ZVG Gartenbau Report Sonderausgabe - Die Landwirtschaftliche ...
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LSV-Neuordnungsgesetz:<br />
Kommt nach 99 Jahren das Aus für die<br />
<strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft?<br />
<strong>ZVG</strong> GARTENBAU<br />
Interview mit Jürgen Mertz:<br />
Das ändert sich<br />
Seite 18<br />
Sparten-Besonderheiten:<br />
Stimmen von Arbeitgebern<br />
und Arbeitnehmern<br />
Seiten 8 bis 13<br />
<strong>Sonderausgabe</strong><br />
11/2011
2 INHALT/IMPRESSUM<br />
Impressum<br />
<strong>ZVG</strong> <strong>Gartenbau</strong> <strong>Report</strong> <strong>Sonderausgabe</strong><br />
Mit Informationen aus dem Zentralverband <strong>Gartenbau</strong> e.V.<br />
Verlag:<br />
FGG Förderungsgesellschaft <strong>Gartenbau</strong> m.b.H.<br />
Godesberger Allee 142–148, 53175 Bonn<br />
Postfach 201463, 53144 Bonn<br />
� 0228 81002-0, Fax 0228 81002-48<br />
E-Mail: zvg-report@g-net.de, Internet: www.g-net.de<br />
Geschäftsführer: Dr. Siegfried Scholz, Franz-J. Jäger<br />
Redaktion dieser <strong>ZVG</strong> <strong>Gartenbau</strong> <strong>Report</strong><br />
<strong>Sonderausgabe</strong>:<br />
Claudia Heland M. A., Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit<br />
Zentralverband <strong>Gartenbau</strong> e. V. (<strong>ZVG</strong>)<br />
� 030 2000 65-20, E-Mail: pressereferat@g-net.de<br />
Vertrieb:<br />
Gabriele Felten<br />
� 0228 81002-11, E-Mail: zvg.felten@g-net.de<br />
Alle erreichbar unter der Anschrift des Verlages und unter:<br />
� 0228 81002-38, Fax: 0228 81002-33,<br />
E-Mail: zvg-report@g-net.de<br />
ISDN (Leonardo Pro): 0228 81002-16<br />
Auflage:<br />
20.000 Exemplare<br />
Anzeigen:<br />
Sascha Piprek, SP-Medienservice<br />
Friesdorfer Straße 122, 53173 Bonn<br />
� 0228 39022-0, Fax: 0228 39022-10,<br />
E-Mail: info@sp-medien.de<br />
Herstellung:<br />
SP-Medienservice Bonn<br />
Friesdorfer Straße 122, 53173 Bonn<br />
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E-Mail: info@sp-medien.de<br />
<strong>Die</strong> in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich<br />
geschützt. <strong>Die</strong> mit Namen oder Initialen des Verfassers<br />
gekennzeich neten Beiträge geben nicht unbedingt die<br />
Meinung der Redaktion wieder.<br />
<strong>Die</strong> Einsendung von Text- und Bildvorlagen gilt als Vorschlag<br />
zur Veröffentlichung zu unseren Bedingungen. Keine Gewähr<br />
für unverlangt eingesandte Manuskripte und Vorlagen. Rücksendungen<br />
unverlangter Manuskripte und Bilder nur bei Rückporto.<br />
Verantwortung für Verlust oder Beschädigung wird nicht übernommen.<br />
Erlaubnis zur Bildreproduktion muss vom Einsender<br />
besorgt sein.<br />
Der <strong>ZVG</strong> <strong>Gartenbau</strong> <strong>Report</strong> erscheint 10-mal pro Jahr.<br />
Der Bezugspreis ist im Mitgliederbeitrag enthalten.<br />
Für Nichtmitglieder beträgt der Bezugspreis 35 Euro jährlich.<br />
Gültig ist die Anzeigenpreis liste seit Januar 2011.<br />
Ihr direkter Kontakt zum Zentralverband <strong>Gartenbau</strong> e.V.:<br />
<strong>Die</strong>nstsitz Bonn: Godesberger Allee 142–148, 53175 Bonn,<br />
Tel.: 0228 81002-0, Fax: 0228 81002-48, E-Mail: info@g-net.de<br />
<strong>Die</strong>nstsitz Berlin: Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin,<br />
Tel.: 030 200065-0, Fax: 030 200065-27, E-Mail: info@g-net.de<br />
<strong>Die</strong>nstsitz Brüssel: c/o COPA-COGECA, Rue de Trèves 61,<br />
B-1040 Bruxelles<br />
Tel.: 0032 (0)2 2301934, Mobil: 0049 (0)177 4639628,<br />
E-Mail: zvg.bruessel@g-net.de<br />
Anzeigenkontakt: � 0228 39022-0<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
Inhalt<br />
Editorial<br />
Demokratie leben 3<br />
Blick zurück<br />
Heute wie vor 99 Jahren – Gärtner kämpfen für ihre Unfallversicherung 4<br />
LSV-NOG: Das Verfahren<br />
Dauerbaustelle LSV 5<br />
<strong>Die</strong> Unfallversicherung<br />
Wirtschaftskraft und Prävention – Garanten für eine positive Entwicklung 6<br />
<strong>Die</strong> 1000-Mann-Quote, Maßstab erfolgreicher Präventionsarbeit 7<br />
Zierpflanzenbau<br />
Gärtner aus Überzeugung 8<br />
Gemüse- & Pilzanbau<br />
Mitglieder der ersten Stunde 9<br />
Gärtner stehen Gärtnern zur Seite<br />
Einzelhandelsgärtnerei & Obstbau<br />
9<br />
Den Betrieb am Laufen halten 10<br />
Warum was ändern, wenn’s gut läuft?<br />
Baumschulen<br />
10<br />
Alles aus einer Hand 11<br />
Gemeinsam handeln<br />
Kommunale & Friedhofsgärtner<br />
11<br />
Partnerschaftliche Prävention erhalten 12<br />
Prävention hat hohen Stellenwert<br />
Bewährtes wird belohnt<br />
12<br />
Durch AMS <strong>Gartenbau</strong> Wettbewerbsfähigkeit stärken<br />
Garten- & Landschaftsbau<br />
13<br />
Gärtnerische <strong>Die</strong>nstleister gestalten mit Grün 14<br />
Grün steigert die Lebensqualität<br />
IG BAU<br />
14<br />
Erfolgsrezept der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
ver.di<br />
15<br />
Präventiv, paritätisch und eigenständig 16<br />
Erfolgreich – mit Recht<br />
Stimmen aus der <strong>Gartenbau</strong>branche 17<br />
LSV NOG – das ändert sich<br />
Interview mit Jürgen Mertz 18<br />
Blick nach vorn<br />
Was soll die Politik für den <strong>Gartenbau</strong> tun? 19<br />
Titelbild<br />
<strong>Die</strong> Karikatur wurde exklusiv für diese <strong>Sonderausgabe</strong> von dem Karikaturisten und<br />
Bildhauer Burkhard Mohr (www.burkhard-mohr.de) erstellt.<br />
Rückseite<br />
Einige Persönlichkeiten stellvertretend für viele: Wir Gärtner – für unsere BG!
Demokratie leben<br />
Der deutsche <strong>Gartenbau</strong> ist ein<br />
vielschichtiger Berufszweig mit<br />
verschiedenen Sparten und facettenreichen<br />
Tätigkeiten. <strong>Die</strong>s macht<br />
den Beruf des Gärtners so interessant.<br />
<strong>Die</strong> <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
als zuständiger Träger der gesetzlichen<br />
Unfallversicherung deckt das gesamte<br />
Spektrum der versicherten Tätigkeiten<br />
im deutschen <strong>Gartenbau</strong> ab. Sie ist zuständig<br />
für Unternehmen des Erwerbsgartenbaues,<br />
Baumschulunternehmen<br />
einschließlich Forstbaumschulen, Unternehmen<br />
des Garten-, Landschafts-<br />
und Sportplatzbaues, Baumwartunternehmen,<br />
Unternehmen der privaten und<br />
der gemeindlichen Park- und Gartenpflege,<br />
Friedhofsunternehmen, Haus-<br />
und Ziergärten sowie für die berufsständischen<br />
Einrichtungen.<br />
Gleichwohl gehört die <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung<br />
(LSV) an, zu der noch acht regionale<br />
landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften<br />
zählen und die allesamt per<br />
Gesetz am 1. Januar 2013 zu einem Bundesträger<br />
vereinigt werden sollen. Im<br />
Gegensatz zur Landwirtschaft, in der<br />
vergleichsweise wenige Fremdarbeitskräfte<br />
tätig sind, ist der <strong>Gartenbau</strong> personalintensiv.<br />
Mehr als 630.000 Versicherte<br />
zählte die BG im vergangenen<br />
Jahr. <strong>Die</strong>s spiegelt sich auch in der<br />
Organisationsstruktur des Unfallversicherungsträgers<br />
wider, nämlich in einer<br />
paritätisch besetzten Selbstverwaltung.<br />
Dort wird sowohl den Interessen<br />
der versicherten Arbeitnehmer als auch<br />
unternehmerischem Gestaltungsspielraum<br />
Rechnung getragen.<br />
Gerade das Know-how der Praktiker<br />
aus Vorstand und Vertreterversamm-<br />
lung macht den berufsständischen Unfallversicherungsträger<br />
effizient. Kostenbewusstsein<br />
und beruflicher Sachverstand<br />
lenken das Verwaltungshandeln<br />
und führen zu einer effektiven,<br />
branchenbezogenen Prävention sowie<br />
zu einem kostengünstigen Beitrag.<br />
Ideen und Vorschläge aus der Praxis<br />
finden über die ehrenamtlichen Mitglieder<br />
der Selbstverwaltung den Weg in<br />
die Verwaltung, in das autonome Recht,<br />
in die Satzung und Unfallverhütungsvorschriften.<br />
Beispiele hierfür sind der<br />
Sicherheitstechnische <strong>Die</strong>nst, das Bonussystem<br />
oder das Arbeitsschutzmanagementsystem<br />
– AMS <strong>Gartenbau</strong>. Als<br />
Vertrauenspersonen sorgen die Ehrenamtlichen<br />
für partnerschaftliches Miteinander<br />
von Verwaltung, Versicherten<br />
und Unternehmen.<br />
Tragendes Element der paritätischen<br />
Selbstverwaltung sind die gärtnerischen<br />
Arbeitgeberverbände <strong>ZVG</strong> (Zentralverband<br />
<strong>Gartenbau</strong> e. V.), BGL (Bundesverband<br />
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau<br />
e. V.), BdB (Bund deutscher<br />
Baumschulen e. V.), VKA (Vereinigung<br />
der kommunalen Arbeitgeberverbände)<br />
sowie die Gewerkschaften IG BAU und<br />
ver.di, die Mitglieder in die Selbstverwaltungsorgane<br />
entsenden. Erst vor<br />
wenigen Monaten wurden die Gremien<br />
nach den turnusgemäßen Sozialwahlen<br />
neu besetzt. Zum neuen Vorsitzenden<br />
der Vertreterversammlung<br />
wurde Frank Viebranz (ver.di) gewählt.<br />
Den Vorsitz im Vorstand bekleidet –<br />
wie bisher – <strong>ZVG</strong>-Vizepräsident Jürgen<br />
Mertz.<br />
Nach den bisherigen Regelungen des<br />
Referentenentwurfs wird es beim neuen<br />
Bundesträger eine Drittelparität geben.<br />
EDITORIAL 3<br />
Verehrte Leserinnen, verehrte Leser,<br />
geht es nach dem Willen des Gesetzgebers, soll die <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft zu ihrem 100.<br />
Geburtstag mit den acht regionalen landwirtschaftlichen Trägern zu einem neuen Träger verschmolzen<br />
werden. Mit dem geplanten Übergang in einen einzigen Sozialversicherungsträger für Landwirtschaft<br />
und <strong>Gartenbau</strong> werden Veränderungen einhergehen, die viele Bereiche – und vor allem die<br />
Selbstverwaltung – betreffen.<br />
<strong>Die</strong> Selbstverwaltung wird sich in den<br />
Gremien damit zu je einem Drittel aus<br />
Vertretern der Arbeitgeber, der Selbständigen<br />
ohne fremde Arbeitskräfte<br />
und der Arbeitnehmer zusammensetzen.<br />
Hinzu kommt, dass die gärtnerischen<br />
Vertreter lediglich einen kleinen Teil<br />
der neuen Selbstverwaltung ausmachen<br />
werden.<br />
<strong>Die</strong> gärtnerischen Berufsorganisationen<br />
befürchten den Verlust gärtnerischer<br />
Fachkompetenz in der Selbstverwaltung.<br />
<strong>Die</strong>se hat bisher entscheidend<br />
dazu beigetragen, eine gute, fachorientierte<br />
Arbeit für alle <strong>Gartenbau</strong>unternehmen<br />
und Versicherten im Rahmen<br />
