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KulturFenster Nr. 05/2016 - Oktober 2016

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-70% – NE BOLZANO – 68. Jahrgang<br />

<strong>Nr</strong>. 5 | OKTOBER | <strong>2016</strong><br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />

50 Jahre Jungbläserwochen<br />

Heiß diskutiert: Langtaufers<br />

Im Dienste der singenden Menschen


• Geleitwort •<br />

Kleine Schritte, die beispielgebend sind<br />

Es ist nicht die Zeit großer, hehrer Pläne,<br />

sondern die Zeit kleiner pragmatischer<br />

Schritte. Zu diesem Fazit kam der EU-Gipfel<br />

Mitte September in Bratislava, der Hauptstadt<br />

der Slowakei. Die Euphorie der vergangenen<br />

Jahrzehnte ist verflogen, als viel<br />

Aufbruchstimmung unter den Staaten der<br />

EU herrschte. Heute gibt man sich angesichts<br />

dramatischer Jugendarbeitslosigkeit,<br />

lahmender Wirtschaft und des völlig ungelösten<br />

Flüchtlingsproblems bescheidener.<br />

Wenn also Europa im Großen kaum vom<br />

Fleck kommt, ist es umso wichtiger, kleine<br />

Schritte zu setzen, um Signale der Hoffnung<br />

auszusenden. Ein solches Signal ist<br />

das Jugendblasorchester im Rahmen der<br />

Europaregion Tirol. Unter dem Motto „Brücken<br />

für den Frieden“ ist im vergangenen<br />

Jahr in Erinnerung an den Ausbruch<br />

des ersten Weltkrieges in Innsbruck, Auer<br />

und in Trient dieses Konzertprojekt gebildet<br />

worden. Heuer ist diese ursprünglich<br />

als einmalige Idee konzipierte Initiative<br />

mit einem Euregio-Music-Camp auf eine<br />

neue Ebene gehoben worden. Die Einladung<br />

dazu erging von den Euregio-Büros<br />

in Bozen, Innsbruck und Trient. Der Music-Camp<br />

ging Ende Juni im Grand Hotel<br />

in Toblach über die Bühne, wo sich sechzig<br />

junge Musikerinnen und Musiker aus<br />

allen drei Ländern eine Woche lang auf die<br />

Konzerttournee vorbereiteten. Die Konzerte<br />

fanden in Toblach, Riva del Garda und in<br />

Innsbruck statt.Der VSM-Verbandsjugendleiter<br />

Meinhard Windisch erklärte dazu: „Wir<br />

wollten musikbegeisterten Jugendlichen die<br />

Chance geben, gemeinsam zu musizieren,<br />

neue Freundschaften zu knüpfen, im Rahmen<br />

der Euregio-Konzerttournee wertvolle<br />

Erfahrungen zu sammeln und Menschen<br />

zu begeistern.“<br />

Menschen begeistern: Das ist ein Motiv,<br />

das Europa derzeit dringend braucht. Die<br />

kleinen musikalischen Schritte der Europaregion<br />

Tirol könnten beispielgebend sein.<br />

Alfons Gruber<br />

• Inhalt •<br />

• Blasmusik<br />

• Heimatpflege<br />

• Chorwesen<br />

Fünfzig Jahre Jungbläserwochen 5<br />

Erfolg der Vergangenheit – Zuversicht für<br />

die Zukunft 4<br />

Marschieren für Jugend „funny“ 6<br />

25. Jungbläserwoche in Burgeis 7<br />

4. Bezirksjugendkapellen-Treffen in Antholz 8<br />

Programmvorschau – Zweimonatskalender 9<br />

Euregio Jugendblasorchester in Toblach 10<br />

22. Innsbrucker Promenadenkonzerte 11<br />

30. Schlosskonzert der Musikkapelle Montan 12<br />

Sommernachtskonzert der MK Naturns 13<br />

Toblach: Gastspiel des Südtiroler<br />

Jugendblasorchesters 14<br />

Erinnerung an den Musiker Friedrich Brunner 15<br />

Verdienstmedaille für Franz Premstaller 16<br />

Eine Provinzhymne als Inspirationsquelle 17<br />

Musikpanorama 20<br />

Netzwerk schaffen 22<br />

Heiß diskutiert: Langtaufers 23<br />

„Lorenziraber“ in Buchform 25<br />

Bildstocksanierung in Völlan 26<br />

Das Grödner Kunsthandwerk<br />

in einem persönlichen Format 28<br />

Rundschau 29<br />

Landesalmtanz <strong>2016</strong> 32<br />

Tatzlen-Stricken mit Leidenschaft 33<br />

Büchertisch 34<br />

Anna Schwarz zum<br />

ehrenden Gedenken 35<br />

Im Dienste der singenden Menschen 37<br />

Sechstes Gesamttiroler<br />

Wertungssingen in Innsbruck 38<br />

Im Gedenken an Univ.-Prof. Josef Sulz 39<br />

Gesang überwindet Grenzen 40<br />

Chöre-Festival in Neustift 42<br />

Arnold Keim neuer<br />

Geschäftsführer im SCV 43<br />

Sängerwanderung des Bezirks<br />

Burggrafenamt/Vinschgau 44<br />

Bezirksadventsingen im Pustertal 45<br />

Bubensingtage im Vinzentinum 46<br />

Chorleiter und Chorleiterinnen –<br />

Abschluss in Dietenheim 47<br />

Chor- und Stimmbildungswoche<br />

in Burgeis 48<br />

Kindersingtage in Kloster Neustift 49<br />

Stimmgabel 50<br />

Titelbild: Das Südtiroler Jugendblasorchester trat heuer unter der Leitung von Josef Feichter bei den Südtiroler Festspielen in Toblach auf.<br />

2<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Vorweg<br />

Blasmusik<br />

Eine Erfolgsgeschichte<br />

lebt weiter<br />

50 Jahre Jungbläserwochen<br />

Es ist wahrlich großartig, wenn man nach<br />

50 Jahren mit derselben „Marke“ noch Erfolge<br />

feiern kann! Die Marke heißt „Jungbläserwochen<br />

des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen“.<br />

Angefangen hat alles schon bald nach<br />

der Gründung des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen (VSM), als die Gründungsväter<br />

und ersten Vorstandsmitglieder<br />

nach konkreten und neuen Konzepten<br />

für die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder<br />

suchten. Es mussten Möglichkeiten<br />

gefunden werden, die Bläser und<br />

Schlagzeuger besser als bisher auszubilden<br />

und den Vereinen gute Arbeitsunterlagen<br />

zur Verfügung zu stellen. Der Bildungsplan<br />

von Hans Nagele wurde von<br />

den neuen Jugendleitern Karl Pramstaller<br />

und Gottfried Veit überarbeitet. In ihm<br />

finden wir die Aussage „…So haben wir<br />

unsere Jugendschulung nach dem Muster<br />

der niederländischen Blasmusikverbände<br />

eingeführt und gründen unsere Jungbläserwochen<br />

auf den positiven Erfahrungen,<br />

welche die Blasmusikverbände von Oberund<br />

Niederösterreich mit ihren Jungbläserseminaren<br />

gemacht haben…“.<br />

Im Juli 1966 startete der VSM diese Jungbläserwochen<br />

unter der Leitung des damaligen<br />

Verbandsjugendleiters Karl Pramstaller.<br />

Gab es zunächst nur eine Sommerwoche,<br />

entwickelte sich diese Initiative zu einem<br />

wahren Schlager: ab 1974 fanden bereits<br />

zwei Wochen statt, ab 1981 drei Wochen,<br />

ab 1987 vier Jungbläserwochen, immer<br />

mit je 70 bis 100 Teilnehmern. Ab 1993<br />

wurden zwei der vier Wochen zur Vorbereitung<br />

auf die JMLA-Bronze-Prüfung vorgesehen.<br />

Ab 20<strong>05</strong> kam noch die Orchesterwoche<br />

des Südtiroler Jugendblasorchesters<br />

(SJBO) dazu.<br />

Heuer veranstaltete der VSM drei Jungbläserwochen,<br />

eine Orchesterwoche für das<br />

Euregio-Jugendblasorchester und eine für<br />

das Südtiroler Jugendblasorchester SJBO.<br />

Einige Bezirke ergänzten diese Bildungsangebote<br />

mit Jungbläsertagen für ihre Jüngsten<br />

ab dem zweiten Musikschuljahr. Seit einigen<br />

Jahren haben nun auch die Musikschulen<br />

ein großes Angebot an Sommerwochen.<br />

Was macht den Erfolg dieser Jungbläserwochen<br />

wohl aus? Ich bin überzeugt,<br />

dass es die gute Mischung aus Freude<br />

zur Musik, Begeisterung für die Gemeinschaft,<br />

Zusammentreffen mit besonderen<br />

Lehrkräften, zielorientiertes Arbeiten, Innovation,<br />

Spaß und Urlaub ist.<br />

Ein Großteil des Erfolges ist sicher der<br />

Begeisterung der VSM-Funktionäre, welche<br />

als Kursleiter der Wochen fungieren<br />

sowie den motivierten, gut ausgebildeten<br />

Lehrkräften zuzuschreiben. Ihnen allen gilt<br />

mein besonderer Dank und meine große<br />

Anerkennung!<br />

Ganz besonders danke ich den verantwortlichen<br />

Verbandsjugendleitern, die diese<br />

Idee 50 Jahre lang weitergetragen und verwirklicht<br />

haben: Karl Pramstaller (1965-<br />

1983), Bruno Muser (1983-1989), Georg<br />

Steinwandter (1989-1995), Pepi Fauster<br />

(1995-2007), Arnold Leimgruber (2007-<br />

2013), Meinhard Windisch (ab 2013).<br />

Die Jungbläserwochen mögen lange<br />

leben!<br />

Pepi Fauster, Obmann des VSM<br />

Die Verbandsjugendleiter haben 50 Jahre lang Verbandsgeschichte mitgeschrieben:<br />

Karl Pramstaller † 2007 (1965-1983) Bruno Muser (1983-1989) Georg Steinwandter (1989-1995)<br />

Pepi Fauster (1995-2007) Arnold Leimgruber (2007-2013) Meinhard Windisch (seit 2013)<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 3


Das Thema<br />

50 Jahre Jungbläserwochen<br />

1966 bis <strong>2016</strong><br />

Der Erfolg in der Vergangenheit verleiht Zuversicht für die Zukunft<br />

Karl Pramstaller, der ehemalige Musikschullehrer und –direktor, hat die Jungbläserwochen des VSM initiiert – hier ist er in Aktion<br />

bei der Jungbläserwoche im Jahr 1980 zu sehen.<br />

Am 3. Juli 1966 fand die erste Jungbläserwoche<br />

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

statt. Aus dem damaligen Abschlussbericht<br />

von Karl Pramstaller ist zu<br />

lesen: „Es war sehr erfreulich, dass sich<br />

zum ersten Südtiroler Jungbläserseminar so<br />

viele musikbegeisterte Jungmusikanten im<br />

Alter zwischen 12 bis 18 Jahren gemeldet<br />

haben.“ Karl Pramstaller, der vor fünfzig<br />

Jahren Initiator dieser Wochen war, hätte<br />

wohl auch mit den heuer zum 50. Mal wiederkehrenden<br />

Jungbläserwochen sehr viel<br />

Freude gehabt. Aus den damals 51 Teilnehmern<br />

ist eine stolze Zahl von 600 Teilnehmerinnen<br />

und Teilnehmern geworden.<br />

Diese Zahlen sprechen für sich und erfüllen<br />

uns im Verband Südtiroler Musikkapellen<br />

mit großer Freude.<br />

Eine wahre Freude sind immer wieder<br />

die tollen Darbietungen bei den Abschlusskonzerten<br />

der Jungbläserwochen<br />

und man staunt immer wieder, was die<br />

Teilnehmerinnen und Teilnehmer in dieser<br />

doch so kurzen Zeit im Stande sind<br />

zu erlernen.<br />

Heuer stand die Jungbläserwoche ganz<br />

im Zeichen des Jubiläums und dies auch<br />

aus besonderem Grund – genau dort, wo<br />

Von Beginn an wurde das intensive<br />

Wochenprogramm durch Sport- und<br />

Freizeitaktivitäten ergänzt. Dafür war<br />

1966 Luis Hafner verantwortlich, der bis<br />

2008 als Betreuer die Jungbläserwochen<br />

begleitete. Neben zahlreichen<br />

Musiklehrern wie Gottfried Veit, Walter<br />

Cazzanelli, Iginius Ferrari u.v.a. ist er<br />

wohl der Dienstälteste dieser Kurswochen<br />

und sein Name untrennbar mit dieser<br />

Erfolgsgeschichte verbunden.<br />

4<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Blasmusik<br />

Eine ganze Woche lang musikalische Erfahrungen zu machen, im Ensemble wie auch<br />

im Orchester, das war seit jeher der Anspruch der Jungbläserwochen – im Bild ein<br />

Eindruck von der Jungbläserwoche 2011 in Dietenheim.<br />

vor 50 Jahren die Erfolgsgeschichte der<br />

Jungbläserwochen begann: in der Landwirtschaftsschule<br />

in Dietenheim.<br />

Um dieser Woche eine besondere<br />

Note zu geben, lud man den Südtiroler<br />

Chorverband für ein gemeinsames Projekt<br />

ein und kleidete die Woche ganz in<br />

das Thema „Musical“ - dies ebenso aus<br />

gegebenem Anlass, denn das Musical<br />

feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges<br />

Bestehen. Auf Einladung des Musiksommers<br />

Pustertal wurde das Jubiläumskonzert<br />

in Olang abgehalten. Unter der musikalischen<br />

Leitung von Christian Stefan<br />

Horvath und der Gesamtleitung von Sonya<br />

Profanter gaben die rund 60 Jungmusi-<br />

kantinnen und Jungmusikanten gemeinsam<br />

mit 15 Sängerinnen Ausschnitte aus<br />

der Welt des Musicals zum Besten. Das<br />

zahlreiche Publikum und die vielen Ehrengäste<br />

konnten einen tollen Konzertabend<br />

genießen. Es war rundum ein gelungenes<br />

Jubiläumskonzert!<br />

Für den Erfolg der Jungbläserwochen<br />

in den letzten 50 Jahren sind viele Menschen<br />

verantwortlich. Ohne den Einsatz<br />

vieler engagierter Kursleiter und Lehrkräfte,<br />

die zum Teil viele Jahre hindurch<br />

die Jungbläserwochen begleiteten, wären<br />

unsere Jungbläserwochen wohl nicht das<br />

geworden, was sie heute sind. An dieser<br />

Stelle möchte ich mich bei allen bedanken<br />

die dazu beigetragen haben, dass wir<br />

heute auf 50 Jahre Jungbläserwochen zurück<br />

schauen dürfen. Herzlichen Dank!<br />

Natürlich dürfen zu einem Jubiläum<br />

auch nicht die Glückwünsche für die Zukunft<br />

fehlen. Somit wünsche ich den Jungbläserwochen<br />

für die nächsten Jahrzehnte<br />

einfach nur den Erfolg und den Zuspruch<br />

der vergangenen 50 Jahre.<br />

Meinhard Windisch,<br />

VSM-Verbandsjugendleiter<br />

Die „bewegte Musik“ wurde immer mehr<br />

zum Fokus der Jungbläserwochen – im Bild<br />

„Musik in Bewegung“ beim Abschlusskonzert<br />

der Jungbläserwoche 2012 in Schlanders.<br />

Die Jungbläserwoche <strong>2016</strong> wurde gemeinsam mit dem Südtiroler<br />

Chorverband durchgeführt und gestaltet. Mit Musicalmelodien<br />

präsentierten sich die jungen Musikanten und Sänger<br />

einem großen Publikum beim Abschlusskonzert in Olang.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 5


Aus Verband und Bezirken<br />

Marschieren findet die<br />

Jugend „funny“<br />

Musik in Bewegung als Thema bei der Jungbläserwoche in Nals<br />

zu diskutieren und waren anschließend über<br />

die Ergebnisse der Gruppenarbeiten überrascht:<br />

„Wir waren ganz beeindruckt von<br />

der Offenheit der Jugendlichen und dass<br />

Musik in Bewegung einen wichtigen Stellenwert<br />

für sie hat“, so Fischnaller. Die Jugendlichen<br />

brachten ihre Gedanken und<br />

Sichtweisen zum Thema Marschieren aufs<br />

Papier und trugen sie im Anschluss daran<br />

vor. „Die Gruppenarbeiten waren ein voller<br />

Erfolg. Die jungen Musikantinnen und<br />

Musikanten sehen das Marschieren als<br />

eine Tradition an, die Menschen zusammenbringt.<br />

Gleichzeitig finden sie es modern,<br />

unterhaltsam und halten die Show<br />

für besonders wichtig.“, erzählt Mairhofer.<br />

Raum für Anregungen und<br />

Kritik schaffen<br />

Die „Musik in Bewegung“ wurde bei der heurigen Jungbläserwoche in Nals als eines<br />

der Hauptthemen zur Diskussion gestellt.<br />

Eine Woche lang drehte sich bei der<br />

Jungbläserwoche, die vom 18. bis 23. Juli<br />

in der Lichtenburg in Nals stattfand, alles<br />

rund um die Musik.<br />

Klaus Fischnaller, Landesstabführer und<br />

Bernhard Mairhofer, stellvertretender Bezirks-Stabführer<br />

waren ebenso vor Ort und<br />

hatten mit den insgesamt 63 Jungmusikantinnen<br />

und -musikanten etwas ganz Besonderes<br />

vor. Sie wollten die Gelegenheit<br />

nutzen, um mit den Jugendlichen auf Augenhöhe<br />

den Stellenwert des Marschierens<br />

Die Jungmusikantinnen und –musikanten hatten zum Thema „Musik in Bewegung“<br />

einiges zu sagen und brachten dies in Gruppenarbeiten zu Papier.<br />

Trotz der vielen überraschend positiven<br />

Rückmeldungen war es den beiden Projektleitern<br />

wichtig, Raum für Anregungen<br />

und Kritik zu schaffen. So haben einige<br />

der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemerkt,<br />

dass die Stabführer manchmal zu<br />

streng seien, die Jugend zu wenig respektiert<br />

würde und Marschierproben fehlten.<br />

Trotzdem waren sich alle einig, dass sie etwas<br />

mit Freude und Begeisterung tun, andere<br />

damit anstecken und begeistern können.<br />

„Wir möchten uns daher nochmals<br />

für die rege Teilnahme, die Offenheit und<br />

die wichtigen Rückmeldungen zu Musik in<br />

Bewegung bedanken. Wir haben viel von<br />

euch gelernt und wünschen euch weiterhin<br />

viel Freude und Begeisterung mit der<br />

Musik, mit Musik in Bewegung.“ - beendeten<br />

Fischnaller und Mairhofer die Diskussionsrunde.<br />

Die eineinhalb Stunden mit den 63 jungen<br />

Menschen hat einmal mehr gezeigt,<br />

dass es sich lohnt, mit der Jugend in Kontakt<br />

zu bleiben, weil sie mitreden möchte und<br />

konstruktive Kritik anbringen kann und will.<br />

Klaus Fischnaller,<br />

Verbandsstabführer<br />

6<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Blasmusik<br />

25. Bezirksjungbläserwoche in<br />

der Fürstenburg in Burgeis<br />

Insgesamt 68 Jungmusikanten aus dem Vinschgau mit von der Partie<br />

Die Vinschger Jungmusikanten vor geschichtsträchtiger Kulisse in Burgeis<br />

Es ist zu einer guten Tradition geworden,<br />

dass sich in der letzten Augustwoche begeisterte<br />

Jungmusiker und Musikerinnen<br />

treffen, um gemeinsam in Ensembles und<br />

im Orchester zu spielen, aber auch um Spiel<br />

und Spaß in einer Gemeinschaft zu erleben.<br />

Seit 10 Jahren findet diese Bläserwoche<br />

in der Fürstenburg in Burgeis statt und<br />

seit 1992 haben insgesamt 1.700 Jungbläser<br />

der verschiedenen Musikkapellen<br />

aus dem Vinschgau daran teilgenommen.<br />

Vor 25 Jahren hatte der damalige<br />

Bezirkskapellmeister Christian Prister die<br />

Idee, ein Projekt zur Motivation der Jungmusikanten<br />

zu organisieren. Anfangs fanden<br />

die Musiktage in Langtaufers, dann<br />

in Schnals, später in Schlanders und in<br />

St. Valentin auf der Haide statt. Unter der<br />

Führung der jeweiligen Bezirksjugendleiter<br />

im VSM-Bezirk Schlanders wurde stets ein<br />

anspruchsvolles Programm erarbeitet und<br />

zum Abschluss vor Verwandten und anderen<br />

musikbegeisterten Zuhörern präsentiert.<br />

Hubert Eberhöfer, Helmut Verdross,<br />

Dietmar Rainer und Benjamin Blaas waren<br />

in den 25 Jahren die Hauptverantwortlichen<br />

dieser Musiktage.<br />

Vom 22. bis 27. August fand dieses Jahr<br />

die 25. Bezirksjungbläserwoche statt. 68<br />

Jungmusiker wurden von 12 erfahrenen<br />

Musikern betreut und konnten zum Abschluss<br />

am Samstag, 27. August, im Innenhof<br />

der Fürstenburg ein schwungvolles<br />

Konzert präsentieren. Bekannte Poptitel der<br />

letzten 25 Jahre waren einstudiert worden.<br />

Songs von Eric Clapton, Elton John, Michael<br />

Jackson, Jon Bon Jovi, Robbie Williams<br />

und vielen anderen bekannten Musikern<br />

ließen die Herzen der Jugendlichen und<br />

der Erwachsenen höher schlagen. Zum<br />

Schluss wurde der Marsch „Vinschger<br />

Jungbläserwind“ von Georg Horrer gespielt.<br />

Er hat den Marsch eigens für dieses Jubiläum<br />

komponiert. Beim Abschlusskonzert<br />

wurde die gute Zusammenarbeit mit der<br />

Fürstenburg unterstrichen und vor allem<br />

den Raiffeisenkassen des Vinschgaus gedankt,<br />

welche diese Wochen von Beginn<br />

an großzügig unterstützt haben.<br />

Heinrich Zoderer, Freier Mitarbeiter<br />

der Bezirkszeitung „Vinschgerwind“<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 7


