Brochüre 2017

uobet

Broschüre 2017

Herbst / autunno 2017

Eltern sein

- sich selbst

unterstützen

Erziehung

- jeder darf

etwas behaupten

Alternativschule

- und danach?

Wie

wir

werden


montessori.coop stellt sich vor

fakten / Le attività

Die Sozialgenossenschaft montessori.coop

wurde 2009 gegründet, als Erweiterung des

Vereins „Die Pfütze“, der im Jahr 2000 mit einem

privaten Kindergarten in Terlan startete. Zur Zeit

hat die Genossenschaft 71 Mitglieder. Sie wird

von einem Verwaltungsrat mit dem Präsidenten

Peter Tomasi geführt.

Kontakt: info@montessori.coop

Die Genossenschaft leitet den Montessori &

Natur Kindergarten mit 16 Kindern. Die Kinder

halten sich viel im Wald, im Garten und auf der

Wiese auf.

Kontakt: kindergarten@montessori.coop

In der Montessorischule werden 29 Schülerinnen

und Schüler zwischen 6 und 16 Jahren

begleitet. Zur Schule gehören auch 2 Pferde,

2 Ziegen und 1 Besuchskatze.

Kontakt: schule@montessori.coop

Das Elternbildungsteam besteht aus: Thea

Unteregger (Konzept, Organisation und Texte),

Karin Micheli (Fotos), Cornelia Pichler

(Organisation), Alice Hönigschmid (Graphik)

und Christine Tschager (Sponsoring)

Kontakt: seminare@montessori.coop

Waldläuferbande: In den Herbstferien starten

wir unser neues Projekt für Jungs und Mädchen

zwischen 7 und 14 Jahren. Zwei WildnispädagogInnen

begeiten die Waldläufer täglich von

8 - 13 Uhr in den Kohlerer Wald.

Informationen: info@montessori.coop

La cooperativa sociale montessori.coop è stata

fondata nel 2009 come derivazione dell‘ associazione

„Die Pfütze/La pozzanghera“ nata allo

scopo di avviare una scuola dell‘ infanzia privata

a Terlano. Attualmente la cooperativa conta

71 soci ed è gestita da un consiglio di amministrazione

con Peter Tomasi come presidente.

Contatto: info@montessori.coop

La cooperativa gestisce una scuola dell‘infanzia

secondo i principi di Maria Montessori e della

pedagogia della natura, ed è frequentata da

16 bambini e bambine che trascorrono gran

parte del loro tempo nella natura, ossia nel

bosco, nel giardino e nei prati.

Contatto: kindergarten@montessori.coop

La scuola Montessori è frequentata da 29 alunni

e alunne tra i 6 e i 16 anni. Anche 2 cavalli, 2 capre

e una gattina fanno parte della scoula.

Contatto: schule@montessori.coop

Il gruppo per la formazione dei genitori

è costituito da Thea Unteregger (programmazione,

organizzazione e testi), Cornelia Pichler

(organizzazione), Karin Micheli (fotografia),

Alice Hönigschmid (grafica) e Christine

Tschager (sponsorizzazioni).

Contatto: seminare@montessori.coop

Waldläuferbande: Durante le ferie in novembre

organizziamo le giornate nel bosco per ragazze e

ragazzi tra gli 7 e 14 anni. Per ulteriori informazioni

rivolgersi a info@montessori.coop

3



Es braucht Geduld.

Nicht durch Aufschlagen,

sondern durch Ausbrüten

wird das Ei zum Küken.

chinesische weisheit


Herbst / autunno 2017

editorial

Inhalt

veranstaltungen

interviews

Liebe Eltern, liebe Interessierte!

12 Born to be wild

Seminar mit Herbert Renz-Polster

13 Der Weg ins Leben

Seminar mit Herbert Renz-Polster

29 Wissen stärkt...

Vortrag mit Barbara Walcher

Titelthema

8 Erziehung

- jeder darf

etwas behaupten

von Herbert Renz-Polster

15 Am liebsten ...

Fotostrecke von Karin Micheli

26 Bindung stärken

- Tragendes Fundament für

eine individuelle gesunde

Entwicklung des Kindes

von Barbara Walcher

20 Alternativschule

- und danach?

Eltern interviewen Schülerinnen

44 Warum eine Kita?

Interview mit Agnes Nitz

Rubriken

25 Zitate und Büchertipps

32 Servizio civile

L’esperienza di Giulia

34 Ich als Vater

Ent-Wicklung

42 Pädagoginnen kurz vorgestellt

Sehen verändert unser Wissen.

Wissen verändert unser Sehen.

Jean Piaget

46 Organisatorische Hinweise

Was ist eigentlich Entwicklung?

Sie hat mit

Veränderung zu tun, das ist

klar. Wie aber diese Veränderung

bewertet wird und

welche Wirkungen sie hat,

darüber gehen die Meinungen

auseinander.

Die Idee, dass sich die

Menschheit zum Besseren hin

entwickelt, hat sich vor allem

mit der industriellen Revolution

und dem technischen

„Fortschritt“ durchgesetzt.

Inzwischen bemerken wir mit

leisem Unbehagen, dass

dieser Fortschritt nicht nur

positive Folgen hat. Mit jeder

Erfindung geht auch etwas

verloren, mit jeder Sache,

die wir lernen, verlernen

wir eine andere. Viele von

uns sind nicht geübt darin,

Feuer mit einem Feuerstein

zu entfachen, sich in einem

Wald ohne Hinweisschilder

zu orientieren, sich Informationen

in einem Lexikon und

nicht im Internet zu suchen.

Die Gewohnheit lässt das,

was wir tun immer normal

erscheinen.

Wer entscheidet, welche

Fähigkeiten wir als Menschen

entwickeln sollen

und welche

nicht?

Wer entscheidet, was normal

ist und was aus der Norm fällt

und behandelt oder geahndet

werden muss? Wer legt fest,

wann wir gehen lernen, lesen

lernen sollen? Wann sollen

wir lernen friedliche Lösungen

zu finden, eine Suppe zu

kochen, über uns zu lachen?

Sie sehen schon, worauf ich

hinaus will: Es ist wichtig,

diese scheinbar neutralen

Bestimmungen wann und wie

Entwicklung zu passieren

hat und wohin sie führen soll

zu hinterfragen, wenn wir

einen freudigen Alltag und

eine herzliche Verbindung

zu unseren Kindern haben

wollen. Die Gefahr ist groß,

dass wir Ideen, wie wir sein

sollen, wichtiger nehmen als

die Liebe dazu wie wir sind.

36 Eltern sein und

sich selbst unterstützen

von Julia Grösch

Einen wunderschönen Herbst

wünscht

Thea Unteregger

Illustrationen

Titelbild

Hannah Lausch arbeitet nicht

nur als Begleiterin im Montessori &

Natur Kindergarten, sie ist außerdem

auch künstlerisch tätig, wie an

den Illustrationen in dieser Broschüre

zu sehen ist!

Opa Karl ist gelernter Elektriker

und ein versierter Handwerker.

Seit 16 Jahren betreut er die Montessori-Werkstatt

in Kohlern und

baut mit kleinen und großen Kindern

die unglaublichsten Dinge.

Danke Opa Karl!

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Eigenständigkeit entwickeln

Erziehung

- jeder darf

etwas behaupten

In der Erziehung folgt eine Theorie der nächsten. Die

Kinder selbst ändern sich nicht - sehr wohl aber die

Ansagen, was sie angeblich unbedingt brauchen,

um erfolgreich groß zu werden. Und immer stehen

gewichtige Experten bereit, um einen neuen

Trend zu begründen. Das Problem ist nur:

Was da behauptet wird, widerspricht sich.

Kein Wunder, dass die Eltern verunsichert sind.

VON Herbert renz-Polster

Das geht schon gleich nach der

Geburt los: Wie viel Nähe braucht

so ein kleiner Mensch? Nur nicht

zu viel, sagen die einen – der kleine Mensch

könnte verwöhnt werden! Niemals genug,

sagen die anderen – so entsteht Urvertrauen

für das ganze Leben! Wenn es ums Schlafen

geht, dieselbe Pein: darf das Kleine zu seinen

Eltern ins Bett? Oder soll es lieber ins

eigene Bettchen, damit es schneller selbstständig

wird? Kann man es in eine Krippe

geben – oder widerspricht das seinen natürlichen

Bedürfnissen?

