Innovatives Sachsen

sachsen

Ab in die Zukunft! Ein Magazin über besondere Ideen und wertvolle Netzwerke.

innovatiVes

Sachsen

Herausgegeben vom Freistaat Sachsen

ab in die Zukunft!

Ein Magazin über besondere Ideen

und wertvolle Netzwerke


4

DREH- UND ANGELPUNKT

Leipzig und Dresden sind Teil einer bundesweiten

Hub-Initiative. Was heißt das eigentlich?

21 STARTSCHUSS

Forschen, gründen und investieren in Sachsen:

Wie geht das?

6

WIR HABEN VERSTANDEN

Digitalisierung und Industrie 4.0: Eine Reise zu drei

besonderen Orten

22

SCHAU GENAU!

Ganz nah dran an sächsischen Produkten.

Ein Bilderrätsel

11

»NAHE DER LICHT-

GESCHWINDIGKEIT«

Kommunikationstechnik wird immer schneller.

Aber wie funktioniert das? Der Wissenschaftler

Frank Fitzek im Interview

26

VORTEILE EINER

PAUSENKULTUR

Jung und Alt, Arbeit und Leben – wie bringt

man das zusammen? Der Arbeits- und Organisationspsychologe

Jürgen Wegge im Interview

12

15

RETTUNG NAHT

Zwölf sächsische Ideen für eine bessere Zukunft

BALD MÖGLICH: THERAPIE

VON ERBKRANKHEITEN

Der Wissenschaftler Frank Buchholz forscht an

der Gen-Schere. Wem hilft das? Ein Interview

28

UMGEBUNG FÜR

EINGEBUNG

Forscher, Gründer und Erfinder verraten ihre

Orte der Inspiration. Wo fallen die Ideen in

Sachsen vom Himmel?

16

UNTER STROM

Bei der E-Mobilität fährt Sachsen ganz

vorn mit. Wohin führt die Reise?

INHALT

Den Inhalt dieses Hefts und viele weitere spannende

Infos zu den Protagonisten, Innovatoren und Projekten

finden Sie multimedial aufbereitet in unserem

Online-Special www.so-geht-sächsisch.de/zukunft

Schauen Sie mal vorbei!

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie kennen das vielleicht. Man hat eine

Idee oder sogar einen ungewöhnlichen

Einfall, denkt ein bisschen darüber nach,

doch die Idee bleibt nur ein guter Gedanke.

Die Ideen, die wir für dieses Heft

gesammelt haben, sind Gedanken, die gewachsen

und lebendig geworden sind

und sich nun Innovationen nennen dürfen.

Was sie auszeichnet: Sie alle sind in

Sachsen entstanden. Mit diesem Heft

wollen wir Sie einladen, einen Blick auf

die sächsische Innovationskraft zu werfen.

Wir haben Menschen getroffen, die

besonders viele Einfälle haben – Wissenschaftler,

Unternehmer und Gründer. Auf

den folgenden Seiten zeigen wir, was in

den Fachbereichen der Universitäten und

in den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen

passiert, woran in den Laboren

getüftelt und was in den Gründerzentren

umgesetzt wird. Besonderes

Augenmerk richten wir auf das wertvolle

Miteinander in Sachsen. Welche Netzwerke

wirken unterstützend und fördernd?

Wo arbeiten Unternehmer und

Entwickler zusammen? Welche Forschungsgruppen

sind entstanden? Denn

mindestens so wichtig wie die Idee sind

die Bedingungen, die sie groß werden

lassen. Schauen Sie sich um, und lassen

Sie sich inspirieren! Falls Sie selbst eine

Idee brauchen – gute Vorschläge für

beflügelnde Orte in Sachsen finden Sie

ganz hinten im Heft.

Ihre Redaktion

IMPRESSUM

INNOVATIVES SACHSEN Ein Magazin des Freistaates Sachsen Herausgeber Freistaat Sachsen, Ralph Schreiber, Regierungssprecher (V.i.S.d.P.), Archivstraße 1, 01095 Dresden,

www.sk.sachsen.de Verlag SZ Scala GmbH Geschäftsleitung Angela Kesselring Redaktionsleitung Julia Decker Artdirection Marina Widmann Bildredaktion Eva Fischer Schlussredaktion Julei M.

Habisreutinger, Christine Uschold-Schlör, Gerlinde Wronski Chefin vom Dienst Ann-Kathrin Ntokalou Gesamtkoordination Ketchum Pleon GmbH, Käthe-Kollwitz-Ufer 79, 01309 Dresden, Druck Firmengruppe

APPL, PRINT.Forum, Industriestraße 48, 74912 Kirchardt Repro Compumedia GmbH. Bei Nichterscheinen durch höhere Gewalt oder Streik kein Entschädigungsanspruch. Eine Verwertung der urheberrechtlich

geschützten Zeitschrift und aller in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung, ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar,

soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz nichts anderes ergibt. Diese Drucksache wird auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes zur Verfügung gestellt.

2 INNOVATIVES SACHSEN


4

6

16

Cover: Martin Meiners. Fotos Inhalt S. 2: Illustration: Anton Hallmann / Sepia, S. 3: Fotos und Illustrationen: Lêmrich, Leander Aßmann, Stephan Floss, André Mühling

21 22

26

Wir zeigen, wie man Unternehmern Sinn und Zweck der Digitalisierung nahebringt (S. 6), lassen uns die inspirierendsten Orte im

Freistaat zeigen (S. 28) und beleuchten, was es mit den Hubs in Leipzig und Dresden auf sich hat (S. 4). Außerdem werfen wir einen

Blick in die Zukunft der Mobilität (S. 16) und unters Mikroskop (S. 22). Wer in Sachsen investieren, gründen oder forschen möchte,

findet dazu eine Anleitung (S. 21). Und Prof. Wegge erklärt, wie man Leben und Arbeiten in ein gutes Gleichgewicht bringt (S. 26).

28

VORSCHAU

AB IN DIE ZUKUNFT

3


Die Städte Leipzig und Dresden sind Teil einer deutschlandweiten

Hub-Initiative. Wir erklären, was das bedeutet, und zeigen,

wie durch das neue Miteinander wertvolle Synergien entstehen

DREH- UND ANGELPUNKT

BEWORBEN, GEWONNEN: Sachsen

ist gleich zweimal dabei in der Digital-

Hub-Initiative, die vom Bundeswirtschaftsministerium

und dem Digitalverband Bitkom

ins Leben gerufen wurde. Sie soll helfen, in ganz

Deutschland Knotenpunkte zu schaffen, in denen

sich Start-ups, Mittelständler, große Firmen und

Wissenschaft miteinander vernetzen. Dresden und

Leipzig sind in den Kreis der zwölf Hub-Standorte aufgenommen

worden: »Smart Systems Hub – Enabling IoT«

mit dem Schwerpunkt Mikroelektronik in Dresden, wo viele

Firmen und Forschungseinrichtungen aus diesem Bereich

beheimatet sind und auf dem Campus der TU Dresden ein

neues Kompetenzzentrum gebaut wird. Hier verschmelzen

die Disziplinen Hardware, Software und Connectivity,

und es werden maßgebliche Technologien für das

Internet der Dinge entwickelt. Und »Smart Infrastructure

Hub« in Leipzig mit dem Schwerpunkt Energie,

Gesundheit und Smart City. Letzteres umfasst

die E-Mobilität, Logis tik, intelligente Gebäudetechnik

und digitale Stadtinfrastruktur. Hier

ist geplant, ein bestehendes Gründerzentrum

in der Baumwollspinnerei

auszubauen und ein hochschulübergreifendes

Kompetenzzentrum

zur Energiewirtschaft

zu schaffen.

»Risikokapitalgeber nach Sachsen locken«

Was macht die Gründerszene in Sachsen aus?

Sie ist sehr vielfältig, die Start-ups stammen aus der

Mikroelektronik, aber auch aus anderen Bereichen

wie Materialforschung oder Life Sciences. Oft handelt

es sich um Ausgründungen von Universitäten.

Start-ups tun sich in Deutschland schwer damit, Risikokapitalgeber

zu finden. Wie sieht die Lage in Dresden aus?

Geschichtsbedingt gibt es in den neuen Bundesländern wenige

Erben und Hauptsitze großer Unternehmen. Die Lücke füllen

staatliche Fonds. Außerdem haben wir 2013 die Hightech Venture

Days in Dresden ins Leben gerufen. Hier kommen Firmengründer

mit Investoren zusammen. Das klappt erstaunlich gut: Wir

konnten Start-ups aus Europa und Risikokapitalgeber aus der ganzen

Welt gewinnen. Das kommt auch sächsischen Firmen zugute.

Bei der Digital-Hub-Initiative erhielt Dresden den Zuschlag

zum »Smart Systems Hub – Enabling IoT«. Was erhoffen

Sie sich davon?

Dresden spielt vor allem bei Basistechnologien für die Industrie

vorn mit. Gründer tun sich oft schwer, Großunternehmen mit komplexen

Hierarchien und Fertigungsketten zu durchschauen. Eine

Aufgabe des Hub ist es, diese Zusammenarbeit zu ermöglichen.

ZUR PERSON

Bettina Voßberg leitet das HighTech Startbahn Netzwerk, das

Start-ups aus dem Hochtechnologieumfeld unterstützt. Die HighTech

Venture Days finden vom 18. bis 19.10.2017 statt. hightechstartbahn.de

und hightech-venture-days.com

4 INNOVATIVES SACHSEN


Internet der Dinge =

Hardware + Software + Konnektivität

Das Internet der Dinge ist ein Modebegriff, den man in den Nachrichten oft hört. Was damit gemeint

ist, verstehen aber nur wenige. Kurz gesagt: Durch integrierte Chips sind Gegenstände oder Geräte in

der Lage, miteinander zu kommunizieren. Autos werden ohne Fahrer durch die Innenstadt fahren,

Roboter in Fabriken selbstständig Produkte herstellen, und der Kühlschrank wird automatisch die Milch

bestellen, wenn die Packung leer ist. Das Dresdner Hochtechnologie-Cluster mit seinem Geflecht aus

Chip-Herstellern, Software-Entwicklern und Telekommunikationsfirmen bietet ideale Voraussetzungen,

um gemeinsam mit Forschungseinrichtungen vor Ort die Schlüsseltechnologien für das Internet der

Dinge zu erarbeiten.

Text: Serge Debrebant; Illustration: Carolin Eitel

ZUM BEISPIEL

FÜNF START-UPS AUS DEN HUBS

E2M

Das Stromhandelshaus aus Leipzig

vermarktet Strom aus dezentralen

Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen.

www.energy2market.de

RHEBO

Die Firma in Leibzig hat eine Software zur

Überwachung aller Kommunikationsflüsse

im Datenverkehr entwickelt, z. B. für

die Abwehr von Hackerangriffen in der

Industrie 4.0. www.rhebo.com

KIWIGRID

Die Dresdner Plattform zeigt Lösungen

für Energie-Management im Internet der

Dinge, z. B. für das Monitoring und die

Optimierung des gesamten Haushaltsstromverbrauchs.

www.kiwigrid.com

MONKEY WORKS

Das Dresdner Unternehmen bietet

eine HMI-Softwarelösung zur Entwicklung

mobiler Apps an, mit denen sich

Maschinen und Anlagen überwachen

lassen. www.monkey-works.de

SONOVUM

Das Leipziger Unternehmen hat ein

Gerät zur Diagnose von Erkrankungen

des Gehirns entwickelt, das nichtinvasiv

eine kontinuierliche Kontrolle möglich

macht. www.sonovum.de

»Bleibende Strukturen für Start-ups schaffen«

Herr Weber, Leipzig gilt

als jung und hip. Hilft

Ihnen dieses Image,

Start-ups anzuziehen?

