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Leseprobe

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Aus dem Inhalt

24

Beruf, Familie & Kinder

14 Ein Familienunternehmen seit 200 Jahren

18 Die Marionettenoper in Lindau

42 Teefrau Margarete Winkler

78 Das Harfenspiel mit Martina Noichl aus Oberstdorf

118 Singen für einen guten Zweck

124 Das Generationenhaus in Sontheim

146 Die Schnürkasperl aus Oberammergau

Bewegung & Freizeit

8 Winterwandern »3-Höfe-Tour«

84 Alpenländische Weihnachtsoper in Bad Hindelang

112 Kulinarik in der »Alten Kanzlei« in Wangen

116 Das junge Gesangstalent Mona Schmid aus Kempten

130 Das s‘UM & AUF im Tannheimer Tal

150

18

Gesundheit & Wellness

46 Gesunder Teegenuss

200 Wenn die Kinderseele krank ist

Mode, Wohnen & Dekoration

30 Kreative Adventskränze der Gärtnerei Kuhn

36 Adventskalender mit kleinen Söckchen

94 Kreative Türschilder und Holzlöffel aus Holz

102 Bienenwachskerzen selbstgemacht

142 Holzwinterlichter aus Zirbenholz

168 Martina Schütz – die Kreative aus Sulzberg

176 Herren-Gewand – die Weste zum Selbermachen 1. Teil

182 Taschen aus alten »Allgäuerinnen«

186 Das Ärmelinchen ist vielfältig tragbar

78 94 88


Natur, Garten & Tiere

136 Lawinenhunde bei der Bergwacht

156 Garten-Praxis-Tipp

160 Chiccorée – der Wintersalat

Kochen, Küche & Gäste

50 Plätzchen-Rezepte

58 24 kleine Genüsse für den Adventskalender

108 Rezepte aus der »Nachbarschaft« Schweden

150 Wildrezepte Gesund & Lecker

155 Gewürz »Wacholder« im Portrait

162 Chicorée-Rezepte

Kultur, Brauchtum & Termine

24 Der historische Blaudruck von Petra Kortmann aus Sulzberg

38 Die Adventskalender-Sammlerin Susanne Schindler

54 Der Krippenbauer Peter Manthei aus Wolfegg

66 Franz Horn aus Missen-Wilhams und der Nikolaus

70 Der Weihnachtsmarkt in Diessen ist ganz ohne Strom

88 Weihnachtsbräuche im Allgäu

98 Kerzen für die Kirchen

Rubriken

Verlosung!

6 Briefkasten

76 Weihnachtsmarkttermine

106 Weihnachtliche Geschenktipps

192 Für Sie gefunden – Schönes, Nützliches und Neues

194 Regio-Presse

196 Geld, Finanzen und Versicherung

198 Termine – wo ist was los?

203 Bezugsquellen

204 Schaufenster

208 Rätselspaß

210 Impressum, Ausblick

Verlosung!

8

58

54

50 186 136


3-Höfe-Tour

Der Brunnen an der Alpe Sonthofer Hof mit bizarrer Eiskunst.

Wasserformationen am Brunnen der Alpe Sonthofer Hof .

8

6/2017


Die Panorama-Tour am Sonthofener Hörnle führt in die

sanfte Bergwelt unterhalb der Sonnenköpfe. Als Einsteigertour

bei guten Schneeverhältnissen ein wahres Vergnügen.

Jetzt im Winter lockt der Aufstieg bei klarer Luft im Schnee

in einer wunderbaren Berglandschaft. Von beiden Höfen

genießt man einen tollen Panoramablick vom Grünten im

Norden bis zu den Alpen um Oberstdorf im Süden.

U

nten im Tal, auf dem Weg von Sonthofen

nach Altstädten, kommt man

am Brünnle bei der Schwarzenbach Wirtschaft

vorbei. Hier, so eine alte Sage, zeigte

sich einst eine weiß gekleidete Frau gewöhnlich

nachts, um welche Zeit man sie

am Brünnle stehen oder umher wandeln

sah, bis sie plötzlich wieder verschwand.

Sie hat aber nie jemanden etwas zu leide

getan.

Auf unserer Tour werden wir der weißen

Frau wohl nicht begegnen, da wir uns bereits

am Morgen auf den Weg machen und

in Altstädten den Abzweig zum Weiler

Beilenberg nehmen und von dort weiter

nach Hofen fahren. Die schneebedeckten

Hänge allerdings am Hörnle leuchten,

wenn die Sonne über den Bergkamm

geklettert ist, wie das Kleid der weißen

Frau im hellen Licht.

Die Tour

In Hofen auf etwa 840 m angekommen,

biegen wir bei der Kapelle in eine Seitenstraße

(Sackgasse), wo kurz darauf Parkplätze

entlang des Wegs ausgewiesen sind.

Hier können wir bereits am Wegende die

Schneeschuhe anlegen und gemächlich

einem Weg folgend den Aufstieg zum

Sonthofener Hof beginnen (ausgeschildert).

Anfänglich führt die Strecke mäßig

ansteigend durch Wald, führt gelegentlich

an freien kurzen Hängen vorbei, die sich

gut zum Üben im Tiefschnee eignen und

wir erreichen bald die erste Anhöhe. Hier,

an einem munteren Bächlein, mündet

später der Weg vom Abstieg wieder ein.

Jetzt steigen wir dem Weg folgend weiter

6/2017

9


Gäste beim Sonnetanken an der Alpe

Sonthofer Hof.

Hüttenwart Helmut der Alpe Sonthofer Hof.

Ein Blick zurück

zum Grünten.

Alpe Sonthofer Hof

Andreas Schratt

Untere Ebnat 4a

87527 Sonthofen

Tel.: 0160/90950867

Sommersaison von Anfang Mai

bis Anfang Oktober (Montag

Ruhetag)

Altstädter Hof

Matthias Völkl

Kaplanweg 1

87544 Bihlerdorf

Tel.: 0171/2172294

1. Mai bis 6. November 2017

täglich bis 19 Uhr geöffnet

auf, der bald steiler ansteigt. Weiter oben

treffen wir auf den Wirtschaftsweg zum

Sonthofer Hof, der von rechts den Berg

herauf führt.

Nun bleibt der Wald etwas zurück,

während wir dem Weg nach oben folgen.

Rechts ist ein Wildschutzgebiet ausgeschildert

mit der Mahnung, besonders in der

Dämmerung Rücksicht auf das Wild zu

nehmen und auf dem Weg zu bleiben. Vom

Weg aus ist nach kurzer Zeit das Dach des

Sonthofer Hofs auf 1147 m sichtbar, den

wir in einer weiten Schleife spätestens nach

etwa anderthalb Stunden erreicht haben.

Der grandiose Ausblick von der Alpe lädt

zum Verweilen ein. Im Rücken türmt sich

der Grünten am Talabschluss auf, nach

Osten liegen Imberg und Strausberg vor

den Gipfeln der Allgäuer Alpen, daneben

nicht weit entfernt ragen das Sonthofener

Hörnle und dahinter die Sonnenköpfe empor.

Über der Iller, über dem Talkessel von

Sonthofen auf der anderen Seite, reicht der

Blick weit über das Oberstdorfer Tal bis

hinüber zur Hörnerkette und zum Mittagberg

bei Immenstadt. Im Süden schließlich

grüßen die Gipfel um Oberstdorf, vom

Hohen Ifen und vom Besler. Die Alpe

ist nicht nur ein im Sommer vom Senn

bewirtschaftetes und bei den Einwohnern

beliebtes Ausflugsziel, sondern auch im

Winter kommen viele Wanderer an den

Wochenenden herauf, um sich mit einer

verdienten Brotzeit zu stärken. Sie lassen

sich ein Vesper an den Tischen vor der

Hütte in der Sonne schmecken oder lassen

am Abend bei einem Glühwein den Blick

über das beleuchtete Illertal schweifen.

Viele kommen nur zu einer Rast oder zu

einer Runde Schafkopf hierher, um danach

wieder auf dem gleichen Weg abzusteigen

(bis Hofen eine knappe Stunde).

Der »Sonthofer Hof«

A herzlich´s Griaß Gott am Sonthofer

Hof ! So begrüßt ein Schild den Besucher

an der Hütte. Durchquert man den Stall,

der mit einem herben Dielenboden ausgelegt

ist, und betritt die gemütliche warme

Stube, beschlagen sofort die Brillengläser

beim Öffnen der Tür und an der Tür hängt

ein Schild und warnt: »Rauchen, Hunde

und Mobiltelefone verboten!« Die Hütte

ist bereits seit 30 Jahren rauchfrei, worauf

die Betreiber sichtlich stolz sind. »Wir

waren eine der ersten Hütten überhaupt in

der Gegend, die das Rauchen drinnen verbannt

haben.« Betrieben wird die Hütte

im Winter vom Skiclub 1909 e. V. Sonthofen.

