26.09.2017 Aufrufe

Contura 2016/2017 Deutsch

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

2016/2017

Contura

Das Magazin der Rhätischen Bahn

Aus Berufung

Action am

Bernina

Brauchtum: Sgraffito

Eine Tradition für

alle Ewigkeit

Bernina Express

Auf der Suche nach

Rissen im Herzen


Freibillett

Die Rhätische Bahn, die Retterin

Endlich kann ich der Rhätischen Bahn danken. Sie rettete mich vor Depression und Kriminalität.

Während der Pubertät fuhr die Kleine Rote mich, die kleine Brünette, zum Grümpelturnier nach

Zernez oder La Punt, wo ich die männliche Jugend des Tals beäugte. Das führte zu Fahrten nach

Zuoz, wenn immer ich sie mir leisten konnte. Dort erteilte mir ein Fussballer Nachhilfe in Mathematik.

Natürlich ist das gelogen. Wir knutschten. Knutschen macht frei. Die Rhätische Bahn

rettete mich auch vor einem verfehlten Beruf. Während sie Fahrt aufnimmt, nehme ich Anlauf

für neue Geschichten. Wir harmonisieren unsere Rhythmen. Sie macht, was die RhB so macht.

Ich träume, führe und belausche Gespräche, klappe meinen Schreibapparat auf. Los gehtʼs!

In «Halt auf Verlangen» strömt die romanische Radiostimme in den Waggon wie geschlagener

Rahm, die Stimme tropft auf die Menschen und macht sie verlegen. In «Mantel und Jacke»

treffen sich eine Frau und ein Mann, ihre Zugfahrt ist kostbar geworden: Sie sind nicht

mehr jung. In «Hüftschwung» zückt ein knackiger Kondukteur ein oranges Sugus.

Einmal sitzt ein Eber im Abteil («Der Eber»). In Spinas steigt er aus. Er soll

später nach Italien ausgewandert sein.

Romana Ganzoni, Autorin aus Celerina

2

www.rhb.ch/contura


Editorial

Die RhB beleben

Allegra, geschätzte Fahrgäste

Zusammen mit meinen Mitarbeitenden heisse ich Sie

herzlich willkommen in den Zügen der RhB. Die Rhätische

Bahn ist für viele gleichbedeutend mit einem Wunder

der Technik, wenn man die kühne Streckenführung mit

den vielen in die Landschaft verwobenen Kunstbauten

betrachtet. Das Schönste für mich ist jedoch, dass sich unsere Linien inmitten

einer wunderbaren und faszinierenden Natur befinden, welche uns alle

immer wieder staunen lässt. Gerne lade ich Sie ein, die Wunder der Natur im

Kanton Graubünden mit der RhB zu entdecken!

Oft erkennt man die schönsten Dinge erst aus der Distanz. So ist es nicht erstaunlich,

dass die unverwechselbare und eindrückliche Natur Graubündens

vor allem von den unzähligen Gästen geschätzt und hochgelobt wird. Vor

einigen Monaten durfte ich, als gebürtiger Bündner, als neuer Direktor der

Rhätischen Bahn in meine Heimat zurückkehren. Ich erachte es als grosses

Privileg, inmitten dieser aussergewöhnlichen Landschaft leben und wirken

zu dürfen. Wo sonst kann man den Grand Canyon der Schweiz, wunderbare

Alpengletscher und Bergseen sowie das Palmenparadies Italiens innert Stunden

mit denselben Panoramazügen erreichen?

Dank dieser unvergleichlichen Naturlandschaft ist Nachhaltigkeit für die Rhätische

Bahn eine besondere Verpflichtung. Als elektrisch betriebene Eisenbahn

sind wir besonders energieeffizient unterwegs. Dabei fahren unsere Züge zu

100 Prozent mit erneuerbarem Strom aus Bündner Wasserkraft. Darüber hinaus

erarbeiten wir zurzeit eine Nachhaltigkeitsstrategie. So wollen wir nicht

nur langfristig wirtschaftlichen Erfolg erzielen, sondern bei allen Entscheiden

auch unserer ökologischen und sozialen Verantwortung nachkommen. Sie

können die Wunder der Natur und Technik somit nicht nur geniessen, sondern

auch mit bestem Gewissen erleben.

Gute Fahrt und auf Wiedersehen

Ihr Renato Fasciati, Direktor

PS: Den spannenden RhB-Newsletter noch heute abonnieren und immer

auf dem Laufenden bleiben: www.rhb.ch/newsletter

3


Inhaltsverzeichnis

Wo gehtʼs lang?

52

Aus der Werkstätte Im Einklang mit der Natur

14 44 66

Albulalinie

Faszination Tunnelbau

UNESCO Welterbe RhB

Juwel entlang der

Albulalinie

Natur

Mit Bienenstock, Charme

und Imkerhut

4

Impressum: © Copyright /Herausgeber: Rhätische Bahn AG, Bahnhofstrasse 25, 7002 Chur | Technische Daten:

Rhätische Bahn | Konzept / Text: panta rhei pr gmbh | Grafik: Süsskind SGD Chur | Fotos: Archiv Rhätische Bahn,

Y. Andrea, A. Badrutt, G. Castelberg, P. Donatsch, R. Feiner, P. Fuchs, U. Jossi, J. Menolfi, M. Nutt, M. Schade,

Chr. Sonderegger, E. Süsskind, F. Zuan | Gedruckt in der Schweiz, Ausgabe Nr. 7, 2016 / 2017


Contura gibt’s online via

www.rhb.ch/contura oder

als App passend für Ihr iPad.

16 Scena

instagram

10 Aus Berufung

Action am Bernina

14 Albulalinie

Faszination Tunnelbau

18 Glacier Express

Eisblau im Eiskanal

23 Hätten Sie das gewusst?

Zahlenfaszination

24 Tradition

Hinter den Mauern

der Klinik Beverin

28 Fensterplatz

30 Bernina Express

Auf der Suche nach Rissen

im Herzen

34 Kultur

Bündner Kunstmuseum:

geglückte Erweiterung

38 Brauchtum: Sgraffito

Eine Tradition für alle Ewigkeit

44 UNESCO Welterbe RhB

Juwel entlang der Albulalinie

50 Platz an der Sonne

Die schönsten Badeseen

in Graubünden

52 Aus der Werkstätte

Im Einklang mit der Natur

58 Powerplay

Ski-WM 2017:

Nicht nur für die Schönen

und Reichen

62 Was machen eigentlich …

… die Skiliftbügelgeber

im Sommer?

64 Berühmte Namen

Carlo Janka

65 Wir stellen vor

Der neue Alvra-Gliederzug

66 Natur

Mit Bienenstock, Charme

und Imkerhut

70 Gut zu wissen

Die RhB schraubt sich bergwärts

72 Für die «Kurzen»

Ein Tag mit Clà Ferrovia …

74 Streckennetz

Höhepunkte

der Rhätischen Bahn

76 Wettbewerb

Bilderrätsel

77 Für Ihre Agenda

Auf einen Blick:

die Erlebnisfahrten 2017

78 RhB handlich

Erlebniskarte und Broschüren

79 Souvenirs & Geschenke

Schenken macht Freude

Über 7106 Quadrat kilometer echte Schweiz ent decken.

Gibt’s auch für Biker! www.rhb.ch/graubuendenpass

5


Scena

instagram

# rhaetiansensation

Auf der Fotosharing-Plattform instagram finden

sich unter dem Hashtag # rhaetiansensation

eine Vielzahl an Impressionen von der RhB und

Graubünden – wir haben eine Auswahl

der schönsten Eindrücke zusammengestellt …

b_bodyl, Bergün / danieloderbolz, Alp Grüm /

patcavelti, Bonaduz

6


davecodex, Morteratsch Gletscher /

the_aeschli, Ilanz / naomimeran, Alp Grüm /

remyfrints, Bergün / ceci_dvh, Davosersee

7


8

pizzoccherina, Conn / arriens, Berninapass /

noradse, Berninapass / bobbimac, Berninapass /

lulu301423, Langwies


landeinwohner, Samedan / amike._, Brusio /

marit_quitschie, Rheinschlucht / tomsfotoart, Alp Grüm /

lory, Berninapass

Lust auf mehr? Viele stimmungsvolle Ein- und

Ausblicke der RhB-Mitarbeitenden finden Sie auf

www.rhb.ch/instagram

9


Aus Berufung

Action am Bernina

10 Ausnahmsweise zu zweit im Führerstand: Claudia Martinez (links) und Zegna Schmid.


Mit dem ALLEGRA-Triebzug

steuern die beiden Lok -

füh rerinnen den Regiozug

über den Berninapass.

Für viele sind sie immer noch ein ungewohntes Bild: Frauen im

Führerstand eines Zugs. Doch bei der Rhätischen Bahn gibt es mittlerweile

einige Lokführerinnen. Zwei von ihnen fahren auch über

den Berninapass – was ihren Beruf für sie vollends perfekt macht.

Es zischt und pfeift. «Wagalang!», Claudia Martinez manövriert die Lok

mit dem futuristischen Namen «Ge 4/4 III» gekonnt über die Gleise des

Bahnhofs von St. Moritz. Mit ihrer Kollegin Zegna Schmid ist sie extra aus

Samedan gekommen, um mit ihr gemeinsam über den Bernina zu fahren.

Bevor es losgeht, rangieren sie noch fix den Zug aus Samedan,

damit die Kollegen zusätzliche Waggons anhän-

«Jetzt habe ich ein

gen können, bevor er wieder retourfährt.

rollendes Büro und

8.38 Uhr, die Ablösung lässt auf sich warten. Schmid

bin immer draussen spurtet schon einmal quer über den Bahnhof, während

in der Natur.» Martinez im Führerstand auf den Kollegen wartet. Der Regiozug

nach Tirano soll schliesslich pünktlich starten. Er

Zegna Schmid

steht auf Gleis 7 parat und hat auch einige der Panoramawagen

eingegliedert, aus denen im Sommer der Bernina Express zusammengestellt

wird. Die Zugbegleiter warten schon, Schmid klettert in den

Führerstand des ALLEGRA-Triebzugs. Kollegin Martinez kommt hinterher,

um 8.48 Uhr fährt der Zug ab.

Per Zufall über den Bernina

Die erste Etappe übernimmt Claudia Martinez. Sie steuert den Zug sicher

durch die sonnendurchflutete Landschaft des Engadins. Derweil erzählt

Zegna Schmid mit einem Lachen: «Lokführerin war zunächst gar nicht mein

Traumberuf.» Die 28-Jährige war nach der Matura auf der Suche nach einem

abwechslungsreichen Job, bei dem man nicht von neun bis fünf Uhr

im Büro sitzt. «Ausserdem arbeite ich gern allein», sagt die Bündnerin aus

Savognin. Die Idee, Lokführerin zu werden, kam ihr ganz plötzlich – und

war perfekt. «Jetzt habe ich ein rollendes Büro und bin immer draussen

in der Natur, aber dennoch in einem geschützten Raum.» Nach ihrer Ausbildung

wurde Schmid ins Lokdepot Samedan versetzt. Wer dort arbeitet,

11


fährt auch über den Bernina. Und weil es in Samedan bislang keine Lokführerin

gab, war sie per Zufall die erste Frau, die einen Zug über den Bernina

steuerte.

Extra-Ausbildung für die Passfahrt

Nach dem Halt in Pontresina wird die Landschaft spektakulär. Der Piz Bernina,

mit 4049 Metern höchster Berg Graubündens, taucht aus den Wolken

auf, kurz danach folgt der Piz Palü. In Bernina Suot tauschen die Lokführerinnen

– Zegna Schmid übernimmt. Im Alltag fahren sie natürlich allein,

aber fürs Contura teilen sie sich ausnahmsweise den Führerstand. Wie

Schmid absolvierte auch Martinez nach ihrer Versetzung nach Samedan

eine Zusatzausbildung, um über den Bernina fahren

zu dürfen. Rund zehnmal fahren die Lokführer dazu

«Der Berninapass ist

mit erfahrenen Kollegen über den Pass, um Strecke

einfach noch schöner als und Maschine kennenzulernen. Denn hier fährt die

die anderen Strecken.» RhB mit Gleichstrom statt mit Wechselstrom, ausserdem

ist das Gefälle anspruchsvoll, ebenso die Witte-

Claudia Martinez

rungsbedingungen.

«Am Bernina muss man die Strecke schon auswendig kennen», sagt

Zegna Schmid. Denn vor lauter Schnee und Wind sehe man die Geschwindigkeitsmarkie

rungen auch mal mehr schlecht als recht. «Manchmal ist

richtig Action am Bernina», sagt die Lokführerin lachend. Grundsätzlich

sind es aber eher Landschaft und Langsamkeit, die beide Frauen faszinieren.

«Diese Strecke ist einfach noch schöner als der Rest des Stamm-

Arbeiten beide

nicht gerne im

Büro: Claudia

Martinez (links)

und Zegna Schmid.

12

www.rhb.ch/contura


Traumjob vor

traumhafter

Kulisse: die

Fahrt über den

Berninapass.

netzes», sagt Claudia Martinez. Die 24-Jährige möchte nicht mehr zurück

in ihre Heimat im Zürcher Unterland. Dort hatte sie bei der SBB eine Ausbildung

zur Logistikerin absolviert und sich schon zu einer Weiterbildung

entschieden. Die Erkenntnis kam gerade noch rechtzeitig: «Ich bin nicht

der Typ fürs Büro», sagt auch Martinez. Weil sie sich im Bahnbetrieb auskannte,

bewarb sie sich bei der Rhätischen Bahn als Lokführerin. Als sie

nach der Ausbildung nach Samedan versetzt wurde, ging ihr Plan vollends

auf: «Hier oben gibt es einfach die meiste Abwechslung beim Fahren.»

«Die anderen machen Tamtam»

Dass im Engadin nun zwei Frauen Lok – und somit auch über den Bernina –

fahren, sorgt bei den männlichen Kollegen schon lange nicht mehr für

Aufregung. Zumal es bald drei sein werden; eine weitere Kollegin steckt

mitten in der Ausbildung. «Ich weiss, dass die erste Lokführerin, die überhaupt

bei der RhB fuhr, arg zu kämpfen hatte. Aber heute ist das normal»,

sagt Schmid, bevor ihr Zug die letzte Kurve vor dem Ospizio Bernina nimmt.

Im Privatleben allerdings müsse sie manchmal zweimal erzählen, womit

sie ihr Geld verdiene. Martinez stimmt lachend ein: «Die anderen machen

immer mehr Tamtam um unseren Job als wir.» Noch ein paar Minuten,

dann ist die aussergewöhnliche Fahrt der

beiden Lokführerinnen vorbei. In Alp Grüm

Führerstandsfahrten

steigt Claudia Martinez aus. Sie muss zurück

nach Samedan, um 14.30 Uhr beginnt Sie im Führerstand einer RhB-Lok

Von einem Fachmann betreut reisen

ihre eigentliche Schicht. Zegna Schmid fährt durchs Albulatal oder über die höchste

Bahnlinie der Alpen, die Berninalinie,

derweil weiter nach Tirano. Nach Alp Grüm

und erleben das UNESCO Welterbe,

nimmt ihr Zug elegant eine Kurve, sie winkt wie es sonst nur der Lokführer sehen

und lässt den Zug zum Abschied pfeifen. kann. Diplom und Schnappschüsse

Eben, immer Action am Bernina.

liegen am Ziel bereit.

www.rhb.ch/fuehrerstandsfahrten

13


Albulalinie

Faszination

Tunnelbau

14

Im Tunnelbau kann Jürgen Ebenhög gestalterisch tätig werden.


Um den neuen Albulatunnel

zu bauen, holten anfangs

Radlader jede Menge Allgäuschiefer

aus dem Berg.

Der neue Albulatunnel ist eines der grössten Projekte, das die Rhätische

Bahn je umgesetzt hat. Seit 2015 laufen die Bauarbeiten,

2021 soll der neue Tunnel zwischen Spinas und Preda in Betrieb

genommen werden. In all den Jahren sorgen Fachleute vor Ort dafür,

dass alles rund läuft. Einer von ihnen ist Jürgen Ebenhög, der

mit seiner Familie ursprünglich in die Schweiz zog, um am Gotthard-Basistunnel

zu arbeiten.

«Das ist die heilige Barbara, sie beschützt jede Tunnelbaustelle», sagt Jürgen

Ebenhög, nickt der Figur im Glaskästchen zu und stapft voran. Die

Stiefel sinken zentimetertief in den mit zerborstenen Schieferplatten

übersäten Boden. Es tropft von den Wänden und mit jedem Meter wird

es dunkler. Der Allgäuschiefer glänzt nass, vor der Wand liegt ein grosser

Haufen Gestein, den alle paar Minuten ein Radlader «schuttert», also

wegfährt. «Allgäuschiefer ist ein Tongestein, das bei der Gebirgsbildung

verschiefert ist», sagt der Bauingenieur und nimmt eine Schieferplatte in

die Hand. Das Gestein ist so weich, dass der Tunnelbagger es mit seinem

Hammerarm abbauen kann. «Mittelfristig werden wir sprengen. Aber noch

wäre hier in Preda das Sprengen zu laut und wir sind zu nah am bestehenden

Tunnel.»

Zwei Ingenieure zieht es ins Tessin

Jürgen Ebenhög muss es wissen. Er ist zwar Abschnittsbauleiter in Spinas,

aber sein Büro steht in Preda. Und seine Welt ist der Tunnelbau. Der

46-Jährige hat ebenso wie seine Frau in Deutschland an der TU Darmstadt

Bauingenieurwesen studiert. Christine Ebenhög spezialisierte sich

auf Wasserbau, Abwassertechnik und Umweltthemen, Jürgen Ebenhög auf

Geotechnik und Hydrogeologie. Bevor der Gotthard-Basistunnel die Familie

in die Schweiz brachte, baute Christine Ebenhög Kläranlagen, ihr Mann

bohrte Tunnels unter der Nordsee und der Elbe hindurch. 2003 zog die Familie

ins Tessin, da war die älteste Tochter drei Jahre alt. Nach dem dritten

Kind wollte Christine Ebenhög wieder arbeiten und kümmerte sich dank

15


ihrer deutschen Muttersprache auf der Gotthard-Baustelle darum, dass

alle Vertragsklauseln korrekt umgesetzt wurden. Das Arbeitsumfeld der

Eltern prägt nach all den Jahren auch die inzwischen vier Kinder: «Kürzlich

hat unsere älteste Tochter bei einer Wanderung darüber referiert, aus

welchem Gestein man beim Tunnelbau am besten Beton herstellen kann»,

erzählt Christine Ebenhög lachend.

