Die Malteser-Zeitung 2/2017

malteseraustria

Berichterstattung über nationale und internationlae Tätigkeiten des SMRO und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2017

Ausstellung Turiner Grabtuch

Starker Wille zum Dialog mit dem Islam

Hungerkatastrophe in Afrika


INHALT

RELIGIONAKTUELL

04 Das Turiner Grabtuch: Ausstellung in Wien

04 16

IMFOKUS: DIALOG MIT DEM ISLAM

08 Malteserorden im Libanon

11 Papstbesuch in Ägypten

MALTESERSPIRITUELL

12 Serie – Die acht Seligpreisungen

22

30

VORBILDER

14 Im Gespräch mit Dr. Norbert Stelzer

MALTESERWELTWEIT

16 Hungerkatastrophe in Afrika

18 Neuer Statthalter des Großmeisters

MEDIZINAKTUELL

20 Natürliche Empfängnisregelung nach Rötzer

MALTESERÖSTERREICH

22 Vielfältige Initiativen und Dienste

KLOSTERKÜCHE

52 Sommerliche Rezepte

GELESENEMPFOHLEN

54 Interessante Neuerscheinung

TAGEBUCH

55 Menschen und Events

MALTESERINFORMATION

57 Spendenabsetzbarkeit

ÜBERBLICK

58 Termine und Kontakt

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden, Großpriorat

Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2, Telefon: 01/512 72 44,

E-Mail: richard.steeb@malteser.at

Chefredaktion: Katharina Stögner

Mitarbeiter bzw. Autoren dieser Ausgabe: Clemens Bauer,

Christoph Calice, Monika Chizzola, Oumayama Farah, Christian

Fritzsche, Anton F. Gatnar, Andrea Hofmann, Edith Holzer,

Markus L. Huber, Jörg Jakobljevich, Katharina Kiecol,

Naomi Kienreich, Martin Kratky, Lukas Krupitza, Gottfried

Kühnelt-Leddihn, Paulina Ludwigstorff, Elisabeth Maier,

Georg Male, Richard Mischak, Robert Nagel, Radio Vatikan,

Georg Reichlin-Meldegg, Elisabeth Rötzer, Norbert Salburg-

Falkenstein, Barbara M. Sauberer, Susanne Seper, Konstantin

Spiegelfeld, Michaela C. Starosciak, Richard Steeb, Norbert

Stelzer, Katharina Stögner, Miriam Weigel, Manuel Weinberger,

Susanne Wick

Fotos: Edith Stein Gesellschaft Österreich, fotolia.com, iner,

iStockphoto.com, italic, maltacamp, MALTESER Austria,

MALTESER Care, Malteser International, Thomas Meyer, Order

of Malta, Radio Vatikan, Elisabeth Rötzer, shutterstock, SMRO

Slowakei, Martin Steiger, Verein TIK

Gestaltung: Karin Mayer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050 Wien.

Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller

Art. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der

Meinung der Redaktion entsprechen.

Redaktionsschluss: 24. Juni 2017

55. Jahrgang, Ausgabe 2/2017

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DIE MALTESER 2/2017


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

wie oft hören wir von anderen oder sagen selbst: „Ich

habe keine Zeit!“ Wie oft denken wir: „Ich habe noch so

viel zu tun! Das geht sich heute alles nicht mehr aus!“

Wir laufen unseren Terminen hinterher, lassen Mittagspausen

ausfallen, um „rasch noch etwas zu erledigen“.

Wir haben das Gefühl, dass alles um uns herum immer

schneller wird und uns die Zeit wie Sand durch die

Finger rinnt. In manchen Momenten möchten wir sie

anhalten, um durchzuatmen, zu verschnaufen.

Ist uns noch bewusst, dass sich die Geschwindigkeit

der Zeit, sich selbst nicht ändert und immer gleich

bleibt? Nur wir Menschen packen sie mit immer mehr

Tätigkeiten voll! Nicht nur in der Arbeitszeit, sogar in

der Freizeit jagen wir Verpflichtungen nach, laufen von

„Event“ zu „Event“ – als ob es eine olympische Disziplin

wäre, immer schneller zu werden und immer mehr in

immer kürzerer Zeit zu erledigen.

Die technischen Möglichkeiten von heute, soziale

Medien, die Digitalisierung erleichtern uns freilich viel

und können zeitraubende Prozesse beschleunigen. Aber

sie führen auch dazu, dass wir uns sehr davon treiben

lassen. Mit größter Selbstverständlichkeit sind wir

damit beschäftigt, unsere elektronischen Kalender am

Computer, am Tablet-PC oder am Smartphone zu synchronisieren,

mit den „Schedules“ anderer abzustimmen

und fast schon panisch zu reagieren, wenn einmal ein

Kalendereintrag aus dem Mobiltelefon verschwindet.

Bei all dieser Geschäftigkeit und Betriebsamkeit vergessen

wir auf das Wesentliche: auf Gott und unseren

Nächsten und das bewusste, stärkende Erleben, z. B. in

der Heiligen Messe oder in der Gemeinschaft mit dem

Nächsten. Unsere Wallfahrt nach Lourdes hat dieses

Bewusstsein in allen Wallfahrern wieder gestärkt. So

wird es leichter, das Zusammensein als Familie, als Ehepartner,

als Mutter und Vater mit dem eigenen Kind,

als Orden und Gemeinschaft neu zu erleben.

Die bevorstehende Urlaubszeit ist ein weiterer guter

Anlass, aus der Alltagsroutine auszusteigen und sich

auf die Suche nach diesem besonderen Glück zu machen.

Das Glück, welches uns nur die Gemeinschaft mit

Gott und die Liebe zu einem nahestehenden Menschen

bringt; das uns die Geborgenheit spüren lässt, die wir in

der Beziehung zum Vater und den vertrauten Menschen

erleben können. Diese Geborgenheit gilt es auch anderen

Menschen zu zeigen.

Mit Gott und miteinander Zeit zu verbringen, aufeinander

einzugehen, zuzuhören, ist nach dem Glauben

das kostbarste Gut, das wir ihm und einander in der

heutigen, hektischen Zeit schenken können.

Ältere und kranke Menschen sind heute oft einsam.

Gerade sie können jedoch viel Kraft aus gemeinsam

verbrachter Zeit schöpfen – auch wenn es nur ein paar

Stunden pro Tag oder Woche sind. Sich auf ein Gespräch

mit unserem Nächsten einzulassen oder einfach mit

ihm gemeinsamen zu schweigen, kann für beide Seiten

ungemein beglückend sein.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien und Freunden

einen erholsamen Sommer sowie Zeit zu finden, für das

Wesentliche.

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

DIE MALTESER 2/2017 3


RELIGIONAKTUELL

DAS GRABTUCH VON TURIN

EINE SPURENSUCHE

BIS 16. JULI PRÄSENTIEREN DIE MALTESER DIE WANDERAUSSTELLUNG IN

WIEN.

Die Ausstellung zum Turiner Grabtuch fragt:

„Wer ist der Mann auf dem Tuch?“

Das Tuch, das in einer Kopie gezeigt wird, ist ein 4,40 Meter langes und 1,13

Meter breites Leinentuch mit einem angenähten Saum. Auf dem Tuch sieht

man in voller Länge das Abbild eines Mannes in Vorder- und Rückansicht. Bis

heute gibt es nur Theorien darüber, wie es entstanden ist. Die Ausstellung dokumentiert

die Geschichte des Tuches, die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse

um Wunden und Echtheit – versehen mit biblischen Bezügen, und der

einmaligen Gelegenheit, Religion und Wissenschaft erfahrbar zu machen.

„... UND NUN

Eine Meditation Edith Steins über das

Turiner Grabtuch.

Von Elisabeth Maier

Am 12. Dezember 1937 schrieb Edith

Stein – die hl. Sr. Teresia Benedicta

a Cruce OCD (Breslau 1891 – Auschwitz

1942) – aus dem Karmel

Köln-Lindental an Sr. Petra (Agnes)

Brüning (1879–1955), damals Oberin

des Ursulinenklosters in Dorsten:

„Im letzten Brief schickten Sie mir

das schöne Bild des Turiner Heiligen

Antlitzes. Ich nahm es als ein Geschenk

des Herrn und dachte, es sei

eines seiner Gnadenmittel, um mich

auf die hl. Profeß vorzubereiten. So

stellte ich es auf das Zellentischchen,

um es oft zu betrachten (...). Nun

habe ich etwas darüber aufgeschrieben

und schicke es Ihnen als Dank.“

Eröffnet wurde die Schau am 7. Juni durch Kardinal Schönborn, die

Kuratorin Bettina Trott zu Solz, den Prokurator des Malteserordens in Österreich,

Norbert Salburg Falkenstein, sowie den Delegaten des Malteserordens

von Wien und Niederösterreich, Christoph Calice, feierlich eröffnet. Die

Ausstellung ist noch bis inklusive 16. Juli 2017 im Erzbischöflichen Palais

(Eingang Wollzeile 2, 1010 Wien) zu besichtigen. 2000 Gäste haben im

Rahmen der Langen Nacht der Kirchen die Ausstellung bereits besucht.

Bei dem hier erwähnten „Aufgeschriebenen“

handelt es sich mit

größter Sicherheit um die Meditation

„Das heilige Antlitz“, die Edith

Stein am 5. Dezember 1937 verfasst

hat. Mit ihr reiht sich Edith Stein in

die lange Tradition der Verehrung

des Heiligen Antlitzes im Karmel ein,

die in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts

durch die Visionen von Sr.

Marie de St. Pierre OCD (1816–1848)

neu belebt und durch Leo Dupont

(1797–1876) in der Folge weit verbreitet

wurde.

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DIE MALTESER 2/2017


RELIGIONAKTUELL

IN DIESEN LETZTEN ZEITEN...“

In Edith Steins Meditation heißt es: „...

Doch nimmer schweigt im Herzen derer,

die Dich lieben, / Die Sehnsucht, leibhaft

dich zu schauen, / Den schönsten unter allen

Menschenkindern / In Deiner menschlichen

Gestalt.“ Da jedoch kein Künstler uns

Ihn selbst, d. h. Sein wahres Bildnis, geben

könne, habe Jesus, „in diesen letzten Zeiten,

/ Da Glaube, Hoffnung schwand und

Liebe“, selbst sein heiliges Antlitz enthüllt,

das uns trotz dieser „Enthüllung“ sein Leiden nur „wie

hinter einem Schleier“ schauen lässt und gleichzeitig diesen

„geheimnisvollen Schleier“ allen jenen überwirft, die

mit Ihm sein Leiden teilen wollen.

Mit der Enthüllung des Antlitzes Christi in den „letzten

Zeiten“ spielt Edith Stein möglicherweise auf die zu diesem

Zeitpunkt erst 39 Jahre zurückliegenden ersten photographischen

Aufnahmen des Turiner Grabtuchs durch

Secondo Pia (1855–1941) an, die das Tuch, bisher fromm

verehrte Reliquie, plötzlich auch zum Gegenstand wissenschaftlicher

Forschung machten. Unüberhörbar ist

dies jedoch vor allem eine ahnungsvolle Anspielung auf

die wachsende Bedrohung durch den Nationalsozialismus,

dessen Erstarken den Horizont zu Ende des Jahres

1937 bereits zunehmend verdunkelte.

Das Antlitz Christi auf dem Grabtuch von Turin, vor dem

Edith Stein ihre Meditation schrieb und uns damit eine

Momentaufnahme aus ihrer Gedankenwelt und ihrem

geistlichen Leben hinterließ, vereint größtes menschliches

Leiden und göttliche Erhabenheit, die Ohnmacht

des Todes und den Frieden der Sabbatruhe, den Frieden

des „Es ist vollbracht“. Es ist ein Bild des Karsamstags,

der, wie Joseph Ratzinger formuliert, „bedeutet, dass

Christus das Tor der Einsamkeit durchschritten hat, dass

er abgestiegen ist in den unerreichbaren, unübersteigbaren

Grund unseres Verlassenseins. Es bedeutet, dass auch

in der letzten Nacht, in die kein Wort mehr dringt, in der

wir alle wie weinende, ausgestoßene Kinder sind, eine

Stimme ist, die uns ruft, eine Hand, die uns nimmt und

führt. Die unübersteigliche Einsamkeit des Menschen

ist überstiegen, seitdem Er in ihr war. Die Hölle ist überwunden,

seitdem die Liebe auch in die Region des Todes

eingetreten ist und das Niemandsland der Einsamkeit bewohnt

wird von ihm. Der Mensch lebt im Tiefsten nicht

vom Brot, sondern im Eigentlichen seines Menschseins

lebt er davon, dass er geliebt wird und selber lieben darf.

Seitdem es die Anwesenheit der Liebe im Raum des Todes

gibt, gibt es Leben mitten im Tod.“

1

Die Zitate stammen aus Band 20 der Edith Stein Gesamtausgabe,

S. 33 f.

2

Birgit Potter (Hrsg.), Joseph Ratzinger, Das Geheimnis von Tod

und Auferstehung. Betrachtungen zur Fasten- und Osterzeit.

Leipzig 2006, S. 36 f.

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RELIGIONAKTUELL

„... UND VOM HEILIGEN ANTLITZ“

Thérèse von Lisieux und das Antlitz Jesu

Von Elisabeth Maier

Im März 1909 wurde der Große Preis der Internationalen

Ausstellung für religiöse Kunst in s’Hertogenbosch

einer französischen Karmelitin für ein Gemälde

verliehen, auf dem das Heilige Antlitz als Veronica-Bild

nach dem Turiner Grabtuch zu sehen war. Sr. Geneviève

Martin, so hieß die Künstlerin, war niemand Anderer

als die leibliche Schwester Thérèse Martins, der heiligen

Thérèse von Lisieux, die wir als „Theresia vom Kinde

Jesus“ kennen. Der volle Ordensname Thérèses, den

sie am 10. Jänner 1889 bei ihrer Profess angenommen

hatte, lautete jedoch: „Sœur Thérèse de l’Enfant Jésus

et de la Sainte-Face“, also „Sr. Theresia vom Kinde Jesus

und vom Heiligen Antlitz“, und so ließ Thérèse sich auch

auf einer ihrer letzten Photographien von Céline/Geneviève

ablichten: Auf der Aufnahme vom 7. Juni 1897,

die sie uns im Garten des Karmel knieend und schon

von Anstrengung und Krankheit gezeichnet zeigt, hält

sie vor der Brust ihr Gebetbuch, darin eingelegt die

Zusammenfassung ihres Ordensnamens: das Bild des

Jesuskindes, das auf sein Herz verweist, und das Bild

des Heiligen Antlitz: (Abb. 1).

Der Zusatz zum Ordensnamen, den jede Karmelitin

bei der Profess erhält, wird im Karmel gern das „Adelsprädikat“

der betreffenden Schwester genannt: Er ist

gleichsam ein Auftrag, dieses Geheimnis zu meditieren,

sich in es zu versenken, er bildet ein lebenslängliches

„geistliches Programm“.

Die Verehrung des Heiligen Antlitzes begann bei Thérèse

von Lisieux aber nicht erst bei der Profess: Am 26. April

1885 war ein verwitweter alleinerziehender Vater mit

seinen fünf Töchtern Marie, Pauline, Léonie, Céline und

Thérèse in die „Bruderschaft zu Ehren des hl. Antlitzes“

eingetreten: Es handelte sich um Louis Martin, den

Vater Thérèses und ihrer Schwestern (die später allesamt

Ordensfrauen wurden: vier Mädchen traten in

den Karmel ein, Léonie, die mittlere, in einen anderen

Orden). Thérèse hatte somit von Kindheit an die Verehrung

des Antlitzes Jesu in ihr Denken und Beten

integriert.

Die „Bruderschaft zu Ehren des hl. Antlitzes“ war seinerzeit

durch Leo Dupont (1797–1876) in Tours ins

Leben gerufen und 1885 von Papst Leo XIII. zur Erzbruderschaft

erhoben worden. Sie hatte sich Buße und

Sühne zur Aufgabe gemacht und verehrte ein Bild des

leidenden Antlitzes Jesu, das sich am römischen, im Petersdom

aufbewahrten Veronica-Bild orientierte.

Als Thérèse in den Karmel von Lisieux eintrat, fand sie

hier das ihr schon bekannte Bild der römischen Vero-

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DIE MALTESER 2/2017


RELIGIONAKTUELL

Abb. 1: Thérèse im Garten. Photographie, 7. Juni 1897 (aus: P. Maximilian

Breig SJ – Pierre Descouvemont – Helmuth Nils Loose, Theresia

und Lisieux. Verlag der Schulbrüder, Augsburg 1996, S. 291)

Abb. 2, 3: Veronica-Bild mit Authentik (1888)

(Privatbesitz. Diese Bilder galten als Berührungsreliquien, da sie

von der römischen Veronica, der Kreuzreliquie und der heiligen

Lanze des Petersdomes berührt wurden)

Abb. 4: Das Heilige Antlitz, gemalt von Thérèses Schwester Céline

(Aus: P. Maximilian Breig SJ – Pierre Descouvemont – Helmuth

Nils Loose, Theresia und Lisieux. Verlag der Schulbrüder, Augsburg

1996, S. 313

nica vor, vor dem eine ewige Lampe brannte. Häufig

wurde davor die Litanei zum Heiligen Antlitz gebetet,

die auf Sr. Marie de St. Pierre (1816–1848) zurückging,

eine mystisch begnadete Karmelitin. Ab dem 6. August

1893, dem ersten Jahr des Priorates von Thérèses

Schwester Pauline (im Kloster „Mutter Agnes“), feierte

man im Karmel von Lisieux am Fest der Verklärung

Jesu auch das Fest des Heiligsten Antlitzes. Für ein

solches Fest verfasste Thérèse ihre berühmte „Weihe

an das Heiligste Antlitz“, in dem Thérèse selbst, ihre

Schwester Céline (Sr. Geneviève) und Sr. Marie de la

Trinité sich in einer Paraphrase des Hohenliedes dem

Herrn weihten.

In Thérèses schriftlichen Werken (ihrer Autobiographie,

in Briefen, Gedichten und Gebeten) nimmt sie

nicht weniger als 111 mal auf das Heilige Antlitz Bezug.

Auch in ihren Malereien und Zeichnungen, Glückwunschkarten

und Briefen findet sich immer wieder das

Bild des Heiligen Antlitzes. Wenige Monate vor ihrem

Tod malt Thérèse ihr Wappen: das Jesuskind und das

Heilige Antlitz auf dem Tuch der Veronica, Bethlehem

und Golgota vereint, die Verletzbarkeit und Ohnmacht

Gottes, der sich in der Menschwerdung uns ausgesetzt

hat, und mit den Abbildungen des Jesuskindes und des

leidenden Gottesknechtes lässt sich Thérèse auch kurz

vor ihrem Tod – wir haben das Bild gesehen – von ihrer

Schwester Céline/Geneviève photographieren.

Dass die Veröffentlichungen der ersten Photographien

des Turiner Grabtuchs im Jahre 1898 Céline zutiefst

berührten, ist aus der Geschichte der Familie Martin

und der besonderen Verehrung des Heiligen Antlitzes

in derselben besonders verständlich. So malt Céline/

Geneviève das Leidensantlitz Jesu und reicht es bei

der Ausstellung in s’Hertogenbosch ein. Ihr Gemälde

verbindet das ihr seit langem vertraute Veronica-Bild

mit dem nun durch die moderne Technik enthüllten

Antlitz des „Mannes auf dem Tuch“, gleichsam als ein

Déjà-vu, als eine Bestätigung, als ein Wieder-Erkennen

des vom glaubenden Herzen schon immer Gewussten.

(Abb. 4)

Wer ist

DER

MANN

auf dem Tuch?

