Alpsommer & Viehscheid 2017

editionallgaeu

Das Magazin zu Allgäuer Lebensart, Tradition und Freizeit

www.alpsommer-viehscheid.de

ALPSOMMER

& Viehscheid 2017

Allgäuer Lebensart,

Tradition und Freizeit

Willkommen zur 5. Jahreszeit:

100 Tage

Bergsommer im Allgäu

4,– EURO


KUH-RIOSES

RUND UM DEN ALPSOMMER

Der Alpsommer und sein krönender Abschluss, der Viehscheid, haben

eine lange und althergebrachte Tradition. Das heißt nicht, dass er nicht

manchmal Anlass zum Schmunzeln oder Kopfschütteln gibt. Bei der

Recherche stolpert man als Redakteur über so manch bemerkenswerten

Begriff. Folgende »Highlights« möchten wir gerne mit Ihnen teilen.

WIESN-SCHÖNHEIT

Hier handelt es sich ausnahmsweise nicht um eine

Besucherin auf dem Oktoberfest, die ihr Dirndl

besonders schön ausfüllt. In diesem Zusammenhang

ist natürlich das hübsche Braunvieh auf den Allgäuer

Wiesen gemeint. Oder die Milchkuh nach dem

Besuch beim Kuhfitter.

Foto: Dominik Ultes

COW DOWN MOUNTAIN PARTY

KUHFITTER

Wenn Mensch und Pudel regelmäßig zum Frisör

dürfen, warum dann nicht auch die Kühe? Der

Stylist, der Milchkühe ausgehschön macht, heißt

»Kuhfitter«. Vor einer Zuchtschau bringt er im

Auftrag der Züchter dessen muhende Vierbeiner

auf Vordermann, frisiert die Rückenlinie, poliert

Hörner und bringt Hufe mit Spezialspray zum

Glänzen. Damit es nachher heißt: »Eine schöne

Kuh bist du!«

Foto: Ramona Klein

Oh ja, auch das Allgäu bleibt vom »Denglisch« nicht verschont. So bewarb

im Jahr 2012 ein großes Transparent in Immenstadt die »Cow Down Mountain

Party« mit Livemusik am Viehscheidplatz. Auch wenn der Titel vielerorts

für Erheiterung bis Empörung gesorgt

hat – die Veranstaltung war gut besucht.

Eigentlich spielt der Name ja

auch keine Rolle: Im Viehscheid-Festzelt

kommt es auf die gute Stimmung an.

ÄLPLERGOLF

Foto: Peter Elgaß

Von dieser sonderbaren alpinen

Sportart hat man im Tal noch nicht

oft gehört. Dabei sind die Regeln

einfach und die Ausrüstung leicht

zugänglich. Man benötigt nur einen

Stock – und einen getrockneten

Kuhfladen (Hinweis: Wenn er noch

riecht und/oder Fliegen darum kreisen,

ist er für das Folgende ungeeignet).

Mit dem Stock zerkleinert man

den Fladen, nimmt eine professionelle

Golferhaltung ein und schießt

ihn hinab ins Tal. Den Abschlag kann

man nach Weite oder Zielsicherheit

bewerten (Hinweis Nr. 2: Mitwanderer

und Kühe sind sehr undankbare

Ziele!). So kam es zu dem »Sport«:

Nach dem Viehscheid müssen die

Alpen winterfest gemacht werden.

Dazu zerkleinern die Hirten unter

anderem die Kuhfladen auf den

Weiden, damit sie sich vollständig

zersetzen können. Sonst wächst an

der Stelle entweder gar kein Gras

oder die Kühe schmähen es (dann

spricht der Älpler von Geilstellen).

Foto: Michaela Milz

SCHOKO-KUHFLADEN

Diese Allgäuer Feinkost kommt besonders bei

Urlaubern sehr gut an. Keine Sorge, die Kühe

haben sich an diesem Naschwerk nur in Form von

frischer Milch beteiligt. Mit knusperigen

Dinkelflakes, süßem Honig und handgeschöpfter

Schokolade sind die besonderen Fladen eine

kleine Sünde wert. Hergestellt wird die Süßigkeit

von Michaela Milz in der »Schoko-Kuhfladen«-

Manufaktur in Altstädten im Allgäu.

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INHALT

14

96

30

Fotos: Dominik Ultes, Ramona Klein, Sepp Schmid; Illustration: Ramona Klein; Titelfoto: Dominik Ultes

VIEHSCHEID SPEZIAL

68 Wo die Kuh durchs Dorf rollt

Viehscheid mit Humor und Holzkuh

116 Viehscheidorte und Termine

Da geht’s bergab

ALPE SPEZIAL

24 Wenn der Berg ruft

Leben auf der Sennalpe

84 Käsen im Kleinformat

Die kleinste Alpe der Welt

96 Gemütlich, urig und 300 Jahre alt

Wanderung zur Alpe Gschwenderberg

PORTRAIT

86 Kuhle Kunst

Die bunte Welt von Sepp Schmid

110 Der Meister des »Boing«

Zu Gast bei Alfred Hüttlinger

REPORTAGE

20 Schulter an Schulter für die faire Milch

Zwei Freunde gründen eine Molkerei

78 Über den Hütten...

Bilder vom »fliegenden Fotografen«

112 Edelsteinsuche in den Alpen

Wo verbirgt sich der Allgäu-Jaspis?

BRAUCHTUM

36 Was bimmelt denn da?

Von Glocken, Schellen und »Bumpla«

42 Streckkatzezieche

Ein historischer »Männersport«

72 Zu Besuch bei Mina

Bürgerliches Wohnen im Museum

106 Allgäuer Sagenwelt

Die Venedigermännle

NATUR & TIERE

14 Die Königin des Allgäus

Portrait über das Allgäuer Braunvieh

44 Perlen am Hang: Was blüht denn da?

Die Blumenvielfalt der Alpen

48 Flüssiges Gold aus den Bergen

Was den Alphonig so besonders macht

HANDWERK

30 Schritt für Schritt zum schicken Schuh

Wie entsteht ein Haferlschuh?

38 Die Berge um den Finger gewickelt

Panorama-Ringe von der Goldschmiedin

74 Wollige Wunderwaffe

Bergschafe und ihr Super-Pelz

90 Aus Milch wird Seife

Wellness für Haut und Nase

4

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


EDITORIAL

WILLKOMMEN AUF DEN SCHÖNSTEN

SEITEN DES ALPSOMMERS!

SERVICE

6 Sommer im Allgäu

Tipps und Ausflugsziele

88 ... und wenn es regnet?

Schlechtwetter-Tipps

100 Ein Eisbär im Allgäu

Lesegeschichte

108 Allgäuer Bergnamen

und woher sie stammen

122 Sommerzeit ist Lesezeit

Buch-Tipps für Ihren Urlaub

122 Impressum

86

74

Der Alpsommer ist für viele Allgäuer die

schönste Zeit des Jahres: Von den Bergweiden

ertönt das Gebimmel der Weideschellen,

während das Vieh sich, sichtlich froh,

den Stall verlassen zu können, an den Bergkräutern

sattfrisst. Vor den Alphütten stehen

Bierbänke, die zur Rast einladen. Das

Wetter ist meist genau richtig für eine Bergtour. Ja, wir Allgäuer

wissen genau, dass wir da leben, wo andere Urlaub machen. Und

wir teilen gern. Die »schönsten Seiten des Alpsommers« möchten

wir Ihnen daher auf den folgenden Seiten zeigen.

Wie viel Arbeit für die direkt Beteiligten hinter dem idyllischen

Begriff »Alpsommer« steckt, erfahren wir auf der Sennalpe Oberberg.

Sebastian Beck hat uns erlaubt, ihn in seinem Arbeitsalltag

als Senn zu begleiten. Er ist meist vor Sonnenaufgang »auf dr Fiaß«,

wie man im Allgäu zum menschlichen Fahrwerk vom Schenkel bis

Zeh sagt. Den Sommer über verarbeitet er die vom Alpvieh gewonnene

Milch zu Bergkäse, hält Zäune instand und »schafft«, was das

Zeug hält. Seine Familie bewirtet indessen vorbeiziehende Wanderer.

Entscheiden Sie selbst, ob sich ein Ausflug zu der ursprünglichen

Produktionsstätte von Allgäuer Bergkäse lohnt.

Wo wir gerade bei der »Produktion« sind: Gehen wir einen Schritt

rückwärts und betrachten die Damen, die die Hauptzutat Milch für

den Käse überhaupt liefern. Die Rede ist natürlich vom Allgäuer

Braunvieh. Mit ihren langen Wimpern, der hellen Schnauze und

dem freundlichen Gemüt sind sie die vierbeinigen Sympathieträger

des Allgäus. Dabei wäre das »Original Allgäuer Braunvieh«, dem

die Zucht zugrunde liegt, beinahe ausgestorben. Stellen Sie sich das

mal vor: Ein Alpsommer – ohne Hauptdarstellerinnen! Zum Glück

gab und gibt es engagierte Züchter, die die Rasse erhalten haben.

Auch sie finden einen Platz in dieser Ausgabe.

Auf den folgenden Seiten wollen wir Ihnen aber nicht nur Lust auf

den Alpsommer und seinen Höhepunkt, den Viehscheid, machen,

sondern auch ein paar »Gucklöcher« ins vielfältige Brauchtum und

die Lebensweise ausgewählter Allgäuer öffnen. Dabei schauen wir

zum Beispiel den Schuhmachern in Kierwang auf die Finger: Sie

haben unseren Mitarbeiterinnen Claudia Schöwe und Ramona

Klein Schritt für Schritt gezeigt, wie ein »Haferlschuh« entsteht.

Der sollte »untenrum« bei keiner Tracht fehlen. Oder wir werfen

einen Blick ins Atelier der Goldschmiedin Andrea Winkler, die am

liebsten Bergpanoramen auf ihre Ringe prägt. So bringt sie ihre tiefe

Verbundenheit zur Allgäuer Bergwelt zum Ausdruck.

Die Berge aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet dagegen

Adi Geisegger: Der »fliegende Fotograf« aus Rettenberg hat sich

per Gleitschirm zu neuen Höhen aufgeschwungen und das Allgäu

aus der Vogelperspektive festgehalten. Für uns hat er in seinem

Archiv gestöbert und ungewöhnliche Motive von Allgäuer Berghütten

hervorgezaubert – möglicherweise entdecken Sie hier ja ihr

nächstes Wanderziel?

Also, Rucksack nauf und ab gohts in den Alpsommer 2017!

Ihre

Viola Elgaß

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SERVICE

SOMMER IM ALLGÄU

HIER KANN MAN WAS ERLEBEN

LÄNDLICHE

GESCHICHTE

ERHALTEN

Fotos: Bauernhausmuseum Wolfegg

Eigentlich ist das Bauernhaus-Museum Allgäu-

Oberschwaben in Wolfegg ein echtes, »altes«

Dorf, nur dass die Gebäude aus verschiedenen

Ecken des Allgäus und aus Oberschwaben zusammengetragen

wurden. Das ganze Ensemble ist im

Originalzustand wiederaufgebaut worden und

bringt so die Geschichte des ländlichen Raums

näher. In 30 Objekten, vom alten Hühnerstall über

das Windrad aus Waltershofen und die »klassische«

Trafostation bis zum kompletten, in Danketsweiler

1780 errichteten Bauernhof – das liebevoll

gepflegte Freilandmuseum erklärt, wie

Landleute früher lebten und arbeiteten. Man kann

sich hier den ganzen Tag aufhalten, Kinder können

Tiere füttern und streicheln oder sich ansehen,

wie ein Bienenstaat lebt. In den Sommerferien

gibt es ein umfangreiches Ferienprogramm,

die Feste werden in Wolfegg ohnehin familiennah

gefeiert: Lohnenswert sind unter anderem das

»Eseltreffen«, das am 16. und 17. September zum

siebten Mal stattfindet, oder das fast schon traditionelle

»Museumsfest« (2. und 3. September).

www.bauernhausmuseum-wolfegg.de

EIN MUSS FÜR TRACHTENFREUNDE

Foto: Pfronten Tourismus/M. Lukaszewski

Am Wochenende des 12. und 13. August, jeweils von 11 bis 17 Uhr,

findet bereits zum elften Mal der Trachtenmarkt statt. Dieser gilt

aufgrund seiner Atmosphäre mitten im Ort unterhalb der Pfarrkirche

als einer der schönsten Märkte Bayerns. An beiden Tagen dreht sich

alles rund um die Allgäuer Tracht – von einfach bis festlich, von der

Renaissance bis zur Moderne. Ganz ohne Kitsch und qualitativ

hochwertig. Neben Trachtenschneidern ist auch das Kunsthandwerk

vertreten. Dazu gibt es ganztägig Volksmusik- und

Volkstanzvorführungen im Innen- und Außenbereich sowie eine

kostenlose Trachtenberatung.

www.pfronten.de

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


AUF TUCHFÜHLUNG MIT DACHS & CO

Im Wildpark Berghof Schwarzenberg in Obermaiselstein

kommen kleine und große Besucher der

heimischen Tierwelt ganz nah. Steinböcke, Gämse,

Hirsche, Greifvögel und ein handzahmer

Dachs können nicht nur beobachtet und fotografiert

werden. Bei den Erlebnisführungen am

frühen Abend ist es außerdem möglich, sie zu

füttern und viel über deren Verhalten und Lebensweise

zu erfahren. Anschließend rundet ein zünftiger

Hüttenabend mit Live-Musik das Erlebnis

ab. Der Park ist bis Ende Oktober täglich ab

11 Uhr geöffnet. Jeweils Dienstag, Mittwoch,

Freitag und Samstag finden die Erlebnisführungen

um 17.45 Uhr statt. Anmeldungen dazu direkt

beim Berghof Schwarzenberg, Königsweg 4

in Obermaiselstein unter Tel. 08326/8163.

www.alpenwildpark.de

Foto: Alpenwildpark Obermaiselstein

ZUM BIER WANDERN

Gleich drei Biermanufakturen sind unterm Grünten daheim. Für echte Bierund

Naturfans gibt es eine spezielle Rundwanderung mit Hütteneinkehr,

Gipfelglück und Biergeschichte. Start ist der Parkplatz des Rettenberger Freibades.

Vorbei an einem Spielplatz führt ein Asphaltweg zum Friedhof. Von

dessen nördlichem Ende geht es hinunter in

den »Hasengarten«. Der Beschilderung »Grünten«

folgend geht es eine Stunde bergauf zur

Alpe Kammeregg: Dort warten Speis und Trank.

Gestärkt geht es weiter zum knapp zwei Stunden

entfernten Jägerdenkmal: Ein Rastplatz mit

Panoramablick. Zweite Einkehrstation ist die

Grüntenhütte. Dafür muss man zunächst den

gleichen Weg zurück und der Beschilderung

»Grüntenhütte« folgen. In einer halben Stunde

ist das Ziel erreicht. Nach der Einkehr begibt

man sich wieder zur Alpe Kammeregg

und von dort aus ins Tal nach Kranzegg. Auf

dem Weg dahin kommt man an Deutschlands

höchstgelegensten Brauerei vorbei: Bernardi-

Bräu. Nach einem kleinen Abstecher ist nach

25 Minuten Kranzegg erreicht. Dort wartet

schon die Jagdhütte. Nach einer Rast im Biergarten

geht es weiter inach Rettenberg. In 25

Minuten erreicht man das Dorf direkt über dem

Gehweg an der Hauptstraße. Schon am Ortseingang

steht die älteste Familienbrauerei

Deutschlands: die Privatbrauerei Zötler. Die

letzte Station: der Privatbrauerei »Engelbräu« am südlichen Ortseingang.

Nun sollte auch der letzte Bierdurst gestillt sein. Es geht zurück zum Parkplatz.

Die Wanderung im Detail unter www.alpsee-gruenten.de/bierwanderung

Foto: Bruno Maul

BADE SCHÖN IN BADESEEN

Das Baden und Schwimmen in den vielen idyllischen

Naturseen im Oberallgäu ist für Einheimische und

Gäste, die etwas für ihre Gesundheit tun möchten,

eine ideale Freizeitaktivität. Voraussetzung für

ungetrübte Badefreuden ist neben dem geeigneten

Badewetter selbstverständlich eine hygienisch

einwandfreie Beschaffenheit der Badegewässer. Für

den Gesundheitsschutz der Badegäste kontrolliert das

Gesundheitsamt Oberallgäu während der Badesaison

von Mai bis September im Abstand von vier Wochen

regelmäßig sämtliche Badegewässer – so ist ein

ungetrübtes Badevergnügen garantiert. Im Landkreis

Oberallgäu und in der Stadt Kempten liegen insgesamt

36 Badegewässer. Im Oberallgäu kann sich der

Badegast auf 8 EU-Badegewässer, 15 weitere

Badegewässer, 9 Naturbadeanlagen und 4

Moorschwimmbäder freuen.

Foto: Dominik Ultes

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SERVICE

WO DAS ÄLTESTE ALLGÄUER BAUERNHAUS STEHT

Foto: Tanja Kutter/ Bauernhofmuseum

Eigentlich ist das Gebäude ziemlich unscheinbar,

aber Teile davon stammen tatsächlich aus der

Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Kleinbauernhof,

der ursprünglich in Stölzlings bei Kempten stand

und über Jahrhunderte genutzt wurde, ermöglicht

nun den Blick auf das mittelalterliche Leben auf

dem Land. Denn das Schwäbische Bauernhofmuseum

in Illerbeuren hat dieses spannende Stück

Allgäuer Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich

gemacht. Es ist aber nur eines von vielen Höhepunkten

des Museums, dessen eigene Historie

auch schon bis ins Jahr 1955 zurückreicht. Neben

dem alten Bauerndorf mit seinen Stadeln, dem

Kornspeicher Volkratshofen, dem Austragshaus

vom Neubauerhof oder der Kapelle sollte man

sich das »Schwäbische Schützenmuseum« und

die Ausstellungsstücke in der »Baugruppe Technik

und Land« nicht entgehen lassen. Dort warten

unter anderem die Maschinenwerkstatt Aichstetten

oder das Wasserpumphaus Reicholzried

auf die staunenden Besucher. Der Veranstaltungskalender

ist umfangreich, er umfasst das »Kinderfest«

(6. August), den »Tag der Volksmusik«

(9. Juli) oder die »Museumsnacht« (29. Juli).

www.bauernhofmuseum.de

Foto: Heimathaus Sonthofen

MÄCHLAR

UND RECYCLER

Mit »Mächlar« bezeichnet der Allgäuer jemanden,

der handwerklich geschickt ist und selber

gern etwas herstellt – also ein Macher, Erfinder,

Bastler oder Tüftler. Und um genau diesen Menschenschlag

geht es in der Sonderausstellung

»Selbsterdacht & Selbstgemacht – Von Mächlarn

und Recycling-Künstlern«, die bis zum 15. Oktober

im Heimathaus Sonthofen stattfindet. Es

muss nicht immer die Not sein, die erfinderisch

macht, aber oft ist sie der Antrieb, der zum Wiederverwenden

animiert. Mancher Gegenstand

wird seinem ursprünglichen Zweck enthoben und

entkommt dabei der Mülltonne. Früher war es im

Allgäu üblich, dass jedes Anwesen eine kleine

Werkstatt hatte – und dort ein mehr oder minder

begabter Mächlar flickte, lötete, schraubte, leimte

oder kittete. Die Exponate der Ausstellung spannen

den Bogen zwischen Sparsamkeit und Umweltbewusstsein,

was mancher Allgäuer bequem

unter einen Hut zu

bringen weiß.

EIN TAG, EINE STADT, VIEL ZU SEHEN

Für die Allgäuer Urlaubsgäste hat die Stadt Kempten ein besonderes Schmankerl –

das Tagespaket »Erlebe Kempten«. Damit möchte Kempten Tourismus die Römer -

stadt für Tagestouristen noch attraktiver machen. Der Allgäuer Urlaubsgast kann

mit dem Kauf des Tagespaketes zum Preis von 9,50 Euro den Archäologischen

Park Cambodunum, den Schauraum Erasmuskapelle, das Allgäu-Museum, das

Alpin-Museum, das Freizeitbad Cambomare, das Swoboda Alpinzentrum sowie

das Parken am Königsplatz und den Stadtbus in Zone 0 einmalig an einem Tag

nutzen. Umgekehrt gibt es für die Übernachtungsgäste in Kempten mit Allgäu-

Walser-Card das Tagespaket »Erlebe Kempten und mehr« zum Preis von 14 Euro,

das zusätzlich noch die Mittagbahn in Immenstadt und die Fahrt dorthin ein -

schließt. »Erlebe Kempten« gibt es bei den Allgäu-Walser-Card Gastgebern und

den Tourist Informationen im Allgäu und wird auf die Gästekarte Allgäu-Walser-

Card aufgebucht.

www.sonthofen.de

Foto:Archiv

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EIN SCHUH FÜR ALLE FÄLLE

Foto: Laufsport Saukel

Reinschlüpfen, loslegen, wohlfühlen: Der neue Multifunktionsschuh AEROX GTX®

von Lowa verbindet 100 Prozent Wasserdichtheit mit einer rundum hohen

Atmungs aktivität – für das perfekte Fußklima auch bei hohen Temperaturen

sorgt die GORE SURROUND®-Technologie. Aber auch die dämpfende LOWA

DynaPU Sohle sowie der Stabilizer Frame für einen optimalen Seitenhalt

garantieren besten Tragekomfort und werden den Ansprüchen moderner

Bergsportler gerecht. In Kombination mit dem LOWA MONOWRAP® – der

für eine perfekte Stabilisation und Dämpfung sorgt – und der eingewebten

Schnürung ist das sportlich-athletische Multitalent

der perfekte Begleiter bei diversen Aktivitäten.

www.laufsport-saukel.de,

www.lowa.de

Foto: Photographie Monschau

ME(E)HR ERLEBEN

Schaut es draußen mal nicht nach Sommer aus, lockt die Therme in

Oberstdorf zum Entspannen und Genießen. Im Wellenbad kann man

in Deutschlands südlichste Brandung eintauchen und sich von den

Wellen treiben lassen. Danach lädt das kuschelig warme Thermalsolebecken

zum Seele baumeln lassen ein. Ist die Haut schon schrumpelig

vom Wasser, ist das Saunadorf mit Hütten im alpenländischen Stil eine

gute Alternative zum Baden. Dort kann geschwitzt und der Kreislauf

angekurbelt werden. Wem das zu heiß ist: Es gibt auch zwei Dampfbäder

und ein großzügiges Hamam. Bei dem Angebot ist das schlechte

Wetter draußen ganz schnell vergessen.

www.oberstdorf-therme.de

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SERVICE

DEN BERG VON UNTEN SEHEN

Wie das Allgäu über der Erdoberfläche aussieht,

ist bekannt: Mal schroff, mal lieblich, oft überwältigend.

In Burgberg bietet sich den Besuchern

aber ein Bergerlebnis der etwas anderen Art,

denn dort, in der »Erzgruben – Erlebniswelt am

Grünten« lockt zunächst ein malerisches Museumsdorf,

das auf spannende Weise viel über die

Geologie des Allgäus im Allgemeinen und den Eisenerz-Bergbau

im Speziellen zu berichten weiß.

Über Jahrhunderte hinweg wurde hier in Erz abgebaut

und das Metall anschießend auch weiterverarbeitet.

Deshalb kann man zum Beispiel einem

Schmied zuschauen. Spektakulär ist der

Rundwanderweg unter der Erde: Das Eintauchen

in den Berg lässt einen hautnah den Bergmann -

alltag nachempfinden. Die harte Arbeit des Tagebaus

bleibt dem modernen Menschen erspart –

er staunt daher besonders über das, was die

Knappen geleistet haben. Ein Extra-Tipp für Familien:

Kinder werden die Fahrt mit dem »Erzgrubenbähnle«

lieben, das die Besucher vom Parkplatz

»Steinbruch« ins Museumsdorf bringt.

www.erzgruben.de

Foto: Photographie Monschau

NATURGENUSS PUR

Foto: Erzgruben

Vom 23. September bis 29. Oktober in Oberstdorf

den Herbst auf besondere Weise genießen –

das Farbenspiel in den Laubwäldern oder die

klare, erfrischende Morgenluft. »Oberstdorfer

Natur genuss – mit allen Sinnen erleben«:

Das Wochen programm basiert auf den Säulen

»Wissen & Entdecken«, »Kulinarik & Genuss«

und »Bewegung & Gesundheit« und bietet von der

Käsereiführung über Vorträge von Naturexperten

und Wanderungen mit ausgebildeten Führern

sehr viel Abwechslung. Ein Höhepunkt ist die

»Genussfahrt« mit dem Marktbähnle: Die Teil -

nehmer werden von Restaurant zu Restaurant

gefahren – und probieren die Spezialitäten der

jeweiligen Küchenchefs.

www.oberstdorf.de

VON KÄSE UND KRÄUTERN

Foto: © kab-vision - Fotolia.com

Der Gunzesrieder Käse-Kräuter-Sommer hat Tradition und lockt Menschen

von nah und fern an. In diesem Jahr findet er vom 1. Juli bis 30. September

statt – und natürlich dreht sich alles um Käse, Kräuter und um Natur. So

werden wie in den vergangenen Jahren wieder erfahrene Kräuterfrauen in

die Berge führen, hin zu den Sennalpen, hinauf zur an Wildpflanzen reichen

Nagelfluhkette oder zum dorfeigenen Kräutergarten. In Workshops geht es

unter anderem ums Räuchern, um die kosmetische Vielseitigkeit der Rose

oder um die heilsame Wirkung von Harzen, Hölzern und Kräutern. Auch

kulinarisch ist der Gunzesrieder Sommer verlockend, speziell bei den Käseabenden.

Auf der Alpe Gerstenbrändle zeigt der bekannte Sommelier Christoph

Blees, wie harmonisch die Verbindung von Wein und Käse sein kann.

Wellness steht ebenfalls auf dem Programm: Massagen, Armbäder, Wassertreten

– in Gunzesried sorgt man sich, ganz im Sinne von Pfarrer Kneipp,

um das Wohl von Leib und Seele.

www.alpsee-gruenten.de

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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MILCH UND WURST TO GO

Zwischen Immenstadt und Kempten liegt der

Bauernhof Kögel, der bereits in vierter Generation

von der Familie bewirtschaftet wird. Seit fünf Jahren

kann sich dort jeder eine Milch zapfen – zwar

nicht direkt von der Kuh, dafür aber rund um die

Uhr. An der Milchtankstelle auf dem Hof gibt es

gentechnikfreie Hornmilch von glücklichen Kühen.

Ist die Milch abgefüllt, wartet daneben ein

Wurstautomat – er liefert alles für eine deftige

Brotzeit: Hartwurst, Schinken, Wurst im Glas und

auch Käse aus Hornmilch. Sogar Eier, Butter und

Honig spuckt der Automat aus.

www.bauernhof-koegel.de

Foto: Bauernhof Kögel

AUF DEN SPUREN DER MÖNCHE

Das Kartausenmuseum Buxheim verzeichnet jährlich rund 17.000 Besucher.

Um ihnen den Aufenthalt so informativ wie möglich zu gestalten, werden bis

zum 31. Oktober jeden Sonntag Führungen angeboten. Dabei hat man die Qual

der Wahl zwischen vier Möglichkeiten. Man kann die ganze Kartause besichtigen

und mehr über den Kartäuserorden und die

komplette Anlage erfahren. Oder man wählt

die Führung »Die Zellenstifter der Kartause

Buxheim« und lernt etwas über das Leben

der weißen – schweigenden – Mönche.

Auch eine kleine Stilreise durch die Kartause

von der Gotik bis zum Barock findet sich im

Angebot. Man kann auch die »Wege der

Stille« gehen, wie einst die weißen Mönche,

und sich so aus der hektischen Welt

entführen lassen.

www.kartause-buxheim.de

Foto: Kartause Buxheim

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SERVICE

HANDGEMACHTES

FÜR ZUHAUSE

Zwischen Martinszell und Waltenhof liegt der

Putzelhof – hier produziert die Familie Mögele

Delikatessen und Spezialitäten noch per Hand, wie

etwa Marmeladen und Fruchtgelees. Die schmecken

nicht nur auf dem Frühstücksbrot. Die

Zutaten dafür kommen aus dem

hauseigenen Bauerngarten, von den

umliegenden Wiesen oder aus der

Region. Wer kein Marmeladen-Fan ist,

wird im Puntzelhof trotzdem fündig:

Das Angebot umfasst auch Senf, Honig,

Essig, Öl, Sirup, Molkebäder und mehr. All

das wird mit größter Sorgfalt nach alten

überlieferten Rezepten hergestellt.

www.puntzelhof.de

AUF DEN SPUREN

VON SIR ROBIN HOOD

Foto: Puntzelhof

Foto: Allgäuer Bergbauernmuseum

HINEIN INS INNERE DER KUH

Wer wissen möchte wie aus Gras und Kräutern Milch und Käse wird, der

sollte in das Bergbauernmuseum nach Diepolz gehen. Dort können Klein

und Groß sich auf den Weg durch einen Kuhmagen machen. Aber Achtung:

Man ist schon eine Weile unterwegs – schließlich haben die Wiederkäuer

vier davon. Durch ein großes Kuhmaul hindurch landen die Besucher im Inneren

der Kuh und lernen an interaktiven Stationen, wie eine Kuh ihre Nahrung

verdaut und was dann daraus wird. Zurück aus den Untiefen der Wiederkäuer,

wartet die neue Sonderausstellung »Bomme und Bändla. Winterarbeit

der Allgäuer Bergbauern«. Noch bis zum 5. November werden Interessierte

zu den Anfängen bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts geführt. In

den damaligen Winterzeiten saßen die Frauen zusammen in der warmen

Stube beim Spinnen, die Männer verdienten sich als »Bommer« ein Zubrot

und brachten mittels waghalsiger Schlittenfahrten schwere Baumstämme

ins Tal. Kinder fahren begeistert Schlitten und das Skifahren erfreut auch

manchen Erwachsenen. Die Ausstellung lädt Kinder und Erwachsene dazu

ein, in vergangene Zeiten einzutauchen und an Mitmach-Stationen aktiv zu

werden.

www.bergbauernmuseum.de

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen –

und keiner traf mit den ersten Pfeilen schon ins

Schwarze. Wer treffsicher werden und dabei viel

Spaß mit einem edlen Sport haben will, findet in

Bolsterlang die Möglichkeit dazu. Während des

Grundkurses lernt man die wichtigen Details zum

Sportgerät und zur Handhabung. Danach kann

man auf dem Talparcours auf die Pirsch gehen

und versuchen, die Pfeile ins Ziel zu bringen: Zehn

lebensgroße 3D-Figuren aus Schaumstoff sollen

getroffen werden. Hat man dann Feuer gefangen,

lockt der 1. Allgäuer Alpenparcours an der Hörnerbahn.

Die Bergtour durch herrliche Natur wird

dabei mit dem Bogenschießen verbunden.

www.bogendorf.info

Foto: Gästeinformation Bolsterlang

Foto: Stadt Leutkirch

GLÜCK UND GLAS – HIER ENTSTEHT DAS

Wer im Westallgäu unterwegs ist, sollte das historische Glasmacherdorf Schmidsfelden besuchen. Die Region

lebte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von diesem Handwerk, dann von der fast schon industriellen

Fertigung – man verkaufte die Produkte nahezu überall hin. Heute zeugen die Glashütte, Nebengebäude und

die Arbeiterhäuschen von der reichen Geschichte genauso wie von harter Arbeit. Bewohnt werden die

Häuser von einer bunten Dorf -

gemeinschaft. Der Glasmacher

Stefan Michaelis zeigt in der

Glashütte, wie nah Profession und

Professionalität bei ihm sind. Im

Glasladen können die zer -

brechlichen Kunstwerke bestaunt

und gekauft werden. Ein Highlight

ist das Glashüttenfest, das in

diesem Jahr am Sonntag, den

1. Oktober gefeiert wird.

www.schmidsfelden.net

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Foto: Stadt Kempten

KUNST ZU SPÄTER STUNDE

Am 16. September wird die Stadt Kempten zu einem schillernden Schauplatz

von bildender Kunst, Tanz, Musik, Performance, Video-Installationen und

Kinderkunst. In einer hoffentlich lauen Spätsommernacht werden bereits

zum vierten Mal die Gassen und Fassaden in strahlenden Farben erleuchten:

Kemptner und Allgäuer Künstler öffnen ihre Werkstätten und Galerien, stellen

in Hinterhöfen und auf großen Plätzen aus. Tänzer drehen Pirouetten

unter Straßenlaternen und auf Mauerwerken und Musiker erfüllen den gesamten

Stadtraum mit Rhythmen. An insgesamt über 30 KunstNachtOrten

können Interessierte größere und kleinere künstlerische Werke erforschen.

Und die ganz Kleinen können – im KinderKunstFest – selbst zu richtigen

Künstlern werden.

