community.de/forum


16

TRUBEL AM BAHNSTEIG

17

"Trubel am Bahnsteig"


18

TRUBEL AM BAHNSTEIG

19

Fietje saß im Zug nach Nürnberg und hörte Musik. Sein Skateboard

lag auf seinem Schoß. Schon fast zwei Stunden dauerte die

Fahrt. Fietje kam es viel kürzer vor. Arti hatte er sicher in seinem

Skateboard verstaut.

„Und ich singe diese Lieder“, summte Fietje. „Ich könnte diese Lieder

milliarden Mal hören. Adel Tawil ist einfach der Beste.“

Durch die Ansage wurde er aus seinem Selbstgespräch

gerissen.

aus dem Sitz. Eigentlich wollte er noch nicht raus. Aber die Neugierde

auf seinen Onkel war größer als seine Faulheit. Fietje stieg

aus dem Zug.

„Nürnberg, hier bin ich!“, rief er freudestrahlend.

Plötzlich wurde er von hinten gerammt. Ganz empört drehte er

sich um, sah aber niemanden. Dann lief es ihm heiß und kalt den

Rücken runter. Er bemerkte, dass sein Skateboard nicht mehr da

war.

„Nächste Haltestelle Nürnberg Hauptbahnhof. Dieser Zug endet

hier.“

Mit freundlicher Stimme fügte der Lokführer hinzu:

„Ausstieg in Fahrtrichtung rechts.“

Der Schreck saß tief. Hastig schaute sich Fietje um. Da sah er, wie

Herr Keinwort und Mister Mundzu auf die Bahngleise flüchteten.

Mit seinem Skateboard!

kalt den Rücken

runter laufen

Die Mittelfrankenbahn hielt an. Fietje quälte sich stöhnend

Gegenstände sollten

so aufbewahrt werden, dass sie

niemanden den Platz

wegnehmen.

Wenn du Musik hörst,

mache sie nur so laut,

dass du auch die Durchsagen

hören kannst.

Vera beim

Austeilen

der Fahrkarten


an den Bahnanlagen und

20

TRUBEL AM BAHNSTEIG

21

„Halt! Stop! Gebt mir mein Skateboard wieder!“, schrie er während er

den Gaunern hinterherrannte.

Auf einmal stand ein Zugbegleiter vor ihm. Fietje kam nicht

an ihm vorbei und musste stehenbleiben.

‚Gleich ist Arti verloren’, dachte er bei sich.

Herr Kaiser von der

Bundespolizei erklärte

uns, wie wir uns sicher

am Bahnsteig verhalten.

„Na, da hat wohl jemand keine Ahnung von den Sicherheitsregeln

am Bahnsteig?“, sagte der Zugbegleiter streng.

„Komm mal mit mir mit!“

Der Zugbegleiter ging mit Fietje in einen Raum, an dem

„Bundespolizei“ stand. Dort erwartete sie bereits ein Polizeihauptmeister.

Dieser hielt ihm und anderen Jungen, die auch

noch nie etwas von „Regeln am Bahnsteig“ gehört hatten,

einen Vortrag.

Auch wenn ich streng

wirke, ich meine es nicht

böse. Höre mir gut zu,

denn es soll dir nichts

passieren.

Die Gefahren lauern überall auf den Bahnsteigen“, fing er an.

Fietje schaute die ganze Zeit auf die Uhr. Er musste Arti befreien.

Außerdem war er mit seinem Onkel verabredet.

„Ich muss los. Mein Onkel wartet am

Gleis 22 auf mich“, unterbrach Fietje

den Polizeihauptmeister.

Die Bundespolizei hat

viele Aufgaben. Sie

schützt die Grenzen, sorgt

für Sicherheit und Ordnung

bekämpft Kriminalität.


22

TRUBEL AM BAHNSTEIG

Unfug

23

„Ja, dann kannst du jetzt gehen. Ich werde dich zu Gleis 22

Man musste ihnen

bringen“, sagte der Zugbegleiter und ging, ohne die Antwort

anders klar machen,

vom Polizeihauptmeister abzuwarten, mit Fietje los.

dass bei Unfug am

An Gleis 22 angekommen, war noch keine Spur von Fietjes

Bahnsteig ihr Leben

... bei der Arbeit.

Onkel. Es war auch nur eine Notlüge von Fietje gewesen.

Der Zugbegleiter kannte Jungen wie Fietje nur zu gut und

hatte Verständnis, dass Belehrungen nichts für sie waren.

Deutsche Bahn und Mittelfrankenbahn

Die Deutsche Bahn AG ist eines der führenden

Mobilitäts- und Logistikunternehmen weltweit,

tätig in 130 Ländern.

in Gefahr war.

„Durch den Sog, also den Luftdruck, der

beim Einfahren des Zuges

entsteht, kannst du mitgerissen

werden. Das ist

verdammt gefährlich!

Also Abstand halten,

dann passiert dir nichts!“

Also Abstand

halten, dann

passiert dir

nichts!

Kern des Unternehmens ist die Eisenbahn in

Deutschland. Hier befördert die Deutsche Bahn

ca. 2,2 Mrd. Reisende pro Jahr. Das sind ungefähr viermal

so viele Leute wie alle Länder der Europäischen

Union Einwohner haben.

Etwa 25.000 Personenzüge pro Tag sind in

Deutschland für die Deutsche Bahn im Einsatz.

Rund 320 Züge davon setzt die Mittelfrankenbahn

pro Werktag ein, um die Fahrgäste im Großraum

Nürnberg sicher an ihr Ziel zu bringen.

Charakteristisch für die Mittelfrankenbahn sind

die komfortablen roten Dieseltriebzüge, die

sogenannten "VT 648". Das Netz der Mittelfrankenbahn

erstreckt sich von Rothenburg o. d. Tauber im

Westen bis nach Neuhaus (Pegnitz) im Osten der Region

und bietet viele schöne Ausflugsziele, die mit dem Zug

gut erreichbar sind.

Fabian und Rebecca

als Fahrkartenkontrolleure

...


Lösung: 160 - 300 km/h

Lösung: 120-160 km/h

Lösung: 300 km/h

24

TRUBEL AM BAHNSTEIG

Verhalten am Bahnsteig

und im Gleisbereich

RICHTIG

Übertrete nicht die weiße Linie am Bahn

steig! Nur wenn der Zug steht.

25

Achte auf die Durchsagen und Schilder am

Bahnsteig!

Spiele nicht am Bahndamm und an Gleisen!

Falsch

Schubse, tobe und drängle nicht!

direkt am Bahnsteig sitzen

Steige erst ein oder aus, wenn der Zug

hält!

abgelenkt sein und nicht auf den Bahnbetrieb

und die Schilder achten (erzählen,

telefonieren, mit dem Handy spielen)

die weiße Linie überschreiten und die

Sogwirkung nicht beachten (Luftwirbel

können Personen mitreisen!)

Müll oder Schottersteine auf die Gleise

werfen (Sie können einen Zug zum Entgleisen

bringen!)

über Gleise laufen (Der Weg ist durch die

Schottersteine und Gleise sehr uneben. Man

kann leicht hinfallen.)

Wirf keinen Müll oder Schottersteine auf

die Gleise!

Wirf keine Gegenstände gegen einen Zug!

Klettere nicht auf Züge und Hochspannungsmasten!

Der Strom ist tödlich!

Nutze Bahnsteigüber- oder -unterführungen

und überquere den Bahnübergang

nur bei geöffneter Schranke und erloschenem

Rotlicht!

Lokster

Die DB Welt für

junge Leute

ERFAhRE

MEHR

Weißt du, wie schnell ein

Auto auf der Autobahn

fährt?

Steine gegen den Zug werfen (Der Stein

kann zurückprallen und dich verletzen!

Er kann die Scheibe einschlagen und

Menschen im Zug zur Gefahr werden!)

Züge haben einen sehr langen Bremsweg und können nicht ausweichen!

50m

Weißt du, wie schnell eine

Lokomotive fährt?

700-1000m

Und wie schnell ist der ICE

unterwegs?

3000m


26

TRUBEL AM BAHNSTEIG

Sofort ahnte Fietje, was passiert war. Arti hatte sich

scheinbar aus dem Skateboard befreit. Herr Keinwort,

Mister Mundzu und sein Papagei mussten der Grund für

den Aufruhr sein!

27

Schnell drängte sich Fietje durch die Massen und da sah

er, was er vermutet hatte. Die zwei Ganoven standen wie

erstarrt vor ihrem unerwünschten Publikum. Neben ihnen

saß Arti ganz eingeschüchtert auf dem Skateboard.

Geduldig hörte Fietje dem Zugbegleiter zu. Er hatte eine

beruhigende Art. Doch dann fiel ihm Arti wieder ein. Nach

einer hastigen Verabschiedung rannte er los, um sein

Skateboard zu suchen.

Er eilte gerade durch einen Gang im Bahnhof, als er eine

große Menschenmenge entdeckte. Sie schien sich für

irgendetwas in ihrer Mitte zu interessierten.

Plötzlich rief jemand in der Menge: „Ein sprechender Vogel!“

Du sollst auf

dem Bahnsteig

nicht rennen!

Weißt du, welche

Berufe es bei der

Mittelfrankenbahn

gibt?


28 TRUBEL AM BAHNSTEIG

29

Fietje reagierte schnell. Er schnappte sich sein Board

während sich Arti in die Lüfte erhob.

Verschwinden der Beiden bemerkten, waren diese schon

längst weit weg.

Dann rannte der Junge los. Im letzten Moment bekam

noch Herr Keinwort eine Feder von Arti zu fassen.

„Au!“, kreischte der Vogel und zuckte in der Luft zusammen.

„Was sollte das denn?“, fragte eine Frau Herrn Keinwort.

„Dummkopf!“, sprach er das neue Wort aus der Feder laut

aus. Die Menschen schimpften auf den Ganoven ein.

Triumphierend zeigte der Schurke seinem Kollegen die

Feder. Die Menge um sie herum raunte.

raunen

Diesen Moment nutzten Fietje und sein gefiederter

Freund, um zu entkommen. Als die Bösewichte das

DUMMKOPF!!!

1

Worte können verletzen.

