SHEworks! #Frauen #Wirtschaft #Karriere : Aufstieg oder Endstation - Frauen auf der Karriereleiter

sheworks

Neue Studien befassen sich mit der Gleichstellung von Mann und Frau in Führungspositionen, die in weiter Ferne zu liegen scheint, die gesetzlich geregelte Quote wird diskutiert und der Führungsstil von Frauen unter die Lupe genommen. Ein wichtiges Thema, die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen.

SHE

works!

Frauen-Wirtschaft-Karriere

Ausgabe August 2017

Karriere für Frauen- Aufstieg

oder Endstation?


Inhalt

Editorial

Seite 3

Titelthema:

Gleichstellung?

Weit gefehlt!

Seite 4

Frauen in Führungspositionen

Bitte mehr Ambition und

weniger Pflichterfüllung

Seite 7

Werteorientiert führentypisch

weiblich?

Seite 11

Call for Papers und

Awards

Seite 15

UnternehmensheldInnen

gesucht

Seite 16

Home-Office

Seite 18

ArtNights

Interview mit Aimie Sarah

Henze

Seite 20

Wir sind nominiert!

Seite 22

2

Herausgeber:

Anschrift:

Vertreten

durch:

SHE works!

Schäufele & Brößling GbR

Hagenweg 2A

37081 Göttingen

✆ 0551/4899075

info@she-works.de

Carolin Schäufele

Katja Brößling

V.i.S.d.P. Carolin Schäufele

(gem. § 55 Abs. 2 RStV)

Layout:

Fotonachweis:

Internet:

Das Letzte

Seite 23

Katja Brößling

Impressum

Titelseite: @kaboompics / pixabay

Seiten 2,3,4,5,9,10,11,21,22: pixabay

Seiten 15,16 debitoor Sergio Lozano Alvarez

Seite 19,20, Aimie Sarah Henze

www.she-works.de

Social Media:

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http://www.twitter.com/SHEworksDE


EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

wie oft haben Sie in den letzten Wochen

und Monaten die Forderung nach mehr

Frauen in Führungspositionen gehört und

gelesen? Häufiger, oder?

Neue Studien befassen sich mit der

Gleichstellung von Mann und Frau in

Führungspositionen, die in weiter Ferne zu

liegen scheint, die gesetzlich geregelte

Quote wird diskutiert und der Führungsstil

von Frauen unter die Lupe genommen. Ein

wichtiges Thema, die Besetzung von

Führungspositionen mit Frauen. Vor allem

ein umstrittenes Thema. Wir haben ab

Seite 4 einmal die Artikel der letzten

Wochen zu diesem Thema

zusammengetragen. Ist ganz spannend zu

lesen.

Allerdings muss man keine Unternehmerin

eines großen Konzerns sein, wenn man sich

am Unternehmerhelden Award 2017 von

debitoor beteiligen will. Die suchen

nämlich die Ein- und

Zweimann/frau-Startups, und auch nicht

unbedingt aus der TEC-Branche. Wer

teilnehmen möchte, auf Seite 16 gibt es

alle Infos.

Neben Wettbewerben und Awards

erreichen uns immer wieder Aufruf zu

einem Call for Paper. Wir haben die

interessantesten hier einmal

zusammengestellt. Wer sich also

interessiert, auf Seite 15 Näheres.

Dann noch etwas in eigener Sache: SHE

works! bzw. Mitgründerin Carolin

Schäufele ist für den Readers Choice WIN

Award 2017 nominiert. Wie würden uns

sehr über möglichst viele Stimmen freuen!

Was zu tun ist, steht auf Seite 22.

Das für den Moment von uns. Wir stürzen

uns nun komplett in die Vorbereitung

unseres Septembermagazins, das sich mit

den Parteien zur Wahl befasst. Wir haben

nachgefragt, was so in den jeweiligen

Wahlprogrammen zum Thema

Gleichberechtigung und Frauenförderung

steht. Das Magazin erscheint am 4.

September.

Jetzt erst einmal eine gute Lektüre!

Herzliche Grüße

Katja Brößling & Carolin Schäufele

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Gleichstellung?

Weit gefehlt!

von Carolin Schäufele

Der „Führungskräfte-Monitor 2017“ gibt

umfassenden Einblick in das Leben von

Führungskräften. Noch immer gibt es große

Unterschiede beim Frauenanteil zwischen

Ost- und Westdeutschland und der Gender

Pay Gap bei Führungspositionen ist mit

durchschnittlich 23 Prozent nach wie vor

erheblich.

Es geht voran, aber langsam

Der Anteil von Frauen unter den angestellten

Führungskräften in Privatunternehmen ist in

den Jahren 1995 bis 2015 um rund zehn

Prozentpunkte auf etwa 30 Prozent

gestiegen. Das geht aus dem neuen

„Führungskräfte-Monitor 2017“ des

Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

(DIW Berlin) hervor, der erstmals einen

Zeitraum von 20 Jahren abdeckt und somit

auch langfristige Entwicklungen aufzeigt. Der

Führungskräfte-Monitor betrachtet dabei

Führungspositionen in einem weiten Sinne:

Einbezogen werden nicht nur VorständInnen

und AufsichtsrätInnen, sondern auch

niedrigere Führungsebenen und allgemein

Angestellte, die hochqualifizierte Tätigkeiten

ausüben.

„Es geht voran, was den Anteil von Frauen

in Führungspositionen betrifft“, resümiert

Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für

Gender Studies, „allerdings liegt das Ziel,

genauso viele Frauen wie Männer in

Führungspositionen zu haben, noch

immer in weiter Ferne. Der Frauenanteil

nimmt nur noch langsam zu und gleicht

zuletzt eher wieder einem Ritt auf einer

Schnecke. Und das, obwohl Frauen schon

seit vielen Jahren

4


die Männer bei den Qualifikationen

eingeholt und teilweise sogar überholt

haben.“

Offenbar spielen kulturelle Rahmenbedingungen

eine wichtige Rolle: Während

der Frauenanteil in Führungspositionen in

Ostdeutschland bei 44 Prozent liegt, ist er

in Westdeutschland mit 27 Prozent deutlich

geringer und seit 1995 auch erheblich

langsamer gestiegen. Um die Gleichstellung

zu fördern, sieht Studienautorin Elke Holst

nicht nur die Politik, sondern auch die

Unternehmen in der Pflicht. Sie müssten

die Erhöhung des Anteils von Frauen in

Führungspositionen als zentrales

Unternehmensziel definieren und einen

verbindlichen Zeitplan festlegen. Wichtig

sei auch die Transparenz bei der Besetzung

von leitenden Positionen und bei den

Gehältern. Flexible Arbeitszeiten und

Zeitsouveränität seien wichtige Optionen,

um die Chancengleichheit zwischen

Männern und Frauen in

Führungspositionen voranzutreiben.

