Vertrauen

ursarnold

Credit Suisse bulletin, 2000/04

DAS MAGAZIN DER CREDIT SUISSE

AUGUST/SEPTEMBER 2000

BULLETIN 4

www.credit-suisse.ch/bulletin

BÖRSE

KALKÜL SCHÜTZT

VOR KATER

FÖDERALISMUS

DIE GRÄBEN

WERDEN TIEFER

CHEFÖKONOM BISCHOFBERGER

SO SETZT DIE SCHWEIZ

ZUM HÖHENFLUG AN

GESCHENKT WIRD ES OFT, KÄUFLICH IST ES NICHT

VERTRAUEN


MINUTIÖSES AKTENSTUDIUM: AUFTAKT ZU

GLOBALER EXPORTTÄTIGKEIT. CREDIT SUISSE,

HANDELSFINANZIERUNGEN, ZÜRICH, 14.35 UHR.


EDITORIAL

SCHWERPUNKT: VERTRAUEN

Mein Schutzengel wirds schon richten

Bums – und vorbei war es mit dem Seelenfrieden.

Der Crossair-Flug von Lugano nach Zürich mutierte

in meinem Innern zum Drama. Der Sturm packte zu,

Luftlöcher trieben ihr Spiel. Es blitzte. Was, wenn

mein letztes Stündchen geschlagen hatte ?

Wie konnte ich nur so dumm sein und ein tonnenschweres

Fluggerät besteigen, ohne auch nur

einen Gedanken daran verschwendet zu haben, dass

Fliegen eigentlich ein Wunder und der Mensch

über den Wolken nur geduldet ist? Ein flaues Gefühl

im Magen, Herzklopfen, Todesphantasien, das

hatte ich nun davon.

Jetzt, da ich wieder festen Boden unter den

Füssen habe und auf eine durchschnittliche Lebenserwartung

hoffen darf, ist mein Glauben in Natur,

Mensch und Technik ungebrochen. Dabei ist –

genauer betrachtet – der Weg durch den Alltag

gespickt mit potenziellen Fallstricken.

Freiwillig begebe ich mich in die Hände Fremder.

Meist gedankenlos, im Gefühl, es möge mich

irgendein Schutzengel an der Hand führen.

Wie sonst liesse sich beispielsweise erklären, dass

ich mich bei meinem Zahnarzt ergeben auf den

Stuhl setze, meine Augen schliesse und dem Dienstleister

in Weiss mein Mundwerk feilbiete – immer

in der Zuversicht, er werde es schon richten ? Ebenso

gehe ich wagemutig davon aus, dass mir der

Wirt am Mittagstisch mit dem Kartoffelauflauf keine

unliebsamen Bakterienhorden vorsetzt.

Was bisweilen als Einfalt daherkommt, ist

eine Konstante, ohne die mein Leben undenkbar

wäre: Vertrauen.

Urvertrauen, Gottvertrauen, blindes Vertrauen

die Spielarten sind mannigfaltig. Nicht nur für

Banker ist Vertrauen ein Kapital. Firmen, Politiker,

Behörden sind sich bewusst: Vielfach braucht es

Jahre, um Vertrauen zu schaffen, aber bisweilen nur

den Moment einer Lüge, eines Missgeschicks

oder eine Prise Arroganz – und vorbei ist es mit der

Herrlichkeit.

Vertrauen will verdient sein. Und das ist gut so.

Denn es ist nicht auszudenken, was geschehen

würde, wenn sich auf den Meriten ausruhen liesse.

Die Lüge, die Gleichgültigkeit, der Machtmissbrauch

hätten leichtes Spiel – und die Schutzengel

alle Hände voll zu tun.

CHRISTIAN PFISTER,

CHEFREDAKTOR BULLETIN

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CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Wie schaffen es 900 der weltweit brandheissesten Web-Sites,

zuverlässige Informationen zu bieten?


INHALT

SCHWERPUNKT: VERTRAUEN

6 Vertrauen | Knappes Gut im Cyberspace

12 Kredite | Krisenbewältigung und Geburtshilfe

17 Erich Gysling | Aristokrat im Medienzirkus

20 Kinder, Sex und Wienerschnitzel | Sieben Porträts

26 Arbeitstiere | Mit Oranos auf dem rechten Weg

AKTUELL

31 Gleichberechtigung | Wie Frauen Kohle machen

Glückliches Alter | Fonds-Auszahlplan

Ökobank | Umweltzertifikat für Credit Suisse

32 Börsenrausch | Anlegen statt traden

26

Mehr als eine Lebensgemeinschaft:

Peter Hänggi und sein Blindenführhund

40

ECONOMIC RESEARCH

36 Regionen | Fette Städte, ausgedünnte Landschaft

40 New Economy | Interview mit Chefökonom Bischofberger

44 Bankenplatz Schweiz | Im Auge des Zyklons

47 Unsere Prognosen zur Konjunktur

48 Shareholder Value | Alle Macht den Aktionären

51 Unsere Prognosen zu den Finanzmärkten

E-BUSINESS

Standort Schweiz: Risikobereitschaft

und Wachstum sichern Prosperität

52

52 Thomas Wellauer | Her mit den Innovationen

57 @propos | Internet-Werbung: Sexappeal um jeden Preis

SERVICE

58 Internet Banking | Business im virtuellen Dschungel

Thomas Wellauer: «In zehn Jahren ist das

Internet so integriert wie das Telefon.»

SPONSORING

62 Olympiade 2000 | Goldesel und Amazonen

65 Agenda und Impressum

CARTE BLANCHE

66 Mobile Ressourcen für die Zukunft | Martin Wetter

58

Wie die Pantoffelhelden von morgen

die dicken Bankgeschäfte tätigen

62

Den Duft des Erfolgs in den Nüstern: Ross

und Reiter auf dem Sprung nach Sydney

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NETZ

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VERTRAUEN

Das Internet lockt. Aber viele schrecken

zurück vor dem Klick ins Ungewisse.Vertrauen

bleibt ein knappes Gut im Cyberspace.

VERTRAUEN

VON ANDREAS THOMANN,

REDAKTION BULLETIN

Max gehört zu den Internetsurfern der ersten

Stunde; darauf ist er mächtig stolz.

Der Samstagseinkauf, die Einzahlungen

am Postschalter, das Blättern im Fahrplan:

alles passé. Online ist besser, schneller

und aktueller, sagt Max. In seinem Freundeskreis

konnte er schon viele von seiner

Botschaft überzeugen. Und im Chat-Room

schmiedet er unter dem Pseudonym E-

Max mit seinesgleichen an fantastischen

Visionen einer vernetzten Welt.

Das Netz hat Lücken

Doch kommt es vor, dass das Netz sogar

den euphorischen E-Max auf den Boden

der Realität zurückholt und ihm

das «E» aus seinem Pseudonym

löscht. Neulich, da wollte sich der

Formel-1-Fan einen Traum verwirklichen:

zwei Tickets für den Grand Prix

in Monte Carlo im kommenden Jahr für

sich und seine Verlobte.

Computer angeworfen, Modem eingestellt,

Provider angewählt. «Fünf, maximal

zehn Minuten, und ich habe die Dinger»,

denkt sich Max. Er wählt seine Lieblings-

suchmaschine, tippt «+ Formula + 1 + Tickets»

ein, und im Handumdrehen spuckt

ihm das System fünfzehn Adressen aus.

Die Vorfreude auf den schnellen Deal ist

grenzenlos. Doch bald folgt der Netzkater.

Der Kater lauert überall

Die Adresse Nummer eins führt

zu einer Fehlermeldung, die Nummern

zwei und fünf bieten nur Pauschalangebote

mit teuren Hotels, Nummer drei,

vier, sechs und sieben wiederum verkaufen

zwar Tickets, doch nur für die laufende

Saison. Endlich, Nummer acht bietet den

gewünschten Service: übersichtliche Streckenpläne

mit eingezeichneten Tribünen

und Angabe der Preise für jeden Platz.

Max hat sich mit dem Netz wieder versöhnt.

Jetzt nur noch die gewünschten

Daten eingeben und

die Bestellung abschicken. Es

erscheint ein Formular:

Zahlung im Voraus, per Kreditkarte.

Schon ist Max misstrauisch. Er

findet keinen Hinweis auf besondere

Sicherheitsvorkehrungen. Wie kann

er wissen, ob er die Tickets, die zusammen

immerhin 1000 Franken kosten,

überhaupt kriegt ? Den Verkäufer kennt er

nicht. Und plötzlich scheint ihm auch der

ganze Internet-Auftritt der Firma nicht

mehr besonders professionell. Max kriegt

kalte Füsse. Tags darauf trottet er zur

nächsten offiziellen Verkaufsstelle und erhält

im Nu, was er wünscht. Eine

Schmach für den gläubigen Cyberfreak.

Max hat kein Vertrauen

Gescheitert ist der Deal letztlich an der

wichtigsten Voraussetzung für jede Form

des Geschäfts: Vertrauen. Vertrauen in die

Sicherheit der Übertragung, die sorgfältige

Aufbewahrung der Daten, die Echtheit

des Angebots, die Lieferbereitschaft der

Firma. Kurz: Vertrauen ins Internet.

358 Milliarden Dollar. So hoch schätzt

die amerikanische Research-Firma «eMarketer»

im Jahr 2003 den europaweiten

Umsatz im E-Commerce, dem Handel mit

Gütern und Dienstleistungen

übers Internet. Das ist mehr als

20 mal so viel wie im letzten

Jahr. Noch aber ist der Damm

nicht gebrochen, sind die Massen nicht

auf das digitale Fussballfeld, das Internet,

gestürmt. Erst etwa zehn Prozent der

Europäer spielen mit. «Es sind die tech-

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CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


VERTRAUEN

nisch Gebildeten oder Interessierten, die

sich jeweils rasch auf ein neues Medium

einlassen», sagt Stephen Winnall, Forschungs-

und Entwicklungs-Chef des Direct

Net, des Internet Banking der Credit

Suisse. Bevor sich das Gros der

Zuschauer von den Tribünen hinunter

bewegt, müssen sie sicher

sein, dass sie dort unten nicht

ausrutschen. «Vertrauen ist das A und O im

Internet», bringt es Stephen Winnall auf

den Punkt.

Pleiten und Pannen im Netz, von den

Medien immer neu serviert, erhalten dadurch

eine besondere Brisanz. Armand

Martin, verantwortlich für die IT-Security

der Credit Suisse, kann davon ein Lied

singen: «Ein Banküberfall in den Dreissigerjahren

à la Al Capone erregte zwar

auch Aufsehen. Doch die Leute haben

weiterhin der Bank vertraut und ihr Geld

dort gelassen.»

Kunden wollen Sicherheit

Anders bei einer Meldung über einen geknackten

Sicherheitscode bei einer Internet-Bank.

«Im mysteriösen Internet verlangen

die Kunden hundertprozentige

Sicherheit», so Martin. «Doch die gibt es

nicht, weder im Netz noch sonstwo.» Pech

für die Firma, bei der es zum Super-Gau

kam. Ist das Image einmal angekratzt, sind

die sprunghaften Surfer schnell bei der

Konkurrenz.

Dass ohne Vertrauen ins Netz Funkstille

herrscht, bestätigen auch Studien. Die 1,7

Millionen Schweizer Surfer, die regelmässig

Kurs aufs Internet nehmen, sind im

Augenblick vor allem auf Informationen

aus, weiss die AG für Werbemedienforschung

(WEMF). Erst zwölf Prozent gehen

online auf Einkaufstour. Immerhin ein

Fünftel erledigt per Mausklick den Zahlungsverkehr.

Um die Gründe für

diese Zurückhaltung zu erfahren,

lotete das Institut für Wirtschafts- und Sozialforschung

(WISO) die Surfer-Seele der

Schweizer aus. Fazit: Fehlendes Vertrauen

ist nicht der einzige, aber ein entscheidender

Faktor. Sechzig Prozent nennen

die Gefahr von Betrug als grösstes

Hindernis, über die Hälfte hat

Sicherheitsbedenken. Das sind

immerhin die Ränge zwei und vier

in dieser Hitliste.

Misstrauen ist nicht immer gerechtfertigt,

meint der Internet-Spezialist David

Rosenthal in einer Studie zuhanden des

Schweizerischen Wissenschaftsrats.

Das Internet-Banking beispielsweise,

so Rosenthal, «stellt heute kein besonders

hohes Risiko dar, sofern einige grundlegende

Vorsichtsmassnahmen wie etwa

eine sichere Aufbewahrung der Geheimcodes

befolgt werden. Per Post versandte

Zahlungsaufträge auf Papier kann ein

Dieb dagegen relativ einfach fälschen, ohne

dass Bank oder Post haften müssen.»

Weltweit operieren heute die meisten

seriösen Banken mit dem 128-Bit-SSL-

Standard zur Datenverschlüsselung. Er

verunmöglicht es Hackern, eine Zahlungsanweisung

auf dem Weg zur Bank zu

knacken. Der gleiche Standard garantiert

auch eine absolut sichere

Übertragung der Kreditkartennummer

beim Online-Einkauf.

Doch im World Wide Web tummeln sich

nicht nur bekannte und seriöse Marken,

sondern auch Scharlatane, Rattenfänger

oder naive, fahrlässige Firmen, die dem

Schlachtruf «rein in den E-Commerce»

gefolgt sind, bevor sie eine ausgereifte,

professionelle und narrensichere Lösung

präsentieren konnten.

Klicken, wählen, ärgern

Die deutsche Stiftung Warentest machte

im letzten Jahr die Probe aufs Exempel

und gab bei 150 E-Commerce-Anbietern

eine Bestellung auf. Die Ergebnisse publizierte

sie unter dem ernüchternden Titel

«klicken, wählen, ärgern.» Viele

Online-Shops lieferten nur einen

unausgegorenen Web-Auftritt, rügen die

deutschen Konsumentenschützer, das

Bestellen der Waren sei oft umständlich.

Und bei immerhin 27 der 150 Internetanbieter

sei keine Lieferung erfolgt. «Trotzdem

buchten besonders Dreiste munter

das Geld ab», so die Untersuchung.

Grosse habens leichter

Ans Big Business kommen Cyber-Firmen

nur, wenn sie sich ein dauerhaftes, solides

Image aufbauen. Wer bereits überall auf

der Welt mit Niederlassungen aus Beton,

Stahl und Glas Präsenz markiert, hat es

bestimmt einfacher, aus dem elektronischen

Datenmeer zu ragen.

Allein, es reicht nicht, um Vertrauen zu

bilden. Ein professionelles, benutzerfreundliches

Design, funktionierende Links

gehören ebenso dazu wie ein transparenter,

verantwortungsvoller Umgang mit Kundendaten.

Und über allem thront die

Sicherheit der Informationstechnologie.

Diese Hierarchie darf auch von der

Logik des raschen Gewinns nicht durchbrochen

werden, wenngleich

die Versuchung gross ist. Armand

Martin illustriert den

Clinch, in dem viele Firmen

stecken, mit der Einführung des Direct

Net: «Der Zeitdruck, der im Frühjahr 1997

auf der Credit Suisse lastete, war riesig:

Die Bank wollte unbedingt als erste in

der Schweiz das Banking per Internet

anbieten. Dennoch entschloss sich die

Geschäftsleitung, den Start um einen Monat

hinauszuzögern.» Sicherheitsbedenken

sprachen gegen den geplanten Termin.

Es fehlen Standards

Bekannte, vertrauenswürdige Marken sind

gut und recht. Noch lieber wären dem

Surfer jedoch Standards, die sämtliche

Firmen im Internet zwingen, die Regeln

des Fair Play einzuhalten. «Eine solide

E-Commerce-Plattform sollte sein wie ein

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Fussballfeld, wo für alle Spieler aus der

ganzen Welt die gleichen Regeln gelten,

vom Offside bis zur roten Karte, und ein

international eingesetzter Schiedsrichter

wacht über das Einhalten der Regeln»,

umschreibt Stephen Winnall seine Utopie.

Wie eine neue Spielregel entstehen

und sich allmählich durchsetzen kann,

zeigt das Beispiel der 128-Bit-SSL-Verschlüsselung.

Von der Firma Netscape

lanciert, begannen immer mehr Firmen,

diesen Standard einzusetzen, zuerst in

den USA, schliesslich weltweit. Doch es

braucht noch weitere Standards, gerade

auch im Banking. Die Schweizer Banken

haben einen ersten Schritt getan, indem

sie in Sachen Sicherheit im Internet eng

zusammenarbeiten. «Doch am liebsten

wäre uns kein nationaler, sondern ein Weltstandard»,

so Stephen Winnall.

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Wilder Westen

Bis dahin ist es ein weiter Weg, im Banking

und anderswo. Noch ist das Internet

in vielen Bereichen dem gesetzlosen

Wilden Westen näher als dem Schweizer

Strassenverkehr.

Welches Recht muss angewandt werden,

wenn ein holländischer Konsument

einen mexikanischen Online-Händler einklagt,

weil dieser nicht geliefert hat ? Wer

haftet, wenn per Internet bewusst falsche

Börseninformationen in Umlauf gesetzt

werden ? Wie setzt sich ein Musiker zur

Wehr, dessen Werke als Raubkopien in

die ganze Welt vertrieben werden ?

Auch E-Max weiss: Der Zeitpunkt ist

noch fern, wo er mit geschlossenen Augen

durchs Netz wandeln wird, ohne zu straucheln.

www.credit-suisse.ch/bulletin

Datenschutz: Bulletin Online befragte

Experten zur digitalen Schnüffelei und

gibt zehn Tipps für sicheres Surfen.

DIE DIGITALE UNTERSCHRIFT

E-Mail ist ein wunderbares Instrument zum Datenaustausch: rasch, unkompliziert,

rund um die Uhr verfügbar. Doch wenn es um wichtige Geschäfte

geht, ist die elektronische Post zurzeit noch unbrauchbar. Angenommen,

Hugo Hagen möchte per E-Mail ein Auto kaufen. Wie kann der

Autohändler sicher sein, dass er tatsächlich mit Hugo Hagen einen Vertrag

geschlossen hat, und nicht mit jemandem, der sich für Hugo Hagen ausgibt

? Technisch ist das Problem schon heute lösbar dank digitalen Zertifikaten.

In der Schweiz werden diese seit 1998 von der Swisskey herausgegeben,

einer gemeinsamen Zertifizierungsstelle von Banken, Post,

Swisscom und Handelskammern. Solche Zertifikate können benutzt werden

als digitale Identität, Unterschrift oder Chiffrierungsschlüssel. Unter

gewissen Voraussetzungen ist die Verwendung von digitalen Unterschriften

in der Schweiz heute schon möglich. «Ein Gesetz dazu wird wohl nicht

vor 2002 in Kraft treten», so Stephen Winnalls Einschätzung des politischen

Tempos in der Schweiz.

Doch egal, wie lange es dauert: Früher oder später wird sich der Standard

durchsetzen – zu vielfältig sind die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben:

Bürger können ihre Stimme elektronisch abgeben, Bankkunden ihre Kontoauszüge

per E-Mail entgegennehmen, Versicherungskunden 24 Stunden

am Tag eine Lebensversicherung abschliessen. Der «E-Society» stünde

nichts mehr im Weg.

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Kaufen Sie einen Quadratmeter Zürich.

Aber dort, wo sich nicht alle aufregen, wenn der Lärmpegel steigt.

W

Foto: A.Venzago

Eine seltene Gelegenheit: Der Jazzclub moods verkauft 239 Quadratmeter vom Zürcher Nachtleben. Für

1500 Franken können Sie sich im Schiffbau auf dem Escher-Wyss-Areal verewigen. Auf den Brettern, die

den Jazz bedeuten. Weitere Informationen erhalten Sie unter Telefon 01-245 84 84 oder www.moods.ch.

moods im schiffbau dankt dem CS Bulletin für die Unterstützung.


VERTRAUEN

VON HACKERN,

VIREN UND SCHNÜFFLERN


Panzerknacker jagen Daten

Im Januar hatten es Hacker geschafft, in

das System der US-Firma CD Universe

einzudringen und 300 000 Kreditkartenfichen

von Kunden zu stehlen. Es war der

erste Raub von sensiblen Kundendaten im

grossen Stil. Solche Meldungen sind abschreckend,

obwohl sich der Schaden für

die Kunden in Grenzen hält. Bluten muss

hier vor allem die E-Commerce-Firma, die

der Kreditkartengesellschaft für mögliche

Schäden haftet und deren Image Schaden

nimmt. «Der Kunde ist für Hacker ein wenig

interessantes Angriffsziel», sagt Marie-

Luise Moschgath von der ETH Zürich.

«Fette Beute wittern Hacker vielmehr bei

Unternehmen oder Regierungen.» Gefährlich

seien nicht Einzeltäter, sondern organisierte

Profihacker.

Ein Moorhuhn mit Pferdefuss

Moorhühner wurden in der letzten Zeit zur

wahren Plage. Das gleichnamige Computerspiel

legte nicht nur Firmen lahm, weil

die Mitarbeiter der Spielsucht verfielen.

Einige der Versionen entpuppten sich auch

als trojanische Pferde. Wer eine solche

Version aus dem Netz herunterlud, ermöglichte

es Eindringlingen, ungehindert auf

seiner Festplatte herumzuspionieren und

von dort aus Einkäufe zu tätigen oder Zahlungsverkehr

zu betreiben. Heikel, denn

Firmen können für sich selbst noch so

professionelle Sicherheitslösungen austüfteln,

«der Computer des Kunden ist

davon nicht betroffen und bleibt die

Schwachstelle», so Armand Martin, IT-Security-Chef

bei der Credit Suisse.

Die Medien bringen fast täglich

Meldungen über Netzpannen –

und erschüttern das Vertrauen der

internationalen Surfgemeinde.

Dabei sind längst nicht alle Gefahren

gleich gravierend.

Verbarrikadierte Läden

Die Kreativität der Hacker scheint grenzenlos,

wenn es darum geht, neue Attacken

auf Sicherheitssysteme auszuhecken.

Anfang Februar wurden mehrere grosse

US-Websites wie Amazon, Yahoo, eBay

und Buy.com für mehrere Stunden lahmgelegt.

Die Fachleute sprechen von sogenannten

Denial-of-Service-Angriffen. Die

Hacker beschiessen aus Hunderten von

Rechnern gleichzeitig eine Internet-Firma

mit Daten, was deren Webserver blockiert

oder sogar abstürzen lässt. «Daten werden

zwar weder manipuliert, gestohlen noch

gelöscht, doch der Image-Schaden für die

Firmen ist dennoch beträchtlich», sagt

Marie-Luise Moschgath. Die Crux: Die

Hacker-Software ist teilweise kinderleicht

zu bedienen.

Liebe ist ein Virus

Ein wahrer Liebestaumel verbreitete sich

diesen Frühling im Netz. Zahlreiche Anwender

des E-Mail-Programms Outlook

fanden die Nachricht «I Love You» in ihrer

Mailbox. Wer das Attachment öffnete, erlebte

sein blaues Wunder. Das Virus verschickte

sich automatisch an die Mailpartner

im Adressbuch des Betroffenen und

trieb auch sonst allerlei Schabernack auf

der Festplatte.

Computerviren können eine Spur der

Zerstörung hinterlassen. Viele Firmen verwenden

viel Zeit und Geld, um die infizierten

Datenträger wieder zu säubern. Im

Vergleich zu den Hacks seien Viren das

kleinere Übel, meint Marie-Luise Moschgath.

«Es sind mehr Leute betroffen, doch

wer gewisse Verhaltensregeln einhält und

seine Daten regelmässig auf einem separaten

Datenträger kopiert, erleidet geringe

irreversible Schäden. Antivirus-Programme

bieten wirksamen Schutz gegen bekannte

Viren.»

Big Brother sitzt im Netz

Als bekannt wurde, dass die Firma Real-

Networks.com aufzeichnete, welche Stücke

ihre Hörer auf die virtuelle JukeBox legten,

ging ein Aufruhr durchs Internet.

Dabei machte die Firma nur, was heute

schon fast normal ist im Web-Marketing:

Sie analysierte das Nutzungsverhalten

ihrer Besucher, um massgeschneiderte

Pakete per Internet bereitzustellen. Eine

löbliche Absicht. Was den Hörern von

RealNetworks sauer aufstiess, war wohl

eher der Umstand, dass sie von der Datensammlerei

nichts wussten. Firmen, die

so agieren, verstossen in der Schweiz

gegen das Datenschutzgesetz. Doch die

Technologie ist den Gesetzeshütern voraus.

Weil jeder Klick im Internet eine digitale

Spur hinterlässt, könnte eine Firma theoretisch

im Netz Daten über das Surfverhalten

sammeln, diese nach Kundenprofilen

gruppieren und weiterverkaufen. «Die seriösen

Firmen werden aus eigenem Interesse

sorgfältig mit den technologischen

Möglichkeiten vorgehen», meint Bruno

Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des

Kantons Zürich. «Doch um gesetzliche Regelungen

wird man nicht herumkommen.»

Andreas Thomann, Telefon 01 333 80 39

andreas.thomann@credit-suisse.ch

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TRAU,

SCHAU,

WEM


VERTRAUEN

Die Babylonier kannten es schon. Die Römer

haben es weiterentwickelt und verfeinert.

Die Christen mussten es aus religiösen Gründen

bis ins Mittelalter den Juden überlassen:

das Kreditgeschäft.

VON RUTH HAFEN,

REDAKTION BULLETIN

Foto: Pia Zanetti

Der Begriff «Kredit» wird abgeleitet von

Glauben, Vertrauen. Ist Vertrauen in der

heutigen Bankenwelt, in der man alles bis

ins kleinste Detail mit Verträgen und Absicherungen

aller Art regelt, überhaupt noch

angesagt ? Für Franz-Josef Groth, Leiter

Kreditmanagement der Credit Suisse, ist

und bleibt Vertrauen ein zentraler Bestandteil

des Kreditgeschäfts. Als er vor

Jahren in Beirut eine Tochterbank revidierte,

hatte er ein Schlüsselerlebnis: «Es

herrschte Krieg, nach Einbruch der Dunkelheit

war es sehr gefährlich. Ich erlebte,

wie Leute, die bei uns einen Kredit bezogen

hatten, das Geld und die Zinsen unter

Einsatz ihres Lebens zurückbezahlt haben.

Es gab damals keine Kreditverträge.

Das Geschäft basierte auf Vertrauen und

wurde per Handschlag abgeschlossen.

Die Bedeutung des Wortes «credere»

(glauben) wurde mir dort so richtig bewusst.

Ohne ein Blatt Papier – eigentlich

der Idealzustand – haben die Leute die

Verpflichtungen erfüllt, die sie gegenüber

einem Vertreter der Bank eingegangen

waren.»

Vertrauen ist nicht wegzudenken aus

einer Beziehung zwischen zwei Menschen,

geschäftlich oder privat. Verträge können

Vertrauen nicht ersetzen. Schon J.Paul

Getty, einer der reichsten Männer des

zwanzigsten Jahrhunderts, lebte und arbeitete

nach der Devise: «Wenn man einem

Menschen trauen kann, erübrigt sich ein

Vertrag. Wenn man ihm nicht trauen kann,

ist ein Vertrag nutzlos.» Ein solches Vorgehen

kann sich eine Bank heute natürlich

nicht mehr leisten. Trotzdem ist Vertrauen

ein Grundpfeiler jeder Bankbeziehung.

Banken bezogen Prügel

Solange alles gut läuft, ist Vertrauen kein

Problem. In den Neunzigerjahren jedoch

wurde die Wirtschaft von einer tiefen, lange

andauernden Rezession durchgeschüttelt.

Für die Banken entwickelte sich die

schlechte wirtschaftliche Lage zu einem

Kreditdebakel. Rückstellungen in Milliardenhöhe

waren die Folge. Öffentlich Prügel

bezogen sie zudem vor allem von den

KMUs, den kleinen und mittleren Unternehmen,

die ihnen vorwarfen, manches

Kleinunternehmen durch Kündigungen

oder Kürzungen von Krediten an den Rand

des finanziellen Ruins getrieben zu haben.

