Meisterstücke-Edition 1 - 2012

schodterer

Bedeutungsvolle Schmuckunikate aus dem Jahr 2012 von Goldschmiedemeister Gerold Schodterer, Bad Ischl

GEROLD SCHODTERER

MEISTERSTÜCKE Edition 1


METAMORPHOSE

DIALOG WIRD GESTALT

„Wo nimmst du bloß die Ideen her?“, werde ich immer wieder

gefragt. Eine Frage, die mich selbst oft beschäftigt.

Wo Urzeit

mit dem

Jetzt

verschmilzt

um

Schöpfungswunder

zu erzählen

kann Einst’ges

Bäumeblut

mit harzerfüllter

Maser sich

vermählen

© Gerold Schodterer

Vielleicht liegt es daran, dass die drei Goldschmiedegenerationen

meiner Väter tiefe Wurzeln in meine Gene getrieben

haben, die ein inneres Bedürfnis nach Ästhetik hervorbringen,

das sich – gepaart mit einer zeitgenössischen

Formensprache – in meinen Schmuckunikaten manifestiert,

denn das Finden neuer Formen ist tatsächlich eine meiner

besonderen Begabungen.

Die Faszination meiner Arbeit als Goldschmied liegt für mich

darin, ein Schaffender sein zu dürfen, der das noch nicht

Existierende vom ersten Funken der Idee zu einem immer

deutlicher werdenden inneren Bild wachsen lassen kann, das

schließlich am Werktisch zu einem begreifbaren Schmuckstück,

zu Materie wird. Erfüllend ist es für mich immer wieder,

einem Stück durch Symbolsprache Leben einzuhauchen,

etwas Einzigartiges zu schaffen, das die Besonderheit eines

Menschen zum Ausdruck bringt.

Dieses starke Gefühl, mit meinem Beruf, aber auch mit meiner

Heimat, dem Salzkammergut, tief verwurzelt zu sein, ist sicher

auch der Grund, weshalb ich von Zeit zu Zeit das Bedürfnis

verspüre, mich in meiner Arbeit mit Wurzeln zu beschäftigen,

die ich beim Bergwandern sammle.

METAMORPHOSE

Hals- und Ansteckschmuck

18 kt. Gelbgold / Bernstein / Latschenwurzel

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 60 mm Durchmesser


AUS DER EBENEN FLÄCHE

Der Beginn jedes Schmuckstückes –

ein leeres Blatt Papier – eine weiße,

unbeschriebene Fläche – manchmal

ein faszinierender Stein in meinen

Händen. Spüren – einfühlen – fragen:

„Was willst du mir sagen? Worin liegt

dein Geheimnis?”

Sehen: Tief in seinem Inneren

entspringt ein flußartiges Gebilde,

fließt nach außen, will weiter

geführt werden… Augen schließen:

ruhig werden und plötzlich entsteht

in dieser roten Leere ein Bild – wird

deutlicher, nimmt Form an…

Augen auf: Bleistift in die Hand – die

ersten Linien auf der weißen Fläche

reifen schnell zum fertigen Bild.

Worte formen sich zu Sinn – Name –

Geschichte – zu bedeutungsvollem

Ausdruck von Eingebung.

Übertragen auf eine Silber- oder

Goldplatte – die Form mit der Hand

aussägen. Die ebene Fläche: einst

Papier, jetzt Metall…

SPÄTSOMMER

Doch im Gedanken schon vollendet.

Ring / Boulderopal / 18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 30 mm breit


SPIEGELWELT

Ring – Diamantkristall

18 kt. Gelb- und Weißgold

Originalgröße: ca. 30 mm breit

JA

Haben Gestern und Morgen

zusammengefunden,

trifft sich das Heute im Jetzt.

Fühlen wir zwei uns

einander verbunden,

sind mit dem Leben vernetzt.

Haben Höhen und Tiefen uns

zusammengeführt,

fand unser Sein einen Ort.

SPIEGEL

WELTEN

im

Spiegel

gespiegelt

das

Kehrbild

Welt

Hat die Liebe

unsere Herzen berührt,

schwingt vom Gedanken

zum Wort.

