Meisterstücke Edition 2-2013

schodterer

Bedeutungsvolle Schmuckunikate aus dem Jahr 2013 von Goldschmiedemeister Gerold Schodterer, Bad Ischl

GEROLD SCHODTERER

MEISTERSTÜCKE Edition 2


33 MEISTERJAHRE

Gäbe es keinen Kalender, ich würde es nicht für möglich halten.

Nach wie vor fließen die Ideen aus mir heraus und die

Freude an meinem Beruf hat sich nicht gelegt, sondern ist

im Gegenteil um vieles stärker geworden. Zu dieser Freude

hat sich noch ein weiteres Gefühl hinzugesellt: die Dankbarkeit.

Ja, ich bin dankbar dafür, dass ich diesen Beruf erlernen

durfte und dass ich die Möglichkeit habe, ihn in dieser Weise

auszuüben.

Ich fühle mich jung, und doch sind 33 Jahre vergangen, seit

ich 1980 die Meisterprüfung abgelegt habe. Sogar die Anspannung

während der Prüfung ist in mir noch so lebendig, als

sei es gestern gewesen. Nur an den Augen und der davor

sitzenden Brille, im Spiegelbild natürlich und an meiner Erfahrung

kann ich erkennen, dass ich älter geworden bin. So muss

ich der Realität also doch ins Auge sehen – nun gehöre auch

ich zu den „alten Meistern“.

ENTHOBEN

Halsschmuck

18 kt. Gelbgold / Beryll

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 65 mm lang

Durch kernbrodelnden Zufall zu Materie

verdichtet

In Felsentresoren zum Erwarten

verwahrt

Durch Verschiebungsgewalten in Höhen

gehoben

Im Fund ans Licht und zum Leuchten

gebracht

Im schöpferischen Einfühlen zur Form

geworden

Im Schmuckstück seiner Reifung Gewicht

ENTHOBEN

Im Leuchten der Augen als Wunder

gespiegelt

Im Tragen am Körper zum Schweben

verzaubert

© Gerold Schodterer


STERNENKLAR

Ring – Azurit

Sterlingsilber / 18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 25 mm breit

33 Meisterjahre, haben für mich im wahrsten Sinn des Wortes

Gewicht, und zwar in mehrerlei Hinsicht. Eine Waage würde

keinen besonders hohen Wert anzeigen, denn die vielen Erinnerungen

an wunderbare Arbeiten, die vielen spannenden

Momente beim Ausprobieren neuer Techniken, die Freude,

die ich mit meinen Stücken machen durfte und darf und die

mittlerweile fast unüberschaubaren Fotodateien und vor allem

die Edelsteine wiegen ja nicht allzu schwer.

Letztere werden erst schwer, ziemlich schwer sogar, wenn

es darum geht, sie loszulassen, und damit bin ich bei einem

sehr heiklen Thema angekommen. „Sie ahnen bereits,

worum es geht? Ja, Sie haben recht, es geht um die Leidenschaft

des Sammelns, der auch ich mich nicht entziehen

konnte und kann.“

Sie kommen aus Indien, Russland, aus Brasilien, Mexiko,

Madagaskar, Kolumbien, Australien, aus Sardinien und

China, aus Litauen und Polen – ich habe im Lauf meiner

vielen Berufsjahre tausende Edelsteine, Korallen und Perlen

gesehen und manche waren so faszinierend und einzigartig,

dass ich sie unbedingt besitzen, sie immer wieder betrachten,

mich in sie hineinversetzen wollte. Da kommt im Lauf der Zeit

schon ein ganz schöner Schatz zusammen ...

... und weil die schöpferische Kreativität der Natur so unendlich

ist wie ihr Bestehen und meine Edelsteinhändler genau

wissen, womit sie mich zum „Schwachwerden“ bringen

können, wird die Sammlung immer größer. Wie bei einer

Kunstsammlung muss dann das eine oder andere Stück die

Sammlung verlassen, um neuen Besonderheiten Raum zu

geben. Also loslassen, so wenig leicht es auch fällt.

So finden sich in dieser Edition einige Meisterstücke mit ganz

besonders „schweren Edelsteinen“. Aber nun, da sie fertig

sind, ist mir leicht ums Herz, denn die Steine haben auf meine

Arbeiten ihren Zauber übertragen.


