BUNTE Spezial

sachsen

Begegnungen mit Sachsen

SPEZIAL Begegnungen mit Sachsen

NOVEMBER 2017

Film

Von Sachsen

nach Hollywood

Szene

VIP-Tipps vom

Erzgebirge bis

ins Vogtland

Kultur

Von Meisterschülern

&

Kunstsammlern

Winterzauber, Aschenputtel-

News & Adventsgenuss

TOP-MODEL

Nicole Atieno

SACHSEN

ist & bleibt meine

HEIMAT

Verlagssonderveröffentlichung


Editorial

ZAUBER DER

WINTERZEIT

ROBERT PÖLZER

Chefredakteur

Ich musste, was schön sei, nicht erst

aus Büchern lernen … Ich durfte

die Schönheit einatmen wie Försterkinder

die Waldluft“, schrieb einst

der berühmte Dresdner Schriftsteller Erich

Kästner in einer Liebeserklärung über

seine Heimatstadt. In seinen Erzählungen

über Dresden folgen wir ihm auf der

Königsbrücker Straße in der Dresdner Neustadt

über die „abendlich funkelnde

Prager Straße“ zum Weihnachtsmarkt.

Welche Pracht! Funkelnd, verführerisch duftend

und voller zauberhafter kleiner

Geschenke sind die Buden und Stände bis

heute auf dem berühmten Striezelmarkt.

Ich erinnere mich gut an meinen letzten Besuch

und den leckeren Dresdner Stollen,

der sich gar köstlich zum warmen Punsch

gesellte und ein wohliges Gefühl samt

der Vorfreude auf die ruhigere Zeit am Jahresende

auslöste. Vielleicht geht es Ihnen dann

wie mir und den meisten Menschen – wenn

man zur Ruhe kommt, besinnt man sich

auf das, was wirklich zählt: Familie, Frieden

und die Freude über das, was man hat.

HIER IST TRADITION NOCH LEBENDIG

DER WEIHNACHTS-

MARKT in Dresden

heißt Striezelmarkt

und ist berühmt für

seine Opulenz.

Kinderaugen funkeln

hier angesichts der

traditionellen sächsischen

Köstlichkeiten

FOTO: PAUL HAHN/LAIF

COVER

fotografiert von

Joachim Baldauf

für BUNTE im

Militärhistorischen

Museum Dresden.

Kleid: Marchesa

Notte,

Ohrschmuck:

Saskia Diez

IMPRESSUM VERLAG BUNTE Entertainment Verlag GmbH, Arabellastr. 23, 81925 München CHEFREDAKTEUR Robert Pölzer (V.i.S.d.P.) STV. DES

CHEFREDAKTEURS Sebastian Graf von Bassewitz STV. CHEFREDAKTEUR Christian Guth (Optik) ART DIRECTION Christian Guth TEXTCHEF Rolf Hauschild, Georg

Thanscheidt CHEF VOM DIENST Thomas Spitznagel (Ltg.), Gabriele Wider CREATIVE DIRECTOR Désirée Rohrer ARTWORK/ COVER/LAYOUT Sennur Sakarya

REDAKTION Désirée Rohrer (Ltg.), Claus Dreckmann, Antje Harders, Henriette Herfeldt, Christian J. Goldsmith, Katharina Kaefferlein, Manfred

Otzelberger, Petra Pfaller (Ltg. Mode/Lifestyle), Mirjam Schmelz, Sandra Schmidt, Georg Seitz, Barbara Woinke AUTOR: Walter Drechsel

FOTOREDAKTION Tom Bohlen (Ltg.); Ulrike Kamleitner-v. Keussler, Laura Piantoni BILDBEARBEITUNG pixel4media - Burda Magazine Holding GmbH SCHLUSS-

REDAKTION Kresse & Discher GmbH, Offenburg DRUCK Burda Druck GmbH, Offenburg HEAD OF BRAND MANAGEMENT/SENIOR BRAND MANAGER Meike

Nevermann, verantwortlich für den Anzeigenteil: Christoph Claus, AdTech Factory GmbH & Co. KG DIRECTOR FINANCE & HEAD OF SHARED SERVICES Andrea Laub

GESCHÄFTSFÜHRERIN Manuela Kampp-Wirtz

Eine Gemeinschaftsveröffentlichung von BUNTE und DER SÄCHSISCHEN STAATSKANZLEI. DIESE DRUCKSACHE WIRD AUF DER GRUNDLAGE DES

VON DEN ABGEORDNETEN DES SÄCHSISCHEN LANDTAGS BESCHLOSSENEN HAUSHALTES ZUR VERFÜGUNG GESTELLT.

BUNTE 45 | 2017 3


Wussten Sie …?

SACHSEN weckt Emotionen,

Entdeckergeist und erfindet sich

immer wieder neu …

Für ihre Rolle als

Gerda in „THE

DANISH GIRL“ bekam

Alicia Vikander den

Oscar für die

beste Nebenrolle.

Gedreht wurde

auch in Dresden

Ein Land wie eine

SCHATZTRUHE

SÜSSE MEDIZIN

Für die einen ist es Hokuspokus,

für die anderen alternative Medizin:

Homöopathie. Der Erfinder Samuel

Hahnemann ist in Meißen geboren.

Im Sächsischen Apothekenmuseum

(sav-net.de/museum/deutsch/

ueber-uns) in Leipzig gibt es eine

Ausstellung dazu. Globuli werden

ebenfalls in Sachsen produziert.

300 KILO

kann dieses Tigerbaby

schwer werden, wenn es

ausgewachsen ist. Der Zoo

Leipzig ist mit über 350 Geburten

(seit 1957) weltweit

der erfolgreichste Züchter

dieser stark gefährdeten

Tierart. Seit 2003 leben die

Tiere im Leipziger Zoo

(zoo-leipzig.de) in der Tiger-

Taiga. Dort können die wunderbaren

Tiere auch beim

Schwimmen beobachtet

werden oder bei der

Fütterung (tägl. 14 Uhr). Seit

1973 wird in Leipzig auch

das Internationale Tigerzuchtbuch

geführt und liefert

wertvolle Informationen

für weitere Zuchten.

AUF DER

GANZEN WELT

gibt es kaum einen

schöneren Milch laden

als Pfunds Molkerei

in Dresden (pfunds.de).

Genuss für viele

Sinne. Neben der

opulenten Optik darf

geschnuppert und

probiert werden. Seit

1997 ist der im Jahr

1880 eröffnete Laden

sogar im „Guinness

Buch der Rekorde“ und

steht quasi als Sinnbild

für die Lebenslust

der Sachsen.

FOTOS: LAIF, SHUTTERSTOCK (3), FOCUS FEATURES, VOLKSWAGEN, UNIVERSAL PICTURES INTERNATIONAL GERMANY GMBH, SCHLOSS WACKERBARTH

ERGREIFEND

ist die Geschichte des Malers Einar

Wegener (später Lili Elbe). Der Hollywood-Film

(Eddie Redmayne in der

Hauptrolle) über die erste Transgender-

OP durch den Dresdner

Arzt Warnekros wurde mehrfach

ausgezeichnet.

EINMALIG

ist Europas erstes Erlebnisweingut

Schloss Wackerbarth. Inmitten

einer barocken Schloss- und Gartenanlage

wird auf modernste Art Sekt

und Wein hergestellt. Wo schon

August der Starke mit Gefolgschaft

rauschende Feste feierte, werden

heute Verkostungen, Weinwanderungen,

Führungen & Konzerte im Sächsischen

Staatsweingut veranstaltet.

schloss-wackerbarth.de

Geschichte wird lebendig in

den Büchern von Bestsellerautorin

Sabine Ebert, die in

Leipzig lebt und schreibt. Die Historienromane

spielen immer in Sachsen. Viele – wie

z. B. „Das Geheimnis der Hebamme“ – wurden

verfilmt. Das zweite Buch „Der junge

Falke“ der großen Trilogie „Schwert und

Krone“ erscheint am 2. November. Gerade

rechtzeitig für kuschelige Sofastunden

voller Spannung. Das großartige

kulturelle Erbe und

die landschaftliche Schönheit

Sachsens inspirieren die

Autorin immer wieder neu.

NEUERSCHEINUNG

„Schwert und Krone“

KLETTERN ALS SPORT

wurde nicht etwa in Amerika oder

sonst irgendwo weit weg „erfunden“.

Die Besteigung des Falkensteins

1864 durch G. Tröger, A. Hering,

E. Fischer, J. Wähner und H. Frenzel

(alle aus dem sächsischen Bad

Schandau) war der Anfang. Zehn

Jahre später kletterten O. Ufer

und H. Frick ohne jegliche Hilfsmittel

auf den Mönchstein – der Beginn

des Felskletterns als Sportart.

NEU INTERPRETIERT

geht der legendäre Volkswagen Bulli ab 2022 als

ID BUZZ mit Elektroantrieb an den Start, gefertigt

in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. In der

Dresdner Neustadt hatte er schon mal einen

Auftritt als Foto-Star. Der kleine Bruder namens

ID wird ab 2020 in Zwickau produziert.

BUNTE 45 | 2017 5


Titel

EDEL ist das goldene

Top mit der schwarzen

Schleife. Von Fendi

über stylebob.com.

Ring von Boucheron

AUFGEWACHSEN

ist sie in Kenia,

zu Hause ist sie

auf den Laufstegen

der Welt – aber

ihre Heimat ist

Dresden. Der

große deutsche

Modefotograf

Joachim Baldauf

fotografierte Nicole

Atieno für BUNTE

ier kommt das

neue deutsche

SUPERMODEL!

KULISSE Die

Architektur von

Daniel Libeskind im

Militärhistorischen

Museum in Dresden.

Das Museum

zählt zu den vier

großen Geschichtsmuseen

Deutschlands.

Nicole Atieno trägt

einen Ledermantel

von Longchamp,

Stiefel: Santoni

FOTOS: JOACHIM BALDAUF

C/O AGENTUR NEUBAUER

ASSISTENT: ANDRE MATTHEI,

STYLING: ELCIN AISER C/O

AGENTUR NINA KLEIN

HAIR & MAKE UP ARTIST:

MIRIAM JOCHIM C/O BLOSSOM

MANAGEMENT

BOOKING: ANKE KOPPE

6 BUNTE 45 | 2017


EIN BEZAUBERNDES

LÄCHELN für einen der

besten Modefotografen

Deutschlands: Joachim

Baldauf. Er setzte Nicole

in einem Kleid von Max

Mara in Szene.

Satingürtel: Marina Rinaldi

Schmuck: Cartier

Pumps: Jimmy Choo

MFOTOS: JOACHIM BALDAUF FÜR BUNTE (2), GETTY IMAGES(2), DDP IMAGES

Das hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt:

Als Nicole Atieno, 20, in Dresden ankam, hielt

sie Ausschau nach einer Skyline und gelben

Taxis. Die westliche Welt kannte die damals

Elfjährige nur aus US-Filmen, die sie vorm

heimischen Fernseher in Kisumu am Victoriasee

geschaut hatte. Heute ist Dresden Nicoles

Heimat – auch wenn sie nur noch selten zu

Besuch ist. Denn „die kleine Schwester von

Naomi Campbell“, wie sie gern genannt wird,

erobert gerade die Laufstege in Paris,

Mailand und New York. Sie ist der Liebling

von Gucci-Designer Alessandro Michele

und Wolfgang Joop. Nicole ist unser neues

deutsches Supermodel! Neu auch deshalb,

weil sie sich von ihren heimischen Kolleginnen

abhebt: Claudia Schiffer, Toni Garrn,

Julia Stegner, Anna Ewers – neben der Riege

an Blondinen ist zum ersten Mal eine afrikanische

Migrantin das wichtigste deutsche

Model. Auch beim BUNTE-Shooting im

Militärhistorischen Museum fällt Nicole auf.

