berufen-Magazin

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Das Magazin „berufen“ des Päpstlichen Werks für Geistliche Berufe (PWB) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart will Einblicke geben in das Berufungsgeschehen.

No. 19 | NOVEMBER 2021

PÄPSTLICHES WERK FÜR GEISTLICHE BERUFE

DIÖZESE ROTTENBURG-STUTTGART

MENSCHEN HINTER

KIRCHLICHEN MEDIEN

Vier Medienschaffende

geben einen Einblick

EIN BERUF IN DER KIRCHE?!

Zwei Interessierte erzählen

IM RUHESTAND

Eine Pastoralreferentin

und ein Priester


Jesus wäre sicher auf Social Media sehr präsent gewesen.

Er wäre bestimmt auch ein großer Podcaster geworden.

Tobias Döpker

Umfrage auf S. 20

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Inhalt

6 Berufsstart

Tristan Pohlmann und Christina Schraff

erzählen

14 „Kirche bietet immer neue Möglichkeiten“

Domkapitular Klaus Krämer

18 Menschen hinter kirchlichen Medien

Vier Medienschaffende geben einen Einblick

30 Ruhestand

Elfriede Sacha und Thomas Keller

40 „Kein Maß kennt die Liebe“

Kunstprojekt von Sr. Pietra Löbl aus Sießen

44 Die heilige Edith Stein

Eine Friedensstifterin zwischen

Juden und Christen

26 Einfach leben

Michael Raditsch ist Diakon im Zivilberuf

28 7 Fragen an ...

Verena Wodtke-Werner,

Direktorin der Akademie der Diözese

46 Termine

Diözesanstelle Berufe der Kirche und

Päpstliches Werk für geistliche Berufe

IMPRESSUM

Herausgeber: Päpstliches Werk für geistliche Berufe

der Diözese Rottenburg-Stuttgart

V.i.S.d.P.: Weihbischof Dr. Gerhard Schneider

Chefredakteurin: Manuela Kaczmarek

Redaktion: Judith Schmerek, Johanna Hirschberger, Felix Maier, Franziska Moosmann, Maximilian Magiera, Elisabeth Böckler,

Valerie Stenzel, Jakob Rager, Sr. Dorothea Piorkowski, Gerhard Schneider

Redaktionsanschrift Päpstliches Werk für geistliche Berufe der Diözese Rottenburg-Stuttgart,

und Vertrieb: Brunsstraße 19, 72074 Tübingen, berufe-der-kirche@drs.de

http://www.berufe-der-kirche-drs.de

Fotos: Manuela Kaczmarek 6, 10, 14, 36; Jochen Wiedemann 20; Valentin Beige 22; Privat 23; Privat 24; Caritas-Krankenhaus

Bad Mergentheim 27; Karin Ruider 28; Judith Schmerek 30; Sr. Pietra Löbl 40–43; stocksy Titel, 18, 46

Pressematerial 48

Gestaltung: Werbeagentur Know-how, Herrenberg

Druck: DS Print, Böblingen

Gedruckt auf umweltschonendem Papier

Tübingen, 2021

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Liebe Leserinnen und Leser,

Nicht nur das Kunstprojekt „Blütenschalen“ mit dem Titel „Kein Maß

kennt die Liebe“ ist Sinnbild für ein facettenreiches Leben, welches wir

Ihnen in unserer diesjährigen Herbstausgabe vorstellen. Zumal Sinnbild

für ein zerbrechliches Leben, in welchem wir langsam wieder mehr Freiheit,

Begegnung und Bewegung zulassen dürfen?

In unserem Magazin berufen steckt wieder eine Fülle interessanter Personen und deren Biografien

- Gelebte Berufung in und für unsere Kirche: unter anderem Diakon Michael Raditsch, der von seinem

Dienst in der Gemeinde berichtet. Geerdet und menschennah.

Frau Dr. Verena Wodtke-Werner, Leiterin der Akademie. Auf charmant-konstruktive Weise steht sie

in den „7 Fragen an …“ Rede und Antwort.

Spannend ist unsere Umfrage „Menschen hinter kirchlichen Medien“.

Tagtäglich stehen diese vor der Herausforderung unser aller Alltag kritisch zu „beleuchten“ und

gelungen „in Szene zu setzen“. In Pandemiezeiten war dies sicherlich wichtiger und wirksamer

denn je.

Wir lesen von Berufungsgeschichten – ganz am Anfang stehend, fragend und suchend oder im

Ruhestand, zurückblickend auf einen fordernden, gefüllten und erfüllten Lebensabschnitt.

Persönlich beeindruckt hat mich das Interview mit Pfr. Thomas Keller i. R., der mit einer Leichtigkeit

und tiefen Gottverbundenheit zurückschaut – in Dankbarkeit und Treue!

Auf Ihrem Weg durch die Adventszeit wünschen wir Ihnen viel Freude beim Lesen dieser Ausgabe.

„Kein Maß kennt die Liebe“ – so wird Gott Mensch; spricht sein Wort in das Jahr 2021 hinein!

Ihnen allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,

Ihre Schwester Dorothea Piorkowski

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BERUFSSTART

Nicht nur

eine Idee,

sondern

eine Berufung

Tristan Pohlmann ist 20 Jahre alt, kommt aus Weil der Stadt

und will Priester werden. Dafür studiert er im Moment im

3. Semester Katholische Theologie in Tübingen. Schon während

seiner Schulzeit formte sich der Gedanke, später einen

kirchlichen Beruf zu ergreifen. Zunächst wollte er Pastoralreferent

werden. Während seines Sprachenjahres am Ambrosianum

in Tübingen lernte er jedoch im Wilhelmsstift Priester

kennen. Für Tristan war das eine entscheidende Erfahrung.

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Wie bist du darauf gekommen Priester werden zu

wollen?

Die Frage, ob ich beruflich etwas in der Kirche machen

könnte, habe ich mir in der Oberstufe gestellt,

da ich mich bereits ehrenamtlich in der Ministranten-

und Jugendarbeit engagiert habe. Danach habe

ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Gesamtkirchengemeinde

Böblingen gemacht, um zu prüfen,

ob das auch beruflich für mich passt. Das hat mich

darin bestärkt, Pastoralreferent zu werden. So habe

ich das Tübinger Ambrosianum besucht. Am Ende

des Sprachenjahres habe ich sogar gesagt: Ich

glaube, Priester zu werden, ist der richtige Weg für

mich. Und entsprechend habe ich mich dann als

Diözesantheologe beworben.

Haben dich bei deiner Entscheidung Vorbilder geleitet?

Natürlich gibt es irgendwo Vorbilder, Priester, die

man erlebt. Aber bei mir ist es schlussendlich eher

eine Entscheidung, die ich im Inneren und im Gebet

getroffen habe – kein festes Vorbild. Diese tiefe Überzeugung

im Gebet hat mich bestärkt und trägt mich

auch heute noch.

Was sind deine Gedanken zum Priesteramt?

Es geht um das Wirken, das Evangelium zu verkünden

und es selbst zu leben. Wenn ich aber allgemein

als „kirchlicher Nachwuchs“ oder „angehender Priester“

betitelt werde, verweise ich darauf, dass ja noch

einiges an Studium und Ausbildung auf mich zukommt.

Mit solchen Bezeichnungen sind bestimmte

Erwartungen verknüpft: dass man den Weg bis zum

Ende geht oder die „Zukunft der Kirche“ ist. Da hofft

man, dass man nicht der Einzige ist oder zu den Letzten

gehört. Aber ich bin guter Hoffnung, dass es

immer weitergeht. Natürlich, wenn man Priester

werden will, gibt es auch Kritik. Da ist die Frage, ob

es einfach Vorurteile sind, die einem entgegengebracht

werden, oder ernst gemeinte Kritik. Für mich

persönlich kann ich sagen, dass der Glaube an Christus

mich so erfüllt, dass es für mich der richtige Weg

scheint, um von diesem Glauben Zeugnis abzulegen.

Welche konkreten Dinge würdest du in der Kirche ändern

wollen?

Ich glaube, dass ich allein relativ wenig Möglichkeiten

habe; sowohl jetzt als auch später im Beruf. Man

findet sich schon ein wenig damit ab, dass manche

Dinge eben nicht in der eigenen Hand liegen.

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„Priester zu werden war eine

Entscheidung, die im Gebet gefallen ist.

Welcher Weg fühlt sich für mich richtig an?

Und diesen Weg gehe ich jetzt.”

Ich hoffe, dass ich in meinem Beruf später nicht nur

kirchliche Entscheidungen rechtfertigen muss, sondern

das Evangelium verkünden kann. Ich glaube,

man wird nicht glücklich, wenn man sich nur auf

den Weg macht, weil man damit sofort etwas ändern

können möchte. Mögliche Änderungen wie der

Synodale Weg brauchen Zeit.

Was wünschst du dir für den Beruf als Priester?

Ich wünsche mir ein Umfeld, in dem man nicht mit

den letzten fünf Verbliebenen in der Kirche steht,

sondern ein lebendiges Gemeindeleben: gelebte Kirche,

gelebter Glaube, nicht nur Institution. Im Bereich

Verwaltungsaufgaben und Mitarbeiterführung

wünsche ich mir Entlastung, sodass ich mir wirklich

Zeit für die Menschen nehmen kann. Ich möchte den

Menschen in den Mittelpunkt stellen können.

Man entscheidet sich ja auch nicht für einen Job,

sondern eine Lebensform, aus der Überzeugung,

dass es nicht nur eine eigene Idee ist, sondern man

berufen wird.

Priester zu werden war eine Entscheidung, die im

Gebet gefallen ist. Ich habe nicht abgewogen: Was

darf der Priester, was der Pastoralreferent nicht darf?

Stattdessen habe ich mich gefragt: Welcher Weg

fühlt sich für mich richtig an? Und diesen Weg gehe

ich jetzt.

