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onexmagazin

AUSGABE 7 JULI 2017

Simon Kuert

Der Chronist

Der Stadtchronist von Langenthal

kennt den Oberaargau wie kein Zweiter

NORDKOREA

s’Positive trifft im

«Reich des Bösen» –

ein freundliches Volk.

DUNKLES KAPITEL

Hexenverbrennung

im Oberaargau –

ein Blick zurück.

HOCKEY-VERGLEICH

Wer hat die Nase vorn:

der EHC Olten oder der

SC Langenthal?


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Roggwil, Bahnhofstrasse 20,

3.5-Zimmerwohnung im EG, 74 m 2

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MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Egerkingen, Widenfeldstrasse 12

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MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

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Dieses Objekt liegt an zentraler Lage (Lotzwilstrasse,

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MB Immobilien AG, Langenthal

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MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

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Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

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Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

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Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 062 919 01 08 I Fax 062 919 01 09


EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

4

Schon im Vorfeld kamen uns Bedenken.

Können wir Artikel über Nordkorea und

über Hexenverbrennungen im 16. und

17. Jahrhundert im s’Positive bringen?

Nordkorea, dieser von uns so wahrgenommene

Schurkenstaat mit den schrecklichen

Lagern für politische Gegner und seinem

Atomwaffenprogramm. Oder aber der

grauenhafte Umgang unserer Vorfahren mit

Menschen, die ihnen nicht geheuer waren.

Beim Artikel über Nordkorea, der in der

nächsten Ausgabe fortgesetzt wird, handelt

es sich um einen Reise- und Erlebnisbericht

von Klaus Zaugg, der extra dafür ins

Land von Schreckensherrscher Kim Jongun

gereist ist, um sich selbst ein Bild zu

machen. Er berichtet darüber, was er gesehen

hat, und nicht, was er nicht gesehen

hat, weil Letzteres ihm nicht gezeigt wurde.

Der Artikel mag deshalb etwas schönfärberisch

erscheinen. Wir aber finden, es

ist höchste Zeit, von diesem Land auch mal

eine andere Seite zu zeigen als der Einheitsbrei,

der uns sonst in unserer Presselandschaft

vorgesetzt wird.

Bei den Hexen und deren Verbrennungen

ist dies etwas anderes. Das einzig Positive

daran ist, dass sie nicht mehr vorkommen.

Zumindest nicht bei uns. Doch in der

Geschichte der Menschheit sind die 500

Jahre, die zwischen diesen Greueltaten

und der Gegenwart liegen, ein Klacks. Also

noch gar nicht lange her. Dessen sollten

wir uns immer bewusst sein. Nur mit diesem

Wissen können wir in der Welt Positives

bewirken.

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

12

4 DER CHRONIST

Simon Kuert ist amtierender

Stadtchronist von

Langenthal. Er erklärt im

Interview die bewegte Geschichte

des Oberaargaus

und seiner Bewohner.

12 NORDKOREA

s’Positive-Autor Klaus

Zaugg besuchte Nordkorea

und kam mit zwiespältigen

Eindrücken nach Hause –

eine Reportage.

20 HEXENVERFOLGUNG

Im Oberaargau wurden

Menschen verfolgt und

getötet, weil sie den gängigen

Vorstellungen nicht

entsprachen. Erinnerung

an eine dunkle Zeit.

28 EISHOCKEY

Der EHC Olten und der

SC Langenthal im direkten

Vergleich: Wer hat die

Nase vorn von den beiden

führenden B-Klubs?

20

IMPRESSUM

Herausgeber: one X Services

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Layout: tnt-graphics AG,

8305 Dietlikon,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 69 000 Exemplare

Druck: LZ Print,

Luzerner Zeitung AG

Versand: Die Post

Inserate-Annahme und Redaktion:

inserate@spositive.ch

18 WUSSTEN SIE SCHON

Von intelligenten Vögeln,

gute verkaufenden Männern

und warum Schweizer

intelligenter wirken, wenn

sie Lächeln.

34 DIE SEITE DES LESERS

Leserbriefe und

Veranstaltungskalender.

28

18

s’Positive 7 / 2017 3


SIMON KUERT

Simon Kuert ist

seit 1998 als

Stadtchronist von

Langenthal tätig.

4 s’Positive 7 / 2017


DER

CHRONIST

Der Oberaargau ist zuweilen eine etwas

vergessene Region. Dabei hat der nördlichste

Teil des Kantons Bern eine interessante

Geschichte und viele Stärken.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: MARCEL BIERI

Wen fragt man, wenn man

mehr über den Oberaargau

wissen will? Mehr

über seine Geschichte,

seine Gegen wart, seine

Stärken und Schwächen? Oder über seine

Bevölkerung? Einen Lehrer? Einen Pfarrer?

Oder gar einen Stadtchronisten? Wir fragten

Simon Kuert. Der ehemalige Lehrer, pensionierte

Pfarrer und amtierender Stadtchronist

von Langenthal kennt den Oberaargau

wie kein Zweiter.

s’Positive: Wie wird man Stadtchronist

von Langenthal?

Simon Kuert: Indem man angefragt wird.

Stadtchronist ist kein Amt. Es ist ein Auftrag

der Forschungsstiftung, die von der Einwohner-,

Burger- und Kirchgemeinde sowie von

Teilen der lokalen Wirtschaft getragen wird.

Die Stiftung wurde 1962 gegründet. Der

Stadtchronist ist also kein Angestellter, sondern

ein ehrenamtlich Beauftragter, der für

ein Spesenhonorar arbeitet.

Wir vermuten, Sie wurden wegen Ihres

Wissens über den Oberaargau und Ihren

Publikationen angefragt.

Meine Vorgänger waren Jakob Reinhard

Meier und danach Max Jufer, letzterer seines

Zeichens Ehrenbürger von Langenthal.

Beide Geschichtslehrer, die die Beauftragung

in ihr Lehrerpensum integrieren konnten.

Als mich Max Jufer 1998 anfragte, war

ich noch Pfarrer in Madiswil. Ich hatte ja

die Chronik «1200 Jahre Madiswil» verfasst

und auch regelmässig Aufsätze im «Jahrbuch

des Oberaargau» veröffentlicht. Ich

bin im Oberaargau aufgewachsen, Burger

von Langenthal und mit der Ortschaft vertraut.

Als Präsident des Ökonomisch-Gemeinnützigen

Vereins des Oberaargau

(heute Verein Identität Oberaargau) war

und bin ich auch mit der Langenthaler Kultur

vertraut.

Vor ungefähr zwei Jahren machten die

«Berner Zeitung» und «Der Bund» gemeinsam

eine Zeitungsbeilage über den Wirtschaftsstandort

Bern und porträtierten in

dieser die verschiedenen Regionen des

Kantons Bern. Dabei wurde der Oberaargau

zunächst vergessen.

Viele Menschen sind der Meinung, der

Oberaargau gehöre zum Kanton Aargau.

Dies hat mit der Geschichte des Oberaar-

s’Positive 7 / 2017 5


SIMON KUERT

gau zu tun. Der Begriff Oberaargau taucht

im 9. Jahrhundert erstmals auf. Damals umfasste

der Oberaargau ein viel grösseres Gebiet

und erstreckte sich von Thun bis zur

Reussmündung. In seiner heutigen Grösse

tauchte der Begriff um 1628 erstmals auf,

als noch der ganze Aargau zu Bern gehörte.

«Die Oberaargauer sind grundsätzlich

zurückhaltend und bescheiden.

Eine Oberaargauer Mentalität ist

aber schwer auszumachen.»

Damals machten die Berner eine neue Heereseinteilung

und differenzierten ab diesem

Zeitpunkt zwischen unterem und oberen

Aargau. Zum unteren Aargau gehörten

Brugg, Lenzburg und Aarau und die umliegende

Landschaft und der Oberaargau umfasste

das Gebiet um Aarburg, Wangen,

Aarwangen und auch Zofingen.

Weshalb blieb der Oberaargau schliesslich

bernisch?

Als es zur Gründung des Kantons Aargau

kam, kämpften die Berner stark um einen

Verbleib des Oberaargau. Zu vermuten ist

aber, dass auch die Aargauer darum kämpften,

denn Langenthal galt im 18. Jahrhundert

nach einem deutschen Reiseschriftsteller

zu den reichsten Ortschaften Europas.

Entschieden haben sich damals aber die

Oberaargauer selbst, besser gesagt, dessen

Elite. Denn eine Demokratie, wie wir sie

heute kennen, gab es damals noch nicht.

Die Oberaargauer sind also Willens-

Berner?

So ist es. Man hatte im Oberaargau keine

schlechten Erfahrungen mit den Bernern

gemacht und wollte deshalb bernisch bleiben.

Ein Grund mag gewesen sein, dass man

nicht in das Experiment Aargau einsteigen

wollte. Hinzu kam, dass Kirche und Politik

im alten Bern praktisch eine Identität bildeten,

und die Kirchgemeinden

Zofingen,

Brittnau und Aarburg

waren Teil des Pfarrkapitels

Thunstetten/

Langenthal. Dieser Teil

gehörte also eigentlich

auch zum Oberaargau.

Vielerorts war das Kloster

St. Urban in diesem

Gebiet Grundherr. Die

Reforma tionszeit in diesem Grenzgebiet war

deshalb besonders spannend.

Sie erwähnten vorhin, dass der Oberaargau

und insbesondere Langenthal Ende

des 18. Jahrhunderts zu den reichsten Orten

Europas zählte. Damals gab es weder

einen Ammann noch eine Motorex. Und

doch zählen wir heute nicht mehr zu den

Reichsten. Wie ist es dazu gekommen?

Langenthal ist auch heute keine arme Gemeinde.

Aber andere sind reicher geworden.

Zum Beispiel Zofingen lag einst wirtschaftlich

hinter Langenthal zurück und hat heute

aufgeholt. Möglicherweise liegt dies an der

Verkehrslage. Langenthal hat jedoch insofern

Glück, als wichtige Firmen wie Ammann,

Motorex, Création Baumann, Nencki AG etc.

Familienunternehmen sind, die in der Region

verwurzelt sind. Die wollen hier nicht einfach

so weg. Es ist nicht das Gleiche, wie wenn

Manager die Firmen führen. Ich fürchte,

wenn die Ammann Group nicht durch die

Familie, sondern durch Manager geführt

würde, hätte es noch deutlich mehr Entlassungen

gegeben, als jüngst beschlossen.

Hat es der Oberaargau je bereut, bernisch

geblieben zu sein?

Nein, zumindest gibt es keinerlei Hinweise

darauf. Interessant ist jedoch, dass der untere

und obere Aargau militärisch verknüpft

blieben und das Oberaargauer Regiment

bildeten. Zu beiden Teilen gehörten je zwei

Bataillone. Die Standarte der oberen Bataillone

hing in der Kirche Langenthal und diejenige

der unteren im Schloss Aarburg. Dies

änderte sich erst 1848 bei der Bildung des

Bundesheeres. Das Militär trug wesentlich

zur Identitätsbildung des Oberaargau bei.

Sie sprachen das Oberaargauer Regiment

16 an. Wirkten sie dort als Regimentspfarrer?

Ich war Grenadier im Regiment 16. Regimentspfarrer

war ich danach im Regiment

23, also im «Zofinger-Regiment» – anschliessend

aber lange Zeit Waffenplatzfeldprediger

in Wangen.

Simon Kuert:

«Für mich ist

Kirche auch ein

Kulturfaktor.»

Simon Kuert ist im Oberaargau aufgewachsen und Burger von Langenthal.

6 s’Positive 7 / 2017


Sie waren Grenadier? Das erstaunt uns.

Damit sind Sie wohl einer von wenigen

Pfarrern, die im Militär als Grenadier gedient

haben.

Das könnte sein.