„Unterstützt durch eine Politik aus einem

Guss sowie eine stärkere partnerschaftliche

Aufgabenteilung in der Familie können

vorhandene positive Ansätze mehr Fahrt

aufnehmen“, so Elke Holst.

Verdienstlücke zwischen Männern

und Frauen bleibt groß

Der Gender Pay Gap bei Führungskräften

hat sich in den vergangenen Jahren im

Mittel leicht verringert, die Verdienstlücke

bleibt mit durchschnittlich 23 Prozent aber

erheblich. Betrachtet man statt des

Durchschnittswerts den häufig als

robustere Größe geltenden Medianwert,

der von extrem hohen und niedrigen

Werten kaum beeinflusst wird, liegt der

Verdienstunterschied zwischen Männern

und Frauen sogar bei 26 Prozent und hat

sich innerhalb von 20 Jahren nicht

verändert.

Neben der Entwicklung des Anteils von

Frauen in Führungspositionen und den

Verdienstunterschieden geben die

DIW-Forschungsdirektorin Holst und ihr

Ko-Autor Martin Friedrich im Rahmen des

Führungskräfte-Monitors, der auf Daten

des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)

basiert, auch einen Einblick in die

beruflichen und privaten

Lebenswirklichkeiten von Führungskräften.

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Zu den Themen gehören neben

Arbeitsmarkt- und Sozialstrukturen,

Wochenarbeitszeiten, Bildung und

Berufserfahrung auch Lebensstile, Hausund

Familienarbeit sowie Verdienste und

Sondervergütungen. Erstmals wurden auch

Indikatoren zur politischen Partizipation, zu

Parteipräferenzen und Sorgen einbezogen.

So ist ein Ergebnis, dass Männer und

Frauen in Führungspositionen ähnliche

Wünsche mit Blick auf ihre Arbeitszeit

haben. Beide Geschlechter würden ihre

Wochenarbeitszeit gerne um sechs

Stunden reduzieren. Bereits in den

vergangenen Jahren konnten

Führungskräfte ihre Arbeitszeit etwas

verringern. Dass Männer im Durchschnitt

mehr Wochenstunden arbeiten als Frauen

(44 zu 41), ist vor allem der Tatsache

geschuldet, dass Frauen in

Führungspositionen häufiger in Teilzeit

tätig sind als Männer (22 zu sechs Prozent).

Präferenzen für Grüne und SPD

Erstmals gibt der Führungskräfte-Monitor des

DIW Berlin auch Auskunft über die Sorgen, das

politische Interesse und die Parteineigung von

Führungskräften. Dabei zeigt sich, dass in

leitenden Positionen das politische Interesse

stärker ausgeprägt ist als bei Angestellten ohne

Führungsaufgabe, Frauen aber weniger häufig

sehr stark interessiert sind als Männer (38 zu

58 Prozent). Beide Geschlechter beschäftigten

besonders die Themen Frieden,

Ausländerfeindlichkeit sowie etwas weniger

häufig Umweltschutz, Klimawandel und der

soziale Zusammenhalt. Frauen neigten 2015

vor allem der Partei B‘90/Die Grünen zu (39

Prozent), Männer in Führungspositionen

bevorzugten zu 44 Prozent die SPD. Unter den

angestellten Führungskräften in der

Privatwirtschaft kam die CDU/CSU auf

Zustimmungswerte von rund 20 Prozent –

würde man Selbständige, LandwirtInnen und

die Beschäftigten im öffentlichen Dienst

einbeziehen, könnte dies jedoch anders

aussehen.

>>Hier geht es zum Führungskräftemonitor

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Mehr Ambition und weniger

Pflichterfüllung bei Frauen in

Führungspositionen

Die Zahl der Frauen in Aufsichtsräten

deutscher Unternehmen der Privatwirtschaft

und der Öffentlichen Hand ist auf ein

Rekordhoch gestiegen. In den 185 führenden

Unternehmen der Privatwirtschaft sind

mittlerweile 25,9 Prozent Frauen in den

Kontrollgremien präsent, in den öffentlichen

Unternehmen 29,7 Prozent. Die zur

Bilanzkonferenz am FidAR Forum IX in Berlin

veröffentlichten aktuellen Zahlen des

Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand

31.03.2017 zeigen: Die im Mai 2015 in Kraft

getretene Quote von mindestens 30 Prozent

Frauen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat

börsennotierter und voll mitbestimmter

Unternehmen wurde erfolgreich umgesetzt.

Handlungsbedarf besteht aber weiterhin

dort, wo der Gesetzgeber bislang auf die

Selbstbestimmung der Unternehmen gesetzt

hat.

Bundesministerin Barley weist

auf Wirkung der Quote hin

„Es gibt keine Zweifel: Die Quote wirkt. Wir

haben den Kulturwandel in der Wirtschaft in

Gang gebracht. Mit dem Gesetz haben wir die

richtigen Weichen gestellt und den Druck

erhöht. Es gibt ausreichend qualifizierte

Kandidatinnen für Spitzenämter in den

Unternehmen – das gilt für die öffentlichen

Beteiligungen genauso wie für die

Privatwirtschaft. Es gibt aber noch viel zu tun!

Auf der Vorstandsebene ist die Entwicklung

nicht zufriedenstellend. Wir werden weiter

gemeinsam daran arbeiten, mehr Frauen in

Führungspositionen zu bringen“, erklärt

Bundesministerin Dr. Katarina Barley.