Eine Spurensuche

AUSSTELLUNG

8. Juni bis 16. Juli 2017

Erzbischöfl. Palais Wien

Eingang in der Wollzeile 2

www.turinergrabtuch.at

DIE MALTESER 2/2017 7

MALTESER


IMFOKUS

DER MALTESERORDEN IM LIBANON

EIN INSTRUMENT

DER LIEBE UND DES FRIEDENS

Im Dialog zwischen Christen und Muslimen und im Aufbau gegenseitigen Vertrauens, spielen die Aktivitäten der

MALTESER eine wichtige Rolle.

Von Oumayma Farah

„Ich frage nicht nach deiner Rasse, deiner Hautfarbe und

deiner Religion, aber sag mir, was deine Leiden sind?“

Dieses Zitat von Pasteur ist das Motto, welches die Arbeit

des Malteserordens im Libanon inspiriert. In diesem

Land mit einer Bevölkerung von 4.200.000 Menschen

gibt es 17 verschiedene offiziell anerkannte Religionsgemeinschaften,

und der Libanon steht für Humanität

und erlaubt ein Erlebnis von einzigartigem Zusammenleben.

Unpolitisch und ohne private oder verborgene

Absicht, mit dem Ziel, die Menschenwürde hinsichtlich

aller Unterschiede zu unterstützen und zu erhalten, sind

die Handlungen des Malteserordens im Libanon ein humanitärer

Ausdruck von Liebe und Respekt, welcher von

allen Religionen gepredigt wird.

Aber um den Umfang der Arbeit des Malteserordens zu

verstehen, muss man zuerst die Komplexität des Liba-

non verstehen. Nachdem es seine Unabhängigkeit im

Jahr 1943 erklärte, erlebte das Land mehrere Kriege,

darunter einen 15-jährigen Bürgerkrieg, der nach weiteren

15 Jahren Besetzung durch die syrische Armee

endete. Besetzung und Kriege, durch und mit Israel,

das letzte Mal im Jahr 2006, führten zu anhaltender

politischer Instabilität und Sicherheitsbedrohungen.

Auch der benachbarte Bürgerkrieg spielt eine Rolle,

wobei das Land eine große Zahl an Flüchtlingen (Syrer,

Palästinenser, Iraker) aufgenommen hat. Die Zahl wird

auf ungefähr zwei Millionen geschätzt, und dies entspricht

der Hälfte der libanesischen Bevölkerung.

Laut den letzten Statistiken, die auf den Wahlen 2009

basieren, ist die Bevölkerung des Libanon wie folgt aufgeteilt:

Muslime 54 Prozent (27 Prozent Sunniten, 27

Prozent Schiiten), Christen weniger als 40 Prozent (darunter

21 Prozent maronitisch-katholische, 8 Prozent

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DIE MALTESER 2/2017


IMFOKUS

griechisch-orthodoxe, 5 Prozent griechisch-katholische,

6,5 Prozent andere), Drusen 5,6 Prozent und eine sehr

kleine Anzahl von Juden, Baha‘is, Buddhisten, Hindus

und Mormonen.

Das Christentum im Libanon geht auf mehr als

Zweitausend Jahre zurück

Schon bevor der christliche Glaube das Territorium des Libanon

erreichte, war Jesus in die südlichen Gebieten in der

Nähe von Tire gereist. Das Christentum im Libanon ist fast

so alt, wie der christliche Glaube selbst.

Aber die Christen im Libanon waren nicht immer eine

Minderheit, im Jahr 1926 haben sie 84 Prozent der gesamten

Bevölkerung ausgemacht, heute beträgt ihr Anteil

wie erwähnt weniger als 40 Prozent, was vor allem auf die

nicht-christliche Einwanderung aufgrund der Kriege zurückzuführen

ist. Dennoch hat das Land den größten Anteil

der Christen aller Nahost-Nationen (weniger als 2 Prozent

leben derzeit im Heiligen Land von Palästina!) Und vor

allem spielt das Land eine wichtige Rolle in den Auseinandersetzungen

zwischen dem Westen und der muslimischen

Welt und im Dialog zwischen Christentum und Islam.

Eine Botschaft an die Welt

Während seines apostolischen Besuches im Libanon im

Jahr 1997 sagte Papst Johannes Paul II.: „Der Libanon ist

mehr als eine Nation, er ist eine Botschaft an die Welt!“

Durch unsere Hilfe für Bedürftige, ohne einen Unterschied

zu machen, strebt der Malteserorden danach, diese

Botschaft zu bewahren.

Netzwerk und Initiativen des Malteserordens

Das aktuelle Netzwerk des Ordens mit 30 verschiedenen

Initiativen im Libanon erreicht genauso viele Christen wie

Muslime und wird über die Zusammenarbeit mit religiösen

Gemeinden und Stiftungen bewerkstelligt. Gemeinsames

Ziel ist es, den Armen, Kranken, Alten, Behinderten und

den Vertriebenen unabhängig von ihrer religiösen Konfession

zu dienen. Dieses Netzwerk wurde während des

Bürgerkrieges, Mitte der 1980er Jahre, gegründet – auch

deshalb, um in abgelegenen Dörfern das Leid der Vergessenen

zu lindern. Durch die Präsenz des Ordens in dieser

Zeit wurden christliche Minderheiten in ihrer Zuversicht

gestärkt und sind auch deshalb in ihren Dörfern geblieben.

Der Orden erarbeitete sich Vertrauen und tiefen Respekt

bei Angehörigen unterschiedlicher Konfessionen, indem

diesen Menschen offen begegnet wurde und Kinder und

Frauen mit Würde behandelt wurden. Die materielle

Hilfe erfolgte über Lebensmittel, Unterbringung und Medikamente,

die medizinische Hilfe konnte während des

Krieges aufrechterhalten werden. Die Zentren wurden

zum Symbol für Frieden, Solidarität und Zusammenleben,

auch nach 30 Jahren ist dieser Zusammenhalt auch

noch immer sehr stark.

Zum Beispiel, im Jahr 1985, während des Krieges, als

der holländische Jesuit Pater Nicolas entführt, gefoltert

und in einer schrecklichen Weise getötet wurde, erfüllten

Furcht, Wut und Rache die Herzen der gesamten Bevölkerung

von Barqa, einer völlig isolierten christlichen Ortschaft

in Beqaa. Der Orden reagierte sofort! In Zusam-

DIE MALTESER 2/2017 9


XXXXX

menarbeit mit den Schwestern wurden die Aktivitäten

unseres Zentrums erweitert und erreichten so die gesamte

umliegende Bevölkerung, einschließlich der schiitischen

Gemeinschaft, und versorgten die Menschen mit

qualitativ hochwertiger medizinischer und sozialer Betreuung,

welche in dieser Region sehr selten war. Damit

konnte ein Gefühl des Vertrauens zwischen den nebeneinander

wohnenden Gemeinschaften wiedergewonnen

werden. Die gegenseitige Unterstützung wuchs, und die

Menschen sahen einander nicht mehr als Feinde an, sondern

beschützten einander. Die Anwesenheit des Ordens

brachte das Vertrauen zurück, förderte die Versöhnung

und baute die Resilienz der örtlichen Bevölkerung aus.

Unsere langfristige Zusammenarbeit mit allen Gemeinschaften

beweist, dass, wenn Religionen für humanitäre

Aktionen zusammenarbeiten, dies soziale Gerechtigkeit

und Frieden fördert und auch Menschenrechte und Werte

des Lebens verteidigt werden. Mit dieser Haltung werden

Brücken gebaut und Mauern beseitigt.

Außerdem hat der Orden eine offizielle Vereinbarung mit

dem Obersten Schiitischen Islamischen Rat des Libanon

und eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Imam Al

Sadr Stiftung, mit der ein Zentrum und eine mobile Klinik

im Süden gemeinsam geführt werden. Der Orden hat eine

ganz besondere Beziehung mit der höchsten sunnitischen

Behörde im Libanon, Dar Al Fatwa, auf deren Basis der Orden

medizinische Hilfe in der zentralen Klinik in Beirut zur

Verfügung stellt. Der Orden ist auch dafür verantwortlich,

jedes Jahr ein angemessenes Ernährungs-Programm während

der Fastenzeit des Heiligen Monats Ramadan anzubieten.

Im selben Spektrum kooperiert der Orden auch

mit der höchsten Behörde der Drusen und sorgt für eine

jährliche medizinische Unterstützung für die Sheikh Abu

Hassan Aref Halawi Foundation im Chouf Bereich von Barouk.

Dank dieser guten Beziehungen konnte der Orden

im Libanon seine Mobile Medical Unit in der Region von

Wadi Khaled an der nördlichen Grenze zu Syrien aufbauen.

Mit einzigartigen medizinischen Leistungen konnten

syrische Flüchtlinge und die örtlichen muslimischen Sunniten,

Personen in Bekaa und im Süden die muslimisch

schiitische Bevölkerung erreicht werden.

Die Stärke des Ordens ist es, Offenheit und Liebe zu

spenden. Im kollektiven Bewusstsein steht die Moschee

der Kirche gegenüber und umgekehrt, trotzdem erstreckten

sich die Tätigkeiten des Malteserordens im Libanon

auch auf Moscheen.

Religion kann Frieden schaffen: Unsere Waffen

sind nur die Liebe und die Offenheit

Leider verwenden Männer die Religion, um Konflikte zu

schaffen, aber das ist ein Fehler! Mit Hilfe der Religion

kann Friede erreicht werden. Fanatiker und Extremisten

erreichen ihre Limits mit den realen Beispielen des Ordenszentrums,

wenn sie den muslimischen Schleier und

das Kreuz als miteinander verbundene Hoffnungsträger

sehen.

Unsere Waffen sind nur die Liebe und die Offenheit, die

wir den Anderen schenken, und das ist der richtige Weg.

Nur so können wir unserem Christentum im Libanon dienen

und sein Überleben in diesem Teil der Welt sichern.

Mit unseren Tätigkeiten wird die Botschaft von Papst Johannes

Paul II. verbreitet. Wir beten ständig, dass die Internationale

Gemeinschaft diese Herausforderungen und

die Bedeutung unserer Arbeit versteht und auf unserer

Seite steht, um unsere Mission in diesem heiligen Land

fortsetzen zu können.

10

DIE MALTESER 2/2017


IMFOKUS

SEIN WEG FÜHRTE

NACH ÄGYPTEN

Am 28. und 29. April 2017 kam Papst Franziskus nach Kairo. Er war erst der zweite Papst der Neuzeit, der die ägyptische

Hauptstadt besuchte. Dialog und ein friedliches Miteinander bildeten auch hier ein zentrales Thema.

„Der Papstbesuch ist ein Segen für uns, für die Kirche und

das ganze ägyptische Volk“, sagte der emeritierte Bischof

von Gizeh, Antonios Aziz Mina, im Vorfeld des hohen Besuchs.

„Wir freuen uns darüber, dass Franziskus unsere

Einladung annimmt und kommt, um unser Land zu segnen!

Natürlich erinnert uns das auch an die Visite des Hl.

Johannes Paul II. im Heiligen Jahr 2000.“ Johannes Paul

hatte damals eine Pilgerfahrt zum Berg Sinai unternommen.

Dabei hielt er sich auch in Kairo auf, feierte die Messe

in einem Stadion, sprach mit dem koptischen Patriarchen

und besuchte die islamische al-Azhar-Universität.

„Wir haben eine schwierige Zeit hinter uns“

Im Unterschied zum Jahr 2000 kam Papst Franziskus

2017 in ein radikal verändertes Ägypten: Zu Zeiten von

Johannes Paul II. regierte noch Mubarak, und „Misr“, wie

die Ägypter ihr Land nennen, galt als Anker der Stabilität

im Nahen Osten. Heute hat Präsident Sisi das Sagen, und

Ägypten ist instabil. „Ja, die ganze Region – nicht nur

Ägypten – ist leidgeprüft. Die Präsenz der Christen hier

ist immer ein Zeugnis für das Kreuz. Dabei ist die Lage

der Christen dieselbe, wie die Lage der Ägypter im allgemeinen.

Wir haben eine schwierige Zeit hinter uns. Nach

zwei Revolutionen versuchen wir, wieder auf die Beine

zu kommen. Wir brauchen die Hilfe der ganzen Welt. Als

Christen erleben wir allerdings einen sehr günstigen, guten

Moment für die Freiheit des Kultes und der Religion“,

so Bischof Antonios.

Christen in Ägypten – das sind vor allem Kopten. Sie hüten

die heiligen Stätten, die an die Flucht der Heiligen

Familie vor dem Zorn des Herodes nach Ägypten erinnern,

und haben sehr wechselhafte Beziehungen zur islamischen

Mehrheit der Bevölkerung. Sisi stützt sich auf

sie – auch weil die Kopten sich 2013 hinter seinen Putsch

gestellt hatten und weil er sie als Verbündete in seinem

Kampf gegen Islamisten sieht.

Starker Wille zum Dialog mit dem Islam

„Terrorismus muss vor allem mit der Kraft des Denkens,

mit der Kultur und mit Liebe bekämpft werden. Mit Frieden,

mit Zusammenleben, mit der Gleichheit der Rechte

jedes Staatsbürgers in dem Land, in dem er lebt.“ Dieser

Katalog von Bischof Antonios ist ziemlich weit von der

heutigen Lebenswirklichkeit in Ägypten entfernt. Immerhin

freuen sich die Christen im Land darüber, dass

der Präsident jetzt mit aller Macht den moderaten Islam

unterstützt. Das ist für sie buchstäblich lebenswichtig.

Bischof Antonios: „Der Dialog mit dem Islam geht weiter.

Es gibt einen starken Willen dazu, denn er ist wirklich

notwendig. Man kann in dieser Welt nicht ohne Dialog

leben, erst recht nicht ohne Dialog zwischen den Religionen.

Zwar hat jede Religion ihre Dogmen, aber die Anhänger

jedes Glaubens können miteinander reden, um

einen Weg zum Zusammenleben zu finden.“

Das Land am Nil sei, recht besehen, immer ein Ort der Begegnung

und des Austauschs gewesen: Bischof Antonios:

„Weil sich in Ägypten immer schon die Völker getroffen

haben. Hier stoßen Asien, Afrika, Europa zusammen. Wir

hatten immer eine kosmopolitische Gesellschaft, die alle

Völker dieser Regionen in sich aufnimmt. Gerade haben

wir eine Periode des Extremismus hinter uns, aber wir

müssen zurück zu den Wurzeln unserer Natur als friedliches

Volk, das den Dialog und das friedliche Zusammenleben

will.“

Der vorstehende Text wurde, geringfügig gekürzt, mit freundlicher

Genehmigung von Radio Vatikan übernommen.

DIE MALTESER 2/2017 11


MALTESERSPIRITUELL

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MALTESERSPIRITUELL

SERIE

Wie jede der Seligpreisungen, so erzählt auch diese mehr über Gott als über den Menschen: „So gut ist unser Vater im

Himmel“, scheint Jesus damit sagen zu wollen.

Pfarrer Mag. Dipl.Ing. Konstantin Spiegelfeld

1. Gott sättigt!

Die vielen Bilder der Bibel über Festmähler/Hochzeitsmähler

illustrieren diese nährende Fülle, die von Gott

ausgeht. Er sättigt anders, als wir es von der Nahrung dieser

Welt kennen. Die lässt uns wieder hungrig und durstig

werden. Die Erfüllung, die Gott verspricht, ist eine bleibende.

Jesus wird diese Verheißung auf sich selbst beziehen:

„Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst

bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich

ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben.“ (Joh

4,13f) „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt,

wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie

mehr Durst haben.“ (Joh 6,35)

2. Hungern und dürsten

Die Verheißung gilt nach Gerechtigkeit hungernden Menschen,

nicht den satten! Nach Gerechtigkeit zu hungern

und zu dürsten, ist eine sehr drastische Formulierung. Da

muss es einem schon sehr schlecht gehen und es muss

einem sehr ernst sein, dass man nach Gerechtigkeit hungert!

Wie viele Menschen haben diese tiefste Sehnsucht

12

DIE ACHT SELIGPREISUNGEN

„SELIG, DIE HUNGERN UND

DÜRSTEN NACH DER GERECHTIGKEIT,

DENN SIE WERDEN SATT WERDEN.“

DIE ACHT ELENDE:

LIEB-LOSIGKEIT

Unter den acht Elenden, gegen die der Malteser-Ritter-Orden ankämpfen will, ist die Lieblosigkeit unbestreitbar das größte.

Die Philosophen und Theologen definieren das Böse als die „Abwesenheit des Guten“. Dem entsprechend ist der absolute

Gegensatz zur Liebe nicht der Hass, sondern die Lieb-losigkeit.

In der Darstellung des Endgerichts zählt Jesus keine einzelnen

Sünden auf, die zur Verdammung führen, sondern

er gibt die Unterlassung der Werke der Barmherzigkeit,

also Lieb-losigkeit, als Grund zur Verurteilung an. Eindringlich

ist auch das Gleichnis vom Prasser und dem

armen Lazarus. In den Augen der damaligen wie der

heutigen Welt wäre der reiche Mann durchaus als „anständiger“

Mensch durchgegangen, denn „er hat nicht gemordet,

nicht gestohlen und nicht geraubt“. Doch in

seiner Beschränktheit auf die eigene „Wellness“ hat er den

armen Lazarus unter seinem Tisch nicht einmal bemerkt.

Absolutes Fehlen von Liebe ist Hölle

Schriftsteller wie Charles Dickens oder Victor Hugo beschreiben

in ihren Romanen zwar pathetisch, damit aber

aufrüttelnd, welches Elend Lieblosigkeit hervorruft. Nach

der Lehre aller Religionen ist der Ort, an dem es absolut

keine Liebe gibt – und das für alle Ewigkeit –, die Hölle.

Die Konzentrations- und Vernichtungslager unserer Welt

lassen ahnen, dass eine solche Glaubenslehre durchaus

realistisch ist, falls mit dem Tod des Menschen die Freiheit

der Person nicht enden sollte.

DIE MALTESER 2/2017

Nach christlichem Glauben hat der Sohn Gottes in seinem

Von P. Felix Selden CO

nach Gerechtigkeit, danach, dass andere ihnen gerecht

werden: Kinder sehnen sich danach, dass Eltern ihnen

die geschuldete Liebe und Aufmerksamkeit schenken. Jugendliche

sehnen sich danach, sich entfalten zu dürfen.

Sie sehnen sich nach Ausbildung, nach Vorbildern, Bezugspersonen

und nach fairen Chancen. Sie wollen ernst

genommen werden. Und wie viele Menschen auf der Welt

werden betrogen, ungerecht verurteilt oder verfolgt und

sehnen sich nach einem gerechten Rechtssystem.

dem er „Blut schwitzte“, und sein Ruf am Kreuz „Mein

Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ nicht erklären.

Sein inneres mystisches Hinabsteigen in die Tiefen

des Hasses und der Lieb-losigkeit, der Gott-losigkeit, war

die schrecklichste und unvorstellbarste Qual, die der Herr

zu unserer Erlösung auf sich genommen hat. Seine Auferstehung

lässt uns hoffnungsvoll glauben, dass Gott stärker

ist als der Tod, dass die Liebe des Erlösers die Menschheit

aus der „Lieb-losigkeit“ errettet.

3. Was ist Gerechtigkeit?!

Gerechtigkeit ist nicht nur eine herausragende Tugend –

eine der vier Kardinaltugenden – der entsprechend jeder

tut, was seine Aufgabe ist, sondern der beständig feste

Wille, Gott und dem Nächsten zu geben, was ihm zusteht.

Die Dankbarkeit, die Barmherzigkeit, die Caritas gehen

über den Bereich der Gerechtigkeit hinaus.

Der Kampf gegen die Lieb-losigkeit beginnt im

(eigenen) Herzen

Dieser Glaube und die damit verbundenen Gnaden sind

den Maltesern mit allen anderen aktiven Christen gemeinsame

Kraftquelle, Motivation und Segenswerkzeug in

ihrem Kampf gegen die Lieb-losigkeit. Im Blick auf Jesus

machen sie sich das Motto von Mutter Teresa zu eigen:

„Es soll keinen Menschen geben, der sich nicht geliebt

fühlt.“ Der Kampf gegen die Lieb-losigkeit beginnt im

(eigenen) Herzen. Wohlwollen – als Abbild des Wohlwollens

Gottes – kommt vor äußeren Werken der Liebe.

