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FernUni Perspektive | Sommer 2017

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Seite 18 FernUni Perspektive Studierende und Alumni Prof. Dr. Oliver Gürtler VWL-Prof löst Problem „stabiler Hochzeiten“ im Fernstudium Für seine berufliche Laufbahn braucht er den Abschluss an der FernUniversität in Hagen nicht mehr, trotzdem hat Prof. Dr. Oliver Gürtler mit Ehrgeiz seinen Bachelor-Abschluss in Mathematik abgelegt. Der 38-Jährige lehrt seit 2009 im Bereich Volkswirtschaftslehre an der Uni Köln: „In der VWL modellieren wir wirtschaftliches Verhalten über mathematische Modelle, insofern lehre und forsche ich in einem recht mathematisch geprägten Feld.“ Nebenfach angerechnet Seine Kenntnisse waren ausreichend, aber nicht erschöpfend. Der Wissenschaftler kniete sich rein und las zunächst Fachbücher. Schnell merkte er: „Ohne Druck von außen geht es nicht. Also habe ich mich zum Wintersemester 2011/12 an der FernUni in den Bachelor eingeschrieben und es möglichst vielen erzählt. Das provozierte Nachfragen zum Stand meines Mathe-Studiums.“ Ein wenig war Oliver Gürtler darüber entlastet, dass er sich sein VWL-Studium als Nebenfach anrechnen lassen konnte. Selbstdisziplin musste er dennoch aufbringen und vornehmlich die Wochenenden – Samstag war ein regelmäßiger Lerntag – reservieren. Da es seine freiwillige Entscheidung war, studierte er intrinsisch motiviert und zielgerichtet. Mit seinem beruflichen Hintergrund empfand er das Fernstudium als „perfekt“. Prof. Oliver Gürtler (Foto: Lisa Beller) „Heimspiel“: Klausurort Köln Was Gürtler entgegen kam: Für die Klausuren musste er nicht weit reisen. „Da hatte ich mit Köln meistens ein Heimspiel“, lacht er während des Telefoninterviews. „Ich habe sogar mal in einem Hörsaal geschrieben, in dem ich sonst Vorlesungen halte…“ Seine eigenen Studierenden hat er allerdings nicht als Kommilitoninnen oder Kommilitonen der FernUni getroffen. Statt dessen andere interessante Menschen: „Ich bin nach (Foto: Thinkstock, Pixelnest) wie vor beeindruckt davon, wie heterogen die Studierendenschaft an der FernUni ist. Der eine studiert als Apotheker, der nächste als Schüler. Seminare oder Studientage waren immer spannend.“ Engagierte Bachelor-Arbeit Besonders viel Ehrgeiz investierte der professorale Student in seine Bachelor-Arbeit bei Prof. Dr. Winfried Hochstättler aus dem Lehrgebiet Diskrete Mathematik und Optimierung: „Stabile Hochzeiten in polygynandrischen Gesellschaften“. Ausgangspunkt der Arbeit war der Algorithmus, mit dem glücksversprechende Paarungen von Männern und Frauen berechnet werden können. „Dieses Modell wurde erweitert und untersucht, unter welchen Umständen etwa eine Gruppe von Männern einer Gruppe von Frauen sinnvoll zugeordnet werden kann“, erläutert Oliver Gürtler. Die mathematische Theorie vom langfristigen Beziehungsglück. Ein weiteres Anwendungsbeispiel: Die Fußballnationalmannschaft möchte Freundschaftsspiele veranstalten. Es gilt, innerhalb eines begrenzten Zeitraums eine begrenzte Anzahl von Spielen zu terminieren. „Es sollen für eine Mannschaft mehrere Spielpartner gefunden werden“, beschreibt Gürtler. Wie wirkt sich das FernUni-Studium generell auf seine eigene Lehre und Forschung aus? „Ich bin in der Lehre anspruchsvoller geworden und stelle höhere Erwartungen an Studierende, was Engagement und Motivation betrifft. Es beeinflusst eher meine Forschung. Hier fließen mathematische Methoden nun stärker ein.