Cornelia Feyrer* Communication, Code, Compliance, Culture ...

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Cornelia Feyrer* Communication, Code, Compliance, Culture ...

Cornelia Feyrer*

Communication, Code, Compliance, Culture: Medical Translation and

Its Didactics in a Globalized Context

Abstract

The specialized fi eld of medicine and health communication is a fi eld that, in times of globalization and

internationalization, is characterized by tremendous cross-linkage and information fl ow between specialists inside

and recipients outside the fi eld. Medical communication covers a large spectrum of technical degrees, text genres

and constellations of interactants and is thus of unquestioned social relevance. Therefore, knowledge management,

understandability, interdisciplinarity and interculturality are basic concepts of modern communication and LSP

research as well as of cultural and translation studies.

Translators are involved in distinctive interactional frames in medical communication with specifi cally determined

(specialized) cultures. They are confronted with divergent demands of clients and recipients and must cope with a

stratifi ed dynamic working context in their professional practice. Therefore, the fi eld of medicine is especially suitable

in research and teaching to demonstrate the complexity of the language-, speciality-, and culture-specifi c knowledge

transfer in translation.

The contribution discusses from a didactic point of view some parameters of knowledge management and transfer in

medical communication and translation. With the aim of pointing out cultural and social dimensions, it presents results

and approaches taken from teaching units on medical translation. In this context the term compliance refers – beyond

the medical concept – to the reality of students in the training situation and to the reality of translation practice and its

specifi c quality demands in specialized communication.

Kommunikation, Code, Compliance, Kultur: Medizinische (Fach)

Kommunikation und Translation(sdidatik) im Kontext der

Globalisierung

1. Zielgruppen- und situationsadäquates Wissensmanagement

Bei einem meiner letzten Tagungsbesuche präsentierte eine Kollegin eine Analyse von Lexikoneinträgen

aus dem Bereich der Medizin, nämlich der Anatomie. Ausgesucht hatte sie sich dasjenige

Sinnesorgan, das bei uns Menschen als erstes seine Funktion aufnimmt und als letztes seine

Funktion einstellt, nämlich das Ohr. In Erinnerung geblieben ist mir der Beitrag, weil die Kollegin

einen Vergleich zwischen Lexika für Erwachsene und Lexika für Kinder angestellt hatte, bei

dem sie die Frage aufwarf, warum die jeweiligen Illustrationen sich im Eintrag für Erwachsene

auf die Anatomie des Ohres beschränkten, wohingegen der Eintrag für Kinder neben einer Schemadarstellung

des Ohres auch eine Zeichnung von einem Seiltänzer und einem Delphin aufwies.

Die Erklärung liegt auf der Hand: Das Hören splittet sich in eine Reihe sehr komplexer Vorgänge,

die bis heute noch nicht bis ins letzte Detail erforscht sind. Das Ohr ist das einzige Sinnesorgan,

das zwei völlig verschiedene Aufgaben erfüllt: Es nimmt Geräusche auf und ist gleichzeitig für

den Gleichgewichtssinn verantwortlich (siehe Liebrich 2009: 59). Für Kinder wurde also die Information

mittels Vergleich und Metaphern aus der ihnen bekannten Lebenswelt aufbereitet und

zugänglich gemacht.

* Cornelia Feyrer

Institut für Translationswissenschaft

Innsbruck

Austria

Cornelia.Feyrer@uibk.ac.at

Heine, Carmen/Engberg, Jan (eds.): Reconceptualizing LSP.

Online proceedings of the XVII European LSP Symposium 2009. Aarhus 2010

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Damit befi nden wir uns mitten in einem der großen Bereiche der Medizinischen Kommunikation,

nämlich der Popularisierung. Die Medizinische Kommunikation umfasst ganz unterschiedliche

Dimensionen, auch der fachexterne Bereich ist hier sehr produktiv – und damit, gerade im

Zeitalter der Globalisierung, ein weites Einsatzgebiet für TranslatorInnen. TranslatorInnen benötigen

ein adäquates Informations- und Wissensmanagement, um zielgruppen- und situations- bzw.

kontextadäquate Produkte erstellen zu können und müssen in und zwischen den unterschiedlichen

Bereichen von Fach- und Alltagskulturen und -sprachen agieren können. Es bedarf also in

vielfacher Hinsicht einer Art Code switching im übertragenen Sinne (siehe dazu Feyrer 2009b).

Aber bleiben wir also noch beim Thema Sinneswahrnehmung. Nicht nur für Kinder wird mittels

Vergleichen und Metaphern aus nahen Lebensbereichen der Zielgruppe medizinisches Wissen

vermittelt. In ihrem exzellent für Laien aufbereiteten Buch Körperwissen (2007) lädt Marion

Grillparzer ihre LeserInnen dazu ein, ihre „innere Welt“ (Grillparzer 2007: Klappentext) zu entdecken.