Aber wie passt das zusammen: Militär und

Kirche?

Für mich ist die Kirche auch ein Kulturfaktor.

Ein Faktor der Volkskultur. Das Militär hat

den Auftrag, unser Volk und damit auch

die Volkskultur und unsere Mentalität zu

schützen.

Vor andern Völkern und Mentalitäten...

Falsch. Ich stehe zu einer Pluralität der Mentalitäten

auch in der Schweiz. Eine eidgenössische

Armee hat auch die Aufgabe die Pluralität

unserer eidgenössischen Mentalitäten

zu bewahren. So gesehen gibt es durchaus

Berührungspunkte, die es einem Pfarrer erlauben,

Grenadier gewesen zu sein. Die Frage

nach der Gewalt stellt sich trotzdem. Als

Pfarrer predige ich gegen Gewalt. Doch Gewalt

gehört zum Menschen. Niemand kann

von sich behaupten, dass er oder sie nicht

manchmal auch aggressiv ist. Das bemerke

ich zuweilen auch bei mir. Unsere Armee war

nie eine Aggressionsarmee, sondern eine

Armee zum Schutz vor Aggression. Für mich

als Pfarrer wäre es unmöglich, Teil einer Aggressionsarmee

zu sein.

Wie ist denn die Identität des Oberaargauers?

Vielleicht seine Bescheidenheit. Deshalb reagiert

man oft zu wenig klar, wenn der

Oberaargau von Bern zeitweilig etwas vernachlässigt

wird. Der Oberaargau ist ein

Übergangsland und vereinigt in sich auch

etwas vom Aargauer, Solothurner oder Luzerner.

In Wirtschaftskreisen gab es Bestrebungen,

den Begriff Oberaargau zu ändern.

Doch inzwischen wurden diese Bestrebungen

wieder aufgegeben, und es entwickelt

sich wieder vermehrt ein Stolz darauf,

Oberaargauer zu sein. Durch die Zusammenschlüsse

der früheren Ämter Wangen und

Aarwangen und eines Teils des ehemaligen

Amtes Trachselwald (dazu gehört auch Huttwil)

wird das grosse Potential der Region

gebündelt.

Merkt man heute noch, dass der Oberaargau

sehr lange Untertanengebiet war?

Sie meinen sicher die Mentalität. Und der

Grund für Ihre Vermutung wird sein, dass der

Oberaargauer wie gesagt fast ein wenig zu

bescheiden auftritt. Lange Zeit war man deswegen

wohl auch etwas gar obrigkeitsgläubig.

Wobei gerade die Langenthaler, die ja

lange Zeit mit Bern und St. Urban gleich zwei

Herren dienen mussten, diese beiden zuweilen

geschickt gegeneinander ausspielten. Sie

sicherten sich dadurch eine gewisse Unabhängigkeit

und wussten auch sonst davon zu

profitieren. Gerade die Burger von Langenthal

entwickelten dadurch ein gewisses

Selbstbewusstsein. Das Selbstbewusstsein

eines Ortes oder einer Region prägen zu jeder

Zeit die Meinungsträger und -macher. In unserer

Region waren dies einesteils die Dorfeliten,

zum andern Teil jedoch auch die

ZUR PERSON

Simon Kuert

Am 14. Februar 1949 in Langenthal

geboren, beginnt Simon Kuerts beruflicher

Werdegang mit der pädagogischen

Ausbildung als Lehrer. Nach seinen

theologischen und geschichtlichen

Studien an der Universität Bern übernimmt

er eine wissenschaftliche Assistenz

in Kirchengeschichte bei Prof. Andreas

Lindt.

Als Pfarrer in Madiswil baut er die

Kirchliche Unterweisung in der reformierten

Berner Kirche auf. Er publizierte

die Dorfchroniken von Madiswil

und Roggwil. Von 2001 bis Sommer

2013 war er Pfarrer in Langenthal.

Seit 1998 ist er im Auftrag der Forschungsstiftung

als Stadtchronist von

Langenthal tätig und betreut als Beauftragter

der Forschungsstiftung deren

sämtliche Publikationen. 2013 erhält

er den Kulturpreis der Stadt Langenthal.

Simon Kuert ist verheiratet

und Vater dreier erwachsener Kinder.

s’Positive 7 / 2017 7


SIMON KUERT

DAS OBERAARGAUERLIED

Lied zur Region

Uf der Hohwacht bini gstange,

zytig scho vor Tag u Tou.

Ha verlore abe gstuunet

uf my schöne Heimatgou.

Ide stüue Dörfer nide

hani d Glogge ghöre goh;

d Amsle hei is Lüte gliedet

u du hets mi übernoh:

Heimatgou im Bärnerland,

du bisch lieb u wou bekannt.

Uf der Hohwacht bini gstange,

zmitts im höche Summertag,

über mir der bländig Himu,

Sunneglanz u Lercheschlag.

Unger mir sy goudig Wäue

über d Fäuder ztrybe cho,

Meitschilache, Schnitterlieder:

Wieder hets mi übernoh:

Heimatgou im Bärnerland,

du bisch lieb u wou bekannt.

Uf der Hohwacht bini gstange,

wo nes stüu vernachtet het,

u no einisch het my Heimat

wie ne Mueter zue mer gredt.

Sone guete, töife Friede

cha mym Härz süsch niemer gäh,

gäng ou wieder darf is gspüre,

gäng ou wirds mi übernäh:

Heimatgou im Bärnerland,

du bisch lieb u wou bekannt.

von Ernst Balzli

(angepasste Version 2010)

Pfarrherren. Den Pfarrern standen im Alten

Bern mit der der Predigt und der Unterweisung

Instrumente zur Verfügung, um damit

identitätsbildend zu wirken. Die Kirche war

über Jahrhunderte der einzige Ort, wo etwas

wie eine reformierte Mentalität vermittelt

wurde. Sie hatte auch die Möglichkeit zu

Sanktionen: Wer nicht gehorchte, wurde vor

das Chorgericht oder den Sittenrichter gestellt.

Auch dies wirkte mentalitätsbildend.

Können Sie uns erklären, was ein Sittengericht

war?

Das war das Gremium für die zivilrechtlichen

Belange. Menschen wurden vor das Chorgericht

(später Sittengericht) zitiert, die den

nach den 10 Geboten aufgebauten Chorgerichtssatzungen

zuwiderhandelten. Da

ging es beispielsweise um Scheidungen, Unzucht,

mangelnden Besuch der Predigten

und Unterweisungen. Da erwarteten die

Fehlbaren saftige Bussen.

Sie sind im Oberaargau aufgewachsen

und wirkten lange Zeit als Pfarrer. Sie waren

also nahe an den Leuten. Wie beschreiben

Sie die Oberaargauer/Innen?

Die Oberaargauer sind grundsätzlich zurückhaltend

und bescheiden. «Eine» Oberaargauer

Mentalität ist aber schwer auszumachen.

Ich erlebte die Menschen von Ortschaft zu

Ortschaft unterschiedlich. In Madiswil, wo

ich Pfarrer war, herrschte eine andere Mentalität

als in Langenthal oder Roggwil. Da

spielen auch die jeweiligen Traditionen und

Bräuche eine Rolle. Zudem werden die Mentalitäten

auch von den jeweiligen Dorfleadern

geprägt. In Madiswil gab es zu meiner

Zeit eine starke Dorfburgerschaft, die mentalitätsbildend

wirkte. Neuzuzüger blieben

lange Fremde, die nicht viel zu sagen hatten.

Jakob Käser hat die Madiswiler Mentalität

wunderbar in seinen Büchern beschrieben.

Da ist es in Roggwil anders. Auch für dieses

Dorf durfte ich die Dorfchronik schreiben.

Dort war die Firma Gugelmann ansässig und

eine Zeitlang arbeitete praktisch das ganze

Dorf in der Fabrik. Ensprechend dominierte

politisch in Roggwil die SP, in Madiswil war

es die SVP. Auch das hatte bezüglich der

Mentalität Auswirkungen. Doch das hat sich

gegenüber dem letzten Jahrhundert heute

stark verändert. Heute wirken die Handys

mentalitätsbildender. Und das geht über lokale

Mentalitäten hinaus.

Und in Langenthal?

Langenthal war ein Dorf von Krämern und

Kleinbauern, bevor die Industrialisierung um

1890 einsetzte. Da war die Porzellanfabrik,

die Firma Amman zügelte von Madiswil nach

Langenthal, Ruckstuhl kam von Melchnau,

dann auch die ganze Leinenindustrie, die

Baumann AG, und natürlich auch die Motorex,

die jetzt gerade ihr 100-jähriges Bestehen

gefeiert hat, und die seinerzeit von

Bützberg umsiedelte. Damit bildete sich eine

neue Schicht der selbstbewussten Arbeiterschaft.

Die Politik schaltete damals schnell

und gab dieser neuen Schicht Raum. Man

schuf ein nach dem Proporz zusammengesetztes

Gemeindeparlament. Dank dieser

gelungenen Integration arbeitete man fortan

gut zusammen. Dies hat zur Folge, dass in

Langenthal die Sektion der SP vergleichsweise

recht bürgerlich ist. Die Arbeiterschaft

war eben – im Vergleich zu andern Orten –

sehr früh integriert. Heute haben wir deshalb

8 s’Positive 7 / 2017


Im Militär

war Simon Kuert

Regimentspfarrer

und Grenadier.

Heute sind alle Dokumente und Fotos übers Langenthal im Stadtarchiv einsehbar.

einen allseits akzeptierten Sozialdemokraten

als Stadtpräsidenten.

Es ist also sowohl politisch als auch wirtschaftlich

eine Erfolgsstory?

Es gab und gibt natürlich immer wieder mal

Rückschläge. Die Porzi gibt es nicht mehr, und

kürzlich mussten wir zu Kenntnis nehmen,

dass auch die Ammann Group in Langenthal

Stellen streicht. Dies ist der Globalisierung

und dem starken Franken geschuldet. Trotzdem:

Ja, es ist eine Erfolgsgeschichte.

Wo verlaufen eigentlich die Grenzen des

Oberaargau? Oft scheint man sich da

nicht ganz sicher zu sein.

Heute sind die Grenzen klar: Der Oberaargau

besteht aus den beiden alten Ämtern

Wangen und Aarwangen, aus Bipp und einem

Teil des Amtes Trachselwald. Mit der

Bildung der neuen Verwaltungskreise sind

2010 Huttwil, Eriswil, Wyssachen und Walterswil

hinzu gekommen und gehören jetzt

ebenfalls offiziell zum Oberaargau. Geografisch

waren diese Ortschaften jedoch vorher

schon oberaargauisch. Ebenso wie Dürrenroth,

das eigentlich ebenfalls zum Oberaargau

gehören müsste, aber im Verwaltungskreis

Emmental geblieben ist.

Weshalb ist dies so?

Dies entzieht sich meiner Kenntnis. Kirchlich

ist Dürrenroth beim Oberaargau geblieben.

In Huttwil wird immer noch der «Unter

Emmentaler» herausgegeben. Die Zeitung

ist wichtig für die Region, ihr Name ist

jedoch nicht geeignet, den Oberaargauern

Identität zu stiften.

Das stimmt zwar. Doch es ist, wie Sie sagen:

die Lokalzeitungen, zu denen auch die Gratiszeitungen

gehören, sind enorm wichtig für

die Region und deren Identität. Vor allem,

seit das Langenthaler Tagblatt zur Berner

Zeitung, bzw. zur Tamedia-Gruppe gehört.

Dazu eine kleine Geschichte. Im Zuge des

Übergangs sollten grosse Teile des Archivs,

in dem alle Artikel über den Oberaargau fein

säuberlich abgelegt wurden, aber auch das

Fotoarchiv, entsorgt werden. Glücklicherweise

bekam ich davon Wind und konnte

diese wertvollen Zeitzeugen

retten. Heute

wird alles im Stadtarchiv

gelagert und ist

einsehbar. Wenn ich

zum Beispiel etwas

über das frühere Regiment

16 brauche, finde

ich in diesem Archiv

viele Artikel und Fotos.

