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Stadt und Land Auf der

Stadt und Land Auf der Jagd Der Weg zum Halali von Ina Tannert Noch ist es still im winterlichen Wald. Eng stehen die Laubbäume beieinander. Unter den herbstlich bunten Wipfeln ist es düster und kalt. Eine kühle Brise bringt das Laub zum Rascheln. Männer mit dicken Jacken in Grün und Braun versammeln sich. Sie tragen Mützen, Ledergürtel mit Messerscheiden, Gewehre auf den Rücken. Westen in knalligem Orange bilden scharfe Kontraste zum trüben Wintermorgen. „Waidmannsheil“, schallt es aus vielen Mündern. Die Treiber bahnen sich einen Weg durch das Unterholz. Trockene Zweige knacken, brechen unter schweren Arbeitsschuhen. Leises Gemurmel in der Gruppe, dann ein Ruf, einer von vielen. „Hopp hopp“, schallt es durch den Wald. Endgültig ist die morgendliche Stille dahin. Gebell ist zu hören, kleine Jagdhunde werden von den Leinen gelassen, verschwinden hinter Büschen und Bäumen. Ein einzelner Schuss donnert in der Ferne. Das Echo brandet durch den Wald. Die Männer verstummen, lauschen, warten. Nichts passiert. Schulterzucken. Weitergehen. „Hopp hopp“. Ein Lichtung kommt in Sicht, es wird heller. Brauner, matschiger Waldboden wechselt zu blassgrünem Gras. Die Gruppe fächert auf, hält Abstand zueinander. Wieder ein Schuss, diesmal näher. Vereinzeltes Nicken. Wir erreichen einen Waldweg. Am Rande steht ein Hochsitz. Darauf ein Mann mit Gewehr in der Hand. Er winkt grüßend, lächelt. Ein kurzer Austausch. Noch hatte er keinen Anblick, hat noch nichts geschossen. Es geht weiter. „Hopp hopp“. Knacken im Unterholz, Gebell. Das war ein Spurlaut. Dann ein scharfer Ruf: „eins kommt“. Spannung macht sich breit, Männer bleiben stehen, drehen sich um, suchen. Ein braunes Reh bricht raschelnd zwischen Farnen hervor. Gewehre werden angelegt. Ein Lauf folgt der fliehenden Beute. Kein Schuss fällt. Das Reh ist zu schnell, es stürzt in ein Dickicht und entkommt unbehelligt. Aufatmen. Jagdhunde, wie der kleine Münsterländer „Kaja“, begleiten die Treiber auf der Jagd. Sie sollen Wild aufspüren, durch Bellen aufschrecken und zur Flucht bringen. Die endet in der Regel vor dem Gewehrlauf der Jäger. 40

Stadt und Land Fotos: Ina Tannert Runterkommen. „Pures Adrenalin, nichts ist so aufregend wie die Jagd“, sagt Revierleiter Peter Becker. Es gehe um Bestandskontrolle, Hege und Hobby zugleich. Auch um Macht? Nein, sagen die Männer. „Wir sind keine Fanatiker, keine lustvollen Tiermörder“, meint Förster Maik Werning. In der Ferne hallen mehr Schüsse. Der Höhepunkt der Treibjagd ist erreicht. Ein Jäger kommt in Sicht, er zieht ein totes Reh über den Boden. Eine Gruppe junger Leute schließt sich an. Sie zücken Ampullen und Spritzen. Es sind Studenten der Veterinärmedizin. Sie sollen am frisch erlegten Wild üben, untersuchen Organe, Einund Ausschüsse. Jagd und Wissenschaft gehen Hand in Hand, sagen sie. „Es ist eine praktische Ausbildung am frischen Tier“, erklärt Wildtiermediziner Dr. Klaus Volmer. Nach drei Stunden ist die Jagd vorbei. „Das war‘s. Es ist Hahn in Ruh“, sagt Peter Becker. Es wird nicht mehr geschossen. Treiber packen zusammen, Jäger steigen steif von Hochständen. Es herrscht Aufbruchstimmung. Im Autokonvoi geht es zum Streckenplatz. Auf einer Waldlichtung stehen einfache Holzgerüste. Daran hängt kopfüber die Beute des Tages, bereits ausgeweidet und gewaschen. Es riecht nach Blut. Manche Mäuler sind gespickt mit Fichtenzweigen, „der letzte Bissen“. Das soll die Aussöhnung zwischen Jäger und Beute symbolisieren. Jagd ist ein feierliches Event mit altem Brauchtum, sagen die Männer. Auch manche von ihnen tragen Zweige an dunkelgrünen Hutkrempen, „ein Erlegerbruch“. Sie haben getötet. Ein tiefes Hornsignal ruft sie zusammen. Die Strecke wird gelegt. Schwarz- und Rehwild wird auf Reisig aufgebahrt. Alle versammeln sich darum, Hüte werden abgenommen, Gespräche verstummen. Weitere Hörner erschallen. „Jedes Wild hat ein ein eigenes Totsignal, ein eigenes kleines Musikstück“, sagt Peter Becker. Es folgt das letzte Halali. Der Jagdleiter bedankt sich „für ein diszipliniertes Schießen“. Die Jagdsignale Zu Beginn und zum Ende einer Gesellschaftsjagd dienen Hornsignale als Kommunikationsmittel zwischen den Jägern. Traditionell folgt während der abschließenden Versammlung das Verblasen der Strecke. Verschiedene Totsignale mit unterschiedlichen Tonfolgen kennzeichnen den Abschuss verschiedener Wildtierarten, als „eine letzte Ehrung des erlegten Wildes“, sagt Revierleiter Peter Becker. 41