Ja, das ist ein Standortvorteil.

Wir tun hier viel, um Start-ups zu fördern.

Es gibt Inkubatoren, Coworking Spaces,

Veranstaltungen. Hinzu kommt die Nähe

zu Berlin. Die Szene wächst mittlerweile

sehr schnell. Das überrascht mich manchmal

selbst.

Was zeichnet diese Szene aus?

Die spannendsten Firmen siedeln sich an

den Schnittstellen an. Zum Beispiel entwickelt

das Start-up Rhebo intelligente

Sicherheitslösungen für die Kommunikation

zwischen Maschinen, die sowohl in

kritischen Infrastrukturen der Stadtwerke

Leipzig als auch in Industrieanlagen von

Porsche ausprobiert wurden. Bei branchenübergreifenden

Lösungen ist Leipzig stark.

Bei der Digitalinitiative erhielt

Leipzig den Zuschlag zum »Smart

Infrastructure Hub«. Was planen

Sie im Rahmen des Hub?

Wir wollen neue Start-ups unterstützen,

aber auch bleibende Strukturen wie ein universitäres

Kompetenzzentrum zur Energiewirtschaft

schaffen. Das braucht Zeit, aber

wir haben einen langen Atem.

ZUR PERSON

Eric Weber leitet »SpinLab – The HHL

Accelerator«, den Start-up-Inkubator der

»HHL Leipzig Graduate School of

Management«, und koordiniert den »Smart

Infrastructure Hub«. www.spinlab.co

Hamburg

Berlin

Dortmund

Leipzig

Köln

Dresden

Frankfurt/

Darmstadt

Mannheim

Karlsruhe Nürnberg

Stuttgart

München

Potsdam

An 13 Standorten in Deutschland vernetzen sich

Start-ups, Mittelständler und große Firmen zu Hubs.

DURCHBLICK

AB IN DIE ZUKUNFT

5


Erklärt Fertigungsleitern

und Unternehmenschefs

in der Lernfabrik die

Vorteile der Industrie 4.0:

Nicole Jäpel, Mitarbeiterin

am Lehrstuhl von

Professor Dirk Reichelt.

Im Bild prüft sie das

Werkzeugwechselsystem

der Roboterzelle.


Wir haben

verstanden

Wie bringt man Unternehmern Sinn und Zweck der Digitalisierung

oder der Industrie 4.0 so richtig nah? Wie zeigt man das

Wesen von Innovation? In Dresden gibt es auf diese Fragen sehr

plastische Antworten. Eine Reise zu drei besonderen Orten

Text Peter Wagner Fotos Lêmrich

FRIEDRICH-LIST-PLATZ 1. Was gibt es

Schöneres als einen begeisterten Professor?

Dirk Reichelt, Professor für Informationsmanagement,

fängt seinen Besuch gleich am

Aufzug im neunten Stock des Zentralgebäudes

der Dresdner Hochschule für Technik

und Wirtschaft ab. In den Augen des großen

Mannes im weinroten Hemd ist so etwas

wie Vorfreude zu entdecken, ganz, als habe

er ein besonderes Geschenk vorbereitet.

Reichelt geht wenige Schritte einen breiten

Gang entlang und öffnet die Tür zu einem

klimatisierten Raum, in dem eine kleine

Fertigungsstraße zu sehen ist, die sogenannte

Lernfabrik. Eine Presse zum Beispiel

bringt schwarzen Kunststoff in die Form

eines Handygehäuses und versieht es nebenbei

mit einem Chip. Eine Kamera fotografiert

das Gehäuse und prüft es auf Risse. Ein

Roboter nimmt das Gehäuse auf und fährt

es zu einer Fräse, die das Werkstück von

Neuem bearbeitet. Und so geht es weiter.

Eine beispielhafte Fertigung, die ihren

Charme im Detail entfaltet. Dirk Reichelt

führt an die Presse und hebt eines der

schwarzen Gehäuse an. Mehrmals wendet

er es vor seinen Augen. »Der Chip im

Kunststoff macht das Handygehäuse unverwechselbar«,

sagt Dirk Reichelt. »Der Roboter

erkennt den Chip und registriert sofort,

um welches Produkt es sich handelt. Er

kommuniziert sozusagen mit dem Gehäuse.«

Die Kamera wiederum fotografiert die

MÜSSTE FUNKTIONIEREN: Nicole Jäpel mit ihrem Kollegen Robert Ringel

in der Lernfabrik.

Schale und schickt das Foto in die Cloud.

Dirk Reichelt deutet nach oben: In der imaginären

Datenwolke prüft eine Software das

Bild, sucht nach Rissen und meldet mögliche

Fehler zurück. Und dann die Fräse.

Dirk Reichelt geht weiter die Lernfabrik entlang.

Er kniet sich hin und zeigt eine kleine

Digitalanzeige in Bodennähe. Dort steht,

wie viel Luftdruck die Fräse im Einsatz benötigt,

wie viel Energie sie verbraucht. Das

alles zusammen ist das Internet der Dinge:

Werkstücke teilen Robotern ihre Identität

mit, Cloudprogramme prüfen Livebilder auf

Macken, Sensoren vermerken den energetischen

Aufwand. Mit all diesem Wissen, so

Dirk Reichelt, können Unternehmer ihre

Produktionen fehlerfreier und effizienter

gestalten. Der Professor führt mit Schwung

und manchmal fast atemlos an den Modulen

entlang. Man kann die Begeisterung

verstehen. In Deutschland gibt es bislang

nur wenige Orte, an denen sich Unterneh-

INDUSTRIE 4.0

AB IN DIE ZUKUNFT

7


INDUSTRIE 4.0

mer derart verständlich dem Wesen und

Nutzen der Industrie 4.0 nähern können.

»Wir wollen Berührungsängste abbauen«,

sagt Dirk Reichelt. »Wir zeigen hier die

Basistechnologie des Internets der Dinge. So

können wir allen Interessierten einen Einblick

in die Praxis geben.« Im guten Fall

gewinnt ein Fertigungsleiter hier Ideen für

Die Lernfabrik soll

Berührungsängste

mit der Industrie

4.0 abbauen

seine eigene Arbeit. Im besten Fall geht er

mit der Inspiration für ein neues Produkt

nach Hause. Die Führung durch die Lernfabrik

kann man übrigens buchen, fast wie

eine Reise. Als das Bundeswirtschaftsministerium

im Frühjahr die Namen von zwölf

Digital-Hubs bekannt gab, fielen nämlich

auch die Namen Dresden und Leipzig (siehe

Seite 4). In Dresden setzen sich so viele Einrichtungen

mit dem Internet der Dinge auseinander,

dass man die Stadt zum »Smart

Systems Hub« adelte. Die Verantwortlichen

freuten sich und entwickelten in Windeseile

sogenannte Trails, entlang derer Besucher

das Standortwissen erkunden können. So

landet man zum Beispiel bei Dirk Reichelt

im 9. Stock und sammelt Inspirationen dafür,

wie das Internet der Dinge die eigene

Produktion verbessern könnte. So landet

man aber auch am Lehrstuhl für Softwaretechnologie

von Uwe Aßmann, TU

Dresden, Fakultät für Informatik.

NÖTHNITZER STRASSE 46. Zu Fuß

sind es gerade mal 20 Minuten Fußmarsch

von Herrn Reichelt zu den Informatikern.

Ein erfrischend heller Neubau ist hier zu

bestaunen, die bodentiefen Fenster wurden

von den Architekten mit grünen Sichtblenden

versehen, darauf ein Muster, das an

Lochkarten erinnert. Oben, im zweiten

Stock, neben grasgrün gestrichenen Wänden,

bauen die Doktoranden Christian

Piechnick und Georg Püschel ihre aufsehenerregende

Erfindung auf. Sie schieben einen

mannshohen Roboterarm auf den Gang vor

ihrem Büro. Mächtig steht er auf vier Rollen,

ein Greifarm ragt in die Luft. Und dann

kommt der Kniff: Christian Piechnick zieht

sich eine einfache Trainingsjacke mit eingenähten

Platinen an und streift verdrahtete

und mit Chips versehene Handschuhe über.

Er bewegt seinen rechten Arm und löst das

Entscheidende aus: Der Roboterarm vollzieht

die Bewegung nach. »Die Software

zeichnet die exakte Position meines Armes

auf und gibt sie an den Roboter weiter« sagt

Christian Piechnick. Was wie ein nettes

Spielchen aussieht, ist der Kern einer kleinen

Revolution: Piechnick und Püschel

sprechen von »Demonstration Based

Teaching«. Als die beiden jungen Informatiker

und ihr Team die Entwicklung auf der

Hannovermesse präsentierten, ernteten sie

Staunen. »Das Programmieren eines Industrieroboters

dauert für gewöhnlich mehrere

Wochen und kostet Zehntausende von

Euro«, sagt Christian Piechnick. Die Sensorenjacke

und die Handschuhe verkürzen

diesen Prozess: Jacke anziehen, bewegen,

Daten an den Roboter geben. Eine Sache

von Minuten. Menschen können künftig auf

Georg Püschel und Christian Piechnick haben in den letzten beiden Jahren eine neue Form der Roboterprogrammierung

entwickelt: Die beiden Forscher vom Lehrstuhl Prof. Uwe Aßmann zeigen, wie »Demonstration Based Teaching«

funktioniert. Gemeinsam mit Maria Piechnick, Jan Falkenberg und Sebastian Werner arbeiten sie an dieser Lösung.

8 INNOVATIVES SACHSEN


diese Weise »in einen Roboter schlüpfen«

und die Maschine an ihrer statt arbeiten lassen

– etwa in einem Reinraum eines sächsischen

Chipherstellers wie Infineon oder

künftig Bosch. Das ist ohnehin ein entscheidender

Punkt. Weder die Lernfabrik noch

die Sensorenjacke sind isolierte Entwicklungen

einzelner Genies, sie sind Gemeinschaftsprojekte

und beziehen sich fast immer

auf mögliche Anwendungen. Dirk

Reichelt zum Beispiel arbeitet eng mit einem

Fraunhofer-Institut zusammen. In seiner

Lernfabrik werden unter anderem Fallbeispiele

örtlicher Großunternehmen wie Infineon

oder VW bearbeitet; die Dresdner

Entwickler von ZIGPOS liefern Sensornetzwerke

und Ortungssysteme; die Leipziger

Firma ccc installierte Industriesoftware zur

Energieverbrauchsmessung; die Dresdner

Datenbankspezialisten von Robotron kümmern

sich um die Cloudlösungen. Und das

ist nur der Beginn einer langen Liste von

Kooperationspartnern. Der »Smart Systems

Hub« in Dresden bildet den Rahmen für ein

neuartiges Maker-Zentrum, in dem Entwickler

das Wissen einer Region zu Innovationen

formen. Christian Piechnick von der

TU Dresden hat die Wirkweise des Hub bereits

am eigenen Leib erfahren. Die Treffen

im Rahmen der Initiative gaben der Idee

vom »Demonstration Based Teaching« kräftigen

Schub: Für eine Präsentation des Telekom-Vorstandes

Tim Höttges arbeitete man

mit dem 5G-Projekt von Professor Frank

Fitzek zusammen (siehe Seite 11). Im Internet

findet sich ein Film, in dem Höttges einen

Roboter so bewegt, wie es Christian

Piechnick eben vorgemacht hat. Diese Erfahrung

hat Piechnick zu einer entscheidenden

Einsicht verholfen. »Man braucht immer

einen Ort und einen Rahmen, in dem

man mit anderen ins Gespräch kommen

kann«, sagt der junge Informatiker. »Sonst

entwickelt man sich nicht weiter.«

WETTINER PLATZ 7. Der letzte Satz aus

der Nöthnitzer Straße steckt dem Besuch

noch im Kopf, als auf dem Gelände des

Kraftwerk Mitte die Kette fällt: Frank Neuber

von der DREWAG, den Dresdner Stadtwerken,

entfernt das schwere Schloss zu

Halle 9. Er stößt eine Tür auf, die in Vergangenheit

und Zukunft zugleich führt. Altes

Ziegelmauerwerk erhebt sich vor den Augen,

3000 Quadratmeter Fläche, vier Stockwerke.

Die Besucher nehmen den kühlen

HERZLICH WILLKOMMEN IN DER ZUKUNFT: Georg Püschel (links) und Christian

Piechnick im Foyer der Fakultät für Informatik an der Nöthnitzer Straße.

