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Berner Kulturagenda 2017 N° 43

Berner Kulturagenda 2017 N°

DO 2. – MI 8.11.2017 43 / www.bka.ch Seite 3 Der Londoner Rapper Loyle Carner kommt ins Fri-Son Die Galerie ArchivArte zeigt Bernbilder von Werner Schmutz Pegelstand, Kolumne von Wolfgang Böhler Seiten 4 bis 11 Agenda, Ausstellungen und Kino Seite 12 Reeto von Gunten ist mit seinem neuen Programm «Single» in der Kulturfabrikbigla Der Orpheus Chor singt geistliche Chorwerke von Schubert Das Kunstmuseum Bern zeigt eine Ausstellung und Konzert Theater Bern ein Stück zu Gurlitt Drei Klassiktipps in der Übersicht Luxbox Zwischen den Geschlechtern Der oder die 14-jährige J. zögert die Pubertät mit Hormonen hinaus. Noch will er oder sie sich nicht zwischen Mädchen oder Junge entscheiden. Der Spielfilm «They» ist eine von vielen Entdeckungen am LGBTI-Filmfestival Queersicht. 3 Im Sog der Wörter Dilemma ZVG Kulturtipps von Wieslaw Pipczynski Der Pianist, Akkordeonist und Organist Wieslaw Pipczynski ist in Bern besonders auch als begnadeter Stummfilmmusiker am Klavier bekannt. Am Fr., 3.11., begleitet er im Bärtschihus in Gümligen den Abend «Perlen aus der Stummfilmzeit» (20 Uhr). Machen Sie den ersten Satz: «Jeden Tag neue Einfälle, und unsre Launen bewegen sich an den Flügeln der Zeit.» (Michel de Montaigne) Und was soll der letzte sein? «Wer schönen Sinn in schönen Dingen findet, gehört zum Reiche der Kultur.» (Oscar Wilde) Wohin gehen Sie diese Woche und wozu? 1. In die Ausstellung «Die Sammlung Hahnloser» im Kunstmuseum Bern (bis 11.3.2018). Eine einzigartige Bildersammlung, praktisch vor meiner Haustür. 2. Ans Galakonzert des BSO mit Arcadi Volodos im Kursaal (Sa., 4.11., 19.30 Uhr). Ich bin neugierig auf seine Beethoven-Interpretation. 3. Zu Grand Mother’s Funck im Maison Pierre in Burgdorf (Sa., 4.11., 20.30 Uhr). Hervorragende Musiker, groovige Musik! An der 9. Nacht der B-Lesenen im Dachstock der Reitschule geben vier für den Schweizer Buchpreis nominierte Autorinnen und Autoren Einblicke in ihr Schaffen. Darunter Martina Clavadetscher mit «Knochenlieder». Um vier Aussteigerfamilien kreist das Buch von Martina Clavadetscher. Ingo Höhn Rosas Geburt steht unter einem schlechten Stern, denn ihre Eltern Regina und Jakob Grün halfen bei der Befruchtung mit Medikamenten nach. In der selbst errichteten Siedlung, in der die vier Aussteigerfamilien Rot, Blau, Weiss und Grün um 2020 leben, darf dies niemand erfahren, weil ihr Leben eigentlich im Einklang mit der Natur stattfinden soll. Schliesslich zerbricht die kleine Gemeinschaft an Unterstellungen und Misstrauen. Das Buch «Knochenlieder» von Martina Clavadetscher, die auch Theaterstücke schreibt, wird auf dem Cover als «Roman» bezeichnet, fühlt sich beim Lesen jedoch an wie ein musikalisches Gedicht. «Der Frauenschatten kommt näher / umarmt Jakob / wird endlich greifbar / wird zur atmenden Frau», schreibt die Schwyzerin. Hat man sich an die lyrischen, kurzen Zeilen gewöhnt, legt man das Buch so schnell nicht mehr weg. Der Sog von Clavadetschers einfacher und doch präziser Sprache ist enorm. Einblick in die Arbeit am Text Martina Clavadetscher gibt an der 9. Nacht der B-Lesenen im Dachstock, organisiert von den unabhängigen Berner Buchhandlungen, neben drei weiteren für den Schweizer Buchpreis nominierten Autorinnen und Autoren Einblicke in ihr Schaffen. Ebenfalls um eine Familiengeschichte geht es in Julia Webers «Immer ist alles schön». Urs Faes erzählt aus «Halt auf Verlangen. Ein Fahrtenbuch» und Lukas Holliger berichtet von seinem Roman «Das kürzere Leben des Klaus Halm». Lula Pergoletti Dachstock der Reitschule, Bern Sa., 4.11., 19.30 Uhr www.b-lesen.ch Das Freie Musiktheater Zürich spielt «Karl Marx. Das Kapital als Musical» im Tojo Theater. Die Liedtexte sind dem über 2000-seitigen Original entnommen. Vor 150 Jahren analysierte Karl Marx in «Das Kapital» den Kapitalismus ausführlich. Der Einstieg des dreiteiligen Wälzers ist eher trocken und theoretisch, seine Thematik jedoch brandaktuell: Marx beschreibt darin das Dilemma der Gesellschaft, die ihren vom System aufgezwängten Rollen gerecht werden will und gleichzeitig versucht, diesen Zwängen zu entkommen. Das Werk diente als Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung, die scheiterte. Deckmantel Musical Singend und tanzend befassen sich Trixa Arnold, Ilja Komarov und Michel Schröder des Freien Musiktheaters Zürich in «Karl Marx. Das Kapital als Musical» mit besagtem Dilemma, dem sie als Subventionsempfängerinnen und -empfänger selber ausgesetzt seien. Die Liedtexte sind dem Original entnommen und werden unter dem Deckmantel eines Musicals – der kommerzialisiertesten und unpolitischsten Bühnenform – einer breiten Masse zugänglich gemacht, die nach dem Theaterbesuch im besten Fall denkt: Dieses Buch muss ich doch einmal lesen. Lula Pergoletti Tojo Theater Reitschule, Bern Mi., 8.11., 20.30 Uhr Vorstellungen bis 11.11. www.tojo.ch