Um endlich weiter zu kommen, müssen

wir neu Maß nehmen, und zwar an den

Kindern selbst. Und dazu müssen wir ihre

Geschichte kennen. Denn wie sich Menschenkinder

entwickeln, folgt keiner Willkür.

Dahinter steht ein sinnvolles Muster –

ein von Generation zu Generation vererbtes

Muster. Dieses Muster hat sich als Antwort

auf die Herausforderungen gebildet, vor

denen die Kinder in der Menschheitsgeschichte

immer wieder standen.

Dieser Blick in die Evolution hilft uns

auch ein positiveres Bild zu entwickeln –

8

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Eigenständigkeit entwickeln

unsere Kinder sind Erfolgsmodelle. Auf

ihrem Weg durch die Geschichte mussten

sie all das perfektionieren, was einem kleinen,

unreifen Menschen hilft, ein großer,

erfolgreicher Erwachsener zu werden. Sie

mussten lernen, wie man das Großwerden

am besten anpackt. Die kindliche Entwicklung

beruht auf einer Auswahl dessen, was

funktioniert hat.

Das Beispiel vom Gemüse

sehr engen Bindung zu ihren pflegenden

Erwachsenen und erforschen auf eigenen

Füßen die Umwelt. Da tut eines Not: Schutz

vor der eigenen Unvernunft! Ein Schutzprogramm

also, welches das Kleinkind

sicher von unbekannten Nahrungsquellen

fernhält. Gar zu leicht hätten sie sonst statt

einer Heidelbeere etwa eine Tollkirsche

gepflückt! Deshalb essen kleine Kinder nur,

was sie kennen. Deshalb ist ihre Devise

zunächst einmal: keine Experimente!

zont der Kleinen wieder öffnen. Und das tut

er ja in der Tat. Auch heute beginnen die

kleinen Kostverächter im späten Schulalter

dann doch ihr Gemüse, stärkere Käsesorten

und andere zuvor „undenkbare“ Nahrungsmittel

zu probieren!

Ein Blick in die

Vergangenheit

Wie gesagt, ein Beispiel. Aber der Blick in

die Vergangenheit lohnt sich auch für andere

Bereiche der kindlichen Entwicklung:

wie Bindung entsteht, warum das Schlafen

so schwierig ist, wie Kinder voneinander

lernen, und so weiter. Es ist gut, dass wir

Ziele für unsere Kinder haben. Aber der

Weg dorthin lässt sich besser finden, wenn

wir ihre Herkunft kennen.

Fühlt ein Kind sich in Beziehungen

aufgehoben, dann ist Langeweile für die

Persönlichkeitsentwicklung ausgesprochen

wichtig. Sie stellt eine Zeit dar, die nur dem

Kind gehört. Deshalb reagiert es so vehement,

so barsch, wenn ihm vorgeworfen

wird, es langweile sich wohl wieder. So ein

Satz deutet es als Eingriff in seinen Wunsch

nach Autonomie, danach, die Eigenzeit so

zu gestalten, wie es selber möchte. Langeweile,

das heißt, auf dem Bett zu liegen, an

die Decke zu starren, das heißt, gedankenverloren

im Sessel zu sitzen, vor sich hin zu

träumen, das heißt, Zeit für eigene Ideen zu

haben, diese zu vertiefen, Zeiten, in denen

nichts, aber rein gar nichts ge- und verplant

ist. Langeweile ist eine Quelle der Kraft.

Aber wer zu dieser Quelle will, so heißt es

in einem chinesischen Sprichwort, der muss

gegen den Strom schwimmen.

Herbert Renz-Polster

Auszüge aus seinem Buch

«Menschenkinder. Artgerechte

Erziehung - was Kinder wirklich

brauchen» (Kösel 2016)

Nehmen wir als Beispiel das Gemüse.

Warum fehlt den Kindern die Begeisterung

dafür?

Als Säuglinge sind die Kleinen noch

wenig wählerisch und lassen sich alle

möglichen Gemüsesorten füttern (sogar

zerdrückte Oliven). Ab dem Kleinkindalter

aber wird das anders, da bleibt der Mund

fest zu, wenn das Löffelchen kommt. Dahinter

steht nicht oppositionelles Verhalten,

sondern ein evolutionäres Programm. Denn

im Kleinkindalter entwachsen die Kinder

unter ursprünglichen Bedingungen ja der

Und ganz besonders scheint den Kleinen

eine Warnung einprogrammiert zu sein:

das Meiden aller grünen, bitteren Nahrungsquellen.

Denn giftige Pflanzen sind oft

auch bitter – Bitterstoffe selbst in kleinsten

Mengen abzulehnen war also ein Gebot des

Überlebens. Ein sinnvolles Gebot zumindest

für die Zeit, in der die entgiftenden Organe

noch unreif und das Kind noch nicht durch

Lernen klug geworden ist. Erst wenn das

Kind durch Vorbilder nach und nach erlernt

hat, sichere Nahrungsmittel zuverlässig zu

erkennen, darf sich der Geschmackshori-

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Seminar

veranstaltung

Rubrik???

Seminar

veranstaltung

Born to be wild - was hinter dem

Eigensinn unserer Kinder steckt

mit Herbert Renz-Polster

Der Weg ins Leben - wie können

wir unsere Kinder begleiten?

mit Herbert Renz-Polster

Freitag 20. Oktober 2017

10:00 - 18:00 Uhr

(1 Std. Mittagspause)

Referent

Herbert Renz-Polster,

Kinderarzt, Autor von

Elternratgebern und Mitarbeiter

der Universität Heidelberg,

Vater von vier Kindern

Ort und Beitrag

Vereinshaus Oberbozen

70 € Beitrag

(beim Besuch von beiden

Seminaren 120 € insgesamt)

Informationen unter:

seminare@montessori.coop

www.montessori.coop

Kinder sind schon seltsam. Gerade die natürlichsten aller

Dinge wollen oft nicht so richtig klappen: das Schlafen

etwa - was für ein Drama! Und das Essen - da rutscht Süßes

wunderbar - aber das Gemüse? Stimmt da etwas mit dem

Kind nicht?

Aus dem Blickwinkel der Menschheitsgeschichte ergeben

sich unerwartete Antworten: Vieles von dem, was Eltern

„problematisch“ und „schwierig“ erscheint, hat Kindern

in der Vergangenheit geholfen, sich im Leben zu behaupten

- inklusive Pubertät! Dieses Wissen kann Eltern helfen,

natürlicher mit ihren Kindern umzugehen und sie in

ihrer Entwicklung besser zu begleiten.

Samstag 21. Oktober 2017

10:00 - 18:00 Uhr

(1 Std. Mittagspause)

Referent

Herbert Renz-Polster,

Kinderarzt, Autor von

Elternratgebern und Mitarbeiter

der Universität Heidelberg,

Vater von vier Kindern

Ort und Beitrag

Vereinshaus Oberbozen

70 € Beitrag

(beim Besuch von beiden

Seminaren 120 € insgesamt)

Mit jeder Generation geht der Streit von vorne los: was ist

die richtige „Förderung“ für kleine Kinder? Wie kann man

sie am besten auf ein erfolgreiches Leben vorbereiten?

Welche Ansätze und Programme sind die besten?

Informationen unter:

seminare@montessori.coop

www.montessori.coop

Und doch bleibt das Dilemma von Erziehern (und Eltern)

immer dasselbe: Die wichtigsten Dinge des Lebens können

wir den Kindern nicht wirklich beibringen. Niemand kann

ein Kind stark MACHEN - das müssen sie selber hinbekommen.

Niemand kann einem Kind Kreativität VERMITTELN

- das Kind muss das selber schaffen. Auch Mitgefühl oder

soziale Kompetenz kann man ein Kind nicht LEHREN. nWie

aber gehen die Kinder vor, um das Fundament ihres Lebens

aufzubauen? Und wie können die pädagogischen Fachkräfte

die Kinder dabei unterstützen?

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Share the Feeling!

social

soft

sustainable

sich weiter entwickeln

am

liebsten...

Wie sich die Vorlieben der Kinder verändern.

VON KARIN MICHELI

Abbigliamento eco-friendly e social per te e il tuo bambino

www.corahappywear.com

Während wir wachsen und uns entwickeln,

suchen wir uns immer wieder neue Orte,

neue Tätigkeiten und Abenteuer, die uns

entsprechen. Maria Montessori war es wichtig eine

Umgebung vorzubereiten, die geeignet ist, um Kinder in

einem bestimmten Alter zu inspirieren. Die Umgebung

soll zugleich interessant und herausfordernd sein, aber

auch Wohlwollen und Sicherheit bieten.

