Wagnereinmalig No. 5
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Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 09.2017<br />
Wagner<br />
eı˙nmalı˙g<br />
#<strong>No</strong>. 5
Wir sind<br />
Buchhändler mit<br />
Herz und Hand<br />
fürs richtige Buch<br />
Wir wollen, dass sich unsere<br />
Kunden bei uns wohlfühlen,<br />
und bieten Ihnen hierzu<br />
individuelle Beratung, gemütliche<br />
Leseecken und ein<br />
eigenes Bistro. Der Besuch<br />
in der Wagner’schen soll eine<br />
Auszeit für die Seele sein.<br />
Seit gut zwei Jahren positioniert<br />
sich die Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
wieder als die erste Adresse,<br />
wenn es um Bücher geht.<br />
Im schönsten literarischen<br />
Wohnzimmer Tirols präsentieren<br />
wir auf rund 1.000 m²<br />
an die 100.000 Bücher.<br />
Mit zahlreichen Veranstaltungen,<br />
Lesungen und heuer<br />
als Partner beim ersten Tiroler<br />
Krimifest machen wir<br />
Kultur in Innsbruck erlebbar<br />
und gestalten unsere Stadt<br />
aktiv mit. Aber mehr davon<br />
in unserem neuen Magazin.<br />
Viel Spaß beim Lesen!<br />
Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />
Inhalt<br />
6 Nach Pradl kommt Hötting<br />
Unsere Buchreihe geht weiter …<br />
8 Kochen & Küche<br />
Rohkost und Neues aus der Meierei samt Rezepten<br />
10 Vom Bergdoktor zum Gretchen<br />
Johannes Reitmeier & Ronja Forcher im Gespräch zu Goethes „Faust“<br />
12 Esoterik & ZEN<br />
Die Wagner’sche erweitert ihr Angebot und lädt ein zum „Innehalten“<br />
16 Buchpräsentationen<br />
J. W. Taschler & W. Steiner – K. Kramer & M. Hofstätter zu Gast<br />
20 Krimifest & 3 × Köhle<br />
Das größte österreichische Krimifestival macht Halt in der Wagner’schen<br />
und Markus Köhle besucht uns gleich 3 mal<br />
24 John Burnside<br />
Auch diesen Herbst ist die Wagner’sche international<br />
26 Robert Menasse<br />
„Die Hauptstadt“ ist der Roman der Saison und der Autor bei uns<br />
28 Stefanie Sargnagel<br />
Die Autorin, die es den Spaßbremsen zeigt, live im Treibhaus<br />
30 Thomas Brezina & Tag der Berge<br />
Österreichs erfolgreichster Kinderbuchautor kommt in die Berge.<br />
Und die Berge bekommen einen Tag!<br />
36 Frankreich bei der Buchmesse<br />
Klaus Zeyringer über das Gastland der Frankfurter Buchmesse<br />
40 Wagner’sche goes TV<br />
Evelyn Unterfrauner moderiert eine neue Büchersendung und wir sind dabei<br />
46 3×7 Best aber Seller<br />
48 Mit den besten Empfehlungen<br />
Impressum<br />
Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />
Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />
info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />
Redaktion: Robert Renk<br />
© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />
Grafische Ausstattung: hœretzeder grafische gestaltung, Scheffau / Tirol<br />
© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />
Titelbild: „Drache“ von Sabine Algosaibi, Foto: Steven Woollard<br />
Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />
© 09.2017 – alle Rechte vorbehalten<br />
2 Wagner’sche.<br />
© Andreas Licht3<br />
Bücher seit 1639<br />
54 Jänner 2018<br />
Mit Konrad Paul Liessmann & Radek Knapp<br />
57 Vorschau: Frühjahr 2018<br />
Kiepenheuer & Witsch, Manesse, Haymon und Wunderraum kommen<br />
im Frühjahr 2018 ins schönste literarische Wohnzimmer Innsbrucks
Ein bunter Herbst<br />
in der Wagner’schen<br />
Von Krimi, Hauptstadt und Regenbogenfisch<br />
© Martin Vandory (Renk), © Wagner’sche Universitätsbuchhandlung (Gruppenfoto rechts)<br />
Wagner’sche.<br />
Auszeit<br />
für die Seele.<br />
Markus Renk<br />
4 Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Es wird ein besonderer Herbst, für alle<br />
Buchliebhaber, besonders für Krimifans.<br />
Das erste Tiroler Krimifest geht im Oktober<br />
über die Bühne, organisiert von Bernhard<br />
Aichner und Markus Hatzer, Verleger vom<br />
Haymon Verlag. Es wird Österreichs größtes<br />
Krimifestival und findet zwischen dem<br />
14. und dem 21. Oktober statt. Autorinnen<br />
und Autoren wie Simon Beckett, Bernhard<br />
Aichner, Rita Falk, Volker Klüpfel & Michael<br />
Kobr, Ursula Poznanski, Melanie Raabe und<br />
viele mehr kommen nach Tirol. Wir von der<br />
Wagner’schen Buchhandlung sind nicht nur<br />
Veranstaltungsort, sondern auch ein wenig<br />
stolz, da wir von Anfang an bei der Umsetzung<br />
dabei waren. Außerdem konnten<br />
wir mit David Lagercrantz einen der internationalen<br />
Bestseller nach Innsbruck locken.<br />
Am 16. Oktober lesen bei uns in der<br />
Buchhandlung: Andreas Gruber, Friedrich<br />
Ani, Lena Avanzini und Tatjana Kruse.<br />
Moderiert wird von Elmar Krekeler.<br />
Passend zum 1. Tiroler Krimifest werden<br />
wir im Herbst auch eine Krimiführung<br />
durch Innsbruck anbieten. Mit einem<br />
Fremdenführer geht es für unsere Kunden<br />
einerseits durch das historische Innsbruck<br />
mit seinen Verbrechen und Kriminalfällen,<br />
andererseits zu den fiktiven Schauplätzen<br />
diverser Krimis z. B. von Bernhard Aichner<br />
und Lena Avanzini. Aber wir wagen uns<br />
auch über die Grenzen hinaus und werden<br />
5<br />
im Frühling eine Lesereise für unsere<br />
Kunden anbieten. Konkret wollen wir als<br />
erste Reise im April 2018 „Venedig auf den<br />
Spuren Commissario Brunettis“ anbieten.<br />
Angedacht ist eine drei- bis viertägige Reise<br />
nach Venedig, mit Besuchen der Schauplätze<br />
aus den Romanen und TV-Verfilmungen<br />
sowie Venedigs anderen Sehenswürdigkeiten.<br />
Aber natürlich geht es im Herbst nicht<br />
nur um Krimis, mit unseren Veranstaltungen<br />
decken wir alle wichtigen Bereiche ab.<br />
Literatur pur mit Judith W. Taschler, John<br />
Burnside oder Robert Menasse. Das Thema<br />
Ratgeber mit Buchpräsentationen der<br />
Bücher Petra Denk: Raw Superfoods –<br />
gesunde Rohkost, oder Fleur Sakura Wöss:<br />
Innehalten – Zen üben. Aber auch für<br />
Kinder wird es Veranstaltungen geben, so<br />
holen wir den bekannten Kinderbuchautor<br />
Marcus Pfister, der durch seinen Regenbogenfisch<br />
zum Bestseller-Autor wurde,<br />
nach Innsbruck. Ein kleines Highlight für<br />
das nächste Jahr können wir jetzt schon<br />
verraten, am 28. Februar ist Prof. Dr.<br />
Dietrich Grönemeyer bei uns zu Gast in<br />
der Wagner’schen.<br />
Um unsere Serviceleistungen noch<br />
stärker zu kommunizieren, verbessern wir<br />
laufend unsere Informationskanäle. Unser<br />
Newsletter geht inzwischen alle 14 Tage<br />
an unsere Kunden, die Homepage wurde<br />
noch mit mehr Inhalten ausgestattet, unser<br />
Facebook- und unser Instagram-Auftritt<br />
legen laufend an Benutzern zu. Zusätz lich<br />
haben wir, wie im letzten Magazin berichtet,<br />
unseren Family-Blog ins Leben gerufen.<br />
Hier versorgen wir junge Familien mit<br />
Büchertipps im Ratgeberbereich und<br />
im Kinderbuch-Segment. Neu geplant ist<br />
ein Buchblog, die Vorbereitungsarbeiten<br />
sind fast abgeschlossen. Dieser Buchblog<br />
soll Bücherempfehlungen noch ausführlicher<br />
für unsere Kunden zur Verfügung<br />
stellen. Hier finden sich dann nicht nur<br />
Buchempfehlungen der Mitarbeiterinnen<br />
und Mitarbeiter der Wagner’schen, sondern<br />
auch von privaten Buch-Bloggern. Für<br />
unsere Kunden stellen wir das Service<br />
„Leser lesen für Leser“ zur Verfügung.<br />
Mit einer App können unsere Kunden<br />
jederzeit einfach Bücher rezensieren<br />
und auf unseren Kanälen veröffentlichen.<br />
Begleitet werden diese Maßnahmen<br />
durch unseren Medien-Partner Tirol TV.<br />
Alle 14 Tage werden unter dem Namen<br />
„Evelyns Blog“ Bücherempfehlungen der<br />
Wagner’schen gefilmt und dort ausgestrahlt.<br />
Die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
sieht sich als Dialog-Plattform für namhafte<br />
Schriftsteller, Literaten & alle, die Bücher<br />
lieben.<br />
Einkehr im<br />
schönsten literarischen<br />
Wohnzimmer Tirols<br />
Vor rund zwei Jahren haben wir begonnen,<br />
die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
wieder als die erste Adresse, wenn’s<br />
um Bücher geht, zu positionieren. Viele<br />
Argumente sprechen für dieses Haus, so<br />
ist die Wagner’sche die älteste Buchhandlung<br />
Tirols, deren Geschichte bis in den<br />
dreißigjährigen Krieg reicht. Viele Innsbrucker<br />
und Tiroler sind mit dem Haus groß<br />
geworden. Dieses Haus ist Bildungs- und<br />
Kulturstätte Tirols und führt gute Bücher<br />
für aufgeklärte Menschen. Ein Besuch<br />
in der Wagner’schen bedeutet in vielen<br />
Fällen eine Auszeit für die Seele, immerhin<br />
schmökert der Kunde in einem der schönsten<br />
literarischen Wohnzimmer Tirols. Aber<br />
was macht die Wagner’sche sonst noch<br />
einzigartig. Zum zweiten Geburtstag haben<br />
wir uns einen Marken-Optimierungsprozess<br />
geschenkt. Gemeinsam mit der Unternehmensberaterin<br />
Sylvia Moser-Trebo haben<br />
alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der<br />
Wagner’schen ein Jahr an der Entwicklung<br />
der Marke Wagner’sche gearbeitet. Für uns<br />
war dies ein sehr spannender und motivierender<br />
Prozess, der viele Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten<br />
aufgezeigt hat.<br />
Diese Punkte wollen wir nun umsetzen und<br />
unsere Serviceleistungen für unsere Kunden<br />
weiter verbessern. Lassen Sie sich überraschen,<br />
es wäre schön, wenn Sie uns auch<br />
weiterhin auf unserem Weg begleiten!<br />
Wir freuen uns und wünschen Ihnen<br />
nun viel Spaß beim Lesen unseres neuesten<br />
Buchmagazins!<br />
Ihr Markus Renk
E R I N N E R U N G E N A N INNSBRUCK<br />
E R I N N E R U N G E N A N INNSBRUCK<br />
Freiheit, Flieder,<br />
Bazooka-Kaugummi<br />
Eine Kindheit im Hötting der 1960er Jahre.<br />
Von Merle Rüdisser<br />
„Es darf nicht<br />
vergessen werden“<br />
Vom Verlag der Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Hubert Flattinger<br />
Kindheit in<br />
Hötting<br />
Buchtipps:<br />
Hubert Flattinger:<br />
Kindheit in Hötting<br />
Erinnerungen an Innsbruck,<br />
Band 2<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung,<br />
ca. 96 Seiten, € 9,95<br />
Hubert Flattinger:<br />
Als ich Lord Winter war.<br />
Eine Reise zu Astrid Lindgren<br />
mit zahlreichen Fotografien<br />
Limbus Verlag, 80 S., € 12,–<br />
© Brackwasser<br />
Eigentlich ist es merkwürdig, dieses gern<br />
gepflegte Ritual des Erinnerungen-Teilens:<br />
Man erzählt sich gegenseitig Dinge, die man<br />
schon weiß, weil man vielleicht Ähnliches<br />
selbst erlebt hat oder überhaupt dabei<br />
war. Es scheint dabei also nicht darum zu<br />
gehen, Neues, Unerhörtes, Aufregendes zu<br />
erfahren – nein, das schon Bekannte bietet<br />
in diesem speziellen, anachronistischen<br />
Kontext Geborgenheit, es vermittelt ein<br />
Gefühl der Vertrautheit, man fühlt sich<br />
erkannt und bestätigt.<br />
Wenn Hubert Flattinger nun im zweiten<br />
Band der Reihe Erinnerungen an Innsbruck<br />
von seinem Aufwachsen in Hötting erzählt,<br />
wenn im Gespräch zweier älterer<br />
Herren die tausend Zaunlöcher Höttings,<br />
die Hänge unterm Gasthaus Ölberg, die<br />
stinkenden filterlosen Zigaretten, die nicht<br />
besser riechenden Barackenklos an der<br />
Brand jochstraße auftauchen, der Fünfzig-<br />
Bazooka-Bildchen-Lederfußball verloren<br />
geht, die Gasthäuser und Bumsen sich<br />
aneinanderreihen, wenn es nach Flieder<br />
duftet, man mit Löwenzahn Warzen herund<br />
wegzaubert, wenn „Rote Lippen soll<br />
man küssen“ und „Monday Monday“ aus<br />
einem offenen Fenster dudeln, wenn in der<br />
Mittagssonne die Glocken verklingen und<br />
Höttinger Stille herrscht – dann können<br />
mehrere Generationen in Hötting Aufgewachsener<br />
mitriechen und mitschauen<br />
und mitlachen und sich mit ihren eigenen<br />
Erinnerungen anschließen und mir als viel<br />
zu junger Vorarlbergerin tut es leid, nicht<br />
dabei gewesen zu sein.<br />
Man kann nicht behaupten, dass hier<br />
die reinste Idylle herrscht; heute würde bei<br />
Kindern, die tagelang allein herumstreunen<br />
und mit gebrochenem Arm heimkommen,<br />
die vormittags im Gasthaus der Mutter<br />
im Biergestank unter dem Tisch hocken,<br />
die kaum daheim sind, weil der Papa sie<br />
ohnehin verhaut, früher oder später das<br />
Jugendamt vorbeischauen – und doch<br />
6 7<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
kennen diese Höttinger Kinder eine<br />
Freiheit, die in heutigen Kindheiten von<br />
Geschäftigkeit und Rund-um-die-Uhr-<br />
Beaufsichtigung verdrängt worden ist.<br />
Hubert Flattinger gehört zu den<br />
wenigen Autoren, die die Fähigkeit haben,<br />
Erlebtes nicht als Vergangenes zu erzählen,<br />
sondern unmittelbar in die Gegenwart<br />
des Lesers zu holen – nicht So war es,<br />
sondern: So ist es, siehst du? Und wer –<br />
das sei noch angemerkt – Flattingers<br />
„Als ich Lord Winter war“ gelesen hat,<br />
wird in seinen Erinnerungen an Hötting<br />
mit Freude die eine oder andere Figur<br />
wiedererkennen.<br />
Hubert Flattinger, geboren 1960 in Innsbruck,<br />
aufgewachsen in Hötting und anderswo. Nach<br />
allerhand Betätigungen zum Gelderwerb fand<br />
er als Journalist jenes Aufgabengebiet, dem er sich<br />
am liebsten widmet – dem Menschen nämlich,<br />
der ihm gerade gegenübersitzt. Er schreibt Kinderund<br />
Jugendbücher, Theaterstücke und Geschichten<br />
für ältere Semester. Bücher (Auszug): „Wenn<br />
du glaubst, du bist allein“ (2002), „Liftboy“ (2004)<br />
und „Der größte Fisch entwischt“ (2015).<br />
Flattinger lebt heute in Niederösterreich und<br />
vermittelt seine Erfahrungen im Bereich Kinderund<br />
Jugendliteratur am Institut für Sozialpädagogik<br />
in Stams.<br />
Buchpräsentation:<br />
Hubert Flattinger präsentiert<br />
Eine Kindheit in Hötting<br />
Freitag, 24. <strong>No</strong>vember 2017,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Markus Renk<br />
Erinnerungen<br />
an Innsbruck<br />
Unter diesem Titel erscheint im<br />
Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />
eine neue Buchreihe.<br />
Geplant sind zwei Bände im Jahr, die<br />
exklusiv in der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />
in Innsbruck<br />
erhältlich sein werden. „Kindheit in<br />
Pradl“ von Josef Wallinger ist der<br />
erste Band dieser Reihe, die sich mit<br />
der Vergangenheit Innsbrucks befasst.<br />
In diesen Büchern sollen nicht nur<br />
Erinnerungen aus der Kindheit gebürtiger<br />
Innsbruckerinnen und Innsbrucker<br />
erzählt, sondern auch historische<br />
Themen, die die Hauptstadt<br />
Tirols geprägt haben, aufgearbeitet<br />
werden. Der erste Band über Pradl<br />
erfreut sich großer Beliebtheit und<br />
musste schon nachgedruckt werden.<br />
Neben dem im Herbst erscheinenden<br />
Stadtteil Hötting sind weitere Bände<br />
in Bearbeitung.<br />
ErinnE rungE n an Innsbruck<br />
Josef Wallinger<br />
Kindheit in<br />
Pradl<br />
Josef Wallinger:<br />
Kindheit in Pradl<br />
120 S., € 9,95<br />
Hubert Flattinger<br />
Kindheit in<br />
Hötting<br />
Hubert Flattinger:<br />
Kindheit in Hötting<br />
ca. 96 Seiten, € 9,95,<br />
erscheint im Herbst 2017<br />
Exklusiv erhältlich in der<br />
Wagner’schen Buchhandlung!<br />
Innsbruck,<br />
wie es früher war<br />
Für diesen Kalender hat MMag.<br />
DDr. Lukas Morscher 27 ganz besondere<br />
Aufnahmen aus dem reichen<br />
Fundus des Innsbrucker Stadtarchivs<br />
ausgewählt. Begleitet werden sie mit<br />
humorvollen, spannenden und interessanten<br />
Texten.<br />
14-tägiges Kalendarium, € 19,90<br />
Exklusiv erhältlich in der<br />
Wagner’schen Buchhandlung!<br />
Verlag der<br />
Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung:<br />
Passend zu ihrer Tradition<br />
hat die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
mit der<br />
Neuübernahme 2015 auch<br />
wieder einen Verlag gegründet.<br />
Unter dem Namen Verlag der<br />
Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />
erscheinen regelmäßig<br />
Kalender und Bücher.
Der Rohkost-Effekt!<br />
Gesund und energiegeladen durchs Leben!<br />
Anita Winkler im Gespräch mit Petra Denk<br />
Vom Garten in den Advent,<br />
die Meierei ist auf alles<br />
vorbereitet …<br />
denaturieren und inaktiv werden. Durch<br />
das schonende Erwärmen (Dörren) auf<br />
42,5 oder 45 °C wird den Lebensmitteln<br />
Wasser entzogen, ohne dabei die Nährstoffe<br />
zu zerstören. So lassen sich nicht nur Gemüsechips<br />
oder getrocknetes Obst herstellen –<br />
ihr könnt damit auch Brot backen, Kuchen,<br />
Saucen und viele andere kreative Gerichte<br />
zaubern, denn die Lebensmittel verändern<br />
durch die Trocknung Geschmack und<br />
Aussehen. So schmecken etwa getrocknete<br />
Tomaten noch intensiver als die frischen.<br />
Welchen Effekt hat Rohkost<br />
auf unser Wohlbefinden?<br />
Eine der schönsten Gartenterrassen der<br />
Innenstadt wird wohl bald ihre Pforten<br />
schließen, um sie im Advent dann wieder<br />
zu öffnen. Im Advent erwartet die Naschkatzen<br />
nicht nur Punsch & Kekse, Nina<br />
Rettenbacher hat sich besonders für die<br />
Samstage etwas einfallen lassen und bietet<br />
die – vielleicht – letzte Rettungsstation,<br />
um das perfekte Weihnachtsmitbringsel<br />
zu ergattern.<br />
Bis 17 Uhr kann man an den Samstagen<br />
auch wunderbare selbst gemachte Weihnachtsgeschenke<br />
kaufen.<br />
Mal selbst gemachte Weihnachtsdekostücke<br />
und Kreatives für drinnen<br />
& draußen von Isabella, mal ganz besondere,<br />
ausgefallene Weihnachtsanhänger –<br />
im dänisches Design – von Danielle<br />
(www.made4youin.tirol). Und – wie schon<br />
letztes Jahr – feine Täschchen, bunte<br />
Schürzchen und andere wunderbare<br />
homeware von Doris (www.kido.tirol).<br />
Zum Einstimmen schon<br />
mal ein paar schöne Rezepte<br />
von Nina Rettenbacher:<br />
© Thomas Schrott<br />
Buchtipp:<br />
Petra Denk:<br />
Raw Superfoods<br />
Mein einfacher Start<br />
in die gesunde Rohkost<br />
Löwenzahn, 208 S., € 24,95<br />
Workshop:<br />
Raw Superfoods mit Petra Denk<br />
Fr., 1. Dezember 2017,<br />
15–17 Uhr; Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Teilnahmegebühr:<br />
€ 29,– inkl. Buch<br />
Um Anmeldung wird gebeten:<br />
m.bauer@vhs-tirol.at,<br />
T. +43 512 588882 13.<br />
Workshop in Kooperation mit<br />
der Volkshochschule Tirol<br />
Petra Denk kocht leidenschaftlich gern,<br />
aber bei ihr bleibt der Herd meistens kalt.<br />
Oder wird maximal lauwarm. Nachdem<br />
sie nach einer Ernährungsumstellung<br />
selbst die positiven Effekte von Rohkost<br />
für sich entdeckt hat, möchte sie in ihrem<br />
neuen Buch „Raw Superfoods“ zeigen,<br />
wie einfach der Einstieg für jeden und<br />
jede sein kann. Ihre vielseitigen Rezepte<br />
überzeugen durch Geschmack und sind<br />
ganz nebenbei gesunde Vitaminbomben.<br />
Was versteht man eigentlich<br />
unter Rohkost?<br />
Unter Rohkost versteht man prinzipiell<br />
alle pflanzlichen und tierischen Lebensmittel,<br />
die nicht durch Kochen, Braten<br />
oder Backen, also durch Hitzeeinwirkung<br />
gegart, sondern roh verzehrt werden.<br />
Bei mir gibt es allerdings nur rein pflanzliche<br />
Rohkost-Rezepte.<br />
Darf man in der Rohkost-<br />
Küche erhitzen?<br />
In der Rohkost wird bis zu maximal 45 °C<br />
erhitzt, um Speisen zu erwärmen oder sie<br />
zu trocknen. Diese Temperaturgrenze ist<br />
wichtig, weil bei 45 °C die Hitzetoleranz<br />
der Pflanzen endet und manche Vitamine<br />
© Sabine Hauswirth<br />
Als ich das erste Mal zwei Rohkost-Wochen<br />
einlegte, wollte ich einfach nur mal ausprobieren,<br />
wie es sich anfühlt, ausschließlich<br />
rohe Lebensmittel zu mir zu nehmen. Der<br />
Effekt war verblüffend: Nach einer Woche<br />
fühlte ich mich energiegeladen wie selten<br />
zuvor, ich kam mit weniger Schlaf aus,<br />
mein Denken war schneller und klarer<br />
geworden. Die „leeren Kilometer“ waren<br />
nicht nur aus meiner Ernährung, sondern<br />
auch aus meinem Leben verschwunden.<br />
Nicht verschweigen will ich hier, dass die<br />
ersten Tage hart waren. Mein Körper<br />
entgiftete durch die rohen Lebensmittel,<br />
was sich durch Müdigkeit und Kopfschmerzen<br />
bemerkbar machte.<br />
Warum fühlen wir uns mit<br />
Rohkost noch fitter?<br />
Starkes Erhitzen senkt den Gehalt an<br />
Vitaminen und Nährstoffen in Obst und<br />
Gemüse erheblich. Die Frage, ob Rohkost<br />
mehr Nährstoffe als gekochte Nahrung<br />
enthält, lässt sich also ganz klar mit „Ja!“<br />
beantworten. Rohkost gehört somit auf die<br />
Liste der „Superfoods“ – zu den Lebensmitteln<br />
mit besonders hoher Nährstoffdichte.<br />
Was wir spüren, wenn wir viel oder<br />
häufig Rohkost zu uns nehmen, könnte man<br />
als „Rohkost-Effekt“ bezeichnen: Wenn<br />
unser Körper alle Nährstoffe bekommt,<br />
die er braucht, fühlen wir uns verjüngt,<br />
voller Energie und lebendig! Man fühlt sich<br />
so energiegeladen und leicht, dass man Lust<br />
bekommt, sich zu bewegen bzw. etwas zu<br />
tun – so beschreiben viele Rohköstler diesen<br />
Effekt.<br />
Bücher seit 1639<br />
9<br />
Buchtipps:<br />
Stay For Breakfast!<br />
Rezepte für jeden Tag<br />
und alle Gelegenheiten<br />
Herausgegeben von<br />
Simone Hawlisch<br />
Die Gestalten Verlag,<br />
192 S., € 30,80<br />
Paul Ivic:<br />
Vegetarische Winterküche<br />
Brandstätter, 192 S., € 29,90<br />
Öffnungszeiten<br />
1639. Die Meierei:<br />
Montag bis Freitag: 9 – 17 Uhr<br />
Samstag: 9 – 13:30 Uhr<br />
An den 4 Adventsamstagen<br />
bis 17 Uhr<br />
Sonn- & Feiertage geschlossen<br />
T. +43 650 940 308 0
Vom Bergdoktor zum Gretchen<br />
Das Landestheater kommt wieder in die Wagner’sche.<br />
Zu Gast sind Johannes Reitmeier und Ronja Forcher.<br />
Von Robert Renk<br />
© Susanne Sigl (Forcher), Thomas Schrott (Reitmeier)<br />
Das Gretchen<br />
hat sehr viel<br />
Geduld und ist<br />
eigentlich recht<br />
zufrieden.<br />
Ronja Forcher<br />
10 Wagner’sche.<br />
Auch in dieser Saison freuen wir uns auf<br />
die partnerschaftliche Zusammenarbeit<br />
mit dem TLT und Intendant Johannes<br />
Reitmeier. So werden wir in einem Künstlergespräch<br />
einiges zu seinen Plänen im<br />
Allgemeinen und zu seiner FAUST-Inszenierung<br />
im Besonderen erfahren. Das Wagner’sche-Magazin<br />
weiß schon von einem<br />
speziellen Regieeinfall, der das gute alte<br />
Stück gehörig durcheinanderwirbeln wird.<br />
Ein anderer Wirbelwind wird ebenfalls<br />
zu Gast sein, denn das Gretchen hat Reitmeier<br />
mit der quirligen, vor Ideen sprühenden<br />
21-jährigen Ronja Forcher besetzt.<br />
Im letzten Jahr hat er die junge Innsbruckerin<br />
im Rahmen der Josef-Kuderna-<br />
Preisverleihung im ORF-Landesstudio<br />
kennengelernt. Ronja Forcher hatte dort<br />
den Publikumspreis gewonnen.<br />
Den meisten ist sie als brave Tochter<br />
des „Bergdoktors“ bekannt. Seit Staffel 1,<br />
die im Jahr 2008 erstmals ausgestrahlt<br />
wurde, steht sie als „Lilli Gruber“ vor der<br />
Kamera. Damals war die Schauspielerin erst<br />
zwölf Jahre alt, doch das Schauspiel-Gen<br />
liegt in der Familie. Vater Reinhard Forcher<br />
ist Schauspieler und spielte u. a. selbst am<br />
TLT. Die Mutter, gelernte Medizinerin,<br />
arbeitete als Kostümbildnerin, bevor sie im<br />
Jahre 2000 die Agentur Creative Creatures<br />
GmbH, ein erfolgreiches Castingbüro,<br />
gegründet hat (gem. mit ihrem Mann).<br />