Hauch einer verlassenen Schaltzentrale

wahr, in der einst Transformator neben

Transformator stand. Die DREWAG hat das

40 000 Quadratmeter große Innenstadtgelände

neu belebt. Bis 1994 qualmte hier

ein Kohlekraftwerk, jetzt sind Staatsoperette

Dresden und das theater junge generation

eingezogen. Das Heinrich-Schütz-Konservatorium

lehrt in neuen Räumen, es gibt ein

Energiemuseum, eine Diskothek, Cafés. Ein

kreativer, interdisziplinärer Ort, ganz nach

Ronald Scholz’ Geschmack. Gemeinsam mit

Nico Herzberg folgt er Frank Neuber durch

den noch ungenutzten Bau. Die Farbe im

Treppenhaus blättert von der Wand, aber

Scholz’ Vision tut das keinen Abbruch. Er

sieht hier 3-D-Drucker und Rapid-Prototyping-Workshops,

in denen Unternehmer

Produkte entwickeln. Er sieht hier Virtual

Reality zum Testen und Design Sprints, in

denen Entwickler das Mögliche wagen.

»Ich fuhr mit der Bahn vorbei und sah das

Plakat ›Wir haben noch Flächen‹ «, erinnert

sich Scholz. Er gründete mehrmals selbst,

führte ein Softwareunternehmen an die

Börse und greift heute Start-ups unter die

Arme. In der Halle 9 sollen Unternehmer

die Digitale Transformation verstehen.

»Das werden Räume, in denen der Erzgebirgische

Räuchermännchenhersteller mit

den IT-Spezialisten von SAP in Kontakt

kommt«, sagt Ronald Scholz. Er will all das

Wissen der Start-up-Industrie jenen vermitteln,

die es dringend brauchen können.

AB IN DIE ZUKUNFT

9


will in der Halle 9 nach dem Umbau ein Innovations-

und Ausbildungszentrum unterbringen.

»Wir wollen hier überlegen und

zeigen, wie die Arbeit der Zukunft aussieht«,

sagt Herzberg. Das große Softwarehaus

möchte sich einer breiteren Masse öffnen.

Die Halle 9 soll zum Schaufenster werden,

Unternehmer

brauchen Orte, an

denen sie die

Digitalisierung

anfassen können

WOLLEN UNTERNEHMERN DIE VORTEILE DER DIGITALISIERUNG NOCH VIEL

PLASTISCHER MACHEN: Ronald Scholz vom Inkubator Sherpa.Dresden (links)

und Nico Herzberg, Ausbildungsleiter bei SAP Dresden.

»Das Angebot muss niedrigschwellig sein«,

sagt Scholz. »Die Unternehmer sollen hier

erleben, was die Digitalisierung kann. Sie

sollen diese Entwicklung anfassen.« An der

Stelle beschreibt Ronald Scholz einen wunden

Punkt der Digitalisierung. Alle lesen

von dieser einschneidenden Transformation,

doch die Botschaft kommt zu selten an.

»Viele brauchen ein Erlebnis, eine Begegnung,

einen Impuls, ehe sie das Thema angehen«,

sagt Ronald Scholz. Neben ihm

nickt Nico Herzberg. Er verantwortet die

Ausbildung bei SAP Dresden und war einer

der Ersten, die Scholz’ Vision teilten: SAP

zur Kontaktbörse, in der man mit der sächsischen

Wirtschaft ins Gespräch kommt.

Herzberg und Scholz folgen Frank Neuber

in den vierten Stock, wo ein Oberlicht den

Raum erhellt. Hier wird ein Konferenzraum

entstehen, hier sollen in drei Jahren Ideen

zum Leben erwachen. Die beiden stecken

ihre Köpfe zusammen und diskutieren den

anstehenden Umbau. Sie sind mit ihrem

Vorhaben nicht allein, weitere Partner

haben dem Projekt ihre Partnerschaft

versichert, darunter eine Bank und eine

Krankenkasse. Der Bedarf ist einfach zu

groß. »Wir haben in unserem Land viele

100-Mann-Firmen, die sich endlich der

Digitalisierung widmen müssen«, setzt

Ronald Scholz zu einem Plädoyer an.

»Diese Unternehmen brauchen einen Ort,

an dem sie sich möglichen Fachkräften

vorstellen können. Diese Unternehmen

brauchen einen Ort, an dem sie sich weiterentwickeln

können.« Man darf annehmen,

dass Christian Piechnick und Dirk Reichelt

diesen Satz unterschreiben würden. •

Mehr Informationen zum Smart Systems

Hub Dresden und zu den angebotenen Trails

auf www.smart-systems-hub.de

DAS SÄCHSISCHE HIGH-TECH-ÖKOSYSTEM

Dresden ist heute der größte Halbleiterstandort in Europa. Die Basis

dafür legten Wirtschaftspolitiker in den Neunzigerjahren: Damals siedelten

sich Chipproduzenten wie AMD oder Infineon in der sächsischen

Hauptstadt an. Die großen Namen erzeugten einen Sog und

zogen weitere Unternehmen an. Bald war die Rede vom »Leuchtturm«

Sachsen, weil nirgendwo sonst so viel Wissen rund um Halbleiter-

und Hochtechnologie versammelt ist. Heute produzieren Unternehmen

wie Globalfoundries, X-Fab oder Infineon hier Prozessoren

für die weltweite Digitalisierung. Zählt man alle Unternehmen der

Hochtechnologie zusammen, kommt man in Sachsen auf 2300 Firmen

mit 60 000 Mitarbeitern und 14 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Nicht in der Rechnung sind die vier Universitäten und fünf Fachhochschulen.

Hinzu kommen neun Fraunhofer-, drei Leibniz-, ein Helmholtzund

zwei Max-Planck-Institute. Und dieses High-Tech-Ökosystem

wächst und gedeiht weiter. Globalfoundries, der Hersteller mit

den meisten Mitarbeitern vor Ort, will in den nächsten Jahren

1,7 Milliarden Euro in sein sächsisches Werk investieren. Infineon

beabsichtigt, weitere 100 Millionen Euro auszugeben. Bosch, der

größte Autozulieferer der Welt, kündigte im Sommer an, in Sachsen

eine neue Halbleiterfabrik für eine Milliarde Euro zu bauen. Das ist die

größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens.

Noch mehr Geschichten zur Halbleiterbranche in Sachsen finden Sie

in unserem Online-Special: www.so-geht-sächsisch.de/zukunft

10 INNOVATIVES SACHSEN


Wie kommunizieren wir in Zukunft miteinander?

Prof. Dr. Frank Fitzek beschäftigt sich mit elektronischer Kommunikation

und der Frage, wie schnell Daten übertragen werden können

» Nahe der Lichtgeschwindigkeit «

Interview Serge Debrebant

Foto: Stephan Floss

Herr Prof. Fitzek, Sie forschen am

5G Lab an der Technischen Universität

Dresden an der nächsten Generation

des Mobilfunks. Was haben wir uns

darunter vorzustellen?

5G wird ganz Neues ermöglichen, nämlich das

Internet der Dinge. Das heißt: Es wird nicht

nur zehn Milliarden Menschen miteinander

verbinden wie die alten Standards, sondern zusätzlich

500 Milliarden Maschinen. Vom 1G

über 2G und 3G bis zu 4G – also LTE – gab es

eine Evolution. 5G bedeutet eine Revolution.

Sie befassen sich mit ferngesteuerten

Chirurgie-Robotern und selbstfahrenden

Autos. Wann werden diese Dinge zu

unserem Alltag gehören?

In unseren Tests funktioniert die Technik

schon sehr gut. Das Besondere an den Medizinrobotern

ist aber nicht, dass man sie fernsteuern

kann, diese Technik gibt es heute

schon. Aber viele Ärzte scheuen sich davor,

sie zu benutzen, weil ihnen das haptische

Feedback fehlt, das sie von herkömmlichen

Eingriffen kennen. Genau das wird aber

durch 5G möglich, weil das neue Netz die Daten

in Echtzeit überträgt. Zum Hören und

Sehen kommt jetzt auch der Tastsinn. Deswegen

sprechen wir auch vom taktilen Internet.

ZUR PERSON

Sie sagen, dass das 5G-Netz die Daten in Echtzeit

übertragen kann. Wie ist das möglich?

Dafür braucht man eine sehr geringe Reaktionszeit, in der Fachsprache

sagen wir »Latenz«. Wenn Daten heute mit LTE übertragen

werden, dauert das mindestens 30 Millisekunden. Im 5G-Netz

wollen wir die Reaktionszeit auf eine Millisekunde verringern. Wir

bewegen uns dann nahe der Lichtgeschwindigkeit.

Welche anderen Eigenschaften zeichnen das 5G-Netz aus?

Es kann 1000-mal mehr Daten transportieren, es kann 100-mal

mehr Endgeräte vernetzen, es ist 1000-mal stabiler. Aber die

schnelle Reaktionszeit ist das Entscheidende. Sie wird es ermöglichen,

auf eine völlig neue Art Maschinen zu steuern und Systeme

zu regeln.

Frank Fitzek lehrt als Professor am

Institut für Nachrichtentechnik an der

TU Dresden und steht als Koordinator

dem 5G Lab Germany vor. Hier

arbeiten 500 Wissenschaftler an den

Grundlagen für die fünfte Generation

des Mobilfunks. Fitzek ist auch als

akademischer Sprecher des Smart

Systems Hub tätig, eines Innovationszentrums,

das sich mit dem Internet

der Dinge beschäftigt (mehr dazu

auf Seite 5). www.5glab.de

Wenn jemand die Kontrolle über

selbstfahrende Autos gewinnt, könnte

er viel Schaden anrichten. Wie sicher

ist ein solches Netzwerk?

Extrem sicher. Das hängt mit dem Aufbau

des 5G-Netzes zusammen. Heute werden

Daten in Paketen versandt und über zentrale

Knotenpunkte weitergeleitet. Man muss sie

verschlüsseln, damit Kriminelle sie nicht lesen

können. In Zukunft wird es Tausende

kleinerer Knotenpunkte geben, dadurch

wird es schwieriger, den genauen Übertragungsweg

vorherzusagen. Daten werden

auch nicht mehr als Pakete verschickt, sondern

als mathematische Formeln, die man

am Ziel wieder zusammenfügt. Ein Datendieb

müsste alle Formeln abgreifen können,

um die Daten zu entschlüsseln – das ist so

gut wie unmöglich.

Welche Rolle spielt das 5G Lab

dabei, den neuen Mobilfunk-Standard

zu definieren?

Wir haben mehrere Jahre Vorsprung vor anderen

Einrichtungen und bauen ihn immer

weiter aus. Das Besondere an unserem Ansatz

ist, dass Forscher, Unternehmen und

Verbände von Anfang an zusammensitzen.