TEXT JOHANNA HIRSCHBERGER (23)

Natürlich hat man auch Zweifel. Manchmal frage ich

mich, ob es nicht etwas verrückt ist, in der katholischen

Kirche arbeiten zu wollen; und dann auch

noch als Priester. Glaube und Gebet sind Quellen, die

bei diesen Zweifeln Kraft geben.

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BERUFSSTART

Glauben

und

Lebenswelten

verknüpfen

Christina Schraff hat von 2016 bis 2019 in Mainz Praktische

Theologie studiert, jetzt ist sie als Gemeindeassistentin in

der Seelsorgeeinheit Seegemeinden im Dekanat Friedrichshafen

tätig.

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Christina, kannst du dich an den Moment erinnern, an

dem du dich für dein Studium entschieden hast?

Das war kein Moment, sondern eher ein Prozess.

Nach meinem Abitur habe ich ein FSJ in der Seelsorgeeinheit

Ravensburg West gemacht und nach der

ersten Hälfte wurde mir klar, dass ich das machen

möchte. Ich habe dann einen Infotag besucht und

habe mich danach dazu entschieden, dass ich für das

Studium nach Mainz gehe.

Was haben deine Familie und Freunde dazu gesagt,

als du davon erzählt hast, einen Beruf in der Kirche zu

ergreifen?

Eigentlich habe ich keinen Widerstand erlebt. Meine

Familie ist kirchlich engagiert. Für mich war es schon

immer normal, dass man in die Kirche geht. Meine

Eltern finden das gut und freuen sich darüber, meine

Oma sowieso. Klar, wurde ich zum Beispiel von manchen

Freunden darauf angesprochen, aber daraus

haben sich dann interessante Gespräche entwickelt.

Ich fühle mich da voll unterstützt.

Wie ist es für dich, keinen „9 to 5“-Job zu haben?

Ich finde das eigentlich ganz gut, die Arbeitszeiten

kannte ich schon von meinem FSJ. Das war dann

nach dem Studium nichts Neues. Es ist manchmal

schon ein bisschen anstrengend, wenn ich am Wochenende

oder abends arbeiten muss, wenn ich eigentlich

etwas mit Freunden machen würde. Aber

ich finde es total schön, da ich mir meine Zeit selbst

einteilen kann. Wenn ich weiß, dass ich abends eine

lange Sitzung habe, dann nehme ich mir mittags ein

bisschen mehr Zeit und kann auch andere Dinge erledigen.

Es braucht ein bisschen Übung, wie man das

mit sich selbst gut geregelt bekommt. Ich bin im Moment

sehr zufrieden damit.

Wenn du nicht gerade in einer KGR-Sitzung steckst,

Unterricht vorbereitest oder die Firmung planst, was

machst du sonst noch gerne? Wie schaltest du ab?

Manchmal brauche ich auch einfach nur Ruhe für

mich selber. Da bin ich dann ganz froh, wenn ich mal

eine Stunde für mich habe. Beim Lesen kann ich total

abschalten. Und ich genieße es, mit meiner Familie

und meinen Freunden unterwegs zu sein. Im Winter,

als es so viel Schnee hatte, war ich mit meiner Cousine

und meinem Cousin draußen unterwegs. Und

wie es auf dem Land so ist, hängt man sich mit dem

Schlitten hinten an den Traktor ran und fährt dann.

Das habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gemacht,

mir tat vor Lachen alles weh, aber es hat so

gutgetan. Solche Erlebnisse mit den Menschen um

mich herum sind es dann, die mich wieder hochziehen.

12


„Diese Verknüpfung von Glaube und

Lebenswelt, das ist für mich immer das

Wichtigste. Dazu möchte ich beitragen

und Räume dafür ermöglichen.”

Mit welchem Gefühl blickst du in die Zukunft?

In dem, was ich tu, fühle ich mich wohl. Ich erlebe,

dass meine Arbeit einen Sinn hat. Ich kann Menschen

unterstützen und begleiten. Das gibt mir ein

gutes und stärkendes Gefühl, auch wenn die Resonanz

nicht immer sehr groß ist. Natürlich wird es

immer Hürden und Herausforderungen geben – für

mich überwiegt das Positive.

Hast du dabei ein Ziel für deine Ausbildungszeit als

Gemeindereferentin?

Gewisse Sachen möchte ich geschafft haben. Ich

möchte in der Jugendarbeit ein bisschen was Neues

ausprobieren und versuchen, die Jugendlichen zu

motivieren, damit sie sich auch selber engagieren.

Und ich möchte einfach die Menschen hier noch besser

kennengelernt haben, weil das im Moment einfach

unheimlich schwierig ist, und da hoffe ich sehr,

dass es bis zum Ende der Ausbildung noch viele

Chancen geben wird.

Wie kann denn Kirche für junge Menschen attraktiver

werden?

Es braucht niederschwellige Angebote, die dann mit

einem Anlass verknüpft werden. Dieser muss auch

erst mal nicht unbedingt direkt mit Kirche verbunden

werden. Zum Beispiel hatten wir einen Valentinssegen.

Dort durften sich die Paare Zeit für die eigenen

Themen nehmen und es gab zum Abschluss

einen Segen. Ich denke auch an den Prüfungssegen.

Das ist ein Punkt für Jugendliche, wo es oft schwierig

wird und wo sie Unterstützung und Zuspruch brauchen,

da müssen wir dann auch da sein. Wir müssen

ihnen das Gefühl geben, dass sie so angenommen

sind, wie sie sind, und sie sich auch so einbringen

dürfen, wie sie können. Das Akzeptieren ist mir extrem

wichtig, mit allen Fragen und Zweifeln. Wenn

man am Leben von jungen Menschen anknüpft,

wird Kirche attraktiver.

Zum Abschluss: Wofür stehst du in deinem Beruf?

Bei mir kommt es immer darauf an, den Glauben in

der Lebenswelt der Adressaten erfahrbar zu machen

und Gott im Alltag und in den Menschen, denen ich

begegne, zu entdecken. Diese Verknüpfung von

Glaube und Lebenswelt, das ist für mich immer das

Wichtigste. Dazu möchte ich beitragen und Räume

dafür ermöglichen.

TEXT MAXIMILIAN MAGIERA (24)

13


„Kirche bietet

neue Mögli


Die christliche Botschaft ist ein Sinnangebot für viele Menschen, sagt Domkapitular

Dr. Klaus Krämer. Im Interview spricht er über seinen Lebensweg,

berichtet von der Realität der Weltkirche und gibt einen Ausblick auf eines

der ersten Großereignisse nach der Pandemie.

Herr Krämer, was bedeutet Berufung für Sie?

Wir hatten 2007 ein Jahr der Berufung in der Diözese

und da haben wir das Motto gewählt: „Entdecke den

roten Faden deines Lebens“ und als Untertitel „Gottes

Ruf auf der Spur.“ Das bringt es für mich eigentlich

sehr gut zum Ausdruck: dass es eben doch einen

roten Faden gibt, den Gott in unser Leben gelegt hat.

Und dass es darum geht, diesen Faden zu entdecken

und zu verfolgen, um dann auch zum Ziel seines individuellen

Lebens zu finden.

Warum ist ein Beruf in der Kirche auch weiterhin attraktiv?

Ich denke, dass die Botschaft, die wir vertreten,

nichts an Aktualität verloren hat. Natürlich stehen

wir vor der großen Aufgabe, sie wieder neu in den

Denk- und Erfahrungshorizont unserer Zeit zu übersetzen.

Damit tun wir uns nicht immer so leicht in

der Kirche. Nichtsdestotrotz ist diese Botschaft ein

Sinnangebot für viele Menschen. Das wirklich zu

vermitteln, ist eine in höchster Weise erfüllende und

fordernde Aufgabe. Das wird auch immer Zukunft

haben.

immer

chkeiten”

Was würden Sie Menschen mit auf den Weg geben,

die sich für einen Beruf in der Kirche interessieren, die

eine Berufung bei sich spüren?

Ich würde ihnen immer empfehlen, Orte aufzusuchen,

wo kirchliches Leben wirklich stattfindet. Und

dabei nicht nur von einer Realität auszugehen, die

man selber schon kennt, sondern noch mal ganz andere

Realitäten in den Blick zu nehmen. Ein Mitleben

in einer geistlichen Gemeinschaft etwa oder auch

ein Aufenthalt in der Weltkirche können da sehr

wertvoll sein, um die Vielfalt des Glaubens und des

Kircheseins zu erleben. Das halte ich für eine gute

Grundlage, um nicht nur auf einen Strang fixiert zu

sein, sondern zu sehen, dass Kirche eine sehr vielfältige

und komplexe Realität ist, die immer wieder

neue Perspektiven und neue Möglichkeiten eröffnet.

Sie sind 1993 in Neresheim zum Priester geweiht worden.

Wenn Sie auf diesen Berufungsweg zurückblicken:

Gab es da jemanden oder etwas, das besonders

prägend für Sie war?

Es waren viele Menschen, die mich begleitet haben

auf dem Weg. Die Begegnung mit meinem ersten

Pfarrer war sicher sehr prägend und ist auch eine Beziehung,

die mich bis heute begleitet. Das war ein

großes Vorbild für mich und hat mir gezeigt, wie

man auf ganz menschliche Weise Priester sein und

auch ansprechbar sein kann. Das hat mich von Anfang

an sehr beeindruckt.

15


Wenn Sie Ihre eigenen Erfahrungen aus Ihrer Studienzeit

und Ausbildungszeit mit der heutigen Situation

vergleichen, welche Unterschiede erkennen Sie da?

Was hat sich aus Ihrer Sicht verbessert, was vielleicht

verschlechtert?