Die Fotografin Karin Micheli hat 8 Kinder zu ihren

Lieblingsorten begleitet. Ihre Fotos sind eine Einladung,

liebevoll zu beobachten, was unsere Kinder gerade

brauchen, was sie jetzt begeistert, wo sie im Moment

stehen. Sie sind eine Einladung, ihnen nur zuzusehen,

ohne sich Sorgen zu machen, ohne Gedanken daran,

wohin das einmal führen wird und was sie vielleicht

versäumen könnten. Einfach mit Liebe schauen.

Und dann ist es gut, uns selbst zu fragen: Was ist

zur Zeit meine Lieblingsbeschäftigung? Hier geht es

nicht nur um Hobbys, manchmal sind es Orte und

Augenblicke, die gar nicht in diese Kategorie passen:

auf dem Sofa sitzen, einen Berg betrachten, miteinander

lachen… Wie würde das Bild mit mir und meiner

momentanen Lieblings - Umgebung aussehen? Wo stehe

ich gerade in meiner Entwicklung?

Karin micheli ist Fotografin mit der besonderen

Gabe, Situationen authentisch einzufangen

und Menschen mit wohlwollenden Augen

zu betrachten. Sie ist Mutter von drei Kindern.

www.karin-micheli.com

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eLtern interviewen schüLerinnen

Alternativschule - und danach?

notiert und ZusammengeFasst von anna nesler

im rahmen eines „open space“ im herbst 2016 hatten die eltern

der montessori.coop die gelegenheit, vier ehemalige schülerinnen

zu interviewen: emma, anna, charlotte und alena. emma und anna

besuchen beide die maturaklasse einer oberschule, alena studiert

italienische rechtswissenschaften und klassischen gesang an der universität

innsbruck und charlotte besucht die 2. klasse des sozialwissenschaftlichen

gymnasiums in bozen. die Fotos auf diesen seiten zeigen sie während

ihrer schulzeit auf kohlern.

Wie war der Übergang

von der Montessori Schule zu

der öffentlichen Oberschule?

Emma: „Es war nicht

schwer. Ich hatte meine

Schwester als Vorbild. Das

Wichtigste war die Klasse:

wenn die Klassengemeinschaft

passt, wenn man da nette

Freunde findet, dann passt

alles. Am Anfang war

es stressig, wenn man vor

einer Schularbeit stand, doch

nach den ersten Monaten

versteht man, wie man das am

Besten angeht. Ich konnte es

nicht erwarten, Hausaufgaben

zu bekommen. Das Schulsystem

selbst verstehe ich nicht

wirklich ‐ es ist einfach so.“

Charlotte: „Vom Stoff

her war der Übergang kein

Problem, das Verhältnis mit

den Lehrern war da schon

schwieriger.“

Alena: „Ich war gut

innerlich vorbereitet. Ich

hab mir erzählen lassen,

wie das sein wird.

Bei mir hat es gut

funktioniert. Ich war

bereit in die Welt

hinauszugehen, ein

anderes System zu

lernen. Ich habe die

Montessori Schule

gerne besucht, wir

hatten eine schöne

Kindheit, wir waren zentriert.

Die Montessori Schule war

so fein, so „daheim“. Zum

Glück gab es keine Montessori

Oberschule, sonst hätte ich

weitergemacht.“

Welche Erfahrungen

habt ihr mit Lehrern in der

Oberstufe?

Emma: „Ich hatte einen

Lehrer, der mit Montessori

System gearbeitet hat. Er legte

Wert darauf, in Beziehung mit

den Schülern zu treten. Es war

cool, doch die anderen Schüler

waren es nicht gewohnt.

Anstatt eine frei ausgewählte

Thematik zu bearbeiten, haben

sie für andere Fächer gelernt.

Charlotte: „Das Problem

ist, dass man mit den Lehrern

nicht auf gleicher Ebene ist.

Es ist eine Hierarchie, in der

die Lehrer über dir stehen. Das

schlimmste von allem ist die

Angst vor den Professoren.

Ich habe letztes Jahr Klasse

gewechselt, weil ich viele Konflikte

mit den Lehrern hatte.

Diese Konflikte hatte ich, weil

ich mich gewehrt habe, wenn

die Lehrer respektlos mit den

Schülern umgegangen sind.

Zum Beispiel hatte ein Schüler

das geforderte Buch noch nicht

gekauft, „Es Bauern merkt enk

jo eh nix!“ war der Spruch mit

dem der Lehrer das kommentiert

hat. Doch das Bauer‐Sein

hat mit dem vergessenen Buch

ja gar nichts zu tun!“

Emma: „Professoren

haben immer Recht. Sie stehen

über dir. „Deine Zeichnung

ist nicht gut genug“ hieß es.

Aber wir tun eben, was wir

können, wir sind zum

Lernen da. Soll man das nicht

sagen?“

Charlotte: „Wenn man zu

den Lehrern etwas sagt spürt

man, dass die Professoren

böse werden.“

Alena: „Ich hatte eine

sehr gute Beziehung mit

meinem Musiklehrer. Einige

Lehrer waren entgegenkommend…“

Anna: „Bei mir war es

auch so.“

Alena: „…beim Deutschlehrer

dagegen war es schwer.

Am Anfang habe ich mich mit

meiner Deutschlehrerin gut

verstanden. Dann kam ein

anderer Deutschlehrer. Ich

habe ihn kritisiert, ich bin mit

seiner Art des Unterrichtens

und seiner Haltung gegenüber

den Schülern nicht zurechtgekommen.

Er hat uns nicht

als gleichwertige Menschen

behandelt. Seitdem ich mit

ihm gesprochen habe, respektieren

wir uns gegenseitig. Er

fragt mich, ob es passt, wie er

es macht.“

Was hast du an ihm kritisiert?

Und wie hast du deine

Kritik ausgedrückt?

Alena: „Dieser Deutschlehrer

war sehr unpersönlich

und oberflächlich. Ich hab ihn

nicht böswillig kritisiert, und

habe immer versucht mich

korrekt auszudrücken, ohne

zu schimpfen, zu urteilen,

oder zu beleidigen, sondern

ich bin von mir ausgegangen.

Ich habe gesagt: „Ich mag es

nicht, wenn Sie uns Schüler

beleidigen und zum Weinen

bringen“

Emma: „Die Schüler

kommen schon mit der Idee,

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Eltern interviewen Schülerinnen

dass man mit Lehrern keine

Beziehung haben kann

und soll.“

Charlotte: „Ich habe die

Oberschule eigentlich mit

einer anderen Einstellung

begonnen, doch dann habe ich

resigniert.“

Was gefällt euch an der

Oberschule?

Charlotte: „Die Schule

ist ein Treffpunkt. Die Klasse

ist wichtig, um Freunde in

deinem Alter zu finden.“

Emma: „Mir gefällt es

gut in die Schule zu gehen,

meine Klasse ist super… das

System mag ich nicht….“

Alena: „Ich habe es

genossen, in der Oberschule

viele Gleichaltrige zu haben.“

Was würdest du in der

Oberschule anders machen?

Emma: „Von sich aus

lernen, frei.“

Charlotte: „Freiarbeit

soll von Anfang an geübt

werden. Jetzt in der Oberschule

geht das nicht mehr.

Keiner würde das tun.“

Emma: „Was ich in der

Montessori Schule gelernt

habe, vergesse ich nicht mehr.

In der Oberschule lernt man

für den Test, dann vergisst

man es. In der Schule fehlt das

Aktuelle. Auch wie man mit

alltäglichen Dinge umgeht

‐ alleine zu leben, Bank,

Verdienen, (z.B.: wie viel muss

ich verdienen damit ich leben

kann?). Schade, das wäre

wichtig.“

Alena: „Ich hätte lieber

mehr Wirtschaft und politische

Fächer für die Allgemeinbildung

gehabt. Sonst bin ich

mit der Oberschule, die ich

besucht habe, total zufrieden.“

Anna: „Ich würde eine

andere Oberschule wählen

oder als Privatistin lernen.

In der Oberschule wird man

zur Abhängigkeit erzogen. Die

Lehrer trauen den Schülern

nichts zu, nicht einmal eine

Arbeit zu schreiben!“

Alena, Anna: „Wir

waren gewöhnt, uns selber zu

organisieren. Wir haben das

Gefühl, in der Oberschule Zeit

zu verschwenden.“

Anna: „Schule ist Lernen

für Faule. Man bekommt alles

von den Lehrern, man muss

sich nicht darum kümmern,

woher die Informationen

kommen. Ich habe mich abgegrenzt.

