sPositive_09_2017_web

onexmagazin

AUSGABE 9 SEPTEMBER 2017

Der letzte

Rock’n’Roller

Dominique Aegerter

Wie der von seinem Team

verstossene Rennfahrer

mit dem «Lüthi-Komplex»

zum Favoriten der Saison

2018 geworden ist.

KOMPLEXE REIFEN

Welche Geheimnisse

in gewöhnlichen

Pneus stecken.

CANCELLARAS FANS

Cornelia und Bernhard

Bärtschi begleiteten

den Radstar jahrelang.

WITZWIL

Die Geschichte

der Oberaargauer

Strafanstalt.


ZU VERMIETEN

Wangen a/Aare, Haselweg 10

4.5-Zimmer-Attikawohnung, 92 m 2

• alle Zimmer mit

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Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Roggwil, Bahnhofstrasse 20,

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MB Immobilien AG, Langenthal

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Dieses Objekt liegt an zentraler Lage (Lotzwilstrasse,

an der Stadtausfahrt Langenthal

Richtung Lotzwil). In naher Umgebung befinden

sich Restaurant, Bowlingcenter, Fitnesscenter

sowie ein Schwimmbad. Mit dem Bus

ist der Bahnhof Langenthal innert wenigen

Minuten erreichbar.

Im EG und 1. OG Büro- oder Praxisräume ab

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Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

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MB Immobilien AG, Langenthal

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Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

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Mietzins: CHF 1700.00 plus Akonto 180.00

Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

Wiler b. Utzenstorf, Überbauung

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Wiler b. Utzenstorf, Überbauung

Hofacher, 2.5-Zimmer-Parterrewohnungen

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Infos und Besichtigung:

MB Immobilien AG, Langenthal

Telefon 062 919 01 08

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Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

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Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 062 919 01 08 I Fax 062 919 01 09


EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

28

Was wäre die Welt ohne Idole? Sie sind es,

für die wir schwärmen und an denen wir

uns orientieren. Sie tragen mit dem, was

sie tun, zur Bereicherung unseres Lebens

bei. Doch was wären Idole ohne ihre Fans?

Je mehr Fans eine Sportlerin oder ein

Künstler hat, desto grösser ihre oder seine

Ausstrahlung. Die Wirkung von Ausstrahlung

des Künstlers und seiner Fangemeinde

ist durchaus wechselseitig. Dank seiner

Ausstrahlung wirkt eine Sportlerin auf ihre

Fans. Und dank ihrer Fans gewinnt die

Sportlerin zusätzlich an Ausstrahlung. Der

inzwischen zurückgetretene Radstar Fabian

Cancellara ist ein Sportler mit viel Ausstrahlung.

Wir haben für einmal nicht den

Sportler im grossen Interview, sondern

zwei seiner grössten Fans. Cornelia und

Bernhard Bärtschi aus Langenthal reisten

ihrem Idol während Jahren überall hin

nach und erlangten damit selbst eine gewisse

Bekanntheit. Sie haben uns viel zu

erzählen.

Ausstrahlung haben jedoch nicht nur

Sportler und Künstler. Zu den grossen

Oberaargauern mit Ausstrahlung weit über

ihre Lebenszeit hinaus gehört auch der

1945 verstorbene Otto Kellerhals aus Aarwangen.

Als Agrarunternehmer baute er

die Justizvollzugsanstalt Witzwil auf und

revolutionierte dabei den Strafvollzug.

Damit fand er weltweite Beachtung.

Auch der Oberaargauer Motorradstar

Dominique Aegerter ist ein Sportler mit

Ausstrahlung. Nach einer Durststrecke feierte

er in diesem Monat seinen ersten Saisonsieg.

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

04

04 CANCELLARA-FANS

Im Interview erzählen die

wohl grössten Fans Fabian

Cancellaras von ihren Reisen

zu vielen Radrennen

und von der familiären

Fangemeinde.

12 ALLES ÜBER REIFEN

Ein Pneu ist mehr als nur

ein Gummi am Rad. Bis ein

Auto sicher damit fahren

kann, durchläuft er eine

aufwändige Entwicklung.

20 WITZWIL

Wie das Gebiet um Witzwil

vom unproduktiven Moosland

zum Vorzeigemodell

des modernen Strafvollzugs

geworden ist.

28 DOMINIQUE AEGERTER

2018 wird sein Jahr! Nach

dem Rausschmiss beim

Team, den Verletzungen

und seinem «Lüthi-Komplex»

gilt er nun als Favorit

in der Moto2-Klasse.

18

IMPRESSUM

Herausgeber: one X Services

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Layout: tnt-graphics AG,

8305 Dietlikon,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 69 000 Exemplare

Druck: LZ Print,

Luzerner Zeitung AG

Versand: Die Post

Inserate-Annahme und Redaktion:

inserate@spositive.ch

18 WISSENSWERTES

Wie uns Kindheitserinnerungen

täuschen können,

und wie sich die Wahrnehmung

von Frauen und

Männern unterscheidet.

34 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe, Veranstaltungen.

12

20

s’Positive 9 / 2017 3


CORNELIA UND BERNHARD BÄRTSCHI

Persönliche Treffen gab es während der Aktivzeit von

Fabian Cancellara nur wenige. Heute engagieren sich die

Bärtschis bei den Veranstaltungen «Chasing Cancellara».

4 s’Positive 9 / 2017


Cancellaras

treuste Fans

Radsportfans waren sie schon immer. Doch

jahrelang ging es im Leben von Cornelia und

Bernhard Bärtschi vor allem um die Unterstützung

von Fabian Cancellara. Sportfans

bleiben sie auch nach dessen Rücktritt.

TEXT: KLAUS ZAUGG & BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: ZVG, MARCEL BIERI

s’Positive 9 / 2017 5


CORNELIA UND BERNHARD BÄRTSCHI

Bei ihrem ersten gemeinsam besuchten

Radrennen übernachteten

sie noch im Renault 21. Später

sind sie jeweils Tage zuvor im

Camper zu den Radrennen gereist.

Cornelia und Bernhard Bärtschi erzählen

im grossen Interview, wie Sie Radsportund

Cancellara-Fans geworden sind, wie sie

jeweils die Tage am Berg vor den Rennen

verbrachten und weshalb es sie heute noch

– nach Fabian Cancellaras Rücktritt – zu

Radsport- und anderen Sportveranstaltungen

zieht.

s,Positive: Wie sind Sie Fans von Fabian

Cancellara geworden?

Bernhard Bärtschi: Radrennen haben mich

schon immer interessiert. Wir standen einmal

während der Tour de France am Aufstieg

zum Mont Ventoux, und als Fabian Cancellara

an uns vorbeifuhr, haben wir spontan

gerufen «Hopp Fäbu». 2012 hatten wir während

der Tour de Suisse unser Wohnmobil

unterhalb von Sörenberg beim Rischli parkiert,

und etwas weiter oben richteten sich

zwei Radsportfans ein bzw. stellten irgendetwas

auf. Ich war neugierig, gesellte mich

zu ihnen und half ihnen beim Aufstellen. So

kamen wir ins Gespräch, und es stellte sich

heraus, dass die beiden Mitglieder vom Fabian-Cancellara-Fanclub

sind. Sie fragten

uns, ob wir nicht auch beitreten wollen.

So hat es Ihnen den Ärmel reingezogen?

Cornelia Bärtschi: Genau.

Bernhard Bärtschi: Ziemlich heftig sogar.

Und bald gehörten Sie beide zum Vorstand

des Fanclubs …

Cornelia Bärtschi: Ja, das ging ziemlich

schnell.

Bernhard Bärtschi: Eins ergab das andere.

Die Olympischen Spiele 2012 in London standen

auf dem Programm. Der Fanclub suchte

Wege, Material nach London zu transportieren.

Wir fuhren mit dem Wohnmobil sowieso

hin und so nahmen wir das Material mit.

Ihr seid ja beide berufstätig …

Bernhard Bärtschi: … ja, ja.

Da erübrigt sich ja die Frage, was Ihr in

den Ferien macht.

Cornelia Bärtschi: Seit den letzten fünf Jahren

haben wir unsere Ferien tatsächlich fast

ganz aufgebraucht, um in Europa bei den

Rennen von Fabian dabeizusein.

Wo seid Ihr überall hingefahren?

Bernhard Bärtschi: Wir waren dabei an der

WM in Florenz und in Ponferrada, bei den

Olympischen Spielen in London, immer wieder

bei der Tour de France, beim Giro, einmal

sogar bei der Polenrundfahrt, bei der aber

die ersten Etappen ebenfalls in Italien stattfanden,

bei der Tour de Suisse, bei den Klassikern

Paris–Roubaix, Mailand–San Remo,

der Flandernrundfahrt und der Strade Bianche,

bei der Lombardeirundfahrt …

Habt Ihr die Rennen gezählt?

Cornelia Bärtschi: Nein.

Ausgerechnet bei seinem letztem grossen

Ziel, dem Olympiasieg in Rio, wart Ihr

nicht dabei. Wieso eigentlich?

Cornelia Bärtschi: Unser Ferienbudget war

aufgebraucht. Und der Wettkampf war weit

weg. Wir, also der Fanclub, organisierten

dann in Kloten den Empfang von Fabian.

Wann habt Ihr das erste Rennen vom Strassenrand

aus verfolgt?

Bernhard Bärtschi: Da waren wir noch mit

einem Renault 21 und nicht mit einem

Wohnmobil unterwegs.

Cornelia Bärtschi: …und noch nicht verheiratet.

Wie lange seid Ihr verheiratet?

Bernhard Bärtschi: Seit 33 Jahren.

Woher kommt die Leidenschaft für den

Radrennsport?

Bernhard Bärtschi: Schon als ich noch Lehrling

war, habe ich mich für den Radrennsport

interessiert.

Was macht die Faszination dieses Sportes

aus?

Bernhard Bärtschi: Sie meinen, was uns

immer wieder motiviert, an die Rennen zu

fahren?

Ja.

Bernhard Bärtschi: Wenn man selber mit

dem Rennvelo unterwegs ist und beispielsweise

über den Passwang fährt, dann weiss

man, was es braucht, um da raufzukommen.

Auch wenn es sich nicht um ein Rennen handelt.

Und man ahnt, was es bedeutet, mehr

als 200 Kilometer zu strampeln. Mir reichen

jeweils schon 130 Kilometer.

Cornelia Bärtschi: Es ist nicht nur der Sport.

Es geht um die friedliche Stimmung. Bei den

Cornelia und

Bernhard Bärtschi

reisten während

vieler Jahre an

Radrennen in ganz

Europa.

6 s’Positive 9 / 2017


«Es ist nicht nur der Sport. Es geht um

die friedliche Stimmung. Wir haben

Freunde aus Frankreich, Norwegen, Italien

und vor allem aus Belgien gefunden.»

Schlüsselstellen der grossen Rundfahrten –

beispielsweise am Aufstieg zum Mont Ventoux

oder zur Alpe d’Huez – muss man drei

oder vier Tage vorher anreisen. Sonst bekommt

man am Strassenrand keinen Platz

mehr. Die Vorfreude ist riesig und dauert

lang. Wir sind schon am Montag angekommen,

das Rennen war erst am Freitag. Man

kommt mit Gleichgesinnten ins Gespräch,

man lädt sich gegenseitig ein, wir sitzen gemeinsam

vor dem Wohnmobil. Wir haben

Freunde aus Frankreich, Norwegen, Italien

und vor allem aus Belgien gefunden, es ist

wie eine grosse Familie, und manchmal ist

es für uns wie ein Heimkommen, wenn wir

wieder in Belgien bei einem Rennen sind.

Bernhard Bärtschi: Am Aufstieg zur Alpe

d’Huez haben wir beispielsweise Pierre und

Maël getroffen. Sie hatten Fondue dabei, wir

besorgten das Brot. Am Rennen selber standen

wir dann mit den Mitgliedern des Albasini-Fanclubs

(des Rennfahrers Michael

Albasini – die Red.) zusammen, welche uns

mit Weisswein bewirteten.

Darf man als Fan sein Idol beim Aufstieg

schieben?

Cornelia Bärtschi: Das sollte man tunlichst

vermeiden.

Passiert es trotzdem?

Bernhard Bärtschi: Ja, gelegentlich. Und es

gibt auch «Lappis», die auf der Strasse nebenher

rennen und die Fahrer irritieren.

