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FINE DAS MAGAZIN FÜR GENUSS UND LEBENSSTIL

FINE DAS MAGAZIN FÜR GENUSS UND LEBENSSTIL - 2|2017 - Sonderbeilage in der Süddeutschen Zeitung

KRUG-ID 316028 – EIN

KRUG-ID 316028 – EIN CHAMPAGNER GIBT SEIN GEHEIMNIS PREIS MARGARETH HENRIQUEZ HAT DAS CHAMPAGNERHAUS KRUG AUS DEM DÄMMER­ SCHLAF INS DIGITALE ZEITALTER GEFÜHRT. DIE SÜDAMERIKANERIN ERFAND DIE KRUG-ID, EINEN UNSCHEINBAREN CODE AUF JEDEM FLASCHENETIKETT UND ÖFFNETE DEN LIEBHABERN VON SPITZENCHAMPAGNERN DAMIT DIE TÜR ZU FRÜHER SORGSAM GEHÜTETEN GEHEIMNISSEN. KEINE ANDERE CHAMPAGNERMARKE HAT EIN SO FORTSCHRITTLICHES KOMMUNIKATIONSKONZEPT UND ERZÄHLT SO VIELE INTERESSANTE GESCHICHTEN ÜBER SICH SELBST. Von CHRISTIAN VOLBRACHT Fotos MARCO GRUNDT Die Präsidentin und CEO von Krug strahlt sympathische Energie aus. Maggie, wie sie sich auch auf der offiziellen Visitenkarte nennt, ist nach Hamburg gekommen, um den »jüngsten« Jahrgangschampagner des Hauses vorzustellen. Nach langem Reifen im Keller kommt Krug 2004 dreizehn Jahre nach der Lese auf den Markt. Die Gäste sind zum Lunch ins Restau rant Louis C. Jacob hoch über der Elbe geladen. Den Apéritif gibt es auf der Lindenterrasse des Restaurants, mit Blick auf die Airbuswerft und vorbeifahrende Container-Schiffe, Segelyachten und Frachter. Auf der Karte steht: Krug Grande Cuvée 164e Edition, #KrugID316028. Kein echter Hashtag – aber die ID-Nummer hat ein hohes Info-Potenzial. Sie steht seit fünf Jahren auf dem Rückenetikett jeder Flasche. Maggie Henriquez erklärt, was die ersten drei Ziffern 316 sofort verraten: Der Champagner wurde in Quartal 3 des Jahres (20)16 degorgiert, also von der Hefe getrennt und endgültig verkorkt. Doch das ist nur der Einstieg in die neue Fakten-Kommunikation eines ehrwürdigen Champagnerhauses, wo immer noch nach alter handwerklicher Tradition gearbeitet wird. Bei Krug gären die jungen Grundweine aus vielen, oft winzigen Einzelparzellen der Champagne getrennt in Tausenden von kleinen Eichenfässern. Daneben gibt es eine umfangreiche »Bibliothek« von Reserveweinen aus mehreren Jahrzehnten, die für die Komposition der Cuvées, die Assemblage, genutzt werden. Wer die ID-Nummer auf der Website von Krug (www.krug.com) eingibt, erfährt interessante Details über die Assemblage, wie sie sonst kein Hersteller verrät: Die Cuvée 164 enthält zu achtundvierzig Prozent Pinot-Noir- Weine, fünfunddreißig Prozent sind Chardonnay und siebzehn Prozent Meunier. Der Champagner wurde aus einhundertsiebenundzwanzig verschiedenen Weinen aus elf Jahren zusammengestellt: die ältesten aus dem Jahr 1990, die jüngsten aus dem Jahr 2008. Da die Meunier-Reben 2008 unter Hagelschlag gelitten hatten, konnte Keller meister Eric Lebel auf ältere Meuniers aus den Jahren 2002 bis 2006 zurückgreifen, um die nötige Frucht und Eleganz in der Cuvée 164 zu sichern. Maggie Henriquez ist es gelungen, die Tradition und die Geschichte des Hauses Krug mit dem digitalen Zeit alter zu verknüpfen, nicht nur um junge Social-Media-Freaks zu erreichen, sondern auch, um das allgemeine Transparenz- und Informationsinteresse zu befriedigen. Sie übernahm die Leitung des seit 1999 zum Luxuskonzern LVMH gehörenden Unternehmens im Jahr 2009, als Krug trotz gleichbleibender großartiger Qualität schwer unter den Folgen der weltweiten Finanzkrise litt. Der hochpreisige Spitzen champagner verkaufte sich immer schlechter, und die Marke kommunizierte kaum nach außen. »Krug existierte eigentlich gar nicht«, sagt Maggie Henriquez. »Man hatte eine Flasche, das war alles, aber man wusste nichts darüber. Wir merkten, dass wir von der Geschichte des Hauses völlig abgetrennt waren, wir mussten eine Verbindung herstellen.