Auch die Credit Suisse musste sich massive

Vorwürfe gefallen lassen.

Für Hans Geiger, Professor am Institut

für schweizerisches Bankwesen der Universität

Zürich, war die mangelhafte Prüfung

der Bonität einer der Hauptfehler, die

während der Hochkonjunktur auf der Ban-

kenseite begangen wurden. Es sei nicht

geprüft worden, ob der Kunde das Geld

zurückbezahlen könne, sondern man habe

sich vielfach auf Immobilien als Sicherung

verlassen. «Das Hauptproblem war, dass

man nicht den Kunden bewertete, sondern

sein Haus.» Schätzungsweise zwei

Drittel der kommerziellen Kredite in der

Schweiz seien hypothekarisch gedeckt

gewesen. Das sollte sich als fatal herausstellen.

In den Achtzigerjahren wütete in Amerika

eine Immobilienkrise, die über England

auch nach Europa schwappte. Die

Schweizer Wirtschaft und die Banken

wähnten sich in Sicherheit. Man vertrat die

Einschätzung, diese Krise sei typisch

angelsächsisch und helvetische Gefilde

seien dagegen gefeit.

Frei nach Voltaires «Candide» lebte man

vertrauensvoll «in der besten aller möglichen

Welten», in der die Immobilienpreise

immer nur weiter steigen konnten. Doch

das genaue Gegenteil geschah. Bruno

Bohlhalter, Leiter Credit-Recovery, dem

Sanitätstrupp für «kranke Kredite» bei der

Credit Suisse, blickt zurück: «In der Hochkonjunktur

haben wir alle, die Kunden

und die Banken, in einer Euphorie gelebt.

In diesem Umfeld wurden auch Finanzierungen

gemacht, die man im Nachhinein

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CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Produktequalität

Baulimiten

Organisation

Standort

Geschäftsgang

Infrastruktur

Informationspolitik

«MIT JEMANDEM, DER MEIN

VERTRAUEN MISSBRAUCHT

HAT, MACHE ICH KEIN

GESCHÄFT MEHR.» –

BRUNO BOHLHALTER,

CREDIT SUISSE.

Umsatzentwicklung

Innovationspotenzial

Strategie Investitionsplan

Kostenstruktur

Marktanteil

Vertrieb

Ökologie

Verpflichtungen

Vertrauenswürdigkeit

Entwicklungsaussichten

Abhängigkeiten

Kundenverteilung

Bankbeziehung

Biografie

Führungsinstrumente

Liquiditätsplan

Liegenschaften

Marktstellung

Kummer, Krisen, Konkurse

In den Tiefen der Rezession der Neunzigerjahre

jedoch verwandelten sich die

Kreditbelastungen für manchen KMU-Patron,

dessen Geschäftssubstanz nicht

über alle Zweifel erhaben war, in trojanische

Pferde, aus deren Bauch Kummer,

Krisen und Konkurse sprangen. Resultat

dieser Krise war eine massive Erschütterung

des Vertrauensverhältnisses zwischen

den KMUs und den Banken. Die

Kreditströme, die jahrelang geflossen waren,

hatten sich in den Augen der Gewerbetreibenden

in mickrige Rinnsale verals

völlig unverantwortlich betrachtet.»

Das Bild von Banken, die gedanken- und

verantwortungslos Umsatz bolzten, drängt

sich auf. Franz-Josef Groth meint dazu:

«Man war vielleicht manchmal zu sehr damit

beschäftigt, Umsatz zu generieren.

Das Wörtchen «nein» haben wir zu wenig

gebraucht. Risiken wurden verniedlicht.»

Da das Kreditwesen ein Kernbereich des

Bankgeschäfts ist, besteht für eine Bank

ein gewisser Druck, Geld zu verleihen.

Hier liegen denn auch die Gefahren eines

Incentive-Systems, das vor allem auf Umsatz

ausgerichtet ist, denn im Eifer des

Gefechts können immer mal wieder Einschätzungsfehler

passieren. Für Bruno

Bohlhalter gilt denn auch je länger, je

mehr, dass «der beste Banker nicht der ist,

der den grössten Kredit gibt». Im Nachhinein

hat sich das schmerzlich bewahrheitet.

In Spitzenzeiten waren im Credit-

Recovery über 300 Spezialisten mit Sanierungsfällen

beschäftigt. Sie retteten,

was noch zu retten war.

Zu einfach wäre es, zu behaupten, die

ganze Schuld hätte nur bei den Banken

gelegen. Es stimmt jedoch, dass sich die

grosszügige Kreditvergabe der Banken

während der Hochkonjunktur für Kleinunternehmer,

die teilweise ein zu geringes

betriebswirtschaftliches Wissen besassen,

als ernste Gefahr herausstellte. Einem

halb geschenkten Kreditgaul schaut man

nicht ins Maul.

wandelt. Die Banken hatten die Notbremse

gezogen und sich auf eine solide Kreditpolitik

zurückbesonnen. Auch bei der Credit

Suisse hatte man sich die Finger verbrannt.

Dass die Banken ihre Lehren aus der

Kreditkrise gezogen haben, stellt auch

Hans Geiger fest: «Sie haben wieder gelernt,

die Kreditfähigkeit und die Kreditwürdigkeit

ihrer Gegenseite zu beurteilen.

Es ist nicht so, dass sie vorher nicht

gewusst hätten, wie man das macht, aber

in der Hochkonjunktur haben sie das vernachlässigt.»

Als weitere wichtige Veränderung

führt er die Diversifizierung der

Kreditportfolios an. Heute betreiben die

Grossbanken ein aufwändiges Kreditportfolio-Management.

Es wird dabei darauf

geachtet, dass nicht zu viele Kredite in

dieselbe Branche fliessen, sondern dass

man Branchen mit unterschiedlichen

Konjunkturzyklen berücksichtigt. Das so

genannte «risk adjusted pricing», die risikogerechte

Preisgestaltung bei den Zinsen,

hebt Geiger als dritten wichtigen Punkt

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VERTRAUEN

Technologie

Budgetplan

Eigenfinanzierung

«WIR SIND AUCH DA, WENNS

MAL NICHT SO GUT GEHT.» –

FRANZ-JOSEF GROTH,

CREDIT SUISSE.

DRUM PRÜFE, WER SICH BINDET

Heute durchläuft ein Kreditgesuch ein mehrstufiges Verfahren. Der Kundenberater

schätzt den Kunden und sein Geschäft aufgrund eines persönlichen

Gesprächs und der Unterlagen ein, die dieser ihm vorlegt. Bei der

anschliessenden Kreditanalyse prüft der Kreditspezialist die Bonität des

Kreditnehmers. Diese setzt sich zusammen aus Kreditwürdigkeit und

Kreditfähigkeit. Die Kreditwürdigkeit bezieht sich auf weiche Faktoren wie

die Persönlichkeit des Kreditnehmers, das Management des Betriebs, die

Branchenzugehörigkeit, Umweltfaktoren. Die Kreditfähigkeit bewertet

harte Faktoren wie Produktivität, Profitabilität, Liquidität. Geprüft wird, ob

der Kreditnehmer aufgrund seiner aktuellen und künftigen Ertragslage

überhaupt imstande ist, den Kredit samt Zinsen zurückzuzahlen.

Der Kreditspezialist legt das Kreditrisiko fest und teilt den Kredit einer

Risikoklasse zu, aufgrund derer der Preis bestimmt wird.

Weitere Informationen über Kredite für KMUs finden sich in der Publikation

«Kredite für kleine und mittlere Unternehmen. Von der Anfrage bis

zur Rückzahlung.» oder unter www.de.credit-suisse.ch/kreditleitfaden/

index.html.

Fotos: Pia Zanetti, Mathias Hofstetter

hervor: «Die Banken haben das Geschäft

lange Zeit zu billig gemacht. Für mich besteht

das Problem im Schweizer Kreditgeschäft

nicht darin, dass die Zinsen zu

hoch, sondern dass sie zu tief sind.» Die

Banken arbeiten daran, das Vertrauen der

Kunden wieder zurückzugewinnen und zu

festigen, auch indem sie die Kreditpolitik

den Kunden verständlich kommunizieren.

Für Franz-Josef Groth spielt Vertrauen

zwischen Kundenberatern und Kunden eine

wichtige Rolle. Zum hundertprozentigen

Vertrauen gehört für ihn aber auch hundertprozentige

Offenheit: «Das Kreditgeschäft

ist eigentlich ein Informationsgeschäft. Ein

Beispiel: Wenn ich beim Gesundheitscheck

den Doktor anflunkere und ihm

nicht die ganze Wahrheit sage, schneide

ich mir ins eigene Fleisch. Als Bank erwarten

wir totale Offenheit vom Kunden,

auch über negative Punkte.» Nur so seien

die Banker in der Lage, die Situation des

Kunden richtig einzuschätzen und ihm

Tipps zu geben, wie er seine Situation verbessern

könne. «Wir hatten noch selten

Probleme mit einem Kunden, der rechtzeitig

zu uns kam und sagte, er habe

Schwierigkeiten. Wir sind auch da, wenns

mal nicht so gut geht.»

Vertrauen ist gut, Analyse besser

Vertrauen spielt im Kreditgeschäft nicht

nur auf der zwischenmenschlichen Ebene

eine Rolle. Immer wichtiger wird das Vertrauen

in das bankeigene Know-how, in

das Funktionieren von Kontrollmechanismen,

von Frühwarnsystemen. Es gibt heute

viele technische Möglichkeiten, das

Vertrauen abzusichern: Hypotheken, Versicherungsverträge,

Verpfändungen von

Wertschriften.

Hans Geiger: «Man kann sehr gut mit

jemandem ein Kreditgeschäft betreiben,

dem man nicht vertraut.» Für den Bankenprofessor

ist die Analyse die Grundlage

des Geschäfts, sie kommt vor dem Vertrauen.

«Wenn man die Kreditfähigkeit und

die Kreditwürdigkeit nicht geprüft hat,

sollte man kein Geld geben. Das ist unprofessionell.»

Franz-Josef Groth sieht das anders: Vertrauen

ist die Basis, danach erst kommt

die Analyse, mit der das Vertrauen gerechtfertigt

werden soll. Auch für Bruno

Bohlhalter ist Vertrauen die Basis im Kreditgeschäft.

«Vertrauen ist für mich absolut

zentral. Wenn es missbraucht wird, ist es

nicht mehr reparabel. Mit jemandem, der

mein Vertrauen missbraucht hat, mache

ich kein Geschäft mehr. Wenn sich das

mehr Leute ins Stammbuch schreiben

würden, gäbe es weniger Schäden. Es

gäbe ein bisschen weniger Volumen; ich

glaube aber nicht, dass es unter dem Strich

weniger Gewinn gäbe.»

Ruth Hafen, Telefon 01 334 15 66

ruth.hafen@credit-suisse.ch

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Wenn Länder benotet werden: Ein Interview

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15

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


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in St.Gallen, vom

2. bis 4. September 2000

Programm-Übersicht

Samstag, Sonntag, Montag,

2. bis 4. September 2000

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14 bis mit den Besitzern

19 Uhr von 28 Weingütern,

im Foyer

der Universität

St.Gallen.

Samstag, cantina e cucina:

2. Sept., ab Spitzenköche

19.30 Uhr umrahmen

ausgewählte

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mit italienischen Kulinarien in

den Restaurants von St.Gallen.

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Sonntag, Matinée mit

3. Sept., Peter Waters

12.30 bis (Flügel), Franco

14 Uhr Ambrosetti

(Trompete,

Flügelhorn),

Daniel Pezzotti

(Megabasscello).

In ihrer Sprache der Musik werden

die Künstler den Charakter

und die Einzigartigkeit der

Concerto-Weine zum Ausdruck

bringen.

Zu jedem Vortrag erhalten

Sie den entsprechenden Wein

serviert.

Bitte telefonische Anmeldung!

Teilnahmebeiträge pro Person

Degustation

nachmittags Fr. 25.–*

Dauerkarte Fr. 35.–*

cantina e cucina, 2. Sept.,

Programm und Preise auf Anfrage

Matinée, 3. Sept. Fr. 48.–*

inkl. anschliessende Degustation

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zuhören, welches ihre Erfolgsgeheimnisse

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2. bis 4. September.

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CH-9008 St.Gallen

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Rocche Costamagna

Serra dei Fiori

Vietti

Lombardia

Ca’del Bosco

Conti Sertoli Salis

Alto Adige

Casòn Hirschprunn

Veneto

Fratelli Tedeschi

Friuli

Venica & Venica

Emilia Romagna

Vallania

Toscana

Castellare

Castello di Fonterutoli

Fontodi

Avignonesi

Lombardo

Belguardo

Le Pupille

La Gerla

Mastrojanni

Il Poggione

Marche

Conte Leopardi

Sicilia

Abbazia Santa Anastasia

Sardegna

Santadi


VERTRAUENSMANN

Er stand der Schweizer TV-Gemeinde für Vertrauen, seine Voten

zum Weltgeschehen hatten publizistisches Gewicht: Erich

Gysling, «unser» Mann in Washington, Jerusalem oder Moskau.

INTERVIEW: ROSMARIE GERBER,

REDAKTION BULLETIN

R.G. Wer Expertenstatus erringen will, be-

R.G. Und wo ordnen Sie Ihre Berichte über

schäftigt sich in der Schweiz ein Leben lang

die USA ein ?

Fotos: Pia Zanetti

ROSMARIE GERBER Journalisten haben wenig

Sozialprestige. Weshalb würde die halbe

Nation ausgerechnet von Ihnen einen Gebrauchtwagen

kaufen ?

ERICH GYSLING Für eine entsprechende

Antwort müsste man die Marke dieses

Gebrauchtwagens kennen.

R.G. Es könnte, sagen Kollegen, sogar ein

Trabant für den Preis eines Mercedes sein.

E.G. Frau Gerber, wohl kaum. Dieses Bild

ist überzeichnet.

mit einem Bereich. Sie haben verschiedenste

Auslandthemen bearbeitet, haben über

Innenpolitik berichtet und sich dem Tierschutz

verschrieben, und die Öffentlichkeit

schreibt Ihnen querbeet Expertenstatus zu.

Weshalb ?

E.G. Die Schweiz ist ein kleines Land mit

wenig Platz für Spezialistentum. Man muss

gewisse Themen besetzen und sich als

Generalist trotzdem bewähren. Ich habe

mich auf den Nahen Osten und Russland

konzentriert.

E.G. Mitte der Sechziger- bis in die Achtzigerjahre

hatte die Berichterstattung über

die USA für mich zentrale Bedeutung.

Dort habe ich lange Zeit als Sonderkorrespondent

gearbeitet. Damals habe ich ein

Buch geschrieben.

R.G. Sie haben zweimal die Tagesschau geleitet.

Macht die Kurzform Experten ?

E.G. Ich denke, man kann nur während

einer gewissen Zeit die Welt in einminütigen

Storys erklären. Ich brauchte immer

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CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Die PS am PC versichern.

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VERTRAUEN

Tätigkeiten, die mehr Vertiefung möglich

machen. Jetzt führe ich mit Hugo Bütler

von der NZZ eine Sendung gegen den

Trend. Wir möchten, dass die Zuseher

und Zuseherinnen der «Standpunkte» am

Ende der Sendung etwas mehr wissen

als zuvor.

R.G. Ihre «Standpunkte» und die «NZZ-Format»-Beiträge

sind wunderbar und anspruchsvoll.

Aber sind diese Beiträge auch

mehrheitsfähig ?

E.G. Nicht unbedingt. Wir produzieren

nicht für ein Massenpublikum. Hugo Bütler

kümmert sich nicht um Quoten, er setzt

auf Substanz.

R.G. In einem Artikel, der Sie als Chefredaktor

von TV-DRS verabschiedet, steht, Sie

könnten den schräg schrillen Tönen der

heutigen Fernsehwelt nichts abgewinnen.

Sind Sie ein Aristokrat, der vom Volk, das

an seinen gehobenen Vergnügungen nicht

teilhat, verehrt wird ?

E.G. Nicht schlecht. Ich hätte nicht gewagt,

so weit zu denken. Infotainment ist

jedenfalls nicht meine Sache. Deshalb

habe ich mich vom öffentlich-rechtlichen

Fernsehen frühzeitig zurückgezogen. Meine

Haltung war: Ändern kann man den Stil,

kann ihn auflockern, aber das sollte nicht

auf die Inhalte durchschlagen.

R.G. Und weshalb haben Sie nicht den Versuch

gewagt, eine inakzeptable Entwicklung

zu verhindern ?

E.G. Eine gute Frage. Aber dieser Trend

war nicht mehr zu stoppen. Die Direktion

unterstützte den neuen Kurs. Ich hätte wohl

kämpfen können, aber mir war klar, dass

ich keine Chance hatte, zu gewinnen.

R.G. Also haben Sie sich in ein gediegenes

Interieur zurückgezogen ?

ERICH GYSLING

Erich Gysling ist 64 und hat lange Jahre die Tagesschau und die Rundschau

des Schweizer Fernsehen DRS geprägt, als Chefredaktor TV-DRS verantwortet.

Über zehn Jahre stand er dem Auslandressort der «Weltwoche» vor.

Vor der Kremlmauer oder am Fuss des Capitol Hill stand Gysling für Kompetenz

innerhalb der TV-Landschaft.

Heute führt er anspruchsvolle Reisende mit seinem Unternehmen «Background-Tours»

gegen gutes Geld in das Innenleben ferner Länder ein und

profiliert sich – unter anderem – als Moderator und Redaktor der Sendung

«NZZ-Standpunkte».

E.G. Fragt sich, wie Sie Rückzug definieren

? Ich halte jährlich zwischen 50 und 70

Vorträge, redigiere die «Weltrundschau»,

reise gegen 90 Tage mit den Background-

Tours und wende weitere 40 Tage für die

unternehmerische Seite meines Reiseunternehmens

auf. Daneben arbeite ich als

Redaktor der «Standpunkte», schreibe für

die «NZZ», das «St. Galler Tagblatt» und

die «Berner Zeitung».

R.G. Ist es Ihnen immer gelungen, differenziert

zu berichten und Einfluss geltend zu

machen ?

E.G. In der Schweiz übt die Presse selbst

im innenpolitischen Bereich kaum Macht

aus. Über Jahre wurde behauptet, die TV-

Medienlandschaft sei rot-grün dominiert.

Hätte das den Tatsachen entsprochen,

wäre die politische Landschaft der Schweiz

rot-grün dominiert.

R.G. Sie sprechen rechte Polemik an. Wie

sieht Ihre Bilanz im politischen Bereich aus?

E.G. Der Bundesrat, fast das ganze Parlament,

fast alle Parteien und die Medien

befürworteten die Uno-Vorlage und den

EWR. Das Volk hat beide Vorlagen abgelehnt.

R.G. Das Nachrichtenmagazin «Spiegel»

zwingt heute noch Minister zum Rücktritt.

Haben die Medien in der Schweiz ihre Rolle

als dritte Macht im Staat verloren oder argumentieren

sie an der Bevölkerung vorbei?

E.G. Unsere Medien agieren aus dem

Nichts. Die Schweiz ist kleinräumig und hat

eigentlich keine grossen Probleme zu bewältigen.

R.G. Haben wir wirklich keine grossen Probleme

oder, ganz simpel, keine Konfliktkultur

?

E.G. Sicher fehlt uns ein Stück Konfliktkultur.

Unsere politische Debatte fügt

Nuancen an Nuancen. Ich glaube, die

Schweiz versteinert in ihrem Wohlsein.

Dabei rede ich hier nicht über Visionen.

Ich glaube, uns fehlt schlicht die Vorstellung

einer Zukunft. Aber vielleicht genügen

unserer Gesellschaft kleine Veränderungen.

Ich denke beispielsweise, dieses Land

hat ein Problem mit Europa. Aber das verdrängt

die Mehrheit auf dieser Insel der

Seligen.

R.G. Sie melden massive Vorbehalte gegen

eine Mehrheit unserer Bevölkerung an. Was

macht Sie trotzdem zum publizistischen

Vertrauensträger schlechthin ?

E.G. Ich habe zwar Stellung bezogen,

mich aber nie zu Effekthascherei hinreissen,

nie von persönlichen Ab- oder Zuneigungen

bestimmen lassen.

Erich Gysling

«Ich habe zwar Stellung bezogen,

aber nie Effekthascherei betrieben.

Damit habe ich Vertrauen gewonnen.»

R.G. Verbieten sich einem guten Journalisten

starke Emotionen oder gar Polemik ?

E.G. Nicht unbedingt. Aber das hätte

wenig mit mir zu tun.

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CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


VERTRAUEN

Ohne Vertrauen ist ihre Arbeit futsch:

Sieben Porträts aus dem Alltag.

Emmenegger, Sexexpertin.

Marta weiss Rat, hiess

Marta

für viele «Blick»-Leserinnen und -Leser die

Devise. Sie vertrauten der Sexexpertin ihre

intimsten Nöte an.

«Vor 20 Jahren begann ich im ‹Blick›,

eine tägliche Kolumne über Probleme mit

Liebe und Sex zu schreiben. Das schlug

ein wie eine Bombe. Ich konnte mich vor

Zuschriften kaum noch retten. So wurde

ich als ‹liebe Marta› landesweit bekannt

und unverhofft zu einer Institution, die über

den ‹Blick› hinausging. Ich trat in Radio und

Fernsehen auf und gehörte bald zu den

so genannten Promis – mit dem Etikett

‹Sextante›. Aber eigentlich ist das Etikett

gerechtfertigt: Schliesslich befasse ich

mich seit 20 Jahren intensiv mit sexuellen

Fragen und ihren seelischen Zusammenhängen.

Mittlerweile wurde daraus ein regelrechtes

Selbststudium in Psychologie,

das noch lange nicht fertig ist, denn je

länger ich mich mit der Sexualität befasse,

desto faszinierender finde ich das Thema.

Warum vertrauten mir wildfremde Menschen

Dinge über ihr Sexualleben an, die

sie nicht einmal ihren engsten Freunden

erzählen würden? Geschweige denn einem

Arzt ? Einmal luden mich die Gynäkologen

sogar zu einem Kongress ein, weil sie herausfinden

wollten, warum man eher bei

mir Rat suchte als bei ihnen.

Erklärt habe ich das mit meiner Volkstümlichkeit.

Schwellenangst gab es bei mir

nicht. Ich war keine Respektsperson im

weissen Kittel, mich konnte man ohne Um-

schweife anrufen, und ich wohnte nicht im

selben Dorf wie der Ratsuchende. Sicher

schuf auch Vertrauen, dass ich Lebenserfahrung

hatte. Als ich als ‹liebe Marta› anfing,

war ich 56 Jahre alt. Ich hatte eine

geschiedene Ehe hinter mir, drei Kinder

grossgezogen und war auch sonst vom

Schicksal nicht verwöhnt worden. Die Leser

kannten mich, sie wussten, ‹die ist auch

schon drangekommen›.Wäre ich eine junge,

attraktive Frau gewesen, hätte man

mir vielleicht nicht ohne weiteres das Herz

geöffnet. Man kann auch andersherum

fragen: Wie schaffe ich Vertrauen ? Indem

ich die Menschen und ihr Problem ernst

nehme. Gerade Menschen in heiklen Lebenssituationen

will ich nicht das Gefühl

vermitteln, ‹das hättest du anders machen

Marta Emmenegger, Sexexpertin: «Die Leser

wussten, ‹die ist auch schon drangekommen›.»


VERTRAUEN

Fotos: Pia Zanetti

sollen›. Ich will Schuldgefühle wegnehmen.

Die Menschen suchen Verständnis bei mir

und bekommen es auch, selbst wenn ich es

manchmal nicht habe, aber das darf der Ratsuchende

natürlich nicht merken. Ich werte

nicht, ich ergreife nicht Partei, ich gebe keine

absoluten Antworten. Ich sage nicht

‹du musst›, sondern ‹ich sehe es so und so›

oder ‹ich würde in eine Beratung gehen›.

Wie sag ichs meinem Kinde ? Der Ton,

in dem ich etwas sage, ist mindestens so

wichtig wie der Inhalt. Wenn ich meine Kolumne

schrieb, wenn ich auf eine Zuschrift

antwortete, wenn ich am Telefon war mit

Ratsuchenden: Immer versuchte ich, etwas

so zu formulieren, dass die Leute die Antwort

annehmen konnten. Das konnte ich

von Anfang an intuitiv. Manchmal dachte

ich dann, hoppla, früher bin ich auch

schön dreingefahren. Auch meine Kinder

bestätigen mir, dass ich eigentlich ziemlich

autoritär war, ich hätte immer gewusst, was

schwarz und was weiss sei.

Bei meiner Arbeit habe ich mindestens

so viel gelernt wie die Ratsuchenden.

Menschlich, und ich habe gelernt, mich

und meine Tätigkeit zu überdenken. Wirklich,

meine Arbeit als ‹liebe Marta› war der

grösste Glücksfall in meinem Leben. Ich

hätte nie gedacht, dass ich das dem ‹Blick›

zu verdanken hätte.»

Meili Dschen

Doris Erbacher, Hebamme: «Ich stehe neben der

Gebärenden und sage: ‹Du schaffst es›.»

Doris

Erbacher, Hebamme. In

aussergewöhnlichen Momenten

leisten Menschen Aussergewöhnliches.

Hebamme Doris Erbacher weiss

dazu einiges zu erzählen.

«Vor der ersten Geburt hat eine Frau

Angst, weil sie nicht weiss, was auf sie zukommt.

Vor der zweiten hat sie Angst, weil

sie es weiss. Bei der Geburt ist sie den

Schmerzen und den Anstrengungen völlig

ausgeliefert. Dann braucht sie eine Person,

der sie absolut vertrauen kann, die sie

körperlich und seelisch unterstützt. Das

bin ich, die Hebamme. Ich stehe neben

der Gebärenden, mache ihr Mut, helfe

beim Atmen, sage ‹du schaffst es›.

Die Psyche spielt eine unglaubliche

Rolle. Ich erinnere mich an eine Frau, bei

der die Geburt harzig verlief. An dem Tag

hatte ich frei, sie fragte nach mir. Als man

ihr sagte, die Doris komme gleich, da ging

es mit der Geburt wie der Blitz. Als ich eintraf,

war das Kind schon da.

Besonders viel Hilfe braucht die Gebärende

gegen den Schluss. Jede Frau

sagt irgendwann einmal ‹jetzt kann ich

nicht mehr›. Dann weiss ich, dass sie kurz

vor dem Ziel ist. So teile ich es ihr aber

nicht mit, denn eine Stunde ist für sie eine

Ewigkeit. Nein, ich sage ‹jetzt braucht es

nur noch zwei Handvoll Wehen›, und bis

sie ausgerechnet hat, wie viele das sind,

ist es schon fast vorüber. Auch nach der

Geburt bleibe ich bei der Mutter. Ich höre

ihr einfach zu, berate sie beim Stillen und

beantworte all die Fragen, die jetzt auftauchen.

Wenn das Kleine schreit und die

Mutter unsicher ist, gebe ich ihr Selbstvertrauen,

sage ihr, dass sie es richtig

macht. Vielleicht nehme ich ihr auch einmal

das Kleine ab, denn die Mutter

hat jetzt keine einfache Zeit – Hormone

und die Psyche machen ihr zu schaffen.

Was zeichnet eine Hebamme aus ?

Sicher die Geduld. Das Durchsetzungsvermögen.

Die Intuition. Sie kann nicht

alles wissen, sie muss auch ihrem Gefühl

vertrauen. Vor allem aber hat sie Engagement.

Wir sind immer für die Gebärenden

da. Wir leben die ganze Geburt

mit. Deshalb haben unsere Hebammen

hier im Storchenäscht keinen ‹nine-tofive›-Job.