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„Die Bilanz für die Aufsichtsratsbesetzung ist

gut, aber nur wenige Unternehmen haben

sich Fleißpunkte verdient. Dass die

Unternehmen die gesetzliche Quote

umgesetzt haben, ist ein wichtiger

Etappensieg. Das freiwillige Angebot an die

über 3.500 börsennotierten oder

mitbestimmten Unternehmen wurde aber

nur in Ausnahmefällen als Chance genutzt,

strategische Maßnahmen zur Erhöhung des

Frauenanteils in Vorständen, Aufsichtsräten

und den zwei obersten Managementebenen

einzuleiten. Das muss sich dringend ändern“,

betont FidAR-Präsidentin Monika

Schulz-Strelow. „Die Wirtschaft hat bei der

gleichberechtigten Teilhabe eine

Vorbildfunktion. Das gilt ganz besonders für

die Unternehmen der Öffentlichen Hand. Zur

guten Unternehmensführung gehören

gemischte Teams. Das wird generell nicht

mehr angezweifelt. Doch bedeutet es noch

nicht, dass entsprechend gehandelt wird.

Wenn sich die teils zögerliche Haltung nicht

ändert, sollte der Radius der gesetzlichen

Regelungen ausgeweitet werden.“

Mit Stand 31.03.2017 liegt der Frauenanteil in

den Aufsichtsräten der 185 Unternehmen bei

25,9 Prozent (2015: 19,9 %). Die aktuell 105

börsennotierten und voll mitbestimmten

Unternehmen erreichen bereits 28,1 Prozent

(2015: 21,3 %), die 80 nicht der Quote

unterliegenden DAX-Unternehmen nur 19,2

Prozent. Der Frauenanteil in den Vorständen

der 185 Unternehmen beträgt 6,8 Prozent

(2015: 5 %).Bei den 105 börsennotierten und

voll mitbestimmten Unternehmen liegt der

Wert mit 7,1 Prozent Frauen im Vorstand

(2015: 4,9 %) nur unwesentlich höher,

während bei den Nicht-Quoten-Unternehmen

nur 6,3 Prozent erreicht werden.

„Die Quote hat den Unterschied gemacht. Im

direkten Vergleich zeigt sich, dass der

gesetzliche Druck nötig war, um den

Veränderungsprozess zu beschleunigen“, so

Schulz-Strelow. „Auch die Zuwachsrate in den

Vorständen ist bei den aktuell 105

Quoten-Unternehmen höher – insgesamt

bleibt es aber auf der Vorstandsetage bei

homöopathischen Zuwächsen. Diese Bilanz ist

weiterhin kein Ruhmesblatt!“

WoB-Index 185 zeigt: Die Quote

macht den Unterschied!

Erstmals hat FidAR die 185 im DAX, MDAX,

SDAX und TecDAX sowie die im Regulierten

Markt notierten, voll mitbestimmten

Unternehmen im WoB-Index 185 gemeinsam

untersucht. Dies ermöglicht den direkten

Vergleich der aktuell 105 Unternehmen, die

unter die feste Quote fallen, mit den 80

DAX-Unternehmen, die lediglich Zielgrößen

definieren und veröffentlichen müssen.

FidAR liefert umfassende

Befragung

Im Rahmen der Studie zum WoB-Index 185

hat FidAR eine umfassende Befragung zu den

Zielgrößen für den Frauenanteil im

Aufsichtsrat, Vorstand und in den zwei

obersten Managementebenen durchgeführt.

39,9 Prozent der 185 Unternehmen

planen danach eine Erhöhung des

Frauenanteils in den Aufsichtsräten, jedoch

sehen nur 16,1 Prozent eine konkrete

Erhöhung für die Vorstände vor.

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„Die selbst gesetzten Zielgrößen sind

insbesondere für die Vorstandsebene

enttäuschend. Zwar war die Frist der ersten

Phase bis 30.06.2017 sehr kurz. Aber wenn

auch in der nun zu definierenden

fünfjährigen zweiten Phase wieder ein

Übergewicht bei Zielgröße „Null“ steht,

werden wir für eine Ausweitung der

verbindlichen Vorgaben eintreten“, erklärt

Schulz-Strelow. „Zielgröße „Null“ ist kein

Fortschritt!“

Öffentliche Unternehmen

bewegen sich schneller –

Bundesbeteiligungen liegen

vorne

Bei den 415 größten öffentlichen

Unternehmen ist der Frauenanteil in den

Aufsichtsgremien auf nunmehr 29,7

Prozent gestiegen. Der Frauenanteil in den

Top-Managementorganen liegt mit 17,3

Prozent mehr als doppelt so hoch als in den

DAX-Konzernen. Dies zeigt der aktuelle, seit

2014 zum vierten Mal publizierte Public

Women-on-Board-Index von FidAR.

Vergleichbare Werte erzielen die 98

Bundesbeteiligungen, die gesondert

untersucht wurden. Dort liegt der

Frauenanteil in den Aufsichtsgremien bei

29,8 Prozent, in den Managementorganen

bei 15,3 Prozent.

Fazit

Der Public WoB-Index, der von FidAR unter

wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr.

Ulf Papenfuß von der Zeppelin Universität

Dr. Martina Henn-Sax

in Friedrichshafen erstellt wird, untersucht

einen repräsentativen Querschnitt der

Unternehmen der Öffentlichen Hand auf

allen föderalen Ebenen, also Bund, Ländern

und Kommunen. Die Quote von 30 Prozent

Frauen in Aufsichtsräten wird im

Durchschnitt erreicht – insbesondere von

den insgesamt 118 untersuchten

öffentlichen Unternehmen, die

börsennotiert oder mitbestimmt sind, und

entsprechend auch Zielgrößen für den

Frauenanteil in Top-Managementorganen,

Aufsichtsgremien und den zwei obersten

Managementebenen veröffentlichen

müssen.

„Die öffentlichen Unternehmen stehen wie

die Privatwirtschaft in der Pflicht. Sie

nehmen die Verantwortung immer stärker

an“, erklärt Schulz-Strelow. „Schaut man

genauer hin, besteht aber weiterhin

Handelsbedarf. Das gilt insbesondere für

die Unternehmen, die nach dem

Bundesgremien-besetzungsgesetz eine

paritätische Zusammensetzung der

Gremien anstreben sollten.“

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Wertorientiert führen -

typisch weiblich?

Authentizität, Respekt und Vertrauen – diese Werte prägen den Führungsstil von

Unternehmerinnen in Deutschland, wie eine aktuelle Studie belegt (siehe Verband deutscher

Unternehmerinnen: Unternehmerinnenumfrage 2017). Doch wie sieht das in der Praxis aus?

