stahlmarkt 09.2017 (September)

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Aus dem Inhalt: Steel International / IT, Digitalisierung / Stahlhandel & Stahl-Service-Center / Logistik & Handhabung, Lagertechnik / Schweissen & Schneiden

18 K IT, Digitalisierung

Potenziale des digitalen

Wertschöpfungsnetzes Stahl

IW-Studie zeigt Chancen und Herausforderungen auf

Düsseldorf. Mit der Digitalisierung wächst auch die Bedeutung der

Stahlindustrie in den Wertschöpfungsketten des Industriestandorts

Deutschland. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Studie* der IW Consult

im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Sie wurde kürzlich vor

Journalisten in Düsseldorf vorgestellt.

Dazu Dr. Karl Lichtblau, Geschäftsführer

der IW Consult: »Die Stahlindustrie treibt die

Digitalisierung nicht nur in ihren eigenen

Unternehmen voran, sondern setzt auch

hier wesentliche Impulse bei ihren Kunden

und Lieferanten. Die Stahlindustrie ist ein

wesentlicher Akteur bei der Digitalisierung

ihres Wertschöpfungsnetzes. 43 % der Kunden

der Stahlindustrie beziehen bereits

aktuell digitale Komponenten von der Stahlindustrie.

In den nächsten fünf Jahren wird

sich die Bedeutung von Smart Products weiter

erhöhen.«

Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung

Stahl hebt besonders

den Nutzen für die Kunden der Stahlindustrie

hervor: »Die Studie belegt einmal mehr

die Bedeutung der Stahlindustrie für eine

starke Wirtschaft in Deutschland. Die Digitalisierung

beim Stahl erweitert Innovationsund

Wachstumspotenziale bei den Verarbeitern

und wirkt damit über die eigenen

Werksgrenzen hinaus.« So geben laut der

Untersuchung schon heute 70 % der Unternehmen

an, dass die Stahlindustrie wichtig

für ihre Wettbewerbsfähigkeit ist. Für gut

ein Viertel der Unternehmen aus den nachgelagerten

Branchen wird die Stahlindustrie

durch die digitale Transformation an Bedeutung

gewinnen, auch weil hierdurch eine

Beispiel: Online-Plattformen als Vertriebs- und Einkaufsweg für den Stahlhandel

Für den Handel von Stahl, Angaben in %

In fünf Jahren

Unternehmen der Stahlindustrie

Heute 15,3 45,5 39,2

0% 50% 100%

Sehr intensiv Intensiv Weniger Intensiv Gar nicht

28,2 43,7 26,7 1,5

0% 50% 100%

Heute

Kunden der Stahlindustrie

3,3

20,7 33,4 42,6

0% 50% 100%

In fünf Jahren 6,7 45,1 45,8 2,4

0% 20% 40% 60% 80% 100%

besondere Stärke der Stahlindustrie in

Deutschland, ihre hohe Innovationskraft,

noch stärker zum Tragen kommt. Bestehende

und gut funktionierende Strukturen werden

damit weiter gefestigt.

Dass die Umsetzung von Industrie 4.0 in

den Stahlunternehmen mit hohem Druck

vorangetrieben wird, zeigt die Studie ebenfalls.

Vier von fünf Unternehmen gehen da -

von aus, dass sich die digitale Transformation

positiv auf ihre Wettbewerbsfähigkeit

auswirkt. Auch deshalb investieren Stahlunternehmen

in diesen Wandel.

Die Studie macht deutlich, dass die Digitalisierung

in der Stahlindustrie angekommen

ist, dabei aber noch erhebliche Herausforderungen

bestehen. Diese werden auf

der einen Seite von den Unternehmen bei

Themen wie Kulturwandel und Qualifizierung

der Mitarbeiter selbst angegangen.

Auf der anderen Seite sollte die Politik für

verlässliche Rahmenbedingungen sorgen.

Die Stahlindustrie kann ein starker Mitgestalter

des digitalen Wandels am Industriestandort

Deutschland sein.

Die wichtigsten Ergebnisse

1. Die Stahlindustrie spielt bereits heute

eine zentrale Rolle in den Wertschöpfungsnetzen

der deutschen Industrie: Neben

bereits bekannten Aspekten wie engen Lieferverflechtungen

wird zum ersten Mal auch

die Rolle des Stahls als »Wissens impulsgeber«

empirisch belegt: Gemeint ist, dass

die Stahlindustrie über den Leistungsaustausch

mit anderen Branchen mehr Forschung

und Entwicklung abgibt, als sie in

Form von Vorleistungen erhält. Mit einer

Technologielieferung von knapp 170 Mill. €

trägt sie in besonderem Maße zum Wissenstransfer

im deutschen Wertschöpfungsnetzwerk

bei.

2. Die digitale Transformation wird in der

Branche mit hohem Druck vorangetrieben:

Sie befindet sich jedoch in der Stahlindustrie

wie auch bei ihren Kunden in einem frühen

Stadium. Beinahe alle Stahlunternehmen

investieren bereits heute in die digitale

Trans ormation, auch weil sie es als zentral

Viel mehr als heute Mehr als heute Ähnlich wie heute (Viel) weniger als heute

n = 50 (Unternehmen der Stahlindustrie)

n = 192 (Kunden der Stahlindustrie)

Umsatzgewichtete Ergebnisse

(Viel) weniger als heute = Summe „Viel Weniger als heute“ und „Weniger als heute“

Quelle: IW-Zukunftspanel 2017, Welle 28, IW-Studie »Potenziale des digitalen Wertschöpfungsnetzes Stahl« 2017

* Die Studie »Potenziale des digitalen Wertschöpfungsnetzes

Stahl« der IW Consult GmbH basiert

methodisch auf einem Mix u. a. aus Experteninterviews,

Unternehmensfallstudien und einer umfassenden

Unternehmensbefragung.

stahlmarkt 9.2017

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