Besucher schauen ihr irritiert und bewundernd

hinterher, als sie in Dresden posiert.

u

Vor neun Jahren sind Sie von Kenia nach

Dresden gezogen. Ihr erster Eindruck?

Erst mal war da nur Kälte. Ich bin im Winter

hier gelandet, stand schlotternd am Flughafen

und kam überhaupt nicht klar. Nie

zuvor hatte ich Schnee gesehen und Eis kannte

ich nur aus dem Fernsehen. Meine Mutter

kam mit warmen Klamotten zum Flughafen

und hat mich dick eingepackt. Alles war

fremd – Sprache, Menschen und Kultur. Ich

musste bei null anfangen.

Klingt nach einem holprigen Start?

Eigentlich habe ich mich sehr schnell eingelebt.

Das liegt sicher daran, dass es in meiner

Schule eine internationale Klasse gab und

ich dort gute Freunde gefunden habe. Und es

war so schön, wieder bei meiner Mutter und

ihrem neuen Mann, meinem Adoptivvater, zu

sein. Meine Mama ist vor mir ausgewandert

„DRESDEN – DAS IST LEBENDIGE

GESCHICHTE UND GEMÜTLICHKEIT”

Titel

NEW YORK, Mailand,

Paris … Auf den

großen Fashion-Show-

Catwalks der Welt ist

Nicole Atieno zu Hause

und ich habe in Kenia sechs Jahre lang bei

meiner Oma gelebt. Meine Familie dort vermisse

ich heute sehr.

Sie kommen gerade aus Paris, der Stadt der

Liebe. Welchen Namen geben Sie Dresden?

Dresden ist die Stadt der Kultur und Architektur.

Es gibt viele Prachtbauten und besondere

Museen. Hier wird Geschichte lebendig.

Und die Uhren gehen langsamer. Ich finde,

dass Dresden eine sehr gemütliche Stadt ist.

Und worauf fällt Ihre kulinarische Wahl –

Croissant oder Dresdner Stollen?

Das ist schwierig. Aber der Stollen zur Weihnachtszeit

ist schon ein Hit. Ich mag es, über

den Striezelmarkt zu schlendern, die Düfte

und die besondere Stimmung aufzunehmen. 6

8 BUNTE 45 | 2017


Titel

DER NICOLE ATIENO

STYLE Das Super

model liebt knallige

Farben. Mantel: Lala

Berlin, Roll kragenshirt:

Sportmax, Etuikleid:

Versace über stylebop.

com, Lederhandschuhe:

Jil Sander,

Overknees: Salvatore

Ferragamo, Ohrschmuck

aus Leder:

Saskia Diez

6 Ihre Lieblingsplätze in Dresden?

Mich findet man meist in der Neustadt,

dort sind viele Jugendliche und Studenten,

es gibt Street-Art und mein Lieblingscafé,

die „Schokoladenbar“ – ich bin süchtig nach

Schokolade! Aber auch die Altstadt mit

der Frauenkirche, dem Zwinger und der

Semperoper darf man bei keinem Dresden-

Besuch verpassen. Ich gehe auch oft im

Schlossgarten spazieren.

Wie sind Sie zum Modeln gekommen?

Das war schon immer mein Traum. Als

Jugendliche habe ich stundenlang in Modemagazinen

geblättert und den Signature

Walk von Naomi Campbell geübt. Sie ist mein

großes Idol. Auch meine Mutter war immer

ein Vorbild, sie hat nebenbei auch gemodelt.

Irgendwann habe ich mich dann einfach

beworben und wurde von SMC Model

Management unter Vertrag genommen.

„ICH FINDE ES EXTREM SÜSS, WENN

KLEINE KINDER MIT DEM FINGER AUF MICH

ZEIGEN UND MICH ANLACHEN”

Was fasziniert Sie an Mode?

Fashion ist für mich Kunst. Kleidung ist ein

Mittel, um Gefühle auszudrücken. Ich liebe

es, mich besonders anzuziehen, und muss am

Flughafen jedes Mal Übergepäck bezahlen,

weil ich ein Shopaholic bin. Mein Stil ist sehr

extravagant: knallige Farben, Muster und

verrückte Stoffe. Ich kaufe immer das, was

die meisten Leute nie tragen würden.

Sie zählen zu den wichtigsten Models

unserer Zeit, Gucci-Designer Alessandro

Michele und Wolfgang Joop sind große Fans.

Was soll da noch kommen?

Für mich wirkt das alles immer noch sehr

unwirklich. Die Modeljobs haben mein Leben

komplett umgekrempelt, aber ich bin noch

dieselbe. Nur bin ich jetzt mehr im Flugzeug,

darf Designer-Kleider präsentieren und kann

dadurch Mode aktiv mitgestalten. Das ist ein

Traum, aber auch harte Arbeit. Neben dem

Modeln mache ich mein Abi und möchte die

Schule im nächsten Jahr abschließen. Später

würde ich gern als Stylistin oder Moderedakteurin

arbeiten, und ich möchte unbedingt

hilfsbedürftigen Kindern helfen.

Was machen Sie, wenn Sie frei haben?

Ich gehe gern ins Museum, mein Lieblingskünstler

ist David Hockney. Und wenn

ich den Kopf freikriegen will, tanze ich wild

durch die Wohnung. Das macht mir richtig

gute Laune.

Ihren Erfolg hatten Sie zunächst im

Ausland. Wie erklären Sie sich das?

Keine Ahnung. Eigentlich ist es ja meist

andersrum, aber vielleicht findet in Deutschland

erst jetzt ein Wandel statt. Mein

Eindruck ist, dass farbige Models zurzeit

auch hier sehr gefragt sind.

Haben Sie hier Rassismus erlebt?

Nein, ich habe nie schlechte Erfahrungen

gemacht und ich glaube, dass das Thema aufgebauscht

wird. Allerdings war ich kaum noch

hier, seit Dresden durch Pegida-Aktionen und

den Wahlerfolg der AfD in die Schlagzeilen

gekommen ist. Ich habe mich hier nie fremd

gefühlt. Nur manchmal zeigen Finger auf

mich – aber das ist extrem süß: Es sind kleine

Kinder in der S-Bahn, die mich anlachen

und ihre Eltern fragen, warum ich so anders

aussehe. Ich finde das total niedlich.

Wenn Sie es sich aussuchen könnten: Wo

möchten Sie in den nächsten Jahren leben?

Mein Zuhause ist die Welt. Ich liebe es,

zu pendeln und nicht an einem Ort bleiben

zu müssen – aber auf jeden Fall will ich

immer wieder nach Dresden kommen, denn

hier ist meine Heimat. Ricarda Landgrebe

10 BUNTE 45 | 2017


Kultur

ATELIERBESUCH Auf Leipzigs

legendärem Künstlerareal, der

Baumwollspinnerei, hat Titus Schade

sein Atelier. Bei ihm wachsen die

Klebebandreste zu wahren Türmen

heran. Nur durch genaues Abkleben

erreicht er die nötige Wirkung

Der Architekt

der TRAUME

TITUS SCHADE konstruiert seine Bilder als Fenster in imaginäre

Welten. Längst ist der Leipziger ein gefeierter Star der Kunstszene

PFOTOS: TIM ADLER, UWE WALTER (2)

TYPISCH Eine „Petersburger

Hängung“ von Titus Schade.

Auf einer Leinwand malt er

unterschiedliche Bilder und fügt

sie zu einem Werk zusammen

Seine Bilder sind Miniaturlandschaften: Titus

Schade, 33, führt den Pinsel mit einer Präzision,

dass man glauben könnte, die Werke entstünden

digital am Computer. Seine Bild-in-Bild-Arbeiten

ziehen den Betrachter magisch in den Bann.

Das ist gewollt, wie Titus Schade gegenüber

BUNTE erklärt: „Der Bildraum und die Architektur

sind mein Hauptthema. Der Betrachter

soll meine Bilder betreten können. Er soll spüren,

dass es dort Wege nach rechts, links und zu

allen Seiten gibt. Er soll nicht kurz vorbeigehen,

sondern innehalten. Das ist mein Anliegen.“

Der Meisterschüler des weltberühmten Leipziger

Künstlers Neo Rauch, 57, benötigt keine

realen Vorbilder. Er konstruiert seine Arrangements

aus der Fantasie heraus. Das täuschend

echte Spiel mit Licht und Schatten verleiht

den Inszenierungen eine bestechende Realität.

Wie schafft er das? Titus Schade: „Das sind

Erfahrungswerte. Darauf basiert die Malerei.

Die Motive sind imaginär. Die Räume,

die ich male, sind fiktiv.“

Die gemalte Bildumrahmung ist ein öfter

wiederkehrendes Motiv. So inszeniert er

beispielsweise mehrere Bilder auf einer Leinwand

und erzeugt die Illusion, als hingen

dort verschiedene Werke in der Serie „Petersburger

Hängung“ – der Name stammt von der

Bilderpräsentation in der dortigen Eremitage.

In dem großen Museum in St. Petersburg wird

jeder Wand-Zentimeter aufgrund der Fülle des

GEMALTE Architektur:

Hochpräzise entwirft Titus

Schade seine Mini-Welten

Bestands genutzt. Während andere Künstler

im Rahmen eine Begrenzung ihrer künstlerischen

Freiheit sehen, sieht Schade darin die

Möglichkeit, befreiter zu arbeiten: „In dem

Rahmen kann ein abstraktes Bild stattfinden,

wie meine Wolkenlandschaften, oder aber

eine konstruierte, gegenständliche Szene. Das

spielt keine Rolle. Durch den gemeinsamen

Rahmen wird es wieder eine Arbeit von mir.“

Wie ist das zu verstehen? Titus Schade:

„Ich versuche, den Dingen eine gewisse

Ordnung und Struktur zu geben.“

Ein weiteres typisches Motiv für Schade sind

Fachwerkbauten und streng komponierte Architekturszenerien,

die wie leere Bühnen für ein

Stück wirken, dessen Aufführung unmittelbar

bevorsteht. Da ist es nur schlüssig, dass er für

die Leipzig-Premiere des Stücks „Wolken.Heim“

von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, 71,

ein Bühnenbild am Schauspiel entworfen hat.

Titus Schade spielt mit Winkeln, Durchbrüchen

und Höfen. Plötzlich findet sich da in einem

grauen Hinterhof eine Miniaturszene, die entfernt

an holländische Malerei des 17. Jahrhunderts

erinnert. Ein anderes Mal sind es lebendig

wirkende Wolkenstrudel, die das Fenster im

sonst so kühl gestalteten Raum ausfüllen. Solche

Details machen den Reiz dieser Bilder aus

und lassen Kunstkenner ins Schwärmen geraten.

Um die 4000 Euro kostet eines der kleinformatigen

Bilder. Großformatige Arbeiten entsprechend

mehr im fünfstelligen Bereich.

Claus Dreckmann

ER WILL SEINE WELT SO WEIT

WIE MÖGLICH KONTROLLIEREN

12 BUNTE 45 | 2017 BUNTE 45 | 2017 13


Kultur

SAMMLER AUS

LEIDENSCHAFT

Steffen Hildebrand

will mit seiner privat

geführten Kunsthalle

Menschen für

Kunst begeistern.