So kam Ronja Forcher schon sehr früh<br />
mit dem Schauspielberuf in Kontakt.<br />
Von 2002 bis 2005 gehörte sie zu den<br />
„Theaterflöhen“ des Tiroler Landestheaters<br />
und spielte dort unter anderem die Dorothy<br />
in dem Stück „Der Zauberer von Oz“<br />
(2005).<br />
Ihre erste kleine Kamerarolle hatte sie<br />
2003 in der in Tirol gedrehten indischen<br />
Kinoproduktion „Okariki Okaru“. Es<br />
folgten schon bald größere Film- und Fernsehrollen<br />
wie z. B. „Das Traumhotel“ und<br />
neben Christine Neubauer in der Trilogie<br />
„Im Tal des Schweigens“, „Die Geierwally“<br />
und „Für immer Afrika“ und eben seit 2008<br />
im „Bergdoktor“ sowie 2011 eine Gastrolle<br />
in „Soko Kitzbühel“.<br />
Nach der Matura hat sich Ronja Forcher<br />
nun ganz dem Schauspielberuf verschrieben<br />
und war zuletzt in Hall beim Burgsommer<br />
in der Produktion „Cyrano der Bergerac“<br />
zu sehen.<br />
Liebe Ronja, vom Bergdoktor zum<br />
Gretchen, wie kam’s?<br />
Es begann mit dem Publikumspreis beim<br />
Josef-Kuderna-Preis, danach habe ich immer<br />
wieder ans Landestheater geschrieben,<br />
bis in diesem Jänner der Anruf kam und<br />
ich fürs Gretchen vorsprechen durfte.<br />
Und nach dem Gretchen kommt<br />
ja gleich die Buhlschaft?<br />
Das wär natürlich cool, würde ich nicht<br />
nein sagen.<br />
Wer wäre der Wunschpartner?<br />
Ich kenne da einen ganz tollen Schauspieler,<br />
der super gut ausschaut. Er heißt Felix<br />
Briegel und ist mein Freund – das wär doch<br />
ne Idee. Vielleicht mit 19 noch ein bisschen<br />
jung für den Jedermann, aber es gibt ja die<br />
Maske. (lacht)<br />
Das Gretchen ist eine diffizile Rolle,<br />
sie ist sozusagen das gute Gewissen,<br />
auf das Faust leider nicht hört, ist<br />
duldsam, brav, ruhig und gläubig …<br />
Genau, das Gretchen hat sehr viel Geduld<br />
und ist eigentlich recht zufrieden, auch<br />
wenn sie wahrscheinlich vieles ändern<br />
würde, wenn sie könnte. Sie ist gütig und<br />
gutmütig. Ihr Lebensmotto wäre in etwa:<br />
„So ist es halt, da kann man nix machen.<br />
Meine Schwester ist zwar gestorben und<br />
ich muss die Mutter pflegen, aber es wird<br />
schon alles seinen Grund haben.“ Sie sucht<br />
Antworten bei Gott und findet sie auch,<br />
bis sie dann verführt wird. Natürlich ganz<br />
bewusst von Mephisto, denn der möchte<br />
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und<br />
nicht nur Faust, sondern auch die Unschuld<br />
in Person vernichten.<br />
Ich geh nicht ganz falsch von der<br />
These aus, dass ihr zwei in Sachen<br />
Temperament nicht ganz d’accord seid.<br />
Musst du dich sehr zurücknehmen?<br />
Ja schon, da gibt es schon viele Unterschiede,<br />
was die Sache nicht leichter macht, zumal<br />
das Gretchen viel jünger ist als ich …<br />
<strong>No</strong>ch jünger?<br />
Ja, sie steckt zwar in einem Frauenkörper,<br />
ist aber im Kopf noch ganz Kind. Es hat<br />
mich doch nervös gemacht, aber Julia<br />
Gschnitzer, mit der ich deshalb viel telefoniert<br />
habe, hat mich beruhigt und gemeint:<br />
„Ronja, mach dir keine Sorgen, du bist<br />
‚a gspucktes Gretchen‘ “!<br />
Tipp Ronja Forcher:<br />
Cecelia Ahern:<br />
So klingt dein Herz<br />
Argon, 6 Audio-CDs,<br />
420 Min., € 20,60<br />
Goethe: Faust (Urfaust, Faust 1,<br />
Faust 2), kommentiert von Erich<br />
Trunz – Jubiläumsausgabe<br />
C.H. Beck, 777 S., € 10,30<br />
Veranstaltung:<br />
Künstlergespräch in der<br />
Wagner’schen mit Johannes<br />
Reitmeier & Ronja Forcher<br />
Mo., 23. Oktober 2017,<br />
19:30 Uhr, Eintritt frei<br />
Johannes Reitmeier
Mehr Lebenshilfe und<br />
Esoterik in der Wagner’schen<br />
Von Martin Bär<br />
Buchtipps<br />
Peter Hofinger:<br />
Thorwald Dethlefsen:<br />
Schicksal als Chance<br />
Goldmann Verlag, 271 S., € 9,20<br />
Ken Wilber: Mut und Gnade<br />
S. Fischer Verlag, 464 S., € 12,40<br />
Geoffrey Hoppe:<br />
Adamus Saint-Germain –<br />
Entdecke den Meister in dir<br />
Ansata Verlag, 256 S., € 18,50<br />
Lee Carroll:<br />
Kryon – der neue Mensch<br />
Koha Verlag, 256 S., € 19,50<br />
Wir haben gemerkt, dass unsere Kunden<br />
verstärkt auf der Suche sind: nach Sinn,<br />
nach Hilfe in ihrer speziellen Lebenssituation.<br />
Die Schließung der Buchhandlung Phönix<br />
haben wir zum Anlass genommen, den<br />
Bereich Lebenshilfe und Esoterik großzügig<br />
zu erweitern. Neben Büchern zum Thema<br />
gibt es auch alles zum Räuchern, ACAMA-<br />
Klangschalen, die passende Musik und<br />
geführte Meditationen von Polyglobe-Music.<br />
Besonderheiten im heurigen Bücherherbst<br />
sind diesbezüglich für mich „Stille“<br />
von Erling Kagge, einem norwegischen<br />
Abenteurer, der uns zeigt, wie es möglich<br />
ist, auch im täglichen Leben wertvolle<br />
Momente der Stille zu finden, weiters „Die<br />
Weisheit eines Yogi“, in dem der weltbekannte<br />
Yogi Sadhguru mit viel Humor über<br />
seine Entwicklung schreibt und praktische<br />
Yoga-Tipps gibt. Und der amerikanische<br />
Meditationsmeister Culasada John Yates<br />
legt ein umfassendes Handbuch zur Meditation<br />
vor: In 10 Stufen wird der Übende<br />
zur Meisterschaft geführt. Es gibt auch<br />
neue Bücher von Robert Betz, William Paul<br />
Young oder Diana Cooper, die es bei uns zu<br />
entdecken gibt.<br />
Peter Hofinger, Gründer und Eigentümer<br />
der Buchhandlung Phönix, hat uns<br />
ein paar Fragen beantwortet:<br />
© Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
Wie lange führten Sie die<br />
Buchhandlung Phönix?<br />
Wie ich erst viel später erfahren habe,<br />
schlossen meine ehemaligen Schulkameraden<br />
der Handelsakademie hinter meinem<br />
Rücken Wetten ab, ob meine neu gegründete<br />
Buchhandlung ein halbes oder doch<br />
wenigstens ein dreiviertel Jahr Bestand<br />
haben würde. Geworden sind es dann doch<br />
fast 34 Jahre.<br />
Den Anfang machte ich 1983 in meinem<br />
damaligen Wohnzimmer in der Innsbrucker<br />
Altstadt. Dort erstellte ich kleine Bücherlisten,<br />
gab sie an Freunde und Bekannte<br />
weiter und hoffte auf eingehende Bestellungen:<br />
„Buchversand Hofinger“ war geboren.<br />
Einige Monate später entdeckte ich in der<br />
ersten Kurve der Höttinger Gasse einen<br />
Platz für unsere „Sonne-Mond-Buchhandlung“,<br />
in der ich mit meinem Bruder Hans<br />
und unseren beiden Frauen an den Start<br />
ging. Wir machten Innsbruck mit den aus<br />
England importierten Bachblüten-Essenzen<br />
vertraut und gaben unsere eigene „Sonne-<br />
Mond-Zeitung“ heraus. Nach einigen<br />
Jahren übernahmen Hans und Gundi einen<br />
Esoterik-Großhandel, während Monika<br />
und ich uns entschieden, die Firma in<br />
die Leopoldstraße zu verlegen und in<br />
„Phönix Buchhandlung“ umzubenennen.<br />
Im Rahmen unserer Phönix-Seminare<br />
luden wir hochkarätige Vortragende und<br />
Seminarleiter ein und schufen damit die<br />
Basis für viele, die heute im energetischen<br />
Bereich arbeiten. Wir boten Kurse für<br />
Anfänger und Fortgeschrittene zu mittlerweile<br />
anerkannten Themen an: Astrologie,<br />
Krankheit als Symbol, Lichtarbeit, Reiki,<br />
Lithotherapie, Rückführungen usw. In so<br />
vielen Dingen waren wir Vorreiter des neu<br />
erwachenden Bewusstseins. Meditationsund<br />
Entspannungsmusik begleitete uns<br />
von Anfang an, durch unseren Kontakt zu<br />
Polyglobe Music kamen viele weitere feine<br />
Klänge dazu. Vorsichtig streckten wir die<br />
Fühler ins Stadtzentrum aus und mieteten<br />
vorerst nur eine Filiale an, aber dann wurde<br />
es Zeit für den Phönix, die beiden kleinen<br />
Läden zu einem großen Geschäftslokal<br />
am Marktgraben zu vereinen. Vieles, was<br />
13<br />
unsere Kunden erst an diesem Ort entdeckten,<br />
hatten wir auch schon zwei Jahrzehnte<br />
zuvor in unserem Sortiment, beispielsweise<br />
ACAMA-Klangschalen und Aura Soma.<br />
Bücher seit 1639<br />
Wir boten Aurafotografie an und luden<br />
einige der besten Medien aus Großbritannien<br />
ein, um unseren Kunden Botschaften aus<br />
der geistigen Welt zu vermitteln. Wir entwickelten<br />
die Eigenmarke WegGefährtin für<br />
Räucherungen, Kerzen, Sprays, Engelchen,<br />
und nach anfänglicher Skepsis werden auch<br />
unsere „SeelenZuckerl“ als energetische<br />
Unterstützung äußerst geschätzt.<br />
In den insgesamt fast 34 Jahren ist der<br />
„Phönix“ von einer der ersten zu einer der<br />
größten österreichischen Fachbuchhandlungen<br />
für Esoterik gewachsen. Aber nun<br />
ist es Zeit für meine Pensionierung, daher<br />
gebe ich die Esoterik-Fackel an Markus<br />
Renk und sein Team von der Wagner’schen<br />
weiter.<br />
Wie können Bücher Lebenshilfe<br />
geben und mit welchen Anliegen<br />
kamen Kunden auf Sie zu?<br />
Unsere Kunden waren oft auf der Suche<br />
nach Hilfestellung in schwierigen Lebenssituationen,<br />
z. B. Todesfall in der Familie,<br />
Scheidung, Krankheit, Arbeitslosigkeit.<br />
Jeder von uns kommt irgendwann im Leben<br />
an seine Grenzen und ist dankbar für ein<br />
hilfreiches Wort. Ein gutes Buch, angenehme<br />
Musik, feiner Duft, entspannende<br />
Klänge, wohltuende Öle, inspirierende<br />
Kartensets können uns dabei unterstützen,<br />
wieder zu unserem inneren Zentrum zu gelangen<br />
und unseren innersten Lebensquell<br />
neu zu erschließen.<br />
Welches Buch hat Ihnen persönlich<br />
geholfen?<br />
Thorwald Dethlefsens Buch „Schicksal<br />
als Chance“, in dem ich Grundlegendes<br />
über die wichtigsten Gesetze des Lebens<br />
erfuhr und sich mir immer mehr der<br />
Sinn des Lebens erschloss. Mein absolutes<br />
Lieblingsbuch ist aber nach wie vor „Mut<br />
und Gnade“ von Ken Wilber, ein schonungslos<br />
ehrliches, sehr persönliches Buch<br />
über den Umgang mit tödlicher Krankheit.<br />
Welches Thema in diesem Bereich ist<br />
aktuell sehr stark?<br />
Oftmals kristallisiert sich ein großes Thema<br />
heraus, ein Trend entsteht, man denke<br />
nur an die riesige Reiki-Welle, die längst<br />
wieder komplett abgeebbt ist, an die Blütezeit<br />
des Feng-Shui oder an den großen<br />
Engel-Boom. Bis vor Kurzem war es auch<br />
im heiligen Land Tirol Mode, alles mit<br />
einem „Blume des Lebens“-Aufkleber zu<br />
versehen statt wie bisher an allen Ecken<br />
und Enden Kruzifixe aufzuhängen.<br />
Immer mehr wendet man sich von den<br />
theoretischen Gedankengebäuden<br />
der Esoterik hin zur Praxis: „Wie kann<br />
ich Esoterik in meinen Alltag einfließen<br />
lassen?“ – diesem Thema widmet sich<br />
besonders der Schirner-Verlag mit seinem<br />
umfangreichen Angebot an Kartensets,<br />
CDs, DVDs und Büchern, verfasst von<br />
anerkannten Seminarleiter/inne/n. Auch die<br />
Übungshefte aus dem Trinity-Verlag haben<br />
sich zu heimlichen Bestsellern gemausert<br />
und nicht zuletzt ist Kreativität ein großes<br />
Thema. Dazu gibt es in vielen Verlagen<br />
Malbücher für Erwachsene. Durch Ausmalen<br />
zur Ruhe kommen: ein riesengroßer<br />
und sinnvoller Trend!<br />
Wie gefällt Ihnen der neue<br />
Esoterik/Lebenshilfe-Bereich in der<br />
Wagner’schen?<br />
Ich war äußerst positiv überrascht, als<br />
ich die neue Esoterik-Abteilung der<br />
Wagner’schen gesehen habe. Keine billigen<br />
inhaltsleeren Sprücheklopfer-Bücher nach<br />
dem Motto „Wie werde ich am besten<br />
heute noch steinreich?“. Qualitativ hochwertige<br />
Ratgeber und ausgewählte Klassiker<br />
zeugen davon, dass sich das Team der<br />
Wagner’schen mit der Sache eingehend<br />
beschäftigt hat. Wenn ich zurückdenke:<br />
Als ich meine Buchhandlung eröffnet hatte,<br />
gab es in der Wagner’schen ein Regal voll<br />
mit den schwarzen Büchern des Schikowski-<br />
Verlages, vorwiegend berühmt-berüchtigte<br />
Bücher zum Thema Magie. Das war auch<br />
schon alles, was Innsbruck zum Thema<br />
Esoterik zu bieten hatte. Welch eine Veränderung<br />
im Bewusstsein der Stadt, dass nun<br />
auch die alteingesessene Wagner’sche mit<br />
einer schönen, großen, gut sortierten<br />
Abteilung zum Thema Esoterik, Spiritualität<br />
und Lebenshilfe aufwarten kann!<br />
Welches aktuelle Buch aus diesem<br />
Bereich können Sie besonders<br />
empfehlen?<br />
Ich habe Geoffrey Hoppe schon ein paar<br />
Mal in Vorträgen und Seminaren erlebt und<br />
halte ihn für einen der besten Channeler der<br />
Welt. Er ist auf humorvolle Weise imstande,<br />
den klassischen Botschaften von St. Germain<br />
neues Leben einzuhauchen und der<br />
neuen Zeit, der neuen Energie entsprechende<br />
Anregungen zu geben. Zuletzt ist von<br />
ihm erschienen: „Entdecke den Meister in<br />
dir“ – eine Fundgrube für fortgeschrittene<br />
Esoteriker! Eine weitere interessante Neuerscheinung:<br />
„Kryon – der neue Mensch“<br />
von Lee Carroll, Thema: die Evolution der<br />
Menschheit, bereits der zwölfte Band der<br />
Kryon-Reihe.<br />
Esoterik-<br />
Empfehlungen<br />
Herbst 2017:<br />
Erling Kagge:<br />
Stille – ein Wegweiser<br />
Insel Verlag, 144 S., € 14,40<br />
Sadhguru:<br />
Die Weisheit eines Yogi<br />
Verlag O.W. Barth, 288 S., € 20,60<br />
William Paul Young:<br />
Lügen, die wir uns<br />
über Gott erzählen<br />
Allegria Verlag, 224 S., € 18,50<br />
Aljoscha Long und<br />
Ronald Schweppe:<br />
Die Bucht am Rande der Zeit<br />
Kailash Verlag, 128 S., € 14,40<br />
Diana Cooper:<br />
Der Aufstieg von Erde und<br />
Menschheit<br />
Ansata Verlag, 336 S., € 20,60<br />
Culadasa John Yates:<br />
Handbuch Meditation<br />
Arkana Verlag, 560 S., € 30,90<br />
Robert Betz:<br />
Jetzt reicht’s mir aber!<br />
Heyne Verlag, 256 S., € 10,30<br />
Renate Daimler:<br />
Das Buch der Erlaubnis<br />
Kösel Verlag, 224 S., € 20,60<br />
Rhonda Byrne:<br />
Wie The Secret<br />
mein Leben veränderte<br />
Arkana Verlag, 320 S., € 17,50
Innehalten<br />
in einer lauten Welt<br />
Fleur Sakura Wöss zeigt uns den Platz zwischen Raum<br />
und Zeit, den Platz der inneren Ruhe … Von Martin Bär<br />
Innehalten<br />
ist mehr<br />
als nur stehen<br />
zu bleiben.<br />
Fleur Sakura Wöss<br />
„Nur mehr jetzt“, „Nur mehr bis das Projekt<br />
zu Ende ist“, „Nur mehr bis die Bilanz<br />
fertiggestellt ist“, „Nur mehr …“ Manche<br />
erleben das Ende des „Nur mehr“ nicht<br />
mehr, weil ihr Körper sich schon vorher ins<br />
Burnout rettet.<br />
Das heutige Leben verlangt nach Speed<br />
und Wachstum. Die Fähigkeit innezuhalten<br />
scheint verloren gegangen zu sein. Durchhalteparolen<br />
sind für viele das tägliche<br />
Mantra. Erschöpfung und Unruhe sind<br />
das Resultat. Echte Freiräume gibt es nicht<br />
mehr. Warum ist das so?<br />
In ihrem in flüssigem, angenehm lesbaren<br />
Schreibstil gehaltenen Buch „Innehalten.<br />
Zen üben, Atem holen, Kraft schöpfen“<br />
lenkt Fleur Sakura Wöss den Blick<br />
auf Dinge, die man bis dato so nicht wahrgenommen<br />
hat. Sie selbst war eine Hochleisterin,<br />
die in ihren Berufen immer den<br />
Platz an der Spitze angestrebt hatte. Auch<br />
sie litt unter ihren „inneren Jagdhunden“.<br />
Sie trieben sie vor sich her, sodass zwischen<br />
anspruchsvollem Beruf und dem Leben<br />
mit Mann und Kindern kein Innehalten<br />
möglich war.<br />
Sie unterrichtete an der Universität,<br />
war Dozentenvertreterin, publizierte<br />
wissenschaftliche Abhandlungen, reiste<br />
zu Kongressen. Daheim warteten drei<br />
kleine Kinder auf sie. Sie kochte, wusch<br />
und räumte Legosteine weg, bevor sie sich<br />
bis Mitternacht wieder an den Schreibtisch<br />
setzte. Sie tanzte auf allen Hochzeiten –<br />
im scheinbar perfekten Tangoschritt.<br />
Doch das scheinbar perfekte Leben<br />
forderte seinen Tribut. Sie fühlte sich wie<br />
eine leere Raupenhülle. Schließlich wagte<br />
sie einen radikalen Schritt und kündigte.<br />
Ein Jahr des kompletten Nichtstuns und<br />
der Neuorientierung folgten. Es wurde ihr<br />
bewusst, dass Innehalten mehr ist als nur<br />
stehen zu bleiben. Innehalten kann nicht<br />
mit dem Kopf geplant werden, es erfordert<br />
eine Sensibilität für die Rhythmen des<br />
Lebens. Rhythmen brauchen aber auch<br />
Pausen, brauchen Innehalten.<br />
Bei der Suche nach dem Innehalten<br />
wurde ihr ein Begriff zum Wegweiser, den<br />
sie im japanischen Kulturkreis kennengelernt<br />
hatte. Das Wort „Zwischenraum“<br />
bezeichnet im Japanischen viele verschiedene<br />
Aspekte des Raumes und der Zeit.<br />
Es kann Freiraum, Freizeit, Grauzone,<br />
Leere, Pause bedeuten. Es sind Räume und<br />
Zeiten, in denen Durchatmen möglich wird,<br />
Zeiten, die nicht definiert und zweckbesetzt<br />
sind.<br />
Eine solche unbesetzte, leere Zeit ist<br />
die Meditation. Früher eine eher exotische<br />
Angelegenheit für „Spinner“, ist sie heute<br />
in der Mitte der Gesellschaft angekommen.<br />
Acht von zehn CEO’s in Silicon Valley<br />
meditieren regelmäßig. So genannte Mindfulness-Programme<br />
in Unternehmen sind<br />
längst keine Seltenheit mehr. Die Unternehmen<br />
erkennen, dass die leere Zeit, die<br />
sich in der Meditation auftut, den Kopf der<br />
Mitarbeiter klarer macht und den Körper<br />
gelassener.<br />
Paradoxerweise öffnet uns die Leere<br />
den Ausblick auf die Fülle des Lebens.<br />
Im Innehalten entfalten sich Kraft und<br />
Energie. Wer sich auf das Innehalten einlässt<br />
kommt zu Atem, nimmt sich Druck<br />
und erlebt, dass sich gerade im Nichtstun<br />
etwas ereignet. Innehalten und die Wendepunkte<br />
im Leben können Freiräume sein,<br />
damit Neues überhaupt erst entstehen<br />
kann.<br />
Fleur Sakura Wöss, ist ZEN-Lehrerin, Führungskräfte-Coach<br />
und Japanologin mit langjähriger<br />
Lehrtätigkeit als Professorin an der Universität<br />
Wien. Sie gründete 2006 das Zen-Zentrum Mishoan<br />
in Wien (www.mishoan.at), das sie seither leitet.<br />
Sie gibt Seminare in Österreich und Deutschland<br />
und redet zu den Themen Präsenz und Innehalten.<br />
Als Autorin publiziert sie regelmäßig Artikel<br />
zum Thema Zen Meditation. Ihr Anliegen ist es,<br />
die jahrtausende alte Tradition des „Innehaltens“<br />
für unsere Kultur und unser modernes Leben<br />
greifbar und anwendbar zu machen.<br />
Buchtipp:<br />
Fleur Sakura Wöss:<br />
Innehalten. Zen üben –<br />
Atem holen – Kraft schöpfen<br />
Kösel Verlag, 192 S., € 17,40<br />
Vortrag:<br />
© www.medwed-people.com<br />
14 Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
15<br />
Fleur Sakura Wöss<br />
stellt ihr Buch vor:<br />
Di., 21. <strong>No</strong>vember 2017,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung
Was macht Sie zur Bestsellerautorin,<br />
was ist Ihr Geheimnis?<br />
Kann ich das beantworten? (lacht) Ich<br />
bekomme z. B. vom Verlag gesagt, dass<br />
meine Romane vielschichtig sind. Ich verwende<br />
meistens mehr Perspektiven, damit<br />
die Geschichte nicht so eindimensional<br />
oder chronologisch verläuft. Ich versuche,<br />
dem Leser verschiedene Innensichten von<br />
den Figuren zu geben. Das ist auch für mich<br />
beim Schreiben wesentlich interessanter.<br />
Wie ist es Ihnen beim Schreiben Ihres<br />
neuen Buches ergangen?<br />
Es ist mit einer „Leichtigkeit“ geboren<br />
worden, die ich bei anderen Büchern<br />
vermisst habe. David war anders. Vielleicht,<br />
weil die Geschichte hat heranreifen können.<br />
Schließlich habe ich die Idee schon drei<br />
Jahre in meinem Kopf. Das Buch liebe ich<br />
auch deswegen, weil es mir nicht alles abverlangt<br />
hat. Ich habe mich nicht so geplagt<br />
und gequält wie bei den anderen Romanen.<br />
Was für Nachrichten bekommen Sie<br />
denn?<br />
Die Leute schreiben mir, dass sie auf<br />
einer Lesung waren oder meine Bücher<br />
verschlungen haben oder sich in einer ähnlichen<br />
Lebenssituation befinden wie meine<br />
Charaktere. Viele meinen, ich liefere das<br />
Identifikationspotential. Ich finde solche<br />
Nachrichten sehr nett, Schreiben ist schließlich<br />
ein eher einsamer Beruf. Da ist nur der<br />
Computer und du.<br />
Es verlangt einiges an Konzentration<br />
vom Leser ab. Man weiß auch in<br />
Ihrem neuen Buch „David“ lange<br />
nicht, was wie zusammenhängt.<br />
Das ist Absicht. Es löst sich dann wie ein<br />
Puzzle auf. Der Titel „David“ ist anfangs<br />
ein Rätsel. Die ganze Zeit liest man von<br />
Viktor, Magdalena und Jan. Das ist das<br />
Spiel: Nichts ist so, wie es scheint.<br />
Wie viel Judith W. Taschler steckt in<br />
diesem Buch?<br />
Ich bin selber als adoptiertes Kind aufgewachsen<br />
und habe dadurch ähnlich schräge<br />
oder irritierende Erfahrungen gemacht wie<br />
die Hauptfigur Jan. Diskussionen, wie sie<br />
im Buch vorkommen, habe ich auch miterlebt,<br />
nur später. Man kommt zum Beispiel<br />
nicht um die Auseinandersetzung mit Bert<br />
Hellinger und seinem radikalen Statement<br />
„Adoption ist Kindesraub und wird später<br />
gesühnt werden“ herum.<br />
Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Stil<br />
verbessern möchten?<br />
Ich denke mir oft beim Schreiben, ich<br />
könnte auch langsamer werden, „langatmiger“.<br />
Ich möchte in erster Linie, dass jedes<br />
Buch irgendwie anders und neu ist. Es soll<br />
nicht bei jeder Neuerscheinung heißen:<br />
„Ach, das ist ein typisches Taschler-Buch.“<br />
Gibt es eine Frage, die Ihnen noch nie<br />
gestellt wurde, die Sie aber unbedingt<br />
gestellt bekommen wollen?<br />
(lacht) Ich wurde zum Beispiel nie gefragt:<br />
Haben Sie es bereut, nicht mehr zu unterrichten,<br />
keine Deutschlehrerin mehr zu sein,<br />
sondern nur zu schreiben?<br />
© Birgit Köll (Taschler), Günther Pichlkostner (Kramer)<br />
Buchpräsentation:<br />
Judith W. Taschler:<br />
David<br />
Mittwoch, 4. Oktober 2017,<br />
20 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Moderation:<br />
Katharina Kramer (ORF)<br />
Musik: Bernd Lumassegger<br />
alias: Dr. Idoo<br />
Ich möchte,<br />
dass jedes Buch<br />
anders und<br />
neu ist.<br />
Katharina Kramer<br />
Judith W. Taschler<br />
16 Wagner’sche.<br />
Judith W.<br />
Taschler<br />
Ihr neues Buch<br />
„David“ erzählt<br />
die Geschichte<br />
einer Adoption.<br />
Wie viel Judith W.<br />
Taschler – die<br />
selbst bei Adoptiveltern<br />
aufwuchs –<br />
in diesem Buch<br />
tatsächlich steckt,<br />
verrät sie im<br />
Gespräch mit<br />
Ágnes Czingulszki.<br />
Sie sind von Picus, einem kleinen<br />
Wiener Verlag, zu Droemer, einem<br />
der größten deutschen Verlage,<br />
gegangen. Was hat sich verändert?<br />
Es hat sich viel verändert, weil Droemer viel<br />
stärker am Markt vertreten ist. Auch wenn<br />
Picus sehr viel für mich erreicht hat, die<br />
Marketingmöglichkeiten bei Droemer sind<br />
vielseitiger.<br />
Büßt man auch Freiheiten ein?<br />
Nein, eigentlich nicht. Es war nur beim<br />
ersten Buch, bei „bleiben“ so, dass der<br />
Verlag anfangs – was die Erzählform anbelangt<br />
– skeptisch war. Seither genieße ich<br />
bei Droemer eine gewisse Narrenfreiheit.<br />
Sie sind Bestsellerautorin: Erzeugt<br />
das beim Schreiben eines neuen<br />
Buches eher Druck oder beflügelt Sie<br />
das?<br />
Beides. Ich mache mir innerlich selber den<br />
Druck, weil ich ehrgeizig bin. Ich will einen<br />
gewissen Standard halten. Mein Buch soll<br />
einerseits für die „Masse“ geeignet sein,<br />
aber auch tiefgründig. Ich erlebe den Druck<br />
aber gar nicht vom Verlag oder von den<br />
Lesern. Ich bekomme sogar Fanpost auf<br />
Facebook.<br />
Und: Haben Sie es bereut?<br />
Nein. Ich wache heute noch oft in der Früh<br />