Wie reagierst du,

wenn dich

jemand so

beschimpft?


30 LOREM TRUBEL ISPSUM

AM BAHNSTEIG

31

Achtung,

Da kommt

ein zug!

Mittelfrankenbahn

Zahlen/ Daten/ Fakten

Die Mittelfrankenbahn

verbindet den Großraum

Nürnberg mit seinem Umland.

Mitarbeiter

Fahrzeuge

Fahrgäste an Werktagen

Schienennetz in km

Linien/Stationen

Züge an Werktagen

rund 140

36

25.000

215

7/70

318

(Stand 2015)

„Quatsch keine Opern, beeil dich lieber!“, unterbrach ihn Fietje.

„Geschafft!“, keuchte Fietje und legte eine Verschnaufpause ein.

„Ich hoffe es jedenfalls“, fügte er hinzu.

Herr Keinwort und Mister Mundzu nickten sich zu und hefteten

sich an Fietjes und Artis Fersen.

Erschöpft schaute sich Arti auf dem Bahngelände um.

Doch plötzlich raschelte etwas in der Hecke hinter ihnen.

„Schau von oben, ob wir uns irgendwo verstecken können!“, rief

Fietje hoch.

„Lauf!“, schrie Fietje, als im selben Moment die zwei wohlbekannten

Gestalten erneut erschienen.

„Das müsste: flieg heißen“, stellte Arti noch fest.

Opern quatschen

„Das Einzige, was ich sehe ist, dass die beiden Sprachlosen immer

näher kommen“, krächzte Arti verängstigt.

„Achtung, da kommt ein Zug!“, warnte Fietje noch schnell.


Antwort: 25 Mal

32

TRUBEL AM BAHNSTEIG

33

Zu spät!

Der Sog erfasste Arti und wirbelte ihn viele Meter zurück.

Herr Keinwort und Mister Mundzu wollten gerade nach dem

Vogel greifen. Doch da fing sich Arti wieder und ließ zur Selbstabwehr

einen Batzen weißer Substanz fallen. Der platschte

dem fast bemitleidenswerten Mister Mundzu direkt ins Gesicht.

„Also anhand der Ansicht, dass laut Einstein Zeit und...“

„Fass dich kurz, Arti!“

„Also, ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung.“

Die Ganoven waren nun erst einmal beschäftigt. Das nutzten die

Freunde und machten sich schnellen Schrittes davon. Sie waren

sehr müde geworden von der Verfolgungsjagd und suchten nun

ein Plätzchen, um sich auszuruhen...

Batzen

Da stand plötzlich ein Zug. Direkt vor ihnen. Von Weitem hatten

sie ihn gar nicht gesehen.

‚Wo der so plötzlich herkam?’, fragte sich Fietje. Die Türen standen

weit offen.

„Los, spring!“, rief Arti.

Mit einem Satz sprangen die beiden in den Zug. Der Waggon war

leer. Dann schlossen sich die Türen hinter ihnen.

Auch die Agenten waren im Zug. Doch davon wussten Fietje und

Arti nichts. „Wohin fährt der Zug?“

Was glaubst du, wie oft DB

Regio Franken pro Jahr zum

Mond und zurück fährt?

(vergleichsweise)

Hinweis: Die Entfernung von

der Erde bis zum Mond beträgt

etwa 384.000 km.

2


34

TRUBEL AM BAHNSTEIG

35

Wenig später fuhren sie in eine

Halle. Ein süßlicher Geruch drang

Fietje in die Nase.

„Riechst du das auch?“, fragte

Arti.

Fenster. Schnell duckte sich das Duo

unter den Tisch, der zwischen vier

Sitzen stand. Um sie herum prasselte

das Wasser zu Boden.

Dann stoppte die Waschanlage.

DB Regio Franken

verfügt seit 2012 über

eine Außenreinigungsanl

age. Sie ist 89 Meter lang

und kann viele verschiedene

Züge waschen. Ein Waschgang

dauert etwa 45 – 75

Minuten.

„Das ist Himbeere. Das Putzmittel riecht so.“

„Welches Putzmittel?“, fragte Arti.

Auswahl des

Zugtyps am

Bedienterminal

„Das Putzmittel, welches in dieser Waschstraße verwendet wird.“

Erschrocken erwiderte Arti: „Waschstraße? Aber alle Fenster

sind offen! Und ich habe meine Federn heute früh nicht eingefettet.

Falls ich nass werden sollte, kann ich

nicht mehr fliegen.“

„Schnell, jetzt können wir raus!“, schrie

Fietje und sprang aus dem Waggon.

Als die beiden Agenten das sahen, versuchten

sie ebenfalls ihren Waggon zu verlassen.

Sie rutschten jedoch auf dem eingeseiften

Boden aus. Es gab einen lauten Knall.

Da spritzte auch schon eine Düse

Wasser durch das Fenster.

Reflexartig packte der Junge den

Vogel, sprang und rollte sich ab.

Zwei große Bürsten schleuderten

große Mengen Wasser durch die

In der Waschanlage

ganz vorn mit dabei:

Jana und Sari

Von Januar bis

Juni 2015 wurden

185.280 Meter Zug

gewaschen.


36

TRUBEL AM BAHNSTEIG

Plötzlich wurde Fietje wach. Erschrocken schaute er sich um.

Arti lag dösend auf seinem Schoß.

„Da vorn ist eine Halle. Sieht aus wie eine Werkstatt. Und daneben

scheint der Ausgang vom Bahnhofsgelände zu sein“, triumphierte

Fietje und wurde noch schneller.

37

‚Wir sind in der Bahnhofshalle, nicht in der Waschstraße? Das

habe ich wohl alles nur geträumt’, murmelte Fietje.

„Oh nein, da sind Herr Keinwort und Mister Mundzu schon wieder!

Arti, wach auf! Wir müssen weg von hier!“

Erschrocken flatterte Arti los. Fietje rannte aus der Bahnhofshalle

und skatete so schnell er konnte.

„Pass auf, da sind Metallspäne, ein ganzer Haufen!“, warnte Arti.

Doch Fietje versicherte ihm: „Ich komme da problemlos drüber,

aber die Agenten...“, rief Fietje und grinste.

Tatsächlich konnte er sich problemlos durch das Metall schlängeln.

„Dummkopf!“, brummte Herr Keinwort und lief hinter Fietje her.

Die Ganoven rannten hinter den Freunden her.

Plötzlich trat er auf einen Metallspan und fiel hin. Verärgert

schaute er zu seinem Kollegen, den das selbe Schicksal ereilt

hatte.

Diesen Moment nutzten Fietje und Arti, um durch den Seitenausgang

auf die Straße zu gelangen.

Denk daran, dass

das Bahngelände

kein Spielplatz ist.

Ein weiterer Blick hinter

die Kulissen: unser

DB Regio Werkstatt Nürnberg

Alle Fahrzeuge der Mittelfrankenbahn

werden im DB Regio Werk in Nürnberg

gewartet. In der großen Werkshalle

können bis zu 12 Triebfahrzeuge und

6 Reisezugwagen gleichzeitig instand

Besuch im DB Regio Werk

in Nürnberg


38

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

39

"Von Schlössern

und Burgen"


Fußgängerbrücke in

Nürnberg und älteste

40

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

41

Endlich waren sie sicher. Fietje lief pfeifend über die Straße.

Arti saß, geschafft von der Verfolgungsjagd, auf seiner Schulter

und putzte sein Gefieder.

Plötzlich hörten die beiden laute Stimmen, die von der Hallertorbrücke

herkamen.

Ohne, dass sie jemand bemerkt hatte, stahlen

sich Fietje und Arti leise wieder davon.

Sie gingen über den Kettensteg und waren außer

Sichtweite.

„Lass uns nachsehen, was da los ist!“, rief Fietje.

Zwei Männer stritten sich so lautstark, dass schon jemand die

Polizei gerufen hatte. Im nächsten Augenblick kamen zwei

Polizeiautos angefahren.

Mittlerweile hatte es zu schneien begonnen und Fietje begann

sofort zu niesen.

„Pass doch auf!“, schimpfte Arti und schüttelte sich den

Schnee aus dem Gefieder. Er musterte seine Umgebung.

„Gehen wir lieber, Fietje. Da stecken bestimmt Herr Keinwort

und Mister Mundzu dahinter“, bat Arti den Jungen eindringlich.

Und da, auf dem Marktplatz entdeckte er sie – die Agenten. Er

zeigte mit seinem Flügel auf sie und krächzte.

Kettensteg

erhaltene eiserne Kettenbrücke

europas


42

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

Das Tiergärtnertor

43

„Nicht schon wieder“, stöhnte Fietje. „Wie finden die uns nur

immer?“

seit der vorletzten

Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert

ist es Bestandteil der

Nürnberger Stadtmauer.

So schnell die Freunde konnten, verließen sie den Platz.

Vor ihnen türmte sich die Nürnberger Stadtmauer mit dem

Tiergärtnertor auf.

sein Name bezieht

sich auf die Wildgehege des

Burggrafen, welche sich im

Stadtgraben befanden.

„Sie sind hinter uns!“, rief Arti.

Fietje drehte sich um und sah, dass die Agenten aus Sprachlos-Land

sie wieder verfolgten. Dabei rannte er plötzlich mit

jemandem zusammen und fiel hin.

Beim Aufrappeln erkannte er, dass er nicht irgendjemanden

umgerannt hatte, sondern Luzia!

Er erkannte sie sofort, mit ihren blauen

Haaren, dem dünnen T-Shirt und den Shorts.

„Luzia!“, rief Fietje erstaunt. „Ist dir etwas passiert?“

Doch Luzia legte nur die Finger an die Lippen und bedeutete

Fietje still zu sein. Vor seinen Augen verwandelte sie sich in

eine alte Frau.


44

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

45

„Wie kannst du es wagen, eine alte Frau so zu überrennen? Wenn

ich hingefallen wäre, hätte ich mir alle Knochen brechen können!

Das ist eine Frechheit! Wie sich die...“, zeterte sie lautstark.

„Luzia?“, murmelte Fietje verwirrt. „Entschuldigung, das wollte ich

nicht“, sagte er hastig. Er verstand die Welt nicht mehr.

