ALFRED SCHLACHER - Willingshofer EDV

willingshofer.edv.at

ALFRED SCHLACHER - Willingshofer EDV

ALFRED SCHLACHER

1907 - 1979

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Herausgeber:

Dorf – und Gemeindeentwicklungsverein 8616 Gasen

mit Unterstützung der Gemeinde und der Pfarre Gasen

sowie der Raiffeisenbank Birkfeld

Für den Inhalt verantwortlich:

Elisabeth Leskovar, Helmut Schlacher

Gasen, Oktober 2007

Alle Rechte vorbehalten

Layout:

Willingshofer EDV, Gasen

Druck:

Colorcopy Birkfeld


O B E R S C H U L R A T

A L F R E D S C H L A C H E R

1 9 0 7 - 1 9 7 9

V O L K S S C H U L D I R E K T O R

K I R C H E N M U S I K E R

H E I M A T F O R S C H E R

V O L K S B I L D N E R

G A S N E R

E H R E N B Ü R G E R

E H R E N R I N G T R Ä G E R

Z U M 1 0 0. G E B U R T S T A G

G E W I D M E T V O N D E R G E M E I N D E G A S E N

OKTOBER 2007

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Inhaltsverzeichnis

Zum Geleit.......................................................................................... 7

Vorwort............................................................................................... 9

VOM LEBEN ALFRED SCHLACHERS

Lebenslauf 1907 - 1979.................................................................... 10

Ehrungen und Auszeichnungen........................................................ 12

Wie Vater die Zeit des Nationalsozialismus erlebt hat..................... 13

Brief an Johanna Schlacher............................................................... 17

ÜBER DAS WIRKEN ALFRED SCHLACHERS

Bericht der Schulleitung über die Ehrenbürgerfeier......................... 18

Nachruf des Bundes Neuland........................................................... 23

Hanns Koren: Aus der Hörfunksendung

„In memoriam Alfred Schlacher“..................................................... 26

Othmar Pickl: Alfred Schlacher, der Korrespondent der

Historischen Landeskomission .........................................................28

AUS DEN SCHRIFTEN ALFRED SCHLACHERS

Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1928 und 1929 ................30

Im Gasner Bergland (1930) ..............................................................49

Brief vom 23. Mai 1945 - Im Gefangenenlager Rimini ...................55

ERINNERUNGEN AN ALFRED SCHLACHER

Adelheid Pöllabauer, geb. Lang .......................................................60

Anton Arzberger, vlg. Amschlegger .................................................63

Berta Schwaiger, geb. Sallegger .......................................................63

Blasius Peßl sen. ..............................................................................64

Cilli Baumgartner, geb. Straßegger ..................................................64


Elfriede Schantl, geb. Rath ...............................................................66

Erna Ganahl, geb. Knoll ...................................................................68

Franz Haubenwallner ........................................................................70

Franz Pöllabauer, vulgo Hochegger ..................................................72

Grete Saller, geb. Pessl .....................................................................73

Grete Willingshofer, geb. Haid .........................................................74

Hilde Schönbacher, geb. Grahsl ........................................................76

Ing. Peter Pöllabauer .........................................................................77

Hans Reiter, Altbürgermeister ..........................................................78

Margarethe Königshofer, geb. Lang .................................................80

Maria Willingshofer, geb. Pöllabauer ...............................................81

Peter Pölzl, vulgo Schoberer ............................................................83

Peter Putz ..........................................................................................84

Rosa Rießlegger, geb. Straßegger .....................................................88

Schwester Klara Brunnhofer .............................................................88

Sepp Haubenwallner, vulgo Oberer Bergbauer ................................90

Stefanie Ryavec, geb. Willingshofer .................................................90

Theresia Tösch, geb. Köberl .............................................................92

Wallfahrten und Bildungsreisen .......................................................93

ANHANG

1907-2007 Das Gasner Schulhaus ist 100 Jahre alt ..........................96

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Zum Geleit

Die Gemeinde Gasen gratuliert Frau Elisabeth

Leskovar und Herrn Prof. Helmut Schlacher

herzlich zur Erstellung dieser besonderen

Festschrift, anlässlich des 100. Geburtstages

unseres verdienten Ehrenbürgers OSR Alfred

Schlacher. Er war eine außergewöhnliche Per-

sönlichkeit, der, als Zwanzigjähriger „zugereist“,

eine tiefe Heimatverbundenheit und

Heimatkenntnis zu Gasen aufbauen konnte.

Er hatte den Drang, alle verfügbaren Unterlagen über unseren

Heimatort auszuheben und die Schönheiten und Eigenheiten unseres

Bergbauerndorfes aufzuschreiben, um die Prägung und Persönlichkeitsentwicklung

der „heutigen Gasner“ durch Geschichte, Landschaft,

Arbeit, Katastrophen, etc. zu erklären und nachzuvollziehen.

Die Pädagogik war seine Berufung, und so stellte er schon damals als

Lehrer eine gesamtheitliche Bildung der Menschen in den Mittelpunkt.

Nicht nur Fachwissen allein ist wichtig, um im Leben bestehen zu

können – unsere Kultur, die Zusammenhänge im ländlichen Raum,

die Aufgabenverteilung zwischen Alt und Jung, die Wertschätzung

der Heimat und damit verbunden ein starker katholischer Glaube sind

wesentliche Grundsteine für eine funktionierende Gesellschaft und

Demokratie.

All diese Zusammenhänge sind auch für unser heutiges Pfarr-

und Gemeindeleben nach wie vor gültig und wichtig, und so wird

OSR Alfred Schlacher als Vordenker weiterhin Ansporn für unsere

Zukunftsgestaltung und unser gemeinsames Tun sein.

Er gründete die Bäuerliche Fortbildungsschule, seine Heimatbücher

gehören zu den besten historischen Aufzeichnungen der Steiermark.

So sollen diese Schrift, aber auch die Gedenktafel, ein Dank für sein

Lebenswerk und seine Bemühungen für unseren Heimatort sein und

zur Erinnerung an einen großen Gasner Bestand haben.

Für den Gemeindevorstand,

LAbg. Bgm. Erwin Gruber

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Vorwort

Unser Vater OSR Alfred Schlacher wäre am 27. Oktober 2007 hundert

Jahre alt. Im Namen seiner Kinder haben wir und die Gemeinde Gasen

dies zum Anlass genommen, ihm zu Ehren eine Gedenkschrift herauszugeben,

damit den jetzigen und künftigen Generationen das Lebensbild

eines Menschen erhalten bleibt, der für diese Landschaft prägend

war. Er hatte 51 Jahre in Gasen gelebt und gewirkt, davon 42 Jahre als

Lehrer.

Dankenswerterweise gibt es Texte von Weggefährten Schlachers,

welche die Bedeutung dieser Persönlichkeit für den Ort und das

Land dokumentieren.

Alfred Schlacher soll auch selbst zu Wort kommen. Aus seinen

Aufzeichnungen haben wir persönliche, religiöse und zeitgeschichtliche

Schriften genommen, die seine Lehrer- und Volksbildnergestalt

beleuchten. Wenn der Stil einiger Texte für die heutige Zeit manchmal

eigentümlich klingt, so möge dies als historische Kostbarkeit geschätzt

werden.

Schließlich ist es sehr erfreulich, dass ehemalige Schüler dem

Aufruf, Erinnerungen an ihren Lehrer aufzuschreiben, gefolgt sind.

Ein herzlicher Dank für alle Beiträge und Anekdoten!

So möge allen Gasnerinnen und Gasnern und darüber hinaus allen

geschichtlich Interessierten diese Schrift ein Geschenk sein, das uns

Alfred Schlacher zu seinem Geburtstag hinterlassen hat.

Elisabeth Leskovar, geb. Schlacher,

Helmut Schlacher

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VOM LEBEN ALFRED SCHLACHERS

Lebenslauf 1907 – 1979

27. Oktober 1907 Geboren in Graz, Andritz

23. Juni 1926 Reifeprüfung am II. Bundesgymnasium Graz

30. September 1927 Zeugnis der Reife für Volksschulen der Bun-

des-Lehrerbildungsanstalt in Graz

1. Nov. 1927 Prov. Lehrer in St. Ruprecht a.d.Raab

1. April 1928 Prov. Lehrer in Gasen

6. November 1929 Lehrbefähigungszeugnis für allgemeineVolks-

schulen der Prüfungskommission für allge-

meine Volks- und Bürgerschulen in Graz

1. Juni 1930 Definitiver Lehrer an der Volksschule Gasen

9. August 1931 Hochzeit mit Johanna Strassegger


9. Oktober 1931 Volksbildungsheim St. Martin, Graz: Zeugnis

über Lehrerkurs zur Einführung in die bäuer-

liche Volkskunde und Volkspädagogik und in

die Wirksamkeit an der Bäuerlichen Fortbil-

dungsschule

November 1931 Gründung der Bäuerlichen Fortbildungsschule

in Gasen mit 60 Schülern

1. September 1935 Betrauung mit der Schulleitung der Volks-

schule Gasen

1. Februar 1936 Oberlehrer an der Volksschule Gasen

17. Oktober 1939 Degradierung zum Lehrer, Schulleiter bis

Februar 1943

Feb.1943 – Sep. 1945 Wehrdienst und Gefangenschaft

12. September 1945 Versetzung nach Rettenegg

11. Dezember 1945 Rückversetzung nach Gasen

11. Jänner 1946 Betrauung mit der Schulleitung, und der

Bäuerlichen Berufsschule für Burschen in

Gasen

1. Februar 1953 Volksschuldirektor

1. September 1966 Verwendung am Polytechnischen Lehrgang

der Volksschule Gasen

31. Dezember 1970 Versetzung in den dauernden Ruhestand

2. Jänner 1979 Todestag

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Ehrungen und Auszeichnungen

• Bezirksschulrat Weiz: Dank und Anerkennung, 25. Juli 1949

• Volksbildungsheim St. Martin: Dank und Anerkennung,

29. März 1952

• Bundesministerium für Unterricht: 1953, 1955, 1958, Belohnung

in Anerkennung des erfolgreichen und vorbildlichen Wirkens im

Lehrdienste

• Bezirksschulrat Weiz: Dank und Anerkennung, 19. August 1954

• Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Graz: Verleihung

der Kammermedaille in Bronze, 26. Juni 1955

• Bundesministerium für Unterricht: Dank und Anerkennung für die

Verdienste um die literarische Erziehungsarbeit des Buchklubs der

Jugend, 1959 und 1969; Verleihung der Dankesplakette, 1964

• Landesschulrat für Steiermark: Dank und Anerkennung,

26. Oktober 1961

• Landeshauptmann von Steiermark: Verleihung der Medaille für

Volksbildung, 1. Oktober 1963

• Bundespräsident: Verleihung des Titels Oberschulrat, 5. Juni 1964

• Steiermärkische Landesregierung: Bestellung zum Archivpfleger

für das Gebiet der Bezirkshauptmannschaft Weiz, 19. Mai 1969

• Landesschulrat für Steiermark: Dank und Anerkennung,

3. November 1970

• Gemeinderat Gasen: Ernennung zum Ehrenbürger und Verleihung

des Ehrenringes der Gemeinde Gasen, 29. April 1977

• Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft in Graz: Verleihung

der Kammermedaille in Silber, 18. Juni 1977

• Österreichischer Kameradschaftsbund, Ortsverband Gasen: Verlei-

hung der Bronzenen Verdienstmedaille, 23. Juli 1977

• Kameradschaft „Feldmarschall Radetzky“: Verleihung der Sil-

bernen Verdienstmedaille am grün-goldenen Bande, 18. Sept. 1977

• Historische Landeskommission für Steiermark: Ernennung zum

Korrespondenten der Historischen Landeskommission für Steier-

mark für den Bereich Gasen, 13. Dezember 1978


Wie Vater die Zeit des Nationalsozialismus erlebt hat

Aus den Aufzeichnungen in der Mappe:

„10 Jahre politischer Stellungskampf“

„Von 1927 bis zu ihrem Ende war ich Mitglied der Christlichsozialen

Partei. Von 1933 bis 1938 führte ich die „Vaterländische Front“ in

Gasen.

Im Oktober 1939 wurde ich vom Oberlehrer zum Lehrer degra-

diert, konnte aber bis zum Einrücken im Februar 1943 Schulleiter

bleiben.“

Was diese Herabsetzung bedeutet, geht aus dem Schreiben des Reichsstatthalters

vom 25. April 1939 hervor:

„Ich beabsichtige, Sie auf Grund des § 5, Abs. 1, S. 1 und 2, der

Verordnung zur Neuordnung des österreichischen

Berufsbeamtentums vom

31. Mai 1938, RGBl. I S. 607, auf einen

anderen Dienstposten einer niedrigeren

Dienstklasse Ihres Dienstzweiges zu

versetzen.

Hievon werden Sie mit dem Bemerken

verständigt, dass Sie gemäß

§ 5, Abs. 3, der bezogenen Verordnung gegen die beabsichtigte Maßnahme

innerhalb eines Monates Einwendungen vorbringen und Ihre

Versetzung in den dauernden Ruhestand beantragen können.“

Weil Vater sich natürlich nicht nach 11 Dienstjahren in Pension

schicken lassen wollte, wurde er dann am 17. Oktober 1939 degradiert.

Der eigentliche Grund, Vater zu demütigen, war seine christliche

Einstellung.

„Am 12. März 1938 war auswärtige SA (1) auf dem Wege, mich abzuführen.

Lehrer Daum, Ottendorf, hielt sie ab, weil meine Frau damals

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zum 4. Kind schwanger war. Die Oberlehrerstelle in Gasen wurde

verschiedenen Nationalsozialisten angeboten, es ging aber keiner in

das entlegene Dorf. Nur so konnte ich am Ort bleiben. Da sich kein

Illegaler (2) für Betreuungsarbeiten fand, wurde ich als „Notnagel“

herangezogen. Später wurden aus diesen anfangs losen Fürsorgearbeiten

regelmäßige NSV-Arbeiten (3). Die NSV-Dienststelle des wegen

seiner Kleinheit erst später zur Ortsgruppe gewordenen Stützpunktes

Gasen war nicht zu vergleichen mit Dienststellen in größeren

Ortsgruppen. Illegale aus Gasen und Birkfeld revoltierten wiederholt

gegen den „Schwarzen“ in der NSV-Dienststelle. Die Ortsgruppenleitung

der NSDAP (4), froh, mich für die undankbare Betreuungsarbeit

zu haben, drängte auf Antragstellung der Parteimitgliedschaft,

um dadurch die Illegalen zu beschwichtigen. Ich war damals, wie die

ganze nationalsozialistische Ära, in Gasen nur auf Abruf. Der Ort

war für meine große Familie als Heimat meiner Frau wertvoll, so

konnte ich mich nicht weigern und so kam meine „Bewerbung“ um

die Parteimitgliedschaft zustande“.

Er wurde immer mehr gedrängt „die Verbindung zum Pfarrhof“ aufzugeben,

d.h., aus der Kirche auszutreten. Gefragt wurde vom Kreisleiter

an die Ortsgruppe der NSDAP, „ob er noch immer in die Kirche

gehe, ob seine Kinder in der Jugendorganisationen des Führers stehen,

wie seine Frau eingestellt ist, wie er seine Kinder erzieht“.

Am 1. März 1939 wurde ihm verboten, die Nebenbeschäftigung als

Organist auszuüben. 1940 trug Vater dem Schulrat Hinteregger sein

Ansuchen vor, aus dem Lehrberuf auszusteigen. Hinteregger war so

bestürzt, dass er diese Entscheidung nicht annahm.

Vaters antinationalsozialistische Haltung bestärkte ihn, in Kollegenkreisen

die nationalsozialistischen Theorien, vor allem die Thesen

Rosenbergs mit Hilfe kirchlicher Schriften zu widerlegen.

Bei der Wehrmacht war Vater mit Prof. Weiser aus Graz die ganze

Zeit in der gleichen Heereseinheit zusammen. Weiser schreibt: „Ich

selbst habe mit ihm von den ersten Wochen unserer Bekanntschaft –


Frühjahr 1943 – an viele politische und weltanschauliche Gespräche

geführt, aus denen ich den Eindruck gewann, dass Herr Schlacher

Österreicher, praktischer Katholik und Feind jedweder Gewaltherrschaft

ist. In den Nöten und Sorgen des Krieges waren uns diese Aussprachen

Trost zum Durchhalten, sodass mir gerade dadurch Herr

Schlacher zum Freund wurde.“

Wie sehr sich Vater, der zur Wehrmacht eingezogen wurde, um seine

Familie daheim sorgte, geht aus den Briefen hervor, die er uns geschrieben

hat. Außerdem verfasste Vater während der Wehrmachtszeit

Rundbriefe religiös–pazifistischen Inhaltes und schickte sie an seine

Kollegin Olga Ribitsch, welche die Rundbriefe vervielfältigte und

verbreitete.

Umso schmerzlicher musste es den Heimkehrer treffen, dass ihm,

der eindeutig auf der Seite der Gegner des nationalsozialistischen

Regimes gestanden ist, die Tätigkeit bei der NSV Anlass für seine

Strafversetzung nach Rettenegg wurde. Auf Betreiben vieler Freunde

und der drei Bürgermeister des Schulsprengels Gasen wurde Vater

endlich, am 11. Dezember 1945 nach Gasen rückversetzt.

Hier eine Kopie des Textes der drei Bürgermeister:

Bescheinigung

Es wird bescheinigt, daß der Schulleiter und def. Oberlehrer Alfred

Schlacher in Gasen seit je ein Gegner des Nationalsozialismus war.

Als solcher war er von Mai 34 bis März 38 Führer der österr. Erneuerungsbewegung

in Gasen und wurde deshalb nach dem Umsturz 38

bestraft. Die verfügte Strafversetzung wurde nur deshalb nicht durchgeführt,

weil sich für den entlegenen Posten in Gasen kein nat. soz.

Lehrer fand. So blieb es bei der Degradierung zum Lehrer an Ort

und Stelle. Die Übernahme der NSV-Geschäfte und die Parteimitgliedschaft

(seit Juli 41) ist erklärlich aus dem Druck der Verhältnisse

(schwebende Strafversetzung, Sorge um eine zehnköpfige Familie)

und als rein äußerliche Angelegenheit zu werten.

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Schlacher ist seit 17 Jahren in Gasen Lehrer. Die ganze Bevölkerung

ist sehr verbunden mit ihm. Da Schlacher jetzt plötzlich nach Rettenegg

versetzt werden soll, so wird von den drei Gemeindevertretungen

Gasen, Amaßegg und Sonnleitberg, die zum Schulsprengel Gasen gehören,

höflichst ersucht, von der Versetzung Abstand zu nehmen. Die

drei Gemeindevertretungen bringen auch gleichzeitig den Wunsch der

gesamten Bevölkerung zum Ausdruck.

Die drei Gemeindevertretungen äußern nochmals den Wunsch, dass

Schlacher in Gasen weiterverbleibt, da er bei der gesamten Bevölkerung

sehr beliebt ist und auch in politischer Hinsicht stets als einwandfrei

zu bezeichnen war.

Der Bürgermeister der Gemeinde Gasen

gez. Anton Frieß

Der Bürgermeister der Gemeinde Amaßegg

gez. Köberl

Der Bürgermeister der Gemeinde Sonnleitberg

gez. Grabenbauer

Helmut Schlacher

Anmerkungen:

1) SA = Sturmabteilung. Paramilitärische Kampforganisation der NSDAP

2) Illegaler = Mitglied der NSDAP, in Österreich nach 1934 verboten

3) NSV = Nationalsozialistische Volkswohlfahrt

4) NSDAP = Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei


Brief an Johanna Schlacher

Heuer jährt sich der Geburtstag deines Mannes zum hundertsten Mal.

Deine Kinder und der ganze Ort Gasen feiern dieses Gedenken. Es

wird eine Gedenktafel errichtet, eine Festschrift für den Ehrenbürger

und Ehrenringträger der Gemeinde verfasst, damit sein Tun weiterlebt

und nicht in Vergessenheit gerät. Das ist gut so.

Dass er aber all dies leisten konnte,

brauchte er eine starke Frau an seiner

Seite. Eine Frau, die, während der

Mann in Kriegsdienst und Gefangenschaft

war, seine Kinder großzog, obwohl

kaum das Notwendigste zum Leben

da war. Kartoffel und Kraut standen

fast täglich auf dem Speisezettel, doch Singen und Lachen vergingen

nie und hielten dich über Wasser. Du betreutest auch deine Schwiegermutter,

die Städterin, was auch nicht immer leicht war.

Dann gab es eine Zeit, in der es aussah, als würde dein Mann nach

dem Krieg nicht mehr als Lehrer heimkommen dürfen. Er hegte Zweifel

daran und schrieb dir, welche Ausbildungen er sich für die Kinder

Margarete, Edeltraud, Alfred, Elisabeth und Helmut wünschte. Wie

viel Traurigkeit und vielleicht auch Ratlosigkeit hast du empfunden!