auf und denke mir, „großartig, ich kann<br />
meine Leidenschaft leben“.<br />
Judith W. Taschler, 1970 in Linz geboren, im<br />
Mühl viertel aufgewachsen, studierte Germanistik<br />
und Geschichte. Nach den Spiegel-Bestsellern<br />
„Die Deutschlehrerin“ und „bleiben“ legt sie nun<br />
mit „David“ einen spannenden neuen Roman<br />
rund um das Thema Adoption vor. Sie lebt mit<br />
ihrem Mann und ihren drei Kindern in Innsbruck<br />
und ist seit 2012 freischaffende Autorin.<br />
Buchtipp:<br />
Judith W. Taschler:<br />
David<br />
Droemer, 240 S., € 20,60
Dieses Buch ist wie eine Reise:<br />
Bei der Lektüre Ihres vor Kurzem<br />
erschienenen Romans „Der Trost<br />
der Rache“ spürt man den schwarzen<br />
Vulkansand zwischen den Zehen<br />
und blickt in den sternenklaren<br />
Atlantikhimmel am Strand von<br />
La Palma. Was verbindet Sie mit<br />
der Kanaren-Insel?<br />
Am Anfang war es nur die Entdeckung,<br />
dass auf dieser Insel das größte optische<br />
Teleskop der Welt steht, das im Roman<br />
eine zentrale Rolle spielen sollte. Doch bei<br />
meinen Recherchereisen (insgesamt vier)<br />
bin ich dem Charme La Palmas zunehmend<br />
verfallen. Und so werde ich auch als reiner<br />
Urlauber dorthin zurückkehren …<br />
Auch im Roman beginnt es mit<br />
einem harmlosen Urlaub, doch<br />
dann taucht man zusammen mit den<br />
Protagonisten ein in eine packende<br />
Geschichte, aus der es kein Entrinnen<br />
gibt. Sind uns die großen Tragödien,<br />
Abenteuer, Schicksalsschläge oft<br />
viel näher, als wir vermuten?<br />
Ich denke ja, und zwar sowohl persönlich<br />
als auch politisch. Und vermutlich ahnen<br />
wir das auch, wollen es aber nicht wahrhaben.<br />
Diese Verdrängungsprozesse sind ja<br />
ambivalent: einerseits verhindern sie, dass<br />
wir einen klaren Blick auf die Welt werfen,<br />
andererseits schützen sie uns vor der Wucht<br />
der Wirklichkeit. Würden wir auf all die<br />
Horrormeldungen, die Tag für Tag auf uns<br />
einprasseln, mit echter Empathie reagieren<br />
– wie sollten wir da weiterleben?<br />
Macht uns dieser Eskapismus<br />
vielleicht noch anfälliger? Der Blick<br />
ins All führt den Hobbyastronomen<br />
Adrian Rauch zum größten Spiegelteleskop<br />
der Welt und über Umwege<br />
auf den knallharten Boden der<br />
Wirklichkeit. Kann er der Realität<br />
nicht entfliehen?<br />
Ich glaube, dass einen die Realität immer<br />
einholt, ganz gleich, mit welchen Fluchtma-<br />
Nachbarschaft möglich sind. Chile war<br />
ja eine Art Modellfall: Die demokratisch<br />
gewählte Regierung wird zuerst blockiert,<br />
dann weggeputscht, und die Foltergeneräle<br />
bestellen gemeinsam mit der CIA das Feld<br />
für kapitalistische Experimente, in denen<br />
Menschen zu Laborratten degradiert werden.<br />
Die Botschaft war: „Wagt es ja nicht,<br />
irgendwo auf der Welt durch Wahlen eine<br />
sozialistische Regierung zu implementieren,<br />
die unseren Interessen im Wege steht. Da<br />
kennen wir kein Erbarmen.“ Die Frage, was<br />
„wir“ in diesem Kontext bedeutet, hat die<br />
Geschichte beantwortet.<br />
Wilfried Steiner, geboren 1960 in Linz. Seit 1977<br />
publiziert er in Zeitschriften und veröffentlichte<br />
mehrere Romane, u. a. „Der Weg nach Xanadu“<br />
(Insel), „Bacons Finsternis“ (Zsolnay) und<br />
„Die Anatomie der Träume“ (Metro). Bis 1999 in<br />
der ARGE <strong>No</strong>nntal, seitdem im Linzer Posthof<br />
für die Bereiche Tanz, Theater, Kleinkunst und<br />
Literatur zuständig.<br />
© Andrea Peller (Steiner), Mihai Mitrea (Hofstätter)<br />
Die Realität<br />
holt uns immer<br />
ein, ganz gleich,<br />
mit welchen<br />
Fluchtmaschinen<br />
man entkommen<br />
will.<br />
Wilfried Steiner<br />
18 Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Wilfried<br />
Steiner<br />
In „Der Trost der<br />
Rache“ führt uns<br />
Wilfried Steiner<br />
durch ein bildgewaltiges<br />
Abenteuer,<br />
das die<br />
großen Lebensfragen<br />
nicht scheut.<br />
Ein Gespräch mit<br />
Christophe Koroknai.<br />
19<br />
schinen man entkommen will. Bei Adrian<br />
ist es eher so, dass die eigene Vergangenheit<br />
sein Verhalten beeinflusst. Er war ja auch<br />
einmal ein rebellischer Geist; durch die<br />
Routine ist dieser Zug seines Charakters<br />
verschüttet worden. Dank der Vorfälle auf<br />
der Insel entdeckt er das Feuer in sich neu.<br />
Gilt das für uns alle?<br />
Dass man der Wirklichkeit nicht entfliehen<br />
kann, gilt für uns alle. Natürlich besteht<br />
für eine kleine Minderheit die Möglichkeit,<br />
sich mit viel Geld auf idyllische Orte<br />
zurückziehen und sich in bunkerähnlichen<br />
Anlagen zu verschanzen, aber es gibt keine<br />
Garantie, dass nicht auch solche Festungen<br />
gestürmt werden können. Das hat in gewisser<br />
Weise auch etwas Tröstliches.<br />
Die grausamen Verbrechen, die<br />
während der Militärdiktatur<br />
Pinochets in Chile verübt wurden,<br />
spielen in „Der Trost der Rache“<br />
eine wichtige Rolle. Vergessen wir zu<br />
oft, dass uns derartige Katastrophen<br />
unabhängig von der großen<br />
Entfernung direkt betreffen?<br />
Ja, vor allem deshalb, weil vergleichbare<br />
Entwicklungen auch in unmittelbarer<br />
Buchtipp:<br />
Wilfried Steiner:<br />
Der Trost der Rache<br />
Haymon Verlag, 280 S., € 22,90<br />
Buchpräsentation:<br />
Wilfried Steiner:<br />
Der Trost der Rache<br />
Gemeinsam mit<br />
Maria Hofstätter<br />
Fr., 6. Oktober 2017, 19:30 Uhr,<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Maria Hofstätter
Soeben ist „Todesreigen“, der<br />
vierte Fall von Profiler Maarten S.<br />
Sneijder, erschienen. Es geht unter<br />
anderem um die Leichen im Keller<br />
einiger Kripoermittler. Wie weit ist<br />
der Mensch bereit zu gehen, um den<br />
eigenen schönen Schein zu wahren?<br />
Kommt darauf an. Ich beispielsweise<br />
versuche gar nicht erst, den Schein zu<br />
wahren. Ich bin so, wie ich bin, privat wie<br />
in der Öffentlichkeit, dadurch lebt es sich<br />
viel unbeschwerter. Einige Menschen<br />
leben aber in einer Trugwelt aus Lüge und<br />
Vertuschung. Über die zu schreiben, macht<br />
natürlich herrlich Spaß, weil man spannende<br />
Geschichten dazu erfinden kann.<br />
Sie haben Sneijder an anderer Stelle<br />
als „Kotzbrocken“ bezeichnet, der<br />
dennoch großen Spaß macht und Sie<br />
zum Lachen bringt. Dürfen wir also<br />
darauf hoffen, dass er noch viele Fälle<br />
zu lösen haben wird?<br />
„Todesreigen“ ist – wie auch alle Bände<br />
davor – ein in sich abgeschlossener Roman.<br />
Trotzdem ist es der Auftakt zur sogenannten<br />
zweiten Trilogie. Ich habe eine grobe<br />
Vorstellung davon, wie es im fünften und<br />
sechsten Band weitergehen könnte, wobei<br />
im letzten Absatz von „Todesreigen“ ein<br />
kleiner Hinweis enthalten ist, was als nächstes<br />
passiert. Sneijder kommt also wieder –<br />
oder wie er es selbst formulieren würde:<br />
„Sie dürfen an allem im Leben zweifeln,<br />
aber zweifeln Sie niemals an mir!“<br />
Ihre Thriller darf man getrost als<br />
„hardboiled“ bezeichnen – dennoch<br />
bestechen Sie auch durch sehr<br />
humorige Situationen. Ist Ihnen<br />
dieser Kontrast wichtig?<br />
Die Bücher haben nicht nur eine komplexe<br />
Handlung, sondern sind auch sehr brutal<br />
und haben heftige Szenen … Thriller eben!<br />
Und gerade da finde ich es wichtig, das<br />
Nervenkostüm der Leser zwischendurch<br />
ein wenig aufzulockern. Einerseits durch<br />
saloppe Dialoge zwischen Sneijder und seiner<br />
Assistentin Sabine Nemez, andererseits<br />
durch Sneijders extravagantes Verhalten:<br />
weiterleben und das tun, was einem Spaß<br />
macht: Geschichten erfinden!<br />
Sie sind im Oktober beim Krimifest<br />
Tirol in der Wagner’schen zu Gast.<br />
Auf welche Ihrer KollegInnen<br />
freuen Sie sich besonders – und<br />
warum? Und wie stehen Sie als<br />
krimifestivalerfahrener Autor dazu,<br />
dass es nun ein so großes Krimifest<br />
in Österreich gibt?<br />
Es ist großartig, dass der Haymon Verlag<br />
dieses Festival aus dem Boden gestampft<br />
hat, noch dazu mit so vielen Größen aus<br />
der Krimi- und Thriller-Szene. Besonders<br />
freue ich mich auf meine Kollegen Max<br />
Bentow und Beate Maxian, die auch im<br />
Goldmann-Verlag veröffentlichen und mit<br />
denen ich gemeinsam lesen darf. Und natürlich<br />
auf Mit-Initiator Bernhard Aichner,<br />
der mir mit seiner erfrischenden Art immer<br />
ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn wir<br />
uns sehen.<br />
Ich bin so, wie<br />
ich bin, dadurch<br />
lebt es sich viel<br />
unbeschwerter.<br />
Andreas Gruber<br />
21<br />
© privat<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
20<br />
Andreas<br />
Gruber<br />
Andreas Gruber<br />
hat erneut den<br />
Höhenflug in die<br />
Bestsellerlisten<br />
angetreten – und<br />
ist dennoch am<br />
Boden geblieben.<br />
Ein Gespräch mit<br />
Linda Müller.<br />
Er ist ein schräger, irrer, abgefuckter, zynischer,<br />
misanthropischer, schwuler, klauender,<br />
kiffender Profiler, der noch dazu sehr<br />
wortgewandt und schlagfertig ist.<br />
Was ist die Sneijder-Methode?<br />
Er raucht Marihuana, akupunktiert sich<br />
mit Nadeln, trinkt Vanilletee und versetzt<br />
sich dann in die Lage des Killers, steigt in<br />
sein Hirn ein, wird zum Täter und führt im<br />
Geiste fiktive Dialoge mit dem so genannten<br />
Tatverdächtigen Null. Und dafür hat<br />
er höchstens 48 Stunden Zeit, denn danach<br />
lässt sich – nach Sneijder – ein Verbrechen<br />
nur noch schwer aufklären.<br />
Und was ist die Gruber-Methode?<br />
Ihre Bücher sind absolute Bestseller<br />
und das Lesepublikum erwartet<br />
stets schon sehnsüchtig den nächsten<br />
Band. Wie gehen Sie mit dem großen<br />
Erfolg um?<br />
Ich lasse gar nicht erst zu, dass ich diesen<br />
Erfolg im Privatleben spüre. Ich glaube<br />
auch nicht, dass man mir diesen Aufstieg<br />
anmerkt. Meine Freunde und Nachbarn<br />
sind immer ganz erstaunt, wenn sie mich<br />
zufällig im Radio hören oder im Fernsehen<br />
oder in Zeitungen sehen. Einfach locker<br />
Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als<br />
freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg<br />
in Nieder österreich. Er hat bereits mehrere äußerst<br />
erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und<br />
Romane verfasst. In seiner Freizeit gibt Andreas<br />
Gruber Schreibworkshops, ist begeisterter Kinogeher,<br />
reist viel mit seiner Frau, spielt leidenschaftlich<br />
gern Schlagzeug und wartet bis heute<br />
vergebens auf einen Anruf der Rolling Stones.<br />
Buchtipp:<br />
Andreas Gruber:<br />
Todesreigen<br />
Goldmann, 576 S., € 10,30<br />
Veranstaltung:<br />
Vom 14. bis 21. Oktober steht<br />
Tirol im Zeichen des Krimina l<br />
romans: Zum ersten Mal findet<br />
das Krimifest Tirol statt.<br />
Andreas Gruber liest am<br />
Mo., 16. Oktober 2017,<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung,<br />
gemeinsam mit Friedrich Ani,<br />
Lena Avanzini und<br />
Tatjana Kruse.<br />
Moderation: Ernst Krekeler<br />
Eintritt frei!<br />
Den vollständigen Timetable<br />
finden Sie unter:<br />
www.krimifest.at
Aller guten Dinge sind drei<br />
Ein Markus-Köhle-Schwerpunkt in Innsbruck<br />
anlässlich seines neuen Romans „Jammern auf hohem Niveau.<br />
Ein Barhocker-Oratorium“ (Sonderzahl). Von Robert Renk<br />
© Konflozius (Köhle), Mihai Mitrea (Medusa),<br />
Nikolaus-Korab (Fian)<br />
Buchtipps:<br />
Halbglücklich<br />
kann ich auch<br />
alleine sein.<br />
Markus Köhle:<br />
Jammern auf hohem Niveau.<br />
Ein Barhocker-Oratorium<br />
Sonderzahl, 160 S., € 19,90<br />
(mit Bierdeckel!)<br />
Markus Köhle, Mieze Medusa<br />
(Hrsg.): Slam Oida!<br />
Lektora, 257 S., € 14,3<br />
Markus Köhle<br />
22<br />
Wagner’sche.<br />
Markus Köhle (geboren 1975 in Nassereith,<br />
Tirol) ist ein Phänomen und zwar – obschon<br />
er ein äußerst höflicher, gutgelaunter<br />
und redegewandter Tiroler ist – kein einfaches.<br />
Vielmehr ein vielfaches!<br />
• Sprachinstallateur, Literaturzeitschriftenaktivist<br />
und Poetry-Slam-Papa Österreichs.<br />
• Romanautor, Slamanthologien-Herausgeber<br />
und Moderator. Wiener, Weltreisender<br />
und Welser StaTTschreiber<br />
(heißt wirklich so, die TT wird’s freuen).<br />
• Sprachwolperdingererleger, Korrespondenzpoet<br />
und Dorfdefektmutantenbiograph.<br />
• Bier-, Bierdeckel- und Barhockerfetischist.<br />
• Germanist, Romanist und Dadaist.<br />
• Kreuzen Sie an, welche Assoziations-<br />
Trilogie für Sie am ehesten in Frage<br />
kommt, oder fügen Sie gerne noch<br />
weitere gedankliche Dreisprünge an.<br />
Seit 2001 ist Markus Köhle nun schon<br />
literarisch, literaturkritisch, literaturwissenschaftlich<br />
und auch als Literaturveranstalter<br />
im In- und Ausland aktiv. Unter<br />
anderem ist er schwer mitverantwortlich<br />
für das Innsbrucker Prosafestival.<br />
Seit 2004 lebt und arbeitet er in Wien.<br />
Zahlreiche Bücher zieren seinen literarischen<br />
Erfolgslauf. Der neueste literarische<br />
Wurf: „Jammern auf hohem Niveau.<br />
Ein Barhocker-Oratorium“ (Sonderzahl).<br />
Markus Köhle jammert nicht nur auf<br />
hohem Niveau, sondern slammt auch auf<br />
selbigem. Und das schon länger, als die<br />
meisten wissen, was slammen bedeutet.<br />
Er ist begnadeter „Schöntrinker“<br />
(beste Beiträge in „Heiraten – schön trinken“,<br />
„Radfahren – schön trinken“ oder<br />
„Wien – schön trinken“ – alle Milena<br />
Verlag) und in seinem brandneuen Roman<br />
wird auch ganz schön getrunken (alles<br />
andere wäre enttäuschend). Auch wenn<br />
seine Muse Mieze Meduse dereinst postulierte:<br />
„Trinkst Du mich schön, sauf ich<br />
Dich klug!“.<br />
Ich frage mich, was eigentlich der<br />
Poetry-Slam-Papa Österreichs und flei -<br />
ßige Co-Herausgeber dazu Schönes oder<br />
Kluges sagen kann. Und da meldet er<br />
sich schon und meint: „Mieze Medusa ist<br />
nicht meine Muse. Dafür hat sie gar keine<br />
Zeit. Mieze Medusa schreibt an ihrem neuen<br />
Roman und weiß (wie das erwähnte Zitat<br />
beweist), wie man festgeschriebene sprachliche<br />
Wendungen nicht nur dekonstruiert,<br />
sondern gleichzeitig perpetuiert, ihnen also<br />
eins drüberzieht und noch einen draufsetzt.<br />
Es sagt uns also, dass sich da zwei gefunden<br />
haben, die nicht nur gemeinsam um die<br />
Häuser ziehen, sondern sich auch gemeinsam<br />
mit gegenwärtigen Literatur- und<br />
Sprachformen und deren Vermittlung auseinandersetzen<br />
und dass diese zwei davon<br />
(und von einander) noch lange nicht die<br />
Schnauze (gern aber das Glas) voll haben<br />
und das wiederum finden wir ganz schön<br />
klug genug.“<br />
Was wiederum der großartige Antonio<br />
Fian zum „Barhocker-Oratorium“ zu sagen<br />
hat, wissen wir noch nicht – aber bald, denn<br />
auch er kommt zu den Köhle-Festspielen<br />
nach Innsbruck.<br />
Dazu gesellt sich am Mittwoch, den<br />
11. Oktober um 19 Uhr Klaus Zeyringer.<br />
Denn an diesem Tag ist es in der Stadtbücherei,<br />
(noch) Colingasse 5a, wieder Zeit<br />
für ein literarisches Werkstattgespräch zum<br />
Thema „Performance, Pointen und Politik“.<br />
Ein wilder, literarischer Haufen beehrt dann<br />
am Montag, den 30. Oktober um 19:30 Uhr<br />
die Wagner’sche, wenn die neueste Anthologie<br />
„Slam Oida!“ präsentiert wird. Herausgegeben<br />
und natürlich auch präsentiert<br />
und moderiert von Mieze Medusa und dem<br />
dienstältesten Slammer Österreichs,<br />
Mr. Markus Köhle.<br />
Zu Gast ist alles, was das Tiroler Slammerherz<br />
begehrt: Stefan Abermann, Martin<br />
Fritz, Käthl, Markus Koschuh, Rebecca<br />
Heinrich u.e.a. Und auch ein Überraschungsgast<br />
soll sich angesagt haben, aber<br />
wir verraten nix ;-), selber kommen!<br />
Den zwei Herausgebern, die auch als<br />
schreibendes Paar die Aufmerksamkeit<br />
des Literaturhauses am Inn erregt haben,<br />
ist dann der Abschlussabend gewidmet.<br />
Am Donnerstag, den 14. Dezember wird<br />
um 19 Uhr zum „Paarlauf“ geladen, und<br />
zwar in die Caféteria im Erdgeschoß des<br />
Literaturhauses in der Josef-Hirn-Straße 10.<br />
Aber keine Angst, dazwischen und danach<br />
gibt es regelmäßig den Poetry Slam in<br />
der Bäckerei, und wann Markus Köhle<br />
sonst noch wo ist, das entdecken Sie auf<br />
seiner toll gestalteten Homepage:<br />
www.autohr.at.<br />
Markus-Köhle-<br />
Schwerpunkt<br />
in Innsbruck:<br />
Mittwoch, 11. Oktober 2017,<br />
19 Uhr – Stadtbücherei<br />
Innsbruck, Colingasse 5a<br />
Grenzgänge X „Performance,<br />
Pointen und Politik“.<br />
Markus Köhle & Antonio Fian im<br />
Gespräch mit Klaus Zeyringer<br />
Montag, 30. Oktober 2017,<br />
19:30 Uhr – Wagner’sche,<br />
Museumstraße 4<br />
Buchpräsentation<br />
„Slam Oida!“ – u. a. mit<br />
Markus Köhle, Mieze Medusa,<br />
Stefan Abermann, Martin Fritz,<br />
Käthl, Markus Koschuh,<br />
Rebecca Heinrich u.e.a und<br />
Überraschungsgast!<br />
Donnerstag, 14. Dezember 2017,<br />
19 Uhr – Literaturhaus,<br />
Caféteria im Erdgeschoß,<br />
Josef-Hirn-Straße 10<br />
Paarlauf – Markus Köhle<br />
& Mieze Medusa lesen und<br />
legen auf.<br />
Mieze Medusa<br />
Antonio Fian
Erzählen und erzählen lassen<br />
John Burnsides neuer Roman wirft ein Licht auf die<br />
vergessene Geschichte der USA jenseits von Hollywood.<br />
Von Christine Lötscher<br />
© Olivier Roller (Burnside), Antonia Mayer (Kasal)<br />
Literatur ist<br />
kein Spiel für<br />
Regentage; sie<br />
entsteht unter<br />
Lebensgefahr.<br />
24<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
25<br />
„Ashland & Vine“, der magisch klingende<br />
Titel des neuen Romans von John Burnside,<br />
erscheint zunächst ganz und gar mysteriös.<br />
Denn wir folgen Kate, einer Studentin der<br />
Filmwissenschaft, die nicht aus der Trauer<br />
um ihren toten Vater herauskommt und<br />
sich in einem Teufelskreis bewegt, durch<br />
ihren ebenso eintönigen wie verzweifelten<br />
Alltag: „Sich betrinken, nüchtern werden,<br />
paranoid werden, sich wieder betrinken.“<br />
Zufällig trifft sie auf ihre Scheherazade, die<br />
erzählend sich selbst und ihre Zuhörerin<br />
rettet: eine viel ältere Frau namens Jean<br />
Culver, die wie die Hexe aus dem Märchen<br />
allein in einem Haus im Wald wohnt. Sie<br />
mästet und kocht ihre Besucherin aber<br />
nicht, sondern holt sie im Gegenteil aus<br />
ihrer Hölle heraus – um sie in eine Familiengeschichte<br />
voller Traumata eintauchen<br />
zu lassen. Aus Jeans Erzählungen erfahren<br />
wir, dass es sich bei „Ashland & Vine“<br />
um eine Straßenkreuzung handelt, Ecke<br />
Ashland und Vine in St. Louis, Missouri.<br />
Der Mord an einem Rechtsanwalt und<br />
Gegner der Rassentrennung, der sich dort<br />
vor Jahrzehnten ereignet hatte, ist Teil einer<br />
vergessenen Geschichte Amerikas, ein<br />
Brennpunkt auf der Landkarte dessen, was<br />
in der Hollywood-Version der US-amerikanischen<br />
Geschichte nicht vorkommt. Der<br />
Mann, der an der Ecke Ashland & Vine<br />
ermordet wurde, ist Jeans Vater. Doch das<br />
ist erst der Anfang ihrer Leiden, die aufs<br />
Engste mit der Geschichte der Südstaaten<br />
verbunden sind. Burnside tastet schreibend<br />
nach unsichtbaren Verbindungen unter der<br />
Oberfläche der Dinge, die wir zu kennen<br />
glauben; und obwohl er scheinbar konventionell<br />
erzählt, entziehen sich vermeintliche<br />
Wahrheiten einem handfesten Zugriff.<br />
Denn Burnside ist ein Erzähler, der<br />
niemals mit großen Worten und aufgeblasenen<br />
Begriffen operiert; das überlässt<br />
er den Rezensenten – und seinen Figuren.<br />
Zumindest einer von ihnen: Laurits, ein<br />
Filmemacher, der sich lieber als Anthropologe<br />
bezeichnet, verfolgt in seinen<br />
Film-Collagen den Anspruch, ein Gegennarrativ<br />
zu den Geschichten zu weben,<br />
die Hollywood anbietet. Dazu schickt er<br />
Kate, mit der er in einem asymmetrischen<br />
Arrangement zusammenlebt, aus, um ganz<br />
normale Menschen über ihr Leben und<br />
ihre Träume zu befragen. Doch während<br />
Laurits als stolzer Theoretiker des originellen<br />
Projekts in seinen eigenen Redewolken<br />
verschwindet, werden die Gespräche zwischen<br />
Kate und Jane zu einer existentiellen<br />
Begegnung.<br />
Erzählen und erzählen lassen – das<br />
Ethos des Schreibens, wie es der Schweizer<br />
Dichter Klaus Merz in seiner <strong>No</strong>velle<br />
„Der Argentinier“ (Haymon 2009) formulierte,<br />
trifft auch den Kern der Poetik<br />
von Burnsides „Ashland & Vine“. Ohne<br />
Laurits’ theoretisches Konzept wäre Kate<br />
ihrer Scheherazade nie begegnet – denn das<br />
Erzählen hat seinerseits eine Geschichte,<br />
die reflektiert werden muss, um sich immer<br />
wieder neu zu realisieren. Doch ohne ihre<br />
eigene Fähigkeit, sich mit Haut und Haar<br />
auf einen anderen Menschen einzulassen,<br />
hätte Jeans Geschichte nicht erzählt werden<br />
können.<br />
Der letzte Prosatext von John Burnside, der<br />
auf Deutsch erschienen ist, war der zweite<br />
Teil seiner Autobiographie. In „Wie alle<br />
anderen“ erzählt der schottische Dichter,<br />
Romancier und Essayist, wie er, der Sohn<br />
eines gewalttätigen Alkoholikers, gegen die<br />
Versuchung kämpft, selbst in der Drogensucht<br />
unterzugehen. Doch das Projekt, ein<br />
„normales“ Leben zu führen, mit regelmäßigen<br />
Arbeitszeiten und gebügelten Hemden,<br />
verwandelt sich in etwas Unvorhergesehenes:<br />
Burnside wird zum Dichter. Unter<br />
seinen Augen wird das Alltägliche auf<br />
eine andere Welt hin durchsichtig, und aus<br />
der „wilden, gnadenlosen Suche nach der<br />
einen allumfassenden Ordnung“ entwickelt<br />
sich ein Sensorium für zarte, unsichtbare<br />
Verbindungen.<br />
Die Ich-Erzählerin aus „Ashland &<br />
Vine“ ist eine Verwandte des Dichters in<br />
seiner Verpuppungs- und Verwandlungsphase.<br />
Literatur, das lernen wir in jedem<br />
Prosatext von John Burnside aufs Neue, ist<br />
kein Spiel für Regentage; sie entsteht unter<br />
Lebensgefahr.<br />
Buchtipps:<br />
John Burnside:<br />
Ashland & Vine (Roman)<br />
Knaur Verlag, 416 S., € 24,70<br />
John Burnside:<br />
Wie alle anderen (Roman)<br />
Knaur Verlag, 320 S., € 20,60<br />
John Burnside:<br />
Anweisungen für eine<br />
Himmelsbestattung (Gedichte)<br />
Hanser Verlag, 300 S., € 22,70<br />
Buchpräsentation:<br />
John Burnside liest<br />
Moderation & Gespräch:<br />
Christine Lötscher<br />
Deutsche Stimme:<br />
Gerhard Kasal<br />
Donnerstag, 9. <strong>No</strong>vember 2017,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
in Zusammenarbeit mit<br />
8ungKultur<br />
Gerhard Kasal
Ein Schwein, zwei Hauptstädte<br />
und ein vielfältiges Europa<br />
Robert Menasse, einer der elegantesten Denker des Landes,<br />
hat nun den Roman der Saison vorgelegt. Von Robert Renk<br />
© Rafaela Proell<br />
Buchtipps:<br />
Der Tod ist<br />
das Einzige, was<br />
wir ganz sicher<br />
von der Zukunft<br />
wissen.<br />
Robert Menasse:<br />
Die Hauptstadt<br />
Suhrkamp, 459 S., € 24,70<br />
<strong>No</strong>miniert für die Shortlist des<br />
Deutschen Buchpreises 2017<br />
Robert Menasse:<br />
Der Europäische Landbote –<br />
Die Wut der Bürger und der<br />
Friede Europas<br />
Herder, 112 S., € 8,20<br />
Robert Menasse<br />
26 Wagner’sche.<br />
Mitten in Brüssel und mit dem Satz<br />