Ich denke, dass die Qualität vor allem der praktischen

Berufseinführung doch enorme Fortschritte

gemacht hat in den letzten Jahren. Dass man beispielsweise

auch humanwissenschaftliche Sichtweisen

oder didaktische und methodische Elemente mit

hineingenommen hat. Da hat sich sehr viel getan

und da denke ich, bieten wir eine qualitativ hochwertige

Ausbildung für unsere pastoralen Berufe an.

Ein Unterschied ist sicher, dass es natürlich damals

eine Zeit war, in der noch mehr Studierende an den

Fakultäten waren. Das war manchmal anstrengend,

aber insgesamt war es einfach schön, viele verschiedene

Menschen zu treffen, mit denen man in Kontakt

gekommen ist.

In Ihrer Zeit als Präsident des Missionswerkes missio

in Aachen sind Sie viel in der Weltkirche herumgekommen.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang

Mission für Sie?

Mission heißt, dass wir unsere christliche Verantwortung

und unser christliches Zeugnis im jeweiligen

Kontext wahrnehmen. Das habe ich immer

wieder gespürt. Wir haben bei missio viele Projektpartner

– Ordensleute oder auch sehr engagierte

Laien –, die großartige Arbeit leisten, weil sie ihren

Glauben konkret leben und aus dem Glauben heraus

ganz unterschiedliche Antworten für ihren jeweiligen

gesellschaftlichen Kontext geben. Das ist einfach

sehr überzeugend und glaubwürdig und das

sind Beispiele, die anstecken. Ich habe immer wieder

gemerkt, dass diese Persönlichkeiten in ihrer Authentizität

die Menschen begeistern und ihnen zeigen,

welches Potenzial im Glauben steckt und wie

man so auf ganz unterschiedliche Herausforderungen

reagieren kann. Das ist ein großer Reichtum.

Wir haben bei missio viele

Projektpartner – Ordensleute

oder auch sehr engagierte

Laien –, die großartige Arbeit

leisten, weil sie ihren Glauben

konkret leben und aus dem

Glauben heraus ganz

unterschiedliche Antworten

für ihren jeweiligen

gesellschaftlichen Kontext

geben. Das ist einfach sehr

überzeugend und glaubwürdig

und das sind Beispiele,

die anstecken.

Papst Franziskus spricht in diesem Zusammenhang

oft von einer armen Kirche für die Armen. Was bedeutet

dieses Bild für Sie?

Papst Franziskus bringt sehr eindrucksvoll zum Ausdruck,

dass wir die Perspektive der anderen einnehmen

müssen. Das bedeutet, die Welt mit den Augen

der Armen zu sehen und sich auf ihre Lebensrealität

wirklich einzulassen und sie ein Stück weit auch zu

teilen bereit sein. Damit geht einher, dass wir nicht

in der herablassenden Geste der Helfenden daherkommen,

sondern dass wir die Menschen wirklich

ganz ernst nehmen, weil sie uns etwas vom innersten

Kern unseres Glaubens mitzuteilen haben. Dass

diese Menschen, die oft unter ganz schwierigen Bedingungen

leben müssen, eine unglaubliche Kraft

ausstrahlen, das ist eine Erfahrung, die ich auch selber

immer wieder gemacht habe auf den Reisen. Da

denke ich, habe ich etwas gespürt von der evangelisierenden

Wirkung der Begegnung mit den Armen,

die in schwierigen Lebenskontexten ihr Leben bestehen,

weil sie von ihrem Glauben leben.

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Ein Teil Ihrer Zuständigkeit, seit Sie wieder zurück in

der Diözese sind, ist der 102. Katholikentag 2022 in

Stuttgart. Welche Akzente setzt die Diözese als Gastgeberin

bei diesem Ereignis?

Eine Grundidee dieses Katholikentages war, dass das

weltkirchliche Engagement der Diözese im Mittelpunkt

steht. Das hat mich besonders gefreut, weil

das schon ein besonderes Merkmal unserer Diözese

ist und ich mit dieser Arbeit in vielfacher Weise eng

verbunden bin. Daher war das Motto des Katholikentages

„leben teilen“ dann auch schnell gefunden. Er

soll auch den Blick weiten auf die Vielfalt der Realität

der Kirche: dass sie eben nicht nur durch Probleme,

Krisen, Konflikte und Skandale, sondern durch eine

große Vielfalt geprägt ist, in der Glaube gelebt wird.

Unsere Hoffnung ist, dass nach der Pandemie der Katholikentag

eines der ersten großen Ereignisse sein

wird, bei dem man sich auch wieder persönlich begegnen

kann. Ich glaube, dass dieses große Fest des

Glaubens mit einer starken weltkirchlichen Akzentsetzung

eine tolle Sache werden kann.

Die Kirche in zwanzig Jahren

wird ein sehr vielgestaltige

Kirche sein, die sehr nah am

Leben der Menschen sein

wird und deswegen auch

Menschen erreichen kann.

Zu guter Letzt: Wie sieht Kirche Ihrer Meinung nach in

zwanzig Jahren aus?

Ich denke, dass sie nicht mehr so uniform aussehen

wird wie im Moment, dass es da eine große Vielfalt

geben wird und auch viele unterschiedliche Akzentsetzungen.

Und dass die Kirche, auch wenn sie wahrscheinlich

zahlenmäßig kleiner sein wird, als sie das

heute ist, deswegen nicht weniger lebendig sein

wird, sondern dass wir auch zu neuen Wegen und

Formen finden, die auf neue Weise ausstrahlen und

Menschen ansprechen werden. Kurz gesagt: Es wird

sicher eine sehr vielgestaltige Kirche sein, die sehr

nah am Leben der Menschen sein wird und deswegen

auch Menschen erreichen kann.

ZUR PERSON

Prälat Dr. Klaus Krämer (57) ist Domkapitular und

Leiter der Hauptabteilung „Kirchliches Bauen“ im

Bischöflichen Ordinariat sowie Beauftragter für

den Katholikentag 2022. Nach dem Studium der

Theologie und Rechtswissenschaften und der

Priesterweihe 1993 war Krämer als Sekretär von

Bischof Walter Kasper tätig, 2000 folgte die Pro -

motion, 2010 die Habilitation. Bevor er 2008 als

Präsident des Hilfswerks „missio“ nach Aachen

wechselte, war der gebürtige Stuttgarter in der

Diözese unter anderem für weltkirchliche Aufgaben

und die Ausbildung der pastoralen Berufe

zuständig.

TEXT FELIX MAIER (22)

17


UMFRAGE

Menschen hinter

kirchlichen Medien


Tobias Döpker

Tobias Döpker, Jahrgang 1975, ist seit Anfang

2018 Chef vom Dienst und Stellvertretender

Mediendirektor der Stabsstelle Mediale Kommunikation

(SMK) der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Herr Döpker, warum machen Sie Medien?

Es ist meine große Leidenschaft. Ich habe meinen

ersten Text für die Lokalzeitung „Münstersche Zeitung“

mit 16 Jahren geschrieben. Die freie Mitarbeiterschaft

hat mir so viel Spaß bereitet, dass ich nach

dem Studium dann ein Volontariat beim „Mannheimer

Morgen“ gemacht habe. Während dieser Zeit

kam das Thema Onlinemedien verstärkt auf. Ich war

dort dann auch viele Jahre im Ressort „Chef vom

Dienst“ für die digitalen Themen zuständig. Später

bin ich als Digitalchef zur Südwestpresse nach Ulm

gegangen. Und jetzt bin ich bei der Kirche und

mache auch Medien. Es ist aber anders, denn es ist

natürlich kein klassischer Journalismus mehr – sondern

Öffentlichkeitsarbeit, aber mit journalistischem

Handwerkszeug. In der SMK versuchen wir, die vielen

positiven, bunten Themen, die die Diözese bietet,

unters Volk zu bringen.

Macht Ihr Christsein etwas mit der Art, wie Sie

Medien machen?

Ehrlich gesagt, nein. Ich bin ein gläubiger Mensch,

habe aber natürlich auch immer wieder Punkte, wo

ich mit der Institution Kirche durchaus mein Sträußlein

ausfechte. Als Medienmacher gibt es das Handwerkszeug,

das man gelernt hat. Das andere ist die

kritische Distanz des Journalisten. Mir diese zu bewahren

versuche ich bei der Kirche natürlich auch.

Wir sind als Medienmacher für die Kirche nicht

immer in einer einfachen Situation. Es gibt Punkte,

wie die Themen Missbrauch

oder der Umgang

mit Frauen in der

Kirche, da habe ich als Privatmensch eine Meinung,

die nicht unbedingt deckungsgleich mit der Position

der Deutschen Bischofskonferenz ist. Das muss ich

für mich trennen, meine private Meinung tut im Job

nichts zur Sache.

Herr Döpker, denken Sie, dass Jesus einen Instagram-

Account gehabt hätte?

Ja, davon bin ich fest überzeugt. Die Evangelisten

haben zum Beispiel immer die führenden Medien

ihrer Zeit genutzt. Über Briefe zu kommunizieren

und auch zu informieren, war revolutionär für diese

Zeit. Paulus hat sich dieses Modells genau bedient.

Jesus hat auch die gängigsten Kommunikationsmethoden

seiner Zeit genutzt, um seine Botschaft

unters Volk zu bringen. Jesus wäre sicher auf Social

Media sehr präsent gewesen. Er wäre bestimmt auch

ein großer Podcaster geworden. Ich finde es schade,

dass Kirche hier manchmal etwas verhalten ist. Das

Thema hat aber durch Corona schon Fahrt aufgenommen,

wir haben zwangsweise einen Digitalisierungsschub

bekommen. Da ist in vielen Gemeinden

sehr viel passiert und viele tolle Sachen sind entstanden.

Wenn diese Pandemie irgendetwas Gutes gehabt

hat, dann, dass Kirche, was Kommunikation

angeht, vielerorts relativ schnell ins 21. Jahrhundert

katapultiert worden ist.