eines demokratischen Verfahrens<br />
sicherzustellen. <strong>Die</strong>ser Tatsache gilt es,<br />
durch Änderungen des Referentenentwurfs<br />
im Gesetzgebungsverfahren zu<br />
Gunsten der Stärkung der gärtnerischen<br />
Selbstverwaltung Rechnung zu tragen.<br />
Thomas Wirz (Mitte), Geschäftsführer der<br />
<strong>Gartenbau</strong>-BG, gratuliert dem neuen Vorsitzenden<br />
der Vertreterversammlung, Frank<br />
Viebranz (rechts), von ver.di entsandter Arbeitnehmervertreter,<br />
und dem alternierenden<br />
Vorsitzenden Carsten Henselek, Unternehmer<br />
im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau,<br />
zur Wahl. Foto: GBG<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
4 BLICK ZURÜCK<br />
Heute wie vor 99 Jahren – Gärtner kämpfen für ihre<br />
Unfallversicherung<br />
Im nächsten Jahr feiert die <strong>Gartenbau</strong>-<br />
Berufsgenossenschaft ihr 100-jähriges<br />
Bestehen. Am 27. November 1912<br />
gründeten 56 Abgeordnete des Berufsstandes<br />
in Kassel den Unfallversicherungsträger<br />
und schufen damit die Grundlage<br />
dafür, dass die gärtnerische Unfallversicherung<br />
mit Beginn des Jahres<br />
1913 ihre Tätigkeit aufnehmen konnte.<br />
Vorangegangen war ein Jahrzehnte<br />
andauerndes Bestreben der Gärtnerinnen<br />
und Gärtner nach einer eigenen<br />
Berufsgenossenschaft. Zwar war der<br />
deutsche <strong>Gartenbau</strong> seit 1886 in die<br />
gesetzliche Unfallversicherung mit ein-<br />
bezogen, allerdings nur als Zweig der<br />
Landwirtschaft und damit den landwirtschaftlichen<br />
Berufsgenossenschaften<br />
zugeordnet. <strong>Die</strong>s führte zu erheblichen<br />
Problemen, konnten doch die regionalen<br />
landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften<br />
nur schwer den Spezifika<br />
und Belangen eines im wirtschaftlichen<br />
Aufbau und in technischen Grundlagen<br />
anders gearteten Berufszweigs<br />
Rechnung tragen. <strong>Die</strong>s vor allem, weil<br />
die regional geprägte Landwirtschaft<br />
hinsichtlich Betriebsgrößen, Anbauarten<br />
und Arbeitsweisen von den betriebstechnischen<br />
Strukturen des <strong>Gartenbau</strong>s<br />
abwich.<br />
Daraus ergaben sich Besonderheiten<br />
in der Unfallverhütung, die sich im<br />
Laufe der Jahre und vor allem bei<br />
Unfallverhütungsvorschriften aus dem Jahr 1912.<br />
Foto: GBG<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
fortschreitendem Strukturwandel in<br />
der Landwirtschaft sogar noch verstärkten.<br />
Somit war es nur folgerichtig, dass<br />
nicht nur die gärtnerischen Unternehmer,<br />
sondern speziell die Beschäftigten<br />
im deutschen <strong>Gartenbau</strong> die Forderung<br />
nach einer eigenständigen Unfallver-<br />
sicherung erhoben. Zu groß war die<br />
Unzufriedenheit über die Versicherung<br />
bei den regionalen landwirtschaftlichen<br />
Berufsgenossenschaften. Und so wuchs<br />
der Druck der berufsständischen Organisationen<br />
des <strong>Gartenbau</strong>s auf die einzelnen<br />
landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften,<br />
besondere Regelungen<br />
für den <strong>Gartenbau</strong> innerhalb des Systems<br />
zu schaffen. Schließlich befassten<br />
sich diese 1911 in einer außerordentlichen<br />
Konferenz mit den Forderungen<br />
der Gärtner und kamen zu dem Ergebnis,<br />
dass deren Wünsche zwar berechtigt<br />
waren, aber von den landwirtschaftlichen<br />
Berufsgenossenschaften nicht<br />
erfüllt werden konnten. Gut ein Jahr<br />
später war es dann soweit: Auf Drängen<br />
der berufsständischen Organisationen<br />
erklärten 1912 die landwirtschaftlichen<br />
Berufsgenossenschaften ihre Zustimmung<br />
zu der Errichtung einer selbständigen<br />
Gärtnerei-Berufsgenossenschaft.<br />
Bereits vor mehr als hundert Jahren<br />
hatte man also erkannt, dass die Interessen<br />
des <strong>Gartenbau</strong>s bei regionalen<br />
landwirtschaftlichen Trägern<br />
nicht wahrgenommen<br />
werden können. <strong>Die</strong>s<br />
gilt heute umso mehr, als<br />
die Landwirtschaft in den<br />
vergangenen Jahrzehnten<br />
einen anhaltenden Strukturwandel<br />
durchlebt hat.<br />
Immer weniger landwirtschaftliche<br />
Unternehmer<br />
bearbeiten immer größere<br />
Flächen mit modernen<br />
Maschinen und wenig Personal.<br />
Steigender Personalein-<br />
satz prägt dagegen den<br />
<strong>Gartenbau</strong>. Höchste Erträge,<br />
qualitativ hochwertige<br />
Erzeugnisse auf intensiv genutzten Flächen<br />
sowie kundenorientierte <strong>Die</strong>nstleistungen<br />
sind die Merkmale dieser<br />
personalintensiven Branche. Hieran hat<br />
sich im Laufe der Jahre – abgesehen<br />
von der technischen Entwicklung und<br />
einer fortschreitenden Spezialisierung<br />
der Betriebe – nicht viel geändert. Geändert<br />
hat sich auch nicht, dass die Interessen<br />
der Gärtnerinnen und Gärtner<br />
Deutschlands auch heute noch durch<br />
eine aktive, paritätisch besetzte Selbstverwaltung<br />
in den Gremien der bundesweit<br />
tätigen Körperschaft wahrgenommen<br />
werden.<br />
Gärtnerei 1930: Insbesondere die Beschäftigten<br />
wollten eine eigene Berufsgenossenschaft.<br />
Foto: GBG<br />
Großbaumverpflanzung 1939: Einsatz von<br />
Technik und Personal. Foto: GBG
LSV-NOG: DAS VERFAHREN 5<br />
Dauerbaustelle <strong>Landwirtschaftliche</strong> Sozialversicherung<br />
Seit Jahren wird die Organisation der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung (LSV) reformiert. <strong>Die</strong><br />
folgende Darstellung soll einen Überblick über die einzelnen Reformen und deren wesentliche Ziele<br />
geben bis hin zur jetzt geplanten erneuten Reform durch das Gesetz zur Neuordnung der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Sozialversicherung (LSV-NOG).<br />
2001 – LSVOrg<br />
Gesetz zur Organisationsreform in der<br />
<strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung<br />
Das Hauptziel bestand in der Reduzierung<br />
aller Träger der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Sozialversicherung von damals<br />
17 auf neun Träger. Neben dem bundesweit<br />
tätigen Träger für den <strong>Gartenbau</strong><br />
bestanden in der Landwirtschaft 16<br />
regionale Träger. Dort war wiederum<br />
einer für die Unfallversicherung, einer<br />
für die Kranken- und Pflegekasse sowie<br />
einer für die Alterskasse angesiedelt.<br />
Schon zu diesem Zeitpunkt wurden<br />
erste Koordinierungsaufgaben auf die<br />
damals drei Spitzenverbände (Unfallversicherung,<br />
Kranken- und Pflegeversicherung<br />
und Alterskasse) übertragen.<br />
2008 – LSVMG<br />
Gesetz zur Modernisierung der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Sozialversicherung<br />
Aus den drei Spitzenverbänden wurde<br />
ein Spitzenverband und diesem wurden<br />
eine Reihe von Aufgaben übertragen.<br />
<strong>Die</strong> Anzahl der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Träger wurde nicht weiter reduziert.<br />
Alle Träger wurden im Gesetzentwurf<br />
als regionale Träger eingestuft,<br />
auch die bundesweit zuständige Sozialversicherung<br />
für den <strong>Gartenbau</strong>, obwohl<br />
sie aufgrund ihrer bundesweiten<br />
Zuständigkeit eben nicht in allen Punkten<br />
mit regionalen Trägern zu vergleichen<br />
ist. Augenfälligstes Beispiel ist der<br />
Beitragsmaßstab. <strong>Die</strong>ser war und ist für<br />
alle <strong>Gartenbau</strong>betriebe im Bundesgebiet,<br />
die bei der Sozialversicherung für<br />
den <strong>Gartenbau</strong> versichert sind, gleich.<br />
Und dies unabhängig davon, ob der Betrieb<br />
im Norden, Süden, Westen oder<br />
Osten liegt.<br />
Daneben war eine Begrenzung der<br />
Verwaltungskosten, die bis 2014 um 20<br />
Prozent sinken sollen, festgelegt worden.<br />
Als weitere politische Zielsetzungen<br />
wurde von einem Mehr an Bei-<br />
tragsgerechtigkeit und einer angemessenen<br />
Beitragsbelastung gesprochen.<br />
Daneben wurden die Erhebung von<br />
Beitragsvorschüssen und ein Lastenausgleich<br />
über alle Träger hinweg festgelegt.<br />
In einem von der Abgeordneten Gitta<br />
Connemann angeforderten Zwischenbericht<br />
zur Umsetzung des LSVMG<br />
wurden diese wesentlichen Punkte vom<br />
Bundesministerium für Ernährung,<br />
Landwirtschaft und Verbraucherschutz<br />
nochmals zusammengefasst und gleichzeitig<br />
wurde im September 2010 mitgeteilt,<br />
dass es für eine abschließende Bewertung<br />
noch zu früh sei, da die Umsetzungen<br />
einiger wesentlicher im LSVMG<br />
vorgesehenen Maßnahmen erst zum<br />
31. Dezember 2010 abgeschlossen sein<br />
würden. Zudem wurde mitgeteilt, dass<br />
im Jahr 2011 eine erste Bilanz gezogen<br />
werden sollte, ob die Maßnahmen ausreichend<br />
sind oder es einer Nachjus-<br />
tierung bedarf.<br />
Erhebliche Diskussionen gab es allerdings<br />
um den gerechten Maßstab im<br />
Rahmen des Lastenausgleichs. Im Zuge<br />
dieser Diskussionen wurde im Präsidium<br />
des Deutschen Bauernverbands der<br />
Beschluss gefasst, dass man sich für<br />
einen Bundesträger einsetzen wolle,<br />
allerdings mit der Maßgabe, dass der<br />
Weg dorthin durch erhöhte Bundesmittel<br />
erleichtert werde. <strong>Die</strong>ser Beschluss<br />
setzte eine erneute Diskussion über einen<br />
Bundesträger in Gang, ohne dass<br />
die Wirksamkeit der Maßnahmen des<br />
LSVMG evaluiert wurde, wie dies dem<br />
politischen Willen entsprach.<br />
2011 – LSV-NOG<br />
Gesetz zur Neuordnung der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Sozialversicherung<br />
Dauerbaustelle LSV. Fotomontage: GBG<br />
Folge ist der Ende September 2011<br />
vorgelegte Referentenentwurf des Gesetzes<br />
zur Neuordnung der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Sozialversicherung – LSV-<br />
Neuordnungsgesetz – LSV-NOG sowie<br />
ein Eckpunktebeschluss im Bundeshaushalt,<br />
dass die Bundesmittel für die<br />
landwirtschaftliche Unfallversicherung<br />
für den Zeitraum<br />
2012 bis 2014 erhöht<br />
werden sollen.<br />
Vorgesehen war,<br />
die Bundesmittel<br />
ab dem Jahr 2012<br />
auf 100 Millionen<br />
Euro zu senken.<br />
Wenn es zu einem<br />
Bundesträger<br />
kommt, sollen die<br />
Bundesmittel im<br />
Jahr 2012 175 Millionen<br />
Euro, im<br />
Jahr 2013 150 Millionen<br />
Euro und<br />
im Jahr 2014 125<br />
Millionen Euro betragen<br />
– also insgesamt<br />
über den<br />
Dreijahreszeitraum<br />
150 Millionen<br />
Euro mehr.<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