Wann kollidiert der partnerschaftliche Führungsstil mit dem unternehmerischen

Gewinnstreben? Und: Führen Frauen wirklich anders als Männer? Vier Mitglieder des

Unternehmerinnenverbandes „Schöne Aussichten“ geben Antworten auf diese Fragen.

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Welche Werte sind Ihnen als

Unternehmerinnen wichtig?

Anette Handt: Für mich sind der

respektvolle Umgang miteinander und die

unbedingte Verlässlichkeit in der

Zusammenarbeit das A und O. Gemeinsam

und auf Augenhöhe gleichzeitig

vorankommen, das ist mir wichtig. So

funktioniert für mich Partnerschaft. Das

geht aber nur, wenn der Umgang

miteinander ehrlich und offen ist, Projekte

lösungsorientiert und in die Zukunft

gerichtet geführt werden.

Marlene Seifert: Ich möchte als

Unternehmerin glaubwürdig und

transparent wahrgenommen werden. Ich

möchte, dass man mich aufgrund meiner

Qualifikationen und Erfahrungen einsetzt

und nicht, weil ich so toll davon erzählen

kann. Souveränität im Business sorgt dafür,

dass Unternehmerinnen nicht nur

Dienstleisterinnen sind, sondern auch als

Kooperationspartnerinnen wahrgenommen

werden, die eine Meinung haben und

bei schwierigen Fragen zu Rate gezogen

werden.

Florence Petithuguenin: Als Inhaberin von

„La Maison de Florence", dem Ladenlokal

und Onlineshop für Feines aus Frankreich,

lege ich größten Wert auf nachhaltige,

ökologisch, sozial und gesellschaftlich faire

Produkte. So gibt es bei mir von Anfang an

nur Papiertragetaschen und im Winter

heize ich mein Ladenlokal mit Ökostrom.

Außerdem unterstütze ich Familien- und

Biobetriebe: Außerdem unterstütze ich

Familien- und Biobetriebe: Bei der Auswahl

von französischen Herstellern setze ich

darauf meinen Fokus. Die Suche vor Ort in

Frankreich ist sorgfältig und aufwändig,

aber die Qualität der Produkte bekräftigt

mich darin, dies auch weiterhin so zu

handhaben.

Christine Wrede: Mir ist der

vertrauensvolle Umgang mit meinen

Mitarbeitern und meinen Kunden wichtig.

Ich arbeite im Bereich der

Arbeitnehmerüberlassung, die in der

Öffentlichkeit einen schweren Stand hat.

Gerade deshalb finde ich es so wichtig,

dass sowohl meine internen Mitarbeiter als

auch unsere beim Kunden extern

eingesetzten Mitarbeiter in mir eine

verlässliche Ansprechpartnerin haben. Sie

können mich in jeder Angelegenheit

kontaktieren – auch nach der Arbeit. Bei

meinen Kunden achte ich darauf,

transparent zu arbeiten. Sie bekommen

von mir alle Informationen, die sie

benötigen. So wissen beide Seiten woran

sie sind und können vertrauensvoll

miteinander umgehen.

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Wie passen Ihre Werte zusammen mit dem

für Unternehmen überlebenswichtigen

Gewinnstreben?

Anette Handt: Gewinnstreben ist absolut

nötig, sonst kann ein Business nicht

überleben – geschweige denn wachsen –

für mich besteht hier kein Widerspruch.

Florence Petithuguenin: Ich denke schon,

dass es hier auch zu Zielkonflikten

kommen kann – Nehmen wir etwa das

Beispiel foie gras (Gänsestopf- bzw.

Entenstopfleber). Mit dieser stark

nachgefragten, hochpreisigen Delikatesse

könnte ich meinen Umsatz durchaus

steigern. Aber: Es ist und bleibt

Tierquälerei. Das möchte ich bewusst

nicht fördern. Daher nehme ich dieses

Produkt nicht in mein Sortiment auf und

bleibe meinen Werten treu.

Christine Wrede: Ich glaube nicht, dass

ich mit meinen Werten das

unternehmerische Geschick bremse. Es ist

allerdings auch nicht mein Ziel, ein

Imperium aufzubauen. Für mich ist es

wichtig, ein normales Leben zu führen

und ausreichend zu verdienen, um mir

den einen oder anderen Wunsch zu

erfüllen bzw. im Alter eine Absicherung zu

haben.

Sicher gibt es skrupellose

Unternehmer/innen, die hauptsächlich

schnell und vor allem viel Geld verdienen

wollen. In diesem Umfeld gäbe es mit

meinen Wertvorstellungen sicher

Probleme. Aber meine Mitarbeiter und

meine Kunden spiegeln mir zurück,

dass es richtig ist, was ich tue. Und

irgendwie zieht man sich auch gegenseitig

so an, dass man immer auf die Personen

trifft, die ähnliche Wertevorstellungen

haben. Und dann passt es doch prima

zusammen.

Marlene Seifert: Das sehe ich ähnlich,

meine Werte kann ich mit dem Streben

nach Gewinn vereinbaren, weil ich keine

Unsummen verdiene und auch keinen

Fahrplan für die erste Million habe. Mir

sind die Qualität und Dauer der

Zusammenarbeit wichtiger als maximaler

Gewinn in kurzer Zeit. Große menschliche

Nähe kann allerdings auch dazu führen,

dass man sich unter Wert verkauft. Da

muss man schon aufpassen.

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Hand aufs Herz: Führen Frauen ein

Unternehmen anders als Männer?

Unterscheiden sich die Wertvorstellungen

voneinander?

Anette Handt: Pauschalaussagen finde ich

immer schwierig – dazu sind die

Menschen einfach zu unterschiedlich.

Was für den einen Unternehmer gilt, gilt

noch lange nicht für den anderen, egal ob

Mann oder Frau. Toll ist es, wenn man

das Glück hat, auf Gleichgesinnte zu

treffen – daraus kann großartige

Zusammenarbeit erwachsen.

Florence Petithuguenin: Also, ich denke

schon, dass manche Männer anders mit

Ihren Wertvorstellungen umgehen als

Frauen. Männer würden vermutlich zu

Gunsten des Umsatzes ihre

Wertvorstellungen „aufweichen" bzw.

Ausnahmen machen.

Christine Wrede: Ich denke nicht, dass

sich die Wertvorstellungen von Männern

und Frauen grundsätzlich unterscheiden.

