KulturFenster Nr. 05/2016 - Oktober 2016
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Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.<br />
-70% – NE BOLZANO – 68. Jahrgang<br />
<strong>Nr</strong>. 5 | OKTOBER | <strong>2016</strong><br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />
50 Jahre Jungbläserwochen<br />
Heiß diskutiert: Langtaufers<br />
Im Dienste der singenden Menschen
• Geleitwort •<br />
Kleine Schritte, die beispielgebend sind<br />
Es ist nicht die Zeit großer, hehrer Pläne,<br />
sondern die Zeit kleiner pragmatischer<br />
Schritte. Zu diesem Fazit kam der EU-Gipfel<br />
Mitte September in Bratislava, der Hauptstadt<br />
der Slowakei. Die Euphorie der vergangenen<br />
Jahrzehnte ist verflogen, als viel<br />
Aufbruchstimmung unter den Staaten der<br />
EU herrschte. Heute gibt man sich angesichts<br />
dramatischer Jugendarbeitslosigkeit,<br />
lahmender Wirtschaft und des völlig ungelösten<br />
Flüchtlingsproblems bescheidener.<br />
Wenn also Europa im Großen kaum vom<br />
Fleck kommt, ist es umso wichtiger, kleine<br />
Schritte zu setzen, um Signale der Hoffnung<br />
auszusenden. Ein solches Signal ist<br />
das Jugendblasorchester im Rahmen der<br />
Europaregion Tirol. Unter dem Motto „Brücken<br />
für den Frieden“ ist im vergangenen<br />
Jahr in Erinnerung an den Ausbruch<br />
des ersten Weltkrieges in Innsbruck, Auer<br />
und in Trient dieses Konzertprojekt gebildet<br />
worden. Heuer ist diese ursprünglich<br />
als einmalige Idee konzipierte Initiative<br />
mit einem Euregio-Music-Camp auf eine<br />
neue Ebene gehoben worden. Die Einladung<br />
dazu erging von den Euregio-Büros<br />
in Bozen, Innsbruck und Trient. Der Music-Camp<br />
ging Ende Juni im Grand Hotel<br />
in Toblach über die Bühne, wo sich sechzig<br />
junge Musikerinnen und Musiker aus<br />
allen drei Ländern eine Woche lang auf die<br />
Konzerttournee vorbereiteten. Die Konzerte<br />
fanden in Toblach, Riva del Garda und in<br />
Innsbruck statt.Der VSM-Verbandsjugendleiter<br />
Meinhard Windisch erklärte dazu: „Wir<br />
wollten musikbegeisterten Jugendlichen die<br />
Chance geben, gemeinsam zu musizieren,<br />
neue Freundschaften zu knüpfen, im Rahmen<br />
der Euregio-Konzerttournee wertvolle<br />
Erfahrungen zu sammeln und Menschen<br />
zu begeistern.“<br />
Menschen begeistern: Das ist ein Motiv,<br />
das Europa derzeit dringend braucht. Die<br />
kleinen musikalischen Schritte der Europaregion<br />
Tirol könnten beispielgebend sein.<br />
Alfons Gruber<br />
• Inhalt •<br />
• Blasmusik<br />
• Heimatpflege<br />
• Chorwesen<br />
Fünfzig Jahre Jungbläserwochen 5<br />
Erfolg der Vergangenheit – Zuversicht für<br />
die Zukunft 4<br />
Marschieren für Jugend „funny“ 6<br />
25. Jungbläserwoche in Burgeis 7<br />
4. Bezirksjugendkapellen-Treffen in Antholz 8<br />
Programmvorschau – Zweimonatskalender 9<br />
Euregio Jugendblasorchester in Toblach 10<br />
22. Innsbrucker Promenadenkonzerte 11<br />
30. Schlosskonzert der Musikkapelle Montan 12<br />
Sommernachtskonzert der MK Naturns 13<br />
Toblach: Gastspiel des Südtiroler<br />
Jugendblasorchesters 14<br />
Erinnerung an den Musiker Friedrich Brunner 15<br />
Verdienstmedaille für Franz Premstaller 16<br />
Eine Provinzhymne als Inspirationsquelle 17<br />
Musikpanorama 20<br />
Netzwerk schaffen 22<br />
Heiß diskutiert: Langtaufers 23<br />
„Lorenziraber“ in Buchform 25<br />
Bildstocksanierung in Völlan 26<br />
Das Grödner Kunsthandwerk<br />
in einem persönlichen Format 28<br />
Rundschau 29<br />
Landesalmtanz <strong>2016</strong> 32<br />
Tatzlen-Stricken mit Leidenschaft 33<br />
Büchertisch 34<br />
Anna Schwarz zum<br />
ehrenden Gedenken 35<br />
Im Dienste der singenden Menschen 37<br />
Sechstes Gesamttiroler<br />
Wertungssingen in Innsbruck 38<br />
Im Gedenken an Univ.-Prof. Josef Sulz 39<br />
Gesang überwindet Grenzen 40<br />
Chöre-Festival in Neustift 42<br />
Arnold Keim neuer<br />
Geschäftsführer im SCV 43<br />
Sängerwanderung des Bezirks<br />
Burggrafenamt/Vinschgau 44<br />
Bezirksadventsingen im Pustertal 45<br />
Bubensingtage im Vinzentinum 46<br />
Chorleiter und Chorleiterinnen –<br />
Abschluss in Dietenheim 47<br />
Chor- und Stimmbildungswoche<br />
in Burgeis 48<br />
Kindersingtage in Kloster Neustift 49<br />
Stimmgabel 50<br />
Titelbild: Das Südtiroler Jugendblasorchester trat heuer unter der Leitung von Josef Feichter bei den Südtiroler Festspielen in Toblach auf.<br />
2<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Vorweg<br />
Blasmusik<br />
Eine Erfolgsgeschichte<br />
lebt weiter<br />
50 Jahre Jungbläserwochen<br />
Es ist wahrlich großartig, wenn man nach<br />
50 Jahren mit derselben „Marke“ noch Erfolge<br />
feiern kann! Die Marke heißt „Jungbläserwochen<br />
des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen“.<br />
Angefangen hat alles schon bald nach<br />
der Gründung des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen (VSM), als die Gründungsväter<br />
und ersten Vorstandsmitglieder<br />
nach konkreten und neuen Konzepten<br />
für die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder<br />
suchten. Es mussten Möglichkeiten<br />
gefunden werden, die Bläser und<br />
Schlagzeuger besser als bisher auszubilden<br />
und den Vereinen gute Arbeitsunterlagen<br />
zur Verfügung zu stellen. Der Bildungsplan<br />
von Hans Nagele wurde von<br />
den neuen Jugendleitern Karl Pramstaller<br />
und Gottfried Veit überarbeitet. In ihm<br />
finden wir die Aussage „…So haben wir<br />
unsere Jugendschulung nach dem Muster<br />
der niederländischen Blasmusikverbände<br />
eingeführt und gründen unsere Jungbläserwochen<br />
auf den positiven Erfahrungen,<br />
welche die Blasmusikverbände von Oberund<br />
Niederösterreich mit ihren Jungbläserseminaren<br />
gemacht haben…“.<br />
Im Juli 1966 startete der VSM diese Jungbläserwochen<br />
unter der Leitung des damaligen<br />
Verbandsjugendleiters Karl Pramstaller.<br />
Gab es zunächst nur eine Sommerwoche,<br />
entwickelte sich diese Initiative zu einem<br />
wahren Schlager: ab 1974 fanden bereits<br />
zwei Wochen statt, ab 1981 drei Wochen,<br />
ab 1987 vier Jungbläserwochen, immer<br />
mit je 70 bis 100 Teilnehmern. Ab 1993<br />
wurden zwei der vier Wochen zur Vorbereitung<br />
auf die JMLA-Bronze-Prüfung vorgesehen.<br />
Ab 20<strong>05</strong> kam noch die Orchesterwoche<br />
des Südtiroler Jugendblasorchesters<br />
(SJBO) dazu.<br />
Heuer veranstaltete der VSM drei Jungbläserwochen,<br />
eine Orchesterwoche für das<br />
Euregio-Jugendblasorchester und eine für<br />
das Südtiroler Jugendblasorchester SJBO.<br />
Einige Bezirke ergänzten diese Bildungsangebote<br />
mit Jungbläsertagen für ihre Jüngsten<br />
ab dem zweiten Musikschuljahr. Seit einigen<br />
Jahren haben nun auch die Musikschulen<br />
ein großes Angebot an Sommerwochen.<br />
Was macht den Erfolg dieser Jungbläserwochen<br />
wohl aus? Ich bin überzeugt,<br />
dass es die gute Mischung aus Freude<br />
zur Musik, Begeisterung für die Gemeinschaft,<br />
Zusammentreffen mit besonderen<br />
Lehrkräften, zielorientiertes Arbeiten, Innovation,<br />
Spaß und Urlaub ist.<br />
Ein Großteil des Erfolges ist sicher der<br />
Begeisterung der VSM-Funktionäre, welche<br />
als Kursleiter der Wochen fungieren<br />
sowie den motivierten, gut ausgebildeten<br />
Lehrkräften zuzuschreiben. Ihnen allen gilt<br />
mein besonderer Dank und meine große<br />
Anerkennung!<br />
Ganz besonders danke ich den verantwortlichen<br />
Verbandsjugendleitern, die diese<br />
Idee 50 Jahre lang weitergetragen und verwirklicht<br />
haben: Karl Pramstaller (1965-<br />
1983), Bruno Muser (1983-1989), Georg<br />
Steinwandter (1989-1995), Pepi Fauster<br />
(1995-2007), Arnold Leimgruber (2007-<br />
2013), Meinhard Windisch (ab 2013).<br />
Die Jungbläserwochen mögen lange<br />
leben!<br />
Pepi Fauster, Obmann des VSM<br />
Die Verbandsjugendleiter haben 50 Jahre lang Verbandsgeschichte mitgeschrieben:<br />
Karl Pramstaller † 2007 (1965-1983) Bruno Muser (1983-1989) Georg Steinwandter (1989-1995)<br />
Pepi Fauster (1995-2007) Arnold Leimgruber (2007-2013) Meinhard Windisch (seit 2013)<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 3
Das Thema<br />
50 Jahre Jungbläserwochen<br />
1966 bis <strong>2016</strong><br />
Der Erfolg in der Vergangenheit verleiht Zuversicht für die Zukunft<br />
Karl Pramstaller, der ehemalige Musikschullehrer und –direktor, hat die Jungbläserwochen des VSM initiiert – hier ist er in Aktion<br />
bei der Jungbläserwoche im Jahr 1980 zu sehen.<br />
Am 3. Juli 1966 fand die erste Jungbläserwoche<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
statt. Aus dem damaligen Abschlussbericht<br />
von Karl Pramstaller ist zu<br />
lesen: „Es war sehr erfreulich, dass sich<br />
zum ersten Südtiroler Jungbläserseminar so<br />
viele musikbegeisterte Jungmusikanten im<br />
Alter zwischen 12 bis 18 Jahren gemeldet<br />
haben.“ Karl Pramstaller, der vor fünfzig<br />
Jahren Initiator dieser Wochen war, hätte<br />
wohl auch mit den heuer zum 50. Mal wiederkehrenden<br />
Jungbläserwochen sehr viel<br />
Freude gehabt. Aus den damals 51 Teilnehmern<br />
ist eine stolze Zahl von 600 Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmern geworden.<br />
Diese Zahlen sprechen für sich und erfüllen<br />
uns im Verband Südtiroler Musikkapellen<br />
mit großer Freude.<br />
Eine wahre Freude sind immer wieder<br />
die tollen Darbietungen bei den Abschlusskonzerten<br />
der Jungbläserwochen<br />
und man staunt immer wieder, was die<br />
Teilnehmerinnen und Teilnehmer in dieser<br />
doch so kurzen Zeit im Stande sind<br />
zu erlernen.<br />
Heuer stand die Jungbläserwoche ganz<br />
im Zeichen des Jubiläums und dies auch<br />
aus besonderem Grund – genau dort, wo<br />
Von Beginn an wurde das intensive<br />
Wochenprogramm durch Sport- und<br />
Freizeitaktivitäten ergänzt. Dafür war<br />
1966 Luis Hafner verantwortlich, der bis<br />
2008 als Betreuer die Jungbläserwochen<br />
begleitete. Neben zahlreichen<br />
Musiklehrern wie Gottfried Veit, Walter<br />
Cazzanelli, Iginius Ferrari u.v.a. ist er<br />
wohl der Dienstälteste dieser Kurswochen<br />
und sein Name untrennbar mit dieser<br />
Erfolgsgeschichte verbunden.<br />
4<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Eine ganze Woche lang musikalische Erfahrungen zu machen, im Ensemble wie auch<br />
im Orchester, das war seit jeher der Anspruch der Jungbläserwochen – im Bild ein<br />
Eindruck von der Jungbläserwoche 2011 in Dietenheim.<br />
vor 50 Jahren die Erfolgsgeschichte der<br />
Jungbläserwochen begann: in der Landwirtschaftsschule<br />
in Dietenheim.<br />
Um dieser Woche eine besondere<br />
Note zu geben, lud man den Südtiroler<br />
Chorverband für ein gemeinsames Projekt<br />
ein und kleidete die Woche ganz in<br />
das Thema „Musical“ - dies ebenso aus<br />
gegebenem Anlass, denn das Musical<br />
feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges<br />
Bestehen. Auf Einladung des Musiksommers<br />
Pustertal wurde das Jubiläumskonzert<br />
in Olang abgehalten. Unter der musikalischen<br />
Leitung von Christian Stefan<br />
Horvath und der Gesamtleitung von Sonya<br />
Profanter gaben die rund 60 Jungmusi-<br />
kantinnen und Jungmusikanten gemeinsam<br />
mit 15 Sängerinnen Ausschnitte aus<br />
der Welt des Musicals zum Besten. Das<br />
zahlreiche Publikum und die vielen Ehrengäste<br />
konnten einen tollen Konzertabend<br />
genießen. Es war rundum ein gelungenes<br />
Jubiläumskonzert!<br />
Für den Erfolg der Jungbläserwochen<br />
in den letzten 50 Jahren sind viele Menschen<br />
verantwortlich. Ohne den Einsatz<br />
vieler engagierter Kursleiter und Lehrkräfte,<br />
die zum Teil viele Jahre hindurch<br />
die Jungbläserwochen begleiteten, wären<br />
unsere Jungbläserwochen wohl nicht das<br />
geworden, was sie heute sind. An dieser<br />
Stelle möchte ich mich bei allen bedanken<br />
die dazu beigetragen haben, dass wir<br />
heute auf 50 Jahre Jungbläserwochen zurück<br />
schauen dürfen. Herzlichen Dank!<br />
Natürlich dürfen zu einem Jubiläum<br />
auch nicht die Glückwünsche für die Zukunft<br />
fehlen. Somit wünsche ich den Jungbläserwochen<br />
für die nächsten Jahrzehnte<br />
einfach nur den Erfolg und den Zuspruch<br />
der vergangenen 50 Jahre.<br />
Meinhard Windisch,<br />
VSM-Verbandsjugendleiter<br />
Die „bewegte Musik“ wurde immer mehr<br />
zum Fokus der Jungbläserwochen – im Bild<br />
„Musik in Bewegung“ beim Abschlusskonzert<br />
der Jungbläserwoche 2012 in Schlanders.<br />
Die Jungbläserwoche <strong>2016</strong> wurde gemeinsam mit dem Südtiroler<br />
Chorverband durchgeführt und gestaltet. Mit Musicalmelodien<br />
präsentierten sich die jungen Musikanten und Sänger<br />
einem großen Publikum beim Abschlusskonzert in Olang.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 5
Aus Verband und Bezirken<br />
Marschieren findet die<br />
Jugend „funny“<br />
Musik in Bewegung als Thema bei der Jungbläserwoche in Nals<br />
zu diskutieren und waren anschließend über<br />
die Ergebnisse der Gruppenarbeiten überrascht:<br />
„Wir waren ganz beeindruckt von<br />
der Offenheit der Jugendlichen und dass<br />
Musik in Bewegung einen wichtigen Stellenwert<br />
für sie hat“, so Fischnaller. Die Jugendlichen<br />
brachten ihre Gedanken und<br />
Sichtweisen zum Thema Marschieren aufs<br />
Papier und trugen sie im Anschluss daran<br />
vor. „Die Gruppenarbeiten waren ein voller<br />
Erfolg. Die jungen Musikantinnen und<br />
Musikanten sehen das Marschieren als<br />
eine Tradition an, die Menschen zusammenbringt.<br />
Gleichzeitig finden sie es modern,<br />
unterhaltsam und halten die Show<br />
für besonders wichtig.“, erzählt Mairhofer.<br />
Raum für Anregungen und<br />
Kritik schaffen<br />
Die „Musik in Bewegung“ wurde bei der heurigen Jungbläserwoche in Nals als eines<br />
der Hauptthemen zur Diskussion gestellt.<br />
Eine Woche lang drehte sich bei der<br />
Jungbläserwoche, die vom 18. bis 23. Juli<br />
in der Lichtenburg in Nals stattfand, alles<br />
rund um die Musik.<br />
Klaus Fischnaller, Landesstabführer und<br />
Bernhard Mairhofer, stellvertretender Bezirks-Stabführer<br />
waren ebenso vor Ort und<br />
hatten mit den insgesamt 63 Jungmusikantinnen<br />
und -musikanten etwas ganz Besonderes<br />
vor. Sie wollten die Gelegenheit<br />
nutzen, um mit den Jugendlichen auf Augenhöhe<br />
den Stellenwert des Marschierens<br />
Die Jungmusikantinnen und –musikanten hatten zum Thema „Musik in Bewegung“<br />
einiges zu sagen und brachten dies in Gruppenarbeiten zu Papier.<br />
Trotz der vielen überraschend positiven<br />
Rückmeldungen war es den beiden Projektleitern<br />
wichtig, Raum für Anregungen<br />
und Kritik zu schaffen. So haben einige<br />
der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemerkt,<br />
dass die Stabführer manchmal zu<br />
streng seien, die Jugend zu wenig respektiert<br />
würde und Marschierproben fehlten.<br />
Trotzdem waren sich alle einig, dass sie etwas<br />
mit Freude und Begeisterung tun, andere<br />
damit anstecken und begeistern können.<br />
„Wir möchten uns daher nochmals<br />
für die rege Teilnahme, die Offenheit und<br />
die wichtigen Rückmeldungen zu Musik in<br />
Bewegung bedanken. Wir haben viel von<br />
euch gelernt und wünschen euch weiterhin<br />
viel Freude und Begeisterung mit der<br />
Musik, mit Musik in Bewegung.“ - beendeten<br />
Fischnaller und Mairhofer die Diskussionsrunde.<br />
Die eineinhalb Stunden mit den 63 jungen<br />
Menschen hat einmal mehr gezeigt,<br />
dass es sich lohnt, mit der Jugend in Kontakt<br />
zu bleiben, weil sie mitreden möchte und<br />
konstruktive Kritik anbringen kann und will.<br />
Klaus Fischnaller,<br />
Verbandsstabführer<br />
6<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
25. Bezirksjungbläserwoche in<br />
der Fürstenburg in Burgeis<br />
Insgesamt 68 Jungmusikanten aus dem Vinschgau mit von der Partie<br />
Die Vinschger Jungmusikanten vor geschichtsträchtiger Kulisse in Burgeis<br />
Es ist zu einer guten Tradition geworden,<br />
dass sich in der letzten Augustwoche begeisterte<br />
Jungmusiker und Musikerinnen<br />
treffen, um gemeinsam in Ensembles und<br />
im Orchester zu spielen, aber auch um Spiel<br />
und Spaß in einer Gemeinschaft zu erleben.<br />
Seit 10 Jahren findet diese Bläserwoche<br />
in der Fürstenburg in Burgeis statt und<br />
seit 1992 haben insgesamt 1.700 Jungbläser<br />
der verschiedenen Musikkapellen<br />
aus dem Vinschgau daran teilgenommen.<br />
Vor 25 Jahren hatte der damalige<br />
Bezirkskapellmeister Christian Prister die<br />
Idee, ein Projekt zur Motivation der Jungmusikanten<br />
zu organisieren. Anfangs fanden<br />
die Musiktage in Langtaufers, dann<br />
in Schnals, später in Schlanders und in<br />
St. Valentin auf der Haide statt. Unter der<br />
Führung der jeweiligen Bezirksjugendleiter<br />
im VSM-Bezirk Schlanders wurde stets ein<br />
anspruchsvolles Programm erarbeitet und<br />
zum Abschluss vor Verwandten und anderen<br />
musikbegeisterten Zuhörern präsentiert.<br />
Hubert Eberhöfer, Helmut Verdross,<br />
Dietmar Rainer und Benjamin Blaas waren<br />
in den 25 Jahren die Hauptverantwortlichen<br />
dieser Musiktage.<br />
Vom 22. bis 27. August fand dieses Jahr<br />
die 25. Bezirksjungbläserwoche statt. 68<br />
Jungmusiker wurden von 12 erfahrenen<br />
Musikern betreut und konnten zum Abschluss<br />
am Samstag, 27. August, im Innenhof<br />
der Fürstenburg ein schwungvolles<br />
Konzert präsentieren. Bekannte Poptitel der<br />
letzten 25 Jahre waren einstudiert worden.<br />
Songs von Eric Clapton, Elton John, Michael<br />
Jackson, Jon Bon Jovi, Robbie Williams<br />
und vielen anderen bekannten Musikern<br />
ließen die Herzen der Jugendlichen und<br />
der Erwachsenen höher schlagen. Zum<br />
Schluss wurde der Marsch „Vinschger<br />
Jungbläserwind“ von Georg Horrer gespielt.<br />
Er hat den Marsch eigens für dieses Jubiläum<br />
komponiert. Beim Abschlusskonzert<br />
wurde die gute Zusammenarbeit mit der<br />
Fürstenburg unterstrichen und vor allem<br />
den Raiffeisenkassen des Vinschgaus gedankt,<br />
welche diese Wochen von Beginn<br />
an großzügig unterstützt haben.<br />
Heinrich Zoderer, Freier Mitarbeiter<br />
der Bezirkszeitung „Vinschgerwind“<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 7
Aus Verband und Bezirken<br />
Ein Tag im Zeichen der<br />
Blasmusikjugend<br />
4. Bezirksjugendkapellentreffen in Antholz/Niedertal<br />
In Zusammenarbeit mit der örtlichen Musikkapelle<br />
„Josef Leitgeb“ als Gastgeber<br />
hat der Bezirk Bruneck im Verband Südtiroler<br />
Musikkapellen (VSM) zum 4. Jugendkapellentreffen<br />
im Pustertal eingeladen.<br />
Bezirksjugendleiter Matthias Kirchler<br />
und seine Stellvertreterin Stefanie Burchia<br />
freuten sich, dass 11 Jugendkapellen<br />
der Einladung gefolgt sind und das Treffen<br />
wiederum zu einem „Tag im Zeichen<br />
der Blasmusikjugend“ gemacht haben.<br />
Mit einem Sternmarsch haben die Jugendkapellen<br />
von Rasen/Antholz, St. Lorenzen,<br />
Gsies, Luttach/Weißenbach und<br />
Vintl das Treffen offiziell eröffnet. Anschließend<br />
begeisterten die Jugendkapellen<br />
von St. Lorenzen (JuKaStL) und<br />
Hochabtei (Müjiga di Jogn dl'alta Val Badia)<br />
das Publikum mit einer Marschiershow.<br />
Rund 450 junge Musikantinnen<br />
und Musikanten haben den Musikpavillon<br />