Auf diese Entdeckungsreise nimmt die Autorin ihr Publikum mittels einer Reihe anschaulicher,

durchaus real motivierter Vergleiche und Metaphern mit. So wird z.B. ein weißes Blutkörperchen

mit einem Raffaello (Grillparzer 2007: 238), also einer aus der Werbung bekannten Süßigkeit,

und das Gefäßsystem der Niere mit einer Koralle aus dem Meer (Grillparzer 2007: 312)

verglichen. Im Kapitel Sinnesorgane wiederum werden Ohr und Gehörssinn folgendermaßen vorgestellt:

Die aufmerksamsten Schnecken der Welt

Sie haben einen Mann im Ohr. Der macht Muskeltraining, wenn Sie Mozart hören, schwingt Hämmerchen,

Amboss und Steigbügel. In den Schnecken fl immern die Härchen. Im Gehirn tanzen die

Glückshormone. Also vergraulen Sie den kleinen Mann nicht mit Lärm. Aber sorgen Sie dafür, dass er

im Training bleibt. (Grillparzer 2007: 113)

Und sogar in einer durchaus medizinisch angehauchten Internetseite (Medizininfo 2009) ist von

der ‚Schmiedewerkstatt’ in der Paukenhöhle die Rede. Terminologie, Bilder und Metaphern sind

also alle der Alltagssprache, und hier wieder den unterschiedlichsten, fachlichen oder alltagsspezifi

schen Lebensbereichen, entnommen – ein Versuch, Compliance beim Verstehen und der Umsetzung

der eigentlichen ‚Message’, (nämlich: überlaste Deinen Gehörssinn nicht, aber trainiere

ihn auch, damit er nicht verkümmert), zu erreichen. Aber was hat das mit Translation im engeren

Sinne zu tun? – Wahrnehmung ist auch in der Translation ‚das’ zentrale Kriterium für eine

sprach-, text- und interaktantInnen- bzw. kultursensitive Transferleistung. (Informations- und

Wissens-)Transfer fi ndet jedoch auf ganz unterschiedlichen Ebenen und in den verschiedensten

Repräsentationsformen statt und kann nur dann gelingen, wenn gewisse Verstehens- – oder wollen

wir sie hier lieber medizinisch betiteln – ‚Compliancebedingungen’ gegeben sind.

2. Compliance als Faktor in Medizin und Translation

Die eingangs beschriebene Form der zielgruppengerechten Aufbereitung von Information und

Wissen hat mit dem, was MedizinerInnen Compliance nennen, zu tun, nämlich mit der „Befolgung

der Anweisungen des Arztes, des Apothekers oder der Gebrauchsanweisung bei Anwendung

eines Arzneimittels, damit es seine Wirkung optimal entfalten kann und Nebenwirkungen

vermindert werden können“ (Schweitzer 2009). Die optimale Wirkungsentfaltung und die Vermeidung

von Nebenwirkungen ist auch ein Anliegen jedes Translates bzw. von TranslatorInnen.

Wie die „Qualität eines Arzneimittels nicht nur von seiner Erfi ndung, Entwicklung und Herstellung

bestimmt [wird]“, so hängt auch jene eines Texts in einer anderssprachigen Variante von

der des Translates ab (Schweitzer 2009). Texte müssen kohärent und sprach- und kulturadäquat

sein, denn wie „der Patient leicht die Lust [verliert] und die Tabletteneinnahme lieber sein

[lässt]“, „wenn die vorgeschriebene ½ Tablette beim Zerteilen regelmäßig zerbröselt“ (gesundheit.de

2009), so verlieren die LeserInnen eines Textes/Translates die Lust an bzw. Bereitschaft

zur aktiven Textrezeption, wenn Verstehens- und Verständlichkeitsbedingungen bei der Textproduktion

nicht ausreichend Berücksichtigung fi nden. Analog dazu bedarf es wohl auch einer ent-


sprechenden Compliance des Translates bzw. einer Compliance-Orientierung im Translationsprozess.

Die Verträglichkeitsbedingungen in Bezug auf HandlungsteilnehmerInnen, Situation,

(Textsorten)Konventionen, Sprache und Kultur müssen stimmen (siehe Feyrer 2009a: 201).

Dementsprechend heißt es auch weiter in einem Internet-Beitrag zur Bedeutung der Compliance

in der Therapie: „Compliance […] stellt ein allgemeines medizinisches Problem dar. Wir

wissen, dass viele der verordneten Medikamente zwar aus der Apotheke bezogen, aber teilweise

nicht oder nur unvollständig oder auch falsch eingesetzt Verwendung fi nden.“ (Strasser-Fuchs

2009). Auch diese Problematik kennt der Translator/die Translatorin: Übersetzungen werden zwar

angefertigt und den KonsumentInnen zugänglich gemacht, fi nden aber nicht immer die richtige

Verwendung bzw. sind nicht immer adäquat an die letztendlichen VerwenderInnen und deren Verwendungsbedingungen

angepasst. Tritt beim Medikament der gewünschte therapeutische Effekt

nicht ein, so wird im Fall des Translats der intendierte Skopos nicht umgesetzt bzw. nicht erfüllt

und die Kommunikation schlägt fehl, es kommt zu dem, was in der Medizin als Non-Compliance

betrachtet wird. Text und TextempfängerInnen „werden non-compliant“ (ÖAZ 2005), was, ganz

wie in der Medizin, unter Umständen auch sehr kostspielig werden kann. Will der Translator/die

Translatorin dem vorbeugen, muss in seinem/ihrem Qualitätsmanagement dem Translationsprozess

besonderes Augenmerk geschenkt werden, damit auch die Nutzungsqualität hoch sein kann

(siehe Feyrer 2005). Und damit das gewährleistet werden kann, bedarf es der entsprechenden Codierung,

will heißen der entsprechenden sprachlichen und außersprachlichen, kultur- und interaktantInnensensitiv

adaptierten Aufbereitung von Information und Wissen in Text und Translat.