Dein Glaube aber hat dir Kraft gegeben, das Leben anzunehmen und

zu bewältigen. Als er dann nach seiner Heimkehr wieder in Gasen

angestellt wurde, habt ihr gemeinsam in und für Gasen gelebt. Der

Sonntagvormittag in eurer Küche im Schulhaus war für die Gasner

der Ort für vielerlei Hilfen, Gespräche und Ideen.

Da hast du deinem Mann den Rücken frei gehalten, damit er das alles

leisten konnte, wofür er geehrt wurde und wird. Auch hast du als Begründerin

und Leiterin der Kath. Frauenbewegung selbstständige und

großartige Bildungsarbeit geleistet.

An seinem 100. Geburtstag gebührt dir, der starken Frau an seiner

Seite ebenfalls reicher Dank.

Christa Raffold

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ÜBER DAS WIRKEN ALFRED SCHLACHERS

OSR Peter Ederer

Bericht der Schulleitung über die Ehrung von OSR

Alfred Schlacher

In fünf Jahrzehnten ist unserem Herrn Oberschulrat

Alfred Schlacher das Bergland von Gasen zur

lieben Heimat geworden. OSR Alfred Schlacher

hat sich in dieser Zeit als Lehrer- und Erzieherpersönlichkeit,

aber auch als Volksbildner und

Heimatforscher Achtung und Ansehen weit über

seinen engeren Wirkungsbereich hinaus erworben.

Neben der wertvollen Unterrichtstätigkeit und der vielseitigen Volksbildungsarbeit

stellt sein großes Lebenswerk zweifellos die mit

wissenschaftlicher Genauigkeit und Gründlichkeit erfolgte Erforschung

des Gasner Lebensraumes und die Herausgabe und Veröffent-

lichung seiner umfangreichen Aufzeichnungen in Form des dreibändigen

Heimatbuches „In der Gasen“ dar. Das Werk ist in seiner Art

und Vielseitigkeit keiner anderen Ortsgeschichte der Steiermark vergleichbar.

Was OSR Schlacher sonst noch für die heimische

Bevölkerung, für den Ort und die Gemeinde

Gasen zu leisten bereit war, kann hier nur kurz

angedeutet werden.

Bereits als Junglehrer, in den ersten Dienstjahren

in Gasen ist er ganz aktiv in der aufstrebenden

Jugendbewegung Bund Neuland tätig (siehe

Nachruf Seite 21). 1931 folgte er dem Rufe des

großen steirischen Volksbildners Hofrat Dr. Josef

Steinberger und gründete hier die erste Bäuerliche

Fortbildungsschule, die er dann bis zu ihrer


Auflassung über dreieinhalb Jahrzehnte hindurch vorbildlich leitete.

Als Volksschuldirektor wurde er auch der erste Obmann des Musikvereines

Gasen, leitete die Sing- und Spielkreise, rief nach dem

Kriege eine „Kulturgemeinschaft Gasen“ ins Leben und war Initiator

und treibende Kraft des Steirischen Volksbildungswerkes Gasen und

des Katholischen Bildungswerkes in der Pfarre. OSR Alfred Schlacher

fand als unermüdlicher Arbeiter neben all seiner beruflichen Tätigkeit

und seinen persönlichen Sorgen immer auch noch Zeit für eine

ausgewogene kulturelle Betreuung dieser Landschaft.

Als Förderer der bäuerlichen Gemeinschaften und des dörflichen Vereinslebens

half er mit vollem Einsatz bei der Bewältigung anstehender

sachlicher, wirtschaftlicher und struktureller Probleme. Genannt

seien: Das Genossenschaftswesen, die Elektrifizierung von Gasen, die

Renovierung der Pfarrkirche, die Telefon- und Fernsehverkabelung.

Neben zahlreichen anderen Anerkennungen und Auszeichnungen erhielt

er in seiner aktiven Dienstzeit als Schulleiter vom Bundespräsidenten

den Berufstitel „Oberschulrat“ und vom Landeshauptmann der

Steiermark die Medaille für steirische Volksbildungsarbeit verliehen.

Nun hat auch der Gemeinderat von Gasen in der Sitzung vom

29. April 1977 einen einstimmigen Beschluss gefasst und Herrn OSR

Schlacher in dankbarer Würdigung seiner

außergewöhnlichen und unvergänglichen

Verdienste um die volksbildnerischen, kulturellen

und volkskundlichen Belange seiner

Heimat und für das seinen Mitmenschen

gewidmete dreibändige Heimatbuch zum

EHRENBÜRGER von Gasen ernannt und

ihm gleichzeitig den ersten EHRENRING

der Gemeinde verliehen.

In einem sehr würdigen Festakt wurden am 18. Juni 1977 nach einem

feierlichen Festgottesdienst in der Pfarrkirche (gestaltet von Dechant

Msg. Willibald Rodler, dem Sohne Helmut Schlacher und dem Sing-

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kreis und Musikverein Gasen) im Beisein zahlreicher auswärtiger

Ehrengäste, der Familienangehörigen, des Gemeinderates, der Vertreter

der dörflichen Gemeinschaften und der Jugend Ehrenbürgerurkunde

und Ehrenring der Gemeinde von Bürgermeister Johann Reiter und

den Vorstandsmitgliedern der Gemeinde übergeben.

18. Juni 1977 - Auf dem Weg zum Festgottesdienst

Die Bezirkbauernkammer Weiz ehrte OSR Schlacher für seine Leistungen

in der Bäuerlichen Fortbildungsschule durch die Verleihung

der Kammermedaille in Silber. Auszeichnung und Urkunde wurden

im Rahmen des Festaktes durch Kammerobmann Öll.Rat Resch und

Obmann Gruber überreicht. Hofrat Dr. Karl Schindelka als Bezirkshauptmann,

Hofrat Dr. Max Kössler als Studienkollege des Geehrten,

VDir. Peter Ederer als Schulleiter und Dechant Msg. Rodler aus Birkfeld

würdigten in anerkennenden Worten die großen Verdienste dieses

neuen Ehrenbürgers von Gasen in anerkennenden Worten, bevor die

Vertreter der örtlichen Vereine, Gemeinschaften und der Jugend ihre


Gratulationen, Glückwünsche und Ehrengeschenke darbrachten. Die

Gasner Heimatdichterin Berta Schwaiger fasste ihre Gedanken und

Worte zur Ehrenbürgerernennung ihres ehemaligen Lehrers in wohlgesetzte,

feinsinnige Reime.

Aus einem der vielen, an die Gemeinde Gasen gerichteten Glückwunschschreiben

namhafter Persönlichkeiten aus der ganzen Steiermark,

wie sie auszugsweise während des Festaktes verlesen wurden,

mag die ganze Bedeutung dieses großen Ereignisses zu erkennen

sein:

„Glücklich die Gemeinde, die einen so hervorragenden Mann in ihrer

Mitte hat. Und Ehre der Gemeinde, die den Menschen so zu schätzen

und würdigen weiß. Nehmen Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister

und der gesamte Gemeinderat den aufrichtigen Dank für diesen Beschluss

entgegen. Er ehrt die ganze Gemeinde wie den Ausgezeichneten

selbst.“

Gasen, 20. Juni 1977

Bei der Ehrenbürgerfeier

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Nachruf des Bundes Neuland in den

Mitteilungsblättern 1979 (1)

Auf der Südseite der Fischbacher Alpen in der Steiermark verläuft

abzweigend von Birkfeld ein Tal, das am Straßegger Sattel endet

und das sich vor diesem Abschluss noch einmal erweitert. An dieser

Talstelle liegt in 800 m Höhe die Ortschaft Gasen, der pfarrliche

Mittelpunkt einer ausgedehnten Bergbauerngemeinde. Während die

Kirche mit dem Schulhaus und einer ganzen Reihe anderer Häuser

im Tal unten ist, steigt die Bauernsiedlung mit ihren großen Einzelhöfen

in einer ungestörten Landschaft die freien Hänge hinauf bis

knapp unter die Almen beinahe. Es sind uralte Höfe, deren Geschichte

Alfred Schlacher neben vielen anderen Dingen und Ereignissen in

zwei Heimatbüchern niedergeschrieben hat. Wer sie liest, in dem

lebt diese Landschaft auf mit ihren Menschenschicksalen und Natur-

begebenheiten.

Alfred kam im Jahre 1928 als junger Lehrer in die Gasen. Getragen

von der jugendbewegten Begeisterung dieser großen Zeit trat er in die

Realität des Berufslebens ein. Wie Alfred das Bundesleben stark mitgeprägt

hatte, so stellte er sich nun auch mit ganzer Persönlichkeit auf

dieses neue Wirken ein, das für ihn in der Folge zur Lebensaufgabe

wurde. Er heiratete Hanni, eine Bauerstochter aus der Gasen und blieb

dieser Landschaft als seiner zweiten Heimat treu verbunden.

Im Rundbrief des steirischen Bundes vom Februar 1931 finden wir

von ihm einen Bericht aus Gasen. Darin heißt es: „Am 2. Freitag im

Jänner hatten wir die erste für Burschen und Mädeln gemeinsame

Chormesse nach dem „Gebet der Gemeinschaft“ und dem Schott“.

Sie gelang gut. Es waren so um die 15 Leute. Von nun an jeden Freitag

bis zum Beginn der Feldarbeit (Ostern)!...Für die Faschingtage

ist eingeladen, wer nur kommen kann. Wir wollen eine lustige Fastnacht

halten, mit einem Spiel, das wir einlernen…Für Anfang Sommer,

und zwar den 28. und 29. Juni ist in Gasen ein großes Gautreffen

geplant, das den Zweck hat, den Gasenern, für die Tagungen etc.

unerreichbar sind, Ersatz zu bieten. Näheres darüber nach Ostern!..

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Die Mädelgruppe führt jetzt Veronika Haubenwallner vom Oberen

Bergbauern“ – Ja, es gab damals eine Neulandgruppe in einer Bergbauerngemeinde

und heute noch sprechen Bäuerinnen davon, dass sie

bei Neuland waren.

1930 beim Unteren Paller

All das fällt uns ein, wenn wir an Alfred Schlacher denken, bei dessen

Begräbnis wir Anfang Jänner wiederum in seiner geliebten

Gasen waren. Er war alles andere als ein weltfremder Romantiker!

Im Laufe seiner 50jährigen Wirksamkeit in diesem steirischen Bergland,

gab es kaum einen wirtschaftlichen oder kulturellen Bereich,

wo er nicht handelnd oder anregend drinnen gestanden wäre. (Wer

denkt da beispielsweise nicht an seine Zusammenarbeit mit unserem

Agraringenieur und Neuländer Karl Kohlfürst, der draußen in der

Bergbauernförderung tätig war!)

In der Pfarre war Alfred, lange bevor es Pfarrgemeinderäte gab, schon

in der Gottesdienstgestaltung anregend tätig. Er war auch Organist

in der Kirche und Redakteur des Pfarrblattes. Die großzügige Re-

novierung der Pfarrkirche in den Jahren 1972 – 1974 ging weitgehend

auf seine Initiative zurück.


In seinem Wesen äußerst bescheiden und seine Person nie hervor-

kehrend, war Alfred Schlacher ein großer Förderer seiner Umwelt, in

der er bedingungslos darinnen stand.

1) Der Bund Neuland ist eine in der Zwischenkriegszeit gegründete katholische Bewegung.

Zum Gedenken gaben uns seine Kinder das tägliche Gebet ihres Vaters

mit, das von ergreifender Konkretheit ist:

Tagesweihe:

Ich leg in Deine guten Vaterhände,

was du an Sorge schickst, an Freuden schenkst.

Ich weihe Dir die Meinen, die ich liebe,

damit Du gnädig ihre Wege lenkst.

Ich weihe Dir die Menschen, die ich führe,

führ Du sie einmal in den Himmel ein.

Ich weihe Dir die Arbeit, die ich schaffe,

lass meine schwache Hand gesegnet sein.

Ich weihe Dir die Freude des Erfolges,

in dem ich dankbar Deinen Ansporn seh.

Ich weihe Dir den Ansturm der Versuchung,

gib Du mir Kraft, dass ich ihr widersteh.

Ich weihe Dir mein Herz, und was es einschließt,

ich weihe Dir mein Wollen, gut zu sein.

Komm, mächt’ger Vater, gib mir Deinen Segen,

bleib bei mir, hilf mir, lass mich nicht allein.

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Univ. Prof. Dr. Hanns Koren, Präsident des Stmk. Landtages

Aus der Hörfunksendung

„In memoriam Alfred Schlacher“, 1979

Ich habe Schlacher seit dem Tag, an dem wir

uns zum erstenmal gesehen haben, das war

im Herbst 1918, in Erinnerung. Wir sind gemeinsam

in die erste Klasse am Bischöflichen

Seminar eingetreten, er allerdings als Externist,

weil seine Eltern in der Grabenstraße

gewohnt haben. Aber er ist mir deshalb so

lebhaft in Erinnerung, weil er ein lebendiger,

junger Mensch war, der für uns, die wir

vom Land gekommen sind, der Vertreter der

Stadt gewesen ist, der noch dazu in der Stadt

draußen gewohnt hat. Aber doch wieder nicht so ein richtiger Städter,

er war ein wunderbar verbindendes Glied zwischen uns und der neuen

Welt, in die wir eingetreten sind.

Die Jahre sind dahingegangen. Eine intensivere Erinnerung an ihn

habe ich dann in den späteren Gymnasialjahren, als wir gemeinsam

auf Wanderungen uns immer wieder gefunden haben, bei Tagungen

des Bundes Neuland, er war ein begeisterter Wanderer und Spieler,

und eine ganz bestimmte Erinnerung an Schlacher ist seine Zeit, da er

in den Ferien als Erzieher im Schloss Wimberg bei Schwanberg tätig

gewesen ist. Wir haben damals einen sehr intensiven Briefwechsel

geführt, der vor allem dem Austausch unserer Gedichte gegolten hat.

Er hat ausgezeichnete Gedichte geschrieben. Wir haben damals gedichtet,

wie alle jungen Leute gedichtet haben, wir waren nur Gott sei

Dank so gescheit, dass wir erkannt haben, dass wir uns nicht darauf

stürzen sollten, mit unseren Gedichten einmal das Brot zu verdienen.

Bei ihm ist es sicher schade, dass er aufgehört hat, denn es waren, ich

habe direkt noch den Klang im Ohr, sehr erlebte und sehr sinnhafte

Gedichte.

Dann ist er Lehrer geworden in der Gasen und wir haben uns oft


jahrelang nicht gesehen aber nie aus den Augen verloren, wir haben

uns irgendwie wieder getroffen und von Dingen gesprochen, die uns

verbinden. Beim Militär ist er mir dann irgendwie näher gekommen,

weil ein Bruder seiner Frau, die er in Gasen geheiratet hat, ein Kompaniekamerad

von mir gewesen ist, ein Straßegger. Auch ein lieber

Kamerad gewesen. Zu den letzten Begegnungen kam es, als wir uns

im Archiv getroffen haben wie er Material für seine Bücher gesammelt

hat. Da sind wir niedergesessen und haben auch die Gelegenheit

benützt, uns Dinge zu sagen, die uns am Herzen gelegen sind.

Eine Erinnerung habe ich, die für mich unvergessen ist: Es liegt schon

jetzt vielleicht zehn Jahre zurück, da habe ich noch im Landhaus im

2. Stock oben mein Büro gehabt, und bin beim Telefonieren oft aufgestanden

und bin zum Fenster gegangen. Eines Tages, als das wieder

so gewesen ist, sah ich unten in der Herrengasse meinen Freund

Schlacher kommen. Es war Winter, er hatte einen Lodenrock an, einen

Ausseerhut auf, und da ist es mir so plötzlich bewusst geworden, dass

er eine Persönlichkeit ist, eine Eigenständigkeit eine souveräne Persönlichkeit

ist, die sich überhaupt nicht ändert, sich nicht der Umwelt

anpasst und von der Umwelt geschluckt wird, sondern einer derer ist,

die die Umwelt prägen. Der Mann war immerhin 40 Jahre in diesem

schönen Gasen. In der ersten Hälfte dieser Jahre war das doch ein

völlig verlassenes, kleines Bergbauerndorf und er ist der große, souveräne

Mensch, der er von Anfang an gewesen ist, einfach geblieben.

Wenn ich an Leute anderer Berufsgruppen denke, wie sehr die sich

akklimatisieren und gehaben, in ihrem ganzen Wesen, dann muss

ich sagen, das war eben die große menschliche Leistung, dass dieser

Schlacher, der als Waldschulmeister im Roseggerischen Sinn hingegangen

ist und seine klare Persönlichkeit geblieben ist. Das hat sich

bei ihm beim Gang durch die Grazer Herrengasse gezeigt, das ist ein

souveräner Mensch, dem die Umwelt nichts anhaben kann.

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Othmar Pickl

OSR Alfred Schlacher, der Korrespondent der

Historischen Landeskommission

Am 2. Jänner 1979 starb in Gasen Volksschuldirektor i. R Oberschulrat

Alfred Schlacher im Alter von 71 Jahren.

Der Verstorbene, der 1927 an der Bundeslehrer-

bildungsanstalt in Graz maturiert hatte, war

vom 1. April 1928 bis zu seiner Pensionierung

im Jahre 1970, d.h. durch 42 Jahre als Lehrer,

Oberlehrer und schließlich Schuldirektor in

Gasen tätig. Er gehörte damit zu jenen heute

immer seltener werdenden Lehrerpersönlichkeiten,

die nicht bloß ihren Schülern eine hervorragende

Ausbildung geben, sondern die als väterlicher Erzieher auch nach der

Schulentlassung weiter geführt und gefördert haben.

Schon als Junglehrer suchte er die geistige und wirtschaftliche

Not des Bauernstandes durch die Gründung der Bäuerlichen Fort-

bildungsschule Gasen – im Rahmen des Volksbildungsheimes

St. Martin (1931) - zu wenden. Schlacher wurde dadurch schon in

jungen Jahren zum Berater und geistigen Helfer des Bauernstandes.

Hatte er vor dem Zweiten Weltkrieg in der Bäuerlichen Fortbildungsschule

Gasen ältere Bauern unterrichtet, so bereitete er nach

1945 die bäuerliche Jugend in seinen Lehrgängen der Bäuerlichen

und Hauswirtschaftlichen Fortbildungs– und Berufsschule auf die

schwierigen Aufgaben ihres Berufes vor. Musste doch in den Nachkriegsjahren

die schwierige Umstellung der bäuerlichen Wirtschaft

von der Selbstversorgung auf die Bedürfnisse der Marktwirtschaft

durchgeführt werden. Dazu galt es auch, das Selbstvertrauen der

bäuerlichen Jugend zu fördern. Dies tat Alfred Schlacher, der 1964

für seine hervorragenden Verdienste mit dem Titel Oberschulrat ausgezeichnet

worden war, u.a. im Rahmen der Kulturarbeit. Der Ausbau

der Schule und die Errichtung eines Bühnensaales ermöglichten


ihm die Förderung des Laienspiels, des Volkstanzes, der Musik- und

Liedpflege sowie andere Aktivitäten der Erwachsenenbildung.

Aus der echten Verbundenheit mit seiner Heimat heraus betrieb Oberschulrat

Schlacher durch Jahrzehnte heimat– und volkskundliche Forschungen,

deren Ergebnisse er in einem dreibändigen Heimatbuch „In

der Gasen“ veröffentlichte. Nicht zuletzt aufgrund dieser Leistung,

wurde Oberschulrat Schlacher 1978 zum Korrespondenten der Historischen

Landeskommission für den Bereich Gasen ernannt. Bevor ihm

allerdings noch in feierlicher Form sein Ernennungsdekret überreicht

werden konnte, verstarb Oberschulrat Alfred Schlacher am 2. Jänner

1979.

So konnte am 1. März 1979 Landesrat Prof. Kurt Jungwirth im Weißen

Saal der Grazer Burg das Ernennungsdekret des Verstorbenen an

seinen Sohn, Mag. Helmut Schlacher, überreichen. Die Historische

Landeskommission für Steiermark wollte damit symbolisch zeigen,

dass sie sich Oberschulrat Alfred Schlacher über den Tod hinaus zu

aufrichtigem Dank verpflichtet fühlt und ihm ein dauerndes, ehrendes

Gedenken bewahren wird.

Nachruf im XXI. Bericht der Historischen Landeskommission für Steiermark,

Graz 1982, S. 24

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AUS DEN SCHRIFTEN

ALFRED SCHLACHERS

Tagebuchaufzeichnungen

13. Brachet – Juni 1928

Der Nachmittag wandert über die Berge. Dieweil sein Schritt schnell

übers Tal geht, verweilt er länger auf den Höhen. Die Sonne gleitet

westwärts, sachte, wie selten noch heuer im Jahr. Sie scheidet schwer

von meinem Bergdorf. Noch leuchten die Schindeldächer wie Silber

und lebt das Grün im Laub der Bäume in Farbenhelle und Lebenslust.

Aber die Schatten werden schon länger und aus dem Graben hebt sich

der Dunst der Tageshitze. Bald verstummen die Glocken des Weideviehs.