Im Hintergrund:

eine Arbeit von

Neo Rauch

Ein Oscar

für das

Theater

DER FAUST PREIS wird

2017 in Leipzig vergeben. Ein

Höhepunkt für die Branche

DER MEISTER

AM PULT

Dirigent Andris

Nelsons in

Aktion

Frischer Wind im

Gewandhaus

ANDRIS NELSONS Der

gebürtige Lette gilt als

genialer Meister des Takts

DER HERR DER BILDER

STEFFEN HILDEBRAND Der Frankfurter verliebte sich in

Leipzig und die Kunst. Die Kunsthalle G2 ist der Liebesbeweis

Zwei Leidenschaften bestimmen

Leben und Arbeiten von Steffen

Hildebrand, 49: Immobilien und

Gegenwartskunst. Der Betriebswirt aus Frankfurt

a. M. besuchte Leipzig erstmals 1990 – noch

als Student. Und war sofort gefangen von der

Stadt und den Menschen. „Viele sind damals aus

Leipzig weggezogen. Mich hat alles hierher

gezogen“, erinnert er sich. „In Leipzig habe ich

Möglichkeiten gesehen, die ich in Frankfurt nicht

gehabt hätte.“ Zufall oder Schicksal: Das erste

Kunstwerk, das er sich 1988 zu Weihnachten

schenken ließ, war die Arbeit „King Lear“ – von

dem Leipziger Künstler Jost Giese. Heute

gehören Meisterwerke von Neo Rauch, David

„VIELE SIND DAMALS WEG AUS LEIPZIG.

MICH HAT ALLES HIERHERGEZOGEN”

Schnell, Matthias Weischer oder Daniel Richter

zu seiner Kollektion. 2015 wagte der Sammler

den entscheidenden Schritt: Im ehemaligen

VEB Datenverarbeitungszentrum eröffnete er

auf über 1000 Quadratmetern die private Kunsthalle

G2. Die Kunsthistorikerin Anka Ziefer, 37,

ist verantwortlich dafür, den Besuchern

Positionen der aktuellen Kunst zu vermitteln.

Dazu darf sie sich der Sammlung Hildebrand

bedienen, muss dies aber nicht tun. Steffen

Hildebrand: „Ich halte mich da komplett raus.

Wir haben noch nie getestet, ob ich überhaupt ein

Vetorecht hätte.“ Das Konzept kommt an: Bei

der Eröffnung musste das G2-Team die Schlange

stehenden Besucher in Gruppen abfertigen. Die

Kunsthalle hat jeden Mittwoch zwischen 15 und

20 Uhr geöffnet; von Donnerstag bis Montag finden

öffentliche geführte Rundgänge in kleinen

Gruppen statt. Die Anmeldung dazu erfolgt

online unter g2-leipzig.de C. D.

FOTOS: CHRIS WOHLBRECHT/G2 KUNSTHALLE LEIPZIG, VG BILDKUNST BONN, GETTY IMAGES, MAURITIUS IMAGES, WWW.ZENNA.DE, LAIF, SHUTTERSTOCK, ISOLDE OHLBAUM/LAIF

LEIPZIG Das berühmte Opernhaus

BESTER TÄNZER? Lou Thabart in „Van Gogh“

DER DEUTSCHE THEATERPREIS

FAUST IST UNDOTIERT

Es geht nur um die Ehre: Die Häuser selbst geben

die Vorschläge ab, um besondere Künstler auszuzeichnen.

U. a. nominiert: Wahl-Leipziger Lou

Thabart für seine Rolle des Theo in „Van Gogh“

an der Leipziger Staatsoper (Leitung Ballettensemble:

Mario Schröder). Der Preis für das

Lebenswerk geht an Schriftstellerin Elfriede Jelinek.

M. S.

ELFRIEDE

JELINEK Die

österreichische

Schriftstellerin

schrieb zahlreiche

grandiose

Theaterstücke

„ICH HOFFE,

ICH KANN

BALD

SAGEN: ICH

BIN ECHTER

LEIPZIGER!”

WELTBERÜHMT Das Gewandhaus (l.)

am Augustusplatz in Leipzig

Für seinen „Lohengrin“ bei den

Bayreuther Festspielen 2010

(Regie: Hans Neuenfels, 76) wurde

Andris Nelsons, 38, frenetisch gefeiert. Und

weil der Weltstar aus Riga so gefragt ist, wartet

man in Leipzig geduldig auf den bereits

2015 der Öffentlichkeit vorgestellen, designierten

Gewandhauskapellmeister. Musikalische

Gastspiele hat Nelsons bereits erfolgreich

hinter sich, Anfang des Jahres wird er

sein Amt antreten. Nelsons gilt als Spezialist

für slawische und deutsche Komponisten

wie Richard Wagner, Antonin Dvorak,

Gustav Mahler oder Dmitri Schostakowitsch.

„Nichtsdestotrotz ist es unser Ziel, die Tradition

des Gewandhausorchesters als Orchester

von Premieren aufrechtzuerhalten“, verriet er

gegenüber BUNTE. Und Leipzig? „Die

Musiker und das Gewandhausteam sind

wunderbar. Und ich liebe

dieseStadt, umso mehr

ich sie entdecke.“ C. D.

14 BUNTE 45 | 2017

ANDRIS NELSONS

freut sich auf Sachsen


Kultur

DER KLEINE

MUCK MIT

DEN ZAUBER -

PANTOFFELN

Puppentheaterfundus

der Staat ­

lichen Kunstsammlungen

Dresden

KLEINER MUCK UND

KALIF STORCH

Seit Generationen nehmen zauberhafte Figu ren

wie der kleine Muck und Kalif Storch Kinder mit in

die Welt des Orients. Wilhelm Hauff (1802–1827)

schuf mit seiner Märchensammlung „Die Karawane“

ein zeitloses Meisterwerk. Auch Künstler Josef

Hegenbarth (1884–1962) verfiel dessen Magie

und illustrierte den Märchenstoff Anfang der 40er-

Jahre mit Feder- und Pinselzeichnungen. Die

Ausstellung zeigt auch 43 Werke, die über Umwege

von der Sowjetunion nach Berlin gelangten.

Dresden, Josef-Hegenbarth-Archiv. Bis 2. April 2018.

kupferstich-kabinett.skd.museum

KALIF STORCH Zeichnung

von Josef Hegenbarth,

der sich intensiv mit Hauffs

Märchen beschäftigte

Zum Staunen und

WUNDERN

GENIALE DILETTAN‐

TEN – SUBKULTUR

DER 1980ER-JAHRE

IN OST- UND WEST-

DEUTSCHLAND

Die 80er: nicht nur modisch laut

und grell, sondern auch künstlerisch

eine wilde Zeit. Eine

deutsche Alternativbewegung

erregte international Aufsehen

mit provokanten Kunst-Aktionen.

Hauptsache, es war gegen

den Mainstream. Bands wie

Einstürzende Neubauten oder

die Punk- und Performance­

Szene gaben der Bewegung ein

Gesicht. Dresden, Albertinum,

Galerie Neue Meister.

Bis 19. November.

albertinum.skd.museum/besuch

MUSIKKASSETTEN aus

dem DDR-Untergrund

EINSTÜRZENDE

NEUBAUTEN Die

Band pflegte den

experimentellen

Musikstil des

Industrial Metal

Unsere BUNTE-AUSSTELLUNGS-

HIGHLIGHTS in Sachsen – märchenhaft,

modisch und ganz schön wild!

HAUTE COUTURE Die

prächtige Mode aus vergangenen

Zeiten fasziniert

eine Besucherin in der

Ausstellung „Kurfürstliche

Garderobe“. Die Stücke

sind bestens erhalten

MACHT UND MODE

Diese Fashion-Show ist einzigartig:

27 Original-Gewänder aus Renaissance

und Frühbarock illustrieren den Modegeschmack

der sächsischen Fürsten.

Schwelgen in Spitze und bunter Seide –

„Destroyed Look“ inklusive. Der zweite

Teil der Ausstellung „Auf dem Weg zur

Kurfürstenmacht“ zeigt Prunk waffen

und Herrscherbildnisse. Dresden,

Residenzschloss. Bis 31. Dezember 2018.

skd.museum

RESIDENZ-

SCHLOSS

DRESDEN Der

ehemalige

Prunksitz der

sächsischen

Kurfürsten und

Kaiser

FOTOS: DPA, STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN (2), RICHARD GLEIM, ERIC TSCHERNOW, SHUTTERSTOCK, DAVID PINZER/STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN; TEXTE: MIRIJAM SCHMELZ

Tipps

MANGAMANIA – GROSSE

AUGEN GARANTIERT!

Die Interaktive Erlebnisausstellung

ist knallbunt

wie eine Wundertüte.

Schloss Augustusburg,

bis zum 10. Dezember.

schloesserland-sachsen.de

TATTOO UND PIERCING –

DIE WELT UNTER DER HAUT

Hunderte Menschen hatten

ihre Haut-Kunstwerke fotografieren

lassen und die

Geschichte dazu erzählt. Jetzt

kann das „Living Archive“ bewundert

werden. Eine neue

Sichtweise auf ein sehr privates

Thema. Leipzig, Grassimuseum.

Bis 7. Januar 2018.

grassimuseum.de

EUROBEAN CHOCOLATE

FESTIVAL

Internationale Schokoladenhersteller

stellen Köstlichkeiten

vor. Ob bio oder Bean-to-

Bar: alles für Leckermäulchen.

Schloss Rochsburg,

3. bis 5. August 2018.

eurobean-festival.org

BUNTE 45 | 2017 17


Kultur

MADE IN

SACHSEN

HANDWERK aus dem Freistaat ist

im ganzen Land zu bewundern. Nur oft weiß

man gar nicht, woher die Schätze kommen …

BÜHNEN BODEN von

C.G.G. Schönfeld in der Opéra

du Rhin in Straßburg

WENN TEPPICHE

KUNST WERDEN …

Von den Bayreuther Festspielen

bis zum Burgtheater Wien

oder „Wetten dass..?“ – viele

Produktionen lassen ihre

Bühnentextilien von der Teppichmanufaktur

C.G.G. Schönfeld

in Crimmitschau herstellen. Was

für die Zuschauer wie Rasen

oder Stoppelfelder aussieht, ist

in Wirklichkeit gewebte

Jute oder Sisal. Für Privathaushalte

gibt es z. B.

Design-Teppiche auf Wunsch.

MODE, DESIGN UND TEXTIL

HABEN TRADITION IN SACHSEN

HAND -

ARBEIT Die

Weber der

1868 gegründeten

Seidenmanufaktur

Eschke

HISTORISCHER GLANZ

Die Seidenmanufaktur Eschke aus Crimmitschau

lässt Pracht und Eleganz vergangener Epochen

wieder aufleben. Wenn Schloss Moritzburg oder

das Stockholmer Rathaus neue Seidentapeten

oder Damastvorhänge benötigen,

wird Wolfgang Eschke in Sachsen

kontaktiert. Wünsche ab sechs

Meter werden erfüllt!

EXPERTE für historische

Textilien: Wolfgang Eschke

KRIPPENPLATZ?

KEIN PROBLEM!

Wenn die Weihnachtszeit

zu Ende ist, kann

man bei den

DESIG-

Krippen von

NER: Sven

Deutloff & unoferrum Maria,

Clemens Josef und Co.

Haufe

einfach aus der

Steckvorrichtung nehmen

und mit Magnet auf der Rückseite

der Holzplatte anbringen.

So geht keine Figur verloren

und die Deko kann

platzsparend bis zur nächsten

Adventszeit gelagert werden.

Die Idee kommt von Sven

Deutloff und Clemens Haufe,

die sich im Studium der

Holzgestaltung

kennengelernt

haben.