Nehmen die Fahrer wahr, dass sie angefeuert

werden?

Cornelia Bärtschi: Also der Fäbu hat uns

immer gesehen, manchmal hat er uns, wenn

er im Feld fuhr und nicht in der Spitzengruppe

Tempo bolzte, auch zugewinkt. Er hat uns

einmal gar ermahnt, ja anständig zu sein, er

sehe alles.

Hatten Sie persönliche Begegnungen mit

ihm?

Bernhard Bärtschi: Während seiner Aktivzeit

nicht viele, er war ja immer unterwegs

von einem Rennen zum anderen. Seit seinem

Rücktritt schon. Ich bin beispielsweise Besenwagenchauffeur

beim Radplausch

«Chasing Cancellara» (eine Veranstaltung,

bei dem Laienrennfahrer gegen Fabian Cancellara

antreten können – die Red.). Und zu

meiner Pensionierung hat er mir eine Video-

Botschaft geschickt.

Sie sind also auch nach seinem Rücktritt

vom aktiven Sport immer noch dabei?

Cornelia Bärtschi: Ja, der Kontakt ist geblieben.

Wir sind jetzt auch mal Helfer wie

bei der eben erwähnten Veranstaltung.

Wie habt ihr Fabian Cancellara erlebt?

Was ist er für ein Mensch?

Bernhard Bärtschi. Wir erleben ihn jetzt sehr

entspannt wie zuletzt beim Helferessen für

seine Veranstaltung «Chasing Cancellara».

Cornelia Bärtschi: Er war auch vorher zugänglich,

aber die Anspannung war immer zu

spüren und wir haben ihn dann auch in Ruhe

gelassen.

Bernhard Bärtschi: Er ist trotz seiner Erfolge

immer bodenständig geblieben. Der

Ruhm ist ihm nie zu Kopf gestiegen.

Fahren Sie auch nach dem Rücktritt von

Fabian weiter zu den Rennen?

Bernhard Bärtschi: Ja, wir haben im Laufe

der Jahre so viele Freunde gewonnen, dass

wir im letzten Frühjahr wieder zur Flandernrundfahrt

gefahren sind. Da gibt es

immer eine grosse Cancellara-Party. Wir

bringen stets den Käse mit. Auch nach seinem

Rücktritt heisst diese Party immer noch

so – und unser Käse ist immer noch gefragt.

Fabian ist in Belgien unglaublich populär,

populärer noch als bei uns. Er kann dort

kaum einen Meter gehen, ohne erkannt zu

werden.

s’Positive 9 / 2017 7


CORNELIA UND BERNHARD BÄRTSCHI

Heute fahren

die Bärtschis

noch immer

zu den Radrennen

– aber auch an

Biathlons.

Ihr fährt seit den frühen 1980er-Jahren zu

den grossen Rennen in Europa. Was hat

sich für die Zuschauer in dieser Zeit verändert?

Bernhard Bärtschi: Sehr wenig. Die Stimmung

ist nach wie vor friedlich und familiär

und die Euphorie riesengross, wenn dann

die Fahrer auftauchen.

Sie stehen ja jeweils an einem Ort und

warten, bis die Fahrer vorbeifahren. Wie

halten Sie sich jeweils über den vorherigen

Rennverlauf auf dem Laufenden?

Cornelia Bärtschi: Wir suchen uns den Platz

möglichst an einem Ort aus, an dem die Fahrer

nicht in einem Pulk vorbeifahren, sondern

wo man den einzelnen Fahrern zusehen

kann. Wo es nicht mehr weit ist bis zum Ziel

oder wo ein besonders schwerer Aufstieg zu

bewältigen ist. Bis es so weit ist, verfolgen

wir das Rennen im Camper am Fernseher.

ZUSATZINFOS

Jahre im Schlepptau von Cancellara

Cornelia (56) und Bernhard

Bärtschi (65) sind

beide im Marketing der

Rudolf Geiser AG in Langenthal

tätig und opferten

Jahrelang ihre Ferien, um

ihrem Idol Fabian Cancellara

hinterherzureisen und

ihn vom Strassenrand aus

anzufeuern. Mit ihrem

Wohnmobil reisten sie von

Rennen zu Rennen. Seit

2012 sind beide im Vorstand

der Cancellara-Fanclubs

«cancellara4ever».

Nach Cancellaras Rücktritt

fehlt nun aber die Hauptgrund

für ihre Reisen zu

Radrennen. Sie tragen es

mit Fassung: Sie besuchen

nun auch Biathlon- und

Langlaufwettkämpfe. Ganz

lassen Sie die Radrennen

nicht aus den Augen.

Schliesslich besuchten sie

die Anlässe bereits vor der

Ära Cancellara, und zudem

haben sie an den Radsport-Veranstaltungen

viele Freunde gewonnen.

Kennen gelernt haben sich

Bärtschis beim Schiesssport.

Bernhard war 1990

in Moskau WM-Teilnehmer.

Nach wie vor sind sie dem

Schiessen verbunden.

Bernhard Bärtschi: Es ist etwas ganz Besonderes,

die Entwicklung des Rennens

mitzuverfolgen, und dann sind die Fahrer

plötzlich da.

Cornelia Bärtschi: Die Begeisterung ist

dann jeweils unter allen Zuschauern riesengross.

Aber es gibt kaum einen Sport, der in den

letzten Jahren durch Dopingskandale so

sehr in Verruf gekommen ist. Hat das Ihnen

die Freude nicht ein wenig genommen?

Bernhard Bärtschi: Nein. Ich habe immer

gesagt, wer dopt, soll aufhören. Ich habe

allerdings auch gedacht, der Lance Armstrong

sei sauber (Lance Armstrong ist ein

mehrfacher Sieger der Tour de France, der

des Dopings überführt worden ist. Sämtliche

Siege sind ihm deshalb aberkannt worden /

die Red.). Man ist skeptischer geworden,

wenn einer einen Husarenritt (eine lange

Soloflucht/die Red.) macht. Wir standen

beispielsweise am Strassenrand, als Floyd

Landis allen auf und davonfuhr, obwohl er

am Abend vorher vor Erschöpfung fast nicht

mehr fahren konnte. Er brauste an uns vorbei

8 s’Positive 9 / 2017


Die beiden

Fans warteten

manchmal

mehrere Tage am

Strassenrand auf

«Fäbu».

wie eine Maschine, aber es fiel mir schon auf,

wie extrem er schwitzte und dass er sich

ständig Wasser über den Kopf schüttete. Er

hat die Tour de France gewonnen und ist

dann kurz darauf des Dopings überführt

worden.

Cornelia Bärtschi: Aber so lange einer nicht

erwischt wird, gilt er für mich als sauber.

War Fabian Cancellara immer sauber?

Cornelia Bärtschi: Ja.

Warum sind Sie so sicher?

Bernhard Bärtschi: Um ihn herum wurde

nicht ein ganzes Imperium aufgebaut wie um

Lance Armstrong. Und als Schweizer wurde

er noch häufiger kontrolliert die Fahrer anderer

Länder.

Cornelia Bärtschi: Und er hat weniger Rennen

bestritten als andere Spitzenfahrer und

sich immer wieder Erholungspausen gegönnt.

Nach den Frühjahrs-Klassikern fuhr

er erst wieder an der Tour de Suisse und

dann an der Tour de France. Danach machte

er wieder Pause, um frisch zu werden für die

Weltmeisterschaft.

Aber eben: Man kam ja nicht an Lance

Armstrong vorbei. Er galt, bevor er erwischt

wurde, als einer der grössten Fahrer

aller Zeiten. Und dann muss man erfahren,

dass aller Ruhm und aller Glanz

nur Lug und Trug war.

Bernhard Bärtschi: Ja, es gibt einem schon

zu denken, dass es so lange dauerte, bis

dieser Betrug aufgedeckt worden ist. Aber

man kommt mit ein wenig Galgenhumor

darüber hinweg. Wir sind auch schon neben

Fans von Jan Ullrich (ein Deutscher Spitzenfahrer,

der später Doping zugegeben hat

– die Red.) am Strassenrand gestanden, und

die haben gerufen: «Achtung, da kommt

unsere Apotheke.»

Wenn Sie nun am Strassenrand stehen

und Fabian nicht mehr dabei ist – fehlt

nicht etwas?

Bernhard Bärtschi: Ein wenig Nervenkitzel

und Ambiance fehlen schon …

Cornelia Bärtschi: … so wie dieses Jahr bei

der Tour de France. Wir geniessen jetzt noch

mehr die familiäre Stimmung. Es spielt halt

weniger eine Rolle, wer gewinnt.

Sehen Sie einen Nachfolger von Fabian

Cancellara?

Bernhard Bärtschi: Nein, aber wir würden

uns so oder so nicht mehr in einem Fanclub

engagieren. Wir haben uns so stark beim

Fanclub von Fabian engagiert, weil die Zeit,

in der er noch Rennen fahren würde, ja absehbar

war. Zu lange hätten wir diesen Aufwand

nicht betreiben können. Wir sind oft

am Sonntag gegen Mitternacht nach Hause

gekommen und mussten am Montagmorgen

wieder zur Arbeit.

Cornelia Bärtschi: Der Fanclub von Fabian

besteht ja weiterhin. Im Wesentlichen geht

es jedoch nur noch um die Mithilfe bei

«Chasing Cancellara». Das sind drei Termine

im Jahr, das ist überblickbar.

Sie teilen ja nicht nur die Leidenschaft für

den Radrennsport. Sie arbeiten beide

auch in der gleichen Firma und dort sogar

im gleichen Büro. Und sie sind inzwischen

33 Jahre verheiratet – wie geht das?

Bernhard Bärtschi: Ja, das verstehen viele

nicht. Oft werden wir gefragt: wie wir das

schaffen.

Cornelia Bärtschi: Wir haben halt eine klare

Rollenverteilung: Ich bin daheim der Chef,

er ist es im Geschäft.

Bernhard Bärtschi … und du bist auch Chef

im Wohnmobil.

Ist das Ihr Rezept? Gibt es überhaupt ein

Rezept?

Bernhard Bärtschi: Wenn es ein Rezept gäbe,

dann könntest du es jetzt verkaufen ...

Cornelia Bärtschi: Wir wissen es nicht: Es

passt einfach.

Gibt es Ereignisse, die für immer in der

Erinnerung haften bleiben?

Bernhard Bärtschi: Ja, mehrere. Bei Fäbus

letzter Flandernrundfahrt haben wir ein 30

mal 10 Meter grosses Transparent aufgehängt.

Dafür mussten wir zwei Tage lang mit

unseren belgischen Freunden ein Baugerüst

am Fusse des Kwaremont aufstellen (eine

Steigung, nach einer Biermarke benannt – die

Red.). Am Sonntag früh zogen wir das Banner

auf, an welchem die Fahrer auf dem

Rundkurs dreimal vorbeifahren mussten.

Fäbu sagte uns hinterher, er sei bei der ersten

Durchfahrt beim Anblick des riesigen Transparentes

fast vom Rad gefallen ...

Cornelia Bärtschi: ... und nach dem dritten

Sieg beim Strade Bianche haben wir 2016 im

Teambus mitgefeiert. Wir waren auch bei der

grossen Abschiedsfeier im Velodrom von

Gent mit dabei. Beides war sehr eindrücklich

und jeweils ein unvergessliches Erlebnis.

Radrennen finden bekanntlich bei jedem

Wetter statt. Ist es vorgekommen, dass Sie

im Camper geblieben und das Rennen nur

am Fernseher verfolgt haben, wenn es

draussen schüttete wie aus Kübeln?

Bernhard Bärtschi: Wo denken Sie hin? Das

ginge gar nicht. Wir sind am Strassenrand

oft nass geworden.

Cornelia Bärtschi: Aber man kann sich ja

anziehen, das gehört dazu.

Bernhard Bärtschi: An dem Tag, als Fabian

zum 29. Mal das gelbe Trikot bei der Tour

s’Positive 9 / 2017 9


CORNELIA UND BERNHARD BÄRTSCHI

«Stellen Sie sich mal

vor: Fabian Cancellara

war 29 Tage im gelben

Trikot. Das ist mehr

als eine ganze Tour de

France lang.»