Wenn ich Sie richtig

verstehe, orten Sie jedoch in diesem Bereich

einen Mangel.

Ich stelle fest, dass die Berner Zeitung unsere

Region nicht mehr so abdeckt wie früher

das Langenthaler Tagblatt. Dies erlaubt andererseits

dem Unter-Emmentaler, sich neu

auszurichten und zu expandieren. Heute ist

der UE, was früher das Langenthaler Tagblatt

für die Region war. Auch s’Positive trägt zur

Identität der Region bei. Doch weder eine

Regional- noch eine Gratiszeitung können

in diesem Bereich den Lead übernehmen.

Dafür ist die Berner Zeitung zu gross und hat

zudem auch einen offizielleren Charakter.

Doch dass diese Zeitung nach meinem Geschmack

unsere Region zunehmend vernachlässigt,

kann für uns nicht gut sein. Bei

der Zeitung «Der Bund» ist es übrigens noch

gravierender. In unserer Familie war früher

der Bund das Leibblatt, weil diese Zeitung

auch viel über unsere Region berichtete.

Heute lesen wir darin nur noch wenig über

den Oberaargau.

Wie erklären Sie sich, dass die renommierte

Zeitschrift «Bilanz» in ihrem Städte-

Ranking Langenthal lediglich an 116. Stelle

von 162 bewerteten Städten führt?

Das ist mir ein Rätsel. Wir sind doch überall

über dem Mittelmass. Hier kann man gut

Ich stelle fest, dass die Berner

Zeitung und «Der Bund» das Langenthal

zunehmend vernachlässigen.

Das kann für uns nicht gut sein.»

leben und arbeiten. Die Stadt ist wirtschaftlich

gut aufgestellt und hat in verschiedenster

Hinsicht etwas zu bieten. Wir haben

Kultur, das Stadttheater, und im Sport mit

dem SC Langenthal und dem LV Langenthal

zwei sportliche Aushängeschilder, die über

die Region hinaus strahlen. Wir haben

s’Positive 7 / 2017 9


SIMON KUERT

auch Naherholungsgebiete. Eventuell gibt

es Abstriche beim Verkehr, weil wir nicht

direkt an der Hauptverkehrsachse liegen.

Aber insgesamt kann ich dieses Ranking

nicht nachvollziehen. Vielleicht müsste man

sich überlegen, ob die Bewertung etwas mit

dem Begriff Oberaargau zu tun hat.

Langenthal galt lange Zeit als der Durchschnittsort

der Schweiz. Dieser Durchschnitt

scheint sich jetzt Richtung Zofingen

verschoben zu haben.

Das ist mir neu. Doch Zofingen hat Langenthal

etwas voraus. Nämlich die schöne Altstadt.

Zofingen war seinerzeit eine wichtige

Berner Munizipalstadt mit einer bedeutenden

Lateinschule. Langenthal war das nie.

Meiner Meinung nach hätte sich Langenthal

als grösstes Dorf der Schweiz verkaufen

sollen. Langenthal hatte nie eine Stadtentwicklung,

sondern war immer ein grosser

Marktflecken im Zentrum der Schweiz. Der

Charakter einer Stadt fehlt von seiner Geschichte

her. Auch Huttwil, wenn auch viel

kleiner, ist im Gegensatz zu Langenthal ein

Städtchen.

Stichwort Marketing, jetzt wieder auf den

Oberaargau bezogen. Wir kennen die

Webseiten oberaargau.ch und myoberargau.ch.

Reichen diese Internetauftritte

bereits als Marketingmassnahmen?

«Im Langenthal kann man gut leben und arbeiten.

Die Stadt ist wirtschaftlich gut aufgestellt und hat in

verschiedenster Hinsicht etwas zu bieten. Wir haben

Kultur, das Stadttheater und Sportvereine.»

Der Auftritt von myoberaargau.ch ist gut.

Frau Uschi Tschannen konnte diesen an

mybern.ch anschliessen. Doch es fehlen in

meinen Augen noch die Produkte. Zwar gibt

es die Design-Tour und ein paar andere Angebote.

Aber da wäre wohl noch mehr möglich.

Woran denken Sie?

Zum Beispiel an eine Kirchentour. Dieser

Vorschlag ist nicht religiös gemeint, sondern

kulturhistorisch. Hier haben wir viel zu bieten.

Beispiele Dürrenroth oder Eriswil. Aus

historischer Sicht bedeutend im Langetental

sind auch die Kirchen von Rohrbach und

Madiswil (erwähnt bereits 795) und auch

Lotzwil wegen ihrer Innenausstattung. Dann

vor allem die alten Kirchen von Wynau oder

Oberbipp. Mit einbezogen werden müsste

auch (als Höhepunkt) die Klosterkirche St.

Urban. Verbinden liesse sich diese Tour mit

Lesungen von Oberaargauer Schriftstellern

und einem Orgelkonzert von einem unserer

Oberaagauer Organisten. Dann gibt es viele

private Anbieter von Kultur, die man in eine

Marketingstrategie einbeziehen könnte.

Zum Beispiel Reto Bärtschis Kunsthof in

Wangenried oder Daniel Gaberells Oberaargauer

Buchzentrum in Riedtwil. Der Amiet-

Hesse-Pfad auf der Oschwand. Dies sind

Dinge, die es sonst nirgends gibt. Und wir

haben ein brach liegendes Schloss Aarwangen!

In diesem liesse sich ein Oberaagauer

Archiv, ein Informationszentrum über die

lokale Wirtschaft, das Zivistandsamt mit Feiermöglichkeiten

an der Aare u. a. m. verwirklichen.

Das alles wäre möglich, wenn es der

Kanton an eine lokale Kulturstiftung abtreten

würde. Er müsste eigentlich daran ein

Interesse haben, denn das Schloss und seine

Räume stehen unter Denkmalschutz!

Für Simon Kuert

ist das Marketing

fürs Langenthal

noch ausbaufähig.

10 s’Positive 7 / 2017


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NORDKOREA

EIN FREUNDLICHES

REICH DES

BÖSEN

Nordkorea ist ein geheimnisvolles, ja unheimliches

«Reich des Bösen», das immer

wieder in den Nachrichten auftaucht und

trotzdem wissen wir kaum etwas über

dieses Land. Eine Reise nach Nordkorea.

Klaus Zaugg

und Wanda

Frischknecht mit

einem nordkoreanischen

Soldaten.

12 s’Positive 7 / 2017


Pjöngjang, die

Hauptstadt Nordkoreas

– eine Stadt

ohne Individualverkehr.

TEXT & FOTOS: KLAUS ZAUGG UND WANDA FRISCHKNECHT

Nach Nordkorea reisen? Die Reaktionen

sind dramatisch. Von

«Wahnsinn» über «völlig verrückt»,

«habt ihr ein Testament

hinterlegt?» bis zur Frage, ob

so eine Reise «ethisch überhaupt vertretbar

sei». Zumindest auf diese letzte Frage ist die

Antwort einfach: Falls eine Reise in ein

Land, das interkontinentale Raketen baut

oder an Atombomben bastelt, nicht vertretbar

ist, dann darf ich auch nicht nach Frankreich,

China, Grossbritannien oder Russland

reisen.

Aber wir wollen nicht philosophieren.

Diese Einleitung soll lediglich illustrieren,

wie extrem die Vorurteile/Vorstellungen im

Fall von Nordkorea sind. Es gibt wahrscheinlich

kein anderes Land, über das wir

so wenig verlässliche Informationen haben,

das so sehr als «Schurkenstaat» gilt und

darüber hinaus eine sozialistische Gesellschaftsform

hat, die im Westen sowieso den

Schwefelgeruch des Bösen hat. Und wer

immer eine Geschichte über Nordkorea erzählt,

kann der Phantasie freien Lauf lassen

und aufs allerdramatischste übertreiben.

Schwerlich wird sich jemand finden, der

sagt: «Moment mal, ich war dort, so ist es

nicht.» Und eine Klage auf Gegendarstellung

ist nicht zu erwarten.

WIE IST ES WIRKLICH?

Und wie ist es wirklich? Das ist eine Frage,

die mich schon lange beschäftigt hat. Ich

habe zusammen mit meiner Freundin eine

zehntätige Rundreise in dieses «Reich des

Bösen» unternommen. Mir ist klar, dass zehn

Tage nicht genügen, um ein so geheimnisvolles

Reich auch nur im Ansatz zu erkunden.

Es heisst, Nordkorea sei ein geheimnisvolles

Land hinter sieben Vorhängen und der

Fremde könne vielleicht hinter den ersten

Vorhang sehen. Nicht einmal der südkoreanische

Geheimdienst verfügt über verlässliche

Informationen über die Vorgänge im

Inneren seines Nachbarn. Dabei sind es von

der südkoreanischen Hauptstadt bis zur

Grenze bloss 60 Kilometer. Und der Begriff

«Potemkinsches Dorf» ist mir vertraut. Die

Redewendung geht zurück auf den russischen

Feldmarschall Grigori Alexander Potemkin.

Um Zarin Katharina II. zu beeindrucken

hat er angeblich 1787 vor dem Besuch

der Herrscherin in einem von ihm eroberten

Gebiet entlang der Wegstrecke Dörfer aus

bemalten Kulissen zum Schein errichtet. Um

ein blühendes Land vorzutäuschen. Und

s’Positive 7 / 2017 13


NORDKOREA

aus Reisen in die einstige Sowjetunion ist

mir klar, wie geschickt es autoritär regierte

Staaten verstehen, den Besuchern nur das

zu vermitteln, was vermittelt werden soll.

Wir haben allerdings in Nordkorea in

zehn Tagen über 1500 Kilometer zurückgelegt.

Hauptsächlich auf dem Weg nach Wanson

an der Ostküste, an die Demarkationslinie

(die Grenze zu Südkorea), nach Norden

in die Myohyang-Berge und in der weiteren

Umgebung von Pjöngjang. An einer so langen

Wegestrecke «potemkinsche Dörfer» zu

bauen ist nicht ganz einfach.

INDIVIDUALREISEN? FEHLANZEIGE

Eine Reise nach Nordkorea ist eine Fahrt in

ein zumindest oberflächlich freundliches

«Reich des Bösen» und letztlich die Auseinandersetzung

mit einer Tragödie, mit einem

fatalen Irrtum der Geschichte. Nach zehn

Tagen bleibt die mehr verwirrende als erhellende

Erkenntnis, dass fast nichts so ist, wie

ich es mir nach intensiver Lektüre über dieses

Land vorgestellt hatte. Und dass vielleicht

doch alles ganz anders ist. Wer sich nur auf

das verlässt, was er sieht und hört, kann sich

auch dramatisch täuschen.

Individualtourismus ist in Nordkorea nicht

möglich. Eine nur über die staatliche Tourismus-Organisation

buchbare Reise ähnelt eher

«Die Einreise ist überraschend

einfach und unkompliziert, kein

Vergleich mit der mühsamen Prozedur

beispielsweise in Russland.»

einem Staatsbesuch, zumindest einer Reise

mit VIP-Status. Aber zum Normalpreis. Ab

Peking kostet das Nordkorea-Abenteuer weniger

als 4000 Franken pro Person.

Die offizielle Reise beginnt mit dem Flug

ab Peking. Regelmässige Flüge in die Hauptstadt

Pjöngjang gibt es nur von Peking und

Shenyang (eine Millionenstadt im Süden von

China) aus. Eine UN-Resolution verbietet

den Verkauf von Kerosin an Nordkoreas

staatliche Airline «Air Koryo» und es besteht

ein fast weltweites Lande- und Überflugverbot

für ihre Maschinen.