Vor 17 Jahren gründete ich das Geburtshaus

Storchenäscht in Lenzburg, weil

mich am Spitalbetrieb störte, dass die

Frauen keine konstante Betreuung haben.

Bei uns gibt es keinen Schichtwechsel,

da sagt keine Hebamme mitten in der

Geburt ‹adieu, machen Sies gut, jetzt

kommt meine Ablösung›. Eine Frau soll

frei von Zeitdruck gebären können, mit der

Familie an der Seite. Die Geburt ist das

nachhaltigste, das wichtigste Erlebnis im

Leben einer Frau. Dass sie sie in einer

ruhigen, sicheren Atmosphäre erfahren

kann, ist man ihr schuldig.

3500 Kinder sind inzwischen im Storchenäscht

auf die Welt gekommen. Viele

Frauen kommen immer wieder, um hier zu

gebären. Eine Wöchnerin ist sogar aus

Dänemark angereist, weil sie ihre drei ersten

Kinder hier geboren hat. Wenn eine

Hebamme richtig arbeitet, wird die Frau

sie nie vergessen. Wenn sie schlecht

arbeitet, auch nicht, aber so etwas möchte

ich nicht erleben. Es gibt nichts Kostbareres,

als wenn eine Frau mit mir

gebären möchte. Das Vertrauen, das ist

das Schönste.»

Meili Dschen

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CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Hans Schiess, Fluglotse: «Zum Glück hat nicht

jeder Fehlentscheid fatale Folgen.»

Hans

Schiess, Flugverkehrsleiter.

Wer als Pilot im dichten

Flugverkehr über Zürich-Kloten kreist

und zum Anflug ansetzt, dessen Schicksal

hängt an Menschen wie Hans Schiess.

«Mehrere Stunden täglich sitze ich vor

dem Radarbildschirm, das Mikrofon vor

dem Mund und die Hand am Knopf, der

die Verbindung zum Cockpit einige Tausend

Meter über mir herstellt. Wenn ich

spreche, müssen die Piloten in mich absolutes

Vertrauen haben. Sie dürfen nicht

eine Sekunde an meinen Worten zweifeln.

Ich darf mir keinen Lapsus leisten. Keinen

Versprecher und kein Missverständnis.

Bedingungsloses Vertrauen ist auf allen

Seiten gefordert: Ich muss mich darauf

verlassen können, dass die Piloten meine

Anweisungen aufs Wort befolgen. Und wir

alle vertrauen dabei dem Computer.

Unsere Arbeit scheint im Grunde simpel:

Wir bringen Flugzeuge aneinander

vorbei. Nur ist das in der Luft nicht so

einfach wie auf der Strasse. Die dritte

Dimension macht alles komplizierter. So

kompliziert, dass selbst der Computer nur

bedingt mithalten kann. Bis jetzt hat noch

keine Maschine die Kombinationsfähigkeit

des menschlichen Gehirns. Die Informationen

aufnehmen, verarbeiten und gewichten,

daraus Flugverläufe planen, voraussehen

und innert Sekundenschnelle

veränderten Gegebenheiten anpassen –

das alles passiert nur im Kopf.

Heute gehen über der Nordschweiz zahlreiche

heftige Gewitter nieder. Ich schwitze,

aber nicht wegen der Hitze, sondern

weil unsere Arbeit jetzt besonders hart ist.

Gewitterzellen blockieren den Anflugweg

zum Flughafen. Jetzt heisst es, anfliegende

Flugzeuge in einen Warteraum zu dirigieren

und eines nach dem anderen herunterzuholen

respektive die startenden hinaufzuschicken.

Die Wartezeit für Abflüge beträgt

bereits ein bis zwei Stunden.

Kaltblütigkeit ist gefordert. Im vertikalen

Abstand von 1000 Fuss, das sind 333

Meter, kreisen mehrere Flugzeuge über

demselben Ort und warten auf eine Gelegenheit

zum Anfliegen. Kommen sich auf

dem Bildschirm zwei Flugzeuge nahe,

steigt mein Stresspegel. Mein Blick bleibt

auf den Radar geheftet, während mich der

Pilot über Funk und gleichzeitig meine

Mitarbeiter über eine interne Verbindung

informieren. Ich muss eine Prioritätenliste

im Kopf erstellen und schnellstens entscheiden.

Passiert mir ein Fehler – was

vorkommen kann, denn schliesslich sind

Fluglotsen auch nur Menschen –, muss

ich den sofort korrigieren. Zum Glück hat

nicht jeder Fehlentscheid fatale Folgen.

Die Konzentration und der Stress sind

anstrengend.Andererseits muss jeder Flugverkehrsleiter

auch ein Flair haben für

Hektik und einen erhöhten Adrenalinspiegel.

Solch ein Job wirkt sich natürlich auch

auf das Privatleben aus. Ich fälle manchmal

zu Hause blitzschnelle Entscheide – was

die Familie nicht immer schätzt. Kürzlich

etwa beschwerte sich mein Sohn, er sei im

Fall kein Flugzeug.»

Meili Dschen

Koni

Rohner betreibt seit vierzehn

Jahren als Kolumnist

beim «Beobachter» Psychologie für jedermann.

Er steht seiner Lesergemeinde brieflich

zur Seite, unterrichtet am Lehrerseminar

und arbeitet ein, zwei Tage pro Woche

als Therapeut.

«Wenn jemand eine Therapie beendet,

bedanke ich mich für das Vertrauen, das

er mir geschenkt hat. Er hat mich ausgewählt,

während längerer Zeit auf meine

Begleitung gezählt und meine Dienste

bezahlt. Er hat meiner Professionalität und

meiner Reife vertraut.

Auch ich muss den Motiven meiner

Klientinnen und Klienten vertrauen können.

Sehen wir uns ein erstes Mal, frage

ich nach ihren Erwartungen. Stehen sich

unsere Vorstellungen diametral entgegen,

lehne ich eine Behandlung ab.

Natürlich bildet sich in einer Therapie

eine asymmetrische Beziehung. Der eine

gibt sich preis, der andere nicht. Aber der

Therapeut sondert keine Devisen ab. Würde

ich eine Klientin oder einen Klienten in

eine Richtung steuern, wäre das ein fataler

Fehler. Wenn Sie so wollen, ein Vertrauensmissbrauch.

Aber das Gegenteil ist

der Fall: Ich verrichte Hebammendienste.

Ich bringe etwas zur Welt, was ohnehin

schon da ist. Und diese Arbeit ist anstrengend,

schliesslich stehe ich im Dienst der

Entwicklung einer Zweitperson.

Ein Therapeut, der sich in die Angelegenheiten

seiner Klienten verstricken lässt,

handelt unprofessionell. Ich übe niemals

Macht aus, das wäre gänzlich undenkbar.

22

Koni Rohner, Psychologe: «Mit 51 Jahren traue

ich mir definitiv zu, das Richtige zu erzählen.»


Pascal Aebischer, Geschäftsstellenleiter: «Wir müssen

professionelle mit sozialer Kompetenz verbinden.»

Wer zu mir kommt, sucht eine Veränderung,

schnelle Ratschläge wird er nicht

bekommen. Weil ich verschiedene Engagements

pflege, kann ich es mir leisten,

mit wenigen Klienten zu arbeiten, jemanden

wegzuschicken, der mich als Feigenblatt

missbraucht.

Über die Kolumne beim ‹Beobachter›

bin ich zu einer Art Psychologielehrer der

Nation mutiert. Immerhin kann ich mit fast

einer halben Million Leserinnen und Lesern

rechnen. Beim Start als Schreiber vor vierzehn

Jahren haben einige Kollegen und

Kolleginnen über mein boulevardeskes

Engagement die Nase gerümpft. Inzwischen

haben sich die Wertvorstellungen

der akademischen Welt dem Medienzeitalter

angeglichen.

Mir machen die Leserkontakte nach wie

vor Spass. Mit 51Jahren traue ich mir auch

definitiv zu, das Richtige zu erzählen. Und

meine Art scheint durchaus anzukommen.

Ich habe praktisch jeden Tag einen Brief

von Ratsuchenden persönlich zu beantworten.

Aber auch bei der ‹Beobachter›-Gemeinde

warte ich nicht mit Patentlösungen

auf. Meine Klienten, meine Leserinnen

und Leser vertrauen mir. Ich mir auch.

Eigentlich wünsche ich mir eine Welt,

in der keiner Macht über andere hat, in

der Vertrauen dominiert. Darüber hinaus

bin ich ein berufsmässiger Optimist: Ich

glaube, sogar die Zuschauerzahlen bei Big

Brother lassen sich mit zwischenmenschlichem

Engagement erklären.»

Rosmarie Gerber

Pascal

Aebischer ist Familienvater,

Offizier, Bergsteiger

und Geschäftsstellenleiter der

Credit Suisse in Murten.

«Jede Beziehung, sei sie geschäftlich

oder privat, braucht gegenseitiges Vertrauen.

Wenn ein Kunde oder eine Kundin

einen Kredit beantragt, müssen viele persönliche

Details offen gelegt werden. Bereits

der erste Kontakt ist eine Sache des

Vertrauens. Mir liegt viel daran, mit dieser

Vorleistung sorgfältig umzugehen. Natürlich

haben wir uns bei jeder Entscheidung

an unsere Geschäfts- und Kreditpolitik zu

halten. Aber innerhalb dieser Leitplanken

bleibt ein Spielraum. Lehnen wir ein Kreditbegehren

ab, heisst das nicht, das wir unserm

Gegenüber nicht vertrauen. In solchen

Situationen ist ein offenes Gespräch wichtig.

Auch nach einem negativen Entscheid

muss man sich in die Augen sehen können.

In einer kleinen Stadt wie Murten ist

diese Offenheit zentral. Ich arbeite seit

1997 hier. In Murten ist es leicht, Beziehungen

zu pflegen, sich privat und geschäftlich

zu integrieren. Meine Mitarbeiterinnen,

Mitarbeiter und ich wissen, wie

einige unserer Kunden ihre Freizeit verbringen,

wie sie leben. Das erleichtert

uns, persönliche Bedürfnisse abzuschätzen.

Aber wir verhandeln mit mündigen

Frauen und Männern, die Kompetenz verlangen.

Persönliche Beziehungen sind

hilfreich. Vertrauen holen wir uns hauptsächlich

mit guten Dienstleistungen und

umfassender Beratung. Zufriedene Kundinnen

und Kunden reden über ihre positiven

Erfahrungen. Das ist wichtig, weil wir,

die Grossbanken, derzeit nicht den besten

Ruf geniessen.

Wenn die Rede geht, die Grossbanken

machen die Kleinen, gemeint sind vorweg

die Gewerbler, kaputt, macht mir das zu

schaffen. Dieses Bild ist schwer auszumerzen.

Dabei stellen wir uns selbstverständlich

die Frage, ob ein Betrieb in

irgendeiner Form wieder fit gemacht

werden kann. Haben wir ein kleines Unternehmen

schliesslich über Wasser gehalten

und im Markt integriert, zeitigen wir

keine positiven Schlagzeilen. Und darüber

kann ich nicht öffentlich referieren. Ich bin

an das Bankgeheimnis gebunden.

Es ist nicht nur der Image- und Vertrauensverlust

aus den Krisenjahren, der

ins Gewicht fällt. Die Grossbanken haben

fusioniert und tausende von Stellen abgebaut.

Das hat die Öffentlichkeit beunruhigt.

Ich glaube, keiner kann behaupten,

dass die Credit Suisse im Jahr Zweitausend

das bessere Image hat als vor fünfzehn

Jahren. Vertrauen geht schneller

verloren, als es aufgebaut ist. Eine Gegenstrategie

kann ich nur im kleinen Rahmen

umsetzen. Für mich ist ganz klar: Jede

und jeder von uns muss sich mit unsern

Produkten und mit der Credit Suisse voll

und ganz identifizieren. Wir müssen professionelle

mit sozialer Kompetenz verbinden

und im Alltag leben. Nur auf diese

Weise kann Vertrauen breit verankert

werden.»

Rosmarie Gerber

23

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


VERTRAUEN

Rolf

Heusser war massgeblich am

Nationalfondsprojekt beteiligt,

das die ersten breiten Daten zum

Thema Aids in der Schweiz präsentiert.

Der Oberarzt am Institut für Sozial- und

Präventivmedizin der Universität Zürich:

«Aids hat die Sexualität verändert. Vertrauen

hat in Partnerschaften und bei flüchtigen

Begegnungen Gewicht gewonnen.

Das Nationalfondsprojekt war eine

Langzeitstudie. Die Probandinnen und Probanden

wurden durch die Aids-Beratungsstellen

befragt. Trotz des Tabubereichs

entwickelte sich Vertrauen zwischen den

Beteiligten. Die Resultate dieser Studie

haben uns solide Aufklärungsarbeit ermöglicht.

Heute sind die Aidszahlen in der Schweiz

zurückgegangen. Aids ist eine Krankheit,

aber Aids ist nicht heilbar. Und noch immer

stecken sich in der Schweiz zwei bis drei

Leute täglich an. Gleichzeitig explodiert

Aids in der Dritten Welt.

Ich gebe Präventionsunterricht an Schulen

mit verschiedensten Altersklassen. Ich

missioniere nicht, ich bekehre keinen, und

vor allem stigmatisiere ich keine Person,

was immer sie tut. Ich hole mir das Vertrauen

der Jugendlichen mit Fakten und

animiere zu tabufreier Diskussion. Nein,

dieses Publikum akzeptiert nicht einfach

meinen Titel oder meine Funktion. Die

Schülerinnen und Schüler haben ein feines

Gefühl für Glaubwürdigkeit, sie wollen

überzeugt werden.

Bei meiner Arbeit funktioniere ich nicht

als Lusttöter und schon gar nicht als Killer

erotischen Urvertrauens. Und Jugendliche

können mit unsern Informationen umgehen.

Sie lernen, wie man, mit und trotz Aids,

Genuss in der Sexualität findet. Drei Viertel

dieser Altersgruppen schützen sich

heute bei einer neuen Partnerschaft oder

Gelegenheitskontakten mit Kondomen.

Nur 50 bis 55 Prozent der Männer und

Frauen zwischen 40 und 55 verwenden

dagegen bei Gelegenheitssex Kondome.

Versagt haben wir bei dieser Altersgruppe

nicht, aber der Erfolg unserer Kampagne

war, zugegeben, nicht durchschlagend.

Ich glaube, unsere spielerischen Spots

und Inserate haben nicht nur über die

Grenzen hinaus Aufsehen erregt, die Aidskampagne

hat Tabus aufgelöst. Sexualität

darf und muss diskutiert werden. Offenheit

ist gefragt, fehlendes Vertrauen kann

tödlich sein.

Erfolg hatten wir aber auch, weil alle

Beteiligten am gleichen Strick gezogen

haben. Die Politik, die Betroffenen und

die Bevölkerung hatten eingesehen, dass

es hier um eine gefährliche Krankheit geht.

Die positive Entwicklung in der Schweiz

und der westlichen Welt gibt aber auch

Grund zur Sorge. Die Gelder für die Prävention

werden beschnitten, eine gewisse

Nachlässigkeit setzt ein. In San Francisco

steigen die Zahlen der Aidserkrankten

bereits wieder an. Das beunruhigt mich:

Safer Sex muss zum Dauerthema werden,

weil jedes Jahr neue Männer und Frauen

in die Sexualität hineinwachsen. Safer Sex

muss zum Dauerthema werden, weil ältere

Männer und Frauen wieder und wieder mit

den Fakten konfrontiert werden müssen;

weil wir gewisse Zielgruppen noch nicht

ausreichend erreicht haben.

Bei der Stop-Aids-Kampagne hat der

Staat nicht nur koordiniert, er hat auch

Kreativität ermöglicht. Aber wenn Sexualität

im Spiel ist, spielen immer auch Emotionen,

und alle sind betroffen. Vielleicht

ist unser Erfolg deshalb weit weniger

durchschlagend, wenn es um Ernährungsgewohnheiten,

Alkohol und Tabak geht.

Aber ich denke, der Kampf gegen Aids hat

uns einiges gelehrt.

Wir, die Präventionsfachleute, wollen

verhindern, dass unsinnig Lebensjahre

preisgegeben werden. Ich persönlich bin

von der Gesundheitsidee überzeugt. Auch

ohne Qualm, Alkohol, auch mit Safer Sex

kann man sich seelisch, sozial und physisch

wohl fühlen.»

Rosmarie Gerber

Rolf Heusser, Oberarzt:«Sexualität muss diskutiert

werden, fehlendes Vertrauen kann tödlich sein.»


Rosmarie

Ladu, Köchin

und Wirtin der

Oberen Flühgasse, bringt mit währschaftem

Braten und frischer Rösti die Hochfinanz

auf Tuchfühlung mit den Arbeitern

vom Bau, die Intelligenz zum Gedankenaustausch

mit Vorstadt-Gewerblern.

«Eine Beiz kann nur zur Heimat werden,

wenn man sich gegenseitig vertraut. Mein

Mann Pietro und ich arbeiten seit 35 Jahren

zusammen, Anna und Hanni, die beiden

Serviertöchter, gehören seit praktisch

20 Jahren zu uns.

Die Flühgasse war schon immer eine

Beiz für alle Leute. Mein Vater war Viehhändler

und meine Mutter führte die Beiz.

Und wir waren nicht reich. In den frühen

Fünfzigern waren wir ein Ausflugsziel im

Grünen. Weil viel gebaut worden ist, kamen

während der Woche die Handwerker

Rosmarie Ladu,Wirtin: «Vor Geld muss man keinen

Bückling machen, so bewahrt man Vertrauen

zum Mitagessen, und ich musste von der

Schule nach Hause springen, um die Teller

hin und her zu tragen. Es war klar, dass

man nicht die Madame spielen konnte. Ein

Teil unserer Gäste gehört – heute wie damals

– fast ein bisschen zur Familie. Wenn

es denen schlecht ging, waren sie eben

auch an Weihnacht da. Meine Mutter wusste

alles über ihre Gäste, hat sich aber kein

Urteil erlaubt. Und mein Vater hat uns

beigebracht, dass man vor Geld keinen

Bückling machen müsse. Ich glaube, auf

diese Weise bewahrt man sich gegenseitigen

Respekt und Vertrauen.

Die letzten beiden Schuljahre war ich in

Menzingen, im Internat. In dieser Zeit

träumte ich davon, Stewardess oder Veterinärin

zu werden. Dann ging ich nach

Hause, weil meine Mutter kein Personal

hatte. Ich machte Kochkurse und half

überall. Bei meinem Vater habe ich gelernt,

eine ganz präzise Fleischkontrolle zu machen.

Heute kehrt jeweils um neun Uhr

der Express-Pöstler bei uns ein, Männer

und Frauen aus der Gärtnerei oder Bauarbeiter

kommen zum Znüni. Am Morgen

trinken die Leute nur noch selten, der Leistungsdruck

verbietet den Alkohol. Kurz

darauf kommen die ersten Gäste zum

Aperitif und dann zum Mittagessen. Den

Frühdienst mache ich regelmässig selbst.

Dabei arbeiten Pietro und ich Hand in Hand.

Ohne diese Zusammenarbeit könnten wir

dem Ansturm am Mittag und am Abend

gar nicht standhalten. Also, ich muss schon

sagen, Pietro macht sich für einen Chübelimurer

(gelernter Maurer) wirklich gut.

Fleisch und Gemüse beziehen wir seit

Jahren von den gleichen Lieferanten. Man

kontrolliert die Ware, aber eigentlich kann

man einander längst vertrauen. Wir wollen

die guten Stücke, aber wir feilschen nicht.

Qualität hat einfach ihren Preis. Man macht

keine guten Geschäfte, wenn man gute

Ware ‹vernüttelet›.

Natürlich kennen wir die meisten unserer

Gäste und machen uns Gedanken,

wenn Leute kaum mehr kommen. Man

fragt sich, geht es denen nicht gut oder

hat man etwas falsch gemacht, hat man

ihr Vertrauen enttäuscht.

Anna und Hanni wissen, ob jemand

eine dunkle Rösti will oder eine helle. Über

solche Kleinigkeiten freuen sich unsere

Gäste. Das ist ein Teil des Heimatgefühls,

das den Leuten im Beruf und im Privatleben

immer mehr abhanden kommt.

Gelegentlich vergessen sich Leute ein

wenig, wenn sie sich beim Essen entspannen.

Deshalb setze ich manchmal bestimmte

Gäste nebeneinander. So ergeben

sich in einer vertrauten Umgebung

Gespräche und hin und wieder richtige

Freundschaften. Wir mögen unsere Gäste,

Marketing betreiben wir nicht. Wir sind

einfach da und machen unsere Sache so

gut wir nur können.»

Rosmarie Gerber

25

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


PETER HÄNGGI UND

ORANOS SIND INNIG

VERBUNDEN.

EIN


VERTRAUEN

«Blindes Vertrauen» ist mehr als eine platte Redewendung.

Für Peter Hänggi ist es alltäglich.

VON RUTH HAFEN,

REDAKTION BULLETIN

«Oranos, zebra!» Auf das Hörzeichen hin

sucht der Hund den nächsten Fussgängerstreifen

und führt seinen Herrn zielstrebig

darauf zu. Sie müssen die Strasse

überqueren, um zur Traminsel zu gelangen.

Beide warten an der Ampel, der Hund sitzt

ruhig da, fast wie in Bronze gegossen. Ein

akustisches Signal zeigt die Grünphase an.

Sie überqueren die Strasse, die Hand des

Mannes am Führgeschirr des Hundes.

Der grosse Blonde ...

Peter Hänggi ist 34 Jahre alt. Ein hoch

gewachsener, sportlicher Mann mit dunkelblondem

Haar, der mit beiden Beinen

im Leben steht. Er wurde mit dem Röhrenblick

geboren, einer Augenkrankheit, die

sein Gesichtsfeld stark einschränkt. «Als

Bub habe ich gerne Fussball gespielt, bin

Velo gefahren. Mit 16 hatte ich einen

grossen Krankheitsschub. Beim Velofah-

ren konnte ich den Strassenrand nicht

mehr erkennen.» Sein Sehvermögen hatte

sich rapid verschlechtert. Peter Hänggi

hätte gerne einen handwerklichen Beruf

erlernt, um dann in die Gipserfirma seines

Vaters einzusteigen. Doch das war wegen

seiner Sehbehinderung nicht möglich. Er

machte das KV, das erschien ihm am aussichtsreichsten.

Schlimmer als das Aufgeben

des Berufswunsches war für ihn, dass

sich seine Kollegen von ihm zurückzogen,

weil sie mit seiner Behinderung nicht umgehen

konnten. «Ich musste lernen, anders

zu leben, mich neu orientieren. Das

war hart.» In der Familie wurde nie viel über

seine Krankheit gesprochen, und er nahm

sein Leben selber in die Hand. Peter

Hänggi ist nicht einer, der stehen bleibt.

Heute bildet er sich während drei Tagen in

der Woche zum Informatiker weiter.

... mit dem Labrador

Oranos, ein stämmiger Labrador mit hellem

Fell, wurde 1990 in der Schule für

Blindenführhunde in Allschwil geboren und

dort zum Führhund ausgebildet. Mit seinen

37 Kilogramm Körpergewicht und einer

Schulterhöhe von 68 Zentimetern ist er

eine stattliche Erscheinung. Fressen würde

er alles, was ihm vor die Schnauze kommt

– wenn man ihn liesse. Seit 1992 führt er

Peter Hänggi durchs Leben. Er ist ein sehr

zuverlässiger, feinfühliger, aber manchmal

auch sehr eigensinniger Hund.

«Oranos, bissoguet!» Seine Dickköpfigkeit

ist bisweilen ziemlich mühsam. Es gibt

Tage, da ist er überhaupt nicht motiviert.

«Im Führgeschirr ist er manchmal sehr eigenwillig.

Er entscheidet dann einfach selber.

Führtechnisch gesehen macht er es

zwar richtig, aber es entspricht nicht dem,

was ich will.» So landete Peter Hänggi im

Hochsommer einmal vollbekleidet im

Fluss, weil Oranos sich für ein Bad entschieden

hatte. So eigensinnig und rüpelhaft

Oranos sich manchmal bei der Arbeit

verhalten mag, so sensibel kann er nach

Feierabend sein: «Wenn er merkt, dass es

FALL FÜR ZWEI

Fotos: Thomas Schuppisser

27

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


mir schlecht geht, dann kommt er zu mir,

stösst mich mit der Schnauze in die Seite,

tröstet mich. Das schätze ich wahnsinnig

an ihm.»

Heute sind sie ein gutes Team. Aber zu

Beginn war die Beziehung zwischen Peter

Hänggi und Oranos nicht problemlos. Peter

Hänggi hatte keine Erfahrung mit Hunden.

Hinzu kam, dass Oranos ein eher zurückhaltender

Hund ist, der sich nicht gleich

jedem an den Hals wirft. «Er war sehr auf

den Ausbilder fixiert, das ist ja normal.

Aber er wollte mich in den ersten zwei Monaten

kaum führen. Für mich war es

schwierig, ihm zu zeigen, dass ich jetzt der

Meister bin und er mir gehorchen muss.»

Zusammen mit dem Ausbilder konnte

Hänggi die Probleme lösen, aber «ein paar

Mal hat er schon noch versucht, seinen

Kopf durchzusetzen».

Oranos macht Tempo

Peter Hänggi hatte Mühe, sich einem

Hund anzuvertrauen. Früher war er mit

dem Langstock unterwegs. Wenn er sich

unsicher fühlte, fragte er sich durch. Mit

dem Hund veränderte sich seine Situation

vollständig. «Am Anfang hatte ich manchmal

Angst, dass er mich irgendwo hineinlaufen

lässt. Ich musste noch lernen, dem

Hund voll zu vertrauen.» Peter Hänggi hat

seine Lektion gelernt. Heute weiss er,

dass er sich auf Oranos verlassen kann,

wenn dieser ihn selbstsicher und zielstrebig

führt. Er geniesst die Sicherheit und

die Geschwindigkeit, mit der er sich dank

Oranos in der Stadt fortbewegt.

Vertrauen braucht Selbstvertrauen, Gelassenheit:

«Man darf sich nicht versteifen,

man muss einfach das Führgeschirr schön

locker in der Hand halten und dem Hund

nachgehen.» Das funktioniert nur, wenn

der Hund das tun kann, wofür er ausgebildet

wurde. Wenn er aber mit «tempo» zur

Eile angetrieben wird, kann es vorkommen,

dass er Fehler macht, Hindernisse

nicht anzeigt. Bei einer Frontalkollision mit

einer Baubaracke bezahlt es der Hundeführer

dann auch mal mit einem blauen

Fleck.

Vertrauen ist die wichtigste Komponente

in der Beziehung zwischen Führhundehalter

und Führhund. Peter Hänggi erinnert sich

an ein Schlüsselerlebnis: Im Welschland

war er einmal auf der falschen Seite aus

dem Zug gestiegen. «Ich habe es erst gemerkt,

als ich im Schotter stand.» Er wollte

dann über die Geleise auf den Perron

gelangen. Jemand warnte ihn vor einem

herannahenden Zug. Gleichzeitig fuhr der

Zug hinter ihm an. «Ich hatte keine Chance,

da herauszukommen. Ich wusste nicht,

was ich tun sollte. Aber Oranos blieb total

ruhig. Er vertraute mir, sass

zwischen meine Beine. Wir

warteten wie festgefroren, bis

beide Züge durch waren. Der

Hund hatte absolutes Vertrauen

in mich und ich in

ihn. Das war ein Wahnsinnserlebnis.»

«Taxiporta, Oranos!» Der

Hund führt Peter Hänggi zur

Tramtür. Im Tram ist es seine

Aufgabe, «banca», einen Sitzplatz zu finden

und diesen anzuzeigen, indem er seinen

Kopf darauf legt. Peter Hänggi fährt von

Montag bis Mittwoch mit dem Tram zur

Schule. Sein Führhund ist immer dabei.