Ein Thema, das auch den Vater beschäftigt, der nach dem Abschluss der

Bauarbeiten am Gotthard und Ceneri nach Graubünden wechselte. Auf

der Deponie etwas oberhalb der Baustelle in Preda nimmt er Material in

die Hand. Jürgen Ebenhög fischt einige Stahlfasern aus dem Material und

greift zum Telefon. Mit der Geologin Anita Weber bespricht er, was mit dem

Material passieren soll. Als er auflegt, sagt er: «Unsere Geologin klassiert

das Material, das wir aus dem Tunnel herausbefördern – zum Beispiel,

um zu entscheiden, ob wir daraus Betonzuschlag herstellen können.» Auf

dem Weg zurück zur Baustelle wirft Jürgen Ebenhög noch einen Blick auf

den Toro Radlader, der am Fuss der Deponie parkiert ist. «Dieser Radlader

schuttert das Ausbruchmaterial, kippt es auf den Brecher, der es zermahlt,

um es dann aufs Förderband zu schütten.» Die Baustellen in Preda und

Spinas arbeiten fast autonom: Zum grossen Teil wird hier später aus dem

anstehenden Albulagranit neues Baumaterial wie Bahnschotter und Zuschlagstoffe

für Beton gewonnen.

In der Infoarena

erfahren Besucher

alles Wichtige rund

um das Projekt

«Neubau Albulatunnel».

16

www.rhb.ch/contura


Bei Jürgen Ebenhögs Job kommt

es auf gute Kommunikation an.

Mit seiner Familie im Tessin kommuniziert

er meist per Handy.

Internationales Preda

Zurück auf der Baustelle steht ein ähnlicher Termin an. Gemeinsam mit

seinem Kollegen Patric Walter begutachtet Jürgen Ebenhög das Ausbruchmaterial,

das der Radlader geschuttert hat und das somit frisch aus dem

Tunnel kommt. Immer wieder kommen Kollegen vorbei und schütteln

Hände. Man kennt sich – zum Teil sogar von anderen Baustellen. Italienisch,

Portugiesisch, Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und hier und da

ein Fetzen Sächsisch – Preda ist in diesen Tagen ganz schön

«Ich wollte international. «Manche Kollegen haben früher in der DDR im

Uranabbau gearbeitet und sind heute als Sprengmeister in den

gestalterisch

Alpen tätig», sagt Jürgen Ebenhög und läuft los in Richtung

tätig sein.» der Bürocontainer. Uwe Holstein, Chef der Bauleitung, erwartet

ihn für eine Besprechung. Der Ingenieur verbringt viel Zeit

Jürgen Ebenhög

an seinem Schreibtisch: «Ich bin neben dem Vortrieb auch für

die Qualitätsaspekte und eine gute Dokumentation verantwortlich.» Zunächst

wollte sich der Deutsche wegen seines Faibles für Mathematik auf

die klassischen Ingenieurbereiche Stahl- und Massivbau sowie Statik konzentrieren.

Er sattelte aber um: «Ich wollte doch noch gestalterisch tätig

werden.» Im abwechslungsreichen Tunnelbau kann er dies.

Abwechslungsreich bedeutet auch, alle paar Jahre von Baustelle zu Baustelle

zu ziehen. Seitdem für Jürgen Ebenhög seine Aufgaben am Gotthardund

Ceneri-Basistunnel abgeschlossen sind, pendelt er nach Preda. Montags

bis freitags lebt er in Bergün, am Wochenende fährt er nach Hause,

ab und an kommen seine fünf Frauen aus dem Tessin angereist. Dann geniesst

die Familie die Bergwelt rund um Preda. Und im Winter, da ist Jürgen

Ebenhög mehrere Monate zu Hause, weil

dann am neuen Albulatunnel wetterbedingt

nicht gearbeitet wird. «Das ist Das Projekt «Neubau Albulatunnel» wird

Infoarena Albulatunnel

meine erste Baustelle mit Winterpause – in Preda in der Infoarena auf spannende

und die erste, bei der ich mit Lawinensprengungen

zu tun habe», sagt der

Weise erläutert. Die rote Baustellenwand

vermittelt interessante Facts und bietet

spielerische Elemente für Jung und Alt.

Ingenieur und blickt ein wenig nachdenklich

aus seinem Bürofenster auf die visuelle Informationen. Weiter werden

Im Infopavillon gibt es vertiefte audio-

schneebedeckten Berge.

Baustellenführungen angeboten.

www.rhb.ch/albulatunnel

17


Glacier Express

Eisblau

im Eiskanal

18 www.rhb.ch/contura


Ab durch die Mitte: die Jungfernfahrt im neuen Viererbob im Look des Glacier Express.

19


Er ist eisblau und pfeilschnell: Der Bob Club Svizzera Italiana trainiert

seit Januar 2016 mit einem Viererbob im Look des Glacier

Express. Moreno Beti, Sportchef des Clubs und leitender Lokführer

bei der Rhätischen Bahn, hat dafür gesorgt, dass der Nachwuchs

seines Clubs ganz im Sinne der Rhätischen Bahn unterwegs ist.

Es ist ruhig im Wald. Der Schnee dämpft alle Geräusche, von denen es im

Engadin ohnehin wenige gibt. Umso überraschender rauscht auf einmal

fast lautlos der Bob heran. Pfeilschnell zischt er durch den Eiskanal des

Olympia Bob Run in St. Moritz-Celerina. Die 1722 Meter lange Bahn ist die

älteste Bahn der Welt – und noch dazu die einzige Natureisbahn. Deshalb

ist sie auch so leise: Die Kälte kommt von der Aussenluft, während bei

künstlichen Bahnen die Kühlaggregate unter der Bahn sitzen.

Die englischen Touristen hatten den Bobsport nach St. Moritz gebracht und

1897 den St. Moritz Bobsleigh gegründet. Auf der Hauptstrasse fuhren sie

mit ihren Bobs ins Tal. Weil dies zu gefährlich wurde, eröffnete man 1904

die Bahn. Sie steht bis heute am mehr oder minder selben Ort. Einzig der

Zielauslauf wurde verlängert, weil die Bobs heute viel schneller sind als vor

hundert Jahren. Die schnellste je gemessene

Geschwindigkeit liegt bei 149 Stundenkilometern

– aber dann müssen sämtliche

Bedingungen wie Wetter, Sonneneinstrahlung

und Eiszustand stimmen.

Der langsamste

Schnellzug der Welt

Die Fahrt durch die Schweizer Alpen

prägt sich ein: In St. Moritz grüsst

die Welt der Schönen und Reichen,

in der Rheinschlucht der Grand

Canyon der Schweiz und in Zermatt

das imposante Matterhorn.

Von St. Moritz nach Zermatt

ab CHF 150.50

inkl. 3-Gang-Menü am Sitzplatz

www.glacierexpress.ch

Ein Bob für den Nachwuchs

Auch der Bob Club Svizzera Italiana trainiert

auf dem Olympia Bob Run in St. Moritz-Celerina.

Eigentlich ist er in Pontresina beheimatet,

von wo aus er als Bobclub für die

gesamte italienischsprachige Schweiz fungiert.

Der Verein ist Nachfolger eines Bobclubs

aus Lugano, der sich in den 1980er-

Jahren auflöste, erzählt Moreno Beti.

20

www.rhb.ch/contura


Die RhB, der

Bob Club Svizzera

Italiana und

Swiss Sliding

freuen sich über

den neuen Glacier

Express Bob.

Der Leiter des RhB-Lokpersonals der Depots Samedan, Pontresina und Poschiavo

ist Sportchef des Clubs und dafür verantwortlich, dass sein Nachwuchs

nun mit einem Glacier Express Bob trainieren darf. Ein Kollege hatte

nach einer Gäste fahrt auf dem Olympia Bob Run in St. Moritz-Celerina die

Idee, einen eigenen Rennschlitten für die RhB anzuschaffen – und Moreno

Beti machte sich an die Umsetzung. Nun trainieren zum einen seine

15- bis 25-jährigen Nachwuchsfahrer mit dem Schlitten. «Und zweitens

hat der Glacier Express nun einen Bob, der Botschafter der RhB und der

Matterhorn Gotthard Bahn ist», sagt Beti erfreut.

Adrenalinkick mit Tradition

Dass der Glacier Express und der flinke Bob einige Gemeinsamkeiten haben,

stellt auch Sabrina Dattilo, Produktmanagerin Glacier Express und

Bernina Express, bei der Bob-Taufe fest: Der Olympia Bob Run sei ebenso

ein Kunstwerk wie die Streckenführung des Glacier Express und der

«Gletscher»-Express passe perfekt auf eine Natureisbahn. Eine Fahrt mit

dem neuen Bob sei ein «Adrenalinkick mit Tradition und ein genauso

unvergessliches Erlebnis wie die Fahrt mit dem Glacier Express». Als sich das

rote Tuch lüpft und der Bob enthüllt wird, geht ein Raunen durch die Menge.

Knappe 3,5 Meter ist er lang, rund 210 Kilogramm schwer – und leuchtet

in derselben Kombination aus Eisblau und Rot wie der weltberühmte Zug.

21


Im Sunny House – in der

Sunny Corner – gibt es

Südtiroler Spezialitäten für

die Bahnarbeiter.

Martin Galliker, ehemaliger Bob-Weltcup-Fahrer, pilotiert den RhB-Bob

auf seiner Jungfernfahrt durch den Eiskanal, der jede Saison aus 15 000

Kubikmetern Schnee und 7000 Kubikmetern Wasser gebaut wird. Dafür

reisen extra 15 Bahnarbeiter aus dem Südtirol an. Gemeinsam bauen sie

den Rohbau auf, danach verteilen sie sich über die Bahn: Jeder ist für 100

bis 150 Meter der Bahn verantwortlich und sorgt dafür, dass sich dieser

Abschnitt die gesamte Saison über in perfektem Zustand befindet. «Einige

der Bahnarbeiter sind jetzt schon seit mehr als 30 Jahren jeden Winter

hier», sagt Damian Gianola, Direktor des Oympia Bob Run. Er verrät lachend,

dass im frisch hergerichteten Sunny House ein eigener Koch die

Bahnarbeiter betreut – «mit original Südtiroler Knödeln».

Sonnensegel für die Bobbahn

Entlang der Strecke sind zirka alle 80 Meter Hydranten installiert, um den

Bahnarbeitern die Arbeit zu erleichtern. Mit Schneeschaufeln in der Hand

stehen sie entlang der Bahn und betreuen ihren Abschnitt. Einer lehnt an

einem der Pfosten, die alle paar Meter in den Boden gerammt sind. Sie sind

für die Sonnensegel bestimmt, die ab Februar über der Bahn hängen. Sonst

würde die Sonne die Bobbahn in Tauwasser verwandeln. Anfang März ist

dann endgültig Schluss. Es wird zu warm im sonst eher kühlen Engadin;

weder Rennrodel, Skeletons noch Bobs können noch auf der Bahn fahren.

Dann schmelzen langsam Eis und Schnee – und im Sommer sieht man

nichts mehr von der Bahn. Bis im Winter

der Zauber von Neuem beginnt.

Informationen zum Olympia Bob Run in

St. Moritz-Celerina und zu Gästefahrten gibt

es unter www.olympia-bobrun.ch.

Für die Jungfernfahrt engagierte

Moreno Beti den Ex-Bob-Weltcup-Fahrer

Martin Galliker (rechts) als Piloten.

22

www.rhb.ch/contura


Hätten Sie das gewusst?

Zahlenfaszination

Sie sind geheimnisumwobene, faszinierende Tiere der Nacht, von den einen als

«herzig» verehrt, von den anderen als gruselig verabscheut: Fledermäuse. Im Kanton

Graubünden wurden bisher 25 Fledermausarten nachgewiesen. Im Sommerhalbjahr

verbringen die kleinen Säugetiere den Tag in Spalten an Gebäuden, in Estrichen,

Specht- oder anderen Baumhöhlen – und unter anderem auch in einigen Bahnhofsgebäuden

der RhB. So wurden zum Beispiel im Bahnhofsgebäude in Bergün im Jahr

2015 Kotspuren von Zwergfledermäusen gefunden. Auch in den Bahnhofsgebäuden

von Disentis, St. Peter und Schnaus wurden Zwergfledermäuse im Zwischendach

entdeckt. Die Zwergfledermäuse gehören mit einer Flügelspannweite von bis zu 25

Zentimetern zu den kleinsten Vertretern der Säugetiere. Mit zusammengefalteten

Flügeln sind sie gerade mal so gross wie eine Streichholzschachtel. Sie erreichen eine

Körpergrösse von 4,5 Zentimetern und ein Gewicht von 3,5 bis 7 Gramm – womit sie

nur wenig mehr als ein Stück Würfelzucker wiegen. Der Grossteil der Fledermausarten

bringt meistens nur 1 Junges pro Jahr zur Welt. Die niedrige Fortpflanzungsleistung

kompensieren die Tiere allerdings mit einer hohen Lebenserwartung: Fledermäuse

können bis zu 20 oder 30 Jahre alt werden. Der Orientierungsruf der Zwergfledermaus

erreicht die grösste Lautstärke bei 43 bis 45 Kilohertz. Bei der Kleinen Hufeisennase

liegt die Lautstärke sogar bei 106 bis 116 Kilohertz. Erwachsene Menschen

nehmen meist nur Frequenzen zwischen 16 Hertz und 18 Kilohertz wahr.

Die Kleine Hufeisennase ruht sich aus. Bildquelle: www.fledermausschutz.ch

23


Tradition

Hinter den Mauern

der Klinik Beverin

24 Die Klinik Beverin gehört seit 2002 zu den Psychiatrischen Diensten Graubünden (PDGR).


Blitzschnell fliegen die Bäume vorbei. Vom Zug aus versperren sie

ein wenig die Sicht auf die Klinik Beverin in Cazis, was die Gebäude

der Klinik geheimnisvoll erscheinen lässt. Dabei stehen sie stolz in

einem kleinen Waldstück mitten im Domleschg, wo seit 1919 Menschen

mit psychischen Störungen geholfen wird.

Die Fratzen in der Schnitzerei erinnern an Edvard Munchs Gemälde «Der

Schrei». Der Patient hatte eine Wanduhr schnitzen wollen, umgeben von

fröhlichen Gesichtern. Doch seine Laune war zu schlecht. Die Holzwerkstatt

ist nur einer von vielen Orten in der Klinik Beverin, an denen die Patienten

ihrer Stimmung Ausdruck verleihen können. In anderen Therapieangeboten

können sie malen, kochen, Sport treiben. Die Klinik Beverin – und mit

ihr die Psychiatrischen Dienste Graubünden, zu denen die Klinik gehört –

setzt auf eine ganzheitliche Betrachtung ihrer Patienten. Das schliesst auch

komplementärmedizinische Methoden ein, etwa die Traditionelle Chinesische

Medizin oder die Therapie mit pflanzlichen Heilmitteln.

Als die Klinik gegründet wurde, propagierte man freilich noch ganz andere

Behandlungsmethoden für «Geisteskranke». 1919 wurde die Klinik als

zweite ihrer Art in Graubünden eröffnet – die 1892 gegründete Klinik Waldhaus

Chur konnte den Bedarf nicht mehr abdecken. Bis 2002 konkurrenzierten

sich die beiden Kliniken. Seitdem sind sie unter dem Titel Psychiatrische

Dienste Graubünden (PDGR) zusammengefasst und als öffentlich-rechtliche

Anstalt organisiert. In beiden Kliniken behandeln die Ärzte sämtliche psychiatrischen

Krankheitsbilder wie Angst- und Panikstörungen, Belastungserschöpfungen,

Depression, Schizophrenie oder Substanzabhängigkeiten.

Platz für mehr als 100 Patienten

«Im Schnitt sind die Patienten rund 25 Tage bei uns», sagt Markus Pieren,

Bereichsleiter Marketing und Kommunikation bei den Psychiatrischen

Diensten Graubünden. Viele Patienten können bereits nach 15 Behandlungstagen

in die ambulante Behandlung entlassen werden. Stationäre Aufenthalte

kommen unter anderem auch im Bereich der Gerontopsychia trie,

der Akutpsychiatrie, der forensischen Psychiatrie, der Tinnitus- und Sucht-

25


ehandlung sowie bei Müttern infrage, die an einer psychischen Erkrankung

leiden und während der Therapie mit ihrem Kind zusammenbleiben

wollen. Die Mütter und ihre Kinder sind in einem der beiden neuen Patientengebäude

untergebracht, die 1997 bis 2004 bei der Sanierung der

Klinik Beverin errichtet wurden, sodass es heute ausreichend Platz für 125

Patienten gibt. Einige der historischen Gebäude wurden abgerissen, andere

totalsaniert. In einem von ihnen befindet sich heute die Mentalva

Privatklinik Resort & Spa.

Entlang des Gartens der Mentalva Privatklinik steht noch ein Teil der Mauer,

die einst das gesamte Gelände umschloss. Früher waren die Patienten

Aussätzige, man baute Kliniken für «Geisteskranke» bewusst ausserhalb

von Städten und Gemeinden. Der Talboden, auf dem die Klinik Beverin

heute steht, galt lange als unbebaubar. Mit der Rheinbegradigung wurden

kleine Bäche angelegt, mit denen man das vom Piz Beverin herabgespülte

Schiefergestein gezielt in den Talboden lenkte und ihn somit verfestigte.

Trotz des hinzugewonnenen Gemeindegebiets wollte man in Cazis lange

nichts mit der Klinik zu tun haben. Diese Einstellung hat sich grundlegend

geändert. Die Klinik ist heute ein wichtiger Arbeitgeber; eine Minigolfanlage

sowie ein Waldspielplatz locken Besucher ebenso aufs Areal wie

die öffentliche Kinderkrippe. Kinder spielen eine entscheidende Rolle bei

der Integration der Klinik ins öffentliche Leben: «Sie gehen viel positiver

mit Menschen mit einer psychischen Krankheit um», sagt Markus Pieren.

