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Wagnereinmalig No. 5

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Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 09.2017<br />

Wagner<br />

eı˙nmalı˙g<br />

#<strong>No</strong>. 5


Wir sind<br />

Buchhändler mit<br />

Herz und Hand<br />

fürs richtige Buch<br />

Wir wollen, dass sich unsere<br />

Kunden bei uns wohlfühlen,<br />

und bieten Ihnen hierzu<br />

individuelle Beratung, gemütliche<br />

Leseecken und ein<br />

eigenes Bistro. Der Besuch<br />

in der Wagner’schen soll eine<br />

Auszeit für die Seele sein.<br />

Seit gut zwei Jahren positioniert<br />

sich die Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

wieder als die erste Adresse,<br />

wenn es um Bücher geht.<br />

Im schönsten literarischen<br />

Wohnzimmer Tirols präsentieren<br />

wir auf rund 1.000 m²<br />

an die 100.000 Bücher.<br />

Mit zahlreichen Veranstaltungen,<br />

Lesungen und heuer<br />

als Partner beim ersten Tiroler<br />

Krimifest machen wir<br />

Kultur in Innsbruck erlebbar<br />

und gestalten unsere Stadt<br />

aktiv mit. Aber mehr davon<br />

in unserem neuen Magazin.<br />

Viel Spaß beim Lesen!<br />

Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />

Inhalt<br />

6 Nach Pradl kommt Hötting<br />

Unsere Buchreihe geht weiter …<br />

8 Kochen & Küche<br />

Rohkost und Neues aus der Meierei samt Rezepten<br />

10 Vom Bergdoktor zum Gretchen<br />

Johannes Reitmeier & Ronja Forcher im Gespräch zu Goethes „Faust“<br />

12 Esoterik & ZEN<br />

Die Wagner’sche erweitert ihr Angebot und lädt ein zum „Innehalten“<br />

16 Buchpräsentationen<br />

J. W. Taschler & W. Steiner – K. Kramer & M. Hofstätter zu Gast<br />

20 Krimifest & 3 × Köhle<br />

Das größte österreichische Krimifestival macht Halt in der Wagner’schen<br />

und Markus Köhle besucht uns gleich 3 mal<br />

24 John Burnside<br />

Auch diesen Herbst ist die Wagner’sche international<br />

26 Robert Menasse<br />

„Die Hauptstadt“ ist der Roman der Saison und der Autor bei uns<br />

28 Stefanie Sargnagel<br />

Die Autorin, die es den Spaßbremsen zeigt, live im Treibhaus<br />

30 Thomas Brezina & Tag der Berge<br />

Österreichs erfolgreichster Kinderbuchautor kommt in die Berge.<br />

Und die Berge bekommen einen Tag!<br />

36 Frankreich bei der Buchmesse<br />

Klaus Zeyringer über das Gastland der Frankfurter Buchmesse<br />

40 Wagner’sche goes TV<br />

Evelyn Unterfrauner moderiert eine neue Büchersendung und wir sind dabei<br />

46 3×7 Best aber Seller<br />

48 Mit den besten Empfehlungen<br />

Impressum<br />

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />

info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />

Redaktion: Robert Renk<br />

© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />

Grafische Ausstattung: hœretzeder grafische gestaltung, Scheffau / Tirol<br />

© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />

Titelbild: „Drache“ von Sabine Algosaibi, Foto: Steven Woollard<br />

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />

© 09.2017 – alle Rechte vorbehalten<br />

2 Wagner’sche.<br />

© Andreas Licht3<br />

Bücher seit 1639<br />

54 Jänner 2018<br />

Mit Konrad Paul Liessmann & Radek Knapp<br />

57 Vorschau: Frühjahr 2018<br />

Kiepenheuer & Witsch, Manesse, Haymon und Wunderraum kommen<br />

im Frühjahr 2018 ins schönste literarische Wohnzimmer Innsbrucks


Ein bunter Herbst<br />

in der Wagner’schen<br />

Von Krimi, Hauptstadt und Regenbogenfisch<br />

© Martin Vandory (Renk), © Wagner’sche Universitätsbuchhandlung (Gruppenfoto rechts)<br />

Wagner’sche.<br />

Auszeit<br />

für die Seele.<br />

Markus Renk<br />

4 Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Es wird ein besonderer Herbst, für alle<br />

Buchliebhaber, besonders für Krimifans.<br />

Das erste Tiroler Krimifest geht im Oktober<br />

über die Bühne, organisiert von Bernhard<br />

Aichner und Markus Hatzer, Verleger vom<br />

Haymon Verlag. Es wird Österreichs größtes<br />

Krimifestival und findet zwischen dem<br />

14. und dem 21. Oktober statt. Autorinnen<br />

und Autoren wie Simon Beckett, Bernhard<br />

Aichner, Rita Falk, Volker Klüpfel & Michael<br />

Kobr, Ursula Poznanski, Melanie Raabe und<br />

viele mehr kommen nach Tirol. Wir von der<br />

Wagner’schen Buchhandlung sind nicht nur<br />

Veranstaltungsort, sondern auch ein wenig<br />

stolz, da wir von Anfang an bei der Umsetzung<br />

dabei waren. Außerdem konnten<br />

wir mit David Lagercrantz einen der internationalen<br />

Bestseller nach Innsbruck locken.<br />

Am 16. Oktober lesen bei uns in der<br />

Buchhandlung: Andreas Gruber, Friedrich<br />

Ani, Lena Avanzini und Tatjana Kruse.<br />

Moderiert wird von Elmar Krekeler.<br />

Passend zum 1. Tiroler Krimifest werden<br />

wir im Herbst auch eine Krimiführung<br />

durch Innsbruck anbieten. Mit einem<br />

Fremdenführer geht es für unsere Kunden<br />

einerseits durch das historische Innsbruck<br />

mit seinen Verbrechen und Kriminalfällen,<br />

andererseits zu den fiktiven Schauplätzen<br />

diverser Krimis z. B. von Bernhard Aichner<br />

und Lena Avanzini. Aber wir wagen uns<br />

auch über die Grenzen hinaus und werden<br />

5<br />

im Frühling eine Lesereise für unsere<br />

Kunden anbieten. Konkret wollen wir als<br />

erste Reise im April 2018 „Venedig auf den<br />

Spuren Commissario Brunettis“ anbieten.<br />

Angedacht ist eine drei- bis viertägige Reise<br />

nach Venedig, mit Besuchen der Schauplätze<br />

aus den Romanen und TV-Verfilmungen<br />

sowie Venedigs anderen Sehenswürdigkeiten.<br />

Aber natürlich geht es im Herbst nicht<br />

nur um Krimis, mit unseren Veranstaltungen<br />

decken wir alle wichtigen Bereiche ab.<br />

Literatur pur mit Judith W. Taschler, John<br />

Burnside oder Robert Menasse. Das Thema<br />

Ratgeber mit Buchpräsentationen der<br />

Bücher Petra Denk: Raw Superfoods –<br />

gesunde Rohkost, oder Fleur Sakura Wöss:<br />

Innehalten – Zen üben. Aber auch für<br />

Kinder wird es Veranstaltungen geben, so<br />

holen wir den bekannten Kinderbuchautor<br />

Marcus Pfister, der durch seinen Regenbogenfisch<br />

zum Bestseller-Autor wurde,<br />

nach Innsbruck. Ein kleines Highlight für<br />

das nächste Jahr können wir jetzt schon<br />

verraten, am 28. Februar ist Prof. Dr.<br />

Dietrich Grönemeyer bei uns zu Gast in<br />

der Wagner’schen.<br />

Um unsere Serviceleistungen noch<br />

stärker zu kommunizieren, verbessern wir<br />

laufend unsere Informationskanäle. Unser<br />

Newsletter geht inzwischen alle 14 Tage<br />

an unsere Kunden, die Homepage wurde<br />

noch mit mehr Inhalten ausgestattet, unser<br />

Facebook- und unser Instagram-Auftritt<br />

legen laufend an Benutzern zu. Zusätz lich<br />

haben wir, wie im letzten Magazin berichtet,<br />

unseren Family-Blog ins Leben gerufen.<br />

Hier versorgen wir junge Familien mit<br />

Büchertipps im Ratgeberbereich und<br />

im Kinderbuch-Segment. Neu geplant ist<br />

ein Buchblog, die Vorbereitungsarbeiten<br />

sind fast abgeschlossen. Dieser Buchblog<br />

soll Bücherempfehlungen noch ausführlicher<br />

für unsere Kunden zur Verfügung<br />

stellen. Hier finden sich dann nicht nur<br />

Buchempfehlungen der Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter der Wagner’schen, sondern<br />

auch von privaten Buch-Bloggern. Für<br />

unsere Kunden stellen wir das Service<br />

„Leser lesen für Leser“ zur Verfügung.<br />

Mit einer App können unsere Kunden<br />

jederzeit einfach Bücher rezensieren<br />

und auf unseren Kanälen veröffentlichen.<br />

Begleitet werden diese Maßnahmen<br />

durch unseren Medien-Partner Tirol TV.<br />

Alle 14 Tage werden unter dem Namen<br />

„Evelyns Blog“ Bücherempfehlungen der<br />

Wagner’schen gefilmt und dort ausgestrahlt.<br />

Die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

sieht sich als Dialog-Plattform für namhafte<br />

Schriftsteller, Literaten & alle, die Bücher<br />

lieben.<br />

Einkehr im<br />

schönsten literarischen<br />

Wohnzimmer Tirols<br />

Vor rund zwei Jahren haben wir begonnen,<br />

die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

wieder als die erste Adresse, wenn’s<br />

um Bücher geht, zu positionieren. Viele<br />

Argumente sprechen für dieses Haus, so<br />

ist die Wagner’sche die älteste Buchhandlung<br />

Tirols, deren Geschichte bis in den<br />

dreißigjährigen Krieg reicht. Viele Innsbrucker<br />

und Tiroler sind mit dem Haus groß<br />

geworden. Dieses Haus ist Bildungs- und<br />

Kulturstätte Tirols und führt gute Bücher<br />

für aufgeklärte Menschen. Ein Besuch<br />

in der Wagner’schen bedeutet in vielen<br />

Fällen eine Auszeit für die Seele, immerhin<br />

schmökert der Kunde in einem der schönsten<br />

literarischen Wohnzimmer Tirols. Aber<br />

was macht die Wagner’sche sonst noch<br />

einzigartig. Zum zweiten Geburtstag haben<br />

wir uns einen Marken-Optimierungsprozess<br />

geschenkt. Gemeinsam mit der Unternehmensberaterin<br />

Sylvia Moser-Trebo haben<br />

alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der<br />

Wagner’schen ein Jahr an der Entwicklung<br />

der Marke Wagner’sche gearbeitet. Für uns<br />

war dies ein sehr spannender und motivierender<br />

Prozess, der viele Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten<br />

aufgezeigt hat.<br />

Diese Punkte wollen wir nun umsetzen und<br />

unsere Serviceleistungen für unsere Kunden<br />

weiter verbessern. Lassen Sie sich überraschen,<br />

es wäre schön, wenn Sie uns auch<br />

weiterhin auf unserem Weg begleiten!<br />

Wir freuen uns und wünschen Ihnen<br />

nun viel Spaß beim Lesen unseres neuesten<br />

Buchmagazins!<br />

Ihr Markus Renk


E R I N N E R U N G E N A N INNSBRUCK<br />

E R I N N E R U N G E N A N INNSBRUCK<br />

Freiheit, Flieder,<br />

Bazooka-Kaugummi<br />

Eine Kindheit im Hötting der 1960er Jahre.<br />

Von Merle Rüdisser<br />

„Es darf nicht<br />

vergessen werden“<br />

Vom Verlag der Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Hubert Flattinger<br />

Kindheit in<br />

Hötting<br />

Buchtipps:<br />

Hubert Flattinger:<br />

Kindheit in Hötting<br />

Erinnerungen an Innsbruck,<br />

Band 2<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung,<br />

ca. 96 Seiten, € 9,95<br />

Hubert Flattinger:<br />

Als ich Lord Winter war.<br />

Eine Reise zu Astrid Lindgren<br />

mit zahlreichen Fotografien<br />

Limbus Verlag, 80 S., € 12,–<br />

© Brackwasser<br />

Eigentlich ist es merkwürdig, dieses gern<br />

gepflegte Ritual des Erinnerungen-Teilens:<br />

Man erzählt sich gegenseitig Dinge, die man<br />

schon weiß, weil man vielleicht Ähnliches<br />

selbst erlebt hat oder überhaupt dabei<br />

war. Es scheint dabei also nicht darum zu<br />

gehen, Neues, Unerhörtes, Aufregendes zu<br />

erfahren – nein, das schon Bekannte bietet<br />

in diesem speziellen, anachronistischen<br />

Kontext Geborgenheit, es vermittelt ein<br />

Gefühl der Vertrautheit, man fühlt sich<br />

erkannt und bestätigt.<br />

Wenn Hubert Flattinger nun im zweiten<br />

Band der Reihe Erinnerungen an Innsbruck<br />

von seinem Aufwachsen in Hötting erzählt,<br />

wenn im Gespräch zweier älterer<br />

Herren die tausend Zaunlöcher Höttings,<br />

die Hänge unterm Gasthaus Ölberg, die<br />

stinkenden filterlosen Zigaretten, die nicht<br />

besser riechenden Barackenklos an der<br />

Brand jochstraße auftauchen, der Fünfzig-<br />

Bazooka-Bildchen-Lederfußball verloren<br />

geht, die Gasthäuser und Bumsen sich<br />

aneinanderreihen, wenn es nach Flieder<br />

duftet, man mit Löwenzahn Warzen herund<br />

wegzaubert, wenn „Rote Lippen soll<br />

man küssen“ und „Monday Monday“ aus<br />

einem offenen Fenster dudeln, wenn in der<br />

Mittagssonne die Glocken verklingen und<br />

Höttinger Stille herrscht – dann können<br />

mehrere Generationen in Hötting Aufgewachsener<br />

mitriechen und mitschauen<br />

und mitlachen und sich mit ihren eigenen<br />

Erinnerungen anschließen und mir als viel<br />

zu junger Vorarlbergerin tut es leid, nicht<br />

dabei gewesen zu sein.<br />

Man kann nicht behaupten, dass hier<br />

die reinste Idylle herrscht; heute würde bei<br />

Kindern, die tagelang allein herumstreunen<br />

und mit gebrochenem Arm heimkommen,<br />

die vormittags im Gasthaus der Mutter<br />

im Biergestank unter dem Tisch hocken,<br />

die kaum daheim sind, weil der Papa sie<br />

ohnehin verhaut, früher oder später das<br />

Jugendamt vorbeischauen – und doch<br />

6 7<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

kennen diese Höttinger Kinder eine<br />

Freiheit, die in heutigen Kindheiten von<br />

Geschäftigkeit und Rund-um-die-Uhr-<br />

Beaufsichtigung verdrängt worden ist.<br />

Hubert Flattinger gehört zu den<br />

wenigen Autoren, die die Fähigkeit haben,<br />

Erlebtes nicht als Vergangenes zu erzählen,<br />

sondern unmittelbar in die Gegenwart<br />

des Lesers zu holen – nicht So war es,<br />

sondern: So ist es, siehst du? Und wer –<br />

das sei noch angemerkt – Flattingers<br />

„Als ich Lord Winter war“ gelesen hat,<br />

wird in seinen Erinnerungen an Hötting<br />

mit Freude die eine oder andere Figur<br />

wiedererkennen.<br />

Hubert Flattinger, geboren 1960 in Innsbruck,<br />

aufgewachsen in Hötting und anderswo. Nach<br />

allerhand Betätigungen zum Gelderwerb fand<br />

er als Journalist jenes Aufgabengebiet, dem er sich<br />

am liebsten widmet – dem Menschen nämlich,<br />

der ihm gerade gegenübersitzt. Er schreibt Kinderund<br />

Jugendbücher, Theaterstücke und Geschichten<br />

für ältere Semester. Bücher (Auszug): „Wenn<br />

du glaubst, du bist allein“ (2002), „Liftboy“ (2004)<br />

und „Der größte Fisch entwischt“ (2015).<br />

Flattinger lebt heute in Niederösterreich und<br />

vermittelt seine Erfahrungen im Bereich Kinderund<br />

Jugendliteratur am Institut für Sozialpädagogik<br />

in Stams.<br />

Buchpräsentation:<br />

Hubert Flattinger präsentiert<br />

Eine Kindheit in Hötting<br />

Freitag, 24. <strong>No</strong>vember 2017,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Markus Renk<br />

Erinnerungen<br />

an Innsbruck<br />

Unter diesem Titel erscheint im<br />

Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />

eine neue Buchreihe.<br />

Geplant sind zwei Bände im Jahr, die<br />

exklusiv in der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />

in Innsbruck<br />

erhältlich sein werden. „Kindheit in<br />

Pradl“ von Josef Wallinger ist der<br />

erste Band dieser Reihe, die sich mit<br />

der Vergangenheit Innsbrucks befasst.<br />

In diesen Büchern sollen nicht nur<br />

Erinnerungen aus der Kindheit gebürtiger<br />

Innsbruckerinnen und Innsbrucker<br />

erzählt, sondern auch historische<br />

Themen, die die Hauptstadt<br />

Tirols geprägt haben, aufgearbeitet<br />

werden. Der erste Band über Pradl<br />

erfreut sich großer Beliebtheit und<br />

musste schon nachgedruckt werden.<br />

Neben dem im Herbst erscheinenden<br />

Stadtteil Hötting sind weitere Bände<br />

in Bearbeitung.<br />

ErinnE rungE n an Innsbruck<br />

Josef Wallinger<br />

Kindheit in<br />

Pradl<br />

Josef Wallinger:<br />

Kindheit in Pradl<br />

120 S., € 9,95<br />

Hubert Flattinger<br />

Kindheit in<br />

Hötting<br />

Hubert Flattinger:<br />

Kindheit in Hötting<br />

ca. 96 Seiten, € 9,95,<br />

erscheint im Herbst 2017<br />

Exklusiv erhältlich in der<br />

Wagner’schen Buchhandlung!<br />

Innsbruck,<br />

wie es früher war<br />

Für diesen Kalender hat MMag.<br />

DDr. Lukas Morscher 27 ganz besondere<br />

Aufnahmen aus dem reichen<br />

Fundus des Innsbrucker Stadtarchivs<br />

ausgewählt. Begleitet werden sie mit<br />

humorvollen, spannenden und interessanten<br />

Texten.<br />

14-tägiges Kalendarium, € 19,90<br />

Exklusiv erhältlich in der<br />

Wagner’schen Buchhandlung!<br />

Verlag der<br />

Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung:<br />

Passend zu ihrer Tradition<br />

hat die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

mit der<br />

Neuübernahme 2015 auch<br />

wieder einen Verlag gegründet.<br />

Unter dem Namen Verlag der<br />

Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />

erscheinen regelmäßig<br />

Kalender und Bücher.


Der Rohkost-Effekt!<br />

Gesund und energiegeladen durchs Leben!<br />

Anita Winkler im Gespräch mit Petra Denk<br />

Vom Garten in den Advent,<br />

die Meierei ist auf alles<br />

vorbereitet …<br />

denaturieren und inaktiv werden. Durch<br />

das schonende Erwärmen (Dörren) auf<br />

42,5 oder 45 °C wird den Lebensmitteln<br />

Wasser entzogen, ohne dabei die Nährstoffe<br />

zu zerstören. So lassen sich nicht nur Gemüsechips<br />

oder getrocknetes Obst herstellen –<br />

ihr könnt damit auch Brot backen, Kuchen,<br />

Saucen und viele andere kreative Gerichte<br />

zaubern, denn die Lebensmittel verändern<br />

durch die Trocknung Geschmack und<br />

Aussehen. So schmecken etwa getrocknete<br />

Tomaten noch intensiver als die frischen.<br />

Welchen Effekt hat Rohkost<br />

auf unser Wohlbefinden?<br />

Eine der schönsten Gartenterrassen der<br />

Innenstadt wird wohl bald ihre Pforten<br />

schließen, um sie im Advent dann wieder<br />

zu öffnen. Im Advent erwartet die Naschkatzen<br />

nicht nur Punsch & Kekse, Nina<br />

Rettenbacher hat sich besonders für die<br />

Samstage etwas einfallen lassen und bietet<br />

die – vielleicht – letzte Rettungsstation,<br />

um das perfekte Weihnachtsmitbringsel<br />

zu ergattern.<br />

Bis 17 Uhr kann man an den Samstagen<br />

auch wunderbare selbst gemachte Weihnachtsgeschenke<br />

kaufen.<br />

Mal selbst gemachte Weihnachtsdekostücke<br />

und Kreatives für drinnen<br />

& draußen von Isabella, mal ganz besondere,<br />

ausgefallene Weihnachtsanhänger –<br />

im dänisches Design – von Danielle<br />

(www.made4youin.tirol). Und – wie schon<br />

letztes Jahr – feine Täschchen, bunte<br />

Schürzchen und andere wunderbare<br />

homeware von Doris (www.kido.tirol).<br />

Zum Einstimmen schon<br />

mal ein paar schöne Rezepte<br />

von Nina Rettenbacher:<br />

© Thomas Schrott<br />

Buchtipp:<br />

Petra Denk:<br />

Raw Superfoods<br />

Mein einfacher Start<br />

in die gesunde Rohkost<br />

Löwenzahn, 208 S., € 24,95<br />

Workshop:<br />

Raw Superfoods mit Petra Denk<br />

Fr., 1. Dezember 2017,<br />

15–17 Uhr; Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Teilnahmegebühr:<br />