Auch wenn Peter Hänggi abends mit seiner

Frau ausgeht, nimmt er den Hund mit.

«Passare, Oranos!» Auf dem Nachhauseweg

versperrt ein Velo auf dem Trottoir

den Weg. Geradeaus sieht Peter

Hänggi noch ein wenig, aber Hindernisse

kann er nicht mehr ausmachen. Der Hund

bleibt stehen, bis Peter Hänggi sich über

die Situation im Klaren ist und ihm den

Befehl gibt, das Hindernis zu umgehen.

Brücke zur Welt

Oranos ist müde. Seine Arbeit erfordert

höchste Konzentration. Mit zehn Jahren ist

er nicht mehr der Jüngste, aber immer

noch recht gut in Form. Seine stärksten

Zeiten sind vorbei, das weiss Peter

Hänggi.

Als sich Oranos vor einigen Jahren eine

Vergiftung zuzog und beinahe gestorben

wäre, musste er sich mit der Möglichkeit

auseinander setzen, seinen Partner zu verlieren.

«Wenn die Qualität der Arbeit nachlässt,

leiden wir beide. Dann muss ich ihn

in den Ruhestand schicken. Mich nach

einem neuen Hund umsehen. Das ist

hart.» Oranos ist mehr als ein Arbeitsinstrument,

ein Mittel zum Zweck, ein

Haustier. Er ist Peter Hänggis Brücke zur

Welt der Sehenden.

Ruth Hafen, Telefon 01 334 15 66

ruth.hafen@credit-suisse.ch

28 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


VERTRAUEN

LEHRJAHRE

Drogenhunde, Hirtenhunde, Jagdhunde, Lawinenhunde,

Polizeihunde, Wachhunde. Berufstätige Hunde gibt es viele.

Sozial engagiert ist nur der Blindenführhund.

In der Schweizerischen Schule für Blindenführhunde

in Allschwil werden jährlich bis

zu 20 Hunde zu Blindenführhunden ausgebildet.

Der intensive Kontakt der Welpen

mit den Betreuern soll helfen, das Vertrauen

in den Menschen aufzubauen. Bereits

im zarten Alter von sechs Wochen

macht man mit ihnen erste Ausflüge in die

Stadt. Die Hundebabys müssen sich zum

ersten Mal mit Lärm und Verkehr auseinander

setzen. In der Freizeit fördert das

Spiel mit den Artgenossen Sicherheit und

Selbstbewusstsein der kleinen Kerle. Etwa

nach 52 Tagen findet der erste Eignungstest

statt. Ein Ausbilder prüft das Verhalten

der Welpen: Wie schnell erholen sich die

kleinen Racker nach einem schreckhaften

Erlebnis? Verziehen sie sich mit eingeklemmtem

Schwanz zitternd in eine Ecke und

bleiben dort, oder treibt sie die Neugierde

bereits nach wenigen Sekunden wieder auf

Entdeckertour ?

Mit zehn Wochen werden die jungen

Hunde dann für rund eineinhalb Jahre in eine

Patenfamilie gegeben und erhalten eine

solide Grunderziehung. Sie lernen mit dem

Strassenverkehr und den öffentlichen Ver-

kehrsmitteln umzugehen, sich im Strassengraben

zu versäubern, und sie machen erste

Erfahrungen mit dem Führgeschirr.

Nach 18–20 Monaten in der Patenfamilie

kehrt der Hund für die Fachausbildung in

das Zentrum nach Allschwil zurück. Er trainiert

das Anzeigen oder Umgehen von Hindernissen

am Boden, auf der Seite oder in

der Höhe. Zudem lernt er insgesamt 30

Hörzeichen, mit denen der Sehbehinderte

dem Hund seinen Willen mitteilt: Geradeausgehen,

Richtung wechseln, Billettschalter,

Bancomat, Fussgängerstreifen, Ausgang,

Sitzplatz oder Treppe finden. Die

Hörzeichen sind grösstenteils dem Italienischen

entlehnt, zum Beispiel sini für

sinistra (links), destra (rechts), fuori (Ausgang),

porta (Tür), scala (Treppe). Die

vokalreiche Aussprache schmeichelt dem

Hundeohr offensichtlich.

Weil Hunde soziale Wesen sind und

sich gerne im Rudel aufhalten, werden sie

nach der Arbeit nicht isoliert in Zwingern

gehalten. Die Hundeunterkünfte in Allschwil

gleichen eher einer Jugendherberge: Die

Hunde sind jeweils zu zweit untergebracht,

jeder hat seinen Schlafplatz mit seinem

Spielzeug. Abends läuft noch das Radio,

und um zehn wird das Licht gelöscht.

Nach sechs bis neun Monaten Ausbildung

tritt der Führhund in spe zur Abschlussprüfung

an: Ein Experte der Eidgenössischen

Invalidenversicherung testet

zusammen mit dem Ausbilder die Fertigkeiten,

die sich der Hund in der Ausbildung

angeeignet hat. Nach bestandenem

Praxistest in der rauhen Wirklichkeit kann

der frischgebackene Führhund bei seiner

zukünftigen Meisterin oder seinem zukünftigen

Herrn platziert werden.

Familien, die an einer Patenschaft

interessiert sind, erhalten weitere

Auskünfte bei der Stiftung Schweizerische

Schule für Blindenführhunde,

Markstallstrasse 6, CH-

4123 Allschwil, Tel. 061 487 95 95.

Sehenswert zum Thema ist der

1997 im Auftrag von SF DRS entstandene

Dokumentarfilm von

Kurt Gloor: «Piloten für die Dunkelheit.

Eine Liebeserklärung an

Blindenführhunde.»

29

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Wir helfen aidsbetroffenen Kindern

AIDS & KIND. Eine Stiftung, die betroffenen Kindern und ihren Angehörigen in

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sich für die Prävention bei Jugendlichen engagieren. Und Menschen, die sich

für die Integration der Betroffenen einsetzen.

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Telefon 01 422 57 57, Fax 01 422 62 92

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31

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


GEGEN

DEN

BÖRSEN-

KATER

Trunkene Anlegerinnen und Anleger verwechseln

die Börse mit einer Lotterie mit Dauer-Haupttreffern.

Beratung und Kalkül beugen dem Trader-Kater vor.


AKTUELL

Foto: Mathias Hofstetter

VON MARIO BASSI UND

ROSMARIE GERBER

Mitten in der Sommerflaute rüttelt Helvetiens

publizistische Mutter Theresa, der

«Beobachter», ihre Lesergemeinde auf und

titelt: «Eine Nation im Börsenrausch». Das

Massenblatt liegt nicht falsch: Seit den

Neunzigerjahren sind die Zinsen der Sparkonten

von knapp fünf auf rund ein

Prozent gesunken. Gleichzeitig schreiben

schnelle Gewinne an der Börse fette

Schlagzeilen und reizen Gier und Spieltrieb

des Publikums. Immer mehr Kleinanleger

und -anlegerinnen wollen ihre

Ersparnisse mit fetten Gewinnen auf dem

Aktienmarkt subito vervielfachen.

1998 wiesen die Schweizer Banken

Wertschriftendepots mit Aktien und Fonds

über 881 Milliarden Franken aus. Die Statistik

der Nationalbank schreibt 310 Milliarden

davon «inländischen, unselbständigen

Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen»

zu. Ein Jahr später war der Gesamtwert

auf 1069 Milliarden Franken gestiegen,

413 Milliarden davon wurden Privatpersonen

zugeordnet.

Nicht für die Karibik buchen

Blindes Vertrauen auf euphorische Berichte

lässt beschränkte Mittel allerdings

kaum zu grossen Vermögen anwachsen.

Wer Erspartes massgeschneidert anlegen

möchte, sollte sich vorweg Gedanken

über den Verwendungszweck seines Vermögens

machen. Anlagen müssen geplant

werden wie Ferienreisen. Wer von europäischen

Metropolen fasziniert ist, wird

kaum einen Flug in die Karibik buchen.

Die Destinationen pekuniärer Reisen sind

auf ähnliche Weise individuell festzumachen:

Während gewisse Arbeitnehmer auf

zusätzliche Mittel für einen vorzeitigen

Ruhestand setzen, steht für andere der

Kauf eines Eigenheimes oder die Finanzierung

einer Ausbildung für die Kinder im

Vordergrund. Die Sparziele bestimmen

den Anlagehorizont: Während der Hauskauf

meistens drängt, lassen Ausbildungskosten

und frühe Pensionierung einen

breiteren Rahmen offen. Wer seine Bedürfnisse

so weit bestimmt hat, sollte über

die Bücher gehen: Das derzeitige Vermögen,

die laufenden Einnahmen und Ausgaben

bestimmen und schliesslich die

monatliche Sparquote festlegen. Etwa ein

Drittel der Schweizer Wohnbevölkerung ist

privat – in unterschiedlichster Form – am

Börsengeschäft beteiligt. Wer seine Anlagestrategien

sorgfältig abwägt, wird Euphorie

und Panik in Grenzen halten.

Aber jede Kapitalanlage, jeder Markt

und jede Branche, ist gewissen Risiken

ausgesetzt. Die höheren Gewinnerwartungen

der Aktien werden mit grössern Wertschwankungen

gegenüber Geldmarkt und

Obligationen erkauft. Ein breit diversifiziertes

Portefeuille mit langfristigen Anlagen

vermeidet grosse Kursschwankungen.

Fröhlich alt werden

Wer innerhalb von zwei Jahren in den eigenen

vier Wänden residieren möchte, sollte

nicht auf Technologie-Aktien setzen. Wer

dagegen in zwanzig Jahren Bares zur Verfügung

haben will, tut gut daran, einen Teil

seines Vermögens in Technologie-Fonds

anzulegen. Allerdings spielt nicht nur das

Kalkül eine Rolle. Wer trotz solider Finanzplanung

bei jeder Kursschwankung einem

Nervenzusammenbruch nahe kommt, sollte

sich ein Hightech-Engagement zweimal

überlegen.

Sind Ziel, Budget und Zeithorizont klar,

wird die Anlagestrategie definiert, werden

Chancen und Risiken in Einklang gebracht.

Mit zusätzlichen 400 000 Franken,

beispielsweise, könnte sich eine 47-jährige

Buchhalterin in zehn Jahren vorzeitig

von ihrem Arbeitsalltag verabschieden.

150000 Franken kann sie sofort investieren,

600 Franken kann sie monatlich von

ihrem Einkommen für die Vermögensbildung

aufwenden. Sie muss durchschnittlich

sieben Prozent Gewinn pro Jahr

erwirtschaften, wenn sie in zehn Jahren

400 000 Franken zur Verfügung haben

will. Sorgfältig abgewogen, lässt sich präzise

das Dossier zusammensetzen, das mit

geringen Schwankungen eine Jahresrendite

von sieben Prozent erbringt.

Ob die Gelder einem Fonds zugeführt

oder besser Direktanlagen getätigt werden,

ist von der finanziellen Situation der

Anleger abhängig zu machen. Ein beachtliches

Vermögen lässt breitern Spielraum.

Vorsicht ist auf jeden Fall bei Direktanlagen

in die eskalierenden Technologie-Titel

geboten: Mit Themenfonds können die Risiken

in einem schwer kalkulierbaren neuen

Geschäftsbereich eingegrenzt werden.

Heisse Tipps meiden

Anlegerinnen und Anleger mit definierter

Strategie können mit der Erfüllung ihrer

Sparziele innerhalb der gesetzten Frist

rechnen. Wer sich von heissen Tipps verführen

lässt, hat reelle Chancen, mit

dicken Verlusten mitten im finanziellen

Niemandsland zu erwachen. Und die fiebrigen

Kleinanleger können das Geschäft

an der Börse tüchtig turbulieren. Der «Beobachter»

zitiert Roger Kunz, Economic

Research der Credit Suisse: «Möglicherweise

nähern wir uns einer so genannten

Dienstmädchenphase.» Die Neuanleger,

unterstellt Kunz, könnten mit dilettantischen

Investitionen eine Hausse und

einen spätern Kurssturz verursachen. Und

schlimmer noch: Erste Anzeichen solcher

Verzerrungen des Marktes würden professionelle

Trader zum Rückzug animieren.

Trotzdem können Privatpersonen mit

einem kleinen Teil ihres Vermögens, geschicktem

Timing und guter Titelwahl an

der Börse zusätzliche Gewinne erzielen.

Und wer nicht selbständig agieren will,

wird bei jeder Bank Beraterinnen und

Berater finden, die über Hintergrundwissen

verfügen. Dabei spielt wiederum das

Beispiel der Ferienreise: Wer nach New

York will, wird die Angebote verschiedener

Reisebüros vergleichen, hinterfragen und

schliesslich buchen.

Mario Bassi, Telefon 01 333 77 64

mario.bassi@credit-suisse.ch

33

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Photographed by Richard Avedon.

McCANN-ERICKSON

“Of course, faith is a risk – but one

I would never risk living without.”

Archbishop Desmond M.Tutu


AKTUELL

«Wer zockt, sollte nicht seine Substanz

ins Spiel werfen», rät Mario A.Bassi,

Investment-Spezialist der Credit Suisse.

INTERVIEW: ROSMARIE GERBER,

REDAKTION BULLETIN

Foto: Pia Zanetti

ROSMARIE GERBER Die Medien beschwören

umfassendes Börsenfieber und Crash-

Ängste. Steht ein Schwarzer Freitag ins

Haus ?

MARIO A. BASSI Wer an der Börse investiert,

will Geld verdienen. Professionelle

Anleger agieren langfristig. Die Börse wird

sich allein durch die Nachfrage nach Wertschriften

weiterentwickeln. Die Leute

werden immer älter, ihre finanziellen Bedürfnisse

müssen langfristiger gedeckt

werden. Kein Wunder, dass auch die AHV

seit 1997 an der Börse präsent ist. Und

auch die Institutionen der zweiten und dritten

Säule legen ihre Gelder in Aktien an.

R.G. Also setzen Sie auf die Stärke der institutionellen

Anleger und nehmen Crash-Prophezeiungen

als skandalträchtige Fiktion ?

M.A.B. Ein Crash schmerzt lediglich, wenn

Anlegerinnen und Anleger ihre Hausaufgaben

nicht gemacht haben. Wer für kurzfristige

Sparziele hohe Risiken eingeht,

dem spielt ein Crash übel mit.

R.G. Aber zur Debatte stehen unbedarfte

Traderinnen und Trader, die mit dem Geld

aus ihrem Sparstrumpf spekulieren. Können

diese Desperados eine Katastrophe

verursachen ?

M.A.B. Ein Crash wird meistens durch Ereignisse

von aussen verursacht: Denken

Sie beispielsweise an den Golfkrieg. Bei

solchen Ereignissen können unbedarft

hektische Trader den Trend bedenklich

verstärken. In Südostasien, an dessen

Börsen oft eine extreme Zocker-Mentali-

tät herrscht, bemüht sich derzeit die thailändische

Börse darum, aus Zockern

Anleger zu machen. Das ist auch unser Anliegen.

Zocker produzieren Hektik, keine

langfristigen Gewinne.

R.G. Wir sind ständig mit Meldungen von

fantastischen Börsengewinnen konfrontiert.

Kommt Ihre Botschaft in diesem

Rahmen bei den CS-Kundinnen und -Kunden

an ?

M.A.B. Beispielsweise in Deutschland

wurden in der jüngsten Vergangenheit

Kampagnen für einzelne Aktien gestartet.

So unter dem Motto: «Setz auf dieses

Papier und wir machen dich reich.» Diesen

Trend halten wir für ungesund. Wir sind

keine Missionare. Wir haben sicher nichts

gegen Trader. Aber wir sagen ganz klar:

Wer zockt, sollte nicht seine finanzielle

Substanz ins Spiel einwerfen. An unsern

Anlageseminaren votieren wir darum auch

für die sorgfältige Entwicklung einer bedürfnisorientierten

Strategie.

R.G. Gegen 40 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung

versteuern ein Jahreseinkommen

bis zu 39 000 Franken.Wenn bei diesen

Vorgaben überhaupt ein Sparbatzen übrig

bleibt, würden Sie dann vor einem Gang zur

Börse warnen ?

M.A.B. Ich würde auf jeden Fall sagen,

Finger weg von Trader-Aktionen. Wer wenig

Geld übrig hat, sollte nicht versuchen,

schlauer als der Markt zu sein. Aber für

Kundinnen und Kunden, die 200 Franken

monatlich zur Seite legen können, gibt es

Fonds-Sparpläne. Das sind keine spektakulären

Angelegenheiten, aber in zehn,

zwanzig Jahren kommt, nicht zuletzt dank

dem Zinseszins, einiges zusammen.

R.G. Wie viel Geld sollte flüssig bleiben, bevor

jemand überhaupt Anlagen anvisiert ?

M.A.B. Ich halte nicht viel von Faustregeln,

die persönlichen Verhältnisse divergieren

zu sehr. Aber wenn Sie darauf

bestehen, wir gehen von etwa drei Monatsgehältern

aus, die liquid bleiben müssten.

R.G. Als Investment-Spezialist sind Sie professionell

mit Geldvermehrung beschäftigt.

Nun warnen Sie vor heissen Geldvermehrungsaktionen,

obwohl die Bank auch damit

Geld macht. Wollen Sie ganz simpel

Traderinnen und Trader davon abhalten,

das grosse Geld ohne Rat der Banken zu

machen ?

M.A.B. Die Bank verdient auch an den

Tradern, schliesslich gehen die Kommissionsgebühren

an uns. Aber wir nehmen

Verantwortung wahr und propagieren deshalb

eine Diversifizierung der Vermögen,

raten zu einer bedürfnisorientierten Strategie,

die, unter anderem, mit Fonds

umgesetzt werden kann. Wenn Kunden

glücklich sind, bleiben sie uns langzeitig

erhalten.

R.G. Also macht Geld glücklich ?

M.A.B. Geld ist nur Mittel zum Zweck,

aber realisierte Sparziele – ein Hauskauf

oder ein abgesicherter Ruhestand – können

glücklich machen.

35

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Veränderung der Wirtschaftskraft im Vergleich

zum Schweizer Durchschnitt (= 0)

3

2

AI

ZG

1

0

SZ

NW

OW

BL

AR

TG

FR

ZH

SO AG VS

BE

–1

–2

Gewinner

Durchschnittsperformer

Quelle: Eidg. Betriebszählung 1995/1998; kant. Einkommensentwicklung der privaten Haushalte 1994/1997.

DIE KANTONE DRIFTEN

«GUT LACHEN HAT VOR ALLEM,

WER IM UMFELD EINER

GROSSEN METROPOLE LEBT»,

SO ROLAND FISCHER VOM

ECONOMIC RESEARCH.


ECONOMIC RESEARCH

SH

NE

LU

SG

GE

GL

APPENZELL, ZUG UND SCHWYZ STROTZEN VOR DYNAMIK

Die Credit Suisse ermittelte anhand eines gewichteten Indikators die Gewinner und

Verlierer des Strukturwandels in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre. In der Grafik

sind die Kantone in der Rangfolge ihres Indikatorwerts abgebildet. Weist in

einem Kanton ein bestimmter Faktor (zum Beispiel das Haushaltseinkommen)

einen positiven Wert auf (Position oberhalb der Null-Linie), so lag die entsprechende

Wachstumsrate über dem Schweizer Durchschnitt. Negative Werte deuten

entsprechend auf ein tieferes Wachstum hin, verglichen mit dem Schweizer

Mittel. So wuchsen im Kanton Zürich die Beschäftigung in wertschöpfungsintensiven

Dienstleistungsbranchen und die Gesamtbeschäftigung stärker als im

Schweizer Durchschnitt. Hingegen fielen die Wachstumsraten der Beschäftigung

in der Industrie und das Einkommenswachstum unterdurchschnittlich aus.

Gesamtbeschäftigung

Haushaltseinkommen

Beschäftigung wertschöpfungsintensive

Dienstleistungsbranchen

Beschäftigung Industrie

VD

Verlierer

TI

JU

GR

BS

UR

AUSEINANDER

Die grossen Ballungszentren legten zu, die peripheren

Landesteile gerieten ins Hintertreffen –

so das Verdikt von fünf Jahren Strukturwandel.

Foto: Thomas Schuppisser

ROLAND FISCHER,

ECONOMIC RESEARCH

Der Strukturwandel nahm in den Neunzigerjahren

seinen Lauf – und brachte das

regionale Gleichgewicht gehörig durcheinander.

Vor allem Zentren und Metropolen

übernahmen immer mehr die Rolle

von Triebkräften des Wirtschaftswachstums.

Grund: Die wertschöpfungsintensiven

Dienstleistungsbranchen, die stark

von den Fortschritten der Informationstechnologie

profitieren, siedeln sich bevorzugt

in grossen Zentren an. Auf den ersten

Blick erscheint das ein Widerspruch, führt

doch die elektronische Vernetzung von Arbeitsvorgängen

dazu, dass die Produktion

von Gütern und Dienstleistungen immer

weniger von Standorten abhängt.

Erfahrungen zeigen jedoch, dass die

moderne Informations- und Kommunikationstechnologie

ein hohes Ausmass an

Teamwork, Kreativität und Fachwissen

erfordert. Genügend grosse Arbeitsmärkte

für entsprechend qualifiziertes Personal

sind häufig nur in den Zentren vorhanden,

sodass eine Dezentralisierung bislang nur

bei standardisierten Abläufen stattgefunden

hat. Zudem ist es in Ballungsräumen

billiger, die Kommunikationsinfrastruktur

bereitzustellen, denn durch die Netzgrösse

sinken die durchschnittlichen Kosten.

Es erstaunt deshalb nicht, dass zwischen

1995 und 1998 der Strukturwandel

in den grossen Agglomerationen der

Schweiz viel ausgeprägter war als etwa in

den peripheren Landesteilen (siehe Chart,

S. 38). So verzeichneten die Grossagglomerationen

als einzige einen Zuwachs an

Arbeitskräften bei den wertschöpfungsintensiven

Dienstleistungen. Sie waren

jedoch von einem überdurchschnittlichen

Rückgang in der Industrie betroffen. In

den peripheren Regionen hingegen sank

die industrielle Beschäftigung weit weniger

stark. Dagegen war der Rückgang bei

den wertschöpfungsintensiven Dienstleistungen

umso höher. Besonders betroffen

waren die touristischen Regionen, wo

auch die Gesamtbeschäftigung am stärksten

schrumpfte.

37

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


DIE BESTEN JOBS ENTSTANDEN IN DER CITY

Die wertschöpfungsintensiven Dienstleistungsbranchen bauten nur in den Grossagglomerationen

mehr Stellen auf als ab. Umgekehrt mussten die vier Grossräume Zürich, Bern, Lausanne

und Genf bei der industriellen Beschäftigung am meisten Federn lassen. In den peripheren

Regionen baute die Industrie weniger Arbeitsplätze ab, umso mehr dafür die

einträglichen Dienstleistungen. Mit fast zwei Prozent ging die Gesamtbeschäftigung in den

Tourismusregionen am stärksten zurück.

Jährliche Wachstumsrate der Beschäftigung 1995–1998

2%

Grosse

Agglomerationen Mittlere

Agglomerationen Peripherie

Tourismusregionen

Ganze Schweiz

1%

© GEOSTAT

0%

–1%

–2%

Industrie

Wertschöpfungsintensive

Dienstleistungen

Total

–3%

–4%

–5%

–6%

Quelle: BFS, Eidg. Betriebszählung

Die zunehmende Mobilität der Arbeitskräfte

ist ein anderer wichtiger Faktor für

das regionale Wirtschaftswachstum. Der

Ausbau von Eisenbahn- und Strassennetzen

sowie die Förderung des öffentlichen

Verkehrs bewirken, dass die durchschnittliche

Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort

immer grösser wird.

Metropolen schaffen starke Satelliten

Davon profitieren vor allem steuergünstige

Gemeinden und Kantone im weiteren

Umfeld der grossen Zentren. Die Zentren

selbst verlieren hingegen an Attraktivität

als Wohnort. So schrumpfte in den grossen

und mittleren Schweizer Städten zwischen

1994 und 1998 die Bevölkerung

durchschnittlich um 0,4 Prozent pro Jahr,

während sie in den Wohngemeinden im

Umfeld dieser Zentren durchschnittlich

um 0,8 Prozent wuchs. Noch deutlicher

sind die Unterschiede beim Einkommenswachstum,

wo die grossen und mittleren

Zentren zwischen 1994 und 1997 einen

jährlichen Rückgang von 0,3 Prozent, die

Wohngemeinden im Umland hingegen

durchschnittlich einen jährlichen Zuwachs

von 1,1 Prozent verzeichneten. Tiefere

Wachstumsraten wiesen wiederum Gemeinden

in peripheren Lagen sowie die

Tourismusregionen auf.

Die kleinräumige Struktur des Föderalismus

bewirkt, dass die verschiedenen

Landesteile in unterschiedlichem Ausmass

betroffen sind von der zunehmenden

Mobilität der Arbeitnehmer und der Konzentration

der Wirtschaftskraft in den

grossen Zentren (siehe Chart, S.36/37).

Kantone im Umland grosser und mittlerer

Zentren profitierten zwischen 1995 und

1998 am stärksten vom Strukturwandel.

Am meisten gewannen die kleineren

Kantone der Zentralschweiz und der Ostschweiz

an Wirtschaftskraft. Aber auch

Freiburg scheint von seiner Lage zwischen

den Ballungsräumen Bern und Lausanne

DIE STÄRKEREN HELFEN DEN SCHWÄCHEREN

Der neue Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen soll dereinst das

bisherige Ausgleichssystem ersetzen. Hier die wichtigsten Vorschläge:

. Umverteilung von Mitteln von den einnahmenstarken zu den einnahmenschwachen

Kantonen

. Geografisch-topografischer Belastungsausgleich zugunsten von Kantonen

mit hohen Pro-Kopf-Lasten für die Verkehrsinfrastruktur und den Schutz

vor Naturgewalten (tendenziell Gebirgskantone)

. Soziodemografischer Belastungsausgleich zugunsten von Kantonen mit

übermässigen Lasten aufgrund der soziodemografischen Zusammensetzung

ihrer Bevölkerung (tendenziell Zentrumskantone)

. Aufgabenentflechtung und neue Zusammenarbeitsformen zwischen

Bund und Kantonen

. Institutionalisierte interkantonale Zusammenarbeit mit Lastenausgleich

38 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


ECONOMIC RESEARCH

zu profitieren, obwohl in der Westschweiz

die Entwicklung weit weniger dynamisch

ausfällt als etwa im Grossraum Zürich. Der

Kanton Zürich selbst liegt im oberen Mittelfeld

der Kantone. Weniger gut als das

Schweizer Mittel entwickelten sich die

klassischen Landwirtschaftskantone (Bern,

Waadt, Luzern, St. Gallen), die Stadtkantone

Genf und Basel, die Bergkantone

Uri, Glarus und Jura sowie die Tourismuskantone

(Wallis, Graubünden und Tessin).

Die Industriekantone Aargau, Solothurn,

Schaffhausen und Neuenburg liegen ebenfalls

leicht unter dem Schweizer Durchschnitt.

Die Steuergräben vertiefen sich

Die unterschiedliche Entwicklung in der

Wirtschaftskraft der Kantone ist für den

Föderalismus von zentraler Bedeutung.

Aufgrund der kleinräumigen Abgrenzung

der meisten Kantone können regional unterschiedliche

Wachstumstrends deren

Ausgangslage im nationalen wie auch im

internationalen Standort- und Steuerwettbewerb

massgeblich beeinflussen. So

konnten in den vergangenen Jahren Kantone,

die von einer starken Zunahme der

Wohnbevölkerung und der Steuereinnahmen

profitierten, die Verschuldung und die

Steuerbelastung kontinuierlich senken.