6 DIE UNFALLVERSICHERUNG<br />
Wirtschaftskraft und Prävention –<br />
Garanten für eine positive Entwicklung<br />
<strong>Die</strong> berufsständische Unfallversicherung<br />
für den <strong>Gartenbau</strong> zeigt<br />
in ihrer positiven Entwicklung<br />
deutlich, dass hierfür die prosperierende<br />
Branche <strong>Gartenbau</strong> maßgebend ist.<br />
In 2009 betrug die Anzahl der versicherten<br />
Unternehmen 101.445 Betriebe.<br />
<strong>Die</strong>s ist der Höchststand seit Gründung<br />
der Berufsgenossenschaft. Neben<br />
den gestiegenen Unternehmenszahlen<br />
erreichten auch die versicherten Personen<br />
mit 630.276 und die Lohnsummen<br />
mit rund 5,67 Mrd. Euro Höchstwerte.<br />
Stabile Beiträge und stabile Verwaltungskosten<br />
zeigen, wie effektiv und<br />
kostengünstig das System der gärtnerischen<br />
Unfallversicherung arbeitet.<br />
Hierfür zeichnet die ehrenamtliche<br />
Tätigkeit der Selbstverwaltung in den<br />
paritätisch besetzten Gremien verantwortlich.<br />
Sie lenken die Berufsgenossenschaft<br />
ausgewogen unter Berücksichtigung<br />
der Belange aller beteiligten<br />
Interessengruppen. Dabei wird im Bereich<br />
der Prävention auf die dienstleistungsorientierte<br />
Betreuung der Unternehmer<br />
und Aufklärung der Arbeitnehmer<br />
in verständlicher Sprache besonderer<br />
Wert gelegt. <strong>Die</strong>s gilt es auch in<br />
Zukunft durch fachkundige Begleitung<br />
aus der Praxis sicherzustellen.<br />
Seit Gründung der Berufsgenossenschaft<br />
erfolgt die Aufgabenerledigung<br />
zentral in Kassel mit der Steuerung des<br />
Technischen Aufsichtsdienstes und des<br />
Sicherheitstechnischen <strong>Die</strong>nstes vor<br />
Ort. Hier bedarf es keiner Organisations-<br />
und Strukturveränderungen sowie<br />
keines Einsatzes von Dritten bei<br />
der Erledigung von Aufgaben. Eine Verquickung<br />
mit anderen Organisationen<br />
widerspricht den von Selbstverwaltung<br />
und Berufsstand angestellten Überlegungen.<br />
Das Bindeglied zu den Versicherten<br />
sind neben der Selbstverwaltung<br />
besonders die ehrenamtlichen Vertrauenspersonen<br />
aus dem Berufsstand.<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
in 100 Tsd.<br />
in Mio. Euro<br />
in Euro<br />
40<br />
30<br />
20<br />
10<br />
102<br />
101<br />
100<br />
0<br />
25,50<br />
25,00<br />
24,50<br />
24,00<br />
23,50<br />
23,00<br />
22,50<br />
22,00<br />
2007 2008 2009 2010<br />
*pro 1.000 Euro Lohnsumme ohne Bundesmittel<br />
2007 2008 2009 2010<br />
99 *ohne Nebenunternehmen<br />
in Mrd. Euro<br />
6,00<br />
5,80<br />
5,60<br />
5,40<br />
5,20<br />
22,85<br />
Unternehmen*<br />
Unfallrenten<br />
Ambulante Behandlungen<br />
Stationäre Behandlungen<br />
Verletztengelder<br />
BG-Beitrag*<br />
Trotz allgemeinem Kostenanstieg im Gesundheitswesen und gestiegener Versichertenzahlen<br />
bleiben die Leistungsausgaben stabil.<br />
Arbeitswerte<br />
2007 2008 2009 2010<br />
Gute Konjunktur und höhere Arbeitswerte lassen den Beitrag sinken. Quelle/Grafiken: GBG
1970:<br />
18.222<br />
gemeldete<br />
Unfälle<br />
271.310<br />
Versicherte<br />
765<br />
neue<br />
Rentenfälle<br />
52<br />
tödliche<br />
Unfälle<br />
Prozent<br />
350<br />
300<br />
250<br />
200<br />
150<br />
100<br />
50<br />
0<br />
Entwicklung der <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
seit 1970<br />
DIE UNFALLVERSICHERUNG 7<br />
1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2009<br />
<strong>Die</strong> 1000-Mann-Quote,<br />
Maßstab erfolgreicher Präventionsarbeit<br />
Bei Betrachtung der durchschnittlichen<br />
Unfallhäufigkeit bezogen<br />
auf die Vollarbeitskräfte hat die<br />
<strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft mit<br />
einer Quote von 53,3 Unfällen in 2009<br />
den niedrigsten Stand absolut erreicht.<br />
Neben dieser Entwicklung zeigen die<br />
Vergleiche mit anderen Unfallversicherungsträgern<br />
(in der Grafik 1000-Mann-<br />
Quote) die Herausforderungen der Präventionsarbeit.<br />
Dabei wird deutlich,<br />
dass die Erfolge bei den Gewerken in<br />
der Steinbruchs-BG und der Maschinenbau-<br />
und Metall-BG als Zielvorgabe für<br />
die Zukunft als geeignet erscheinen,<br />
wobei gleichzeitig die besseren Ergebnisse<br />
gegenüber der BG der Bauwirtschaft<br />
und Holz-BG sowie den land-<br />
80<br />
70<br />
60<br />
78,5<br />
78,6<br />
74,4<br />
73,0<br />
64,9<br />
wirtschaftlichenBerufsgenossenschaften erhalten bleiben müssen.<br />
Das Bonussystem,<br />
ein wirkungsvoller Anreiz<br />
Wegen der guten Erfahrungen in anderen<br />
Berufsgenossenschaften, unter<br />
Berücksichtigung der Unfälle Zuschläge<br />
zu erheben oder Nachlässe zu bewilligen,<br />
hat die <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
ein Beitragsausgleichsverfahren<br />
ab dem 1.1.2000 eingeführt.<br />
In der landwirtschaftlichen Unfallversicherung<br />
ist die <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
damit der einzige Träger,<br />
der von dieser Möglichkeit Gebrauch<br />
gemacht hat.<br />
Arbeitsunfälle 1.000-Mann-Quote<br />
63,4<br />
63,9<br />
<strong>Landwirtschaftliche</strong> UV ohne <strong>Gartenbau</strong> = 73,22<br />
BG der Bauwirtschaft = 65,13<br />
Holz-BG = 59,48<br />
Steinbruchs-BG = 44,23<br />
Maschinenbau- und Metall-BG = 41,12<br />
Verwaltungs-BG = 14,57<br />
64,2<br />
64,2<br />
58,1<br />
Quelle: <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
53,3<br />
50<br />
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009<br />
Quelle/Grafik: GBG<br />
2009:<br />
44.931<br />
gemeldete<br />
Unfälle<br />
630.276<br />
Versicherte<br />
335<br />
neue<br />
Rentenfälle<br />
12<br />
tödliche<br />
Unfälle<br />
Wirtschaftskraft und Prävention<br />
– Garanten für eine<br />
positive Entwicklung: <strong>Die</strong><br />
<strong>Gartenbau</strong>-BG zählte 1970<br />
rund 271.000 Versicherte<br />
und im Jahr 2009 mehr als<br />
630.000.<br />
Quelle/Grafik: GBG<br />
<strong>Die</strong> Unfallverhütungsarbeit in den<br />
Unternehmen wird durch Beitragsanreize<br />
intensiviert. Für die gärtnerischen<br />
Unternehmen wurde ein Bonussystem<br />
mit drei Bonusklassen von 5, 10 und 18<br />
Prozent und einem Beobachtungszeitraum<br />
von drei Jahren als zielführend<br />
erachtet. Abhängig vom Verhältnis der<br />
Anzahl sowie der Schwere der Unfälle<br />
in einem <strong>Gartenbau</strong>-Unternehmen (Eigenbelastung)<br />
gegenüber der durchschnittlichen<br />
Belastung in allen Betrieben<br />
wird der Beitrag um den zutreffenden<br />
Prozentsatz gemindert.<br />
Anhand einer exemplarischen Rechnung<br />
soll dies veranschaulicht werden.<br />
Garten- und Landschaftsbaubetrieb<br />
mit 50.000 Euro Lohnsumme und Eigenbelastung<br />
90 % unter der Durchschnittsbelastung<br />
für 2010:<br />
Bruttobeitrag = 1.496,62 Euro<br />
- 18 % Bonus = 269,39 Euro<br />
Nettobeitrag = 1.227,23 Euro<br />
<strong>Die</strong> positive Wirkung des Anreizsystems<br />
ist mit der Entwicklung der<br />
1000-Mann-Quote nachgewiesen und ist<br />
für die Zukunft zu erhalten. In einem<br />
vom Spitzenverband der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Sozialversicherung in Auftrag<br />
gegebenen Gutachten vom Juli<br />
2011 zum bundeseinheitlichen Beitragsmaßstab<br />
kommt Professor Dr. Enno<br />
Bahrs von der Universität Hohenheim<br />
zu dem Schluss, dass es auch bei einem<br />
Bundesträger bei dem Bonussystem für<br />
die <strong>Gartenbau</strong>betriebe bleiben soll.<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
8 ZIERPFLANZENBAU<br />
Gärtner aus Überzeugung<br />
<strong>Die</strong> Gärtnerei Strobel ist ein typisches Beispiel für einen modernen Familienbetrieb im Zierpflanzenbau.<br />
Fotos: GBG<br />
<strong>Die</strong> Gärtnerei Strobel ist ein typisches<br />
Beispiel für einen modernen<br />
Familienbetrieb im Zierpflanzenbau.<br />
Produktion und <strong>Die</strong>nstleistung<br />
spielen bei Strobels eine wichtige Rolle.<br />
<strong>Die</strong> 1964 gegründete Gärtnerei wird<br />
seit 1984 von Doris und Rudolf Strobel<br />
geführt. Mittlerweile werden sie dabei<br />
von ihren Kindern Matthias, Karin und<br />
Stefan unterstützt.<br />
Während Gärtnermeister Rudolf Strobel<br />
für die Produktion des insgesamt 5,7<br />
ha großen Betriebes verantwortlich<br />
ist, sorgt Doris Strobel im Büro und<br />
in der Vermarktung für den nötigen<br />
Schwung. Sohn Matthias ist für die Pflege<br />
von mehr als 1.000 Gräbern zuständig<br />
und Tochter Karin leitet selbstständig<br />
und erfolgreich ein Blumengeschäft<br />
in der Stadt. Der jüngste Sohn Stefan<br />
wird nach seinem <strong>Gartenbau</strong>studium<br />
im Sommer 2012 wieder in den elterlichen<br />
Betrieb zurückkehren.<br />
Betriebsgründer Jürgen Siegroth hält<br />
als Senior die Außenanlagen von Betrieb<br />
und Wohnhaus in Ordnung. „Man<br />
muss doch von außen erkennen, dass<br />
hier Gärtner wohnen“, sagt er verschmitzt.<br />
Er und Ehefrau Rita beziehen<br />
Rente von der Alterskasse für den <strong>Gartenbau</strong><br />
und helfen im Haushalt des<br />
Familienbetriebes.<br />
Mit rund 20 Mitarbeitern reicht die<br />
Produktion des Betriebes von der Tulpentreiberei<br />
über die Beet- und Balkon-<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
pflanzenproduktion bis hin zu Freilandschnittblumen<br />
und Containerstauden.<br />
Für die hervorragende Qualität ihrer<br />
Produkte sind Strobels schon oft mit<br />
Gold-, Silber- und Bronzemedaillen ausgezeichnet<br />
worden.<br />
Gärtnerei Strobel,<br />
Münchener Unternehmer:<br />
Doris und Rudolf Strobel, seit 1984<br />
gegründet 1964<br />
20 Mitarbeiter<br />
5,7 ha<br />
Tulpentreiberei<br />
Beet- und Balkonpflanzenproduktion<br />
Freilandschnittblumen<br />
Containerstauden<br />
Rudolf Strobel engagiert sich im<br />
bayerischen Gärtnereiverband. Er ist<br />
Obermeister und Prüfungsmeister. Auch<br />
Sohn Matthias macht da schon mit.<br />
Er ist im Führungsteam der oberbayerischen<br />
Fachgruppe der Friedhofsgärtner<br />
aktiv.<br />
„Wir sind Gärtner und keine Landwirte“,<br />
sagt Rudolf Strobel, „und wir<br />
fühlen uns bei der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
gut aufgehoben. <strong>Die</strong> Besonderheiten<br />
des <strong>Gartenbau</strong>s müssen<br />
auch in der berufsständischen Unfallversicherung<br />
deutlich werden“, sagt Rudolf<br />
Strobel aus tiefster Überzeugung.