Außerhalb der Schule

interessiere ich mich und

vertiefe, in der Schule mache

ich es wie die anderen.“

Alena: „Mir fehlt der

praktische Teil von Kunst. Wir

hatten in der Oberschule nur

Geschichte der Kunst. Kunst

ist mein Lieblingsfach.“

Was hat dir in der Montessori

Schule gefehlt?

Emma: „Leute in meinem

Alter. Ich habe es vermisst,

andere Leute außerhalb der

Schule als Freunde zu haben.

In Eppan treffe ich mich nicht

mit den Dorfleuten. Dafür

treffe ich mich mit anderen

Menschen, die ich mag. Ich

hätte mehr Kurse machen sollen,

um ins Dorfleben reinzukommen.

Doch ich war immer

so schüchtern in den Kursen.“

Alena: „Freunde in meinem

Dorf. Das Zentrum des

sozialen Dorflebens war die

Dorfschule.“

Charlotte: „Mir haben

auch die Gleichaltrigen in

der Schule gefehlt. Außerhalb

der Schule habe ich mich

schon integriert gefühlt.

Andere Kurse zu besuchen

hat geholfen.“

Anna: „Nein, andere

Menschen haben mir in der

Montessori Schule nicht gefehlt.“

Wie war das selbständige

Lernen in der Montessori

Schule?

Anna, Alena: „Wir

hatten eine Zeit, in der wir

täglich unsere Plastikpferde

aufgestellt und sie beobachtet

haben. Wir waren überzeugt,

dass sie sich bewegen würden,

wenn wir wegschauen.

Wir haben das stundenlang

gemacht, über Wochen. Wir

haben die Strecken zwischen

den Pferden dauernd nachgemessen,

um sicher zu sein,

dass sie noch auf demselben

Fleck stehen.“

Alena: „Das

Pferdespielen

hat mir die

Disziplin beigebracht. Ordentlich

und lange arbeiten,

dranbleiben.“

Anna: „Ich habe mich 2-3

Monate lang mit Geographie

Puzzles beschäftigt. Ich konnte

mir so viel Zeit nehmen, wie

ich wollte.“

Alena: „Die soziale Kompetenz,

die ich in der Montessori

Schule gelernt habe, habe

ich in der Schule und Daheim

umsetzen können. Die

Montessori Schule ist wie eine

Familie: die Sachen werden

demokratisch besprochen und

versucht zu lösen. In Vergleich

dazu sind meine Freunde im

sozialen Bereich weniger

behutsam.“

Habt ihr in der Montessori

Schule je eine Krise

gehabt?

Anna: „Ja, im letzten

Jahr wegen der Prüfung.“

Alena: „Nein, es wird nie

langweilig, man kann so viele

Sachen machen.“

Charlotte: „Ich war die

ersten zwei Jahre an einer öffentlichen

Volksschule. Als ich

dann in die Montessori Schule

kam war es ein Trauma. Ich

hab ein Jahr lang gar nichts

gemacht. Dann habe ich durch

das Vorbild der älteren den

Ansporn bekommen, selbst

zu lernen.“

22

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tiPPs

Hattet ihr je das Gefühl,

zu wenig zu können?

Anna, Alena: „Nein“

Alena: „Als ich die Montessori

Schule besucht habe,

hatte ich das Gefühl, dass ich

besser und schneller als andere

lesen konnte. Einige Sachen

haben mich mehr interessiert,

und ich habe sie besser

gekonnt. In der Oberschule

haben wir in Mathe komplizierte

Sachen durchgenommen,

aber nicht die Grundlagen

wie Kopfrechnen. Viele in

der Klasse konnten eigentlich

noch nicht Kopfrechnen.

Dafür fehlten mir andere Teile

der Mathematik, die mich

einfach weniger interessiert

haben.“

Emma: „Am Anfang habe ich

versucht, alles, was die Lehrer

gesagt haben, zu lernen. Dann

habe ich das System Schwindelzettel

zu beherrschen

gelernt.“

Charlotte: „Am Anfang

habe ich gelernt, was ich

wichtig für mich gefunden

habe. Im Test ist dann etwas

komplett Anderes gekommen.“

Was hat dir in der

Montessori Schule am besten

gefallen?

Emma: „Die Gemeinschaft.

Man hat keine Angst,

man darf alles sagen, auch

Außerschulisches. Nur das zu

lernen, was mich interessiert.

Das bleibt einem dann auch.“

Charlotte: „Das Familiäre.

Mit jedem Mensch hat

man eine Beziehung. Man

spornt sich gegenseitig zum

Lernen an.“

Alena: „Die freie Zeitverfügung.

Selber für sich verantwortlich

zu sein. Es war auch

toll, gemischte Altersgruppen

zu haben. Ich hab mich in der

Schule „daheim“ gefühlt.“

Emma: „Ich hatte in der

Montessori Schule nie das

Gefühl, dass ich mich verstellen

muss, um den anderen zu

gefallen. In der Oberschule

hatte ich das Gefühl schon viel

eher, besonders mit den Jungs,

mit denen ich weniger Erfahrung

hatte.“

Charlotte: „Auch wenn

es wenige Menschen gab hat,

man doch genug Abwechslung

gehabt.“

Vielen Dank für Eure

Offenheit und weiterhin

Zitate & Büchertipps

„… jedes Mal, wenn

wir einem Kind

etwas frühzeitig

beibringen,

das es erst später

für sich selbst

hätte entdecken

können, wird

diesem Kind die

Chance genommen,

es selbst zu erfinden

und es infolgedessen

vollkommen zu

verstehen.“

Jean Piaget,

schweiZer PsYchoLoge,

1896 - 1980

buchtiPP

remo h. Largo:

Das passende Leben

das befreiende buch gegen

Leistungsdruck, selbstoptimierung

und wachstumswahn

Fischer verlag, 2017

buchtiPP

sigrid chamberlain:

Adolf Hitler, die deutsche

Mutter und ihr erstes Kind

Psychosozialverlag, gießen 1997

Johanna haarer schrieb

in der Zeit des nationalsozialismus

einen

erziehungsratgeber,

der in deutschland

690.000 mal gedruckt

und bis 1988 weiter

verkauft wurde. viele

unser mütter und

großmütter haben das

buch tatsächlich zu hause im

regal stehen.

sigrid chamberlain zitiert aus diesem

ratgeber und zeigt die wirkung

der nationalsozialistischen

erziehung auf. damals wurde

bewusst auf das abbrechen von

beziehungen hingearbeitet, denn

menschen ohne ein beziehungsnetz

waren viel einfacher zu lenken

und zu manipulieren. einige

der nazi - erziehungstipps kommen

einem mulmig bekannt vor:

man soll mit kindern vernünftig

reden, darauf achten, dass sie

nicht zu tyrannen werden, kinder

sollen funktionieren, arbeitsam

und sauber sein.

dieses buch hat mir viele

erhellende erkenntnisse dazu

beschert, wie erziehung und konditionierung

funktioniert und wie

wichtig liebevolle beziehungen

auch in einer politischen dimension

sind.

„Das Menschenbild

in unserer Gesellschaft

ist falsch.

Sowohl Eltern als

auch Lehrer nehmen

das Kind zu wenig

als einmaliges Wesen

wahr, das einen

genuinen Drang hat,

sich zu entwickeln

– aber auf seine

Weise und in seinem

Tempo. Primäre

Aufgabe von Eltern

und Schule ist es,

dafür zu sorgen, dass

die Kinder alle ihre

Fähigkeiten entfalten

können. Es ist doch

gar nicht absehbar,

welche Fertigkeiten

in Zukunft überhaupt

gefragt sein werden!“

remo Largo

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verbundenheit entwickeLn

Bindung stärken

– Tragendes Fundament für

eine individuelle

gesunde Entwicklung des Kindes

neues Leben wächst. das kleine

wesen wird untersucht, vermessen

und über vorgegebene schemata

unter dem deckmantel von sicherheit

und kontrolle eingeordnet. der

grad zwischen sinnvoller Präventionsmaßnahme

und belastender

kategorisierung ist dabei manchmal

recht schmal.

von barbara WalCHer

Das Kind in seinen ersten prägenden

Jahren in seinem Wachstum zu

begleiten, welches steter Veränderung

unterliegt, ist herausfordernd. Eltern

begeben sich dabei auf ungewisses Terrain.

