ewe-aktuell 2/ 2017

eineweltengagement

Magazin des eine-welt-engagement.de

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Schulfee-Sambia - ein Entwicklungsbericht

Das Schulfee-Projekt befindet sich in einem sehr

guten Zustand. Vor unserer Reise war bereits klar,

dass die Quantität (150 geförderte Schüler in 2016)

die Erwartungen übertrifft. Nach Treffen und

evaluierenden Gesprächen mit den Organisatoren

auf sambischer Seite (Development Department)

und Betroffenen kommen wir zu dem Fazit, dass

der gefundene modus operandi gut funktioniert und

beibehalten werden kann.

Es zeigt sich aus den vergangenen Jahren, dass auch

bei unterjährig zuweilen dürftiger Informationslage

regelmäßig ausführliche und zufriedenstellende

Berichte aus Sambia eingehen – darunter fallen der

mindestens jährliche Kassenbericht und der jährliche

Bericht über die Förderung. Mit diesem Material

ist es möglich, die Information und Werbung in

Deutschland zufriedenstellend aufrecht zu erhalten.

Die Art und Weise der Förderung, die auf eine

Vorauswahl der Schüler über die Schulen und

Gemeinden setzt und im Förderfall das Schulgeld

direkt an die Schulen bezahlt, ist sinnvoll. Zu diesem

Schluss kommen wir in Abstimmung mit dem

Development Department, obwohl in den Gesprächen

mit Schulen und Gemeinden durchaus Kritik geübt

wurde:

- Pater Emilio von der katholischen Gemeinde

in Chirundu, die u.a. mit Hilfe der Kollekte die

Chirundu Primary School (Klassen 1-7) betreibt,

sieht diese Art der Förderung erst für die Klassen 8

und aufwärts sinnvoll an, da die Schüler das vorher

nicht wertzuschätzen wüssten. Er schlägt vor, für die

Klassen 1-7 stattdessen Geld an die Schulen zu zahlen,

um auch anderen essentiellen Bedürfnissen, wie etwa

dem Kauf der teureren und regelmäßig wechselnden

Schulbüchern, zu entsprechen und alle Schüler

profitieren zu lassen.

- Mrs. Tembo, Schulleiterin der Chirundu Primary

School, hat nichts gegen die Art und Weise der

Förderung einzuwenden. Auf die Frage nach

Verbesserung führt sie an, dass man die Anschaffung

von Lernmaterial und -gerätschaften, z.B. Computern

finanzieren könne.

Diesen Vorschlägen stehen wir kritisch gegenüber;

eine Pauschale an eine Schule, die zur freien Verfügung

steht, ist viel schwieriger nachzuvollziehen und läuft

Gefahr, in dunkle Kanäle zu versickern; selbst bei

korrekter Verwendung ist der Geist des Projektes

nicht, den Betrieb einer Schule zu finanzieren, inkl.

der Lehrergehälter (in der o.g. Primary School werden

nur die Hälfte der Lehrer staatlich bezahlt) oder

teurer Ausstattung. Die benötigte

Summe wäre zudem ungleich

größer als die Gebühr für einen

einzelnen Schüler und stellt damit

neben den sambischen Spendern

auch die Akquise in Deutschland

vor eine große Hürde.

Wir nehmen aus den Kritiken

jedoch mit, dass neben der reinen

Gebührenförderung ebenfalls

über die Finanzierung weiterer

Hilfen nachgedacht werden kann,

sofern sie in einem vertretbaren

Rahmen bleiben; hierunter

zählt etwa die alte Idee von

Solarlampen als Lernhilfe für die

Dunkelheit (bei ganzjährig 12h

Tageslicht durchaus relevant).

Als weitere Förderform, auch

zur Wahrung einer gewissen

Kontinuität, ist seit längerem

ein Oberstufenstipendium im

Gespräch.

Implementierungsversuche

scheiterten jedoch bislang an

Gesprächen mit der Monze

High School (siehe Bericht

2015). Nichtdestotrotz ist

die Kontinuität bereits jetzt

berücksichtigt. So kam es zur

Förderung der fünf Schüler in

der Chirundu Secondary School

(Klasse 8) erst dadurch, dass sie

bereits eine Förderung in Klasse

7 in der Primary School erhielten

und in 2016 die ungleich höheren

Gebühren der Secondary School

absehbar nicht zahlen konnten.

Ansonsten offenbarte der Besuch noch einmal

verdeutlichend die vielfältigen Probleme, die eine

(schulische) Ausbildung im Umfeld Chirundu bzw.

Sambia mit sich bringt. Keine dieser Informationen ist

neu, doch werden sie die Hintergrundinformationen

auf schulfee-zambia.de mit Geschichten aus erster

Hand ergänzen.

Lukas Görgen

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