Mitglieder der ersten Stunde<br />
Bereits in der vierten Generation<br />
baut der zertifizierte Gemüsebaubetrieb<br />
Hanuschke vor den Toren<br />
Münchens Gemüse und Kräuter an. 25<br />
ha Freiland und 8.000 m² Hochglas bewirtschaftet<br />
Erich Hanuschke (51), mit<br />
seiner Frau Martha (46).<br />
„Mein Vater, der Mitgründer der Gärtnerhalle<br />
in München, dem heutigen<br />
Großmarkt, war, hat mich nach meiner<br />
Lehre immer unterstützt und mir viel<br />
Freiraum für neue Ideen gelassen“, erinnert<br />
sich der Gärtnermeister Erich<br />
Hanuschke. „Das hat den Grundstein<br />
für die Liebe zum Gärtnerberuf gelegt.“<br />
Der Arbeitstag in dem Gemüsebaubetrieb<br />
beginnt um 1.30 Uhr in der<br />
Nacht mit der Fahrt zum Großmarkt.<br />
Dort warten ab 2.00 Uhr die Kunden auf<br />
das knackige Gemüse und die frischen<br />
Kräuter der Hanuschkes. Ab 9.00 Uhr<br />
geht es dann im Betrieb weiter, wo sich<br />
der Unternehmer mit zehn Vollbeschäftigten<br />
und bis zu zehn Aushilfen um die<br />
Gärtner stehen Gärtnern zur Seite<br />
Bei der Firma Sprötauer Champignons<br />
in Thüringen „läuft alles<br />
glatt“, sagt Unternehmer Andreas<br />
Hornung. „Bei den Anforderungen zum<br />
QS-Global-GAP (Weltweite Gute Agrar-<br />
Praxis) hinsichtlich Arbeits- und Gesundheitsschutz<br />
konnten wir auf die<br />
kompetente Information, Beratung und<br />
die Hilfestellung der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
zurückgreifen. Hier stehen<br />
Gärtner Gärtnern zur Seite.“<br />
Tochter Annekatrin Kraft arbeitet<br />
ebenfalls im Unternehmen. Genau wie<br />
ihr Vater hat sie <strong>Gartenbau</strong> studiert.<br />
Fachspezifische Medien der BG helfen<br />
den beiden, den Mitarbeitern Themen<br />
des Arbeits- und Gesundheitsschutzes<br />
zu vermitteln. <strong>Die</strong>s ist nicht immer ganz<br />
einfach, denn ein Champignonbetrieb<br />
stellt unterschiedliche Anforderungen<br />
an die Belegschaft. Bis zu 25 Mitarbeiterinnen<br />
und Mitarbeiter beschäftigt<br />
Hornung als Pflückerinnen, im Versand<br />
oder als Außendienstmitarbeiter.<br />
<strong>Die</strong>se produzieren und vermarkten<br />
rund 600 Tonnen Champignons jährlich.<br />
Verschiedene Handelsketten und die<br />
GEMÜSE- & PILZANBAU 9<br />
Produktion kümmert. „Bis 19.00 Uhr<br />
sind wir im Betrieb beschäftigt, bevor<br />
wir uns im Büro noch um die anderen<br />
Dinge kümmern“, sagt der 51-Jährige.<br />
„In der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
sind wir Mitglieder der ersten<br />
Stunde“, betont Hanuschke. „Für mich<br />
ist nichts anderes denkbar. Allein wegen<br />
der Betreuung durch den Sicherheitstechnischen<br />
<strong>Die</strong>nst. Auch dort bin<br />
ich seit den Anfängen dabei und fühle<br />
mich rundherum gut aufgehoben.“<br />
Hanuschke weiß wovon er spricht.<br />
Er ist Obermeister in seiner <strong>Gartenbau</strong>gruppe<br />
und engagiert sich zudem in der<br />
Erzeugergemeinschaft.<br />
Bei Sprötauer Champignons haben Mitarbeiter<br />
gut lachen, denn zum Erfolg trug auch<br />
die <strong>Gartenbau</strong>-BG bei. Foto: GBG<br />
Gastronomie sind die Hauptabnehmer<br />
der hochwertigen Pilze.<br />
Seit 2003 besteht die Firma als Familienunternehmen<br />
und dank der guten<br />
Präventionsarbeit des Unternehmers<br />
und seiner Mannschaft ist bisher noch<br />
kein schwerer Unfall passiert.<br />
Andreas Hornung ist stolz auf das Erreichte,<br />
seine Tätigkeit als Gärtner und<br />
auf sein Produkt.<br />
Gemüsebaubetrieb Hanuschke,<br />
Feldmoching<br />
Unternehmer: Erich und Martha<br />
Hanuschke, seit 1993<br />
Gemüse und Kräuter<br />
25 ha Freiland<br />
8.000 m 2 Hochglas<br />
Im Beruf und in der Unfallversicherung<br />
gibt es für ihn und seine Frau<br />
Martha keine Alternative. „Ich kann nur<br />
Gärtner“, sagt der Unternehmer mit<br />
Stolz auf das, was er und seine Frau<br />
bisher geschafft haben.<br />
<strong>Die</strong> Liebe zum Gärtnerberuf sorgt für Erfolg.<br />
Foto: GBG<br />
<strong>Die</strong>s wird auch durch die Absatzwege<br />
deutlich. Heimische Produkte regional<br />
zu vermarkten, ist einerseits ein<br />
Teil der Identifikation mit der Region,<br />
trägt andererseits aber auch dem zunehmenden<br />
Wunsch der Kunden nach<br />
Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit<br />
Rechnung.<br />
Andreas Hornung möchte sein Produkt<br />
nicht in der großen Masse der Discounter<br />
untergehen sehen. <strong>Die</strong>s gilt für<br />
ihn im übertragenen Sinne auch für die<br />
Zuständigkeit zu „seiner“ Berufsgenossenschaft.<br />
Sprötauer Champignons, Sprötau<br />
Unternehmer: Andreas Hornung,<br />
seit 2003<br />
12 Pflückerinnen<br />
6 Versandkräfte<br />
5 Teilzeitkräfte/Saisonkräfte<br />
1 Staplerfahrer<br />
1 selbstständiger Außendienstmitarbeiter<br />
Produktion: 600 Tonnen Champignons<br />
jährlich<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
10 EINZELHANDELSGÄRTNEREI & OBSTBAU<br />
Den Betrieb am Laufen halten<br />
Nach einem schweren Arbeits-<br />
unfall (Leitersturz) mit Wirbel-<br />
und Kopfverletzungen und siebenmonatiger<br />
Arbeitsunfähigkeit weiß<br />
Uwe Schmidt, was es heißt, bei einer<br />
Fachberufsgenossenschaft versichert<br />
zu sein. Betriebshilfe, persönliche Betreuung<br />
durch den Außendienst der<br />
<strong>Gartenbau</strong>-BG und schnelle, unbürokratische<br />
Hilfe haben das Unternehmen<br />
„am Laufen“ gehalten.<br />
„Rundum sorglos“ ist man nach<br />
einem so schweren Unfall natürlich<br />
nicht – aber finanziell abgesichert, z. B.<br />
durch eine freiwillige Höherversicherung.<br />
Zusammen mit der Betriebshilfe<br />
konnte so der Fortbestand der Firma,<br />
der Erhalt der Arbeitsplätze und die<br />
finanzielle Absicherung der Familie gewährleistet<br />
werden.<br />
Nicht erst seit dem eigenen Unfall<br />
legt Uwe Schmidt besonderes Augenmerk<br />
auf die Sicherheit und Gesundheit<br />
seiner Beschäftigten, denn von diesen<br />
ist der Betriebserfolg abhängig.<br />
So haben die Floristinnen an der BG-<br />
Kampagne „Deine Haut“ teilgenommen<br />
und die berufsspezifischen Hautprobleme<br />
in den Griff bekommen. Neben der Beratung<br />
durch Mitarbeiter der Präventionsabteilung<br />
haben dabei die fachspe-<br />
zifischen Informationsmaterialien geholfen.<br />
Gut geeignet seien diese – das<br />
ist Uwe Schmidt besonders wichtig –<br />
für die Auszubildenden.<br />
Neben seiner Ehefrau Ilona arbeiten<br />
zwei Floristinnen, ein Gärtnergeselle,<br />
zwei Auszubildende und Aushilfen in<br />
dem 1,2 Hektar großen Endverkaufsbetrieb<br />
in Hessisch Lichtenau, in dem<br />
neben den eigenen Erzeugnissen (Stauden,<br />
Beet- und Balkonpflanzen), Baumschulware<br />
und Top-Floristik verkauft<br />
wird.<br />
Neben der guten Betreuung empfindet<br />
der Unternehmer es als positiv, dass<br />
Warum was ändern, wenn‘s gut läuft?<br />
Oktavia, Regina, Viola sind die<br />
Passion von Peter zum Felde,<br />
aber auch Alkmene, Holsteiner<br />
Cox, Elstar und Jonagold. Der gelernte<br />
Gärtnermeister (Obstbau, Baumschule)<br />
baut in seinem Obstbaubetrieb auf 20<br />
Hektar Kirschen und Äpfel an, die er<br />
über die Genossenschaft vermarktet.<br />
Der Obsthof zum Felde ist ein Familienunternehmen<br />
und war bis 1990 – zu<br />
Zeiten des Vaters – landwirtschaftlich<br />
versichert. Aber damals wurde auch<br />
noch Viehwirtschaft betrieben. Seit der<br />
Betriebsübergabe als reiner Obstbaubetrieb<br />
gehört das Unternehmen natürlich<br />
zur <strong>Gartenbau</strong>-BG. Der Unternehmer<br />
fühlt sich bei der GBG gut aufgehoben.<br />
Seine Frau nutzte schon mal<br />
das Kurangebot der Krankenkasse und<br />
notwendige Schmerztherapien wurden<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
Gärtnerei Uwe Schmidt, Hessisch<br />
Lichtenau<br />
Unternehmer: Uwe Schmidt, seit 1985,<br />
gegründet 1953<br />
1,2 ha inkl. 800 m² Hochglas<br />
Schnittstauden, Schnittgrün Sommerschnitt,<br />
Tulpentreiberei, Beet- und<br />
Balkonpflanzen.<br />
<strong>Die</strong>nstleistung: Grabpflege, Gartenpflege,<br />
Innenraumbegrünung,<br />
Überwinterung von Kundenpflanzen,<br />
Floristik<br />
2 Floristinnen<br />
1 Gärtnergeselle<br />
2 Auszubildende<br />
1 Aushilfe<br />
auch von dort übernommen. Zum Felde<br />
schätzt die kompetente Präventions-<br />
arbeit der Außendienstmitarbeiter und<br />
hat sich daher auch für eine Betreuung<br />
durch den Sicherheitstechnischen <strong>Die</strong>nst<br />
der <strong>Gartenbau</strong>-BG entschieden. Dort<br />
fühlt er sich bestens aufgehoben. Er<br />
wird auf mögliche Gefahren im Betrieb<br />
nicht nur hingewiesen, sondern es werden<br />
auch Lösungen für die betriebliche<br />
Praxis angeboten. Beispielsweise wie<br />
sich die Ernte durch Umstellung der<br />
„Erntezüge“ einfacher und zudem sicherer<br />
durchführen lässt.<br />
Peter zum Felde hat die vor Jahren<br />
geführten Prozesse wegen der Zuständigkeit<br />
des Obstbaus zwischen der<br />
landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft<br />
und der <strong>Gartenbau</strong>-BG miterlebt.<br />
Als Gärtnermeister weiß er, dass der<br />
Im Betrieb Schmidt setzt man auf das Bonus-<br />
System. Fotos: GBG<br />
es bei der <strong>Gartenbau</strong>-BG ein Bonussystem<br />
gibt. „<strong>Die</strong>s ist einer von vielen<br />
Punkten, in dem wir uns von der Landwirtschaft<br />
unterscheiden. Der Bonus<br />
gibt dem Unternehmer den Ansporn für<br />
sich und seine Mitarbeiter in Sachen<br />
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz<br />
alles zu tun. Ein Arbeitsunfall kostet<br />
nicht nur die Berufsgenossenschaft<br />
Geld, sondern vorrangig dem Unternehmer<br />
durch die Ausfallzeiten.“<br />
Obsthof zum Felde, Jork<br />
Unternehmer: Peter zum Felde, seit<br />
1985<br />
19 ha Äpfel<br />
1 ha Süßkirschen (Bioanbau seit 2006)<br />
4 Saisonmitarbeiter für Obstschnitt<br />
15 Erntehelfer<br />
Obstbau aufgrund der intensiven Bodennutzung<br />
zum <strong>Gartenbau</strong> und nicht<br />
zur Landwirtschaft gehört. Er ist der<br />
Meinung: „Für mich ist Obstbau <strong>Gartenbau</strong>!<br />
Und wenn es in Sachen <strong>Gartenbau</strong>-<br />
BG doch gut läuft, warum dann etwas<br />
ändern?“
Alles aus einer Hand<br />
Für Frank Döring gilt nicht nur für<br />
die betrieblichen Abläufe, sondern<br />
auch für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz<br />
das Motto „Alles aus<br />
einer Hand – fachspezifisch, unbürokratisch<br />
und kundenorientiert“.<br />
Der 46-jährige Baumschulmeister betreibt<br />
seit 1994 zusammen mit seinem<br />
Bruder Klaus-<strong>Die</strong>ter eine Baumschule<br />
mit angeschlossenem GaLaBau-Betrieb.<br />
18 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen<br />
und diese haben zur Zeit gut zu<br />
tun. Rund 65 Prozent seiner Ware vermarktet<br />
Frank Döring direkt an Privatkunden.<br />
<strong>Die</strong> restlichen Pflanzen gehen<br />
entweder an die Kommunen oder werden<br />
im eigenen GaLaBau-Unternehmen<br />
verwendet, denn auch hier zählt nur<br />
Qualität. Schon vier Große Goldmedaillen<br />
hat die <strong>Gartenbau</strong>mschule mit ihren<br />
Produkten gewonnen – und die Teilnahme<br />
an der Bundesgartenschau ist natürlich<br />
Ehrensache.<br />
Besuch von einer Außendienstmitarbeiterin<br />
der BG. Sie kennt die gartenbaulichen Spezifika<br />
und richtet ihre Beratungs- und Besichtigungstätigkeit<br />
daran aus. Frank Döring<br />