in Antholz/Niedertal „gerockt“, dem Gewitter<br />
zu Mittag getrotzt und den ganzen<br />
Nachmittag das Publikum im Festzelt mit<br />
abwechslungsreichen Kurzkonzerten unterhalten.<br />
Weil Spiel und Spaß bei einem Jugendkapellentreffen<br />
nicht fehlen dürfen, konnten<br />
sich die Musikantinnen und Musikanten<br />
auch bei Geschicklichkeitsspielen<br />
messen und Preise gewinnen. Bezirksobmann<br />
Johann Hilber und Bürgermeister<br />
Thomas Schuster dankten allen<br />
Beteiligten, die zum Gelingen dieses Treffens<br />
beigetragen haben. VSM-Verbandskapellmeister<br />
Sigisbert Mutschlechner<br />
überbrachte den Gruß des Verbandes<br />
und bedankte sich bei den Eltern, dass<br />
sie ihre Kinder auf dem Weg zur Musik<br />
begleiten und unterstützen: „Es lebe die<br />
Blasmusik in Südtirol!“<br />
Stephan Niederegger<br />
JuKa St.Lorenzen<br />
JuKa Hochabtei (Müjiga di<br />
Jogn 0dl'alta Val Badia)<br />
JuKa<br />
Luttach-Weißenbach<br />
JuKa Gsies<br />
JuKa Pfalzen-Stegen<br />
8<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
JuKa Vintl<br />
JuKa St.Georgen<br />
JuKa St.Johann<br />
JuKa Olang<br />
JuKa Hochpustertal<br />
JuKa Rasen Antholz<br />
verband<br />
südtiroler<br />
musikkapellen<br />
Programmvorschau<br />
Zweimonatskalender<br />
Datum Veranstalter Veranstaltung Ort Haus Beginn<br />
Do-Sa, 03.-<strong>05</strong>. November VSM 3. Kapellmeisterwerkstatt Naturns Probelokal<br />
November<br />
Dez.<br />
Sa, <strong>05</strong>. November<br />
Mo, 07. November<br />
Sa, 12. November<br />
So, 11. Dezember<br />
Sa, 17. Dezember<br />
VSM<br />
VSM-Bezirk<br />
Meran<br />
VSM<br />
VSM-Bezirk<br />
Schlanders<br />
VSM-Bezirk<br />
Brixen<br />
Obleutetagung<br />
(Bezirke Bozen - Meran - Schlanders)<br />
Nals Lichtenburg 09.00<br />
Stabführer-Stammtisch Raum Meran 19.30<br />
Obleute-Tagung<br />
(Bezirke Bruneck - Brixen - Sterzing)<br />
Konzert des Bezirksblasorchester 50+<br />
Adventskonzert - Spiel in kleinen<br />
Gruppen - Workshop<br />
Mühlbach<br />
Prad a. St.<br />
Joch<br />
Di-Do, 27.-29. Dezember VSM Jugendleiterseminar - Modul 4 Brixen<br />
Vereinshaus<br />
„Graf Meinhard“ 09.00<br />
Aqua Prad 17.00<br />
Cusanus Akademie<br />
09.00<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 9
Blasmusik International<br />
Musik kennt keine Grenzen<br />
EUREGIO Jugendblasorchester, die Zweite<br />
Das Konzert im Gustav-Mahler-Saal des Grand Hotels in Toblach war der Auftakt zur<br />
heurigen Konzerttrilogie des EUREGIO Jugendblasorchesters.<br />
Was politisch immer schwieriger zu<br />
werden scheint, gelingt auf musikalischer<br />
Ebene: 60 junge Musikerinnen und Musiker<br />
aus Südtirol, dem Trentino und Nordtirol<br />
spielen als „musikalische Botschafter“<br />
im EUREGIO Jugendblasorchester. Ende<br />
Juni haben sie eine Woche lang unter der<br />
Leitung von Meinhard Windisch (Südtirol),<br />
Marco Somadossi (Trentino) und Wolfram<br />
Rosenberger (Nordtirol) im Grand Hotel Toblach<br />
geprobt. Zum Abschluss dieses „Music<br />
Camps“ gab das Orchester erfolgreiche<br />
Konzerte in Toblach, in Riva del Garda und<br />
bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten.<br />
Das Dreijahresprogramm <strong>2016</strong>-2018<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
(VSM) steht unter dem Motto „Blasmusik<br />
vereint“. Dabei werde auch verstärkt die<br />
Zusammenarbeit in der Europaregion Tirol<br />
gesucht, unterstreicht Verbandsobmann<br />
Pepi Fauster. Die „Generalprobe“ dazu<br />
gab es bereits im Vorjahr, als zum Anlass<br />
des Beginns des Ersten Weltkrieges vor<br />
100 Jahren das EUREGIO Jugendblasor-<br />
chester für das Konzertprojekt „Brücken<br />
für den Frieden“ in Innsbruck, Trient und<br />
Auer gebildet wurde. Was als einmalige<br />
Idee begann, wurde nun auf Einladung<br />
des Büros der Europaregion in Zusammenarbeit<br />
mit den Blasmusikverbänden<br />
der drei Länder und der Musikschule der<br />
Stadt Innsbruck weitergeführt. Mit dem<br />
einwöchigen Euregio-Music-Camp sei die<br />
Zusammenarbeit auf eine neue Ebene gehoben<br />
worden, erklärt VSM-Verbandsjugendleiter<br />
Meinhard Windisch: „Wir wollen<br />
musikbegeisterten Jugendlichen die<br />
Chance geben, gemeinsam zu musizieren,<br />
neue Freundschaften zu knüpfen,<br />
im Rahmen der Euregio-Konzerttournee<br />
wertvolle Erfahrungen zu sammeln und<br />
Menschen zu begeistern."<br />
Das Konzertprogramm präsentierte mit<br />
Georg Friedrich Händel, Felix Mendelssohn<br />
Bartholdy, Julius Fucik und Gustav Holst<br />
die musikalischen Wurzeln der Bläser- und<br />
Blasmusik. Mit Walzermelodien von Franz<br />
Lehár und der Ouvertüre zu „Dichter und<br />
Bauer“ von Franz von Suppé sowie Rhythmen<br />
von George Gershwin und Leonard<br />
Bernstein war die Unterhaltungsmusik<br />
des 19. und 20. Jahrhunderts vertreten.<br />
„Via della Terra“ von Marco Somadossi<br />
vervollständigt den musikalischen Bogen.<br />
Stephan Niederegger<br />
„Toblach soll die Heimat für all jene sein,<br />
die die Kunst und die Musik lieben, ein<br />
Kulturzentrum über die Grenzen Toblachs<br />
und Südtirols hinaus.“ (Guido Bocher,<br />
Bürgermeister der Gemeinde Toblach)<br />
Die 3 Dirigenten des EUREGIO Jugendblasorchesters (v.l.): Meinhard Windisch,<br />
Marco Somadossi und Wolfram Rosenberger<br />
10<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
22. Innsbrucker<br />
Promenadenkonzerte<br />
Alljährliches musikalisches Stelldichein am Fuße der Innsbrucker Nordkette<br />
Auch nach 21 Jahren haben die Innsbrucker<br />
Promenadenkonzerte nichts von<br />
ihrem Charme und Flair verloren. Dem<br />
künstlerischen Leiter Alois Schöpf gelingt<br />
es jedes Jahr aufs Neue, mit hochkarätigen<br />
Gästen auf der Bühne ein begeistertes<br />
Publikum in den Innenhof der Kaiserlichen<br />
Hofburg in Innsbruck zu holen.<br />
Vom 4. bis 31. Juli präsentierten 34 Orchester<br />
und Ensembles in 32 Konzerten<br />
altösterreichische Blas- und Bläsermusik<br />
in zeitgemäßer Form.<br />
„… die Promenadenkonzerte als<br />
eine Brücke zur klassischen Musik.<br />
Alles ist dabei äußerst gemütlich, aber<br />
auf diskrete Weise konsequent der<br />
Hochkultur gewidmet.“<br />
(Alois Schöpf)<br />
Auch heuer waren wieder Gäste aus Südtirol mit dabei, die die Blasmusik unseres Landes<br />
auf diesem internationalen Parkett vertraten. Die einzelnen Auftritte standen jeweils<br />
unter einem bestimmten musikalischen Thema.<br />
Alpensinfonie und Multimedia-Show: Den Auftakt dazu machte das Südtiroler Jugendblasorchester<br />
SJBO unter der Leitung Josef Feichter am 15. Juli.<br />
Alte Freunde unter neuer Leitung: Am 24. Juli gab die Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg<br />
mit Kapellmeister Bernhard Reifer ein sonntägliches Matineekonzert.<br />
Die Sieger aus Südtirol: Am 26. Juli spielte die Bürgerkapelle Brixen unter der Leitung<br />
von Kpm. Hans Pircher.<br />
Die musikalische Landeseinheit: Den Abschluss machte das EUREGIO Jugendblasorchester<br />
unter der Leitung von Meinhard Windisch (Südtirol), Wolfram Rosenberger<br />
(Nordtirol) und Marco Somadossi (Trentino) beim Matineekonzert am letzten Tag der<br />
heurigen Konzertreihe.<br />
Detail am Rande: Der Gründer und künstlerische Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />
wurde von Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer mit dem<br />
Ehrenzeichen für Kunst und Kultur der Stadt Innsbruck ausgezeichnet.<br />
Stephan Niederegger<br />
Das Südtiroler Jugendblasorchester<br />
unter der Leitung von Josef Feichter<br />
Das EUREGIO Jugendblasorchester mit<br />
Meinhard Windisch, Wolfram Rosenberger<br />
und Marco Somadossi am Dirigentenpult<br />
Die Bürgerkapelle Brixen mit ihrem Dirigenten<br />
Hans Pircher<br />
Die Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg mit Kapellmeister Bernhard Reifer (Fotos:<br />
Innsbrucker Promenadenkonzerte – Erich Wolf)<br />
Alois Schöpf mit Bürgermeisterin<br />
Christine Oppitz-Plörer bei der<br />
Verleihung des Ehrenzeichens für Kunst<br />
und Kultur der Stadt Innsbruck (Foto:<br />
Tiroler Tageszeitung)<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 11
Kritisch hingehört<br />
Ein besonderer Konzertabend<br />
unter sternenklarem Himmel<br />
30. Schlosskonzert der Musikkapelle Montan<br />
Das „Concertino op.26“ von Carl Maria von Weber, bei dem die Solistin Franziska Amort das Publikum mit ihrer Klarinette<br />
begeisterte, war einer der musikalischen Höhepunkte beim heurigen 30. Schlosskonzert der Musikkapelle Montan auf Schloss Enn.<br />
Zum 30. Mal hat die Musikkapelle Montan<br />
zum Konzert in den Innenhof von Schloss<br />
Enn geladen.<br />
Dazu konnte Musikobmann Florian Haas<br />
zahlreiche Ehrengäste begrüßen, allen voran<br />
Ortspfarrer Michael Ennemoser und Hochwürden<br />
Anton Niederstätter, die Bürgermeisterin<br />
Monika Delvai Hilber, den Landtagsabgeordneten<br />
Oswald Schiefer und den<br />
Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland,<br />
Edmund Lanziner. Herzlich<br />
willkommen hieß er auch die beiden Jungmusikanten<br />
Gabi Codalonga (Horn) und Andreas<br />
Codalonga (Klarinette) und wünschte<br />
ihnen viel Erfolg zu ihrem ersten Auftritt mit<br />
der Kapelle. Einen besonderen Dank richtete<br />
er an den Hausherrn, Baron Giovanni<br />
Rubin de Cervin Albrizzi, und dessen Familie<br />
für die jahrzehntelange Gastfreundschaft<br />
und Unterstützung. Gemeinsam mit<br />
dem Baron erinnerte er auch an den im<br />
Juni verstorbenen Josef „Sepp“ Franzelin.<br />
Dieser hatte als langjähriger Schlossverwalter<br />
nach anfänglicher Skepsis die Schloss-<br />
konzerte in all den Jahren tatkräftig begleitet<br />
und unterstützt.<br />
Zum heurigen Jubiläumskonzert hat Kapellmeister<br />
Stephan Hanspeter ein ansprechendes<br />
Konzertprogramm zusammengestellt<br />
und dieses mit dem würdevollen und<br />
sehr musikalisch vorgetragenen „Graf-Zeppelin-Marsch“<br />
von Carl Teike eröffnet. Unter<br />
dem klaren Sternenhimmel dieser lauen<br />
Sommernacht bekamen die Impressionen<br />
im Jahreskreis, wie Reinhard Summerer<br />
sein programmatisches Werk „Zeit für Natur“<br />
im Untertitel beschreibt, eine zusätzlich<br />
besondere Note. Fast collagenartig verwebt<br />
er verschiedene musikalische Motive und<br />
beschreibt in eindrucksvollen Klangbildern<br />
die Besonderheiten, Tücken und Gefahren<br />
der vier Jahreszeiten. Im Anschluss stellte<br />
sich ein ganz besonderer Gratulant ein: Im<br />
bekannten Volkslied „Amazing Grace“ (arr.<br />
Albert Miles) übernahm Federico Sguera<br />
mit seinem Dudelsack den Solopart. Mit sicherem<br />
Dirigat und klarem Stilempfinden<br />
führte Kapellmeister Stephan Hanspeter anschließend<br />
durch die 4 spanischen Tänze<br />
der Konzertmusik „Tapas de Cocina“ von<br />
Kess Vlak. Das romantische Hauptthema<br />
zum oscarprämierten Film „Jenseits von<br />
Afrika“ von John Berry und der Wienerische<br />
Charme der Strauß‘schen Schnellpolka „Unter<br />
Donner und Blitz“ eröffneten den 2. Teil<br />
des Konzertes. Höhepunkt dabei war zweifelsohne<br />
das „Concertino op.26“ von Carl<br />
Maria von Weber, bei dem die Soloklarinettistin<br />
Franziska Amort mit geschmeidigem<br />
Ton, verführerischem Klang und technischer<br />
Raffinesse ihr Können unter Beweis stellte.<br />
Die Ouvertüre zur erfolgreichen Verdi-Oper<br />
„Nabucco“ setzte den Schlusspunkt zum offiziellen<br />
Programm dieses besonderen Konzertabends.<br />
Mit dem „Schloss Enn Marsch“<br />
von Armin Kofler, der Baron Ernesto Rubin<br />
de Cervin Albrizzi gewidmet ist, dem vor 3<br />
Jahren verstorbenen Ehrenmitglied der Kapelle,<br />
und dem bekannten „Raketenflug“<br />
von Sepp Tanzer bedankte sich die Kapelle<br />
beim begeisterten Publikum.<br />
Stephan Niederegger<br />
12<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
So schön war Regen noch nie<br />
Sommernachtskonzert der Musikkapelle Naturns<br />
Bei besonderen meteorologischen Bedingungen „unter Donner und Blitz“ bekam das heurige Sommernachtskonzert der<br />
Musikkapelle Naturns eine ganz eigene Faszination.<br />
Rhythmischer Glanz des Blasorchesters,<br />
stilvolle Solomelodien der Interpreten und<br />
„Spezialeffekte“ der Natur: Das ist das Fazit<br />
der diesjährigen Open-Air-Darbietung der<br />
Musikapelle Naturns am lauen Sommerabend<br />
des 18. Augusts <strong>2016</strong>.<br />
Die Musikapelle präsentierte unter dem<br />
Dirigat von Kapellmeister Dietmar Rainer<br />
in dieser dritten Ausgabe des Sommernachtskonzerts<br />
moderne Blasmusikarrangements<br />
aus vielfältigen Musikgenres.<br />
Musical, Pop, Jazz waren wohl die Hauptvertreter<br />
des Konzertes, das bis zum letzten<br />
Platz ausgefüllt war.<br />
Mit dem fanfarenartigen Werk „Towermusic“<br />
von Jean-François Michel eröffnete<br />
die Kapelle diesen Abend. Etwa nach der<br />
40. Konzertsekunde erreichten diese einleitenden<br />
„Towermusic“-Klänge mit dem Solo<br />
der Trompeten ihren eigentlichen Charakter,<br />
raffiniert und zur Überraschung aller,<br />
waren diese oberhalb des Konzertpublikums<br />
positioniert. Damit bot sich den Zuhörern<br />
in dem arenaförmig angelegten Freilichtareal<br />
des Bürger-und Rathauses von<br />
Naturns majestätischer Surround-Klang.<br />
„Grüne Weiden, stürmisches Meer, my-<br />
stische Nebelschwaden, Guinness-Bier<br />
und Stepptanz…“, bildstarke Worte, die<br />
zu „Riverdance“, Bill Whelans irischen<br />
Rhythmen überleiteten. Eloquent und mit<br />
Charme führten Judith Leiter und Daniel<br />
Götsch durch das Konzertprogramm, das<br />
nun mit „Scarborough Fair“, einem traditionellen<br />
englischen Volkslied, seinen Lauf<br />
nahm. Die in einem farbenreichen Arrangement<br />
für Bläser dargebotene Liebesballade<br />
wurde von den in Widerschein von fernen<br />
Blitzen aufsteigenden Luftballonen begleitet.<br />
Mit der mitreißenden Swing-Komposition<br />
„SaxoPhoning“ von Di Ghisallo bewiesen<br />
vor allem die Saxophonisten ihr Können.<br />
Eine nicht geringere als Popkönigin Whitney<br />
Houston war mit „One Moment in Time“<br />
ebenso Teil des Konzertprogrammes, gesangssolistisch<br />
ausgeführt von Emma Nischler,<br />
die in zwei weiteren Auftritten mit<br />
dem weltbekannten Song „I Will Always<br />
Love You“ und dem aus Webbers Feder<br />
stammenden „Don’t Cry for Me Argentina“<br />
ihre Stimme zum Ausdruck brachte.<br />
Eine weitere aktuelle Komposition wählte<br />
Kapellmeister Rainer mit der Jazzballade<br />
„James“ von Ben Haemhouts. Manuel Tumler<br />
brillierte dabei am Flügelhorn mit verträumten,<br />
unbeschwerten Solomelodien.<br />
Die stetige Metamorphose der Themen<br />
entführte das Publikum schließlich in die<br />
Gruft der Pariser Oper. Im dem von Johan<br />
de Meji für Blasorchester arrangierten „The<br />
Phantom of the Opera“ nahm das Drama<br />
seinen Lauf. Als das Medley zu den weltberühmten<br />
Melodieabschnitten gelangte,<br />
zischten tumultartige Blitze von den nebelumwobenen<br />
Bergspitzen zu Tal. Donnerknall,<br />
beginnender Regenschauer und<br />
eine imposante musikalische Ausführung<br />
der Musikkapelle Naturns ließ so manch einen<br />
glauben, das Phantom habe den Kronleuchter<br />
des Burggrafenamtes zu Fall gebracht.<br />
Stimmgewaltig klang das Konzert<br />
mit „Anthem“, der Hymne aus dem Musical<br />
„Chess“ und „Music“ von Miles aus,<br />
dargeboten im bravourösen Sologesang von<br />
Daniel Götsch sowie vom Backgroundchor<br />
und dem Orchester. Mit den Schlussklängen<br />
brach frenetischer Applaus im Publikum<br />
aus, was die Regenschauer und damit<br />
wahrscheinlich auch das Phantom der<br />
Oper wieder zurück nach Paris verbannte.<br />
Fabian Fleischmann<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 13
Kritisch hingehört<br />
Faszinierende „Augenmusik“<br />
mit jugendlichem Elan<br />
Gastspiel des Südtiroler Jugendblasorchesters in Toblach<br />
Am 28. August gastierte das Südtiroler<br />
Jugendblasorchester (SJBO) auf Einladung<br />
der Festspiele Südtirol im Gustav-Mahler-<br />
Saal in Toblach. Unter der Leitung von Josef<br />
Feichter faszinierten die jungen Musikerinnen<br />
und Musiker mit jugendlicher Spielfreude<br />
auf hohem musikalischen Niveau.<br />
Dieser besondere Konzertabend wird<br />
eröffnet mit der Sammlung der instrumentalen<br />
Tänze „Danserye“, die dem belgischen<br />
Komponisten Tielman-Susato zugeordnet<br />
wird. In der Bearbeitung dieser<br />
meist als Blechbläsermusik bekannten<br />
Melodien gelingt es dem Arrangeur Patrick<br />
Dunnigan, die Eigenart und Klangfarben<br />
des großen Blasorchesters zu nutzen<br />
und der Musik dadurch eine zusätzliche<br />
musikalische Note zu geben. Originalzitate<br />
der Blechbläser werden immer wieder<br />
von den Holzregistern getragen und<br />
verleihen dieser imposanten und andächtigen<br />
Musik eine zusätzliche Leichtigkeit.<br />
Das Thema des 4. Satzes als Fagott-Quartett<br />
bleibt dabei als eine dieser Besonderheiten<br />
in Erinnerung.<br />
Die darauffolgende rund 45-minütige<br />
„Alpensinfonie“ von Richard Strauss<br />
(op.64) ist in der Transkription für Blasorchester<br />
ein gewaltiges Unterfangen, das<br />
den Interpreten und dem Publikum einiges<br />
abverlangt. Der Arrangeur Jos van<br />
de Braak überträgt kompromisslos das Original<br />
in die Sprache der Blasmusik – eine<br />
Herausforderung für jedes Profiorchester,<br />
für ein Jugendorchester umso mehr. Dem<br />
Dirigenten Josef Feichter gelingt es, die<br />
jungen Musikerinnen und Musiker sicher<br />
auf dieser „musikalischen Gebirgswanderung“<br />
zu führen. Nachtbilder zu Beginn<br />
und am Ende geben dem Ganzen eine<br />
musikalische Geschlossenheit und versinnbildlichen<br />
die Metapher auf das Leben<br />
mit all seinen Höhenflügen und Niederlagen.<br />
Im „Gewitter und Sturm“ hat die<br />
Schlagzeugbatterie mit Wind- und Donnermaschine<br />
ihre große Stunde. Große Spannungsbögen,<br />
lange musikalische Phrasie-<br />
Das Südtiroler Jugendblasorchester SJBO unter der Leitung von Josef Feichter bei<br />
den Festspielen Südtirol im Gustav-Mahler-Saal in Toblach<br />
rungen und beeindruckendes technisches<br />
und musikalisches Niveau lassen den Zuhörer<br />
staunen ob der Intensität dieser Musik<br />
und der Darbietung des jungen Orchesters.<br />
Es ist eine „Augenmusik“, die immer<br />
wieder die kaleidoskopischen Wort-Tupfer<br />
der Schauspielerin und Patin dieses<br />
Konzertes, Christine Lasta, zu Beginn des<br />
Konzertes und die einzelnen vom Komponisten<br />
selbst betitelten Szenenbilder „erklingen“<br />
lassen. Es war ein faszinierender<br />
Abend - eine tolle Leistung des Dirigenten<br />
und des Orchesters!<br />
Das Konzert wurde am 3. September<br />
im Meraner Kursaal wiederholt.<br />
Stephan Niederegger<br />
14<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Zur Person<br />
Blasmusik<br />
Erinnerung an den Musiker<br />
Friedrich Brunner<br />
Relief in Niederolang enthüllt<br />
Es war eine kleine ausgewählte Gruppe von<br />
Angehörigen, Freunden und Vertretern aus<br />
Politik und Kultur, die am Sonntag, dem 17.<br />
Juli <strong>2016</strong>, vor dem Haus von Friedrich Brunner<br />
in Niederolang von dessen Sohn Meinrad<br />
begrüßt wurde, um mit einer Reliefenthüllung<br />
