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FernUni Perpektive | Herbst 2017

Campus Seite 4

Campus Seite 4 FernUni Perspektive Flüchtlinge lernen Deutsch Eine Portion Dativ Rim Jnidi und Natalia Raude verbindet ein besonderes Engagement: Sie geben Flüchtlingen Deutschunterricht. Zweimal die Woche kommen Schülerinnen und Schüler zur FernUniversität in Hagen, um Vokabeln, Aussprache und Grammatik zu pauken. Die Sprachkurse werden seit 2016 in Kooperation mit der Volkshochschule Hagen angeboten. Natalia Raude kommt ursprünglich aus Neuseeland. Seit 2013 arbeitet sie im Service-Center. Ihren Kurs leitet sie schon seit anderthalb Jahren. Auf dem Sprachniveau A2 lernen die Flüchtlinge schaftliche Hilfskraft im Lehrgebiet Datenbanksysteme für Neuanwendungen. Jnidi hat im April 2017 mit ihrem Sprachkurs begonnen. Das Angebot vermittelt auf A1-Niveau erste sprachliche Grundlagen. Was hat Sie zu Ihrem Engagement bewogen? Natalia Raude: Ich sehe gerne die Freude der Leute, wenn sie Fortschritte machen. Da ich selbst Deutsch als Fremdsprache gelernt habe, kann ich aus eigener Erfahrung so etwas sagen wie: „Kommt Leute, jetzt ist es zwar schwer, aber gebot der FernUni kam, habe ich gleich zugeschnappt. Rim Jnidi: Ich wollte es auf jeden Fall probieren, weil ich weiß, wie schwer Deutsch als Fremdsprache zu erklären ist. Da ich nicht Muttersprachlerin bin, habe ich ein total anderes Sprachbewusstsein entwickelt. Als ich dann auf der Website gelesen habe, dass noch Hilfe gebraucht wird, dachte ich mir: „Warum nicht? Ich kann es probieren.“ Jetzt freue ich mich über das positive Feedback. Ich arbeite übrigens nebenher in der Diakonie als Dolmetscherin. Manchmal wird der Unterricht auch zu zweit abgehalten. (Foto: FernUniversität, Pressestelle) Rim Jnidi (links) lehrt Deutsch auf dem Sprachniveau A1, Natalia Raude auf A2. (Foto: FernUniversität, Pressestelle) von Natalia Raude, sicher in Alltagssituationen zu kommunizieren. Rim Jnidi verließ ihre Heimat Syrien 2009 für ein Masterstudium. Sie blieb in Deutschland, wurde 2015 an der FernUni angestellt und arbeitet seit Mai 2017 als Wissen- wenn ihr den Dativ und Genitiv erstmal im Kopf habt, dann wird es viel leichter!“ Schon vorher war ich ehrenamtlich in der Kirche tätig. Weil man so viel vom Leid der Flüchtlinge mitgekriegt hat, wollte ich einfach mithelfen. Als dann das An- Sind besondere Qualifikationen notwendig? Natalia Raude: Jeder kann mitmachen. Es wird ausschließlich auf Deutsch unterrichtet, oft auch mit Händen und Füßen. Man lernt mit jedem Mal dazu und bekommt viele Rückmeldungen von den Flüchtlingen darüber, was sie gerne lernen möchten – zum Beispiel deutsche Formulare auszufüllen. Kommen die Flüchtlinge oft mit Alltagsproblemen zu Ihnen? Natalia Raude: Ja! Viele kommen zum Beispiel mit Briefen oder Rechnungen zu mir. Ich habe auch einmal eine Voicemail auf dem Handy vorgespielt bekommen: Eine Nummer wurde auf Deutsch durchgesagt, die ich dann anrufen sollte. Manchmal fragen die Leute auch einfach um Rat – etwa dazu, wie sie sich in der Stadtbücherei anmelden können. Rim Jnidi: Bei mir wollte sich eine Person psychiatrisch behandeln lassen, brauchte dazu aber jemanden zum Dolmetschen. Gemeinsam mit einer Kollegin habe ich versucht, zu helfen: Am Ende haben wir einen Dolmetscher gefunden und eine Therapie organisiert. Auch Post vom Anwalt habe ich schon beantwortet. Ich leiste sehr gerne Hilfe – genau deswegen wollte ich mitmachen! Woher kommen die Flüchtlinge? Natalia Raude: Viele kommen aus dem Nahen Osten. Manche sind aber auch aus Osteuropa… Rim Jnidi: Bei mir kommen die Teilnehmenden ebenfalls aus unterschiedlichen Ländern; zum Beispiel Nigeria, Afghanistan, Albanien oder Russland. Dadurch