Unverkennbar:

Bernhard Bärtschi

ist ein echter Fan.

de France eroberte (jeweils der im Gesamtklassement

führende trägt das gelbe Trikot

/die Red.) standen wir platschnass am Strassenrand.

Wir sprangen dann vor Freude

gleich noch in der Nähe von Brouwersdam

mit allen Kleidern ins Meer. Wir waren sicher,

dass er nun auch einen 30. Tag im gelben

Trikot fahren darf – leider hat er die

Leaderposition wieder verloren. Es war sein

letzter Tag im gelben Trikot. Und stellen Sie

sich vor: 29 Tage im gelben Trikot. Dies ist

mehr als eine ganze Tour de France lang.

Und wir waren dabei!

Sie teilen beide die Leidenschaft Radrennsport.

Sie haben sich sicher bei einem

Radrennen kennen gelernt.

Bernhard Bärtschi: Nein, beim Schiessen.

Beim Schiessen?

Bernhard Bärtschi: Ja, bei der Schützengesellschaft

Langenthal (heute Stadtschützen

Langenthal / die Red.). Ich bin auch leidenschaftlicher

Schütze und habe schon bei einer

WM geschossen.

Das müssen Sie uns erzählen.

Bernhard Bärtschi: Wenn ich richtig gerechnet

habe, war die WM in Moskau 1990. Ich

trat mit der freien Pistole über 50 Meter und

mit der Luftpistole über 10 Meter an. Mein

Ziel war eigentlich die Qualifikation für die

Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Aber

davon war ich dann weit entfernt. Ich wurde

87. und somit Drittletzter bei der Luftpistole,

und 22. oder 23. mit der freien Pistole.

Cornelia Bärtschi: Und ich absolvierte damals

den Jungschützenkurs. So haben wir

uns kennen gelernt.

Nun haben Sie etwas mehr Zeit – wie verbringen

Sie nun die Ferien?

Cornelia Bärtschi: Nun können wir uns mehr

Zeit lassen. Wir werden wohl anlässlich der

Flandernrundfahrt drei Wochen in Belgien

verbringen und alle unsere Freunde besuchen.

Und wir haben schon lange vor, ein paar

Wochen durch Skandinavien zu reisen.

Interessieren Sie sich auch noch für andere

Sportarten?

Bernhard Bärtschi: Ja, wir haben nun auch

Zeit für unsere zweite Leidenschaft Biathlon.

Cornelia Bärtschi: Und wir reisen auch an

die Tour de Ski.

Warum gerade Biathlon?

Bernhard Bärtschi: Schiessen gehört ja

auch zu unseren Hobbys. Biathlon ist eine

Kombination aus Langlauf und Schiessen.

Ich dachte immer, dies sei doch eine unmögliche

Kombination, weil man doch mit hohem

Puls gar nicht schiessen könne. Doch

ich wurde eines Besseren belehrt. Weil der

Pulsschlag bei hohem Puls flacher wird, ist

es offenbar einfacher, nach einer Anstrengung

mit regelmässig hohem Puls zu schiessen

als den Puls wieder zu beruhigen.

Fabian Cancellara (geb. 18.

März 1981 in Wohlen) ist

einer der weltweit erfolgreichsten

Radrennfahrer

der letzten 20 Jahre und

gilt nach Ferdi Kübler und

Hugo Koblet als erfolgreichster

Schweizer Radrennfahrer

aller Zeiten. Er

war ein Spezialist für Einzelzeitfahren

und schwere

Eintagesrennen und die

prestigeträchtigen Frühjahrsklassiger.

Er gewann

dreimal Parix–Roubaix,

dreimal die Flandernrundfahrt

und einmal Mailand–

Sanremo. Viermal holte er

den WM-Titel im Einzelzeitfahren

(2006, 2007,

2009 und 2010) – so oft

wie kein anderer Radrennfahrer.

Dazu kommen drei

WM-Bronzemedaillen

(2005, 2011 und 2013).

Grandios sind seine Erfolge

bei den Olympischen

Spielen: Gold im Zeitfahren

2008 in Peking und 2016

in Rio de Janeiro. Dazu

2008 Silber im Strassenrennen.

Die grossen Rundfahren

(Tour de France, Giro

d’Italia) gewann er zwar

Cornelia Bärtschi: Die Biathlon-Wettkämpfe

können wir im nahen Ausland ja auch mit

dem Wohnmobil besuchen.

Sind Biathlon-Wettkämpfe vergleichbar

mit Radrennen?

Bernhard Bärtschi: Es ist eine völlig andere

Sportart. Auch für uns Zuschauer. Der

Camper steht auf einem Zeltplatz und wir

schauen uns den Wettkampf im Biathlon-

Stadion an. Doch der Umgang unter den

Fans ist ähnlich familiär wie beim Radsport.

Wir fühlen uns auch beim Biathlon sehr

wohl.

Stösst Ihre Leidenschaft für den Sport auf

Verständnis?

Cornelia Bärtschi: Es gibt schon Leute, die

sich wundern. Doch für uns stimmt das Gesamtpaket.

Wir geben unserem Arbeitgeber,

der Rudolf Geiser AG, so früh wie möglich

alle Termine der Wettkämpfe durch. In der

Regel wurden uns diese immer genehmigt.

FABIAN CANCELLARA

Auf Augenhöhe mit Kübler und Koblet

nie, aber er trug bei der

Tour de France während

insgesamt 29 Tagen das

gelbe Trikot des Leaders –

länger als jeder andere

Fahrer, der die Gesamtwertung

nicht gewann.

2009 gewann er die Tour

de Suisse. Fabian Cancellara

geniesst weltweit eine

enorme Popularität. Einerseits

durch sein bescheidenes,

freundliches Wesen

und andererseits, weil er

nie in Doping-Geschichten

verwickelt war. 2016 beendete

er seine Karriere.

10 s’Positive 9 / 2017


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WISSEN

Diese

Geheimnisse

stecken in

den Pneus

Jedes Fahrzeug ist ein komplexes Stück

Ingenieurskunst. Der Aufwand, der für die

Entwicklung von immer besseren Reifen

erforderlich ist, ist gigantisch.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

Egal, ob Sie bei Eis oder Nässe fahren,

einen Blitzstart hinlegen oder

zu einer Vollbremsung gezwungen

werden, ob Sie gemütlich fahren

oder sprinten: Alle Kräfte zwischen

Fahrbahn und Auto werden über nur vier

postkartengrosse Flächen übertragen. Mehr

Bodenkontakt haben die meisten Autos über

ihre vier Räder nicht.

Die Reifen sind also extremen Belastungen

ausgesetzt. Was sie leisten müssen, ist

für die Verkehrsteilnehmer lebenswichtig.

Und immer entstehen bei der Entwicklung

neuer Reifen die gleichen Zielkonflikte:

Mehr Profil und weicherer Gummi erhöhen

die Haftung. Dafür braucht es aber mehr

Energie, um den Rollwiderstand (Grip) zu

überwinden. Die Sparsamkeit leidet. Härterer

Gummi vermindert den Grip, aber der

Bremsweg wird länger und die Gefahr des

Aquaplanings steigt.

Nicht nur Haftung und Sparsamkeit stehen

im Widerstreit. Reifen sollen komfortabel

abrollen, aber auch sportlich straff auf der

Strasse kleben. Sie sollen gleichzeitig hart

und weich sein. Die Reifenentwickler haben

also einen äusserst kniffligen Job. Sie sind

auf der Suche nach der ultimativen Reifenformel.

Die Lösung ist immer ein Kompromiss,

der zusätzlich auch noch exakt an einzelne

Fahrzeugtypen angepasst sein muss.

GEHEIMES KNOW-HOW

Neben Ingenieuren und Chemikern finden

sich in den oft mehr als tausendköpfigen

Entwicklerteams der Reifenhersteller deshalb

auch Maschinenbauer, Physiker, Biologen,

Akustiker, Designer und sogar Röntgenexperten.

Das Thema Reifen kann man an

keiner Universität studieren. Zudem gibt es

kaum Literatur darüber. Fast das gesamte

Know-how wird in den Firmen generiert.

Und dort bleibt es auch. Die Rezepturen von

Michelin, Continental oder Pirelli sind ähnlich

geheim wie das Rezept von Coca-Cola.

In einem Reifen befinden sich bis zu zehn

verschiedene Gummimischungen aus natürlichem

oder synthetischem Kautschuk sowie

bis zu 25 andere Bauteile, wie beispielsweise

der Stahlgürtel, Gewebe aus Polyester.

Nylon und Stahlcord machen den Pneu formstabil

– unter anderem, damit er sich beim

Aufpumpen nicht aufbläht. In der Reifenmischung

befinden sich ausserdem Füllstoffe,

Weichmacher und etliche andere Chemikalien,

die unter anderem dafür sorgen, dass

alle Komponenten miteinander reagieren

und zusammenhalten.

Ein Reifen besteht ungefähr zu 30 bis 40

Prozent aus Gummi, der damit den Hauptbestandteil

ausmacht. Es ist auch der Stoff,

mit dem sich die Zielkonflikte am ehesten

harmonisieren lassen. Der Mix machts. Es

Foto: shutterstock.com/icsnaps

12 s’Positive 9 / 2017


Vom Profil

hängen etwa

Bodenhaftigkeit

und Rollwiderstand

ab.

gibt tausende Stoffe, die theoretisch für die

Mischung in Frage kommen. 50 bis 200

schaffen es tatsächlich in die Rezepturen.

Die Reifenhersteller sind deshalb äusserst

wählerisch bei der Wahl des Naturkautschuks,

der durch Vulkanisieren zu Gummi

wird. Über 100 Pflanzenarten spenden Latexsaft,

doch nur drei taugen für die Reifenherstellung.

Sie zeichnen sich aus durch

langkettige Polymere, die den Gummi sehr

haltbar machen.

Künstlicher Kautschuk auf Ölbasis vermindert

zwar die Abhängigkeit zum Naturkautschuk,

doch noch steht kein wirklich

vollwertiger Ersatz bereit, aus dem Reifen

mit gleichwertiger Langlebigkeit und mit

ähnlich gutem Reibungsverhalten hergestellt

werden können. Der Liebling der Hersteller

unter den Kautschukbäumen ist der

Hevea brasiliensis. Doch der wächst nur in

einem schmalen Streifen rund um den

ZUSATZINFOS TEIL 1

Begriffe und Wissenswertes über Reifen

Seitenführungskraft

Das sind die Kräfte, die

auf einen Reifen in der

Kurve einwirken. Und

zwar in der postkartengrossen

Kontaktzone zwischen

Reifen und Fahrbahn.

Grip bei Nässe

Damit wird die Bodenhaftung

und das Bremsvermögen

auf nasser Fahrbahn

bezeichnet. Wichtig

für das Lenkverhalten, das

Bremsen und die permanente

Fahrzeugbeherrschung.

Rollwiderstand

Der Rollwiderstand, auch

Rollreibung genannt, ist

die Kraft, die den rollenden

Reifen abbremst. Je

weniger Rollwiderstand,

desto tiefer der Kraftstoffverbrauch.

Performance

Performance ist ein allgemeiner

Begriff für das

Bremsverhalten, die Beschleunigung,

das Handling

und die Traktion bei

einem Fahrzeug oder Reifen.

Die Begriffe «High

Performance» und «Ultra

High Performance» sind

allerdings nicht genormt.

Widerstand gegen Aquaplaning

Die Fähigkeit des Reifens,

Wasser abzuleiten und

den Grip auf nassen Strassen

zu behalten. Wichtig

bei Fahrten auf nassen

Strassen.

Handling

Drückt aus, wie der Reifen

beim Lenken und Bremsen

reagiert.

Weiter gehts auf Seite 16.

s’Positive 9 / 2017 13


WISSEN

Hier wird

Kautschuk von

einem Baum

gewonnen.

Äquator. Sein weisser Saft fliesst auch nur

alle sieben Jahre in lohnender Menge aus

der angeritzten Rinde.

DIE PERFEKTE GUMMIMISCHUNG

Eine Lösung könnte russischer Löwenzahn

sein. Sein Latex gleicht dem des Kautschukbaums.

Doch bisher lieferte er nur wenig

Ertrag bei geringer Qualität. Durch klassische

Kreuzungen ist es einem Team um Dirk

Prüfer vom Fraunhofer Institut für Molekularbiologie

und Angewandte Ökolgie gelungen,

die Eigenschaften des Löwenzahns so

weit zu verbessern, dass sie im industriellen

Massstab Kautschuk für einen Ökoreifen

spenden könnte. Umweltfreundlich wäre

diese Rohstoffgewinnung zudem auch noch.