Gute Werke ohne inneres Wohlwollen sind nur eingeschränkt

wertvoll für andere.

4. Gerechtigkeit und Vergebung

Interessant ist, wie Paulus die Themen von Gerechtigkeit

und Vergebung verknüpft: „So erweist Gott seine Ge-

Denn das Wichtigste, die Liebe, fehlt ihnen. Sie können


MALTESERSPIRITUELL XXXX

rechtigkeit durch die Vergebung der Sünden.“ (Röm 3,25)

Gottes Gerechtigkeit besteht nicht in einem kräftigen

Vergeltungsschlag, der die Spirale der Gewalt weiterdreht,

sondern indem er sie durch die Vergebung stoppt.

Drei Beispiele gebe ich dafür:

a. Zachäus: Jesus wird in diesem Sinn dem Zachäus, dem

Betrüger aus Jericho, gerecht und lässt ihn Vergebung

erfahren. Auf diese Weise bekehrt sich Zachäus zur Gerechtigkeit

und erstattet unrecht Erworbenes zurück.

(Lk 19,1-10)

b. „Die Macht des Vergebens“ – so lautet der Titel eines

fesselnden Buches, das von einer besonderen Frau, Eva

Mozes Kor, erzählt. Als zehnjähriges Mädchen wird sie

mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert. Ihre Eltern

und zwei Geschwister werden in den Gaskammern ermordet,

sie selbst und ihre Schwester Miriam vom KZ-

Arzt Dr. Josef Mengele für Experimente in der Zwillingsforschung

missbraucht. Noch Jahre nach der Befreiung

verdrängt Eva jeden Gedanken an ihre Vergangenheit.

Als Miriam aber an den Spätfolgen der Menschenversuche

schwer erkrankt, macht sich Eva auf die Suche nach

ihren Peinigern. Was sie findet, ist ein Heilmittel für ihre

verletzte Seele: Sie verzeiht! Damit ist sie nicht unumstritten.

Zuletzt verblüffte sie auch in Deutschland die

Öffentlichkeit, als sie als Nebenklägerin im Lüneburger

Auschwitz-Prozess dem angeklagten früheren SS-Mann

Gröning die Hand reichte und ihm

vergab. Die anderen Nebenkläger

distanzierten sich von ihr und dieser

Geste. Doch Vergebung ist für

Eva Mozes Kor kein Akt der Selbstverleugnung

oder ein simples Verzeihen.

Es ist ein aktives Loslassen

vom Trauma, eine Distanzierung

Eva Mozes

vom Grauen, und erlaubt ihr, den Kampf „gegen das Vergessen“

aufzunehmen. Ihr Vergeben ist ein Weg, sich von

Schmerz, Trauma und Tragödie zu heilen.

c. Das Fest der Versöhnung: Ich darf im Beichtsakrament

die Erfahrung machen, dass Gottes Gerechtigkeit in der

Vergebung meiner Sünden besteht. So erhalte ich Hilfe

von Gott, um Ihm, mir selbst, anderen Menschen, ja der

ganzen Schöpfung gerechter zu werden.

5. Gerechtigkeit und Friede küssen sich!

So drückt es der Psalm 85 aus! Mit Frieden ist im biblischen

Sinn sicher der Schalom gemeint. Dieser bedeutet

Unversehrtheit, Wohlfahrt, Gesundheit, Sicherheit, Frieden

und Ruhe.

Die Welt, jeder Mensch, ist auf der Suche nach

Glück! Es ist das Geschenk, das wir umsonst empfangen,

wenn wir etwas Anderes suchen: die Gerechtigkeit Gottes

(Matthäus 6,33; Jeremias 2,13). Trauen wir Gott und Seinem

Heilsentwurf für uns!

DIE MALTESER 2/2017 13


VORBILDER

GLAUBWÜRDIGES HANDELN

Manuel Weinberger im Gespräch mit Dr. Norbert Stelzer

Die Arztpraxis für Augenheilkunde und Optometrie

mit angeschlossenem privatem Ambulatorium ist hell

und freundlich, ebenso der Empfang. Der Hausherr, Dr.

Norbert Stelzer, und seine Tochter, Dr. phil. Isabella

Kravarik-Stelzer, begrüßen einen ebenso herzlich wie

alle mir im Rahmen des Gesprächs begegnenden Angestellten.

Zeitweise schauten auch die beiden Söhne

vorbei. Die Atmosphäre wirkt nicht nur familiär, sie ist

es auch: die Praxis ist ein Familienbetrieb, 1950 vom

Vater des derzeitigen Inhabers gegründet.

Glaubwürdiges Handeln

Auf den Vater kommen wir im Laufe des Gesprächs

mehrfach zu sprechen. Er hat nicht nur den Grundstein

für die Ordination gelegt, sondern auch die Werte der

Familie Stelzer geprägt, denen bis heute alle Beteiligten

mit viel Herzblut folgen. So verwundert es auch nicht,

dass gleich im angrenzenden Büroraum ein Kreuz über

der Tür hängt. Dr. Stelzer möchte aber keinesfalls missionieren

– ihm geht es darum, Zeugnis abzulegen,

aber mit glaubwürdigen Taten, mit seiner Arbeit. Wenn

Außenstehende darin den Glauben erkennen können:

umso besser.

Dies spiegelt sich im privaten wie im beruflichen Bereich

wider. So wurden im Jugoslawienkrieg eine bosnische

Familie und jetzt natürlich eine syrische Familie

aufgenommen. Die Erfahrungen waren nicht immer

positiv – das hält die Familie Stelzer aber keinesfalls

davon ab, ihrem Weg treu zu bleiben. Und auch in der

Ordination wird geholfen, wenn dies möglich ist. So

wurden selbstverständlich auch über die Caritas oder

die Diakonie vermittelte Flüchtlinge behandelt, als diese

noch keine e-card hatten und die Bezahlung nicht

geregelt war.

Werte spürbar machen

Dieses an sich schon bemerkenswerte Engagement ist

Dr. Stelzer und seiner Familie aber nicht genug, und

so gehören er beziehungsweise seine Praxis seit vielen

Jahren zu den finanziellen Unterstützern der Malteser,

mit denen er sich sehr verbunden fühlt und viel auseinandersetzt.

Deshalb ist es ihm auch wichtig, dass

nicht nur er als Privatperson, sondern auch der Betrieb

spendet, damit diese Werte spürbar sind. Seine Mitarbeiter

und Patienten wissen, wofür er und seine Familie

stehen.

So kommt mein Gesprächspartner auch auf die acht

Elende zu sprechen, die ihm gefallen – oder besser, der

„Kampf“ gegen diese, da dies seiner inneren Einstellung

entspricht. Er freut sich, dass hier auch auf den ersten

Blick für manche vielleicht schwer nachvollziehbare

Punkte wie Schuld oder Unglaube genannt werden, wobei

er auch gleich wieder betont, dass es ihm nicht um

Bekehrung gehe. „Wer dem fern steht, weiß ja oft nicht,

was er nicht hat. Aber wenn man den Glauben hat, ist

das ungemein bereichernd“, so Stelzer. Deshalb schätzt

er auch die Arbeit der Malteser, die aus dem Glauben

heraus agieren, aber den Fokus auch immer in ruhiger,

sympathischer Art auf die Arbeit legen.

Das Gespräch mit ihm und seiner Tochter ist dadurch

auch für mich sehr erbaulich, schließlich werden wir

Malteser darin laufend gelobt. Dieses Vertrauen, der

Bezug zu den Maltesern, ist auch ein Vermächtnis des

Vaters, der Ordensritter war. Dr. Stelzer bereut es, dass

er sich im Gegensatz zu ihm leider nie aktiv engagiert

hat, denn das finanzielle Engagement sei leider nicht so

erfüllend, wie selbst aktiv zu werden. Als ich ihm sage,

dass seine Beiträge mindestens so wichtig sind, da sie

uns immerhin unsere Arbeit ermöglichen, freut er sich

sehr. Und dennoch – er würde gerne mehr machen.

Diese bewundernswerte Bescheidenheit zieht sich

ebenfalls durch unser gesamtes Gespräch, wobei dieser

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DIE MALTESER 2/2017


Die Malteser-Zeitung 3_2016_0512_ok.indd 1 05.12.16 08:48

MALTESERCARE

VORBILDER

Falls Sie, Ihre

Freunde oder Ihre

Familie über unsere Arbeit

informiert werden wollen,

senden wir Ihnen die Zeitung

gerne regelmäßig zu.

XXXX

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2017

Senden Sie einfach eine

E-Mail an:

zeitung@Malteser.at

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Die

Ehrenamt: Helfen macht doppelt glücklich

MALTESER

Trend: Der Weg zurück in die Kirche

Malteser International: Perspektive und Hoffnung

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Die Malteser-Zeitung 1_2017 ok.indd 1 23.03.17 20:37

Ausgabe 1/2016

Ausgabe 3-4/2016

Italien-Erdbebenhilfe aus Österreich

Legate: In guter Erinnerung bleiben

Ein Jahr Hilde Umdasch Haus

Satz Dr. Stelzer wahrscheinlich sehr unangenehm wäre,

geht es ihm doch in erster Linie nur darum, seine Werte

nicht nur mündlich zu bekennen, sondern auch durch

Taten zu untermauern.

Ob all diese Umtriebigkeit nicht auch anstrengend ist?

Doch, das ist sie. Und so erzählt er, dass er vor einigen

Jahren einmal daran dachte, aufzuhören. Er war als

Arzt alleine und hatte sich überarbeitet. Er wurde dann

überredet weiterzumachen und hat einen Lehrpraktikanten

aufgenommen. Was ihm alleine zu viel war, ging

im Team hervorragend. So sind inzwischen ein großes

Team von 15 Personen und ein Ambulatorium entstanden,

eine Entwicklung, die ihm viel Freude bereitet.

Ganz nebenbei eröffnet mir Dr. Stelzer auch, dass er

übrigens heute seinen 60. Geburtstag feiert – und freut

sich, wenn seine Kinder das hier einmal übernehmen

würden. Vielleicht ja schon in nicht allzu langer Zeit.

Was er dann machen würde? „Naja, das weiß ich noch

nicht genau. Aber vielleicht wäre das eine gute Gelegenheit,

sich einmal noch wirklich zu engagieren …“

Christen auf dem Rückzug?

Malteser Flüchtlingshilfe

Aktivitäten in aller Welt

Die Malteser-Zeitung 1_2016_1603 OK.indd 1 16.03.16 09:32

Gratis,

aber leider

nicht kostenlos

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und soll

es auch bleiben. Denn es ist uns ein Anliegen, Sie

über unsere Arbeit umfassend zu informieren.

Doch die Produktion und der Versand sind leider

nicht kostenlos.

Konto lautend auf MALTESER Hospitaldienst Austria,

Kennwort „Zeitung DM1111“

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

BIC: GIBAATWW

Spenden an den MALTESER Hospitaldienst sind

von der Steuer absetzbar!

DIE MALTESER 2/2017 15


MALTESERWELTWEIT

ZUR AKTUELLEN SITUATION

MILLIONEN MENSCHEN

DROHEN IN AFRIKA ZU

VERHUNGERN!

Von Katharina Kiecol

Illeret liegt am Turkana-See im dürregeplagten Norden

Kenias, drei Tagesreisen von der Hauptstadt Nairobi und

nur wenige Kilometer von der äthiopischen Grenze entfernt.

Besucher kommen hier nur selten hin. Es ist staubig,

im Augenblick noch mehr als sonst. Seit eineinhalb

Jahren hat es kaum geregnet. 80 Prozent der Tiere sind

bereits gestorben. Für die Menschen ist das dramatisch,

denn sie leben von der Viehzucht. Landwirtschaftlicher

Anbau ist aussichtslos, auch dann, wenn die Regenzeit

tatsächlich kommt, denn in Illeret wächst nur wenig.

Die Folgen des Klimawandels bekommen die Dassanach

mittlerweile immer mehr und unmittelbar zu spüren.

Rund 23.000 Menschen leben in dieser Region. Ein großer

Teil der Brunnen ist bereits versiegt. Darum haben

die Mitarbeiter von Malteser International Wasser bei

einem weiter entfernten Wasserloch abgeholt und per

LKW an die Dörfer verteilt, damit die Menschen we-

nigstens noch sich selber mit einer Ration Trinkwasser

versorgen können. Außerdem verteilen die Mitarbeiter

Zusatznahrung für unterernährte Kleinkinder und kaufen

den Menschen das Vieh ab, um es anschließend als

Fleisch wieder zu verteilen.

Aber die Situation wird immer dramatischer. Sieso Anyder

ist 33 Jahre alt. Seit 14 Jahren ist sie schon in dieser Gegend,

und 14 Jahre lang lebte sie ein gutes Leben hier, meint sie.

„So schlimm wie jetzt war es noch nie. Fast alle unsere Tiere

sind gestorben. Wir müssen immer weitere Wege gehen, um

Wasser zu bekommen, und es gibt keine Weiden mehr für

die Tiere. Es fühlt sich so an wie das Ende der Welt.“

Doch neben der Dürre gibt es weitere Ursachen für die

Hungersnot in einigen afrikanischen Ländern. Im Südsudan

hält der Bürgerkrieg seit Jahren an, und die Men-

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DIE MALTESER 2/2017


MALTESERWELTWEIT

schen trauen sich aus Angst vor Gewalt nicht auf die

Felder. Gemüse wird kaum noch angebaut. Die explodierende

Inflation ist eine weitere Ursache für die schlechte

Versorgungslage der Menschen. Allein hier sind rund

100.000 Menschen vom Hungertod bedroht, fünf Millionen

Menschen sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen

(Stand März 2017). Julia Angelo Ucin ist aus dem Dorf

in die Stadt Wau geflohen. Hier lebt sie nun mit ihren

Kindern in einem Camp, ihr Mann und einer ihrer Söhne

wurden ermordet, ihr Bruder ist verschollen. Damit sie

sich und ihre Kinder versorgen kann, zeigen die Mitarbeiter

von Malteser International den Binnenvertriebenen

wie Julia, wie sie auch in der Stadt Gemüse wie Okra,

Kohl und Kürbis anbauen kann. „Ohne die Hilfe von

Malteser International hätte ich nicht gewusst, was ich

machen soll. Jetzt haben wir genug zu essen, und auch

unseren Kindern geht es wieder besser.“

Doch egal, worin die Ursachen für diese Hungerkatastrophe

liegen, ob Dürre oder Bürgerkrieg: Ohne internationale

Hilfe werden diese Menschen die Krise nicht

überstehen.

Um die Nothilfeprogramme in diesen Gebieten

aufzustocken, ist Malteser International unbedingt

auf Spenden angewiesen.

Spendenzweck: Hungersnot in Afrika

Malteser Hospitaldienst Austria

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

BIC: GIBAATWW

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe!

Ihre Spende ist

steuerlich absetzbar!

17


XXXXX

FRA GIACOMO DALLA TORRE DEL TEMPIO

DI SANGUINETTO ZUM STATTHALTER DES

GROSSMEISTERS GEWÄHLT

Habemus Luogotenentem, hieß es im April in der Ordensregierung der Malteser in Rom.

Bei der Wahl am 29. April 2017 in der Villa Malta auf

dem Aventin in Rom, wurde der bisherige Großprior

von Rom, Bailli Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio

di Sanguinetto, zum Großmeister-Statthalter

(Luogotenente) auf ein Jahr gewählt. Sogleich nach

der Wahl wurde diese Entscheidung, wie dies im Codex

des Ordens vorgesehen ist, Papst Franziskus angezeigt.

Von Richard Steeb

Fra‘ Giacomo Dalla Torre wurde 1944 in Rom geboren.

Er entstammt einer Adelsfamilie aus Treviso und hat

sich nach dem Studium der Literaturwissenschaften

auf christliche Archäologie und Kunstgeschichte spezialisiert.

Er war Professor für Altgriechisch an der

Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom und veröffentlichte

als Chefbibliothekar und Archivar zahlreiche

Abhandlungen über Kunst und Bibliographie.

1985 in den Malteserorden aufgenommen, legte er 1993

die ewigen Gelübde ab und wurde Professritter. Von

1994 bis 1999 war er der Großprior des Großpriorates

18

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERWELTWEIT

Priorato am Aventin seinen Amtseid in die Hände

des Päpstlichen Delegaten, Erzbischof Angelo Becciu

geleistet.

Nach der Verfassung des Ordens bleibt der Großmeister-

Statthalter ein Jahr lang im Amt und ist während

dieser Zeit mit denselben Befugnissen ausgestattet

wie ein Großmeister. Er ist Souverän und religiöses

Oberhaupt des Ordens und muss vor Ende seines Mandats

wiederum den Großen Staatsrat einberufen. Zusammen

mit dem Souveränen Rat erlässt er gesetzliche

Regelungen, die nicht in der Verfassung enthalten sind,

verkündet Regierungsakte und ratifiziert internationale

Vereinbarungen.

von Lombardei und Venetien. Nach mehreren Funktionen

war er ab 1999 Mitglied im Souveränen Rat und

unter dem 78. Großmeister Fra‘ Andrew Bertie von 2004

bis 2008 Großkomtur des Ordens. Seit 2009 hatte er das

Amt des 67. Großpriors des Großpriorates von Rom inne.

Der neue Großmeister-Statthalter kennt den Orden

bestens und hat bereits nach dem Tod des 78. Großmeisters

Fra‘ Andrew Bertie von 7. Februar 2008 bis

zur Wahl des 79. Großmeisters am 11. März 2008 verfassungsmäßig

als Statthalter ad interim den Orden

geleitet.

Am 30. April 2017 hat der neue gewählte Großmeister-Statthalter

vor den versammelten Mitgliedern

des Großen Staatsrates in der Kirche Santa Maria del

Eine der wichtigsten Aufgaben von Fra‘ Giacomo Dalla

Torre del Tempio di Sanguinetto wird es sein, auf eine

Reform der Verfassung und des Codex des Ordens

hinzuarbeiten. Die derzeitige Verfassung wurde zuletzt

1997 reformiert. Im Vordergrund wird bei der

Reform die Notwendigkeit stehen, das spirituelle Leben

des Ordens zu stärken und mehr Profess-Mitglieder

zu gewinnen. Es sollen mehr Berufungen in den

Ersten Stand (Profess-Mitglieder)zugelassen werden.

Alle Mitglieder des Ordens wurden bereits eingeladen,

Vorschläge für diese Reform zu unterbreiten.

Der erste offizielle Einsatz des neuen Statthalters des

Großmeisters war die 59. internationale Wallfahrt

des Malteserordens nach Lourdes. Auch heuer nahmen

mehr als 7.000 Mitglieder und Freiwillige aus aller

Welt an der bedeutenden Ordenswallfahrt teil und standen

rund 1.500 Kranken und Pilgern mit Behinderungen

helfend zur Seite.

Unser Herrgott gebe unserem Großmeister-Statthalter

Kraft und Segen für sein hohes Amt!

http://bit.ly/2sQG4Ub

DIE MALTESER 2/2017 19


MEDIZINAKTUELL

EHELICHES LEBEN NACH DEM PLAN GOTTES

NATÜRLICHE EMPFÄNGNIS-

REGELUNG NACH RÖTZER

Von Barbara M. Sauberer

Die Regelung der Empfängnis ist ein zentraler Punkt für

das Gelingen von Ehe und Familie. Fast alle zur Verfügung

stehenden Methoden der Empfängnisverhütung

sind allerdings problematisch, weil sie, soweit sie auf

hormonellen Eingriffen beruhen, mit beachtlichen gesundheitlichen

Risiken verbunden sind und auch auf die

Umwelt schädigende Einflüsse zeigen. Außerdem besteht

eine ihrer Hauptwirkungen in einer frühen Abtreibung

des schon entstandenen Kindes. Soweit diese Methoden

aber rein mechanisch wirken, lässt entweder die Zuverlässigkeit

zu wünschen übrig oder es bewirken auch sie

letztlich eine Frühabtreibung (Kupferspirale, Kettchen,

u. ä.).

