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FernUni Perpektive | Herbst 2017

Campus Seite 2

Campus Seite 2 FernUni Perspektive Fortsetzung von Seite 1 Campusfest Viele Gäste beim „Feier-Abend“ der FernUniversität Ein kritischer Blick zum Himmel zeigte nicht nur Rektorin Prof. Ada Pellert: alles blau. Zu den Gästen zählten auch wieder Absolventinnen und Absolventen, für die die FernUniversität beim „Homecoming“ ein interessantes Programm hatte (s. Seite 20). Veranstaltet werden die Campusfeste von der FernUniversität und der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V. Presse China zu Gast in Hagen Neues Forschungszentrum im Aufwind Intensive Gespräche und Diskussionen in einem kleinen Kreis von Expertinnen und Experten: Der erste Workshop des neuen Forschungszentrums für volkswirtschaftliche Studien zu Ostasien an der Fern- Universität in Hagen war ein Erfolg. „Das zweitägige Programm ist exzellent angekommen. Unsere Gäste aus China waren begeistert“, zog Prof. Dr. Helmut Wagner Bilanz. Zusammen mit Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer hatte er das Center for East Asian Macroeconomic Studies (CEAMeS) im Jahr 2016 an der Fern- Universität gegründet. Die Mitglieder waren nun zum ersten persönlichen Kennenlernen auf den Campus in Hagen eingeladen. China-Experte des IWF zu Gast China quo vadis? Auf dem Weg zum Regierungsbesuch in Peking legte China-Experte Dr. Markus Rodlauer einen Zwischenstopp an der FernUniversität ein. Der Vize- Direktor der Abteilung für Asien und Pazifik beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington hielt eine Key Note zur aktuellen wirtschaftlichen Lage Chinas sowie zu möglichen zukünftigen Entwicklungsszenarien. Die FernUniversität als Gastgeberin war stark vertreten. Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert und Prof. Dr. Helmut Wagner hießen die Gäste willkommen. Linda Glawe, Michael Murach und Antonia Reinecke von den volkswirtschaftlichen Lehrstühlen für Makroökonomik (Prof. Wagner) und Internationale Ökonomie (Prof. Schmerer) beleuchteten unterschiedliche Fragestellungen des Themas „Macroeconomic Development and Trade in East Asia“. Auch eine Delegation des „Center for Macroeconomic Research“ der Xiamen-Universität aus China war zu Gast. Rektorin Prof. Ada Pellert, Prof. Helmut Wagner (3.v.l.) und Prof. Hans-Jörg Schmerer (3.v.r.) begrüßten die Gäste aus China sowie den China-Experten Dr. Markus Rodlauer (r.). (Foto: FernUniversität, Pressestelle) Deren Leiter Prof. Wenpu Li kündigte an, den nächsten Workshop im Frühjahr 2018 in China auszurichten. Dann soll die Veranstaltung auch für weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China und Japan geöffnet werden. Die Aufbauarbeit des internationalen Netzwerks von Forschenden ist mit dem Gründungsworkshop in Hagen weitgehend abgeschlossen. Erste Kooperationen und Projekte mit ostasiatischen Universitäten und Institutionen sind angestoßen. In Zukunft wollen Prof. Wagner und Prof. Schmerer das Forschungszentrum als internationale Anlaufund Informationsstelle zur chinesischen Volkswirtschaft tablieren, unter anderem über den Ausbau der Web-Plattform mit aktuellen Inhalten rund um die dortige Wirtschaft. Außerdem sollen Gastdozentinnen und -dozenten regelmäßig in Hagen begrüßt werden. „Um die Strahlkraft unserer Forschung zu erhöhen, müssen wir das Center auf eigene Füße stellen“, kündigt Prof. Wagner an. can www.ceames.center

