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We2008/2009 - Institut für Rechtsmedizin - Universität Rostock

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<strong>Rechtsmedizin</strong><br />

Forensische Verkehrsmedizin<br />

- Rechtsgrundlagen<br />

- Alkohol und Straßenverkehr<br />

- Alkoholbegutachtung<br />

- Fahreignung<br />

© Prof. Dr. med. Rudolf Wegener<br />

<strong>Institut</strong> <strong>für</strong> <strong>Rechtsmedizin</strong> der <strong>Universität</strong> <strong>Rostock</strong><br />

Hinweise: Sachdarstellung in stark verkürzter Form<br />

<strong>für</strong> Vorlesungszwecke; Änderungen vorbehalten


Alkohol und Verkehrssicherheit<br />

Promillegrenzen*<br />

• 0,5 ‰ : Ordnungswidrigkeit (§ 24a StVG)<br />

– Grundsätzliche Gefährdung (Gefahrengrenzwert)<br />

• 0,3 ‰ : Relative Fahruntüchtigkeit (§ 315 c StGB)<br />

– Alkoholbedingte Beeinträchtigung der Fahrsicherheit in einer konkreten<br />

Unfallsituation sicher nachgewiesen (ohne Alkohol wäre der Unfall nicht eingetreten)<br />

• 1,1 ‰ : Absolute Fahruntüchtigkeit (§ 316 StGB)<br />

– Trunkenheitsfahrt (jedermann ist unabhängig von seiner Verfassung und<br />

Alkoholgewöhnung nicht in der Lage, sein Fahrzeug zu führen)<br />

– Paradoxon deutscher Rechtsprechung: Fahrradfahrer = 1,6 ‰<br />

• Sonderregelungen <strong>für</strong> Schiffs-, Bahn- und Flugverkehr<br />

Gemessene Blutalkoholkonzentration (BAK) oder<br />

aufgenommener Alkohol, der zu einer derartigen BAK führen kann<br />

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Alkoholstoffwechsel und Blutalkoholkonzentration<br />

(Alkohol, Ethanol, Ethylalkohol: Synonyma)<br />

• Resorption: (passiver) Diffusionsvorgang<br />

– Mundhöhle und Ösophophagus (< 5 %)<br />

– Magen (10-15 %)<br />

– Duodenum und Jejunum (> 80%)<br />

• Verteilung: Wassergehalt im Vergleich zum Blut<br />

– Muskel 80 %<br />

– Gehirn 70 %<br />

– Urin 130 %<br />

– Bradytrophes Gewebe (auch: Fettgewebe 90 % über ADH/NAD, S. Folie 5)<br />

– Abatmung < 5 %<br />

– Urin < 2 %<br />

– Schwitzen < 2 %<br />

Alkoholkinetik: Wechselspiel zwischen Resorptions- und Eliminationsgeschwindigkeit<br />

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Alkoholresorption - Einflussgrößen<br />

• Getränkeart<br />

– Spirituosen ( um 40 Vol. %): ca. 10 % Resorptionsdefizit (RD)<br />

– Wein und Sekt (um 10 Vol %): ca. 20 % RD<br />

– Bier (um 5 Vol. %): ca. 30 % RD<br />

• Magenpassage<br />

– Verlangsamung<br />

• Vagotonus (Übelkeit, Ekel, Angst)<br />

• Starke Magenfüllung, fettreiche Nahrung (reine Oliven- o. Salatöle)<br />

• Milch und Milchprodukte<br />

• Verschluss des Magenausganges durch Gewürze, hochkonzentrierte<br />

Alkoholika etc.<br />

– Beschleunigung<br />

• Sympathikotonus (Stress, Hektik)<br />

• Magenresektion<br />

Erklärungsansätze <strong>für</strong> Resorptionsdefizit<br />

• First-Pass-Effekt (Abbau bei Leberpassage vor Verteilung in Blutbahn)<br />

• ADH der Magenschleimhaut<br />

• Adsorption<br />

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Alkoholelimination<br />

•Linear durch begrenzte<br />

Kapazität von ADH/NAD<br />

• Überschuss an Alkohol ohne<br />

Beschleunigungseffetk<br />

Zusätzliche Elimination<br />

Mikrosomal-<br />

Ethanol-<br />

Oxidizing-<br />

System<br />

Zytochrom P 450 IIE1<br />

• Durch chronischen<br />

Alkoholkonsum<br />

induzierbar<br />

• ADH/NAD-unabhängig<br />

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Blutalkoholverlaufskurve<br />