WO

TRAUM

Ersehnen

in sich

birgt

wird

unerfülltes

Teil

der

Zeit

wartet

auf

Erfüllung

Wo

Wurzel

Wunsch

Zweifel

durchbricht

quillt

Gabe

aus den

inneren

Räumen

trifft

Mut

auf

Tat

OFFENBARUNG

Halsschmuck

18 kt. Gelb- und Weißgold

Lapislazuli / Brillant

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 70 mm lang

verschmelzen

Zukunft

und

Vergangenheit

um

erfülltes

Jetzt

in sich

zu

Einen

© Gerold Schodterer


LICHT-JAHR

Es reiht im All sich Stern an Stern,

unendlich an der Zahl.

Unendlich nah, unendlich fern,

Vergangenheit als Strahl.

Im Jetzt erglüht durch Raum und Zeit

Lichtjahrgereistes Sein.

Erleuchtet unsre Zweisamkeit,

lädt uns zum Strahlen ein.

Da wird Beginn zur Zeitenfrucht,

Sternstunde für uns zwei.

Denn findet, was sich sehnend sucht,

setzt Glück ein Leuchten frei.

© Gerold Schodterer

LICHT-JAHR

Ring – Sternsafir

Sterlingsilber

Originalgröße: ca. 25 mm breit

EINGEBETTET

Ring – Yowah-Nuss Opal

18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 30 mm breit


LEBENS-RHYTHMUS

Hals- und Ansteckschmuck

Sterlingsilber / 18 kt. Gelbgold / Koralle

Originalgröße: ca. 90 x 60 mm

LEBENSRHYTHMUS

Rhythmus belebt,

gibt Schwung, entfacht Glut.

Den Rhythmus in dir,

du hast ihn im Blut.

Rhythmus ist Pulsschlag,

ist Atmen, ist Leben.

Der Rhythmus in dir lässt immer

weiter dich streben.

Rhythmus ist Leichtsinn,

ist Freude, ist Schmerz.

Der Rhythmus in dir,

es schlägt ihn dein Herz.

Rhythmus ist Lust,

ist Lachen, ist Stille.

Den Rhythmus in dir

gibt an dir dein Wille.

Rhythmus ist Wirken,

ist Wachen, ist Ruh’n.

Der Rhythmus in dir

fordert ständig dein Tun.

Rhythmus ist Reifen,

ist Jugend, ist Alter.

Der Rhythmus in dir

ist dein Lebensgestalter.

Rhythmus ist Arbeit,

ist Lernen, ist Lehren.

Der Rhythmus in dir

lässt dich das Leben begehren.

Rhythmus ist Macht,

ist Lösen, ist Schlagen.

Der Rhythmus in dir

stellt unaufhörlich dir Fragen.

Rhythmus ist Suchen,

ist Finden, ist Einen.

Der Rhythmus in dir

lässt dich lachen und weinen.

Rhythmus ist Klarheit,

ist Fühlen, ist Entfernen.

Der Rhythmus in dir

hilft dir, dich lieben zu lernen...

© Gerold Schodterer (aus dem Gedichtband SPUREN)

BEWAHRUNG

Halsschmuck – Süßwasserperle

Sterlingsilber / Rosshaar

Originalgröße: ca. 50 mm lang


FUSION

Synapsen – Lichterbrücken,

durch Willenskraft erbaut.

Verbund der Hemisphären

vom Geistesblitz getraut.

Vereinte Geistesströme

zum virtuellen Ziel.

Klar formuliertes Wollen

im intuitiven Spiel.

Die Grenzen überschreitend

zum Quantensprung bereit,

den Geist ständig erweitend

eins sein mit Raum und Zeit.

© Gerold Schodterer (aus dem Gedichtband SPUREN)

ERSCHEINUNG

Halsschmuck – Smaragdkristall

18 kt. Gelb- und Weißgold

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 55 mm lang

WÜRFEL-FLUG

Halsschmuck

Diamantkristall / 18 kt. Gelbgold

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 45 mm lang


BEGINN EINES ZYKLUS

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“

schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“.