Wir tauschen uns regelmäßig mit Unternehmen

wie BMW, Vodafone oder der Deutschen

Telekom aus. Dadurch kennen wir die Probleme, die im

Alltag auftreten – und können mit unseren Neuerungen die

Netze schon heute verbessern.

Automatische Sämaschinen, selbstfahrende

Autos, Industrieroboter – machen wir uns durch den

technischen Fortschritt selbst überflüssig?

Gut ausgebildete Fachkräfte werden in Zukunft von noch größerer

Bedeutung sein. Aber die Arbeit verändert sich. Mensch und

Maschine werden immer enger zusammenarbeiten. Stellen Sie

sich vor, Sie müssten eine Kiste mit Schrauben sortieren. Sie führen

dem Roboter vor, wie man das macht, und er erledigt dann

den Rest. Roboter sind für Routineaufgaben geeignet, der Mensch

bleibt aber die Quelle für Innovation und Neues. •

SCHNELLE VERBINDUNG

AB IN DIE ZUKUNFT

11


1

RETTUNG

NAHT

Entlegene Mineralquellen

werden zugänglich

Metalle und Industrieminerale lagern

oft in schwer erreichbaren Regionen.

Dr. Richard Gloaguen, Abteilungsleiter

des Bereiches Erkundung vom Helmholtz-Zentrum

Dresden-Rossendorf, geht

daher mit Drohnen auf die Suche nach

den wichtigen Rohstoffen. Mithilfe hyperspektraler

Kameras, die Mineralien aus

weiter Ferne erkennen, erkundet er auf

der ganzen Welt mögliche Lagerstätten,

bisher unter anderem in Grönland,

Finnland und Südafrika. www.hzdr.de

Text Kathrin Hollmer Illustration Leander Aßmann

Künstliche Ohren, grüner Versand

und Viagra für Pflanzen: Nachhaltige Ideen

aus Sachsen, die die Welt verbessern

2

Bestrahlung

wird

schonender

und effektiver

Am OncoRay Center der Medizinischen

Fakultät an der TU Dresden wird an

der Optimierung der Protonentherapie

im Kampf gegen Krebs geforscht. Die

Proto nentherapie ist ein neues, höchst

präzises Strahlenverfahren: Kranke Zellen

werden effektiv zerstört, und gesundes

Gewebe wird geschont. Um die Behandlung

weiter zu verbessern, arbeitet

die Physikerin Theresa Werner aktuell

an einem Echtzeit-Detektorsystem

zur Reichweitenkontrolle des Protonenstrahls

im menschlichen Körper.

www.oncoray.de

12 INNOVATIVES SACHSEN


3

Elektro-Recycling

wird attraktiver

Allein in Deutschland liegen ungefähr

100 Millionen Alt-Handys ungenutzt

im Schrank. Nun macht Binee Box aus

Leipzig das Recycling von Elektrokleingeräten

attraktiver: An 14 Standorten in

Leipzig kann man bereits alte Geräte

abgeben und wird dafür belohnt, etwa

mit einem Gutschein für eine Kugel Eis

oder mit 50 Euro Rabatt für den Kauf

eines neuen Rads. Mehr Standorte und

ein Konzept für Medikamentenentsorgung

sind geplant. www.binee.com

4

Verhütung und

Empfängnisoptimierung

werden hormonfrei

Der OvulaRing der VivoSensMedical

GmbH aus Leipzig kann die fruchtbaren

Tage präzise bestimmen – für Frauen mit

Kinderwunsch oder zur natürlichen hormonfreien

Verhütung. Der Ring wird fast

ausschließlich in Sachsen produziert: Der

Kunststoff kommt aus Leuna, die Ringe

werden in Radeberg gefertigt, die Keramik

für die Sensoren stammt aus Meißen, Sensoren

und Lesegeräte werden in Leipzig

gebaut. www.vivosensmedical.com

5

Windeln werden nachhaltig

Die Dresdnerin Stephanie Oppitz löst mit

ihrer WindelManufaktur gleich zwei Probleme

von Hygieneartikeln auf einmal: Ihre

Stoffwindeln und -binden, Feucht- und

Taschentücher, Abschminkpads, Still- und

Slipeinlagen sind wasch- und wiederverwendbar.

Anders als herkömmliche Produkte

enthalten sie keine chemischen

Zusatzstoffe, die Hautirritationen auslösen

können, und alle werden von Hand u. a. aus

Biobaumwolle, Hanf- und Bambusstoffen

sowie Merinowolle gefertigt – in modernen

Designs. Für den Herbst plant sie eine neue

Marke für nachhaltige Damenhygieneprodukte.

www.windelmanufaktur.com

7

Medizinische Forschung ohne

Tierversuche wird möglich

Tierversuche spielen in der medizinischen Forschung eine wichtige

Rolle. Doch Studien haben gezeigt, dass die Übertragung von

Studienergebnissen auf den Menschen nur bedingt geeignet sind.

Mikrophysiologische Systeme wie sie am Fraunhofer-Institut

für Werkstoff- und Strahltechnik in Dresden entwickelt

werden, können mittelfristig eine signifikante Reduktion der

Tierversuche erreichen: Ein »Nachbau« menschlicher Organe

wird möglich, an denen Medikamente medizinisch effektiver

getestet werden können. www.iws.fraunhofer.de

6

Befunde

werden

verständlich

Die Fachbegriffe in medizinischen Befunden

können Patienten verunsichern. Damit

das nicht passiert, übersetzt das Team von

»Was hab ich?« in Dresden zusammen mit

Ärzten und Medizinstudenten solche

Diagnosen in eine verständliche Sprache –

kostenlos und anonym. Außerdem schulen

sie Mediziner in patientenfreundlicher

Kommunikation. www.washabich.de

GUTE EINFÄLLE

AB IN DIE ZUKUNFT

13


11

8

Paketversand wird nachhaltig

Etwa drei Milliarden Pakete werden pro Jahr in Deutschland verschickt. Das Start-up

TiMMi Transport aus Leipzig will den Versand umweltfreundlicher machen: Über

ein Netzwerk stellt es Fahrradkuriere und private Mitfahrgelegenheiten zur Verfügung,

die füreinander Pakete, Bestellungen und andere Lieferungen auf ihren Wegen mitnehmen,

die sie ohnehin zurücklegen. Der Rest wird per Radkurier transportiert. Im

Moment ist der Dienst in Leipzig aktiv, ab September sollen mehrere deutsche Städte

folgen. www.timmitransport.de

Organe werden nachrüstbar

Weil es kein passendes Spenderorgan gibt,

sterben allein in Deutschland jeden Tag

etwa drei Menschen. Dr. Ina Prade vom

Forschungsinstitut für Leder und

Kunststoffbahnen in Freiberg hat ein

Verfahren entwickelt, um die Gerüststrukturen

von Organen und Geweben wie z. B.

ein menschliches Ohr durch 3-D-Druckverfahren

herzustellen und diese mit einer

Tinte mit lebenden Zellen zu besiedeln, das

dann als Implantat verwendet werden kann.

Der dafür notwendige 3-D-Drucker wurde

von dem sächsischen Unternehmen GeSIM

mbH entwickelt. www.filkfreiberg.de

9

Schlechte Böden

werden fruchtbar

»Technischer Humus« wird die Erfindung

der Novihum Technologies GmbH gern

genannt. Das Unternehmen aus Dresden

hat in Zusammenarbeit mit der Technischen

Universität vor Ort eine Technologie zur

Humusanreicherung ausgezehrter Böden

entwickelt: Mit einem Granulat, das aus

Braunkohlestaub gewonnen wird, können

Böden ertragreicher gemacht und gegen

Erosion geschützt werden, sogar in Wüstengebieten

und Steppen. www.novihum.com

10

Fahrradfahren

wird

noch leichter

Das Chemnitzer Start-up PI ROPE,

gegründet von einem Forscherteam um

Ingo Berbig von der TU Chemnitz, hat

superleichte Speichen aus hochfestem

Polyester entwickelt, die Fahrräder

zukünftig leichter machen sollen. Die

Hightech-Fasern sind sehr stabil und

zugleich viel leichter als herkömmliche

Speichen aus Stahl und Edelstahl. Das

macht sie vor allem für Rad- und Rollstuhlsportler

interessant. Im Herbst

will PI ROPE mit einer Crowdfunding-

Kampagne die Speichen auf den Markt

bringen. www.pirope.net

12

Autofahren wird

smart

Zu stark zu beschleunigen oder zu spät in

den nächsten Gang zu schalten verbraucht

unnötig viel Kraftstoff beim Autofahren.

Das Telematiksystem von ekoio smart

telematics aus Leipzig analysiert herstellerund

markenübergreifend Fahrzeugdaten

und gibt u. a. Hinweise zu einer nachhaltigen

Fahrweise. Bis zu 15 Prozent Treibstoff

können dadurch in Flotten gespart werden.

Bisher ist das System für Logistik- und

Lieferdienste sowie Autovermietungen

erhältlich, ein Fahrassistent für Privatkunden

wird derzeit in Kooperation mit

dem VW Future Mobility Incubator in

der »Gläsernen Manufaktur« in Dresden

entwickelt. www.ekoio.com

14 INNOVATIVES SACHSEN


Prof. Dr. Frank Buchholz forscht zur Genomchirugie.

Seine Studien und erste Erfolge machen nicht nur Krebspatienten Hoffnung

Interview Kathrin Hollmer

» Alle Erbkrankheiten könnten

therapierbar werden «

Foto: Stephan Floss

»Dresdner Forscher heilen

HIV-Infektion« lautete

im vergangenen Jahr die

Schlagzeile zu Ihrer HIV-

Forschung an der TU Dresden.

Wie ist Ihnen dieser

Durchbruch gelungen?

Diese Schlagzeile ist zu reißerisch.

Man muss da immer noch vorsichtig

sein, wir versuchen, nicht

zu große Hoffnungen zu schüren.

Bisher können wir sagen, dass wir

in Kollaboration mit Prof. Hauber

am HPI in Hamburg einen neuen,

vielversprechenden Ansatz zur

HIV-Therapie entwickelt haben,

der im Labor und in Tierversuchen gut funktioniert hat. Bei den

Tieren konnten wir das Virus danach nicht mehr im Körper nachweisen.

Ob dies auch beim Menschen gelingt, ist noch unklar.

Wie haben Sie es geschafft, die HIV-Infektion praktisch

rückgängig zu machen?

Das HI-Virus ist ein Retrovirus, was bedeutet, dass es sein eigenes

Erbgut in das menschliche Erbgut einschleust. Wenn man

sich einmal mit dem Virus infiziert hat, ist man darum sein Leben

lang infiziert. Bisher gibt es deshalb keine Heilungsmöglichkeiten,

man kann nur mit Medikamenten eine Vermehrung des

Virus im Körper verhindern. Wir verfolgen seit längerer Zeit einen

neuen Ansatz: Mithilfe von Genomchirurgie wollen wir genetische

Erkrankungen therapierbar machen.

Was bedeutet das?

Vereinfacht gesagt, haben wir ein Enzym entwickelt, das in den

menschlichen Zellen nach spezifischen Sequenzen des Virus

sucht und wie eine Art winzige »Gen-Schere« das Virus-Genom

aus dem menschlichen Genom herausschneidet. 2007 ist uns

das als erste Gruppe weltweit gelungen. Im Moment bereiten wir

klinische Studien am Menschen vor, die Finanzierung hierfür

stellt jedoch eine Herausforderung dar. Wir sind aber zuversichtlich.

Daneben arbeiten wir mit Hochdruck an neuen Einsatzmöglichkeiten

für das Verfahren. HIV ist bei Weitem nicht

die einzige Einsatzmöglichkeit.