an den bedeutenden Musiker und Pädagogen<br />
des Dorfes zu erinnern.<br />
Nach den sehr passenden musikalischen<br />
Gesangseinlagen durch Angelika Thomaser<br />
und Simon Mittermair – sie sangen Lieder,<br />
die Friedrich Brunner komponiert und zu denen<br />
er auch den Text verfasst hatte – sprach<br />
Claudia Plaikner kurz über das Leben und<br />
Werk des Komponisten; sie beschrieb auch<br />
die Gestaltung des Kunstwerks, bevor dann<br />
Pfarrer Philipp Peintner ein Gebet sprach.<br />
Die Enthüllung des Reliefs nahmen Meinrad<br />
und dessen Sohn Michael vor. Die weitere<br />
Feier wurde vom Sängerduo und von<br />
einem Solo-Flügelhornstück durch Karl Wieser<br />
umrahmt. Die Ostwand der ehemaligen<br />
Wohn- und Wirkungsstätte des Komponisten<br />
Brunner ziert nunmehr ein mehrteiliges Relief,<br />
das auf Initiative von Meinrad Brunner<br />
in Zusammenarbeit mit Kunstschmied Peter<br />
Dorner in dessen Werkstatt in Welsberg entstanden<br />
ist. Friedrich Brunner wird in Seitenansicht<br />
mit dem auf ein Notenblatt weisenden<br />
Taktstock dargestellt; die von ihm<br />
komponierte „Hubertuspolka“ steht auf dem<br />
Notenblatt. Weitere Bestandteile des Reliefs<br />
sind eine Tastatur, Noten- und Bassschlüssel<br />
sowie die Tafel mit den wichtigsten Angaben<br />
zum Musiker und dessen Motto: „Bei<br />
Gesang und Musik bleibt der Ärger zurück<br />
und sichert dir dein Glück“.<br />
Fünf Jahre nach seinem Tod wollten<br />
so die Angehörigen des Komponisten, Dirigenten<br />
und Arrangeurs mit einem Kunstwerk<br />
die Erinnerung an den Musiker weiter<br />
hochhalten und darauf hinweisen, dass in<br />
diesem kleinen Haus Großes geleistet wurde:<br />
Der „Marschkönig Friedrich Brunner“ – so<br />
wird er von Musiker-Kollegen gern genannt<br />
– hat hier mit seiner Familie gewohnt, hat<br />
hier unzählige Werke komponiert, arrangiert<br />
Freunde, Bekannte und ehemalige Weggefährten trafen sich auf Einladung von Meinrad<br />
Brunner (Zweiter v. rechts) zum Gedenken an den Olanger Musiker Friedrich Brunner.<br />
sowie Lieder und Liedtexte verfasst. Als Dirigent<br />
verschiedener Pustertaler Musikkapellen<br />
und Funktionär innerhalb des Blasmusikbezirkes<br />
hat er ebenso wichtige Akzente gesetzt<br />
wie als jahrzehntelanger Pädagoge. Nebenher<br />
war Friedl Brunner immer auch ein<br />
scharfer Beobachter seiner Zeit und hat in<br />
seinen Schriften festgehalten, was sein Interesse<br />
geweckt und seine persönliche Auseinandersetzung<br />
damit angeregt hat.<br />
Friedl kam als jüngstes von 10 Kindern<br />
1922 beim „Raner“ in Niederolang zur Welt.<br />
Seine starke Neigung zur Musik veranlasste<br />
ihn, nach Krieg und Gefangenschaft neben<br />
seinem Hauptberuf als Volksschullehrer eine<br />
musikalische Ausbildung aufzunehmen, wobei<br />
er in seinen Anfängen vom berühmten<br />
Musiker Josef Gasser, Komponist und Pädagoge<br />
im Chorherrenstift Neustift, geprägt<br />
wurde. Nach Neustift besuchte Brunner das<br />
Konservatorium in Bozen und studierte dort<br />
Komposition, Klavier und Instrumentation<br />
für Blasorchester. Fast alle Instrumente, die<br />
zu einem Blasorchester gehören, hat Friedl<br />
auch selber gespielt. Im Jahr 1939 hat er<br />
als 17-Jähriger seine musikalische Betätigung<br />
als Kapellmeister und Lehrer begonnen<br />
und war am Wiederaufbau der Pfarrmusik<br />
Olang wesentlich beteiligt. Es gelang ihm,<br />
in der schwierigen Zeit des 2. Weltkrieges<br />
die Instrumente instand zu halten und eine<br />
neue Tracht für seine Musikanten zu organisieren.<br />
Im Verband der Südtiroler Musikkapellen<br />
war er drei Jahrzehnte lang aktiv<br />
(1949 – 1980); 13 Jahre bekleidete er das<br />
Amt des Vize-Bezirkskapellmeisters im Pustertal<br />
und 17 Jahre lang stand er dem Bezirk<br />
als Bezirkskapellmeister vor.<br />
Claudia Plaikner<br />
Dieses Relief wurde zur Erinnerung an<br />
Friedrich Brunner an dessen Wohnhaus<br />
und Wirkungsstätte in Niederolang enthüllt.<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 15
Zur Person<br />
Herzliche Gratulation!<br />
Franz Premstaller erhält die Verdienstmedaille des Landes Tirol<br />
Am vergangenen 15. August, dem Hochunserfrauentag,<br />
erhielt Franz Premstaller<br />
in der Hofburg in Innsbruck von den beiden<br />
Landeshauptleuten Arno Kompatscher<br />
und Günther Platter die Verdienstmedaille<br />
des Landes Tirol.<br />
Franz Premstaller, Jahrgang 1952,<br />
wohnt in Durnholz im Sarntal. Beruflich<br />
war er Bauarbeiter und ist nun in Pension.<br />
Neben seiner Familie und seinem Beruf<br />
widmete er sich viele Jahre der Dorfgemeinschaft<br />
von Durnholz, war aber auch<br />
dorfübergreifend für das gesamte Sarntal<br />
und darüber hinaus tätig.<br />
So ist er Mitglied im SVP-Ortsauschuss<br />
Reinswald-Durnholz seit Ende der 1970er-<br />
Jahre, bis 2012 war er Ortsobmann-Stellvertreter.<br />
Er gehört auch zur Initiativgruppe<br />
für Menschen mit Behinderung „WIR-<br />
Gruppe Sarntal“ und ist dort seit 2008<br />
im Ausschuss. Auch als Hausmeister im<br />
Vereinshaus Durnholz verrichtet er ehrenamtlich<br />
seinen Dienst.<br />
Ganz besonders viel Zeit und großen<br />
Einsatz zeigte er seit vielen Jahren im Bereich<br />
der Musik. Seit 1971 ist er Mitglied<br />
im Kirchenchor Durnholz. Seit 1965 gehört<br />
er der Musikkapelle Durnholz an,<br />
war 30 Jahre lang (von 1984 – 2014) deren<br />
Obmann und spielt derzeit zusätzlich<br />
noch in der Böhmischen „Durnholz 7“.<br />
Einen herausragenden Einsatz leistete er<br />
für den Bau des Vereinshauses und des<br />
Probelokals. Auch im VSM-Bezirk Bozen<br />
Franz Premstaller bei der Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Tirol durch<br />
die beiden Landeshauptmänner Günther Platter (links) und Arno Kompatscher<br />
(rechts) – Foto: Land Tirol/Die Fotografen<br />
stellte er sich für mehrere ehrenamtliche<br />
Tätigkeiten zur Verfügung. So bekleidet<br />
er seit 1995 das Amt des Gebietsvertreters<br />
Sarntal und seit 2001 jenes des Bezirksobmann-Stellvertreters.<br />
Der Vorstand des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen freut sich mit dem Geehrten<br />
sehr über die erhaltene Auszeich-<br />
nung, die er sich auf Grund seines großen<br />
Einsatzes redlich verdient hat. Der VSM<br />
bedankt sich für die vielen ehrenamtlich<br />
geleisteten Stunden zum Wohle der Menschen<br />
mit Behinderung, der Dorfgemeinschaft<br />
und der Musik.<br />
Herzliche Gratulation!<br />
Pepi Fauster, VSM - Verbandsobmann<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />
Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />
Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des <strong>KulturFenster</strong>s ist<br />
Freitag, 11. November <strong>2016</strong>. Bitte Termin genau beachten!<br />
16<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Schätze des Blasmusik-Repertoires<br />
Blasmusik<br />
Eine Provinzhymne als<br />
Inspirationsquelle<br />
„Introduktion, Thema und Variationen“ op 81 von Louis Toebosch<br />
In dieser Reihe stellt unser Mitarbeiter<br />
Joachim Buch Werke vor, die trotz ihres<br />
ansprechenden musikalischen Niveaus<br />
zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten<br />
sind. Im 4. Teil wird das Werk „Introduktion,<br />
Thema und Variationen“ op 81<br />
von Louis Toebosch vorgestellt.<br />
Die Notenausgaben des im Allgäu ansässigen<br />
Wertach-Musikverlages sind in<br />
Südtirol recht bekannt, nicht nur, weil<br />
Werke des gebürtigen Bozners Gerd Kofler<br />
dort erschienen sind. Weniger geläufig<br />
dürfte das Notenmotiv sein, das viele<br />
Veröffentlichungen des Verlages ziert<br />
(Notenbeispiel 1). Es ist der Beginn von<br />
„Waar in het bronsgroen eikenhout“, der<br />
Provinzhymne von Limburg, südlichste<br />
Provinz der Niederlande und Heimat<br />
des Verlagsgründers Freek Mestrini. Die<br />
erste Strophe der 1909 gedichteten und<br />
1912 komponierten Hymne, in der Region<br />
selbst als „het limburgs volkslied“<br />
bekannt, lautet übersetzt etwa wie folgt:<br />
Louis Toebosch hat einige Werke für Blasorchester, die eine Brücke von der<br />
Vergangenheit zur Musik des 20. Jahrhunderts schlagen, komponiert.<br />
Notenbeispiel 1<br />
Notenbeispiel 2<br />
Wo im bronzegrünen Eichenwald die<br />
Nachtigall singt<br />
über dem saftigen Kornfeld das Lied<br />
der Lerche klingt<br />
Wo das Horn des Schäfers schallt<br />
entlang des Laufs der Bäche<br />
Da ist mein Vaterland, Limburg, geliebte<br />
Gegend<br />
Der gebürtige Maastrichter Louis Toebosch<br />
(1916-2009), dessen 100. Geburtstages<br />
man im vergangenen Frühjahr<br />
gedachte, nahm das Thema der<br />
Hymne als Grundlage eines etwa zwölf<br />
Minuten dauernden Konzertstücks. Es<br />
entstand anlässlich des 25-jährigen Bestehens<br />
des Limburger Blasmusikverbandes<br />
LBM und war 1970 beim WMC<br />
in Kerkrade auch Pflichtstück in der 1.<br />
Division. Die Noten sind über den Verlag<br />
Tierolff erhältlich.<br />
Toebosch erwarb sich erste musikalische<br />
Meriten in den vierziger Jahren<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 17
Schätze des Blasmusik-Repertoires<br />
als Konzertorganist und Orgelimprovisator.<br />
Von 1965 bis zu seiner Pensionierung<br />
war er Direktor des Konservatoriums<br />
der Stadt Tilburg. Sein Interesse<br />
als ausübender Musiker und Komponist<br />
galt einerseits der polyphonen Musik<br />
des 15. und 16. Jahrhunderts, andererseits<br />
der Musik der Gegenwart. („Man<br />
muss diese erkennen und begreifen lernen,<br />
denn nur so erfährt man etwas über<br />
seine eigene Zeit.“).<br />
„Introduktion, Thema und Variationen“<br />
schlägt eine Brücke zwischen Volksmelodie<br />
und der Musik des 20. Jahrhunderts.<br />
Nach einer markanten Einleitung, die im<br />
Fortepiano mit einem langen Crescendo<br />
und einem dynamisch wieder zurückführenden<br />
Triller in den hohen Holzbläsern<br />
endet, setzt ab Buchstabe A das Thema<br />
ein (Notenbeispiel 2; Klarinetten, Saxophone,<br />
Fagott).<br />
Variation 1 (ab Buchstabe C) bringt<br />
mehr punktierte Elemente, ergänzt um<br />
einen „walking bass“ und Signale in den<br />
Trompeten und Posaunen (Notenbeispiel<br />
3). Nachdem in der ersten Variation die<br />
rhythmische Struktur des Themas verändert<br />
wurde, erklingt in Variation 2 (ab<br />
Buchstabe F) das Thema in einer ganz<br />
anderen Taktart: 5/8 (Notenbeispiel 4).<br />
Variation 3 steht zwar in der Paralleltonart<br />
c-Moll, hat aber trotzdem einen<br />
fröhlichen Charakter (Notenbeispiel 5,<br />
Klarinettensatz). In der vierten Variation<br />
kommt Toeboschs Vorliebe für alte Kirchentonarten<br />
zum Tragen, denn dieser<br />
Abschnitt steht in c-Phrygisch (4 B’s für<br />
die C-Instrumente; Notenbeispiel 6).<br />
Die abschließende Variation ist ein furioses<br />
Scherzo, in der der Komponist immer<br />
wieder 6/8- und 2/4-Takt gegeneinander<br />
stellt. Das Thema der Hymne, das<br />
eigentlich immer durchscheint, wird hier<br />
am meisten durchgeführt und in seine<br />
Bestandteile „zerlegt“.<br />
Toebosch schrieb etwas mehr als eine<br />
Handvoll Werke für Blasorchester, in der<br />
Regel geprägt vom Kontrapunkt aus der<br />
Renaissance und der Zeit davor, aber<br />
auch von der Harmonik des 20. Jahrhunderts.<br />
Als Pflichtstücke waren sie nur selten<br />
bei Wettbewerben verlangt. Obwohl<br />
nicht nur das hier vorgestellte Stück ein<br />
Orchester der Stufe D verlangt, kommentierte<br />
der Komponist diesen Sachverhalt<br />
mit leiser Ironie: „Meine Kompositionen<br />
sind offenbar nicht schwierig genug.“<br />
Joachim Buch<br />
Notenbeispiel 3<br />
Notenbeispiel 4<br />
Notenbeispiel 5<br />
Notenbeispiel 6<br />
18<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Neues<br />
Blasmusik<br />
11 Weihnachtslieder jeweils für<br />
Flöte und für Horn<br />
44 Arrangements von Franz Zaunschirm<br />
Das Blasmusikwesen hat sich innerhalb<br />
der letzten Jahre erstaunlich weiterentwickelt.<br />
Damit ist einerseits die Steigerung<br />
des allgemeinen Niveaus der Musikanten<br />
gemeint, andererseits hat sich auch die<br />
Zusammensetzung der Ensembles in der<br />
Blasmusik insgesamt verändert. „Musik<br />
in kleinen Gruppen“ spielt heute eine wesentliche<br />
Rolle, wenn es um Nachwuchsförderung<br />
geht.<br />
Dem hat der Salzburger Komponist Franz<br />
Zaunschirm Rechnung getragen. Er hat die<br />
schönsten und bekanntesten Weihnachtslieder<br />
für bestimmte Instrumente bearbeitet;<br />
dieses Jahr für Flöte und Horn. Das<br />
Neue daran ist, dass jedes Lied auf vier<br />
Arten musiziert werden kann: 4-stimmig,<br />
3-stimmig, 2- und einstimmig mit Klavier.<br />
Das Besondere an dieser Ausgabe: In<br />
Begleitung zur Printausgabe gibt es auf<br />
www.notendownload.com die Möglichkeit<br />
einer Hörprobe, bzw. kann man eine Playback-Version<br />
der Arrangements herunterladen.<br />
Wer sich nur für einzelne Lieder/<br />
Arrangements interessiert, kann hier jede<br />
Bearbeitung einzeln anhören und die dazugehörigen<br />
Noten als Download kaufen.<br />
Beim Kauf eines Titels ist die mp3-Datei<br />
(Klavierbegleitung oder music-minus-one)<br />
inbegriffen.<br />
Die Liedtitel:<br />
- Jingle bells<br />
- Kling, Glöckchen kling<br />
- Maria durch ein Dornwald ging<br />
- Es ist ein Ros entsprungen<br />
- O du fröhliche<br />
- Josef, lieber Josef mein<br />
- Kommet ihr Hirten<br />
- Aber heidschi, bumbeidschi<br />
- We wish you a Merry Christmas<br />
- O Heiland, reiß die Himmel auf<br />
- Stille Nacht, heilige Nacht<br />
Bestelladresse: http://franz-zaunschirm.<br />
komponentenportal.de<br />
Die Ausgabe der Arrangements der 11<br />
Weihnachtslieder für Flöte. Dasselbe gibt<br />
es auch für Horn.<br />
Zur Person<br />
Franz Zaunschirm<br />
geboren 1953 in Salzburg, war Posaunist bei der Salzburger<br />
Militärmusik. Er studierte an der Universität Mozarteum<br />
sowie in Hamburg Schulmusik, Kirchenmusik<br />
und Komposition.<br />
Zaunschirm lehrte als Dozent und Professor für Komposition<br />
und Musiktheorie an der Hochscule für Musik und<br />
Theater in Hamburg, bevor er 1991 in derselben Funktion<br />
an die Universität Mozarteum in Salzburg zurückkehrte.<br />
Schwerpunkte seines Schaffens sind Werke für Bläser<br />
und Kammermusik sowie Bühnen- und Kirchenmusik.<br />
Darüber hinaus hat er mehr als 200 Bearbeitungen veröffentlicht.<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 19
Die Musikkapelle Andreas Hofer mit<br />
Kapellmeister Erich Abler bei ihrem<br />
Gastkonzert in Öflingen (Baden-<br />
Württemberg) Foto: Bernadette Pfeifer<br />
•Musikpanorama<br />
MK Andreas Hofer zu Gast in Öflingen/Wehr<br />
Besuch in Baden-Württemberg mit musikalischen<br />
und sportlichen Höhepunkten<br />
Zum 44. Mal feierte heuer der Musikverein<br />
Öflingen das dort weitum bekannte Rettichfest.<br />
Dabei gab es regional Kulinarisches,<br />
Fußball und viel Musik. Nach 9-stündiger<br />
Fahrt über den Reschen, vorbei am Bodensee<br />
und Zürichsee, kamen die Musikanten<br />
und Musikantinnen aus St. Leonhard in Passeier<br />
in Öflingen, in der untersten Ecke von<br />
Baden-Württemberg, an und wurden vom<br />
örtlichen Musikverein musikalisch empfangen.<br />
Bei Musik, Spiel und Unterhaltung<br />
trafen sich die Vereine am Abend im Pfarrsaal.<br />
Die Lierntner Böhmische bot dabei Tiroler<br />
Weisen dar.<br />
Eine Rundfahrt ins Markgräfler Weinanbaugebiet<br />
mit Weinverkostung und einer echten<br />
Markgräfler Brotzeit stand am nächsten<br />
Tag auf dem Programm. Zurück in Öflingen<br />
erfolgte zur Mittagszeit auf dem Fußballplatz<br />
der Anstoß zum Rettich-Pokal. Die<br />
Mannschaft aus Mitgliedern der MK Andreas<br />
Hofer bewies dabei, dass sie nicht<br />
nur hervorragend musizieren kann, sondern<br />
dass sie auch gut am Ball ist. Maria<br />
Hofer wurde sogar zur Torschützenkönigin<br />
gekürt. In der vollbesetzten Schulsporthalle<br />
zeigten die „Psairer“ Musikanten später ihre<br />
musikalischen Qualitäten. Das von Dirigent<br />
Erich Abler ausgewählte Programm bot eine<br />
bunte Mischung aus traditionellen Stücken<br />
und zeitgenössischen Kompositionen und<br />
die Musikkapelle erntete dafür begeisterten<br />
Applaus. Ein weiteres Konzert der MK<br />
Andreas Hofer fand am darauffolgenden<br />
Sonntag im vollbesetzten Festsaal statt. Die<br />
Obleute beider Musikvereine, Thomas Pichler<br />
- Eschgfäll und Ralf Pogalzky, freuten<br />
sich über die neugewonnene Freundschaft.<br />
Bernadette Pfeifer<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Ein Hinweis und eine Bitte<br />
… damit alle etwas vom „Musikpanorama“ haben<br />
Für die Redaktion des <strong>KulturFenster</strong>s ist es sehr erfreulich, wenn viele Musikkapellen ihre Berichte zur Veröffentlichung<br />
im „Musikpanorama“ schicken und wir bedanken uns sehr herzlich für alle Beiträge. Allerdings ist einerseits das Platzangebot<br />
begrenzt und andererseits soll möglichst vielen Musikkapellen „Raum“ für ihre Berichterstattung gegeben werden.<br />
Deshalb wurde die Textlänge mit 1.200 Zeichen (inkl. Leerzeichen) als Richtwert festgelegt. Wir ersuchen daher nachdrücklich,<br />
diese Vorgabe zu berücksichtigen bzw. einzuhalten.<br />
Die Redaktion<br />
20<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“ probt in Osttirol<br />
Hüttenlager in Innervillgraten<br />
Zum 8. Mal gab es bereits ein Hüttenlager<br />
für die Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“. In<br />
diesem Jahr wurde dafür zum zweiten Mal<br />
das Bergheim „Fridl-Mutschlechner-Haus“<br />
auf 1.400 m in Innervillgraten in Osttirol<br />
ausgesucht. Vom 13.bis 17. August verbrachten<br />
18 Jungmusikanten der „y.m.b.<br />
Vintl“ fünf spannende und musikalische,<br />
aber auch abwechslungsreiche Tage in Innervillgraten<br />
im schönen Osttirol. Die Jugendleiter<br />
Andreas Messner und Hannes<br />
Zingerle studierten in dieser Zeit mit ihnen<br />
ein Konzertprogramm ein. Für die Leitung<br />
Mit viel Spaß bereitete sich die<br />
Jugendkapelle Vintl in Osttirol auf die<br />
drei anstehenden Konzerte vor.<br />
von verschiedenen Registern bekamen sie<br />
zusätzlich Unterstützung von Evelyn Delfauro<br />
und Sonja Messner. Gemeinsam waren<br />
sie der Garant dafür, den Jungmusikanten<br />
eine möglichst gute musikalische<br />
Vorbereitung zu geben. Reinhard Hofer,<br />
Magdalena Zingerle, Sandra Hopfgartner<br />
und Helga Volgger haben zudem für die<br />
hervorragende Verköstigung gesorgt. Auch<br />
der Spaß durfte in dieser Woche auf keinen<br />
Fall fehlen und so sorgten Frühsport,<br />
Wanderung, Marschierprobe und verschiedene<br />
Spiele für die nötige Abwechslung.<br />
Das Einstudierte wurde beim Kirchtag in<br />
Vintl, beim Jubiläumskonzert am 3. September<br />
in Vintl sowie beim 4. VSM-Bezirksjugendkapellentreffen<br />
am 11. September<br />
in Antholz Niedertal zum Besten gegeben.<br />
Hannes Zingerle, Jugendleiter<br />
Jugendcamp der MK Zwölfmalgreien<br />
Eine Woche Musik und Spaß in Pens<br />
Am 22. August war es auch heuer wieder<br />
soweit: Die Jungmusikantinnen und<br />
-musikanten der Musikkapelle Zwölfmalgreien<br />
machten sich mit zehn Begleitpersonen<br />
und vier Köchinnen auf den Weg<br />
zum „Lochgietl-Hof“ in Pens, wo das<br />
jährliche Jugendcamp stattfand. Knapp<br />