Russischer Löwenzahn gilt als anspruchslos.

Er begnügt sich mit Böden, die zur Nahrungsmittelproduktion

nicht taugen.

Die Entwickler bringen im Labor etliche

Kautschuksorten zusammen, weil sich jede

bei verschiedenen Temperaturen ein wenig

anders verhält. Durch die sogenannten Füllstoffe

– meistens Russ und Silica (ein Salz

der Kieselsäure) – wird der Gummi verstärkt

und sein Abrieb verringert. Wichtig sind auch

diverse Öle. Sie beeinflussen die Rutschfestigkeit

und dienen als Weichmacher. Rapsöl

zum Beispiel hält die Winterreifen auch bei

tiefen Temperaturen geschmeidig. Weichmacher

sind jedoch flüchtig. Dies lässt die Reifen

nach Jahren hart werden, wodurch sie an

Grip verlieren. Als Mittel gegen die Alterung

Das Reifenprofil wird auch von Hand

geschnitzt, was eine langwierige Arbeit

ist. Winterreifen gelten in der Branche

als Königsdisziplin.

und als Ozonschutz dienen diverse Chemikalien

und spezielle Wachse, die ihn fit fürs

Sonnenbad machen. Sie sind somit das Sonnenschutzmittel

für die Reifen.

Hersteller träumen von selbstreparierenden

Reifen. Gute Fortschritte macht dabei

das Leibniz-Institut für Polymerforschung in

Dresden. Die Forscher haben eine Mischung

aus Butykautschuk und einer Kohlenstoff-

Stickstoff-Verbindung entwickelt. Auf molekularer

Ebene gelingt es so, dass gerissene

Kohlenstoffketten sich wieder verzahnen.

Innerhalb von einer Stunde sollen kleinere

Blessuren von selbst heilen.

Derzeit geht der Trend in Richtung schmalere

und an den Flanken glattere Reifen,

um die Verbrauchswerte

und den CO 2 -

Ausstoss zu senken.

Die Pneus sollen

auch leiser werden.

Dazu beitragen soll

der Feinschliff im

Profil. Dieser ist jedoch

eine Kunst für

sich. Jeder neue

Profilentwurf wird zuerst am Computer

durchgerechnet. Schliesslich soll das neue

Design mehr Grip, mehr Komfort, mehr Leistung

und weniger Lärm bringen.

Danach schlägt die Stunde der Reifenschnitzer.

Dafür gibt es zwar Roboter, diese

taugen allerdings nur fürs Grobe. Also wird

auch von Hand geschnitzt, was eine sehr

Fotos: shutterstock.com/intararit/Dobrovizcki/Everett Historical

14 s’Positive 9 / 2017


Die Schritte der Reifenherstellung

Die Gummimischung

Die Gummimischung der Reifen

besteht aus bis zu 30 Inhaltsstoffen.

Der Anteil der verschiedenen

Stoffe hängt von

den gewünschten Leistungswerten

ab, die der Reifen erhalten

soll. Es wird eine Mischung

aus verschiedenen

Gummiarten, Füllstoffen und

anderen Bestandteilen verwendet,

die in einem riesigen Mischer,

genannt Banbury-Mixer,

miteinander vermischt werden.

Daraus ergibt sich eine schwarze

Gummimasse, die dann in

eine Walze weiterverarbeitet

wird.

Walzen

Sobald der Gummi abgekühlt

ist, wird er in einer speziellen

Walze weiterverarbeitet, wo er

in Streifen geschnitten und so in

die Grundform für die Reifen

gebracht wird. In der Walzphase

werden andere Elemente des

Reifens vorbereitet, einige davon

werden mit einer anderen

Gummisorte beschichtet.

Aufbau

Der Aufbau des Reifens erfolgt

von innen nach aussen. Zuerst

wird eine luftundurchlässige Lage

aus Kunstkautschuk auf die

Wickeltrommel gelegt. Diese innere

Gummilage verleiht dem

Reifen seine spätere Dichtigkeit.

In einer zweiten Phase legt der

Reifenbauer eine Schicht mit

gummierten Textilfasern auf,

die dann einen strahlenförmigen

Umschlag ausbilden; so entsteht

die Radialkarkasse. Es ist

die strahlenförmige Anordnung

des Cordgewebes, welche der

Radialkarkasse und ebenso dem

Radialreifen den Namen verleiht.

Zusammen mit den Wulstverstärkern

(keilförmig profilierte

Gummiteile) werden nun

zwei gewickelte, hochfeste

Wulstkerne aufgelegt. So entstehen

die Reifenwülste, welche

die Aufgabe haben, den festen

Sitz der Reifen auf den Felgen

zu garantieren. Das Karkassgewebe

wird um die Wulstkerne

geschlagen, um deren festen

Sitz zu sichern. Weitere Bauteile

werden aufgelegt. Seitenwände

aus nachgiebigem, aber widerstandsfähigem

Gummi schützen

den Reifen vor seitlichen Beschädigungen.

Jetzt bläht sich

die Wickeltrommel von der Mitte

her auf und formt den Verband

zur erkennbaren Reifengestalt.

Nun werden die zwei

Stahlgürtel auf die fertige Karkasse

gelegt. Sie bestehen im

Wesentlichen aus Stahlfäden,

die schräg zueinander verlaufen.

Zum Schluss legt der Reifenbauer

den Laufstreifen auf,

der später den Kontakt zur

Strasse herstellt. All diese Elemente

werden in eine Reifenfertigungsmaschine

platziert,

die sicherstellt, dass sich jedes

Teil am richtigen Ort befindet.

Das Ergebnis ist ein fast fertig

aussehendes Produkt, der so

genannte Reifenrohling.

Heizvorgang

Die Heizpresse verleiht diesem

Reifenrohling seine endgültige

Form. In Heizformen wird der

Reifen vulkanisiert, erhält sein

Profil sowie die Seitenwandmarkierungen

des Herstellers

und die gesetzlich vorgeschriebenen

Angaben. Die Reifen werden

je nach Grösse 12 bis 25

Minuten bei über 150 Grad Celsius

vulkanisiert.

Qualitätskontrolle

Wenn etwas mit dem Reifen

nicht stimmt – und sei der Fehler

noch so geringfügig – wird

er ausgesondert. Manche Mängel

werden durch die geschulten

Augen und Hände eines

Kontrolleurs erkannt, andere

durch spezielle Maschinen.

Nicht nur die Oberfläche wird

kontrolliert: Einige Reifen werden

von der Fertigungsstrasse

genommen und auf verborgene

bzw. innere Mängel hin geröntgt.

Darüber hinaus schneiden

Techniker der Qualitätskontrolle

regelmässig zufällig

ausgewählte Reifen auf und untersuchen

alle Konstruktionsdetails,

die sich auf Leistungsfähigkeit,

Fahrverhalten oder

Sicherheit auswirken.

Die Reifenteile

Verstärkerkordlagen

Kordlagen sind die Gewebeschichten,

aus denen das Skelett

des Reifens besteht. Sie bestehen

üblicherweise aus Faserschnüren,

die miteinander verwebt

und mit Gummi beschichtet

sind. Dadurch wird der Reifen

gleichzeitig flexibel und stabil.

Aus diesen Kordlagen besteht

auch die Karkasse.

Reifenwülste

Die Reifenwülste bestehen aus

hochfestem, gummibeschichtetem

Stahlgewebe. Sie bilden die

luftdichte Verbindung zwischen

dem Reifen und der Felge.

Gürtel

Stahlgürtel verstärken den Reifen

im Bereich der Lauffläche.

Manchmal wird für zusätzliche

Stabilität, Durchschlagsfestigkeit

und Haltbarkeit noch eine

weitere Abdecklage hinzugefügt.

Seitenwand

Dies ist der Bereich mit besonders

dickem Gummi, welcher

vom Reifenwulst bis zur Lauffläche

verläuft und dem Reifen

seine laterale Stabilität verleiht.

Hier befinden sich auch alle

Herstellerinformationen sowie

die Grössenangaben des Reifens.

Lauffläche

Die Lauffläche ist der weiche

Bereich des Reifens, in dem der

Gummi Kontakt zur Fahrbahn

hat. Die Lauffläche sorgt sowohl

für die Dämpfung als auch für

die Bodenhaftung. Ihr Aufbau

und ihr Gemisch bestimmen

viele der wichtigsten Leistungsmerkmale

des Reifens.

Schulter

Die Reifenschulter bildet den

Übergang zwischen der Lauffläche

und der Seitenwand. Ihr

Aufbau und ihre Ausführung

spielen eine wesentliche Rolle

im Kurvenfahrverhalten des

Reifens.

Lamellen und Profilrillen

Die Profilblöcke sind von tiefen

Profilrillen durchzogen, über

die Wasser, Schnee und

Schlamm abgeleitet werden. Als

«Lamellen» werden die kleineren

Rillen oder Einschnitte in

Die Kordlagen

bilden das

Skelett des Reifens

(l.). Rohgummi in

der Verarbeitung

(r.).

den Profilblöcken selbst bezeichnet,

die für zusätzlichen

Griff sorgen. Dies ist besonders

wichtig bei einem Reifen, der

für Schnee und Eis konzipiert

ist.

Rippe

Die Reifenmitte ist der Teil des

Profils, an dem bei hohen Geschwindigkeiten

die stärksten

Umfangsveränderungen entstehen

können. Daher verfügen einige

Profilarten an dieser Stelle

über eine Rippe, die stabilisierend

wirkt.


WISSEN

In der Walze

wird der Gummi

in die Grundform

des Pneus

gebracht.

mühsame und langwierige Arbeit ist. Es werden

Profilblöcke und feinste Lamellen geschnitzt,

insbesondere bei Winterreifen, die

in der Branche als Königsdisziplin gelten.

Das computergenerierte Muster ist nicht nur

komplex, auch die Einschnitte der Lamellen

müssen unterschiedlich tief sein. Geht etwas

daneben, beginnt die Arbeit von vorne.

500 000 TESTKILOMETER

Vom Muster hängt ab, wie schnell sich das

Profil mit Schnee vollsetzt, wie gut Wasser

abgeleitet wird und wie laut man unterwegs

ist. Durch unterschiedlich breite Profilblöcke,

die zudem noch gegeneinander verschoben

sind, wird etwa das Abrollen leiser.

Die Kanten eines Profilblocks kippen so

nicht gleichzeitig, wenn sie auf den Asphalt

schlagen.

Vier bis fünf Jahre dauert die Entwicklung

eines neuen Reifens. Ein Grossteil davon

geht für Tests drauf. Auf Computersimulationen

folgen Tests mit Gummiproben im

Labor. Danach werden Prototypen gefertigt

und über die hauseigenen Teststrecken der

Reifenfirmen gejagt. Fahrkomfort und Geräuschentwicklung

werden dort auf allen

erdenklichen Untergründen getestet: Kopfsteinpflaster,

Betonplatten, Gullydeckel sowie

eine Sammlung von glatten und rauen

Asphalttypen. Winterreifen werden zudem

auf diversen Eis- und Schnee getestet. Gut

500 000 Testkilometer muss ein Reifen abrollen,

bis er auf den Markt kommt.

Quelle: «P. M.»-Magazin.

ZUSATZINFOS TEIL 2

Begriffe und Wissenswertes über Reifen

Haftung auf trockenem Weg

Die Bodenhaftung und das

Bremsvermögen eines Reifens

auf trockener Fahrbahn.

Externes Rollgeräusch

Das externe Rollgeräusch stellt

eine durch die Reifen verursachte

Lärmbelastung der Umwelt

dar. Ein Reifen, der weniger

Aussengeräusche produziert,

hält den Geräuschpegel

sowohl im Fahrgastraum als

auch für die Umwelt niedriger.

Laufleistung

Sie dient als Indikator für die

Lebensdauer eines Reifens.

Komfort

Die Fähigkeit eines Reifens,

Fahrbahnunebenheiten zu absorbieren.

Je mehr Komfort,

desto mehr fühlen Sie das

Fahrzeug, und nicht die Bodenunebenheiten.

Was macht einen Winterreifen

aus?