sind die sprachlichen Grundlagen sehr verschieden: Einige sprechen Englisch, manche Arabisch – das ist gut, denn in diesen Fällen kann ich selbst übersetzen. Bei den Persisch-Sprechenden hilft mir oft ein mehrsprachiger Teilnehmer, der für mich vermittelt. Natalia Raude: Ja, auch in meinem Kurs beherrschen viele gleich mehrere Sprachen. Einige können sich allerdings gar nicht untereinander verständigen. Rim Jnidi: Außerdem sind die Bildungsgrade sehr verschieden. Manche in meinem Unterricht sind sogar analphabetisch – da entstehen natürlich Schwierigkeiten. Natalia Raude: Umso schöner ist, wenn schwere Dinge endlich verstanden werden [Raude schmunzelt] – zum Beispiel der Dativ. br Best-of Social Media FernUni in sozialen Netzwerken NRW-Wirtschaftsminister Gespräche in Hagen Topgeklickt auf Facebook 1.817* Technischer Fehler beim Mailversand – wir sagen „Sorry“ (17. Juli 2017) 1.282 Unsere Studierendenporträts auf Studienbriefen (9. Juni 2017) 1.276 Schöne Grüße vom Campusfest! (23. Juni 2017) * Beitragsklicks, Gefällt-mir-Angaben, Kommentare, geteilte Inhalte und Videoaufrufe Wörtlich: Kaffee: 2€. Nervennahrung in Form von Schokolade für 4 Wochen: 15€. Gefühl, wenn die Hausarbeit endlich fertig ist: UNBEZAHLBAR!“ Twitter-Nutzerin @PigletNherbooks setzt auf Koffein und Zucker, um ihre FernUni-Hausarbeit zu vollenden. (9. Juli 2017). Wir haben unsere Studierenden in den sozialen Netzwerken aufgefordert, diesen Satz zu vervollständigen: #MeineFernUni… Die Vielzahl der Kommentare unter dem Hashtag haben uns begeistert! Hier kommt eine Auswahl: …hat Geduld mit mir und gibt mir die Chance, meine Ziele in meinem Tempo zu erreichen. - Monica Roos … ist weg weit, aber trotzdem ganz nah; lässt mir Freiraum, fordert mich und zeigt mir beruflich und privat neue Wege. - Leonore Peer …hat meinen Horizont erweitert und mich zu dem gemacht, was ich heute bin. - Hanno Meissner Im Rahmen seiner Sommerreise 2017 besuchte Prof. Dr. Andreas Pinkwart, neuer NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, am 2. August die FernUniversität in Hagen. Sie ist eine Vorreiterin bei der Digitalisierung der universitären Lehre und erforscht die Digitalisierung, ihre Vorteile und ihre Einsatzmöglichkeiten in vielfältiger Weise. Hierfür baut sie auch einen Forschungsschwerpunkt „Digitalisierung, Diversität und Lebenslanges Lernen. Konsequenzen für die Hochschulbildung“ auf. Für Minister Prof. Andreas Pinkwart, FernUni-Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert und Hochschulkanzlerin Regina Zdebel ergaben sich anhand dieses Themas zahlreiche Ansätze für Gespräche, die weitergeführt werden sollen. Da Folgen Sie uns! Links auf fernuni-hagen.de Prof. Andreas Pinkwart mit Rektorin Prof. Ada Pellert (re.) und Kanzlerin Regina Zdebel (Foto: FernUniversität, Pressestelle)

FernUni Perspektive Seite 5 Forschungstag IT-Sicherheit Der Mensch im Mittelpunkt „Der Mensch ist bei Fragen der IT-Sicherheit oft das schwächste Glied in der Kette“, fasst Informatiker Prof. Dr. Jörg Keller zusammen. „In unserer Forschung und Lehre müssen wir diesen Aspekt daher verstärkt berücksichtigen.“ Diese Erkenntnis nahm der Leiter des Lehrgebiets Parallelität und VLSI an der FernUniversität in Hagen mit aus den Vorträgen und Diskussionen beim 4. IT- Sicherheitstag NRW. Wissenschaft trifft Wirtschaft Erstmals war die FernUniversität Gastgeberin der Veranstaltung zur IT-Sicherheit, die Begegnungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ermöglichte. Wie lebendig die Szene zur IT-Sicherheit in NRW ist, zeigte das breite Spektrum der Teilnehmenden: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universitäten und Fachhochschulen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Start-Ups