steine

cjz.om.de

steine

Die Stadt Vechta dankt allen, die zur Verwirklichung

des Projekts „Stolpersteine in Vechta“ einen Beitrag

geleistet haben und auch zukünft ig noch leisten werden.

„Hand in Hand, dann wird

jeder ein anderer Mensch,

wie gern hätt‘ ich gewollt,

dass jeder so denkt.“

Hoscheng Ibrahim (Rap gegen den Hass)

Unser Dank gilt insbesondere Gunter Demnig, Christa

Plagemann, Gesellschaft für Christlich-Jüdische

Zusam menarbeit Vechta, den Schülerinnen und Schülern

sowie den Lehrern der am Projekt beteiligten

Schulen, den Paten, den Zeitzeugen, den Hauseigentümern,

Ulrich Behne, Peter Sieve, Axel-Fahl-Dreger,

der Kreismusikschule Vechta, den Mitarbeitern des

städtischen Bauhofs und Hoscheng Ibrahim für seinen

„Rap gegen den Hass“.

2009

Steinlegung

Euer Name lebt.

1 Füchteler Straße 22, Familie Adolf Gerson

Geschwister-Scholl-Schule Vechta, www.gssvechta.de

Ludgerusschule Vechta, www.ludgerus-schule-vechta.de

Adolf Gerson | Jg. 1885 | gedemütigt/entrechtet

Flucht 1939 | Palästina | überlebt

Irma Gerson | Jg. 1905 | gedemütigt/entrechtet

Flucht 1939 | Palästina | überlebt

Julius Gerson | Jg. 1929 | gedemütigt/entrechtet

Flucht 1939 | Palästina | überlebt

Ilse Gerson | Jg. 1931 | gedemütigt/entrechtet

Flucht 1939 | Palästina | überlebt

Egon Gerson | Jg. 1932 | gedemütigt/entrechtet

Flucht 1939 | Palästina | überlebt

Manfred Gerson | Jg. 1934 | gedemütigt/entrechtet

Flucht 1939 | Palästina | überlebt

2 Klingenhagen 16, Familie Emanuel Gerson

Martin-Luther-Schule, www.martin-luther-schule-vechta.de

Kolleg St. Thomas, www.kolleg-st-thomas.de

Emmanuel Gerson | Jg. 1883 | verhaft et

Flucht in den Tod | 21.6.1940 | Polizeigefängnis Hamburg

Sofi e Gerson | Jg. 1887

tot 12.1.1934

Lisa Gerson | Verh. Silbiger | Jg. 1913

deportiert 1941 | Minsk | ermordet

Rosel Gerson | Verh. Levy | Jg. 1923

deportiert 1941 | Riga | ermordet

Jutta Gerson | Jg. 1928

deportiert 1941 | Minsk | ermordet

2010

Steinlegung

2011

Steinlegung

3 Große Straße 71, Familie Bloch

Liebfrauenschule Vechta, www.liebfrauenschulevechta.de

Grundschule Hagen, www.gs-hagen.de

Johanna Bloch | Jg. 1866

tot 26.12.1936

Sara Bloch | Jg. 1877

deportiert 1941 | Minsk | ermordet

Helene Bloch | Jg. 1879

deportiert 1941 | Minsk | ermordet

Meta Bloch | Jg. 1881

deportiert 1941 | Minsk | ermordet

Dora Bloch | Jg. 1884

deportiert 1941 | Minsk | ermordet

4 Juttastraße 5, Familie Marx

Gymnasium Antonianum Vechta,

www.antonianum-vechta.de

Max Marx | Jg. 1884

deportiert 1943 | Auschwitz | ermordet

Rosa Marx | Geb. Cussel | Jg. 1884

deportiert 1943 | Auschwitz | ermordet

Erna Marx | Jg. 1920

deportiert 1941 | Minsk | ermordet

Hilde Cauveren | Geb. Marx | Jg. 1913

deportiert 1943 | Auschwitz | ermordet

Walter Marx | Jg. 1912

Flucht USA | überlebt

3

4

Herausgegeben von der Stadt Vechta 2011. Das Projekt

Stolpersteine wird bei der Stadt Vechta vom Amt für Medien,

Marketing, Kultur und Wirtschaft sförderung betreut.

Kontakt

Stadt Vechta, Burgstraße 6, 49377 Vechta,

Tel. 04441/886-0, info@vechta.de

Kooperationspartner

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Vechta

Christa Plagemann, Am Dobben 10, 49377 Vechta,

Tel. 04441/4713

2

1

Fotos soweit nicht gekennzeichnet: Stadt Vechta · Titelfoto: www.bitters.de

Euer

Name

lebt.

STOLPERsteine

in Vechta


STOLPERsteine

Stolpersteine ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig,

der an die Opfer der NS-Zeit erinnert, indem er vor ihrem

letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing

in den Bürgersteig einlässt. Mit den Steinen vor den

Häusern hält er die Erinnerung an die Menschen lebendig,

die einst dort wohnten und in diesem Gedenken werden

die Familien gleichsam wieder „zusammengeführt“.

Stolpersteine sind zehn mal zehn Zentimeter große

Betonwürfel, die mit einer beschrift eten Messingplatte versehen

sind. Auf der Platte eingraviert sind der Name, das

Geburts- und Todesdatum eines Menschen, der unter der

nationalsozialistischen Diktatur in der Zeit von 1933 bis

1945 zu leiden hatte oder ermordet wurde.

