Fokus 1. Quartal 2012 - Raiffeisen

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Fokus 1. Quartal 2012 - Raiffeisen

Fokus 1. Quartal 2012

Raiffeisen Fonds – Global Invest

"Nächster Bahnhof Jungfraujoch", tönt es aus dem Zuglautsprecher – ein Falschdurchsage, die im Intercity

zwischen Bern und Zürich unlängst für Verwirrung und Belustigung gesorgt hat. Der Vorfall erinnert an die

Kurzgeschichte "Der Tunnel" von Friedrich Dürrenmatt: Ein Reisender stellt auf einer bekannten

Bahnstrecke plötzlich mit wachsender Beunruhigung fest, dass ein normalerweise kurzer Tunnel nicht

mehr enden will.

Als Anleger fühlt man sich angesichts der Bocksprünge an den Börsen zuweilen aus der Bahn geworfen.

Die Märkte haben sich nach einem Absturz Mitte letzten Jahres zunehmend stabilisiert und vor allem

Anfang 2012 unerwartet deutlich erholt. Was sind die Gründe? Ein Auslöser für die Hausse waren US-

Wirtschaftsdaten, die die Erwartung des Marktes durchwegs übertrafen. Zudem hat das grosszügige

Liquiditätsprogramm der Europäischen Zentralbank (long-term refinancing operations, LTRO) entscheidend

dazu beigetragen, das Systemrisiko innerhalb der Eurozone zu begrenzen. Auch die Lockerung der

Geldpolitik in einigen wichtigen Schwellenländern hat sich positiv ausgewirkt.

Doch wie geht es weiter? Zwar ist das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern nach wie vor robust

und die Aktienmärkte sind günstig bewertet. Aber die Risiken bleiben hoch: Es ist beispielsweise

unwahrscheinlich, dass die US-Wirtschaft die Wachstumserwartungen des Marktes dauerhaft übertreffen

wird. Der steigende Ölpreis von derzeit 125 Dollar per Barrel – getrieben von einer steigenden Nachfrage

und dem Säbelrasseln am Persischen Golf – bereitet Kopfschmerzen. Die Schuldenberge der meisten

Industrieländer lasten schwer, die Profitmargen vieler Unternehmen sinken tendenziell und die

Notenbanken der Welt können nicht bis in alle Ewigkeit Geld drucken. Doch allzu schwarz sollte man auch

nicht sehen. Mehr zu unserem Blick in die Kristallkugel am Schluss dieses Beitrags.

Aktien - Quote schrittweise erhöht

Wir haben Ende Januar und Anfang Februar schrittweise die Quote der Dividendentitel in den Global

Invest Fonds erhöht, denn das Rendite/Risiko-Profil der Aktienmärkte hat sich deutlich verbessert. Nach

Abschluss der Umschichtungen war die Aktienquote weitgehend neutral. In Anbetracht der weiter

steigenden Aktienmärkte, aber auch dank der weiter fallenden Zinsen und der positiven Entwicklung der

Immobilienanlagen, konnte der Global Invest Balanced seit Jahresanfang um rund 4% zulegen.

Aufgestockt haben wir unter anderem einen Fonds von Aberdeen, um das Engagement in

Schwellenländern zu erhöhen. In den USA haben wir uns im IT- (SanDisk Corp.) sowie im Energiebereich,

namentlich beim Erdölförderer Ensco Plc und dem Ölindustrie-Zulieferer Cameron International Corp,

engagiert. In der Schweiz haben wir neben Schweizer Rück auch verstärkt Gesellschaften mit einer

mittelgrossen Marktkapitalisierung aufgebaut. Finanztitel halten wir generell trotz der jüngsten Erholung

für nicht attraktiv. Die Finanzunternehmen profitieren momentan von der Liquiditätsschwemme der

Europäischen Zentralbank. Aber die Aussichten für diesen Sektor sind wegen der sinkenden Profitabilität

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und der zunehmenden Regulierung unsicher. Banken, die einen beträchtlichen Teil ihrer Erträge in

Schwellenländern erzielen, dürften sich hingegen gut entwickeln. Sogenannte defensive Titel, deren

Geschäftsgang vom Konjunkturverlauf unabhängig ist, haben wir abgebaut. Getrennt haben wir uns auch

von Goldminenaktien wie Yamana Gold. Die Gründe für den Ausstieg waren einerseits die jüngste Rally

des Titels, andererseits nachlassende Ängste hinsichtlich eines Inflationsanstiegs. Goldminen-Aktien sind

aber nach wie vor sinnvoll, obwohl sich bei uns der Fokus auf solche Risikopuffer-Anlagen verringert hat.

Wir halten noch einen Goldminen-Titel, nämlich Barrick Gold, in unseren Portfolios.

Obligationen - Engagement im Bereich Schwellenländer erhöht

Anfang Februar haben wir Obligationenfonds mit Schwellenländer-Ausrichtung gezeichnet. Dies geschah

im Rahmen der veränderten Zuteilung der Mittel auf die Anlageklassen. Die "Untergewichten"-Empfehlung

für Obligationen –namentlich von Staatstiteln der entwickelten Länder – besteht zwar weiterhin, doch die

Obligationenquote der aufstrebenden Länder wurde erhöht. Die Duration der Fonds mit

Obligationenanteil – Global Invest Yield, Balanced und Growth – war seit Anfang Jahr tendenziell kurz.

Mit dem Verkauf von Futures in der Schweiz haben wir dann in der zweiten Märzhälfte die Anfälligkeit des

Obligationensegments auf einen Zinsanstieg weiter reduziert. Die kontinuierliche Erholung des US-

Arbeitsmarkts sowie die nachlassenden strukturellen Risiken in Europa sollten Druck auf die im Vergleich

zum aktuellen Wirtschaftsgang zu teuren Obligationenmärkte ausüben. Auf Einzeltitelebene haben wir im

Obligationensegment keine signifikanten Änderungen vorgenommen.