Aus Verband und Bezirken<br />

Ein Tag im Zeichen der<br />

Blasmusikjugend<br />

4. Bezirksjugendkapellentreffen in Antholz/Niedertal<br />

In Zusammenarbeit mit der örtlichen Musikkapelle<br />

„Josef Leitgeb“ als Gastgeber<br />

hat der Bezirk Bruneck im Verband Südtiroler<br />

Musikkapellen (VSM) zum 4. Jugendkapellentreffen<br />

im Pustertal eingeladen.<br />

Bezirksjugendleiter Matthias Kirchler<br />

und seine Stellvertreterin Stefanie Burchia<br />

freuten sich, dass 11 Jugendkapellen<br />

der Einladung gefolgt sind und das Treffen<br />

wiederum zu einem „Tag im Zeichen<br />

der Blasmusikjugend“ gemacht haben.<br />

Mit einem Sternmarsch haben die Jugendkapellen<br />

von Rasen/Antholz, St. Lorenzen,<br />

Gsies, Luttach/Weißenbach und<br />

Vintl das Treffen offiziell eröffnet. Anschließend<br />

begeisterten die Jugendkapellen<br />

von St. Lorenzen (JuKaStL) und<br />

Hochabtei (Müjiga di Jogn dl'alta Val Badia)<br />

das Publikum mit einer Marschiershow.<br />

Rund 450 junge Musikantinnen<br />

und Musikanten haben den Musikpavillon<br />

in Antholz/Niedertal „gerockt“, dem Gewitter<br />

zu Mittag getrotzt und den ganzen<br />

Nachmittag das Publikum im Festzelt mit<br />

abwechslungsreichen Kurzkonzerten unterhalten.<br />

Weil Spiel und Spaß bei einem Jugendkapellentreffen<br />

nicht fehlen dürfen, konnten<br />

sich die Musikantinnen und Musikanten<br />

auch bei Geschicklichkeitsspielen<br />

messen und Preise gewinnen. Bezirksobmann<br />

Johann Hilber und Bürgermeister<br />

Thomas Schuster dankten allen<br />

Beteiligten, die zum Gelingen dieses Treffens<br />

beigetragen haben. VSM-Verbandskapellmeister<br />

Sigisbert Mutschlechner<br />

überbrachte den Gruß des Verbandes<br />

und bedankte sich bei den Eltern, dass<br />

sie ihre Kinder auf dem Weg zur Musik<br />

begleiten und unterstützen: „Es lebe die<br />

Blasmusik in Südtirol!“<br />

Stephan Niederegger<br />

JuKa St.Lorenzen<br />

JuKa Hochabtei (Müjiga di<br />

Jogn 0dl'alta Val Badia)<br />

JuKa<br />

Luttach-Weißenbach<br />

JuKa Gsies<br />

JuKa Pfalzen-Stegen<br />

8<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Blasmusik<br />

JuKa Vintl<br />

JuKa St.Georgen<br />

JuKa St.Johann<br />

JuKa Olang<br />

JuKa Hochpustertal<br />

JuKa Rasen Antholz<br />

verband<br />

südtiroler<br />

musikkapellen<br />

Programmvorschau<br />

Zweimonatskalender<br />

Datum Veranstalter Veranstaltung Ort Haus Beginn<br />

Do-Sa, 03.-<strong>05</strong>. November VSM 3. Kapellmeisterwerkstatt Naturns Probelokal<br />

November<br />

Dez.<br />

Sa, <strong>05</strong>. November<br />

Mo, 07. November<br />

Sa, 12. November<br />

So, 11. Dezember<br />

Sa, 17. Dezember<br />

VSM<br />

VSM-Bezirk<br />

Meran<br />

VSM<br />

VSM-Bezirk<br />

Schlanders<br />

VSM-Bezirk<br />

Brixen<br />

Obleutetagung<br />

(Bezirke Bozen - Meran - Schlanders)<br />

Nals Lichtenburg 09.00<br />

Stabführer-Stammtisch Raum Meran 19.30<br />

Obleute-Tagung<br />

(Bezirke Bruneck - Brixen - Sterzing)<br />

Konzert des Bezirksblasorchester 50+<br />

Adventskonzert - Spiel in kleinen<br />

Gruppen - Workshop<br />

Mühlbach<br />

Prad a. St.<br />

Joch<br />

Di-Do, 27.-29. Dezember VSM Jugendleiterseminar - Modul 4 Brixen<br />

Vereinshaus<br />

„Graf Meinhard“ 09.00<br />

Aqua Prad 17.00<br />

Cusanus Akademie<br />

09.00<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 9


Blasmusik International<br />

Musik kennt keine Grenzen<br />

EUREGIO Jugendblasorchester, die Zweite<br />

Das Konzert im Gustav-Mahler-Saal des Grand Hotels in Toblach war der Auftakt zur<br />

heurigen Konzerttrilogie des EUREGIO Jugendblasorchesters.<br />

Was politisch immer schwieriger zu<br />

werden scheint, gelingt auf musikalischer<br />

Ebene: 60 junge Musikerinnen und Musiker<br />

aus Südtirol, dem Trentino und Nordtirol<br />

spielen als „musikalische Botschafter“<br />

im EUREGIO Jugendblasorchester. Ende<br />

Juni haben sie eine Woche lang unter der<br />

Leitung von Meinhard Windisch (Südtirol),<br />

Marco Somadossi (Trentino) und Wolfram<br />

Rosenberger (Nordtirol) im Grand Hotel Toblach<br />

geprobt. Zum Abschluss dieses „Music<br />

Camps“ gab das Orchester erfolgreiche<br />

Konzerte in Toblach, in Riva del Garda und<br />

bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten.<br />

Das Dreijahresprogramm <strong>2016</strong>-2018<br />

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

(VSM) steht unter dem Motto „Blasmusik<br />

vereint“. Dabei werde auch verstärkt die<br />

Zusammenarbeit in der Europaregion Tirol<br />

gesucht, unterstreicht Verbandsobmann<br />

Pepi Fauster. Die „Generalprobe“ dazu<br />

gab es bereits im Vorjahr, als zum Anlass<br />

des Beginns des Ersten Weltkrieges vor<br />

100 Jahren das EUREGIO Jugendblasor-<br />

chester für das Konzertprojekt „Brücken<br />

für den Frieden“ in Innsbruck, Trient und<br />

Auer gebildet wurde. Was als einmalige<br />

Idee begann, wurde nun auf Einladung<br />

des Büros der Europaregion in Zusammenarbeit<br />

mit den Blasmusikverbänden<br />

der drei Länder und der Musikschule der<br />

Stadt Innsbruck weitergeführt. Mit dem<br />

einwöchigen Euregio-Music-Camp sei die<br />

Zusammenarbeit auf eine neue Ebene gehoben<br />

worden, erklärt VSM-Verbandsjugendleiter<br />

Meinhard Windisch: „Wir wollen<br />

musikbegeisterten Jugendlichen die<br />

Chance geben, gemeinsam zu musizieren,<br />

neue Freundschaften zu knüpfen,<br />

im Rahmen der Euregio-Konzerttournee<br />

wertvolle Erfahrungen zu sammeln und<br />

Menschen zu begeistern."<br />

Das Konzertprogramm präsentierte mit<br />

Georg Friedrich Händel, Felix Mendelssohn<br />

Bartholdy, Julius Fucik und Gustav Holst<br />

die musikalischen Wurzeln der Bläser- und<br />

Blasmusik. Mit Walzermelodien von Franz<br />

Lehár und der Ouvertüre zu „Dichter und<br />

Bauer“ von Franz von Suppé sowie Rhythmen<br />

von George Gershwin und Leonard<br />

Bernstein war die Unterhaltungsmusik<br />

des 19. und 20. Jahrhunderts vertreten.<br />

„Via della Terra“ von Marco Somadossi<br />

vervollständigt den musikalischen Bogen.<br />

Stephan Niederegger<br />

„Toblach soll die Heimat für all jene sein,<br />

die die Kunst und die Musik lieben, ein<br />

Kulturzentrum über die Grenzen Toblachs<br />

und Südtirols hinaus.“ (Guido Bocher,<br />

Bürgermeister der Gemeinde Toblach)<br />

Die 3 Dirigenten des EUREGIO Jugendblasorchesters (v.l.): Meinhard Windisch,<br />

Marco Somadossi und Wolfram Rosenberger<br />

10<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Blasmusik<br />

22. Innsbrucker<br />

Promenadenkonzerte<br />

Alljährliches musikalisches Stelldichein am Fuße der Innsbrucker Nordkette<br />

Auch nach 21 Jahren haben die Innsbrucker<br />

Promenadenkonzerte nichts von<br />

ihrem Charme und Flair verloren. Dem<br />

künstlerischen Leiter Alois Schöpf gelingt<br />

es jedes Jahr aufs Neue, mit hochkarätigen<br />

Gästen auf der Bühne ein begeistertes<br />

Publikum in den Innenhof der Kaiserlichen<br />

Hofburg in Innsbruck zu holen.<br />

Vom 4. bis 31. Juli präsentierten 34 Orchester<br />

und Ensembles in 32 Konzerten<br />

altösterreichische Blas- und Bläsermusik<br />

in zeitgemäßer Form.<br />

„… die Promenadenkonzerte als<br />

eine Brücke zur klassischen Musik.<br />

Alles ist dabei äußerst gemütlich, aber<br />

auf diskrete Weise konsequent der<br />

Hochkultur gewidmet.“<br />

(Alois Schöpf)<br />

Auch heuer waren wieder Gäste aus Südtirol mit dabei, die die Blasmusik unseres Landes<br />

auf diesem internationalen Parkett vertraten. Die einzelnen Auftritte standen jeweils<br />

unter einem bestimmten musikalischen Thema.<br />

Alpensinfonie und Multimedia-Show: Den Auftakt dazu machte das Südtiroler Jugendblasorchester<br />

SJBO unter der Leitung Josef Feichter am 15. Juli.<br />

Alte Freunde unter neuer Leitung: Am 24. Juli gab die Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg<br />

mit Kapellmeister Bernhard Reifer ein sonntägliches Matineekonzert.<br />

Die Sieger aus Südtirol: Am 26. Juli spielte die Bürgerkapelle Brixen unter der Leitung<br />

von Kpm. Hans Pircher.<br />

Die musikalische Landeseinheit: Den Abschluss machte das EUREGIO Jugendblasorchester<br />

unter der Leitung von Meinhard Windisch (Südtirol), Wolfram Rosenberger<br />

(Nordtirol) und Marco Somadossi (Trentino) beim Matineekonzert am letzten Tag der<br />

heurigen Konzertreihe.<br />

Detail am Rande: Der Gründer und künstlerische Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />

wurde von Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer mit dem<br />

Ehrenzeichen für Kunst und Kultur der Stadt Innsbruck ausgezeichnet.<br />

Stephan Niederegger<br />

Das Südtiroler Jugendblasorchester<br />

unter der Leitung von Josef Feichter<br />

Das EUREGIO Jugendblasorchester mit<br />

Meinhard Windisch, Wolfram Rosenberger<br />

und Marco Somadossi am Dirigentenpult<br />

Die Bürgerkapelle Brixen mit ihrem Dirigenten<br />

Hans Pircher<br />

Die Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg mit Kapellmeister Bernhard Reifer (Fotos:<br />

Innsbrucker Promenadenkonzerte – Erich Wolf)<br />

Alois Schöpf mit Bürgermeisterin<br />

Christine Oppitz-Plörer bei der<br />

Verleihung des Ehrenzeichens für Kunst<br />

und Kultur der Stadt Innsbruck (Foto:<br />

Tiroler Tageszeitung)<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 11


Kritisch hingehört<br />

Ein besonderer Konzertabend<br />

unter sternenklarem Himmel<br />

30. Schlosskonzert der Musikkapelle Montan<br />

Das „Concertino op.26“ von Carl Maria von Weber, bei dem die Solistin Franziska Amort das Publikum mit ihrer Klarinette<br />

begeisterte, war einer der musikalischen Höhepunkte beim heurigen 30. Schlosskonzert der Musikkapelle Montan auf Schloss Enn.<br />

Zum 30. Mal hat die Musikkapelle Montan<br />

zum Konzert in den Innenhof von Schloss<br />

Enn geladen.<br />

Dazu konnte Musikobmann Florian Haas<br />

zahlreiche Ehrengäste begrüßen, allen voran<br />

Ortspfarrer Michael Ennemoser und Hochwürden<br />

Anton Niederstätter, die Bürgermeisterin<br />

Monika Delvai Hilber, den Landtagsabgeordneten<br />

Oswald Schiefer und den<br />

Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland,<br />

Edmund Lanziner. Herzlich<br />

willkommen hieß er auch die beiden Jungmusikanten<br />

Gabi Codalonga (Horn) und Andreas<br />

Codalonga (Klarinette) und wünschte<br />

ihnen viel Erfolg zu ihrem ersten Auftritt mit<br />

der Kapelle. Einen besonderen Dank richtete<br />

er an den Hausherrn, Baron Giovanni<br />

Rubin de Cervin Albrizzi, und dessen Familie<br />

für die jahrzehntelange Gastfreundschaft<br />

und Unterstützung. Gemeinsam mit<br />

dem Baron erinnerte er auch an den im<br />

Juni verstorbenen Josef „Sepp“ Franzelin.<br />

Dieser hatte als langjähriger Schlossverwalter<br />

nach anfänglicher Skepsis die Schloss-<br />

konzerte in all den Jahren tatkräftig begleitet<br />

und unterstützt.<br />

Zum heurigen Jubiläumskonzert hat Kapellmeister<br />

Stephan Hanspeter ein ansprechendes<br />

Konzertprogramm zusammengestellt<br />

und dieses mit dem würdevollen und<br />

sehr musikalisch vorgetragenen „Graf-Zeppelin-Marsch“<br />

von Carl Teike eröffnet. Unter<br />

dem klaren Sternenhimmel dieser lauen<br />

Sommernacht bekamen die Impressionen<br />

im Jahreskreis, wie Reinhard Summerer<br />

sein programmatisches Werk „Zeit für Natur“<br />

im Untertitel beschreibt, eine zusätzlich<br />

besondere Note. Fast collagenartig verwebt<br />

er verschiedene musikalische Motive und<br />

beschreibt in eindrucksvollen Klangbildern<br />

die Besonderheiten, Tücken und Gefahren<br />

der vier Jahreszeiten. Im Anschluss stellte<br />

sich ein ganz besonderer Gratulant ein: Im<br />

bekannten Volkslied „Amazing Grace“ (arr.<br />

Albert Miles) übernahm Federico Sguera<br />

mit seinem Dudelsack den Solopart. Mit sicherem<br />

Dirigat und klarem Stilempfinden<br />

führte Kapellmeister Stephan Hanspeter anschließend<br />

durch die 4 spanischen Tänze<br />

der Konzertmusik „Tapas de Cocina“ von<br />

Kess Vlak. Das romantische Hauptthema<br />

zum oscarprämierten Film „Jenseits von<br />

Afrika“ von John Berry und der Wienerische<br />

Charme der Strauß‘schen Schnellpolka „Unter<br />

Donner und Blitz“ eröffneten den 2. Teil<br />

des Konzertes. Höhepunkt dabei war zweifelsohne<br />

das „Concertino op.26“ von Carl<br />

Maria von Weber, bei dem die Soloklarinettistin<br />

Franziska Amort mit geschmeidigem<br />

Ton, verführerischem Klang und technischer<br />

Raffinesse ihr Können unter Beweis stellte.<br />

Die Ouvertüre zur erfolgreichen Verdi-Oper<br />

„Nabucco“ setzte den Schlusspunkt zum offiziellen<br />

Programm dieses besonderen Konzertabends.<br />

Mit dem „Schloss Enn Marsch“<br />

von Armin Kofler, der Baron Ernesto Rubin<br />

de Cervin Albrizzi gewidmet ist, dem vor 3<br />

Jahren verstorbenen Ehrenmitglied der Kapelle,<br />

und dem bekannten „Raketenflug“<br />

von Sepp Tanzer bedankte sich die Kapelle<br />

beim begeisterten Publikum.<br />

Stephan Niederegger<br />

12<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Blasmusik<br />

So schön war Regen noch nie<br />

Sommernachtskonzert der Musikkapelle Naturns<br />

Bei besonderen meteorologischen Bedingungen „unter Donner und Blitz“ bekam das heurige Sommernachtskonzert der<br />

Musikkapelle Naturns eine ganz eigene Faszination.<br />

Rhythmischer Glanz des Blasorchesters,<br />

stilvolle Solomelodien der Interpreten und<br />

„Spezialeffekte“ der Natur: Das ist das Fazit<br />

der diesjährigen Open-Air-Darbietung der<br />

Musikapelle Naturns am lauen Sommerabend<br />

des 18. Augusts <strong>2016</strong>.<br />

Die Musikapelle präsentierte unter dem<br />

Dirigat von Kapellmeister Dietmar Rainer<br />

in dieser dritten Ausgabe des Sommernachtskonzerts<br />

moderne Blasmusikarrangements<br />

aus vielfältigen Musikgenres.<br />

Musical, Pop, Jazz waren wohl die Hauptvertreter<br />

des Konzertes, das bis zum letzten<br />

Platz ausgefüllt war.<br />

Mit dem fanfarenartigen Werk „Towermusic“<br />

von Jean-François Michel eröffnete<br />

die Kapelle diesen Abend. Etwa nach der<br />

40. Konzertsekunde erreichten diese einleitenden<br />

„Towermusic“-Klänge mit dem Solo<br />

der Trompeten ihren eigentlichen Charakter,<br />

raffiniert und zur Überraschung aller,<br />

waren diese oberhalb des Konzertpublikums<br />

positioniert. Damit bot sich den Zuhörern<br />

in dem arenaförmig angelegten Freilichtareal<br />

des Bürger-und Rathauses von<br />

Naturns majestätischer Surround-Klang.<br />

„Grüne Weiden, stürmisches Meer, my-<br />

stische Nebelschwaden, Guinness-Bier<br />

und Stepptanz…“, bildstarke Worte, die<br />

zu „Riverdance“, Bill Whelans irischen<br />

Rhythmen überleiteten. Eloquent und mit<br />

Charme führten Judith Leiter und Daniel<br />

Götsch durch das Konzertprogramm, das<br />

nun mit „Scarborough Fair“, einem traditionellen<br />

englischen Volkslied, seinen Lauf<br />

nahm. Die in einem farbenreichen Arrangement<br />

für Bläser dargebotene Liebesballade<br />

wurde von den in Widerschein von fernen<br />

Blitzen aufsteigenden Luftballonen begleitet.<br />

Mit der mitreißenden Swing-Komposition<br />

„SaxoPhoning“ von Di Ghisallo bewiesen<br />

vor allem die Saxophonisten ihr Können.<br />

Eine nicht geringere als Popkönigin Whitney<br />

Houston war mit „One Moment in Time“<br />

ebenso Teil des Konzertprogrammes, gesangssolistisch<br />

ausgeführt von Emma Nischler,<br />

die in zwei weiteren Auftritten mit<br />

dem weltbekannten Song „I Will Always<br />

Love You“ und dem aus Webbers Feder<br />

stammenden „Don’t Cry for Me Argentina“<br />

ihre Stimme zum Ausdruck brachte.<br />

Eine weitere aktuelle Komposition wählte<br />

Kapellmeister Rainer mit der Jazzballade<br />

„James“ von Ben Haemhouts. Manuel Tumler<br />

brillierte dabei am Flügelhorn mit verträumten,<br />

unbeschwerten Solomelodien.<br />

Die stetige Metamorphose der Themen<br />

entführte das Publikum schließlich in die<br />

Gruft der Pariser Oper. Im dem von Johan<br />

de Meji für Blasorchester arrangierten „The<br />

Phantom of the Opera“ nahm das Drama<br />

seinen Lauf. Als das Medley zu den weltberühmten<br />

Melodieabschnitten gelangte,<br />

zischten tumultartige Blitze von den nebelumwobenen<br />

Bergspitzen zu Tal. Donnerknall,<br />

beginnender Regenschauer und<br />

eine imposante musikalische Ausführung<br />

der Musikkapelle Naturns ließ so manch einen<br />

glauben, das Phantom habe den Kronleuchter<br />

des Burggrafenamtes zu Fall gebracht.<br />

Stimmgewaltig klang das Konzert<br />

mit „Anthem“, der Hymne aus dem Musical<br />

„Chess“ und „Music“ von Miles aus,<br />

dargeboten im bravourösen Sologesang von<br />

Daniel Götsch sowie vom Backgroundchor<br />

und dem Orchester. Mit den Schlussklängen<br />

brach frenetischer Applaus im Publikum<br />

aus, was die Regenschauer und damit<br />

wahrscheinlich auch das Phantom der<br />

Oper wieder zurück nach Paris verbannte.<br />

Fabian Fleischmann<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 13


Kritisch hingehört<br />

Faszinierende „Augenmusik“<br />

mit jugendlichem Elan<br />

Gastspiel des Südtiroler Jugendblasorchesters in Toblach<br />

Am 28. August gastierte das Südtiroler<br />

Jugendblasorchester (SJBO) auf Einladung<br />

der Festspiele Südtirol im Gustav-Mahler-<br />

Saal in Toblach. Unter der Leitung von Josef<br />

Feichter faszinierten die jungen Musikerinnen<br />

und Musiker mit jugendlicher Spielfreude<br />

auf hohem musikalischen Niveau.<br />

Dieser besondere Konzertabend wird<br />

eröffnet mit der Sammlung der instrumentalen<br />

Tänze „Danserye“, die dem belgischen<br />

Komponisten Tielman-Susato zugeordnet<br />

wird. In der Bearbeitung dieser<br />

meist als Blechbläsermusik bekannten<br />

Melodien gelingt es dem Arrangeur Patrick<br />

Dunnigan, die Eigenart und Klangfarben<br />

des großen Blasorchesters zu nutzen<br />

und der Musik dadurch eine zusätzliche<br />

musikalische Note zu geben. Originalzitate<br />

der Blechbläser werden immer wieder<br />

von den Holzregistern getragen und<br />

verleihen dieser imposanten und andächtigen<br />

Musik eine zusätzliche Leichtigkeit.<br />

Das Thema des 4. Satzes als Fagott-Quartett<br />

bleibt dabei als eine dieser Besonderheiten<br />

in Erinnerung.<br />

Die darauffolgende rund 45-minütige<br />

„Alpensinfonie“ von Richard Strauss<br />

(op.64) ist in der Transkription für Blasorchester<br />

ein gewaltiges Unterfangen, das<br />

den Interpreten und dem Publikum einiges<br />

abverlangt. Der Arrangeur Jos van<br />

de Braak überträgt kompromisslos das Original<br />

in die Sprache der Blasmusik – eine<br />

Herausforderung für jedes Profiorchester,<br />

für ein Jugendorchester umso mehr. Dem<br />

Dirigenten Josef Feichter gelingt es, die<br />

jungen Musikerinnen und Musiker sicher<br />

auf dieser „musikalischen Gebirgswanderung“<br />

zu führen. Nachtbilder zu Beginn<br />

und am Ende geben dem Ganzen eine<br />

musikalische Geschlossenheit und versinnbildlichen<br />

die Metapher auf das Leben<br />

mit all seinen Höhenflügen und Niederlagen.<br />

Im „Gewitter und Sturm“ hat die<br />

Schlagzeugbatterie mit Wind- und Donnermaschine<br />

ihre große Stunde. Große Spannungsbögen,<br />

lange musikalische Phrasie-<br />

Das Südtiroler Jugendblasorchester SJBO unter der Leitung von Josef Feichter bei<br />

den Festspielen Südtirol im Gustav-Mahler-Saal in Toblach<br />

rungen und beeindruckendes technisches<br />

und musikalisches Niveau lassen den Zuhörer<br />

staunen ob der Intensität dieser Musik<br />

und der Darbietung des jungen Orchesters.<br />

Es ist eine „Augenmusik“, die immer<br />

wieder die kaleidoskopischen Wort-Tupfer<br />

der Schauspielerin und Patin dieses<br />

Konzertes, Christine Lasta, zu Beginn des<br />

Konzertes und die einzelnen vom Komponisten<br />

selbst betitelten Szenenbilder „erklingen“<br />

lassen. Es war ein faszinierender<br />

Abend - eine tolle Leistung des Dirigenten<br />

und des Orchesters!<br />

Das Konzert wurde am 3. September<br />

im Meraner Kursaal wiederholt.<br />

Stephan Niederegger<br />

14<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Zur Person<br />

Blasmusik<br />

Erinnerung an den Musiker<br />

Friedrich Brunner<br />

Relief in Niederolang enthüllt<br />

Es war eine kleine ausgewählte Gruppe von<br />

Angehörigen, Freunden und Vertretern aus<br />

Politik und Kultur, die am Sonntag, dem 17.<br />

Juli <strong>2016</strong>, vor dem Haus von Friedrich Brunner<br />

in Niederolang von dessen Sohn Meinrad<br />

begrüßt wurde, um mit einer Reliefenthüllung<br />

an den bedeutenden Musiker und Pädagogen<br />

des Dorfes zu erinnern.<br />

Nach den sehr passenden musikalischen<br />

Gesangseinlagen durch Angelika Thomaser<br />

und Simon Mittermair – sie sangen Lieder,<br />

die Friedrich Brunner komponiert und zu denen<br />

er auch den Text verfasst hatte – sprach<br />

Claudia Plaikner kurz über das Leben und<br />

Werk des Komponisten; sie beschrieb auch<br />

die Gestaltung des Kunstwerks, bevor dann<br />

Pfarrer Philipp Peintner ein Gebet sprach.<br />

Die Enthüllung des Reliefs nahmen Meinrad<br />

und dessen Sohn Michael vor. Die weitere<br />

Feier wurde vom Sängerduo und von<br />

einem Solo-Flügelhornstück durch Karl Wieser<br />

umrahmt. Die Ostwand der ehemaligen<br />

Wohn- und Wirkungsstätte des Komponisten<br />

Brunner ziert nunmehr ein mehrteiliges Relief,<br />

das auf Initiative von Meinrad Brunner<br />

in Zusammenarbeit mit Kunstschmied Peter<br />

Dorner in dessen Werkstatt in Welsberg entstanden<br />

ist. Friedrich Brunner wird in Seitenansicht<br />

mit dem auf ein Notenblatt weisenden<br />

Taktstock dargestellt; die von ihm<br />

komponierte „Hubertuspolka“ steht auf dem<br />

Notenblatt. Weitere Bestandteile des Reliefs<br />

sind eine Tastatur, Noten- und Bassschlüssel<br />

sowie die Tafel mit den wichtigsten Angaben<br />

zum Musiker und dessen Motto: „Bei<br />

Gesang und Musik bleibt der Ärger zurück<br />

und sichert dir dein Glück“.<br />

Fünf Jahre nach seinem Tod wollten<br />

so die Angehörigen des Komponisten, Dirigenten<br />

und Arrangeurs mit einem Kunstwerk<br />

die Erinnerung an den Musiker weiter<br />

hochhalten und darauf hinweisen, dass in<br />

diesem kleinen Haus Großes geleistet wurde:<br />

Der „Marschkönig Friedrich Brunner“ – so<br />

wird er von Musiker-Kollegen gern genannt<br />

– hat hier mit seiner Familie gewohnt, hat<br />

hier unzählige Werke komponiert, arrangiert<br />

Freunde, Bekannte und ehemalige Weggefährten trafen sich auf Einladung von Meinrad<br />