“ aw Julia Marre Wenn der Theater-Vorhang fehlt Wer war die unbekannte Gärtnerin, die Hermann Hesses Haus kaufte? Bei ihren Recherchen für eine Reisereportage über den Bodensee stieß Julia Marre (36) aus Kiel auf das Anwesen des Literaturnobelpreisträgers. Acht Jahre lang lebte Hesse hier seinen Traum von einem ländlichen Zuhause. Sein Anwesen verkaufte er 1912 an eine unbekannte Gärtnerin. Julia Marre nahm die wissenschaftliche Spur auf, die sie von ihrem früheren Wohnort am Bodensee ausgerechnet ins Stadtarchiv ihrer Heimatstadt Hameln führte. Spätestens jetzt war ihr Interesse geweckt, mehr über die Hamelnerin, die Hermann Hesses Haus kaufte, herauszufinden. Mit Bachelor-Arbeit Forschungslücke entdeckt Nicht nur im Fall der unbekannten Gärtnerin verknüpft die FernUni- Absolventin Journalismus und Wissenschaft. Theater, Literatur, Musik, Kunst und Reisen – das ist ihre Welt. Parallel zu ihrem Beruf als Feuilletonredakteurin studierte Julia Marre daher Kulturwissenschaften an der FernUniversität in Hagen. Auf das Thema ihrer Bachelor-Arbeit stieß sie bei ihren zahlreichen Theaterbesuchen. „Ich besuche berufsbedingt viele Schauspielhäuser und bin auch privat ein großer Theaterfan“, berichtet Julia Marre, der das zunehmende Verschwinden des Theatervorhangs auffiel. Mit ihrer Annäherung an den Bedeutungswandel des Theatervorhangs an deutschen Schauspielhäusern hat sie eine Forschungslücke entdeckt. Der deutsche Theater-Verlag hat ihre Bachelor-Arbeit „Wenn der Vorhang fehlt“ jetzt in der Fachliteratur-Reihe „Standorte“ veröffentlicht. „Aus dem dekorativen Unterteilungselement ist auch ein Instrument zur Ver- und Enthüllung geworden und mittlerweile eines, das dem Publikum im gegenwärtigen Theater in schier unendlichen Variationen begegnet“, sagt Julia Marre. Während in einer Komödie ein Vorhang unbedingt dazu gehöre, habe das antiillusionistische Theater diesen komplett abgeschafft. Kommando Karottenbrei Heute, drei Jahre nach ihrem Studienabschluss, arbeitet Julia Marre freiberuflich als Feuilletonredakteurin, Autorin und Bloggerin für verschiedene Verlage in Deutschland und der Schweiz. „Gedanken zwischen Kind und Kunst“ macht sie sich in ihrem kreativen Blog Kommando Karottenbrei. Als Mutter einer kleinen Tochter ist sie so zeitlich flexibel und kann Beruf und das Familienleben an der Kieler Förde gut verbinden. Diese Flexibilität, verschiedene Interessen und Aufgaben miteinander zu kombinieren, hat sie auch an ihrem Fernstudium geschätzt. „Ich habe nie mit einem festen Stundenplan gelernt“, blickt sie zurück. Julia Marre (Foto: SoulPicture) „Studium und Vollzeitjob, das war nur an der FernUni möglich. Ich wollte nie aufhören zu arbeiten.“ Eine durchaus harte Zeit. Als Kulturredakteurin der Deister- und Weserzeitung in Hameln hatte sie unregelmäßige Arbeitszeiten, war häufig auch abends und an den Wochenenden beruflich unterwegs. Feste Lerngruppen und Lernzeiten passten daher nicht in ihren Alltag. Als Einzelkämpferin nutzte sie ihre individuellen Freiräume zum Lernen: „Mit viel Disziplin habe ich das hingekriegt.