„Da kommen sie!“, krächzte Arti aufgeregt.

zetern

Die zwei bösen Männer waren nun noch ungefähr zwanzig Meter

entfernt. Der Junge fluchte leise, doch die verwandelte Luzia

lachte nur. Sie griff in ihre Tasche und holte eine Schachtel mit

Nägeln heraus, die sie auf den Boden auskippte.

„Lauf, Fietje!“, rief sie und Fietje nahm die Beine in die Hand.

Fietje stimmte ihm lachend zu.

„Schau mal, ist das nicht die Kaiserburg, in der dein Onkel

arbeitet?“, fragte Arti und deutete mit dem Flügel in

Richtung Norden.

„Danke!“, krächzte Arti, der über Luzias Kopf hinwegflog.

Sie hörten, wie Luzia die Agenten anbrüllte, die noch verwirrter

schienen als Fietje es zuvor gewesen war. In sicherer Entfernung

landete Arti kichernd auf Fietjes Schultern.

Fietje nickte und erschrak, als er von hinten angetippt

wurde. Es war noch einmal Luzia, die, wieder in ihrer gewohnten

Gestalt, summend vor und zurück wippte.

„Wollt ihr zur Burg?“ fragte sie zwinkernd.

„Mir gefällt dieses Mädchen. Sie steckt voller Überraschungen und

hat viel Temperament.“

Fietje nickte. „Danke für deine Hilfe“, sagte er.

Doch da war das Mädchen auch schon wieder verschwunden.


46

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

47

„Jetzt komm endlich!“, drängelte Arti.

Vor der Burg, mit ihren hohen Mauern und den alten Türmen,

blieben sie stehen.

„Das nenne ich mal eine Burg. Aber Moment! Das Wort Kaiserburg

ist neu. Das musst du sofort aufschreiben!“, rief

Arti erfreut.

„Und was machen wir hier nun eigentlich?“, fragte er und

strich mit dem Schnabel

über die neue graue Feder, die

auf seinem Rücken gewachsen

war.

„Wir sind hier, damit

du neue Wörter lernen

kannst, warum

sonst?“, antwortete Fietje und

ließ die Sachen wieder in seinen

Rucksack rutschen.

Die Kaiserburg

Die Kaiserburg ist das

Wahrzeichen Nürnbergs.

Die Kaiserburg begrüßt im

Jahr 200.000 Besucher.

Ihr könnt als Späher und

Spione auf Entdeckertour in

den unterirdischen Gängen der

Kaiserburg gehen.

ERFAhRE MEHR

„Mein Onkel kann uns sicher ein paar

mittelalterliche Wörter beibringen.“

„Gute Idee“, krächzte Arti und plusterte sich

auf. „Brr, mir ist so kalt!“, jammerte er.

„Du könntest in meine Mütze schlüpfen, wenn du

möchtest“, schlug Fietje vor.

„Ja, gib her, gib her!“, rief Arti begeistert und schlüpfte

sofort in die kuschelige Mütze, die ihm der Junge hinhielt.


48

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

49

„Aber jetzt müssen wir meinen Onkel finden. Für Herrn

Keinwort und Mister Mundzu stehen wir hier wie auf

dem Präsentierteller“, meint Fietje.

Sie sahen sich in der Burg um und suchten Fietjes Onkel,

aber es war nichts von ihm zu sehen.

Gemeinsam überquerten sie den Hof und machten sich

auf den Weg zum Geschäft. Das würde normalerweise

keine fünf Minuten dauern, aber Arti war dem Geruch von

Nürnberger Bratwürsten gefolgt. Sein Magen knurrte, also

kaufte Fietje ihm eine große Portion. Arti war so hungrig,

dass er gleich 10 Stück auf einmal aß.wie auf dem

„Vielleicht hat er heute frei?“, vermutete Fietje.

„Weiß er überhaupt, dass du heute kommst? Er war ja

auch nicht am Bahnhof“, erwiderte Arti.

Präsentierteller

Fietje zuckte mit den Schultern.

„Lass uns nach neuen Wörtern suchen. Meinen Onkel

finden wir bestimmt später. Da vorne ist ein Museumsladen.

Da gibt es bestimmt neue Wörter für dich.“

„Wie du meinst“, antwortete Arti.


50

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

51

Endlich betraten sie den Laden und nach einer halben

Stunde hatten sie schon elf neue Wörter gelernt. Man

konnte richtig dabei zusehen, wie bei Arti die Federn

wuchsen - zwei am Bauch, sechs am Rücken und drei auf

dem Kopf.

Plötzlich erschrak Fietje, als er über ein Regal hinweg

Mister Mundzu und Herrn Keinwort entdeckte. Er rief Arti

zu, dass er mitkommen sollte und rannte blitzschnell aus

dem Geschäft.

Doch es war zu spät. Draußen angekommen drehte er

sich um und sah, dass Mister Mundzu Arti erwischt hatte.

Fietje rannte zurück

Fietje würde alles tun, um

Arti zu retten. Was wärest

du bereit, für deinen besten

Freund zu tun, wenn er

in Schwierigkeiten steckt?

3

und schlug den Agenten

kurzerhand mit seinem

Skateboard. Fast zeitgleich

schnappt er sich Arti, der

unter seinen Pulli ver-

schwand und rannte, so schnell seine Beine ihn trugen,

davon.

Herr Keinwort half Mister Mundzu

auf. Gemeinsam machten sie sich auf,

die Freunde weiter zu verfolgen.

Doch sie waren völlig außer

Atem. So kalte Luft waren sie

nicht gewohnt. Ihre Füße, mit

denen sie durch den kalten

Schnee liefen, begannen

zu schmerzen. So

wurden sie

immer langsamer

und

es gelang Fietje

und Arti, den

beiden zu entkommen.


52

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

53

Arti steckte den Kopf unter Fietjes Pullover hervor und visierte

den nächsten Bratwurststand an.

„Schau mal, da ist eine Bücherei, ganz in der Nähe“, sagte Fietje.

Er fröstelte ein wenig im kalten Wind.

„Du darfst nicht so viel essen. Das ist nicht gut für dich“, erklärte

Fietje auf das stumme Flehen.

„Eine Bücherei? Was willst du denn da? Ich dachte wir suchen

deinen Onkel?“, frage Arti verständnislos.

„Ach, papperlapapp!“, meckerte Arti und schlüpfte wieder ins

Freie. „Ich will essen, also esse ich auch!“

„Wir könnten uns dort aufwärmen“, erklärte ihm Fietje,

„...und neue Wörter suchen."

Fietje gab nach und wartete, bis Arti fertig war. Neben ihnen

hing ein Stadtplan.

papperlapapp

Sie machten sich auf den Weg und kaum angekommen, begannen

sie das ganze Gebäude nach einem geeigneten Buch zu

durchsuchen. Wie es sich herausstellte, war genau das gar nicht

so leicht, so groß war die Auswahl.

Müde und ein wenig enttäuscht wollte Arti bereits aufgeben.

Doch da entdeckte er ein dickes Wörterbuch.

Fietje, komm schnell her! Ich habe eins gefunden!“, rief er.

Eine ältere Frau hob einen Finger an die Lippen und zischte.

„Schau mal, da“, flüsterte Arti Fietje jetzt zu.


54

VON SCHLÖSSERN UND BURGEN

Fietje befreite das Buch von einer dicken Staubschicht und ließ

sich mit dem Wälzer in einer Leseecke nieder. Es war ein Mongolisch-Deutsch-Wörterbuch

und Fietje fragte sich, warum Arti

gerade dieses ausgesucht hatte. Gemeinsam blätterten sie Seite

für Seite um, bis Arti auf Fietjes Schulter eingeschlafen war.

Die Stunden vergingen und Arti wurde von Fietjes knurrenden

Magen geweckt.

Er benutzte die Rückruftaste und erschrak, als eine Computerstimme

antworte: „Kein Anschluss unter dieser Nummer“

„Was geht denn hier vor sich?“, flüsterte Fietje und packte das

Handy wieder weg. Arti wusste darauf auch keine Antwort.

„Wir sollten uns wirklich etwas zum Übernachten suchen“, sagte

Arti unbeeindruckt.

55

„Und was machen wir jetzt?“, kam es müde von Arti.

„Genau das machen wir jetzt“, sagte Fietje entschlossen.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Fietje, „aber wir sollten uns etwas

zum Schlafen suchen. Meinen Onkel suchen wir morgen.“

„Warum rufst du ihn nicht einfach an und fragst nach seiner

Adresse?“, schlug Arti vor. Fietje nickte und zog sein Handy aus der

Tasche.

Sie fuhren durch die Gegend. An einer Laterne entdeckten sie ein

Plakat der „Freizeitmesse“, die gerade auf dem Messegelände der

Stadt veranstaltet wurde. Sofort ging Fietje eine Idee durch den

Kopf. Arti und er könnten dort hinfahren, sich

in einem Wohnmobil verstecken und darin

übernachten.

„Komm“, rief Fietje, „ich habe eine Idee!“

Kein

Anschluss

unter dieser

Nummer


56

WO IST ARTI?

57

"Wo ist Arti?"


58

WO IST ARTI?

59

Da! Das

ist es!

NürnbergMesse

Hallen

Anzahl

Messen

im Jahr

Aussteller

18

120 nationale und

internationale Messen

etwa 30.000 jährlich

Fietje sprang auf sein Skateboard und fuhr damit zum

Hauptbahnhof. Arti flog ihm hinterher. Dort angekommen

stiegen sie in die S-Bahn und fuhren zum Messegelände.

Als sie eintrafen standen noch ungefähr 20 Leute in der

Schlange an der Kasse, auch wenn es schon recht spät

war.

Besucher

bis zu 1,4 Millionen

Besucher jährlich

Es dauerte 20 Minuten, ehe Fietje mit einer Eintrittskarte

in der Hand den Eingang durchquerte. Arti hatte er in

seinem Rucksack versteckt. Er lief durch verschiedene

Abteilungen und suchte nach einem geeigneten Wohnmobil.

„Kannst du mal nachschauen, wieviel der Eintritt kostet?“,

fragte Fietje.

