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noelverlag
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Tony Heidt

„HALTE INNE !“

BURNOUT

… ausgebremst bei voller Fahrt!

… der ultimativ ANDERE Rückblick …

NOEL-Verlag


Originalausgabe

September 2017

NOEL-Verlag GmbH

Achstraße 28

D-82386 Oberhausen/Obb.

www.noel-verlag.de

info@noel-verlag.de

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in

der Deutschen Nationalbibliografie, Frankfurt; ebenso in der

Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Das Werk, einschließlich aller Abbildungen, ist urheberrechtlich

geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen

des Urheberrechtschutzgesetzes ist ohne Zustimmung des

Verlages und des Autors unzulässig und strafbar.

Das gilt besonders für Vervielfältigungen, Übersetzungen,

Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Bearbeitung

in elektronischen Systemen.

Der Autor übernimmt die volle Verantwortung für den Inhalt

seines Werkes. Er versichert, dass sämtliche Namen frei

erfunden sind.

Autor:

Covergestaltung:

Tony Heidt

NOEL-Verlag

1. Auflage

Printed in Germany

ISBN 978-3-95493-242-9


Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Eigentlich wie immer … ............................................................................................ 6

Kapitel 2

STOPP! ........................................................................................................................ 10

Kapitel 3

Klinik – auf gehts! ...................................................................................................... 13

Kapitel 4

Tölz – ich komme … ................................................................................................ 15

Kapitel 5

Weihnachten naht … ................................................................................................ 17

Kapitel 6

Mit gebremstem Schwung Richtung Jahresende ................................................. 23

Kapitel 7

Erklärung – Was tue ich da eigentlich gerade? .................................................... 25

Kapitel 8

Der erste zaghafte Versuch eines ‚Seelen-Striptease‘ .......................................... 27

Kapitel 9

Die Zeit der ersten unbeschwerten Kindheitstage .............................................. 31

Kapitel 10

Kinderzeit – (einzigartig) schöne Zeit! .................................................................. 36

Kapitel 11

Bitte aufstehen – die Schule ruft! ............................................................................ 40

Kapitel 12

Kurze Rückblende ins Alpenvorland ..................................................................... 53

Kapitel 13

Ostsee – wir kommen (wieder)!! ............................................................................. 61

Kapitel 14

Wir sind zurück – willkommen daheim! ............................................................... 73

Kapitel 15

Willkommen DRESDEN - Du Schöne! ............................................................... 86

Kapitel 16

Schule adé und Beginn eines neuen Lebensabschnitts .................................... 100

Kapitel 17

Rebellion und Spagat.............................................................................................. 117


Kapitel 18

Dreieinigkeit von Schauspielkunst, Situationskomik und Flirt ...................... 128

Kapitel 19

DROBEN und andere Entgleisungen ................................................................ 134

Kapitel 20

Freiheit – Du mein köstlich Gut! ........................................................................ 153

Kapitel 21

KUR (S-C-H-A-T-T-E-N)

und andere schlagende Argumente ..................................................................... 161

Kapitel 22

Ende gut, alles gut! ................................................................................................. 169

Kapitel 23

Alles neu, aber sowas von neu! ............................................................................ 179

Kapitel 24

Schwere See droht … ............................................................................................ 188

Kapitel 25

Lichtblick und Trugschluss ................................................................................... 195

Kapitel 26

Himmel und Hölle sooo nah ............................................................................... 200

Kapitel 27

Achterbahnfahren mit Überschlag ...................................................................... 208

Kapitel 28

Flucht mit unglaublichen Hindernissen ............................................................. 215

Kapitel 29

Und täglich grüßt das Murmeltier ... ................................................................... 224

Kapitel 30

Das Leben ... DANACH.. ..................................................................................... 234

Kapitel 30+

Schlussbemerkungen meines Herzens ................................................................ 237

Kapitel 30++

Suche nicht – es findet dich!! ................................................................................ 239

Kapitel 30+++

Rüstzeug für die ‚letzte Ölung‘ ............................................................................. 240

und … der ultimative SCHLUSSSATZ !!


Kapitel 1

Eigentlich wie immer …

Ein Tag wie immer, so schien es. Ein Freitag Ende Oktober

2016 in München – ganz normal ging ich meiner alltäglichen

Arbeit nach. Ich fuhr am Morgen ins Büro. Der gewohnte

alltägliche Wahnsinn, nix Neues. Telefonate, Mails in Hülle

und Fülle. Schadensmeldungen aller Art in unseren betreuten

Wohnanlagen, als Überraschungs-Highlight des Tages,

lassen eh keine Langeweile oder stereotype Arbeitsabläufe

im Job aufkommen. Hilfesuchend kommt die zuständige

Objektbetreuerin zu mir und schon bin ich auch in meinem

Element.