Vom Kirchtürmlein wird der Abendfrieden in die Landschaft

geläutet.

Beim Hönegger warten sie auf die Nannerl. Das Dirnlein ist von der

Schul noch nicht daheim. Ja, leicht ist’s erklärlich. Hönegger ist das

letzte Häusl in Sonnleitberg. Wohl zwei Stunden müssen die Kinder

frühmorgens in die Schule wandern. Und die Nannerl hat heute wichtige

Sachen im Dorf unten auszurichten. Leicht ist ihr dabei beim

Rundgang die Zeit zu kurz geworden und es ist die Sonn eher über’s

Strasseck hinuntergerutscht, als die Nannerl sich zum Heimgang hat

richten können. So „roatn“ die beim Hönegger. Da wehen vom Graben

herauf Glockentöne. Angelus. Still wenden sich die Leute zur fernen

Kirche hinunter und beten.

Die Nannerl ist spät heimgekommen, der Mond war schon über

der Alm. Das Dirndl packt die Sachen vom Dorf aus, erzählt wohl

manches, was den Leuten daheim noch neu ist und hebt dann an die

„Milchsuppn“ auszulöffeln, die sie ihr „gspart“ haben. Da humpelt

die alte Auszugsbäurin in die Stube herein. Sie ist länger als sonst

aufgeblieben, hat auf die „kloa Dirn“ gewartet, weil’s ihr vom Dorf


einen Tee gegen die Gicht hätt bringen sollen. Derweil ist die Nannerl

nit kommen und so hat sich die Ahnl niedergelegt. Da hat sie nach

einer Weile das Stimmlein der Kleinen in der Stubn vernommen, ist

gleich raus aus der Bettstatt und in die Stubn gewackelt: „Hast wul’s

Trankl?“ ist die Frag, die sie ans Dirndl stellt. „Jo, Muada, dös is!“

Und sie packt einige Stanitzln aus. Dann erzählt sie: “Um drei homa

Schul ausghobb, oft wor i beim Kaufmann und hab dort vor lauter anders

Zeig auf dein Tee vergessen.”

„Hob i scho ollweil gsogg, sovül a Simplizius is dö Dirn. Hiaz denkts

beim Kaufmann net auf mein Tee!“ erstaunt sich die Alte.

Etwas gedrückt, mit leiser Enttäuschung in der Stimme, erzählt die

Nannerl weiter: „Und wiar i beim Stroßegger Kreiz (1) füri geh, denk i

auf den Tee für d’Muada. Die Sunn is scho weit Stroßegg zua gstandn,

bin i zruckgsprung und uma siemi bin i wieder im Dorf gwen. Hon

dein Tee ghult und bin hoam. Finster is gwen der Weg. Nit d’ Stoa hot

ma gsehgn und durchn Höllmichlwald geh i nit mehr in der Nocht. So

vül schiach und unhoamli is dot.“

Die andern Leut sind schon schlafen gegangen. Die Ahnl ist froh, dass

sie ihr Gichttrankl hat. „Freili, frei z’viel is für die Dirn der Weg. Vom

Stroßegger Kreiz no amol owi auf Gasen. Halige Muada Anna! Nua

guat, dos no frische Füaß hot, dö Dirn!” damit wackelt sie hinauf in

ihr Auszugsstüberl. Und auch die „kloa Nannerl“ kriecht auf ihren

Strohsack und sinniert noch lang von ihrem nächtlichen Gang durch

die Gasen und dem „schiachn, unhoamlichan“ Höllmichlwald.

Was einem erwachsenen Stadtfrack auf die Nerven ginge, das leisten

sie alle, unsere Bergbauernkinder. Wieviel kann von diesen der Lehrer

lernen!

1) Dieses Kreuz ist laut Zeitzeugen auf der Almstraße oberm Höllhofer Eck in Richtung

Almhermann gestanden.

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26. Heuert - Juli 1928

Es ist zwar nicht viel Aussicht auf Schönwetter. Aber gehen tun wir

doch. Um sechs hat es noch geregnet, jetzt hat die Wolkenhülle über

der Alm schon ein Loch.

Es sind heute viele Leute in der Kirche. Annatag. Neben der Jungfrau

Maria genießt die Mutter Anna am Land die höchsten Ehren unter den

Heiligen. Der Annatag ist auch ein Wallfahrtstag. Auf allen möglichen

und unmöglichen Weglein wallfahrten sie nach Schüsserlbrunn.

Die einen über die Kerschbaumer- und Teichalm, die anderen übers

Straßegg.

Auch wir ziehen der Alm zu. Hundert Schritte hinterm Schulhaus sind

wir schon gut zwanzig Meter überm Dorf. Der Pullerriegel nimmt die

ärgste Steigung vorweg.

Auf der Kerschbaumeralm jagt das Gewölk. Beim Heulantschhalter

ist Rast. Fort und fort ziehen die Almpilger an uns vorbei. Den

großmächtigen Regenschirm schief über den Buckl gebunden, die

Männer im Sonntagnachmittagsgewand, die Weiber barhäuptig, das

kurze Haarschwänzlein zu einem kleinen Reif auf den Scheitel gelegt.

Auf dem Hinweg sind sie ernst. Wenn sie aber zurückkommen nach

vollbrachtem Werk, Hut und Haar mit Almrausch besteckt, da hallt

es über die welligen Weiden hin von Liedern und kräftigen Jodlern.

Sind alles zwei- oder dreistimmige Sachen, wie sie dem natürlichen

Harmoniedrang des Volkes entsprechen.

Und dann gibt’s beim Almhalter einen lustigen Tanz im Freien. „Du,

gehst mit mir tanzen?“„Ja!“ Das ist die Einladung der Burschen, und

die Antwort. Auf den Heulantsch sind wir noch hinauf, wie die Sonne

schon tief gestanden ist. Bald bewegt sich der Pilgerzug heimwärts,

über die Alm sind sie noch alle beinander. Wie aber der Abstieg anhebt,

da wird der Schock immer kleiner. Meist geht es paarweise über

den Hängen den zerstreuten Höfen zu.


Der Herr Pfarrer will uns einen kurzen Weg in den Mitterbachgraben

führen. Vom Haberlstall, den man vom Graben aus nach mühseligem

Steigen erreicht, sind wir abgestiegen in selbigen Graben. Aber der

Weg hat aufgehört und die Nacht ereilt uns im dichtesten Urwald. Bis

wir in den Graben kommen, nach dreistündigem Irren, war der Mond

aufgetaucht über dem Zöchnerschlag. Wir sind weit im Graben drinnen.

Vor uns steht noch der Plankogel, in halbstündiger Entfernung

schimmert schon das Schulhaus.

Um 11 Uhr nachts sind wir daheim. Es war just noch recht, denn um

viertel über ist schon der wachsende Mond am Ende seiner kurzen,

für uns Gasner sichtbaren Himmelsbahn. Und er verschwindet hinter

den Höhen. Noch sind die Hügel der Alm silbrig umrandet, aber im

Mitterbachgraben ist es schon finstere Nacht.

1930 mit Pfarrer Grahsl

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28. Heuert - Juli 1928

Da kommen schon zwei Mädel angerückt, sonntäglich gekleidet, ein

Seidenkopftuch zipfelt feierlich über den Nacken hinunter. Im vierfach

und kreuzweis verknüpften roten Schneuztuch den Imbiss für die

Almfahrt: Fleisch, Brot und Eier.

Vor dem Schuleingang hocken die beiden auf einer Steinstufe nieder

und erwarten die anderen. Um ½ 6 h wollten wir zu unserer Bergfahrt

zusammenkommen. Um ¾ ist auch schon eine ziemliche Schar

beinander. Die Buben haben meist ihr Sonntagnachmittagsgewand an.

Jeder hat ein keckes Hütlein auf, just wie es zu den prächtigen, springfrischen

Gestalten passt. Sie bilden einen eigenen Schock, reden mit

den Mädeln überhaupt nichts, sich wohl bewusst der Würde ihres Geschlechts.

Um sechs Uhr überlegen wir, ob es schön werden wird oder

nicht. Der Regen hängt in den Wolken. Aber der Hochschlag ist frei

von Gewölk. Und wie sich nachher die Sonne Bahn bricht und es wie

auf ein Zauberwort auch in den Kinderseelen ganz hell wird und jeder

Schatten der Enttäuschung schwindet, da heben wir wie unbewusst zu

gehen an und bald ist das letzte Häuschen des Dorfes hinter unserm

Rücken.

Nach vier Stunden sind wir auf dem Gipfel. Viel Schweiß, viel Überwindung

hat es gekostet. Manch Dirnlein ist wie ein mattes Flieglein

den steilen Hang hinaufgekrochen. Durst haben sie jetzt und es ist

kein Quell da. Ich versuch ihnen den Durst auszureden. Und bring es

so weit, dass sie darüber zu scherzen anfangen. Aber die Überwindung,

so leicht sie sich predigen lässt, ist so schwer fassbar, besonders

für die Kleinen. So gesund und natürlich ist ihr Leben, dass sie es ganz

und gar nicht begreiflich finden, dass man sich überwinden soll, wenn

man durstig ist. Da murrt man eben, bis die Sehnsucht nach Wasser

gestillt ist. Und dann glänzt wieder Fröhlichkeit aus den Augen. Wie

notwendig ist es aber, dass schon diesen Kleinen die Überwindung

gepredigt und gezeigt wird.


3. Ernting - August 1928

Den ganzen Tag ist der Nebel von den Bergen nicht gewichen. Ist das

schon ein Zeichen, dass der Sommer zu End geht?

„Noch ist nit Bartlmä. Drei Wochen wird’s doch noch halten!“ So

meint die Dorfpatrizlin. Sie wird recht haben, obwohl‘s mir schon

Tag für Tag frischer dünkt. Ein wenig rechnet man doch noch als „Talmensch“.

Draußen in der Ebene ist jetzt Hochsommer, bei uns in der

Gasen sind die „14 warmen Sommertage“ ziemlich vorüber.

Noch steht das meiste Korn. Weberhofer haben mit dem Schnitt Anfang

gemacht. Zweimal hat sie’s Wetter mitten in der Arbeit heimgetrieben.

Aber endlich steht doch die Frucht in kleinen Schöbern auf

dem Stoppelfeld.

Auf den Schattseiten von Mitterbach und Amaßegg kriegt das Getreide

erst ein wenig von der Farbe der Reife.

Kirchweihsamstag ist Religionsprüfung. Mit viel Aufregung wird der

Herr Dechant von Birkfeld erwartet. Die ganze Schulzeit sitzt der

Kornreitpatriz Hermann am Fensterbankl, um den Hochwürdigsten

Herrn zu erspähen, der sein Kommen von der Fischbacherseiten her

angesagt hat. So äugt der Hermann unablässig in die besagte Gegend.

Steil führt der Weg vom Knappensattel herunter ins Dorf. Ganz oben,

da muss der Hohe Herr in Begleitung des Herrn Pfarrers erscheinen.

Die Schule ist aus. Der Hermann rutscht von seinem Auslugplatz herunter.

Er hätte das Zeichen den Läutern am Kirchturm geben sollen.

Nun ist der Dechant noch immer nicht da. Ich steig inzwischen die

steilen Treppen zur Empore hinauf, setze mich vor den alten, wurmstichigen

Orgeltisch und spiel etwas, was mir gerade in den Sinn kommt.

Es klingt sehr seltsam in dem leeren Kirchlein. Ganz anders wehen

die Töne als an Sonntagen, da alle Seelennot und alles Seelenglück

der weiten Pfarre in dem kleinen Raum sich aus den Herzen ringt. Da

hat die Orgel einen anderen Klang. Wie – ich kanns nicht sagen.

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Vorn am Altar schafft der alte Mesner. Es geht ihm schier der Atem

aus bei seinem Werkeln. Wird’s nit mehr lang machen, seine Kirchenarbeit.

Die Herzwassersucht setzt ihm zu arg schon zu. Ein Greis mit

über siebzig, haust allein in seinem Hüttlein. Die Kinder sind alle

abgestorben. Jetzt hat er auf Erden nichts mehr zu hoffen. Mühsam

nestelt er das neue Speisgittertuch an, dann schlingt er wunderliche

Papierrosen um die Hände und Füße der hölzernen Heiligen. Auch

das ewige Licht hat schon kein Öl nimmer. Ganz sorgsam zieht er das

Lämpchen herunter, zieht den Docht ein wenig an und füllt neues Öl

ein.

Da – plötzlich ein Trampeln auf den Turmstufen, dass das alte Holz

ächzt und knarrt. Und bald sausen die Glockenläuter an mir vorbei in

den Turm. „Hiaz kimmba!“ Und schon hebt das fröhliche Dreispiel an

zu klingen. Der Dechant ist auf einmal im Dorf herunten. Die Ausluger

haben ihn übersehen.

Es kommt die Nacht, die Nacht vor der Religionsprüfung. Es ist die

einzige bange Aufregung des ganzen Jahres, die sich heute der Bergkinder

bemächtigt.


Advent 1928

Die Vorbereitungen fürs Barbarafest sind im Gang. Die Pfarrer Mitzl

hat alle Hände voll Arbeit, um für den hohen Festtag ein würdiges

Essen auf den Tisch zu bringen. Die Dorfpatrizlin scheuert den

Fußboden mit rührender Emsigkeit und die übrigen Bewohner des

Pfarrhofes teilen mit der alten Mutter und der Mitzl die Aufregung in

Erwartung der auswärtigen Gäste.

Ich will am Klavier noch ein wenig Responsorien (1) einüben, aber

bald spüre ich, wie unnötig heute mein Spielen bei dieser Aufregung

ist – und empfehle mich für den nächsten Tag.

In meiner Stube ist es schön warm, da gedenke ich ein wenig zu arbeiten

– auf dem Tisch liegt eine Menge unbeantworteter Briefe, dann

mahnt das noch unvollendete Weihnachtsspiel. Da hebt draußen ein

wildes Tosen an, die Fensterbalken fliegen auf einmal zu und wieder

auf und wie ich hinaussehe, ist alles in ein nebeliges Grau gehüllt.

Tausende weißer Punkte fliegen waagrecht am Fenster vorüber. Ein

Schneesturm, wie ich ihn noch nicht erlebt habe. Das Stürmen dauert

indeß nicht lang. Bald fällt es wie weiße Tücher vom Himmel.

Sichtlich hebt sich die Schneedecke in die Höhe. Und bald steht ein

wunderliebliches Winterbild vor meinen Augen.

Das packt mich. Die Arbeit ist ja leicht vergessen – es ist erst halb vier

Nachmittag. Ich will in das Schneetreiben hinaus, auf unberührten,

jungfräulich weißen Pfaden in die entschlafene Landschaft hineinstapfen.

So mach ich mich auf den Weg zum Kornreitpatritz. Wie oft

bin ich diesen Weg schon gegangen! Zu welcher Zeit! Früh am Nachmittag,

am Abend, zur Nachtzeit, wenn der Vollmond über dem Streberkogel

stand. Bei Schnee und Regen, bei Frost und Sonnenschein.

Das erste Mal war’s, wie sie im Augraben drinnen Kreuzweih hatten.

Da ging ich mit dem Herrn Pfarrer. – Dann war’s zu Allerseelen

nach einer sonnig-windigen Almfahrt. Damals lief ich wie närrisch

vom Plankogel herunter, gerade auf den Bauernhof zu und

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überfiel von rücklings den ahnungslosen, dass die kleinen Fensterln

ganz groß wurden vor Staunen. Das war wohl ein feiner Nachmittag,

und als ich mich zum Heimgehen wandte, war es elf Uhr geworden.

Der Mond hat mir das kleine Steiglein erhellt und mich glücklich an

den Kettenhunden des Leitenmaxl, Gutshofer und Schreihofer vorübergeleitet.

Das Stück Weg durch den holprigen Pfarrerwald war

wohl – wie’s stets ist – ein wenig bös. Über dem Dorf, der Kirche und

dem Gottesacker lag noch die Trauer des Allerseelentages, die einem

hier, wie kaum draußen in der Ebene, zu Gemüt geht.

In unserer Berg- und Talgegend ist es nicht schwer, von einem Graben

in den anderen zu kommen. So stieg ich vom Schulhaus, das im

Mitterbachgraben liegt zwischen Kirche und Friedhof hinauf auf die

kleine Wasserscheide und bin nach wenigen Minuten im Augraben.

Heute geht’s freilich ein wenig langsamer. Hoch über dem Graben, in

dessen Tiefe ein wilder Bach rauscht, führt mich ein schmales Steiglein

zum Kornreitpatritz. Beim Leitnmaxl geht’s scharf hinunter und

drüben ein wenig hinauf. Dann bin ich am Ziel. Der Abend senkt sich

langsam von den Höhen in das Tal.

In der Stube stellt sich in einem Augenblick das gewohnte Bild zusammen:

Der Ankömmling mit dem verheißungsvollen Sackerl im Mittelpunkt,

um ihn herum die sprichwörtlichen „Orgelpfeifen“, im dunklen

Hintergrund endlich die Hausleute, mit jenem gütigen Lächeln, das

hier im Gebirg jedermann eigen scheint. Der kleine Patritzerl, der sich

erst die ersten Hosen verdienen muss, bleibt natürlich nicht im hintersten

Stubenwinkel, fährt mit seinem Hinterteil blitzschnell über den

Stubenboden und reiht sich selbstbewusst in den Kreis seiner noch

immer Parade stehenden Geschwister ein. Bald ist das starre Staunen

gebrochen und es wird spät, ohne dass man das schnelle Verrinnen der

Stunden bemerkte.

1) Liturgische Gesänge


3. Christmond – Dezember 1928

Sechs Uhr abends. Es läutet zum Segen. Durch den eisigen Schneesturm

kämpfen sich Gestalten zur Kirche hinauf. Das Innere der Kirche

bietet heute ein ungewohntes Bild. Es sind viele Leute in den

Bänken. Vor dem Hochaltar stehen „Aushilfsbeichtstühle“. Die auswärtigen

Herrn sind also schon da. Und darum die vielen Leute in der

Kirche!

Die Gasner haben zwei Heiligenhochfeste, auf die sie stolz sind: Der

St. Oswalditag und der St. Barbaratag. Die Verehrung dieser beiden

Heiligen stammt aus der Zeit, da Gasen noch ein Eisenerzbergwerk

hatte. Selbiges liegt nun schon 200 Jahre still, nur die Reste zweier

Stollen am Plankogel zeugen noch von jener Bergwerkszeit. Die

Verehrung der beiden Bergwerksschutzheiligen hat sich aber erhalten.

So werden am Oswaldi- und am Barbaratag im kleinen Bergkirchlein

vier feierliche Ämter gelesen, das letzte von diesen ist vierspannig

und erhält durch die erschütternden Klänge der Gasner Blechmusik

ein besonders feierliches Gepräge. An diesen Tagen gehen fast alle

Kirchenbesucher zum Tisch des Herrn. Die Festpredigt hält der Herr

Pfarrer von Heilbrunn (2 St. südlich von Gasen, 1032 m hoch). Seine

Worte haben auch mich gepackt, obwohl sie ganz für die Bauern zurechtgeschnitten

waren. Man wird ja, wenn man Monate mit diesen

Gebirgsleuten zusammenlebt und manche Freud und manches Leid

mit ihnen teilt, unbewusst und allmählich in ihre schlichte Denkensart

eingewöhnt und denkt bald als einer der ihren.

Festtag nachmittags waren die Birkfelder Neuländer herinnen.

Dass am Barbaratag großer Markt war, ist wohl eine überflüssige Bemerkung.

Advent – Er stand im Zeichen der Erwartung unseres Weihnachtsspieles,

für die Kinder natürlich in erster Hinsicht. Aber auch die Großen

frugen oftmals, neugierig und ungeduldig, wie es mit dem „Theater“

vorwärtsginge.

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Es war zielbewusste, zielsichere Arbeit; so brachte sie viel, viel

Freude, mir und den Kindern. Die Proben fanden in den Zwischenstunden

und Sonntags nach dem Hochamt statt.

Die Gestalten waren:

Verkündigungsengel: der Großgruber Franzl, angehender Kirchenchorsänger.

Maria: Annerl Pregartbauer aus Birkfeld, eine echte altdeutsche Mariengestalt.

Josef: der Kornreitpatritz Jockerl, ein liebenswerter, gutmütiger Bub,

dem der graue Bart seltsam zum milchweißen Gesicht mit den blutroten

Backen steht. Eine echte Krippenfigur in ländlicher Auffassung.

Die Hirten – es sind ihrer vier – drollig urwüchsig im Zusammenspiel:

Pullerbauer Luisl, ein Ministrant und deshalb ein großer Spitzbub ansonst.

Oberer Bergbauern Sepperl, ein kernfrischer Bub, dem man die

Almheimat ins Gesicht geprägt sieht (der Hof liegt über 1200 ). Kornreitpatritz

Hermann, der, so’s Gott will, Priester werden will, zuletzt

der Pestpetern Friedl, ein stiller Bub, der zu den vielen Armen und

Heimatlosen unserer Gegend gehört.