NICHT NUR FÜR

RADFAHRER

Die Brauerei Zötler hat eine kleine Sommer-

Überraschung – das naturtrübe Radler. Dieses

besteht zu einer Hälfte aus Bier, zur

anderen aus Zitronenlimonade und besticht

durch seine fruchtige Frische. Zitronensaft

und natürliche Aromen machen

das Getränk zu einem prickelnden Geschmackserlebnis.

Dieser Durstlöscher

schmeckt nicht nur Radfahrern nach einer

anstrengenden Tour, sondern bietet allen

an heißen Tage Erfrischung.

www.zoetler.de

Foto: Privat-Brauerei Zötler GmbH

www.museen-kempten.de

EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN

Foto: Isny Marketing GmbH/Ernst Fesseler

Pittoresk ist das Stadtbild von Isny. Man kann es beim Flanieren genießen oder bei einem

geführten Stadtrundgang hinter die Kulissen blicken. Ein besonderes Highlight ist

sicherlich die Stadtführung als Schauspiel »Von Recht- und Wüstgläubigen« an jedem 1.

Samstag im Monat, die zeigt, welche Sprengkraft der Reformationszeit in Isny innewohnte.

Wer es nicht so mit der Kirche hat, der kann bei den vielen anderen Rundgängen auf

Wehrgänge klettern, in Gefängnisse blicken, Studienplätze des Mittelalters kennenlernen

oder die Welt mit den Augen eines Künstlers betrachten. Mehr Informationen zu dem

Führungsangebot erhält man bei dem Büro für Tourismus – Isny Marketing GmbH.

www.isny.de

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 13


NATUR & TIERE

DIE KÖNIGIN DES ALLGÄUS

TRÄGT NUR BRAUN

Sie sind die Stars des Alpsommers: Die Allgäuer Kühe. Die Damen

im braunen Fellkleid gehören einfach ins Landschaftsbild. Dass es

beim Braunvieh wichtige Unterschiede gibt und das Original Braunvieh

sogar zu den gefährdeten Rassen gehört, ist wenig bekannt. Engagierte

Züchter setzen sich jedoch für seine Erhaltung ein.

Seit Jahrhunderten schon lebt das

Braunvieh im Voralpen- und Alpengebiet.

Es geht auf das vermutlich

kleinste und älteste europäische

Hausrind, das Torfrind, zurück. Von etwa

2000 bis 800 v. Chr. war es aus dem Kaukasus

in den zentraleuropäischen Gebirgsraum

eingesiedelt worden. Die Schweizer waren

die ersten, die vor etwa 600 Jahren begannen,

die Rasse gezielt zu züchten. Da die

Rinder den unterschiedliche--n Umweltverhältnissen

damals stärker ausgesetzt waren

(schließlich hatte früher nicht jeder einen

großen Stall zur Verfügung), entwickelten

sich verschiedene Landschläge: Montafoner,

Schwyzer, Lechtaler und andere Braunviehrassen

entstanden.

ORIGINAL VON HORN BIS HUF

Das damals gezüchtete »Allgäuer Braunvieh«

entsprach noch dem Urtyp dieser Rasse:

Die kleinen, kräftigen und robusten Tiere

waren passable Milch- und ergiebige Fleischlieferanten.

In Europa war damals noch der

»Dreinutzungstyp« für Arbeit, Milch und

Fleisch gefragt. Das Braunvieh wuchs und

gedieh prächtig im Allgäu – bis ins 19. Jahrhundert.

In dieser Zeit wurde die Region von

einer schrecklichen Rinderpest geplagt. Zwei

Drittel aller Rinder im Allgäu fielen ihr zum

Opfer. Um ihre Lebensgrundlage nicht zu

verlieren, ersuchten die hiesigen Landwirte

die Schweiz um Hilfe. Die fehlenden poten-

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


»WIR BEGANNEN

MIT EINEM KALB«

Bio-Bauer Birk Wolfgang führt seinen Hof

in Hellengerst als »Arche Hof«. Der heißt so,

weil er und seine Frau Barbara gefährdete

Nutztierrassen züchten. Neben den Original

Braunvieh-Rindern haben auf dem Hof über

dem Weitnauer Tal noch Braune Bergschafe

und seltene Augsburger Hühner eine Heimat

gefunden.

ten Stiere wurden vorwiegend von dort bezogen,

um die Zucht neu aufzubauen.

Braunvieh ist nicht gleich

Braunvieh: Die meisten

Rinder auf Allgäuer Weiden

tragen Gene der Rasse

»Brown Swiss« in sich

DER LETZTE BULLE BEISST INS GRAS

Heute grasen auf den Weiden des Allgäus

vor allem zwei Arten von Braunvieh: Das

»Original Allgäuer Braunvieh« und die Tiere

mit Anteilen der amerikanischen Rinderrasse

»Brown Swiss«, deren Einkreuzung ab

etwa ab dem Jahr 1967 begann. Das hatte vor

allem wirtschaftliche Gründe: Die Milchleistung

der Kühe sollte so verbessert werden.

Nun ergab sich aber ein Problem: »Der Anteil

von Original Braunviehkühen ging daraufhin

dramatisch zurück«, erklärt Stefan

Immler, Ansprechpartner für das Original

Braunvieh beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft

und Forsten (AELF) in Kempten.

Kritisch sei es für die alte Rinderrasse geworden,

nachdem »Amlex«, der letzte deutschblütige

Original Allgäuer Braunviehstier,

geschlachtet worden war.


Fotos: Wolfgang B. Kleiner, Ramona Klein, Norbert Gehring, Wolfgang Birk

Wann entschieden Sie sich für die Erhaltungszucht?

»Auf unserem Hof ist immer schon Original

Allgäuer Braunvieh gehalten worden. Ende

der 1980er-Jahre war die Situation jedoch so,

dass Rassen gefragt waren, die entweder viel

Milch oder viel Fleisch ergaben. Schließlich

hatten wir nur noch eine Original Braunviehkuh

im Stall. Mein Vater ließ sie besamen.

So begannen wir die Erhaltungszucht

mit einem Kalb.«

Wieso gehört das Original Braunvieh ins

Allgäu?

»Braunvieh kommt sehr gut mit dem oft

rauen Klima des Allgäus zurecht und ist ein

guter Verwerter der Gräser auf den heimischen

Weiden, sodass wir auf Kraftfutter

verzichten können. Auch einen Tierarzt benötigen

wir nur selten.«

Lohnt es sich denn finanziell, Original Allgäuer

Braunvieh zu halten?

»Bei uns werden alle männlichen Kälber, sofern

sie nicht zur Zucht eingesetzt werden,

als Vollmilchkalb (Anm. d. Red.: Mit Muttermilch

ernährt und aus natürlicher Haltung)

vermarktet. Das qualitativ hochwertige

Fleisch mit seiner feinen Marmorierung

verkaufen wir am Hof. Nicht nur aus ökologischen

Gründen, sondern vor allem wegen

der Tiere sind uns kurze Wege wichtig. Deshalb

werden die Tiere in unserer Gemeinde

geschlachtet und verkaufsfertig zubereitet.«

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 15


NATUR & TIERE

Auch dieser zweifarbige Vertreter gehört zur Rinderrasse

Original Allgäuer Braunvieh. Das so bezeichnete

»Gurtenvieh« weist dank einer Laune der Natur eine

hellere Pigmentierung rings um Bauch und Rücken auf

DIE RETTER DES BRAUNVIEHS

Diese Rinderrasse, die eigentlich ursprünglichste

Form der Nutztiere im Allgäu, war

somit zeitweise vom Aussterben bedroht.

Um das zu verhindern, formierten sich im

Jahr 1987 Züchter aus Bayern und Baden-

Württemberg, um das Original Braunvieh zu

erhalten. 1995 wurde der Allgäuer Original

Braunviehzüchterverein gegründet. Die Anfangsphase

war geprägt durch private Rettungskäufe

von Tieren des alten Braunviehschlages.

»IDEALISMUS GEHÖRT DAZU«

Für Xaver Rietzler, einen der Vorsitzenden

der Rettungsgemeinschaft, entwickelt sich

die Lage der immer noch auf der Roten Liste

der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter

Haustierrassen (GEH) stehenden

Tiere aber inzwischen positiv. »Es gibt mehr

Landwirte, die sich wieder für das ‚Original’

entscheiden«, sagt er. Es gehöre eine bewusste

Entscheidung dazu, den Erhalt der Rasse

aktiv zu unterstützen. Er hebt aber hervor:

»Idealismus gehört halt einfach auch dazu.«

Die Mitglieder des Vereins seien im bayerischen

und württembergischen Allgäu, vereinzelt

auch im Saarland, in Nordrhein-

Westfalen und in Hessen zu finden.

862 ALLGÄUER »ORIGINALE«

Obwohl auch Stefan Immler vom AELF betont,

dass das Original Braunvieh mit einem

Gesamtbestand von weniger als 1000 Tieren

SCHÖNHEITSGALERIE IM JAHRESLAUF

Was wäre das Allgäu ohne seine vierbeinigen braunen

Schönheiten? Ab Mitte Mai ziehen die Jungviehherden

wieder auf die Bergweiden und in den Tälern dürfen

die Milchkühe auf saftigen Wiesen grasen. Ein schönes

Mitbringsel für alle Kuh- und Allgäu-Fans: Der Kuh-

Kalender der EDITION ALLGÄU zeigt die schönsten

»Braunviecher« auf Allgäuer Weiden und Wiesen in

einer liebevoll zusammengestellten Bildauswahl. Der

Kalender im Format 42 x 30 cm ist im Allgäuer Buch -

handel oder direkt beim Verlag erhältlich.

Info: Kuh-Kalender 2018, mit Allgäuer Braunvieh,

ISBN 978-3-95805-006-8; Preis: 15,80 Euro

Verlag: EDITION ALLGÄU, Bestell-Nr. 076, Lachener

Weg 2, 87509 Immenstadt, Tel. +49 (0)8379/728616,

info@heimat-allgaeu.info, www.heimat-allgaeu.info

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Anzeigen

»DAS BRAUNVIEH

IST EIN

KULTURGUT«

Norbert Gehring führt

mit seiner Frau Ursula einen

22 Hektar großen

Bergbauernhof in Unterjoch

im Oberallgäu. Er

hält auf 1090 Metern

Höhe eine Herde von

rund 20 Tieren Original

Braunvieh. Im Allgäuer

Original Braunviehzüchterverein

ist er Beiratsvorsitzender

für Mutterkuhhaltung:

Die Kühe ziehen ihre Kälber selber

groß und werden daher nicht gemolken.

Was hat Sie zur Haltung der Rasse bewogen?

»In den 1980er-Jahren kamen Freunde des

Original Braunviehs zusammen, um die alte

Rinderrasse zu erhalten. Für die Züchter war

es von erheblicher Bedeutung, dass die jahrhundertealte

Rasse ein Kulturgut darstellt,

das man nicht einfach untergehen lassen

durfte. Genauso, wie man alte Bauernhäuser

erhält, renoviert und nicht einen Bungalow

mit Flachdach ins Allgäu stellt, kann man

auch nicht jedes x-beliebige Rind auf eine

Alpe stellen. Ein Holsteinisches Rind schon

gar nicht, aber auch ein Highland-Rind passt

eigentlich nicht ins Allgäu.«

Welche Eigenschaften unterscheiden das

Original Braunvieh von anderen Rinderrassen?

»Dank ihrer gesunden Gelenke, harten

Klauen und eines niederen, kräftigen Körperbaus

kommt mein Braunvieh im schwierigen

Gelände, wie auf steilen oder buckeligen

Wiesen außerordentlich gut zurecht. Es

ist genügsam, kommt mit dem Gras unserer

Allgäuer Wiesen gut aus und benötigt keine

Zufütterung von Kraftfutter. Das gehört zu

den Gründen, weshalb ich diese Rasse halte.

Eigentlich ist die Herde immer auf der Weide.

Gefräßig, wie sie sind, müssen wir auf

unseren Bergwiesen viel umweiden. Für uns

bedeutet das die doppelte Arbeit als normal,

da wir wegen der Kälber, die mit der Mutterkuh

auf der Weide stehen, die Zäune immer

zweifach sichern müssen.«

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 17


NATUR & TIERE

Zwei Original Allgäuer Braunviecher (Stier und Jungvieh):

Sie sind kleiner und muskulöser als ihre Artgenossen

immer noch als gefährdete Rasse gilt, unterstreicht

er, dass die Bemühungen der Landwirte

Früchte tragen: »Im Gegensatz zur

heute weit verbreiteten Braunviehrasse wurde

beim Original Allgäuer Braunvieh kein

amerikanisches Braunvieh eingekreuzt. Zu

Anfang des Jahres 2017 zählten wir 862 Tiere:

davon 447 Kühe, 405 Stück Jungvieh und

10 Stiere.«

77 Halter besitzen laut Stefan Immler derzeit

zwischen einem bis 60 Stück Vieh, »wovon

zehn Halter ausschließlich Original Allgäuer

Braunvieh mit zehn und mehr Tieren im

Stall stehen haben.« Besondere Bedeutung

misst Immler der Muttertierhaltung bei. Bei

dieser Haltungsform bleiben die Kälber länger

bei ihrer Mutter, die in dieser Zeit nicht

gemolken wird. »Das stabilisiert den Bestand

der Rasse in der Zukunft. Gerade in der

Mutterkuhhaltung kommen positive Eigenschaften

des Original Braunviehs wie Robustheit,

Genügsamkeit, gute Milchleistung,

sehr gute Bemuskelung und die hervorragende

Fleischqualität voll zur Geltung.«

IDEAL FÜR DIE ALPWIRTSCHAFT

Das sehr robuste, anpassungsfähige und

langlebige Original Allgäuer Braunvieh, das

unter anderem bei Bio-Landwirten der Region

überaus beliebt ist, verursacht auf den

hochgelegenen Sommerweiden weniger

Trittschäden, da die Tiere ruhig und etwas

leichter als andere Rinder sind. Gerade auf

den Alpen ist das von besonderer Bedeutung,

da hier die empfindliche Grasnarbe

möglichst nicht aufgerissen werden sollte,

damit sie beim nächsten Regen nicht ausgewaschen

wird. Darüber hinaus sind die Rinder

besonders genügsam, was sie zum idealen

Nutztier der Allgäuer Landwirte – vor allem

derjenigen, die ihre Paarhufer auf die

Alpen bringen – macht. • (tn/ve)

»ICH BIN DOCH KEINE KUH, SIE RINDVIEH!«

Was einem in der Allgäuer Bergwelt »Muh« entgegen ruft, muss noch lange

keine Kuh sein. Tatsächlich herrscht eine rechte Begriffsverwirrung bei der korrekten

Ansprache der gehörnten Vierbeiner. Ein kleines Nachschlagewerk für Unwissende:

Kalb: So werden »Kuhbabies« jedes Geschlechts nach

dem Rutsch durch den Geburtskanal

bezeichnet. Der Allgäuer Bauer spricht

in der Regel bis zum Erreichen der

Geschlechts reife (des Tieres, nicht des

Bauers) vom »Kälble«.

Schumpen: Ein Allgäuer Fachbegriff für

Kuhteenager. Etwa ab dem zweiten

Lebensjahr heißen weibliche Tiere,

die noch keinen zärtlichen Kontakt zu

einem Stier (oder der weniger romantischen

Besamungsspritze) hatten, Schumpen oder Jungrind.

Sie werden zum Sömmern auf die Alpen getrieben.

Kuh: Mit der Familienplanung kommt der

geläufige Begriff »Kuh« ins Spiel.

Ab der ersten

Trächtigkeit gilt das Tier als Rind: Ist das Kälbchen

geboren, heißt die Mutter fortan Kuh (menschlichen

Ehemännern wird vom lauten Vorlesen dieser Zeilen

abgeraten.)

Milchkuh: Hauptproduzentin des feinen Allgäuer

Bergkäses und anderen Milchprodukten. Muss dafür

regelmäßig gemolken werden und mindestens ein Kalb

geboren haben.

Stier: Dürfte bekannt sein. Es handelt sich um eine

männliche Kuh. Wird auch Bulle genannt, führt unter

diesem Namen aber keine Verkehrskontrollen durch.

Ochse: Stier, der seine Männlichkeit beim Veterinär

lassen musste. Muht entgegen böser Gerüchte in

keiner höheren Tonlage als der Stier.

Rind: Gängige Bezeichnung für alle muhenden Tiere

im Allgäu, unabhängig von Alter und Geschlecht. Wer

nicht genau weiß, was für ein Exemplar er vor sich hat,

blamiert sich mit dieser Bezeichnung schon mal nicht.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


REPORTAGE

SCHULTER AN SCHULTER

FÜR DIE FAIRE MILCH

Das Allgäu ist geprägt von traditioneller Landwirtschaft.

Milchkühe säumen die üppigen Weiden. Weshalb gibt es ausgerechnet

hier keine eigenständige Molkerei? Lange haben Johannes

Nussbaumer und Matthias Haug sich das gefragt und beschlossen:

Manche Dinge muss man selbst in die Hand nehmen.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Bei der Gründung der Molkerei hatten die zwei

Familienväter vor allem ihre Kinder im Blick:

Sie sollten natürlich hergestellte Produkte

aus der Region kennen und schätzen lernen

Fotos: Allgäuer Hof-Milch

Zur Begrüßung reicht Matthias Haug

seinen Besuchern nach der Hand

auch noch ein Haarnetz. Auch,

wenn sich viele Bereiche noch im Bau befinden:

»In den Produktionshallen ist strenge

Hygiene angesagt.« Deshalb folgen dem

Haarnetz noch ein Kittel und Überzieher für

die Schuhe. Dann erst geht es in die »heiligen

Hallen« der jungen Allgäuer Hof-Milch

GmbH in Missen-Wilhams.

Während die Sonne draußen mächtig vom

Himmel brutzelt, herrschen hier angenehm

kühle Temperaturen. Das Brummen der Abfüllanlage

wechselt sich mit dem der Bohrmaschine

ein Stockwerk tiefer ab. »Seit Dezember

2016 sind wir in Produktion«, erzählt

Haug. Trinkmilch, Natur- und Fruchtjoghurts

laufen seither übers Band.

Matthias Haug und sein Freund Johannes

Nussbaumer mussten einen mutigen Weg

gehen, um soweit zu kommen. Dreieinhalb

Millionen Euro haben sie investiert. Sechs

sollen im kommenden Jahr noch folgen.

Eine Molkerei zu gründen, bei der Konkurrenz

und Preislage – ohne eine wirklich gute

Idee und auch eine gesunde Portion Kampfgeist

geht das nicht.

»WIR SCHÄTZEN UNSERE LANDWIRTE«

»Die Kunst ist, keine Angst zu haben, etwas

Neues anzupacken«, verrät Haug. Das Konzept

des Missener Unternehmens: Der Familienbetrieb

verarbeitet ausschließlich Allgäuer

Heumilch und garantiert seinen Landwirten

einen überdurchschnittlichen Milchpreis

von 40 Cent. Ein gewagtes Vorhaben in einer

Zeit, in der sich im Supermarktregal Milchtüte

an Milchtüte reiht, zum Teil für 59 Cent

Die zwei Oberallgäuer

Johannes Nußbaumer (li.)

und Matthias Haug

haben 2016 die Allgäuer

Hof-Milch GmbH ge -

gründet. Beide haben

über 20 Jahre Erfahrung

in der Milchwirtschaft.

Ihre Produkte kann man

in den Rewe-Märkten in

Südbayern erwerben

je Liter. Die Allgäuer Hofmilch kostet rund

das Doppelte. »Wir wollen keine Billigmilch

produzieren, sondern eine Wertschöpfungskette

schaffen. In dieser kriegt ein Landwirt

40 Cent – und zwar nicht nur einmal, sondern

dauerhaft.« In der Branche sei es üblich,

den Milchpreis zum Teil jeden Monat

neu zu verhandeln. »Dann diskutieren der

Handel und die Molkerei herum und der

Landwirt bekommt am Ende das, was übrig

bleibt«, so Haug. Im Jahr 2016 fiel dieser Betrag

in manchem Regionen erstmals unter

20 Cent für das Kilo Milch. »Das ist ja, als ob

man in die Wirtschaft geht, dort gut isst,

dann heimfährt und dem Wirt am Ende des

Monats einen Brief schreibt: ‚Folgendes will

ich dir für dein Essen bezahlen.‘ Uns war

klar: Das wollen wir anders machen.«

EXKLUSIV IN 240 REWE-MÄRKTEN

Für dieses Konzept mussten die zwei Familienväter

natürlich erst einen Partner finden.

Bei Edeka, V-Markt und vielen anderen haben

sie am runden Tisch gesessen. Rewe war

schließlich bereit, den Milchpreis zu garantieren

– noch bevor der erste Tropfen Allgäuer

Hof-Milch den Zapfhahn verlassen

hatte, hatten die Unternehmensgründer einen

Abnehmer für ihre Produkte.

Heute sind ihre Heumilch-Produkte exklusiv

in 240 Rewe-Märkten in Südbayern erhältlich.

Die Rewe Region Süd setzt stark auf

regionale Produkte. »Was wir produzieren,

nimmt uns Rewe garantiert und zu fairen

Preisen ab«, freut sich Matthias Haug über

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 21


REPORTAGE

30.000 Liter Milch

werden wöchentlich in

Missen abgefüllt.

Karl Fischer aus Waltenhofen

beliefert die Allgäuer

Hof-Milch GmbH

die Partnerschaft, die ihre Feuerprobe in den

vergangenen Monaten seit Betriebsbeginn

bestanden hat. »So können Johannes und ich

uns in Ruhe um die Produktion und die

Landwirte kümmern.«

WAS IST HEUMILCH?

Im Augenblick stehen sieben Landwirte bei

der Allgäuer Hof-Milch unter Vertrag. Im

Juli kommen 50 hinzu. »Ein großer Schwung

von Arla wechselt zu uns – darunter sind

viele Biolandwirte, mit denen wir unsere

Bio-Heumilchprodukion weiter ausbauen.«

Für den fairen Milchpreis muss die Molkerei

den Endkunden aber nicht nur ein regionales

Produkt, sondern auch Qualität bieten.

»Deswegen kommt bei uns nur Allgäuer

Heumilch in die Tanks.« Die schmeckt natürlich

nicht nach Heu. »Heumilch ist die

natürlichste und ursprünglichste Form der

Milchgewinnung,« erklärt Haug. Der Grund

liege in der Fütterung der Milchkühe. Im

Sommer fressen die Kühe auf den Allgäuer

Wiesen und Bergweiden Gräser und frische

Kräuter. Im Winter werden sie mit Heu und

Getreideschrot gefüttert. Silage, also vergorenes

Gras oder vergorener Mais, bekommen

die Milchkühe nicht zu fressen.

10 MILLIONEN LITER MILCH

Die Heumlich wird derzeit noch zu Frischund

Bio-Milch verarbeitet. Als nächstes soll

eine H-Milch auf den Markt kommen. »Wir

werden wohl die teuerste H-Milch mit 1,35

Euro sein. Aber auch die erste Heu-H-Milch

in Bayern«, erzählt Haug. Zur gleichen Zeit

kommt dann auch der neue Reibekäse in den

Verkauf, eine würzige Kässpatzenmischung.

»Die Idee ist, etwas zu kreieren, was nicht jeder

hat, zum Beispiel eine besondere Geschmacksrichtung,

die gleichzeitig aber den

Geschmack von vielen trifft. Das wichtigste

Indiz dafür sind die Absatzzahlen.«

Pro Woche wandern 30.000 Liter Milch

durch die Tanks der Hof-Milch GmbH. »Das

heißt, 30.000 Mal pro Woche entscheidet

sich ein Kunde, mindestens 1,29 Euro für einen

Liter Milch auszugeben. Das ist doch ein

guter Anfang«, findet Haug. Sobald die neuen

Landwirte liefern und zwei neue Milchtanks

angebaut sind, wird noch mehr Milch

in Missen fließen. Auch ein Werksverkauf ist

laut Haug geplant: ab Anfang Juli am Konstanzer

Hof zwischen Immenstadt und

ZWISCHEN EUTER UND TETRAPACK

Bei der Auswahl an Milch, die sich im Supermarktregal bietet,

kann einem fast schwindelig werden. Die Unterschiede zwischen

den gängigsten Milchsorten:

Rohmilch: Sie wird nur gefiltert und gekühlt. Vitamine und der

natürliche Fettgehalt von 3,8 bis 4,2 Prozent bleiben erhalten.

Rohmilch darf nur direkt vom Erzeuger, meist am Bauernhof, verkauft

werden. »Vorzugsmilch« ist streng kontrollierte Rohmilch.

Frischmilch: Sie wird pasteurisiert, also 15 bis 30 Sekunden

lang auf 72 bis 75 Grad erhitzt. So tötet man kritische Keime ab.

Gekühlt hält sich frische Milch etwa acht Tage.

ESL-Milch: ESL ist die Abkürzung für Extended Shelf Life und

bedeutet längere Haltbarkeit im Kühlregal. Sie ist eine Alternative

zwischen Frischmilch und H-Milch und muss im Kühlschrank gelagert

werden, ist ungeöffnet jedoch fast doppelt so lange haltbar.

H-Milch: Die »haltbare Milch« wird einige Sekunden

auf 135 Grad »ultrahoch« erhitzt. Dabei sterben alle

Keime ab, sodass sie ungeöffnet und ungekühlt drei bis

fünf Monate hält. Sie enthält aber weniger Vitamine.

Vollmilch: Milch mit vollem Fettgehalt. Das entspricht

bei der Kuhmilch mindestens 3,5 Prozent. Vollmilch gibt

es wie die fettarme Variante als Frisch-, ESL- und H-

Milch.

Fettarme Milch: Kuhmilch heißt dann fettarme Milch,

wenn ihr Fettanteil zwischen 1,5 und 1,8 Prozent liegt.

Sie ist immer wärmebehandelt und es gibt sie in allen

Haltbarkeitsvarianten.

Magermilch: Heißt auch entrahmte Milch und hat mit 0,1 bis 0,5

Prozent den niedrigsten Fettgehalt unter den gängigen Sorten.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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Die Heumilch wird von den Mitarbeitern

der Allgäuer Hof-Milch GmbH zu Trinkmilch,

Natur- und Fruchtjoghurts und

Käse verarbeitet. Die Früchte im Joghurt

sind natürlich echt. Ab Herbst soll es

einen Werkverkauf direkt am Hof geben

Oberstaufen und »ab Hof« in Missen-Unterwilhams

ab September, »spätestens zum

Viehscheid«. Letzterer soll sieben Tage die

Woche von 10 bis 18 Uhr offen sein.

EINE ERLEBNISMOLKEREI ENTSTEHT

Dabei ist die Allgäuer Hof-Milch noch nicht

einmal »ausgewachsen«. Zurzeit prangt neben

der Produktionsstätte noch ein Loch im

Boden. Im kommenden Frühjahr beginnen

dort die Bauarbeiten. Bis Anfang 2019 soll

das Gelände fertiggestellt sein. »Dann steht

hier nicht nur eine Molkerei, sondern eine

Erlebnismolkerei: Das heißt, auf rund 1000

Quadratmetern Produktionsanlagen entsteht

ein Erlebnisbereich oberhalb, wo man

nicht nur reingucken kann, sondern auch

viel über die Milch und die Heuwirtschaft

erfährt. Und zwar mit allen Sinnen: Sehen,

Hören, Riechen und natürlich Schmecken.«

Während Haug von dem geplanten Medienraum

mit Videosequenzen, dem Erlebnisweg

und einem Abenteuerspielplatz erzählt, wandern

seine Augen jede Mal an eine andere

Stelle. Er hat das fertige Gelände sichtlich vor

Augen. Das beweist seine folgende Aussage:

»Wenn ich auf den Hügel da oben schaue,

dann sehe ich eine passende Bergkäserei

dort stehen.« • (ve)

INFO

Allgäuer Hof-Milch GmbH

Unterwilhams 9, 87547 Missen-Wilhams

Tel. +49 8320 925811-0

info@hof-milch.de, www.hof-milch.de

Am 15. Juli 2017: Tag der offenen Tür

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 23


ALPE SPEZIAL

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


WENN DER BERG RUFT

ZU BESUCH AUF DER SENNALPE

Einfach, naturnah, arbeitsam: Das ist das Leben auf der Alpe. Wir

haben die Sennalpe Oberberg am Mittag, dem Eingang zur Nagelfluhkette,

besucht, um in den Alltag eines Senns »hineinzuschnuppern«.

Und erfahren, warum Alpwirtschaft bis heute so wichtig ist.

Die Alpe Oberberg liegt

in Südlage am Mittag, dem

Hausberg von Immenstadt

Fotos: Dominik Ultes, Alpe Oberberg

Der Nebel hängt tief im Tal. Es wird

seine Zeit brauchen, bis die Sonne

sich blicken lässt. Noch lässt sich

das matte Licht hinter der Bergkuppe gerade

einmal erahnen, und der Morgentau hängt

in dicken Tropfen an den Grashalmen. Es ist

vier Uhr früh und recht frisch auf 1300 Metern

Höhe, als Sebastian Beck durch die

kleine Holztür vor die Hütte tritt. Er nimmt

einen tiefen Zug von der kühlen Morgenluft,

wirft einen kurzen Blick auf die Wolken. Ein

klarer, sonniger Tag soll es werden. Fröstelnd

stapft der 26-Jährige zu dem unscheinbaren

Nebengebäude hinunter. Ein kleines, hölzernes

Schild neben der Tür weist auf dessen Inhalt

hin: »Käserei«. Der Arbeitstag des

jungen Senn auf der Alpe Oberberg beginnt.

Erst in vierzehn, eher fünfzehn Stunden wird

er enden. Mit der Käsepflege fängt er an. Innerhalb

einer Stunde versorgt er den Käse

vom Vortag und bringt die Laibe hinunter in

den Käsekeller. Hier unten tut sich eine

wahre – wenn auch etwas streng riechende

– Schatzkammer auf: Ein goldschattierter

Käselaib reiht sich an den nächsten, nach

Reifegrad sortiert und in Holzregalen verstaut.

Im hinteren Bereich steht eine Wanne

mit Salzwasser: zwei Käselaibe liegen auf

einem Holzbrett obenauf, zwei nehmen gerade

ein Bad darin. »Das Salzwasser unterstützt

unter anderem die Rindenbildung

beim Käse«, erklärt der Senn. Daher müssen

die fertigen Käselaibe bis zur vollendeten

Reife noch regelmäßig »geschmiert« werden.

Mit zügigen Bewegungen bürstet Sebastian

mit einer Mischung aus Salzwasser und Rot-

schmiere den Käse. »Frischen Käse schmiere

ich täglich. Zweiwöchigen nur alle zwei Tage

und nach vier Monaten einmal wöchentlich«,

erklärt er. Das macht er etwa eine

Stunde lang, dann muss Sebastian in den Stall.

KATZENSPRUNG

ZWISCHEN STALL UND SENNKÜCHE

Dort wollen mittlerweile die »Käse-Produzentinnen«

versorgt werden. Dreiunddreißig

Milchkühe sömmern auf der Alpe Oberberg.

Zweimal täglich werden sie gemolken. Ein

Hirte hat sie mittlerweile in den Stall getrieben

– »eingestallt«, wie Sebastian es formuliert.

Dort wird den Vierbeinern die Milch

abgezapft, angereichert von den saftigen

Bergkräutern, die sie hier oben den ganzen

Tag verspeisen.


ALPSOMMER & Viehscheid 2017 25


ALPE SPEZIAL

Im Goldkeller – Der Käse wird bis zu zwei Jahre gelagert. Während dieser Zeit muss er regelmäßig gepflegt und gewendet werden

»Es ist gut für die Milch, wenn sie vorm Käsen

möglichst wenig bewegt wird«, erzählt

Sebastian. »Wir haben auch bewusst auf

Rohrleitungen und Pumpen verzichtet – die

verändern das Milcheiweiß. Bei uns kommt

die Milch in den Kübel und wird per Handwagen

in die Sennküche transportiert. Dort

wird sie in der Regel gleich weiterverarbeitet:

»Für ein Kilogramm Käse brauche ich rund

zehn Liter Milch, eher elf«, so Sebastian. Nun

geht es ans Käsen: Die Milch wird entrahmt,

mit Lab angereichert, geschnitten und gepresst:

zwei Käselaibe entstehen in den kommenden

Stunden. Den genauen Vorgang, wie

die Milch zum Käse wird und – die Frage

kann man als Käser kaum noch hören – wie

die Löcher in den Käse kommen, erklärt Sebastian

Beck regelmäßig den Besuchern auf

der Alpe. »Mir ist es wichtig, dass die Leute

die Arbeit verstehen, die hinter einem einzigen

Laib Käse steckt. Da geht es nicht nur

ums Käsen, auch die Pflege während des Reifeprozesses

– hinter all dem stecken viele, viele

Stunden Arbeit. Es freut mich, wenn die

Leute die Alpe mit einem neuen Blickwinkel

für dieses Handwerk verlassen.«

SCHWENDEN, JÄTEN, MULCHEN

Mittags geht es auf die Weide. 35 Hektar

Grasflächen umgeben die Alpe nahe der

Mittagbahn. Damit die Kühe den ganzen

Sommer von ihnen speisen können, müssen

sie gepflegt werden. Beim Schwenden befreit

Sebastian die Grasflächen von jungen Bäumen

und Sträuchern. Unkraut, wie Disteln

und das giftige Kreuzkraut entfernt er. Dann

düngt er das junge Gras mit gehäckseltem

Altgras – Mulch.