Brunner (Zweiter v. rechts) zum Gedenken an den Olanger Musiker Friedrich Brunner.<br />

sowie Lieder und Liedtexte verfasst. Als Dirigent<br />

verschiedener Pustertaler Musikkapellen<br />

und Funktionär innerhalb des Blasmusikbezirkes<br />

hat er ebenso wichtige Akzente gesetzt<br />

wie als jahrzehntelanger Pädagoge. Nebenher<br />

war Friedl Brunner immer auch ein<br />

scharfer Beobachter seiner Zeit und hat in<br />

seinen Schriften festgehalten, was sein Interesse<br />

geweckt und seine persönliche Auseinandersetzung<br />

damit angeregt hat.<br />

Friedl kam als jüngstes von 10 Kindern<br />

1922 beim „Raner“ in Niederolang zur Welt.<br />

Seine starke Neigung zur Musik veranlasste<br />

ihn, nach Krieg und Gefangenschaft neben<br />

seinem Hauptberuf als Volksschullehrer eine<br />

musikalische Ausbildung aufzunehmen, wobei<br />

er in seinen Anfängen vom berühmten<br />

Musiker Josef Gasser, Komponist und Pädagoge<br />

im Chorherrenstift Neustift, geprägt<br />

wurde. Nach Neustift besuchte Brunner das<br />

Konservatorium in Bozen und studierte dort<br />

Komposition, Klavier und Instrumentation<br />

für Blasorchester. Fast alle Instrumente, die<br />

zu einem Blasorchester gehören, hat Friedl<br />

auch selber gespielt. Im Jahr 1939 hat er<br />

als 17-Jähriger seine musikalische Betätigung<br />

als Kapellmeister und Lehrer begonnen<br />

und war am Wiederaufbau der Pfarrmusik<br />

Olang wesentlich beteiligt. Es gelang ihm,<br />

in der schwierigen Zeit des 2. Weltkrieges<br />

die Instrumente instand zu halten und eine<br />

neue Tracht für seine Musikanten zu organisieren.<br />

Im Verband der Südtiroler Musikkapellen<br />

war er drei Jahrzehnte lang aktiv<br />

(1949 – 1980); 13 Jahre bekleidete er das<br />

Amt des Vize-Bezirkskapellmeisters im Pustertal<br />

und 17 Jahre lang stand er dem Bezirk<br />

als Bezirkskapellmeister vor.<br />

Claudia Plaikner<br />

Dieses Relief wurde zur Erinnerung an<br />

Friedrich Brunner an dessen Wohnhaus<br />

und Wirkungsstätte in Niederolang enthüllt.<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 15


Zur Person<br />

Herzliche Gratulation!<br />

Franz Premstaller erhält die Verdienstmedaille des Landes Tirol<br />

Am vergangenen 15. August, dem Hochunserfrauentag,<br />

erhielt Franz Premstaller<br />

in der Hofburg in Innsbruck von den beiden<br />

Landeshauptleuten Arno Kompatscher<br />

und Günther Platter die Verdienstmedaille<br />

des Landes Tirol.<br />

Franz Premstaller, Jahrgang 1952,<br />

wohnt in Durnholz im Sarntal. Beruflich<br />

war er Bauarbeiter und ist nun in Pension.<br />

Neben seiner Familie und seinem Beruf<br />

widmete er sich viele Jahre der Dorfgemeinschaft<br />

von Durnholz, war aber auch<br />

dorfübergreifend für das gesamte Sarntal<br />

und darüber hinaus tätig.<br />

So ist er Mitglied im SVP-Ortsauschuss<br />

Reinswald-Durnholz seit Ende der 1970er-<br />

Jahre, bis 2012 war er Ortsobmann-Stellvertreter.<br />

Er gehört auch zur Initiativgruppe<br />

für Menschen mit Behinderung „WIR-<br />

Gruppe Sarntal“ und ist dort seit 2008<br />

im Ausschuss. Auch als Hausmeister im<br />

Vereinshaus Durnholz verrichtet er ehrenamtlich<br />

seinen Dienst.<br />

Ganz besonders viel Zeit und großen<br />

Einsatz zeigte er seit vielen Jahren im Bereich<br />

der Musik. Seit 1971 ist er Mitglied<br />

im Kirchenchor Durnholz. Seit 1965 gehört<br />

er der Musikkapelle Durnholz an,<br />

war 30 Jahre lang (von 1984 – 2014) deren<br />

Obmann und spielt derzeit zusätzlich<br />

noch in der Böhmischen „Durnholz 7“.<br />

Einen herausragenden Einsatz leistete er<br />

für den Bau des Vereinshauses und des<br />

Probelokals. Auch im VSM-Bezirk Bozen<br />

Franz Premstaller bei der Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Tirol durch<br />

die beiden Landeshauptmänner Günther Platter (links) und Arno Kompatscher<br />

(rechts) – Foto: Land Tirol/Die Fotografen<br />

stellte er sich für mehrere ehrenamtliche<br />

Tätigkeiten zur Verfügung. So bekleidet<br />

er seit 1995 das Amt des Gebietsvertreters<br />

Sarntal und seit 2001 jenes des Bezirksobmann-Stellvertreters.<br />

Der Vorstand des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen freut sich mit dem Geehrten<br />

sehr über die erhaltene Auszeich-<br />

nung, die er sich auf Grund seines großen<br />

Einsatzes redlich verdient hat. Der VSM<br />

bedankt sich für die vielen ehrenamtlich<br />

geleisteten Stunden zum Wohle der Menschen<br />

mit Behinderung, der Dorfgemeinschaft<br />

und der Musik.<br />

Herzliche Gratulation!<br />

Pepi Fauster, VSM - Verbandsobmann<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />

Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des <strong>KulturFenster</strong>s ist<br />

Freitag, 11. November <strong>2016</strong>. Bitte Termin genau beachten!<br />

16<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Schätze des Blasmusik-Repertoires<br />

Blasmusik<br />

Eine Provinzhymne als<br />

Inspirationsquelle<br />

„Introduktion, Thema und Variationen“ op 81 von Louis Toebosch<br />

In dieser Reihe stellt unser Mitarbeiter<br />

Joachim Buch Werke vor, die trotz ihres<br />

ansprechenden musikalischen Niveaus<br />

zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten<br />

sind. Im 4. Teil wird das Werk „Introduktion,<br />

Thema und Variationen“ op 81<br />

von Louis Toebosch vorgestellt.<br />

Die Notenausgaben des im Allgäu ansässigen<br />

Wertach-Musikverlages sind in<br />

Südtirol recht bekannt, nicht nur, weil<br />

Werke des gebürtigen Bozners Gerd Kofler<br />

dort erschienen sind. Weniger geläufig<br />

dürfte das Notenmotiv sein, das viele<br />

Veröffentlichungen des Verlages ziert<br />

(Notenbeispiel 1). Es ist der Beginn von<br />

„Waar in het bronsgroen eikenhout“, der<br />

Provinzhymne von Limburg, südlichste<br />

Provinz der Niederlande und Heimat<br />

des Verlagsgründers Freek Mestrini. Die<br />

erste Strophe der 1909 gedichteten und<br />

1912 komponierten Hymne, in der Region<br />

selbst als „het limburgs volkslied“<br />

bekannt, lautet übersetzt etwa wie folgt:<br />

Louis Toebosch hat einige Werke für Blasorchester, die eine Brücke von der<br />

Vergangenheit zur Musik des 20. Jahrhunderts schlagen, komponiert.<br />

Notenbeispiel 1<br />

Notenbeispiel 2<br />

Wo im bronzegrünen Eichenwald die<br />

Nachtigall singt<br />

über dem saftigen Kornfeld das Lied<br />

der Lerche klingt<br />

Wo das Horn des Schäfers schallt<br />

entlang des Laufs der Bäche<br />

Da ist mein Vaterland, Limburg, geliebte<br />

Gegend<br />

Der gebürtige Maastrichter Louis Toebosch<br />

(1916-2009), dessen 100. Geburtstages<br />

man im vergangenen Frühjahr<br />

gedachte, nahm das Thema der<br />

Hymne als Grundlage eines etwa zwölf<br />

Minuten dauernden Konzertstücks. Es<br />

entstand anlässlich des 25-jährigen Bestehens<br />

des Limburger Blasmusikverbandes<br />

LBM und war 1970 beim WMC<br />

in Kerkrade auch Pflichtstück in der 1.<br />

Division. Die Noten sind über den Verlag<br />

Tierolff erhältlich.<br />

Toebosch erwarb sich erste musikalische<br />

Meriten in den vierziger Jahren<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 17


Schätze des Blasmusik-Repertoires<br />

als Konzertorganist und Orgelimprovisator.<br />

Von 1965 bis zu seiner Pensionierung<br />

war er Direktor des Konservatoriums<br />

der Stadt Tilburg. Sein Interesse<br />

als ausübender Musiker und Komponist<br />

galt einerseits der polyphonen Musik<br />

des 15. und 16. Jahrhunderts, andererseits<br />

der Musik der Gegenwart. („Man<br />

muss diese erkennen und begreifen lernen,<br />

denn nur so erfährt man etwas über<br />

seine eigene Zeit.“).<br />

„Introduktion, Thema und Variationen“<br />

schlägt eine Brücke zwischen Volksmelodie<br />

und der Musik des 20. Jahrhunderts.<br />

Nach einer markanten Einleitung, die im<br />

Fortepiano mit einem langen Crescendo<br />

und einem dynamisch wieder zurückführenden<br />

Triller in den hohen Holzbläsern<br />

endet, setzt ab Buchstabe A das Thema<br />

ein (Notenbeispiel 2; Klarinetten, Saxophone,<br />

Fagott).<br />

Variation 1 (ab Buchstabe C) bringt<br />

mehr punktierte Elemente, ergänzt um<br />

einen „walking bass“ und Signale in den<br />

Trompeten und Posaunen (Notenbeispiel<br />

3). Nachdem in der ersten Variation die<br />

rhythmische Struktur des Themas verändert<br />

wurde, erklingt in Variation 2 (ab<br />

Buchstabe F) das Thema in einer ganz<br />

anderen Taktart: 5/8 (Notenbeispiel 4).<br />

Variation 3 steht zwar in der Paralleltonart<br />

c-Moll, hat aber trotzdem einen<br />

fröhlichen Charakter (Notenbeispiel 5,<br />

Klarinettensatz). In der vierten Variation<br />

kommt Toeboschs Vorliebe für alte Kirchentonarten<br />

zum Tragen, denn dieser<br />

Abschnitt steht in c-Phrygisch (4 B’s für<br />

die C-Instrumente; Notenbeispiel 6).<br />

Die abschließende Variation ist ein furioses<br />

Scherzo, in der der Komponist immer<br />

wieder 6/8- und 2/4-Takt gegeneinander<br />

stellt. Das Thema der Hymne, das<br />

eigentlich immer durchscheint, wird hier<br />

am meisten durchgeführt und in seine<br />

Bestandteile „zerlegt“.<br />

Toebosch schrieb etwas mehr als eine<br />

Handvoll Werke für Blasorchester, in der<br />

Regel geprägt vom Kontrapunkt aus der<br />

Renaissance und der Zeit davor, aber<br />

auch von der Harmonik des 20. Jahrhunderts.<br />

Als Pflichtstücke waren sie nur selten<br />

bei Wettbewerben verlangt. Obwohl<br />

nicht nur das hier vorgestellte Stück ein<br />

Orchester der Stufe D verlangt, kommentierte<br />

der Komponist diesen Sachverhalt<br />

mit leiser Ironie: „Meine Kompositionen<br />

sind offenbar nicht schwierig genug.“<br />

Joachim Buch<br />

Notenbeispiel 3<br />

Notenbeispiel 4<br />

Notenbeispiel 5<br />

Notenbeispiel 6<br />

18<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Neues<br />

Blasmusik<br />

11 Weihnachtslieder jeweils für<br />

Flöte und für Horn<br />

44 Arrangements von Franz Zaunschirm<br />

Das Blasmusikwesen hat sich innerhalb<br />

der letzten Jahre erstaunlich weiterentwickelt.<br />

Damit ist einerseits die Steigerung<br />

des allgemeinen Niveaus der Musikanten<br />

gemeint, andererseits hat sich auch die<br />

Zusammensetzung der Ensembles in der<br />

Blasmusik insgesamt verändert. „Musik<br />

in kleinen Gruppen“ spielt heute eine wesentliche<br />

Rolle, wenn es um Nachwuchsförderung<br />

geht.<br />

Dem hat der Salzburger Komponist Franz<br />

Zaunschirm Rechnung getragen. Er hat die<br />

schönsten und bekanntesten Weihnachtslieder<br />

für bestimmte Instrumente bearbeitet;<br />

dieses Jahr für Flöte und Horn. Das<br />

Neue daran ist, dass jedes Lied auf vier<br />

Arten musiziert werden kann: 4-stimmig,<br />

3-stimmig, 2- und einstimmig mit Klavier.<br />

Das Besondere an dieser Ausgabe: In<br />

Begleitung zur Printausgabe gibt es auf<br />

www.notendownload.com die Möglichkeit<br />

einer Hörprobe, bzw. kann man eine Playback-Version<br />

der Arrangements herunterladen.<br />

Wer sich nur für einzelne Lieder/<br />

Arrangements interessiert, kann hier jede<br />

Bearbeitung einzeln anhören und die dazugehörigen<br />

Noten als Download kaufen.<br />

Beim Kauf eines Titels ist die mp3-Datei<br />

(Klavierbegleitung oder music-minus-one)<br />

inbegriffen.<br />

Die Liedtitel:<br />

- Jingle bells<br />

- Kling, Glöckchen kling<br />

- Maria durch ein Dornwald ging<br />

- Es ist ein Ros entsprungen<br />

- O du fröhliche<br />

- Josef, lieber Josef mein<br />

- Kommet ihr Hirten<br />

- Aber heidschi, bumbeidschi<br />

- We wish you a Merry Christmas<br />

- O Heiland, reiß die Himmel auf<br />

- Stille Nacht, heilige Nacht<br />

Bestelladresse: http://franz-zaunschirm.<br />

komponentenportal.de<br />

Die Ausgabe der Arrangements der 11<br />

Weihnachtslieder für Flöte. Dasselbe gibt<br />

es auch für Horn.<br />

Zur Person<br />

Franz Zaunschirm<br />

geboren 1953 in Salzburg, war Posaunist bei der Salzburger<br />

Militärmusik. Er studierte an der Universität Mozarteum<br />

sowie in Hamburg Schulmusik, Kirchenmusik<br />

und Komposition.<br />

Zaunschirm lehrte als Dozent und Professor für Komposition<br />

und Musiktheorie an der Hochscule für Musik und<br />

Theater in Hamburg, bevor er 1991 in derselben Funktion<br />

an die Universität Mozarteum in Salzburg zurückkehrte.<br />

Schwerpunkte seines Schaffens sind Werke für Bläser<br />

und Kammermusik sowie Bühnen- und Kirchenmusik.<br />

Darüber hinaus hat er mehr als 200 Bearbeitungen veröffentlicht.<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 19


Die Musikkapelle Andreas Hofer mit<br />

Kapellmeister Erich Abler bei ihrem<br />

Gastkonzert in Öflingen (Baden-<br />

Württemberg) Foto: Bernadette Pfeifer<br />

•Musikpanorama<br />

MK Andreas Hofer zu Gast in Öflingen/Wehr<br />

Besuch in Baden-Württemberg mit musikalischen<br />

und sportlichen Höhepunkten<br />

Zum 44. Mal feierte heuer der Musikverein<br />

Öflingen das dort weitum bekannte Rettichfest.<br />

Dabei gab es regional Kulinarisches,<br />

Fußball und viel Musik. Nach 9-stündiger<br />

Fahrt über den Reschen, vorbei am Bodensee<br />

und Zürichsee, kamen die Musikanten<br />

und Musikantinnen aus St. Leonhard in Passeier<br />

in Öflingen, in der untersten Ecke von<br />

Baden-Württemberg, an und wurden vom<br />

örtlichen Musikverein musikalisch empfangen.<br />

Bei Musik, Spiel und Unterhaltung<br />

trafen sich die Vereine am Abend im Pfarrsaal.<br />

Die Lierntner Böhmische bot dabei Tiroler<br />

Weisen dar.<br />

Eine Rundfahrt ins Markgräfler Weinanbaugebiet<br />

mit Weinverkostung und einer echten<br />

Markgräfler Brotzeit stand am nächsten<br />

Tag auf dem Programm. Zurück in Öflingen<br />

erfolgte zur Mittagszeit auf dem Fußballplatz<br />

der Anstoß zum Rettich-Pokal. Die<br />

Mannschaft aus Mitgliedern der MK Andreas<br />

Hofer bewies dabei, dass sie nicht<br />

nur hervorragend musizieren kann, sondern<br />

dass sie auch gut am Ball ist. Maria<br />

Hofer wurde sogar zur Torschützenkönigin<br />

gekürt. In der vollbesetzten Schulsporthalle<br />

zeigten die „Psairer“ Musikanten später ihre<br />

musikalischen Qualitäten. Das von Dirigent<br />

Erich Abler ausgewählte Programm bot eine<br />

bunte Mischung aus traditionellen Stücken<br />

und zeitgenössischen Kompositionen und<br />

die Musikkapelle erntete dafür begeisterten<br />

Applaus. Ein weiteres Konzert der MK<br />

Andreas Hofer fand am darauffolgenden<br />

Sonntag im vollbesetzten Festsaal statt. Die<br />

Obleute beider Musikvereine, Thomas Pichler<br />

- Eschgfäll und Ralf Pogalzky, freuten<br />

sich über die neugewonnene Freundschaft.<br />

Bernadette Pfeifer<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

Ein Hinweis und eine Bitte<br />

… damit alle etwas vom „Musikpanorama“ haben<br />

Für die Redaktion des <strong>KulturFenster</strong>s ist es sehr erfreulich, wenn viele Musikkapellen ihre Berichte zur Veröffentlichung<br />

im „Musikpanorama“ schicken und wir bedanken uns sehr herzlich für alle Beiträge. Allerdings ist einerseits das Platzangebot<br />

begrenzt und andererseits soll möglichst vielen Musikkapellen „Raum“ für ihre Berichterstattung gegeben werden.<br />