Ich arbeite zum Beispiel täglich mit

meinem männlichen Geschäftspartner

zusammen. Wir führen das Unternehmen

gemeinsam unter Beachtung der gleichen

Wertvorstellungen. Allerdings gibt es

schon eine unterschiedliche Art der

Führung. Während ich ein feinfühligeres

Gespür für unsere Mitarbeiter habe und

vielleicht früher registriere, wenn etwas

nicht stimmt, hat mein Kollege eher eine

andere Wahrnehmung.

Meiner Meinung nach hinterfragen oder

reflektieren Männer auch nicht in dem

Umfang, wie

es Frauen tun. Wenn Entscheidungen

anstehen, treffen sie diese – häufig mit

großer Überzeugung und ohne lange zu

überlegen. Frauen sind dagegen

partnerschaftlicher orientiert und suchen

in Gesprächen nach verschiedenen

Möglichkeiten oder Lösungen.

Marlene Seifert: Nach meinen Erfahrungen

führen Frauen Unternehmen definitiv

anders. Sie sind offener, flexibler und

zugänglicher. Aber manchmal müssen

Probleme auch von zu vielen Mitrednern

von zu vielen Seiten beleuchtet werden,

um Sicherheit und Bestätigung zu erlangen.

„Einfach machen“ geht meistens nicht.

bzw. nur mit Absprache. Das wiederum ist

aber auch oft ein Vorteil, weil erst gedacht

und dann gehandelt wird. Was meistens

und zum Glück wegfällt, ist das lange

Herumtrommeln auf eigenen Erfolgen und

anstrengendes Wettbewerbsgehabe –

meist geht es schneller um Inhalte.

Vielleicht etwas platt, aber durchaus eine

Erfahrung: Männer müssen meist besser

sein, Frauen agieren oft unauffälliger und

effizienter.

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Starke Frauen im Profil

Anette Handt: führt die Hamburger

PR-Agentur „Handt IN Handt

Kommunikation“. Die PR-Beraterin hat

viel Erfahrung in den Bereichen Marketing

Kommunikation, Interne Unternehmenskommunikation,

Pressearbeit und

Öffentlichkeitsarbeit. Von der Erarbeitung

des Markenkerns über die zum

Unternehmen passende Kommunikationsstrategie

bis zur Umsetzung der

konkreten Kommunikationsmaßnahmen

begleitet Anette Handt ihre Kunden auf

dem Weg zur ineinandergreifenden

Kommunikation nach innen und außen.

Florence Petithuguenin: ist Inhaberin von

„La Maison des Florence“ in Essen.

Aufgewachsen in Frankreich und seit

1985 in Deutschland lebend, fühlt sie sich

in beiden Kulturen zu Hause. Mit Anfang

40 und nach über 15-jähriger Tätigkeit im

internationalen Handelsmarketing hatte

sie Lust „alte Küsten zu verlassen, um

neue Erdteile zu entdecken“. Die

Verbundenheit zu Frankreich und die

Ambition, eine schöpferische

Lebensaufgabe zu übernehmen, haben sie

zu dem Geschäftskonzept „La Maison de

Florence“ (Das Haus von Florence)

geführt. Beliebt sind insbesondere die

außergewöhnlichen Geschenk-Sets für

Privat- und Firmenkunden. Dabei liegt der

Fokus auf natürlichen Inhaltsstoffen.

Das Sortiment umfasst französische

Produkte aus drei Kategorien: Feinkost,

Biokosmetik sowie Wohn- und

Küchenaccessoires. Dabei liegt der Fokus

auf natürlichen Inhaltsstoffe.

Christine Wrede: ist geschäftsführende

Gesellschafterin des Personaldienstleisters

PPE in München. Umfassende

Marktkenntnis, das Vertrauen der

Auftraggeber und das kontinuierliche

Recruiting qualifizierter Arbeitskräfte sind

für sie die Grundpfeiler des Erfolgs.

Zusammen mit ihrem Geschäftspartner

versteht sie sich als vertrauensvoller

Ansprechpartner für Bewerber in

Karrierefragen ebenso wie für

Unternehmen in Personalangelegenheiten.

Marlene Seifert: hat sich als Berliner

Einzelunternehmerin mit „Schriftgut Text &

Konzeption“ auf Texte und Publikationen

für die Unternehmenskommunikation

spezialisiert. Ihre Ambition: komplexe

Sachverhalte einfach darzustellen. Das ist

auch der Ansatz für ihr zweites

Betätigungsfeld: das Übersetzen von

Texten in Leichte Sprache. Die

Herausforderung besteht für sie darin, aus

jedem noch so schwierigen Text die

wirklich wichtigen Informationen

herauszufiltern und einfach zu formulieren.

Schöne Aussichten e.V. vertritt als

branchenübergreifendes, bundesweites

Netzwerk vor allem die Interessen von

Freiberuflerinnen,

Einzelunternehmerinnen und von Frauen

geführter Betriebe. Der 1991 im

Rheinland gegründete Verband ist heute

mit ca. 400 Mitgliedern in sechs

Regionalverbänden bzw. -gruppen

bundesweit organisiert.

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Call for Papers und Awards

Jetzt bewerben!

Sächsischer Gründerinnenpreis

Die Regionalgruppe Bayern der

Webgrrls – das Business-Netzwerk

von und für Frauen – lädt ein, das

Vortragsprogramm für 2018

mitzugestalten. Interessi

erte Referentinnen und Referenten

sind aufgerufen, bis 15. September

2017 einen Vorschlag für einen

lebendigen Vortrag über 1,5 Stunden

inklusive Fragerunde einzureichen.

>>>Mehr dazu

Die sächsische Gleichstellungsministerin

Petra Köpping hat die

Bewerbungsphase für den „Sächsischen

Gründerinnenpreis 2018“ eröffnet.

Bis zum 31. Oktober 2017 können sich

sächsische Gründerinnen und

Unternehmerinnen, die sich innerhalb

der letzten sieben Jahre selbstständig

gemacht haben, darum bewerben. Der

Preis wird Anfang 2018 verliehen.

>>>mehr Infos

15.Fachkongress

WoMenPower

Das Programm setzt sich aus rund 40

verschiedenen Einzelveranstaltungen

zusammen und ist in vier

Themenschwerpunkte unterteilt:

1. Kompetenzen im Beruf

2. Führung und Karriere

3. Beruf und Leben

4. Arbeitswelt im Wandel

Internationale Positionen und

internationalvergleichende Beiträge

sind ausdrücklich erwünscht.