Aus diesem Dilemma zeigt die vom österreichischen Arzt

Prof. Dr. med. Josef Rötzer (1920-2010) entwickelte

erste echte sympto-thermale Methode (STM), auch als

„Natürliche Empfängnisregelung nach Rötzer (NER)“ bezeichnet,

einen einfachen und praktikablen Ausweg! Sie

greift auf das Wissen um die fruchtbaren und unfruchtbaren

Tage im Zyklus der Frau zurück, beobachtet aber

im Unterschied zu den bis dahin bekannten natürlichen

Methoden sowohl die Aufwachtemperatur als auch den

Zervixschleim und gewinnt aus der gegenseitigen Abhängigkeit

dieser Parameter die höchste Zuverlässigkeit. Die

NER lässt eine Zuverlässigkeit von 99,1–100 Prozent

zu, an die kein Verhütungsmittel herankommt, und bei

Kinderwunsch zeigt sie die optimal fruchtbare Zeit an

(www.iner.org).

Die Natürliche Empfängnisregelung nach Rötzer

ist eine Lebensweise, die im gesamten fruchtbaren Leben

der Frau gelebt werden kann – bei regelmäßigen und

unregelmäßigen Zyklen, bei Kinderwunsch, nach der Geburt,

in der Stillzeit und in den Wechseljahren. Nur die

Zusammenschau der Aufwachtemperatur in Abhängigkeit

der Körperzeichen der Frau erbringt diese höchste

Zuverlässigkeit mit einem Pearl Index von 0–0,9!

20

DIE MALTESER 2/2017


Einige Vorteile dieser äußerst einfachen Lebensweise:

Hohe Zuverlässigkeit, keine Nebenwirkungen, keine Beeinträchtigung

der späteren Fruchtbarkeit, keine Frühabtreibung,

Kenntnis sehr nützlich auch bei Kinderwunsch,

Förderung der Partnerschaft (bei NER-Paaren liegt die

Scheidungsrate unter 3 Prozent vgl. Rhombergstudie, bei

anderen Paaren bei 48 Prozent), ab dem ersten beobachteten

Zyklus anwendbar, preiswert, schöpfungsgemäß.

Da diese Vorgehensweise die Lehraussagen der Katholischen

Kirche bestätigt, wurde Prof. Dr. med. Josef

Rötzer 1980 als Auditor zur Weltbischofssynode unter

Hl. Papst Johannes Paul II. nach Rom berufen und hielt

dort ein Referat zu diesem Themenbereich.

1990 wurde ihm für seine bahnbrechende Arbeit der

päpstliche Orden „Komturritter des hl. Gregor des

Großen“ verliehen. 1992 würdigte der österreichische

Bundespräsident seine wissenschaftliche Forschungsarbeit

mit dem Berufstitel „Professor“.

2002 erhielt er die hohe päpstliche Auszeichnung

„Gregorio Magno mit Stern“.

Die Natürliche Empfängnisregelung ist ein partnerschaftlicher

Weg und eine große Hilfe und Garant für das

Gelingen von Ehe und Familie in der heutigen Zeit. Wer

diesen Weg geht, wird in die Fülle ehelichen Lebens hineinwachsen

können, zu der uns Gott einlädt.

Bei Interesse ist ein Blick auf www.iner.org zu empfehlen,

wo Hinweise zu Informationsveranstaltungen,

Kurse und Beratungen zu finden sind.

Für das Selbststudium ist folgendes Lehrbuch geeignet:

Josef Rötzer/Elisabeth Rötzer: Die Natürliche Empfängnisregelung

Die sympto-thermale Methode – Der partnerschaftliche

Weg, Herder (ISBN 978-3-451-30629-7)

Der Malteserorden arbeitet im Auftrag der Bischofskonferenz

(Institut für Ehe und Familie) gemeinsam mit

der Initiative Christliche Familie über eine Plattform mit

gleichgesinnten Gruppen an der Vermittlung zum Thema

Natürliche Empfängnisregelung.

Nähere Informationen dazu finden Sie auf

www.empfängnis.com

DIE MALTESER 2/2017 21


IMFOKUS

22

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

NACH LOURDES MIT DEN SLOWAKISCHEN MALTESERN

EINE PILGERREISE

Als altes Mitglied bei den österreichischen MALTESERN und gleichzeitig neu im Orden war es mir ein Anliegen, dieses

Jahr – ich muss zugeben nach langer Pause – wieder einmal nach Lourdes zu pilgern.

Von Christian Fritzsche

Als Folge diverser Änderungen bei der Fluggesellschaft

der Wahl stand für die österreichischen Malteser nur

eine Maschine mit etwa 190 Plätzen bereit, die dann

bald ausgebucht war. An dieser Stelle traten Toni Gatnar

und seine slowakischen Malteser auf den Plan, die

ebenfalls ein Flugzeug mit gleicher Kapazität ex Bratislava

gechartert hatten, in dem den Österreichern ein

Kontingent von 20 Plätzen angeboten werden konnte

– und da haben meine Frau und ich gerne schnell zugesagt.

Mit uns haben zehn Pilger aus dem Burgenland

die Gelegenheit genutzt, mit unseren Freunden aus der

Slowakei nach Lourdes zu fliegen.

lenský (selbst Mitglied des Malteserordens) und fünf

Priester begleiteten die Pilgerschar.

Die Malteser-Organisation in der Slowakei ist offenbar

in kurzer Zeit zu einer beachtlichen Größe angewachsen.

Alle waren bemüht, sich bestmöglich um die

50 Betreuten und zahlreiche Pilger zu kümmern. Man

konnte sich solcherart fast wie ein VIP fühlen. Auch

der Botschafter des Ordens in der Slowakischen Republik,

Alfred Prinz von Schönburg Hartenstein, seine

Frau Marie-Therese, unser Gesandter an der Botschaft

des Ordens in der Slowakischen Republik, Anton F.

Am Freitag, dem 5. Mai, sind wir dann mit dem Auto

nach Pressburg gefahren, das bekanntermaßen einen

modernen, kleinen Flughafen besitzt. Dort angekommen

war ich persönlich sehr positiv von der großen Zuvorkommenheit

unserer slowakischen Malteserfreunde

beeindruckt. Als Pilger in Uniform ist man ja immer bereit

anzupacken, wo es Not tut. Was uns am Flughafen

erwartete, bewirkte das genaue Gegenteil: Wir wurden

bedient und umsorgt, als wären wir die Herren Kranken.

Nach einer überaus herzlichen Begrüßung bekam

jeder einen schönen roten Malteserschal als Willkommensgeschenk.

Es wurden uns die Koffer abgenommen,

und wir hatten somit alle Freiheit, alte Freunde zu begrüßen

und uns mit neuen bekannt zu machen.

Das war unter anderem deshalb einfach, da viele slowakische

Malteser ausgezeichnet Deutsch oder Englisch

sprechen. Beeindruckt war ich auch von der schieren

Anzahl an slowakischen Maltesern, die die Abflughalle

füllten, sowie von der anwesenden Geistlichkeit – der

Metropolitan-Erzbischof von Bratislava Stanislav Zvo-

DIE MALTESER 2/2017 23


MALTESERÖSTERREICH

Gatnar, und der Botschafter bei den Vereinten Nationen

in Wien, Günther Granser, flogen mit uns – insgesamt

machten sich 190 Passagiere auf den Weg nach Lourdes.

Der Flug verlief plangemäß, und in etwas über zwei

Stunden waren wir in Tarbes gelandet. Dieser Flughafen

liegt ca. 10 km nördlich von Lourdes. Verglichen mit

der zweitägigen Zugfahrt, die es früher gebraucht hat,

um mit der Malteserwallfahrt von Wien nach Lourdes

zu kommen, geradezu ein Katzensprung. Vom Flughafen

brachten uns Busse nach Lourdes, wo wir vor unserem

Hotel Albion aussteigen konnten. Dort trafen wir

die österreichischen Malteser und Pilger, die ja schon

am Tag davor angereist waren.

Da die slowakische Delegation in anderen Unterkünften

untergebracht war, haben wir unsere neuen Freunde in

weiterer Folge immer nur zufällig getroffen, z. B. bei

den großen Prozessionen, der internationalen Messe in

der unterirdischen Basilika Pius X., auf der Straße oder

in einem der beliebten Caféhäuser. Die slowakischen

Malteser in ihren schönen Uniformen – die Damen in

strahlendem Weiß und leuchtendem Rot, die Herren in

schönen grauen Uniformen, sind vielen positiv aufgefallen.

Nach für alle Teilnehmer der Wallfahrt sehr bewegenden

Tagen in Lourdes, mit Heiligen Messen an der kleinen

Grotte, in der die Gottesmutter im Jahr 1858 der

Bernadette Soubirous mehrfach erschienen ist, aber

auch in der großen Basilika, die bei der internationalen

Messe mit mehr als 15.000 Menschen gut gefüllt war

und in der Erzbischof Becciu als Hauptzelebrant mit

weiteren 100 Geistlichen, darunter drei Kardinäle, eine

große Messe feierte, haben wir am Montag, dem 8. Mai,

die Heimreise angetreten.

Am Flughafen fanden das slowakische Kontingent und

die Österreicher wieder zusammen. Da unser Charterflugzeug

leider stark verspätet war, hatten wir viel Zeit,

um mit den anderen Wallfahrern die Eindrücke der

letzten Tage auszutauschen. Als wir dann endlich in der

Luft waren, wurden die diversen Souvenirs, die in Lourdes

erstanden worden waren, von Erzbischof Zvolenský

gesegnet.

Solcherart mit dem besten Segen und unvergesslichen

Erinnerungen ausgestattet, konnten wir eine schöne

Pilgerreise nach Lourdes beschließen.

MALTESER IN DER SLOWAKEI: EIN GEWALTIGES PROJEKT

Als wir vor ein paar wenigen Jahren slowakische Herren (und später auch Damen) in das Großpriorat von Österreich aufgenommen

haben, war überall Verwirrung zu sehen. Warum wurden diese alle in Österreich aufgenommen?

Es war dies die einzige Möglichkeit, da es noch keine

slowakische Assoziation gibt und weder die ungarische

Assoziation noch das böhmische Großpriorat in Frage

kamen. Pressburg (Bratislava) ist ja gleichsam Wiens

Nachbarstadt.

Aus diesen Aufnahmen ist ein gewaltiges Projekt entstanden.

Alle Aufgenommen sind in ihren bedeutenden Berufen

aktiv (Rechtsanwälte, Steuerberater, Direktoren, Bür-

Von Christoph Calice

germeister usw.) und stellen sich mit großer Bereitschaft

und auch finanziellem Einsatz zur Verfügung. Rasch wurde

– immer von der Ordensbotschaft in Bratislava begleitet –

ein Hilfsdienst aufgezogen. Gerade in der Flüchtlingskrise

hat sich dieser Dienst bereits sehr bewährt.

Die Anzahl der Freiwilligen wächst ständig, ebenso die

Projekte und die Reichweite des Einsatzes im Land. Beachtlich

ist diese Entwicklung noch aus einem anderen

24

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

PILGERFAHRT NACH LOURDES

mit den MALTESERN

Von Elisabeth Rötzer

Vom 1. bis zum 6. Mai 2009 nahm ich gemeinsam mit

meinem Vater, Prof. Dr.med. Josef Rötzer, an der Pilgerfahrt

nach Lourdes teil. Welche Gedanken bewegen

mich, wenn ich an diese Fahrt denke? Mein Vater ist im

Februar 2007 erkrankt und ich durfte ihn bis zu seinem

Lebensende am 4. Oktober 2010 betreuen. Diese Pilgerfahrt

nach Lourdes war unsere letzte gemeinsame Reise,

ein Jahr vor seinem Tod.

Das, was als Erstes auffiel, war die herzliche Annahme der

kranken Pilger durch die Malteser von Beginn der Reise

an. Ich erlebte eine liebevolle Betreuung meines Vaters

durch eine junge Malteserschwester. Wie schön, dass in

Lourdes die Kranken mit ihren Betreuern inmitten des heiligen

Bezirkes untergebracht waren, nahe am Heiligtum.

Wir Begleiter wohnten in einem Hotel etwas außerhalb

dieses Bezirkes. So durfte ich diese Pilgerfahrt „für mich“

erleben, da jede Sorge um den kranken Vater abgenommen

war.

Wie sehr an diesem Ort die Kranken, auch durch die Betreuung

durch die Malteser, im Mittelpunkt der Umsorgung

stehen, wurde mir auch durch folgendes Geschehen

bewusst: Bei der Heiligen Messe war natürlich der Altar

mit Christus der Mittelpunkt, doch in der nächsten Nähe

zum Altar waren die Kranken in ihren Rollstühlen aufgestellt

worden, und ganz außen standen die Malteser-Herren,

sichtbar als Schutz für das heilige Geschehen, aber

auch als Schutz für die Kranken.

Grund: Es ist erst 27 Jahre her, dass dieses Land aus

der brutalen Unterdrückung, der Gehirnwäsche und der

Menschenverachtung des realen Sozialismus befreit wurde.

Und dennoch lebt dort die Religiosität und die Verzeihungsbereitschaft

in vorbildlichem Maße.

Wir können wirklich stolz auf unsere Ordensbrüder und

-damen in unserem Nachbarland sein!

Die Erfahrung mit den Maltesern bei dieser Krankenwallfahrt

bestätigten und bestärkten mein Erleben in der dreieinhalbjährigen

Betreuung meines Vaters: Ich durfte zutiefst

erleben, was es bedeutet, dass Kranke eine besondere

Nähe zu Christus haben. Im Gespräch mit meinem Vater

nach unserer Rückkehr erzählte er mit einem Lächeln, er

sei ja eigentlich nur meinetwegen mitgefahren, weil ich

es so gewünscht hatte, aber – es wurde für ihn persönlich

ein tiefes, geistiges Erleben, das er nicht missen möchte.

Ich denke mit tiefer Freude an diese Krankenwallfahrt

nach Lourdes und in Dankbarkeit an die liebevolle Betreuung

meines Vaters durch die Malteser. Ich hoffe,

dass noch viele Kranke diese besondere Wallfahrt erleben

dürfen und ihnen so eine besondere Begegnung mit der

Gottesmutter und ihrem mütterlichen Schutz ermöglicht

wird.

DIE MALTESER 2/2017 25


MALTESERÖSTERREICH

KOMMENDE ST. JOHANNES

800 JAHRE MALTESER IN WIEN

Für uns MALTESER sind die Malteserkirche in der Wiener Kärntner Straße, aber auch die „Johannesgasse“, wie wir die

Ordenskanzlei des SMRO sowie die Bundeszentrale des MHDA in der Johannesgasse 2 nennen, eine Selbstverständlichkeit.

Doch seit wann diese bestehen, wissen nur wenige, ebenso wenig wissen sie über die ursprüngliche MALTESER-

Kommende St. Johannes Bescheid. Hier eine kurze Zusammenfassung eines ausführlichen, auf umfangreichem Quellenstudium

fußenden Artikels von unserem langjährigen Archivar Dr. Gerhart Feucht.

Von Georg Male

Gründung um 1200

Zumindest 800 Jahre ist es her, dass die Kommende

St. Johannes in Wien gegründet wurde. Wir wissen nicht,

wer sie gegründet hat bzw. auf wessen Veranlassung hin

dies geschah. Wahrscheinlich ist, dass die Babenberger

die Gründung gefördert, wenn nicht veranlasst haben,

denn sie kannten und schätzten die Johannes-Ritter/

Johanniter (wie die Malteser damals noch genannt wurden)

von den Kreuzzügen her. Wahrscheinlich ist auch,

dass die Gründung vor 1217 erfolgte, denn 1217 wird die

Kommende in einer Urkunde als Käuferin eines Grundstücks

erwähnt, muss also bereits existiert haben. Ob

sie aber unter Leopold VI. oder Friedrich – oder gar (wie

manche Autoren vermuten) schon unter Heinrich Jasomirgott

– gegründet wurde, lässt sich mangels schriftlicher

Unterlagen nicht feststellen. Auch ob sich die in

der später nach ihr benannten Johannesgasse gelegene

Kommende ursprünglich außerhalb der Stadt oder von

vornherein innerhalb der um 1200 errichteten Leopoldinischen

Mauer befand, kann daher nicht mit Sicherheit

gesagt werden.

Wir wissen auch nicht genau, woraus diese Niederlassung

bestand. Anzunehmen ist, dass sie ein Brüderhaus, ein

Hospiz und eine Kapelle umfasste. Das Areal der Kommende

war jedenfalls relativ groß und erstreckte sich

von den (heutigen) Liegenschaften Kärntner Straße 37,

Malteserkirche, Kärntner Straße 35/Johannesgasse 2

nach Osten bis zum Klein-Mariazeller Hof (Johannesgasse

6) und nach Süden bis zur heutigen Annagasse.

Bereits im ersten Stadtplan von Wien ist die Kommende

St. Johann auch erwähnt. Am 27. August 1258 fiel die

Anlage samt der – vermutlich hölzernen – Kapelle einem

Großfeuer zum Opfer, wurde aber mit Unterstützung von

König Ottokar, einem großen Förderer der Johanniter,

1269 wieder aufgebaut. 1276 ereignete sich ein zweiter

Großbrand, und neuerlich folgt ein Wiederaufbau. 1277

wird die wieder hergestellte Kirche geweiht, wie wir aus

einer Urkunde der Bischöfe von Salzburg, Passau, Chiemsee

und Lavant über die zu diesem Anlass erfolgte Gewährung

umfangreicher Ablässe wissen. Nach dem Wiener

Stadtbrand von 1327 erbaute man dann statt der Kapelle

eine gotische Kirche mit einem kleinen Turm.

26

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

Wandel in Rechtsstatus und Funktion

Rechtlich gehörte die Kommende ursprünglich – als

„Membrum“ – zur 1146 erstmals urkundlich belegten

Malteser-Kommende in Mailberg, der heute ältesten

des Ordens insgesamt. Diese wiederum unterstand wirtschaftlich

bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts dem Großkomtur

für Italien, Ungarn und Österreich, danach dem

Großpriorat Böhmen. Der erste namentlich bekannte

Komtur war 1267 Frater Marquart. Rechtlich selbständig

wurde die Wiener Kommende vermutlich im Jahr 1276,

in dem Wien zur freien Reichsstadt erhoben wurde. Als

Bezeichnung findet sich „Domus s. Johannis in hospitalis“

ebenso wie „Haus der Brüder des Ordens von S. Johannes“

oder (später) „Johanniterhof“.

Wenig wissen wir auch über die Aufgaben der Kommende

in dieser Zeit. Es ist schon unklar, ob sie ursprünglich

eher wegen der hospitalären Arbeit des Ordens gegründet

wurde, oder um die für die damalige Zeit sehr gut ausgebildeten

Johanniter-Priester nach Wien zu holen. Eine

Zeit lang zählte jedenfalls die Beherbergung von Angehörigen

des St. Pöltener Chorherrenstifts zu den Aufgaben

der Wiener Johanniter, und auch für ihre Tätigkeit in der

Armen- und Krankenpflege finden sich Hinweise. Ein regulärer

Spitals- oder Hospizbetrieb lässt sich aber nicht

belegen. Der wirtschaftliche Status der Kommende verbesserte

sich dabei durch Schenkungen, Dotationen bei

Ordenseintritten und Zukäufe stetig, sodass eine Funktion

als Verwaltungszentrum und Lieferant von Gütern

für den kämpfenden Teil des Ordens anzunehmen ist.