€ 29,– inkl. Buch<br />

Um Anmeldung wird gebeten:<br />

m.bauer@vhs-tirol.at,<br />

T. +43 512 588882 13.<br />

Workshop in Kooperation mit<br />

der Volkshochschule Tirol<br />

Petra Denk kocht leidenschaftlich gern,<br />

aber bei ihr bleibt der Herd meistens kalt.<br />

Oder wird maximal lauwarm. Nachdem<br />

sie nach einer Ernährungsumstellung<br />

selbst die positiven Effekte von Rohkost<br />

für sich entdeckt hat, möchte sie in ihrem<br />

neuen Buch „Raw Superfoods“ zeigen,<br />

wie einfach der Einstieg für jeden und<br />

jede sein kann. Ihre vielseitigen Rezepte<br />

überzeugen durch Geschmack und sind<br />

ganz nebenbei gesunde Vitaminbomben.<br />

Was versteht man eigentlich<br />

unter Rohkost?<br />

Unter Rohkost versteht man prinzipiell<br />

alle pflanzlichen und tierischen Lebensmittel,<br />

die nicht durch Kochen, Braten<br />

oder Backen, also durch Hitzeeinwirkung<br />

gegart, sondern roh verzehrt werden.<br />

Bei mir gibt es allerdings nur rein pflanzliche<br />

Rohkost-Rezepte.<br />

Darf man in der Rohkost-<br />

Küche erhitzen?<br />

In der Rohkost wird bis zu maximal 45 °C<br />

erhitzt, um Speisen zu erwärmen oder sie<br />

zu trocknen. Diese Temperaturgrenze ist<br />

wichtig, weil bei 45 °C die Hitzetoleranz<br />

der Pflanzen endet und manche Vitamine<br />

© Sabine Hauswirth<br />

Als ich das erste Mal zwei Rohkost-Wochen<br />

einlegte, wollte ich einfach nur mal ausprobieren,<br />

wie es sich anfühlt, ausschließlich<br />

rohe Lebensmittel zu mir zu nehmen. Der<br />

Effekt war verblüffend: Nach einer Woche<br />

fühlte ich mich energiegeladen wie selten<br />

zuvor, ich kam mit weniger Schlaf aus,<br />

mein Denken war schneller und klarer<br />

geworden. Die „leeren Kilometer“ waren<br />

nicht nur aus meiner Ernährung, sondern<br />

auch aus meinem Leben verschwunden.<br />

Nicht verschweigen will ich hier, dass die<br />

ersten Tage hart waren. Mein Körper<br />

entgiftete durch die rohen Lebensmittel,<br />

was sich durch Müdigkeit und Kopfschmerzen<br />

bemerkbar machte.<br />

Warum fühlen wir uns mit<br />

Rohkost noch fitter?<br />

Starkes Erhitzen senkt den Gehalt an<br />

Vitaminen und Nährstoffen in Obst und<br />

Gemüse erheblich. Die Frage, ob Rohkost<br />

mehr Nährstoffe als gekochte Nahrung<br />

enthält, lässt sich also ganz klar mit „Ja!“<br />

beantworten. Rohkost gehört somit auf die<br />

Liste der „Superfoods“ – zu den Lebensmitteln<br />

mit besonders hoher Nährstoffdichte.<br />

Was wir spüren, wenn wir viel oder<br />

häufig Rohkost zu uns nehmen, könnte man<br />

als „Rohkost-Effekt“ bezeichnen: Wenn<br />

unser Körper alle Nährstoffe bekommt,<br />

die er braucht, fühlen wir uns verjüngt,<br />

voller Energie und lebendig! Man fühlt sich<br />

so energiegeladen und leicht, dass man Lust<br />

bekommt, sich zu bewegen bzw. etwas zu<br />

tun – so beschreiben viele Rohköstler diesen<br />

Effekt.<br />

Bücher seit 1639<br />

9<br />

Buchtipps:<br />

Stay For Breakfast!<br />

Rezepte für jeden Tag<br />

und alle Gelegenheiten<br />

Herausgegeben von<br />

Simone Hawlisch<br />

Die Gestalten Verlag,<br />

192 S., € 30,80<br />

Paul Ivic:<br />

Vegetarische Winterküche<br />

Brandstätter, 192 S., € 29,90<br />

Öffnungszeiten<br />

1639. Die Meierei:<br />

Montag bis Freitag: 9 – 17 Uhr<br />

Samstag: 9 – 13:30 Uhr<br />

An den 4 Adventsamstagen<br />

bis 17 Uhr<br />

Sonn- & Feiertage geschlossen<br />

T. +43 650 940 308 0


Vom Bergdoktor zum Gretchen<br />

Das Landestheater kommt wieder in die Wagner’sche.<br />

Zu Gast sind Johannes Reitmeier und Ronja Forcher.<br />

Von Robert Renk<br />

© Susanne Sigl (Forcher), Thomas Schrott (Reitmeier)<br />

Das Gretchen<br />

hat sehr viel<br />

Geduld und ist<br />

eigentlich recht<br />

zufrieden.<br />

Ronja Forcher<br />

10 Wagner’sche.<br />

Auch in dieser Saison freuen wir uns auf<br />

die partnerschaftliche Zusammenarbeit<br />

mit dem TLT und Intendant Johannes<br />

Reitmeier. So werden wir in einem Künstlergespräch<br />

einiges zu seinen Plänen im<br />

Allgemeinen und zu seiner FAUST-Inszenierung<br />

im Besonderen erfahren. Das Wagner’sche-Magazin<br />

weiß schon von einem<br />

speziellen Regieeinfall, der das gute alte<br />

Stück gehörig durcheinanderwirbeln wird.<br />

Ein anderer Wirbelwind wird ebenfalls<br />

zu Gast sein, denn das Gretchen hat Reitmeier<br />

mit der quirligen, vor Ideen sprühenden<br />

21-jährigen Ronja Forcher besetzt.<br />

Im letzten Jahr hat er die junge Innsbruckerin<br />

im Rahmen der Josef-Kuderna-<br />

Preisverleihung im ORF-Landesstudio<br />

kennengelernt. Ronja Forcher hatte dort<br />

den Publikumspreis gewonnen.<br />

Den meisten ist sie als brave Tochter<br />

des „Bergdoktors“ bekannt. Seit Staffel 1,<br />

die im Jahr 2008 erstmals ausgestrahlt<br />

wurde, steht sie als „Lilli Gruber“ vor der<br />

Kamera. Damals war die Schauspielerin erst<br />

zwölf Jahre alt, doch das Schauspiel-Gen<br />

liegt in der Familie. Vater Reinhard Forcher<br />

ist Schauspieler und spielte u. a. selbst am<br />

TLT. Die Mutter, gelernte Medizinerin,<br />

arbeitete als Kostümbildnerin, bevor sie im<br />

Jahre 2000 die Agentur Creative Creatures<br />

GmbH, ein erfolgreiches Castingbüro,<br />

gegründet hat (gem. mit ihrem Mann).<br />

So kam Ronja Forcher schon sehr früh<br />

mit dem Schauspielberuf in Kontakt.<br />

Von 2002 bis 2005 gehörte sie zu den<br />

„Theaterflöhen“ des Tiroler Landestheaters<br />

und spielte dort unter anderem die Dorothy<br />

in dem Stück „Der Zauberer von Oz“<br />

(2005).<br />

Ihre erste kleine Kamerarolle hatte sie<br />

2003 in der in Tirol gedrehten indischen<br />

Kinoproduktion „Okariki Okaru“. Es<br />

folgten schon bald größere Film- und Fernsehrollen<br />

wie z. B. „Das Traumhotel“ und<br />

neben Christine Neubauer in der Trilogie<br />

„Im Tal des Schweigens“, „Die Geierwally“<br />

und „Für immer Afrika“ und eben seit 2008<br />

im „Bergdoktor“ sowie 2011 eine Gastrolle<br />

in „Soko Kitzbühel“.<br />

Nach der Matura hat sich Ronja Forcher<br />

nun ganz dem Schauspielberuf verschrieben<br />

und war zuletzt in Hall beim Burgsommer<br />

in der Produktion „Cyrano der Bergerac“<br />

zu sehen.<br />

Liebe Ronja, vom Bergdoktor zum<br />

Gretchen, wie kam’s?<br />

Es begann mit dem Publikumspreis beim<br />

Josef-Kuderna-Preis, danach habe ich immer<br />

wieder ans Landestheater geschrieben,<br />

bis in diesem Jänner der Anruf kam und<br />

ich fürs Gretchen vorsprechen durfte.<br />

Und nach dem Gretchen kommt<br />

ja gleich die Buhlschaft?<br />

Das wär natürlich cool, würde ich nicht<br />

nein sagen.<br />

Wer wäre der Wunschpartner?<br />

Ich kenne da einen ganz tollen Schauspieler,<br />

der super gut ausschaut. Er heißt Felix<br />

Briegel und ist mein Freund – das wär doch<br />

ne Idee. Vielleicht mit 19 noch ein bisschen<br />

jung für den Jedermann, aber es gibt ja die<br />

Maske. (lacht)<br />

Das Gretchen ist eine diffizile Rolle,<br />

sie ist sozusagen das gute Gewissen,<br />

auf das Faust leider nicht hört, ist<br />

duldsam, brav, ruhig und gläubig …<br />

Genau, das Gretchen hat sehr viel Geduld<br />

und ist eigentlich recht zufrieden, auch<br />

wenn sie wahrscheinlich vieles ändern<br />

würde, wenn sie könnte. Sie ist gütig und<br />

gutmütig. Ihr Lebensmotto wäre in etwa:<br />

„So ist es halt, da kann man nix machen.<br />

Meine Schwester ist zwar gestorben und<br />

ich muss die Mutter pflegen, aber es wird<br />

schon alles seinen Grund haben.“ Sie sucht<br />

Antworten bei Gott und findet sie auch,<br />

bis sie dann verführt wird. Natürlich ganz<br />

bewusst von Mephisto, denn der möchte<br />

zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und<br />

nicht nur Faust, sondern auch die Unschuld<br />

in Person vernichten.<br />

Ich geh nicht ganz falsch von der<br />

These aus, dass ihr zwei in Sachen<br />

Temperament nicht ganz d’accord seid.<br />

Musst du dich sehr zurücknehmen?<br />

Ja schon, da gibt es schon viele Unterschiede,<br />

was die Sache nicht leichter macht, zumal<br />

das Gretchen viel jünger ist als ich …<br />

<strong>No</strong>ch jünger?<br />

Ja, sie steckt zwar in einem Frauenkörper,<br />

ist aber im Kopf noch ganz Kind. Es hat<br />

mich doch nervös gemacht, aber Julia<br />

Gschnitzer, mit der ich deshalb viel telefoniert<br />

habe, hat mich beruhigt und gemeint:<br />

„Ronja, mach dir keine Sorgen, du bist<br />

‚a gspucktes Gretchen‘ “!<br />

Tipp Ronja Forcher:<br />

Cecelia Ahern:<br />

So klingt dein Herz<br />

Argon, 6 Audio-CDs,<br />

420 Min., € 20,60<br />

Goethe: Faust (Urfaust, Faust 1,<br />

Faust 2), kommentiert von Erich<br />

Trunz – Jubiläumsausgabe<br />

C.H. Beck, 777 S., € 10,30<br />

Veranstaltung:<br />

Künstlergespräch in der<br />

Wagner’schen mit Johannes<br />

Reitmeier & Ronja Forcher<br />

Mo., 23. Oktober 2017,<br />

19:30 Uhr, Eintritt frei<br />

Johannes Reitmeier


Mehr Lebenshilfe und<br />

Esoterik in der Wagner’schen<br />

Von Martin Bär<br />

Buchtipps<br />

Peter Hofinger:<br />

Thorwald Dethlefsen:<br />

Schicksal als Chance<br />

Goldmann Verlag, 271 S., € 9,20<br />

Ken Wilber: Mut und Gnade<br />

S. Fischer Verlag, 464 S., € 12,40<br />

Geoffrey Hoppe:<br />

Adamus Saint-Germain –<br />

Entdecke den Meister in dir<br />

Ansata Verlag, 256 S., € 18,50<br />

Lee Carroll:<br />

Kryon – der neue Mensch<br />

Koha Verlag, 256 S., € 19,50<br />

Wir haben gemerkt, dass unsere Kunden<br />

verstärkt auf der Suche sind: nach Sinn,<br />

nach Hilfe in ihrer speziellen Lebenssituation.<br />

Die Schließung der Buchhandlung Phönix<br />

haben wir zum Anlass genommen, den<br />

Bereich Lebenshilfe und Esoterik großzügig<br />

zu erweitern. Neben Büchern zum Thema<br />

gibt es auch alles zum Räuchern, ACAMA-<br />

Klangschalen, die passende Musik und<br />

geführte Meditationen von Polyglobe-Music.<br />

Besonderheiten im heurigen Bücherherbst<br />

sind diesbezüglich für mich „Stille“<br />

von Erling Kagge, einem norwegischen<br />

Abenteurer, der uns zeigt, wie es möglich<br />

ist, auch im täglichen Leben wertvolle<br />

Momente der Stille zu finden, weiters „Die<br />

Weisheit eines Yogi“, in dem der weltbekannte<br />

Yogi Sadhguru mit viel Humor über<br />

seine Entwicklung schreibt und praktische<br />

Yoga-Tipps gibt. Und der amerikanische<br />

Meditationsmeister Culasada John Yates<br />

legt ein umfassendes Handbuch zur Meditation<br />

vor: In 10 Stufen wird der Übende<br />

zur Meisterschaft geführt. Es gibt auch<br />

neue Bücher von Robert Betz, William Paul<br />

Young oder Diana Cooper, die es bei uns zu<br />

entdecken gibt.<br />

Peter Hofinger, Gründer und Eigentümer<br />

der Buchhandlung Phönix, hat uns<br />

ein paar Fragen beantwortet:<br />

© Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

Wie lange führten Sie die<br />

Buchhandlung Phönix?<br />

Wie ich erst viel später erfahren habe,<br />

schlossen meine ehemaligen Schulkameraden<br />

der Handelsakademie hinter meinem<br />

Rücken Wetten ab, ob meine neu gegründete<br />

Buchhandlung ein halbes oder doch<br />

wenigstens ein dreiviertel Jahr Bestand<br />

haben würde. Geworden sind es dann doch<br />

fast 34 Jahre.<br />

Den Anfang machte ich 1983 in meinem<br />

damaligen Wohnzimmer in der Innsbrucker<br />

Altstadt. Dort erstellte ich kleine Bücherlisten,<br />

gab sie an Freunde und Bekannte<br />

weiter und hoffte auf eingehende Bestellungen:<br />

„Buchversand Hofinger“ war geboren.<br />

Einige Monate später entdeckte ich in der<br />

ersten Kurve der Höttinger Gasse einen<br />

Platz für unsere „Sonne-Mond-Buchhandlung“,<br />

in der ich mit meinem Bruder Hans<br />

und unseren beiden Frauen an den Start<br />

ging. Wir machten Innsbruck mit den aus<br />

England importierten Bachblüten-Essenzen<br />

vertraut und gaben unsere eigene „Sonne-<br />

Mond-Zeitung“ heraus. Nach einigen<br />

Jahren übernahmen Hans und Gundi einen<br />

Esoterik-Großhandel, während Monika<br />

und ich uns entschieden, die Firma in<br />

die Leopoldstraße zu verlegen und in<br />

„Phönix Buchhandlung“ umzubenennen.<br />

Im Rahmen unserer Phönix-Seminare<br />

luden wir hochkarätige Vortragende und<br />

Seminarleiter ein und schufen damit die<br />

Basis für viele, die heute im energetischen<br />

Bereich arbeiten. Wir boten Kurse für<br />

Anfänger und Fortgeschrittene zu mittlerweile<br />

anerkannten Themen an: Astrologie,<br />

Krankheit als Symbol, Lichtarbeit, Reiki,<br />

Lithotherapie, Rückführungen usw. In so<br />

vielen Dingen waren wir Vorreiter des neu<br />

erwachenden Bewusstseins. Meditationsund<br />

Entspannungsmusik begleitete uns<br />

von Anfang an, durch unseren Kontakt zu<br />

Polyglobe Music kamen viele weitere feine<br />

Klänge dazu. Vorsichtig streckten wir die<br />

Fühler ins Stadtzentrum aus und mieteten<br />

vorerst nur eine Filiale an, aber dann wurde<br />

es Zeit für den Phönix, die beiden kleinen<br />

Läden zu einem großen Geschäftslokal<br />

am Marktgraben zu vereinen. Vieles, was<br />

13<br />

unsere Kunden erst an diesem Ort entdeckten,<br />

hatten wir auch schon zwei Jahrzehnte<br />

zuvor in unserem Sortiment, beispielsweise<br />

ACAMA-Klangschalen und Aura Soma.<br />

Bücher seit 1639<br />

Wir boten Aurafotografie an und luden<br />

einige der besten Medien aus Großbritannien<br />

ein, um unseren Kunden Botschaften aus<br />

der geistigen Welt zu vermitteln. Wir entwickelten<br />

die Eigenmarke WegGefährtin für<br />

Räucherungen, Kerzen, Sprays, Engelchen,<br />

und nach anfänglicher Skepsis werden auch<br />

unsere „SeelenZuckerl“ als energetische<br />

Unterstützung äußerst geschätzt.<br />

In den insgesamt fast 34 Jahren ist der<br />

„Phönix“ von einer der ersten zu einer der<br />

größten österreichischen Fachbuchhandlungen<br />

für Esoterik gewachsen. Aber nun<br />

ist es Zeit für meine Pensionierung, daher<br />

gebe ich die Esoterik-Fackel an Markus<br />

Renk und sein Team von der Wagner’schen<br />

weiter.<br />

Wie können Bücher Lebenshilfe<br />

geben und mit welchen Anliegen<br />

kamen Kunden auf Sie zu?<br />

Unsere Kunden waren oft auf der Suche<br />

nach Hilfestellung in schwierigen Lebenssituationen,<br />

z. B. Todesfall in der Familie,<br />

Scheidung, Krankheit, Arbeitslosigkeit.<br />

Jeder von uns kommt irgendwann im Leben<br />

an seine Grenzen und ist dankbar für ein<br />

hilfreiches Wort. Ein gutes Buch, angenehme<br />

Musik, feiner Duft, entspannende<br />

Klänge, wohltuende Öle, inspirierende<br />

Kartensets können uns dabei unterstützen,<br />

wieder zu unserem inneren Zentrum zu gelangen<br />

und unseren innersten Lebensquell<br />

neu zu erschließen.<br />

Welches Buch hat Ihnen persönlich<br />

geholfen?<br />

Thorwald Dethlefsens Buch „Schicksal<br />

als Chance“, in dem ich Grundlegendes<br />

über die wichtigsten Gesetze des Lebens<br />

erfuhr und sich mir immer mehr der<br />

Sinn des Lebens erschloss. Mein absolutes<br />

Lieblingsbuch ist aber nach wie vor „Mut<br />

und Gnade“ von Ken Wilber, ein schonungslos<br />

ehrliches, sehr persönliches Buch<br />

über den Umgang mit tödlicher Krankheit.<br />

Welches Thema in diesem Bereich ist<br />

aktuell sehr stark?<br />

Oftmals kristallisiert sich ein großes Thema<br />

heraus, ein Trend entsteht, man denke<br />

nur an die riesige Reiki-Welle, die längst<br />

wieder komplett abgeebbt ist, an die Blütezeit<br />

des Feng-Shui oder an den großen<br />

Engel-Boom. Bis vor Kurzem war es auch<br />

im heiligen Land Tirol Mode, alles mit<br />

einem „Blume des Lebens“-Aufkleber zu<br />

versehen statt wie bisher an allen Ecken<br />

und Enden Kruzifixe aufzuhängen.<br />

Immer mehr wendet man sich von den<br />

theoretischen Gedankengebäuden<br />

der Esoterik hin zur Praxis: „Wie kann<br />

ich Esoterik in meinen Alltag einfließen<br />

lassen?“ – diesem Thema widmet sich<br />

besonders der Schirner-Verlag mit seinem<br />

umfangreichen Angebot an Kartensets,<br />

CDs, DVDs und Büchern, verfasst von<br />

anerkannten Seminarleiter/inne/n. Auch die<br />

Übungshefte aus dem Trinity-Verlag haben<br />

sich zu heimlichen Bestsellern gemausert<br />

und nicht zuletzt ist Kreativität ein großes<br />

Thema. Dazu gibt es in vielen Verlagen<br />

Malbücher für Erwachsene. Durch Ausmalen<br />

zur Ruhe kommen: ein riesengroßer<br />

und sinnvoller Trend!<br />

Wie gefällt Ihnen der neue<br />

Esoterik/Lebenshilfe-Bereich in der<br />

Wagner’schen?<br />

Ich war äußerst positiv überrascht, als<br />

ich die neue Esoterik-Abteilung der<br />

Wagner’schen gesehen habe. Keine billigen<br />

inhaltsleeren Sprücheklopfer-Bücher nach<br />

dem Motto „Wie werde ich am besten<br />

heute noch steinreich?“. Qualitativ hochwertige<br />

Ratgeber und ausgewählte Klassiker<br />

zeugen davon, dass sich das Team der<br />

Wagner’schen mit der Sache eingehend<br />

beschäftigt hat. Wenn ich zurückdenke:<br />

Als ich meine Buchhandlung eröffnet hatte,<br />

gab es in der Wagner’schen ein Regal voll<br />

mit den schwarzen Büchern des Schikowski-<br />

Verlages, vorwiegend berühmt-berüchtigte<br />

Bücher zum Thema Magie. Das war auch<br />

schon alles, was Innsbruck zum Thema<br />

Esoterik zu bieten hatte. Welch eine Veränderung<br />

im Bewusstsein der Stadt, dass nun<br />

auch die alteingesessene Wagner’sche mit<br />

einer schönen, großen, gut sortierten<br />

Abteilung zum Thema Esoterik, Spiritualität<br />

und Lebenshilfe aufwarten kann!<br />

Welches aktuelle Buch aus diesem<br />

Bereich können Sie besonders<br />

empfehlen?<br />

Ich habe Geoffrey Hoppe schon ein paar<br />

Mal in Vorträgen und Seminaren erlebt und<br />

halte ihn für einen der besten Channeler der<br />

Welt. Er ist auf humorvolle Weise imstande,<br />

den klassischen Botschaften von St. Germain<br />

neues Leben einzuhauchen und der<br />

neuen Zeit, der neuen Energie entsprechende<br />

Anregungen zu geben. Zuletzt ist von<br />

ihm erschienen: „Entdecke den Meister in<br />

dir“ – eine Fundgrube für fortgeschrittene<br />

Esoteriker! Eine weitere interessante Neuerscheinung:<br />

„Kryon – der neue Mensch“<br />

von Lee Carroll, Thema: die Evolution der<br />

Menschheit, bereits der zwölfte Band der<br />

Kryon-Reihe.<br />

Esoterik-<br />

Empfehlungen<br />

Herbst 2017:<br />

Erling Kagge:<br />

Stille – ein Wegweiser<br />

Insel Verlag, 144 S., € 14,40<br />

Sadhguru:<br />

Die Weisheit eines Yogi<br />

Verlag O.W. Barth, 288 S., € 20,60<br />

William Paul Young:<br />

Lügen, die wir uns<br />

über Gott erzählen<br />

Allegria Verlag, 224 S., € 18,50<br />

Aljoscha Long und<br />

Ronald Schweppe:<br />

Die Bucht am Rande der Zeit<br />

Kailash Verlag, 128 S., € 14,40<br />

Diana Cooper:<br />

Der Aufstieg von Erde und<br />

Menschheit<br />

Ansata Verlag, 336 S., € 20,60<br />

Culadasa John Yates:<br />

Handbuch Meditation<br />

Arkana Verlag, 560 S., € 30,90<br />

Robert Betz:<br />

Jetzt reicht’s mir aber!<br />

Heyne Verlag, 256 S., € 10,30<br />

Renate Daimler:<br />

Das Buch der Erlaubnis<br />

Kösel Verlag, 224 S., € 20,60<br />

Rhonda Byrne:<br />

Wie The Secret<br />

mein Leben veränderte<br />

Arkana Verlag, 320 S., € 17,50


Innehalten<br />

in einer lauten Welt<br />

Fleur Sakura Wöss zeigt uns den Platz zwischen Raum<br />

und Zeit, den Platz der inneren Ruhe … Von Martin Bär<br />

Innehalten<br />

ist mehr<br />

als nur stehen<br />

zu bleiben.<br />

Fleur Sakura Wöss<br />

„Nur mehr jetzt“, „Nur mehr bis das Projekt<br />

zu Ende ist“, „Nur mehr bis die Bilanz<br />

fertiggestellt ist“, „Nur mehr …“ Manche<br />

erleben das Ende des „Nur mehr“ nicht<br />

mehr, weil ihr Körper sich schon vorher ins<br />

Burnout rettet.<br />

Das heutige Leben verlangt nach Speed<br />

und Wachstum. Die Fähigkeit innezuhalten<br />

scheint verloren gegangen zu sein. Durchhalteparolen<br />

sind für viele das tägliche<br />

Mantra. Erschöpfung und Unruhe sind<br />

das Resultat. Echte Freiräume gibt es nicht<br />

mehr. Warum ist das so?<br />

In ihrem in flüssigem, angenehm lesbaren<br />

Schreibstil gehaltenen Buch „Innehalten.<br />

Zen üben, Atem holen, Kraft schöpfen“<br />

lenkt Fleur Sakura Wöss den Blick<br />

auf Dinge, die man bis dato so nicht wahrgenommen<br />

hat. Sie selbst war eine Hochleisterin,<br />

die in ihren Berufen immer den<br />

Platz an der Spitze angestrebt hatte. Auch<br />

sie litt unter ihren „inneren Jagdhunden“.<br />

Sie trieben sie vor sich her, sodass zwischen<br />

anspruchsvollem Beruf und dem Leben<br />

mit Mann und Kindern kein Innehalten<br />

möglich war.<br />

Sie unterrichtete an der Universität,<br />

war Dozentenvertreterin, publizierte<br />

wissenschaftliche Abhandlungen, reiste<br />

zu Kongressen. Daheim warteten drei<br />

kleine Kinder auf sie. Sie kochte, wusch<br />

und räumte Legosteine weg, bevor sie sich<br />

bis Mitternacht wieder an den Schreibtisch<br />

setzte. Sie tanzte auf allen Hochzeiten –<br />

im scheinbar perfekten Tangoschritt.<br />

Doch das scheinbar perfekte Leben<br />

forderte seinen Tribut. Sie fühlte sich wie<br />

eine leere Raupenhülle. Schließlich wagte<br />

sie einen radikalen Schritt und kündigte.<br />

Ein Jahr des kompletten Nichtstuns und<br />

der Neuorientierung folgten. Es wurde ihr<br />

bewusst, dass Innehalten mehr ist als nur<br />

stehen zu bleiben. Innehalten kann nicht<br />

mit dem Kopf geplant werden, es erfordert<br />

eine Sensibilität für die Rhythmen des<br />

Lebens. Rhythmen brauchen aber auch<br />

Pausen, brauchen Innehalten.<br />

Bei der Suche nach dem Innehalten<br />

wurde ihr ein Begriff zum Wegweiser, den<br />

sie im japanischen Kulturkreis kennengelernt<br />

hatte. Das Wort „Zwischenraum“<br />

bezeichnet im Japanischen viele verschiedene<br />

Aspekte des Raumes und der Zeit.<br />

Es kann Freiraum, Freizeit, Grauzone,<br />

Leere, Pause bedeuten. Es sind Räume und<br />

Zeiten, in denen Durchatmen möglich wird,<br />

Zeiten, die nicht definiert und zweckbesetzt<br />

sind.<br />

Eine solche unbesetzte, leere Zeit ist<br />

die Meditation. Früher eine eher exotische<br />

Angelegenheit für „Spinner“, ist sie heute<br />

in der Mitte der Gesellschaft angekommen.<br />

Acht von zehn CEO’s in Silicon Valley<br />

meditieren regelmäßig. So genannte Mindfulness-Programme<br />

in Unternehmen sind<br />

längst keine Seltenheit mehr. Die Unternehmen<br />

erkennen, dass die leere Zeit, die<br />

sich in der Meditation auftut, den Kopf der<br />

Mitarbeiter klarer macht und den Körper<br />

gelassener.<br />

Paradoxerweise öffnet uns die Leere<br />

den Ausblick auf die Fülle des Lebens.<br />

Im Innehalten entfalten sich Kraft und<br />

Energie. Wer sich auf das Innehalten einlässt<br />

kommt zu Atem, nimmt sich Druck<br />

und erlebt, dass sich gerade im Nichtstun<br />

etwas ereignet. Innehalten und die Wendepunkte<br />

im Leben können Freiräume sein,<br />

damit Neues überhaupt erst entstehen<br />

kann.<br />

Fleur Sakura Wöss, ist ZEN-Lehrerin, Führungskräfte-Coach<br />

und Japanologin mit langjähriger<br />

Lehrtätigkeit als Professorin an der Universität<br />

Wien. Sie gründete 2006 das Zen-Zentrum Mishoan<br />

in Wien (www.mishoan.at), das sie seither leitet.<br />

Sie gibt Seminare in Österreich und Deutschland<br />

und redet zu den Themen Präsenz und Innehalten.<br />

Als Autorin publiziert sie regelmäßig Artikel<br />

zum Thema Zen Meditation. Ihr Anliegen ist es,<br />

die jahrtausende alte Tradition des „Innehaltens“<br />

für unsere Kultur und unser modernes Leben<br />

greifbar und anwendbar zu machen.<br />

Buchtipp:<br />

Fleur Sakura Wöss:<br />

Innehalten. Zen üben –<br />

Atem holen – Kraft schöpfen<br />

Kösel Verlag, 192 S., € 17,40<br />

Vortrag:<br />

© www.medwed-people.com<br />

14 Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

15<br />

Fleur Sakura Wöss<br />

stellt ihr Buch vor:<br />

Di., 21. <strong>No</strong>vember 2017,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung


Was macht Sie zur Bestsellerautorin,<br />

was ist Ihr Geheimnis?<br />

Kann ich das beantworten? (lacht) Ich<br />

bekomme z. B. vom Verlag gesagt, dass<br />

meine Romane vielschichtig sind. Ich verwende<br />

meistens mehr Perspektiven, damit<br />

die Geschichte nicht so eindimensional<br />

oder chronologisch verläuft. Ich versuche,<br />

dem Leser verschiedene Innensichten von<br />

den Figuren zu geben. Das ist auch für mich<br />

beim Schreiben wesentlich interessanter.<br />

Wie ist es Ihnen beim Schreiben Ihres<br />

neuen Buches ergangen?<br />

Es ist mit einer „Leichtigkeit“ geboren<br />

worden, die ich bei anderen Büchern<br />

vermisst habe. David war anders. Vielleicht,<br />

weil die Geschichte hat heranreifen können.<br />

Schließlich habe ich die Idee schon drei<br />

Jahre in meinem Kopf. Das Buch liebe ich<br />

auch deswegen, weil es mir nicht alles abverlangt<br />

hat. Ich habe mich nicht so geplagt<br />

und gequält wie bei den anderen Romanen.<br />

Was für Nachrichten bekommen Sie<br />

denn?<br />

Die Leute schreiben mir, dass sie auf<br />

einer Lesung waren oder meine Bücher<br />

verschlungen haben oder sich in einer ähnlichen<br />

Lebenssituation befinden wie meine<br />

Charaktere. Viele meinen, ich liefere das<br />

Identifikationspotential. Ich finde solche<br />

Nachrichten sehr nett, Schreiben ist schließlich<br />

ein eher einsamer Beruf. Da ist nur der<br />

Computer und du.<br />

Es verlangt einiges an Konzentration<br />

vom Leser ab. Man weiß auch in<br />

Ihrem neuen Buch „David“ lange<br />

nicht, was wie zusammenhängt.<br />

Das ist Absicht. Es löst sich dann wie ein<br />

Puzzle auf. Der Titel „David“ ist anfangs<br />

ein Rätsel. Die ganze Zeit liest man von<br />

Viktor, Magdalena und Jan. Das ist das<br />

Spiel: Nichts ist so, wie es scheint.<br />

Wie viel Judith W. Taschler steckt in<br />

diesem Buch?<br />

Ich bin selber als adoptiertes Kind aufgewachsen<br />

und habe dadurch ähnlich schräge<br />

oder irritierende Erfahrungen gemacht wie<br />

die Hauptfigur Jan. Diskussionen, wie sie<br />

im Buch vorkommen, habe ich auch miterlebt,<br />

nur später. Man kommt zum Beispiel<br />

nicht um die Auseinandersetzung mit Bert<br />

Hellinger und seinem radikalen Statement<br />

„Adoption ist Kindesraub und wird später<br />

gesühnt werden“ herum.<br />

Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Stil<br />

verbessern möchten?<br />

Ich denke mir oft beim Schreiben, ich<br />

könnte auch langsamer werden, „langatmiger“.<br />

Ich möchte in erster Linie, dass jedes<br />

Buch irgendwie anders und neu ist. Es soll<br />

nicht bei jeder Neuerscheinung heißen:<br />

„Ach, das ist ein typisches Taschler-Buch.“<br />

Gibt es eine Frage, die Ihnen noch nie<br />

gestellt wurde, die Sie aber unbedingt<br />

gestellt bekommen wollen?<br />

(lacht) Ich wurde zum Beispiel nie gefragt:<br />

Haben Sie es bereut, nicht mehr zu unterrichten,<br />

keine Deutschlehrerin mehr zu sein,<br />

sondern nur zu schreiben?<br />

© Birgit Köll (Taschler), Günther Pichlkostner (Kramer)<br />

Buchpräsentation:<br />

Judith W. Taschler:<br />

David<br />

Mittwoch, 4. Oktober 2017,<br />

20 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Moderation:<br />

Katharina Kramer (ORF)<br />

Musik: Bernd Lumassegger<br />

alias: Dr. Idoo<br />

Ich möchte,<br />

dass jedes Buch<br />

anders und<br />

neu ist.<br />

Katharina Kramer<br />

Judith W. Taschler<br />

16 Wagner’sche.<br />

Judith W.<br />

Taschler<br />

Ihr neues Buch<br />

„David“ erzählt<br />

die Geschichte<br />

einer Adoption.<br />

Wie viel Judith W.<br />

Taschler – die<br />

selbst bei Adoptiveltern<br />

aufwuchs –<br />

in diesem Buch<br />

tatsächlich steckt,<br />

verrät sie im<br />

Gespräch mit<br />

Ágnes Czingulszki.<br />

Sie sind von Picus, einem kleinen<br />

Wiener Verlag, zu Droemer, einem<br />

der größten deutschen Verlage,<br />

gegangen. Was hat sich verändert?<br />

Es hat sich viel verändert, weil Droemer viel<br />

stärker am Markt vertreten ist. Auch wenn<br />

Picus sehr viel für mich erreicht hat, die<br />

Marketingmöglichkeiten bei Droemer sind<br />

vielseitiger.<br />

Büßt man auch Freiheiten ein?<br />

Nein, eigentlich nicht. Es war nur beim<br />

ersten Buch, bei „bleiben“ so, dass der<br />

Verlag anfangs – was die Erzählform anbelangt<br />

– skeptisch war. Seither genieße ich<br />

bei Droemer eine gewisse Narrenfreiheit.<br />

Sie sind Bestsellerautorin: Erzeugt<br />

das beim Schreiben eines neuen<br />

Buches eher Druck oder beflügelt Sie<br />

das?<br />

Beides. Ich mache mir innerlich selber den<br />

Druck, weil ich ehrgeizig bin. Ich will einen<br />

gewissen Standard halten. Mein Buch soll<br />

einerseits für die „Masse“ geeignet sein,<br />

aber auch tiefgründig. Ich erlebe den Druck<br />

aber gar nicht vom Verlag oder von den<br />

Lesern. Ich bekomme sogar Fanpost auf<br />

Facebook.<br />

Und: Haben Sie es bereut?<br />

Nein. Ich wache heute noch oft in der Früh<br />

auf und denke mir, „großartig, ich kann<br />

meine Leidenschaft leben“.<br />

Judith W. Taschler, 1970 in Linz geboren, im<br />

Mühl viertel aufgewachsen, studierte Germanistik<br />

und Geschichte. Nach den Spiegel-Bestsellern<br />

„Die Deutschlehrerin“ und „bleiben“ legt sie nun<br />

mit „David“ einen spannenden neuen Roman<br />

rund um das Thema Adoption vor. Sie lebt mit<br />

ihrem Mann und ihren drei Kindern in Innsbruck<br />

und ist seit 2012 freischaffende Autorin.<br />

Buchtipp:<br />

Judith W. Taschler:<br />

David<br />

Droemer, 240 S., € 20,60


Dieses Buch ist wie eine Reise:<br />

Bei der Lektüre Ihres vor Kurzem<br />

erschienenen Romans „Der Trost<br />

der Rache“ spürt man den schwarzen<br />

Vulkansand zwischen den Zehen<br />

und blickt in den sternenklaren<br />

Atlantikhimmel am Strand von<br />

La Palma. Was verbindet Sie mit<br />

der Kanaren-Insel?<br />

Am Anfang war es nur die Entdeckung,<br />

dass auf dieser Insel das größte optische<br />

Teleskop der Welt steht, das im Roman<br />

eine zentrale Rolle spielen sollte. Doch bei<br />

meinen Recherchereisen (insgesamt vier)<br />

bin ich dem Charme La Palmas zunehmend<br />

verfallen. Und so werde ich auch als reiner<br />

Urlauber dorthin zurückkehren …<br />

Auch im Roman beginnt es mit<br />

einem harmlosen Urlaub, doch<br />

dann taucht man zusammen mit den<br />

Protagonisten ein in eine packende<br />

Geschichte, aus der es kein Entrinnen<br />

gibt. Sind uns die großen Tragödien,<br />

Abenteuer, Schicksalsschläge oft<br />

viel näher, als wir vermuten?<br />

Ich denke ja, und zwar sowohl persönlich<br />

als auch politisch. Und vermutlich ahnen<br />

wir das auch, wollen es aber nicht wahrhaben.<br />

Diese Verdrängungsprozesse sind ja<br />

ambivalent: einerseits verhindern sie, dass<br />

wir einen klaren Blick auf die Welt werfen,<br />

andererseits schützen sie uns vor der Wucht<br />

der Wirklichkeit. Würden wir auf all die<br />

Horrormeldungen, die Tag für Tag auf uns<br />

einprasseln, mit echter Empathie reagieren<br />

– wie sollten wir da weiterleben?<br />

Macht uns dieser Eskapismus<br />

vielleicht noch anfälliger? Der Blick<br />

ins All führt den Hobbyastronomen<br />

Adrian Rauch zum größten Spiegelteleskop<br />

der Welt und über Umwege<br />

auf den knallharten Boden der<br />

Wirklichkeit. Kann er der Realität<br />

nicht entfliehen?<br />

Ich glaube, dass einen die Realität immer<br />

einholt, ganz gleich, mit welchen Fluchtma-<br />

Nachbarschaft möglich sind. Chile war<br />

ja eine Art Modellfall: Die demokratisch<br />

gewählte Regierung wird zuerst blockiert,<br />

dann weggeputscht, und die Foltergeneräle<br />

bestellen gemeinsam mit der CIA das Feld<br />

für kapitalistische Experimente, in denen<br />

Menschen zu Laborratten degradiert werden.<br />

Die Botschaft war: „Wagt es ja nicht,<br />

irgendwo auf der Welt durch Wahlen eine<br />

sozialistische Regierung zu implementieren,<br />

die unseren Interessen im Wege steht. Da<br />

kennen wir kein Erbarmen.“ Die Frage, was<br />

„wir“ in diesem Kontext bedeutet, hat die<br />

Geschichte beantwortet.<br />

Wilfried Steiner, geboren 1960 in Linz. Seit 1977<br />

publiziert er in Zeitschriften und veröffentlichte<br />

mehrere Romane, u. a. „Der Weg nach Xanadu“<br />

(Insel), „Bacons Finsternis“ (Zsolnay) und<br />

„Die Anatomie der Träume“ (Metro). Bis 1999 in<br />

der ARGE <strong>No</strong>nntal, seitdem im Linzer Posthof<br />

für die Bereiche Tanz, Theater, Kleinkunst und<br />

Literatur zuständig.<br />

© Andrea Peller (Steiner), Mihai Mitrea (Hofstätter)<br />

Die Realität<br />

holt uns immer<br />

ein, ganz gleich,<br />

mit welchen<br />

Fluchtmaschinen<br />

man entkommen<br />

will.<br />

Wilfried Steiner<br />

18 Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Wilfried<br />

Steiner<br />

In „Der Trost der<br />

Rache“ führt uns<br />

Wilfried Steiner<br />

durch ein bildgewaltiges<br />

Abenteuer,<br />

das die<br />

großen Lebensfragen<br />

nicht scheut.<br />

Ein Gespräch mit<br />

Christophe Koroknai.<br />

19<br />

schinen man entkommen will. Bei Adrian<br />

ist es eher so, dass die eigene Vergangenheit<br />

sein Verhalten beeinflusst. Er war ja auch<br />

einmal ein rebellischer Geist; durch die<br />

Routine ist dieser Zug seines Charakters<br />

verschüttet worden. Dank der Vorfälle auf<br />

der Insel entdeckt er das Feuer in sich neu.<br />

Gilt das für uns alle?<br />

Dass man der Wirklichkeit nicht entfliehen<br />

kann, gilt für uns alle. Natürlich besteht<br />

für eine kleine Minderheit die Möglichkeit,<br />

sich mit viel Geld auf idyllische Orte<br />

zurückziehen und sich in bunkerähnlichen<br />

Anlagen zu verschanzen, aber es gibt keine<br />

Garantie, dass nicht auch solche Festungen<br />

gestürmt werden können. Das hat in gewisser<br />

Weise auch etwas Tröstliches.<br />

Die grausamen Verbrechen, die<br />

während der Militärdiktatur<br />

Pinochets in Chile verübt wurden,<br />

spielen in „Der Trost der Rache“<br />

eine wichtige Rolle. Vergessen wir zu<br />

oft, dass uns derartige Katastrophen<br />

unabhängig von der großen<br />

Entfernung direkt betreffen?<br />

Ja, vor allem deshalb, weil vergleichbare<br />

Entwicklungen auch in unmittelbarer<br />

Buchtipp:<br />

Wilfried Steiner:<br />

Der Trost der Rache<br />

Haymon Verlag, 280 S., € 22,90<br />

Buchpräsentation:<br />

Wilfried Steiner:<br />

Der Trost der Rache<br />

Gemeinsam mit<br />

Maria Hofstätter<br />

Fr., 6. Oktober 2017, 19:30 Uhr,<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Maria Hofstätter


Soeben ist „Todesreigen“, der<br />

vierte Fall von Profiler Maarten S.<br />

Sneijder, erschienen. Es geht unter<br />

anderem um die Leichen im Keller<br />

einiger Kripoermittler. Wie weit ist<br />

der Mensch bereit zu gehen, um den<br />

eigenen schönen Schein zu wahren?<br />

Kommt darauf an. Ich beispielsweise<br />

versuche gar nicht erst, den Schein zu<br />

wahren. Ich bin so, wie ich bin, privat wie<br />

in der Öffentlichkeit, dadurch lebt es sich<br />

viel unbeschwerter. Einige Menschen<br />

leben aber in einer Trugwelt aus Lüge und<br />

Vertuschung. Über die zu schreiben, macht<br />

natürlich herrlich Spaß, weil man spannende<br />

Geschichten dazu erfinden kann.<br />

Sie haben Sneijder an anderer Stelle<br />

als „Kotzbrocken“ bezeichnet, der<br />

dennoch großen Spaß macht und Sie<br />

zum Lachen bringt. Dürfen wir also<br />

darauf hoffen, dass er noch viele Fälle<br />

zu lösen haben wird?<br />

„Todesreigen“ ist – wie auch alle Bände<br />

davor – ein in sich abgeschlossener Roman.<br />

Trotzdem ist es der Auftakt zur sogenannten<br />

zweiten Trilogie. Ich habe eine grobe<br />

Vorstellung davon, wie es im fünften und<br />

sechsten Band weitergehen könnte, wobei<br />

im letzten Absatz von „Todesreigen“ ein<br />

kleiner Hinweis enthalten ist, was als nächstes<br />

passiert. Sneijder kommt also wieder –<br />

oder wie er es selbst formulieren würde:<br />

„Sie dürfen an allem im Leben zweifeln,<br />

aber zweifeln Sie niemals an mir!“<br />

Ihre Thriller darf man getrost als<br />

„hardboiled“ bezeichnen – dennoch<br />

bestechen Sie auch durch sehr<br />

humorige Situationen. Ist Ihnen<br />

dieser Kontrast wichtig?<br />

Die Bücher haben nicht nur eine komplexe<br />

Handlung, sondern sind auch sehr brutal<br />

und haben heftige Szenen … Thriller eben!<br />

Und gerade da finde ich es wichtig, das<br />

Nervenkostüm der Leser zwischendurch<br />

ein wenig aufzulockern. Einerseits durch<br />

saloppe Dialoge zwischen Sneijder und seiner<br />

Assistentin Sabine Nemez, andererseits<br />

durch Sneijders extravagantes Verhalten:<br />

weiterleben und das tun, was einem Spaß<br />

macht: Geschichten erfinden!<br />

Sie sind im Oktober beim Krimifest<br />

Tirol in der Wagner’schen zu Gast.<br />

Auf welche Ihrer KollegInnen<br />

freuen Sie sich besonders – und<br />

warum? Und wie stehen Sie als<br />

krimifestivalerfahrener Autor dazu,<br />

dass es nun ein so großes Krimifest<br />

in Österreich gibt?<br />

Es ist großartig, dass der Haymon Verlag<br />

dieses Festival aus dem Boden gestampft<br />

hat, noch dazu mit so vielen Größen aus<br />

der Krimi- und Thriller-Szene. Besonders<br />

freue ich mich auf meine Kollegen Max<br />

Bentow und Beate Maxian, die auch im<br />

Goldmann-Verlag veröffentlichen und mit<br />

denen ich gemeinsam lesen darf. Und natürlich<br />

auf Mit-Initiator Bernhard Aichner,<br />

der mir mit seiner erfrischenden Art immer<br />

ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn wir<br />

uns sehen.<br />

Ich bin so, wie<br />

ich bin, dadurch<br />

lebt es sich viel<br />

unbeschwerter.<br />

Andreas Gruber<br />

21<br />

© privat<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

20<br />

Andreas<br />

Gruber<br />

Andreas Gruber<br />

hat erneut den<br />

Höhenflug in die<br />

Bestsellerlisten<br />

angetreten – und<br />

ist dennoch am<br />

Boden geblieben.<br />

Ein Gespräch mit<br />

Linda Müller.<br />

Er ist ein schräger, irrer, abgefuckter, zynischer,<br />

misanthropischer, schwuler, klauender,<br />

kiffender Profiler, der noch dazu sehr<br />

wortgewandt und schlagfertig ist.<br />

Was ist die Sneijder-Methode?<br />

Er raucht Marihuana, akupunktiert sich<br />

mit Nadeln, trinkt Vanilletee und versetzt<br />

sich dann in die Lage des Killers, steigt in<br />

sein Hirn ein, wird zum Täter und führt im<br />

Geiste fiktive Dialoge mit dem so genannten<br />

Tatverdächtigen Null. Und dafür hat<br />

er höchstens 48 Stunden Zeit, denn danach<br />

lässt sich – nach Sneijder – ein Verbrechen<br />

nur noch schwer aufklären.<br />

Und was ist die Gruber-Methode?<br />

Ihre Bücher sind absolute Bestseller<br />

und das Lesepublikum erwartet<br />

stets schon sehnsüchtig den nächsten<br />

Band. Wie gehen Sie mit dem großen<br />

Erfolg um?<br />

Ich lasse gar nicht erst zu, dass ich diesen<br />

Erfolg im Privatleben spüre. Ich glaube<br />

auch nicht, dass man mir diesen Aufstieg<br />

anmerkt. Meine Freunde und Nachbarn<br />

sind immer ganz erstaunt, wenn sie mich<br />

zufällig im Radio hören oder im Fernsehen<br />

oder in Zeitungen sehen. Einfach locker<br />

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als<br />

freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg<br />

in Nieder österreich. Er hat bereits mehrere äußerst<br />

erfolgreiche und preisgekrönte Erzählungen und<br />

Romane verfasst. In seiner Freizeit gibt Andreas<br />

Gruber Schreibworkshops, ist begeisterter Kinogeher,<br />

reist viel mit seiner Frau, spielt leidenschaftlich<br />

gern Schlagzeug und wartet bis heute<br />

vergebens auf einen Anruf der Rolling Stones.<br />

Buchtipp:<br />

Andreas Gruber:<br />

Todesreigen<br />

Goldmann, 576 S., € 10,30<br />

Veranstaltung:<br />

Vom 14. bis 21. Oktober steht<br />

Tirol im Zeichen des Krimina l­<br />

romans: Zum ersten Mal findet<br />

das Krimifest Tirol statt.<br />

Andreas Gruber liest am<br />

Mo., 16. Oktober 2017,<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung,<br />

gemeinsam mit Friedrich Ani,<br />

Lena Avanzini und<br />

Tatjana Kruse.<br />

Moderation: Ernst Krekeler<br />

Eintritt frei!<br />

Den vollständigen Timetable<br />

finden Sie unter:<br />

www.krimifest.at


Aller guten Dinge sind drei<br />

Ein Markus-Köhle-Schwerpunkt in Innsbruck<br />

anlässlich seines neuen Romans „Jammern auf hohem Niveau.<br />

Ein Barhocker-Oratorium“ (Sonderzahl). Von Robert Renk<br />

© Konflozius (Köhle), Mihai Mitrea (Medusa),<br />

Nikolaus-Korab (Fian)<br />

Buchtipps:<br />

Halbglücklich<br />

kann ich auch<br />

alleine sein.<br />

Markus Köhle:<br />

Jammern auf hohem Niveau.<br />

Ein Barhocker-Oratorium<br />

Sonderzahl, 160 S., € 19,90<br />

(mit Bierdeckel!)<br />

Markus Köhle, Mieze Medusa<br />

(Hrsg.): Slam Oida!<br />

Lektora, 257 S., € 14,3<br />

Markus Köhle<br />

22<br />

Wagner’sche.<br />

Markus Köhle (geboren 1975 in Nassereith,<br />

Tirol) ist ein Phänomen und zwar – obschon<br />

er ein äußerst höflicher, gutgelaunter<br />

und redegewandter Tiroler ist – kein einfaches.<br />

Vielmehr ein vielfaches!<br />

• Sprachinstallateur, Literaturzeitschriftenaktivist<br />

und Poetry-Slam-Papa Österreichs.<br />

• Romanautor, Slamanthologien-Herausgeber<br />

und Moderator. Wiener, Weltreisender<br />

und Welser StaTTschreiber<br />

(heißt wirklich so, die TT wird’s freuen).<br />

• Sprachwolperdingererleger, Korrespondenzpoet<br />

und Dorfdefektmutantenbiograph.<br />

• Bier-, Bierdeckel- und Barhockerfetischist.<br />

• Germanist, Romanist und Dadaist.<br />

• Kreuzen Sie an, welche Assoziations-<br />

Trilogie für Sie am ehesten in Frage<br />

kommt, oder fügen Sie gerne noch<br />

weitere gedankliche Dreisprünge an.<br />

Seit 2001 ist Markus Köhle nun schon<br />

literarisch, literaturkritisch, literaturwissenschaftlich<br />

und auch als Literaturveranstalter<br />

im In- und Ausland aktiv. Unter<br />

anderem ist er schwer mitverantwortlich<br />

für das Innsbrucker Prosafestival.<br />

Seit 2004 lebt und arbeitet er in Wien.<br />

Zahlreiche Bücher zieren seinen literarischen<br />

Erfolgslauf. Der neueste literarische<br />

Wurf: „Jammern auf hohem Niveau.<br />

Ein Barhocker-Oratorium“ (Sonderzahl).<br />

Markus Köhle jammert nicht nur auf<br />

hohem Niveau, sondern slammt auch auf<br />

selbigem. Und das schon länger, als die<br />

meisten wissen, was slammen bedeutet.<br />

Er ist begnadeter „Schöntrinker“<br />

(beste Beiträge in „Heiraten – schön trinken“,<br />

„Radfahren – schön trinken“ oder<br />

„Wien – schön trinken“ – alle Milena<br />

Verlag) und in seinem brandneuen Roman<br />

wird auch ganz schön getrunken (alles<br />

andere wäre enttäuschend). Auch wenn<br />

seine Muse Mieze Meduse dereinst postulierte:<br />

„Trinkst Du mich schön, sauf ich<br />

Dich klug!“.<br />

Ich frage mich, was eigentlich der<br />

Poetry-Slam-Papa Österreichs und flei -<br />

ßige Co-Herausgeber dazu Schönes oder<br />

Kluges sagen kann. Und da meldet er<br />

sich schon und meint: „Mieze Medusa ist<br />

nicht meine Muse. Dafür hat sie gar keine<br />

Zeit. Mieze Medusa schreibt an ihrem neuen<br />

Roman und weiß (wie das erwähnte Zitat<br />

beweist), wie man festgeschriebene sprachliche<br />

Wendungen nicht nur dekonstruiert,<br />

sondern gleichzeitig perpetuiert, ihnen also<br />

eins drüberzieht und noch einen draufsetzt.<br />

Es sagt uns also, dass sich da zwei gefunden<br />

haben, die nicht nur gemeinsam um die<br />

Häuser ziehen, sondern sich auch gemeinsam<br />

mit gegenwärtigen Literatur- und<br />

Sprachformen und deren Vermittlung auseinandersetzen<br />

und dass diese zwei davon<br />

(und von einander) noch lange nicht die<br />

Schnauze (gern aber das Glas) voll haben<br />

und das wiederum finden wir ganz schön<br />

klug genug.“<br />

Was wiederum der großartige Antonio<br />

Fian zum „Barhocker-Oratorium“ zu sagen<br />

hat, wissen wir noch nicht – aber bald, denn<br />

auch er kommt zu den Köhle-Festspielen<br />

nach Innsbruck.<br />

Dazu gesellt sich am Mittwoch, den<br />

11. Oktober um 19 Uhr Klaus Zeyringer.<br />

Denn an diesem Tag ist es in der Stadtbücherei,<br />

(noch) Colingasse 5a, wieder Zeit<br />

für ein literarisches Werkstattgespräch zum<br />

Thema „Performance, Pointen und Politik“.<br />

Ein wilder, literarischer Haufen beehrt dann<br />

am Montag, den 30. Oktober um 19:30 Uhr<br />

die Wagner’sche, wenn die neueste Anthologie<br />

„Slam Oida!“ präsentiert wird. Herausgegeben<br />

und natürlich auch präsentiert<br />

und moderiert von Mieze Medusa und dem<br />

dienstältesten Slammer Österreichs,<br />

Mr. Markus Köhle.<br />

Zu Gast ist alles, was das Tiroler Slammerherz<br />

begehrt: Stefan Abermann, Martin<br />

Fritz, Käthl, Markus Koschuh, Rebecca<br />

Heinrich u.e.a. Und auch ein Überraschungsgast<br />

soll sich angesagt haben, aber<br />

wir verraten nix ;-), selber kommen!<br />

Den zwei Herausgebern, die auch als<br />

schreibendes Paar die Aufmerksamkeit<br />

des Literaturhauses am Inn erregt haben,<br />

ist dann der Abschlussabend gewidmet.<br />

Am Donnerstag, den 14. Dezember wird<br />

um 19 Uhr zum „Paarlauf“ geladen, und<br />

zwar in die Caféteria im Erdgeschoß des<br />

Literaturhauses in der Josef-Hirn-Straße 10.<br />

Aber keine Angst, dazwischen und danach<br />

gibt es regelmäßig den Poetry Slam in<br />

der Bäckerei, und wann Markus Köhle<br />

sonst noch wo ist, das entdecken Sie auf<br />

seiner toll gestalteten Homepage:<br />

www.autohr.at.<br />

Markus-Köhle-<br />

Schwerpunkt<br />

in Innsbruck:<br />

Mittwoch, 11. Oktober 2017,<br />

19 Uhr – Stadtbücherei<br />

Innsbruck, Colingasse 5a<br />

Grenzgänge X „Performance,<br />

Pointen und Politik“.<br />

Markus Köhle & Antonio Fian im<br />

Gespräch mit Klaus Zeyringer<br />

Montag, 30. Oktober 2017,<br />

19:30 Uhr – Wagner’sche,<br />

Museumstraße 4<br />

Buchpräsentation<br />

„Slam Oida!“ – u. a. mit<br />

Markus Köhle, Mieze Medusa,<br />

Stefan Abermann, Martin Fritz,<br />

Käthl, Markus Koschuh,<br />

Rebecca Heinrich u.e.a und<br />

Überraschungsgast!<br />

Donnerstag, 14. Dezember 2017,<br />

19 Uhr – Literaturhaus,<br />

Caféteria im Erdgeschoß,<br />

Josef-Hirn-Straße 10<br />

Paarlauf – Markus Köhle<br />

& Mieze Medusa lesen und<br />

legen auf.<br />

Mieze Medusa<br />

Antonio Fian


Erzählen und erzählen lassen<br />

John Burnsides neuer Roman wirft ein Licht auf die<br />

vergessene Geschichte der USA jenseits von Hollywood.<br />

Von Christine Lötscher<br />

© Olivier Roller (Burnside), Antonia Mayer (Kasal)<br />

Literatur ist<br />

kein Spiel für<br />

Regentage; sie<br />

entsteht unter<br />

Lebensgefahr.<br />

24<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

25<br />

„Ashland & Vine“, der magisch klingende<br />

Titel des neuen Romans von John Burnside,<br />

erscheint zunächst ganz und gar mysteriös.<br />

Denn wir folgen Kate, einer Studentin der<br />

Filmwissenschaft, die nicht aus der Trauer<br />

um ihren toten Vater herauskommt und<br />

sich in einem Teufelskreis bewegt, durch<br />

ihren ebenso eintönigen wie verzweifelten<br />

Alltag: „Sich betrinken, nüchtern werden,<br />

paranoid werden, sich wieder betrinken.“<br />

Zufällig trifft sie auf ihre Scheherazade, die<br />

erzählend sich selbst und ihre Zuhörerin<br />

rettet: eine viel ältere Frau namens Jean<br />

Culver, die wie die Hexe aus dem Märchen<br />

allein in einem Haus im Wald wohnt. Sie<br />

mästet und kocht ihre Besucherin aber<br />

nicht, sondern holt sie im Gegenteil aus<br />

ihrer Hölle heraus – um sie in eine Familiengeschichte<br />

voller Traumata eintauchen<br />

zu lassen. Aus Jeans Erzählungen erfahren<br />

wir, dass es sich bei „Ashland & Vine“<br />

um eine Straßenkreuzung handelt, Ecke<br />

Ashland und Vine in St. Louis, Missouri.<br />

Der Mord an einem Rechtsanwalt und<br />

Gegner der Rassentrennung, der sich dort<br />

vor Jahrzehnten ereignet hatte, ist Teil einer<br />

vergessenen Geschichte Amerikas, ein<br />

Brennpunkt auf der Landkarte dessen, was<br />

in der Hollywood-Version der US-amerikanischen<br />

Geschichte nicht vorkommt. Der<br />

Mann, der an der Ecke Ashland & Vine<br />

ermordet wurde, ist Jeans Vater. Doch das<br />

ist erst der Anfang ihrer Leiden, die aufs<br />

Engste mit der Geschichte der Südstaaten<br />

verbunden sind. Burnside tastet schreibend<br />

nach unsichtbaren Verbindungen unter der<br />

Oberfläche der Dinge, die wir zu kennen<br />

glauben; und obwohl er scheinbar konventionell<br />

erzählt, entziehen sich vermeintliche<br />

Wahrheiten einem handfesten Zugriff.<br />

Denn Burnside ist ein Erzähler, der<br />

niemals mit großen Worten und aufgeblasenen<br />

Begriffen operiert; das überlässt<br />

er den Rezensenten – und seinen Figuren.<br />

Zumindest einer von ihnen: Laurits, ein<br />

Filmemacher, der sich lieber als Anthropologe<br />

bezeichnet, verfolgt in seinen<br />

Film-Collagen den Anspruch, ein Gegennarrativ<br />

zu den Geschichten zu weben,<br />

die Hollywood anbietet. Dazu schickt er<br />

Kate, mit der er in einem asymmetrischen<br />

Arrangement zusammenlebt, aus, um ganz<br />

normale Menschen über ihr Leben und<br />

ihre Träume zu befragen. Doch während<br />

Laurits als stolzer Theoretiker des originellen<br />

Projekts in seinen eigenen Redewolken<br />

verschwindet, werden die Gespräche zwischen<br />

Kate und Jane zu einer existentiellen<br />

Begegnung.<br />

Erzählen und erzählen lassen – das<br />

Ethos des Schreibens, wie es der Schweizer<br />

Dichter Klaus Merz in seiner <strong>No</strong>velle<br />

„Der Argentinier“ (Haymon 2009) formulierte,<br />

trifft auch den Kern der Poetik<br />

von Burnsides „Ashland & Vine“. Ohne<br />

Laurits’ theoretisches Konzept wäre Kate<br />

ihrer Scheherazade nie begegnet – denn das<br />

Erzählen hat seinerseits eine Geschichte,<br />

die reflektiert werden muss, um sich immer<br />

wieder neu zu realisieren. Doch ohne ihre<br />

eigene Fähigkeit, sich mit Haut und Haar<br />

auf einen anderen Menschen einzulassen,<br />

hätte Jeans Geschichte nicht erzählt werden<br />

können.<br />

Der letzte Prosatext von John Burnside, der<br />

auf Deutsch erschienen ist, war der zweite<br />

Teil seiner Autobiographie. In „Wie alle<br />

anderen“ erzählt der schottische Dichter,<br />

Romancier und Essayist, wie er, der Sohn<br />

eines gewalttätigen Alkoholikers, gegen die<br />

Versuchung kämpft, selbst in der Drogensucht<br />

unterzugehen. Doch das Projekt, ein<br />

„normales“ Leben zu führen, mit regelmäßigen<br />

Arbeitszeiten und gebügelten Hemden,<br />

verwandelt sich in etwas Unvorhergesehenes:<br />

Burnside wird zum Dichter. Unter<br />

seinen Augen wird das Alltägliche auf<br />

eine andere Welt hin durchsichtig, und aus<br />

der „wilden, gnadenlosen Suche nach der<br />

einen allumfassenden Ordnung“ entwickelt<br />

sich ein Sensorium für zarte, unsichtbare<br />

Verbindungen.<br />

Die Ich-Erzählerin aus „Ashland &<br />

Vine“ ist eine Verwandte des Dichters in<br />

seiner Verpuppungs- und Verwandlungsphase.<br />

Literatur, das lernen wir in jedem<br />

Prosatext von John Burnside aufs Neue, ist<br />

kein Spiel für Regentage; sie entsteht unter<br />

Lebensgefahr.<br />

Buchtipps:<br />

John Burnside:<br />

Ashland & Vine (Roman)<br />

Knaur Verlag, 416 S., € 24,70<br />

John Burnside:<br />

Wie alle anderen (Roman)<br />

Knaur Verlag, 320 S., € 20,60<br />

John Burnside:<br />

Anweisungen für eine<br />

Himmelsbestattung (Gedichte)<br />

Hanser Verlag, 300 S., € 22,70<br />

Buchpräsentation:<br />

John Burnside liest<br />

Moderation & Gespräch:<br />

Christine Lötscher<br />

Deutsche Stimme:<br />

Gerhard Kasal<br />

Donnerstag, 9. <strong>No</strong>vember 2017,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

