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Marburg War Johann

Marburg War Johann Wolfgang von Goethe in Ockershausen? von Reinhold Drusel War Goethe am 2. Juli 1792 in Ockershausen? Diese Frage beschäftigte mich, seit ich von den Forschungen über den Staatswissenschaftler Johann Heinrich Jung (1740-1817) Kenntnis habe. Unter dem Namen Jung-Stilling wurde er als Arzt bekannt. Er war Freimaurer. Während seines Medizinstudiums in Straßburg lernte er Johann Wolfgang Goethe kennen. Fortan verband historischen Geschichte von Ockershausen verdichtete sich der Hinweis, dass es sich hierbei um das alte Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes „Roter Hof“ handelt. Dieses aus dem 13. Jahrhundert stammende Rittergut hat in seiner Folgezeit eine Vielzahl von Eigentümern zu verzeichnen. Schon nachdem die Erbauer das Anwesen bereits im 14. sie eine tie- fe Freundschaft. Von 1787 – 1803 lehrte Jung-Stilling als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität in Marburg. In der von Benrath, herausgegebenen Lebensgeschichte zu Jung-Stilling Das Hauptgebäude wurde um 1972 abgerissen. An seiner Stelle entstand das liest man: „Stillings Gemeindehaus der ev. Kirchengemeinde Ockershausen. schwermü- tige Seelenstimmung und viele fast unbezwingliche Geschäfte veranlassten ihn und seine Elise, eine ländliche Wohnung zu Ockershausen, einem Dorfe, eine Viertelstunde von Marburg, zu mieten und da den größten Teil des Sommers zuzubringen. Weiter heißt es dort: Von nun an (1795) wohnte Stilling mit seiner Familie vier Jahre lang, einen großen Teil es Frühlings, Sommers und Herbstes, in Ockershausen, in einem artigen Hause.“ Durch weitere Nachforschungen zur Jahrhundert verkaufen, erfolgt ein ständiger Eigentümerwechsel. Darunter befinden sich später hohe landgräfliche Beamte, die das Haupthaus als Wohnstätte für hohe Persönlichkeiten und Besucher der Landgrafschaft bereitstellen. So logiert auch der hier erwähnte Professor für ökonomische Wissenschaften Johann Heinrich Jung-Stilling gelegentlich im „Roten Hof“ und empfängt dort selbst Gäste. Ab 1795 – 1799 wohnt Jung-Stilling mit seiner Familie in den Frühlings-, Sommer- 22 und Herbstmonaten im „Roten Hof“ in Ockershausen. Wie kommt nun Goethe in dieses Haus? Eigentlich ist es eine simple Schlussfolgerung, mit einem hohen Wahrscheinlichkeitskern. Am Nachmittag des 2. Juli 1792 werden Jung-Stilling und Domdechant Vince in Ockershausen von Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, königlich-preußischer Generalmajor, empfangen. Carl August kam mit dem 6. preußischen Kürassier-Regiment über Oberkaufungen, Kassel, Melsungen, Amöneburg, Marburg, auf dem Marsch nach Koblenz hier durch. Er hält in Ockershausen im Roten Hof, der die Ansprüche eines hohen Empfanges bieten kann. Es ist ein Gegenbesuch seines Schwagers, des Hessen- Darmstädtischen Landgrafen Ludwig X., der aus Gießen kommt. Jung-Stilling trifft hier Carl-August, aber er berichtet nicht weiter über diese Begegnung. Das Zusammentreffen der Herzöge erfolgte vor dem Hintergrund des 1. Koalitionskrieges/Revolutionskrieges, (1792 – 1795) zwischen dem Revolutionären Frankreich und den Deutschen Fürstenhäusern. Man weiß es aus zahlreichen Lebensschilderungen, dass Herzog Carl August bei seinen Reisen stets von seinem Mentor Johann Wolfgang Goethe begleitet wurde. Warum aber treffen sich Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und Herzog Ludwig X. von Hessen-Darmstadt am 2. Juli 1792 in Foto: Archiv Drusel

Damals Ockershausen? Es ging wohl um Konspiration. Ein unauffälliges Treffen, nicht im Landgrafenschloss, sondern etwas abgelegen im kleinen Dorf. Die Hessischen Landgrafen „vermieteten“ seit Beginn des 17. Jahrhunderts große Truppenteile durch „Subsidienverträge“ an fremde Mächte. Die Hessische Landgrafschaft verfügte ständig über ein einsatzfähiges Truppenkontingent von 12.000 bis 15.000 Soldaten. Die Hessen sollten im beginnenden Krieg gegen Frankreich an der Seite Preußens eingesetzt werden. Die beiden Herzöge aus Sachsen-Weimar-Eisenach und Darmstadt verabredeten in Ockershausen ebenfalls die Teilnahme am Feldzug in Frankreich. Zu sehr hatten die Ereignisse in Frankreich in den deutschen Fürstenhäusern große Unruhe und Ängste ausgelöst. Der Aufforderung zur Niederschlagung der Revolution in Frankreich folgten sie im eigenen Interesse unverzüglich. Sie unterstellten ihre nur mehrere Hundert Mann starken Truppenteile dem preußischen Kommando. Nach anfänglichen Erfolgen der Koalitionsarmee kam es in den Kämpfen am 20.9.1792 zur berühmten Kanonade von Valmy. Goethe sagte damals „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus – und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen“. Die Vermutung, dass J. W. Goethe am Treffen der Herzöge in Ockershausen am 2.7.1792 teilgenommen hat, stützt sich also auf die Tatsache, dass Herzog Carl August auch beim Feldzug in Frankreich nicht auf die Begleitung des Freundes und Mentors Johann Wolfgang von Goethe verzichtet hatte. Blick von der Wasserscheide in die Wettergasse vor 100 Jahren und heute. Hut oder Mütze – hier müssen alle drüber Wer Marburgs Altstadt durchwandert, muss über die Wasserscheide, dem alten Buckel am Hang des Schlossbergs, der natürlich älter ist als alles andere im alten Marburg. Als vor sicher mehr als 2.000 Jahren die ersten Häuschen von den ganz frühen Siedlungsgebieten in der Lahnaue den Schlossberg hinaufwuchsen, war er längst da dieser Buckel, auf dem heute so gern Straßenmusiker mit mehr oder weniger schönen Gesängen und Klängen die Fußgänger erfreuen. Dieser Buckel, der die abströmenden Bächlein vom Schlossberg teilte, was ihm seinen Namen einbrachte –Wasserscheide. Das alte Foto zeigt einen Blick in die Wettergasse. Korporierte Studenten gehen an einem staunenden Mädchen vorbei. Rechts der Mann mit dem leichten Sommerhut kommt sicher aus dem Geschäft von Franz Rumpf in der Neustadt, der hatte ja immer die schicksten Kopfbedeckungen für alles Jahreszeiten. (gg) 23