Moderne Winterreifen verfügen

über eine Profilgestaltung

und Silica-Laufflächenmischungen,

die es ermöglichen,

mehr Schnee aufzunehmen

bzw. das Wasser aus der Aufstandsfläche

schnellstmöglich

abzuleiten. Dadurch wird das

Anfahren, Anhalten und die

Kurvenfahrt bei winterlichen

Strassenverhältnissen deutlich

einfacher als mit Sommerreifen.

Bremsweg

Der Weg, den ein Fahrzeug

nach dem Betätigen der Bremsen

zurücklegt, bis es zum völligen

Halt gekommen ist. Der

Bremsweg ist bei allen Strassenverhältnissen

sehr abhängig

von den Reifen.

Sommerreifen

Sommerreifen sind ausschliesslich

für Strassenverhältnisse

ohne Schnee und

Eisglätte ausgelegt. Ihre Gummimischung

wird auch bei hohen

Temperaturen nicht allzu

weich. Zudem ist auch bei hoher

Geschwindigkeit die Abnutzung

relativ gering. Hersteller

wählen im Zielkonflikt

der Anforderungen – z. B. einem

für einen möglichst geringen

Rollwiderstand bei gleichzeitig

guter Haftreibung (Bodenhaftung

bei Nässe) – einen

Kompromiss. Mit abnehmender

Profiltiefe verschlechtert

sich das Verhalten bei Regen,

Aquaplaning kann früher auftreten.

Foto: shutterstock.com/Vladimir Melnik

16 s’Positive 9 / 2017


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WUSSTEN SIE SCHON

WUSSTEN

SIE SCHON?

WEISS, GRAU ODER SOGAR SCHWARZ

Weshalb haben Wolken

unterschiedliche Farben?

1

Wolken bestehen aus Unmengen feinster Wassertröpfchen oder

Eiskristallen. Je mehr Moleküle die Wolke hat oder je grösser

die Eiskristalle sind, desto schwerer hat es das Licht, sie zu durchdringen.

Eine grosse Schönwetterwolke transportiert ungefähr

250 000 Liter Wasser. Eine fette Gewitterwolke dagegen einige

Millionen. Je mehr Tröpfchen sich in der Wolke befinden, desto

weniger Licht kommt bei uns auf der Erde an – und desto dunkler

wirken die Wolken.

Doch nicht nur die Dichtigkeit der Wolke spielt eine Rolle.

Von oben betrachtet sind Wolken nämlich immer strahlend

weiss. Stehen wir auf dem Boden, sehen wir weisse und graue,

manchmal sogar schwarze Wolken. Nebst dem Umfang der Wolke

hängt ihre Farbe auch von der Jahres- und Tageszeit, aber

auch von der Perspektive des Betrachters ab. Ist die Wolke noch

weit weg, haben wir einen seitlichen Blick. Die Wolke erscheint

oben hell und unten dunkel. Steht die Sonne hoch, legen ihre

Strahlen einen kurzen Weg zurück. Die Wolke erscheint damit

heller. Ganz im Gegensatz zur tiefstehenden Sonne.

Schlechtes Wetter vorausgesetzt, sind vom Flugzeug aus die

Veränderungen der Wolkenfarben am besten zu beobachten. Je

höher man steigt, desto kürzer wird die Strecke, die das Licht

zurücklegen muss. Die Wolken scheinen immer heller, bis sie

sich uns von oben betrachtet als strahlend weisses Zuckerwatten-

Meer zeigen.

18 s’Positive 9 / 2017


ANDERE WAHRNEHMUNGEN

Schauen Frauen anders

als Männer?

Frauen unterscheiden sich in der Wahrnehmung

ihrer Umwelt und anderer Menschen

ziemlich stark von Männern. Doch sie interpretieren

nicht nur anders, sie schauen eine

andere Person auch tatsächlich anders an –

und zwar ganz egal, ob es sich dabei um

einen Mann oder eine Frau handelt, und zu

welcher Kultur die betrachtende Person gehört.

Gemäss einer britischen Studie scheinen

Frauen ihr Gegenüber jeweils regelrecht

von oben bis unten zu scannen.

Die Forscher führten mit 500 Probanden

aus rund 60 Nationen Eye-Tracking-Tests

durch: Mit Geräten, die aussehen wie Brillen,

können die Blicke der Probanden verfolgt

werden. Sie messen, wohin jemand wie lange

schaut. Wie sich zeigte, blicken

Frauen einer Person, die

ihnen vorgestellt wird, nur kurz

in die Augen und erforschen

dann sofort den Rest des Gesichts,

um weitere Merkmale zu

erfassen. Dabei erkunden sie ihr

Gegenüber mit Blicken viel ausführlicher

als Männer. Andere

Studien zeigten zudem, dass

Frauen die Welt in wärmeren

Farbtönen wahrnehmen. Männer

erkennen dafür Kontraste und Bewegungen

besser als Frauen. Warum

diese Unterschiede bestehen,

ist jedoch bislang ungeklärt.

2

IST WIRKLICH ALLES SO PASSIERT?

Kindheitserinnerungen sind unzuverlässig

Fotos: shutterstock.com/Anton Balazh/javarman/stickerama

Man sagt, wir Menschen seien die Summe

unserer Erinnerungen. Dabei kommt den

Erinnerungen aus der Kindheit eine besondere

Bedeutung zu. Die Psychologin Julia

Shaw von der London South Bank University

hat sich mit dem Thema beschäftigt und

in einer Studie herausgefunden, dass sich 70

Prozent der Teilnehmer an schwerwiegende

Vorfälle zu erinnern glaubten, die gar nie

stattgefunden hatten. So beispielsweise daran,

dass sie gestohlen oder sich schwer verletzt

hätten.

Shaws These: Unser Gedächtnis sei wie

eine Wikipedia-Seite. Nicht nur wir selbst

könnten daran arbeiten und sie verändern,

sondern auch andere. Genau dies hat Shaw

in ihrer Studie getan. In einem Vorgespräch

mit den Eltern ihrer Probanden bat sie diese

um Details aus der Zeit zwischen dem elften

und dem vierzehnten Lebensjahr der Kinder.

Diese vermischte sie dann mit erfundenen,

angeblich von den Eltern erzählten Ereignissen

zu einer Geschichte. In einem ersten

Gespräch wurde den Probanden dann, wie

Shaw es nennt, «die Idee der erfundenen

Geschichten eingepflanzt». Zunächst erinnerte

sich keine Versuchsperson an einen

dieser erfundenen Vorfälle. Aber bereits

nach einer Woche schilderten die meisten

erste Details. Im Abschlussgespräch hatten

sich dann sieben von zehn Teilnehmer sogar

eine komplette Erinnerung «gebastelt» und

beschrieben die Vorfälle, die es gar nie gegeben

hat, ganz genau.

Falsche Erinnerungen an die Kindheit

entstehen, weil die Grenze zwischen Erinnerung

und Einbildung fliessend ist und das

Gehirn beides immer wieder vertauscht.

Dabei ersetzt das Gehirn fehlende Erinnerungen

mit plausibel erscheinenden Geschichten.

Übrigens sind auch Erinnerungen

an echte Ereignisse unzuverlässig. Viele Einzelheiten,

an die wir uns zu erinnern glauben,

stimmen nicht mit dem tatsächlichen

Geschehen überein.

3

s’Positive 9 / 2017 19


HISTORY

Torfstechen in

Witzwil, 1916.

Wie ein Oberaargauer

die Strafanstalt Witzwil aufbaute

Witzwil ist allen ein Begriff. Der Name Otto Kellerhals

(1870–1945) ist hingegen weitgehend vergessen.

Die Geschichte des Agrarunternehmers, der als Reformer

des Strafvollzuges internationales Ansehen erlangte.

TEXT: KLAUS ZAUGG

V

om Bahnhof Ins erblicken wir

westwärts eine weite Ebene –

und dahinter die Silhouette des

Juras und des Jolimont. Vor 150

Jahren bot diese Gegend einen

ganz anderen Anblick. Um das Lebenswerk

von Otto Kellerhals zu begreifen, müssen wir

uns in jene Zeit zurückversetzen.

VOM MOOSLAND ZUM KULTURLAND

Wo sich heute üppige Fluren, schöne Kornund

Weizenäcker, riesige Kartoffel-, Rübenund

Gemüsefelder ausdehnen, da lag einst

ein grosses Moosland. Niemandsland war

es zur Hauptsache. Denn von Zeit zu Zeit

wurde es heimgesucht von grossen Überschwemmungen,

die vom Murtensee zum

Neuenburgersee und der Zihl entlang bis

hinab zum Bielersee die ganze Ebene mit

einem riesigen, zusammenhängenden See

bedeckten. Aus der Ebene ragten nur einzelne

Bäume oder Baumgruppen empor.

Hatte sich das Wasser wieder verzogen,

dann war das Grosse Moos noch wochenlang

mit Tümpeln und Schlamm bedeckt.

Ein Paradies der Sumpfvögel, der Wildenten,

Störche und Reiher. Der Boden war

bedeckt mit Riedgras und Schilf. Zum Anbau

von Kulturpflanzen und zur Anlage von

Kunstwiesen taugte der saure Boden nicht.

Die Bauern der benachbarten Dörfer Gampelen,

Ins und Müntschemier holten hier im

Sommer ihre Streue. Zu Zeiten der Überschwemmungen

drohte vom Moos her die

Gefahr des gefürchteten Sumpffiebers und

anderer Seuchen. Landvogt Sinner berichtete

der bernischen Regierung, der Grund

der Armut vieler Bauern liege in der verderblichen

Moosweide, in der zwischen-

Fotos: Staatsarchiv des Kantons Bern

20 s’Positive 9 / 2017


1

Bau des Pavillons

Witzwil, 1916.

durch auch Kühe und Pferde versanken. «Es

ist unstreitig, dass fast die Hälfte der Schulden

zu Ins von dem Verluste des Viehes und

der Pferde herrührt, die durch die schlechte

Fütterung im Winter und die noch

schlechtere Moosweide im Sommer zu

Grunde gegangen. Doch sind die Bauern so

unverständig und so von der alten Gewohnheit

betäubt, dass sie keiner Veränderung

Gehör geben und wie ihre Väter und Voreltern

töricht handeln und ihren eigenen

Schaden befördern wollen.»

Und nun steht die Frage im Raum: Wie

ist diese unfreundliche Moor- und Sumpfgegend

in die blühende Kulturlandschaft

verwandelt worden, die wir heute kennen?

Anfang der 1800er-Jahre kommt man auf

den Gedanken, das Grosse Moos zu entsumpfen

und die Flüsse zu kanalisieren. Der

Arzt und Politiker Johann Rudolf Schneider

aus Meienried (1804–1880) setzte sich mit

Mut und Geschick für die Juragewässerkorrektion

ein, der Nationalrat gilt als Vater

dieses Projektes. Es dauert lange bis zum

ersten Spatenstich. Entweder harzt es bei

den vier Kantonen Bern, Freiburg, Neuenburg

und Solothurn, oder dann bei den Gemeinden,

die sich über die Höhe der finanziellen

Beteiligung nicht einigen können.

Erst als nach der Gründung des Bundesstaates

Schweiz (1848) die Eidgenossenschaft

(der Bund) eine finanzielle Beteiligung in

Aussicht stellt, geht es vorwärts. 1867 be-

willigen beide eidgenössischen Räte eine

Kostenbeteiligung von fünf Millionen Franken,

und am 17. August 1868 beginnen die

Arbeiten.

GROSSE AGRARREFORMEN

Szenenwechsel: Im Jahre des Herrn 1869

kommt der Amtsnotar zu Erlach, Friedrich

Emanuel Witz (1819–1887) auf den Gedanken,

im Grossen Moos eine Fläche Land von

verschiedenen Gemeinden aufzukaufen und

sie, sobald der Stand der Juragewässerkorrektion

es gestatten würde, zu bebauen. Im

heutigen Sinne ein Spekulant, damals eher

ein wagemutiger Pionier. Zu dieser Zeit ist

die ganze Welt geblendet vom riesigen Erfolg

des Ackerbaus auf den jungfräulichen Böden

in der nordamerikanischen Prärie und auf

der schwarzen Erde in der Ukraine. 1870

gründet der Amtsnotar eine Aktiengesellschaft,

die das zusammenhängende Landstück

zwischen Ins, Gampelen und der Broyemündung

mit einer Fläche von etwa 800

Hektaren erwirbt. Es ist das Land, das wir,

wie eingangs erwähnt, vom Bahnhof Ins aus

überblicken. Heute ist es blühendes, fruchtbares

Bauernland und entspricht ziemlich

genau Witzwil. Damals ist es noch unfruchtbarer,

saurer Moorboden, den Friedrich

Emanuel Witz billig erwerben kann und den

er nun urbar machen will. Er und seine Geschäftsfreunde

gehen davon aus, dass man

das Land nur pflügen müsse, sodass dar-

2

3

1 Otto Kellerhals: Der erfolgreiche

Agrarunternehmer baute die

Strafanstalt Witzwil auf.

