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Marburger Köpfe Vom

Marburger Köpfe Vom Pimpf zum Center in der Basketballmannschaft, vom Soldat zum Major der Reserve, vom Politologen zum Friedensforscher - das sind die beruflichen Stationen von Johannes M. Becker in Kurzfassung. Nun geht er in den Ruhestand. Für seine Studenten bleibt er natürlich ansprechbar. Sie und andere werden sich weiterhin wort- und gestenreich erklären lassen können, was in Konflikten zu tun ist: Verhandeln, verhandeln, verhandeln - und den Ball flach halten. Wer bei Johannes Becker zum Mittagessen auf dem Balkon sitzt, bekommt viel Selbstgemachtes serviert. Immer mit kleinen Geschichten angerichtet: Salat und Kartoffeln vom Biobauern Harry Kull, Kräuter aus den eigenen Balkonkästen, Olivenöl aus wilden Gärten Spaniens, Brände von einer klitzekleinen Destillerie aus Südfrankreich. Viele der Geschichten haben mit Südfrankreich zu tun. Mit dem kleinen Haus, das Johannes Becker dort in den 70er Jahren mit einer Gruppe von drei Gleichgesinnten gekauft hat. Wo er regelmäßig, aber – bislang – „immer nur viel zu kurz“, die Seele in der Ardèche badet und über Gott und die Welt nachdenkt. „Wo ich all das mache, was ich gern mache“, sagt er ruhig vor sich hin, und man bekommt den Eindruck, dass er auch an dieses Häuschen denkt, wenn er den künftigen Ruhestand vor sich sieht. Im selben Atemzug zählt er aber dann all das auf, das er weiterhin machen wird. Die Ehrenämter, „hier und da einen Vortrag“, Lehre und Kultur mit seiner Partnerin Maximiliane; Berater einer Bundestagsfraktion wird er auch bleiben. Mit dem „Kerner-Netzwerk“ will er eines der ältesten Gebäude Marburgs wiederbeleben. Er bleibt Ansprechpartner für Studierende und für OB Spies. Seine Wohnung in Marburg behält er - die mit einigen schweren Möbeln aus seinem Elternhaus, die damals beim Schreiner bestellt wurden. So – noch einen Espresso aus der Siebträgermaschine. Konzentriert schneidet Johannes Becker ein fingerbreites Stück von einer dunklen Zigarre ab und steckt es in eine kleine Pfeife. „Ne Cohiba; hat mir ´n Freund geschenkt. Zu schade zum Wegrauchen am Stück.“ Also dann am Stückchen. Ja, ja – Ball flach halten. Umständlich gibt er sich Feuer. Hält Kopf und Pfeife schief dabei. Kurz drauf ist die Pfeife aus. Nun noch einen festen, freundlichen Händedruck. Der große Friedensmann geleitet mich vorbei an den alten Möbeln seiner Kindheit zum Treppenhaus. Vielleicht sollte er doch ein modernes Möbelstück in den großen Flur stellen. Den Pax von ikea. Johannes Maria Becker: • 1952 in Marienheide/Rheinland geboren • 1981 Staatsexamen und Diplom in Marburg • 1985 Promotion • 1990 Habilitation • 2004 Geschäftsführer Zentrum für Konfiktforschung Fotos: Günter Gleim 12

Stadt und Land Das Hinterland aus der Vogelschau – vom „Jubiläums-Aussichtsturm“bei Breidenbach Breidenbach mit der Gießerei des Buderuskonzernes im Mittelpunkt. von Dr. Lutz Münzer Fotos: Dr. Lutz Münzer Von eigenem Reiz sind Ausblicke von hoch oben in die Landschaft. In Gebirgsregionen steht dem nur allzu oft die Waldbedeckung der Höhenlagen entgegen, man steht buchstäblich im Wald und kann nicht weit sehen. Vielfach gilt das auch für das Hinterland westlich von Marburg. Seit 2013 schafft in dieser Hinsicht der „Jubiläums-Aussichtsturm“ bei Breidenbach etwas Abhilfe. Bei dem namengebenden Jubiläum handelte es sich um das 1100-jährige des Ortes Breidenbach, einer gewerbereichen Siedlung im Perftal, wenige Kilometer von der ehemaligen Kreisstadt Biedenkopf entfernt. Über drei Aussichtsplattformen verfügt der in verzinkter Stahlausführung errichtete Turm. Die oberste befindet sich ca. 20 Meter über dem Grund bzw. etwa 500 Meter über dem Meeresspiegel. Von ihr eröffnet sich ein faszinierender Ausblick zum Rothaargebirge im Nordwesten und Norden bzw. zum Lahn-Dill-Bergland mit seiner Vielzahl von Windkraftanlagen im Süden und Westen. Ostwärts dagegen begrenzt ein geschlossen bewaldeter Höhenzug die Aussicht. Seit dem letzten Winter überragen ihn gigantische Windkraftanlagen. Für deren Bau bedurfte es umfangreicher Wegebauten im Wald, so dass das Wegenetz sich erheblich veränderte. Schon in Breidenbach finden sich Wegweiser zum Turm. Knapp 1.000 Meter beträgt der Weg zu ihm von einem Parkplatz am Waldrand oberhalb des Friedhofes in Breidenbach. Wer den Turm zum Ziel einer Wanderung machen möchte, der verlässt im Haltepunkt Wallau der Bahn Marburg – Erndtebrück den Zug und wandert auf dem „Seenradweg“ bzw. dem Radfernweg R8, am Perfstausee vorbei, nach Breidenbach bis zur weithin sichtbaren Kirche im Südteil des Ortes. Dort gelangt er auf den „Talsperrenweg“, einem mit dem Zeichen X3 markierten Wanderweg. Sein Name leitet sich von den zahlreichen Talsperren vor allem in Nordrhein-Westfalen her, die dieser 165 Kilometer lange, in Hagen beginnende und in Biedenkopf endende Weg miteinander verbindet. Der X3 führt an dem oben erwähnten Parkplatz vorbei, so dass sich von hier der Abstecher zum Turm anbietet. Vom Parkplatz geht es dann auf direktem, waldreichen Weg nach Biedenkopf. Etwa 17 Kilometer Strecke sind das. Für Radfahrer bietet sich die gleiche Strecke an, jedoch werden sie vom Parkplatz Richtung Biedenkopf besser erst einmal in das nach Osten führende Tal hinabfahren und diesem nach Erreichen ostwärts bis zum Ende folgen. Grund: Der Wanderweg verläuft oberhalb dieses Tales und dort nicht immer auf fürs Rad geeigneter Trasse. Aussicht nach Nordwesten zum Waldreich des Rothaargebirges. 13