Alternative Anlagen - Fokus auf Immobilienaktien

Wir engagieren uns nach wie vor bei alternativen Anlagen, die das Risiko eines "herkömmlichen" Portfolios

aus Aktien und Obligationen vermindern sollen. Der Oberbegriff schliesst nach unserem Verständnis

Rohstoffe, Immobilienaktien, Immobilienfonds und Hedgefonds ein. Aus Sicht der Global Invest Fonds

sind momentan Immobilienaktien im Vergleich zu Immobilienfonds interessanter. Erstere haben seit

Jahresanfang auch um rund 7% zugelegt. Zwar haben sich Immobilienfonds mit einem Plus von 4% auch

erfreulich entwickelt. Sie konnten dabei aber nicht mit den Immobilienaktien mithalten. Insgesamt haben

wir im Immobilienbereich eine neutrale Gewichtung. Was den Hedgefonds-Bereich angeht, so konnten die

zwei von uns verfolgten Strategien "Managed Futures" und "Global Macro" von der Entwicklung an den

Aktien- und Rohwarenmärkten profitieren.

Währungen – Franken leicht schwächer gesehen

Trotz der Schuldenkrise in der Europäischen Union hat sich der Euro gegenüber dem Dollar in den letzten

Monaten erstaunlich widerstandsfähig gezeigt. Was den Schweizer Franken im Verhältnis zur

europäischen Einheitswährung betrifft, so ist die Ausgangslage klar: Am Mindestkurs von 1,20 Franken

zum Euro gibt es nach Aussagen der Schweizerischen Nationalbank nichts zu rütteln – daran wird auch der

personelle Wechsel im SNB-Direktorium nichts ändern. Zwar ist die Euro-Finanzkrise auch durch das zweite

Rettungspaket für Griechenland bei Weitem nicht gelöst. Doch wir erwarten graduelle Fortschritte bei der

Umsetzung der am 9. Dezember 2011 beschlossenen Fiskalkonsolidierung innerhalb der Europäischen

Währungsunion. Damit dürften die Finanzzuflüsse in den Franken, die einen "sicheren Hafen" suchen,

allmählich nachlassen. In der Folge wird sich der Franken gegenüber dem Euro leicht abschwächen.

Ausblick – Stimmung verbessert, Fragezeichen bleiben

Bei allen Fragezeichen über die künftige Entwicklung ist deutlich, dass sich die Stimmung an den Börsen

klar verbessert hat. Dies lässt sich unter anderem daran erkennen, dass seit Dezember letzten Jahres die

Situation in Griechenland nicht mehr als grosses Problem wahrgenommen wird. Ausserdem sind seit

Oktober die Aktienmärkte im Aufwärtstrend und die Rendite italienischer 10-jähriger Staatsanleihen von

über 7% Ende November 2011 auf unter 5% gefallen. Nach der jüngsten starken Rally besteht aber ein

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erhebliches Rückschlagspotential. Mittelfristig bieten die Finanzmärkte jedoch gute Chancen. Neben

robuster Portfoliokonstruktion sind Absicherungsstrategien und Gewinnmitnahmen, wenn sie gekonnt und

zum richtigen Zeitpunkt angewandt werden, die Schlüsselelemente für den Schutz und die langfristige

Mehrung von Vermögen.

Christophe Bernard (Bank Vontobel Chefstratege)

Cédric Lewy (Bank Vontobel Portfoliomanager Global Invest)

Wichtiger rechtlicher Hinweis

Die in dieser Publikation erwähnten Fonds sind Fonds nach luxemburgischem Recht. Diese Publikation ist keine Offerte zum Kauf

oder zur Zeichnung von Anteilen. Bei der aufgeführten Performance handelt es sich um historische Daten, auf Grund derer nicht auf

die laufende oder zukünftige Wertentwicklung geschlossen werden kann. Für die Berechnung der Performancedaten wurden die bei

der Ausgabe und gegebenenfalls bei der Rücknahme der Anteile erhobenen Kommissionen und Kosten nicht berücksichtigt.

Informationen über die Zusammensetzung von Customised Benchmarks können beim Vertreter und bei den Zahlstellen in der

Schweiz bezogen werden. Ein Investment in Teilfonds dieses Fonds birgt Risiken, die im Verkaufsprospekt erläutert sind. Zeichnungen

erfolgen nur auf der Grundlage des Verkaufsprospektes, der «Wesentliche Anlegerinformationen» bzw. «Key Investor Information

Document(s)» («KIID(s)»), der Statuten sowie des Jahres- und Halbjahresberichtes. Diese Unterlagen können kostenlos beim Vertreter

in der Schweiz-, der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft, Raiffeisenplatz, CH-9001 St. Gallen, bei den Zahlstellen in der Schweiz, der

Raiffeisen Schweiz Genossenschaft, Raiffeisenplatz, CH-9001 St. Gallen resp. der Bank Vontobel AG, Gotthardstrasse 43, CH-8022

Zürich sowie am Gesellschaftssitz des Raiffeisen Schweiz (Luxemburg) Fonds, 69, route d’Esch, L-1470 Luxemburg bezogen werden.

Die Publikation ist nicht das Ergebnis einer Finanzanalyse. Die „Richtlinie zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse“

der Schweizerischen Bankiervereinigung finden demzufolge keine Anwendung. Weitere Infos siehe www.raiffeisen.ch/rechtlicherhinweis

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