Ich beginne die notwendigen technischen Hilfsmaßnahmen

in die Wege zu leiten. Mit iPhone am Ohr gehts in die Tiefgarage,

und während ich alle benötigten Handwerksfirmen

sowie zuständigen Hausmeister über die Freisprecheinrichtung

meines Fahrzeugs kontaktiere, bin ich zumeist dann

auch irgendwie erfolgreich durch den Verkehr der Millionenmetropole

gedüst. Vor Ort dann den Schaden begutachten,

managen der erforderlichen Reparaturmaßnahmen, beruhigen

der betroffenen Mietparteien sowie Wohnungseigentümer

und irgendwann sich beruhigt und entspannt Richtung

Büro auf den Rückweg aufmachen oder auch nicht, weil …

So wie halt jeden Tag. Der betreuenden Wohnanlagen haben

wir genug in petto, heißt natürlich im Umkehrschluss – Langeweile

für mich als technischen Objektmanager ein absolutes

Fremdwort. Und ich liebe meinen Job. Nichts, was mich

eigentlich davon abhalten könnte meine Power, Leidenschaft

und Hingabe nicht in die Firma zu investieren. Ich

fühle mich einfach wohl.

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Dieser Freitag war etwas Besonderes für mich. Hatte ich

doch vor, mich am Spätnachmittag auf den Weg zu meinen

Kindern nach Dresden zu begeben. Die Vorfreude auf das

Wiedersehen war groß.

Die Fahrt wurde aber von Anfang an ein unendliches Geduldsspiel,

‚Bremser-Festspiele‘ soweit das Auge reichte. Oh,

ich merke, dass ich meine Wortschöpfung vielleicht erklären

sollte – gemeint sind meinerseits die weltweit vielfach praktizierten

‚Steher-Qualitäten‘ auf dem Bremspedal, besonders

beliebt auf deutschen Autobahnen. Dem Heranfahrenden

bietet sich schon von weitem sichtbar eine einzigartig

schöne, rotleuchtende Choreographie, in die er sich dann

ohne erforderliche Voranmeldung freiwillig mit einreihen

darf. Festspiele eben.

Eigentlich wollte ich wie immer leicht und beschwingt über

die Autobahn schweben, wollte … Ich wurde auf eine harte

Geduldsprobe eingeschworen. Mein Navi nervte mich mit

jeder weiteren Staumeldung bis zum ultimativen Wahnsinn.

Doch was half es? Ich musste mich fügen, meine hochkochenden

schwachen Nerven beruhigen und hoffen. Wie

heißt es so schön – die Hoffnung stirbt zuletzt. Genauso war

es auch. In bayerischen Landen umsonst gehofft und in sächsischer

Umgebung wurde es nicht besser. Ihr kennt das ja

sicherlich dieses tolle Gefühl – irgendwann wirst gaaanz ruhig,

gibst auf dich zu ärgern und lässt alles über dich klaglos

ergehen. Nichts ficht dich mehr an, selbst wenn du mal mehrere

Kilometer zusammenhängend am Stück fahren kannst,

brichst du nicht plötzlich in Jubelstürme aus. Dass an diesem

Tag dann auch das Wetter noch voll mitspielte, ging mir

dann auch noch meilenweit am Allerwertesten vorbei.

Schicksalsgeschwängert sitzt du am Steuer und denkst an

nichts mehr.

Circa 50 Kilometer vor der sächsischen Landeshauptstadt

ging dann gar nichts mehr. I`m standing in the rain …

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Und plötzlich begann mein Körper verrücktzuspielen. Keine

Ahnung, was da passierte, mir wurde komisch, mir wurde

schlecht, die Finger, die Arme, der ganze Körper fing an zu

kribbeln … stärker und stärker. Ich brauchte frische Luft.

Ich trank frisches Mineralwasser, trank Cola, ich versuchte

mich zu beruhigen indem ich ruhiger und langsamer atmen

wollte. Doch es gelang mir nicht. Ich wurde panisch, überventilierte,

wollte ausbrechen und hatte doch keinerlei Ahnung,

was da urplötzlich mit mir geschah. Statt besser, wurde

es immer schlimmer. Mit allerletzter Kraft lenkte ich meinen

Audi über alle Fahrspuren auf den rechten Seitenstreifen der

Autobahn. Warnblinker an und endlich raus aus dem Auto,

raus an die frische Luft. Doch ich konnte mich kaum auf den

Füßen halten. Ich wählte in meiner Panik die Nummer des

Rettungsdienstes. Sie versprachen mir mit beruhigenden

Worten zu mir zu eilen, so schnell wie möglich.