Ja, besser könnte ich das Gefühl nicht ausdrücken, das in mir vibriert, wenn vor mir zu Edelstein

gewordene „Traumwelten“ liegen und darauf warten, zum Schmuckstück zu werden: direkt vor

mir das weiße, leere Blatt – in mir dieses spannungsgeladene Kribbeln, das Wissen und die

Sicherheit, dem Stein vor mir gerecht werden zu können, aber noch keine fassbare Form vor den

geschlossenen Augen.

Karoline sagt: „Wie eine kleine Familie liegen die Steine da um dich herum!“

Ja, genau so fühlt es sich an – und jeden Tag spüre ich in sie hinein, ergründe ihr Inneres, auch

mit der Lupe, bis ein Gedanke, eine Blitzidee, ein inneres Bild meine Hand zum Bleistift führt.

Einfach geschehen lassen – nicht denken – keine Lösung finden wollen …

EISKRISTALLMORGEN

über’s Rote Moos Richtung Hornspitz

Halsschmuck – Kristallachat

Sterling silber / 18 kt. Gelbgold

Halsreif – gekordeltes Stahlseil

Originalgröße: ca. 45 mm lang


TURMALIN

Der besondere Reiz des Turmalins liegt im Zusammenspiel

mehrerer Farben. Manchmal durchziehen

verschieden intensive Rot- und Grüntöne

einen einzigen Stein. In diesem Turmalin jedoch

sind die Farben so angeordnet, dass ich mich

in eine Zauberlandschaft versetzt fühle: intensives

Abendrot und leuchtendes Regenwald- oder

Bergsee-Grün – und, wenn ich den Stein bewege,

ein plötzliches sphärisches Aufleuchten, als würde

das Gleißen der Sonne auf einer Wasserfläche

die Abendrotstimmung durchziehen oder als

würden tausende Regentropfen plötzlich durch

goldenes Sonnenlicht zum Funkeln gebracht.

Diesen Zauber eröffnet mir der Turmalin, auf dem

weißen Hintergrund des Zeichenblattes liegend,

doch liegt er auf meinem Handrücken, ist es, als

würde auf einer Bühne das Licht ausgeschaltet.

WELTENLEUCHTEN

Halsschmuck – Turmalin

18 kt. Weiß- und Gelbgold

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 60 mm lang

Die Form für das Schmuckstück ist schnell gefunden:

Um die Einmaligkeit des Steins in Szene zu

setzen, eine schlichte, ruhige, matte Weißgoldfläche

und Gelbgold streut das sphärische Leuchten

in das Bild. Drei der vier Seiten des Turmalins

sind in die Form eingebettet, eine Seite bleibt jedoch

frei, weil er aus gebirgigen Tiefen ans Licht

gefunden hat.

Im zweiten Schritt geht es darum, dem Stein dieses

Licht auch im Schmuckstück zu erhalten, das

Bühnenlicht immer eingeschaltet zu lassen.


ENTSCHLÜPFT

Ring – Turmalin

Sterlingsilber

Originalgröße: ca. 15 mm breit

VERBORGEN

Ring – Latschenwurzel

18 kt. Gelbgold / Brillant

Originalgröße: ca. 15 mm hoch

ERHALTEN

Ring – Latschenwurzel

Sterlingsilber / 18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 25 mm breit

Turmalinkette

Originalgröße: ca. 15 mm Durchmesser


STRÖMEN

Wo Schöpfungskraft pulsiert

Im Wandel der Gezeiten,

Wo Tatkraft sprudelt

ohne Unterlass,

wo aus der Fülle

schillernd Träume gleiten,

erfüllt sich Liebe,

fließt im Übermaß.

© Gerold Schodterer

DER SCHÖPFUNG ÜBER-FLUSS

Halsschmuck – Boulderopale

Sterlingsilber / 18kt. Gelbgold / Brillant

Originalgröße: ca. 30 mm breit / ca. 43 cm lang

STRÖMEN

Halsschmuck – Naturblaue Südseeperle (Indonesien)

18kt. Gelbgold / Brillant / Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 50 mm lang


DER SCHNECKENCHALCEDON

Ringförmig, einer Schnecke

ähnlich, glitzern und gleißen

tausende mikroskopisch

kleine Bergkristallspitzen in

Weiß– und Violetttönen.