TEXT MAXIMILIAN MAGIERA (24)

20


„ Die Evangelisten haben

immer die führenden

Medien ihrer Zeit genutzt.

Über Briefe zu kommunizieren

und auch zu informieren,

war revolutionär für diese Zeit.

Paulus hat sich dieses Modells

genau bedient. Jesus hat auch die

gängigsten Kommunikationsmethoden

seiner Zeit genutzt,

um seine Botschaft unters

Volk zu bringen.”

Tobias Döpker


Caroline Haro-Gnändinger

Caroline Haro-Gnändinger (32) ist Redakteurin

bei K!P. Das bedeutet Katholische Kirche im Privatfunk.

Das Team von K!P macht Radio- und

Videobeiträge für die Diözese. Caroline Haro-Gnändinger

moderiert zum Beispiel die Talksendung „alpha

und omega“ oder spricht Beiträge für die Kirchensendungen

von Radiosendern wie Radio 7 und Antenne 1

ein.

Frau Haro-Gnändinger, haben Sie bei Ihrer vielfältigen

Arbeit denn eine Lieblingsaufgabe?

Wir behandeln manchmal umstrittene Themen und

versuchen dann, das Pro und Kontra darzulegen.

Neulich ging es um das Thema „Gott mit Gendersternchen“:

Warum finden die einen das gut und die

anderen total zum Aufregen? Das finde ich interessant

darzustellen. Ansonsten interessieren mich die

persönlichen Geschichten besonders. Ich habe zum

Beispiel zum Weltflüchtlingstag eine 91-jährige Frau

interviewt, die vertrieben wurde und in Stuttgart

von einer Gemeinde für Vertriebene aufgenommen

wurde, die sich damals gegründet hat. Mich fasziniert

es, wie die Leute so einen Schicksalsschlag

meistern und jetzt immer noch so viel Lebensmut

und -freude haben. Das ist sehr inspirierend.

Sie erzählen mit so viel

Begeisterung – würden

Sie sagen, das ist Ihre Berufung?

Ja, es ist für mich persönlich sinnvoll, weil ich viel

über Glaubensfragen nachdenken kann. Manchmal

bekommen wir auch Rückmeldungen von den Hörern.

Man sieht, dass die Leute hinhören und sich

damit beschäftigen. Da merke ich: Es ist ein kleiner

Anstoß für die, die das lesen oder hören.

Beschäftigt Sie ein Thema in letzter Zeit besonders?

Ja, und zwar das Thema Medienkonsum. Ich höre

immer wieder, dass Leute sich nur die Überschriften

von Artikeln anschauen. Das finde ich schade und

auch gefährlich. Da frage ich mich, wie man den

Menschen Lust machen kann, sich auch lange Artikel

durchzulesen, mit Argumenten dafür oder dagegen;

oder Fernsehsendungen anzuschauen, die

verschiedene Meinungen abbilden. Das ist doch bereichernd,

und es hilft, Menschen mit anderer Meinung

als die eigene besser zu verstehen. Aber es ist

gar nicht so einfach, die Medien so zu gestalten, dass

andere Leute Spaß daran haben, sie zu konsumieren.

TEXT ELISABETH BÖCKLER (24)

„Man sieht, dass die Leute hinhören

und sich damit beschäftigen.“

22


Eva Wiedemann

Eva Wiedemann (43) hat ihre journalistische Ausbildung

am ifp, der katholischen Journalistenschule,

absolviert. Seit 2020 arbeitet sie als

Pressesprecherin der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Frau Wiedemann, was reizt Sie denn am Beruf der

Pressesprecherin?

Bei der Öffentlichkeitsarbeit ist es besonders spannend

für mich, Themen über eine lange Zeit zu

begleiten, sie vorzubereiten und sich zu überlegen,

wie man sie kommuniziert: Was sind unsere Botschaften,

was für einen Service muss ich bieten, wie

muss ich mit schwierigen Themen umgehen?

… und wie geht man mit schwierigen Themen um?

Bei der Krisenkommunikation gibt es ein paar zentrale

Punkte, an die man sich halten muss: transparent

zu sein, ist einer davon. Nicht zu der Krise zu

stehen und nicht zu sagen, was für ein Problem vorliegt,

macht dieses am Ende des Tages nur größer.

Das hat auch die kirchliche Kommunikation in der

Vergangenheit lernen müssen. Eine gute Fehlerkultur,

also Fehler zuzugeben und aus ihnen zu lernen,

auch im Bereich der Kommunikation, ist in diesem

Zusammenhang sehr wichtig. Ebenso gehören eine

gute Vorbereitung, Erreichbarkeit und klare Botschaften

zur Krisenkommunikation.

In Zeiten von Fake

News und Skandalisierung:

Wie nehmen Sie Ihre

Verantwortung im Feld des Medienmachens wahr?

Ich glaube, dass die Kirche da eine sehr große Verantwortung

hat, weil sie natürlich auch eine moralische

Instanz ist. Und wir als die Kommunikatoren

der Kirche tragen diese Verantwortung dann z. B. in

Form von Artikeln, Posts in Social Media und beispielsweise

auch die Antworten auf Medienanfragen

nach außen. Natürlich ist es so, dass wir in der

Öffentlichkeitsarbeit Botschaften haben, die wir

ganz klar senden möchten – denken Sie zum Beispiel

daran, in welchen karitativen Feldern die Kirche

überall tätig ist. Aber ich kann keine Inhalte verkaufen,

die nicht da sind. Was wir senden wollen, muss

Hand und Fuß haben, das wird heute sonst sofort

aufgedeckt. Es ist also sehr wichtig, sauber zu kommunizieren,

damit klar ist, dass man ein authentischer

Absender ist, der mit Kompetenz seine Inhalte

vermittelt. Genau das rate ich auch jungen Menschen,

die sich für das Feld der Medien interessieren:

Es ist essenziell, dass man sein Handwerkszeug lernt.

Eine gute Ausbildung, wie sie eben für mich über das

ifp möglich war, ist mehr als die halbe Miete fürs

komplette Berufsleben.

TEXT ELISABETH BÖCKLER (24)

„Es ist wichtig, auch Fehler

zuzugeben und dann aus ihnen zu lernen,

auch im Bereich der Kommunikation.“

23


Peter Kottlorz

Peter Kottlorz (64) ist Leiter der Katholischen

Rundfunkarbeit seit Gründung des Südwestrundfunks

1998. Seit annähernd 30 Jahren

macht er Radio- und Fernsehsendungen im SWR,

Deutschlandradio und in der ARD.

Herr Kottlorz, warum machen Sie Ihren Beruf gerne?

Weil er sehr vielseitig ist. Ich habe mit Menschen,

Sprache und den unterschiedlichsten Medien zu tun.

Das verlangt eine Flexibilität, dadurch bleibe ich lebendig

und ich hoffe auch ein bisschen jung. Wenn

ich ein Stichwort benenne, das meine Zeit hier beschreibt,

ist das Entwicklung. Wir bleiben nie stehen,

da immer etwas Neues kommt.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie mit den

Beiträgen der Kirchen, die ja im „normalen“ Radioprogramm

untergebracht sind?

Es gibt eine formale Herausforderung. Wir müssen

die Gratwanderung zwischen Biederkeit und Anbiederung

schaffen. Dass wir weder sprachlich und von

unserer Haltung her vorgestrig daherkommen, noch

dass wir dem Zeitgeist um den Hals fallen und Modewörter

benutzen. Die Beiträge brauchen eine eigene

Farbe, die nicht pastoral ist, sondern die mit

den Menschen auf Augen- und Ohrenhöhe spricht.

Aber auch inhaltlich haben wir eine klare Peilung.

Wir haben vor einiger Zeit unsere Hörerinnen und

Hörer in einer Studie befragt, was sie von unseren

kirchlichen Programmen in Radio und Fernsehen erwarten.

Das Ergebnis sind drei große Schlüsselwörter,

die für mich heute noch wichtig sind: Trost,

Hoffnung und Lebensorientierung. Wenn ich das

theologisch fasse, dann sage ich immer, dass wir mit

unseren Sendungen

anstecken und anecken

sollen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Medienwelt

stark und rasant verändert. Wie verändert sich die

Katholische Rundfunkarbeit am SWR?

Derzeit besonders durch unsere jungen Kolleginnen

und Kollegen. Ich selbst möchte am Ende meines Berufslebens

nicht mehr jeden Trend mitmachen. Mit

Facebook etwa tue ich mich sehr schwer, aber ich

wurde von meinen jungen Leuten davon überzeugt,

dass es zur Professionalität gehört, auch dort präsent

zu sein. Gerade, was die Digitalisierung angeht, müssen

wir richtig reingehen. Ich hoffe, dass hier entsprechende

Stellen ausgebaut werden.

Worauf kommt es an, wenn man Menschen mit Sprache

erreichen möchte? Haben Sie Tipps aus Ihrem

Berufsalltag?

Ich muss wissen, wovon ich rede: sachlich und theologisch.

Das heißt nicht akademisch! Ich darf keine

falschen Sachen erzählen. Wir müssen das eigene

Leben spüren, um in die Welt blicken und schauen

zu können, welche Antworten darauf der persönliche

Glaube hat. Es gehört auch eine Portion Lust am

gesprochenen Wort dazu, es muss Freude machen,

die religiösen Saiten bei den Menschen zum Klingen

zu bringen.

TEXT MAXIMILIAN MAGIERA (24)

24


„ Wir müssen das

eigene Leben spüren,

um in die Welt blicken

und schauen zu können,

welche Antworten darauf

der persönliche Glaube hat.

Es gehört auch eine Portion Lust

am gesprochenen Wort dazu,

es muss Freude machen,

die religiösen Saiten

bei den Menschen

zum Klingen zu bringen.”