� Rasche Anflutung (Resorption) hier: „Nüchterntrinkversuch“ mit leerem Magen<br />

� Kurze Gipfelphase (s. auch Diffusionssturz, Folie 7) - bei Magenfüllung und langsamer<br />

Alkoholaufnahme auch Plateaubildung (Gleichgewicht: Resorption versus Elimination)<br />

� Lineare Eliminationsphase (deshalb ggf. „Rückrechnung“ möglich)<br />

<strong>We2008</strong>/<strong>2009</strong> 6


Atypische Verläufe der Alkoholverteilungskurve<br />

Sturztrunk: Anflutung > 1.0 Promille/Stunde<br />

• Schwerste psychomotorische Ausfallerscheinungen (Gang, Sprache) und toxische<br />

Effekte infolge forcierter Durchblutung des ZNS (25 % des Herz-Minuten-Volumens)<br />

• Diskrepanz zwischen Alkoholeffekten und (relativ) niedriger BAK<br />

• Peak in der Alkoholverlaufskurve bei nachhinkender Diffusion des Alkohols aus der<br />

Blutbahn in das Gewebe; folgender beschleunigter Abbau > 0,2 Promille/ Stunde:<br />

Diffusionssturz<br />

– Nachgeordnete forensische Relevanz im Verkehrsrecht, da bei<br />

Trunkenheitsfahrt der Zeitpunkt der Überschreitung des Grenzwertes nicht<br />

nachgewiesen werden muss<br />

Nachresorption: Verzögerte Freisetzung von BAK in Blutbahn<br />

• Erneuter Anstieg 90 - 120 min. nach Trinkende durch verzögerte Magenpassage:<br />

Nachresorptionspeak<br />

– Hohe forensische Relevanz im Verkehrsrecht; Rückrechnung nur bis 120 min.<br />

nach Trinkende möglich !!!<br />

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Berechnung der BAK nach Trinkmengenangaben (I)<br />

c t0<br />

c t0 =<br />

A x (1 - RD))<br />

p x r<br />

- β 60 x t ( WIDMARK - Formel)<br />

Blutalkoholkonzentration zur Vorfallszeit in Promille<br />

A aufgenommene Alkoholmenge in Gramm (Trinkmenge in ml x<br />

Alkoholgehalt in Vol.-% x spez. Gewicht von Trinkalkohol (ca. 0,8 g/ml)<br />

RD Resorptionsdefizit in Prozent (min. 10 %; mittel 20 %; max. 30 %)<br />

p Körpergewicht in Kilogramm<br />

r Reduktionsfaktor (Verteilungsfaktor nach Widmark)<br />

β 60<br />

Mann: 0,7 (0,6 - 0,8); Frau: 0,6 (0,5 - 0,7)<br />

Alkoholausscheidungsrate pro Stunde in Promille<br />

min. 0,1 ‰, mittel 0,15 ‰ ; max. 0,20 ‰ + Sicherheitszuschlag<br />

von 0,2 ‰<br />

t Alkoholausscheidungszeit (Elimination) in Stunden seit Trinkbeginn<br />

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Beeinträchtigung körperlicher Funktionen (I)<br />

• Motorik (Dyskoordination synerg. und antagonistischer Muskelgruppen)<br />

– Gangbild (auch: Standbild) von leichten Schwankungen bis zum Torkeln<br />

– Überschießende Korrekturen (Schlangenlinienfahren)<br />

– Störungen der Feinmotorik der Zungenmuskulatur (verwaschen, lallend)<br />

• Sensorik/Sehfähigkeit<br />

– Einengung des Sehfeldes (Tunnelblick, Scheuklappeneffekt)<br />

– Nachlassen der Tiefensehschärfe<br />

– Fixationsstörungen (Vibrationen, Kurvenfahren - ggf. Doppelbilder)<br />

– Störung des optokinetischen Nystagmus (Nachstellbewegungen des<br />

Auges, verminderte optische Wahrnehmung der Eigengeschwindigkeit)<br />

– Adaptationsfähigkeit verlangsamt; insbesondere Dunkeladaptation<br />

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Beeinträchtigung körperlicher Funktionen (II)<br />