„18,95 € pro Person“, kam gleich darauf die Antwort.

„Naja, das geht gerade noch“, meinte Fietje.

„Das. Ja, das ist es, unser Nachtquartier“, sagte Arti als

er ein riesiges, luxuriöses Wohnmobil durch den Spalt im

Rucksack sah.


60

WO IST ARTI?

Liebe Gäste,

wir schließen

in 15 Minuten!

Nach und nach verschwanden die Menschenmengen und

Arti und Fietje schlüpften heimlich in das kleine Wohnmobil.

Die Nacht war ruhig und ging schnell vorbei.

61

Natürlich sollte man

sich nicht einfach

auf einer Messe irgendwo

verstecken! eine Nacht allein

in einem so großen fremden

Gebäude stellt man sich lieber

nicht vor!

Am nächsten Morgen standen die beiden sehr früh auf

und versteckten sich in der Nähe eines Ausgangs. Arti

lenkte die Angestellten ab, indem er ihnen um die Köpfe

flog. So konnte sich Fietje ohne Probleme nach draußen

stehlen.

„Nein, da würden wir zu sehr auffallen“, sagte Fietje und

lief schnell weiter.

„Guck mal, das hier ist viel besser.“

Fietje zeigte auf ein kleines, unauffälliges Wohnmobil.

Da erklang eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher:

„Liebe Gäste, wir schließen in 15 Minuten. Wir bitten Sie,

sich zu den Ausgängen zu begeben und das Messegebäude

zu verlassen.“


62

WO IST ARTI?

63

Nach einer kurzen Fahrt mit der S-Bahn Nürnberg und

einem kleinen Spaziergang kamen die Freunde erneut in

der Kaiserburg an. Fietje war fest entschlossen, heute

seinen Onkel zu finden. Doch da bemerkte er, dass Arti

nicht mehr da war.

Panik kam in ihm hoch. Er stand wie erstarrt da. Dann sah

er, wie Arti gerade von Herrn Keinwort in einen Sack gesteckt

wurde.

Nürnberger

Christkindlesmarkt

ist einer der ältesten

Weihnachtsmärkte Deutschlands

Verkauf von traditionellem

Weihnachtsschmuck

und Weihnachtsgebäck wie

Lebkuchen und Spekulatius

ERFAhRE MEHR

Fietje rannte dem Agenten hinterher, den Hang hinunter,

über den Hauptmarkt, im Slalom um die Buden herum,

den Vogeldieb immer im Visier. Es war zwar schwer, ihm

im Getümmel der Menschenmassen zu folgen, aber er

blieb dran.

Dann erreichte er den Christkindlesmarkt. Bunte, glitzernde

Buden und noch mehr Menschen versperrten ihm die

Sicht. Er verlor den Entführer aus den Augen.


64

WO IST ARTI?

65

Fietje schaute sich immer wieder um und lief verzweifelt

die Gegend ab, bis er nicht mehr konnte. Er glaubte, Arti

für immer verloren zu haben.

waren wie durcheinander geratene Buchstaben und Zahlen.

Oben drüber stand: Treffpunkt.

„Für eine Übergabe?"

Als er stehen blieb, um Luft zu holen, sah er auf dem

Boden einen Zettel, auf dem wirre und eigenartige

Buchstaben standen.

Er drehte ihn um und entdeckte dort ein Symbol.

Ungläubig erkannte er es. Der Zettel war gekennzeichnet

mit dem Logo des Sprachlos-Landes.

„Oh, nein!“ Fietje hatte sich nicht geirrt.

Arti war von Herrn Keinwort ins Sprachlos-Land entführt

worden. Was sollte er jetzt bloß tun? Am liebsten wäre er

augeflippt. Aber er musste ruhig bleiben, sonst hatte er

keine Chance Arti zurück zu holen. Er setzte sich an den

Bordstein und sah sich den Zettel noch einmal genauer an.

Es war ein kleiner, weißer Zettel. Auf der einen Seite war

das Logo des Sprachlos-Landes und auf der anderen Seite


66

WO IST ARTI?

67

Lorenzkirche

Er saß zehn Minuten da und dachte angestrengt nach. In

Gedanken schob er die Buchstaben hin und her, probierte

alle Kombinationen aus.

über 700 Jahre alt

hochgotische Architektur

prachtvolle Ausstattung

Er sah sich um. Ein hölzerner Wegweiser fiel ihm ins Auge.

Wie ein Blitz schoss es ihm in den Sinn, dass die Buchstaben,

wenn man sie umstellte, genau die Orte auf den

Schildern ergaben: LORENZKIRCHE 17 und WEISSERTURM

18.

durch berühmte Nürnberger

Künstler

besitzt eine der größten

Orgeln der Welt

‚Vielleicht sind das Hinweise, wann und wo ich Arti wieder-

finden kann?’ Das erhoffte sich Fietje zumindest.

Er machte sich mit seinem Skateboard auf den

Weg zur Lorenzkirche. Der Wegweiser gab

ihm die Richtung an.

Er sah sich den Ort der bevorstehenden

Übergabe von Arti genauer an und

er fand ein Versteck, von dem aus

er alles gut im Blick behalten

konnte.


68 WO IST ARTI?

Grübelnd versuchte er, sich einen Plan zurechtzulegen, wie

er Arti retten konnte. Die Zeit verging, bis die Kirchturmuhr

16:45 Uhr schlug. Fietje wurde wieder in die Realität

zurückgeholt. Wo waren die Stunden geblieben? Der letzte

Glockenschlag verklang.

Und da war er auch schon, Artis Entführer.

Herr Keinwort stand einfach nur da. Er gab einem anderen

Mann, den Fietje nicht genau erkennen konnte, die Hand.

Dieser war sehr klein und wirkte eher rundlich, wie Mister

Mundzu. Aber er trug eine Brille und Stiefel.

Weißer Turm

ist ein Torturm der

damaligen Stadtmauer

Nürnbergs

um 1250 erbaut

steht am Ludwigsplatz

umgeben von Kaufhäusern

früher war sein Backstein

mauerwerk unter weißem

Putz, daher der Name

69

Herr Keinwort übergab ihm den Sack. Dieser wackelte wie

wild. Darin konnte nur Arti gefangen sein. Die Männer verabschiedeten

sich und gingen in verschiedene Richtungen.

Fietje folgte dem kleinen Mann. Er ging zum Weißen Turm.

Kurz bevor er zum Brunnen auf dem Platz kam, bog er

nach links ab und in eine Nebengasse ein.

Am Ende der Gasse war eine kleine, schneebedeckte

Grünanlage. Fietje sah noch, wie sich der Mann durch die

Büsche zwängte und dann verschwand.

Nebengasse


70

WO IST ARTI?

71

Der Junge folgte ihm. Als

ihn niemand mehr sehen

konnte, schlich Fietje sich an.

Er schlug dem Mann mit

seinem Skateboard auf

den Kopf. Dieser schrie vor

Schmerzen auf und ließ

den Sack fallen. Der öffnete

sich und Arti flog heraus.

Arti half Fietje mit dem kleinen,

aber hartnäckigen Mann,

fertig zu werden.

Es war doch Mister Mundzu, fiel Fietje nun auf.

Als Arti wieder heraus kam, hatte er eine goldene Feder im Schnabel.

„Das ist meine Schlüsselfeder zum Buch Lingua“, erklärte Arti.

„Bitte, was ist das?“, hakte Fietje neugierig nach.

„Das ist die Feder, mit der ich das Buch der Wörter öffnen kann.

Wenn die Agenten sie bekommen und sie das Buch finden, dann

können sie alle Wörter von Wort-Reich stehlen“, erklärte Arti.

Dann schob er die goldene Feder schnell unter die anderen in seinem

Schwanz. Gut versteckt musste sie werden.

Das wäre das Schlimmste gewesen, wenn Sprachlos-Land genau

diese Feder bekommen hätte.

Der Papagei flog um ihn herum und zwickte den Mann mit seinen

Krallen in die Schulter. Mister Mundzu öffnete seinen Mund zu

einem stummen Schrei und rannte davon.

Arti!“, rief Fietje erleichtert und schloss ihn in seine Arme.

Arti krächzte voller Freude über die Rettung. Dann kroch er noch

einmal in den Sack.

„Was machst du da?“, fragte Fietje.

stummer Schrei


72

WO IST ARTI?

73

Arti blinzelte. Er blickte nach oben und nahm verschwommen

den dunklen Himmel wahr.

„Wir sollten von hier verschwinden“, sagte er.

Mit ein paar Flügelschlägen überquerte er den Platz. Fietje

hatte Mühe ihm zu folgen. Dann erreichten sie eine gepflasterte

Straße, in der es nach Nürnberger Bratwürsten

roch. Arti landete auf Fietjes Schulter.

Arti schmunzelte: „Da bekomme ich

gleich wieder einen großen Papageienhunger!“

„Warum zauberst du dir eigentlich kein Essen?“, wollte

Fietje wissen.

„Wie soll ich das denn machen?“,

entgegnete Arti.

„Schau mal! Da! Ein Engel!“, rief Arti.

Fietje lachte: „Das ist das Nürnberger Christkind. Es gehört

zum Christkindlesmarkt.“

„Na, du kannst doch zaubern“,

sagte Fietje, als wäre es das

Normalste auf der Welt.

Ein Begleiter des Christkinds verkündete die bevorstehende

Märchenstunde im „Sternhaus“.

Nürnberger Rostbratwürste

sind eine traditionelle Spezialität

sie sind nur 7 bis 9 Zentimeter lang und

maximal 25 Gramm schwer

Sie dürfen nur im Stadtgebiet Nürnberg

nach der festgeschriebenen Rezeptur

hergestellt werden

die Rezeptur ist über 700 Jahre alt

„Schau mal Arti! Da ist

wieder ein Stand mit

Nürnberger Rostbratwürsten,

die du so sehr

magst“, sagte Fietje aufmunternd.

Hm, lecker! Ich

liebe Nürnberger

Rostbratwürste!