Natürlich könnte er intensiver düngen, großflächige

reine Grasflächen anlegen, wie es im

Tal oft der Fall ist. »Der Weidboden ist aber

letztlich die Grundlage für meine gesamte

Existenz. Eine umweltverträgliche und nachhaltige

Pflege ist mir wichtig, damit diese bestehen

bleibt.« Nicht zuletzt müssen die Kühe

Zufriedene Gäste – sie alle besuchen

regelmäßig die Alpe Oberberg. Das

halte jung, finden sie. Außerdem:

»Hat man da droben sei Rüh’!«

Die Alpe liegt idyllisch auf 1305 Metern


den ganzen Sommer über gut versorgt sein.

»Man merkt schon, dass aus der Zucht immer

leistungsstärkere Kühe hervorgegangen

sind, die viel Milch geben. Die brauchen aber

auch viel vitaminreiches Futter. Hier droben

verbrauchen sie ja viel Energie schon allein

durch die artgerechte Haltung, den Auslauf,

den sie haben. Da muss der Älpler hinterher

sein, dass sie genug kriegen.« Gegen fünf Uhr

nachmittags werden sie ein zweites Mal eingestallt

und gemolken. Im Anschluss wird

der Stall geputzt. »Um halb Sieben habe ich

Feierabend«, meint Sebastian. Den nutzt er

hin und wieder für eine Bergtour oder einen

Besuch auf einer anderen Alpe. »Meist bin

ich aber froh, wenn ich endlich ins Bett komme«,

lacht der junge Mann.

Rund vier Stunden täglich kümmert Sebastian Beck

sich um die Käsepflege und stellt neuen her

IN FAMILIENHAND

Die Alpe Oberberg gibt es schon lange. Im

Jahr 1875 wurde sie erbaut. In fünfter Generation

lebt und arbeitet die Familie Beck

»droben am Berg.«. Besonders viel hat sich

in den vergangenen zwanzig Jahren getan:

Zwei Jahre vor der Jahrtausendwende erschloss

Sebastians Vater, Klaus Beck, die Alpe

durch einen Zufahrtsweg. So kamen die

Wanderer zur Einkehr.

Sein Vater habe damit einen wichtigen

Schritt getan, erzählt Sebastian: »Davor kamen

am Tag ein oder zweimal Leute zu Besuch,

die dann auch manchmal einen Käse

gekauft haben. Den Großteil vom Käse haben

wir mit Schlitten ins Tal gebracht und im

Winter dort verkauft.«

Heute säumen mehrere Tische mit Bierbänken

die eigens angelegte Aussichtsterrasse.

An sonnigen Wochenenden bleibt selten einer

unbesetzt. Die Leute kommen, genießen

die Aussicht, lassen sich eine Brotzeit servie-

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 27


ALPE SPEZIAL

ren, probieren den Käse, der keine zwanzig

Meter weiter produziert wurde. Viele lassen

sich ein paar hundert Gramm abpacken.

»Fünfundneunzig Prozent von meinem Käse

verkaufe ich hier an der Alpe«, erzählt Sebastian.

Das, was nach dem Sommer übrig

bleibt, verkauft seine Mutter auf der Alpe

Rappengschwend. Diese liegt etwas tiefer im

Gunzesrieder Tal und ist nur im Winter geöffnet.

Die Erlöse aus dem Käseverkauf sind

Sebastians Haupteinkommen. Reich wird

man davon nicht.

Ȁlpler wird man nicht aus finanziellen

Gründen«, weiß Gudrun Beck. Die Mutter

von Sebastian ist die gute Seele auf der Alpe

Oberberg. Neben den täglichen Aufgaben

auf der Sennalpe bewirtet sie die Gäste. Die

57-Jährige weiß: Viele Alpen sind reine Familienbetriebe.

Von der Tierhaltung, Milchgewinnung

über die Käseproduktion bis zu

Vermarktung und Verkauf – auf der Alpe

Die artgerechte Haltung steht ihr gut: Die Alpenkräuter und

die schöne Südlage der Sennalpe sorgen für eine besonders gute Milch

Oberberg ist alles in Familienhand. Die Achtung

vor der sie umgebenden Landschaft ist

groß: »Sie ist ja unsere Lebensgrundlage«, so

die Sennerin. Niemand ohne Leidenschaft

für dieses Leben und die umgebene Natur

wäre für die vielen Stunden harter und anstrengender

Arbeit zu begeistern. Sie selbst

kann sich einen Sommer im Tal gar nicht

vorstellen: »Ich würde die Alpe und die Freiheit,

die man hier oben genießt, wahnsinnig

vermissen.«

Nicht die ganze Familie Beck ist immer auf der Alpe. Aber von Tierhaltung, Milchgewinnung über die Käseproduktion

bis zu Vermarktung und Verkauf ist alles in Familienhand

MIT DER MITTAGBAHN

ZUR SENNALPE OBERBERG

Die Alpe Oberberg ist von Mai bis November durch -

gehend bewirtschaftet. Sie liegt unterhalb des Mittag -

gipfels, am Einstieg – oder Endpunkt – der Nagelfluh -

kette. Über die Mittagbahn ist sie sehr leicht zu

erreichen. In zwei Etappen schwebt man im Sessellift

hinauf zum Mittaggipfel (1452 m). Die gesamte Fahrt

inklusive Umsteigen an der Mittelstation dauert ohne

Wartezeiten etwa eine halbe Stunde. Schon vom

Gipfelkreuz des Mittaggipfels bietet sich ein

fantas tisches Bergpanorama. Der Weg zur Sennalpe

Ober berg ist von hier sehr gut ausgeschildert: Von der

Bergstation führt der gut ausgebaute Normalweg in

etwa zwanzig Minuten hinunter zur Alpe Oberberg.

Hier kann man sich mit dem schmackhaften Bergkäse

der Becks den Gaumen verwöhnen und weitere

Touren in die Nagelfluhkette starten.

Die Sennalpe Oberberg ist Mitglied beim Allgäuer

Alpgenuss.

Info: Alpe Oberberg, Tel. +49 8323 6784,

info@alpe-oberberg.de, www.alpe-oberberg.de

MIT EINEM AUGE AUF DIE ZUKUNFT

Damit auch die nächste Generation diese

Freiheit genießen kann, müssen die Becks

mit der Zeit gehen. »Es ist wie in jedem Betrieb«,

weiß Sebastian, »Stillstand bedeutet

Rückschritt. Man sollte immer überlegen:

Was kann ich besser machen? Was muss ich

verändern? Jeder sollte mit einem Auge auf

die Zukunft leben, damit die nächste Generation

noch gut davon leben kann.«

Während man gemütlich, das kalte Glas

Limonade in der Hand, auf der Bierbank

sitzt und über das Geländer der Terrasse

schaut – der Blick schweift über saftige Bergweiden,

über die gerade ein Tagfalter flattert,

an dunklen Baumspitzen zum Allgäuer

Hauptkamm hinüber – dann versteht man,

wovon der junge Senn spricht. Dieses kleine

Fleckchen Landschaft sähe heute ganz anders

aus, würde niemand sie bewirtschaften

und pflegen. Und das wäre ein Verlust für

die Vielfalt unserer Region. • (ve)

28

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


HANDWERK

SCHRITT FÜR SCHRITT

ZUM SCHICKEN SCHUH

Was zieh ich an, was zieh ich an, damit ich mich sehen lassen kann?

Eine Tracht ist immer eine passende Antwort auf diese Frage. Dafür, dass es

nicht oben hui und unten pfui aussieht, sorgt der Haferlschuh. Die Familie

Keller vom Schuh-Keller in Kierwang zeigt, wie der Klassiker entsteht.

30

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


1

1 Aus einem großen Stück Leder werden das Ober leder,

das Innenfutter, die Zunge – auch Staublasche genannt

– und die Schnürsenkel gestanzt

2 Die Zunge wird gespalten: So wird das Leder

dünner gemacht. Außerdem werden die Kanten

vom Innenfutter und Oberleder abgeflacht –

das ermöglicht später ein leichteres Nähen und

einen besseren Übergang

3 Das aus einem Stück bestehende Oberleder wird

hinten, an der späteren Hacke, zusammen genäht.

Das Gleiche wird mit dem Innenfutter

gemacht. Anschließend werden die Nähte mit

einem Hammer geklopft

2 3

4 Im nächsten Schritt wird die Einfassung, die Paspel,

am Oberleder befestigt. Sie wird erst an einer Seite

angenäht und dann verklebt. Zum Abschluss wird

auch sie mit einem Hammer festgeklopft

5 Nun wird die Zunge an das Oberleder genäht


5

4

Fotos: Ramona Klein

WIESO HEISST ER HAFERLSCHUH?

Um die Antwort auf diese Frage ranken sich mehrere

Theorien. Eine sehr verbreitete ist folgende:

Im Jahr 1803 erfand der Schuhmacher Franz Schratt

in Oberstdorf den Haferlschuh, der schnell viele

Liebhaber fand. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts

fertigten etwa 800 Werkstätten den Schuh, der in den

20er-Jahren des folgenden Jahrhunderts auch Einzug

in die europäischen Modemetropolen hielt. Zu der

Zeit entdeckten Engländer aus höheren Gesellschafts -

schichten während ihres Urlaubes in den Alpen den

Schuh. Die Inselbewohner kannten nur knöchelhohe

Stiefel und bezeichnete die ihnen unbekannte

Fußbekleidung als »half shoe« – »halben Schuh«,

was im alpenländischen Dialekt zu »ha(l)ferl« wurde.

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 31


HANDWERK

6 Dort, wo später die Löcher für die Schnürsenkel

sein werden, wird an der Innenseite des Oberleders

eine Verstärkung eingeklebt. Diese dient dazu,

dass die Schnürsenkellöcher nicht ausleiern

6

7

7 Das Oberleder wird über das Innenfutter

gezogen und beides wird entlang der Paspel

miteinander vernäht

8 Von dem Innenfutter wird nun der Überstand

abgeschnitten, damit das hellere Material von

außen nicht zu sehen ist. Zusätzlich entsteht so

eine schöne Abschlusskante

9 Per Hand und Hammer werden die Löcher

für die Schnürsenkel in das Leder gestanzt

9

8

DIE SCHUHMANUFAKTUR IM ALLGÄU

Die Familie Keller stellt bereits in der dritten

Generation Schuhe her. Angefangen hat alles

1943, als Remig und Maria Keller in Oy-

Mittelberg eine Schuhmacherei gründeten.

Aus dem »Schuh-Keller« kamen zunächst

Jäger-, Berg- und Griffschuhe, die sie zehn

Jahre nach der Betriebsgründung schon ins

gesamte Oberallgäu lieferten. Im Jahr 1979

erfolgte der Umzug nach Kierwang, wo die

Familie bis heute ansässig ist. Dort begann Alfred

Keller, zunächst aus Gaudi, Holzschuhe

mit Kuhfell herzustellen. Doch die kamen so

gut an, dass sie heute der Verkaufsschlager

des Schuh-Kellers sind.

32

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


10

11

12

13

10 Zwischen Oberleder und Innenfutter wird die

sogenannte Hinterkappe am Hacken eingeklebt.

Sie sorgt dafür, dass der Haferlschuh später

seine Form behält

14

11 Der »halbfertige« Schuh wird anschließend über

eine Form, die Leiste, gestülpt. Nun wird das Leder

mit einer Zange auf Spannung gezogen und mit

Nägeln und Tackernadeln an der innenliegenden

Leiste befestigt. Dabei muss darauf geachtet

werden, dass die Hackennaht gerade ist

12 Das Oberleder und das Innenfutter werden im

hinteren Teil des Schuhs miteinander verklebt

15

13 Dann wird ein Lederriemen um die eben verklebte

Partie des Schuhs gezogen und ebenfalls fest -

getackert. Dieser Schritt ist notwenig, damit der

Schuh seine Form behält

14 Im vorderen Teil des Schuhs wird das Oberleder

zurückgezogen. Nun wird auf das Innenfutter die

Vorderkappe geklebt – diese sorgt für Stabilität.

Dann wird das Oberleder wieder über das Innen -

futter gelegt und in Form gezogen

15 Langsam erkennt man schon, was es einmal

werden soll. Nun wird das Leder wieder in Form

gezogen und erneut mit Nägeln und Tackernadeln

an der innenliegenden Leiste befestigt. Diese

werden erst entfernt, wenn die Hinter- und Vorderkappe

getrocknet sind. Während hinten um den

Schuh ein Lederriemen gespannt wurde, wird vorne

ein dünner Draht benutzt, damit der Schuh nicht

aus der Form gerät, während der Kleber aushärtet


ALPSOMMER & Viehscheid 2017 33


HANDWERK

16

16 Anschließend wird der Keil für den Hacken und

die Gummisohle zum Ausfüllen des Hohlraums auf

der Unterseite des Schuhs eingesetzt. Nach dem

Abschleifen der Sohle wird der Schuh genäht:

eine Naht bei den Damen- und Kinderschuhen,

zwei bei den Herrenschuhen

17

18

17 Aus einem dicken und robusten Stück Leder wird

die Sohle ausgestanzt und danach abgeschliffen

18 Sowohl die Ledersohle als auch die Gummisohle

werden mit Leim bestrichen. Nach einer kurzen

Trocknungszeit wird eine zweite Schicht Leim

aufgetragen

19 Dann werden Sohle und Schuh miteinander

verklebt und mit einer Maschine unter Druck

zusammengepresst. Für eine bessere Optik wird

der Überstand der Ledersohle abgefräst. Bei den

Herrenschuhen folgt danach die zweite Naht

19

34

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


20

21

20 Im letzten Schritt wird ein Absatz an die Sohle

geklebt. Bei Haferlschuhen für Schuhplattler wird

an der Spitze noch ein Metallstück befestigt

21 Der fertige Haferlschuh ist der perfekte

Wegbegleiter, der nicht nur zur Tracht, sondern

auch im Alltag getragen werden kann

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 35


BRAUCHTUM

WAS BIMMELT DENN DA?

WIR BRINGEN LICHT INS ALPGELÄUT

Sie liefern die Hintergrundmusik des Alpsommers und ertönen nicht

nur beim Viehscheid – die Glocken um den Hals der Kühe. Oder sind

es doch Schellen? Die Antwort auf diese Frage geben wir Ihnen und

erklären, was da sonst noch so auf der Alpe läutet.

Der wohl wesentlichste Unterschied

zwischen Glocken und Schellen ist

die Art der Herstellung. Erstere

wird in Form gegossen und besteht aus einer

Messing-Legierung. Die Schelle wird aus

einem Stück Blech gehämmert oder gestanzt,

das dann gebogen und früher zusammengenietet,

heute geschweißt wird. Innen erhalten

beide eine Öse für den Klöppel – bei Schellen

Kalle genannt – und oben einen Steg, bei den

Allgäuer Glocken einen Zapfen, für den Lederriemen.

Auf der Weide kommen in der

Regel die kleinen Weidschellen zum Einsatz.

Beim Alpauszug werden die großen Zugschellen

angelegt: Die richten sich nach dem

Alter und der Größe des Jungviehs.

Soweit das Grobe, kommen wir nun zum

Feinen. Bei Schellen kennt man zwei Oberarten,

die wir oben schon kurz angesprochen

haben: die Zugschellen und die Weidschellen.

Hinzu kommen als eigene Art die Rollen.

Das sind geschlossene Kugeln mit

Schlitzen.

Zu den Unterarten der Zugschellen, die

sich in Größe, Form und Klang unterscheiden,

gehören: Bumpla (Bumpele), Klöpfa,

Auch im Sommerurlaub darf der Halsschmuck nicht fehlen. Meistens tragen die Kühe Weidschellen:

Die sind wesentlich widerstandsfähiger als Glocken

die Rundschellen Katzebüchar und Froschmaul,

Flachschellar oder Keilschellen. Die

wertvollen Schellen beim Alpabtrieb, die je

nach Größe bis zu 500 oder gar 600 Euro

kosten können, werden an einem Lederrie-

men getragen, der am Rand rundum farbig

bestickt ist. Manchmal werden auch Dachshaare

angenäht.

Die Weidschellen werden an einem Lederriemen

getragen und begleiteten die Kuh

36

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Fotos: pixabay.com

Da die Glocken gegossen werden, können sie auf der Oberfläche

Muster oder Schriften im Relief tragen

Die Schellen sind für den Älpler ein wichtiges Hilfsmittel, denn dank ihnen muss er sein

Vieh nicht sehen, um zu wissen, dass es noch da ist. Er hört es

durch den Weidealltag. Sie sind wesentlich

widerstandsfähiger als Glocken. Selbst bei

einer Verformung der Schelle behält sie ihren

Klang bei und der Hirte kann stets seine

Herde wiederfinden. Hat eine Glocke jedoch

einen Riss, verstummt sie. Im Unterallgäu

werden die Weidschellen Schetterna genannt.

Oberbayrische Schellenarten werden

etwa als Trauchgauer und auch Helmensdorfer

Form bezeichnet.

Die (Kuh-)Glocken erhalten ihre Namen zumeist

nach Orten oder Ländern, in denen sie

gegossen wurden, wie Russenform, Mailänder

Form oder Schweizer Form. Sie haben

zumeist einen runden Glockenmund (Öffnung).

Bei der Pariser Form ist der Glockenmund

oval.

Doch nicht nur die Kühe tragen die

schmuck en Stücke um den Hals – auch für

Ziegen, Schafe und Pferde gibt es unter-

schiedlich große und verschieden geformte

Schellen und Glocken. So weiß der Hirte

stets, wo sich seine Tiere auf der Weide befinden.

Werden Zugpferde vor einen Freizeit- oder

Festschlitten gespannt, wird ihr Zuggeschirr

– das Kummet – oft mit einem Geläut, dem

Glitt, versehen. Das besteht aus verschieden

großen, rund oder oval geformten Glocken.

• (tn)

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 37


HANDWERK

DIE BERGE

UM DEN FINGER GEWICKELT

In die Berge kann man sich verlieben. Das wusste nicht nur das

schwesterliche Gesangsduo »Inge und Maria«. Manche Gäste des Allgäus

sind den imposanten Felstürmen schon beim Anblick von unten rettungslos

verfallen. Nach einem Besuch bei Andrea Winkler können die Verliebten

»ihren« Berg mit nach Hause nehmen. In Silber gemeißelt.

38

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Alpenpanorama zum

Mitnehmen – nicht

hundertprozentig

maßstabsgetreu, aber

eine individuelle

Erinnerung an die

letzte Bergwanderung

Steinzeit« nennt Andrea Winkler

eine Linie ihrer Schmuckserien.

»Der rohe Stein kommt aus den

hohen Bergen und wird in den Flüssen auf

dem langen Weg ins Tal zu Kieseln geschliffen.

Den Kiesel aus dem Allgäu verarbeite

ich zu Schmuck, der mich immer an den

Fundort erinnert.« Ihre Stücke stellt die

Goldschmiedin in ihrem Atelier in Altstädten

zwischen Sonthofen und Oberstdorf her.

Dort finden Neugierige auch eine Ausstellung,

wo sie sich einen ersten Eindruck verschaffen

können.

ALLES BEGANN MIT EINEM URLAUB

Wenn die Künstlerin mit den gutgelaunten

Fältchen um die Augen von den Bergen und

dem Allgäu schwärmt, könnte man meinen,

sie lebe schon immer hier.

Dabei ist Andrea Winkler gebürtige Nordrhein-Westfälin:

1963 wurde sie in Aachen

geboren. Dem Allgäu begegnete sie zuerst als

Urlauberin. Ihre Eltern fuhren mit ihr oft

dort in den Urlaub. Die Erinnerung an die

schönen Berge hat sie nie verlassen. Als Jugendliche

verbrachte sie unvergessliche Tage

in Ferienlagern, die von der Kirche organisiert

wurden. Auch als junge Erwachsene

ließ ihr Bergfieber nicht nach: »Ich wandere

sehr gerne und habe mit 19 Jahren erstmals

den Fernwanderweg E 15 gemacht, der damals

noch über das Himmelsjoch führte.«

BERGPANORAMA AM FINGER

Das Schmuckdesign von Andrea Winkler

glänzt durch seine Schlichtheit und ihre außergewöhnlichen

Ideen, zu denen neben

dem Schmuck aus silbergefassten Bachkie-

Fotos: Thomas Niehörster

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 39


HANDWERK

Stirnplatten von Hirschen

und Rehen haben eine individuelle

»Naht« auf der

Stirn, die Andrea Winkler

farbig hervorhebt – schon

vor Jahrtausenden nutzten

unsere Vorfahren

Knochen als Schmuck

Ihre Schmuckserie von

eingefassten Flusskieseln

aus den Bergen nennt

Winkler »Steinzeit«

seln auch ihre Bergpanorama-Ringe gehören.

»Der silberne Bergpanorama-Ring spiegelt

meine Lust am Bergwandern und meine

Verbundenheit zu den Allgäuer Alpen wider.

Auf dem Gipfel angekommen, genieße ich

die Stille und den Ausblick. Das brachte

mich auf die Idee, ein Bergpanorama auf einem

Silberring zu verewigen.« Eine Idee, die

sie inzwischen auch ihren Kundinnen und

Kunden anbietet, und die den Besitzer ein

Leben lang an sein schönstes Bergerlebnis

erinnern soll.

Etwas makaber erscheinen dagegen zunächst

die Ketten und Ohrringe, die Winkler aus

Stirnknochen von Allgäuer Rehen und Hirschen

herstellt. »Diese Art von Schmuck entstammt

einer uralten Tradition der Menschheitsgeschichte«,

erklärt die Goldschmiedin.

»Bereits unsere Urahnen fertigten aus den

Stirnpartien von Rehen und Hirschen

Schmuck, um auf diese Weise ihre Achtung

vor den Tieren zu zeigen, die sie mit allem

versorgten, was sie zum Leben brauchten.«

Mit einer Form aus Silber umfasst Winkler

zuerst ein Stück Stirnpartie. Diese weist

beim Wild eine fließende »Naht« in der Mitte

auf. Andrea Winkler füllt sie mit verschiedenen

farbigen Pigmenten und hebt sie hervor.

Dabei gleicht keine Partie der anderen.

Die Ideen für neue Schmuckstücke gehen

40

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


der Handwerkerin nicht aus: »Ich liebe es,

kreativ zu arbeiten. Vom ersten Entwurf

über die Auswahl der Materialien bis zur

handwerklichen Umsetzung – die Gestaltung

liegt ganz bei mir.«

UNVERLIERBAR: SPIRALVERSCHLUSS

Kreativ muss dabei nicht unpraktisch bedeuten:

Ketten, die Andrea Winkler aus Silber

oder Halb-Edelsteinen herstellt, haben einen

von ihr entwickelten Spiralverschluss, der

nicht nur das Verlieren einer kostbaren oder

ans Herz gewachsenen Kette verhindert. Er

ist auch ein Schmuckelement für sich selbst

und kann die von Oma geerbte Perlenkette

aufpeppen.

Gerade Aufarbeitungen und Änderungen

von Schmuck erledigt Andrea Winkler gerne,

denn diesen alten Stücken den Zeitgeist

zu verleihen, fordert sie heraus. Und: »Man

sollte nicht die Männer vergessen, die sich

gerne einen Hauch von Schmuck zulegen«,

ergänzt sie, »besonders beliebt sind dezent

auffällige Gürtelschnallen, die viel vom Zeitgeist

eines Mannes verraten.«

EINE »FESSELNDE« IDEE

Ein Mann war es übrigens auch, der Winkler

nach ihrem Studium der angewandten Kunst

und Design und der Ausbildung als Goldschmiedin

ins Allgäu führte. »Natürlich der

Liebe wegen«, schmunzelt sie, »gab ich meinen

damaligen Laden in Köln auf und zog

mit meinem Freund, einem Bergführer, nach

Hinterstein bei Hindelang.« Dort arbeitete

sie in einem kleinen Atelier, das sie sich zuhause

eingerichtet hatte. Die Liebe hielt damals

nicht – nach der Trennung ging die

kreative junge Frau zurück nach Köln und eröffnete

mit einer befreundeten Goldschmiedin

eine Ateliergemeinschaft mit Laden.

Das Allgäu aber ließ die begeisterte Bergwanderin

nicht los. Das verlockte sie, auch

auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Hindelang

ihren Schmuck auszustellen. Dort traf sie im

Jahr 2012 »den Richtigen«, ihren heutigen

Lebensgefährten Ralph Müller, Inhaber einer

Natur- und Wildnisschule. »Folgerichtig«

kehrte Winkler im November 2015 wieder

ins Allgäu zurück – und eröffnete ihr

Schmuckatelier in Sonthofen-Altstädten.

In der gemütlichen Atmosphäre des Ateliers

spielt dementsprechend nicht nur die Liebe

zu den Bergen eine Rolle: Wer sich traut,

kann in hier nicht nur Schmuck nach eigenen

Vorstellungen realisieren, sondern auch

seine Eheringe selber anfertigen. Heiratswillige

Paare können in einem achtstündigen

Kurs unter den wachsamen Augen von Andrea

Winkler die notwendigen Techniken

erlernen. »Bei Ehepaaren, die sich bei mir

ihre Ringe selber angefertigt haben, liegt die

Trennungsrate übrigens fast bei null«, lacht

die Künstlerin mit einem Augenzwinkern.

• (tn/ve)

SCHMUCK ATELIER

ANDREA WINKLER

Sonthofer Str. 4, 87527 Sonthofen-Altstädten,

Tel. 0171 2311797, info@schmuck-winkler.de,

www.schmuck-winkler.de;

Öffnungszeiten: Di-Fr, 12-18 Uhr

und nach Vereinbarung

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 41


BRAUCHTUM

STRECKKATZEZIECHE

URALTE TRADITION

Eine Jahrhunderte währende, schweißtreibende Disziplin, die noch heute auf

manchem Dorffest zum Einsatz kommt.

42

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


SPIELREGELN

Holzstich: Archiv

Auf den Dorffesten früher durften Wettkämpfe zur

Erheiterung der Anwesenden nicht fehlen. Dazu

zählte das »Streckkatzezieche«: Dabei werden die

Köpfe der sich gegenüber kniender Kontrahenten –

meist junge Burschen, die die Damenwelt

beeindrucken möchten – durch Seile oder

Tuchstreifen um den jeweiligen Nacken miteinander

verbunden. Auf Kommando versuchen die Männer

nun zerrend und krabbelnd, den Gegner in ihre

Richtung zu ziehen, ohne das Seil zu verlieren. Wer

dies über eine bestimmte Strecke schafft, gewinnt

das Spiel. Im weiteren bayerischen Raum ist dieser

Brauch auch als »Gnackziaha« oder

»Strebkatzenziehen« bekannt. Das Spiel heißt so,

weil die Kontrahenten sich wie sträubende,

widerstrebende Katzen gegenübersitzen.

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 43


NATUR & TIERE

PERLEN AM HANG

WAS BLÜHT DENN DA?

Eine seltene und farbenprächtige Blütenpracht findet man in den Allgäuer Bergen. Im

Gegensatz zu den oft eintönigen Monokulturen in der Ebene. Das hat viele Gründe.

Während im Tal fast jeder Quadratmeter für die Landwirtschaft genutzt wird, spielen

»da oben« noch die Regeln der Natur eine große Rolle.

Ein wahrer Blumentraum erwartet

den Wanderer, sobald er das Tal verlässt:

Knabenkraut, Enzian, Trollblume,

Akelei, Silberdistel und Türkenbund

sind nur einige der typischen »Bewohner«,

die man hier oben antrifft. Kaum dass sich

im Frühjahr die letzten Schneeflecken verwässert

haben, verwandeln sich die Gebirgshänge

in ein großformatiges Farbenspiel.

Dass die Blütenpracht gerade hier so fleißig

wächst und in vielen Farben strahlt, hat einen

natürlichen Hintergrund: Die Wachstumsperiode

in den Berglagen ist im Vergleich

zum Flachland viel kürzer. Alle hundert

Höhenmeter verringert sich die Zeit

von der Blüte bis zur Fruchtentwicklung um

bis zu sieben Tage. Aus diesem Grund teilen

sich viele unterschiedliche Pflanzen die kurze

Zeitspanne, in der sie blühen. Vom Frühjahr

bis in den Herbst hinein wetteifern sie

um die Gunst der Hummeln und Bienen.

FLORA LIEBT DIE BERGE

Die Alpen haben eine besonders schützenswerte

Flora und Fauna – ein Grund für diese

Artenvielfalt ist die Bodenbeschaffenheit.

Alpine Flächen werden in der Regel nicht gedüngt

und sind deshalb natürlicher. Welchen

Untergrund eine Pflanze auch bevorzugt, in

den Alpen liegt ihr ein wahres »Bodenbuffet«

zugrunde: Feuchte Moore, saure Hochmoorböden,

Lehm, kalkhaltiges Gestein

oder nackter Fels – für jeden Boden finden

sich spezialisierte Gewächse, die sich genau

hier ausbreiten und in der Folge unterschiedlichen

Tieren Nahrung bieten.

Doch auch andere Faktoren wie die Bewässerung,

Sonne und Schatten, wie lange an

der Stelle Schnee liegt und wie stark der

Wind weht, spielen eine große Rolle für den

Wuchsort. Selten wechseln sich diese Bedingungen

so häufig ab wie in der Region oberhalb

der Baumgrenze – alle paar Meter ändert

sich für die Pflänzchen alles. Daher

wachsen gerade in den hohen Lagen unterschiedlichste

Blumen Wurzel an Wurzel. Für

uns Menschen ergibt sich daraus ein Bild

von bunter Artenvielfalt.

44

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


In den Alpen gibt es keine

Trolle, dafür Trollblumen.

Ihr Name leitet sich vom

althochdeutschen Wort

»troll« (»kugelrund«) ab

Viel Flora schafft viel

Fauna. Hier sitzt ein

seltener Apollofalter

auf einer Alpendistel

Fotos: H. Braxmeier, Maja Dumat/pixelio.de, Archiv

Die Berg-Hauswurz liebt

kalkarme, steinige Böden

und wächst besonders

gern in Felsspalten

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 45


NATUR & TIERE

DIE EROTISCHE FALLE

Das Leben am Berg ist hart – auch für verwurzelte

Spezialisten. Für den Austausch ihrer

Pollen sind viele Pflanzen auf fremde

Helfer angewiesen. Um ihre Art zu sichern,

heischen sie um die Gunst der tierischen

»Paketträger«: Mit leuchtenden Farben, verführerischen

Düften oder süßem Nektar

locken sie, was das Zeug hält.

Eine besonders hinterlistige Methode hat die

Ragwurz, eine heimische Orchideenart aus

der Familie der Knabenkrautgewächse, entwickelt.

Sie produziert keinen Nektar, sondern

baut aus ihren Blüten täuschend echte

Popos. Sie haben richtig gelesen: Die Ragwurze

bilden je nach gewünschter Bestäubergattung

Hinterteile weiblicher Fliegen

(Fliegen-Ragwurz), Hummeln (Hummel-

Ragwurz) oder Wespen (Wespen-Ragwurz)

nach. Das garniert die schlaue Blume mit

den passenden Sexuallockstoffen der Weibchen

und muss nur darauf warten, dass ein

liebestoller Insektenmann über sie hinwegbrummt.

Schnell ist ein geflügelter Trottel

gefunden, der sich paarungswillig auf das

vermeintliche Weiblein stürzt und vergeblich

versucht, dieses zu begatten. Statt der

großen Liebe findet der Fliegenmann aber

nur reichlich Pollen, die ihn einstäuben.

Zieht der enttäuschte Liebhaber seiner Wege

und probiert es beim nächsten »Hintern«,

nimmt dieser die Pollen über seinen Stempel

auf. So hat der Insektenmann zwar nicht seine

eigene, aber immerhin den Fortbestand

der Ragwurz gesichert. Tja, »Sex sells« –

auch im Pflanzenreich.

BERÜHMTHEITEN UNTERM GIPFEL

Die berühmteste aller Alpenpflanzen ist eigentlich

eine »Zugereiste«. Nach der letzten

Eiszeit ist das Edelweiß aus den hohen Steppengebieten

Zentralasiens nach Mitteleuro-

Der Braun-Klee gehört als

düngerliebende Art zu

den Alpenpflanzen, die

von der Intensivierung

der Landwirtschaft im

Gebirge profitieren

Fiese Falle: Die Blüte der Ragwurz sieht aus

wie ein weiblicher Hummelpopo – die

Männchen fallen immer wieder darauf herein

und übertragen die Ragwurz-Pollen

Um ein Haar hätte der

Mensch die berühmteste

Alpenblume ausgerottet

– das heute streng geschützte

Edelweiß war ein

beliebtes Souvenir

Gebirgsblumen wie der

Enzian haben besonders

große Blüten, damit sie

von den Insekten entdeckt

werden. Fein behaart

schützen sie sich

vor der Kälte

Die behaarte Primel gedeiht

hauptsächlich in Fels- und

Geröllfluren im Hochgebirge

46


pa eingewandert. Die sternförmige Alpenblume

wächst im Allgäu bevorzugt oberhalb

von 1800 Metern und blüht von Juli bis September.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war

das Edelweiß ein begehrtes Souvenir und ist

daher selten geworden. Heute wächst die

kalkliebende Pflanze meist nur noch an unzugänglichen

Standorten und ist streng geschützt.