3. Compliance im Translationsmanagement: Zur Realisierung translatorischer

Compliance-Bedingungen

Grundanforderung in der Ausbildung angehender TranslatorInnen ist es, eine Basis für den Erwerb

und den Umgang mit Informations-, Wissens- und Qualitätsmanagement(prozessen) zu ermöglichen.

TranslatorInnen sind auf sehr verschiedenen Ebenen in Wissensmanagementprozesse

eingebunden. Dies betrifft im Zeitalter der Globalisierung auch verstärkt den Bereich der Fachkommunikation.

Schreiber (2004: 273) meint dazu treffend: „Ein Fachübersetzer muss oft mehr

tun, als den Ausgangstext ‚textgetreu’ zu übersetzen“. In der Medizin ist zudem der fachexterne

Sektor sehr produktiv. Vieles wird v.a. in der fachinternen, aber auch in der fachexternen Vermittlung

medizinischer Inhalte schon von vorne herein in der Lingua franca der Medizin, dem

Englischen, vermittelt. Bei der Rezeption dieser Inhalte kommt es nicht selten, und hier meist

implizit, ohne dass sich die SprachbenutzerInnen dessen eigentlich bewusst sind, zu einer Art

Code-Switching zwischen der domänenspezifi schen Sprache und der eigenen Mutter- oder Bildungssprache.

Deutlich wird dies u.a. im fachexternen Bereich, wo Informationsvermittlung in

der Landessprache erforderlich ist, also eine Lokalisierung bzw. kulturell-pragmatische Anpassung

notwendig wird. Aber auch im fachinternen Bereich gibt es durchaus einzelkulturell determinierte

Faktoren und Normen in Interaktion und Kommunikation, die gerade im sprach- und

kulturübergreifenden Bereich relevant werden. Damit beruht das, was z.B. auch Holz-Mänttäri

(1984: 21) unter der „pragmatischen Qualifi kation“ für Translation versteht, auf „einer Theorie

sozialen menschlichen Handelns“. Dieses soziale menschliche Handeln äußert sich u.a. in Phänomenen

von bestimmten Fachkulturcodes auf unterschiedlichen Ebenen in Kommunikation und

Translation – und ist hier wie dort identitätsbildend.

Wie laufen Verstehens- und Verständlichkeitsprozesse nun im Alltag – und in der Translation

– ab? Wie werden translatorische Compliancebedingungen geschaffen? Eine nicht unbedeutende

Relevanz liegt dabei in Divergenz- aber auch in Konvergenzfaktoren. Gehen wir von einem

Beispiel aus der Alltagssprache aus. Langenscheidt brachte 2008 unter dem Titel Übelsetzungen

ein gerne rezipiertes Büchlein heraus, in dem Übersetzungsfehler humoristisch aufgearbeitet und

präsentiert werden. U.a. fi ndet sich in dem erwähnten Band ein Foto, welches ein Schild mit dem

Text „Zanhartz. Kiefer Ortöphedie. Deutsch. Englisch“ (Amazon 2009: 6) zeigt. Hier wird von

den BetrachterInnen, wie auch der Kommentar, mit dem das Foto versehen wurde (Den sozialen

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Status eines Menschen sollte man nicht an den Zähnen ablesen können, […] Zum Glück gibt es

vor Ort den sprachbegabten „Zanhartz“, […]. (Amazon 2009: 6) zeigt, sofort ein Bezug zur (eigenen)

Alltagskultur und Politik hergestellt, ausgelöst durch einen bzw. mehrere simple Tippfehler,

die aber sogleich implizite Schlussfolgerungen und Konnexe zu lexikalischem Wissen, pragmatisch-situativen

Rahmenbedingen und der Tagespolitik hervorrufen. Die Funktion von „Sprache

als Kulturträger und Identitätsstifter“ (Frantzen 2004: 93) wird deutlich – genauso wie die

Bedeutung der InteraktantInnen, ihrer Lebenswelt, ihrer Denk- und Orientierungsmuster, – die in

diesem Fall zu humorigen Rückschlüssen führen –, und ihres sprachlichen, kulturellen und sozialen

Umfeldes. Dies sind Faktoren, die die linguistisch-kontrastive Betrachtung von Sprach-

Phänomenen mit translationsrelevanten – und hier wieder v.a. mit translationssoziologischen –

Betrachtungsweisen von Transferphänomenen gemeinsam haben: Es geht um „Handlungen in

Welten“ (Holz-Mänttäri 1984: 6).