Unter großem Druck und in

unvorstellbar heißer Atmosphäre

fallen immer wieder

mit Silikaten angereicherte

Wassertropfen auf dieselbe

Stelle. Hunderte, tausende

Jahre lang.

„Die Entstehungsgeschichte

ins Schmuckstück aufnehmen

– spannend – archaisch. Aber

die Freiheit soll man erahnen

können, das im Lauf der Jahrmillionen

immer weiter an die

Oberfläche-gehoben-Werden,

die Freude an der Besonderheit

des Fundes, ...“ All das

beschäftigt mich beim Betrachten

des Schneckenchalcedons,

den ich verarbeiten

möchte.

WACHSTUM

„Steter Tropfen höhlt den Stein“,

sagen uns weise Worte.

Der Schneckenchalcedon sagt „Nein“

zu Sprüchen dieser Sorte.

Würd’ man das Tropfen unterbinden,

so wär’ es schlecht um mich bestellt.

Ihr würdet nirgendwo mich finden,

ich wachse, weil der Tropfen fällt.

So ist’s mit allen Dingen gleich,

wir müssen’s nur begreifen.

Der eine wird vom Tropfen weich,

der andre will dran reifen.

© Gerold Schodterer (aus dem Gedichtband Spuren

Schöpfung und Fund liegen

Millionen Jahre auseinander,

aber im Blickwinkel der

Unendlichkeit doch wieder als

„Raumsekunde“ nahe beisammen

und im Schmuckstück

vereint. Aber das Tropfen

geht mir nicht aus dem Kopf

und das Sprichwort: „Steter

Tropfen höhlt den Stein.“

VEREINT

Hals- und Ansteckschmuck

Schneckenchalcedon / Sterlingsilber / 18kt. Gelbgold

Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 35 x 85 mm


SONNENSPIEGEL

Bewahr’ die Sonnenstrahlen dir

für Regentage

Lass deinen Körper Speicher

für die Wärme sein

Spür’ ihre Kraft

in jeder Lebenslage

Fang’ mit dem Geiste dir

ihr Leuchten ein

Trag’ tief in dir

dies’ kraftgelad’ne Strahlen

Versuch es im Gedanken

zu versiegeln

PIROUETTE

Halsschmuck – Süßwasserperle

18 kt. Gelbgold / Stahlhalsreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 50 mm lang

ENTSPRUNGEN

Halsschmuck

Boulderopal / 18 kt. Gelbgold

Halsreif – Stahl vergoldet / Teflon beschichtet

Originalgröße: ca. 30 x 50 mm

Beginn an Nebeltagen

dir ihr Bild zu malen

So wirst in deinem Wesen du

die Sonne spiegeln

© Gerold Schodterer (aus dem Gedichtband SPUREN)

SONNENSPIEGEL

Ring – Rutilquarz

18kt. Gelb- und Weißgold / Brillant

Originalgröße: ca. 30 mm breit


ÜBERWINDUNG

Halsschmuck – Kalkstein von der Katrin-Schneid

Sterlingsilber / 18 kt. Gelbgold / Stahlreif zweifarbig

Originalgröße: ca. 50 mm lang

ERWECKUNG

Ring – Rubinkristall

18 kt. Gelbgold

Originalgröße: ca. 30 mm breit


Schlussendlich kam es im Jahre 1894/1895 zur Umsetzung

dieses Projektes. Die Wildensteinquellen wurden mittels Vortrieb

von zwei Quellstollen gefasst und daran anschließend

ein 900 m³ fassender Hochbehälter errichtet. Von diesem

wurden die notwendigen Transportleitungen in das Zentrum

geführt und das Wasserleitungsnetz hergestellt.

HISTORISCHES

GOLDSCHMIEDEMEISTER und WASSERREFERENT

Den gesamten Ablauf und den Vorschlag über den weiteren

Ausbau hat er in einem 160-seitigen, handgeschriebenen

„Konvolutum“ zusammengestellt (1902) und dem Archiv der

Stadtgemeinde mit dem Schlußsatz gewidmet:

„Es gereicht mir zur größten Freude, die Gewissheit zu haben, dass nach

Durchführung der besprochenen Vorkehrungen die Frage der Wasserversorgung

in Ischl endgültig gelöst ist – mögen alle diese Werke dem Kurort

jederzeit zum Segen gereichen.”