spricht in beruflichen Belangen am liebsten<br />
mit Fachleuten. Fotos: GBG<br />
Für Frank Döring stehen Sicherheit<br />
und Gesundheit der Mitarbeiter im Vordergrund,<br />
denn diese sind sein Kapital.<br />
Durch die gezielten Informationen seiner<br />
Unfallversicherung gelingt es ihm<br />
ganz leicht, zu verdeutlichen, dass jeder<br />
im Betrieb für die Arbeitssicherheit verantwortlich<br />
ist.<br />
An der <strong>Gartenbau</strong>-BG findet er gut,<br />
dass die Außendienst-Mitarbeiter den<br />
<strong>Gartenbau</strong> in allen Facetten kennen und<br />
man in der Hauptverwaltung in Kassel<br />
kundenorientiert, schnell und unbürokratisch<br />
seine Angelegenheiten erledigt.<br />
<strong>Die</strong>se Erfahrung hat der Baumschulmeister<br />
nach einem Arbeitsunfall einer<br />
seiner Mitarbeiter gemacht. Und auch<br />
die Reha der Mutter oder die Mutter-<br />
Kind-Kur seiner Frau waren ohne große<br />
Umstände bewilligt worden.<br />
Gemeinsam handeln<br />
Ralf Gockel ist zweiter Vorsitzender<br />
der Fachgruppe Weihnachtsbaum-<br />
und Schnittgrünerzeuger im Landesverband<br />
<strong>Gartenbau</strong> Westfalen-Lippe<br />
e. V. Sein 500 Hektar großer Betrieb besteht<br />
aus vier Betriebsteilen, nämlich<br />
Handel, GaLa-Bau, Baumschule sowie<br />
Forst. Erzeugt werden hauptsächlich<br />
Weihnachtsbäume für den Verkauf in<br />
Gartencentern und an den Großhandel.<br />
Und das macht derzeit viel Arbeit. Gut<br />
wenn man dann auch viele helfende<br />
Hände zur Verfügung hat, beispielsweise<br />
aus der Familie. Mit im Unternehmen<br />
arbeiten die Tochter und der Sohn sowie<br />
drei Geschwister und zwei Schwäger<br />
– neben den 40 Festarbeitskräften<br />
und 50 Saisonarbeitern.<br />
Beeindruckt war der studierte Betriebswirt,<br />
dass die Altersrente seines<br />
Vaters innerhalb von drei Tagen bearbeitet<br />
und bewilligt wurde. Auch mit<br />
der Krankenkasse für den <strong>Gartenbau</strong><br />
sei er zufrieden und vor allem mit dem<br />
Angebot der Berufsgenossenschaft zur<br />
Höherversicherung.<br />
<strong>Die</strong> tägliche Arbeit in der Baumschule<br />
mit der Motorsäge oder beim Ver-<br />
laden der Weihnachtsbäume ist nicht<br />
ungefährlich, das weiß Ralf Gockel.<br />
BAUMSCHULEN 11<br />
Baumschule Döring GbR, Ahnatal<br />
Unternehmer: Frank u. Klaus-<strong>Die</strong>ter<br />
Döring, seit 1994<br />
Baumschule: 7,5 ha<br />
Nadelgehölze, Heckenpflanzen,<br />
Solitärgehölze, Alleebäume, Ziersträucher,<br />
Gehölzveredelung, Obstgehölze,<br />
Gehölzaussaaten<br />
6 Mitarbeiter, davon 3 Auszubildende<br />
GaLa-Bau inklusive Verkauf 2,5 ha<br />
(einschl. Containerstellflächen)<br />
12 Mitarbeiter, davon 2 Auszubildende<br />
Prävention nimmt er daher sehr wichtig.<br />
Aus diesem Grund hat er sich dem<br />
Sicherheitstechnischen <strong>Die</strong>nst der<br />
<strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft angeschlossen.<br />
Sein Sicherheitsbeauftragter<br />
wird regelmäßig vom Dezernat Prävention<br />
geschult.<br />
Als ein gutes Instrument zur Unfallverhütung<br />
sieht Ralf Gockel den Bonus<br />
an, durch den Unfallverhütung belohnt<br />
wird. <strong>Die</strong> Betreuung durch die <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
ist für ihn in Ordnung. „In Kassel<br />
landet man nicht in einem Call-Center“,<br />
lobt er. „Ich wünsche mir auch in<br />
Zukunft, einen direkten Draht zu den<br />
zuständigen Sachbearbeitern in Kassel<br />
zu haben. Außerdem möchte ich wie<br />
bisher branchenspezifische Beratungen<br />
durch Fachleute. Deshalb fordere ich<br />
meine Berufskollegen auf: Jetzt gemeinsam<br />
handeln und nicht erst abwarten!“<br />
Pflanzen Gockel GmbH, Bestwig<br />
Unternehmer: Ralf Gockel, seit 1998<br />
Baumschule: 500 ha Weihnachtsbäume<br />
40 Beschäftigte<br />
50 Saisonarbeiter<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
12 KOMMUNALE & FRIEDHOFSGÄRTNER<br />
Partnerschaftliche Prävention erhalten<br />
Insgesamt 13 Gold-, zehn Silber- und<br />
fünf Bronze-Medaillen gewannen die<br />
Pflanzen aus der Pfeddersheimer Gärtnerei<br />
bisher auf Bundesgartenschauen.<br />
Darauf ist Volker Schmitt stolz und<br />
auch auf die aufwändig und kreativ bepflanzten<br />
Gräber auf der BUGA. <strong>Die</strong><br />
zeigt er auch gern seinen Kunden, denn<br />
Volker Schmitt ist Friedhofsgärtner mit<br />
Leib und Seele, eine attraktive Grabgestaltung<br />
sein besonderes Anliegen.<br />
Dennoch produziert Schmitt noch<br />
selbst. Unter 1.200 m² Hochglas werden<br />
Weihnachtssterne, Frühjahrsblüher sowie<br />
Beet- und Balkonpflanzen gezogen.<br />
Vermarktet werden die Erzeugnisse<br />
ausschließlich über die eigenen zwei<br />
Ladengeschäfte und vier Friedhöfe, die<br />
von Volker Schmitt betreut werden.<br />
Auch der Grabaushub gehört zu den<br />
Aufgaben der Firma Schmitt, und zwar<br />
auf 13 Friedhöfen mit Erstbepflanzung,<br />
Grabpflege und Auf- und Abräumen der<br />
Grabstätten. Da kann auch schon mal<br />
ein Missgeschick passieren. Ein Mitarbeiter<br />
beschädigte vor Kurzem ein benachbartes<br />
Grab samt Abdeckung mit<br />
dem Baggerlöffel. Gegen solche Pannen<br />
hat sich die Gärtnerei aber bei der GemeinnützigenHaftpflichtversicherungsanstalt<br />
der <strong>Gartenbau</strong>-BG abgesichert.<br />
Binnen drei Tagen war der Schadensfall<br />
geregelt und bezahlt.<br />
Da die meisten Arbeiten auf den<br />
Friedhöfen mit körperlicher Kraft und<br />
nicht mit Maschinen erledigt werden,<br />
ist es dem Gärtnermeister wichtig, dass<br />
sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />
fit halten. Prävention und die betriebliche<br />
Gesundheitsförderung möchte<br />
er auch in Zukunft fördern. Im Herbst<br />
2010 hatte er sich eigens dazu Unterstützung<br />
von der BG in Person einer<br />
Rückentrainerin geholt, die ein arbeitsplatzbezogenes<br />
Rückenschultraining im<br />
Betrieb zeigte.<br />
Als Besitzer eines restaurierten Lanz<br />
Bulldogs weiß Volker Schmitt, dass<br />
Prävention hat hohen Stellenwert<br />
Der Technische Betrieb der Stadt<br />
Bochum entstand 2007 aus Grünflächenamt,<br />
Tiefbauamt, Sport- und<br />
Bäderamt. Er führt seither die Pflege<br />
und Unterhaltung der städtischen Liegenschaften<br />
im Auftrag der genannten<br />
Ämter durch.<br />
„Präventionsmaßnahmen in vielfältigster<br />
Form haben bei uns einen hohen<br />
Stellenwert, denn im operativen Geschäft<br />
lauern viele Gefahren durch Maschinen,<br />
bauliche Anlagen, bei der Pflege<br />
von Straßenbegleitgrün und im Straßenverkehr“,<br />
sagt Gerd Werdelmann,<br />
Leiter des Technischen Betriebs. Und<br />
weiter: „Wir stellen daher hohe Anforderungen<br />
an den Arbeits- und Gesundheitsschutz,<br />
schließlich sind unsere<br />
Mitarbeiter unser größtes Kapital.“<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
Volker Schmitt führt einen klassischen Familienbetrieb.<br />
Foto: GBG<br />
Durch umfangreiche Präventionsmaßnahmen<br />
hat der technische Betrieb<br />
bisher schwere Unfälle verhindern können.<br />
Heute werden nach Auswertung<br />
von Unfallstatistiken und mit Unterstützung<br />
der Sicherheitsfachkräfte Schwerpunkte<br />
in der Prävention gesetzt, insbesondere<br />
bei Arbeitsanweisungen, Unterweisungen<br />
und Weiterbildungsangeboten.<br />
Alle Führungskräfte werden in<br />
Inhouse-Seminaren der GBG zum Thema<br />
Verantwortung und Rechtsfolgen<br />
im Arbeitsschutz geschult, Gefährdungsbeurteilungen<br />
werden durchgeführt und<br />
regelmäßig überarbeitet. Dabei und<br />
auch in vielen anderen Belangen unterstützt<br />
die <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
die Behörde, z. B. beim Kauf<br />
von Spezialmaschinen und der betrieb-<br />
Qualität nicht immer ein Garant für den<br />
Fortbestand einer Marke ist. Gleiches<br />
befürchtet er auch mit Blick auf die<br />
branchenspezifische Prävention der<br />
<strong>Gartenbau</strong>-BG: „Bis jetzt erhalten wir<br />
bundesweit kompetente und schnelle<br />
Hilfe von unserer bundesweit tätigen<br />
Berufsgenossenschaft aus Kassel.“<br />
Ob das bei einem Bundesträger in<br />
Zukunft noch sichergestellt sein wird,<br />
bei dem bis jetzt nicht klar ist, ob<br />
die Entscheidungen für den <strong>Gartenbau</strong><br />
noch von Fachleuten aus dem Berufsstand<br />
getroffen werden, wagt er zu bezweifeln.<br />
Schmitt will sich aus diesem<br />
Grund für den Erhalt der Eigenständigkeit<br />
einsetzen. Sein Fazit: „Eine Reduzierung<br />
der Unfälle bringt echte Kos-<br />
tenersparnis! Dafür ist eine branchenbezogene<br />
und partnerschaftliche Präventionsarbeit<br />
erforderlich, die auch in<br />
der Zukunft gesichert sein muss.“<br />
Gärtnerei Schmitt,<br />
Worms – Pfeddersheim<br />
Unternehmer: Volker Schmitt,<br />
seit 1993<br />
1.200 m² Hochglas<br />
Weihnachtssterne, Frühjahrsblüher,<br />
Beet- und Balkonpflanzen<br />
12 Voll- und Teilzeitkräfte<br />
lichen Gesundheitsförderung. Dass sich<br />
Präventionsmaßnahmen immer bewähren,<br />
lässt sich beweisen, nämlich anhand<br />
der geringen bzw. so genannten<br />
leichten Arbeitsunfälle. Zudem profitiert<br />
die Stadt Bochum vom Bonussy-<br />
Technischer Betrieb Bochum<br />
Gesamtfläche: ca. 143 km²<br />
Grünanlagen: 6,3 k m²<br />
Friedhöfe: 220 Hektar<br />
Forstflächen: 220 Hektar<br />
Fläche an öffentlichen Gebäuden: 120<br />
Hektar<br />
300 Kinderspielplätze<br />
100 Sportplätze<br />
37.500 Straßenbäume<br />
630 Mitarbeiter<br />
240 Fahrzeuge
stem der GBG – und fürchtet in Zukunft<br />
höhere Beiträge, sollte dieses System<br />
im Zuge des LSV-Neuordnungsgesetz<br />
abgeschafft werden.<br />
Es wurden mit Hilfe der <strong>Gartenbau</strong>-<br />
Berufsgenossenschaft auch schon Gesundheitstage<br />
zu verschiedenen Themen-<br />
Schwerpunkten wie Rückenleiden, Heben<br />
BEWÄHRTES WIRD BELOHNT 13<br />
Durch AMS <strong>Gartenbau</strong> Wettbewerbsfähigkeit stärken<br />
Betriebe, die Arbeitssicherheit und<br />
Gesundheitsschutz von der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaftzertifizieren<br />
lassen, tun nicht nur etwas für<br />
die Beschäftigten, sondern auch für die<br />
Wettbewerbsfähigkeit.<br />
Heute setzen viele Auftraggeber ein<br />
Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS)<br />
bei einer Auftragsvergabe voraus. Durch<br />
eine entsprechende Zertifizierung können<br />
Betriebe dieser Forderung nachkommen<br />
und eine Bescheinigung über<br />
einen organisierten Arbeitsschutz vorlegen.<br />
Damit wird die Teilnahme an einer<br />
Reihe von Ausschreibungsverfahren<br />
erst möglich.<br />
Als erster Betrieb in Schleswig-Holstein<br />
reihte sich die Firma Erwin Rumpf<br />
GmbH & Co. KG in die Liste der Betriebe<br />
mit AMS <strong>Gartenbau</strong> ein. Der Betrieb<br />
wurde im Jahr 1957 von dem Gärtnermeister<br />
Erwin Rumpf in Nortorf gegründet.<br />
1972 traten die Söhne Karsten<br />
und Ingo Rumpf als weitere Geschäftsführer<br />
in das Unternehmen ein. Nach<br />
Auffassung von Ingo Rumpf ist die<br />
Einführung von AMS <strong>Gartenbau</strong> die<br />
logische Konsequenz auf die stetig<br />
und Tragen von Lasten, Ergonomie,<br />
Herz-Kreislauf Erkrankungen, Schlaganfall<br />
u.v.a.m. durchgeführt. <strong>Die</strong> GBG<br />
unterstützt außerdem Lehrgänge oder<br />
bietet Seminare kostenlos an. Das<br />
zur Verfügung gestellte Informations-,<br />
Schulungs- und Unterweisungsmaterial<br />
wird für alle Bereiche eingesetzt.<br />