74

DAS ZAUBERMÄDCHEN

75

"Das Zaubermädchen"


76

DAS ZAUBERMÄDCHEN

77

Fietje verriet ihm, dass er in der letzten Nacht in Artis

Zauberbuch gelesen hatte. Darin stand, dass der König von

Wort-Reich alle Gegenstände, die als Wörter in seinen Federn

stecken, vor langer Zeit zaubern konnte.

Dieser war sehr verärgert, dass Fietje heimlich in seinem

Zauberbuch gelesen hat.

„Was steht denn eigentlich genau in meinem Buch drin?“,

fragte Arti erzürnt.

Fietje holte das Buch aus seinem Rucksack und las laut

vor:

„Der König von Wort-Reich ist im Besitz des Gegenstandszaubers.

Dieser gibt ihm die Kraft, eine Feder aus seinem

Kleid durch den gewünschten Gegenstand zu ersetzen. Die

Feder selbst wird nach Aussprechen des Wortes nach

Wort-Reich geschickt. Von dort aus muss ein Mädchen,

das nur für diese Tätigkeit zuständig ist, die Feder zurückschicken.

Dazu muss sie das benutzte Wort rückwärts

aussprechen.“

„Jetzt erinnere ich mich wieder!“, sagte Arti. „Aber, ich

verlor diesen Zauber."

Der König von Wort-Reich

ist im Besitz des Gegenstandszaubers.

Dieser gibt

ihm die Kraft, eine Feder

aus seinem Kleid ...

„Das Mädchen ist bestimmt nicht mehr in Wort-Reich, vielleicht

habe ich deshalb den Zauber vergessen. Wir müssen

sie dorthin rufen!“

„Und wie soll das gehen?“, fragte Fietje. „Du kannst ja nicht

einfach mal so nach Wort-Reich rüberhüpfen.“


78

DAS ZAUBERMÄDCHEN

79

Wo wohnt

Albrecht Dürer?

„Zum Glück wohnt ein Mensch,

mit dem wir in Wort-Reich

Kontakt aufnehmen können,

hier in Nürnberg. Sein Name

ist Albrecht Dürer.

Wir müssen ihn nur noch

finden, oder zumindest

etwas, was mit ihm zu tun

hat.“

Eine Frau, die einen Kinderwagen schob, ging schnell weiter,

noch ehe die Freunde sie ansprechen konnten. Ihr schlafendes

Kind war gerade durch das Holpern auf der Straße aufgewacht

und hatte begonnen laut zu schreien.

Beim nächsten Versuch hatten sie mehr Glück. Ein Radfahrer,

der bei dem steilen Stück der Straße vom Rad steigen musste,

gab ihnen einen Hinweis:

„Ich bin mir nicht ganz sicher, aber versucht es doch mal in der

Lehrberger Straße“, sagte er. Die Freunde bedankten sich und

machten sich auf den Weg.

„Das kann ja heiter werden.

Lass uns einfach jemanden

fragen, ob er weiß wo dieser

Dürer wohnt “, meinte

Fietje.

Sofort machten sich die

beiden auf die Suche.

Dort angekommen, fragten sie

sich weiter durch, bis sie die

genaue Adresse des

Herrn herausgefunden

hatten.

Albrecht Dürer

er lebte von 1471 bis 1528

er war ein deutscher Maler,

Grafiker, Kupferstecher

als bedeutender Vertreter

der Renaissance schuf er

Gemälde, Zeichnungen,

Kupferstiche, Holzschnitte


80

DAS ZAUBERMÄDCHEN

81

Doch mit dem, was sie dort erwartete, hatten sie nicht gerechnet.

Dürers Haus war ein Museum.

Auf einer großen Tafel stand, dass Deutschlands berühmtester

Maler Albrecht Dürer ab 1509 an dieser Stelle gelebt und

gearbeitet hatte. Er verstarb 1528.

„König Arti von Wort-Reich grüßt den Herrn der Pinsel“, antwortete

Arti.

Fietje hatte große Mühe, dem Geschehen zu folgen. Da öffnete

sich, nach laut polternden Schritten, auch schon die Tür.

Arti!“, sagte ein seltsam aussehender, junger Mann erfreut.

„Dein Kontakt zu Wort-Reich ist schon seit 487 Jahren nicht

mehr am Leben“, stellte Fietje fest.

„Kommt doch herein! Wort-Reich hat mir für den Fall deines

Erscheinens genaue Instruktionen hinterlassen.“

Arti schüttelte den Kopf. Er

flog um das Haus herum und

klopfte an eine alte Tür.

„Wer ist da?“, hörte man

eine tiefe Stimme fragen.

Arti!

Albrecht Dürer war zwischen 25 und 30 Jahre alt. So schätzte

ihn Fietje. In seinen Pantoffeln schlürfte er durch die dicke

Staubschicht auf dem Fußboden

über den Flur zur Treppe. Albrecht-Dürer-Haus

war fast 20 Jahre das Wohnhaus

von Agnes und Albrecht Dürer

das große Fachwerkhaus ist das

einzige Künstlerhaus aus dem

16. Jahrhundert

heute ist es ein Museum.

eine Schauspielerin führt beim

Museumsbesuch als Dürers Ehe-

frau Agnes durch das Wohnhaus

und die Wechselausstellungen


82

DAS ZAUBERMÄDCHEN

83

„Wenn eine Putzfrau dieses Haus sehen würde, sie würde sicher

in Ohnmacht fallen!", flüsterte Fietje vor sich hin.

Der berühmte Maler führte sie nach oben und ließ sich in einen

Sessel sinken. Fietje und Arti erklärten Albrecht Dürer ihr Anliegen.

Er verstand sofort.

„Ich habe eine Brieftaube. Sie kann die Grenze nach Wort-Reich

überqueren“, erklärte er. „Sie kann sofort losfliegen und eure

Nachricht überbringen.“

Arti diktierte Albrecht die Nachricht, die dieser auf einen

schmalen streifen Papier schrieb. Diesen Streifen wickelte

er dann um das Bein der Taube. Er flüsterte dem Vogel noch

etwas ins Ohr.

Der Mann stotterte: „Ich wollte nur... den Boden saubermachen!“

Eduard zog ein Handy aus der Hosentasche und drückte mit seinen

Fingern ein paar Knöpfe. Er wartete bis am anderen Ende

der Leitung abgehoben wurde.

„Sie haben den Vogel gefunden und ihn zu einem Mädchen ins

Wort-Reich geschickt!“, sagte er hastig.

Sein Gesprächspartner legte auf und das Freizeichen ertönte.

Hastig steckte Eduard das Handy zurück in seine Tasche.

„Auf Wiedersehen!“, rief er, rannte zur Tür und stolperte die

Treppe hinunter, raus auf die Straße. Es dauerte eine Weile bis

die drei Zurückgebliebenen die Situation begriffen.

Das Täubchen nickte und ließ sich von ihm durch eine Klappe

nach draußen heben. Es breitete die Flügel aus und flog davon.

Im Zimmer war es inzwischen dunkel geworden.

Fietje schaltete die Lampe ein und wollte gerade, auf Dürers

Wunsch hin, den Vorhang schließen, als hinter dem Vorhang ein

Mann hervorkam.

„Eduard? Du?“, fragte Albrecht überrascht.


84

DAS ZAUBERMÄDCHEN

85

Die Taube ist in Gefahr!“, platzte es aus allen gleichzeitig heraus.

Sofort lief Fietje Eduard nach. Doch als er vor der Tür nach ihm

schaute, war die dunkle Straße menschenleer.

Gerade als der Junge wieder nach oben gehen wollte, fiel sein

Blick auf etwas Glitzerndes, das vor der Steintreppe im Schatten

lag. Es war Eduards Handy.

Eilig stürzte Fietje die Treppe hoch, hastete in die Wohnung und

kam rutschend vor den anderen zum Stehen. Nach einigen

knappen Erklärungen suchte er die zuletzt gewählte Nummer.

Eine sehr zornige Stimme meldete sich: „Dummkopf!“

Mit verstellter Stimme machte Fietje Eduard nach:

„Sie gehen morgen früh zur Lorenzkirche. Das ist die Chance,

den Papagei zu fangen.“

Sofort legte Fietje wieder auf.

„Ihr bleibt heute Nacht hier“, beschloss Dürer und duldete keine

Widerrede.

Am nächsten Morgen erklärte er Arti und Fietje den Weg zur

Lorenzkirche. Von seinem Haus aus war sie nicht weit entfernt.

Albrecht Dürer winkte den beiden Freunden noch lange zum

Abschied nach.

„Alles Gute und viel Glück“, rief er.

menschenleer


86

UNTERSCHLUPF

87

"Unterschlupf"


88

UNTERSCHLUPF

89

Bis zur Lorenzkirche war es nicht weit. Doch als die Freunde um

eine Hausecke bogen, blieb ihnen vor Schreck der Atem weg.

Die zwei Agenten saßen vor dem Café ,,Schokotorte“.

Aber anscheinend hatten die Männer sie noch nicht gesehen.

Es bog um eine Ecke und kam plötzlich ins Rutschten. Auf dem

glatten Boden fand Fietje keinen Halt mehr und lag im nächsten

Moment auch schon ausgestreckt da.

Das Board schlitterte weit weg.

„Sei jetzt bloß still Arti, sonst entdecken sie uns noch“, flüsterte

Fietje.

„Ja, ist doch klar. Es geht hier schließlich um mein Königreich und

meinen Schatz!“, krächzte der Graupapagei so leise er konnte.

„Ich habe eine Idee“, flüsterte Fietje. „Wir können bei einem

Freund von mir unterkommen.“

Murrend stimmte Arti dem Vorschlag zu. Er war es leid, ständig

vor den Agenten auf der Flucht zu sein. Aber er hatte keine

andere Wahl.

„Gut festhalten“, sagte Fietje.

Dann gab er dem Board einen ordentlichen Schubs. Es fuhr immer

schneller und schneller.


90

UNTERSCHLUPF

91

„Kannst du nicht aufpassen?“, schimpfte Arti.

Er klingelte noch einmal.

aufrappeln

Fietje rappelte sich auf und rannte weiter in Richtung

Klockenstraße. Dort wohnte sein Freund. Bei Hausnummer

13 angekommen, durchquerte er den verschneiten Garten...

„Was sollen wir jetzt tun?“, flüsterte Arti.