Schon im 14. Jahrhundert verfügt die Kommende über

eine Reihe von Grundherrschaften, darunter auch das –

bei Lazius 1619 fälschlich als zweite Wiener Kommende

bezeichnete – Haus Singerstraße 3, in dem die Schule von

St. Stephan untergebracht ist. Der Grundbesitz der Kommende

in den Wiener Vorstädten und Niederösterreich

wird sich über die folgenden Jahrhunderte noch deutlich

weiter vermehren.

Verkleinerung des Areals, Erweiterung der Kirche

In der Stadt selbst verkaufen die Johanniter nach 1400

jedoch die Hälfte ihres gegen das Kärntner Tor hin gelegenen

Gartens an die begüterte Witwe Elisabeth Wartenauer(in),

die darauf ein „Pilgramhaus“ (eine Pilgerherberge)

errichtet. Im Zuge der damit verbundenen Umbauten

wird auch die Kommenden-Kirche erweitert und erhält

die heutige Form. Der abgetretene Grund fällt übrigens

– nach Schließung des Pilgramhauses und zweimaligem

Eigentümerwechsel – 1622 großteils wieder an die Johanniter

zurück. Basis dafür ist eine bereits im Kaufvertrag

vereinbarte Rückstellungsverpflichtung bei Schließung

der Pilgerherberge, deren Erfüllung allerdings in einem

jahrelangen Prozess durchgesetzt werden muss.

Türkenbelagerungen: Notquartier und

militärischer Stützpunkt

Eine wichtige Rolle kommt der kleinen Malteser-Kommende

während der beiden Türkenbelagerungen zu: 1529,

zur 1. Türkenbelagerung, dient sie ebenso wie das benachbarte

Pilgramhaus der Aufnahme von Bürgern aus den von

den Türken verwüsteten Wiener Vorstädten. Bei der 2.

Türkenbelagerung 1683 wiederum fungiert die Kommende

als Stützpunkt des Regiments der Hofbefreiten unter

Graf Trauttmansdorff mit vier Kompanien von zusammen

960 Mann. Große Bedeutung erlangt zu dieser Zeit auch

der Mailberger Malteser-Komtur Fra‘ Leopold Karl Graf

von Kolonitsch. Er fungiert nicht nur als Berater in Fragen

des Minenkriegs, sondern auch als Leiter der Sanitätsversorgung

von Wien. Er ordnet nicht nur die Beschlagnahme

von Kirchengeldern an und sorgt so für die Soldzahlung

der Soldaten, sondern lässt sich auch mit einem großen

Verpflegstross in der Stadt einschließen und unterstützt

damit den Stadtkommandanten Graf Starhemberg entscheidend.

Später wird er vom Kaiser zum Obervormund

der Kriegswaisen ernannt. Fra‘ Kolonitsch dürfte seinen

Stützpunkt im nahe gelegenen Haus Annagasse 7 gehabt

haben, das er vor der Belagerung erworben hatte und umbauen

ließ. Nach seinem Tod ging das – heute als Mailberger

Hof bekannte – Gebäude in den Besitz des Großpriorats

Böhmen und Österreich über und befindet sich auch

heute im Eigentum des Ordens.

Steigende Bedeutung ab dem 17. Jahrhundert

Mit der Verlegung des kaiserlichen Hofes nach Wien im

17. Jahrhundert nahm auch die Bedeutung der Wiener

Kommende des Malteser-Ordens zu. Hier fanden nun die

Prioratskapitel statt, das Haus diente als Sitz des Ordensgesandten

am Wiener Hof, und auch der Großprior weilte

DIE MALTESER 2/2017 27


MALTESERÖSTERREICH

vorwiegend in Wien. Im Wesentlichen sollte dies bis zum

Jahr 1874 so bleiben, in dem Geschäftsstelle und Archiv

nach Prag verlegt wurden.

Auch baulich kam es in dieser Zeit zu entsprechenden

Veränderungen. Es ist nicht klar, wann das 1622 zurück

erstrittene, ursprünglich einstöckige Pilgramhaus Kärntner

Straße 37 vierstöckig ausgeführt wurde – 1795 wird

es jedenfalls als solches geführt. Die Kirche wurde ebenfalls

barockisiert, wovon noch das Hochaltarbild – es

stellt die Taufe Christi im Jordan dar – und die prächtige

Sonnholzorgel Zeugnis geben.

Erneuerung in der Biedermeierzeit

Auch die restlichen Gebäude werden deutlich erweitert:

Obwohl der Verlust des Ordenssitzes auf Malta im Jahr

1798 zu einer Krise des Ordens führte, gelang es 1806

Komtur Fra’ Franz Graf von Colloredo, die Kirche zu renovieren

und dabei umfassend umzugestalten. Die Kirche

erhielt eine neue Fassade im Empirestil mit korinthischen

Pilastern und einem Dreiecksgiebel, während der

Innenraum die gotischen Strukturen behielt. Die Innenausstattung

wurde allerdings im Stil der Zeit erneuert und

um ein Denkmal für die erfolgreiche Verteidigung Maltas

durch die Johanniter gegen die Türken im Jahr 1565 erweitert.

1839 wurde dann der „Johanneshof“, das eigentliche

Kommendenhaus des Johanniterordens, umgebaut

und das Kirchengebäude in die Frontlinie der Häuser der

Kärntner Straße einbezogen. Das Kommendengebäude

erhielt einen neuen Eingang in der Johannesgasse, wurde

vier Stockwerke hochgezogen und beherbergte nun auch

Mietwohnungen. Für die Planung konnte Alois Pichl gewonnen

werden, neben Joseph Kornhäusel einer der gefragtesten

Architekten der Biedermeierzeit.

28

DIE MALTESER 2/2017

Verkauf der Kommende und Rückkauf der Kirche

im 20. Jahrhundert

1893/94 folgt noch der Umbau des ehemaligen Pilgramhauses

Kärntner Straße 37 als Geschäfts- und Wohnhaus.

Die Kosten der Sanitätsdienstleistungen des Großpriorats

im 1. Weltkrieg, die im Auftrag der österreichisch-ungarischen

Monarchie erbracht worden waren, hinterließen

den Orden nach Ende des Krieges jedoch in einer

finanziell äußerst schwierigen Situation, die später durch

die Weltwirtschaftskrise noch verschlimmert wurde. Im

Jahr 1933 mussten daher sämtliche Liegenschaften der

Wiener Kommende an die Versicherungsgesellschaft Assicurazioni

Generali veräußert werden. Selbst die Kirche

wurde mitverkauft und sollte abgerissen werden. Beherzte

Ordensritter verhinderten dies jedoch.

Um nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland wenigstens

den Besitz des Großpriorats in Böhmen zu erhalten,

wurde dieses 1938 geteilt. In Österreich kam der

Orden unter Zwangsverwaltung des Auswärtigen Amtes

Berlin. Dadurch war er zwar wenigstens dem direkten

Einfluss der Wiener Gauleitung entzogen, jedoch dennoch

seiner Selbständigkeit beraubt. Erst die Proklamation

der Selbstständigkeit Österreichs vom 27. April 1945

und die Aufhebung sämtlicher Gesetze und Verordnungen

des Deutschen Reichs führten zu einer Rückstellung

der stark heruntergekommenen Ordensbesitzungen.

1960 gelingt es Vikar Dr. Johannes Graf Trapp, die Kirche

des Hl. Johannes des Täufers in der Kärntner Straße

wieder in den Ordensbesitz zu bringen. Schon seit der

Teilung im Jahr 1938 war die Kommende St. Johann zu

Wien Sitz des Großpriorats von Österreich. Dessen Kanzlei

befindet sich bis heute neben der Malteserkirche im

Haus Johannesgasse 2 – ebenso wie später die Bundeszentrale

des 1956 im Zuge der Ungarnkrise entstandenen

Malteser Hospitaldienstes.. Doch dies nicht mehr als Eigentümer,

sondern als Mieter.

Interessierte können die gesamte Arbeit von Dr. Gerhart

Feucht über die Kommende St. Johann auf der Homepage

des Ordens finden.


MALTESERÖSTERREICH

FRÖHLICH SEIN

UND GUTES TUN

Von Monika Chizzola

Unter diesem Motto fand ein gelungener Sonntag des Malteser

Alten- und Krankendienstes im Kaasgraben statt. Nach einer gemeinsamen

Heiligen Messe gab das Volksopern-Duo Juliette Khalil

und Bernhard Viktorin hinreißende Operetten- und Wienerlieder

zum Besten. Dabei wurden sie von unserem Ordensbruder

Professor Laci Kövi virtuos am Klavier begleitet. Den kulinarischen

Ausklang bildete ein gemeinsames Würstel- und Krapfen-

Schmausen.

STEIERMARK

BESUCH IN SCHLOSS

EGGENBERG

Im Anschluss an die Führung durch die Prunkräume des Museums

und die Besichtigung des Schlossareals, genossen wir ein gemeinsames

Mittagessen. Besonders beeindruckend ist der Park, vor allem

wegen der Pfaue, die sich dort stolz präsentieren.

WIEN

TIME TRAVEL

& PICKNICK

Von Paulina Ludwigstorff

Im Mai besuchten wir die Ausstellung „Time

Travel Vienna“. Mit 5D-Kino, Animatronic-

Wachsfiguren, diversen Rides und multimedialen

Shows sowie außergewöhnlichen Soundund

Lichteffekten macht Time Travel Vienna

die bewegte Historie Wiens auf einzigartige

Weise spür- und erlebbar. Wir waren insgesamt

eine Gruppe von elf Personen, Malteser und

Betreute, es waren alle begeistert. Anschließend

gab es noch ein gemütliches Picknick bei

herrlichem Wetter im Burggarten.

DIE MALTESER 2/2017 29


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER-REITCAMP:

OSTERFREUDE FÜR BEHINDERTE KINDER

Von Katharina Stögner

Bereits zum fünften Mal in Folge fand von 10. bis 13. April 2017 in St. Paul/Lavanttal das MALTESER-Reitcamp statt. Seit

2013 haben seelisch und/oder körperlich beeinträchtigte Kinder die Möglichkeit, im Pferdeparadies „Gratzi“ gemeinsam

mit gesunden Kindern zu reiten, zu spielen und im Sinne der Inklusion voneinander zu lernen.

Der Gratzi-Hof mit zehn speziell geschulten Therapiepferden

und zwei Hunden arbeitet mit dem Verein TIK

(Therapie und Integration in Kärnten) zusammen und

wird von Gerda Maischberger, einer ausgebildeten und

erfahrenen Voltigier- und Reittherapeutin, geleitet. „Heilpädagogisches

Reiten unterstützt die Entwicklung des sozial-emotionalen

Bereichs, der Motorik, der sprachlichen

Ausdrucksfähigkeit und des Gruppensinns der Kinder. Es

stärkt deren Ich-Bewusstsein und erleichtert es ihnen, ein

selbstbestimmteres Leben zu führen“, so die engagierte

Trainerin.

Individuelle Betreuung

Die bisherigen Erfolge geben der Therapeutin recht: „Ich

erlebe Kinder, die vom Schulunterricht suspendiert worden

sind, weil sie als Autisten einfach nicht in der Lage

waren, ein paar Stunden am Stück ruhig zu sitzen. Hier

beim Reitcamp schaffen sie es plötzlich, sich mehrere

Tage lang in die Gruppe zu integrieren und mit hoher Aufmerksamkeit

bei unseren Aktivitäten dabei zu sein. Die

individuelle Betreuung und der Kontakt mit den Tieren

machen es möglich.“

Die Kinder geben enorm viel zurück“

Das Malteser-Reitcamp wird von der Delegation Kärnten

des Malteserordens und dem Malteser Austria, Bereich

Steiermark, ehrenamtlich begleitet. Die freiwilligen HelferInnen

spielen und essen mit den Kindern und bereiten

sie für die Trainingsstunden auf dem Pferd vor. „Da man

es mit unterschiedlichen Krankheitsbildern zu tun hat,

muss man mit jedem Kind anders umgehen. Das braucht

eine gewisse Zeit und viel Kraft, aber die Kinder geben

einem enorm viel zurück“, berichtet ein Malteser-Helfer.

Spendenkonto MALTESER Hospitaldienst Austria,

Verwendungszweck: Reitcamp St. Paul

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800, BIC: GIBAATWW

Mit ihrer Spende ermöglichen sie den Kindern und

Jugendlichen Reittherapiestunden. Helfen sie uns zu

helfen, denn eine Rampe, um die Rollstuhlfahrer ohne

jeweils zwei Helfer auf das Therapiepferd setzen zu können,

wäre eine ungeheuer große Hilfe und Erleichterung

für den Reiterhof in St. Paul.

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DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

JEDER MENSCH

HAT SEINE WÜRDE

Elisabeth Hauck, Mitglied der Gruppe MALTESER Alten- und Krankendienst (MAKD), ist

auch beim MALTESER Palliativ-Dienst tätig. Im Interview spricht sie über ihre Beweggründe

und die Einzigartigkeit jeder menschlichen Begegnung.

Von Miriam Weigel

Du hattest schon viele Jahre als Mitglied des

Malteser Alten- und Krankendienstes in der Hauskrankenpflege

gearbeitet. Was hat Dich bewogen,

Dich auch für die Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung

einzusetzen?

Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung ist Dienst am

Nächsten – das hat mich bewogen.

Warum hast Du Dich für den Einsatz beim Malteser

Palliativ-Dienst entschieden ?

Da ich mich mit den Maltesern immer im Einklang und

wohl gefühlt habe, hat sich mir nie die Frage nach einer

Alternative gestellt.

Welche Ausbildung musstest Du machen, und wo

hat diese stattgefunden?

Da ich bereits 2010 wusste, dass ich eine Ausbildung

für die Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung benötigte,

habe ich mich selbst umgehört und in Erfahrung gebracht,

dass im Bildungshaus Schloss Groß-Rußbach ein

Lehrgang angeboten wurde.

Wir konnten schon in der letzten Ausgabe dieser

Zeitschrift einiges über Kurse zur Hospizbegleitung

lesen. Abgesehen von dem Lerninhalt, hast

Du bei Deinem Kurs auch menschliche Begegnungen

gehabt?

Ja, natürlich! Reden ist immer gut. Es macht frei und offen

für Neues. In diesem Sinne war es für mich eine Bereicherung.

Du besuchst unheilbar Kranke im St. Elisabeth

Spital. Warum gerade dieses Krankenhaus?

Unsere Malteser-Ärztin, Dr. Ruth Panka, hat mich einmal

gefragt, ob ich im St. Elisabeth Spital auf der Palliativstation

Menschen besuchen möchte. Ich habe gerne zugesagt.

Du stehst am Bett von Menschen, die schwer krank

oder an ihrem Lebensende angekommen sind. Wie

reagieren diese auf Dich? Gibt es den Wunsch nach

einem Gespräch? Sicher gleicht keine Begegnung

der anderen.

Begegnungen mit Menschen am Krankenbett passieren.

Ich kann diese Begegnungen nicht schildern, denn sie sind

einzigartig und unbeschreiblich. Meine Einstellung ist,

dass jeder Mensch in jeder Lebenssituation seine Würde

hat. Ich gehe auf das ein, was im Augenblick kommt.

In welcher Gemütsstimmung bist Du am Weg nach

Hause, nachdem Du einige Stunden im aktiven

oder stummen Zwiegespräch mit Schwerkranken

verbracht hast?

Ich gehe so, wie ich gekommen bin – mit Jesus und

Maria. Ich bin gut versorgt in meiner Seele: Gottesliebe

und Nächstenliebe leben.

KOMM, MACH MIT! Wenn auch Sie Interesse haben,

sich im Sinne der Nächstenliebe um Schwerkranke zu

kümmern und Besuchsdienste zu übernehmen, melden

Sie sich bitte bei uns per E-Mail: makd@malteser.at. Infos

www.malteser.or.at/werke/makd.

Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen!

DIE MALTESER 2/2017 31


MALTESERÖSTERREICH

22. BIS 29. JULI IN SALZBURG: JUGENDTREFFEN MIT RUND

500 TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMERN AUS 25 LÄNDERN

MALTESER SOMMERCAMP

REKORDBETEILIGUNG UND EIN BUNTES,

ABWECHSLUNGSREICHES PROGRAMM

Das Internationale MALTESER Sommercamp (IMS) bringt seit 1984 jedes Jahr eine Vielzahl junger Menschen mit Behinderung

zu einer gemeinsamen Woche voller Erlebnisse, Aktivität und Gemeinschaft zusammen. Das Programm für

das heurige IMS in Salzburg wurde nun fixiert. Es schafft bunte und abwechslungsreiche Tage voller Erlebnisse und

Gemeinschaft. Neben Outdoor-Aktivitäten, der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und der abendlichen Disco

kommen auch besinnliche Aktivitäten nicht zu kurz, die den religiösen Hintergrund der MALTESER konkret erlebbar

machen. Spenden werden nach wie vor benötigt – das Malteser Sommercamp freut sich auch über Ihre Unterstützung!

Das IMS ist seit 1984 ein jährlicher Fixpunkt für viele junge

Menschen mit Behinderung. Es bietet eine Zeit voller

intensiver Erlebnisse, die für die jungen Gäste in ihrem

Alltag sonst nur schwer möglich sind – vor allem auch auf

Grund ihrer Behinderung. Seit jeher schafft das IMS einen

Anlass für das Erleben einer großen Gemeinschaft.

Größtes Jugendtreffen in Salzburg

Salzburg bietet mit seinem internationalen, offenen Flair

den perfekten Rahmen für die besonderen Bedürfnisse

der jungen Menschen. Mit 500 Personen, darunter rund

150 Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern, wird heuer ein

neuer Teilnehmerrekord angepeilt.

Programm: Berge, Sport und gemeinsame Ausflüge

Am Anreisetag, dem 22. Juli, erreichen die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer über unterschiedliche Verkehrsmittel

(Bahn, Bus, Flugzeug) die Landeshauptstadt – eine

große logistische Leistung. Am Bahnhof wird auch erstmals

die Salzburger Bevölkerung Kontakt mit unseren

Teilnehmern und vor allem mit einer großen Anzahl an

RollstuhlfahrerInnen aufnehmen. Nach einer Begrüßung

stehen ein Erkunden des näheren Umfelds der Quartiere,

ein gemeinsames Abendessen und die beliebte abendliche

Disco auf dem Programm.

Der Sonntag steht ganz im Zeichen der großen Eröffnungsmesse

im Salzburger Dom. Nach einem Gruppen-

32

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

foto am Mozartplatz um 14 Uhr geht es in den Dom, wo in Anwesenheit

höchster Vertreter aus Politik und den Maltesern eine

Messe stattfindet. Nach einem Empfang und einem Abendessen in

St. Peter gemeinsam mit Erzabt Korbinian Birnbacher OSB geht es

schließlich zurück zum Camp.

Große Stadterkundung, viel Erlebnis und Spannung

In Kooperation mit den Salzburger Tourist Guides, die sich freundlicher

Weise zur Verfügung stellen, besichtigen die jungen Besucher

in Kleingruppen die Stadt Salzburg. Fixpunkte dabei sind das Schloss

Mirabell samt Garten, der Müllnersteg, die Fahrt auf den Mönchsberg

mit der grandiosen Sicht von oben auf die Stadt, Festspiel- und Dombezirk

und einiges mehr. Zu einem beliebten Highlight hat sich auch

der International Evening am gleichen Tag entwickelt, zu dem die jungen

Gäste internationale Köstlichkeiten aus ihrer Heimat servieren.

Es stehen unterschiedlichste Punkte auf dem Programm: etwa das

Nationalparkmuseum Mittersill, das Porsche Museum in Mattsee,

die Salzwelten in Hallein, das Freilichtmuseum Großgmain, die

Wasserspiele in Hellbrunn, der Wolfgangsee und einiges mehr. Viel

Spannung und Erlebnis verspricht auch das Wildwasserpaddeln mit

professionellen Guides. Auch das Abendprogramm kann sich sehen

lassen: Ein Abend im Müllnerbräu, ein Konzert in Kooperation mit

den Festspielen und eine spirituelle Silent Night im Dom.