Das Warten wurde mir zur Ewigkeit und die Panikattacken

zum Albtraum. Endlich, nach einer gefühlten Stunde, tauchte

am Horizont ein Rettungswagen mit Blaulicht auf. Ich war

am Ende meiner Kräfte und doch breitete sich in mir ein

kurzes Aufatmen aus. Die eintreffenden Sanitäter kümmerten

sich nun um mich, und schnell war klar, sie bringen mich

in ein Krankenhaus in Dresden zur weiteren Abklärung und

Hilfe durch die dort diensttuenden Bereitschaftsärzte. Nachdem

die Polizei bestimmt hatte, dass mein PKW dort nicht

stehen bleiben dürfe und an einen sicheren Ort durch eine

zugelassene Abschleppfirma transportiert werden müsse,

konnte die Fahrt ins nahegelegene Dresden beginnen.

Anstatt hier bei meinen Kindern zu sein, fand ich mich des

Nachts plötzlich auf einer rollenden Krankenhaus-Pritsche

in der Notaufnahme wieder. Relativ schnell wurde klar, dass

ich organisch soweit gesund sei und – wie hieß es so schön

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– für mein Alter absolute Top-Werte aufweise. Kein Herzinfarkt

oder ähnlich schlimmes Szenario. Nein – es sei eine

typisch stressbedingte Panikattacke gewesen, so erklärte man

mir verständnisvoll. Unter Beobachtung liegend und am

Tropf hängend, ging es mir dann auch langsam besser. Irgendwann

in der Früh gegen Vier durften mich dann meine

besorgten Kinder abholen kommen. Sie hatten voller Sorge

die Nacht abwechselnd durchwacht und über WhatsApp-

Nachrichten waren wir in aktuellem Kontakt geblieben.

Erleichtert, geschafft, übernächtigt und müde, aber glücklich,

dass soweit alles gesundheitlich wieder in Ordnung war

mit mir, fielen wir uns dann in die Arme. Und später dann

ein jeder ins Bett.

So sehr ich auch versuchte Normalität auszustrahlen und mir

einzureden, es gelang mir nur bedingt. Irgendwie war mit mir

an diesem Wochenende nicht viel anzufangen. Antriebslos,

wenig vorhandene Motivation und innerlich total verunsichert

ob des nächtlichen Ereignisses tags zuvor, war unsere

gemeinsame Zeit zwar wunderschön, aber auch eben irgendwie

– für mich nicht wirklich erklärbar – anders. Ich hatte

Sorge vor der bevorstehenden alleinigen Rückfahrt nach

München. Und das lähmte mich und je näher dieser Abschiedsmoment

rückte, umso unruhiger fühlte ich mich.

Gott sei Dank ging dann alles gut – kein Stau, gutes Reisewetter

und persönliches Wohlbefinden ließen die rund 500

Kilometer angenehm schnell vergehen.

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Kapitel 2

STOPP!

Tags darauf begann er dann wieder, der normale kaum im

Vorfeld steuerbare Büroalltag, oder besser gesagt, für mich

im ‚Kreuz-und-Quer‘ durch München fahrenden und den

angesagten bzw. den SOS-Terminen hinterher hechelnden

Wohnanlagen-Begehungen. Und kaum war ich wieder im

Funktionsmodus befindlich, ging es mir auch gesundheitlich

wieder bestens, so meinte ich zumindest (immer noch).

Die Zeit verging wie im Fluge. Was ist schon eine Arbeitswoche?

Kaum ist Montag, ist auch schon wieder Freitag. Das

Wochenende vor der Tür, und mir ging es schlagartig auch

gesundheitlich wieder mies. Wie auch immer, ich bekam

mehr oder weniger gut die freien Tage über die Runden. Sei

es durch sportliche Aktivitäten im Fitnessstudio, sei es durch

Ablenkung mit der allwöchentlichen Fußball- Bundesliga

und speziell mit meinem Lieblingsclub FC BAYERN gewesen

oder was auch immer die freie Zeit mit Leben füllte, ich

freute mich alsbald auf den Montagmorgen und damit auf

meinen geregelten Tagesablauf.