Deshalb wurde die Textlänge mit 1.200 Zeichen (inkl. Leerzeichen) als Richtwert festgelegt. Wir ersuchen daher nachdrücklich,<br />

diese Vorgabe zu berücksichtigen bzw. einzuhalten.<br />

Die Redaktion<br />

20<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Blasmusik<br />

Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“ probt in Osttirol<br />

Hüttenlager in Innervillgraten<br />

Zum 8. Mal gab es bereits ein Hüttenlager<br />

für die Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“. In<br />

diesem Jahr wurde dafür zum zweiten Mal<br />

das Bergheim „Fridl-Mutschlechner-Haus“<br />

auf 1.400 m in Innervillgraten in Osttirol<br />

ausgesucht. Vom 13.bis 17. August verbrachten<br />

18 Jungmusikanten der „y.m.b.<br />

Vintl“ fünf spannende und musikalische,<br />

aber auch abwechslungsreiche Tage in Innervillgraten<br />

im schönen Osttirol. Die Jugendleiter<br />

Andreas Messner und Hannes<br />

Zingerle studierten in dieser Zeit mit ihnen<br />

ein Konzertprogramm ein. Für die Leitung<br />

Mit viel Spaß bereitete sich die<br />

Jugendkapelle Vintl in Osttirol auf die<br />

drei anstehenden Konzerte vor.<br />

von verschiedenen Registern bekamen sie<br />

zusätzlich Unterstützung von Evelyn Delfauro<br />

und Sonja Messner. Gemeinsam waren<br />

sie der Garant dafür, den Jungmusikanten<br />

eine möglichst gute musikalische<br />

Vorbereitung zu geben. Reinhard Hofer,<br />

Magdalena Zingerle, Sandra Hopfgartner<br />

und Helga Volgger haben zudem für die<br />

hervorragende Verköstigung gesorgt. Auch<br />

der Spaß durfte in dieser Woche auf keinen<br />

Fall fehlen und so sorgten Frühsport,<br />

Wanderung, Marschierprobe und verschiedene<br />

Spiele für die nötige Abwechslung.<br />

Das Einstudierte wurde beim Kirchtag in<br />

Vintl, beim Jubiläumskonzert am 3. September<br />

in Vintl sowie beim 4. VSM-Bezirksjugendkapellentreffen<br />

am 11. September<br />

in Antholz Niedertal zum Besten gegeben.<br />

Hannes Zingerle, Jugendleiter<br />

Jugendcamp der MK Zwölfmalgreien<br />

Eine Woche Musik und Spaß in Pens<br />

Am 22. August war es auch heuer wieder<br />

soweit: Die Jungmusikantinnen und<br />

-musikanten der Musikkapelle Zwölfmalgreien<br />

machten sich mit zehn Begleitpersonen<br />

und vier Köchinnen auf den Weg<br />

zum „Lochgietl-Hof“ in Pens, wo das<br />

jährliche Jugendcamp stattfand. Knapp<br />

30 begeisterte Jugendliche musizierten<br />

eine ganze Woche lang unter der Leitung<br />

von erfahrenen Musikanten der Kapelle<br />

und übten sich im Zusammenspiel in<br />

kleineren und größeren Gruppen. Natürlich<br />

kamen bei all den Proben Spaß<br />

und Unterhaltung nicht zu kurz. Bei verschiedensten<br />

Spielen und Gruppenaktivitäten<br />

konnten die Jugendlichen auch<br />

ihre anderen Talente und ihren Teamgeist<br />

unter Beweis stellen und stärken. Die gemütliche<br />

Abschlussfeier am Unterganznerhof<br />

bildete den krönenden Abschluss:<br />

Hier konnten die Jungmusikanten ihr Erlerntes<br />

vor zahlreichen Zuhörern zum Besten<br />

geben und den wohlverdienten Applaus<br />

genießen.<br />

MK Zwölfmalgreien – Brigitte Thurner<br />

Nicht nur farbliche, auch musikalische<br />

Akzente setzten die Jungmusikanten<br />

der MK Zwölfmalgreien beim<br />

heurigen Jugendcamp.<br />

Müjiga de Badia & Wisetime<br />

Tradition meets rock<br />

Die Musikkapelle Abtei stellte sich angesichts<br />

des Frühjahrskonzertes, das am 1.<br />

Mai stattfand, erneut einer neuen Herausforderung.<br />

Unter der Leitung von Kapellmeister<br />

Fridl Pescoller begann sie zunächst mit<br />

der „Fanfare for a New Horizon“ von Thomass<br />

Doss, der dem ladinischen Publikum<br />

bestens bekannt ist. Es folgten die aufwändige<br />

Ouverture aus Gioacchino Rossinis<br />

„Il barbiere di Siviglia“, der anlässlich des<br />

Schlossfestes bei Salem uraufgeführte „Salemonia<br />

Marsch“, das Werk „Mantua“ von<br />

Otto M. Schwarz und schließlich die „Jubiläumsklänge“,<br />

dirigiert von Vizekapellmeister<br />

Raimund Pizzinini. Im zweiten Teil des<br />

Konzerts gab es in einem ungewöhnlichen<br />

Zusammenspiel mit der bekannten einheimischen<br />

Rockgruppe „Wisetime“ einige hörenswerte<br />

Arrangements aus der Popmusik.<br />

Dem Sänger Fabian Pitscheider gelang es<br />

gemeinsam mit seiner Gruppe und der Musikkapelle<br />

das Publikum zu begeistern und<br />

mitzureißen. Wer kennt nicht „Burning love“<br />

von Elvis Presley, „Born to be wild“ von Steppenwolf,<br />

„Everybody needs somebody“ der<br />

Blues Brothers oder „You can leave your hat<br />

on“ von Joe Cocker? Das Publikum rockte jedenfalls<br />

eifrig mit. Beim Pink Floyd-Hit „Another<br />

brick in the wall“, den Matthias Thaler<br />

dirigierte, hatten die „Kids“ der Jungmusikkapelle<br />

ihren großen Auftritt.<br />

MK Abtei<br />

Zu einem hörenswerten Zusammenspiel<br />

zwischen der Müjiga<br />

de Badia, der Rockgruppe „Wisetime“<br />

und den Mitgliedern<br />

der Jugendkapelle kam es beim<br />

heurigen Frühjahrskonzert<br />

(Foto: Freddy Planinschek).<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 21


Vorweg<br />

Netzwerk schaffen<br />

Von der Wichtigkeit gegenseitigen Austausches<br />

Das multimediale Zeitalter mit seinen<br />

schier grenzenlosen Möglichkeiten eröffnet<br />

nicht nur neue Wege der Kommunikation<br />

und der Vernetzung, sondern stellt<br />

uns auch vor eine Reihe neuer Anforderungen.<br />

Was früher der Briefverkehr abgedeckt<br />

hat, trudelt mittlerweile durch den<br />

Äther von Computer zu Tablet oder Mobiltelefon.<br />

Fotos digitaler Herkunft können<br />

auf vielfältige Art und Weise weiter<br />

verarbeitet werden, die Fülle an Optionen<br />

erschließt sich wohl nur dem Fachmann.<br />

Die Liste der Neuerungen, Änderungen<br />

und Verbesserungen lässt sich beliebig<br />

erweitern, doch sind es die zwei genannten,<br />

die für die Arbeit an der vorliegenden<br />

Zeitschrift relevant sind.<br />

Seit nunmehr über 3 Jahren betreue ich<br />

die Rubrik Heimatpflege im Kulturfenster,<br />

schreibe hie und da zu wichtigen Anlässen<br />

außertourliche Artikel und lege ganz<br />

besonderes Augenmerk auf die Gestaltung<br />

der einzelnen Kapitel. Bei meinem<br />

Dienstantritt war die für die Heimatpflege<br />

bestimmte Seitenzahl noch unbegrenzt,<br />

die Sparmaßnahmen in allen Bereichen<br />

des öffentlichen – und sicher auch des<br />

privaten – Lebens haben dieser Freiheit<br />

jedoch Einhalt geboten. 14 Seiten sind die<br />

Obergrenze, 14 Seiten alle zwei Monate,<br />

14 Seiten für knapp 40 Vereine, um die<br />

Realität der Heimatpflege im Lande abzubilden.<br />

Eigentlich sollte dieser magere<br />

Restraum hinten und vorne nicht reichen,<br />

eigentlich sollte es so sein, dass eingesandte<br />

Artikel nicht oder nur bedingt angenommen<br />

werden können. Zumindest<br />

war das meine anfängliche Befürchtung.<br />

Möglichkeiten nutzen<br />

Ich beobachte allerdings eine ganz andere<br />

Tendenz: Mit dem Rückgang von Beiträgen,<br />

mit der Beschneidung von ehemals<br />

festgeschriebenen Geboten, mit dem Verlust<br />

von Ressourcen scheint auch die Bereitschaft<br />

zur Zusammenarbeit, die Bereitschaft<br />

zum gegenseitigen Austausch<br />

ständig zu sinken. Ist dies Ausdruck einer<br />

Krisenstimmung, Ausdruck der rückläufigen<br />

Motivation? Wenn ja, ist dieses Ihnen<br />

vorliegende Medium nicht eine Möglichkeit,<br />

um der Abwärtstendenz mit optimistischen<br />

Worten und Bildern, mit Erfolgen und gelungenen<br />

Projekten Einhalt zu gebieten?<br />

Ich ersuche deshalb alle Leserinnen und<br />

Leser des Kulturfensters, mit ihrem Beitrag,<br />

mit einem Vorschlag für einen Beitrag<br />

diese Möglichkeit gegenseitigen Austausches<br />

nicht ungenutzt zu lassen und den<br />

modernen Anforderungen entsprechend<br />

am Netzwerk Heimatpflege zu arbeiten.<br />

Ihre Sylvia Rottensteiner<br />

Die Arbeit der Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger darf nicht aufhören, Kreise zu<br />

ziehen und Spuren zu hinterlassen.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />

Ihre Beiträge für die Heimatpflege senden Sie bitte an: rottensteiner.sylvia@gmail.com<br />

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie mich unter folgender Nummer: 347 0325027 (Sylvia Rottensteiner)<br />

22<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Das Thema<br />

Heimatpflege<br />

Heiß diskutiert: Langtaufers<br />

Riskante Investition in Projekt mit unsicherer Zukunft<br />

Es sei gestattet, anlässlich des Artikels<br />

„Das letzte Aufgebot“ im Vinschgerwind vom<br />

3.12.2015, mehrere kritische Fragen zum<br />

Plan „Oberländer Gletscherbahn“ in Langtaufers<br />

zu stellen.<br />

Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil dieses<br />

Vorhaben mit Steuergeldern im Ausmaß<br />

von 7,4 Millionen Euro mitfinanziert<br />

werden soll. Zudem stellen Investitionen<br />

in den Skitourismus in Zeiten des Klimawandels<br />

ein hohes Risiko dar. Neben vielen<br />

wirtschaftlichen Zweifeln sind es vor<br />

allem die negativen Auswirkungen auf ein<br />

sensibles, unerschlossenes hochalpines<br />

Tal, die viele Fragen aufwerfen:<br />

• Ist es sinnvoll, in Zeiten des Klimawandels<br />

und des Gletscherschwundes in<br />

die Anbindung an ein Gletscherskigebiet<br />

zu investieren, in dem heute bereits<br />

ein Teil des Eises mit einem Vlies<br />

geschützt werden muss?<br />

• Was lernen wir von den zwei Gletscherskigebieten<br />

des Vinschgaus (Stilfser Joch<br />

und Schnalstal), die wegen des Gletscherrückgangs<br />

und angesichts rückläufiger<br />

Skifahrerzahlen vor großen Herausforderungen<br />

stehen und ihren Betrieb<br />

zeitweise bereits reduzieren mussten?<br />

• Welche Gäste sollten zur versprochenen<br />

Saisonverlängerung im Frühjahr zum<br />

Skifahren kommen?<br />

• Soll mit dem von Kaunertaler Seite vehement<br />

geforderten Zusammenschluss<br />

das Gletscherskigebiet Kaunertal „gerettet“<br />

werden? Eine Verlagerung der Wertschöpfung<br />

in Richtung Kaunertal ist auf<br />

jeden Fall zu befürchten.<br />

• Wie geht man in Langtaufers mit der Gefahr<br />

der Fremdbestimmung um, wenn<br />

Investoren von außen mit ihrem Kapital<br />

Infrastrukturen und Hotelanlagen finanzieren?<br />

• Wie hoch ist die vielfach geäußerte Gefahr<br />

einer Schieflage für die bestehenden<br />

Skigebiete durch die zusätzliche Konkurrenz?<br />

Ist man sich der Gefahr bewusst,<br />

Schöneben, einen sehr gut aufgestellten<br />

und für die Gemeinde Graun zentralen<br />

Betrieb mit zahlreichen Arbeitsplätzen<br />

leichtfertig in Schwierigkeiten zu bringen?<br />

• Kann man ausschließen, dass neben<br />

den bereits bestehenden Skigebieten mit<br />

wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Haider<br />

Alm, Watles, Maseben, Trafoi – Latsch<br />

bereits geschlossen) ein weiteres „Problem“<br />

geschaffen wird? Gibt es Vorsorgepläne<br />

für eine eventuelle Schieflage<br />

oder muss dann wieder die öffentliche<br />

Hand einspringen?<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 23


Das Thema<br />

• Nimmt man sich in Langtaufers mit einer<br />

Verbauung des Melagtales und des<br />

Talschlusses bei Melag nicht die Möglichkeit<br />

eines naturnahen, sanften und<br />

damit längerfristigen Tourismus wie er<br />

von der Initiativgruppe Pfeil für ein intaktes<br />

Langtaufers angestrebt wird? Mit<br />

den geplanten Infrastrukturen würde<br />

die positive Entwicklung in Langtaufers<br />

hin zu einem naturverträglichen Tourismus<br />

mit einem Schlag zerstört und unglaubwürdig.<br />

• Sollte man in einem kleinen Tal mit 433<br />

Einwohnern nicht sanftere Projekte vorantreiben<br />

(Skilanglauf, Schneeschuhwandern,<br />

Bergwandern, Weißkugelhütte,<br />

Erlebnisschule, Höhentraining für Leichtathleten,<br />

…), anstatt mit Projekten für<br />

den Massentourismus leichtfertig die eigene<br />

Authentizität aufs Spiel zu setzen?<br />

• Warum ignorierten die Projektbefürworter<br />

den Willen der Langtauferer Bevölkerung<br />

nach der deutlichen Ablehnung des Zusammenschlusses<br />

im Jahr 1997 und zogen<br />

nicht an einem Strang im Sinne eines<br />

naturnahen Tourismus? Dadurch wurden<br />

viele Jahre der Entwicklung und etliche<br />

Chancen verspielt, sodass Langtaufers<br />

heute als Erholungs- und Feriengebiet<br />

deutlich besser positioniert sein könnte.<br />

• Wie rechtfertigt man die massiven Eingriffe<br />

in ein sensibles, unberührtes Hochtal<br />

mit aktiven Blockgletschern: Lift mit<br />

35 Stützen, Tal-, Mittel- und Bergstation,<br />

zwei neue 4 km lange Pisten, Steinschlagund<br />

Lawinenverbauung, ev. später Beschneiungsanlage?<br />

Kritisch zu sehen<br />

sind auch der zusätzliche Wasser- und<br />

Energiebedarf.<br />

• Hat man an ökologische Ausgleichsmaßnahmen<br />

für diese massiven Eingriffe in<br />

der unberührten Landschaft gedacht,<br />

oder soll alles zum Schaden der Natur<br />

kostenlos geopfert werden?<br />

• Warum ist es in Südtirol möglich, ein Projekt<br />

ohne rechtlichen Rahmen so positiv<br />

zu präsentieren? Es gibt weder eine Eintragung<br />

in den Skipistenfachplan noch<br />

wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

durchgeführt.<br />

• Zur Eintragung in den Skipistenplan<br />

des Landes braucht man ein positives<br />

Gutachten des Umweltbeirates. Kann<br />

dieses angesichts der massiven Eingriffe<br />

in das unberührte Hochtal mit<br />

aktiven Blockgletschern überhaupt erwartet<br />

werden?<br />

Angesichts dieser vielen wirtschaftlichen<br />

Zweifel und negativen Folgen für Natur und<br />

Landschaft wünscht der Heimatpflegeverband<br />

Bezirk Vinschgau dem Bürgermeister<br />

und allen Entscheidungsträgern der<br />

Gemeinde Graun und vor allem der Bevölkerung<br />

den Mut, vom vorgeschlagenen<br />

Projekt abzusehen und sich stattdessen<br />

für sanftere Projekte in Langtaufers und<br />

im Oberland einzusetzen. Dies auch im<br />

Sinne des Südtiroler Alpenvereins AVS,<br />

der die Erschließung der Südtiroler Bergwelt<br />

für abgeschlossen hält und insbesondere<br />

neue Anlagen außerhalb bestehender<br />

Skigebiete strikt ablehnt.<br />

Franz Fliri, Bezirksobmann der<br />

Heimatpflege Vinschgau<br />

Eindrücke unberührter Landschaft in Langtaufers/Kaunertal<br />

24<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Aus Verband und Bezirken<br />

Heimatpflege<br />

„Lorenziraber“ in Buchformat<br />

Patrozinium und Buchvorstellung in den "Lorenziruinen"<br />

Einige Eindrücke von der Veranstaltung am Lorenziacker<br />

Am 10. August <strong>2016</strong> fand traditionsgemäß<br />

in den "Lorenziruinen" das Patrozinium<br />

zum Hl. Laurentius statt.<br />

Wie in den vergangenen Jahren wurde<br />

auch heuer in der Kirchenruine ein Wortgottesdienst<br />

gefeiert, welchen Sänger unserer<br />

Kirchenchöre (Naturns und Tabland-Staben)<br />

mitgestalteten. Im Anschluss<br />

daran erinnerte Josef Pircher an das Singspiel,<br />

welches vor einem Jahr in den Ruinen<br />

aufgeführt wurde und begrüßte besonders<br />

Hanns Fliri, den Autor.<br />

Den Anlass bot die Vorstellung des<br />

Buches über die "Lorenziraber". Es beinhaltet<br />

den gesamten Text von Hanns Fliri<br />

und die Lieder von Ernst Thoma sowie das<br />

Leben des Hl. Laurentius, die Sage über<br />

die "Raber" und die historischen Hintergründe,<br />

soweit sie der Archäologe Hans<br />

Nothdurfter mit seinen Ausgrabungen belegen<br />

und Sepp Waldboth in den verschiedenen<br />

Archiven recherchieren konnte.<br />

Raum für Unheimliches<br />

Hanns Fliri erzählte die Entstehungsgeschichte<br />

des Singspiels. Die "Lorenziraber"<br />

sind in Naturns seit jeher bekannt<br />

und lassen in Erzählungen ganze Generationen<br />

erschaudern, auch die halb<br />

verfallenen Ruinen geben Raum für Unheimliches.<br />

Es gibt verschiedene Varianten<br />

der Geschichte. Eine wurde 1959 von<br />

Lea Selm im Katholischen Sonntagsblatt<br />

niedergeschrieben. In jeder Sage steckt<br />

ein Kern Wahrheit, auch wenn durch die<br />

mündlichen Überlieferungen von Generation<br />

zu Generation immer neue Ausschmückungen<br />

dazugekommen sind.<br />

Die Lorenziraber gibt es jetzt im<br />

Buchformat.<br />

Historisch belegte Hintergründe<br />

Hanns Fliri beschäftigten die "Raber"<br />

über viele Jahre und sein Wunsch, den<br />

Personen ein Gesicht zu geben, wurde<br />

immer stärker. Die Geschichte, wie sie<br />

Hanns Fliri erzählt, spielt um das Jahr<br />

1800 und hat sich genau so wahrscheinlich<br />

nicht zugetragen. Einige Hauptfiguren<br />

sind historisch nachweisbar, nur die Zusammenhänge<br />

können nicht mehr recherchiert<br />

werden und lassen der Fantasie<br />

des Autors viel Raum.<br />

Fruchtbare<br />

Zusammenarbeit<br />

Fliri bedankte sich bei allen, die es ermöglicht<br />

haben, dieses Projekt zu realisieren,<br />

bei seiner Familie für die Unterstützung,<br />

beim Heimatpflegeverein für die<br />

Trägerschaft und die Organisation und bei<br />

den Schauspielern, Musikern und den fleißigen<br />

Händen im Hintergrund.<br />

Der Kirchenchor Tabland/Staben erinnerte<br />

mit Liedern aus dem Singspiel<br />

an die Aufführungen des letzten Sommers<br />

und der Abend klang in gemütlicher<br />

Runde aus.<br />

Weithaler Gapp Johanna<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 25


Aus Verband und Bezirken<br />

Bildstocksanierung beim<br />

Steinweiher in Völlan<br />

Ein Bildstock als Dank für die unversehrte Rückkehr aus dem Krieg<br />

Pfarrer Pater Martin Steiner OT bei der Segnung des Steinweiher-Bildstockes (Foto: Leo Unterholzner)<br />

In Völlan konnte heuer bereits zum zweiten<br />

Mal eine Bildstocksegnung vorgenommen<br />

werden. An der Feldmesse und an der<br />

anschließenden Segnung der Steinweiherkapelle,<br />

zelebriert von Pfarrer Pater Martin<br />

Steiner OT, nahmen neben Vizebürgermeister<br />

Horst Margesin und HSV-Obmann<br />

Albert Innerhofer zahlreiche Völlaner und<br />

Bekannte aus nah und fern teil.<br />

Die Anwesenden konnten erfreut feststellen,<br />

dass der Herz-Jesu-Bildstock in<br />

vorbildlicher Weise und mit viel Liebe fürs<br />

Detail saniert wurde. Wie bereits im Gemeindeblatt<br />

Lana unter der Rubrik Kleindenkmäler<br />

18 erwähnt, geht die Erbauung<br />

dieser Kapelle auf den Steinweiherbauer<br />

Johann Weiss und auf seine Frau Katharina<br />

zurück. Davon berichtete die Seniorbäuerin<br />

und Schwiegertochter der beiden,<br />

Maria Ganterer Weiss. Weiters erwähnte<br />

sie, dass ihr Schwiegervater, 37-jährig, im<br />

Jahre 1914 in den Ersten Weltkrieg ziehen<br />

musste. Zum Dank für seine unversehrte<br />

Rückkehr aus dem Krieg ließen<br />

die gläubigen Eheleute 1921 den Bildstock<br />

errichten. Ausgestattet wurde die<br />

Wegkapelle mit einer Herz-Jesu-Statue<br />

und einem einfachen Betstuhl. Gleichzeitig<br />

gelobte Johann Weiss, Zeit seines<br />

Lebens an jedem Herz-Jesu-Freitag die<br />

Messe zu besuchen und die Hl. Kommunion<br />

zu empfangen.<br />

Der nagende Zahn der Zeit<br />

Im Laufe der Jahre traten witterungsbedingt<br />

an den Mauern der kleinen Kapelle<br />

Schadstellen in Form von Mauerfraß auf,<br />

der sich in sichtbarer Lockerung des Mörtels<br />

manifestierte und da und dort zu Ausblühungen<br />

führte. Zudem war das Dach<br />

undicht, was sich negativ auf den Baubestand<br />

auswirkte. So entschlossen sich die<br />

Eheleute und Eigentümer des Kleinods,<br />

Renate Weiss und Christian Kofler, eine<br />

grundlegende Erneuerung des Bildstockes<br />

durchzuführen, wobei auch die darin befindliche<br />

Herz-Jesu-Statue einer Generalüberholung<br />

unterzogen werden sollte, da<br />

26<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Heimatpflege<br />

bei ihr Trockenrisse und Farbveränderungen<br />

in der Bemalung zu beobachten waren.<br />

Unterstützung durch<br />

Heimatschutzverein<br />

In Zusammenarbeit mit dem Heimatschutzverein<br />

Lana, dessen Obmann Albert<br />

Innerhofer der Familie Weiss Kofler<br />

mit Rat und Tat zur Seite stand, konnten<br />

im Februar <strong>2016</strong> die ersten Instandhaltungsmaßnahmen<br />

an der Kapelle ergriffen<br />

und bis Mitte Mai sämtliche Arbeiten<br />

zu Ende geführt werden. Dazu beigetragen<br />

haben vor allem die beteiligten Handwerker,<br />

und zwar die Zimmerei Christian<br />

Paris und deren Mitarbeiter, die für die<br />

Bedachung sorgten, Baumeister Eduard<br />

Linger, der das gesamte Mauerwerk erneuerte,<br />

Maler Karl Hofer, welcher sich der Kapellenmalereien<br />

annahm und zudem die<br />

Herz-Jesu-Statue aufpolierte sowie Tischler<br />

Herbert Kofler, welcher den schlichten Gebetsstuhl<br />

erstellte. Außerdem unterstützte<br />

der Verschönerungsverein Völlan das Vorhaben<br />

finanziell.<br />

Wohl gewählte Daten<br />

Die Erhaltung dieses Bildstockes war<br />

schon Hermann Weiss Zeit seines Lebens<br />

ein großes Anliegen und so wurde die Segnung<br />

des Bildstockes wohl gezielt auf den<br />

Geburtstag des Seniorbauers (26. Juli) gelegt,<br />

wobei die Mitfeiernden im Rahmen der<br />

Messfeier der beiden Letztverstorbenen der<br />

Familie, besagtem Seniorbauer und dessen<br />

Mutter Maria Ganterer, gedachten. Gleichzeitig<br />

wurde der alte Brauch fortgeführt, alle<br />

Anwesenden zu einer Marende beim Steinweiherhof<br />

einzuladen, um gemeinsam und<br />

gemütlich die Feier ausklingen zu lassen.<br />

Erwähnenswert ist noch, dass an diesem<br />

Herz-Jesu-Bildstock alljährlich, anlässlich<br />

der Fronleichnamsprozession, das dritte<br />

Evangelium abgehalten wird. Wohl in Erinnerung<br />

an die in Völlan 19<strong>05</strong> gegründete<br />

Herz-Jesu-Bruderschaft, deren Mitglieder<br />

sich zu Wohltaten verpflichtet hatten und<br />

bereit waren, an der jährlichen Fronleichnamsprozession<br />

sowie am Herz-Jesu-Fest<br />

mitzuwirken, sind es nun deren Nachfahren,<br />

die weiterhin dieses Gelöbnis in vorbildhafter<br />

Weise aufrechterhalten. Neben<br />

den Besitzern können sich somit auch Prozessionsteilnehmer,<br />

Anrainer und Wanderer<br />

an dem schmucken Kleinod erfreuen.<br />

Elfriede Zöggeler Gabrieli<br />

Steinweiher-Bildstock Völlan (vorher)<br />

(Foto: Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />

Herz-Jesu Statue Steinweiher Bildstock<br />

(vorher) (Foto: Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />

Steinweiher Bildstock (<strong>2016</strong>) (Foto:<br />

Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />

Herz-Jesu-Statue Steinweiher Bildstock<br />

(<strong>2016</strong>) (Foto: Elfriede Zöggeler Gabrieli)<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 27