Mein Urgroßvater Engelbert Schodterer war neben seiner Arbeit als Goldschmied auch in

der kommunalen Politik sehr engagiert. Ab 1881 stand er mit seiner Schaffenskraft und

seinem Ideenreichtum, als Ratsbürger, Vizebürgermeister und vor allem als „Wasserreferent“,

seiner Heimat zu Diensten. In dieser Funktion wurde er zu einem der wichtigsten

Wegbereiter der „Wildenstein-Hochquellen-Leitung“ (1892-1895). Als am 8. Juli 1895 die

Eröffnung und Einweihung der Anlage Wildenstein vorgenommen wurde, sprach man von

einem Jahrhundertbauwerk. Dass diese Behauptung zu Recht erfolgte, zeigt sich darin,

dass diese Anlage auch heute noch das „Rückgrat“ der Bad Ischler Wasserversorgung

bildet. Nur das Leitungssystem bedarf einer umfassenden Sanierung, die zur Zeit durchgeführt

wird.

Als Dank für diese so wichtige Leistung „...hat die Stadt Ischl dem Juwelier Engelbert Schodterer die

Ehrenbürgerschaft verliehen und demselben einen Springbrunnen in den Garten setzen lassen...“, der noch

heute in sommerlichen Tagen seine Funktion erfüllt und die Erinnerung an eine entscheidende

Tat wachhält.

Zunächst galt es die im Marktzentrum vorhandenen Betriebe und Eigentümer der Wohnobjekte

vom Anschluss an eine öffentliche Wasserversorgung zu überzeugen. So ging er

von Haus zu Haus und sammelte 120 Unterschriften damit die Wasserfrage im Gemeinderat

thematisiert werden konnte. Die im Anschluss daran beauftragten Untersuchungen

brachten letztendlich das Ergebnis, dass die am Fuße der Katrin entspringenden „Wildensteinquellen“ in quantitativer als

auch in qualitativer Hinsicht am besten dafür geeignet wären.

Sowohl bei der Klärung der offenen Wasserrechtsfragen, den notwendigen behördlichen Bewilligungen und privatrechtlichen

Vereinbarungen war Engelbert Schodterer unermüdlich im Einsatz und unterstützte die damaligen Bürgermeister Franz

Koch bzw. Georg Gschwandtner nach bestem Wissen und Gewissen.

(Auszug aus dem „Konvolutum“, welches vom damaligen Wasserreferenten Hr.

GR. Engelbert Schodterer eigenhändig verfaßt und der Stadtgemeinde zu Verfügung

gestellt worden ist)

Die Errichtung der Wildenstein-Hochquellen-Leitung

Daß die vorhandenen Brunnen den Bedürfnissen des Kurortes bei seiner in den

letzten Jahren erfolgten Ausdehnung nicht mehr genügten lehrt ein Blick in die

Protokolle der Gemeindeausschußsitzungen, da bis zum Jahre 1892 zahlreiche

Gesuche um Verleihung eines Brunnens abgewiesen werden mußten. Daß unter

solchen Umständen die Klagen um Wassermangel desto lauter und häufiger werden

mußten, je mehr die Häuserzahl in Ischl anwuchs, ist natürlich.

Wiederholt wurde im Schoße des Gemeindeausschusses der Meinung Ausdruck gegeben, daß in Wildenstein genügend Wasser vorhanden sei, um noch einen weiteren

„Holzstrang“ hereinzulegen und auf diese Weise dem Wassermangel abzuhelfen. Als nun in der Ausschußsitzung vom 10. November 1887 abermals ein Gesuch

um Gewährung eines Brunnens abgewiesen werden mußte, stellte Herr Gemeinderat Wiesinger den Antrag, den eben in Bad Ischl anwesenden Ing. Faßbender um

die Untersuchung des Quellengebietes Wildenstein zu bitten. Der Antrag wurde Angenommen, wobei selbiger beauftragt wurde, neben den periodischen Messungen

in Wildenstein auch Ausschau nach eventuellen Alternativmöglichkeiten zu halten.

