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Kultur Damit es Musik

Kultur Damit es Musik wird - und nicht Geräusch von Günter Gleim Warum ist das Saxophon kein Blechblasinstrument? Weil es aus Messing ist. Und warum ist es dann kein Messingblasinstrument? Weil es ein Holzblasinstrument ist. Das Saxophon ist schwer zu verstehen, schwer zu spielen und, wenn es nicht mehr richtig bläst, schwer zu reparieren. Für einen Spezialisten wie Armin Weis in Cappel alles kein Problem. Er erklärt alles, er repariert alles. Seine Philosophie: Das Saxophon muss den Ton machen, der gebraucht wird. Klar, es müssen die richtigen Tasten gedrückt werden. Aber dann muss der Ton stimmen. Natürlich drückt Armin Weis nach jeder Reparatur im Schallraum die Tasten. Und warum nun ist ein Saxophon ein Holzblasinstrument? Weil der Ton im Mundstück mit einem Holzplättchen erzeugt wird. Können Sie mal nachgucken? Mit Lampe und Kamera auch innen. Wie bei der Darmspiegelung. Foto: Günter Gleim 36

Kultur Viel zu schade für das Fernsehen von Günter Gleim Ich sitze auf dem Open-Flair-Festival vor einer kleinen Bühne, auf der ein kleiner Mann Gitarre spielt und singt. Daneben sitzt ein großer Mann kerzengerade an einem Keyboard. Was machen die für einen Sound? Ich bin musikalisch in den 60ern sozialisiert. Und plötzlich treten sie auf, die von Woodstock, die aus England – die Stones, die Kinks, Jimi Hendrix. Der kleine Mann röhrt wie Joe Cocker, zuckt auch so ungelenk die Arme. Spielt Blues-Rock-Riffs wie Hendrix. Oder singt er doch wie Steve Winwood, oder doch wie Van Morrison? Zumindest seine schwarze Brille schiebt er mit dem Zeigefingerknöchel immer wieder so hastig hoch wie Van Morisson seine Sonnenbrille. Es ist Blues- Rock wie wir ihn von diesen Leuten kennen, den hier der kleine Mann zusammen mit seinem Keyboarder spielt. Die 500 Zuhörer, die vor der kleinen Bühne sitzen, hocken, stehen gucken anfangs ein wenig ratlos. Aber nur kurz, dann sind sie gepackt. Gepackt von Sound und vor allem vom Gesang des kleinen Mannes mit der wirklich großen Stimme. Das ist diese Stimme, die vor einigen Jahren die Juroren von Voice of Germany von den Sitzen gefegt hat. Die haben sich alle umgedreht, als er Rocket Man von Elton John interpretiert hat. „Ich bin Andreas und komme aus der Nähe von Würzburg“, hat er damals erklärt. Im Sturmlauf hat er den Wettbewerb dann gewonnen. Auch die Ausscheidung zum Grand Prix de Eurovision. Aber da wollte er nicht hin. „Das traue ich mir nicht zu“, hat er vor einem Millionenpublikum erklärt. Und jetzt sitzt er beim Open Flair in Eschwege und fasziniert das Publikum mit Liedern und Balladen, die an beste Rockmusik vergangener Jahrzehnte erinnert. Aber nicht nachgespielt – klar, das kann er auch. Vieles neu komponiert in alter Manier. In bewährter Manier. Die 500 Leute vor der Bühne – vielleicht waren es auch 1.000 – hat er alle gepackt. Die alten, die jungen. Gute Musik packt nun mal. Allemal die Musik von Andreas Kümmert, dem kleinen Mann aus dem Frankenland. Der mit der ganz, ganz großen Stimme. Was Andreas Kümmert an Bart zu viel hat, haben manche Fans als Frisur zu wenig. Andreas Kümmert mit Gitarre und ungeheurer Stimme. Der „Deutsche Joe Cocker“ wird am Keyboard begleitet von Sebastian Bach. 37