Dass natürlich auch Engerln da waren,

mit richtigen Flügeln und lokkigem

Haar (die Almpetern Reserl

hatte sich 21 Zöpferln „eingeflochten“),

ist wohl selbstverständlich.

Die aufgestellte lebende Krippe

war denn auch von solcher Lieblichkeit,

dass ich das Bild selber

hätte lang, lang anschauen mögen.

Beschreiben will ich’s nicht. Ich

möchte damit am End das große

Erleben, das mir samt meinen lieben

Kindern das Spiel ins Herz grub, leicht verlöschen. Wie karg und

kalt ist ja die Sprache des Mundes gegen die der Seele. So will ich

schweigen und auch vom übrigen Spiel nichts schreiben. Und mit

der Sehnsucht, die mein Wesen durchpulst, die fast nie ganz still ist,


und – die das einzige ist, was mich zum tätigen und mit glühender

Begeisterung werkenden Menschen immer wieder von neuem macht,

will ich meine Weihnachtserinnerungen schließen – die Sehnsucht,

ich habe sie auch meinen lieben Hirten in Worte gekleidet:

I woaß net, was i sagen soll...das Herz schlagt mir

der Kopf is mir so mit Gedanken voll, dazua die heitig Nocht so still

und maustot.

Koa Lamperl plärrt,‘s kraht koa Hahn und bellt koa Hund

und geht schon umi die zwölfte Stund.

Wir schreiben das Jahr 1929

Wir schreiben das Jahr 1929. Es ist alles gleich wie vor Weih-

nachten – nur dass ich jetzt spür, dass mich die Leute sehr, sehr lieb

haben. Im Vorjahr hab ich mir’s vielleicht bloß eingebildet. So will

ich ihnen, so lang Gott mir dieses Arbeitsfeld lässt, alles sein. Ja,

alles - Lehrer und Priester und im Guten ganz einer der Ihren. Und

Neuland – es ist mir Richtschnur geblieben, ja immer mehr geworden

– im Wesentlichen und im Kleinen, wenn auch nicht im

Kleinsten. Man darf ja nicht durch Betreuung des „Kleinsten“ das

Große und Erhabene des Gedankens trüben und für viele lächerlich

machen.

Herr, gib uns Du den rechten Blick, dass wir wissen, worauf es ankommt.

Auf dem Lichtmast vor dem Schulhaus las ich heute, als ich essen

ging, mit Kreide geschrieben:

„Der Herr Lehrer ist sehr, sehr brav! Reitbauer Theresia.“

Ich muss immer über derlei naive Schmeicheleien hellauf lachen.

Darin tun sich besonders die größeren Mädeln (insgemein:

Mentscher) hervor. Obige Feststellung hat übrigens eine andere zur

Urheberin: Die Gruber Anna. Selbige stürmt mit Vorliebe in den

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Pausen auf mich zu mit irgend einer ganz unwichtigen Frage, z.B.

„Mögns an Buda?“ oder „Wann hobn ma Singstund?“ u.a. Das hat

die Buben mit der Zeit wohl geärgert und eines Tags kam es in der

Mittagspause zu einem hitzigen Wortgefecht zwischen Buben und

Mentschern. Ich weiß nicht, wer damals den kürzeren zog. Als ich

das Schulzimmer betrat, war es ruhig geworden – auf der Seite der

Mentscher, die Buben zeigten noch immer rauflustige Mienen. Auf

der Tafel aber prangte in großen Lettern:

„Die Buben sind alle sehr, sehr dumm. Der Herr Lehrer ist sehr, sehr

brav.“

Als Verfasserin zeichnete – freilich nicht durch ihre Unterschrift, aber

durch ihre Handschrift die Gruber Nannerl vom Hönegger in Sonnleitberg.

Viel Schönes könnt ich niederschreiben von unseren Vorweihnachtsarbeiten

in der Schule (Kripperlbauen u.a.) und auch viel anderes,

was so die Seele eines in seiner Art Einsamen lebt und leidet, könnt

schreiben von manchem Weh, das da drinnen sich regt, von Heimweh

– wohin? Ich weiß es nicht, das sich zur Qual oft steigert und das

just nach schönen Stunden heranschleicht – aber es sei ungesprochen,

ungeschrieben; die Stunde kommt, die es wegscheuchen wird für immer.

Ich will warten auf diese Stunde, geduldig warten.

So will ich auch von anderem schweigen, weil’s schon zu lang vorbei

ist. Ich will den Rosengarten der Erinnerung hegen und seiner warten

und der zarten Blumen keine zerpflücken vor der Zeit.

Noch ist ja Jugend in mir, und ihr Leben ist nicht Erinnerung,

sondern Tat.

9. Hartung – Februar 1929

Nach dem Gebetläuten bin ich noch auf den Brettln fort. Pfarrerwald

zu, ganz über den Hang hinauf. Die Schneefläche trägt schon die blauen

Schatten des Abends. Schneidend kalt ist es, dass einem der Atem


zufriert. Oben beim Haltzaun, wo der Hochwald anfängt, wo ich vor

Weihnachten ebenfalls auf Brettln Reisig für meine Stube holte, machte

ich kehrt. Eine wundervolle Abfahrt war’s, ein sanftes Hinabschweben

über den staubenden Pulverschnee. So geht’s dem Dorf entgegen.

Ruhig, klar wachsen die Berge in das Abenddunkel hinein.

Herrgott! So viel Schönheit rings um mich, dass ich immer wieder

denken muss: Ich bin ihrer nicht würdig. Als Abendgebet aber will ich

heute das Gloria singen.

24. Hartung - Februar 1929

Die Almfahrt ist vorbei. Sonnig und voll Jugend waren die Tage. Wir

drei, Toni Pregartbauer, der Kornreitpatritz Jockl und ich, haben das

Wagnis vollbracht. Die Leute waren nicht wenig in Aufregung, aber

wir haben’s gemacht.

Naturschilderungen lesen ist heutzutage langweilig, ich könnte zwar

schreiben von einem eindrucküberladenen Herzen weg, aber nein! Ich

würde nur über den hellen Stern, der über unserer Fahrt schwebte,

schreiben können und nicht über die dunkle Wolke, die ihn mir einmal

verhüllte.

Eins: Die Fahrt und unsere Gemeinschaft hat mich zu neuer Unruhe

aufgerissen. Gib Gott, dass sie fruchtbar werde!

In der Vorwoche ist ein Gesuch des Ortsschulrates abgegangen mit

der Bitte an den Inspektor, mich in Gasen zu belassen – In Gottes

Namen! S’ Fortgehen käm mir schwer an, wohl sehr schwer. Heimat,

die ich verlassen müsste. Sobald ich die Gewähr habe, dass man mich

an Ort und Stelle belässt, will ich planmäßig den Neulandgeist unters

Volk zu bringen anheben. Und dann, Glück auf, neues Leben!

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28. Hartung - Februar 1929

Der Bezirksschulrat hat dem Gesuch stattgegeben, obwohl bereits ein

befähigter Lehrer um meine Stelle eingereicht hat. Damit ist meine

nächste Zukunft entschieden.

Jetzt steig ich doppelt gern über die beschneiten Hänge bergwärts

und sause mit doppelter Freude auf den Brettln talab. Noch einmal

so schön scheint es mir jetzt, wenn Mittags die Sonne sich über die

Baumwipfeln des Pfarrerwaldes hebt und für einige Minuten in meine

Stube leuchtet. Und noch einmal so freudvoll ist das Schulhalten.

Inzwischen ist ein Monat vorbei, arm an großen Ereignissen, reich an

kleinen Freuden und Leiden. Die ersten Lahnen sind abgegangen, der

Wind hat sich gedreht und mit ihm das Wetter. Die kalte Luft, die uns

wochenlang in Schrecken gehalten hatte, ist abgezogen. Heute nacht

troff es unentwegt von den Dächern und der Morgen brachte blauen

Himmel und lenzwarme Luft. Ein Tag, der die Sehnsucht wachgerufen.

Ich lieg noch im Bett. Da klopft es an der Tür; sie ist, wie schon

manches Mal, unversperrt geblieben. Ich verkriech mich soweit als

möglich ins Bettzeug und melde mich nicht.

Da klinkt schon die Schnalle, die Tür geht auf. „Grüß Gott! Heunt

sulln’S mitgehn!“ Die Hannerl vom Oberen Bergbauer ist es. Am

letzten Sonntag versprach ich dem Sepperl und dem Loisl, ihren Brüdern,

endlich einmal zu ihnen hinauf zu kommen. Es ist Dienstag – für

mich ein schulfreier Tag. „A halbe Stund musst warten; dann geh i

mit!“„Muaß eh no zum Straßegger obi, intn wart i oft! Pfüat Gott!“

Draußen ist sie. Ich richt mich zusammen. Während ich die Schneebinden

anleg, seh ich erst, wie schön der Tag geworden ist.

Nach einer halben Stunde geh ich ins Dorf hinunter. Vor’s Weberhofer

steht der Patritz, unser Dorfjäger; fragt mich, ob ich mich schon

auf die Höh’ aufitrau. Sag ihm, dass ich aufs Straßegg zum Oberen

Bergbauer geh. „Oftn geh i mit, wann’S a wenk wartn! Muaß eh amol


nachschaun, was mit meine Fuchseisen obn is.“ Mir ist’s recht, dass

wir zu dritt sind.

Es ist erst acht Uhr. Die Sonne brennt uns schon auf den Buckl, dieweil

wir Straßegg zu steigen. Wir meinen gerade, dass der Wetterumschwung

wohl wieder die gefürchtete Grippe bringen wird, da hebts

in meinem Kopf ganz leise zu rumoren an, ich beachte es kaum. Beim

Stieglblos verfolgen wir aufmerksam die Spur eines Rehes, das in seiner

Not dorfzu wanderte, von einem Hund in Wind genommen und

über den Bach gehetzt wurde. Der Patritz ist ein echter Jäger, er hat

viel Mitleid mit den armen Tieren. Gar manches interessante Stücklein

erzählt er während des Aufstieges, zumeist sind es eigene Erlebnisse,

oder als solche erzählte Geschichten. Die Hannerl stapft flink

wie ein Reh voran, wir gehen ihr viel zu langsam. Sie malt sich wohl

den Tag, den ich bei ihnen daheim verbringen soll, mit den lustigsten

Farben aus. Und ich zerbrech mir schon den Kopf darüber, was ich

oben anfangen werde! Ich war schon bei manchem Bergbauer, überall

hab ich stille Menschen gefunden mit den harten Furchen der Sorge

im Gesicht; und Leben hab immer ich hineingebracht und es ist wohl

oft toll zugegangen.

1929 - Blick vom Oberen Bergbauer

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Vom Oberen Bergbauer kenn ich so recht nur den Sepperl, der voriges

Jahr noch mein Schüler war. Wenn beim Haus alle so lustig und

kernfrisch sind wie er, dann ist es mir um den Tag, den ich bei ihnen

verbringen soll nicht bange.

1929 - Beim Oberen Bergbauer

Wir sind bereits beim Michl in Zwieselhütt; betrachten hier lang den

neu aufgebauten Stall und philosophieren ein wenig über die Blitzgefahr,

der er stets ausgesetzt bleibt. Verkohlte Pfähle liegen noch herum,

Spuren des schrecklichen Brandes vom Juli vergangenen Jahres.

Noch ein Stück Bergwald – wir haben die Höhe von Straßegg – eine

frische Brise streicht uns gruselig über den verschwitzten Körper.

Vor uns leuchtet bereits der weiße Stall des Gehöftes in der Morgensonne.


Lenz 1929

Ach, wie ist die Zeit jetzt der Wunder voll! Die Zeit des jungen Lenzes.

Lenz – man erlebt ihn nicht in der Stadt, seine wilde Schönheit

hat nichts gemein mit den Steinen der Straße. Auch auf ebenem Land

draußen magst du nicht seine ganze Herbe und Kraft spüren. Die

lernst du erst in jenen tiefen Tälern kennen, in denen noch jungferlich

wild die Wässerlein rauschen, vor einigen Stunden erst entsprungen

der großen Mutter Erde, auf jenen Hängen und Höhen, auf denen der

Bergbauer seine Schweißtropfen dem heiligen Boden opfert. Dort

oben spürst du besonders, was Lenz eigentlich ist, merkst, dass es

nicht der zarte Hauch erster Veilchen ist, die auf dem Busen schöner

Stadtdamen duften, nicht die weiche Stimmung lauer Nachwinterstage,

nicht der blauere Himmel, über den der Föhn einige Wölkchen

steuert – das alles ist wohl Frühling, wie ihn stimmungsvolle Gedichte

zeichnen, nicht aber der Lenz, der Lenz, der nichts ist als der urgewaltige

Anfang des neuen Lebens, das Gott der Erde schenkt; der echtester

Kampf ist des Neuen gegen das Alte, der so Kraftspender wird

allen, die Kraft brauchen, Kraft des Kampfes im Kampf des Lebens.

Das ist Lenz. Ich hab ihn erlebt. Und kann’s noch nicht fassen, dass

ich ihn erleben durfte. Du Stadtkind, hineingestellt ins Ringen der reinen,

heiligen Natur – welch Recht rühmst du dir zu, zu lauschen ihrem

Leben, ihr Freundeshand zu bieten, du, aus einer Welt, die ihr feindlich

ist, teilzuhaben an ihren Geheimnissen, mitzufühlen die Hochfeste

ihres Kampfes ums heilige Leben?

Der Sturm tobt um die Schindeldächer, unter dem Sternenhimmel

jagen Nebelfetzen und in der Stube zieht der Rauch schwelend dem

Kamin zu. Das war die Stunde, da ich Freundschaft schloss mit ihr,

der Furchtbaren, der Erhabenen, der Segensspenderin, der großen

Schweigenden, alles in einem in den Wechselzeiten des Jahres. Sie hat

mir mit rauer Hand den Namen verlöscht, der ihr Leid war und mich

in ihrem Mutterschoß empfangen zu neuer seliger Geburt.

Nach der Messe – es ist der Freitag nach dem Weißen Sonntag – steige

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ich wieder, nach vielen, vielen Wochen in meine Berge auf. Der Pfad

ist schneefrei, die warme Sonne hab ich im Rücken, die Morgenluft ist

erfrischend und das allerorts erwachende Leben so einzig schön.

Durch das Gehöft des Grossauer führt der Weg in den flechtenverkleideten

Hochwald. Über eine steinhart gefrorene Schneewächte geht

es in eine wüste Winterlandschaft hinein. Fast scheint es mir nicht

ratsam, den Weg fortzusetzen, denn ich hab nur Sandalen an und der

Schnee ist an sonnigen Stellen patzweich. Das Vergnügen des bis zum

Bauch Einsinkens, das ich mir vor Ostern einmal stundenlang zumuten

musste, will ich denn jetzt doch nicht mehr verkosten.

Auf der Schneid oben beugen sich die zausigen Wetterfichten vor

dem anstürmenden Lenz. Es ist so wild und schön, dass es mich ohne

Willen hinzieht.

Jetzt stehe ich oben. Einige Schritte auf der anderen Seite unten liegt

Höhlhofer. Zwischen einige Meter tiefen Schneewächten steht ein

verwittertes Kreuz. Der Korpus ist fast geborsten und vom schützenden

Dach hängen lang die Flechten herab. Unten aber am Kreuzesstamm

ist ein kleines Plätzchen aper. Da setz ich mich nieder und lass

den Wind in meinen Haaren zausen, bis mir der Kopf zu brummen

anhebt.

Abwärts und wieder dorfzu. Beim Willingsbauer sprech ich auf kurze

Weile vor. Dann geht’s heimwärts.

1929 - Beim Willingsbauer


Im Gasner Bergland

Anm. der Redaktion: 1930 verfasste Alfred Schlacher folgende Seiten

für die Zeitschrift der Jugendgruppe Neuland.

Einer, der seit drei Jahren als Lehrer unter den Bergbauern der Gasen

lebt, will nun ein Weniges aus ihrem Leben erzählen. Es wird nichts

Systematisches-Volkskundliches werden, sondern ein wahlloses Plaudern

aus der Seele des Berglandes und seiner Leute heraus.

Ostern

Ein wüster Ostervortag. Die Berge erglänzen in Neuschnee. Und dort,

wo wir am Ostermorgen unser Feuer abheizen wollen, liegt er besonders

festlich. Unser Planen ums Feuer erstarrt.

Da lässt der Sturm ein wenig nach. Die Lehnen und Gstätten in ihren

sonderlichen Fluchten nach den Almen und Gipfeln leuchten in vorlenzlicher

Klarheit. Es geht die Sage im Land, dass seit Menschen-gedenken

kein Unwetter den Osterumgang verdorben habe. Wird wohl

auch heuer noch so Brauch sein! Um eins hats noch „gwaht“ und nun,

eine halbe Stunde vor dem Umgang, ist der Steig um die Kirche halbwegs

trocken.

Dass der Mesner heute seine würdigste Amtsmiene aufgesetzt hat,

wer wird’s ihm verübeln? Die ist schon der Autorität über die Ministranten

halber an so hohen Festen unerlässlich. Über manche Pfützen

des Prozessionsweges gilt es noch Bretter zu legen. Dann müssen die

Glockenläuter ständig Bereitschaft halten, denn in wenigen Minuten

sind die Missionäre im Dorf und wehe, wenn das Glockengeläute zu

spät einsetzt! Ja, ein Mesner hat an Feiertagen nichts Geschenktes!

Die Jungfrauen haben in der Kirche vor dem heiligen Grab Betstund,

die Burschen --- im Dorfe. Ist meinetwegen auch in der Ordnung. Es

liegt schon so viel Festesstimmung auf ihren Gesichtern, wie sie so

schockweise beisammen stehen, dass ihr feierlicher Anblick bereits

ganz österlich stimmt. Du musst aber auch wissen, was an bäuerlicher

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Schwerarbeit vor Ostern geleistet wird! Wie selig schimmert da schon

durch die ganze lange Karwoche der Feiernachmittag des Karsamstag.

Der Heiland liegt nicht mehr im Grabe. Seine sieghafte Freude

ist der Auferstehungsfeier schon vorausgeeilt in die Herzen der Menschen.

Ich mag auch nicht kurz vor dem Jubel des Allelujas noch an

den schwarzen Karfreitag denken.

Auf dem Pullerriegel flackert schon das Böllerfeuer. Und dann

kommt’s, wie all die Jahre, da in der Gasen Ostern gefeiert ward. Wer

möchte die Augenblicke ausbrechender Osterfreude, die im schweigsamen

Mitleben ihren schönsten Ausdruck finden, in Worte zwingen?

Die Osterfreude, die im Böllergedröhn von Hang zu Hang hallt, die

sich im Gasner Osterlied gar aller Fesseln zu entschlagen scheint. Ja

unser Osterlied, mir war es, wie ich es das erste Mal hörte, das Ostererlebnis.

Das Lied hat den allbekannten Text: „Der Heiland ist erstanden“

und ist als kräftigste Untermalung mit einer überreichen Blechmusikpartitur

ausgestattet. Es wird gespielt und gesungen vor dem

Auferstehungsumgang, am Ostermorgen um fünf Uhr vor der Kirche,

während des Hochamtes am Ostersonntag, am Ostermontag und zum

letzten Mal am Weißen Sonntag.

Nach dem Umgang. Das Bauernvolk macht sich heim. Was im Wirtshaus

bleibt, hat als Bergbauernvolk wenig oder gar keinen Wert

mehr.

Nach altem Brauch versammeln sich am Ostersonntag Nachmittag

Burschen und Dirndln (insgemein „Mentscher“) in den einzelnen

Gräben zu frohem Spiel. Alle Spässe und Scherzspiele werden da aus

der Erinnerung geholt. Zu den vergangenen Ostern wars bereits ein

Neulandsfest. Gegen fünfzig Leute taten mit. Die Pailerwiese soll mit

dem Grünwerden lange gestreikt haben.

Das gestern verstürmte Feuer brachte uns der heutige Abend. Getrennt

in zwei Haufen saßen Burschen und Mentscher am Brand und

sangen. Sie sollten besser zusammenrücken, dass es schöner klinge.

Die Antwort gab einer von den Burschen: „Des is bei ins so Brauch“.


Und sie blieben auseinander.

Droben auf den Hängen wirft der Pflug die Erde auf. Dem Bergboden

dämmert der Frühling. In der Kirche ist Mission, und auch hier taut es

allenthalben. Alleluja.

Volk

Du lebst im Volk und willst allen alles werden. Dein Lohn ist, wenn

das Volk noch eine Einheit ist, dass es dich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit

in seine Gemeinschaft aufnimmt. Warst du vordem

ein Stadtkind, du wirst bald den sicheren Grund spüren, der dir unter

die Füße geschoben ward. Und dann geschieht es wohl einmal, dass

du Augenzeuge einer furchtbaren Notgemeinschaft wirst und vor dir

die ineinanderwirkenden Kräfte derer fühlst, die sich und dir verbrüdert

sind. Erst dann wird dir recht klar sein, was „Volk“ ist.

