Motocross Enduro Ausgabe 09/2017

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Technik und Rennaction
Auch in dieser Ausgabe möchten wir euch in puncto Modellpflege 2018 auf dem Laufenden halten. Marko Barthel reiste nach Bitche/Frankreich, um dort bei der Präsentation der neuen Suzuki RM-Z 450 dabei zu sein. Natürlich nutzte er dort sogleich die Gelegenheit, ein paar Runden auf dem „generalüberholten“ Bike zu drehen. Mehr dazu ab Seite 18.
Alexander Stephan testete für euch die SWM RS 300 R und betitelte seinen Bericht spontan mit „The Revenant“ (der Rückkehrer), weil ihn das Bike stark an Husqvarnas 2010er TE 310 erinnert. Lest ab Seite 26, ob ihr zu dem gleichen Schluss gelangt...

Gutes von gestern – glücklicherweise übernahm SWM den

legendär simplen und leicht zu bedienenden Sitzbankverschluss

Zu kurz gedacht – die Kühlerverkleidung deckt leider die empfindliche

Seite des Kühlers nicht komplett ab

Halbe Sache – die Protektoren schützen den Motorblock

zwar einigermaßen adäquat, lassen aber die Rahmenunterzüge

quasi im Regen stehen

Das kann man so lassen – Cockpit mit allen wichtigen

Basisfunktionen und Kontrolllämpchen

Made in Japan – not by Deep Purple, but by Mikuni

Retro im Look, aber nicht in der Leistung – trotz Bremsscheibe

im altehrwürdigen Design, zeigt die Vorderradbremse

eine Bremskraft auf der Höhe der Zeit

Bleib cool – der serienmäßige Kühlerventilator sorgt für Erfrischung,

wenn’s mal (zu) heiß hergeht

welle zur Minimierung von Vibrationen, doppelter

Schalldämpfer zur Reduzierung der Lautstärke,

Kayaba-Federungskomponenten, gute und wertige

Serienausstattung). Das Gesamtpaket entspricht,

was allgemeine Performance betrifft, zwar nicht

dem derzeitigen „State of the Art“ in Sachen Racing,

weiß aber dennoch in anderen Facetten unseres

Lieblingssports zu überzeugen. Und hiermit

meine ich in erster Linie ihre Fähigkeiten, in Sachen

sportiver und/oder relaxter Endurowanderung. Einmal

entdrosselt, macht das 297,6-ccm-Triebwerk

das Beste aus seinen 39 Pferdestärken, die sich

exemplarisch linear und drehfreudig bis über die

10.000-UpM-Marke entfalten. Es ist dieser völlig geradlinige

Leistungsoutput, der zahlreichen aktuellen

und vergleichbaren Enduros fehlt, der diese RS

300 nicht nur zur coolen Wandergefährtin macht,

sondern sich auch (warum nicht!) bestens für

schnelle Rundenzeiten auf jungfräulichen Gras-

Sonderprüfungen eignet. Unabhängig von Gasschieberstellung

und Umdrehungszahl ist die Traktion

phänomenal gut. Im Gegenzug ist ihr kleinvo-

Der diskrete Charme der Enduristen – das attraktive Schalldämpfer-Duett

drückt zwar schwer auf die Waage, ist aber

eine wahre akustische Erleichterung während längerer

Endurotouren

Vorsicht bissig – die sehr kräftig zupackende Hinterradbremse

mit schwimmend gelagerter Scheibe will wortwörtlich

mit „Zehenspitzengefühl“ bedient werden

lumiges Triebwerk allerdings kein Wunder an Durchzugskraft

oder Spritzigkeit. Plötzlich auftauchende

Hindernisse, wie z. B. Baumstämme, können somit

nur bedingt per kurzem Gasschub „geklärt“ werden.

Vielmehr erfordern solche Fahrsituationen ein

perfektes „Timing“ mit geeigneter Drehzahl (nicht

zu niedrig!), dosiertem Kupplungseinsatz und Zug

am Lenker. Das fahrtechnische Klein-Klein oder so

was wie Unterholz-Supercross sind also nicht gerade

ihr bevorzugtes Einsatzgebiet …! Zumal ihr nun

Euro-4-homologiertes Triebwerk mit seiner mager

abgestimmten EFI bei niedrigsten Drehzahlen eine

merkliche Neigung zum plötzlichen Ausploppen

aufweist. Mit intensivem Kupplungseinsatz kann

die genannte Tendenz zwar eliminiert werden, doch

auf Dauer bleibt man den kniffligen Lowspeed-Passagen

dann doch lieber fern. Aber egal wie, hat man

einmal den untersten Drehzahlbereich hinter sich

gelassen, so weiß die RS 300 mit ihrer geschmeidigen

Leistungsentfaltung auf Dauer und über die

Länge des Tages zu gefallen. Solche Langzeitfreuden

unterstützt unsere SWM übrigens auch mit einem

äußerst moderaten Verbrauch (im Schnitt 3,92

l anlässlich einer Endurotour im französischen Elsass)

und durch die angenehme Diskretion ihrer

beiden Schalldämpfer. Wem das alles nun zu brav

und bescheiden daherkommt, wer nicht nur Wanderslust,

sondern auch Racedurst stillen möchte,

für den bietet der engagierte SWM-Dealer ein überzeugend

klingendes Zubehörteil an: Mit dem Austausch

der serienmäßigen Doppelauspuffanlage

gegen eine Single-Anlage von Arrow (nebst angepasstem

„Race-Setting“ – aber ohne Straßenzulassung!)

soll sich die Leistungsentfaltung drastisch

druckvoller und knackiger offenbaren. Aber nicht

nur das, denn die Arrow-Anlage sorgt in gleichem

Zuge für eine satte Gewichtsreduktion um 5 kg.

Letzteres ist umso willkommener, da diese SWM um

einige Kilos schwerer daherkommt (mit dementsprechenden

Handlings-Einschränkungen …) als ihre

Vorgängerin TE 310. Gleichstand herrscht jedoch

wieder in Sachen Fahrstabilität bzw. deren Präzision.

Selbst beim harten Pushen weicht die RS 300

kein bisschen vom eingeschlagenen Pfad ab und

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MCE

September '17

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