Altes neu entdeckt<br />

„Der schönste Beruf der Welt…“<br />

Das Grödner Kunsthandwerk in einem persönlichen Portrait<br />

Filip Piccolruaz bei der Arbeit<br />

„Ich habe den schönsten Beruf der Welt“,<br />

erzählt Filip Piccolruaz, seines Zeichens<br />

Bildhauer in St. Ulrich. Wie sein Vater und<br />

dessen Vater hat auch er jenes Handwerk<br />

– oder wohl eher jenes Kunstgewerbe – erlernt,<br />

für welches Ladinien, im Besonderen<br />

das Grödner Tal, nach wie vor die Hochburg<br />

darstellt. „Aussterben wird der Beruf<br />

nicht“, zeigt sich der junge Künstler optimistisch,<br />

„doch die Zahlen der Lehrlinge<br />

und Besucher der Berufsfachschule für das<br />

Kunsthandwerk Gröden sind rückläufig.“<br />

Zählte das Tal in der Blütezeit des<br />

Kunsthandwerks noch an die 400 Bildhauer<br />

und Schnitzer, so sind heute dem<br />

Beruf nur mehr rund 100 Werktätige angehörig.<br />

Viele von denen sind auf einen<br />

weiteren Erwerbszweig angewiesen, haben<br />

sich ein zusätzlichen Standbein im touristischen<br />

Sektor erarbeitet, verdingen sich<br />

in der Landwirtschaft oder einem anderen<br />

Beruf. Filip Piccolruaz gehört zu den<br />

Glücklichen; er kann mit seiner vierköpfigen<br />

Familie von seinen Arbeiten leben.<br />

Seit 15 Jahren gibt er zudem sein Wissen<br />

und seine Erfahrung an die Schüler<br />

der Berufsfachschule für das Kunsthandwerk<br />

Gröden weiter. Nicht immer war das<br />

so, erklärt Gebhard Piccolruaz, der Vater.<br />

Er habe bis in die Mitte der 1980er<br />

Jahre Katalogbestellungen für Wiederverkäufer<br />

gefertigt. Von Einzelstücken und<br />

individueller Interpretation könne dabei<br />

keine Rede sein. Die Freude an der<br />

Arbeit habe ihm die Bekanntschaft mit<br />

einem geistlichen Würdenträger zurückgegeben.<br />

Zunächst war es ein Auftragswerk,<br />

dem weitere folgten. Heute stehen<br />

in und um St. Ulrich zahlreiche Werke<br />

– so beispielsweise die Trachtengruppe<br />

am Dorfeingang−, welche der Werkstatt<br />

Piccolruaz entstammen. Stolz zeigen mir<br />

Vater und Sohn einen üppigen Bildband<br />

über Sakralbauten aus aller Welt, dessen<br />

Umschlag der Dom zu Speyer ziert mit<br />

der Kreuzigungsgruppe aus der Hand<br />

von Gebhard Piccolruaz.<br />

400 Jahr Tradition<br />

Der Wohlstand von St. Urich, St. Christina<br />

und Wolkenstein, den Hauptortschaften<br />

des Grödner Tales, ist nicht<br />

allein dem florierenden Tourismus geschuldet,<br />

der im Sommer Wanderer und<br />

im Winter Skisportler aus aller Welt anlockt.<br />

Vor der touristischen Erschließung<br />

28<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Heimatpflege<br />

Sicherlich hat auch die Gründung der<br />

Kunstschule in St. Ulrich, heute Kunstlizeum,<br />

in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts<br />

zum Aufschwung des Handwerks<br />

beigetragen. Doch hält dieser Aufschwung<br />

schon lange nicht mehr an, bedauert Filip<br />

Piccolruaz.<br />

Holz, Bronze oder Stein<br />

Skulptur im Torggelkeller Kaltern, Kastanienholz leicht bemalt<br />

war es das Kunsthandwerk, die Verbindung<br />

von Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit,<br />

welche dem Tal eine lang anhaltende<br />

Blüte bescherten, die sich auch<br />

oder ganz besonders im Gesellschaftsleben<br />

manifestiert. Der Grundstein hierfür<br />

wurde Mitte des 15. Jahrhunderts gelegt<br />

mit Persönlichkeiten wie Christian Trebinger,<br />

den Gebrüdern Vinatzer oder Dominik<br />

Mahlknecht.<br />

Das Handwerk des Bildhauers ist laut<br />

Zeugnissen bei weitem nicht auf das ladinische<br />

Tal beschränkt. „Was aber in<br />

Gröden als eine ganz besondere Ausnahmeerscheinung<br />

erkannt werden<br />

kann, ist die in die Breite greifende Entwicklung<br />

dieses Handwerks und dieser<br />

Genialität.“ (Moroder: Grödner Kunsthandwerk,<br />

19) Das Herstellen von Gegenständen<br />

aus Holz, von Figuren für<br />

den sakralen und den profanen Raum<br />

wurde zur Hauptbeschäftigung von immer<br />

mehr Menschen. Damit einher gingen<br />

eine immer größere Vielfalt und ein<br />

qualitativ immer höher werdender Anspruch.<br />

Seit 1969 werden ausschließlich<br />

von Hand gefertigte Skulpturen mit der<br />

von der Handelskammer Bozen eingeführten<br />

Plakette „Entirely Hand Carved“<br />

vertrieben, einer Schutzmarke und eines<br />

ausgewiesenen Qualitätssiegels. Ein Zertifikat<br />

rundet das Werk ab.<br />

„Bildhauerei ist vor allem die technische<br />

Operation und die Ausdruck verleihende<br />

Fähigkeit, körperliche Gebilde auszuarbeiten,<br />

sei es aus festen Materialien oder aus<br />

knetbaren, modellierbaren Materialien.“<br />

(Moroder: Grödner Kunsthandwerk, 39)<br />

Vater und Sohn Piccolruaz sind mit<br />

allen Rohstoffen vertraut; nach den Gegebenheiten<br />

wird entschieden, welcher<br />

Werkstoff verwendet werden soll. Vorher<br />

wird ein Modell – eine Plastik – angefertigt,<br />

ein Entwurf aus knetbarem Material.<br />

Später, bei der endgültigen Ausführung,<br />

werden Korrekturen und Umgestaltungen<br />

Frauenakt, Öltonarbeit für einen<br />

Bronzeguss<br />

„Du denkst mit einem Faden mich zu fangen; Hugo Wolf“, amerikanische Kirsche<br />

schwierig. Was Stemmeisen, Feilen oder<br />

Schlegeln einmal zum Opfer gefallen ist,<br />

vermag der Künstler kaum mehr rückgängig<br />

zu machen.<br />

Werkstatt und Ausstellungsraum der<br />

Familie Piccolruaz sind mit einer Auswahl<br />

aus fertigen, fast fertigen Skulpturen<br />

und zahlreichen Entwürfen ausgestattet.<br />

Entgegen meiner Vorstellung dominieren<br />

bei weitem nicht die sakralen Auftragswerke.<br />

Besonders inspirierend wirkt die<br />

moderne Interpretation von Stühlen des<br />

jungen Bildhauers. Begleitet von Musik<br />

sind der Kreativität in der Werkstatt Piccolruaz<br />

keine Grenzen gesetzt. Eine Auswahl<br />

der Werke sowie nähere Kontaktdaten<br />

finden sich auf der Homepage des Bildhauers<br />

www.piccolruaz.com.<br />

Sylvia Rottensteiner<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 29


•Rundschau<br />

Stille Hilfe für das Dorf<br />

Benefiz-Heimatabend in Lana<br />

Künstler, Sänger und Musikanten haben<br />

sich erneut in den Dienst einer guten<br />

Sache gestellt. Sie standen unentgeltlich<br />

für die „Stille Hilfe im Dorf“ auf der<br />

Bühne. Bereits zum 14. Mal wurde heuer<br />

im Saal des Katholischen Arbeitervereins<br />

von Lana der Benefiz-Heimatabend veranstaltet:<br />

Ein musikalisches Stelldichein<br />

im Zeichen der Solidarität und der Nächstenliebe.<br />

Der Erlös von Freiwilligen Spenden<br />

kam der „Stillen Hilfe im Dorf“ zugute.<br />

Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht,<br />

Menschen in Not schnell und unbürokratisch<br />

zu helfen.<br />

Bei der Veranstaltung wirkten mit: die<br />

Burggräfler Alphornbläser, die Gesangsgruppe<br />

„Wetterhexen“ unter der Leitung<br />

von Carmen Declara, „Sepp Dentinger`s<br />

Zithermusik“, Maria Sulzer mit Mundart<br />

und Jodler und der Männergesangverein<br />

von Lana unter der Leitung von Julia<br />

Perkmann. Sprecher des Abends war<br />

Alfred Sagmeister, welcher mit einer lustigen<br />

Theater-Einlage für Witz und Humor<br />

sorgte. Zudem gab es köstlichen Apfelsaft,<br />

kredenzt von Sepp Pircher Hofmann.<br />

Lob und Dank<br />

Bürgermeister Harald Stauder sprach<br />

herzliche Willkommensgrüße und war<br />

voll des Lobes für diese wertvolle Initiative<br />

im Dorf. Unter den Gästen weilten Lanas<br />

Ehrenbürgerin Rosa Franzelin, sowie die<br />

Gemeindereferenten Helga Hillebrand<br />

Malleier und Helmuth Holzner. Rosa Pfattner,<br />

die Verantwortliche der Vereinigung<br />

„Stille Hilfe im Dorf“, dankte allen Mitwirkenden,<br />

Helfern und Sponsoren. Sie<br />

dankte vor allem Heinz Decristan, dem<br />

Obmann des Katholischen Arbeitervereins<br />

Lana, für die unentgeltliche Bereitstellung<br />

des Saales und dem Träger dieser Veranstaltung,<br />

der Schützenkompanie „Franz<br />

Höfler“ mit Hauptmann Andreas Pixner.<br />

Ein ebenso herzliches Dankeschön ging<br />

an Maria Sulzer für ihre organisatorische<br />

Unterstützung.<br />

30<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Heimatpflege<br />

Buchvorstellung und Lesung<br />

Geschwister Fliri stellen in Naturns Neuerscheinungen vor<br />

Am 1. Juni <strong>2016</strong> stellten die beiden Geschwister<br />

Maria und Adolf Fliri in der öffentlichen<br />

Bibliothek Naturns zwei neue<br />

Bücher vor: „Sage, Brauchtum und Geschichten<br />

in und um Naturns“ sowie „Erinnerungen<br />

an die Zeit ohne Strom/Geschichte<br />

der elektrischen Erschließung“.<br />

Maria Fliri Gerstgrasser hat das bekannte<br />

Buch über Sagen, Brauchtum und Geschichten<br />

in Naturns gänzlich überarbeitet<br />

und und mit neuen Inhalten ergänzt.<br />

Adolf Fliri erzählt in seinem neuen Buch<br />

über die Zeit ohne elektrischen Strom am<br />

Sonnenberg und beschreibt den Weg der<br />

Elektrifizierung in den 1970er-Jahren.<br />

Der Abend wurde von der Bibliothek Naturns,<br />

dem Heimatpflegeverein Naturns-<br />

Plaus und der Buchhandlung Hanny organisiert<br />

und endete mit einem geselligen<br />

Umtrunk<br />

Die Titelseiten der vorgestellten Bücher sowie einige Eindrücke des Abends<br />

„G’sung, g’spielt, gitonzt und dozehlt“<br />

Heimatpflegeverband in Dietenheim mit Informationsstand wieder dabei<br />

Am Sonntag, den 11.09.<strong>2016</strong>, fand im<br />

Volkskundemuseum in Dietenheim zum<br />

15. Mal das große Volkskulturfest „G`sung,<br />

g`spielt, gitonzt und dozehlt“ statt. Das Fest<br />

wird seit nunmehr 30 Jahren im Zwei-<br />

Jahres-Rhythmus organisiert. Die ARGE<br />

MundART, die Arbeitsgemeinschaft Volkstanz,<br />

der Heimatpflegeverband Bezirk Pustertal,<br />

der KFS Dietenheim, die Musikkapelle<br />

Dietenheim/Aufhofen, das Südtiroler<br />

Landesmuseum für Volkskunde sowie der<br />

Südtiroler Volksmusikkreis Bezirk Pustertal<br />

traten heuer als Veranstalter auf.<br />

Auch der Heimatpflegeverband Bezirk Pustertal<br />

beteiligt sich seit vielen Jahren an<br />

dieser schönen Veranstaltung. Es ist eine<br />

Gelegenheit, mit vielen an der Volkskultur<br />

interessierten Menschen zusammenzutreffen<br />

und sich auszutauschen. Der Heimatpflegeverband<br />

nützte aber auch heuer die<br />

Gelegenheit, mittels Informationsmaterial<br />

auf seine Wirkungsbereiche hinzuweisen<br />

und für die Anliegen des HPV zu sensibilisieren.<br />

Besondere Beachtung fand die<br />

von Albert Willeit zusammengestellte Po-<br />

wer-Point-Präsentation „100 Bilder in 10<br />

Minuten“ zum Thema Baukultur, welche<br />

in der großen Labe im Parterre des Ansitzes<br />

Mair am Hof gezeigt wurde. Anhand<br />

von ausgewählten Beispielen aus<br />

dem ganzen Land wurde sowohl vorbildliches,<br />

sensibles Bauen als auch Gegenteiliges<br />

gezeigt sowie auf Themen und Probleme<br />

der Raumordnung hingewiesen.<br />

v.l.n.r.: Bernhard Lösch, Walter Harpf,<br />

Claudia Plaikner, Albert Willeit<br />

Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen<br />

Museumsführung, dem HPV und<br />

den vielen anderen Volkskultur-Schaffenden<br />

und Interessierten wird nach dem<br />

heurigen Erfolg wohl mit großer Wahrscheinlichkeit<br />

in zwei Jahren eine Fortsetzung<br />

finden.<br />

Claudia Plaikner,<br />

HPV-Obmannstellvertreterin<br />

„100 Bilder in 10 Minuten“<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 31


Arge Volkstanz<br />

Landesalmtanz <strong>2016</strong><br />

Hofmannwiesen in Reinswald-Sarntal<br />

Alljährlich treffen sich die Volkstänzer<br />

aus ganz Südtirol zum Landesalmtanz der<br />

Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol.<br />

Dieses Jahr hat die Volkstanzgruppe<br />

Sarntal am Sonntag, 7. August <strong>2016</strong>, anlässlich<br />

ihres 25-jährigen Bestehens nach<br />

Reinswald auf die Hofmannwiesen geladen.<br />

Nach der Hl. Messe in der Pfarrkirche<br />

wanderten die vielen Tanzbegeisterten<br />

im Ski- und Wandergebiet Reinswald zu<br />

den Hofmannwiesen. Die Almlandschaft<br />

mit der Sarner Scharte im Hintergrund<br />

bildete eine wunderschöne Kulisse für<br />

das Tanzfest.<br />

Unterhaltung für Jung und Alt<br />

Die Sarner Obfrau Annamarie Heiss eröffnete<br />

mit Martin Kemenater beim traditionellen<br />

Auftanz das Tanzfest. Die Gruppe<br />

„Frisch gstrichn“ aus dem Pustertal spielte<br />

schwungvoll zum Tanz auf und der Tanzboden<br />

füllte sich sogleich mit Volkstänzern<br />

aus nah und fern. Auch die Kleinsten unter<br />

den Gästen kamen nicht zu kurz. Unter<br />

der Leitung von erfahrenen Kindertanzreferentinnen<br />

studierten die Kinder einige<br />

Tänze ein, die sie dann bravourös auf der<br />

Tanzfläche zum Besten gaben.<br />

Lange Tradition<br />

„Der Landesalmtanz hat eine lange<br />

Tradition. Er ist aus verschiedenen Gruppentreffen<br />

auf den Almen hervorgegangen,<br />

bei denen ungezwungen und in geselliger<br />

Runde getanzt wurde“, berichtet<br />

Schneidig aufgetanzt wird beim Almtanz auf den Hofmannwiesen.<br />

Monika Rottensteiner, Erste Vorsitzende<br />

der Arbeitsgemeinschaft. Der Almtanz bietet<br />

auch heute noch Gelegenheit, sich mit<br />

vielen Volkstänzern und deren Familienangehörigen<br />

in einer herrlichen Umgebung<br />

zu treffen, zu plaudern und zu tanzen.<br />

Für das leibliche Wohl sorgte die Volkstanzgruppe<br />

Sarntal unter der Leitung<br />

von Obfrau Annamarie Heiss. Bis in den<br />

späten Nachmittag wurde das Tanzbein<br />

geschwungen und das schöne Sommerwetter<br />

genossen.<br />

Volkstanzgruppe Sarntal<br />

Auch die Kinder zeigten ihr Können.<br />

Hereinspaziert<br />

51. Landes-Kathrein-Tanzfest am Samstag, 12. November <strong>2016</strong>,<br />

im großen Saal des Meraner Kurhauses. Einlass ab 19.00 Uhr, Auftanz um 20.00 Uhr. Zum Tanz spielt die „Südtiroler<br />

Sechser Musig“. Tracht oder festliche Kleidung erwünscht. Tischreservierungen und weitere Informationen im<br />

Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/97<strong>05</strong>55 oder info@arge-volkstanz.org<br />

Volkstanz-Winterlehrgang vom Montag, 26. Dezember <strong>2016</strong>, bis Sonntag, 1. Januar 2017,<br />

im Haus der Familie/Lichtenstern am Ritten. Tanzen, Musizieren und Singen mit fachkundigen Referenten.<br />

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/97<strong>05</strong>55 oder info@arge-volkstanz.org<br />

32<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Arge Lebendige Tracht<br />

Heimatpflege<br />

Tatzlen-Stricken mit<br />

Leidenschaft<br />

Astrid Plankl gibt ihr Können weiter<br />

lenk. Besser halten die mit halbem Daumen.<br />

Tatzlen sollten nämlich immer schön eng<br />

sein und straff angezogen werden, damit<br />

man das Strickmuster gut sieht. Im Schlerngebiet<br />

gibt es noch die kurzen Handschlen,<br />

die zum so genannten schwarzen Ärmel<br />

getragen werden.<br />

Meisterin im Tatzlen-Stricken<br />

Astrid Plankl aus Kastelruth ist eine<br />

geschickte Strickerin. Ob Stieflstrümpfe,<br />

Trachtenstutzen, Sarner oder Trachtenjanker,<br />

sie strickt alles mit großer Leidenschaft.<br />

Besonders haben es ihr aber die<br />

Tatzlen angetan. Sie hält auch Kurse, wo<br />

man das Tatzlenstricken erlernen kann. Sie<br />

ist unter der Handynummer 320-5523619<br />

erreichbar.<br />

Agnes Andergassen<br />

Schwarze lange Tatzlen mit Lochmuster<br />

Handschuhe aus verschiedensten Materialien<br />

gibt es wohl schon seit der Zeit des<br />

Mittelalters. Im 13. Jahrhundert kamen die<br />

gestrickten Handschuhe auf. Sie wurden<br />

aus feiner Wolle, Seide oder Baumwolle gestrickt.<br />

Halbhandschuhe, die die Fingerspitzen<br />

unbedeckt ließen, kamen mit der Mode<br />

des 19. Jahrhunderts auf. Wohl zu dieser<br />

Zeit fanden die Tatzlen auch Eingang in so<br />

manche Tiroler Frauentracht.<br />

Was sind überhaupt Tatzlen?<br />

„Nimm deine Tatze weg!“, sagt man bei<br />

uns im Dialekt. Gemeint ist dabei, etwas<br />

abwertend, die Hand. Die Tatzlen, Tatzlan<br />

oder Tatterlen sind wohl eine niedliche<br />

Bezeichnung für die Trachtenhandschuhe,<br />

die lang oder kurz, immer aber<br />

fingerlos getragen werden. Ursprünglich<br />

aus Stoff oder Fell, sollten sie vor allem<br />

wärmen. Heute sind sie vielfach aus feiner<br />

Wolle oder Garn, gestrickt oder gehäkelt,<br />

schwarz oder weiß, je nach Stand der Trägerin.<br />

Schon längst werden sie das ganze<br />

Jahr über getragen und sind zu einem fixen<br />

Zierelement geworden.<br />

Hauptsache Lochmuster<br />

Beim Stricken beginnt man am Oberarm,<br />

rundherum, nicht zu weit. Zum Handgelenk<br />

hin wird dann am Innenarm schön<br />

langsam abgenommen. Der Daumen setzt<br />

mit einem Keil an. Muster gibt es viele, kein<br />

besonderes für eine bestimmte Gegend.<br />

Hauptsache, es ist ein schönes Lochmuster,<br />

damit man die Haut gut durchsieht.<br />

Je dünner das Garn, umso schöner. Nummer<br />

16 wäre ideal und Stricknadeln Nummer<br />

eineinhalb.<br />

Mit oder ohne Daumen<br />

Es gibt drei Arten von Tatzlen: bis zur<br />

Mitte des Handrückens mit halbem Daumen,<br />

nur mit Daumenloch am Daumenansatz<br />

oder überhaupt nur bis zum Handge-<br />

Astrid Plankl beim Tatzlenstricken auf<br />

der Bozner Herbstmesse 2015<br />

Kurze Kastelruther Handschlen<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 33