Einreichungsschluss ist der

22. September 2017.

ERFINDERINNENPREIS

Erstmalig wird auf dem iENA-Forum der

iENA 2017, der Internationalen

Erfindermesse Nürnberg, der

women&work Erfinderinnenpreis

verliehen. Eine Bewerbung für den

Erfinderinnenpreis ist bis zum 20.

September 2017 möglich.

>>>mehr Lesen

>>>Mehr dazu

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++GESUCHT++UnternehmerheldInnen ++

Carolin Schäufele im Gespräch mit Hannah Lindstedt, debitoor

Zum ersten Mal vergibt debitoor in diesem

Jahr den Unternehmerhelden Award. SHE

works! wollte wissen, was es damit auf sich

hat.

Frau Lindstedt, Debitoor veranstaltet den

ersten Unternehmerhelden Award 2017. Wie

sind Sie auf die Idee des Awards gekommen?

Als Rechnungsprogramm für Selbstständige

sind wir täglich viel mit GründerInnen im

Gespräch. Dabei sind wir immer wieder

begeistert, was unsere KundInnen alles auf

die Beine stellen. Sie gehen mit ihrem Schritt

in die Selbstständigkeit meistens ein hohes

finanzielles und persönliches Risiko ein - und

das wollen wir honorieren. Besonders, weil

gerade die kleinen Unternehmen und

Selbstständigen meistens wenig mediale

Aufmerksamkeit bekommen.

Sie richten sich mit dem Award in erster Linie

an kleine Unternehmen und GründerInnen.

Warum?

Es gibt bisher noch keinen Preis speziell für

Einzelunternehmen. Dabei machen sie mit

62% die Mehrheit der deutschen

Unternehmen aus. Einzelunternehmen haben

mit vielen bürokratischen Hürden zu kämpfen

und so lange kein skalierbares

Geschäftsmodell dahinter steht, gibt es auch

kaum gesellschaftliche Anerkennung. Im

Gegenteil, dann wird Selbstständigkeit oft

negativ wahrgenommen. Das wollen mit mit

dem Unternehmerhelden Award 2017

ändern.

Sie versuchen auch (oder gerade) Start-ups

außerhalb der TECH-Branche zu erreichen. Was

ist der Grund dafür?

Im Moment werden vor allem Startups aus der

TECH-Branche medial sehr gehypt. Das ist auch

gut so, da wir in Deutschland immer noch

hinterher hinken. Aber wir finden, auch Yoga

Lehrerinnen, Handwerker, Friseurinnen,

Fotografen und all die vielen anderen

Einzelunternehmen haben mehr

Aufmerksamkeit verdient. Das wollen wir mit

dem Award erreichen. Man muss nicht der

nächste Steve Jobs oder Mark Zuckerberg sein,

um erfolgreich selbstständig zu sein.

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++GESUCHT++UnternehmerheldInnen ++

Unter den Einzelunternehmen und

Solo-Selbstständigen sind im Schnitt mehr

Frauen als unter den sonstigen

Selbstständigen: 38% statt 25% laut einer

Studie. Legen Sie besonderen Wert auf

Bewerbungen von Gründerinnen?

Wir hoffen in jedem Fall auf eine hohe

Beteiligung von Gründerinnen. Leider sind ja

auch in diesem Bereich Frauen noch

unterrepräsentiert, wenngleich sie -

zumindest unter den Einzelunternehmen -

langsam aufholen. Da ist es immer gut,

Vorbildern eine Bühne zu geben.

Frauen bekommen aber natürlich keinen

automatischen Vorteil bei der Preisvergabe ;-)

Vergeben wird ein Jury- und ein

Publikumspreis. Wer entscheidet dabei was?

Unsere Jury besteht aus insgesamt neun

ExpertInnen und deckt ein breites Spektrum

ab. So sind beispielsweise die IHK Berlin,

brand eins, Gründer.de und keinStartup.de

vertreten. Sie entscheiden gemeinsam, wer

den Jurypreis erhält. Gleichzeitig können alle

BewerberInnen über ein Voting-Tool Stimmen

sammeln. Wer es schafft, die meisten

Stimmen zu sammeln, bekommt den

Publikumspreis.

Sie haben eine namhafte Jury, die aus

Personen zusammengesetzt ist, die sich gut

in der Gründerszene auskennen: Julia Lazaro

von der IHK Berlin, Julian Heck, Thomas

Klußmann von Gründer.de oder Daniela

Schul von Frau im Business. War es schwer

eine solche Jury zusammenzustellen?

Wir waren selbst überrascht, auf wie viel

Begeisterung wir mit unserer Idee gestoßen

sind, einmal die Einzelunternehmen in den

Fokus zu stellen und genau diesen

GründerInnen eine mediale Präsenz zu

verschaffen. Wir haben sehr viel positives

Feedback dazu bekommen - und eine tolle

Jury war deshalb auch schnell gefunden.

Was sind die Bewerbungsbedingungen und

worauf wird besonderes Augenmerk gelegt?

Bewerben können sich alle

Einzelunternehmen, also FreiberuflerInnen,

(Klein)Gewerbetreibende, Freelancer, ganz

egal aus welcher Branche oder mit welchem

Geschäftsmodell. Dabei geht es unserer Jury

nicht um die innovativste Geschäftsidee oder

den höchsten Umsatz, sondern um ein

stimmiges Konzept, persönliches Engagement

und einen professionellen Online Auftritt.

Link zum Unternehmerhelden Award 2017:

https://debitoor.de/unternehmerhelden-awa

rd

Hannah Lindstedt, debitoor

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Home-Office

Ein Schritt zu mehr Zufriedenheit im Arbeits- und Privatleben

Von Vanessa Schäfer, Redakteurin bei kursfinder.de

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Da ist er, der Traum vom flexiblen Arbeiten,

der Wunsch nach einer besseren

Vereinbarkeit von Familie und Beruf, den

Frauen hegen. Denn wenn vor der Arbeit

das Kind noch schnell für die Kita oder

Schule fertig gemacht, mittags pünktlich der

Computer am Büroschreibtisch

runtergefahren werden muss, um den

Nachwuchs abzuholen, dann stellt das

Mütter auf eine Belastungsprobe. Ein

enormes Maß an Zeit- und

Selbstmanagement ringt es ihnen ab, um

einerseits ihrer Rolle als Angestellte,

andererseits ihrer Aufgabe als Mutter

gerecht zu werden. Dabei gibt es im

Zeitalter der Digitalisierung Mittel und Wege

für eine bessere Work-Life-Balance:

Home-Office.