So sandte dieser am 20. April 1988 an den Bürgermeister Franz Koch ein Gutachten, in welchem die sog. „Scheuringquellen“ in Pfandl zur Benützung empfohlen

wurden, welche mittels Pumpwerk gehoben und in ein am Kalvarienberg gedachtes Reservoir geleitet werden sollten. Von diesem Projekt wurde aber wegen der

hohen Kosten Abstand genommen. Auch führte die in Aussicht genommene Wasserzufuhr durch Aufschließung neuer Quellen im Gebiete der „Brunnleiten“ zu

keinem Resultat und wurde auch der Gedanke, einen Teil der laufenden Brunnen aufzulassen, das hiedurch ersparte Wasser in die durch die Gemeinde erworbene

„Teufelmühle“ zu leiten und in ein Hochreservoir aufzupumpen, um eine größere Anzahl Häuser versorgen zu können, fallen gelassen, da diese Einrichtung den

angemeldeten Bedarf nicht annähernd gedeckt hätte und die Kosten sehr hoch gewesen wären.


Ing. Faßbender setzte inzwischen seine Wassermessungen in Wildenstein fort. Diese ergaben letztendlich

eine mittlere Ergiebigkeit von 29 Liter pro Sekunde.

Durch diese Mengenmessung war daher hinlänglich dargetan, daß zur Anlage einer modernen Wasserleitung

zur Versorgung des Kurortes nur die „Wildensteinquellen“ in Frage kamen und ersuchte die Stadtgemeinde

die Behörde um Klärung der Besitzverhältnisse sowohl an den oberen (Wildenstein) als auch an

den unteren (Hauseck) Quellen. Ferner wurde Ing. Faßbender mit der Ausarbeitung eines Projektes betraut.

Nach Klärung dieser Rechtsverhältnisse wurde in der Gemeindeausschußsitzung vom 24. Februar 1892

der Errichtung einer Hochquellenleitung im Prinzip zugestimmt. Herr Ing. Faßbender verfolgte in seinem

Projekt die Absicht, die Quellen in einen Sammelkanal zu leiten und das Wasser in ein 900 m³ fassendes

Reservoir auf den Kalvarienberg zu pumpen um die Druckverhältnisse zu erhöhen.

Zum selben Zeitpunkt wurde man auf die Firma Rumpel & Niklas aufmerksam, welche gerade den Bau

der Linzer-Wasserleitung ausführte. Nachdem Rumpel & Niklas als sehr vertrauenswürdig und leistungsfähig

bezeichnet wurde, beauftragte man die Firma ebenfalls mit der Erstellung eines Projektes. Dieses

unterschied sich dann darin, daß für die Quellfassung der Vortrieb von zwei begehbaren Stollen und der

Bau des Reservoirs im unmittelbaren Anschlußbereich des Quellgebietes ausgeführt werden sollte.

In der Gemeindeaqusschußsitzung vom 6. Oktober 1893 wurde das vom Ingenieur- & Architekturverein

eingeholte Gutachten, welches dem Projekt Rumpel & Niklas den Vorzug gab, zur Beschlußfassung

vorgelegt.

Trotzdem von einem Teil der Gemeindevertreter gegen die Errichtung der Wasserleitung – und deren Kosten

– Bedenken zum Ausdruck kamen, wurde schließlich doch der Antrag des „Baucomites“, vorerst die

Arbeiten der Quellenfassung der Firma Rumpel & Niklas zu übertragen und mit den Arbeiten noch im

selben Jahre zu beginnen, mit großer Majorität angenommen.

Quellanlage

Am 31. Oktober 1893 erfolgte der erste Spatenstich für die Fassung der

Quellen. Die Grabungen mußten wiederholt geändert werden, bis es

gelang, das eigenliche Quellgebiet aufzudecken. Erst dann setzte man

mit dem Vortrieb der zwei Stollen ein, wobei letztendlich der Quellstollen

1 eine Länge von 60 m und der Quellstollen 2 eine solche von 35 m

aufwies. Eine zusätzliche, höher liegende Quelle wurde ebenfalls gefaßt

und das Wasser mittels einer Rohrleitung in den Stollen 2 geführt.