Doch gerade einmal vierzehn Tage später, im entspannten

Zuhör-Modus befindlich, auf einem firmeninternen Fachseminar,

ereilte mich erneut völlig unerwartet und unangekündigt

die nächste schwere Panikattacke. Dieses Mal wurde ich

sofort von den behandelnden Ärzten unwiderruflich und

ohne jegliche Diskussionsgrundlage mir bietend aus dem

Verkehr gezogen und mit einem Krankenschein für die

nächst vor mir liegende Zeit ausgestattet.

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Ausgebremst, mein Körper setzte mir das erste Mal ein klares

STOPP-Zeichen!! Was nun? Was bedeutete das für mich?

Was war mit mir los? Woran war ich erkrankt? Herz, Kreislaufsystem,

oder?

Ich wurde schon sehr nachdenklich und begann intensiver

in mir zu forschen, intensiver auf meinen Körper und dessen

Signale zu achten. Alles war irgendwie außerhalb meiner

Kontrolle geraten. Und das beunruhigte mich noch mehr.

Der Blutdruck spielte Jo-Jo mit mir, trotz des verordneten

Nichtstuns. Ich fühlte mich schlapp, ich fühlte mich

schlecht, ich hatte keine Kraft, ich fühlte mich immer mehr

einsam. Sobald ich die Wohnungstür hinter mir schloss, war

ich wie gelähmt – ohne jegliche Motivation, Inspiration und

Aktionismus. Depression machte sich breit in mir, das Alleinsein

und Alleinleben machte mich noch kranker, als ich

wohl nun eh schon war. Hoffnungslosigkeit quälte mich, die

Zukunft, welche vor mir lag, wurde düsterer und schwärzer.

Und immer wieder signalisierte mir mein gesamter Körper –

ich kann nicht mehr, ich befinde mich im roten Bereich!

Woche um Woche ging ins Land gespickt mit unzähligen

Arztbesuchen und Untersuchungen aller Art. Und ich

konnte etwas beruhigter sein – Herz, Kreislaufsystem, alle

lebenswichtigen Organe und Schaltzentralen in mir waren in

bester Ordnung. Na, das war doch für das Erste Balsam für

die geschundene Seele und Hoffnung für mich, dass der Rest

wohl wieder voll in Griff zu kriegen sei. Mit der nötigen Portion

Geduld und Ruhe sollten wir doch bald wieder fit wie

ein Turnschuh durch das Alltagsleben swingen.

Mein Optimismus in allen Ehren, so meinte die Neurologin,

aber so schnell und einfach sei eine Gesundung nicht zu erwarten.

Ich leide an einer psychosomatischen Erkrankung,

sei völlig überstresst und ausgepowert, zu Neu- deutsch –

Burnout. „Aus diesem Grunde muss ich Sie zu einem Facharzt/Psychologen

überweisen“, so ihre Worte zu mir. Dieser

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würde dann alles Weitere mit mir besprechen, um eine Heilung

in Gang zu setzen. Ups … ich begann zu ahnen, dass

dies wohl dieses Mal ein längeres Kranksein nach sich ziehen

könnte. Und ich wollte doch so schnell wie möglich wieder

...

Jaaa … so eröffnete mir dann auch der psychologische Facharzt

Tage später: „Vergessen Sie es!“ Ein Klinikaufenthalt sei

unabdingbar und mit meinem so geliebten Job brauche ich

mich die nächsten Wochen bitte nicht beschäftigen, wenn

ich denn wieder voll gesund werden wolle … und – so sprach

er beruhigend weiter – „Sie werden wieder voll gesund!

Doch jetzt ist definitiv ein Stoppzeichen gesetzt für alle beruflichen

und sonstigen Aktivitäten.“

PENG – das kam an und saß bombenfest!!

Natürlich wollte ich wieder voll gesund und fit werden! Was

für eine Frage?!

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Kapitel 3

Klinik – auf gehts!

Nett, wie er nun mal war, der Onkel Doktor, gab er mir noch

ein wenig Nachdenksport mit auf den Heimweg. Ich hatte

freie Arztwahl – okay nicht ganz – aber ich konnte mir eine

passende Klinik im Internet anschauen und auswählen. Dies

besprach ich dann detailliert mit meiner netten Hausärztin

am Schreibtisch in ihrer Praxis. So kam dann langsam die

ganze Maschinerie der notwendigen Bürokratie in Gang – ja

das kennt man doch, oder?! Schließlich leben wir ja in

Deutschland …

Nun – ich hatte ja Zeit, viel Zeit … Also suchte ich dann

auch relativ schnell selbst den nötigen telefonischen Kontakt

mit der Klinik. Als Vermittler froher Botschaften zwischen

den betreffenden Institutionen war ich ja – schon beruflich

bedingt – nicht ganz unbeleckt. Und so waltete ich meines

Amtes, welches ich mir mehr oder weniger selbst auferlegt

hatte, schließlich und endlich mit Erfolg.