30 begeisterte Jugendliche musizierten<br />
eine ganze Woche lang unter der Leitung<br />
von erfahrenen Musikanten der Kapelle<br />
und übten sich im Zusammenspiel in<br />
kleineren und größeren Gruppen. Natürlich<br />
kamen bei all den Proben Spaß<br />
und Unterhaltung nicht zu kurz. Bei verschiedensten<br />
Spielen und Gruppenaktivitäten<br />
konnten die Jugendlichen auch<br />
ihre anderen Talente und ihren Teamgeist<br />
unter Beweis stellen und stärken. Die gemütliche<br />
Abschlussfeier am Unterganznerhof<br />
bildete den krönenden Abschluss:<br />
Hier konnten die Jungmusikanten ihr Erlerntes<br />
vor zahlreichen Zuhörern zum Besten<br />
geben und den wohlverdienten Applaus<br />
genießen.<br />
MK Zwölfmalgreien – Brigitte Thurner<br />
Nicht nur farbliche, auch musikalische<br />
Akzente setzten die Jungmusikanten<br />
der MK Zwölfmalgreien beim<br />
heurigen Jugendcamp.<br />
Müjiga de Badia & Wisetime<br />
Tradition meets rock<br />
Die Musikkapelle Abtei stellte sich angesichts<br />
des Frühjahrskonzertes, das am 1.<br />
Mai stattfand, erneut einer neuen Herausforderung.<br />
Unter der Leitung von Kapellmeister<br />
Fridl Pescoller begann sie zunächst mit<br />
der „Fanfare for a New Horizon“ von Thomass<br />
Doss, der dem ladinischen Publikum<br />
bestens bekannt ist. Es folgten die aufwändige<br />
Ouverture aus Gioacchino Rossinis<br />
„Il barbiere di Siviglia“, der anlässlich des<br />
Schlossfestes bei Salem uraufgeführte „Salemonia<br />
Marsch“, das Werk „Mantua“ von<br />
Otto M. Schwarz und schließlich die „Jubiläumsklänge“,<br />
dirigiert von Vizekapellmeister<br />
Raimund Pizzinini. Im zweiten Teil des<br />
Konzerts gab es in einem ungewöhnlichen<br />
Zusammenspiel mit der bekannten einheimischen<br />
Rockgruppe „Wisetime“ einige hörenswerte<br />
Arrangements aus der Popmusik.<br />
Dem Sänger Fabian Pitscheider gelang es<br />
gemeinsam mit seiner Gruppe und der Musikkapelle<br />
das Publikum zu begeistern und<br />
mitzureißen. Wer kennt nicht „Burning love“<br />
von Elvis Presley, „Born to be wild“ von Steppenwolf,<br />
„Everybody needs somebody“ der<br />
Blues Brothers oder „You can leave your hat<br />
on“ von Joe Cocker? Das Publikum rockte jedenfalls<br />
eifrig mit. Beim Pink Floyd-Hit „Another<br />
brick in the wall“, den Matthias Thaler<br />
dirigierte, hatten die „Kids“ der Jungmusikkapelle<br />
ihren großen Auftritt.<br />
MK Abtei<br />
Zu einem hörenswerten Zusammenspiel<br />
zwischen der Müjiga<br />
de Badia, der Rockgruppe „Wisetime“<br />
und den Mitgliedern<br />
der Jugendkapelle kam es beim<br />
heurigen Frühjahrskonzert<br />
(Foto: Freddy Planinschek).<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 21
Vorweg<br />
Netzwerk schaffen<br />
Von der Wichtigkeit gegenseitigen Austausches<br />
Das multimediale Zeitalter mit seinen<br />
schier grenzenlosen Möglichkeiten eröffnet<br />
nicht nur neue Wege der Kommunikation<br />
und der Vernetzung, sondern stellt<br />
uns auch vor eine Reihe neuer Anforderungen.<br />
Was früher der Briefverkehr abgedeckt<br />
hat, trudelt mittlerweile durch den<br />
Äther von Computer zu Tablet oder Mobiltelefon.<br />
Fotos digitaler Herkunft können<br />
auf vielfältige Art und Weise weiter<br />
verarbeitet werden, die Fülle an Optionen<br />
erschließt sich wohl nur dem Fachmann.<br />
Die Liste der Neuerungen, Änderungen<br />
und Verbesserungen lässt sich beliebig<br />
erweitern, doch sind es die zwei genannten,<br />
die für die Arbeit an der vorliegenden<br />
Zeitschrift relevant sind.<br />
Seit nunmehr über 3 Jahren betreue ich<br />
die Rubrik Heimatpflege im Kulturfenster,<br />
schreibe hie und da zu wichtigen Anlässen<br />
außertourliche Artikel und lege ganz<br />
besonderes Augenmerk auf die Gestaltung<br />
der einzelnen Kapitel. Bei meinem<br />
Dienstantritt war die für die Heimatpflege<br />
bestimmte Seitenzahl noch unbegrenzt,<br />
die Sparmaßnahmen in allen Bereichen<br />
des öffentlichen – und sicher auch des<br />
privaten – Lebens haben dieser Freiheit<br />
jedoch Einhalt geboten. 14 Seiten sind die<br />
Obergrenze, 14 Seiten alle zwei Monate,<br />
14 Seiten für knapp 40 Vereine, um die<br />
Realität der Heimatpflege im Lande abzubilden.<br />
Eigentlich sollte dieser magere<br />
Restraum hinten und vorne nicht reichen,<br />
eigentlich sollte es so sein, dass eingesandte<br />
Artikel nicht oder nur bedingt angenommen<br />
werden können. Zumindest<br />
war das meine anfängliche Befürchtung.<br />
Möglichkeiten nutzen<br />
Ich beobachte allerdings eine ganz andere<br />
Tendenz: Mit dem Rückgang von Beiträgen,<br />
mit der Beschneidung von ehemals<br />
festgeschriebenen Geboten, mit dem Verlust<br />
von Ressourcen scheint auch die Bereitschaft<br />
zur Zusammenarbeit, die Bereitschaft<br />
zum gegenseitigen Austausch<br />
ständig zu sinken. Ist dies Ausdruck einer<br />
Krisenstimmung, Ausdruck der rückläufigen<br />
Motivation? Wenn ja, ist dieses Ihnen<br />
vorliegende Medium nicht eine Möglichkeit,<br />
um der Abwärtstendenz mit optimistischen<br />
Worten und Bildern, mit Erfolgen und gelungenen<br />
Projekten Einhalt zu gebieten?<br />
Ich ersuche deshalb alle Leserinnen und<br />
Leser des Kulturfensters, mit ihrem Beitrag,<br />
mit einem Vorschlag für einen Beitrag<br />
diese Möglichkeit gegenseitigen Austausches<br />
nicht ungenutzt zu lassen und den<br />
modernen Anforderungen entsprechend<br />
am Netzwerk Heimatpflege zu arbeiten.<br />
Ihre Sylvia Rottensteiner<br />
Die Arbeit der Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger darf nicht aufhören, Kreise zu<br />
ziehen und Spuren zu hinterlassen.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />
Ihre Beiträge für die Heimatpflege senden Sie bitte an: rottensteiner.sylvia@gmail.com<br />
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie mich unter folgender Nummer: 347 0325027 (Sylvia Rottensteiner)<br />
22<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Das Thema<br />
Heimatpflege<br />
Heiß diskutiert: Langtaufers<br />
Riskante Investition in Projekt mit unsicherer Zukunft<br />
Es sei gestattet, anlässlich des Artikels<br />
„Das letzte Aufgebot“ im Vinschgerwind vom<br />
3.12.2015, mehrere kritische Fragen zum<br />
Plan „Oberländer Gletscherbahn“ in Langtaufers<br />
zu stellen.<br />
Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil dieses<br />
Vorhaben mit Steuergeldern im Ausmaß<br />
von 7,4 Millionen Euro mitfinanziert<br />
werden soll. Zudem stellen Investitionen<br />
in den Skitourismus in Zeiten des Klimawandels<br />
ein hohes Risiko dar. Neben vielen<br />
wirtschaftlichen Zweifeln sind es vor<br />
allem die negativen Auswirkungen auf ein<br />
sensibles, unerschlossenes hochalpines<br />
Tal, die viele Fragen aufwerfen:<br />
• Ist es sinnvoll, in Zeiten des Klimawandels<br />
und des Gletscherschwundes in<br />
die Anbindung an ein Gletscherskigebiet<br />
zu investieren, in dem heute bereits<br />
ein Teil des Eises mit einem Vlies<br />
geschützt werden muss?<br />
• Was lernen wir von den zwei Gletscherskigebieten<br />
des Vinschgaus (Stilfser Joch<br />
und Schnalstal), die wegen des Gletscherrückgangs<br />
und angesichts rückläufiger<br />
Skifahrerzahlen vor großen Herausforderungen<br />
stehen und ihren Betrieb<br />
zeitweise bereits reduzieren mussten?<br />
• Welche Gäste sollten zur versprochenen<br />
Saisonverlängerung im Frühjahr zum<br />
Skifahren kommen?<br />
• Soll mit dem von Kaunertaler Seite vehement<br />
geforderten Zusammenschluss<br />
das Gletscherskigebiet Kaunertal „gerettet“<br />
werden? Eine Verlagerung der Wertschöpfung<br />
in Richtung Kaunertal ist auf<br />
jeden Fall zu befürchten.<br />
• Wie geht man in Langtaufers mit der Gefahr<br />
der Fremdbestimmung um, wenn<br />
Investoren von außen mit ihrem Kapital<br />
Infrastrukturen und Hotelanlagen finanzieren?<br />
• Wie hoch ist die vielfach geäußerte Gefahr<br />
einer Schieflage für die bestehenden<br />
Skigebiete durch die zusätzliche Konkurrenz?<br />
Ist man sich der Gefahr bewusst,<br />
Schöneben, einen sehr gut aufgestellten<br />
und für die Gemeinde Graun zentralen<br />
Betrieb mit zahlreichen Arbeitsplätzen<br />
leichtfertig in Schwierigkeiten zu bringen?<br />
• Kann man ausschließen, dass neben<br />
den bereits bestehenden Skigebieten mit<br />
wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Haider<br />
Alm, Watles, Maseben, Trafoi – Latsch<br />
bereits geschlossen) ein weiteres „Problem“<br />
geschaffen wird? Gibt es Vorsorgepläne<br />
für eine eventuelle Schieflage<br />
oder muss dann wieder die öffentliche<br />
Hand einspringen?<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 23
Das Thema<br />
• Nimmt man sich in Langtaufers mit einer<br />
Verbauung des Melagtales und des<br />
Talschlusses bei Melag nicht die Möglichkeit<br />
eines naturnahen, sanften und<br />
damit längerfristigen Tourismus wie er<br />
von der Initiativgruppe Pfeil für ein intaktes<br />
Langtaufers angestrebt wird? Mit<br />
den geplanten Infrastrukturen würde<br />
die positive Entwicklung in Langtaufers<br />
hin zu einem naturverträglichen Tourismus<br />
mit einem Schlag zerstört und unglaubwürdig.<br />
• Sollte man in einem kleinen Tal mit 433<br />
Einwohnern nicht sanftere Projekte vorantreiben<br />
(Skilanglauf, Schneeschuhwandern,<br />
Bergwandern, Weißkugelhütte,<br />
Erlebnisschule, Höhentraining für Leichtathleten,<br />
…), anstatt mit Projekten für<br />
den Massentourismus leichtfertig die eigene<br />
Authentizität aufs Spiel zu setzen?<br />
• Warum ignorierten die Projektbefürworter<br />
den Willen der Langtauferer Bevölkerung<br />
nach der deutlichen Ablehnung des Zusammenschlusses<br />
im Jahr 1997 und zogen<br />
nicht an einem Strang im Sinne eines<br />
naturnahen Tourismus? Dadurch wurden<br />
viele Jahre der Entwicklung und etliche<br />
Chancen verspielt, sodass Langtaufers<br />
heute als Erholungs- und Feriengebiet<br />
deutlich besser positioniert sein könnte.<br />
• Wie rechtfertigt man die massiven Eingriffe<br />
in ein sensibles, unberührtes Hochtal<br />
mit aktiven Blockgletschern: Lift mit<br />
35 Stützen, Tal-, Mittel- und Bergstation,<br />
zwei neue 4 km lange Pisten, Steinschlagund<br />
Lawinenverbauung, ev. später Beschneiungsanlage?<br />
Kritisch zu sehen<br />
sind auch der zusätzliche Wasser- und<br />
Energiebedarf.<br />
• Hat man an ökologische Ausgleichsmaßnahmen<br />
für diese massiven Eingriffe in<br />
der unberührten Landschaft gedacht,<br />
oder soll alles zum Schaden der Natur<br />
kostenlos geopfert werden?<br />
• Warum ist es in Südtirol möglich, ein Projekt<br />
ohne rechtlichen Rahmen so positiv<br />
zu präsentieren? Es gibt weder eine Eintragung<br />
in den Skipistenfachplan noch<br />
wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung<br />
durchgeführt.<br />
• Zur Eintragung in den Skipistenplan<br />
des Landes braucht man ein positives<br />
Gutachten des Umweltbeirates. Kann<br />
dieses angesichts der massiven Eingriffe<br />
in das unberührte Hochtal mit<br />
aktiven Blockgletschern überhaupt erwartet<br />
werden?<br />
Angesichts dieser vielen wirtschaftlichen<br />
Zweifel und negativen Folgen für Natur und<br />
Landschaft wünscht der Heimatpflegeverband<br />
Bezirk Vinschgau dem Bürgermeister<br />
und allen Entscheidungsträgern der<br />
Gemeinde Graun und vor allem der Bevölkerung<br />
den Mut, vom vorgeschlagenen<br />
Projekt abzusehen und sich stattdessen<br />
für sanftere Projekte in Langtaufers und<br />
im Oberland einzusetzen. Dies auch im<br />
Sinne des Südtiroler Alpenvereins AVS,<br />
der die Erschließung der Südtiroler Bergwelt<br />
für abgeschlossen hält und insbesondere<br />
neue Anlagen außerhalb bestehender<br />
Skigebiete strikt ablehnt.<br />
Franz Fliri, Bezirksobmann der<br />
Heimatpflege Vinschgau<br />
Eindrücke unberührter Landschaft in Langtaufers/Kaunertal<br />
24<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Aus Verband und Bezirken<br />
Heimatpflege<br />
„Lorenziraber“ in Buchformat<br />
Patrozinium und Buchvorstellung in den "Lorenziruinen"<br />
Einige Eindrücke von der Veranstaltung am Lorenziacker<br />
Am 10. August <strong>2016</strong> fand traditionsgemäß<br />
in den "Lorenziruinen" das Patrozinium<br />
zum Hl. Laurentius statt.<br />
Wie in den vergangenen Jahren wurde<br />
auch heuer in der Kirchenruine ein Wortgottesdienst<br />
gefeiert, welchen Sänger unserer<br />
Kirchenchöre (Naturns und Tabland-Staben)<br />
mitgestalteten. Im Anschluss<br />
daran erinnerte Josef Pircher an das Singspiel,<br />
welches vor einem Jahr in den Ruinen<br />
aufgeführt wurde und begrüßte besonders<br />
Hanns Fliri, den Autor.<br />
Den Anlass bot die Vorstellung des<br />
Buches über die "Lorenziraber". Es beinhaltet<br />
den gesamten Text von Hanns Fliri<br />
und die Lieder von Ernst Thoma sowie das<br />
Leben des Hl. Laurentius, die Sage über<br />
die "Raber" und die historischen Hintergründe,<br />
soweit sie der Archäologe Hans<br />
Nothdurfter mit seinen Ausgrabungen belegen<br />
und Sepp Waldboth in den verschiedenen<br />
Archiven recherchieren konnte.<br />
Raum für Unheimliches<br />
Hanns Fliri erzählte die Entstehungsgeschichte<br />
des Singspiels. Die "Lorenziraber"<br />
sind in Naturns seit jeher bekannt<br />
und lassen in Erzählungen ganze Generationen<br />
erschaudern, auch die halb<br />
verfallenen Ruinen geben Raum für Unheimliches.<br />
Es gibt verschiedene Varianten<br />
der Geschichte. Eine wurde 1959 von<br />
Lea Selm im Katholischen Sonntagsblatt<br />
niedergeschrieben. In jeder Sage steckt<br />
ein Kern Wahrheit, auch wenn durch die<br />
mündlichen Überlieferungen von Generation<br />
zu Generation immer neue Ausschmückungen<br />
dazugekommen sind.<br />
Die Lorenziraber gibt es jetzt im<br />
Buchformat.<br />
Historisch belegte Hintergründe<br />
Hanns Fliri beschäftigten die "Raber"<br />
über viele Jahre und sein Wunsch, den<br />
Personen ein Gesicht zu geben, wurde<br />
immer stärker. Die Geschichte, wie sie<br />
Hanns Fliri erzählt, spielt um das Jahr<br />
1800 und hat sich genau so wahrscheinlich<br />
nicht zugetragen. Einige Hauptfiguren<br />
sind historisch nachweisbar, nur die Zusammenhänge<br />
können nicht mehr recherchiert<br />
werden und lassen der Fantasie<br />
des Autors viel Raum.<br />
Fruchtbare<br />
Zusammenarbeit<br />
Fliri bedankte sich bei allen, die es ermöglicht<br />
haben, dieses Projekt zu realisieren,<br />
bei seiner Familie für die Unterstützung,<br />
beim Heimatpflegeverein für die<br />
Trägerschaft und die Organisation und bei<br />
den Schauspielern, Musikern und den fleißigen<br />
Händen im Hintergrund.<br />
Der Kirchenchor Tabland/Staben erinnerte<br />
mit Liedern aus dem Singspiel<br />
an die Aufführungen des letzten Sommers<br />
und der Abend klang in gemütlicher<br />
Runde aus.<br />
Weithaler Gapp Johanna<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 25
Aus Verband und Bezirken<br />
Bildstocksanierung beim<br />
Steinweiher in Völlan<br />
Ein Bildstock als Dank für die unversehrte Rückkehr aus dem Krieg<br />
Pfarrer Pater Martin Steiner OT bei der Segnung des Steinweiher-Bildstockes (Foto: Leo Unterholzner)<br />
In Völlan konnte heuer bereits zum zweiten<br />
Mal eine Bildstocksegnung vorgenommen<br />
werden. An der Feldmesse und an der<br />
anschließenden Segnung der Steinweiherkapelle,<br />
zelebriert von Pfarrer Pater Martin<br />
Steiner OT, nahmen neben Vizebürgermeister<br />
Horst Margesin und HSV-Obmann<br />
Albert Innerhofer zahlreiche Völlaner und<br />
Bekannte aus nah und fern teil.<br />
Die Anwesenden konnten erfreut feststellen,<br />
dass der Herz-Jesu-Bildstock in<br />
vorbildlicher Weise und mit viel Liebe fürs<br />
Detail saniert wurde. Wie bereits im Gemeindeblatt<br />
Lana unter der Rubrik Kleindenkmäler<br />
18 erwähnt, geht die Erbauung<br />
dieser Kapelle auf den Steinweiherbauer<br />
Johann Weiss und auf seine Frau Katharina<br />
zurück. Davon berichtete die Seniorbäuerin<br />
und Schwiegertochter der beiden,<br />
Maria Ganterer Weiss. Weiters erwähnte<br />
sie, dass ihr Schwiegervater, 37-jährig, im<br />
Jahre 1914 in den Ersten Weltkrieg ziehen<br />
musste. Zum Dank für seine unversehrte<br />
Rückkehr aus dem Krieg ließen<br />
die gläubigen Eheleute 1921 den Bildstock<br />
errichten. Ausgestattet wurde die<br />
Wegkapelle mit einer Herz-Jesu-Statue<br />
und einem einfachen Betstuhl. Gleichzeitig<br />
gelobte Johann Weiss, Zeit seines<br />
Lebens an jedem Herz-Jesu-Freitag die<br />
Messe zu besuchen und die Hl. Kommunion<br />
zu empfangen.<br />
Der nagende Zahn der Zeit<br />
Im Laufe der Jahre traten witterungsbedingt<br />
an den Mauern der kleinen Kapelle<br />
Schadstellen in Form von Mauerfraß auf,<br />
der sich in sichtbarer Lockerung des Mörtels<br />
manifestierte und da und dort zu Ausblühungen<br />
führte. Zudem war das Dach<br />
undicht, was sich negativ auf den Baubestand<br />
auswirkte. So entschlossen sich die<br />
Eheleute und Eigentümer des Kleinods,<br />
Renate Weiss und Christian Kofler, eine<br />
grundlegende Erneuerung des Bildstockes<br />
durchzuführen, wobei auch die darin befindliche<br />
Herz-Jesu-Statue einer Generalüberholung<br />
unterzogen werden sollte, da<br />
26<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
bei ihr Trockenrisse und Farbveränderungen<br />
in der Bemalung zu beobachten waren.<br />
Unterstützung durch<br />
Heimatschutzverein<br />
In Zusammenarbeit mit dem Heimatschutzverein<br />
Lana, dessen Obmann Albert<br />
Innerhofer der Familie Weiss Kofler<br />
mit Rat und Tat zur Seite stand, konnten<br />
im Februar <strong>2016</strong> die ersten Instandhaltungsmaßnahmen<br />
an der Kapelle ergriffen<br />
und bis Mitte Mai sämtliche Arbeiten<br />
zu Ende geführt werden. Dazu beigetragen<br />
haben vor allem die beteiligten Handwerker,<br />
und zwar die Zimmerei Christian<br />
Paris und deren Mitarbeiter, die für die<br />
Bedachung sorgten, Baumeister Eduard<br />
Linger, der das gesamte Mauerwerk erneuerte,<br />
Maler Karl Hofer, welcher sich der Kapellenmalereien<br />
annahm und zudem die<br />
Herz-Jesu-Statue aufpolierte sowie Tischler<br />
Herbert Kofler, welcher den schlichten Gebetsstuhl<br />
erstellte. Außerdem unterstützte<br />
der Verschönerungsverein Völlan das Vorhaben<br />
finanziell.<br />
Wohl gewählte Daten<br />
Die Erhaltung dieses Bildstockes war<br />
schon Hermann Weiss Zeit seines Lebens<br />
ein großes Anliegen und so wurde die Segnung<br />
des Bildstockes wohl gezielt auf den<br />
Geburtstag des Seniorbauers (26. Juli) gelegt,<br />
wobei die Mitfeiernden im Rahmen der<br />
Messfeier der beiden Letztverstorbenen der<br />
Familie, besagtem Seniorbauer und dessen<br />
Mutter Maria Ganterer, gedachten. Gleichzeitig<br />
wurde der alte Brauch fortgeführt, alle<br />
Anwesenden zu einer Marende beim Steinweiherhof<br />
einzuladen, um gemeinsam und<br />
gemütlich die Feier ausklingen zu lassen.<br />
Erwähnenswert ist noch, dass an diesem<br />
Herz-Jesu-Bildstock alljährlich, anlässlich<br />
der Fronleichnamsprozession, das dritte<br />
Evangelium abgehalten wird. Wohl in Erinnerung<br />
an die in Völlan 19<strong>05</strong> gegründete<br />
Herz-Jesu-Bruderschaft, deren Mitglieder<br />
sich zu Wohltaten verpflichtet hatten und<br />
bereit waren, an der jährlichen Fronleichnamsprozession<br />
sowie am Herz-Jesu-Fest<br />