Wie sehen nun diese Handlungen in der Medizin und ihrer Fachsprache und Fachkultur bzw.

die unterschiedlichen Codierungsformen je nach fachinterner oder fachexterner Kommunikation

aus? Sie erweisen sich als geprägt von Kontrasten und Kontrastierungen, Divergenzen aber auch

Konvergenzen, alles Faktoren, die für die fachsprachliche Translation und damit auch für die entsprechende

Didaktik relevant sind. Auch in der Ausbildung angehender TranslatorInnen spielt

das kontrastive Element eine Rolle. Zwar dominiert für TranslatorInnen die Transferkomponente,

dennoch lebt Translation, zumindest prozessual betrachtet, in mancherlei Hinsicht auch von

Kontrastivität. Sprachbewusstsein in Eigen- und Fremdkultur wird damit zur Steuerungsinstanz

unseres Kultur-, Sozial- und Sprachverhaltens. Dies betrifft sowohl den allgemeinsprachlichen

Bereich wie auch die Fachbereiche, letztere vielleicht aufgrund ihrer immer noch markanter werdenden

Komplexität noch um einiges mehr. Daher soll auch im Folgenden die prozessorientierte

Transferkomponente von Translation im Mittelpunkt stehen, die in der praktischen Umsetzung

zur Erstellung eines qualitativ hochwertigen, compliance-gerechten Translates als Produkt des

translatorischen Handelns führt. Dazu kommt schlussendlich noch der didaktische Anspruch in

der Ausbildungssituation.

Auch im Fachbereich Medizin werden von unseren angehenden TranslatorInnen auf den ersten

Blick in erster Linie kontrastive Beobachtungen gemacht. Die Konsequenzen und Schlussfolgerungen

sind aber um einiges weitreichender und betreffen, über kulturelle und pragmatische Kontextualisierungsprozesse

hinaus, v.a. auch den für das Fachübersetzen notwendigen Umgang mit

Wissensmanagement und Wissenstransferprozessen, die unterschiedlich strukturiert sind: „Domänenübergreifende

Wissensfl üsse können eine lineare, modulare oder holistische Struktur besitzen

[…]“ (Schulz 2005: 86). Auch angehenden TranslatorInnen fallen beim vergleichenden

Arbeiten in erster Linie neben sprachlichen kulturell bedingte Unterschiede auf. Divergenzen

werden als Übersetzungsfehler wahrgenommen oder aber als Inkohärenzen auf pragmatisch-kultureller

Ebene. Das Nonverbale spielt hier ebenso noch vor dem Sprachlichen eine bedeutende

Rolle in der Bewertung. Nonverbale Elemente werden als kulturgebundene Indikatoren wahrgenommen

– die im Translat dann auch adäquat sein müssen (siehe dazu Feyrer, im Druck).

4. Compliancebedingungen in der medizinischen Fachkommunikation und

-translation

Im Folgenden soll es nun um einige Erfahrungen mit Fachkulturen, ihren Codes, Compliancebedingungen

bzw. um einige Anwendungsbereiche, Divergenzen und Konvergenzen im fachsprachlichen

Translationsunterricht zur medizinischen Kommunikation gehen. Die Medizin und

Gesundheitskommunikation umfasst ein Gebiet, auf dem eine immense Vernetzung und Interdependenz

zwischen Fachwelt(en) und -kulturen und der Laienöffentlichkeit herrscht und die Aufrechterhaltung

des Informationsfl usses fachintern wie auch fachextern ein Grundinteresse von

Gesellschaft und Einzelpersonen darstellt. Auch Fachwelten sind nicht linear ausgerichtet, sondern

mit anderen Lebensbereichen zu komplexen Interaktionsgefügen vernetzt. Je nach InteraktantInnen-

und Situationsspezifi k kann die Medizin unterschiedliche Repräsentationsformen um-


fassen, in die translatorisches Handeln auf verschiedenen Ebenen eingebunden ist. Mudersbach

(2002: 169) bespielsweise geht sogar, was den kulturellen Aspekt betrifft, so weit, die Frage zu

stellen, ob Übersetzen nicht per se für Kulturverständnis notwendig ist. TranslatorInnen müssen

sich in ihrer berufl ichen Praxis „semi-professionelles Wissen“ (siehe Löning 1994: 105) sowohl

zum entsprechenden Fach wie auch zum entsprechenden Diskurs und dessen fachlichen wie auch

sozialen Orientierungsmustern aneignen. Dieses semiprofessionelle Wissen kann wiederum sehr

heterogene Wissens- und damit auch Lebensbereiche der berufl ichen Aktivität im Fach tangieren.

Sehen wir uns dazu exemplarisch ein Beispiel aus der Lehre an.

