ewe-aktuell 2/ 2017

eineweltengagement

Magazin des eine-welt-engagement.de

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Nachdem sich ein Taxifahrer unseres Gepäcks

bemächtigt hatte, wurden wir zur Fawlty Towers

Lodge gefahren. Das Backpacker Hostel und B&B

war toll. Super Zimmer, tolle Atmosphäre, liebevoll

gestaltet und gut geführt. Ein Ort zum wohl fühlen.

Endlich mal 2,5 Tage an einem Ort!

Die Zeit in Livingstone war schön und lehrreich. Die

Fälle, der Sambesi, der Nationalpark umwerfend.

Die Geschäftstüchtigkeit der Menschen, Taxifahrer,

Kunsthandwerker, selbsternannte Führer an den Falls,

manchmal nervig und anstrengend. Das Museum

lehrreich. Gelungene Mischung aus Aktivität und

Erholung.

Diesmal waren wir schlauer und hatten uns einen Tag

vor der Rückfahrt Karten gekauft und Plätze im Bus

reserviert.

Morgens um 8:50, also nur 20 Minuten zu spät,

ging‘s los. Vorher das Treiben am Busplatz

mit seinen fliegenden Händlern, Reisenden,

Abschiednehmenden im Bademantel und Pyjama,

den herumliegenden Waren, die der Bus als Spediteur

auch noch mitnahm, zu beobachten, war interessant.

Auch mit der Geschäftstüchtigkeit der Sambier

konnten wir wieder Bekanntschaft machen, da uns ein

Angestellter der Buslinie illegal eine Gebühr für unser

Gepäck abverlangte. Wir waren froh um unsere Plätze

und schluckten die Kröte. Dann ging‘s los. Stimmung

und Wetter bestens, afrikanische Musik im Bus, der

Fahrer hatte, im Gegensatz zur Hinfahrt, einen guten

Fahrstil. Nach ca. Einer Stunde Fahrt bestätigte sich

dann Guidos geäußertes Misstrauen gegenüber dem

Zustand des Busses. Laute knallende Geräusche,

Qualm Entwicklung am linken Vorderrad, kurz eine

Panne.

Dann folgten sieben Stunden Unterricht in

Gelassenheit, Geduld, Humor und sambischer

Problemlösung. Ständig telefonierend und uns über

Stunden versichernd, dass uns in Kürze ein leerer Bus

abholen würde, wurden erst der vordere linke Reifen

abgenommen, dann die Bremse demontiert. Beides

wurde wohl für funktionstüchtig erklärt, woraufhin

ein inzwischen eingetroffener Mechaniker versuchte

das Radlager auszubauen. Da das nicht klappte,

kam, wieder ein, zwei Stunden später, ein anderer

Mechaniker mit einer ramponierten Riesenflex,

der dann mit Hilfe eines ebenfalls mitgebrachten

Generators das Radlager herausflexte. Das Ende der

Arbeiten konnten wir nicht erleben, denn gegen 16:00

kam uns Agnes abholen, die die Mär von dem leeren

Bus nicht glauben konnte und ein Auto nebst Fahrer

organisiert hatte. Dieser entpuppte sich wieder mal

als alter Bekannter. Ricky, der Radiologieassistent,

der im Krankenhaus Lendersdorf vor Jahren ein

Volontariat gemacht hatte und uns bereitwillig seinen

Feiertagsnachmittag ( 1.5.) opferte und mit Agnes

zwei Stunden von Monze gefahren kam, um uns

einzusammeln. Wir waren froh und dankbar, auch

dass wir an dem Tag nicht pünktlich in einem Flieger

hätten sitzen müssen. Es war ein lehrreicher und

teilweise lustiger Tag.

Die Ruhe und Gelassenheit mit der solcherlei Unbill

ertragen wird, beachtlich. Es erinnerte mich an einen

meiner Lieblingszitate von Solomon: don’t call it a

problem, call it a challenge.

Abends also Ankunft in Monze im Gästehaus des

Bischofs, unsere letzte Nacht.

Morgens noch Treffen mit den beiden neuen

Freiwilligen des EWE; Mbonywe und Chilala, zwei

sehr nette und vielversprechende Mädchen. Auch

da freue ich auf ein Wiedersehen im August. Nach

nochmaliger vierstündiger Fahrt waren wir zurück in

Lusaka und unsere Zeit in Sambia schon vorbei.

Nach der Heimkehr fragten mich viele, wie war die

Reise, wie war Sambia?

Sambia war vieles:

Schön: die vielen Treffen mit lieben Menschen, die

ich gerne wiedergetroffen oder kennengelernt habe,

natürlich die Natur.

Gastfreundlich: Danke an die gute Vorbereitung und

den freundlichen Empfang durch Agnes, Crisencia

und Solomon.

Berührend und bedrückend: das Treffen im Slum

von Chirundu, der viele überall sichtbare Müll, die

im Moment unsicherer werdende politische Lage, die

Situation vieler armer, manchmal kranker Menschen,

der doch auch spürbare Kampf um eine Zukunft

Anstrengend und lehrreich: die Anfragen, die

automatisch kommen, unseren Lebensstil betreffend.

Die Reise hat meine Sicht geweitet, meine Beziehung

zu unseren sambischen Freunden gefestigt, das

Verständnis für sie und ihre Lebenssituation vertieft.

Und seitdem rechne ich viele Dinge in schoolfee- Jahre

um und frage mich beim Anblick meiner Schränke

und Regale: wer braucht das eigentlich alles und

wozu? Wieviel ist Ballast und überflüssig?

So war Sambia 2017 – für mich.

Mechthild Pleiss-Schürenberg

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