“ Beratung und Betreuung online genutzt Geholfen haben ihr vor allem die Unterstützungs- und Beratungsangebote, die sie online nutzen konnte. Auch die Vielfalt der Prüfungsorte kam ihr entgegen. „Von Berlin bis Göttingen – ich habe meine Klausuren überall in Deutschland geschrieben“, verband sie die Prüfungen gern mit Kurztrips und Besuchen bei Bekannten. Mit dem Bachelor-Abschluss hat sich Julia Marre ihren Studienwunsch erfüllt, der Master kommt für sie nicht mehr in Frage. Denn momentan ist sie mit Familie und Beruf voll ausgelastet. Das wissenschaftliche Arbeiten aber ist ihr durch ihr Fernstudium ans Herz gewachsen. Mit der unbekannten Gärtnerin aus Hameln hat sie ein neues wissenschaftliches Thema entdeckt. Die Gärtnerin Clara Auffermann und der Bodensee – wer war diese Frau? Diese Wissenslücke will Julia Marre nun aufarbeiten. Als Journalistin und als Wissenschaftlerin. can

FernUni Perspektive Seite 19 Alumnifeiern in Hagen Ansturm der Absolventinnen und Absolventen Zwei Alumni-Veranstaltungen an einem Ort zu gleichen Zeit: Weil mehr als 130 erfolgreiche Studierende zu der Veranstaltung des Regionalzentrums Hagen kommen und ihre Lieben mitbringen wollten, waren 340 Personen angemeldet. Kein Raum der FernUniversität in Hagen ist dafür groß genug. „Eine solche Resonanz haben wir noch nicht erlebt“, freute sich die Leiterin des Regionalzentrums, Svenja Gummersbach. Innerhalb kürzester Zeit wurden aus einer Feier zwei gleichzeitige Veranstaltungen. Die Gäste wurden von Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert und Prof. Dr. Garbiele Zwiehoff, Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, begrüßt. Anschließend hielten diese im jeweils anderen Raum eine Festansprache. Höhepunkte waren die Ehrungen. In der Feier für die Alumnae und Alumni der Mathematik und Informatik, der Rechtswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft sprach Absolventin Michaela Thulke. Sie ist seit 2016 Masterabsolventin der Fakultät Wirtschaftswissenschaft, wo sie heute als Wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet. Den Weg bis zum Abschluss beschrieb sie als eine lange Autoreise. Dass diese „Fahrt“ auch beschwerlich sein und der Motor versagen kann, verschwieg sie nicht: „Wenn dann ein Pannenhelfer vorbeikommt und sagt: ‚Ich glaub‘ an dich!‘ ist das unbezahlbar. Es ist jetzt an der Zeit, diesen Pannenhelfern zu danken“, sagte sie zu den Angehörigen gewandt.“ Bei der Feier für die Kultur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler schilderte Meike Häger, Bachelor-Absolventin Bildungswissenschaft, ihre „kleinen Startschwierigkeiten“: „Als die erste Sendung Studienbriefe bei mir eintraf, dachte ich, dass es sich um das Material der nächsten drei Semester handeln würde.“ Das gesamte Studium war für sie von Höhen und Tiefen geprägt: „Aber ein Abbruch kam für mich zu keiner Zeit infrage. Jede bestandene Prüfung oder Hausarbeit motivierte mich weiterzumachen.“ Zudem fühlte sie sich immer gut betreut. Vor allem der meist virtuelle Austausch mit ihren Mitstudierenden half ihr. Obwohl das Studium sehr anspruchsvoll war, studiert Meike Häger jetzt im Master Bildung und Medien. Als Studienberaterin der FernUni kann sie heute aus eigener Erfahrung Studierenden besser helfen. Dass Alumni starke Nerven brauchen, hatte auch die Rektorin betont. Daher freute sie sich sehr, dass viele, die die Studierenden unterstützt hatten, mitgekommen waren. Nach den Worten von Prof. Dr. Gabriele Zwiehoff sind die Absolventinnen und Absolventen mit ihrem Abschluss bestens ausgerüstet, denn sie haben Fachliches ebenso gelernt wie wissenschaftliches Arbeiten. „Das stattet Sie aus mit wichtigen Fähigkeiten: reflektierend und damit kritisch an Unbekanntes heranzutreten, urteilsfreudig und urteilsfähig zu agieren.