Auf diesem Weg sind Entwicklungsstandards

hilfreich. Das Wissen um physiologische

kindliche Meilensteine gibt Sicherheit.

Allerdings sollten diese Orientierungshilfen

nicht als alleiniger, rigider Maßstab

genommen werden. Gibt es Abweichungen

von Vorgaben, sind Eltern gefordert, den

Blick auf das Kind in seiner Komplexität zu

richten. Fachlich kompetente Unterstützung

und Einschätzung kann erforderlich und

hilfreich sein. Dabei sollte aber die Orientierung

über sich selbst und das Kind nicht

außen vor stehen.

Der Weg des Elternseins ist flankiert von

Fragen und Zweifel. Das erfordert sich der

einhergehenden Unsicherheit zu stellen, eigenes

Interagieren zu reflektieren, Abschied

zu nehmen von ehemaligen Vorstellungen

und Lebensgrundsätzen. Es ist eine Orientierung

über das Innen, entwickelt aus dem

Innehalten und der Eigenreflexion. Damit

einher geht ein immer wieder neues Abstimmen

im Miteinander. Innere Auseinandersetzung

bedeutet, eigenen Stärken aber

26

27


vortrag

veranstaltung

auch Schwächen zu

begegnen und diese

nanzuerkennen.

Erst daraus entfaltet

sich Vertrauen in die

eigene Kompetenz, kann

sich Klarheit entwickeln, die der

kindlichen Entwicklung einen Raum aus

Sicherheit und Zutrauen ermöglicht.

Aus diesem Miteinander entsteht Bindung,

ein emotionales Band zwischen Menschen.

Sie ist für das Kind eine existentielle

Notwendigkeit. Bindung ist ein lebendiger

Prozess, unterliegt Veränderungen.

Manchmal ist das Band stark und tragend,

dann wieder geschwächt durch innere oder

äußere Einflüsse. Stresssituationen mit einhergehendem,

kurzfristigem Bindungsabbruch

oder zeitweiser Bindungsschwächung

sind ein vollkommen normaler Bestandteil

jeder Beziehung. Die Problematik beginnt

dort, wo dieser Zustand anhält. Ein solcher

Zustand schwächt Kinder und Eltern gleichermaßen

und hemmt Wachstum in jeder

Hinsicht. Für den Aufbau und die Stärkung

eines sicheren Bindungsfeldes ist ein gutes

Bei-sich-Sein, ein Zustand der körperlichen

Entspannung, Voraussetzung. Dies erlaubt,

sich auf das Gegenüber einzulassen, öffnet

Sinneswahrnehmungen. Es ermöglicht den

anderen zu sehen, zu hören. Das Eingehen

auf einen anderen Menschen und seine Bedürfnisse,

die Fähigkeit der empathischen

Resonanz, wird dadurch erst möglich. Bindung

zu stärken heißt somit sich selbst zu

befürsorgen, eigene Gefühls- und Körperwahrnehmungen

im Miteinander wahr und

ernst zu nehmen. Es benötigt Achtsamkeit

und somit Zeit und Raum. In einem solchen

Feld kann sich das Kind in seiner Lebendigkeit

lustvoll entfalten. Krisensituationen

können gestärkt konfrontiert werden.

Abweichungen von vorgegebenen Normen

werden nicht als Erschütterung erlebt, sondern

ermöglichen einen distanzierten Blick

auf das, was sich gerade zeigt. Ein solches

Miteinander gibt dem Elternsein ein Stück

Leichtigkeit zurück. Es erlaubt liebevoll

mit eigenen und kindlichen Schwächen

umzugehen, diese anzunehmen, jenseits

von richtig und falsch. Davon profitieren

Menschen ein Leben lang!

Barbara Walcher ist ausgebildete

Kinderkrankenpflegerin,

Stillberaterin IBCLC und Fachberaterin

für Emotionelle Erste Hilfe.

Wissen stärkt

... kindliche Entwicklungsschritte

in den ersten Lebensjahren

Dienstag,

14. November 2017

19:30 – 21:30 Uhr

ReferentIN

Barbara Walcher,

Kinderkrankenpflegerin,

Stillberaterin IBCLC und

Fachberaterin für Emotionelle

Erste Hilfe

Ort und Beitrag

Mehrzwecksaal Premstallerhof

Bozen

10 € Beitrag

Informationen und Anmeldung unter:

seminare@montessori.coop

www.montessori.coop

In Kooperation mit:

mit Barbara Walcher

In der Begleitung von Familien und Kindern zeigen sich immer

wieder Erwartungen an das Verhalten und die Entwicklung

des Kindes. Viele Eltern fühlen sich durch verschiedene

Ratgeber unter Druck gesetzt und verunsichert. Wie können

sie mit all den Vorstellungen darüber, wie ihr Kind sein soll,

umgehen, stehen nicht zuletzt viele, der über Jahrhunderte

tradierten Umgangsformen, in grundsätzlichem Widerspruch

zu den lebendigen Grundbedürfnissen?

An diesem Abend werden Wege aufgezeigt, wie das Wissen

um neurophysiologische Abläufe und kindliche Entwicklungsschritte

jenseits von starren Normen und Tabellen

Orientierung bieten kann und das Kind selbst in

seiner Individualität dabei nicht aus den Augen verloren

wird. Denn einen entspannten Weg als Familie finden

Eltern dann, wenn Gelassenheit und Vertrauen in sich und

die kindlichen Kompetenzen die Basis für das Miteinander

darstellen.

Mosum ad intessatis vius bonsul viviviv

ilnendem quam Patum

28

29


zum selber machen

Entwicklung

bewusst machen

Das Montessori-

Geburtstagsritual

von Thea Unteregger

Bezeichnenderweise hat

Maria Montessori in

ihrem Exil in Indien die Idee

entwickelt, die Inhalte der

Naturwissenschaften auf eine

ganzheitliche Art zu vermitteln

und sie „Kosmische

Erziehung“ genannt. Daraus

ist auch das Geburtstagsritual

entstanden.

Das Geburtstagskind umrundet

dabei eine Kerze so oft,

wie die Erde im Laufe seines

Lebens die Sonne umkreist

hat, also bei einem Siebenjährigen

sieben Mal. Für

Kindergarten und Schule gibt

es dazu aufwändiges Material

aus Holz oder Stoff mit den

Jahreszeiten und ihren Monaten.

Für uns Zuhause reicht

eine schöne, stabile Kerze, ein

Kreis aus Stoff, Papier oder

einer Schnur mit mindesten

1m Durchmesser, ein kleiner

Ball, der die Erde darstellt

und so viele Symbole (Steinchen,

Perlen…) wie das Geburtstagskind

alt wird. Dazu

braucht es eine Markierung,

wo im Kreis der Geburtstag

und damit der Startpunkt ist.

Das Geburtstagskind nimmt

die Erde in seine Hände und

begibt sich zu seinem Geburtspunkt.

Es geht langsam

gegen den Uhrzeigersinn um

die Kerze herum, und die

Eltern erzählen währenddessen

wichtige Ereignisse

aus dem ersten Lebensjahr.

Wieder beim Geburtspunkt

angekommen, legt das Geburtstagskind

ein Steinchen

für das 1. Jahr in den Kreis.

Dann geht es ein zweites Mal

Das Lebensbuch

um die Kerze und so weiter

bis es bei seinem aktuellen

Alter angekommen ist. Jetzt

wird es beglückwünscht und

besungen.

Auch Erwachsene können

sich zum Beispiel bei der

Feier zu ihrem 40. Geburtstag

Zeit nehmen, aus ihrem Leben

erzählen und die Sonne

umkreisen. Denn wir sind

alle Teil dieses Kosmos.

Zum Geburtstagsritual

gehört ein Buch, bei dem

jedem Lebensjahr ein Foto

gewidmet ist und einige Notizen

dazu, was in diesem Jahr

geschehen ist: ein Umzug,

eine Freundin gefunden, Radfahren

gelernt, in den Urlaub

gefahren, einen Lieblingsplatz

entdeckt…

Es ist schön, so ein Lebensbuch

mit seinem Kind zu

erstellen und sich an das

vergangene Jahr zu erinnern.

