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Taxi Times München - Oktober 2017

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OKTOBER 2017 3,50 €

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MÜNCHEN

87

UBER, SIXT UND CO UNTER BEOBACHTUNG

WHATSAPP IS

WATCHING YOU

STERNFAHRT

ZUR THERESIENWIESE

Aufruf zur Taxi-Demo

ELEKTRISCHE

ALTERNATIVEN

E wie Eigenbau

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INHALT

INHALT

TITELTHEMA + TAXIVERBAND MÜNCHEN

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

wir beginnen unser Editorial diesmal mit einem offenen

Brief an die Familie Sixt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

während der letzten Jahrzehnte habe ich Ihre Firma

bewundert: Wie sie von einer kleinen regionalen Firma

zu einem international agierenden Konzern aufgestiegen

ist, zu einer Zeit, als Carsharing noch ein Fremdwort

für die meisten Bundesbürger war. Ich bin Taxifahrerin,

fahre aus Überzeugung wegen des guten und freundlichen

Service für IsarFunk und liebe meine Arbeit.

Wie ich mit Entsetzen während der Wiesn feststellen

musste, sind nicht nur Uber-Fahrer unterwegs, um den

Taxifahrer/innen das Geschäft abzujagen, sondern auch

Autos Ihrer Firma, teilweise sogar mit Uber-App. Ich frage

mich manchmal, ob es in Ihrem Geschäft eine Form von

Ethik gibt, die der ungebändigten Gier nach mehr Einhalt

gebieten kann. Die Sie einsehen lässt, dass Sie zum Untergang

eines Gewerbes beitragen, das seinen berechtigten

Platz in der Gesellschaft hat, anstatt glücklich und dankbar

zu sein mit Ihrem bisherigen Erfolg!

Mit freundlichen Grüßen …“

Diese Zeilen hat die Münchner Taxifahrerin Petra Maxein

an die Familie Sixt gerichtet und auf Facebook veröffentlicht.

Wir haben sie ungekürzt übernommen, weil in ihnen die

ganze Wut, aber auch Enttäuschung steckt, die aktuell viele

Kolleginnen und Kollegen verspüren.

Sie alle fühlen sich betrogen und im Stich gelassen. Betrogen

von den unzähligen Privat- und Mietwagenfahrern, die

speziell während der Wiesn völlig ungeniert und illegal Personen

beförderten. Im Stich gelassen von einem Rechtsstaat,

der den Eindruck hinterlässt, als hätte er vor so viel Dreistigkeit

längst kapituliert.

Wir fassen ab Seite 4 zusammen, was die Kolleginnen

und Kollegen so wütend macht. Und wir beteiligen uns am

Aufruf des Taxiverbands München TVM, der IsarFunk-Taxizentrale

und der Taxi München eG, am 26. Oktober mit all

unseren Taxis an einer Sternfahrt durch München teilzunehmen

und zu demonstrieren. „Zeigen wir, wer wir sind“, hat

es Veranstalter Florian Bachmann formuliert. Dem ist nichts

hinzuzufügen. Wir sehen uns hoffentlich alle am 26. Oktober

bei der Taxi-Demo.

4 Erwischt: WhatsApp is watching you

5 Illegal: die private Beförderung

6 Fragwürdig: Sixt wirbt und fährt für Uber

8 Appellierend: Die Politik ist gefordert

9 Protestierend: Aufruf zur Taxi-Demo

WETTBEWERB

10 Caredriver – ein fragwürdiges Modell

RECHT

12 Vorteilsannahme im Landratsamt Erding

14 Vergessene Verkehrsregeln

ISARFUNK TAXIZENTRALE + FLUGHAFEN

16 Die Tendenzen zum Taxi-Sharing

16 Der nächste Schritt zum Inklusionstaxi

18 Der Umzug des T1-Speichers

E-TAXIS

20 E wie Eigenbau

21 E wie Electric London Taxi

24 E wie Energie aus Solarzellen

KOMMENTAR

26 Selbst gewählter Pool

NOCH MEHR TAXI TIMES

26 Spannendes aus Taxi Times DACH

26 Einladung ins Kunstareal

26 Impressum

TITEL GRAFIK : Raufeld Medien

TAXI OKTOBER / 2017

3


TITELTHEMA

87

Ausladen vor einem Münchner Hotel.

Sie lauern hinter jeder Ecke.

WHATSAPP IS

WATCHING YOU

Eine Gruppe aktiver und aufmerksamer Taxifahrer sammelt und

notiert alle Vorgänge, die auf illegale Personenbeförderung hindeuten.

Insbesondere sind die Fahrzeuge der Firma Uber im Visier.

Über Uber ärgern sich die Kollegen

seit Monaten. Doch als pünktlich

zum ersten Wiesn-Tag die ersten

beklebten Fahrzeuge von Sixt im Münchener

Stadtgebiet auftauchten, war klar,

dass die Taxifahrer das nicht hinnehmen

werden. Derart öffentlich provoziert, wird

sich keiner wehrlos die Butter vom Brot

nehmen lassen.

Die Kolleginnen und Kollegen dokumentieren

das in einer eigenen WhatsApp-

Gruppe. Wer etwas sieht, postet es. Viele

machen ein Foto des Fahrzeugs, das man

bei der unerlaubten Bereitstellung oder

beim Ein- bzw. Ausladen von Fahrgästen

beobachtet hat. Die eine oder andere Videosequenz

ist auch dabei.

Über die schlimms ten Auswüchse werden

wir auf den folgenden Seiten berichten.

Wir fassen dort kein „Best-of“, eher ein

„Worst-of“ aller Beobachtungen zusammen,

die von den Kollegen der WhatsApp-

Gruppe beobachtet worden sind, und zeigen

ein paar ausgewählte Fotos – alle von

den Kollegen per Smartphone aufgenommen.

In der Gruppe wurden sichere, aber

auch unsichere Vorfälle notiert, die mit

Uber zu tun haben könnten, weshalb wir

die Kennzeichen und auch die Gesichter

unkenntlich gemacht haben. Alle diese

Mel dungen werden beim Taxiverband

München (TVM) gesichtet, geprüft und

bei Nachweis entsprechend den Aufsichtsbehörden

gemeldet.

Selbst Beobachtungen, die nicht unmittelbar

zu behördlichen Meldungen führen,

helfen beim Nachweis von Verstößen gegen

die gesetzlichen Vorschriften. Taxi Times

München hat darüber in seiner vorherigen

Ausgabe berichtet. Entscheidend ist, dass

über die Masse der Meldungen tatsächlich

herausgefiltert werden kann, wer gegen die

Rückkehrpflicht oder das Verbot der Bereithaltung

verstößt. Wird ein Kennzeichen

innerhalb kürzester Zeit mehrmals an

verschiedenen Orten gesich tet, vielleicht

sogar irgendwo in zweiter Reihe wartend

oder vor den Hotels in den Einfahrten, dann

spricht vieles dafür, dass dies ein nicht

vorbestelltes Fahrzeug ist. Somit hat es an

dieser Stelle nichts zu suchen. Der Fahrer

verstößt gegen die Rückkehrpflicht.

Dass dabei in der Gruppe zunächst auch

Fahrzeuge in Verdacht geraten können, die

gar keine Personenbeförderungen durchführen,

lässt sich nicht ausschließen.

Man che Posts zeigen Fahrzeuge ehrlich

arbeitender Mietwagenunternehmen. In

der sehr peniblen Nachschau trennt der

TVM die Spreu vom Weizen. Auffällig ist

aber bei all diesen vielen Meldungen, wie

viele Fahrzeuge keine Münchener Kennzeichen

haben. Da fahren mittlerweile wie

selbstverständlich Fahrzeuge aus Freyung-

Grafenau (FRG) nahe der tschechischen

Grenze (auch noch in Taxifarbe) oder aus

Mindelheim (MN) im Allgäu (die schon seit

Monaten) oder aus Groß-Gerau in Hes sen

(zwar in grauer Farbe, aber mit Taxidachzeichen)

innerhalb der Stadt. Von Erdinger

oder Freisinger Kennzeichen natürlich

ganz zu schweigen.

Hochemotional kann es dann auch

schon mal hergehen, wenn wieder einmal

Uber- oder Sixt-Fahrer dabei beobachtet

werden, wie sie am Straßenrand stehende

Oktoberfest-Besucher ansprichen und Fahrgäste

anzuwerben versuchen. Emotional

wer den die Meldungen auch, wenn Diskotheken

oder Bars direkt in ihren Räumlichkeiten

die Werbeaktionen von Uber

zulassen, indem etwa mit Lichtballonen auf

sich aufmerksam gemacht wird. Wenn solche

Bars langfristig von Taxis nicht mehr

bedient werden, darf man nicht wirklich

verwundert sein.

Am Ende ist es aber immer wieder

schön, in diesen WhatsApp-Gruppen zu

lesen, dass die Sachlichkeit zurückkehrt

und die Kollegen alle gemeinsam versuchen,

jede illegale Konkurrenz mit legalen

Mitteln zu bekämpfen. Dabei werden sie

vom TVM unterstützt. fb

4 OKTOBER / 2017 TAXI


TITELTHEMA

»NIMM DEIN AUTO UND

VERDIENE GELD DAMIT«

Noch nie haben während der Wiesn so viele Auswärtige versucht, sich

mit privaten Fahrzeuge vom Wiesn-Kuchen zu bedienen. Und natürlich

gab es auch wieder ein paar schwarze Schafe unter den Taxlern.

Jedes Jahr werden private Fahr zeuge

gesehen, wie sie sich in der Nähe

der Ausgänge des Oktoberfes tes aufbauen

und versuchen, heimkehrwilligen

Betrunkenen für viel Geld eine „günstige“

Mitfahrt im Auto anzubieten. Dieses Jahr

war die Zahl derer um ein Viel faches

höher – trotz erhöhter Kontrollen durch die

Behörden. Auffällig dabei, wie viele Fahrzeuge

mit auswärtigen Kennzei chen während

der zwei Wochen ihre Dienste auch im

Altstadtbereich angeboten haben.

Wer sich am Wochenende zum Wiesn-

Ende mit dem Auto zum Beispiel die Lindwurmstraße

einwärts oder auswärts bewegt

hat, konnte an jeder Kreuzung Zeuge werden,

wie private Fahrzeuge aus dem gesamten

oberbayerischen Raum bzw. deren

Fahrer unbekannte „Freunde“ ansprachen,

einsteigen ließen und wie man sich erst mal

über Ziel und Preis einig wurden. Angst

vor Kontrollen im laufenden Verkehr am

Wiesn-Schluss braucht man wahrlich keine

zu haben.

BLACK IS BEAUTIFUL

Dass Fahrzeuge von Autoverleihern – unter

anderem auch Fahrzeuge von DriveNow

oder ähnlichen Diensten – schon seit Monaten

an Wochenenden „gemietet“ werden,

um damit für Uber zu fahren, ist nicht unbekannt.

Meist handelt es sich bei den Leihfahrzeugen

um höherwertige und seriöse

schwarze Fahrzeuge mit getönten Scheiben.

Die Fahrer hinterm Steuer stehen oft im

krassen Widerspruch zu allen Klischees,

die man über diese Fahrzeuge so mit sich

trägt. Wer an Wochenenden nachts auf

Münchens Straßen unterwegs ist, könnte

fast glauben, dass alle Autohersteller

schwarze Fahrzeuge als Sonderangebote zu

Spottpreisen verkaufen. Der Verdacht, dass

zumindest zur Oktoberfest-Zeit eine große

Menge dieser Fahrzeuge zur (illegalen) Personenbeförderung

eingesetzt wurden, ist

nicht von der Hand zu weisen. Belege dafür

haben die Kollegen, die diesen Beruf ernsthaft

betreiben haufenweise gesammelt. Die

Liste aller Meldungen durchzuarbeiten und

zumindest die massivsten Fälle zur Anzeige

zu bringen, wird noch Zeit in Anspruch

nehmen. Dass hier auch der eine oder Taxifahrer

betroffen sein wird, ist traurig, aber

halt doch auch Realität.