KRIPPE

„Silhouette“

zum Stecken

von unoferrum

UNRUH,

Zahnrädchen,

Federwelle

– wer

in Glashütte

arbeitet,

kennt die

Details

einer kostbaren

Uhr

BEGEHRTE SAMMLEROBJEKTE

Die feinen Erzeugnisse aus dem kleinen Ort Glashütte

im Osterzgebirge (ca. 7000 Einwohner)

stehen weltweit bei Uhrenliebhabern ganz oben

auf der Wunschliste. A. Lange & Söhne oder

Glashütte Original sind klangvolle Namen, die von

der großen Handwerkskunst des Uhrmacherhandwerks

zeugen. Die Tradition führt zurück bis

ins Jahr 1845, als Uhrmacher Ferdinand

Adolph Lange den Grundstein dazu legte.

FOTOS: OPERA DU RIN STRASBOURG, DPA(2), RAINER WEISFLOG(2), UNOFERRUM(2); TEXTE: SANDRA SCHMIDT

18 BUNTE 45 | 2017


Szene

STEPHANIE

Stumph liebt

ihre sächsische

Heimat

Dresden und

das Elbland

Promis verraten

ihre -ORTE

MEISSEN, nur 25 km von

Dresden entfernt, wurde

berühmt durch das Porzellan.

Die markanten Türme des

Meißner Doms prägen seit über

1000 Jahren das Stadtbild.

Die benachbarte Albrechtsburg

gilt übrigens als das älteste

Schloss Deutschlands

RAKOTZBRÜCKE

Auf ihrem Blog erklärt

Luise: „Die Brücke ist

einsturzgefährdet und das

Betreten der Brücke daher

streng verboten. Also

genießt lieber den umliegenden

Kromlauer Rhododendronpark.“

Tipp:

Besonders im Frühling erlebt

man den Farbenrausch von

Tausenden Blüten.

INFLUENCER

Über 85 000

Follower hat die

Dresdnerin

auf Instagram

STEPHANIE

STUMPH

Die gebürtige

Dresdnerin kennt

die Topadressen für

Leckermäuler in der

Landeshauptstadt.

Tipp für Kulturfans:

ein Ausflug ins

Umland und nach

Meißen

SÄCHSISCHES

ELBLAND

RISTORANTE ENOTRIA DA MIRI „Bella Italia

an der Elbe! Meine liebsten italienischen Restaurants

sind das ,Classico Italiano‘ an der Frauenkirche und das

,Enotria da Miri‘ in der Kleinen Brüdergasse. Dort gibt

es die besten Spaghetti aglio e olio und ein Top-Tiramisu.“

ALTMARKTKELLER „Wer es

deftig mag, ist im Gewölbe vom

,Altmarktkeller‘ gut aufgehoben. Dort gibt

es sächsisch-böhmisches Essen

wie Rindergulasch oder Schweinshaxen

mit Knödeln und regionale Biere.“

FOTOS: ACTION PRESS, DDP IMAGES, SHUTTERSTOCK, STEPHANIE SCHRÖDER, IMAGO, PETER HIRTH/LAIF, HUBER IMAGES, RAINER WEISFLOG, PAUL KUCHEL/PYKADO, WWW.ENOTRIADAMIRI.DE; TEXTE: KATHARINA KAEFFERLEIN, HENRIETTE HERFELDT

OBERLAUSITZ

HAUS SCHMINKE 1930

entwarf Hans Scharoun das Haus für

den Fabrikanten Fritz Schminke – es

ist eines der bekanntesten Architekturwerke

im Bauhaus-Stil. Von April bis

Oktober ist das Haus geöffnet – danach

sind angemeldete Führungen möglich.

Und: Man kann dort übernachten.

KLOSTER

OYBIN Das

Kloster auf dem

514 Meter hohen

Oybin-Berg im

Zittauer Gebirge

wurde bereits 1369

gegründet. Am

25. Dezember

findet dort die historische

Kaiserweihnacht

statt.

KRABAT-MÜHLE

SCHWARZ-

KOLLM

Die sagenumwobene

Mühle ist nicht nur

für Otfried-Preußler-

Fans ein echtes Highlight.

Jeden Sommer

finden dort die Krabat-

Festspiele statt: Theaterstücke

frei nach

mündlichen und

schriftlichen Erzählungen

rund um Krabat.

LUISE

MORGENEYER

Die Bloggerin

(kleinstadtcarrie.net)

verrät ihre liebste

Foto-Location:

die Rakotzbrücke.

Außerdem: wo man

in der Oberlausitz

Architektur und

Kultur erleben kann

20 BUNTE 45 | 2017


Szene

VOGTLANDTHEATER

PLAUEN

„Das Plauener Theater ist

wunderschön und hat Charakter.

Wann immer ich die

Zeit habe, besuche ich die

Veranstaltungen. Im November

werden dort z. B. das

Musical ,Ein Käfig voller Narren‘,

die Komödie ,Cyrano

de Bergerac‘ und das Ballett

,Schwanensee‘ aufgeführt.“

BURG STOLPEN

„Die eindrucksvolle Folterkammer

der Burg Stolpen

beschäftigte mich als Kind

lange. Übrigens: Die Burg

war lebenslanges Gefängnis

der Gräfin Cosel, einst

Mätresse von Kurfürst

August dem Starken.“

VOGTLAND

EDELZIEGE Das

Kaschmir für

Fischers Designs

stammt aus der

Mongolei

ELSTERTALBRÜCKE

Die Elstertal- und die Göltzschtalbrücke,

beide auf der Bahnstrecke Leipzig-

Hof, zählen zu den größten Ziegelbogenbrücken

der Welt. Nach knapp fünf

Jahren Bauzeit wurden beide 1851 für

den Zugverkehr freigegeben.

HEIMAT Götz

Schubert, 54,

ist in Pirna

geboren

SÄCHSISCHE

SCHWEIZ

SARUUL FISCHER

Die Designerin

erzählt, wo sie sich

in Plauen von

der Arbeit erholt.

Zusätzlich begeistert

das Vogtland

mit eindrucksvollen

Brückenkonstruktionen

TRIEBTAL „Das Triebtal, ein Naturschutzgebiet,

ist ein wundervolles Tal

entlang des Flusses Trieb. Dort kann man

spazieren gehen, die Natur genießen oder

in einem der vielen Gasthäuser einkehren.“

RESTAURANT &

BAR MAÑANA

„Abends gehe ich gern

ins ,Mañana‘. In dieses

Restaurant gehe ich schon,

seit ich vor vielen Jahren

nach Plauen gezogen bin –

heute gehen auch meine

Kinder gern mit. Dort gibt

es Tapas, mexikanische

Burritos oder Fleisch

vom BBQ-Grill.“

FOTOS: DPA, DDP IMAGES (3), GETTY IMAGES, MAURITIUS, MANANA-MANANA/FACEBOOK, IMAGO, DAVIDS

TEXTE: KATHARINA KAEFFERLEIN, HENRIETTE HERFELDT

MARKTPLATZ IN

PIRNA „Den ‚Marktplatz zu

Pirna‘ – das berühmte

Gemälde von Canaletto –

können Sie live erleben.

Nach der Wende wurde hier

viel investiert und renoviert.

Deswegen ist der Marktplatz

heute einer der schönsten

Plätze der Region mit Cafés

und kleinen Läden.“

BAROCK-

GARTEN „Der

Barockgarten Großsedlitz

weckt in mir

Erinnerungen an

meine Teenagerzeit.

Ich konnte von zu

Hause mit dem Fahrrad

hin und mit der

Freundin im Park

flanieren. Mein Hang

zur Romantik …“

GÖTZ SCHUBERT

Der Schauspieler

verbindet mit seiner

sächsischen

Heimat viele

Erinnerungen

und schwärmt von

seinen Lieblingsorten

– und deren

Geschichte

22 BUNTE 45 | 2017

BUNTE 2017 23


Szene

24 BUNTE 45 | 2017

FAMILIEN-

MENSCH

Frenzel ist

verheiratet

und hat drei

Kinder

ERIC FRENZEL

Der Nordische

Kombinierer ist

auch in seiner

Freizeit gern aktiv

unterwegs. Im

Erzgebirge gibt es

dafür reichlich

Angebote – gerade

für Familien

mit Kindern

ERZGEBIRGE

OBERWIESENTHAL

„In Oberwiesenthal kann man im

Sommer wie im Winter herrlich Aktivurlaub

machen. Im kalten Halbjahr

auf Alpin- oder Langlaufski, in der

warmen Jahreszeit beim Wandern

oder Mountainbiken. Eine tolle MTB-

Tour ist der ‚Stoneman Miriquidi‘, der

durch das ganze Erzgebirge führt.“

ANNABERG-BUCHHOLZ

„Die Weihnachtszeit ist hier so etwas wie die

‚fünfte Jahreszeit‘. Der Weihnachtsmarkt in

Annaberg-Buchholz ist herrlich geschmückt

– mit Schwibbögen, Engeln, Bergmännern

und all den anderen Dingen, die zu einem

traditionellen Markt im Erzgebirge gehören.“

ERZGEBIRGE

Berggeister, Zwerge,

Kobolde – eine ganze

Reihe mystischer

Gestalten sollen der

alten Sage nach im

Erzgebirge hausen.

Wenn heute der Nebel

tief über den Bäumen

hängt, bekommt die

Gegend tatsächlich

etwas Magisches.

GREIFENSTEINE „Meine

Heimatstadt Geyer eignet sich ganz

besonders für einen Familienausflug,

weil es sehr viele Freizeitangebote

gibt: z. B. die Greifensteine mit

Naturtheater und Freizeitbad.“

TEXTE: KATHARINA KAEFFERLEIN, HENRIETTE HERFELDT

FOTOS: ACTION PRESS (2), DPA, A1PIX (2), GETTY IMAGES, FOTOLIA, BRITTA NAUJOCKS,

SEASONS.AGENCY, SHUTTERSTOCK, LAIF, HUBER IMAGES

SÄCHSISCHES

BURGENLAND

IN DER KARLI

„Die Karl-Liebknecht-

Straße ist eine bunt

gemischte Straße

mit Bars und kleinen

Läden. Ich habe dort

schon bis spät in die

Nacht im studentischen

Getümmel gesessen.“

ALTE BÖRSE In der alten

Handelsbörse am Naschmarkt, die

im 17. Jahrhundert erbaut wurde, finden

heute musikalische und literarische

Veranstaltungen sowie Vorträge statt.

BARCELONA „Das ‚Barcelona‘

ist ein wahnsinnig nettes spanisches

Lokal, das leckere Tapas und guten

Wein anbietet. Egal ob im Innenbereich

oder auf der Terrasse – hier

kann man nach Feierabend schon

mal versacken.“

VOR DER

KAMERA

Farooq

ermittelt

seit 2013 in

der „SOKO

Leipzig“

FOCKEBERG „Der

Fockeberg liegt in der

Südvorstadt von Leipzig.

Tagsüber ein schöner

Ort zum Spazieren und

Durchatmen, aber vor

allem zum Sonnenuntergang

ein wunder -

voller Aussichtspunkt.“

NILAM FAROOQ

Die Video-Bloggerin

verrät die hipsten

Orte Leipzigs.

Neben Modernem

kann man in

Leipzig aber

auch historische

Bauten bestaunen

BUNTE 2017 25


Kultur

Von Sachsen nach

HOLLYWOOD

TOM WLASCHIHA, ein Star der Fantasy-Serie

„Game of Thrones“, stammt aus der Sächsischen

Schweiz. In seine Heimat kehrt er regelmäßig

zurück, zum Wandern im Elbsandsteingebirge

A

ls die Mauer fiel, hatte er gerade sein zehntes

Schuljahr abgeschlossen und meldete

sich sofort für ein Austauschjahr in Amerika.

Seitdem ist Tom Wlaschiha, 44, auf Reisen.