„Da läuft ein Schwein!“ beginnt der Roman<br />
„Die Hauptstadt“. Das Schwein – so viel<br />
sei verraten – läuft de facto durch den<br />
gesamten Roman, mal tatsächlich, mal als<br />
Metapher. Es wird symbolisch vorgeführt,<br />
um das drohende Ende des Qualitäts- sowie<br />
die Grenzen des plumpen Boulevardjournalismus<br />
aufzuzeigen. Und in Teilen steht<br />
es vor allem als Symbol der Schwachstellen<br />
der EU.<br />
Da läuft also ein schmutziges, rosa<br />
Hausschwein durch die Innenstadt von<br />
Brüssel! Kunstvoll verbindet Menasse<br />
dadurch schon im Prolog die wichtigsten<br />
Figuren des Romans und stellt sie dem<br />
Leser vor.<br />
Wir begegnen David de Vriend, dem ehemaligen<br />
Lehrer, der auch einer der letzten<br />
Überlebenden von Auschwitz ist. Er steht<br />
am Fenster seiner leeren Wohnung und<br />
bereitet sich auf die Übersiedlung in eine<br />
Altersresidenz vor, eine mit EU-Mitteln<br />
umgebaute alte Manufaktur für Grabsteine.<br />
Kai-Uwe Frigge, deutscher Kabinettschef<br />
in der Generaldirektion für Handel der EU,<br />
sitzt im Taxi am Weg zu Fenia Xenopoulou,<br />
der Kommunikationschefin für Kulturangelegenheiten,<br />
mit der er ebenso privat sehr<br />
gut kommuniziert. Und da ist auch Ryszard<br />
Oswiecki, der gerade im Hotel Atlas seiner<br />
Tätigkeit als Auftragskiller nachgegangen<br />
und nun auf der Flucht ist. Nicht vor dem<br />
Schwein, sondern vor seinen Auftraggebern,<br />
einer Art katholischen Geheimdienst.<br />
Auch Martin Susman, österreichischer<br />
EU-Beamter wird des Schweins gewahr,<br />
ebenso sein Landsmann, eine der interessantesten<br />
Figuren des Romans, nämlich<br />
Professor Alois Erhart. Der Ökonom ist<br />
zum obskuren Think-Tank „New Pact for<br />
Europe“ eingeladen, wird sich mit einem<br />
Knalleffekt aus selbigem entfernen, bevor er<br />
mit einem weiteren Knalleffekt vom Autor<br />
aus der Geschichte befördert wird.<br />
Und Kommissar Brunfaut, der darf<br />
nicht fehlen. Sein Großvater war ein<br />
berühmter Widerstandskämpfer und nun –<br />
nachdem ihm der Fall des Toten im Hotel<br />
Atlas entzogen wird – übt er sich selbst ein<br />
wenig in Widerstand.<br />
Sie alle werden es im Roman miteinander<br />
zu tun bekommen, hauptsächlich durch<br />
ein „EU-Jubilee-Project“. Ein Projekt, von<br />
der Idee getragen, auf die Gründungsnotwendigkeit<br />
der EU zu verweisen. Auf den<br />
Satz: „Nie wieder!“, weil doch das Ziel einer<br />
europäischen Friedensordnung nach 1945<br />
darin bestanden habe, in Europa Krieg,<br />
Terror und Diktatur zu verhindern. Nie<br />
wieder Auschwitz also und Auschwitz ist<br />
die Schattenhauptstadt dieses Romans.<br />
Wie Vieles, scheitert auch dieses Projekt<br />
an persönlichen Eitelkeiten, nationalistischen<br />
Bestrebungen und lobbyistischen<br />
Spielchen.<br />
Die These, die Robert Menasse in seinem<br />
brillanten Essay „Der europäische Landbote“<br />
postulierte: „Entweder geht das<br />
Europa der Nationalstaaten unter, oder<br />
es geht das Projekt der Überwindung der<br />
Nationalstaaten unter“, untermalt er nun<br />
genüsslich mit dem inszenierten Scheitern<br />
dieses und anderer Projekte.<br />
Mit verschiedensten Zangen packt<br />
Menasse das Thema EU an, genussvoll<br />
und kenntnisreich, dreht und wendet es,<br />
macht es anschaulich, persönlich, ja zutiefst<br />
menschlich, spielt es satirisch, wissend,<br />
hochintelligent und oft sehr nah am<br />
Realen. Dabei kommen auch die Teile des<br />
Schweins wieder auf den Tisch, nämlich die<br />
Schweins ohren, die in China als Delikatesse<br />
gehandelt werden. Gleich mehrere Nationalwirtschaften<br />
buhlen um diesen Markt,<br />
natürlich entgegen der gemeinsamen Interessen<br />
– nämlich der des nachnationalen<br />
Staatenbundes und der Wirtschaftsmacht<br />
Europa.<br />
Am witzigsten und treffendsten ist<br />
Menasse dann, wenn er das Machtgefüge<br />
und die Verstrickungen der EU personalisiert.<br />
Da bekommen die Engländer ihr Fett<br />
weg, genauso wie die Ungarn und natürlich<br />
die Österreicher:<br />
„Vom österreichischen Außenminister<br />
traf eine <strong>No</strong>te beim Präsidenten des Europäischen<br />
Rats ein, die unmissverständlich<br />
klarmachte, dass die Republik Österreich<br />
dafür und dagegen sei“, heißt es wunderbar<br />
auf Seite 334.<br />
Da gibt es Familiendramen und zarte<br />
Liebesgeschichten, Auto- und Zugunfälle,<br />
absurde Erlebnisse in Auschwitz und eigenartige<br />
Zugehörigkeitsprobleme, die sich als<br />
karrierehinderlich entpuppen. Und immer,<br />
wenn sich gelungene Pointen und profunde,<br />
praktizierte Sprachskepsis ausruhen,<br />
dann wird es still und ernst im Text. Dann<br />
bekommt der Tod seinen Raum.<br />
Es beginnt schon damit, dass zahlreiche<br />
Begegnungen in Brüssel am städtischen<br />
Friedhof stattfinden, der farbiger geschildert<br />
wird als jedes EU-Gebäude (man kann<br />
den Roman übrigens durchaus auch mit<br />
Genuss als persönlichen Stadtführer lesen).<br />
Vor allem wird sehr viel über den Tod<br />
nachgedacht.<br />
Die Selbstmordgedanken von Prof.<br />
Erhart stimmen uns ein, die Todesliste<br />
von De Vriend führt uns ans bittere Ende.<br />
Besonders gelungen beschrieben sind die<br />
Gedanken über das Sterben des Schweinegroßbauern<br />
Florian Susman nach seinem<br />
Unfall. Denn seit er dem Tod entronnen<br />
war, musste er sich endlich mit ihm beschäftigen.<br />
Robert Menasse meint dazu in einem<br />
Gespräch: „Der Tod ist das Einzige, was wir<br />
ganz sicher von der Zukunft wissen. Das<br />
und den Seelenfrieden, dachte ich, muss<br />
man mitdenken, wenn wir vom Zukunftsund<br />
Friedensprojekt reden. Und: In diesen<br />
Tagen und Wochen sterben die letzten Zeitzeugen,<br />
die die Katastrophe erlebt haben<br />
oder die Konsequenzen der Katastrophe<br />
noch gesehen haben, die zur Gründung des<br />
Europäischen Einigungsprojekts geführt<br />
haben. Mit anderen Worten: Wir spazieren<br />
auf Friedhöfen und versuchen uns zu erinnern,<br />
was die wollten, die da liegen …“<br />
Und so gerät der Roman am berührendsten,<br />
wenn Menasse in das biografische<br />
Terrain dieser Zeitzeugen vordringt.<br />
Allein die Figur von David de Vriend hätte<br />
einen eigenen Roman verdient. Und was<br />
hat Robert Menasse verdient: den deutschen<br />
und den österreichischen Buch preis<br />
und nächstes Jahr endlich den Büchnerpreis!<br />
Buchpräsentation:<br />
Robert Menasse:<br />
Die Hauptstadt<br />
Mo., 20. <strong>No</strong>vember 2017,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Klaus Zeyringer<br />
in Zusammenarbeit mit 8ungKultur
„Ich bin nur eine Stimme<br />
in deinem Kopf“<br />
„Statusmeldungen“ von Stefanie Sargnagel.<br />
Von Mieze Medusa<br />
Es ist so<br />
anstrengend,<br />
der klügste<br />
Mensch der<br />
Welt zu sein.<br />
Stefanie Sargnagel<br />
29<br />
© Goll<br />
Bücher seit 1639<br />
28 Wagner’sche.<br />
Mein erstes Sargnagel-Post kann ich nicht<br />
korrekt zitieren, weil meine Finger beim<br />
Scrollen in die Vergangenheit schon im August<br />
wehtun und ich, wie die anderen auch,<br />
seit einigen Jahren bei der Sargnagel mitlese.<br />
Mit „Statusmeldungen“ liegt ihr drittes<br />
Buch vor. Darin finden sich ihre Posts vom<br />
Oktober 2015 bis Februar 2017. In dieser<br />
Zeit ist im Leben von Stefanie Sargnagel<br />
viel passiert: Weltruhm, Bachmannpreisteilnahme,<br />
kurz danach kam Babykatzengate.<br />
Die Welt hat sich ein Bild von der Sargnagel<br />
gemacht. Ich auch: Ich finde das Buch so<br />
hinreißend wie die Autorin selbst.<br />
Der Dialog, der tut,<br />
als wäre er ein Monolog<br />
Stefanie Sargnagel ist fleißig. Sie postet<br />
mehrmals täglich, dann wieder ein paar<br />
Tage nicht. Sie schreibt Literatur für<br />
Menschen, die mit dem Handy in der Hand<br />
an Bushaltestellen darauf warten, dass das<br />
Leben endlich weitergeht. Im Zentrum des<br />
Buches steht Stefanie Fröhlich. Sie ist neurotisch<br />
und zynisch und lässt sich jeden Tag<br />
wieder von der Welt fassungslos machen.<br />
In tragenden Nebenrollen: Martin Witzmann,<br />
der perfekte Partner dieser Stefanie,<br />
schon allein, weil er ihre Weltsicht bedingungslos<br />
teilt und trotzdem Streit sucht.<br />
Die Menschen, die im Callcenter anrufen,<br />
in dem Stefanie Fröhlich jobbt. Die Menschen<br />
in den Callcenters, die Stefanie<br />
Fröhlich anruft, weil wieder irgendwas mit<br />
der Bankomatkarte los ist. Die Menschen,<br />
die Künstler, die Junkies der Stadt, durch<br />
die sie flaniert. Allesamt so größenwahnsinnig<br />
wie sie selbst: „21.9.2015 Es ist so<br />
anstrengend, der klügste Mensch der Welt<br />
zu sein.“ Oder: „21.9.2015 Ich verfolge<br />
diese ORF-Kunstsendung nur so nebenbei:<br />
Ich könnte spontan nicht sagen, welcher<br />
alte Mann jetzt wer ist.“<br />
Stefanie Sargnagel ist respektlos. Pflichtbewusst<br />
bricht sie jedes Tabu. Dabei gilt:<br />
Je extremer der Inhalt, desto braver die<br />
Sprache. Sprachlich dreist ist sie vor allem<br />
beim Kommentieren von TV-Sendungen<br />
oder harmlosen Beobachtungen. Wir<br />
lachen mit ihr, wenn sie darüber nachdenkt,<br />
wie es für die Frau ist, die nach ihr aufs<br />
Klo geht. Wir lachen, wenn sie im Café<br />
Weidinger sitzt, in die Bibliothek geht oder<br />
über Modelleisenbahnmessen nachdenkt.<br />
Wir nicken zustimmend, weil schon wieder<br />
Herbst ist: „25.9.2015 Regnerisches Herbstwetter<br />
ist der Sommerurlaub der depressiv<br />
Verstimmten. Da lacht das Herz, wenn vor<br />
dem Fenster alles grau, karg und nass ist.“ –<br />
Zu harmlos?: „4.3.2016 Witzmann während<br />
des Hitler doku-Schauens mit Kinder-Schokobonbons<br />
zu füttern, erregt mich.“<br />
Mit lakonischen Kurzmeldungen dieser<br />
Art, Die Zeit nennt das Aphorismen und<br />
hat nicht ganz Unrecht, hat sich Stefanie<br />
Sargnagel ein Riesenpublikum erschrieben.<br />
Vor allem auch in Deutschland. Was für<br />
eine Leistung! Schließlich ist ihre Sprache<br />
so österreichisch, dass sie Chips gelegentlich<br />
Rohscheiben nennt. Ich musste das<br />
googeln. <strong>No</strong>chmal skurriler wird der Erfolg,<br />
wenn man bedenkt, wie lokalpolitisch die<br />
Statusmeldungen sind: Der Häupl streitet<br />
mit Strache, der Lugner, der Grasser und<br />
die Fiona tanzen durch die Zeilen und überhaupt<br />
ist alles diaf. In einem Regionalkrimi<br />
würde man das Lokalkolorit nennen. Weil<br />
keine Morde aufgeklärt werden müssen,<br />
damit sich ein Buch international verkauft,<br />
nennen wir es einfach Schmäh.<br />
Über was sich die Leut<br />
so aufregen<br />
Mit den Leuten meine ich Internet-Trolle,<br />
die FPÖ und die Kronenzeitung. Wem das<br />
Babykatzengate entgangen ist, der befragt<br />
bitte das Internet. Oder wie Stefanie Sargnagel<br />
sagen würd: „Oida! Bitte googelt es …“<br />
Endlich wieder eine Autorin, die das<br />
Land so wütend macht wie der Bernhard<br />
oder die Jelinek. Interessante Parallele:<br />
Auch beim Heldenplatz wundere ich mich<br />
immer. Darüber regen sich die Leute auf?<br />
Das ist doch urlustig!<br />
Fast forward zur Sargnagel. Wie jeder<br />
gute Humor sind ihre Witze unparteiisch.<br />
Klar, ihr Weltbild ist aus den Zeilen leicht<br />
rauszulesen, aber Witze macht sie über<br />
jeden. Sie macht sie über Stärkere, nie<br />
über Schwächere und die härtesten Witze<br />
macht sie über sich selbst. Holt euch also<br />
das Buch, schon allein, weil es jederzeit<br />
passieren kann, dass Stefanie Sargnagel<br />
eine gute Anwältin braucht, die sie vor<br />
dem frauenverachtenden Mob im Internet<br />
schützt. Oder eine Burschenschaft, die<br />
zu ihr steht. Moment, die gibt es schon.<br />
Die Burschenschaft Hysteria ist die feministische<br />
Antwort auf alle Seilschaften, die in<br />
Österreich so mühsam sind.<br />
<strong>No</strong>ch was: Klar kann man das Schaffen<br />
von Stefanie Sargnagel auch gratis im Internet<br />
lesen. Das Buch ist besser: Niemand<br />
quatscht dazwischen, niemand schaltet<br />
Werbung und der edle Leinenumschlag<br />
ist blitzblau mit einer Sonne drauf,<br />
die aussieht, als würde sie gleich speiben.<br />
Für Wienfremde gibt es übrigens ein<br />
Glossar.<br />
Die zitierten Zeilen sind übrigens auf<br />
S. 76, S. 52, S. 53, S. 55 und S. 137 zu finden.<br />
Buchtipp:<br />
Stefanie Sargnagel:<br />
Statusmeldungen<br />
Rowohlt, 304 S., € 20,60<br />
Buchpräsentation:<br />
Stefanie Sargnagel:<br />
Statusmeldungen<br />
Fr., 10. <strong>No</strong>vember 2017,<br />
20:05 Uhr,<br />
Treibhaus<br />
Eintritt: € 15,– / 18,–<br />
www.treibhaus.at
Die Knickerbocker-Bande<br />
wird erwachsen<br />
Die Tiroler Tageszeitung lädt gemeinsam mit der<br />
Wagner’schen zur Buchpräsentation für alle jungen und jung<br />
gebliebenen Fans, denn es gibt Neues von Thomas Brezina!<br />
Von Simone Winter<br />
Vier<br />
Knickerbocker<br />
lassen niemals<br />
locker!<br />
Thomas Brezina<br />
Nun ist es da, das neue<br />
Abenteuer, was mich als<br />
dreifachen Vater, fünffachen<br />
Großvater und Riesenfan der<br />
Knickerbocker-Bande besonders<br />
freut. Ein Tipp an alle<br />
Mit-Fans: Das tollste Leseerlebnis<br />
gibt’s in echter haptischer<br />
Buchform, ganz offline!<br />
Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender<br />
Moser Holding AG<br />
Haben Sie als Kind auch Thomas Brezinas<br />
Knickerbocker-Bande gelesen, oder haben<br />
Sie die Abenteuer von Poppi, Dominik, Axel<br />
und Lilo Ihren Kindern vorgelesen? Nun<br />
werden die Kinderbuch-Helden erwachsen!<br />
Was ist aus ihnen geworden?<br />
20 Jahre sind vergangen und die Knickerbocker<br />
sind erwachsen geworden. Der<br />
Kontakt zwischen ihnen ist ziemlich<br />
abgebrochen, nach einem Streit, den sie<br />
als Jugendliche hatten und nicht vergessen<br />
konnten. Nun werden sie zu einem Treffen<br />
geladen, das keiner von ihnen absagen<br />
kann und will – und so beginnt Thomas<br />
Brezinas neues Buch „Knickerbocker4immer<br />
– Alte Geister ruhen unsanft“.<br />
So wie die Knickerbocker in die besten<br />
Jahre gekommen sind, so hat sich auch das<br />
Rad der Zeit für ihre Leserinnen und Leser<br />
gedreht – aber die Lust ist geblieben, kriminalistischen<br />
Spürsinn zu beweisen und der<br />
Geschichte der vier Immer-<strong>No</strong>ch- Hobby-<br />
Detektive zu folgen. Und es wird auch<br />
ein Geheimnis gelüftet, das alle früheren<br />
Knickerbocker-Erlebnisse unter einem<br />
anderen Licht erscheinen lässt.<br />
Thomas Brezina wurde 1963 in Wien<br />
geboren. Er ist Kinder- und Jugendbuchautor,<br />
Drehbuchautor, Fernsehmoderator und<br />
Produzent. Im Alter von 15 Jahren gewann<br />
er bereits den „Großen Österreichischen<br />
Jugendpreis“ für die Drehbücher zur Puppenserie<br />
„Tim, Tom und Dominik“. Seitdem<br />
arbeitet Thomas Brezina federführend<br />
für das österreichische Kinderfernsehen.<br />
Mit seinen Buchreihen wie „Die Knickerbocker-Bande“,<br />
„Ein Fall für dich und<br />
das Tiger-Team“ und „Tom Turbo“ gilt<br />
er weltweit als einer der erfolgreichsten<br />
Autoren. Viele seiner Bücher sind Longund<br />
Bestseller und werden in Auflagen in<br />
Millionenhöhe verkauft. Sie sind bisher in<br />
über 35 Sprachen und mehr als 40 Ländern<br />
erschienen und in China sind sie sogar<br />
erfolgreicher als „Harry Potter“.<br />
Seit 2008 ist Thomas Brezina der kreative<br />
Motor und Produzent von „okidoki“<br />
(okidoki.ORF.at), dem Kinderprogramm<br />
des ORF. Seine Sendungen werden und<br />
wurden nicht nur auf ORF, sondern auch<br />
auf Arte, Al Jaazera Children, KiKa, Nick,<br />
DaVinci Learning und SuperRTL ausgestrahlt.<br />
Thomas Brezina engagiert sich für<br />
Tiertherapien, den Kampf gegen Kinderarmut<br />
und Schulaktionen und ist seit<br />
1996 offizieller Botschafter von UNICEF<br />
Österreich.<br />
Buchtipp:<br />
Thomas Brezina:<br />
Knickerbocker4immer –<br />
Alte Geister ruhen unsanft<br />
Ecowin Verlag,<br />
ca. 400 S., € 18,–<br />
Erscheint am 9. <strong>No</strong>vember 2017<br />
Buchpräsentation:<br />
Thomas Brezina:<br />
Knickerbocker4immer –<br />
Alte Geister ruhen unsanft<br />
Freitag, 17. <strong>No</strong>vember 2017,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
gemeinsam mit der<br />
Moser Holding / TT<br />
© Tom Storyteller GmbH<br />
30<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
31
Vom Leben in den<br />
Wäldern und Höhen<br />
Auf den Spuren von Henry David Thoreau und seinen<br />
weiblichen Erben in den Schweizer Alpen. Von Bernd Schuchter<br />
Buchtipps:<br />
Frank Schäfer:<br />
Henry David Thoreau.<br />
Waldgänger und Rebell<br />
Suhrkamp Verlag,<br />
253 S., € 17,50<br />
Daniela Schwegler:<br />
Landluft. Bergbäuerinnen<br />
im Porträt<br />
Rotpunkt Verlag, 256 S., € 38,–<br />
© Design Hintergrundgrafik by helios.bz<br />
„Seine Sinne waren scharf, sein Körperbau<br />
drahtig und zäh, seine Hände kräftig und<br />
geschickt im Umgang mit Werkzeugen.<br />
Sein Körper und sein Geist befanden sich<br />
auf wunderbare Weise im Einklang.“ So<br />
beschreibt Ralph Waldo Emerson seinen<br />
Dichterfreund Henry David Thoreau,<br />
dessen Geburtstag sich heuer zum zweihundertsten<br />
Mal jährt und dem zum<br />
Internationalen Tag der Berge in der<br />
Wagner’schen ein Abend gewidmet wird.<br />
Der deutsche Journalist und Autor<br />
Frank Schäfer hat Henry David Thoreau<br />
eine wunderbar launige Biografie gewidmet<br />
und nennt den amerikanischen Schriftsteller<br />
einen „Waldgänger und Rebellen“,<br />
schließlich wurde Thoreaus Buch Walden.<br />
Vom Leben in den Wäldern zur Bibel einer<br />
ganzen Generation von Aussteigern, die in<br />
der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts<br />
das einfache Leben auf dem Land<br />
suchten.<br />
Dabei war Thoreaus Lebensphase fernab<br />
der Zivilisation – er verbrachte knapp zwei<br />
Jahre in einer selbstgebauten Hütte am<br />
Waldensee und lebte mehr oder weniger von<br />
dem, was er selbst anbaute – für ihn selbst<br />
mehr ein Experiment und eine Antwort auf<br />
die Frage, wie weit man sich selbst bescheiden<br />
kann, während man dennoch gut lebt;<br />
Reduktion der eigenen Bedürfnisse anstelle<br />
des Strebens nach mehr Luxus, Gütern,<br />
Wohlstand also. Vor allem geht es um ein<br />
Leben in Einklang mit der Natur, deren<br />
genauer Beobachter Thoreau ein Leben<br />
lang war. In Emersons Worten: „Er zog es<br />
vor, so wie es ihm vernünftig schien, ein<br />
Junggeselle des Denkens und der Natur<br />
zu sein.“<br />
Das alles trifft in ähnlicher Form auch<br />
auf die zwölf Bergbäuerinnen zu, die Daniela<br />
Schwegler in ihrem neuen Buch Landluft<br />
porträtiert. Dazu begleitete die Autorin die<br />
Frauen in ihrem Alltag in den Schweizer<br />
Alpen, teilte das zum Teil karge Leben auf<br />
den Bergbauernhöfen und fragte nach<br />
den Wünschen, Träumen und Problemen,<br />
die so ein Leben mit sich bringt. Schwegler<br />
erzählt von der Liebe zu den Tieren und<br />
den Sorgen um das liebe Geld und davon,<br />
dass das Leben in den Alpen so gar nichts<br />
mit dem Traum vom Aussteigen zu tun hat.<br />
Während Thoreau seinen Selbstversuch<br />
nach zwei Jahren ohne große Reue beendete,<br />
haben sich Schweglers Bergbäuerinnen<br />
in ihrem hochalpinen Experiment für ein<br />
ganzes Leben eingerichtet – freiwillig und<br />
ganz nah an einer Natur, deren Wildheit<br />
widrig sein kann. Stephan Bösch setzte mit<br />
seinen Fotografien – in Ergänzung zu den<br />
einfühlsamen Texten von Daniela Schwegler<br />
– dieses oft karge Leben in großformatigen<br />
Bildern eindrucksvoll in Szene.<br />
Frank Schäfer, geboren 1966, lebt als Schriftsteller,<br />
Musik- und Literaturkritiker in Braunschweig.<br />
Er schreibt für taz, Neue Zürcher Zeitung, Rolling<br />
Stone u. a. Neben Romanen und Erzählungen<br />
erschienen diverse Essaysammlungen und Sachbücher,<br />
zuletzt die Biografie Henry David Thoreau.<br />
Waldgänger und Rebell (Suhrkamp 2017) sowie<br />
der Roman Hühnergötter (2017).<br />
Daniela Schwegler, geboren 1970, ist Juristin und<br />
seit 2010 freischaffende Journalistin. Sie liebt es,<br />
Menschen zu begegnen und sie zu porträtieren;<br />
in ihrer Freizeit ist sie, wann immer möglich, in den<br />
Bergen unterwegs. Veröffentlichungen: Traum Alp<br />
(2013); Bergfieber (2015), Landluft. Bergbäuerinnen<br />
im Porträt (2017). Daniela Schwegler lebt in Widnau.<br />
Buchpräsentation<br />
und Doppellesung<br />
zum Internationalen<br />
Tag der Berge:<br />
Frank Schäfer und Daniela<br />
Schwegler stellen ihre Bücher<br />
vor; anschließend Podiumsdiskussion<br />
über das Leben<br />
in der Natur.<br />
Mo., 11. Dezember 2017,<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Bernd Schuchter<br />
Eine Veranstaltung anlässlich<br />
des Internationalen Tages der<br />
Berge in Zusammenarbeit mit<br />
der Wagner’schen Buchhandlung<br />
und der Alpenkonvention.<br />
32 33<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
wagnersche.at<br />
Der Online-Shop der Wagner’schen.<br />
Bücher bestellen rund um die Uhr!<br />
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7 × Fragen an Sabine Algosaibi<br />
Im Mai blieben viele Leute jeglichen Alters gleich vor dem<br />
ersten Schaufenster stehen. Oft minutenlang. Ihnen entgegen<br />
blickte ein buntes Drachenwesen, eine merkwürdig faszinierende<br />
Skulptur der in Innsbruck geborenen Künstlerin Sabine<br />
Algosaibi, die nun unser neues Cover ziert. Gleich der Hauptfigur<br />
ihres Buchtipps – Ayaan Hirsi Ali – ist sie eher <strong>No</strong>madin<br />
denn sesshaft. Von Gracia Kasenbacher-Harar<br />
Wir mussten<br />
Bücher damals<br />
schmuggeln.<br />
Sabine Algosaibi<br />
Womit kann man Sie<br />
bestechen?<br />
Intensität, Leidenschaft,<br />
Farben (grün, orange, violett).<br />
Wobei vergessen Sie<br />
völlig die Zeit?<br />
Tanzen, da verliere ich mich,<br />
und natürlich beim Malen.<br />
Was bewundern Sie an<br />
anderen Frauen?<br />
Charakterstärke, Humor und<br />
Sensibilität für das Leben.<br />
Ich mag Frauen.<br />
Mit welcher berühmten<br />
Person, lebend oder schon<br />
gestorben, würden Sie<br />
gerne noch ein Gläschen<br />
heben?<br />
Mit Nelson Mandela.<br />
Was würden Sie gerne tun,<br />
wenn es nicht verboten<br />
wäre?<br />
Moralisch ist es heutzutage<br />
fast verboten zu sagen, dass<br />
es in Saudi Arabien viele<br />
tolle Leute gibt. Gleichzeitig<br />
ist das Leben in Saudi Arabien<br />
knallhart. Keine Kunst,<br />
keine Filme, keine Bücher!<br />
Wir mussten Bücher damals<br />
schmuggeln.<br />
Sie verbringen eine Nacht<br />
in der Wagner’schen.<br />
Über welches Buch<br />
gebeugt würde man Sie<br />
in der Früh finden?<br />
Ich würde zwischen Stapeln<br />
und Bergen von Kunstbüchern<br />
am Boden sitzen<br />
und alles aufsaugen.<br />
Welches geliehene<br />
Buch haben Sie nie<br />
zurückgegeben?<br />
Ich habe nie ein Buch<br />
behalten.<br />
Sabine Algosaibi, 1961 in Innsbruck geboren.<br />
Mit 6 Jahren übersiedelte sie mit ihren Eltern nach<br />
Südafrika, in weiterer Folge bereiste sie den Süden<br />
Afrikas ausführlich. Sie sah den Kontinent durch<br />
Kinderaugen – die Farben, Gerüche, Formen und<br />
Menschen – und verliebte sich in Land & Leute.<br />