Aber alle herumgebotenen

Schauergeschichten

über diese angebliche

«Schrott-Airline» sind

frei erfunden und treffen

nicht zu. Ich bin zwar

kein Aviatik-Spezialist.

Aber den Flug (Maschine,

Komfort an Bord,

Bedienung, Verpflegung,

Start und Landung) habe

ich nicht anders erlebt als einen Europa-Flug

der Swiss. Einziger Unterschied: während

des ganzen Fluges berieselt leicht melancholische

koreanische Musik die Passagiere.

Die Einreise? Ich rechnete mit mindestens

einer Stunde, Leibesvisitationen und

vollständigem Auspacken der Koffer durch

ZUSATZINFOS

Leben wie in einer Filmkulisse

Die Hotelunterkünfte sind

durchwegs gut bis sehr gut, so

zwischen drei und fünf Sternen.

In den Hotels gibt es fast

nur ausländische Gäste. Niemand

weiss, wie viele Touristen

aus westlichen Ländern pro

Jahr nach Nordkorea reisen. Es

sind wahrscheinlich nicht viel

mehr als 1000. Angeblich gehören

die Schweizer zu den

häufigsten Touristen, aber es

dürften kaum viel mehr als 200

pro Jahr sein.

Bei diesem bescheidenen Tourismus

stehen die «Westhotels»

praktisch leer und der Hotelgast

aus dem Westen kommt

sich vor wie in einer Filmkulisse.

Ganz besonders beim Fünf-

Sterne-Luxushotel Hyangsan.

Einem der exklusivsten Bauwerke

in Nord korea. Nach einer

über zweistündigen Fahrt von

Pjöngjang aus nach Norden

über die wellige Autobahn und

eine Staub strasse erhebt sich

auf einmal in der wunderschönen

Landschaft des Myohyang-

Gebirges ein nigelnagelneuer

Hotelpalast. Wir sind die einzigen

Gäste.

So war es wohl im Winter im

leerstehenden Overlock-Hotel

in den Bergen von Colorado

aus dem Film «Shining». Die

Rezeption ist vollständig besetzt,

als herrsche Hochbetrieb,

die Hoteldiener in Phantasie-Uniformen

stehen parat,

die Bar hat geöffnet, der Shop

auch. Aber es gibt nur uns

zwei als Gäste. Das Zimmer

hochmodern, blitzsauber (wie

alle anderen Hotelzimmer übrigens

auch). Mit Wanzen? Keine

Ahnung. Vielleicht. Vielleicht

nicht.

Video-Überwachung? Vielleicht.

Vielleicht nicht. Aber

spielt es überhaupt eine Rolle?

Und würde denn irgendjemand

hier eine Unterhaltung in

Schweizerdeutsch verstehen?

Wenn es denn stimmt, dass

Kim Jong-un in Bern eine internationale

Schule besucht

hat, würde wahrscheinlich nur

er unsere Unterhaltung verstehen.

Aber ein Staatsoberhaupt

wird wohl besseres zu tun haben

als das Berndeutsch eines

Touristen für seinen Geheimdienst

zu übersetzen.

Wir essen im grossen Speisesaal

unter Kronleuchtern und

die freundliche Bedienung ist

nur für uns da. Wenn ich Wasser

einschenken will, steht sogleich

ein charmantes weibliches

Wesen da und schenkt

ein. Das Essen ist, wie jeden

Tag, reichlich. Koreanische Küche.

Beim Frühstück, am Mittag

und am Abend viel mehr

als wir brauchen. So wird es

einst gewesen sein, wenn die

Königin und der König getafelt

haben. Und einst dürften die

Könige und Königinnen etwa

gleich viel Abstand von ihren

Untertanen, vom einfachen

Das Fünfstern-

Hotel Hyangsan

mit zwei Gästen.

Volk, gehabt haben wie wir zu

den «gewöhnlichen» Koreanerinnen

und Koreanern.

Es gibt zwar kein offizielles

«Kontakt-Verbot» und überhaupt

wird geschickt vermieden,

dass beim Gast das ungute

Gefühl einer ständigen

Kontrolle aufkommt. Nur beim

Fotografieren gibt es klare Anweisungen.

Es ist nicht erlaubt,

Menschen bei der Arbeit zu fotografieren.

Aber Vorschriften

sind aus der Situation heraus

sonst eigentlich gar nicht erforderlich.

Die Menschen sind

zwar keineswegs mürrisch, abweisend

oder gar feindselig.

Ganz im Gegenteil. Sie sind,

ohne Worte, liebenswürdig,

mit offenem Blick, freundlich

und sehen die wenigen Touristen

wohl eher als eine exotische

Kuriosität ohne Bedeutung

für ihren Alltag.

Es wäre wahrscheinlich möglich

gewesen, das Hotel zu

verlassen und vielleicht sogar

unbeobachtet einen Spaziergang

zu unternehmen. Aber

wer mag, der Landessprache

und des Ortes gänzlich unkundig,

in einem fremden Land am

Abend aus dem Hotel heraus

in die dunkle Nacht hinaus

spazieren? Tourismus in Nordkorea

hat etwas von einem

Leben in einer Filmkulisse.

14 s’Positive 7 / 2017


finstere Typen. Die ganze Angelegenheit

war indes in weniger als zehn Minuten erledigt.

Keine weiteren Fragen nach einem

kurzen Blick in den Pass und ins Einreiseformular,

das sich nicht von den Papieren

unterscheidet, die bei der Einreise in fast

alle aussereuropäischen Länder auszufüllen

sind. Am Zoll bloss ein flüchtiger Kontrollblick

in den Koffer ohne Nachfragen. Kein

Vergleich zum mühseligen Einreiseprozedere

ins einstige sozialistische Russland.

Und viel zügiger als eine Einreise in die USA

oder Kanada. Und gleich hinter dem Zoll

wartet die Reiseleitung. Das soll ein «Reich

des Bösen» sein?

BEGLEITET VON DREI PERSONEN

Zehn Tage lang fahren wir in einem Kleinbus,

von drei Personen begleitet (beaufsichtigt?),

durchs Land: Vom Chauffeur, einer Reiseleiterin

und einem Reiseleiter, die beide Germanistik

studiert haben und fliessend

Deutsch sprechen. Durch meinen Visa-Antrag

wissen die Behörden, dass ich Chronist

bin. Ganz werde ich während der Reise nicht

dahinterkommen, wie die Betreuung strukturiert

ist. Der kluge Reiseleiter ist wahrscheinlich

Parteimitglied in guter Position.

Die Streitgespräche mit ihm über Geschichte

und Sozialismus, Ideologie und Gesellschaft

sind anregend.

Chronist zu sein, bedeutet im Wortsinne

einfach zu berichten, was zu sehen und zu

hören ist. Frei von Vorurteilen und Wertungen.

Ohne die Absicht zu belehren. Diese

Methode ist eigentlich die einzige, um an das

komplexe, bisweilen verwirrende Thema

Nordkorea heranzugehen. Aber sie ist, natürlich,

auch problematisch. Sie kann keinen

Anspruch auf tiefe Erkenntnis und Wahrheit

über die wahren Zustände erheben.

WUNDERSCHÖNE LANDSCHAFTEN

Nordkorea erlebt der Reisende als ein landschaftlich

wunderschönes Land. Rund dreimal

so gross wie die Schweiz. Zu 81 Prozent

ein Berg- und Hügelland, das von tiefen und

engen Tälern durchschnitten wird, aber nur

ganz im Norden bis auf 2000 Meter ansteigt.

An der Westküste gibt es eine grosse Küstenebene,

die durch Urbarmachung von Marschland

vergrössert wurde. Diese durchaus mit

der Schweiz vergleichbare Topographie bedeutet,

dass sich nur knapp ein Viertel der

Fläche für intensive Landwirtschaft eignet.

Die grünen Hügelzüge mahnen an ein asiatisches

Emmental oder an das Auenland aus

Tolkiens «Herr der Ringe». Das Klima ist extrem

und hat grossen Einfluss auf die Ernteerträge:

über 30 Grad feuchte Hitze im Sommer,

bis zu 20 Grad Minus im Winter und

die latente Gefahr von heftigen Regenfällen

und Überschwemmungen.

Pjöngjang war

nach dem Krieg

zerstört und wurde

neu aufgebaut.

Die Demarkationslinie

zwischen Nordund

Südkorea.

Eine Landschaft wie

in Tolkiens Auenland

aus «Herr der Ringe».

s’Positive 7 / 2017 15


NORDKOREA

Altstadt von

Kaesang, südlichste

Stadt bei der

Demarkations -

linie.

Breite Strassen –

allerdings nur

für Tram und Bus.

Dahinter verbirgt sich allerdings eine Tragödie.

Die wegen der Raketen- und Atomtests

verhängten Sanktionen machen es der Regierung

praktisch unmöglich, die Devisen zu

erwirtschaften, um auf dem Weltmarkt Nahrungsmittel

zu kaufen. Eine Bevölkerung von

etwas mehr als 25 Millionen aus dem eigenen

Land ernähren – das mahnt an den «Plan

Wahlen». An die während des 2. Weltkriegs

in der Schweiz unter der Leitung von Friedrich

Traugott Wahlen geführte «Anbauschlacht».

Jeder Flecken Erde wird bebaut.

Vor allem Mais und Reis.

Der Mangel an Erdöl erschwert allerdings

eine hochmechanisierte Agrarindustrie so

stark wie die dem Sozialismus innewohnende

Schwäche, eine effiziente Landwirtschaft

aufzubauen. Im Zentrum steht auf dem Land

deshalb die Arbeit aus Tausenden und Abertausenden

von Händen. Der Reiseleiter erzählt,

dass jetzt gerade die «Generalmobilmachung»

laufe. In dieser besonders arbeitsintensiven

Zeit des Reis- und Maisanbaus

gebe es 70 Tage lang keinen einzigen Sonntag.

Dazu gehöre die Regel, dass alle, die Reis

essen, auch beim Reisanbau helfen müssen.

Mindestens eine Woche Landdienst sei für

alle, auch die Stadtbewohner, obligatorisch.

Zu den Besonderheiten gehört die Sechstagewoche

für die Stadtbewohner und die

Zehntagewoche für die Landbevölkerung.

Weil die Landwirtschaft so arbeitsintensiv

ist, haben die Bauern übers ganze Jahr nur

jeden 11. Und nicht jeden 7. Tag frei. Selbst

ein unpolitisch denkender Mensch erkennt

einen grausamen Zynismus: Die Weltgemeinschaft

hat durch die Sanktionen ganz

massgeblichen Anteil am Hungerproblem in

diesem Land, das vor allem die Kinder trifft

– und versucht dann mit Hilfsprogrammen,

finanziert aus Steuergeldern, zur Linderung

der Not beizutragen. Wenn es denn je ein

Beispiel dafür gegeben hat, dass Wirtschaftssanktionen

nicht die Eliten sondern die «kleinen

Leute» treffen – hier ist es.

LAND OHNE AUTOS

Eine Fahrt auf der Autobahn aus der Stadt

hinaus aufs Land ist eine Fahrt in eine andere

Zeit. Autobahn? Ja, die entsprechende

Signalisation ist genau gleich wie bei uns.

Und oft sind die Fahrbahnen auch richtungsgetrennt.

Die Ränder werden von hunderten

von Händen gepflegt, immer wieder sind

Arbeitsgruppen unterwegs, die Gras schneiden

oder Unkraut auszupfen. Es ist eine

sozialistische Autobahn. Sie wird von allen

16 s’Positive 7 / 2017


Zauberhafter Blick:

Sonnenaufgang bei

Wonsan.

genutzt. Radfahrern, Ochsengespannen,

Fussgängern, Lastwagen und Autos. Autos?