Gerade, als sie in Richtung Gartentor gingen, hörten sie das

Schloss der Haustür klicken.

Er klingelte, doch es machte

keiner auf. Fünf Minuten

vergingen, dann zehn,

doch es öffnete keiner.

Fietje! Was für eine schöne Überraschung! Was hat dich

denn nach Nürnberg verschlagen?“, rief ein Junge, der

etwa einen Kopf größer war als Fietje.

„Pscht! Peter, nicht so laut! Wir sind auf der Flucht!“,

zischte Fietje.

Was

nun?

„Was? Vor wem denn? Wer soll dich denn verfolgen?“,

lachte Peter.

„Nein, es geht nicht um mich, es geht um ihn hier!“

Fietje zeigte auf Arti.


92

UNTERSCHLUPF

93

„Du bist auf der Flucht, zusammen mit einem Vogel? Was

ist an ihm denn so besonders?“

„An mir? Ich bin der König von Wort-Reich!“, antwortete

Arti beleidigt.

Jetzt verstand Peter gar nichts mehr. Er stand nur noch

verdutzt mit offenem Mund da.

Fietje brauchte fast die ganze Nacht,

um Peter zu erzählen, was er und

Arti alles erlebt hatten. Arti

war in der Zwischenzeit schon

eingeschlafen.

„Ähm, okay. Na, dann kommt mal rein!“, sagte er und schob

die Tür weiter auf. „Was braucht ihr?“

Es war

so ...

... und

dann ...

... plötzlich

...

„Wir brauchen einen sicheren Unterschlupf“, sagte Fietje.

„Und etwas zu essen“, ergänzte Arti.

„Hm, also, ich kann euch für zwei Nächte aufnehmen.

Übermorgen fahre ich mit meinen Eltern in den Urlaub.“

„Vielen Dank“, antworteten Arti und Fietje wie aus einem

Mund.

„Na logo. Ist ja alles für die Freundschaft. Aber jetzt

erklärt ihr mir erst mal, was hier los ist. Wie kommst du

überhaupt nach Nürnberg?“

Na logo!

Unterschlupf


94

UNTERSCHLUPF

95

Am nächsten Tag gingen die Freunde zum Skaten.

Sie hofften, dass die Verfolger aufgegeben hatten.

Sie genossen den Tag, waren aber stets aufmerksam.

Die Zeit verging wie im Flug. Ebenso der Abend und die

darauffolgende Nacht. Dann verabschiedeten sich Arti und

Fietje von Peter und machten sich auf den Weg zurück ins

Stadtzentrum.

Fietje stieg auf sein Skateboard und rollte die Straße

entlang. Aus dem Augenwinkel bemerkte er ein lila glühendes

Licht. Er wich aus und sah, wie die Strahlen an ihm

vorbei schossen und ein Auto trafen, das augenblicklich

explodierte. Die Druckwellen der Explosion waren so stark,

dass sie zurückgeworfen wurden. Aber auch ihre Verfolger

hatten mit so großen Druckwellen nicht gerechnet.

In einer Metzgerei wollten sie sich mit belegten Brötchen

eindecken. Doch genau da liefen sie wieder dem Verfolger-

Duo in die Arme. Sie ergriffen die Flucht und rannten aus

dem Geschäft.


96

ACHTUNG FALLE!

97

"Achtung Falle!"


98

ACHTUNG FALLE!

99

untertauchen

„Schau mal, Arti, im Tiergarten gibt es gerade viele Tierkinder.

Wollen wir uns die anschauen?“

„Warum nicht? Vielleicht treffe ich ja eine nette Papageiendame“,

kicherte Arti.

Fietje rappelte sich auf. Als er wieder nach vorn schaute,

stand plötzlich Herr Keinwort vor ihnen. Fietje stieß den

Agenten um und rannte weiter. Sie flüchteten in Richtung

„Straße der Menschenrechte“, um dort unterzutauchen.

Nachdem sie eine ganze Weile gelaufen waren, entdeckten

sie eine S-Bahn Haltestelle.

Gesagt, getan. Fietje schaute sofort, wie sie dorthin kommen

konnten. Mit der S-Bahn war es eine Station bis zum

Nürnberger Hauptbahnhof. Von dort konnten sie in die

Straßenbahn in Richtung Tiergarten umsteigen.

„Komm, lass uns irgendwo hinfahren. Hauptsache weg von

den Ganoven“, schlug Arti vor.

Auf die S-Bahn wartend sahen die Freunde ein Plakat, das

Werbung für den Nürnberger Tiergarten machte.

"Alle Menschen sind frei

und gleich ..."

Kennst du die Rechte,

die jeder Mensch hat oder

haben sollte?

4

Straße der Menschenrechte

so wird die Kartäusergasse genannt.

Sie hat 27 weiße Säulen, eine Säuleneiche

und einen Tor bogen als Verbindung

zwischen Kornmarkt und Stadtmauer.

auf jeder Säule ist ein Artikel der

Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

in deutscher sowie in jeweils einer

anderen Sprache festgehalten.

Sie wurde am 24. Oktober 1993

eingeweiht.


100

ACHTUNG FALLE!

101

Sie waren in die S-Bahn eingestiegen, da entdeckten sie

erneut Herrn Keinwort und Mister Mundzu, die geradewegs

im Mittelgang des Wagens auf sie zuliefen.

„Rápido al baño!“, krächzte Arti auf Spanisch, verbesserte

sich allerdings sofort.

„Schnell auf die Toilette!“

Fietje und Arti schlüpften in die Zug-Toilette. Die beiden

Bösewichte waren ihnen sehr nahe. So nahe, dass sich

Herr Keinwort den Hut in der automatischen Toilettentür

einklemmte.

Arti und Fietje brauchten nun einen Plan. Fietje entschied,

die Agenten mit ganzer Kraft umzuschmeißen. Sein Board

nahm er dafür als Schild. Und Arti würde ihm einfach

folgen.

Pass bei den Türen

immer gut auf,

sie schließen

automatisch!


102

ACHTUNG FALLE!

103

Zum Glück verlief alles wie geplant. Am Hauptbahnhof

stiegen Fietje und Arti aus. Sie gingen gemeinsam zur

Straßenbahn, die schon abfahrbereit wartete.

Arti zeigte mit seinem Flügel auf einen Zettel, der im Gehege

an einem Leckstein befestigt war. Schnell holte er ihn

und las:

Ihr Ziel war aber nicht mehr weit entfernt. Also beschlossen

sie, doch zu Fuß weiterzugehen.

Am Tiergarten angekommen, machten sie eine

kurze Verschnaufpause und schauten sich anschließend

die wundervollen Gehege an.

Da fiel Arti auf:

„Wo sind denn die zwei Pinguinbabys, von denen man uns

am Eingang erzählt hat?“

„An Arti! Wir haben die Tierbabys entführt. Unsere Forderung:

Gib uns für jedes Tier drei Federn! Mister Mundzu

und Herr Keinwort“

„Aber Herr Keinwort und Mister Mundzu haben doch keine

Sprache. Das muss eine richtig gemeine Falle sein!“, kam es

von Fietje.

„Keine Ahnung. Vielleicht sind sie ja noch in der Höhle.

Schauen wir uns doch erst einmal das Giraffenjunge an“,

antwortete Fietje.

Aber auch dort war kein Jungtier zu finden. Plötzlich entdeckte

Arti etwas. „Sieh mal dort!“

Gehege


104

ACHTUNG FALLE!

105

Souvenir

Arti war entsetzt:

„Was können wir jetzt tun? Meine Federn hergeben? Das

ist unmöglich, Fietje! Das kann ich nicht machen!“,

jammerte er.

„Komm mit in den Zooladen, Arti! Da gibt es Souvenirs

jeglicher Art. Ich bin mir sicher, dass wir dort Federn

kaufen können.“

„Ich habe eine Idee. Wir werden ihnen gefälschte Federn

geben“, sagte Fietje.

„Gefälschte Federn? Das ist eine super Idee! Wir stecken

die Federn in meinen Schwanz. Die Ganoven werden denken,

dass es echte Federn sind. Aber wo bekommen wir

die gefälschten Federn her?“

Im Zooladen mussten sie nicht lange suchen. Es gab Federn

in fast allen Farben, auch schöne, rot gefärbte Federn.

Sie sahen Artis Schwanzfedern täuschend ähnlich.

Arti steckte die Federn nun in seinen Schwanz. Dann

machten sie sich auf zum Eingang des Nürnberger Tiergartens.

Dort wurden sie schon von den Gaunern

erwartet.


106

ACHTUNG FALLE!

107

Zum Glück! Sie kommunizierten nur in Gedankensprache mit

Arti.

‚Wir haben drei Tiere, also kriegen wir neun Federn!’, vermittelte

Mister Mundzu fordernd.

‚Kein Problem. Für die Rettung der Tierkinder tue ich alles.

Zieht sie einfach aus meinem Schwanz heraus!’, sagte Arti in

Gedanken.

nehmen. Mit der S-Bahn Nürnberg fuhren sie zum Hauptbahnhof.

Als sie ankamen, sahen sie auf einem anderen

Gleis eine alte Dampflock stehen.

„Wow! Arti! Schau mal da! Eine alte Dampflock! Die sieht ja

toll aus!“, rief Fietje begeistert.

Die Sprachlosen schreiben?

So zog Herr Keinwort die Federn heraus und war

zufrieden.

hämisch

Welche Idee

hast du dazu?

‚Hier habt ihr die Tiere zurück’, dachte Mister Mundzu weiter.

Dann gingen die Gauner ihres Weges. Sie freuten sich

hämisch.

Fietje brachte die Tierkinder zurück in ihr Gehege und dann

machten sich die zwei Freunde wieder auf den Rückweg.

Bald wollten sie ihre Heimreise nach Jena antreten.

Fietje hatte nun keine Lust mehr, seinen Onkel zu suchen.

Um 17:37 Uhr sollte ein ICE losfahren. Den wollte er nun


108

ACHTUNG FALLE!

109

Die kann man sicher besichtigen. Warum sollte sie sonst

da stehen?“, sagte Arti.

