Gars_Sondernummer_fluechtling2016_v6

mirosavljevic

Neue Nachbarn

daheim. urlaub. leben.

Luftkurort Gars am Kamp

Für ein Leben ohne Angst

Mohamad kam unterwegs zur Welt Rahaf geht in die Volksschule

daheim. urlaub. leben.

Luftkurort Gars am Kamp

Engagierte Garserinnen und Garser gesucht

Willkommen Mensch in Gars

AMTLICHE MITTEILUNG. An einen Haushalt. Postentgelt bar bezahlt. Zugestellt durch Österreichische Post.

gemeinde

nachrichten

Luftkurort Gars am Kamp

N o 6 | August 2016

Abdulla, Nasifa Saed, Omar Nasif und der kleine Mohamad

GARS. Omar Nasif (33) und die damals schwangere Nasifa

Saed (22) flohen mit ihrem Sohn Abdullah (6) von Syrien

nach Libyen und über das Mittelmeer nach Italien und kamen

schließlich über Traiskirchen und Allentsteig nach Gars. Kurz

nach ihrer Ankunft kam ihr zweiter Sohn Mohamad in Zwettl

zur Welt. Die Familie erhielt im März 2015 ihren positiven

Asylbescheid. Omar Nasif würde gerne in seinem erlernten Beruf

Buchbinder arbeiten. Abdullah beginnt im September die

Schullaufbahn in der Volksschule Gars.

Er fand sie in Gars wieder

Sumaya Saed, Nabil Deeb und der in Gars geborene Kamal

GARS. Nabil Deeb (30) und Sumaya Saed (19) leben seit Oktober

2015 gemeinsam in Gars. Im Juli 2016 kam ihr Sohn Kamal

zur Welt. Das Paar hatte sich 2011 vor der Flucht in Aleppo

kennengelernt, sich aber wieder aus den Augen verloren. Während

Sumaya Europa über das Mittelmeer erreichte, floh Nabil

Deeb über den Landweg und konnte nach langem Suchen und

Warten schließlich nach Gars kommen, weil er erfahren hatte,

dass sich Sumaya hier aufhielt. Die Hochzeit fand im März 2015

statt.

Amana Kher und Ghazi Nasif mit ihrem Töchtern Remas und Rahaf

GARS. Ghazi Nasif (40) und Amana Kher (30) flohen gemeinsam

mit ihrer Tochter Rahaf (8) von Syrien nach Libyen, wo

im Februar 2014 ihre zweite Tochter Remas (2) zur Welt kam.

Im September 2014 floh die Familie weiter über das Mittelmeer

nach Italien. Sie kamen von Traiskirchen nach Semmering und

später nach Mürzzuschlag. Nachdem im Jänner 2016 ihr Asylantrag

positiv beschieden wurden, übersiedelte die Familie zu

Ghazis Bruder Omar nach Gars. Die ältere Tochter besucht seitdem

die Garser Volksschule.

Ein Jahr auf die Familie gewartet

Dr. Muhaumed Matar, Nawal al Mousa, Osama und Kutaiba

GARS. Dr. Muhaimed Matar ist Arzt für Allgemeinmedizin

und kam im November 2014 von Syrien nach Österreich. Seit

Jänner 2015 lebt er in Gars und erhielt im August 2015 seinen

positiven Asylbescheid. Er begann sofort, intensiv Deutsch zu

lernen, um seinen Arzttitel in Österreich anerkennen lassen

zu können und absolvierte im Mai im Krankenhaus Horn ein

Kurzpraktikum. Im Jänner 2016 konnte er seine Frau Nawal al

Mousa sowie seine beiden Söhne Osama (4) und Kutaiba (2)

nach Gars nachholen.

GARS. Wir – die Initiative „Willkommen

Mensch in Gars“ – haben uns zum

Ziel gesetzt, die Asylwerber und bereits

Asylberechtigten, die hier mit uns in

Gars leben, bei der Integration zu unterstützen.