Manchmal wird einem erst

dann bewusst, welch große

Entwicklungsschritte geschehen

sind. Das eigentliche

Lernen vollzieht sich langsam

und ganzheitlich, und wir

vergessen oft, womit wir letztes

Jahr noch nicht zurechtkamen,

weil es uns jetzt so

selbstverständlich scheint, es

zu können.

Mein Montessori-Ausbildner

Klaus Dieter Kaul besitzt ein

solches Lebensbuch für sich

(in mehreren Bänden), und

es ist wundervoll darin zu

blättern. Wer sich von uns

Erwachsenen auf die Reise

in seine Vergangenheit begibt

und ein solches Lebensbuch

vom eigenen Leben schreibt,

wird mit vielen Erkenntnissen

und eine neue Sicht

auf sich selbst belohnt

werden!

Viel Spaß!

wünscht Thea

30

31


erfahrungsbericht

Servizio Civile:

L’esperienza di Giulia

di Giulia Zanella

Accade spesso che i ragazzi

e le ragazze, superato

lo scoglio della maturità, non

abbiano le idee chiare su quale

sia la strada più giusta da

intraprendere per il proprio

futuro e la maggior parte delle

volte la domanda che più

ritorna in mente è, “cosa farò

da grande?”

Mi chiamo Giulia, ho 20

anni e questo è senza ombra

di dubbio il motivo principale

della mia scelta. Stare

accanto ai bambini è sempre

stato il mio ideale di “futuro”,

il mio “sogno nel cassetto” e

per questo motivo quando si

È trattato di scegliere l’ente

in cui prestare Servizio civile

ho preferito riferirmi ad

un’associazione vicina il più

possibile ai miei interessi.

Ora dopo 8

mesi posso dire che non avrei

potuto fare scelta migliore.

Quella di prestare Servizio

Civile nella cooperativa

sociale montessori.coop è

un’esperienza che mi ha permesso

di entrare per la prima

volta a contatto con il mondo

del lavoro, è un‘esperienze che

mi sta dando molto sia dal

punto di vista formativo che

da quello emotivo e che anche

attraverso alcune difficoltà,

senza ombra di dubbio mi sta

aiutando a crescere.

I miei mesi trascorsi insieme

ai bambini mi hanno fatto

capire quanto basti poco per

ricevere tanto in cambio,

quanto non ci sia nulla di

più soddisfacente che veder

spuntare un sorriso sui loro

volti o sentire dire “ma come

farò senza di te l’anno prossimo?”

Se anche tu hai interesse a fare

il Servizio Civile provinciale presso

la montessori.coop scrivi a:

Wenn auch Du Interesse am Landes-Zivildienst

bei der montessori.

coop hast, schreibe uns an:

zivildienst@montessori.coop

Infos: www.montessori.coop

32


ich als vater ...

Ent-Wicklung

von Wolfram Nothdurfter

Seit ich weiß, was es mich

gekostet hat, erwachsen

zu werden, achte ich das, was

ein Kind in der Phase der

Pubertät zu leisten hat.

20 Jahre lebte ich in einer

erfüllten Beziehung mit einer

tollen Frau, 4 wunderbare

Kinder wuchsen heran, wir

bauten uns ein Haus, es gab

ein paar Themen, doch es

schien uns alles richtig gut.

Dann kam es zum Crash.

Die Beziehung in der Krise,

meine Frau wollte sich trennen,

mein Sohn am Beginn

der Pubertät wurde aus unerfindlichen

Gründen krank.

Verzweifelt und am Abgrund

wie noch nie, ließ ich mich

auf einen Prozess ein, bei

dem ich nicht wusste, wohin

er mich führen wird. In der

familiensystemischen Arbeit

stellte ich mich den Themen

mit meinem

Vater. Dabei erkannte ich,

dass die Krankheit meines

Sohnes mit der Geschichte

meines Vaters zu tun hatte.

Und es wurde mir auch

schmerzlich klar, dass ich

meinem Sohn nur helfen

konnte, wenn ich mich

selbst von meinem Vater

(und meiner Mutter) und

ihren Verstrickungen lösen

würde, um selbst – mit 50

– die Pubertät abzuschließen.

Ungelöste Themen der

vorhergehenden Generation

äußern sich oft durch

Krankheit und Sucht in den

Kindern.

Meine Söhne brauchen mich

als erwachsenen Vater, um

ins Leben zu steigen.

Ein wesentlicher Schritt war

für mich, das anzunehmen,

was ich von meinen Eltern

bekommen habe und auf das

zu verzichten, was sie mir

nicht geben konnten.

Kinder lieben ihre Eltern.

Doch um sich von ihnen zu

lösen, müssen sie ihre Eltern

enttäuschen. Solange sie alles

für ihre Eltern tun, sind sie

nicht frei, ihr Leben zu leben.

Mein Prozess der Veränderung

hat viel heilsame Ent-

Wicklung gebracht, die neue

Beziehung zu meiner Frau,

die Beziehung zu den Kindern,

zu mir selbst.

Wolfram Nothdurfter,

jüngster Sohn, Vater von vier

Kindern, leitet seit vielen Jahren

das Jugendzentrum papperlapapp

in Bozen.

34

35


selbstfürsorge entwickeln

Eltern

sein und

sich selbst

unterstützen

Eltern zu sein und mit Kindern zu leben ist in vielen Momenten eine schöne

und erfüllende Erfahrung. Eltern zu sein kann uns aber auch an unsere Grenzen

bringen und ist auch eine Herausforderung. Wie können wir als Eltern

durch diese Höhen und Tiefen gehen und woran können wir uns orientieren?

Wie können wir unserer Entwicklung als Eltern Raum und Zeit geben und

uns selbst mit Freundlichkeit und Geduld begegnen?

VON Julia Grösch

Unsere eigenen Idealvorstellungen,

all die Menschen und Ratgeber,

die genau wissen, wie man es mit

Kinder „richtig macht“, erleichtern uns das

Eltern sein oft nicht. An manchem können

wir uns orientieren und gerade die Einsichten

von Maria Montessori können unterstützend

für unsere eigene Entwicklung

sein. Letztlich aber sind alle Eltern mit ihrem

unvergleichbaren Kind auch auf einem

ganz eigenen und besonderen Weg unterwegs,

der mit Wachsen, sich entwickeln,

sich entfalten und lebendig sein zu tun hat

–mit ständiger Bewegung also, mit Krisen

und Einsichten, mit Nähe und Abstand, mit

Halten und Loslassen. Perfektionismus, zu

hohe Ansprüche, Idealvorstellungen verbunden

mit dem Gefühl, es niemals richtig

machen zu können, sind sowohl in Bezug

auf unsere Kinder als auch in Bezug auf

unsere Entwicklung die größten Hindernisse

auf dem Weg, gut Eltern zu sein und

im lebendigen und einfühlsamen Kontakt

miteinander zu leben.

Anstatt uns also zu sehr an äußeren Maßstäben

zu orientieren können wir auf das

schauen, was unsere Kinder mitbringen: oft

36

37


selbstfürsorge entwickeln

einfach mit einander im Kontakt sind, ohne

etwas erledigen oder endlose To-do-Listen

abarbeiten zu müssen.

einen großen Vorrat an Einfühlungsvermögen,

Spielfreude, die Fähigkeit präsent zu

sein, Freude am Lernen und am Entdecken,

Kreativität, Freundlichkeit gegenüber sich

selbst und anderen, Forschergeist, Bewegungsfreude,

Vertrauen, Sanftheit und

Großzügigkeit. Wenn wir auf diese Qualitäten

eingehen, wenn wir uns ihnen auch

ein wenig überlassen und auch bereit sind,

etwas Neues zu lernen, entsteht zwischen

Eltern und Kindern eine Freude an einander,

die uns trägt und zu der wir zurückkehren

können, auch wenn sie zwischendrin

einmal verloren geht.

Nichts Anderes tun

Es kann eine schöne Übung sein, sich im

Verlauf der Woche immer wieder bewusst

Zeiten einzurichten, in denen wir einfach

mit unserem Kind da sind, ohne ein Ziel

oder einen Zweck zu verfolgen und ohne etwas

vor zu haben. Im gegenwärtigen Augenblick

können wir sehr viel darüber erfahren,

was ein Kind gerade beschäftigt, wofür

es sich eigentlich interessiert oder was in

ihm vorgeht. Mit kleinen Kindern können

wir ziellos durch die Straßen schlendern

und einfach schauen, was uns dabei begegnet.

