SPORTaktiv Magazin August 2017

Sportaktiv.Magazin

Unzählige Objektive und

Filter sind schön, aber auch

für Profifotografen nur

„Beiwerk“. Viel wichtiger ist

es, bei einer schönen Stimmung

und außergewöhnlichen

Lichtverhältnissen vor Ort zu sein.

Schon ein Foto mit einem Handy

gemacht kann dann ein echter

Hingucker sein. Bei wechselnden

Lichtsituationen zählt die Schnelligkeit

des Fotografen und auch

die Bereitschaft, die Kamera zu

aktivieren.

Das Beispielbild entstand in

den Schladminger Tauern. Am

Spiegelsee baute der Extremsportler

Michi Kemeter seine Slackline

auf, die er quer über den See

spannte. Es war einfach großartig:

Im Vordergrund blühte der Almrausch

und im See spiegelte sich

Michi mit seinen blonden Locken.

Doch die Stimmung hielt nur wenige

Augenblicke, dann wühlte der

Wind wieder die Oberfläche des

Sees auf und das Motiv verlor seine

besondere Ausstrahlung. Welche

Details das Bild für mich zu etwas

Besonderem machen, habe ich in

den Tipps rechts zusammengefasst.

Manchmal muss die Kamera

eben schnell zur Stelle sein, auch,

wenn es nur die des Smartphones

ist. Wer dann Zeit mit dem Aufbau

eines Stativs vergeudet, zieht

den kürzeren. Wer oft in der Natur

oder in den Bergen unterwegs ist,

erhöht natürlich seine Chancen auf

außergewöhnliche Erlebnisse.

tiPPS VOM PROfi

Der Akteur in Bewegung

Eine Person von hinten zu fotografieren

kann durchaus seine Reize haben. Wichtig

ist, dass der Akteur in Bewegung ist

und man diese Bewegung auch erkennen

kann. Da Seilkünstler Michi Kemeter ein

absoluter Profi ist, strahlt das Bild sogar

eine gewisse Leichtigkeit aus.

Vordergrund

Der Almrausch im Vordergrund verleiht

dem Bild nicht nur Farbe, sondern gibt

ihm auch eine angenehme Tiefe. Mit

dem Almrausch zieht sich eine Linie

von links unten ins Bild hinein. Der Betrachter

folgt ihr automatisch und landet

somit mitten im Geschehen.

Hintergrund

Der Hintergrund zeigt zwar nicht das

unvergleichliche Dreigestirn des Dachsteins

– aber das ist in diesem Fall nicht

schlimm, weil die sich auftürmenden

Wolken der Stimmung eine schöne

Dramatik geben.

Licht und Schatten

„Die schönsten Bilder werden ersessen“,

zeigt sich auch hier. Lange Zeit lag

Schatten über dem See, damit fehlten die

schönen Farben. Schließlich blitzte die

Sonne aber durch die Wolken und der

See samt Michi wurde perfekt ausgeleuchtet.

Detail am Rande: Der Schatten

vorne rechts erhöht noch zusätzlich die

Spannung im Bild.

Von 11 bis 3 hat der Fotograf frei

Das schönste Licht bietet der frühe

Morgen oder der späte Nachmittag. Das

Slackline-Bild entstand um 7.30 Uhr.

HERBERT

RAFFALT

geboren 1964, ist staatlich

geprüfter Berg- und

Skiführer, Autor und

passionierter Fotograf.

Als mehrfach ausgezeichneter

Fotograf

publiziert er seine Bilder

in zahlreichen Berg- und

Fotozeitschriften sowie in

Büchern und Kalendern.

Schärfepunkt

Wichtig für ein gelungenes Bild ist der

korrekte Schärfepunkt. Im konkreten

Fall liegt die Schärfe auf der Person.

Stativ

Da ich in diesem Fall mit einer kurzen

Verschlusszeit arbeitete, um keine

Bewegungsunschärfe zu bekommen,

konnte ich auf ein Stativ verzichten.

Bei reinen Landschaftsaufnahmen verzichte

ich hingegen selten darauf.

Proportionen

Bewusst habe ich den Sportler sehr

klein ins Bild gesetzt: Der Mensch als

Gast inmitten einer großartigen Naturlandschaft.

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