4.1. Metaphorik, Stereotype und Emotionen

In einem sprachübergreifenden Projektunterricht zum Thema Osteopathie beschäftigten wir uns

am Intrawi Innsbruck mit einem Handbuch zur Osteopathie (Mondoloni 2006), dessen französischer

Ausgangstext von einem französischen Osteopathen verfasst und dann ins Spanische

übersetzt worden war. Unser Ziel war es nun, einen Teil einer deutschen Version des Textes in

Angriff zu nehmen, die es ja noch nicht gab. In der sich im sprach- und fachübergreifenden Unterricht

ergebenden synoptischen Arbeit traten, vor allem, was den Bereich der Semantik anbelangt,

interessante Ergebnisse zutage. So ergab sich ein Fokus der Diskussionen zur Thematik Ausdrucksweisen

von Schmerzempfi ndungen in der Einzelsprache und dann in der medizinischen Nomenklatur.

Des Weiteren erwies sich, vor allem auf der Grundlage der Analyse von Paralleltexten

in den verschiedenen Sprachen, der Bereich der Metaphorik als relevant für die übersetzungsspezifi

sche Diskussion. Die ineinandergreifenden Bereiche der Osteopathie werden im Allgemeinen

mit einem Uhrwerk verglichen und auch bildlich meist so dargestellt. In der spanischen Version

(Mondoloni 2007) wurde nun aber im Gegensatz zum Deutschen und Französischen das Bild vom

Osteopathen als Uhrmacher durch das eines Goldschmiedes wiedergegeben, was unüblich ist und

eben nicht den universellen Symbolen für Osteopathie – den Zahn- oder Uhrrädern, die die einzelnen

ineinandergreifenden Bereiche der Therapieform symbolisieren – entspricht. Didaktisch

von Interesse war dabei, dass dadurch bei der sprachübergreifenden Arbeit in Verschnittgruppen

auch die ÜbersetzerInnen des Originaltextes von der Übersetzung in den Relaistext profi tierten.

Dies alles hat natürlich auch mit Wissensmanagement zu tun und mit der Aneignung und Aufbereitung

relevanter Wissensstrukturen aus dem entsprechenden Fachbereich und vor allem auch

aus der Fachkultur. Was unseren Osteopathietext aus der Lehre anbelangt, muss man z.B., um den

Text sinnvoll lokalisieren und kontextualisieren zu können, um den speziellen Status der Osteopathie

bzw. der OsteopathInnen in den einzelnen Ländern wissen, will man die entsprechenden

Ausdrucksformen, Vertextungsarten und vor allem die impliziten Hintergrundinformationen erschließen

können. Ein Grundproblem ist hier beispielsweise der unterschiedliche Status der Osteopathie

in den einzelnen Ländern. Während im anglophonen Bereich die Osteopathie als Medizinform

anerkannt ist, ist sie in Westeuropa eine Therapieform, die oft dem Bereich der Alternativmedizin

zugeordnet wird, d.h. das Standesbewusstsein ist ein grundlegend anderes. So entspricht

z.B. in den USA die Ausbildung zum Osteopathen weitgehend der medizinischen Ausbildung, die

osteopathische Ausbildung in Australien verläuft in Form eines Universitätsstudiums, in Europa

hingegen sind die Regelungen derzeit noch unterschiedlich (siehe dazu WSO 2009). Dies erklärt

auch den vielfach emotionalen Charakter bzw. die ‚emotionale Fracht’ mancher Texte und lässt

die auch für den Laien oftmals durchaus wahrnehmbaren emotionalen Aspekte vor dem pragmatisch-situativen

Hintergrund und den damit einhergehenden Normen kontextualisierbar werden.

Dazu kommt, dass vieles vor allem in der fachinternen, aber auch in der fachexternen Vermittlung

medizinischer Inhalte, schon von vorne herein auf Englisch, also in der Lingua franca der Medizin

vermittelt wird, unabhängig von der jeweiligen Mutter- oder Bildungssprache der AutorInnen

oder RezipientInnen. Bei der Rezeption dieser Inhalte wird oft, und hier meist implizit, ohne dass

sich die SprachbenutzerInnen dessen bewusst sind, kontrastiv gearbeitet oder zumindest gedacht,

sodass es zwangsweise zu einer Art Code-Switching zwischen der domänenspezifi schen Sprache

und der eigenen Mutter- oder Bildungssprache kommt. Dieses Switching hängt sowohl von

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inhaltlichen wie aber auch maßgeblich von situativen und pragmatischen Faktoren ab. Deutlich

wird dies u.a., wie oben schon angeführt, im fachexternen Bereich, der Informationsvermittlung

in der Landessprache erfordert.

Durch solche Herangehensweisen an komplexe thematische Medizin-Themen-in-Situation sehen

die Studierenden einerseits, dass Wissensmanagement heutzutage vielfach ganz selbstverständlich

über eine Fremdsprache oder eben eine Übersetzung läuft, ohne dass man sich dessen

explizit bewusst wird. Andererseits erfolgt eine gewisse Sensibilisierung für semantische oder

auch kulturell-pragmatische Unterschiede und das, was wir im vorhergehenden translationsrelevante

Compliancebedingungen genannt haben.