Mit dem notwendigen charmanten, unmerklich sanften

Nachdruck bekam ich zu guter Letzt das, was ich wollte –

ein hübsches Zimmer in der Klinik in Bad Tölz noch vor

Weihnachten.

Super – ich war irgendwie glücklich. Meine Überlegung im

Vorfeld war ja klar umrissen und zielgerichtet fixiert. Je eher

ich in der Klinik bin, umso eher kann ich wieder arbeiten

gehen. Logisch, oder?!

Gut – die Dauer des notwendigen Klinikaufenthaltes bereitete

mir schon noch Kopfschmerzen. Großzügig, wie ich

dachte, ging ich von maximal 3 - 4 Wochen aus. Oh je, was

für ein unvorstellbar langer Zeitraum, meinte ich. Als ich

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meinen Chefs per Telefonat davon berichtete, meinten sie

für mich völlig unverständlich, geschweige denn nachvollziehbar,

sie kennen das so, dass ein erforderlicher Klinikaufenthalt

meistens 10 - 12 Wochen dauere! Ich solle mir doch

bitte alle Zeit nehmen, die ich brauche, um wieder voll gesund

zu werden – so ihre herzliche Anteilnahme. Ich war

irgendwie ‚gerührt und geschüttelt‘ ob dieser warmen Worte,

dachte aber gleichzeitig über ihre 10 - 12 Wochen nach.

„Nein – da müssen Sie sich wohl verhört haben, sowas kann

doch nicht sein. Wer weiß, auf wen sowas zutrifft(??)“ Egal,

für mich waren schon die geglaubten drei bis vier Wochen

nicht wirklich real darstellbar in meinem Kopf.

Der Tag der bevorstehenden Anreise rückte ins Blickfeld

und ich begann laut erhaltener Mitbringsel-Liste meine sieben

Sachen zu packen. Ein komisches Gefühl beschlich

mich dabei. Irgendwie war das plötzlich ein Haufen Zeugs

an Klamotten und sonstigem persönlichen Bedarf. Ich

stöhnte auf, als ich sah, was sich da so alles zusammen sammelte.

Wo bitte schön soll ich das alles hin packen?? Ich

dachte mir, schlaf noch eine Runde drüber. Vielleicht kommt

dir ja über Nacht die Erleuchtung, dass du doch nicht alles

Zurechtgelegte zwingend mitnehmen musst. Und – was soll

ich sagen – es wirkte Wunder.

Quietschvergnügt räumte ich am nächsten Morgen meinen

Kleiderschrank wieder ein. Na bitte, geht doch. Gleich sah

das Ganze deutlich überschaubarer aus. Und ich begann den

ganzen Krempel im Koffer zu verstauen. Denkste … geht

trotzdem nicht alles hinein! Puuhhh … noch eine Tasche

und noch eine … Ich bekam das untrügliche Gefühl dabei,

als wolle ich auswandern.

Halloooo???!!! Ich will doch wirklich nur für ein paar Tage

wegfahren.

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Kapitel 4

Tölz – ich komme …

Na, zum Glück passte in meinen Audi einiges hinein. Und

so fuhr ich dann am Vormittag eines schönen Donnerstages

kurz vor Weihnachten relativ entspannt, gespannt und neugierig

auf das, was mich da erwarten wird, nach Bad Tölz. Ja,

ich muss zugeben, ich war schon ein wenig aufgeregt, hatte

ich doch so etwas noch nie erlebt. Ich hatte also keinen Plan,

was da nun die nächsten Tage passieren würde. Gut – einen

Plan hatte ich, oder besser mein Navi im Auto. Dies wies mir

problemlos den Weg nach Tölz bis zur Klinik. Fein so – ich

war da.

Ja, liebe Leserinnen und Leser – auf gings!! Keine Ahnung

was mich hier wohl erwarten würde, stürzte ich mich todesmutig

ins große Unbekannte, was da nun leibhaftig vor mir

lag – naja besser stand, als nett anzuschauende Klinik-Bastion.