Der Freitag steht im Zeichen eines würdigen Abschlusses des

Sommercamps. Am Vormittag gibt es noch gemeinsame sportliche

Aktivitäten im Volksgarten, etwa Ballspielen und Slacklinen auf

Rollstühlen. Danach versammeln sich die jungen Gäste zu einer

Abschlusszeremonie in der Kollegienkirche mit Erzbischof Franz

Lackner OFM. Mit einer großen Farewell Party im Camp geht das

Internationale Malteser Sommercamp schließlich zu Ende.

So können Sie das

Malteser Sommercamp unterstützen

Das Internationale Malteser Sommercamp ist auf Spenden angewiesen.

„Wir rechnen mit einem finanziellen Gesamtaufwand von

rund 500.000 Euro“, so Stephan Mühlmann, Einsatzleiter IMS

2017 bei den Maltesern in Österreich. Mit Ihrer Spende helfen Sie

uns Projekte wie das Malteser Sommercamp zu ermöglich. Dafür

ein herzliches; Vergelt´s Gott!

Informationen: www.maltacamp2017.at, www.malteserorden.at

und auf www.facebook.com/malteser.austria/

IBAN: AT57 1920 0615 2372 3243, BIC: SCHOATWW

TIROL

OSTERGRÄBER

Rund um Ostern werden in vielen Tiroler

Kirchen die traditionsreichen und wunderschönen

Ostergräber aufgestellt.

Grund genug für die Tiroler Malteser,

bei einigen Kirchen Halt zu machen, um

Wissenswertes über die Geschichte des

jeweiligen Ostergrabes zu erfahren und

unseren Betreuten eine Anbetung zu ermöglichen.

Dieses Jahr besuchten wir am Karsamstag

die Ostergräber von Thaur, Patsch

und Ellbögen. Mit Begeisterung wurden

uns die Besonderheiten jedes einzelnen

Grabes erklärt. Wir hatten auch Gelegenheit

zu singen und zu beten. Ein ganz

besonderer Dank gilt an dieser Stelle den

Pfarrern Norbert Gapp OPraem (Patsch),

Bruno Kössler OPraem (Ellbögen) und

Schwester Maria von der Pfarre Thaur.

Anschließend ließen wir bei einem Mittagessen

unsere Eindrücke über die

Ostergräber Revue passieren.

DIE MALTESER 2/2017 33


MALTESERÖSTERREICH

EINE AUSZEIT MIT DER „GOSPA“

Von Michaela C. Starosciak

Međugorje, der „Ort zwischen den Bergen“, ist etwa 30 km

südwestlich von Mostar und 16 km von der kroatischen

Grenze entfernt. Das bosnische Winzerdorf erreichte

durch Ereignisse in den 1980er Jahren, bei denen

Jugendliche von Marienerscheinungen berichteten, internationale

Bekanntheit. Der Bischof von Warschau-

Praga Henryk Hoser, den Papst Franziskus zum Sonderdelegierten

von Medugorje ernannt wurde, besuchte

kürzlich die Pilgerstätte. Dies zeigt das aktuelle Interesse

und die Verbundenheit mit dem Vatikan auf.

Heuer waren die Malteser aus Wien nun schon zum

dritten Mal in Međugorje. Pater Edmund Waldstein

OCist konnte unsere Gruppe auch heuer wieder spirituell

begleiten. Neben der Zuwendung für die Betreuten

waren Gabriel und Valentin bereit, die anspruchsvolle

Strecke zu fahren, Michaela und Agnes hatten die Einsatzleitung

inne, und Michael-Felix hat sich durch seine

landeskundlichen Kenntnisse für einen reibungslosen

Ablauf des Programms gesorgt.

Feierlich begann der Sonderdienst am Palmsonntag, mit

der Teilnahme an der Palmprozession und der Liturgie

der Hl. Messe. Tausende Menschen waren auch in diesem

Jahr vor Ort. Besonders groß war der Anteil der Österreicher,

die mit insgesamt zehn Bussen angereist waren.

Maria, die als „Gospa“ (dt. Herrin) bezeichnet wird,

ruft in ihren Botschaften zu Frieden und Gebet auf.

Darum versammeln sich die Pilger und Bewohner von

Međugorje jeden Abend in der St.-Jakobus-Kirche, um

den Psalter zu beten und die Hl. Messe zu feiern. Dieses

Abendprogramm wird für die Pilger aus aller Welt

international gestaltet. Besonders eindrucksvoll ist es,

wenn täglich um ca. 18.40 Uhr ein Moment der Stille

eingehalten wird, die sogenannte „Erscheinungszeit“,

in der alle Gläubigen sich persönlich mit Maria im Gebet

verbinden können.

Bosnien-Herzegowina faszinierte uns nicht zuletzt

durch seine zauberhafte Natur. Die Kravica-Wasserfälle

boten am Tag vor der Heimreise einen erfrischenden

und erholsamen Ausflug für uns. Der durchgängig

strahlend blaue Himmel war eine wunderbare Vorbereitung

auf Ostern, das Fest der Auferstehung des Herrn.

Die einzigartige Atmosphäre des Friedens und Gebetes

im auch landschaftlich einladenden Međugorje ist immer

wieder eine Reise wert!

34

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

WALLFAHRT NACH MARIA LAUBEGG

IM MARIENMONAT MAI

Wenn Engel reisen, wird sich das Wetter weisen – so

auch bei der Wallfahrt nach Maria Laubegg, als bei

der Ankunft der Malteser die Sonne die Wolkendecke

durchbrach. In der Schlosskapelle von Laubegg, die liebevoll

mit Feldblumen geschmückt war, fand sich die

steirische Wallfahrtsgruppe bestehend aus Betreuten,

Maltesern und einer erweiterten Malteserfamilie ein,

um den Sonntag zu heiligen. Im Anschluss spazierte

man durch den Schlossgarten, in dem sich eine Lourdesgrotte

befindet. Hier wurde eine Andacht gehalten

Von Naomi Kienreich

und Rosenkranz gebetet. Handgemachte Malteserkerzen,

deren Flammen der Wind nicht ausblasen konnte,

rundeten den Moment ab.

Im Anschluss trafen sich die Pilger zu einem wunderbaren

Sonntagsessen im Schlosshof. An den mit Liebe

zum Detail dekorierten Tischen wurde getratscht, gelacht

und ein Geburtstag gefeiert. Viel zu schnell verging

der Nachmittag, bei dem man die familiäre Wärme

und Nähe der Malteser spüren konnte.

STEIERMARK

LIVE DABEI

IM ORF-LANDESSTUDIO

Einen Blick hinter die Kulissen des ORF-Landesstudios Steiermark.

Wir bekamen eine Führung, durch das auch als „Peichl-

Torte“ (nach dem Architekten Gustav Peichl) bekannte Gebäude.

Eine Malteserin durfte am Moderatorenpult Platz nehmen und die

Vortagsnachrichten lesen. Es war spannend, die Fernsehstudios

aus einer anderen Perspektive zu sehen, zumal diese vom Sofa aus

gesehen weitaus größer erscheinen, als sie tatsächlich sind.

Im Anschluss gab es einen gemütlichen Nachmittagsausklang bei

einem Eis in der Konditorei Philipp.

DIE MALTESER 2/2017 35


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

PALMBUSCHEN BINDEN UND PALMSONNTAGSMESSE

Von Naomi Kienreich

In der Woche vor dem Palmsonntag trafen sich Malteser

und Betreute zum gemeinsamen Palmbuschen binden.

Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, dass diese auf traditionelle

Weise gebunden und geschmückt werden. Einen

gemütlichen Ausklang fand der Workshop bei einer der

Fastenzeit entsprechenden Jause. Am Palmsonntag wurden

die Sträußchen dann im Rahmen der Bereichsmesse

im Dom zu Graz gesegnet.

Im Anschluss an die Messe fand man sich im Dompfarrhof

zur Agape ein.

STADT WIEN VERGAB DIE „HELFER WIENS PREISE“

IM RATHAUS UND DANKTE WIENER HELFERINNEN

Im Festsaal des Wiener Rathauses fand zum 14. Mal das „Fest der Helfer Wiens“ statt. In Anwesenheit von Bürgermeister

Michael Häupl verliehen Feuerwehrstadträtin Renate Brauner, Präsidentin der „Helfer Wiens“, sowie

Landtagspräsident Harry Kopietz die „Helfer Wiens Preise 2017“. Für die Malteser ging der diesjährige Preis an Lukas

Engenhart – herzlichen Glückwunsch.

36

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

TIROL

GROSSE OSTERDEKORATIONSAKTION

Von Markus L. Huber

Gut 50 Personen, darunter Malteser,

Freunde und Gäste, haben

gemeinsam Osterdekoration gebastelt,

wie beispielsweise Eier bemalt

und gefärbt.

WIEN

AUSFLUG

NACH PRAG

Am letzten April Wochenende machte sich eine

Gruppe der Wiener Malteser mit sechs Betreuten

auf den Weg nach Böhmen. Wir erkundeten Altbunzlau,

einen alten böhmischen Wallfahrtsort,

und die schönsten Orte der „Goldenen Stadt“ Prag.

Bei herrlichem Wetter genossen wir traditionelles

Essen und die hervorragende Gemeinschaft.

DIE MALTESER 2/2017 37


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

BESUCH IM GESTÜT PIBER

Neben der Besichtigung des Gestüts Piber war am

14. Mai natürlich ausreichend Zeit eingeplant,

um die Pferde zu streicheln, anschließend ging es

über den Schlosshof zur Ausstellung zeitgenössischer

Kunst. Schon beim Mittagessen hörten wir

aus der Ferne die Blasmusik, die wir am Nachmittag

anlässlich der Muttertagsgala besuchten. „Es war ein

prachtvoller Tag. Diesen Ausflug werden wir bestimmt

wiederholen“, sagt Naomi Kienreich von den steirischen

Maltesern.

STEIERMARK

ZU BESUCH IM STIFT REIN

Ende April durfte eine Abordnung der steirischen Malteserfamilie

das weltälteste Zisterzienserkloster Rein,

besuchen. Nach der Besichtigung der prunkvollen barockisierten,

ursprünglich romanischen Basilika folgte eine

Führung durch die Bibliothek. Ein besonderer Schatz neben

den Büchern und Musikalien stellt hier der „Keplertisch“

dar: Ein Tisch, dessen Platte Kalenderberechnungen

von Johannes Kepler aufweist, mit welchen man bis

200 Jahre in die Zukunft Kalendarien berechnen konnte.

Anschließend folgte der spirituelle Teil des Ausflugs – die

Teilnahme am Chorgebet der Mönche – eine Möglichkeit,

den Alltag auszublenden und sich ganz auf das Gebet einzulassen.

Nach der Stärkung des Geistes wurde auch der Körper

beim gemeinsamen Mittagessen gestärkt.

38

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

SALZBURG

CHOR „ONE PEACE“

Der Chor – bestehend aus Mitgliedern des Malteser Deutschkurses

– ist eine Gründung von Rosemarie Flotzinger von der ÖH Mozarteum

und probt wöchentlich seit etwa einem Jahr in der Uni Mozarteum

Salzburg. Es fanden bereits erfolgreiche Auftritte in der Residenz

Salzburg und zuletzt bei den Musikschultagen in Linz statt. Das

Repertoire reichte dabei von Volksliedern aus dem Iran, der Türkei

und Nigeria bis zum Glockenjodler und Edelweiß – diese eignen sich

hervorragend „fürs Deutsch“!

CHRISTI HIMMELFAHRT

MUSEUMSDORF NIEDERSULZ

IM SCHÖNEN WEINVIERTEL

Von Georg Reichlin-Meldegg

Feiertagsmesse in der Muttergottes-Kapelle mit Pater Felix Selden CO,

anschließend gab es ein köstliches Mittagessen beim Dorf-Wirten.

Bei traumhaftem Wetter konnte man danach im Zuge einer Führung

die Besonderheiten der typischen Weinviertler Dorf- und Bauernhäuser

bewundern und einen Einblick in den Alltag im ländlichen Raum des

19. Jahrhunderts gewinnen.

TIROL

BESUCH DER

GLOCKENGIESSEREI GRASSMAYR

Die Führung im Traditionsunternehmen Grassmayr wartete mit

einem besonderen Highlight auf: Kürzlich wurde dort die größte

je in dieser Glockengießerei gefertigte Glocke gegossen, diese

durften die Malteser bestaunen. Im Zuge der spannenden

Führung wurden die Grundlagen des Glockengießens und des seit

1599 bestehenden Unternehmens geschildert. Anschließend gab

es in der Innsbrucker Malteser Zentrale, dem Gründonnerstag

entsprechend, ein gemeinsames Spinatstrudelessen (der Spinatstrudel

wurde vorab gemeinsam zubereitet).

Ein herzliches Dankeschön der Glockengießerei für ihre Unterstützung

und bei Monika Unterholzner für die interessante Führung!

DIE MALTESER 2/2017 39


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

SONDERDIENST

100 JAHRE LIONS

Von Naomi Kienreich

Sowohl Betreute mit Maltesern als auch Sanitäter für die

Ambulanz vor Ort fanden sich im Zuge des Höhepunkts

der Feierlichkeiten des Lions Clubs in der Grazer Stadthalle

ein.

TIROL

TRADITIONELLER

MUTTERTAGSAUSFLUG

Diesmal startete unser alljährlicher Muttertagsausflug

mit einer Messfeier in der großen barocken Stiftskirche

von Fiecht bei Schwaz mit P. Friedrich Prassel.

Anschließend zauberte das großartige Küchenteam ein

köstliches Essen auf die Tische im benachbarten Pfarrheim.

Zeit zum Gespräch gab es zu guter letzt bei einer

Wanderung am Jakobsweg nach Vomp.

Beim Benefizkonzert anlässlich des 100-jährigen Jubiläums

des traten unter anderem Wolfgang Ambros,

Markus Schirmer mit seiner Band „Scurdia“, Stefanie

Werger, STS, die Ausseer Hardbradler und Zoe auf.

Zwischen den Liveacts wurden verschiedenste Projekte

der Lions vorgestellt. Auch Gäste aus Afrika, die ein a

capella Lied aus der Heimat als Gastgeschenk mitbrachten,

waren für die Feierlichkeiten angereist.

FAHRDIENST NACH BRUCK

Seit Anfang 2001 verhelfen die Malteser vielen Jugendlichen und ihren

Familien zu mehr Lebensqualität. Zweimal pro Woche wird ein spezieller

Fahrdienst angeboten, der Kinder mit besonderen Bedürfnissen von

zu Hause in das Caritas-Dorf St. Anton in Bruck an der Glocknerstraße

bringt und von dort auch wieder abholt. Die Kinder können so die Wochenenden

und die Ferien bei ihren Lieben verbringen.

40

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

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DIE MALTESER 2/2017 41


MALTESERÖSTERREICH

UN INTER-AGENCY GAMES MIT MALTESERN

Seit 1968 organisieren die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen sportliche Wettkämpfe

(Inter-Agency Games) für ihre zigtausenden Mitarbeiter, deren Angehörige und Diplomaten.

Von Katharina Stögner

Von der feierlichen Eröffnung am 3. Mai bis zur Abschlussveranstaltung

am 6. Mai fand diese international

vielbeachtete sportliche Großveranstaltung am Sitz eines

der vier weltweiten Hauptquartiere der Vereinten Nationen

in Wien statt. Ermöglicht durch die Unterstützung

der ständigen diplomatischen Vertretung des Malteserordens

bei den Vereinten Nationen und Botschafter Prof.

Günther Granser, wurden die von der Internationalen

Atomaufsichtsbehörde (IAEA) heuer organsierten Spie-

le erstmals von medizinischen Einsatzteams der Malteser

begleitet, die somit einen verantwortungsvollen

Beitrag zur sicheren Gewährleistung dieser mehrtätigen

Wettkämpfe leisteten. Sowohl bei den Veranstaltungen

im Hauptquartier der Vereinten Nationen in Wien als

auch an allen Sportstätten sorgten „Emergency Medical

Response Teams“ sowie BetreuerInnen der Malteser für

die gesundheitliche Sicherheit der Teilnehmer, UN-Mitarbeiter

und Zuseher.

42

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

MIT GUTEM BEISPIEL

„VORANGEHEN“

Von Susanne Wick

IN WIEN

„Es ist uns eine besondere Freude,

dass wir den internationalen Vertretern

der Staatengemeinschaft

bei den traditionellen Wettkämpfen

erstmals unsere hervorragend ausgebildeten

Ambulanz-Teams aus

Österreich zur Verfügung stellen und

so auch auf die globalen Anliegen

des Ordens und seiner humanitären

Arbeit aufmerksam machen konnten“,

erläuterte Botschafter Granser.

Unsere Pflegedienstleiterin von MALTESER Care, Ilse Hummer, ist auch

außerhalb ihres großen Einsatzes für die Malteser ein Mensch, der stets

bemüht ist, sich einzubringen und Gutes zu tun. Für ihre 15-jährige ehrenamtliche

Tätigkeit in der Gemeinde St. Konrad erhielt sie kürzlich auch

im Rahmen des Oberösterreichischen Gesundheitsförderungspreises

des Netzwerkes „Gesunde Gemeinde“ eine Ehrung. Stets um Förderung

von Gesundheit und Aktivität bemüht, hatte Sie die Idee, die Walkinggruppe

von St. Konrad mit Malteser Laufshirts zu sponsern und natürlich

gleichzeitig Werbung für die Malteser zu machen.

Laut dem Obmann des TSV, Herrn Peter Hofstödter, entstand die Idee, eine

Walkinggruppe zu gründen, bereits vor fünf Jahren „Im Winter hatten wir

das Programm Rückenfit – was machen wir im Frühjahr?“

„Unter dem Motto „Lerne unseren Ort kennen“ hatten wir uns entschieden,

eine Walkinggruppe zu gründen, um auch den jüngeren „St. Konradern“

ihren Ort und seine schöne Umgebung näher zu bringen. Wir gingen

schon zum Teil vergessene Wanderwege, die viele nicht kannten. Zu Beginn

hatten wir fünf Einheiten geplant, jetzt gehen wir, solange Sportler

kommen.“ Meisten sind wir elf bis 15 Personen, wenn alle kommen sind

wir über 20, und unser Durchschnittsalter liegt bei 40+. Wir haben jetzt

auch eine eigene WhatsApp-Gruppe gegründet, um möglichst viele Sportlerinnen

und Sportler einzuladen und zu motivieren!

Der nächste Großevent, an welchem die Gruppe teilnehmen wird, wird

der St. Konrader Panoramalauf am 26. August 2017 sein. Natürlich wieder

unter dem Motto „Laufend helfen, dort wo Not ist.“

DIE MALTESER 2/2017 43


MALTESERÖSTERREICH

HERAUSFORDERUNG

ARBEITSMARKT

Nach dem Deutschkurs der Einstieg ins Arbeitsleben: Das MALTESER Jobnetzwerk bietet Flüchtlingen Unterstützung bei

der beruflichen Neuorientierung in Österreich. Ein Praxis- und Erfahrungsbericht.

Von Clemens Bauer

Es begann alles im Malteser Konversations-Deutschkurs,

der sehr schnell zum durchschlagenden Erfolg wurde.

Viele der von den Maltesern betreuten Flüchtlinge aus

Syrien, Afghanistan und der Ukraine kamen regelmäßig,

um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Bärbl Bauer, die

Initiatorin und Organisatorin der Kurse, hatte für jeden

Samstag ein neues Thema vorbereitet, anhand dessen die

Flüchtlinge das praktische Leben in Österreich erfahren

und begreifen konnten.