In einer ersten vorsichtigen Schätzung

gehen wir davon aus, dass an den Wochenenden

nach 22 Uhr circa 20 Prozent des

Einsteigergeschäfts nicht von Taxis durchgeführt

wurde, sondern von einer Mischung

aus Fahrzeugen von myDriver, Uber sonstigen

Shuttle- Diensten und privaten

Personen. Der TVM hat angekündigt, die

jeweilige Schadenssumme zu berechnen,

die dem Fiskus, der Stadt München als

zuständigem Gewerbeamt und den Sozialkassen

entgan gen ist. fb

Auf geht’s zur Wiesn – mit Uber,

myDriver oder wem auch immer.

Während der

Wiesn war

Uber im

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TAXI OKTOBER / 2017

5


TITELTHEMA

AUCH

SIXT BRICHT

DIE REGELN

Sixt im Bahnhofsviertel.

Wer Uber bestellt, bekommt schon mal Sixt.

Wenn man überhaupt noch bestellen muss.

Die Mietwagenfahrer nehmen zunehmend

Fahrgäste vom Straßenrand mit.

Pünktlich mit dem Oktoberfest-

Beginn wurden rund 80 BMW-

Limousinen mit dem Hinweis

„Airport Transfer Sixt“ gekennzeichnet. Es

handelt sich dabei um Fahrzeuge des von

Sixt betriebenen Chauffeurdienstes

MyDriver. Aufgrund diverser Beobachtungen

aus der WhatsApp-Gruppe vermuten

viele Kollegen, dass diese Autos die Rückkehrpflicht

nicht einhalten. Ein Sixt-Fahrer

soll zu dieser Tatsache schlicht geantwortet

haben: „Das lohnt doch gar nicht.“

Hinzu kommen Beobachtungen, dass die

Fahrer auch am Straßenrand winkende

Fahrgäste mitnahmen. Eine vorgeschriebene

Aufzeichnungspflicht konnte so gar

nicht eingehalten werden, denn winkende

Fahrgäste bestellen weder per Telefon noch

per App. Genau eine solche Bestellung wäre

aber nachzuweisen.

„AIRPORT TRANSFER SIXT“ –

VERBOTENE WERBUNG?

§ 49 Absatz 4 Satz 5 Personenbeförderungsgesetz

regelt im Wortlaut:

„Annahme, Vermittlung und

Ausführung von Beförderungsaufträgen,

das Bereithalten des

Mietwagens sowie Werbung für

Mietwagenverkehr dürfen weder

allein noch in ihrer Verbindung

geeignet sein, zur Verwechslung

mit dem Taxenverkehr zu führen.“

Gegen diesen sowie andere Paragrafen

aus dem Personenbeförderungsgesetz

hat Sixt nach Meinung

der Taxikollegen schlicht verstoßen.

Ob die Werbung von Sixt nun

zu Verwechselungen hätte führen

können und damit hätte verboten

werden müssen oder nicht, müssen

letztlich die Gerichte klären. jh

Sixt im Tal.

Wegstreckenzähler waren laut Aussage

diverser Kollegen in den Fahrzeugen nicht

eingebaut. So entstanden Fahrpreise, die

der absoluten Fantasie und der Lust und

Laune zwischen Fahrgast und Fahrer entsprangen.

Wie viele solcher Fahrten durchgeführt

wurden, ist nicht zu klären. Eine

Kontrolle der erzielten Einnahmen dürfte

nicht möglich sein, womit einer blühenden

Schwarzarbeit inklusive Sozialversicherungsbetrug

potenziell Tür und Tor geöffnet

sind. Im Taxi gilt übrigens Tarifpflicht,

da können sich auch während des Oktoberfestes

die Fahrgäste auf faire Beförderungspreise

verlassen.

FOLGE DES WEGFALLS

DER ORTSKUNDE

In einer sehr extremen Auswirkung sind

hier die Folgen des Wegfalls der Ortskundeprüfung

für Mietwagen zu spüren. Bisher

galt ja, dass – selbst wenn der Betriebssitz

in einer Gemeinde mit weniger als 50 000

Einwohnern liegt, die Beförderungen aber

überwiegend in einer größeren Gemeinde

durchgeführt werden – eine Ortskunde

nachgewiesen werden muss. Die Ortskunde

für Mietwagen ist seit September ersatzlos

gestrichen worden. Und prompt rekrutiert

Sixt – woher auch immer – mindestens 80

Fahrer. Einer dieser Fahrer erzählte, dass

er über eine Leiharbeitsfirma extra für

diese 18 Tage aus Frankfurt angeworben

wurde. Die Argumentation des Bayerischen

Verkehrsministeriums – dass Mietwagenfahrten

vorher planbar seien, weil die Ziele

vorher bekannt seien – ist hiermit völlig ad

absurdum geführt und zeigt wie praxisfremd

in den Amtsstuben gedacht und

argumentiert wird. Den Boden aus dem

Fass schlägt aber die Beobachtung vieler

Kollegen, der zufolge manche Fahrzeuge

der Firma Sixt mit den Handys von Uber

aus gerüstet gewesen seien und somit nicht

mehr nur die eigenen Kunden befördert

wurden. Sixt hat sich also direkt mit einer

Konkurrenz zusammengeschlossen, deren

erklärtes Ziel es ist, die Monopolstellung

bei der Personenbeförderung zu erreichen.

Die Geister, die man ruft...

FAZIT: Etliche dieser Fahrzeuge konnten

Aufträge übernehmen, die über Uber vermittelt

wurden. Etliche dieser Fahrzeuge

nahmen wie selbstverständlich winkende

Fahrgäste vom Straßenrand mit, teilweise

versuchten die Fahrer sogar, sich an Taxiständen

bereitzustellen, was aufgrund der

vielen Fotos und Videos belegbar ist. Ob

die dafür notwendigen Genehmigungen

vorlagen, lässt der TVM aktuell überprüfen.

Ebenso wird geklärt, ob ein Verstoß

gegen das Werbeverbot vorliegt (siehe

Kasten). fb

6 OKTOBER / 2017 TAXI


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TAXIVERBAND MÜNCHEN

Warten auf die nächste Fahrt.

In der Hochstraße ging es immer Uber-hoch her ...

WAS WIR VON DER

POLITIK ERWARTEN

Der massive Anstieg von Missbrauch bei der Personenbeförderung

hat seine Ursachen in der Mode-Erscheinung »Share Economy«.

Die Politik liberalisiert an den falschen Stellen.

Dieses Symbol gibt es auch

als Aufkleber.

Obwohl sich in diesem Jahr das KVR – hier speziell das

Taxibüro als zuständige Behörde – jede Mühe gegeben

hat, so viele Kontrollen durchzuführen wie nur möglich,

und dieses Jahr täglich (!) mit einem so großen Kontrollteam unterwegs

war, wie dies nur noch den Kollegen bekannt

ist, die schon seit mehr als 20 Jahren im Taxi

sitzen, konnte ein Anstieg von missbräuchlicher

Personenbeförderung nicht verhindert werden.

Jede Kundenbeschwerde wird zur Farce, weil der

Beschwerdeverursacher in fast allen Fällen gar

kein zugelassenes Taxi war.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Manche

davon könnten sich allerdings ganz leicht mit

wenigstens ein bisschen politischem Willen beseitigen

lassen.

Beginnen wir mit den Kfz-Kennzeichen: Heute

kann man bei einem Umzug bis zum Fahrzeugwechsel

sein altes Kennzeichen aus der alten Gemeinde behalten.

Heute fahren Erdinger Taxis mit Münchener Kennzeichen. Diese

bleiben natürlich keineswegs in ihrer Heimatgemeinde, sondern

greifen meist unerkannt ins Münchener Geschäft ein. Vergangenes

Jahr hat auf diese Weise ein Ebersberger Taxi die vollen

zwei Oktoberfest-Wochen in München gearbeitet. Bei einem

„Umzug der Konzession“ in eine andere Gemeinde muss daher

auch das Kennzeichen geändert werden.

In diesem Zuge sollte ernsthaft daran gearbeitet werden, dass

die Buchstaben TX im Kennzeichen ausschließlich für Taxis und

eine andere Kombination (etwa XT) für Mietwagen

reserviert sind. Damit würden schon mal alle

Privatfahrzeuge sofort erkennbar sein – und ein

Missbrauch könnte erheblich eingeschränkt werden.

Denn Fahrzeuge, die derzeit für Uber arbeiten

und nicht über die notwendigen Genehmigungen

verfügen, könnten sofort ausgefiltert werden.

Das Verbot der Werbung an Mietwagen – insbesondere

der Eigenwerbung – muss durchgesetzt

werden. Dabei muss jede Verwechselungsmöglichkeit

ausgeschlossen sein. Die laxen Ausnahmegenehmigungen

durch manche Landratsämter

haben dazu geführt, dass heute Werbung mit „Taxi

Company“ oder „Taxi München Ost“ an Mietwagen wie selbstverständlich

gefahren wird. Solange es die Rückkehrpflicht und die

Aufzeichnungspflicht noch gibt, muss deren Einhaltung regelmäßig

stichprobenartig überprüft werden. Durch die Vorlage

einer einzigen Tagesaufzeichnung könnte so jeder Einsteiger als

Gesetzesverstoß erkannt werden.

TAXIVERBAND MÜNCHEN E. V. (TVM)

Rosenheimer Straße 139

81671 München

Tel. / Verband: +49 (0)89 / 450 54 113

Tel. / Taxischule: +49 (0)89 / 49 00 44 94

E-Mail: info@taxiverband-muenchen.de

www.taxiverband-muenchen.de

Presserechtlich verantwortlich für

diese Seite: Florian Bachmann

Redaktion: Florian Bachmann

BRUTSTÄTTE ILLEGALER BEFÖRDERUNGEN

Die Liste der Maßnahmen, um die illegale Personenbeförderung

einzudämmen, lässt sich noch erheblich erweitern. Die Beobachtungen

von Uber- und myDriver-Fahrern durch viele Taxikollegen

aus der WhatsApp- Gruppe öffnen hoffentlich allen Politikern und

Mitar beitern in den Ministerien die Augen und lassen sie die

Gefahr der massiven Missbrauchsmöglichkeiten in Hinblick auf

Steuer- und Sozialbetrug erkennen.

Vor allem Großveranstaltungen sind deutschlandweit die Brutstätte

illegaler Personenbeförderung. Insofern ist es sicherlich

sinnvoll, einen bundesweiten Forderungskatalog aufzustellen und

dessen Durchsetzung auch lautstark und vehement zu fordern.

Aus diesem Grund wird es in München auch eine Taxi-Demo

geben. Wir bitten alle Kollegen, daran teilzunehmen. fb

8 OKTOBER / 2017 TAXI


www.taxiverband-muenchen.de


WETTBEWERB

CAREDRIVER:

UND NOCH EINE APP

FÜR FAHRDIENSTE

Mit CareDriver ist dieses Jahr ein weiterer Anbieter zur Vermittlung

von Fahrten gegen Entgelt auf dem Markt aufgetaucht. Auch deren

Konzept verleitet zum Gesetzesbruch.