und kleineren Firmen bis zu großen Unternehmen kamen auf den Campus nach Hagen. Eingeladen hatte das Netzwerk nrw. uniTS, um über ein nicht hinreichend erforschtes Thema zu in- Johannes Kepler Universität Freundschaftlicher Besuch aus Linz Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet die FernUniversität in Hagen mit der Johannes Kepler Universität Linz (JKU): Bereits seit 1994 kooperieren sie, seit 2011 pflegen sie zudem eine strategische Partnerschaft. Beim Besuch einer österreichischen Delegation wurden der aktuelle Stand reflektiert und weitere Maßnahmen in Weiterbildung und Forschung beratschlagt. Das Treffen mit Vize-Rektor Prof. Dr. Andreas Janko und Dr. Josef Reif, Leiter des Zentrums für Fernstudien, organisierte das International Office der FernUniversität unter Leitung von Prorektor Prof. Dr. Theo J. Bastiaens. Erstmals war die FernUni Gastgeberin des Forschungstags IT-Sicherheit. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft kamen dazu ins Seminargebäude. (Foto: FernUniversität, Pressestelle) formieren: Bei der Verwendung, Entwicklung und Administration von IT-Systemen tritt der Mensch als häufige Fehlerquelle auf und erhöht das Risiko von Angriffen. Diese Problemlage ist im Zuge der Digitalisierung auch an der FernUniversität ein Thema, wie Rektorin Prof. Ada Pellert in ihrer Begrüßung herausstellte. Um Lösungen zu finden, seien Impulse aus der Wirtschaft auch für den Wissensstandort Hagen unverzichtbar. Blick auf die andere Seite „Auch wenn Wissenschaft und Wirtschaft mit ihren unterschiedlichen Interessen nicht immer zusammenfinden, lohnt der Blick auf die andere Seite des Zauns“, betonte Prof. Keller. Welches sind die drängenden IT-Probleme, die in der Praxis vorkommen? Welche Lösungen „Der Mensch ist bei Fragen der IT-Sicherheit oft das schwächste Glied in der Kette.“ Der Linzer Vize-Rektor Prof. Andreas Janko (2.v.re.) und Dr. Josef Reif (li.) wurden von FernUni-Rektorin Prof. Ada Pellert und Prorektor Prof. Theo Bastiaens begrüßt. (Foto: FernUniversität, Pressestelle) und neuen Themenfelder gibt es? In drei thematischen Slots stand der Mensch als Risikofaktor im Mittelpunkt: in der Entwicklung von IT-Lösungen, als Zielscheibe in Unternehmen und als Risikofaktor in der IT- Sicherheit – wie auch in Kellers Vortrag „Menschen verwechseln reelle und reale Zahlen – mit Folgen für die IT-Sicherheit“. Betroffen von der Thematik sind fast alle Bürgerinnen und Bürger. Im Jahr 2015 waren fast 85 Prozent der Menschen in Deutschland online. Bei Internetrecherchen, in Sozialen Netzwerken und beim Onlinebanking hinterlassen sie digitale Spuren und Daten, die gespeichert, weitergegeben und ausgewertet werden. „NRW ist seit vielen Jahren führend im Bereich der Prof. Dr. Jörg Keller IT-Sicherheitsforschung. Viele Lösungen für die digitale Welt stammen aus NRW und das soll auch so bleiben“, ließ Svenja Schulze als Schirmherrin des Forschungstages in ihren letzten Tagen als NRW-Wissenschaftsministerin übermitteln. can Im Gespräch mit FernUni-Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert und Prof. Bastiaens ging es unter anderem um die Vor-Ort-Betreuung der knapp 3.000 österreichischen Studierenden der Hagener Hochschule. Außerdem standen ihre Weiterbildungsaktivitäten im Mittelpunkt. Als Beispiel wurde der Weiterbildungsstudiengang „infernum“ (Interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaften) von seiner wissenschaftlichen Leitung vorgestellt: Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller von der FernUniversität und Prof. Dr. Görge Deerberg vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheitsund Energietechnik (UMSICHT). Im Anschluss erläuterte Prorektor Dr. Andreas Kleine die aktuellen Entwicklungen in Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchsförderung. br „Digital Humanities“ Weites Forschungsfeld „Unsere Fachtagung mit dem Fokus auf biografische Forschung konnte den ein wenig wolkigen, allumfassenden Begriff der ‚Digital Humanities‘ mit interessanten Beispielen aus der Praxis verdeutlichen.