Periphere Kantone oder Kantone, die

durch den Strukturwandel in der Industrie

besonders stark vom Beschäftigungsabbau

betroffen waren, sahen sich hingegen

trotz anziehender Schweizer Konjunktur

mit stagnierenden oder sogar rückläufigen

Steuererträgen konfrontiert.

Die divergierenden Trends zwischen

Zentrum und Peripherie haben zur Folge,

dass sich die schon heute grossen Unterschiede

in der Finanzkraft der Kantone

weiter vergrössern werden. Insbesondere

Kantone abseits der grossen Zentren

dürften zunehmend Mühe bekunden, die

ihnen übertragenen öffentlichen Aufgaben

ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung

zu erfüllen. Wachsende Distanzen zwischen

Arbeitsort und Wohnort bewirken

WOHIN STEUERT HELVETIA ?

Im Zentrum der Föderalismusdebatte in der Schweiz steht auch die Bildung

von Grossregionen. Mit Fragen wie «Soll die Schweiz nur noch aus Grosskantonen

bestehen ?», «Wie sind Grossregionen zu beurteilen ?» oder

«Wie dezentral muss der Föderalismus ausgestaltet sein ?», beschäftigt

sich ein neues Buch, welches Beiträge namhafter Autoren aus Wissenschaft,

Politik und Kultur umfasst: Gregory Neugebauer (Hrsg.), «Föderalismus

in Bewegung – wohin steuert Helvetia ?», Verlag Franz Ebner und

Verlag Huber, Mai 2000.

ausserdem, dass in den Grossagglomerationen

die Zahler und die Nutzniesser von

öffentlichen Gütern und Dienstleistungen

immer weniger übereinstimmen. Leidtragende

dieser Entwicklung sind die Städte.

Zentrumskantone wie Basel-Stadt, Genf

und Zürich tragen die Hauptlast der Kosten

für Infrastruktur und Sicherheit, während

die hohen Steuereinnahmen in den steuergünstigeren

zentrumsnahen «Agglomerationskantonen»

wie Schwyz, Zug oder

Basel-Land anfallen.

Der Föderalismus gerät unter Druck

Es erstaunt deshalb nicht, dass das föderalistische

System der Schweiz mit seinem

ausgeprägten Steuerwettbewerb durch

diese Trends auf eine harte Probe gestellt

wird und zunehmend Kritik ausgesetzt

ist. Zwar können dem Steuerwettbewerb

durchaus positive Eigenschaften zugesprochen

werden: Die Mobilität der Steuerzahler

und die damit verbundene Abwanderungsgefahr

bewirken, dass Steuern

nicht übermässig stark erhöht und öffentliche

Mittel effizienter eingesetzt werden.

Die divergierenden Entwicklungsperspektiven

der Kantone führen jedoch zu ungleichen

Voraussetzungen für den Steuerwettbewerb,

die zunehmend als stossend

empfunden werden. Der Steuerwettbewerb

an und für sich ist nicht unfair; doch

die Nachteile, die sich aus unterschiedlichen

geografischen und demografischen

Voraussetzungen ergeben, sollten gemildert

werden.

Es stellt sich somit die Frage nach

Reformen für das föderalistische System

der Schweiz. Unter den aktuellen Vorschlägen

befindet sich der neue Finanzausgleich

zwischen Bund und Kantonen,

der das heutige, über Jahre hinweg gewachsene

Ausgleichssystem durch neue

Strukturen ersetzen soll. Er hat zum Ziel,

Disparitäten zwischen den Kantonen abzubauen

und Sonderlasten wie etwa Zentrumsleistungen

besser auf die Nutzniesser

zu verteilen (siehe Box, S. 38).

Längerfristig dürften jedoch die oben

angesprochenen Probleme kaum durch

die Umverteilung von Steuereinnahmen

zwischen den Kantonen zu lösen sein,

zumal Konkordate und Vereinbarungen

zwischen Regierungen erhebliche Demokratiedefizite

aufweisen können. Diskussionen

um tiefer greifende Reformen wie

etwa die Schaffung von Grossregionen,

die mehrere Kantone umfassen und einen

Teil ihrer Aufgaben übernehmen, werden

deshalb noch zunehmen. Ungeachtet der

weiteren Reformschritte gilt es zu beachten,

dass der Steuerwettbewerb und die

mit ihm verbundenen Wohlfahrtsgewinne

für die regionalen Volkswirtschaften langfristig

nur dann aufrecht erhalten werden

können, wenn «Gleiche mit Gleichen»

konkurrieren.

Roland Fischer, Telefon 01 333 77 36

roland.fischer@credit-suisse.ch

www.credit-suisse.ch/bulletin

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind

die dynamischsten Kantone im ganzen

Land ? Bulletin Online liefert die Rangliste.

39

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


132

128

124

120

116

112

108

104

100

96

1990=100

1990 1991 1992

«UNSER LAND BRAUCHT W

Alois Bischofberger, Chefökonom der Credit Suisse, will in

der Schweiz eine Wachstumsdiskussion in Gang setzen.

INTERVIEW: CHRISTIAN PFISTER,

REDAKTION BULLETIN

CHRISTIAN PFISTER Bis Ende der Achtzigerjahre

wuchs die Schweizer Wirtschaft im

Gleichschritt mit ihren Konkurrenten. In den

Neunzigerjahren geriet sie ausser Tritt. Sie

sprechen von einer traumatischen Erfahrung

für die Eidgenossen. Warum ?

ALOIS BISCHOFBERGER Zwischen 1990 und

1997 wies die Schweiz kein Wirtschaftswachstum

aus. Das hatte negative Folgen:

Denken wir nur an den Anstieg der

Arbeitslosigkeit, aber auch an die entsprechend

gedämpfte Konsumentenstimmung.

Es kam zu einer Verschlechterung

des Staatshaushalts und zu einer Verdoppelung

der Staatsverschuldung. Zudem

erlebten wir einen Preiszerfall auf dem

Immobilienmarkt und eine Rezession in

der Bauwirtschaft. All das versetzte der

Schweiz einen psychologischen Dämpfer.

C.P. Wie hat es unsere Volkswirtschaft geschafft,

wieder Anschluss zu finden ?

A.B. Die Exporte zogen schon 1997 wieder

stark an – nicht zuletzt, weil der

Schweizer Franken gegenüber den wichtigsten

Währungen schwächer wurde.

Noch Mitte der Neunzigerjahre war er

überbewertet. Vor allem half die international

bessere Konjunktur. Es zeigte sich,

wie exportabhängig die Schweiz immer

noch ist: Die Exporte waren die treibende

Kraft, sie wiesen zweistellige Zuwachsraten

auf. Das führte zu einer Beschleunigung

der Investitionen der Unternehmen in neue,

leistungsfähige Maschinen und Anlagen.

Zudem hat der private Konsum positiv reagiert.

Und die Bauwirtschaft registrierte

eine verbesserte Investitionstätigkeit.

C.P. In Amerika entpuppte sich die «New

Economy» als wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Wie sieht das in der Schweiz aus ?

A.B. Die New Economy ist in der

Schweiz noch nicht so spürbar wie in den

USA. Aber wir haben gute Voraussetzungen,

um hier eine herausragende Rolle zu

spielen. Wir verfügen über eine ausgezeichnete

Infrastruktur in der Telekommunikation

und engagieren uns stark in Forschung

und Entwicklung. Doch wir haben

diese Voraussetzungen bisher zu wenig genutzt.

Das ist auch eine Frage der Mentalität.

40 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


ECONOMIC RESEARCH

WIRTSCHAFTSWACHSTUM, REAL

USA

C.P. Ein Beispiel ?

A.B. Schweizer Unternehmen sind innovativ

und setzen auf Forschung. Nur tun

sie das vermehrt im Ausland. Unter anderem

eben darum, weil die geeigneten

Arbeitskräfte nicht vorhanden sind.

Foto: Thomas Schuppisser

1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999

ACHSTUM»

C.P. Inwiefern ?

A.B. Wir pflegten in der Schweiz eine

Mentalität der Sicherheit; die Wirtschaft

förderte eher traditionelle Branchen. Mit

der «New Economy» sind jedoch nicht

nur die Telekommunikation, die Mikroelektronik

oder Investitionen in die Informationstechnologie

verbunden; ein Erfolgsfaktor

ist die Risikobereitschaft. Und die

ist in der Schweiz am Wachsen. Denn in

all den Jahren der wirtschaftlichen Stagnation

wurde klar, dass nur neue Wege aus

der Baisse führen. Da sehe ich einen

Mentalitätswandel, der positiv und sehr

wichtig ist, schliesslich wird die «New Economy»

an Gewicht zulegen.

C.P. Sie attestieren der Schweiz eine starke

internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dennoch

kritisieren Sie, dass sie ihr hervorragendes

Potenzial zu wenig konsequent

nutzt. Wo wird gesündigt ?

A.B. Ein Indiz für das unangetastete

Potenzial ist die Wachstumsdiskrepanz,

EU

Japan

Schweiz

die sich zwischen der Schweiz und den

anderen Industrieländern aufgetan hat.

Verschiedene Faktoren führten dazu. Zum

Beispiel der Schweizer Arbeitsmarkt; er ist

zwar flexibel, wie uns eine Studie der

OECD bestätigt – gerade im europäischen

Vergleich. Das darf aber nicht drüber hinwegtäuschen,

dass wir einen Mangel an

Spezialisten haben. Unser Arbeitsmarkt ist

sehr eng. Es braucht wenig Wirtschaftswachstum,

und schon haben wir wieder

Vollbeschäftigung. Hier leidet die Wirtschaft

an den Fehlern, welche die Fremdarbeiterpolitik

verschuldet hat.

C.P. Was heisst das konkret ?

A.B. Es ist nicht genügend gelungen,

hervorragend ausgebildete Spezialisten

ins Land zu bringen, obwohl eine derart

wissensorientierte Volkswirtschaft wie die

Schweiz sie braucht. Dieses Manko bremst

unsere Wachstumschancen; wir können

wegen mangelndem Know-how unser

Potenzial nicht ausschöpfen.

C.P. Gibt es noch andere Potenziale, das

Wachstum anzukurbeln ?

A.B. Ja, zum Beispiel im Bildungswesen.

Die Studienzeit ist gerade im Vergleich mit

Amerika und anderen dynamischen Volkswirtschaften

sehr lang. Wer bei uns sein

Studium abschliesst, ist im Schnitt rund

zwei bis drei Jahre älter als Abgänger in

den USA. Kommen Hochschulabsolventen

spät auf den Arbeitsmarkt, so ist auch

das Potenzial an Arbeitskräften geringer.

Wir sollten von der langen Erstausbildungszeit

wegkommen und das ständige

Lernen in den Vordergrund stellen. Zudem

hat die Schweiz zu wenig gemacht, um

den Frauen den Wiedereinstieg zu erleichtern.

Die Zahl der Frauen mit guten

Ausbildungen steigt; sie sollten der Wirtschaft

nicht verloren gehen. Zu erwähnen

ist auch unsere Wettbewerbspolitik.

C.P. Wo ist der Zusammenhang ?

A.B. Trotz neuem Kartellgesetz gibt es

in der Schweiz immer noch zahlreiche Absprachen.

Auch darum ist das Preisniveau

im internationalen Vergleich sehr hoch.

Überhöhte Preise sind die Folge von mangelndem

Wettbewerb in der Binnenwirtschaft.

Das ist ein Standortnachteil.

C.P. Wann werden die Preise sinken ?

A.B. In der Landwirtschaft haben die

Deregulierungen bereits gegriffen. Eine

Hürde hat auch der Telekommunikationsmarkt

genommen – entsprechend sanken

die Preise. Ich glaube aber nicht, dass ein

massives Absinken des Preisniveaus

innert kürzester Zeit zu erwarten ist. Und

das ist auch besser so. Denn eine Deflation,

ein rückläufiges Preisniveau, schafft

einer Volkswirtschaft Probleme. Japan ist

ein Beispiel dafür. Sinken die Preise stetig,

41

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


DIE SCHWEIZER FORSCHUNG STICHT

Die Schweiz schneidet bei forschungsrelevanten Indikatoren vorzüglich ab. Ihr Engagement

für Forschung und Entwicklung (F& E) zeigt sich an Spitzenplätzen im Rating.

Position von 47 Ländern

Schweiz

Japan

Schweden

USA

Dänemark

Deutschland

Niederlande

Grossbritannien

Ausgaben

pro Kopf

für F&E

Quelle: The World Competitiveness Yearbook 1999

Ausgaben

F&E pro Kopf

in % BIP

warten die Konsumenten bei Kaufentscheiden

zu – in der Hoffnung, noch günstiger

wegzukommen. Es ist gut, wenn eine

Anpassung über längere Zeit erfolgt.

C.P. In Sachen Wettbewerbsfähigkeit schwingen

die USA oben auf. Was machen die

Amerikaner besser als der Rest der Welt ?

A.B. Die grundsätzlich liberale Politik ist

in den USA eine wichtige Rahmenbedingung.

Beispielsweise im Arbeitsmarkt:

Forschung und Entwicklung ist in hohem

Masse abhängig von Forschern aus Asien

und aus dem pazifischen Raum. Amerika

zeigt da eine grosse Aufnahmebereitschaft.

Und seine Forschung ist Spitze. Es

macht sich auch bezahlt, dass Amerika mit

der Deregulierung und Privatisierung früh

angefangen hat. Das geht zurück auf die

erste Reagan-Amtszeit in den frühen Achtzigerjahren.

Erwerbstätige

in F&E

pro Kopf

Nobelpreise

pro Kopf

laufende

Patente

pro Kopf

1 4 1 2 1

2 2 3 19 7

3 1 2 1 3

4 6 9 5 11

6 11 7 4 10

7 7 6 7 15

10 10 12 9 6

15 13 14 3 –

C.P. Was waren die Konsequenzen?

A.B. Das veranlasste die Unternehmen,

riesige Umstrukturierungen vorzunehmen.

Amerikanische Unternehmen gingen vermehrt

auf die Weltmärkte. Es entstand ein

Umfeld von Wettbewerb und Innovation.

Zudem ist die grössere Mobilität der Amerikanerinnen

und Amerikaner ein Plus; diese

Flexibilität hat mit der Geschichte des

Landes zu tun. In Europa sind offenbar

die kulturellen Unterschiede zu gross, um

eine Flexibilität in grösserem Ausmass

zu ermöglichen.

C.P. Wird in der Schweiz zu wenig investiert ?

A.B. Anfang der Neunzigerjahre war die

Situation unbefriedigend. Schweizer Firmen

investierten zwar eifrig in Forschung und

Entwicklung, allerdings vermehrt im Ausland.

Und die Direktinvestitionen ausländischer

Unternehmen in der Schweiz stagnierten.

Dank besserer Konjunktur, den

bilateralen Verträgen und Reformen bei der

Besteuerung von Holdinggesellschaften

sieht die Sache heute wieder besser aus.

Allerdings zeigt die Enge des Arbeitsmarkts,

dass wir anhaltend hohe Kapitalinvestitionen

brauchen.

C.P. Seit Jahrzehnten plagt die Schweiz eine

Wachstumsschwäche. Was ist die Folge?

A.B. Ein Land, das wirtschaftlich nicht

wächst, bekommt Schwierigkeiten. Ich

denke da natürlich insbesondere an die Finanzierung

der Sozialwerke. Aber auch für

Investitionen in Bildung oder neue Technologien

fehlen Gelder. Viele Fragen, bei

denen wir uns heute den Kopf zerbrechen,

würden durch ein Wachsen der Wirtschaft

entschärft. Darum brauchen wir eine

wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik.

C.P. Sie fordern für die Schweiz in der

Legislaturperiode von 2003 bis 2007 ein

Wirtschaftswachstum, das den EU-Durchschnitt

übertrifft. Warum ?

A.B. Die Schweiz braucht in der Wirtschaftspolitik

ein Ziel. Innerhalb der nächsten

Legislaturperiode müssten Initiativen

angepackt werden. Mir geht es vor allem

darum, dass wir in der Schweiz eine

«Wachstumsdebatte» führen. Wir brauchen

eine Strategie, an der sich Parteien,

Wirtschaftsverbände, Unternehmen, Gewerkschaften

sowie Bürgerinnen und Bürger

beteiligen.

C.P. Lukas Mühlemann löste Anfang Jahr mit

seinen Thesen zum Standort Schweiz heftige

Reaktionen aus. Schlagen Sie mit Ihren

Vorschlägen (siehe Massnahmen rechts)

jetzt nicht in die gleiche Kerbe ?

A.B. Ich beurteile den Reformbedarf

ähnlich wie Herr Mühlemann. Ich tue das

aufgrund der Fakten, die wir jetzt in

unserer Studie zusammengetragen haben.

Sie zeigen etwa, dass der international

orientierte Teil der Schweizer Wirtschaft

sich schnell anpasst. Unsere Binnenwirtschaft

hingegen ist weniger flexibel, weil

der Druck zur Anpassung nicht so gross

war.

C.P. Die vehemente öffentliche Kritik an

Lukas Mühlemanns Vorschlägen provoziert

dennoch die Frage: Wie viele Reformen und

Initiativen erträgt unser Land ?

A.B. Die Schweizerinnen und Schweizer

können sehr viel verdauen, wenn sie Sinn,

Zweck und Konsequenzen der Reformen

verstehen. Früher herrschte vielerorten

die Angst, dass jeglicher Strukturwandel

Arbeitsplätze vernichten würde. Jetzt erleben

wir aber das Gegenteil: Liberalisierung

und Deregulierung bieten Chancen

42 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


ECONOMIC RESEARCH

für viele neue Unternehmen, die Arbeitsplätze

schaffen.

C.P. Verträgt unser politisches System diese

Dynamik ?

A.B. Die direkte Demokratie stellt hohe

Ansprüche an die Bürgerinnen und Bürger.

Sie haben immer wieder ein gesundes

Urteilsvermögen bewiesen. Das Problem

liegt für mich im Tempo der Veränderun-

gen. Referenden, Initiativen, Abstimmungen

– der politische Entscheidungsprozess

ist langwierig. Die Initiative «für eine

Regelung der Zuwanderung», über die wir

am 24. September abstimmen werden,

kam vor Jahren, in der tiefsten Rezession,

zustande. Zur Abstimmung gelangt sie

jetzt in einer Periode der Hochkonjunktur

und des Mangels an Arbeitskräften. Langsamkeit

kann zwar bedeuten, dass man

Fehler nicht macht, für die die Schnelleren

bezahlen müssen. Fehlendes Tempo führt

aber zunehmend dazu, dass wir Wachstums-

und Entwicklungspotenziale zu wenig

nutzen. Das müssen wir verhindern.

Sie können die Studie «Die Schweiz im

internationalen Wettbewerb» mit dem beigelegten

Talon bestellen, den Sie am

Schluss des Bulletin finden.

SO SETZT DIE SCHWEIZ ZUM HÖHENFLUG AN

Chefökonom Alois Bischofbergers Ziel ist es, während der Legislaturperiode 2003 bis 2007 ein Wirtschaftswachstum zu

erzielen, das den Durchschnitt der EU-Länder deutlich übertrifft. Er identifizierte in den Bereichen Wettbewerbs-, Arbeitsmarktpolitik,

Technologie- und Bildungspolitik sowie Finanz- und Steuerpolitik wachstumsfördernde Massnahmen.

MASSNAHMEN

WIRKUNG

Wettbewerbspolitik

• Privatisierung von Staatsbetrieben

• Deregulierung

• Konzentration des Staates auf Kernkompetenzen

• Wettbewerb im Gesundheitswesen

• Entschlossene Fortführung der Reformen (Binnenmarkt, Kartelle)

• Importliberalisierung

• Verstärkte Innovationskraft

• Tiefere Kosten und höhere Kaufkraft

• Qualitative Beschäftigungseffekte

Arbeitsmarktpolitik

• Marktbezogene Fremdarbeiterpolitik

• Verkürzung der Erstausbildung, aber stetige Weiterbildung

• Reduktion der fiskalischen Belastung des Faktors Arbeit

• Wachstumshemmende Enge des

Arbeitsmarktes beseitigt

• Arbeitspotenzial optimal genutzt

• Höhere Produktivität

• Mehr Innovation

Technologie- und Bildungspolitik

• Reform der Berufsbildung

• «Hochschule Schweiz» international vernetzen

(z. B. in Automation, Informatik, Umwelttechnologie,

neuen Materialien, Biotechnologie, Medizinaltechnik)

• Fokussierte Bildungsinstitutionen

• Schwergewicht auf zukunftsträchtigen Branchen

(z. B. Informations- und Kommunikationstechnologien)

• Rascher Wissens- und Technologie-Transfer

• Förderung Auslandsemester/-praktika

• Bildungsgutscheine

• Höhere Produktivität

• Mehr Innovation

• Dynamischer Forschungsstandort

• Schnelle industrielle Verwertung

wissenschaftlicher Durchbrüche

• Qualitative Beschäftigungseffekte

Finanz- und Steuerpolitik

• Privatisierungen und New Public Management

• Rückführung der Staatsquote auf den Stand 1990

• Neues Steuersystem und neuer Finanzausgleich

• Verbesserte Leistungsanreize

• Günstigere Finanzierung privater

Investitionen

• Breiteres Angebot an Risikokapital

erleichtert Unternehmungsgründungen


ECONOMIC RESEARCH

DIE RUHE VOR DEM NÄCHS-

TEN STURM ÜBER DEM

BANKENPLATZ GENIESSEN

BALAZS HARASTA UND

FRITZ STAHEL (LINKS),

ECONOMIC RESEARCH .

Foto: Thomas Schuppisser

KEIN STEIN BLEIBT

Seit 1990 ist die Zahl der Finanzinstitute um einen Viertel

geschrumpft. Mobilere Kunden und elektronische

Neuerungen werden den Bankenplatz Schweiz weiter in

Bewegung halten.

VON BALAZS HARASTA

UND FRITZ STAHEL,

ECONOMIC RESEARCH

Vor etwa zehn Jahren begann in der

Schweizer Bankenlandschaft ein Strukturbereinigungsprozess,

wie man ihn vorher

nicht gekannt hat. Die Zahl der Finanzinstitute

hat sich um einen Viertel von 495

Ende 1990 auf 372 im vergangenen Jahr

reduziert. Und die Filialen verringerten sich

um etwa 30 Prozent von 4161 auf 2873.

Dabei war vor allem die Gruppe der Regionalbanken

und Sparkassen betroffen.

Die Bankendichte liegt allerdings immer

noch über dem internationalen Durchschnitt.

Die Zahl der im Inland beschäftigten

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahm

bis Ende 1997 um etwa zehn Prozent ab,

doch der Trend scheint gebrochen: Der

Personalbestand erhöhte sich in den letzten

beiden Jahren wieder leicht (siehe

Grafik Seite 45). Dass die Grossbanken

mittlerweile gut zwei Drittel der Bilanzsumme

beanspruchen, liegt in erster Linie

an deren Expansion im Ausland. Wie die

Tabelle auf Seite 46 zeigt, haben sich die

Marktanteile im Inland gemäss SNB-Statistik

nicht wesentlich verschoben. Der

skizzierte Strukturwandel hatte verschiedene

Ursachen, die alle mehr oder weniger

gleichzeitig auftraten:

• Als Folge der Rezession Anfang der

Neunzigerjahre konnten viele KMUs ihren

44 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


ECONOMIC RESEARCH

Kreditverpflichtungen nicht mehr nachkommen.

• Die Immobilienkrise sorgte für einen

drastischen Preisrückgang der Liegenschaften

und eine Verschärfung der Risikosituation

im Hypothekarbereich.

• Nachdem die Kartellkommission die Aufhebung

wichtiger Absprachen zwischen

den Banken verfügt hatte, verschärften

sich Wettbewerb und Margendruck.

Mit Massnahmen wie Kosten senken

oder teilen, bestehende Kundenpotenziale

besser ausschöpfen, Differenzierung

durch Servicequalität oder Vorstoss in

ergänzende Geschäftsbereiche haben die

Banken auf die Erosion der Margen reagiert

und sich neu strukturiert.

Technik vereinfacht Beziehungen

Auch heute stehen die Finanzinstitute vor

tiefgreifenden Veränderungen oder sind

bereits damit konfrontiert. Die rasante

technologische Entwicklung lässt neue

Geschäftsfelder entstehen und ermöglicht

es dem Kunden, einfacher und bequemer

mit seiner Bank in Verbindung zu treten.

Begriffe wie e-banking, phone banking

und seit neustem m-banking (Abwicklung

der Bankgeschäfte über das Handy) sind

dabei allgegenwärtig. Über Internet können

die Finanzinstitute völlig neue Dienste

offerieren. Die Credit Suisse bietet zum

Beispiel mit yourhome (siehe S. 58–61)

ein umfassendes Werkzeug zur Wohnungs-

und Immobilienplanung via Internet

an.

Doch nicht nur die Schnittstelle zwischen

Bank und Kunden verändert und

verbessert sich. Die Informatik erlaubt es

auch, Abläufe erheblich zu vereinfachen.

So können Börsen- oder Zahlungsaufträge

schneller abgewickelt werden. Die

Fehlerquellen der manuellen Bearbeitung

werden verringert, es fallen weniger Kosten

an. Die neuen Technologien ermöglichen

es neuen Anbietern, auf dem Markt

aktiv zu werden. Die wachsende Zahl

von Online-Brokern ist ein gutes Beispiel

dafür. Der technologische Fortschritt wird

die Konkurrenzsituation weiter verschärfen.

Gleichzeitig wandeln sich die Kundenbedürfnisse.

Blieb man früher einem

Finanzinstitut ein Leben lang treu, ist man

heute wesentlich mobiler.

Kunden bleiben nicht mehr treu

Während die Loyalität sinkt, steigt der

Wunsch nach höherer Performance, weil

immer breitere Kreise an den steigenden

Börsenkursen teilhaben wollen. Das

früher so sehr geschätzte Sparbuch wird

zunehmend durch andere Formen der

Geldanlage konkurrenziert. Besonders

Anlagefonds erleben einen regelrechten

Boom. Letztes Jahr flossen den in

der Schweiz zugelassenen Fonds netto

64 Milliarden Franken zu – rund neunmal

so viel wie 1990. Vor diesem Hintergrund

verliert das klassische Bankgeschäft, also

die Annahme von Einlagen und die Vergabe

von Krediten, weiter an Bedeutung.

Die Kundinnen und Kunden werden

nicht nur anspruchsvoller; sie sind auch

besser informiert. Sie wollen nicht nur zwischen

den Angeboten der eigenen Bank

auswählen können, sondern möchten das

beste Produkt auf dem Markt überhaupt.

STERBEN DIE BANKEN AUS?

Während Ende 1990 in der Schweiz noch 495 Geldinstitute mit 4161 Filialen um das Wohl

ihrer Kundinnen und Kunden besorgt waren, deckten im vergangenen Jahr 372 Banken mit

2873 Filialen die Bedürfnisse des Publikums ab. Die Zahl der Beschäftigten schrumpfte bis

1997 um etwa zehn Prozent.

Anz. Banken/Filialen (1990=100)

120

110

100

90

80

70

60

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999

Banken (indexiert)

Filialen (indexiert)

Mitarbeiter (absolut)

Anz. Mitarbeiter

120000

115000

110000

105000

100000

Quelle: SNB. Die Banken in der Schweiz

45

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


ECONOMIC RESEARCH

DIE GROSSEN WERDEN GRÖSSER

Zwischen 1990 und 1999 haben die Schweizer Grossbanken vor allem international stark

expandiert und beanspruchen heute gut zwei Drittel der Bilanzsumme (Total der Aktiven im

In- und Ausland).

Kantonalbanken

Grossbanken

Regionalbanken

Raiffeisenbanken

Übrige inl. Banken

Ausl. Banken

Privatbankiers

Quelle: SNB. Die Banken in der Schweiz

20.3

49.5

8.9

3.2

7.3

10.3

0.5

Total

1990 1999

So bieten immer mehr Finanzinstitute

auch Fremdprodukte an. Zudem schätzen

es die Kunden, auf eine umfassende Beratung

zurückgreifen zu können. Sie

möchten nicht nur über Bankprodukte,

sondern über alle Finanzangelegenheiten

(Vorsorge, Versicherungen, Immobilien,

Steuern, Erbschaft) beraten werden. Das

Wealth Management gewinnt daher immer

mehr an Bedeutung.