Wir können etwas sammeln und Neues

daraus entstehen lassen, ohne Zielvorgabe,

und uns vom Ergebnis überraschen lassen.

Wir können uns von der Bewegungsfreude

der Kinder anstecken lassen oder von

ihrem Forschergeist. Mit größeren Kindern

können wir sprechen, ohne Anweisungen zu

geben, ohne Ermahnungen auszusprechen.

Dies bedeutet nicht, dass wir niemals ein

Ziel verfolgen oder niemals Ermahnungen

aussprechen. Wir alle, Eltern und Kinder,

brauchen aber für unsere Entwicklung und

für unsere Beziehung Zeiten, in denen wir

Unabhängig von guten oder schlechten

Zeiten entsteht aus diesem Kontakt eine

Einstimmung auf einander, ein Wissen um

das Wesen und die Besonderheiten des Anderen,

eine Verbundenheit, ein Wohlwollen.

Wir wissen dann zum Beispiel, was unser

Kind gerade innerlich beschäftigt, was es

tröstet und was ihm gut tut. Wir sind in der

Lage, gute Entscheidungen zu treffen, auch

wenn andere mit ihrem Kind einen anderen

Weg gehen. Was sich mit der Zeit und mit

den Jahren entwickeln kann, ist ein Schatz

an Erfahrungen und ein Vertrauen in die eigenen

inneren Kräfte. Auf diese Weise sind

wir gute Eltern, auch wenn wir nicht alles

wissen oder können, auch wenn wir nicht

perfekt sind, auch wenn es immer wieder

Konflikte oder schwierige Situationen geben

kann. Das Zusammensein mit Kindern zeigt

uns immer und immer wieder, an welchen

Stellen wir uns weiter entwickeln können

und wo noch ein klein wenig Arbeit zu tun

ist auf dem Weg, etwas vertrauensvoller,

etwas geduldiger, etwas mitfühlender zu

werden – oder wo auch immer wir unsere

Baustellen so haben.

Selbstfürsorge

Neben dem, was die Kinder mitbringen

und dem Gemeinsamen, das zwischen uns

entsteht, tragen uns auch Qualitäten wie

Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Diese zu

entwickeln ist eine innere Arbeit, und es

gibt in der heutigen Zeit eine wirklich Notwendigkeit

für Eltern, sich Raum und die

Zeit dafür zu nehmen. Zahlreiche Studien

zeigen inzwischen, dass Achtsamkeitsübungen

und Meditation uns sehr dabei helfen,

mehr Stabilität, Gelassenheit, Vertrauen

und Selbstfreundlichkeit auszubilden und

uns weniger von allgegenwärtigen Anforderungen

und Ablenkungen überrollen zu

lassen. Die Signale des eigenen Körpers

nicht zu übergehen, sich eigene Grenzen

einzugestehen und die Grenzen anderer zu

respektieren, mit freundlicher Präsenz für

uns selbst da zu sein, all dies sind Kennzeichen

einer achtsamen Haltung, die wir

erlernen oder vertiefen können. Für diese

innere Arbeit müssen wir uns selbst Zeit

und Raum einrichten, das kann niemand

anderes für uns tun. Letztlich aber geben

wir diese Qualitäten auch in das Zusammensein

mit unseren Kindern hinein, denn

Freundlichkeit und Selbstfürsorge, die wir

uns als Eltern zukommen lassen, wirken

sich ganz direkt auf unsere Kinder aus.

Eine kleine Übung, um Selbstfreundlichkeit

zu entwickeln und gut für uns zu

sorgen besteht zum Beispiel darin, im Laufe

38

39


des Tages immer wieder einmal innezuhalten

und sich mit freundlicher Neugier und

zu fragen „Wie geht es mir jetzt?“. Welche

Gedanken sind gerade da, welche Gefühle,

wie fühlt sich mein Körper an? Wir können

uns in schwierigen Situationen, die wir im

Leben mit Kindern nicht vermeiden können,

auch sanft einen Satz vorsprechen wie

„Auch das geht vorbei!“ oder „Ich darf diese

Gefühle haben!“, einmal die Hand aufs Herz

legen oder für einige Momente still unserem

Atem folgen. Solche kleinen Übungen

haben, wenn wir sie wirklich in den Alltag

integrieren, große Auswirkungen. Wir kommen

in eine innere Ruhe, schauen freundlicher

und vertrauensvoller auf uns und in

die Welt und können die schönen Momente

mit unserem Kind bemerken und genießen.

Denn auf unserem Weg als Eltern geht

es letztlich immer wieder darum dafür zu

sorgen, dass wir die schönen gemeinsamen

Momente, die Fähigkeiten und Talente

unserer Kinder, ihr grundlegendes „Gut

sein“ und unsere grundlegende Liebe und

Freundlichkeit für sie nicht aus den Augen

verlieren. Von der Evolution her ist unser

menschliches Gehirn sehr darauf trainiert,

Probleme zu erkennen und sie schnell zu

lösen – weshalb Zustände wie Freude, Vertrauen

oder Mitgefühl bewusst kultiviert

und auf eine Weise geübt werden müssen.

Eltern zu sein gibt uns dafür tagtäglich und

von Augenblick zu Augenblick immer neue

Anlässe – es ist an uns, sie zu bemerken

und uns immer wieder innerlich auf

Freude, Vertrauen und Mitgefühl auszurichten.

Julia Grösch schreibt zu den

Themen Achtsamkeit und Eltern

sein. Sie ist Mutter von zwei Töchtern

und leitet in Darmstadt Kurse

und Workshops für „Achtsamkeit

und Begegnung“ sowie den Elternkreis

„Achtsam durch das erste Jahr“.

40


Pädagoginnen kurZ vorgesteLLt

Sehen verändert unser Wissen.

Wissen verändert unser Sehen.

Jean Piaget

JEAN PIAGET war ein schweizer

biologe und Psychologe. er wurde

1896 geboren und begann schon

als kind zu forschen und artikel

zu schreiben. als er selbst vater

wurde, beobachtete er an seinen

drei kindern die entwicklung von

intelligenz und Lernen.

vereinfacht gesagt stellte er fest,

dass wir menschen uns entweder

der umwelt anpassen (akkomodation)

oder die umwelt so

verändern, dass sie für uns passt

(assimilation). wir sind bestrebt,

immer wieder ein gleichgewicht

mit unserer umwelt zu erreichen.

Laut Piaget gliedert sich die

entwicklung der intelligenz in vier

Phasen, die aufeinander aufbauen.

- Als Baby lernen wir, indem wir

beobachten und nachahmen und

mit circa einem Jahr beginnen wir

zwischen uns und unserer umwelt

zu unterscheiden. wir lernen,

dass dinge auch dann da sind,

wenn wir sie nicht sehen/spüren

können.

- Als Kleinkind beginnen wir zu

sprechen und wir gehen davon

aus, dass das, was wir wissen und

wahrnehmen auch alle anderen

„Das Ziel von Bildung

ist nicht, Wissen zu vermehren,

sondern für das Kind

Möglichkeiten zu schaffen,

zu erfinden und zu entdecken,

Menschen hervorzubringen,

die fähig sind, neue

Dinge zu tun.“

Jean Piaget

wissen. es ist die Zeit, der „alsob-spiele“:

der stein ist ein auto

und die Zeitung wird zu seiner

garage.

- Im Schulalter entdecken wir,

dass andere ganz andere dinge

wahrnehmen als wir und beginnen

langsam, uns in andere einzufühlen.

wir interessieren uns für

regeln und Zusammenhänge, wir

wollen in konkreten experimenten

die welt erproben.

- mit circa 12 Jahren nimmt das

abstrakte denken seinen anfang,

wobei es auf die praktischen

erfahrungen aufbaut. hier können

wir uns dinge im kopf vorstellen,

die wir nicht sehen und nachvollziehen

können: zum beispiel atome,

theorien, komplexe abläufe…

Jean Piaget starb 1980 in genf.

seine erkenntnisse haben auch

heute noch einen großen Einfluss

auf die Pädagogik.

„Alles was an

Entwicklungsveränderungen

geschieht, geschieht außerhalb

des Laboratoriums

und außerhalb der Schulklasse.

Der Psychologe und

der Lehrer müssen warten,

bis sich eine bestimmte

Struktur in der spontanen

Erfahrung des Kindes

gebildet hat, die dann zu

diagnostizieren und pädagogisch

zu nutzen ist“

Jean Piaget

42

43


Interview

Warum eine Kita?