• Sensorik/ Gehör- und Gleichgewicht<br />

– Verminderte Wahrnehmung von Geräuschunterschieden<br />

– Störungen des Gleichgewichtes und der Orientierungsfähigkeit (Kurve)<br />

• Reaktionsvermögen<br />

– Reaktionszeit verlängert<br />

• Automatisierte Handlungsabläufe beeinträchtigt (Bremsvollzugszeit)<br />

• Erfassung von Situationen verzögert (Wahrnehmungszeit)<br />

• Personen ohne Handlungsroutine (Fahranfänger) stark beeinträchtigt<br />

– Reaktionsqualität beeinträchtigt<br />

• Konzentrationsfähigkeit gestört (Tenazität)<br />

• Umstellen auf geänderte Situation, ggf. simultanes Erfassen mehrerer<br />

Situationen gestört (Vigilität)<br />

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Beeinträchtigung psychischer Funktionen<br />

• Unaufmerksamkeit<br />

– Geringschätzung bis Missachtung von Verkehrsleiteinrichtungen<br />

• Kritiklosigkeit, Selbstüberschätzung, Leistungsdefizite unerkannt<br />

– Kein Antizipieren von Gefahrensituationen, keine Vorsichtsmaßnahmen<br />

• Erhöhung der Risikobereitschaft, Euphorisierung<br />

• Enthemmungseffekte bis zur Aggression, Geltungsbedürfnis<br />

– Unreflektiertes Umsetzen spontaner Impulse<br />

• Fahrerflucht, Faustschlag gegen Unfallgegner, „Abdrängen“ etc.<br />

• Verwirrtheit, Desorientiertheit<br />

• Alkoholbedingte Erinnerungslücken („Filmriss“)<br />

Erhebliche intraindividuelle Variabilität (Tagesform) und<br />

interindividuelle Unterschiede („Demaskierung der Primärpersönlichkeit“)<br />

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Alkoholtypische Fahrfehler - Auswahl<br />

• Unsichere Fahrweise (Fehlblinken, Beleuchtung fehlerhaft,<br />

Schlangenlinien)<br />

• Alkoholtypischer Kurvenunfall ( häufig Scheitelpunkt)<br />

– Heraustragen nach rechts in Linkskurve<br />

– Heraustragen nach links in Rechtskurve (Frontalkollison)<br />

• Streifen geparkter oder überholter Fahrzeuge<br />

• Auffahrunfälle<br />

• Linksabbiegeunfälle<br />

� Dunkelziffer von Alkoholunfällen riesig<br />

� Ca. 20% aller tödliche Unfälle sind alkoholbedingt<br />

� Unfallrisiko bei 1,1 Promille ca. verzehnfacht !<br />

– Konsumtrinker mit zwanzigfachem Risiko<br />

– Starker bis harter Trinker mit doppeltem Risiko<br />

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Alkoholwirkung und BAK (mod. nach Feuerlein 1976)<br />

• 0,3 - 0,5 ‰ Experimentell nachgewiesene Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit<br />

• 0,5 - 1,5 ‰ Leichter Rausch<br />

– Allgemeine. Auflockerung, Rede- und Tatendrang, Beschwingtheit<br />

(Schwips - Euphorie),<br />

– leichte Sprachstörungen, Übelkeit<br />

• 1,5 - 2,5 ‰ Mittelschwerer Rausch<br />

– Euphorie oder aggressive Gereiztheit, Umwelt und soziale Bedeutung<br />

noch wahrgenommen, Sprunghaftigkeit von Denken und Handeln<br />

– Gangunsicherheiten, verwaschene Aussprache, Übelkeit, Erbrechen<br />

• > 2,5 ‰ Schwerer Rausch<br />

– Bewusstseinsstörungen, Desorientiertheit, Benommenheit-Schlaf<br />

– ggf. akute (letale) Alkoholintoxikation, Torkeln, Lallen, Amnesie<br />

• 3,5 - 5,0 ‰ Akute Alkoholintoxikation<br />

– Komatös-letale Dosis auch bei Alkoholgewohnten<br />

„Unauffälliges“ Verhalten bei BAK > 1,5 ‰ spricht <strong>für</strong> chronischen Alkoholkonsum<br />