Das Erste was mir auffiel, war eine Vielzahl lächelnder

netter und durchaus hübscher Frauenzimmer, die an mir auf

dem Weg zum Service-Point vorbeihuschten. Okay, dachte

ich mir, vielleicht wird das hier ja gar nicht so eine sterile

Angelegenheit?! Na, schauen wir mal …

Die ultimative Ablenkung folgte auf dem Fuße. Ich wurde

zu den obligatorischen Anmelde- und Aufnahmemodalitäten

gerufen, sinnigerweise von einem Mann. Mein Fokus wurde

also gleich wieder auf das Wesentliche gezoomt. Schließlich

und endlich ist das hier ja kein ‚Basar für Heiratswillige‘.

Hmm … nehmen wir die mit den großen, schönen Augen

… oder doch lieber die mit dem süßen Kussmund … oder

oder oder … SCHLUSS DAMIT!

Das Kopfkino wurde deaktiviert, erst mal zumindest. ‚Deine

Mission hier lautet Kraft tanken und gesund werden für den

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Lebensalltag, der auf dich wartet in naher Zukunft!‘, sagte ich

mir im Stillen. Ja genau so und nicht anders!

Gut – sollte sich dennoch ein nettes Frauchen über kurz o-

der lang in deine Arme ‚verirren‘ …

Jäh wurde ich aus allen Wunschträumen gerissen, als mein

Name durch das Foyer hallte. „Bitte nehmen Sie all Ihr Gepäck

und folgen mir. Darf ich mich vorstellen, ich bin ‚Frau

Wichtig‘. Willkommen in unserer Klinik!“

Ja und so bekam ich ein hübsches Zimmer zugeteilt, welches

ich nun für die kommende Zeit als mein neues Zuhause betrachten

sollte. Ich wurde mit allen Aufenthaltsorten und

Hausregeln vertraut gemacht, so wie es halt üblich ist, wenn

man(n) Neuankömmling ist. Ja, und dann lief mir auch schon

das erste Schwesterlein über den Weg, naja Krankenschwester

ihres Zeichens natürlich. Echt nett anzuschauen, dachte

ich so. Will sagen, mein Wohlfühl-Faktor erhöhte sich dezent

weiter nach oben. Nicht der schlechteste Start ins

‚Abenteuerland‘.

Völlig unerwartet, nahm sie mich hinter verschlossenen Türen

auch gleich heftig unter Beschlag. Jaaaa wirklich, nämlich

mit tausendundeiner Frage. Warum geboren(?) … und ähnlich

wichtigen Informationen, für das mir noch völlig unbekannte

medizinische Klinikpersonal. Eh ich mich in ihre Fragerei

verlieben konnte, war es auch schon vorbei. Mittagszeit

die Erste – und was soll ich euch sagen, ich war baff auf ganzer

Linie. Echt jetzt! Der Name schien Programm zu sein –

Dr. Schlemmer – wow glaubts mir, echt gut das Menü. Als

ich kurz darauf dann den wöchentlichen Speiseplan zum

Wunschessen-Ankreuzen bekam, wusste ich, dass hier war

KEINE Eintagsfliege heute Mittag. Das hier ist … ja wo bin

ich eigentlich?? Hotel? NEIN! – Klinik! Na, das passte ja

schon mal super. Meine Damen, meine Herren dieses Hauses

– bitte … danke … so konnte es gerne weitergehen!!

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Kapitel 5

Weihnachten naht …

Tja, da war ich nun auf fremdem Terrain und das noch kurz

vor den alljährlich ‚verordneten‘ besinnlichen Weihnachtsfeiertagen.

Alleinsein vorprogrammiert, die Familie weit weg,

und aus den verschiedensten, absolut nachvollziehbaren

Gründen war ein Wiedersehen zu den Feiertagen leider nicht

machbar. Hieß dann wohl für mich – Augen zu und durch!

Waren ja nur drei stinknormale Tage. Und ich dachte mir,

dass dieser ganze Weihnachts-Klimbim hier in der Klinik

nicht gerade ausgeprägt zutage treten würde.

Wenn doch, okay – dann hätte ich einen neutralen Rückzugsort

– mein Zimmer – gehabt. Oder??

Erst mal folgte nach dem Tag der Anreise der für mich erste

offizielle Kliniktag. Ich hatte keine Ahnung, wie der wohl

sein würde. War schon alles irgendwie gewöhnungsbedürftig.