Der bekannteste Edelweißberg ist

die Höfats, die früher von Einheimischen

bestiegen wurde, um die Sommerfrischler

mit der begehrten Blume zu versorgen.

Mindestens ebenso bekannt ist eine weitere

typische Gebirgspflanze. »Blau, blau, blau

blüht der Enzian«, so besang schon Heino

den alpinen Farbtupfer und machte ihn so

berühmt. Zum Kultstatus hat auch der

gleichnamige Schnaps beigetragen. Der

kann zwar ziemlich blau machen, enthält

aber kein bisschen blau blühenden Enzian –

der edle Tropfen wird aus den Wurzeln des

Gelben, seltener des Purpur-Enzians, gebrannt.

Der Enzian hat viele Unterarten. Im

Allgäu kommen zahlreiche kleinere, blaue

Der Alpen-Mannschild

gehört zu den Primeln und

bildet Polster an kargen

Felswänden. Er zählt zu

den am höchsten vorkommenden

Alpenpflanzen

Arten und der großgewachsene Gelbe Enzian

vor. Da Enziane bitter schmecken, werden

sie von dem Vieh gemieden und sind

daher auf Weiden weit verbreitet. Alle Enziane

sind geschützt. Und das ist auch gut so,

schließlich sollen unsere farbenfrohen Bergwiesen

auch der nächsten Generation erhalten

bleiben. • (ve)

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 47


NATUR & TIERE

48

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Das ehemalige Bergdorf Oberried in voller Kirschblüte.

Hier summen seit dem Frühjahr wieder die Bienen der Alpenimkerei

FLÜSSIGES GOLD

AUS DEN BERGEN

Wer denkt, alles Gold aus den Allgäuer Bergen ist Käse, der irrt sich. Viel

süßer, aber ebenso schmackhaft ist der Honig, der an den blütenprächtigen

Berghängen von fleißigen Bienen produziert wird. Die Alpenimkerei Jörg in

Kranzegg gewinnt auf diese Weise seit 50 Jahren feinsten Alpenhonig.

Begonnen hat alles mit einem herrenlosen

Bienenschwarm, den ich

in einem Baumloch gefunden

habe. Er konnte keinem Besitzer zugeordnet

werden.« Eduard, mit 15 Jahren der jüngste

Sohn der Familie Jörg, beschloss damals,

sich um diese Bienen zu kümmern. Der Beginn

einer Erfolgsgeschichte.

Heute: Eduard Jörg ist inzwischen 67 Jahre

alt. Die Begeisterung für das Imkern hat ihn

nicht verlassen, obwohl er sie an die nächste

Generation weitergegeben hat. Gemeinsam

mit seinem Sohn Andreas hält er zwischen

20 und 30 Bienenvölker auf zwei Bergwiesen

– je nachdem, wie sich das Wetter im Vorjahr

entwickelt hat. In dem ehemaligen Ort

Oberried oberhalb von Sonthofen und am

Breitenstein summen auf 1068 Metern Höhe

die Bienen und produzieren fleißig Honig.

»Während der Sommermonate finden sie

auf den Alpwiesen eine enorme Blütenvielfalt«,

schätzt Eduard Jörg die Standorte deswegen

hoch ein. Fernab von Monokulturen

und ohne den Einsatz von Pestiziden.

Nach der ersten Mahd der Talwiesen und

wenn das Wetter mitspielt, siedeln die Bienenvölker

in ihren Kästen auf die Höhe.

»Bienen zu halten ist ein wetterabhängiges

Geschäft«, bezeichnet

Jörg Senior die Imkerei:

»Vor drei Jahren haben

wir wegen des schlechten

Wetters so gut wie keinen

Honig ernten können. Auch in

diesem Jahr sieht es wegen der

Kälte und Nässe bisher nicht so gut

aus. Die Bienen schwärmen dann

nicht aus. Zudem ist heuer die Obstblüte

erfroren, die den Bienen nach dem Winter

erste Nahrung gibt.« In guten Jahren dagegen,

wenn das Angebot an Blüten und Pollen

stimmt, können die Allgäuer Imker bis zu

drei Zentner Honig »ernten«. Diesen verkauft

die Familie Jörg hauptsächlich übers

Internet. An der Grüntenhütte und im Kä-

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 49


NATUR & TIERE

100.000 Komplexaugen, 200.000 Flügel und 300.000 Beine – ein durchschnittliches Volk von Honigbienen. Ihre Königin ist gekennzeichnet, damit sie schnell identifiziert werden kann

seladen »Käs Buind« in Kranzegg kann man

auch direkt ein Glas Honig mitnehmen.

HONIG IST NICHT GLEICH HONIG

»Den Honig erkenne ich am Geschmack«,

erzählt Eduards 32-jähriger Sohn Andreas,

der gerade sein Informatikstudium in München

beendet und mittlerweile in das summende

Geschäft eingestiegen ist. »Geschmack

und Farbe sind stets abhängig von

den Blüten, die die Bienen anfliegen. Der

Frühjahrshonig schimmert gelblich. Der

Waldhonig im Herbst hat eher eine braune

AUSFLUGSTIPP:

HONIGDORF SEEG

Wer sich für die Honigherstellung im Allgäu

interessiert, für den lohnt sich auch ein Ausflug in

das Honigdorf Seeg im Ostallgäu. In der ehemaligen

Volksschule, die schon das Heimatmuseum

Farbe.« Gelblich-weißer Honig dagegen, wie

man ihn häufig in Supermarktregalen findet,

entspringe eher nicht den Allgäuer Bergwiesen.

»Bei uns gibt es keine Rapsfelder, von

denen dieser helle Honig kommt.« Andere

Honigsorten – wie der Honig von Lindenblüten

– können sogar einen hellgrünen

Farbton annehmen.

Geschmacklich gibt es noch mehr Unterschiede:

So prägen Löwenzahn, Apfel-, Birnen-

und Kirschblüten den Geschmack des

hellgelben Frühjahrshonigs. Ein paar Monate

später »lässt der Sommerhonig die volle

Blütenpracht unserer Bergwiesen schme -

beherbergt, wurde eine Erlebnis-Imkerei eingerichtet.

Das dazu gehörige Bienenhaus entstand auf einer

daneben liegenden Wiese. Hinzu kamen ein Bienen-

Erlebnispfad und der »Bienchenspielplatz Seebiene«

in der Nähe des Ortsweihers. Seeg ist damit das erste

»Honigdorf« in Deutschland.

cken.« Wenn der Sommer warm ist und von

Unwettern verschont bleibt, entsteht an den

Tannen, Fichten und Bergahörnern der Honigtau,

der dem Honig eine kräftige, dunkle

Farbe verleiht. »In jedem Jahr gestalten sich

die Honigkompositionen durch viele Faktoren

ganz anders. Für uns selber ist das immer

wieder aufregend. Wer Honig mag, ist

jedes Mal aufs Neue gespannt auf den ‚neuen

Jahrgang', der ungeschminkt ins Glas

kommt«, schmunzelt Eduard Jörg.

GOLD IM DESIGNERGLAS

»Wie ein edler Wein nicht aus dem Wasserglas

getrunken wird, wollten wir unserem

ebenso edlen Honig, von unermüdlichen

und fleißigen Bienen erzeugt, in ein entsprechendes

Glas abfüllen, das ihrer Mühe entspricht.«

Andreas Jörg hält ein Glas in der

Hand, das einen Bienenkörper nachzeichnet.

»Das immer gleiche Glas mit der Wabe kennen

Generationen von Honigfreunden. Als

ich bei einem Lehrgang in der Imkerschule

Schwaben in Kleinkemnat mit anderen

Jungimkern zusammensaß, überlegten wir

uns, wie ein neues Honigglas aussehen soll-

50

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Fotos: Alpenimkerei Jörg, Archiv

Eduard Jörg begutachtet den Wabenbau seiner Honigbienen

– ein Wunder der Geometrie und Baukunst

te.« Ein junger deutscher Designer entwarf

das elegante Glas für die Jörgs. Gemeinsam

mit einem Geschenkkarton in der Optik eines

Bienenkastens ist den Jörgs eine ansprechende

Verpackung gelungen. Die Gläser

enthalten jeweils 260 Gramm Honig.

Hinter einem solchen Glas Honig verbirgt

sich eine Menge Arbeit: »Etwa 0,05 Gramm

Nektar fasst die Honigblase einer unserer

Honigbienen. Doch Blütennektar ist noch

lange kein Honig, denn er hat einen hohen

Wassergehalt, der je nach Blüte bis zu 90

Prozent beträgt«, erklären die Imker. Der

Wassergehalt von gutem Honig sei jedoch

mit weniger als 20 Prozent deutlich niedriger.

»Bevor durch unsere Bienen aus dem

Nektar der Honig wird, verringert sich sein

Volumen auf etwa ein Fünftel.«

Die Bienen vermischen den Nektar während

des gesamten Prozesses mit eigenen Enzymen.

Diese sorgen dafür, dass sich das Zu -

ckerspektrum des Nektars ändert und hochwertiger

wird. Zusätzlich machen sie den

Honig extrem haltbar: Er ist beinahe unverderblich.

»Doch bevor unser Alpenhonig

fertig für den Genuss ist, erweisen unsere

Bienen der Pflanzenwelt einen der herausragendsten

Dienste, der in der Natur zu beobachten

ist. Nämlich deren Bestäubung.«

KÖNIGIN MIT SERIENNUMMER

In der Regel sind Bienen friedliche Zeitgenossen

und »zuverlässige Kollegen«. Sie

summen im Garten und der Natur herum,

suchen nach Nektar und bestäuben Pflanzen.

»Grantig reagieren sie erst, wenn man

sie reizt«, so der erfahrene Imker. Bienen haben

ein gutes Gespür für das Verhalten von

Menschen. Sie stechen nur, wenn sie sich

oder ihr Volk in Gefahr sehen. Nähert man

sich ihnen oder den Stöcken ruhig und respektvoll,

lassen sich die Bienenvölker gelassen

beobachten. Ein solches Volk von Honigbienen

umfasst zur Hochsaison im Frühsommer

bis zu 50.000 »Bürger«. Jedes Volk

hat immer nur eine Königin. Diese kann

fünf Jahre alt werden und sorgt in dieser Zeit

als einzige für die Nachkommen. Sie versehen

die Imker mit einer winzigen Seriennummer

auf dem Rücken, die später auf den

Kartons der Honiggläser zu finden ist. Anhand

dieser Nummer – zum Beispiel B 1023

– lässt sich herausfinden, wo die Bienen den

WAS STECKT IN EINEM GLAS HONIG?

Andreas Jörg hat das Bienenfieber

seines Vaters übernommen

1 Glas 1 Biene 1 Flug

260 g Honig 0.05 g Nektar je Flug 70 Blütenbesuche

780 g Nektar 15.600 Flüge 1.092.000 Blüten

Quelle: Landesinstitut für Bienenkunde Hohen Neudorf

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 51


NATUR & TIERE

Die Imkerfamilie Jörg aus

Kranzegg (von links): Tochter

Nadine, Sohn Andreas, Mutter

Christine und Vater Eduard

Honig gesammelt haben. Das »B« bezeichnet

den Standort Breitenstein. Diese Nummer

lässt sich auf der Internetseite der Familie

Jörg aufrufen, wo der Ort angezeigt wird

und schlägt eine passende Wanderung vor,

die zu jeder Jahreszeit begehbar ist.

Doch was machen Bienen eigentlich im

Winter, wenn draußen nichts mehr blüht?

»Bienen lieben die Wärme. Im Stock muss es

immer so um die 30 Grad Celsius haben«,

erklärt Eduard Jörg. »Die Bienen machen

das wie die Pinguine, um über den Winter

zu kommen. Sie kuscheln sich zu einer ‚Wintertraube‘

zusammen und bilden im Stock

eine Kugel, bei der die Bienen am Rand immer

weiter zur Mitte rücken und die aus der

Mitte an den Rand drücken.

Um Wärme zu erzeugen, klinken sie ihre

Flügel aus und lassen ihre Flugmuskulatur

im Leerlauf arbeiten.«

WAS BRINGT DIE ZUKUNFT?

Fragt man Vater und Sohn Jörg nach der Zukunft

der Imkerei, dann sind sie fest überzeugt,

dass der Beruf des Imkers oder die

Imkerei als Hobby nicht aussterben wird:

»Auch in Zukunft müssen die Blüten von

52

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Anzeigen

Drei Sorten Alpenhonig

gewinnen die Bienen der

Jörgs: »Frühling«, »Wald«

und »Sommer«

den Bienen bestäubt werden, um Früchte

hervorzubringen.«

Wie lange dagegen Trends wie das »Stadtimkern«

anhalten und ob sie sich langfristig

durchsetzen, das könne man dagegen nicht

voraussagen. »Der Wandel der Imkerei an

sich verlangt eine stetige Weiterbildung –

allein schon, um eine tierfreundliche Bienenhaltung

zu gewährleisten.« Die Jörgs tun

daher alles, um auf dem aktuellen Stand zu

bleiben. Vater und Sohn besuchen regelmäßig

Workshops und Vorträge, zum Beispiel

an der Imkerschule Schwaben bei Kaufbeuren,

wo sich übrigens auch Laien über

die Bienenhaltung informieren können. •

(tn/ve)

INFO

Alpenimkerei Andreas Jörg, Breitensteinweg 9,

87549 Kranzegg, Tel. 0160/91207429,

honig@alpenimkerei.de, www.alpenimkerei.de.

Direktverkauf: Käs Buind, Sonthofener Str. 14,

87549 Kranzegg und Grüntenhütte unterhalb des

Grüntengipfels

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 53


Verlagsverzeichnis

2017/2018

Vom Bildband bis zum Wörterbüchle

Das Beste aus der Allgäuer Verlagswelt


Magazine

Vielen Dank für Ihr Interesse

an der Verlagsreihe EDITION ALLGÄU,

die seit 2007 erfolgreich im Verlag HEPHAISTOS erscheint.

Bekannt wurde die EDITION ALLGÄU in den letzten Jahren vor allem durch die

historischen Allgäu-Bildbände der Lala Aufsberg sowie dem jährlich erscheinenden

Kuh-Kalender. Zahlreiche Neuveröffentlichungen wie verschiedenste Allgäu-

Kalender, historische Romane, Kinderbücher bis hin zu großformatigen

Bildbänden folgten seitdem.

Dank einem sehr gut strukturierten Vertriebsnetz im Allgäu, kompetenten Ansprechpartnern

für Lektorat sowie Grafik und umfangreichen Presse- und Marketingmöglichkeiten,

kann auch Ihr Buchprojekt erfolgreich in unserem Verlag

realisiert werden.

Wir freuen uns auf Ihre Zusendung bzw. Ihre unverbindliche Anfrage und beraten

Sie gerne persönlich über die Möglichkeiten zu Ihrem Buch- oder Kalenderprojekt.

Ihr Team der EDITION ALLGÄU

HEIMAT ALLGÄU

Magazin des Heimatbund Allgäu. Viermal jährlich

werden die Mitglieder sowie Abonnenten über Themen

zu Kultur, Brauchtum, Natur und Freizeit informiert.

HEIMAT ALLGÄU schaut hinter die Kulissen

und berichtet über Menschen aus der Region und

die vielfältige Arbeit der Vereine.

60 Seiten, erscheint 4 x jährlich,

Format 21 x 29,7 cm,

Gratis-Probeheft, Best.-Nr. 200

Komplette Jahrgänge nachbestellen:

Alle noch verfügbaren Ausgaben der Jahrgänge

2016, Best.-Nr. 489 8,50 €

2015, Best.-Nr. 490 8,50 €

2014, Best.-Nr. 491 8,50 €

2013, Best.-Nr. 492 7,00 €

2012, Best.-Nr. 493

2011, Best.-Nr. 494

2010, Best.-Nr. 495

2009, Best.-Nr. 496

2008, Best.-Nr. 497

2007, Best.-Nr. 498

2006, Best.-Nr. 499 je 9,95 €

Bildbände - Allgäu-Kalender - Romane und Krimis - Berg- & Wanderbücher

Humor & Mundart - CDs & Hörbücher...


Magazine

Alpsommer & Viehscheid

Das umfangreiche Sonderheft beeinhaltet zahlreiche

Hintergrundinformationen zum Alpsommer

und dem Viehscheid im Allgäu, dem Tannheimer

Tal, in Reutte und Außerfern. Außerdem erwarten

Sie zahlreiche Veranstaltungs- und Freizeittipps.

84 Seiten, erscheint 1 x jährlich

Format 21 x 29,7 cm, Best.-Nr. 002

Preis 4,00 €

NAGELFLUH

Das Naturpark-

Magazin, mit

Neuig keiten und

viel Wissenswertem aus der Naturparkregion

Nagelfluhkette. Per Haushaltszustellung werden

zweimal im Jahr alle Einwohner der 15 Gemeinden

in der Naturpark Region erreicht.

Format 21 x 29,7 cm, mindestens 32 Seiten,

2 x jährlich, Best.-Nr. 003, Preis 2,00 €

wandern & genießen

»wandern & genießen« erschien erstmals anlässlich

des 113. Deutschen Wandertags in Oberstdorf.

Aufgrund des großen Interesses aus dem touristischen

Bereich wird das Magazin weiterhin veröffentlicht.

Denn das Wandern zieht immer mehr

Menschen in seinen Bann. Es erwarten Sie außerdem

zahlreiche Veranstaltungs- und Freizeittipps.

76 Seiten, erscheint 1 x jährlich

Format 21 x 29,7 cm, Best.-Nr. 005

Preis 4,00 €

allgäuALTERNATIV

Regionale Berichte zu Energiezukunft und

Klimaschutz. Lesen Sie die aktuelle Ausgabe

ganz einfach und kostenlos zur Probe.

Format 21 x 29,7 cm, 76 Seiten,

3 x jährlich, Best.-Nr. 201, Preis 4,00 €

Vereinszeitschriften,

Mitarbeiterzeitungen, Kundenmagazine

Trotz digitaler Medien ist die Unternehmens broschüre noch immer das Basis-Informationsmittel.

Unser erfahrenes Team aus Redak teuren, Mediaberatern

und Grafikern unterstützt Sie bei der Erstellung dieser wichtigen Kommunika -

tionsinstrumente – vom Konzept bis zur fertigen Produktion. Wir setzen Ihre Wünsche

gerne für Sie um und zeigen Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten.

Sprechen Sie uns jetzt an!

EDITION ALLGÄU; Tel. 08379/728616,

Fax 08379/728018 info@heimat-allgaeu.info

www.edition-allgaeu.de

...und viele tolle Geschenk-Ideen finden Sie auf www.edition-allgaeu.de

Ihrem großen Online-Shop der EDITION ALLGÄU


Kalender & Aufkleber

TIPP

Kuh-Kalender

Die schönsten »Braunviecher« auf Allgäuer

Weiden und Wiesen.Bereits das achte Jahr in

Folge gibt es den Kuh-Kalender der EDITION

ALLGÄU. Die Begeisterung für diesen Kalender

ist weiterhin riesengroß.

14 Seiten, Format 42 x 30 cm, Spiralbindung,

Best-Nr. 076, Preis 15,80 €

Panorama-Kalender Allgäuer Ansichten

Der hochwertige Panorama-Kalender »Allgäuer Ansichten« zeigt alljährlich einzigartige Panorama-Motive

des Allgäuer Fotografen Siegfried Bruckmeier im XXL-Format. Sie werden Ansichten des Allgäus kennen -

lernen, welche selbst Allgäu-Kenner ins Staunen bringen. Der Kalender verfügt über einen extra verstärkten

Kalenderrücken und eine doppelte Spiralaufhängung zur perfekten Anbringung an der Wand.

14 Seiten, XXL-Format 100 x 39 cm, Spiralbindung,

Best-Nr. 078, Preis 29,80 €

Allgäu Kalender

Für Allgäu-Liebhaber gibt es den klassischen

Bild-Kalender. Landschaften, Orte und Berge

in eindrucksvollen Großaufnahmen aus allen

Bereichen des Allgäus.

14 Seiten, Format 42 x 30 cm, Spiralbindung,

Best-Nr. 077, Preis 15,80 €

Hopfen und Malz - Gott erhalt's

Ein zeitloser Bier-Kalender, der 13 historische

Stiche zum Thema Bier und Wirtshaus zeigt.

14 Seiten, Format 42 x 30 cm, Spiralbindung,

Best-Nr. 070, Preis 14,80 €

Wir gestalten Ihren Firmen-Kalender

Bereits zahlreiche international tätige Firmen mit Hauptsitz im Allgäu nutzen

die von uns produzierten Kalender als ansprechendes Firmenpräsent für ihre

Mitarbeiter, Kunden und Partner. Gerne zeigen wir auch Ihnen die vielfältigen

Möglichkeiten für Ihren individuellen Firmen-Kalender.

Rufen Sie uns jetzt an!

EDITION ALLGÄU, Tel. 08379/728016

Bildbände - Allgäu-Kalender - Romane und Krimis - Berg- & Wanderbücher

Humor & Mundart - CDs & Hörbücher...


Bücher | Allgäu Bildbände

Dorfleben

im Allgäu

In den 1930erund

1940er-Jahren

war die Fotografie

noch aufwändig

und teuer. Neben

den professionellen

Fotografen mit eigenem

Atelier, übernahmen talentierte Menschen auf

dem Lande die Dokumentation des Lebens in ihren

Orten und Gemeinden. Josef Weixler sen. war so ein

»Dorffotograf« in der Allgäuer Gemeinde Sulzberg.

Josef Weixler, 146 Seiten, Softcover-Umschlag,

Format 21 x 24 cm, 200 Schwarzweiß-Fotos

Best.-Nr. 084, 24,80 €

NEU

Allgäuer Bergsommer

und Leben im Tal

Als junger Mann kam

der Fotograf Leo Schnellbach

(† 1998) in die

Kreisstadt Sonthofen.

Die Bergmotive von ihm

fanden Abnehmer bei

Zeitschriften und Zeitungen.

Aber auch viele

Sonthofener Persönlichkeiten finden sich im Archiv

des Fotografen.

Rudolf Schnellbach, Leos Sohn hob gemeinsam

mit seiner Familie den »Archiv-Schatz« seines Vaters.

In Zusammenarbeit mit der EDITION ALLGÄU

entstand daraus ein kulturhistorischer Bildband.

Leo Schnellbach, 144 Seiten, Format 24 x 30 cm,

Hardcover, Best.-Nr. 034, 24,80 €

Allgäuer Eiswelten

Im Bildband werden 16 Naturschauplätze im

Allgäu und angrenzenden Bregenzerwald vorgestellt.

Je nach persönlichem Geschmack bleiben

keine Wünsche offen, ob für Winterwanderer oder

anspruchsvolle Tourengeher. Kartenskizzen,

Touren steckbriefe und Tipps geben dazu wertvolle

Hilfestellung.

Tom Bendl, 112 Seiten, Format 24 x 17 cm,

Hardcover, Best.-Nr. 075, Preis 24,80 €

Lala Aufsberg –

Historische Bilder

aus dem Allgäu

Nach dem mittlerweile

restlos vergriffenen Buch

»Lala Aufsberg – Landschaften,

Menschen,

Momente«, ist dies der

zweite Bildband zur

wahrscheinlich begnadetsten

Allgäu-Fotografin ihrer Zeit.

Auf 160 Seiten zeigt der hochwertige Bildband

rund 350 bisher unveröffentlichte Fotos. Duplex-

Druck und aufwändige Bildbearbeitung garantieren

beste Bildqualität und besonderen Lesegenuss.

160 Seiten, Format 24 x 30 cm, Hardcover,

Best.-Nr. 029, 24,80 €

TIPP

EINFACH OBEN –

Das Allgäu aus der Vogelperspektive

Dieser Bildband wird Sie begeistern. Schon am

Boden beeindruckt unsere wunderschöne Landschaft

seinen Betrachter. Doch erst der Blick von

oben zeigt die Schönheit unserer Natur, die manchmal

im Verborgenen liegt. »Das Ziel, das ich mit

meinen Bildern verfolge, ist es, den Menschen zu

zeigen, wie schön und vielfältig unsere Natur sein

kann. Nur wenn es uns gelingt, die Erde zu erhalten

und zu respektieren, dann haben auch die

nächsten Generationen eine Zukunft.«

Fotografien von Adi Geisegger, 144 Seiten,

Hardcover, Format 30 x 25 cm,

Best.-Nr. 081, Preis 29,80 €

Naturpark

Nagelfluhkette

Der Naturpark ist

einer der jüngsten

in Deutschland, jedoch

der erste, der

15 Gemeinden aus

zwei Ländern,

Österreich und

Deutschland, verbindet.

Der Bildband

bringt den

Lesern Fauna und Flora des Naturparks näher, und

auch die Menschen, ihr Brauchtum und ihre Kultur

im Allgäu und in Vorarlberg werden mit eindrucksvollen

Fotos präsentiert.

Barbara Frey, 224 Seiten, Format 24 x 30 cm,

Hardcover, Best.-Nr. 026, 24,80 €

Naturpark-Magazin

Zweimal jährlich produziert die EDITION ALLGÄU das

offizielle Magazin für den Naturparkverein Nagelfluhkette

e.V. »Nagelfluh«. Hierbei bekommen alle Haushalte

der 15 Naturpark-Gemeinden das Heft

kostenlos zugesendet. Außerdem ist NAGELFLUH

ganzjährig an den Tourist-Infos erhältlich.

...und viele tolle Geschenk-Ideen finden Sie auf www.edition-allgaeu.de

Ihrem großen Online-Shop der EDITION ALLGÄU


Bücher | Allgäu Romane & Erzählungen

TIPP

Madeleine

1927 – Madeleine ist

16 Jahre alt, als sie mit

ihrer Familie vom Ruhrgebiet

an den Bodensee

umzieht, wo ihr Vater

hofft sein Lungenleiden,

unter dem er durch die

Arbeit im Kohlebergwerk

erkrankt ist, zu kurieren.

Zusammen mit ihrer älteren

Schwester Maria durchlebt sie dort die ersten

Arbeitsjahre, die ersten Schwärmereien und folgt

dem Unternehmen Nestlé nach Hegge ins Allgäu.

Carola Härle, 174 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 079, Preis 12,80 €

Verlorene Jahre

Plötzlich ist Gustav

Meller allein im Haus.

Er und seine Frau Gertrud,

seit vierzig Jahren

verheiratet, lebten die

letzten dreißig Jahre

neben einander her,

ohne Gespräche, jeder

in seiner Welt. Dann

erleidet Gertrud einen

Herzinfarkt und kämpft

im Krankenhaus ums Überleben und Gustav spürt

die Leere nun mit aller Macht.

Carola Härle, 128 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 073, Preis 12,80 €

Bergsommer –

Mein Jahr als Hirt, Wirt und Senn

auf einer Oberallgäuer Sennalpe

»Nun ist es tatsächlich so weit, mein erster

Alpsommer beginnt und ich beziehe bei herrlichstem

Frühlingswetter meine Heimat die

nächsten etwa acht Monate, in der ich arbeiten

und leben werde, bis dass der Winter uns

scheidet.«

Mit dem Auftrieb der Geißen beginnt Anfang

April die Saison auf der Alpe Sonnhalde. Ein

harter und entbehrungsreicher Sommer steht

bevor. Er wird mir meine Grenzen zeigen, mir

aber auch vieles zurückgeben. Und es wird der

Sommer sein, der mein Leben vielleicht für

immer verändert...

Florian Maucher, 176 Seiten,

Format 14,8 x 21 cm, Softcover,

Best.-Nr. 044, 12,80 €

Auguste Städele

Bäuerin und

Fotografin

Die Bauerntochter

Auguste Städele (1879-

1966) erhielt als junge

Frau vom Dorfpfarrer ein

un gewöhnliches Geschenk:

eine Kamera.

Bereits in der Zeit vor

dem Ersten Weltkrieg

wurde sie damit zur bildlichen Chronistin ihrer Familie

und ihres Heimatortes. Zwischen 1900 und

1920 entstanden etwa 530 Glasplatten-Negative.

Sie zeigen Häuser in Missen, die Menschen des

Dorfes im Porträt sowie ihre Arbeit und »Freizeit«.

Jürgen Schmid M.A., 80 Seiten, Format 16 x 21

cm, Softcover, Best.-Nr. 024, 9,80 €

Das Puzzle des Lebens

»Das Puzzle des Lebens«

besteht aus Erzählungen,

die durch die

vielen Begegnungen und

Berührungen der Autorin

mit Menschen und die

dadurch erlebten Episoden,

aber auch durch

die Familientradition des

Geschichten Erzählens

und Schreibens von Frau zu Frau weitergegeben,

entstanden sind. Von heiter bis wolkig, zwischen

Historie und Imagination – das macht die biografischen

und anderen Erzählungen aus, die zu einem

fantastischen Geschichtenpuzzle zusammengefügt

wurden.

Gisela Angenend, 182 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 082, Preis 12,80 €

Sie sind Autor?

Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben

und uns ein Buchprojekt zukommen lassen wollen,

senden Sie uns bitte Ihr Manuskript in ausgedruckter

Form an die EDITION ALLGÄU, z. Hd. Herrn

Peter Elgaß, Lachener Weg 2, 87509 Immenstadt-

Werdenstein oder per E-Mail an peter.elgass@heimat-

allgaeu.info

Weitere Informationen finden Sie unter

www.edition-allgaeu.de

Bildbände - Allgäu-Kalender - Romane und Krimis - Berg- & Wanderbücher

Humor & Mundart - CDs & Hörbücher...


Faszination BERG

Das Ehepaar Hermine

und Heinz Sommer

waren ein fester Bestandteil

der Allgäuer

Kletterszene und gehört

zu deren Urgesteinen. In

»Faszination BERG« hat

Heinz Sommer († 2016)

zahlreiche Klettergeschichten

und alpine

Anekdoten aus seinem großen Erfahrungs- und

Erinnerungsschatz gesammelt und gibt wieder,

was ihn am Bergsteigen so bezaubert und dem

Ehepaar unvergessliche Erlebnisse beschert hat.

Heinz Sommer, 253 Seiten, Format 21 x 29,7 cm,

Softcover, Best.-Nr. 065, Preis 19,80 €

Gegengleich

Der Zimmermann Bertl

und die Künstlerin Sarah

bewirtschaften im Sommer

eine Alpe in den Allgäuer

Bergen. Doch für

den Rest des Jahres

haben sie noch kein eigenes

Zuhause. Darum ziehen

sie im Herbst hinaus,

um das Leben zu entdecken.

Zu Fuß mit Rucksack

und Zelt geht es über die Alpen Richtung Süden.

Die Reise hält jedoch nicht nur viele Höhenmeter,

sondern auch eine Reihe Stolpersteine für sie bereit.

Sarah Fehr, 136 Seiten, Format 12 x 19 cm, Softcover,

Best.-Nr. 056, 9,80 €

NEU

Der Liebesapfel

Wen beschäftigt sie

nicht, die Liebe? Wer

sucht ihn nicht, den Weg

zum Glück? Hier ein ungewöhnliches

Märchen

über dieses große

Thema, das Thema

schlechthin. Markus

Noichl lässt die Sau

raus. Genauer gesagt

den Eber. Also den Schweinemann, den Schweinerich.

Den rosigen Rudi Rundlich aus dem Stall und

seinen wilden, dunklen Bruder, den borstigen Bertram

aus dem Wald.

Markus Noichl, 72 Seiten mit Illustrationen von

Wolfgang Steinmeyer, Format 17 x 24 cm,

Hardcover, Best.-Nr. 074, Preis 14,80 €

Jenseits von Jedem

Von Obergünzburg aus durchs Ostallgäu und weiter

Stefan Voecks sieht seine Zeilen und Fotos

nicht in der Tradition der Wanderführer, wie es

sie bereits zahlreich gibt, sondern viel eher als

Stichwortgeber, der mit Wort und Bild neugierig

machen, Interesse wecken und damit den Impuls

zu vertiefender Recherche geben will. Nicht mehr,

aber auch nicht weniger.

Stefan Voecks, 142 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 086, 12,80 €

Gut zu wissen…

Nicht erst seit 2007 ist der Verlag HEPHAISTOS kompetenter Ansprechpartner

für Bücher, Kalender, Bildbände und Zeitschriften.

Seit über 20 Jahren bereits erscheint die gleich namige Fachzeitschrift für

Schmiede und Metall gestalter – in Anlehnung an Hephaistos, laut griechischer

Mythologie der Gott des Feuers und der Schmiede. Mit einem angeschlossenen

Buchvertrieb sind wir der weltweit führende Fachverlag für Schmiede und Metallgestalter

und versenden unsere Veröffentlichungen in über 40 Länder weltweit.