Welche Krankheiten könnten Sie mit »Gen-Scheren«

noch heilbar machen?

Theoretisch sämtliche Erbkrankheiten, für die es bisher keine

Therapie gibt, könnten durch Genomchirurgie therapierbar

ZUR PERSON

Der Molekularbiologe Prof.

Frank Buchholz ist auf dem

besten Weg, HIV zu heilen.

Seit 2002 ist er Gruppenleiter

am Max-Planck-Institut

für molekulare Zellbiologie

und Genetik und seit 2010

Professor am Universitätsklinikum

der Technischen

Universität Dresden, wo er

sein eigenes Labor im

BIOTEC, dem interdisziplinären

Biotechnologischen

Zentrum der TU, leitet.

www.mpi-cbg.de

www.biotec.tu-dresden.de

werden, etwa Mukoviszidose

oder Hämophilie. Auch der Entstehung

von Krebs liegen Mutationen

im Erbgut zugrunde. Diese

Veränderungen können dazu

führen, dass die Zellen sich nicht

mehr so verhalten, wie sie es sollen.

Wenn man diese Mutationen

mittels »Gen-Schere« inaktivierte

oder sogar reparierte, ergäben

sich völlig neue Therapieansätze.

Auch viele andere Viren, die

Krankheiten wie Leukämie auslösen,

können mit »Gen-Scheren«

hoffentlich bald entfernt

und so die Krankheiten geheilt

werden. Wenn diese Verfahren

beim Menschen funktionieren,

wäre das eine Revolution in der

Medizin. Allerdings müssen sich

alle neuen Technologien und Ansätze

erst einmal beweisen, dafür

sind Studien nötig.

Sie bekommen regelmäßig

Angebote von verschiedenen

Universitäten und

Forschungseinrichtungen,

warum haben Sie sich

entschieden, in Dresden

zu bleiben?

Als ich nach Dresden kam, wurde

gerade das neue Max-Planck-

Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik eröffnet. Damals

entstand ein großes Netzwerk mit Verbindungen auch zur

medizinischen Forschung. Aus der ganzen Welt kamen schlaue

Köpfe zusammen, um hier zu forschen, und nach wie vor ist das

Forschungsumfeld hier sehr international. Die Nähe zum Universitätsklinikum,

zu Institutionen wie Max-Planck- und

Fraunhofer-Institut oder dem Deutschen Konsortium für

Translationale Krebsforschung in Dresden ermöglicht interessante

Kooperationen. Sachsen ist außerdem sehr engagiert in

der Förderung, zum Beispiel was die Finanzierung von Geräten

betrifft, und unterstützt im Moment auch unsere Bestrebungen

zur Realisierung der klinischen HIV-Studie. •

INTERVIEW

AB IN DIE ZUKUNFT

15


BULLI-PARADE

Seit 1950 wird der

VW-Bus in Serie gebaut.

Der I.D. Buzz wird den

herkömmlichen Bulli

2022 ablösen.


UNTER STROM

Von ultraleichten Autos über rasend schnelle

Ladetechnologien bis zum E-Bulli: In Sachsen entsteht

die Elektromobilität der Zukunft

Text David Mayer

Foto: Martin Meiners

UNTERWEGS

EIN BESUCH IN DER SEMPEROPER, eine Schifffahrt

über die Elbe, eine Übernachtung in einem gehobenen Hotel:

Wer sein Traumauto in der »Gläsernen Manufaktur« in Dresden

abholt, bekommt – gegen einen Aufpreis – einiges geboten.

Im Anschluss folgt die Übergabe in der Fertigungs- und Erlebniswelt

von VW: Mit Musik und Lichtshow öffnet sich wie von

Geisterhand die Tür, und dahinter kommt das neue Auto zum

Vorschein. Diese Inszenierung passt perfekt zur Oberklassen-

Limousine VW Phaeton, die hier 14 Jahre lang gefertigt wurde.

Doch seit dem Frühjahr 2017 taucht hinter dem Milchglas und

zur gleichen Show ein Kompaktwagen auf, der e-Golf, die elektrisch

angetriebene Version des VW Golf. Das ist ein Wechsel

mit gleich zweifacher Symbolik: E-Autos stehlen den konventionellen

Luxuskarossen weltweit die Show. Und wer in

Deutschland die Elektromobilität der Zukunft erleben will,

kommt am besten nach Sachsen.

Ob Autobauer, Elektrospezialisten, Verkehrsforscher

oder Transport-Start-ups: Im Freistaat wird an der Elektromobilität

von morgen gearbeitet. »Tatsächlich wächst hier rund

um das Thema Elektromobilität ein echtes Netzwerk zusammen.«

So umschreibt es Prof. Matthias Klingner, er ist Leiter

des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme

in Dresden und kennt die Szene bestens.

Zum Beispiel bei BMW. Seit 2013 baut der Autohersteller aus

Bayern seine weltweit erfolgreichen Elektromodelle in seinem

Leipziger Werk: den i3, ein rein elektrisch angetriebener Kompaktwagen,

dessen ultraleichte Fahrgastzelle aus Carbon für

besonders hohe Effizienz sorgt, und seit 2014 den i8, ein futuristischer

Plug-in-Hybrid-Sportwagen mit einer Gesamtleistung

von 362 PS. »Ab 2018 produzieren wir hier auch den

i8 Roadster«, schaut Hans-Peter Kemser voraus, er ist Leiter

BMW Group Werk Leipzig. Dass sich BMW 2010 ausgerechnet

für Leipzig als Standort für seine Elektrofahrzeuge entschied,

hatte verschiedene Gründe. Besonders wichtig: Die Behörden

erlaubten dem Autobauer, für den eigenen Energiebedarf vier

Windräder aufzustellen. Mit ihren 26 Gigawattstunden liefern

diese rund zwei Drittel des benötigten Stroms für die Fertigung

der i-Modelle. »Gerade auch, weil wir hier Fahrzeuge mit

Elektroantrieb produzieren, sind uns ein ressourcenschonender

Energiebezug und der effiziente Einsatz von Energie wichtig«,

so Hans-Peter Kemser.

Auch was die Produktion selbst betrifft, bietet der

Standort viele Vorteile. So konnte BMW die neuen Montagehallen

direkt neben die bestehende Produktion der 1er- und

2er-Modelle bauen, von denen hier täglich 860 Stück vom

Band laufen. Vorteil der Nachbarschaft: Für das Finish, also

AB IN DIE ZUKUNFT

17


UNTERWEGS

die letzte Überprüfung von Details wie der Bremseinstellung,

können Benzin- und Elektromodelle auf das gleiche Band.

Und auch mit der Produktion selbst werden Maßstäbe gesetzt.

Das Werk wurde von Star-Architektin Zaha Hadid entworfen,

die Architektur der Hallen gleicht den Fingern einer Hand,

und die Fertigungsbänder verlaufen entlang dieser Finger, so

können LKWs zum Beispiel bestimmte Karosserieteile exakt

dort abliefern, wo sie am Band gebraucht werden. So wird effizient

gearbeitet. Und ressourcenschonend, denn verschiedene

Autohersteller arbeiten inzwischen mit dem Zentrum für

textilen Leichtbau in Chemnitz zusammen, das Carbonfaserabfälle

zu Vliesstoffen verarbeitet.

In Sachsen startet auch Volkswagen seine große Elektromobilitäts-Offensive.

Während in Dresden bereits der e-Golf

vom Band läuft, soll das Werk in Zwickau ab 2020 den ersten

Vertreter einer komplett neuen Autogeneration ausliefern. »Für

unsere zukünftigen E-Modelle haben wir eigens eine neue

Plattform entwickelt«, sagt Kai Siedlatzek, Geschäftsführer

Finanz und Controlling Volkswagen Sachsen. Auf Basis des

Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) sollen nach und

nach mehrere unterschiedliche, rein elektrisch angetriebene

Fahrzeuge auf den Markt kommen. Den Anfang macht 2020

der in Zwickau gefertigte I.D. Neo, ein Kompaktwagen mit

einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern. Es folgen ein

SUV-Coupé und der I.D. Buzz, ein komplett emissionsfreier

Nachfolger der Bulli-Reihe, der im Jahr 2022 serienmäßig auf

die Straße kommt. Die Batterien der neuen E-Modelle von

Volkswagen liegen im Unterboden, ihr Aufbau ähnelt dem

einer Schokoladentafel. Kunden haben dann die Wahl: je mehr

Riegel, desto mehr Reichweite.

Dass deutsche Autobauer

zum Thema Elektromobilität

Sachsen ansteuern, überrascht

nicht. Hier hat der

Fortschritt Tradition

Noch ist die E-Mobilität für viele Menschen ziemlich abstrakt,

sie befürchten Probleme wie permanent rot blinkende Batterieanzeigen

während der Fahrt auf der Autobahn. Damit sie sich

durchsetzt, muss die Technik nicht nur funktionieren, sie muss

den Menschen vor allem nähergebracht werden. Dieser Aufgabe

widmet sich Volkswagen in der »Gläsernen Manufaktur«

im Herzen von Dresden. »Bei uns können Besucher Elektromobilität

hautnah erleben«, sagt Lars Dittert, Standortleiter vor

Ort. »Sie können hier die Fertigung der neuen E-Modelle

erleben, einen e-Golf kostenlos probefahren und vor Ort erfahren,

wie das Laden an einer Ladesäule funktioniert.« Gleich

vier öffentliche Ladestellen stehen daher direkt neben der

Manufaktur. E-Fahrzeuge werden hier in nur 30 bis 45 Minuten

zu 80 Prozent aufgetankt. An herkömmlichen Stationen dauert

das normalerweise mehrere Stunden. Der Service kann von

jedem genutzt werden, der schon heute mit Elektroantrieb

fährt; unabhängig vom Hersteller darf hier ein Jahr lang kostenfrei

getankt werden.

» Ressourcenschonender

Bezug und effizienter Einsatz

von Energie sind wichtig «

Hans-Peter Kemser, Leiter BMW Group Werk Leipzig

Natürlich hilft auch das schnellste Laden nichts, wenn die

Akkus in ähnlichem Rekordtempo wieder leer sind. An der

Autobatterie der Zukunft wird wenige Kilometer weiter in

Kamenz bereits fieberhaft gearbeitet. Daimler fertigt hier mit

seiner Tochter Accumotive hochkomplexe Antriebsbatterien

für Hybrid- und Elektroautos. Auch hier stehen die Zeichen auf

Wachstum: Mitte 2018 eröffnet Accumotive ein zweites Werk,

eine der größten Autobatteriefabriken der Welt. »Die lokale

Fertigung von Batterien ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in unserer

Elektro-Offensive und der entscheidende Baustein, um die

Nachfrage nach Elektrofahrzeugen flexibel und effizient zu

bedienen«, erklärt Daimler-Produktionschef Markus Schäfer.

Dass deutsche Autobauer bei der Wachstumsbranche

Elektromobilität Sachsen ansteuern, überrascht nicht. Im

Gegenteil: Der Fortschritt hat Tradition. Bereits 1839 spuckte

hier die erste Dampfmaschine ihre Wolken in den Himmel.

Auch der Autobau hat eine lange Tradition. Anfang des 20. Jahrhunderts

wurden in Zwickau mit »Horch« und in Chemnitz mit

»Wanderer« die Autobauer gegründet, aus denen später Audi

werden sollte. Dass der Erfindergeist den Sachsen im Blut

liegt, zeigen auch andere Erfindungen wie der Kaffee filter, der

moderne BH und die Zahnpasta. Kurzum: Während manch

einer Sachsen erst jetzt als Land der Innovationen entdeckt, ist

man im Freistaat nicht überrascht, dass der aktuelle Elektroboom

hier so stark ausschlägt.

