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SchlossMagazin Bayerisch-Schwaben November 2017

12 | region | Ricardo

12 | region | Ricardo Fernando und Carla Silva Was hat er nicht schon alles auf die Beine bzw. Bühne gestellt, der neue Augsburger Ballettdirektor und Chefchoreograph Ricardo Fernando. Er liebt das Ballett und seine Frau Carla Silva, ehemalige Primaballerina und wie er in Brasilien geboren. Als 1. Choreographische Assistentin und Ballettmeisterin unterstützt sie ihren Mann bei seiner neuen Aufgabe, die mit der Neuinszenierung des berühmten Balletts Schwanensee, die Ende Oktober die aktuelle Ballettsaison in Augsburg eröffnete, ihren Anfang genommen hat. Zwei wie Tanz und Traum Der neue Augsburger Ballettdirektor Ricardo Fernando und seine Frau Carla Silva Text Hannelore Eberhardt-Arntzen fotos Jan-Pieter Fuhr, Stefan Kühle Wir treffen uns zum Gespräch im schmucklosen Inter - ims-Büro, das Teil der Baustelle rund ums Theater Augsburg ist. Doch Verwaltungs-Räumlichkeiten spielen bei den beiden allenfalls eine marginale Rolle, denn Ricardo Fernando und seine Frau erledigen ihre eigentliche Arbeit vorwiegend im Übungssaal. Alle zwei haben sich dem Ballett mit Leib und Seele verschrieben. Ihre Augen leuchten, wenn es ums Thema Tanzen geht. Und beide haben viel vor. In Augsburg folgt der 56-Jährige dem ehemaligen Solisten des Stuttgarter Balletts Robert Conn nach. Die größte Veränderung sieht Ricardo Fernando darin, dass nach dem Manager und Ballettmeister Conn mit ihm ein choreografierender Ballettchef nach Augsburg gekommen ist. Vor rund 30 Jahren hatten die beiden Partner, damals noch als Tänzer, ihre Füße erstmals auf europäischen Boden gesetzt. Aus den geplanten fünf Jahren Aufenthalt sind inzwischen 30 Jahre geworden.

| region | 13 Die gemeinsame Tochter ist in der Schweiz geboren und tanzt nur hobbymäßig. Beruflich hat sie einen anderen Weg eingeschlagen. Augsburg ist nun für das Paar die sechste Station in Deutschland, nach immerhin 14 Jahren am Theater in Hagen. Dort hatte die Marke Fernando-Silva fast schon Kultstatus erlangt. Und doch entschieden sich die beiden, dem Ruf des neuen Augsburger Intendanten André Bücker zu folgen. Denn politische Umstände hatten dazu geführt, dass das Theater in Hagen quasi kaputtgespart wurde, was mittelfristige konkrete Planungen nahezu unmöglich machte und die Arbeit immens erschwerte. Da schien dem Paar Fernando/Silva der Ausweich-Theaterbau im Augsburger martini-Park das kleinere Übel zu sein – und Herausforderungen zu meistern waren die beiden ja gewohnt. Ricardo Fernando startete seine Karriere als Ballettdirektor und Chefchoreograf 1993 in Bremerhaven, wo er im Lauf seiner siebenjährigen Tätigkeit mehrere abendfüllende Ballette und viele zeitgenössische Choreografien realisierte sowie eine der ersten Benefiz-Aids-Tanz-Galas in Deutschland ins Leben rief. Diese Benefiz-Gala brachte er später auch mit nach Regensburg und Hagen. Gleichzeitig mit der Leitung der Kompanie in Bremerhaven war er von 1998 bis 2000 Ballettdirektor in Chemnitz. Fernando kann man als Allround-Choreografen bezeichnen. Voller Kraft und Ideen inszenierte er bereits neben einzelnen Tanzstücken fast alle bekannten klassischen Handlungsballette, aber auch Ballette der klassischen Moderne sowie Musicals. Daneben initiierte er regelmäßig Arbeiten mit Gastchoreographen, eine Tradition, die er in Augsburg weiterführen will. Darüber hinaus möchte Fernando mit der Ballettkompanie Augsburg „auf Tour gehen“. Der erste „Ausflug“ wird übrigens im März 2018 mit dem Ballettabend „Ballett? Rock it!“ ins benachbarte Fürstenfeldbruck führen. Ricardo Fernando arbeitet auch als Gastchoreograf in Deutschland, Japan, Brasilien, in Österreich, der Türkei, in der Schweiz und in Italien. 2015 wurde er mit dem Anerkennungspreis des „Deutschen Tanzpreises“ ausgezeichnet. Carla Silva begann mit acht Jahren ihre Tänzerkarriere an der Ballet School des Opernhauses von Rio de Janeiro und wechselte später an die Juilliard School in New York. Mit nur 15 Jahren erhielt sie als jüngste Tänzerin Brasiliens ein Engagement im Ballettensemble der Oper von Rio de Janeiro. Zwei Jahre danach stieg sie zur Demi-Solistin auf und nur wenige Jahre später wurde sie erste Solistin. Sie tanzte die meisten Klassischen Ballette und stand gemeinsam mit einigen der berühmtesten Tänzer auf der Bühne. Als Tänzerin wurden für sie zahlreiche große Partien in Balletten wie „Der Feuervogel“, „Carmen“, „Romeo und Julia“ oder „Scheherezade“ kreiert, ebenso wie viele →