Von Oktober bis April kümmert sich

der Club an den Wochenenden um die

Bewirtung der Gäste. Immer von Freitagabend

bis Sonntag öffnet die traditionelle

Alpe ihren Gästen die Türe. Dreizehn Ehepaare

teilen sich ehrenamtlich im Wechsel

den Dienst und bringen auch ihre Kinder

mit herauf, die für zusätzliches Leben in

und um die Hütte sorgen. Helmut, der

ehemalige Hüttenwart des Skiclubs, trägt

mit seiner organisatorischen Fähigkeiten

zum reibungslosen Betrieb bei – und

sitzt auch selbst gerne bei einem frischen

Bier mit am Tisch. In der dampfenden

Küche drängen sich die Frauen am Herd

und an der Spüle, während sie die Vesper

und einfache warme Gerichte zubereiten

und austeilen. Ihre Gäste wissen sie mit

deftigen Brotzeiten und hausgemachten

Kuchen zu verwöhnen. Die Zutaten wie

10

6/2017


Berggipfel um Oberstdorf.

Stolz: »Mama, Mama, ich hab schon wieder

einen Euro Trinkgeld gekriegt!« Sonst

spielen die Buben gerne »Rundlauf« mit

einem breiten hölzernen Scheit um die

Tischtennisplatte, die im Stall im Durchgang

steht und haben einen Riesenspaß

beim Herumtollen.

Brot, Käse, Wurst und Milch stammen alle

von umliegenden Alpen und von örtlichen

Bäckereien und Metzgereien. Die Getränke

werden von Allgäuer Familienbrauereien

bezogen, die ausgezeichneten Schnäpse aus

der Allgäu Brennerei. Die Alpe ist Mitglied

im Verein Allgäuer Alpgenuss e. V. und das

schmeckt man. Beim Essen und Trinken

lässt es sich also gut aushalten, wie die gut

gelaunten Gäste in der proppenvollen und

lärmenden Stube bestätigen.

Nebenbei bei einem Gläschen alter Marille

gibt Helmut einen kleinen Einblick, was

es heißt, eine Hütte und wenn auch nur

an Wochenenden, zu betreiben. Mit

großem finanziellem Aufwand wurden

etwa eine Kläranlage, eine Entkeimungsanlage

und ein Brandschutz installiert.

Die Wasserversorgung wird beständig von

der zuständigen Stelle kontrolliert. Die

Alpe, der »Hof« übrigens ist im Besitz

der Stadt Sonthofen. Die Männer der

ehrenamtlichen Gruppe sind für das Schlagen

des Holzes zuständig, mit dem die

Hütte beheizt und mit dem gekocht wird.

Neben anderen Arbeiten helfen sie in der

Gaststube, füllen die Gläser am Ausschank

und bringen Essen und Getränke an die

Tische. Ab und an helfen ihnen dabei auch

die Kinder und rufen dann aufgeregt voller

Zum nächsten Hof: Altstädter Hof

Wer nach der Rast noch nicht gleich wieder

absteigen will, kann – allerdings zunächst

Der Altstädter Hof von oben.

6/2017

11


Fischbach

3

Das Riedberger Horn.

Hofen

H

nbach

Kühberg

riedsberg

sberg

H

Bihlerdorf

P

H

17

17

ng

enberg

hs

18 b

ithalle

18

termühlegg

H +

750

+

Weidachsee

Wittelsbacher Höhe

Sonnenalp

Tiefenberger

Moos

ILLER

Krebsbach

Ostrach

P

150 HM in H 45 Minunten

823

Weiler

754

Agathazeller Moos

882

Seewendel

Hier beginnt der Weg zurück, auf dem wir

Schweineberg

dem Wirtschaftsweg nach unten folgen

18

Bihlerdorf

17 b

18

17 a

793

300 HM in 1 bis 1,5 Stunden

Tiefenberg

Weiter zum Altstädter Hof:

Höldersberg

745

Altstädter Mühle

+

765

H

6/2017

12 Skating-

Unterthalhofen

Brotzeitstube

H

Hofen weist uns hier nach rechts durch das

i H

H

PÜbungsgelände. Aber keine Angst – wenn

Eisstadion

P

Staig

eine Übung stattfindet, ist das Gelände

Kurpark

P

P

Grillplatz

P

H

H

P

i

P

P

P

P

H

vom Steineberg über den Stuiben

P

bis zum

Hochgrat.

P

Davor baut sich die Hörnerkette

821

Fluh

750

Auf der Halde

Starzlach

Rothbach

+

+

+

Hubertusfall

H

Burgstall

Malerwinkel

Bachtel

Illeruferweg

Leybach-

dehof

P

jenseits des Tales auf. Ein traumhafter

Burgstall

1065

Blick in die Allgäuer Landschaft zum

Moosrauft

Winkel

Abschluss. Denn bald nimmt uns der

Schießstand

und zunächst über den Hang unterhalb der Wald wieder auf und wir erreichen wieder

Alpe absteigen. Der Weg führt in vielen das Ausgangsziel Hofen, wo unsere schöne

Kehren weiter SONTHOFEN

unten an einem Wildgehege Tour endet. Vom Altstädter Hof waren

743

mit Rotwild vorbei, blicken lassen sich Berghofen die wir dafür eine bis anderthalb Stunden

775

Hubertusscheuen

Tiere aber nicht. Bald tauchen unterwegs.

Kapelle

H.

Burgstall

Oberried

dann auf 900 m eine Schranke und Wf.

+

Ruine rechts

Tobel

Wenn wir die Runde wie beschrieben

Flühenstein

ein Schild »Militärischer Übungsbereich« hinter Unterried uns bringen, besteht keine Gefahr

Walten

Breiten

auf. Der Wegweiser nach Beilenberg und in die Nacht + hinein zu kommen und der

1044

weißen Frau zu begegnen. Es sei denn, man

942

verhockt in einer der vielen gemütlichen

Kneippanlage

Gaststuben im Tal…

gesperrt! Der Weg schlängelt sich sanft

hinab, bis uns nach circa zehn Minuten

Text

H

+ Tiefenbach

& Fotos: Hanseschmid;

Freisteller: nubenamo/Shutterstock.com B

in einer weiten Linkskurve versteckt ein

Binswangen

Schild den Burg Abzweig nach Hofen anzeigt.

H

Sonthofen

Diesem Weg kurz folgend erreichen wir

+

etwas mühsamer – seine Schneeschuhe

zum Anstieg auf den Altstädter H Hof wieder

Oberzoll-anschnallenbrücke Vermutlich führt bereits eine

Spur vom Hof weg bergan auf das Hörnle

H

Östliche Alpenstr.

Sonthofer zu. Dessen Gipfel zu besteigen ist jedoch

See

nicht angeraten, da der Aufstieg weglos

ch-A.

durch bewaldetes Gelände führt. Der steile

Anstieg gleich am Anfang bringt einen aber

P

auch so ins Schnaufen. Die Spur

H

bringt einen

ttenberg

Illersiedlung

P

unterhalb des Hörnle erst zum Bhf. Beilenberger

P

Westerhofen

Hof (unbewirtschaftet), den man links

H +

Tennis

liegen lässt.

u.

Der

Squash

Altstädter GhauHof, das heutige

Ziel und höchster Punkt der Tour mit

H

1280 m, wird nach einer dreiviertel Stunde

P

Festplatz

Winter allerdings

erreicht. Die Alpe ist im

nicht Sigishofen geöffnet, dennoch lohnt der herrliche

Sportanlage

Illeruferweg

18

B 19

Blaichach

733

Abstieg

Rieden

17

18 b

49

Albert- Schweitzer-Str.

50

B 19

Häuser

724

Wassertretanlage

Hans-

18

Südliche Alpenstr.

Runde

Ortwang

Burgberg

Am

811 Alten

TourdetailsBerg

Aufstieg zum Sonthofener Im MoosHof:

Bhf.

Wasserwirtschaftl.

Lehrpfad Sonthofen-Fis

c h e n

16 b

49

50

16 a

51a

14 c, 15

Böckler-Str.

Eichendorfstr.

Abstieg nach Hofen:

1 bis 1,5 Stunden

Gesamte Strecke: 9 km

726

(729)

14 a

48

48

50,51

Goethestr.

Sudeten- str.

Europ. Fernwanderweg 5

Jahnstr.

M.-Luther-Str.

28

48

Blumenstr.

Hochstr.

Immenstädter Str.

Schwierigkeitsgrad: für Einsteiger

geeignet (leicht)

Freibadstr.

Oberstdorfer Str.

St. 2007

Bad beh.

Promenadenstr.

OA 4

37b

(752)

Grüntenstr.

Iller-

P

Ausblick von der H Terrasse

Stadion

H den Weg.

P

P

„Wonnemar”

37b

Geh-und Radweg

755

51b

Östliche

Hindelanger

850

Burgwald

Bachtel

Hinanger Bach

Weinberg

900

750

Altstädten

Kneippanlage

Burgstall

37b

36

Friedhof

Alpenstr.

Berghofer Str.

Hofener Str.

Weingartenhöhe

25

Str.

Oststr.

37

Ruine

Burgberg

52

Hofen

Beilenberg

826

Baggersee

856

Hinang

823

29

8

Fluhensteinweg

Ob. Mühle

Panoramatour

zu den 3 Höfen

Fuchsmühlstr.

Hochvogelstr.

Straußbergstr.

Talweg

6

6

OA 4

tobel

Burgberger

Horn

Reinersberg-Weg

1496

Alpgasse

Schwarzenbach

Hochweiler

919

934

+

Wasserfall

Starzlachklamm

Steinbichel

890 923

Hombuch

Klammhütte

996

1000

Am Hägle

Rundberg

+

Löwenbach

Kühberg

986

Kahlenberg

1017

Leybach

Obere

Schwand-A.