Nach seiner Schauspielausbildung in

Dresden bekam er erste Rollen im deutschen

Fernsehen, bald auch international. Er reiste

nach Belfast, Kroatien und Spanien für die

US-Serie „Game of Thrones“, die ein weltweiter

Erfolg ist. Er reiste nach Paris und

Prag für die Krimi-Serie „Crossing Lines“.

Und dazwischen dreht er immer wieder zu

Hause einen Film wie „Dengler: Die schützende

Hand“, einen Polit-Thriller um den

NSU. Das ZDF zeigt ihn am 6. November.

Wlaschiha wuchs auf in der Sächsischen

Schweiz, in Bad Schandau und in Neustadt.

„Das ist eine sehr schöne Gegend, und ich fahre

da auch regelmäßig wieder hin, um mit Freunden

im Elbsandsteingebirge zu wandern.

Meine Eltern mussten mich zum Wandern

überreden, heute tu ich’s freiwillig“, verrät

Wlaschiha. „Was mich geprägt hat, war das

Gefühl, in diesem Land eingeschlossen zu sein.

Ich hatte relativ früh schon die große Sehnsucht,

da rauszukommen und die Welt kennenzulernen.“

Der Wunsch ging in Erfüllung.

Vier Fünftel des Jahres sei er unterwegs, sagt

Wlaschiha. „Dieses Fernweh hat sich nie ganz

verloren, deswegen habe ich kein Problem damit,

dass meine meisten Jobs im Ausland sind.“

Aktuell steht Tom Wlaschiha in Prag vor

der Kamera, für die Fortsetzung von „Das

Boot“. Später zieht er mit dieser Produktion

nach Frankreich, Malta und auch München.

Und wann geht’s dauerhaft nach Hollywood?

„Ich hoffe schon, dass ich in Zukunft

die Chance kriege, weitere internationale

Produktionen zu machen. Aber Hollywood

ist eine riesige Maschinerie. Ich würde mich

ungern in Los Angeles hinsetzen und auf

eine große Rolle warten.“ Dann schon lieber on

the road – und zum Auftanken nach Hause

in den Elbsandstein.

Georg Seitz

VON KLEIN AN SPÜRTE

ER FERNWEH. ES HAT IHN

NIE VERLASSEN

Auch hier spielt Tom Wlaschiha

„DENGLER: DIE SCHÜTZENDE HAND“

Tom Wlaschiha (r.) mit Ronald Zehrfeld

am 6. 11. um 20.15 Uhr im ZDF

„CROSSING

LINES“ Tom

Wlaschiha (r.)

gehört mit

Hollywood-Star

Donald Sutherland

(3. v. r.)

zu einer internationalen

Sonderermittlertruppe

GAME OF

THRONES Als

mysteriöser

Killer Jaqen

H’ghar trägt

Tom Wlaschiha

martialische

Rüstung und

Zottelmähne

FOTOS: ZDF, TANDEM PRODUCTIONS GMBH/TF1 PRODUCTION SAS, INTERTOPICS, DPA, STADT GÖRLITZ (2), ACTION PRESS, SENATOR/CENTRAL

Goldenes

Buch

GÖRLITZ Die östlichste

Stadt Deutschlands sammelt

Autogramme von Weltstars

DAS „GRAND

BUDAPEST

HOTEL“ war das

alte Kaufhaus

von Görlitz

ZU

GAST IN

GÖRLITZ

Sie alle

drehten

hier

REGISSEUR Wes

Anderson (l.) schreibt

ins Goldene Buch

RITUAL IN GÖRLITZ:

WER HIER DREHT,

DARF SICH VEREWIGEN

Die Zeit scheint stehen geblieben im sächsischen

Görlitz: Im Zweiten Weltkrieg wurde die östlichste

Stadt Deutschlands von Zerstörungen weitgehend

verschont. Das macht sie zur idealen Kulisse für

historische Stoffe. Internationale Stars gehen ein

und aus – und das Goldene Buch von Görlitz liest

sich wie ein Who’s who.

KATE WINSLET kam

mit DAVID KROSS nach

Görlitz für die Verfilmung

des Romans

EMMA THOMPSON

und BRENDAN

GLEESON in „Jeder

stirbt für sich allein“

26 BUNTE 45 | 2017 BUNTE 45 | 2017 27


Musik

SEXY MIT

SHAKESPEARE

CHRISTIAN FRIEDEL Der Sänger verpoppt mit seiner

Band Woods of Birnam Shakespeare-Texte.

Weil das mehr berührt als die Sprache von heute

Seine Rollen

IM TV in Tom Tykwers

Serie „Babylon Berlin“

(Sky 1). AM THEATER

mit Woods of Birnam in

„Searching for William“

am Düsseldorfer Schauspielhaus

(10./11. 11.); als

Nathanael in „Der Sandmann“

ebenda (bis 17. 12.)

GENIAL

KIND-

LICH

Friedel

in „Der

Sandmann“

Wer einst in der Schule das

wirre Orakel der drei

„Macbeth“-Hexen gelesen

hat, weiß: Es gibt eine einfachere Sprache als

die von Shakespeare! Christian Friedel, 38,

Sänger der Dresdner Band Woods of Birnam,

stört das nicht – im Gegenteil: Er vertont

Shakespeare-Zeilen mit englischer Popmusik,

rockt mit seiner Band in Theaterstücken wie

„Hamlet“ oder „Searching for William“. Die

Wiederbelebung ist für ihn gerade in heutigen

Zeiten des „Facebooken“, „Liken“ und „Tindern“

(siehe neuer Duden) angebracht: „Vor allem

unser junges Publikum findet plötzlich Zugang

zu Shakespeare und merkt, wie stark Sprache

eigentlich sein kann! Wir dürfen unsere Sprache

nicht verlieren, nur weil wir sie immer mehr verkürzen

und versuchen, Gefühle mit Smileys auszudrücken.

Wie soll ich denn ein Emoji in mein

Gesicht zaubern?“ Friedel fragt das auch, weil

er Theater-, Film- und Fernsehschauspieler ist.

„WIE SOLL ICH DENN EIN

EMOJI IN MEIN GESICHT ZAUBERN?”

DEN SCHMERZ WEGTANZEN Mit

„Lift Me Up From The Underground“

traten Woods of Birnam 2016 beim

deutschen ESC-Vorentscheid an.

Für den Song fand Christian Friedel

eigene Worte, verarbeitete die

Trauer um seine verstorbene Mutter

EXPERIMENTIER-

FREUDIG

Friedel (M.) mit

seiner Band

Woods of Birnam

Mit Rollen wie in „Das weiße Band“, „Elser“

oder „Russendisko“ stieg er in die erste Liga

deutscher Mimen auf. Das mit der Band ergab

sich, weil man ihm vor Jahren in Dresden sein

Auto klaute: „Ich hatte in meinem Autoradio

eine sehr seltene CD der Band Polarkreis 18, die

mir ein guter Freund ausgeliehen hatte“, erzählt

Friedel. Um sich ein neues Exemplar zu

besorgen, besuchte er die Musiker. Man freundete

sich an, gründete Woods of Birnam. Geheimnisvoll

atmosphärisch-dicht klingen die

Songs. Und plötzlich grooven selbst die „Macbeth“-Hexen

sexy („Something Wicked This

Way Comes“) … In welcher Sprache Friedel

wohl seinen Heiratsantrag machen würde? Auf

Sächsisch? „Das würde wohl nur Gelächter geben.“

Mit Shakespeares Worten? „Mit meinen

eigenen! Das ist mein persönlicher Ehrgeiz, ihn

da zu übertreffen.“

Antje Harders

FOTOS: IMAGO, DPA (2), OANH LINKIES, DYAA KASSOMA/FACEBOOK, LUCIE JANSCH

Er könnte überall auf der Welt wohnen:

48 Länder auf vier Kontinenten hat

ESKEI83, bürgerlich Sebastian König, 33,

schon bereist. Der DJ-Weltmeister und Tour-DJ

der Fantastischen Vier gilt als einer der besten

deutschen Live-DJs, spielte auch bei den

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Sein Herz

aber schlägt für Dresden: „Die Leute hier stimmen

mich einfach positiv. Ich lebe schon seit vielen

Jahren in der Dresdner Neustadt und mag den

„Lasst uns Zeit!”

Seine Freundin starb im Bombenhagel, seine

Heimat Damaskus wurde zerstört, sein

Bruder ist vermisst. Die Lust am Leben aber

will sich Dyaa Kassoma, 21, nicht nehmen

lassen: Der Syrer flüchtete nach Meerane

(bei Zwickau) und rappt für Verständnis zwischen

Deutschen und Flüchtlingen – auf

Deutsch, Englisch und Arabisch. Mit Songs

wie „Es gibt Hoffnung“ erreicht er auf You-

Tube immer mehr Fans. Was kaum jemand

weiß: Der

ehemalige

Medizinstudent

war

Trubel. An jeder Ecke trifft man ein bekanntes Gesicht.“

Auf Auslandsreisen aber begegnet er immer

wieder Vorurteilen: „Die Pegida-Demos haben

ein furchtbar falsches Bild von Sachsen und

Dresden gezeichnet. Ich bin da sehr bemüht aufzuklären:

wie es eigentlich ist, hier zu leben; wie

offen ich und meine Leute gegenüber anderen

Religionen sind und was das für Menschen sind,

die demonstrieren.“ Sein nächstes musikalischmissionarisches

Ziel: La Paz, Bolivien. A. H.

DYAA KASSOMA In Syrien war er ein Star, jetzt rappt

der Flüchtling in Sachsen gegen Fremdenhass

AUFGEBEN KOMMT NICHT

INFRAGE Dyaa Kassoma will mit

seinen Songs Hoffnung machen

LOCKER AUS DEM

HANDGELENK

ESKEI83 ist achtfacher

DJ Battle-Gewinner,

hat rund 150 Shows pro

Jahr. 2014 siegte

er bei der Weltmeisterschaft

in Baku

DER DJ-WELTMEISTER KÄMPFT FÜR DAS

IMAGE VON DRESDEN

in Syrien ein bekannter Rapper. In Meerane

fing er 2015 von vorn an, wurde massiv

angefeindet: „Viele Leute haben rumerzählt,

ich sei ein Terrorist. Dabei will ich mir nur

eine Zukunft aufbauen, mehr nicht.“ Inzwischen

hat er Freunde gefunden. Was er

Angela Merkel sagen würde, wenn er sie

träfe? „Danke, dass Sie uns Flüchtlingen

die Tür aufgemacht haben! Aber viele Menschen

in Syrien brauchen noch Hilfe!“

Seine wichtigste Bitte an die Deutschen:

„Lasst uns Zeit, damit wir unsere guten

Seiten zeigen können! Wenn ein Flüchtling

Mist baut, sind nicht gleich alle schuld.“ A. H.

„MANCHMAL

VERTONE ICH

LYRIK. DAS

MACHT MICH

EINFACH STOLZ”

IHR ERSTES

STÜCK

SCHRIEB SIE

SCHON MIT

ACHT JAHREN

Ein Wunderkind sei

sie nicht, findet

Nomiko Taima Linkies,

12. Dabei komponierte sie

schon mit acht Jahren Klavierstücke.

Die Schülerin des

Leipziger Lyzeums für Klavier

ist preisgekrönt (Chopin-

Wett bewerb, Jugend musiziert),

konzertierte in Vietnam

und Kanada – und hat

große Vorbilder: „Den Komponisten

Felix Mendelssohn

Bartholdy – weil er so gern

zeichnete wie ich.“ A. H.

MULTITALENT Die Leipzigerin

Nomiko Taima Linkies macht

der Musikstadt alle Ehre

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Sport

SO SEHEN SIEGER

AUS: Die blutjungen

Stars von RB Leipzig

jubeln 2017 nach der

sensationellen

Qualifikation für die

Champions League

aber Geld allein schießt keine Tore, da muss

schon ein geniales Konzept dazukommen.