Der historische

La-Nicca-Saal

steht auf einem

neuen Platz aus

Schiefergestein,

das auch den

Boden unter den

Häusern verfestigt.

26

www.rhb.ch/contura


Der Sinnesgarten

sowie das Restaurant

bieten

Abwechslung.

Darüber hinaus findet jährlich ein Weihnachtsmarkt zwischen den alten

Gebäuden statt, zu dem die Bewohner aus dem ganzen Tal kommen. Berührungsängste?

Abgelegt.

Freundschaften auf Zeit

Auch bei den Behandlungsmethoden hat sich in den vergangenen 25 bis 30

Jahren viel verändert. Heute wohnen die Patienten in Einzel- oder Zweierzimmern

mit eigenem Badezimmer, auf den Stationen sind Geschlechter

und Altersgruppen gemischt und manchmal auch die Krankheitsbilder.

«Ab und an können zum Beispiel Alkohol- und Drogensüchtige einander

auf Zeit helfen. Dann entstehen Freundschaften zwischen kulturell völlig

unterschiedlich sozialisierten Menschen, die man niemals für möglich gehalten

hätte», sagt Markus Pieren. In den 19 Jahren, in denen er bisher für

die Klinik tätig war, hat er auch einen gesellschaftlichen Wandel bei der

Akzeptanz von psychischen Erkrankungen erlebt: «Man geht heutzutage

schneller zur Beratung. Doch wir sind noch lange nicht am Ziel.» Neben

Unverständnis bei Arbeitgeber, Familie und Freundeskreis gibt es Pierens

Meinung nach einen weiteren Grund für die Zurückhaltung: «Die Psyche

kann man nicht zeigen wie einen Knochenbruch.» Dieser Einstellung wirken

die Psychiatrischen Dienste Graubünden unter anderem mit ambulanten

Angeboten entgegen. Ärzte im gesamten Kanton arbeiten im Auftrag

der Psychiatrischen Dienste Graubünden. «Die ambulante Behandlung ist

der stationären stets vorzuziehen», sagt Markus Pieren.

Auch wenn in manchen Bereichen noch Distanz herrscht: Die Atmosphäre

auf dem Klinikgelände ist offen und herzlich. Im Zentrum der Klinikanlage,

im Restaurant La Plazza, das auf einem markanten Schieferplatz steht,

duftet es nach Kuchen; Patienten und Besucher,

Mitarbeitende und Gäste sitzen bei einem Die Klinik Beverin

Schwatz zusammen. Im Foyer der Station Salvorta

stehen Bobby-Cars und Trottinette, Kin-

Zum Beispiel auf der 18-Lochfreut

sich über Besucher

Minigolfanlage, im Restaurant oder

derlachen hallt durch die Gänge. Eine Gruppe

auf dem Weihnachtsmarkt. Anreise

Frauen trifft sich und macht sich auf zur Maltherapie.

Alles ganz normal in der Klinik Beve-

mit dem Bus, oder bis Rodels, dann

mit der RhB bis Rhäzüns, weiter

rin. Geheimnisvoll geht anders.

zehn Minuten zu Fuss.

www.pdgr.ch

27


Fensterplatz

Michael und Janet

Horsley, 74 Jahre,

fahren mit der RhB

von Chur nach Arosa.

«Die Schweiz ist so makellos»

Grüezi! Warten Sie auf den Zug?

Genau. In etwa 30 Minuten fährt unser

Zug hoch nach Arosa.

Wo kommen Sie denn her?

Wir sind aus Derby, im Zentrum von England.

Das ist ganz in der Nähe von Nottingham,

wo Robin Hood herkommt.

Und was machen Sie in Chur?

Wir machen eine einwöchige Busreise

durch Europa – Belgien, Österreich,

Schweiz – und heute steht eine Zugfahrt

nach Arosa auf dem Programm. Wir

wollten das zuerst im Winter machen,

aber dann war’s uns zu kalt.

Im Sommer ist es doch auch schön!

Dann sind Sie also zum ersten Mal mit

der RhB unterwegs? Was erwarten Sie

von der Zugfahrt?

Ja, wir sind zum ersten Mal in Graubünden

und sind jetzt gespannt auf diese

Fahrt nach Arosa. Die Aussicht und die

Landschaft müssen wunderschön sein!

Die Schweiz ist ja allgemein so sauber

und makellos …

Danke, das sagen viele Touristen. Waren

Sie denn schon mal in der Schweiz?

Vor über 30 Jahren waren wir mal in Luzern

am Vierwaldstättersee. Aber gross

reisen konnten wir in jüngeren Jahren

leider nicht – deshalb ist es herrlich,

dass wir jetzt, wo wir pensioniert sind,

die Zeit dafür haben. Wir hoffen, dass

wir bald wiederkommen können.

Und wie gefällt Ihnen die Busreise

bisher generell?

Oh, es ist schön – aber auch etwas anstrengend.

Wir müssen immer früh raus

und haben viel Programm. Umso mehr

freuen wir uns nun auf die gemütliche

Zugfahrt nach Arosa – einfach sitzen,

aus dem Fenster schauen und geniessen!

28

www.rhb.ch/contura


Karl und Gabriella

Camenzind möchten

die Viadukte und

Kehrtunnels im

UNESCO Welterbe RhB

live erleben.

«Dieser Ausflug war schon lange unser Wunsch»

Entschuldigung, dürfen wir rasch

fragen, wo die Reise hingeht?

Klar! Wir fahren mit dem Bernina Express

von Chur bis nach St. Moritz.

Oh, dann sehen Sie einen Teil des

UNESCO Welterbes der RhB.

Genau, darauf freuen wir uns sehr. Es

war schon lange unser Wunsch, diese

Viadukte und Kunstbauten zu sehen.

Sind Sie richtige Bahnfans?

Bahnsympathisanten passt besser. Wir

sind einfach fasziniert von der Bahntechnik

und den historischen Bauten in

dieser schönen Landschaft und wollten

uns das endlich mal live ansehen.

Schön, wenn man unter der Woche

einen Ausflug unternehmen kann …

Ja, am heutigen Dienstag haben wir beide

frei – also der perfekte Tag, um abseits

der Touristenströme unterwegs zu sein.

Reisen Sie das erste Mal mit der RhB?

Mal überlegen … Wir fahren regelmässig

Zug, aber mit der RhB – nein, waren wir

noch nie unterwegs. Dann ist heute unsere

Premiere!

Also kommen Sie nicht aus der Gegend?

Nein, wir sind aus der Innerschweiz,

wie unser Dialekt vielleicht verrät. Wir

sind schon seit acht Uhr morgens unterwegs:

Die Bahnfahrt von Küssnacht am

Rigi nach St. Moritz dauert vier Stunden,

unseren Tag verbringen wir heute also

im Zug!

Freizeit-Bons: günstig viel erleben

Egal ob Wellness, Kulinarik, Kultur oder

diverse Erlebnisse: Wer mit der Bahn

anreist oder einen Ausflug innerhalb des

RhB-Netzes unternimmt, kommt in den

Genuss von zahlreichen Reduktionen

oder Zusatzleistungen bei den Freizeit-

Partnern der RhB.

www.rhb.ch/freizeit-bons

29


Bernina Express

Auf der Suche nach

Rissen im Herzen

30 Fazli Berisha misst die Spurweite der Gleise: Sie muss vor allem in den Kurven exakt stimmen.


Im Tunnel sind Risse

an feuchten Stellen

besonders heikel.

Elektronik kann heute viel. Aber sie ersetzt noch lange nicht das

menschliche Auge. Deshalb sind Streckenwärter Fazli Berisha und

seine Kollegen jeweils jede zweite Woche auf einer der RhB-Strecken

unterwegs. So entgeht ihnen kein Riss, kein Steinchen und

erst recht kein kaputter Bolzen.

Fazli Berisha zückt seinen Stift. Datum, Streckenbegehung von Davos nach

Filisur, Uhrzeit, Sicherung bestätigt, … In der Frühlingssonne füllt er fein

säuberlich sämtliche Felder in seinem kleinen Büchlein aus. Klar kennt er

den Fahrplan aller Züge, die auf dieser Strecke verkehren, auswendig. Aber

erstens: Ordnung muss sein. Und zweitens gibt es genügend Extrazüge

oder Schienentraktoren, die unregelmässig auf den Schienen verkehren.

Deshalb ist neben Stift und allerhand Büchlein auch das Handy der ständige

Begleiter des Streckenwärters.

Im Tunnel braucht man seine Zeit

«Wir müssen immer per Telefon Bescheid geben, auf welchem Abschnitt

wir gerade unterwegs sind», sagt der 51-Jährige. «Die Kollegen sperren

dann zum Beispiel einen Tunnel für uns.» In diesem Fall: Wiesen-II-Tunnel,

96 Meter Länge. Berisha leuchtet mit der Taschenlampe

an den dunklen Wänden entlang. «So eine Wand

«Wer täglich eine Strecke

kontrolliert, sieht

braucht Zeit zum Kontrollieren», sagt er und sucht

nach Rissen, vor allem an den feuchten Stellen. Im

den Wald vor lauter Winter besonders gefährlich: Eis, das sich im Tunnel

Bäumen nicht mehr.» bildet. Wieder am Tageslicht, ruft der Gleisarbeiter die

Fazli Berisha

Kollegen im Kontrollzentrum an: «Bin wieder raus aus

dem Tunnel. Strecke freigegeben. Laufe weiter Richtung

Filisur.» Ein kleiner Bahnübergang, Fazli Berisha schaut, ob sich Steine

in den Rillen zwischen Schiene und Übergang festgesetzt haben. Unterwegs

zum Bahnhof Davos Wiesen achtet er auf Risse in den Schienen, die

Befestigungen an den Bahnschwellen und Veränderungen in den Felswänden

entlang der Strecke. Dies alles erfordert höchste Konzentration –

das ist der Grund, warum jeder Streckenwärter nur alle zwei Wochen eine

31


Strecke abläuft. «Früher machten die Kollegen nichts anderes und kontrollierten

täglich eine andere Strecke. Aber irgendwann sieht man den Wald

vor lauter Bäumen nicht mehr.» Einzig im Winter rücken der gebürtige Kosovare

und seine sechs Kollegen aus dem Bezirk Davos einmal pro Woche

aus. Denn Eis und Schnee können dem Streckennetz erheblich zusetzen.

Alles wird dokumentiert

Fazli Berisha ist seit 26 Jahren bei der Rhätischen Bahn. Seinem geschulten

Auge entgeht nichts. Am offensichtlichsten sind Schäden oder Mängel an

den Schienen: Risse, Ausbrüche, Abblätterungen – oder im schlimmsten

Fall sogar ein Schienenbruch. «Dann muss die Strecke natürlich sofort gesperrt

werden, damit die Stelle repariert werden kann», sagt Berisha und

winkt gleichzeitig ab: «Früher ist das öfter passiert, heute profitieren wir

von einer viel besseren Qualität der Schienen. Einen Schienenbruch habe

ich in 20 Jahren vielleicht dreimal erlebt.» Im Bereich des Bahnhofs Davos

Wiesen schaut sich der Streckenwärter vor allem die Befestigungen der

Prellböcke und die Weichen genauer an. Haben sie genügend Schmiere?

Oder Risse im Herzstück, also der Herzstückspitze und den beiden Flügelschienen?

Ausserdem gibt es in Bahnhöfen

mittlerweile viele Kabelanlagen, zum Beispiel

von Telefonnetzanbietern. «Solche Schäden

reparieren wir aber nicht selbst», sagt Berisha

lachend. «Dann mache ich mit dem Natel ein

Von den Gletschern

Foto und schicke es an die Kollegen, die dann

zu den Palmen

Experten bestellen.» Für jeden Mangel füllt er

Die Albula- und die Bernina strecke

verbinden den Norden und den ausserdem ein Quittierungsblatt aus, auf dem

Süden Europas und schlagen

er den Kilometerabschnitt, die Beobachtung

Brücken zwischen Sprachregionen und die entsprechende Massnahme einträgt.

und Kulturen. Ein beson derer

Weiter geht es über den Wiesnerviadukt, den

Hochgenuss ist die Pano ramafahrt

im Bernina Express.

höchsten Viadukt der Rhätischen Bahn. Fazli

Berisha grüsst die Wanderer, die den schmalen

Wanderweg neben den Gleisen entlangge-

Im Winter von Chur nach Tirano

ab CHF 72.00

(Basis 2. Klasse, inkl. obligatorischer hen, und zählt weitere mögliche Schäden am

Sitzplatzreservation)

Schienennetz auf: Sind alle Tafeln gut lesbar?

www.rhb.ch/berninaexpress

32

www.rhb.ch/contura


Dem geschulten Auge von Fazli

Berisha entgeht nichts. Auf

welcher Strecke er wann unterwegs

ist, notiert er fein säuberlich.

Fehlen Kilometertafeln? Sind die Barrieren in Ordnung – fehlen Hängegitter

oder sind die Schlagbäume krumm? Gab es einen Steinschlag? Sind die

Bäume entlang der Gleise umsturzgefährdet? Wie steht es um die Erosion

des Erdreichs rund um Brücken und Tunnels? Sind Stützmauern, Gehwege

und Brücken defekt? Funktionieren die Glühbirnen in den Signalen? Ganz

schön viele Dinge, die man beachten muss. «Unsere Kollegen unterstützen

uns natürlich», wiegelt der Streckenwärter ab. «Auf besonders exponierten

Strecken achten die Lokführer des ersten Zugs am Morgen auf

aussergewöhnliche Vorkommnisse und melden zum Beispiel einen Hang

mit losem Material.»

Unterwegs bis Filisur

Nach dem Viadukt holt Fazli Berisha in einer

lang gezogenen Kurve seinen Meterstab aus

der Hosentasche und misst die Spurweite der

Gleise: «Sie sollte 1000 Millimeter betragen,

ab 1015 Millimetern müssen wir die Spurerweiterung

korrigieren. Das ist vor allem

in Kurven wichtig.» Entlang der Kurve stehen

Betonpoller, die verhindern sollen, dass

Erde auf die Schienen rutscht. «Hier hatten

wir oft Probleme. Aber mit der neuen

Schutzverbauung konnten wir diese lösen.»

Berisha steckt den Meterstab zurück in die

Tasche und verabschiedet sich. Heute läuft

er noch bis Filisur. Unterwegs gibt es jede

Menge zu tun. Damit das Herzstück der RhB

keine Risse bekommt.

Um Glühbirnen in den Signalen

zu prüfen oder auszuwechseln,

geht es hoch hinaus.

33


Kultur

Bündner Kunstmuseum:

geglückte

Erweiterung

34 Geräumig, grosszügig und modern: der im Sommer 2016 eröffnete Neubau.


Alt neben neu: Die zwei

unterschiedlichen Häuser

spielen perfekt zusammen.

Am Churer Kunsthimmel leuchtet ein alter Stern neu auf: Das Bündner

Kunstmuseum wurde in knapp zweijähriger Bauzeit renoviert

und erweitert; neben der historischen Villa Planta steht seit Sommer

2016 ein moderner kubischer Neubau. Eine – vielleicht überraschend

– harmonische Ergänzung. Museumsdirektor Stephan Kunz

erklärt im Gespräch, was das neue Museum bietet.

Stephan Kunz, warum brauchte das Bündner Kunstmuseum

diesen Erweiterungsbau?

Ganz einfach: Wir sind aus allen Nähten geplatzt. Die

Villa Planta ist ein ehemaliges Privathaus, das insbesondere

für Wechselausstellungen wenig Platz bietet.

Und der alte Sulser-Bau nebenan war als Naturmuseum

konzipiert und hat damit auch nicht mehr den heutigen

Ansprüchen an ein Kunstmuseum genügt.

Stephan Kunz ist

seit 2011 Direktor Nun wurde die Villa Planta renoviert und mit

des Bündner Kunstmuseums

Chur. alte und der neue Bau zusammen?

einem modernen Neubau ergänzt. Wie fügen sich der

Das Zusammenspiel der zwei Häuser funktioniert gut –

darüber bin ich sehr glücklich. Die Villa besteht aus intimen Zimmern und

kleinen Kabinetten mit viel Charme, die aber limitierte Möglichkeiten bieten.

Da hilft uns nun der Neubau mit seinen grossen neutralen Räumen.

Können Sie noch etwas detaillierter ausführen, wie sich die beiden

Gebäude unterscheiden – was der alte und der neue Museumsteil bieten?

In der historischen Villa Planta ist die Sammlung mit Fokus auf die Giacometti-Familie

untergebracht. Das Haus wurde nur sanft renoviert,

schliesslich ist es denkmalgeschützt und wurde in den 80er-Jahren bereits

vorbildlich restauriert. Nun wurde frische Farbe aufgetragen und ein

neues Lichtkonzept installiert. Der kubische Neubau der Architekten Barozzi

/ Veiga ist modern und geräumig und bietet uns auf zwei Stockwerken

mit einer offenen Raumstruktur und hohen Wänden viel Platz für einen

weiteren Teil unserer Sammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen.

35


Der Neubau bietet

im Gegensatz zur

Villa Planta (links)

viel Platz.

Gibt es auch inhaltlich eine Veränderung, eine Neuausrichtung?

Grundsätzlich bauen wir auf dem Bestehenden auf, bieten aber auch Platz

für neue Kunstformen – beispielsweise mit dem «Labor» im Neubau, wo

wir Künstlern die Möglichkeit bieten, frei nach ihren Ideen etwas zu gestalten

und vielleicht die klassischen Erwartungen der Besucherinnen und

Besucher auch mal zu untergraben. Wir möchten unsere Herkunft, unseren

Standort widerspiegeln, aber gleichzeitig eine inhaltliche Öffnung zulassen.

Die Eröffnungsausstellung «Solo Walks – eine Galerie des Gehens»,

die Alberto Giacomettis Plastik «L’homme qui marche» zum Leitmotiv hat,

steht programmatisch für dieses Vorwärtsschreiten: Wir gehen von hier,

d. h. von unseren Wurzeln, aus und schlagen den Bogen

nach aussen, zur internationalen Kunstszene.