Wie das Beispiel Uber zeigt, ist die Rechtslage hierzulande

eindeutig. Wer Personen gegen Entgelt befördern

will, braucht dafür die entsprechenden

Genehmigungen. Entweder eine Taxikonzession, die man in München

aktuell nur von einem Vorbesitzer käuflich erwerben kann

(das KVR muss einer Übertragung zustimmen) oder eine Mietwagengenehmigung,

die vom KVR unbegrenzt

ausgestellt wird, solange der

Bewerber die subjektiven und objektiven

Voraussetzungen erfüllt.

Als Fahrer benötigt man darüber hinaus

einen Personenbeförderungsschein,

der in München erst ausgestellt wird,

wenn unter anderem der Nachweis der

Ortskunde vorgelegt wird. Dies galt bisher

für Taxi- und für Mietwagenfahrer,

wurde aber in Deutschland aufgrund

einer fragwürdigen Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung

(FEV) für Krankenwagen-

und Mietwagenfahrer außer

Kraft gesetzt (Taxi Times berichtete).

Obwohl die Vorgaben für das gewerbliche

Befördern von Personen also nicht

so ohne Weiteres zu erbringen sind (weshalb

beispielsweise UberPOP deutschlandweit

verboten wurde), werden die

Anbieter von Vermittlungsplattformen

zur gewerblichen Personenbeförderung

immer mehr. Jüngstes Beispiel ist das

Vermittlungsportal CareDriver der „Prager

Kreativ-Schmiede Creative Dock“.

Das Start-up, das sich als „Familienservice“

versteht, bietet seine Dienste

seit Ende Februar 2017 in München an.

Die bayerische Landeshauptstadt hat

man sich ausgesucht, da das Potenzial

für die Verbindung von Chauffeurdienst und Betreuung wegen des

starken Zuzugs hier am größten sei. Heißt: Wer in unserer auf

endloses Wachstum angelegten Gesellschaft keine Zeit oder Lust

mehr für die Dinge des alltäglichen Lebens hat, kann beispielsweise

die Beförderung der eigenen Kinder zur Schule, zum Musikunterricht

oder zum Sporttraining gegen Bezahlung von Dritten

erledigen lassen.

In der Süddeutschen Zeitung (SZ) verriet der Geschäftsführer

von CareDriver, Markus Feichtinger, dass man zunächst verstehen

möchte, wie der Markt in München dafür funktioniert, denn die

Über die Caredriver-App kann man selbstständige

Fahrer buchen. Aber haben die auch

wirklich einen konzessionierten Mietwagen?

Vorschriften in Deutschland wären, wie etwa bei der gewerblichen

Beförderung von Personen, eben viel strikter als beispielsweise

in den USA, wo es ähnliche Dienste, um den Alltag in den Arbeitsmarkt

zu integrieren, schon geben soll.

Bezahlt werden die Fahrer, die sogenannten CareProfs, dann

vom Vermittler und auch nur nach durchgeführter Fahrt, aber

nicht für die grundsätzliche Verfügbarkeit.

Rund 16 Euro brutto, die Mehrwertsteuer

kommt noch weg, gibt es in der

ersten Stunde von CareDriver, danach

wird im Takt von 15 Minuten zu vier

Euro abgerechnet, und nach dem fünften

Kilometer gibt es noch einmal einen

kleinen Aufschlag. Einen Beleg für die

Fahrt erhält der Kunde dann direkt vom

Vermittler.

Die hier genannten Preise liegen eindeutig

über den Selbstkosten, weshalb

jede Fahrt eines CareProfs, bei dem auch

Personen mitgenommen werden, dem

Personenbeförderungsgesetz (PBefG)

unterliegt. Das bedeutet, dass der Fahrer

den oben angesprochenen P-Schein benötigt,

wenn auch leider nicht mehr mit

Ortskundenachweis. Auf der Homepage

verspricht das Unternehmen, dass jeder

CareProf einen „pingeligen Mama-Test

mit Bravour“ bestehen muss, bevor er

tätig werden darf. „Wir sehen uns persönliche

und professionelle Referenzen

an, denn schließlich geht’s um die Familie“,

versichert das Unternehmen auf der

Homepage. „Nur wer alle 10 Punkte

unserer Checkliste makellos besteht, darf

für uns arbeiten, und wir stellen nur solche

Profis ein, denen wir bedenkenlos

unsere eigenen Kinder anvertrauen würden.“

Nun sind die Fahrer allerdings nicht bei CareDriver angestellt,

sondern werden als Selbstständige beschäftigt. Damit lassen sich

nicht nur Lohnnebenkosten und Sozialversicherungsbeiträge

einsparen. Das Unternehmen muss auch keine eigenen Mietwagenkonzessionen

beantragen. Das bleibt dann an jedem selbstständigen

CareProf hängen. Da dieser sein eigenes Fahrzeug einsetzt,

muss er dieses als Mietwagen anmelden – und braucht dazu

wiederum nicht mehr nur den P-Schein, sondern jetzt auch noch

den Nachweis der Fachkunde für Mietwagen- und Taxiunternehmen.

FOTOS: Caredriver

10

OKTOBER / 2017 TAXI


WETTBEWERB

CareDriver CEO

Markus Feichtinger

Diese Voraussetzungen werden auf der Homepage von CareDriver

allerdings nicht genannt. In den oben zitierten zehn Punkten der

Checkliste heißt es nur: Der Fahrer „besitzt einen Gewerbeschein

und eine gewerbliche Haftpflichtversicherung“ und „Besitzt ein

Nichtraucher-Auto“. Auf Nachfrage von Taxi Times, ob man denn

bei den Fahrern darauf achtet, dass diese eine Mietwagenkonzession

besitzen, weicht CEO Markus Feichtinger aus: „Aktuell arbeiten

alle Fahrer für CareDriver selbstständig, die sämtlichen gesetzlichen

Voraussetzungen entsprechen. Diese werden von uns regelmäßig

überprüft.“ Eine Nachfrage beim KVR verstärkt die Zweifel,

ob tatsächlich jeder der aktuell 15 im Einsatz befindlichen Fahrer

eine Mietwagenkonzession beantragt hat. Ein KVR-Pressesprecher

betont gegenüber Taxi Times, dass kein Anstieg an Mietwagenkonzessionen

zu verzeichnen sei. Tatsächlich habe sich die Zahl der

Unternehmen und Fahrzeuge sogar geringfügig reduziert.

Hinzu kommt: Mietwagenfahrten zu einem Stundensatz von

16 Euro können nicht wirtschaftlich sein. Neben dem Sprit sind

etwa auch Kfz- oder Krankenversicherungsbeiträge zu zahlen. An

KOMMENTAR

Es reicht. Wieder ist irgendein kleines Start-Up der

Meinung, mit einer guten Idee und einer passenden App

kann man die Gesellschaft besser machen. Jetzt sollen

also Eltern, die selber keine Zeit mehr für ihre Kinder

haben, sogenannte CareProfs beauftragen, die Kleinen

zur Schule oder zum Musikunterricht zu fahren. Abermals

fährt man erst einmal drauflos, ehe man sich Gedanken

macht, ob das überhaupt rechtlich zulässig ist. Wieder

einmal hat eine Aufsichtsbehörde kein Personal und

auch keine rechtlich eindeutigen Mittel, um das sofort zu

verbieten.

Wieder einmal ist es Aufgabe der Taxibranche, Zeit und

Geld zu investieren, um Aktivitäten zu stoppen, die laut

Gesetzt gar nicht erst hätten starten dürfen. Irgendwas

läuft hier gründlich schief.

jh

die notwendigen Rücklagen für den Austausch des Kfz ist gar nicht

erst zu denken. Und dann sollten die CareProfs auch nach weiteren

Aufträgen Ausschau halten, um den Vorwurf der Scheinselbstständigkeit

zu vermeiden. Das wiederum würde ganz gut ins Anforderungsprofil

bei CareDriver passen. Dort hätte man am liebsten

Fahrer, die einen anderen Hauptberuf ausüben, da CareDriver so

konzeptioniert ist, dass es nur einen Nebenverdienst darstellen

soll. jh + fo

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DIE ERDINGER V-FRAGE

Ein Beamter ist für die Erteilung von Taxikonzessionen zuständig und

vermietet gleichzeitig an Taxiunternehmen Büroräume als Betriebssitz.

Das Amtsgericht sieht darin eine Vorteilsannahme.

Verhandelt wurde dieser Fall am

27. September 2017 vor dem

Amtsgericht Erding. Auf der

Anklagebank saß ein Beamter des Landratsamtes

(LRA) Erding. Er arbeitet seit Anfang

2009 in der Abteilung 3 des LRA und ist

dort unter anderem für die Erteilung der

örtlichen Taxigenehmigungen zuständig.

Im Zeugenstand saß unter anderem die

Taxiunternehmerin Susanne Regel. Sie

hatte das Verfahren durch eine Anzeige

ins Rollen gebracht. Im Jahr 2013 habe

sie einer anderen Taxiunternehmerin

für 21.000 Euro eine Konzession für die

Gemeinde Pastetten abgekauft, berichtet

sie bei der öffentlichen Verhandlung. Für

die Genehmigung der Konzessionsübertragung

war der Angeklagte zuständig.

Frau Regel wohnte damals in Dorfen und

hatte alle für den Erwerb einer Taxikonzession

nötigen subjektiven wie objektiven

Voraussetzungen erfüllt. Nur der Nachweis

eines Betriebssitzes fehlte noch. Das Gesetz

schreibt vor, dass Taxi- und Mietwagenunternehmen

in den Gemeinden, in denen die

Konzession zugelassen ist, auch einen

Betriebssitz haben müssen. Frau Regel

hatte deshalb den Betriebssitz der Verkäuferin

übernommen. Sie unterschrieb einen

Mietvertrag für einen Büroraum eines Hauses

in Pastetten. Vermieter war der Angeklagte.

Ihm gehörte das Haus. Die

Monatsmiete betrug 100 Euro, zuzüglich

Nebenkosten, doch dazu später.

UNGENUTZTER BÜRORAUM

FÜR 100 EURO

Als Gegenleistung hatte Frau Regel den

gesetzlich notwendigen Betriebssitz.

Genutzt hatte die Unternehmerin den

Raum nie. Ihre Bürotätigkeiten erledigte

sie von zuhause aus, ansonsten war die Einzelunternehmerin

im Taxi unterwegs. Ihr

ging es mit ihrem Pastettener Taxi um das

Recht, das jedem Taxi aus dem Landkreis

Erding zusteht: Die Aufstellung am Flughafen,

der zwar „München“ heißt, sich aber

im Landkreis Erding befindet.

Die Mietzahlungen für den nie benutzten

Betriebssitz, deren Höhe laut übereinstimmender

Aussagen aller Beteiligten

durchaus „marktüblich“ waren, überwies

die Zeugin anstandslos an den Angeklagten.

Die jährlichen Nachforderungen allerdings

passten ihr gar nicht. Vertragsgemäß

hatte der Angeklagte auch die Einkommensteuer

für die „Einnahmen aus Vermietung

und Verpachtung“, die er zahlen musste,

an seine Mieterin weiterberechnet. Warum

solle sie denn bitte die Einkommensteuer

ihres Vermieters übernehmen, fragte sie in

der Verhandlung die Richterin. „Ich lasse

mir von meinen Fahrgästen doch auch nicht

die Umsatzsteuer zusätzlich bezahlen.“

Als sie nach ein paar Jahren einen anderen

Betriebssitz gefunden hatte, kündigte

sie den Mietvertrag beim Angeklagten

und zeigte später den Beamten auch noch

bei der Staatsanwaltschaft Landshut an,

die daraufhin ein Verfahren einleitete. Es

folgten Durchsuchungen im Privathaus

des Angeklagten und in seinem Büro im

LRA. Gefunden wurde im Amtscomputer

unter anderem eine Ausführung des Mietvertrags.