Peter Kottlorz


EINFACH

LEBEN

„Wem diene ich als Diakon? Dienen ist so ein veraltetes Wort. Oft bedeutet diakonisch zu handeln, einfach da

zu sein; den Menschen nah zu sein, indem ich ansprechbar bin und zuhöre.“ Auch für berufen war Michael

Raditsch als Diakon im Zivilberuf ansprechbar und hat gerne über seine geistliche Berufung und seinen weltlichen

Beruf erzählt und erklärt, warum man besser vom Diakonat im Zivilberuf reden sollte.

Was ist ein Diakon im Zivilberuf?

Auf den ersten Blick wirken Diakone im Zivilberuf

nicht anders als ehrenamtlich engagierte Gemeindemitglieder,

denn sie gehen einem ganz normalen

Beruf nach. Bei Michael Raditsch ist es sein Beruf als

Hausoberer im Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim

und Tauberbischofsheim. Der Schwerpunkt

liegt also auf seinem Beruf, in dem er

Ansprechpartner und Leiter des Ethikkomitees ist

und dabei das sozial-karitative Leitbild der Barmherzigen

Brüder umsetzt, ohne aber Ordensbruder zu

sein. Nach zehn Jahren als Ordensbruder entschied

er sich nicht für die ewige Profess, sondern dafür, die

Haltung der Barmherzigen Brüder in einem Zivilberuf

als Mitarbeiter zu leben. Deswegen sieht er sich

auch als Diakon im Zivilberuf, denn er arbeitet nicht

konkret als Diakon oder Seelsorger im Krankenhaus.

Das Motto seiner Arbeit: „Entschieden für Menschen.“

Es drückt seine diakonische Haltung sowohl

im Beruf als auch in der Gemeinde aus, denn es

waren immer die Momente in seinem Leben wertvoll,

bei denen er mit Menschen zusammengearbeitet

hat. „Man muss einfach für die Menschen da sein,

ihnen zuhören, egal ob vor dem Gottesdienst, beim

Spazierengehen oder Einkaufen, bei der Garten-

arbeit am Gartenzaun oder im Krankenhaus.“

Seine freie Zeit nutzt Michael Raditsch ebenfalls, um

sich ehrenamtlich in der Gemeinde zu engagieren

und seiner Aufgabe als pastorale Ansprechperson

nachzukommen. Auch hier geht es ihm um die

„Theologie des Hörens“. Sein Lebensentwurf als Diakon

ohne Familie sieht er als „Möglichkeit für ein volles

Engagement in Beruf und Kirche“. Die Verbindungen

in der Gemeinde und auch im Beruf kommen

dem einer Familie ganz nah, „aber eine richtige

Familie ersetzt das natürlich nicht“. Diakon im Zivilberuf:

Es scheint zunächst ein Spagat zwischen Beruf

und Gemeinde zu sein, doch Michael Raditsch stellt

klar: „Mein Grundsatz fürs Diakonat ist es, einfach zu

leben. Nah am Menschen zu sein, mitzuleben und

durch mein Leben zu berichten.“

In Löffelstelzen angekommen

Michael Raditsch hat schon viele Ortswechsel hinter

sich: Trier, Koblenz, die Schweiz, Rom, Homburg bei

Saarbrücken. Heute ist er froh, dass er als Ständiger

Diakon Heimat gefunden hat. „Ab einem gewissen

Alter habe ich verspürt, irgendwo ankommen zu

wollen und auch bleiben zu dürfen. Jetzt bin ich in

Löffelstelzen angekommen und das ist ein schönes

26


Gefühl.“ Die überschaubare Gemeinde, die wie viele

kleinere Pfarreien keinen eigenen Pfarrer mehr hat,

hat nun mit Michael Raditsch eine pastorale Ansprechperson:

„Als ich 2014 nach Löffelstelzen kam,

hatte ich das große Glück, dass zu dieser Zeit die Kirche

renoviert wurde. Ich wurde angesprochen, ob ich

helfen könnte den Schiefer vom Dach zu schlagen,

und das habe ich gemacht. Danach wurde gegessen,

getrunken und geredet und so haben wir uns immer

wieder zur Arbeit an der Kirche getroffen. So bin ich

in die Gemeinde reingewachsen.“ Schnell wurde er

noch eingeladen, Mitglied im Löffelstelzer Wallfahrtsverein

zu werden, ganz pragmatisch, denn als

Diakon kann er unterwegs den Segen spenden.

„Dem Himmel verbunden, den Menschen nah“, so

lautete ein Motto bei den Barmherzigen Brüdern, an

das er sich noch gut erinnern kann. Und er lebt dieses

Motto, denn er leitet Wortgottesdienste, predigt,

tauft Gemeindemitglieder, assistiert bei Eheschließungen

und ist im Kirchengemeinderat, aber letztlich

sieht er sich in keiner besonderen Rolle. Er würde

einfach mitleben, ein Löffelstelzer unter Löffelstelzern

sein. Dazu sagt er: „Ich will im praktischen Tun

von meinem Glauben erzählen, denn Religionslehrer

wollte ich jetzt keiner sein, das gebe ich zu.“

ZUR PERSON

Michael Raditsch (51) war zehn Jahre bei den

Barmherzigen Brüdern von Maria-Hilf und hat so

eine theologische und pflegerische Ausbildung

durchlaufen. Der gebürtige Welzheimer wurde

2017 zum Diakon geweiht und ist nun in seinem

Wohnort Löffelstelzen im Norden der Diözese als

Diakon im Zivilberuf tätig. Die kleine Kirchengemeinde

„Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“ mit rund

600 Mitgliedern ist ebenso sein Wirkungsort wie

die Krankenhäuser in Bad Mergentheim und

Tauberbischofsheim, einschließlich der drei

Seniorenzentren in der Trägerschaft der BBT-

Gruppe (Barmherzige Brüder Trier).

TEXT VALERIE STENZEL (22)

27


7 Fragen an...

Dr. Verena Wodtke-Werner

14

ZUR PERSON

Dr. Verena Wodtke-Werner (60) wurde 1960 in

Bad Homburg vor der Höhe geboren. Sie studierte

von 1980 bis 1988 Katholische Theologie,

Philosophie und Germanistik in Mainz, Sankt

Georgen / Frankfurt a. M. und Tübingen. Nach

ihrer Promotion im Fach Alte Kirchengeschichte

an der Universität Tübingen war sie dort wissenschaftliche

Mitarbeiterin. 1993 bis 2000 war sie

Fachbereichsleiterin an der Akademie der Diözese

Rottenburg- Stuttgart. Von 2000 an leitete

sie die Erwachsenenbildung der Diözese; seit

2009 ist sie Direktorin der Akademie.


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WAS SIND IHRE WÜNSCHE FÜR DIE KATHOLISCHE KIRCHE?

Dass sie sich der demokratischen Prinzipien des Rechtsstaates mehr annimmt

und mehr davon in sich hineinträgt. Dass sie die Frauenfrage jetzt aktiv angeht

und nicht noch dreißig Jahre wartet.

WIE VIEL RELIGION VERTRÄGT DER STAAT?

Wenn die katholische Kirche weiterhin so agiert wie in den letzten Jahrzehnten –

beispielsweise bei der Homosexuellenfrage –, wird sie den Grundwerten des

Grundgesetzes nicht mehr gerecht. Staat und Religion vertragen sich nur dann,

wenn die Religion auch die Rechtsprinzipien der Demokratie vertritt.

WAS WAR IM STUDIUM IHRE LIEBLINGSVORLESUNG?

Alles, was mit Dogmatik zu tun hat, war mein Steckenpferd: Gotteslehre, Christologie,

Dogmengeschichte.

WELCHE SERIE KÖNNEN SIE EMPFEHLEN?

Meine Kinder haben mir zu Weihnachten Netflix geschenkt. Da fand ich Das

„Damengambit” unfassbar gut. Auch Weißensee und Ku’damm haben mir unheimlich

gut gefallen. Das spielt ja auch zur Zeit meiner Kindheit.

ANGENOMMEN, SIE FÄNDEN SICH NACHTS IM TRAUM ALS PÄPSTIN WIEDER.

WIE GINGE ES WEITER?

Ich würde mir einen internationalen Beraterstab zusammenstellen, der aus den

besten Leuten in den Bereichen Politik, Gesundheit, Nationalökonomie etc. besteht.

Nicht nur aus Theologen und Theologinnen. Damit kann die Kirche auf

schwierige Dinge in der Welt gut und fundiert wissend reagieren.

AUF WELCHE FRAGE WÜSSTEN SIE GERNE EINE ANTWORT?

Was erwartet mich, wenn ich nicht mehr lebe?

MIT WELCHER HISTORISCHEN PERSON WÜRDEN SIE GERNE DISKUTIEREN?

Hildegard von Bingen ist immer klasse. Sie war ein Universalgenie, nicht nur

Theologin, sondern auch Musikerin und Ärztin. Sogar Bernhard von Clairvaux

hat sie geschätzt.

TEXT JOHANNA HIRSCHBERGER (23)

29 15


30


RUHESTAND

„Jetzt kommt

die Familie

an die Reihe“

PASTORALREFERENTIN IM RUHESTAND Noch ist er ganz

frisch: der Ruhestand. Und den genießt Elfriede Sacha

(63) mit ihrem Mann und ihren Kindern. Trotzdem hat

der Beruf als Pastoralreferentin ihr Leben geprägt. Sie erzählt

von Verantwortungs- und Handlungsdruck, einer

immer offen stehenden Tür und der Bezeichnung „Ersatzpfarrer“.

31


Frau Sacha, Sie waren eine der ersten Pastoralreferentinnen.

Hatten Sie diesen Berufswunsch direkt zu Beginn

Ihres Studiums?