Internationaler Druck nimmt zu

Die Tätigkeit der Banken in der Schweiz

wird zunehmend auch durch internationale

Entwicklungen beeinflusst. Mit der Globalisierung

der Finanzmärkte und entsprechenden

Liberalisierungsschritten gewinnen

andere Bankenplätze an Bedeutung.

Der Euro wirkt als Katalysator für die

Schaffung eines einheitlichen Finanzraumes

in der EU und verändert nicht zuletzt

die europäische Börsenlandschaft grundlegend.

Im Kampf gegen die Geldwäscherei

wird international zunehmend kooperiert.

Es entsteht ein immer engmaschigeres

Netz von Abwehrmassnahmen. Die

Schweizer Bankinstitute leisten hier seit

langem einen wichtigen Beitrag. Neuer-

13.2

67.1

3.3

2.9

5.4

7.4

0.7

29.8

39.2

13.5

4.9

6.9

5.1

0.6

Inland

1990 1999

28.5

43.9

7.6

6.8

6.9

5.3

1.0

dings zeichnet sich ebenfalls im steuerlichen

Bereich weltweit eine wachsende

Zusammenarbeit ab. Bei Steuerbetrug

gewährt die Schweiz schon heute internationale

Rechtshilfe. Die Steuerhinterziehung

möchten OECD und Europäische Union

mit einem international verstärkten Informationsaustausch

eindämmen. Für die

Schweiz steht das Bankkundengeheimnis

jedoch nicht zur Disposition. Eine griffige

Quellensteuerregelung kann den gleichen

Zweck erfüllen.

Die umfassenden Anpassungen der Neunzigerjahre

und eine deutlich verbesserte

Konjunktur lassen für den Strukturbereinigungsprozess

eine kurze Verschnaufpause

erwarten. Der Aufbau elektronischer Vertriebskanäle

verschlingt allerdings enorme

Summen. Gleichzeitig verteuert das veränderte

Kundenverhalten die Refinanzierung.

Zudem besteht die Gefahr, dass die

Banken im Kampf um Marktanteile mit der

Zeit wieder zu hohe Risiken eingehen.

Und früher oder später wird sich auch

das wirtschaftliche Umfeld verhärten.Vor

diesem Hintergrund sind im laufenden

Jahrzehnt weitere Strukturanpassungen

unumgänglich. Dabei sind kleinere Finanzinstitute

besonders gefordert. Aus Kostengründen

steigt die kritische Grösse.

Fritz Stahel, Telefon 01 333 32 84

fritz.stahel@credit-suisse.ch

POSTBANK ANTE PORTAS ?

Seit der organisatorischen Trennung von Swisscom und Post müssen beide

Einheiten auf eigenen Füssen stehen; interne Quersubventionierungen

sind nicht mehr möglich. Aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen ist

daher verständlich, dass die Post – nebst einer Senkung der Kosten – nach

neuen Einnahmequellen Ausschau hält. Zu diesem Zweck hat die Postfinance

in den letzten Jahren um ihren traditionellen Zahlungsverkehr herum

das Angebot an Finanzdienstleistungen zielstrebig ausgebaut. Nun soll gar

eine Postbank daraus werden, die nicht nur Kundengelder entgegennimmt,

sondern auch Kredite gewährt.

Auch in einem Land mit bereits hoher Bankendichte ist das Auftreten

eines neuen Konkurrenten nicht a priori fragwürdig. Dennoch: Führung als

eigenständiges Institut, Verzicht auf eine Staatsgarantie und Unterstellung

unter die Spielregeln des Bankengesetzes ist das Minimum, was zur Vermeidung

von Wettbewerbsverzerrungen gefordert werden muss. Problematisch

ist nicht zuletzt die umfassende Starthilfe in Form von Eigenkapital

aus der Bundeskasse. Konkrete Vorschläge werden im Herbst

erwartet. Das Parlament wird sich vor allem die Frage stellen müssen, ob

auch auf rein privater Basis wirklich jemand bereit wäre, so massiv neu ins

Retail Banking einzusteigen.

46 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


UNSERE PROGNOSEN ZUR

KONJUNKTUR

DER AKTUELLE CHART:

KONSUM ZIEHT AN

Die private Konsumlust ist kaum gebrochen. Der Schweizer Export profitiert immer

noch von der markanten US-Dollar-Stärke. In den vergangenen Jahren wurden

nur Kapazitäten in den Produktionsanlagen und nicht beim Personal aufgebaut.

So erstaunt es nicht, dass die neuerliche Nachfrage nach Arbeitskräften

auf einen leer gefegten Arbeitsmarkt trifft. Die Arbeitslosigkeit liegt, je nach

Branche oder Region, bereits jetzt teilweise bei einem Prozent.

Index

30

20

10

0

–10

–20

–30

–40

–50

–60

1990

1991

Arbeitslosigkeit

1992

1993

1994

Konsumentenstimmung

SCHWEIZER KONJUNKTURDATEN:

SCHWEIZER WIRTSCHAFT IST GESUND

1995

Der Schweizer Wirtschaft geht es sehr gut. Mit einem BIP-Wachstum von mindestens

drei Prozent wird 2000 das stärkste Konjunkturjahr seit 1990 sein. Sowohl

die inländische Nachfrage als auch die Exporte sind sehr robust. Der private

Konsum zeigt keine Ermüdungserscheinungen. Auch die Bautätigkeit löst sich

zusehends aus ihrer langjährigen Stagnation.

2.00 3.00 4.00 5.00 6.00

Inflation 1.6 1.5 1.4 1.6 1.9

Waren 3 3.1 2.8 3 3.7

Dienstleistungen 0.6 0.3 0.4 0.5 0.5

Inland 0.8 0.5 0.6 0.8 0.7

Ausland 4.4 4.7 4 4.2 5.3

Detailhandelsumsätze (real) 2.7 – 3.1 1.4 5

Handelsbilanzsaldo (Mrd. CHF) 0.03 – 0.38 – 0.22 0.16 0.05

Güterexporte (Mrd. CHF) 10.4 11.3 9.2 11.6 10.3

Güterimporte (Mrd. CHF) 10.3 11.7 9.5 11.4 10.3

Arbeitslosenquote 2.4 2.3 2.1 1.9 1.8

Deutschschweiz 1.9 1.8 1.7 1.6 1.5

Romandie und Tessin 3.8 3.4 3.1 2.9 2.7

1996

1997

1998

1999

2000

%

6

5

4

3

2

1

0

BIP-WACHSTUM:

EUROZONE IM AUFWIND

Die wirtschaftlichen Aussichten für Europa waren seit zehn Jahren

nicht mehr so gut wie heute. Schwacher Euro und kräftiges

Wirtschaftswachstum in den USA beleben die Wirtschaft der Eurozone.

Exporte sind eine wichtige konjunkturelle Triebfeder. Dieses

Jahr lässt eine BIP-Zuwachsrate für die Eurozone von 3,5 Prozent

erwarten. Das nächste Jahr wird leicht schwächer verlaufen.

Durchschnitt Prognosen

1990/1999 1999 2000 2001

Schweiz 0.9 1.7 3.3 2.8

Deutschland 3.0 1.4 3.2 3.4

Frankreich 1.7 2.6 3.9 3.6

Italien 1.3 1.2 3.0 3.2

Grossbritannien 1.9 1.9 3.1 2.9

USA 3.1 4.1 4.6 3.5

Japan 1.7 0.6 1.0 1.5

INFLATION:

INFLATIONSANGST STEIGT

Da die Inflationsraten in den Industrieländern wieder gestiegen

sind und der Erdölpreis auf 30 US-Dollar pro Barrel erhöht wurde,

kann ein inflationsfreies Wirtschaftswachstum nicht erwartet werden.

In den USA geht der Druck vom angespannten Arbeitsmarkt

aus. Im Euroland wird die Kerninflation wegen der Produktivitätsfortschritte

und der restriktiven Geldpolitik nicht hochschnellen.

Durchschnitt Prognosen

1990/1999 1999 2000 2001

Schweiz 2.3 0.7 1.6 1.8

Deutschland 2.5 0.6 1.9 2.0

Frankreich 1.9 0.5 1.7 1.5

Italien 4.0 1.7 2.4 2.1

Grossbritannien 3.9 2.3 2.4 2.6

USA 3.0 2.2 3.1 2.6

Japan 1.2 – 0.3 – 0.1 0.3

ARBEITSLOSENQUOTE:

USA: ANGESPANNTE LAGE

Die Lage am US-Arbeitsmarkt ist angespannt. Obwohl im April die

Arbeitslosenquote erstmals seit 1970 die Vier-Prozent-Grenze

leicht unterschritten hat, wurden im Mai nach vierjährigem Unterbruch

im privaten Sektor Stellen abgebaut. Die hohe Nachfrage

nach Arbeitskräften beschleunigte das Lohnwachstum. Entsprechend

zog auch die Inflation an.

Durchschnitt Prognosen

1990/1999 1999 2000 2001

Schweiz 3.4 2.7 1.9 1.9

Deutschland 9.5 10.5 9.6 9.0

Frankreich 11.2 11.0 9.6 8.4

Italien 10.9 11.9 10.7 9.9

Grossbritannien 7.3 4.3 4.5 4.5

USA 5.7 4.2 4.1 4.2

Japan 3.1 4.8 4.9 5.5

47 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


«DIE VORBEHALTE GEGENÜBER

DEM SHAREHOLDER VALUE

SIND UNBERECHTIGT», MEINEN

ADRIANO LUCATELLI (LINKS)

UND ROGER M. KUNZ VOM

ECONOMIC RESEARCH.

Foto: Thomas Schuppisser

DIE MÄR VOM BÖSEN

WOLF

Der «Shareholder Value» ist in Europa

zum Schimpfwort verkommen. In den USA

geht man damit unverkrampfter um.

VON ROGER M. KUNZ

UND ADRIANO LUCATELLI,

ECONOMIC RESEARCH

Wer den Shareholder Value propagiert, ist

ein rücksichtsloser Egoist, der kurzfristige

und kurzsichtige Gewinnmaximierung über

die langfristigen Bedürfnisse der Gemeinschaft

stellt. Diese weit verbreitete Ansicht

wird dem Konzept des Shareholder Value

nicht gerecht. Der richtig verstandene

Shareholder-Value-Ansatz sieht nicht über

die Forderungen anderer Anspruchsgruppen

einer Unternehmung hinweg.

Der Begriff «Shareholder Value» stammt

ursprünglich aus der amerikanischen Management-Literatur.

Sein «Vater» ist Alfred

Rappaport. Das Shareholder-Value-Konzept

basiert auf einer Reihe von grundsätzlichen

Überlegungen: Unternehmen

werden aufgrund aller zukünftigen Erträge

bewertet. Diese werden anhand von

risikogerechten Marktrenditen in heutige

Werte umgerechnet. So genannte Werttreiber

werden identifiziert, und schliesslich

wird die Maximierung des Aktionärsvermögens,

der Shareholder Value, als einziges

Unternehmensziel postuliert.

Im Gegensatz zu den USA, wo der Ausdruck

Shareholder Value mit positiven

Vorstellungen in Verbindung gebracht

wird, bestehen in Europa weit verbreitete

Vorbehalte gegenüber diesem Konzept.

Die zentrale Ausrichtung auf die Aktionäre

ist der Stein des Anstosses.

Stakeholder Value als Alternative?

Der so genannte «Stakeholder-Value»-

Ansatz wird als Alternative vorgeschlagen.

Dieser soll die Bedürfnisse sämtlicher Anspruchsgruppen

einer Unternehmung berücksichtigen.

Die Unternehmung wird als

48 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


ECONOMIC RESEARCH

Zusammenschluss verschiedenster Interessengruppen

(Eigen- und Fremdkapitalgeber,

Mitarbeiter, Kunden, Staat) betrachtet.

All diesen Gruppierungen soll bei

der Zielbildung und Erfolgsmessung des

Unternehmens ein Mitspracherecht eingeräumt

werden.

Diese Idee ist mit zahlreichen Problemen

verknüpft. Da letztlich alle irgendwie

von Unternehmensentscheiden betroffen

sein können, kommt es zu einem unüberblickbaren

Forderungskatalog. Ziele,

die unklar sind oder zueinander im Widerspruch

stehen, können nicht eindeutig definiert,

geschweige denn angestrebt werden.

Der Konflikt zwischen Umweltschutz

und der Erhaltung von Arbeitsplätzen in

einer Firma, die die Umwelt mit Schadstoffen

belastet, ist ein Beispiel dafür.

Offen bleibt auch die Frage, woraus

sich Ansprüche ableiten lassen, die über

gesetzliche Vorschriften und vertragliche

Vereinbarungen hinausgehen. Entweder

würde das Management aufgrund seines

Informationsvorteils und seiner Verfügungsmacht

über das Unternehmen zur

obersten Entscheidungsinstanz, oder das

Unternehmen verlöre seine Handlungsfähigkeit.

Die faktische Aushöhlung des

Eigentums- und Verfügungsrechts der Aktionäre

untergräbt die marktwirtschaftliche

Ordnung. Mangels finanzieller Anreize

würde kaum jemand mehr Risikokapital

zur Verfügung stellen.

der Ankündigung eines Stellenabbaus

steigen, so liegt das daran, dass das Management

die bestehenden oder sich abzeichnenden

Probleme lösen will. Die

noch viel unerfreulichere Alternative wäre,

das gesamte Unternehmen und damit

deutlich mehr Arbeitsplätze zu gefährden.

Wenn ein Stellenabbau an sich die Aktionäre

reicher machte, müssten sie logischerweise

alle Angestellten entlassen.

Damit ist der Unsinn dieser Überlegung

offensichtlich: Die Aktionäre sind auf die

Mitarbeiter angewiesen, denn ohne sie

können sie gar keinen Mehrwert erzielen.

Es mag paradox erscheinen: Gerade

die formal uneingeschränkte Verfügungsmacht

der Aktionäre führt dazu, dass alle

Interessen automatisch mitberücksichtigt

werden. Das Shareholder-Value-Konzept

ist aufgrund der Betrachtung aller zukünftigen

Erträge langfristig ausgerichtet,

und nicht ausschliesslich auf kurzfristige

Gewinne. Nur erfolgreiche Unternehmen

können hohe Löhne, sichere und attraktive

Arbeitsplätze, zufriedene Kunden und

Lieferanten, niedrige Umweltbelastung

gewährleisten. Erfolg haben schliesslich

nur diejenigen Unternehmen, die sich

laufend den Wünschen des Marktes

anpassen.

Das Economic Briefing Nr. 17, «Shareholder

Value – Viel mehr als ein Schlagwort»

kann mit beiliegendem Talon bestellt

werden.

Roger M. Kunz, Telefon 01 333 58 85

roger.m.kunz@credit-suisse.ch

Adriano Lucatelli, Telefon 01 333 23 07

adriano.lucatelli@csg.ch

AKTIONÄRE PROFITIEREN NICHT VON JOBKILLERN

Eine gute Aktienperformance muss nicht mittels Arbeitsplatzabbau erkauft werden.

Mit dem Dow-Jones-Index ist in den USA auch die Beschäftigung stetig gestiegen.

2.5

2

U.S.-Beschäftigung

%-Veränderung zum Vorjahr

Aktienperformance

Dow Jones Industrial Punkte

100 000

Aktionäre brauchen Mitarbeiter

Der alleinigen Ausrichtung auf die Interessen

der Aktionäre wird vorgeworfen, sie

führe zu einem kurzfristigen Gewinnstreben,

das vor allem zulasten der Arbeitnehmer

gehe. Gerade das Beispiel USA zeigt aber,

dass eine gute Aktienperformance nicht

durch einen Abbau von Arbeitsplätzen erkauft

werden muss (siehe Grafik). Seit

1980 hat sich der Dow-Jones-Index mehr

als verzehnfacht. Gleichzeitig ist die Beschäftigung

Jahr für Jahr gestiegen.

Dieses Ergebnis ist nicht zufällig. Wenn

die Aktienkurse eines Unternehmens nach

1.5

1

0.5

0

80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99

Quelle: Bloomberg/OECD

10 000

1000

100

49

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Aktiv an den

Finanzmärkten teilnehmen.

Und was ist Ihr Ziel?

Der richtige Partner gibt Ihnen die Gelassenheit zu wissen, dass Ihr Geld rentabel angelegt ist.

Einer, der Ihre Ziele kennt und auch das richtige Angebot hat, um diese zu erreichen.

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CREDIT SUISSE mit WINTERTHUR, ein starkes Bank- und Versicherungsteam.


ECONOMIC RESEARCH

UNSERE PROGNOSEN

ZU DEN FINANZMÄRKTEN

GELDMARKT:

EZB UND FED ERHÖHEN ZINSEN

Die aktuelle Inflation und das starke BIP-Wachstum in den USA

lassen eine weitere Zinserhöhung des Federal Reserve um

50 Basispunkte erwarten. Im Euroland zeichnet sich in den nächsten

zwölf Monaten eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank

(EZB) um 25 Basispunkte ab. Motiviert wird dies durch die

gute Wirtschaftsdynamik.

Prognosen

Ende 99 7.00 3 Mte. 12 Mte.

Schweiz 2.11 3.45 3.5 3.8

EU-11 3.34 4.63 4.8 4.8

Grossbritannien 6.09 6.19 6.3 6.3

USA 6.18 6.74 7.0 7.3

Japan 0.49 0.20 0.2 0.6

OBLIGATIONENMARKT:

VOLATILE RENDITEN

Aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Zinserhöhungsrunde in

den USA und in der Eurozone ist mit einer Belastung der Bondmärkte

zu rechnen. Das nächste Quartal lässt anziehende Obligationenzinsen

erwarten. Im Jahreshorizont werden der Zinserhöhungszyklus

abgeschlossen und die Inflationsängste abgeflaut

sein. Die Bondrenditen werden wieder tiefer tendieren.

Prognosen

Ende 99 7.00 3 Mte. 12 Mte.

Schweiz 3.51 3.80 4.1 4.3

Deutschland 5.34 5.25 5.3 5.1

Grossbritannien 5.48 5.14 5.1 5.1

USA 6.43 6.00 6.0 5.8

Japan 1.69 1.77 2.1 2.8

WECHSELKURSE:

FRANKEN LEBT AUF

Der Zinsschritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Ende

März liess den Franken aufleben. Es wurde klar, dass sich die SNB

von der EZB loslöst. Dies wertete den Franken gegenüber dem

Euro auf. Längerfristig zeichnet sich eine geringfügige Abwertung

der Schweizer Währung ab, weil die Inflationsentwicklung in der

Schweiz etwas ungünstiger verlaufen dürfte als im Euroland.

Prognosen

Ende 99 7.00 3 Mte. 12 Mte.

CHF/EUR* 1.60 1.55 1.56 1.58

CHF/GBP 2.59 2.53 2.48 2.36

CHF/USD 1.60 1.67 1.63 1.50

CHF/JPY 1.56 1.53 1.48 1.42

* Umrechnungskurse: DEM / EUR 1.956; FRF/ EUR 6.559; ITL/EUR 1936

INTERNATIONALE BÖRSEN:

ZINSÄNGSTE BELASTEN DEN MARKT

Zinserhöhungen der EZB und des Fed schürten Zinsängste und Sorgen über

mögliche Gewinneinbussen infolge der zu erwartenden Konjunkturverlangsamung.

Korrekturen der Technologie-, Media- und Telekommunikationswerte in Übersee

lösten Gewinnmitnahmen in der Eurozone aus. Vorübergehende Korrekturphasen

sind nicht auszuschliessen. Asiens Börsen bröckelten unter den schlechten

US-Vorgaben. Im Jahreshorizont werden sich die Märkte festigen.

Index Jan. 1996 = 100

350

300

250

200

150

100

50

Deutschland DAX

Schweiz SMI

USA S&P500

1997 1998

Grossbritannien FT-SE 100

Japan NIKKEI

Prognosen bis 16.10.00

1999 2000

EUROPÄISCHE BÖRSEN:

DEFENSIVE SEKTOREN FAVORISIEREN

Die Binnennachfrage in Europa zieht an, und Strukturreformen werden nun in

Angriff genommen. Der Finanzsektor sollte von dieser Konstellation profitieren

können. Gegen Jahresende könnten bei zyklischen Werten zur Angst vor

Zinserhöhungen Zweifel an den Gewinnprognosen hinzukommen. Defensive

Titel, zum Beispiel aus der Pharma- oder Versorgerbranche, stehen daher

im Vordergrund.

Prognosen

Gewinn- Div.-

Ende KGV wachstum Rendite

1999 7.00 2000 E 2000 E 2001 E 2000 E 12 Mte.

DJ Europe Stoxx Index 379 395 24.7 17.2 13.3 2.0

Banken 367 369 13.5 12.8 12.8 2.8 •••

Energie 343 355 17.4 57.4 0.5 2.5 ••

Financial Services 303 329 16.1 12.0 10.5 2.3 •••

Industrie 335 324 19.8 – 0.7 15.7 1.9 •

Medien 486 540 67.8 – 8.8 37.0 1.2 •

Pharma 396 442 26.4 18.0 13.9 1.3 •••

Technologie 894 1134 54.6 57.9 32.1 0.4 •••

Telekommunikation 788 762 43.0 13.4 14.5 1.1 •

Versicherungen 394 435 21.4 16.2 16.1 1.5 •••

Versorger 284 297 18.3 – 7.2 9.1 3.0 •••

Zyklische Konsumgüter 300 296 23.0 25.7 21.5 1.6 •••

Gegenüber dem Sektor

• unterdurchschnittliche Performance

•• Marktperformance

••• überdurchschnittliche Performance

E hinter der Jahreszahl steht für «Expected»

51

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


e-business

INTERVIEW: CHRISTIAN PFISTER,

REDAKTION BULLETIN

CHRISTIAN PFISTER Wann wurde Ihnen bewusst,

dass das Internet eine Revolution

auslösen wird ?

THOMAS WELLAUER Was das Internet vermag,

erlebte ich, als ich vor einigen Jahren

erstmals selber durchs Netz surfte. Im Nu

hatte ich Zugang zu einer immensen Fülle

an Informationen. Das faszinierte mich,

war aber noch nicht das eigentliche Aha-

Erlebnis. Dies folgte, als innerhalb kurzer

Zeit zwei Menschen, die mir nahestehen

und sich nicht speziell für neue Technologien

interessieren, anfingen, mit dem Netz

zu arbeiten: meine Frau und mein Vater.

Meine Frau tätigte plötzlich Einkäufe

übers Netz; und mein Vater, der über siebzig

Jahre alt ist, begann, mir E-Mails zu

schicken und seine Reisen übers Netz zu

buchen. Die zwei zeigten mir das Potenzial

des neuen Mediums – und dessen

atemberaubend schnelle Verbreitung.

C.P. Welches sind die grössten Gefahren, die

auf das E-Business der Credit Suisse Group

lauern ?

T.W. Wir gehörten zu jenen in der Branche,

die früh neue Produkte und Geschäftsmodelle

im Netz etablierten. Zu den «First

Movers» zu gehören war ein unternehmerischer

Entscheid. Und jeder unternehmerische

Entscheid birgt Risiken. Wenn sich

das Umfeld massiv ändert, entstehen

«JETZT IST DIE PI

Die Beobachterrolle liegt Thomas W

E-Business möchte mit seinen Team

THOMAS WELLAUER: «IN ZEHN JAHREN IST

DAS INTERNET SO INTEGRIERT WIE DAS TELEFON.»

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Chancen, sich als Unternehmen im Markt

zu differenzieren. Die Gefahr ist allerdings

gross, dass man auf die falsche Karte

setzt. Doch im Falle des E-Business, das

in der Credit Suisse Group seit Anfang

Juli in einer eigenen Geschäftseinheit

zusammengefasst ist, sind für mich die

Risiken kalkulierbar.

schauen, was passiert, um dann ins Business

einzusteigen – in der Ansicht, jetzt

habe man die Sache erlickt und sei vor Irrtümern

gefeit. Das funktioniert unmöglich;

eine Anlaufzeit braucht es immer. Wer früh

unterwegs ist, zahlt zwar Lehrgeld. Aber

das Risiko, überholt und abgehängt zu

werden, ist viel grösser als das Risiko von

Fehlinvestitionen.

C.P. Warum sind Sie so sicher ?

T.W. Ob sich die Internet-Technologie C.P. Experten gehen davon aus, dass unter

durchsetzen wird, war noch vor kurzer Zeit den Internet-Firmen bald das grosse Sterben

ein Thema. Heute bestehen keine Zweifel einsetzen wird. Warum wird dieses Schicksal

mehr – die Frage ist nur noch, wie man die das Credit Suisse e-Business nicht ereilen ?

Technologie einsetzt.

T.W. Die Gefahr, von der Bildfläche zu

verschwinden, droht vor allem den so genannten

«dot-com-Firmen». Wie viele aus

C.P. Sie rechnen also nicht damit, Lehrgeld

zu bezahlen ?

dem Rennen geworfen werden, kann ich

T.W. Dass auch wir Fehler machen, ist nicht abschätzen. Wer aber wie die Credit

für mich klar. Das ist immer so, wenn man Suisse Group eine ausgezeichnete Kundenbasis,

eine starke Marke und vielerlei

zu den Vorreitern gehört. Da kann es passieren,

dass wir in Technologien investieren,

die sich nicht durchsetzen werden, zu den Konsumenten im Handgepäck hat,

Möglichkeiten zur persönlichen Beziehung

oder unsere Gelder nicht effizient genug der kann die Reise in die Zukunft mit viel

einsetzen. Diese Risiken sind aber überschaubarweit

rund 16 Millionen Kundinnen und

Selbstvertrauen angehen. Wir haben welt-

Kunden – das ist unser Kapital.

C.P. Wäre denn Abwarten und Tee trinken

nicht die bessere Taktik ?

C.P. Was wird künftig in der Beziehung zum

T.W. E-Business bedeutet für mich mehr Kunden Erfolg bringen ?

als die Anwendung einer neuen Technologie.

Es ist eine neue Art und Weise, wie ge, die auch das E-Business nicht verrückt.

T.W. Es gibt ein paar grundsätzliche Din-

sich das Verhältnis zum Kunden gestalten Erstens: Die persönliche Beziehung zur

wird. Es wäre eine Illusion zu meinen, Kundschaft bleibt ein Erfolgsfaktor. Kundinnen

und Kunden, die keine wir könnten uns zurücklehnen und mal

persönliche

ONIERPHASE VORBEI»

ellauer nicht. Der CEO der Credit Suisse

s im Cyberspace die Nase vorn halten.

Bezugsperson in einem Unternehmen

haben wollen, werden in der Minderheit

bleiben – virtuelle Welten hin oder her.

Zweitens: Eine Institution muss vertrauenswürdig

sein. Hier kommt die Marke, der

Brand, ins Spiel. Eine Marke steht nicht

nur für Produkte oder Dienstleistungen,

immer mehr transportiert sie auch Werte,

für die eine Firma einsteht. Diese Bedeutung

wird zunehmen. Drittens: Unsere

Marktforschungen haben klar gezeigt,

dass unsere Kundinnen und Kunden weiterhin

grössten Wert auf gute Beratung legen.

Zwar wollen sie immer mehr vergleichen

– auch mit Konkurrenzprodukten.

Beratung ist und bleibt jedoch zentral.

C.P. Ist das gut oder schlecht ?

T.W. Der Konsument wird im Internet

dazu erzogen, dass er seine Bedürfnisse

sofort befriedigen kann. Er gewöhnt sich

daran, dass er rund um die Uhr eine Leistung

einfordern kann. Ich erachte dies als

riesige Chance. Wer sich darauf einzustellen

vermag, was nicht einfach ist, verschafft

sich Wettbewerbsvorteile.