«Mit der Museumserweiterung

machen wir

Wo würden Sie denn das Bündner Kunstmuseum

heute im Vergleich mit anderen Schweizer Kunstmuseen

einreihen?

sicherlich einen Schritt

in die nächste Liga.» Wir machen sicherlich einen Schritt in die nächste

Stephan Kunz

Liga. Ich sehe uns auf einer Höhe mit anderen mittelgrossen

Kunstmuseen wie Luzern oder Winterthur.

Unsere Ausstellungsfläche hat sich mit dem Neubau verdoppelt, die Wandfläche

zum Aufhängen der Kunstwerke gar verdreifacht.

Was zeichnet Bündner Kunstschaffende aus?

Es ist tatsächlich bei vielen Bündner Künstlern eine kulturelle Prägung

durch die hiesige Landschaft, die Natur, die Berge spürbar. Das soll nicht

heissen, dass sie alle Bergbilder malen – die Verbundenheit zum Kanton

zeigt sich unterschiedlich und unabhängig davon, in welchem Kunstbereich

sie tätig sind.

Was geschieht aktuell in der Bündner Kunstszene?

Die zeitgenössische Kunst ist sehr vielseitig. Weil es hier keine Kunstausbildung

gibt, verlassen viele junge Künstler Graubünden – und diese Begegnung

und die Auseinandersetzung mit dem Anderen prägt sie. Trotzdem

habe ich den Eindruck, dass auch junge Kunstschaffende eine Verbundenheit

zu Chur, zu ihrem Heimatkanton haben, und manchmal kehren sie

auch hierher zurück. Es ist natürlich meine Hoffnung, dass sie auch eine

Verbundenheit zu unserem Kunstmuseum aufbauen.

36

www.rhb.ch/contura


Der Neubau rückt

Künstler wie Roman

Signer und Franz

Wanner (linke Seite)

sowie Hermann

Scherer und Albert

Müller (oben) ins

rechte Licht.

Aktuelle Ausstellungen

Solo Walks – eine Galerie des Gehens, bis 6. November 2016

Neben Alberto Giacomettis Plastik «L’homme qui marche» werden in einem

auf die Architektur des neuen Museums antwortenden Parcours Werke von

40 internationalen Künstlerinnen und Künstlern zum Thema Gehen gezeigt.

Tintarella di luna – Zilla Leutenegger, bis 6. November 2016

Die in Chur aufgewachsene Zilla Leutenegger bespielt als erste Künstlerin das

«Labor» im neuen Museumsteil. Dunkle Bilder der Nacht zeigen Innenräume,

die zum Ort einer besonderen Lichtszenografie werden.

80 Jahre Bündner Kunst, 4. Dezember 2016 bis 21. Januar 2017

Die Visarte-Sektion Graubünden feiert ihr 80-jähriges Bestehen. Die traditionelle

Jahresausstellung findet im gesamten Neubau des Museums statt.

Neupräsentation der Sammlung

Mit Werken von Angelika Kauffmann, der Künstlerfamilie Giacometti, Ernst

Ludwig Kirchner und vielen weiteren Kunstschaffenden, die alle einen engen

Bezug zum Kanton Graubünden haben, wurde ein unverwechselbares Profil

geschaffen. Dank der Museumserweiterung ist es möglich, repräsentative Teile

der Sammlung nun permanent auszustellen.

37


Brauchtum: Sgraffito

Eine Tradition

für alle

Ewigkeit

38

www.rhb.ch/contura


Josin Neuhäusler zeigt Gästen aus aller Welt die Technik des Sgraffitos.

39


Sie sind eine Attraktion für sich: Im Angesicht der Fresken an den

traditionellen Engadiner Häusern tritt selbst die faszinierende

Landschaft des Tals mitunter in den Hintergrund. Die Malerei, die

keine ist, kam im 15. und 16. Jahrhundert aus Italien und nennt

sich «Sgraffito».

Die Sonne scheint. Und spielt mit den Sgraffiti an den Häuserwänden der

Ortschaft Susch im Unterengadin. Die Schatten betonen je nach Sonnenstand

stets eine andere Facette der Sgraffiti, sodass es niemals langweilig

wird, die Fresken zu beobachten. Rosetten, ein lebensgrosser Gamsbock,

abstrakte Grafiken – viele der Sgraffiti in Susch stammen von Josin Neuhäuslers

Vater; er selbst half mit und lernte viel. Der Maler betont mit Nachdruck,

dass es im Engadin weitaus bessere Sgraffito-Künstler als ihn gebe.

Aber er ist derjenige, der Gästen und Einheimischen regelmässig zeigt,

was es mit dem traditionellen Engadiner Kunsthandwerk auf sich hat.

Einmal rum ums Haus, ein Hügelchen bergab und schon steht man in der

Werkstatt, in der Neuhäusler für rund 800 Gäste im Jahr seine Sgraffito-

Kurse gibt. Draussen wärmt die Herbstsonne, aber im Untergeschoss ist

es frisch. Muss es auch sein, sonst würde das Sand-Kalk-Gemisch, in das

die Zeichnungen geritzt werden, zu schnell trocknen. Für seine Gäste hat

Josin Neuhäusler rund 30 mal 30 Zentimeter grosse Platten vorbereitet, auf

Noch vor 30 Jahren

gehörte es im

Engadin zum guten

Ton, sein Haus

mit Sgraffiti zu

verzieren.

40

www.rhb.ch/contura


Wichtige Utensilien

zur Herstellung

eines

Sgraffitos sind

Zirkel, Schrauben

und Kratzpaletten.

denen sich die Gäste verewigen können. Der Maler reicht einen Schnellhefter

herum, der Ideen für traditionelle Motive und die Erklärungen dazu

gleich mitliefern soll. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Drachen, der

Quellen und Seen beschützt?

Weich wie Vanillecreme

Aber klar, die richtigen Sgraffiti entstehen nicht in Neuhäuslers Atelier.

Sondern draussen, live am Haus. Die wichtigste Zutat? Kalk. Früher brannte

man aus Rohmaterialien, die man in alten Bruchsteinmauern fand, den

Kalk in Kalköfen. Löschte man das Feuer mit Wasser, entstand eine Masse

«weich wie Vanillecreme», sagt der Maler und Gipser.

Die Creme wurde in Fässern gelagert – je länger, desto

«50 Prozent des

besser. Bei Bedarf nahm man das älteste Fass zuerst

Ergebnisses entschei- hervor, mischte die Creme nochmals mit Sand und Kalk

det die Sonne.» und verputzte damit die Häuser. «Über die Steine kommen

fünf bis sieben Schichten des Gemischs», erklärt

Josin Neuhäusler

Neuhäusler. Wichtig: Der Untergrund muss immer wieder

mit Wasser benetzt werden, damit sich auch noch die äusserste Schicht

mit den Steinmauern des Hauses verbinden kann. Die richtige Menge Sand

ist ebenso entscheidend: «Die Grundschicht muss möglichst grau sein, damit

man die Effekte der Sgraffiti gut erkennen kann.»

Dann heisst es erst einmal – warten. Die gesamte Fassade muss gute sechs

Wochen lang trocknen, bevor die Sgraffito-Künstler anrücken. Sie besprechen

die Motivwünsche mit den Hausbesitzern Monate im Voraus und

41


Aus der Nähe und

der Ferne absolut

faszinierend:

Sgraffiti an einem

Haus in Susch.

zeichnen sich Vorlagen auf Papier. Zwischen Mai und August – sonst ist es

für die Arbeiten auf dem Gerüst zu kalt – geht es los. «Ideal ist ein feuchter

Regentag», sagt Josin Neuhäusler, «damit man gute sieben Stunden hat,

um die gesamte Seite eines Hauses zu bearbeiten – schliesslich muss sie

eine durchgängige Struktur haben.» Dabei hilft ein feines Netz, das über

das Gerüst gespannt wird: «Es sorgt für Schatten und

schützt vor Wind. Gleichzeitig kommt die Feuchtigkeit

«Sgraffiti machen

durch das Netz hindurch.»

sich auch gut auf modernen

Fassaden.» Grundbeschichtung aufgetragen haben, sind die Sgraf-

Sobald die Maler eine weisse Kalkschicht über der

Josin Neuhäusler

fito-Künstler an der Reihe. Jeder ist für einen Arbeitsschritt

verantwortlich – schliesslich hat jeder seine eigene

Handschrift. Im ersten Arbeitsgang kratzt ein Künstler die Motive vor,

im zweiten nimmt ein anderer die Kalkschicht weg. In einer dritten Runde

werden die letzten Feinheiten ausgekratzt. Hierfür dürfen meist nur Profis

ans Werk: «Das ist das Schwierige an unserem Beruf: Man ist auf dem

Gerüst und muss den Effekt aus 15 Metern Entfernung einschätzen – und

wissen, was man eine Etage weiter oben gekratzt hat.» Der Endspurt ist

nicht zu unterschätzen: Sobald der Putz hart wird, darf man nicht mehr

kratzen, weil der Putz wegen der Schwingungen platzen könnte. Dazu

kommen höhere Gewalten ins Spiel: «Wir sind für rund 50 Prozent des Ergebnisses

verantwortlich, 50 Prozent entscheidet die Sonne», sagt Josin

Neuhäusler. Deshalb müssen die Künstler auch exakt auf den Sonnenstand

achten – je nachdem, aus welchem Winkel die Sonne auf das Sgraffito

scheint, ergeben sich andere Effekte.

Aktiv entspannen

im Unterengadin

So lautet das Motto von Zernez,

Scuol und Co. Ob wandern im

Nationalpark, baden in den Thermalbädern

oder wandeln auf den

Spuren von Schellen-Ursli – das

Unterengadin ist eine Reise wert.

www.rhb.ch/freizeit-ausfluege

Ein Einzelstück, das 300 Jahre lang hält

Neuhäusler schätzt diesen schwierigen Aspekt

seiner Arbeit jedoch sehr: «Nach drei

Monaten kommt man zurück zu einem Haus

und schaut sich einen ganzen Tag lang die

schönen Effekte an.» Ausserdem weiss der

Bündner, dass er stets ein Einzelstück hinterlässt,

das 200 bis 300 Jahre lang halten soll.

42

www.rhb.ch/contura


Weil die Sgraffiti so lange halten, sieht man heute im Engadin noch so viele

der Kunstwerke. Die Tradition lebt weiter, wenn auch nicht mehr auf jedem

Neubau. «Vor 30 Jahren gehörten Sgraffiti auf jedes Haus, jetzt ist es

ruhiger geworden», sagt Josin Neuhäusler. «Heute baut man andere Häuser

– Fertighäuser, zum Beispiel aus Holz. Wobei Sgraffiti sich auch gut auf

modernen Fassaden machen.»

Josin Neuhäusler legt Schrauben

und Zirkel zur Seite, mit

denen er auf der kleinen Platte

die Prinzipien des Sgraffito-

Zeichnens erklärt hat. Von seinem

Atelier ist es nur ein Katzensprung

bis in die Dorfmitte.

Stolz posiert er vor dem Gamsbock,

den sein Vater und er

an eine Hauswand gezaubert

haben. Die Sonne scheint und

wirft Schatten auf die Kunstwerke

im Dorf. Und Josin Neuhäusler

hat recht. Die Sonne

wandert und die Effekte der

Sgraffiti verändern sich. Man

könnte in der Tat den ganzen

Tag hier sitzen bleiben und

zuschauen.

Wer sich im Sgraffito-Zeichnen

ausprobieren möchte, ruft am

besten bei Josin Neuhäusler

an, um einen Kurs zu buchen:

Tel. +41 (0)79 221 34 78.

43


UNESCO Welterbe RhB

Juwel entlang der

Albulalinie

44 Früher Speisesaal, heute auch zum Feiern da: der hellblaue Jugendstilsaal.


Es ist eines dieser Häuser, die allein

durch ihr Äusseres die geheimnisvollen

Geschichten längst vergangener

Tage erzählen: Das Kurhaus

Bergün thront ein wenig erhaben

über dem gleichnamigen Dorf mitten

im UNESCO Welterbe der RhB;

die Jugendstilfassade passt so gar

nicht zu den alten Engadiner Häusern,

die die schmalen Dorfstrassen

säumen. Sofort möchte man wissen,

wie es dieses Juwel ins abgelegene

Albulatal verschlagen hat. Und was

seitdem passiert ist.

Dina Di Luigis dunkle Augen funkeln wild,

wenn sie ihr dunkles Lachen lacht. «Auf

einmal war da ein Huhn!», ruft sie laut

und fuchtelt mit den Händen, als würde

sie sich immer noch aufregen. Die Portugiesin

arbeitet seit 2005 im Kurhaus

Bergün und hat so einiges miterlebt.

Zum Beispiel, dass ein Huhn in einer der

Wohnküchen logierte. Die Besitzer hatten

keine andere Unterkunft gefunden,

ihr Haustier kurz entschlossen

mit in die Ferien genommen und

eine Bananenschachtel zu einer

temporären Behausung umfunktioniert.

Gouvernante Dina Di Luigi

45


fand die Idee weniger originell: «Wir haben dann spontan einen nicht

genutzten Kellerraum zum Hühnerstall umgebaut. Dort konnte das Huhn

dann seine Ferien verbringen.» Dina Di Luigi wohnt seit 25 Jahren in

Bergün. Früher, als sie mit ihren Kindern spazieren ging, hatte sie «fast

Angst gehabt vor dem Kurhaus. Es sah aus wie ein Spukschloss.» Manchmal

wagte sie es, einen Blick hineinzuwerfen. Das, was sie sah, empfand

sie als «dunkel».

Akklimatisieren in Bergün

Früher, das war vor 2003. Denn von 1952 bis 2002 gehörte das Kurhaus dem

Basler Verein für Familienherbergen. Und dieser hatte «nie so viel Geld, als

dass er in Fehler hätte investieren können», sagt der heutige Hoteldirektor

Christof Steiner. Was für ein Glück für das Haus, das inzwischen wieder in

altem Glanz erstrahlt. Doch von vorne: Ende des 19. Jahrhunderts profitierte

Bergün von den Gästen, die mit der Postkutsche ins Engadin reisten.

Chur war eine Tagesreise entfernt – und Bergün der ideale Standort für eine

Zwischenübernachtung. Von der Eröffnung der Albulalinie der Rhätischen

Bahn am 1. Juli 1903 erhoffte man sich weitere Touristen und 1904 vergab

die «Vereinigte Hotels Bergün A.-G.» den Auftrag für das Hotel an den Zürcher

Architekten Jost-Franz Huwyler-Boller, der gleichzeitig auch das Hotel

Wegen der schnellen

Verbindung

ins Engadin wollte

niemand im neuen

Kurhaus Bergün

Station machen.

46

www.rhb.ch/contura


Der Speisesaal

und die Kurhaus-

Bar, aufgenommen

rund um die

Eröffnung 1906.

Cresta Palace in Celerina errichtete. Der von den Engländern ausgelöste

Alpinismus blühte auf und man schrieb die grosse Epoche der Schweizer

Hotelarchitektur. Jost-Franz Huwyler-Boller sah sich als Künstler mit gesamthaftem

Anspruch und plante ein Haus mit beachtlichem Luxus: Die

Zimmer waren mit eigenen Bädern ausgestattet, die Toiletten eigens mit

der Bahn direkt aus England angeliefert worden. Es gab elektrisches Licht,

Warm- und Kaltwasser, eine Zentralheizung, einen Lift sowie «geräumige

Restaurantlokalitäten», wie es im ersten Prospekt hiess. Dazu gehörten

ein Damensalon, ein Herrensalon mit Billardtisch, eine American Bar, ein

Kino sowie als Herzstück der «Rosensaal».

Vom Unheil- zum Glücksbringer: die Albulalinie

Die Idee war, dass sich die Reisenden auch weiterhin im gemässigteren

Klima von Bergün an die Höhenluft gewöhnen sollten und ein paar Tage

im Kurhaus verbringen würden. Doch die schnelle Verbindung ins Engadin

mit der neuen Albulalinie war attraktiver. Das Kurhaus stand am falschen

Ort und war zu gross. Bergün kämpfte um Gäste – und entdeckte

den Wintersport für sich. Bereits im Winter 1904 / 05 war die Strasse entlang

der Albulalinie erstmals als Schlittelbahn präpariert worden; es folgte

ein grosser Natureisplatz für Eislauf, Curling und Eishockey. Auch heute ist

die Albulalinie ein Bonus für das Hotel: Sie gehört zum UNESCO Welterbe

Rhätische Bahn und lockt Touristen aus der ganzen Welt an. Diese haben

inzwischen einen weiteren Grund, in Bergün auszusteigen: Das Bahnmuseum

Albula erzählt hier die mehr als 100-jährige Bahngeschichte

Graubündens in sämtlichen Details. Doch das Kurhaus musste

zunächst weiter leiden; der Zweite Weltkrieg entpuppte sich als

regelrechter Todesstoss – zumal 1949 auch noch der Dachstock abbrannte.

Die Gemeinde finanzierte einen charmelosen Dachneubau

47


N

10 km

Lugano ( CH )

270 m ü. M.