„Na los! Wir haben noch eine Stunde Zeit, bis der ICE nach

Jena fährt.“

Arti flog über das Dach der Dampflock.

Fietje lief bis zum Ende des Bahnsteiges und beobachtete

von dort aus das Geschehen. Er zitterte vor Angst und

ließ Arti keine Sekunde aus den Augen.

Ja, die Lok war für Besucher offen. Fietje und Arti

sprangen hinein und sahen sich um. Es roch nach altem

Holz und nach Kohle.

„Herrlich!“, entfuhr es Fietje freudig.

Die Ganoven sprangen aus der Lok und erblickten den

Graupapagei. Als sie sich von außen an der Lok festhielten,

um auf das Dach zu klettern, ertönte ein schriller Ton.

Die Bösewichte drehten sich erschrocken um.

Doch plötzlich betraten noch zwei weitere

Besucher die Lok. Es waren wieder die

Bösewichte. Hatten sie etwa bemerkt,

dass die Federn keine echten Wort-

Federn waren?

Fietje und Arti

hechteten aus der

Dampflok heraus.

Klettere niemals auf

Zugdächer oder

Stromleitungsmasten!

Das kann dich

das Leben kosten!


110

ACHTUNG FALLE!

Der Zugbegleiter hatte mit voller Kraft in seine Pfeife gepustet

und schrie anschließend:

„Kommt sofort da runter! Seid ihr denn lebensmüde?“

Das verstanden Herr Keinwort und Mister Mundzu natürlich nicht.

Doch ihnen war bewusst, dass sie etwas Verbotenes machten.

In Windeseile rannten sie davon.

In dem Moment fuhr ein Güterzug durch den Bahnhof.

Der Sog wirbelte die Hüte der beiden Herren durch die Luft.

Plötzlich gab es ein komisches Geräusch und einen unheimlichen

Blitz. Verkohlt segelten die Hüte zu Boden.

„Was war das denn?“, fragte Fietje, der nun geschockt neben

seinem Bekannten, dem Zugbegleiter, stand.

„Das war ein elektrischer Stromschlag. Die Hüte der Herren waren

an die Hochspannungsleitungen gekommen. Für einen Menschen

bedeutet das den sicheren Tod. Der Strom kann auf den Mensch

überspringen, selbst, wenn man die Leitungen nicht berührt.

Ein Mensch braucht mindestens 1,5 Meter Sicherheitsabstand zu

den Leitungen! 1,5 Meter!“

Während Fietje noch kopfschüttelnd dastand und nach Arti

Ausschau hielt, musste er sehen, wie Kinder am Bahnsteig

gegenüber Steine auf die Gleise schmissen.

111

Wie viel Platz ist

zwischen Starkstromleitung

und Zugdach?

5

Seid ihr

Lebensmüde

?!


112

ACHTUNG FALLE!

113

Als Fietje sich ihnen näherte, um sie davon abzuhalten, schauten

die Bösewichte vom Gleis hoch. Sie waren also nicht weggelaufen,

sondern hatten sich nur versteckt.

Als ein Zug in den Bahnhof einfuhr, zersplitterten die Steine, die

die Kinder vorher auf die Gleise geworfen hatten.

Zwei Steinsplitter trafen die Gauner an den Hinterköpfen als

sie sich gerade davor abducken wollten. Sie krümmten sich vor

Schmerzen. Die Kinder rannten weg.

Fietje rief ihnen noch hinterher: „So etwas dürft ihr nicht machen!

Das kann euch und andere schlimm verletzten!“

Fietje lief los, um seine Fahrkarte zu kaufen. Herr Keinwort und

Mister Mundzu hatten nun erst einmal mit sich zu tun.

Steine auf den Schienen

bedeuten Verletzungsgefahr!

Sie können sogar das Leben

bedrohen!

Niemals darfst du

auf die Schienen laufen.

Wenn plötzlich ein Zug kommt

oder losfährt, ist dein Leben in

Gefahr!


114

IMMER DAS GLEICHE!

115

"Immer das Gleiche!"


116

IMMER DAS GLEICHE!

117

Kurze Zeit später saßen Fietje und Arti wieder im Zug.

Sie hatten viel erlebt in Nürnberg. So viel Zug wie in den letzten

Tagen waren sie noch nie gefahren! Nun freuten sie sich

auf Jena, auf Zuhause!

„Du kommst auf Gedanken, Arti!“, bemerkte Fietje völlig erstaunt.

„Und warum nach Nürnberg?“

„Weißt du was, Fietje?“, fragte Arti.

„Es ist schon seltsam, dass wir deinen Onkel nicht angetroffen

haben. Ich frage mich, ob das vielleicht auch nur eine

Falle der Agenten war. Vielleicht hatten sie jemanden beauftragt,

der dich anrufen und sich als dein Onkel ausgeben sollte.

Dieser Jemand hat dich dann nach Nürnberg eingeladen.“

„Keine Ahnung. Vielleicht hatte es ja etwas mit Herrn Dürer

und dem Zaubermädchen aus Wort-Reich zu tun. Kam dir

die Stimme von Eduard nicht bekannt vor? War er wirklich

nur ein alter Bekannter, oder... “, Arti konnte seinen Satz nicht

mehr aussprechen, denn da waren sie schon wieder.

„Das kann doch nicht wahr sein, Fietje! Da sind sie schon wieder!“,

sprudelte es plötzlich aus Arti heraus.


118

IMMER DAS GLEICHE!

119

Die Freunde rannten erneut zur Zug-Toilette.

Sie verschwanden wieder schnell darin und verschlossen die Tür.

Die Bösewichte versuchten, sie zu öffnen. Fietje hielt von innen

dagegen. Das ging eine ganze Weile so. Dabei blieb eine Feder von

Arti stecken. Es war die Feder mit dem Wort „Bank“. Arti erschrak

sehr und krächzte.

Diesen Moment nutzte Fietje, um aus der Toilette zu schlüpfen.

Die Ganoven entdeckten ihn in dem Durcheinander nicht.

Doch er musste jetzt schnell ein neues Versteck finden.

Wenn die Fahrt weiterging und sich alle Fahrgäste wieder

gesetzt hatten, würden ganz sicher die Agenten herumgehen

und ihn finden.

Fiete war nun richtig sauer. Schnell verriegelte er die Tür und ließ

Wasser über sein Skateboard laufen. Dann schlüpfte Arti hinein.

Auf einmal ertönte ein schriller, lauter Ton. Das musste das

Quietschen der Bremsen sein, denn der Zug kam abrupt zum

Stehen. Im Zug wurde es immer unruhiger.

Leute unterhielten sich laut und schienen durch den Zug zu laufen.

Dann kam eine Durchsage:

„Liebe Fahrgäste, wir bitten Sie auf Ihren Plätzen sitzen zu

bleiben. Aufgrund des Unwetters ist ein Ast auf die Schienen

gefallen. Unsere Kollegen werden die Strecke umgehend frei

räumen. Die Fahrt geht in wenigen Minuten weiter. Wir bitten Sie

um Ihre Geduld und entschuldigen Sie die Verzögerung.“

6

Befolge in einem

Notfall immer die

Anweisungen des

Zugpersonals!

Welche Berufe gibt es bei

der Mittelfrankenbahn?


120

IMMER DAS GLEICHE!

Berufe bei der Mittelfrankenbahn:

Mitarbeiter/-in Werkstatt

121

Da kam Fietje eine Idee. Er könnte sich im Führerraum

Er/Sie ist für die Reparatur und Reinigung der

Mittelfrankenbahn in der Nürnberger Werkstatt

zuständig.

verstecken. Dort werden sie ihn ganz bestimmt nicht

vermuten.

Im Führerraum angekommen, krabbelte Fietje unter den

Tisch. Es war sehr eng dort und nicht besonders

gemütlich, aber bis nach Jena war es nicht

mehr weit.

verkünden

Berufe bei der Mittelfrankenbahn:

Lokführer/-in

Er/Sie befördert die Fahrgäste sicher von A nach

B. Er/Sie achtet darauf, dass die Abfahrts- und

Ankunftszeiten der Züge eingehalten werden

und stellt die Fahrgastinformation sicher.

Kurz darauf verkündete der Zugbegleiter die

Weiterfahrt. Leute wieder in den Zug. Die Menschen

liefen kreuz und quer, um ihren Sitzplatz

wieder zu finden.

Da kam der Lokführer zurück in den

Führerraum, setzte sich auf seinen Stuhl und konzentrierte

sich auf die Strecke vor ihm.

Er drückte den Durchsageknopf und wandte sich an

die Fahrgäste:

„Liebe Fahrgäste, der Zwischenfall tut uns sehr leid.

Wir werden alles tun, um die Verspätung wieder...“

Zugbegleiter/-in

Berufe bei der Mittelfrankenbahn:

Er/ Sie kontrolliert die Fahrkarten, gibt den

Reisenden Auskunft zu Reiseverbindungen, Tarifen

oder Sehenswürdigkeiten am Reiseziel.

Er/Sie ist Älteren oder behinderten Menschen

beim Ein- und Aussteigen behilflich.


122

IMMER DAS GLEICHE!

123

In dem Moment rissen die Ganoven die Tür zum Führerraum

auf und hielten dem Lokführer den Mund zu.

Die Durchsage endete abrupt.

Die Passagiere schauten sich verwundert an.

Fietje, der noch immer unter dem Tisch saß, fing an zu

zittern. Er hatte die nackten Schweißfüße von den Gaunern

vor dem Gesicht. Er hielt die Luft an.

‚Wieso waren die Agenten in den Führerraum gekommen?

Und warum haben sie den Lokführer mundtot gemacht?’,

fragte er sich. Auf einmal stieß Mister Mundzu mit dem

Fuß an Fietjes Kopf.

Sie wunderten sich über den Krach, der aus dem Waggon

kam.

Über die Sprechanlage war Fietjes Aufschrei in jedem Waggon

des Zuges zu hören gewesen. Die Fahrgäste wurden

wieder unruhig.

Einige schrien: „Ganoven im Zug!

Hilfe! Fasst sie! Polizei!“

„Au!“, heulte er unüberlegt auf.

Entsetzt schauten sich die Ganoven

an.