2 Friedrich Emanuel Witz kaufte

das Moosland, konnte es aber

nicht urbar machen. Nach ihm

wurde Witzwil benannt.

3 Johann Rudolf Schneider. Der

Arzt und Politiker gilt als Vater

der Juragewässerkorrektion.

s’Positive 9 / 2017 21


HISTORY

Dreschen mit

Dampfmaschine,

um 1914.

Teil des Büros von Witzwil um 1930.

aus eine Kornkammer entstehe, wie das

Grasland (Prärie) in Amerika. Aber die Sache

rentiert nicht. Der Boden im Moos ist zu

neun Zehntel Moorboden, also nicht mineralischen,

sondern primär pflanzlichen und

tierischen Ursprungs. Die für den Pflanzenanbau

notwendigen Mineralstoffe fehlen.

Das Wissen um die erfolgreiche Urbarmachung

solcher Böden fehlt in der Gegend.

Die Firma fällt 1879 in Konkurs. Aber niemand

will das Moosland aus der Konkursmasse

kaufen, auch die Bauern nicht. Witz-

wil kommt mit allen darauf erbauten Gebäuden

in den Besitz der Banken. Sie sind Pfandgläubiger,

allen voran die «Eidgenössische

Bank». Sie übertragen die Bewirtschaftung

Pächtern, und nach und nach gelingt es, wenigstens

Verluste zu vermeiden. Aber Geld

ist damit nicht zu verdienen, und so sind die

Banken als Hauptgläubiger noch so glücklich,

dass der Kanton Bern am 12. März 1891

Witzwil für 742 760 Franken aufkauft. Die

gesamte Liegenschaft wird in Erinnerung an

den Notar Witz aus Erlach Witzwil genannt.

So ist Witzwil zu seinem Namen gekommen.

Der Kanton Bern hat

nicht vor, hier mit Landwirtschaft

Geld zu verdienen.

Die Staatsdomäne umfasste

800 Hektaren, fünf Stunden

benötigt man, um seine

Grenzen abzuschreiten. Für

die Bewirtschaftung des gesamten

Gutes sind 700 bis

800 Arbeitskräfte notwendig.

Zu jener Zeit befasst

man sich im Kanton Bern mit der Entfernung

der Strafanstalten aus der Stadt Bern. Warum

mit den Sträflingen nicht nach Witzwil?

Und nun kommt der grosse Oberaargauer

Otto Kellerhals ins Spiel. Der Mann, der hier

Otto Kellerhals lernt die moderne

Moorkultur kennen und macht

sich vertraut mit Entsumpfen und

Drainieren des Moorbodens.

ein halbes Jahrhundert lang wirken sollte

und dessen Name in goldenen Buchstaben

im Geschichtsbuch von Witzwil steht und

internationale Bekanntheit erlangen wird.

Otto Kellerhals kommt am 20. Mai 1870

in Aarwangen zur Welt. Ottos Vater ist Landwirt

und handelt nebenbei mit Holz. Da gibt

es für den Knaben mehr als genug Arbeit.

Früh wird er, wie es zu dieser Zeit der

Brauch ist, zur Arbeit angehalten. Er lernt

mähen, melken, pflügen und säen. Er lernt

aber auch fuhrwerken und mit Pferden umzugehen.

Und er lernt das Befehlen. In Aarwangen

besucht er die Primarschule, anschliessen

in Langenthal die Sekundarschule.

Sodann reist er nach Deutschland. Nach

Halle, um an der dortigen landwirtschaftlichen

Abteilung der Universität während

Fotos: Staatsarchiv des Kantons Bern

22 s’Positive 9 / 2017


eines Jahres seine praktischen Kenntnisse

der Landwirtschaft auch theoretisch und

wissenschaftlich zu untermauern und zu

vertiefen. Sein Vater ist erst nicht einverstanden,

lässt den Bub aber schliesslich doch

gewähren und finanziert ihm das Studium.

Dort lernt Otto Kellerhals die moderne

Moorkultur kennen. Er macht sich vertraut

mit dem Entsumpfen und Drainieren des

Moorbodens und lernt die Einwirkung des

Grundwassers auf das Wachstum der Pflanzen

kennen.

STRÄFLINGSKOLONIE IN WITZWIL

Der Vater rechnet damit, dass sein Sohn den

Landwirtschaftsbetrieb und den Holzhandel

in Aarwangen übernehmen und weiterführen

wird. Aber Kellerhals junior hat andere

Lebenspläne als sein Vater. Der Aufenthalt

in Deutschland hat ihn neugierig und weltoffen

gemacht. Aarwangen ist ihm zu eng.

Im Jahre des Herrn 1891 sucht der Kanton

für seine Anstalt St. Johannsen am Zihlkanal

einen Adjunkten, also einen Assistenten für

den Direktor. Otto Kellerhals wird gewählt.

Die alte Benediktinerabtei dient zu dieser

Zeit als Strafanstalt für Frauen. Hier lernt

der junge Kellerhals das Handwerk des Strafvollzuges.

Verladeschuppen

von Witzwil, im

Jahr 1913.

Wie wir wissen, hat der Kanton Bern 1891

die Domäne Witzwil gekauft. Per 1. Januar

1893 wird die Strafanstalt Bern aufgegeben.

Sie soll Schritt für Schritt ins Grosse Moos

verlegt werden. Vorerst kümmert sich die

Verwaltung von St. Johannsen auch um das

Management von Witzwil. Die eigentliche

Geschichte von Witzwil hat aber bereits am

1. März 1891 begonnen. Otto Kellerhals

zügelt mit einer Sträflingskolonie nach

Witzwil und übernimmt die Leitung.

Am 1. Mai 1895 wird Witzwil

schliesslich eine selbständige, von

St. Johannsen unabhängige bernische

Strafanstalt und Otto Kellerhals

ihr erster Direktor. Die Einrichtung

der Anlage ist am Anfang sehr

primitiv. In einem baufälligen Bauernhaus

und einem nicht mehr benützten

Wirtshaus finden die Sträflinge

und die Verwaltung Unterkunft.

Ein leerer Pferdestall dient

unter der Woche als Kantine und am

Sonntag als Lokal für den Gottesdienst.

Das Lebenswerk von Otto

Kellerhals beginnt.

In der Kultivierung des Moosbodens

sieht er seine Hauptaufgabe. Er

ist auf die Mitarbeit der Sträflinge

ZUSATZINFOS

Witzwil heute

Die Anstalt Witzwil gehört seit

1959 zum «Konkordat zur Planung

des Strafvollzugswesens der Nordwest-

und Innerschweiz.»

Heute kümmern sich 118 Mitarbeitende

um rund 200 Insassen. Mit

825 Hektaren Gesamtfläche (einschliesslich

110 Hektaren Alp) ist

Witzwil heute noch der grösste

Landwirtschaftsbetrieb der Schweiz

mit einem jährlichen Umsatz von

17 Millionen Franken.

Zum Betrieb gehören 20 Traktoren,

500 Rinder, 120 Pferde, 600 Freilandschweine,

100 Hühner und 30

Bienenvölker; betrieben wird wie

zu den Zeiten von Otto Kellerhals

Acker-, Gemüse- und Zuckerrübenanbau

sowie Viehwirtschaft.

Im Jahre 2016 betrug die durchschnittliche

Aufenthaltsdauer 7

Monate und 13 Tage. Bis zu 15 %

der Gefangenen können aus medizinischen

Gründen nicht oder nur

zeitweise Arbeiten verrichten.

Mit Otto Kellerhals hat ein Oberaargauer

Witzwil aufgebaut – und heute

ist ein Oberaargauer Herr über

alle bernischen Gefängnisse. Hans-

Jürg Käser, von 1995 bis 2006

Stadtpräsident von Langenthal,

steht seit dem 1. Juni 2006 als Regierungsrat

des Kantons Bern der

Polizei- und Militärdirektion vor. Er

wäre damals in diesem Amt auch

gegenüber Otto Kellerhals weisungsbefugt

gewesen.

Luftaufnahme der Justizvollzugsanstalt

Witzwil.

s’Positive 9 / 2017 23


HISTORY

angewiesen. Wochenlang ist er mit ihnen in

Witzwil allein. Er ist Verwalter, Aufseher,

Gutsverwalter und praktizierender Landwirt

in Personalunion. Nur ab und zu kommt

Pfarrer Wyss aus Ins vorbei.

Oben: Bau des

Verpflegungsgebäudes

Witzwil 1918. Das

Haus des Direktors

von Witzwil, um

1895 (unten).

ZUGOCHSEN STATT MILCHKÜHE

Von grosser Bedeutung ist natürlich, dass

billige Arbeitskräfte in grosser Zahl für den

landwirtschaftlichen Betrieb und die Bodenverbesserung

zur Verfügung stehen. Der

Kanton macht es sich einfach. Geld wird

nicht investiert. Von Direktor Otto Kellerhals

wird erwartet, dass er die Strafanstalt aus

dem Erträgen der Landwirtschaft finanziert.

Das Kunststück gelingt ihm.

Das in Halle erworbene Wissen kommt

ihm jetzt zu Gute. Zu Beginn der 1900er-

Jahre beginnt der Betrieb zu rocken. Aus

dem einstigen sauren Moorboden ist nun

Gras-, Weide- und Ackerland geworden. Otto

Kellerhals ergänzt den Ackerbau mit Viehzucht.

Er kommt zur Überzeugung, dass für

den riesigen Betrieb die Aufzucht von Zugochsen

rentabler ist als Milchwirtschaft. Jahr

für Jahr werden nur 60 Kuhkälber aufgezogen,

die ausschliesslich der Ergänzung des

Milchviehbestandes der Anstalt und damit

der Eigenversorgung dienen. Daneben werden

60 bis 80 männliche Tiere als Zugtiere

für den eigenen Betrieb oder zum Verkauf

im Alter von zwei bis drei Jahren aufgezogen.

Was heute der «John Deer» dem Bauer,

das ist zu Beginn des letzten Jahrhunderts

der Zugochse. Die Tiere können, da so viel

Land zur Verfügung steht, billig aufgezogen

werden. Über Jahre ist die Nachfrage nach

den legendären Witzwiler Zugochsen enorm

– und sie gewinnen erst recht in der Zeit des

1. Weltkrieges (1914–1918) an Wert, als die

Armee alle Pferde einzieht. Die Milchwirtschaft

in einer eigenen Käserei spielt hingegen

keine grosse Rolle – und bald wird auf

Butterfabrikation umgestellt.

Direktion mit Aufsehern Witzwil, 1913.

GÜNSTIGE ARBEITSKRÄFTE

In geringem Umfang werden auch Kartoffeln

angebaut, aber vom Brennen von Kartoffelschnaps

kommt Otto Kellerhals nicht nur aus

wirtschaftlichen, sondern auch aus erzieherischen

Gründen bald wieder ab. Er hätte die

Schnapsbestände wohl rund um die Uhr

bewachen müssen. Und es kann ja nicht sein,

dass man Sträflinge Schnaps brennen lässt.

Er setzt darum auf den Anbau von Zuckerrüben.

Und auch das funktioniert in Zusammenarbeit

mit dem Aufbau einer Zuckerfabrik

in Aarberg. Der gesamte Viehbestand

beträgt im Jahr 1903 460 Stück Rindvieh,

38 Pferde und Fohlen sowie 151 Schweine.

Zu dieser Zeit beaufsichtigt Otto Kellerhals

zwischen 110 und 150 Gefangene. 40 bis 50

Angestellte sowie vier bis sechs Arbeiter-

Fotos: Staatsarchiv des Kantons Bern

24 s’Positive 9 / 2017


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HISTORY

Kellerhals macht das Wort des französischen

Dramatikers Maurice Donnay «Der Boden ist

Ernährer und Erzieher, wer sich auf ihn

stützt, der erhebt sich» zu seinem Grundsatz.