Die Kontoauszüge ergaben, dass

der Beamte bereits seit 2008 an Taxiunternehmen

vermietete (als er noch nicht in der

Abteilung 3 beschäftigt war) und damit von

2008 bis Mitte 2015 Einnahmen in Höhe

von knapp 18.000 Euro erzielt hatte.

Die Staatsanwalt sah darin eine Vorteilsannahme

und erhob Anklage. Der Beamte

legte Widerspruch ein. Der Fall ging vor

das Amtsgericht Erding. Ein gegen Frau

Regel zeitgleich eröffnetes Verfahren wurde

gegen Zahlung einer Geldauflage (rund 800

Euro) eingestellt. „Der Tatbestand der Vor-

SYMBOL-FOTO: Fotolia / Tom

12 OKTOBER / 2017 TAXI


RECHT

BLAUÄUGIGE BEAMTE

KOMMENTAR

Das Erdinger Betriebssitzurteil ist für den Betroffenen ein

herber Schlag. Er geht in die persönliche Haftung für etwas,

was er, aber eben auch seine Vorgesetzten bis hoch zum

Landrat, niemals als unrechtmäßig empfanden.

Ab der ersten Minute der Verhandlung war klar, dass der

Beamte seine Position im Landratsamt gegenüber den Taxiunternehmern

zu keinem Zeitpunkt missbraucht hat. Weder

hat er Druck ausgeübt, dass man bei ihm mieten müsse,

noch hat er direkte oder indirekte Sanktionen gegenüber

denjenigen Taxiunternehmern veranlasst, die nicht bei ihm

Mieter geworden waren oder den Mietvertrag gekündigt

hatten. Das ist durchaus ehrenwert.

Trotzdem ist der Glaube, das sei schon in alles Ordnung,

blauäugig. Denn mag der Beamte seine Kontroll- und Aufsichtsfunktion

noch so tadellos ausgeführt haben, es wird ab

dem Moment zum Bumerang, ab dem der Taxler „draußen“

auf der Straße auch nur glaubt, dass ein Beamter seine

(Vermietungs-) Macht missbraucht. Die Taxiunternehmerin

und (Ex-) Mieterin konnte bei einer Kontrolle am Flughafen

nur den Nachweis der Ortskunde für München nachweisen.

Als Erdinger Unternehmerin benötigte sie aber auch die

Erdinger Ortskunde. Also wurde ihr die Ausübung ihres

Berufes so lange verboten, bis sie die Ortskunde nachweisen

konnte. Kontrolliert hatte das KVR München, doch die

Unternehmerin war überzeugt, dass dies vom LRA Erding

eingefädelt wurde. Diesem Generalverdacht setzt man sich

durch jene unglückliche Verknüpfung aus, die im LRA Erding

seit Jahren als normal betrachtet wird. Jetzt ist es ihnen um

die Ohren geflogen.

Gegenüber Taxi Times hat die Pressestelle des LRA Erding

mittlerweile bestätigt, dass „im Einzelfall der Einsatz eines

Beamten/Angestellten, der auch als Vermieter von Betriebssitzen

auftritt, nicht mehr möglich sein wird.“ Das ist

sicherlich auch besser so.

jh

teilsannahme hängt untrennbar mit dem

Tatbestand der Vorteilsgewährung zusammen“

erläutert die Staatsanwaltschaft

Landshut gegenüber Taxi Times. „Deshalb

waren bereits während des Ermittlungsverfahrens

auch mehrere Taxiunternehmer,

die an dem verfahrensgegenständlichen

„Miet-Modell“ teilgenommen haben, Gegenstand

unserer Untersuchungen.“

DIE V-FRAGE: VERBINDUNG =

VORTEILSANNAHME

In der rund vierstündigen Verhandlung

ging es dann um die V-Frage. Kann eine

Verbindung von der Amtstätigkeit zur Vermietung

auf privatrechtlicher Basis gezogen

werden und rechtfertigt diese den

Tatbestand der Vorteilsannahme? Als Zeugen

wurden neben Frau Regel unter anderem

der Vorgesetzte des Angeklagten sowie

der Zimmerkollege vernommen. Deren Aussagen

machten deutlich: Die Vermietungen

waren im Amt bekannt, wenn auch nicht

schriftlich genehmigt. Was aus Sicht des

LRA auch nicht nötig ist: „Vermietungen

stellen grundsätzlich keine Nebentätigkeiten

dar und müssen folglich weder angezeigt

(Beschäftigte) oder genehmigt

(Beamte) werden“, argumentiert die Pressestelle

gegenüber Taxi Times. „Eine generelle

Untersagung gestaltet sich daher

schwierig.“

Der Zimmernachbar des Angeklagten

gab sogar während der Befragung offen zu,

dass auch er Betriebssitze vermiete, ebenfalls

zum marktüblichen Preis. Er und der

Angeklagte hatten daher zu keinem Zeitpunkt

das Gefühl, etwas Unrechtmäßiges

zu tun, weil sie ja bei ihrem Vorgesetzten

die Vermietung angekündigt hätten, was

dieser bei seiner Zeugenaussage auch

bestätigte, auch wenn es ihm „nicht mehr

so bewusst gewesen sei“, weil man darüber

nicht im Amt regelmäßig gesprochen habe.

Darüber hinaus machte der Angeklagte

deutlich, dass die Genehmigungserteilung

in keinem Fall davon abhängig gemacht

wurde, ob der Antragssteller nun bei ihm

oder woanders einen Betriebssitz mietete.

Die Staatsanwältin hielt das aber nicht

für den entscheidenden Punkt. „Ein Taxiunternehmer

stellt einen Antrag auf Konzessionserteilung

und benötigt noch einen

Betriebssitz. Den kann zufälligerweise der

Sachbearbeiter als Privatmensch anbieten.

„Damit haben Sie sich doch einen klaren

Wettbewerbsvorteil verschafft“, sprach sie

den Angeklagten direkt an. Das sei Vorteilsannahme.

Die Staatsanwältin forderte in

ihrem Plädoyer eine Strafe von 180 Tagessätzen

zu je 60 Euro. Der Verteidiger

plädierte auf Freispruch.

DAS URTEIL

Die Richterin verurteilte den Beamten

wegen Vorteilsannahme und wies in ihrer

Urteilsbegründung auf eine funktionale Verbindung

hin, die aus ihrer Sicht gegeben sei.

So habe der Beamte im Jahr 2013 den privaten

Mietvertrag im Büro des Landratsamtes

von der Mieterin unterschreiben lassen.

Dabei habe der klare Hinweis auf den privaten

Charakter der Vermietung gefehlt. Die

Richterin blieb bei der Strafhöhe unter dem

geforderten Satz. Mit 120 Tagesätzen zu je

60 Euro gilt der Beamte nun aber als vorbestraft.

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig,

die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass mittlerweile

Rechtsmittel eingelegt wurden. Der

Angeklagte und dessen Anwalt wollten sich

gegenüber Taxi Times nicht äußern. Zusätzlich

läuft im Landratsamt ein Disziplinarverfahren

gegen den Beamten, das bereits

umgehend nach Bekanntwerden der Vorwürfe

eröffnet worden war. jh

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TAXI OKTOBER / 2017

13


RECHT

VERGESSENE

V E R K E H R S R E G E L N

Folge 1

SCHRITTGESCHWINDIGKEIT

AUF DER BUSSPUR

Zum Riskieren von Knöllchen, Gefährdung oder Unfällen haben

Taxifahrer viel mehr Zeit als andere. Wir erinnern mit einer kleinen

Serie an leicht vermeidbare Gefahren. – Teil 1

Fragt man frische P-Schein-Absolventen,

was man als Taxifahrer darf, was

andere nicht dürfen, so liegt auf Platz 1

die Antwort „Busspuren benutzen“.

Der geneigte Leser weiß, dass das hier

abgebildete Schild (Zeichen 245)

ausschließlich für Linienbusse gilt und

nicht für Reisebusse, Einsatzfahrzeuge,

Taxis, Lkw, Elektroautos, Skateboardpiloten

oder Radfahrer. Diese dürfen nur

bei entsprechender Zusatzkennzeichnung

die Busspur mit benutzen.

Bedauerlicherweise haben in München

nur wenige Busspuren das Zusatzschild

Taxi frei“. Die unberechtigte

Benutzung eines Sonderfahrstreifens

kostet ein Bußgeld über 15 Euro, im

Kombi-Sparpaket mit Bus oder

Straßenbahn behindern sogar 35 Euro.

Was die Vorfahrt betrifft: Wer

berechtigt (!) auf einer Busspur fährt,

muss die Busampel beachten. Wenn

ein Sonderlichtzeichen leuchtet, muss

man die „normale“ Ampel ignorieren.

Leuchtet kein Sonderlichtzeichen, so

muss man die „normale“ Ampel

beachten. An manchen Stellen gibt

nur ein einziges Sonderlichtzeichen

den Bussen und Taxis zwei Sekunden

vor dem übrigen Verkehr freie Fahrt,

für die restliche Umlaufdauer der

Ampel gelten die „normalen“ Lichtzeichen.

Weniger bekannt ist eine andere

Regelung. Sonderfahrstreifen haben ja

den Sinn, dass man auf ihnen schneller

vorankommt. Stellen Sie sich vor, alle

stehen im Stau, aber die Busspur ist

frei, so dass Sie mit bequem eingestelltem

Sitz und triumphierendem Lächeln

50 km/h fahren. Jetzt entschließt sich

ein Fußgänger, spontan die Straßenseite

zu wechseln, sieht mit einem Blick

den Stau und trabt über die Straße.

Ehe Sie sich versehen, gibt es ein

unschönes Geräusch, und Sie haben

den Ärger mit der Leiche.

Um diese Gefahr auszuschließen,

regelt die StVO, dass auf einer Busspur

nur „geringfügig schneller“ gefahren

werden darf als auf den Fahrstreifen

daneben (§ 7, Abs. 2a). Das heißt,

wenn bei Stau der Verkehr nebenan

stillsteht, darf man genau genommen

nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

Sicherlich hält sich daran kaum

jemand, schon weil Taxifahrgäste, die

etwa ihren Flug erreichen möchten,

dafür wenig Verständnis haben

werden. Wir können nur dringend

empfehlen, in solchen Situationen

eiserne Geduld, den Bremsfuß in

Bereitschaft und die Augen überall zu

haben.

Ebenso wenig bekannt und leicht

kurios: Für Taxis gilt wie für Busse,

dass Halten auf Busspuren nur an

Bushaltestellen erlaubt ist, und das

nur, so lange kein Bus behindert wird

(Anlage 2 zu § 41 Abs. 1, Abschn. 5, Nr.

25). Nun gibt es sicherlich praktikablere

Verhaltensweisen, als einem Winker

durch das offene Beifahrerfenster

zuzurufen, er möge schnell bis zur

nächsten Bushaltestelle vorlaufen, weil

man erst dort halten dürfe. Doch tun

wir generell und überall gut daran, uns

bei jeglichem Halten die Mühe zu

machen, ein Plätzchen mit minimaler

Behinderung des übrigen Verkehrs

zu suchen. Das ist ein Aufwand

von drei Sekunden, der das Image

des Taxigewerbes enorm verbessern

kann.

KINDERSITZE ODER

PLATZ FÜR GEPÄCK

Verlassen wir thematisch die Busspur

und wenden uns unseren kleinsten

Fahrgästen zu. Für Taxiunternehmer

mit normalem Kofferraum ist die

Entscheidung, wie viele Kindersitze

man mitführen soll, nicht einfach.