Aber wie sollten sie einen Job finden? Schnell waren wir

– Clemens Bauer, Martin Prohaska-Marchried, Alexandra

Löw-Baselli, Petra und Stefan Hübner-Schwarzinger

– uns einig, dass wir auch dabei helfen konnten. Quasi

über Nacht wurde das Malteser Jobnetzwerk geboren.

In vielen Gesprächen haben wir Geflüchteten den Bewerbungsprozess

in Österreich erklärt, gemeinsam mit

ihnen Lebensläufe und Bewerbungsschreiben verfasst,

viele Fragen beantwortet und Kontakte hergestellt. Seit

dem Frühjahr 2017 werden wir dabei tatkräftig von

Markus Kirchschlager aus der Ausbildungsgruppe Wien

unterstützt.

Kulturelle Unterschiede

Bei all unserem Engagement mussten wir bald feststellen,

dass es große kulturelle Unterschiede beim Thema „Bewerben“

gibt. So hatten wir zum Beispiel für einen Syrer

ein Vorstellungsgespräch organisiert, doch der potenzielle

Arbeitgeber erzählte uns, dass unser Schützling nicht

zum Termin erschienen war. Darauf angesprochen, sagte

uns der syrische Flüchtling, dass er – wie in seinem Land

üblich – vor der Türe gewartet, ihn aber niemand hereingebeten

hatte.

Ein weiteres „Learning“ für uns: Nachdem es gelungen

war, eine HR-Managerin eines internationalen Konzerns

für ein Seminar zum Thema „Richtig Bewerben in Österreich“

zu gewinnen, nahmen die rund 40 Teilnehmenden

dankbar unser Handout mit Tipps und wichtigen Hinweisen

für den Bewerbungsprozess mit. Kurz darauf hatten

wir jedoch wieder viele ganz neue Fragen auf dem Tisch.

Warum? Gerade der Prozess der Bewerbung mit E-Mail

und Folgegesprächen war für viele Neuankömmlinge in

dieser Form nicht bekannt.

Erfolg motiviert

Mittlerweile haben wir mehr als 80 Personen bei der beruflichen

Neuorientierung gecoacht. Von Bankangestellten,

Flughafen-Technikern, Filmcuttern bis hin zu Steinmetzen,

Tischlern und Kellnern war ein breites Spektrum

44

DIE MALTESER 2/2017


„SPIELEND“

DEUTSCH LERNEN

von Kompetenzen vertreten. Ein

großer Erfolg war es, einige Personen

zu dem gemeinsam von Deloitte und

Raiffeisen International organisierten

Rechnungswesenkurs („Deloitte

Accounting School“) zu bringen. Georg

Feldscher hat hier tatkräftig bei

Organisation und Auswahl der Personen

mitgearbeitet.

Es motiviert uns zu sehen, dass es

Erfolge gibt. In Erinnerung wird uns

bleiben, wie ein Syrer seinen ersten

Lebenslauf in Händen hielt, den er

mit unserer Hilfe erstellt hatte. Das

hat ihm Auftrieb gegeben und ihn

gedanklich hier in Österreich ein

bisschen ankommen lassen. Einige

Flüchtlinge haben auch schon „richtige“

Jobs gefunden. So hat zum Beispiel

ein Zahnarzt eine Anstellung

als zahnärztlicher Prophylaxe-Assistent

bekommen, ein anderer arbeitet

als Barmann in einem Hotel, und ein

weiterer hatte kürzlich sein zweites

Bewerbungsgespräch bei einem internationalen

Fertigteilbaukonzern.

Wir halten fest die Daumen, dass es

klappt!

Gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen Niuvox unterstützen die MALTESER

Flüchtlinge beim Spracherwerb. Die Methode: intuitiv und mit Spaß!

Von Robert Nagel

Es begann 2015 mit der großen Flüchtlingswelle. Viele der in Österreich

Angekommenen sprachen nur Arabisch und Persisch (Farsi). Die Kommunikation

ohne Dolmetscher war kaum möglich. Dies nahm das Wiener

Start-up-Unternehmen Niuvox zum Anlass, spezielle Sprachkarten zum raschen

Erlernen der deutschen Sprache zu entwickeln. Mittlerweile liegt ein

aus 220 Lernkarten bestehendes Set – eine sogenannte „First Aid Box“ – vor,

die die wichtigsten Begriffe und Phrasen aus dem Lebensalltag vermittelt.

Von Flüchtlingen für Flüchtlinge

Das Besondere an diesem Tool: Die Karten wurden zusammen mit Flüchtlingen

für Flüchtlinge entwickelt. Das jeweilige Vokabel ist in der Lautschrift der

anderen Sprache geschrieben. So können auch Deutsch-Sprechende das arabische

bzw. persische Wort lesen und aussprechen. Falls man sich der Aussprache

doch nicht sicher ist, kann man die Sprach-Lernkarte mit einem QR-

Code-Reader scannen und erhält die Aussprache akustisch auf dem Smartphone.

Positives Feedback

Mittlerweile konnte Niuvox bereits mehr als 10.000 der First Aid Boxen an

NGOs, Integrationshäuser und Vereine in Österreich kostenlos verteilen. Ein

wichtiger Partner von Niuvox sind die Malteser. „Wir verwenden das Kartenset

österreichweit in unseren Deutschkursen für Flüchtlinge und geben

es auch an die Eltern im Rahmen unseres RefuKids-Projekts weiter. Das

Feedback ist sehr, sehr positiv“, freut sich Mathilde Pfeifer, sie ist eine der

zahlreichen ehrenamtlichen HelferInnen bei den Malteser Deutschkursen.

Gespannt sein darf man schon auf das nächste Produkt von Niuvox. Das ambitionierte

Team tüftelt eifrig an einer Sprach-Lern-App. Nähere Informationen:

www.niuvox.com

DIE MALTESER 2/2017 45


MALTESERÖSTERREICH

„WIR HÄTTEN GERNE, DASS UNSER

KIND ZU HAUSE LEBEN KANN ...“

Ingrid Pöschmann, Leiterin des Fachbereiches Integration in der MAG ELF (Magistratsabteilung 11 der Stadt Wien) Amt

für Jugend und Familie – Kooperationspartner von MALTESER Care.

Von Susanne Wick

Dieser Satz begleitet Frau Pöschmann seit dem Tag, als

eine alleinerziehende, vollkommen erschöpfte Mutter eines

16-Jährigen, schwerbehinderten Buben Kontakt mit

der MA 11 aufnahm und um Hilfe und Unterstützung

bat. Die Mutter hatte ihr schwer behindertes Kind seit

seiner Geburt allein gepflegt und betreut und sah keinen

anderen Ausweg mehr als die Unterbringung in einer

Wohngemeinschaft.

Bis zum Jahr 2010 gab es in Wien für Familien mit Kindern

mit schweren Behinderungen nur die Möglichkeit

einer Heim- oder Wohngemeinschaftsunterbringung.

Der Wunsch vieler Eltern war jedoch, dass die Kinder zu

Hause leben können, und so begann man 2011 im Rahmen

des Sozialen Dienstes, die Familien zu Hause zu unterstützen.

Was war für Sie ausschlaggebend, MALTESER Care

als Kooperationspartner der MAG ELF im Jahr 2011

mit „an Bord“ zu holen?

Die MAG ELF suchte nach einer Trägerorganisation mit

einem speziellen Angebot in der mobilen Pflege und Betreuung

von Familien – so entstand der erste Kontakt. Bei

unserem ersten gemeinsamen Fall ging es um ein Kind

mit Pflegestufe 7, das medizinische Pflege benötigte. Ihre

damalige Case Managerin machte sich vor Ort ein Bild der

Gesamtsituation, und in Absprache mit uns wurde zum

ersten Mal ein individuell auf die Bedürfnisse der Familie

zugeschnittenes Betreuungsmodell erarbeitet und umgesetzt;

es war für alle ein absolutes Highlight, dass gleich

von Beginn weg dieses Modell so perfekt funktionierte!

In Folge stellten wir MALTESER Care immer wieder neue

Familien vor, die im Rahmen des Sozialen Dienstes – so

nennen wir diese Leistung in der MAG ELF – gefördert

wurden.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den

Familien, die durch MALTESER Care betreut werden?

Hier möchte ich drei Aspekte hervorheben:

Zum ersten bekommen wir im Zuge unserer Entwicklungsgespräche

mit den Eltern laufend zufriedene Rückmeldungen

ihre Arbeit betreffend. Unser gemeinsamer

Betreuungsansatz liegt ja darin, die Familien dahingehend

zu unterstützen, dass sie so weitgehend wie möglich,

wieder in ein selbstständiges und autonomes Leben

zurückfinden können.

Zum zweiten haben wir letztes Jahr durch unsere Forschungs-

und Entwicklungsabteilung eine Zufriedenheitsbefragung

bei den Eltern durchführen lassen, mit

dem Ergebnis einer hohen Zufriedenheit die Leistungen

von MALTESER Care betreffend. Natürlich gäbe es immer

noch Verbesserungswünsche seitens der Eltern, aber hier

sind natürlich dem Sozialen Dienst Grenzen gesetzt.

Zum dritten beziehe ich mich auf die Rückmeldungen der

verschiedenen Helfersysteme. Wenn z. B. die Gefährdung

eines Kindes gegeben ist, werden mit den Eltern Maßnahmen

im Rahmen eines Hilfeplans vereinbart. Im Mittelpunkt

stehen immer das Kind, seine Geschichte, seine

Bedürfnisse, und erst dann seine Behinderung bzw. seine

Erkrankung. Die Frage ist immer, wie weit geht unsere

Hilfestellung in der Familie, ohne die Familie zu „entmachten“

bzw. sie zu „entmündigen.“

Unser Ziel ist die bestmögliche Aktivierung der familiären

Ressourcen, damit sie wieder ein selbstständiges Familienleben

führen, und der „erlernten Hilflosigkeit“ entkommen

können.

46

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

Hier haben ihre Case Managerinnen ein hohes Maß an

Sensibilität und Professionalität im Umgang mit den Familien

bewiesen, denn man kommt als „Fremde“ in die

Familie und dringt in deren Privatsphäre ein.

Haben sich die Anforderungen seit Beginn unserer

Kooperation verändert, und wird es künftige Entwicklungen

geben, wo wir uns anzupassen haben?

Wir haben 2012 mit der Zielgruppe Kinder mit „hohem

Pflegeaufwand“ begonnen. Im Laufe der Zeit wurde erkannt,

dass dies meist auch mit einem „erhöhten

Betreuungsaufwand“ einhergeht. Dies betrifft

Kinder, die vollkommen mobil sind, aber auf

Grund ihrer Entwicklungsstörung, zum Beispiel

bei Autismus-Spektrum-Störungen, einen sehr

großen Betreuungsaufwand haben.

Früher behielt man die Kinder im Krankenhaus und

musste oft Monate auf einen Platz in einer Wohngemeinschaft

warten. Jetzt gibt es eine Gleichstellung von

Kindern mit und ohne Behinderung, sodass auch Kinder

mit Behinderung eine sozialpädagogische Abklärung

bekommen. Das wäre in den herkömmlichen Krisenzentren

nicht möglich, daher ist das Bedarfskrisenzentrum

eine enorme Entlastung für die Stadt Wien, und Ihre

Case Managerinnen stehen für höchste Professionalität.

Hier hat MALTESER Care vermehrt Unterstützung

angeboten, nicht nur um die Mütter und

Väter vor dem Zusammenbruch zu bewahren,

sondern auch mit klar definierten Zielen.

Frau Ingrid Pöschmann (2. v. l.) mit den Case Managerinnen von MALTESER Care

Was mir gefällt, ist, dass Sie auch klar sagen, ja das können

wir uns vorstellen, ja wir trauen uns da drüber, oder

nein, in diesem Fall wäre es unverantwortlich. In jeden

Fall gibt es immer zuerst ein Assessment, bei dem diese

Fälle gemeinsam besprochen werden.

Krisenarbeit ist eine andere Tätigkeit, seit 2013 organisiert

MALTESER Care auch das Bedarfskrisenzentrum, für das

wir Konzept und Abläufe gemeinsam entwickelt haben.

Wenn eine Sozialarbeiterin eine Kindeswohlgefährdung

feststellt, muss sofort reagiert und gehandelt werden.

Zuerst kommen die Kinder in ein Krankenhaus, da man

eine medizinische Einschätzung braucht. Während das Kind

noch im Rettungswagen ist, erfolgt bereits die Kontaktaufnahme

mit der Case Managerin von MALTESER Care.

Die Abklärung auf medizinischer Ebene wird von den

Case Managerinnen begleitet – ebenso wie Elternarbeit,

Kooperation mit den Regionalstellen, Schulen, sonstigen

Einrichtungen und allem was notwendig ist, um alle involvierten

Stellen koordinieren zu können.

Welche Aufgaben würden Sie uns noch mitgeben,

wo können wir uns noch verbessern, haben sie

Wünsche an uns?

Wenn ich mir was wünschen darf …

… dann wäre es – unter Berücksichtigung aller externen

Faktoren – das Leistungsspektrum von MALTESER Care

zu verbreitern um noch mehr Familien mit Unterstützungsbedarf

durch MALTESER Care betreut zu wissen.

Wir wissen, dass die Stadt Wien wächst, und im Hinblick

auf die demographischen Veränderungen werden mehr

Kinder und Familien in Wien leben und die Leistungen

DIE MALTESER 2/2017 47


MALTESERÖSTERREICH

„MENSCHEN ALS

der MAG ELF brauchen, und da sehe ich, auch auf Basis

gemeinsam neu zu entwickelnder Konzepte, eine Intensivierung

der Kooperation mit MALTESER Care als durchaus

realistisch.

Liebe Frau Pöschmann, abschließend dürfen wir

uns bei Ihnen und Ihren MitarbeiterInnen sehr

herzlich für die partnerschaftliche und von gegenseitiger

Wertschätzung getragene Zusammenarbeit

bedanken und freuen uns, auch künftig als

Kooperationspartner der MAG ELF für die Kinder,

Jugendlichen und Familien in Wien unsere Leistungen

erbringen zu können.

1. Kinderlauf Amstetten zu Gunsten der

Malteser Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus.

Anmeldung: www.kinderhilfelauf.at

Professionelle Alten- und Krankenbetreuung erfordert

neben fachlichem Know-how, höchster Empathie und

Flexibilität viel Organisationstalent. Dies konnte Lisa

Kuhn, eine junge Fach- und Diplomsozialbetreuerin

aus Oberösterreich, im Rahmen eines Praktikums bei

MALTESER Care unter Beweis stellen.

Von Susanne Wick

Frau Kuhn, Sie haben gerade im Rahmen Ihrer Ausbildung

zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin

(DGKP) ein zweimonatiges Praktikum

bei MALTESER Care absolviert und unsere Case Managerinnen

in OÖ bei deren Arbeit begleitet. Was

hat Sie motiviert, dieses Berufsbild zu wählen?

Durch einen Pflegefall in meiner Familie habe ich mich

dafür zu interessieren begonnen und beschlossen, einen

Pflegeberuf zu wählen. Ich möchte aber nicht nur „helfen“;

mich interessieren nicht nur die Diagnosen der Patienten

und Klienten, sondern auch die Menschen, die hinter den

Diagnosen stehen. Meine Motivation ist, Menschen eine

gute Betreuung und Versorgung zu bieten, sie als Ganzes

zu sehen, und zwar so, wie ich selbst auch gepflegt und

betreut werden möchte, wenn es einmal nötig ist. Ich

möchte mir diese Einstellung bewahren, auch wenn ich

viele Jahre in diesem Beruf tätig sein werde.

Sie sind bereits ausgebildete Fach- und Diplomsozialbetreuerin

für Altenarbeit (FSBA) und haben

zwei Jahre in einem Alten- und Pflegeheim gearbeitet.

Was waren Ihre Erfahrungen im stationären

Bereich?

Was mir dort besonders gefiel, war die Abwechslung. Binnen

weniger Tage und Wochen lernt man verschiedene

Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen kennen.

Die Therapie wird individuell an die Bedürfnisse der Patienten

angepasst. Gerade hier muss man besonders flexibel

und empathisch sein. Die erste Woche auf einer neuen

Station ist für uns Schülerinnen und Schüler nicht immer

48

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERÖSTERREICH

GANZES SEHEN“

Lisa Kuhn, 23, besucht derzeit die Schule für allgemeine

Gesundheits- und Krankenpflege der GESPAG in Gmunden

und steht im zweiten Ausbildungsjahr zur diplomierten

Gesundheits- und Krankenpflegerin.

einfach. Jede Station hat ihre Traditionen, und man muss

lernen, die individuellen Vorlieben und Vorgehensweisen

des Pflege- und Betreuungspersonals zu erkennen und

umzusetzen.

Was waren Ihre Gründe, jetzt noch eine zusätzliche

Ausbildung zur DGKP zu absolvieren?

Diese Idee entstand erst im Rahmen meiner Berufsausübung

als FSBA im

Langzeitbereich der Altenpflege.

Für mich war

klar, dass ich im Bereich

der Pflege und Betreuung

mehr Erfahrung sammeln

und mehr lernen wollte.

Wie war es für Sie als

Praktikantin bei MALTESER Care?

Dieses Praktikum hat sich ganz anders gestaltet als die

vorangegangenen. Ich habe gelernt, dass Kommunikation

und Geschick im Organisieren die obersten Gebote im

Case Management sind. Hier geht es um eine gute Zusammenarbeit

zwischen Klienten, Angehörigen, Pflegerinnen

und Behörden. Ich habe viele Stunden im Auto auf dem

Weg zu verschiedenen Klienten verbracht, hauptsächlich

im Bezirk Gmunden. Mein spannendstes Erlebnis hatte

ich bei der Neuaufnahme eines Klienten: Eine passende

Pflegekraft war schon zugeteilt und die ganze Dokumentation

ordnungsgemäß erledigt, als plötzlich der Angehörige

des Klienten erklärte, dass diese Pflegerin nicht zu

seinen Eltern passen würde. Wir waren gefordert, binnen

kürzester Zeit einen geeigneten Ersatz zu finden. In dieser

Situation habe ich wieder gesehen, wie organisiert

eine Case Managerin sein muss und wie viele Telefonate

für ein positives Ergebnis nötig sind.

Würden Sie jungen Menschen empfehlen, diesen

Beruf zu ergreifen?

Unsere Berufsgruppe wird immer wichtiger. Dass die

Bevölkerung älter wird, ist jedem bekannt. Somit steigt

der Bedarf an gutem Pflegepersonal. Ich kann diese Berufssparte

jedem

empfehlen, der sehr

gerne mit anderen

Menschen kommuniziert

und sich

weiterbilden möchte.

Wer unsicher ist,

sollte Gespräche mit

Pflegenden führen

bzw. sich die Arbeit vor Ort ansehen – zum Beispiel im

Rahmen eines Berufsfindungs-Praktikums oder in einem

freiwilligen sozialen Jahr.

„Meine Motivation ist, Menschen eine gute

Betreuung und Versorgung zu bieten, sie als

Ganzes zu sehen, und zwar so, wie ich selbst

auch gepflegt und betreut werden möchte,

wenn es einmal nötig ist.“

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch, wir wünschen

Ihnen weiterhin viel Erfolg!

DIE MALTESER 2/2017 49


XXXXX

Danke für die zahlreichen Projekte und Initiativen zur Unterstützung der MALTESER Kinderhilfe. Im ersten Bild Cornelia Jäger von Philips und

im rechten Bild Schülerinnen der Maturaklasse der HAK Amstetten, , mit der Spende aus ihrem Maturaprojekt.

HIGH-TECH-HILFE

FÜR DIE MALTESER KINDERHILFE

Der Gesundheitskonzern Philips spendete der MALTESER Kinderhilfe ein neues Patienten-Monitoring im Wert von 16.000 Euro.

Dies ermöglicht kürzere Reaktionszeiten im Notfall und erhöht die Sicherheit der jungen Patienten.