Aber Fakt war, der erste intensivere Eindruck war absolut

positiv. Auch wenn mein heimlicher Wunsch nach einer

bezaubernden Psychotherapeutin für die bevorstehenden

Einzelgespräche keine Erfüllung fand. Ein Mann wars! Und

ich muss sagen, der Herr Doktor, seines Zeichens Arzt und

Psychotherapeut zugleich, hatte was. Am besagten Donnerstagnachmittag

trafen sich zum ersten Mal unsere Blicke, als

er mich in sein Behandlungszimmer bat. Mein Gefühl – das

passte! Ob er genauso dachte?

Die Chemie stimmte zwischen uns beiden. Eine tiefe innere

Beruhigung und Zufriedenheit stellte sich ein, war es doch

für mich von elementarer Bedeutung, dass ich absolutes Vertrauen

spürte, um mich ihm in der kommenden gemeinsamen

Zeit innerlich öffnen und mich möglichst fallen lassen

könne. Gut schaute es aus!

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Das Zimmer im Dachgeschoss gelegen – echt ansprechend.

Einzelzimmer natürlich ein Privileg hier, aber als Zweibettzimmer

nicht übel eingerichtet. Jeder hatte seinen persönlichen

Bereich und sein eigenes Fernsehgerät mit notwendigem

Kopfhöreranschluss. Das Bad, normaler Standard mit

Dusche. Noch war ich ja bis auf weiteres allein im Zimmer.

Über die Feiertage auf jeden Fall. Die erste Nacht im fremden

Bett war überraschend gut. Nun also folgte mein erster

richtiger Kliniktag in Tölz.

Der Tag vor Heiligabend hatte mir laut dem erhaltenen sogenannten

Patientenplan nicht viel Aufregendes an Terminen

beschert. Ein Besuch bei den Stationsschwestern, danach

Frühstück im großen Speisesaal, Ausfüllen eines

größeren Fragebogens am PC und zu guter Letzt noch etwas

Sport, nämlich Wirbelsäulengymnastik in der Turnhalle. Das

wars vor den Weihnachtstagen.

Es kam, wie es kommen musste, dieses unangenehme, sich

verstärkende Gefühl in der Magengegend ... bevorstehende

Feiertage eben ... Wo waren die glücklichen Zeiten geblieben,

als man(n) sich noch darauf freute?

Samstag – Heiligabend. Viele wurden abgeholt. Andere fuhren

selbst zu ihren Lieben oder wem auch immer nach Hause

oder zumindest weg von der Klinik. Der ‚harte Kern‘ blieb

hier und hielt die Stellung. Was uns auf jeden Fall vor Ort

lächelnd zur Verfügung stand, waren die Damen des Hauses

am Empfang und unsere lieben Schwesterlein für unser tägliches

Wohlbefinden. Aber … und es wäre als grob fahrlässig

zu betrachten, würde ich jetzt nicht ein süßes Dankeschön

an die Küche des Hauses mit ihren netten Bediensteten senden.

Was uns die Feinschmecker-Profis zu den Mahlzeiten

mit ganz viel Liebe und fachlichem Können zauberten und

kredenzten, war unglaublich und ließ die Einsamkeit im Herzen

vorerst verstummen.

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Am 1. Weihnachtstag beschloss ich dann aktiv dem traurigen

Gefühl, was sich mehr und mehr breitzumachen drohte, entgegenzuwirken.

Auf in den nahegelegenen Kurpark! Ich

joggte mir den Frust von der Seele, 10 Runden auf und ab

im Gelände. Danach hing mir irgendwie die ‚Zunge als Schal

um den Hals‘. Ich war geschafft und froh, als ich die Füße

auf dem Bett im Zimmer ausstrecken konnte. Und irgendwie

war dann auch dieser Tag der Vergangenheit angehörig.

Was folgte, war Feiertag Nr. 2. Nach dem Frühstück mit

Müsli und frischem Obst hatte ich ‚Blut geleckt‘. Ich entschied

mich spontan für die sportliche Erkundung des Isar-

Ufers und des Isar-Stausees flussabwärts. Laut Gesprächen

innerhalb der sportaktiven Gemeinschaft des Hauses handelt

es sich hier um eine gut ausgeschilderte Laufstrecke von

ca. 5,7 km, je nachdem wie man sich die Strecke auswählt.

Also denn – sich entsprechend warm gekleidet, ging es hinunter

an die Isar-Auen von Tölz. Herrliches Wetter begleitete

mich – blauer Himmel und Sonnenschein mit leicht

frostigen Temperaturen. Es machte total Spaß, die noch unbekannte

Strecke zu erkunden und dabei die schöne und zugleich

stille Natur zu genießen. Als ich über die Isar-Fußgängerbrücke

zurück zu meinem Ausgangspunkt joggte, konnte

ich nicht widerstehen und nahm eine weitere Runde in Angriff.