Kindersitze, Anschnallgurte und

Rollstuhlnutzer-Rückhaltesysteme sind

Thema im § 21 der StVO. Dass für

Taxifahrer keine Ausnahme mehr von

der Anschnallpflicht besteht, hat sich

herumgesprochen. Nur bei Schritttempo

(z. B. beim Vorrücken am Halteplatz),

beim Rückwärtsfahren und auf

Parkplätzen darf unangeschnallt

gefahren werden. Kinder, die ihren

zwölften Geburtstag noch nicht hatten

und noch nicht 1,50 Meter groß sind

(man beachte das Wort „und“), dürfen

nur mit „geeigneten Rückhaltesystemen“

befördert werden (was ab dem

FOTO: Jessica Jehle

14

OKTOBER / 2017 TAXI


RECHT

dritten Kind nicht mehr gilt, denn das

Mitführen von mehr als zwei Kindersitzen

wäre etwas viel verlangt). Die

Betonung des Wortes „und“ bedeutet:

Große Kinder, die mit elf Jahren schon

1,60 m groß sind, sind ohne Kindersitz

zu befördern. Erwachsene mit einer

Körpergröße unter 1,50 m sind selbst

verantwortlich für ihre Entscheidung,

wie sie gesichert sein möchten.

Bei der Vermittlung wird meist

zwischen drei Merkmalen unterschieden:

Babyschale (bis ca. ein Jahr),

Kindersitz 1-3 Jahre (die große

Ausführung, die bei geringer Kofferraumgröße

immer noch reichlich Platz

einnimmt) und Kindersitz ab drei Jahre

(die platzsparende Sitzerhöhung, die

in der Mercedes-E-Klasse und in

VW-Taxis serienmäßig aus der

Rückbank geklappt werden kann).

Wir empfehlen dringend, es mit

Kindersitzen genau zu nehmen. Ein

Kind unzureichend gesichert mitzunehmen

kostet 30 Euro, bei mehreren

Kindern 35 Euro. Das ist billig, doch

der Haken liegt im Risiko. Das ist

vergleichbar dem einer Schwarzfahrt

oder der Mitnahme von mehr Personen

als im Fahrzeugtyp erlaubt: So lange

„alles gutgeht“, denkt man nicht

darüber nach. Geht aber etwas schief

und der unzureichend gesicherte

Fahrgast kommt zu Schaden, sind die

Folgen mitunter schlimm und teuer,

und teuer bedeutet im ungünstigen

Fall nicht nur mal eben ein paar

läppische tausend Euro, sondern

richtig teuer. Ein besonders gefährlicher

Fehler ist es, wenn eine Person

ein Kleinkind auf den Schoß nimmt

und mit angurtet. Dann reicht eine

scharfe Bremsung oder ein Auffahrunfall

aus, um das Kind zu zerquetschen.

Verlangen Sie auch von Ihren Fahrgästen,

sich anzuschnallen! Wenn Ihr Auto

sich bei einem Unfall ruckartig dreht

oder überschlägt, fliegen unangeschnallte

Menschen mit ihrem Körpergewicht

wie Geschosse durch den

Innenraum. Dann haben Sie möglicherweise

keinen Ärger mehr mit der

Leiche, da Sie selbst eine sind. ar

Halt

Halt zu erwarten

Fahrt freigegeben

nur geradeaus

Fahrt freigegeben

nur nach rechts

Fahrt freigegeben

nur nach links

Fahrt freigegeben

unter Beachtung

der Abbiegeregeln

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Fortsetzung in einer der nächsten Ausgaben.

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Moia: Ridesharing unter der Regie

von Volkswagen

„Schön, Sie kennengelernt zu haben“

IST RIDESHARING

DAS ZUKUNFTSMODELL

IN DEN STÄDTEN?

Nach der ersten Welle der Apps von Fahrtenvermittlern wie mytaxi

oder Uber kommen jetzt Ridesharing-Apps, die mehrere Fahrgäste in

ein Taxi oder einen Mietwagen vermitteln.

RIDESHARING MIT

TAXI.EU

In der vorhergehenden Ausgabe

der Taxi Times München haben

wir bereits ausführlich berichtet:

Zum kommenden Relaunch der

App taxi.eu wird ebenfalls eine

Möglichkeit eingebaut sein, sich

Taxifahrten zu teilen. Derzeit

befindet sich diese Version der

App in Hamburg bereits im Testbetrieb

– mit positiven Erfahrungen.

Die neue Version erfordert

auch einen Facebook-Account

für die jeweilige Taxizentrale, da

künftig das Bestellen auch per

Facebook-Messenger möglich

sein wird.

Die Hauptargumente für Ridesharing

dürften die Kostenersparnis

und der Umweltaspekt sein, wenn

ein Fahrzeug gleichzeitig von zwei oder

mehr Personen genutzt wird. Wobei sich

hinter dem Begriff Ridesharing unterschiedliche

Geschäftsmodelle verbergen.

Start-ups, etablierte Internetfirmen, Autohersteller

und sogar ein Zeitungsverlag

möchten mit diesem noch nicht wirklich

definierten Service den Markt erschließen.

SHUTTLE-FLOTTEN

ZWISCHEN BUS UND TAXI

Volkswagen beginnt mit Moia, seinem

Mobilitätsunternehmen, ab Oktober 2017

mit dem hauseigenen Ridepooling-Konzept

in Hannover einen ersten Testlauf. Mit

einer Flotte von 20 Volkswagen Multivan

T6 geht Shuttle-On-Demand an den Start.

Per Smartphone-App können die Nutzer

Standort und Ziel eingeben. Moia bündelt

darauf aufbauend Fahrtanfragen verschiedener

Personen, die in eine ähnliche Richtung

unterwegs sind. Die Routen sind

dynamisch, Fahr- und Ankunftszeiten wie

auch die optimale Start- und Endhaltestelle

werden individuell berechnet. Für die

Zukunft plant Moia den Einsatz von Elektro-Vans.

Preislich möchte sich Moia zum

Beispiel zwischen dem Busverkehr und

einer Taxifahrt ansiedeln.

Ähnlich ist das Konzept von Mercedes-

Benz-Vans, die ein Joint Venture mit dem New

Yorker Unternehmen Via eingegangen sind.

Das On-Demand-Van-Ride-Sharing soll als

Mitfahrangebot in Europa etabliert werden

und mit den Betreibern des öffentlichen Personennahverkehrs

zusammen arbeiten, die

das Via-Betriebssystem lizenzieren können.

Einen ungewöhnlichen Weg geht

die MADSACK-Mediengruppe mit dem

Kauf des Leipziger Ride-Sharing-Diensts

CleverShuttle. Der Schwerpunkt hier liegt

auf Umweltfreundlichkeit. Per App können

sich die Fahrgäste abholen und zum

Fixpreis durch Leipzig chauffieren lassen.

Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden

dabei nach dem Sharing-Gedanken zusammen

befördert.

Neben Leipzig ist man auch in Berlin,

Hamburg und München unterwegs. In all

diesen Städten verfügt CleverShuttle über

eine behördliche Genehmigung zum

Ridesharing und beschäftigt professionell

ausgebildete, fest angestellte Fahrer. Zudem

setzt das Start-up ausschließlich auf

umweltschonende Fahrzeuge mit E- und

FOTOS: Daimler AG, MOIA, Clever Shuttle

16 OKTOBER / 2017 TAXI


ISSARFUNK TAXIZENTRALE

Wasserstoffantrieb sowie Plug-in-Hybride.

In München sollen noch im Oktober Wasserstoff-Fahrzeuge

von Toyota medienwirksam

in die Flotte aufgenommen werden.

MITFAHR-APPS UND RIDE-

SHARING IM AUTO INTEGRIERT

Nicht nur Start-ups und Autokonzerne

steigen in den Ridesharing-Markt ein,

auch bereits etablierte App-Anbieter fügen

ihren Apps eine Sharing-Funktion hinzu.

So testet mytaxi match momentan mit

brand neuer Routentechnologie seine Pooling-Software

in Warschau. mytaxi match

setzt dabei auf lizenzierte Taxifahrer. Auch

Uber, Lyft und Gett sind mit Pooling-Apps

dabei. In Deutschland sind für den Einsatz

noch rechtliche Hürden zu überwinden.

Nach dem Personenbeförderungsgesetz ist

die Einzelplatzvermietung bei Mietwagen

verboten, weshalb ein Pooling nur mit Sondergenehmigung

erlaubt ist. Im Privatbereich

ist Blablacar mit seiner Mitfahr-App

wahrscheinlich am längsten auf dem Markt.

Auch das Berliner Start-up Simply Hop setzt

im privaten Bereich ihre App ein. Hier kann

nicht nur eine Mitfahrgelegenheit gesucht

werden, sondern man kann auch seinen

Mitfahr-Wunsch einstellen und sich das Profil

seines Mitfahrers oder Fahrers gleich in

den sozialen Medien betrachten.

Ridesharing-Ambitionen scheinen nicht

nur bei der Personenbeförderung immer

wichtiger zu werden, sondern auch bei den

Autobauern. Während die etablierten Joint

Ventures eingehen, geht das Münchner

Start-up Sono Motors (siehe Seite 22) ganz

neue Wege. In ihrem Solar-Van namens

Sion, den es bisher nur als Prototypen gibt,

sollen die appgesteuerten technischen Möglichkeiten

zum Carsharing und Ridesharing

gleich integriert werden. Der Gedanke

dahinter ist eine Re-Finanzierung des Fahrzeuges

für den Besitzer durch Vermietung

und Teilen. Das Unternehmen setzt darauf,

dass die rechtlichen Hürden in Deutschland

bis zum möglichen Marktstart 2019 ausgeräumt

sind. Man wird sehen, ob der Anreiz,

sein eigenes Auto durch Ridesharing refinanzieren

zu können, für einen Kauf ausreicht.

App ist nicht gleich App. Grundlegend für

den Erfolg ist zum einen die Schnelligkeit

der Routenplanung, zum anderen die Laufstabilität

und die einfache Nutzung. Erst

kürzlich wurde vom Beratungsunternehmen

Ernst &Young Tesseract vorgestellt,

eine Mobilitätsplattform auf Blockchain-

Basis, die die Zukunft des Transportwesens

revolutionieren soll. Mit Blockchain wird

jede Transaktion transparent im Netz aufgezeichnet

und kann so bis zum Ursprung

zurückverfolgt werden. Tesseract soll sich

bereits mit einem noch unbekannten Partnerunternehmen

in der Testphase befinden.

IBM, Google und Lyft wiederum führen

demnächst Istio ein, eine offene Technik

zur Unterstützung des Datenverkehrsmanagements.

DER BLICK IN DIE GLASKUGEL

Grundsätzlich sollte den großen Internetplayern

in dieser Hinsicht sicher mehr

zugetraut werden als den Autobauern.

Schaut man in die Glaskugel, werden in

diesem Bereich sicher auch bald Joint Ventures

und Käufe zwischen Autobauern und

Softwareunternehmen getätigt werden.

Der Kampf um Kunden und den schnellsten

und besten Dienst im Bereich Ridesharing

tobt bereits seit mehreren Jahren – aber

nicht nur auf den Straßen, sondern in der

Finanzwelt. Große Summen werden investiert,

Aktien gekauft und wieder verkauft.

Gerüchte um Übernahmen und Skandale

bei Uber sind Themen in den US-amerikanischen

Medien. Dies wird sich sicher auch

in deutschen Städten zu einem Kampf um

jeden Kunden niederschlagen.

Da stellt sich dann die Frage, ob so ein

gesunder Markt für Umwelt und Verkehrsentlastung

entstehen kann, und ob dies

mögliche Kunden nicht eher abschreckt als

anzieht. In Zeiten von wachsendem Verkehr

Nach Hamburg will CleverShuttle

demnächst auch in München mit

Wasserstofffahrzeugen fahren.

und hoher Feinstaubbelastung in den Städten

sind die Idee und die Möglichkeit, zur

Entlastung beizutragen, für viele reizvoll

und daher eine Chance für das Ridesharing.