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Indikatoren des chronischen Alkoholmissbrauchs<br />

• Alkoholmissbrauch<br />

– BAK > 1,6 ‰ starker Indikator <strong>für</strong> chron. Alkoholmissbrauch<br />

– „Freisein“ von Alkoholabhängigkeit erfordert „Nachweis mindestens einjähriger<br />

Abstinenz“<br />

• Alkoholmissbrauchsindikatoren<br />

– Gammaglutamyltransferase (Sensitivität: 90%, Spezifität: 70%)<br />

• in Kombination mit GOT und GPT<br />

• > 18 U/l (Frauen); > 28 U/l (Männer)<br />

• Erhöhung: > 6 Wochen Exposition, Absenkung: > 6 Wochen Karenz<br />

– MCV (Mittleres korpuskuläres Erythrozytenvolumen)<br />

• > 92 fl (Frauen), >100fl (Männer)<br />

• Erhöhung > 2 Monate Exposition, Normalisierung > 3 Monate Karenz<br />

– CDT (Carbohydrate-Deficient-Transferrin - Sensitivität: 70%, Spezifität: 90%)<br />

• > 20 U/l (Frauen), > 26 U/l (Männer)<br />

• Erhöhung > 3 Wochen Exposition (> 60g Ethanol/ Tag), Absenkung: > 2<br />

Wochen Karenz<br />

– Methanol (Abbau bei > 0,25 - 0,50 ‰ Ethanol gehemmt, Kumulation 0,25 mg/l pro<br />

Stunde)<br />

• Erhöhung: Exzessiver Konsum im Stundenbereich, Abbau: < 24 Stunden<br />

� Erhöhung von 2 Indikatoren und mehr: starker Hinweis<br />

� Diagnose „Alkoholabhängigkeit“ nur nach psychologischer Untersuchung<br />

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Rausch - Differentialdiagnostik<br />

• Schädel-Hirn-Trauma<br />

– Benommenheit im Rahmen eines Commotionssyndroms, einer<br />

intrakraniellen Blutung etc. (Atonischer Sturz eines Alkoholikers)<br />

• Spontane intrakranielle Blutungen (Apoplex)<br />

• Andere Intoxikationen<br />

– Kombinierte Einnahme von Alkohol und Medikamenten/Drogen<br />

• Stoffwechselstörungen<br />

– Diabetische Stoffwechselentgleisung mit Überzuckerung oder<br />

Hypoglykämie<br />

– Andere Komata (Hepatisches Coma bei Alkoholisierung)<br />

Verkennung von Begleitumständen bei Alkoholisierten:<br />

Häufiges arztrechtliches Problem<br />

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Abnorme Alkoholreaktion [Pathologischer Rausch]*<br />

• Sehr selten, aufgrund der Nichtvorhersehbarkeit strafrechtliche<br />

Exkulpierung<br />

• Tathandlungen schlagartig (ohne erkennbaren Anlass) und<br />

ungerichtet mit schwerer Aggressivität gegen Menschen und<br />

Sachen<br />

• Diagnostik<br />

– Relativ niedrige BAK<br />

– Schlagartig einsetzende inadäquate Affekte mit Affektexpansion<br />

– Ggf. Fehlen von alkoholtypischen motorischen Ausfällen (Inkongruenz zur<br />

Psyche)<br />

– Plötzliches Ende, häufig sog. Terminalschlaf<br />

– Vollständige Erinnerungslücke<br />

– [Nicht selten: Konfliktbelastung in der Vorgeschichte, Erschöpfung etc.]<br />

* Hier synonym: Einige Autoren sehen die abnorme Alkoholreaktion als eigenes Erscheinungsbild<br />

Erinnerungslücke<br />

•. Häufig Schutzbehauptung<br />

• Seltener Folge einer Verdrängung<br />

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Akute Alkoholintoxikation und Schuldfähigkeit<br />