« Bevor sie nach Reims gerufen wurde, hatte die heute einundsechzigjährige gebürtige Venezolanerin die Moët­ Hennessy-Weinbetriebe in Argentinien geleitet. Davor arbeitete sie für andere Lebensmittelunternehmen. In Mexiko dozierte sie an der Panamerikanischen Uni versität über die Themen Produktentwicklung und Partnerschafts­Strategien. In Hamburg erzählt sie, wie sie ihr Wissen für das neue Krug-Konzept nutzte und auf die Idee mit der ID kam. Ein Jahr nach ihrem Start war sie im Haus Krug auf das lang vergessene Notizbuch von Johann-Joseph Krug gestoßen, dem Gründer des Hauses. Der im Jahr 1800 im damals französischen Mainz geborene Kaufmann ging 1834 nach Paris und arbeitete dann beim Champagnerhaus Jacquesson in Châlons-en­ Champagne. 1843 gründete er das eigene Champagner­ Unternehmen. Er wollte trotz der wechselnden Wetterbedingungen und Unterschiede des Terroirs in der Champagne jedes Jahr eine gleichbleibend hohe Qualität erzeugen. In seinem in rotes Leder eingebundenen Notizbuch hielt er für sich und den Sohn Paul seine Arbeitsweise fest. Nur aus guten Weinen könne man einen guten Champagner machen, heißt es da. So verfeinerte er die Assemblage von Grundweinen aus verschiedenen Lagen und Parzellen, indem er Champagner-Weine aus verschiedenen Jahren vermischte und dafür einen Vorrat von Reserveweinen anlegte. Weine aus kühlen Jahren seien mit Weinen aus warmen Jahren auszubalancieren und umgekehrt, lehrte Krug. Er erschuf seinen Champagner Nr. 1 und ließ daneben nur einen Champagner Nr. 2 zu, der dann nur aus einem einzigen, besonders großartigen Jahrgang stammte. Maggie Henriquez nutzte das Notizbuch und seine Leitsätze als eine Art testamentarische Grundlage für den heutigen Auftritt von Krug. So geht die Grande-Cuvée-Nr. 164 für den Apéritif beim Essen in Hamburg auf das Jahr 1845 zurück, als Johann-Joseph Krug die erste eigene Cuvée produzierte. Tatsächlich hat sich der Krug-Champagner erst mit den Nachfolge-Generationen zum heutigen Stil entwickelt, der langfristig die gleichbleibende Spitzenqualität und Konsistenz sichert. Die Berufung auf den Gründungsvater war für Maggie Henriquez’ neue Krug-Story entscheidend, auch wenn der Einfluss der alten Gründerfamilie stark abgenommen hat. Wein macher Henri Krug und sein Bruder Rémi hatten das Haus bis 2007 geleitet, aber schon 1969 an die Gruppe Rémy­ Cointreau verkauft. 1999 wurde es vom Luxuskonzern LVMH über nommen. Henris Sohn Olivier aus der sechsten Krug­ Generation arbeitet heute noch als Direktor in Reims. Maggie Henriquez hatte in ihrem ersten Jahr bei Krug in den Proben mit Weinmacher Eric Lebel gelernt, wie sehr sich jede einzelne Champagner-Cuvée und jeder Jahrgangs­ Champagner von Krug unterscheiden. »Jeder Champagner hat eine eigene Geschichte«, sagt sie, »wir mussten sie nur erzählen.« Da auf dem Etikett kein Platz für mehr Fakten war, fiel ihre Wahl auf die kleine ID-Nummer. Zuerst musste sie die Leitung von Moët-Hennessy dafür gewinnen, anders als früher nicht nur auf Kontinuität der Produktion zu setzen, sondern jeden Champagner als eigen­ 6 FINE 2 | 2017 DAS MAGAZIN FÜR GENUSS UND LEBENSSTIL DAS MAGAZIN FÜR GENUSS UND LEBENSSTIL FINE 2 | 2017 7

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