Für den sorgen aber nicht nur die großen Autobauer, sondern

auch Spezialisten wie zum Beispiel die Firma Mennekes.

Im erzgebirgischen Aue produziert das Unternehmen aus dem

Sauerland seit 2016 sein Amtron-System, eine Ladebox, die

Besitzer von Elektrofahrzeugen platzsparend zu Hause an die

Wand hängen können. Die leistungsstärkste Version versorgt

das Auto in einer Stunde mit einer Reichweite von 120 Kilometern.

»Weil die Mitarbeiter im Erzgebirge vorher viele Jahre lang

Stromverteiler montiert haben, hatten sie bereits das perfekte

18 INNOVATIVES SACHSEN


STARTBEREIT Bislang dauert das Aufladen von E-Fahrzeugen mehrere Stunden. Neben der »Gläsernen Manufaktur« in Dresden

beschleunigen vier öffentliche Ladestellen den Vorgang auf 30 bis 45 Minuten. Getankt werden darf hier ein Jahr lang kostenlos.

Fotos: Martin Meiners, BMW AG

EFFIZIENT Die Herstellung des i8 im Leipziger BMW-Werk braucht im Vergleich zu einem Auto aus der klassischen Produktion

50 Prozent weniger Energie und 70 Prozent weniger Wasser.

AB IN DIE ZUKUNFT

19


UNTERWEGS

Know-how für das Ladesystem«, erklärt Christopher Mennekes,

der Gesellschafter, die Entscheidung für den Standort.

Neben solchen Ladesystemen werden auch Leichtbauteile

aus Carbon oder Werkzeuge für den Bau von Elektromotoren

für die Automobilindustrie in Sachsen gefertigt. Davon

profitieren längst auch Fahrradfahrer. Im Uhren-Mekka

Glashütte, wo die edlen Manufakturen zu Hause sind, bietet

das junge Unternehmen Binova Antriebe zum Umrüsten von

Rädern fast jeder Art an. »Viele unserer Kunden wollen ihr

altes Rad behalten – und trotzdem elektrisch fahren«, sagt

Katja Söhner-Bilo, Geschäftsführerin von Binova. Für einen

Grundpreis zwischen 1850 und 2000 Euro verwandelt ihr

Team normale Fahrräder, aber auch Spezialfälle wie Liegeoder

Lastenräder, in E-Bikes. Mit diesen Antrieben aus der

sächsischen Kleinstadt transportieren inzwischen auch die

Fahrradkuriere von Amazon ihre Pakete in Berlin und München

zu den Kunden. Auf die Idee zu den Umrüstmotoren war

2009 die Entwicklungsabteilung des Elektromotorenspezialisten

Selectrona aus dem benachbarten Dippoldiswalde bei

Dresden gekommen, das 2012 gegründete Unternehmen

Binova bezieht seine Motoren bis heute von dort.

»Es kommt immer wieder vor, dass verschiedene Forschungsinstitute

und Unternehmen ihre Stärken für konkrete

Projekte bündeln«, erklärt Professor Matthias Klingner den

besonderen sächsischen Innovationsgeist. Er leitet das Fraunhofer-Institut

für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden.

Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft entwickelte

UMBAU Mit den Antrieben von Binova lässt sich das alte Lieblingsrad zum

E-Bike umwandeln. Die Fahrradkuriere von Amazon in Berlin und München

haben bereits umgerüstet.

das Institut so ein Schnellladesystem für E-Busse im öffentlichen

Nahverkehr. Das Prinzip: Ladezeiten von nur fünf Minuten

an den Endhaltestellen gleichen bisherige Reichweitenprobleme

der Batterien aus. Aktuell arbeitet man an einer

entsprechenden Lösung für autonom fahrende Autos.

Wer die Zukunft der Mobilität mitgestalten will, darf

nicht nur neue Antriebe und Technologien entwickeln, sondern

muss eben auch an einem umfassenden Ladenetz arbeiten. In

diesem Sinne hat die »Gläserne Manufaktur« einen sogenannten

Start-up-Inkubator ins Leben gerufen – einen Brutkasten

für junge Unternehmen, die Visionen für die Mobilität von

morgen verfolgen. Sechs Start-ups durften dort im Sommer

» Viele wollen ihr altes

Rad behalten – und trotzdem

elektrisch fahren «

Katja Söhner-Bilo, Geschäftsführerin von Binova

kostenlose Büros beziehen. Überzeugt ihre Arbeit nach drei

Monaten, dürfen sie ihre Ideen innerhalb drei weiterer Monate

zur Marktreife entwickeln. Neben der nötigen Infrastruktur

erhalten sie Unterstützung von Experten, Kontakte zu entscheidenden

Netzwerken und Zugang zu Software-Schnittstellen der

VW-Modelle. »Auf diese Weise können die

Gründer ihre Ideen auch an den Autos testen«,

sagt Kai Siedlatzek, Geschäftsführer Finanz

und Controlling VW Sachsen.

Sebastian Schramm und Tarik Mian, die

Gründer des Start-ups LoyalGo, machten sich

dafür von Dortmund auf nach Dresden. Ihr

Konzept für ein von Einzelhändlern betriebenes

Ladesäulensystem hatte die Juroren des

Start-up-Inkubators überzeugt. »Es wäre toll,

wenn wir unser Angebot in Dresden starten

könnten«, sagt Sebastian Schramm. Dafür

wollen sie zwei Fliegen mit einer Klappe

schlagen: Die Säulen vor den Geschäften der

Einzelhändler sollen Lücken in der bisher

noch dünnen Infrastruktur für Ladestationen

schließen. Und auf den in den Säulen integrierten

Bildschirmen können die Händler mit

Rabattaktionen für das Angebot ihrer Geschäfte

werben.

Sollten die Ladesäulen von LoyalGo in

ein paar Jahren tatsächlich in Dresden stehen,

sieht man vielleicht auch den VW Sedric beim Stromtanken.

Der futuristische Van verzichtet nicht nur auf einen Verbrennungsmotor,

sondern auch gleich auf einen Fahrer. Als selbststeuerndes

Taxi soll der Kleinbus in einigen Jahren in Testläufen

Passagiere durch Städte kutschieren. Vorab kann man

ihn in Dresden bestaunen. In Sachsen, wo die Elektromobilität

von morgen schon heute zu Hause ist. •

Foto: Binova

20 INNOVATIVES SACHSEN


Startschuss

Sachsen bietet hervorragende Voraussetzungen für neue Projekte.

Wir zeigen, wo Gründer und Investoren Unterstützung auf

Ihrem Weg zum Erfolg bekommen.

INVESTOR

GRÜNDER

DER ERSTE KONTAKT

Online, auf Messen, am Telefon

DIE ERSTE IDEE

Diskutieren, weiterentwickeln, präsentieren

EIN PAKET FÜR SIE

Informationen zu Branchen, Standorten und

Förderprogrammen – individuell verpackt

GEMEINSAM IDEEN FLÜGEL VERLEIHEN

Informieren, beraten, unterstützen –

Gründernetzwerke helfen weiter

IHR STANDORT

Suchen und finden – Vorbereitung und

Begleitung von Standortbesichtigungen

DAS LIEBE GELD

Finanzierungsmöglichkeiten und

-partner finden

HEIMAT FÜR IDEEN

Gründerzentren und Coworking Spaces –

Platz für den Schreibtisch & mehr

ANLEITUNG

DIE RICHTIGEN PARTNER

Gemeinsam stärker – Kontakte zu Zulieferern,

Behörden, Netzwerken, Banken

DIE RICHTIGEN PARTNER

Gemeinsam stärker – Kontakte zu FuE-Partnern,

Netzwerken, Behörden

STANDORTENTSCHEIDUNG

ERFOLGREICHE GRÜNDUNG

Illustrationen: Leander Aßmann

KEIN ENDE, SONDERN STETS EIN ANFANG

Technologien weiterentwickeln

Fachkräfte finden

Neue Märkte erschließen

www.standort-sachsen.de/de/investoren

LAUFEN LERNEN

Mehr Platz für Wachstum – Gewerbeflächen /

-immobilien finden

Technologien weiterentwickeln

Märkte erobern – Internationalisierung

www.futuresax.de/partnernetzwerk


1

SCHAU

GENAU!

KORALLE,

ARTERIE ODER

DRACHENKOPF

– was ist auf dieser

Nahaufnahme

wirklich zu sehen?

In sächsischen Laboren sind jede Menge Mikroskope

zu finden. Dort wird geforscht, was das Zeug hält.

Wir haben Gegenstände unter die Linse gelegt, die da

eigentlich nicht hingehören. Ein Bilderrätsel

Text Kathrin Hollmer Fotos André Mühling

INNOVATIVES SACHSEN


2

EIS AM STIEL

ODER MOND­

GESTEIN –

was könnte das

wohl sein?

3

GETROCKNETE

SPAGHETTI

ODER VOGEL­

NEST – was

ist das nur für

ein Konstrukt?


4

SCHRIFTZUG

ODER HEIZSTAB

– was verbirgt

sich auf diesem

Bild?

5

HAARPRACHT

ODER TEPPICH –

was gibt es hier

zu entdecken?

Mit freundlicher Unterstützung vom Deutschen Museum / München


So sieht’s aus

Diese Produkte liegen unter dem Mikroskop

auf den vorherigen Seiten

1

3

Rotes Gold: Saxen Safran

»Safran wächst doch hier nicht«, hörte

Boris Kunert, als er 2012 von seiner Idee

erzählte, das teuerste Gewürz der Welt in

Sachsen anzubauen. Safran wächst vor

allem in Kaschmir, Iran und in Europa in

Spanien – bis ins 16. Jahrhundert aber auch

auf sächsischen Feldern. In Stolpen, östlich

von Dresden, baut der Quereinsteiger entgegen

aller Prognosen nun seit Jahren erfolgreich

Safran an. Seine roten Fäden erzielen

teilweise höhere Grammpreise als Gold.

www.saxen-safran.de

2

Sammlerstück:

Jahresfigur von Meissen

Naturalistische Tierplastiken haben bei

der Porzellan-Manufaktur Meissen seit

Jahrhunderten Tradition. Als Hommage

an den Kurfürsten August den Starken

(1670 –1733), der das Japanische Palais

in Dresden mit einer Galerie von Großtieren

aus Meissener Porzellan ausstatten

ließ, hat die Manufaktur nun sechs Haustiere

als Jahresfiguren geplant. 2017 startete

die Reihe mit einer verträumten Katze.

www.meissen.com

Sauberer Schwimmteich ohne

Chlor: Gewässerreinigung

mit Spinnvliesband

Der Biologe Jens Mählmann vom Sächsischen

Textilforschungsinstitut e. V. in

Chemnitz entwickelt Textilien, die zur Wasser-

und Luftreinigung beitragen. Seine

bepflanzten Inseln aus Spinnvliesstoff (im

Bild) etwa entziehen Gewässern Nährstoffe

und spenden Schatten, was das Algenwachstum

eindämmt. Enthaltene Bakterien

und Bakterienfresser machen unerwünschten

Bakterien im Schwimmteich das Leben

schwer, so bleibt der Schwimmteich hygienisch

sauber, ohne dass man Chlor beigeben

muss. www.stfi.de

HINGUCKER

4

Helfer im Alltag: Universalhalter

»Gnubbel«

Vor allem beim Ein- und Aussteigen aus der Badewanne oder

dem Auto haben ältere und bewegungseingeschränkte Menschen

Probleme, ihre Gehhilfen zu befestigen. Der Universalhalter

»Gnubbel« von mr. flint aus Weißwasser lässt sich an waagerechten

und senkrechten Kanten und Rohren befestigen, etwa am

Tisch, an Autotüren, am Rollstuhl oder Rollator, und gibt dadurch

mehr Sicherheit beim Aufstehen. www.mr-flint.de

5

Hautpflege durch Unterwäsche:

Neues Material von Bruno Banani

Das Chemnitzer Unternehmen Bruno Banani geht einen Schritt

in die ressourcenschonende Zukunft und entwickelt eine Wäscheserie

aus Milchfasern, die Body-Milk-Kollektion. Dank der darin

enthaltenen Proteine ist das innovative Material strapazierfähig

und atmungsaktiv, dabei antiallergen sowie antibakteriell. Das absolut

Neue: Der Stoff pflegt die Haut wie eine Creme (ab Dezember

2017 im Handel erhältlich). www.brunobanani.com

AB IN DIE ZUKUNFT

25


Prof. Dr. Jürgen Wegge ist Experte für Arbeits- und Organisationspsychologie

und findet: Wer zufriedene Mitarbeiter möchte, soll

sich auch um deren Lebensumstände kümmern und für Erholung sorgen

» Firmen müssen eine

Pausenkultur etablieren «

Interview Julia Rothhaas

BESSER ARBEITEN

Herr Prof. Wegge, der Begriff

»Work-Life-Balance« wird gern

genutzt und viel zitiert. Aber was

genau ist damit eigentlich gemeint?