Mit Mitte Zwanzig zog sie auf die Arabische Halbinsel<br />
und war wiederum beeindruckt von einer<br />
neuen, fremden Kultur, die ihre Sinne bombardierte<br />
und stimulierte.<br />
Durch all ihre Eindrücke und Erlebnisse hat die<br />
Künstlerin einen unverwechselbaren Stil entwickelt,<br />
farbig und erdig, wie sie es im ländlichen Afrika<br />
erlebte, und symbolhaft und figurativ, wie sie die<br />
Jahre im arabischen Raum geprägt haben.<br />
www.sabruck.com<br />
Buchtipp:<br />
Ayaan Hirsi Ali:<br />
Mein Leben, meine<br />
Freiheit – Die Autobiographie<br />
Piper, 493 S., € 12,40<br />
© Steven Woollard<br />
34 Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
35
Lesen wie Gott<br />
in Frankreich<br />
Sieben Empfehlungen und zwei Geschmacksfragen.<br />
Von Klaus Zeyringer<br />
Gerade hat Frankreich, zumindest an<br />
der Fassade der Macht, eine gewichtige<br />
politische Veränderung erlebt. Und<br />
auch die Literatur ist an den Spitzen des<br />
Staates stärker präsent. Im Privatleben<br />
des Präsidenten hat sie eine wesentliche<br />
Rolle gespielt; der Premierminister hat<br />
vor Zeiten zwei Politthriller veröffentlicht;<br />
die Verlegerin der renommierten Actes<br />
du Sud ist Kulturministerin. Für nicht<br />
wenige Politiker und Fernsehstars in Paris<br />
scheint die Karriere erst dann in vollem<br />
Gang, wenn sie auch als Romanciers<br />
präsent sind.<br />
Die Nation, die sich selbst als Große<br />
hervorhebt, hat als diesjähriger Gast der<br />
Frankfurter Buchmesse entsprechend<br />
hochwertig Anerkanntes zu bieten. Und<br />
eine bemerkenswerte Bandbreite, von den<br />
großen Etablierten zu den Erstlingswerken<br />
der jungen Generation, fast alle eher<br />
Erzähler als Adepten der Dekonstruktion.<br />
Von den <strong>No</strong>belpreisträgern Patrick<br />
Modiano und J.M.G. Le Clézio kommt in<br />
diesem Herbst nichts Neues auf Deutsch.<br />
Allerdings wird wohl auf dem Messestand<br />
von Kiepenheuer & Witsch der im Frühjahr<br />
erschienene Band von Le Clézio aufliegen.<br />
Die zwei <strong>No</strong>vellen in Sturm handeln von<br />
einem früheren Kriegsfotografen, der sich<br />
auf einer abgelegenen südkoreanischen<br />
Insel mit einer Dreizehnjährigen anfreundet;<br />
von einer jungen Außenseiterin,<br />
zunächst in Ghana, dann in Randzonen<br />
Frankreichs. Mit der Titelmetapher als<br />
Leitmotiv geht es beide Male um ein<br />
Geheimnis, um das Ende der Unschuld,<br />
um eine Suche mit ungewissem Ausgang.<br />
Den für Le Clézio so bezeichnenden Ton<br />
vermittelt zwar die Übersetzung nicht<br />
immer, aber beeindruckend ist diese Prosa<br />
über die Stürme der Welt und des Inneren<br />
allemal.<br />
Beeindruckend auch der vor zehn Jahren<br />
im hohen Alter verstorbene „moderne<br />
Klassiker“ Julien Gracq. Seinen zu Lebzeiten<br />
zurückgehaltenen Roman Das Abendreich<br />
hat Dieter Hornig für den Droschl<br />
Verlag fein übersetzt. Die französische<br />
Presse nannte die Prosa über ein zerfallendes<br />
Imperium in seinem Kampf gegen<br />
grausame Barbaren eine „Poesie pur“, in<br />
der romantische Mythen, phantastische<br />
Phänomene und eine Fülle von Beobachtungen<br />
stilistisch meisterhaft verknüpft sind.<br />
Mag auch die Handlung stark an bekannte<br />
Grenzerfahrungen angelehnt erscheinen –<br />
bei Gracq ist der Hauptprotagonist nicht<br />
eine der Figuren, sondern die Topographie.<br />
Der namenlose Erzähler zieht durchs<br />
Land, bis er sich mit einigen Gefährten<br />
in die Grenzgebiete begibt. Dort liegt die<br />
Festungsstadt über einem See, mit Blick auf<br />
Berge in Schnee und Eis. Dies findet sich in<br />
großartigen lyrischen Bildern beschrieben,<br />
während die kriegerischen Schilderungen<br />
von geradezu gegensätzlicher Wucht sind.<br />
Mit dem Literaturbetrieb wollte Gracq<br />
nichts zu tun haben, den renommiertesten<br />
Preis, den Goncourt, hat er abgelehnt.<br />
Jean Echenoz erhielt ihn 1999. Nun<br />
bringt Hanser Berlin Unsere Frau in Pjöngjang<br />
heraus. Der Originaltitel Envoyée spéciale<br />
entspricht diesem komplex-amüsanten<br />
Roman besser, mit dem der wunderbare<br />
Genre-Vermenger an seine umfangreichen<br />
Bücher der achtziger, neunziger Jahre<br />
anschließt. Sein prägnantes, mit feinen<br />
Überraschungen gespicktes Französisch<br />
passt zur vielschichtigen Spannung des Erzählbogens,<br />
in dem Sätze plötzlich in ungeahnte<br />
Tiefen abtauchen. „Ich will eine Frau,<br />
verkündete der General“ – so beginnt eine<br />
bizarre Geheimdienst-Aktion, eine Agentengeschichte,<br />
die zugleich unterwandert<br />
wird: eine espritvolle Dekonstruktion und<br />
zugleich Konstruktion. Die fesche Constance<br />
wird entführt und gefangen gehalten, um<br />
sie „duktil“ zu machen und in <strong>No</strong>rdkorea<br />
einsetzen zu können. Während die junge<br />
Frau durchaus Format zeigt, erweisen sich<br />
die Profis als weniger kompetent, und die<br />
ganze Aktion schlägt merkwürdige Kapriolen.<br />
Auch bei Echenoz sind die eigentlichen<br />
Hauptfiguren die Erzählweise selbst und<br />
die Sprache, die in ihrer gewitzten Ironie<br />
ebenso viele Fallen und Springteufelchen<br />
hervorbringen wie die packende Handlung.<br />
Ganz anders der Roman, der letztes Jahr<br />
Leïla Slimani den Prix Goncourt eingebracht<br />
hat. Dann schlaf du auch erscheint<br />
bei Luchterhand, nachdem die Pariser<br />
Kritiken von „erstaunlicher Kraft“ und<br />
„subtiler Gefühlssezierung“ schwärmten.<br />
Eine scheinbar perfekte „Nanny“ – mit<br />
dem Anglizismus benennt die mitunter<br />
holprige Übersetzung das sanft klingende<br />
„nounou“ des Originals Chanson douce –<br />
ermordet zwei Kinder, wie man gleich zu<br />
Beginn erfährt. Die Geschichte aber wirkt<br />
mit ihren klischeehaften Handlungssprüngen<br />
und den sozialen Zuweisungen plakativ,<br />
zudem sprachlich wenig inspiriert.<br />
Glücklicherweise kommt von einer<br />
früheren Preisträgerin des Goncourt bei<br />
Suhrkamp ein virtuoser „Roman einer<br />
Köchin“ heraus. Die Chefin von Marie<br />
N’Diaye ist ein starkes Frauenporträt<br />
mit starken Gefühlen. Eine Frau aus<br />
einer Landarbeiterfamilie bringt es in den<br />
siebziger Jahren zu einem renommierten<br />
Restaurant in Bordeaux. Sie misstraut<br />
allem, was in der Kochkunst verführerisch<br />
zu sein vermag. Da ihre Geschichte<br />
der unglücklich in sie verliebte Gehilfe in<br />
mäandernder Erzählweise schildert, bleibt<br />
einiges geheimnisvoll. Dafür hat Marie<br />
N’Diaye ihrem Roman eine Reflexion über<br />
die Ernsthaftigkeit und die Wahrheit der<br />
Kunst eingeschrieben.<br />
Für nicht wenige Politiker<br />
und Fernsehstars in Paris<br />
scheint die Karriere erst<br />
dann in vollem Gang, wenn<br />
sie auch als Romanciers<br />
präsent sind.<br />
Auf der anderen Seite der literarischen<br />
Bandbreite veröffentlicht Amélie <strong>No</strong>thomb<br />
jährlich ein Buch, durchschnittlich jedes<br />
dritte gelungen. Bei Diogenes erscheint<br />
nun Töte mich; der Originaltitel Le crime<br />
du comte Neville weist darauf hin, dass es<br />
kein Werk aus dem biographischen Fundus<br />
wie das grandiose Mit Staunen und Zittern<br />
(1999) ist, sondern aus der märchenhaften<br />
Abteilung. In Frankreich gingen die<br />
Meinungen darüber auseinander. Der Graf,<br />
dessen Tochter davonläuft und von einer<br />
Wahrsagerin gefunden wird, die dem Vater<br />
gleich prophezeit, er werde zum Mörder,<br />
worauf die Tochter sich als Opfer anbietet –<br />
das empfanden einige Rezensenten<br />
als langweilige Lektüre. „Welch armseliges<br />
Märchen“, titelte die Zeitschrift Les<br />
Inrockuptibles und sah ein „faules Remake“<br />
einer <strong>No</strong>velle von Oscar Wilde. Andere<br />
lobten die „humanistische Fabel“, die tiefer<br />
gehe, als sie den Anschein erwecke. Und<br />
der Figaro schwärmte von „espritvollen<br />
Dialogen“ und „ubuesken Situationen“.<br />
Zu den besten <strong>No</strong>thomb gehört der diesjährige<br />
wohl nicht.<br />
Jedenfalls zu empfehlen ist Es war einmal<br />
eine Stadt von Thomas Reverdy im Berlin<br />
Verlag. Der Roman, der im letzten Jahr<br />
den Preis der französischen Buchhändler<br />
gewann, handelt von handfester Realität<br />
im ruinierten Detroit nach der Finanzkrise.<br />
Dort trifft ein abgehalfteter Manager auf<br />
einen Zwölfjährigen, der in Schwierigkeiten<br />
steckt und dann verschwindet. Weniger<br />
die Krimi-Handlung eines „Roman noir“<br />
als vielmehr die ehemals mythische Autometropole<br />
und die Liebe in Zeiten der<br />
Katastrophen sind die Oberthemen dieser<br />
ebenso packenden wie sensiblen Prosa voll<br />
blitzender Gefühle.<br />
Auch das Historische wird für Frankfurt<br />
aufgeboten. In die Geschichte zurück<br />
führen zwei lesenswerte Romane, der eine<br />
in den Algerienkrieg, der andere in die<br />
Habsburgermonarchie.<br />
Joseph Andras schildert in seinem Erstling<br />
Die Wunden unserer Brüder (Hanser)<br />
das Schicksal einer tragischen historischen<br />
Person in Algier. Um ein Zeichen gegen den<br />
Kolonialismus zu setzen, will ein Kommunist<br />
1956 in einer leeren Fabrikshalle eine<br />
Bombe zünden ohne zu verletzen, wird<br />
vorher verraten, im Prozess zum Tode<br />
verurteilt. Eine starke, harte Erzählung in<br />
klarer Sprache. Den Prix Goncourt für<br />
Debüts hat der unter Pseudonym publizierte<br />
Autor abgelehnt, jedwede Einladung in<br />
den Literaturbetrieb ebenso: Konkurrenz<br />
habe nichts mit Literatur zu tun.<br />
Mathias Menegoz lässt in seinem umfangreichen<br />
Erstling Karpathia (Frankfurter<br />
Verlagsanstalt) 1833 den Grafen Korvanyi<br />
mit seiner Verlobten aus Wien auf die Familiengüter<br />
in Transsilvanien zurückkehren,<br />
in eine Welt voller Gewalt. „Mein Postulat<br />
war es“, hebt Menegoz seine Gegenposition<br />
zur gängigen Autofiktion hervor, „dass ich<br />
nicht über mich selbst schreiben wollte“.<br />
Also habe er vier Monate in Wiener Bibliotheken<br />
verbracht. Es hat sich literarisch<br />
gelohnt.<br />
7 Empfehlungen: 2 Geschmacksfragen:<br />
J.M.G. Le Clézio:<br />
Sturm – Zwei <strong>No</strong>vellen<br />
Kiepenheuer & Witsch,<br />
240 S., € 20,60<br />
Julien Gracq:<br />
Das Abendreich<br />
Droschl Verlag,<br />
224 S., € 23,–<br />
Jean Echenoz:<br />
Unsere Frau in Pjöngjang<br />
Hanser Berlin,<br />
284 S., € 22,70<br />
Marie Ndiaye:<br />
Die Chefin<br />
Suhrkamp Verlag,<br />
332 S., € 22,70<br />
Thomas Reverdy:<br />
Es war einmal eine Stadt<br />
Berlin Verlag,<br />
288 S., € 22,70<br />
Joseph Andras:<br />
Die Wunden unserer Brüder<br />
Hanser Verlag,<br />
156 S., € 18,50<br />
Mathias Menegoz:<br />
Karpathia<br />
Frankfurter Verlagsanstalt,<br />
635 S., € 28,80<br />
Amélie <strong>No</strong>thomb:<br />
Töte mich<br />
Diogenes Verlag,<br />
112 S., € 20,60<br />
Leïla Slimani:<br />
Dann schlaf auch du<br />
Luchterhand Literaturverlag,<br />
222 S., € 20,60
Die Wagner’sche<br />
auf dem Weg in die Zukunft<br />
Eine Institution, die mit alten Stärken und<br />
innovativen Ideen begeistert!<br />
Porträts<br />
besonderer und<br />
außergewöhnlicher<br />
Buchhandlungen<br />
im<br />
deutschsprachigen<br />
Raum. Aus<br />
dem Buch<br />
„Meine schöne Buchhandlung“<br />
(Knesebeck)<br />
„Diese Geschichte ist fast zu schön, um wahr<br />
zu sein: 2006 wird die Wagner’sche, eine über<br />
dreihundert Jahre alte Buchhandelsinstitution<br />
und für viele Innsbrucker ein ausgesprochenes<br />
Markenzeichen ihrer Stadt, vom Filialriesen<br />
Thalia geschluckt. 2014 nimmt Markus<br />
Renk, damals Handelsleiter bei der Tyrolia<br />
Verlagsgesellschaft, an einer Podiumsdiskussion<br />
zum Thema ‚375 Jahre Wagner’sche‘<br />
teil. Die Stimmung im Publikum ist schlecht,<br />
viele Innsbrucker beklagen den Profilverlust<br />
der Buchhandlung seit der Übernahme.<br />
Markus Renk kommt mit Markus Hatzer,<br />
seinerseits seit einigen Jahren verlegerischer<br />
Leiter beim Universitätsverlag Wagner, ins<br />
Gespräch, und relativ schnell sind sich die<br />
beiden einig, dass man den Innsbruckern ihre<br />
Lieblingsbuchhandlung wieder zurückgeben<br />
müsse. 2015, also neun Jahre nachdem Thalia<br />
die Wagner’sche gekauft hatte, eröffnen<br />
Renk und Hatzer das Traditionshaus neu.“<br />
So beginnt der Einleitungstext über die<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
im neuen Bildband des Knesebeck Verlags<br />
über die schönsten Buchhandlungen im<br />
deutschsprachigen Raum.<br />
In diesem Buch werden 40 der schönsten<br />
Buchhandlungen Deutschlands, Österreichs<br />
und in der Schweiz vorgestellt. Diese<br />
Buchhandlungen stechen heraus durch ein<br />
besonderes Ladenkonzept, ein außergewöhnliches<br />
Sortiment oder eine unverwechselbare<br />
Atmosphäre, in der man gern nach<br />
Büchern stöbert. Viele der Buchhandlungen<br />
sind in ihren Städten zur Institution geworden.<br />
Zu Wort kommen auch die engagierten<br />
Buchhändlerinnen und Buchhändler und<br />
sprechen über das Erfolgsgeheimnis, mit<br />
dem sie ihre Buchhandlung zu etwas ganz<br />
Besonderem machen. Und wir sind stolz,<br />
dass die Wagner’sche eine dieser Buchhandlung<br />
ist!<br />
Andreas Licht –<br />
Fotograf<br />
Der Fotograf Andreas Licht ist Diplom-<br />
Fotodesigner und Mitglied der Deutschen<br />
Gesellschaft für Photographie. Er lebt seit<br />
20 Jahren als freier Fotograf in Paris und<br />
hat einen vollen Tag in der Wagner’schen<br />
verbracht und ganz außergewöhnliche<br />
Fotos aufgenommen.<br />
Buchtipp:<br />
Meine schöne Buchhandlung<br />
Mit Fotografien von<br />
Andreas Licht.<br />
Knesebeck, 160 S.,<br />
150 Farbabbildungen, € 20,10<br />
Das Buch erscheint am<br />
12. Oktober und wir freuen<br />
uns schon sehr darauf!<br />
© Andreas Licht (Wagner’sche), privat (Andreas Licht)<br />
38<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
39
Die Wagner’sche goes TV<br />
Mit Buchbloggerin Evelyn Unterfrauner (Book Broker)<br />
und Tirol TV gibt es nun auch in Tirol eine Buchsendung;<br />
und die Wagner’sche ist als Partner mit von der Partie.<br />
Eine Raupe<br />
bezaubert<br />
Simone Winter über<br />
Marina Hubmann<br />
Prof. Dr.<br />
Grönemeyer<br />
Zu Besuch in der<br />
Wagner’schen<br />
Buchtipps zur<br />
ersten Sendung:<br />
© privat<br />
© Caudio Di Lucia<br />
Buchtipp Evelyn Unterfrauner:<br />
Rosa S.:<br />
Ich musste die Rute küssen<br />
Edition Raetia, 104 S., € 12,–<br />
Buchtipp Robert Renk:<br />
Ishmael Beah:<br />
Das Leuchten von morgen<br />
übersetzt von Susann Urban<br />
Afrika Wunderhorn,<br />
257 S., € 25,50<br />
Lena Kripahle:<br />
David Lagercrantz:<br />
Verfolgung<br />
übersetzt von Ursel Allenstein<br />
Heyne, 480 S.,€ 23,70<br />
Die Frage, wie „Die Raupe und das Schiffchen“ entstanden ist,<br />
beantwortet die Autorin so:<br />
„Als gelernte Grafikdesignerin und sehr visueller Mensch<br />
begann ich vor ein paar Jahren mit einer Zeichnung. Inspiriert<br />
wurde ich dabei von einem kleinen Jungen namens Matteo. Ich<br />
erinnerte mich zurück an seine Geburt. Er war so süß wie eine<br />
kleine zerknautschte Raupe. Als er auf die Welt kam, waren wir<br />
alle von seinem einzigartigen Wesen hingerissen.<br />
Matteo, die Raupe, war geboren und sollte im Buch viele<br />
bekannte Freunde aus der Tierwelt treffen. Doch mir war auch<br />
ganz wichtig, dass er einem besonderen, außergewöhnlichen,<br />
anderen Freund begegnet, nämlich dem Schiffchen. Es entsteht<br />
eine einzigartige Freundschaft zwischen einer Raupe und einem<br />
Schiffchen.“<br />
Am Mittwoch, den 28. Februar 2018 dürfen wir Prof. Dr.<br />
Grönemeyer bei uns begrüßen.<br />
Der bekannte und populäre Facharzt und Bruder von Herbert<br />
Grönemeyer stellt sein neues Buch zum Thema Rückenschmerzen<br />
vor. Es ist ein Kreuz mit dem Rücken – denn Rückenschmerzen<br />
sind das Volksleiden Nummer 1. Schon die flotte Mittdreißigerin<br />
„hat Rücken“ und selbst Kinder klagen zunehmend über Schmerzen.<br />
„Der größte Teil der Rückenschmerzen hat mit Muskelverspannungen<br />
zu tun“, sagt der Spezialist und geht noch weiter:<br />
„Wir wissen unglaublich viel, wenn es um unser Auto, unser<br />
Handy und sonstiges technisches Equipment geht, aber über unseren<br />
eigenen Körper wissen wir meist kaum etwas.“ Sein großes<br />
Rückenbuch schafft Aufklärung.<br />
© privat<br />
Im Herbst startet der Regionalsender Tirol<br />
TV gemeinsam mit der Innsbrucker Buchund<br />
Lifestylebloggerin eine Buchsendung,<br />
die im Zwei-Wochen-Takt ausgestrahlt<br />
wird. Das schönste Wohnzimmer in Innsbruck,<br />
nämlich die Räumlichkeiten der<br />
Wagner’schen Universitätsbuchhandlung,<br />
dienen dabei als ideale Location und Evelyn<br />
Unterfrauner wird gemeinsam mit den<br />
BuchhändlerInnen vor Ort über Neuerscheinungen,<br />
Lieblinge und Geheimtipps<br />
aus der Buchwelt sprechen. Alle Sendungen<br />
gibt es dann unter www.tiroltv.at zum<br />
An- und Nachschauen.<br />
Evelyn Unterfrauner ist 24, in Südtirol geboren<br />
und aufgewachsen und heißt Innsbruck ihre neue<br />
Heimat. Sie hat dort das Bachelorstudium der<br />
Vergleichenden Literaturwissenschaft und der<br />
Erziehungswissenschaft an der Leopold-Franzens-Universität<br />
abgeschlossen. Gegenstand ihrer<br />
Abschlussarbeiten waren Dracula von Bram Stoker,<br />
Die Frau in Schwarz von Susan Hill und die Selbstdarstellung<br />
von Jugendlichen im Web 2.0 anhand<br />
von Selfies. Aktuell ist sie als PR-Beraterin bei der<br />
Agentur P8 MARKETING (www.p8.eu) beschäftigt<br />
und möchte weiterhin ihrer Leidenschaft zu Büchern<br />
und anderen tollen Dingen bzw. Erfahrungen eine<br />
Stimme mittels ihres Blogs verleihen.<br />
40<br />
Wagner’sche.<br />
Buchtipps:<br />
Marina Hubmann:<br />
Die Raupe und das Schiffchen<br />
32 S., € 13,90<br />
Veranstaltung:<br />
Marina Hubmann:<br />
Die Raupe und das Schiffchen<br />
Do., 5. Oktober 2017, 15 Uhr,<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
Buchtipps:<br />
Dietrich Grönemeyer: Mein großes Rückenbuch –<br />
Wie Sie Ihren Schmerz besiegen<br />
ZS Verlag, 240 S.,€ 25,70<br />
Veranstaltung:<br />
Prof. Dr. Grönemeyer live zum Thema<br />
Rückenschmerzen<br />
Mittwoch, 28. Februar 2018, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung
Vom Blog in den Shop<br />
In Ruhe schmökern, sich inspirieren lassen und sein Lieblingsbuch<br />
finden – seit dem Start des family Blogs auf der Wagner’schen<br />
Web site ist die Plattform gewachsen und zu einem Treffpunkt<br />
für LeserInnen geworden. Von Katharina Schermann<br />
42<br />
© Schermann<br />
Wagner’sche.<br />
„Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne<br />
Welten, aus den Stuben, über die Sterne“,<br />
formuliert es Jean Paul. Im neuen family<br />
Blog der Wagner’schen Homepage kann man<br />
sich täglich ganz sprichwörtlich in eine neue<br />
(Online-)Welt begeben. Schließlich gilt der<br />
seit April bestehende family Blog als der erste<br />
seiner Art in Tirol. Auf der Wagner’schen<br />
Website integriert, liefert er wöchentlich<br />
zweimal interessante abwechslungsreiche<br />
Buchbesprechungen, die sowohl zum kurzen<br />
Überfliegen als auch zum intensiven Schmökern<br />
einladen. Dabei stehen vielseitige<br />
Bücher für Kinder zwischen 0 und 9 sowie<br />
hilfreiche Elternratgeber, aber auch Praktisches<br />
für die ganze Familie wie Koch- oder<br />
Wanderbücher im Fokus.<br />
Ein neues<br />
Einkaufserlebnis!<br />
Der neue family Blog der Wagner’schen<br />
Homepage gilt als einzigartiges Vorzeigeprojekt<br />
in Tirol. Das gleich in zweifacher<br />
Hinsicht: Das Medium präsentiert sich als<br />
informative Plattform, die mit dem bestehenden<br />
Onlineshop der Wagner’schen verbunden<br />
ist. So kann nach der Lektüre der<br />
persönliche Buchfavorit gleich über den nur<br />
einen Klick entfernten Shop bestellt werden.<br />
Alle im Blog besprochenen und vorgestellten<br />
Bücher sind in der Wagner’schen<br />
Buchhandlung vorrätig und innerhalb<br />
weniger Stunden bei Ihnen zuhause.<br />
Auch die Machart des Blogs sucht in<br />
Tirol ihresgleichen. So wird die Plattform<br />
seit ihrem Bestehen ausschließlich von<br />
drei Müttern betreut, die mit viel Freude,<br />
Stilsicherheit, Kreativität und Engagement<br />
ans Werk gehen. Abwechselnd stellen sie<br />
wöchentlich zwei neue Bücher unterschiedlichster<br />
Kategorien vor und lassen dabei<br />
einmal monatlich GastbloggerInnen zu<br />
Wort kommen.<br />
Die Posts selbst sind stets auf Aktualität<br />
bedacht, berücksichtigen saisonale Ereignisse<br />
und leben von anschaulichen Bildern<br />
und unterhaltsamen Texten. Eingebettet<br />
in ein einheitliches, ansprechendes und vor<br />
allem userfreundliches Design, ist dank der<br />
gewählten Schlagwörter und der farbigen<br />
Icons das Suchen, Finden und Navigieren<br />
kinderleicht.<br />
Bücher wachsen mit!<br />
Lesen bildet, beflügelt, entführt in fremde,<br />
märchenhafte Welten und regt die Phantasie<br />
an. Wer liest, schafft Auszeiten. Allein<br />
oder gemeinsam mit seinen Kindern.<br />
Der family Blog der Wagner’schen lädt<br />
ein, mit den Kids die vielseitige Welt der<br />
Bücher zu entdecken, zugleich die Kleinen<br />
für Bücher zu sensibilisieren und die kindliche<br />
Urteilsfähigkeit zu fördern. Zusammen<br />
lesen und vorlesen bedeutet, gemeinsam<br />
Zeit zu verbringen:<br />
Mit dem Baby das erste Fühlbuch entdecken.<br />
Die ersten Buchstaben und Zahlen<br />
kennenlernen. Mit einem faszinierenden<br />
Geräuschbuch die wunderbare Welt der<br />
Tiere erkunden. Die beruhigende Lieblings-<br />
Gute-Nacht-Geschichte immer und immer<br />
wieder vorlesen: Aus Gewohnheiten werden<br />
Rituale, die Kinder noch lange begleiten.<br />
Damit garantiert jeder das richtige<br />
Buch für sein Ritual findet, widmet sich<br />
der family Blog stets den Bedürfnissen<br />
aller Zielgruppen. Dabei fokussiert er neue,<br />
unterhaltsame und pädagogisch sinnvolle<br />
Bücher und bewertet nicht nur die Qualität<br />
des jeweiligen Buches, sondern auch seinen<br />
pädagogischen Nutzen.<br />
Auch die Kinder<br />
vergeben <strong>No</strong>ten!<br />
Die praktische Anwendung, die Interaktion<br />
und das Urteil der Kinder spielt für<br />
die Blogger-Mamas eine besondere Rolle.<br />
Schließlich sind es in den meisten Fällen<br />
die Kleinen selbst, die ein Buch für gut oder<br />
schlecht befinden, wie Bloggerin Vanessa –<br />
Mutter einer 3-jährigen Tochter – aus eigener<br />
Erfahrung zu berichten weiß.<br />
„Die Bücher, die wir zusammen lesen,<br />
gefallen ihr – oder auch nicht. Daran gibt<br />
es nichts zu rütteln. Für die Dreijährige<br />
müssen Bücher vor allem bunt, die Illustrationen<br />
ansprechend, gerne detailreich und<br />
die Charaktere lebendig sein. Auch reichlich<br />
Text ist erwünscht. Reime und einfache<br />
Sätze kommen besonders gut an, da<br />
Klein-L. sie nach kurzer Zeit auswendig<br />
mitsprechen kann und es liebt, das Buch<br />
alleine anzuschauen oder die Geschichte<br />
ihrem kleinen Bruder zu erzählen. Gefällt<br />
dem Töchterchen ein Buch, ist es hin und<br />
weg und legt es nicht mehr aus der Hand.<br />
Falls nicht, landet es aber im Bücherregal<br />
und wird nie mehr hervorgeholt. Es ist<br />
toll zu beobachten, dass sich die Kinder<br />