1330

1000

Hölltobel

1045

Sonnenklause

Grüntenhaus 1535

Zweifelgehren-A.

Kehr-A.

1082

Berghofener

Bärmbichel

Leybachtobel

Hina

Untere

Schwand-A

1303.

Auf dem Ried

Alpenblick

901

führt. Alpe Ab hier Topfen geht es nur noch bergab.

10 a

Noth a

9,11

12

Margarethen

24

ldeweg

Stuhlwand

1432

1600

10 b

6,

12 a

B 308

Oberrieder Tobel

Kiendelsbach

Hinanger Bach

Bach

Sonthofener Hof

1180

Altstädter Hof

1280

Jagd-H.

1299 13

Im Ferchle

Schlem-Bach

Die Karte ist

Großer Bichel Liebenstein

erhältlich beim AVA-

ImbergAgrar Verlag Allgäu Groß GmbH,

P Tel.: 0831 12 a / 57142-13 oder

unter www.ava-verlag.de

975

20, 22

23

Europ.

Fernwanderweg 4

11

P

Stuttgarter-H.

1084

918

+

Reckenberge

+

Reckenbe

O s t r a c

7 b

1372

Karl-Ludwig und

Max-Josef-Erzgrube

wieder die Aufstiegsspur, die rechts hinauf

zum »Hof« und links hinab nach Hofen

Vom Hügel ein letzter Blick Blick auf die

Nagelfluhkette hinter dem Mittagberg,

Straußberg-H.

P 1197

P

Michael-Schuster-H.

Jagd-H.

Zumsteinkarte Sonthofen Nr. 6s

1315

Schneckenwand

Theresien-Grube

Erzgrube

A. Berghofer Wa

Wickkapelle

Riedle

12 a

1525

889

11 b

10

Naturfreundeha

Beilenberger

Hof

1248

Sonthofner Hörn

Ge

15

Hühnermoo

0

B 1


Große Gefühle

am seidenen Faden

Ein Besuch in der

Lindauer Marionettenoper

18

6/2017


Fehlt Ihnen noch eine Geschenkidee zu Weihnachten?

Wie wäre es mit einem Gutschein für die Lindauer

Marionettenoper? Am besten gleich auch für Sie selbst.

Sie werden aus dem Staunen nicht herauskommen.

D

er Abend beginnt mit einer Überraschung.

Man hatte es zwar schon

gehört, aber nicht so recht geglaubt. Es

dauert wirklich nur wenige Minuten, und

die knapp 100 Zuschauer im Dachgeschoss

des Lindauer Stadttheaters haben vergessen,

dass die Protagonisten vor ihnen auf

der Bühne an Fäden hängen. Dass sie ihre

Gefühle, Freude, Angst, Wut, Verzweiflung,

nicht durch Mimik ausdrücken

können, sondern nur durch Körperhaltung

und Bewegung. Dass es sich um 60 bis 70

cm große und rund 800 g schwere Puppen

handelt, nicht um Menschen. Atemlos

folgen sie der Geschichte, die ihnen die

Musik erzählt.

Eine Idee wird geboren

Die Lindauer Marionettenoper hat sich

seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ein treues

Stammpublikum erarbeitet, das durch

begeisterte Feriengäste ergänzt wird. Die

meisten Vorstellungen sind ausverkauft.

Für Gründer und Ideengeber Bernhard

Leismüller ist das die Erfüllung eines

Traumes. Der begann schon früh. Zu seinem

11. Geburtstag bekam Bernhard von

der Mama eine Karte für das Bad Tölzer

Marionettentheater geschenkt. »Wenn sie

gewusst hätte, was sie damit anrichtet!«

Es gab erstmals in der Geschichte des

1908 gegründeten Theaters eine Oper,

Mozarts »Entführung aus dem Serail«.

Besonders die Verbindung von Musik und

Spiel faszinierte den Jungen. Da wollte er

mitmachen. Die Spielleiterin fand ihn zu

jung, erlaubte ihm aber, bei den Proben

zuzusehen. Und eines Tages fehlte jemand,

der den Vorhang bediente. Bernhard

Leismüller sprang ein. Das war der erste

Schritt zum ausgebildeten Puppenbauer

und Puppenspieler. Elf Jahre blieb er in

Bad Tölz. Dann wollte er sich selbstständig

machen.

»Ich war 21, hatte einen langen blonden

Zopf und konnte außer Ideen nichts

vorweisen«, erinnert er sich. Eine schöne

Umgebung stellte er sich vor, keine Großstadt

mit riesigem kulturellem Angebot.

Also bewarb er sich mit seinem Konzept

zunächst einmal in Konstanz und Lindau.

Die Reaktion der Lindauer Kulturbeauftragten

kam umgehend und begeistert.

Man gab ihm die Möglichkeit, seine Ideen

auszuprobieren. Noch heute unterstützt

die Stadt die Marionettenoper, indem sie

dem Ensemble den Raum im Stadttheater

und dessen Infrastruktur mietfrei

zur Verfügung stellt. Dafür profitiert die

Stadt vom Ruf der Bühne, wenn Bernhard

Leismüller mit seiner kleinen Truppe an

internationalen Treffen teilnimmt. Und

sie kann ihren Feriengästen eine besondere

Attraktion bieten.

Wenn Violetta stirbt und der

schwarze Schwan tanzt

Mit sicherem Griff sucht sich Bernhard

Leismüller die Opern aus, die sich besonders

gut auf die kleine Bühne übertragen

lassen. »Zum einen freuen sich die

Zuschauer über vertraute Melodien. Zum

Bernhard Leismüller ist nicht nur künstlerischer

Leiter der Marionettenoper, sondern auch Puppenbauer.

Er entwirft die Puppen, gestaltet die Gesichter,

baut die Puppenkörper und kleidet sie ein.

6/2017

19


Die Ballettfiguren – hier weiße Schwäne aus Tschaikowskys Schwanensee – sind noch gelenkiger gebaut als die anderen Marionetten, damit sie die

Bewegungen echter Tänzer besser nachahmen können. Für die Inszenierung von Schwanensee hat sich Bernhard Leismüller die Unterstützung einer

Choreographin gesichert. Unter ihrer Aufsicht mussten die Puppenspieler »tanzen lernen«.

anderen brauchen wir Stücke, in denen etwas

passiert. Ewig lange Duette mit wenig

Bewegung auf der Bühne eignen sich nicht

für die Marionettenoper.« Trotzdem hat

er zum Beispiel La Traviata im Programm.

»Das Duett zwischen Violetta und ihrem

Vater dauert im Original 20 Minuten. Das

fordert die Puppenspieler ganz besonders,

damit das Publikum dabei nicht einschläft«,

lacht er. Da die an Schwindsucht

leidende Violetta im Verlauf der Oper

immer schwächer werden muss, bis sie

im letzten Akt stirbt, gibt es für die Figur

mehrere Puppen, von der rosigen Lebedame

bis zur abgemagerten blassen Kranken.

Die gleiche Figur braucht man manchmal

auch in mehreren Größen, um Perspektive

zu schaffen. Wenn die Tänzerinnen im

Ballett Schwanensee im Hintergrund verschwinden,

sind es ihre verkleinerten Pendants,

die dem Zuschauer räumliche Tiefe

vorgaukeln. Überhaupt das Ballett! Ein

Ballett von Marionetten aufführen zu lassen,

verlangt viel Übung und Meisterschaft

Eine »Massenszene« wie hier das Bankett aus La Traviata erfordert von den Puppenspielern eine hervorragende Koordination und viel Fingerfertigkeit.

20

6/2017


Eine gute Koordination und Konzentration braucht es, damit sich

die Puppenspieler auf der engen Empore nicht ins Gehege kommen.

Ein ganz feiner Gazevorhang trennt die Bühne vom Zuschauerraum.

So sind die Fäden der Marionetten kaum mehr zu erkennen.

in der Bewegung der Puppen. Wer gern ins Ballett geht, wird

die fließenden Bewegungen und Gesten der echten Tänzer

in denen ihrer Kollegen an Fäden wiedererkennen.

Eine Aufführung entsteht

»Wenn man sich für ein Stück entscheidet«, erklärt Bernhard

Leismüller, »wird zuerst eine passende Aufnahme ausgewählt.«

Die muss dann meist gekürzt werden, ohne dass

die Verständlichkeit der Handlung darunter leidet. Mehr

als zwei Stunden darf die Aufführung nicht dauern. »Wenn

man die Musik hört, hat man den Charakter schon vor sich

und eine Vorstellung davon, wie die Puppe aussehen soll.«

Die Köpfe der Marionetten kommen von einem befreundeten

Bildhauer. Er bekommt dafür eine Profilzeichnung 1:1,

manchmal auch eine Frontalansicht, und einen Steckbrief

der Rolle. Nun braucht es seine Kreativität, den Charakter

zu treffen. Die Bemalung des Kopfes übernimmt Bernhard

Leismüller selbst. »Da kann man schon viel rauskitzeln.

Gerade die Augenbrauen machen viel aus«, meint er. Auch

die Kostüme entwirft und näht er selbst. Die Kulissen baut

6/2017


Wie großartig die Marionetten den Charakter ihrer Figuren wiedergeben,

zeigt sich hier am Beispiel der Besetzung aus Mozarts Entführung aus dem Serail:

Haremswächter Osmin und Konstanzes Dienerin Blonde.

