SPORTaktiv Magazin August 2017

Sportaktiv.Magazin

AUF SLOWENIENS

HÖCHSTEN GEBIRGS-

PASS MIT EINEM

KLAPPFAHRRAD: DER

BESTE WEG, EINE

FAHRRADPHOBIE ZU

THERAPIEREN.

VON KLAUS HÖFLER

MY

LITTLE

PONY

Radfahren? Ich gestehe, nicht so

meins. Für auf sauteuren Carbonrahmen

erschwitzte Kilometerfressereien

habe ich bisher eher wenig

Begeisterung aufbringen können. Übermenschlichen

Wattleistungen begegnete

ich mit überzeugter Wurschtigkeit.

Aber das emotionale Embargo hat

Risse bekommen. Tiefe Risse. Schuld

ist ein Klapprad der slowenischen Firma

Rog, die ab den 1960er-Jahren drei Jahrzehnte

lang ein Modell mit dem Namen

„Pony“ produzierte. Ein Verkehrsmittel

für alle Alltagssituationen im damaligen

Jugoslawien. So eine Art gelebter Sozialismus

auf 20-Zoll-Reifen. Das puristische

Gerät wurde zum Kultgegenstand

– und Hauptdarsteller eines Radrennens

auf Sloweniens höchsten Gebirgspass,

den „Vrsic“. „Goni Pony“ nennt sich das.

Wobei Rennen? Beim „Goni Pony“

gelten eigene Gesetze. Strenge: Keine

Gangschaltung. Keine Carbonteile. Keine

Clips. Also alles „by fair means“. So

wie der Drahtesel einst vom Förderband

galoppierte, so muss er hier am Start

stehen. Schnörkellos und echt. Auch für

modernere Nachbauten gelten diese ausstattungsmäßigen

Diätvorgaben.

Mein ausgeborgtes Wettkampfgerät

ist aber ohnehin ein Original von einst.

Auch optisch macht es einiges her. Der

Rahmen strahlt in Hellblau, das Kotblech

hinten ist in stilsicherem Altrosa

lackiert, vorne im subtilen Mattgold.

Das bei der Übergabe andächtig-war-

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