in Zusammenarbeit mit<br />

8ungKultur<br />

Gerhard Kasal


Ein Schwein, zwei Hauptstädte<br />

und ein vielfältiges Europa<br />

Robert Menasse, einer der elegantesten Denker des Landes,<br />

hat nun den Roman der Saison vorgelegt. Von Robert Renk<br />

© Rafaela Proell<br />

Buchtipps:<br />

Der Tod ist<br />

das Einzige, was<br />

wir ganz sicher<br />

von der Zukunft<br />

wissen.<br />

Robert Menasse:<br />

Die Hauptstadt<br />

Suhrkamp, 459 S., € 24,70<br />

<strong>No</strong>miniert für die Shortlist des<br />

Deutschen Buchpreises 2017<br />

Robert Menasse:<br />

Der Europäische Landbote –<br />

Die Wut der Bürger und der<br />

Friede Europas<br />

Herder, 112 S., € 8,20<br />

Robert Menasse<br />

26 Wagner’sche.<br />

Mitten in Brüssel und mit dem Satz<br />

„Da läuft ein Schwein!“ beginnt der Roman<br />

„Die Hauptstadt“. Das Schwein – so viel<br />

sei verraten – läuft de facto durch den<br />

gesamten Roman, mal tatsächlich, mal als<br />

Metapher. Es wird symbolisch vorgeführt,<br />

um das drohende Ende des Qualitäts- sowie<br />

die Grenzen des plumpen Boulevardjournalismus<br />

aufzuzeigen. Und in Teilen steht<br />

es vor allem als Symbol der Schwachstellen<br />

der EU.<br />

Da läuft also ein schmutziges, rosa<br />

Hausschwein durch die Innenstadt von<br />

Brüssel! Kunstvoll verbindet Menasse<br />

dadurch schon im Prolog die wichtigsten<br />

Figuren des Romans und stellt sie dem<br />

Leser vor.<br />

Wir begegnen David de Vriend, dem ehemaligen<br />

Lehrer, der auch einer der letzten<br />

Überlebenden von Auschwitz ist. Er steht<br />

am Fenster seiner leeren Wohnung und<br />

bereitet sich auf die Übersiedlung in eine<br />

Altersresidenz vor, eine mit EU-Mitteln<br />

umgebaute alte Manufaktur für Grabsteine.<br />

Kai-Uwe Frigge, deutscher Kabinettschef<br />

in der Generaldirektion für Handel der EU,<br />

sitzt im Taxi am Weg zu Fenia Xenopoulou,<br />

der Kommunikationschefin für Kulturangelegenheiten,<br />

mit der er ebenso privat sehr<br />

gut kommuniziert. Und da ist auch Ryszard<br />

Oswiecki, der gerade im Hotel Atlas seiner<br />

Tätigkeit als Auftragskiller nachgegangen<br />

und nun auf der Flucht ist. Nicht vor dem<br />

Schwein, sondern vor seinen Auftraggebern,<br />

einer Art katholischen Geheimdienst.<br />

Auch Martin Susman, österreichischer<br />

EU-Beamter wird des Schweins gewahr,<br />

ebenso sein Landsmann, eine der interessantesten<br />

Figuren des Romans, nämlich<br />

Professor Alois Erhart. Der Ökonom ist<br />

zum obskuren Think-Tank „New Pact for<br />

Europe“ eingeladen, wird sich mit einem<br />

Knalleffekt aus selbigem entfernen, bevor er<br />

mit einem weiteren Knalleffekt vom Autor<br />

aus der Geschichte befördert wird.<br />

Und Kommissar Brunfaut, der darf<br />

nicht fehlen. Sein Großvater war ein<br />

berühmter Widerstandskämpfer und nun –<br />

nachdem ihm der Fall des Toten im Hotel<br />

Atlas entzogen wird – übt er sich selbst ein<br />

wenig in Widerstand.<br />

Sie alle werden es im Roman miteinander<br />

zu tun bekommen, hauptsächlich durch<br />

ein „EU-Jubilee-Project“. Ein Projekt, von<br />

der Idee getragen, auf die Gründungsnotwendigkeit<br />

der EU zu verweisen. Auf den<br />

Satz: „Nie wieder!“, weil doch das Ziel einer<br />

europäischen Friedensordnung nach 1945<br />

darin bestanden habe, in Europa Krieg,<br />

Terror und Diktatur zu verhindern. Nie<br />

wieder Auschwitz also und Auschwitz ist<br />

die Schattenhauptstadt dieses Romans.<br />

Wie Vieles, scheitert auch dieses Projekt<br />

an persönlichen Eitelkeiten, nationalistischen<br />

Bestrebungen und lobbyistischen<br />

Spielchen.<br />

Die These, die Robert Menasse in seinem<br />

brillanten Essay „Der europäische Landbote“<br />

postulierte: „Entweder geht das<br />

Europa der Nationalstaaten unter, oder<br />

es geht das Projekt der Überwindung der<br />

Nationalstaaten unter“, untermalt er nun<br />

genüsslich mit dem inszenierten Scheitern<br />

dieses und anderer Projekte.<br />

Mit verschiedensten Zangen packt<br />

Menasse das Thema EU an, genussvoll<br />

und kenntnisreich, dreht und wendet es,<br />

macht es anschaulich, persönlich, ja zutiefst<br />

menschlich, spielt es satirisch, wissend,<br />

hochintelligent und oft sehr nah am<br />

Realen. Dabei kommen auch die Teile des<br />

Schweins wieder auf den Tisch, nämlich die<br />

Schweins ohren, die in China als Delikatesse<br />

gehandelt werden. Gleich mehrere Nationalwirtschaften<br />

buhlen um diesen Markt,<br />

natürlich entgegen der gemeinsamen Interessen<br />

– nämlich der des nachnationalen<br />

Staatenbundes und der Wirtschaftsmacht<br />

Europa.<br />

Am witzigsten und treffendsten ist<br />

Menasse dann, wenn er das Machtgefüge<br />

und die Verstrickungen der EU personalisiert.<br />

Da bekommen die Engländer ihr Fett<br />

weg, genauso wie die Ungarn und natürlich<br />

die Österreicher:<br />

„Vom österreichischen Außenminister<br />

traf eine <strong>No</strong>te beim Präsidenten des Europäischen<br />

Rats ein, die unmissverständlich<br />

klarmachte, dass die Republik Österreich<br />

dafür und dagegen sei“, heißt es wunderbar<br />

auf Seite 334.<br />

Da gibt es Familiendramen und zarte<br />

Liebesgeschichten, Auto- und Zugunfälle,<br />

absurde Erlebnisse in Auschwitz und eigenartige<br />

Zugehörigkeitsprobleme, die sich als<br />

karrierehinderlich entpuppen. Und immer,<br />

wenn sich gelungene Pointen und profunde,<br />

praktizierte Sprachskepsis ausruhen,<br />

dann wird es still und ernst im Text. Dann<br />

bekommt der Tod seinen Raum.<br />

Es beginnt schon damit, dass zahlreiche<br />

Begegnungen in Brüssel am städtischen<br />

Friedhof stattfinden, der farbiger geschildert<br />

wird als jedes EU-Gebäude (man kann<br />

den Roman übrigens durchaus auch mit<br />

Genuss als persönlichen Stadtführer lesen).<br />

Vor allem wird sehr viel über den Tod<br />

nachgedacht.<br />

Die Selbstmordgedanken von Prof.<br />

Erhart stimmen uns ein, die Todesliste<br />

von De Vriend führt uns ans bittere Ende.<br />

Besonders gelungen beschrieben sind die<br />

Gedanken über das Sterben des Schweinegroßbauern<br />

Florian Susman nach seinem<br />

Unfall. Denn seit er dem Tod entronnen<br />

war, musste er sich endlich mit ihm beschäftigen.<br />

Robert Menasse meint dazu in einem<br />

Gespräch: „Der Tod ist das Einzige, was wir<br />

ganz sicher von der Zukunft wissen. Das<br />

und den Seelenfrieden, dachte ich, muss<br />

man mitdenken, wenn wir vom Zukunftsund<br />

Friedensprojekt reden. Und: In diesen<br />

Tagen und Wochen sterben die letzten Zeitzeugen,<br />

die die Katastrophe erlebt haben<br />

oder die Konsequenzen der Katastrophe<br />

noch gesehen haben, die zur Gründung des<br />

Europäischen Einigungsprojekts geführt<br />

haben. Mit anderen Worten: Wir spazieren<br />

auf Friedhöfen und versuchen uns zu erinnern,<br />

was die wollten, die da liegen …“<br />

Und so gerät der Roman am berührendsten,<br />

wenn Menasse in das biografische<br />

Terrain dieser Zeitzeugen vordringt.<br />

Allein die Figur von David de Vriend hätte<br />

einen eigenen Roman verdient. Und was<br />

hat Robert Menasse verdient: den deutschen<br />

und den österreichischen Buch preis<br />

und nächstes Jahr endlich den Büchnerpreis!<br />

Buchpräsentation:<br />

Robert Menasse:<br />

Die Hauptstadt<br />

Mo., 20. <strong>No</strong>vember 2017,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Klaus Zeyringer<br />

in Zusammenarbeit mit 8ungKultur


„Ich bin nur eine Stimme<br />

in deinem Kopf“<br />

„Statusmeldungen“ von Stefanie Sargnagel.<br />

Von Mieze Medusa<br />

Es ist so<br />

anstrengend,<br />

der klügste<br />

Mensch der<br />

Welt zu sein.<br />

Stefanie Sargnagel<br />

29<br />

© Goll<br />

Bücher seit 1639<br />

28 Wagner’sche.<br />

Mein erstes Sargnagel-Post kann ich nicht<br />

korrekt zitieren, weil meine Finger beim<br />

Scrollen in die Vergangenheit schon im August<br />

wehtun und ich, wie die anderen auch,<br />

seit einigen Jahren bei der Sargnagel mitlese.<br />

Mit „Statusmeldungen“ liegt ihr drittes<br />

Buch vor. Darin finden sich ihre Posts vom<br />

Oktober 2015 bis Februar 2017. In dieser<br />

Zeit ist im Leben von Stefanie Sargnagel<br />

viel passiert: Weltruhm, Bachmannpreisteilnahme,<br />

kurz danach kam Babykatzengate.<br />

Die Welt hat sich ein Bild von der Sargnagel<br />

gemacht. Ich auch: Ich finde das Buch so<br />

hinreißend wie die Autorin selbst.<br />

Der Dialog, der tut,<br />

als wäre er ein Monolog<br />

Stefanie Sargnagel ist fleißig. Sie postet<br />

mehrmals täglich, dann wieder ein paar<br />

Tage nicht. Sie schreibt Literatur für<br />

Menschen, die mit dem Handy in der Hand<br />

an Bushaltestellen darauf warten, dass das<br />

Leben endlich weitergeht. Im Zentrum des<br />

Buches steht Stefanie Fröhlich. Sie ist neurotisch<br />

und zynisch und lässt sich jeden Tag<br />

wieder von der Welt fassungslos machen.<br />

In tragenden Nebenrollen: Martin Witzmann,<br />

der perfekte Partner dieser Stefanie,<br />

schon allein, weil er ihre Weltsicht bedingungslos<br />

teilt und trotzdem Streit sucht.<br />

Die Menschen, die im Callcenter anrufen,<br />

in dem Stefanie Fröhlich jobbt. Die Menschen<br />

in den Callcenters, die Stefanie<br />

Fröhlich anruft, weil wieder irgendwas mit<br />

der Bankomatkarte los ist. Die Menschen,<br />

die Künstler, die Junkies der Stadt, durch<br />

die sie flaniert. Allesamt so größenwahnsinnig<br />

wie sie selbst: „21.9.2015 Es ist so<br />

anstrengend, der klügste Mensch der Welt<br />

zu sein.“ Oder: „21.9.2015 Ich verfolge<br />

diese ORF-Kunstsendung nur so nebenbei:<br />

Ich könnte spontan nicht sagen, welcher<br />

alte Mann jetzt wer ist.“<br />

Stefanie Sargnagel ist respektlos. Pflichtbewusst<br />

bricht sie jedes Tabu. Dabei gilt:<br />

Je extremer der Inhalt, desto braver die<br />

Sprache. Sprachlich dreist ist sie vor allem<br />

beim Kommentieren von TV-Sendungen<br />

oder harmlosen Beobachtungen. Wir<br />

lachen mit ihr, wenn sie darüber nachdenkt,<br />

wie es für die Frau ist, die nach ihr aufs<br />

Klo geht. Wir lachen, wenn sie im Café<br />

Weidinger sitzt, in die Bibliothek geht oder<br />

über Modelleisenbahnmessen nachdenkt.<br />

Wir nicken zustimmend, weil schon wieder<br />

Herbst ist: „25.9.2015 Regnerisches Herbstwetter<br />

ist der Sommerurlaub der depressiv<br />

Verstimmten. Da lacht das Herz, wenn vor<br />

dem Fenster alles grau, karg und nass ist.“ –<br />

Zu harmlos?: „4.3.2016 Witzmann während<br />

des Hitler doku-Schauens mit Kinder-Schokobonbons<br />

zu füttern, erregt mich.“<br />

Mit lakonischen Kurzmeldungen dieser<br />

Art, Die Zeit nennt das Aphorismen und<br />

hat nicht ganz Unrecht, hat sich Stefanie<br />

Sargnagel ein Riesenpublikum erschrieben.<br />

Vor allem auch in Deutschland. Was für<br />

eine Leistung! Schließlich ist ihre Sprache<br />

so österreichisch, dass sie Chips gelegentlich<br />

Rohscheiben nennt. Ich musste das<br />

googeln. <strong>No</strong>chmal skurriler wird der Erfolg,<br />

wenn man bedenkt, wie lokalpolitisch die<br />

Statusmeldungen sind: Der Häupl streitet<br />

mit Strache, der Lugner, der Grasser und<br />

die Fiona tanzen durch die Zeilen und überhaupt<br />

ist alles diaf. In einem Regionalkrimi<br />

würde man das Lokalkolorit nennen. Weil<br />

keine Morde aufgeklärt werden müssen,<br />

damit sich ein Buch international verkauft,<br />

nennen wir es einfach Schmäh.<br />

Über was sich die Leut<br />

so aufregen<br />

Mit den Leuten meine ich Internet-Trolle,<br />

die FPÖ und die Kronenzeitung. Wem das<br />

Babykatzengate entgangen ist, der befragt<br />

bitte das Internet. Oder wie Stefanie Sargnagel<br />

sagen würd: „Oida! Bitte googelt es …“<br />

Endlich wieder eine Autorin, die das<br />

Land so wütend macht wie der Bernhard<br />

oder die Jelinek. Interessante Parallele:<br />

Auch beim Heldenplatz wundere ich mich<br />

immer. Darüber regen sich die Leute auf?<br />

Das ist doch urlustig!<br />

Fast forward zur Sargnagel. Wie jeder<br />

gute Humor sind ihre Witze unparteiisch.<br />

Klar, ihr Weltbild ist aus den Zeilen leicht<br />

rauszulesen, aber Witze macht sie über<br />

jeden. Sie macht sie über Stärkere, nie<br />

über Schwächere und die härtesten Witze<br />

macht sie über sich selbst. Holt euch also<br />

das Buch, schon allein, weil es jederzeit<br />

passieren kann, dass Stefanie Sargnagel<br />

eine gute Anwältin braucht, die sie vor<br />

dem frauenverachtenden Mob im Internet<br />

schützt. Oder eine Burschenschaft, die<br />

zu ihr steht. Moment, die gibt es schon.<br />

Die Burschenschaft Hysteria ist die feministische<br />

Antwort auf alle Seilschaften, die in<br />

Österreich so mühsam sind.<br />

<strong>No</strong>ch was: Klar kann man das Schaffen<br />

von Stefanie Sargnagel auch gratis im Internet<br />

lesen. Das Buch ist besser: Niemand<br />

quatscht dazwischen, niemand schaltet<br />

Werbung und der edle Leinenumschlag<br />

ist blitzblau mit einer Sonne drauf,<br />

die aussieht, als würde sie gleich speiben.<br />

Für Wienfremde gibt es übrigens ein<br />

Glossar.<br />

Die zitierten Zeilen sind übrigens auf<br />

S. 76, S. 52, S. 53, S. 55 und S. 137 zu finden.<br />

Buchtipp:<br />

Stefanie Sargnagel:<br />

Statusmeldungen<br />

Rowohlt, 304 S., € 20,60<br />

Buchpräsentation:<br />

Stefanie Sargnagel:<br />

Statusmeldungen<br />

Fr., 10. <strong>No</strong>vember 2017,<br />

20:05 Uhr,<br />

Treibhaus<br />

Eintritt: € 15,– / 18,–<br />

www.treibhaus.at


Die Knickerbocker-Bande<br />

wird erwachsen<br />

Die Tiroler Tageszeitung lädt gemeinsam mit der<br />

Wagner’schen zur Buchpräsentation für alle jungen und jung<br />

gebliebenen Fans, denn es gibt Neues von Thomas Brezina!<br />

Von Simone Winter<br />

Vier<br />

Knickerbocker<br />

lassen niemals<br />

locker!<br />

Thomas Brezina<br />

Nun ist es da, das neue<br />

Abenteuer, was mich als<br />

dreifachen Vater, fünffachen<br />

Großvater und Riesenfan der<br />

Knickerbocker-Bande besonders<br />

freut. Ein Tipp an alle<br />

Mit-Fans: Das tollste Leseerlebnis<br />

gibt’s in echter haptischer<br />

Buchform, ganz offline!<br />

Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender<br />

Moser Holding AG<br />

Haben Sie als Kind auch Thomas Brezinas<br />

Knickerbocker-Bande gelesen, oder haben<br />

Sie die Abenteuer von Poppi, Dominik, Axel<br />

und Lilo Ihren Kindern vorgelesen? Nun<br />

werden die Kinderbuch-Helden erwachsen!<br />

Was ist aus ihnen geworden?<br />

20 Jahre sind vergangen und die Knickerbocker<br />

sind erwachsen geworden. Der<br />

Kontakt zwischen ihnen ist ziemlich<br />

abgebrochen, nach einem Streit, den sie<br />

als Jugendliche hatten und nicht vergessen<br />

konnten. Nun werden sie zu einem Treffen<br />

geladen, das keiner von ihnen absagen<br />

kann und will – und so beginnt Thomas<br />

Brezinas neues Buch „Knickerbocker4immer<br />

– Alte Geister ruhen unsanft“.<br />

So wie die Knickerbocker in die besten<br />

Jahre gekommen sind, so hat sich auch das<br />

Rad der Zeit für ihre Leserinnen und Leser<br />

gedreht – aber die Lust ist geblieben, kriminalistischen<br />

Spürsinn zu beweisen und der<br />

Geschichte der vier Immer-<strong>No</strong>ch- Hobby-<br />

Detektive zu folgen. Und es wird auch<br />

ein Geheimnis gelüftet, das alle früheren<br />

Knickerbocker-Erlebnisse unter einem<br />

anderen Licht erscheinen lässt.<br />

Thomas Brezina wurde 1963 in Wien<br />

geboren. Er ist Kinder- und Jugendbuchautor,<br />

Drehbuchautor, Fernsehmoderator und<br />

Produzent. Im Alter von 15 Jahren gewann<br />

er bereits den „Großen Österreichischen<br />

Jugendpreis“ für die Drehbücher zur Puppenserie<br />

„Tim, Tom und Dominik“. Seitdem<br />

arbeitet Thomas Brezina federführend<br />

für das österreichische Kinderfernsehen.<br />

Mit seinen Buchreihen wie „Die Knickerbocker-Bande“,<br />

„Ein Fall für dich und<br />

das Tiger-Team“ und „Tom Turbo“ gilt<br />

er weltweit als einer der erfolgreichsten<br />

Autoren. Viele seiner Bücher sind Longund<br />

Bestseller und werden in Auflagen in<br />

Millionenhöhe verkauft. Sie sind bisher in<br />

über 35 Sprachen und mehr als 40 Ländern<br />

erschienen und in China sind sie sogar<br />

erfolgreicher als „Harry Potter“.<br />

Seit 2008 ist Thomas Brezina der kreative<br />

Motor und Produzent von „okidoki“<br />

(okidoki.ORF.at), dem Kinderprogramm<br />

des ORF. Seine Sendungen werden und<br />

wurden nicht nur auf ORF, sondern auch<br />

auf Arte, Al Jaazera Children, KiKa, Nick,<br />

DaVinci Learning und SuperRTL ausgestrahlt.<br />

Thomas Brezina engagiert sich für<br />

Tiertherapien, den Kampf gegen Kinderarmut<br />

und Schulaktionen und ist seit<br />

1996 offizieller Botschafter von UNICEF<br />

Österreich.<br />

Buchtipp:<br />

Thomas Brezina:<br />

Knickerbocker4immer –<br />

Alte Geister ruhen unsanft<br />

Ecowin Verlag,<br />

ca. 400 S., € 18,–<br />

Erscheint am 9. <strong>No</strong>vember 2017<br />

Buchpräsentation:<br />

Thomas Brezina:<br />

Knickerbocker4immer –<br />

Alte Geister ruhen unsanft<br />

Freitag, 17. <strong>No</strong>vember 2017,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

gemeinsam mit der<br />

Moser Holding / TT<br />

© Tom Storyteller GmbH<br />

30<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

31


Vom Leben in den<br />

Wäldern und Höhen<br />

Auf den Spuren von Henry David Thoreau und seinen<br />

weiblichen Erben in den Schweizer Alpen. Von Bernd Schuchter<br />

Buchtipps:<br />

Frank Schäfer:<br />

Henry David Thoreau.<br />

Waldgänger und Rebell<br />

Suhrkamp Verlag,<br />

253 S., € 17,50<br />

Daniela Schwegler:<br />

Landluft. Bergbäuerinnen<br />

im Porträt<br />

Rotpunkt Verlag, 256 S., € 38,–<br />

© Design Hintergrundgrafik by helios.bz<br />

„Seine Sinne waren scharf, sein Körperbau<br />

drahtig und zäh, seine Hände kräftig und<br />

geschickt im Umgang mit Werkzeugen.<br />

Sein Körper und sein Geist befanden sich<br />

auf wunderbare Weise im Einklang.“ So<br />

beschreibt Ralph Waldo Emerson seinen<br />

Dichterfreund Henry David Thoreau,<br />

dessen Geburtstag sich heuer zum zweihundertsten<br />

Mal jährt und dem zum<br />

Internationalen Tag der Berge in der<br />

Wagner’schen ein Abend gewidmet wird.<br />

Der deutsche Journalist und Autor<br />

Frank Schäfer hat Henry David Thoreau<br />

eine wunderbar launige Biografie gewidmet<br />

und nennt den amerikanischen Schriftsteller<br />

einen „Waldgänger und Rebellen“,<br />

schließlich wurde Thoreaus Buch Walden.<br />

Vom Leben in den Wäldern zur Bibel einer<br />

ganzen Generation von Aussteigern, die in<br />

der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts<br />

das einfache Leben auf dem Land<br />

suchten.<br />

Dabei war Thoreaus Lebensphase fernab<br />

der Zivilisation – er verbrachte knapp zwei<br />

Jahre in einer selbstgebauten Hütte am<br />

Waldensee und lebte mehr oder weniger von<br />

dem, was er selbst anbaute – für ihn selbst<br />

mehr ein Experiment und eine Antwort auf<br />

die Frage, wie weit man sich selbst bescheiden<br />

kann, während man dennoch gut lebt;<br />

Reduktion der eigenen Bedürfnisse anstelle<br />

des Strebens nach mehr Luxus, Gütern,<br />

Wohlstand also. Vor allem geht es um ein<br />

Leben in Einklang mit der Natur, deren<br />

genauer Beobachter Thoreau ein Leben<br />

lang war. In Emersons Worten: „Er zog es<br />

vor, so wie es ihm vernünftig schien, ein<br />

Junggeselle des Denkens und der Natur<br />

zu sein.“<br />

Das alles trifft in ähnlicher Form auch<br />

auf die zwölf Bergbäuerinnen zu, die Daniela<br />

Schwegler in ihrem neuen Buch Landluft<br />

porträtiert. Dazu begleitete die Autorin die<br />

Frauen in ihrem Alltag in den Schweizer<br />

Alpen, teilte das zum Teil karge Leben auf<br />

den Bergbauernhöfen und fragte nach<br />

den Wünschen, Träumen und Problemen,<br />

die so ein Leben mit sich bringt. Schwegler<br />

erzählt von der Liebe zu den Tieren und<br />

den Sorgen um das liebe Geld und davon,<br />

dass das Leben in den Alpen so gar nichts<br />

mit dem Traum vom Aussteigen zu tun hat.<br />

Während Thoreau seinen Selbstversuch<br />

nach zwei Jahren ohne große Reue beendete,<br />

haben sich Schweglers Bergbäuerinnen<br />

in ihrem hochalpinen Experiment für ein<br />

ganzes Leben eingerichtet – freiwillig und<br />

ganz nah an einer Natur, deren Wildheit<br />

widrig sein kann. Stephan Bösch setzte mit<br />

seinen Fotografien – in Ergänzung zu den<br />

einfühlsamen Texten von Daniela Schwegler<br />

– dieses oft karge Leben in großformatigen<br />

Bildern eindrucksvoll in Szene.<br />

Frank Schäfer, geboren 1966, lebt als Schriftsteller,<br />

Musik- und Literaturkritiker in Braunschweig.<br />

Er schreibt für taz, Neue Zürcher Zeitung, Rolling<br />

Stone u. a. Neben Romanen und Erzählungen<br />

erschienen diverse Essaysammlungen und Sachbücher,<br />

zuletzt die Biografie Henry David Thoreau.<br />

Waldgänger und Rebell (Suhrkamp 2017) sowie<br />

der Roman Hühnergötter (2017).<br />

Daniela Schwegler, geboren 1970, ist Juristin und<br />

seit 2010 freischaffende Journalistin. Sie liebt es,<br />

Menschen zu begegnen und sie zu porträtieren;<br />

in ihrer Freizeit ist sie, wann immer möglich, in den<br />

Bergen unterwegs. Veröffentlichungen: Traum Alp<br />

(2013); Bergfieber (2015), Landluft. Bergbäuerinnen<br />

im Porträt (2017). Daniela Schwegler lebt in Widnau.<br />

Buchpräsentation<br />

und Doppellesung<br />

zum Internationalen<br />

Tag der Berge:<br />

Frank Schäfer und Daniela<br />

Schwegler stellen ihre Bücher<br />

vor; anschließend Podiumsdiskussion<br />

über das Leben<br />

in der Natur.<br />

Mo., 11. Dezember 2017,<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Bernd Schuchter<br />

Eine Veranstaltung anlässlich<br />

des Internationalen Tages der<br />

Berge in Zusammenarbeit mit<br />

der Wagner’schen Buchhandlung<br />

und der Alpenkonvention.<br />

32 33<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

wagnersche.at<br />

Der Online-Shop der Wagner’schen.<br />

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Artikel<br />

2. Rezensionen<br />

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Wagner’sche bringt’s.<br />

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7 × Fragen an Sabine Algosaibi<br />