Die ersten Stolpersteine verlegte Demnig 1997 in Berlin-Kreuzberg,

danach in Köln, Hamburg, Frankfurt und

zahllosen weiteren Städten und Gemeinden. Auch Städte

im europäischen Ausland beteiligen sich an dem Projekt.

Foto: U. B.

DER KÜNSTLER GUNTERDEMNIG

Gunter Demnig wurde 1947 in Berlin geboren. Er studierte

Kunstpädagogik und Industrial Design an der Hochschule

für bildende Künste Berlin (Hfb K) und später freie Kunst

an der Universität Kassel. Seit 1985 unterhält Demnig ein

eigenes Atelier in Köln. In seinem künstlerischen Werk

widmet er sich der Aufgabe, die Spuren, die Völkermord

und Krieg hinterlassen haben, nachzuzeichnen. Zur Erinnerung

an die Deportation der Sinti und Roma aus Köln

im Jahr 1940 zog er eine Kreidespur durch Köln, die den

Weg der Deportierten vom Sammelplatz bis zur Verladerampe

nachzeichnete. Um diese Spur dauerhaft zu erhalten,

hat er sie an einigen Stellen als Schrift zug in Messing

geprägt. Dieses Projekt gilt als Vorläufer des Projektes

Stolpersteine.

Mehr Informationen über das Projekt und über den

Künstler Gunter Demnig erhalten Sie im Internet unter

der Adresse www.stolpersteine.com

STOLPERsteine

in Vechta

Auslöser für die Stolpersteine in Vechta war 2007 eine

Kundgebung der NPD. Damals haben die Bürgerinnen und

Bürger der Stadt das unüberhörbare und unübersehbare

Signal ausgesandt, dass Vechta zu jeder Zeit gegen Intoleranz,

Fremdenfeindlichkeit und jede Form von dumpfem

Nationalismus aufsteht. Viele Ideen

und Initiativen gegen Rechtsradikalismus

sind in den folgenden Jahren in

Vechta entstanden und einige wurden

sogar auf höchster Ebene in Berlin ausgezeichnet.

Die Stolpersteine wurden gemeinsam

von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische

Zusammenarbeit,

Vechtaer Schulen und der Stadt Vechta auf den Weg gebracht.

Die ersten Steine wurden im September 2009 in der

Füchteler Straße für die Familie Adolf Gerson und in der

Straße Klingenhagen für die Familie Emanuel Gerson verlegt.

Bei diesen Steinlegungen waren Mitglieder der Familie

Gerson aus Israel anwesend. Mit den Worten „Alles, was

„Alles, was heute geschehen ist,

geht weit über unsere

Erwartungen hinaus und wird stets

in unserer Erinnerung bleiben.“

heute geschehen ist, geht weit über unsere Erwartungen

hinaus und wird stets in unserer Erinnerung bleiben“,

bedankte sich Menashe Ben-David für die ergreifenden

Gedenkfeiern für seine Familien.

Weitere Steinsetzungen folgten im November 2010 für

die Familie Bloch in der Großen

Straße und im März 2011 für die

Familie Marx am Standort der ehemaligen

Synagoge in der Juttastraße.

Bis heute wurden in Vechta insgesamt

21 Stolpersteine verlegt.

Die Stolpersteine sind ein für

jedermann sichtbares Zeichen dafür,

dass diese Menschen, dass diese Familien,

die einst unter uns lebten, nicht vergessen werden.

So schaff en wir Konfrontation mit der Geschichte unserer

Stadt und viele Menschen werden durch diese Steine mit

ihren kleinen Messingplaketten und den Namen erst realisieren,

was damals in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft

geschah.

Menashe Ben-David

Foto: Anneliese Wilke

EIN PROJEKT FÜR SCHULEN

Die Generation, die die großen Kriege und den Holocaust

erlebt hat, stirbt aus. Das Andenken an diese dunkelste

Epoche deutscher Geschichte muss aber erhalten

bleiben.

Die Stadt Vechta fühlt sich deshalb verpfl ichtet, vor

allem junge Menschen aufzuklären. Denn es geht darum,

mit Verstand und Herz zu begreifen und nachzufühlen,

was die NS-Zeit, was die Judenverfolgung war.

Der beste Weg dazu, so unsere Überzeugung, war das

Arbeiten in einem Projekt und am örtlichen Lebensmittelpunkt

der Schüler. Denn Judenverfolgung war nicht

etwas, das nur andernorts stattgefunden hat, Judenverfolgung

gab es mitten unter uns – vor unserer Haustür.

Und hinter der unvorstellbar großen, anonymen Zahl

von sechs Millionen ermordeter Juden verbergen sich

sechs Millionen Einzelschicksale.

Sieben Vechtaer Schulen haben sich am Projekt Stolpersteine

beteiligt. Die Grundlage für die Projektarbeit in

den Schulen bildeten die Publikationen von Ulrich Behne

und Peter Sieve über die Familie Gerson und das Schicksal

der Vechtaer Juden im Dritten Reich.

Hierzu ist ein Buch in den Veröff entlichungen des Museums

im Zeughaus, Stadt Vechta, Band 6, Ulrich Behne:

„Die Viehhändlerfamilie Gerson und das Schicksal

der jüdischen Gemeinde zu Vechta“ erschienen

(Schröderscher Buchverlag, ISBN 978-3-89728-068-7).

Foto: Alisa Gerson

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