mitzuwirken, sind es nun deren Nachfahren,<br />
die weiterhin dieses Gelöbnis in vorbildhafter<br />
Weise aufrechterhalten. Neben<br />
den Besitzern können sich somit auch Prozessionsteilnehmer,<br />
Anrainer und Wanderer<br />
an dem schmucken Kleinod erfreuen.<br />
Elfriede Zöggeler Gabrieli<br />
Steinweiher-Bildstock Völlan (vorher)<br />
(Foto: Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />
Herz-Jesu Statue Steinweiher Bildstock<br />
(vorher) (Foto: Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />
Steinweiher Bildstock (<strong>2016</strong>) (Foto:<br />
Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />
Herz-Jesu-Statue Steinweiher Bildstock<br />
(<strong>2016</strong>) (Foto: Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 27
Altes neu entdeckt<br />
„Der schönste Beruf der Welt…“<br />
Das Grödner Kunsthandwerk in einem persönlichen Portrait<br />
Filip Piccolruaz bei der Arbeit<br />
„Ich habe den schönsten Beruf der Welt“,<br />
erzählt Filip Piccolruaz, seines Zeichens<br />
Bildhauer in St. Ulrich. Wie sein Vater und<br />
dessen Vater hat auch er jenes Handwerk<br />
– oder wohl eher jenes Kunstgewerbe – erlernt,<br />
für welches Ladinien, im Besonderen<br />
das Grödner Tal, nach wie vor die Hochburg<br />
darstellt. „Aussterben wird der Beruf<br />
nicht“, zeigt sich der junge Künstler optimistisch,<br />
„doch die Zahlen der Lehrlinge<br />
und Besucher der Berufsfachschule für das<br />
Kunsthandwerk Gröden sind rückläufig.“<br />
Zählte das Tal in der Blütezeit des<br />
Kunsthandwerks noch an die 400 Bildhauer<br />
und Schnitzer, so sind heute dem<br />
Beruf nur mehr rund 100 Werktätige angehörig.<br />
Viele von denen sind auf einen<br />
weiteren Erwerbszweig angewiesen, haben<br />
sich ein zusätzlichen Standbein im touristischen<br />
Sektor erarbeitet, verdingen sich<br />
in der Landwirtschaft oder einem anderen<br />
Beruf. Filip Piccolruaz gehört zu den<br />
Glücklichen; er kann mit seiner vierköpfigen<br />
Familie von seinen Arbeiten leben.<br />
Seit 15 Jahren gibt er zudem sein Wissen<br />
und seine Erfahrung an die Schüler<br />
der Berufsfachschule für das Kunsthandwerk<br />
Gröden weiter. Nicht immer war das<br />
so, erklärt Gebhard Piccolruaz, der Vater.<br />
Er habe bis in die Mitte der 1980er<br />
Jahre Katalogbestellungen für Wiederverkäufer<br />
gefertigt. Von Einzelstücken und<br />
individueller Interpretation könne dabei<br />
keine Rede sein. Die Freude an der<br />
Arbeit habe ihm die Bekanntschaft mit<br />
einem geistlichen Würdenträger zurückgegeben.<br />
Zunächst war es ein Auftragswerk,<br />
dem weitere folgten. Heute stehen<br />
in und um St. Ulrich zahlreiche Werke<br />
– so beispielsweise die Trachtengruppe<br />
am Dorfeingang−, welche der Werkstatt<br />
Piccolruaz entstammen. Stolz zeigen mir<br />
Vater und Sohn einen üppigen Bildband<br />
über Sakralbauten aus aller Welt, dessen<br />
Umschlag der Dom zu Speyer ziert mit<br />
der Kreuzigungsgruppe aus der Hand<br />
von Gebhard Piccolruaz.<br />
400 Jahr Tradition<br />
Der Wohlstand von St. Urich, St. Christina<br />
und Wolkenstein, den Hauptortschaften<br />
des Grödner Tales, ist nicht<br />
allein dem florierenden Tourismus geschuldet,<br />
der im Sommer Wanderer und<br />
im Winter Skisportler aus aller Welt anlockt.<br />
Vor der touristischen Erschließung<br />
28<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
Sicherlich hat auch die Gründung der<br />
Kunstschule in St. Ulrich, heute Kunstlizeum,<br />
in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts<br />
zum Aufschwung des Handwerks<br />
beigetragen. Doch hält dieser Aufschwung<br />
schon lange nicht mehr an, bedauert Filip<br />
Piccolruaz.<br />
Holz, Bronze oder Stein<br />
Skulptur im Torggelkeller Kaltern, Kastanienholz leicht bemalt<br />
war es das Kunsthandwerk, die Verbindung<br />
von Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit,<br />
welche dem Tal eine lang anhaltende<br />
Blüte bescherten, die sich auch<br />
oder ganz besonders im Gesellschaftsleben<br />
manifestiert. Der Grundstein hierfür<br />
wurde Mitte des 15. Jahrhunderts gelegt<br />
mit Persönlichkeiten wie Christian Trebinger,<br />
den Gebrüdern Vinatzer oder Dominik<br />
Mahlknecht.<br />
Das Handwerk des Bildhauers ist laut<br />
Zeugnissen bei weitem nicht auf das ladinische<br />
Tal beschränkt. „Was aber in<br />
Gröden als eine ganz besondere Ausnahmeerscheinung<br />
erkannt werden<br />
kann, ist die in die Breite greifende Entwicklung<br />
dieses Handwerks und dieser<br />
Genialität.“ (Moroder: Grödner Kunsthandwerk,<br />
19) Das Herstellen von Gegenständen<br />
aus Holz, von Figuren für<br />
den sakralen und den profanen Raum<br />
wurde zur Hauptbeschäftigung von immer<br />
mehr Menschen. Damit einher gingen<br />
eine immer größere Vielfalt und ein<br />
qualitativ immer höher werdender Anspruch.<br />
Seit 1969 werden ausschließlich<br />
von Hand gefertigte Skulpturen mit der<br />
von der Handelskammer Bozen eingeführten<br />
Plakette „Entirely Hand Carved“<br />
vertrieben, einer Schutzmarke und eines<br />
ausgewiesenen Qualitätssiegels. Ein Zertifikat<br />
rundet das Werk ab.<br />
„Bildhauerei ist vor allem die technische<br />
Operation und die Ausdruck verleihende<br />
Fähigkeit, körperliche Gebilde auszuarbeiten,<br />
sei es aus festen Materialien oder aus<br />
knetbaren, modellierbaren Materialien.“<br />
(Moroder: Grödner Kunsthandwerk, 39)<br />
Vater und Sohn Piccolruaz sind mit<br />
allen Rohstoffen vertraut; nach den Gegebenheiten<br />
wird entschieden, welcher<br />
Werkstoff verwendet werden soll. Vorher<br />
wird ein Modell – eine Plastik – angefertigt,<br />
ein Entwurf aus knetbarem Material.<br />
Später, bei der endgültigen Ausführung,<br />
werden Korrekturen und Umgestaltungen<br />
Frauenakt, Öltonarbeit für einen<br />
Bronzeguss<br />
„Du denkst mit einem Faden mich zu fangen; Hugo Wolf“, amerikanische Kirsche<br />
schwierig. Was Stemmeisen, Feilen oder<br />
Schlegeln einmal zum Opfer gefallen ist,<br />
vermag der Künstler kaum mehr rückgängig<br />
zu machen.<br />
Werkstatt und Ausstellungsraum der<br />
Familie Piccolruaz sind mit einer Auswahl<br />
aus fertigen, fast fertigen Skulpturen<br />
und zahlreichen Entwürfen ausgestattet.<br />
Entgegen meiner Vorstellung dominieren<br />
bei weitem nicht die sakralen Auftragswerke.<br />
Besonders inspirierend wirkt die<br />
moderne Interpretation von Stühlen des<br />
jungen Bildhauers. Begleitet von Musik<br />
sind der Kreativität in der Werkstatt Piccolruaz<br />
keine Grenzen gesetzt. Eine Auswahl<br />
der Werke sowie nähere Kontaktdaten<br />
finden sich auf der Homepage des Bildhauers<br />
www.piccolruaz.com.<br />
Sylvia Rottensteiner<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 29
•Rundschau<br />
Stille Hilfe für das Dorf<br />
Benefiz-Heimatabend in Lana<br />
Künstler, Sänger und Musikanten haben<br />
sich erneut in den Dienst einer guten<br />
Sache gestellt. Sie standen unentgeltlich<br />
für die „Stille Hilfe im Dorf“ auf der<br />
Bühne. Bereits zum 14. Mal wurde heuer<br />
im Saal des Katholischen Arbeitervereins<br />
von Lana der Benefiz-Heimatabend veranstaltet:<br />
Ein musikalisches Stelldichein<br />
im Zeichen der Solidarität und der Nächstenliebe.<br />
Der Erlös von Freiwilligen Spenden<br />
kam der „Stillen Hilfe im Dorf“ zugute.<br />
Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht,<br />
Menschen in Not schnell und unbürokratisch<br />
zu helfen.<br />
Bei der Veranstaltung wirkten mit: die<br />
Burggräfler Alphornbläser, die Gesangsgruppe<br />
„Wetterhexen“ unter der Leitung<br />
von Carmen Declara, „Sepp Dentinger`s<br />
Zithermusik“, Maria Sulzer mit Mundart<br />
und Jodler und der Männergesangverein<br />
von Lana unter der Leitung von Julia<br />
Perkmann. Sprecher des Abends war<br />
Alfred Sagmeister, welcher mit einer lustigen<br />
Theater-Einlage für Witz und Humor<br />
sorgte. Zudem gab es köstlichen Apfelsaft,<br />
kredenzt von Sepp Pircher Hofmann.<br />
Lob und Dank<br />
Bürgermeister Harald Stauder sprach<br />
herzliche Willkommensgrüße und war<br />
voll des Lobes für diese wertvolle Initiative<br />
im Dorf. Unter den Gästen weilten Lanas<br />
Ehrenbürgerin Rosa Franzelin, sowie die<br />
Gemeindereferenten Helga Hillebrand<br />
Malleier und Helmuth Holzner. Rosa Pfattner,<br />
die Verantwortliche der Vereinigung<br />
„Stille Hilfe im Dorf“, dankte allen Mitwirkenden,<br />
Helfern und Sponsoren. Sie<br />
dankte vor allem Heinz Decristan, dem<br />
Obmann des Katholischen Arbeitervereins<br />
Lana, für die unentgeltliche Bereitstellung<br />
des Saales und dem Träger dieser Veranstaltung,<br />
der Schützenkompanie „Franz<br />
Höfler“ mit Hauptmann Andreas Pixner.<br />
Ein ebenso herzliches Dankeschön ging<br />
an Maria Sulzer für ihre organisatorische<br />
Unterstützung.<br />
30<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
Buchvorstellung und Lesung<br />
Geschwister Fliri stellen in Naturns Neuerscheinungen vor<br />
Am 1. Juni <strong>2016</strong> stellten die beiden Geschwister<br />
Maria und Adolf Fliri in der öffentlichen<br />
Bibliothek Naturns zwei neue<br />
Bücher vor: „Sage, Brauchtum und Geschichten<br />
in und um Naturns“ sowie „Erinnerungen<br />
an die Zeit ohne Strom/Geschichte<br />
der elektrischen Erschließung“.<br />
Maria Fliri Gerstgrasser hat das bekannte<br />
Buch über Sagen, Brauchtum und Geschichten<br />
in Naturns gänzlich überarbeitet<br />
und und mit neuen Inhalten ergänzt.<br />
Adolf Fliri erzählt in seinem neuen Buch<br />
über die Zeit ohne elektrischen Strom am<br />
Sonnenberg und beschreibt den Weg der<br />
Elektrifizierung in den 1970er-Jahren.<br />
Der Abend wurde von der Bibliothek Naturns,<br />
dem Heimatpflegeverein Naturns-<br />
Plaus und der Buchhandlung Hanny organisiert<br />
und endete mit einem geselligen<br />
Umtrunk<br />
Die Titelseiten der vorgestellten Bücher sowie einige Eindrücke des Abends<br />
„G’sung, g’spielt, gitonzt und dozehlt“<br />
Heimatpflegeverband in Dietenheim mit Informationsstand wieder dabei<br />
Am Sonntag, den 11.09.<strong>2016</strong>, fand im<br />
Volkskundemuseum in Dietenheim zum<br />
15. Mal das große Volkskulturfest „G`sung,<br />
g`spielt, gitonzt und dozehlt“ statt. Das Fest<br />
wird seit nunmehr 30 Jahren im Zwei-<br />
Jahres-Rhythmus organisiert. Die ARGE<br />
MundART, die Arbeitsgemeinschaft Volkstanz,<br />
der Heimatpflegeverband Bezirk Pustertal,<br />
der KFS Dietenheim, die Musikkapelle<br />
Dietenheim/Aufhofen, das Südtiroler<br />
Landesmuseum für Volkskunde sowie der<br />
Südtiroler Volksmusikkreis Bezirk Pustertal<br />
traten heuer als Veranstalter auf.<br />
Auch der Heimatpflegeverband Bezirk Pustertal<br />
beteiligt sich seit vielen Jahren an<br />
dieser schönen Veranstaltung. Es ist eine<br />
Gelegenheit, mit vielen an der Volkskultur<br />
interessierten Menschen zusammenzutreffen<br />
und sich auszutauschen. Der Heimatpflegeverband<br />
nützte aber auch heuer die<br />
Gelegenheit, mittels Informationsmaterial<br />
auf seine Wirkungsbereiche hinzuweisen<br />
und für die Anliegen des HPV zu sensibilisieren.<br />
Besondere Beachtung fand die<br />
von Albert Willeit zusammengestellte Po-<br />
wer-Point-Präsentation „100 Bilder in 10<br />
Minuten“ zum Thema Baukultur, welche<br />
in der großen Labe im Parterre des Ansitzes<br />
Mair am Hof gezeigt wurde. Anhand<br />
von ausgewählten Beispielen aus<br />
dem ganzen Land wurde sowohl vorbildliches,<br />
sensibles Bauen als auch Gegenteiliges<br />
gezeigt sowie auf Themen und Probleme<br />
der Raumordnung hingewiesen.<br />
v.l.n.r.: Bernhard Lösch, Walter Harpf,<br />
Claudia Plaikner, Albert Willeit<br />
Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen<br />
Museumsführung, dem HPV und<br />
den vielen anderen Volkskultur-Schaffenden<br />
und Interessierten wird nach dem<br />
heurigen Erfolg wohl mit großer Wahrscheinlichkeit<br />
in zwei Jahren eine Fortsetzung<br />
finden.<br />
Claudia Plaikner,<br />
HPV-Obmannstellvertreterin<br />
„100 Bilder in 10 Minuten“<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 31
Arge Volkstanz<br />
Landesalmtanz <strong>2016</strong><br />
Hofmannwiesen in Reinswald-Sarntal<br />
Alljährlich treffen sich die Volkstänzer<br />
aus ganz Südtirol zum Landesalmtanz der<br />
Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol.<br />
Dieses Jahr hat die Volkstanzgruppe<br />
Sarntal am Sonntag, 7. August <strong>2016</strong>, anlässlich<br />
ihres 25-jährigen Bestehens nach<br />
Reinswald auf die Hofmannwiesen geladen.<br />
Nach der Hl. Messe in der Pfarrkirche<br />
wanderten die vielen Tanzbegeisterten<br />
im Ski- und Wandergebiet Reinswald zu<br />
den Hofmannwiesen. Die Almlandschaft<br />
mit der Sarner Scharte im Hintergrund<br />
bildete eine wunderschöne Kulisse für<br />
das Tanzfest.<br />
Unterhaltung für Jung und Alt<br />
Die Sarner Obfrau Annamarie Heiss eröffnete<br />
mit Martin Kemenater beim traditionellen<br />
Auftanz das Tanzfest. Die Gruppe<br />
„Frisch gstrichn“ aus dem Pustertal spielte<br />
schwungvoll zum Tanz auf und der Tanzboden<br />
füllte sich sogleich mit Volkstänzern<br />
aus nah und fern. Auch die Kleinsten unter<br />
den Gästen kamen nicht zu kurz. Unter<br />
der Leitung von erfahrenen Kindertanzreferentinnen<br />
studierten die Kinder einige<br />
Tänze ein, die sie dann bravourös auf der<br />
Tanzfläche zum Besten gaben.<br />
Lange Tradition<br />
„Der Landesalmtanz hat eine lange<br />
Tradition. Er ist aus verschiedenen Gruppentreffen<br />
auf den Almen hervorgegangen,<br />
bei denen ungezwungen und in geselliger<br />
Runde getanzt wurde“, berichtet<br />
Schneidig aufgetanzt wird beim Almtanz auf den Hofmannwiesen.<br />
Monika Rottensteiner, Erste Vorsitzende<br />
der Arbeitsgemeinschaft. Der Almtanz bietet<br />
auch heute noch Gelegenheit, sich mit<br />
vielen Volkstänzern und deren Familienangehörigen<br />
in einer herrlichen Umgebung<br />
zu treffen, zu plaudern und zu tanzen.<br />
Für das leibliche Wohl sorgte die Volkstanzgruppe<br />
Sarntal unter der Leitung<br />
von Obfrau Annamarie Heiss. Bis in den<br />
späten Nachmittag wurde das Tanzbein<br />
geschwungen und das schöne Sommerwetter<br />
genossen.<br />
Volkstanzgruppe Sarntal<br />
Auch die Kinder zeigten ihr Können.<br />
Hereinspaziert<br />
51. Landes-Kathrein-Tanzfest am Samstag, 12. November <strong>2016</strong>,<br />
im großen Saal des Meraner Kurhauses. Einlass ab 19.00 Uhr, Auftanz um 20.00 Uhr. Zum Tanz spielt die „Südtiroler<br />
Sechser Musig“. Tracht oder festliche Kleidung erwünscht. Tischreservierungen und weitere Informationen im<br />
Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/97<strong>05</strong>55 oder info@arge-volkstanz.org<br />
Volkstanz-Winterlehrgang vom Montag, 26. Dezember <strong>2016</strong>, bis Sonntag, 1. Januar 2017,<br />
im Haus der Familie/Lichtenstern am Ritten. Tanzen, Musizieren und Singen mit fachkundigen Referenten.<br />
Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/97<strong>05</strong>55 oder info@arge-volkstanz.org<br />
32<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Arge Lebendige Tracht<br />
Heimatpflege<br />
Tatzlen-Stricken mit<br />
Leidenschaft<br />
Astrid Plankl gibt ihr Können weiter<br />
lenk. Besser halten die mit halbem Daumen.<br />
Tatzlen sollten nämlich immer schön eng<br />
sein und straff angezogen werden, damit<br />
man das Strickmuster gut sieht. Im Schlerngebiet<br />
gibt es noch die kurzen Handschlen,<br />
die zum so genannten schwarzen Ärmel<br />
getragen werden.<br />
Meisterin im Tatzlen-Stricken<br />
Astrid Plankl aus Kastelruth ist eine<br />
geschickte Strickerin. Ob Stieflstrümpfe,<br />
Trachtenstutzen, Sarner oder Trachtenjanker,<br />
sie strickt alles mit großer Leidenschaft.<br />
Besonders haben es ihr aber die<br />
Tatzlen angetan. Sie hält auch Kurse, wo<br />
man das Tatzlenstricken erlernen kann. Sie<br />
ist unter der Handynummer 320-5523619<br />
erreichbar.<br />
Agnes Andergassen<br />
Schwarze lange Tatzlen mit Lochmuster<br />
Handschuhe aus verschiedensten Materialien<br />
gibt es wohl schon seit der Zeit des<br />
Mittelalters. Im 13. Jahrhundert kamen die<br />
gestrickten Handschuhe auf. Sie wurden<br />
aus feiner Wolle, Seide oder Baumwolle gestrickt.<br />
Halbhandschuhe, die die Fingerspitzen<br />
unbedeckt ließen, kamen mit der Mode<br />
des 19. Jahrhunderts auf. Wohl zu dieser<br />
Zeit fanden die Tatzlen auch Eingang in so<br />
manche Tiroler Frauentracht.<br />
Was sind überhaupt Tatzlen?<br />
„Nimm deine Tatze weg!“, sagt man bei<br />
uns im Dialekt. Gemeint ist dabei, etwas<br />
abwertend, die Hand. Die Tatzlen, Tatzlan<br />
oder Tatterlen sind wohl eine niedliche<br />
Bezeichnung für die Trachtenhandschuhe,<br />
die lang oder kurz, immer aber<br />
fingerlos getragen werden. Ursprünglich<br />
aus Stoff oder Fell, sollten sie vor allem<br />
wärmen. Heute sind sie vielfach aus feiner<br />
Wolle oder Garn, gestrickt oder gehäkelt,<br />
schwarz oder weiß, je nach Stand der Trägerin.<br />
Schon längst werden sie das ganze<br />
Jahr über getragen und sind zu einem fixen<br />
Zierelement geworden.<br />
Hauptsache Lochmuster<br />
Beim Stricken beginnt man am Oberarm,<br />
rundherum, nicht zu weit. Zum Handgelenk<br />
hin wird dann am Innenarm schön<br />
langsam abgenommen. Der Daumen setzt<br />
mit einem Keil an. Muster gibt es viele, kein<br />
besonderes für eine bestimmte Gegend.<br />
Hauptsache, es ist ein schönes Lochmuster,<br />
damit man die Haut gut durchsieht.<br />
Je dünner das Garn, umso schöner. Nummer<br />
16 wäre ideal und Stricknadeln Nummer<br />
eineinhalb.<br />
Mit oder ohne Daumen<br />
Es gibt drei Arten von Tatzlen: bis zur<br />
Mitte des Handrückens mit halbem Daumen,<br />
nur mit Daumenloch am Daumenansatz<br />
oder überhaupt nur bis zum Handge-<br />
Astrid Plankl beim Tatzlenstricken auf<br />
der Bozner Herbstmesse 2015<br />
Kurze Kastelruther Handschlen<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 33
•Büchertisch•<br />
Irene Hager/Alice Hönigschmid/Astrid Schönweger<br />
Die Kraft der Südtiroler Kräuter nutzen<br />
Gesundheit, Wohlbefinden und Genuss<br />
aus der Natur<br />
Südtiroler Kräuterfrauen verraten ihre<br />
besten Rezepte: Mit der Vielfalt der<br />
Kräuter kann man sich auf ganz natürliche<br />
Weise etwas Gutes tun. Von<br />
der Lörget-Salbe bis zur Holermula,<br />
vom Petscheler bis zu Wildkräuter-<br />
Tirtlan – für jeden Anwendungsbereich<br />
gibt es in diesem Buch die passenden<br />
Rezepte. Dank einfacher Beschreibungen,<br />
genau erklärter Zubereitungsschritte<br />
und vieler nützlicher Informationen<br />
zum Sammeln und Trocknen<br />
von Kräutern sowie zur Aufbewahrung<br />
und Haltbarkeit kann man eigene<br />
Heilmittel und Schönheitspfl e-<br />
geprodukte selbst herstellen.<br />
Der Inhalt<br />
Südtiroler Kräuteranwendungen für alle Lebensbereiche<br />
wie Hausapotheke, Körper- und<br />
Schönheitspflege, Küche, Haus und Garten:<br />
• umfassender Wissensschatz von 51 Südtiroler<br />
Kräuterfrauen;<br />
• alle Rezepte und Tipps von den Autorinnen<br />
geprüft und erprobt;<br />
• über Generationen Überliefertes und neue<br />
Methoden;<br />
• mit wertvollen Tipps und Tricks zur Nutzung<br />
von Kräuterwirkstoffen;<br />
• neue Kräuter und Heilpflanzen entdecken<br />