Nordkorea dürfte das einzige Land ohne Individualverkehr

sein. Ein Auto zu fahren ist

zwar keineswegs verboten. Aber eine Benzinkutsche

kostet umgerechnet auf unsere

Verhältnisse mehr als 400 000 Franken. Da

kommt der Gedanke, ein Auto zu erwerben,

so wenig auf wie bei mir, einen Privatjet zu

kaufen. Es gibt die an der Nummernschildfarbe

zu erkennenden Kategorien: schwarz

für Militärfahrzeuge, blau für offizielle Fahrzeuge

(wie unser Touristenbus oder Taxis),

grün für Diplomaten, rot für Vertreter von

ausländischen Firmen und gelb für Privatfahrzeuge.

Ein gelbes Nummernschild haben

wir nie gesehen. Eine Besonderheit sind die

Armeelaster, die wegen der Benzinknappheit

mit Holzvergaser fahren. Atombomben und

Holzvergaser. Auch das ist Nordkorea. Der

optische Eindruck eines rein agrarischen

Landes täuscht. Es gibt zwar keine verlässlichen

Zahlen über die Wirtschaftsleistung.

Die Planwirtschaft ist nach dem Zusammenbruch

des Sozialismus in Osteuropa nicht

reformiert, sondern gestärkt worden und es

gibt keine sichtbare, offene, freie wirtschaftliche

Tätigkeit. Auch nicht in Nischen wie im

«Pjöngjang wirkt wegen des

extremen Gegensatzes zum rückständigen

Landleben unheimlich,

fast wie eine Raumstation.»

Sowjet-Sozialismus. Der Agrarsektor dürfte

rund ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmachen.

Aber es gibt offensichtlich trotz des weitgehenden

Fehlens ausländischer Investoren

eine leistungsfähige industrielle Basis, die

weitgehend für den militärischen Sektor arbeitet.

Es gibt sogar eine eigene Autoindustrie,

die vor allem Laster und Kleinbusse

produziert.

«Stadtluft macht frei» ist ein Spruch aus

alter Zeit bei uns. Es besagt, dass das Leben

in der Stadt besser, freier ist. Das dürfte auf

die rund 50 Städte mit mehr als 30 000 Einwohnern

und vor allem auf die Hauptstadt

Pjöngjang, die einzige Millionenstadt, zutreffen.

Es ist eine der saubersten, ordentlichsten

Millionenstädte, die ich je gesehen

habe. In dieser Beziehung mindestens auf

dem Niveau von Singapur oder Tokyo. Pjöngjang

ist während des Korea-Krieges (1951

bis 1953) von der US-Luftwaffe praktisch

vollständig zerstört worden. Mit ziemlich

genau einer Bombe für jeden der damals fast

500 000 Einwohner.

Auf den Reisenden wirkt Pjöngjang wegen

des extremen Gegensatzes zum rückständigen

Landleben auf eine ganz besondere

Art und Weise unheimlich, fast wie

eine Raumstation. Es gibt keinen «sanften

Anfang», keinen allmählichen Übergang von

der offenen Landschaft zur Grossstadt, keine

weit ausgedehnten Vorstädte, keine sich

lang hinziehenden Strassen mit Tankstellen

und Läden wie im Westen. Grünes Land, und

– nach einer oder zwei Armee-Kontrollposten

– auf einmal taucht, wow, die Skyline

auf. Unvermittelt, beinahe unwirklich wie

eine Raumstation. In einer westlichen Gesellschaft

würde unter diesen Voraussetzungen

eine Landflucht einsetzen. Was hier

offensichtlich nicht der Fall ist. Auf den

Strassen gibt es mehrere Kontrollposten der

Armee – in die Stadt kommt nur, wer einen

entsprechenden Passierschein hat und aus

der Stadt kommt auch nur, wer eine Bewilligung

hat.

DUNKELHEIT ÜBER DER STADT

Pendler mit Privatautos gibt es keine. Das

Fahrrad ist das wichtigste individuelle Verkehrsmittel,

dazu Busse und Trams. Emsige

Geschäftigkeit, aber keine

Hektik in den Strassen.

Fleissige Hände

pflegen jede Grün fläche

und Abfall liegt keiner

herum.

In der Nacht legt sich

weitgehend Dunkelheit

über die Stadt, um Strom

zu sparen (Strom wird

durch Wasser- und Kohlekraftwerke

produziert). Die wenigen Restaurants

schliessen spätestens um 21.30 Uhr.

Es rockt nicht in Pjöngjang. Um mich nicht

dem Vorwurf des Zynismus auszusetzen: Ich

weiss nicht, ich kann es nicht wissen, wie

freiwillig oder unfreiwillig die Menschen so

leben wie sie leben. Der Chronist denkt bloss

verwirrt: das ist ja wie bei der alten Lebensweisheit

der Bauern aus dem Emmental und

dem Oberaargau. Es ist am besten, sich zur

gleichen Zeit wie die Hühner schlafen zu legen

und am Morgen mit den Hühnern aufzuwachen

und mit der Arbeit zu beginnen.

ZUSATZINFOS

Eine touristische

Traumdestination?

Der landschaftliche Reiz der Bergwelt

und Badestrände an der Ostküste bieten

eigentlich die Voraussetzungen für

eine touristische Traumdestination.

Gerade wegen der Nähe zu Japan

würde der Tourismus wohl boomen

wie in Italien oder Spanien. Dreimal

haben wir gut zweistündige Bergwanderungen

auf gut ausgebauten, gepflasterten

Wegen unternommen. Und

südlich von Wonsan gibt es unberührte,

kilometerlange flache Sandstrände.

Aber es gibt nur an einer Stelle einen

Zugang bei einem Strandhaus. Badetuch

mieten und ins Meer. Hier haben

wir auf dem Weg nach Süden und auf

dem Rückweg nach Norden einen

Bade halt gemacht.

Die Wassertemperatur ist ideal, der

Sandstrand zieht sich flach ins Meer

hinaus – perfekte Badebedingungen.

Am Strand vielleicht zehn, fünfzehn

Menschen. So war wahrscheinlich

Baden am Mittelmeer zu den Zeiten,

als Goethe die Toskana besucht hat.

s’Positive 7 / 2017 17


WUSSTEN SIE SCHON

WUSSTEN

SIE SCHON?

KLEINES HIRN, ABER

Wie intelligent

sind Vögel?

Vögel können erstaunliches leisten und bezüglich

Intelligenz mit Säugetieren mithalten.

Krähen stellen Werkzeuge her, Elstern

erkennen sich im Spiegel, Raben und Häher

verstehen kausale Zusammenhänge, und

viele Papageien können sogar fremde Laute

erlernen. Setzt man dies in Relation mit den

kleinen, nur wenige Gramm schweren Gehirnen,

die noch nicht mal eine Gehirnrinde

haben, kommt man ins Staunen. Wie kann

das sein? Pavel Nemec von der Universität

Prag hat gemeinsam mit einem internationalen

Forscherteam die Gehirne von 28 Vogelarten

untersucht und eine mögliche Erklärung

gefunden: Die Nervenzellen der

Vögel seien aufgrund einer besonders effizienten

neuralen Architektur bis zu viermal

dichter gepackt als bei Säugern. Deshalb

bringen die Vögel extrem viele Neuronen in

ihren kleinen Gehirnen unter. Mehr Neuronen

bedeuten mehr Gehirnleistung. Ein Beispiel:

Aras haben in ihren walnussgrossen

Gehirnen fast so viele relevante Gehirnzellen

wie Totenkopfgiraffen in ihren zitronengrossen

Gehirnen.

1

18 s’Positive 7 / 2017


FRAUEN ODER MÄNNER

Wer verkauft besser auf eBay?

2

Zwei israelische Forscherinnen sind der Frage

nachgegangen, welche Rolle das Geschlecht

bei Online-Auktionen spielt. Dafür

haben die Soziologin Tamar Kricheli-Katz

und die Ökonomin Tali Regevmehr über eine

Million Verkäufe auf der Online-Plattform

eBay verglichen. Bei den Deals ging es um

420 in den USA besonders beliebte Produkte.

Dabei fanden die Forscherinnen heraus,

dass Frauen beim Verkauf die deutlich tieferen

Preise erzielten als Männer. Und zwar

bei Käuferinnen und Käufern. Bei neuwertigen,

originalverpackten Produkten waren

die Unterschiede mit 20 Prozent eklatant.

Aber auch bei gebrauchten Produkten erzielten

die Männer um 17 Prozent höhere Preise.

Die Gründe können die Wissenschaftlerinnen

nur vermuten: Sie gehen davon aus,

dass Kunden hinter weiblichen Verkäufern

geringeres Know-how, weniger Zuverlässigkeit

und sogar schlechtere Qualität erwarten.

Allerdings: bei Babykleidung und Tiernahrung

schnitten die Frauen besser ab.

Fotos: shutterstock.com/Maciej Czekajewski/Chonlachai/Izabela Magier

3

WIRKEN WIR INTELLIGENTER AUF ANDERE...

...wenn wir lächeln?

Es ist doch ganz klar: Ein ehrliches Lächeln

wirkt kommunikativ, steckt an, macht glücklich

und wirkt intelligent. Sollte man meinen.

Teilweise stimmt dies auch: In der

Schweiz, Deutschland, Österreich, Grossbritannien

Ägypten und den Philippinen ist das

so. Hier werden froh wirkende Menschen

tendenziell als intelligenter eingestuft. Doch

in Frankreich, Russland, Japan, Südkorea,

Iran und in manchen Gegenden Indiens ist

das Gegenteil der Fall. Dort nimmt man lächelnde

Menschen eher als dumm wahr.

Herausgefunden hat dies ein Forschungsteam

um den Warschauer Psychologen Kuba Krys

von der polnischen Akademie der Wissenschaften.

Sie zeigten 5216 Studenten aus 44

Ländern Fotos von acht verschiedenen Menschen,

je einmal lächelnd und einmal mit

neutralem Gesichtsausdruck. In 18 der 44

Länder wurde die Intelligenz lächelnder

Menschen eher positiv bewertet, in sechs

Ländern jedoch eher negativ. In den restlichen

20 Ländern war der Einfluss des Gesichtsausdrucks

statistisch irrelevant.

s’Positive 7 / 2017 19


GESCHICHTE

SCHULDIGE FÜR NATURKATASTROPHEN

Feuersbrünste, Naturkatastrophen, Epidemien oder andere

Katastrophen in den Dörfern und Städten verstand

man im Mittelalter und in der Renaissance als Folge des

Wirkens von Menschen mit besonderen Kräften. Sie, die

«sägner und tüffelsschwörer», die «Hexen und Hexenmeister»

waren als Instrumente des Teufels verantwortlich

für das Unglück im Ort und die dunklen Seiten des

Lebens. Glück und Segen in einer dörflichen Gemein-

HEXEN-

VERFOLGUNGEN

IM OBERAARGAU

Verfolgt, gefoltert, verbrannt, oder bei milderer

Bestrafung ertränkt. So verfuhr man im Mittelalter

nicht nur im Oberaargau mit Hexen. Eine Chronik

der Grausamkeiten.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: ZVG

Was soll daran positiv sein, werden Sie

sich als Leser vielleicht fragen. Denn

schliesslich lesen Sie ja s’Positive. Verfolgungen,

Folterungen, Tod durch

Verbrennen oder Ertränken – das können

wir drehen und wenden, wie wir wollen. Einen positiven

Ansatz können wir darin beim besten Willen nicht

finden. Doch auch diese grauenvollen Praktiken gehören

zu unserer Geschichte. Und diese wiederum hat damit zu

tun, wie wir geworden sind. Sich mit der Geschichte zu

befassen ist immer positiv. Und interessant dazu.