Lindauer Marionettenoper

Lindauer Marionettenoper im Stadttheater,

Fischergasse 37, 88131 Lindau /

Bodensee; www.marionettenoper.de:

Infos zum Spielplan, Repertoire und

Online-Ticketverkauf

Kartenvorverkauf Stadttheater:

Telefon: +49 (0) 83 82 / 9 11 39 15;

Montag–Samstag 10:00–13:30 Uhr;

Montag–Donnerstag

15:00–17:15 Uhr; 24h/7 Tage-

Hotline: +49 (0)1 80 / 5 70 07 33

(0,14 Euro / Minute aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom)

ein Schreiner, eine Theatermalerin bemalt

sie. Grundsätzlich gilt, so viel wie möglich

selbst zu fertigen, »sonst kann sich

ein Theater mit nur 100 Plätzen nicht

tragen«.

Schließlich studieren die zehn Puppenspieler

der Lindauer Marionettenoper das

neue Stück ein. Manche sind von Anfang

an dabei, manche Quereinsteiger, keiner

ist gelernter Puppenspieler. Die meisten

Puppenspieler sind Laien. Sie haben sich

ihre Fähigkeiten nach und nach angeeignet,

direkt an der Bühne gelernt. Was sie

mitbringen sind Musikalität, Teamfähigkeit

und Mut und eine gewisse Resistenz

gegen Stress. Denn es ist eng über der

Bühne, sie müssen aneinander vorbei und

nebeneinander her ihre Figuren an den

Fäden zum Leben erwecken, ohne hängen

zu bleiben, ihren Einsatz zu verpassen,

den Nebenmann oder die Nebenfrau zu

behindern. Ihr Chef Bernhard Leismüller

ist Perfektionist. Immer wieder versucht er

noch von Aufführung zu Aufführung, die

Bewegungsabläufe zu verfeinern.

Weihnachtsklassiker

Ein bis anderthalb Jahre braucht eine

Neuinszenierung bis zur Premiere. Viel

Arbeit steckt darin, viel Begeisterung und

Herzblut. Wenn es dann kein Erfolg würde,

wäre das besonders schlimm, denn man

könnte weder Puppen noch Kulissen für

etwas anderes verwenden. Aber bisher ist

das noch nie passiert. Im Gegenteil. Man

muss früh buchen, um einen Platz sicher

zu haben, besonders bei den »Rennern«

im Repertoire. Für Dezember hat die

Marionettenoper Hänsel und Gretel als

Weihnachtsklassiker angekündigt. Es wird

also Zeit, sich um Karten zu kümmern!

Text: Barbara Toillié; Fotos: Christian Flemming/

Bernhard Leismüller / Lindauer Marionettenoper;

Produktion: Toillié & Hartmann/

kostbaremomente.com B

22

6/2017


Weißblaue

Geschichten

24

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D

Petra Kortmann bewahrt die Kunst des Blaudrucks

vor dem Aussterben. In ihrem Sulzberger Atelier druckt

sie mit uralten Holzmodeln fantastische Muster auf Stoff

und führt damit eine Familientradition fort,

die einst im Jahr 1647 ihren Anfang fand.

ie warme Mittagssonne durchflutet

das Atelier von Petra Kortmann

und lässt die Messingstifte auf dem hundert

Jahre alten Holzmodel aufblitzen,

als wären sie aus purem Gold. Wie kleine

Nägel, deren Spitzen gekappt wurden,

ragen die Stifte aus dem Holzblock empor.

Fest in das harte Birnenholz getrieben,

mäandern die Stäbchen präzise aneinander

gereiht über das Holz und fließen

zu wunderschönen Mustern zusammen,

die Geschichten aus längst vergangenen

Zeiten zu erzählen scheinen. Wenn Petra

Kortmann die Model behutsam mit Farbe

betupft und auf den königsblauen Stoff

presst, erweckt sie die Muster von damals

zu neuem Leben. Dann wirkt es fast so, als

ob sie die Grenze zwischen Vergangenheit

und Gegenwart verwischen würde, denn

schon ihre Vorfahren haben einst mit den

gleichen Modeln ihre Stoffe bedruckt.

Manche der

Modeln sind über

hundert Jahre alt.

Jeder Druck ein Unikat

»Für mich ist immer der spannendste

Moment, wenn ich den Model anhebe

und den Abdruck auf dem Stoff begutachte«,

erzählt die 42-Jährige, die sich dem

Blaudruck mit Leib und Seele verschrieben

hat. »Das ist quasi der ›Moment der

Wahrheit‹. Denn obwohl die Model wie

Stempel funktionieren und immer wieder

das gleiche Muster produzieren, ist jeder

Abdruck, den ich mache, einzigartig.«

Mal gibt es hauchfeine Unterschiede im

Farbauftrag, mal zeichnen sich Konturen

nicht markant genug ab, ein anderes Mal

Petra und Michèle Kortmann sind stolz auf ihre Blaudruck-Wurzeln und hüten die Musterbücher

ihrer Vorfahren wie einen kostbaren Schatz – der immaterielle Wert ist immens. Michèle

fängt langsam an, sich selbst für den Blaudruck und die traditionsreiche Ahnengeschichte zu

interessieren und blättert daher immer öfter in den Büchern …

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Auf einem blauen Stück Stoff misst Petra die Begrenzungslinien ab und zeichnet sie mit Schneiderkreide auf. Die Klebebandränder zeigen ihr an, wo das Muster

verlaufen soll. Die Ecken müssen beim Bedrucken abgeklebt werden, damit die Muster exakt abschließen und sich nicht überschneiden. Mit einem Küchenschwamm

wird die Farbe gleichmäßig auf den Model aufgebracht. Jetzt kann der Stoff bedruckt werden – je ebenmäßiger das Ergebnis, desto zufriedener ist die

Künstlerin. Kleine Unebenheiten gehören zu echtem Handwerk aber dazu, denn jeder Druck ist ein Unikat.

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ist alles perfekt – es sind diese Feinheiten,

die Petras Stücken ihren charmanten

Eigensinn verleihen. Ein Zurück gibt es

nicht. Ist die Farbe erstmal auf dem Stoff,

lässt sie sich nicht mehr rückstandslos

auswaschen. »Ich strebe zwar immer ein

perfektes Endergebnis an, aber kleine

Unebenheiten gehören beim Blaudruck

einfach dazu. Das unterscheidet echtes

Handwerk von gesichtsloser Massenware.«

Profis erkennen einen handgemachten

Blaudruck unter anderem an den Markierungen

des Rapportstiftes, der dem

Künstler dabei hilft, den Model lückenlos

und ohne Überschneidungen anzusetzen.

Gerade bei anspruchsvollen Mustern, die

aus zwei, drei oder sogar vier übereinanderliegenden

Drucken bestehen, ist präzises

Arbeiten ein absolutes Muss. »Solche

Muster erfordern extrem viel Können,

Geschick und Geduld«, erklärt Petra und

deutet auf ein quadratisches Tuch, das als

Anschauungsbeispiel für diese Kunstfertigkeit

dient.

Handwerk mit Geschichte

Schon als kleines Mädchen war die Mutter

dreier Kinder von den Stoffdrucken

fasziniert. Die endlosen Mustervariationen

übten eine geradezu magische

Anziehungskraft auf sie aus. »Auch für

die kostbaren Holzmodel konnte ich mich

aufrichtig begeistern«, erzählt sie und fügt

Im Dezember 2016 hat die

Deutsche UNESCO-Kommission

den Blaudruck als anerkanntes,

immaterielles Kulturerbe

in das bundesweite Verzeichnis

aufgenommen.

lächelnd hinzu: »Ich habe sie heimlich

in der Werkstatt meines Opas bestaunt

und natürlich auch ausprobiert.« Gerne

hätte sich Petra die Kunst des Blaudrucks

persönlich von ihrem Großvater Josef Unterauer,

einem waschechten »Blaufärber«,

beibringen lassen, doch leider verstarb er

überraschend, als Petra noch zu jung war,

um sein kreatives Erbe antreten zu können.

»Ebenso abrupt wie sein Tod war damit

auch das Ende der jahrhundertealten Blaudruck-Tradition

innerhalb unserer Familie.

Bedauerlicherweise gab es außer mir niemanden

mehr, der sich für den Blaudruck

begeistern konnte.«

Die Werkstatt in Wasserburg am Inn

wurde geschlossen, viele Gerätschaften

dem örtlichen Heimatmuseum übergeben.

Die Model wurden in Kisten verpackt, im

Keller verräumt und vergessen. Erst Jahre

später wurden sie von Petra wiederentdeckt

und vom Staub der langen Wartezeit

befreit. Mit dem Fund der Model kehrte

auch ihr Interesse am Blaudruck zurück.

»Und an meiner Familiengeschichte. Ich

fing an, Ahnenforschung zu betreiben und

die Model zu katalogisieren und zu reparieren.«

Ein Unterfangen, dass sie manchmal

an den Rand der Verzweiflung trieb.

»Viele der Model waren weit über hundert

Jahre alt, was man ihnen auch ansah«,

resümiert sie. Das Holz war brüchig, aufgeplatzt

und von Holzwürmern zerfressen,

die Messingstifte wackelten. »Ich musste

mir was einfallen lassen.« Petra suchte sich

Rat bei einem Modelschnitzer, einem der

Letzten seiner Zunft. Sein Tipp: Ab damit

in die Fritteuse! Durch die hohen Temperaturen

konnte das Leinöl gleichmäßig und

tief genug in das Holz einziehen, um es

wieder glatt und geschmeidig zu machen.