4.2. Zum ‚Compliance-Management’ in der Translationsdidaktik

Es ist Faktum, dass die Mehrzahl medizinischer Fachtranslation nicht von übersetzenden MedizinerInnen,

sondern von ÜbersetzerInnen erstellt wird, die nicht auf ein Medizinstudium zurückgreifen

können. Dies stellt spezifi sche Anforderungen an Ausbildungsinstitute und Curricula,

umso mehr, als der Bedarf an medizinischer (Fach)Übersetzung konstant gegeben ist bzw. ansteigt

(siehe dazu Feyrer 2009a). Für die Studierenden ist es wichtig, ein Selbstmanagement für

Qualität im Sinne des adäquaten Translatorischen-Handelns-in-Situation zu entwickeln, dieses

aber auch in übergeordnete Handlungsmuster mit Blick auf die Sicherung von Prozess-, Produkt-,

und Nutzungsqualität – drei Komponenten, die eine Wirkungskette ergeben (siehe Feyrer 2005)

– integrieren zu können. Das entsprechende Translationsmanagement (siehe Risku 2004) bzw.

die Herstellung translationsrelevanter Compliancebedingungen nicht nur in sprachlicher, sondern

auch in pragmatisch-(trans)kultureller Hinsicht betrifft dabei auch die didaktische Umsetzung in

der Ausbildung. Dabei können kontrastive Herangehensweisen hilfreich sein und das Herausarbeiten

von Divergenzen, aber auch von Konvergenzen und Analogien von Vorteil sein. Die Zusammenführung

und das Aufeinandertreffen unterschiedlicher kultureller oder sprachlicher Orientierungsmuster

sichern oftmals erst das Gelingen von Interaktion und Kommunikation und die

Wirkung eines in einer bestimmten Situation zu einem bestimmte Zweck mit einer bestimmten

Intention generierten Textes.

Eine interessante Textsorte sind in diesem Kontext Besuchsdokumente aus der Praxis von

PharmareferentInnen (siehe Feyrer 2002), da sich hier ein komplexer Interaktionsrahmen nebst

unterschiedlichen Fachlichkeitsgraden fi ndet. PharmareferentInnen sind in den meisten Fällen

keine MedizinerInnen, müssen aber in einem Fachdiskurs Fachleute von einem Produkt überzeugen

bzw. dieses Produkt gegenüber Konkurrenzprodukten als das bessere verkaufen. Dies funktioniert

in der fachinternen Kommunikation nicht nur auf der Grundlage von Werbestrategien und

selling skills – auch einer besonderen Form der Codierung und Herstellung von Compliancebedingungen.

PharmareferentInnen benötigen vor allem Fachwissen, und zwar strukturiertes Fachwissen,

um in dieser Interaktionssituation bestehen zu können. Dieses medizinische Wissen muss

– in adäquater Codierung – zur Verfügung gestellt werden bzw. im Rahmen des Gesprächs abrufbar

sein. Hier kommt die Textsorte Besuchsdokument ins Spiel. Die Texte weisen neben extremer

Informationsdichte hohen Appellcharakter auf, d.h. der translatorische Handlungsrahmen

erfordert eine besondere Form von Informations- und Wissensmanagement. Als eine Mischung

aus Werbetext, Marketingkonzept und medizinisch-wissenschaftlich fundiertem und auch so dargebotenem

Faktenwissen verlangen Besuchsdokumente auch unterschiedliche interaktantenspezifi

sche Diskursformen. Aufzeigen lassen sich solche Parameter in der Didaktik z.B. gut anhand

der Gegenüberstellungen von Besuchsdokumenten zu ein- und demselben Produkt für verschiedene

Länder, die sich aus pragmatischen und daher produktstrategischen Gründen oftmals stark

in der visuellen Darstellung, der Aufl adung mit (implizit vermittelten) Emotionen wie auch der

Auswahl der präsentierten Teilthemen unterscheiden (siehe dazu Feyrer, im Druck). Es liegt auf

der Hand, dass die bewusste Wahl solcher Trägerstrukturen kulturelle, pragmatische und translationssoziologische

Fragen aufwerfen kann.


5. (Sinnes)Wahrnehmung, Compliance und Translation

„Was uns unsere Sinne über Jahrmillionen mitteilten, müssen wir heute neu und anders interpretieren“

(Schröder 2009: 16). Dies gilt im Zeitalter der Globalisierung und internationalen multilingualen

Vernetzung nicht nur für die medizinische Sichtweise unserer (Sinnes)Wahrnehmung,

sondern auch für die Translation – und ebenso für die Fachkommunikation und -translation.

5.1. Konvergenz in der Symbolik

Auch in der Medizin wird in vielen Bereichen – und damit in ganz unterschiedlichen Situationen

und den damit verbundenen Textsorten – mit kulturellen Mustern und der Übertragung von

Bildern und Stereotypen gearbeitet, die Medizin ist keine „kulturneutrale Größe“ (siehe Reinart

2009: 272). Konvergenz auf pragmatisch-kultureller Ebene funktioniert meist auch intersprachlich.

Nehmen wir als Beispiel ein in der Medizin – und in anderen Lebensbereichen – gern verwendetes

und universell bekanntes Motiv: Albert Einstein. Einstein fi ndet sich als sprach- und kulturübergreifendes

Werbetestimonial in einer Vielzahl von Produktpaletten und Lebensbereichen.