Im Mai blieben viele Leute jeglichen Alters gleich vor dem<br />

ersten Schaufenster stehen. Oft minutenlang. Ihnen entgegen<br />

blickte ein buntes Drachenwesen, eine merkwürdig faszinierende<br />

Skulptur der in Innsbruck geborenen Künstlerin Sabine<br />

Algosaibi, die nun unser neues Cover ziert. Gleich der Hauptfigur<br />

ihres Buchtipps – Ayaan Hirsi Ali – ist sie eher <strong>No</strong>madin<br />

denn sesshaft. Von Gracia Kasenbacher-Harar<br />

Wir mussten<br />

Bücher damals<br />

schmuggeln.<br />

Sabine Algosaibi<br />

Womit kann man Sie<br />

bestechen?<br />

Intensität, Leidenschaft,<br />

Farben (grün, orange, violett).<br />

Wobei vergessen Sie<br />

völlig die Zeit?<br />

Tanzen, da verliere ich mich,<br />

und natürlich beim Malen.<br />

Was bewundern Sie an<br />

anderen Frauen?<br />

Charakterstärke, Humor und<br />

Sensibilität für das Leben.<br />

Ich mag Frauen.<br />

Mit welcher berühmten<br />

Person, lebend oder schon<br />

gestorben, würden Sie<br />

gerne noch ein Gläschen<br />

heben?<br />

Mit Nelson Mandela.<br />

Was würden Sie gerne tun,<br />

wenn es nicht verboten<br />

wäre?<br />

Moralisch ist es heutzutage<br />

fast verboten zu sagen, dass<br />

es in Saudi Arabien viele<br />

tolle Leute gibt. Gleichzeitig<br />

ist das Leben in Saudi Arabien<br />

knallhart. Keine Kunst,<br />

keine Filme, keine Bücher!<br />

Wir mussten Bücher damals<br />

schmuggeln.<br />

Sie verbringen eine Nacht<br />

in der Wagner’schen.<br />

Über welches Buch<br />

gebeugt würde man Sie<br />

in der Früh finden?<br />

Ich würde zwischen Stapeln<br />

und Bergen von Kunstbüchern<br />

am Boden sitzen<br />

und alles aufsaugen.<br />

Welches geliehene<br />

Buch haben Sie nie<br />

zurückgegeben?<br />

Ich habe nie ein Buch<br />

behalten.<br />

Sabine Algosaibi, 1961 in Innsbruck geboren.<br />

Mit 6 Jahren übersiedelte sie mit ihren Eltern nach<br />

Südafrika, in weiterer Folge bereiste sie den Süden<br />

Afrikas ausführlich. Sie sah den Kontinent durch<br />

Kinderaugen – die Farben, Gerüche, Formen und<br />

Menschen – und verliebte sich in Land & Leute.<br />

Mit Mitte Zwanzig zog sie auf die Arabische Halbinsel<br />

und war wiederum beeindruckt von einer<br />

neuen, fremden Kultur, die ihre Sinne bombardierte<br />

und stimulierte.<br />

Durch all ihre Eindrücke und Erlebnisse hat die<br />

Künstlerin einen unverwechselbaren Stil entwickelt,<br />

farbig und erdig, wie sie es im ländlichen Afrika<br />

erlebte, und symbolhaft und figurativ, wie sie die<br />

Jahre im arabischen Raum geprägt haben.<br />

www.sabruck.com<br />

Buchtipp:<br />

Ayaan Hirsi Ali:<br />

Mein Leben, meine<br />

Freiheit – Die Autobiographie<br />

Piper, 493 S., € 12,40<br />

© Steven Woollard<br />

34 Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

35


Lesen wie Gott<br />

in Frankreich<br />

Sieben Empfehlungen und zwei Geschmacksfragen.<br />

Von Klaus Zeyringer<br />

Gerade hat Frankreich, zumindest an<br />

der Fassade der Macht, eine gewichtige<br />

politische Veränderung erlebt. Und<br />

auch die Literatur ist an den Spitzen des<br />

Staates stärker präsent. Im Privatleben<br />

des Präsidenten hat sie eine wesentliche<br />

Rolle gespielt; der Premierminister hat<br />

vor Zeiten zwei Politthriller veröffentlicht;<br />

die Verlegerin der renommierten Actes<br />

du Sud ist Kulturministerin. Für nicht<br />

wenige Politiker und Fernsehstars in Paris<br />

scheint die Karriere erst dann in vollem<br />

Gang, wenn sie auch als Romanciers<br />

präsent sind.<br />

Die Nation, die sich selbst als Große<br />

hervorhebt, hat als diesjähriger Gast der<br />

Frankfurter Buchmesse entsprechend<br />

hochwertig Anerkanntes zu bieten. Und<br />

eine bemerkenswerte Bandbreite, von den<br />

großen Etablierten zu den Erstlingswerken<br />

der jungen Generation, fast alle eher<br />

Erzähler als Adepten der Dekonstruktion.<br />

Von den <strong>No</strong>belpreisträgern Patrick<br />

Modiano und J.M.G. Le Clézio kommt in<br />

diesem Herbst nichts Neues auf Deutsch.<br />

Allerdings wird wohl auf dem Messestand<br />

von Kiepenheuer & Witsch der im Frühjahr<br />

erschienene Band von Le Clézio aufliegen.<br />

Die zwei <strong>No</strong>vellen in Sturm handeln von<br />

einem früheren Kriegsfotografen, der sich<br />

auf einer abgelegenen südkoreanischen<br />

Insel mit einer Dreizehnjährigen anfreundet;<br />

von einer jungen Außenseiterin,<br />

zunächst in Ghana, dann in Randzonen<br />

Frankreichs. Mit der Titelmetapher als<br />

Leitmotiv geht es beide Male um ein<br />

Geheimnis, um das Ende der Unschuld,<br />

um eine Suche mit ungewissem Ausgang.<br />

Den für Le Clézio so bezeichnenden Ton<br />

vermittelt zwar die Übersetzung nicht<br />

immer, aber beeindruckend ist diese Prosa<br />

über die Stürme der Welt und des Inneren<br />

allemal.<br />

Beeindruckend auch der vor zehn Jahren<br />

im hohen Alter verstorbene „moderne<br />

Klassiker“ Julien Gracq. Seinen zu Lebzeiten<br />

zurückgehaltenen Roman Das Abendreich<br />

hat Dieter Hornig für den Droschl<br />

Verlag fein übersetzt. Die französische<br />

Presse nannte die Prosa über ein zerfallendes<br />

Imperium in seinem Kampf gegen<br />

grausame Barbaren eine „Poesie pur“, in<br />

der romantische Mythen, phantastische<br />

Phänomene und eine Fülle von Beobachtungen<br />

stilistisch meisterhaft verknüpft sind.<br />

Mag auch die Handlung stark an bekannte<br />

Grenzerfahrungen angelehnt erscheinen –<br />

bei Gracq ist der Hauptprotagonist nicht<br />

eine der Figuren, sondern die Topographie.<br />

Der namenlose Erzähler zieht durchs<br />

Land, bis er sich mit einigen Gefährten<br />

in die Grenzgebiete begibt. Dort liegt die<br />

Festungsstadt über einem See, mit Blick auf<br />

Berge in Schnee und Eis. Dies findet sich in<br />

großartigen lyrischen Bildern beschrieben,<br />

während die kriegerischen Schilderungen<br />

von geradezu gegensätzlicher Wucht sind.<br />

Mit dem Literaturbetrieb wollte Gracq<br />

nichts zu tun haben, den renommiertesten<br />

Preis, den Goncourt, hat er abgelehnt.<br />

Jean Echenoz erhielt ihn 1999. Nun<br />

bringt Hanser Berlin Unsere Frau in Pjöngjang<br />

heraus. Der Originaltitel Envoyée spéciale<br />

entspricht diesem komplex-amüsanten<br />

Roman besser, mit dem der wunderbare<br />

Genre-Vermenger an seine umfangreichen<br />

Bücher der achtziger, neunziger Jahre<br />

anschließt. Sein prägnantes, mit feinen<br />

Überraschungen gespicktes Französisch<br />

passt zur vielschichtigen Spannung des Erzählbogens,<br />

in dem Sätze plötzlich in ungeahnte<br />

Tiefen abtauchen. „Ich will eine Frau,<br />

verkündete der General“ – so beginnt eine<br />

bizarre Geheimdienst-Aktion, eine Agentengeschichte,<br />

die zugleich unterwandert<br />

wird: eine espritvolle Dekonstruktion und<br />

zugleich Konstruktion. Die fesche Constance<br />

wird entführt und gefangen gehalten, um<br />

sie „duktil“ zu machen und in <strong>No</strong>rdkorea<br />

einsetzen zu können. Während die junge<br />

Frau durchaus Format zeigt, erweisen sich<br />

die Profis als weniger kompetent, und die<br />

ganze Aktion schlägt merkwürdige Kapriolen.<br />

Auch bei Echenoz sind die eigentlichen<br />

Hauptfiguren die Erzählweise selbst und<br />

die Sprache, die in ihrer gewitzten Ironie<br />

ebenso viele Fallen und Springteufelchen<br />

hervorbringen wie die packende Handlung.<br />

Ganz anders der Roman, der letztes Jahr<br />

Leïla Slimani den Prix Goncourt eingebracht<br />

hat. Dann schlaf du auch erscheint<br />

bei Luchterhand, nachdem die Pariser<br />

Kritiken von „erstaunlicher Kraft“ und<br />

„subtiler Gefühlssezierung“ schwärmten.<br />

Eine scheinbar perfekte „Nanny“ – mit<br />

dem Anglizismus benennt die mitunter<br />

holprige Übersetzung das sanft klingende<br />

„nounou“ des Originals Chanson douce –<br />

ermordet zwei Kinder, wie man gleich zu<br />

Beginn erfährt. Die Geschichte aber wirkt<br />

mit ihren klischeehaften Handlungssprüngen<br />

und den sozialen Zuweisungen plakativ,<br />

zudem sprachlich wenig inspiriert.<br />

Glücklicherweise kommt von einer<br />

früheren Preisträgerin des Goncourt bei<br />

Suhrkamp ein virtuoser „Roman einer<br />

Köchin“ heraus. Die Chefin von Marie<br />

N’Diaye ist ein starkes Frauenporträt<br />

mit starken Gefühlen. Eine Frau aus<br />

einer Landarbeiterfamilie bringt es in den<br />

siebziger Jahren zu einem renommierten<br />

Restaurant in Bordeaux. Sie misstraut<br />

allem, was in der Kochkunst verführerisch<br />

zu sein vermag. Da ihre Geschichte<br />

der unglücklich in sie verliebte Gehilfe in<br />

mäandernder Erzählweise schildert, bleibt<br />

einiges geheimnisvoll. Dafür hat Marie<br />

N’Diaye ihrem Roman eine Reflexion über<br />

die Ernsthaftigkeit und die Wahrheit der<br />

Kunst eingeschrieben.<br />

Für nicht wenige Politiker<br />

und Fernsehstars in Paris<br />

scheint die Karriere erst<br />

dann in vollem Gang, wenn<br />

sie auch als Romanciers<br />

präsent sind.<br />

Auf der anderen Seite der literarischen<br />

Bandbreite veröffentlicht Amélie <strong>No</strong>thomb<br />

jährlich ein Buch, durchschnittlich jedes<br />

dritte gelungen. Bei Diogenes erscheint<br />

nun Töte mich; der Originaltitel Le crime<br />

du comte Neville weist darauf hin, dass es<br />

kein Werk aus dem biographischen Fundus<br />

wie das grandiose Mit Staunen und Zittern<br />

(1999) ist, sondern aus der märchenhaften<br />

Abteilung. In Frankreich gingen die<br />

Meinungen darüber auseinander. Der Graf,<br />

dessen Tochter davonläuft und von einer<br />

Wahrsagerin gefunden wird, die dem Vater<br />

gleich prophezeit, er werde zum Mörder,<br />

worauf die Tochter sich als Opfer anbietet –<br />

das empfanden einige Rezensenten<br />

als langweilige Lektüre. „Welch armseliges<br />

Märchen“, titelte die Zeitschrift Les<br />

Inrockuptibles und sah ein „faules Remake“<br />

einer <strong>No</strong>velle von Oscar Wilde. Andere<br />

lobten die „humanistische Fabel“, die tiefer<br />

gehe, als sie den Anschein erwecke. Und<br />

der Figaro schwärmte von „espritvollen<br />

Dialogen“ und „ubuesken Situationen“.<br />

Zu den besten <strong>No</strong>thomb gehört der diesjährige<br />

wohl nicht.<br />

Jedenfalls zu empfehlen ist Es war einmal<br />

eine Stadt von Thomas Reverdy im Berlin<br />

Verlag. Der Roman, der im letzten Jahr<br />

den Preis der französischen Buchhändler<br />

gewann, handelt von handfester Realität<br />

im ruinierten Detroit nach der Finanzkrise.<br />

Dort trifft ein abgehalfteter Manager auf<br />

einen Zwölfjährigen, der in Schwierigkeiten<br />

steckt und dann verschwindet. Weniger<br />

die Krimi-Handlung eines „Roman noir“<br />

als vielmehr die ehemals mythische Autometropole<br />

und die Liebe in Zeiten der<br />

Katastrophen sind die Oberthemen dieser<br />

ebenso packenden wie sensiblen Prosa voll<br />

blitzender Gefühle.<br />

Auch das Historische wird für Frankfurt<br />

aufgeboten. In die Geschichte zurück<br />

führen zwei lesenswerte Romane, der eine<br />

in den Algerienkrieg, der andere in die<br />

Habsburgermonarchie.<br />

Joseph Andras schildert in seinem Erstling<br />

Die Wunden unserer Brüder (Hanser)<br />

das Schicksal einer tragischen historischen<br />

Person in Algier. Um ein Zeichen gegen den<br />

Kolonialismus zu setzen, will ein Kommunist<br />

1956 in einer leeren Fabrikshalle eine<br />

Bombe zünden ohne zu verletzen, wird<br />

vorher verraten, im Prozess zum Tode<br />

verurteilt. Eine starke, harte Erzählung in<br />

klarer Sprache. Den Prix Goncourt für<br />

Debüts hat der unter Pseudonym publizierte<br />

Autor abgelehnt, jedwede Einladung in<br />

den Literaturbetrieb ebenso: Konkurrenz<br />

habe nichts mit Literatur zu tun.<br />

Mathias Menegoz lässt in seinem umfangreichen<br />

Erstling Karpathia (Frankfurter<br />

Verlagsanstalt) 1833 den Grafen Korvanyi<br />

mit seiner Verlobten aus Wien auf die Familiengüter<br />

in Transsilvanien zurückkehren,<br />

in eine Welt voller Gewalt. „Mein Postulat<br />

war es“, hebt Menegoz seine Gegenposition<br />

zur gängigen Autofiktion hervor, „dass ich<br />

nicht über mich selbst schreiben wollte“.<br />

Also habe er vier Monate in Wiener Bibliotheken<br />

verbracht. Es hat sich literarisch<br />

gelohnt.<br />

7 Empfehlungen: 2 Geschmacksfragen:<br />

J.M.G. Le Clézio:<br />

Sturm – Zwei <strong>No</strong>vellen<br />

Kiepenheuer & Witsch,<br />

240 S., € 20,60<br />

Julien Gracq:<br />

Das Abendreich<br />

Droschl Verlag,<br />

224 S., € 23,–<br />

Jean Echenoz:<br />

Unsere Frau in Pjöngjang<br />

Hanser Berlin,<br />

284 S., € 22,70<br />

Marie Ndiaye:<br />

Die Chefin<br />

Suhrkamp Verlag,<br />

332 S., € 22,70<br />

Thomas Reverdy:<br />

Es war einmal eine Stadt<br />

Berlin Verlag,<br />

288 S., € 22,70<br />

Joseph Andras:<br />

Die Wunden unserer Brüder<br />

Hanser Verlag,<br />

156 S., € 18,50<br />

Mathias Menegoz:<br />

Karpathia<br />

Frankfurter Verlagsanstalt,<br />

635 S., € 28,80<br />

Amélie <strong>No</strong>thomb:<br />

Töte mich<br />

Diogenes Verlag,<br />

112 S., € 20,60<br />

Leïla Slimani:<br />

Dann schlaf auch du<br />

Luchterhand Literaturverlag,<br />

222 S., € 20,60


Die Wagner’sche<br />

auf dem Weg in die Zukunft<br />

Eine Institution, die mit alten Stärken und<br />

innovativen Ideen begeistert!<br />

Porträts<br />

besonderer und<br />

außergewöhnlicher<br />

Buchhandlungen<br />

im<br />

deutschsprachigen<br />

Raum. Aus<br />

dem Buch<br />

„Meine schöne Buchhandlung“<br />

(Knesebeck)<br />

„Diese Geschichte ist fast zu schön, um wahr<br />

zu sein: 2006 wird die Wagner’sche, eine über<br />

dreihundert Jahre alte Buchhandelsinstitution<br />

und für viele Innsbrucker ein ausgesprochenes<br />

Markenzeichen ihrer Stadt, vom Filialriesen<br />

Thalia geschluckt. 2014 nimmt Markus<br />

Renk, damals Handelsleiter bei der Tyrolia<br />

Verlagsgesellschaft, an einer Podiumsdiskussion<br />

zum Thema ‚375 Jahre Wagner’sche‘<br />

teil. Die Stimmung im Publikum ist schlecht,<br />

viele Innsbrucker beklagen den Profilverlust<br />

der Buchhandlung seit der Übernahme.<br />

Markus Renk kommt mit Markus Hatzer,<br />

seinerseits seit einigen Jahren verlegerischer<br />

Leiter beim Universitätsverlag Wagner, ins<br />

Gespräch, und relativ schnell sind sich die<br />

beiden einig, dass man den Innsbruckern ihre<br />

Lieblingsbuchhandlung wieder zurückgeben<br />

müsse. 2015, also neun Jahre nachdem Thalia<br />

die Wagner’sche gekauft hatte, eröffnen<br />

Renk und Hatzer das Traditionshaus neu.“<br />

So beginnt der Einleitungstext über die<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

im neuen Bildband des Knesebeck Verlags<br />

über die schönsten Buchhandlungen im<br />

deutschsprachigen Raum.<br />

In diesem Buch werden 40 der schönsten<br />

Buchhandlungen Deutschlands, Österreichs<br />

und in der Schweiz vorgestellt. Diese<br />

Buchhandlungen stechen heraus durch ein<br />

besonderes Ladenkonzept, ein außergewöhnliches<br />

Sortiment oder eine unverwechselbare<br />

Atmosphäre, in der man gern nach<br />

Büchern stöbert. Viele der Buchhandlungen<br />

sind in ihren Städten zur Institution geworden.<br />

Zu Wort kommen auch die engagierten<br />

Buchhändlerinnen und Buchhändler und<br />

sprechen über das Erfolgsgeheimnis, mit<br />

dem sie ihre Buchhandlung zu etwas ganz<br />

Besonderem machen. Und wir sind stolz,<br />

dass die Wagner’sche eine dieser Buchhandlung<br />

ist!<br />

Andreas Licht –<br />

Fotograf<br />

Der Fotograf Andreas Licht ist Diplom-<br />

Fotodesigner und Mitglied der Deutschen<br />

Gesellschaft für Photographie. Er lebt seit<br />

20 Jahren als freier Fotograf in Paris und<br />

hat einen vollen Tag in der Wagner’schen<br />

verbracht und ganz außergewöhnliche<br />

Fotos aufgenommen.<br />

Buchtipp:<br />

Meine schöne Buchhandlung<br />

Mit Fotografien von<br />

Andreas Licht.<br />

Knesebeck, 160 S.,<br />

150 Farbabbildungen, € 20,10<br />

Das Buch erscheint am<br />

12. Oktober und wir freuen<br />

uns schon sehr darauf!<br />

© Andreas Licht (Wagner’sche), privat (Andreas Licht)<br />

38<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

39


Die Wagner’sche goes TV<br />

Mit Buchbloggerin Evelyn Unterfrauner (Book Broker)<br />

und Tirol TV gibt es nun auch in Tirol eine Buchsendung;<br />

und die Wagner’sche ist als Partner mit von der Partie.<br />

Eine Raupe<br />

bezaubert<br />

Simone Winter über<br />

Marina Hubmann<br />

Prof. Dr.<br />

Grönemeyer<br />

Zu Besuch in der<br />

Wagner’schen<br />

Buchtipps zur<br />

ersten Sendung:<br />

© privat<br />

© Caudio Di Lucia<br />

Buchtipp Evelyn Unterfrauner:<br />

Rosa S.:<br />

Ich musste die Rute küssen<br />

Edition Raetia, 104 S., € 12,–<br />

Buchtipp Robert Renk:<br />

Ishmael Beah:<br />

Das Leuchten von morgen<br />

übersetzt von Susann Urban<br />

Afrika Wunderhorn,<br />

257 S., € 25,50<br />

Lena Kripahle:<br />

David Lagercrantz:<br />

Verfolgung<br />

übersetzt von Ursel Allenstein<br />

Heyne, 480 S.,€ 23,70<br />

Die Frage, wie „Die Raupe und das Schiffchen“ entstanden ist,<br />

beantwortet die Autorin so:<br />

„Als gelernte Grafikdesignerin und sehr visueller Mensch<br />

begann ich vor ein paar Jahren mit einer Zeichnung. Inspiriert<br />

wurde ich dabei von einem kleinen Jungen namens Matteo. Ich<br />

erinnerte mich zurück an seine Geburt. Er war so süß wie eine<br />

kleine zerknautschte Raupe. Als er auf die Welt kam, waren wir<br />

alle von seinem einzigartigen Wesen hingerissen.<br />

Matteo, die Raupe, war geboren und sollte im Buch viele<br />

bekannte Freunde aus der Tierwelt treffen. Doch mir war auch<br />

ganz wichtig, dass er einem besonderen, außergewöhnlichen,<br />

anderen Freund begegnet, nämlich dem Schiffchen. Es entsteht<br />

eine einzigartige Freundschaft zwischen einer Raupe und einem<br />

Schiffchen.“<br />

Am Mittwoch, den 28. Februar 2018 dürfen wir Prof. Dr.<br />

Grönemeyer bei uns begrüßen.<br />

Der bekannte und populäre Facharzt und Bruder von Herbert<br />

Grönemeyer stellt sein neues Buch zum Thema Rückenschmerzen<br />

vor. Es ist ein Kreuz mit dem Rücken – denn Rückenschmerzen<br />

sind das Volksleiden Nummer 1. Schon die flotte Mittdreißigerin<br />

„hat Rücken“ und selbst Kinder klagen zunehmend über Schmerzen.<br />

„Der größte Teil der Rückenschmerzen hat mit Muskelverspannungen<br />

zu tun“, sagt der Spezialist und geht noch weiter:<br />

„Wir wissen unglaublich viel, wenn es um unser Auto, unser<br />

Handy und sonstiges technisches Equipment geht, aber über unseren<br />

eigenen Körper wissen wir meist kaum etwas.“ Sein großes<br />

Rückenbuch schafft Aufklärung.<br />

© privat<br />

Im Herbst startet der Regionalsender Tirol<br />

TV gemeinsam mit der Innsbrucker Buchund<br />

Lifestylebloggerin eine Buchsendung,<br />

die im Zwei-Wochen-Takt ausgestrahlt<br />

wird. Das schönste Wohnzimmer in Innsbruck,<br />

nämlich die Räumlichkeiten der<br />

Wagner’schen Universitätsbuchhandlung,<br />

dienen dabei als ideale Location und Evelyn<br />

Unterfrauner wird gemeinsam mit den<br />

BuchhändlerInnen vor Ort über Neuerscheinungen,<br />

Lieblinge und Geheimtipps<br />

aus der Buchwelt sprechen. Alle Sendungen<br />

gibt es dann unter www.tiroltv.at zum<br />

An- und Nachschauen.<br />

Evelyn Unterfrauner ist 24, in Südtirol geboren<br />

und aufgewachsen und heißt Innsbruck ihre neue<br />

Heimat. Sie hat dort das Bachelorstudium der<br />

Vergleichenden Literaturwissenschaft und der<br />

Erziehungswissenschaft an der Leopold-Franzens-Universität<br />

abgeschlossen. Gegenstand ihrer<br />

Abschlussarbeiten waren Dracula von Bram Stoker,<br />

Die Frau in Schwarz von Susan Hill und die Selbstdarstellung<br />

von Jugendlichen im Web 2.0 anhand<br />

von Selfies. Aktuell ist sie als PR-Beraterin bei der<br />

Agentur P8 MARKETING (www.p8.eu) beschäftigt<br />

und möchte weiterhin ihrer Leidenschaft zu Büchern<br />

und anderen tollen Dingen bzw. Erfahrungen eine<br />

Stimme mittels ihres Blogs verleihen.<br />

40<br />

Wagner’sche.<br />

Buchtipps:<br />

Marina Hubmann:<br />

Die Raupe und das Schiffchen<br />

32 S., € 13,90<br />

Veranstaltung:<br />

Marina Hubmann:<br />

Die Raupe und das Schiffchen<br />

Do., 5. Oktober 2017, 15 Uhr,<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

Buchtipps:<br />

Dietrich Grönemeyer: Mein großes Rückenbuch –<br />

Wie Sie Ihren Schmerz besiegen<br />

ZS Verlag, 240 S.,€ 25,70<br />

Veranstaltung:<br />

Prof. Dr. Grönemeyer live zum Thema<br />

Rückenschmerzen<br />

Mittwoch, 28. Februar 2018, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung


Vom Blog in den Shop<br />

In Ruhe schmökern, sich inspirieren lassen und sein Lieblingsbuch<br />

finden – seit dem Start des family Blogs auf der Wagner’schen<br />

Web site ist die Plattform gewachsen und zu einem Treffpunkt<br />

für LeserInnen geworden. Von Katharina Schermann<br />

42<br />

© Schermann<br />

Wagner’sche.<br />

„Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne<br />

Welten, aus den Stuben, über die Sterne“,<br />

formuliert es Jean Paul. Im neuen family<br />

Blog der Wagner’schen Homepage kann man<br />

sich täglich ganz sprichwörtlich in eine neue<br />

(Online-)Welt begeben. Schließlich gilt der<br />

seit April bestehende family Blog als der erste<br />

seiner Art in Tirol. Auf der Wagner’schen<br />

Website integriert, liefert er wöchentlich<br />

zweimal interessante abwechslungsreiche<br />

Buchbesprechungen, die sowohl zum kurzen<br />

Überfliegen als auch zum intensiven Schmökern<br />

einladen. Dabei stehen vielseitige<br />

Bücher für Kinder zwischen 0 und 9 sowie<br />

hilfreiche Elternratgeber, aber auch Praktisches<br />

für die ganze Familie wie Koch- oder<br />

Wanderbücher im Fokus.<br />

Ein neues<br />

Einkaufserlebnis!<br />

Der neue family Blog der Wagner’schen<br />

Homepage gilt als einzigartiges Vorzeigeprojekt<br />

in Tirol. Das gleich in zweifacher<br />

Hinsicht: Das Medium präsentiert sich als<br />

informative Plattform, die mit dem bestehenden<br />

Onlineshop der Wagner’schen verbunden<br />

ist. So kann nach der Lektüre der<br />

persönliche Buchfavorit gleich über den nur<br />

einen Klick entfernten Shop bestellt werden.<br />

Alle im Blog besprochenen und vorgestellten<br />

Bücher sind in der Wagner’schen<br />

Buchhandlung vorrätig und innerhalb<br />

weniger Stunden bei Ihnen zuhause.<br />

Auch die Machart des Blogs sucht in<br />

Tirol ihresgleichen. So wird die Plattform<br />

seit ihrem Bestehen ausschließlich von<br />

drei Müttern betreut, die mit viel Freude,<br />

Stilsicherheit, Kreativität und Engagement<br />

ans Werk gehen. Abwechselnd stellen sie<br />

wöchentlich zwei neue Bücher unterschiedlichster<br />

Kategorien vor und lassen dabei<br />

einmal monatlich GastbloggerInnen zu<br />

Wort kommen.<br />

Die Posts selbst sind stets auf Aktualität<br />

bedacht, berücksichtigen saisonale Ereignisse<br />

und leben von anschaulichen Bildern<br />

und unterhaltsamen Texten. Eingebettet<br />

in ein einheitliches, ansprechendes und vor<br />

allem userfreundliches Design, ist dank der<br />

gewählten Schlagwörter und der farbigen<br />

Icons das Suchen, Finden und Navigieren<br />

kinderleicht.<br />

Bücher wachsen mit!<br />

Lesen bildet, beflügelt, entführt in fremde,<br />

märchenhafte Welten und regt die Phantasie<br />

an. Wer liest, schafft Auszeiten. Allein<br />

oder gemeinsam mit seinen Kindern.<br />

Der family Blog der Wagner’schen lädt<br />

ein, mit den Kids die vielseitige Welt der<br />

Bücher zu entdecken, zugleich die Kleinen<br />

für Bücher zu sensibilisieren und die kindliche<br />

Urteilsfähigkeit zu fördern. Zusammen<br />

lesen und vorlesen bedeutet, gemeinsam<br />

Zeit zu verbringen:<br />

Mit dem Baby das erste Fühlbuch entdecken.<br />

Die ersten Buchstaben und Zahlen<br />

kennenlernen. Mit einem faszinierenden<br />

Geräuschbuch die wunderbare Welt der<br />

Tiere erkunden. Die beruhigende Lieblings-<br />

Gute-Nacht-Geschichte immer und immer<br />

wieder vorlesen: Aus Gewohnheiten werden<br />

Rituale, die Kinder noch lange begleiten.<br />

Damit garantiert jeder das richtige<br />

Buch für sein Ritual findet, widmet sich<br />

der family Blog stets den Bedürfnissen<br />

aller Zielgruppen. Dabei fokussiert er neue,<br />

unterhaltsame und pädagogisch sinnvolle<br />

Bücher und bewertet nicht nur die Qualität<br />

des jeweiligen Buches, sondern auch seinen<br />

pädagogischen Nutzen.<br />

Auch die Kinder<br />

vergeben <strong>No</strong>ten!<br />

Die praktische Anwendung, die Interaktion<br />

und das Urteil der Kinder spielt für<br />

die Blogger-Mamas eine besondere Rolle.<br />

Schließlich sind es in den meisten Fällen<br />

die Kleinen selbst, die ein Buch für gut oder<br />

schlecht befinden, wie Bloggerin Vanessa –<br />

Mutter einer 3-jährigen Tochter – aus eigener<br />

Erfahrung zu berichten weiß.<br />

„Die Bücher, die wir zusammen lesen,<br />

gefallen ihr – oder auch nicht. Daran gibt<br />

es nichts zu rütteln. Für die Dreijährige<br />

müssen Bücher vor allem bunt, die Illustrationen<br />

ansprechend, gerne detailreich und<br />

die Charaktere lebendig sein. Auch reichlich<br />

Text ist erwünscht. Reime und einfache<br />

Sätze kommen besonders gut an, da<br />

Klein-L. sie nach kurzer Zeit auswendig<br />

mitsprechen kann und es liebt, das Buch<br />

alleine anzuschauen oder die Geschichte<br />

ihrem kleinen Bruder zu erzählen. Gefällt<br />

dem Töchterchen ein Buch, ist es hin und<br />

weg und legt es nicht mehr aus der Hand.<br />

Falls nicht, landet es aber im Bücherregal<br />

und wird nie mehr hervorgeholt. Es ist<br />

toll zu beobachten, dass sich die Kinder<br />

auch im digitalen Zeitalter so intensiv mit<br />

Büchern beschäftigen können und wollen.<br />

Angreifen, riechen, durchblättern, beschriften,<br />

hineinschreiben und wie einen Schatz<br />

hüten … Bücher sind für Klein-L. Erlebnisse<br />

für die Sinne und jedes neue Buch ruft<br />

große Freude hervor.“<br />

Die Blogger-Bibliothek!<br />

Seit dem Blogstart hat sich einiges getan.<br />

Mittlerweile verfügt der Blog über eine<br />

stattliche Bibliothek, die mit einer bunten<br />

Mischung weiterwächst. Der family Blog<br />

überzeugt eben mit Vielseitigkeit. Das gilt<br />

auch für die AutorInnen. Einmal monatlich<br />

kommt ein Gastblogger/eine Gastbloggerin<br />

mit seinen/ihren Erfahrungen und Bewertungen<br />

zu Wort.<br />

Ein Gastautor<br />

über den Blog:<br />

„Am family Blog finde ich gut, dass hier<br />

Mamis und Papis selbst darüber schreiben,<br />

wie ihnen und vor allem ihren Kindern die<br />

Bücher gefallen. Bei der Suche nach einem<br />

neuen Buch kann ich mittels einfacher<br />

Navigation Geschlecht und Alter sowie<br />

Themenbereich filtern, was mir viel Zeit<br />

erspart. Nach jeder Rezension sind Bilder<br />

von einzelnen Buchseiten abgebildet. Das<br />

finde ich sehr praktisch. So kann ich quasi<br />

einen Blick in das jeweilige Buch werfen.<br />

Mit einem Klick kann ich dann gleich zur<br />

Kassa gehen und das Buch landet in wenigen<br />

Stunden bei mir.“ Johannes, 35, Papa<br />

eines 9 Monate alten Sohnes.<br />

Bloggerluft<br />

schnuppern?<br />

Sie wollten sich immer schon<br />

einmal im Schreiben oder Bloggen<br />

versuchen? Bei uns können<br />

Sie GastbloggerIn werden.<br />

Nehmen Sie mit uns Kontakt<br />

auf (familyblog@wagnersche.at)<br />

und verraten Sie uns Ihre<br />

bevorzugten Themengebiete.<br />

Kochbuch<br />

Ratgeber<br />

Kinderbuch<br />

Gestalten<br />

Spielen<br />

Dekorieren<br />

Feiern<br />

Lernen


Jung,<br />

aber<br />

oho!<br />

Bücher<br />

für<br />

Kinder<br />

und<br />

Jugend:<br />

Archer’s berühmte Großeltern<br />

Ralph und Rachel Hemsley<br />

sind Naturforscher und wurden<br />

als vermisst erklärt. Gerade zu<br />

dem Zeitpunkt, als er in das abgelegene<br />

Internat Raven Wood<br />

muss, tauchen sie wieder auf,<br />

obwohl er sie endlich kennenlernen<br />

wollte. Im ganzen Dorf<br />

spricht man vom Fluch der<br />

Hemsey’s, Intrigen und Lügen<br />

werden verbreitet, und es droht<br />

ihnen sogar ein Prozess. Gäbe es<br />

da nicht die tapferen Freunde,<br />

die der Sache auf den Grund<br />

gehen und alles unternehmen,<br />

das zu widerlegen. Andrea Scheiber<br />

Gannon Nicholas: Die höchst eigenartige<br />

Verschwörung von Barrow’s Bay,<br />

Coppenrath Verlag, 368 S., € 17,50<br />

Dieses Buch wird geprägt durch<br />

wunderbare Illustrationen von<br />

Armand Baltazar. Man stellt<br />

sich eine Art Weltuntergang<br />

vor, der einen Bruch in Raum<br />

und Zeit hat. Also Gegenwart,<br />

Vergangenheit und Zukunft vermischen<br />

sich miteinander und<br />

Menschen aus allen Zeitaltern<br />

und ebenso Tiere treffen aufeinander.<br />

Die Welt muss neu aufgestellt<br />

werden. Zu dieser Zeit lebt<br />

auch Diego Ribera mit seinem<br />

genialen Vater und Erfinder, der<br />

eines Tages spurlos verschwindet.<br />

Für den Jungen beginnt<br />

eine spannende Suche …<br />

Andrea Scheiber<br />

Baltazar Armand: Timeless –<br />

Retter der verlorenen Zeit,<br />

cbj Verlag, 624 S., € 20,60<br />

Seit sich Nummer Dreizehn<br />

erinnern kann, lebt er im Heim<br />

für Missratene Wesen, und dort<br />

herrscht die grauenvolle Miss<br />

Carbunkle. Er ist wie alle eine<br />

Mischung aus Tier und Mensch<br />

und kann zwar aufrecht gehen,<br />

aber sieht aus wie ein Fuchs.<br />

Eines Tages freundet er sich<br />

mit den Vogel Trixi an, der nur<br />

so vor Leben sprüht. Dieser<br />

überredet ihn, aus dem Heim zu<br />

fliehen, draußen warten dann<br />

große Abenteuer auf sie. Denn<br />

nur Nummer Dreizehn hat eine<br />

Begabung, die eine Katastrophe<br />

verhindern kann. Ob er es<br />

schafft? Andrea Scheiber<br />

Mira Bartók: Der Wunderling,<br />

Carlsen, 480 S., € 17,50<br />

„Infiziert“ ist der grandiose<br />

Auftakt einer neuen Trilogie<br />

der Bestsellerautorin Teri Terry.<br />

Die 12-jährige Callie befindet<br />

sich in einer unterirdischen<br />

Versuchsanstalt irgendwo in<br />

Schottland. Bis eines Tages eine<br />

tödliche Epidemie ausbricht.<br />

Die 17-jährige Shay ist der letzte<br />

Mensch, der Callie am Tag ihres<br />

Verschwindens gesehen hat. Sie<br />

und Callies Bruder Kai wollen<br />

herausfinden, was damals passiert<br />

ist, doch ihnen läuft die Zeit<br />

davon. Ein wahnsinnig spannendes<br />

und raffiniertes Jugendbuch<br />

mit Endzeitstimmung und Sci-Fi<br />

Elementen. Einmal angefangen,<br />

kann man das Buch nicht wieder<br />

aus der Hand legen. Lena Waldner<br />

Teri Terry: Infiziert,<br />

Coppenrath, 464 S., € 20,60<br />

Solomon hat seit über drei<br />

Jahren nicht mehr sein Haus<br />

verlassen. Als seine ehemalige<br />

Mitschülerin, Lisa Payton, für<br />

einen Psychologieaufsatz ein<br />

Studienobjekt benötigt, drängt<br />

sie sich in sein Leben und stellt<br />

dieses gemeinsam mit ihrem<br />

Freund Clark ordentlich auf<br />

den Kopf. Die Geschichte zeigt,<br />

wie wichtig zwischenmenschliche<br />

Beziehungen im Leben<br />

sind, und dass es sich lohnt, sich<br />

Veränderungen zu stellen. Das<br />

ist eines dieser (Jugend-)Bücher,<br />

die leider viel zu schnell vorbei<br />

sind, dem Leser aber viel mit<br />

auf den Weg geben. Lena Waldner<br />

John Corey Whaley:<br />

Hochgradig unlogisches Verhalten,<br />

Hanser, 240 S., € 16,50<br />

Die 16-jährige Starr lebt in<br />

zwei Welten: in dem verarmten<br />

Viertel, in dem sie wohnt, und<br />

in der Privatschule, an der sie<br />

fast die einzige Schwarze ist.<br />

Eines Tages wird Starrs bester<br />

Freund Khalil vor ihren Augen<br />

von einem Polizisten erschossen.<br />

Er war unbewaffnet.<br />

Das Buch schildert eindrucksvoll,<br />

was tatsächlich Realität für<br />

so viele schwarze Jugendliche<br />

in den USA ist. Über die sozialen<br />

Missstände, die Vorurteile<br />

der Weißen, die Rivalitäten der<br />

Schwarzen untereinander.<br />

Ein grandioser All-Age Roman,<br />

der ein brandheißes Eisen<br />

anfasst und den Leser bewegt.<br />

Lena Waldner<br />

Angie Thomas: The Hate u Give,<br />

cbt, 512 S., € 18,50<br />

44<br />

Wagner’sche.<br />

In Siena wacht die junge<br />

Studentin Nika alleine in ihrer<br />

Wohnung auf. Die Eingangstür<br />

ist abgeschlossen und in ihrer<br />

Hosentasche findet sie einen<br />

Zettel mit kryptischen <strong>No</strong>tizen.<br />

Der Schock ist noch größer,<br />

als Nika erkennt, dass sie nicht<br />

eine Nacht lang geschlafen<br />

hat, sondern dass ganze zwei<br />

Tage vergangen sind, an die<br />

sie sich kein bisschen erinnern<br />

kann. Ursula Poznanski hat mit<br />

ihrem neuesten Buch wieder<br />

einen Volltreffer gelandet.<br />

Unvorhersehbar, mysteriös und<br />

hochspannend. Ein exzellenter<br />

Psychothriller. Lena Waldner<br />

Ursula Poznanski: Aquila,<br />

Loewe, 432 S., € 17,50<br />

Eine Kiste mit einem Roboter<br />

wird an den Strand einer einsamen<br />

Insel gespült. Roz, so der<br />

Name des Robotermädchens,<br />

erwacht zum Leben. Die Tiere<br />

nehmen vor dem Monster Reißaus,<br />

doch Roz lernt schnell und<br />

kann bald mit ihnen sprechen.<br />

Ein Gänsenest wird durch ihr<br />

Verschulden zerstört, und Roz<br />

nimmt das einzig verbliebene<br />

Ei in Obhut. Jetzt helfen ihr<br />

die anderen Tiere, sich um das<br />

kleine Küken zu kümmern,<br />

es entstehen Freundschaften.<br />

Doch dann kommt Gefahr von<br />

Außen. Eine warmherzige Tier/<br />

Robotergeschichte für Leser ab<br />

10 Jahren. Martin Bär<br />

Peter Brown:<br />

Das Wunder der wilden Insel,<br />

cbt, 288 S., € 15,50<br />

Nickel und Horn sind zwei<br />

tierische Detektive, die eine ein<br />

weitsichtiges Meerschweinchen<br />

und der andere ein kurzsichtiger<br />

Papagei. Der alte Detektiv Herr<br />

Locke hat ihnen jeweils eine<br />

passende Brille gebastelt, sodass<br />

sie den Durchblick haben bei<br />

ihrer Mission, ein Hinterafrikanisches<br />

Pupsetier zu finden.<br />

Die beiden müssen auf eine<br />

Insel, wobei ihnen ein vegetarischer<br />

Uhu hilft. Spannend und<br />

ziemlich lustig geht’s weiter.<br />

Die Illustrationen von Barbara<br />

Scholz machen das Buch für<br />

Leser ab 7 Jahren zum großen<br />

Lesevergnügen. Martin Bär<br />

Florian Beckerhoff: Nickel und Horn,<br />

Thienemann Verlag, 144 S., € 13,40<br />

Samantha und Salvatore sind<br />

beste Freunde, und das schon<br />

sehr lange. Im letzten Jahr vor<br />

dem College stürzen aber viele<br />

Dinge auf sie ein: Sal hat unerklärliche<br />

Wutausbrüche, seine<br />

Großmutter Mina liegt im Sterben<br />

und Sams Mutter stirbt.<br />

Außerdem müssen sie sich um<br />

ihren Freund Fito kümmern,<br />

der in einer zerrütteten Familie<br />

lebt. Und dann taucht auch<br />

Marcos wieder auf, der Sals<br />

Vater Vicente vor vielen Jahren<br />

tief verletzt hat. Eine Geschichte<br />

mit großartigen Dialogen und<br />

tollen Charakteren, die einem<br />

sehr ans Herz wachsen. Empfohlen<br />

ab 13 Jahren. Martin Bär<br />

Benjamin A. Saénz:<br />

Die unerklärliche Logik meines Lebens,<br />

Thienemann Verlag, 544 S., € 17,50<br />

Neu aufgelegt erscheint das erstmals<br />

1990 erschienene Kinderbuch<br />

„Die wilde Sophie“. Hartmann<br />

hat ein Märchenabenteuer<br />

geschrieben, das in seiner poetischen<br />

Sprache herzerfrischend<br />

von einer außergewöhnlichen<br />

Freundschaft erzählt: Im Mittelpunkt<br />

steht Jan, der Prinz, der<br />

durch die Überängstlichkeit des<br />

Königs zu einem schüchternen,<br />

blassen Jungen heranwächst.<br />

Als Sophie, die barfußlaufende,<br />

schmutzige, arme, aber herzliche<br />

Tochter des königlichen<br />

Zwetschkenkompottlieferanten<br />

vom Schicksal des Prinzen<br />

erfährt, beschließt sie, den im<br />

Schloss Gefangenen zu retten.<br />

Ab 9 Jahren. Silvia Spiegl<br />

Lukas Hartmann: Die wilde Sophie.<br />

Diogenes, 256 S., m. Illustr., € 16,50<br />

Das 4. Buch mit Rico und Oskar<br />

wird als Chaos-Weihnachtsgeschichte<br />

angekündigt. Da mir<br />

bis dato keine Leseprobe zur<br />

Verfügung steht, zitiere ich<br />

– leicht verändert – den Text aus<br />

der Vorschau: „Weihnachten<br />

in der Dieffe: nichts läuft nach<br />

Plan! Die Bäume sind zwar<br />

geschmückt, aber wer mit wem<br />

feiert, wird noch einmal kräftig<br />

durchgemischt. Und warum verschwindet<br />

ständig so viel Essen?<br />

Als nun auch noch ein Schneesturm<br />

über Berlin hereinbricht,<br />

ist das Chaos perfekt. Und<br />

keiner ahnt, dass auf Rico und<br />

Oskar gleich zwei große Überraschungen<br />

warten.“ Silvia Spiegl<br />

Andreas Steinhöfel: Rico,<br />

Oskar und das Vomhimmelhoch.<br />

Carlsen. 272 S., mit vierfarbigen<br />

Illustrationen, € 15,50


Qual<br />

der<br />

Wahl<br />

7 Bücher mit<br />

politischer Tiefenschärfe<br />

Alt<br />

aber<br />

Neu<br />

7 französische Klassiker<br />

neu & toll übersetzt<br />

Vive<br />

La<br />

France<br />

7 Tipps zum heurigen<br />

Buchmessenschwerpunkt<br />

3×7<br />

Best<br />

aber<br />

Seller:<br />

1<br />

2<br />

Macht<br />

3<br />

Underground<br />

4<br />

Yseut<br />

5<br />

Die<br />

Die Hauptstadt<br />

Robert Menasse<br />

Suhrkamp, € 24,70<br />

und Widerstand<br />

Ilija Trojanow<br />

S. Fischer, € 12,40<br />

Railroad<br />

Colson Whitehead<br />

Hanser, € 24,70<br />

Marlene Streeruwitz<br />

S. Fischer, € 25,70<br />

unerhörte Geschichte<br />

meiner Familie<br />

Miljenko Jergovic<br />

Schöffling, € 35,–<br />

1<br />

2<br />

Die<br />

3<br />

Ursule<br />

4<br />

Die<br />

5<br />

Die<br />

Stilübungen<br />

Raymond Queneau<br />

Ü: F. Heibert und H. Schmidt-Henkel<br />

Suhrkamp, € 22,70<br />

Blumen des Bösen<br />

Charles Beaudelaire<br />

Ü: Simon Werle, Rowohlt, € 39,10<br />

Mirouet<br />

Honoré de Balzac<br />

Ü: Nicola Denis, Matthes & Seitz, € 28,80<br />

Gebannte<br />

July d’Aurevilly<br />

Ü: Alastair, Matthes & Seitz, € 28,80<br />

dunkle Kammer<br />

Georges Perec<br />

Ü: J. Ritte, Diaphanes, € 24,–<br />

1<br />

2<br />

Die<br />

3<br />

Karte<br />

4<br />

Rückkehr<br />

5<br />

Die<br />

Im Herzen der Gewalt<br />

Édouard Louis<br />

S. Fischer, € 20,60<br />

siebte Sprachfunktion<br />

Laurent Binet<br />

Rowohlt, € 23,60<br />

und Gebiet<br />

Michel Houellebecq<br />

Dumont, € 10,30<br />

nach Reims<br />

Didier Eribon<br />

Suhrkamp, € 18,50<br />

Kunst,<br />

Champagner zu trinken<br />

Amélie <strong>No</strong>thomb<br />

Diogenes, € 10,30<br />

46<br />

Wagner’sche.<br />

6<br />

Die<br />

7<br />

Eine<br />

Außerirdischen<br />

Doron Rabinovici<br />

Suhrkamp, € 22,70<br />

kurze Geschichte<br />

von sieben Morden<br />

Marlon James<br />

Heyne, € 28,80<br />

6<br />

Auf<br />

7<br />

Die<br />

der Suche<br />

nach der verlorenen Zeit<br />

Marcel Proust<br />

Ü: E. Rechel-Mertens, Suhrkamp, 3 Bände, € 51,30<br />

Elenden / Les Misérables<br />

Victor Hugo<br />

Ü: P. Wiegler & W. Günther,<br />

Winkler, 2 Bände, € 20,60<br />

6<br />

Kompass<br />

7<br />

Tage<br />

Mathias Enard<br />

Hanser Berlin, € 25,70<br />

ohne Hunger<br />

Delphine de Vigan<br />

Dumont, € 20,60


Mit<br />

den<br />

besten<br />

Empfehlungen:<br />

Die Underground Railroad<br />

steht für einen Geheimcode in<br />

den finsteren Zeiten, als Sklav-<br />

Innen sich aufmachen mussten,<br />

um sich zu befreien. Manche<br />

– so wie Cora – kehren zurück,<br />

um anderen dabei zu helfen, in<br />

den <strong>No</strong>rden zu fliehen, der auch<br />

nicht so verheißungsvoll war,<br />

wie wir heute glauben. Tatsächlich<br />

ein Jahrhundertwurf. Ein<br />

Roman, als hätte Tarantino Regie,<br />

Tennessee Williams aber die<br />

Feder geführt. Die Mischung<br />

aus surreal und sehr real, aus<br />

heftiger Schilderung und Feinarbeit<br />

bis in die kleinsten Ecken<br />

der Sprache machen aus diesem<br />

Roman etwas Großes! Robert Renk<br />

Colson Whitehead:<br />

Underground Railroad<br />

Hanser Verlag, 352 S., € 24,70<br />

High School, Baseball, Roadtrips,<br />

Gras und Pizzaschnitten:<br />

George Watsky, ein junger<br />

Wortkünstler, Rapper und Youtuber<br />

führt durch sein Amerika<br />

voller Pannen, Drogen und<br />

Humor. Zwischen Witz und einem<br />

neckischen Augenzwinkern<br />

tauchen auch immer wieder die<br />

großen Fragen des Lebens auf.<br />

Was macht den Mensch zum<br />

Menschen? In diesem Buch<br />

wird klar: Überall dort, wo die<br />

Sonne scheint, liegt auch immer<br />

ein kleiner Schatten. Ein Buch<br />

zwischen leichter Unterhaltung<br />

und philosophischer Nachdenklichkeit.<br />

Ágnes Czingulszki<br />

George Watsky: Wie man es vermasselt<br />

Diogenes Verlag, 336 S., € 22,70<br />

Ein AKW, ein Hafenprojekt und<br />

zugenagelte Häuser. Zum letzten<br />

Mal kommt der Protagonist<br />

Botho mit Bruder und seiner<br />

Verlobten nach „Doel“, dem<br />

belgischen Dorf, aus dem die<br />

Familie stammt. Der Aufenthalt<br />

im leeren Haus der Großeltern<br />

wird zu einem Treffen mit der<br />

Vergangenheit. Sucht, Leben<br />

und Liebe: Dinge, die Botho,<br />

Arno und Anja auf ihrem<br />

Abenteuer bewegen. Arno will<br />

trocken bleiben, Anja glücklich<br />

und Botho ist auf der Suche<br />

nach seinem „menschlichen<br />

Lebensrucksack“. Als er ihn<br />

findet, ist er enttäuscht. Und<br />

das ist gut so. Ágnes Czingulszki<br />

Stefan Ferdinand Etgeton:<br />

Das Glück meines Bruders<br />

C.H. Beck Verlag, 240 S., € 20,60<br />

Wie schön es doch sein könnte<br />

mit den zwei Freunden, mit<br />

denen Eva in einem belgischen<br />

Dorf aufwächst! Der Wunsch<br />

der Protagonistin – ewig die<br />

drei Musketiere zu bleiben –<br />

stellt sich aber als Hirngespinst<br />

heraus. Der Traum vom „Dazugehören“<br />

wird mit den Jahren<br />

zum Alptraum der Einsamkeit<br />

und gipfelt im Drama. Beim<br />

Lesen kriecht das Schaudern,<br />

wie ein Virus, unauffällig in<br />

einen hinein, bis man ihm zum<br />

Schluss erlegen ist: ein unaufgeregter<br />

Blick in die Abgründe<br />

der menschlichen Seele.<br />

Ágnes Czingulszki<br />

Lize Spit: Und es schmilzt<br />

S. Fischer Verlag, 512 S., € 22,70<br />

30 Jahre nach dem Tod von<br />

Alexander von Humboldt<br />

spricht in Peru alles von einem<br />

anderen Deutschen. Augusto<br />

R. Berns behauptet, die goldene<br />

Stadt der Inkas – Machu Picchu<br />

– entdeckt zu haben. Wer war<br />

dieser Mann und was trieb ihn<br />

in die Berge Perus? Zwischen<br />

historischem Bericht und Abenteuergeschichte<br />

wird die Figur<br />

des deutschstämmigen Unternehmers,<br />

Hochstaplers und Entdeckers<br />

plastisch. Das hat auch<br />

Sten Nadolny überzeugt, der<br />

meint: „Makellos geschrieben,<br />

fesselnde Figuren, Reichtum,<br />

wohin man sieht – plastisch,<br />

farbig und unvergesslich.“<br />

Robert Renk<br />

Sabrina Janesch: Die goldene Stadt<br />

Rowohlt Verlag, 528 S., € 23,60<br />

Tiefer, volkstümlicher Glaube<br />

an Feen und Geister beherrscht<br />

die Dörfler eines Tales, abgeschieden<br />

im ländlichen Irland<br />

1826. Er beeinflusst übermächtig<br />

ihr alltägliches Leben,<br />

gespiegelt in einer Welt aus<br />

Aberglauben, Ritualen,<br />

Mythen, Angst und Armut.<br />

<strong>No</strong>ras Enkel, der vierjährige<br />

Michael, soll ein Wechselbalg<br />

sein. Die junge Magd Mary<br />

kümmert sich liebevoll um ihn<br />

und auch die alte Kräuterfrau<br />

Nance will helfen. Unaufhaltsam<br />

weicht Hoffnung und<br />

Mitgefühl dem Wahn „ohne<br />

Sinn“. Ute Faserl<br />

Hannah Kent:<br />

Wo drei Flüsse sich kreuzen<br />

Droemer Verlag, 432 S., € 20,60<br />

48<br />

Wagner’sche.<br />

Eine wunderschöne <strong>No</strong>velle<br />

über das Ende Antonius’ von<br />

Padua. Wie schon in seinem<br />

berührenden Roman „Das<br />

Mädchen mit den Streichhölzern“<br />

gelingt Michael Köhlmeier<br />

erneut ein Text, der – ohne<br />

Fingerzeig, allein durch Kraft<br />

und Behutsamkeit der Sprache<br />

– einen Bezug vom Mittelalter<br />

zum Heute herzustellen vermag.<br />

Nach nur wenigen Seiten liegt<br />

man Seite an Seite mit dem<br />

Tier- und Menschenfreund,<br />

dem Prediger für ein Miteinander;<br />

und denkt unwillkürlich an<br />

die Hassprediger von heute.<br />

Robert Renk<br />

Michael Köhlmeier: Der Mann, der<br />

Verlorenes wiederfindet<br />

Hanser Verlag, 160 S., € 20,60<br />

Deon Meyer, Thriller-König aus<br />

Südafrika, begibt sich auf neue<br />

Pfade und knallt mit „Fever“ ein<br />

gewichtiges Postapokalypse-Epos<br />

ins Bücherregal. Ein Virus tötet<br />

95 Prozent der Menschheit, zu<br />

den Überlebenden zählen Willem<br />

Storm und sein Sohn Nico. Humanist<br />

Willem träumt von einer<br />

solidarischen Gemeinschaft, frei<br />

von Rassenhass und Standesdünkel.<br />

Vanderkloof ist der ideale<br />

Ort, Amanzi – Wasser – der<br />

neue Name. Doch marodierende<br />

Motorradbanden von außen und<br />

aufkeimende Zwietracht von<br />

innen bedrohen das wachsende<br />

Amanzi. Und es gibt noch einen<br />

weiteren unbekannter Feind …<br />

Andreas Hauser<br />

Deon Meyer: Fever<br />

Rütten & Loening Verlag, 702 S., € 20,60<br />

50 Mann stehen in Berchtesgaden,<br />

bereit, in 20 Tagen<br />

1000 Kilometer nach Berlin<br />

zu laufen, pünktlich zu Hitlers<br />

Geburtstag diesem am 20. April<br />

1945 zu gratulieren. Unter<br />

den Läufern: der Jude Harry<br />

Freudenthal, getarnt als Paul<br />

Renner aus Wien, auch „Pilger“<br />

genannt. Die Begleitung ist<br />

prominent, Leni Riefenstahl<br />

filmt das. Nicht die einzige echte<br />

Prominente in dem fiktiv-literarischen<br />

Schelmenstück, durch<br />

das Harry/Paul/Pilger von<br />

seiner ermordeten Mischpoke<br />

getrieben wird. Sein Auftrag ist<br />

klar: Töte Hitler. Absurd, grotesk,<br />

witzig, tragisch … einfach<br />

lesenswert. Andreas Hauser<br />

Peter Keglevic:<br />