Es geht dabei um das Verhältnis von

Arbeits- und Privatleben, aber der Begriff

ist veraltet. Denn man tut so, als gäbe es

einen Widerspruch zwischen Work und

Life. Dabei nimmt die Arbeit einen großen

Teil unseres Lebens ein und meist

sogar einen ganz guten. Nichts macht

der Mensch sonst acht Stunden am Tag,

weder Sex noch essen. Die meisten

schlafen noch nicht mal acht Stunden.

Des wegen spricht man heute eher von

»Life Domain Balance«. Das ist ein ganzheitlicheres

Konzept, in dem es nicht nur

um die Erhaltung und Steigerung der

Lebensqualität im Job geht, sondern auch

um Themen wie Partnerschaft, Familie,

Gesundheit.

Was kann ein Unternehmen tun,

um diese Balance zu unterstützen?

Zum einen muss der Arbeitgeber unterschiedliche

Lebens- und Berufsphasen

berücksichtigen. Da geht es nicht nur um

Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit oder

Heimarbeit, die nötig werden, wenn Kinder

kommen oder Angehörige gepflegt

werden müssen. Sondern eben auch um

Dinge wie Weiterbildung, Übernahme

von Führungsaufgaben, längere Auslandsaufenthalte

oder den Übergang in

den Ruhestand. Zum anderen sollten Firmen

auch die Altersunterschiede ihrer

Mitarbeiter berücksichtigen. Ein Beispiel:

Zwar reagiert jeder Arbeitnehmer positiv

auf gutes Feedback, aber Jüngere brauchen

mehr davon als Ältere. Die benötigen

wiederum mehr Autonomie und

Handlungsspielraum in ihrem Job, damit

sie ihre Leistungsfähigkeit erhalten können.

Diese Angebote sollten aber nicht

nur Führungskräften gemacht werden,

sondern im besten Fall der gesamten Belegschaft.

Wobei ein Auslandsaufenthalt

in China für einen Arbeiter am Fließband

vielleicht nicht so relevant ist wie für

einen höheren Angestellten.

Was ist mit Initiativen wie »Keine

Mails am Wochenende«, bringen

die was?

Nicht jedes gut gemeinte Modell tut auch

jedem gut, das hängt zum Beispiel von

der eigenen Persönlichkeit ab. Ich bin

etwa davon überzeugt, dass ich im Urlaub

auch mal zwei Wochen nicht erreichbar

sein muss. Aber mein Kollege könnte diese

Nicht-Erreichbarkeit vielleicht nicht

ZUR PERSON

Prof. Dr. Jürgen Wegge ist seit 2007

Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie

an der TU Dresden und

Vorsitzender des Centrums für Demografie

und Diversität (CDD). Weitere Infos unter

www.tu-dresden.de/mn/psychologie/wop

gut aushalten. Wichtig ist es, solche Bausteine

partizipativ zu erarbeiten, der Angestellte

bespricht also gemeinsam mit

seinem Chef, was für seine Zufriedenheit

vonnöten ist. Der Arbeitnehmer braucht

dieses Mitspracherecht, zu ihrem Glück

kann man die Leute ja nicht zwingen. Die

Partizipation kann sich sogar positiv auf

die Gesundheit auswirken: Die Forschung

hat gezeigt, dass zum Beispiel Schichtarbeit

weniger gesundheitsbeeinträchtigend

ist, wenn die Menschen ihren

Arbeitsplan mitgestalten dürfen. Entscheidend

ist dabei aber, dass es sich nicht

um Schein-Partizipation handelt, sondern

die Mitarbeiter wirklich in den Planungsprozess

miteinbezogen werden.

Welches Unternehmen in Sachsen

geht mit gutem Beispiel in Sachen

Life Domain Balance voran?

Es sind meist die größeren Firmen, die

ein weites Spektrum an Möglichkeiten für

ihre Mitarbeiter anbieten. Infineon ist

etwa ein Vorreiter in Sachen Diversität.

Die haben schon lange erkannt, dass sie

nicht nur Betriebskindergärten brauchen

oder Teilzeitmodelle, sondern auch die

bunte Vielfalt an Mitarbeitern. Die Menschen

müssen ja nicht nur nach Sachsen

kommen, sondern auch dort bleiben. Die

Willkommenskultur in der Firma, aber

auch vor Ort ist also entscheidend dafür,

ob sich jemand wohlfühlt – im neuen Job

und in der neuen Umgebung.

26 INNOVATIVES SACHSEN


denen versucht wird, die Schrumpfungsrate

oder die Überalterung der Gesellschaft

zu bewältigen. Das kann zum Beispiel

eine Studie sein, die untersucht, wie

man junge Frauen halten kann, die ansonsten

häufig aus der Provinz abwandern,

oder ein Projekt, das sich dem

Ärzte mangel auf dem Land widmet. Am

Centrum für Demografie und Diversität,

das ich gemeinsam mit einer Kollegin aus

der Medizin leite, untersuchen wir für

das Land Sachsen aktuell, welche Probleme

Kleinstunternehmen mit altersgemischten

Teams haben und wie sie damit

umgehen.

Wenn man sich das Verhältnis

von Arbeit und Privatleben anguckt,

geht es den Deutschen doch

eigentlich recht gut. Jammern wir

zu schnell und zu häufig?

Jein, das ist persönlichkeitsabhängig. Etwa

50 Prozent der eigenen Zufriedenheit ist

Veranlagung. Es gibt diejenigen, die in

jeder Suppe ein Haar finden. Und andere

stehen morgens auf, sind gut gelaunt und

dementsprechend mit Arbeit und Leben

zufriedener. Aber die Stimmung im Büro

oder der eigene Handlungsspielraum im

Job wirkt sich ebenfalls auf die erlebte Zufriedenheit

aus und damit auch auf die Life

Domain Balance. Das geht sogar so weit,

dass man selbst über einen Stellenwechsel

nachdenkt, wenn der Kollege nicht zufrieden

ist. Hier gibt es in vielen Unternehmen

leider sehr oft auch noch deutlichen Optimierungsbedarf

bei der Arbeitsgestaltung

und dem sozialen Miteinander.

Foto: Stephan Floss

PROF. DR. JÜRGEN WEGGE beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Themen wie Arbeit

und Gesundheit, Motivation und Diversität in Organisationen.

Wie sieht es eine Ebene höher aus:

Hat etwa ein Bundesland Einfluss auf

die Zufriedenheit im Job?

Der demografische Wandel ist eng mit

dem Thema Life Domain Balance verknüpft,

alleine deshalb sind die Bundesländer

gefragt. Sachsen hat sich als erstes

Bundesland schon früh damit auseinandergesetzt

und die »Förderrichtlinie Demografie«

eingeführt. In dem Programm

werden Projekte in den Kommunen, aber

auch in der Forschung unterstützt, in

Haben Sie noch einen weiteren Tipp

in Sachen »richtige Balance«?

Häufig können Arbeitnehmer die Freiheiten,

die sie haben, nicht klug nutzen, denn

zu viel Autonomie kann auch schiefgehen.

Abgesehen von denjenigen, die Freiheiten

für mehr Freizeit ausnutzen, gibt es genauso

auch Mitarbeiter, die sich selbst ausbeuten.

Die häufen 70, 80 Arbeitsstunden

pro Woche an, weil sie zu Hause arbeiten

dürfen. Dort kann sie der Chef aber nicht

mehr heimschicken. Deswegen sind Schulungen

in Sachen Selbstmanagement wichtig.

Außerdem darf man die Erholung bei

der Arbeit nicht unterschätzen. Firmen

sollten gut gestaltete Ruheräume für ihre

Mitarbeiter anbieten und eine Pausenkultur

etablieren – für die der Chef mit

gutem Beispiel vorangeht. Wir haben dazu

kürzlich eine erste Metaanalyse publiziert,

die zeigt, dass derjenige, der relativ viele

bezahlte Kurzpausen über den Tag verteilt

macht, zwar circa zehn Prozent weniger

arbeitet, dabei aber dennoch zehn Prozent

bessere Leistung erbringt und zudem

deutlich weniger gestresst ist. Pausen

können sich also für Arbeitnehmer und

Arbeitgeber lohnen – und damit auch für

deren Kunden. •

AB IN DIE ZUKUNFT

27


Die Wasserwege in

Leipzig sind für den

Designer Jonathan

Geffen der Weg

zur Arbeit und zu

neuen Einfällen.

28

INNOVATIVES SACHSEN


Umgebung

für Eingebung

WEGWEISER

Tolle Ideen kommen meist nicht einfach so durch die Tür ins

Büro spaziert. Wir haben uns bei Forschern, Gründern

und Erfindern umgehört, wo sie hingehen, um auf richtig

gute Gedanken zu kommen

Text Yorca Schmidt-Junker Fotos Stephan Floss

AB IN DIE ZUKUNFT 29


» Morgens kann ich ins Kanu steigen

und fast bis zum Atelier fahren «

Jonathan Geffen ist Mitgründer des Designbüros etage8,

das sich u. a. mit der MORMOR-Serie auf barrierefreie Möbel

spezialisiert hat. 2016 erhielt das Unternehmen den Sächsischen

Staatspreis für Design sowie 2017 den German Design

Award und den Red Dot Award. www.etage8.com

JONATHAN GEFFEN – LEIPZIGER WASSERWEGE »Was Leipzig zu

besonderem Charme verhilft, ist (für mich) sein dichtes Netz aus kleinen Wasserwegen.

Knapp 300 km große und kleine Flussläufe durchziehen die Stadt und

geben ihr damit ein fast maritimes Flair. So kann ich morgens unweit meiner

Haustür in ein Kanu steigen und bis zu unserem Atelierkomplex, dem Tapetenwerk

Leipzig, paddeln. Dabei lasse ich die facettenreiche Stadtarchitektur mit ihren

Gründerzeitgebäuden und hypermodernen Lofthäusern auf mich wirken – der

Blick vom Wasser inspiriert mich dazu, auch in unserem Designbüro mal den

Blickwinkel zu ändern. Beeindruckend ist auch eine Wasserfahrt durch den Auwald;

manchmal gekrönt von einem Sonnenuntergang auf dem Cospudener See.«

CARINA RÖLLIG – SÄCHSISCHE SCHWEIZ »Abschalten, den Kopf

für neue Ideen freibekommen: Das gelingt mir am besten beim Wandern im

Elbsandsteingebirge. Schließlich bin ich gebürtige ›Sächsische Schweizerin‹

– und so bieten die Tafelberge Gohrisch und Papststein mir nicht nur

ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens, sondern auch eine schöne sportliche

Herausforderung. Abseits der überfüllten Touristenpfade bevorzuge ich den

Aufstieg durch die Falkenschlucht auf den Gohrisch. Über enge Stiegen geht

es steil nach oben. Es gilt: Der Weg ist das Ziel! Und hat man es bis ganz

nach oben geschafft, entschädigt die grandiose Aussicht über diese einzigartige

Landschaft für alle Strapazen.«

W I L H E L M S C H M I D – A L B E RTINUM

DRESDEN »Wenn ich mich inspirieren lassen

will, gehe ich sehr gern in das Albertinum

mit seiner weltberühmten Galerie Neue Meister.