Solidarität und ein positiver

Umgang mit diesen Menschen ist uns ein

besonderes Anliegen.

Die Erfahrung, die wir immer und immer

wieder gemacht haben, ist, dass es

nur durch Kennenlernen möglich ist, die

Asylwerber und die Asylberechtigten zu

verstehen und sich so eine umfassende

Meinung von den Menschen und ihrer

Situation zu machen.

Im Team von „Willkommen Mensch in

Gars“ sind derzeit Gabi Wittmann, Regina

Ratheiser, Franz Weigl, Birgit Dollensky,

Traude Steiner, Helga Gradner,

Elisabeth Ehrenberger, Heidi Schrammel,

Sandra Marchsteiner, Susanne Leodolter

und Sigrid Köhl.

Wir helfen dabei, Deutsch zu lernen

(durch Kurse; durch Gespräche und

Besuche), unterstützen im Umgang mit

Behörden, begleiten zu Arztterminen,

helfen Kindern bei der Hausübung und

beim Lernen und spielen mit ihnen Volleyball

oder Fußball.

Die uns entgegengebrachte große Dankbarkeit

und Gastfreundschaft ist sehr bereichernd

und bestärkt uns, immer wieder

weiter zu machen.

Wir freuen uns über jeden und jede, der

oder die diese Erfahrung mit uns teilen

möchte und einen Beitrag zur Unterstützung

unserer neuen MitbewohnerInnen

leisten kann. Es gibt genug zu tun, z.B.:

• Unterstützung beim Deutschlernen

• Begleitung bei offiziellen Wegen (Ämter,

Ärzte …)

• Freizeitbegleitung, sportl. Aktivitäten

• Zupacken, wo gerade Hilfe notwendig ist

• Schulkinder bei den Hausübungen und

beim Lernen unterstützen

IMPRESSUM

HERAUSGEBER: Marktgemeinde Gars am Kamp, Hauptpl. 82, 3571 Gars am Kamp, T: 02985/2225; Für den Inhalt verantwortlich:

Bgm. Ing. Martin Falk; Redaktion, Gestaltung, Druck: mediadesign, 3730 Burgschleinitz, T: 02984/23149, Erscheinungsweise:

8 x jährlich; Verbreitungsgebiet: Gars am Kamp mit Katastralgemeinden, Medien, Institutionen, Verwaltungen, etc.; Auflage: 2.000;

Die nächsten Gemeindenachrichten erscheinen im September 2016.

Bei Interesse melden Sie sich bitte unter

0681/20 55 48 60 bei der Initiative Willkommen

Mensch in Gars.

Von der Pfarre Gars wurde außerdem

ein Spendenkonto eingerichtet:

Sparkasse Horn-Ravelsbach-Kirchberg

IBAN: AT17 2022 1072 0107 3959

Kontobezeichnung:

Pfarre Gars – Flüchtlingsfamilien Gars

Wir freuen uns auf Sie!

Mohamad, Rahaf, Remas und Abdullah

beim ersten „Fest der Begegnung“ im Mai

vergangenen Jahres.

GEORG DANZER HAUS

GARS. Neben den von „Willkommen

Mensch“ betreuten Flüchtlingen,

ist Gars auch Standort eines Georg

Danzer-Hauses. Betreut vom Verein

„Fluchtweg“ sind in dem nach dem

Austropop-Star benannten Haus in

der Horner Straße knapp 20 minderjährige

Flüchtlinge untergebracht, die

dort von qualifizierten Kräften betreut

werden.

Gars ist einer von vier Standorten der

Einrichtung, die besonderen Wert auf

eine sprachliche und schulische Ausbildung

der jungen Flüchtlinge legt,

die sich ohne Eltern bis nach Europa

durchgeschlagen konnten.