Moesa

Landquart

Thusis

Rhein

Reichenau

Albula

Chur

Tiefencastel

10 km

U B Ü

Bergell

Maira

Filisur

UNESCO Welterbe

Albula- / Berninalinie

der Rhätischen Bahn

Andere Strecken der

Rhätischen Bahn

Bergün

Davos

St. Moritz

N D E

Inn

N

Samedan

Pontresina

Berninagruppe

Sondrio (I)

Veltlin ( I )

Adda

Inn

Zernez

Ospizio Bernina

Poschiavo

Scuol

Müstair

Tirano (I)

Viadukte und Brücken

Tu nels

Stützmauern

Galerien

Dammböschungen

Viaducts and bridges

Viadukte und Brücken

Tu nels

Tu nels

Revetment wa ls

Stützmauern

Ga leries

Galerien

Dam embankments

Da mböschungen

Large reception building

Grö seres Aufnahmegebäude

Medium-size reception building

Mi tleres Aufnahmegebäude

Sma l reception building

Kleineres Aufnahmegebäude

Wartehäuschen

Linesman's hut

Wärterbude

Shed

Remise

Workshop

Werkstä te

Covered turntable

Gedeckte Drehscheibe

Turntable

Drehscheibe

Water crane

Wa serkran

Churches and chapels

Kirchen und Kape len

Forts and residential towers

Burgen, Türme, Schlö ser

Aristocratic and u per-cla s houses,

farmhouses, hotels and museums

Häuser, Hotels, Pala zi, Mus en

Locations of archaelogical finds

Archäologische Fundste len

Ore storage sites

Erzlagerstä ten

Therapeutic springs

Heilque len

Reservoirs

Staus en und Staubecken

Control centres, power plants

and converter stations

Zentralen, Werke und Umformerstationen

Wartehäuschen

Remise

Werkstä te

Gedeckte Drehscheibe

Drehscheibe

Wa serkran

Kirchen und Kape len

Burgen, Türme, Schlö ser

Archäologische Fundste len

Erzlagerstä ten

Heilque len

Staus en und Staubecken

17.4.2 09 17:40:53 Uhr

Viaducts and bridges

Viadukte und Brücken

Tu nels

Tu nels

Revetment wa ls

Stützmauern

Ga leries

Galerien

Dam embankments

Da mböschungen

Large reception building

Grö seres Aufnahmegebäude

Medium-size reception building

Mi tleres Aufnahmegebäude

Sma l reception building

Kleineres Aufnahmegebäude

Linesman's hut

Wartehäuschen

Shed

Remise

Workshop

Werkstä te

Covered turntable

Gedeckte Drehscheibe

Turntable

Drehscheibe

Water crane

Wa serkran

Churches and chapels

Kirchen und Kape len

Forts and residential towers

Burgen, Türme, Schlö ser

Aristocratic and u per-cla s houses,

farmhouses, hotels and museums

Häuser, Hotels, Pala zi, Mus en

Locations of archaelogical finds

Archäologische Fundste len

Ore storage sites

Erzlagerstä ten

Therapeutic springs

Heilque len

Dina Di Luigi hat

nach mehr als zehn

Jahren im Kurhaus

Bergün so einiges

zu erzählen.

ohne Kuppel. Dieser Fauxpas wurde erst 2013 korrigiert; seitdem thront

auf dem Kurhaus wieder ein Türmchen. Das Dachgeschoss aus den 1950er-

Jahren jedoch blieb: «Es hat inzwischen genauso viel Geschichte wie das

ursprüngliche Dach», sagt Christof Steiner.

Reiseführer

Rettung für das Kurhaus

Der neue Besitzer, der Basler Verein für Familienherbergen, legte ab 1952 je

drei bis vier Zimmer zu Appartements zusammen, verwandelte einen Raum

in eine Wohnküche und passte die Architektur den damaligen Gewohnheiten

an. Decken wurden abgehängt, um niedrigere Räume zu schaffen,

Jugendstil-Glastüren mit Brettern vernagelt, das Kino und der Saal in

Schlafsäle umgewandelt. Wegen der niedrigen Übernachtungspreise konnte

man nicht gross investieren. Ein Glück, denn so wurden keine irreversiblen

Umbauten vorgenommen. Doch Anfang des neuen Jahrtausends war es

unübersehbar: Das Haus musste generalüberholt werden. 2002 gründeten

einige Stammgäste eine AG. Ihr Ziel: Das Kurhaus Bergün zu retten. Mit 1,5

Millionen Franken Startkapital begannen sie, dem Juwel zu neuem Glanz

zu verhelfen. Verwaltungsratspräsident Heini Dalcher ist Architekt; unter

seiner Führung wurde das Ensemble wiederhergestellt. 2012 dann die

Krönung der vielen Stunden Arbeit: ICOMOS Suisse zeichnete das Kurhaus

Bergün als «Historisches Hotel des Jahres» aus.

Seit sechs Jahren führen Maya und Christof Steiner das Haus als professionelles

Hotel, seit fünf Jahren schreibt die AG schwarze Zahlen. Die Aktionäre

haben lediglich ein Vorreservationsrecht,

«ansonsten gibt es bei uns jedes

Jahr eine Nullrunde», sagt Christof Steiner

lachend. Den Aktionären reicht es,

Teil der Erfolgsgeschichte des Kurhauses

Bergün zu sein. Der Erfolg mag auch am

Konzept liegen: «Wir sind ein bisschen

Grandhotel – und bieten zur Ferienzeit

Bahnstrecke.

Familien ein reduziertes Dienstleistungspaket

zu günstigeren Preisen an», sagt

Freie Fahrt auf der Welterbestrecke

ab CHF 56.00

Christof Steiner.

www.rhb.ch/welterbepass

UNESCO Welterbe Pass

In Sachen Bautechnik und Linienführung

ist das UNESCO Welterbe Rhätische

Bahn in der Landschaft Albula/Bernina

eine einzige Meisterleistung, die viel

zu erkunden gibt. Der UNESCO Welterbe

Pass ist der Freipass für Entdeckerinnen

und Entdecker der über 100-jährigen

UNESCO Welterbe

Rhätische Bahn in der Landschaft

Albula/Bernina

Streckenplan

UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina»

Valle Mesolcina

Hinterrhein

Domleschg

G R A

Oberhalbstein

Landwassertal

Albulatal

Oberengadin

Val Poschiavo

Unterengadin

Piktogramme

Streckenbeschrieb

Grö seres Aufnahmegebäude

Mi tleres Aufnahmegebäude

Kleineres Aufnahmegebäude

Wärterbude / Wärterhäuschen

Häuser, Hotels, Pala zi, Mus en

Zentralen, Werke und Umformerstationen

Lago di Como

48

www.rhb.ch/contura


Weil kaum

investiert werden

konnte,

blieben grosse

Teile der Originaleinrichtung

erhalten.

Ein Korb voller Schlüssel

Doch der Weg zu einem «richtigen» Hotel war mitunter steinig. Anfänglich

hatten die Zimmer noch die alten Kastenschlösser, zu denen es nur

je einen Schlüssel gab. So musste das Team von Dina Di Luigi stets mit einem

grossen Korb voller uralter Schlüssel auf Tour gehen – und jeweils

ausprobieren, welcher Schlüssel wo passte. «Manche Gäste machten sich

auch gar nicht erst die Mühe, sich anzumelden», erzählt die Gouvernante.

«Sie hatten vom letzten Besuch noch einen Schlüssel

«Wir sind ein bisschen dabei und sind gleich aufs Zimmer, wie sie es aus den

Zeiten der Familienherberge gewohnt waren.» Mit der

Grandhotel – und

Zeit schaffte es das Team des Kurhauses, die Gäste umzuerziehen.

Familiär ist es dennoch geblieben in dem

zur Ferienzeit auch

Familienherberge.» alten, ehrwürdigen Hotel. «Die Kinder helfen uns gerne

beim Putzen und wir kennen viele Gäste», sagt Dina

Christof Steiner

Di Luigi und lächelt glücklich. Auch ihre eigenen Kinder

konnte sie jederzeit mit zur Arbeit bringen. Sie halfen mit oder spielten mit

den Kindern der Gäste. So etwas ist für Christof Steiner selbstverständlich:

«Wir wollen ein sozialer Arbeitgeber sein. Daher haben wir auch viele Jahresstellen

– schliesslich ist das Haus zehn Monate im Jahr geöffnet.» Deshalb

bleiben viele Mitarbeitende auch überdurchschnittlich lange

im Kurhaus Bergün. So wie Dina Di Luigi; sie hat im Kurhaus Bergün

Deutsch gelernt, ein Team von sechs Kolleginnen aufgebaut und

geniesst das schöne Ambiente in genau demjenigen Haus, das ihr

einst ein wenig Angst einjagte.

49


Platz an der Sonne

Die schönsten

Badeseen

in Graubünden

So blau, so sauber, so klar: In Graubünden gibt es mehr als 600

Seen. Dort kann man Sandburgen bauen, mit dem Felsengeist

planschen oder eine kurze Flossfahrt erleben – im Bündnerland

findet jeder sein Bade-Highlight.

1 Canovasee – die Perle des Domleschg

www.canovasee.ch

Etwas oberhalb des Dorfes Paspels in der Talschaft Domleschg liegt still eingebettet

in der Landschaft der Canovasee. Vom Parkplatz beim Schulhaus

in Paspels ist der See in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar. Der Cano va see

ist im Besitz der Familie von Planta, die den Badebetrieb verwaltet; das

Baden im See ist somit kostenpflichtig. Aufgrund seiner geringen Tiefe erwärmt

sich das Wasser schon mit der ersten Frühlingssonne und die Badesaison

kann bereits Anfang Mai starten. Am Kiosk gibt es Glaces, Getränke,

Hotdogs und verschiedene Süssigkeiten, die mitgebrachten Cervelats können

an der Feuerstelle am östlichen Seeufer grilliert werden.

50

www.rhb.ch/contura


Auch ein schönes Plätzchen: der Lag da Claus in Sedrun. © Disentis Sedrun Tourismus

1

3

2 Lai Barnagn – wärmster Badesee der Alpen

www.savognin.ch/badesee

Im Herzen von Savognin liegt der glasklare Lai Barnagn, einer der wärmsten

Badeseen der Alpen. Mit seinem Wassertrampolin, den Wasserspielen

mit Staumöglichkeiten, einem Spielfloss sowie Rutschbahn, Karussell,

Schaukeln und dem Sandspielplatz ist er besonders bei Familien beliebt.

Dank der zwei Beachvolleyballfelder, der Minigolfanlage, Pedalos sowie

dem Floss kommen auch die Erwachsenen auf ihre Kosten.

© Disentis Sedrun Tourismus © Fabian Riedi, naturvision

2

4

© Valposchiavo Tourismus © Savognin Tourismus

3 Fontanivas – der Natursee in Disentis

www.disentis-sedrun.ch/wasserwelten/badeseen/fontanivas-disentis

Naturliebhaber und Ruhesuchende kommen beim Natursee Fontanivas im

Surselvatal auf ihre Kosten. Sonnig und windgeschützt gelegen und von

einem wunderschönen Bergpanorama umgeben, laden die weitreichenden

Wiesen zum Verweilen ein. Kinder vergnügen sich auf dem Wasserspielplatz

oder überqueren den See mit dem Floss. Verpflegungsmöglichkeiten

bietet der TCS-Campingplatz direkt neben dem See.

4 Lagh da Saoseo – der Märchensee Graubündens

www.valposchiavo.ch/de/blog-valposchiavo

Diesen See muss man sich verdienen. Hoch oben, zwischen Lärchen- und

Arvenwäldern versteckt, liegt der zauberhafte Lagh da Saoseo. Der Bergsee,

um den sich zahlreiche Sagen ranken, liegt im Naturschutzgebiet «Val

di Campo» im Puschlav und ist mit seinen eisigen Temperaturen nur etwas

für Hartgesottene.

51


Aus der Werkstätte

Im Einklang

mit der Natur

52

www.rhb.ch/contura


Förster Andres Kessler kontrolliert die Richtung, in welche die Rottanne hinter ihm umfallen soll.

53


Das Dröhnen ist leiser als gedacht: ein ruhiges Rauschen, bevor die

Rottanne von der dünnen Schneeschicht aufgefangen wird. Es ist

abnehmender Mond, im Wald rund um Davos werden Bäume gefällt,

um Mondholz zu gewinnen. Das Holz soll dichter, fester, stabiler

und somit qualitativ hochwertiger sein, wenn es im Einklang

mit der Natur geschlagen wird.

«Früher haben wir noch viel mehr in Verbindung mit der Natur gelebt»,

sagt Förster Markus Hubert und stapft voran. Das Ziel ist eine 30 Meter

hohe, rund 200 Jahre alte Rottanne. Sie muss heute Platz machen, damit

junge Bäume nachwachsen können. «Ein gesunder Wald braucht auf jeder

Stufe gesunde Bäume», sagt Markus Hubert. Es ist Ende Januar, ein paar

Tage nach Vollmond. Das Wasser in einem zugefrorenen Bach

fliesst jetzt unter dem Eis, im Holz ist weniger Flüssigkeit als

«Wir geben

bei zunehmendem Mond – dadurch trocknet es besser und es

der Natur heute gibt weniger Schäden oder Verlust bei der Verarbeitung. Das

keine Zeit mehr.» Team des Forstbetriebs der Gemeinde Davos schlägt Mondholz

von Oktober bis Februar oder März, «ganz sicher nicht

Markus Hubert

im Sommer», betont der Förster. Früher war es normal, Holz

im Winter zu schlagen, im Sommer hatte man anderes zu tun. Doch seit

Beginn der Industrialisierung sieht das anders aus: Holz, das dann eigentlich

viel zu feucht ist, wird auch im Sommer gefällt und in riesigen Öfen in

kurzer Zeit getrocknet. «Wir geben der Natur heute keine Zeit mehr», sagt

Markus Hubert und schaut nachdenklich in den Wald. Seit rund 15 Jahren

kehrt sich der Trend langsam um. Inzwischen fällen die Förster in Davos

rund zehn Prozent der Bäume als Mondholz.

Daraus entstehen hochwertige Holzarbeiten

wie Möbel, Fenster, Verschalungen, Verkleidungen

und Böden.

Markus Hubert inspiziert

das Mondholz, das am Waldrand

zwischengelagert wird.

54

www.rhb.ch/contura


Andres Kessler

zeichnet den

Fällschnitt an.

Ein sanfter Aufprall auf dem Boden

Kurz oberhalb eines Weges steht die Rottanne an einem Hang. Markus

Hubert betrachtet mit seinem Kollegen Andres Kessler den Baum. Passt

der Durchmesser? Ist er gesund? Faulstellen müssen einberechnet werden,

denn dann fällt der Baum anders. Wie hoch ist der Baum? Es braucht die

doppelte Baumlänge Platz, um ihn sicher zu fällen. Und beim Umfallen soll

der Baum nicht brechen und die benachbarten Bäume in Mitleidenschaft

ziehen. Bei der ausgesuchten Rottanne passt alles bestens. Eine Schneise

verläuft parallel zum Hang, keine anderen Bäume stehen im Weg. Andres

Kessler entfernt mit einem Beil einen Teil der Rinde, damit der Schmutz in

der Rinde die Kette der Motorsäge nicht beschädigt. Dann macht er sich

daran, mit der Motorsäge die Fallkerbe aus dem Baum zu schneiden. Sie

bestimmt, wohin der Baum fällt. Als vorletzter Schritt folgt der Fällschnitt,

den Andres Kessler von der Rückseite des Baumes bis zur Bruchleiste ansetzt,

also bis kurz vor der Fallkerbe. Diese sogenannte Bandzone führt

den Baum wie ein Scharnier. Zuletzt schlägt der Förster drei Fällkeile in

den Fällschnitt auf der Rückseite. Ganz ruhig schlägt er die Keile mit einem

Hammer immer tiefer in den Baum. Langsam bewegt sich der Baum,

mit jedem Schlag neigt er sich ein wenig mehr. Und dann ist da dieses

55


Philipp Bosshard

(links) und Heinz

Gadmer sind sich

einig: In die Vollgattersäge

kommt

ausschliesslich

Mondholz.

Rauschen, bevor die Rottanne fast schon sanft auf dem Boden aufschlägt.

Ehrfürchtig blicken alle für ein paar Augenblicke auf den jahrhundertealten

Baum. Dann lässt Andres Kessler die Kettensäge wieder an, zerteilt die

Rottanne entsprechend den Wünschen des Holzkäufers und entfernt die

Äste. Wenn das Team des Forstdiensts an einem grossen Holzschlag arbeitet,

wird das Holz mithilfe einer Seilkrananlage abtransportiert. Dann wird

es an Lagerplätzen entlang des Waldrandes gestapelt und später von den

jeweiligen Holz verarbeitenden Betrieben abgeholt. Diese Rottanne darf

bis zum Frühjahr liegen bleiben, worüber sich auch das Wild freut, das am

frischen Grün knabbern wird. Später wird die Rottanne bei der Bernhard

Holzbau AG in Davos Wiesen verarbeitet.

Gut trocknen lassen

«Wir arbeiten zu 50 Prozent mit Mondholz», sagt Philipp Bosshard, Bereichsverantwortlicher

Gebäudehülle und Mitglied der Geschäftsleitung

der Bernhard Holzbau AG, auf dem Weg zurück zum Auto. Verarbeitet wird

es in der eigenen Sägerei, in der ausschliesslich Mondholz in die Vollgattersäge

der Firma Bögli aus den 1960er-Jahren kommt. «Man sollte die

Stämme innerhalb von drei Monaten schneiden», sagt Philipp Bosshard,

«sonst besteht die Gefahr, dass sich das Holz verfärbt.» Säger Heinz Gadmer

bugsiert den nächsten Stamm gekonnt in Richtung Säge. Er richtet den

Stamm genau aus, damit die Jahresringe möglichst gerade stehen und sich

das Mark genau in der Mitte befindet. Dieses Stück Holz reisst zu schnell

und wird daher später herausgeschnitten. Dann legt die «Bögli Vollgatter»

56

www.rhb.ch/contura


Die Bernhard Holzbau AG stellt

aus Mondholz vor allem hochwertige

Fenster und Böden her.

los und es wird laut. Sobald die ersten Meter Holz durch die Säge durch

sind, spannt Heinz Gadmer die Bretter zusammen, damit sie am Ende nicht

auseinanderfallen. Nach dem Zersägen werden die Bretter im Freien gestapelt;

schmale Hölzer zwischen den Brettern sorgen dafür, dass das Holz

genügend Luft bekommt. «Dann setzt der Trocknungsprozess ein, bei dem

das Holz 25 bis 30 Prozent seines Gewichts verliert», sagt Philipp Bosshard,

während er sich durch die Stapel auf der riesigen Lagerfläche schlängelt.

«Unser Mondholz bleibt hier mindestens ein Jahr lang liegen. Ausser in einem

Sommer wie 2015, da war es bereits im August trocken.»