•Büchertisch•<br />

Irene Hager/Alice Hönigschmid/Astrid Schönweger<br />

Die Kraft der Südtiroler Kräuter nutzen<br />

Gesundheit, Wohlbefinden und Genuss<br />

aus der Natur<br />

Südtiroler Kräuterfrauen verraten ihre<br />

besten Rezepte: Mit der Vielfalt der<br />

Kräuter kann man sich auf ganz natürliche<br />

Weise etwas Gutes tun. Von<br />

der Lörget-Salbe bis zur Holermula,<br />

vom Petscheler bis zu Wildkräuter-<br />

Tirtlan – für jeden Anwendungsbereich<br />

gibt es in diesem Buch die passenden<br />

Rezepte. Dank einfacher Beschreibungen,<br />

genau erklärter Zubereitungsschritte<br />

und vieler nützlicher Informationen<br />

zum Sammeln und Trocknen<br />

von Kräutern sowie zur Aufbewahrung<br />

und Haltbarkeit kann man eigene<br />

Heilmittel und Schönheitspfl e-<br />

geprodukte selbst herstellen.<br />

Der Inhalt<br />

Südtiroler Kräuteranwendungen für alle Lebensbereiche<br />

wie Hausapotheke, Körper- und<br />

Schönheitspflege, Küche, Haus und Garten:<br />

• umfassender Wissensschatz von 51 Südtiroler<br />

Kräuterfrauen;<br />

• alle Rezepte und Tipps von den Autorinnen<br />

geprüft und erprobt;<br />

• über Generationen Überliefertes und neue<br />

Methoden;<br />

• mit wertvollen Tipps und Tricks zur Nutzung<br />

von Kräuterwirkstoffen;<br />

• neue Kräuter und Heilpflanzen entdecken<br />

sowie Pflanzen im Portrait;<br />

• Grundlagen zur Herstellung von Tinkturen,<br />

Salben, etc.<br />

• übersichtliches Register nach Kräutern<br />

für schnelles Nachschlagen;<br />

• reich bebildert mit über 600 Fotografien.<br />

Irene Hager/Alice Hönigschmid/Astrid<br />

Schönweger: Die Kraft der Südtiroler<br />

Kräuter nutzen. 350 Rezepte und Tipps<br />

für Wohlbefinden, Schönheit, Küche,<br />

Haus und Garten. Athesia, 29,90 Euro.<br />

Reinhold Stecher<br />

Mit Leben anstecken<br />

Neue Texte, Bilder und Zeichnungen aus<br />

dem Nachlass, herausgegeben von Paul<br />

Ladurner<br />

Bisher unveröffentlichte Gedichte, Karikaturen,<br />

Bilder und Geschichten zum Lachen<br />

und Nachdenken, über Werte und Worte<br />

oder göttliche Gärtner, über Kirchenpolitik<br />

und Kirchenchöre, Schwarze Mander<br />

und dunkle NS-Zeiten.<br />

Der Autor<br />

Reinhold Stecher war über dreißig Jahre<br />

in der Jugendseelsorge und als Religionspädagoge<br />

tätig und von 1981 bis 1997 Bischof<br />

der Diözese Innsbruck; erfolgreicher<br />

Autor, Zeichner und Maler; Träger zahlreicher<br />

Preise, u.a. Ökumenischer Predigtpreis<br />

2010 für sein Lebenswerk (Bonn).<br />

Jedes seiner Bücher – alle bei Tyrolia erschienen<br />

– ist zu einem Bestseller geworden<br />

(Gesamtauflage über 700.000<br />

Exemplare).<br />

Reinhold Stecher: Mit Leben anstecken.<br />

136 Seiten, 22 farb. Abb. und 24 sw. Zeichnungen;<br />

15 x 22,5 cm; gebunden mit Schutzumschlag;<br />

Tyrolia-Verlag; 19,95 Euro.<br />

Reinhold Stecher<br />

Bildkalender 2017<br />

13 stimmungsvolle Ansichten für ein<br />

ganzes Jahr – gesehen mit den Augen<br />

des Malers und Naturliebhabers Reinhold<br />

Stecher.<br />

Reinhold Stecher: Bildkalender 2017.<br />

Wandkalender mit Spirale, 15 Blätter; 13.<br />

farb. Abb. (Aquarelle), 34 x 42 cm. Tyrolia-Verlag;<br />

22,95 Euro<br />

Reinhold Stecher<br />

Die leisen Seiten der<br />

Weihnacht<br />

Wieder neu aufgelegt: Reinhold Stecher<br />

liest aus seinem Buch; mit Musik von<br />

Johann Sebastian Bach aus der Suite<br />

<strong>Nr</strong>. 1 für Violoncello (BWV 1007); für<br />

Gitarre bearbeitet und interpretiert von<br />

Kurt Walchensteiner.<br />

Reinhold Stecher: Die leisen Seiten der<br />

Weihnacht. 1 Audio-CD; 62 Minuten.<br />

Tyrolia-Verlag; 14,95 Euro.<br />

34<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Im Gedenken<br />

Heimatpflege<br />

Einer rührigen Heimatpflegerin<br />

zum ehrenden Gedenken<br />

Nachruf auf Anna Schwarz<br />

Vor einigen Wochen wurde – begleitet<br />

von einer großen Trauergemeinde im<br />

Tschöggelberger Hauptort Mölten – die<br />

langjährige Lehrerin, Heimatpflegerin<br />

und Chronistin Anna Schwarz zu Grabe<br />

getragen.<br />

Mit Anna Schwaz schloss sich der Lebensbogen<br />

einer Frau, die sich nach dem<br />

II. Weltkrieg dem Aufbau der deutschen<br />

Schule von erster Stunde an verschrieben<br />

hatte. Mehrere Generationen von Möltner<br />

Kindern hat sie zu tüchtigen und strebsamen<br />

Menschen erzogen. Ihre große<br />

Leidenschaft war aber die Heimatpflege,<br />

der sie sich mit Leib und Seele widmete.<br />

Daher war sie auch lange Jahre Ortsbeauftragte<br />

des Landesverbandes für Heimatpflege<br />

und dessen Ansprechpartnerin<br />

in der Gemeinde Mölten.<br />

Seit dem Aufbau des Chronistenwesens<br />

bearbeitete Anna Schwarz auch die Dorfchronik<br />

von Mölten und instruierte ihre<br />

Nachfolgerin Marianne Hofer. Das vor 20<br />

Jahren erschienene Dorfbuch von Mölten<br />

war auch maßgeblich von ihr mitgestaltet<br />

und getextet worden. Zudem war Anna<br />

Schwarz in der Trachtenpflege federführend.<br />

Viele Wappenforschungen, Stammbäume<br />

der Möltner Familien sowie Höfechroniken<br />

hat sie für Bewohner von Mölten<br />

und Umgebung bearbeitet.<br />

Die Dorfgemeinschaft kann auf ihr idealistisches<br />

und vielfältiges kulturelles Werk<br />

zurückschauen und die Möltner und alle,<br />

die Anna Schwarz kannten, werden ihr<br />

ein dankbares und ehrendes Andenken<br />

bewahren.<br />

Georg Hörwarter<br />

Aus dem Leben von Anna Schwarz…<br />

…, der „Wirtsnandl“, wie sie von den<br />

Möltnern einfach genannt wurde. Dass es<br />

sich dabei um die langjährige Volkschullehrerin<br />

und Schulleiterin von Mölten handelte,<br />

war für jeden und jede in Mölten<br />

selbstverständlich.<br />

Anna Schwarz ist am 11 Januar 1920<br />

als ältestes von acht Kindern beim Unterwirt,<br />

im Gasthaus „Zum Hirschen“, in Mölten<br />

geboren.<br />

Kindheit unter dem Faschismus<br />

Die kleine Anna wurde in die Zeit der<br />

Annexion Südtirols an Italien, des Faschismus<br />

mit der Italianisierung des Landes,<br />

in die Zeit der Unterdrückung, Verfolgung<br />

und der Strafen hineingeboren.<br />

Schon früh wurde sie mit der Problematik<br />

dieser Zeit konfrontiert. Da Anna im Gasthaus<br />

aufwuchs, blieben ihr die damalige<br />

politisch gespannte Lage und die hitzigen<br />

Gespräche der Bauern am Stammtisch<br />

nicht verborgen. Als sie 1926 einschulte,<br />

wurde der Deutschunterricht in den Schulen<br />

Südtirols verboten. Nandl erzählte später<br />

oft und anschaulich von ihren Schulerlebnissen<br />

und betonte immer wieder, wie<br />

gut wir es heute doch hätten, wie sehr wir<br />

unsere Freiheit und besonders den Frieden<br />

schätzen sollten.<br />

Zeit der Katakombenschulen<br />

Kaum ausgeschult wurde sie mit 17 Jahren<br />

als Katakombenlehrerin in Mölten tätig<br />

und gab heimlich Deutschunterricht. Die<br />

Rodel ziehend oder mit einer Milchkanne<br />

in der Hand stapfte Anna im Winter durch<br />

den Schnee zu den einzelnen Höfen. Vier<br />

bis fünf schulpflichtige Kinder warteten dann<br />

dort in der Bauernstube auf ihre Katakombenlehrerin.<br />

Einmal, während einer Unterrichtsstunde,<br />

erblickten die Kinder durch<br />

das Stubenfenster am Horizont des Feldes<br />

einen Carabiniere. In aller Eile „wurschtelte“<br />

Anna die Übungsblätter zusammen<br />

und warf sie ins Ofenloch. Wie gut sie daran<br />

getan hatte und wie gut es war, dass<br />

im Stubenofen ein lustiges Feuerchen knisterte,<br />

erwies sich, als der Carabiniere im<br />

Laufe seiner Nachforschungen doch tatsächlich<br />

auch ins Ofenloch schaute. Die<br />

Kinder spielten mit Anna „Mensch ärgere<br />

dich nicht“ und der Beamte zog missmutig<br />

ab. Geschrieben wurde daraufhin ausschließlich<br />

auf kleine Schiefertafeln, die<br />

nachher wieder fleißig gelöscht werden<br />

konnten. Die Klöster wurden zu den Zellen<br />

der geheimen Lehrervorbereitung.<br />

In Bozen, im Überetsch und Pustertal<br />

wurde Anna mit anderen engagierten Mädchen<br />

aus ganz Südtirol von Maria Nicolussi<br />

für diesen Unterricht vorbereitet. Die ganze<br />

Aktion geschah im Verborgenen. Die Vorbereitungen<br />

für die Unterrichtseinheiten wur-<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 35


Im Gedenken<br />

Zahlreiche Auszeichnungen<br />

Beim Schneider in Mölten; 1493 ursprünglich „haus auf dem Kofl ob der schmitten<br />

im dorf“, um 1800 „Bäckenhaus“, weil dort eine Bäckerei war. Die Großeltern des<br />

Bildhauers Gustav Gurschner (1873-1970) kauften 1840 das Bäckenhaus. Der Wirtsschneider,<br />

Franz Schwarz, ein Onkel von Anna Schwarz, kaufte 1926 das Haus, seitdem<br />

heißt es „beim Schneider“ in Mölten. (Chronik von Mölten, herausgegeben von<br />

der Dekanalpfarre Mölten ,1990)<br />

den auf kleine Zettel notiert, die man bei<br />

eventuellen Kontrollen durch die faschistischen<br />

Sicherheitsorgane schnell unter<br />

dem Rock verschwinden lassen konnte.<br />

In Mölten erklärte man die Abwesenheit<br />

von Anna mit dem Besuch einer Näh- oder<br />

Kochschule. Vorsicht war immer und überall<br />

geboten. Man konnte auch im eigenen<br />

Dorf nicht jedem trauen; Verrat war an der<br />

Tagesordnung. Zudem waren Annas Eltern<br />

für die Carabinieri im Ort ein „rotes Tuch“.<br />

Ihr Vater, der Unterwirt, „vergaß“ nämlich<br />

des Öfteren, an Nationalfeiertagen die italienische<br />

Fahne auszuhängen. Außerdem<br />

sang man in der Wirtsstube nach Feierabend<br />

häufig Heimat-, Schimpf- und Antiregimelieder,<br />

worauf es immer wieder zu<br />

Konfrontationen mit der faschistischen Aufsichtsbehörde<br />

kam.<br />

Ein Leben für die Bildung<br />

Später brachte Anna, unterstützt durch<br />

die tatkräftige Direktorin Maria Kögl, in<br />

deutschen Abendkursen jungen Leuten<br />

das Lesen und Schreiben bei. Die italienische<br />

Schule hatte es nämlich zustande<br />

gebracht, dass gar manche Schüler als<br />

Analphabeten ausschulten. Anna organisierte<br />

auch Haushaltungskurse und leitete<br />

in der Folge Jahrzehnte hindurch die<br />

Grundschule in Mölten. Anna, der Lehrer<br />

Alois Kofler, seine Frau Natalia und Dekan<br />

Franz Graf waren damals „die Schulleute“<br />

in Mölten schlechthin. Als Anna, die engagierte<br />

Volksschullehrerin im Jahre 1980 in<br />

den Ruhestand trat, widmete sich die heimatverbundene<br />

Mitbürgerin vor allem der<br />

Ahnenforschung. Die vielen gesammelten<br />

Unterlagen ihres geistlichen „Vetters Josef“,<br />

Josef Schwarz, waren für sie wichtige Quellen,<br />

aus denen sie verlässliche und umfangreiche<br />

Informationen über Familienzusammenhänge<br />

und Höfegeschichten<br />

schöpfen konnte.<br />

Verstärktes Interesse am<br />

Weltgeschehen<br />

Als Wirtstochter und Pensionsbetreiberin<br />

in ihrer „Bergheimat“ verfügte Anna über<br />

einen großen Bekanntenkreis im In- und<br />

Ausland. Bis ins hohe Alter pflegte sie mit<br />

vielen Persönlichkeiten regen Briefkontakt<br />

und nutzte gern deren Einfluss in Kultur<br />

und Politik zu Gunsten ihrer Gemeinde.<br />

Sie unternahm zahlreiche Reisen, verfolgte<br />

stets interessiert alle Veränderungen und<br />

äußerte sich oft kritisch gegenüber manchen<br />

Entwicklungen im Weltgeschehen.<br />

Es gab wohl wenige Frauen oder Männer,<br />

die das wechselvolle 20. Jahrhundert<br />

so intensiv miterlebt haben wie Anna<br />

Schwarz. Ihr Leben war ein Leben für die<br />

Schule und für die Heimat, vor allem ein<br />

Leben für Mölten.<br />

1974 erhielt Anna vom damaligen Landeshauptmann<br />

Silvius Magnago und Kulturassessor<br />

Anton Zelger die Ehrenurkunde<br />

„Dank der Heimat“ für ihre Tätigkeit als<br />

Katakombenlehrerin; 1990 wurde sie unter<br />

dem bereits verstorbenen Möltner Bürgermeister<br />

Franz Josef Karnutsch zur Ehrenbürgerin<br />

von Mölten ernannt und im Jahre<br />

1994 erhielt sie als Würdigung ihrer vielfältigen<br />

Verdienste in Innsbruck von den<br />

Landeshauptmännern Tirols und Südtirols<br />

die Verdienstmedaille des Landes Tirol.<br />

Als Anna merkte, dass ihre Kräfte nachließen<br />

und das Alter ihr zu schaffen machte,<br />

übergab sie der Gemeinde Mölten all ihre<br />

wertvollen Sammlungen über Geschichte,<br />

ihre Aufzeichnungen und Unterlagen über<br />

Dorf, Höfe, Schule und Leute, die sie in<br />

ihrem langen Leben zusammengetragen<br />

hatte. Dies macht deutlich, wie wichtig es<br />

ihr war, dass die Möltner unverfälscht ihre<br />

Bodenständigkeit bewahren und Mölten für<br />

die Nachwelt weiterhin lebenswert erhalten.<br />

Dafür gebührt ihr große Anerkennung<br />

und der Dank der ganzen Möltner Bevölkerung.<br />

Am Donnerstag, den 30. Juni <strong>2016</strong>,<br />

ging Anna Schwarz heim zu ihrem gütigen<br />

Schöpfer. Die Möltner tragen mit „der Wirtsnandl“<br />

nun ein Stück Möltner Geschichte<br />

zu Grabe. Sie werden Frau Anna Schwarz<br />

ein bleibendes Andenken bewahren.<br />

Marianne Perkmann Hofer, Chronistin<br />

Bettlrichterhaus; ursprünglich<br />

Gemeindehaus; schon 1288 wird „der<br />

scherge“ (Gemeindediener) erwähnt,<br />

1777 heißt es Gerichtsdienerhaus.<br />

Zuletzt wohnten dort der<br />

Gemeindediener oder Bettlrichter<br />

(Büttel) oder auch der Dorfmesner.<br />

(Chronik von Mölten, herausgegeben<br />

von der Dekanalpfarre Mölten ,1990)<br />

36<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Vorweg<br />

Chorwesen<br />

Im Dienste der singenden<br />

Menschen<br />

Geschäftsführer Josef Mair geht in den Ruhestand<br />

Der Südtiroler Chorverband und der<br />

Tiroler Sängerbund haben zum 6. Gesamttiroler<br />

Wertungssingen am 12./13.<br />

November <strong>2016</strong> nach Innsbruck eingeladen.<br />

Erfreulicherweise beteiligen sich 36<br />

Chorgemeinschaften mit über 1.200 Sängerinnen<br />

und Sängern an dieser kleinen<br />

Chorolympiade. Diese Veranstaltung ist<br />

mittlerweile eine Einrichtung geworden,<br />

die als fester Bestandteil in der Zusammenarbeit<br />

der beiden Chorverbände angesehen<br />

werden kann.<br />

Einer, der das enge und freundschaftliche<br />

Miteinander der beiden Verbände<br />

immer unterstützt und gefördert hat, der<br />

auch in der Vorbereitung dieses Wertungssingens<br />

sein ganzes Wissen eingebracht<br />

hat, wird sich Ende <strong>Oktober</strong> in<br />

den verdienten Ruhestand verabschieden:<br />

Josef Mair. Seit 27 Jahren ist er als<br />

Geschäftsführer Dreh- und Angelpunkt<br />

in der Geschäftsstelle des Südtiroler<br />

Chorverbandes. Immer freundlich und<br />

zuvorkommend, ausgestattet mit großer<br />

Fachkompetenz versieht er mit äußerster<br />

Professionalität, beispielhafter Zuverlässigkeit<br />

und großem persönlichen Einsatz<br />

zur vollsten Zufriedenheit aller die vielen<br />

Aufgaben. Mit großer Überzeugungskraft<br />

hat er all die Jahre im Dienste der singenden<br />

Menschen gewirkt. Für mich war<br />

er immer ein wertvoller Berater und hochgeschätzter<br />

Freund. In Dankbarkeit wünsche<br />

ich im Namen des Südtiroler Chorverbandes<br />

das Allerbeste für die Zukunft.<br />

Das Gesamttiroler Wertungssingen erlebt<br />

also heuer seine bereits sechste Auflage.<br />

Die vergangenen Ausgaben dieses<br />

Chorfestes, welches für Begegnung, Erfahrungsaustausch<br />

und Standortbestimmung<br />

steht, erwiesen sich immer als<br />

herausragendes Ereignis Gesamttiroler<br />

Chorkultur. Das Singen wird selbstverständlich<br />

im Mittelpunkt stehen, ebenso<br />

aber auch die Begegnung, genauso wie<br />

der Gedankenaustausch zwischen Gleichgesinnten.<br />

Das ist gewissermaßen die<br />

menschliche Dimension dieser Initiative.<br />

An beiden Tagen werden einander viele<br />

Hunderte Menschen begegnen. Ich sehe<br />

im Wertungssingen eine hervorragende<br />

Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, sich<br />

kennenzulernen, freundschaftliche Beziehungen<br />

zu festigen und zu vertiefen.<br />

Singen schafft Brücken und verbindet, ich<br />

bin überzeugt, in Innsbruck wird wiederum<br />

wertvolles Potential für eine gemeinsame<br />

Arbeit auch in Zukunft geschaffen.<br />

Ein wichtiger Aspekt ist die Standortbestimmung.<br />

Es geht nicht um Rangordnungen<br />

im sportlichen Sinne, sondern<br />

um Möglichkeiten des Vergleichs.<br />

Chöre brauchen Maßstäbe, an denen sie<br />

sich messen und orientieren können. Im<br />

Vergleich mit anderen Singgemeinschaften<br />

wird die eigene Position erspürt und<br />

wahrgenommen, die Chorleiterinnen und<br />

Chorleiter erhalten von international anerkannten<br />

Chorfachleuten Hinweise, wo<br />

sie sich auf ihrem Weg in der Chorlandschaft<br />

befinden. Die Bemerkungen der<br />

Jury sollen richtungsweisende Hilfestellungen<br />

für eine weiterführende Qualitätssteigerung<br />

sein, gewissermaßen ein<br />

Leitfaden, nachdem sie ihre zukünftige<br />

Arbeit ausrichten können. Und etwas<br />

möchte ich ganz fest unterstreichen,<br />

der Wert der Wettbewerbsleistung befindet<br />

sich jenseits der Bühne: in der Entwicklung<br />

von Musikalität, in der Verbesserung<br />

des Chorklangs, in der Stärkung<br />

des Selbstwertgefühls, in der Förderung<br />

des Teamgeistes.<br />

Möge das 6. Gesamttiroler Wertungssingen<br />

für alle Sängerinnen und Sänger,<br />

sowie für die interessierten Zuhörerinnen<br />

und Zuhörer zu einem nachhaltigen musikalischen<br />

Erlebnis werden. Ich wünsche<br />

der Veranstaltung einen harmonischen<br />

Verlauf und den mitwirkenden Chören<br />

noch eine erfolgreiche Vorbereitung und<br />

ein beherztes Auftreten in Innsbruck.<br />

Erich Deltedesco,<br />

Obmann des Südtiroler Chorverbandes<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 37


Das Thema<br />

Gemeinschafterlebnis und<br />

Leistungsvergleich<br />

6. Gesamttiroler Wertungssingen in Innsbruck am 12./13. November<br />

Bald ist es wieder soweit: Chöre aus Nord-,<br />

Ost- und Südtirol treffen sich am 12. und 13.<br />

November <strong>2016</strong> zu einem Leistungsvergleich<br />

und einer Standortbestimmung, wie es nun<br />

schon Tradition für die Chöre des Südtiroler<br />

Chorverbandes und des Tiroler Sängerbundes<br />

ist.<br />

Das erste Gesamttiroler Wertungssingen<br />

wurde 2001 in Sterzing ausgetragen und<br />

fand seither alle drei Jahre statt. Heuer treffen<br />

sich die Chöre in Innsbruck, um neue<br />

Impulse für das eigene Chorleben zu erfahren<br />

und sich mit der eigenen Leistung<br />

auseinanderzusetzen. „Das Wertungssingen<br />

ist eine wertvolle Gelegenheit, zu intensivem<br />

Proben motiviert zu werden, sich<br />

mit anderen Chören zu vergleichen, neue<br />

Literatur kennenzulernen und vom Urteil einer<br />

kompetenten Jury Anregungen mitzunehmen“,<br />

ist Verbandsobmann Erich Deltedesco<br />

überzeugt. In seiner Grundidee ist<br />

das Wertungssingen also nicht ein Wettstreit,<br />

sondern vielmehr ein Chorfest, bei<br />

dem Begegnung, Erfahrungsaustausch und<br />

Standortbestimmung im Vordergrund stehen.<br />

„Der Leistungsvergleich mit anderen<br />

Chören ist immer wieder spannend und hilft<br />

die eigenen Stärken und Schwächen besser<br />

kennenzulernen“, betont der Verbandsobmann.<br />

Nicht zuletzt sei auch das Gemeinschaftserlebnis,<br />

das den Chor bei solchen<br />

Veranstaltungen zusammenschweißt, etwas<br />

Einmaliges.<br />

Die Teilnehmer<br />

Aus Südtirol werden heuer vierzehn<br />

Chöre teilnehmen und sich den Herausforderungen<br />

des Auftritts vor einer Jury stellen:<br />

Der Cor di Jëuni Gherdëina unter der<br />

Leitung von Samuel Runggaldier, Brumm<br />

Net unter der Leitung von Klara Sattler, der<br />

Männerchor Schluderns unter der Leitung<br />

von Robert Ruepp, der Männerchor Mals<br />

unter der Leitung von Siegfried Flora, der<br />

Kirchenchor St. Johann/Völser Aicha unter<br />

der Leitung von Elisabeth Weinreich,<br />

Freude an intensiver Auseinandersetzung mit Chorliteratur und mit den eigenen<br />