Foto: © Reinhard Podolsky | mediadesign.at

Kennenlernen und feiern

Begegnungsfest

Die Gemeinde lädt herzlich ein: 17. September auf der Burg Gars - ein Fest der Begegnung mit

Musik, Tanz, heimischer und orientalischer Kulinarik , Zaubereien, ...

GARS. Die Gemeinde lädt am Samstag, den 17. September 2016 14 - 18 Uhr

zu einem Fest der Begegnung auf die Burg Gars ein. Das Fest soll ein Auftakt

für eine Reihe von Veranstaltungen mit dem Ziel sein, dass sich die einheimische

Bevölkerung, die ansässigen Vereine und die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger

besser kennenlernen.

Es gibt ein spannendes Programm: österreichisches und orientalisches Essen und

Getränke, Zauberer Prof. Bombasti, Luftballonfiguren u.v.m.

Kommen Sie und lassen Sie uns gemeinsam feiern!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Asyl ist österreichweit ein Thema, das

auch in der Garser Bevölkerung kontroversiell

gesehen wird - wir haben es hier

mit Ängsten, Vorurteilen und leider auch

Stimmungsmache zu tun.

Auch die Gemeinde

Gars kann sich der Problematik

nicht entziehen.

Seit Jänner 2015

haben wir an unterschiedlichen

Standorten

im Gemeindegebiet

Aslywerber untergebracht.

Dank der vielen

freiwilligen Helferinnen und Helfer, die

ohne viel Aufhebens im Hintergrund

Betreuungsarbeit leisten, geht dieser

Integrationsprozess ruhig und erfolgreich

vonstatten. Dafür möchte ich

mich an dieser Stelle bei den Betreuer-

Innen herzlich bedanken.

Foto: z.V.g.

Um diesen Weg, der im Vergleich zu anderen

Gemeinden nicht selbstverständlich

ist, auch in Zukunft gehen zu können, bittet

die Initiative „Willkommen Mensch in

Gars“ um Mithilfe bei der Begleitung der

Asylwerber im täglichen Leben. Als Bürgermeister

bin ich überzeugt davon, dass

miteinander, im gegenseitigen Respekt

dieser schwierige Integrationsprozess gelingen

kann. Die Marktgemeinde Gars

wird über die Fortschritte der Integration

in den Gemeindenachrichten informieren.

Diese Ausgabe setzt einen Anfang.

Ich wünsche Ihnen einen schönen

Sommerausklang.

Herzlichst,

Ihr Bgm. Ing. Martin Falk


gemeindenachrichten

Luftkurort Gars am Kamp

Eineinhalb Jahre Flüchtlingsbetreuung in Gars

Von Fremden zu Mitbürgern

daheim. urlaub. leben.

Luftkurort Gars am Kamp

Regina Ratheiser hilft bei der medizinischen Versorgung der Füchtlinge

Der Funke sprang sofort über

gemeindenachrichten

Luftkurort Gars am Kamp

„Die Reise“ oder „Die Flucht aus meiner Heimat“

Warum ich mein Land verliess

GARS. Vom Sozialausschuss der Pfarre wurde

im August 2014 angeregt, eine Flüchtlingsfamilie

in Gars aufzunehmen. Die Gemeinde

unterstützte sofort die Suche nach einem

passenden Quartier. Das Areal der ehemaligen

Firma Lachmair schien dafür geeignet

zu sein. Die für Soziales zuständige Geschäftsführende

Gemeinderätin Pauline Uitz

verhandelte erfolgreich mit dem Eigentümer

David Seidl, das Objekt wurde adaptiert und

war zu Beginn 2015 bezugsfertig.

> Mitte Jänner 2015 trafen die ersten Flüchtlinge

ein. Erwartet wurde eine einzige Familie;

gekommen ist aber eine 13 Personen

umfassende Großfamilie (vier Familien).

Bald danach kamen fünf alleinstehende

Männer und zwei weitere Familien dazu.