Zuerst habe ich in Tübingen Germanistik und Theologie

studiert, eigentlich mit dem Ziel Lehramt. Dann

habe ich das erste Staatsexamen in beiden Fächern

gemacht und auch noch ein halbes Jahr Referendariat

in Hechingen am Gymnasium absolviert. Ich

habe aber schon zum Ende meines Studiums gemerkt,

dass das einfach doch nicht ganz der Weg ist,

den ich mir eigentlich vorstellte beziehungsweise

den ich mir wünschte. Erst im Laufe des Studiums

hat sich herausgestellt, dass es überhaupt so einen

Beruf wie Pastoralreferentin gibt. Also, dass es auch

eine Möglichkeit für Frauen gibt, einen kirchlichen

Beruf zu ergreifen. Und da habe ich mich dann einfach

beworben. Als ich angenommen wurde, habe

ich meine Referendariatsstelle im Gymnasium gekündigt.

Dann bin ich zur Kirche gegangen und habe

die praktische Ausbildung, die Assistentenzeit in St.

Andreas in Reutlingen, absolviert. Das waren damals

noch zwei Jahre, mit allem Drum und Dran, bis ich

hierher nach Starzach kam.

Als Sie hier nach Starzach in die Kirchengemeinden

gekommen sind, war der Beruf noch sehr neu. Welche

Reaktionen gab es von Gemeindemitgliedern oder

Priestern auf eine Frau im pastoralen Dienst? Wurde

Ihr Beruf als „Ersatz“ für das Priesteramt angesehen?

Ganz am Anfang war das so. Viele haben gedacht,

dass ich eine „Ersatzpfarrerin“ sei und man zu mir

mit allem kommen kann, schließlich hat mich ja der

Bischof geschickt. Die Akzeptanz an sich war da. Ich

habe aber schon von Anfang an versucht klarzumachen,

dass ich durchaus kein „Ersatzpfarrer“ bin. Es

gab schließlich einen Pfarrer oder Pfarradministrator

in der Gemeinde. Sie haben schnell gemerkt, dass

es einen Unterschied zum Priester gab. Es gab und es

gibt da einfach bestimmte Grenzen und trotzdem

immer noch genügend Möglichkeiten für mich als

Frau, mich in dieser Kirche auch mit meinen Charismen

einzusetzen. Als ich angefangen habe, war es

zum Beispiel auch gar nie ein Problem, dass ich auch

in der Eucharistiefeier gepredigt habe.

Jetzt, wo Sie im Ruhestand sind – wie würden Sie diesen

beschreiben und wie geht es für Sie weiter?

Ich bin noch nicht sehr lange im Ruhestand, erst seit

dem 1. Februar. Und ich muss sagen, es ist schon

wohltuend. Es ist wohltuend, dass ich wirklich das

machen kann, was für mich und meine Familie jetzt

an der Reihe ist. Und dadurch, dass ich so eine enge

Beziehung zur Kirchengemeinde hatte und auch so

viel Verantwortung, war das immer ein ziemlich großer

Druck. Also ein Druck, den mir gar nicht unbedingt

die Gemeinde gemacht hat, sondern den ich

mir selbst gemacht habe. Und dieser Druck, dieser

Verantwortlichkeitsdruck, der ist jetzt weg. Das ist

im Augenblick das Angenehme für mich. Und ich

merke, dass mir das jetzt nach und nach ermöglicht,

auf einer anderen Seite natürlich – als Ehrenamtliche

– doch in manche Bereiche mit meinem Mann

gemeinsam wieder einzusteigen und mich zu engagieren,

wenn es nach Corona wieder möglich wird.

Was vermissen Sie aus dem Arbeitsalltag?

Die Begegnungen. Die Begegnungen mit den einzelnen

Menschen. Klar, wenn ich draußen bin, sehe ich

immer gleich jemanden, den ich kenne, und dann

redet man miteinander. Aber das ist natürlich nicht

das Gleiche, wie wenn man wirklich an gemeinsamen

Projekten arbeiten und Ziele miteinander in

den Blick nehmen kann. Also manchmal hätte ich

schon wieder große Lust oder denke mir: An dieser

Stelle müsste man was anpacken. Aber dann habe

ich immer gedacht: Solange noch nicht klar ist, wer

Nachfolger oder Nachfolgerin ist, beziehungsweise

wie es weitergeht, möchte ich nicht unbedingt demoder

derjenigen schon etwas vorgeben. Das war der

wichtigste Grund, weshalb ich mich bis jetzt zurückgenommen

habe.

32


Gab es für Sie rückblickend ein besonders berührendes

Erlebnis in Ihrem Arbeitsleben, das Sie gerne festhalten

würden?

Es gab bestimmt einige. Aber die berührendsten Augenblicke

waren ganz „banale“ Dinge. Zum Beispiel,

als ich bei Wortgottesdiensten immer noch bis zum

Schluss aufgeregt war und die Mesnerinnen mich

beruhigten und mir danach sofort Rückmeldung gegeben

haben. Solche Momente haben mich immer

berührt. Oder dass Teilnehmerinnen aus Gebetsgruppen

mir „verraten“ haben, dass sie mich und

meine Familie immer auch in ihre Gebetsanliegen

mit aufgenommen haben.

Hat sich Ihre Arbeitsweise im Laufe Ihres Berufslebens

und mit wachsender Erfahrung verändert?

Da gehört sicher dazu, dass ich zwar ein Büro gehabt

habe, aber dort nur ganz wenig arbeitete. Privates,

Familie und Dienstliches gehört für mich einfach zusammen.

Mein Mann und ich hatten, als wir nach

Starzach gekommen sind, noch keine Kinder. Inzwischen

haben wir vier Kinder. Wegen ihnen habe ich

viel von zu Hause aus gearbeitet. Von daher hat sich

das schon so manifestiert, dass im Laufe der Zeit

unser Haus, unsere Wohnung einfach auch das Arbeitszimmer

für mich war. Von Anfang an haben wir

auch versucht, für jede und jeden, der oder die gekommen

ist, ein offenes Ohr zu haben. So ein persönlicher

Raum ist einfach etwas anderes, auch und vor

allem für den Austausch über den Glauben. Irgendwie

ist das eine offenere Atmosphäre.

herein die Menschen mit ihren Anliegen wegzuschicken,

abzuweisen oder auf andere Zeiten zu verweisen,

weil man eventuell jetzt gerade keine

Sprechzeiten hat. Das lässt oft schon offene Türen

zugehen und macht von vornherein zum Beispiel

gute, offene und fruchtbare Begegnungen unmöglich.

Es ist gut und wichtig, dass man eigene Vorstellungen

davon hat, wie die Gemeinde leben soll und

wo man für sich selbst den Platz in ihr sieht und findet,

weil sich die Situation in dem ganzen Gefüge der

im Laufe der Zeit wechselnden Pastoralteams immer

wieder verändert. Aber die Gemeinde bleibt doch

gleich. Und deshalb ist es wichtig, offen zu sein für

die Gemeinde und ihre Bedürfnisse und Belange,

und nicht von vornherein zu versuchen, sich zu

schützen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass man

Fragen abblockt, wenn es wichtig ist, dass sie gestellt

werden – auch wenn es vielleicht scheinbar

„dumme“ Fragen sein sollten. Es hängt alles damit

zusammen, wie man den Beruf sieht. Für mich war

es kein Beruf, sondern eher ein Stand, eine Lebenseinstellung,

eine Berufung. Und diese Berufung kann

ich nicht einfach vor der Haustüre abgeben.

TEXT JUDITH SCHMEREK (21)

Gibt es etwas, das Sie aus Ihrer beruflichen Erfahrung

gerne jungen Menschen, die Pastoralreferentinnen

oder -referenten werden möchten, mitgeben möchten?

Ich glaube, das Allerwichtigste ist, diese Offenheit

für die Leute und ihre Bedürfnisse zu haben. Alles

andere kann man regeln. Wenn es beispielsweise

darum geht, sich abzugrenzen, muss man das nicht

mit der „Holzhammermethode“ machen, von vorn-

33


Ich glaube, das Sllerwichtigste ist,

diese Offenheit für die Leute und

ihre Bedürfnisse zu haben.

Alles andere kann man regeln.

Wenn es beispielsweise darum geht,

sich abzugrenzen, muss man das

nicht mit der „Holzhammermethode“

machen, von vornherein die Menschen

mit ihren Anliegen wegzuschicken,

abzuweisen oder auf andere Zeiten zu

verweisen, weil man eventuell jetzt

gerade keine Sprechzeiten hat.

Das lässt oft schon offene Türen

zugehen und macht von vornherein

zum Beispiel gute, offene und fruchtbare

Begegnungen unmöglich.

Elfriede Sacha


Es ist im Grund eine Selbstentmündigung

zu sagen: Solange sich in den Strukturen

nichts ändert, kann ich in diesem Kirchenladen

nicht sein. Wir können doch nicht so tun,

als ob das Evangelium und alles, was in der Pastoral,

in der Caritas und in den Gemeinden geschieht,

nichts wert ist. Du kannst doch im Sinne des

Evangeliums und im Sinne von Jesus Christus

jetzt und heute leben! Ihm möchten wir doch

eigentlich folgen. Und niemand hindert mich

daran, außer ich selbst. Und: Ich habe Kirche

immer vor allem als Lebensstrom erlebt,

in dem ich wie ein Fisch im Wasser schwimmen kann.

Ich lebe ja selbst vom Beispiel, das mir andere geben,

von dem, was andere mir sagen, mir zutrauen,

von mir erwarten, ja, auch von ihrer Kritik.

Thomas Keller


36


RUHESTAND

„Die halbe

Miete bei der

Pastoral ist

Freundlichkeit”

PFARRER IM RUHESTAND Als Priester hat man keinen „klassischen“

Ruhestand, aber darüber ist Thomas Keller (78) froh,

denn das verhindere auch, dass man versauert. Trotzdem verbringt

er seinen Ruhestand im Seniorenzentrum St. Anna in

Schwäbisch Gmünd. Warum er sich in der Kirche immer wie

ein Fisch im Wasser fühlte, welche Wegstationen ihn prägten

und was ihn bei aktuellen Diskussionen umtreibt, hat er für

berufen mit uns im Interview geteilt.