sowie Pflanzen im Portrait;<br />
• Grundlagen zur Herstellung von Tinkturen,<br />
Salben, etc.<br />
• übersichtliches Register nach Kräutern<br />
für schnelles Nachschlagen;<br />
• reich bebildert mit über 600 Fotografien.<br />
Irene Hager/Alice Hönigschmid/Astrid<br />
Schönweger: Die Kraft der Südtiroler<br />
Kräuter nutzen. 350 Rezepte und Tipps<br />
für Wohlbefinden, Schönheit, Küche,<br />
Haus und Garten. Athesia, 29,90 Euro.<br />
Reinhold Stecher<br />
Mit Leben anstecken<br />
Neue Texte, Bilder und Zeichnungen aus<br />
dem Nachlass, herausgegeben von Paul<br />
Ladurner<br />
Bisher unveröffentlichte Gedichte, Karikaturen,<br />
Bilder und Geschichten zum Lachen<br />
und Nachdenken, über Werte und Worte<br />
oder göttliche Gärtner, über Kirchenpolitik<br />
und Kirchenchöre, Schwarze Mander<br />
und dunkle NS-Zeiten.<br />
Der Autor<br />
Reinhold Stecher war über dreißig Jahre<br />
in der Jugendseelsorge und als Religionspädagoge<br />
tätig und von 1981 bis 1997 Bischof<br />
der Diözese Innsbruck; erfolgreicher<br />
Autor, Zeichner und Maler; Träger zahlreicher<br />
Preise, u.a. Ökumenischer Predigtpreis<br />
2010 für sein Lebenswerk (Bonn).<br />
Jedes seiner Bücher – alle bei Tyrolia erschienen<br />
– ist zu einem Bestseller geworden<br />
(Gesamtauflage über 700.000<br />
Exemplare).<br />
Reinhold Stecher: Mit Leben anstecken.<br />
136 Seiten, 22 farb. Abb. und 24 sw. Zeichnungen;<br />
15 x 22,5 cm; gebunden mit Schutzumschlag;<br />
Tyrolia-Verlag; 19,95 Euro.<br />
Reinhold Stecher<br />
Bildkalender 2017<br />
13 stimmungsvolle Ansichten für ein<br />
ganzes Jahr – gesehen mit den Augen<br />
des Malers und Naturliebhabers Reinhold<br />
Stecher.<br />
Reinhold Stecher: Bildkalender 2017.<br />
Wandkalender mit Spirale, 15 Blätter; 13.<br />
farb. Abb. (Aquarelle), 34 x 42 cm. Tyrolia-Verlag;<br />
22,95 Euro<br />
Reinhold Stecher<br />
Die leisen Seiten der<br />
Weihnacht<br />
Wieder neu aufgelegt: Reinhold Stecher<br />
liest aus seinem Buch; mit Musik von<br />
Johann Sebastian Bach aus der Suite<br />
<strong>Nr</strong>. 1 für Violoncello (BWV 1007); für<br />
Gitarre bearbeitet und interpretiert von<br />
Kurt Walchensteiner.<br />
Reinhold Stecher: Die leisen Seiten der<br />
Weihnacht. 1 Audio-CD; 62 Minuten.<br />
Tyrolia-Verlag; 14,95 Euro.<br />
34<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Im Gedenken<br />
Heimatpflege<br />
Einer rührigen Heimatpflegerin<br />
zum ehrenden Gedenken<br />
Nachruf auf Anna Schwarz<br />
Vor einigen Wochen wurde – begleitet<br />
von einer großen Trauergemeinde im<br />
Tschöggelberger Hauptort Mölten – die<br />
langjährige Lehrerin, Heimatpflegerin<br />
und Chronistin Anna Schwarz zu Grabe<br />
getragen.<br />
Mit Anna Schwaz schloss sich der Lebensbogen<br />
einer Frau, die sich nach dem<br />
II. Weltkrieg dem Aufbau der deutschen<br />
Schule von erster Stunde an verschrieben<br />
hatte. Mehrere Generationen von Möltner<br />
Kindern hat sie zu tüchtigen und strebsamen<br />
Menschen erzogen. Ihre große<br />
Leidenschaft war aber die Heimatpflege,<br />
der sie sich mit Leib und Seele widmete.<br />
Daher war sie auch lange Jahre Ortsbeauftragte<br />
des Landesverbandes für Heimatpflege<br />
und dessen Ansprechpartnerin<br />
in der Gemeinde Mölten.<br />
Seit dem Aufbau des Chronistenwesens<br />
bearbeitete Anna Schwarz auch die Dorfchronik<br />
von Mölten und instruierte ihre<br />
Nachfolgerin Marianne Hofer. Das vor 20<br />
Jahren erschienene Dorfbuch von Mölten<br />
war auch maßgeblich von ihr mitgestaltet<br />
und getextet worden. Zudem war Anna<br />
Schwarz in der Trachtenpflege federführend.<br />
Viele Wappenforschungen, Stammbäume<br />
der Möltner Familien sowie Höfechroniken<br />
hat sie für Bewohner von Mölten<br />
und Umgebung bearbeitet.<br />
Die Dorfgemeinschaft kann auf ihr idealistisches<br />
und vielfältiges kulturelles Werk<br />
zurückschauen und die Möltner und alle,<br />
die Anna Schwarz kannten, werden ihr<br />
ein dankbares und ehrendes Andenken<br />
bewahren.<br />
Georg Hörwarter<br />
Aus dem Leben von Anna Schwarz…<br />
…, der „Wirtsnandl“, wie sie von den<br />
Möltnern einfach genannt wurde. Dass es<br />
sich dabei um die langjährige Volkschullehrerin<br />
und Schulleiterin von Mölten handelte,<br />
war für jeden und jede in Mölten<br />
selbstverständlich.<br />
Anna Schwarz ist am 11 Januar 1920<br />
als ältestes von acht Kindern beim Unterwirt,<br />
im Gasthaus „Zum Hirschen“, in Mölten<br />
geboren.<br />
Kindheit unter dem Faschismus<br />
Die kleine Anna wurde in die Zeit der<br />
Annexion Südtirols an Italien, des Faschismus<br />
mit der Italianisierung des Landes,<br />
in die Zeit der Unterdrückung, Verfolgung<br />
und der Strafen hineingeboren.<br />
Schon früh wurde sie mit der Problematik<br />
dieser Zeit konfrontiert. Da Anna im Gasthaus<br />
aufwuchs, blieben ihr die damalige<br />
politisch gespannte Lage und die hitzigen<br />
Gespräche der Bauern am Stammtisch<br />
nicht verborgen. Als sie 1926 einschulte,<br />
wurde der Deutschunterricht in den Schulen<br />
Südtirols verboten. Nandl erzählte später<br />
oft und anschaulich von ihren Schulerlebnissen<br />
und betonte immer wieder, wie<br />
gut wir es heute doch hätten, wie sehr wir<br />
unsere Freiheit und besonders den Frieden<br />
schätzen sollten.<br />
Zeit der Katakombenschulen<br />
Kaum ausgeschult wurde sie mit 17 Jahren<br />
als Katakombenlehrerin in Mölten tätig<br />
und gab heimlich Deutschunterricht. Die<br />
Rodel ziehend oder mit einer Milchkanne<br />
in der Hand stapfte Anna im Winter durch<br />
den Schnee zu den einzelnen Höfen. Vier<br />
bis fünf schulpflichtige Kinder warteten dann<br />
dort in der Bauernstube auf ihre Katakombenlehrerin.<br />
Einmal, während einer Unterrichtsstunde,<br />
erblickten die Kinder durch<br />
das Stubenfenster am Horizont des Feldes<br />
einen Carabiniere. In aller Eile „wurschtelte“<br />
Anna die Übungsblätter zusammen<br />
und warf sie ins Ofenloch. Wie gut sie daran<br />
getan hatte und wie gut es war, dass<br />
im Stubenofen ein lustiges Feuerchen knisterte,<br />
erwies sich, als der Carabiniere im<br />
Laufe seiner Nachforschungen doch tatsächlich<br />
auch ins Ofenloch schaute. Die<br />
Kinder spielten mit Anna „Mensch ärgere<br />
dich nicht“ und der Beamte zog missmutig<br />
ab. Geschrieben wurde daraufhin ausschließlich<br />
auf kleine Schiefertafeln, die<br />
nachher wieder fleißig gelöscht werden<br />
konnten. Die Klöster wurden zu den Zellen<br />
der geheimen Lehrervorbereitung.<br />
In Bozen, im Überetsch und Pustertal<br />
wurde Anna mit anderen engagierten Mädchen<br />
aus ganz Südtirol von Maria Nicolussi<br />
für diesen Unterricht vorbereitet. Die ganze<br />
Aktion geschah im Verborgenen. Die Vorbereitungen<br />
für die Unterrichtseinheiten wur-<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 35
Im Gedenken<br />
Zahlreiche Auszeichnungen<br />
Beim Schneider in Mölten; 1493 ursprünglich „haus auf dem Kofl ob der schmitten<br />
im dorf“, um 1800 „Bäckenhaus“, weil dort eine Bäckerei war. Die Großeltern des<br />
Bildhauers Gustav Gurschner (1873-1970) kauften 1840 das Bäckenhaus. Der Wirtsschneider,<br />
Franz Schwarz, ein Onkel von Anna Schwarz, kaufte 1926 das Haus, seitdem<br />
heißt es „beim Schneider“ in Mölten. (Chronik von Mölten, herausgegeben von<br />
der Dekanalpfarre Mölten ,1990)<br />
den auf kleine Zettel notiert, die man bei<br />
eventuellen Kontrollen durch die faschistischen<br />
Sicherheitsorgane schnell unter<br />
dem Rock verschwinden lassen konnte.<br />
In Mölten erklärte man die Abwesenheit<br />
von Anna mit dem Besuch einer Näh- oder<br />
Kochschule. Vorsicht war immer und überall<br />
geboten. Man konnte auch im eigenen<br />
Dorf nicht jedem trauen; Verrat war an der<br />
Tagesordnung. Zudem waren Annas Eltern<br />
für die Carabinieri im Ort ein „rotes Tuch“.<br />
Ihr Vater, der Unterwirt, „vergaß“ nämlich<br />
des Öfteren, an Nationalfeiertagen die italienische<br />
Fahne auszuhängen. Außerdem<br />
sang man in der Wirtsstube nach Feierabend<br />
häufig Heimat-, Schimpf- und Antiregimelieder,<br />
worauf es immer wieder zu<br />
Konfrontationen mit der faschistischen Aufsichtsbehörde<br />
kam.<br />
Ein Leben für die Bildung<br />
Später brachte Anna, unterstützt durch<br />
die tatkräftige Direktorin Maria Kögl, in<br />
deutschen Abendkursen jungen Leuten<br />
das Lesen und Schreiben bei. Die italienische<br />
Schule hatte es nämlich zustande<br />
gebracht, dass gar manche Schüler als<br />
Analphabeten ausschulten. Anna organisierte<br />
auch Haushaltungskurse und leitete<br />
in der Folge Jahrzehnte hindurch die<br />
Grundschule in Mölten. Anna, der Lehrer<br />
Alois Kofler, seine Frau Natalia und Dekan<br />
Franz Graf waren damals „die Schulleute“<br />
in Mölten schlechthin. Als Anna, die engagierte<br />
Volksschullehrerin im Jahre 1980 in<br />
den Ruhestand trat, widmete sich die heimatverbundene<br />
Mitbürgerin vor allem der<br />
Ahnenforschung. Die vielen gesammelten<br />
Unterlagen ihres geistlichen „Vetters Josef“,<br />
Josef Schwarz, waren für sie wichtige Quellen,<br />
aus denen sie verlässliche und umfangreiche<br />
Informationen über Familienzusammenhänge<br />
und Höfegeschichten<br />
schöpfen konnte.<br />
Verstärktes Interesse am<br />
Weltgeschehen<br />
Als Wirtstochter und Pensionsbetreiberin<br />
in ihrer „Bergheimat“ verfügte Anna über<br />
einen großen Bekanntenkreis im In- und<br />
Ausland. Bis ins hohe Alter pflegte sie mit<br />
vielen Persönlichkeiten regen Briefkontakt<br />
und nutzte gern deren Einfluss in Kultur<br />
und Politik zu Gunsten ihrer Gemeinde.<br />
Sie unternahm zahlreiche Reisen, verfolgte<br />
stets interessiert alle Veränderungen und<br />
äußerte sich oft kritisch gegenüber manchen<br />
Entwicklungen im Weltgeschehen.<br />
Es gab wohl wenige Frauen oder Männer,<br />
die das wechselvolle 20. Jahrhundert<br />
so intensiv miterlebt haben wie Anna<br />
Schwarz. Ihr Leben war ein Leben für die<br />
Schule und für die Heimat, vor allem ein<br />
Leben für Mölten.<br />
1974 erhielt Anna vom damaligen Landeshauptmann<br />
Silvius Magnago und Kulturassessor<br />
Anton Zelger die Ehrenurkunde<br />
„Dank der Heimat“ für ihre Tätigkeit als<br />
Katakombenlehrerin; 1990 wurde sie unter<br />
dem bereits verstorbenen Möltner Bürgermeister<br />
Franz Josef Karnutsch zur Ehrenbürgerin<br />
von Mölten ernannt und im Jahre<br />
1994 erhielt sie als Würdigung ihrer vielfältigen<br />
Verdienste in Innsbruck von den<br />
Landeshauptmännern Tirols und Südtirols<br />
die Verdienstmedaille des Landes Tirol.<br />
Als Anna merkte, dass ihre Kräfte nachließen<br />
und das Alter ihr zu schaffen machte,<br />
übergab sie der Gemeinde Mölten all ihre<br />
wertvollen Sammlungen über Geschichte,<br />
ihre Aufzeichnungen und Unterlagen über<br />
Dorf, Höfe, Schule und Leute, die sie in<br />
ihrem langen Leben zusammengetragen<br />
hatte. Dies macht deutlich, wie wichtig es<br />
ihr war, dass die Möltner unverfälscht ihre<br />
Bodenständigkeit bewahren und Mölten für<br />
die Nachwelt weiterhin lebenswert erhalten.<br />
Dafür gebührt ihr große Anerkennung<br />
und der Dank der ganzen Möltner Bevölkerung.<br />
Am Donnerstag, den 30. Juni <strong>2016</strong>,<br />
ging Anna Schwarz heim zu ihrem gütigen<br />
Schöpfer. Die Möltner tragen mit „der Wirtsnandl“<br />
nun ein Stück Möltner Geschichte<br />
zu Grabe. Sie werden Frau Anna Schwarz<br />
ein bleibendes Andenken bewahren.<br />
Marianne Perkmann Hofer, Chronistin<br />
Bettlrichterhaus; ursprünglich<br />
Gemeindehaus; schon 1288 wird „der<br />
scherge“ (Gemeindediener) erwähnt,<br />
1777 heißt es Gerichtsdienerhaus.<br />
Zuletzt wohnten dort der<br />
Gemeindediener oder Bettlrichter<br />
(Büttel) oder auch der Dorfmesner.<br />
(Chronik von Mölten, herausgegeben<br />
von der Dekanalpfarre Mölten ,1990)<br />
36<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Vorweg<br />
Chorwesen<br />
Im Dienste der singenden<br />
Menschen<br />
Geschäftsführer Josef Mair geht in den Ruhestand<br />
Der Südtiroler Chorverband und der<br />
Tiroler Sängerbund haben zum 6. Gesamttiroler<br />
Wertungssingen am 12./13.<br />
November <strong>2016</strong> nach Innsbruck eingeladen.<br />
Erfreulicherweise beteiligen sich 36<br />
Chorgemeinschaften mit über 1.200 Sängerinnen<br />
und Sängern an dieser kleinen<br />
Chorolympiade. Diese Veranstaltung ist<br />
mittlerweile eine Einrichtung geworden,<br />
die als fester Bestandteil in der Zusammenarbeit<br />
der beiden Chorverbände angesehen<br />
werden kann.<br />
Einer, der das enge und freundschaftliche<br />
Miteinander der beiden Verbände<br />
immer unterstützt und gefördert hat, der<br />
auch in der Vorbereitung dieses Wertungssingens<br />
sein ganzes Wissen eingebracht<br />
hat, wird sich Ende <strong>Oktober</strong> in<br />
den verdienten Ruhestand verabschieden:<br />
Josef Mair. Seit 27 Jahren ist er als<br />
Geschäftsführer Dreh- und Angelpunkt<br />
in der Geschäftsstelle des Südtiroler<br />
Chorverbandes. Immer freundlich und<br />
zuvorkommend, ausgestattet mit großer<br />
Fachkompetenz versieht er mit äußerster<br />
Professionalität, beispielhafter Zuverlässigkeit<br />
und großem persönlichen Einsatz<br />
zur vollsten Zufriedenheit aller die vielen<br />
Aufgaben. Mit großer Überzeugungskraft<br />
hat er all die Jahre im Dienste der singenden<br />
Menschen gewirkt. Für mich war<br />
er immer ein wertvoller Berater und hochgeschätzter<br />
Freund. In Dankbarkeit wünsche<br />
ich im Namen des Südtiroler Chorverbandes<br />
das Allerbeste für die Zukunft.<br />
Das Gesamttiroler Wertungssingen erlebt<br />
also heuer seine bereits sechste Auflage.<br />
Die vergangenen Ausgaben dieses<br />
Chorfestes, welches für Begegnung, Erfahrungsaustausch<br />
und Standortbestimmung<br />
steht, erwiesen sich immer als<br />
herausragendes Ereignis Gesamttiroler<br />
Chorkultur. Das Singen wird selbstverständlich<br />
im Mittelpunkt stehen, ebenso<br />
aber auch die Begegnung, genauso wie<br />
der Gedankenaustausch zwischen Gleichgesinnten.<br />
Das ist gewissermaßen die<br />
menschliche Dimension dieser Initiative.<br />
An beiden Tagen werden einander viele<br />
Hunderte Menschen begegnen. Ich sehe<br />
im Wertungssingen eine hervorragende<br />
Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, sich<br />
kennenzulernen, freundschaftliche Beziehungen<br />
zu festigen und zu vertiefen.<br />
Singen schafft Brücken und verbindet, ich<br />
bin überzeugt, in Innsbruck wird wiederum<br />
wertvolles Potential für eine gemeinsame<br />
Arbeit auch in Zukunft geschaffen.<br />
Ein wichtiger Aspekt ist die Standortbestimmung.<br />
Es geht nicht um Rangordnungen<br />
im sportlichen Sinne, sondern<br />
um Möglichkeiten des Vergleichs.<br />
Chöre brauchen Maßstäbe, an denen sie<br />
sich messen und orientieren können. Im<br />
Vergleich mit anderen Singgemeinschaften<br />
wird die eigene Position erspürt und<br />
wahrgenommen, die Chorleiterinnen und<br />
Chorleiter erhalten von international anerkannten<br />
Chorfachleuten Hinweise, wo<br />
sie sich auf ihrem Weg in der Chorlandschaft<br />
befinden. Die Bemerkungen der<br />
Jury sollen richtungsweisende Hilfestellungen<br />
für eine weiterführende Qualitätssteigerung<br />
sein, gewissermaßen ein<br />
Leitfaden, nachdem sie ihre zukünftige<br />
Arbeit ausrichten können. Und etwas<br />
möchte ich ganz fest unterstreichen,<br />
der Wert der Wettbewerbsleistung befindet<br />
sich jenseits der Bühne: in der Entwicklung<br />
von Musikalität, in der Verbesserung<br />
des Chorklangs, in der Stärkung<br />
des Selbstwertgefühls, in der Förderung<br />
des Teamgeistes.<br />
Möge das 6. Gesamttiroler Wertungssingen<br />
für alle Sängerinnen und Sänger,<br />
sowie für die interessierten Zuhörerinnen<br />
und Zuhörer zu einem nachhaltigen musikalischen<br />
Erlebnis werden. Ich wünsche<br />
der Veranstaltung einen harmonischen<br />
Verlauf und den mitwirkenden Chören<br />
noch eine erfolgreiche Vorbereitung und<br />
ein beherztes Auftreten in Innsbruck.<br />
Erich Deltedesco,<br />
Obmann des Südtiroler Chorverbandes<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 37
Das Thema<br />
Gemeinschafterlebnis und<br />
Leistungsvergleich<br />
6. Gesamttiroler Wertungssingen in Innsbruck am 12./13. November<br />
Bald ist es wieder soweit: Chöre aus Nord-,<br />
Ost- und Südtirol treffen sich am 12. und 13.<br />
November <strong>2016</strong> zu einem Leistungsvergleich<br />
und einer Standortbestimmung, wie es nun<br />
schon Tradition für die Chöre des Südtiroler<br />
Chorverbandes und des Tiroler Sängerbundes<br />
ist.<br />
Das erste Gesamttiroler Wertungssingen<br />
wurde 2001 in Sterzing ausgetragen und<br />
fand seither alle drei Jahre statt. Heuer treffen<br />
sich die Chöre in Innsbruck, um neue<br />
Impulse für das eigene Chorleben zu erfahren<br />
und sich mit der eigenen Leistung<br />
auseinanderzusetzen. „Das Wertungssingen<br />
ist eine wertvolle Gelegenheit, zu intensivem<br />
Proben motiviert zu werden, sich<br />
mit anderen Chören zu vergleichen, neue<br />
Literatur kennenzulernen und vom Urteil einer<br />
kompetenten Jury Anregungen mitzunehmen“,<br />
ist Verbandsobmann Erich Deltedesco<br />
überzeugt. In seiner Grundidee ist<br />
das Wertungssingen also nicht ein Wettstreit,<br />
sondern vielmehr ein Chorfest, bei<br />
dem Begegnung, Erfahrungsaustausch und<br />
Standortbestimmung im Vordergrund stehen.<br />
„Der Leistungsvergleich mit anderen<br />
Chören ist immer wieder spannend und hilft<br />
die eigenen Stärken und Schwächen besser<br />
kennenzulernen“, betont der Verbandsobmann.<br />
Nicht zuletzt sei auch das Gemeinschaftserlebnis,<br />
das den Chor bei solchen<br />
Veranstaltungen zusammenschweißt, etwas<br />
Einmaliges.<br />
Die Teilnehmer<br />
Aus Südtirol werden heuer vierzehn<br />
Chöre teilnehmen und sich den Herausforderungen<br />
des Auftritts vor einer Jury stellen:<br />
Der Cor di Jëuni Gherdëina unter der<br />
Leitung von Samuel Runggaldier, Brumm<br />
Net unter der Leitung von Klara Sattler, der<br />
Männerchor Schluderns unter der Leitung<br />
von Robert Ruepp, der Männerchor Mals<br />
unter der Leitung von Siegfried Flora, der<br />
Kirchenchor St. Johann/Völser Aicha unter<br />
der Leitung von Elisabeth Weinreich,<br />
Freude an intensiver Auseinandersetzung mit Chorliteratur und mit den eigenen<br />
Möglichkeiten – dafür steht das Wertungssingen.<br />
der Kirchenchor St. Jakob/Pfitsch unter der<br />
Leitung von Heinrich Pramsohler, die Singgemeinschaft<br />
Runggaditsch unter der Leitung<br />
von Friedemann Ploner, das Ensemble<br />
„vox jubilans“ unter der Leitung von Hans<br />
Schmidhammer, der Vinschger Chor unter<br />
der Leitung von Gernot Niederfriniger,<br />
der Kirchenchor „St. Wolfgang“ Radein unter<br />
der Leitung von Matthias Gurndin, der<br />
Cor Kérygma unter der Leitung von Agnes<br />
Irsara, der Freizeitchor Radein unter der<br />
Leitung von Günther Gurndin, der Kirchenchor<br />
Langtaufers unter der Leitung von Andreas<br />
Fliri und Gaudium unter der Leitung<br />
von Sebald Goller.<br />
Vielfältiges Liedprogramm<br />
Gottesdienst und Festakt<br />
Das Wertungssingen wird im Ursulinensaal<br />
der Musikschule Innsbruck (Innrain 5)<br />
durchgeführt, auch die Einsingräume befinden<br />