Ein unheimliches Wetterleuchten wies die Sonntagnacht. Der Bruderhass

hat auch den Weg in unser stilles Bergland gefunden. Das Dorf

tat die Nacht kein Auge zu. Und schlief in der nächsten umso tiefer.

Und nahm nicht wahr, dass jenseits der Straße ein wütender Flammenwirbel

in den Schindeldächern raste. Diese Nacht zerstörte den

schönsten Teil des Dorfes, insgesamt vier Wohnhäuser, drei Ställe,

eine Mühle und eine Wagenhütte. Eine Stunde nach Feuerausbruch

waren sie alle, alle an der Unglücksstatt. Das Dorf scheint verloren,

der Morgenwind zieht nach Osten an, weiter fluten die Flammen.

Der alte Flasch. Das Kleid, das er trägt, hat er herausgebracht und die

Heimkehrerfahne. Alles Übrige ist hin. In den Stubenfenstern nicken

die großblumigen Begonien im wehenden Feueratem. Der Flasch sieht

es, und über allem Leid hat er noch erbarmende Worte für das zarte

Leben dort in den Blumenkelchen, über die schon der Rauch schwelt.

Die Strasseggerin. Beim ersten Morgenlicht seh ich sie suchend auf

den glosenden Trümmern. Gar nichts mag sie mehr finden, was noch

brauchbar wär. Sie geht auf mich zu, nimmt meine Hand...... „Nia hab

i an Bettler laar fuatgschickt, hiaz bin i selber dran....“ und wendet

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sich wieder den Trümmern zu. So könnt ich weiter erzählen ....

Es war ein trauriger Morgen. Um halb sechs haben sie den verbrannten

David aus der Asche gezogen. Ein paar Hosenknöpfe ... das letzte

menschliche Erkennungsmal. Er war Gemeindearmer, zu seinem Begräbnis

aber rückte die Feuerwehr aus. Ein Wetteifer in der Hilfsbereitschaft

setzt ein. Die Motorspritze rattert noch auf der Brandstatt,

als schon von allen Seiten die Leute mit vollbepackten Buckelkörben

herabwanken. Lebensmittel, Kleider…

Der politische Hassgesang vom Sonntag freilich ist über all dem

Elend nicht verstummt. Man weiß noch nicht die Brandursache und

da muss manch Schuldloser dem Gerede der zu tiefst erregten Leute

herhalten. Aber sobald eines der Brandopfer durch die schwatzenden

Gruppen schreitet, da schweigt alles und sieht in der eingeknickten

Gestalt nicht den politischen Gegner mehr, sondern den armen und

ärmsten Bruder der Gemeinschaft.

Kranzbinden

Sonntag vor Oswaldi, dem Gasner Kirchweihfest. Um zwei Uhr

Nachmittag sitzen sie schon bei der Arbeit. Körbe mit Immergrünzweiglein

warten zum Aufarbeiten. Um den klobigen Tisch herum ist

bald alles in emsiger Tätigkeit. Anfangs fehlt sichtlich der Schwung

beim Werk. Es ist notwendige Sonntagsarbeit. Vielleicht ist das die Er-

klärung – doch nein! Es sind noch nicht alle Plätze besetzt. Die vom

Bergbauern, die ihren Kranz für die Kirchentür schon fertig haben,

sind eben angekommen und auch die Grazer Bundesleut haben sich

durch einen etwas plötzlichen Regenguss nicht abschrecken lassen.

Wenn sie auch patschnass hereinschnauben – dass sie nur da sind!

Die Vorlaube beim Pailer ist nun gut voll. Während wir Burschen

die Immergrünzweiglein zerschneiden und zu Büscherln ordnen,

haben die Mentscher sorglich darauf zu sehen, dass der Kranz nicht

„g’schartert“ wird. Denn dieser hat die hohe Sendung, am Oswalditag

die Kanzel für den Festprediger zu schmücken. Frohes Singen beglei-


tet die Arbeit und sobald sie fertig ist, geht es zum Tanz. Der Boden ist

vom Regen reichlich glitschig, die Figuren der bei uns fast ausschließlich

schussigen Reigen werden ständig durch unfreiwillige Kniebeugungen

bereichert. Wir ziehen es vor, auf der Tenne weiterzutanzen.

Wie sich des Abends die schwarzen Regenwolken auf den Almen wie

zur Nachtruh niedersetzen, rücken wir um den Tisch in der Vorlaube

enger zusammen. Draußen hebt sich wüst der Sturm. „Horch, Kind,

horch...“ Weich klingt die Klampfe dazu. Und jetzt, wo wir so schön

Gemeinschaft sind, halten wir Heimstunde. Das ist immer unser

schönstes Beisammensein. Kein Vorbereiten, nur spüren, wann das

Feine in der Art der Einzelnen zusammenschlägt und jene Stimmung

webt, die sich nicht schaffen lässt. Das ist für uns die Gemeinschaft,

echt und fraglos.

Leichenwachten

Der Oswalditag ist diesmal wenig festlich verlaufen. Der Anblick des

durch den Brand arg verwüsteten Dorfes verscheuchte die ansonsten

beim Kirchweihfest übliche Ausgelassenheit. So stimmte es eigen

in die Gedrücktheit des Volkes, als nach der Festpredigt verkündigt

ward, dass in den Morgenstunden die Willingsbäurin verstorben ist.

Durch die Zuhörer geht fühlbar ein Erschauern. Dieser Todesfall ist

wohl keinem gleichgültig, weil sie alle den Leidensweg der jungen

Willingsbäurin mit Gram und Mitleiden verfolgt haben. Zwei Gesichter

sehe ich, wie ich die Botschaft vernommen.

Am offenen Herd steht sie, die junge Bäurin, schaffend in lachender

Jugendfrische. Der dreijährige Peterl hängt ihr in den Kittelfalten.

Schwer legen sich die Blondzöpfe zum Kranz um ihr Haupt.

Es ist seither Winter und wieder Sommer geworden. Ein fiebernd

Weib liegt in den rotweiß gewürfelten Betten. Liegt so den ganzen

Herbst, während sie draußen an den Fenstern vorbei die Frucht des

Sommers heimführen, liegt so den langen langen Bergwinter. Im Vorfrühling

sitz ich wieder an ihrem Krankenlager. Gestern wusste ich’s

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vom Arzt: Verloren. Und heute verlangt sie ein Frühlingslied. Harte

Tragik. Und in der Stube daneben – am Lager duldets das Fieber nicht

mehr – muss ich singen und geignen.... „Wanns Mailüfterl waht,

z’geht im Wald draußt der Schnee...“ (1)

Zum Abschied gab sie mir die Hand, brennheiß und schreckbar knöchern.

Auf den Wangen glühten die letzten Rosen der Schwindsucht.

Das Wiederkommen mit der Geige hab ich ihr das selbig Mal versprochen

und heut – heut am Oswaldiabend werd ich’s einlösen.....

Es wird meine erste Totenwacht.

Durch einen elenden Karrenweg, in stockdunkler Nacht, steig ich dem

Hofe zu. Ein mattes Licht schimmert mir hoch von der Gstättn herab

entgegen. In der großen Stube sind schon etliche Leut zum „Aufbleiben“

versammelt. Die Neukommenden aber gehen in die Nebenstube.

Dort liegt die Tote. Ihr Leib ist auf die ebene Stubentür gebettet, die

über das Totenbett gelegt wurde. Diese schlichte Aufbahrung – der

Leichnam liegt wie zum letzten Besuch hergerichtet völlig frei – war

die schönste, die ich je gesehen habe. Kniend weihen wir der Toten

unser Gebet. Dann gehen wir hinaus zu der schwatzenden Schar der

„Aufbleiber“. Gegen Mitternacht – es sind mittlerweile viele Leute

gekommen – rüsten sie zum Beten. Der schmerzhafte Rosenkranz

vorerst, die Allerheiligenlitanei mit den abgeänderten Responsorien:

bitt für sie..., erbarme dich ihrer..., und schließlich eine Menge Fürbitten

im Anschluss an eine eingehende Betrachtung der heiligen fünf

Wunden. Es ist ein Uhr, als wir uns auf den Heimweg machen.

Wie ich im Graben unten dorfzu schreite und hinter den östlichen

Bergkämmen schon das erste Frühlicht heraufdämmert, da funkelt

noch unendlich traurig das Totenlichtlein von der Gstättn in die Gasen

herab.

Geschrieben im frommen Gedenken an die Willingsbäurin, die in

ihrem 27. Lebensjahr gestorben ist.

1) Siehe „Gasen erzählt und singt“, Seite 154


Brief vom 23. Mai 1945 - Im Gefangenenlager Rimini

Anm. der Redaktion: Aus der Kriegszeit Alfred Schlachers sind viele

Aufzeichnungen erhalten. Die Briefe, die er in der Gefangenschaft von

Mai bis September 1945 geschrieben hatte, konnte er nie absenden, er

brachte sie später selbst mit. So blieb die quälende Ungewissheit: Er

hatte keine Ahnung, wie seine Familie das Kriegsende überlebt hat,

und daheim gab es kein Lebenszeichen von Vater.

Der lieben Gasner Heimat!

Zwei Grundhaltungen sind mir bei den Bibelbetrachtungen der letzten

Wochen klar geworden:

Die erste besteht im unbedingten Vertrauen auf Gottes Führung. Sie

ist wohl das Um und Auf der Gotteskindschaft des Christen. Wer sie

nicht hat, kommt nimmermehr aus den tausend Sorgen seines Erdenlebens

heraus, ihn peinigt vor allem die so grausam ungewisse Zukunft

unserer Tage. Er zerquält sich um jeder kleinen Einzelheit willen, und

gewinnt kaum eine größere Schau, und hatte er sie aus ruhigeren Tagen

her, verliert er sie jetzt. „Ne curare – sorget nicht ängstlich! Euer

himmlischer Vater weiß ja“. Und doch: Ja, auch hier ist ein „doch“

billig und heilsam. So sehr wir glauben und es wissen, daß Gott uns,

soweit wir in allem guten Willens sind, nur zum Guten hinführt, so

wenig darf uns dies körperlich und geistig faul machen. Die Grenze

zum „vermessentlichen“ Vertrauen hin ist bald überschritten.

Wir selbst müssen unser Heil auch wirken! Das heißt, Leib und Seele

müssen ständig in all ihren Kräften mobil sein, damit wir „ewiges und

zeitliches Glück und Frieden“ finden.

Und „das Himmelreich leidet Gewalt, und nur wer Gewalt anwendet,

gewinnt es“.

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Dieses Tätigsein ist der zweiten Grundhaltung wesentlich. Und insoweit

unser Wirken, so es richtig läuft, ständig unter „Furcht und

Zittern“ vor sich geht, ist ein bittendes Hinneigen zum immer hilfsbereiten

und erhörenden Vater naturnotwendig.

So ist unser Wirken stets vom Gebet begleitet, und die beiden Grundhaltungen,

das unbeirrbare Vertrauen in die Vorsehung einerseits, und

das tägliche Bitten um Hilfe zum Selbst-Werken anderseits bestimmen

unser Geistesleben.

Ist es richtig, Gott aufmerksam machen zu wollen auf Sorgen, die

seinem Ermessen nach nicht stimmen? Haben wir nicht schon den

peinlichen Eindruck, der Sprecher mancher Bibelstellen sei zu weit

gegangen? („Hast du denn kein Gedächtnis mehr für unsere Not? Was

zögerst du, o Herr?“)

Aber es ist wohl so, Gott will, daß wir ihn bitten, ihn sozusagen zwingen,

dass wir ihn bestürmen, ja ihm lästig fallen, und er läßt uns oft

das Wasser bis zur Kehle steigen, dass wir den Mund aufreißen zum

Bitten. Wohl regiert er die Welt selbstherrlich, aber er läßt auch die

Dinge treiben, weil er uns vom Anbeginn an mit freiem Wollen ausgestattet

hat, und so können Menschen schuldig werden, trotz aller

souveränen Gnadenwahl Gottes.

Der letzte Zusammenklang dieser beiden Tatsachen (freie menschliche

Entscheidung und Gnadenwahl Gottes) wird unserem „gehaltenem“

Auge wohl Geheimnis bleiben. Solange aber neben dem „Sorget

nicht..!“ das andere steht: „Bittet, dass eure Freude vollkommen werde!“,

brauchen wir uns verzagter Stunden nicht zu schämen, sondern

wollen bitten um Erlösung, aus „Abgrundtiefen rufen“, Gott zu rühren

suchen, dass er „ein Ende mache unserer Bedrängnis“. Da muß

ich aber schon wieder einschränken, ich, der ich so zur Dankbarkeit

verpflichtet bin: Not, Bedrängnis, Elend, Schmach – sind für mich zu

arge Worte. Denn bis zur Stunde bin ich ohne Schaden durchgekommen,

ich lebe, bin gesund, habe Nahrung und Kleidung, die Gnade des

Gleichmutes und Vertrauens, keiner aber rühme sich, es sei denn, seiner

Schwachheit, drum will ich jetzt frischweg vom gestrigen Abend

erzählen.


Mißtrauisch bin ich zum Variete gegangen. Da es aber auf dem nachbarlichen

Acker gastierte, riskierte ich die paar Sprünge. Gleich wurde

ich aufmerksam. Der übliche lockere Ton fehlte fast ganz. Die

vortragenden Kameraden waren durchwegs auf guter künstlerischer

Höhe und schon aufeinander eingestimmt. Ein Chorgesang, von einem

Schrammel-Terzett begleitet, hat mich tief aufgewühlt – dessentwegen

kam die lange Einleitung des Briefes zustande.

Text und Aufmachung hätte mich früher kalt gelassen (war dran der

Hochmut schuld, den zu leicht ein Unberührtsein von hartem Leid

gebiert?) Jetzt stoße ich mich dran nimmer, alles, alles gehört zum

Leben. Hartes und Sentimentales, wenigstens soll das für diese langen

Tage gelten, gern opfere ich für diese Zeit meine Ansprüche dem weniger

wählerischen Geschmack der meisten Kameraden.

Der Gesang hatte folgende Worte:

Einsam in weiter Ferne

frag ich des Schicksals Sterne,

was greift ihr so hart mich an?

Heimat, ich kanns nicht fassen,

dass ich dich musst verlassen,

sag, was hab ich dir getan?

Heimat, wann hör ich deine schönen Lieder,

Heimat, wann küss ich deine Erde wieder?

Heimat, wenn sich der Mutter Tränen

nach ihrem Kinde sehnen –

hast du für Schmerzen denn gar kein Herz?

Heimat, wann hör ich deine Glocken läuten,

Friede für alle soll ihr Klang bedeuten.

Heimat, dann bist du unsre Heimat

und unser ganzes Herz ist dein.

Im Augenblick war in mir ein wildes Aufbegehren, ein ursprünglich

heißes Fragen an alle menschlichen Gewalten, die ja unverdient störend

in mein Leben griffen. Was habe ich euch, euch allen in der Heimat

getan, dass ich jetzt wie ein Vieh im Pferch, jeden Tag zweimal

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gezählt, in ständiger Bangnis vor dem Schicksal der Zukunft leben

muß? (Dass rein animalisch alles richtig läuft, Bewegungsfreiheit,

Hygiene, Verpflegung innerhalb des Lagers gegeben ist, werte ich in

diesem Zusammenhang nicht) Wo ich zu allen Zeiten für meine Gemeinde,

für meine Schuljugend stets das Beste wollte und keinem,

bösen Willens, ein Härchen krümmte! Dass mich zur Stunde in erbarmungsloser

Deutlichkeit die Ungewißheit quält: Ob nicht meine

Kinder nach dem Osten verschleppt, mein Frauerl in Übermaß von

Angst und Schmerz und Sorge um den Haushalt zusammengebrochen,

Mutterl und Tantchen zur Last ihres Alters noch die Last um Hubert

und seine Familie tragen müssen und dem vielleicht nicht gewachsen

waren. Nicht alles ist an dieser Stelle sagbar und klagbar, ich will es

auch damit be-wenden lassen, denn ich weiß, dass im Letzten und

Schwersten genau so Gottes weise Planung liegt, wie in dem für uns

und von uns als gut und schön Erkannten.

So redete ich jetzt wie ein Tor, und ich will mich, wenn dies jetzt ein

Abwenden von oben war, bittend wenden „zu dir, o Vater, zu dem

ich komm in Freud und Leiden, du sendest ja die Freuden, du heilest

jeden Schmerz“.


ERINNERUNGEN AN ALFRED SCHLACHER

Ehemalige Schüler sind dem Aufruf gefolgt, Erinnerungen an ihren

Lehrer, besondere Erlebnisse oder Anekdoten aufzuschreiben. Und

das im Jahre 2007, also 28 Jahre nach dem Tode Alfred Schlachers!

Danke für alle Beiträge!

Die Reihung stellt keine Wertung oder Chronolgie dar. Jeder Beitrag

gibt einen sehr persönlichen Eindruck vom Verstorbenen wieder.

Seine Schüler 1930

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Adelheid Pöllabauer, geb. Lang

Es war in den dreißiger Jahren. Vor Weihnachten spielte eine Jugendgruppe

der Neuländer (auch auswärtige Gäste waren dabei) unter der

Leitung des damaligen Lehrers Alfred Schlacher ein Theater. Dazu

wurden auch arme Familien mit ihren Kindern eingeladen und an diese

Geschenke verteilt. Meine Mutter bekam einen großen, gestrickten

violetten Unterrock, den ich heute noch genau in Erinnerung habe.

Mutter nähte daraus für zwei von uns kleinen Kindern ein Kleid. Geld

war sehr knapp in dieser Zeit.

1929 - Weihnachtsspiel

Direktor Schlacher als Arzt. Im Jahre 1941 war es. Schlacher war damals

Organist, mein Bruder Hans Ministrant. So ging ich oft in der

Früh in die Kirche mit, danach blieb uns noch Zeit, bis zum Unterricht

in der Schule zu spielen und herumzutoben. Trotz vieler Mahnungen

von Schlachers Mutter und der Schuldienerin Everl, sprangen wir wild

über die Holzbänke, aber plötzlich, oh Schreck, fiel ich auf den rauen


Holzboden und zog mir einen Span durch meine ganze Handfläche

ein. Mein größter Schmerz war, dass ich nun zur Familie Schlacher

gehen musste, den Span herausziehen zu lassen. Direktor Schlacher

nahm ohne zu schimpfen ein kleines scharfes Messerl aus dem Verbandkasten

und konnte den Span, der größer als ein Zündholz war,

entfernen. Dann gab er mir ein Heilmittel auf die Wunde und wickelte

mir die Hand mit einem großen weißen Verband ein. Fast stolz kehrte

ich damit in die Klasse zurück.

Viele Jahre später. Unser Sohn Stefan hatte Hirnhautentzündung und

lag vier Wochen in einem Grazer Krankenhaus, ohne je aufstehen zu

dürfen. Vor dem Heimfahren baten wir die Ärzte um eine Bestätigung,

dass er noch nicht zur Schule gehen kann. Die sagten nur, von ihnen

aus könne er schon morgen in die Schule gehen! Ich sagte das dem

Herrn Oberschulrat, der meinte: „Diese Ärzte verstehen das ja überhaupt

nicht. Der weite Schulweg bei jedem Wetter und dazu noch Lernen,

das ist zu viel! Wenn ihr und Stefan glaubt, er sei stark genug,

dann soll er in die Schule kommen. Und wenn es ihm dann mal nicht

gut geht, darf er ohne zu fragen nach Hause gehen.“

Schlachers Motto: „Gesundheit ist wichtiger als Schulpflicht!“

Sieben Jahre später: Liebevoll sang der Kirchenchor unter der Leitung

von Alfred Schlacher dieses Lied beim Begräbnis unseres verunglückten

Sohnes und gab uns dieses Notenblatt. Es war für uns ein

Trost. Danke herzlichst dafür!

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Melodie von Anton Faist


Anton Arzberger, vlg. Amschlegger

Ich bin mit meiner Frau gerne bei den Bildungsreisen mit Schlacher

mitgefahren. Zur damaligen Zeit war das etwas Einzigartiges. Alles

hat geklappt, Schlacher hat uns auch immer das Wichtigste aus der

Geschichte, Kunst oder Natur erklärt. Bei einem Musikerfest sind

Schlacher und ich einmal allein beim Tisch gesessen, nach mehreren

Achterln sagte er zu mir: „Und jetzt sind wir per Du! Wir sind doch

Fahrtenkollegen!“ Am nächsten Sonntag geht er mir zu und fragt:

„Habe ich neulich einen großen Blödsinn getan?“ Ich darauf: „Das

kann man wohl sagen!“ Schlacher erschrickt, und ich kläre ihn auf:

„Sie haben mir das DU-Wort angetragen!“ Da antwortet er erleichtert:

„Das ist kein Blödsinn. Dafür war es höchste Zeit und so bleibt es!“

Berta Schwaiger, geb. Sallegger

I sog „Vergelt’s Gott“!

Und roat i zruck, jo kaunn’s denn dos gebn?