© Gerold Schodterer

Anblick

in

Einblick

gewandelt

Blick

vom

Realen

in

Einsicht

gekehrt

zu

spiegeln

die

Leuchtkraft

Sein

© Gerold Schodterer

GEMEINSAM

Halsschmuck

18 kt. Gelb- und Weißgold

Latschenwurzel

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 35 x 50 mm


ENTWURZELT, UM NEUE WURZELN ZU SCHLAGEN

OFFENBARUNG

Anhänger

Boulderopal / Latschenwurzel / 18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 55 x 35 mm

Weit oben, in den felsigen Regionen, wo die Sommer heiß und trocken, die Winter eisig und

stürmisch sind, das Klima den Bäumen keinen Lebensraum bietet, beginnt das Reich der Latschen.

Ihr niedriges Wachstum und ihre Biegsamkeit ermöglichen es dieser weit verbreiteten Kiefernart,

sich dem rauen Klima anzupassen. Ihre Wurzeln umklammern den mit wenig Erde bedeckten

felsigen Untergrund und werden durch das ständige Ankämpfen gegen die Naturgewalten zäh

und widerstandsfähig. Von Tieren und Wanderern losgetreten, der Verwitterung trotzend, liegen

sie wartend im Geröll, um gefunden zu werden.

WANDLUNG

Halsschmuck – Bernstein

18 kt. Gelbgold / Silber / Latschenwurzeln

Originalgröße: ca. 25 bis 75 mm breit


ENTSPRUNGEN

Ring – China-Zuchtperle / 18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 25 mm breit

WELLENSPIEL

DEM FÜGEN

zum Verfügen entsprungen

DEM MOND

zum Spielen geschenkt

DER SONNE

zum Gleißen gezaubert

DEM HORIZONT

zum Erträumen gespiegelt

DEM UFER

zum Branden geopfert

DEM JETZT

in den Zeitfluss getropft

DER ZUKUNFT

ins Hoffen geronnen

DER HOFFNUNG

zum Strömen geliehen

DEM SCHICKSAL

zum Lösen gelassen

WELLENGEBURT

Halsschmuck – naturgraue Tahiti-Perle

18 kt. Weiß- und Gelbgold

Stahl-Teflon Halsreif – schwarz

Originalgröße: ca. 75 x 20 mm

DER WEISHEIT

in die Erfahrung geträufelt

DER LIEBE

zum Einssein geschöpft

© Gerold Schodterer


GEZEITENFLÜGEL

Wenn Welt beschließt,

sich im Kristall zu zeigen,

so offenbart sie wundersam

der Schöpfung Reigen.

Weist hin, dass alles Eins

in diesem Erdenkreis,

so gibt der Eine manchmal

ein Geheimnis preis.

© Gerold Schodterer

LUFT-WURZEL

Halsschmuck – Latschenwurzel

Sterlingsilber / Lodolith

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 35 x 75 mm

GEZEITENFLÜGEL

Armreif – Latschenwurzel

Sterling silber / Lodolith

Originalgröße: ca. 35 mm breit


WURZELN

getrieben

Halt

zu gewähren

Wachsen

zu fördern

und gründen

ÄSTE

geschaffen

Kraft

zu entfalten

Weiten

zu tragen

und nützen

BLÄTTER

FRÜCHTE

ins DaSein

geboren

Die Kraft

der Liebe

zu finden

STAMM

gebildet

Last

zu ertragen

Werden

zu halten

und stützen

ZWEIGE

gesetzt

Freiheit

zu spüren

In den Kreislauf

Leben

zu münden

UMWURZELT

Ring – Latschenwurzel

18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 25 mm breit

© Gerold Schodterer


SPIEL MIT DEM FEUER

Die Form ist geschaffen, doch die Oberfläche zeigt sich glatt und leblos.

Zeit sie zu beleben, den Zufall ins Spiel zu bringen, die Präzision dem

Feuer zu überlassen…

Die Form auf die Lötunterlage – die starke, rauschende Flamme umbraust

die metallene Form unter meinem wachsamen Blick.

Die Fläche verliert ihren Glanz, wird stumpf, beginnt zu glühen – ein hell

leuchtendes Matt erscheint und dann – erste Stellen sich auflösender

Moleküle, geschmolzenes Glänzen der gesamten Fläche. Den rechten

Zeitpunkt erkennen – Flamme zurücknehmen – ein Zuviel lässt die

Form in sich zusammenfallen. Konzentriertes Einfühlen, Flamme wieder

näher, bis die Oberfläche zu prickeln beginnt – nun dringt die „Seele” des

Metalls nach außen. Innere Spannung tritt an die Oberfläche, wird

frei, manifestiert sich in kleinen Kratern – Rillen – Blasen...