Sportdirektor Ralf Rangnick holte junge

Spieler nach Sachsen, keine satten Fußballlegionäre,

die Arbeit ist nachhaltig, das

Stadion ist voll. Und die Fans von RB Leipzig,

darunter viele Familien, sind nicht als Hooligans

bekannt, anders als die von Dynamo

Dresden. Leider werden sie auswärts oft

angefeindet, der Hass auf die erfolgreichen

Emporkömmlinge sitzt tief bei Fans von Vereinen,

die mindestens ebenso viel Geld zur

Verfügung haben. Aber das Team, aus dem

der junge Nationalstürmer Timo Werner

herausragt, lässt sich nicht provozieren.

Selbst der große FC Bayern nimmt sie ernst:

Hier kann eine neue Fußball-Großmacht

heranwachsen, auch wenn das Stadion, in

das nur 42 959 Zuschauer hineinpassen, schon

zu klein ist. Michael Ballack, der beim FC

Bayern gespielt hat, ist zuversichtlich, dass der

Erfolg von Dauer ist. „Leipzig ist bestens aufgestellt

für die Zukunft.“ Manfred Otzelberger

SO SCHÖN

IST SPORT

MAREEN APITZ Der „Playboy“

wählte sie zur erotischsten

Sportlerin Deutschlands

LADY IN

BLUE

Sie macht

immer eine

gute Figur:

Volleyballstar

Mareen

Apitz

Champions mit

ZAUBERTRANK

RB LEIPZIG hat eine märchen hafte Geschichte:

Es ist die erfolgreichste Neugründung im Fußball, der

Begriff „Heldenstadt“ aus der Wendezeit hat eine

neue sport liche Bedeutung bekommen

W

enn Michael Ballack auf den Siegeszug von

RB Leipzig angesprochen wird, leuchten

seine Augen. Der langjährige Kapitän der

Nationalmannschaft und nach dem Weltmeistertrainer

Helmut Schön wohl berühmteste

Fußball-Sachse freut sich darüber, dass

der Osten Deutschlands keine bundesliga-

freie Zone mehr ist. „Hier wird eine tolle

Arbeit geleistet, das ist ganz große Klasse, die

Euphorie ist groß. Ich hatte ja in Leipzig

ganz bewusst mein Abschiedsspiel.“ Dass

RB Leipzig ein Verein ist, der wie kaum ein

anderer in der Bundesliga von gegnerischen

Fans abgelehnt wird, kann sich Ballack

leicht erklären: „Neid muss man sich erarbeiten.

RB ist ein junger Verein, die Verantwortlichen

gehen sehr professionell damit um.“

Es ist wirklich ein Fußballmärchen: Rasenballsport

Leipzig, so der offizielle Name

des Vereins, schaffte es in acht Jahren, aus

der Oberliga in die Champions League zu

kommen. 2009 hatte sich Red Bull beim SSV

Markranstädt eingekauft und das Startrecht

für die fünfte Liga übernommen. Natürlich

standen dafür viele Millionen von Red-Bull-

Milliardär Dietrich Mateschitz zur Verfügung,

FOTOS: DDP IMAGES (2), IMAGO/HENTSCHEL

NEID MUSS MAN SICH

ERARBEITEN. LEIPZIG IST BESTENS

AUFGESTELLT FÜR DIE ZUKUNFT

MÄZEN Dietrich Mateschitz hat

viele Millionen Euro in RB investiert

Global Player

DIETRICH MATESCHITZ

Er gilt mit über 20 Milliarden

Euro als der reichste Österreicher,

aber Dietrich Mateschitz

ist ein Global Player:

Sein Red Bull wird weltweit

getrunken. In der Formel 1

wurde sein Rennstall mit

Sebastian Vettel Weltmeister,

jetzt will er den Fußball

er obern. Der Champion der

Geschäftswelt hat es mit

Leipzig in die Champions

League des Fußballs geschafft.

Sport macht schön, Mareen Apitz,

30, ist der Beweis. Die Volleyballerin

vom Dresdner SC (135 Länderspiele)

wurde vom „Playboy“ zur erotischsten Sportlerin

Deutschlands gewählt, ausziehen musste

sie sich dafür nicht. In Dresden spielt die Blondine

mit den Gardemaßen (1,83 groß, 73 Kilo)

in einer Halle vor 3000 Zuschauern.

u

Können Sie von Ihrem Sport leben?

Derzeit schon, ich bin Volleyballprofi, im

Gegensatz zu Fußballern können wir allerdings

nichts für die Zeit nach der Karriere zurücklegen.

Aber ich habe viel von der Welt gesehen,

in Cannes am Meer gespielt und in Aserbaidschan.

Ich finde es wichtig zu leben. Ich habe ja

eine solide Grundlage als gelernte Bankkauffrau,

aber ich möchte später mal Events organisieren,

da habe ich ein Fernstudium gemacht.

Was ist das Tolle an Ihrem Sport?

Es ist eine Mischung aus Kraft, Präzision

und ganz viel Feingefühl – ich bin Zuspielerin

für die Schmetterbälle und so etwas wie die

Strategin im Spiel.

Als Ärmelsponsor haben Sie eine

Dessousfirma – können Sie sich erotische

Fotos vorstellen?

Wenn der „Playboy“ anrufen würde, müsste ich

nachdenken …

Manfred Otzelberger

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Genuss

Neue STERNE

für das Land

FEINSCHMECKER finden in Sachsen immer neue

Ziele. Zum Beispiel ein echtes Juwel in der

Oberlausitz. Einblick in eine Hochleistungsküche

SPA-TEMPEL Das luxuriöse

Hotel „Bei Schumann“

in Kirschau bei Bautzen

HOTEL „BEI SCHUMANN“,

Bautzener Str. 74,

02681 Kirschau,

Tel. 03592/5200,

bei-schumann.de

Die Sterne stehen dichter über Sachsen: Der

Gastroführer „Guide Michelin“ verteilte insgesamt

sieben an das Land. Neu hinzugekommen

ist mit einem Stern auch der Berliner

Philipp Liebisch, 36, Küchenchef im „Juwel“,

dem Toprestaurant im Luxus-Spa „Bei Schumann“

in Kirschau in der Oberlausitz. Hobbyboxer

Liebisch sieht das sportlich – und strebt

noch höhere Ziele an. Ein BUNTE-Interview

über Spitzenküche und Liebischs besonderen

Stil – die Drei-Aromen-Philosophie.

u

Sie haben bereits diverse Auszeichnungen

bekommen, auf welche sind Sie

ganz besonders stolz?

Wir freuen uns zunächst über die herausragende

Resonanz unserer Gäste, die jeden

Abend begeistert unser tolles Restaurant und

seine herzlichen Gastgeber erleben. Binnen

eines Jahres auch die Gastrokritiker überzeugt

zu haben mit Platz 107 in Deutschland

(von über 4000 im Gerolsteiner Ranking, Anm.

d. Red.), ist ein großes Lob. Und das gesamte

Team im Hotel hat sich gefreut, dass wir im

„Guide Michelin 2017“ nach nur einem Jahr mit

dem ersten Stern ausgezeichnet worden sind.

Welche kulinarischen Maßstäbe setzen

Sie in der Region?

Es ist nicht unser Bestreben, Maßstäbe im

Bundesland Sachsen zu setzen. Wir wollen

unseren eigenen Maßstäben und denen unserer

Gäste gerecht werden. Das setzt viel Aufwand,

höchste Konzentration und absolute

Liebe zum Beruf voraus. Wir betrachten uns

als Hochleistungssportler, da will man jeden

Tag höher und weiter. Dabei sein ist alles

entspricht nicht meiner Philosophie.

Was muss man bei Ihnen unbedingt

probieren?

Das Einzige, was man bei uns im Restaurant

„Juwel“ muss, ist einen unvergesslich

schönen Abend erleben. Lassen Sie sich auf

das Erlebnis „Juwel“ und die Drei-Aromen-

Philosophie ein (siehe rechts), schlemmen Sie

die Karte hoch und runter, genießen Sie die

Begleitung von Restaurantleiterin Jana

Metting und Sommelière Dominique Hennig.

Ihre kulinarischen Vorbilder?

Meine Vorbilder sind Authentizität und

Handwerk. Ich schätze Kollegen, die fach- und

sozialkompetent das Leben meistern, dabei

menschlich und greifbar bleiben. Marco

Müller aus dem „Rutz“ in Berlin und Hans

Haas im Münchner „Tantris“ sind zwei Köche,

vor denen ich höchsten Respekt habe.

Was macht einen guten Koch aus?

Einen guten Koch macht aus, dass er bewusst

mit den Produkten und Rohstoffen der Natur

umgeht. Dass er sein Team kompetent, auch

FOTOS: BEI SCHUMANN (4)

menschlich fähig, führt. Dass er einen persönlichen

Bezug zu seinen Gästen hat und das

alles leidenschaftlich miteinander verbindet.

Sie sind in Berlin geboren,

wie viel „Sachsen“ steckt in Ihrer Küche?

Wir arbeiten eng mit sächsischen Erzeugern,

Landwirten,Handwerkern und Produzenten

zusammen. Das ist wichtig für uns

und für die Region. Ich widerspreche aber einer

Regionalität um jeden Preis. Was zählt,

ist und bleibt einzig und allein die Qualität.

Wie würden Sie das „Juwel“ jemand

beschreiben, der noch nie bei Ihnen war?

Das „Juwel“ ist eine der ersten Adressen

für leidenschaftliche Feinschmecker und

anspruchsvolle Genießer. Mit der kompro

misslosen Liebe zum Handwerk und

konsequenter Produktqualität wollen wir

unsere Gäste immer wieder überraschen.

Christian J. Goldsmith

AUS EINEM JUGENDSTIL-

JUWEL wurde nach umfänglicher

Renovierung 1998 das

romantische Luxushotel

„Bei Schumann“ mit mehreren

Restaurants und einem 3500 m 2

großen Spa-Tempel. Es liegt,

eine Autostunde von Dresden

entfernt, unweit von Bautzen im

landschaftlich eindrucksvollen

Oberlausitzer Bergland

STERNE-

KOCH

Philipp

Liebisch,

Küchenchef

im

„Juwel“

„WIR WOLLEN HÖHER UND WEITER. DABEI

SEIN IST ALLES IST NICHT MEINE PHILOSOPHIE”

Koch-Kunst

Die Drei-Aromen-Philosophie von

Küchenchef Philipp Liebisch bedeutet,

dass der Gast auf jedem Teller nur drei

Grundprodukte schmecken soll. Das klingt

einfach, erfordert aber auf dem Niveau

eines Sternekochs sehr viel Können und

teilweise tagelange Arbeit.

So bietet Liebisch etwa das simpel klingende

Gericht „Kaiser Alexander Birne/

Gartenbohnen/Bauchspeck“ an. Die

Früchte verarbeitet er dann aber auf dreierlei

Art: zu einer Mousse (wozu er die

Schalen entsaftet), zu einem Salat und zu

einer Creme.

Auch die Bohnen kommen sowohl als

Mousse als auch als Salat auf den Teller.

Und in sehr aufwendigen Varianten bereitet

er den Bauchspeck zu. Zunächst

beizt er ihn 72 Stunden lang in Meersalz,

braunem Zucker, Lorbeer, Bohnenkraut,

Knoblauch, Wacholder, Piment und Nelken,

räuchert ihn selbst und lässt ihn zwölf

Wochen reifen. Aus Speck, Röstgemüsen,

Gewürzen und Sahne stellt er dann eine

Mousse her, die neun Stunden auskühlen

muss.