Von Susanne Seper

Auch wenn man sich das von der Malteser Kinderhilfe

betriebene HILDE UMDASCH HAUS (HUH) keinesfalls

als Intensivstation vorstellen darf, so benötigen doch viele

Kinder und Jugendliche aufgrund ihres komplexen Erkrankungsbildes

ein kontinuierliches Monitoring, damit

das Pflegepersonal im Ernstfall schnell reagieren kann.

Genau für diesen Zweck übergab Cornelia Jäger von

Philips Austria kürzlich mehrere Monitoring Systems

(Patientenmonitor, Zentrale und Softwareanbindung)

zur besseren Überwachung des Gesundheitszustandes.

„Als private Einrichtung sind wir für solche Spenden

sehr dankbar. In diesem Fall wurde nicht nur die technische

Ausstattung der Malteser Kinderhilfe verbessert,

sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität

für die schwer kranken Kinder und Jugendlichen geleistet.

Durch die Technik ist es möglich, dass sie sich frei

im Haus bewegen können“ sagt Haus- und Pflegedienstleiterin

DGKP Veronika Karner.

Erleichterung für Bewohner und Personal

Im Detail besteht das von Philips gespendete „Efficia“-

System aus zwei mobilen Patientenmonitoren mit Touchscreens

zur Messung der Vitalparameter – beispielsweise

Puls, Sauerstoffsättigung oder Atemfrequenz – und einem

großen Zentralmonitor am Pflegestützpunkt. Dort

befindet sich auch die zentrale Einheit, die eine Dokumentation

von Trends bis hin zu 240 Tagen ermöglicht.

So können die Gesundheits- und KrankenpflegerInnen

auch in der Zeit, in der sie nicht direkt in den jeweiligen

Bewohnerzimmern sind, die Vitalparameter beobachten

und rasch reagieren, wenn ein Eingreifen erforderlich ist.

Dank der mobilen Monitore konnte kürzlich ein 20-jähriger,

wahrnehmungsbeeinträchtigter Bewohner des HUH

trotz seines palliativen Zustands auch noch an den letzten

Tagen seines Lebens bei Gemeinschaftsaktivitäten im

Spiel- und Bewegungsraum bzw. im Garten mit dabei sein

und war nicht auf den Aufenthalt in seinem Zimmer beschränkt.

„Für die Malteser Kinderhilfe konnten wir einen

echten Bedarf in einer einzigartigen Einrichtung decken.

Das freut uns ganz besonders“, zeigte sich Cornelia Jäger

von Philips sichtlich berührt.

Arbeiten Sie in einem Unternehmen, dessen Produkte unsere

Kinder und Jugendliche im Alltag unterstützen könnten?

Oder möchten Sie unsere Kinder und Jugendlichen

kennenlernen und regelmäßig Ihre Zeit spenden, um mit

den Kindern zu spielen oder spazieren zu gehen? Sie planen

eine Veranstaltung und möchten einen Teil der Einnahmen

für die Kinder spenden? Jede Hilfe zählt und kann ein

Lächeln in das Gesicht unserer Kinder und Jugendlichen

zaubern. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme:

MALTESER Kinderhilfe, Veronika Karner

Mobil: 0664/11 88 478

www.malteser-kinderhilfe.at

E-Mail: karner@malteser-kinderhilfe.at

50

DIE MALTESER 2/2017


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KLOSTERKÜCHE

SOMMERLICHE GRÜSSE

AUS DER KLOSTERKÜCHE

von Sr. Dr. Margareta An der Lan

Von Susanne Wick

Zu unser aller Freude kommt der Sommer immer näher …

Der Körper freut sich auf Sonne und Wärme, auf Spaziergänge,

Wanderungen und Aktivitäten im Freien, genießen

im Garten und in der Natur … die Seele baumeln lassen.

Sommer bedeutet auch, unseren Körper auf eine leichtere,

der Saison und der Jahreszeit angepasste Kost umzustellen

und von den reichhaltigen Angeboten von Gemü-

se, Obst und Kräutern aus unseren heimischen Gärten zu

profitieren.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Anregung

möchte ich Ihnen einige „leichte sommerliche Gerichte“

aus unserer Klosterküche vorstellen. Gutes Gelingen und

einen schönen Sommer wünscht Ihnen Ihre Schwester

Margareta!

TERRINE MIT FETAKÄSE

SOMMERLICHER SALAT MIT

MELONENDRESSING UND KÄSEBÄLLCHEN

Zutaten:

Verschiedene grüne Salate

Zuckermelone

Weißer Balsamicoessig, Sonnenblumenöl, Salz

Frische Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, ...)

Ziegenkäse, Schafkäse

Bündner Fleisch

Zutaten:

500 g Feta

250 ml Rahm

Frischer Oregano

2 Blatt Gelatine

Zubereitung:

Salate waschen und wenn nötig etwas zerkleinern,

Käse mischen und Bällchen formen und diese in den

fein gehackten Kräutern wälzen.

Melone schälen, würfelig schneiden und mit Stabmixer

pürieren und mit Öl, Balsamico und Salz mischen.

Anrichten und mit dem Bündner Fleisch garnieren.

Dazu je nach Geschmack Brot reichen.

z. B. Toskanabrot

Zubereitung:

Feta, Rahm und Oregano vermischen,

Gelatine auflösen und unterziehen und die

Masse in eine Terrine füllen und für ein paar

Stunden in den Kühlschrank geben.

Achtung: kein Salz notwendig.

Beilagen: Brot, Salat.

52

DIE MALTESER 2/2017


KLOSTERKÜCHE

SPINATKUCHEN

PANNA COTTA LEICHT

Zutaten (4 Personen):

150 ml Milch

150 ml Rahm

6 dag Zucker und Bourbonvanillezucker

2 Blatt Gelatine

Zutaten:

Fertiger Blätterteig

1 Becher Creme fraiche

1 Becher Sauerrahm

10 dag Schinken

10 dag Käse (Emmentaler, Bergkäse, ...)

1 Packung Blattspinat

Knoblauch,

Pfeffer, Salz

Zubereitung:

Milch, Rahm, Zucker und Vanillezucker aufkochen,

kurz überkühlen lassen, die eingeweichte

Gelatine hinzufügen, in Gläser füllen

und kühl stellen. Vor dem Servieren mit Obst

auffüllen – sehr gut: frische Ananas

Zubereitung:

Blattspinat auftauen, Creme fraiche und Sauerrahm

vermischen.

Fein geschnittenen Schinken und geriebenen Käse in

das Gemisch geben und mit Salz, Pfeffer und Knoblauch

abschmecken.

Blätterteig ein wenig ausrollen und in eine Auflaufform

geben, Blattspinat ausdrücken und über dem

Teig zerzupfen. Darüber das Sauerrahm-Schinken-

Käsegemisch verteilen. Mit eventuell verbliebenen

Teigresten ein Gitter zur Verzierung anbringen.

Ca. 20 Minuten bei 200 Grad bei Ober- und Unterhitze

ins Rohr geben.

Als Beilage eignet sich Salat.

ANDREAS KRÄUTERTIPP

Von Andrea Hofmann, Kräuterpädagogin

Es gibt rund 15 verschiedene Arten von Gänseblümchen,

die Blütezeit ist zwischen März und November. Die Blüten

können im Salat, als Kapernersatz oder für Tee verwendet

oder zu einer Tinktur verarbeitet werden, diese beinhalten:

Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle, Antioxidantien,

Flavonoide, Fumarsäure, Schleim, Inulin.

Aberglaube um das Gänseblümchen: Das Gänseblümchen

ist einer der ersten Frühlingsboten und es heißt, wer die

ersten drei Gänseblümchen im Frühjahr esse, werde das

restliche Jahr von Zahnschmerzen, Augenbeschwerden

und Fieber verschont. Und wer getrocknete Gänseblümchen

bei sich trägt, die am Johannistag mittags gepflückt

wurden, dem geht keine wichtige Arbeit schief.

https://kraeutereiblog.wordpress.com/

DIE MALTESER 3-4/2016 53


GELESENEMPFOHLEN

EINE ERKLÄRUNG

DES CHRISTENTUMS

Von Richard Mischak

Mit seinem jüngst erschienenen Buch „Glaubensfragen“

will Wolfgang Huber, Professor für Theologie in Berlin

und Heidelberg sowie Mitglied des Deutschen Ethikrates,

„die Gehalte des christlichen Glaubens verständlich

unter die Leute bringen“ – für Gläubige, Suchende und

Verneinende gleichermaßen. Ausgehend von den biblischen

Quellen des Glaubens und über die Traditionen des

Christentums hinweg werden knapp und klar die Folgerungen

dargestellt, die für den Christen in unserer Zeit

mit dem Prinzip der „verantworteten Freiheit“ verbunden

sind. Eines gleich vorweg: Aus der Flut der Beiträge

zum laufenden Lutherjahr ragt dieses Buch heraus!

Die Zukunft der Religion

Huber widmet sich einzelnen, an sich vielleicht fremd

gewordenen Begriffen wie Sünde, Freiheit, Liebe, Schöpfung,

Auferstehung, Heiliger Geist und Hoffnung auf

tiefgründige und höchst ansprechende Weise. Besonders

interessant sind seine Überlegungen über die Zukunft

der Religion in unserer pluralistischen Gesellschaft. Der

Glaube sei heutzutage eine „Option“, so Huber, aber zugleich

eine „überzeugende Lebensform“. „Religion ist zu

einem Service unter vielen geworden“, schreibt er. Doch

was macht den Kern des christlichen Glaubens aus?

Der Autor skizziert die Transformation der Elemente des

Glaubens durch Reformation und Aufklärung und zögert

nicht vor der Beschreibung der aktuellen gesellschaftspolitischen

Herausforderungen für freie und verantwortliche

Christen. Mit diesem Buch hilft Huber – auch

Nicht-Gläubigen – zu verstehen, warum Menschen heute

an Gott glauben. Der Leser erfährt, was Christen aus ihrem

Glauben schöpfen und wie sie ihren Platz in der modernen,

pluralistischen Gesellschaft definieren.

Ganzheitliches Denken

Am Ende der einzelnen Kapitel arbeitet der Autor die

Unterschiede des römisch-katholischen und des evangelischen

Verständnisses heraus. Diese Zusammenfassungen

sind für jeden von uns wertvoll, der auch die Ereignisse

von vor 500 Jahren besser verstehen will. Die gründliche

Literaturrecherche und die umfassenden Personen- und

Sachregister zeigen eine Ganzheitlichkeit im Denken und

Urteilen von Wolfgang Huber. Der renommierte Theologe

stellt durchaus handhabbare Maßstäbe und einen Orientierungsrahmen

für die Leser auf. Mit der Frage nach den

Werten Europas, die für das Christentum und alle Menschen

gelten sollen, schließt das Buch.

Wolfgang Huber, Glaubensfragen – Eine evangelische Orientierung,

C.H.Beck, 2017, 332 Seiten, ISBN: 978-3-406-70076-7,

16,95 Euro

54

DIE MALTESER 2/2017


TAGEBUCH

Burgenland

Wien

Steiermark

HERZLICH WILLKOMMEN

BEI DEN MALTESERN

Am 24. Juni, zum Hochfest unseres Ordenspatrons,

fand in der Stiftskirche der Erzabtei St. Peter in

Salzburg die Aufnahme neuer Mitglieder in den Orden

und zu den Maltesern statt. In einer von Erzabt

P. Dr. Korbinian Birnbacher OSB geleiteten Festmesse

wurden 14 Ordensritter und -damen aufgenommen.

56 neue Mitglieder der Malteser (sieben aus dem Burgenland,

sechs aus Salzburg, sieben aus der Steiermark,

Tirol

Von Katharina Stögner

fünf aus Tirol und 31 aus Wien) legten ihr Versprechen

ab, im Sinne des Ordens gegen das achtfache Elend zu

kämpfen. Rund 350 Gäste – darunter zahlreiche Angehörige

der Aufgenommenen, Freunde und Förderer –

nahmen an der würdigen Feier teil.

Am 30. Juni wurde in Wien weiters Geistl.-Rat Dr.

Christoph Martin, Pfarrmoderator von Mailberg

und Vizerektor der Malteserkirche, in den Malteserorden

aufgenommen. Wir heißen unsere neuen Mitglieder

herzlich willkommen!

Im Zuge Der Generalversammlung des Großpriorates von Österreich

am 24. Juni 2017, fand auch die Kommando Übergabe der Malteser

statt. Olivier Loudon übergab nach sieben Jahren das Kommando an

den bisherigen 2. Vizekommandant Mag. Richard Wittek-Saltzberg. Wir

werden in der kommenden Ausgabe von Die MALTESER ausführlich berichten.

DIE MALTESER 2/2017 55


WIR TRAUERN UM

=

+ 9. März 2017

Univ.-Prof. i. R. Dr. Dr.

h.c. mult. Karl Korinek

Magistral-Großkreuzritter

Am 9. März 2017 verstarb unser

Ordensbruder in Wien. Als

Universitätsprofessor 1978

an den Verfassungsgerichtshof

(VfGH) berufen, wurde

er 1998 dessen Vizepräsident

und 2003 dessen Präsident.

Unserem Orden war er bereits 1977 beigetreten. 2008

zum Großkreuzritter rangerhöht, war er Mitglied in

der Disziplinarkommission des Großpriorates. Karl

Korinek hat nie aus seiner katholischen Gesinnung ein

Hehl gemacht, er hat auf Gott und Recht vertraut und sich

auch besonders für die katholische Soziallehre eingesetzt.

Wir danken ihm für sein starkes Glaubenszeugnis.

+ 1. Februar 2017

Michael von Paumgartten

Langjähriges Mitglied der Malteser

+ 12. Februar 2017

Ehrentraut Lenz

Langjährige Betreute der Malteser

+ 19. April 2017

Herlinde Ramsauer

Langjährige Betreute der Malteser

+ 29. April 2017

Wiltrud von Chizzali-Bonfadini

Langjähriges Mitglied der Malteser

+ 20. Mai 2017

Marianne Moser

Langjährige Betreute der Malteser

+ 22. Mai 2017

Romuald Niescher

Am 22. Mai verstarb im 84. Lebensjahr Romuald Niescher, von 1983 bis 1994 Bürgermeister

von Innsbruck. In seiner Amtszeit hat er viele Projekte verwirklicht, die auch

heute noch Stadtbild und Leben der Landeshauptstadt bestimmen, wie die Sozial- und

Wirtschafswissenschaftliche Fakultät, die Erweiterung des Stadtparks, die Vergrößerung

des Kongresshauses, gleichzeitig hat Bürgermeister Niescher aber auch für die

Unterstützung sozialer Einrichtungen, darunter auch des Bereiches Tirol des MHDA,

gesorgt, insbesondere in der Zeit der Errichtung unserer derzeitigen Bereichszentrale

in der Leopoldstraße. Für dieses Wirken wurde er mit dem Verdienstorden Pro Merito

Melitensi ausgezeichnet. In großer Dankbarkeit werden wir seiner gedenken.

R.I.P.

56

DIE MALTESER 2/2017


MALTESERINFORMATION

SPENDENABSETZBARKEIT:

NEUE GESETZLICHE REGELUNGEN

SEIT 1. JÄNNER 2017

Von Manuel Weinberger

Im Folgenden finden Sie wichtige Informationen, wenn

Sie Ihre Spenden steuerlich geltend machen möchten.

Damit Sie Ihre Spende auch in Zukunft absetzen können,

benötigen wir bitte Ihre Mithilfe!

Mit dem 1. Jänner hat sich die Form des Spendennachweises

geändert. Der Gesetzgeber hat entschieden, dass

dieser nun automatisch ohne Ihr Zutun erfolgt.

Damit wir Ihre Spende für Sie absetzbar machen können,

benötigen wir entsprechend den Bestimmungen Ihren

Vor- und Familiennamen sowie Ihr Geburtsdatum.

Ihre Spenden werden von uns direkt an das Finanzamt

gemeldet und dadurch vom Finanzamt automatisch in

Ihrer Veranlagung berücksichtigt. Details dazu finden Sie

nebenstehend.

Wenn Sie Ihre Spenden nicht absetzen möchten, müssen

Sie uns Ihr Geburtsdatum natürlich nicht bekannt geben.

Wichtige Punkte, um die Spenden von der Steuer

absetzen zu können

Name

Wir benötigen Ihren Namen genau so, wie er im Melderegister

(= Meldezettel) eingetragen ist. Wenn Sie bei uns

Susi Huber angeben, obwohl dort Susanne Huber vermerkt

ist, wird Ihre Spende nicht absetzbar. Ebenso sind

Doppelnamen und Bindestriche zu beachten. Achten Sie

daher bitte auf die richtige Schreibweise. Sollte Ihr Name

in der Briefanschrift von uns falsch geschrieben sein,

teilen Sie uns das bitte per E-Mail oder telefonisch mit.

Spendernummer

Auf allen unseren Aussendungen finden Sie Ihre persönliche

Spendernummer in der Anschrift. Verwenden Sie

diese bitte bei jeder Überweisung im Namensfeld/

Verwendungszweck, damit wir Ihre Spende eindeutig zuordnen

können. Damit ist auch die wiederholte Bekanntgabe

des Geburtsdatums hinfällig.

Geburtsdatum

Geben Sie uns dieses bitte per E-Mail (zentrale@malteser.at),

telefonisch (+43 1 512 53 95) oder am Erlagschein bekannt.

Eine einmalige Bekanntgabe reicht!

Vielen Dank für Ihre Spende und vielen Dank für

Ihre Mithilfe!

COVER

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http://bit.ly/2rZ9C3G

Druckerei Name ID

Herzlichen

Dank für Ihre

Spende!

MALTESER

Hospitaldienst Austria

AT65 2011 1800 8087 0800

GIBAATWW

MALTESER Hospitaldienst Austria

AT65 2011 1800 8087 0800 +

GIBAATWW

Tragen Sie hier bitte Ihre Spendernummer ein:

DM 1111

DIE MALTESER 2/2017 57


TERMINE

Termine 2017

JULI 2017

08/06–16/07 Sonderausstellung: Turiner Grabtuch

(Erzbischöfliches Palais Wien)

SMRO

13–16 Wildwassercamp Wildalpen MHDA

13–16 Sommerlager Sandl MHDA

16 Wallfahrt nach Altötting MHDA

22–29 IMS 2017 – Internationales Malteser Camp

in Salzburg

SMRO/MHDA

SEPTEMBER 2017

28/09–02/10 Wallfahrt zu unserer Lieben

Frau von Philermos nach Montenegro

SMRO

OKTOBER 2017

14 Ordenstag Stift St. Florian SMRO

29 70 Jahre Delegation und

50 Jahre MHDA Salzburg SMRO/MHDA

AUGUST 2017

15 Pfarrfest Maria Pulst SMRO

30/08-03/09 Fahrt nach Medjugorje MHDA

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien

„Montag bei den Maltesern“ 12.00 Uhr Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr

Hl. Messe mit der Johannesgemeinschaft Jeden ersten Montag im Monat, 19.30 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser.or.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

Haus Malta

Dir. Bogdan Norbert Bercal

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon

DGKS Veronika Karner

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Johannesgemeinschaft

Mag. Jan Ledóchowski

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

Malteser Hospitaldienst Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: mhda@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser Alten- und Krankendienst

Dr. Anna Schlanitz-Bolldorf

T: +43 676 311 00 32

E: ordination@schlanitz.at

I: www.malteser.or.at/werke/makd

Malteser Betreuungsdienst

Angela Thierry

T: +43 1 405 13 49

F: +43 1 402 95 66

E: mbd@Malteser.at

I: www.malteser.or.at/werke/mbd

Malteser Palliativ-Dienst

Univ.-Prof. Dr. Johannes Mlczoch

T: +43 1 512 72 44

E: mpd@malteser.at

I: www.malteser.or.at/werke/mpd

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DIE MALTESER 2/2017


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