C.P. Seit Anfang Juli sind die Aktivitäten rund

ums E-Business in einer eigenen Geschäftseinheit

gebündelt. Was bringt das ?

T.W. Ursprünglich verfolgte jede Geschäftseinheit

der Gruppe ihr eigenes

E-Business. Das hatte sich bewährt; wir

schafften dadurch in hoher Kadenz innovative

und erfolgreiche Lösungen. Jetzt ist

die Pionierphase vorbei. Es geht nicht

mehr darum, da und dort etwas Spezielles

zu liefern. Nun muss unser Ziel heissen, das

ganze Unternehmen e-fähig zu machen.

C.P. Wie soll das gehen ?

T.W. Drei Punkte entscheiden. Zum einen

brauchen wir eine gemeinsame Architektur

unserer Informationstechnologie; das ist

eine riesige Herausforderung. Zum andern

wollen wir effizienter werden; wir wollen

den Rhythmus unserer Innovationen erhöhen.

Indem wir alle unser Können rund

ums E-Business bündeln, stellen wir sicher,

53 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


SCHWEIZER SURFER SIND IN FAHRT

Im Hinblick auf die Nutzung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien

kann sich die Schweiz sehen lassen. Die Internet-Gemeinde ist bereits gross

und wächst schnell.

60

50

40

30

20

10

auf Beratung und Kundenservice konzentrieren.

Wenn es für den Kunden sinnvoll

ist, bieten wir deshalb auch Produkte unserer

Konkurrenz an. In erster Linie stellen

wir aber die Produkte selber her.

Erstens ist so die Profitabilität höher,

zweitens wollen wir unsere Markenqualität

und Innovationskraft auch mit eigenen

Produktleistungen festigen. Das stärkt

unsere Glaubwürdigkeit. Wir stellen deshalb

State-of-the-art-Produkte her und

demonstrieren so, dass wir wissen, wovon

wir sprechen.

0

USA Japan EU-Länder (8) Schweiz

in % der Bevölkerung Anteil weltweit in %

Quelle: Computer Industry Almanac

dass wir an den richtigen Themen und mit

genügend Durchschlagskraft arbeiten.

Zudem fällt so der Austausch von Knowhow

und Ideen leichter. Und drittens: Ich

bin überzeugt, dass nur eine Unternehmenskultur,

welche die Internet-Technologie

und die Netz-Philosophie verinnerlicht

hat, eine Firma wirklich nach vorne bringt.

Deshalb ist eine wichtige Funktion des

Credit Suisse e-Business, das Unternehmen

e-fähig zu machen.

C.P. Im Finanzdienstleistungssektor fliesst

viel Geld ins Netz. Konkurrenzunternehmen

kündigten Investitionen in Milliardenhöhe

an. Wie viel setzen Sie für Ihre E-Business-

Aktivitäten ein ?

T.W. Unsere Philosophie weicht von derjenigen

vieler Konkurrenten ab. Wir betrachten

unser E-Business als integralen Teil

unseres Geschäfts. Es ist daher praktisch

unmöglich, die Beträge herauszulösen, die

einzig in diese Tätigkeiten fliessen. Wir haben

in den letzten Jahren kräftig in unsere

Informationstechnologie investiert. Es ist

müssig herauszudestillieren, was dabei die

Aufwendungen für E-Business waren.

Viele dieser Investitionen müssten eh

erfolgen, um technologisch zu genügen.

Doch eins ist klar: Es geht auch bei uns

um viel Geld. Dazu nur zwei Beispiele: In

unsere Initiative «Personal Financial Services

Europa» investierten wir einen dreistelligen

Millionenbetrag und in unsere

elektronische Plattform für eine neue Generation

von Lebensversicherungen 300

Millionen Franken.

C.P. Welche Rolle soll die Credit Suisse

Group im Cyberspace spielen ?

T.W. In allen Industrien entsteht die grösste

Wertschöpfung an der Schnittstelle zum

Kunden. Wir werden uns also weiterhin

C.P. Der Management-Guru Peter Drucker

hat unlängst geschrieben, dass wohl keine

Branche im letzten Jahrhundert so wenig

Innovationen hervorgebracht hat wie die

Finanzdienstleister. Starten Sie mit einem

Innovationshandicap in den Kampf um die

Web-Klienten ?

T.W. Es stimmt, Banken wie Versicherungen

waren sehr lange wohlbehütet.

Unser Markt war stark reguliert. Das

schafft natürlich kein Klima, das Innovationen

fördert. Das zeigt sich auch daran,

dass wir die einzige Industrie sind, die keine

Forschung und Entwicklung im eigentlichen

Sinn betreibt. Es gibt Bereiche – denken

Sie nur an die Chemie –, wo das Budget

für Forschung und Entwicklung rund 15

Prozent des Umsatzes ausmacht. Das

sind substanzielle Beträge. Banken und

CREDIT SUISSE e-BUSINESS SCHAFFT JOBS IM CYBERSPACE

Die Credit Suisse Group gehörte in der Schweiz zu den Pionieren im

Internet-Banking. Auf Juli dieses Jahres hat sie nun ihre internetbasierten

Dienstleistungen in der neuen Geschäftseinheit Credit Suisse e-Business

zusammengefasst. Diese sorgt bereits für «Good News». So baut sie mit

Blue Window und der TA-Media ein gemeinsames Finanzportal im Internet

auf. Das Portal ist ab Januar 2001 verfügbar; es soll News, Finanzinformationen,

Beratung, Community-Funktionen und die Abwicklung von

Börsengeschäften aus einer Hand abwickeln. Zudem wird die Credit Suisse

e-Business in den nächsten Jahren 1000 neue Arbeitsplätze in Horgen ZH

schaffen.

54

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


e-business

Versicherungen sind massiv gefordert,

eine Innovations- und Risikokultur zu

fördern. Ich betrachte einen Teil unseres

Engagements im E-Business als unser

Forschungs- und Entwicklungsbudget.

C.P. Sie sprechen von einer neuen Kultur.

Was heisst das für das Innenleben Ihres

Unternehmens ?

T.W. Wir müssen alle unsere Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter teilhaben lassen

an dem, was die Internet-Revolution

bringt. Wir engagieren uns schon heute

stark in der Aus- und Weiterbildung. Aber

ich sehe Möglichkeiten, mehr zu machen.

Das Internet bringt eine Veränderung der

Denkweise. Das ist eine enorme Herausforderung

– nicht nur für Unternehmen.

EIDGENOSSEN BEWEISEN KAUFLUST

Die Schweiz stellt sich der «New Economy». Die Ausgaben für Informations- und

Kommunikationstechnologien je Einwohner liegen über jenen der Vereinigten Staaten

und des E-Landes Schweden.

4000

3500

3000

2500

2000

1500

1000

500

0

CH USA J EU S GB F D Italien

Quelle: European Informations Technology Observatory 2000

CHF pro Kopf, 1999

C.P. Sondern ?

T.W. Es ist für unsere Volkswirtschaft

entscheidend, dass unsere Kinder im

Umgang mit den neuen Medien gut ausgebildet

werden. Und da sehe ich Probleme.

Die Schweiz war noch nie bereit,

rasch auf neue Technologien zu reagieren.

Ich bin Ingenieur und habe immer wieder

gespürt: Unser Land ist im Vergleich zur

angelsächsischen Welt eher technologiefeindlich

eingestellt. Das können wir uns

nicht leisten. Jetzt muss die Bildungspolitik

sicherstellen, dass den neuen Entwicklungen

Rechnung getragen wird.

C.P. Werden Ihre Kinder, wenn sie gross

sind, ein anderes Kundenverhalten zeigen

als Klienten heute ?

T.W. Meine Kinder werden in zehn bis

fünfzehn Jahren erwachsen. Eine Prognose

fällt über eine so lange Zeitspanne

schwer. Doch betrachten wir die jungen

Leute, die jetzt in die Arbeitswelt kommen.

Sie zeigen, in welche Richtung es

gehen könnte. Im Vergleich zu früher haben

junge Menschen höhere Ansprüche

an die Wertehaltung eines Unternehmens.

Das Gleiche lässt sich für Kundinnen und

Kunden sagen. Heutzutage sind sie anspruchsvoller

und informierter; sie verlangen

mehr in Bezug auf Preis, Leistung und

Qualität. Kunden wollen mehr vergleichen.

Ob sich diese Entwicklung noch akzentuieren

wird, kann ich heute nicht sagen.

C.P. Noch widersteht die Mehrheit der Menschen

den Verlockungen des E-Business.

Wie sieht das in zehn Jahren aus ?

T.W. In zehn Jahren wird das Internet so

in unseren Alltag integriert sein wie das

Telefon. Alle werden es nutzen, niemand

wird es mehr speziell beachten. Die Bedienung

des Internets wird kinderleicht.

Gleichzeitig werden komplexe Anwendungsmöglichkeiten

zur Verfügung stehen,

sodass wir übers Internet fast alles machen

können. Die Logik ist immer die gleiche:

Neue Technologien werden in ihrer Wirkung

kurzfristig meist überschätzt und

langfristig meist unterschätzt. Das ist auch

jetzt nicht anders. Noch vor zwei Jahren

wurden uns atemberaubende Wachstumsraten

verheissen. Jetzt fällt der Blick

nüchterner aus. Langfristig aber ist das

Internet schlicht und einfach die schlagkräftigste

Technologie. Und die beste

Technologie hat sich schon immer durchgesetzt.

55

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Lavaboooh!

INTEGRAL MC BIEL-BIENNE 99 C

Im besten Bäder- und Küchenmarkt der Schweiz

"Hallo Liebling!" Wer Sie jeden Morgen freundlich begrüsst

und Ihnen abends gute Nacht wünscht, der

sollte nicht nur pflegeleicht, sondern auch formschön

sein. Ein Tête-à-tête im Bad? Bei uns, im grössten Badezimmer-Fachmarkt

der Schweiz! Weil sich hier die Auswahl

jeden Tag ein Stelldichein gibt. Von der Seifenschale

bis zum Closomat. Von der kompetenten Beratung

bis zur ideenreichen Raumplanung. Für jedes Budget und

für jeden Geschmack.

Also – auf in die trendigste Badezimmer-Ausstellung der

Schweiz. Damit Sie ja nichts verpassen.

Das führende Haus für Küche und Bad

Badezimmer- und Küchen-Ausstellungen: Basel, Münchensteinerstr. 127, 061 337 35 35, Biel-Bienne, Dufourstr. 38, 032 344 85 44, Chur, Industriestr. 27, 081 286 73 73, Contone, Via Cantonale,

091 851 97 60, Crissier, Ch. Longemarlaz 6, 021 637 43 70, Jona, Jona-Center 2, 055 225 15 55, Köniz/Bern, Sägemattstr. 1, 031 970 27 11, Lugano, Corso Elvezia 37, 091 912 28 50, Sierre, Ile Falcon,

027 455 37 51, St. Gallen, Simonstr. 5, 071 282 55 55, Thun, C.F.L. Lohnerstr. 28, 033 334 59 59, Winterthur, Geschäftshaus Banane, Brunngasse 6, 052 269 13 69, Zürich, Carbahaus, Hardturmstr. 101,

01 446 10 10, Badezimmer-Ausstellungen: Develier, Route Cantonale, 032 422 88 62, Kriens, Industriestr. 10, 041 349 59 59, Olten, Aarburgerstr. 103, 062 287 77 87

Küchen-Ausstellung: Genève, Ch. de la Gravière 8, 022 343 88 20

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Jetzt im Bulletin Online

Wer sich unter www.credit-suisse.ch/bulletin

einklickt, erhält eine geballte Ladung an

News, Fakten, Analysen und Interviews zu

Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport.

DER GROSSE BRUDER

SCHAUT DIR ZU

George Orwell hat zwar nicht vorausgesehen, dass

dereinst ein Netz die Welt überspannen wird. Doch

seine düstere Utopie der überwachten Gesellschaft

ist näher gerückt, seit Surfer ahnungslos ihre digitalen

Spuren im World Wide Web hinterlassen. Bulletin

Online befragte Experten zum Thema Datenschutz.

DIE SCHWEIZ LÄSST IHRE

MUSKELN SPIELEN

Die Exportindustrie brachte die Wende: Seit die

Schweizer Wirtschafts-Lokomotive wieder Dampf

macht, kommen auch die anderen Sektoren in

Schwung. Doch wie wettbewerbsfähig ist die Schweizer

Wirtschaft wirklich ? Bulletin Online präsentiert

einen internationalen Vergleich.

WALL STREET LIEGT IN BÜMPLIZ

Im letzten Frühling brachte www.youtrade.com das

Online-Trading in die Schweiz. Seither sind es schon

21 000 Börsianer, die sich vom Sofa aus in die Wall

Street, Nasdaq oder SWX klicken. Welche Gruppen

nutzen das Angebot ? Wie versiert gehen die Anleger

mit der Heimbörse um? Und wie rentabel ist das Geschäft

mit den tiefen Gebühren ? Bulletin Online

sprach mit dem youtrade-Chef.

AUSSERDEM IM BULLETIN ONLINE:

• Bankgeheimnis: Für die einen ein alter Zopf, für

die andern ein Tabu

• Kantone im Härtetest: Wer hat die Nase vorn im

Kampf um den besten Standort ?

• Country Rating: Analysten entscheiden über die

Kreditwürdigkeit von Ländern

• Pferderennen: Wenn das Wettfieber grassiert, ist

Heilung hoffnungslos

@ propos

INTERNET-WERBUNG STINKT NICHT

Ein junger Typ steigt mit entgeistertem Blick aus dem Lift, Blut an

der Nase, Blut an den Fingern, Blut an der Lifttür; die Blondine im

Lift blickt ihm grimmig-befriedigt nach. Eine Hand streckt ein

Plakat ins Bild mit dem Spruch: «Sag’s lieber per E-Mail.»

Je schriller, desto besser: Dieses Motto vieler Dot-Com-Firmen hat

sich auch der E-Mail-Service GMX auf die Werbefahne geschrieben.

Denn im grenzenlosen Ozean des Web fällt man auf, oder

man geht unter. Feine Ironie? Nein danke.

Wer nichts ahnend durch das deutsche Internet-Magazin «Online

Today» stöbert, dem werden die schrägen Gags gleich seitenweise

um die Ohren geschlagen. «Die günstigsten Linienflüge in alle

Welt online», prahlt die Firma tiss.com. Um ihrer Behauptung

Gewicht zu verleihen, bildet sie sechs Stewardessen von hinten

ab, den Oberkörper zum Servier-Boy gebeugt, damit sich dem

Betrachter der mit uniformiertem Mini beschürzte Po entgegenstreckt,

mal rot, mal grün, mal blau. Darunter stehen jeweils die

Flugdestination und der Preis.

Doch wer glaubt, der werberische Tiefpunkt sei erreicht, wird ein

paar Seiten weiter eines Besseren belehrt. Die Firma tipp24.de,

der «Internet-Annahme-Service für Lotto und Oddset», hält es mit

der Weisheit «Werbung stinkt nicht» und bildet eine Bahnhoftoilette

ab, daneben die Botschaft: «Gehen Sie eigentlich für jeden

Scheiss extra aus dem Haus?»

Ob die Marktschreier aus dem Cyberspace ihr Publikum erreichen?

Die Antwort weiss nur der Marlboro-Cowboy auf der letzten

Seite der Online-Gazette. Unbeeindruckt von seinen überdrehten

Nachbarn kauert er immer noch neben seinem Pferd im

Gras, vor ihm plätschert das Bächlein. Statt Webadresse nur die

Warnung vom EU-Gesundheitsminister. Marlboro wirds wohl auch

in fünfzig Jahren noch geben. Und tipp24.de?

von Andreas Thomann, Redaktor Bulletin Online

andreas.thomann@credit-suisse.ch

57

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


DAS INTERNET

BRINGT DIE BANK

INS HAUS

www.yourhome.ch


SERVICE

Fast fünfzig Prozent der Wertschriften-Transaktionen der

Credit Suisse werden heute bereits online abgewickelt.

Den Weg zur Bank können sich die Kunden aber nicht nur

beim Anlegen sparen.

VON CHRISTA HUBER

E-Business macht täglich Schlagzeilen.

Das neue Medium, darüber sind sich die

Experten einig, wird den Geldinstituten

über kurz oder lang eine Revolution bescheren.

Das Internet greift in die Wertschöpfungskette

der Banken ein und stellt

bislang hochprofitable Geschäftsprozesse

in Frage. Die Beratungsfirma Andersen

Consulting schätzt die Zahl der Internet-

Banking-Benutzer in der Schweiz auf eine

halbe Million. Die UBS und die Credit

Suisse, so Andersen, zählten mit je sieben

Prozent ihres Kundenstammes im Internet

zu den «führenden Anbietern».

Noch lassen sich allerdings viele Bankkundinnen

und -kunden bei Fragen zum

Zahlen, Sparen, Finanzieren, Vorsorgen

und Anlegen am liebsten von einer Fachperson

beraten. Die Credit Suisse berücksichtigt

diese Gewohnheiten. «Unsere

Kunden wünschen ganz klar ein Multichannel-Angebot»,

betont Hanspeter

Credit Suisse-Kunden. Dabei deckt dieser

voll ausgebaute Vertriebskanal der Credit

Suisse alle Bedürfnisse ab, die üblicherweise

einen Gang zur Bank notwendig

machen. Diese Erkenntnis wird von Kundinnen

und Kunden zunehmend verinnerlicht

werden. Andersen Consulting

prognostiziert dem Internet Banking

jährliche Wachstumsraten von 30 Prozent,

während die Credit Suisse von 100 Prozent

ausgeht. Als europäische Protagonisten

profilieren sich skandinavische Bankkundinnen

und -kunden: 20 bis 30 Prozent

der Dänen, Schweden und Norweger

tätigen schon heute ihre Geldgeschäfte

übers Internet.

Später Start bei Raiffeisen

Der Zukunftsmusik aus dem Cyberspace

haben sich auch die kleinern Schweizer

Geldinstitute nicht verschlossen. Die meisten

Kantonalbanken haben gemeinsam

am 8. Februar dieses Jahres: «Das

erklärt die überraschend starke Präsenz

der Schweizer Bankzwerge im Internet.»

Schwerer als die Regionalbanken tun sich

die Institute der Raiffeisen: Ihr Internet-

Banking wird erst für das Jahr 2001

geplant.

Anders die beiden Schweizer Grossbanken:

Sämtliche Produkte und Dienstleistungen

stehen heute den Kundinnen

und Kunden jederzeit online zur Verfügung.

Und wer die Web-Seiten der

Credit Suisse besucht, muss durchaus

nicht auf persönliche Beratung verzichten.

«Danke, ich will mich nur mal umsehen.»

Mit diesem Satz pflegt man üblicherweise

allzu eifrige Verkäuferinnen und Verkäufer

abzuwimmeln. Sie sollen dann zur Stelle

sein, wenn man sie wirklich braucht.

www.youtrade.ch

www.credit-suisse.ch/directnet

www.credit-suisse.ch

Foto: Mathias Hofstetter

Kurzmeyer, Leiter E-Banking und E-Insurance.

«Je nach Bedürfnis suchen sie

ihren Berater in der Filiale auf, treten

telefonisch oder online mit uns in Kontakt.»

Den Weg übers Internet wählen, so

Kurzmeyer, erst gegen zehn Prozent der

Internet-Lösungen entwickelt. Und gegen

90 Regionalbanken, die zum RBA-Verbund

gehören, haben den grössten Teil

ihrer Informationstechnologie in das gemeinsame

Rechenzentrum RBA-Service

AG ausgelagert. Die NZZ kommentierte

Genau nach diesem Prinzip funktioniert

das Geschäft der Credit Suisse im Internet.

Es bietet dem Kunden die Möglichkeit,

das Angebot zuerst in aller Ruhe

zu studieren. Falls er dabei zum Schluss

kommt, dass er zu einem bestimmten

59

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


SERVICE

Produkt noch mehr Informationen möchte

oder persönliche Beratung braucht, kann

er beides per Kontaktformular anfordern.

Wenn ihn dagegen ein Produkt auf Anhieb

überzeugt, lassen sich die nötigen Formulare

entweder herunterladen oder per

E-Mail bestellen.

www.credit-suisse.ch/bulletin

Keine Katze im Sack kaufen

Niemand kauft gerne die Katze im Sack.

Man muss kein Profi sein, um sich im

Internet-Angebot der Credit Suisse zurechtzufinden.

Die Informationen zu den einzelnen

Produkten sind leicht verständlich,

und auch die Kosten bleiben nicht im Dunkeln.

Berechnungsmodelle zeigen in Sekundenschnelle

auf, wie teuer beispielsweise

ein Privatkonto zu stehen kommt

oder wie sich Vorsorgelücken schliessen

lassen. Kunden, die ins Anlagegeschäft

einsteigen wollen, hilft der Investment

Manager weiter. Er analysiert die Risikobereitschaft,

erstellt ein Anlageprofil und

basierend darauf einen Anlagevorschlag.

Allzu Leichtsinnige lässt er nicht ins Unglück

rennen, sondern bremst und fordert

sie zu einer zweiten Risikoanalyse auf. Unrealistischen

Träumen vom eigenen Heim

bereitet das Berechnungsmodell für Online-

Hypotheken ein rasches Ende. Ohne

Rücksicht auf Illusionen oder fingierte Angaben

wird aufgezeigt, wie teuer Zinsen,

Amortisation und Unterhalt einer Liegenschaft

zu stehen kommen und ob dieser

Betrag in einem vernünftigen Verhältnis

zum Einkommen steht. Kunden, die nicht

nach den Sternen greifen, bietet «yourhome»

dagegen konkrete Unterstützung.

Wegweiser zum eigenen Heim

Der Erwerb von Wohneigentum ist im

Leben der meisten Kunden ein einmaliger

und grosser Schritt. Die Finanzierung ist

dabei ein wichtiger Aspekt. Das Ziel ist ein

www.credit-suisse.ch/corporate

ZAHLEN UND FAKTEN

– Sämtliche Produkte und Dienstleistungen der Credit Suisse sind unter

der Adresse www.credit-suisse.ch zugänglich.

– Rund zehn Prozent der Credit Suisse-Kunden tätigen ihre Bankgeschäfte

heute online. Bei den Wertschriften werden bereits 47 Prozent aller

Transaktionen online abgewickelt.

– Das Direct Net wurde im April 1997 eingeführt. Heute nutzen es über

200 000 Kunden. (www.credit-suisse.ch/directnet/)

– 50 Prozent der bisher rund 20 000 Benutzer von «youtrade» sind

Neukunden. (www.youtrade.ch)

– «yourhome» lässt sich direkt unter der Adresse www.yourhome.ch

aufrufen.

– Die Credit Suisse rechnet im Internet-Geschäft in den nächsten zwölf bis

achtzehn Monaten mit einer Zuwachsrate von 100 Prozent. Durch neue

Endgeräte wie TV, Mobiles und Screenphones wird das Internet als

Vertriebskanal weiter an Bedeutung gewinnen.

eigenes Heim, das den persönlichen

Bedürfnissen optimal entspricht. Dabei

können natürlich der Steuerfuss und die

Lebensqualität des gewählten Wohnorts

durchaus eine Rolle spielen. Das richtige

Objekt in der richtigen Umgebung zum

richtigen Preis zu finden, ist gar nicht

so einfach. «yourhome» begleitet den

Kunden von der Planung bis zum Umzug

und hilft ihm, strukturiert vorzugehen.

Die Möglichkeiten des Internets werden

genutzt, um nützliche Adress- und Checklisten

sowie Links zu kompetenten Partnern

zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich

wird nicht vorausgesetzt, dass

alle Kunden ihr Eigenheim-Projekt bis hin

zum Antrag der Online-Hypothek alleine

durchziehen. Zu Fragen der Finanzierung

können sie sich jederzeit persönlich beraten

lassen. Routinierten Internet-Usern

bietet «yourhome» alles, was sie von diesem

Medium erwarten. Im persönlichen

Folder, der ihnen nach der Registrierung

zur Verfügung steht, können sie ihre favorisierten

Links und die persönlichen Daten

abspeichern. Eine Status-Box hält sie

über den Stand der Finanzierung auf dem

Laufenden. Ist der Antrag einmal komplett,

geht es sehr schnell. Schon 24

Stunden später erfährt der Kunde online,

wie der definitive Finanzierungsentscheid

ausgefallen ist. Soviel zu den Profis –

doch auch Kunden, die sich noch etwas

weniger leichtfüssig durchs Internet bewegen,

sollten sich nicht abschrecken

lassen. Sie können «yourhome» als Wegweiser

und Gedächtnisstütze nutzen.

Internet-Banking für Anleger

Schon 47 Prozent aller Wertschriften-

Transaktionen der Credit Suisse werden

heute online abgewickelt. Diese Zahl

macht deutlich, dass das Internet-Banking

dem Bedürfnis von Anlegern besonders

entgegenkommt. Auf ihrem Konto und

ihrem Depot bewegt sich so viel, dass

ihnen mit einem monatlichen Kontoauszug

und einem jährlichen Anlageverzeichnis

nicht gedient ist. Anstatt eine eigene

60

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Buchhaltung zu führen, behalten sie ihre

Finanzen via Direct Net im Auge. Natürlich

bedeutet Internet-Banking weit mehr als

nur den persönlichen Zugriff auf Konto und

Depot. Mit Direct Net kann der Kunde auch

jede Art von Zahlungsauftrag im In- und

Ausland online erledigen, Kurse abfragen

und Wertschriftengeschäfte tätigen.

Das richtige Instrument für den fortgeschrittenen

Anleger ist «youtrade». Mit

einer Ersteinlage von 1000 Franken ist er

im Geschäft und kann selbständig sämtliche

an den gängigen Börsenplätzen gehandelten

Wertschriften kaufen oder verkaufen.

Alle Kursdaten stehen realtime

und gratis zur Verfügung. Interessant sind

nicht nur die günstigen Transaktionskosten,

sondern auch die Möglichkeit, immer

am Ball zu bleiben. Da selbst der ambitionierteste

Anleger nicht pausenlos am Bildschirm

sitzt, lässt er sich Informationen

wie Tageskurse oder Kurslimiten per E-Mail

oder SMS übermitteln und wickelt die

Aufträge wenn nötig telefonisch ab.

Hilfe im virtuellen Dschungel

Wem die virtuelle Welt zu abstrakt wird,

fordert Hilfe an. Der Rückruf einer Fachperson

aus Fleisch und Blut kann in

«yourhome» schon heute per Knopfdruck

verlangt werden. «Unsere Vertriebskanäle

werden noch viel mehr miteinander verschmelzen»,

umschreibt Hanspeter Kurzmeyer

die künftige Entwicklung. «Der

‹Call-me-button› ist nur ein erster Schritt

in diese Richtung.» Verschiedene Wege

führen nicht nur nach Rom, sondern auch

zur Credit Suisse. Je flexibler sie der

Kunde nutzt, desto mehr kann er davon

profitieren.

Mario Crameri, Telefon 01 657 32 20

mario.crameri@credit-suisse.ch

www.credit-suisse.ch/bulletin

Letztes Jahr lancierte die Credit Suisse

youtrade – den ersten Online-Broker der

Schweiz. Bulletin Online zieht Bilanz.

«Geht ein Geschäft schief, bin ich der Tropf»

VON ROSMARIE GERBER,

REDAKTION BULLETIN

Begeisterung über schnelle, kostengünstigere

Börsengeschäfte, Ärger über Zeitverlust

und aufwendige Manipulationen:

Urs Arnold, Geschäftsführer der Arnold

Design AG, und seine Buchhalterin, die

Textilkünstlerin Heidi Arnold, machen

unterschiedliche Erfahrungen mit Internet

Banking.