Mondholz für Böden und Fenster

Unterwegs zur Schreinerei erzählt er, dass in der Gegend um Davos hauptsächlich

Fichten, also Rottannen, und Lärchen als Mondholz geschlagen

werden. Und ein kleiner Anteil Arven, von denen es im

Engadin jedoch mehr gebe. «Ausserdem sollten die Bäume

in hoher Lage an einem Nordhang stehen und somit

«Bauherren und

Architekten wissen, möglichst wenig Sonne abbekommen haben», sagt Philipp

Bosshard. In der Schreinerei angekommen, nimmt

dass die Qualität

von Mondholz besser er ein massives Holzfenster in die Hand – gefertigt aus

einheimischem Mondholz: «Die Nachfrage nach Mondholz

ist bei uns vor allem bei Böden und Fenstern gross.

ist als bei Holz,

das im Sommer geschlagen

wurde.» zeugung. Sie wissen, dass die Qualität besser ist als bei

Bauherren und Architekten entscheiden dies aus Über-

Philipp Bosshard

Holz, das zum Beispiel im Sommer geschlagen wurde.»

Ausserdem kommt Mondholz bei der Bernhard Holzbau

AG in der Zimmerei zum Einsatz: Der Familienbetrieb baut gemeinsam mit

der österreichischen Firma Thoma Holzhäuser, bei denen unter anderem

restlos auf Metall, Chemie und andere Schadstoffe verzichtet wird.

Die gute Qualität des Mondholzes kann man fast schon spüren: Das Holzfenster

fasst sich sanft und gleichmässig an, gleichzeitig duftet das Material

nach Wald und guter Luft. Genau so riecht es auf dem gesamten Gelände

der Bernhard Holzbau AG. Tief im Tal auf dem Weg nach Davos Wiesen, umgeben

von gesunden Bündner Wäldern, lebt hier ein Stück Tradition auf,

die Mensch und Natur einander wieder näher bringt.

57


Powerplay

Ski-WM 2017:

Nicht nur für die

Schönen und Reichen

58 Juni 2016: Guido Mittner (Mitte) instruiert seine Leute bei den Vorarbeiten zur Ski-WM.


Bald werden die Zuschauer

wieder den weltbesten

Ski-Athleten zujubeln.

Der wenige Schnee, der Ende Mai bei der Station Salastrains in

St. Moritz liegt, erinnert an den Winter vom letzten Jahr. Mit den

braungrünen Hügeln vor Augen ist es schwer vorstellbar, wie hier

die weltbesten Skifahrer einem jubelnden Publikum entgegenrasen

werden. Der Zielbereich, das Athletenzelt oder die Tribüne existieren

erst im Kopf von Guido Mittner, Head of Constructions an der

Ski-WM St. Moritz 2017.

Seit Wochen sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, schubkarrenweise Abfall

und Schmutz, der sich unter dem schmelzenden Schnee hervorschält,

von den Wiesen bei Salastrains fortzuschaffen. Ende Mai 2016 haben hier

die Vorarbeiten für den Grossanlass im nächsten Winter begonnen: Vom 6.

bis 19. Februar 2017 finden in St. Moritz die FIS Alpine World Ski Championships

statt. «Hier ist die Zieleinfahrt, gleich da hinten

«Kurzfristig angemeldete

Bedürfnisse sind

werden die TV-Stationen platziert und da nebenan

die übrige Presse. Rund ums Ziel kommt die zwölf

Meter hohe Tribüne zu stehen. Und da drüben ist der

eine Herausforderung.» VIP-Bereich.» Guido Mittner, Head of Constructions,

Guido Mittner

deutet über die Matte, die im Sommer 2016, abgesehen

von einigen Bauarbeitern, noch menschenleer

daliegt. Das Wetter erinnert mit knapp 10 Grad und zügigem Wind allerdings

fast an winterliche Zeiten. Mittner erklärt, wo dereinst das Athletenzelt,

die Essensstände, die Bühne oder die grosse Leinwand zu stehen

kommen. Er kennt die Baupläne für den Zielbereich inzwischen in- und

auswendig – kein Wunder, ist er doch schon seit bald drei Jahren mit der

Planung beschäftigt. «Unsere Aufgabe ist es, alle fixen und temporären

Bauten zu planen und zu organisieren. Wir sind die Dienstleister der WM»,

sagt er. «Die grösste Herausforderung? Dass viele Wünsche und Bedürfnisse

erst kurzfristig angemeldet werden. Dadurch müssen wir unsere Pläne immer

wieder anpassen.» Möglichst viel wird jetzt, im Sommer, aufgebaut.

Diese Vorarbeiten dauern bis Ende Juli, danach gibt es eine Pause bis im

Oktober, wenn die Tribüne und die Zeltunter- und -aufbauten gemacht

59


Bauarbeiten in

Salastrains: Noch

führt die Treppe,

über welche die

VIPs das Zielgelände

erreichen,

ins Leere.

werden – die Deko, wie Guido Mittner sagt. Sie seien noch gut im Rennen,

aber ja, halt immer etwas knapp dran. Doch noch bleibt etwas Zeit, bis

dann die vielen Tausend Zuschauer und die Athleten aus 74 Nationen hier

das grosse Skifest feiern.

Die Natur respektieren

Nicht nur die Wünsche der Bauherrschaft gilt es zu respektieren, auch

ein nachhaltiger Umgang mit der Natur wird an der Ski-WM in St. Moritz

grossgeschrieben. Schliesslich ist man umgekehrt auf den Goodwill der

Natur angewiesen – auf über 2000 Metern über Meer noch ein Stückchen

stärker als sonst wo im Bau. Für den Beginn der Bauarbeiten musste

die Schneeschmelze abgewartet werden – und die passiert in diesen

Höhen eben oft erst im Frühsommer. «Zum Bauen muss der Schnee natürlich

weg sein – und der Boden trocken. Nässe können wir hier ganz

schlecht gebrauchen, denn wir haben ja den

Anspruch, dass die Natur nach dem Grossanlass

möglichst wieder sein soll wie zuvor. Wenn

1-Franken-Vergnügen

Das zahlt sich aus: Für nur einen

Franken fahren Sie mit der RhB man mit schweren Maschinen über den feuchten

Boden fährt, gibt das riesige Gräben –

in den Pulverschnee und zurück.

Beim Kauf einer Tageskarte der dann machen wir zu viel kaputt.»

Schneesportregionen Engadin /

Zum Glück hat St. Moritz einige Erfahrung mit

St. Moritz, Davos / Klosters

und Scuol wird diese durch

der Austragung solcher Grossereignisse: Nach

einen Franken Aufpreis auch

1934, 1948, 1974 und 2003 ist St. Moritz 2017

zum Bahnbillett.

bereits zum fünften Mal Austragungsort der

www.rhb.ch/1-franken

60

www.rhb.ch/contura


Ski-Weltmeisterschaften. «Viele Pläne konnten wir von früheren Titelkämpfen

oder Weltcup-Rennen übernehmen, das hilft enorm. Einiges

muss aber natürlich aufgrund der Grösse dieses Anlasses neu geplant und

dazugebaut werden.» So muss zum Beispiel ein kleiner

Skischullift für die WM abgebaut und andernorts wieder

aufgestellt werden; er soll später aber wieder an

«Nach der WM wird

alles so zurückgebaut, sein altes Plätzchen zurückkehren. Mit dem Aufbau des

wie es vorher war.» Zielbereichs ist die Arbeit also bei Weitem noch nicht

Guido Mittner

getan. Das gesamte Areal ist um die 50000 bis 60000

Quadratmeter gross, schätzt Mittner, die Absperrungen

rund ums Zielgelände sind 6,5 Kilometer lang. «Und unser Ziel ist es, dieses

ganze Gelände nach Ende der WM wieder genauso zurückzubauen, wie es

vor unserem Eingriff war.» Lohnt sich denn so ein Aufwand? «Die Ski-WM

ist für unseren Tourismus und unsere Skigebiete sicher sehr positiv zu bewerten.

Es ist eine Gelegenheit, der Welt zu zeigen, dass St. Moritz nicht

nur eine Destination für die Reichen und Schönen ist.»

Auch die RhB hat

bald viel zu tun:

Sie bringt die Gäste

an die Ski-WM –

unter anderem

in den eigens

dafür gestalteten

Bahnwagen im

Ski-WM-Look.

61


Was machen eigentlich …

… die Skiliftbügelgeber

im Sommer?

Was ist orange und schwarz und ist seit 1934 aus keinem Skigebiet

mehr wegzudenken? Der Bügellift. Ende der 1920er-Jahre

vom Zürcher Ingenieur Ernst Gustav Constam erfunden, trat er vom

Bolgen in Davos aus seinen Siegeszug an. Mittlerweile gibt es auch

«Selbstbügler», aber am Bolgen reichen die Liftmitarbeiter den

Skifahrern nach wie vor galant den Bügel. Doch was machen genau

diese Herren eigentlich den Rest des Jahres?

«Im Sommer bin ich auf den Wanderwegen unterwegs», sagt Jürg Sprecher.

Was nach Ferien klingt, ist ein ebenso harter Job wie derjenige im Winter.

Wenn um Ostern herum für den 65-jährigen Liftchef des Bolgenlifts in Davos

die Wintersaison endet, wartet schon der nächste Auftrag an der frischen

Luft. Bis in den Herbst hinein kümmert er sich um die Wanderwege

rund um seinen Heimatort Davos: Er stellt Wegweiser auf und nimmt sie

im Oktober wieder weg – ebenso wie kleine Brücken, die gleichermassen

Lawinen zum Opfer fallen könnten wie die Schilder. Er erneuert die rot-

62

www.rhb.ch/contura


Hier wurde Geschichte geschrieben:

Der Bolgenlift in Davos ist der älteste

Bügellift der Welt.

weissen Markierungen und schaut, wo ein Steinschlag drohen könnte. Und

zwar an vier Tagen die Woche. Das sind nicht ganz so viele Arbeitstage wie

am Lift, das ist Jürg Sprecher durchaus bewusst. «Aber in meinem Alter

nehme ich es inzwischen ein wenig lockerer», sagt er mit einem herzhaften

Lachen.

Die Saison ist schliesslich hart genug. Bei Wind und Wetter stehen er und

seine zwei Kollegen am Bolgenlift – Jürg Sprecher seit mittlerweile zehn

Jahren. Jeweils zwei sind im Dienst, einer geniesst nach einer Fünf-Tage-

Woche zwei freie Tage. «Weihnachten und Neujahr sind besonders streng,

aber auch in den Sportferien und an Ostern ist je nach Wetter besonders viel

los», sagt der Liftchef. Der heutige Bolgenlift ist nicht mehr der Originallift

von 1934 – aber er hat immerhin schon rund 80 Jahre auf dem Buckel. Dies

bedeutet, dass er kein «Selbstbügler» ist, sondern dass Sprecher und seine

Kollegen noch jedem Gast den Bügel reichen. Dabei kommt man ins Gespräch,

was dem Liftchef gut gefällt. Ausserdem gibt es oft etwas zu erklären:

«Am Bolgenlift sind viele Anfänger oder Kinder mit Skischulen unterwegs.»

Erholung bei der Jagd

Bevor Jürg Sprecher zum Bolgenlift kam, war er 26 Jahre lang für die

Schatzalp-Bahn tätig – allerdings im Büro. Heute geniesst er es, jeden Tag

an der frischen Luft zu sein: «Das ist eine ganz andere Art von Abwechslung.»

Auch wenn das vor allem im Winter bedeutet, keine Ferien zu haben.

Denn der Bolgenlift steht auch nach mehr als 80 Jahren keinen

Wintertag lang still, auch nicht am Heiligen Abend. Ferien

gibt es für Sprecher somit erst nach acht bis zehn arbeitsamen

Monaten. Dann geniesst er sein Hobby, die Hoch- und Nieder -

jagd. In den Wäldern rund um Davos sucht er vor allem nach

Gämsen – und vergisst dabei den Trubel der touristischen

Monate. Sobald der erste Schnee fällt, und spätestens am

20. Dezember, steht Sprecher dann wieder fünfmal die Woche

um 8.30 Uhr an «seinem» Bolgenlift, prüft die Nothaltepunkte,

das Seil und die Trasse. Und freut sich auf die Gäste, am Bolgenlift, erholt

Jürg Sprecher, Liftchef

die ab 9.30 Uhr ihre ersten Erfahrungen auf Skiern und am sich von der Wintersaison

bei der ersten Bügellift der Welt sammeln.

Jagd.

63


Berühmte Namen

Carlo Janka

Auf dem Lauberhorn fühlt er sich am wohlsten und sein Spitzname

lautet «Iceman». Die Rede ist vom Bündner Skirennfahrer Carlo

Janka: Riesenslalom-Weltmeister, Olympiasieger und Gesamtweltcupsieger

der Saison 2009 / 10. So hat sich der sportliche Ausnahmekönner

auch seinen eigenen ALLEGRA-Triebzug verdient.

Nebst Dario Cologna ist Carlo Janka die einzige lebende

Persönlichkeit mit einem eigenen RhB-Zug: Im Mai 2010

wurde der ALLEGRA-Triebzug 3503 auf den Namen «Carlo

Janka» getauft.

Aufgewachsen in der Gemeinde Obersaxen – eine walserdeutsche

Sprachinsel im ansonsten rätoromanischen

Sprachgebiet –, stand Carlo Janka bereits als kleiner

Junge auf den Skiern. Im Skiclub Obersaxen traf das Skitalent

auf Pius Berni: seinen Trainer und Weggefährten

bis heute. Seine Familie und Freunde waren für «Jänks» – so nennen ihn

Freunde und Fans – stets eine wichtige Stütze. Schon früh war sein Talent

für den Wintersport erkennbar. Mit 15 Jahren fuhr er bereits die ersten

internationalen FIS-Rennen. Vier Jahre später erzielte er erste Podestplätze.

In der Abfahrt von Lake Louise 2008 stieg Carlo Janka endgültig an

die Weltspitze auf: Er fuhr auf den guten zweiten Platz. Es folgte Sieg auf

Sieg und 2010 wurde er zum «Skieur d’Or» ernannt. Das alpine Skirenn-Ass

kann nebst seinem Weltmeistertitel 2009 und dem Olympiasieg 2010 auf

24 Podestplätze im Weltcup, darunter 11 Siege, zurückblicken. Allerdings

folgte in der Saison 2010 / 11 ein Wendepunkt: Gesundheitliche Probleme

machten Janka zu schaffen; er musste immer wieder pausieren und hatte

Schwierigkeiten, seine frühere Form wiederzufinden. Aufgegeben hat

der ehrgeizige Bündner jedoch nie. Im Dezember 2013 konnte er beim

Riesenslalom in Beaver Creek die Früchte seiner Arbeit ernten: Mit der hohen

Nummer 68 erreichte er den 6. Platz – eine kleine Sensation. Seither

scheint es langsam wieder aufwärtszugehen: Im Februar 2016 fuhr Carlo

Janka zu seinem ersten Sieg im Weltcup-Super-G. Ein gutes Vorzeichen für

die Ski-WM in St. Moritz im kommenden Februar …

64

www.rhb.ch/contura


Wir stellen vor

Der neue Alvra-Gliederzug

«Alvra» ist Rätoromanisch und bedeutet «Albula». So heisst unter

anderem eine Region in Graubünden, durch die sich die Rhätische

Bahn auf der UNESCO Welterbestrecke schlängelt. Diese einmalige

Strecke erkunden ab Sommer 2017 sechs Alvra-Gliederzüge.

Die sechs Zugkompositionen werden schrittweise auf der Strecke Chur –

St. Moritz eingeführt und erlauben beeindruckende Aussichten auf die

62 Kilometer lange Albulalinie: zum Beispiel im Fotoabteil, in dem sechs

elektrische Panorama-Senkfenster und Dachfenster mit elektrisch verstellbaren

Sonnenstoren den ungehinderten Blick auf die Streckenabschnitte

zwischen Preda, Bergün und Filisur freigeben, die zu den spektakulärsten

weltweit gehören. Für die Fahrgäste stehen 90 Sitzplätze in der 1. Klasse,

217 Plätze in der 2. Klasse sowie 13 Klappsitze und vier Rollstuhlplätze zur

Verfügung. Reisende mit Handicap sind dank Niederflureinstiegen mit extrabreiten

Türen, Schiebetritten sowie zwei rollstuhlgängigen WCs bequem

unterwegs; Kinder geniessen im Freizeitabteil erstmals bei der RhB eine

Spielecke inklusive Rutsche. Mit den sechs neuen Zügen setzt die Rhätische

Bahn ihre Strategie um, ihr Rollmaterial zu erneuern: Zu den Alvra-

Gliederzügen kommen sechs neue Steuerwagen des Typs «Ait 578» hinzu.

Dies bedeutet, dass der Zug von einer Lokomotive von Chur nach St. Moritz

gezogen und anschliessend in derselben Formation zurückgeschoben

wird. Somit entfällt das Rangieren der Lok von einem zum anderen Ende

des Zugs, was jede Menge Zeit spart.

65


Natur

Mit Bienenstock,

Charme und Imkerhut

66 Hobby-Imker mit grosser Begeisterung: Urs Nutt.


Die Imkerei ist für den Polizisten

ein Ausgleich zu seiner Arbeit,

bei den Bienen tankt er Energie.

Wenn es munter summt und brummt, schlägt sein Herz höher. Bienen

sind aus dem Leben von Urs Nutt nicht mehr wegzudenken.

Beim «Bündner Jungimkerprojekt Flugschnaisa» vermittelt er sein

Wissen der nächsten Generation. Sein neuster Streich: «Grischa

Biena uf da Schiena». Ab 2017 geht er mit einem umgebauten Wagen

der Rhätischen Bahn auf Tournee durch den Kanton.

Urs Nutt ist ein Mann auf einer Mission. Das wird sofort klar, als er auf dem

Parkplatz der Rhätischen Bahn in Landquart aus einem ausgemusterten Polizeitransporter

steigt. Die Ärmel seines honiggelben T-Shirts sind hochgekrempelt.