FernUni Perspektive Seite 3 Lüdenscheider Gespräch Unbequeme liberale Urgesteine Sie gelten als „FDP-Urgesteine“ und „liberales Gewissen“: Bundesinnenminister a.D. Dr. Gerhart Baum und Bundestagsvizepräsident a.D. Dr. Burkhard Hirsch. Im Lüdenscheider Gespräch „‚Der Baum und der Hirsch‘ – Zwei Vorkämpfer für ein liberales, freiheitliches Deutschland“ erläuterten die beiden Linksliberalen die wichtigsten Ereignisse ihres 60-jährigen gemeinsamen Weges in der Politik. Veranstalter waren das Institut für Geschichte und Biografie der FernUniversität in Hagen und das Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach. Moderator war dessen Leiter Prof. Dr. Ewald Grothe. Über das Ende ihrer politischen Karrieren hinaus sind beide Politiker als engagierte und erfolgreiche Streiter gegen Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriffe oder Online- Durchsuchungen, für eine humane Asylpolitik und die Menschenrechte bekannt. Zusammen mit ihrer Parteifreundin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erreichten sie 2004, dass wesentliche Teile des Gesetzes zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität („Großer Lauschangriff“) als verfassungswid- rig eingestuft wurden. Mit einer weiteren Verfassungsbeschwerde griffen Baum und Hirsch 2005/06 erfolgreich das Luftsicherheitsgesetz an, weil nicht Menschenleben gegeneinander aufgewogen werden könnten. „Wir leben langsam in einem Überwachungsstaat“, kritisierte Baum in Lüdenscheid. Hirsch fragte nach den „Grenzen des Überwachungswahns“: „Was ich mit meiner Frau bespreche, geht den Staat nichts an.“ Der Sicherheit wegen würden die Freiheitsrechte immer wieder eingeschränkt, etwa durch die Vorratsdatenspeicherung. Dabei zeige der Fall des Attentäters Anis Amri, wie zweifelhaft der Erfolg sei, so Baum. Es müsse viel mehr als bisher über „Sicherheit und Freiheit“ diskutiert werden, forderte Hirsch. Von Weltkrieg und Nachkriegszeit geprägt Die beiden weit über 80 Jahre alten, aber mit jugendlichem Elan kämpfenden und diskutierenden Politiker entstammen bürgerlichen, eher unpolitischen Familien. Hirsch kam über die „Unaufrichtigkeit“ großer Teile der Nachkriegsgesellschaft nicht hinweg. Unpolitische Men- schen wunderten sich, dass ihnen mit dem Dritten Reich die Demokratie „plötzlich abhandengekommen“ war: „Macht kann vom Staat auch missbraucht werden. Politik ist viel zu wertvoll, um sie anderen zu überlassen.“ Baum trat in die Kölner FDP ein, weil die SPD ihm „zu sozialistisch“ und die CDU „unerträglich konfessionell“ war. Die NRW-FDP war ihm zu nationalliberal, „in Köln allerdings war sie anders aufgestellt; wir wollten wissen, was passiert war. Denn das durfte nicht wieder geschehen.“ Angesichts der „bleiernen Adenauer-Zeit“ wollten Baum und andere den Staat ändern: „Das Grundgesetz war eine unglaubliche Errungenschaft, nur musste es gelebt werden.“ Hirsch dachte ähnlich. Für ihn kam hinzu, dass „wir Mitteldeutschen für Adenauer nicht wichtig“ waren: „Er war für mich ein rheinischer Separatist“, für den wenige Kilometer weiter nach Osten „Sibirien begann – wir als FDP vertraten eine andere Deutschlandpolitik“. i Burkhard Hirsch und Gerhart Baum Dr. Burkhard Hirsch (geboren 1930 in Magdeburg), Rechtsanwalt und seit 1949 Mitglied der FDP, war von 1975 bis 1980 Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1972 bis 1975 und von 1980 bis 1998 war er Mitglied sowie von 1994 bis 1998 zugleich Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Gerhart Baum (geboren 1932 in Dresden), Rechtsanwalt, seit 1954 Mitglied der FDP, 1966 bis1998 in den Führungsgremien der Partei vertreten, von 1982 bis 1991 Stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender und Mitglied des Deutschen Bundestages von 1972 bis1994, war von 1978 bis 1982 Bundesminister des Innern. Als Adenauer ein „Zwei-Parteien- System“ anstrebte – das Ende seines Koalitionspartners FDP – kündigte diese in NRW 1956 die Koalition mit der CDU. Unter anderem Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher rückten die Partei in den 1960er Jahren in die politische Mitte, um mit der CDU/CSU wie mit der SPD koalieren zu können. Hirsch: „Wir wollten eine Deutschlandpolitik machen, die Chancen bot.