...und viele tolle Geschenk-Ideen finden Sie auf www.edition-allgaeu.de

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Bücher | Allgäu Romane & Erzählungen

NEU

Die unbekannten

Seiten des Allgäus

Im dritten Band seiner Allgäu-Trilogie besucht er

Stätten, bei denen vor langer Zeit noch der

Scharfrichter herrschte und Scheiterhaufen loderten.

Als an Kreuzwegen noch Spukgestalten

umhergingen und in den Spinnstuben die alten

Sagen weitergegeben wurden.

Peter Würl, 1946 in Tachau in Tschechien geboren,

wuchs in Geretsried südlich von München

auf. Seit über 30 Jahren lebt er im

Allgäu in Obergünzburg. Bekannt wurde Peter

Würl durch ungezählte Lesungen in ganz

Deutschland.

Peter Würl, 96 Seiten, Softcover-Umschlag,

Format 14,8 x 21 cm, Best.-Nr. 085, 9,80 €

Geheimnisvolles

Allgäu – Ausflüge

zu sagenhaften und

versteckten Plätzen

Mit seinem Buch »Geheimnisvolles

Allgäu« verführt

Peter Würl zu

Wanderungen an manch

bekannte, jedoch immer

noch von Geheimnissen

umwitterte Orte, wie andererseits

zu Plätzen, die noch vom Tages tourismus

völlig unberührt sind. Der Autor hat diese Orte

nicht nur besucht, er ist auch deren Historie und

sagenhaften Hintergründen nachgegangen.

Peter Würl, 86 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 064, 9,80 €

TIPP

Königlich Bayerisches

Blut gericht

Schwaben und das Allgäu

in den Jahren 1803

bis 1837. Schwaben war

gerade erst bayerisch geworden.

Hansjörg Straßer

hat alte Gerichtsakten gewälzt

und Fälle entdeckt,

die unser Land geprägt

haben. Das Blutgericht ist

ein dunkles Kapitel der Zeitgeschichte.

Hansjörg Straßer, 184 Seiten,

Format 148 x 210 mm, Softcover,

Best.-Nr. 052, 12,80 €

Wunderliches Allgäu

Bei Würls Spurensuche

geht es um alte Burgen,

um mittelalterliche Bäder

aber auch Aberglauben

und – wie der Titel verrät

– »Wunder liches«. Er

regt mit seinen Erzählungen

zu Wanderungen an

geheimnisvolle Orte an –

von der Teufelsküche bis

Schloss Liebenthann.

Peter Würl, 86 Seiten, Format 18,8 x 12 cm,

Softcover, Best.-Nr. 213, 9,80 €

Staatsschutzsache:

Verschwörung

Alpenbund

Dieses Buch soll als Versuch

verstanden werden,

dem Leser politische Geschichte

plastisch und

greifbar nahe zu bringen

– eine Geschichte, die

sich 2011/2012/2013

zum zweihundertsten

Male jährt. Es handelt sich mehr um ein Sachbuch,

wenn auch ungewöhnlicherweise um ein solches,

das als Klammer den Zeitbogen zwischen Zukunft

und Vergangenheit spannt.

Hansjörg Straßer, 180 Seiten,

Format 14,8 x 21 cm, Softcover,

Best.-Nr. 045, 12,80 €

Meuchelmord im

Kemptener Wald

Der Mord am Görisrieder

Söldner und Kemptener

Boten Anton Maurus

vom 9. Oktober 1872

kommt im Frühling 1928

wieder ins Gespräch.

Der Grund dafür ist ein

Vorfall in Görisried und

eine darauf bezogene,

vollkommen neue Mutmaßung. Der Kemptener

Kriminal beamte Xaver Gschwend setzt sich mit

diesem Verbrechen auseinander.

Anton Maurus, 202 Seiten,

Format 14,8 x 21 cm, Softcover,

Best.-Nr. 059, 12,80 €

Liebe Furcht

Vergänglichkeit

Dem bekannten Arzt

Walter von Rechlin

gelingt es zusammen

mit seinen osmanischen

Kollegen die Pest in

Istanbul zu bekämpfen.

Vom Sultan reich

belohnt will er nach

Konstanz zurückkehren,

um seine Tochter

Sophia, die er viele Jahre nicht mehr gesehen hat,

wieder in seine Arme zu schließen. Doch das

Schicksal verschlägt ihn nach Venedig.

Werner Köhnlein, 222 Seiten,

Format 148 x 210 mm, Softcover,

Best.-Nr. 043, 12,80 €

Bildbände - Allgäu-Kalender - Romane und Krimis - Berg- & Wanderbücher

Humor & Mundart - CDs & Hörbücher...


Bücher | Gedichte, Dialekt & Humor

Sammlung Dieter Höss

Taschenbücher mit Texten, Geschichten,

Gedichten und Limericks von Dieter Höss,

ab 100 Seiten, Format 14,8 x 21 cm, Softcover

Wo die wilden Männle hausten Best.-Nr. 072, Preis 12,80 €

Allgäuer Limericks, Best.-Nr. 025, Preis 9,80 €

Allgäuer Lesebuch, Best.-Nr. 035, Preis 12,80 €

Neuschnee im Juni, Best.-Nr. 041, Preis 9,80 €

Lebensfries –

Gedichtband

2009 fand Hermann

Seber (*1936 in Immenstadt,

† 2015) den

Kontakt zu einer Schreib -

gruppe, wo er erstmals

seine Gedichte vortrug

und mit den außergewöhnlichen

Texten die

Zuhörer in Staunen

versetzte.

Gedichtband eines verkannten, bisher

unbekannten Lyrikgenies, herausgegeben

von Brigitte Günther und Kay Wolfinger.

Hermann Seber, 230 Seiten, Format 12 x 19 cm,

Softcover, Best.-Nr. 047, Preis: 12,80 €

Allgäu heiter

bis sonnig

Ein Reise- und

Sprachführer, nach

dessen Lektüre jeder

Gast im Allgäu ein

Essen bestellen und

die üblichen Umgangsformen

einhalten

kann. Ein

quasi-lexikalisches Werk, das zahlreiche Phänomene

erklärt und landesübliche Vokabeln in der

speziellen Sichtweise der Allgäuer humorvoll betrachtet.

Für alle, die im Allgäu zu Hause sind und

für die jenigen, die dort Erholung suchen.

Peter Elgaß, Format 21 x 21 cm, 96 Seiten,

Softcover, Best.-Nr. 020, 9,80 €

Nicht alles aus

dem Allgäu ist Käse

Angefangen von der

Kindheit, über die

Schulzeit, die Ministrantenkarriere,

die

Studienjahre bis hin zu

Partnerschaft und Berufsleben,

Erlebnissen

mit Verwandten und

Bekannten – alle Anekdoten

und Geschichten

beschreiben wahre Begebenheiten aus dem Leben

von Helmut Schneider. Es sind zumeist kuriose Geschichten,

aber eben Geschichten, die ein Leben

halt so schreibt.

Helmut Schneider, 300 Seiten, Softcover im

Format 12 x 19 cm, Best.-Nr. 048, 12,80 €

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Bücher | Allgäuer Geschichte

TIPP

Fidel Schlund

Allgäuer zwischen

den Welten

In der Zeit der Deutschen

Revolution von

1848/1849, als sich im

Allgäu mutige Männer

für Demokratie und Freiheit

einsetzten, spielte

der Geschäftsmann und

Landtagsabgeordnete

Fidel Schlund eine wichtige Rolle. Für seine Ansichten

verfolgt, baute sich der Immenstädter als Auswanderer

in Amerika ein zweites Leben auf.

Hansjörg Straßer, 217 Seiten,

Format 14,8 x 21 cm, Softcover,

Best.-Nr. 057, 12,80 €

200 Jahre

Immenstädter

Post geschichte

Als vor 200 Jahren die

Post in Immenstadt Einzug

hielt, waren bereits

viele Regionen besser

versorgt als das Allgäu.

Das Oberallgäu stellte jedoch

besondere Anforderungen

an das Personal,

die Beförderungsmittel und die Ausrüstung. Helmut

Ott hat als Vollblut-Postler jahrelang Unterlagen

gesammelt und Archive besucht. In diesem

Büchlein hat er die Ergebnisse seiner Geschichtsforschung

zusammengefasst.

Helmut Ott, 136 Seiten, Format 21 x 29,7 cm,

Hardcover, Best.-Nr. 027, Preis 9,80 €

Carl Hirnbein –

Der Allgäu-Pionier

Was als lose Zusammenstellung von Erkenntnissen

über Carl Hirnbein begonnen hatte,

wuchs zu einer veritablen Biografie heran. Der

Autor und bekannte Film- und Fernseh regisseur

Leo Hiemer fühlt einer Reihe von Hirnbein-Legenden

auf den Zahn und rückt nebenbei auch

manches Klischee zurecht: So das geflügelte

Wort vom »blauen Allgäu«, das Hirnbein zum

»grünen« gemacht habe.

Leo Hiemer, 136 Seiten, Format 21 x 29,7 cm,

Hardcover, Best.-Nr. 046, 19,80 €

Auftragsproduktionen für Gemeinden,

Vereine und Institutionen

Ihre Gemeinde, Fima oder Ihr Verein feiert ein Jubiläum? Sie möchten passend

dazu Ihre Geschichte der Öffentlichkeit in einem ansprechenden Buch präsentieren?

Gerne unterstützen wir Sie professionell und unkompliziert bei Ihrer

Publikation, von der Idee bis zum fertigen Buch. Lektorat bedeutet für uns mehr

als Korrekturlesen. Wir stehen Ihnen bei der Entstehung bereits mit Rat und Tat

zur Seite. Redaktion, Layout und Druck werden bei uns von kompetenten Fachleuten

betreut. Das garantiert attraktive Bücher, die Leser und den Buchhandel

ansprechen. Unsere langjährige Erfahrung in Marketing und Vertrieb sorgen dafür,

dass die Bücher in der Presse, vor Ort und im Buchhandel präsent sind.

Für alle Fragen und Wünsche stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Rufen Sie

uns jetzt an!

EDITION ALLGÄU, Tel. 08379/728016

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Bücher | Kinderbücher

Pirmin – Der kleine

Kelte aus dem Allgäu

Dieses Kinderbuch führt

den Leser in eine

andere Zeit zurück und

bringt Kindern das

Leben der Kelten im frühen

Allgäu näher.

Autor Hansjörg Straßer

lebt seit seinem 10.

Lebens jahr in Kempten,

wo er Vorsitzender Richter am Landgericht war. Mit

»Pirmin, der kleine Kelte aus dem Allgäu« veröffentlicht

er sein erstes Kinderbuch.

Hansjörg Straßer, 60 Seiten mit zahlreichen

Illustrationen von Felicitas Straßer, Format 14,8 x

21 cm, Softcover, Best.-Nr. 083, Preis 9,80 €

NEU

Maria hat mich

angebaggert!

Kindermund tut Wahrheit

kund! Das weiß jeder von

uns. Und manchmal

kommt nicht nur die

Wahrheit aus ihren Mündern,

sondern auch so

manche Wortneuschöpfung

oder frecher

Spruch, die einen zum

Schmunzeln bringen. Claudia Meier, Erzieherin aus

Oberstaufen, sammelt seit vielen Jahren Kindersprüche.

Ermutigt durch ihre Kollegen hat sie die

besten Sprüche in der EDITION ALLGÄU veröffentlicht,

um auch Andere zum Lachen zu bringen.

Claudia Meier, 48 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 071, Preis 9,80 €

TIPP

Laniablond

Als Max aufwacht, ist

seine Mutter verschwunden.

Auch Papa scheint

nichts zu wissen, und so

muss Max die Dinge

selbst in die Hand nehmen.

Gut, dass Lania ihn

auf seiner abenteuerlichen

Suche begleitet,

doch selbst zu zweit

können sie das Geheimnis nur langsam ergründen:

Wo ist Mama? Wer ist dieser geheimnisvolle Typ im

Anzug, der wie aus dem Nichts auftaucht und

immer schon alles zu wissen scheint? Und wie

hängt das alles mit der verwunschenen Schlucht

zusammen?

Bernhard Lingg, 262 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 051, 12,80 €

Böllis zauberhafte

Verwandlung

Eines Tages verliert

Schaf Bölli seine Herde.

Obwohl er Mädchen total

uncool findet, folgt er

dem Eichhornmädchen

Piri zu einer alten

Scheune. Dort versteckt

der merkwürdige Herr

Grantig seinen letzten

Heißluftballon vor der Baronin von Greuel und

Breuel.

Vivien Horesch, 68 Seiten, Format 148 x 210 mm,

Softcover, Best.-Nr. 053, 7,80 €

Wie die Kuh das Allgäu suchte

Die in Kempten geborene Autorin Iris Dollansky hat

sich in »Wie die Kuh das Allgäu suchte« ihrer Allgäuer

Heimat gewidmet und entfacht das kindliche

Interesse am beliebten Braunvieh. Sie lässt ihre

Kuh eine Weltreise auf der Suche nach der richtigen

Heimat unternehmen. Nach vielen Begegnungen

findet die Kuh eine Gegend, in der alles so ist,

wie sie es sich erträumt hat: das Allgäu. Das mit

vielen Zeichnungen der Autorin versehene Buch ist

auch für kleinere Kinder gut zu verstehen und eignet

sich gut zum gemeinsamen Lesen oder Vorlesen.

So kann die Liebe zum Allgäu jungen Lesern

spielerisch vermittelt werden.

Iris Dollansky, 56 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Softcover, Best.-Nr. 054, 9,80 €

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VIEHSCHEID

MAIERHÖFEN

mit der längsten Alpabtriebsstrecke im Allgäu

15.09. – 17.09.2017

Am Freitag, 15.09.17 ab 20.00 Uhr Auftakt zum Viehscheid

mit der bekannten Wasenband „Lederrebellen”

Am Samstag, 16.09.17

- um ca. 11.30 - 12.00 Uhr Eintreffen des Alpzuges

(ca. 200 Tiere) auf dem Scheidplatz,

musikalische Untermalung

- ab 9.30 Uhr regionaler Markt rund um das Festgelände

- ab 10.00 Uhr Festzeltbetrieb

mit der Musikkapelle Maierhöfen

- um 20.00 Uhr Allgäuer Heimatabend

mit dem Trachtenverein, „Goißenschnalzern“

und den Alphornbläsern „Kugel Bueba“

aus Maierhöfen, danach Tanz- und Stimmungsmusik

mit den „Allgäu-Feagern“

Am Sonntag, 17.09.17

- ab 10.00 Uhr Zeltgottesdienst, anschließend

Frühschoppen mit der Musikkapelle Maierhöfen

- 12.30 Uhr: Kinderfest mit Wettspielen auf dem Festplatz

- 14.00 Uhr: Unterhaltung und Stimmung

mit „Allgäu Krainer“

FERIENCLUB MAIERHÖFEN – VIEHSCHEIDTAGE 2017

Erleben Sie das jährliche Highlight im Ferienclub Maierhöfen mit einem umfangreichen Rahmenprogramm

gepaart mit gelebter Tradition und Brauchtum in Mitten einer wundervollen Natur.

Enthaltene Leistungen:

2 x Übernachtung im Bungalow

2 x reichhaltiges Frühstück vom Buffet

1 x Allgäuer Abendbuffet mit regionalen Gerichten

am Anreisetag mit einem Heuschnaps

Tägliche Nutzung des Erlebnisbades und GEWSpielparadies

Nebenkosten und Endreinigung inklusive

Preis pro Person ab 99 Euro im Bungalow Löwenzahn

Weitere Bungalows auch für Familien auf Anfrage!

Stockach 1 | 88167 Maierhöfen | Tel. 08383/9 22 00 | Fax 08383/9 22 0307

www.ferienclub-maierhoefen.de | info@ferienclub-maierhoefen.de


VIEHSCHEID SPEZIAL

WO DIE KUH

DURCH’S DORF ROLLT

Zahlreiche Schaulustige säumen die Straße, zücken die Fotoapparate und warten

gespannt auf die einlaufene Kuhherde. Und da kommen sie schon – vorne weg

die Prächtigste von allen: die Kranzkuh. Auf einmal geht ein Raunen durch die

Menge und jemand ruft: »Die ist ja gar nicht aus Steak, sondern aus Holz!«

Was ist da los? Ganz einfach: Es

ist Viehscheid in Schlachters.

Der kleine Ort im beschaulichen

Westallgäu feiert den alten Brauch

etwas anders. Während überall sonst in der

Region ganze Herden von Rindviechern

den Berg hinab und durch die Stadt getrieben

werden, rollen in Schlachters seit mittlerweile

zwölf Jahren Holzkühe durch das

Dorf in der Gemeinde Sigmarszell.

VOM STREIT ZUM SCHEID

Dass der Ortsteil der Gemeinde Sigmarszell

überhaupt Viehscheid feiert, ist an sich

schon eine Sensation, denn er besitzt gar

keine eigene Alpe, auf der Kühe im Sommer

weiden könnten. Noch kurioser ist allerdings

die Geschichte zur Entstehung des

»Holzviehscheids«.

Jahrelang gab es einen heftigen Kampf zwischen

dem Gartenbesitzer, Grundstücksan-

lieger und Bankdirektor a.D. Hubert S. und

dem Weidevieh von Metzgermeister Martin

R.. Die Kühe des Metzgers waren sehr freiheitsliebend

und so kam es, dass sie bis zu

fünf Mal im Jahr den Garten des ehemaligen

Bankdirektors aufsuchten, um diesen nach

tagelangem Dauerregen ordentlich durchzutreten.

Ob die Rindviecher nur etwas Wellness

in Form eines Schlammbades genießen

wollten, war Hubert S. egal. Um den Frieden

68

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Die kleinen Zweibeiner führen die kleinen hölzernen Verwandten der Leitkuh durch den Ort

Fotos: Schlachters/Gemeinde Sigmarszell, Josef Gapp

Kranzkuh Genoveva ist ein pflegeleichtes Prachtstück: Sie frisst nicht, sie stinkt nicht und macht keine Arbeit

in der Nachbarschaft wiederherzustellen,

trafen sich der Metzger und der Gartenbesitzer

zu längeren nächtlichen Aussprache.

Bei dieser tranken nicht nur die Streithähne

etwas (oder auch etwas mehr) Alkohol, sondern

auch die Streitschlichter und so einigte

man sich schließlich auf ein Fest zu Gunsten

der Allgemeinheit in Schlachters – einen

Viehscheid. Da aber eine Alpe fehlte und es

zu wenige Kühe gab, fiel die Wahl auf die äußerst

seltene Allgäuer Holzkuh.

FÜR RUHM UND EHRE

Leittier der hölzernen Herde ist die schöne

Genoveva – beim Schaulaufen durch

Schlachters führt sie nicht nur die zwei- und

vierbeinigen Rindviecher an. Mit dabei sind

auch alte Traktoren und mehrere Teams, die

sich im anschließenden Wettkampf messen

wollen. Ende des Umzugs ist der Scheidplatz

– dort angekommen haben sich Genoveva

und ihre hölzernen Verwandten eine Pause

verdient. Nun sind die Menschen dran und

müssen sich im »Viehscheidmehrkampf«

messen. In jährlich wechselnden Disziplinen,

wie Fingerhakeln, Wettmelken, Mistdielenlauf

und vielen mehr kämpfen die

Teams nicht nur für Ruhm und Ehre, sondern

auch um Preise. Für die besten Mannschaften

winken etwa Laternen basteln mit

anschließendem Umzug durch das Dorf, ein

lebendes Spanferkel, eine Führung durch

den Rathauskeller mit dem Bürgermeister

oder Nachtrodeln in Kranzegg.

Ständige Disziplin des sehr ernst genommenen

Wettkampfes ist das »Viehscheidabidur«,

bei dem die »Abidurienten« auch mal

kreuz und quer durch Schlachters laufen

müssen, um Siloballen mit blauen Markierungen

zu zählen. Auch die Allgemeinbildung

wird gefordert – wer die Fragen zur

INFO

Wer den Viehscheid in Schlachters mit eigenen

Augen sehen will, hat am Wochenende vom

9.-10. September die Gelegenheit dazu. Am

Samstag geht es um 14 Uhr los und am Sonntag

startet um 10.30 Uhr der Frühschoppen.

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 69


VIEHSCHEID SPEZIAL

Landwirtschaft oder dem Dorfleben nicht

beantworten kann, der hat auch kein »Abidur«

verdient.

Doch neben all den Preisen, dem ewig währenden

Ruhm und dem begehrten Abschluss,

gibt es etwas, worauf es wirklich alle

abgesehen haben: die Viehscheid Wanderschelle.

Noch nie konnte eine Mannschaft

diese dreimal hintereinander gewinnen.

Daran sieht man, wie hart der Wettkampf ist

und dass die Teams sich nichts schenken.

MYSTERIÖSES VERSCHWINDEN

Hat die Wanderschelle ihr neues Zuhause

auf Zeit bekommen, geht es rein in das Festzelt.

Bei Essen und Trinken und musikalischer

Unterhaltung lassen alle den Tag ausklingen.

Doch nicht nur bei den Organisatoren,

der Freiwilligen Feuerwehr Sigmarszell

und dem Schützenverein Sigmarszell,

sondern auch bei vielen Besuchern schleicht

sich manchmal ein komisches Gefühl ein.

Denn draußen vor dem Festzelt stehen Genoveva

und ihre Verwandten und vor ein

paar Jahren ereignete sich etwas Mysteriöses.

Es war im Jahr 2010, als Genoveva entführt

wurde. Ein paar Tage später tauchte sie wieder

auf und alle dachten, die Entführer hätten

sich ein Herz gefasst und sie in die Freiheit

entlassen.

Doch dann, letztes Jahr, bekam sie zwei Kälber.

Die Gerüchteküche begann zu brodeln:

Wurde sie damals gar nicht entführt? Ist sie

vielmehr mit einem hübschen Bullen durch-

70

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Anzeigen

Eine Disziplin beim

Viehscheidmehrkampf:

Die Teams müssen mit

Traktorfrontlader vorbestimmte

Sandmengen

abliefern

gebrannt und hatte eine verhängnisvolle Affäre?

Mittlerweile gehen alle fest davon aus.

Das bedeutet allerdings auch, dass die Tragezeit

von Holzkühen wesentlich länger ist

als von den Richtigen.

Was genau geschah, wird wohl immer

Genovevas gut gehütetes Geheimnis bleiben,

doch eines ist sicher: Ab jetzt werden alle ein

Auge auf die wilde Holzkuh werfen und das

nicht nur beim wohl lustigsten Viehscheid

im Allgäu. • (cs)

links: Tauziehen um Platz

zwei, nach Gleichstand

beim Wettkampf.

rechts: Spaß für die Jüngsten

– sie dürfen im Heu

nach Holzbrettchen

suchen, auf denen mit

etwas Glück Pommes

oder Limo als Gewinn

drauf steht

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 71


BRAUCHTUM

ZU BESUCH BEI MINA

BÜRGERLICHES WOHNEN IM MUSEUM

In der Ortsmitte von Tannheim in Österreich steht ein Haus, dessen

Name eher an eine spanische Taverne als an ein Museum erinnert: das

Felixe Minas Haus. Über 300 Jahre ist es alt, bestens erhalten, unter

Denkmalschutz stehend und mit Überraschungen aufwartend.

Seit der Erbauung 1698 haben sieben

Generationen der ortsansässigen

Familien-Dynastie Zobl das Haus

bewohnt – bis 1990. Da der Familienname

Zobl im Tannheimer Tal fast so oft vergeben

scheint, wie Müller oder Schulze anderenorts,

wurde es wegen der besseren Zuordnung

nach seinen früheren Besitzern

benannt. Im Jahr 1890 heiratete ein gewisser

Felix Schmid in die Zobl-Dynastie ein. Aus

dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Zuletzt

wohnten nur noch Felix Schmid und

eine seiner Töchter – Wilhelmine, Mina genannt

– in dem Haus. Nach ihrem Tod vermachte

Mina das Haus der Gemeinde

Tannheim. Bevor es zu einem Museum

wurde, war das Haus jahrelang unbewohnt

und stand unbeachtet in der Mitte des Ortes.

Das änderte sich in den Jahren 2008 bis

2010, als das Gebäude schließlich mit Hilfe

von EU-Mitteln in ein Kulturzentrum, oder

anders gesagt in ein Museum, umgewandelt

wurde.

Im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden

hat der Hof die Jahrhunderte fast unberührt

überstanden. Es gab keine Umbauten, weder

Ausbauten noch Modernisierungen. Die

Kammern und Stuben, die Fenster und Türstöcke,

die Täfelungen und Holzdecken, der

Keller mit einem Tiefbrunnen und der Stadel

sind alle noch so erhalten, wie sie einst

den Besitzern dienten. Und da die Zobls nebenbei

eine Landwirtschaft betrieben, konnten

sie sich ein gutbürgerliches Leben leisten.

Davon kann man sich bei einem Rundgang

überzeugen, der wie ein Besuch bei der Mina

anmutet.

DIE ÜBERRASCHUNG

IM ELTERNSCHLAFZIMMER

Bevor das Haus 2008 mit der alten Möblierung

als Museum neu eingerichtet wurde,

musste aufgeräumt werden. Der gesamte

Hausstand wurde gesichtet und die aufgefundenen

Objekte inventarisiert. Anschließend

wurden sie, sinnvoll neu gruppiert, in verschiedenen

Stuben als Ensemble wieder zusammengestellt.

Diverses handwerkliches

Gerät fand in der Tenne Platz und Spielzeug,

Musikinstrumente, Betten und Bettwäsche

wurden entsprechenden Stuben zugeordnet.

72

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Der Waschtisch im Fremdenzimmer ist hergerichtet,

als ob gleich ein Gast hereinkommen würde

Früher zwitscherte der Stieglitz über der Spielecke –

mittlerweile ist er ausgestopft

Fotos: Achim Meurer, Thomas Niehörster

Der Kugelofen ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern sorgt auch für eine heimilige Atmosphäre

Der gefundene Kontorschrank birgt an den Rückseiten

seiner Schubalden weitere Geheimfächer

Aus dem Bestand wurde ein Fremdenzimmer

hergerichtet, wie es Mina früher wohl

an Gäste vermietet hat. Im »Gaden«, dem

Elternschlafzimmer, machten die Museumsgründer

eine unvermutete Entdeckung. Beim

Ausräumen des Wäscheschranks stieß man

per Zufall auf bewegliche Böden, die nach

langem Tüfteln einen wunderschön gearbeiteten

Kontorschrank freigaben.

GUT BÜRGERLICH,

GEBILDET UND FROMM

Die große Stube im Erdgeschoss galt dem

profanen Alltagsleben. Hier speisten die

Familie und das Personal. In dieser Stube

wurden auch der Unterricht abgehalten und

Geschäfte getätigt. Eine zweite Stube im

Oberstock, wertvoll ausgestattet und nur privat

genutzt, blieb als Wohnzimmer der Familie

vorbehalten. Anspruchsvolle Kachelöfen

wie ein bemalteter Kugelofen sprechen dafür,

dass es sich die Zobls gerne gemütlich machten.

Ein Schaukelpferd bestimmt noch heute

die Spielecke, darüber trällerte, mittlerweile

ausgestopft, ein Stieglitz in einem Vogelkäfig.

Der Puppenwagen mit einer Holzpuppe und

einem sehr betagten Teddybären war das

Reich der Mädchen. Die Jungen spielten mit

einem ausgefuchsten Kegelspiel.

Das ganze Museum ist so hergerichtet, dass

es aussieht, als würden hier noch Menschen

leben und als Besucher erwartet man beinahe,

dass jeden Moment die Mina oder ein

anderer Zobl vor einem steht. • (tn)

INFO

Felixe Minas Haus, Höf 6, A-6675 Tannheim,

Öffnungszeiten: Jeden Dienstag um 16 Uhr

oder nach vorheriger telefonischer Anfrage unter

0043 5657/6272, E-Mail: info@wassermann.at

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 73


HANDWERK

WOLLIGE WUNDERWAFFE

DER ALLESKÖNNER VON DEN BERGWIESEN

74

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


»Ene, mene, muh – das ist keine Kuh«, wird sich so mancher Wanderer

denken, wenn er auf abgelegenen Alpweiden Schafe entdeckt.

Die flauschigen Bergbewohner mähen nicht nur in schwindelerregenden

Höhen, sondern sie liefern auch einen vielseitigen Rohstoff: Wolle.

Mit dem Allgäu verbinden die meis -

ten vor allem eines – Kühe. Das

berühmte Braunvieh begleitet

Einheimische und Touristen durch den Alpsommer

und gehört genauso wie die Berge

einfach hier her. Doch bei Streifzügen durch

die herrliche Landschaft begegnet uns häufig

noch ein anderer tierischer Allgäuer, der uns

gerne mal von der Seite anblökt – ein Schaf,

genauer gesagt ein Bergschaf.

NIEDLICHE BERGSTEIGER

Diese vom Aussterben bedrohte Rasse ist die

verbreitetste im Allgäu und dank der Bemühungen

einiger Züchter wird sie uns hoffentlich

noch lange erhalten bleiben. Am häufigsten

ist das Weiße Bergschaf anzutreffen,

doch daneben gibt es noch das Braune,

Schwarze und sogar Gescheckte Bergschaf.

Auch wenn sie sich in der Farbe ihres Wollkleides

unterscheiden, so haben sie auch

zahlreiche Gemeinsamkeiten. Der Kopf ist

stets schmal, ramsnasig und hornlos. Die

langen, breiten Ohren hängen seitlich herab

und sorgen dafür, dass die Bergschafe auffallend

niedlich aussehen.

Eine besondere Eigenschaft der wolligen Allgäuer

Nutztiere ist ihre Anpassungsfähigkeit

an die rauen Hochgebirgsbedingungen – sie

können in für Rinder unzugänglichen Hochlagen

genutzt werden. Dank ihrer harten

Klauen und großen Steig- und Trittsicherheit

bewegen sie sich dort mühelos und halten

die Bergwiesen in Schuss. Daneben haben

sie für den Menschen noch einen anderen

Nutzen: Sie liefern Wolle. Zwischen vier

bis acht Kilo des nachwachsenden Rohstoffes

kann ein Schaf pro Jahr erbringen.

DER LANGE WEG DER WOLLE

Dafür müssen sich die Schafe allerdings

»nackig« machen und Haare lassen. Nach

der Schur muss die sogenannte Rohwolle

weiter bearbeitet werden. Am Anfang der

Verarbeitung steht oft entweder eine Sortierung

nach Qualität oder aber das Zupfen.

Ersteres ist nötig, da die Wolle von den Beinen

nicht so hochwertig ist wie beispielsweise

die vom Rücken. Letzteres wird vor allem

dann gemacht, wenn das Schafkleid später

Fotos: Claudia Chauvin, Archiv, pixabay, Eva Pölzl, Bernd Kasper/pixelio

Durch die Schafschur wird Rohwolle gewonnen.

Die muss mehrere Arbeitsschritte durchlaufen, bis sie so

kuschelig und vor allem sauber ist wie wir sie kennen

gesponnen werden soll. Hierfür wird ein

Stück der Rohwolle genommen und von

Hand vorsichtig von Verschmutzungen und

kleinen Knötchen befreit. Um dies zu erreichen,

zieht man die Wolle immer weiter auseinander

und zwar möglichst oft, damit die

Fasern später parallel zueinander liegen.

Sind diese Schritte getan, wird die Masse

noch gewaschen, um sie vom Wollfett und

weiteren Verschmutzungen zu befreien. Wie

und wann gewaschen werden sollte, darüber

gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche

bevorzugen es, die Wolle gleich zu waschen,

andere hingegen tun dies erst, nachdem sie

gesponnen wurde. So oder so: Ein Wasserbad

muss sein. Ist die Wolle sauber und tro -

cken, wird sie kardiert, also gekämmt. Für

diesen Vorgang wird eine Karde benötigt –

das ist eine Bürste aus Holz, die mit einem

Stück Leder oder wahlweise auch Kunststoff

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 75


HANDWERK

versehen ist. Auf diesem befinden sich

Drahthaken, die alle in eine Richtung ausgerichtet

sind. Es wird jeweils ein Wollbüschel

auf eine Karde gelegt und darauf kommt eine

zweite Karde. Anschließend müssen beide

WOLLEN SIE WOLLE?

Falls Sie nun Lust bekommen haben auf ein wolliges

Urlaubssouvenir, haben wir für Sie ein paar Anbieter

zusammengestellt:

Minekussar´s Schoflädele, Bad Hindelang,

www.schaeferladen.de

Schäferhof Greber, Gestratz,

www.greber-schafe-wolle.de

Allgäuer Handwebereien Thalkirchdorf,

Oberstaufen, www.allgaeuer-teppichmanufaktur.de

Bio Textilien Allgäu, Altusried,

www.biotextilien-allgaeu.de

Handweberei Hechenberger, Pfronten,

www.handweberei-hechenberger.de

Filzwunsch, Immenstadt, www.filzwunsch.de

ebos GmbH, Kempten, www.ebos-geschenke.de

Haasenland – Allgäuer Kuscheltiermanufaktur,

Isny, www.haasenland.com

»Bürsten« in entgegengesetzte Richtungen

gezogen werden. Dadurch werden alle Wollfasern

in eine Richtung gekämmt und es entstehen

flauschige Flocken.