> Seit der ersten Stunde kümmern sich Gabi

Wittmann, Regina Ratheiser, Dr. Birgit Dollensky,

Franz Weigl, Edeltraud Steiner, Mohamed

und Doris Fredj sowie GGR Pauline

Uitz um die Flüchtlinge, die von Traiskirchen

nach Gars geschickt werden.

> Um Kontakt zwischen einheimischer Bevölkerung

und Asylwerbern herzustellen,

wurde am 2. Mai 2015 zu einem „Fest der

Begegnung“ in den Pfarrhof eingeladen.

> Der traurige Anlass vom August des Vorjahres,

als 71 Flüchtlinge in einem Schlepper-Transporter

starben, führte zu einer

Pfarrassistentin Gabriele Wittmann mit den Kindern

der Flüchtlingsfamilien.

spontanen und berührenden Gedenkfeier

am 1. September mit einer beachtlichen

Teilnehmerzahl am Kirchenplatz.

Von Anbeginn gab es im Flüchtlingsquartier

ein Kommen und Gehen. Inzwischen

haben bereits vier Familien aus Syrien und

ein junger Mann aus Palästina eine dauerhafte

Aufenthaltsgenehmigung und leben

als „neue Garser“ in einer eigenen Wohnung.

Für zwei Familien konnten die HelferInnen

in St. Pölten und Horn Wohnungen

Beim „Fest der Begegnung“ lernten die Garserinnen und Garser die Neuankömmlinge kennen.

organisieren. Zu zwei jungen Männern

aus dem Irak, die seit einigen Monaten

in Wien leben, besteht nach wie vor ein

sehr guter Kontakt. Bewegende Momente

erlebten die HelferInnen auch mit zwei

syrischen Männern – beide sind Ärzte –,

die nach einer langen Zeit des Bangens

und zermürbenden Wartens ihre Familien

nachholen konnten.

BARRIEREN & LÖSUNGEN

Die größten Herausforderungen für

Betreuer und Flüchtlinge:

• Sprachliche Barriere: Innerhalb

kürzester Zeit haben sich Übersetzer

zur Unterstützung bereit erklärt.

Drei Lehrerinnen bieten an

drei Tagen Deutschkurse an.

• Traumatisierte Menschen; Krankheiten;

Fehlgeburt; Risikoschwangerschaften;

körperliche Beschwerden

durch Fluchtwege …

• Transporte: nach Traiskirchen, zu

Ärzten, Ämtern, Hilfsorganisationen

– auch dafür waren und sind

immer wieder Menschen bereit,

einzuspringen.

• Negative Bescheide bedeuten immer

eine große Enttäuschung und

Ängste für die Betroffenen, da die

Länder, in die diese Menschen abgeschoben

werden sollen, keinen

guten Ruf in der Flüchtlingsbetreuung

vorweisen.

• Wohnungssuche: Es ist schwer, für

größere Familien passende, leistbare

Wohnungen zu finden, wenn

möglich in einer größeren Stadt

(St. Pölten, Krems, Wien).

• Bürokratische Erledigungen: Ämter

sind zum Teil mit der neuen

Situation nicht vertraut und überfordert.

GARS. Im Jänner 2015 lernte ich das erste

Mal jene Menschen persönlich kennen, von

denen ich bis dahin nur Schreckensbilder

aus dem Fernsehen gesehen hatte. Der Funke

sprang sofort über: Kinder, Frauen und

Männer, so alt wie meine eigenen Kinder,

hatten viel Schreckliches erlebt und hofften,

bei uns Frieden zu finden. Da ich Diplomierte

Krankenschwester bin, war mir bald klar,

wo ich helfen konnte. Nach wenigen Tagen

begleitete ich die ersten Flüchtlinge bei Arztwegen

oder unterstützte sie bei Therapien.

DER KÖRPER SCHREIT...

Bald hatte ich das Gefühl, dass ständig jemand

krank wurde – und es war auch so.