auch im digitalen Zeitalter so intensiv mit<br />
Büchern beschäftigen können und wollen.<br />
Angreifen, riechen, durchblättern, beschriften,<br />
hineinschreiben und wie einen Schatz<br />
hüten … Bücher sind für Klein-L. Erlebnisse<br />
für die Sinne und jedes neue Buch ruft<br />
große Freude hervor.“<br />
Die Blogger-Bibliothek!<br />
Seit dem Blogstart hat sich einiges getan.<br />
Mittlerweile verfügt der Blog über eine<br />
stattliche Bibliothek, die mit einer bunten<br />
Mischung weiterwächst. Der family Blog<br />
überzeugt eben mit Vielseitigkeit. Das gilt<br />
auch für die AutorInnen. Einmal monatlich<br />
kommt ein Gastblogger/eine Gastbloggerin<br />
mit seinen/ihren Erfahrungen und Bewertungen<br />
zu Wort.<br />
Ein Gastautor<br />
über den Blog:<br />
„Am family Blog finde ich gut, dass hier<br />
Mamis und Papis selbst darüber schreiben,<br />
wie ihnen und vor allem ihren Kindern die<br />
Bücher gefallen. Bei der Suche nach einem<br />
neuen Buch kann ich mittels einfacher<br />
Navigation Geschlecht und Alter sowie<br />
Themenbereich filtern, was mir viel Zeit<br />
erspart. Nach jeder Rezension sind Bilder<br />
von einzelnen Buchseiten abgebildet. Das<br />
finde ich sehr praktisch. So kann ich quasi<br />
einen Blick in das jeweilige Buch werfen.<br />
Mit einem Klick kann ich dann gleich zur<br />
Kassa gehen und das Buch landet in wenigen<br />
Stunden bei mir.“ Johannes, 35, Papa<br />
eines 9 Monate alten Sohnes.<br />
Bloggerluft<br />
schnuppern?<br />
Sie wollten sich immer schon<br />
einmal im Schreiben oder Bloggen<br />
versuchen? Bei uns können<br />
Sie GastbloggerIn werden.<br />
Nehmen Sie mit uns Kontakt<br />
auf (familyblog@wagnersche.at)<br />
und verraten Sie uns Ihre<br />
bevorzugten Themengebiete.<br />
Kochbuch<br />
Ratgeber<br />
Kinderbuch<br />
Gestalten<br />
Spielen<br />
Dekorieren<br />
Feiern<br />
Lernen
Jung,<br />
aber<br />
oho!<br />
Bücher<br />
für<br />
Kinder<br />
und<br />
Jugend:<br />
Archer’s berühmte Großeltern<br />
Ralph und Rachel Hemsley<br />
sind Naturforscher und wurden<br />
als vermisst erklärt. Gerade zu<br />
dem Zeitpunkt, als er in das abgelegene<br />
Internat Raven Wood<br />
muss, tauchen sie wieder auf,<br />
obwohl er sie endlich kennenlernen<br />
wollte. Im ganzen Dorf<br />
spricht man vom Fluch der<br />
Hemsey’s, Intrigen und Lügen<br />
werden verbreitet, und es droht<br />
ihnen sogar ein Prozess. Gäbe es<br />
da nicht die tapferen Freunde,<br />
die der Sache auf den Grund<br />
gehen und alles unternehmen,<br />
das zu widerlegen. Andrea Scheiber<br />
Gannon Nicholas: Die höchst eigenartige<br />
Verschwörung von Barrow’s Bay,<br />
Coppenrath Verlag, 368 S., € 17,50<br />
Dieses Buch wird geprägt durch<br />
wunderbare Illustrationen von<br />
Armand Baltazar. Man stellt<br />
sich eine Art Weltuntergang<br />
vor, der einen Bruch in Raum<br />
und Zeit hat. Also Gegenwart,<br />
Vergangenheit und Zukunft vermischen<br />
sich miteinander und<br />
Menschen aus allen Zeitaltern<br />
und ebenso Tiere treffen aufeinander.<br />
Die Welt muss neu aufgestellt<br />
werden. Zu dieser Zeit lebt<br />
auch Diego Ribera mit seinem<br />
genialen Vater und Erfinder, der<br />
eines Tages spurlos verschwindet.<br />
Für den Jungen beginnt<br />
eine spannende Suche …<br />
Andrea Scheiber<br />
Baltazar Armand: Timeless –<br />
Retter der verlorenen Zeit,<br />
cbj Verlag, 624 S., € 20,60<br />
Seit sich Nummer Dreizehn<br />
erinnern kann, lebt er im Heim<br />
für Missratene Wesen, und dort<br />
herrscht die grauenvolle Miss<br />
Carbunkle. Er ist wie alle eine<br />
Mischung aus Tier und Mensch<br />
und kann zwar aufrecht gehen,<br />
aber sieht aus wie ein Fuchs.<br />
Eines Tages freundet er sich<br />
mit den Vogel Trixi an, der nur<br />
so vor Leben sprüht. Dieser<br />
überredet ihn, aus dem Heim zu<br />
fliehen, draußen warten dann<br />
große Abenteuer auf sie. Denn<br />
nur Nummer Dreizehn hat eine<br />
Begabung, die eine Katastrophe<br />
verhindern kann. Ob er es<br />
schafft? Andrea Scheiber<br />
Mira Bartók: Der Wunderling,<br />
Carlsen, 480 S., € 17,50<br />
„Infiziert“ ist der grandiose<br />
Auftakt einer neuen Trilogie<br />
der Bestsellerautorin Teri Terry.<br />
Die 12-jährige Callie befindet<br />
sich in einer unterirdischen<br />
Versuchsanstalt irgendwo in<br />
Schottland. Bis eines Tages eine<br />
tödliche Epidemie ausbricht.<br />
Die 17-jährige Shay ist der letzte<br />
Mensch, der Callie am Tag ihres<br />
Verschwindens gesehen hat. Sie<br />
und Callies Bruder Kai wollen<br />
herausfinden, was damals passiert<br />
ist, doch ihnen läuft die Zeit<br />
davon. Ein wahnsinnig spannendes<br />
und raffiniertes Jugendbuch<br />
mit Endzeitstimmung und Sci-Fi<br />
Elementen. Einmal angefangen,<br />
kann man das Buch nicht wieder<br />
aus der Hand legen. Lena Waldner<br />
Teri Terry: Infiziert,<br />
Coppenrath, 464 S., € 20,60<br />
Solomon hat seit über drei<br />
Jahren nicht mehr sein Haus<br />
verlassen. Als seine ehemalige<br />
Mitschülerin, Lisa Payton, für<br />
einen Psychologieaufsatz ein<br />
Studienobjekt benötigt, drängt<br />
sie sich in sein Leben und stellt<br />
dieses gemeinsam mit ihrem<br />
Freund Clark ordentlich auf<br />
den Kopf. Die Geschichte zeigt,<br />
wie wichtig zwischenmenschliche<br />
Beziehungen im Leben<br />
sind, und dass es sich lohnt, sich<br />
Veränderungen zu stellen. Das<br />
ist eines dieser (Jugend-)Bücher,<br />
die leider viel zu schnell vorbei<br />
sind, dem Leser aber viel mit<br />
auf den Weg geben. Lena Waldner<br />
John Corey Whaley:<br />
Hochgradig unlogisches Verhalten,<br />
Hanser, 240 S., € 16,50<br />
Die 16-jährige Starr lebt in<br />
zwei Welten: in dem verarmten<br />
Viertel, in dem sie wohnt, und<br />
in der Privatschule, an der sie<br />
fast die einzige Schwarze ist.<br />
Eines Tages wird Starrs bester<br />
Freund Khalil vor ihren Augen<br />
von einem Polizisten erschossen.<br />
Er war unbewaffnet.<br />
Das Buch schildert eindrucksvoll,<br />
was tatsächlich Realität für<br />
so viele schwarze Jugendliche<br />
in den USA ist. Über die sozialen<br />
Missstände, die Vorurteile<br />
der Weißen, die Rivalitäten der<br />
Schwarzen untereinander.<br />
Ein grandioser All-Age Roman,<br />
der ein brandheißes Eisen<br />
anfasst und den Leser bewegt.<br />
Lena Waldner<br />
Angie Thomas: The Hate u Give,<br />
cbt, 512 S., € 18,50<br />
44<br />
Wagner’sche.<br />
In Siena wacht die junge<br />
Studentin Nika alleine in ihrer<br />
Wohnung auf. Die Eingangstür<br />
ist abgeschlossen und in ihrer<br />
Hosentasche findet sie einen<br />
Zettel mit kryptischen <strong>No</strong>tizen.<br />
Der Schock ist noch größer,<br />
als Nika erkennt, dass sie nicht<br />
eine Nacht lang geschlafen<br />
hat, sondern dass ganze zwei<br />
Tage vergangen sind, an die<br />
sie sich kein bisschen erinnern<br />
kann. Ursula Poznanski hat mit<br />
ihrem neuesten Buch wieder<br />
einen Volltreffer gelandet.<br />
Unvorhersehbar, mysteriös und<br />
hochspannend. Ein exzellenter<br />
Psychothriller. Lena Waldner<br />
Ursula Poznanski: Aquila,<br />
Loewe, 432 S., € 17,50<br />
Eine Kiste mit einem Roboter<br />
wird an den Strand einer einsamen<br />
Insel gespült. Roz, so der<br />
Name des Robotermädchens,<br />
erwacht zum Leben. Die Tiere<br />
nehmen vor dem Monster Reißaus,<br />
doch Roz lernt schnell und<br />
kann bald mit ihnen sprechen.<br />
Ein Gänsenest wird durch ihr<br />
Verschulden zerstört, und Roz<br />
nimmt das einzig verbliebene<br />
Ei in Obhut. Jetzt helfen ihr<br />
die anderen Tiere, sich um das<br />
kleine Küken zu kümmern,<br />
es entstehen Freundschaften.<br />
Doch dann kommt Gefahr von<br />
Außen. Eine warmherzige Tier/<br />
Robotergeschichte für Leser ab<br />
10 Jahren. Martin Bär<br />
Peter Brown:<br />
Das Wunder der wilden Insel,<br />
cbt, 288 S., € 15,50<br />
Nickel und Horn sind zwei<br />
tierische Detektive, die eine ein<br />
weitsichtiges Meerschweinchen<br />
und der andere ein kurzsichtiger<br />
Papagei. Der alte Detektiv Herr<br />
Locke hat ihnen jeweils eine<br />
passende Brille gebastelt, sodass<br />
sie den Durchblick haben bei<br />
ihrer Mission, ein Hinterafrikanisches<br />
Pupsetier zu finden.<br />
Die beiden müssen auf eine<br />
Insel, wobei ihnen ein vegetarischer<br />
Uhu hilft. Spannend und<br />
ziemlich lustig geht’s weiter.<br />
Die Illustrationen von Barbara<br />
Scholz machen das Buch für<br />
Leser ab 7 Jahren zum großen<br />
Lesevergnügen. Martin Bär<br />
Florian Beckerhoff: Nickel und Horn,<br />
Thienemann Verlag, 144 S., € 13,40<br />
Samantha und Salvatore sind<br />
beste Freunde, und das schon<br />
sehr lange. Im letzten Jahr vor<br />
dem College stürzen aber viele<br />
Dinge auf sie ein: Sal hat unerklärliche<br />
Wutausbrüche, seine<br />
Großmutter Mina liegt im Sterben<br />
und Sams Mutter stirbt.<br />
Außerdem müssen sie sich um<br />
ihren Freund Fito kümmern,<br />
der in einer zerrütteten Familie<br />
lebt. Und dann taucht auch<br />
Marcos wieder auf, der Sals<br />
Vater Vicente vor vielen Jahren<br />
tief verletzt hat. Eine Geschichte<br />
mit großartigen Dialogen und<br />
tollen Charakteren, die einem<br />
sehr ans Herz wachsen. Empfohlen<br />
ab 13 Jahren. Martin Bär<br />
Benjamin A. Saénz:<br />
Die unerklärliche Logik meines Lebens,<br />
Thienemann Verlag, 544 S., € 17,50<br />
Neu aufgelegt erscheint das erstmals<br />
1990 erschienene Kinderbuch<br />
„Die wilde Sophie“. Hartmann<br />
hat ein Märchenabenteuer<br />
geschrieben, das in seiner poetischen<br />
Sprache herzerfrischend<br />
von einer außergewöhnlichen<br />
Freundschaft erzählt: Im Mittelpunkt<br />
steht Jan, der Prinz, der<br />
durch die Überängstlichkeit des<br />
Königs zu einem schüchternen,<br />
blassen Jungen heranwächst.<br />
Als Sophie, die barfußlaufende,<br />
schmutzige, arme, aber herzliche<br />
Tochter des königlichen<br />
Zwetschkenkompottlieferanten<br />
vom Schicksal des Prinzen<br />
erfährt, beschließt sie, den im<br />
Schloss Gefangenen zu retten.<br />
Ab 9 Jahren. Silvia Spiegl<br />
Lukas Hartmann: Die wilde Sophie.<br />
Diogenes, 256 S., m. Illustr., € 16,50<br />
Das 4. Buch mit Rico und Oskar<br />
wird als Chaos-Weihnachtsgeschichte<br />
angekündigt. Da mir<br />
bis dato keine Leseprobe zur<br />
Verfügung steht, zitiere ich<br />
– leicht verändert – den Text aus<br />
der Vorschau: „Weihnachten<br />
in der Dieffe: nichts läuft nach<br />
Plan! Die Bäume sind zwar<br />
geschmückt, aber wer mit wem<br />
feiert, wird noch einmal kräftig<br />
durchgemischt. Und warum verschwindet<br />
ständig so viel Essen?<br />
Als nun auch noch ein Schneesturm<br />
über Berlin hereinbricht,<br />
ist das Chaos perfekt. Und<br />
keiner ahnt, dass auf Rico und<br />
Oskar gleich zwei große Überraschungen<br />
warten.“ Silvia Spiegl<br />
Andreas Steinhöfel: Rico,<br />
Oskar und das Vomhimmelhoch.<br />
Carlsen. 272 S., mit vierfarbigen<br />
Illustrationen, € 15,50
Qual<br />
der<br />
Wahl<br />
7 Bücher mit<br />
politischer Tiefenschärfe<br />
Alt<br />
aber<br />
Neu<br />
7 französische Klassiker<br />
neu & toll übersetzt<br />
Vive<br />
La<br />
France<br />
7 Tipps zum heurigen<br />
Buchmessenschwerpunkt<br />
3×7<br />
Best<br />
aber<br />
Seller:<br />
1<br />
2<br />
Macht<br />
3<br />
Underground<br />
4<br />
Yseut<br />
5<br />
Die<br />
Die Hauptstadt<br />
Robert Menasse<br />
Suhrkamp, € 24,70<br />
und Widerstand<br />
Ilija Trojanow<br />
S. Fischer, € 12,40<br />
Railroad<br />
Colson Whitehead<br />
Hanser, € 24,70<br />
Marlene Streeruwitz<br />
S. Fischer, € 25,70<br />
unerhörte Geschichte<br />
meiner Familie<br />
Miljenko Jergovic<br />
Schöffling, € 35,–<br />
1<br />
2<br />
Die<br />
3<br />
Ursule<br />
4<br />
Die<br />
5<br />
Die<br />
Stilübungen<br />
Raymond Queneau<br />
Ü: F. Heibert und H. Schmidt-Henkel<br />
Suhrkamp, € 22,70<br />
Blumen des Bösen<br />
Charles Beaudelaire<br />
Ü: Simon Werle, Rowohlt, € 39,10<br />
Mirouet<br />
Honoré de Balzac<br />
Ü: Nicola Denis, Matthes & Seitz, € 28,80<br />
Gebannte<br />
July d’Aurevilly<br />
Ü: Alastair, Matthes & Seitz, € 28,80<br />
dunkle Kammer<br />
Georges Perec<br />
Ü: J. Ritte, Diaphanes, € 24,–<br />
1<br />
2<br />
Die<br />
3<br />
Karte<br />
4<br />
Rückkehr<br />
5<br />
Die<br />
Im Herzen der Gewalt<br />
Édouard Louis<br />
S. Fischer, € 20,60<br />
siebte Sprachfunktion<br />
Laurent Binet<br />
Rowohlt, € 23,60<br />
und Gebiet<br />
Michel Houellebecq<br />
Dumont, € 10,30<br />
nach Reims<br />
Didier Eribon<br />
Suhrkamp, € 18,50<br />
Kunst,<br />
Champagner zu trinken<br />
Amélie <strong>No</strong>thomb<br />
Diogenes, € 10,30<br />
46<br />
Wagner’sche.<br />
6<br />
Die<br />
7<br />
Eine<br />
Außerirdischen<br />
Doron Rabinovici<br />
Suhrkamp, € 22,70<br />
kurze Geschichte<br />
von sieben Morden<br />
Marlon James<br />
Heyne, € 28,80<br />
6<br />
Auf<br />
7<br />
Die<br />
der Suche<br />
nach der verlorenen Zeit<br />
Marcel Proust<br />
Ü: E. Rechel-Mertens, Suhrkamp, 3 Bände, € 51,30<br />
Elenden / Les Misérables<br />
Victor Hugo<br />
Ü: P. Wiegler & W. Günther,<br />
Winkler, 2 Bände, € 20,60<br />
6<br />
Kompass<br />
7<br />
Tage<br />
Mathias Enard<br />
Hanser Berlin, € 25,70<br />
ohne Hunger<br />
Delphine de Vigan<br />
Dumont, € 20,60
Mit<br />
den<br />
besten<br />
Empfehlungen:<br />
Die Underground Railroad<br />
steht für einen Geheimcode in<br />
den finsteren Zeiten, als Sklav-<br />
Innen sich aufmachen mussten,<br />
um sich zu befreien. Manche<br />
– so wie Cora – kehren zurück,<br />
um anderen dabei zu helfen, in<br />
den <strong>No</strong>rden zu fliehen, der auch<br />
nicht so verheißungsvoll war,<br />
wie wir heute glauben. Tatsächlich<br />
ein Jahrhundertwurf. Ein<br />
Roman, als hätte Tarantino Regie,<br />
Tennessee Williams aber die<br />
Feder geführt. Die Mischung<br />
aus surreal und sehr real, aus<br />
heftiger Schilderung und Feinarbeit<br />
bis in die kleinsten Ecken<br />
der Sprache machen aus diesem<br />
Roman etwas Großes! Robert Renk<br />
Colson Whitehead:<br />
Underground Railroad<br />
Hanser Verlag, 352 S., € 24,70<br />
High School, Baseball, Roadtrips,<br />
Gras und Pizzaschnitten:<br />
George Watsky, ein junger<br />
Wortkünstler, Rapper und Youtuber<br />
führt durch sein Amerika<br />
voller Pannen, Drogen und<br />
Humor. Zwischen Witz und einem<br />
neckischen Augenzwinkern<br />
tauchen auch immer wieder die<br />
großen Fragen des Lebens auf.<br />
Was macht den Mensch zum<br />
Menschen? In diesem Buch<br />
wird klar: Überall dort, wo die<br />
Sonne scheint, liegt auch immer<br />
ein kleiner Schatten. Ein Buch<br />
zwischen leichter Unterhaltung<br />
und philosophischer Nachdenklichkeit.<br />
Ágnes Czingulszki<br />
George Watsky: Wie man es vermasselt<br />
Diogenes Verlag, 336 S., € 22,70<br />
Ein AKW, ein Hafenprojekt und<br />
zugenagelte Häuser. Zum letzten<br />
Mal kommt der Protagonist<br />
Botho mit Bruder und seiner<br />
Verlobten nach „Doel“, dem<br />
belgischen Dorf, aus dem die<br />
Familie stammt. Der Aufenthalt<br />
im leeren Haus der Großeltern<br />
wird zu einem Treffen mit der<br />
Vergangenheit. Sucht, Leben<br />
und Liebe: Dinge, die Botho,<br />
Arno und Anja auf ihrem<br />
Abenteuer bewegen. Arno will<br />
trocken bleiben, Anja glücklich<br />
und Botho ist auf der Suche<br />
nach seinem „menschlichen<br />
Lebensrucksack“. Als er ihn<br />
findet, ist er enttäuscht. Und<br />
das ist gut so. Ágnes Czingulszki<br />
Stefan Ferdinand Etgeton:<br />
Das Glück meines Bruders<br />
C.H. Beck Verlag, 240 S., € 20,60<br />
Wie schön es doch sein könnte<br />
mit den zwei Freunden, mit<br />
denen Eva in einem belgischen<br />
Dorf aufwächst! Der Wunsch<br />
der Protagonistin – ewig die<br />
drei Musketiere zu bleiben –<br />
stellt sich aber als Hirngespinst<br />
heraus. Der Traum vom „Dazugehören“<br />
wird mit den Jahren<br />
zum Alptraum der Einsamkeit<br />
und gipfelt im Drama. Beim<br />
Lesen kriecht das Schaudern,<br />
wie ein Virus, unauffällig in<br />
einen hinein, bis man ihm zum<br />
Schluss erlegen ist: ein unaufgeregter<br />
Blick in die Abgründe<br />
der menschlichen Seele.<br />
Ágnes Czingulszki<br />
Lize Spit: Und es schmilzt<br />
S. Fischer Verlag, 512 S., € 22,70<br />
30 Jahre nach dem Tod von<br />
Alexander von Humboldt<br />
spricht in Peru alles von einem<br />
anderen Deutschen. Augusto<br />
R. Berns behauptet, die goldene<br />
Stadt der Inkas – Machu Picchu<br />
– entdeckt zu haben. Wer war<br />
dieser Mann und was trieb ihn<br />
in die Berge Perus? Zwischen<br />
historischem Bericht und Abenteuergeschichte<br />
wird die Figur<br />
des deutschstämmigen Unternehmers,<br />
Hochstaplers und Entdeckers<br />
plastisch. Das hat auch<br />
Sten Nadolny überzeugt, der<br />
meint: „Makellos geschrieben,<br />
fesselnde Figuren, Reichtum,<br />
wohin man sieht – plastisch,<br />
farbig und unvergesslich.“<br />
Robert Renk<br />
Sabrina Janesch: Die goldene Stadt<br />
Rowohlt Verlag, 528 S., € 23,60<br />
Tiefer, volkstümlicher Glaube<br />
an Feen und Geister beherrscht<br />
die Dörfler eines Tales, abgeschieden<br />
im ländlichen Irland<br />
1826. Er beeinflusst übermächtig<br />
ihr alltägliches Leben,<br />
gespiegelt in einer Welt aus<br />
Aberglauben, Ritualen,<br />
Mythen, Angst und Armut.<br />
<strong>No</strong>ras Enkel, der vierjährige<br />
Michael, soll ein Wechselbalg<br />
sein. Die junge Magd Mary<br />
kümmert sich liebevoll um ihn<br />
und auch die alte Kräuterfrau<br />
Nance will helfen. Unaufhaltsam<br />
weicht Hoffnung und<br />
Mitgefühl dem Wahn „ohne<br />
Sinn“. Ute Faserl<br />
Hannah Kent:<br />
Wo drei Flüsse sich kreuzen<br />
Droemer Verlag, 432 S., € 20,60<br />
48<br />
Wagner’sche.<br />
Eine wunderschöne <strong>No</strong>velle<br />
über das Ende Antonius’ von<br />
Padua. Wie schon in seinem<br />
berührenden Roman „Das<br />
Mädchen mit den Streichhölzern“<br />
gelingt Michael Köhlmeier<br />
erneut ein Text, der – ohne<br />
Fingerzeig, allein durch Kraft<br />
und Behutsamkeit der Sprache<br />
– einen Bezug vom Mittelalter<br />
zum Heute herzustellen vermag.<br />
Nach nur wenigen Seiten liegt<br />
man Seite an Seite mit dem<br />
Tier- und Menschenfreund,<br />
dem Prediger für ein Miteinander;<br />
und denkt unwillkürlich an<br />
die Hassprediger von heute.<br />
Robert Renk<br />
Michael Köhlmeier: Der Mann, der<br />
Verlorenes wiederfindet<br />
Hanser Verlag, 160 S., € 20,60<br />
Deon Meyer, Thriller-König aus<br />
Südafrika, begibt sich auf neue<br />
Pfade und knallt mit „Fever“ ein<br />
gewichtiges Postapokalypse-Epos<br />
ins Bücherregal. Ein Virus tötet<br />
95 Prozent der Menschheit, zu<br />
den Überlebenden zählen Willem<br />
Storm und sein Sohn Nico. Humanist<br />
Willem träumt von einer<br />
solidarischen Gemeinschaft, frei<br />
von Rassenhass und Standesdünkel.<br />
Vanderkloof ist der ideale<br />
Ort, Amanzi – Wasser – der<br />
neue Name. Doch marodierende<br />
Motorradbanden von außen und<br />
aufkeimende Zwietracht von<br />
innen bedrohen das wachsende<br />
Amanzi. Und es gibt noch einen<br />
weiteren unbekannter Feind …<br />
Andreas Hauser<br />
Deon Meyer: Fever<br />
Rütten & Loening Verlag, 702 S., € 20,60<br />
50 Mann stehen in Berchtesgaden,<br />
bereit, in 20 Tagen<br />
1000 Kilometer nach Berlin<br />
zu laufen, pünktlich zu Hitlers<br />
Geburtstag diesem am 20. April<br />
1945 zu gratulieren. Unter<br />
den Läufern: der Jude Harry<br />
Freudenthal, getarnt als Paul<br />
Renner aus Wien, auch „Pilger“<br />
genannt. Die Begleitung ist<br />
prominent, Leni Riefenstahl<br />
filmt das. Nicht die einzige echte<br />
Prominente in dem fiktiv-literarischen<br />
Schelmenstück, durch<br />
das Harry/Paul/Pilger von<br />
seiner ermordeten Mischpoke<br />
getrieben wird. Sein Auftrag ist<br />
klar: Töte Hitler. Absurd, grotesk,<br />
witzig, tragisch … einfach<br />
lesenswert. Andreas Hauser<br />
Peter Keglevic:<br />
Ich war Hitlers Trauzeuge<br />
Knaus Verlag, 576 S., € 26,80<br />
In Zeiten, in denen der<br />
R.A.F.-Terror wieder TV und<br />
Zeitungen beschäftigt, die<br />
ihn mit dem IS vergleichen,<br />
erscheint Ljubic’ neuer Roman<br />
und der setzt den Terror in einen<br />
ganz anderen, einen historischen<br />
Kontext. Es geht um den<br />
Tübinger Lehrer und Pazifist<br />
Hartmut Gründler, der 1975 in<br />
den Kreis der Familie Kelsterberg<br />
gelangt. 1977 schließlich –<br />
aus Protest gegen die Atompolitik<br />
der Bundesrepublik – zündet<br />
er sich an. Das hinterlässt<br />
Spuren in der Familie, vor allem<br />
beim 10-jährigen Hanno, aus<br />
dessen Perspektive hier erzählt<br />
wird. Atemberaubend dicht,<br />
sowohl atmosphärisch als auch<br />
sprachlich! Robert Renk<br />
Nicol Ljubic: Ein Mensch brennt<br />
dtv Verlag, 336 S., € 20,60<br />
In den Wirren der angolanischen<br />
Revolution erschießt<br />
Ludovica einen Einbrecher,<br />
verscharrt ihn auf der Dachterrasse<br />
und mauert die<br />
Wohnungstüre zu – von innen.<br />
30 Jahre wird sie in ihrem<br />
Gefängnis verbringen, unterhält<br />
sich mit ihrem Hund, isst<br />
Tauben und schreibt Gedichte<br />
während draußen die Revolution<br />
dem Kommunismus<br />
und dieser dem Kapitalismus<br />
weichen muss. Unsichtbare<br />
Fäden verbinden sie mit Geheimdienst,<br />
Revolutionären<br />
und Straßenjungen – bis zum<br />
großen Finale in ihrer Wohnung.<br />
Ein Kleinod des magischen<br />
Realismus. Andreas Hauser<br />
José Eduardo Agualusa:<br />
Eine allgemeine Theorie des Vergessens<br />
C.H. Beck Verlag, 197 S., € 20,60<br />
Crimson Lake ist der Rückzugsort<br />
des Ex-Cops Ted Conkaffey,<br />
der einer Entführung verdächtigt<br />
und dafür geächtet wird.<br />
Dort trifft er auf eine Mörderin,<br />
die gerade ein Detektivbüro<br />
eröffnet hat und auf seine Hilfe<br />
angewiesen ist. Eine skurrile<br />
Geschichte, die mit ungeahnten<br />
Wendungen erträumt, sexy<br />
erzählt und intellektuell spannend<br />
geschrieben ist. Nach den<br />
Bestsellern Hades/Eden und<br />
Fall ein weiterer Beweis, dass<br />
wir es mit einer der begabtesten<br />
Autorinnen der Gegenwart zu<br />
tun haben und noch viele Stunden<br />
mit Candice Fox verbringen<br />
werden. Günther Egger<br />
Candice Fox: Crimson Lake<br />
Suhrkamp Verlag, 380 S., € 16,50
„Schweben“ erzählt die Liebesgeschichte<br />
von Rosa und<br />
Josef, die im Nachkriegsösterreich<br />
aufwachsen und nach der<br />
Arbeitsmigration vom Osten<br />
in den Westen des Landes sich<br />
trotz materieller Armut ein<br />
bescheidenes Glück aufbauen.<br />
Jürgen-Thomas Ernst fasst<br />
Josefs Lebensgeschichte in<br />
besonders schlichte, zurückhaltende<br />
Sprache und findet so<br />
zu eindrücklichen Bildern, die<br />
zeigen, wie Glück trotz widriger<br />
Verhältnisse gefunden werden<br />
kann: ein Weihnachtsfest<br />
mit Wein aus Wassergläsern,<br />
ein bordeauxfarbener Fiat<br />
Topolino, eine rote Bank am<br />
Bach. Martin Fritz<br />
Jürgen-Thomas Ernst: Schweben<br />
Braumüller Verlag, 200 S., € 20,–<br />
Nach vielen Jahren trifft Alain<br />
seinen ehemalig besten Freund<br />
Craig. In der Schulzeit hat<br />
Alain den charismatischen<br />
Craig verehrt. Als dieser dann<br />
sogar ein internationaler<br />
Rockstar wurde, avancierte<br />
Alain endgültig zur Randerscheinung.<br />