WAS IHR WOLLT

Diese lassen sich beim Spinnen gut und

leicht zu Fäden verarbeiten, die anschließend

noch gefärbt werden können, um die

Welt ein klein wenig bunter zu gestalten. Ob

farbenfroh oder eher naturbelassen – nun

geht’s weiter für die Wolle: weben oder nicht

weben, das ist hier keine Frage. Es muss gewebt

werden. Denn erst dadurch entsteht aus

dem ehemaligen Schafspelz Gewebe, aus

dem jegliche Formen von Textilien, wie Kleidung,

Handtücher, Decken oder etwa Teppiche

gefertigt werden können.

Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit:

Wer sich den Aufwand des Spinnens und

Webens ersparen möchte, der kann die Wolle

auch filzen. Durch diese Verarbeitungstechnik

lassen sich ebenso Textilien herstellen,

wie beispielsweise Trachtenjacken oder

auch Hüte, Taschen und Pantoffeln. Außerdem

können aus Filz die verschiedensten Figuren

gefertigt werden, die wie richtige kleine

Kunstwerke aussehen können. Ja sogar

Teppiche und Decken können aus Filz hergestellt

werden.

Doch die Wolle – ob nun unbehandelt, gewebt

oder gefilzt – bietet noch zahlreiche andere

Verwendungszwecke. So kann sie beispielsweise

als Füllmaterial für Decken benutzt

werden, oder aber auch als Dämmung

von Häusern. Auch als sogenannte Heilwolle

kann das weiche Material eingesetzt werden.

Dabei handelt es sich um naturbelassene

Schafswolle, die noch Lanolin enthält. Dieses

besitzt eine pflegende und entzündungshemmende

Wirkung, sodass die Heilwolle

bei vielen Beschwerden, wie etwa Windelausschlag

bei kleinen Kindern oder aber

auch Ohrenschmerzen, eingesetzt werden

kann. Auch als Hals- oder Brustwickel bei

Bronchitis soll sie Linderung verschaffen.

WAS KANN SIE EIGENTLICH NICHT?

Doch nicht nur die Heilwolle ist eine echte

Wunderwaffe, sondern jegliche Form von

Wolle. Denn egal wie sie verarbeitet wurde

und welches Endprodukt daraus entstanden

ist, ihre zahlreichen guten Eigenschaften

büßt sie nicht ein.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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Was aus der Wolle einmal

werden soll, entscheidet

darüber, ob sie gesponnen,

gewebt oder gefilzt wird

Wolle ist stets temperaturausgleichend, atmungsaktiv

und vor allem wärmeisolierend

– deshalb kuscheln wir uns doch alle gerne

im Winter in einen weichen Wollpulli. Außerdem

ist sie knitterfrei sowie schmutzund

wasserabweisend, was nicht nur die

Dame des Hauses freut. Wird die Wolle doch

einmal dreckig oder mit unangenehmen Gerüchen

konfrontiert – keine Panik. Der Alleskönner

besitzt eine natürliche Selbstreinigungsfunktion

und gibt aufgenommene Gerüche

durch die Luft wieder ab. Ebenso kann

sie etwa ein Drittel ihres eigenen Gewichts

an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass

anzufühlen – da lacht das Sportlerherz, denn

wer trainiert schon gerne vollkommen

durchgeschwitzt. Und wenn es mit dem

Sporteln mal nicht so klappt ist es auch nicht

schlimm, denn Wolle ist sehr elastisch und

verzeiht auch mal ein paar Kilo mehr auf den

Rippen.

Neben all diesen, und es sind noch nicht einmal

alle, hervorragenden Eigenschaften, ist

die Wolle auch noch gut für unser Gewissen:

Sie ist nicht nur ein immer wieder nachwachsender

Rohstoff, sondern auch biologisch und

ökologisch – einfach natürlich halt. • (cs)

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 77


REPORTAGE

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


ÜBER DEN HÜTTEN…

BILDER AUS DER ADLERPERSPEKTIVE

Die Allgäuer Berghütten sind die Zentralen des Alpsommers: Auf den

Weiden rundum sömmert das Vieh, hier lebt und arbeitet der Älpler

und der erschöpfte Wandersmann genießt nach dem Bergaufstieg seine

wohlverdiente Brotzeit. Fotograf und Gleitschirmflieger Adi Geisegger

präsentiert uns die beliebten Allgäuer Berghütten nun aus einem völlig

neuen Blickwinkel: von oben.

Das Grüntenhaus war

das erste Hotel in den

Allgäuer Alpen. Eröffnet

wurde es im Jahr 1854

vom »Alpkönig« Carl

Hirnbein, der als Begründer

der Allgäuer Alpwirtschaft

gilt. Das Bauwerk

liegt auf 1535 Höhen -

metern auf dem Grünten


ALPSOMMER & Viehscheid 2017 79


REPORTAGE

ADI GEISEGGER –

FLIEGENDER FOTOGRAF

Die Welt von oben zu erkunden ist Adi Geiseggers Leidenschaft.

Mit 14 kam ihm erstmals die Idee, seine Kamera an Fesseldrachen zu

befestigen. Mit einer selbst gebastelten Auslösevorrichtung schoss er

seine ersten Luftbilder. Vor über 20 Jahren schließlich machte er seine

ersten Bilder vom Gleitschirm aus. Heute fotografiert der Rettenberger

das Allgäu und sein Umland regelmäßig aus der Vogelperspektive. Auf

diese Weise will er die Betrachter daran erinnern, wie wichtig es ist,

die vielfältige Landschaft für unsere Zukunft zu erhalten.

www.adigeisegger.com

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Auf der Thaler Höhe,

einem Höhenzug zwischen

Immenstadt und

Oberstaufen, liegt die

(unbewirtschaftete)

Neuschwandalpe. Weiter

hinten sieht man die

Trähersalpe (mit Einkehrmöglichkeit)


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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 81


REPORTAGE

Die Rappenseehütte

ist eine Schutzhütte

des Deutschen Alpenvereins.

Sie liegt nahe

des großen und des

kleinen Rappensees

auf 2091 Metern Höhe

im Hauptkamm der

Allgäuer Alpen. Der

bekannte Heilbronner

Weg beginnt oder

endet östlich oberhalb

der Hütte

Die Königsalpe liegt auf

900 Metern Höhe im

Westallgäuer Vor alpen -

land bei Stiefenhofen.

Die dazu ge hörige

Kapelle St. Bonaventura

wird von den Älplern

täglich zum Gebet

geläutet

Fotos: Adi Geisegger

EINFACH OBEN

Dieser Bildband wird Sie begeistern. Schon am Boden

beeindruckt unsere wunderschöne Landschaft seinen

Betrachter. Doch erst der Blick von oben zeigt die Schönheit

unserer Natur, die manchmal im Verborgenen liegt.

Hardcover im Querformat 30,0 x 25,0 cm, 144 Seiten mit

über 100 großformatigen Fotografien von Adi Geisegger

Preis: 29,80 €, ISBN: 978-3-95805-022-8

Bestell-Nr. 081, zu beziehen über EDITION ALLGÄU

www.edition-allgaeu.de

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 83


ALPE SPEZIAL

KÄSEN IM KLEINFORMAT

DIE SENNALPE IM WOHNZIMMER

Wenn das Feuer unter dem Kupferkessel brennt, beginnt das Käsen.

Dazu braucht Senn Siggi nicht beide Hände, sondern viel

Fingerspitzengefühl. Obschon seine Sennalpe bei ihm in

Heimenkirchen ins Wohnzimmer passt, kann er echten Käse

zubereiten, der dann auf einem kleinen Hocker nachreift.

Siegfried Vohburger (68), der in

Heimenkirchen lebt, ist ein echter

Westallgäuer Mächlar mit unendlicher

Geduld. Die benötigt er auch, besonders

wenn es um die feinsten Details in der

Miniwelt seiner Sennalpe geht. Er kann aber

genauso einen herzhaften Fluch loslassen,

wenn beim Rühren zum x-ten Mal der Reifen

von der Butterschleuder abspringt. Vor

gut einem Jahrzehnt stand Vohburger bereits

mit einer Minikäserei, in der alle Gerätschaften

voll funktionsfähig sind, im Blickpunkt

von Presse und Fernsehen.

AUF DEM VIEHSCHEID-DÄG IN PFRONTEN

Die Sennalpe im Maßstab 1:8 entstand nach

einem alten Foto des Fotografen Joseph

Heimhuber. Mit einer Grund fläche von 50

mal 60 Zentimetern lässt sie sich gut transportieren.

Alles, was in der Bergsennerei aus

Holz nachgebaut wurde, stammt von Balken

aus alten Allgäuer Häusern. Selbst die Wandverkleidung

an der Rückseite wurde aus betagten

Schindeln geschnipfelt.

Die Käseformen, die Käseharfe, Bruchschneider

und Treibstock sind alles Tüftelarbeit

aus Vohburgers Hand: »Es geht auch gar

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Auf die Käsepresse

ist Vohburger

besonders stolz

Auf dieser Drehbank

fertigt Siegfried Voh -

burger kleinste Teile

und Werkzeuge

Das Lager am Butter fass:

»Unglaublich penible

Kleinarbeit«

Maßstabsgetreu und mit scharfem Auge

formt Vohburger kleinste Details:

Sogar der Käse ist echt – und schmeckt!

Fotos: Thomas Niehörster

Siegfried Vohburgers

Allgäuer Sennalpe

ist im Maßstab

1 zu 8 gebaut

nicht anders«, so der frühere Zerspanungsmechaniker

bei Liebherr-Aerospace in Lindenberg,

»solche Mini-Arbeitsgeräte gibt es

nicht zu kaufen. Nach einer Dorfsennerei,

die für das Unterland typisch ist, habe ich

nun ein Gegenstück in Szene gesetzt, das nur

auf dem Berg zu finden ist. Für mich gehören

beide zur Tradition und werden sicher

einmal Historie sein.« Einige Monate Zeit

hat der Mächlar in diese Arbeit gesteckt.

DER NAGELFLUH PRESST DEN KÄSE

Besonders stolz ist Vohburger auf den Nachbau

einer altväterischen Käsepresse, die mittels

eines Gewichts aus Nagelfluh-Gestein

wie ursprünglich funktioniert. Sie wurde auf

Sennalpen verwendet, wenn die Raumhöhe

zu niedrig war – und das war sie zumeist –,

um einen Hebel anzusetzen. Lange tüftelte

Vohburger an winzigen Details, wie dem Lager

einer Butterschleuder. Die Herstellung

von Käseharfe, Milchkannen und dazu passendem

Trichter waren ihm schon vom Bau

der Käseküche her vertraut. Auch den Käsekessel

aus Kupfer, der sich von unten mit

Spiritus befeuern lässt, hat Vohburger selber

geformt. Gerne hätte er seine Käseküche wie

jetzt auch die Sennalpe patentieren lassen.

Aber da waren die Kosten doch zu hoch. Ein

Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde

scheiterte bislang am umständlichen Aufnahmeantrag.

Aber das vergällt ihm keinesfalls

die monatelange Modellarbeit – die Begeisterung

der Menschen, die seine Käse -

küche auf Käsefestivals in Bad Tölz, Lindenberg,

auf der Käseolympiade in Oberstdorf

oder CMT-Messe in Stuttgart sahen, sind für

ihn Anerkennung und Lohn genug. Weitere

Pläne schlummern noch in Siegfried Vohburgers

»mobilem Zettelkasten«, den er immer

in der Hosentasche bei sich trägt.

WESTALLGÄUER GRINDE

Neuerdings haben es Siegfried Vohburger

Allgäuer »Grinde« (Köpfe) angetan. Mit einem

Augenzwinkern behauptet er, er schaffe

diese Charakterköpfe »nach der Natur«. Ein

Sepp mit Filzhut kommt liebenswert verschmitzt

daher. Ein kecker Kopf mit stahlblauen

Augen, einer Feder am Hut und einer

guten Zigarre scheint den Künstler an seine

frühere Zeit zu erinnern. Vohburger lässt

seine gut handgroßen Westallgäuer Grinde,

die er auf Kunstmärkten verkauft, bei einer

Bekannten brennen. • (tn)

Neuerdings haben

es Siegfried Vohburger

Allgäuer »Grinde« angetan:

Die formt er liebevoll aus Ton

INFO

Siegfried Vohburger, Birkenweg 7,

Heimenkirch, Tel. 08381/5385,

www.siegfried-vohburger.jimdo.com

ALPSOMMER & Viehscheid 2017

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PORTRAIT

KUHLE KUNST

DIE BUNTE WELT VON SEPP SCHMID

Offenheit, Echtheit, viel Originalität und ein guter Schuss Erdverbundenheit –

das sind die Merkmale, die den Maler und Autor Sepp Schmid auszeichnen.

Er ist ein urwüchsiger Mensch, der ist wie er ist und die Welt malt, wie er sie

sieht. Da sind die Kühe auch gerne mal blau statt braun.

Großvater, Vater und seine beiden

Brüder – alle Maler. Der Großvater

war Dorfmaler: Er schuf nicht nur

Bilder von Alpenblumen, sondern malte

auch Schützenscheiben. Außerdem vergoldete

und fertigte er Totenschilder an.

Schmids älterer Bruder durfte dann Malerei

studieren, Sepp und sein jüngerer Bruder leider

nicht, also brachten sie es sich selber bei.

Seinen Weg begann Schmid mit Motiven aus

der heimatlichen Bergwelt und Portraits von

Bäuerinnen und Bauern. Sein bevorzugtes

Motiv aber sind bis heute Kühe, die zu malen

eine intensive Beschäftigung mit deren Anatomie

verlangt. Ob man diese in Grün- oder

Blautönen malen darf, darüber wurde trefflich

gestritten. Doch gibt es selten einen Maler

im Allgäu, der die Bewegungen und das

Charakteristische von Kühen derart gut darstellen

kann wie Schmid.

DIE KUH UND DIE RUH‘

Die Landschaften, in denen sich seine Kühe

bewegen, sind nicht lieblich, sondern voller

tiefblauer Schlagschatten oder nächtlich fahlem

Mondlicht. Die Tiere, die eins mit der

Natur sind, strahlen eine große Ruhe und

Gelassenheit aus. Auch auf dem Weg in den

Melkstall, den sie mit sicherem Schritt von

allein finden. Der Hirte ist Freund und Begleiter,

der am Ende des Zuges dafür sorgt,

dass keine verloren geht. Auf anderen Bil-

Sepp Schmid stellt auch farbige Masken – sogenannte

Larven – her, die in der Fasnacht getragen werden

Fotos: Sepp Schmid, Thomas Niehörster

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Schmids Gemälde sind

bunt und ausdrucksstark.

Trotzdem strahlen sie eine

gewisse Ruhe aus

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dern ziehen die Kühe auf einer unsichtbaren

»Milchstraße« in den Nachthimmel. Auch

hier wieder das Motiv der ruhigen Heimkehr.

Einige seiner Bilder geben auch Eindrücke

wieder, die er auf Rucksackreisen mit

seiner Frau Rosa in Griechenland und auf

Kreta – wo beide von Dorf zu Dorf wanderten

– gesammelt hat. Tief mit der Natur verbunden,

fühlt sich Sepp Schmid jedoch am

wohlsten auf seiner Berghütte, wo er skizziert

oder kleinere, stimmungsvolle Aquarelle

fertigt.

ER MACHT, WAS ER WILL

Berge, Wege, versteckte Matten, Berghütten

sind weitere Motive von Schmid, die er –

»Ich male, wie ich empfinde und sehe.« – expressionistisch

mit glühenden Farben und

mutigem Pinselstrich auf die Leinwand

bringt. Sepp Schmid, der gerne lacht und

Freude an einem guten Glas Rotwein hat, ist

niemand, der sich verbiegen lässt oder sich

einer Kunstrichtung anpasst. Auf vielen Ausstellungen,

etwa auf der »Südlichen«, und

der »Bad Hindelanger Kunstwoche« hat er

sich mit seinen Werken einen guten Namen

erworben. Und warum malt er nun blaue

Kühe? Ganz einfach: Weil er’s kann.

• (tn)

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 87


SERVICE

… UND WENN ES REGNET?

SCHLECHTWETTER-TIPPS

Im Allgäu kann man zum Glück auch viel unternehmen,

ohne nass zu werden. Hier finden Sie eine Auswahl

an Ausflugszielen, die sich bei jedem Wetter lohnen.

FÜSSEN: REPTILIENZOO

Beim Ausflug in den Reptilienzoo begeben sich

insbesondere Familien auf eine exotische Reise.

Die faszinierende Welt der verschiedensten Urwald-

und Wüstenbewohner in ihren naturnah

gestalteten Lebensräumen in Terrarien und Aquarien

kann man hier erleben. Auf »Expeditionen«

können Kinder Schlangen, Echsen, Schildkröten,

Frösche, Vogelspinnen und viele weitere Tiere entdecken.

Mancher Meister der Tarnung ist dabei

gar nicht leicht zu finden.

Reptilienzoo Allgäu, Mühlbachgasse 10,

87629 Füssen, www.reptilienzoo-allgaeu.de,

Öffnungszeiten: Mo-So 10-18 Uhr

KEMPTEN: FORUM ALLGÄU

Wenn das Wetter mal nicht mitspielt, ist das zumindest

eine Gelegenheit für einen gemütlichen

Einkaufsbummel. Das Forum Allgäu in Kempten

ist ein beliebter Treffpunkt inmitten der Allgäu-

Metropole Kempten. Das Einkaufszentrum bietet

auf 23.000 Quadratmetern Fläche in rund 90 Ladengeschäften

vielfältige Einkaufsmöglichkeiten.

Bars, Restaurants, Eisdielen und mehr sorgen für

Kurzweil. Ganzjährig finden hier auch Sonderveranstaltungen

statt: Musikvorführungen, Zaubershows,

Akrobatik, Automobilausstellungen und

mehr sind für das kommende Jahr geplant.

ISNY: MUSEUM AM MÜHLTURM

Der Mühlturm (16. Jahrhundert)

war als Wehrturm Teil der Stadtmauer.

Durch seine untere Wölbung

fließt heute der versiegelte Stadtbach.

Das Fließgewässer kommt

vom Nachbargebäude, der bis ins

19. Jahrhundert betriebenen Stadtmühle,

wo das Museum am Mühlturm

heute untergebracht ist. Das

Erdgeschoss wird für Sonderausstellungen genutzt.

Bis zum 31. Dezember ist es die Ausstellung

zum Reformationsjahr: »500 Jahre Reformation

– bitte persönlich«. Die Schau legt den Fokus

auf die Menschen, die eine tragende Rolle bei

den Umbrüchen im städtischen Leben spielten.

Museum am Mühlturm, Fabrikstraße 21,

88316 Isny im Allgäu,

www.isny.de/kultur/sehenswuerdigkeiten/muse

en/museum-am-muehlturm,

Öffnungszeiten:

Do, Sa, So 14-17 Uhr

RAVENSBURG:

MUSEUM HUMPIS-QUARTIER

Zwar liegt das Museum streng genommen nicht

im Allgäu – dennoch lohnt sich ein Abstecher ins

Museum Humpis-Quartier inmitten der historischen

Ravensburger Altstadt.

Für die gesamte

Region Bodensee-Oberschwaben

gilt es mit sieben

Gebäuden als eines

der größten kulturhistorischen

Museen. Besonders

erwähnenswert ist

die laufende Sonder-

Forum Allgäu, August-Fischer-Platz 1, 87435

Kempten, www.forum-allgaeu.de,

Öffnungszeiten: Mo-Sa 9.30-20 Uhr

ausstellung »Hexenwahn 1484: Frauen auf dem

Scheiterhaufen«, die sich bis zum 3. Oktober mit

der spätmittelalterlichen Vorstellung von Magie

und der Hexenverfolgung im Bodenseeraum auseinandersetzt.

Hier erfahren die Besucher auch,

was Ravensburg mit der Entstehung des berüchtigten

»Hexenhammers« zu tun hatte.

Museum Humpis-Quartier,

Marktstraße 45, 88212 Ravensburg,

www.museum-humpis-quartier.de,

Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr; Do 11-20 Uhr

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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THALKIRCHDORF:

KÄSESCHULE ALLGÄU

Wer sich schon immer mal als Käsemacher

ausprobieren wollte, findet

eine gute Gelegenheit in Thalkirchdorf:

In kleinen Gruppen lernt

man in geselliger Runde in der Käseschule

im Dorfhaus, wie man le -

ckeren Käse selbst herstellen kann.

In rund vier Stunden erleben die Besucher,

wie aus der guten Allgäuer

Milch ein leckerer Weichkäse entsteht. Den darf

man im Anschluss natürlich nach Hause nehmen.

Käseschule Allgäu, Kirchdorfer Str. 7,

87534 Thalkirchdorf, www.kaeseschule.de,

Öffnungszeiten: nach Absprache

PFRONTEN: SCHMETTERLING-ERLEBNISWELT

Gerade an Schlechtwettertagen bietet sich ein Besuch des »Schmetterlingsgartens«

der Gärtnerei Blumen Hartmann in Pfronten-Weißbach

an. Zahlreiche Schmetterlinge

aus aller Welt begeistern nicht

nur Kinder, sondern sind auch

eine Faszination für die Großen.

Bei rund 25°C kann man die

Schmetterlinge hautnah beim Futtern,

Paaren und Fliegen erleben.

Schmetterlingsgarten Pfronten,

Gernweg 5, 87459 Pfonten-Weißbach,

www.schmetterling-erlebniswelt.de,

Öffnungszeiten: Di-So 10-16.30 Uhr

WERTACH: ALLGÄULINO

Fotos: ECE/Forum Allgäu, Archiv, Museum Humpis-Quartier, Stadtmuseen Isny

Eigentlich macht ein Spielplatz bei Regen keinen

Spaß. Das gilt aber nicht fürs Allgäulino: In dem

Hallenspielplatz in Wertach können sich Kinder

so richtig austoben. Auf über 3000 Quadratmeter

warten Kletterberge und Türme auf ihre Eroberung.

Die zehn Meter hohe Drachenburg bietet

alles, was ein Kinderherz höher schlagen lässt.

Für die kleinen Formel-1-Fans gibt es Elektroautos.

Währenddessen können sich die Eltern im

Gastronomiebereich entspannen.

Allgäulino Wertach, Alpenstraße 20 (Parkplatz),

87497 Wertach, www.allgaeulino.de,

Öffnungszeiten: Mo-Fr 14-19 Uhr,

Sa-So und Ferientage 10-19 Uhr

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 89


HANDWERK

AUS MILCH WIRD SEIFE

WELLNESS FÜR HAUT UND NASE

Milch macht nicht nur müde Männer munter, sondern sie ist gewissermaßen

das Lebenselixier des Allgäus. Käse, Kaiserschmarrn und

Kässpatzen – unmöglich ohne Milch. Doch es brauchte erst eine

Schwarzwald-Invasion unter der Führung einer geborenen Essenerin,

damit sich der Allgäuer auch endlich mit Kuhmilch waschen kann.

Im Zentrum des Ruhrgebietes geboren,

zog es Anja Böttcher schon früh raus

aus der Großstadt. Im jungen Alter von

20 Jahren stand sie mit ihrem ersten Mann

in Oberstdorf und war seitdem Allgäu-verliebt.

Doch ihr Weg führte sie zunächst woanders

hin – es ging in den

Schwarzwald, nach Freudenstadt.

Da hat sie dann ihren

zweiten Mann kennengelernt und sich mit

ihm zusammen selbstständig gemacht. Fast

ein viertel Jahrhundert haben sie ihre Firma

aufgebaut und alles reingesteckt. Dann – im

Urlaub 2009 – saßen die heute 50-Jährige

und ihr Mann Siegfried auf dem Schweine-

Seifen, so weit das Auge

reicht: In liebevollen

Verpackungen und

zahlreichen Duftrichtungen

90


Da steht ’ne Kuh

auf´m Flur – aber

keine Angst: Elsa ist

ganz umgänglich

Fotos: Claudia Schöwe

berg. »Mein Gott! Warum wohnen wir hier

nicht für immer?«, sagte sie und meinte es

bitterernst.

Es sollte wohl so sein, denn ihr Mietvertrag

im Schwarzwald lief aus und so haben sie es

einfach gewagt. Obwohl »einfach« hier definitiv

das falsche Wort ist. Es ist gar nicht so

leicht, eine 1000 Quadratmeter große Firma

aufzulösen und alle Zelte abzubrechen.

Doch das Allgäu war Anja Böttcher gnädig

gesinnt: In Sonthofen fand sie ein passendes

Grundstück und baute ihre HolzAlpe, die

seit 2014 geöffnet ist. Außerdem war sie auf

ihrem Weg nicht alleine. Sie hatte nicht nur

Mann Siegfried im Schlepptau, sondern

auch ihren Sohn und seine Familie, Mutter

und Schwiegermutter, sowie ihre Schwester

mit ihrer Familie. Fünfzehn Leute waren es

– die Invasion aus dem Schwarzwald. Heute

lebt und arbeitet sie unter einem Dach – von

der Ladentür aus sieht sie den Mittag und

vom Küchenfenster den Grünten.

DIE KUH KANN’S …

Endgültig im Allgäu angekommen, genoss

sie nicht nur den Blick auf die Berge, sondern

auch auf die Nachbarskuh. Dabei kam

ihr der Gedanke: »Warum macht denn keiner

Kuhmilchseife?« Aus Schafs- oder Ziegenmilch

wird das schäumende Waschstück

schon lange hergestellt. Doch gerade im Allgäu

liegt die Überlegung nahe, das weiße

Gold der Kühe zu benutzen – es kam nur

kaum einer drauf, in ganz Deutschland

nicht. Lediglich eine kleine Manufaktur in

Dresden stellt aus Kuhmilch Seife her.

Also nahm Anja Böttcher die Seife, äh Sache,

selbst in die Hand. Ganz alleine ging es aber

nicht, denn sie hatte, wie sie selber sagt, »von

Tuten und Blasen keine Ahnung.« Sie fand

einen Seifensieder in Memmingen, mit dem

die Kuhmilchseife Realität werden sollte. Da

die Waschstücke dort im Heißsiedeverfahren

produziert werden, kann leider keine

Rohmilch verwendet werden. Stattdessen

benutzen sie Milchpulver, dass viele vom

Kaffeekränzchen früher bei Oma noch kennen.

Doch schnell merkte die Wahl-Allgäuerin,

dass es nicht so leicht ist wie gedacht.

»Wir haben fast ein Jahr gebraucht bis es geklappt

hat, weil die Milch dauernd gemacht

hat, was sie wollte. Wir hatten dann immer

so Matsch-Seife.« Die Lösung des Problems:

Sheabutter. Dank ihr wird die Seife fest und

die Haut zusätzlich gepflegt. Endlich hatte

man ein Produkt, das in den Handel konnte.

Die Marke »Allgäuer Kuhmilchseife« hat

sich Anja Böttcher schützen lassen.

… ANJA BÖTTCHER AUCH

Betritt man heute die HolzAlpe, empfangen

einen unten nicht nur Seifen, soweit das Auge

reicht, sondern mittlerweile auch 26 verschiedene

Duftrichtungen. Für das schöne

Aroma sorgen überwiegend Parfümöle und

das feine Näschen der 50-Jährigen. Verliebt

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 91


HANDWERK

Die 3D-Holzkarten

gefallen nicht nur

Origami-Fans und sind

in zahlreichen Motiven

erhältlich

Die Holzalpe in Sigishofen

ist Anja Böttchers ganzer

Stolz, genauso wie ihre

Kuhmilchseifen

sie sich in einen Duft, kommt er in die Seife.

Und so ist von Almwiese, über Rose und

Veilchen, Kokos und Kirsche bis zu Latschenkiefer

für jeden was dabei. Schoko-

Sahne riecht übrigens zum Anbeißen lecker.

Schon bald möchte Anja Böttcher ihre Seifen

selber produzieren – im Kaltsiedeverfahren.

»Da brauch ich wirklich nur einen Topf,

meine Zutaten, rühre ganz klassisch und

dann hab ich auch Seife.«

So kann sie nicht nur ihren Kunden zeigen,

wie das Produkt hergestellt wird, sondern sie

kann statt Milchpulver frische Milch verwenden.

INFO

Jeden Tag um 15 Uhr ist eine geführte Werksbesichtigung

möglich. Die kleinen Besucher dürfen einmal in der Woche

den Meerschweinchen näher kommen und sie streicheln.

Die HolzAlpe, Sigishofen 56, 87527 Ofterschwang,

www.die-holzalpe.de

Apropos frische Milch: Direkt gegenüber

steht Kuh Elsa. Das täuschend echt aussehende

Braunvieh kann jederzeit von Kindern

gemolken werden, wenn die Eltern sich

im Geschäft umschauen. Gerne hätte Anja

Böttcher eine eigene Kuh, doch dafür reicht

es platzmäßig nicht. Kein Grund für die

Tiernärrin, sich nicht andere tierische Mitbewohner

anzuschaffen. Neben Hunden

und Katzen hat sie auch Ziegen, über 40

Meerschweinchen und Hasen. Einzig der

Fuchs kann ihr momentan gestohlen bleiben,

der hat nämlich Anfang des Jahres sein

Unwesen im Hasengehege getrieben und

von 14 Langohren nur einen schwarz-weißen

Klopfer namens Snoopy übrig gelassen.

ES WEIHNACHTET SEHR

Im zweiten Stock der HolzAlpe befindet sich

das Almdorf. Kommt man die Treppe hoch,

sieht man gleich einen ausgestopften Fuchs.

Doch keine Angst: Es ist nicht der Hasenschreck.

Der wurde von der Wahl-Allgäuerin

Fritz getauft und streift allabendlich

durch die Gegend.

Auf den zweiten Blick fällt ein riesiger Christbaum

auf: Besucher haben das Gefühl, sie wären

im Weihnachtsdorf. Baumanhänger und

Weihnachtsdekoration, soweit das Auge

reicht. Kein Wunder – schließlich ist Weihnachten

die Hauptumsatzzeit.

Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken:

Edelweiß- und Kuhuhren, Fensterbilder aus

Holz, Wohnaccessoires und Anhänger im

Allgäu-Stil. Etwas Besonderes sind die 3D-

Holzkarten. Sie bestehen aus dem dünnsten

Furnierholz, das es auf dem Weltmarkt gibt.

Zwischen zwei Schichten Furnierholz befindet

sich ein Vlies, das für die Biegsamkeit der

Karte sorgt. Auch diese Idee ist so einmalig

wie die Kuhmilchseife und deshalb patentiert.

Nicht nur ihre Produkte kommen im Allgäu

gut, auch sie selbst ist im Allgäu angekommen.

»Ich geh’ hier nie wieder weg, egal was

passiert«, sagt Anja Böttcher und schaut sich

zufrieden in ihrer HolzAlpe um. • (cs)

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 93


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PARTNER DER

ALLGÄUER KÄSESTRASSE

Ob Allgäuer Emmentaler oder Bergkäse, Schnitt- oder Weichkäse:

Entlang der Allgäuer Käsestraße sind Gaumenfreuden garantiert.

Besser kann Urlaub nicht schmecken!

»Von den Alpen bis zum Bodensee«

ist das Motto, das die Käsestraße

prägt. Auf einer Strecke von über 220

Kilometern zieht sie sich durch die

Natur zwischen Oberstaufen, Scheidegg,

Lindau, Wangen und Isny. Die

Allgäuer Käsestraße verbindet dabei

handwerklich arbeitende Sennereien,

bäuerliche Direktvermarkter

und Hofläden, aber auch die Westallgäuer

Ferienorte mit gemütlichen

Gaststätten und Unterkünften.

Entlang des Weges warten die Heumilch-Sennereien

mit zahlreichen

Käsespezialitäten auf. Was aber ist

das Besondere an dieser »Heumilch«?

Die Antwort liegt in der Ernährung

der Milchkühe.

Sie bekommen ihr Futter von den

Allgäuer Wiesen mit ihrer Vielfalt an

Kräutern und Gräsern – ausschließlich

als würzig-frisches Weidefutter

im Sommer oder sonnengetrocknetes

Heu im Winter. Dieses silofreie

Futter gibt der Milch und damit dem

Heumilchkäse einen einzigartigen

und intensiven Geschmack.

Pro Jahr wird in den Sennereien der

Allgäuer Käsestraße Milch von rund

2500 Kühen zu Bergkäse und mehr

verarbeitet.

Alle Käsesorten sind nach handwerklicher,

oft jahrhundertealter Tradition

hergestellt. Die Sennereien

haben einen Direktverkauf für ihre

oftmals mehrfach prämierten Käsespezialitäten

(die meisten sogar an

Sonn- und Feiertagen).

Fragen rund um den Käse und seine

Herstellung beantworten die Käsermeister/-innen

gerne. Einige der

Sennereien bieten zu regelmäßigen

Terminen Führungen an.