»Ich war skeptisch, aber es funktionierte

perfekt«, lacht Petra. Mit Holzleim füllte

sie die übrig gebliebenen Risse auf und

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Die Modelmuster konnten ganz unterschiedlich

erzeugt werden: Der hintere Model wurde komplett

aus Holz geschnitzt, beim vorderen Model sind an

den Kindersilhouetten deutlich die Messingbänder zu

erkennen, die mit kompaktem Filz gefüllt wurden.

Die Rezepturen für den Papp wurden als »Färbergeheimnis«

unter Verschluss gehalten . Die Hauptbestandteile

waren unter anderem bernsteinfarbenes »Gummi

arabicum«(Harz einer Akazienart), Pfeifenton (Kaolin),

Grünspan, Talg und Salpetersaures Blei.

fixierte die Messingstifte. Dann startete sie

ihre ersten Druckversuche, feilte permanent

an der Perfektion ihrer Ergebnisse

und wurde immer routinierter.

Mittlerweile hat sich die sympathische

Sulzbergerin einen Namen gemacht. »Ich

bin auf Märkten unterwegs und mache

besonders gerne Vorführungen in Museen,

um den Blaudruck erlebbar zu machen.

Auch Kreativkurse über den Verein Land-

Hand e.V. bietet die Künstlerin unter ihrer

Marke »ALLGÄU PeKor« an – alles

nebenberuflich. Die Einsatzmöglichkeiten

für die blau-weißen Stoffe sind so vielfältig

wie die Muster selbst, mit denen

sie bedruckt sind: Schürzen, Tischläufer,

Dirndl, Vorhänge oder Kissenbezüge sind

nur einige Beispiele. »Ich benutze auch

andere Farben als Weiß zum Bedrucken.

Es kommt ganz auf die Stofffarbe an und

was meine Kundinnen sich wünschen.«

Zeitlose Musterstücke

Inspiration und Ideen gibt es genug –

wenn Petra nach neuen Dessins sucht,

blättert sie in den uralten Musterbüchern,

ebenfalls Familienerbstücke mit immensem

immateriellen Wert. »Unser Stammbaum

reicht bis 1647 zurück«, erzählt sie

stolz. »Was mich fasziniert, ist, wie zeitlos

die Muster sind und wie experimentierfreudig

meine Ur-Ur-Urgroßväter schon

damals waren!« Pünktchen, Blumen,

Ornamente, grafische Strukturen, geometrische

Formen und knallbunte Druckfarben,

oft völlig unbekümmert miteinander

kombiniert – im Familienarchiv gibt es

nichts, was es nicht gibt. Ganze Welten

tun sich da zwischen vergilbten Buchdeckeln

auf. »Man erkennt ganz deutlich

die unterschiedlichen Vorlieben und Stile

der einzelnen Epochen und Blaufärber.

Viele Zeichnungen sind extrem kunstvoll

und detailverliebt, andere nur dahingehaucht

und eher oberflächlich. Es stehen

sogar streng geheime Rezepturen für den

Papp (siehe Infokasten) drin.«

Moderne Klassiker

Die Lust am Experiementellen ebenso

wie an alter Handwerkskunst liegt Petra

zweifelsohne in den Genen, denn auch

bei ihr treffen Tradition und Trends stets

aufeinander: Ihre Stücke sind romantisch,

aber niemals rüschig, traditionell,

aber nicht altmodisch, anmutig, aber nie

Beim ursprünglichen Blaudruck handelt es sich um ein Blaufärbeverfahren, dem

ein Reservedruck vorausgeht. Dazu wird mit »Modeln« auf weiße Leinen-,

Seiden- oder Baumwollstoffe ein Abdeckmittel, der sogenannte »Papp«,

aufgebracht. Die Rezeptur für den Papp wird von den Blaudruckwerkstätten

meist streng geheim gehalten. Die Hauptbestandteile sind unter anderem

»Gummi arabicum« (Akazienharz), Pfeifenton (Kaolin), Grünspan, Talg und

Salpetersaures Blei. Die bedruckten Stoffe werden mit dem Pflanzenfärbemittel

Indigo mehrfach eingefärbt. Nach der Färbung wird der »Papp« mit verdünnter

Schwefelsäure und klarem Wasser ausgewaschen – die weißen Muster kommen

in der jeweiligen Grundfarbe der Textilien zum Vorschein. Der Blaudruck wurde

wegen des blau-weißen Dekors im 18. Jahrhundert auch Porzellandruck genannt.

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Die filigranen Muster auf den Modeln wurden

mit Messing- und Drahtstiften sowie kleinen

Nägeln in das Holz gehämmert.

Druckmuster in Hülle und Fülle und Blautöne

in allen erdenklichen Nuancen – die Stoffe lassen

sich untereinander ideal kombinieren.

abgehoben. »Mir geht es immer darum,

den Blaudruck als Handwerkskunst in den

Fokus zu rücken, ihn erlebbar zu machen

und zeitgemäß zu präsentieren.« Das

Produkt steht für die Kunsthandwerkerin

immer im Vordergrund, nicht sie selbst.

Wer sich ein Stück der »PeKor«-Kollektion

kauft, holt sich Originalität ohne Verfallsdatum

und Effekthascherei ins Haus.

»In jeden Druck fließt ein Stück meiner

Familiengeschichte mit ein. Die Vergangenheit

wird permanent neu zum Leben

erweckt. Druck für Druck, Muster für

Muster. Die Vorstellung, dass einer meiner

Ur-Ur-Großväter mit genau dem gleichen

Model gearbeitet hat, den ich gerade in der

Hand halte, macht mich einfach stolz.«

Auch zwei ihrer eigenen Kinder, Tochter

Michèle und Sohn Jakob, stehen dem

Blaudruck mit Neugier gegenüber. »Insbesondere

Michèle hilft mir oft, wenn ich

auf Märkten unterwegs bin.« Und wenn

sich eine passende Gelegenheit ergibt,

trägt die Schülerin ihr blau-weißes Dirndl.

Selbstverständlich finden sich auch überall

im Haus der Familie die Blaudrucke. »Auf

unseren Tischen liegen Erbstücke meiner

Großmutter ebenso wie meine eigenen

Kreationen.«

Was ihr Großvater Josef wohl zu ihrer

Arbeit sagen würde? »Ich denke, er wäre

stolz darauf, dass ich unsere Familientradition

am Leben erhalte. Es wäre super,

wenn ich ihn um Rat fragen könnte, denn

ich lerne jeden Tag dazu und würde gerne

von seinem Wissen profitieren«, meint

Petra. Dann tupft sie mit einem Küchenschwamm

weiße Farbe auf die Messingstifte

und presst den Model auf den Stoff.

Nach ein paar Sekunden hebt sie ihn

vorsichtig an und blickt gespannt auf das

Blütenmuster, das sich leuchtend weiß vom

königsblauen Stoff abhebt. Sie nickt zufrieden,

der Druck ist perfekt geworden.

B12

Kempten

Blaudruck Petra Kortmann

www.allgaeu-pekor.de

Tel.: 08376/92 15 65

Text und Fotos: Sabrina Fackler;

Freisteller: © natashasha – Fotolia.com B

Durach

Waltenhofen

Sulzberg

B19

A980

Blaudruck

Petra Kortmann

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Adventsglück

aus der Natur

Dieser Kranz ist besonders lange haltbar,

da der Nasssteckkranz gegossen

wird und damit außergewöhnlich

lange Zeit Freude bereitet!

Deko-Tipp!

Für die »Allgäuerin« von Beate Kuhn

aus der Gärtnerei/Blumenfachgeschäft

Kuhn in Ratzenried

Duftende Muschelzypresse, Kiefernzweige und

Zäpfchen: Was wäre Weihnachten ohne

liebevollen Tischschmuck und Adventskränze?

Die Natur bietet tolle Möglichkeiten mit

naturnahen Materialien das Haus hübsch

und festlich zu schmücken.

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Eleganter Winterzauber -

Gießbarer Muschelzypressenkranz

Sie brauchen:

• Heißkleber/Klebepistole

• Schere

• Nasssteckring (erster Kranz)

• Strohkranz (dieser muss größer

als der Nasssteckring sein)

• Filzband für Strohkranz

• silberner Dekodraht (Spule)

• Muschelzypresse

frisch oder getrocknet

• Silberdraht (Calocephalus)

• Murrizapfen, Amberzapfen und

Hauswurz (erhältlich in Floristikfachgeschäften/Gärtnereien)

• Pinienzapfen

Freisteller: nubenamo/Shutterstock.com B

1.

2.

3.

4.

So wird’s gemacht:

1. Für den ersten Kranz legen Sie zunächst

die Muschelzypresse, Murrizapfen,

Amberzapfen und Hauswurz

bereit.

2. Stecken Sie das frische Grün in den

Nasssteckring ein.

3. Dann dekorieren Sie den Kranz ganz

nach Belieben mit Murrizapfen,

Amberzapfen und Hauswurz.

4. Nehmen Sie nun den Strohkranz und

umwickeln Sie diesen mit Filz. Anschließend

binden Sie den sog. Silberdraht

(Calocephalus) mit dem Draht auf die

Oberseite des Strohkranzes.