Interview mit Agnes Nitz

Vize-Obfrau von montessori.coop

Warum hat sich montessori.coop

entschlossen eine

Kita zu eröffnen?

Agnes Nitz: „Es war ein

langer Prozess, der zu dieser

Entscheidung führte. Die erste

Idee dazu entstand schon vor

sieben Jahren, als wir eine

Spielgruppe für Kleinkinder

anbieten wollten. Unser damaliger

Vorsitzender Mathias

Stuflesser hat erstmals

im Verwaltungsrat die Idee

eingebracht. Da wir aber keine

geeigneten Räume in Bozen

finden konnten, ließen wir die

Idee zunächst wieder fallen.“

Ist Fremdbetreuung

überhaupt mit dem Montessori-Ansatz

vereinbar?

AN: “Wir sind immer

noch der Meinung, dass eine

Familie die geeignete Umgebung

für einen Säugling ist.

Doch die gesellschaftliche

Realität hat sich verändert,

das ist einfach eine Tatsache.

Am Anfang haben wir eine

Fremdenbetreuung in diesem

Alter etwas skeptisch betrachtet

bis wir vor fünf Jahren ein

Erasmusprojekt mit dem Kinderhaus

Murkel in Siegburg

starteten. Dieses Kinderhaus

begleitet 100 Kinder im Alter

zwischen drei Monaten und

sechs Jahren. Wir waren sehr

erstaunt, als wir bemerkten,

wie ruhig und entspannt es

in diesem Haus war und wie

wohl sich die Kinder dort

offensichtlich fühlten.

Das hat uns davon überzeugt,

dass eine Kita auch ein Ort

sein kann, der den Kindern

Unterstützung und Geborgenheit

gibt.“

Wie ist das pädagogische

Konzept der montessori.coop-

Kita?

AN: „Wir möchten einen

Raum schaffen, in dem sich

Kinder in ihrem eigenen

Rhythmus entfalten können.

Wir orientieren uns

dabei an Emmi Pikler, für

die eine achtsame Pflege und

Beziehung sehr wichtig war,

deshalb wird jedes Kind eine

Hauptbezugsperson unter den

Begleiterinnen haben. Sich

Zeit zu nehmen, sich auf die

Kinder und die Situationen

einzulassen wird die Grundhaltung

der Kita sein. Es

werden verschiedene Bereiche

vorhanden sein, damit für

jedes Alter und Bedürfnis

eine vorbereitete Umgebung

dabei ist. Wir forcieren die

Entwicklung der Kinder

nicht, wir beobachten

und unterstützen sie.

Der Kontakt

zur Natur

geführt von Thea unteregger

Eltern können sich unter

folgender Email-Adresse:

kita@montessori.coop oder

Tel.: 327 767 86 21

Montag bis Freitag von 9:00 - 11:00

und von 13:00 - 15:00 Uhr,

www.kitagries.com informieren

und damit auch der Garten

werden eine zentrale Rolle

spielen.“

Und die Kita wird im

Grieserhof in Bozen untergebracht

sein?

AN: „Ja, wir sind Teil

eines Mehrgenerationenprojektes,

das in Zusammenarbeit

mit Stiftung Elisabeth im

Grieserhof gestartet wird. Im

November ist es dann so weit,

und wir sind bereit für die

Kinder und ihre Eltern. Die

Kita wird von halb acht bis

halb fünf geöffnet sein“

Danke für das Gespräch

und guten Start!

44

45


Organisatorische

Hinweise

Anmeldungen

Ihre Anmeldung kann online erfolgen:

www.montessori.coop oder über E-Mail:

seminare@montessori.coop

Tel.: +39 349 417 17 30

(Montag bis Freitag von 9:00 – 13:00 Uhr)

Bitte melden Sie sich rechtzeitig zu unseren

Veranstaltungen an! Denken Sie daran, dass

die Veranstaltungen nur mit einer MindestteilnehmerInnenzahl

von 8 Personen durchgeführt

werden können. Der Anmeldeschluss

ist beim jeweiligen Seminar angegeben.

Mitglieder-Ermäßigung bei Kursen:

Die Mitglieder der Sozialgenossenschaft

montessori.coop erhalten 50 % Ermäßigung.

Geschäftsbedingungen

Die Anmeldung ist mit Eingang der Zahlung

gültig. Bitte zahlen Sie die Kursgebühren

innerhalb der jeweiligen Anmeldefrist mit

Angabe des Kurstitels und Ihres Namens auf

folgendes Konto ein:

Sozialgenossenschaft montessori.coop

IBAN: IT 76 B 08255 58162 000304002822

SWIFT/BIC: RZS BIT 21448 Raiffeisenkasse

Überetsch, Filiale Frangart

Bei Rücktritt bis 10 Tage vor dem Seminar

wird eine Stornogebühr von 15 Euro einbehalten.

Bei späterer Absage erhalten Sie den Seminarbetrag

abzüglich Stornogebühr nur dann

zurück, wenn jemand Ihren Platz übernimmt,

beziehungsweise im Falle einer Erkrankung.

Bei Abwesenheit ohne Abmeldung wird der

gesamte Kursbeitrag einbehalten.

Sollte das Seminar aus organisatorischen

Gründen nicht stattfinden (z.B. bei zu wenig

Anmeldungen, Erkrankung der Referentin/

des Referenten), erhalten Sie von uns selbstverständlich

die volle Kursgebühr zurück.

Mit der Anmeldung zu unseren Veranstaltungen

erklären Sie sich mit diesen Geschäftsbedingungen

einverstanden.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur

Verfügung.

Danke! Grazie!

Wir danken unseren ehrenamtlichen HelferInnen. Ihre Mitarbeit

hilft uns, eine gute Umgebung für Kinder zu schaffen.

Wir danken unseren SponsorInnen. Mit ihrem Beitrag können

wir verschiedene Projekte starten, die unsere Kinder und

Jugendlichen unterstützen und fördern.

Spenden für montessori.coop:

Jeder Beitrag kommt den Kindern zugute. Ihre Spende ist

steuerlich absetzbar.

Widmen Sie die 5 Promille der Einkommenssteuer der

Sozialgenossenschaft montessori.coop: „montessori.coop“,

Steuernummer 02635390210

Bankverbindung: montessori.coop Sozialgenossenschaft,

Kohlern 12, I-39100 Bozen,

IBAN: IT 76 B 08255 58162 000304002822

SWIFT/BIC: RZS BIT 21448

bei der Raiffeisenkasse Überetsch, Filiale Frangart

IMpressum

Sozialgenossenschaft

montessori.coop,

Kohlern 12, 39100 Bozen

Verantwortlich im Sinne des

Pressegesetzes: Peter Tomasi;

E-Mail: info@montessori.coop

Homepage:

www.montessori.coop;

Redaktion: Thea Unteregger;

Fotos: Karin Micheli;

Illustrationen: Hannah Lausch;

Layout: Alice Hönigschmid;

Druck: Kraler Druck, 39040 Vahrn,

gedruckt auf FSC-zertifiziertem

Recyclingpapier: Cyclus Offset

Wenn

Sie interessiert

sind, bei uns eine

Anzeige zu schalten,

melden Sie sich unter

sponsoring@

montessori.com

datenschutz

Wir weisen darauf hin, dass bei unseren Veranstaltungen Fotos von Einzelpersonen oder Gruppen angefertigt

werden. Diese werden zur Abbildung in Broschüren, im Internet und zur Dokumentation verwendet. Stimmen

Sie einer Veröffentlichung von Fotomaterial zu, so können Sie keinen finanziellen, urheberrechtlichen

oder datenschutzrechtlichen Anspruch geltend machen. Der Sozialgenossenschaft entsteht aus der Veröffentlichung

solcher Lichtbildwerke kein finanzieller Vorteil, sie dienen einzig dazu, die Gesamtatmosphäre

wiederzugeben und zu dokumentieren.

Die personenbezogenen Daten werden zwecks Erfüllung gesetzlicher Pflichten verwaltet. Sie können jederzeit

von den im Artikel 7 des Gesetzesdekretes vom 30. Juni 2003, Nr. 196 festgelegten Rechten Gebrauch

machen. Detaillierte Informationen sind auf unserer Homepage www.montessori.coop zu finden. Durch die

Preisgabe Ihrer persönlichen Daten ermächtigen Sie uns, die Daten zum erwähnten Zweck zu verarbeiten.

46


AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL

Familienagentur

PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Agenzia per la famiglia

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