steigenden Anforderungen der Auftraggeber.<br />
<strong>Die</strong> betriebliche Umsetzung<br />
von AMS <strong>Gartenbau</strong> erfolgte durch die<br />
Sicherheitsfachkraft Sonja Rumpf sowie<br />
Bernhard Korthorst als AMS-Beauftragter,<br />
der seit drei Jahren im Unternehmen<br />
tätig ist.<br />
Ingo Rumpf weiß um die Vorteile, die<br />
die Mitgliedschaft in der <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
mit sich bringt: „Ich bin froh, dass uns<br />
die Experten von der BG dabei unter-<br />
Im Jahr 2012 ist ein neues Projekt<br />
zum betrieblichen Gesundheitsmanagement<br />
gemeinsam mit GBG und Krankenkassen<br />
geplant: Durch Analyse der betriebsbezogenen<br />
Gesundheitsgefahren<br />
mit Befragung der Mitarbeiter sollen<br />
auch individuelle Probleme erkannt<br />
und entsprechende Maßnahmen in Zusammenarbeit<br />
mit der GBG veranlasst<br />
werden.<br />
Setzen Schwerpunkte in der Prävention:<br />
(von links) Andreas Roters von der <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
mit Wolfgang Schnell, Arbeitsschutzkoordinator,<br />
und Gerd Werdelmann, Leiter<br />
Technischer Betrieb Bochum. Fotos: GBG<br />
stützt haben, AMS umzusetzen, weil wir<br />
so den Anforderungen öffentlicher Aufträge<br />
optimal gerecht werden können.“<br />
Erwin Rumpf Garten- und Landschaftsbau<br />
GmbH & Co. KG,<br />
Nortorf<br />
Unternehmer: Ingo und Karsten Rumpf<br />
Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau<br />
120 Mitarbeiter<br />
AMS in Schleswig-Holstein: (von links) Bernhard Korthorst, Sonja Rumpf, Ingo Rumpf und<br />
BG-Mitarbeiter Thorsten Dökel. Foto: GBG<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
14 GARTEN- & LANDSCHAFTSBAU<br />
Gärtnerische <strong>Die</strong>nstleister gestalten mit Grün<br />
Das Gestalten und Pflegen von Gärten<br />
ist so alt wie die Kultur-<br />
geschichte, denn Gärten galten<br />
schon immer als Ausdruck der Kultur<br />
und der Gesellschaft. <strong>Die</strong> Gartenkunst<br />
spiegelte einen Teil der jeweiligen Stilrichtung<br />
wider. Entsprechend unterschiedlich<br />
waren auch die verwendeten<br />
Gestaltungselemente.<br />
Das Aufgabengebiet der Landschaftsgärtner<br />
hat sich über die Jahrhunderte<br />
hinweg den jeweiligen Stilrichtungen<br />
angepasst und beinhaltet eine Fülle von<br />
grünen <strong>Die</strong>nstleistungen. Heute bauen,<br />
entwickeln und erhalten Landschaftsgärtner<br />
die grüne Umwelt von morgen.<br />
Dazu gehören der Bau und die Pflege<br />
von Freianlagen aller Art: Außenanlagen<br />
an öffentlichen und gewerblich genutzten<br />
Gebäuden sowie im Wohnungs-<br />
und Siedlungsbau, innerstädtisches<br />
Grün, Parkanlagen, Sportplätze, Golfanlagen,<br />
Spielplätze und andere Freizeitanlagen<br />
zählen ebenso dazu wie die Begrünung<br />
von Bauwerken und vieles<br />
mehr.<br />
<strong>Die</strong> Bandbreite reicht von landschaftsgärtnerischen<br />
Maßnahmen an Verkehrsflächen<br />
sowie zur Verkehrsberuhigung<br />
<strong>Die</strong>se Erkenntnis beflügelte Reinhold<br />
Fehmer, der in den Nachkriegsjahren<br />
die Trümmerlandschaft<br />
Berlins und die abgeholzten<br />
Parkanlagen vor Augen hatte. Nach<br />
Ausbildung und Studium gründete der<br />
examinierte <strong>Gartenbau</strong>inspektor am<br />
1. Oktober 1962 seinen Betrieb in Berlin.<br />
Grüne Städte und Erholungsraum<br />
für die Menschen zu schaffen, waren<br />
der Antrieb für ihn und machten den<br />
Betrieb zu einem führenden mittel-<br />
ständischen Unternehmen in der Region<br />
Berlin und Brandenburg. Ein verantwortlicher<br />
Umgang mit natürlichen<br />
Ressourcen und das Gleichgewicht von<br />
Natur und Umwelt gehören seit jeher<br />
zur Firmenphilosophie.<br />
Auch nach dem Eintritt der Kinder<br />
Gundula und Karsten Fehmer in den<br />
Betrieb wurde dieser Grundgedanke<br />
fortgeführt. So gehören heute die Gestal-<br />
über Fußgängerzonen bis hin zu Arbeiten<br />
im Rahmen des Naturschutzes und<br />
der Landschaftspflege. Besonders in<br />
privaten Hausgärten und in der Baumpflege<br />
sind die Kompetenzen der Experten<br />
für Garten und Landschaft rund<br />
ums Bauen mit Grün gefragt.<br />
Über diese klassischen Tätigkeitsgebiete<br />
hinaus haben sich in den vergangenen<br />
Jahren zunehmend neue Arbeitsbereiche<br />
entwickelt. Dazu gehören der<br />
Bau von Schwimmteichen und Pflanzenkläranlagen,<br />
die Entsiegelung von<br />
Flächen, Regenwassermanagement und<br />
Freiflächenmanagement, die Neuanlage<br />
und Pflege seniorengerechter Gärten,<br />
der Einbau von automatischen Bereg-<br />
Gestaltung und Pflege von Gärten – so alt<br />
wie die Kulturgeschichte. Foto: BGL<br />
Grün steigert die Lebensqualität<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
tung öffentlichen und privaten Grüns<br />
sowie die Gestaltung gewerblichen Umfelds<br />
mit all seinen Facetten zu den<br />
Arbeitsgebieten des Familienunternehmens.<br />
<strong>Die</strong> Ausbildung des Berufsnachwuchses<br />
spielte dabei immer eine große<br />
Rolle. Mehr als 300 junge Menschen<br />
haben hier das Handwerk des Landschaftsgärtners<br />
erlernt. Viele von ihnen<br />
sind heute noch im Betrieb.<br />
2005 übergab der damals 75-jährige<br />
Reinhold Fehmer das Unternehmen<br />
endgültig an die Kinder Karsten und<br />
Gundula, die sich mit Helmut Querhammer<br />
einen kompetenten Mitgeschäftsführer<br />
in die GmbH holten. Der mittlerweile<br />
nach Falkensee ausgesiedelte<br />
Landschaftsbaubetrieb beschäftigt heute<br />
rund 100 Mitarbeiter.<br />
Gundula Fehmer ist von der Präventionsarbeit<br />
der <strong>Gartenbau</strong>-BG und deren<br />
nungsanlagen und Lichtinstallationen<br />
sowie ingenieurbiologische Bauweisen.<br />
In Verantwortung für Natur und<br />
Landschaft haben sich die gärtnerischen<br />
<strong>Die</strong>nstleister der Erhaltung und<br />
Förderung einer grünen Umwelt verpflichtet.<br />
Egon Schnoor, Unternehmer<br />
aus Syke und Vorsitzender des Tarifausschusses<br />
des Bundesverbandes Garten-,<br />
Landschafts- und Sportplatzbau<br />
(BGL): „Wir wissen die Kompetenz<br />
und Leistungsfähigkeit der <strong>Gartenbau</strong>-<br />
Berufsgenossenschaft mit der erfolgreichen<br />
Arbeit der Selbstverwaltung,<br />
die paritätisch mit den Vertretern der<br />
Beschäftigten die Richtlinien und Aufgaben<br />
im Bereich der Prävention bestimmen,<br />
zu schätzen.“<br />
Sie achten darauf, dass Sicherheitstechnischer<br />
<strong>Die</strong>nst und Technischer<br />
Aufsichtsdienst dienstleistungsorientierte<br />
Begleiter in Fragen der Prävention<br />
und des Umgangs mit Sicherheit und<br />
betrieblicher Gesundheit für die Unternehmen<br />
und ihre Beschäftigten sind.<br />
Sie entscheiden über einen solidarischen<br />
und risikobezogenen Beitrag<br />
und sorgen über das Bonussystem für<br />
einen gerechten Ausgleich.<br />
Sicherheitstechnischen <strong>Die</strong>nst überzeugt<br />
und möchte, dass dies auch in Zukunft<br />
so bleibt. Sie fordert aus diesem Grund<br />
die Beibehaltung der berufsständischen<br />
Selbstverwaltung: „Der Berufsstand<br />
braucht Unternehmer, die sich in der<br />
Selbstverwaltung für die Belange des<br />
<strong>Gartenbau</strong>s einsetzen.“<br />
Nachhaltigkeit als Firmenphilosophie:<br />
(von links) Helmut Querhammer, Karsten<br />
und Gundula Fehmer. Foto: GBG
Erfolgsrezept der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft:<br />
Paritätische Mitbestimmung<br />
Gute Nachrichten von der Sozialversicherung<br />
<strong>Gartenbau</strong>: <strong>Die</strong> Unfallmeldungen<br />
gehen zurück –<br />
und das bei steigenden Versichertenzahlen.<br />
„Einen zentralen Anteil am Erfolg<br />
der Unfallversicherung im <strong>Gartenbau</strong><br />
hat die engagierte ehrenamtliche<br />
berufsspezifische Präventionsarbeit von<br />
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern<br />
im Unfallverhütungsbeirat der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft.<br />
Dabei ist die<br />
Selbstverwaltung, die sich auf paritätische<br />
Mitbestimmung in allen Gremien<br />
stützt, ein entscheidendes Merkmal“,<br />
hebt Klaus Wiesehügel, Bundesvorsitzender<br />
der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt<br />
hervor. <strong>Die</strong> Organisationsstruktur<br />
der <strong>Gartenbau</strong>- Berufsgenossenschaft<br />
gilt seit langem als Vorzeigemodell<br />
in der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n<br />
Sozialversicherung. Unter dem Dach der<br />
<strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung<br />
verfügt sie über eine wirkliche Halb-<br />
Parität, bestehend aus 50 Prozent Arbeitnehmerseite<br />
und 50 Prozent Unternehmerseite.<br />
Auch die als vorbildlich anerkannten<br />
Präventionsinstrumente des Sozialversicherungsträgers<br />
<strong>Gartenbau</strong> sind Beleg<br />
einer erfolgreichen qualifizierten<br />
Mitbestimmung. <strong>Die</strong> Präventionsarbeit<br />
der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
zeichnet sich durch Praxisnähe und<br />
Branchenbezogenheit aus. Leitlinien für<br />
die Prävention, angepasst an die Veränderungen<br />
in der Arbeitswelt, erarbeitet<br />
der Unfallverhütungsbeirat immer wieder<br />
neu. Vor Ort ist die Präventionsarbeit<br />
qualitativ und quantitativ erfahrbar,<br />
durch Maßnahmen zur Reduzierung<br />
von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren<br />
im Betrieb oder die Minimierung<br />
des Unfallgeschehens mittels Seilklettertechnik.<br />
„Der strukturelle Wandel im <strong>Gartenbau</strong><br />
schreitet voran und der <strong>Die</strong>nstleistungsgartenbau<br />
gewinnt an Bedeutung.<br />
Der industrielle <strong>Gartenbau</strong> ist nicht<br />
mehr aufzuhalten. Gerade in einer solchen<br />
Umbruchsituation muss die berufsspezifische<br />
Prävention durch qualifizierte<br />
Mitbestimmung gewährleistet<br />
sein“, so Klaus Wiesehügel.<br />
<strong>Die</strong> Erfolge der halbparitätisch besetzten<br />
Unfallverhütungsgremien des<br />
<strong>Gartenbau</strong>s sollten in der Konstituierung<br />
eines gemeinsamen Bundesträgers<br />
der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung<br />
durch eine Übertragung auch<br />
auf die Land- und Forstwirtschaft ausgeweitet<br />
werden.<br />
Ein Verharren auf dem System der<br />
Drittel-Parität hilft den betroffenen Versicherten<br />
in der Land- und Forstwirtschaft<br />
nicht weiter. Im Gesetz zur Neuordnung<br />
der Organisation des Unfallschutzes<br />
der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung<br />
muss die 50-Prozent-<br />
Parität zuallererst in den Beiräten zum<br />
Tragen kommen, um ein an der Prävention<br />
orientiertes agrarsoziales Sicherungssystem<br />
zu gewährleisten. Wenn<br />
dieses Verfahren sich bewährt, sollte<br />
die Vertreterversammlung folgen. Im<br />
<strong>Gartenbau</strong> muss der Schwerpunkt Prävention<br />
in der Unfallverhütung erhalten<br />
bleiben. Auch im Rahmen eines Bundesträgers<br />
mit Beteiligung der paritätisch<br />
zusammengesetzten Selbstverwaltung<br />
müssen berufsspezifische Entscheidungen<br />
getroffen werden können.<br />
Klaus Wiesehügel<br />
Vorsitzender der IG BAU.<br />
Foto: IG BAU<br />
IG BAU 15<br />
Präventionsarbeit reduziert Unfälle, wie etwa bei der Seilklettertechnik. Foto: GBG<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
16 VER.DI<br />
Präventiv, paritätisch und eigenständig –<br />