• Annahme einer beeinträchtigen Schuldfähigkeit auf Grund von „Promillegrenzen“<br />

(> 2 Promille § 21 StGB; >3 Promille § 20 StGB) wissenschaftlich unbegründet und<br />

durch höchstrichterliche Rechtsprechung abgelehnt (BHG 1 StR 511/95)<br />

• BAK-Werte bei Kenntnis der Alkoholanamnese ein Hilfskriterium<br />

– Alkoholungewohnte ggf. bei Werten unter 2 Promille schwer berauscht<br />

– Spiegeltrinker ggf. bei bei 2 Promille „ausbalanciert“<br />

– Alkoholgewohnte ggf. bei > 3 Promille ohne psychische und motorische Ausfälle<br />

• Beurteilung auf Grundlage des psycho-physischen Zustandsbildes<br />

• Syndromatologie des Rausches beachten (Mischformen, ggf. diskontinuierlich)<br />

– Manisches Syndrom / Depressives Syndrom<br />

– Angstsyndrom / Suizidalität<br />

– Sexuelles Erregungssyndrom<br />

– Anamnestisches Syndrom<br />

� <strong>Rechtsmedizin</strong>er beschränkt sich auf Begutachtung akuter Rauschzustände<br />

von Alkohol, Drogen u.a. psychotroper Substanzen<br />

� Forensischer Psychiater begutachtet alle Formen von Persönlichkeitsstörungen,<br />

einschließlich der Störungen bei chronischem Missbrauch von Alkohol und Drogen<br />

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Beweissicherung<br />

• Blutentnahme (BE)<br />

– Rechtsgrundlage: § 81 a StPO, erzwingbarer Eingriff<br />

– Ein Arzt soll im Fall der Verweigerung keine Gewalt anwenden<br />

– Niedergelassener Arzt kann Blutentnahme verweigern; Klinikarzt nur<br />

dann, wenn das Krankenhaus nicht vertraglich zur BE verpflichtet ist<br />

– BE ist nicht erzwingbar, wenn medizinische Gründe dagegen stehen (z.B.<br />

Hämophilie - in praxi irrelevant)<br />

– Prozedere: Von Beamten mitgeführte Venülen (Vakuum) verwenden;<br />

Identität beachten (Übereinstimmung von Proben-Nr. und Protokoll)<br />

• Ärztliche Untersuchung<br />

– Befragung des Probanden und ärztliche Prüfung gemäß Protokoll<br />

– Neurologische Prüfung, Romberg‘sche Probe, Drehnystagmus<br />

– Einschätzung des Trunkenheitsgrades nach vorgegebenen Kategorien<br />

Ärztliche Untersuchungen und - mehr noch -<br />

Dokumentation häufig sehr nachlässig<br />

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Alkoholanalytik (Blutalkohol - BAK)<br />

• Nur in regelmäßig kontrollierten Labors (Zertifikat nach<br />

Ringversuchen; Klinische Alkoholbestimmung nicht in foro<br />

anerkannt)<br />

• Doppelbestimmung in zwei Methoden durch 2 Mitarbeiter (4<br />

Einzelwerte)<br />

• Nachweis aus Serum, Promille-Wert nach Umrechnung auf Vollblut<br />

• Verfahren<br />

– ADH-Verfahren<br />

• Biologischer Abbau simuliert, Co-Enzym NADH bei 340 nm gemessen:<br />

Alkoholspezifisch<br />

– Gaschromatographie<br />

• Probengefäße auf 60 0 C erwärmt, Gasphase (head-space-Verfahren) über<br />

Säule aufgetrennt; Quantifizierung und Differenzierung der Alkohole; auch<br />

Abgrenzung von Aceton etc.: Ethanolspezifisch<br />

<strong>We2008</strong>/<strong>2009</strong> 19


Rechtliche Grundlagen<br />

• Straßenverkehrsgesetz (StVG) „Fahrerlaubnis“<br />

– § 2 Abs. 1: Sie ist zu erteilen (...) wenn nicht Tatsachen vorliegen, die die<br />