Zuletzt nehmen Sie den fertig ausgeschmückten

Nasssteckkranz und montieren

diesen mit Draht auf den zuvor

gewickelten Strohkranz.

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Natur und Kerzenlicht –

Klassisch schöner Adventskranz

Sie brauchen:

• Heißkleber/Klebepistole

• Schere

• Strohkranz

• trockene Rindenstücke

• Filzband

• Nasssteckring (gibt es in versch. Größen

ab 17 cm Durchmesser)

• Grün nach Wahl (Koniferengrün wie

Muschelzypresse, Kiefer, Tannengrün

oder ähnliches)

• Weihnachtskugeln

• Zäpfchen, Bucheckern, Beeren und

vergoldete Rindenstücke

• vier große Kerzen

• stabiler Steckdraht für die Kerzen

So wird’s gemacht:

1. Als Unterlage nehmen Sie einen einfachen

Strohkranz (Strohrömer), wickeln

Sie diesen mit einem Filzband ein, und

kleben Sie die Enden mit Heißkleber

fest. Nehmen Sie dann die bereitgelegten,

getrockneten Rindenstücke, und

kleben Sie diese Stück für Stück auf den

Filzmantel bis dieser vollständig mit

Rinde bedeckt ist.

Freisteller: nubenamo/Shutterstock.com B

1.

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Modern, stimmungsvoll und frisch aus der Natur

Stilvolles zur Weihnachtszeit

2.

4.

3.

Den Docht der Kerze auf einen

Zentimeter kürzen, dann

brennen die Kerzen gleichmäßig

ab und rußen weniger.

2. Mit einem kleinen Messer das ausgewählte

Grün zurechtschneiden.

3. Nehmen Sie den Nasssteckring, der

später auf den Strohkranz montiert

wird, und stecken Sie das ausgewählte

Grün dicht ein. Bevor der Nasssteckring

auf den schon vorbereiteten Rindenkranz

mit Draht montiert wird, müssen

noch die Stumpen-Kerzen fixiert

werden.

4. Die Stumpen-Kerzen werden auf dem

Nasssteckring mithilfe des Steckdrahtes

befestigt. Dazu als erstes die Spitzen

der zwei Steckdrähte heiß machen

und gut einen Zentimeter in die

Kerzenunterseite, links und rechts

stecken. Anschließend die Enden um

den Kranz führen und an der Unterseite

verzwirbeln. Nun kann der Kranz

mit den Kerzen auf dem Rindenkranz

mit Draht befestigt werden. Den

Docht der Kerze auf einen Zentimeter

kürzen. Dann nach Belieben mit

Kugeln, Zäpfchen, Bucheckern,

Beeren und vergoldeten Rindenstücken

verzieren. Zauberhaft!

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Stimmungsvoller Silberdistelkranz

Sie brauchen:

• Heißkleber /Klebepistole

• Strohkranz

• trockene Rindenstücke

• dunkles Filzband zum Einwickeln

• kultivierte Silberdisteln

• drei dicke Stumpenkerzen für die

Mitte des Deko-Kranzes

3.

Freisteller: nubenamo/Shutterstock.com B

So wird’s gemacht:

1. 2.

1. Strohkranz zu 2/3 innen und

außen mit Rinde bekleben.

2. Den oberen Rand des Kranzes mit

kultivierten Silberdisteln dekorieren.

Ein Fest für die Augen!

3. Stilvoller Abschluss: Drei dicke

Stumpenkerzen werden hübsch in

der Mitte des Kranzes dekoriert.

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It´s

tea

time!

It´s tea time!

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Man sagt, wer in die Welt des Tees eintaucht, wird zum Reisenden.

So entführt uns ein Schluck »Darjeeling« an die Südhänge des

Himalayas, in einem Schälchen »Bancha« entdecken wir das

Aroma Japans und im »Zümrüt« die Teetradition der

östlichen Schwarzmeerküste in der Türkei. Nach Wasser ist Tee

das beliebteste Getränk der Welt. Zu Recht, denn die

wertvollen Inhaltsstoffe beleben Körper und Geist.

E

twa 3,4 Mio. Tonnen Tee werden weltweit produziert, wobei Indien,

China, Kenia, Sri Lanka und die Türkei zu den größten Anbaugebieten

zählen. Hinter der Bezeichnung »Tee« verbergen sich streng genommen

ausschließlich Aufgussgetränke aus den getrockneten Blättern, Blüten

und Knospen des immergrünen Teestrauchs (lat.: Camellia sinensis

und Camellia assamica). Um optimal zu gedeihen, benötigt die

Teepflanze warme Temperaturen von etwa 19 °C und eine gewisse

Höhenlage mit entsprechender Luftfeuchtigkeit. Das Pflücken

der Teeblätter ist reine Handarbeit, denn nur die jungen Blätter

und die Knospen liefern hochwertigen Tee. Der Standort

bestimmt das unverwechselbare Aroma, das durch die Weiterverarbeitung

nach der Ernte verfeinert wird. Insgesamt unterscheidet

man sechs große Teesorten: Weißer Tee, Grüner Tee, Gelber Tee,

Oolong Tee, Pu Erh Tee und Schwarzer Tee.

Weißer Tee – der Naturbelassene

Er gilt als der naturbelassenste Tee mit einem Fermentationsanteil von

unter 2 %. Nur die jungen, ungeöffneten Blattknospen und Blätter, welche

von einem weißen Flaum umgeben sind, werden gepflückt und schonend

luft- und lichtgetrocknet. Die chinesischen Kaiser vergangener Zeiten sagten

dem Weißen Tee eine verjüngende und lebensverlängernde Wirkung nach.

Heute weiß man, dass reichlich Catechine enthalten sind, welche vor Zellschäden

schützen. Gleichzeitig ist im Weißen Tee der Koffeingehalt gering, sodass der

Magen geschont wird und sich die anregende Wirkung in Grenzen hält.

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Grüner Tee – der Gesunde

In den letzten Jahren wurde der Grüne Tee intensiv erforscht, wobei zahlreiche positive

Gesundheitseffekte nachgewiesen werden konnten. Von A wie abnehmen bis Z wie

zellschützend unterstützt er außerdem das Herzkreislaufsystem, aktiviert das Konzentrationsvermögen,

entspannt die Atemwege und beugt Karies vor. Die tägliche Tasse Grüntee –

es können auch mehr sein – ist nicht nur Genuss, sondern aktive Gesundheitspflege.

Der Ernährungs- und Tee-Experte Dr. Jörg Schweikart empfiehlt als »Grüner Tee Basis-Paket

für die Gesundheit« morgens die Sorte »Gyokuru«, mittags »Sencha«, abends »Bancha« und

abwechselnd 2- bis 4-mal pro Woche »Matcha« morgens bis in den Nachmittag hinein.

Oolong Tee – der Drache

Als halbfermentierter Tee liegt der »würzig-brotige« Oolong Tee im

Fermentationsgrad zwischen dem Grünen und dem Schwarzen Tee. Für die

Herstellung werden etwas ältere Blätter mit langer schmaler Form vom Teestrauch

geerntet, gerollt und fermentiert. Wenn diese sich im Aufguss entfalten, sehen sie

tatsächlich einem Drachen ähnlich. In der chinesischen Teezeremonie werden drei

Aufgüsse gemacht, wobei der erste den »Tee des guten Geruchs«, der zweite den »Tee des

guten Geschmacks« und der dritte den »Tee der langen Freundschaft« ergibt.

Schwarzer Tee – der Rote in der Tasse

Beim Schwarzen Tee werden die Teeblätter vor dem Trocknen einem Fermentationsprozess

bei etwa 30 °C unterzogen bis sie eine kupferrote Farbe und ein würziges Aroma

entwickeln. Ostfriesische Teemischungen enthalten oft den indischen Assamtee, weil er

besonders kräftig im Geschmack ist. Ebenso wie der Grüntee wirkt Schwarztee belebend

und stärkt das Immunsystems. Die getrockneten Blätter werden mit sprudelnd kochendem

Wasser übergossen und 3 bis 5 min. ziehen gelassen. Bei längerer Ziehzeit gilt Schwarztee als

Hausmittel gegen Durchfall. Dabei gehen verstärkt die adstringierenden Gerbstoffe in den

Aufguss über, wodurch er auch etwas herber schmeckt.

Ein Leben lang

Neuste Forschungen aus dem Norden offenbaren, regelmäßige

Teetrinker erkranken seltener an Osteoporose, Herz-Kreislauf-

Erkrankungen und Krebs. Die enthaltenen Teepolyphenole

drehen, vereinfacht gesagt, die Lebensuhr unserer Zellen zurück.

Worauf warten wir dann noch? It´s tea time!

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Teebeutel ade – Plädoyer für losen Tee

Wer bei einer Tasse Tee wirklich die Seele baumeln

lassen möchte, sollte das Teetrinken zelebrieren.

Dazu gehört ein hochwertiger Tee.

Schon das Öffnen der Teedose ist ein

Genuss und entführt in ferne Länder.