Möglichkeiten – dafür steht das Wertungssingen.<br />

der Kirchenchor St. Jakob/Pfitsch unter der<br />

Leitung von Heinrich Pramsohler, die Singgemeinschaft<br />

Runggaditsch unter der Leitung<br />

von Friedemann Ploner, das Ensemble<br />

„vox jubilans“ unter der Leitung von Hans<br />

Schmidhammer, der Vinschger Chor unter<br />

der Leitung von Gernot Niederfriniger,<br />

der Kirchenchor „St. Wolfgang“ Radein unter<br />

der Leitung von Matthias Gurndin, der<br />

Cor Kérygma unter der Leitung von Agnes<br />

Irsara, der Freizeitchor Radein unter der<br />

Leitung von Günther Gurndin, der Kirchenchor<br />

Langtaufers unter der Leitung von Andreas<br />

Fliri und Gaudium unter der Leitung<br />

von Sebald Goller.<br />

Vielfältiges Liedprogramm<br />

Gottesdienst und Festakt<br />

Das Wertungssingen wird im Ursulinensaal<br />

der Musikschule Innsbruck (Innrain 5)<br />

durchgeführt, auch die Einsingräume befinden<br />

sich im Areal der Musikschule. Zum Vortrag<br />

kommen zumindest ein vorgegebenes<br />

Pflichtlied und Chorwerke nach eigener<br />

Wahl. Der gesamte Auftritt darf für die Chöre<br />

der Kategorien A und B – das heißt leichte<br />

und mittelschwere Literatur - 15 Minuten,<br />

für die Kategorie C - „anspruchsvolle Chorliteratur“<br />

- 20 Minuten nicht überschreiten.<br />

Die Chöre werden geistliche und weltliche<br />

Lieder aus allen Stilrichtungen und Epochen<br />

singen und von einer sechsköpfigen Experten-Jury<br />

unter dem Vorsitz von Prof. Johann<br />

van der Sandt bewertet. Dabei stehen vor<br />

allem Intonation, Rhythmus, Chorklang,<br />

Dynamik, Sprachbehandlung und Textverständlichkeit,<br />

musikalische Gestaltung sowie<br />

die Programmwahl im Verhältnis zu den<br />

Fähigkeiten des Chores und die Bühnenpräsenz<br />

im Mittelpunkt. Die Chöre der Kategorien<br />

B und C erhalten eine schriftliche<br />

Bewertung mit Prädikat und der Bekanntgabe<br />

der erzielten Punktezahl. Chöre der<br />

Kategorie A können sich entscheiden, ob<br />

sie auf die gleiche Weise bewertet werden<br />

wollen, oder ob sie ein persönliches Jurygespräch<br />

mit einem der Juroren unmittelbar<br />

nach dem Auftritt vorziehen. Alle Chöre erhalten<br />

einen schriftlichen Wertungsbericht<br />

der Jury, der erfahrungsgemäß ein wertvoller<br />

Impuls auch für die Zukunft ist. Wie<br />

die Vorbereitung an sich kann auch er beitragen<br />

zu einer längerfristigen Steigerung der<br />

Motivation und der musikalischen Qualität.<br />

Einige teilnehmende Chöre werden bei<br />

einer gemeinsam gestalteten Abendmesse<br />

am Samstag, 12. November, in der Jesuitenkirche<br />

mitwirken. Der Festakt mit der Überreichung<br />

der Urkunden findet am Sonntag,<br />

13.11., um 18 Uhr im Congress, Saal Innsbruck,<br />

statt.<br />

38<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Im Gedenken<br />

Chorwesen<br />

Pionier der Musikpädagogik<br />

Im Gedenken an Univ.-Prof. Josef Sulz<br />

Er prägte nicht nur die Musikpädagogik<br />

in Österreich mit, sondern auch jene<br />

in Südtirol. Er galt als Pionier der Musikerziehung<br />

in Tirol, Generationen von Musiklehrern<br />

wurden von ihm ausgebildet<br />

und er war der Initiator des Mozarteums<br />

in Innsbruck: Univ.-Prof. Josef Sulz ist am<br />

13. Juli gestorben.<br />

Auch in Südtirol hat er die Spuren seines<br />

reichen Wirkens hinterlassen: So gab<br />

er 1984 gemeinsam mit Johanna Blum,<br />

Gretl Brugger und Stefan Demetz „Kommt<br />

zum Singen. Liederbuch aus Südtirol“<br />

heraus und 1985 im Auftrag des Pädagogischen<br />

Instituts des Landes Südtirol<br />

den curricularen Lehrplan für das Fach<br />

Musikerziehung an der Mittelschule. Besonders<br />

am Herzen lag ihm die Volksmusik,<br />

die musikalische Früherziehung und<br />

die Musikpädagogik im Allgemeinen, wovon<br />

sein Wirken und auch viele wissenschaftliche<br />

Beiträge zeugen, etwa auch<br />

im „Schlern“, wo sich Prof. Sulz mit der<br />

Volksmusik in Südtirol auseinandersetzte.<br />

Mit der Gründung des „Instituts für Musikalische<br />

Volkskunde“ (heute „Fachbereich<br />

Musikalische Ethnologie“) am<br />

Mozarteum (1987) schuf Josef Sulz die<br />

einzige universitäre Forschungseinrichtung<br />

Westösterreichs für traditionelle<br />

Musik im Alpenraum. Er war auch der<br />

Gründer des „Alpenländischen Volksmusikwettbewerbes“<br />

(1974) in Innsbruck.<br />

Als Kirchenmusiker leitete er jahrzehntelang<br />

den Kirchenchor von Natters und<br />

es freute ihn besonders, dass seine<br />

sakralen Kompositionen große Anerkennung<br />

fanden.<br />

Josef Sulz wurde 1930 in Patzmannsdorf,<br />

Niederösterreich, in einer<br />

bäuerlichen Familie geboren.<br />

Nach der Matura studierte er Musikerziehung<br />

an der Musikakademie<br />

Wien und Geschichte an der Universität<br />

Wien sowie später Musikwissenschaft<br />

an der Universität Innsbruck.<br />

Ab 1956 wirkte er als Gymnasiallehrer<br />

in Feldkirch und von 1957–1971<br />

in Innsbruck. Von 1971–1980 war<br />

Josef Sulz Fachinspektor für Musikerziehung<br />

für die Bundesländer Salzburg,<br />

Tirol und Vorarlberg. Damals<br />

lebte er mit seiner Familie bereits in<br />

Natters bei Innsbruck. Er betrieb den<br />

Aufbau einer Abteilung für Schulmusik<br />

am Innsbrucker Konservatorium,<br />

die 1981 von der Salzburger Musikhochschule<br />

Mozarteum als dislozierte<br />

Abteilung übernommen wurde. Josef<br />

Sulz ist somit der Initiator des Mozarteums<br />

in Innsbruck.<br />

Im Jahr 1979 wurde er als Professor<br />

für Musikpädagogik an die Musikhochschule<br />

München berufen. Schon<br />

drei Jahre später, 1982, erfolgte seine<br />

Berufung als ordentlicher Professor an<br />

die Musikhochschule Mozarteum Salzburg,<br />

Abteilung für Musikerziehung<br />

in Innsbruck. Diese Abteilung baute<br />

er neu auf und leitete sie bis 1988.<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 39


Aus Verband und Bezirken<br />

„Gesang überwindet<br />

Grenzen!“<br />

Tag der Chöre der Euregio in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff<br />

Die Sänger und Sängerinnen des Jugendchors Prisma aus Meran sangen voll Begeisterung mit.<br />

Zum 13. Mal fand am Sonntag, den 4.<br />

September, in den Gärten von Schloss<br />

Trauttmansdorff der Tag der Chöre statt. Der<br />

Einladung des Südtiroler Chorverbands unter<br />

Obmann Erich Deltedesco folgten acht<br />

Chöre von vier Chorverbänden der Europaregion<br />

Tirol.<br />

So wurde den ganzen Tag lang an verschiedenen<br />

Stationen in drei Sprachen<br />

gesungen, in Deutsch, Italienisch und<br />

Ladinisch. Der Jugendchor Prisma aus<br />

Meran vertrat die Jugend und den Südtiroler<br />

Chorverband, zu dem auch der Kirchenchor<br />

Welschellen gehört, der ebenfalls<br />

mit dabei war. Vom Tiroler Sängerbund<br />

kamen der MGV Gurgl und die Sängerrunde<br />

Pettnau.<br />

Die Federazione Cori del Trentino war<br />

mit dem Coro Enrosadira aus Moena und<br />

der Coro di Camera Trentino aus Borgo<br />

Valsugana und die Federazione Cori<br />

dell´Alto Adige mit dem Coro Plose C.A.I.<br />

Der Kirchenchor Welschellen nahm auch am Tag der Chöre teil.<br />

aus Brixen und Tintinnabula aus Bozen.<br />

So erklangen Lieder wie „Mein kleiner<br />

grüner Kaktus“, „La Montanara“, „Kein<br />

40<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Chorwesen<br />

Zum Schluss versammelten sich die Chöre am Seerosenteich, um gemeinsam zu singen.<br />

schöner Land“ oder „Le Dolomiti“. Gemeinsam<br />

beendeten die Chöre den Tag<br />

am Seerosenteich mit dem Kanon „Viva<br />

la Musica“.<br />

Gekrönt im wahrsten Sinne des Wortes<br />

wurde der Tag der Chöre mit dem Besuch<br />

von Miss Südtirol Nicole Uibo, die<br />

Landesrat Philipp Achammer begleitete.<br />

Dieser nannte in seinen Grußworten den<br />

Gesang eine „universale Sprache“ und<br />

dankte allen Sängern und Sängerinnen<br />

für ihren Einsatz: „Eure Begeisterung<br />

bringt uns sehr viel!“ Besonders betonte<br />

er, dass solche Momente gerade in der<br />

heutigen Zeit wichtig seien: „Wir brauchen<br />

Elemente, die uns verbinden. Zu viel<br />

haben wir in diesem Jahr über Grenzen<br />

auch in der Europaregion gesprochen. Ihr<br />

habt gezeigt, dass wir das Verbindende<br />

finden!“ Im Besonderen dankte der Landesrat<br />

dem Südtiroler Chorverband und<br />

Obmann Erich Deltedesco sowie den übrigen<br />

Chorverbänden für ihr Engagement.<br />

Obmann Erich Deltdesco dankte ebenfalls<br />

den Chören für ihre Teilnahme und<br />

den Gärten für ihre Gastfreundschaft. Der<br />

Direktor der Gärten von Schloss Trauttmansdorff,<br />

Günther Pertoll, versprach,<br />

die Tradition des Tages der Chöre weiterzuführen,<br />

sei er doch eine Gelegenheit,<br />

die Gärten noch stärker mit allen<br />

Sinnen zu erleben.<br />

Miss Südtirol Nicole Uibo und Landesrat Philipp Achammer lauschten konzentriert<br />

dem Gesang.<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 41


Aus Verband und Bezirken<br />

Ein Fest im Zeichen der Freude<br />

Bezirk Eisacktal-Wipptal: Chöre-Festival in Kloster Neustift<br />

„Freunde, die ihr seid gekommen, herzlich<br />

reichen wir die Hand!“ singt der Kirchenchor<br />

Elvas und bringt damit die Stimmung<br />

auf den Punkt, die beim Chörefestival<br />

des Bezirks Eisacktal-Wipptal am 25. September<br />

in den Innenhöfen und auf den Plätzen<br />

der Klosteranlage von Neustift herrscht.<br />

Wie die 25 anderen Chorgemeinschaften,<br />

die zu diesem Festival gekommen sind,<br />

zieht auch der Gesang des Kirchenchores<br />

Elvas ein großes Publikum in seinen Bann.<br />

Viele sind den ganzen Tag hindurch den<br />

Chören auf ihren Stationen gefolgt und so<br />

nach dem gemeinsam gestalteten Gottesdienst<br />

in der Stiftskirche ganz in die Welt<br />

des Chorgesangs eingetaucht. Nun geht<br />

es bereits dem Ende zu: Es ist Nachmittag<br />

und um 17 Uhr werden sich alle Chöre treffen<br />

und das gemeinsame Schlusslied singen.<br />

Vor dem Kirchenchor Elvas hat hier in<br />

diesem versteckten Hof hinter dem Kreuzgang<br />

der Kirchenchor Barbian gesungen.<br />

Wie schon den ganzen Tag hindurch singen<br />

auch diese Chöre 15 Minuten lang und<br />

bringen vier selbst gewählte Lieder zum Erklingen:<br />

„Lebe, liebe, lache, sag dem Glück<br />

guten Tag“ singen die Elvaser und im bekannten<br />

Lied „Wenn es Singen net war“<br />

hört man, dass das Singen dem Leben erst<br />

einen Sinn gibt. Auch dies ein passendes<br />

Motto für diesen Tag.<br />

Es war ein schöner Tag, voller Freude<br />

am Singen und an der Gemeinschaft und<br />

bestens organisiert. Der Bezirksobmann<br />

des Verbandes der Kirchenchöre Südtirols<br />

Wolfgang Girtler führte das Publikum von<br />

einem Standort zum nächsten und die Obleute<br />

oder Chorleiter stellten ihre Chöre kurz<br />

vor. So erfährt man etwa, dass der Kirchenchor<br />

Elvas seit 34 Jahren besteht und das<br />

Durchschnittsalter der Sänger und Sängerinnen<br />

ebenfalls 34 Jahre beträgt. Nach diesem<br />

„jungen Chor“ singt der Kirchenchor<br />

Vahrn, bevor Girtler das Publikum in den<br />

großen Innenhof geleitet, wo es der Kirchenchor<br />

Rodeneck unter anderem mit dem Lied<br />

„O sole mio“ und Liedern von Lorenz Maierhofer<br />

erwartet, dessen Lieder neben vielen<br />

Volksliedern hier öfters erklingen. Zum<br />

Schluss singt der Kirchenchor von Obervintl<br />

Beim Chörefestival dabei war auch der Kirchenchor Obervintl.<br />

Freude war das Motto des Kirchenchors Elvas.<br />

Der Kirchenchor Vahrn<br />

vor der schönen Kulisse des Innenhofes des<br />

Stifts „Heast es net“ von Hubert von Goisern<br />

und andere melancholische Lieder -<br />

passend zu der frühherbstlichen Stimmung.<br />

Dann wandern Sängerschar und Publikum<br />

auf den Platz hinaus, wo man sich zum gemeinsamen<br />

Abschlusslied versammelt. Der<br />

Verbandsobmann Erich Deltedesco und der<br />

Vorsitzende des Verbandes der Kirchenchöre<br />

Theodor Rifesser danken ihren Bezirksausschüssen<br />

für die gute Zusammenarbeit, vor<br />

allem aber den vielen Sängern und Sängerinnen<br />

für die Teilnahme. Rifesser betont,<br />

dass „der geschichtsträchtige Ort“ das Sängertreffen<br />

aufgewertet habe und gibt seiner<br />

Freude „über die gesangliche Verlebendigung<br />

der Plätze“ Ausdruck. Verbandsobmann<br />

Erich Deltedesco dankt ebenfalls den<br />

Chören: „Ihr habt mit eurem Gesang diesen<br />

Tag zu einem Klang- und Kulturerlebnis<br />

werden lassen!“ Singen schaffe Begegnung<br />

und ein Gemeinschaftserlebnis, das<br />

Freude macht. Der Dank der Obleute und<br />

auch des Bezirksobmanns Gottfried Gläserer<br />

gilt vor allem auch dem Stiftschor und<br />

dem Männerchor Neustift, die das Fest vorbildhaft<br />

organisiert und für Speis und Trank<br />

gesorgt haben, aber auch den vielen Sponsoren<br />

und dem Kloster und dem Pfarrer<br />

von Neustift Karl Blasbichler CR. Zum Abschluss<br />

dirigiert Bezirkschorleiter Armin Mitterer<br />

das gemeinsame Schlusslied „I sing<br />

mei Liadl“, bevor die Sänger und Sängerinnen<br />

noch das gemütliche Beisammensein<br />

genießen, das ja auch ein Ziel dieses<br />

gelungenen Chörefestivals ist.<br />

42<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Chorwesen<br />

„Freue mich auf neue Aufgabe!“<br />

Der Südtiroler Chorverband hat einen neuen Geschäftsführer<br />

Arnold Keim (27) hat mit 1. <strong>Oktober</strong> die<br />

Geschäftsführung des Südtiroler Chorverbandes<br />

übernommen und löst damit den<br />

langjährigen Geschäftsführer Josef Mair ab,<br />

der in den wohlverdienten Ruhestand tritt.<br />

Arnold Keim, Jahrgang 1989 mit Wohnsitz<br />

in Brixen, besuchte in Bozen die Oberschule<br />

für Geometer Peter Anich und ist<br />

Absolvent des Bachelorstudiums der Wirtschaftswissenschaften<br />

– Management and<br />

Economics – an der Universität Innsbruck<br />

mit Schwerpunkt Unternehmensführung,<br />

und des postgradualen Lehrganges „General<br />

Management“ an der Universität<br />

Salzburg. Arbeitserfahrungen sammelte<br />

Arnold Keim bei zahlreichen Praktika<br />

in Südtiroler Betrieben, im Ausland bei<br />

der Tiroler Flughafenbetriebsgesellschaft<br />

m.b.H. und der Hofer KG.<br />

Die Leidenschaft zur Musik wurde im<br />

frühen Lebensalter geweckt und in der<br />

Familie gepflegt. So besuchte er bereits<br />

mit vier Jahren an der Musikschule in<br />

Brixen den Singunterricht und entschied<br />

sich dann für die Posaune. Das Singen<br />

blieb allerdings immer seine große Leidenschaft.<br />

Derzeit ist er aktives Mitglied des<br />

Kirchenchores Pfeffersberg und der Musikkapelle<br />

Peter Mayr Pfeffersberg, wo er<br />

auch im Vorstand ehrenamtlich tätig ist.<br />

Über seine neue Aufgabe sagt der gebürtige<br />

Brixner: „Es erfüllt mich mit Stolz,<br />

so eine ehrenvolle Aufgabe ausüben zu<br />

dürfen und so durch die Tätigkeiten im<br />

Namen des Südtiroler Chorverbandes einen<br />

wesentlichen Beitrag zur Förderung<br />

und zur Lebendighaltung des Kulturgutes<br />

Singen leisten zu dürfen. Ziele für<br />

die Zukunft sind zum einen der Ausbau<br />

an angebotenen Dienstleistungen durch<br />

den Südtiroler Chorverband an seinen<br />

Mitgliedschören, zum anderen die jüngere<br />

Generation für das Singen zu begeistern,<br />

was sicherlich die größte Herausforderung<br />

sein wird. Besonders freue<br />

ich mich aber, gemeinsam mit dem bewährten<br />

Team des Verbandsvorstandes<br />

viele musikalische Höhepunkte zu inszenieren<br />

und dadurch einen wertvollen kulturellen<br />

Beitrag zu leisten“.<br />

AGACH-<br />

Chorweihnacht <strong>2016</strong><br />

Die traditionelle Chorweihnacht der AGACH mit Chören aus dem ganzen<br />

Alpenraum findet heuer am Samstag, dem 3. Dezember <strong>2016</strong>, in der<br />

St.-Rupert-Kirche in Bischofshofen, Salzburg, statt.<br />

Die Chorweihnacht organisiert heuer der Chorverband Salzburg.<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 43


Aus Verband und Bezirken<br />

Kulturfahrt nach Verona<br />

Bezirk Burggrafenamt/Vinschgau<br />

Nach einer anstrengenden Chorsaison mit<br />

vielen Proben und Konzerten lud der Bezirk<br />

Burggrafenamt/Vinschgau im Chorverband<br />

die Obleute und Chorleiter/innen zu einer<br />

Kulturfahrt nach Verona.<br />

30 Sängerinnen und Sänger aus dem<br />

ganzen Bezirk freuten sich auf die Aufführung<br />

der Oper „Carmen“ von Georges<br />

Bizet. Nach einer staubedingten längeren<br />

Fahrt, welche Julia Perkmann mit ihrer Einführung<br />

in die Oper um einiges verkürzte,<br />

erreichte die Gruppe gegen Abend Verona.<br />

Nach einem kurzen Stadtbummel und einer<br />

schmackhaften Pizza ging es zur Arena, wo<br />

man die beeindruckende Kulisse aber nur<br />

kurz genießen konnte, weil eine Regenfront<br />

über Verona durchzog. Die hunderten Besucher<br />

hielten im Regen standhaft aus, bis<br />

endlich mit einiger Verspätung die Oper mit<br />

ihren bekannten Melodien und Gesängen<br />

begann. Doch schon mit dem letzten Takt<br />

des ersten Aktes begann es wieder stark zu<br />

regnen und die Aufführung musste abgebrochen<br />

werden. Trotzdem waren die Sän-<br />

ger und Sängerinnen froh, zumindest den<br />

ersten Akt gesehen zu haben und nahmen<br />

es mit Humor, dass sie wieder nachhause<br />

aufbrechen mussten.<br />

Sie ließen sich die gute Laune vom schlechten Wetter nicht verderben:(von rechts)<br />

Julia Perkmann, Heidi Warger, Gerlinde Warger, Erich Fuchsberger und Karl Werner.<br />