Ich war Hitlers Trauzeuge<br />

Knaus Verlag, 576 S., € 26,80<br />

In Zeiten, in denen der<br />

R.A.F.-Terror wieder TV und<br />

Zeitungen beschäftigt, die<br />

ihn mit dem IS vergleichen,<br />

erscheint Ljubic’ neuer Roman<br />

und der setzt den Terror in einen<br />

ganz anderen, einen historischen<br />

Kontext. Es geht um den<br />

Tübinger Lehrer und Pazifist<br />

Hartmut Gründler, der 1975 in<br />

den Kreis der Familie Kelsterberg<br />

gelangt. 1977 schließlich –<br />

aus Protest gegen die Atompolitik<br />

der Bundesrepublik – zündet<br />

er sich an. Das hinterlässt<br />

Spuren in der Familie, vor allem<br />

beim 10-jährigen Hanno, aus<br />

dessen Perspektive hier erzählt<br />

wird. Atemberaubend dicht,<br />

sowohl atmosphärisch als auch<br />

sprachlich! Robert Renk<br />

Nicol Ljubic: Ein Mensch brennt<br />

dtv Verlag, 336 S., € 20,60<br />

In den Wirren der angolanischen<br />

Revolution erschießt<br />

Ludovica einen Einbrecher,<br />

verscharrt ihn auf der Dachterrasse<br />

und mauert die<br />

Wohnungstüre zu – von innen.<br />

30 Jahre wird sie in ihrem<br />

Gefängnis verbringen, unterhält<br />

sich mit ihrem Hund, isst<br />

Tauben und schreibt Gedichte<br />

während draußen die Revolution<br />

dem Kommunismus<br />

und dieser dem Kapitalismus<br />

weichen muss. Unsichtbare<br />

Fäden verbinden sie mit Geheimdienst,<br />

Revolutionären<br />

und Straßenjungen – bis zum<br />

großen Finale in ihrer Wohnung.<br />

Ein Kleinod des magischen<br />

Realismus. Andreas Hauser<br />

José Eduardo Agualusa:<br />

Eine allgemeine Theorie des Vergessens<br />

C.H. Beck Verlag, 197 S., € 20,60<br />

Crimson Lake ist der Rückzugsort<br />

des Ex-Cops Ted Conkaffey,<br />

der einer Entführung verdächtigt<br />

und dafür geächtet wird.<br />

Dort trifft er auf eine Mörderin,<br />

die gerade ein Detektivbüro<br />

eröffnet hat und auf seine Hilfe<br />

angewiesen ist. Eine skurrile<br />

Geschichte, die mit ungeahnten<br />

Wendungen erträumt, sexy<br />

erzählt und intellektuell spannend<br />

geschrieben ist. Nach den<br />

Bestsellern Hades/Eden und<br />

Fall ein weiterer Beweis, dass<br />

wir es mit einer der begabtesten<br />

Autorinnen der Gegenwart zu<br />

tun haben und noch viele Stunden<br />

mit Candice Fox verbringen<br />

werden. Günther Egger<br />

Candice Fox: Crimson Lake<br />

Suhrkamp Verlag, 380 S., € 16,50


„Schweben“ erzählt die Liebesgeschichte<br />

von Rosa und<br />

Josef, die im Nachkriegsösterreich<br />

aufwachsen und nach der<br />

Arbeitsmigration vom Osten<br />

in den Westen des Landes sich<br />

trotz materieller Armut ein<br />

bescheidenes Glück aufbauen.<br />

Jürgen-Thomas Ernst fasst<br />

Josefs Lebensgeschichte in<br />

besonders schlichte, zurückhaltende<br />

Sprache und findet so<br />

zu eindrücklichen Bildern, die<br />

zeigen, wie Glück trotz widriger<br />

Verhältnisse gefunden werden<br />

kann: ein Weihnachtsfest<br />

mit Wein aus Wassergläsern,<br />

ein bordeauxfarbener Fiat<br />

Topolino, eine rote Bank am<br />

Bach. Martin Fritz<br />

Jürgen-Thomas Ernst: Schweben<br />

Braumüller Verlag, 200 S., € 20,–<br />

Nach vielen Jahren trifft Alain<br />

seinen ehemalig besten Freund<br />

Craig. In der Schulzeit hat<br />

Alain den charismatischen<br />

Craig verehrt. Als dieser dann<br />

sogar ein internationaler<br />

Rockstar wurde, avancierte<br />

Alain endgültig zur Randerscheinung.<br />

Ein halbes Leben<br />

später ist Craig zum Penner<br />

geworden, der auf der Straße<br />

lebt. Alain ist ein anerkannter<br />

Gourmetkritiker geworden, der<br />

in einem viktorianischen Anwesen<br />

lebt. In genau dieses nimmt<br />

er Craig als Gast mit. Und<br />

schon bleibt nichts mehr, wie<br />

es einmal war. Weil die Manuskripte<br />

des Lebens schreibt eben<br />

immer der Zufall. Manfred Schild<br />

John Niven: Alte Freunde<br />

Heyne Verlag, 352 S., € 20,60<br />

Über die Utopie des glücklichen<br />

Endes. Eine Schriftstellerin<br />

beschließt nicht ohne<br />

verlegerischen Druck einen<br />

Heimatroman zu schreiben,<br />

der sich durch mehrere Dinge<br />

auszeichnet, vor allem aber<br />

durch das unausweichliche<br />

glückliche Ende. Das Schreiben<br />

des Romans droht aber, trotz<br />

präziser Anleitung immer wieder<br />

aus den Bahnen zu geraten.<br />

Da wären die aufmüpfigen<br />

ProtagonistInnen, unzufriedene<br />

LeserInnen und die böse<br />

Großcousine aus der Stadt, die<br />

die Geschichte absichtlich zu<br />

sabotieren versucht. Humorvoll<br />

und knallhart. Empfehlung!<br />

Katharina J. Ferner<br />

Petra Piuk: Toni und Moni<br />

Kremayr & Scheriau, 208 S., € 19,90<br />

Nach 20 Jahren erscheint der<br />

zweite Roman der Menschenrechtsaktivistin<br />

Arundhati Roy.<br />

Eine magisch reale Landkarte,<br />

in der man einer Transgenderfrau<br />

begegnet und vielen<br />

facettenreich gezeichneten<br />

Personen, die die Vielfältigkeit<br />

Indiens in aller Gebrochen- und<br />

Schönheit spürbar machen.<br />

Die Charaktere haben ihre Brüche<br />

und mussten über schmerzhafte<br />

Kasten-, Nationen- und<br />

Religionsgrenzen gehen, die<br />

sie in sich tragen. Zerbrochene<br />

Herzen, die wieder zu einem<br />

pulsierenden gemeinsamen Herzen<br />

werden. Eva Wallensteiner<br />

Arundhati Roy: Das Ministerium<br />

des äußersten Glücks<br />

S. Fischer Verlag, 560 S., € 24,70<br />

Von nur einem Tag erzählt<br />

diese mitunter ironisch-böse<br />

Geschichte – und nur mit Ironie<br />

lassen sich die fühlbaren Ängste<br />

der Protagonistin ertragen:<br />

Die Angst vor dem Versagen,<br />

ein falsches Leben gelebt zu<br />

haben, zu sterben. Hier werden<br />

die großen Fragen an das Leben<br />

gestellt, während mit der freien<br />

Hand ein abgetrennter Finger<br />

gesucht und ein hyperaktives<br />

Kind beruhigt wird. Es sind die<br />

Gedanken einer Frau, die etwas<br />

Großes in der Welt hinterlassen<br />

will – und dabei übersieht,<br />

dass sie dies schon längst getan<br />

hat. Sarah Caliciotti<br />

Mareike Krügel: Sieh mich an<br />

Piper Verlag, 256 S., € 20,60<br />

Im Roman Wiener Straße wird<br />

es tatsächlich sehr österreichisch,<br />

auch wenn er in Kreuzberg,<br />

Anfang der 80er spielt.<br />

Dafür sorgen ein paar österreichische<br />

Aktionskünstler auf<br />

die unser Herr Lehmann trifft.<br />

Kunst ist das Gebot der Stunde<br />

im Café Einfall und Umgebung.<br />

Und Kunst kann alles sein. Was<br />

das wiederum mit einem Intimfriseurladen,<br />

einer Kettensäge,<br />

einem Kontaktbereichsbeamten,<br />

einem Schwangerschaftssimulator<br />

zu tun hat, und warum<br />

unser Herr Lehmann wieder<br />

über allem steht, das lesen Sie<br />

besser selbst. Simone Winter<br />

Sven Regener: Wiener Straße<br />

Galiani, 304 S., € 22,70<br />

Gilbert Silvester, Privatdozent<br />

(Themenschwerpunkt „Bartmode<br />

und Gottesbild“), träumt,<br />

dass seine Frau ihn betrügt, und<br />

nimmt den erstbesten Flieger<br />

nach Japan, in die denkbar<br />

größtmögliche Fremde. Von<br />

Tokyo reist er auf den Spuren<br />

von Matsuo Bashō, dem<br />

Großmeister des Haiku, in<br />

Begleitung eines höflichen, aber<br />

unfähigen Selbstmörders bis zu<br />

den legendären Kieferninseln<br />

vor Matsushima: eine aberwitzige<br />

Reise, letzten Endes zu sich<br />

selbst, in glasklarer Sprache<br />

und mit Witz in Szene gesetzt:<br />

bezaubernd! Joe Rabl<br />

Marion Poschmann: Die Kieferninseln<br />

Suhrkamp Verlag, 168 S., € 20,60<br />

Karl Marx hat Charles Darwin<br />

nicht getroffen. Was aber hätte<br />

sein können, zeigt Ilona Jerger<br />

in ihrem ersten Roman. Der<br />

Autorin gelingt es anhand der<br />

erfundenen Begegnung, Darwin<br />

in erster Linie als Menschen<br />

zu schildern und den Weg<br />

vom jungen Priesteranwärter<br />

zum Entdecker der Gesetze<br />

der Entstehung der Arten in<br />

lebendigen Bildern zu illustrieren.<br />

Über die eine oder andere<br />

Länge sieht man gerne hinweg,<br />

denn die penible Recherche der<br />

Autorin vor Ort und genaues<br />

Quellenstudium sind für alle ein<br />

Gewinn. Michael Carli<br />

Ilona Jerger: Und Marx stand still<br />

in Darwins Garten<br />

Ullstein Verlag, 288 S., € 20,60<br />

Über dieses Buch ist schon viel<br />

und viel verschiedenes gesagt<br />

worden. Golden House sei ein<br />

weiterer postmoderner Roman,<br />

mit hunderten Ebenen und gelehrtem<br />

Namedropping. Dabei<br />

ist das Buch ein charmantes<br />

und witziges Monster, das das<br />

Bild eines Amerikas zeichnet, in<br />

dem Sicherheiten verloren gegangen<br />

sind und das Echte vom<br />

Falschen nicht mehr zu unterscheiden<br />

ist. Märchen, Thriller<br />

und Kaleidoskop. Manchmal<br />

alles auch gleichzeitig. In jedem<br />

Fall atemberaubend. Michael Carli<br />

Salman Rushdie: Golden House<br />

C. Bertelsmann Verlag, 512 S., € 25,70<br />

Smiths neuer Roman erzählt<br />

lakonisch leicht von denen, die<br />

in der Glitzerwelt des Showbusiness<br />

nicht Fuß fassen können.<br />

Es geht um Fragen wie: Lohnt<br />

der Versuch, seine Herkunft<br />

hinter sich zu lassen? Was heißt<br />

es heutzutage, schwarz oder<br />

weiß zu sein? Was ist Freundschaft?<br />

Swing Time ist ein<br />

„Coming-of-Age-Roman“ im<br />

besten Sinn. Die Geschichte<br />

zweier Freundinnen ist beispielhaft<br />

für menschliches Streben<br />

und dessen Irrwege. Insgesamt<br />

ein großes Lesevergnügen, das<br />

den Leser am Schluss zu einem<br />

anderen macht. Michael Carli<br />

Zadie Smith: Swing Time<br />

Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />

640 S., € 24,70<br />

Moinika mit zwei i – kurz Moi –<br />

erzählt von ihren 7 Kindern,<br />

14 Enkelkindern, 5 Hunden und<br />

einem Hof. Federico, dem sie im<br />

Altersheim noch nie ausgesprochene<br />

Geheimnisse erzählt, lebte<br />

mit ihr früher als „angenommenes<br />

Kind“ am Bauernhof, er hat<br />

den Hof allerdings vor ihr über<br />

Nacht verlassen. Warum, kann<br />

er Jahre später mit der nötigen<br />

Distanz erzählen? In unglaublich<br />

zarten und gleichzeitig starken<br />

Bildern beschreibt Maria Thaler<br />

das Leben ihrer Protagonistin<br />

Moi – einer Frau, die auf den<br />

Hof ihres Mannes Lenz kam<br />

und zum Erstaunen aller bei<br />

ihrer Ankunft einen schwarzen<br />

Kater gestreichelt hat.<br />

Evelyn Unterfrauner<br />

Maria Thaler: Moi<br />

Edition Raetia Verlag, 192 S., € 18,–<br />

Louisa ist das Beste, was der<br />

Familie Massé passieren konnte,<br />

so scheint es zumindest, denn<br />

die Kinder Adam und Mila<br />

lieben ihre <strong>No</strong>unou. Aber alles,<br />

was in der Abwesenheit der<br />

Eltern passiert und im Kopf der<br />

Nanny, ist einfach nur krank<br />

und verdorben. Das Schicksal<br />

der Familie zeichnet sich bereits<br />

im ersten Kapitel ab und es gibt<br />

keine Aussicht auf ein Happy<br />

End. Die Autorin macht keine<br />

Schuldzuschreibungen und fällt<br />

keine Urteile – sie seziert die<br />

unangenehme Wahrheit. Nichts<br />

für schwache Nerven!<br />

Evelyn Unterfrauner<br />

Leïla Slimani: Dann schlaf auch du<br />

Luchterhand Verlag, 224 S., € 20,60<br />

Bevor die Welt unterging: Eine<br />

Abitur-Adoleszenz zwischen<br />

1979 und 1989, Judith lebt in<br />

einer Kleinstadt und sie kommen<br />

alle zum Vorschein: die<br />

Frisuren, Ohrenlöcher, Sport-<br />

BHs und Schuhe, die Ikonen<br />

der Literatur, Max Frisch und<br />

Jean Paul Sartre, die befreienden<br />

Schularbeiten über Sophie<br />

Scholl. Tschernobyl macht den<br />

entscheidenden Schnitt, vielleicht<br />

ist jetzt Schluss und das<br />

Ende der Schöpfung eingeläutet.<br />

Helmuth Schönauer<br />

Kirstin Breitenfellner:<br />

Bevor die Welt unterging<br />

Picus, 240 S., € 22,–<br />

Basierend auf zahlreichen in<br />

Wien und in Bosnien geführten<br />

Interviews entwirft „Phantome“<br />

von der Perspektive eines<br />

Wiener Graffiti-Künstlers<br />

ausgehend, der mit seiner<br />

Freundin Sara nach Bosnien<br />

reist, ein eindrückliches Bild<br />

der Erinnerungen an Krieg und<br />

Flucht von Saras Mutter Anisa<br />

sowie von Anisas Jugendfreund<br />

Jovan. So gelingt eine sowohl<br />

inhaltlich als auch sprachlich<br />

und erzählerisch ebenso klug<br />

durchdachte wie intensive und<br />

aufwühlende Annäherung an<br />

ein Bosnien und seine jüngere<br />

Geschichte, deren Parallelen zu<br />

aktuellen Ereignissen augenscheinlich<br />

sind. Martin Fritz<br />

Robert Prosser: Phantome<br />

Ullstein Verlag, 336 S., € 20,60<br />

Kat betreibt eine Kakaoplantage<br />

auf den Fidschi-Inseln. Nach<br />

dem Tod ihres Mannes lädt sie<br />

ihre Jugendfreundinnen zu sich<br />

ein, um in der Südsee mit ihr alt<br />

zu werden. Sina, Maya, Ingrid<br />

und Lisbeth bringen ihre Lebensgeschichten<br />

mit, lernen den<br />

Facettenreichtum der Fidschis<br />

und deren Bewohner kennen<br />

und lieben. In kleinen Dosen<br />

öffnen sie sich einander, stellen<br />

sich ihren Ängsten und produzieren<br />

dabei Schokolade. Die<br />

Kulisse sowie die Charaktere –<br />

in Symbiose mit dem respektvollen<br />

Blick auf das Leben und<br />

dessen Essenz – zeichnen diesen<br />

Roman aus. Gratulation, Anne<br />

Østby! Isabel Hörmann<br />

Anne Østby: Zartbitter ist das Glück<br />

Wunderraum Verlag, 384 S., € 22,70<br />

Robert Landons ehemaliger<br />

Harvard Student, Edmond<br />

Kirsch lädt ein ins Guggenheim<br />

– Museum von Bilbao. Alle<br />

sind gekommen, Kirsch möchte<br />

seine genauestens geplante<br />

Präsentation der High Society<br />

zeigen. Es geht um die großen<br />

Fragen der Menschheit, um<br />

Wissenschaft und Religion,<br />

seine Ergebnisse werden alles<br />

verändern. Für Langdon und<br />

die Direktorin des Museums<br />

beginnt eine spannende und<br />

rasante Jagd durch Spanien,<br />

immer auf der Suche nach der<br />

Wahrheit. Das lange Warten hat<br />

sich gelohnt, ein Genuss bis zur<br />

letzten Seite. Lena Kripahle<br />

Dan Brown: Origin<br />

Lübbe, 672 S., € 28,–


Ein unerwarteter Anruf wirft<br />

Robin völlig aus der Bahn.<br />

Ohne ihrem Verlobten Bescheid<br />

zu geben, packt sie ihre<br />

Sachen und fährt. Auf ihren<br />

Vater, seine neue Frau und<br />

ihre 12-jährige Tochter wurde<br />

geschossen. Seine Frau verstirbt<br />

kurz darauf. Durch den Vorfall<br />

muss auch Robin sich mit ihrer<br />

Vergangenheit auseinandersetzen.<br />

Sie hat seit Jahren wieder<br />

Kontakt zu ihrer Schwester. Ihr<br />

Vater war nicht wirklich beliebt<br />

und jeder könnte für diese Tat<br />

verantwortlich sein, auch die<br />

eigene Familie. Psychologisch,<br />

spannend und ein packender<br />

Thriller. Lena Kripahle<br />

Joy Fielding: Solange du atmest<br />

Goldmann Verlag, 448 S., € 20,60<br />

Es ist ein bunt schillerndes<br />

Kaleidoskop unterschiedlichster<br />

Schicksale und absurder Details,<br />

das Irene Diwiak in ihrem<br />

Debütroman wie einen Geschichtenteppich<br />

vor dem staunenden<br />

Leser ausbreitet. Die<br />

trotz ihres jugendlichen Alters<br />

vielfach ausgezeichnete Autorin<br />

gilt als literarische Hoffnung,<br />

deren Fabulierlust sich nicht<br />

nur an sprechenden Namen wie<br />

„Zwirbel“ oder „Wagenrad“<br />

zeigt – erzählt wird die Geschichte<br />

rund um ein wunderschönes,<br />

aber leider talentloses<br />

Mädchen, das dennoch ein Star<br />

werden soll. Bernd Schuchter<br />

Irene Diwiak: Liebwies<br />

Deuticke, 335 S., € 22,70<br />

Zack ist einer der jüngsten<br />

Sonderermittler in Stockholm.<br />

Als er auf einer illegalen Techno<br />

Party in einem Industriegebäude<br />

tanzt, werden in einem<br />

thailändischen Massagesalon<br />

vier junge Frauen ermordet.<br />

Zwischen Drogenrausch und<br />

internen Ermittlungen, versucht<br />

Zack die brutale Hinrichtung<br />

der Frauen aufzuklären. Welches<br />

Motiv steckt hinter den<br />

Taten, Frauenhass oder Rassismus?<br />

Oder doch rivalisierende<br />

Unterweltgestalten. Mit „Die<br />

Fährte des Wolfes“ bekommen<br />

wir Krimifans ein spannendes<br />

neues Ermittlerteam geboten.<br />

Lena Kripahle<br />

Mons Kallentoft, Markus Lutteman:<br />

Die Fährte des Wolfes<br />

Tropen Verlag, 458 S., € 17,50<br />

Es sind 200 Jahre vergangen<br />

und in England regiert die<br />

junge Protestantin Elisabeth<br />

Tudor. Ein schwelender Konflikt<br />

zwischen Katholiken und<br />

Protestanten wird durch ihre<br />

Regentschaft weiter angefacht.<br />

Viele trachten ihr nach dem<br />

Leben. Ned Willard, ein junger<br />

Mann aus Kingsbridge, sucht<br />

nach den Gegnern der jungen<br />

Elisabeth, als Spion des<br />

königlichen Geheimdienstes.<br />

Der Konflikt hat sich bereits<br />

zwischen ihn und seine Liebe,<br />

Margery Fitzgerald, gestellt.<br />

Historisch belegt und mit viel<br />

Spannung schreibt Ken Follett<br />

die Geschichte von Kingsbridge<br />

weiter. Lena Kripahle<br />

Ken Follett: Das Fundament der Ewigkeit<br />

Bastei Lübbe Verlag, 1168 S., € 36,–<br />

Mikael Blomkvist fährt den<br />

weiten Weg zum Frauengefängnis<br />

Flodberga. Lisbeth Salander<br />

muss dort ihre Haftstrafe<br />

absitzen. Sie bittet Mikael um<br />

Hilfe, denn Holger Palmgren<br />

hat neue Informationen über<br />

ihre Vergangenheit gefunden.<br />

Während Mikael beginnt, mehr<br />

Informationen über Leo Mannheimer<br />

zu finden, wird Lisbeth<br />

im Gefängnis das neue Ziel von<br />

Benito und ihrer Gang. David<br />

Lagercrantz gibt eine weitere<br />

Facette aus Lisbeths Vergangenheit<br />

preis und schafft es wie<br />

auch bei „Verschwörung“, den<br />

Nervenkitzel hochzuhalten.<br />

Lena Kripahle<br />

David Lagercrantz: Verfolgung<br />

Heyne Verlag, 480 S., € 23,70<br />

„Nichts als die Nacht“ ist das<br />

literarische Debüt Williams’ aus<br />

dem Jahr 1948. Die Erzählung<br />

handelt von der Angst und<br />

Verstörung eines Mannes, der<br />

in seiner Kindheit ein traumatisches<br />

Erlebnis hatte. Mit seinem<br />

Vater hatte er jahrelang keinen<br />

Kontakt, doch als dieser ihn<br />

zum Abendessen einlädt, muss<br />

er sich seiner Vergangenheit<br />

stellen. Eine beeindruckende<br />

Darstellung der Psyche eines<br />

„sozial gestörten“ Menschen.<br />

John Williams hat schon mit<br />

seinem Erstlingswerk bewiesen,<br />

dass er zu den größten amerikanischen<br />

Autoren des 20.<br />

Jahrhunderts gehört. Lena Walder<br />

John Williams: Nichts als die Nacht<br />

dtv Verlag, 160 S., € 18,50<br />

Nach dem Bestseller „Der<br />

Duft von bitteren Orangen“<br />

überzeugt die Bestsellerautorin<br />

auch wieder mit ihrem neuesten<br />

Buch. Es handelt von Nick, der<br />

nach dem Tod seines Vaters beschließt,<br />

nach Afrika zu gehen,<br />

um ein Kinderkrankenhaus<br />

zu bauen. Bis er zwischen die<br />

Fronten gerät und eine Affäre<br />

droht, eine ganze Familie zu<br />

zerstören. Eine beeindruckende<br />

und erschütternde Geschichte<br />

über Hoffnung und Liebe.<br />

Lena Walder<br />

Claire Hajaj: Der Wasserdieb<br />

Blanvalet Verlag, 512 S., € 20,60<br />

Paris – der junge Musiker und<br />

Journalist Thomas Dupré jobbt<br />

in seinem Lieblingsladen „Prestige<br />

Guitars“ und erhält einen<br />

besonderen Auftrag. Er soll<br />

eine Gitarre an einen Käufer in<br />

Schottland abliefern. Hierbei<br />

handelt es sich um einen Lord,<br />

welcher Thomas einen Deal<br />

vorschlägt: Wenn er ihm hilft,<br />

einen Beweis zu finden, dass die<br />

legendäre Gitarre „Gibson<br />

Moderne“ tatsächlich gebaut<br />

worden ist, erhält er eine Million<br />

Dollar. Voller Euphorie stürzt<br />

er sich in die Suche, die immer<br />

gefährlicher wird. Ein genialer<br />

Rock’n’Roll-Roadtrip durch die<br />

Musikgeschichte. Lena Walder<br />

Grégoire Hervier: Vintage<br />

Diogenes Verlag, 400 S., € 24,70<br />

Der mexikanische Dichter<br />

Miguel kann die Frau seines Lebens<br />

nicht vergessen. Er hat ihr<br />

Verschwinden nie überwunden.<br />

Als er von ihrem Tod erfährt,<br />

wird ihm bewusst, wie wenig er<br />

sie kannte. Sein Freund möchte<br />

ihm helfen, muss jedoch dafür<br />

mehr über die gemeinsame<br />

Vergangenheit des Dichters<br />

und der geheimnisvollen Frau<br />

herausfinden. Auf seiner Suche,<br />

die ihn von London bis nach<br />

Lissabon führt, stößt er auf<br />

das Geheimnis, das Teresa<br />

verzweifelt gehütet hat. Mit<br />

dieser melancholisch-sinnlichen<br />

Geschichte überzeugt der portugiesische<br />

Autor wieder aufs<br />

Neue. Lena Walder<br />

João Tordo: Die zufällige Biographie<br />

einer Liebe<br />

Droemer Verlag, 400 S., € 22,70<br />

In einem kleinen Dorf in Irland<br />

lebt und arbeitet PJ Collins.<br />

Die meisten im Dorf glauben,<br />

er könnte einen Fall lösen,<br />

wenn es einmal einen gäbe.<br />

Denn bisher verlief das Leben<br />

ganz ruhig, abgesehen von<br />

den üblichen Querelen. Doch<br />

dann werden auf einer Farm<br />

menschliche Knochen gefunden<br />

und die Ermittlungen reißen<br />

alte Wunden wieder auf. Alle<br />

im Dorf vermuten, es sind die<br />

Knochen von Tommy, die nach<br />

20 Jahren wieder aufgetaucht<br />

sind. Warmherzig, intelligent<br />

und ohne einen Tropfen Blut<br />

liefert <strong>No</strong>rton einen packenden<br />

Kriminalroman. Lena Kripahle<br />

Graham <strong>No</strong>rton: Ein irischer Dorfpolizist<br />

Kindler Verlag, 332 S., € 20,60<br />

Es geht weiter mit Kommissar<br />

Huldar und Psychologin Freya.<br />

Nach ihrem letzten Fall haben<br />

beide berufliche Konsequenzen<br />

zu spüren bekommen. Einen<br />

neuen Fall gilt es zu lösen und<br />

Huldar nutzt die Gelegenheit<br />

und bittet Freya um Hilfe. Eine<br />

Zeitkapsel, die 10 Jahre zuvor<br />

von Schülern vergraben wurde,<br />

wird 2016 wieder ans Tageslicht<br />

geholt. Ein Brief kommt zum<br />

Vorschein, auf ihm sind die Anfangsbuchstaben<br />

von zukünftigen<br />

Mordopfern niedergeschrieben.<br />

Wie gewohnt grausig und<br />

düster, tauchen wir ein in einen<br />

Fall, der weiter als 10 Jahre<br />

zurückliegt, der Nachfolger von<br />

„DNA“. Lena Kripahle<br />

Yrsa Sigurdardóttir: Sog<br />

btb Verlag, 448 S., € 20,60<br />

Die Liebe hat nicht nur schöne<br />

Seiten, fast jeder von uns hat<br />

irgendwann in seinem Leben<br />

auch den Verrat an ihr erlebt.<br />

Von diesem Verrat erzählt Jessica<br />

Schulte am Hülse. In sieben<br />

Geschichten zeigt sie die zerstörerische,<br />

düstere und gemeine<br />

Seite der Liebe. Ihre Protagonisten<br />

erleben den Verrat auf<br />

verschiedene Weise, während<br />

manche daran zerbrechen,<br />

überleben die anderen ihren<br />

Verlust und können ihr Leben<br />

fortsetzen. Trotz der Kürze der<br />

einzelnen Geschichten fühlt<br />

der Leser mit jedem einzelnen<br />

Schicksal mit. Lena Kripahle<br />

Jessica Schulte am Hülse: Verrat<br />

Blessing Verlag, 256 S., € 20,60<br />

Muss das Winterzeug wirklich<br />

sein? Diese Frage stellt der<br />

82-jährige „Mr. J“ Mendelssohn<br />

seiner Pflegerin, weil sie ihm<br />

über Nacht eine Windel anlegt.<br />

Diese Frage ist der Beginn einer<br />

Erzählung über sein Leben,<br />

seine Existenz – und damit<br />

seine Perspektive auf die Welt.<br />

„Who needs books if you have<br />

stories?” ist ein gerne verwendetes<br />

Zitat von Colum Mc-<br />

Cann. WIR benötigen solche<br />

außergewöhnliche Bücher mit<br />

erzählenswerten Geschichten,<br />

die aus Sprache ein individuelles<br />

Bewusstsein entstehen<br />

lassen. Richard Jurst<br />

Colum McCann:<br />

Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist?<br />

Rowohlt Verlag, 250 S., € 20,60<br />

Welch famose Parabel über<br />

Menschliches und Unmenschliches!<br />

Es brauchte gar keine<br />

„Außerirdischen“, wie der<br />

Erzähler Sol am eigenen Leib<br />

erfährt, um als kritischer Geist<br />

in einer Art medialem Konzentrationslager<br />

zu landen.<br />

Die angekündigten Aliens<br />

sind nämlich ganz nett und so<br />

verhelfen sie der Medien- und<br />

Marktwirtschaft zu neuem<br />

Aufschwung. Der Hit der<br />

Saison heißt „We are all aliens“,<br />

exterritoriale Immobilien und<br />

eine Castingshowwerden zum<br />

Schlager. Der Sieger wird reich,<br />

der Verlierer allerdings dient<br />

den neuen „Freunden“ als<br />

Delikatesse. Robert Renk<br />

Doron Rabinovici: Die Außerirdischen<br />

Suhrkamp Verlag, 255 S., € 22,70<br />

Eine wunderschöne, eigentümliche<br />

Geschichte ums Erinnern.<br />

Ein Grabredner fürs Radio<br />

gelangt auf seiner Suche nach<br />

radiotauglichem Kirchengeläut<br />

in das Land Innerfern und das<br />

Dorf der 13 Dörfer. Es ist die<br />

Gegend seiner Kindheit und nun<br />

geht’s los mit fein geschilderten<br />

Reminiszenzen an die frühere<br />

Zeit. Die Zeit, als es noch<br />

Handwerker im Dorf gab, die<br />

ersten schrulligen Touristinnen<br />

mit ihren Schrankkoffern und<br />

allerhand Sonderwünschen ankamen,<br />

die Kinder noch auf den<br />

Bahngleisen spielten und es beim<br />

Skifahren noch keinen Lift gab.<br />

Eine feine Erinnerungsexplosion<br />

im Kopf des Lesers! Simone Winter<br />

Gerhard Köpf: Das Dorf der 13 Dörfer<br />

Braumüller Verlag, 280 S., € 24,–<br />

Kunst macht süchtig. Man<br />

wundert sich, warum er nicht<br />