Mit den Stichworten Intelligenz, Nanotechnik und Genialität sind auch die entsprechenden Emotionen

und Assoziationen bzw. Konnotationen verbunden – und das sprach- und kulturübergreifend.

So wird beispielsweise ein Hörgerät der Firma Interton, das schon nicht mehr als solches,

sondern als „hörintelligenter Mikroprozessor“ (members 2009) eingeführt wird, mit einer Illustration,

die das ‚Werbetestimonial Einstein‘ zeigt, promotet, was auch im Sprach- und Kulturtransfer

problemlos funktioniert. Der entsprechende Text dazu lautet folgendermaßen:

Klein, genial und unglaublich komfortabel

Mit einem neu entwickelten, hörintelligenten Mikroprozessor und zwei Mikrofonen bietet das IQ-Nano

optimale Voraussetzungen für zielgerichtetes Hören – gerade auch unter schwierigen Bedingungen.

[…] (members 2009)

Auf diese Weise entstehen kulturbeeinfl ussende Konvergenzen. In der Didaktik zur medizinischen

Fachkommunikation und -translation lassen sich, wie auch in der Didaktik zu anderen

Fachbereichen, generell gut über PR- und Medientexte Bezüge zur Vernetzung zwischen Laien-

und Fachwelt und der Übertragung von Stereotypen und Konnotationen vom Allgemein- in den

Fachbereich herstellen. So werden beispielsweise Hörgeräte in einer anderen Fachinformation für

den Laien zu den neuesten Entwicklungen am Markt für Hörgeräte-Akustik mit einer, auch bildlich

dargestellten, Analogie zu Gummibären als die „ersten weichen Hörsysteme“ (Interton o.J.)

beschrieben. Es wird also über Sinneswahrnehmungen ein Bezug zu anderen Lebensbereichen

wie dem der Kulinarik oder der Kindheit hergestellt. Typische Eigenschaften wie klein, weich, etwas

zum genießen, die in den Bereich der Haptik fallen, auch das ist symptomatisch, werden auf

das Gerät übertragen. Solche Bezüge fi nden sich sowohl auf der visuellen (siehe Interton o.J.) wie

auch auf der verbalisierten sprachlichen Ebene. Schon der folgende kurze Textausschnitt zeigt,

wie vielfältig hier die emotionale Ebene angesprochen wird und so Compliancebedingungen hergestellt

werden:

Hörsystem für Kunden, die einfach besser und komfortabler hören wollen.

Tragekomfort so weich wie Gummibärchen

Sie hat bereits begonnen – die Zeit einer Avantgarde von Hörgeräteträgern, deren Ansprüche alles bisher

Dagewesene übersteigen. Sie sind oft erst 30 Jahre alt und noch im Aufwind ihrer Karriere. Und

gerade deshalb kompromisslos und unerbittlich. Von der Qualität ihrer Hörhilfe hängt alles ab: Karriere,

Anerkennung, Zukunft, Zufriedenheit. „Und es darf nicht zu sehen sein.“ Bernhard G. gehört zu

der Generation, die technologischen Entwicklungen alles abverlangen. (Avantgarde Creations 2009)

Oder aber es wird mit der uralten Faszination von Schokolade gearbeitet, wie hier (siehe den Auszug

aus dem entsprechenden Pressetext unten) anhand der transnational bekannten Marke Nutella:

Nutella hinterm Ohr: Hörgeräte-Hersteller GN ReSound wirbt mit Top-Marke

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Was haben winzige Hinter-dem-Ohr-Hörsysteme mit Nuss-Nugat-Creme zu tun? Wenn es nach Hörgeräte-Hersteller

GN ReSound geht, sogar eine ganze Menge: Der Münsteraner Hightech-Anbieter, in

der Audiologie-Branche bekannt für seine originellen Marketing-Aktivitäten, wirbt derzeit mit einer

Kampagne rund um den süßen Brotaufstrich für seinen Mini-HdO-Klassiker ReSoundAIR Plus.

„Es gibt viele gute Gründe, sich für ein Original zu entscheiden“, so der Slogan der GN ReSound Aktion.

Anzeigen in der Audiologie-Fachpresse fordern die Leser auf, zwischen einem Glas herkömmlicher

Nuss-Nugat-Creme und dem Vorläufer aller Nuss-Nugat-Cremes, Nutella, zu wählen. Ein breit

angelegtes „Nutella-Mailing“ zum Original ReSoundAIR Plus ging an sämtliche Kunden des Herstellers.

[…] (Resound 2009)

Wie man sieht, ist der Bereich der Kulinarik als Symbolspender für werbetechnische Zwecke sehr

produktiv. Wenn es jedoch um länder- und kulturspezifi sche kulinarische Kultureme geht, so ist

aus dem Blickwinkel des Translators/der Translatorin jedoch genau abzuklären, ob im jeweiligen

Fall ein Transfer möglich ist oder im Translat mit anderen, den Angehörigen der Zielsprache und

-kultur näheren, Kulturemen gearbeitet werden muss. Auch darin liegen für die Didaktik relevante

Elemente und Trägerstrukturen.