Mit viel Sinn für Qualität und neue

Technologie gestaltet die Arnold Design

AG in Uerikon Druckerzeugnisse unterschiedlichster

Unternehmen. Die Designer

im idyllischen Dorf am Zürichsee haben

den optischen Auftritt des «Bulletins» zu

verantworten.

Der Credit Suisse geschäftlich verbunden,

mag die Buchhalterin des KMU-

Betriebes nicht nur in Begeisterung über

den Zahlungsverkehr im Internet ausbrechen.

Heidi Arnold: «Je nach Tageszeit

dauert es schon eine Weile, bis das

Internet aufgestartet ist. Danach muss

jede einzelne Zahlung mit allen Angaben

samt Referenznummern, ellenlange Nummern,

eingegeben werden. Zwar weiss

ich, dass Zahlungsvorlagen abgelegt und

wieder abgerufen werden können. Aber

praktisch nutze ich diese Möglichkeit

nicht, weil ich die Zeit nicht habe, um die

richtige Vorgehensweise zu suchen. Wir

arbeiten mit verschiedenen Banken. Jede

Bank hat ihren eigenen Code, der oft

wenig mit der Alltagssprache korrespondiert

– das zeitigt konstante Unsicherheit.»

URS ARNOLD, GESCHÄFTSFÜHRER

DER ARNOLD DESIGN AG UND

HEIDI ARNOLD, TEXTILKÜNSTLERIN

UND BUCHHALTERIN.

Ihre Zahlungen würden sich schneller erledigen

lassen, klagt Heidi Arnold, wenn

das Programm direkter und simpler führen

würde: «Der Computer zeigt beispielsweise

Einzelbuchungen an. Der Begriff Sammelbuchung

könnte angeklickt werden, ist

aber nicht auf den ersten Blick als Alternative

auszumachen. Also mache ich – bei

der Arbeit unter Zeitdruck – oft Einzelbuchungen

und bekomme später einen

Stoss einzelner Belege.»

Dabei sei die Credit Suisse im Vergleich

mit andern Banken noch benutzerfreundlich.

Schneller seien vorweg die Zahlungen

an ausländische Adressaten im Netz:

«Der Papierkrieg der ‹Vor-Internet-Banking-Zeit›

fällt weg.» Erfreulich laufe auch

die sofortige Kontrolle über die verschiedenen

Konten zu jeder beliebigen Zeit, und

«ich kann die Buchungsdaten eingeben,

und die Zahlung erfolgt korrekt, egal wie

lange vorher meine Anweisung erfolgt ist».

Während sich Heidi Arnold mit dem

Zeitstau beim Erledigen Ihrer Zahlungen

schwer tut, freut sich ihr Ehemann Urs

über den schnellen Netz-Deal an der

Börse. Urs Arnold: «Die Transaktionen werden

in Windeseile getätigt, die Bestätigung

erfolgt umgehend, und ich spare

zwei Drittel der üblichen Kommissionen.

Ausserdem kann ich die Performance

eines Papiers eins zu eins im Netz verfolgen

und bin nicht auf widersprüchliche

Zeitungsmeldungen angewiesen. Geht ein

Geschäft schief, bin ich der Tropf. Für

mich ist das Börsengeschäft im Netz massgeschneidert.»

61

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


MEDAILLENTRÄUME

Als Springpferde nach Sydney,

als Goldesel zurück?

VON MEILI DSCHEN

Sie sind Stars. Sie bekommen

Fanpost. Sie reisen nicht

ohne Begleitung ihrer persönlichen

Betreuer, ihrer Vertrauensärzte,

ihrer Fahrer. Sie

werden gehütet wie Augäpfel,

denn ihr Marktwert übersteigt

Millionen. Sie haben Allüren,

wie alle Stars.

Sie – sind die besten Springpferde

der Schweiz. Zusammen

mit der Reiterin Lesley

McNaught und den Reitern

Urs Fäh, Markus Fuchs, Beat

Mändli und Willi Melliger bilden

sie das olympische Team.

Ihnen fällt bald die Aufgabe

zu, die Schweiz an den Olympischen

Spielen in Sydney

würdig zu vertreten. Wer sind

diese olympischen Hoffnungsträger,

und wie bereiten sie

sich auf wichtige Wettkämpfe

vor ? Der Nationenpreis am

CSIO in Luzern bot Gelegenheit,

mehr über das geheime

Leben der tierischen Stars zu

erfahren.

Der Kämpfer

Pozitano, der elfjährige Rheinländer

Wallach, hat die Farbe

von dunkler Schokoladencrème.

Sein Reiter Beat Mändli

rühmt dessen starken Charakter:

«Er setzt sich gerne durch.

Wenn er auf meiner Seite ist,

kämpft er auch mit mir.»

Mändli, der 30-jährige schlaksige

Ostschweizer mit dem

jugendlichen Gesicht, kennt

seine Pappenheimer. Pozitano

wolle immer im Mittelpunkt

stehen. Morgens, wenn Mändli

den Stall betritt, begrüsst er

Pozitano vor allen anderen

und reitet ihn als ersten. Das

hält den Star bei Laune, «sonst

zeigt er mir die kalte Schulter».

Pozitano hat alles, was ein

Springpferd braucht. Neben

den körperlichen Voraussetzungen,

der Technik und

der Kraft besitzt er die richtige

Einstellung. Spitzensport

passiert bei Mensch und Tier

im Kopf. «Er hat das Talent

und den Willen», sagt Mändli,

«er ist aber auch sehr vorsichtig.

Beides ist gleich wichtig

beim Springen.»

Sprungvermögen und Vorsicht

attestiert der 36-jährige

Urs Fäh auch Oxytetra, einem

neunjährigen Wallach. Er kennt

die Macken seines Vierbeiners.

Oxytetra sei dominant,

eifrig und manchmal dickköpfig

bis zur Rüpelhaftigkeit:

«Er möchte vieles selber

machen, und wenn er nicht

einverstanden ist mit mir, wird

er wütend.» So sehr wolle

der Wallach hie und da seinen

edlen dunkelbraunen Kopf

durchsetzen, dass der Reiter

ihm entsprechend Paroli bieten

müsse.

Die Amazone

Lesley McNaught, mit 34

Jahren die erfolgreichste

Amazone der Welt, hat trotz

vielen Jahren in der Schweiz

ihren britischen Akzent ebenso

wenig abgelegt wie ihr

britisches Understatement.

Auf die Frage nach den

Besonderheiten ihres Dulf

meint sie erstaunt: «Er ist ein

Fotos: Pia Zanetti

62 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Pozitano, Wallach

Beat Mändli, Reiter

Rasse: Rheinländer

Farbe: dunkelbraun

Jahrgang: 1989

Besitzer: Paul Bücheler,

Amriswil, und Stephan

Stamm, Binningen

Frisst gerne: Polo-Pfefferminzbonbons,

Rüebli,

Liebt: Aufmerksamkeit,

Turniere

Liebt nicht: wenn man ihn

nicht beachtet

einfaches, ein ganz normales

Pferd.» Dulf sei umgänglich,

ausgeglichen. Er habe viel

Charakter und eine ausgeprägte

Wettkampfmentalität:

«Er ist ein Athlet. Er will

einfach Sport machen.»

Dulf, Wallach

Lesley McNaught, Amazone

Rasse: Hannoveraner

Farbe: Fuchs

Jahrgang: 1988

Besitzer: Arthur Schmid,

Romanshorn

Frisst gerne: alles

Liebt: auf der Weide sein

mit anderen Pferden

Liebt nicht: gezöpfelte

Mähne

Der Routinier

Dulf, ein mächtiger, gutmütig

wirkender Hannoveraner

Fuchswallach mit Jahrgang

1988, streckt derweil neugierig

seinen breiten Kopf aus

der Boxe und lässt sich streicheln

und tätscheln. Huldigungen

nimmt der Star mit

Gelassenheit entgegen.

Ein Routinier, dem Lesley

McNaught nichts mehr beibringen

muss.

«Ein Springpferd muss von

sich aus über das Hindernis

wollen», sagt Markus Fuchs.

Erst dieser Ehrgeiz mache aus

einem Pferd einen Champion

und sei wichtiger als alle

anderen Eigenschaften zusammen.

Tinka’s Boy, der fuchsfarbene

zehnjährige holländi-

VOR GROSSEN AUFTRITTEN BEREITET SICH JEDER

STAR NACH SEINEM EIGENEN RITUAL VOR

Pozitano bekommt anderthalb Stunden vor dem Wettkampf

eine Magnetdecke übergeworfen und muss sich

ausruhen. Die Pflegerin schmust noch ein Weilchen mit

ihm, damit seine Psyche ins Lot kommt. Tinka’s Boys

Mähne wird sorgfältig eingeflochten. «Hauptsache, es

sind nicht 13 Zöpfchen» lacht die Pflegerin. Danach gibt

es eine Rückenmassage. Der sensible Calvaro braucht

absolute Ruhe und darf unter keinen Umständen gestört

werden. Während ihm die Pflegerin die Mähne flechtet,

meditiert er im Halbschlaf. Und Dulf geht, so seine

englische Pflegerin, «lunching», dann für 40 Minuten

«walking». Zöpfchen bekommt Dulf keine, denn er mag

das nicht.

Calvaro, Wallach

Willi Melliger, Reiter

Rasse: Holsteiner

Farbe: Schimmel

Jahrgang: 1986

Besitzer: Hans und

Christina Liebherr, Bulle

Frisst gerne: alles

Liebt: seine Ruhe

Liebt nicht: Unruhe und

klickende Fotokameras

sche Hengst, lässt in dieser

Hinsicht keine Wünsche offen.

Fuchs, ein alter Hase im

Springsport, ist 45 Jahre alt,

30 davon verbrachte er im

Sattel an Turnieren. Seinen

Champion beschreibt er als

«leichtrittig, unkompliziert, mit

tollen Bewegungen und einem

guten Charakter. Er hat keine

Angst, einen starken Willen,

und er geht mit dem Kopf

durch die Wand». Als Hengst

unter Wallachen gehört Tinka’s

Boy einer Minderheit an. Es

hat Vor- und Nachteile, ihm

seine Männlichkeit zu belassen.

Schön, dass sein Erbgut

für die Zucht erhalten bleibt;

allerdings kann sich das Temperament

der Hengste nachteilig

auswirken, wenn Stuten

in der Nähe sind. Das sei jedoch,

versichert Markus Fuchs,

bei Tinka’s Boy kein Problem.

Er beschnuppere höchstens

leidenschaftlich gerne fremde

Rossbollen, was eben in der

Natur der Hengste liege.

Hengste leben keusch

In England, wo der rotgolden

schimmernde Beau herkommt,

gibt es bereits Nachkommen

von Tinka’s Boy. In der

Schweiz allerdings darf der

Hengst den Stuten nicht zu

nahe kommen. «Das hat Zeit

bis nach der Karriere», sagt

Markus Fuchs. Die Stuten

könnten Tinka’s Boy im Moment

zu sehr ablenken. So

bleibt dem Pferd der Sex versagt

– zugunsten des Sports.

Calvaro schliesslich ist das

Pferd, auf das die Bezeichnung

«Star» am meisten

zutrifft. Er ist nicht nur ein

Shooting Star des Springsports,

sondern auch Medienstar

und Publikumsliebling.

Der Star

Das Publikum raunt bewundernd,

wenn er auftritt, verfolgt

gebannt seine Bewegungen

und klatscht frenetisch nach

erbrachter Leistung. Calvaros

Popularität ist unerreicht:

Sein Bekanntheitsgrad in der

Schweiz soll 80 Prozent

betragen.

Was macht diesen Schimmel

zu einer Legende ? Equipenchef

Martin Walther gerät

ins Schwärmen: «Es ist seine

Erscheinung, sein Gehabe.

Calvaro ist ein sehr schönes,

ausdrucksvolles Pferd, eine

imposante Erscheinung.»

Er ist so gross, dass er eine

Doppelboxe beansprucht. Da

steht er nun und döst vor sich

hin, ein porzellanweisser, zartbesaiteter

Riese. Ungeheuer

63

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


Tinka’s Boy, Hengst

Markus Fuchs, Reiter

Rasse: Holländer

Farbe: Fuchs

Jahrgang: 1989

Besitzerin: Stefanie

Wagishauser, Bulle

Frisst gerne: Rüebli

Liebt: Stuten, Schnuppern

an Rossbollen

Liebt nicht: keine

besonderen Abneigungen

aufmerksam und sensibel sei

Calvaro, sagt Willi Melliger,

der 47-jährige Veteran mit

dem melancholischen Blick.

Auf der Weltrangliste der

Springreiter figuriert Melliger

auf dem ersten Rang. Mit

Calvaro holte er vor vier Jahren

in Atlanta bereits olympisches

Silber.

Ein umherflatterndes Stück

Papier, das Klicken einer Fotokamera,

hektische Bewegungen

können den Schimmel

irritieren. Andererseits «macht

ihn seine Sensibilität zu diesem

Ausnahmepferd, das er ist»,

meint Melliger. Oder war, denn

mit 14 Jahren ist der Holsteiner

Wallach im gesetzten Alter,

das Ende der sportlichen

Karriere absehbar. Schonung

und haushälterischer Umgang

mit den Kräften sind die Prinzipien,

nach denen Calvaro

trainiert wird.

So unterschiedlich die Persönlichkeiten

der Vierbeiner

sein mögen, so ähnlich ist ihr

Tagesablauf und ihr Trainingsprogramm.

Für die meisten

Pferde findet das Springtraining

nur unmittelbar vor einem

Wettkampf statt. Jeder Sprung

über ein Hindernis verschleisst

Kräfte und belastet die Gelenke.

Man mutet dem Pferd die

unnatürlichen Bewegungen

nicht mehr als nötig zu.

Sonst aber gleicht der Trainingsplan

der Pferde jenem

menschlicher Spitzensportler:

AUF TUCHFÜHLUNG MIT FUCHS UND SEINEN PFERDEN

Welcher Pferdenarr hat nicht schon davon geträumt, einmal

auf einem Turnierpferd zu reiten ? Der Springreiter

Markus Fuchs lädt zehn Personen ein, einen Morgen mit

ihm und seinen Pferden zu verbringen. Neben einer Stallbesichtigung

erklärt Markus Fuchs auch Training und Turniervorbereitungen.

Fortgeschrittene Reiter erhalten die

Möglichkeit, sich in den Sattel eines der Top-Pferde zu

schwingen. Ein gemeinsames Mittagessen rundet das abwechslungsreiche

Programm ab.

Datum: 17. Oktober 2000

Ort: Stall Ahorn, St. Gallerstrasse 139, St. Josefen,

9030 Abtwil

Zeit: 9.00–15.00 Uhr

Das Bulletin verlost zehn Mal einen Morgen mit Markus

Fuchs. Alle Details finden Sie unter www.credit-suisse.ch/

bulletin oder auf dem beiliegenden Talon. Einsendeschluss:

30.9.

Oxytetra, Wallach

Urs Fäh, Reiter

Rasse: Belgier

Farbe: braun

Jahrgang: 1991

Besitzer: Arthur Schmid,

Romanshorn

Frisst gerne: alles

Liebt: Bewegung auf

der Weide

Liebt nicht: wenn er sich

unterordnen muss

Kondition, Kraft und Beweglichkeit

werden trainiert. Das

Training ist vielfältig. Wo

Wasser in der Nähe ist, gehen

sie auch gerne schwimmen.

Auch an Bewegung und Beschäftigung

im Paddock und

im Gelände mangelt es nicht.

Die Stars sollen nicht nur

körperlich fit, sondern auch

seelisch im Gleichgewicht

bleiben. Lange Spaziergänge,

viel Aufmerksamkeit und Zuwendung

helfen dabei.

Bonbons für Pferde

Eine ausgewogene Ernährung

ist für Athleten ein weiterer

Schlüssel zum Erfolg. Kraftfutter,

Hafer, Heu, Wasser,

kübelweise Rüebli: Die Stars

sind nicht heikel, sie fressen,

was ihnen vor die Nüstern

kommt. An die 13, 14 Kilogramm

vertilgt ein solches

Pferd im Tag. Dazu kommen

die Belohnerli: Zuckerwürfel,

Äpfel und andere Leckereien.

Für Pozitano gibt es, wenn er

aus dem Parcours kommt, ein

Pfefferminzbonbon.

Zum Erfolg im Reitsport

gehört aber mehr als die körperliche

und seelische Fitness.

«Sich in ein Pferd hineinfühlen»,

sagt Equipenchef

Martin Walther, «das ist das

Erfolgsrezept für ein harmonisierendes

Paar.»

Trotzdem, Pferdeflüsterer

mit magischer Intuition sind

die Reiter nicht. Dafür ist der

Leistungssport zu pragmatisch.

«Nicht nur auf den Einzelnen,

sondern auf das Team

schauen, leistungs- und zukunftsorientiert

entscheiden,

Betroffene zu Beteiligten

machen», ist Martin Walthers

Unternehmensphilosophie.

Erfolg gebucht

Er hat damit Erfolg: Neben

Deutschland gehört die

Schweiz zu den aussichtsreichsten

Medaillenanwärtern

an der Olympiade. Ross und

Reiter werden sich, sobald die

Quarantänefrist abgelaufen

ist, nach Sydney einschiffen.

Mit den Erwartungen wächst

auch die Angst vor Enttäuschungen.

«Erwartungen machen

erst Enttäuschungen»,

sagt Martin Walther, der als

väterlicher Betreuer versucht,

den Druck von seinem Team

zu nehmen. «Um Erfolg zu

haben, muss man mit dem

Misserfolg umgehen können.

Pferde sind keine Maschinen,

sondern Lebewesen, die

auch einmal einen schlechten

Tag haben können.»

64 CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


SPONSORING

Fotos: Hélène Tobler, PhotoDisc u.a.

AGENDA

Aus dem Kultur- und Sportengagement

von Credit Suisse und

Credit Suisse Private Banking

AVENCHES

15.–17.9. Swiss Equidays

(Pferdesport)

BERN

13.10. Extravaganza, Queen of

Switzerland, Kornhaus

14.10. Extravaganza,

Fashion- & Hair-Show,

Kornhaus

CRANS-MONTANA

6.9. Credit Suisse Private Banking

Gold Pro-Am (Golf)

7.–10.9. Canon European Masters

(Golf)

LUZERN

16.9. Credit Suisse Group Young

Artist Award, KKL

MARTIGNY

21.6.–26.11. Vincent van Gogh,

Ausstellung, Fondation Pierre

Gianadda

ZÜRICH

5.9.–16.9. Theater-Variété. Ursus

& Nadeschkin, Miller’s Studio

26.9.–30.9. Kurt Weill, «Street

Scene», szenische Oper

AB AN DIE WM

VERWANDLUNG

ZUM ERSTEN

Metamorphosen sind das Leitmotiv

der diesjährigen Internationalen

Musikfestwochen in

Luzern. Das Programm liest

sich wie ein Who Is Who der

klassischen Musik: Neben den

Jubilaren Pierre Boulez (75)

und Isaac Stern (80) sowie der

Klarinettistin Sabine Meyer als

Artiste Étoile werden unzählige

weitere Stars des internationalen

klassischen Firmaments

die Luzerner Nächte erhellen.

Eine kleine Auswahl gefällig?

Claudio Abbado, Martha Argerich,

Kurt Masur, Zubin Mehta,

András Schiff. Stars wie Sand

am Meer – an den Gestaden

des Vierwaldstättersees.

Internationale Musikfestwochen

Luzern 2000, 17.8.–16.9., Kulturund

Kongresszentrum Luzern

KKL sowie diverse andere

Aufführungsorte. Informationen:

www.lucernemusic.ch. Vorverkauf:

Internationale Musikfestwochen

Luzern, Tel. 041 226 44 80 oder

ticketbox@lucernemusic.ch.

Die Fussball-EM ist vorbei, aber ehe die ersten Entzugserscheinungen

auftreten, beginnen die Qualifikationsspiele für die WM

2002 in Japan/Südkorea. Zusammen in der Gruppe mit der

Schweiz sind Jugoslawien, Luxemburg, Russland, Slowenien

und die Färöer-Inseln. Auf dass die Nationalelf unter Enzo Trossero

einen soliden Grundstein für die WM-Qualifikation lege.

2.9. Schweiz – Russland, Hardturm-Stadion, 20.15 Uhr

7.10. Schweiz – Färöer-Inseln, Hardturm-Stadion, 17.30 Uhr

65

VERWANDLUNG

ZUM ZWEITEN

An den GWAND Fashion Events in Luzern werden auch dieses

Jahr hässliche graue Entlein von nationalen und internationalen

Designern in hippe, extravagante, schillernde Modeschwäne verwandelt.

Das Motto «The Truth Is Tomorrow» soll die Schweizer

Modemacher anspornen, Utopien, Träume und Witz in ihren

Kreationen zum Ausdruck zu bringen – ohne Rücksicht auf den

modischen Alltag. Heuer findet der Fashion Event erstmals an

drei Abenden statt. Am ersten Abend gehts gleich um die Wurst:

Fünf der besten europäischen Modefachschulen bewerben sich

um den mit 10 000 Franken dotierten Moët & Chandon Fashion

School Award. Der darauf folgende Abend steht ganz im Zeichen

des Schweizer Designs. Acht der vielversprechendsten Schweizer

Designer und Designerinnen zeigen ihre neuen Kollektionen

und hoffen, damit den Credit Suisse Fashion Award in der Höhe

von 20 000 Franken einzuheimsen. Der dritte Abend ist ausschliesslich

Kreationen aus dem Ausland gewidmet.

Credit Suisse GWAND Fashion Events 2000, 19.– 21.10., Luzern,

Lumag-Halle. Informationen: www.gwand.ch. Vorverkauf: TicketCorner

0848 800 800.

IMPRESSUM

Herausgeber

CREDIT SUISSE, Postfach 100, 8070 Zürich

Telefon 01 333 1111, Fax 01 3325555

Redaktion

Christian Pfister (Leitung), Rosmarie Gerber, Ruth Hafen

Bulletin Online: Andreas Thomann, Thomas Hauser, René Maier,

Thomas Ströhla, Ursulina Wyss (Volontärin)

Redaktionssekretariat: Sandra Häberli, Telefon 01 3337394,

Fax 01 3336404, E-Mail-Adresse: bulletin@credit-suisse.ch,

Internet: www.credit-suisse.ch/bulletin

Gestaltung

www.arnolddesign.ch: Urs Arnold, Karin Bolliger, Adrian Goepel,

Sonja Greb, Lukas Huggenberg, Annegret Jucker, Alice Kälin,

Muriel Lässer, Isabel Welti, Bea Freihofer-Neresheimer (Assistenz)

Inserate

Caviezel.Senn, Walter Caviezel, Riedstrasse 9, Postfach, 8824 Schönenberg,

Telefon 01 788 23 00, Fax 01 788 23 10, E-Mail caviezel.senn@bluewin.ch

Litho/Druck

NZZ Fretz AG/Zollikofer AG

Redaktionskommission

Martin Nellen (Unternehmenskommunikation), Matthias Friedli

(Media Relations), Fritz Stahel (Economic Research), Samuel Holzach

(Marketing Services)

Erscheint im 106. Jahrgang (6 ¥ pro Jahr in deutscher und französischer

Sprache). Nachdruck nur gestattet mit dem Hinweis «Aus dem Bulletin

der Credit Suisse».

Adressänderungen

Adressänderungen bitte schriftlich und unter Beilage des Original-

Zustellcouverts an Ihre Credit Suisse-Geschäftsstelle oder an:

CREDIT SUISSE, CISF 14, Postfach 100, 8070 Zürich


CARTE BLANCHE:

MARTIN WETTER

OPTIMISMUS IST ANGESAGT!

MARTIN WETTER,

«

MITGLIED DER GESCHÄFTSLEITUNG

CREDIT SUISSE

Liest und hört man von der öffentlichen

Meinung, entstand in der Vergangenheit

der Eindruck, dass sich in unserem Land

wenig bewege, Innovationen fehlten, ja

überhaupt das Stadium der Sklerose erreicht

sei.

Etwas überrascht hat man daher die

konjunkturelle Erholung zur Kenntnis

genommen. Entgegen allen Unkenrufen

hat sich die Schweizer Wirtschaft in

den Neunzigerjahren einer radikalen und

schmerzhaften Fitnesskur unterzogen.

Gleichzeitig hat sich auf staatlicher Seite

– wenn auch langsamer – einiges bewegt.

Taktgeber des weltweiten Liberalisierungsprozesses

sind die markanten Entwicklungen

in der Kommunikationstechnologie

und die real gesunkenen Transportkosten.

Folgerichtig wurden in der

Schweiz bei der Liberalisierung der Kommunikation,

aber auch bei der Unternehmensbesteuerung

entscheidende Fortschritte

erzielt. Die Geschwindigkeit der

Veränderungen verursacht einer direkten

Demokratie jedoch je länger je mehr grosse

Probleme. Immer häufiger stecken

Gesetzesanpassungen und Entscheidfindungen

noch in den Mühlen der Vernehmlassungen

und verwaltungsinternen Diskussionen,

wenn die Realität die Theorie schon

eingeholt hat.

Wie stark das Faktische sein kann, beweist

einmal mehr das Zusammenspannen

der Schweizer Börse mit Trade Point

in London zu virt-x. Mit dem Handel der

Schweizer Bluechips auf dieser neuen

Plattform wird die Stempelsteuer definitiv

ad absurdum geführt. Bundesrat Kaspar

Villiger wird nicht darum herumkommen,

mittels eines dringlichen Bundesbeschlusses

zumindest die institutionellen Anleger

von dieser Steuer zu entlasten.

Andernfalls drohen letztlich rund 80

Prozent des heutigen Umsatzes an der

Schweizer Börse nach London zu entschwinden.

Dadurch würden vor allem

zahlreiche Arbeitsplätze in den Banken

gefährdet. Diese Entwicklung zeigt auf,

dass heute mobile Ressourcen wie Kapital

und Wissen starke Auswirkungen auf die

Entwicklung der einzelnen Märkte haben.

Bei der Diskussion um den Wirtschaftsstandort

Schweiz muss darauf hingewiesen

werden, dass mobile Ressourcen

Voraussetzungen vorfinden müssen, die

für sie attraktiv sind und in ihrer Gesamtheit

zum Verbleiben animieren.

Welches sind diese Voraussetzungen ?

Erstens, eine stabile Rechtsordnung und

eine berechenbare Politik, die ihre Entscheidungsfindung

noch weiter beschleunigt.

So könnte man sich durchaus weniger

Vernehmlassungen vorstellen. Zweitens,

eine hervorragende Kommunikationsund

Verkehrsinfrastruktur. Hinzu kommen

im Weiteren für die mobilen Arbeitskräfte

attraktive Wohn- und Lebensbedingungen

sowie für qualifizierte ausländische Arbeitskräfte

gute internationale Schulen.

Für den Standort Schweiz ist diese Einsicht

zwingend, da die mobilen Ressourcen

das Überleben des Standortes erst

ermöglichen. Wandern diese ins Ausland

ab, würden auch keine lokalen Dienstleistungen

mehr nachgefragt. Immer wieder

vergessen geht in der politischen Diskussion,

dass die mobilen Faktoren das steuerbare

Einkommen markant erhöhen und

damit zur Finanzierung der staatlichen

Aufgaben beitragen.

Betrachte ich die jüngste Entwicklung,

so ist mir um das Gedeihen des Wirtschaftsstandortes

Schweiz nicht bang. Es

gilt nun, den eingeschlagenen Kurs, der

sich in der Rezession unter Druck etabliert

hat, auch in Zeiten einer guten Konjunktur

durchzuhalten. Andernfalls könnte sich

die Rezession ähnlich rasch zurückmelden

wie es die Hochkonjunktur im vergangenen

Jahr getan hat. Die jüngsten Wirtschaftstrends

stimmen jedoch

»

optimistisch.

Fotos: Pia Zanetti, Muriel Lässer

CREDIT SUISSE BULLETIN 4 |00


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