sich im Areal der Musikschule. Zum Vortrag<br />
kommen zumindest ein vorgegebenes<br />
Pflichtlied und Chorwerke nach eigener<br />
Wahl. Der gesamte Auftritt darf für die Chöre<br />
der Kategorien A und B – das heißt leichte<br />
und mittelschwere Literatur - 15 Minuten,<br />
für die Kategorie C - „anspruchsvolle Chorliteratur“<br />
- 20 Minuten nicht überschreiten.<br />
Die Chöre werden geistliche und weltliche<br />
Lieder aus allen Stilrichtungen und Epochen<br />
singen und von einer sechsköpfigen Experten-Jury<br />
unter dem Vorsitz von Prof. Johann<br />
van der Sandt bewertet. Dabei stehen vor<br />
allem Intonation, Rhythmus, Chorklang,<br />
Dynamik, Sprachbehandlung und Textverständlichkeit,<br />
musikalische Gestaltung sowie<br />
die Programmwahl im Verhältnis zu den<br />
Fähigkeiten des Chores und die Bühnenpräsenz<br />
im Mittelpunkt. Die Chöre der Kategorien<br />
B und C erhalten eine schriftliche<br />
Bewertung mit Prädikat und der Bekanntgabe<br />
der erzielten Punktezahl. Chöre der<br />
Kategorie A können sich entscheiden, ob<br />
sie auf die gleiche Weise bewertet werden<br />
wollen, oder ob sie ein persönliches Jurygespräch<br />
mit einem der Juroren unmittelbar<br />
nach dem Auftritt vorziehen. Alle Chöre erhalten<br />
einen schriftlichen Wertungsbericht<br />
der Jury, der erfahrungsgemäß ein wertvoller<br />
Impuls auch für die Zukunft ist. Wie<br />
die Vorbereitung an sich kann auch er beitragen<br />
zu einer längerfristigen Steigerung der<br />
Motivation und der musikalischen Qualität.<br />
Einige teilnehmende Chöre werden bei<br />
einer gemeinsam gestalteten Abendmesse<br />
am Samstag, 12. November, in der Jesuitenkirche<br />
mitwirken. Der Festakt mit der Überreichung<br />
der Urkunden findet am Sonntag,<br />
13.11., um 18 Uhr im Congress, Saal Innsbruck,<br />
statt.<br />
38<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Im Gedenken<br />
Chorwesen<br />
Pionier der Musikpädagogik<br />
Im Gedenken an Univ.-Prof. Josef Sulz<br />
Er prägte nicht nur die Musikpädagogik<br />
in Österreich mit, sondern auch jene<br />
in Südtirol. Er galt als Pionier der Musikerziehung<br />
in Tirol, Generationen von Musiklehrern<br />
wurden von ihm ausgebildet<br />
und er war der Initiator des Mozarteums<br />
in Innsbruck: Univ.-Prof. Josef Sulz ist am<br />
13. Juli gestorben.<br />
Auch in Südtirol hat er die Spuren seines<br />
reichen Wirkens hinterlassen: So gab<br />
er 1984 gemeinsam mit Johanna Blum,<br />
Gretl Brugger und Stefan Demetz „Kommt<br />
zum Singen. Liederbuch aus Südtirol“<br />
heraus und 1985 im Auftrag des Pädagogischen<br />
Instituts des Landes Südtirol<br />
den curricularen Lehrplan für das Fach<br />
Musikerziehung an der Mittelschule. Besonders<br />
am Herzen lag ihm die Volksmusik,<br />
die musikalische Früherziehung und<br />
die Musikpädagogik im Allgemeinen, wovon<br />
sein Wirken und auch viele wissenschaftliche<br />
Beiträge zeugen, etwa auch<br />
im „Schlern“, wo sich Prof. Sulz mit der<br />
Volksmusik in Südtirol auseinandersetzte.<br />
Mit der Gründung des „Instituts für Musikalische<br />
Volkskunde“ (heute „Fachbereich<br />
Musikalische Ethnologie“) am<br />
Mozarteum (1987) schuf Josef Sulz die<br />
einzige universitäre Forschungseinrichtung<br />
Westösterreichs für traditionelle<br />
Musik im Alpenraum. Er war auch der<br />
Gründer des „Alpenländischen Volksmusikwettbewerbes“<br />
(1974) in Innsbruck.<br />
Als Kirchenmusiker leitete er jahrzehntelang<br />
den Kirchenchor von Natters und<br />
es freute ihn besonders, dass seine<br />
sakralen Kompositionen große Anerkennung<br />
fanden.<br />
Josef Sulz wurde 1930 in Patzmannsdorf,<br />
Niederösterreich, in einer<br />
bäuerlichen Familie geboren.<br />
Nach der Matura studierte er Musikerziehung<br />
an der Musikakademie<br />
Wien und Geschichte an der Universität<br />
Wien sowie später Musikwissenschaft<br />
an der Universität Innsbruck.<br />
Ab 1956 wirkte er als Gymnasiallehrer<br />
in Feldkirch und von 1957–1971<br />
in Innsbruck. Von 1971–1980 war<br />
Josef Sulz Fachinspektor für Musikerziehung<br />
für die Bundesländer Salzburg,<br />
Tirol und Vorarlberg. Damals<br />
lebte er mit seiner Familie bereits in<br />
Natters bei Innsbruck. Er betrieb den<br />
Aufbau einer Abteilung für Schulmusik<br />
am Innsbrucker Konservatorium,<br />
die 1981 von der Salzburger Musikhochschule<br />
Mozarteum als dislozierte<br />
Abteilung übernommen wurde. Josef<br />
Sulz ist somit der Initiator des Mozarteums<br />
in Innsbruck.<br />
Im Jahr 1979 wurde er als Professor<br />
für Musikpädagogik an die Musikhochschule<br />
München berufen. Schon<br />
drei Jahre später, 1982, erfolgte seine<br />
Berufung als ordentlicher Professor an<br />
die Musikhochschule Mozarteum Salzburg,<br />
Abteilung für Musikerziehung<br />
in Innsbruck. Diese Abteilung baute<br />
er neu auf und leitete sie bis 1988.<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 39
Aus Verband und Bezirken<br />
„Gesang überwindet<br />
Grenzen!“<br />
Tag der Chöre der Euregio in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff<br />
Die Sänger und Sängerinnen des Jugendchors Prisma aus Meran sangen voll Begeisterung mit.<br />
Zum 13. Mal fand am Sonntag, den 4.<br />
September, in den Gärten von Schloss<br />
Trauttmansdorff der Tag der Chöre statt. Der<br />
Einladung des Südtiroler Chorverbands unter<br />
Obmann Erich Deltedesco folgten acht<br />
Chöre von vier Chorverbänden der Europaregion<br />
Tirol.<br />
So wurde den ganzen Tag lang an verschiedenen<br />
Stationen in drei Sprachen<br />
gesungen, in Deutsch, Italienisch und<br />
Ladinisch. Der Jugendchor Prisma aus<br />
Meran vertrat die Jugend und den Südtiroler<br />
Chorverband, zu dem auch der Kirchenchor<br />
Welschellen gehört, der ebenfalls<br />
mit dabei war. Vom Tiroler Sängerbund<br />
kamen der MGV Gurgl und die Sängerrunde<br />
Pettnau.<br />
Die Federazione Cori del Trentino war<br />
mit dem Coro Enrosadira aus Moena und<br />
der Coro di Camera Trentino aus Borgo<br />
Valsugana und die Federazione Cori<br />
dell´Alto Adige mit dem Coro Plose C.A.I.<br />
Der Kirchenchor Welschellen nahm auch am Tag der Chöre teil.<br />
aus Brixen und Tintinnabula aus Bozen.<br />
So erklangen Lieder wie „Mein kleiner<br />
grüner Kaktus“, „La Montanara“, „Kein<br />
40<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
Zum Schluss versammelten sich die Chöre am Seerosenteich, um gemeinsam zu singen.<br />
schöner Land“ oder „Le Dolomiti“. Gemeinsam<br />
beendeten die Chöre den Tag<br />
am Seerosenteich mit dem Kanon „Viva<br />
la Musica“.<br />
Gekrönt im wahrsten Sinne des Wortes<br />
wurde der Tag der Chöre mit dem Besuch<br />
von Miss Südtirol Nicole Uibo, die<br />
Landesrat Philipp Achammer begleitete.<br />
Dieser nannte in seinen Grußworten den<br />
Gesang eine „universale Sprache“ und<br />
dankte allen Sängern und Sängerinnen<br />
für ihren Einsatz: „Eure Begeisterung<br />
bringt uns sehr viel!“ Besonders betonte<br />
er, dass solche Momente gerade in der<br />
heutigen Zeit wichtig seien: „Wir brauchen<br />
Elemente, die uns verbinden. Zu viel<br />
haben wir in diesem Jahr über Grenzen<br />
auch in der Europaregion gesprochen. Ihr<br />
habt gezeigt, dass wir das Verbindende<br />
finden!“ Im Besonderen dankte der Landesrat<br />
dem Südtiroler Chorverband und<br />
Obmann Erich Deltedesco sowie den übrigen<br />
Chorverbänden für ihr Engagement.<br />
Obmann Erich Deltdesco dankte ebenfalls<br />
den Chören für ihre Teilnahme und<br />
den Gärten für ihre Gastfreundschaft. Der<br />
Direktor der Gärten von Schloss Trauttmansdorff,<br />
Günther Pertoll, versprach,<br />
die Tradition des Tages der Chöre weiterzuführen,<br />
sei er doch eine Gelegenheit,<br />
die Gärten noch stärker mit allen<br />
Sinnen zu erleben.<br />
Miss Südtirol Nicole Uibo und Landesrat Philipp Achammer lauschten konzentriert<br />
dem Gesang.<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 41
Aus Verband und Bezirken<br />
Ein Fest im Zeichen der Freude<br />
Bezirk Eisacktal-Wipptal: Chöre-Festival in Kloster Neustift<br />
„Freunde, die ihr seid gekommen, herzlich<br />
reichen wir die Hand!“ singt der Kirchenchor<br />
Elvas und bringt damit die Stimmung<br />
auf den Punkt, die beim Chörefestival<br />
des Bezirks Eisacktal-Wipptal am 25. September<br />
in den Innenhöfen und auf den Plätzen<br />
der Klosteranlage von Neustift herrscht.<br />
Wie die 25 anderen Chorgemeinschaften,<br />
die zu diesem Festival gekommen sind,<br />
zieht auch der Gesang des Kirchenchores<br />
Elvas ein großes Publikum in seinen Bann.<br />
Viele sind den ganzen Tag hindurch den<br />
Chören auf ihren Stationen gefolgt und so<br />
nach dem gemeinsam gestalteten Gottesdienst<br />
in der Stiftskirche ganz in die Welt<br />
des Chorgesangs eingetaucht. Nun geht<br />
es bereits dem Ende zu: Es ist Nachmittag<br />
und um 17 Uhr werden sich alle Chöre treffen<br />
und das gemeinsame Schlusslied singen.<br />
Vor dem Kirchenchor Elvas hat hier in<br />
diesem versteckten Hof hinter dem Kreuzgang<br />
der Kirchenchor Barbian gesungen.<br />
Wie schon den ganzen Tag hindurch singen<br />
auch diese Chöre 15 Minuten lang und<br />
bringen vier selbst gewählte Lieder zum Erklingen:<br />
„Lebe, liebe, lache, sag dem Glück<br />
guten Tag“ singen die Elvaser und im bekannten<br />
Lied „Wenn es Singen net war“<br />
hört man, dass das Singen dem Leben erst<br />
einen Sinn gibt. Auch dies ein passendes<br />
Motto für diesen Tag.<br />
Es war ein schöner Tag, voller Freude<br />
am Singen und an der Gemeinschaft und<br />
bestens organisiert. Der Bezirksobmann<br />
des Verbandes der Kirchenchöre Südtirols<br />
Wolfgang Girtler führte das Publikum von<br />
einem Standort zum nächsten und die Obleute<br />
oder Chorleiter stellten ihre Chöre kurz<br />
vor. So erfährt man etwa, dass der Kirchenchor<br />
Elvas seit 34 Jahren besteht und das<br />
Durchschnittsalter der Sänger und Sängerinnen<br />
ebenfalls 34 Jahre beträgt. Nach diesem<br />
„jungen Chor“ singt der Kirchenchor<br />
Vahrn, bevor Girtler das Publikum in den<br />
großen Innenhof geleitet, wo es der Kirchenchor<br />
Rodeneck unter anderem mit dem Lied<br />
„O sole mio“ und Liedern von Lorenz Maierhofer<br />
erwartet, dessen Lieder neben vielen<br />
Volksliedern hier öfters erklingen. Zum<br />
Schluss singt der Kirchenchor von Obervintl<br />
Beim Chörefestival dabei war auch der Kirchenchor Obervintl.<br />
Freude war das Motto des Kirchenchors Elvas.<br />
Der Kirchenchor Vahrn<br />
vor der schönen Kulisse des Innenhofes des<br />
Stifts „Heast es net“ von Hubert von Goisern<br />
und andere melancholische Lieder -<br />
passend zu der frühherbstlichen Stimmung.<br />
Dann wandern Sängerschar und Publikum<br />
auf den Platz hinaus, wo man sich zum gemeinsamen<br />
Abschlusslied versammelt. Der<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco und der<br />
Vorsitzende des Verbandes der Kirchenchöre<br />
Theodor Rifesser danken ihren Bezirksausschüssen<br />
für die gute Zusammenarbeit, vor<br />
allem aber den vielen Sängern und Sängerinnen<br />
für die Teilnahme. Rifesser betont,<br />
dass „der geschichtsträchtige Ort“ das Sängertreffen<br />
aufgewertet habe und gibt seiner<br />
Freude „über die gesangliche Verlebendigung<br />
der Plätze“ Ausdruck. Verbandsobmann<br />
Erich Deltedesco dankt ebenfalls den<br />
Chören: „Ihr habt mit eurem Gesang diesen<br />
Tag zu einem Klang- und Kulturerlebnis<br />
werden lassen!“ Singen schaffe Begegnung<br />
und ein Gemeinschaftserlebnis, das<br />
Freude macht. Der Dank der Obleute und<br />
auch des Bezirksobmanns Gottfried Gläserer<br />
gilt vor allem auch dem Stiftschor und<br />
dem Männerchor Neustift, die das Fest vorbildhaft<br />
organisiert und für Speis und Trank<br />
gesorgt haben, aber auch den vielen Sponsoren<br />
und dem Kloster und dem Pfarrer<br />
von Neustift Karl Blasbichler CR. Zum Abschluss<br />
dirigiert Bezirkschorleiter Armin Mitterer<br />
das gemeinsame Schlusslied „I sing<br />
mei Liadl“, bevor die Sänger und Sängerinnen<br />
noch das gemütliche Beisammensein<br />
genießen, das ja auch ein Ziel dieses<br />
gelungenen Chörefestivals ist.<br />
42<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
„Freue mich auf neue Aufgabe!“<br />
Der Südtiroler Chorverband hat einen neuen Geschäftsführer<br />
Arnold Keim (27) hat mit 1. <strong>Oktober</strong> die<br />
Geschäftsführung des Südtiroler Chorverbandes<br />
übernommen und löst damit den<br />
langjährigen Geschäftsführer Josef Mair ab,<br />
der in den wohlverdienten Ruhestand tritt.<br />
Arnold Keim, Jahrgang 1989 mit Wohnsitz<br />
in Brixen, besuchte in Bozen die Oberschule<br />
für Geometer Peter Anich und ist<br />
Absolvent des Bachelorstudiums der Wirtschaftswissenschaften<br />
– Management and<br />
Economics – an der Universität Innsbruck<br />
mit Schwerpunkt Unternehmensführung,<br />
und des postgradualen Lehrganges „General<br />
Management“ an der Universität<br />
Salzburg. Arbeitserfahrungen sammelte<br />
Arnold Keim bei zahlreichen Praktika<br />
in Südtiroler Betrieben, im Ausland bei<br />
der Tiroler Flughafenbetriebsgesellschaft<br />
m.b.H. und der Hofer KG.<br />
Die Leidenschaft zur Musik wurde im<br />
frühen Lebensalter geweckt und in der<br />
Familie gepflegt. So besuchte er bereits<br />
mit vier Jahren an der Musikschule in<br />
Brixen den Singunterricht und entschied<br />
sich dann für die Posaune. Das Singen<br />
blieb allerdings immer seine große Leidenschaft.<br />
Derzeit ist er aktives Mitglied des<br />
Kirchenchores Pfeffersberg und der Musikkapelle<br />
Peter Mayr Pfeffersberg, wo er<br />
auch im Vorstand ehrenamtlich tätig ist.<br />
Über seine neue Aufgabe sagt der gebürtige<br />
Brixner: „Es erfüllt mich mit Stolz,<br />
so eine ehrenvolle Aufgabe ausüben zu<br />
dürfen und so durch die Tätigkeiten im<br />
Namen des Südtiroler Chorverbandes einen<br />
wesentlichen Beitrag zur Förderung<br />
und zur Lebendighaltung des Kulturgutes<br />
Singen leisten zu dürfen. Ziele für<br />
die Zukunft sind zum einen der Ausbau<br />
an angebotenen Dienstleistungen durch<br />
den Südtiroler Chorverband an seinen<br />
Mitgliedschören, zum anderen die jüngere<br />
Generation für das Singen zu begeistern,<br />
was sicherlich die größte Herausforderung<br />
sein wird. Besonders freue<br />
ich mich aber, gemeinsam mit dem bewährten<br />
Team des Verbandsvorstandes<br />
viele musikalische Höhepunkte zu inszenieren<br />
und dadurch einen wertvollen kulturellen<br />
Beitrag zu leisten“.<br />
AGACH-<br />
Chorweihnacht <strong>2016</strong><br />
Die traditionelle Chorweihnacht der AGACH mit Chören aus dem ganzen<br />
Alpenraum findet heuer am Samstag, dem 3. Dezember <strong>2016</strong>, in der<br />
St.-Rupert-Kirche in Bischofshofen, Salzburg, statt.<br />
Die Chorweihnacht organisiert heuer der Chorverband Salzburg.<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 43
Aus Verband und Bezirken<br />
Kulturfahrt nach Verona<br />
Bezirk Burggrafenamt/Vinschgau<br />
Nach einer anstrengenden Chorsaison mit<br />
vielen Proben und Konzerten lud der Bezirk<br />
Burggrafenamt/Vinschgau im Chorverband<br />
die Obleute und Chorleiter/innen zu einer<br />
Kulturfahrt nach Verona.<br />
30 Sängerinnen und Sänger aus dem<br />
ganzen Bezirk freuten sich auf die Aufführung<br />
der Oper „Carmen“ von Georges<br />
Bizet. Nach einer staubedingten längeren<br />
Fahrt, welche Julia Perkmann mit ihrer Einführung<br />
in die Oper um einiges verkürzte,<br />
erreichte die Gruppe gegen Abend Verona.<br />
Nach einem kurzen Stadtbummel und einer<br />
schmackhaften Pizza ging es zur Arena, wo<br />
man die beeindruckende Kulisse aber nur<br />
kurz genießen konnte, weil eine Regenfront<br />
über Verona durchzog. Die hunderten Besucher<br />
hielten im Regen standhaft aus, bis<br />
endlich mit einiger Verspätung die Oper mit<br />
ihren bekannten Melodien und Gesängen<br />
begann. Doch schon mit dem letzten Takt<br />
des ersten Aktes begann es wieder stark zu<br />
regnen und die Aufführung musste abgebrochen<br />
werden. Trotzdem waren die Sän-<br />
ger und Sängerinnen froh, zumindest den<br />
ersten Akt gesehen zu haben und nahmen<br />
es mit Humor, dass sie wieder nachhause<br />
aufbrechen mussten.<br />
Sie ließen sich die gute Laune vom schlechten Wetter nicht verderben:(von rechts)<br />
Julia Perkmann, Heidi Warger, Gerlinde Warger, Erich Fuchsberger und Karl Werner.<br />
Sängerwanderung<br />
Bezirk Burggrafenamt/Vinschgau<br />
Schon zum 33. Mal veranstaltete der Chorverband<br />
gemeinsam mit dem Verband der<br />
Kirchenchöre am Sonntag, 18. September,<br />
die jährliche Sängerwanderung. 120 Sängerinnen<br />
und Sänger trafen sich in Schlanders,<br />
um nach einer kurzen Probe unter der<br />
Leitung des Bezirkschorleiters Josef Sagmeister<br />
eine gemeinsame Messe zu gestalten.<br />
An der Orgel begleitet wurden sie dabei<br />
vom Schlanderser Kirchenmusiker Karl<br />
Heinz Vater. „Der Gottesdienst, den Kooperator<br />
Sebastian Egger zelebrierte, bot ein<br />
buntes Bild und einen beeindruckenden<br />
Klang“, freut sich Bezirksobmann Karl<br />
Werner über das schöne Gemeinschaftserlebnis<br />
und die gelungene Sängerwanderung,<br />
die auch nächstes Jahr wieder<br />
stattfinden wird, wie er betont. Nach dem<br />
Gottesdienst hießen er und der Obmann<br />
des Kirchenchores Schlanders Dieter Pinggera,<br />
der auch Bürgermeister von Schlanders<br />
ist, alle Sänger und Sängerinnen sowie<br />
ihre Familienmitglieder willkommen.<br />
Nach Umtrunk und Mittagessen erfuhren<br />
die Sänger im Göflaner Marmorbruch vom<br />
Betreiber Burkhart Pohl allerhand Wissenswertes<br />
über die faszinierende Arbeit und<br />
probierten auch die gute Akustik aus, indem<br />
sie ein paar Volkslieder sangen. „Ich<br />
wusste, dass in dieser feuchten Bergwerksumgebung<br />
alles voller Marmorschlamm<br />
und Pfützen ist. Deshalb habe ich für alle<br />
blaue „Chirurgenpatschlen“ als Schuhschoner<br />
besorgt“, erzählt Bezirksobmann<br />
Karl Werner: „So kamen alle Sängerinnen<br />
und Sänger, obwohl aus allen Teilen des<br />
Bezirkes zusammengewürfelt - aus Ulten,<br />
Passeier , Nonsberg, dem Burggrafenamt,<br />
dem Vinschgau und auch aus Landeck -<br />
doch noch zu einer einheitlichen gemeinsamen<br />
Chorkleidung!“ Als Alternative zum<br />
Besuch des Marmorbruchs konnte man<br />
auch unter Anleitung eines erfahrenen<br />
Wanderführers Elmar Dietl zum Göflaner<br />
Fischerteich wandern. Zum Abschluss trafen<br />
sich alle wieder vor dem Kulturhaus in<br />
Schlanders, wo bei einem kurzen Umtrunk<br />
und einigen Liedern Abschied genommen<br />
wurde, mit dem Wunsch sich bald wieder<br />
zu treffen. „Ganz herzlich bedanken wir<br />
uns beim Kirchenchor Schlanders, dem<br />
Kirchenchor Göflan und beim Männerchor<br />
Schlanders für die Mitarbeit und die Organisation“,<br />
betont der Obmann. Ein besonderer<br />
Dank gelte der Gemeinde Schlanders<br />
und Bürgermeister Dieter Pinggera sowie<br />
der Fraktion Göflan mit Fraktionsvorsteher<br />
Erhard Alber sowie Burkhard Pohl für die<br />
Führung im Marmorbruch.<br />
44<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
"Zwei wundervolle Tage“<br />
Bezirk Pustertal – Kulturfahrt zu "La Traviata"<br />
Gruppenbild mit den „Pusterern“ auf der Fahrt nach Verona<br />