die <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft muss erhalten bleiben<br />
Seit 1912 – 99 Jahre – hat die <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
in hervorragender<br />
Weise Präventions-<br />
arbeit betrieben, das Unfallgeschehen<br />
analysiert, Unfallverhütungsvorschriften<br />
entwickelt und mehr als die normalen<br />
Aufgaben einer Unfallversicherung<br />
erfüllt.<br />
Durch Prävention und fachliche Beratung<br />
wurde und wird die Gesundheit<br />
der Beschäftigten, deren Arbeit schwierig,<br />
körperlich anstrengend und auch<br />
gefährlich ist, geschützt.<br />
<strong>Die</strong> Bilanz der Arbeitgeber: niedrige<br />
Krankenstände und geringe Kosten.<br />
Auch die Allgemeinheit – vor allem die<br />
Sozialkassen – profitieren vom Erhalt<br />
der Gesundheit der Arbeitnehmerinnen<br />
und Arbeitnehmer. <strong>Die</strong>se Leistung der<br />
Berufsgenossenschaft in einer von<br />
vielen kleinen und mittleren Betrieben<br />
und den öffentlichen <strong>Gartenbau</strong>- und<br />
Forstbetrieben geprägten Branche wird<br />
durch ständig wachsende Versicherungszahlen<br />
und die steigende Zahl von<br />
Mitgliedsbetrieben honoriert.<br />
<strong>Die</strong> wesentliche Ursache für den<br />
Erfolg der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
liegt in der paritätischen Selbst-<br />
Foto: ver.di<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
verwaltung. Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter<br />
können in gleicher Zahl<br />
und auf gleicher Augenhöhe miteinander<br />
diskutieren und um die beste Lösung<br />
ringen. Ein solches Miteinander<br />
prägt auch die Kultur des Umgangs in<br />
den Mitgliedsbetrieben und Kommunen,<br />
wenn es um gute Arbeit für die Beschäftigten<br />
und damit auch um gute<br />
<strong>Die</strong>nstleistungen geht.<br />
<strong>Die</strong>ses hervorragende Beispiel sozialpartnerschaftlicher<br />
Selbstverwaltung<br />
wird durch den aktuellen Gesetzentwurf<br />
der Bundesregierung grundsätzlich<br />
in Frage gestellt. Seit 2008 wird an<br />
einer gemeinsamen Struktur für die<br />
<strong>Landwirtschaftliche</strong> Sozialversicherung<br />
gearbeitet. Nun hat der Gesetzgeber die<br />
Katze aus dem Sack gelassen: Auf Drängen<br />
des Bauernverbandes soll ein Bundesträger<br />
für die <strong>Landwirtschaftliche</strong><br />
Sozialversicherung geschaffen werden,<br />
in dem nach einer Übergangsphase die<br />
<strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft als eigenständiger<br />
Träger der Sozialversicherung<br />
verschwinden würde. Sinken würde<br />
die Bedeutung der Präventionsarbeit<br />
in der <strong>Gartenbau</strong>branche, verschwinden<br />
würde eine Institution, die sich bewährt<br />
hat und gute <strong>Die</strong>nstleistungen für<br />
ihre Mitglieder erbringt. Verloren gehen<br />
würden das Wissen und Können der Beschäftigten,<br />
die sich dann in einer größeren<br />
Struktur zurechtfinden müssten.<br />
Aber vor allem würde über diesen Weg<br />
die paritätische Selbstverwaltung abgeschafft<br />
und durch eine drittelparitätisch<br />
besetzte Vertreterversammlung ersetzt<br />
werden. Der Beirat, der für den <strong>Gartenbau</strong><br />
bestehen bleiben soll, wäre in seinem<br />
Bestand über das Jahr 2017 hinaus<br />
nicht gesichert. Der Strukturwandel<br />
in der Landwirtschaft geht auch hin<br />
zur Landschaftspflege, zum hochwertigen<br />
Garten- und Landschaftsbau. Angesichts<br />
der von den Beschäftigten<br />
und den Betrieben her schrumpfenden<br />
Landwirtschaft wäre es ein Unding,<br />
eine gut funktionierende Struktur zu<br />
Gunsten des Lobbyismus der Gestrigen<br />
zu opfern.<br />
Es gibt kein gutes und stichhaltiges<br />
Argument, eine durch erfolgreiche Sozi-<br />
Frank Bsirske<br />
Vorsitzender der Gewerkschaft<br />
ver.di.<br />
Foto: ver.di<br />
alpartnerschaft auf gleicher Augenhöhe<br />
bestimmte Genossenschaft abzuschaffen.<br />
Darum muss die paritätische Selbstverwaltung<br />
im <strong>Gartenbau</strong> auch im Rahmen<br />
eines Bundesträgers erhalten bleiben.<br />
Damit muss die Zuständigkeit für die<br />
Prävention ebenso erhalten bleiben wie<br />
die für Haushalt, Finanzen und Personal.<br />
Im Rahmen des Bundesträgers<br />
muss die Vertretung für die Gewerkschaften,<br />
für die Vertreterinnen und<br />
Vertreter der ver.di erhalten bleiben.<br />
ver.di setzt sich nachdrücklich für gute<br />
Arbeit durch Prävention, für Parität und<br />
den Erhalt der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
ein.<br />
Sozialpartnerschaft – so Bundes-<br />
präsident Wulff beim Bundeskongress<br />
– hat Deutschland gestärkt. Darum ist<br />
der Kampf für den Erhalt der <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
eine beispielhafte Auseinandersetzung<br />
dafür, ob Sozialpartnerschaft<br />
von der aktuellen Mehrheit im Bundestag<br />
ernst genommen wird.
Stimmen aus der <strong>Gartenbau</strong>-Branche<br />
Frank Döring:<br />
An der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
finde ich gut, dass die Außendienst-Mitarbeiter<br />
den <strong>Gartenbau</strong> in<br />
allen Facetten kennen und meine Angelegenheiten<br />
kundenorientiert, schnell<br />
und unbürokratisch erledigen.<br />
Ralf Gockel:<br />
Ich wünsche mir auch in Zukunft, einen<br />
direkten Draht und möchte ich<br />
wie bisher branchenspezifische Beratungen<br />
durch Fachleute. Deshalb<br />
fordere ich: Jetzt gemeinsam handeln<br />
und nicht erst abwarten!<br />
Egon Schnoor:<br />
Wir wissen die Kompetenz und Leistungsfähigkeit<br />
der <strong>Gartenbau</strong>-BG mit<br />
der erfolgreichen Arbeit der Selbstverwaltung,<br />
die paritätisch mit den Vertretern<br />
der Beschäftigten die Richtlinien<br />
und Aufgaben im Bereich der<br />
Prävention bestimmen, zu schätzen.<br />
Frank Bsirske:<br />
<strong>Die</strong> wesentliche Ursache für den Erfolg<br />
der <strong>Gartenbau</strong>-BG liegt in der paritätischen<br />
Selbstverwaltung. Arbeitnehmer-<br />
und Arbeitgebervertreter können<br />
in gleicher Zahl und auf gleicher<br />
Augenhöhe miteinander diskutieren<br />
und um die beste Lösung ringen.<br />
ERFOLGREICH – MIT RECHT 17<br />
Volker Schmitt:<br />
Eine Reduzierung der Unfälle bringt<br />
echte Kostenersparnis! Dafür ist eine<br />
branchenbezogene und partnerschaftliche<br />
Präventionsarbeit erforderlich,<br />
die auch in der Zukunft gesichert sein<br />
muss.<br />
Erich Hanuschke:<br />
In der <strong>Gartenbau</strong>-BG sind wir Mitglieder<br />
der ersten Stunde. Für mich ist<br />
nichts anderes denkbar. Allein wegen<br />
der Betreuung durch den Sicherheitstechnischen<br />
<strong>Die</strong>nst.<br />
Klaus Wiesehügel:<br />
<strong>Die</strong> Organisationsstruktur der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
gilt seit<br />
langem als Vorzeigemodell in der<br />
<strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung.<br />
Andreas Hornung:<br />
Bei den Anforderungen zum QS-Global-GAP<br />
konnten wir auf die kompetente<br />
Information, Beratung und<br />
die Hilfestellung der <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
zurückgreifen. Hier stehen Gärtner<br />
Gärtnern zur Seite.<br />
Uwe Schmidt:<br />
Neben der guten Betreuung finde ich<br />
es positiv, dass es bei der <strong>Gartenbau</strong>-<br />
BG ein Bonussystem gibt.<br />
Rudolf Strobel:<br />
Wir sind Gärtner und keine Landwirte.<br />
<strong>Die</strong> Besonderheiten des <strong>Gartenbau</strong>s<br />
müssen auch in der berufsständischen<br />
Unfallversicherung deutlich<br />
werden.<br />
Gundula Fehmer:<br />
Ich fordere die Beibehaltung der berufsständischen<br />
Selbstverwaltung. Der<br />
Berufsstand braucht Unternehmer, die<br />
sich in der Selbstverwaltung für die<br />
Belange des <strong>Gartenbau</strong>s einsetzen.<br />
Ingo Rumpf:<br />
Ich bin froh, dass uns die Experten<br />
von der <strong>Gartenbau</strong>-BG dabei unterstützt<br />
haben, AMS umzusetzen, weil<br />
wir so den Anforderungen öffentlicher<br />
Aufträge optimal gerecht werden können.<br />
Peter zum Felde:<br />
Für mich ist Obstbau <strong>Gartenbau</strong>! Und<br />
wenn es in Sachen <strong>Gartenbau</strong>-BG<br />
doch gut läuft, warum dann etwas<br />
ändern?<br />
Gerd Werdelmann:<br />
Präventionsmaßnahmen in vielfältig-<br />
‚ster Form haben bei uns einen hohen<br />
Stellenwert, denn im operativen Geschäft<br />
lauern viele Gefahren.<br />
<strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft zeichnet Prävention aus<br />
Freudestrahlend nahm Unternehmer<br />
Albrecht Bühler (Mitte) den TASPO<br />
Award 2011 der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft<br />
„Gesund und fit im Betrieb“<br />
aus der Hand von Jürgen Mertz<br />
(2. von links), Vorstandsvorsitzender<br />
der Sozialversicherung <strong>Gartenbau</strong>, entgegen.<br />
Moderatorin Nazan Eckes (rechts)<br />
freute sich mit den Gewinnern.<br />
In seinem Betrieb „Baum und Garten“<br />
in Nürtingen legt Bühler besonderen<br />
Wert auf den Gesundheitsaspekt.<br />
Sicherheit ist ein entscheidender Faktor<br />
für den Unternehmer. Daher nutzt er<br />
regelmäßig die Schulungen der <strong>Gartenbau</strong>-Berufsgenossenschaft.<br />
Zum Einstieg<br />
erhält zudem jeder neue Mitarbeiter<br />
eine eigene Schutzausrüstung. Sicherheit<br />
sei gleich bedeutend mit Geborgenheit,<br />
so die Überzeugung im Unternehmen.<br />
Strahlende Sieger bei den diesjährigen TASPO Awards. Foto: www.taspoawards.de<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
18 LSV NOG – DAS ÄNDERT SICH<br />
Was wird dem <strong>Gartenbau</strong> verloren gehen?<br />
Im Interview antwortet Jürgen Mertz, Vizepräsident des Zentralverbandes <strong>Gartenbau</strong> (<strong>ZVG</strong>)<br />
und Vorstandsvorsitzender der Sozialversicherung <strong>Gartenbau</strong>, auf einige der wichtigsten Fragen zu den<br />
möglichen Auswirkungen für die Branche <strong>Gartenbau</strong>. Mit der Einführung eines einzigen Bundesträgers<br />
für Landwirtschaft und <strong>Gartenbau</strong> zum Januar 2013 sind weit reichende Veränderungen für den <strong>Gartenbau</strong><br />
verbunden.<br />
� Wann wird der Bundesträger entstehen?<br />
Im Referentenentwurf ist die Einführung<br />
des Bundesträgers zum 1. Januar<br />
2013 vorgesehen. Mit der Errichtung<br />
des Bundesträgers wird dieser der<br />
Rechtsnachfolger aller bisherigen Träger.<br />
<strong>Die</strong> wesentlichen Entscheidungen<br />
werden dann in Zukunft durch die<br />
Selbstverwaltung des Bundesträgers<br />
getroffen.<br />
� Wie wird der <strong>Gartenbau</strong> im Bundesträger<br />
vertreten sein?<br />
Im Referentenentwurf ist – lediglich<br />
für eine Übergangszeit bis 2017 – in<br />
einem 18-köpfigen Vorstand die Vertretung<br />
des <strong>Gartenbau</strong>s durch einen Arbeitgebervertreter<br />
und einen Arbeitnehmervertreter<br />
vorgesehen.<br />
In die Vertreterversammlung, die<br />
insgesamt aus 81 Personen bestehen<br />
soll, kann der <strong>Gartenbau</strong> für diese Zeit<br />
neun Personen entsenden.<br />
Ob und in welchem Umfang der<br />
<strong>Gartenbau</strong> sich mit seinen Anliegen<br />
durchsetzen kann, wird sicherlich von<br />
Themen und Sachargumenten abhängen,<br />
kann aber bei strittigen Fragen<br />
sicher gleich null gesetzt werden.<br />
� Welche Möglichkeiten räumt der<br />
Gesetzgeber dem <strong>Gartenbau</strong> überhaupt<br />