“ Das ist für die Historikerin Dr. Eva Ochs eines der positiven Ergebnisse der von ihr organisierten Veranstaltung, die 35 Teilnehmende an die Fern- Universität in Hagen führte. Unter dem Titel „Digital Humanities und biographische Forschung“ wurde die Interdisziplinarität der „digitalen Geisteswissenschaften“ ebenso deutlich wie erste Ansätze zu einer weiteren Vernetzung von biografischen Forschungseinrichtungen, die auf verschiedenste Weise vom „Digital Turn“ profitieren. Veranstalter war das Hagener Institut für Geschichte und Biografie. Mit seinem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ verfügt es über eine bedeutende Sammlung an biografischen Quellen, die demnächst in einem Online-Archiv zugänglich gemacht werden. Von großer Bedeutung ist dabei eine beträchtliche Anzahl von audio-visuellen Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen. Über verschiedene Forschungsprojekte ist das Archiv unter der Leitung von Dr. Almut Leh mit anderen Institutionen verbunden, die eine digitale Bereitstellung und Erfassung der Interviews erarbeiten. Bei der Tagung konnten nun Vertreterinnen und Vertreter der Geschichtswissenschaft, der Soziologie, der Medien- und Bildungswissenschaft und der Informatik verschiedene zentrale Fragen anhand konkreter Beispiele aus der Praxis erörtern: Welche Bedeutung hat der „Digital Turn“ in den Geistesund Kulturwissenschaften konkret für die historische Forschungspraxis? Revolutionieren die Methoden der Digital Humanities den Umgang mit zentralen lebensgeschichtlichen Quellen wie Interviews oder auch handschriftlich verfassten Tagebüchern oder Briefen? Wie sehr vereinfachen die Möglichkeiten der computergestützten Sprach- und Texterkennung die Quellenarbeit wirklich? In Zeiten eines rapiden technischen Wandels der Formate wirft die Digitalisierung der Quellen auch neue Fragen für die Langzeitarchivierung von biografischen Ton- und Filmdokumenten auf. Eva Ochs: „Das weite Feld der Digital Humanities mit einem Fokus auf die biografische Forschung wurde wirklich konkret gemacht. Deutlich wurde auch, wie gewinnbringend der interdisziplinäre Zugang ist.“ Prodekan Prof. Jürgen G. Nagel (2.v.li.), Institutsdirektor Prof. Arthur Schlegelmilch (li.) und Organisatorin Eva Ochs begrüßten die Teilnehmenden. (Foto: FernUniversität, Pressestelle) Ein Gewinn war zudem, die Archive, Dokumentationsstellen, Forschungseinrichtungen und andere Einrichtungen, die sich mit einem Feld der digitalen Biografieforschung beschäftigen, zu einem konkreten Austausch zusammenzubringen. So verstand sich die Tagung auch als Bestandsaufnahme. Die Ergebnisse sollen publiziert werden, voraussichtlich in BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen. Eva Ochs weiter: „Wir sind zuversichtlich, dass die Tagung Auftakt zu einer weiteren Vernetzung der vielfältigen Aktivitäten im Bereich digitaler biografischer Forschung ist, zu der das Institut für Geschichte und Biografie der FernUniversität einen zentralen Beitrag leisten will.“ Diese Hoffnung teilt auch Institutsleiter Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, der die Bedeutung der Digital Humanities in der biografischen Forschung auch in der Lehre weitergeben will: „Wir werden die Ergebnisse der Tagung auch für unsere Präsenzveranstaltungen nutzen.“ Und auch für den Bachelorstudiengang ist ein Kurs in Vorbereitung. Da