Der Bezirksausschuss Pustertal des Südtiroler<br />
Chorverbandes unter Obmann Rudi<br />
Duregger hat auch heuer wieder zu einer<br />
Chorreise in die Arena von Verona zur Oper<br />
„La Traviata“ von Giuseppe Verdi geladen.<br />
Am Samstag, 30. Juli, startete die aus<br />
allen Mitgliedschören des Bezirkes bunt<br />
zusammengewürfelte Reisegruppe nach<br />
Verona und machte in Sirmione am Gardasee<br />
Halt, wo einige eine unterhaltsame<br />
Bootsfahrt unternahmen und den angebotenen<br />
Prosecco genossen. Zum Mittagessen<br />
verteilten sich die verschiedenen<br />
kleinen Gruppen in den einzelnen Restaurants<br />
vor Ort, wo man sich die einheimischen<br />
Spezialitäten schmecken ließ. Nach<br />
einem Spaziergang und Einkaufsbummel<br />
in der Altstadt, welche geprägt ist durch<br />
enge Gassen, Boutiquen, Antiquitätenläden,<br />
Hotels, Cafès und Eisdielen, fuhr die<br />
Sängerschar weiter. Um 17 Uhr erreichte<br />
sie das neu errichtete DB Hotel Verona<br />
in der Nähe des Flughafens und war begeistert<br />
von der noblen Unterkunft. Nach<br />
dem Abendessen ging es zur heuer letzten<br />
Aufführung von „La Traviata“ in der<br />
Arena, wo alle eine gute Sicht auf die<br />
Bühne und den Orchestergraben hatten.<br />
Es war ein sehr milder Abend und alle genossen<br />
die dreistündige Aufführung. Verdis<br />
„La Traviata" wurde am 6. März 1853<br />
im Teatro „La Fenice" in Venedig uraufgeführt.<br />
Für die damalige Zeit war es eine gewagte<br />
Aufführung, stellte doch Verdi eine<br />
von der Gesellschaft geächtete Person ins<br />
Zentrum des Geschehens, eine Edelprostituierte,<br />
die dazu noch an Tuberkulose<br />
erkrankte und starb.<br />
Am nächsten Tag stand ein Besuch von<br />
Peschiera und der prächtigen Wallfahrtskirche<br />
„Madonna del Frassino" auf dem Programm,<br />
welche südlich von Peschiera liegt.<br />
Sie wurde 1514 als Dank an die Muttergottes<br />
errichtet, die hier einem Gläubigen erschienen<br />
sein soll. Im Gotteshaus wurden<br />
gar einige Kirchenlieder angestimmt und<br />
der anwesende Franziskanerpater war voll<br />
des Lobes über den schönen Gesang. Neben<br />
der Wallfahrtskirche gab es noch ein<br />
Franziskanerkloster und zwei große Kreuzgänge<br />
zu besichtigen.<br />
Am späten Nachmittag erfolgte dann<br />
die Rückfahrt. Der Dank der Teilnehmer<br />
galt dem Hauptorganisator Rudi Duregger,<br />
dem Bezirksschriftführer Dietmar Bacher,<br />
aber auch dem Chauffeur und allen Teilnehmern<br />
für diese zwei wundervollen Tage.<br />
Paul Neunhäuserer<br />
Bezirks-Adventssingen<br />
Bezirk Pustertal<br />
Der Bezirk Pustertal im Südtiroler Choverband veranstaltet am 1. Adventsonntag, dem 27. November <strong>2016</strong>, um 17 Uhr in der<br />
Pfarrkirche in Niederdorf ein Adventssingen mit Chören aus dem Bezirk.<br />
Jeder interessierte Chor sollte für dieses Bezirks-Adventsingen drei Adventslieder vorbereiten. Um bei diesem Adventssingen<br />
auch der gesanglichen Vielfalt im Bezirk Rechnung zu tragen, wird der Bezirksausschuss aus den Anmeldungen eine<br />
Auswahl der Chöre treffen, um ein möglichst abwechslungsreiches und interessantes Programm zusammenzustellen. Es<br />
werden maximal sechs Chöre teilnehmen. Anmelden kann man sich bis 16. <strong>Oktober</strong> bei Bezirksobmann Rudi Duregger.<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 45
Aus Verband und Bezirken<br />
Auch Buben singen gerne!<br />
Bubensingtage im Vinzentinum<br />
Johann van der Sandt und die Buben hatten sichtlich Spaß am Singen.<br />
„Durch das Singen erleben wir Freundschaft<br />
und Harmonie und wir bauen Aggressionen<br />
ab. Ich freue mich, dass ich hier so<br />
viele glückliche Buben sehe!“ Mit diesen<br />
Worten begrüßte Margareth Greif, die Obmannstellvertreterin<br />
des Südtiroler Chorverbandes,<br />
das Publikum beim Abschlusskonzert<br />
der Bubensingtage am 2. August im<br />
Vinzentinum Brixen.<br />
43 Buben im Alter von acht bis 13 Jahren<br />
hatten vier Tage lang unter der Leitung<br />
von Johann van der Sandt, einem der renommiertesten<br />
Knabenchorleiter der Welt,<br />
ihre Singkraft entdeckt, Tipps zu Stimmbildung,<br />
Atemtechnik und Haltung bekommen<br />
und Lieder aus den verschiedensten<br />
Kulturen kennen gelernt. Unterstützt wurde<br />
Johann van der Sandt, der an der Universität<br />
von Bozen lehrt, von den Referenten<br />
Bea de Wit, Clara Sattler und Andrea<br />
Tasser. Dass die Buben viel gelernt<br />
hatten, zeigte das gelungene Konzert, in<br />
dem geistliche und weltliche Lieder vorgetragen<br />
wurden, vom Rocklied über amerikanische<br />
Gospel bis hin zum Volkslied.<br />
Aber auch Lieder aus Japan und Ghana<br />
waren dabei, und die Buben zeigten mit<br />
ihrem kraftvollen Gesang und ihren rhythmischen<br />
Bewegungen, dass sie Spaß am<br />
Singen hatten. Freude und Spaß standen<br />
auch in der Freizeit auf dem Programm:<br />
Die Betreuer Lukas Gatterer und Maximilian<br />
Oberhollenzer organisierten unter<br />
anderem ein Fußballturnier, eine Wasserschlacht<br />
und eine Talenteshow und beim<br />
Konzert gab es für jeden Teilnehmer einen<br />
Preis, mit dem seine besonderen Fähigkeiten<br />
gewürdigt wurden. Diese per-<br />
sönliche Betreuung lobte dann auch der<br />
Direktor des Vinzentinums Christoph Stragenegg,<br />
der sich erfreut zeigte, dass „die<br />
Tage viele Fähigkeiten zur Entfaltung gebracht<br />
haben“ und dass die Zusammenarbeit<br />
mit dem Chorverband so gut geklappt<br />
habe: „ Ich hoffe, dass wir auch in<br />
Zukunft solche Chorprojekte organisieren<br />
können!“ Verbandsobmannstellvertreterin<br />
Margareth Greif wünschte den Buben<br />
auch in Zukunft viel Freude am Singen:<br />
„Hoffen wir, dass ihr unseren Chören erhalten<br />
bleibt!“ Sie dankte auch den Eltern,<br />
dass sie ihre Kinder fördern, aber auch der<br />
Landesregierung und der Stiftung Südtiroler<br />
Sparkasse für die finanzielle Unterstützung<br />
der Schulungstätigkeit des Chorverbandes,<br />
dem die Förderung der Kinder und<br />
Jugendlichen besonders am Herzen liegt.<br />
46<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Aus Verband und Bezirken<br />
Chorwesen<br />
„Dirigent muss wie ein guter<br />
Lehrer sein“<br />
Abschlusskonzert des Chorleiter/-innenseminar in Dietenheim<br />
Schulungsleiter Jan Scheerer und der Chor mit den Teilnehmern des Chorleiter/-innenseminars beim Abschlusskonzert<br />
„Der Chorleiter ist das wichtigste Element<br />
für eine gediegene Chorlandschaft,<br />
deshalb investieren wir bewusst in die Ausund<br />
Weiterbildung von Chorleitern!“ Mit<br />
diesen Worten betonte Theodor Rifesser,<br />
Vorsitzender des Verbandes der Kirchenchöre<br />
Südtirols, die Bedeutung des Chorleiterseminars,<br />
das der Südtiroler Chorverband<br />
und der Verband der Kirchenchöre<br />
Südtirols jedes Jahr organisieren.<br />
Gemeinsam mit dem Obmann des<br />
Südtiroler Chorverbandes Erich Deltedesco<br />
war er am 6. August zum Abschlusskonzert<br />
des Seminars in der Fachschule<br />
für Landwirtschaft in Dietenheim<br />
gekommen und begeistert von der hohen<br />
Qualität des Chorgesangs und der<br />
Dirigierkunst der Chorleiter. Denn viele<br />
Teilnehmer hatten nun Gelegenheit vor<br />
einem Publikum zu zeigen, was sie in einer<br />
Woche an Dirigiertechnik unter der<br />
Leitung der Referenten Jan Scheerer,<br />
Tor Morten Halvorsen, Ole Faurschou<br />
und Anne Kruwinnus gelernt hatten. Da<br />
es für einen Chorleiter auch wichtig ist,<br />
sich in den Sänger hineinzuversetzen, war<br />
auch die Stimmbildung ein Schwerpunkt<br />
der Fortbildung. Diese betreuten Gunter<br />
Hartmann und Silke Marchfeld. Die erfahrenen<br />
Referenten aus Dänemark bzw.<br />
Deutschland motivierten die 44 Teilnehmer<br />
zu Höchstleistungen, wie das Konzert<br />
bewies, in dem romantische Lieder einen<br />
Schwerpunkt bildeten. „Die Romantik ist<br />
sehr gut geeignet, um das Dirigieren zu<br />
erlernen“, begründete Schulungsleiter<br />
Jan Scheerer, Dozent am Königlich Dänischen<br />
Musikkonservatorium in Dänemark,<br />
die Auswahl. Dass sich die Chorleiter<br />
und Chorleiterinnen die Stücke beim<br />
Dirigieren zum Teil „teilten“, sei zwar musikalisch<br />
fragwürdig, aber so kämen möglichst<br />
viele Teilnehmer zum Zug, sagte<br />
Scheerer. „Für den angehenden Chorlei-<br />
ter ist die Probe mit einem Chor besonders<br />
wichtig, denn er hat ja kein Instrument,<br />
auf dem er zuhause allein üben<br />
könnte!“ Deshalb dankte er auch den<br />
vierzehn Gastsängern, die den Chor unterstützten.<br />
Der Chor sang unter anderem<br />
Lieder von Mendelssohn Bartholdy,<br />
Schumann, Brahms, Duruflé, Grieg, aber<br />
auch Distler und Reger. Wie Rifesser betonte,<br />
muss ein Chorleiter wie ein Lehrer<br />
sehr viele Qualitäten haben: Er muss<br />
gut vorbereitet sein, aber auch psychologisch-pädagogische<br />
Fähigkeiten haben<br />
und eine Beziehung zu den Sängern aufbauen.<br />
Untersuchungen hätten gezeigt,<br />
dass Qualität und Erfolg des Unterrichts<br />
in erster Linie vom Lehrer abhängen.<br />
So sei es auch beim Chorleiter, betonte<br />
Rifesser. Sein Dank galt den angehenden<br />
und bereits erfahrenen Dirigenten, dass<br />
sie sich weiterbilden, aber auch den Referenten<br />
und der Hausleitung.<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 47
Aus Verband und Bezirken<br />
Damit die Seele nicht<br />
austrocknet<br />
Südtiroler Chorverband: Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis<br />
Schulungsleiter Jan Schumacher dirigiert den Chor der Chor- und Stimmbildungswoche des Südtiroler Chorverbandes.<br />
„Im Singen findet unsere Seele einen unverstellten<br />
Ausdruck, ohne Gesang trocknet<br />
unsere Seele aus!“ Mit diesen Worten<br />
wies der Obmann des Südtiroler Chorverbandes<br />
Erich Deltedesco beim Abschlusskonzert<br />
d er Chor- und Stimmbildungswoche<br />
in Burgeis auf die Bedeutung des<br />
Chorgesangs hin.<br />
50 Sänger und Sängerinnen aus dem<br />
ganzen Land standen am 30. Juli auf der<br />
Bühne des Kulturhauses von Burgeis, wohin<br />
sie ihr Konzert aufgrund des Gewitters<br />
verlagern mussten. Neue Werke gelernt,<br />
Stimmbildung erhalten, aber auch<br />
Freundschaften geschlossen hatten sie<br />
eine Woche lang in der Fürstenburg gleich<br />
daneben. Auch wenn der Rahmen nicht<br />
so romantisch wie im Innenhof der Burg<br />
war, „so sangen sich die Teilnehmer doch<br />
in die Herzen der Zuhörer“, wie sich der<br />
Obmann freute. Wie jedes Jahr beeindruckte<br />
der Chor auch heuer wieder mit<br />
einem abwechslungsreichen Programm.<br />
„Die Vielseitigkeit unseres Chores beweisen<br />
wir, indem wir burgenländisch, tirolerisch,<br />
kärtnerisch und kolumbianisch singen“,<br />
meinte scherzhaft der künstlerische<br />
Assistent der beliebten Schulung, Bernhard<br />
Wolfsgruber, der abwechselnd mit<br />
Kursleiter Jan Schumacher den Chor dirigierte.<br />
Doch nicht nur Volkslieder konnte<br />
das Publikum genießen, unter dem auch<br />
der Abt von Marienberg Markus Spanier<br />
und Landtagsabgeordneter Josef Noggler<br />
waren, sondern auch Lieder von Johann<br />
Michael Bach, Franz Schubert, Orlando di<br />
Lasso, Phil Collins, Udo Jürgens und vielen<br />
weiteren Komponisten der neueren<br />
Zeit. Besonders beeindruckend war der<br />
Abschluss des Konzertes mit dem „Dona<br />
nobis pacem“ von Frode Fjellheim, das<br />
Obmann Deltedesco so kommentierte:<br />
„Wir alle sehnen uns gerade in dieser Zeit<br />
nach Frieden. Musik baut Brücken über<br />
alle ideologischen Grenzen hinweg!“ Deltedescos<br />
Dank galt den beiden Chorleitern<br />
und den sechs Stimmbildnern, die für die<br />
hohe Qualität dieser Schulung verantwortlich<br />
waren. Am Sonntag gestalteten die Teilnehmer<br />
den Gottesdienst im Kloster Marienberg<br />
musikalisch mit.<br />
48<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
Im Klang von Natur und Stimme<br />
Kindersingtage in Kloster Neustift<br />
Die jungen Teilnehmer der Kindersingtage sangen begeistert mit.<br />
„Die Kindersingwochen sind ein besonderer<br />
Glitzerstein in der Kette der Veranstaltungen<br />
des Südtiroler Chorverbandes“,<br />
sagte Irene Vieider als Vertreterin des Südtiroler<br />
Chorverbandes bei ihrer Begrüßung.<br />
Gemeinsam mit Verbandsobmann Erich<br />
Deltedesco und zahlreichen Familienangehörigen<br />
und Freunden der 28 Teilnehmer<br />
der Kindersingtage war sie zum Abschlusskonzert<br />
am Freitag, 22. Juli, nach<br />
Neustift gekommen. Die Kinder, alle im Alter<br />
zwischen acht und zwölf, „hatten viel<br />
musiziert, gebastelt und waren viel in der<br />
Natur“, wie eine junge Teilnehmerin erzählte.<br />
Im Mittelpunkt stand nämlich ein<br />
ganzheitlicher Zugang zu Natur und Musik,<br />
vor allem zur eigenen Stimme, dem<br />
„natürlichsten Instrument“, wie Vieider<br />
betonte. Die Kinder führten Kanons und<br />
Lieder auf und spielten auf ihren selbst<br />
gebastelten Flöten und Trommeln. Der<br />
Dank des Chorverbandes galt den Kin-<br />
dern für ihren Einsatz und das schöne<br />
Konzert sowie der Kursleiterin Renate Unterthiner.<br />
Unterstützt wurden die Kinder<br />
auch von einer Naturpädagogin des Bildungshauses<br />
Kloster Neustift sowie zwei<br />
Betreuerinnen und einem Betreuer. „Genießt<br />
die Klänge der Natur, öffnet Augen,<br />
Mund und Ohren“, sangen die Kinder<br />
zum Abschluss des Konzerts und wiesen<br />
so nochmals auf das Motto der Kindersingwoche<br />
hin.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />
Ihre Beiträge für das Chowesen senden Sie bitte an: bertagnolli.paul@rolmail.net (Paul Bertagnolli)<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 49
Aus Verband und Bezirken<br />
Überzeugende solistische<br />
Auftritte<br />
Musical Fever Plus – Abschlusskonzert<br />
Die jungen Sängerinnen und Sänger hatten tolle Choreographien einstudiert.<br />
Mit einem Konzert endete am 27. August<br />
die Musical-Schulung Musical Fever Plus<br />
des Südtiroler Chorverbandes. 30 Jugendliche<br />
im Alter zwischen 15 und 25 hatten<br />
eine Woche lang an ihrer Stimme und ihrem<br />
Gesang gearbeitet, Musical-Songs eingelernt<br />
und Choreographien einstudiert.<br />
Erstmals war heuer auch eine zweitägige<br />
Einführung in die Charakterdarstellung<br />
auf der Bühne vorgesehen, wie Stephen<br />
Lloyd, der Gesamtleiter des Kurses,<br />
erzählte. Lloyd wurde von den Gesangslehrern<br />
Jack Poppell, Dozent an der Folk-<br />
wang Universität der Künste in Essen,<br />
und Doris Warasin von der MurX Academy<br />
in Eppan unterstützt. Für die Choreographie<br />
war Karin Mairhofer zuständig,<br />
am Klavier wurden die Sänger und Sängerinnen<br />
von Andreas Partilla aus München<br />
begleitet, am Schlagzeug von Mario<br />
Punzi. Ihnen allen sowie der Betreuerin<br />
Lisa Hintner, dem Priesterseminar und<br />
dem Vinzentinum für die Gastfreundschaft,<br />
aber auch dem Kulturamt der Südtiroler<br />
Landesregierung und der Stiftung Sparkasse<br />
dankte der Obmann des Südtiroler<br />
Chorverbandes Erich Deltedesco, der<br />
zum Konzert ins Vinzentinum gekommen<br />
war. „Es war sicher ein hartes Stück Arbeit,<br />
aber in euren Gesichtern lese ich<br />
Freude. Tragt die Freude am Singen weiter!“,<br />
sagte Deltedesco. Das Konzert war<br />
ein bunter Streifzug durch verschiedene<br />
Musicals, darunter so bekannte wie Lion<br />
King oder Mamma mia. Überzeugende<br />
solistische Auftritte und Beiträge des Ensembles<br />
wechselten sich ab, zwei Chorstücke<br />
wurden durch beeindruckende<br />
Choreographien aufgeführt.<br />
50<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
Die Silvester Sisters in ihrer Rolle<br />
als Flugbegleiterinnen beim Musical<br />
„Come Fly With Me“ (v. l.: Petra Oss<br />
Emer, Barbara Oss Emer, Sandra Auer)<br />
Come Fly With Me<br />
•Stimmgabel<br />
Erste Konzertreihe der Silvester Sisters<br />
„Anschnallen bitte!“ hieß es im August in<br />
Kaltern und in Lengmoos. Denn die Silvesters<br />
Sisters luden zu einer musikalischen<br />
Flugreise ein. Genau vor zehn Jahren gründeten<br />
Sandra Auer, Barbara Oss Emer,<br />
Petra Oss Emer und Dietmar Oberrauch<br />
das Ensemble „Silvester Sisters“. Anlass<br />
genug für eine besondere Konzertreihe,<br />
mehr noch: für ein Musical! Unterstützt<br />
vom Piloten Dietmar „Diddi“ Oberrauch<br />
an Piano und Stimme sowie dem Co-Piloten<br />
am Bass Uli Seppi führten die drei<br />
Sängerinnen als Flugbegleiterinnen das<br />
Publikum – oder besser die Passagiere –<br />
durch einen beschwingten und zeitweise<br />
auch turbulenten Linienflug, der gekonnt<br />
von Jutta Wieser regiemäßig und choreografisch<br />
in Szene gesetzt wurde. Text und<br />
Idee stammen auch von ihr, und sie wirkte<br />
auch gesanglich und schauspielerisch beim<br />
Flug mit. Das musikalische Programm war<br />
breitgefächert und beinhaltete Songs wie<br />
„Ich will keine Schokolade“, „Chain of<br />
fools“, „Bridge over troubled water“, „Che<br />
sarà“, „Bei mir bist du schön“, „I will survive“,<br />
„Summertime“, „Für mich soll’s<br />
rote Rosen regnen“ und viele mehr. Das<br />
kleine Team überzeugte gesanglich, musikalisch<br />
und schauspielerisch. Vielleicht<br />
entschließen sich die vier gemeinsam mit<br />
ihrer Crew nochmals in die Lüfte zu steigen<br />
und ihr Musical zu wiederholen. Weitere<br />
Infos über die Silvester Sisters unter<br />
www.silvester-sisters.it<br />
Die „Piloten“ Diddi Oberauch und Uli<br />
Seppi (v. r.)<br />
<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 51
Impressum<br />
Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes<br />
und des Heimapflegeverbandes Südtirol<br />
Eigentümer und Herausgeber:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen<br />
Ermächtigung Landesgericht Bozen<br />
<strong>Nr</strong>. 27/1948<br />
Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes<br />
verantwortlich:<br />
Dr. Alfons Gruber<br />
Als Pressereferenten für die Darstellung der<br />
entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:<br />
VSM: Stephan Niederegger,<br />
E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
SCV: Paul Bertagnolli,<br />
E-Mail: bertagnolli.paul@rolmail.net<br />
HPV: Sylvia Rottensteiner,<br />
E-Mail: rottensteiner.sylvia@gmail.com<br />
Unverlangt eingesandte Bilder und Texte<br />
werden nicht zurückerstattet.<br />
Redaktion und Verwaltung:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen,<br />
I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus<br />
Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347<br />
E-Mail: info@vsm.bz.it<br />
Einzahlungen sind zu richten an:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,<br />
Waltherhaus<br />
Raiffeisen-Landesbank, BZ<br />
IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771<br />
SWIFT-BIC: RZSBIT2B<br />
Jahresbezugspreis: Euro 20<br />
Gefördert von der Kulturabteilung<br />
der Südtiroler Landesregierung.<br />
Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />
Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,<br />
und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,<br />
August, <strong>Oktober</strong> und Dezember.<br />
Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen<br />
Vormonats.<br />
52<br />
<strong>KulturFenster</strong>