Ich war im absoluten Flow und sog in mir alles an frischer

Luft und Wohlgefühl auf.

Mittlerweile füllte sich auch die Wanderstrecke mit Spaziergängern,

Familien, Groß und Klein, die wohl einen Verdauungsspaziergang

nach dem gemeinsamen Verzehr des Weihnachtsbratens

nötig hatten. Ich ‚schwebte‘ an ihnen allen

vorbei und bemühte mich, keine herunterziehenden Gedanken

zuzulassen. Stattdessen erlag ich meiner innerlichen

Stimme ‚Du schaffst noch eine Runde‘ und beflügelte mich

nochmal durchzustarten in Stausee-Runde drei. Fix & foxy

kam ich später dann auf meinem Zimmer an.

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Weihnachten nur am Telefon mit deinen Lieben, deinen geliebten

Kindern, glaubts mir, es gibt wahrlich schönere Vorstellungen

von Weihnachten. Tja, was hilfts. So war es und

es war vorbei – Gottseidank.

Den sogenannten dritten Feiertag gibts ja nicht. Und auch

für mich hatte der Dienstag wieder normale Pflichttermine

in petto. Aber Mittag war alles abgehakt. Freizeit – und draußen

lockte wiederum bayerisches Bilderbuch-Wetter mit viel

Sonnenschein vom blauen Firmament.

Ihr werdet es mir kaum glauben, aber ich ging erneut voller

Elan und festem Willen, in sportlicher Kleidung und Mission

zugleich, Richtung Isar. ‚Hat der denn nicht genug von den

letzten beiden Tagen??‘ – werdet ihr euch kopfschüttelnd

leise fragen. NEIN! Hatte der Kerl NICHT!

Und so begab ich mich mit viel Lust, Leidenschaft und

Freude auf die Stausee-Runde. Ich genoss jeden Meter, ich

fühlte mich frei wie der Wind, ich spürte in diesen Momenten

weder Traurigkeit im Herzen noch Einsamkeit, ich war

in meinem Tunnelblick ganz entrückt von allem Schmerz

und Sorgen des Alltagslebens. Wer von euch joggt oder

walkt, weiß wovon ich rede. Aus Runde eins wurde Runde

zwei und schließlich und endlich auch nochmals Runde drei.

Gegen den persönlichen Ehrgeiz ‚Du schaffst das!!‘ war ich

erneut machtlos unterlegen. Die Runde neigte sich langsam

dem Ende zu – vielleicht noch gefühlte 400 m zu laufen –

als es plötzlich in der linken Kniekehle einen brutalen Stich

gab. Augenblicklich stoppte ich mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck

den Lauf. Es ging keinen Meter mehr weiter.

Was war DAS? Und nun??

Nach einigen Minuten des stillen unbeweglichen Verharrens

konnte ich fürs Erste betont langsam und relativ schmerzfrei

mich wieder fortbewegen. Ich atmete auf und nach einer gefühlten

Ewigkeit kam ich dann auch wieder in der Klinik an.

Doch ich merkte ganz schnell, dass dies ein Trugschluss war.

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Der Schmerz war nicht weg, ganz sicher nicht! Dies sollten

mir die ganz natürlichen, automatisch ablaufenden Bewegungen

des Körpers schmerzhaft zu jeder Zeit nachdrücklich

unter Beweis stellen. Autsch!! Das hast du nun davon

von deinem ‚Kann den Hals nicht voll genug bekommen!‘

Super, perfekt, echt Klasse – du bist in drei Tagen 37 Kilometer

gejoggt!! Und was hast du davon???

Nachdem dir dein Körper im Vorfeld mit den Panikattacken

ein deutliches Stoppzeichen setzte, hast du dich nun selbst

mit Schmacke ins totale Abseits geschossen – STOPP NR.

2!

Das nennt man Überlastung des Gelenks, so die ärztliche Diagnose.

Bedeutete absolute Schonung, Ruhigstellung und totales

Sportverbot! Hieß für mich aber auch, keine Gymnastik,

keine Schwimmhalle, kein Fitnessstudio, kein Yoga, kein

...

Wenn man(n) sonst KEINE Zeit für sich selbst hat –

JETZT hatte ich sie wohl nun in rauen Mengen zur Verfügung!

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