‚Was war das? Wo kam das

her?’, dachten sie hin und

her. Dann schauten sie zur

Tür des Führerraums.

Die Geschwindigkeit, die

der Lokführer fährt, wird

mundtot machen

stets aufgezeichnet. Fährt er

regelmäßig zu schnell, muss er

zur Nachschulung.


wichtiger Informationen

124

IMMER DAS GLEICHE!

125

Zum Glück waren zwei Kollegen der Bundespolizei im Zug.

Wie der Blitz rannten sie durch den Gang in Richtung

Führerraum.

Herr Keinwort und Mister Mundzu schmiedeten bereits an

einem Fluchtplan. Doch da platzte schon die Bundespolizeihinein.

„Hände hoch, Sie sind festgenommen!“,

sagten sie in einem forschen Ton und

legten den Ganoven Handschellen an.

Inzwischen hatte sich auch der

Lokführer wieder befreit.

Fietje half ihm auf seinen Sitz

und durfte den Rest der Fahrt

im Führerraum bleiben und die

Durchsagen für die Fahrgäste

übernehmen.

Beim nächsten Halt wurden Herr Keinwort und Mister

Mundzu von den Polizisten abgeführt.

Kurz vor der Ankunft in Jena, holte Fietje Arti wieder aus

dem Skateboard. Auf dem Nachhauseweg erzählte er

ihm die unglaubliche Geschichte mit dem Lokführer,

Herrn Keinwort, Mister Mundzu und der Verhaftung durch

Liebe

Fahrgäste

...

die Polizisten.

Sari und Ann-Kathrin

beim Durchsagen

während unserer

Stellt euch vor, beim

Fundservice der

DB wurde mal eine

Waschmaschine

gefunden!

Sonderfahrt


126

IMMER DAS GLEICHE!

127

Arti kam aus dem Staunen nicht heraus. Doch er war auch ein

bisschen traurig.

„Meine Feder! Danke! Wo hast du die denn hergezaubert?“, wollte

Arti wissen.

Fietje fragte ihn: „Was ist los Arti? Irgendwas bedrückt dich

doch.“

Sie lag auf dem Boden im Führerraum. Die Agenten müssen sie

dort verloren haben.

„Ich habe doch eine Feder verloren, als wir uns auf der Toilette

vor den Bösewichten versteckt haben."

„Du bist der größte Wort-Assistent, den es auf Erden und in

allen Parallelwelten gibt, Fietje!“, sagte Arti überglücklich.

„Ach ja, da war doch noch was“, sagte Fietje und grinste bis über

beide Ohren.

Dann holte er eine Feder aus seiner rechten Hosentasche und

sagte stolz: „Schau mal was ich da habe!“

Am nächsten Tag stand in der Zeitung:

„Barfüßige Gauner gefasst. 12-jähriger Junge aus Jena lockte

sie in die Falle.“

BARFÜSSIGE GAUNER GEFASST

12-jähriger Junge aus Jena lockte sie in die Falle

Die Bundespolizei ist für die

Sicherheit der Reisenden und

der Bahnanlagen zuständig.

Wendet Euch an Sie, wenn Ihr

Fragen habt oder Hilfe braucht!


128

FEDER-SCHATZ

129

Redewendungen und Sprichwörter:

Redewendungen und Sprichwörter sind so etwas wie “Sprachbilder“.

Das können vollständige Sätze sein oder nur Teile von Sätzen. Die einzelnen

Wörter haben dabei oft eine andere Bedeutung als zuerst gedacht. Sie geben

meist Lebensweisheiten wieder und sagen in bildhafter Sprache etwas, das

allgemein bekannt ist.

159 lange Nasen schickten

179

195

der Sache auf den Grund

gehen

Sense, Schluss mit lustig,

aus die Maus!

jemandem eine lange Nase schicken/ machen/

zeigen = jemanden (boshaft, hämisch) auslachen/

verspotten

einer Sache/ etwas auf den Grund gehen = etwas

klären; die Ursache finden

Jetzt ist aber Sense!/ Schluss mit lustig! =

Es ist genug! Es reicht! Aus die Maus! = Es ist

vorbei!

57 auf die Schippe nehmen

jemanden/ etwas auf die Schippe nehmen =

jemandem Unsinn erzählen; sich über jemanden

lustig machen

198

sitzt wie auf

glühenden Kohlen

wie auf glühenden Kohlen sitzen = gespannt/

ungeduldig auf etwas Wichtiges warten

89

bleiben, wo der Pfeffer

wächst

110 Sonne tanken

126 wie vom Donner gerührt

131

144

147

fahren wie die

gesengten Säue

schaue wie ein Schwein

ins Uhrwerk

lockte nicht hinter dem

Ofen vor

jemand soll hingehen/ bleiben, wo der Pfeffer

wächst = jemand soll verschwinden und nicht

wiederkommen; jemand soll fernbleiben;

bezieht sich auf das Herkunftsland des Pfeffers, Indien,

das für die Menschen früher in weiter Ferne lag

Sonne tanken, auch Kraft tanken = sich sonnen,

sich erholen, sich entspannen

wie vom Donner gerührt sein = erstarrt/

verstört sein; emotional aufgewühlt sein

wie eine gesengte/ besengte Sau fahren =

sehr schnell; mit hoher Geschwindigkeit fahren

wie ein Schwein ins Uhrwerk schauen/ blicken =

von einer Sache nichts verstehen

etwas lockt nicht hinter dem Ofen hervor = etwas

ist langweilig/ uninteressant;

auch: etwas lockt keinen Hund hinter dem Ofen

hervor;

bezieht sich auf den Hund, der früher seinen

Platz im Hof hatte, im Winter ins Haus durfte

und dort an den warmen Ofen

Umgangssprache

Umgangssprache ist die Sprache, die im Alltag verwendet wird. Sie wird

daher auch Alltagssprache genannt. Es ist die Sprache, die wir miteinander

sprechen, ob nun zu Hause oder mit Freunden.

Wenn wir etwas umgangssprachlich sagen, dann drücken wir etwas auf

eher lässige und lockere Weise aus.

41 war baff

baff sein = verblüfft/ überrascht/ verdutzt sein;

bezieht sich ursprünglich auf den Jagdhund,

der nach dem Schuss vor Schreck auf Kommandos

nicht reagiert

50 zickt mich an angezickt sein = genervt sein von etwas

73 geabendbrotet

93 LOL

Abendbrot gegessen; abendbroten = selten für

zu Abend essen

englisch; Abkürzung von laughing out loud -

laut lachen;

kommt aus der Internetsprache, wird als

Reaktion auf etwas Lustiges oder Außergewöhnliches

verwendet


130

LOREM ISPSUM

So war‘s bei

DB Region Franken

DANKE für

den Blick hinter

die Kulissen!

131

131

Mit Frau Scherzant,

Frau Oesterle und

Herrn Leuner zu

Besuch bei der

Bundespolizei.

Herr Leuner spricht

Klartext, dass es

hier um sehr viel

geht.

Herr Kaiser klärt auf.

Die Gefahren am

Bahnsteig sind größer

als gedacht. Jetzt sind

wir schlauer. Danke,

Herr Bundespolizist!

Und so wird man ein

super Zugbegleiter,

auch Abknipsen will

gelernt sein, sagt Frau

Scherzant!

Spannend!

Wir dürfen sogar in die

Werkstatt für Züge!

Danke für alles an

Frau Oesterle!

Wir aus dem Neuen

Gymnasium und dem

Dürer-Gymnasium sagen

nach dem tollen Tag bei

der DB Regio Franken:

"DANKE!"


132 LOREM ISPSUM

133

133

Die Autoren aus dem

Sigmund-Schuckert-Gymnasium

übergaben ihre Geschichten an das

Dürer-Gymnasium und das Neue

Gymnasium.

Jetzt geht ihre gemeinsame

Geschichte aus Nürnberg nach

Melitopol in die Ukraine und wird

von Deutsch-Schülern dort weitergeschrieben.

Erfahre mehr und

schreibe auch mit!

Viel Spaß beim

Schreiben!


134

LOREM DANKESCHÖN ISPSUM

135

Unser herzlichstes Danke!

Dieser Kinderroman ist etwas ganz Besonderes. Er hat nicht nur 18 AutorInnen.

Diese gehören zudem noch zu den jüngsten Kinder-Roman-AutorInnen

Deutschlands.

Allen voran gilt deshalb unser Dank den Nürnberger Jung-AutorInnen, die mit ihrer Fantasie

der Geschichte ihre ganz eigene Handschrift verliehen haben und ihre wertvolle Arbeit an das

kommende Autoren-Team aus der Ukraine weitergeben. Wir sind gespannt auf alle Erlebnisse von

Fietje und Arti, die aus euren Geschichten noch erwachsen werden!

Danke für die Finanzierung des Buchprojektes:

Stadt Nürnberg, Fritz-Hintermayr-Stiftung

DB Regio Franken, Marketing M 1

Danke für die Planung und Durchführung der Schreibwerkstätten:

Sigmund-Schuckert-Gymnasium: (Thomas Schmidt, Deutschlehrer)

Neues Gymnasium: (Sabina Herzberger, Deutsch-Lehrerin)

Dürer-Gymnasium: (Claudia Kramer, Deutsch-Lehrerin)

DB Regio Franken:

Kerstin Oesterle, Marketing

Heike Scherzant, Ausbilderin Zugbegleiter/-in

Udo Leuner, Teilnetzmanager Mittelfrankenbahn

Bundespolizei:

Maik Kaiser, Polizeiliche Kriminalprävention

Ganz persönlich:

Den Eltern der Jung-AutorInnen, allen Familien und Freunden, die so zahlreich hier nicht namentlich

aufgeführt werden können, möchten wir unseren allerherzlichsten Dank ausdrücken! Begleitet uns

auch weiterhin und lasst euch auf die Sprach-Schatzsuche unserer Helden mitnehmen!

Euer Federsammler Team

Bildnachweis

Fotos

Dokumentation Schreibwerkstätten, © Jugend will ... gemeinnützige GmbH, Die Federsammler,

Martin Kohlstedt, Elisa Schönbrunn, Kerstin Zippel, Jelizaveta Laškevičová

Weitere Magazine dieses Users