Weitere Informationen zur

Allgäuer Käsestraße gibt es auf

www.allgäuer-käsestrasse.de

Rezept-Tipp: Käse-Kräuterflädlesuppe

Benötigte Zutaten

100 g Mehl

2 Eier

¼ l Milch

50 g Bergkäse (fein gerieben)

2 EL Kräuter (Petersilie und

Schnittlauch fein gehackt)

Butter

Fleischbrühe

Fotos: Brack Verlag, Allgäuer Käsestraße

Zubereitung

Mehl und Milch miteinander vermischen

und glatt rühren. Erst dann die

Eier mit der Masse verrühren, den Käse

zugeben und abschließend die Hälfte

der Kräuter unterheben. Butter in einer

Pfanne schmelzen und darin dünne

Pfannkuchen, die Flädle, ausbraten. Danach

müssen diese ein wenig abkühlen,

bevor sie in kleine, etwa 4 cm lange

Streifen geschnitten

werden können. Die Käse-Kräuterflädle

in heißer Fleischbrühe und mit den

übrig gebliebenen Kräutern servieren.


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ALPE SPEZIAL

GEMÜTLICH, URIG

UND 300 JAHRE ALT

Nur wenige Berghütten können von sich behaupten, drei Jahrhunderte

nahezu unverändert überstanden zu haben. Die Gschwenderberg Alpe

ist eine davon. Hoch über dem großen Alpsee schmiegt sich das alte

Gebäude ans Gschwender Horn und lädt zu einer deftigen Brotzeit ein.

96

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Leben wie vor 300

Jahren: Die alte Stube

(links), Sennküche und

Stallgang (oben) sind

komplett erhalten.

Draußen gibt es deftige

Brotzeitteller

Fotos: Dietrich Lange, Viola Elgaß, Ramona Klein

Zugegeben, der Spielplatz war im 19.

Jahrhundert wahrscheinlich noch

nicht da. Doch als das erste Flaschenbier

auf den Berg gebracht wurde, ist

es sicher schon damals im alten Brunnen

kühl gehalten worden.

Hier oben auf fast 1100 Metern können Wanderer

rasten, im sonnenverwöhnten Vorgarten

auf der Bierbank die Seele baumeln lassen

oder sich auf eine Zeitreise begeben: Denn

die Einrichtung der Alpe Gschwenderberg

sieht noch genauso aus wie vor rund 300 Jahren,

als sie erbaut wurde. »Die alte Stube, der

Stallgang und die ehemalige Sennküche sind

noch im Originalzustand erhalten«, sagt

Hüttenwirtin Laila Baldauf. Den Sommer

Laila Baldauf hat die

Alpe Gschwenderberg

im Sommer gepachtet

über hat ihre Familie die Alpe gepachtet. Sie

bewirtet bis in den Herbst hinein hungrige

Gäste auf Schusters Rappen und versorgt die

Rinder, die ebenfalls hier oben »sömmern«

und sich an den saftigen Kräuterwiesen gütlich

tun. Die Schumpen (Kühe, die noch

nicht gekalbt haben) sind aber nicht die einzigen

Vierbeiner, die die Idylle genießen.

Hier oben wohnen außerdem zwei Schweine

und zwei Schwarznasenschafe, »die sich hoffentlich

bald zum gemeinsamen Nachwuchs

entschließen«, verrät die Älplerin mit einem

Augenzwinkern. Außerdem noch ein paar

Hühner und eine »Wachkatze«, die sich aber

oft lieber mit geschlossenen Augen die Sonne

auf den Pelz brennen lässt.

VOM ALPSEE ZUR ALPE

Gemütlich ist sie, die Alpe Gschwenderberg,

eine der ältesten Alphütten im Oberallgäu.

Bis vor einigen Jahren wurde hier noch gekäst,

dann verstarb der alte Sennwirt. Seitdem

ruht die Käseproduktion. Für das leib-

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 97


ALPE SPEZIAL

AlpSeeHaus

*

Alpe Gschwenderberg

*

kinderwagenfreundlicher Weg

schmaler Fußweg / Pfad

liche Wohl ist trotzdem gesorgt. Laila und

ihre Kollegin, die hier oben am Berg von jedermann

Chrissi gerufen wird, servieren

selbstgebackenen Kuchen und deftige Brotzeiten

mit feiner Kaminwurz, aromatischem

Bergkäse und Wurstsalat. »Unser Brunnen-

Kühlschrank ist zur Selbstbedienung freigegeben,

auch an unserem Ruhetag, dem

Dienstag«, lacht die junge Frau. »Wer uns

besuchen möchte, erreicht uns ganz einfach

vom Alpsee aus.« Rund vier Kilometer lang

ist der Weg vom Alpsee hierher – mit Kinderwagen-Alternative!

ÜBER GSCHWEND UND RIEDER

Ausgangspunkt der kurzen, aber nicht ganz

leichten Wanderung ist der Parkplatz am

AlpSeeHaus in Bühl, einem kleinen Ortsteil

bei Immenstadt. Von dort geht es zuerst ein

kleines Stück zurück zur Straße, wo ein Wegschild

auf »Rieder-Gschwend« verweist. Ab

hier geht es auf einer schmalen Teerstraße

entlang. Durch eine Unterführung geht es

weiter bergauf, danach wechselt man auf

dem Fußweg neben der Straße »Rieder Steige«.

Bereits nach wenigen Minuten gelangt

man so an den Abzweig Ergelweg nach Rieder.

Wer mit einem geländetauglichen Kinderwagen

unterwegs ist, lässt diesen Abzweig

links liegen und steigt weiter auf einer

Forststraße bergauf bis zur Alpe. Allerdings

ist auf dem Weg kräftig schieben angesagt.

ÜBER DEN ERGELWEG BERGAUF

Wer hingegen in Wanderstiefeln unterwegs

ist, für den empfiehlt sich der schöne Ergelweg:

Der schmale Pfad führt stetig bergauf

in westlicher Richtung und verläuft zeitweise

durch lichten Bergwald. Immer wieder lassen

sich von hier Blicke auf den glitzernden

Alpsee erhaschen. Der Weg ist kaum befestigt,

daher sollte man beim Gehen etwas

Acht geben. Über mehrere Kehren geht es

bergan, zeitweise steigt man Stufen. Nach einiger

Zeit wird rechts eine schmale Teerstraße

zum kleinen Weiler Rieder sichtbar.

An einigen Bauernhöfen vorbei, hält man

sich links und folgt der Ausschilderung zum

Naturfreundehaus. Über eine schmale Teerstraße

geht es weiter bergauf, teilweise wird

es schon recht steil.

Entlang der Alpweiden lässt sich immer wieder

der Alpsee im Tal blicken. Nach etwas

unter einer Stunde zweigt rechts ein schmaler

Steig zur Alpe Gschwenderberg ab. Dieser

Weg führt uns in den Wald, über Stock

und Stein. Unterhalb plätschert ein Bach.

Hat man diesen wenig später über ein

Brücklein überquert, geht es rechts wieder

bergauf und aus dem Wald heraus, erneut

mit schönem Alpseeblick. Schließlich geht es

noch ein Stück durch den Bergwald, dann

hat man es schon fast geschafft.

Leicht erhöht auf der grünen Weide liegt die

Alpe Gschwenderberg. Vor der urigen Hütte

mit ihrer alten Gaststube sind einfache Holzbänke

und Tische aufgestellt, auf denen man

eine wohlverdiente Pause einlegen kann.

RÜCKWEG ZUM ALPSEE

Von hier lassen sich, je nach Kondition, weitere

Touren anschließen, beispielsweise hinauf

auf das Gschwender Horn, zum Kemptener

Naturfreundehaus oder zur Alpsee

Bergwelt mit Sessel- und Sommerrodelbahn.

Wer lieber über einen einfacheren Weg bergab

wandern möchte, entscheidet sich jetzt

für die Kinderwagenroute auf einer Forststraße,

die über Alpweiden hinabführt. Wer

größere Kinder hat oder die Aussicht auf

dem Weg hierher besonders genossen hat,

Auch die tierischen

Bewohner lassen es sich

auf der Alpe Gschwenderberg

gut gehen

98

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Während die Eltern

die jahrhundertealte

Einrichtung bewundern,

zieht es die Jüngsten eher

zum ländlich ausgestatteten

Spielplatz mit Stall

und Traktor

Nach der Tour lohnt

sich ein Besuch im

AlpSeeHaus und die

Ausstellung des Naturparks

Nagelfluhkette

wählt den anspruchsvolleren Rückweg über

den Ergelweg zurück nach Bühl und den

Alpsee. Dort angekommen, lockt der zweieinhalb

Quadratkilometer große Natursee zu

einer Erfrischung im kühlen Nass oder

einem leckeren Eis ein. Im AlpSeeHaus wartet

die Erlebnisausstellung des Naturparks

Nagelfluhkette darauf, erkundet zu werden.

Wer anschließend noch Kondition und ein

bisschen Mumm übrig hat, der kann seine

Höhentauglichkeit auf dem neuen Alpsee

Skytrail, einem kindgerechten Klettergerüst

auf drei Stockwerken am Parkplatz, erproben

(siehe Seite 104). • (ve)

INFO

Alpe Gschwenderberg

bis 6. Oktober durchgehend geöffnet

Tel. 08323/914176

www.alpegschwenderberg.de

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 99


SERVICE

EIN EISBÄR IM ALLGÄU

EINE LESEGESCHICHTE

Der junge Eisbär Nanuk besucht seine Brieffreundin Emma im

Allgäu. Obwohl es ihm hier gut gefällt, plagt ihn bald das Heimweh.

Wie schade, dass man im Sommer nicht Schlitten fahren kann!

Oder etwa doch? Das Kälbchen Emma hat eine Idee…

Puh, ist das heiß«, stöhnt Nanuk

schon zum vierten Mal. Emma

wirft ihrem Freund einen Blick zu.

»Wir sind ja gleich da«, versucht sie Nanuk

zu trösten. »Daheim spendiert dir meine

Tante bestimmt eine kalte Milch.« »Hmm«,

brummt Nanuk. »Ich weiß nicht, ob ihr Allgäuer

unter ‚kalt‘ dasselbe versteht wie wir

in der Arktis.« »Ach, papperlapapp!« Emma

stupst ihren Freund mit dem Huf in die

Seite. »Im Winter sieht’s hier ganz anders

aus. Dann wirken unsere Berge wie riesige

Zuckerhüte und die Menschen kommen in

Scharen angereist, um Ski zu fahren.«

HEIMWEH AUF VIER PFOTEN

Ein bisschen Mitleid hat sie trotzdem mit

ihm: Nanuk ist schließlich ein junger Eisbär

und warme Temperaturen nicht gewohnt –

anders als das Kälbchen Emma, das sich

beim Wiederkäuen auf der Wiese gerne die

Sonne auf den Pelz brennen lässt.

Die zwei Brieffreunde haben ausgemacht,

sich gegenseitig zu besuchen. Nanuk ist vor

ein paar Tagen in Immenstadt angekommen.

Im Sommer, denn obwohl der Winter im

Allgäu besonders schön ist – Schnee kennt

der Eisbär ja gut genug. Dass ihm die Hitze

so viel ausmacht, hätte er nicht gedacht. Und

das ist nicht das Schlimmste… Der kleine

weiße Bär hat ein bisschen Heimweh. Dem

aufmerksamen Kälbchen mit den langen

Wimpern bleiben seine gelegentlichen Seuf-

100

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


Anzeigen

zer natürlich nicht verborgen: »Du wirkst

traurig, Nanuk«, sagt sie deshalb. »Gefällt dir

das Allgäu nicht?«

BRUMMBÄR

»Doch«, versichert Nanuk schnell. »Das Allgäu

ist wunderschön mit seinen hohen Bergen.

Als wir in den Alpsee gehupft sind, das

war toll! Auch die Sprache der Zweibeiner

gefällt mir: Mancher Allgäuer brummelt so

in seinen Bart, dass er fast wie ein Eisbär

klingt. Aber weißt du…« Sehnsüchtig schaut

er in die Ferne. »Ich vermisse etwas, was wir

auf dem Nordpol jeden Tag machen: Meine

Freunde und ich klettern einen großen

Schneehügel hinauf und genießen die Aussicht.

Und wenn wir uns satt gesehen haben,

setzen wir uns alle auf den Hintern und rutschen

den ganzen Hügel wieder hinunter.

Das ist ein Spaß, wenn dir der Wind um die

Nase weht. Wenn es Winter wäre, könnten

wir das auch im Allgäu machen. Aber es ist

nun mal Sommer und bei der Hitze schaffe

ich es bestimmt keinen Hügel hinauf. Und

selbst wenn wir hier einen Grashügel hinunter

rutschen, würde ich mir wahrscheinlich

einen grünen Hosenboden holen – dabei

mag ich mein schönes weißes Fell.«

Zeichnungen: Ramona Klein

EMMA HAT EINE IDEE

Emma legt ihrem Freund tröstend einen Huf

auf die Schulter – als sich eine Idee zwischen

ihren kleinen knubbeligen Hörnern zusammenbraut.

»Mei, Nanuk, ich weiß die Lösung

für dein Heimweh. Und die liegt gar nicht

weit von hier. Komm!« Da schleppt sie den

erstaunten Eisbären schon mit…

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 101


SERVICE

Nicht viel später passieren die beiden ein

Schild. »Alpsee Bergwelt« stehe darauf, erklärt

Emma. Danach staunt Nanuk nicht

schlecht. »Gibt’s denn sowas? Die Zweibeiner

fliegen ja durch die Luft!« Emma lacht.

»Fast. Die fahren mit der Sesselbahn gemütlich

den Berg hinauf – da kommt nicht mal

ein Eisbär ins Schwitzen.« Nanuk klatscht

begeistert die Pfoten zusammen. Die Menschen

sind zwar lustig anzusehen, so fast

ohne Fell, aber tolle Ideen haben sie!

FLIEGENDE SESSEL!

Ein bisschen mulmig wird ihm schon, als er

kurz darauf seine Hinterpfoten in der Luft

baumeln sieht. Doch die Angst ist verflogen,

als Emma ihm oben die Aussicht auf den

Alpsee zeigt. »Von einem Schneehügel aus

sieht man nicht so weit – schon gar nicht in

so vielen Farben«, staunt der kleine

Eisbär. Emma nickt. Auch sie sieht

ihre Heimat Allgäu durch Nanuk

mit ganz anderen Augen.

Sie kann es jetzt nicht mehr erwarten,

nächstes Jahr mit dem anderen Jungvieh

hinauf auf eine Alpe zu ziehen und dort den

Sommer zu verbringen.

RODELN IM SOMMER?

Erst Stunden später haben die zwei sich satt

gesehen. Nun ist es Zeit für Emmas zweite

Überraschung: Nanuk weiß gar nicht

recht, wie ihm geschieht, als er sich

vor Emma in das seltsame Fahrzeug

auf Schienen setzt: »Ein

Sommerrodel«, erklärt das

Kälbchen. Nanuk ist

verwirrt. Wie soll

102

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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man denn im Sommer ro-… »Huuuuuui!«,

ruft er begeis tert und hält die Tatzen in die

Luft, als sie in die erste Kurve sausen. Und

die zweite. Und die dritte. Die »Sommerrodelbahn«

kennt kein Ende. Begeistert reckt

Nanuk die Nase in die Luft. Bei dem Fahrtwind

machen ihm die Temperaturen gar

nichts mehr aus. So, wie seine Freundin

Emma Gas gibt, würde sie in der Arktis bestimmt

eine tolle Hügelrutscherin abgeben!

Beim Gedanken an seine eisige Heimat wird

Nanuk gar nicht mehr wehmütig.

ENDE MIT WEISSEM PO

Selbst unten angekommen ist der junge Bär

nicht zu bremsen. »Das war das beste Hügelrutschen

der Welt!«, erklärt er Emma. Die

lacht: »Und dein Fiedle ist immer noch

schneeweiß!« Nanuk strahlt: »Rodeln wir

morgen nochmal?« Emma muht zustimmend.

Bei den glänzenden Eisbäraugen –

wer kann da schon Nein sagen? • (ve)

GEWINNE EINEN

ERLEBNISTAG IN DER

ALPSEE BERGWELT

Die Alpsee Bergwelt ist ein beliebtes Ausflugsziel

für Familien im Oberallgäu. Kinder können hier

den ganzen Tag toben: Vom Parkplatz aus führt

der Sessellift bequem zur Bergstation. Nicht weit

von hier liegt die neu eröffnete Abenteuer Alpe:

In sechs verschiedenen Spielbereichen können die

Jüngsten nach Lust und Laune rutschen, klettern,

mit Wasser spielen und vieles mehr. Alpakas,

Schwarznasenschafe und die kleinen Zwergziegen

lassen es sich hier oben gut gehen. Und zum

Abschluss geht es dann mit dem Alpsee Coaster,

Deutschlands längster Ganzjahresrodelbahn,

richtig schnell zurück ins Tal.

Du möchtest einen solchen Tag mit deiner

Familie erleben? Dann mach mit bei unserem

Gewinnspiel! Wir verlosen drei mal vier Kombitickets

für eine Sesselbahn- und Sommerrodelfahrt, sowie

den Eintritt in die Abenteuer Alpe.

Schicke dazu einfach eine Postkarte (Stichwort

»Eisbär«) mit deinen Kontaktdaten an die

EDITION ALLGÄU, Lachener Weg 2,

87509 Immenstadt-Werdenstein. Oder sende

eine E-Mail an: info@heimat-allgaeu.info

Teilnahmeschluss: 1. Oktober 2017. Viel Glück!!!

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 103


Advertorial

Der Alpsee Skytrail in Immenstadt

Klettern und Balancieren ohne Angst

Der Große Alpsee ist einfach klasse – und mit dem Skytrail

um eine Attraktion reicher: eine, die spektakulär ist, die eine

Herausforderung darstellt und ungeheuren Spaß macht

Wer nicht schwindelfrei ist, kann hier

lernen, seine Höhenangst zu überwinden.

Einmal im Schienensystem eingehängt,

kann man sich vollkommen

frei auf der Anlage bewegen. So kann

sich jeder langsam an die Höhe herantasten

und findet seine Herausforderung.

Dort hat man dann, wenn die

Beklemmung erst mal überwunden ist,

eine tolle Aussicht auf die Nagelfluhkette

und den wunderschönen Alpsee.

Die Aussicht ist aber nur zweitrangig.

Grundsätzlich ist der Alpsee Skytrail

erstmal dazu da, die eigenen Körperfähigkeiten

zu testen – und dabei Spaß

zu haben. Der kommt tatsächlich nicht

zu kurz: 42 Kletterelemente warten

darauf, ausprobiert zu werden. Maximal

geht es auf elf Meter hinauf, aber

man kann es auch „erdnäher“ haben:

Auf sieben Metern oder auf drei Metern

Höhe lassen sich ebenfalls Erfahrungen

mit der Kletterei machen. Die

Anlage in Bühl ist für das Familien-

Erlebnis ausgelegt: Neben dem großen

Skytrail wurde ein Kinder-Trail eingerichtet.

Hier kann der Nachwuchs in

Bodennähe erste Erfahrungen sammeln.

Ab einer Körpergröße von 1,20

Metern können die Kinder dann in

den großen Skytrail wechseln.

Es geht um das Loslassen

Wer sich die Höhe von elf Metern zutraut,

überwindet und durchquert den

Parcours auf drei Stockwerken. Aber

im Ernst: Den Alpsee Skytrail sollte

sich jeder zutrauen, denn es kann

überhaupt nichts passieren. Man bekommt

genaue Anweisungen vom

klettergeschulten Personal und ist Teil

eines innovativen Sicherungssystems.

In den üblichen Klettergärten wird

man, wie der Hund samt doppelter

Leine, mit zwei Sicherungskarabinern

eingehängt, die man an jedem Knotenpunkt

umklippen muss. Beim Alpsee

Skytrail erhält man einen bequemen

Klettergurt, der einen mit einem

Seil mit der Sicherungsschiene verbindet.

„Über Weichen... neu einhaken.“

So ist man durchweg gesichert und es

ermöglicht maximale Bewegungsfreiheit

auf dem gesamten Parcours. So

gesichert, kann nichts passieren, auch

wenn man mal daneben tritt. Über

Weichen kann man die Richtung

wechseln und sich so den Skytrail-

Tripp selber zusammenstellen. Man

muss sich dazu noch nicht mal ausklinken

und in einer anderen Schiene

neu einhaken. Das System ist wirklich

einfach, sodass man sich ganz auf das


Der Alpsee Skytrail biete alles,

was der Kletterfan zum Üben

braucht. Kleine Kinder sammeln

in Bödennähe erste Erfahrungen

Fotos: AlpseeSkytrail, Faszinatour

Erleben konzentrieren kann. Außerdem

ist man so in der Lage, ganz unkonventionell

alles so oft auszuprobieren,

wie man daran Freude hat.

Dem Körper vertrauen

Im Skytrail kraxelt man nicht zwischen

Bäumen hin und her, wie bei einem

Kletterwald. Beim Alpsee Skytrail

ist alles auf Trittsicherheit, Erfahren

der eigenen Beweglichkeit, Testen der

Schwindelfreiheit bis hin zum Überwinden

der Angst ausgelegt. Stufen,

Netze, Balken und Seile sorgen für unterschiedliche

Haptik, sie fördern und

fordern den Kletterer. Der lernt, sich

und seinen Fähigkeiten zu vertrauen.

Hin und wieder vergisst man im Skytrail,

dass man sicher geführt wird und

überhaupt nichts passieren kann.

Dann hat man das Gefühl, bei der Bewältigung

der verschiedenen Stationen

ganz allein auf sich gestellt zu sein.

Tatsächlich geht es im Skytrail auch

nur vorwärts, wenn man konzentriert

auf den Körper und die Bewegungsabläufe

achtet – und damit sind nicht

nur die eigenen gemeint. Denn auch

das Material, vom Balken, Nagelfluhsteinen

bis zum Seil bewegt sich mit.

Das erschwert das Vorwärtskommen,

man muss sich fokussieren. Und das

macht viel Spaß, zumindest, wenn

man die Blicke ignoriert, die von unten

– mal staunend, mal belustigt – auf

einem ruhen, wenn man zum Beispiel

mit dem Bürzel voran den Rückzug

antritt. Aber: Die Feiglinge unten sollen

es doch erst mal selber versuchen.

Da kommt doch noch was

Längerfristig soll der Skytrail Teil eines

auf 13 Stationen angelegten „Lernund

Erlebnisparcours“ am Alpsee sein.

Das Motto der Alpsee-Immenstadt-

Tourismus GmbH und der Alpsee-

Grünten-Destination lautet: „Berge für

Einsteiger“. Dabei wird es darum gehen,

Menschen, die das Bergsteigen

erlernen wollen, den Start zu erleichtern.

Schließlich kann Unterschätzung

der alpinen Besonderheiten zu gefährlichen

Situationen führen.

Eine Schlüsselrolle hat dabei der Skytrail

inne. Er bietet auf komprimiertem

Raum vieles, was an Kraxelerfahrung

möglich ist: Vom Balancieren

über dünne Seile, also über den Abgrund,

bis zum Überqueren schmaler

und wackeliger Balken – es geht immer

darum, die eigenen Grenzen auszuloten.

Das kann man hier in Bühl

am Alpsee – mit Sicherheit.

Manfred Prescher

Was man sonst noch über den

Alpsee Skytrail wissen muss

DIE PREISE: Großer Parcours 7,50€

Kiddy-Parcours (bis 1,20m) 4 €

Gruppen (ab 10 Personen) 7€

DIE ÖFFNUNGSZEITEN: Montag bis

Sonntag, 10 bis 18 Uhr, im Sommer –

je nach Witterung – auch länger

Gruppen können Sondertermine vereinbaren

INFO: Alpsee Immenstadt Tourismus GmbH

Seestraße 10, 87509 Immenstadt

Telefon 08323/998877

info@immenstadt-tourist.de

AlPSeeSKyTrAIl.de


BRAUCHTUM

ALLGÄUER SAGENWELT

DIE VENEDIGERMÄNNLE

Das Allgäu birgt eine ganze Reihe uralter Sagen und Legenden.

Dinge, die man sich früher kaum erklären konnte, gaben häufig

Anlass dazu, sich eine Geschichte als Begründung auszudenken.

Besonders viele Erzählungen ranken sich um die geheimnisvollen

»Venedigermännle«, die kamen, um nach Schätzen zu suchen…

Im Wirtshaus auf dem Auerberg im

Ostallgäu erzählte man sich die Sage

von Fremden, die ins Auerberg-Land

gekommen seien – von den Venedigermännle,

die ganz klein wie Kobolde gewesen

seien, nur ein paar Spannen (Handbreit)

hoch. Sie hätten auf dem Kopf einen großen

Hut gehabt und wären in einen Kittel gekleidet,

der bis zum Boden reicht. Dem, der gut

war, hätten sie geholfen, die anderen hätten

sie bestraft. Sie sollen unterirdische Gänge

gegraben und nach Gold und Silber gesucht

haben.

Im Alpenraum gibt es Hunderte von verschiedenen,

wundersamen Sagen, Legenden

und Märchen über die »Venediger« oder die

»Venedigermännle«, wie sie im Allgäu noch

heute genannt werden: geheimnisvolle,

kleinwüchsige Schatzsucher, die im Mittelalter

nicht nur die deutschen Mittelgebirge

sondern vornehmlich auch das Allgäu in geheimer

Mission durchwanderten.

DIE VENEDIGER GAB ES WIRKLICH

Fakt ist: Die Venezianer, die Venediger, waren

da. Entgegen der Überlieferungen suchten

sie aber nicht nach Goldklumpen. Für

die gab und gibt es im Allgäu leider keinen

Nachweis. Zwar wurden in der Iller einst

Goldpartikel gefunden, die Vorkommen waren

jedoch so gering, dass es sich kaum lohnte,

sie auszuwaschen.

Nein, tatsächlich suchten die Italiener, die

wohl nicht von stattlicher Größe, aber sicherlich

nicht alle kleinwüchsig waren, nach

Zutaten für die Herstellung und Veredelung

von Glas. In Venedig, genauer der Insel Murano,

war der Handel mit sogenannten »Zuschlagstoffen«

zur Glasherstellung ein rentables

Geschäft. In erster Linie haben die Venediger

Kobalt gesammelt. Damit lässt sich

Glas blau färben: ein gern verwendeter Farbton

bei Kirchenfenstern. Ein weiteres wichtiges

Metall, auf das die »Schatzsucher« es

abgesehen hatten, war Mangan, auch als

»Braunstein« bekannt. Handwerker bezeichnen

es als »Glasmacherseife«, denn es ist ein

wichtiger Stoff bei der Fertigung von farblosem

Glas.

Selbstverständlich war es den Venedigern

streng verboten, über die geheimen Zutaten

für die Glasveredelung zu sprechen. Dumm

wären sie auch gewesen, ihre Einnahmequellen

preiszugeben. So gingen die fremdartig

und wohlhabend gekleideten Gesellen oft

schweigsam ihren Geschäften nach und ließen

die Allgäuer Bewohner über ihr Tun rätseln.

GEHEIMNISVOLLE SPIEGEL

Viele der überlieferten Legenden drehen

sich um die magischen »Venedigerspiegel«,

mit denen die eigenartigen

»Männle« tief in die Bergwelt

blicken und Gold und Edelsteine

entdecken konnten.

Es hat sich vor sehr langer Zeit begeben: Ein

Mann aus Obermaiselstein fand unweit des

»Hirschsprungs« einen sonderbaren, ja außergewöhnlichen

Spiegel. Als er ihn aufhob

und hineinblickte, sah er zu seiner Verwunderung

nicht sich, sondern erblickte einen

Bergabhang und eine Felswand, wie sie heute

vor uns aufragt.

Doch merkwürdigerweise hing die Wand

voller goldener und silberner Zapfen. Sie

schimmerten und funkelten noch viel prächtiger

als Eiszapfen im Winter. Hoch oben in

der steilen Wand zwischen Bäumen und Büschen

bewegte sich etwas, ein kleines Männlein

war emsig beschäftigt, solch goldene

Zapfen einzustecken. Das Männlein bemerkte,

dass es durch den Spiegel beobachtet

wurde, und wurde nun ganz aufgeregt, jammerte

und flehte, den Spiegel wegzuwerfen.

Denn sonst müsste es herabstürzen und zu

Tode kommen.

Der Obermaiselsteiner hatte Mitleid mit dem

sonderbaren Wicht, warf den Spiegel weg

und sogleich war alle Pracht verschwunden.

Nun hätte er alles für einen Traum halten

können, wäre da nicht die fürstliche Belohnung

in seiner Tasche gewesen. Das Venedigermännle

hatte den Mann mit einem zapfenförmigen

Goldklumpen reich beschenkt.

Illustrationen: Dominik Ultes

106

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


In Wahrheit handelte es sich bei den geheimnisvollen

»Spiegeln« wahrscheinlich um

Vergrößerungsgläser, durch die die Venedigermännle

Mineral- und Erdproben begutachteten.

Ein derartiges Wunderwerk aus

Glas dürfte dem gemeinen Volk damals jedoch

kaum geläufig gewesen sein. So entstanden

schnell die Gerüchte um den »Zauberspiegel«.

WOHLTÄTER ODER GIERSCHLUNDE?

Die Legenden, die sich um die Venedigermännle

ranken, sind vielfältig und teilweise

auch widersprüchlich. So treten die eifrigen

Schatzsucher manchmal als freundliche Erscheinung

und Wohltäter auf. In anderen Erzählungen

sind die Venediger habgierige

Gauner, die ihren Reichtum mit niemandem

teilen wollen. Im Laufe der Jahre kam es

auch vor, dass weitere Sagengestalten aus der

Allgäuer Bergwelt mit in die Erzählungen

um die Venedigermännle eingewoben wurden.

Die Venediger holten einst häufig Gold

aus dem Retterschwanger Tal bei Hindelang.

Weil sie dabei aber nicht gerne

von Menschen gestört werden wollten,

hatten sie einen Drachen ins Geschäft

gezogen. Der musste den Eingang

des Tales bewachen und Zudringliche

so lange anschnauben, bis

sie umkehrten.

Sie glaubten jedoch, man könne

den gutmütigen Drachen betrügen,

und so gaben sie ihm statt des

versprochenen Goldes nur ein goldfunkelndes,

minderwertiges Metall. Als der Lindwurm

den Betrug bemerkte, stellte er sein

Geschäft um; fortan verlangte er von den

Menschen Zoll, ehe er sie durchließ. Nun

war es mit der ungestörten Arbeit der Venediger

vorbei. Sie wanderten aus. Man sagt,

mit den Allgäuern habe sich der Drache hernach

viel besser verstanden. •

Mit freundlicher Genehmigung von Thomas

Niehörster

AUSFLUGSTIPP SAGENWEG

Südlich von Obermaiselstein liegt am Fuße des

Schwarzenbergs die einzige begehbare Höhle des

Allgäus. Um die »Sturmannshöhle« ranken sich viele

Legenden. Daher wurde auf dem Weg zur Höhle ein

Allgäuer Sagenweg eingerichtet, der auch von den

Venedigern berichtet: www.sturmannshoehle.de

Anzeigen

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 107


SERVICE

ALLGÄUER BERGNAMEN

UND WOHER SIE STAMMEN

Hörnle, Kopf und Spitz: Warum die meisten Bergnamen so enden, kann

man sich noch durch die bildhafte Bedeutung herleiten. Wer auf einen Berg

wandert, dessen Name sich nicht auf Anhieb erschließt, der fragt sich beim

Aufstieg vielleicht, woher der oft seltsame Name des Ziels kommt. Ein paar

Beispiele stellen wir hier vor. Wären Sie drauf gekommen?

FALKENSTEIN, 1267 METER

Der Falkenstein zählt zu den Pfrontner-Vilser

Bergen und trägt den Namen der Burg,

die auf ihm steht, weshalb sich auch viele Belege

zu seinem Namen finden lassen. Es ist

ein typisch ritterlicher Burgenname, für den

das tatsächliche Vorkommen von Falken am

Berg übrigens völlig unerheblich war.

GROSSER DAUMEN, 2280 METER

Das gewaltige, von weither sichtbare Bergmassiv

bei Bad Hindelang trägt einen alten

Namen. Zurückverfolgen lässt er sich bis in

einen Atlas aus dem Jahr 1774. Dass die

Bergform einen Daumen darstellt, ist aber

von keiner Seite aus erkennbar. Es ist daher

an die etymologische Bedeutung (Wortherkunft)

von Daumen anzuknüpfen, die mit

»der Dicke, der Geschwollene« angesetzt

wird. Diese Bedeutung passt sehr gut zu dem

wuchtigen Berg.

HOHER IFEN, 2230 METER

Der ungewöhnlich geformte Berg ist als

Grenzgipfel recht ausführlich dokumentiert.

Auf verschiedenen historischen Landkarten

wird er mitunter als »Hohen Nifer« oder

»Hoch Neifer« verzeichnet. Sein Name hat

mehrere »Verwandte« in Süddeutschland.