Freischwimmend in der Kanne können

sich die Blätter richtig entfalten

und im heißen Wasser tanzen. Dieser

Anblick würde uns beim Hantieren

mit einem Teebeutel entgehen. Darin

sind eher zerkleinerte Blätter und

Teestaub enthalten. Trotzdem muss

die Qualität nicht unbedingt schlechter

sein, aber Teeliebhaber schwören auf

losen Tee. Besonders im Winter lässt sich mit

chinesischem Blumentee der Frühling ins Glas

holen. Das kleine grüne Päckchen offenbart sein

inneres Geheimnis erst in heißem Wasser, wo es erblüht

eine Blumenknospe.

wie

Matcha-Teezeremonie in 5 Schritten

Der leuchtend grüne Matcha-Tee gilt mittlerweile als

Superfood. Es handelt sich um pulverisierte Teeblätter,

welche besonders bei der japanischen Teezeremonie in

fein abgestimmten Schritten zubereitet werden. Edler

Matcha entfaltet eine leichte Süße und schmeckt

nicht bitter. Für die Zubereitung benötigen Sie

ein kleines Edelstahlsieb, eine ausreichend große

Keramikteeschale, einen Bambus-Besen (Chasen),

einen kleinen Bambusspatel (Chashaku) und etwa

80 °C heißes Wasser. Nehmen Sie sich Zeit und

zelebrieren Sie ihre persönliche Teezeremonie, um

innere Kraft zu schöpfen.

1. Seihen Sie etwas Matcha-Pulver durch das Edelstahlsieb,

um eine feine Verteilung und damit einen

milderen Geschmack zu gewährleisten.

2. Geben Sie nach Belieben 2–4 Bambusspatel Matcha in die

Teeschale.

3. Gießen Sie etwa 100 ml heißes Wasser (80 °C) in die Schale.

4. Rühren Sie mit dem Bambus-Besen locker in Form eines »W« in der Schale bis

der Tee gleichmäßig cremig ist und sich Schaum auf der Oberfläche bildet.

5. Trinken Sie nun den Matcha genussvoll aus der Schale.

Text: Dr. Henrike Staudte; Fotos: FotoDuets/Shutterstock.com (1), Nickolai Repnitskii/Shutterstock.com (1),

Vladimir Sazonov/Shutterstock.com (1), Berna Namoglu/Shutterstock.com (1), grafvision/Shutterstock.com (1),

GooDween123/Shutterstock.com (1), KMNPhoto/Shutterstock.com (1), Africa Studio/Shutterstock.com (2);

Freisteller: Vyazovskaya Julia/Shutterstock.com B

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Adventskalender –

24 Köstlichkeiten mit Liebe gemacht

Die Zeit vom 1. Dezember bis Heiligabend ist

nicht nur für die Kleinen etwas ganz Besonderes.

Über unsere 24 Leckereien freuen sich auch

die Großen und können es kaum abwarten,

das nächste Gläschen zu öffnen und zu verkosten.

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Orangen-Pistazien

Trüffel

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

100 g Zartbitterschokolade, 25 g Sahne, 5 g Butter,

½ EL Orangenlikör, 2 EL gehackte Pistazien

1

Weihnachtlicher Haselnuss-

Schoko-Aufstrich

Zutaten für 1 Glas à 160 ml

100 g Haselnüsse, 1–2 EL neutrales Öl,

1 EL Kakaopulver, 1 Prise Salz,

2 EL Ahornsirup, ½ TL Zimt

oder Lebkuchengewürz

2

Text & Fotos: Mareen Kurray; Zettelchen: My Life Graphic/Shutterstock.com; Sterne Hintergrund: nubenamo/Shutterstock.com B

Zubereitung

Die Schokolade mit der Sahne und der Butter im Wasserbad

schmelzen, zuerst die Butter untermischen (evtl. für

Rezept Nr. 6 1,5 od.

3 EL beiseite stellen),

dann den Likör unterrühren.

Zugedeckt

über Nacht kühl

(aber nicht im Kühlschrank)

fest werden

lassen. Neun kleine

Trüffelkugeln rollen

und in den gehackten

Pistazien wälzen.

3

Adventszucker

Zutaten für 1 Glas à 80 ml

2 EL brauner Zucker, 2 EL weißer Zucker,

1 TL Spekulatiusgewürz, Mark ½ Vanilleschote

Zubereitung

Braunen und

weißen Zucker

mit dem Gewürz

und dem Vanillemark

mischen.

Passt zum Beispiel

zu Milchreis,

Oatmeal, Waffeln,

Pfannkuchen,

Glühwein

oder Punsch.

Salzkaramell

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

100 g Zucker, 50 g Butter, 100 g Sahne,

½ TL Fleur de Sel (kein Tafelsalz)

Zubereitung

Zubereitung

Die Nüsse in einer

Pfanne ohne Fett

rösten und abkühlen

lassen, dann

im Multizerkleinerer

fein mahlen,

restliche Zutaten

hinzugeben und

alles zu einer feinen

Paste mixen.

4

Den Zucker mit 3 EL Wasser in einen Topf mit schwerem

Boden geben und bei mittlerer Hitze aufkochen – dabei

nicht umrühren sondern den Topf nur leicht schwenken.

So lange köcheln lassen, bis der Zucker karamellisiert und

bernsteinfarben wird, Topf vom Herd nehmen. Butter dazu

geben – Vorsicht, es

schäumt auf und ist sehr

heiß. Wenn die Butter

geschmolzen ist, die

Sahne zufügen und gut

durchrühren, um Schluss

das Salz unterrühren.

Das Salzkaramell in das

Glas füllen und sofort

verschließen – Vorsicht,

sehr heiß!

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5

Advents-Schoko-Müsli

Zutaten für 1 Glas à 290 ml

70 g kernige Haferflocken,

3 EL Ahornsirup, ¼ TL Lebkuchengewürz,

1 TL Kakaopulver, 30 g gehackte Nüsse, 20 g gehackte

Schokolade, 20 g getrocknete Cranberries

Zubereitung

Alle Zutaten außer die Schokolade und die Cranberries

miteinander vermengen, auf einem mit Backpapier

ausgelegtem Backblech

verteilen und bei 200

°C Ober-/Unterhitze

(180 °C Umluft)

15–20 Minuten

knusprig backen, nach

der Hälfte der Backzeit

einmal durchmischen.

Vollständig abkühlen

lassen, dann die Schokolade

und die Cranberries

untermischen.

Honigkuchen-Trüffel

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

100 g Honig- oder

Frühstückskuchen,

1 EL Orangengelee

(siehe Rezept Nr. 7),

3 EL Ganache (siehe

Rezept Nr. 1 und 9),

3 Spekulatiuskekse

Zubereitung

6

Den Honigkuchen

zerkrümeln, mit dem

Orangengelee und

der Ganache zu einer formbaren Masse verkneten und

kleine Kügelchen formen. Das Spekulatius fein krümeln

und die Kügelchen darin wälzen.

Tipp: Falls Sie Rezept Nr. 1 und 9 nicht machen:

Für die Ganache 25 g Zartbitterschokolade, 2 EL Sahne

und 2 g Butter miteinander im Wasserbad schmelzen.

Orangen-Ingwer-

Gelee

Zutaten für 1 Glas à 160 ml

100 ml frischer Orangensaft, 100 g Gelierzucker 1:1,

1 kleines Stück Ingwer in dünne Scheiben geschnitten

Zubereitung

7

Den Orangensaft, den Gelierzucker und die Ingwerscheiben

in einen

kleinen Topf geben

und aufkochen, Hitze

reduzieren und

4 Minuten köcheln

lassen. Den Ingwer

entfernen (1 EL Gelee

beiseite Stellen

für Rezept Nr. 6), in

das Glas füllen und

sofort verschließen.

8

Zimtsirup

Zutaten für 1 Fläschchen à 100 ml

100 ml Wasser, 100 g Zucker, 1 TL Zimt

Zubereitung

Alle Zutaten in

einen kleinen Topf

geben und aufkochen,

Hitze

reduzieren und

den Sirup etwa

10 Minuten zur

Hälfte einkochen

lassen. In das Fläschchen

füllen und

sofort verschließen.

Passt sehr gut zu Kaffee, Tee, Punsch, Glühwein

oder Süßspeisen.

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Text & Fotos: Mareen Kurray; Zettelchen: My Life Graphic/Shutterstock.com; Sterne Hintergrund: nubenamo/Shutterstock.com B

Whiskey-Haselnuss-Trüffel

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

100 g Zartbitterschokolade, 25 g Sahne,

5 g Butter, ½ EL Whiskey,

2 EL gehackte geröstete Haselnüsse

Zubereitung

Die Schokolade mit der Sahne und der Butter im

Wasserbad schmelzen (evtl. für Rezept Nr. 6 1,5 beiseite

stellen), dann den Whiskey unterrühren. Zugedeckt

über Nacht kühl

(aber nicht im Kühlschrank)

fest werden

lassen. Neun kleine

Trüffelkugeln

rollen und in

den gehackten

Haselnüssen

wälzen.

9

Glühweingewürz

Zutaten für 1 Glas à 80 ml

1 Zimtstange, 4 Nelken, 4 Pimentkörner,

2 Kardamomkapseln, 1 Sternanis, ½ Vanilleschote,

2–3 Würfel brauner Zucker, 2–3 Würfel weißer

Zucker

Zubereitung

Alles in das kleine

Gläschen geben,

die Zimtstange

evtl. halbieren.

Reicht für 500 ml

Rotwein. Den

Wein in einen kleinen

Topf geben,

Gewürz mit dem

Saft ½ Bio-Orange

und ½ Bio-Orange in Scheiben dazu geben, alles auf

etwa 70 °C erhitzen und 30 Minuten ziehen lassen.