Ein halbes Leben<br />
später ist Craig zum Penner<br />
geworden, der auf der Straße<br />
lebt. Alain ist ein anerkannter<br />
Gourmetkritiker geworden, der<br />
in einem viktorianischen Anwesen<br />
lebt. In genau dieses nimmt<br />
er Craig als Gast mit. Und<br />
schon bleibt nichts mehr, wie<br />
es einmal war. Weil die Manuskripte<br />
des Lebens schreibt eben<br />
immer der Zufall. Manfred Schild<br />
John Niven: Alte Freunde<br />
Heyne Verlag, 352 S., € 20,60<br />
Über die Utopie des glücklichen<br />
Endes. Eine Schriftstellerin<br />
beschließt nicht ohne<br />
verlegerischen Druck einen<br />
Heimatroman zu schreiben,<br />
der sich durch mehrere Dinge<br />
auszeichnet, vor allem aber<br />
durch das unausweichliche<br />
glückliche Ende. Das Schreiben<br />
des Romans droht aber, trotz<br />
präziser Anleitung immer wieder<br />
aus den Bahnen zu geraten.<br />
Da wären die aufmüpfigen<br />
ProtagonistInnen, unzufriedene<br />
LeserInnen und die böse<br />
Großcousine aus der Stadt, die<br />
die Geschichte absichtlich zu<br />
sabotieren versucht. Humorvoll<br />
und knallhart. Empfehlung!<br />
Katharina J. Ferner<br />
Petra Piuk: Toni und Moni<br />
Kremayr & Scheriau, 208 S., € 19,90<br />
Nach 20 Jahren erscheint der<br />
zweite Roman der Menschenrechtsaktivistin<br />
Arundhati Roy.<br />
Eine magisch reale Landkarte,<br />
in der man einer Transgenderfrau<br />
begegnet und vielen<br />
facettenreich gezeichneten<br />
Personen, die die Vielfältigkeit<br />
Indiens in aller Gebrochen- und<br />
Schönheit spürbar machen.<br />
Die Charaktere haben ihre Brüche<br />
und mussten über schmerzhafte<br />
Kasten-, Nationen- und<br />
Religionsgrenzen gehen, die<br />
sie in sich tragen. Zerbrochene<br />
Herzen, die wieder zu einem<br />
pulsierenden gemeinsamen Herzen<br />
werden. Eva Wallensteiner<br />
Arundhati Roy: Das Ministerium<br />
des äußersten Glücks<br />
S. Fischer Verlag, 560 S., € 24,70<br />
Von nur einem Tag erzählt<br />
diese mitunter ironisch-böse<br />
Geschichte – und nur mit Ironie<br />
lassen sich die fühlbaren Ängste<br />
der Protagonistin ertragen:<br />
Die Angst vor dem Versagen,<br />
ein falsches Leben gelebt zu<br />
haben, zu sterben. Hier werden<br />
die großen Fragen an das Leben<br />
gestellt, während mit der freien<br />
Hand ein abgetrennter Finger<br />
gesucht und ein hyperaktives<br />
Kind beruhigt wird. Es sind die<br />
Gedanken einer Frau, die etwas<br />
Großes in der Welt hinterlassen<br />
will – und dabei übersieht,<br />
dass sie dies schon längst getan<br />
hat. Sarah Caliciotti<br />
Mareike Krügel: Sieh mich an<br />
Piper Verlag, 256 S., € 20,60<br />
Im Roman Wiener Straße wird<br />
es tatsächlich sehr österreichisch,<br />
auch wenn er in Kreuzberg,<br />
Anfang der 80er spielt.<br />
Dafür sorgen ein paar österreichische<br />
Aktionskünstler auf<br />
die unser Herr Lehmann trifft.<br />
Kunst ist das Gebot der Stunde<br />
im Café Einfall und Umgebung.<br />
Und Kunst kann alles sein. Was<br />
das wiederum mit einem Intimfriseurladen,<br />
einer Kettensäge,<br />
einem Kontaktbereichsbeamten,<br />
einem Schwangerschaftssimulator<br />
zu tun hat, und warum<br />
unser Herr Lehmann wieder<br />
über allem steht, das lesen Sie<br />
besser selbst. Simone Winter<br />
Sven Regener: Wiener Straße<br />
Galiani, 304 S., € 22,70<br />
Gilbert Silvester, Privatdozent<br />
(Themenschwerpunkt „Bartmode<br />
und Gottesbild“), träumt,<br />
dass seine Frau ihn betrügt, und<br />
nimmt den erstbesten Flieger<br />
nach Japan, in die denkbar<br />
größtmögliche Fremde. Von<br />
Tokyo reist er auf den Spuren<br />
von Matsuo Bashō, dem<br />
Großmeister des Haiku, in<br />
Begleitung eines höflichen, aber<br />
unfähigen Selbstmörders bis zu<br />
den legendären Kieferninseln<br />
vor Matsushima: eine aberwitzige<br />
Reise, letzten Endes zu sich<br />
selbst, in glasklarer Sprache<br />
und mit Witz in Szene gesetzt:<br />
bezaubernd! Joe Rabl<br />
Marion Poschmann: Die Kieferninseln<br />
Suhrkamp Verlag, 168 S., € 20,60<br />
Karl Marx hat Charles Darwin<br />
nicht getroffen. Was aber hätte<br />
sein können, zeigt Ilona Jerger<br />
in ihrem ersten Roman. Der<br />
Autorin gelingt es anhand der<br />
erfundenen Begegnung, Darwin<br />
in erster Linie als Menschen<br />
zu schildern und den Weg<br />
vom jungen Priesteranwärter<br />
zum Entdecker der Gesetze<br />
der Entstehung der Arten in<br />
lebendigen Bildern zu illustrieren.<br />
Über die eine oder andere<br />
Länge sieht man gerne hinweg,<br />
denn die penible Recherche der<br />
Autorin vor Ort und genaues<br />
Quellenstudium sind für alle ein<br />
Gewinn. Michael Carli<br />
Ilona Jerger: Und Marx stand still<br />
in Darwins Garten<br />
Ullstein Verlag, 288 S., € 20,60<br />
Über dieses Buch ist schon viel<br />
und viel verschiedenes gesagt<br />
worden. Golden House sei ein<br />
weiterer postmoderner Roman,<br />
mit hunderten Ebenen und gelehrtem<br />
Namedropping. Dabei<br />
ist das Buch ein charmantes<br />
und witziges Monster, das das<br />
Bild eines Amerikas zeichnet, in<br />
dem Sicherheiten verloren gegangen<br />
sind und das Echte vom<br />
Falschen nicht mehr zu unterscheiden<br />
ist. Märchen, Thriller<br />
und Kaleidoskop. Manchmal<br />
alles auch gleichzeitig. In jedem<br />
Fall atemberaubend. Michael Carli<br />
Salman Rushdie: Golden House<br />
C. Bertelsmann Verlag, 512 S., € 25,70<br />
Smiths neuer Roman erzählt<br />
lakonisch leicht von denen, die<br />
in der Glitzerwelt des Showbusiness<br />
nicht Fuß fassen können.<br />
Es geht um Fragen wie: Lohnt<br />
der Versuch, seine Herkunft<br />
hinter sich zu lassen? Was heißt<br />
es heutzutage, schwarz oder<br />
weiß zu sein? Was ist Freundschaft?<br />
Swing Time ist ein<br />
„Coming-of-Age-Roman“ im<br />
besten Sinn. Die Geschichte<br />
zweier Freundinnen ist beispielhaft<br />
für menschliches Streben<br />
und dessen Irrwege. Insgesamt<br />
ein großes Lesevergnügen, das<br />
den Leser am Schluss zu einem<br />
anderen macht. Michael Carli<br />
Zadie Smith: Swing Time<br />
Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />
640 S., € 24,70<br />
Moinika mit zwei i – kurz Moi –<br />
erzählt von ihren 7 Kindern,<br />
14 Enkelkindern, 5 Hunden und<br />
einem Hof. Federico, dem sie im<br />
Altersheim noch nie ausgesprochene<br />
Geheimnisse erzählt, lebte<br />
mit ihr früher als „angenommenes<br />
Kind“ am Bauernhof, er hat<br />
den Hof allerdings vor ihr über<br />
Nacht verlassen. Warum, kann<br />
er Jahre später mit der nötigen<br />
Distanz erzählen? In unglaublich<br />
zarten und gleichzeitig starken<br />
Bildern beschreibt Maria Thaler<br />
das Leben ihrer Protagonistin<br />
Moi – einer Frau, die auf den<br />
Hof ihres Mannes Lenz kam<br />
und zum Erstaunen aller bei<br />
ihrer Ankunft einen schwarzen<br />
Kater gestreichelt hat.<br />
Evelyn Unterfrauner<br />
Maria Thaler: Moi<br />
Edition Raetia Verlag, 192 S., € 18,–<br />
Louisa ist das Beste, was der<br />
Familie Massé passieren konnte,<br />
so scheint es zumindest, denn<br />
die Kinder Adam und Mila<br />
lieben ihre <strong>No</strong>unou. Aber alles,<br />
was in der Abwesenheit der<br />
Eltern passiert und im Kopf der<br />
Nanny, ist einfach nur krank<br />
und verdorben. Das Schicksal<br />
der Familie zeichnet sich bereits<br />
im ersten Kapitel ab und es gibt<br />
keine Aussicht auf ein Happy<br />
End. Die Autorin macht keine<br />
Schuldzuschreibungen und fällt<br />
keine Urteile – sie seziert die<br />
unangenehme Wahrheit. Nichts<br />
für schwache Nerven!<br />
Evelyn Unterfrauner<br />
Leïla Slimani: Dann schlaf auch du<br />
Luchterhand Verlag, 224 S., € 20,60<br />
Bevor die Welt unterging: Eine<br />
Abitur-Adoleszenz zwischen<br />
1979 und 1989, Judith lebt in<br />
einer Kleinstadt und sie kommen<br />
alle zum Vorschein: die<br />
Frisuren, Ohrenlöcher, Sport-<br />
BHs und Schuhe, die Ikonen<br />
der Literatur, Max Frisch und<br />
Jean Paul Sartre, die befreienden<br />
Schularbeiten über Sophie<br />
Scholl. Tschernobyl macht den<br />
entscheidenden Schnitt, vielleicht<br />
ist jetzt Schluss und das<br />
Ende der Schöpfung eingeläutet.<br />
Helmuth Schönauer<br />
Kirstin Breitenfellner:<br />
Bevor die Welt unterging<br />
Picus, 240 S., € 22,–<br />
Basierend auf zahlreichen in<br />
Wien und in Bosnien geführten<br />
Interviews entwirft „Phantome“<br />
von der Perspektive eines<br />
Wiener Graffiti-Künstlers<br />
ausgehend, der mit seiner<br />
Freundin Sara nach Bosnien<br />
reist, ein eindrückliches Bild<br />
der Erinnerungen an Krieg und<br />
Flucht von Saras Mutter Anisa<br />
sowie von Anisas Jugendfreund<br />
Jovan. So gelingt eine sowohl<br />
inhaltlich als auch sprachlich<br />
und erzählerisch ebenso klug<br />
durchdachte wie intensive und<br />
aufwühlende Annäherung an<br />
ein Bosnien und seine jüngere<br />
Geschichte, deren Parallelen zu<br />
aktuellen Ereignissen augenscheinlich<br />
sind. Martin Fritz<br />
Robert Prosser: Phantome<br />
Ullstein Verlag, 336 S., € 20,60<br />
Kat betreibt eine Kakaoplantage<br />
auf den Fidschi-Inseln. Nach<br />
dem Tod ihres Mannes lädt sie<br />
ihre Jugendfreundinnen zu sich<br />
ein, um in der Südsee mit ihr alt<br />
zu werden. Sina, Maya, Ingrid<br />
und Lisbeth bringen ihre Lebensgeschichten<br />
mit, lernen den<br />
Facettenreichtum der Fidschis<br />
und deren Bewohner kennen<br />
und lieben. In kleinen Dosen<br />
öffnen sie sich einander, stellen<br />
sich ihren Ängsten und produzieren<br />
dabei Schokolade. Die<br />
Kulisse sowie die Charaktere –<br />
in Symbiose mit dem respektvollen<br />
Blick auf das Leben und<br />
dessen Essenz – zeichnen diesen<br />
Roman aus. Gratulation, Anne<br />
Østby! Isabel Hörmann<br />
Anne Østby: Zartbitter ist das Glück<br />
Wunderraum Verlag, 384 S., € 22,70<br />
Robert Landons ehemaliger<br />
Harvard Student, Edmond<br />
Kirsch lädt ein ins Guggenheim<br />
– Museum von Bilbao. Alle<br />
sind gekommen, Kirsch möchte<br />
seine genauestens geplante<br />
Präsentation der High Society<br />
zeigen. Es geht um die großen<br />
Fragen der Menschheit, um<br />
Wissenschaft und Religion,<br />
seine Ergebnisse werden alles<br />
verändern. Für Langdon und<br />
die Direktorin des Museums<br />
beginnt eine spannende und<br />
rasante Jagd durch Spanien,<br />
immer auf der Suche nach der<br />
Wahrheit. Das lange Warten hat<br />
sich gelohnt, ein Genuss bis zur<br />
letzten Seite. Lena Kripahle<br />
Dan Brown: Origin<br />
Lübbe, 672 S., € 28,–
Ein unerwarteter Anruf wirft<br />
Robin völlig aus der Bahn.<br />
Ohne ihrem Verlobten Bescheid<br />
zu geben, packt sie ihre<br />
Sachen und fährt. Auf ihren<br />
Vater, seine neue Frau und<br />
ihre 12-jährige Tochter wurde<br />
geschossen. Seine Frau verstirbt<br />
kurz darauf. Durch den Vorfall<br />
muss auch Robin sich mit ihrer<br />
Vergangenheit auseinandersetzen.<br />
Sie hat seit Jahren wieder<br />
Kontakt zu ihrer Schwester. Ihr<br />
Vater war nicht wirklich beliebt<br />
und jeder könnte für diese Tat<br />
verantwortlich sein, auch die<br />
eigene Familie. Psychologisch,<br />
spannend und ein packender<br />
Thriller. Lena Kripahle<br />
Joy Fielding: Solange du atmest<br />
Goldmann Verlag, 448 S., € 20,60<br />
Es ist ein bunt schillerndes<br />
Kaleidoskop unterschiedlichster<br />
Schicksale und absurder Details,<br />
das Irene Diwiak in ihrem<br />
Debütroman wie einen Geschichtenteppich<br />
vor dem staunenden<br />
Leser ausbreitet. Die<br />
trotz ihres jugendlichen Alters<br />
vielfach ausgezeichnete Autorin<br />
gilt als literarische Hoffnung,<br />
deren Fabulierlust sich nicht<br />
nur an sprechenden Namen wie<br />
„Zwirbel“ oder „Wagenrad“<br />
zeigt – erzählt wird die Geschichte<br />
rund um ein wunderschönes,<br />
aber leider talentloses<br />
Mädchen, das dennoch ein Star<br />
werden soll. Bernd Schuchter<br />
Irene Diwiak: Liebwies<br />
Deuticke, 335 S., € 22,70<br />
Zack ist einer der jüngsten<br />
Sonderermittler in Stockholm.<br />
Als er auf einer illegalen Techno<br />
Party in einem Industriegebäude<br />
tanzt, werden in einem<br />
thailändischen Massagesalon<br />
vier junge Frauen ermordet.<br />
Zwischen Drogenrausch und<br />
internen Ermittlungen, versucht<br />
Zack die brutale Hinrichtung<br />
der Frauen aufzuklären. Welches<br />
Motiv steckt hinter den<br />
Taten, Frauenhass oder Rassismus?<br />
Oder doch rivalisierende<br />
Unterweltgestalten. Mit „Die<br />
Fährte des Wolfes“ bekommen<br />
wir Krimifans ein spannendes<br />
neues Ermittlerteam geboten.<br />
Lena Kripahle<br />
Mons Kallentoft, Markus Lutteman:<br />
Die Fährte des Wolfes<br />
Tropen Verlag, 458 S., € 17,50<br />
Es sind 200 Jahre vergangen<br />
und in England regiert die<br />
junge Protestantin Elisabeth<br />
Tudor. Ein schwelender Konflikt<br />
zwischen Katholiken und<br />
Protestanten wird durch ihre<br />
Regentschaft weiter angefacht.<br />
Viele trachten ihr nach dem<br />
Leben. Ned Willard, ein junger<br />
Mann aus Kingsbridge, sucht<br />
nach den Gegnern der jungen<br />
Elisabeth, als Spion des<br />
königlichen Geheimdienstes.<br />
Der Konflikt hat sich bereits<br />
zwischen ihn und seine Liebe,<br />
Margery Fitzgerald, gestellt.<br />
Historisch belegt und mit viel<br />
Spannung schreibt Ken Follett<br />
die Geschichte von Kingsbridge<br />
weiter. Lena Kripahle<br />
Ken Follett: Das Fundament der Ewigkeit<br />
Bastei Lübbe Verlag, 1168 S., € 36,–<br />
Mikael Blomkvist fährt den<br />
weiten Weg zum Frauengefängnis<br />
Flodberga. Lisbeth Salander<br />
muss dort ihre Haftstrafe<br />
absitzen. Sie bittet Mikael um<br />
Hilfe, denn Holger Palmgren<br />
hat neue Informationen über<br />
ihre Vergangenheit gefunden.<br />
Während Mikael beginnt, mehr<br />
Informationen über Leo Mannheimer<br />
zu finden, wird Lisbeth<br />
im Gefängnis das neue Ziel von<br />
Benito und ihrer Gang. David<br />
Lagercrantz gibt eine weitere<br />
Facette aus Lisbeths Vergangenheit<br />
preis und schafft es wie<br />
auch bei „Verschwörung“, den<br />
Nervenkitzel hochzuhalten.<br />
Lena Kripahle<br />
David Lagercrantz: Verfolgung<br />
Heyne Verlag, 480 S., € 23,70<br />
„Nichts als die Nacht“ ist das<br />
literarische Debüt Williams’ aus<br />
dem Jahr 1948. Die Erzählung<br />
handelt von der Angst und<br />
Verstörung eines Mannes, der<br />
in seiner Kindheit ein traumatisches<br />
Erlebnis hatte. Mit seinem<br />
Vater hatte er jahrelang keinen<br />
Kontakt, doch als dieser ihn<br />
zum Abendessen einlädt, muss<br />
er sich seiner Vergangenheit<br />
stellen. Eine beeindruckende<br />
Darstellung der Psyche eines<br />
„sozial gestörten“ Menschen.<br />
John Williams hat schon mit<br />
seinem Erstlingswerk bewiesen,<br />
dass er zu den größten amerikanischen<br />
Autoren des 20.<br />
Jahrhunderts gehört. Lena Walder<br />
John Williams: Nichts als die Nacht<br />
dtv Verlag, 160 S., € 18,50<br />
Nach dem Bestseller „Der<br />
Duft von bitteren Orangen“<br />
überzeugt die Bestsellerautorin<br />
auch wieder mit ihrem neuesten<br />
Buch. Es handelt von Nick, der<br />
nach dem Tod seines Vaters beschließt,<br />
nach Afrika zu gehen,<br />
um ein Kinderkrankenhaus<br />
zu bauen. Bis er zwischen die<br />
Fronten gerät und eine Affäre<br />
droht, eine ganze Familie zu<br />
zerstören. Eine beeindruckende<br />
und erschütternde Geschichte<br />
über Hoffnung und Liebe.<br />
Lena Walder<br />
Claire Hajaj: Der Wasserdieb<br />
Blanvalet Verlag, 512 S., € 20,60<br />
Paris – der junge Musiker und<br />
Journalist Thomas Dupré jobbt<br />
in seinem Lieblingsladen „Prestige<br />
Guitars“ und erhält einen<br />
besonderen Auftrag. Er soll<br />
eine Gitarre an einen Käufer in<br />
Schottland abliefern. Hierbei<br />
handelt es sich um einen Lord,<br />
welcher Thomas einen Deal<br />
vorschlägt: Wenn er ihm hilft,<br />
einen Beweis zu finden, dass die<br />
legendäre Gitarre „Gibson<br />
Moderne“ tatsächlich gebaut<br />
worden ist, erhält er eine Million<br />
Dollar. Voller Euphorie stürzt<br />
er sich in die Suche, die immer<br />
gefährlicher wird. Ein genialer<br />
Rock’n’Roll-Roadtrip durch die<br />
Musikgeschichte. Lena Walder<br />
Grégoire Hervier: Vintage<br />
Diogenes Verlag, 400 S., € 24,70<br />
Der mexikanische Dichter<br />
Miguel kann die Frau seines Lebens<br />
nicht vergessen. Er hat ihr<br />
Verschwinden nie überwunden.<br />
Als er von ihrem Tod erfährt,<br />
wird ihm bewusst, wie wenig er<br />
sie kannte. Sein Freund möchte<br />
ihm helfen, muss jedoch dafür<br />
mehr über die gemeinsame<br />
Vergangenheit des Dichters<br />
und der geheimnisvollen Frau<br />
herausfinden. Auf seiner Suche,<br />
die ihn von London bis nach<br />
Lissabon führt, stößt er auf<br />
das Geheimnis, das Teresa<br />
verzweifelt gehütet hat. Mit<br />
dieser melancholisch-sinnlichen<br />
Geschichte überzeugt der portugiesische<br />
Autor wieder aufs<br />
Neue. Lena Walder<br />
João Tordo: Die zufällige Biographie<br />
einer Liebe<br />
Droemer Verlag, 400 S., € 22,70<br />
In einem kleinen Dorf in Irland<br />
lebt und arbeitet PJ Collins.<br />
Die meisten im Dorf glauben,<br />
er könnte einen Fall lösen,<br />
wenn es einmal einen gäbe.<br />
Denn bisher verlief das Leben<br />
ganz ruhig, abgesehen von<br />
den üblichen Querelen. Doch<br />
dann werden auf einer Farm<br />
menschliche Knochen gefunden<br />
und die Ermittlungen reißen<br />
alte Wunden wieder auf. Alle<br />
im Dorf vermuten, es sind die<br />
Knochen von Tommy, die nach<br />
20 Jahren wieder aufgetaucht<br />
sind. Warmherzig, intelligent<br />
und ohne einen Tropfen Blut<br />
liefert <strong>No</strong>rton einen packenden<br />
Kriminalroman. Lena Kripahle<br />
Graham <strong>No</strong>rton: Ein irischer Dorfpolizist<br />
Kindler Verlag, 332 S., € 20,60<br />
Es geht weiter mit Kommissar<br />
Huldar und Psychologin Freya.<br />
Nach ihrem letzten Fall haben<br />
beide berufliche Konsequenzen<br />
zu spüren bekommen. Einen<br />
neuen Fall gilt es zu lösen und<br />
Huldar nutzt die Gelegenheit<br />
und bittet Freya um Hilfe. Eine<br />
Zeitkapsel, die 10 Jahre zuvor<br />
von Schülern vergraben wurde,<br />
wird 2016 wieder ans Tageslicht<br />
geholt. Ein Brief kommt zum<br />
Vorschein, auf ihm sind die Anfangsbuchstaben<br />
von zukünftigen<br />
Mordopfern niedergeschrieben.<br />
Wie gewohnt grausig und<br />
düster, tauchen wir ein in einen<br />
Fall, der weiter als 10 Jahre<br />
zurückliegt, der Nachfolger von<br />
„DNA“. Lena Kripahle<br />
Yrsa Sigurdardóttir: Sog<br />
btb Verlag, 448 S., € 20,60<br />
Die Liebe hat nicht nur schöne<br />
Seiten, fast jeder von uns hat<br />
irgendwann in seinem Leben<br />
auch den Verrat an ihr erlebt.<br />
Von diesem Verrat erzählt Jessica<br />
Schulte am Hülse. In sieben<br />
Geschichten zeigt sie die zerstörerische,<br />
düstere und gemeine<br />
Seite der Liebe. Ihre Protagonisten<br />
erleben den Verrat auf<br />
verschiedene Weise, während<br />
manche daran zerbrechen,<br />
überleben die anderen ihren<br />
Verlust und können ihr Leben<br />
fortsetzen. Trotz der Kürze der<br />
einzelnen Geschichten fühlt<br />
der Leser mit jedem einzelnen<br />
Schicksal mit. Lena Kripahle<br />
Jessica Schulte am Hülse: Verrat<br />
Blessing Verlag, 256 S., € 20,60<br />
Muss das Winterzeug wirklich<br />
sein? Diese Frage stellt der<br />
82-jährige „Mr. J“ Mendelssohn<br />
seiner Pflegerin, weil sie ihm<br />
über Nacht eine Windel anlegt.<br />
Diese Frage ist der Beginn einer<br />
Erzählung über sein Leben,<br />
seine Existenz – und damit<br />
seine Perspektive auf die Welt.<br />
„Who needs books if you have<br />
stories?” ist ein gerne verwendetes<br />
Zitat von Colum Mc-<br />
Cann. WIR benötigen solche<br />
außergewöhnliche Bücher mit<br />
erzählenswerten Geschichten,<br />
die aus Sprache ein individuelles<br />
Bewusstsein entstehen<br />
lassen. Richard Jurst<br />
Colum McCann:<br />
Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist?<br />
Rowohlt Verlag, 250 S., € 20,60<br />
Welch famose Parabel über<br />
Menschliches und Unmenschliches!<br />
Es brauchte gar keine<br />
„Außerirdischen“, wie der<br />
Erzähler Sol am eigenen Leib<br />
erfährt, um als kritischer Geist<br />
in einer Art medialem Konzentrationslager<br />
zu landen.<br />
Die angekündigten Aliens<br />
sind nämlich ganz nett und so<br />
verhelfen sie der Medien- und<br />
Marktwirtschaft zu neuem<br />
Aufschwung. Der Hit der<br />
Saison heißt „We are all aliens“,<br />
exterritoriale Immobilien und<br />
eine Castingshowwerden zum<br />
Schlager. Der Sieger wird reich,<br />
der Verlierer allerdings dient<br />
den neuen „Freunden“ als<br />
Delikatesse. Robert Renk<br />
Doron Rabinovici: Die Außerirdischen<br />
Suhrkamp Verlag, 255 S., € 22,70<br />
Eine wunderschöne, eigentümliche<br />
Geschichte ums Erinnern.<br />
Ein Grabredner fürs Radio<br />
gelangt auf seiner Suche nach<br />
radiotauglichem Kirchengeläut<br />
in das Land Innerfern und das<br />
Dorf der 13 Dörfer. Es ist die<br />
Gegend seiner Kindheit und nun<br />
geht’s los mit fein geschilderten<br />
Reminiszenzen an die frühere<br />
Zeit. Die Zeit, als es noch<br />
Handwerker im Dorf gab, die<br />
ersten schrulligen Touristinnen<br />
mit ihren Schrankkoffern und<br />
allerhand Sonderwünschen ankamen,<br />
die Kinder noch auf den<br />
Bahngleisen spielten und es beim<br />
Skifahren noch keinen Lift gab.<br />
Eine feine Erinnerungsexplosion<br />
im Kopf des Lesers! Simone Winter<br />
Gerhard Köpf: Das Dorf der 13 Dörfer<br />
Braumüller Verlag, 280 S., € 24,–<br />
Kunst macht süchtig. Man<br />
wundert sich, warum er nicht<br />
längst viel bekannter ist.<br />
Manche Gedichte lesen sich, als<br />
hätte Swifts Gulliver sich mit<br />
Carrols Alice eingelassen; bunt,<br />
abenteuerlich, scheinbar (!)<br />
kindlich. Andere wieder kommen<br />
daher wie Clint Eastwood,<br />
am Schluss von Gran Torino:<br />
grimmig, lässig, doch völlig<br />
unbewaffnet. Mit punktgenauer<br />
Pointe und absolut richtiger<br />
Hintergrundmusik. Er scheißt<br />
auf Regeln, legt aber dann<br />
einen perfekten Sonettenkranz<br />
hin. Kunst kann das, weil<br />
er alles beherrscht, auch das<br />
Unbeherrschte. Robert Renk<br />
Thomas Kunst: Kolonien und<br />
Manschettenknöpfe<br />
Suhrkamp Verlag, 125 S., € 20,60
Die Angst vor den Gebildeten<br />
Konrad Paul Liessmann denkt in seinem neuen<br />
Buch kritisch über die Möglichkeiten von Bildung nach.<br />
Von Bernd Schuchter<br />
Es reicht nicht,<br />
ein Bücherwurm<br />
und<br />
Vielwisser<br />
zu sein.<br />
Konrad Paul Liessmann<br />
55<br />
© corn.at<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
54<br />
„… die Vermittlung von Wissen, Kenntnissen<br />
und Können orientiert sich nicht mehr<br />
an der Sache, am Gegenstand, an einem<br />
Fach, Thema, Text oder Problem, sondern<br />
an den Befindlichkeiten und Möglichkeiten<br />
des Einzelnen“, schreibt Konrad Paul<br />
Liessmann in seinem neuen Buch nicht<br />
ohne melancholischen Unterton. Der Autor<br />
und Philosoph mischt sich seit Jahren als<br />
engagierter Intellektueller in die Bildungsdebatten<br />
der Gegenwart, die vor allem<br />
in den Feuilletons der großen Zeitungen<br />
ausgetragen werden, mit klaren, luziden<br />
Essays ein. „Bildung als Provokation“ versammelt<br />
nun eine Auswahl dieser Texte der<br />