Bei unseren niederländischen Nachbarn

besteht inzwischen ein Recht auf das

Arbeiten von zu Hause aus. In Deutschland

ist das jedoch Zukunftsmusik:

Zwar wünschen sich 40 Prozent der

Beschäftigten Home-Office, allerdings bietet

sich lediglich für 12 Prozent die Möglichkeit.

Die Angst vor Kontrollverlust ist einer der

Hauptgründe, weshalb sich Arbeitgeber

schwer damit tun, ihren Mitarbeitern mehr

räumliche und zeitliche Flexibilität bei der

Arbeit einzuräumen. Dabei ist die

Anwesenheit im Büro nicht automatisch mit

Leistung gleichzusetzen. Untersuchungen

haben gezeigt, dass Heimarbeiter in der

Regel mehr arbeiten, weniger Pausen

einlegen und seltener krank machen.


Die Vorteile für Mütter, die ihrer Tätigkeit

vom heimischen Schreibtisch aus

nachkommen können, liegen auf der Hand.

Es bleibt mehr Zeit für alles: Wer nicht zur

Arbeit pendeln, keine Verspätungen der

Bahn, keine Staus auf der Autobahn und

keine Parkplatzsuche auf sich nehmen muss,

dem steht mehr Zeit zur Verfügung, die er

sinnvoll nutzen kann – sei es für den

Arbeitgeber oder die Familie. Neben der

Zeitersparnis schätzen Arbeitnehmerinnen

an Home-Office vor allem auch den

geringeren Stresspegel. Kein ständiger Blick

auf die Uhr. Keine Störquellen wie

ununterbrochenes Telefonklingeln oder

geschwätzige Kollegen. Und vor allem kein

unnötiger Druck, weil der Chef einem

neugierig über die Schulter schaut. „Zu

Hause kann man sich teilweise besser auf

eine Aufgabe konzentrieren und effektiver

arbeiten, weil man weniger abgelenkt wird“,

sagt Sarah Zoglauer. Die

Vertriebsmitarbeiterin

der

Weiterbildungssuchmaschine kursfinder.de

schätzt die Home-Office-Regelung ihres

Arbeitgebers: An zwei Tagen im Monat

dürfen die Angestellten dem Büro den

Rücken kehren und in ihren eigenen vier

Wänden arbeiten.

Die Autonomie und Flexibilität sind weitere

Gründe, warum Geschäftsführerin Berit

Moßbrugger ihren Mitarbeitern ein festes

Kontingent an Home-Office-Tagen

eingeräumt hat. Sie weiß selbst, wie schwer

es manchmal ist, Arbeits- und Privatleben

unter einen Hut zu kriegen. Da kündigen sich

zu Hause Handwerker an. Die regelmäßige

Kontrolle beim Zahnarzt ist lange überfällig.

Der letzte Friseurtermin liegt Monate

zurück.

Im Home-Office lassen sich solche Termine

besser in den Arbeitsalltag integrieren. Frau

geht einfach zwischen zwei Aufgaben eine

Stunde aus dem Haus und hängt diese Zeit

an den Feierabend dran.

Neben Selbstmanagement ist bei

Home-Office vor allem Vertrauen von Seiten

des Arbeitgebers das A und O. Warum

sollten seine Mitarbeiterinnen dieses

ausnutzen? Sie wünschen sich Heimarbeit

für eine bessere Work-Life-Balance. Sie

wollen explizit arbeiten und kein

Hausfrauendasein genießen. Aber sie

brauchen dazu Arbeitsmodelle, bei denen es

nicht notwendig ist mit Familie und Job zu

jonglieren. Modelle, die ihnen diesen Spagat

zwischen Karriere und Mutter nicht

abverlangen. Home-Office ist da in vielen

Branchen ein Schritt in die richtige Richtung.

Zugegeben: Eine Verkäuferin, Friseuse oder

Arzthelferin kann nicht einfach ihrem

Arbeitsort fernbleiben. Aber für

Büroangestellte bietet sich die Möglichkeit.

Die Chance, den Traum vom flexiblen

Arbeiten wahr werden zu lassen und am

Ende vor allem eines zu sein: glücklicher und

zufriedener im Privat- wie im Berufsleben.

Vanessa Schäfer

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Mit ArtNights gegen die Anonymisierung

der Großstädte

Carolin Schäufele im Gespräch mit Aimie Sarah Henze, Gründerin ArtNights

Aimie-Sarah Henze hat vor einiger Zeit schon

das Frauen-Onlineportal Fielfalt aufgebaut

und ist jetzt mit einem spannenden Projekt

an den Start gegangen: ArtNight ist ein

kreatives Veranstaltungsformat, das gegen

die Entfremdung und Anonymität in der

Großstadt kämpft und auf ungezwungene

Weise Menschen zusammenbringt. Die Idee:

Unter Anleitung eines lokalen Künstlers

malen oder zeichnen die Gäste ihr eigenes

Kunstwerk, lernen sich darüber hinaus

kennen, tauschen sich aus und verbringen

einen schönen Abend miteinander. Derzeit

werden die Kunstnächte mit immer

unterschiedlichen Themen (Banksy, Frida

Kahlo, Edgar Degas, Stilleben, uvm) in Berlin,

München und Leipzig veranstaltet –

demnächst kommen Bonn, Köln, Kiel,

Hamburg und Hannover dazu.

Was gab den Impuls sich selbstständig zu

machen?

Ich möchte etwas bewegen, jeden Tag Neues

lernen und mit dem, was ich schaffe,

erfolgreich sein. Dazu brauche ich viel

Freiheit und das ist im Konzernjob leider

nicht immer möglich, also habe ich mich

selbständig gemacht.

Wie lange es gedauert von der ersten Idee

bis zur Anmeldung von ArtNight?

Es ging alles sehr schnell: Nur 6 Wochen!

David hat mir von der ArtNight-Idee erzählt, 2

Wochen später haben wir einige Testevents

auf die Beine gestellt, alles durchkalkuliert

und waren überzeugt. Dann legten wir los!