Mandel-Cranberry-Kuchen

Zubereitung

Zutaten für

1 Glas à 290 ml

1 Ei, 60 g Zucker,

60 ml neutrales Öl,

60 g Naturjoghurt,

60 g Mehl, 1 TL Backpulver,

¼ TL Zimt,

20 g Mandelblättchen,

20 g getrocknete

Cranberries

Das Ei und den Zucker schaumig aufschlagen,

des Öl dazu geben und kurz mit aufschlagen, dann Joghurt

und das Mehl nacheinander kurz unterrühren. Die Hälfte des

Teiges für Rezept Nr. 24 beiseite stellen. Den Zimt, die Mandeln

und die Cranberries unterheben, das Glas fetten, den Teig

einfüllen und im vorgeheizten Ofen bei 180 °C Ober-/

Unterhitze (160 °C Umluft) zusammen mit Rezept Nr. 24

etwa 35 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und sofort

mit dem Deckel verschließen

Pflaumen-Lebkuchen-

Marmelade

11 12

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

200 g entsteinte Pflaumen, 100 g Gelierzucker 2:1,

5–10 g Marzipanrohmasse, 1 gute Prise Zimt

Zubereitung

Die Pflaumen klein

schneiden und mit

dem Zucker in einen

kleinen Topf

geben, aufkochen,

Hitze etwas reduzieren

und 3–4 Minuten

köcheln lassen,

Marzipan

hineinkrümeln und

gut unterrühren bis

10

er sich aufgelöst hat, evtl. pürieren und mit Zimt abschmecken.

In das Glas geben und sofort verschließen.

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Weiße Schokoladensterne

mit Cranberries

Zutaten für 1 Glas à 160 ml

50 g weiße Schokolade, 20 g getrocknete Cranberries

Zubereitung

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Die Schokolade fein hacken und dreiviertel der Schokolade

im Wasserbad schmelzen, vom Herd nehmen, restliche

Schokolade einrühren bis sie geschmolzen ist. Die

Cranberries hacken und auf die Hälfte der Mulden einer

Silikon-Pralinenform

verteilen, Mulden mit

der Schokolade auffüllen.

Etwas an der Form

rütteln, damit sich die

Schokolade gut verteilt.

Die Schokoladensterne

erkalten lassen, evtl.

kühl stellen, dann aus

der Form lösen und in

das Glas füllen.

14

Spekulatiuslikör

Zutaten für 1 Fläschchen

à 100 ml

75 ml Sahne, 25 g Zucker, ½ TL Spekulatiusgewürz,

½ Vanilleschote, 25 ml Weinbrand

Zubereitung

Die Sahne mit dem Zucker, dem Gewürz und dem

ausgekratzten Mark der Vanilleschote und der

Schote aufkochen,

abkühlen lassen

und über Nacht

im Kühlschrank

ziehen lassen.

Durch ein feines

Sieb absieben,

den Weinbrand

unterrühren, dann

in das Fläschchen

füllen.

Heiße Schokolade Mix

Zubereitung

15

Zutaten für

1 Glas à 80 ml

2 EL Kakao,

1 TL Puderzucker,

1

/8 TL Zimt,

1 EL brauner

Zucker, etwa

15 g gehackte Zartbitterschokolade

Den Kakao, Puderzucker, Zimt und den braunen

Zucker in das Gläschen schichten und dann mit

der Schokolade auffüllen.

Die Mischung reicht für 2 große Tassen heiße

Schokolade.

Gebrannte Mandeln

Zubereitung

Zutaten für

1 Glas à 290 ml

50 g Zucker,

¼–½ TL Lebkuchengewürz

oder Zimt,

100 g Mandeln

mit Haut

16

Den Zucker mit 50 ml Wasser und dem Gewürz in eine

Pfanne geben und aufkochen, die Mandeln dazu geben,

unter ständigem Rühren weiter köcheln bis das Wasser

verdunstet ist. Hitze reduzieren und weiter Rühren bis

der Zucker karamellisiert ist und die Mandeln glänzen.

Auf einem Teller mit Backpapier ausbreiten und abkühlen

lassen. (20 g für Rezept 20 beiseite legen)

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Text & Fotos: Mareen Kurray; Zettelchen: My Life Graphic/Shutterstock.com; Sterne Hintergrund: nubenamo/Shutterstock.com B

Glühweingelee

Zutaten für

1 Glas à 160 ml

100 ml Glühwein,

100 g Gelierzucker

1:1

Zubereitung

Den Glühwein und den Gelierzucker in einen

kleinen Topf geben und aufkochen, Hitze

reduzieren und 4 Minuten köcheln lassen.

Glühweingelee in das Glas füllen und sofort

verschließen.

Marzipankartoffeln

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

100 g Marzipanrohmasse, ½ EL Kakao,

Zimt nach Belieben

19

17

Zubereitung

Aus der Marzipanmasse etwa 9 Kügelchen

rollen, diese im Kakaopulver mit etwas

Zimt wälzen.

Dunkle Schokoladensterne

mit gebrannten Mandeln

Zubereitung

Florentiner Eckchen

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

5 g Butter, 40 g Sahne, 15 g Zucker, 15 g Honig,

70 g Mandelblättchen, 2 TL Mehl

Zutaten für 1 Glas à 160 ml

50 g Zarbitterchokolade,

20 g gebrannte Mandeln

(siehe Rezept Nr. 16)

Zubereitung

Die Butter mit der

Sahne, dem Zucker

und dem Honig aufkochen,

die Mandeln

dazu geben und 2

Minuten köcheln

lassen – ab und zu

umrühren. Dann das

Mehl unterrühren,

vom Herd nehmen

und 10 Minuten

ruhen lassen. Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze

(180 °C Umluft) vorheizen. Die Florentienermasse auf

ein Blech mit Backpapier streichen und 8–12 Minuten

goldbraun backen. Kurz abkühlen lassen, dann in kleine

Eckchen schneiden und vollständig auskühlen lassen.

20

18

Die Schokolade fein hacken und dreiviertel der Schokolade im

Wasserbad schmelzen, vom Herd nehmen, restliche Schokolade

einrühren bis sie geschmolzen ist. Die Mandeln hacken und auf

die Hälfte der Mulden einer

Silikon-Pralinenform

verteilen, Mulden mit

der Schokolade auffüllen.

Etwas an der Form

rütteln, damit sich die

Schokolade gut verteilt.

Die Schokoladensterne

erkalten lassen, evtl. kühl

stellen, dann aus der

Form lösen und in das

Glas füllen.

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Schokoladen-Zimt-Mandeln

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

75 g Mandeln, 50 g weiße Schokolade, 1 EL Kakao,

½ TL Zimt, 25 g Puderzucker

Knusperwölkchen

Zutaten für 1 Glas à 220 ml

50 g Zartbitterschokolade,

20 g Schokocornflakes,

20 g Mandelblättchen

Zubereitung

Zubereitung

Mandeln in einer Pfanne

ohne Fett rösten und

abkühlen lassen. Die

Schokolade hacken

und im Wasserbad

schmelzen. Die Mandeln

in die geschmolzene

Schokolade einrühren,

den Kakao und

den Zimt dazu geben

und vermengen. So viel

des Puderzuckers dazu geben, bis die Masse jede einzelne

Mandel bedeckt, gegebenenfalls Mandeln trennen.

Die Schokoladen-Mandeln auf einem Teller fest werden

lassen, mit dem restlichen Puderzucker bestreuen und in

das Glas füllen.

21

23

Die Schokolade hacken und im Wasserbad schmelzen.

Die Cornflakes

und die

Mandelblättchen

untermischen.

Mit

Hilfe zweier

Teelöffel kleine

Wölkchen auf

ein Backpapier

setzen und fest

werden lassen.

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Walnusskrokant

Zutaten für 2 Gläser à 80 ml

50 g Zucker, 1 TL Butter, 50 g gehackte Walnüsse

Zubereitung

Den Zucker mit 2 EL

Wasser in einer Pfanne

schmelzen und

köcheln lassen, bis

er leicht karamellisiert,

die Butter dazu

geben und schmelzen

lassen, die Nüsse

unterrühren und alles

gut vermengen. Die

Masse auf ein Teller

mit Backpapier geben, verteilen und abkühlen lassen.

Mit einem scharfen Messer klein hacken und abfüllen.

Sehr lecker als Topping für Süßspeisen.

Weihnachtskuchen

Zutaten für 1 Gläser à 290 ml

Die Hälfte des Teiges von Rezept Nr. 10,

1 TL Kakaopulver, 1 /8 TL Lebkuchengewürz,

20 g gehackte Walnüsse, 20 g grob gehackte

Schokolade

Zubereitung

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Den Kakao, das Gewürz, die Walnüsse und die Schokolade

unterheben, das Glas fetten, den Teig einfüllen

und im vorgeheizten

Ofen bei 180 °C

Ober-/Unterhitze

(160 °C Umluft)

zusammen mit

Rezept Nr. 10 etwa

35 Minuten backen.

Aus dem Ofen

nehmen und sofort

mit dem Deckel

verschließen.

Text & Fotos: Mareen Kurray; Zettelchen: My Life Graphic/Shutterstock.com; Sterne Hintergrund: nubenamo/Shutterstock.com B

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