Nach den Strapazen ihres bisherigen Lebens

kamen sie hier in unserem friedlichen Gars

an. Das erste Mal nach langer Zeit konnten

sie aufatmen. Wer kennt das nicht: Stress im

Alltag und Beruf, dann der langersehnte Urlaub

und plötzlich wird man krank. So ging

es auch sicher unseren Flüchtlingen, von

grippalen Infekten, Schmerzen bis hin zu

gynäkologischen Beschwerden – es verging

Regina Ratheiser hält die kleine Sara im Arm, die

fern der Heimat, doch in Frieden und Sicherheit

zur Welt kam.

kein Tag, an dem nicht irgendjemand etwas

brauchte. Der Körper schreit, weil die

Seele verwundet ist...

EIN WORT FÜR „ZECKE“ GIBT ES NICHT

GARS. Syrer oder Iraker haben noch nie von Zecken gehört, ihre Sprache hat auch kein

Wort für die schwarzen Plagegeister. Daher mussten die Asylwerber zunächst über die

von Zecken ausgehende Gefahr informiert werden und

im Mai 2016 begann auf Initiative von Dr. Mouhaimed

Matar eine große Impfaktion gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Mit einer großzügigen Unterstützung

konnte Impfstoff besorgt werden, mit dem Dr.

Matar 34 Erwachsene und 29 Kinder jeweils zweimal

„Zecken schutzgeimpft“ hat. Da die Familien in ganz

Gars verteilt sind, war das auch eine logistische Herausforderung.

Dr. Matar meisterte sie u.a., indem er

Mit seiner Karrikaturfeder hat Johannes

Kraus den in „Zeckenschutz-

Mission“ radelnden Dr. Mouhaimed

Matar festgehalten.

bepackt mit Kühltasche, Impfstoffen, Tupfer und Impfpässen

auf dem Fahrrad quer durch Gars unterwegs

war. Jedenfalls: Für heuer sind alle erfolgreich geimpft

und wissen auch, was Zecken sind …

Ich kämpfte mich durch den Verwaltungsdschungel

der Krankenkassen, der Behörden,

mit Versicherungsnummern, Selbstbehalten,

Rezeptgebühren, Befreiungen,

usw. Ich organisierte, begleitete, besorgte,

sprach anfangs nur „pantomimisch“ oder

mit Übersetzungsbüchern und versuchte

so, Sprachrohr zwischen Ärztin, Arzt,

Krankenhaus und PatientInnen zu sein.

Später hatten wir das Glück, arabisch

sprechende GarserInnen zu finden. Für

viele Ärzte in unserer Umgebung war die

Behandlung von Asylwerbern auch Neuland,

aber bis auf eine einzige Ausnahme

wurde immer nach Lösungen gesucht.

Oft stellte mich die „andere Mentalität“

und der „fremde Zeitrhythmus“ vor Herausforderungen.

Andererseits entstanden

bei diesen persönlichen, oft auch intimen

Begleitungen wunderbare Freundschaften.

Ich habe große Ehrfurcht davor, wie

viel Vertrauen mir diese Menschen schenken,

da es manchmal wegen der Sprachbarriere

unmöglich ist, dass sie alles verstehen.

Leider habe ich auch schon sehr

tragische Lebenssituationen begleiten

müssen, etwa als eine junge Frau ihre toten

Zwillinge im 7. Monat gebären musste.

Sie bat mich, bei ihr zu bleiben, obwohl

wir kaum miteinander sprechen konnten.

VIEL SCHÖNES & EIN SPAGAT

Aber auch viel Schönes habe ich miterlebt,

wie die Geburt eines neuen Menschen,

fern von zu Hause, mit der Hoffnung, hier

Heimat und Frieden zu finden. In diesen

vergangenen eineinhalb Jahren bin ich

manchmal beim Spagat zwischen Familie,

Beruf und Hilfe leisten zu wollen, an meine

Grenzen gegangen. Für mich ist das

trotzdem ein wichtiger Beitrag zur Integration

und für ein gutes Zusammenleben

in unserer Gemeinde. Über etwas Unterstützung

würde ich mich freuen.