Mittlerweile wurden die Offerte für die erstellung des Hochreservoirs und

für die Lieferung und Verlegung der 7.700 m langen Gußeisenleitungen

eingeholt und in der Sitzung vom 14. Februar 1894 die Vergabe der Arbeiten

an die Firma Rumpel & Niklas um den Gesamtpreis von 96.000

Gulden beschlossen (das wäre heute ein Betrag von ca. 1 Million Euro).

Eingang zum Quellstollen

Es gab eine Emsigkeit in der Herstellung von Hausinstallationen und Anschlüssen.

Jeder glückliche Brunnenbesitzer war für andere ein Ansporn. Es entstand völlig ein

Wetteifer und so kam es, daß mit Ende des Jahres 1894 über 300 Häuser an die

Hochquellenleitung angeschlossen waren.

Der Bau des Reservoirs gestaltete sich wesentlich schwieriger und langwieriger, durch

den Umstand, daß die Quellen viel tiefer lagen als ursprünglich angenommen und

daher auch das Reservoir tiefer errichtet werden mußte als im Projekt vorgesehen

war. Trotz Bauverzögerung konnte jedoch noch im Spätherbst 1894 das Reservoir

der Druckprobe, welche ein einwandfreies Ergebnis brachte, unterzogen werden.

Die von der Freiwilligen Feuerwehr abgehaltene Hauptübung gestaltete sich insoferne

sehr interessant, als zum ersten Male die Hydranten in Verwendung kamen

und infolge der erstaunlichen Leistungsfähigkeit bei der Bevölkerung ungeteilte Anerkennung

fanden.

Leider brachte der kalte, trockene Winter 1894/95 einen Mißton in die freudige

Stimmung, indem im Jänner die Wildensteinquellen in ihrer Ergiebigkeit sehr

zurückgingen und am 27. Februar gänzlich versiegten. Es mußten daher die Hauseckquellen

herangezogen und das Wasser der Jainzenleitung in die neue Leitung eingeführt werden,

wodurch eine notdürftige Wasserversorgung hergestellt war. Erst nach Eintritt von Tauwetter

machte sich am 19. März 1895 in den neuen Stollen der Wasserzufluß bemerkbar, der

innerhalb von 24 Stunden wiederum seine frühere Stärke erreichte.

In den Monaten März und April 1895 wurden die letzten Verteilleitungen sowie verschiedene

Anschlüsse fertiggestellt und ein neuer, prächtiger Weg von der Soleleitungs-Promenade

bis zum Reservoir angelegt, sodaß die feierliche Eröffnung der Wildenstein-Hochquellen-Leitung

programmgemäß vorgenommen

werden konnte.

Diese fand am 8. Juni 1895 unter großer

Beteiligung der Ämter und Behörden,

sowie der Bevölkerung statt. Die

Übernahme der Anlage gestaltete sich

sehr berührend und verliehen alle Festredner

ihrer Freude über das Zustandekommen

des großen Werkes Ausdruck,

wobei sie dem Altbürgermeister Franz

Koch, sowie seinem Nachfolger Bgm. Georg Gschwandtner, als auch dem unermüdlich tätigen Referenten

GR. Engelbert Schodterer für ihre Leistungen die vollste Anerkennung aussprachen.

Behälteranlage

Am 12. März 1894 begann man mit dem Verteilen der Eisenrohre

auf die Rohrtrasse und am 13. März mit den Grabungsarbeiten in der

Poststraße. Die Rohrlegung wurde derart gefördert, daß mit 1. Juni das

Hauptnetz vollständig fertiggestellt war und nur noch kurze Strecken in

den äußeren Ortsteilen übrig blieben.

„Überfluss” der Wildensteinquelle

Heute gibt es keine Probleme mehr mit der Wassermenge - der „Überfluss” der

Wildensteinquelle begleitet ein kurzes Stück den Wanderweg auf die Katrin.

Für die Fotos, die die Wildensteinquelle heute zeigen, bedanken wir uns ganz

herzlich bei Roland Bartl (Wasserreferent i.R.).


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Impressum: Layout: Karoline Schodterer, ARTist Werbegestaltung, Fotos: Wolfgang Stadler, www.artpaper-photo.at, Fotos Seite 28 – 31 / Roland Bartl, Wasserreferent i.R., Text: Gerold Schodterer, Druck: WIGO-Druck, Bad Ischl

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