Die Oberfläche lebt.

WURZELFLUG

Halsschmuck – Latschenwurzel

Sterling silber / 18 kt. Gelbgold

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 35 x 75 mm


GETRAGEN

Ring – goldbrauner Granat

18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 22 mm breit

EDLE STEINE

Meine Liebe gilt Edelsteinen mit inneren Bilderwelten – also mineralischen Einschlüssen oder beim

Wachsen entstandenen Spannungsrissen, die im Inneren geblieben und nicht an die Oberfläche

gedrungen sind und Natur-Kristallen, die ihre gewachsene Form behalten durften – wie einer

meiner Steinhändler sagt: „Vor dem Schlachten gerettet ...“

Naturkristalle lassen meiner Phantasie freien Lauf – eine Fläche, angeschliffen und poliert, öffnet

ein Fenster in das Innenleben des Steins – dann verschmelzen Anblick und Einsicht zu einem

wunderbaren Ganzen.

WELTENFRUCHT

Halsschmuck – Boulderopal / Brillant

18 kt. Gelbgold / Latschenwurzel

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 45 x 65 mm


STEIN – ZEIT

Von Witterung gespalten

der Gezeitenmühle Form erfahren

Stein – schlicht im Metall gehalten

nach abermillionen Jahren

Holz im erd’gen Fels geboren

als Latschenwurzel dem Geröll geschenkt

Aufgetaut und abermals gefroren

in des Goldschmieds Hand gelenkt

© Gerold Schodterer

STEIN-ZEIT

Halsschmuck – Boulderopal / Almstein / Latschenwurzel

Sterlingsilber / 18 kt. Gelbgold /

Originalgröße: ca. 6 bis 25 mm breit


GEHALTEN

Wie hält ein Edelstein? – Zuerst – Zwiesprache mit dem Stein: Finden sich

interessante Einblicke, die nicht von der Fassung verdeckt werden dürfen? Wie viel

muss ich mit der Fassung verdecken, um sicheren Halt zu gewährleisten?

MONDSCHEINERWACHEN

Ring – Sternsafir

18 kt. Gelb- und Weißgold

Originalgröße: ca. 17 mm breit

Dann an die Arbeit – aus einem ausgesägten Metallstreifen einen passenden

Rahmen biegen – den Boden formen, in den Rahmen einpassen und verlöten. Den

Stein immer wieder einsetzen und prüfen, ob er satt aufliegt.

Bei diesem Arbeitsprozess bleibt der Zufall ausgesperrt, da ist absolute Präzision

gefragt, denn Steine können beim Fassen brechen, wenn der Druck ungleich verteilt

zu Spannungen führt - und die ganze Arbeit ist umsonst.

Die Fassung ins Schmuckstück einpassen – verlöten – und dann..... das Fassen:

Den Stein einlegen – noch einmal den Sitz prüfen – ruhig werden – alle Störungen

ausschalten – den Punzen ansetzen, mit dem der überstehende Metallrand über den

Rand des Steins getrieben wird – höchste Konzentration – fast atemlose Spannung

bei jedem Hammerschlag – Schweißperlen auf der Stirn – aufatmen:

Der Stein hat Halt gefunden – ich Erleichterung…

© Gerold Schodterer (aus dem Gedichtband SPUREN)


HIMMELS-FRUCHT

Ring – Aquamarinkristall / Brillant

18 kt. Weiß- und Gelbgold

Originalgröße: ca. 20 mm breit

REFLEXION

Halsschmuck – Bergkristall

Sterlingsilber / Stahlreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 70 x 45 mm


AUFLÖSUNG

Gibt es Grenzen?

Gibt’s die Zeit?

Gibt’s Räume in der Ewigkeit?

Die Raumzeit ist ein kurzes Glück;

der Weltenweg ein kleines Stück.

Wenn Ewigkeit die Zeit entbindet,

die Welt im Endlosen verschwindet,

wenn aufgelöst jede Struktur,

gelöscht die Bindung an die Uhr,

wenn weder Tag es gibt, noch Nacht,

sind „endlich” wir im Geist erwacht.