Regina Ratheiser

GARS. Ich heiße Hayder Muslit, bin 23

Jahre und komme aus der Stadt Mossul

im Irak. Ich wollte Lehrer werden und

habe zwei Jahre an der Uni studiert, aber

leider nicht mehr abschließen können.

Trotz der vielen Bombenangriffe habe

ich niemals daran gedacht, meine Eltern

jemals zu verlassen und doch hat

ein schwerer Anschlag in der Nähe unseres

Hauses mein Leben so verändert.

Verängstigt hielt ich am Dach Ausschau.

Die riesige Staublawine habe ich mit dem

Handy gefilmt, dabei wurde ich von IS-

Leuten erwischt und vor den Augen meiner

Eltern geschlagen, mitgenommen,

gefoltert und eingesperrt. Sie beschuldigten

mich, spioniert zu haben.

Nach fünf Tagen kam ich mit der Androhung,

mich immer zu beobachten, frei.

Ich habe in diesem Krieg vier Brüder verloren

und wusste, was das bedeutet. Die

Angriffe wurden stärker und die Gefahr,

erneut erwischt zu werden, immer größer.

Es gab nur mehr eine Möglichkeit und

GARS. Deutschkurse für Asylwerber

sind nicht die Norm, obwohl die

erfolgreiche Integration primär von

guten Deutschkenntnissen abhängt.

Dankenswerterweise haben sich die erfahrenen

Lehrerinnen Helga Gradner,

Die Deutschkurse sind gut besucht.

Hayder Muslit (23) wollte seine Eltern und seine

Heimatstadt Mossul nicht verlassen.

das war die Flucht. Tagelang habe ich mich

versteckt und gewartet, aber ohne Chance,

in das Haus meiner Eltern zu kommen.

Ohne Abschied, was mir das Herz bis heute

gebrochen hat, begann meine Flucht am 10.

März 2015 über Syrien in die Türkei.

DEUTSCH IST SCHWER

Überall, wo ich mich aufgehalten habe,

musste ich mich verstecken, denn ich war

illegal eingereist. Immer in der Angst,

von der Polizei erwischt zu werden. Immer

wieder war mein Fortkommen von

Schleppern abhängig. So auch von Izmir

in der Türkei mit dem Schlauchboot

nach Mytilini in Griechenland, weiter

nach Mazedonien, Serbien, Kroatien,

Ungarn und schließlich nach Österreich.

Die Ankunft in Traiskirchen war am 26.

September 2015 und Mitte Oktober kam

ich dann nach Gars. Seit diesem Zeitpunkt

warte ich auf mein erstes Interview

in Traiskirchen.

Bis heute habe ich in dieser Zeit jede Gelegenheit

genützt, Deutsch zu lernen.

Ich danke allen Menschen, besonders

hier in Gars, die mich so liebevoll aufgenommen

haben und immer wieder unterstützen.

Dank ihrer Hilfe wird mein

Leben einen Sinn haben.

Traude Steiner und Elisabeth Ehrenberger

bereit erklärt, Deutschkurse anzubieten.

Jede von ihnen führt pro Woche zwei

Sprachkurse mit je eineinhalb Stunden

durch. Die Kurse umfassen je nach Vorbildung

der Flüchtlinge auch die Alphabetisierung.

Die Pfarre Gars stellt dafür

dankenswerter Weise die Räumlichkeiten

zur Verfügung.

Es ist für die Lehrerinnen eine Freude

zu sehen, mit welchem Einsatz dieses

Angebot angenommen wird.

Rahaf liebt es, Briefchen auf Deutsch zu schreiben ...

August 2016

August 2016

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