Im Buch «1200 Jahre Madiswil von Simon Kuert (siehe

auch das Interview ab Seite 4) stiess ich im Kapitel

«Umgang mit Minderheiten» auf die Hexenverfolgungen.

Simon Kuert stellte mir dann die nötigen Unterlagen für

diesen Artikel zur Verfügung.

20 s’Positive 7 / 2017


Foto: shutterstock.com/Asmus Koefoed

schaft begriff man als die Frucht von wahrer christlicher

Disziplin. Das «Christliche Mandat» vom 6. Januar 1587

verlangte in Bern von den dörflichen Chorgerichten die

besondere Sorge um die «christliche disciplin». Die

Wächterschaft darüber wurde den Pfarrherren und Chorrichtern

übertragen. Darunter fiel das Überwachen von

Menschen, die der allgemeinen Norm nicht entsprachen.

Im Blickfeld waren jedoch nicht nur die Hexen und Hexenmeister,

sondern auch die Täuffer, die mit ihrem

Denken und Handeln die kirchlichen und staatlichen

Lehr- und Glaubenssätze in Frage stellten. Den Amtsleuten,

den Pfarrern und der Dorfehrbarkeit wurde ans Herz

gelegt, solche Menschen aufzustöbern. Sie taten es.

In den Rechnungsbüchern des Landvogts von Aarwangen

finden wir viele Hinweise auf grauenvolle Verfolgungen

von Frauen – aus diesem Amt. Es sind nur knappe Notizen.

Doch was wir der Amtsrechnung von 1575 entnehmen

können, lässt uns das Blut in den Adern gefrieren.

Vermutlich war es der damalige Pfarrer Andreas Bäckli,

der dem Landvogt von Aarwangen, Anton von Graffenried,

den Hinweis gab, dass die beiden Frauen Eva

Zingg und Christina Zumstein aus Madiswil der Hexerei

verdächtigt werden. Bäckli hatte schliesslich 1547 treu

geschworen, alle die «Dinge, so uns vorbehalten sind»

treu einzuhalten. Dazu gehörte der Vollzug der obrigkeitlichen

Mandate im Dorf.

Das Verbrennen

von Frauen war vor

450 Jahren auch in

der Schweiz weit

verbreitet.

s’Positive 7 / 2017 21


GESCHICHTE

Von Graffenried ritt nach Madiswil, fand die beiden Frauen

und liess sie ins Schloss bringen. Dort wartete grosses

Leid auf sie. Der Wasemmeister von Rütschelen musste

seines Amtes walten und «gedachten Unhulden» foltern.

Er erhielt dafür seinen Lohn.

Während des Folterns wurden die Frauen verhört.

Eva Zingg nannte eine Mitbeteiligte, die sofort auch aufgestöbert

und ins Schloss gebracht wurde. «Dann habend

die Amtleut von Madiswil die Anna Wallner gefangen

bracht». Ebenso eine Ursula Buri. Sie erwies sich in den

Gesprächen als besonders hartnäckig. Sie wird als «übelste

der Hexen» beschrieben. Leider wissen wir nicht, was

man den Frauen genau vorwarf. Die Protokolle der Befragungen

sind in den Amtsrechnungen nicht erhalten.

Bekannt ist jedoch, dass die Ursula Buri von einer Hebamme

besucht wurde. Man entlöhnte die Geburtshelferin

für ihren Gang. War die Madiswilerin schwanger?

Hat sie gar im Schloss geboren? Wenn dem so war, so

hat das Kind seine Mutter nie kennengelernt. Denn der

Landvogt schickte das Protokoll der Befragung nach

Bern und ein Reiter kam mit der Botschaft zurück: Ursula

Buri ist «mit dem Wasser zu richten». Und der Landvogt

notierte in sein Rechnungsbuch: «Die ertränkte

Frauw ze vergraben gab ich 1 Pfund 10 Schilling». Warum

Ursel Buri ertränkt wurde und drei andere Frauen

auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, ist unklar.

Ertränken galt als die mildere Strafe als Verbrennen.

Übte man Milde, weil die arme Ursel Buri von ihrer Geburt

her noch geschwächt war?

Während der Folterungen wurden aus Ursula Buri

weitere Frauennamen herausgepresst: «Item, als uf Angeben

der Ursel Buri die Dichtli Schär, Margret Tschupp

und Dichtli Küffer fenglich angenommen und hargeführt

worden, ist mit dem Amtlüthen ufgangen 2 Pfund.» Von

Dichtli Schär ist bekannt, dass sie nach 25 Tagen Gefangenschaft

«mit dem Für» gerichtet worden ist. Am Ende

des Jahres notiert der Aarwanger Seckelmeister in seiner

Rechnung: «Denn so ist Eva Zingg und Christina Zumstein,

die beid verbrönnten Unglücklichen 23 Tag gefangen

gelegen».

Das Jahr 1575 war ein trauriges Jahr in der Dorfgeschichte

von Madiswil. Nicht weniger als acht Frauen

wurden im Laufe des Jahres gefangen genommen. Drei

erlitten den grauenhaften Feuertod. Eine wurde in der

Aare ertränkt. Die schrecklichen Ereignisse fanden bereits

18 Jahre später seine Fortsetzung. Das Christliche Mandat,

«Im Jahr 1575 wurden allein in

Madiswil drei Frauen verbrannt und

eine in der Aare ertränkt. 18 Jahre

später ging der Terror von Neuem los»

das die Forderung nach christlicher Disziplin erneuerte,

war 1587 erschienen. Teufelbeschwörung und Hexerei

waren Vergehen, die besonders geahndet werden mussten.

Und so lesen wir 1592 in der Rechnung des Landvogts

Hans Weyermann: «Erstlich wie Agnes Mey, Cecilia ihr

Sohnsfrouw, beyd von Madiswyl, Häxerey halben in grossem

Geschrey gsin, han ich ihrs Wandels halben Kundschaft

ufgenommen und sy ernstlich inzüchen lassen». Diesmal

hatte der Wasemmeister von Rohrbach die traurige Pflicht,

die beiden Frauen foltern zu müssen: «Dem Wasemmeister

gegeben, die vermelten wyber ze foltern».

Den «Hexen»

wurde auch

Eninfluss aufs

Wetter vorgeworfen.

Das «Christliche Mandat» ist ein Dokument

des Terrors.

22 s’Positive 7/ 2017


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GESCHICHTE

Sie hielt die Folterungen nicht aus und nahm sich in der

Gefangenschaft das Leben (selbst lyblos getan).

Wie es der Brauch war, wurde sie als Selbstmörderin

unter dem Galgen vergraben. Zum letzten Mal wurde

1614 eine «Margaret Bützberger wegen bezeugter Hexerey

fenglich eingebracht». Nach mehrmaliger Folterung

hatte auch sie sich dann am 3. April 1614 «mit Hilf des

leidigen Satans selbst lyblos gemacht».

Ertränken galt allgemein als die mildere Strafe

als verbrennen.

Die Folgen der durch die Folterungen erpressten Geständnisse

liess nicht auf sich warten: «Uff Donstag, den 24.

Augustmonat 1592 sind die obgemelten zwo Frauwen zu

Aarwangen mit dem Für gerichtet und zuvor für recht

gestellt» worden. Der Prädikant und der Weibel aus Madiswil

nahmen an der Hinrichtung teil. Sie erhielten vom

Landvogt das Fahrgeld und wurden von ihm verköstigt.

Diese Hinrichtungen wurden öffentlich vorgenommen.

Es wohnten dem grässlichen Schauspiel nicht nur

die Amtspersonen bei, sondern auch diverse Schaulustige.

Aus dem ganzen Amt fanden sich Neugierige beim

Schloss ein. Die Rechnungen des Landvogts aus diesen

Jahren verraten, dass der Posten der Ausgaben für das

Aufspüren, das Verköstigen und Foltern in der Gefangenschaft

und schliesslich für die Hinrichtung in der

Jahresrechnung zuweilen einer der grössten Ausgabeposten

war. Das zeigt die Wichtigkeit, welche die Obrigkeit

einer einheitlichen sittlichen Ordnung beimass. Was

ihr nicht entsprach, musste eliminiert werden.

Von dem rigorosen Durchgreifen beim Abfall von der

Norm, waren nicht nur Frauen aus Madiswil betroffen:1596

traf es Adele Born aus Bleienbach. Auch sie

wurde aufgestöbert, ins Schloss gebracht und gefoltert.

«Bald war eine Hexe oder ein Hexer

gefunden und schon war man eine

verhasste Nachbarin oder einen

unliebsamen Verwandten los.»

DENUNZIATION WAR AN DER TAGESORDNUNG

Auch Margarethe Bützberger fand ihre letzte Ruhestätte

unter dem Galgen. Im Amt Aarwangen wurden in der

Zeit zwischen 1574 und 1591 insgesamt 19 Frauen hingerichtet,

sei es durch Ertränken, Enthauptung oder

durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen.

Ähnliches wie im Amt Aarwangen geschah auch in

der Landvogtei Wangen. Wir wissen, dass allein im Jahr

1591 sieben Frauen vor dem Schloss verbrannt wurden.

Beinahe hätte es in diesem Jahr auch die Langenthaler

Bärenwirtin erwischt. Auch sie wurde gefangen genommen

und in Wangen eingekerkert, Sie aber entging der

Verbrennung, «weil die Besichtigung des Körpers kein

Resultat ergab und weil die Denunziantin ihre Beschuldigung

zurückzog, als die Bärenwirtin bereits auf dem

Scheiterhaufen war.»

Für die Hexenprozesse vom Ende des 16. Jahrhunderts

in Aarwangen und Wangen gilt, was Franz Rueb

in seiner Schweizergeschichte des Teufelswahns für die

Prozesse im Schweizerischen Mittelland zusammenfassend

schreibt :«Der sogenannte Leumundsprozess war

hier das übliche Verfahren gegen Hexen. Amtspersonen

wurden gebeten oder aufgefordert, über verdächtige

oder angeschuldigte Personen Erkundigungen einzuziehen.

Anzeigen konnte jeder jede und als Angeschuldigte

kamen fast jede oder jeder in Frage. Bald war

eine Hexe oder ein Hexer gefunden oder gemacht, und

schon war man eine verhasste Nachbarin oder einen

unliebsamen Verwandten los. Die Delinquenten wurden

zu Pferd vom Land in die Stadt gebracht. Dort wurde

die Untersuchung vom Rat, einer Ratsdelegation vorgenommen.

Die Eingezogenen wurden ins Gefängnis

geworfen. Wollten sie nicht gestehen, wurden sie gefoltert.

Ein Todesurteil wurde nur ausgesprochen, wenn

ein Geständnis vorlag. Die zum Tode Verurteilten wurden

auf eine Leiter gebunden und lebend ins Feuer geworfen...wie

in den meisten Orten waren die gemilderten

Strafausführungen die Enthauptung, das Erwürgen oder

das Ertränken.»

Der Hexenwahn war im 16. Jahrhundert nicht nur in

den Oberaargauer Landvogteien anzutreffen. Im Dezember

1587 etwa wurde in Thun Margaretha Wyss, eine in

Hünibach wohnende betagte Walliserin «mit dem Für

24 s’Positive 7 / 2017


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GESCHICHTE

Vom Teufel geführt:

So stellte man sich

Hexen vor.

Zeitgenössisches Bild einer Hexenverbrennung im

Oberaargau.

gerichtet». Aufgrund der Beschuldigung, sie stehe mit

dem Teufel im Bund, wurde sie gefoltert und es wurden

ihr Geständnisse abgepresst.

Vor allem im Waadtland häuften sich die Hexenprozesse.

Zwischen 1591 bis 1595 richtete man insgesamt

56 Frauen als Hexen hin – in den folgenden fünf Jahren

waren es gar 255. Auch im 17. Jahrhundert grassierte

der Hexenwahn im bernischen Hoheitsgebiet unvermindert

weiter. In der Landvogtei Chillon wurden 1613

innert vier Monaten 27 Todesurteile gefällt. In der

Waadt vor allem unter dem Einfluss calvinistischer

Prediger.