Vor ein paar Jahren war dies noch

anders. IsarFunk hat im Jahr 2012 die App

Colexio an den Start gebracht, die es Fahrgästen

ermöglichte, ein Taxi zu teilen. Am

Flughafen München wurde vier Wochen

lang die Werbetrommel für das Pilotprojekt

gerührt. Leider war Colexio damals nicht

von Erfolg gekrönt. mw

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TAXI OKTOBER / 2017

17


ISARFUNK TAXIZENTRALE

NÄCHSTER HALT:

ZIELVEREINBARUNG

Die Bestrebungen, eine Taxiflotte zur

flächendeckenden Bedienung von im

Rollstuhl sitzenden Personen aufzubauen,

gehen Schritt für Schritt voran.

INKLUSION

Unter Inklusion versteht man die

völlige Einbeziehung gehandicapter

Personen in die Gesellschaft. Taxis, in

denen Fahrgäste im Rollstuhl sitzend

befördert werden können, werden

deshalb als Inklusionstaxis bezeichnet.

Zu einer gelungen Inklusion gehören

neben einer ausreichenden Anzahl

geeigneter Taxis auch eine verlässliche

Vermittlungslogistik und ein

einfaches, automatisiertes Fahrtenabrechnungsverfahren.

Kollegen, die

sich am Projekt Inklusionstaxi für

München beteiligen wollen, können

unter horstwiegand@gmx.de Kontakt

aufnehmen.

Die Taxizentrale IsarFunk, der Taxiverband

München (TVM), der

Behindertenbeirat der Stadt München

und der Sozialverband VDK haben in

enger Abstimmung miteinander eine Zielvereinbarung

an den Münchner Oberbürgermeister

(OB) und die Stadträte

formuliert. Es sollen Wege gefunden werden,

wie eine ausreichende Zahl barrierefreier

Taxis in München etabliert werden

kann, so dass eine spontane Bestellung dieser

Taxis innerhalb von 15 Minuten möglich

ist.

Der OB und die Stadträte dürften den

Vorschlägen offen gegenüberstehen, würde

man dadurch nationale Vereinbarungen

leichter einhalten können. So hat beispielsweise

der Gesetzgeber im Jahr 2002 eine

Zielvereinbarung im § 5 des Behindertengleichstellungsgesetzes

aufgenommen. Sie

soll durch die Abschaffung von Barrieren

helfen, die Teilhabe behinderter Menschen

am gesellschaftlichen Leben auch in privatwirtschaftlich

geführten Bereichen zu

ermöglichen.

Die (Ziel-)Vereinbarung stellt keine

gerichtlich durchsetzbare Verordnung dar

und setzt bewusst auf die Marktmechanismen,

da mit einem Zugewinn durch die Einbeziehung

des neuen Kundenkreises

gerechnet werden kann.

BARRIEREFREIHEIT

IM ÖPNV BIS 2022

Mit der Novelle des Personenbeförderungsgesetzes

aus dem Jahr 2013 wurde

die Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr

(ÖPNV) bis zum Jahr 2022

festgesetzt. Dies betrifft die liniengebundenen

Verkehre, die größtenteils öffentlich

Taxi ist Teil des ÖPNV und sollte somit

auch seinen Teil zum Behindertengleichstellungsgesetz

beitragen.

finanziert werden. Der öffentliche Taxiverkehr

ist dort nur einbezogen, wenn er diese

Linien ergänzt, ersetzt oder verdichtet. Als

originärer Gelegenheitsverkehr wird er

dadurch nicht gesetzlich verpflichtet, barrierefreie

Taxis vorzuhalten, und erhält

keine öffentlichen Mittel.

Das Taxigewerbe jedoch ist motiviert,

Menschen mit Behinderung gleichermaßen

zu befördern, und möchte eine wirtschaftlich

vertretbare Regelung treffen, um die

Mehrkosten für die barrierefreie Gestaltung

der Taxifahrzeuge nachhaltig zu refinanzieren.

Wir werden über die nächsten

Schritte und die weiteren Gespräche mit

der Politik über Taxi Times informieren.

Horst Wiegand, Inklusionsbeauftragter der

Taxizentrale IsarFunk

FOTO: Taxi Times

18 OKTOBER / 2017 TAXI


FLUGHAFEN INFORMATION

Der neue Taxi-Großspeicher

befindet sich an der Wartungsallee

von Westen kommend

südlich des Zubringers.

UMZUG NACH PLAN

Die Umbauarbeiten am Münchner Flughafen betreffen auch

das Taxigewerbe. Nachdem der Umzug vom Agip reibungslos

geklappt hat, ist nächstes Jahr der T1-Speicher dran.

GRAFIK: Flughafen München

Für einige Taxikolleginnen und Kollegen ging Anfang April

eine Ära zu Ende: Nach knapp einem Vierteljahrhundert

verschwand der Taxispeicher an der Agip-Tankstelle, Flughafenfahrern

kurz als „der Agip“ bekannt. Dabei klappte der

Umzug reibungslos und pünktlich, so dass der Interims-Stand auf

der Baustelleneinrichtungsfläche Ost neben dem General Aviation

Terminal nach Plan bezogen werden konnte.

Voraussichtlich im Frühjahr 2018 ist der Taxispeicher am Terminal

1 dran. Das Terminal 1 am Flughafen München soll um

einen zusätzlichen Flugsteig erweitert werden und einen zentralen

Gebäudekomplex erhalten.

Für die weggefallene Taxi-Reserve wird rechtzeitig neben dem

„neuen Agip“ am GAT bis zur Eröffnung des neuen Taxispeichers

ein Ersatzspeicher bereitgestellt. Dieser neue Taxigroßspeicher

für 350 Fahrzeuge ist an der Wartungsallee gegenüber der Lufthansa-Technik

vorgesehen und wird über genügend Aufenthaltsräume

und Gastronomie sowie über Freizeitmöglichkeiten wie

Schach oder Tischtennis verfügen, um den Kolleginnen und Kollegen

die Wartzeiten so angenehm wie möglich zu gestalten.

STROM-AUFLADUNG FÜR E-TAXIS

IM GROSSSPEICHER

Derzeit wird geprüft, inwieweit man das Thema Elektromobilität

in die Neubaupläne integrieren kann. In der Diskussion sind dabei

Schnellladesäulen und eine Bypass-Spur für Taxis. Zwar verfügt

der Flughafen München mit acht Schnellladesäulen über den derzeit

größten Schnellladestandort für Elektrofahrzeuge in Deutschland,

dieser ist aber nicht frei zugänglich. Innerhalb des Münchner

Airports gibt es zwar 36 weitere, „langsamere“ Ladepunkte für

Elektrofahrzeuge, die für jedermann zugänglich sind, diese sind

aber für Taxis in der Warteschlange ungeeignet, da sie sich erst

nach dem Aufladen wieder einreihen können.

Ungeachtet der noch ausstehenden Konzeption der Elektromobilität

am Flughafen ist jedoch alles im Plan. Die Flughafen München

GmbH, FMG, wird zusammen mit der Taxizentrale IsarFunk, die

das Taximanagement am MUC betreibt, alles unternehmen, um

die leider unvermeidbaren Umzüge so reibungslos wie möglich

zu gestalten. „Da das beim Umzug des ehemaligen Agip-Speichers

störungsfrei funktioniert hat, sehen wir keine Schwierigkeiten bei

den anstehenden Umzügen“, sagt Tom Lorenz, Koordinator

im Team Mietwagen- und Verkehrsunternehmen der Flughafen

München GmbH. „Sowohl, was die Verlagerung der T1-Reserve

betrifft, als auch den endgültigen Bezug des Großspeichers an der

Wartungsallee.“ khm

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TAXI OKTOBER / 2017

19


E-TAXI

Deutschlands erster Taxiunternehmer mit

einem chinesischen BYD-Elektro-Taxi heißt

Manfred Hetznegger (rechts).

Bis nächstes Jahr sollen 2.500 Stück des „Work XL“ gebaut werden.

E WIE

EIGENBAU

Der Stadt München drohen

Dieselfahrverbote und sie fördert

die Anschaffung eines E-Taxis

mit bis zu 40 Prozent. Zeit, sich

einmal nach möglichen

Alternativen umzusehen.

Und genau dazu muss man manchmal auch um die Ecke

denken. Auf dieser und den folgenden Seiten zeigen wir

jene Ansätze für Elektromobilität, bei denen nicht die

etablierten Fahrzeughersteller im Vordergrund stehen, sondern

die Mutter aller Taxis (Seite 21) oder Start-Ups, die im elektrischen

Antrieb die Chance für individuelle und auf die speziellen Bedürfnisse

angepasste Fahrzeugkonzepte erkennen und verwirklichen.

Der Umstieg auf Elektromobilität ist auch mit einem Wandel der

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für den Erwerb und die

Verlängerung des P-Scheins

bisherigen Angebotsstruktur verbunden. Kleine Auto-Start-Ups,

die spezielle Nischenmärkte bedienen, können im Konzert der

Großen mitspielen.

So wie Sono (Seite 22) oder wie die Aachener Firma Streetscooter,

die als Start-Up begonnen haben und dann von der Post

übernommen wurden. Entstanden ist aus dieser Liaison der Elektro-Transporter

„Work“ . Ford liefert für die sieben Meter langen

Stromer das Fahrgestell und die Fahrerkabine. Die Post installiert

dann den E-Antrieb und den Paketkasten. Bis nächstes Jahr sollen

2.500 Stück des „Work XL“ gebaut werden.

Post-Vorstand Jürgen Gerdes erklärte zu dem neuen Geschäftsfeld

in einer Presseerklärung: „Ich freue mich, jetzt nebenbei in

der Automobilindustrie tätig zu sein.“ Seit diesem Jahr verkauft

die Post die beiden kleineren Modelle des Stromers auch an Handwerker,

Lieferdienste und kommunale Betriebe. Zusätzlich will

man sogar Fahrzeuge mit Brennstoffzellen bauen. Die Nachfrage

für den Scooter sei seit dem Dieselskandal gestiegen, weshalb

man neben der Produktionsstätte in Aachen nun einen zweiten

Standort errichtet, an dem jährlich bis zu 10.000 Autos gebaut

werden. Das Interesse ist mittlerweile so groß, dass sich auch

Daimler heimlich einen Scooter zum Ausspionieren geholt hat,

dabei aber dummerweise erwischt wurde.

Beim chinesischen Hersteller BYD muss Daimler nicht heimlich

spionieren. Hier kooperiert man bereits mit dem Unternehmen,

das mit einem eigens entwickelten Taximodell

batterieelektrisch in Chinas Metropolen erfolgreich unterwegs

ist. Jetzt kommt man damit auch nach Deutschland. Das erste

BYD-Taxi startete in Regensburg.

Generalimporteur ist das niederbayerische Unternehmen

Fenecon aus Deggendorf. Der Regensburger Taxiunternehmer

und die Deggendorfer Firma planen neben dem Aufbau einer

Elektroflotte auch die Entwicklung einer BYD-Service- und Vertriebsstation

durch die beim Taxiunternehmen angegliederte

Autowerkstatt. Norbert Gabriel, bei Fenecon verantwortlich für

den Bereich Elektromobilität, hebt die Vorteile in einer Pressemitteilung

hervor: „Die Fahrgäste schätzen die große Elektro-

Reichweite sowie den Fahrgastkomfort. Bei fünf vollwertigen

Sitzplätzen bleibt auch trotz des Batteriepacks viel Platz im Kofferraum.