Im vorign Joahrhundert is goa amol gwen,

hon bitt insern Schlacher: „Mei, schaust ma dos aun,

is an mein Sprücherl a wengerl wos draun?“

Gach kriag i a Briafl. Jo, siach i denn recht?

„Beim Takt is’s weit gfahlt, doch der Inholt nit schlecht.

Es is wia beim Tounzn, brauchst an gleichmäßign Kloung.

Tounz nit aus der Reih, jo du bringst dos scho zsoumm!“

Sou hot er zruck gschriebn und i dounk eahm dafür.

Wos er oan olls beibrocht, vergiss i eahm nia.

Mit Diplomatie und wal’s eahm sölba hot gfreut

hot er glehrt seine Schüler: Wos a Hoamat bedeut,

wos d’Natur oan olls gibt zum Leben und zum Schaun,

und grod deratwegn hot er jo sou viel toan.

Er hot dazua beitrogn, jo dos is wuhl gwiss,

doss die Gasen nit heut schon gounz zuagwochsn is.

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Blasius Peßl sen.

Alfred Schlacher erzählte mir einmal folgende Begebenheit:

Als junger Lehrer fragte er seinen damaligen Chef und Direktor, was

er in Heimatkunde über Gasen unterrichten soll. Die Antwort war:

„Erzähl halt irgendetwas!“ Das war der Anstoß für Schlacher, die Geschichte

von Gasen und seiner Bewohner zu erforschen.

1948 - Blick vom Spielplatz Richtung Mitterbach, links sieht man die Leitung zum

damaligen E-Werk “Mühldurl”

Cilli Baumgartner, geb. Straßegger

Für mich war Schlacher eine Persönlichkeit christlicher Prägung. Er

hat als gläubiger Christ gelebt, gebetet, unterrichtet, und ist uns zum

Vorbild geworden. Als Erzieher versuchte er immer, uns die Werte

des Wesentlichen zu vermitteln. Geld und Reichtum waren in seiner

Lebensordnung nie das Wichtigste. Kam in einem Gedicht, ich glaube

es hieß Tulipan, ein geldgieriger und böser Mensch vor, so war das ein

Anlass, uns auf die wahren Werte christlichen Lebens aufmerksam zu

machen. Ich denke nur daran, wie oft er wohl vor Unterrichtsbeginn

jeden Wochentag in der Kirche Orgel gespielt und gesungen hat, ganz

abgesehen von seinem Einsatz an Sonn- und Feiertagen.


Reich an Geld ist er dadurch sicher nicht geworden, für ihn zählte

etwas anderes.

Bewundernswert ist seine literarische Fähigkeit gewesen. In seinen

gut formulierten Beiträgen im Pfarrblatt, in seinem Weihespiel zum

Abschluss der Kirchenrenovierung und vielen anderen Werken, oder

in den Diktattexten kam seine christliche Lebenshaltung klar zum

Ausdruck. Negative Ausdrücke oder Formulierungen „unter der

Gürtellinie“ ließ Schlacher einfach nicht gelten. Ich erinnere mich ans

Theaterspielen unter seiner Regie, da wurde halt manches geändert

oder gestrichen!

Bleibend in meiner Erinnerung an die Schulzeit ist auch das frohe

Beginnen am Morgen durch ein religiöses Lied, einen guten Spruch,

ein Gebet. Seine Aufgeschlossenheit für Gutes Neues blieb ihm bis

ins hohe Alter erhalten. Das finde ich auch in seiner Funktion als

Kirchenmusiker. Neben althergebrachtem Liedgut und lateinischen

Messen förderte er den deutschen Volksgesang, studierte mit

dem Chor neue Lieder ein und war auch aufgeschlossen für gute

rhythmische Lieder.

Eine Begebenheit fällt mir ein, die nichts mit Schule oder Kirche

zu tun hat. Einmal war im Winter Herr Schlacher mit seiner Frau zu

Besuch auf unserem Bauernhof. Da wussten meine Schwester Rosi

und ich schon, dass wir die übliche Stallarbeit heute allein machen

mussten. Dadurch hatten die Eltern mehr Zeit für den Besuch, der

sicher länger bleiben würde. Nach der Arbeit haben wir die Stalltüre

zugemacht, setzten uns hinter die Futterstiege und begannen für uns

zu singen. Da sang auf einmal der Lehrer mit! Wir waren darüber

furchtbar erschrocken, weil wir uns sicher gefühlt hatten, dass uns

hier niemand hört.

Ich persönlich danke ihm auch, dass er unsere Stube mit Bauernmalerei

verschönert hat. Was er für mich gewesen ist, drückt am besten

das Gebet auf seinem Sterbeandenken (siehe Seite 23) aus.

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Elfriede Schantl, geb. Rath

Beim Direktor Schlacher, er war mein Lehrer in der 6. bis 8. Klasse

der Volksschule, mussten wir sehr viele Aufsätze schreiben. Besonders

gut erinnere ich mich an einen Aufsatz über das Backen einer

Torte, den mir der Lehrer mit folgender Bemerkung zurückgab: „Humor

ist, wenn man trotzdem lacht!“

Noch heute weiß ich, dass wir die Torte wirklich so gebacken haben,

wie ich es beschrieben habe. Ich sehe sie noch vor mir – sie hat uns

trotzdem geschmeckt. (1)

Einmal gab es wieder drei Aufsatzthemen zur Auswahl. Ich wählte das

Thema „Faulheit“, schrieb die Überschrift und ganz unten am leeren

Blatt den Satz: „Das ist Faulheit, Herr Lehrer!“ Wie er darauf reagiert

hat, weiß ich nicht mehr.

Gerne haben wir Blumen zum „Bestimmen“ mitgebracht, wir waren

gierig darauf, den Namen jeder Pflanze zu erfahren. Ein Spaß dazu

fällt mir jetzt ein: Wir brachten eine Blume, die wir aus verschiedenen

Pflanzenteilen perfekt zusammengebastelt hatten. Eine Weile ließ er

uns die Freude an unserer Täuschung, aber dann hat er uns Naturpfuscher

doch entlarvt und meinte schmunzelnd: „Eine solche Blume

habe ich noch nie gesehen!“

1) Anm. der Redaktion: Diesen Aufsatz fanden wir in der Schülerzeitung 1951/52.


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Erna Ganahl, geb. Knoll

Herr OSR Schlacher war ein hervorragender Pädagoge. Noch heute

sehe ich den verschmitzten Schalk in seinen Augen und Mundwinkeln,

wenn er mit unnachahmlicher Methode versuchte, uns Schülern

sein enormes Wissen zu vermitteln. Da musste man wissensdurstig

werden.

Wenn ich nun nach 64 Jahren zu den besonderen Ereignissen und Höhepunkten

während der achtjährigen Schulzeit zurückblicke, komme

ich unweigerlich ins Schwärmen! Er verstand es meisterhaft unsere

Begeisterung zu entfachen fürs Theaterspielen, für wunderbare Wanderungen

mit dem Schwerpunkt Pflanzenkunde – seine Kenntnisse in

Botanik waren fast unübertroffen – und die jährlichen Schulausflüge!

Da haben wir vieles mitgenommen, was Steiermark und Kärnten an

Land und Kultur zu bieten hatte. Auch der Sport kam nicht zu kurz.

Du meine Güte, war das eine unvergessliche Gaudi, ich wollte unbedingt

im Ossiachersee schwimmen lernen, die Turnnote hing davon

ab. Er hat es köstlich in Bild und Wort festgehalten.

1951 - Beim Baden im Ossiachersee


(Aus der Schülerzeitung 1951)

Und natürlich, last not least, seine hohe Musikalität, wie er unseren

Schüler- und Kirchenchor leitete. Hierzu ein besonderes Highlight:

Die Glockenweihe unter Hw. Herrn Pfarrer Franz Grübler, und wir

Schüler durften „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ in das gleißende

Sonnenlicht singen. Noch vieles mehr könnte ich an schönen

Erlebnissen anfügen.

Ich kann nicht umhin, hier noch mit einigen Worten seiner großen

Menschlichkeit zu gedenken. Er spricht von der beglückenden Freude

in den Augen meines lieben Pflegevaters, da Herr OSR es zuwege

gebracht hatte, ihm ein Kornäckerchen zu vermitteln.

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Aus ganzem Herzen möchte ich abschließend sagen: Meine bleibenden

Eindrücke von unserem Herrn Oberschulrat waren sein unendlich

hohes und unermüdliches Engagement auf vielen wichtigen Bildungsgebieten,

besonders dem der Kirchenmusik. In Ausübung meines Amtes

als Kantorin werde ich mich Seiner stets dankbar erinnern.

Franz Haubenwallner

Meine ersten Erinnerungen an Alfred Schlacher beginnen in meiner

Schulzeit in der Volksschule Gasen.

Mit Beginn des 6. Schuljahres kam ich im Jahr 1961 in die sogenannte

„Oberstufe“, wo Direktor Alfred Schlacher die 6., 7. und 8. Schulstufe

gemeinsam unterrichtete.

Als Lehrer war Alfred Schlacher eine Autorität, der ohne große Worte

und Strafen für Ordnung in der großen Klasse sorgte. Ich glaube sagen

zu können, dass ich immer ein guter Schüler war. Das Lernen hat mir

immer Spaß gemacht, sodass ich an die Schulzeit nur gute Erinnerungen

habe. Es gab damals noch keine Hauptschulpflicht und so haben

nur ganz wenige Kinder aus Gasen die Hauptschule besucht. Es war

aber schon damals bekannt, dass die Gasner Volksschüler unter dem

Lehrer Alfred Schlacher mit dem Schulaustritt ziemlich das gleiche

Wissen hatten (außer Englisch) wie die Absolventen der Hauptschule.

Bei meinen weiteren Schulbesuchen (landwirtschaftliche Fachschule

und Gemeindeverwaltungslehrgänge) hat sich das immer wieder bestätigt.

Aus der Schulzeit sind mir die Wandertage zum Kennenlernen der

engeren Heimat besonders in Erinnerung geblieben. Einmal besuchten

wir alte, verlassene Häuser in Gasen. So kamen wir unter anderem

zu den Almkeuschen, wo das bereits dem Verfall preisgegebene

Wohnhaus vlg. Almhermann noch in einem solchen Zustand war, dass

man hineingehen konnte. Wir Schüler sind durch das Haus getobt und

haben wenig Ehrfurcht vor dem alten Gerümpel gehabt. Der Lehrer


OSR Schlacher hat uns Schülern dann erzählt, dass hier in diesem

schon halb verfallenen Haus Familien gelebt haben, Kinder zur Welt

gekommen sind und auch Menschen verstorben sind. Ich hab dann

das alte Haus nicht mehr als Gerümpel gesehen, sondern als einen Ort

mit Geschichte. Diese Begebenheit war für mich vielleicht der erste

bewusste Anlass, alte Gebäude mit anderen Augen zu sehen und die

Heimatverbundenheit zu spüren.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir OSR Alfred Schlacher

als Leiter des Kirchenchores und Singkreises Gasen. Bald nach der

Schulzeit bin ich zum Kirchenchor gekommen, wo ich viele Jahre als

Tenor mitgesungen habe. Neben kirchlichem Liedgut haben wir auch

viele Volkslieder gesungen und so manche Probe ist dann noch im

Gasthaus weitergegangen.

Die Probenarbeit zu den lateinischen Messen (Rehatschek-Messe)

hat mir am Anfang nicht besonders zugesagt. Mit der Zeit kann man

dann auch die lateinischen Texte fast auswendig und die Melodien

der Rehatschek Messe sind in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn

ich heute eine lateinische Messe höre, erinnert mich das sehr stark an

OSR Schlacher.

Die Mitgestaltung unserer Hochzeit im

Jahr 1975 durch OSR Schlacher wird

mir und meiner Steffi unvergessen bleiben.

So hat OSR Schlacher mit dem Kirchenchor

nicht nur die Hochzeitsmesse

in der Laurentibergkirche mitgestaltet,

sondern für uns eine Erinnerungsmappe

mit selbst geschriebenen Gedichten und

Fotomontagen über meine Jugendzeit

gemacht. Diese Mappe hat bei uns Daheim

einen Ehrenplatz. Meine Frau hat

dann später auch im Kirchenchor mitgesungen.

Sie hat am Anfang immer lachen müssen, wenn der Chorleiter

Schlacher beim Tonangeben den Mund immer in die Richtung hin

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verzogen hat, wo die Sänger gestanden sind (Sopran nach rechts, Bass

nach links). Uns ist das gar nicht mehr aufgefallen bzw. waren wir das

schon gewohnt.

Eine heitere Erinnerung habe ich auch an ein Begräbnis:

Wenn kein tragischer Sterbefall war, ist es hin und wieder auch vorgekommen,

dass die Chorsänger nach dem Begräbnissingen noch bei

einem Glas Wein zusammengesessen sind. Ich war damals Totengräber

und habe nach der Arbeit Krampen und Schaufel in meinem

VW Käfer im Bereich des ausgebauten Beifahrersitzes verstaut. OSR

Schlacher ist einmal mit mir mitheimgefahren. Beim Einsteigen hat er

übersehen, dass der Beifahrersitz gefehlt hat. Er hat sich schwungvoll

ins Auto gesetzt und ist unsanft auf Krampen und Schaufel gelandet.

Mit der Herausgabe der Heimatbücher „In der Gasen I und II“ hat

sich OSR Schlacher wohl selbst ein bleibendes Denkmal gesetzt. In

meiner Arbeit als Gemeindesekretär nehme ich diese Bücher immer

wieder zur Hand, wenn jemand geschichtliche Daten über die Gasen

braucht. Besonders interessant zum Nachschlagen ist die Geschichte

über die Besitzverhältnisse aller Häuser in Gasen und die sehr genaue

Beschreibung des alten Bergbaues am Strassegg und am Plankogel.

Franz Pöllabauer, vulgo Hochegger

Schwindeln gelang beim Direktor Schlacher nicht leicht, zu gut kannte

er seine Schüler. Mir hatte einmal meine größere Schwester Angela,

die ja auch seine Schülerin gewesen war, bei einem Aufsatz, den wir

als Aufgabe zu schreiben hatten, geholfen. Nach dem Korrigieren las

der Lehrer immer den Aufsatz mit der Nennung des Schreibers vor.

Als er mein Heft in der Hand hielt, sagte er: „Franz und Angela Pöllabauer!“

Seine Zurechtweisungen waren oft spitze, ironische Bemerkungen.

Ihre Wirkung saß sicher tiefer als Ohrfeigen, die es nur in Ausnahme-


fällen gab. Zum Beispiel musste Schlacher auch die Schüler zurechtweisen,

die sich als Handfischer übten. Einmal gestand einer weinend:

„I hon eh nur an gounz an Kloanan dawischt!“ Da musste sich

der Lehrer zur Tafel umdrehen. Die Schüler sollten nicht sehen, dass

er zum Lachen kam. Ein andermal wollte er einem ertappten Fischer

eine Ohrfeige geben, hielt sich aber zurück und sagte: „Ach was, ich

habe mir gerade die Hände gewaschen!“

Grete Saller, geb. Pessl

Der Name OSR Alfred Schlacher begleitet mich seit meiner Schulzeit

in Gasen. Erst kürzlich auf einer Fahrt durch Italien wurden seine

„Geschichten” lebendig, die er uns im Erdkundeunterricht (so hieß

das damals) interessant und spannend erzählte (nicht „vermittelte”),

so, dass sie bleibende Eindrücke und Bilder hinterließen.

Auch bei meiner Ausbildung zum VS-Lehrer erinnerte ich mich

im Zusammenhang mit meiner eigenen Schulzeit oft an OSR

Schlacher, denn vieles, was in unserer Ausbildung als moderne

Pädagogik präsentiert wurde, durften wir als Schüler schon bei Herrn

OSR Schlacher praktizieren - und so lernte ich seine Unterrichts-

methoden rückblickend noch mehr schätzen.

Der Name Alfred Schlacher hat sich auch als „Volksbildner” in das

Bewusstsein der Gasner eingeprägt - weit über seine Lehrertätigkeit

hinaus, nicht nur als Förderer der kulturellen Arbeit oder als Heimat-

und Familienforscher. Für einige seiner Schützlinge war er der direkte

Wegbereiter für ihre Zukunft und ich bin dankbar dafür, dass ich mich

auch zu diesen zählen darf. Er brachte uns nicht nur viel Wissen bei,

sondern kümmerte sich für so manchen seiner Schüler auch um eine

geeignete weiterführende Schule. Als Abgänger der VS-Oberstufe

ohne HS-Abschluss mit Englisch etc. standen uns schließlich nicht

alle Tore offen. Er half bei Anmeldungen und weiteren administrativen

Angelegenheiten - oder nahm diese gleich selbst in die Hand, wie

er es auch in meinem Fall getan hat.

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Dafür möchte ich DANKE sagen, denn eines weiß ich ganz sicher:

Ohne seine Initiative wäre nicht nur mein beruflicher Lebensweg ganz

anders verlaufen.

Herzlichen Dank, lieber Herr Oberschulrat!

Grete Willingshofer, geb. Haid

Ich denke an meine Schulzeit mit OSR Alfred Schlacher gerne zurück.

Er war ein großartiger, gerechter und sehr einfühlsamer Mensch.

Auch die wunderschönen Ausflüge sind mir noch in bester Erinnerung,

einer davon ganz besonders: Es war der Schulabschlussausflug

1949 zu den Dachstein-Rieseneishöhlen, wo wir den mit großer Mühe

von seitens unseres geduldigen Lehrers erlernten Chor „Die Himmel

rühmen“ mit viel Aufregung, Freude und auch Begeisterung gesungen

haben. Dieses wunderbare Erleben – es hallte hinein in den „Parzivaldom“

– werde ich ganz sicher nie vergessen und mir steigt noch heute

die sogenannte „Ganselhaut“ auf, wenn ich daran denke.

Ich könnte noch viele schöne Ausflüge mit unserem, immer gut aufgelegten

Oberschulrat aufzählen. Es war jedes Mal ein großes Ereignis.

Nach dem Schulhausumbau gab es elektrischen Strom, und dadurch

auch die Möglichkeit für Filmvorführungen. Es waren schwarz-weiße

Stummfilme, für uns aber eine willkommene Abwechslung im Schulalltag.

Ich möchte auch noch das Chorsingen unter der Leitung von Alfred

Schlacher erwähnen. Mein Mann und ich haben uns auf jede Singprobe

gefreut, ganz besonders als wir die Lateinischen Messen mit

unserer örtlichen Blaskapelle einstudiert haben.

Beim Begräbnis unseres großen Lehrers war es mir so schwer ums

Herz, als müsste ich von meinem eigenen Vater Abschied nehmen.

Sehr vermisst haben wir ihn alle bei unserem Klassentreffen am 22.

April 1989, doch hatten wir durch seine Gattin Johanna Schlacher


eine würdige Vertretung, worüber wir uns sehr geehrt fühlten.

Bei der Abschlussfeier des Schulhausumbaues am 28. Februar 1950

durfte ich dem Herrn Bezirkshauptmann folgendes Gedicht aufsagen

(die Aufregung dabei spüre ich noch heute!):

„Und i han hiaz die große Ehr

derf stelln mi vor insern Bezirkshauptmann her.

Danken will i gleich für sein Kemman,

denn so leicht is der Weg in dös Nest net z’nehman.

Ma sagt ja, da is olls mit Brettern verschlagn –

Muaß do a Loch gwen sein, doß er durchkemman is, enka Wagn.

Und hinter der Bretterwand steht schon ganz stolz

völlig a neugs Schulhaus – und is nit amol aus Holz.

Glangt hats frali no auf koa ganzes Doch,

aber was fahlt, dös kimmt schon no amol noch.

Gfeiert muaß a das halberte sein,

denn so was geht nur alle Jahrtausend

in die Gasner Gschicht ein.

Und es gschiacht a net alle Tag,

dass der Bezirkshauptmann kimmt

und von an Gasner Dirndl an Gruaß annimmt!“

1950 - Schulhausumbau

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Hilde Schönbacher, geb. Grahsl

Einige Anekdoten aus meiner Schulzeit

Wenn ich schlechte Noten für meine Schularbeiten bekommen hatte,

sagte der Direktor zu mir: „Sie fährt schon wieder in die Höh’ wie von

einer Wespe gestochen!“

An eine Aussage erinnere ich mich, weil sie jetzt durch die

Schneckenplage hoch aktuell ist: „Ernte ist das, was das Ungeziefer

übrig lässt.“

Als wir einmal einen Ausflug in die Lurgrotte machten, mussten

wir am frühen Morgen nach Breitenau zum Zug gehen und abends

wieder, selbstverständlich zu Fuß, die gleiche Strecke zurück.

Unterwegs verlor ich mein Geldtascherl und war darüber sehr traurig.

Schlacher tröstete mich.

Es war anfangs der Fünfzigerjahre im Winter. Im neuen Schulhaus

hatten wir bereits die Klassen bezogen, als Kloanlagen waren aber

noch am Spielplatz, wo jetzt das Wohnhaus steht, Holzhütten aufgestellt.