Auf der Brust prangt eine Biene, das Logo des «Bündner Jungimkerprojekts

Flugschnaisa». Bei seiner Arbeit als Leiter der

Verhandlungsgruppe der Kantonspolizei Graubünden steht

«Als Imker sorge ich

er dann im Einsatz, wenn es heikel wird. Ob bei häuslicher

Gewalt oder einer Geiselnahme – sein Team versucht

dafür, dass das Volk

sich wohlfühlt.» zu vermitteln. Die Imkerei ist für Urs Nutt ein Ausgleich zu

Urs Nutt

seiner Arbeit. Bei den Bienen tankt er Energie. Auch wenn

Polizeiarbeit und Imkerei ganz unterschiedlich erscheinen,

gibt es aus seiner Sicht durchaus Parallelen. «In beiden Funktionen ist das

Begleiten wichtig. Als Polizist kann ich der Bevölkerung meine Unterstützung

anbieten. Das Gleiche gilt bei den Bienen. Als Imker sorge ich dafür,

dass das Volk sich wohlfühlt und nicht ausschwärmt.»

Bei der Frage, wann ihn das Imkerfieber gepackt hat, muss Urs Nutt

schmunzeln. Denn der Zufall brachte ihn auf den Geschmack. Von einem

Dienstkollegen erfuhr er von einem Imkerkurs. Nutt entschied sich spontan,

daran teilzunehmen. «Schon nach dem ersten Kurstag war für mich

klar: Ich brauche Bienen!», sagt Urs Nutt rückblickend. Ebenfalls per Zufall

stand das Bienenhaus eines anderen Kursteilnehmers zum Verkauf. Heute

kümmert sich Nutt um zwanzig bis dreissig Bienenvölker, verteilt auf sieben

Standorte. Von Frühling bis Herbst legt er unzählige Kilometer mit

seinem Transporter zurück. Jedes Volk muss mindestens einmal pro Woche

kontrolliert werden.

67


«Wir kommen zu den Kindern»

«Es war ein rechter Chrampf!», sagt Urs Nutt nicht ohne Stolz. Er steht vor

einem alten Wagen der Rhätischen Bahn, den er gemeinsam mit freiwilligen

Helfern komplett ausgehöhlt hat und aus dem eine rollende Bienenausstellung

entstehen wird. «Grischa Biena uf da Schiena» heisst das

Projekt. Der Erlebniswagen geht ab dem Frühling 2017 auf Tour durch

Graubünden. «So müssen die Kinder nicht zu uns kommen, sondern wir

kommen zu den Kindern.»

Dass das Interesse an Bienen bei der jungen Generation gross ist, weiss Urs

Nutt aus Erfahrung. Im Jahr 2010 startete eine Gruppe von Imkern aus der

Region Chur das «Bündner Jungimkerprojekt Flugschnaisa». Während neun

Kurstagen werden aus Schülerinnen und Schülern kleine Bienenexperten.

Ihr Schulzimmer ist das Bienenhaus in Rhäzüns, direkt am Waldrand. Hier

lernen sie alles über die Zusammenhänge der Natur. Die herrlich duftende

Wiese vor dem Haus leuchtet in allen Farben, vom violetten Wiesensalbei

bis zur Goldnessel. Die Bienen fliegen von einer Blüte zur nächsten und

geben ein wunderbares Beispiel für die Artenvielfalt einer Magerwiese ab.

Vom Balkon des Bienenhauses aus wird klar, dass der Name «Flugschnaisa»

nicht von ungefähr kommt. Urs Nutt erklärt, dass die Bienen den Stock

im gleichen Winkel anfliegen, in dem sie ihn zuvor verlassen haben. Der

Winkel ist davon abhängig, wo gerade der Honig lockt. Dieser Weg, den die

Bienen je nach Saison anders wählen, wird als Flugschneise bezeichnet.

In diesem ausgehöhlten

RhB-

Wagen rollen die

Bienen ab Frühling

2017 über

das RhB-Netz.

68

www.rhb.ch/contura


In seinem Jungimkerprojekt

lehrt Urs Nutt

Kinder den korrekten

Umgang

mit den fleissigen

Insekten.

Mit Herzblut dabei

Im Bienenhaus hängen an einer Stange zwei Dutzend Imkeranzüge en miniature.

Auf jedem Anzug steht der Name des Jungimkers, in den Taschen

stecken Lederhandschuhe. Auf dem Spiegelschrank stehen drei Flaschen

Anti-Brumm. «Es ist wichtig, dass die Kinder nicht gestochen werden,

«Kinder sollen früh

ein Bewusstsein für

die Bedeutung der

Bienen entwickeln.»

Urs Nutt

sonst vergeht ihnen die Lust», so Nutt. Bisher habe noch keines der Kinder

den Kurs frühzeitig abgebrochen. Schliesslich lockt

die feierliche Übergabe eines Diploms vor grossem Publikum.

«Schön war, als sich ein Grossvater bei mir meldete

und sich dafür bedankte, dass wir seinem Enkel so

viel über Bienen beigebracht haben. So könne dieser

eines Tages seine Stöcke übernehmen», erzählt Urs Nutt.

Darum geht es ihm. Dass Kinder früh ein Bewusstsein für

die Biodiversität und die Bedeutung der Bienen entwickeln.

Seine Augen leuchten, wenn er aufzählt, in welchen Bündner Tälern

«Grischa Biena uf da Schiena» haltmachen

wird. Und dass der Erlebniswagen

eines Tages vielleicht die ganze Schweiz

erobern wird. «Ich bin eben mit Herzblut

dabei», sagt Urs Nutt beinahe entschuldigend.

«Es ist toll, in einem Team etwas

zu erarbeiten.» Rollen 2017 die «Grischa

Biena uf da Schiena», heisst es für Urs

Nutt: Mission erfüllt.

«Grischa Biena uf da Schiena»

In den alten RhB-Wagen wird ein kleines

Kino eingebaut, in dem Filme über Bienen

laufen. An einem Werktisch können Be –

sucher Lippenpomade aus Bienenwachs

produzieren und ein besonderer Hingucker

wartet an der Zugspitze: ein Schaubienenhaus.

Hinter Glasscheiben beobachtet man

hier die Bienen bei ihrer Arbeit.

www.flugschnaisa.ch

69


)schreibt:


N

10 km

Lugano ( CH )

270 m ü. M.

Moesa

Landquart

Chur

Reichenau

Rhein

Scharans

Thusis

Tiefencastel

G R A

10 km

U B Ü

Maira

ViaAlbula/Bernina

Nr. 3

UNESCOWelterbe

Albula-/Berninalinie

derRhätischenBahn

AndereStreckender

RhätischenBahn

Davos

N D E

Filisur

Bergün

Preda

Spinas

St.Moritz

N

Samedan

Pontresina

Berninagruppe

Sondrio (I)

Veltlin ( I )

Adda

Inn

Zernez

Poschiavo

Ospizio Bernina

Cavaglia

Le Prese

Tirano (I)


Müstair

Gut zu wissen

Die RhB schraubt sich bergwärts

Eine Meisterleistung der Bahnpioniere

Die harmonisch in die Natur eingebettete Albulalinie ist ein Paradestück

des Bahnbaus – nicht ohne Grund gehört sie zum UNESCO Welterbe «Rhätische

Bahn in der Landschaft Albula / Bernina». Die gesamte Strecke zwischen

Thusis und St. Moritz wurde 1904 nach nur

fünf Jahren Bauzeit eröffnet und gilt bis heute als

Meisterleistung in Sachen Bahntechnik und Linien -

führung. Besonders hervorzuheben ist der Abschnitt

zwischen Bergün und Preda, denn hier

trafen die Ingenieure beim Bau auf die wirklichen

Herausforderungen der Gebirgsbahn.

hätische Bahn in der

persönlicheAlpenquerung

ieAlpenweltGraubündens.

rfü lt.GeträumtimFlach-

r(Schweiz)nachTirano(Itar«ViaAlbula/Bernina»–der

LinienderRhätischenBahn.

msteigen,zukö nen.Endlich

ken.DieRhätischeBahn,kurz

COWelterbe,fürmichaberder

mWe terumschwungundkleiserklimatisch,kulturhistorisch

ulapa s,durchdasEngadinund

hwandern,istmeinpersönliches

rweg.Ichka nnurho fen,da s

undsiedazuverleitet,selbstden

StefanBarandun Via Albula/Bernina

Kehr- und Spiraltunnels ersetzen Zahnrad

Ein Blick von Fallò / Signal auf die

Zwischen Bergün und Preda galt es, auf einer Tallänge

von nur rund sechs Kilometern eine Höhen-

beiden Spiral tunnels «Toua» und

«Zuondra» sowie auf die beiden differenz von 416 Metern zu überwinden. Einen

Albulaviadukte II und III kurz Zahnradabschnitt wollten die Ingenieure aufgrund

nach dem Bahnbau.

der betrieblichen Nachteile nicht einbauen. Um

die vorgegebene Maximalsteigung von 35 Promille

einzuhalten und den grossen Höhenunterschied dennoch zu überwinden,

musste somit das Bahntrassee gegenüber der Tallänge verdoppelt werden.

Dies gelang den Bahnpionieren mittels Kehr- und Spiraltunnels: Mit

zwei Kehrtunnels, drei Spiraltunnels und vier Brücken steigt die Bahn von

Bergün auf 1373 Metern hinauf nach Preda auf 1789 Metern über Meer.

Kehr- und Spiraltunnels unterscheiden sich darin, dass im Kehrtunnel die

Gleise einen Halbkreis beschreiben, sodass

der Zug beim Verlassen des Tunnels

Wanderführer Via Albula / Bernina in die entgegengesetzte Richtung fährt.

Weitere Infos zu den Kehr- und Spiraltunnels

sowie zu Wanderungen im

Gelände, spricht man von einer Kehre.

Fällt eine solche Wendung ins offene

UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in

Dreht sich hingegen die Bahnlinie im

der Landschaft Albula / Bernina»

gibt es im Wanderführer Berg drin um 360 Grad und schraubt sie

Via Albula / Bernina,

sich gleichzeitig in die Höhe, handelt es

erhältlich im RhB-Shop: sich um einen Spiraltunnel. Eine grosse

www.rhb-shop.ch/de/

Wanderführer

Via Albula/Bernina

10WanderungendurchdasUNESCOWelterbe

«RhätischeBahninderLandschaftAlbula/Bernina»

Valle Mesolcina

Via Albula/Bernina

10WanderungendurchdasUNESCOWelterbe«RhätischeBahninderLandschaft

Albula/Bernina»

Hinterrhein

Domleschg

1

2

Oberhalbstein

Bergell

Landwassertal

Albulatal

3

4

5

6

7

Oberengadin

Val Poschiavo

Unterengadin

8

9

10

Inhalt

Wanderführer«ViaAlbula/Bernina»

Seite

Einführung 2

UNESCOWelterbe«RhätischeBahninderLandschaftAlbula/Bernina» 6

Wanderti ps 10

DiesechsWanderungenzwischenThusisundSt.MoritzimÜberblick 16

1 Thusis—Tiefencastel 20

2 Tiefencastel—Filisur 4

3 Filisur—Bergün/Bravuogn 60

4 Bergün/Bravuogn—Preda 76

5 Preda—Spinas 96

6 Spinas—St.Moritz 14

DievierWanderungenzwischenSt.MoritzundTiranoimÜberblick 128

7 St.Moritz—OspizioBernina 130

8 OspizioBernina—Cavaglia 146

9 Cavaglia—LePrese 162

10 LePrese—Tirano 172

EinwenigBahngeschichte

SchweizerischesEisenbahnnetz 1 8

BahnlandGraubünden 190

AlbulabahnThusis—St.Moritz 196

BerninabahnSt.Moritz—Tirano 210

Anhang 218

Lago di Como

70

www.rhb.ch/contura


Herausforderung beim Bau dieser Kehr- und Spiraltunnels waren die Absteckungen.

Mittels Fixpunkten ausserhalb der Tunnels und Winkelmessungen

mit Theodoliten – speziellen Winkelmessgeräten – konnte aber

auf einfache Art eine grosse Genauigkeit erzielt werden: Die jeweiligen

Abweichungen in Länge und Richtung lagen nur bei wenigen Zentimetern.

Die Winkelmessungen zwischen den Fixpunkten wurden unter Berücksichtigung

der Kreisbogen nach dem Arbeitsfortschritt in den Tunnel übertragen

und fixiert. So gelangen die roten Züge der RhB noch heute durch

die beiden Kehrtunnels Plaz und God sowie die drei Spiraltunnels Rugnux,

Toua und Zuondra von Bergün nach Preda.

Bergün

Bahnerlebnisweg Albula

Bahnlinie

Tunnel

Preda

Aussichtspunkt Fallò / Signal

Die Besonderheit dieses Streckenabschnitts lässt sich auch wandernd erleben:

Der Aussichtspunkt bei Fallò / Signal erlaubt eine Sicht über die ganze

Bahnstrecke zwischen Bergün und Preda. Hier lassen sich die Züge beobachten,

wie sie sich zwischen den Kehr- und Spiraltunnels und über zahlreiche

Brücken durch den obersten Abschnitt des Albulatals schlängeln –

als wäre es eine Leichtigkeit, bis zu 400 Tonnen mit einer Geschwindigkeit

von 50 Stundenkilometern über die Rampe mit 35 Promille zu ziehen. Der

Aussichtspunkt ist ab Preda zu Fuss in rund 1 ½ Std. erreichbar.

71


Für die Kurzen ”


Ein Tag mit Clà Ferrovia ...

Der Kinder-Kondukteur ist Dienstältester ”

bei der Rhätischen Bahn - schliesslich ist er schon

seit 1889 für die RhB tätig. Die Frage ist nur:

Was macht er seitdem jeden Tag? Contura durfte

Clà Ferrovia einen Tag lang begleiten.


7.30 Uhr: Hier stimmt doch etwas nicht!

Wenn man nicht selbst auf alles achtet!

6.30 Uhr: Guten Morgen! In seinem schicken

roten Pyjama putzt sich Clà erst mal die Zähne.

15.30 Uhr: Clà hat den Bären besiegt

und gönnt sich ein Nickerchen.

12.30 Uhr: Ein Bär! Der Zug ist durch ein

«Blonk» in einer sibirischen Höhle gelandet!

72

www.rhb.ch/contura


8.00 Uhr: Abfahrt! Hoppla, der hat es

aber gerade noch auf den Zug geschafft ...

8.30 Uhr: GA? Was soll denn das sein?

Und wo kann Clà das abknipsen?

Auf fantastischer Reise mit Clà Ferrovia

Der Kinder-Kondukteur der RhB ist regelmässig

mit seiner Dampf- oder Krokodillok unterwegs.

20 Uhr: Pssst! Clà schläft tief und fest.

Aber ein Auge bleibt offen. Man weiss ja nie ...

Seine nächsten Reisen:

Samstag / Sonntag, 10./ 11. Dezember 2016:

Fahrt ins Lichterland mit der Dampflok

Samstag, 17. Dezember 2016:

Fahrt ins Lichterland mit der Krokodillok

Infos unter www.cla-ferrovia.ch

73


Ve

Streckennetz

Höhepunkte der Rhätischen Bahn

1

Rheinschlucht

N

Basel

Zürich

2

Langwieserviadukt

Bern

SCHWEIZ

Chur

Graubünden

Genève

Zermatt

Lugano

Ilanz

Disentis/

Mustér

Rueun

Waltensburg-Vuorz

Tavanasa-Breil/Brigels

3

Landwasserviadukt

Valendas-Sa

Castrisch

4

Wiesnerviadukt

Oberalppass

Trun

Rabius-Surrein

Sumvitg-Cumpadials

Sedrun

Vorderrhein

S u r s e l v

a

Andermatt

Visp

Zermatt

Vals

5

Albulaviadukte und -kehrtunnels

Lukmanier

Biasca

6

Alp Grüm

SCHWEIZ

SWITZERLAND

SVIZZERA

San Bernardino

7

Kreisviadukt Brusio

Bellinzona

Lugano

Milano

74

www.rhb.ch/contura

ugano


Flims Trin

rsam-Safien

gogn

1

Zürich

St. Gallen

Landquart Ried

Igis

Zizers

Untervaz-Trimmis

Haldenstein

Chur Wiesental

Chur West

Felsberg

Domat/Ems

Ems Werk

Calanda

2806 m

Bonaduz

Rhäzüns

Rothenbrunnen

Rodels-Realta

Cazis

Piz Beverin

2998 m

Reichenau-

Tamins

Thusis

Hinterrhein

Rhein/Rhine/Reno

Chiavenna

Lugano

Landquart

Chur

Tiefencastel

Plessur

Weisshorn

2653 m

Lenzerheide

Savognin

Malans

Seewis-Valzeina

Grüsch

Schiers

Furna

Jenaz

Fideris

Chur Stadt

Küblis

Lüen-Castiel

St. Peter-Molinis

Saas

Peist

Klosters Dorf

Langwies

Litzirüti

Arosa

3

P r

Filisur

2

ä t t

Bergün/Bravuogn

Preda

i g a

Landwasser

Landquart

u

Albulatunnel

Samedan

St. Moritz

Cavadürli

Davos Laret

Davos Wolfgang

Davos Dorf

Davos Platz

Davos Frauenkirch

Davos Glaris

Davos Monstein

Davos Wiesen

Piz Ela

3339 m

Piz Nair

3057 m

Maloja

4

5

Spinas

Celerina

Celerina Staz

Punt Muragl Staz

Pontresina

Klosters Platz

Vereinatunnel

O b e r e n g a

Bever

d i n

Zuoz

Madulain

La Punt Chamues-ch

Punt Muragl

Surovas

Morteratsch

Bernina Suot

Piz Bernina

4049 m

Piz Palü

3905 m

Piz Linard

3411 m

Valposchiavo

ÖSTERREICH

AUSTRIA

AUSTRIA

Susch

Poschiavo

U n

Sagliains

Zernez

Cinuos-chel–Brail

S-chanf

Muottas Muragl

2450 m

Berninapass

6

t e r

Ftan

Ardez

Guarda

Lavin

e n g

Na tiona lpa rk

Livigno

Bernina Diavolezza

Bernina Lagalb

Ospizio Bernina

Alp Grüm

Cavaglia

Cadera

Privilasco

7

Li Curt

Le Prese

Miralago

Brusio

Campascio

Campocologno

Tirano

Samnaun

i n

a d

Inn

Scuol-Tarasp

Müstair

Rhätische Bahn

UNESCO Welterbe RhB

PostAuto / Bus

Bernina Express Bus

Tirano – Lugano

Landeck

Mals

Meran

Lugano

Edolo

Val Camonica

Brescia

ITALIEN

ITALY

ITALIA

75


Wettbewerb

Bilderrätsel

Nachname der Lokführerin rechts

n5

Farbe des neuen Glacier Express Bobs

n

9 1

n

Die Klinik ... steht in Cazis

n

Fazli Berisha läuft von Davos nach ...

n

Lieblingsinsekt von Urs Nutt

nn

2 6

12 4

11 3

Zielbereich der Ski-WM in St. Moritz

n

n

n8 n7

n10

Lösen Sie das Bilderrätsel – die nummerierten

Buchstaben in der richtigen

Reihenfolge ergeben das Lösungswort.