noch ein, selbstverwaltend<br />
tätig zu sein?<br />
<strong>Die</strong> Übergangsregelungen bis 2017<br />
sehen für alle bisherigen Träger und<br />
damit auch für den <strong>Gartenbau</strong> einen<br />
Beirat vor, der über spezifische Fragen<br />
der Prävention sowie die Festsetzung<br />
von Umlagen und Beiträgen beraten<br />
kann und ein Vorschlagsrecht hat.<br />
Von diesen Vorschlägen können<br />
allerdings die Gremien der Selbst-<br />
verwaltungsorgane mit einer Mehrheit<br />
von 60 % der Stimmen abweichen –<br />
sicher keine ausreichende Sicher-<br />
heit für die spezifischen Anliegen des<br />
<strong>Gartenbau</strong>s.<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011<br />
� Sehen Sie Perspektiven für einen<br />
weiteren Bürokratieabbau in einem<br />
Bundesträger?<br />
Wir haben in der Verwaltung der<br />
Sozialversicherung für den <strong>Gartenbau</strong><br />
vieles unternommen, um auf die Belange<br />
der Versicherten und der Unternehmen<br />
einzugehen und sich als <strong>Die</strong>nstleister<br />
zu verstehen. Dazu gehören schlanke<br />
Prozesse bei der Datenerhebung<br />
ebenso wie das Onlineangebot mit Erreichbarkeit<br />
rund um die Uhr.<br />
Eine Weiterentwicklung des Konzeptes<br />
ist seit der Übernahme der Informationstechnologie<br />
durch den Spitzenverband<br />
in 2009 auf diesem Gebiet nicht<br />
erkennbar. Es bleibt abzuwarten, wie<br />
sich die Verwaltung des neuen Bundesträgers<br />
aufstellen wird.<br />
Sollten aber strukturelle Veränderungen<br />
künftig regelmäßig gemeldet<br />
werden müssen, so sehe ich darin keinen<br />
Beitrag zur Entbürokratisierung –<br />
jedenfalls nicht für die Betriebe und<br />
auch nicht für die Verwaltung.<br />
� <strong>Die</strong> Aufgaben der Sozialversicherung<br />
sind doch wie die Leistungen<br />
quasi per Gesetz definiert. Wo sehen<br />
Sie das Angebot an <strong>Die</strong>nstleistungen<br />
gefährdet?<br />
Wenn gute <strong>Die</strong>nstleistungen erhalten<br />
bleiben sollen, ist es erforderlich, dass<br />
die <strong>Gartenbau</strong>-BG immer über das<br />
nötige gärtnerische Spezialwissen verfügt.<br />
Denn das vielfältige Produkt- und<br />
Leistungsspektrum der <strong>Gartenbau</strong>betriebe<br />
sowie die schnellen Entwicklungen<br />
im technischen und kulturtechnischen<br />
Bereich erfordern dies. Mir<br />
macht daher die zukünftige Qualität<br />
der Leistung Sorgen. Nicht nur die<br />
Technikerinnen und Techniker in der<br />
Prävention haben umfangreiches Spezialwissen<br />
im <strong>Gartenbau</strong>, sondern auch<br />
die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter<br />
für Mitgliedschaft, Beitrag und<br />
Leistungen.<br />
Dazu beigetragen hat sicher auch,<br />
dass es möglich war, die <strong>Gartenbau</strong>betriebe<br />
bundesweit fachlich fundiert zu<br />
betreuen und nicht mit Blick auf die Region.<br />
Wenn in Zukunft, so wie im Gesetz<br />
dargestellt, eine ortsnahe Betreuung erfolgen<br />
soll, habe ich Sorge, ob diese Qualität<br />
der Betreuung erhalten bleiben wird.<br />
� Wieso blicken Sie mit besonderer<br />
Sorge auf das Jahr 2017?<br />
Der Erhalt der gärtnerischen Einheit<br />
mit den Betrieben der verschiedenen<br />
Sparten am bundeszentralen Standort<br />
Kassel ist durch den jetzt vorgelegten<br />
Gesetzesentwurf akut gefährdet.<br />
Während es für die Zeit bis zur nächsten<br />
Sozialwahl 2017 noch den Beirat<br />
für den <strong>Gartenbau</strong> und gärtnerische<br />
Vertreter in den Gremien des Bundesträgers<br />
geben soll, die Einblick in Daten<br />
und Fakten erhalten und zumindest ihre<br />
Stimme erheben können, lässt sich heute<br />
überhaupt noch nicht sagen, wie sich<br />
die Situation 2017 darstellt.<br />
<strong>Die</strong> Beiräte sollen danach wegfallen,<br />
die Vertreterversammlung aus maximal<br />
60 Personen bestehen, der Vorstand des<br />
Bundesträgers …? Mit der Einordnung<br />
von Ein-Mann-Betrieben in die Gruppe<br />
der Selbstständigen ohne fremde Arbeitskräfte<br />
betritt der <strong>Gartenbau</strong> absolutes<br />
Neuland. Sie waren bisher eindeutig<br />
Arbeitgeber.<br />
<strong>Die</strong> Vertreter werden dann im Rahmen<br />
einer Sozialwahl gewählt. Ohne<br />
eine klare Zuordnung, welche Wahlberechtigten<br />
zum Bereich <strong>Gartenbau</strong> gehören,<br />
ist es vorstellbar, dass selbst<br />
eine geeinte <strong>Gartenbau</strong>liste kaum eine<br />
Chance hat, arbeitgeberseitig Vertreter<br />
in die Gremien nach 2017 zu bringen.<br />
Was man aber sagen kann ist, dass<br />
es den <strong>Gartenbau</strong> in seiner derzeitigen<br />
Konstellation in der Sozialversicherung<br />
nicht mehr geben wird – außer die Politik<br />
schafft die entsprechenden gesetzlichen<br />
Rahmenbedingungen.
Was soll die Politik für den <strong>Gartenbau</strong> tun?<br />
Dem gärtnerischen Berufsstand<br />
kommt es darauf an, auch in<br />
einem einheitlichen Bundesträger<br />
in der <strong>Landwirtschaftliche</strong>n Sozialversicherung<br />
die bisher erfolgreiche<br />
Arbeit fortsetzen zu können. Dazu gehören,<br />
neben der fachlich kompetenten<br />
bundesweit einheitlichen Betreuung der<br />
Arbeitgeber und Arbeitnehmer aller<br />
<strong>Gartenbau</strong>betriebe, die spezielle Prävention<br />
sowie ein sachgerechter Beitragsmaßstab<br />
– und das begleitet von<br />
einer fachkompetenten paritätischen<br />
Selbstverwaltung. <strong>Die</strong>s sehen wir durch<br />
die geplanten gesetzgeberischen Maßnahmen<br />
nicht mehr gewährleistet.<br />
Hier muss nachgebessert werden. <strong>Die</strong>s<br />
bedeutet nicht, dass der gärtnerische<br />
Berufsstand den Bundesträger ablehnt.<br />
Auch innerhalb eines Bundesträgers<br />
muss es möglich sein, bundesweit gewachsene<br />
Strukturen zu erhalten und<br />
eine bestehende, leistungsfähige Einheit<br />
nicht zu zerstören.<br />
Will die Politik das bestehende, von<br />
vielen Seiten positiv bewertete System<br />
der Sozialversicherung für den <strong>Gartenbau</strong><br />
erhalten, muss gegenüber dem bestehenden<br />
Gesetzesentwurf Folgendes<br />
geändert werden:<br />
� Der für den <strong>Gartenbau</strong> nur als Übergangslösung<br />
vorgesehene Beirat ist<br />
dauerhaft zu installieren.<br />
� Der Beirat ist paritätisch zu besetzen,<br />
um eine angemessene Vertretung der<br />
Mitarbeiter unter den 650.000 Ver-<br />
sicherten des <strong>Gartenbau</strong>s sicherzu-<br />
stellen.<br />
� <strong>Die</strong> Zuständigkeiten für den Beirat<br />
müssen im Gesetz festgeschrieben werden.<br />
Dabei ist sicherzustellen, dass<br />
auch weiterhin eine Erarbeitung von<br />
Unfallverhütungsvorschriften für alle<br />
<strong>Gartenbau</strong>betriebe durch den fachkompetent<br />
besetzten Beirat <strong>Gartenbau</strong> erfolgt.<br />
<strong>Die</strong> Schwerpunktsetzung und<br />
Ausgestaltung der Arbeit des Sicherheitstechnischen<br />
<strong>Die</strong>nstes sowie das<br />
Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS)<br />
gehören ebenso dazu, wie das Vorschlagsrecht<br />
für die Weiterentwicklung<br />
des gerechten, verwaltungsarmen und<br />
dennoch solidarischen Beitragsmaß-<br />
stabs auf der Basis von realen Arbeitswerten.<br />
� Dem Beitragssystem der <strong>Gartenbau</strong>-<br />
Berufsgenossenschaft wird im Gutachten<br />
von Professor Dr. Bahrs Vorzüglichkeit<br />
attestiert – sowohl hinsichtlich des<br />
Arbeitswerts als auch der Gefahrenklassen.<br />
Es ist daher sicherzustellen,<br />
dass dieser zukunftsweisende Maßstab<br />
für alle <strong>Gartenbau</strong>betriebe erhalten<br />
bleibt. Das ist nur möglich, wenn dies<br />
im Gesetz durch die entsprechende<br />
Kompetenzzuweisung an den Beirat<br />
<strong>Gartenbau</strong> sichergestellt wird.<br />
� Innerhalb der Selbstverwaltung des<br />
Bundesträgers muss eine ausreichende<br />
Vertretung des <strong>Gartenbau</strong>s arbeitgeber-<br />
und arbeitnehmerseitig über das Jahr<br />
2017 hinaus sichergestellt werden. Nur<br />
so können sektorspezifische Problemstellungen<br />
des <strong>Gartenbau</strong>s angemessen<br />
in die Gremienberatungen des Bundesträgers<br />
einfließen. <strong>Die</strong> in der Vergangenheit<br />
für den <strong>Gartenbau</strong> wichtige<br />
Steigerung von Effektivität und Wirtschaftlichkeit<br />
kann damit unterstützt<br />
werden.<br />
� Eine bundeszentrale Betreuung muss<br />
im Sinne einer fachkompetenten Unterstützung<br />
der <strong>Gartenbau</strong>betriebe gleichrangig<br />
neben einer ortsnahen ermöglicht<br />
werden.<br />
� <strong>Die</strong> sich dem <strong>Gartenbau</strong> zuordnenden<br />
Betriebe der gärtnerischen<br />
Sparten – insbesondere auch im Bereich<br />
Obst und Gemüse – müssen die<br />
Möglichkeit haben, auch künftig die<br />
fachliche Betreuung bundeszentral<br />
durch die Geschäftsstelle <strong>Gartenbau</strong><br />
wählen zu können.<br />
BLICK NACH VORN 19<br />
� <strong>Gartenbau</strong>betriebe sind auch mit<br />
deutlich geringeren Flächen als landwirtschaftliche<br />
Betriebe Vollerwerbsbetriebe.<br />
Bei den festzulegenden Grenzen<br />
der Versicherungspflicht in der Alterskasse<br />
muss daher sichergestellt werden,<br />
dass für <strong>Gartenbau</strong>betriebe – wie<br />
bisher – andere Mindestgrößengelten<br />
als für landwirtschaftliche Betriebe.<br />
Um diese für den <strong>Gartenbau</strong> wesentlichen<br />
Punkte zu berücksichtigen, hatte<br />
der Berufsstand den Bearbeitern des<br />
Gesetzentwurfes ein Modell vorgeschlagen,<br />
das in der Spitze eines Bundesträgers<br />
den Sektor <strong>Gartenbau</strong> als eine<br />
von mehreren denkbaren Sektionen<br />
abbildet.<br />
Darin könnte auch in Zukunft eine<br />
einheitliche Behandlung und Betreuung<br />
aller <strong>Gartenbau</strong>betriebe sichergestellt<br />
werden, gleichgültig ob diese nun ausschließlich<br />
produzieren, Handels- und<br />
<strong>Die</strong>nstleistungsfunktionen aufweisen<br />
oder – was für die Mehrzahl der Betriebe<br />
zutreffen wird – mehrere Leistungen<br />
kombinieren.<br />
<strong>Die</strong> bisherige Stärke, trotz vielschichtiger<br />
Strukturen mit wenigen Gefahrenklassen<br />
auszukommen, ist dem Beitragsmaßstab<br />
auf der Basis des Arbeitswertes<br />
geschuldet. <strong>Die</strong>s erspart in vielen<br />
Fällen die Aufteilung der versicherten<br />
Personen auf unterschiedliche Gefahrenklassen<br />
und damit den Betrieben<br />
Verwaltungsaufwand. Der Arbeitswert<br />
lässt sich ohne Probleme mit den heute<br />
üblichen kaufmännischen Möglichkeiten<br />
ermitteln, unbürokratisch für Unternehmen<br />
und Verwaltung.<br />
Moderner Betrieb aus der Vogelperspektive. Foto: GBG<br />
GARTENBAU REPORT SONDERAUSGABE 2011
Wir Gärtner – für unsere BG!<br />
Heinrich Hiep<br />
August Forster<br />
Gerhard Schulz<br />
Karl-Heinz Plum<br />
Egon Schnoor<br />
engagiert<br />
kollegial<br />
Franz Schmaus<br />
Bernd Hopp<br />
Jan-<strong>Die</strong>ter Bruns<br />
fachlich fundiert<br />
Heinz Herker<br />
Lüder Nobbmann<br />
Andreas Lohff<br />
Beate Zillmer<br />
zentral<br />
Joachim Hespeler<br />
Birgit<br />
Ehlers-Ascherfeld<br />
bundesweit<br />
Ulrich Haage<br />
Jürgen<br />
Herrmannsdörfer<br />
Axel Pürkner<br />
Eckhard<br />
Heinemann<br />
kompetent<br />
Mirko Lettberg<br />
Roland Albert<br />
Alexandra<br />
Berchtenbreiter<br />
Lutz Grille<br />
Frank Viebranz<br />
demokratisch