Die Türen hatten oben einen breiten Lichtspalt offen. Durch

diesen sah Schlacher einmal vor dem Unterrichtsbeginn, dass zwei

Buben in der Dachgeschossklasse aus einem Fenster hinaus, über

die Dachrinne beim anderen Fenster wieder hineinsteigen. Im ersten

Schreck getraute er sich nicht, die Buben vom Hof aus anzuschreien.

Er sauste so schnell er konnte in die Dachklasse und watschte die zwei

so richtig ab. So habe ich unseren Lehrer noch nie gesehen: Kreidebleich,

total erschöpft und nervlich am Ende!

Öfter hat OSR Schlacher gesagt: „Es ist möglich, dass in unserer Klasse

der zukünftige Bürgermeister von Gasen sitzt!“ Wir haben alle nur

gelacht. Doch es war später wirklich so. Hans Reiter von der letzten

Bankreihe wurde Bürgermeister!


Ing. Peter Pöllabauer

Als 47-iger habe ich von 1953 bis 1961 die fünfklassige, gemischte

Volksschule in Gasen besucht und in der fünften Klasse, zweite Abteilung,

achte Schulstufe beendet.

Dass Mädchen und Buben in einer Klasse waren und zwei oder drei

Schulstufen in einer Klasse unterrichtet wurden, war für uns ein gegebener

Zustand.

Auch die Schulpflicht war etwas Selbstverständliches und so hatten

die Gasner Schüler vom Oberen Bergbauer über Blasl–Haubenwallner

bis zum Hochegger täglich Wandertag.

Meine Erinnerungen an OSR Schlacher in den ersten fünf Schuljahren

beziehen sich weniger auf den Herrn Direktor, sondern viel mehr an

den Organisten und Sänger. Als Ministrant habe ich diese pädagogische

Seite von ihm erlebt. Meine aktive Mitarbeit an der Kirchenorgel

hat sich aber auf einige Einsätze zum Ziehen des Blasbalges

beschränkt.

Erst ab der sechsten Schulstufe war OSR Schlacher in der großen

Klasse mit dem riesigen Philodendron in der hinteren Ecke mein

Lehrer. Er hat es verstanden, drei Schulstufen in einer Klasse zu unterrichten.

Mit klarer Stimme hat er den einzelnen Klassen die Aufgaben

zugeteilt und eine Mischung von stiller Arbeit wie Schreiben und

Rechnen und aktiver Mitarbeit an der Tafel geschafft.

Nach der Volksschule besuchte ich die Bäuerliche Fortbildungsschule

in Gasen. Auch hier war Schlacher Schulleiter und Lehrer in einigen

Fächern. Er und der Fachlehrer Ing. Max Bayer–Desimon haben in

mir den Wunsch geweckt, eine höhere landwirtschaftliche Schule zu

besuchen. Mein Vater hat zugestimmt. So fuhr ich Siebzehnjähriger

zur Aufnahmsprüfung nach Raumberg – es war meine erste Fahrt mit

dem Zug.

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Mit dem Wechsel von der Volksschule in die HBLA Raumberg im

September 1964 haben sich die schulischen Voraussetzungen schlagartig

geändert. Die Schüler waren eine bunte Mischung von Volks-

und Hauptschülern vom Burgenland bis Südtirol, von 15-jährigen

Mittelschülern, die sich mit Latein nicht anfreunden konnten, und

33-jährigen Arbeitern, die sich vorher die Kosten für die Schule in

einem Steinbruch verdient hatten.

Von den Unterrichtsfächern haben mir Mathematik und die Fremdsprachen

am meisten zu schaffen gemacht. Und irgendwann habe ich

gemerkt, dass es mir in Physik und Chemie sehr gut ging. Es war eine

wunderbare Erfahrung, dass der Abschluss der Volkschule Gasen mit

den Anforderungen anderer Schulen gut mithalten konnte.

Mit dem Wissen und der Lebenseinstellung, welche mir OSR Schlacher

in meinen letzten fünf Pflichtschuljahren vermittelt hat, habe

ich 1968 die Matura geschafft und 1972 auch die Lehramtsprüfung

abgelegt. Nach einer Lehrtätigkeit in der Bäuerlichen Berufsschule

bin ich als Betriebsberater für Landwirtschaft in der Bezirkskammer

Feldbach tätig.

Hans Reiter, Altbürgermeister

Zu Erinnerungen an meine Schulzeit bei OSR

Alfred Schlacher könnte ich vieles erzählen,

einiges davon, was mir wichtig erscheint,

möchte ich hier festhalten.

Wieso haben wir so viel Allgemeinwissen

auch in späteren Jahren noch „gespeichert“

gehabt? Meiner Meinung nach waren

dafür zwei Kriterien ausschlaggebend:

Erstens konnte Schlacher so interessant

alles bringen, sodass unsere Neugierde geweckt wurde, und zweitens

hatte er - ich kann nur von den Jahren 1950 bis 1953 spre-


chen - Methoden verwendet, die uns innerhalb der Klassengemeinschaft

so richtig angespornt haben, zum Beispiel das Punktesystem.

An der Wandtafel auf dem großen braunen Kasten gab es für die

Hauptgegenstände eine Tabelle, wo jeder Schüler seine Leistungen

überblicken konnte. So war rechtzeitig abzusehen, welche Note im

Zeugnis stehen würde, oder wo man sich noch verbessern könnte. Es

gab viele Zettelarbeiten (heute würde man Tests sagen). Danach wurde

gemeinsam das richtige Ergebnis erarbeitet und die Punkte bewertet.

Dabei wurden die Zettel vertauscht, meist zwischen Buben und

Mädchen oder reihenweise. Die erreichte Punktezahl und das Eintragen

in die Tabelle waren hundertprozentig korrekt, dafür sorgte schon

die Klassengemeinschaft.

In Naturgeschichte lernten wir durch das Anlegen von Herbarien viele

Blumen kennen, die Wirkung der Heilkräuter merkten wir uns gleichzeitig

mit dem Sammeln derselben, die dann zugunsten der Ausflugskasse

verkauft wurden. Sport gab es zu dieser Zeit des Schulhausumbaues

wenig, dafür ermöglichten freiwillige Arbeitseinsätze das

Planieren des späteren Spielplatzes. Das Anlegen der Vorgärten war

wieder angewandte Biologie.

Besonders interessant waren für mich Geschichte und Geografie -

Heimatkunde und Erdkunde genannt. Es war immer mäuschenstill in

der Klasse, wenn der Lehrer von seiner Kriegszeit erzählte: Von der

Todesangst, wenn neben ihm die Granaten eingeschlagen haben, vom

Überlebenskampf beim Rückzug in Italien, vom Durchschwimmen

der Etsch. Er zeigte uns auch sein Gebetbuch, das er auf den Bauch

gebunden in die Gefangenschaft gerettet hat. Das war für uns lebendige

Geschichte.

Zu Beginn eines Schuljahres stellte der Direktor einmal die Frage an

uns Schüler, wie wir die Unterrichtsstunden haben wollen: Entweder

bis 13 Uhr und Aufgabe für zu Hause – oder bis 14 Uhr und keine

Aufgabe. Letzteres hat gewonnen und die Schultaschen sind in diesem

Jahr meistens in der Schule geblieben.

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Ein Zurückdenken an die Schulzeit ohne die herrlichen Ausflüge

zu erwähnen wäre unmöglich. Grundsätzlich war Schlachers soziales

Denken darauf ausgerichtet, dass auch ärmere Kinder mitfahren

konnten. Um die finanziellen Mittel auftreiben zu können, gab es das

Jahr hindurch und besonders vor Schulschluss verschiedene Aktivitäten,

wie Theaterspiel, Kasperltheater... Es wurde der Ausflug sehr

knapp kalkuliert. Wir Kinder sind sehr gefordert worden, es gab Strapazen

zu überwinden, dafür haben wir für die damalige Zeit sehr viel

gesehen und viel gelernt, und manche Abenteuer und schöne Stunden

sind heute noch in mir lebendig. Ein Höhepunkt der Ausflüge war

wohl die Woche am Ossiachersee. Was gingen die Lehrer einst für ein

Risiko ein!

Zum Abschluss möchte ich dankbar erwähnen, dass OSR Schlacher

später mich persönlich oft mit seiner Hilfe z.B. als Schriftführer

(Raiffeisenkasse, Kühlhausverein, Telefon- und Kabelfernsehleitung)

unterstützt hat, mir Starthilfe gegeben und mir als jungen Bürgermeister

den Rücken gestärkt hat.

Dass wir ihn als Dank für seine hervorragenden volksbildnerischen,

historischen und kulturellen Leistungen noch zu Lebzeiten durch

den Ehrenring der Gemeinde Gasen, sowie durch die Verleihung der

Ehrenbürgerschaft ehren konnten, freut mich besonders. Alfred

Schlacher ist ein Jahr nach seinem großen Ehrenfest gestorben.

Margarete Königshofer, geb. Lang

1943 kam für unseren Lehrer überraschend die Einberufung zur Wehrmacht.

Es ging so schnell, dass er seinen Abschied an die Schultafel

geschrieben hat. Diesen Text weiß ich noch heute auswendig:

„Liebe Buben und Mädel!

Leider kann ich Euch nicht mehr Lebe Wohl sagen. So tue ich es auf

diese Weise. Bleibt stramm und brav! Bald will ich Euch schreiben.


Schreibt auch Ihr mir recht oft.

Es grüßt Euch herzlich Euer Lehrer Alfred Schlacher!“

Diese Worte ließen wir Schüler nicht löschen, wir wollten den Abschiedsgruß

bis zur Heimkehr des Lehrers stehen lassen. Nach meiner

Erinnerung gelang das bis zu meiner Schulentlassung 1944, dann

wurde der Text von irgendeiner neuen Lehrerin gelöscht.

Maria Willingshofer, geb. Pöllabauer

Alfred Schlacher kam 1928 als junger Lehrer nach Gasen. Ich war in

diesem Jahr bei ihm in der 2. Klasse. Ein Erlebnis aus dieser Zeit ist

mir heute noch in guter Erinnerung:

Schlacher war auch ein begeisterter Fotograf. Da er allein seinen

Haushalt versorgte, hatte er nicht immer Zeit, seine Fotos zu ordnen.

Meine Freundin Barbara Holzbauer vom Stadlhofer und ich durften

in der Mittagspause öfter seine vielen kleinen Fotos zusammenlegen.

Dafür durften wir abwechselnd mit seinem Kopfhörer Radio hören!

Das war eine ganz große Freude für uns!

Bei unserer Hochzeit 1946 war

Schlacher unser Fotograf.

Oft war er bei Almwanderungen und

beim Schüsserlbrunngehen mitten im

Schock. Einmal, es war 1949, war

auch Weihbischof Pietsch dabei und

weihte das Hochlantschkreuz. Ich

weiß das noch gut, weil mein Mann

Fritz und ich auch mithinauf gegangen

sind.

Seit Schlacher in Gasen war, wurde

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viel gesungen und Theater gespielt, besonders in der Jugendgruppe.

Auf der „Pramer-Eben“ spielten sie „Das tapfere Schneiderlein“. Sonst

wurde im großen Saal ober dem Brandlhofer-Saustall, heute Gasthof

Grabenbauer, Theater gespielt. An ein schönes Weihnachtsspiel kann

ich mich noch gut erinnern.

1938 sind seine Mutter und ihre Schwester, die „Tante“, nach Gasen

gezogen. Die beiden Frauen saßen in der Kirche immer in der kleinen

Bank ober den Stufen beim Barbaraaltar. Als später der Bruder vom

Oberlehrer, der Hubert mit seiner Frau Erna und ihr kleiner Wolferl

dazukamen, war eine große Familie beim Schlacher.

1949 - Weihe des Hochlantschkreuzes durch Weihbischof Pietsch


Peter Pölzl, vulgo Schoberer

Ein Bild aus der Schulzeit mit Schlacher ist folgendes:

In der großen Pause ist er gerne mit Pfarrer Grübler, der damals auch

Religionslehrer war, beim offenen Fenster gestanden und hat sich

mit ihm unterhalten. Die beiden müssen sich gut verstanden haben.

Nebenbei überwachte der Lehrer die Kinder, die bei Schönwetter im

Hof, und sonst in der Klasse waren.

1959 gab es große Feierlichkeiten zum Erzherzog Johann Gedenkjahr.

Bei einem Theaterstück spielte ich einen Bergknappen. Schlacher

weckte in mir nicht nur die Lust zum Theaterspielen, sondern auch

zum gemeinsamen Singen. Seit 1975 bin ich beim Kirchenchor, der

damals vergrößert wurde. Manche meiner damaligen Sängerkameraden

sind heute noch der „harte Kern“ der Gruppe und erinnern sich

gerne an die Zeit mit Direktor Schlacher als Chorleiter. Nicht immer

ging es nur ernst zu. Es gab kaum einen Fasching, oder eine Hochzeit

eines Chorsängers, wo unser Chorleiter nicht bereit zum frohen

„Maschkern“ war, oft ging die Initiative dazu auch von ihm aus.

1974 - Der Kirchenchor gratuliert als Ölscheichs verkleidet dem Brautpaar

Romana Reinhofer und Hans Willingshofer

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Peter Putz

Ich bin ein geborener Gasner und wohne seit 1969 mit meiner Familie

in Birkfeld. In der Verbundenheit mit meinem Heimatort Gasen ist

auch der Name Alfred Schlacher fix verankert. So will ich für die Leser

dieser Gedenkschrift einige persönliche Erinnerungen festhalten.

Fahre ich „in die Gasen“, spüre ich oft, dass sein Geist heute noch

lebendig ist. So sehr hat seine Gabe, die Menschen zu bilden und

zu leiten, die Pfarre und Gemeinde geprägt. Seine Vielfältigkeit, in

kulturellen, religiösen und wirtschaftlichen Bereichen Initiativen zu

setzen, ist unbeschreibbar. Durch seine Persönlichkeit und Ausstrahlung,

durch seine Liebe „zur Gasen“ ist Alfred Schlacher wohl für

viele – für mich besonders – zu einer Vaterfigur geworden.

1952 begann meine Schulzeit. Nach guten Lehrern in der Unterstufe

hatte ich vom 6. bis 8. Schuljahr in der Volksschule Direktor Schlacher

als Lehrer. Viele Erinnerungen aus dieser Zeit werden in mir wach.

Er hatte ja ein Charisma, sein unheimlich vielseitiges Wissen in einer

Art weiterzugeben, die uns Schüler motiviert und interessiert hat.

Dadurch ist vieles bei mir heute noch lebendig und es bewahrheitet

sich der Spruch: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen

wir!“ Mein erstes Buch, das mir Schlacher in der 7. Klasse besorgt

hat, war „Die Welt von A bis Z“, das ich heute noch habe. In guter

Erinnerung habe ich die vielen Wanderungen in die nähere und weitere

Umgebung. Dabei weckte er unser Interesse für die Natur, für die

Heimat und ihre Geschichte. Ich weiß noch genau, wie er uns beim

„Sauern“ die nordoststeirischen Bauformen für Haus und Hof

beigebracht hat – die Landschaftspflege und das heimatverbundene

Bauen waren ihm ein besonderes Anliegen – oder nach einer

Wanderung über den Teufelstein vor dem Geburtshaus Peter

Roseggers aus den Werken des Dichters vorgelesen hat.

Im Unterricht gab es Spannendes aus der Besiedlung der Heimat,

von unseren Vorfahren und wie sie gelebt haben, zu erfahren. Vieles

von dem, was Schlacher später in seinen Büchern „In der Gasen“


veröffentlicht hat, haben wir als Schüler schon damals „mitbekommen“.

Interessierte durften auch aus den alten Tauf-, Sterbe- und

Trauungsbüchern abschreiben – die Originale mussten ja wieder in

die Archive zurück – er benötigte diese Unterlagen für die Ahnenforschung

jedes Gasner Hofes.

Ein besonderes Erlebnis waren immer die Schulausflüge, die für

uns damals die einzige Möglichkeit waren, die Welt „außerhalb der

Gasen“ kennenzulernen. Einmal, es muss 1956 gewesen sein und ich

war noch in der 4. Klasse, durfte ich mit den großen Schülern mitfahren.

Meine Aufregung war entsprechend groß. Es ging mit dem

Friehs-Bus nach Mixnitz, mit dem „Balkanexpress“ bis Graz, weiter

mit dem „Roten Blitz“ nach Deutschlandsberg, Besichtigung der

Zündholzfabrik, mit der „Sulmtalbahn“ nach Leibnitz, zu Fuß zum

Schloss Seggauberg, dort die größte Glocke der Steiermark gesehen

- ein Ereignis!

Die Abschlussfahrt in der letzten Klasse ins Ausseerland 1961 wäre

ein eigenes Kapitel.

Schlacher organisierte auch die Jugendausflüge. Sie wurden gut vorbereitet,

sodass es auch Wissenswertes aus der Geschichte und Kultur

zu erfahren gab. Oft hatte er über diese Reisen Ton-Bildreihen gestaltet,

die dann öffentlich gezeigt worden sind. So erinnere ich mich an

eine Dia-Show über Südtirol: Der Chor hat gesungen, unter anderem

auch die Jugendhymne „Lasst die Banner wehen“, die vom Lehrer auf

der elektronischen Organo begleitet wurde und seinen Ausspruch höre

ich noch heute: „Südtirol – heute eine blutende Wunde – vielleicht

morgen schon verheilt!“ (Es war die Zeit der blutigen Anschläge in

Südtirol)

OSR Schlacher war Berater der Jugend bei der Auswahl der Theaterstücke,

die dann unter der hervorragenden Regie von Lehrer Peter

Ederer einstudiert wurden, wo auch ich bei einem Stück mitspielen

durfte. Wer aus der mittleren und älteren Generation denkt nicht an

die Veranstaltungen anlässlich des „Erzherzog Johann Gedenkjahres

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1959“ oder an den „Steirischen Jedermann“, der 1966 zu den Primizfeiern

vor der Kirche aufgeführt wurde? Es war die große Zeit der

Katholischen Jugend, Weihe der von Künstler Prof. Franz Weiß gestalteten

Jugendbanner, Aufbruch rundum...

1965 - Dekanatsjugendfest in Gasen

Auch mich drängte es, mehr aus mir zu machen. Mein gutes Allgemeinwissen

der Volksschule sowie der anschließende Besuch der

von Direktor Schlacher geführten Bäuerlichen Fortbildungsschule in

Gasen hat für die Aufbau-Mittelschule in Horn gereicht, die ich nach

meiner Tischler-Lehrzeit bei der Firma Blasius Peßl in Gasen und

nach dem Bundesheer besuchte. Die Schule musste ich bedingt durch

familiäre Probleme abbrechen, aber die Zeit im Canisiusheim Horn

hat meinen „geistigen Horizont“ erweitert, wie mein guter Lehrer bei

unserer Hochzeit gemeint hat.

Aus dieser Zeit der Sechzigerjahre, wo Schlacher auch das örtliche

Bildungswerk geleitet hat, muss ich noch die Gasener Bildungswochen

erwähnen. Da gab es Vorträge, manchmal auch mit Dias, zu verschiedenen

aktuellen Themen und mit prominenten Persönlichkeiten.

Der Saal beim Grabenbauer oder die Bühnenklasse waren voll besetzt.

In Erinnerung ist mir Prof. Kapfhamer mit „Im Hause muss beginnen,

was leuchten soll im Vaterland“, Prof. Sepp Walter mit „Brauchtum

im Joahrlauf“ (1) .


Zum Thema Kirchenmusik möchte

ich noch einiges dankbar erwähnen:

Meine Großmutter sang beim

Gasner Kirchenchor (ich auch

kurze Zeit), mich aber faszinierte

schon in der Kindheit die Orgel.

So bat ich unsere Nachbarin,

Frau Maria Doppelhofer, mir

einiges auf dem alten Harmonium

zu zeigen. Bald konnte ich 1968- Chorausflug in die Südsteiermark

mir „Stille Nacht“ zusammensuchen.

Schlacher ermunterte mich und besorgte mir auch Notenmaterial,

ich konnte mein Selbststudium fortsetzen, durfte dann und wann

schon den Organisten vertreten und sogar bei der Primiz von Helmut

Schlacher einige Stücke spielen. Während meiner Zeit in Horn verbesserte

ich meine Kenntnisse, und heute bin ich schon 40 Jahre Organist

in Birkfeld. Ich erwähne das hier, weil der „Motor“ dazu wohl

mein Oberschulrat war. Wie oft erzählte er in der Schule begeistert

von seinen Bindungen an die Benediktiner im Stift Seckau, von der

liturgischen Erneuerung und dem Umgang mit dem Schott-Messbuch

lange vor dem Konzil. In der Kirchenmusik war er ein Gegner von

weltlichen Weisen, die mit religiösem Text unterlegt worden waren

und spielte nicht irgendetwas zum Gottesdienst. Er suchte zur Liturgie

passende Gesänge, Choräle, Psalmen und auch lateinische Messen

aus, und förderte den deutschen Volksgesang. Anstelle allzu süßer und

sentimentaler Gesänge wählte er gute Volkslieder, ich erinnere mich

an Weihnachts- oder Marienlieder, und stand auch dem damals aufkommenden

rhythmischen Liedgut positiv gegenüber, entsprach doch

der Text eher den Empfindungen der Zeit. Alfred Schlacher öffnete

mir den Zugang zur Kirchenmusik und Liturgie weniger durch wissenschaftliche

Belehrungen, als vielmehr durch sein Vorbild, durch

sein Tun. Dafür spreche ich auch mit diesem Beitrag meinen Dank

aus!