“ Da Erfolgreiche Studierende aus Kultur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Informatik, Rechtswissenschaft… …sowie Wirtschaftswissenschaft feierten ihre Abschlüsse in Hagen. (Fotos: FernUniversität, Pressestelle) Niklas Reusch Zweigleisig auf der Überholspur „Ich habe mit zehnminütigen Konzentrationsübungen angefangen während der Bachelorarbeit, ansonsten hatte ich aber keine besonderen Tricks beim Lernen“, verrät Niklas Reusch. Eigentlich kaum zu glauben bei dem rasanten Tempo, Niklas Reusch (3.v.li.) gratulierten Markus Prehn (Bürgerstiftung Krefeld), Gregor Micus (Beigeordneter der Stadt Krefeld), Jutta Roßbach (Leiterin des Studienzentrums), Dieter Weckmann (Mentor im Studienzentrum) und Jochen Rausch (Bürgerstiftung). (Foto: Lothar Strücken, Presseamt Krefeld) das der 19-Jährige aus Mettmann in der Nähe von Düsseldorf vorlegte: Eben erst hatte er mit Bravour sein Abitur bestanden, kurz darauf schob er auch schon seinen Bachelorabschluss im Fach Informatik an der FernUniversität in Hagen hinterher, an dem er parallel zur Schule gearbeitet hatte. Der junge Absolvent wurde während seines Fernstudiums mit Erfolg im Rahmen des Projekts „SchülerUni“ des Studienzentrums Krefeld gefördert. In der Schule fühlte sich Niklas Reusch einfach nicht mehr richtig ausgelastet. „Ich wollte etwas haben, das mich herausfordert“, sagt er im Rückblick. Schon in der dritten Klasse hatte er begonnen, sich mit Programmiersprachen auseinanderzusetzen. „Ich habe damals selbst versucht, Computerspiele zu programmieren“, erinnert sich Niklas Reusch. Innerhalb seiner Schule fand sein Wissensdrang jedoch kaum Resonanz, denn das Unterrichtsangebot deckte das Thema Informatik nicht ab. Der begeisterte Hobby-Programmierer ließ sich davon nicht entmutigen und machte sich kurzerhand auf die Suche nach externen Lehrangeboten. Fündig wurde er beim Akademiestudium der FernUniversität. Er zögerte nicht und schrieb sich im Wintersemester 2013/14 für erste Informatik-Kurse ein. „Das Angebot der FernUni hat mir das Studium überhaupt erst ermöglicht“, bilanziert Niklas Reusch. Gezielt gefördert in Krefeld Kurz nach Beginn seines Studiums wurde der begabte Jugendliche vom Studienzentrum Krefeld der Hochschule kontaktiert und in das Projekt „SchülerUni“ aufgenommen. Zum Wintersemester 2013/14 überführte der Jungstudierende sein Akademiestudium dann in einen abschlussorientierten Studiengang mit dem Ziel „Bachelor of Science“. Nicht zuletzt wegen der passenden Förderung durch das Studienzentrum stellte der Lernalltag kein Problem für Niklas Reusch dar: „Ich würde die Belastung nicht als stark einschätzen, weil mir das Thema einfach sehr viel Spaß gemacht hat.“ Zu neuen Ufern Neben rein theoretischen Fragestellungen hat Niklas Reusch schon ein Auge auf die Praxis geworfen: In seiner Abschlussarbeit mit dem Titel „Kontextbasiertes Messaging für Handwerkskooperation“ entwickelte er einen speziellen Chat, der später Bestandteil einer App für Handwerksbetriebe sein soll, die die Koordination auf Kleinbaustellen erleichtert. Niklas Reusch träumt davon, sich irgendwann mit einer guten Idee selbstständig zu machen. Bis dahin will er aber auf jeden Fall noch seinen Master in Informatik anschließen. Entweder im Ausland oder – falls er ein gutes Jobangebot erhalten sollte – weiterhin an der Fern- Universität. br