© Gerold Schodterer (aus dem Gedichtband SPUREN)

UMARMUNG

Halsschmuck

Koralle / Latschenwurzel / 18 kt. Gelbgold

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 60 x 30 mm

AUFLÖSUNG

Ansteckschmuck - Boulderopal

Sterlingsilber / 18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 40 x 70 mm


kauten, welches ganz den Eindruck von gesottenem alten Pferdegeschgirr machte, mußten wir uns

an einem Schmarrn sattessen, der aber, Gott weiß, auch nicht zu den leichtesten gehörte. Je weniger

uns aber das Mittagsmahl fesselte, um so eher kamen wir zum Aufbruch.

HISTORISCHES

Mein Bedürfnis zu wandern, hat wohl auch mit meinen Wurzeln zu tun, wie man folgendem, in feinster Kurrentschrift verfassten,

aus dem Jahr 1880 stammenden Reisebericht meines Urgroßvaters Engelbert Schodterer entnehmen kann, den

mein Bruder Heimo entdeckt und übersetzt hat. Engelbert verewigte seine Reisen, indem er sie in einen handgetriebenen

Silberbecher eingravierte.

Die nächsten Seiten geben einen Auszug aus diesem Reisebericht wieder.

SECHS TAGE FERIEN (Tauplitz – Salzsteig – Stoder – Kirchdorf der Geburtsort von Engelbert Schodterer)

Es war mein langjähriger Wunsch das berühmte Stodertal einmal zu besuchen, immer aber waren

Hindernisse eingetreten, und auch heuer drohte die Ungunst der Witterung wieder einen Strich

durch die Rechnung machen zu wollen, als endlich am ersten Oktober gewünschte Änderung eintrat.

Schnell wurde alles Nöthige besorgt, und wir, nämlich Freund Wiesinger, Bruder Georg und ich,

begaben uns am zweiten Oktober auf unsere Erholungsreise, für welche wir im Voraus sechs Tage

bestimmt hatten, um dasselbe zu erreichen.

Das Hauptziel war der Stoder, und wir wählten den Übergang von Tauplitz über das Gebirge und

den Salzsteig, weil dieser Weg hier in Ischl noch fast ganz unbekannt war. Nur zwei Ischler stiegen

vor Jahren von Stoder nach Tauplitz herüber: Der eine empfahl die Tour ob ihrer Schönheit, der

andere aber konnte uns die Gefährlichkeit des Weges nicht grell genug schildern. Wir hätten uns

daher um keinen Preis mehr für etwas anderes als den Salzsteig begeistern können, und wollten

trotz vielfachen Abrathens uns aus eigener Anschauung von der Beschaffenheit des Überganges

überzeugen.

Mit dem um 8.30 Morgens von Ischl abgehenden Zuge fuhren wir bis Klachau, verließen hier die

Bahn und langten um 11 Uhr in Tauplitz an. Das Wirtshaus in Tauplitz ist für Touristenbesuche leider

noch nicht eingerichtet. Man bekommt zwar guten Wein, mit dem Mittagessen sah es aber traurig

aus. Fleisch war nicht zu haben, und während die Dienstleute des Hauses geselchtes Rindfleisch

Auf unsere Erkundigung nach Führern boten sich die Wirthssöhne, der eine als Führer, der andere

als Träger an. Der Führer meinte, wenn wir nur bis zwei Uhr zum Aufbruch kamen, so könne man

den Übergang schon noch wagen, da ja Mondnacht sei; und gelänge es die Poppenalm bei Tageslicht

zu erreichen, so habe das letzte Stück von drei Stunden auch im Dunkeln nicht mehr viel zu

sagen. Die Marschdauer bis zum Schmalzerwirth in Stoder gab der Führer mit acht Stunden an,

Baedeker bezeichnet selbe mit sechs Stunden, in welcher Zeit der Weg aber entschieden nicht zu

machen ist. Um halb ein Uhr traten wir den Weg an. Derselbe führt im Thale rechts (östlich) bis zum

„Kalkofen”, von wo der Anstieg beginnt. Da uns daran gelegen sein mußte bei Tageslicht möglichst

weit zu gelangen, wählte der Führer den kürzesten Weg. Die „Rießhöh” bot zwar diesen Vorzug,

ließ aber dafür in Bezug auf Steilheit nichts zu wünschen übrig. Es geht drei Stunden ununterbrochen

unter einem Winkel von 60 Grad aufwärts und in diesem Aufstieg durchmißt man alle Stufen

der Vegetation: Obstbäume, Laubwälder, Nadelholz bis

zum Krummholz. Nur einmal ist die „Rießhöh” von einem

vorspringenden Fels unterbrochen, der Raum für ein paar

Hütten, die Rießalm, bietet.