Der bekannteste ist der Hohen Neuffen in

der Schwäbischen Alb. Die Wortfamilie, aus

der sich Ifen und Neuffen ableiten, ist im

Deutschen ausgestorben, in den nordischen

Sprachen aber erhalten. Das schwedische

Mundartwort »nipa« bedeutet »steiler Abbruch«,

was auf den Ifen ringsherum zutrifft.

MITTAG(BERG), 1451 METER

Der Berg, zugehörig zur mittleren Nagelfluhkette,

steht im »Mittag« von Immenstadt.

Von dort aus gesehen steht die Sonne

nach Sonnenzeit mittags über dem Gipfel,

der Berg zeigt also den Mittag an.

NEBELHORN, 2224 METER

Das Nebelhorn in den Oberstdorfer Bergen

ist wohl der meistbesuchte Aussichtsberg der

Allgäuer Alpen, den man schon vor Eröffnung

der Seilbahn (1930) auf Maultier -

rücken erreichen konnte – wenigstens zum

Edmund-Probst-Haus. Der Berg ist als Horn

nur vom oberen Illertal aus zu sehen. Er

dürfte auch dort als Anzeiger für umschlagendes

Wetter betrachtet worden sein, wenn

sich sein Gipfel in Nebel hüllte.

Foto: Pixabay

ALLGÄUER BERGNAMEN

Die Herkunft unserer Beispiele und viele mehr finden sich in diesem Standardwerk:

Der Philologe, Historiker und Geograph Dr. Thaddäus Steiner kommt in seinem Buch

den Namen von 451 Gipfeln der Allgäuer Alpen und darüber hinaus auf die Spur.

Seine wissenschaftliche Grundlage sind frühe urkundliche Erwähnungen und die

mundartliche Aussprache. Im Jahr 2010 erschien der Folgeband »Allgäuer

Alpnamen« von Steiner, der die Namensherkunft alter Berghütten entschlüsselt.

Allgäuer Bergnamen, 240 Seiten, Preis: 14,80 €; erhältlich bei der EDITION ALLGÄU

(Best.-Nr. 242)

108

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 109


PORTRAIT

DER MEISTER DES BOING

ZU GAST BEI ALFRED HÜTTLINGER

Der Ton ist den meisten aus ihrer Kindheit bekannt: Die Sprünge von Grashüpfer Flip

in der Kinderserie »Biene Maja« – klassisch mit einem klangvollen »Boing« untermalt.

Das Instrument dazu, die Maultrommel, kann aber noch viel mehr. Alfred Hüttlinger,

Volksmusiker und Sammler des »Brummeisens«, erzählt von seiner Leidenschaft.

Wenn es um Volksmusik aus dem

Allgäu geht, kommt man an

Alfred Hüttlinger aus Bad Hindelang

nicht vorbei. Seit den 1970er-Jahren

ist er als Musiker und Gestalter neuer Volksmusikstücke

aktiv.

Auf dem Wohnzimmertisch in seinem

Wohnort Bad Hindelang liegen Hüttlingers

knapp 100 Maultommeln aus verschiedenen

Regionen der Welt. Es ist ein Streifzug durch

die verschiedenen Formen und Arten eines

auf den ersten Blick schlichten Instruments.

Hüttlinger selbst ist ein Meister des Instruments

mit dem urigen Klang. »Als zehnjähriger

Bub habe ich zum ersten Mal, völlig

fasziniert, den Klang dieses Urzeitinstruments

gehört. Das war auf einem Markt in

Sonthofen.«

Im bürgerlichen Beruf Steinmetz, steht der

75-Jährige fest auf dem Boden. Er ist nicht

nur leidenschaftlicher Maultrommelspieler,

sondern besitzt verschiedenste Maultrommeln

aus vielen Ländern. Auf Maultrommel-

Weltkongressen tauscht er sich mit Spielern

aus aller Welt aus. »Man täuscht sich, wenn

man die Maultrommel als alpenländisches

Instrument abtut. Auch, wenn das Maultrommelspiel

in Österreich seit 2012 dank

der langen Tradition zum immateriellen

Kulturerbe gehört. Das Instrument an sich

ist uralt und ist neben dem europäischen

Raum weit in Afrika und Asien verbreitet.«

EIN BÜGEL, ZWEI SCHENKEL

Die bekannteste Form der Maultrommel ist

ein Bügel mit zwei Schenkeln, zwischen

denen eine Metallfeder liegt. Den Bügel

nimmt man in die Mundhöhle und versetzt

die Feder mit den Fingern in Schwingung.

Durch Veränderung der Mundhöhle variiert

der Ton ähnlich wie beim Sprechen von Vokalen.

Die Maultrommel ist ein so genanntes

»Bordun-Instrument«, bei dem ein Grundton

während des Spielens einer Melodie gehalten

wird. Maultrommeln bestehen in der

Regel aus Metall oder Bambus.

Hüttlinger ist stolz auf den Besitz einer sehr

kleinen Maultrommel, die man bei Abbrucharbeiten

in Bad Oberdorf in einem

Versteck hinter einem Wandpaneel fand: »Es

war früher nicht unbedingt angebracht, die

Maultrommel öffentlich zu spielen. Es hieß

damals: Die Buben haben die Mädchen viel

zu närrisch gemacht damit, und seit der Zeit

war's verboten.«

DIE MAULTROMMEL IM KONZERT

Seit nunmehr über 40 Jahren musiziert Alfred

Hüttlinger mit der Raffelemusik Hüttlinger-Milz,

in der neben Raimund und

Alexander Milz auch sein Sohn Alfred mitspielt.

Das »Raffele«, die Scherrzither, ist ein

weiteres Instrument, das Alfred Hüttlinger

Die Sammlung von Alfred Hüttlinger

umfasst Maultrommeln aus aller

Herren Länder, wie diese aus Vietnam

Fotos: Alfred Hüttlinger, Thomas Niehörster

110

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


evorzugt spielt. Bei Heimatabenden gehört

die Maultrommel zum Repertoire. Bei Kirchen-

und Orgelkonzerten und Abenden

mit klassischer Musik ist es faszinierend,

wenn die Maultrommel einsetzt, und das

eigentlich so unscheinbare Instrument die

Zuhörer in ihren Bann zieht. Mit seinem

Sohn Martin spielt Hüttlinger Konzerte mit

Harald Dreher an der Orgel in St. Mauritius

in Immenstadt-Stein. Auch in die Popmusik

hielt die Maultrommel bei vielen Bands und

nicht zuletzt durch Filmmusiken von Ennio

Morricone Einzug. Bei Folkmusik gehört sie

sowieso zum festen Bestand.

DIE URSPRÜNGE DER »TROMMEL«

REICHEN WEIT ZURÜCK

Angeblich 35.000 Jahre alt soll der Urahn der

Maultrommel sein, der in einer Höhle auf

der Schwäbischen Alp gefunden wurde. Es

handelt sich dabei wohl eher um einen

»Mundbogen«, wie er heute noch in vielen

afrikanischen Ländern gespielt wird. Auch

eine etwa 15.000 Jahre alte Höhlenzeichnung

Der Musiker sammelt

Maultrommeln in allen

Formen und Größen

in Frankreich zeigt einen Mundbogenspieler

in Trance. Wie es zu diesem Instrument kam,

weiß niemand. Irgendwann jedoch kam

wohl ein Jäger auf die seltsame Idee, seinen

Jagdbogen an Zähne und Wangenknochen

zu halten und den Mundraum als Resonanzbogen

für die schwingende Sehne zu nutzen.

Genauso halten heute afrikanische Spieler

mit der einen Hand den Bogen und nutzen

die freie Hand dazu, mit einem Holz oder

Messer die Sehne unterschiedlich zu spannen,

um damit den Ton zu modulieren. Auch

in Ostsibirien, bei den Turkvölkern, wird der

Mundbogen, oft kombiniert mit einem

Klangkörper, gespielt. Wie bei der Gruppe

Huun-Huur-Tu aus der russischen autonomen

Republik Tuwa. Sie tritt bei Musikfestivals

und auch klassischen Konzerten mit

abgewandelten, jedoch der Maultrommel

ähnlichen Instrumenten weltweit auf. Bei

einem internationalen Maultrommel-Kongress

hörte Alfred Hüttlinger, was Spieler aus

Jakutien aus ihren Instrumenten herausholten.

Seitdem experimentiert er, deren wilden

und ursprünglichen Charakter auch in unserer

Musik wieder aufleben zu lassen. Beim

kommenden Maultrommel-Weltkongress in

Moskau will Alfred Hüttlinger, der mit vielen

Menschen der Szene gut befreundet ist, wieder

dabei sein. • (tn)

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 111


REPORTAGE

AUF EDELSTEINSUCHE

IN DEN ALLGÄUER ALPEN

Seit mehr als einem Jahrzehnt reizt Tobias Klöck die Entstehung und Geologie

seiner Allgäuer Heimat. Oft ist er mit Hammer und Pickel unterwegs: Immer auf

der Jagd nach den Überresten längst vergangener Zeiten. Für ALPSOMMER &

VIEHSCHEID berichtet er von einer ganz besonderen Schatzsuche in den Bergen.

Noch bevor der Tag anbricht, mache

ich mich mit Giuseppe Gulisano in

die Berge auf. Giuseppe stammt aus

Sizilien, erforscht aber schon seit über 30

Jahren die Geheimnisse der Allgäuer Alpen

und der Gipfel im angrenzenden Kleinwalsertal

und Tannheimer Tal. In dieser Zeit hat

er schon viele wertvolle historische Funde

gemacht. Eine Sache hat es ihm aber besonders

angetan. Es ist ein Werkstoff, den die

Allgäuer schon seit Jahrtausenden verarbeiten.

Wir sind auf der Suche nach dem Allgäu-Jaspis,

einem Stein, welcher in einem

besonderen Aussehen nur an ganz wenigen

Stellen im Allgäu zu finden ist.

Dabei wandeln wir auch auf den Spuren der

sagenumwobenen »Venedigermännle«. Viele

Geschichten und Erzählungen weiß man über

die sehr scheuen Männle im Allgäu zu berichten.

Sie waren vor vielen hundert Jahren mit

ihren Zauber- oder Erdspiegeln in der Allgäuer

Bergwelt unterwegs und nur selten bekam

man sie zu Gesicht. Ihre Suche war sehr geheimnisvoll

und hatte im Verständnis der

Einheimischen immer etwas mit Edelsteinen,

Gold und Silber zu tun. Es scheint, dass die

Venediger einst wirklich aus der Hafenstadt

Venedig kamen. Was sie in den Bergen suchten,

war wohl weniger Gold und Silber als

vielmehr Erze und Gesteine wie Kobalt oder

Mangan. Diese wertvollen Mineralien wurden

dringend von den Glasmanufakturen auf der

Laguneninsel Murano zur Färbung von Glas

benötigt und hoch bezahlt (siehe Seite 106).

EIN STEINALTER STEIN

Unsere heutige Suche gilt allerdings keinem

Erz, sondern vielmehr einem farbenprächtigen

Stein, dem schon die Jäger und Sammler

der Steinzeit nachspürten, um daraus

Waffen und Werkzeuge herzustellen. Es ist

die Rede vom Radiolarit. Der Stahl der

Steinzeit, wie der Stein noch genannt wird,

wurde von den Steinzeitjägern entweder im

Kies der Flüsse und Bäche gesammelt oder

in den Bergen an Ort und Stelle gewonnen.

Seine enorme Härte verdankt das meist rötlich-braune

oder grünliche Gestein winzigen

Skeletten von einzelligen Lebewesen.

Diese lagerten sich am Grund eines tiefen

Meeres vor rund 155 Millionen Jahren ab.

»Die Fundstellen für guten, rissfreien Radio-

112

ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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In steilen Grashalden

befinden sich die

Fundstellen für besonders

schöne Radiolarite

Aus dem Allgäu-Jaspis

können schmucke

Stücke entstehen, wie

dieser Anhänger

larit wurden in der späteren Neuzeit streng

gehütet«, weiß Giuseppe. Grund dafür war

der Einsatz des Steins in der Rüstungsindustrie,

denn Radiolarit ist ein Bestandteil von

Steinschlossflinten. Der »Feuerstein« erzeugt

den Funken, das Schießpulver entzündet

sich und die Kugel wird abgefeuert. Man

geht davon aus, dass es sich bei der Produktion

von Feuersteinen um einen lukrativen

Nebenerwerb im Winter handelte. »Vor allem

im 17. und 18. Jahrhundert wurden diese

Feuersteine für Schusswaffen verstärkt

hergestellt«, so der gebürtige Sizilianer.

SCHMUCKE SCHÄTZCHEN

Wenn es die Zeit zulässt, sind wir gemeinsam

auf Schatzsuche in den Bergen. In Steil-

ALPSOMMER & Viehscheid 2017 113


REPORTAGE

hängen oder tief

eingeschnittenen

Tobeln liegen die

Plätze, an denen sich

der besondere Stein

mit seinem prächtigen Farbenspiel

versteckt. Denn während der Entstehungsphase

drangen auf Grund von heißen

Quellen am Meeresgrund knallrote Jaspis-Adern

in den Radiolarit ein.

Nach einem schweißtreibenden Aufstieg

werden wir in einem kleinen Areal fündig.

Hier gibt es sogar ein Loch im Berg. Wurde

es einst von den Venedigern gegraben? Ich

muss mich mit meiner Größe ganz schön

hineinzwängen. »Da hatten es die kleinwüchsigen

Männle um einiges leichter!«,

rufe ich Giuseppe zu und er lacht. Nur ein

paar wenige gute Fundstücke werden im Anschluss

sicher verpackt im Rucksack verstaut.

Im Tal lassen wir uns am späten Nachmittag

noch eine gute Brotzeit schmecken

bevor es wieder zurückgeht.

Zu Hause in seiner kleinen Werkstatt in Immenstadt

verarbeitet Giuseppe seine Fundstücke

zu einzigartigen Schmuckstücken.

Kleine Kreuze, in Silber gefasste Anhänger

oder Broschen liegen auf der Werkbank neben

Steinsägen, Bohrern und Poliermaschinen.

»Ich bin nicht der Erste, dem dieser

Stein gefällt und der ihn zu Schmuck weiterverarbeitet.«

Er hat Recht. An der Wende

zum 18. Jahrhundert baute ein Walser Goldschmied

namens Jodok Schugg den Stein in

einem kleinen Stollen ab. Über die Jahrhunderte

ging auch das Wissen um die Farbenpracht

des Steins nicht verloren. Anfang der

30er-Jahre des 20. Jahrhunderts widmete

sich der Goldschmiedemeister Alexander

Weiss aus Oberstdorf dem Stein und bald

darauf ließ die Marktgemeinde ihre Bürgermeisterkette

bei Weiss fertigen. Es entstand

ein Schmuckstück, auf dessen 17 Kettengliedern

ein seit Urzeiten genutzter Werkstoff in

seiner schönsten Vollendung sitzt, der Radiolarit

– ein echter Allgäuer Edelstein.

• Tobias Klöck

Bei der Suche

nach dem Stein darf

Tobias Klöck nicht

zimperlich sein – und

keine Platzangst haben

Die roten Adern verleihen

dem Radiolarit sein ganz

besonderes Aussehen

Zurück in der

heimischen Werkstatt

wird der Allgäu-Jaspis

von Guiseppe Gulisano

aus seinem Rohzustand

in Form gebracht

Fotos: Tobias Klöck

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


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ALPSOMMER & Viehscheid 2017 115


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VIEHSCHEID SPEZIAL

22

VIEHSCHEIDORTE

UND TERMINE

6

1 PFRONTEN 9. SEPTEMBER

2 SEEG 9. SEPTEMBER

3 BAD HINDELANG 11. SEPTEMBER

4 OBERSTDORF-SCHÖLLANG 12. SEPTEMBER

11

5 OBERSTDORF 13. SEPTEMBER

12

25

9

6 BALDERSCHWANG 15. SEPTEMBER

7 RETTENBERG-KRANZEGG 15. SEPTEMBER

8 NESSELWANG 15. SEPTEMBER

9 OBERSTAUFEN 15. SEPTEMBER

26

10 EISENBERG-ZELL 16. SEPTEMBER

11 GUNZESRIED 16. SEPTEMBER

12 IMMENSTADT 16. SEPTEMBER

14

13 JUNGHOLZ IN TIROL 16. SEPTEMBER

14 MAIERHÖFEN 16. SEPTEMBER

17

15 PFRONTEN-RÖFLEUTEN 16. SEPTEMBER

16 SCHWANGAU 16. SEPTEMBER

17 WEITNAU-WENGEN 16. SEPTEMBER

18 UNTERJOCH 17. SEPTEMBER

19 HALBLECH-BUCHING 18. SEPTEMBER

20 WERTACH 18. SEPTEMBER

21 BOLSTERLANG 19. SEPTEMBER

22 RIEZLERN IM KLEINWALSERTAL 19. SEPTEMBER

23 GRÄN-HALDENSEE 20. SEPTEMBER

24 TANNHEIM IM TANNHEIMER TAL 21. SEPTEMBER

25 OBERSTAUFEN-THALKIRCHDORF 22. SEPTEMBER

26 MISSEN 23. SEPTEMBER

27 OBERMAISELSTEIN 23. SEPTEMBER

28 HASLACH AM GRÜNTENSEE 23. SEPTEMBER

29 NESSELWÄNGLE 24. SEPTEMBER

30 HALDENWANG 30. SEPTEMBER

Änderungen möglich, alle Angaben ohne Gewähr

ALPSOMMER

& Viehscheid 2017


VIEHSCHEID SPEZIAL

DA GEHT’S BERGAB

VIEHSCHEIDTERMINE

Bimmelnde Zugschellen, festlich geschmückte Kranzkühe, Trubel im

Festzelt und zünftig aufspielende Musikkapellen: Von Ort zu Ort läuft

der herbstliche Viehscheid unterschiedlich ab und hat seine eigenen

Besonderheiten. Da kann man leicht den Überblick verlieren! Eine

Übersicht der Viehscheide in der Region gibt es hier.

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


9. SEPTEMBER

PFRONTEN / HEITLERN

9 Uhr, beim Schulzentrum in Pfronten-Heitlern,

ca. 400 Tiere

- Festumzug am 8. September um 19 Uhr

- Jungvieh von 7 Alpen

- 15 Kranzkühe

- Krämermarkt und Festzeltbetrieb

- traditionelle »Pfrontar Viehscheid-Däg«

vom 2. bis 16. September mit Ausflügen

zu Alpen oder Brauerei, Jodel-Kursen,

Kranzkronen selber binden, Dirndlschürzen

nähen, Besuch beim Schellenschmied

und Haferschuhe nähen (siehe S. 30-35)

SEEG

13 Uhr, Festzeltplatz gegenüber der Feuerwehr,

ca. 80 Tiere

- ab 11 Uhr Bewirtung durch den Schützenverein

Seeg

- 13 Uhr Eintreffen der Schumpen von der

Alpe Beichelstein mit der Harmoniemusik

Seeg

- »Kuhl Down und Burnout«: Party am

Abend vor dem Viehscheid

- Kuhglocken-Verlosung

12. SEPTEMBER

OBERSTDORF / SCHÖLLANG

9 Uhr, südlicher Ortseingang von Schöllang,

ca. 700 Tiere

- über 700 Tiere von Entschenalpe, Hintere

Seealpe, Gutenalpe und Käseralpe

- Festzeltunterhaltung mit Musikkapelle

Schöllang und Rubihorn Musikanten

- Pendelbusse von Fischen nach Schöllang

11. SEPTEMBER

13. SEPTEMBER

Foto: Sven Abend; Zeichnungen: Ramona Klein

BAD HINDELANG

8.30 Uhr, Auf der Aach (Nähe der Hornbahn),

ca. 800 Tiere

- das größte Fest im Ostrachtal

- fünf Rinderherden von den Alpen Hasen -

egg, Stierbach, Kühbach, Erzberg und

Platte

- großer Krämermarkt mit Festzelt, Verkaufsständen,

Fahrgeschäften und vielem

mehr

OBERSTDORF

9 Uhr, im Ried (Renksteg), ca. 1000 Tiere

- Pferdekutschenfahrt vom Megèver Platz

zum Renksteg

- Viehscheid mit Vieh von den Alpen Bierenwang,

Traufberg, Haldenwang, Rappenalpe,

Biberalpe und der Taufersbergalpe

- Pendelbus vom Busbahnhof Oberstdorf

zum Scheidplatz ab 8 Uhr

- bis zu 20.000 Besucher

15. SEPTEMBER

BALDERSCHWANG

10 Uhr, Ortsmitte am Feuerwehrhaus, ca.

200 Tiere

- urtümlicher Viehscheid zur Rückkehr des

Alpviehs

- vier Rinderherden von den Alpen Gelbhansekopf,

Wilhelmine, Schwarzenberg,

Oberbalderschwang

- Schellenverlosung und Älplerabschied


ALPSOMMER & Viehscheid 2017 119


VIEHSCHEID SPEZIAL

RETTENBERG / KRANZEGG

9 Uhr, Kranzegg, Ortsausgang Richtung

Vorderburg, ca. 400 Tiere

- einziger Viehscheid im Oberallgäu mit

drei reinen Kuhherden, zwei Jungviehherden

und einer Schafherde

- Alpen von der Grünten-Nordseite

- Krämermarkt ab 9 Uhr

- festliche Umrahmung durch die »Kranzegger

Herbstfesttage«

NESSELWANG

10 Uhr, Parkplatz Alpspitzbahn, ca. 100 Tiere

- Umrahmung durch Nesselwanger Herbstfest

(Beginn 14. September)

- abends Viehscheid-Hoigarte mit den »Allgäuer

Bergvagabunden« im Festzelt

OBERSTAUFEN

8.30 Uhr, Höfen (Abzweigung nach Steibis),

ca. 1000 Tiere

- mehr als 160 Alpen auf 3823 Hektar bilden

um Oberstaufen das größte zusammenhängende

Alpgebiet Bayerns

- Pendelbusse zwischen Bahnhof Oberstaufen

und Scheidplatz

- ab 14 Uhr Schellenverlosung

- der Oberstaufer Viehscheid hat den Ruf

eines »kleinen Oktoberfestes«

16. SEPTEMBER

EISENBERG / ZELL

10.15 Uhr, Ortsteil Zell, ca. 80 Tiere

- Almabtrieb von der Schlossbergalm nach

Zell

- Empfang des Almviehs mit Musik, Dorffest

mit Bewirtung

GUNZESRIED

8.30 Uhr, Ortseingang Gunzesried, ca. 1500

Tiere

- größter Viehscheid im Allgäu

- 14 Viehherden von 18 Alpen

- begleitet von der Blaskapelle Bihlerdorf-

Ofterschwang

- ab 11 Uhr Festzelt und Krämermarkt

IMMENSTADT

9 Uhr, Viehmarktplatz Immenstadt, ca. 800

Tiere

- einziger städtischer Viehscheid im Allgäu

- Festzelt mit Musik und Krämermarkt

- ab 15.30 Uhr Scheidschellenwürfeln

JUNGHOLZ IM TANNHEIMER TAL (A)

10 Uhr, Dorfplatz beim Feuerwehrhaus

Jungholz, ca. 100 Tiere

MAIERHÖFEN

11.30 Uhr, Festgelände Maierhöfen, ca. 200

Tiere

- mit 30 Kilometern von den Bergweiden

nach Maierhöfen legt der Viehzug die weiteste

Strecke im Allgäu zurück

- Viehscheidtage vom 15. bis 17. September

mit buntem Rahmenprogramm: Heimatfest

am Sonntag

PFRONTEN / RÖFLEUTEN

10 Uhr, Forsthaus an der Peter-Heel-Straße,

Pfronten-Röfleuten, ca. 160 Tiere

- findet immer eine Woch nach dem »großen«

Pfrontner Viehscheid statt

- Rinder von der Röfleuter Alpe

SCHWANGAU

12.30 Uhr, Kreuzung in Hohenschwangau,

ca. 200 Tiere

- Jungvieh von der Alpe Jägerhütte und der

Altenberger Alm

- gemütlicher Ausklang im Schwanseepark:

dieser ist als Schutzgebiet nur einmal im

Jahr zum Viehscheid zugänglich

- das Vieh zieht zu Füßen der Königsschlösser

in den Park ein

WEITNAU / WENGEN

12.30 Uhr, an der Dorfhalle in Wengen, ca.

130 Tiere

- Bauernmarkt ab 10 Uhr

- ab 17 Uhr Tanz und Unterhaltung

- Vieh von der Alpe Wenger Egg

17. SEPTEMBER

UNTERJOCH

10.30 Uhr, Unterjoch Ortseingang/Busparkplatz,

ca. 50 Tiere

- Viehscheid der Buchelalpe

- kleiner, dörflicher Rahmen

18. SEPTEMBER

HALBLECH / BUCHING

9.30 Uhr, Festplatz neben dem Maibaum,

ca. 30 Tiere

- traditioneller Viehmarkt auf dem Festplatz

(kein Viehscheid!)

- Krämermarkt und Festzeltbetrieb mit

Blasmusik

- Einzug des geschmückten Viehs um 9.30

Uhr

- Buchinger Herbstfest vom 17. bis 19. September

WERTACH

9 Uhr, Industriestraße zwischen Getränkemarkt

Fleischmann und Wertstoffhof, ca.

700 Tiere

- gilt als einer der ältesten und größten

Viehscheide im Allgäu

- Rinder von den Alpen Sorg I und II, Untere

Reuterwanne, Untere Bichleralp,

Schnitzlertalalp, Vordere Köllealp

- Umrahmung durch Wertacher Herbstfest

mit Krämermarkt, Alphornblasen, Maibaumversteigerung

- 18. bis 22. September: Ausstellung »Wertacher

Alpen« in der Tourist-Info Wer tach

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017


19. SEPTEMBER

BOLSTERLANG

10 Uhr, südlicher Ortseingang, ca. 650 Tiere

RIEZLERN IM KLEINWALSERTAL (A)

8 Uhr, Riezlern, unterster Parkplatz nach der

Kanzelwandbahn rechts (Breitachbrücke),

ca. 650 Tiere

- kleiner Bauernmarkt mit landwirtschaftlichen

Artikeln

- Rahmenprogramm mit Live-Musik

20. SEPTEMBER

GRÄN-HALDENSEE

IM TANNHEIMER TAL (A)

11 Uhr, Dorfmitte, ca. 190 Tiere

23. SEPTEMBER

MISSEN

9.30 Uhr, Am Freibad 5e, Missen, ca. 400

Tiere

OBERMAISELSTEIN

9 Uhr, Festplatz, Dorfmitte, ca. 1200 Tiere

- einer der größten Viehscheide im Allgäu

- Eintreffen des Alpviehs von elf Alpen zwischen

9 Uhr und 13 Uhr

- Pendelbus vom Busbahnhof Fischen zum

Viehscheid Obermaiselstein

- ab 20 Uhr Scheidball mit Live-Musik und

Schellenverlosung

OY MITTELBERG /

HASLACH AM GRÜNTENSEE

11 Uhr, am Feuerwehrhaus Haslach, ca. 100

Tiere

- Viehzug mitten durchs Festzelt

21. SEPTEMBER

TANNHEIM IM TANNHEIMER TAL (A)

11 Uhr, Parkplatz der Tannheimer Lifte,

ca. 650 Tiere

- Vieh von sechs Alpen

- 20 Uhr Ehrung der Älpler mit Schellenübergabe

OBERSTDORF /

RIED, OYBELE, FISCHEN

9 Uhr, verschiedene Orte rund um Oberstdorf

- Matthäsdag: Viehscheid der Sennalpen,

die an unterschiedlichen Orten geschieden

werden

- Informationen bei der Tourismusinformation

Oberstdorf

24. SEPTEMBER

NESSELWÄNGLE (A)

11 Uhr, Feuerwehrhalle beim Gemeindehaus,

ca. 100 Tiere

30. SEPTEMBER

HALDENWANG

10 Uhr, südlicher Ortseingang Haldenwang,

ca. 110 Tiere von der Alpe Berg

Änderungen vorbehalten,

alle Angaben ohne Gewähr

22. SEPTEMBER

OBERSTAUFEN / THALKIRCHDORF

9.15 Uhr, Talstation des Schwandliftes,

ca. 700 Tiere

- ab 10 Uhr Unterhaltung mit der Musikkapelle

- Bustransfer ab 19 Uhr vom Festplatz zum

Oberstaufener Bahnhof

- Thaler Viehscheid-Zeltfest am Vorabend


SERVICE

Bestaunen Sie die Gipfel des Allgäus vom heimischen Sofa aus, nehmen

Sie die regionale Küche mit nach Hause und helfen Sie Kommissar Hansen,

den Mörder zu schnappen – all das gelingt mit unseren Buchtipps.

REGIONAL KOCHEN

SOMMERZEIT

IST LESEZEIT

FÜR GIPFELSTÜRMER

Die Allgäuer Berggipfel zeigen eine beeindruckende Vielfalt – auf relativ

engem Raum weisen sie eine unglaubliche Fülle an unverwechselbaren

Formen auf: gewaltige Dolomitgipfel wie Hochvogel und Trettachspitze,

markante Charakterköpfe wie der Hohe Ifen, himmelhoch aufragende Grasberge

wie Höfats und Schneck. Dazu messerscharfe Wiesengrate am Fellhorn

oder der Güntlespitze, senkrechte Nagelfluhwände am Siplingerkopf,

gewaltige Klettergipfel aus uralten Korallenriffen im Tannheimer Tal und

viele mehr. Dieser Bildband stellt die 80 schönsten Allgäuer Berge vor, mit eindrucksvollen

Fotos, informativen Begleittexten und nützlichen Wandertipps für Gipfelstürmer.

Gerald Schwabe: »Allgäuer Berge. Einzelporträts

der 80 schönsten Allgäuer Gipfel«, 80 Seiten, Preis 12,95 Euro, Brack Verlag,

beziehbar über die EDITION ALLGÄU, Best.-Nr. 447

Kochen mit Lebensmitteln aus der eigenen Region: Das verbindet mit der Heimat

und lehrt uns, sie und die dort wachsenden Früchte wertzuschätzen. Die

beiden Autorinnen zeigen mit diesem einzigartigen Kochbuch auf, dass man

mit heimischem Gemüse, Wildkräutern, Beeren und Obst sinnlich-genussvolle

Speisen zubereiten kann. Von einfachen Gerichten für Anfänger bis hin zur

Gourmetküche: In diesem Buch finden Sie – nach Jahreszeiten unterteilt –

Rezepte für Tage, an denen Fleisch kein Thema ist.

Gerti Epple und Rita Brinz: »Das Allgäu kocht regional«, 224 Seiten,

Preis 17 Euro, Bauer-Verlag, beziehbar über die EDITION ALLGÄU, Best.-Nr. 223

MORD UND TOTSCHLAG IM IDYLLISCHEN ALLGÄU

Zwischen Wald und Wiesen liegt das kleine Dorf Obergassen und bietet einen herrlichen

Blick auf die Allgäuer Alpen. Doch der Schein trügt, denn hier ist es längst

nicht so malerisch wie es scheint. Es gibt einen Schandfleck. Der heruntergekommene

Garzinger Hof stört die ländliche Idylle und so mancher Bewohner würde den

Schandfleck des Ortes lieber heute als morgen abreißen lassen. Aber

der kauzige Eigentümer Manfred Garzinger mag weder renovieren

noch verkaufen. Offenbar hat er sich so Feinde gemacht: Eines Tages

wird er tot in seinem Lehnsessel gefunden. Für Kommissar Hansen

beginnt eine schwierige Ermittlung, denn die verschwiegene Dorfgemeinschaft

regelt ihre Angelegenheiten lieber selber.

IMPRESSUM

VERLAG &

HERSTELLUNG:

Verlag HEPHAISTOS

EDITION ALLGÄU

Lachener Weg 2

87509 Immenstadt-Werdenstein

Tel. 08379/728616

Fax 08379/728018

info@heimat-allgaeu.info

www.edition-allgaeu.de

REDAKTION:

Viola Elgaß (v.i.S.d.P.),

Claudia Schöwe,

Thomas Niehörster,

Tel. 08379/728616,

E-Mail: info@heimat-allgaeu.info

Gekennzeichnete Beiträge stellen

die Meinung des Ver fassers,

nicht aber des Verlages dar.

LAYOUT:

Ramona Klein (Art Direction),

Bianca Elgaß

TITELFOTOGRAF:

Dominik Ultes

ANZEIGEN:

Carolin Mathes, Katharina Böttger

Tel. 08379/728616

info@heimat-allgaeu.info

gültige Anzeigenpreisliste: 1/2016

DRUCK:

HOLZMANN DRUCK GmbH & Co. KG

Gewerbestraße 2

D-86825 Bad Wörishofen

BANKVERBINDUNG

VERLAG:

Raiffeisenbank

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allgaeu.braunvieh

Jürgen Seibold: »Schandfleck. Ein Allgäu-Krimi«,

320 Seiten, Preis 9,99 Euro, Piper Verlag

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ALPSOMMER & Viehscheid 2017

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