Wir verlosen zwei Billette

für eine Fahrt im Bernina Express

von Chur nach Tirano, 2. Klasse.

Senden Sie uns das Lösungswort in einer

E-Mail mit dem Betreff «Wettbewerb»

an contura@rhb.ch oder schicken Sie uns

eine Postkarte an: Rhätische Bahn AG,

Marketing-Kommunikation und E-Business,

Bahnhofstrasse 25, CH-7001 Chur.

Einsendeschluss ist der 24. Februar 2017.

Die Teilnahme ist gratis und unverbindlich.

Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.

Eine Barauszahlung der Preise ist nicht möglich.

Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz

geführt und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die persönlichen Daten werden vertraulich

behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

76

www.rhb.ch/contura


Für Ihre Agenda

Auf einen Blick: die Erlebnisfahrten 2017

Clà Ferrovia

Abenteuer mit dem Kinder-Kondukteur

10./11.12.* Fahrt ins Lichterland **

17.12.* Fahrt ins Lichterland

20.05. Fahrt ins Blumenland **

24.09. Fahrt ins Farbenland

* 2016

** mit Dampflok

Vollmondfahrt

Mystische Fahrt durchs Gebirge

16.12.* Poschiavo Alp Grüm

12./13./14.01. St. Moritz Alp Grüm

03.02. St. Moritz Alp Grüm

æ æ æ æ

08./09.03. St. Moritz Alp Grüm

* 2016

Glacier Pullman Express

Zwei Tage einfach luxuriös reisen

23./24.06. St. Moritz – Zermatt

25./26.06. Zermatt – St. Moritz

21./22.07. St. Moritz – Zermatt

23./24.07. Zermatt – St. Moritz

01./02.09. St. Moritz – Zermatt

03./04.09. Zermatt – St. Moritz

Erlebniszug Albula

Mit offenen Wagen ins Bahnparadies

04.06 – 03.09. jeden Sonntag

Landquart Samedan

æ

Dampffahrten

Bahnfahrten mit Schall und Rauch

20.01. Engadin: Samedan Scuol-T.

05.03. Surselva: Landquart Disentis

æ æ æ

14.05. Davoser Rundfahrt:

Muttertagsfahrt

17.06. Davoser Rundfahrt

(Doppeltraktion)

05.08. Davoser Rundfahrt

15.10. Engadin: Samedan Scuol-T.

Rhätia Pullman Express

Im Stil der 30er-Jahre geniessen

06./07./08.07. Davos St. Moritz

13./14./15.07. Davos St. Moritz

31.07.–02.08. Davos St. Moritz

æ æ æ

Dampfschneeschleuderfahrt

Schnee räumen wie anno dazumal

22.01. Pontresina Alp Grüm

26.02. Pontresina Alp Grüm

æ æ

Änderungen bleiben vorbehalten.

Infos unter www.rhb.ch/bahnerlebnisse

77


Oberal pa s

St. Moritz

Davos

Albula Line

Lenzerheide

Anderma t

Disentis

Landwa ser Viaduct

Rhine Gorge Chur

20 3 m

1775 m

Celerina

Samedan

1540 m

15 0 m

1484 m

Oberwald 1435 m

Filisur

iesch

130 m

1032 m

Tiefencastel

Thusis

630 m

585 m

2 0

18 0

16 0

14 0

12 0

1 0

8 0

6 0

4 0

2 0

m above

sea-level

Meran

Mals

Scuol-Tarasp

1286 m

4

Venezia

Valchava

Sta. Maria

Tschierv

Müstair

UNESCO Welterbe

Kloster St. Johann

n

Müstair

12

Ftan Baraigla

Motta Naluns

Ardez

Tirano-Thusis

1 2,3 km UNESCO

Welterbe RhB

UNESCO Biosfera

Val Müstair

Parc Naziunal

Schweizerischer

Nationalpark

Inn

/ En

Guarda

Piz Buin

Lugano

Tirano

429 m

Ova Spin

Ofenpa s

Morteratsch

Surovas

Celerina-

Staz

Punt Muragl

Celerina

Samedan

Bever

Spinas

Preda

Campascio

Campocologno

Germany

Basel Zurich

France

Lucerne

Austria

Berne

Chur

Lenzer-

Disentis heide

Anderma t

Davos

Interlaken

Filisur

Lausa ne

St. Moritz

Visp

Brig

Lugano

Zerma t

(Bernina Expre s)

Gornergrat

Italy

Milano

13

Sagliains

Lavin

Piz Linard

Fax +41 [0] 27 92 79

7

Kreisviadukt

Brusio

Le Prese Li Curt

Miralago

Lago di Livigno

Susch

Madrisa

Brusio

Albulatunnel

Autoverlad

Vereina

Selfranga

Klosters Platz

Klosters Dorf

Zernez

Poschiavo

Livigno

14

17

Rhätische Bahn

Tel. +41 [0] 81 288 65 65

Fax +41 [0] 81 288 61 05

Schwarzsee

Cavaglia

Cadera

Privilasco

Schweizerischer

Nationalpark

Davos Platz

Davos Dorf

1560 m

Davos Wolfgang

Davos Laret

Davosersee

Gotschnagrat

Cavadürli

Saas

Küblis

7

3

9

Alp Grüm

3008 – ms

Lago Bianco

Lej Nair

Piz Lagalb

S-chanf

Cinuos-chel-Brail

Schatzalp

Wei sfluhjoch

Ospizio

Bernina

253 m

Bernina

Lagalb

Bernina

Diavole za

Muo tas Muragl

Bernina

Suot

Davos

Davos

Monstein

Glaris

Davos

Frauenkirch

Davos

Wiesen

Langwies

Fideris

Jenaz

Furna

Schiers

Lago

Bianco

La Punt

Chamues-ch

Zuoz Madulain

Peist

Litzirüti

6

Piz Kesch

Piz Palü

Diavolezza

za

Morteratsch-Gletscher

Pontresina

Arosa

1739m

Landwa serviadukt

Wiesnerviadukt

Langwieserviadukt

Plessur

1

Rhäzüns

Bonaduz

Reichenau-

Tamins

Domat/Ems

Ems Werk

Chur

Chur West

Stadt

Felsberg

Chur

Wiesental

Untervaz-Trimmis

Landquart

8

5

Filisur

Haldenstein

Hörnli

Weisshorn

shorn

Lej da San Mure zan

Chur

585 m

Piz Bernina

4049 m Piz Roseg

Bergün/

Bravuogn

Alvaneu Bad

Surava

4

18

10

Albulaviadukte und

-Kehrtu nels

Bahnmuseum

Albula

St.Moritz

1 75 m

Tiefencastel

Parpaner

Rothorn

Lenzerheide

Calanda

Tschingelhörner

Solisviadukt

Corviglia

Feldis

Brambrüesch

Piz Corvatsch

Piz Ela

Parc Ela

Lej da Silvaplauna

Piz Nair

Zizers

Igis

Landquart Ried

Grüsch

S ewis-

Malans

Valzeina

1

16

13

Savognin

Cazis

Rodels-Realta

Rothenbru nen

Lej da Segl

Thusis

Maloja

Thusis-Tirano

1 2,3 km UNESCO

Welterbe RhB

Trin

Piz Beverin

2

Vals

Flimserstein

Versam-Safien

Rheinquelle

Valendas-Sagogn

Crestasee

e

Ca sonsgrat

10

Castrisch

15

Ilanz

Oberal pa s

Caumas e

Gornergrat

Flims

2

Disentis/

Mustér

Rabius-Su rein

Trun

Rueun

Falera

L axersee

UNESCO

Welterbe

Tektonikarena

Sardona

Brig

Ma terhorn

Oberalpstock

Tödi

Sumvitg-Cumpadials

Tavanasa-Breil/Brigels

Waltensburg/Vuorz

L ax

Crap Sogn Gion

Martinsloch

Zerma t

Visp

Anderma t

Vorab

Eröffnung erste Strecke

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

1

12

13

14

15

16

17

18

Alp Grüm

Bahnmuseum Albula

Dampf- & Nostalgiefahrten

Erlebniszug Albula

www.rhb.ch/kulinarik

www.rhb.ch/schlittelwelt

www.rhb.ch/schlosstarasp

Via Albula / Bernina

Nationalparkzentrum Zernez

Rheinschlucht / Ruinaulta

Albula Panorama Winter

Bernina Panorama Winter

Infoarena Albulatunnel

RhB handlich

Erlebniskarte und Broschüren

Unsere Erlebniskarte und Broschüren – am

RhB-Bahnhof mitnehmen oder bequem downloaden:

www.rhb.ch/broschueren

Erlebniskarte der Rhätischen Bahn

Tourist map of the Rhaetian Railway

Cartine per le avventure della Ferrovia retica

www.rhb.ch

Reschenpa s

Vereinatu nel

Landquart

Inn

/ En

Albula

Roseg

Val

St.Peter-Molinis Lüen-Castiel

Rhein

Hinterrhein

Sedrun Göschenen

Ruinaulta / Rheinschlucht

Vorderrhein

Graubünden

Graubünden | Grigioni

Bilderbuch-Erlebnisse im grö sten Kanton der Schweiz.

Wie ein roter Faden zieht sich die Rhätische Bahn durch Graubünden.

Reisen Sie mit uns über imposante Brücken, durch tiefe Täler, vorbei

an hohen Felsen und wilden Wa sern: Erleben Sie magische Momente

am laufenden Band!

Picturesque experiences in Switzerland’s largest canton.

The Rhaetian Railway wends its way through Graubünden like a red

thread. Come with us over imposing bridges, through d ep valleys and

past steep rock faces and wild mountain streams: a su ce sion of magic

moments!

Esperienze da libro illustrato nel maggior Cantone de la Svizzera.

La Ferrovia retica si snoda come un filo ro so a traverso i Grigioni. Viaggiate

co noi su ponti imponenti, va li profonde, passando vicino ad

alte pareti ro cios e acque spumeggianti: godetevi un momento magico

dopo lʼaltro!

Die Rhätische Bahn in Zahlen

The Rhaetian Railway in figures | La Fe rovia retica in cifre

Firs track opened | Inaugurazione de la prima tra ta:

1 89 (Landquart– Davos)

Streckenlänge | Track length | Lunghezza comple siva: 384 00 m

Spurweite | Gauge | Scartamento: 1 0 mm

Mitarbeiter | Employ es | Co laboratori: 15 0

Anzahl Brücken | Number of bridges | Numero di ponti: 606

Längste Brücke | Longest bridge | Ponte più lungo:

285 m (Langwieserviadukt | Langwieser Viaduct | viado to di Langwiesen)

Höchste Brücke | Highest bridge | Ponte più alto:

89 m (Wiesnerviadukt | Wiesner Viaduct | viado to di Wiesner)

Anzahl Tu nels | Number of tu nels | Numero di gallerie: 15

Grö ste Steigung | Steepest gradient | Pendenza massima:

70 ‰ (Bernina Linie | Bernina Line | linea del Bernina)

Höchster Punkt | Highest point | Punto più elevato:

2253 m ü. M. | m a.s.l. | m s.l.m. (Ospizio Bernina)

Tiefster Punkt | Lowest point | Punto più ba so:

429 m ü. M. | m a.s.l. | m s.l.m. (Tirano)

Personenbeförderungen | Passenger volume

Persone trasportate: 10 0 0 jährlich | per year | a lʼa no

Die Höhepunkte

The highlights | Gli highlight

Bernina Express www.rhb.ch/bex

Glacier Expre s www.rhb.ch/gex

Bade-Kombi Engadin Bad Scuol / Bad Alvaneu

Spa package | Treno e terme

www.rhb.ch/badalvaneu / www.rhb.ch/badscuol

Albula Railway Museum | Museo fe roviario dellʼAlbula

www.rhb.ch/bahnmuseum

Clà Ferrovia der Kinder-Kondukteur

Childrenʼs conductor | Il contro lore per i bambini

www.rhb.ch/cla

Steam- & nostalgic rides | Via gi su treni a vapore e nostalgici

www.rhb.ch/damp fahrten

Albula Adventure Train | Treno a ventura de lʼAlbula

www.rhb.ch/erlebniszug

Führerstandsfahrten

F otplate rides | Macchinisti per un giorno

www.rhb.ch/fuehrerstandsfahrten

Kulinarische Genussreisen

Culinary trips | Via gi gastronomici

Schli telwelt Preda / Darlux – Bergün

Sledging | Il paradiso de lo sli tino

Schlo s Tarasp

The castle of Tarasp | Caste lo di Tarasp

National Park Centre Zernez | Centro del Parco Nazionale Zernez

www.rhb.ch/nationalpark

Rhine Gorge / Ruinaulta | Gola del Reno / Ruinaulta

www.rhb.ch/ruinaulta

Albula Panorama Winter | Albula Panorama Inverno

www.rhb.ch/albulapanorama

Bernina Panorama Winter | Bernina Panorama Inverno

www.rhb.ch/berninapanorama

Albula Tu nel Infoarena | Infoarena del tu nel de lʼAlbula

www.rhb.ch/infoarena

«Panorama»-Erlebniskarte

Die Erlebniskarte zeigt auf bildhafte

Weise die Höhepunkte auf

dem RhB-Netz. Lassen Sie sich von

unseren Ausflugs- und Erlebnistipps

inspirieren!

www.berninaexpress.ch

Bernina Express

Chur / Davos / St. Moritz — Tirano — Lugano

de | en | it | fr

Bernina Express – von den Gletschern zu den Palmen

Erleben Sie eine der spektakulärsten Alpenüberquerungen:

die Albula- und Berninalinie der Rhätischen

Bahn. Ein besonderer Hochgenuss ist die Panoramafahrt

im Bernina Express – vorbei an Gletschern bis

hinunter zu den Palmen.

DE Saftiges Grün im Wallis

EN The luxuriant gr en of Wa lis

FR Le paysage verdoyant du Valais

IT Il verde rigoglioso del Va lese

PL Bujna zieleń kantonu Wallis

CZ Šťavnatá zeleň ve Wallisu

60 80 120 140 160 180 2 0 20 240 260 291 km

itage „Swi s Alps Jungfrau-Aletsch“

ritage „The Rhaetian Railway in the Landscape of Albula/Bernina“

S w i t z e r l a n d

Geneva Tirano

Experience the legendary train journey through

the Swi s Alps – in the heart of Europe

Have you already heard of the Bernina Expre s

tha takes you from St. Moritz to Tirano?

Or the Gornergrat Bahn from Zerma that o fers

you the most wonderful views of the Ma terhorn?

DE EN FR IT PL CZ

Der langsamste Schne lzug der Welt

The slowest expre s train in the world

Le train rapide le plus lent du monde

Il treno rapido più lento del mondo

Najwolniejszy pociąg ekspresowy na świecie

Nejpomalejší expresní vlak světa

Glacier Express – der langsamste Schnellzug der Welt

Sie rollen bis zu den Wolken, durch intakte Berglandschaften,

über mächtige Gebirgsflüsse und vorbei an

schroffen Felswänden. Die Panoramafahrt im Glacier

Express durch die Schweizer Alpen prägt sich ein – mit

Höhepunkten vom Anfang bis zum Ende.

www.glacierexpre s.ch

www.facebook.com/glacierexpre s.ch

Ma terhorn Gotthard Bahn

Bahnhofplatz 7 I CH-3900 Brig

Bahnhofstrasse 25 I CH-7 02 Chur

Tel. +41 [0] 848 642 railcenter@mgbahn.ch I www.mgbahn.ch railservice@rhb.ch I www.rhb.ch

Tickets online

www.glacierexpress.ch

78

www.rhb.ch/contura


Souvenirs & Geschenke

Schenken macht Freude

Entdecken Sie unser grosses Sortiment an attraktiven

Geschenkartikeln und Erinnerungsstücken:

www.rhb-shop.ch/de/

Für die kleinsten RhB-Fans

Keiner zu klein, ein RhB-Fan zu

sein: Dank dem süssen Baby body

im RhB-Style können schon

die Kleinsten ihre Bahnbegeisterung

ausleben.

Steinböckli als

Schlüsselanhänger

Den berühmten Bündner

Steinbock gibt es in

Miniaturform aus

FSC-zertifiziertem Holz

als Schlüsselanhänger.

Elegantes Tool für unterwegs

Das ergonomisch geformte Taschenmesser aus

Schweizer Walnussholz mit Glacier-Express-Logo

ist ein nützlicher Begleiter für unterwegs.

Mit Klinge, Dosenöffner, Korkenzieher und

weiteren Werkzeugen.

Meisterhaftes übersichtlich und kompakt

Reich bebildert beschreibt der Reiseführer

«UNESCO Welterbe» die baulichen

Glanzleistungen der Bahnstrecke über

Albula und Bernina. Daneben beleuchtet

das Reisehandbuch die vielfältige

Kultur entlang des UNESCO Welterbes

in der Landschaft Albula / Bernina.

79


www.rhb.ch

Rhätische Bahn AG

Bahnhofstrasse 25

CH-7001 Chur

Tel +41 (0)81 288 65 65

Fax +41 (0)81 288 61 05

railservice@rhb.ch

Die RhB online

Neuigkeiten und Austausch mit

uns und anderen RhB-Fans.

www.rhb.ch/facebook

Stimmungsvolle Ein- und Ausblicke

von den RhB-Mitarbeitenden.

www.rhb.ch/instagram

Aktuelles Gezwitscher

von unserer RhB-Front.

www.rhb.ch/twitter

Spannende Filme und exklusive

Einblicke hinter unsere Kulissen.

www.rhb.ch/youtube

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!