Schon beim Durchschreiten der monumentalen,

lichtdurchfluteten Eingangshalle fühle ich

sofort eine tiefe Verbundenheit zu diesem Ort,

dessen Schätze mich immer wieder aufs Neue

begeistern. Die Sammlung, die einen Bogen

von der Romantik mit Gemälden von Caspar

David Friedrich und Carl Gustav Carus über

den Impressionismus und den Expressionismus

bis zu zeitgenössischer Kunst von Gerhard

Richter, Georg Baselitz und Luc Tuymans

spannt, macht jeden Besuch zu einem anregenden,

nachhaltigen Erlebnis.«

Wilhelm Schmid ist Geschäftsführer der Uhrenmanufaktur

A. Lange & Söhne in Glashütte. Der Erfolg

des Unternehmens wurde in einer Studie der Harvard

Business School als beispielhaft herausgestellt.

www.alange-soehne.com/de/

Carina Röllig ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von Webdata Solutions in Leipzig.

Zusammen mit ihren Co-Gründerinnen Dr. Hanna Köpcke und Sabine Maßmann entwickelte

sie blackbee, eine etablierte Marktanalyse-Software mit einem einzigartigen Matching-

Algorithmus, der den weltweiten Abgleich von Produktdaten aus dem Internet

ermöglicht. webdata-solutions.com

Foto: Stephan Floss / VG Bild-Kunst

30 INNOVATIVES SACHSEN


UDO HEBISCH – THARANDTER WALD

»Es ist so etwas wie ein Ritual geworden: Zweimal

im Jahr durchwandere ich den Tharandter

Wald, der genau vor meiner Haustür liegt.

Mein bevorzugtes Ziel ist dann der in ihm

gelegene Forstbotanische Garten der TU Dresden,

wo ich inmitten der Ruhe und Abgeschiedenheit

meine inneren Akkus auflade.

Besonders inspirierend finde ich es, die jahreszeitlichen

Veränderungen und das prachtvolle

Farbenspiel der Pflanzen zu beobachten.

» Im Labyrinth habe

ich meine Töchter

spielerisch in die Mathematik

eingeweiht «

Mein persönliches Highlight ist das Labyrinth

im Ostteil des Gartens: Dort habe ich meine

Töchter, als sie noch klein waren, mit den

faszinierenden und nützlichen Methoden der

Mathematik bekannt gemacht. Und heute,

wo sie erwachsen sind, begleiten sie mich immer

noch gern zu diesem für uns fast magischen

Ort.«

Prof. Dr. Udo Hebisch ist Direktor des Instituts für

Diskrete Mathematik & Algebra an der TU Bergakademie

Freiberg. Er betreibt ein Mathematisches Café

und Sachsens erstes Virtuelles Museum für Mathematik

& Kunst. tu-freiberg.de

CHRISTIAN FENNER – ELBERADWEG DRESDEN »Die Umgebung

überwältigt mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich morgens zur Arbeit radle:

Das ›Blaue Wunder‹, die Grande Dame der Dresdner Brücken, vor Augen,

geht es an den üppigen Elbwiesen vorbei an den Elbschlössern, der Frauenkirche

und der Semperoper. Die Schönheit dieses Panoramas ist fast schon surreal

und versetzt mich häufig in einen regelrechten Kreativitätsrausch. Vielleicht

kann man den Elberadweg um Dresden als schönsten und

eindrucksvollsten Radweg Deutschlands bezeichnen. Hab ich mal mehr Zeit,

steuere ich die Weinberge am Dresdner Elbhang an; von hier hat man den

besten Blick auf die Stadt und den Flusslauf.«

Christian Fenner ist Mitgründer der Nutritious Solutions GmbH, einer Manufaktur für neue

gesunde Schokoriegel aus Hanfsamen und Rohkakao: nucao. Sie wird u. a. vom Bundesministerium

für Wirtschaft und Energie gefördert und in Bioläden vertrieben. www.nucao.de

AB IN DIE ZUKUNFT


Fotos: Stephan Floss, Andrea Flak, Leipzig Tourismus, iStock / TommL

Die Pause zum Mitnehmen *

Platz machen für gute Gedanken und neue Ideen: Wer öfter eine Pause macht, ist entspannter und leistungsfähiger

(siehe Interview Seite 26). Fünf Vorschläge für besonders inspirierende Unterbrechungen des Alltags in Sachsen.


Gohrisch –

Sächsische Schweiz

Die Pause zum

Mitnehmen

Wasserwege – Leipzig

Kleine und große Flussläufe verleihen der Wasserstadt

Leipzig ein »Venedig-Gefühl«: Knapp 300 Kilometer natürliche

und künstliche Wasserstraßen durchziehen die Stadt.

Must-Sees Die »Perlen der Gründerzeit«, Industriearchitektur

am Karl-Heine-Kanal; die knorrige Naturlandschaft

des Auwalds; das Leipziger Wasserfest im August

jedes Jahres. www.wasserfest-leipzig.de/start/

Geheimtipps Kanuverleih am Wildpark

mit einem Bootshaus aus den 1920er-Jahren.

www.bootsverleih-am-wildpark.com

Der Sonnenuntergang auf dem Cospudener See;

Stand-up-Paddling am Stadthafen Leipzig (mit Verleih).

www.stadthafen-leipzig.com

GASTRONOMIE Das »Stelzenhaus«-Restaurant

befindet sich in einem bemerkenswerten Denkmal

der industriellen Moderne im Stadtteil Plagwitz.

Weißenfelser Straße 65h, Leipzig, Tel. 0341/492 44 45.

www.stelzenhaus-restaurant.de

Die Pause zum

Mitnehmen

Die Pause zum

Mitnehmen

Der Gohrisch gehört zu den Tafelbergen des Elbsandsteingebirges

in der Sächsischen Schweiz; am Fuße des

Felsens mit seinem stark zerklüfteten Plateau befindet

sich der gleichnamige Kurort Gohrisch.

Must-Sees Der Aufstieg über die Falkenschlucht über Steinstufen, Leitern

und Metallbrücken; die Wetterfahne auf der Nordwestseite des Plateaus.

www.gohrisch.de/tourismus/wandern.html

Geheimtipps Die Schwedenhöhle, links neben dem Zugang zum Aussichtspunkt

auf der Ostseite; das Mundloch, ein am Felsenfuß stillgelegter Specksteinstollen,

der als Zuflucht für Fledermäuse dient.

GASTRONOMIE Wunderschön gelegene Berggaststätten: »Papststein«,

Papststein 1, Gohrisch, Tel. 0350 21/609 56, www.berggast.de, und »Pfaffenstein«,

Fels Pfaffenstein 1, Pfaffendorf, 0350 21/594 10, www.pfaffenstein.com

Albertinum –

Dresden

Das Albertinum mit seiner Galerie Neue Meister

und der Skulpturensammlung ist Teil der Staatlichen

Kunstsammlungen Dresden und gehört zu den

bedeutendsten Museen Deutschlands.

Must-Sees Die Romantik-Abteilung mit weltberühmten Gemälden von Caspar

David Friedrich wie »Kreuz im Gebirge«; die Rodin-Werke sowie »Die Kniende« von

Wilhelm Lehmbruck in der Skulpturensammlung; die Werke des gebürtigen Dresdners

Gerhard Richter. www.skd.museum/de/museen-institutionen/albertinum/

Geheimtipps Parallel zur empfehlenswerten Käthe-Kollwitz-Ausstellung

(ab 19.10.2017–14.1.2018) zeigt das Kupferstich-Kabinett eine Auswahl der

Papierarbeiten von Marlene Dumas.

Illustrationen: Marina Widmann

Die Pause zum

Mitnehmen

Tharandter Wald

Der Tharandter Wald markiert den geografischen

Mittelpunkt Sachsens und liegt zwischen Freiberg

und Dresden bei Tharandt / Wilsdruff. Der Fichten-

/ Mischwald wird von zahlreichen Wanderwegen

durchzogen und zählt zu den bedeutendsten

nationalen Geoparks.

Must-Sees Der im nordöstlichen Zipfel angrenzende

Forstbotanische Garten Tharandt der TU Dresden

mit rund 3200 verschiedenen Baum- und Straucharten;

die Walderlebniswerkstatt Sylvaticon mit diversen

Themen-Exkursionen. https://info.forstpark.de

Geheimtipps Der Indian Summer ab Mitte

September mit dem prächtigen Laubfarbspiel; das

Labyrinth im Ostteil des Forstbotanischen Gartens.

GASTRONOMIE »Zum Rabenauer Grund«,

Somsdorfer Straße 6, Freital, Tel. 0351/644 49 99.

www.rabenauergrund.de

GASTRONOMIE »Alte Meister« im Seitenflügel des Dresdner Zwingers,

Theaterplatz 1a, Dresden, Tel. 0351/481 04 26 www.altemeister.net

Die Pause zum

Mitnehmen

Elberadweg –

Dresden

Der ca. 1200 Kilometer lange Elberadweg gewährt im

Dresdner Abschnitt freien Blick auf eine Landschaft mit

italienischen Momenten: das Blaue Wunder, die Semperoper,

die Frauenkirche und die Elbschlösser, vorbei an

den Elbauen und den Elbhängen mit ihren Weinbergen.

Must-Sees Die Terrasse des Lingnerschlosses, eines der drei Elbschlösser, mit

atemberaubendem Blick über Dresden. Schloss Pillnitz mit dem Kunstgewerbemuseum

im Wasserpalais. Beeindruckend: der chinesische Baustil des 18. Jahrhunderts.

Geheimtipp Eine Fahrt mit einem historischen Schaufelraddampfer im Abschnitt

N und O am linken Elbufer. elberadweg.de/Poi/saechsische-dampfschiffahrt

Gastronomie Die Gaststätten rund um den Körnerplatz. Bei schönem Wetter

der »Elbegarten Demnitz«. www.elbegarten.de

* Karten heraustrennen und anschauen: Allein die Betrachtung von Naturbildern

senkt den Stresslevel. Noch besser natürlich: Auf nach Sachsen und inspirieren lassen!


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NEUGIER UND EXPERIMENTIERGEIST LIEGEN DEN SACHSEN IM BLUT.

Aus Träumen werden Ideen, die kreative Köpfe in die Welt tragen. Das beweisen nicht

nur die deutschen Breakdance-Meister von THE SAXONZ mit ihren spektakulären

Performances. Auch die Wissenschaft in Sachsen zeichnet sich durch eine besonders

dynamische Szene aus: Mit 14 Hochschulen und rund 50 außeruniversitären

Forschungseinrichtungen steht das traditionelle Erfinderland Sachsen heute

mehr denn je für weltbewegende Innovationen und eine lebendige Start-up-Szene.

Wie vielfältig die Perspektiven in Sachsen sind, erfahren Sie auf:

www.so-geht-sächsisch.de

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