DAS «VERSAGEN» DER PFARRER

Auch in unserer Region glühten die Hexenbrände weiter.

Der Rat von Burgdorf erliess nach Ostern 1615 auf

Drängen der Geistlichkeit einen Haftbefehl gegen zwei

Frauen, die mit dem Teufel im Bunde stehen und Hexenkünste

verübt haben sollen. Da Marter und Folter

kein Geständnis erwirkten, die Zeugen jedoch bei ihren

Aussagen blieben, wurden die Torturen nach einer Woche

bei der nun wieder verhörfähigen Angeklagten

wiederholt.

Am Körper der beiden Frauen fand man «argwöhnige

gezeichen». Es waren, so vermutete man «des leidigen

Satans griffs und signatur». Sofort war klar, die beiden

Frauen sind Hexen. Hierauf konsultierten die Burgdorfer

den Rat zu Bern. Dieser gab die Anweisung die beiden

Frauen nochmals zu foltern. Darauf wurden sie ohne

Nahrung eingekerkert. Den Angehörigen allerdings erlaubte

man, die Eingemauerten zu ernähren. Beide starben

im Oktober desselben Jahres.

Aus Aarwangen vernehmen wir, dass im Jahre 1662

zwei Frauen aus Herzogenbuchsee verbrannt wurden.

Die eine habe dem Schulmeister, die andere dem Pfarrer

die Kühe verhext. Es war die Pflicht der Pfarrer, solche

angebliche Taten anzuprangern und die einzelnen Menschen,

die sie begangen haben sollen, zu verklagen und

einen Prozess – meist mit tödlichem Ausgang – in Gang

zu setzen. Offenbar kamen sie ihrer Pflicht nicht immer

genügend nach. Denn die Regierung tadelte die Prediger

selber oft. Sie sah in ihrer mangelhaften Amtssführung

die Ursache dafür, dass Aberglauben und Hexerei sich

breit machen konnte. Würde das Gotteswort mit mehr

Inbrunst und Engagement in den Dörfern verbreitet,

könnten Hexerei und Teuflesbeschwörung vermieden

werden.

So nannte z. B. der Convent in Bern (Stadtpfarrer

und Professoren) 1651 als Ursache der zunehmenden

Hexerei mit freimütiger Offenheit das Versagen der Pfarrer

und den mangelnden Zustand der Kirche. «Wenn

aller Orten eiferige Prediger weren, welche insonderheit

im Catechisiseren sich bemühen, auch wol etwan dergleichen

Leuten Heuser visitieren, ihnen zusprechen,

die Kinder ihres Bättens halber befragen würden: wann

man nit unterliesse, fleissige Schulmeister auf den Dörfern

anzustellen» – dann würden auch bessere Zustände

herrschen.

Die Aufforderung führte mancherorts zu einer verbesserten

katechetischen Bildung. So verfassten z. B.

«Die Regierung tadelte auch Prediger

recht oft. Mangelhafte Amtsführung

wurde als Ursache für Aberglauben

und Hexerei angesehen.»

viele Dorfpfarrer eigene, auf die Situation in den Dörfern

abgestimmte Katechismen. In Madiswil z. B. Johann

Heinrich Ringier, von 1669 – 1686 Pfarrer in Madiswil.

Er schrieb 1676 eigens einen Katechismus, der die christliche

Bildung des Volkes heben sollte: «Der Kern des

Christentums» – so nannte er sein Buch. Sein Bemühen,

die Jugend und die Erwachsenen im christlichen Glauben

besser und volksnah zu unterrichten, schien Erfolg gehabt

haben. In der Zeit seines Wirkens wurden jedenfalls

kaum Gemeindeglieder wegen Aberglauben und Hexerei

vor das Chorgericht gestellt.

26 s’Positive 7 / 2017


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SPORT

Langenthals

Ordnung gegen

Oltens

Rock’n’Roll

Vieles spricht dafür, dass die sportliche

Rivalität zwischen Olten und Langenthal in

der neuen Saison heftig sein wird. Der

neutrale Chronist zeigt auf, warum Oltens

Rock’n’Roll in der Qualifikation besser sein

wird als Langenthals Ordnung.

Raphael Galliker,

als Speedy die

Powermaus das

Maskottchen des

EHCO.

TEXT: KLAUS ZAUGG

FOTOS: MARCEL BIERI

Ohne grosses Getöse in den Medien

hat sich das Machtzentrum

der NLB (neu Swiss League) in

den Oberaargau und das angrenzende

Mittelland verlagert.

Ja, die «Kraftorte» der Liga liegen nur gut 20

Kilometer auseinander: Olten und Langenthal.

Der SC Langenthal ist der NLB-Titelverteidiger.

Die Langenthaler haben ihre spielerische

Substanz an der Transferbörse behauptet.

Aber keinen sportlichen Kursgewinn

erzielt. Der EHC Olten ist bereits in den

Viertelfinals schmählich am späteren Fina-

Die Langenthaler behaupteten

ihre Substanz an der Transferbörse

– aber ohne Kursgewinn. Der EHC

Olten hat kräftig aufgerüstet.

listen Rapperswil-Jona gescheitert und hat

kräftig aufgerüstet. Ja, kein anderer Klub der

gesamten Nationalliga (also der zwei höchsten

Spielklassen) hat sich auf dem Transfermarkt

so verstärkt. Olten rockt. Die Unternehmenskulturen

der beiden Klubs unterscheiden

sich inzwischen beträchtlich. Olten

ist so etwas wie eine ehrgeizige NLB-Antwort

auf den HC Lugano. Mit der spielerischen

Substanz zum NLB-Meister und Aufsteiger,

mit einer bäumigen Infrastruktur. Aber auch

mit einem unterschätzen Konfliktpotenzial

zur Chaos-Saison und lustvollem Hüst und

Hot im Management. Trainer- und Ausländerwechsel

inklusive.

Langenthal ist die nach

calvinistischen Prinzipien

geführte Hockeyfirma («Beten

für ein Stadion und arbeiten

für die Siege auf dem

Eis»). Gut strukturiert und

mit bemerkenswerter Kontinuität

im Management.

Oltens Bürogeneral Peter

Rötheli (mit dem Ex-Hockeystar André

Rötheli nicht verwandt) mahnt ein wenig an

eine Hockey-Antwort auf Fredy Bickel. Langenthals

Manager Gian Kämpf eher eine

NLB-Variante von Marc Lüthi, aber weniger

machtbewusst, eitel und charismatisch.

Aber wie sehen die Mannschaften aus?

Gehen wir Position um Position durch.

TORHÜTER

Wie gut ist Marco Mathis (28) wirklich? Das

mag nun eine gar vorwitzige Frage gerade

eines oberaargauischen Chronisten sein.

Hier geht es um den NLB-Meistergoalie!

Respekt bitte! Keine Polemik! Aber kein

Schelm, wer überlegt: Hat der SCL die NLB-

Meisterschaft dank oder trotz seines Goalies

gewonnen? Tatsächlich ist der ruhige Stilist

ein Torhüter, über den wir sagen können:

Wir haben nicht dank ihm gewonnen. Aber

über den wir eben auch nie sagen müssen:

Wir haben wegen ihm verloren. Olten hat

für die Torhüterposition einen «Kaiser-Transfer»

getätigt: Aus Biel kommt Simon Rytz

28 s’Positive 7 / 2017


(33). Weil er keine Chance hat, hinter dem

ehemaligen NHL-Titanen Jonas Hiller je wieder

zum Zuge zu kommen, hat er den noch

laufenden Vertrag aufgelöst und macht nun

einen Karriere-Kickstart in Olten. Wahrscheinlich

ahnen nicht einmal die Oltner,

welch guten Mann sie da geholt haben. Simon

Rytz war in den letzten Jahren einer

der meistunterschätzen Torhüter der höchsten

Spielklasse. Ein guter Stilist, körperlich

und hockeyseelisch enorm robust und ein

leidenschaftlicher Kämpfer. Er ist dazu in der

Lage, NLB-Spiele im Alleingang zu gewinnen

und sein Team in die NLA zu hexen.

Fazit: Klarer Vorteil Olten.

VERTEIDIGUNG

Trainer Bengt-Ake Gustafsson ist zwar ein

hochbegabter taktischer Ordnungsmacher.

Aber der neutrale Chronist hat trotzdem gewisse

Bedenken. Die Oltner Abwehr trägt

irgendwie den Keim des Ausrastens und des

Chaos in sich. Ja, ja, Joel Fröhlicher (35) ist

mit seiner Erfahrung aus mehr als 700 Nationalliga-Partien

ein guter Zuzug. Aber der

freundliche Haudegen neigt auf dem Eis zu

übertriebener Härte und lässt sich provozieren.

Und er ist inzwischen einer der langsamsten

Verteidiger der Liga. Ja, ja, Langnaus

ehemaliger Nationalverteidiger Simon

Lüthi (30) ist ein guter Zuzug. Aber der

schussgewaltige, sanfte Titan ist im Karriereherbst

nicht flinker und «böser» geworden.

Langenthals Abwehr um den Haudegen

Philippe Rytz (der Bruder von Oltens Goalie)

steht nominell ungefähr auf Augenhöhe der

Oltner. Sie ist aber besser eingespielt, im

Kollektiv sicherer, neigt eher zu gut strukturierter

defensiver Marschmusik als zu wildem

Abräumer-Rock’n’Roll.

Fazit: Leichte Vorteile für Langenthal.

STURM

Die Oltner haben enormen offensiven Unterhaltungswert.

Auf und neben dem Eis. Das

Potenzial ist verheissungsvoll. Die beiden

ZUSATZINFOS

SC Langenthal

Coaching-Staff:

Per Hanberg (SWE, 50, neu),

Noel Guyaz (CH, 45, bisher)

Ausländer:

Brent Kelly (CAN, 35, bisher),

Jeff Campbell (CAN, 36, bisher)

Zuzüge:

Tom Kohler (V, 24, Univ. of Guelph),

Robin Leblanc (S, 34, La Chaux-de-

Fonds), Giacomo Dal Pian (S, 24, Ticino

Rockets), Patrick Schommer (S, 28,

Red Ice Martigny).

Abgänge:

Jason O’Leary (Headcoach, neu als

Assistent bei Servette), Marc Kämpf

(SC Bern), Vincenzo Küng (La Chauxde-Fonds),

Josh Primeau (Rapperswil),

Arnaud Montandon (Ajoie), Marco

Schüpbach (Rücktritt)

s’Positive 7 / 2017 29


SPORT

SCL-Hüter Marco

Mathis beim Versuch,

den Puck zu

entschärfen.

Tim Stapleton hat in den letzten

sieben Jahren für 12 Teams gespielt.

Anpassungsfähigkeit oder

doch eher zu viel Rock’n Roll?

hochtalentierten Amerikaner Ryan Vasce

(35) und Tim Stapleton (35) haben eine

ruhmreiche und wechselvolle Vergangenheit

hinter und eine ungewisse Zukunft vor sich.

Tim Stapleton hat in den letzten sieben Jahren

für zwölf Teams gespielt. Ein Zeichen für

Anpassungsfähigkeit sagt der Optimist. Ein

Zeichen für zu viel Rock’n Roll der Pessimist.