Dabei bemüht er sich, den Sträflingen diejenigen

Arbeiten zuzuweisen, die ihren Fähigkeiten

entsprechen.

familien stehen im Dienste des Betriebes. Zu

wenig, um das gesamte Land nach seinen

Vorstellungen zu bebauen und den Betrieb

weiter auszubauen. Also sucht er Mittel und

Wege, um zu mehr billigen Arbeitskräften zu

kommen – und findet sie.

Nach und schickt nicht nur der Kanton

Bern seine «Bösewichte» nach Witzwil. Immer

mehr Kantone schicken ihm ihre Sträflinge.

Erst Freiburg, Genf und Basel, später

auch andere. Er bemüht sich, den bernischen

Strafvollzug zu zentralisieren. In der Folgezeit

steigt die Zahl der Sträflinge, die Witzwil

beherbergen und deren Gastgeber Otto Kellerhals

sein darf, um den Betrieb erfolgreich

auszubauen. Maximal wird Witzwil rund

600 Sträflinge aufnehmen. Dieser Höchststand

wird Ende des 2. Weltkriegs erreicht.

Der Plan, in einem ummauerten Gebäude

auch Schwerverbrecher aufzunehmen, wird

bald wieder aufgegeben. Witzwil bleibt die

Strafanstalt für «leichtere Fälle» und ist es

heute noch.

Die Strafanstalt wird zum grössten Landwirtschaftsbetrieb

der Schweiz – und ist es

heute noch. Sie besteht aus insgesamt 108

Gebäuden. Im Diemtigtal wird zudem zur

Sömmerung des Viehs die Alp Kiley erworben.

1918 wird erstmals in der Geschichte

mehr als eine Million Franken Umsatz erwirtschaftet

(exakt 1 194 193.75). Jahr für

Jahr liefert die Strafanstalt Witzwil unter der

Gefangenenzelle

in Witzwil, um

1930.

Die Strafanstalt wird zum grössten

Landwirtschaftsbetrieb der Schweiz

– und ist es heute noch. Sie besteht

aus insgesamt 108 Gebäuden.

Führung von Otto Kellerhals dem Kanton

Bern einen schönen Batzen in die Staatskasse

ab. Das ist heute so nicht mehr möglich.

Die Würdigung des Lebenswerkes von

Otto Kellerhals ist unvollständig, wenn wir

ihn nur als Agrarunternehmer sehen. Er hat

auch im Strafvollzug bahnbrechende Leistungen

erbracht. Er betrachtete die Landwirtschaft

als eine Lehrmeisterin des Menschen

und stellte sie in Witzwil ganz in den

Dienst des Strafvollzuges. Bauernarbeit

wirkt nicht nur beruhigend auf den Menschen,

der sie verrichtet, sie stärkt auch Leib

und Geist. In ihr findet der Gestrauchelte

sein körperliches und seelisches Gleichgewicht

wieder. Das Selbstvertrauen, der Wille

und die Freude zur Arbeit werden in ihr

am leichtesten wiedergewonnen. Wer sich

in Witzwil an die Bauernarbeit gewöhnt hat,

findet nach seiner Entlassung leichter wieder

eine Beschäftigung im täglichen Leben. Otto

VORBILD FÜR DIE GEFANGENEN

Ein zentraler Bestandteil seines Führungsstils

ist das Vertrauen, das er den Gefangenen

schenkt. Und er geht mit einem guten Beispiel

voran. Er trinkt und raucht nicht. Er

führt nicht nur durch Befehlen, sondern auch

durch sein persönliches Beispiel. Er bemüht

sich auch intensiv um die Schutzaufsicht und

die Entlassenenfürsorge. Die Wiedereingliederung

der Strafentlassenen ist ihm eine

Herzensangelegenheit. Er sieht in den Gefangenen

nicht einfach Kriminelle, sondern

stets auch den Menschen. Sein Vorbild, seine

einfache Lebensweise, die hingebende

Pflichterfüllung und die Charakterfestigkeit

wirken bei den Gefangenen mehr als Worte.

Seine Bewunderer sagen, Witzwil sei mehr

eine Heilanstalt für Gestrauchelte als eine

Strafanstalt. Mit seinen liberalen Ansichten

des Strafvollzuges stösst er zu Beginn der

1900er-Jahre auf Widerstand.

Es ist eine Zeit, in der der Strafvollzug

vom Gedanken der Strafe geprägt wird. Das

Wort Resozialisierung kennt niemand, und

Otto Kellerhals ist mit seinen Bemühungen,

die Sträflinge zu erziehen ein Revolutionär,

sozusagen ein «Pestalozzi des Strafvollzuges».

Doch er setzt sich mit der ihm eigenen

Leidenschaft und Beharrlichkeit durch. Aus

ganz Europa, aus Berlin Prag, ja sogar aus

Amerika reisen Spezialisten

an, um seinen

Betrieb zu besichtigen

und von ihm zu

lernen. Er wird ein

Stargast bei Kongressen

zum Strafvollzug

und tritt sogar in Washington

als Referent

auf, um über seine

Erfahrungen zu berichten.

Die Universität Zürich verleiht ihm

1933 den Doktortitel ehrenhalber. Am 24.

April 1945 endet das Leben dieses grossen

Oberaargauers.

Literatur:

• Baumeister unseres Bauernstandes von

Hermann Wahlen, 1966

• Strafanstalt Witzwil – ein Beispiel von Innenkonolisation

durch Arbeit von Gefangenen

und Arbeitslosen von Otto Kellerhals,

1925

• Ins im Seeland von Emanuel Friedli, 1914

• Ins von Edmund Zenger, 1955

Foto: Staatsarchiv des Kantons Bern

26 s’Positive 9 / 2017


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DOMINIQUE AEGERTER

Dominique Aegerter

im Gespräch mit

Cheftechniker und

Teambesitzer

Jochen Kiefer.


2 0 1 8

WIRD SEIN JAHR

Dominique Aegerter war, ist und bleibt der

letzte wahre Rock’n’Roller des internationalen

Töff-Geschäfts. Gerade deshalb steht

er nach den aufregendsten Wochen seiner

Karriere vor einer glänzenden Zukunft.

TEXT: KLAUS ZAUGG

FOTOS: WALDEMAR DA RIN, REINHOLD TRESCHER

R

ock’n’Roller? Nein, Dominique Aegerter

ist nicht etwa der Frontman

einer Rockband. In diesem Zusammenhang

ist ein Rock’n’Roller ein

Nonkonformist. Ein Rebell. Ein junger Mann,

der sich selbst verwirklicht, sich nicht einengen

lässt, aus der dörflichen Enge ausbricht

und die Welt erobert. Wild, mutig, beharrlich.

Irgendwo zwischen Florian Ast und

Justin Bieber.

Sonntag, 24. September im Jahre des

Herrn 2017. Grosser Preis von Aragon. Auf

dem Rundkurs zweieinhalb Autostunden

hinter Barcelona wird um die Moto2-WM

gefahren. Die zweitwichtigste Töff-WM. Eine

karge, trockene Gegend. Hier sieht Spanien

aus wie der Wilde Westen. Um die strukturschwache

Gegend zu beleben, wurde bei der

Stadt Alcaniz 2009 eine Rennstrecke gebaut.

Für Dominique Aegerter hat Aragon eine

ganz besondere Bedeutung. Zweimal hintereinander

endete für ihn die Saison hier.

Zweimal wurde die Frage diskutiert, ob sich

seine Karriere dem Ende zuneigt.

EIN BLICK ZURÜCK

2015 wird er beim GP von Aragon im Rennen

von Xavier Simeon «abgeschossen». Er zieht

sich so schwere Verletzungen zu, dass er auf

die restlichen vier Rennen verzichten muss.

Würde er sich je wieder davon erholen und

dazu in der Lage sein, ganz vorne zu fahren?

2016 wird er nach dem GP von Aragon von

Teamchef Fred Corminboeuf gefeuert. Weil

er für die Saison 2017 bereits vorzeitig beim

Team der Gebrüder Jochen und Stefan Kiefer

unterschrieben hat. Er darf die letzten vier

Rennen nicht mehr bestreiten. Der Rohrbacher

hätte sich gegen diesen Rausschmiss

wehren können. Aber was nützt es, einen

Gerichtsbeschluss anzustreben, der wohl erst

nach einem Jahr rechtskräftig geworden wäre?

Also nimmt er die Demütigung hin. Aber

hat er überhaupt eine Chance, 2017 in einem

unterfinanzierten deutschen Ram je wieder

ganz vorne zu fahren?

VIELVERSPRECHENDE ZUKUNFT

Nun kehren wir nach diesem kurzen Exkurs

in die Vergangenheit wieder in die Gegenwart

zurück. Wieder sind wir in Aragon.

Inzwischen sind die Fragen von 2015 und

2016 beantwortet. Ja, er hat sich von den

Verletzungen erholt. Und ja, er kann auch

im unterfinanzierten Team von Jochen und

Stefan Kiefer ganz vorne mitfahren. Noch

nicht konstant zwar. Aber es reichte zwei

Wochen vor Aragon in Misano zum Sieg.

Was noch mehr zählt: Inzwischen spricht

viel dafür, dass 2018 seine beste Saison überhaupt

werden kann. Besser als das Jahr 2014,

als er seinen ersten GP gewonnen hat (auf

dem Sachsenring). Besser auch als diese Saison

mit dem grandiosen Triumph im Re-

s’Positive 9 / 2017 29


DOMINIQUE AEGERTER

Dominique Aegerter

im strömenden Regen

vor Tom Lüthi in Misano.

gen von Misano. Mit diesem Sieg, herausgefahren

unter schwierigsten Bedingungen

gegen sein einstiges Vorbild, seinen übermächtigen

Rivalen Tom Lüthi, hat er den

«Lüthi-Komplex» überwunden. Er sagt dazu:

«Ja, ja, diese Bemerkung musste ja kommen.

Aber ich hatte nie einen Lüthi-Komplex.»

Natürlich hatte er diesen Komplex. Er wäre

daran beinahe zerbrochen. Im Herbst 2014

stand Dominique Aegerter auf dem Höhepunkt

seiner Karriere – und dann kam Tom

Lüthi in sein Team. Die ständige Präsenz

seines Rivalen hatte verhängnisvolle Auswirkungen.

2015 und 2016 sahen wir nie den

wahren, den echten Dominique Aegerter.

Wir können diesen Rückschlag in der Statistik

mit den WM-Schlussrängen 17 (2015)

und 12 (2016) ablesen. Inzwischen steht er

2017 auf dem 9. Zwischenrang.

2018 wird Dominique Aegerter erstmals

in seiner Karriere die Nummer 1 im Schweizer

Motorradrennsport sein. Seit 2002 ist

Tom Lüthi das Mass aller Dinge. Einerseits

belebt sein Erfolg den helvetischen Motorradrennsport.

Andererseits ist sein Schatten

einfach zu gross. Randy Krummenacher

ist mindestens so talentiert, holt 2007 in

Barcelona seinen ersten Podestplatz (125

Er passt sich nicht an. Gerade deshalb

ist er beliebt – bei den Fans

und bei den Chronisten, die Storys

brauchen. Auch dann, wenn die

Resultate nicht stimmen.

ccm) – und kommt nicht mehr weiter. Weil

er zu sehr versucht, so zu sein wie Tom Lüthi.

Im Herbst 2015 beendet er seine GP-

Karriere. Aber Dominique Aegerter hält

durch. Zwar kann auch er nicht ganz aus

Lüthis Schatten treten («Lüthi-Komplex»).

Aber er ist ein Rock’n’Roller. Er will zwar den

Erfolg von Tom Lüthi – aber er will kein zweiter

Tom Lüthi sein. Er ist anders als sein Rivale.

Wilder, extrovertiert, ein Frauenheld.