Und für Betreiber wie etwa Taxi-Unternehmer stehen

sehr günstige Betriebskosten.“

Das bestätigt auch Taxiunternehmer Manfred Hetznegger: „Ein

Taxi fährt bei uns im Jahr rund 100.000 Kilometer. Die Stromrechnung

dieses Fahrzeugs liegt im Monat mit Tages- und Nachtschicht

bei ca. 350 Euro. Ein Dieselfahrzeug verbraucht im selben

Zeitraum Sprit für rund 600 Euro.“ nu

FOTOS: BYD, Deutsche Post

20

OKTOBER / 2017 TAXI


E-TAXI

VIEL NEUES HINTER

TRADITIONELLEM DESIGN

Das London-Taxi ist ein Kultklassiker und gehört ebenso zum

Londoner Stadtbild wie der Big Ben oder die Doppeldeckerbusse.

Diese Tradition gilt es auch für die Elektro-Variante zu bewahren.

FOTO: LEVC

Das London-Taxi-Modell FX3 wurde

1948 von den in Coventry ansässigen

Unternehmen Mann & Overton,

Carbodies und Austin (später unter

dem Namen „London Taxi Company“

bekannt) in Zusammenarbeit hergestellt

und setzt seit jeher den Design-Standard

für alle nachfolgenden London-Taxis. Der

TX eCity, LEVCs neues Elektroauto, vereint

die Erfahrung des Unternehmens als Taxi-

Hersteller mit dem bewährten Elektroantrieb

und modernsten Werkstoffen.

Durch das Beibehalten des traditionellen

Designs – angefangen bei dem FX3

über den FX4 (1958) und der TX-Serie (ab

1997) – entsteht eine Kombination aus Tradition

und Moderne. Der typische rechteckige

Kühlergrill und die kreisrunden

Scheinwerfer wurden durch das runde Tagfahrlicht,

eine schlichte Linienführung und

einen in den Kühlergrill eingepassten

Chromrahmen in ein deutlich zeitgemäßeres

Design integriert. Die hinteren Türen,

die im 90-Grad-Winkel aufschwingen, bieten

mehr Platz zum Ein- und Aussteigen

und erinnern an einen 1930er Austin

Saloon, von dem das neue Design auch zum

Teil inspiriert wurde.

Für den Bau des neuen Taxis kamen

modernste Verfahren zur Verklebung von

Aluminium zum Einsatz. Dank dieser Technik

ist Schweißen oder Nieten überflüssig,

was wiederum auch für ein geringeres

Gewicht des Wagens sorgt. So kann das

zusätzliche Gewicht der Batterie ausgeglichen

werden.

VERBESSERTE

ROLLSTUHLTAUGLICHKEIT

Die Fahrgäste sollen sich in dem neuen TX

nicht nur wohler fühlen, sondern auch

kaum noch Fahrbahnunebenheiten spüren.

Zudem ist die Fahrgastkabine mit Handyladestationen

und einem WLAN-Hotspot

ausgestattet und bietet Platz für insgesamt

sechs Personen. Erwähnenswert ist auch,

dass der neue TX als eines der sichersten

Autos auf Londons Straßen konzipiert

wurde.

Der neue TX fährt mit der eCity-Technologie, einer Kombination aus

einem kleinen Verbrennungsmotor, dem sog. Range Extender, und dem

bewährten Elektroantrieb mit Batterie.

Traditionsgemäß ist das neue Modell barrierefrei

beeinträchtigtem Sehvermögen, außerdem

zugänglich. Neu ist hierbei eine Türgriffe und Sitzränder, die sich farblich

ausfahrbare Rampe, mit der Rollstuhlfahrer abheben. Nach Abschluss der ausgiebigen

schneller und einfacher in das Auto geschoben

Tests durch LEVC schätzt die Verkehrspla-

werden können. In dem neuen TX eCity nungsbehörde von London, Transport for

können Rollstuhlfahrer außerdem in Fahrtrichtung

London (TfL), dass bis Ende 2020 ganze

sitzen. Um das Ein- und Ausstei-

9.000 der London-Taxis Modelle sein wer-

gen zusätzlich zu erleichtern, kann einer den, die „fast emissionsfrei fahren können“.

der Klappsitze, die entgegen der Fahrtrichtung

Aktuell sind 23.000 Taxis auf

ausgerichtet sind, nach außen gedreht Londons Straßen unterwegs. Das Modell

werden. Weitere Maßnahmen für die Barrierefreiheit

TX4 ist dabei am häufigsten vertreten, doch

sind induktive Höranlagen für auch einige Mercedes Vitos verkehren als

Hörgeräteträger sowie für Menschen mit

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Taxis

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TAXI OKTOBER / 2017

21


E-TAXI

Die Karosserie

des Sion von

Sono Motors ist

zu großen Teilen

mit Hochleistungs-

Solarzellen

be stückt, die

Strom für bis zu

30 zusätzliche

Kilometer pro Tag

in die Batterie

einspeisen.

SOLAR-VAN MIT

SHARING-AMBITIONEN

Der Sion soll das erste in Serie gebaute E-Auto werden, dessen Akku

zu einem relevanten Anteil mit Sonnenenergie versorgt wird.

Eine Ridesharing-Funktionalität gibt’s vom Hersteller gleich mit dazu.

Die Startup-Firma Sono Motors aus Schulfreunde aus München, auf die Idee

München hat Ende Juli vor rund kamen, ein Elektroauto zu bauen, welches

700 Gästen aus Politik, Industrie beweisen sollte, dass Solarenergie das

und Presse erstmals ihr Solar-Elektroauto Potenzial hat, die Welt im Bereich der Mobilität

Sion enthüllt, das zu einem erstaunlich

unabhängig von begrenztem Erdöl zu

niedrigen Preis angeboten wird und es machen.

künftigen Besitzern ermöglichen soll, Nach ersten Experimenten in der heimischen

durch diverse Sharing-Optionen einen Teil

Garage gründeten die beiden 2016

der Anschaffungskosten wieder hereinzuholen.

zusammen mit Laurins Mitbewohnerin

Noch ist allerdings nicht klar, ob der Navina Pernsteiner die Firma Sono Motors

Sion wirklich in Serienproduktion gehen und starteten eine Crowdfunding-Kampagne,

kann.

bei der sogar das Dreifache des erklär-

Aber der Reihe nach: Der Grundstein für ten Ziels von 250.000 Euro eingenommen

den Sion wurde vor vier Jahren gelegt, als wurde. Damit war der Weg für den Sion-

Laurin Hahn und Jona Christians, zwei Prototyp finanziell geebnet.

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Die wichtigste Innovation des Sion

besteht aus den nahezu auf der kompletten

Oberfläche verbauten 330 Hochleistungs-

Solarzellen mit 24 Prozent Wirkungsgrad,

die auf 7,5 Quadratmetern auch diffuses

Licht, etwa aus der Reflektion von Glasfassaden

oder Schnee, aufnehmen und pro Tag

Strom für bis zu 30 Kilometer Reichweite

in die Batterie einspeisen können. Das ist

aus Taxi-Sicht gerade einmal eine Fahrt

zum Flughafen und daher nur für private

Kurzstrecken-Pendler interessant. Die

könnten den Sion an vielen Tagen ausschließlich

mit Sonnenenergie bewegen,

ohne den Akku extern laden zu müssen.

Das gab es in einem Serienauto so bisher

nicht.

BATTERIE MUSS EXTRA BEZAHLT

WERDEN

Lediglich 16.000 Euro wird der Sion kosten,

wobei der 30-kWh-Akku, der in der Praxis

(und nicht etwa im unrealistischen NEFZ-

Zyklus) 250 Kilometer Reichweite ermöglichen

soll, nicht im Preis inbegriffen ist.

Denn es ist geplant, die Batterie zur monatlichen

Miete oder zum Kauf anzubieten.

Hintergrund: Sono Motors will die rasant

sinkenden Kosten für Energiespeicher an

seine Kunden weitergeben. Gut möglich

also, dass der heute mit ca. 4.000 Euro kalkulierte

Preis für den Akku bis zum avi-

FOTOS: Sono Motors

22

OKTOBER / 2017 TAXI


E-TAXI

sierten Produktionsstart in zwei Jahren

noch weiter sinkt und der Sion dann samt

Batterie sogar für deutlich unter 20.000

Euro angeboten wird.

Der von einem 80 kW starken Elektromotor

angetriebene und bis zu 140 km/h

schnelle Solar-Van ist u.a. mit einer Anhängerkupplung,

Isofix-Halterungen für Kindersitze,

einem Moosfilter im Innenraum

zum Abfangen von Feinstaub sowie einer

Klimaanlage ausgestattet und verfügt auch

über ein bidirektionales Ladesystem. Die

im Akku gespeicherte Energie kann

dadurch auch „entnommen“ werden – etwa,

um über gewöhnliche Stecker elektronische

Geräte zu betreiben (Stichwort Camping)

oder um durch einen ebenfalls verbauten

Typ-2-Ladeanschluss andere E-Autos mit

Strom zu versorgen. Letztere Funktionalität

sollen künftige Besitzer des Sion anderen

Elektroauto-Fahrern via App anbieten können

und so Einnahmen generieren können.

SHARING-DIENSTE OHNE

GESETZLICHE BASIS

Der Gedanke der gewerblichen Re-Finanzierung

treibt die Entwickler des Sion auch

zum derzeit beliebten Thema des Car-Sharings.

Dazu werden die per App gesteuerten

technischen Möglichkeiten zum Carsharing

und Ridesharing vom Hersteller gleich integriert.

Künftige Besitzer des Sion sollen

also auch durch die kurzzeitige Vermietung

des Autos bzw. das Anbieten von Mitfahrgelegenheiten

Geld verdienen können.

Sono Motors verknüpft damit schon ab

Werk die E-Mobilität mit der geteilten Nutzung

und greift so die Mobilitätstrends der

Zukunft auf, erwähnt allerdings bislang

nicht, dass der Bereitstellung der angeboten

Sharing-Dienste durch Privatpersonen

zumindest in Deutschland derzeit noch

enge rechtliche Grenzen gesetzt sind. Etwa,

dass das Anbieten von Mitfahrten ohne

P-Schein nur dann legal ist, wenn das dafür

erhobene Entgelt die Betriebskosten der

Fahrt nicht übersteigt – von Haftungsfragen

einmal ganz abgesehen. Möglicherweise

baut Sono Motors aber auch darauf, dass

solche rechtlichen Hürden bis zum Marktstart

des Sion, der frühestens 2019 stattfinden

soll, der Vergangenheit angehören

könnten – erst recht mit Blick auf weniger

reglementierte Länder außerhalb Europas

mit hohem Nachholbedarf.

SERIENPRODUKTION NOCH

UNGEWISS

Ob der Solar-Van tatsächlich eines Tages in

großen Stückzahlen auf den Straßen unterwegs

sein wird und durch die verknüpften

Mobilitätsdienste zu einer potenziellen

Konkurrenz für das Taxigewerbe erwachsen

kann, steht zum jetzigen Zeitpunkt

ohnehin noch in den Sternen. Denn die

Serienproduktion kann nur dann wie

Im Innenraum des Fünfsitzers

findet sich als besonderer Clou

ein in das Armaturenbrett

integrierter Moosfilter, der bis zu

20 Prozent des Feinstaubs aus

der Luft filtern können soll.

Der Sion wird ab Werk mit per

App gesteuerten Mobilitätsdiensten

zum Carsharing und

Ridesharing ausgestattet.

geplant im Jahr 2019 starten, wenn Sono

Motors bis dahin mindestens 5.000 mit

Anzahlungen hinterlegte Vorbestellungen

verbuchen kann. Rund 1.500 Reservierungen

liegen laut Hersteller aktuell vor.