“ Zerreißproben für die FDP Ab 1969 konnten die FDP-Außenminister Scheel und Genscher die neue Ostpolitik in der sozialliberalen Koalition gestalten – die FDP verlor jedoch Politiker und bei Wahlen viele Stimmen. Ihren „Sozialen Liberalismus“ (Freiburger Thesen, 1971) löste sie 1977 durch einen wirtschaftsliberalen Kurs ab. Der unvermeidliche Koalitionsbruch wurde, so Baum und Hirsch, 1982 von Kanzler Helmut Schmidt gezielt herbeigeführt und so inszeniert, dass die FDP als Schuldige dastand. Die Wende zur CDU führte erneut zur Zerreißprobe. Den folgenden Ruck hin zur „Partei der Leistungsträger und Besserverdienenden“ machten Baum und Hirsch nicht mit, sie blieben, wo sie politisch standen – und damit am Rand. Sie wurden eine unbequeme liberale Opposition. Da Das Gespräch mit Gerhart Baum (li.) und Burkhard Hirsch (re.) wurde von Prof. Ewald Grothe (mittleres Foto, li.) moderiert. Prof. Arthur Schlegelmilch (stehend) führte ins Thema ein. (Fotos: FernUniversität, Pressestelle) Innovatives Organisationskonzept Exot oder Wegweiser? Mitarbeitende als Managerinnen und Manager, Führungskräfte arbeitslos? Sieht so das Unternehmen der Zukunft aus? Ein Organisationsmodell, das zurzeit Furore macht, wurde bei der Tagung „Zukunft der Arbeit – innovativ, nachhaltig! und ohne Manager?“ in der Reihe „Nachhaltiges Wirtschaften“ der FernUniversität in Hagen 50 Interessierten vorgestellt: Das Technologieunternehmen Tele Haase entwickelt, produziert und vertreibt in Wien Zeit- und Überwachungsrelais. Um in einem stagnierenden Markt durch Innovationsfähigkeit bestehen zu können, hat es seine Organisation radikal verändert. Geschäftsführer Markus Stelzmann stellte das Unternehmen, seine Philosophie, die Organisation, ihre Umsetzung und Erfahrungen vor: Innovationsfähigkeit bedingt Offenheit, Kommunikation, Respekt und Vertrauen. Nach innen und außen und auf Augenhöhe. Weitere Kennzeichen sind Nachhaltigkeit, Profitabilität und Gemeinsinn, aber auch das Fehlen von Hierarchien. So können die Beschäftigten Ideen entwickeln und ausprobieren, denn auf ihren Gebieten sind sie die Fachleute. Das Unternehmen kann aber auch ihre persönliche Fähigkeiten nutzen: Warum sollen Auszubildende mit guten Fremdsprachenkenntnissen nicht als Übersetzer arbeiten? Geschäftsführer Markus Stelzmann stellte das Unternehmen Tele Haase vor. (Foto: FernUniversität, Pressestelle) Die Managementfunktion – und die Verantwortung – übernehmen Mitarbeitende. Sie entscheiden demokratisch in Arbeitskreisen und Gremien. Diese entscheiden auch über die strategischen Impulse der Geschäftsführung, die sich fast völlig aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat. Dr. Michael Müller-Camen, Professor für Personalmanagement an der WU Wirtschaftsuniversität Wien, beleuchtete Organisationsformen mit Bezug zum nachhaltigen Personalmanagement. Die Leadership- Perspektive brachte sein FernUni- Kollege Prof. Dr. Jürgen Weibler ein. Der Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Personalführung und Organisation, hatte die Veranstaltung konzipiert. Da https://www.tele-online.com