Das Steigen war sehr beschwerlich, weniger des Weges,

als der großen Hitze wegen. Die Sonne brannte auf unseren

Rücken und verursachte uns quälenden Durst, mir

außerdem eine momentane Übelkeit, die mich in der letzten

halben Stunde zu kurzer Rast zwang. Grund hiezu

mag außer der ungewohnten Anstrengung und Hitze sehr

viel die dem Magen gar nicht zusagende Mittagskost

gewesen sein.

Endlich war die letzte Höhe (1549m) mühsam erreicht,

auf welcher so lange Halt gemacht wurde um die Aussicht

genießen zu können. Obwohl der Gesichtskreis ein sehr

ausgedehnter ist, so ist doch das dem Auge sich bietende

Bild kein besonderer Eindruck. Die in gewaltiger Anzahl

auffindbaren Gebirge verflachen und verlieren sich ineinander.

Nur der Dachstein präsentiert sich gut und zeigt

seine Fels- und Eisfelder in der größten Ausdehnung und

Mächtigkeit. Außerdem ragen noch der Hochschwab, der Burgstein und der Damithbachthurmspitz

besonders hervor. Mit viel mehr Befriedigung wendet man sich den Details zu, dem Thale um


Mitterndorf etc., unbeschreiblich anmuthig jedoch ist die nächste Umgebung: Das baumlose Hochplateau

auf dem man sich befindet.

Da gab es nun ein fröhlich Wandern. Links vom Wege liegt der liebliche Schwarzensee, der, ganz

nahe an die Kampwand hingebettet, mit etlichen Almhütten an seinem Ufer, die reinste Alpenidylle

vor das Auge zaubert. Wäre unsere Zeit nicht gar so gemessen gewesen, es hätte für eine kurze

Rast und Jause keinen lieblicheren Platz geben können, als am See. Da aber ein Umweg von

zwanzig Minuten erspart werden konnte, beschlossen wir bis „in den Hütten” weiter zu gehen, in der

sicheren Erwartung, da ebenfalls Wasser zu finden.

In einer halben Stunde war die Alm „In den Hütten” erreicht. Wir lagerten, packten die Vorräthe

aus, leider bemühte sich der Führer vergebens Wasser aufzutreiben. Wir hielten uns zwar an den

reichlich mitgenommenen Wein, doch selbst die größte Verschwendung damit nutzte nichts, der

Durst wollte nicht weichen, und nur mit Mühe konnte man etwas Fleisch und Brot hinabwürgen.

Nach halbstündiger Rast setzten wir den schönen Weg über das Hochplateau fort und fanden nach

einiger Zeit zu unserer unsäglichen Freude eine reiche Quelle (Mirtlbrunn) mit köstlichem Wasser,

die auf ebenem Boden entspringend, nach einem Lauf von kaum hundert Schritten in einem runden

Loch wieder verschwand. Wir tranken uns satt nach Herzenslust, und im Augenblick war alles

Unbehagen verschwunden.

Der Weg zieht sich noch weiter zwischen Krugstein (Grubstein) und Hüttenkoppen nördlich, man

überschreitet die Grenze zwischen Steiermark und Oberösterreich, und obwohl links einige schöne

Bergwände auftauchen und die Aufmerksamkeit erregen, so hat man doch keine Ahnung von der

Überraschung die einem bevorsteht. Ja, plötzlich ändert sich die Umgebung, daß die zehn Schritte

hinter mir Nachkommenden sich nicht erklären konnten, warum ich auf einmal mit ausgebreiteten

Armen stehen blieb und ein lauter Ausruf des Entzückens sich meiner Brust entrang.