Aimie Sarah Henze, Gründerin ArtNights

Was waren die größten Hemmnisse bei der

Neugründung?

Zum Zeitpunkt der Gründung weiß man vieles

nicht, was man wissen sollte - gerade wenn

es um rechtliche oder finanzielle Dinge geht.

In dieser Situation Verträge und

Businesspläne aufzusetzen, was viel Zeit

kostet, kann schon ein Hemmnis sein.

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Wer oder was hat Sie unterstützt?

Das Top-Thema Unternehmertum und der

Slogan “Deutschland braucht mehr

GründerInnen” suggerieren manchmal

unglaublich viel Unterstützung. Finanziell

gesehen, war eine externe Unterstützung

-zum Beispiel vom Staat- bei mir völlig

ausgeschlossen (insbesondere wenn man

selbst kündigt). Das heißt das haben wir alles

selbst gestemmt. Unterstützung in Form von

Expertise haben wir konkret angefragt,

unsere Netzwerk gezielt erweitert und haben

uns dadurch gut weiterentwickelt.

Haben Sie Förderprogramme genutzt /

beantragt?

Wir haben alleinig bei dem Institut für

Berufliche Bildung (BB) das

Coaching-Bonus-Programm beantragt und

erhalten. Andere Förderprogramme sind

ebenfalls sehr spezifisch und fallen einem

nicht einfach in den Schoß. Allein das für sich

passende Programm zu finden, sich zu

bewerben, etc. nimmt so viel Zeit in

Anspruch!

Was würden Sie mit dem Wissen von heute

anders machen?

Besser wäre die Frage, was wir mit dem

Wissen von gestern heute anders bzw. besser

machen würden ;).

Das Vergangene können wir heute nicht

mehr ändern, sondern nur daraus lernen.

Persönlich war meine wichtigste

Lernerfahrung, dass man sehr früh rausgehen

und das Produkt / das Konzept testen sollte.

Das ist viel besser, als im stillen Kämmerchen

vor sich hinschustern und dann zu merken,

dass es am Markt gar nicht ankommt!

Sie haben bereits ein Projekt gestartet,

Fielfalt, eine branchenübergreifende

Community und ein Blogazine für Female

Empowerment. Werden Sie dieses Projekt

weiter betreiben?

Ja! FIELFALT bietet viel Inspiration und

vernetzt tolle Frauen deutschlandweit. Wir

haben FIELFALT immer nebenberuflich

betrieben, das bleibt auch so. Dennoch wird

sich FIELFALT in nächster Zeit verändern, es

bleibt aber auf jeden Fall spannend!

Welche Netzwerke nutzen Sie?

Durch FIELFALT habe ich viele Netzwerke

kennengelernt. Ich bin kein Teil eines

spezifischen Netzwerks, sondern Fan davon,

sein eigenes Netzwerk so aufzubauen wie es

einem am besten weiterhilft. Ich frage heute

eher interessante Personen direkt an - zum

Beispiel sich auf ein Mittagessen zu treffenals

auf gut Glück zu einer

Netzwerkveranstaltung zu gehen. Hier wird

man sehr oft für seinen Mut belohnt!

Ihr Tipp für Gründerinnen:

Sei überzeugt und begeistert von dem was

Du tust, sonst wirst du dich nicht über alle

Höhen und Tiefen hinweg behaupten

können.

Sei ambitioniert und denke noch größer als

Du es im Moment tust

ArtNights verbindet

Arbeite hart an Deinen Zielen und vergesse

nicht, wie viel Du von anderen lernen kannst!

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Wir sind nominiert -

Stimmen Sie für uns ab!

Bereits zum 4. Mal lässt das Women´s IT

Network in unterschiedlichen Kategorien die

Leserinnen und Leser über die »IT Woman of

the Year« abstimmen.

SHE works!-Cofounderin Carolin Schäufele

wurde für die Kategorie Outstanding

Commitment / Diversity nominiert.

Weibliche Führungskräfte fehlen nicht nur in

den Top-Management-Positionen großer

Unternehmen.

Auch und im Besonderen IT-Unternehmen

beklagen seit Jahren zu wenige Frauen an

ihrer

Spitze.

Nur mit starken und erfahrenen Frauen in

Führungsverantwortung kann der IT-Standort

Deutschland mittel- und langfristig im

internationalen Wettbewerb bestehen!

Grundvoraussetzung hierfür ist es, ein

kollektives gesellschaftliches wie auch

wirtschaftlich geprägtes Bewusstsein für

Frauen in Management-Positionen zu

schaffen, denn keine Volkswirtschaft dieser

Welt kann es sich im Zeitalter der

umfassenden Globalisierung erlauben, die

Hälfte der verfügbaren Ressourcen im Sinne

des nachhaltigen Wachstums zu

vernachlässigen.

Dies darf jedoch NICHT bedeuten, über die

Einführung von verbindlichen Quoten eine

staatliche Regulierung der Genderthematik zu

erzwingen, sondern kann ausschließlich über

eine effiziente, interdisziplinäre Vernetzung

weiblicher Führungskräfte und eine

schrittweise Änderung des kollektiven

Bewusstseins über weibliche Qualität im

operativen Geschäft erfolgen: ‚Klasse vor

Quote!‘ Deshalb hat ein Kreis engagierter

Frauen am 17. März 2014 beschlossen, das

Women`s IT Network (WIN) zu gründen. Mit

dem Ziel, Frauen in der IT-Branche nachhaltig

zu stärken – sowohl für technische als auch für

Management-Berufe

Wir würden uns natürlich unglaublich freuen,

wenn Sie eine Stimme für uns abgeben.

Hier geht es zur Abstimmung

Abstimmung

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Das Letzte…

Geld statt Kaffee-Service

Wussten Sie, in welchem Bereich es derzeit den größten

GenderPayGap gibt? - Im Fußball!

Da beträgt die Lücke mal eben schlappe 80-90% (je nach dem,

ob man jetzt die EM oder die WM Prämie betrachtet).

Und da schämt sich niemand für.

Das belächelt man in der Presse sogar. Die Frauen sollten froh

sein, dass die Prämie sich von Event zu Event steigert: vom

Kaffeeservice mit Blümchen (1989) zu immerhin 37.500 Euro

für einen möglichen EM-Sieg (2017). (vgl. Männer: 300.000

Euro pro Person). Uns fällt da nichts mehr zu ein.

23


SHE

works!

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