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Herr Keller, wie würden Sie Ihren Ruhestand in wenigen

Worten beschreiben?

Ich bin froh, dass ich auch im Ruhestand immer noch

eine feste Aufgabe habe. Ich halte jeden Sonntag im

Kloster der Franziskanerinnen die Messe und habe –

anders als in meiner Zeit als Gemeindepfarrer mit

Team – für jeden Sonntag eine Predigt vorzubereiten.

Das fordert mich schon. Ansonsten rücken natürlich

die Verwandten und Freunde wieder mehr in

den Blick.

Wie sieht denn Ihr Alltag aus?

Ich schreibe seit fünf Jahren eine Art Tagebuch.

Wenn ich in dieser Woche hineinschaue, sind es

lange nicht mehr so viele Termine wie früher. Am

Sonntag nach dem „eigenen“ Gottesdienst schalte

ich oft auch den Fernsehgottesdienst ein, um auch

Predigthörer sein zu können. Ansonsten gibt es

mehr Zeit für Besuche und Gespräche oder Telefonate

und für Lektüre. Manchmal fahre ich mit dem

Auto in die Natur, suche eine Bank und lese. Und die

Hausarbeit braucht auch ihre Zeit …

Sie sind in Ellwangen aufgewachsen. Wie ging es dann

für Sie weiter?

Ellwangen ist natürlich meine Heimat, die mich

maßgeblich geprägt hat: die Jugendarbeit, die Ministranten,

die nahe Stiftskirche. Mein Bruder ist drei

Jahre älter und hat denselben Weg eingeschlagen,

da hat von ihm schon etwas auf mich abgefärbt. Ich

weiß noch, wie der damalige Konviktsdirektor, als

ich mit unserer Mutter meinen Bruder im Wilhelmsstift

besucht habe, sagte: „Sie kommen dann auch,

wenn es so weit ist.“ Und am Schluss war es dann so.

Das Studium war sehr prägend. Zu dieser Zeit war

Hans Küng in Tübingen, der mit seiner theologischen

Weite uns den Horizont geöffnet hat. Allerdings

war das Priesterseminar anfangs noch vom

alten Stil der Priesteraszetik geprägt. Das hat nicht

mehr zusammengepasst und da hat es dann auch ab

und zu gebrodelt. Ich erinnere mich, wie die Einführung

in die Tonsurliturgie einfach geplatzt ist …

Und in welchem Jahr war Ihre Priesterweihe?

1968. Dieses Jahr sagt ja schon einiges.

Und was lesen Sie dann?

Unterschiedliches, gerne Theologisches und Biografisches,

natürlich auch mit aktuellem Bezug, zum

Beispiel das Buch „Weil Gott es so will“ von Philippa

Rath. Ich muss ehrlich sagen, ich war am Anfang

skeptisch im Blick auf Formulierungen wie: Die

Frauen haben Anspruch auf das Amt. Niemand hat

Anspruch auf das Amt – es ist ein Dienst. Aber als

Mann hat man ja da leicht reden! Schade ist nur,

dass mit „Ansprüchen“ das berechtigte Anliegen fast

ein bisschen diskreditiert wird. Das Thema selbst ist

auf jeden Fall unumgänglich gestellt und es muss

sich da in unserer Kirche Entscheidendes ändern. Als

ich dann das Buch zu Ende gelesen habe, haben mich

jedenfalls die meisten Frauen, die hier geschrieben

haben, überzeugt, weil sie den priesterlichen Dienst

genau aus den Gründen machen wollen, aus denen

ich ihn tue.

Hat diese, wie Sie sagen, „aufrührerische“ Zeit, in der

Sie studiert haben und zum Priester geweiht wurden,

Ihr Priesterbild beeinflusst?

Auf jeden Fall. Ich bin von Ellwangen in der Prägung

des selbstverständlichen Katholizismus gekommen.

Bloß als Beispiel: Als Oberministrant habe ich noch

glühend die Meinung vertreten, dass nur Jungen ministrieren

dürfen. Das hat sich dann aber bald durch

das Studium und die Kollegenschaft mit meinen

Mitbrüdern verändert. Alles zusammen hat bewirkt,

dass wir wirklich den Impuls gespürt haben: Wir

wollen mithelfen, etwas in Bewegung zu bringen.

Das beflügelte.

Wie nehmen Sie die Veränderungen in der Kirche

wahr, von Ihrer Studienzeit zur Situation heute?

Es liegt mir vom Naturell her eigentlich nicht, mich

am Frust aufzuhalten. Es ist im Grund eine Selbstentmündigung

zu sagen: Solange sich in den Strukturen

nichts ändert, kann ich in diesem Kirchen-

38


laden nicht sein. Wir können doch nicht so tun, als

ob das Evangelium und alles, was in der Pastoral, in

der Caritas und in den Gemeinden geschieht, nichts

wert ist. Du kannst doch im Sinne des Evangeliums

und im Sinne von Jesus Christus jetzt und heute

leben! Und niemand hindert mich daran, außer ich

selbst. Ich habe Kirche immer vor allem als Lebensstrom

erlebt, in dem ich wie ein Fisch im Wasser

schwimmen kann. Ich lebe selbst vom Beispiel, das

mir andere geben, von dem, was andere mir sagen,

mir zutrauen, von mir erwarten, ja, auch von ihrer

Kritik.

Wie haben Sie die Zeit erlebt, in der das Berufsbild des

Pastoralreferenten/der Pastoralreferentin eingeführt

wurde?

Als der Beruf eingeführt wurde, habe ich mich gefragt,

ob es vielleicht einen Theologiestudenten gibt,

der Interesse für diesen Beruf zeigt und in unserem

Team mitarbeiten will. Es gab einen und mit ihm

wurde ich in Verbindung gesetzt, ein patenter und

herzerfrischender Mensch. Ich dachte, solche Leute

brauchen wir. Und seither habe ich immer mit Pastoralreferenten

oder Gemeindereferenten zusammenarbeiten

können. In den Gemeinden, in denen

ich tätig war, waren wir immer eine bunt gemischte

Truppe. Es motiviert einen ja selbst, wenn man miteinander

arbeiten und zusammen reflektieren kann.

Im Rückblick auf all Ihre Jahre als Priester: Erinnern Sie

sich an einen besonderen Herzensmoment?

Es gibt viele Begegnungen und Bilder, die mir bleiben.

Aber so eine Art „Urbild“ für meinen Glauben

und mein Zuhause in der Kirche verbindet sich mit

einem Moment aus meiner Ministrantenzeit in der

Ellwanger Stiftskirche: Ein kalter Wintermorgen im

Februar, der alte wortkarge Mesner kommt etwas

spät, schließt die Sakristei auf und schickt mich zum

Läuten der „Susann“, die alle meine Kraft braucht,

dann der Dienst am Altar, auf den gerade in diesen

Minuten der Strahl der Morgensonne fällt. Der Glockenklang,

die Stille, das fast Mystische – das war so

ein Moment, der sich mir eingeprägt hat und mich

mit der Kirche als eine Art „Heimat von einer anderen

Welt“ verbindet.

Wie nehmen Sie die aktuellen Diskussionen um das

Priesteramt wahr?

Das ist ein Thema, das mich sehr bewegt. Da hat sich

bei mir auch im Laufe der Zeit etwas verändert. Im

Priesterseminar hat man uns damals noch ein recht

abgehobenes Priesterbild eingetrichtert. Trotzdem

war es damals klar, dass das nicht unsere Vorstellung

vom Priestersein ist. Gegen eine sakrale Überhöhung

steht im Zentrum der „Dienst an der Einheit“. Der

Priester ist nicht der „heilige Mann“, der durch seine

geweihten Hände Christus präsent „macht“. Er soll im

Auftrag Christi Gemeinde sammeln und aufbauen.

Darum ist es auch seine Aufgabe, die Eucharistie zu

leiten, weil es das Sakrament der Einheit ist, der Einheit

mit Christus und der Einheit untereinander.

Haben Sie Tipps für die jüngere Generation aus Ihrem

Erfahrungsschatz?

Ich bin immer vorsichtig mit Ratschlägen, weil es

auch „Schläge“ sind. Auf jeden Fall sollte man sich

nicht an Äußerlichkeiten aufhalten. Kirche besteht

aus Menschen, und wo Menschen sind, brauchts

auch eine gewisse Frustrationstoleranz. Aber was

gibt es Spannenderes und Motivierenderes, als mit

anderen zusammen im Sinn des Evangeliums

Gemeinschaft zu bauen, also das, was mir Perspektive

für mein Leben gibt, mit anderen zu teilen! Entscheidend

ist die Freude an Christus und am

Evangelium und das Interesse für Menschen. Und

letztlich ist meine Erfahrung: Die halbe Miete in der

Pastoral ist die Freundlichkeit, mit der ich auf andere

zugehe.

TEXT FRANZISKA MOOSMANN (22)

39


„Kein Maß

kennt die Liebe”

Meine Objekte sind in ihrem Wesen Bilder für mein, aber auch unser Leben. Die

Natur lehrt mich viel über das Sein. So auch meine Arbeiten, denn auch sie haben

ihre Eigendynamik. In vielen meiner Arbeiten klingen Themen wie „Werden und

Vergehen“, „Zerbrechlichkeit“,„Verletzbarkeit“,„Achtsamkeit“ und „Zärtlichkeit“

an. Es ist mir immer eine Freude, wenn bei meinen Kunstwerken etwas passiert,

was nicht ich gemacht oder geplant habe. Ein Beispiel sind die Blütenschalen: Ich

wollte Schalen – sie haben sich ohne mein Zutun zu kokonartigen Gebilden eingerollt.