Wir standen am Rande des Überganges, und das herrlichste Bild breitete sich zu unseren Füßen

aus. Die Alpen mögen viele großartigere Scenerien bergen, hier aber ist die wundervolle Harmonie

des sich ausbreitenden Panoramas unbeschreiblich schön; nie in meinem Leben habe ich eine

solche Ausschau gehalten, keine Tour hat mir die gehabte Mühe so reich belohnt, und es wäre ein

thörichtes Beginnen mit der Feder den Eindruck des Ganzen schildern zu wollen. Tief unten im

Grunde liegt der ganzen Länge nach vor dem Beschauer das liebliche Stoderthal, durchzogen von

der blitzenden Steyr, rundherum eingefaßt von Gebirgen, die in schönen, edlen Formen wetteifern,

und zwar links: der große Tragl, die Briegler Spitzen, Groß-Kraxen, Hebenkas, Hochkasten, der

mächtige Stock des Großen- und Kleinen Priel und die Spitz- oder Teufelsmauer.

Diese Gebirge sind durchwegs langgezogene Rücken, solche sich schräg (von West nach Ost) ins

Thal hineinschieben – gleich Coulissen, ihre breite senkrecht abfallenden Wände dem Beschauer

zukehrend. Die sinkende Sonne sorgte für

den nöthigen Effekt, indem sie über den oberen

Theil der Wände reiches Licht ergoß.

Rechts ragen der Grabstein und der Weißenberg

in zahllosen Zacken in die Lüfte,

ersterer so wild zerklüftet, daß die Gosauer

Donnerkogeln dagegen verschwinden. Man

wird nicht müde diese wunderbaren Gebilde

zu beschauen. Und als würdigen Abschluß

im Hintergrund das mächtige Hochsensengebirge

in gewaltigem Bogen von West nach

Ost. Der Befriedigung über die herrliche Aussicht

kam höchstens die Begierde gleich, nun

endlich auch den Salzsteig kennen zu lernen;

denn man ist beim Schauen in die Tiefe

anfangs wirklich im Unklaren, wo ein Abstieg

ausführbar sei.

Nach zehn Minuten ist auch die ehemals so gefährliche Stelle erreicht und es windet sich an

einer fast senkrechten Wand ein zwar schmaler doch ganz gut passierbarer Pfad in die Tiefe.

Es ist viel am Wege verbessert worden, hie und da sind Stufen gehauen, an den gefährlichsten

Stellen sind Eisendrähte gleich einem Glockenzuge gespannt, und wenn es auch für einen

an Schwindel Leidenden gerathen sein würde den Weg nicht zu versuchen, so ist für einen

geübten Touristen mit einiger Vorsicht der Steig leicht zu überwinden.

Gleichwohl ist es, am Fuße der Wand angekommen,

nicht möglich den Pfad zu entdecken, auf dem man heruntergekommen

ist.

Man erreicht nun einen Bach, und ein recht schlimmes Stück Weg

steht noch bevor. Der Gamsstein fördert nämlich riesige Massen

Gestein herab, nicht etwa kleines Gerölle, sondern Trümmermassen

voll Spitzen und Ecken, über die es rutschend und springend

wohl eine Viertelstunde lang hinabgeht. Endlich wird der Weg

besser und rasch geht es abwärts zur Poppenalm. Wir erreichen

diesen Punkt dreiviertel sechs Uhr, eine Stunde früher, als die

Führer erwartet hatten. Unsere Eile hatte jedoch nicht geschadet, denn es fing schon zu dunkeln

an. Unser Führer Joseph Peer, welchen ich allen Touristen, die den Salzsteig passieren wollen,

aufs Beste empfehle, trat von hier aus den Rückweg an, und nachdem sich selber von uns verabschiedet,

wir ein halbe Stunde gerastet hatten, ging es auf fahrbarem Wege weiter nach Stoder.


Wenn Sie gefunden haben

was Sie nie suchten

waren Sie bei uns

Goldschmiede-Atelier für fantasievolle Schmuckunikate

Gerold und Karoline Schodterer

4820 Bad Ischl, Pfarrgasse 11, Telefon: +43 6132 23729-0

Mobil: +43 664 3575004 und 2253646

Mail: office@schodterer.at

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag 9.30 bis 18.00 Uhr, Samstag 9.30 bis 17.00 Uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung

www.schodterer.at

www.unikat-eheringe.at

Impressum: Layout: Karoline Schodterer, ARTist Werbegestaltung, Schmuck- und Portraitfotos: Wolfgang Stadler, www.artpaper-photo.at, Seite 4 + 16 / Petra Schmidt - diefotografin.at, Text: Gerold Schodterer

Weitere Magazine dieses Users