Sängerwanderung<br />

Bezirk Burggrafenamt/Vinschgau<br />

Schon zum 33. Mal veranstaltete der Chorverband<br />

gemeinsam mit dem Verband der<br />

Kirchenchöre am Sonntag, 18. September,<br />

die jährliche Sängerwanderung. 120 Sängerinnen<br />

und Sänger trafen sich in Schlanders,<br />

um nach einer kurzen Probe unter der<br />

Leitung des Bezirkschorleiters Josef Sagmeister<br />

eine gemeinsame Messe zu gestalten.<br />

An der Orgel begleitet wurden sie dabei<br />

vom Schlanderser Kirchenmusiker Karl<br />

Heinz Vater. „Der Gottesdienst, den Kooperator<br />

Sebastian Egger zelebrierte, bot ein<br />

buntes Bild und einen beeindruckenden<br />

Klang“, freut sich Bezirksobmann Karl<br />

Werner über das schöne Gemeinschaftserlebnis<br />

und die gelungene Sängerwanderung,<br />

die auch nächstes Jahr wieder<br />

stattfinden wird, wie er betont. Nach dem<br />

Gottesdienst hießen er und der Obmann<br />

des Kirchenchores Schlanders Dieter Pinggera,<br />

der auch Bürgermeister von Schlanders<br />

ist, alle Sänger und Sängerinnen sowie<br />

ihre Familienmitglieder willkommen.<br />

Nach Umtrunk und Mittagessen erfuhren<br />

die Sänger im Göflaner Marmorbruch vom<br />

Betreiber Burkhart Pohl allerhand Wissenswertes<br />

über die faszinierende Arbeit und<br />

probierten auch die gute Akustik aus, indem<br />

sie ein paar Volkslieder sangen. „Ich<br />

wusste, dass in dieser feuchten Bergwerksumgebung<br />

alles voller Marmorschlamm<br />

und Pfützen ist. Deshalb habe ich für alle<br />

blaue „Chirurgenpatschlen“ als Schuhschoner<br />

besorgt“, erzählt Bezirksobmann<br />

Karl Werner: „So kamen alle Sängerinnen<br />

und Sänger, obwohl aus allen Teilen des<br />

Bezirkes zusammengewürfelt - aus Ulten,<br />

Passeier , Nonsberg, dem Burggrafenamt,<br />

dem Vinschgau und auch aus Landeck -<br />

doch noch zu einer einheitlichen gemeinsamen<br />

Chorkleidung!“ Als Alternative zum<br />

Besuch des Marmorbruchs konnte man<br />

auch unter Anleitung eines erfahrenen<br />

Wanderführers Elmar Dietl zum Göflaner<br />

Fischerteich wandern. Zum Abschluss trafen<br />

sich alle wieder vor dem Kulturhaus in<br />

Schlanders, wo bei einem kurzen Umtrunk<br />

und einigen Liedern Abschied genommen<br />

wurde, mit dem Wunsch sich bald wieder<br />

zu treffen. „Ganz herzlich bedanken wir<br />

uns beim Kirchenchor Schlanders, dem<br />

Kirchenchor Göflan und beim Männerchor<br />

Schlanders für die Mitarbeit und die Organisation“,<br />

betont der Obmann. Ein besonderer<br />

Dank gelte der Gemeinde Schlanders<br />

und Bürgermeister Dieter Pinggera sowie<br />

der Fraktion Göflan mit Fraktionsvorsteher<br />

Erhard Alber sowie Burkhard Pohl für die<br />

Führung im Marmorbruch.<br />

44<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Chorwesen<br />

"Zwei wundervolle Tage“<br />

Bezirk Pustertal – Kulturfahrt zu "La Traviata"<br />

Gruppenbild mit den „Pusterern“ auf der Fahrt nach Verona<br />

Der Bezirksausschuss Pustertal des Südtiroler<br />

Chorverbandes unter Obmann Rudi<br />

Duregger hat auch heuer wieder zu einer<br />

Chorreise in die Arena von Verona zur Oper<br />

„La Traviata“ von Giuseppe Verdi geladen.<br />

Am Samstag, 30. Juli, startete die aus<br />

allen Mitgliedschören des Bezirkes bunt<br />

zusammengewürfelte Reisegruppe nach<br />

Verona und machte in Sirmione am Gardasee<br />

Halt, wo einige eine unterhaltsame<br />

Bootsfahrt unternahmen und den angebotenen<br />

Prosecco genossen. Zum Mittagessen<br />

verteilten sich die verschiedenen<br />

kleinen Gruppen in den einzelnen Restaurants<br />

vor Ort, wo man sich die einheimischen<br />

Spezialitäten schmecken ließ. Nach<br />

einem Spaziergang und Einkaufsbummel<br />

in der Altstadt, welche geprägt ist durch<br />

enge Gassen, Boutiquen, Antiquitätenläden,<br />

Hotels, Cafès und Eisdielen, fuhr die<br />

Sängerschar weiter. Um 17 Uhr erreichte<br />

sie das neu errichtete DB Hotel Verona<br />

in der Nähe des Flughafens und war begeistert<br />

von der noblen Unterkunft. Nach<br />

dem Abendessen ging es zur heuer letzten<br />

Aufführung von „La Traviata“ in der<br />

Arena, wo alle eine gute Sicht auf die<br />

Bühne und den Orchestergraben hatten.<br />

Es war ein sehr milder Abend und alle genossen<br />

die dreistündige Aufführung. Verdis<br />

„La Traviata" wurde am 6. März 1853<br />

im Teatro „La Fenice" in Venedig uraufgeführt.<br />

Für die damalige Zeit war es eine gewagte<br />

Aufführung, stellte doch Verdi eine<br />

von der Gesellschaft geächtete Person ins<br />

Zentrum des Geschehens, eine Edelprostituierte,<br />

die dazu noch an Tuberkulose<br />

erkrankte und starb.<br />

Am nächsten Tag stand ein Besuch von<br />

Peschiera und der prächtigen Wallfahrtskirche<br />

„Madonna del Frassino" auf dem Programm,<br />

welche südlich von Peschiera liegt.<br />

Sie wurde 1514 als Dank an die Muttergottes<br />

errichtet, die hier einem Gläubigen erschienen<br />

sein soll. Im Gotteshaus wurden<br />

gar einige Kirchenlieder angestimmt und<br />

der anwesende Franziskanerpater war voll<br />

des Lobes über den schönen Gesang. Neben<br />

der Wallfahrtskirche gab es noch ein<br />

Franziskanerkloster und zwei große Kreuzgänge<br />

zu besichtigen.<br />

Am späten Nachmittag erfolgte dann<br />

die Rückfahrt. Der Dank der Teilnehmer<br />

galt dem Hauptorganisator Rudi Duregger,<br />

dem Bezirksschriftführer Dietmar Bacher,<br />

aber auch dem Chauffeur und allen Teilnehmern<br />

für diese zwei wundervollen Tage.<br />

Paul Neunhäuserer<br />

Bezirks-Adventssingen<br />

Bezirk Pustertal<br />

Der Bezirk Pustertal im Südtiroler Choverband veranstaltet am 1. Adventsonntag, dem 27. November <strong>2016</strong>, um 17 Uhr in der<br />

Pfarrkirche in Niederdorf ein Adventssingen mit Chören aus dem Bezirk.<br />

Jeder interessierte Chor sollte für dieses Bezirks-Adventsingen drei Adventslieder vorbereiten. Um bei diesem Adventssingen<br />

auch der gesanglichen Vielfalt im Bezirk Rechnung zu tragen, wird der Bezirksausschuss aus den Anmeldungen eine<br />

Auswahl der Chöre treffen, um ein möglichst abwechslungsreiches und interessantes Programm zusammenzustellen. Es<br />

werden maximal sechs Chöre teilnehmen. Anmelden kann man sich bis 16. <strong>Oktober</strong> bei Bezirksobmann Rudi Duregger.<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 45


Aus Verband und Bezirken<br />

Auch Buben singen gerne!<br />

Bubensingtage im Vinzentinum<br />

Johann van der Sandt und die Buben hatten sichtlich Spaß am Singen.<br />

„Durch das Singen erleben wir Freundschaft<br />

und Harmonie und wir bauen Aggressionen<br />

ab. Ich freue mich, dass ich hier so<br />

viele glückliche Buben sehe!“ Mit diesen<br />

Worten begrüßte Margareth Greif, die Obmannstellvertreterin<br />

des Südtiroler Chorverbandes,<br />

das Publikum beim Abschlusskonzert<br />

der Bubensingtage am 2. August im<br />

Vinzentinum Brixen.<br />

43 Buben im Alter von acht bis 13 Jahren<br />

hatten vier Tage lang unter der Leitung<br />

von Johann van der Sandt, einem der renommiertesten<br />

Knabenchorleiter der Welt,<br />

ihre Singkraft entdeckt, Tipps zu Stimmbildung,<br />

Atemtechnik und Haltung bekommen<br />

und Lieder aus den verschiedensten<br />

Kulturen kennen gelernt. Unterstützt wurde<br />

Johann van der Sandt, der an der Universität<br />

von Bozen lehrt, von den Referenten<br />

Bea de Wit, Clara Sattler und Andrea<br />

Tasser. Dass die Buben viel gelernt<br />

hatten, zeigte das gelungene Konzert, in<br />

dem geistliche und weltliche Lieder vorgetragen<br />

wurden, vom Rocklied über amerikanische<br />

Gospel bis hin zum Volkslied.<br />

Aber auch Lieder aus Japan und Ghana<br />

waren dabei, und die Buben zeigten mit<br />

ihrem kraftvollen Gesang und ihren rhythmischen<br />

Bewegungen, dass sie Spaß am<br />

Singen hatten. Freude und Spaß standen<br />

auch in der Freizeit auf dem Programm:<br />

Die Betreuer Lukas Gatterer und Maximilian<br />

Oberhollenzer organisierten unter<br />

anderem ein Fußballturnier, eine Wasserschlacht<br />

und eine Talenteshow und beim<br />

Konzert gab es für jeden Teilnehmer einen<br />

Preis, mit dem seine besonderen Fähigkeiten<br />

gewürdigt wurden. Diese per-<br />

sönliche Betreuung lobte dann auch der<br />

Direktor des Vinzentinums Christoph Stragenegg,<br />

der sich erfreut zeigte, dass „die<br />

Tage viele Fähigkeiten zur Entfaltung gebracht<br />

haben“ und dass die Zusammenarbeit<br />

mit dem Chorverband so gut geklappt<br />

habe: „ Ich hoffe, dass wir auch in<br />

Zukunft solche Chorprojekte organisieren<br />

können!“ Verbandsobmannstellvertreterin<br />

Margareth Greif wünschte den Buben<br />

auch in Zukunft viel Freude am Singen:<br />

„Hoffen wir, dass ihr unseren Chören erhalten<br />

bleibt!“ Sie dankte auch den Eltern,<br />

dass sie ihre Kinder fördern, aber auch der<br />

Landesregierung und der Stiftung Südtiroler<br />

Sparkasse für die finanzielle Unterstützung<br />

der Schulungstätigkeit des Chorverbandes,<br />

dem die Förderung der Kinder und<br />

Jugendlichen besonders am Herzen liegt.<br />

46<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Aus Verband und Bezirken<br />

Chorwesen<br />

„Dirigent muss wie ein guter<br />

Lehrer sein“<br />

Abschlusskonzert des Chorleiter/-innenseminar in Dietenheim<br />

Schulungsleiter Jan Scheerer und der Chor mit den Teilnehmern des Chorleiter/-innenseminars beim Abschlusskonzert<br />

„Der Chorleiter ist das wichtigste Element<br />

für eine gediegene Chorlandschaft,<br />

deshalb investieren wir bewusst in die Ausund<br />

Weiterbildung von Chorleitern!“ Mit<br />

diesen Worten betonte Theodor Rifesser,<br />

Vorsitzender des Verbandes der Kirchenchöre<br />

Südtirols, die Bedeutung des Chorleiterseminars,<br />

das der Südtiroler Chorverband<br />

und der Verband der Kirchenchöre<br />

Südtirols jedes Jahr organisieren.<br />

Gemeinsam mit dem Obmann des<br />

Südtiroler Chorverbandes Erich Deltedesco<br />

war er am 6. August zum Abschlusskonzert<br />

des Seminars in der Fachschule<br />

für Landwirtschaft in Dietenheim<br />

gekommen und begeistert von der hohen<br />

Qualität des Chorgesangs und der<br />

Dirigierkunst der Chorleiter. Denn viele<br />

Teilnehmer hatten nun Gelegenheit vor<br />

einem Publikum zu zeigen, was sie in einer<br />

Woche an Dirigiertechnik unter der<br />

Leitung der Referenten Jan Scheerer,<br />

Tor Morten Halvorsen, Ole Faurschou<br />

und Anne Kruwinnus gelernt hatten. Da<br />

es für einen Chorleiter auch wichtig ist,<br />

sich in den Sänger hineinzuversetzen, war<br />

auch die Stimmbildung ein Schwerpunkt<br />

der Fortbildung. Diese betreuten Gunter<br />

Hartmann und Silke Marchfeld. Die erfahrenen<br />

Referenten aus Dänemark bzw.<br />

Deutschland motivierten die 44 Teilnehmer<br />

zu Höchstleistungen, wie das Konzert<br />

bewies, in dem romantische Lieder einen<br />

Schwerpunkt bildeten. „Die Romantik ist<br />

sehr gut geeignet, um das Dirigieren zu<br />

erlernen“, begründete Schulungsleiter<br />

Jan Scheerer, Dozent am Königlich Dänischen<br />

Musikkonservatorium in Dänemark,<br />

die Auswahl. Dass sich die Chorleiter<br />

und Chorleiterinnen die Stücke beim<br />

Dirigieren zum Teil „teilten“, sei zwar musikalisch<br />

fragwürdig, aber so kämen möglichst<br />

viele Teilnehmer zum Zug, sagte<br />

Scheerer. „Für den angehenden Chorlei-<br />

ter ist die Probe mit einem Chor besonders<br />

wichtig, denn er hat ja kein Instrument,<br />

auf dem er zuhause allein üben<br />

könnte!“ Deshalb dankte er auch den<br />

vierzehn Gastsängern, die den Chor unterstützten.<br />

Der Chor sang unter anderem<br />

Lieder von Mendelssohn Bartholdy,<br />

Schumann, Brahms, Duruflé, Grieg, aber<br />

auch Distler und Reger. Wie Rifesser betonte,<br />

muss ein Chorleiter wie ein Lehrer<br />

sehr viele Qualitäten haben: Er muss<br />

gut vorbereitet sein, aber auch psychologisch-pädagogische<br />

Fähigkeiten haben<br />

und eine Beziehung zu den Sängern aufbauen.<br />

Untersuchungen hätten gezeigt,<br />

dass Qualität und Erfolg des Unterrichts<br />

in erster Linie vom Lehrer abhängen.<br />

So sei es auch beim Chorleiter, betonte<br />

Rifesser. Sein Dank galt den angehenden<br />

und bereits erfahrenen Dirigenten, dass<br />

sie sich weiterbilden, aber auch den Referenten<br />

und der Hausleitung.<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 47


Aus Verband und Bezirken<br />

Damit die Seele nicht<br />

austrocknet<br />

Südtiroler Chorverband: Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis<br />

Schulungsleiter Jan Schumacher dirigiert den Chor der Chor- und Stimmbildungswoche des Südtiroler Chorverbandes.<br />

„Im Singen findet unsere Seele einen unverstellten<br />

Ausdruck, ohne Gesang trocknet<br />

unsere Seele aus!“ Mit diesen Worten<br />

wies der Obmann des Südtiroler Chorverbandes<br />

Erich Deltedesco beim Abschlusskonzert<br />

d er Chor- und Stimmbildungswoche<br />

in Burgeis auf die Bedeutung des<br />

Chorgesangs hin.<br />

50 Sänger und Sängerinnen aus dem<br />

ganzen Land standen am 30. Juli auf der<br />

Bühne des Kulturhauses von Burgeis, wohin<br />

sie ihr Konzert aufgrund des Gewitters<br />

verlagern mussten. Neue Werke gelernt,<br />

Stimmbildung erhalten, aber auch<br />

Freundschaften geschlossen hatten sie<br />

eine Woche lang in der Fürstenburg gleich<br />

daneben. Auch wenn der Rahmen nicht<br />

so romantisch wie im Innenhof der Burg<br />

war, „so sangen sich die Teilnehmer doch<br />

in die Herzen der Zuhörer“, wie sich der<br />

Obmann freute. Wie jedes Jahr beeindruckte<br />

der Chor auch heuer wieder mit<br />

einem abwechslungsreichen Programm.<br />

„Die Vielseitigkeit unseres Chores beweisen<br />

wir, indem wir burgenländisch, tirolerisch,<br />

kärtnerisch und kolumbianisch singen“,<br />

meinte scherzhaft der künstlerische<br />

Assistent der beliebten Schulung, Bernhard<br />

Wolfsgruber, der abwechselnd mit<br />

Kursleiter Jan Schumacher den Chor dirigierte.<br />

Doch nicht nur Volkslieder konnte<br />

das Publikum genießen, unter dem auch<br />

der Abt von Marienberg Markus Spanier<br />

und Landtagsabgeordneter Josef Noggler<br />

waren, sondern auch Lieder von Johann<br />

Michael Bach, Franz Schubert, Orlando di<br />

Lasso, Phil Collins, Udo Jürgens und vielen<br />

weiteren Komponisten der neueren<br />

Zeit. Besonders beeindruckend war der<br />

Abschluss des Konzertes mit dem „Dona<br />

nobis pacem“ von Frode Fjellheim, das<br />

Obmann Deltedesco so kommentierte:<br />

„Wir alle sehnen uns gerade in dieser Zeit<br />

nach Frieden. Musik baut Brücken über<br />

alle ideologischen Grenzen hinweg!“ Deltedescos<br />

Dank galt den beiden Chorleitern<br />

und den sechs Stimmbildnern, die für die<br />

hohe Qualität dieser Schulung verantwortlich<br />

waren. Am Sonntag gestalteten die Teilnehmer<br />

den Gottesdienst im Kloster Marienberg<br />

musikalisch mit.<br />

48<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Chorwesen<br />

Im Klang von Natur und Stimme<br />

Kindersingtage in Kloster Neustift<br />

Die jungen Teilnehmer der Kindersingtage sangen begeistert mit.<br />

„Die Kindersingwochen sind ein besonderer<br />

Glitzerstein in der Kette der Veranstaltungen<br />

des Südtiroler Chorverbandes“,<br />

sagte Irene Vieider als Vertreterin des Südtiroler<br />

Chorverbandes bei ihrer Begrüßung.<br />

Gemeinsam mit Verbandsobmann Erich<br />

Deltedesco und zahlreichen Familienangehörigen<br />

und Freunden der 28 Teilnehmer<br />

der Kindersingtage war sie zum Abschlusskonzert<br />

am Freitag, 22. Juli, nach<br />

Neustift gekommen. Die Kinder, alle im Alter<br />

zwischen acht und zwölf, „hatten viel<br />

musiziert, gebastelt und waren viel in der<br />

Natur“, wie eine junge Teilnehmerin erzählte.<br />

Im Mittelpunkt stand nämlich ein<br />

ganzheitlicher Zugang zu Natur und Musik,<br />

vor allem zur eigenen Stimme, dem<br />

„natürlichsten Instrument“, wie Vieider<br />

betonte. Die Kinder führten Kanons und<br />

Lieder auf und spielten auf ihren selbst<br />

gebastelten Flöten und Trommeln. Der<br />

Dank des Chorverbandes galt den Kin-<br />

dern für ihren Einsatz und das schöne<br />

Konzert sowie der Kursleiterin Renate Unterthiner.<br />

Unterstützt wurden die Kinder<br />

auch von einer Naturpädagogin des Bildungshauses<br />

Kloster Neustift sowie zwei<br />

Betreuerinnen und einem Betreuer. „Genießt<br />

die Klänge der Natur, öffnet Augen,<br />

Mund und Ohren“, sangen die Kinder<br />

zum Abschluss des Konzerts und wiesen<br />

so nochmals auf das Motto der Kindersingwoche<br />

hin.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />

Ihre Beiträge für das Chowesen senden Sie bitte an: bertagnolli.paul@rolmail.net (Paul Bertagnolli)<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 49


Aus Verband und Bezirken<br />

Überzeugende solistische<br />

Auftritte<br />

Musical Fever Plus – Abschlusskonzert<br />

Die jungen Sängerinnen und Sänger hatten tolle Choreographien einstudiert.<br />

Mit einem Konzert endete am 27. August<br />

die Musical-Schulung Musical Fever Plus<br />

des Südtiroler Chorverbandes. 30 Jugendliche<br />

im Alter zwischen 15 und 25 hatten<br />

eine Woche lang an ihrer Stimme und ihrem<br />

Gesang gearbeitet, Musical-Songs eingelernt<br />

und Choreographien einstudiert.<br />

Erstmals war heuer auch eine zweitägige<br />

Einführung in die Charakterdarstellung<br />

auf der Bühne vorgesehen, wie Stephen<br />

Lloyd, der Gesamtleiter des Kurses,<br />

erzählte. Lloyd wurde von den Gesangslehrern<br />

Jack Poppell, Dozent an der Folk-<br />

wang Universität der Künste in Essen,<br />

und Doris Warasin von der MurX Academy<br />

in Eppan unterstützt. Für die Choreographie<br />

war Karin Mairhofer zuständig,<br />

am Klavier wurden die Sänger und Sängerinnen<br />

von Andreas Partilla aus München<br />

begleitet, am Schlagzeug von Mario<br />

Punzi. Ihnen allen sowie der Betreuerin<br />

Lisa Hintner, dem Priesterseminar und<br />

dem Vinzentinum für die Gastfreundschaft,<br />

aber auch dem Kulturamt der Südtiroler<br />

Landesregierung und der Stiftung Sparkasse<br />

dankte der Obmann des Südtiroler<br />

Chorverbandes Erich Deltedesco, der<br />

zum Konzert ins Vinzentinum gekommen<br />

war. „Es war sicher ein hartes Stück Arbeit,<br />

aber in euren Gesichtern lese ich<br />

Freude. Tragt die Freude am Singen weiter!“,<br />

sagte Deltedesco. Das Konzert war<br />

ein bunter Streifzug durch verschiedene<br />

Musicals, darunter so bekannte wie Lion<br />

King oder Mamma mia. Überzeugende<br />

solistische Auftritte und Beiträge des Ensembles<br />

wechselten sich ab, zwei Chorstücke<br />

wurden durch beeindruckende<br />

Choreographien aufgeführt.<br />

50<br />

<strong>KulturFenster</strong>


Chorwesen<br />

Die Silvester Sisters in ihrer Rolle<br />

als Flugbegleiterinnen beim Musical<br />

„Come Fly With Me“ (v. l.: Petra Oss<br />

Emer, Barbara Oss Emer, Sandra Auer)<br />

Come Fly With Me<br />

•Stimmgabel<br />

Erste Konzertreihe der Silvester Sisters<br />

„Anschnallen bitte!“ hieß es im August in<br />

Kaltern und in Lengmoos. Denn die Silvesters<br />

Sisters luden zu einer musikalischen<br />

Flugreise ein. Genau vor zehn Jahren gründeten<br />

Sandra Auer, Barbara Oss Emer,<br />

Petra Oss Emer und Dietmar Oberrauch<br />

das Ensemble „Silvester Sisters“. Anlass<br />

genug für eine besondere Konzertreihe,<br />

mehr noch: für ein Musical! Unterstützt<br />

vom Piloten Dietmar „Diddi“ Oberrauch<br />

an Piano und Stimme sowie dem Co-Piloten<br />

am Bass Uli Seppi führten die drei<br />

Sängerinnen als Flugbegleiterinnen das<br />

Publikum – oder besser die Passagiere –<br />

durch einen beschwingten und zeitweise<br />

auch turbulenten Linienflug, der gekonnt<br />

von Jutta Wieser regiemäßig und choreografisch<br />

in Szene gesetzt wurde. Text und<br />

Idee stammen auch von ihr, und sie wirkte<br />

auch gesanglich und schauspielerisch beim<br />

Flug mit. Das musikalische Programm war<br />

breitgefächert und beinhaltete Songs wie<br />

„Ich will keine Schokolade“, „Chain of<br />

fools“, „Bridge over troubled water“, „Che<br />

sarà“, „Bei mir bist du schön“, „I will survive“,<br />

„Summertime“, „Für mich soll’s<br />

rote Rosen regnen“ und viele mehr. Das<br />

kleine Team überzeugte gesanglich, musikalisch<br />

und schauspielerisch. Vielleicht<br />

entschließen sich die vier gemeinsam mit<br />

ihrer Crew nochmals in die Lüfte zu steigen<br />

und ihr Musical zu wiederholen. Weitere<br />

Infos über die Silvester Sisters unter<br />

www.silvester-sisters.it<br />

Die „Piloten“ Diddi Oberauch und Uli<br />

Seppi (v. r.)<br />

<strong>Nr</strong>. <strong>05</strong> | <strong>Oktober</strong> <strong>2016</strong> 51


Impressum<br />

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes<br />

und des Heimapflegeverbandes Südtirol<br />

Eigentümer und Herausgeber:<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen<br />

Ermächtigung Landesgericht Bozen<br />

<strong>Nr</strong>. 27/1948<br />

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes<br />

verantwortlich:<br />

Dr. Alfons Gruber<br />

Als Pressereferenten für die Darstellung der<br />

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:<br />

VSM: Stephan Niederegger,<br />

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it<br />

SCV: Paul Bertagnolli,<br />

E-Mail: bertagnolli.paul@rolmail.net<br />

HPV: Sylvia Rottensteiner,<br />

E-Mail: rottensteiner.sylvia@gmail.com<br />

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte<br />

werden nicht zurückerstattet.<br />

Redaktion und Verwaltung:<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen,<br />

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus<br />

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347<br />

E-Mail: info@vsm.bz.it<br />

Einzahlungen sind zu richten an:<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,<br />

Waltherhaus<br />

Raiffeisen-Landesbank, BZ<br />

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771<br />

SWIFT-BIC: RZSBIT2B<br />

Jahresbezugspreis: Euro 20<br />

Gefördert von der Kulturabteilung<br />

der Südtiroler Landesregierung.<br />

Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,<br />

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,<br />

August, <strong>Oktober</strong> und Dezember.<br />

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen<br />

Vormonats.<br />

52<br />

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