Auch wenn es sich bislang lediglich um

einen Prototyp handelt, haben die Münchner

Unternehmensgründer schon heute eines

geschafft. Sie zeigen, dass es durchaus möglich

ist, ein erschwingliches Elektroauto auf

die Räder zu stellen, das sich zudem teilweise

durch die Kraft der Sonne selbst mit Energie

versorgt – etwas, das der etablierten

Autoindustrie bislang nicht gelungen ist.

sk

Der Autor Stefan Köller ist freier Journalist und

berichtet schwerpunktmäßig über Elektromobilität.

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TAXI OKTOBER / 2017

23


KOMMENTAR

NICHT MIT MIR -

EIN KLEINER KOPF

DENKT NACH

Wie sieht die Zukunft eines

Taxiunternehmers aus? Wir müssen gut

überlegen, in welchem Pool wir künftig

mitschwimmen wollen.

EIN KOMMENTAR VON HORST WIEGAND

Als freier Unternehmer kann ich

selbst entscheiden, welches Konzept

für mich das beste ist und in

welche Abhängigkeiten ich mich keinesfalls

begeben möchte. Wechsele ich in das

Luxussegment und fahre Privatkunden?

Unterwerfe ich mich als rechtloser Vertragspartner

der Strategie von mytaxi und

arbeite für die Interessen des Daimler-

Konzerns? Deren Vorstellungen bezüglich

der Auftragsprovisionen ähneln denjenigen

von Uber. Das Ziel beider ist der Betrieb

von Robotertaxis. Sobald diese zur Verfügung

stehen, werden die Verträge mit den

Vasallen gekündigt, ohne ein Recht auf

Widerspruch.

AUTONOME TAXIS –

GESCHULTES PERSONAL

Dafür bin ich nicht zu haben. Wesentlich

interessanter ist an dieser Stelle ein Blick

nach Düsseldorf. Nach einer Umfrage der

„Wirtschaftswoche“ ist die Firma „Rheintaxi“

Branchenführer im Land. Wie lassen

sich der Wettbewerbsvorteil dieser Zentrale

und die hohe Akzeptanz beim Kunden

erklären? Sie investieren viel in die

Mitarbeiterschulung, einschließlich einer

umfassenden Ortskunde. Rheintaxi fahren

ausschließlich Mercedes-E-Klassen. Kollidiert

das bald mit Umweltauflagen?

Ein Taxibetrieb in Rotterdam stand

kürzlich in den Schlagzeilen, weil man 225

englische Taxis von der „London Taxi Company“

bestellt hat. Diese fahren elektrisch

mit Reichweitenverlängerung, bieten Platz

für sechs Fahrgäste, sind serienmäßig mit

einer Rollstuhlrampe ausgerüstet und sind

optisch ein „Eyecatcher“. In Rotterdam

denkt man nach vorne, denn der Kundschaft

gefallen diese Autos.

Autonome Taxis werden kommen und

die Zahl herkömmlicher Fahrzeuge wird

abnehmen. Letztere benötigen jedoch

geschultes Personal. Deshalb müssen wir

endlich eine sogenannte „Kleine Fachkunde“

einfordern mit Abschluss bei der IHK.

Es kann so nicht bleiben, dass die Qualifizierung

des Fahrpersonals nach dem Düsseldorfer

Standard alleine den

Taxizentralen obliegt.

DER UNTERNEHMER ALS

EHRBARER GESCHÄFTSPARTNER

Die müssen zukünftig neben den angesprochenen

Qualitätsmaßnahmen noch

vielfältigere Vermittlungsangebote wie

Taxi-Sharing, Rollstuhlbeförderung und

vieles mehr in den dafür geeigneten Fahrzeugen

ausgesuchter Unternehmer/innen

und deren Personal erschließen.

Als neue Zentralen in den 1990er Jahren

auf den Markt drängten, war kein Altanbieter

in seiner Existenz bedroht. Vielmehr

führten die neuen Teilnehmer moderne

Vermittlungstechniken ein und brachten

frischen Wind in die Branche. Heute jedoch

kommt der Internetkapitalismus mit zerstörerischen

Geschäftsmodellen aus der

Giftküche der sogenannten „Privat Equity“,

welche im Ergebnis schon jetzt weltweit zu

prekärer Beschäftigung und zu Altersarmut

führen.

Damit Taxizentralen ihr Geschäft behalten

und im Sinne der öffentlichen Daseinsvorsorge

betreiben können, muss der

Gesetzgeber ihnen erlauben, angeschlossene

Fahrzeuge exklusiv für sich zu nutzen.

Nur so kann die Dispo ihre Aufträge

verlässlich bedienen, die eigene Klientel an

sich binden und das Geschäft ausbauen. Ich

möchte auch zukünftig ein gleichberechtigter

Geschäftspartner und Genosse sein, zu

ehrbaren und fairen Bedingungen. Nur so

werde ich dauerhaft einen auskömmlichen

Verdienst erzielen. Auch zukünftig wird

es Kunden geben, die aus verschiedenen

Gründen nicht von selbstfahrenden Taxen

befördert werden möchten.

Ich hätte nichts dagegen, wenn Zentralen

bei einer bestimmten Anzahl von verlässlichen

Vertragspartnern keine neuen

Teilnehmer mehr zulassen.

In diesem Pool möchte ich dann nicht

mitschwimmen.

hg

FOTOS: Fotolia / Sentavio

24 OKTOBER / 2017 TAXI


TAXI TIMES DACH

KONZESSIONSWEGFALL

UND EICHRECHTLÜGE

Ein kurzer Überblick über die Themen der aktuellen Taxi Times DACH.

FOTOMONTAGE: Stanislav Statsenko

Es wird langsam sehr ernst. Ähnlich

unbemerkt und handstreichartig,

wie man die Abschaffung des Ortskundenachweises

für Mietwagenfahrer

vollzog, könnten demnächst weitere elementare

Säulen des Personenbeförderungsgesetzes

wegfallen. Der Arbeitskreis

Öffentlicher Personenverkehr schlägt vor,

die Konzessionsbegrenzung bei Taxis aufzuheben

und beim Taxitarif eine Höchstgrenze

einzuführen. Außerdem soll für

Mietwagen die Rückkehrplicht aufgehoben

werden. Mehr dazu in der November-Ausgabe

der Taxi Times DACH.

Der politische Druck wächst, die Gesetze

zur Personenbeförderung sollen möglichst

europaweit im Sinne der Digitalisierung

angepasst werden. Da ist es gut, wenn das

Taxigewerbe seine Interessenvertreter nach

TAXI MEETS KUNSTAREAL

Bitte nicht wundern, wenn Fahrgäste

das Fahrtziel „Kunstareal“ angeben.

Gemeint ist damit die 500 qm große

Fläche in der Maxvorstadt, auf der sich

5 000 Jahre Kunstgeschichte in Form

von 31 Institutionen, Museen und Hochschulen

befinden, beispielsweise die drei

Pinakotheken, die TUM oder auch die

Hochschule für Film und Fernsehen.

Mit einer speziellen Aktion heißt das

Brüssel schickt. Lobbyisten nennt man solche

Personen und zwei von ihnen leistet sich

auch das Taxigewerbe, nachzulesen in unserer

kürzlich erschienenen September-Ausgabe.

Dort lesen Sie auch, welche

Auswirkungen das Uber-Treiben auf New

York hat, wo mittlerweile reihenweise Taxifirmen

in die Pleite schlittern und damit

sogar Banken in die Krise stürzen.

Wenig Hoffnung können wir all jenen

Taxiunternehmern machen, die mit der

Lockerung des Eichrechts auf eine einfachere

Konformitätsbewertung hofften. Die

in Kraft getretene „2. Verordnung“ hat

zwar die Basis für externe Wegstreckensignalgeber

gelegt, aber ohne die Herstellerfreigabe

geht nach wie vor nichts.

Mehr dazu in der Novemberausgabe der

Taxi Times DACH. jh

Kunstareal am 8. November alle Taxifahrer

zwischen 11 und 14 Uhr zu Essen

und Getränken herzlich willkommen –

inklusive Besichtigung des Autosalons/

Mobility-Raumes im Design-Museum der

Pinakothek der Moderne. Treffpunkt ist

im Kunstareal-Loftcube vor der Pinakothek

der Moderne. Kostenlose Parkplätze

gibt es bei der 2. Schranken-Einfahrt

Gabelsbergerstraße. jh

IMPRESSUM

Verlag

taxi-times Verlags GmbH,

Frankfurter Ring 193 a

80807 München, Deutschland

Telefon: +49 (0)89 / 14 83 87 91

Fax: +49 (0)89 / 215 48 30 79

E-Mail: info@taxi-times.taxi

Internet: www.taxi-times.taxi

Geschäftsführung: Jürgen Hartmann

Bankverbindung

Stadtsparkasse München

BLZ 70150000, Kontonummer 1003173828

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Handelsregister: Amtsgericht München

HRB 209524

Redaktion (tt)

V.i.S.d.P.: Jürgen Hartmann (jh),

Florian Bachmann (fb), Florian Osrainik (fo),

Nicola Urban (nu), Horst Wiegand (hw)

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Wim Faber (wf), Stefan Köller (sk),

Axel Rühle (ar)

Grafik & Produktion

Katja Stellert (Artdirektion),

Martina Jacob, Stephan Krause,

Raufeld Medien GmbH,

Paul-Lincke-Ufer 42/43, 10999 Berlin

Telefon: +49 (0)30 695 665 936

Anzeigenleitung, Online-Verkauf

und Vertrieb

Elke Gersdorf, e.gersdorf@taxi-times.taxi

Telefon: +49 (0)89 / 14 83 87 92

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Druck

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Erscheinungsweise 6 x pro Jahr

Heftpreis 3,50 €, ISSN-Nr.: 2367-3850

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26 OKTOBER / 2017 TAXI


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es auch als überregionale Ausgabe mit Taxithemen aus Deutschland, Österreich und

der Schweiz und immer auch mit einem Blick auf die internationale Taxi-Szene. Was

machen die anders, welche Entwicklungen kommen auch auf uns zu?

Für das regional agierende Taxigewerbe bieten wir mit Taxi Times die Möglichkeit, sich

auch über die regionalen Grenzen hinaus zu informieren. Durch eine hohe Kompetenz –

unsere Redakteure stammen größtenteils selbst aus der Taxibranche – informieren wir

stets mit dem Blickwinkel aus dem Gewerbe für das Gewerbe. Taxi Times zeigt, wie auf

die großen Veränderungen und auf politisch motivierte Gesetzesregelungen reagiert

wird, und hält Sie über die Entwicklung neuester Techniken auf dem Laufenden.

Es wird Zeit, sich bei der Suche nach Lösungen untereinander zu vernetzen, es wird

Zeit, über den Tellerrand der eigenen Region hinauszublicken.

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(maßgeblich ist das Jahr (nicht der Tag) der

Erstzulassung). Fahrzeug muss mindestens

6 Monate auf den Käufer zugelassen sein,

bzw. bei Konzessionsübernahme muss

der Nachweis vorhanden sein, dass das

Fahrzeug mindestens 6 Monate auf den

Vorgängerbetrieb zugelassen war. Der

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Partner vor Ort: Daimler AG, vertreten durch Mercedes-Benz Vertrieb PKW GmbH, Niederlassung München, Taxi-Center Landsberger Str., Landsberger

Str. 382, 80687 München; Verkauf – Unsere Taxibeauftragten beraten Sie gern: 28 Nilüfer Celik 0 89 12 06 14 36, Alfio Nicotra 0 89 12 06

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/ 2017 TAXI

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