letzten Jahre, die sowohl in Sammelbänden<br />
als auch in den Wochenendbeilagen etwa<br />
des „Standard“ oder der „Neuen Zürcher<br />
Zeitung“ erschienen sind.<br />
Dabei wird schnell deutlich, dass Liessmann<br />
eine klare Meinung zu den hitzig debattierten<br />
Themen hat und dass er im Zweifelsfall<br />
ein Vertreter der klassischen Bildung<br />
ist, allen Unkenrufen auf die traditionelle<br />
humanistische Ausbildung zum Trotz.<br />
Mit leichter Hand handelt Liessmann die<br />
schwierigsten Themen ab und bleibt dabei<br />
mehr als lesbar, auch Humor beweist der<br />
Wiener Professor für Philosophie, der<br />
gerade mit seinen Büchern „Theorie der<br />
Unbildung“ und „Geisterstunde. Die Praxis<br />
der Unbildung“ sowohl die schulische als<br />
auch die universitäre Ausbildung kritisch<br />
hinterfragt hat – Stichwort Bologna-Prozess<br />
und Pisa-Studien.<br />
„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach<br />
seinen Bedürfnissen.“<br />
Wie beiläufig streut Liessmann dieses<br />
Karl-Marx-Zitat ein, um seine Kritik am<br />
gegenwärtigen Schulsystem zu unterfüttern.<br />
Zuvor geht es um eine Bildungsrevolution,<br />
die Politiker in Wahlzeiten gerne propagieren,<br />
und Bildung als säkularisierte Religion.<br />
„Wissenschaft ist keine Kunst“ oder „Was<br />
von uns übrig bleibt. Über den Wert des<br />
Abfalls“ heißen zwei weitere, sehr lesenswerte<br />
Essays in „Bildung als Provokation“,<br />
wobei Liessmann provozieren will, um im<br />
eigentlichen Wortsinn etwas zu bewirken,<br />
etwas auszulösen, und sei es nur eine Diskussion.<br />
Seine Wortbeiträge haben mitunter<br />
heftige Reaktionen zur Folge, wie etwa<br />
die Erregung über den Brief gegen das<br />
Binnen-I, den Liessmann vor einigen Jahren<br />
mitunterzeichnet hat. Aber auch politisch<br />
engagiert sich Liessmann, auch in „Bildung<br />
als Provokation“. Seine Essays „Der Bürger<br />
und seine Partei“, „Was heißt denken?<br />
Über Intellektuelle in dürftiger Zeit“ oder<br />
„Es ist so bequem, unmündig zu sein! Brauchen<br />
wir eine neue Aufklärung?“ zeigen<br />
Liessmann als luziden philosophischen<br />
Denker, der anders als viele seiner Kollegen<br />
an der Universität nicht nur Philosophiegeschichte<br />
referiert, sondern selbstbewusst<br />
das eigene, das philosophische Denken in<br />
Fragen und Zusammenhängen pflegt.<br />
Es gibt ja, mit Liessmann gesprochen,<br />
nicht nur die „Angst vor den Gebildeten“,<br />
die den vielen Bildungsverlierern unangenehm<br />
den Spiegel vorhalten, sondern auch<br />
die unbequemen Fragen eines Intellektuellen,<br />
der den Finger lieber in die blutende<br />
Wunde einer Bildungsdebatte legt als der<br />
Bildungsministerin Wohlfühlratschläge<br />
zu erteilen. „In der Tat: Es ist so bequem,<br />
unmündig zu sein“, schreibt Liessmann.<br />
„Kant hatte da keine Illusionen.“ Der Autor<br />
Liessmann wohl ebenso wenig.<br />
Konrad Paul Liessmann, geboren 1953 in Villach, ist<br />
Professor am Institut für Philosophie der Universität<br />
Wien; Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.<br />
Er erhielt 2004 den Ehrenpreis des österreichischen<br />
Buchhandels für Toleranz im Denken und<br />
Handeln, 2010 den Donauland-Sachbuchpreis und<br />
2016 den Paul-Watzlawick-Ehrenring. Seine „Theorie<br />
der Unbildung“ (2006) war ein großer Erfolg<br />
und wurde in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen<br />
bei Zsolnay seine Bücher „Das Universum<br />
der Dinge“ (2010), „Lob der Grenze“ (2012) und<br />
„Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung“ (2014)<br />
sowie im Hanser Verlag gemeinsam mit Michael<br />
Köhlmeier „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist,<br />
Adam?“ (2016).<br />
Buchtipp:<br />
Konrad Paul Liessmann:<br />
Bildung als Provokation<br />
Zsolnay Verlag<br />
238 S., € 22,70<br />
Buchpräsentation:<br />
Konrad Paul Liessmann:<br />
Bildung als Provokation<br />
Di., 23. Jänner 2018, 19:30 Uhr –<br />
Festsaal der Wirtschaftskammer,<br />
Wilhelm-Greil-Straße 7<br />
Moderation und Gespräch:<br />
Christoph Holz
Polen, Wien<br />
und die andere Seite<br />
Ein Abend mit Radek Knapp.<br />
Von Robert Renk<br />
Weihnachtsgeschenk<br />
Vorschau: Frühjahr 2018<br />
Veränderungen in der Verlagslandschaft lassen immer<br />
auch Schlüsse über Veränderungen in gesellschaftspolitischen<br />
Bedürfnissen zu. Dem gehen wir im Frühjahr<br />
2018 nach … Von Robert Renk<br />
Gleich zwei Bücher sind heuer von Radek<br />
Knapp erschienen. Zum einen ist da die<br />
luftig leichte Erzählung „Der Mann, der<br />
Luft zum Frühstück aß“, die nicht schwer,<br />
aber nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Der<br />
zwölfjährige Walerian emigriert unfreiwillig<br />
von Polen nach Wien. Schule und Mutter<br />
setzen ihn nach kurzer Zeit auf die Straße.<br />
Er gerät in eine völlig andere Welt mit anderer<br />
Sprache, anderen Typen, anderen Mentalitäten.<br />
Und wiederum ist es die unverwechselbare<br />
Stärke von Radek Knapp, dass<br />
er – wie Elke Heidenreich meint – „immer<br />
noch mit diesem fassungslosen Blick eines<br />
Heranwachsenden auf die Welt sieht“.<br />
Radek Knapp schreibt unaufgeregt,<br />
kurzweilig, fast lapidar mit distanzierter<br />
Ironie. Gleichzeitig sind seine Texte subtil<br />
und feinsinnig. Vieles wird nur angedeutet.<br />
Typisch für seinen Erzählstil, für die Gabe,<br />
Bilder mit Worten zu malen, ist schon der<br />
erste Satz des Buches: „Niemand wusste so<br />
richtig, was im Kopf meiner Mutter vorging.<br />
Leute, die sie kannten, behaupteten,<br />
dass dort eine entzückende Leere herrschte,<br />
andere wiederum konnten geradezu den<br />
Donner hören, den der eingeschlossene<br />
Geist beim Nachdenken erzeugte.“ (Seite 7)<br />
Und dann das geglückte Experiment, in<br />
dem sich der hellsichtige Autor den düsteren<br />
Grafiken von Alfred Kubin stellt und<br />
sie in eine phantastische Erzählung verwebt.<br />
Ein Mann kommt in eine Stadt. Er sucht<br />
die Antwort auf jene Fragen, die ihn mehr<br />
beschäftigen als alles andere:<br />
Wer war ich? Wie bin ich der geworden,<br />
der ich bin? Und was erwartet mich noch?<br />
Schließlich findet er jemanden, der bereit<br />
ist, ihm Auskunft zu geben: Doch ob<br />
der Teufel dafür wirklich der Richtige ist?<br />
Zum Werk von Alfred Kubin zählen<br />
mehr als zweitausend Illustrationen für<br />
Bücher.<br />
© www.corn.at Heribert CORN<br />
Radek Knapp hat eine Erzählung zu<br />
ausgewählten Grafiken Kubins geschrieben<br />
und damit das Zwiegespräch zwischen<br />
Autor und Grafiker umgedreht – der<br />
Schriftsteller reagiert auf die Bilder des<br />
Künstlers. Das Ergebnis dieses ungewöhnlichen<br />
Projekts ist „Die Stunde der<br />
Geburt“.<br />
Radek Knapp, 1964 in Warschau geboren, lebt als<br />
freier Schriftsteller in Wien und in der Nähe von<br />
Warschau. Werke (u. a.): „Herrn Kukas Empfehlungen“<br />
(Roman, 1999), „Gebrauchsanweisung<br />
für Polen“ (2005), „Der Gipfeldieb“ (Roman,<br />
2015), der mit dem aspekte-Preis ausgezeichnete<br />
Erzählband „Franio“ (Deuticke 1994) und „Der<br />
Mann, der Luft zum Frühstück aß“ (Erzählung,<br />
Deuticke 2017).<br />
Buchtipps:<br />
Radek Knapp:<br />
Der Mann, der Luft zum<br />
Frühstück aß<br />
Deuticke, 128 S., € 16,50<br />
Radek Knapp:<br />
Die Stunde der Geburt / The<br />
hour of birth – Eine Erzählung<br />
zu 41 Grafiken von Alfred Kubin<br />
Zweisprachig, ins Englische<br />
übers. von Agnes Vukovich<br />
Deuticke, 96 S., € 17,50<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Ein Abend zwischen Polen,<br />
Wien und der anderen Seite<br />
Radek Knapp im Gespräch<br />
Do., 25. Jänner 2018, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Das persönliche Weihnachtsgeschenk,<br />
abzuholen in der Wagner’schen:<br />
Auch heuer wieder bieten wir Ihnen<br />
die Möglichkeit, ein ganz persönliches<br />
Weihnachtsgeschenk zu besorgen und<br />
das ganze noch mit dem Kontakt zu<br />
heimischen AutorInnen zu schmücken!<br />
Am 14. Dezember versammeln sich<br />
Tiroler Schriftsteller und Schriftstellerinnen<br />
und signieren für Sie. Lassen Sie sich<br />
Persönliches hineinschreiben, staunen Sie<br />
über plötzliche Zeichnungen im Buch und<br />
genießen Sie ein ungezwungenes Gespräch<br />
bei Kaffee und Keks bei uns. Mit dabei:<br />
Bernhard Aichner, Joe Fischler, Bernd<br />
Schuchter, Anna Rottensteiner, Robert<br />
Prosser, Markus Köhle, Mieze Medusa,<br />
Hubert Flattinger und Judith W. Taschler.<br />
Tipp:<br />
Ihr persönlich<br />
signiertes Weihnachtsgeschenk<br />
Do., 14. Dezember 2017 von<br />
15:30 bis 17 Uhr Signierstunde<br />
mit Bernhard Aichner,<br />
Joe Fischler, Bernd Schuchter,<br />
Robert Prosser, Markus<br />
Köhle, Mieze Medusa,<br />
Hubert Flattinger und<br />
Judith W. Taschler.<br />
Helge Malchow,<br />
Kiepenheuer & Witsch<br />
Horst Lauinger,<br />
Manesse Verlag<br />
Andrea Best,<br />
Wunderraumverlag<br />
Dorothea Zanon,<br />
Haymon Verlag<br />
56 57<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
© Melanie Grande<br />
© Wunderraumverlag © Manesse Verlag<br />
© Fotowerk Aichner<br />
Die einen kommen,<br />
die anderen gehen<br />
In der deutschsprachigen Verlagslandschaft<br />
stehen wieder Veränderungen vor der<br />
Tür. Großartige Verlegerpersönlichkeiten<br />
verabschieden sich, junge rücken nach, neue<br />
Verlage entstehen, neue Reihen entwickeln<br />
sich und alte ändern radikal ihr Erscheinungsbild.<br />
Hinter all diesen Veränderungen<br />
und Entscheidungen stehen – oft auch für<br />
den Außenstehenden – interessante Gedanken,<br />
die nicht nur mit Literatur im engeren<br />
Sinn zu tun haben. Natürlich spielen gesellschaftspolitische<br />
Entwicklungen, Marktverschiebungen<br />
und auch die eine oder andere<br />
private Begebenheit eine Rolle. Aber sie alle<br />
verbindet der Blick und Respekt gegenüber<br />
guter Literatur. Verlegerische Tätigkeit<br />
ist immer auch ein seismologischer Blick<br />
auf gesellschaftspolitische Veränderungen.<br />
Insofern freuen wir uns auf das Frühjahr<br />
2018, denn gleich vier Schwerpunkte,<br />
in denen Verlegerpersönlichkeiten in den<br />
Mittelpunkt gerückt werden, gibt es in<br />
der Wagner’schen zu erleben.<br />
Mit Helge Malchow verlässt einer der<br />
letzten Großen der deutschsprachigen Verlagslandschaft<br />
die Szenerie. Der Chef von<br />
Kiepenheuer & Witsch, eine bahnbrechende<br />
Verlegerpersönlichkeit, ist mit AutorInnen<br />
wie Zadie Smith, Bret Easton Ellis, Julian<br />
Barnes, Joachim Meyerhoff und vielen<br />
anderen auf Du & Du. Bekannt auch dafür,<br />
dass er literarischen Schrott auch dann<br />
ablehnt, wenn die Verkaufszahlen jeden<br />
anderen Verleger schwach werden lassen.<br />
Andererseits pflegt er gerne Autoren,<br />
die qualitative Vorreiter sind – von Alois<br />
Hotschnig über Eva Menasse bis Katja<br />
Lange-Müller.<br />
Es ist uns ein Anliegen, ihn in<br />
„Hotschnig-Town“ gebührend zu verabschieden.<br />
Dazu planen wir einen 2–3-tägigen<br />
Kiepenheuer & Witsch-Schwerpunkt.<br />
Der Wunderraumverlag hingegen ist ganz<br />
neu im Geschäft. Entwickelt aus der Crew<br />
des Manhattan Verlags, ist ein ganz neuer<br />
Verlagsraum entstanden. Der Buchhändler<br />
nennt es wohl einen Verlag für gehobene<br />
Frauenliteratur und staunt, wie wunderschön<br />
und unverwechselbar diese „Wunderraum-Bücher“<br />
gemacht sind. Das Verlegerteam<br />
benennt es so: „Wir machen Romane<br />
für Leser, die sich in Büchern verlieren,<br />
um sich im Leben wiederzufinden.“ Was die<br />
neue Verlegerin sonst noch macht, erfahren<br />
Sie ebenfalls im Frühjahr (März) in der<br />
Wagner’schen, wenn Andrea Best uns in<br />
unserem Bücherwunderraum besucht.<br />
Alt aber neu ist DER Verlag für die<br />
Pflege guter und vergessener Klassiker.<br />
Der Manesse Verlag, gegründet schon 1944<br />
in Zürich, hat sich einem Relaunch unterzogen.<br />
Neues Styling, alte Qualitäten? Ob<br />
das so ist, fragen wir Manesse-Chef Horst<br />
Lauinger, der seit 2000 das Manesse-Schiff<br />
preisgesegnet durch die literarischen Wasser<br />
lotst. Auch er wird im Frühjahr 2018 bei<br />
uns zu Gast sein.<br />
Der Haymon Verlag wiederum hat eine<br />
neue Programmleiterin, mit neuen Ideen.<br />
Eine davon, die in eine literarische Reihe<br />
namens „Haymon schwärmt“ mündet, stellt<br />
Dorothea Zanon bei uns vor.
© Birgit Kö l<br />
Unsere umfangreichen<br />
SERVICE LEISTUNGEN<br />
schreiben wir GROSS!<br />
Autorinnen und Autoren<br />
dieser Ausgabe<br />
— 24 Stunden online<br />
stöbern, schmökern, eBooks<br />
downloaden und bestellen<br />
(mehr auf S. 33)<br />
— Buchversand<br />
portofrei innerhalb Österreichs – auch<br />
als Geschenk verpackt<br />
— Wagner’sche bringt’s<br />
mit unserem Fahrradkurier liefern wir<br />
innerhalb von Innsbruck in maximal<br />
3 Stunden. Gilt für lagernde Artikel!<br />
(mehr auf S. 33)<br />
— Newsletter<br />
mit dem Newsletter der Wagner’schen<br />
sind Sie immer informiert<br />
— Fachkundige Beratung<br />
durch unsere Buchhändlerinnen und<br />
Buchhändler<br />
— Geschenkgutscheine<br />
für jeden das richtige Geschenk<br />
— Unsere Kundenkarte<br />
zahlreiche Vorteile inkl. Bonifizierung<br />
gibt es mit der Wagner’schen<br />
Vorteilscard<br />
— Umtausch<br />
kulant und unkompliziert<br />
— Zeitschriften<br />
Ihre Abonnements und<br />
Fortsetzungen bestellen und<br />
verwalten wir für Sie<br />
— Schulbuchservice<br />
volles Service und kompetente<br />
Betreuung für Schulen, Bibliotheken<br />
und Firmen<br />
— Fremdsprachige Bücher<br />
vor Ort und auf Bestellung<br />
— Recherche- und<br />
Bestellservice<br />
für vergriffene und antiquarische<br />
Bücher<br />
— Bequem online bestellen<br />
und bei uns abholen<br />
— Persönliche Empfehlungen<br />
unsere Buchhändlerinnen und Buchhändler<br />
geben Ihnen die besten Tipps<br />
— Veranstaltungen<br />
wir holen die Stars nach Innsbruck und<br />
bieten Ihnen zahlreiche Buchpräsentationen<br />
und Lesungen<br />
Kochbuchpräsentation<br />
YOMYOM:<br />
Rock’n’Roll –<br />
Tasty Sh*t!<br />
Inklusive Verkostung<br />
von Speis und Trank.<br />
25. April 2017,<br />
19:30 Uhr<br />
Eine Veranstaltung der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung.<br />
Buchpräsentation<br />
David<br />
Judith W. Taschler<br />
Moderation & Gespräch: Katharina Kramer (ORF)<br />
Musik: Bernd Lumassegger alias<br />
Dr. Idoo (didgeridoo und anderes)<br />
Buchpräsentation<br />
Fortuna<br />
wagnersche_taschler_einladungskarte_2017_1.0.indd 1 13.09.17 08:31<br />
Franz Schuh<br />
© Christoph © XXX Hasibeder<br />
© Helmut Wimmer<br />
Martin Bär, Innsbrucker, Büchernarr und seit Langem<br />
Buchhändler, ist nach vielen Jahren im Salzburger Land seit<br />
<strong>No</strong>vember 2016 Abteilungsleiter in der Wagner’schen.<br />
Sarah Caliciotti ist gelernte Buchhändlerin und studiert<br />
Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck.<br />
Sie arbeitet außerdem (u. a. Licht und Ton) im Innsbrucker<br />
Kellertheater und ist nebenbei immer wieder als Regieassistentin<br />
an verschiedenen Theatern tätig.<br />
Michael Carli, gelernter Kulturvermittler, Werber und<br />
Lebensmittelhändler. Lebt in Innsbruck, liebt Sardinien.<br />
Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn), lebt –<br />
nach einigen Stationen in Europa – nun als Journalistin und<br />
Autorin in Innsbruck.<br />
Günther Egger, European Photographer of the year (2015,<br />
2017 commercial & fashion), Master QEP Photographer,<br />
Hasselblad Master Finalist 2012/2014, Herausgeber von<br />
„UP – the paper magazine“, gelernter Jurist und belesener<br />
Krimiexperte.<br />
Ute Faserl, Buchhändlerin, kam vor gut 30 Jahren aus dem<br />
„Badischen“ nach Tirol … und in die Wagner’sche. Nach<br />
längerer Familienpause kam sie wieder und ist immer noch<br />
da.<br />
Katharina Johanna Ferner, geboren 1991 in Salzburg.<br />
Seit 2009 lebt und schreibt sie vorwiegend in Wien, wo sie<br />
ihren Bachelor in Slawistik und Russisch abgeschlossen<br />
hat. Schreibt auch Rezensionen für das österreichische<br />
Bibliothekswerk und die Literaturzeitschrift „&Radieschen“.<br />
War aktuell Leselenz-Stipendiatin und hat das Superbuch<br />
„Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und<br />
beinahe eine Revolution auslöste“ (Verlag Wortreich, 2015)<br />
geschrieben.<br />
Martin Fritz, geboren 1982, hört sich in seiner Freizeit gerne<br />
DJ Patex’ Coverversion des Songs „I Wish I Was Him“ an.<br />
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien<br />
sowie „intrinsische süßigkeit“ (Lyrik, Berger Verlag 2013),<br />
zuletzt: „EMMA“ (Freies Theater Innsbruck, 2016), Weblog:<br />
assotsiationsklimbim.twoday.net<br />
Markus Hatzer, geboren 1966 in Prägraten (Osttirol),<br />
seit 1981 Buchhändler, Verleger des Haymon Verlags, des<br />
Löwenzahn und Studienverlags und des Universitätsverlags<br />
Wagner. 2015 als Partner bei der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />
eingestiegen.<br />
Andreas Hauser erbte die Liebe zur Kriminalliteratur von<br />
seinem Vater, schrieb lang im Tiroler Magazin ECHO<br />
Beiträge zu Wissenschaft und Zeitgeschichte, Empfehlungen<br />
von Krimis, Thrillern und Literatur. Seit 2015 Mitarbeiter<br />
und CP-Redakteur der KULTIG Werbeagentur in Innsbruck.<br />
Isabel Karoline Hörmann, geboren 1979 in Innsbruck,<br />
als Texterin im Alpenresort Schwarz tätig. Lesehungrig,<br />
schreibverliebt, fasziniert von Wort und Sprache.<br />
Richard Jurst, Buchhändler, Antiquar, Bibliothekar in<br />
Ausbildung.<br />
Gracia Kasenbacher-Harar, Choreografin und Tanzpädagogin,<br />
geboren in Utrecht, wohnt in Innsbruck und betreut<br />
seit Oktober 2015 die Schaufenster in der Wagner’schen.<br />
Christophe Koroknai, geboren 1988, Studium der Komparatistik<br />
in Innsbruck. Arbeitet seit 2014 im Haymon Verlag.<br />
Lena Kripahle, 1984 geboren und Buchhändlerin.<br />
Bereits seit der 1. Klasse süchtig nach Druckerschwärze und<br />
Hörbüchern. Seit <strong>No</strong>vember 2015 ist die Wagner’sche ihre<br />
neue Heimat.<br />
Christine Lötscher forscht als Kulturwissenschaftlerin an<br />
der Universität Zürich und arbeitet als freie Literatur- und<br />
Filmkritikerin für verschiedene Medien. Seit 2014 diskutiert<br />
sie regelmäßig im „Literaturclub“ im Schweizer Fernsehen<br />
mit.<br />
Mieze Medusa ist Autorin, Rapperin und Pionierin der<br />
österreichischen Poetry Slam Szene! www.miezemedusa.com<br />
Linda Müller, geboren 1988, Studium der Neueren deutschen<br />
Literaturwissenschaft in Innsbruck. Seit 2011 Lektorin im<br />
Haymon Verlag, seit 2016 außerdem zuständig für Veranstaltungsmanagement<br />
und Lesermarketing.<br />
Joe Rabl, geboren in Kufstein; Studium der Komparatistik<br />
und Germanistik in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor;<br />
veranstaltet zusammen mit Birgit Holzner die Innsbrucker<br />
Wochenendgespräche.<br />
Markus Renk, seit 30 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />
der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />
und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />
Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter.<br />
Gastdozent an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter in der<br />
Wagner’schen. Gibt das Magazin „Wagner einmalig“ heraus.<br />
Nina Rettenbacher brachte uns der Koch- und Gärtnerhimmel<br />
in die Wagner’sche. Erste Stadtgärtnerin und<br />
grandiose Köchin & Gastgeberin im 1. Stock.<br />
Merle Rüdisser stammt aus Vorarlberg, übersiedelte<br />
zwecks Studium (Literaturwissenschaft und Philosophie)<br />
nach Innsbruck, arbeitet als Lektorin (Limbus Verlag) und<br />
Korrekturleserin und schreibt eigentlich nicht.<br />
Andrea Scheiber, geboren 1971, seit 25 Jahren in der<br />
Wagner’schen Buchhandlung, betreut die Bereiche Kinderbuch,<br />
Kochbuch und Kreatives, was sich mit ihren Hobbys<br />
gut trifft.<br />
Katharina Schermann, geboren 1982, studierte Germanistik<br />
und arbeitete nach diversen Praktika im Buchverlag und<br />
-handel bei der Illustrierten „Tirolerin“. Seit 2015 ist sie<br />
als Onlinetexterin bei einer Werbeagentur tätig. Ende 2016<br />
wurde sie Mutter eines Sohnes.<br />
Manfred Schild, Theater- und Hörspielautor, Regisseur und<br />
Leiter des Innsbrucker Kellertheaters.<br />
Helmuth Schönauer, geboren 1953, ist gerichtlich anerkannter<br />
Schriftsteller und Bibliothekar. „Tagebuch eines Bibliothekars“,<br />
5 Bände; Klagenfurt, Sisyphus 2016; „Krautig“,<br />
13 Kurzromane, welche die Tiroler ums Verrecken nicht<br />
schreiben wollen, Wien: Kyrene 2016.<br />
Evelyn Unterfrauner, Referentin des Referats für Öffentlichkeitsarbeit<br />
der ÖH Innsbruck. Betreibt den Book Broker<br />
Blog auf: bookbroker.wordpress.com.<br />
Marlene Walder, seit 2013 im Buchhandel tätig und in der<br />
Wagner’schen u. a. für all age und fremdsprachige Literatur<br />
zuständig, was sich gut mit ihrer Liebe zu Oscar Wilde trifft.<br />
Eva Wallensteiner, geboren 1969 in Innsbruck. Arbeitet als<br />
Theaterethnologin, Dramaturgin und entwicklungspolitische<br />
Referentin in Wien, Graz und Indien.<br />
Anita Winkler hat in Innsbruck Germanistik studiert, ist seit<br />
2008 für das Programm des Löwenzahn Verlags verantwortlich.<br />
Simone Winter, geboren 1972 in Innsbruck. Studium<br />
der Germanistik und Journalistik in Salzburg und Köln.<br />
Arbeitet als Grafikerin und Texterin in Köln und Düsseldorf.<br />
Klaus Zeyringer, Habilitation in Graz; war Univ.-Prof.<br />
für Germanistik in Frankreich. Literaturkritiker u. a. für<br />
„Der Standard“, Jurymitglied der ORF-Bestenliste; Literaturmoderationen<br />
in Österreich, Deutschland, der Schweiz<br />
und Frankreich. Zuletzt: „Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte<br />
von 1896 bis heute. Bd. 1: Sommer“ (2016).<br />
Online bestellt.<br />
Umweltfreundlich<br />
geliefert.<br />
Kundenkarte<br />
Lesung<br />
Moderation: Martin Sailer<br />
Schauma mal,<br />
dann wer ma<br />
schon sehen<br />
wagnersche_schuh_einladungskarte_2017_1.0.indd 1 19.04.17 13:47<br />
Daniel Glattauer<br />
Ort: Treibhaus (Angerzellgasse 8)<br />
Eintritt: € 10,– VVK / € 13,– Abendkassa<br />
Vorverkauf: Treibhaus<br />
59<br />
In 3 Stunden<br />
bei Ihnen zu Hause.<br />
wagnersche_gla tauer_einladungskarte_2017_1.0.indd 1 20.02.17 13:46<br />
© Philipp Horak<br />
Bücher seit 1639<br />
Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte<br />
Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität<br />
Innsbruck. Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt:<br />
„Jacques Callot und die Erfindung des Individuums“, Braumüller<br />
2016, „Gebrauchsanweisung für Tirol“, Piper 2017.<br />
Silvia Spiegl, Germanistin, seit 1991 Buchhändlerin in der<br />
Wagner’schen.
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Museumstraße 4<br />
6020 Innsbruck<br />
T. +43 512 59505 0<br />
info@wagnersche.at<br />
www.wagnersche.at<br />
Öffnungszeiten:<br />
Buchhandlung<br />
Montag bis Freitag: 9 – 18.30 Uhr<br />
Samstag: 9 – 17 Uhr<br />
T. +43 512 595 05 0<br />
1639. Die Meierei<br />
Montag bis Freitag: 9 – 17 Uhr<br />
Samstag: 9 – 13:30 Uhr<br />
An den 4 Adventsamstagen<br />
bis 17 Uhr<br />
Sonn- & Feiertage geschlossen<br />
T. +43 650 940 308 0