GESAMTKUNSTWERK Birne, Bohnen, Speck

Auf völlig andere Art bereitet er dann

noch über den „Umweg“ eines Speckcrunch

eine Speckemulsion sowie ein Speckgelee

zu. Für die Emulsion brät er den

Speck in kleinen Würfeln kross aus und

lässt das Fett abkühlen. Damit und mit Eiern,

Schweinefond, Zitronensaft und Pfeffer

rührt er dann die Emulsion an. Auf dem

Teller werden die einzelnen Elemente dekorativ

angerichtet. Dann ist aus einfachen

Zutaten wie Birne, Bohnen und Speck

ein kulinarisches Kunstwerk geworden.

32 BUNTE 2017 BUNTE 2017 33


Genuss

Wein zum

Anfassen

DAS GEHEIMNIS des

Rebensaftes lernt man auf

Gut Schuh kennen

MATTHIAS und KATHARINA

SCHUH laden zur Verkostung

STEILLAGE im

Herbst: Hier gedeiht

der Meißner Wein

WEIN VON

WINZER-

KINDERN,

ZWISCHEN

REBEN AUF-

GEWACHSEN

Wie geht Wein? Wer das wissen

will, muss ins Elbtal vor

den Toren Meißens – nach

Coswig zum Weingut Schuh. Ein Gut zum

Anfassen: geführte Touren durch die renommierten

Steillagen Meißner Kapitelberg und

Klausenberg, lehrreiches „Kellergeflüster“ im

Weinkeller, ehrliche Küche im Restaurant –

und immer wieder: probieren, probieren, probieren.

Riesling, Elbling, Spätburgunder, den

seltenen roten Dunkelfelder (danach: übernachten

in der Pension). Ein junges Gut: Die

Winzerkinder Katharina und Matthias sind

zwischen den Reben aufgewachsen, führen

das väterliche Erbe seit 2016,

jeder Gast soll ein Duz-

Freund werden. Hier

sagt man: So wird

ein Schuh draus.

KÖNIGLICHE KNOLLE

Es soll Zufall gewesen sein, dass sich die

„Vogtländische Blaue“ und die englische

„Red Cardinal“ nahegekommen sind.

Jedenfalls, so berichten Eingeweihte, kam es

zur Bestäubung. Das schöne Kind trägt jetzt den

Namen „König Albert“ und macht gleich Karriere:

Die neue Kartoffelsorte soll ab November Feinschmecker

in das Staatsbad Bad Elster locken,

wo sie im Hotel „König Albert“ standesgemäß

zubereitet wird: Hoteldirektor Marc Cantauw

hat sich sozusagen

die Rechte an der

könig lichen Knolle

gesichert. Die „Taufe“

übrigens nahm auch

eine „Adlige“ vor:

die vogtländische

„Kartoffelprinzessin“

Selina I.

SELINA I. mit

Hotelchef Marc

Cantauw (l.) und

Kartoffelzüchter

Ulrich Gündel

LONDON

DRY GIN aus

Sachsen: Rund

70 Euro kostet

der Liter

BOMBEN-GIN

JUNIPER JACK hieß der Brennerei-

Gehilfe, der 1736 ein Theaterstück schrieb,

in dem er das strenge Gin-Gesetz von King

George II angriff. Der König musste am Ende

nachgeben. Und der historische „Wacholder-Jakob“

erschien dem Firmengründer Jörg Fiedler

und seinem Brenner Siegbert Hennig genau

der richtige Namenspatron für ihren London

Dry Gin aus der Nähe von Meißen.Seit 2013

produzieren sie die „Wacholder bombe“

(Hennig), zu haben nur bei ausgesuchten

Händlern und in angesagten Bars.

DER STOFF kann nur aus dem mal liebevoll,

mal spöttisch so genannten „Kaffeesachsen“

kommen: „Müller Drei“, der Likör mit den

Aromen von Kaffee, Kräutern und Vanille.

30 % Alkohol, zu trinken pur oder im Cocktail.

Und natürlich im oder zum Kaffee.

FOTOS: ERIK GROSS, WEINGUT SCHUH/FACEBOOK, SHUTTERSTOCK, JUNIPER JACK, GUSTAV MÜLLER GMBH, ENGELMANN-DESIGN, BRAND-AKTUELL

34 BUNTE 2017

KÖNIG ALBERT Längliche Knolle,

rot marmoriert, mehligkochend


Winterzauber

Wo Aschenputtel

LEBENDIG wird

SIE IST ES! Der Prinz

(Pavel Trávníček) passt

Aschenbrödel (Libuše

Šafránková) den Schuh an

SCHLOSS MORITZBURG bei Dresden war

Drehort für einen der schönsten Weihnachtsfilme:

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

DER GEFRORENE SEE

vor dem Barockschloss

bietet Schlittschuh -

läufern und Spaziergängern

eine zauberhafte

Kulisse. Unter Herzog

Moritz von Sachsen

wurde das Jagdschloss

1542 erbaut, August

der Starke machte

es zum königlichen

Lustschloss

IM SPEISESAAL

werden die original

Filmkostüme

aus gestellt. Kinder

haben Spaß am

Mitmach-Theater,

bei dem sie

sich königlich

verkleiden können

Der neue Film

Einer Fata Morgana gleich liegt Schloss Moritzburg

in der fahlen Wintersonne. Gern wäre

man in einer Kutsche angereist, aber auch zu

Fuß hat der Weg entlang der Schlossallee,

die zum ehemaligen Jagdsitz von Herzog

Moritz führt, etwas Meditatives. Schon von

Weitem sieht man die Schlittschuhläufer über

das Eis jagen. Ist es dafür noch zu warm, hat

der tintenblaue See eine magische Wirkung –

das Schloss scheint darauf zu schweben. Das

muss auch Regisseur Václav Vorlíček gespürt

EINFACH MÄRCHENHAFT SIND

DIE ORIGINALKOSTÜME DES KULTFILMS

haben, als er 1972 Schloss Moritzburg als

Kulisse für das Wintermärchen „Drei Haselnüsse

für Aschenbrödel“ wählte. Der Kultfilm,

der Jahr für Jahr Millionen Zuschauer

vor den Fernseher lockt, wurde hier, nördlich

von Dresden, als tschechisch-deutsche

Koproduktion gedreht. Nicht ganz ohne

Pannen, wie man sich erzählt, denn dummerweise

hatte es in diesem Winter nur zaghaft

geschneit und der See war tiefschwarz

gefroren. Bei anderen Szenen behalf man sich

mit Kunstschnee, der Schlossteich war

dafür zu riesig. Ratlos ging die Filmcrew ins

Wochenende. Am Montag kam sie zurück –

und glaubte kaum, was sie sah: Hunderte von

Schlittschuhläufern hatten mit ihren Kufen

das dunkle Eis in eine weiße Fläche verwandelt.

Die Dreharbeiten konnten beginnen.

Auch über 40 Jahre später ist die Faszination

des Films spürbar: Ab 18. November

verwandelt sich das ehemalige Lustschloss

FOTOS: MAURITIUS, DPA (2), DDP IMAGES, MARTIN FÖRSTER (2)

mit der Eröffnung der neuen Winterausstellung

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

in eine Märchenkulisse mit Hintergrundgeschichten,

Filmszenen und den Originalkostümen.

So bezaubernd, dass man am

liebsten ein ziehen möchte. Was wenige wissen:

Als der Film gedreht wurde, war das

Schloss tatsächlich bewohnt. Damit es laut

Drehbuch für die Ballszene festlich leuchtete,

zahlte man den Mietern fünf Mark,

wenn sie abends das Licht brennen ließen.

Übernachten kann man hier übrigens immer

noch. Man muss allerdings bis zum Frühjahr

warten – dann stehen die Wachhäuschen

für Gäste bereit. Bis dahin träumen wir

uns in unser Lieblingsmärchen hinein …

Barbara Woinke

WINTERAUSSTELLUNG „Drei Haselnüsse

für Aschenbrödel“, 18. 11. 2017 – 25. 2. 2018,

Di. – So. 10 – 17 Uhr, letzter Einlass: 16 Uhr.

Eintritt: 8 Euro, Kinder 1 Euro. schloss-moritzburg.de

SCHLOSSHERRIN Ingrid Möbius zeigt

den Besuchern Aschenbrödels Ballkleid

ASCHENBRÖDEL ist in der

heutigen Zeit angekommen:

Lilly (gespielt von Rosalie

Neumeister) erfüllt sich auf

Schloss Moritzburg ihren

Traum, einmal Prinzessin

zu sein. Auch Eule Rosalie

und Aschenbrödels edlen

Schimmel trifft man wieder.

Zu sehen ist der neue

Weihnachtsfilm ab 17. 11.

auf allen Social-Media-Kanälen

– Facebook, Website,

YouTube, Twitter –

von „So geht Saechsisch“.

so-geht-saechsisch.de

36 BUNTE 45 | 2017

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Winterzauber

SCHNELLER

SCHLITTEN

Rennrodlerin

Julia Taubitz,

21, ist im

A-Kader von

Deutschlands

Bob- und

Schlittenverband

HISTORISCH

Anfang des

17. Jahrhunderts

wurde auf dem

Auersberg ein

hölzerner Turm

errichtet, der

1860 durch

einen Steinturm

ersetzt wurde

WINTERSPASS FÜR DIE

KLEINEN – UND DIE NICHT-SKIFAHRER

„Für Skifahrer mit kleinen Kindern sind die Skilifte am

Fichtel- und Keilberg perfekt. Die Pisten sind zwar nicht

mit denen der Alpen zu vergleichen, aber für einen

Tagesausflug ist es ein ideales Ziel. Für entspanntere

Abende empfehle ich die Badegärten Eibenstock:

Romantisch zu zweit in den Saunen oder Außen becken, wo

man den Schneeflocken beim Tanzen zuschauen kann.“

WINTER-

Wunderland

AUSBLICK Im

„Berggasthof

Auersberg“

kann man

die sächsische

Küche

genießen

SIEGERTYP Björn

Kircheisen, 34, hat

in der Nordischen

Kombination schon

4 Olympiamedaillen

gewonnen

GIPFELSTÜRMER Am kleinen

und großen Fichtelberg

gibt es insgesamt fünf Lifte

und eine Schwebebahn

Im Winter zeigt sich Sachsen von seiner

schönsten Seite: WINTERSPORTLER verraten

die eisigen Lieblingsplätze ihrer Heimat

SCHNEELANDSCHAFT

VON OBEN

„Nahe meiner Heimat befindet

sich der Auersberg mit über

1000 m Höhe. Von oben hat

man einen tollen Ausblick und

kann gut ins Umland schauen –

und im Winter die schneebedeckten

Berge und Baumwipfel

bestaunen. Übrigens: Meine

liebste Langlaufstrecke im

Winter ist die Kammloipe. Die

Routeist sehr gut ausgebaut

und verfügt über ein gutes

Höhenprofil – sie ist sozusagen

das A und O für jedes Langläuferherz.

Auf rund 100 km Strecke

durch schöne Winterlandschaften

kann sich jeder austoben.“

EISSPASS Das Eissportzentrum

in Chemnitz lockte

in der vergangenen Saison

etwa 80 000 Besucher aufs Eis

AUFWÄRMEN

BEI HEISSER

SCHOKOLADE

UND CO.