Gleiches gilt für Ryan Vasce mit acht Arbeitgebern

im gleichen Zeitraum. Der neutrale

Chronist, weder Olten zugeneigt noch Langenthal

verpflichtet, sagt: Eine noch wichtigere

Rolle als die beiden ausländischen Stürmer

wird ein Schweizer spielen. Der sensible

Schillerfalter und sanfte Rebell Marco Truttmann

(32). Das scheue Genie ist nach einem

grandiosen Vertragspoker inzwischen der

teuerste Oltner aller Zeiten und es sind nicht

Schelme, die da sagen, er habe sein Salär um

fast 70 000 «Schtutz» auf beinahe 190 000

«Fränkli» per anno hochgepokert. Er hat das

Talent und nach wie vor die Leidenschaft um

NLB-Topskorer zu werden. Aber nur, wenn

Bengt-Ake Gustafsson versteht,

dass Kreativität, ein

bisschen Launenhaftigkeit

und Schlauheit in der Offensive

viel mehr bringen als

taktischer Gehorsam. Wenn

«Trutti» auf dem Eis tanzt

und skort, wird alles gut.

Zieht er sich schmollend ins

Schneckenhaus zurück, ist

der Friede in der Kabine gefährdet.

Darum gilt für nächste Saison: Sage

mir wie Marco Truttmann spielt, und ich

sage Dir, wie es um die Oltner steht.

Für Langenthals Offensive gilt im Vergleich

zu Olten ungefähr dasselbe wie für

die Verteidigung: Vom Talent her mehr oder

weniger auf Augenhöhe mit den Oltnern.

Aber besser eingespielt. Der «hundertjährige

Sturm» mit Jeff Campbell (36), Stefan

Tschannen (33) und Brent Kelly (35) kann

die Liga immer noch rocken. Das Trio wird

die achte Saison (!) in gleicher Aufstellung

in Angriff nehmen. Die besteingespielte

ZUSATZINFOS

EHC Olten

Coaching-Staff:

Bengt-Ake Gustafsson (SWE, 59, bisher,

Head), Chris Bartolone (IT/USA, 47,

bisher, Assistent)

Ausländer:

Ryan Vesce (S, USA, 35, neu),

Tim Stapleton (S, USA, 35, neu)

Zuzüge:

Simon Rytz (T, 33, EHC Biel), Ryan Vesce

(S, USA, 35, Chelyabinsk/Gottéron),

Tim Stapleton (S, USA, 35, Spartak

Moskau), Stanislav Horansky (S, 23,

EHC Biel), Silvan Wyss (S, 23, SCL

Tigers), Joel Fröhlicher (V, 35, Basel),

Simon Lüthi (V, 30, EV Zug), Tim Bucher

(V, 29, EHC Visp), Luca Zanetta

(V, 25, Red Ice Martigny),

Abgänge:

Justin Feser (CAN, Krefeld), Curtis

Gedig (CAN, Stavanger), Reto Kobach

(Winterthur), Simon Schnyder (Thurgau),

Diego Schwarzenbach (La Chauxde-Fonds),

Romano Pargäzzi (Altstadt

Olten), Remo Meister (Altstadt Olten),

Stefan Hürlimann, Paolo Morini

30 s’Positive 7 / 2017


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SPORT

Sturmlinie des gesamten Hockey-Universums.

Obwohl die Langenthaler ihre offensive

Feuerkraft inzwischen dank Dario Kummer

(22), einem der meistunterschätzten

Stürmer der gesamten Nationalliga, etwas

besser ausbalanciert haben, so ist die Abhängigkeit

von eben diesem «hundertjährigen

Sturm» nach wie vor beunruhigend gross.

Deshalb gilt: Sage mir, wie stark der «hundertjährige

Sturm» weht und ich sage Dir,

wie es um Langenthal steht.

Fazit: Olten und Langenthal sind

praktisch gleichwertig.

TRAINER

Bengt-Ake Gustafsson (59) ist für die Oltner

ein Glücksfall. Diese Hockey-Traumfabrik,

die seit Jahren auf einer Gratwanderung

zwischen Depression (kommt’s vom Nebel?)

und mitreissendem Optimismus durch die

Saison taumelt, ist der ruhige Schwede als

ausgleichende Kraft der Beruhiger. Wer

Schweden im gleichen Jahr zu einem Olympiasieg

und WM-Titel kommandiert (2006)

ist ein grosser Bandengeneral. Und wer mit

Langnau gar in die NLA aufgestiegen ist

(2015) gar ein Bandenmarschall. Wenn es

«Gus» nicht schafft, die Oltner zum Spitzenteam

zu formen – wer dann? Langenthal hat

die Führung der Mannschaft auch einem

Schweden anvertraut. Per Hanberg (50) ersetzt

Meistermacher Jason O’Leary (38). Der

kanadische Feuerkopf wechselt als Assistent

nach Genf. Er ist lieber in der grossen Stadt

ein Knecht als im dörflichen Langenthal ein

König. Ein Trainerwechsel

nach einem Titelgewinn ist

kein Nachteil. Und erst recht

ist es kein Problem, wenn ein

neuer Trainer keine Vergangenheit

in der Schweiz hat.

Es spricht nichts gegen Per

Hanberg. Aber er hat nicht

ganz die Kragenweite von

Bengt-Ake Gustafsson.

Fazit: Leichte Vorteile für Olten.

MANAGEMENT

Auf den ersten Blick arbeiten die Langenthaler

zwar seriöser und der neutrale Chronist

neigt eher dazu, die Oberaargauer zu loben.

Aber die Oltner sind dafür krisengeschüttelter,

sturmerprobter. Sie sehen sich einer bissigen

Lokalpresse und ständiger Polemik

ausgesetzt und ein medialer Sturm hat Trainer

Maurizio Mansi und Sportchef Jakob

Kölliker aus dem Amt geblasen und alle

Macht ist wieder in den Händen von Geschäftsführer

Peter Rötheli. Unter der

Schirmherrschaft von Präsident Stephan

Es spricht nichts gegen Per

Hanberg vom SCL. Aber er hat

nicht die Kragenweite von Bengt-

Ake Gustafsson vom EHC Olten.

Anliker herrscht im Oberaargauer Medienwald

rund um den SC Langenthal hingegen

praktisch Windstille. Wenn es doch mal hektisch

wird, kühlt eine sanfte Brise aufbauender

medialer Kritik die Gemüter. Geschäftsführer

Gian Kampf und Sportchef Noël Guyaz

werden in der Sänfte des medialen Wohlwollens

durch die Saison getragen und

können in Ruhe ihres Amtes walten. Wahrlich

ein Schelm, wer heimlich denkt: Ein

bisschen mehr Rock und Roll wäre der Unterhaltung

förderlich.

Fazit: Beides klug geführte Hockey-

Unternehmen

Bleibt die Frage: Wer wird am Ende der Qualifikation

besser platziert sein? Der EHC Olten

oder der SC Langenthal? Olten. Aber das

muss für die Playoffs gar nichts bedeuten.

Nico Dünner (SCL) im

Kampf gegen Goalie

Matthias Mischler

und Stefan Hürlimann

vom EHC Olten.

32 s’Positive 7 / 2017


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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe

Top-Bericht

Wieder ein Top-Bericht im s’Positive. Mit

Rolf wie auch Klaus Gasser war ich in der

Berufsschule. Heute noch kommt er jeden

Monat bei uns als Käseeinwäger vorbei.

Die Familie Gasser wird beschrieben wie

ich sie kenne. Sehr authentisch geschrieben.

Kompliment an Klaus Zaugg.

Beat Roder, Thörigen

Danke

Danke für diese gute Zeitschrift. Wir brauchen

positive Meldungen in der Schweiz.

Schade, dass die Zeitung nicht öfter kommt.

Andreas Geiser, Aarwangen

Glanzleistung

Mit dem Heft Nr. 5 haben Sie wieder eine

Glanzleistung erbracht, ganz herzlichen

Dank und grosse Anerkennung dafür!

Von zuvorderst, Interview mit Frau Stalder,

einer Persönlichkeit, die nicht nur

Sportfans bekannt und für eine gute Sache

tätig ist, bis zuhinterst hoch interessante

Berichte, sehr gut geschrieben.

Rudolf Egger, Wiedlisbach

Berichtigung

Leider wurde Bruno Gisler aus Rumisberg

in der Statistik der 100 Kranzgewinner

nicht erwähnt. Er belegt in der momentanen

Rangliste Platz 5 mit 121 gewonnenen

Kränzen. Bruno ist einer der attraktivsten

Schwinger der letzten Jahre. Ich bitte sie,

dieses Versäumnis zu korrigieren.

Rudolf Ruf, Riken

Sie haben völlig recht. Vielen Dank für

den Hinweis.

Gerechtere Welt

Zeitlich oder von den Voraussetzungen

her? Solche und ähnlich lautende Fragen

sind müssig zu stellen. Schon allein darum,

weil der Fragesteller sich nach etwas

erkundigt, das er - zumindest in seinem

Umfeld (seiner kleinen Welt) und nach

seinen Möglichkeiten – selber in der

Hand hat. Aber oft nicht einmal hier ist

ihm das möglich, weil Gerechtigkeit und

Wahrheit jedes Individuum objektiv

wahrnimmt. Und so ausgestaltet, wie es

ihm passt und ihm dient. Nicht einmal

wenn alle Individuen sich auf einen gemeinsamen

Wertekatalog einigen, ist Gerechtigkeit

und Wahrheit gewährleistet.

Eben weil (und hier beginnt die Tretmühle

wieder von vorne) jedes Individuum

Gerechtigkeit und Wahrheit subjektiv

wahrnimmt und so ausgestaltet, wie es

ihm passt und ihm dient...

Wie aber verhielte es sich, wenn wir einer

höheren (höher und mächtiger als

das Individuum) Instanz gegenüber für

unser Tun und Lassen verantwortungspflichtig

zeichnen müssten? Höher und

mächtiger auch als eine Institution, Denomination

oder Habilitation? Unser Tun

und Lassen würde dann allerdings der

(eigenen) Motivation oder dem (fremden)

Zwang geschuldet sein. Wäre da nicht der

freie Wille jedes Menschen, von dem er/

sie Gebrauch machen kann - und sein/ihr

Gewissen...Aber hier nun in der Rekapitulation

und Reflektion angelangt, begänne

ein neues Kapitel in der Diskussion, im

Diskurs...

Hans R. Bärtschi, Madiswil

«Böse Schwinger»

Warum werden die Schwinger immer als

«die Bösen» bezeichnet? Allein in Ihrem

prima Artikel «Schwinger als Werbeträger»

werden die Schwinger ganze 7 Mal

als böse/die Bösen bezeichnet. Ich finde

das so unpassend wie ärgerlich. Der Begriff

würde besser zu Fussballern passen.

Peter Heiniger Hellsau

Gute Schwinger werden als «böse» bezeichnet.

Ein sehr guter Schwinger ist sogar

ein «ganz böser». Diese Bezeichnung

ist keine Erfindung von Journalisten. Vielmehr

gehört der Begriff «böse = gut» zum

festen Bestandteil der Schwinger-Kultur.

Die Verwirrung für den Laien entsteht aus

dem Begriff. «Böse» steht gemeinhin für

«schlecht». Ist also negativ. Aber es gibt

eben auch noch eine andere Bedeutung

für das Wort. In alten Zeiten sagte man im

Bernbiet, einem der Kernländer des

Schwingens, «bös ha» wenn es schwere

und schwerste Arbeit zu verrichten gab.

Daraus hat sich abgeleitet, dass es allerschwerste

Arbeit ist («bös ha»), einen

starken Schwinger zu besiegen und daraus

hat sich der Begriff «böse» für einen

starken Schwinger entwickelt. Übrigens

gehört es auch zur Sprachkultur des

Schwingens, dass Schwingen nicht Vergnügen

ist. Sondern harte Arbeit. Noch

heute sagt der Speaker beim Schwingfest

nicht «auf Platz 2 kämpft Meier gegen

Müller» oder «auf Platz 2 schwingt Meier

gegen Müller». Sondern «auf Platz 2 sind

an der Arbeit: Meier und Müller.»

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