So findet er seine Rolle, seinen Platz und

seine Beachtung im grossen Sporttheater. Er

hat bis heute zwar die WM nur einmal

(2013) vor Tom Lüthi beendet – und das

auch nur, weil sein Rivale damals nach

schweren Verletzungen bei Vorsaisontests

nicht alle Rennen bestreiten konnte. Aber als

Rock’n’Roller bekommt er so viel Beachtung

wie Tom Lüthi. Ja, er ist sogar ein Liebling

des Boulevards geworden. Seine Präsenz im

«Blick» ist so gross, dass Tom Lüthis Manager

Daniel M. Epp im letzten Winter beim zuständigen

«Blick»-Reporter vorstellig geworden

ist und die Frage gestellt hat, wie es denn

sein könne, das Dominique Aegerter eine

umfangreichere Berichterstattung geniesse

als der viel erfolgreichere Tom Lüthi.

Die Episode hat durchaus einen seriösen

Hintergrund: Medienpräsenz ist der Sauerstoff

des Sportgeschäftes des 21. Jahrhunderts.

Sie ermöglicht den Verkauf von Werbung.

Sie macht einen Fahrer attraktiv für

ein Rennteam. Sie befeuert Bekanntheitsgrad

und Popularität. Wäre Dominique Aegerter

kein Rock’n’Roller,

wäre er ein gewöhnlicher,

braver junger Mann, der

sich um Anpassung bemüht

und darauf achtet, ja nicht

anzuecken – seine Karriere

wäre längst zu Ende. Aber

er verbiegt sich nicht. Er

passt sich nicht an. Gerade

deshalb ist er beliebt – bei

den Fans und eben bei den

Chronisten, die Storys

brauchen. Auch dann, wenn die Resultate

nicht stimmen. Und so hat Aegerter diese

Saison im deutschen Team eine neue Heimat

gefunden. Jochen und Stefan Kiefer – grundsolide,

brav, verlässlich – verknüpfen das

Schicksal ihres Teams nicht mehr wie bis-

ZUSATZINFOS

Eine Wette, die nur knapp verloren ging

Auch sein Bruder ist ein

Rock’n’Roller. Kevin Aegerter,

der Bruder von Dominique, ist

Fussballtrainer. Zwar nicht im

nationalen Medienrampenlicht

wie «Domi», doch die lokale

Fussballszene mischt er gehörig

auf. Im letzten Frühjahr ist

in Huttwil, sehr zum Ärger des

etablierten SC Huttwil (4. Liga),

ein neuer Fussballklub mit

dem sperrigen Namen «YF

United Huttwil 2017» gegründet

worden. Die Mannschaft ist

nun in die offizielle Meisterschaft

eingestiegen – ganz unten,

in der 5. Liga. Kevin Aegerter

spielt mit seinen Jungs

gleich um den Aufstieg in die

4. Liga. Die Lokalpresse («Unter

Emmentaler») hat diese

unkonventionelle Mannschaft

als «fussballerische Roadshow»

bezeichnet. Neun verschiedene

Nationalitäten sind

vertreten, und im Tor mit Luca

Günter gar ein Titan, der kurzzeitig

bei YB Goalie Nummer 3

war. Siege waren also zu erwarten.

So haben vor dem

Start zur Fussballsaison

2017/18 zwei Protagonisten

des Oberaargauer Sports eine

Wette abgeschlossen: YF United

gewinnt ein Meisterschaftsspiel,

bevor Dominique Aegerter

wieder bei einem GP triumphiert.

Natürlich war beiden

klar, dass diese Wette nicht zu

gewinnen ist. Aber dass es so

knapp werden würde, hätte

sich niemand träumen lassen.

Am 26. August feierte YF United

in Hasle-Rüegsau den ersten

Sieg (1:0) – aber bereits

am 10. September gewann

Dominique Aegerter in Misano

seinen zweiten GP.

30 s’Positive 9 / 2017


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DOMINIQUE AEGERTER

her mit einem Deutschen (2011 holten sie

mit Stefan Bradl den Titel in der Moto2-

WM). Sondern mit dem Schweizer. Hier

fühlt sich Aegerter wieder wohl. Hier ist er

die unbestrittene Nummer 1 im Team. Nur

wenn sich der Fahrer wohlfühlt, kann er in

diesem Sport am Rande der Todeszone die

maximale Leistung erbringen. Bei der Ausübung

dieses Sports riskiert jeder bei jedem

Training und jedem Rennen seine Gesundheit

und sein Leben. Eine grössere mentale

Belastung ist nicht denkbar. Die Sensibilität

dieser letzten echten Kerle des Sports wird

immer wieder unterschätzt.

AEGERTER VOR LÜTHI

Gewiss, in dieser Saison war die technische

Betreuung nicht optimal. Zwei Rennen gingen

durch technischen Defekt verloren, weil

das Geld für ausgiebige Testfahrten fehlte.

Aber darunter hat die Stimmung nie gelitten.

«Ich erlebe jeden Tag, wie in diesem Team

alle alles für mich tun», sagt Dominique Aegerter.

«Ich habe hundertprozentiges Vertrauen

in meine Leute.» Das Vertrauen zahlt

sich aus. In Misano gewinnt Dominique Aegerter

seinen zweiten GP. Vor Tom Lüthi – in

einem der dramatischsten Rennen in der

Moto2-Geschichte. Weil Tom Lüthi 2018 die

«Königsklasse» MotoGP fahren wird, braucht

Teamchef Fred Corminboeuf wieder einen

charismatischen Schweizer Fahrer. Der

Dominique Aegerter mit Jochen Kiefer.

Mann, der Dominique Aegerter nach dem

GP von Aragon 2016 auf die Strasse stellte,

hat sich nun wieder um die Dienste von Dominique

Aegerter bemüht. Auf einmal wird

die Rückkehr in das Team jenes Mannes zum

Thema, der ihn vor einem Jahr verraten hat.

Welch eine Geschichte!

Doch Aegerter lehnte das Angebot unmittelbar

vor dem GP von Aragon ab. Am Donnerstag

vor Aragon unterschreibt er die Vertragsverlängerung

mit Jochen und Stefan

Kiefer um ein Jahr. Und wieder auf dem

Schweizer Fabrikat Suter. Wenn Eskil Suter

im Winter seine technischen Hausaufgaben

macht und seine Höllenmaschine perfektioniert,

und wenn es gelingt, die finanzielle

Basis des Kiefer-Teams zu verbessern («mehr

testen, weniger basteln») – dann wird Dominique

Aegerter nächste Saison zu den Titelanwärtern

zählen. Franco Morbidelli und

Tom Lüthi, die Titanen dieser Saison, steigen

in die «Königsklasse» auf, und Dominique

Aegerter rückt als Siegfahrer mit der grössten

Erfahrung zum WM-Mitfavoriten auf. 2018

wird seine erste Moto2-Saison ohne Tom Lüthi

als Gegner und Rivale sein. Aegerter ist

seit der ersten Moto2-WM 2010 dabei. Er

stürzt fast nie. Weil er das Risiko zu dosieren

versteht. Diese Saison kippte er in Training

und Rennen bloss viermal um – Tom Lüthi

fünfmal, Franco Morbidelli achtmal. Und

ganz wichtig: 2018 wird seine erste Moto2-

Saison ohne Tom Lüthi als Gegner und Rivale

sein. Das bedeutet auch: Er wird die Nummer

1 im helvetischen Motorradrennsport.

Tom Lüthi wird zwar beim Saisonanfang viel

mediale Aufmerksamkeit geniessen.

DAS QUÄNTCHEN GLÜCK

Wie findet er sich in der MotoGP-Klasse zurecht?

Wie ist es, gegen Valentino Rossi &

Co. zu fahren? Wenn er im Laufe der Saison

nur Rangierungen um Platz 10 herum erreicht

und im Titelkampf keine Rolle spielen

kann – dann wendet sich das Publikum Dominique

Aegerter zu. Dem Fahrer, der mit

der Spitzengruppe über den Asphalt rockt,

der Chancen auf Podestplätze hat. Wenn er

auch noch ein bisschen Glück hat – und ohne

Glück kann kein Sportler erfolgreich sein

– dann wird 2018 «sein» Jahr.

ZUSATZINFOS

Was bedeutet es, ein Rock’n’Roller zu sein?

Dominique Aegerter ist cool,

populär und hat im Fahrerlager

den Ruf, ein Rock’n’Roller

zu sein. Wie wirkt sich das im

Alltag aus? Hier eine Episode

aus dem Fahrerlager beim letzten

GP in Aragon. Der geknickte

Sieger von Misano wird von

einer internationalen Chronisten-Runde

(Chronistin war keine

dabei) nach den Gründen

für den etwas enttäuschenden

12. Platz befragt. Nach technischen

Erklärungen, die für das

Publikum nicht weiter aufregend

sind, nimmt er sich selbst

von der Kritik nicht aus und

nennt Punkte, die er verbessern

will: Eine Optimierung des

Trainings, um lockerer zu werden

und zwei Kilo Gewicht

abzubauen und eine bessere

Konzentration auf die Rennen.

«Vielleicht muss ich mich vom

Donnerstagmittag bis nach

dem Rennen aus allen sozialen

Medien verabschieden.» Er sei

hier in Aragon einfach zu angespannt

gewesen und habe

Rückenschmerzen gehabt.

Kurzum: wir haben nicht mehr

den gleichen Dominique Aegerter

wie in Misano gesehen. Und

da der GP-Zirkus mit seinem

Macho-Milieu nicht unbedingt

als blühende Oase der politischen

Korrektheit gilt, wird er

von einem vorwitzigen Chronisten

gefragt, ob die Verspanntheit

möglicherweise daherkomme,

dass er vor dem

Rennen in Misano guten und

vor Aragon keinen Sex gehabt

habe. Dominique Aegerter dementiert

nicht, überlegt kurz

und beginnt zu lachen: «Und

Aegerter und Team nach der Vertragsverlängerung in Aragon.

was ist dann vor all den Rennen,

die ich nicht gewonnen

habe? Das wäre doch ein langweiliges

Leben …» Sein Ruf als

Rock’n’Roller ist also auch in

der Niederlage von Aragon intakt

geblieben. Er hat bis heute

2 GP-Siege und 8 Podestplätze

geholt und wird nie so erfolgreich

sein wie sein ganz grosses

Idol Barry Sheene. Der

Brite gewann 23 GPs, fuhr 52

Podestplätze heraus und holte

1976 und 1977 den WM-Titel

in der Königsklasse (damals

500 ccm). Vor allem aber war

er der charismatischste Fahrer

seiner Generation und ein

Playboy. Er fuhr eine Maschine

mit der Nummer 7. Ihm zu Ehren

hat Dominique Aegerter

die 77 gewählt. Die Erfolge seines

Idols wird «Domi» zwar

nicht mehr erreichen. Aber seine

Reputation als Rock’n’Roller

hält im Fahrerlager schon fast

einem Vergleich mit Barry Sheene

stand.

32 s’Positive 9 / 2017


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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

An dieser Stelle möchte ich ihnen ein

Kompliment aussprechen. Was die Redakteure

Bruno Wüthrich, Klaus Zaugg

und ihr Team Monat für Monat zu Blatt

bringen, ist grosses Kino.

Die Beiträge wie auch Ihre Interviews

sind sehr interessant und durchleuchten

Sachverhalte und Hintergründe. Inhaltlich

ist das Spektrum breit und tiefgründig

gestaltet.

Ich freue mich jeweils auf die nächste

Ausgabe, macht weiter so!

Roger Gerber, Langenthal

Raus aus dem digitalen Unbehagen

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Sicherheit und Mitbestimmung

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Kunsthaus Langenthal.

13.30–15.30 Uhr: Elektromagnetischer

Spaziergang und Digital Detox

mit Künstler und Critical Engineer Gordan

Savičić: Reise durch das elektromagnetische

Spektrum in und ums Kunsthaus bis

zu Signalen von Flugzeugen mithilfe

geknackter USB-TV-Sticks. Anschliessend:

Digital Detox.

13–18 Uhr: Kurz-Einführungen um 13 Uhr

und 15.30 Uhr, Einstieg jederzeit möglich.

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Innen mit Fokus auf Einträgen zu weiblichen

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16–18 Uhr: Kryptologozentrismus.

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der Privatsphäre, mit Paul Feigelfeld.

18.30 Uhr: «Deep Shit. Paradigmen, Paranoia

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Vortrag Paul Feigelfeld, Medienwissenschaftler

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Anschliessend: Buchvernissage und Bar.

Für Wifi, Verpflegung und Strom ist gesorgt.

Bitte eigenen Computer mitbringen.

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