„Familien kommen rund

um die Interskiregion

Fichtelberg – Klínovec

auf ihre Kosten – ob

Schlittenfahren auf der

Rodelstrecke am Fichtelberg

oder Skilanglauf

auf den Profiloipen der Sparkassen-Skiarena. Die

Energiespeicher kann man im „Prijut 12“, das direkt

an der Piste gelegen ist, bei einer heißen Schokolade

wieder aufladen – und steigt danach einfach

direkt in den 4er-Sessellift ein. Oder man fährt

mit der Schwebebahn ganz nach oben und über

die Himmelsleiter zu einer Legende – dem „Jens

Weißflog Hotel & Restaurant“ zum Aufwärmen.“

LANGSTRECKE

Rund um Oberwiesenthal

gibt es ein ausgedehntes

Loipennetz

HÖHENFLUG Richard

Freitags, 26, persönliche

Bestweite beim Skifliegen

liegt bei 231 m

URIG Im Innern der Blockhütte

gibt es 36 Sitzplätze an sechs

Tischen – auf der Sonnenterrasse

haben 66 Gäste Platz

ÜBERFLIEGER

Jens Weißflog, 53, hat alle

wichtigen Wettbewerbe

gewonnen: Olympia, WM,

Gesamtweltcup und

Vierschanzentournee

KUFENKÜNSTLER

Im Eisschnelllauf

ist Nico Ihle, 31, elfmaliger

Deutscher

Meister

ZU DISCOMUSIK UND SCHEIN-

WERFERLICHT ÜBERS EIS FLITZEN

„Mein Trainingsort ist die Eisbahn in Chemnitz.

Das öffentliche Freilaufen dort ist sehr beliebt – ich

besuche es selbst hin und wieder. Zu meinen Teenagerzeiten

fand in der Eissporthalle jede Woche

eine Eisdisco statt, die es heute noch gibt. Und: Vor

15 Jahren habe ich da meine Frau kennengelernt.

Ansonsten mag ich die Rodelberge, die jeder vor

dem Haus hat. Vergangenen Winter habe ich meine

Tochter mit dem Schlitten von der Kita abgeholt

und auf dem Heimweg haben wir einfach am Rodelberg

unserer Siedlung haltgemacht.“

VIEL GAUDI

IM SCHNEE

„Meine Lieblingsloipe

ist die Höhenloipe um den

Fichtelberg. Mit 5 km Länge

und nur 100 m Höhenunterschied

kann man dort bis März/April

fahren – schöne Aussichten übers

Erzgebirge inklusive. Viel Spaß

hatte ich mit meinen Kindern beim

Rodeln. Die Rodelstrecke in

Oberwiesenthal (1,8 km Länge)

wurde 2011 vom ADAC übrigens

mit „Sehr gut“ ausgezeichnet.“

38 BUNTE 45 | 2017 BUNTE 45 | 2017 39

FOTOS: DPA (3), IMAGO, EISSPORTZENTRUM CHEMNITZ, ACTION PRESS, PRIJUT-12.DE,

PUBLIC ADDRESS, SCHAPOWALOW, PICTURE ALLIANCE/AUGENKLICK, ARKIVI/AKPOOL;

ILLUSTRATION: SENNUR SAKARYA


Winterzauber

LIEBESPERLEN

sind der

Klassiker unter

den Süßigkeiten

und haben

schon immer

Kinderaugen

zum Glänzen

gebracht

ZUM NASCHEN, Verzieren

und Spielen: Vor allem bei

kleinen Puppenmüttern sind

die Babyfläschchen begehrt

BEREITS IN DER

VIERTEN GENERATION

führt Mathias Hoinkis

die Geschäfte seines

Urgroßvaters

weiter. Liebesperlen

werden immer noch so

aufwendig wie damals

hergestellt

Kleine Nuckelflaschen, Autos,

Trompeten, Schirmchen liegen

im Süßwarenregal, alle gefüllt

mit kunterbunten Zuckerperlen – und sofort

werden Erinnerungen wach. Liebesperlen

gehören zu unserer Kindheit wie das Sandmännchen,

doch nur wenige wissen, dass die

Leckereien seit fast 100 Jahren in Görlitz produziert

werden. Rudolf Hoinkis hatte bereits

1896 ein florierendes Süßwaren-Unternehmen,

als er 1908 die Perlchen aus Traubenzucker,

Zuckerwasser und Aromen herstellte.

Die ersten, die sie zu Hause probieren durften,

waren seine Frau Emilie und sein Sohn Otto.

„Ich liebe euch wie diese Zuckerperlen“, sagte

er, „aber ich habe noch keinen Namen für sie.“

SACHSENS

SÜSSE SEITEN

Spontan antwortete seine Frau: „Dann nenn

sie doch Liebesperlen!“ So begannen die Görlitzer

Liebesperlen ihren Erfolgszug rund um

die Welt. Für viele Touristen sind sie ein charmantes

und typisch deutsches Mitbringsel.

Mittlerweile kümmert sich die vierte Hoinkis-

Genera tion um die Geschäfte, aber hergestellt

werden sie noch wie damals: In schräg rotierenden

Kupferkesseln wird ein einzelner

Zuckerkristall 100 Stunden lang mit flüssigem

Traubenzucker besprüht, bis er mit 70 Schichten

schließlich die Größe der Liebesperle hat.

Auch die winzigen Nonpareilles, auf Deutsch

die „Unvergleichlichen“, mit denen gern

Muffins und Kekse verziert werden, kommen

aus Sachsen. Australische Kinder bestreuen

damit ihre Brote und nennen sie Feenbrote.

Dass die Erfindungen ihres Mannes am

anderen Ende der Welt einen so poetischen

Namen haben, hätte Emilie Hoinkis mit

Sicherheit sehr stolz gemacht. Barbara Woinke

AUS SACHSEN KOMMEN VIELE KÖSTLICHKEITEN,

DIE SEIT GENERATIONEN ZU UNS GEHÖREN

FOTOS: ANKE WOLTEN-THOM, SHUTTERSTOCK(3), FOTOLIA, WWW.REGIONALES.SACHSEN.DE(2), DPA,

WWW.PFLAUMENTOFFEL.DE, DDP IMAGES(2)

DOMINO-

STEINE

Weil Pralinen für

die meisten Bürger

unerschwinglich

waren, erfand der

Dresdner Chocolatier

Herbert Wendler 1936

die günstigeren Dominosteine,

ein Gebäck

aus Lebkuchen, Marzipan

und Fruchtgelee.

Die „Not-Praline“

gehört auch heute

noch auf jeden

Weihnachtsteller.

1

DRESDNER BAUMKUCHEN

„König der Kuchen“ wird der Sandkuchen

aus Biskuitteig auch genannt, den man

schon im Mittelalter kannte. An einer

sich drehenden Walze wird nach

und nach der Teig aufgetragen.

Die einzelnen Schichten ähneln

8beim Aufschneiden den Jahresringen

eines Baumes.

7

WERDAER

ZUCKERMÄNNLE

Süßigkeit und

Christbaumschmuck

zugleich ist das Gebäck,

das in tradi tionellen

Formen hergestellt wird.

Jedes hat eine Bedeutung:

Männle, Weibel und Baum

stehen für das Leben,

das Herz erinnert

an die Liebe unter

den Menschen.

LECKERE

TRADITION

ACHT WEITERE

SÄCHSISCHE

SPEZIALITÄTEN

6DRESDNER

PFLAUMEN-

TOFFEL

Der kleine

Schornsteinfeger

aus getrockneten

Backpflaumen gilt

als Glücksbringer in

der Weihnachtszeit

und wurde schon

Anfang des 19. Jahrhunderts

von den

Striezelkindern auf

dem Dresdner

Weihnachtsmarkt

verkauft. Auch

heute noch ist er

das Symbol des

Striezelmarktes.

DRESDNER

CHRISTSTOLLEN

An das in ein Tuch gewickelte

Christkind soll die Form des Stollens,

auch Striezel genannt,

erinnern. Um 1500 wurden auf

dem Dresdner Striezelmarkt

die ersten „Christbrote“

verkauft, die Vorläufer

unseres Christstollens.

3

LEBKUCHEN-

HAUS

Das süße Knusperhäuschen

geht auf das Märchen „Hänsel

und Gretel“ der Brüder Grimm

zurück. Am meisten Spaß macht es,

sein eigenes Hexenhäuschen zu basteln.

Baumaterialien sind Lebkuchen,

Dominosteine, Spekulatius und viel

Fantasie … In Leipzig baut man die leckeren

Häuser sogar als Team. querfeldeins.org

5

2

ANNA-

BERGER

NIKLASZOPF

Aus dem böhmischen

Erzgebirge kommt der

Hefezopf, der zu Ehren des

heiligen Nikolaus gebacken

wurde. Weil er dreifach

geflochten wird, nennt

man ihn häufig auch

Dreifaltigkeitskuchen.

PULSNITZER

PFEFFERKUCHEN

Dem Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt Anfang

November gaben sie ihren Namen, aber

auch ein eigenes Pfefferkuchenmuseum

hat die Stadt in der Lausitz. Bis zu sechs

Monate muss der Teig lagern, bevor er mit

Gewürzen gebacken wird.

4

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Liebeserklärung

CASANOVA-KENNER

Sky du Mont bei

den Musikfestspielen im

Palais im Großen Garten

in Dresden

IN LEIDENSCHAFT

VERBUNDEN

SKY DU MONT ist im Rahmen seiner Engagements häufig zu

Gast in Sachsen. Er hat das geschichtsreiche Land und seine

Menschen in allen Facetten lieben und schätzen gelernt

LITERATUR mit musikalischer

Begleitung. Das Armida Quartett

unterstreicht die Werke Casanovas

Dem Grandseigneur des deutschen

Films, Sky du Mont, ist

die Rolle des italienischen

Herzensbrechers Casanova wie auf den Leib

geschrieben. Bei den Dresdner Musikfestspielen

rezitierte er aus den Werken Casanovas.

Wir trafen ihn dort und fragten nach seinen

Beweggründen …

u

Herr du Mont, warum Casanova ?

Nur die wenigsten wissen um die enge familiäre

Verwurzelung Casanovas in Dresden –

seine Mutter war Schauspielerin an der italienischen

Komödie, seine Schwester Tänzerin

im Ballett und der Bruder gar Direktor der

hiesigen Kunstakademie. Diese Geschichte

zu erzählen, hat mich gereizt – aber natürlich

auch die Aussicht, Sachsen wieder einmal

einen Besuch abzustatten.

„FREUNDLICH, ENTGEGEN-

KOMMEND, OFFEN & GASTFREUNDLICH

– SO SIND DIE SACHSEN”

Wie gut kennen Sie Sachsen?

Hauptsächlich war ich in Dresden und Leipzig

zu Gast, habe beispielsweise mit

der „Rocky Horror Show“ in

Leipzig gastiert, kenne die Leipziger Buchmesse

gut. Als Hamburger fühle ich mich aber

Dresden grundsätzlich sehr verbunden – beide

Städte verbindet nicht nur die Elbe, sondern

auch meine Leidenschaft.

Was schätzen Sie an Sachsen besonders?

Ich finde, das Land hat sich unfassbar verändert

– speziell Dresden, das auf dem besten

Weg zur Weltstadt ist. Es gibt hier ein extrem

reichhaltiges kulturelles Angebot. Und es ist

enorm viel in Bewegung, das fasziniert mich.

Welches Image hat Sachsen Ihrer

Meinung nach?

Auf jeden Fall kein negatives. Im Gegenteil:

Die Sachsen sind freundlich, entgegenkommend,

offen und gastfreundlich – das habe

ich immer wieder gespürt. Allein der sächsische

Dialekt hat vielleicht ein Schmunzel-

Image, aber das sei ihm vergönnt – auch das

Schwäbische oder das Fränkische sind Geschmackssache,

da sollte man tolerant sein,

schließlich haben Dialekte immer auch etwas

mit einer gemeinsamen Identität zu tun. L. B.

FOTOS: ANKE WOLTEN-THOM FOTOGRAFIE(2)

42 BUNTE 45 | 2017

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