5.2. Konvergenz im Interaktionsmanagement

Meist wird ja mit Divergenzen gearbeitet, aber bleiben wir diesmal bei den Konvergenzen. Konvergenzen

können in der Translationsdidaktik aufschlussreich und für die Auswahl adäquater

Translationsstrategien dienlich sein, wie auch hinter Text und Bild stehende Muster, Vertextungsstrategien

und vor allem angewendete Strategien aus dem Bereich des professionellen Interaktionsmanagements

transparent – und damit auch im nächsten Übersetzungsauftrag transferierbar

– machen. Aus translationsdidaktischer Sicht heißt dies, es sind für die Studierenden einerseits

wie Universalien wirkende kulturübergreifende Elemente im Sprach- und Kulturvergleich auszumachen

und zudem Kultureme, die kulturspezifi sch wirken und auch so im Translationsprozess

behandelt werden müssen.

Gehen wir zu diesem Zweck in den Fachbereich Diabetes hinein. Seit der Entdeckung des Insulins

in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts kommen immer wirkungsvollere Therapien und

technische Hilfsmittel zum Einsatz. Zur neuesten Generation gehören Insulinpens zur einfachen

und anwendungssicheren Verabreichung. Auffallend ist hier im kontrastiven Vergleich die Dominanz

von Konvergenzen sowohl auf sprachlicher wie auch auf visueller bzw. interaktiver Ebene,

konsultiert man die entsprechenden Homepages. Die mehrsprachige Fachwerbung zu Gluco-

Touch (siehe LifeScan 1997) verdeutlicht z.B., wie weit das Merkmal der Konvergenz und parallelen

Strukturierung im Sprachvergleich dominiert.

Sieht man sich mit Blick auf Konvergenzfaktoren die im Bereich Medizin bzw. in unserem

Themenbereich Diabetes gewählten Strategien der Informationsvermittlung etwas genauer an,

fällt auf, dass hier wohl strukturiert, aber eben erst auf den zweiten Blick – oder gar nicht – wahrnehmbar,

mit Steuerungselementen aus dem NLP gearbeitet wird. O’ Connor/Seymour (2002:

62-63) fassen den Bezug zwischen Sprache, Denken und ikonographischer Metaphorik folgendermaßen

in Worte: „Wir verwenden Sprache, um unsere Gedanken mitzuteilen. […] Menschen

[machen sich] Bilder von der Bedeutung der Wörter, die du benutzt.“ Die Firma Novo Nordisk

(2008) bewirbt z.B. ihren Insulinpen wie folgt: NovoPen® 4 – Den Unterschied... Sehen: 3x größeres

Display / Fühlen: Vereinfachter Patronenwechsel, 50% geringerer Kraftaufwand / Hören:

(hörbare Bestätigung für Do siswahl und Dosisabgabe (Novo Nordisk 2008).

Auffallend ist, wie klar und stringent sämtliche Repräsentationssysteme (siehe O’Connor/Seymour

2002: 55-61), also die Pforten unserer Wahr nehmung (O’Connor/Seymour 2002: 55) angesprochen

werden. Damit wird auf die unterschiedliche Ausrichtung des Führungssystems, mit

dem wir denken, nämlich Hören, Fühlen bzw. Sehen, konsequent eingegangen und – werbewirksame

– Synästhesien entstehen: „Wir nehmen also Informationen in einem Sinn auf, aber repräsentieren

sie innerlich durch einen anderen“ (O’Connor/Seymour 2002: 68). Für die Studierenden

wurden diese werbestrategischen und insofern auch text(sorten)- und strukturdeterminierenden


Faktoren und Konventionen erst im kontrastiven Vergleich mit anderssprachigen Paralleltexten,

die sich als völlig strukturgleich erwiesen und sich durch eine idente Verbwahl auszeichneten,

deutlich. Dies ermöglichte den Studierenden wiederum wertvolle Rückschlüsse für ihre Entscheidungen

im Translatorischen Handeln und vor allem professionelle Argumentationsmöglichkeiten

in ihrem ExpertInnenhandeln.

6. Sinneswahrnehmung und Compliance in Beruf und Ausbildung

Die bewusste Arbeit mit Konvergenzen im Sinne translationsrelevanter Compliancefaktoren ist

sowohl für die berufl iche Tätigkeit und das Translationsmanagement von TranslatorInnen wie

auch für DidaktikerInnen und Studierende in der Ausbildungssituation von Relevanz. Konvergenzen

erweisen sich in der Translationsdidaktik vor einem linguistisch geprägten Hintergrund

als produktive und prozessorientierte Instrumentarien, um für die angehenden TranslatorInnen

kulturelle, pragmatische und interaktionsstrategische Aspekte fassbar und damit in den Translationsprozess

als Steuerungsinstanz integrierbar zu machen. Wichtig ist, die für Sprach- und Kulturvergleiche

mit Blick auf die für ein Bestehen im Berufsalltag erforderliche Sensibilität für

Sprach- und Kulturphänomene bei den angehenden TranslatorInnen zu entwickeln und ihnen ein

eigenständiges professionelles Arbeiten, das zu qualitativ hochwertigen Produkten führt, zu ermöglichen.

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