längst viel bekannter ist.<br />

Manche Gedichte lesen sich, als<br />

hätte Swifts Gulliver sich mit<br />

Carrols Alice eingelassen; bunt,<br />

abenteuerlich, scheinbar (!)<br />

kindlich. Andere wieder kommen<br />

daher wie Clint Eastwood,<br />

am Schluss von Gran Torino:<br />

grimmig, lässig, doch völlig<br />

unbewaffnet. Mit punktgenauer<br />

Pointe und absolut richtiger<br />

Hintergrundmusik. Er scheißt<br />

auf Regeln, legt aber dann<br />

einen perfekten Sonettenkranz<br />

hin. Kunst kann das, weil<br />

er alles beherrscht, auch das<br />

Unbeherrschte. Robert Renk<br />

Thomas Kunst: Kolonien und<br />

Manschettenknöpfe<br />

Suhrkamp Verlag, 125 S., € 20,60


Die Angst vor den Gebildeten<br />

Konrad Paul Liessmann denkt in seinem neuen<br />

Buch kritisch über die Möglichkeiten von Bildung nach.<br />

Von Bernd Schuchter<br />

Es reicht nicht,<br />

ein Bücherwurm<br />

und<br />

Vielwisser<br />

zu sein.<br />

Konrad Paul Liessmann<br />

55<br />

© corn.at<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

54<br />

„… die Vermittlung von Wissen, Kenntnissen<br />

und Können orientiert sich nicht mehr<br />

an der Sache, am Gegenstand, an einem<br />

Fach, Thema, Text oder Problem, sondern<br />

an den Befindlichkeiten und Möglichkeiten<br />

des Einzelnen“, schreibt Konrad Paul<br />

Liessmann in seinem neuen Buch nicht<br />

ohne melancholischen Unterton. Der Autor<br />

und Philosoph mischt sich seit Jahren als<br />

engagierter Intellektueller in die Bildungsdebatten<br />

der Gegenwart, die vor allem<br />

in den Feuilletons der großen Zeitungen<br />

ausgetragen werden, mit klaren, luziden<br />

Essays ein. „Bildung als Provokation“ versammelt<br />

nun eine Auswahl dieser Texte der<br />

letzten Jahre, die sowohl in Sammelbänden<br />

als auch in den Wochenendbeilagen etwa<br />

des „Standard“ oder der „Neuen Zürcher<br />

Zeitung“ erschienen sind.<br />

Dabei wird schnell deutlich, dass Liessmann<br />

eine klare Meinung zu den hitzig debattierten<br />

Themen hat und dass er im Zweifelsfall<br />

ein Vertreter der klassischen Bildung<br />

ist, allen Unkenrufen auf die traditionelle<br />

humanistische Ausbildung zum Trotz.<br />

Mit leichter Hand handelt Liessmann die<br />

schwierigsten Themen ab und bleibt dabei<br />

mehr als lesbar, auch Humor beweist der<br />

Wiener Professor für Philosophie, der<br />

gerade mit seinen Büchern „Theorie der<br />

Unbildung“ und „Geisterstunde. Die Praxis<br />

der Unbildung“ sowohl die schulische als<br />

auch die universitäre Ausbildung kritisch<br />

hinterfragt hat – Stichwort Bologna-Prozess<br />

und Pisa-Studien.<br />

„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach<br />

seinen Bedürfnissen.“<br />

Wie beiläufig streut Liessmann dieses<br />

Karl-Marx-Zitat ein, um seine Kritik am<br />

gegenwärtigen Schulsystem zu unterfüttern.<br />

Zuvor geht es um eine Bildungsrevolution,<br />

die Politiker in Wahlzeiten gerne propagieren,<br />

und Bildung als säkularisierte Religion.<br />

„Wissenschaft ist keine Kunst“ oder „Was<br />

von uns übrig bleibt. Über den Wert des<br />

Abfalls“ heißen zwei weitere, sehr lesenswerte<br />

Essays in „Bildung als Provokation“,<br />

wobei Liessmann provozieren will, um im<br />

eigentlichen Wortsinn etwas zu bewirken,<br />

etwas auszulösen, und sei es nur eine Diskussion.<br />

Seine Wortbeiträge haben mitunter<br />

heftige Reaktionen zur Folge, wie etwa<br />

die Erregung über den Brief gegen das<br />

Binnen-I, den Liessmann vor einigen Jahren<br />

mitunterzeichnet hat. Aber auch politisch<br />

engagiert sich Liessmann, auch in „Bildung<br />

als Provokation“. Seine Essays „Der Bürger<br />

und seine Partei“, „Was heißt denken?<br />

Über Intellektuelle in dürftiger Zeit“ oder<br />

„Es ist so bequem, unmündig zu sein! Brauchen<br />

wir eine neue Aufklärung?“ zeigen<br />

Liessmann als luziden philosophischen<br />

Denker, der anders als viele seiner Kollegen<br />

an der Universität nicht nur Philosophiegeschichte<br />

referiert, sondern selbstbewusst<br />

das eigene, das philosophische Denken in<br />

Fragen und Zusammenhängen pflegt.<br />

Es gibt ja, mit Liessmann gesprochen,<br />

nicht nur die „Angst vor den Gebildeten“,<br />

die den vielen Bildungsverlierern unangenehm<br />

den Spiegel vorhalten, sondern auch<br />

die unbequemen Fragen eines Intellektuellen,<br />

der den Finger lieber in die blutende<br />

Wunde einer Bildungsdebatte legt als der<br />

Bildungsministerin Wohlfühlratschläge<br />

zu erteilen. „In der Tat: Es ist so bequem,<br />

unmündig zu sein“, schreibt Liessmann.<br />

„Kant hatte da keine Illusionen.“ Der Autor<br />

Liessmann wohl ebenso wenig.<br />

Konrad Paul Liessmann, geboren 1953 in Villach, ist<br />

Professor am Institut für Philosophie der Universität<br />

Wien; Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.<br />

Er erhielt 2004 den Ehrenpreis des österreichischen<br />

Buchhandels für Toleranz im Denken und<br />

Handeln, 2010 den Donauland-Sachbuchpreis und<br />

2016 den Paul-Watzlawick-Ehrenring. Seine „Theorie<br />

der Unbildung“ (2006) war ein großer Erfolg<br />

und wurde in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen<br />

bei Zsolnay seine Bücher „Das Universum<br />

der Dinge“ (2010), „Lob der Grenze“ (2012) und<br />

„Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung“ (2014)<br />

sowie im Hanser Verlag gemeinsam mit Michael<br />

Köhlmeier „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist,<br />

Adam?“ (2016).<br />

Buchtipp:<br />

Konrad Paul Liessmann:<br />

Bildung als Provokation<br />

Zsolnay Verlag<br />

238 S., € 22,70<br />

Buchpräsentation:<br />

Konrad Paul Liessmann:<br />

Bildung als Provokation<br />

Di., 23. Jänner 2018, 19:30 Uhr –<br />

Festsaal der Wirtschaftskammer,<br />

Wilhelm-Greil-Straße 7<br />

Moderation und Gespräch:<br />

Christoph Holz


Polen, Wien<br />

und die andere Seite<br />

Ein Abend mit Radek Knapp.<br />

Von Robert Renk<br />

Weihnachtsgeschenk<br />

Vorschau: Frühjahr 2018<br />

Veränderungen in der Verlagslandschaft lassen immer<br />

auch Schlüsse über Veränderungen in gesellschaftspolitischen<br />

Bedürfnissen zu. Dem gehen wir im Frühjahr<br />

2018 nach … Von Robert Renk<br />

Gleich zwei Bücher sind heuer von Radek<br />

Knapp erschienen. Zum einen ist da die<br />

luftig leichte Erzählung „Der Mann, der<br />

Luft zum Frühstück aß“, die nicht schwer,<br />

aber nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Der<br />

zwölfjährige Walerian emigriert unfreiwillig<br />

von Polen nach Wien. Schule und Mutter<br />

setzen ihn nach kurzer Zeit auf die Straße.<br />

Er gerät in eine völlig andere Welt mit anderer<br />

Sprache, anderen Typen, anderen Mentalitäten.<br />

Und wiederum ist es die unverwechselbare<br />

Stärke von Radek Knapp, dass<br />

er – wie Elke Heidenreich meint – „immer<br />

noch mit diesem fassungslosen Blick eines<br />

Heranwachsenden auf die Welt sieht“.<br />

Radek Knapp schreibt unaufgeregt,<br />

kurzweilig, fast lapidar mit distanzierter<br />

Ironie. Gleichzeitig sind seine Texte subtil<br />

und feinsinnig. Vieles wird nur angedeutet.<br />

Typisch für seinen Erzählstil, für die Gabe,<br />

Bilder mit Worten zu malen, ist schon der<br />

erste Satz des Buches: „Niemand wusste so<br />

richtig, was im Kopf meiner Mutter vorging.<br />

Leute, die sie kannten, behaupteten,<br />

dass dort eine entzückende Leere herrschte,<br />

andere wiederum konnten geradezu den<br />

Donner hören, den der eingeschlossene<br />

Geist beim Nachdenken erzeugte.“ (Seite 7)<br />

Und dann das geglückte Experiment, in<br />

dem sich der hellsichtige Autor den düsteren<br />

Grafiken von Alfred Kubin stellt und<br />

sie in eine phantastische Erzählung verwebt.<br />

Ein Mann kommt in eine Stadt. Er sucht<br />

die Antwort auf jene Fragen, die ihn mehr<br />

beschäftigen als alles andere:<br />

Wer war ich? Wie bin ich der geworden,<br />

der ich bin? Und was erwartet mich noch?<br />

Schließlich findet er jemanden, der bereit<br />

ist, ihm Auskunft zu geben: Doch ob<br />

der Teufel dafür wirklich der Richtige ist?<br />

Zum Werk von Alfred Kubin zählen<br />

mehr als zweitausend Illustrationen für<br />

Bücher.<br />

© www.corn.at Heribert CORN<br />

Radek Knapp hat eine Erzählung zu<br />

ausgewählten Grafiken Kubins geschrieben<br />

und damit das Zwiegespräch zwischen<br />

Autor und Grafiker umgedreht – der<br />

Schriftsteller reagiert auf die Bilder des<br />

Künstlers. Das Ergebnis dieses ungewöhnlichen<br />

Projekts ist „Die Stunde der<br />

Geburt“.<br />

Radek Knapp, 1964 in Warschau geboren, lebt als<br />

freier Schriftsteller in Wien und in der Nähe von<br />

Warschau. Werke (u. a.): „Herrn Kukas Empfehlungen“<br />

(Roman, 1999), „Gebrauchsanweisung<br />

für Polen“ (2005), „Der Gipfeldieb“ (Roman,<br />

2015), der mit dem aspekte-Preis ausgezeichnete<br />

Erzählband „Franio“ (Deuticke 1994) und „Der<br />

Mann, der Luft zum Frühstück aß“ (Erzählung,<br />

Deuticke 2017).<br />

Buchtipps:<br />

Radek Knapp:<br />

Der Mann, der Luft zum<br />

Frühstück aß<br />

Deuticke, 128 S., € 16,50<br />

Radek Knapp:<br />

Die Stunde der Geburt / The<br />

hour of birth – Eine Erzählung<br />

zu 41 Grafiken von Alfred Kubin<br />

Zweisprachig, ins Englische<br />

übers. von Agnes Vukovich<br />

Deuticke, 96 S., € 17,50<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Ein Abend zwischen Polen,<br />

Wien und der anderen Seite<br />

Radek Knapp im Gespräch<br />

Do., 25. Jänner 2018, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Das persönliche Weihnachtsgeschenk,<br />

abzuholen in der Wagner’schen:<br />

Auch heuer wieder bieten wir Ihnen<br />

die Möglichkeit, ein ganz persönliches<br />

Weihnachtsgeschenk zu besorgen und<br />

das ganze noch mit dem Kontakt zu<br />

heimischen AutorInnen zu schmücken!<br />

Am 14. Dezember versammeln sich<br />

Tiroler Schriftsteller und Schriftstellerinnen<br />

und signieren für Sie. Lassen Sie sich<br />

Persönliches hineinschreiben, staunen Sie<br />

über plötzliche Zeichnungen im Buch und<br />

genießen Sie ein ungezwungenes Gespräch<br />

bei Kaffee und Keks bei uns. Mit dabei:<br />

Bernhard Aichner, Joe Fischler, Bernd<br />

Schuchter, Anna Rottensteiner, Robert<br />

Prosser, Markus Köhle, Mieze Medusa,<br />

Hubert Flattinger und Judith W. Taschler.<br />

Tipp:<br />

Ihr persönlich<br />

signiertes Weihnachtsgeschenk<br />

Do., 14. Dezember 2017 von<br />

15:30 bis 17 Uhr Signierstunde<br />

mit Bernhard Aichner,<br />

Joe Fischler, Bernd Schuchter,<br />

Robert Prosser, Markus<br />

Köhle, Mieze Medusa,<br />

Hubert Flattinger und<br />

Judith W. Taschler.<br />

Helge Malchow,<br />

Kiepenheuer & Witsch<br />

Horst Lauinger,<br />

Manesse Verlag<br />

Andrea Best,<br />

Wunderraumverlag<br />

Dorothea Zanon,<br />

Haymon Verlag<br />

56 57<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

© Melanie Grande<br />

© Wunderraumverlag © Manesse Verlag<br />

© Fotowerk Aichner<br />

Die einen kommen,<br />

die anderen gehen<br />

In der deutschsprachigen Verlagslandschaft<br />

stehen wieder Veränderungen vor der<br />

Tür. Großartige Verlegerpersönlichkeiten<br />

verabschieden sich, junge rücken nach, neue<br />

Verlage entstehen, neue Reihen entwickeln<br />

sich und alte ändern radikal ihr Erscheinungsbild.<br />

Hinter all diesen Veränderungen<br />

und Entscheidungen stehen – oft auch für<br />

den Außenstehenden – interessante Gedanken,<br />

die nicht nur mit Literatur im engeren<br />

Sinn zu tun haben. Natürlich spielen gesellschaftspolitische<br />

Entwicklungen, Marktverschiebungen<br />

und auch die eine oder andere<br />

private Begebenheit eine Rolle. Aber sie alle<br />

verbindet der Blick und Respekt gegenüber<br />

guter Literatur. Verlegerische Tätigkeit<br />

ist immer auch ein seismologischer Blick<br />

auf gesellschaftspolitische Veränderungen.<br />

Insofern freuen wir uns auf das Frühjahr<br />

2018, denn gleich vier Schwerpunkte,<br />

in denen Verlegerpersönlichkeiten in den<br />

Mittelpunkt gerückt werden, gibt es in<br />

der Wagner’schen zu erleben.<br />

Mit Helge Malchow verlässt einer der<br />

letzten Großen der deutschsprachigen Verlagslandschaft<br />

die Szenerie. Der Chef von<br />

Kiepenheuer & Witsch, eine bahnbrechende<br />

Verlegerpersönlichkeit, ist mit AutorInnen<br />

wie Zadie Smith, Bret Easton Ellis, Julian<br />

Barnes, Joachim Meyerhoff und vielen<br />

anderen auf Du & Du. Bekannt auch dafür,<br />

dass er literarischen Schrott auch dann<br />

ablehnt, wenn die Verkaufszahlen jeden<br />

anderen Verleger schwach werden lassen.<br />

Andererseits pflegt er gerne Autoren,<br />

die qualitative Vorreiter sind – von Alois<br />

Hotschnig über Eva Menasse bis Katja<br />

Lange-Müller.<br />

Es ist uns ein Anliegen, ihn in<br />

„Hotschnig-Town“ gebührend zu verabschieden.<br />

Dazu planen wir einen 2–3-tägigen<br />

Kiepenheuer & Witsch-Schwerpunkt.<br />

Der Wunderraumverlag hingegen ist ganz<br />

neu im Geschäft. Entwickelt aus der Crew<br />

des Manhattan Verlags, ist ein ganz neuer<br />

Verlagsraum entstanden. Der Buchhändler<br />

nennt es wohl einen Verlag für gehobene<br />

Frauenliteratur und staunt, wie wunderschön<br />

und unverwechselbar diese „Wunderraum-Bücher“<br />

gemacht sind. Das Verlegerteam<br />

benennt es so: „Wir machen Romane<br />

für Leser, die sich in Büchern verlieren,<br />

um sich im Leben wiederzufinden.“ Was die<br />

neue Verlegerin sonst noch macht, erfahren<br />

Sie ebenfalls im Frühjahr (März) in der<br />

Wagner’schen, wenn Andrea Best uns in<br />

unserem Bücherwunderraum besucht.<br />

Alt aber neu ist DER Verlag für die<br />

Pflege guter und vergessener Klassiker.<br />

Der Manesse Verlag, gegründet schon 1944<br />

in Zürich, hat sich einem Relaunch unterzogen.<br />

Neues Styling, alte Qualitäten? Ob<br />

das so ist, fragen wir Manesse-Chef Horst<br />

Lauinger, der seit 2000 das Manesse-Schiff<br />

preisgesegnet durch die literarischen Wasser<br />

lotst. Auch er wird im Frühjahr 2018 bei<br />

uns zu Gast sein.<br />

Der Haymon Verlag wiederum hat eine<br />

neue Programmleiterin, mit neuen Ideen.<br />

Eine davon, die in eine literarische Reihe<br />

namens „Haymon schwärmt“ mündet, stellt<br />

Dorothea Zanon bei uns vor.


© Birgit Kö l<br />

Unsere umfangreichen<br />

SERVICE LEISTUNGEN<br />

schreiben wir GROSS!<br />

Autorinnen und Autoren<br />

dieser Ausgabe<br />

— 24 Stunden online<br />

stöbern, schmökern, eBooks<br />

downloaden und bestellen<br />

(mehr auf S. 33)<br />

— Buchversand<br />

portofrei innerhalb Österreichs – auch<br />

als Geschenk verpackt<br />

— Wagner’sche bringt’s<br />

mit unserem Fahrradkurier liefern wir<br />

innerhalb von Innsbruck in maximal<br />

3 Stunden. Gilt für lagernde Artikel!<br />

(mehr auf S. 33)<br />

— Newsletter<br />

mit dem Newsletter der Wagner’schen<br />

sind Sie immer informiert<br />

— Fachkundige Beratung<br />

durch unsere Buchhändlerinnen und<br />

Buchhändler<br />

— Geschenkgutscheine<br />

für jeden das richtige Geschenk<br />

— Unsere Kundenkarte<br />

zahlreiche Vorteile inkl. Bonifizierung<br />

gibt es mit der Wagner’schen<br />

Vorteilscard<br />

— Umtausch<br />

kulant und unkompliziert<br />

— Zeitschriften<br />

Ihre Abonnements und<br />

Fortsetzungen bestellen und<br />

verwalten wir für Sie<br />

— Schulbuchservice<br />

volles Service und kompetente<br />

Betreuung für Schulen, Bibliotheken<br />

und Firmen<br />

— Fremdsprachige Bücher<br />

vor Ort und auf Bestellung<br />

— Recherche- und<br />

Bestellservice<br />

für vergriffene und antiquarische<br />

Bücher<br />

— Bequem online bestellen<br />

und bei uns abholen<br />

— Persönliche Empfehlungen<br />

unsere Buchhändlerinnen und Buchhändler<br />

geben Ihnen die besten Tipps<br />

— Veranstaltungen<br />

wir holen die Stars nach Innsbruck und<br />

bieten Ihnen zahlreiche Buchpräsentationen<br />

und Lesungen<br />

Kochbuchpräsentation<br />

YOMYOM:<br />

Rock’n’Roll –<br />

Tasty Sh*t!<br />

Inklusive Verkostung<br />

von Speis und Trank.<br />

25. April 2017,<br />

19:30 Uhr<br />

Eine Veranstaltung der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung.<br />

Buchpräsentation<br />

David<br />

Judith W. Taschler<br />

Moderation & Gespräch: Katharina Kramer (ORF)<br />

Musik: Bernd Lumassegger alias<br />

Dr. Idoo (didgeridoo und anderes)<br />

Buchpräsentation<br />

Fortuna<br />

wagnersche_taschler_einladungskarte_2017_1.0.indd 1 13.09.17 08:31<br />

Franz Schuh<br />

© Christoph © XXX Hasibeder<br />

© Helmut Wimmer<br />

Martin Bär, Innsbrucker, Büchernarr und seit Langem<br />

Buchhändler, ist nach vielen Jahren im Salzburger Land seit<br />

<strong>No</strong>vember 2016 Abteilungsleiter in der Wagner’schen.<br />

Sarah Caliciotti ist gelernte Buchhändlerin und studiert<br />

Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck.<br />

Sie arbeitet außerdem (u. a. Licht und Ton) im Innsbrucker<br />

Kellertheater und ist nebenbei immer wieder als Regieassistentin<br />

an verschiedenen Theatern tätig.<br />

Michael Carli, gelernter Kulturvermittler, Werber und<br />

Lebensmittelhändler. Lebt in Innsbruck, liebt Sardinien.<br />

Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn), lebt –<br />

nach einigen Stationen in Europa – nun als Journalistin und<br />

Autorin in Innsbruck.<br />

Günther Egger, European Photographer of the year (2015,<br />

2017 commercial & fashion), Master QEP Photographer,<br />

Hasselblad Master Finalist 2012/2014, Herausgeber von<br />

„UP – the paper magazine“, gelernter Jurist und belesener<br />

Krimiexperte.<br />

Ute Faserl, Buchhändlerin, kam vor gut 30 Jahren aus dem<br />

„Badischen“ nach Tirol … und in die Wagner’sche. Nach<br />

längerer Familienpause kam sie wieder und ist immer noch<br />

da.<br />

Katharina Johanna Ferner, geboren 1991 in Salzburg.<br />

Seit 2009 lebt und schreibt sie vorwiegend in Wien, wo sie<br />

ihren Bachelor in Slawistik und Russisch abgeschlossen<br />

hat. Schreibt auch Rezensionen für das österreichische<br />

Bibliothekswerk und die Literaturzeitschrift „&Radieschen“.<br />

War aktuell Leselenz-Stipendiatin und hat das Superbuch<br />

„Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und<br />

beinahe eine Revolution auslöste“ (Verlag Wortreich, 2015)<br />

geschrieben.<br />

Martin Fritz, geboren 1982, hört sich in seiner Freizeit gerne<br />

DJ Patex’ Coverversion des Songs „I Wish I Was Him“ an.<br />

Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien<br />

sowie „intrinsische süßigkeit“ (Lyrik, Berger Verlag 2013),<br />

zuletzt: „EMMA“ (Freies Theater Innsbruck, 2016), Weblog:<br />

assotsiationsklimbim.twoday.net<br />

Markus Hatzer, geboren 1966 in Prägraten (Osttirol),<br />

seit 1981 Buchhändler, Verleger des Haymon Verlags, des<br />

Löwenzahn und Studienverlags und des Universitätsverlags<br />

Wagner. 2015 als Partner bei der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung<br />

eingestiegen.<br />

Andreas Hauser erbte die Liebe zur Kriminalliteratur von<br />

seinem Vater, schrieb lang im Tiroler Magazin ECHO<br />

Beiträge zu Wissenschaft und Zeitgeschichte, Empfehlungen<br />

von Krimis, Thrillern und Literatur. Seit 2015 Mitarbeiter<br />

und CP-Redakteur der KULTIG Werbeagentur in Innsbruck.<br />

Isabel Karoline Hörmann, geboren 1979 in Innsbruck,<br />

als Texterin im Alpenresort Schwarz tätig. Lesehungrig,<br />

schreibverliebt, fasziniert von Wort und Sprache.<br />

Richard Jurst, Buchhändler, Antiquar, Bibliothekar in<br />

Ausbildung.<br />

Gracia Kasenbacher-Harar, Choreografin und Tanzpädagogin,<br />

geboren in Utrecht, wohnt in Innsbruck und betreut<br />

seit Oktober 2015 die Schaufenster in der Wagner’schen.<br />

Christophe Koroknai, geboren 1988, Studium der Komparatistik<br />

in Innsbruck. Arbeitet seit 2014 im Haymon Verlag.<br />

Lena Kripahle, 1984 geboren und Buchhändlerin.<br />

Bereits seit der 1. Klasse süchtig nach Druckerschwärze und<br />

Hörbüchern. Seit <strong>No</strong>vember 2015 ist die Wagner’sche ihre<br />

neue Heimat.<br />

Christine Lötscher forscht als Kulturwissenschaftlerin an<br />

der Universität Zürich und arbeitet als freie Literatur- und<br />

Filmkritikerin für verschiedene Medien. Seit 2014 diskutiert<br />

sie regelmäßig im „Literaturclub“ im Schweizer Fernsehen<br />

mit.<br />

Mieze Medusa ist Autorin, Rapperin und Pionierin der<br />

österreichischen Poetry Slam Szene! www.miezemedusa.com<br />

Linda Müller, geboren 1988, Studium der Neueren deutschen<br />

Literaturwissenschaft in Innsbruck. Seit 2011 Lektorin im<br />

Haymon Verlag, seit 2016 außerdem zuständig für Veranstaltungsmanagement<br />

und Lesermarketing.<br />

Joe Rabl, geboren in Kufstein; Studium der Komparatistik<br />

und Germanistik in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor;<br />

veranstaltet zusammen mit Birgit Holzner die Innsbrucker<br />

Wochenendgespräche.<br />

Markus Renk, seit 30 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />

der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />

und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />

Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter.<br />

Gastdozent an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter in der<br />

Wagner’schen. Gibt das Magazin „Wagner einmalig“ heraus.<br />

Nina Rettenbacher brachte uns der Koch- und Gärtnerhimmel<br />

in die Wagner’sche. Erste Stadtgärtnerin und<br />

grandiose Köchin & Gastgeberin im 1. Stock.<br />

Merle Rüdisser stammt aus Vorarlberg, übersiedelte<br />

zwecks Studium (Literaturwissenschaft und Philosophie)<br />

nach Innsbruck, arbeitet als Lektorin (Limbus Verlag) und<br />

Korrekturleserin und schreibt eigentlich nicht.<br />

Andrea Scheiber, geboren 1971, seit 25 Jahren in der<br />

Wagner’schen Buchhandlung, betreut die Bereiche Kinderbuch,<br />

Kochbuch und Kreatives, was sich mit ihren Hobbys<br />

gut trifft.<br />

Katharina Schermann, geboren 1982, studierte Germanistik<br />

und arbeitete nach diversen Praktika im Buchverlag und<br />

-handel bei der Illustrierten „Tirolerin“. Seit 2015 ist sie<br />

als Onlinetexterin bei einer Werbeagentur tätig. Ende 2016<br />

wurde sie Mutter eines Sohnes.<br />

Manfred Schild, Theater- und Hörspielautor, Regisseur und<br />

Leiter des Innsbrucker Kellertheaters.<br />

Helmuth Schönauer, geboren 1953, ist gerichtlich anerkannter<br />

Schriftsteller und Bibliothekar. „Tagebuch eines Bibliothekars“,<br />

5 Bände; Klagenfurt, Sisyphus 2016; „Krautig“,<br />

13 Kurzromane, welche die Tiroler ums Verrecken nicht<br />

schreiben wollen, Wien: Kyrene 2016.<br />

Evelyn Unterfrauner, Referentin des Referats für Öffentlichkeitsarbeit<br />

der ÖH Innsbruck. Betreibt den Book Broker<br />

Blog auf: bookbroker.wordpress.com.<br />

Marlene Walder, seit 2013 im Buchhandel tätig und in der<br />

Wagner’schen u. a. für all age und fremdsprachige Literatur<br />

zuständig, was sich gut mit ihrer Liebe zu Oscar Wilde trifft.<br />

Eva Wallensteiner, geboren 1969 in Innsbruck. Arbeitet als<br />

Theaterethnologin, Dramaturgin und entwicklungspolitische<br />

Referentin in Wien, Graz und Indien.<br />

Anita Winkler hat in Innsbruck Germanistik studiert, ist seit<br />

2008 für das Programm des Löwenzahn Verlags verantwortlich.<br />

Simone Winter, geboren 1972 in Innsbruck. Studium<br />

der Germanistik und Journalistik in Salzburg und Köln.<br />

Arbeitet als Grafikerin und Texterin in Köln und Düsseldorf.<br />

Klaus Zeyringer, Habilitation in Graz; war Univ.-Prof.<br />

für Germanistik in Frankreich. Literaturkritiker u. a. für<br />

„Der Standard“, Jurymitglied der ORF-Bestenliste; Literaturmoderationen<br />

in Österreich, Deutschland, der Schweiz<br />

und Frankreich. Zuletzt: „Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte<br />

von 1896 bis heute. Bd. 1: Sommer“ (2016).<br />

Online bestellt.<br />

Umweltfreundlich<br />

geliefert.<br />

Kundenkarte<br />

Lesung<br />

Moderation: Martin Sailer<br />

Schauma mal,<br />

dann wer ma<br />

schon sehen<br />

wagnersche_schuh_einladungskarte_2017_1.0.indd 1 19.04.17 13:47<br />

Daniel Glattauer<br />

Ort: Treibhaus (Angerzellgasse 8)<br />

Eintritt: € 10,– VVK / € 13,– Abendkassa<br />

Vorverkauf: Treibhaus<br />

59<br />

In 3 Stunden<br />

bei Ihnen zu Hause.<br />

wagnersche_gla tauer_einladungskarte_2017_1.0.indd 1 20.02.17 13:46<br />

© Philipp Horak<br />

Bücher seit 1639<br />

Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte<br />

Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität<br />

Innsbruck. Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt:<br />

„Jacques Callot und die Erfindung des Individuums“, Braumüller<br />

2016, „Gebrauchsanweisung für Tirol“, Piper 2017.<br />

Silvia Spiegl, Germanistin, seit 1991 Buchhändlerin in der<br />

Wagner’schen.


Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Museumstraße 4<br />

6020 Innsbruck<br />

T. +43 512 59505 0<br />

info@wagnersche.at<br />

www.wagnersche.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Buchhandlung<br />

Montag bis Freitag: 9 – 18.30 Uhr<br />

Samstag: 9 – 17 Uhr<br />

T. +43 512 595 05 0<br />

1639. Die Meierei<br />

Montag bis Freitag: 9 – 17 Uhr<br />

Samstag: 9 – 13:30 Uhr<br />

An den 4 Adventsamstagen<br />

bis 17 Uhr<br />

Sonn- & Feiertage geschlossen<br />

T. +43 650 940 308 0

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