1) Unter anderen sind folgende Referenten nach Gasen gekommen: Dr. Franz Deimbacher,

Regens Schneiber, Direktor Willibald Kahlbacher, Ing. Winkler, Hw. Max Flucher, Dr. Karl

Gastgeber, Prof. Häusler, Dr. Steiner, Pater Dries van Coilli, Kaplan Martin Gutl.

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Rosa Rießlegger, geb. Straßegger

Für mich war unser Schuldirektor, so nannten wir ihn, so etwas wie ein

Segensbringer für die Gasen wie kaum ein anderer vor oder vielleicht

auch nach ihm. Seine Schulstunden waren immer sehr interessant

und für uns Kinder verständlich. Großartig war die erste Stunde am

Morgen, wo ein Lied – meist ein religiöses – gesungen oder gelernt

wurde. Danach las er uns aus guten Büchern vor, z.B. Don Camillo,

Sagen der Griechen und Nibelungen, Quo Vadis, Das Lied von Bernadette

und viele andere mehr. Ich wurde einige Male von Maturanten

gefragt, wo ich die Mittelschule gemachte hätte, weil ich so viel weiß.

Sogar beim Krankenpflegekurs hatte ich Vorteile anderen Mitschülern

gegenüber.

Was ich persönlich an ihm schätzte, war seine Naturliebe. Er war ein

großer Gartenfreund. So haben wir bei ihm sämtliche Pflanzen, die in

Gasen wachsen, mit Namen kennen gelernt – aber auch Tiere, Steine,

Bäume, Sträucher und Schwammerln, die er besonders liebte.

Seine Kraft holte er sich sicher beim täglichen Gottesdienst wochentags,

auch jeden Sonntag und Feiertag, wo er die Orgel spielte. Bei

ihm wurde man einfach durch das Kirchenjahr mitgenommen. So

kann ich nur dankbar an ihn zurückdenken.

Schwester Klara Brunnhofer

Ich denke mit großer Dankbarkeit an meinen Volksschullehrer Alfred

Schlacher zurück, denn ihm verdanke ich meinen Beruf als Arbeitslehrerin,

wie die damalige Bezeichnung hieß. Das kam so: Als einfache

Ordensschwester in Graz-Eggenberg wollte ich den Menschen

dienen. Ich arbeitete mit anderen Kandidatinnen in der Küche. Unsere

Oberin schickte uns in die Haushaltungsschule, wo wir den Deutschunterricht

mitmachen sollten, „das kann nie schaden“. Durch einen

Aufsatz wurde die Lehrerin auf mich aufmerksam, sie hat mir geraten

ein Studium zu beginnen, obwohl ich keine Hauptschule besucht

hatte. Schon am nächsten Tag – es war im Juni 1968 – war die Auf-

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nahmsprüfung für die Arbeitslehrerinnenbildungsanstalt, die ich bestanden

habe. Damals war ich 21 Jahre alt. Während der Ausbildung

fielen immer wieder meine gute Rechtschreibung und Allgemeinbildung

auf, nur in Mathematik hatte ich gegenüber den Mitschülern aus

der Haupt- und Mittelschule etwas aufzuholen. Die „Vorbildung“ in

einer überaus guten Grundschule wurde immer wieder gelobt. Wenn

ich das jetzt hervorhebe, so darf das nicht als Eigenlob verstanden

werden. Die Fähigkeiten waren ein Verdienst meiner Lehrer, in den

Oberstufen der Volksschule besonders von OSR Alfred Schlacher. Bei

ihm gab es viele Diktate (Ansagen), die gleichzeitig Merkstoff für

viele Gegenstände waren. Davon profitiere ich noch heute.

Der Unterricht war immer lustig und abwechslungsreich, obwohl uns

der Lehrer sehr gefordert hat und wir immer vor ihm Respekt hatten.

In guter Erinnerung ist mir das Singen geblieben: Religiöse Lieder

als Morgengebet, frohe Chöre, Volkslieder, Wanderlieder, manchmal

am Klavier oder mit der Gitarre begleitet. Die Naturverbundenheit

konnte uns Schlacher besonders gut vermitteln. Wir lernten mit Freude

nicht nur vielerlei Pflanzen, besonders Blumen kennen, er öffnete

uns auch die Augen für das Schöne. Jede Wanderung und jeden Ausflug

nützte er dazu und weckte so unser Interesse. Wir brachten vom

Schulweg Blumen, Gräser, Zweige, Pilze, Steine usw. in die Schule

zum Bestimmen mit. Selten benannte er selbst die Dinge, wir mussten

uns die Antworten erarbeiten, zum Beispiel mit seinem Pflanzenbestimmungsbuch.

Auch im großen Schulgarten (heutige Spielwiese

vor dem Schulhaus) gab es immer wieder viel zu Lernen. Mit tiefer

Hochachtung schaue ich nach vielen Jahren auf meinen Lehrer, Herrn

Schlacher, der nicht nur Wissensvermittler war, sondern dem auch

Herzensbildung ein Anliegen war.

Ich bin seit 1972 in der Haushaltungsschule Döllach-Großkirchheim

in Kärnten und unterrichtete hauswirtschaftliche Fächer. Weit über

tausend junge Menschen habe ich auf dem Weg ins Berufsleben begleitet.

Seit zwei Jahren bin ich in Pension, leite aber noch das Internat.

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Sepp Haubenwallner, vulgo Oberer Bergbauer

Es waren fünf Jahre, in denen OSR Alfred Schlacher als Lehrer in

der Volksschule und später in der Fortbildungsschule mein Leben entscheidend

mitgeprägt hat. Zum einen war es seine einmalige Art, mit

der er uns auch trockenen Lehrstoff lebendig zu vermitteln vermochte.

Zum anderen hat sich mir am meisten eingeprägt seine Art über

Reisen, Wanderungen und Bergtouren zu erzählen, sodass man das

von ihm Erlebte förmlich vor seinem geistigen Auge sehen konnte.

Das hat in mir eigentlich erst das Gefühl geweckt, dass es außerhalb

der mir bekannten Welt sehr vieles gibt, das ich noch nicht kenne.

Dass ich dann später immer wieder versucht habe, auch außerhalb

der gewohnten Lebensbahnen Träume zu verwirklichen, führe ich auf

sein geistiges Rüstzeug zurück, das er mir auf den Lebensweg mitgegeben

hat. Dafür ein herzliches „Vergeltsgott“ !

Stefanie Ryavec, geb. Willingshofer

Trifft man seine ehemaligen Schulkameraden, kommt man in den Gesprächen

irgendwann auf die Schulzeit in Gasen zu sprechen.

In besonderer Erinnerung sind mir

die Schulausflüge mit unserem

OSR Direktor Schlacher geblieben.

Wir alle hatten wenig Geld,

war doch damals die Nachkriegszeit.

Herr Direktor Schlacher aber

plante die Ausflüge so sparsam,

dass alle Schüler mitgehen oder

mitfahren konnten. In guter Er-

1950 - Ausflug ins Salzkammergut

innerung blieb mir der Ausflug

nach Bad Aussee 1950 mit der 3 Seenwanderung Grundlsee – Toplitzsee

– Kammersee. Übernachtet wurde in einer Jugendherberge, wo wir

als Selbstversorger mit unseren Blechhäferln im Rucksack für unser

leibliches Wohl verantwortlich waren. So gab es den mitgebrachten


Kakao (aus Trockenmilchpulver von der Schulausspeisung), sowie

Brot und Krapfen zum Frühstück. Unsere Ausflüge führten uns auch

auf den Hochreichart und zum Ingeringsee.

Besonders dankbar bin ich OSR Dir. Schlacher für meine erste Theaterfahrt

in das Opernhaus nach Graz, wo wir den Freischütz sehen

konnten.

Gerne denke ich an meine Zeit im Gasner Kirchenchor. Die Proben

in einem Klassenzimmer endeten meistens in der Dachgeschosswohnung

unserer beliebten Schulmitzl.

1950 - Vor dem Salzbergwerk in Altaussee

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Theresia Tösch, geb. Köberl

In guter Erinnerung aus meiner Schulzeit ist mir unter anderem das

Vorlesen aus Büchern jeden Morgen geblieben, z.B. „Don Camillo

und Peppone“, oder „Das Mädchen aus Lourdes“. Als Morgengebet

wurden fast immer Kirchenlieder gesungen, von denen ich bis heute

noch jedes kann. Am meisten freuten mich die Geografiestunden,

damals Erdkunde genannt. Der Herr Direktor konnte die Länder und

Völker so richtig lebendig beschreiben. Direkt lustig war es da in der

Schule.

Bei einer Aufsatzverbesserung schrieb der Lehrer den Buchstaben

„Z“ auf die Tafel. Er sah aus wie ein verdepschter Zweier. Der Lehrer

fragte die Schüler, was das sein könnte, aber niemand wusste es. „Na,

dann fragt die Therese“, meinte er, „bei ihr sieht dieser Buchstabe immer

so aus!“ Das saß tief, wo ich sonst wegen meiner schönen Schrift

gelobt wurde.

Zum Abschlussessen beim Kochunterricht war auch der Klassenlehrer

eingeladen. Es gab unter anderem gefüllte Tomaten. Wir Schüler stocherten

in dieser unbekannten Speise herum und kosteten vorsichtig.

Sie schmeckte uns aber gar nicht. Da meinte der Herr Direktor: „Was

der Bauer nicht kennt, isst er nicht!“ Ihm schmeckten die Tomaten

aber vorzüglich.

1941 - Arbeit im Schulgarten - Der Flieder beim Bankerl steht heute noch


Wallfahrten und Bildungsreisen

Organisiert und geleitet von Alfred Schlacher

1963 Straßengel – Salla – Gaberl – Seckau

1964 Frauenberg bei Leibnitz – Weinstraße – Gams

1965 Fieberbründl – Unterlamm

1966 Pöllauberg – Maria Lebing – Neusiedlersee

1967 Filzmoos – Radstatt

1968 Maria Taferl – Wien

1969 St. Lambrecht – Maria Saal – Wörthersee

1970 Maria Luschari – Bovec im Isonzotal

1971 Altötting – Chiemsee – Salzburg

1972 Triest – Padua – Venedig

1973 Südtirol – Görz – Isonzo

1974 Chiemsee – Pinzgau – Radstatt

1975 Rijeka – Krk

1976 Heiligenkreuz – Waldviertel – Salzkammergut

1977 Mariazell – Höllental – St. Corona

1978 Maria Elend im Rosental – Gemona – Plöckenpass

1978 St. Lambrecht (Gotikausstellung) – Murau (24.9.)

Aus dem Reisebericht von Alfred Schlacher zur Fahrt vom

15. und 16. Juli 1978:

...In Bleiburg mahnten uns hasserfüllte

Wandschmierereien an die Tatsache, dass

hier noch nicht alle Einwohner für ein

friedliches Nebeneinander der Volksgruppen

sind. Über Ferlach kamen wir, immer

die Karawanken entlang, nach Maria

Elend im Rosental. Ein freundliches Wallfahrtsdörfchen

mit einem liebenswürdigen

Pfarrer, der hier, wie es überall in diesem

Gebiet ist, die schwere Aufgabe hat, eine

brüderliche Gemeinsamkeit in Glauben

und Leben begreifbar zu machen. Er er-

Gemona nach dem Erdbeben

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zählte uns vieles aus der Geschichte seines Gotteshauses und Dorfes.

Helmut feierte dann mit uns die Abendmesse, der Jugend ist für ihren

schönen und selbstständigen Einsatz dabei herzlich zu danken. ...

Am nächsten Tag ging es in bester Stimmung nach Thörl-Maglern

und hinab ins Kanaltal. Immer häufiger säumten die Straße Erdbeben-Ruinen,

und dann waren wir mit einem Mal in dem Trümmerelend

von Gemona. Behutsam fuhren wir die zur Not freigemachte Straße

hinauf auf jene Terrassen, welche bis zum 6. Mai 1976 (Anm. Erdbeben)

die alte Stadt Gemona mit Dom und Burg getragen haben. Nur

die erhaltenen Straßenteile sind aufgeräumt, sonst liegt alles noch

drunter und drüber wie damals, als man an die tausend Tote aus den

Trümmern holte. Einige von uns kletterten über Schuttberge zum Dom

hin, andere standen schweigend vor den Resten eines Kirchenaltars

im Freien, oder nachdenklich niederschauend auf ein verbranntes

Messbuch, das in der Mulde eines Geröllhaufens lag. Es ist, als ob

das alles erst gestern geschehen wäre. Noch ist man ja nicht einig,

ob man auf dieser unruhigen Geländestufe noch einmal eine Stadt

Gemona bauen solle.... Mittagsglocken läuten. Ja, sie läuten wieder!

Voriges Jahr sahen wir die Glocken noch auf der Wiese liegend. Jetzt

läuten sie wieder, aber im Freien auf einem Stahlgerüst schwingend.

Dann lassen wir die betrüblichen Bilder hinter uns. ...

Bericht Alfred Schlachers zur Fahrt am 24. 09. 1978 nach

St. Lambrecht im Pfarrblatt Gasen:

Obwohl heuer viele Gasner, einzeln und in Gruppen die Reise-

schuhe angezogen hatten und besonders an den Herbstsonntagen

Busse von und nach Gasen rollten, fanden sich 26 Pfarrbewohner zu

einer Kunstfahrt des Bildungswerkes nach St. Lambrecht zusammen.

Dort erlebten sie in einer reichen Fülle von Ausstellungsstücken das

jenseitsverhaftete Kunstschaffen der Gotik in unserer Heimat.

Festlicher Höhepunkt war das feierliche Pontifikalamt in der Stiftskirche

(übrigens mit 72 m Länge der größten des Landes), das der Abt

von Rein zelebrierte. Es tat wohl, wieder einmal eine barock jubelnde

Haydn-Messe (Missa brevis) zu hören. Das schöne Herbstwetter be-


eicherte den Abstecher zum Furtner Teich, der als Vogelparadies und

Zwischenstation für zahlreiche Zugvögelarten international bekannt

ist. Auch die Obermurtaler Bergstadt Murau wurde angefahren. Über

Seckau (wo wir noch den bei seiner Heimfahrt am Gaberl verunglückten

Bus heil neben dem unseren stehen hatten) ging es heimzu.

24. September 1978 - Beim letzten Ausflug Schlachers in Seckau

Beim Stufensteigen hinauf zur Murauer Kirche ging es Vater gar nicht

gut, immer wieder musste er stehen bleiben und ich machte mir echte

Sorgen. Mitte Oktober begann er immer mehr zu „kränkeln“, wie

er es nannte, und am Allerheiligentag 1978 konnte er seinen Dienst

als Organist nicht mehr versehen. Nach mehreren Wochen Krankenhausaufenthalt

kam er am 22. Dezember in unsere Familie heim.

Als ich am Christtag zum Anrufen meiner Geschwister bei der Telefonzelle

neben der Post stand, hörte ich von der Kirche herunter die

Rehatschek-Messe. Die Musikkapelle und der Kirchenchor haben

damit selbständig den Festtagsgottesdienst gestaltet. Freudestrahlend

nahm Vater diese Nachricht auf.

Kurz vor seinem Tod konnte Helmut ihm noch die Krankensalbung

spenden, dann nahm Gott unseren lieben Vater am 2. Jänner 1979 in

seine ewige Heimat auf.

Elisabeth Leskovar

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ANHANG

1907–2007 Das Gasner Schulhaus ist 100 Jahre alt

Erstes Schulhaus ist der 1654 erbaute Pfarrhof, der ab 1765 als Schulhaus

genützt wurde. Der Bau stand beim heutigen Kriegerdenkmal.

Das zweite Schulhaus entstand 1829

im heutigen Schulgarten. 1903 brannte

die neben dem Schulhaus dorfseitig

stehende Kru-Edl-Keusche ab, auch

das Schulhaus wurde arg beschädigt.

1907 wurde das dritte Schulhaus errichtet. Währenddessen erfolgte

der Unterricht im heutigen Gasthaus Schweiger (1) und im Haus

Gasen 16. Das Schulhaus hatte aber nur zwei

„Lehrzimmer“: die heutige Bühnenklasse

und den Turnsaal. Inzwischen war die

Schule dreiklassig geworden. So wurde an

vier Ganztagen in der Woche unterrichtet.

Die Mittelklasse war Wanderklasse. Erst

1937 konnten im Dachgeschoß zwei Notklassen

errichtet werden.


1949 begann der große Um- und Zubau (siehe obiges Bild) – es war

höchste Zeit, denn beängstigende Verfallserscheinungen und Baumängel

des erst 42 Jahre alten Gebäudes zeigten sich während der Bauzeit.

Die Schüler hatten abwechselnd Vor- und Nachmittags Unterricht:

Je zwei Klassen im Saal des Gasthauses Brandlhofer (heute Grabenbauer),

im Gasthaus Hatzl (heute Wichmann) und im Pfarrhof

(heutige Kanzlei, siehe Bild unten).

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Geld war knapp in dieser Nachkriegszeit, der Baufortschritt verzögerte

sich immer wieder. Fünf Wochen lang war bei anhaltender Regenzeit

der Bau ohne Dachstuhl und ohne Abdeckung! Die Folgen wirkten

sich noch bei allen späteren Umbauten aus.

Nach 1955 standen an Klassenzimmern zur Verfügung:

Ebenerdig: Vorhausklasse (ehemaliger Eingangsbereich bachseitig

des 3. Hauses, heute Kindergarten), Bühnenklasse, Bergklasse im

Parterre (später Küche und Lehrzimmer für den Hauswirtschaftsunterricht,

heute Klo-Anlagen).

Im 1. Stock: Große Klasse (heute Turnraum), Bergklasse, ab 1967

Klasse in der ehemaligen Schulleiterwohnung

Im Dachgeschoss: eine Klasse

Dazu kamen 1964 im Tiefparterre ein Notschulraum, der als

Werkraum genützt wurde.

1966 entstand über der ehemaligen Holzablage ein Raum für den

Polytechnischen Lehrgang. Diese Klasse diente später bis 2005 als

Musikerheim.

Und immer wieder bauliche Veränderungen (2) , die größte wohl 1998

mit den Räumen für den Kindergarten und 2000 mit dem großen

Schulhausumbau im Ober- und Dachgeschoß.

Ende der Umbauten in Sicht? Nein! Denn durch immer neue „Vorschriften

von oben“, Klassenzusammenlegungen und Änderungen der

Schülerzahlen ergeben sich neue räumliche Notwendigkeiten. Und so

war das 100 Jahre alte Gasner Schulhaus im Jahre 2007 wieder einmal

Baustelle...

1) siehe „Gasen erzählt und singt“, Seite 38

2) siehe „In der Gasen“, Band III, Seite 87

Elisabeth Leskovar, nach Aufzeichnungen in Alfred Schlacher,

In der Gasen, Band I, Seite 144


Das Schulhaus im Jahre 2007

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Weitere interessante Literatur zur Gasner Kultur und Geschichte

“In der Gasen” Band I / II

Zusammengefasste Neuauflage von

Alfred Schlachers Büchern aus den Jahren 1970 und 1974

Aus dem Inhalt: Siedlerzeit, Vorfahren, Kirche, Schule, Dorf,

Geschichte der Anwesen in den Landschaften, Beschreibung des

ländlichen Lebens im Laufe der Geschichte, Bergbau

592 Seiten, reich illustriert, € 20,-

“In der Gasen” Band III

Das Buch stellt alle wichtigen Ereignisse in der Gemeinde und der Pfarre

sowie aller Vereine, Firmen und Institutionen von 1970-2005 dar.

208 Seiten, 266 Farbfotos, € 27,-

“Gasen erzählt und singt”

Das Buch bringt Gedichte und Erzählungen von Berta Schwaiger

und anderen Autoren, sowie heimatliche Lieder.

272 Seiten, 70 Illustrationen, € 18,-

“Die Stoakogler - Steirermen san very good”

Das 1998 erschienene Buch erzählt die Geschichte der Stoakogler seit

den ersten Auftritten im Jahre 1968. Der reich illustrierte Band aus der

Feder von Jess Robin beschreibt sowohl die Anfänge bei Hochzeiten und

kleinen Festen, den Aufstieg und die ersten Hits, wie auch die großen

Erfolge der Stoanis. Der Leser erhält aber auch zahlreiche Einblicke in

das private Umfeld der vier sympathischen Steirer.

116 Seiten, reich illustriert, € 10,-

Alle Bücher sind in Gasen erhältlich bei:

Gemeindeamt, Raiffeisenbank, Stoani Haus der Musik

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