Annahme rechtfertigen, dass er zum Führen eines KfZ ungeeignet ist (...)<br />

– § 4 Abs. 1: Erweist sich jemand als ungeeignet zum Führen von KfZ, so muss<br />

ihm die Verwaltungsbehörde die Fahrerlaubnis entziehen<br />

• Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) „Fahreignung“<br />

– § 2 Abs. 1: Wer infolge körperlicher oder geistiger Mängel sich nicht sicher im<br />

Straßenverkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn (...)<br />

Vorsorge getroffen ist*, dass er andere nicht gefährdet.<br />

– § 3 Abs. 2: Besteht Anlass zur Annahme, dass der Führer eines KfZ (...)<br />

ungeeignet ist, kann die Verwaltungsbehörde anfordern:<br />

• Amts- oder fachärztliches Zeugnis<br />

• Gutachten einer medizinisch-psychologischen Untersuchungsstelle<br />

(MPU)**<br />

* Vorsorge insbesondere durch technische Vorrichtung<br />

** sog. Idiotentest<br />

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Psychopharmaka im Straßenverkehr (§§ 315c, 316 StGB)<br />

• Alle Rauschgifte (BtM) u. Amphetaminderivate (§316 StGB)<br />

• Psychopharmaka (§ 316 StGB)*<br />

– Beruhigungsmittel (Benzodiazepine!)<br />

– Antidepressiva, Neuroleptika<br />

– Sedierende Antihistaminika<br />

– Majorität der Schlafmittel<br />

• „Nicht berauschende“ Pharmaka, die Fahrtüchtigkeit<br />

beeinträchtigen: Ahndung nur nach Unfall (§315 StGB)<br />

– Weit zu fassende Aufklärungspflicht des Arztes (Sicherungsaufklärung)<br />

• Gefährdung im Straßenverkehr<br />

• Gefährdung am Arbeitsplatz<br />

* Psychotrope Substanzen mit alkoholähnlicher Rauschwirkung<br />

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Fahrtauglichkeit - Definitionen<br />

• Fahrtüchtigkeit [Fahrsicherheit]<br />

Fähigkeit der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr ohne Selbst- oder<br />

Fremdgefährdung - auch in unerwarteten Situationen<br />

• Fahruntüchtigkeit [Fahrunsicherheit]<br />

Vorübergehend nicht in der Lage, am öffentlichen Straßenverkehr<br />

teilzunehmen<br />

• Fehlende Fahreignung [Gefahr <strong>für</strong> Sicherheit und Ordnung im<br />

öffentlichen Straßenverkehr]*<br />

– Dauerhafte körperliche, geistige und charakterliche Mängel<br />

– Unfallverursachung mit erheblicher Wahrscheinlichkeit<br />

– Gefahr des plötzlichen Versagens<br />

Fahruntüchtigkeit bedeutet auch immer fehlende Fahreignung<br />

<strong>We2008</strong>/<strong>2009</strong> 22


Fahruntauglichkeit und Krankheit - Auswahl*<br />

• Anfallsleiden und andere anfallsartig auftretende Bewusstseinsstörungen<br />

• Zerebrale Durchblutungsstörungen, Blutungen<br />

• SHT und Hirn-OP mit Substanzdefekt (bei hirnorganischen<br />

Leistungsstörungen)<br />

• Endogene oder organische Psychosen<br />

• Intelligenzstörungen (IQ < 70), Alzheimersche Erkrankungen<br />

• Persönlichkeitsstörungen von Krankheitswert<br />

• Hypertonie (Diastole > 140 mm/Hg)<br />

• KHK, Herzrhythmusstörungen, Diabetes mellitus<br />

• Bluterkrankungen, Leberzirrhose, Nierenerkrankungen<br />

• Sehvermögen (viele Detailvorschriften !, Sehtests ab 70 Lj.)<br />

• Behinderungen der Gliedmaßen<br />

* Gemäß Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung<br />

Häufig fallbezogene Begutachtung erforderlich (s. auch Fahrerlaubnis)<br />

• Gruppe A ( Klasse I,III,IV,V)<br />

• Gruppe B (Klasse II oder Personenbeförderung)<br />

<strong>We2008</strong>/<strong>2009</strong> 23

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