„Geschehen lassen“ ist für mich eine Grundhaltung

in der Kunst. Es bringt mich zum Staunen, wenn ich

der unbekannten Größe „Eigendynamik“ Raum gebe

und entdecken darf, was passiert.

Gleichzeitig gibt es bei meinen fragilen Objekten natürlich

Dinge, von denen ich eigentlich nicht will,

dass sie passieren. Wenn ich sie ausstelle, ist das Risiko

hoch, dass ein Objekt beschädigt wird. Da sie

„Bilder für das Leben“ sind, entspricht es ihnen nicht,

sie abzuschirmen, zu sichern und unberührbar zu

machen.

Und so konnte passieren, was ich nicht wollte: Eine

meiner Rosenblütenschalen stürzte noch vor der Eröffnung

der Ausstellung vom Podest. Es war etwas

geschehen, was nicht ungeschehen gemacht werden

kann. Ich reagierte tief getroffen. Die Blütenschale

wurde zerbrochen am Boden gefunden!

Wirklich niemand weiß, wie es passiert ist. Niemand

hat es gesehen! Vielleicht war es ein Luftzug, denn

die Schale wiegt ja nur 14 Gramm? Als ich das erste

Foto von der zerbrochenen Schale sah, war es nicht

so schlimm, wie ich es mir ausgemalt hatte. Ich

stellte mir die Schale in Einzelstücken vor. Aber sie

war gar nicht ganz zerbrochen. „Nur“ aufgebrochen.

Dann ereignete sich die Entdeckung des „Bildes für

das Leben“: Die ursprünglich runde Schale hatte in

ihrer Aufgebrochenheit ganz neue Anmutungen,

etwas von Flügeln, etwas von einem abgestürzten

Vogel – und damit doch viel mehr Nähe zu meiner

Realität, die nicht ganz heil und nicht nur schön ist.

41


Hinter Glas wäre meine Blütenschale in Sicherheit

gewesen, doch das Glas schafft auch Distanz. Sicherheit

und Schutz gehen auf Kosten der Unmittelbarkeit

und Nähe. Wenn mir also die Unmittelbarkeit

der höhere Wert ist, muss ich das Risiko der Beschädigung

meiner Objekte eingehen. Durch den ungewollten

Absturz wurde das Thema der Schale: „Kein

Maß kennt die Liebe“ in eine tiefere und existenziellere

Ebene gebracht: Zur Liebe gehören Nähe, Intimität

und Verwundbarkeit.

„Kein Maß kennt die Liebe“ war der Versuch, etwas

über das Leben und die Liebe auszusagen. Ein Abschirmen

durch Glas hätte die Vertiefung dieser Botschaft

nicht möglich gemacht.

42


„Den Schatz der Erkenntnis des göttlichen Glanzes

auf dem Antlitz Christi

tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen;

so wird deutlich,

dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.

Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben

und finden doch noch Raum;

wir wissen weder aus noch ein

und verzweifeln dennoch nicht;

wir werden gehetzt

und sind doch nicht verlassen;

wir werden niedergestreckt

und doch nicht vernichtet.

Wohin wir auch kommen,

immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib,

damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.“

(2 Korinther 4, 7–10)

43


EDITH

STEIN

SAINTS

TODAY


Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen

wir unser Herz öffnen für das Licht von oben.

Edith Stein

Von allen Heiligen beeindrucken mich diejenigen am

meisten, die sich für Arme, Kranke und Entrechtete

einsetzten. Hierzu zählt auch Edith Stein, die am 12.

Oktober 1891, also vor 130 Jahren, in Breslau geboren

wurde. Besonders wichtig finde ich ihren Beitrag zur

Zusammenarbeit von Juden und Christen.

Edith Stein wuchs als jüngstes von elf Kindern in

einer jüdischen Familie auf. Ab 1911 studierte sie an

den Universitäten Breslau und Göttingen die Fächer

Psychologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik.

1916 stellte sie ihre Doktorarbeit fertig. Bereits in

jungen Jahren distanzierte sie sich vom jüdisch-orthodoxen

Glauben. Von der Lektüre der heiligen

Teresa von Ávila ergriffen, konvertierte Edith Stein

1922 zur römisch-katholischen Kirche. Als die Nationalsozialisten

an die Macht kamen und gegen die

jüdische Bevölkerung hetzten, wandte sich Edith

Stein 1933 in einem Brief an den damaligen Papst

Pius XI. und forderte ihn zum Protest gegen die Judenverfolgung

auf. Eine Reaktion des Papstes blieb

jedoch aus. Um ihr Umfeld zu schützen, gab Edith

Stein ihre Anstellung als Dozentin in Münster auf. Sie

trat dem Kloster der Karmelitinnen in Köln bei und

erhielt den Ordensnamen Teresia Benedicta vom

Kreuz.

Als 1938 ihre jüdische Abstammung amtlich bekannt

wurde, siedelte Edith Stein in den Karmel im niederländischen

Echt über. Doch zwei Jahre nach der Besetzung

der Niederlande ordneten die Nationalsozialisten

im Jahr 1942 die Deportation der niederländischen

Juden an. Der Protest der Niederländischreformierten

Kirche und der katholischen Bischöfe

gegen die Deportation führte letztlich dazu, dass die

Nationalsozialisten auch alle zum Christentum konvertierten

Juden verschleppten – so auch Edith Stein.

Am 9. August 1942 wurde sie im Konzentrationslager

Auschwitz-Birkenau ermordet.

Am Leben Edith Steins zeigt sich die Wichtigkeit der

jüdisch-christlichen Zusammenarbeit. Auch nach

ihrer Konversion zum katholischen Glauben blieb sie

mit dem jüdischen Volk eng verbunden. Edith Steins

Appell an Papst Pius XI. im Jahr 1933 zeigt, dass sie

schon früh das menschenverachtende Weltbild der

Nationalsozialisten erkannte. Bemerkenswert an

Edith Stein finde ich auch, dass sie trotz ihrer hohen

intellektuellen Fähigkeiten bodenständig blieb und

ein einfaches Leben als Ordensfrau führte. Ihre Ermordung

im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

beendete das Leben einer Frau, die sich für andere

Menschen und für den Frieden einsetzte. Daher ist

meiner Meinung nach der Dialog, die Zusammenarbeit

zwischen den Religionen und der Einsatz für

Frieden und Menschenrechte die wichtige Botschaft,

die von Edith Stein bleibt.

TEXT JAKOB RAGER (23)

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TERMINE

Päpstliches Werk für geistliche Berufe

Gebetsgemeinschaft für Berufe in der Kirche,

rund um den 08.05.2022: Wo bin ich richtig? –

GO FOR IT: Aktionswoche und Aktionstag zum Thema Berufung.

Dezentrale Aktion – Infos werden noch bekannt gegeben.

Gebetsbildchen mit dem Jahresgebet 2022 können bei

der Diözesanstelle Berufe der Kirche bestellt werden.

Diözesanstelle Berufe der Kirche

Tübingen

• 27.11.2021 Besinnungstag im Wilhelmsstift

für interessierte Männer am Priesterberuf

• 17.12.2021 Studieninfotag Theologie,

Angewandte Theologie und Religionspädagogik

• 28.01.2022 Infotag Pastorale Berufe und Religionslehrer/in

• 12.03.2022 Workshop „Entschieden entscheiden“

Andere Orte

• 06.–08.05.2022 Spirituelles Wochenende im Kloster – Benedikt,

Franziskus, Vinzenz … und ich?

Abtei Kellenried

• 11.–12.06.2022 Jugendtag Untermarchtal

• 24.–25.06.2022 Infotagung Ständiger Diakonat in Heiligkreuztal

(Anmeldung bis Do 15.06.2022,

Sekretariat Frau Winter 07371 965819)

• 17.07.2022 Infotag Ständiger Diakonat in Neckarsulm

(Anmeldung bis Sa 07.07.2022 beim Ausbildungszentrum für

Ständige Diakone, Tel. 07371 965819, Sekretariat Frau Winter)

Anmeldung, soweit nicht anders angegeben, bitte bis

eine Woche vorher bei berufe-der-kirche@drs.de

(alle Termine vorbehaltlich einer coronabedingten Absage).

Weihe- und Beauftragungsfeiern

• 12.03.2022 Diakonenweihe

• 04.06.2022 Weihe der Ständigen Diakone

• 02.07.2022 Verleihung der Missio Canonica an Religionslehrer/innen

• 02.07.2022 Beauftragung der Pastoralassistent/innen

• 09.07.2022 Priesterweihe

• 16.07.2022 Beauftragung der Gemeindeassistent/innen

• 17.07.2022 Verleihung der Missio Canonica an Religionslehrer/innen

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SPENDEN AN DAS PÄPSTLICHE WERK

FÜR GEISTLICHE BERUFE

Wenn Sie die Arbeit des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe

unterstützen möchten, ist uns Ihre Spende willkommen!

Empfänger: Bistum Rottenburg-Stuttgart

Volksbank Herrenberg-Rottenburg

IBAN: DE48 6039 1310 0005 4040 02

Verwendungszweck 1: 512020

Verwendungszweck 2: Päpstliches Werk

für geistliche Berufe

Für die Ausstellung einer Zuwendungsbestätigung benötigen

wir den Namen und die Adresse des Spenders. Vielen Dank!

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Leben teilen

Die Bahnhofsmission Stuttgart hat sich im Vorfeld

des Katholikentages an der Aktion "Leben

teilen" beteiligt und die erste monatliche Ziehung

gewonnen. Die Aktiven der Bahnhofsmission

gestalteten aus kleinen Überresten von

Sturmholz Engel. Mit Spenden für einen Engel

unterstützen die Stuttgarter so u.a. die Bahnhofsmissionen

in Hagen und Wuppertal, die

sich um Menschen kümmern, die durch die

Flutkatastrophe in diesem Jahr in existenzielle

Not geraten sind.